>- ^ ^ >, ' «r:- Wiknsr 8iaä1 kiblioliiölL. 226 )8 r. ^ s ^ ^ ^ ^ ^ »-^ i^^t. <^l. ^ 1?i^c><.c^/^^ -s^ ^--U ' '- » < t^i. d e ^c > »> 1Z^L«L. ^ L;-t. L^r. /H» riL»L.^ 4^. 'l. L». i.l5 ^«,1.^ «-L'GF ^ ^ <»» ^v VHW Paris, Dienstag. Nr. i. 2. Jckunar 1844. Abonnements-Preise: Ln Paris: Ein Jahr. . Sechs Monate. Drei Monate. 24 Francs. i.» ,, 8 .. H r o) ü / Auswärts: Ein Jahr. . Sechs Monate. Drei Monate. 28 Francs. 18 ,, 8 .. Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. - Man abonnirt: für Paris: in der Buchhandl. von a»Ies Neoouarck «L o-, rue cle I'ourrron, 6, und im Luresu pour rue äes ltkouiins, 3r; in d.en Departements.: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland,' Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien:» bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und.Bernhard, Spruce-Dtreet, Rr. 3, in New-Hork. rscheint Dienstags und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Was thut Deutschland vor Allem Noch? Preßfreiheit und Öffentlichkeit der Gerichte! Haben wir diese ein Mal, dann kömmt Alles Andere von selbst; — darum quält Euch nicht mit Constitutions-Entwürfen, liberalen Programmen und socialistischen Systemen. Sucht vor Allem erst Preßfreiheit und Öffentlichkeit derGerichte zu erhalten! — Ohne öffentliche Meinung hat eine Nation kein Gewicht, kein Ansehen, keine National-Würde; — die öffentliche Meinung aber wird nur durch die Preßfreiheit gebildet, geläutert, verbreitet; —die Öffentlichkeit der Gerichte aber zieht bald die Öffentlichkeit der Verwaltung, der Regierung,, des Staatslebens nach sich. Die Deutschen Ln Paris. Man hat schon lange die Bemerkung gemacht, daß diejenige Nation, die am meisten von Einheit und Eintracht spricht und schreibt, und dabei am Wenigsten einig und zusammenhängend ist, unstreitig die deutsche Nation ist. Selbst der große Aufschwung von 1840 und Beckers Rheinlied vermochten uns nicht einiger zu machen, und trotz aller schönen Redensarten von Deutschlands Einheit, sehen wir nach wie vor Östreicher, Preußen, Baiern, Würtemberger, Hessen, Reuß-Schleitz- Greitz-Lobenstein und Lichtenstein-Vaduzianer, nur — keine Deutschen. Diese politische Zerstücklung unseres Vaterlandes mag wohl auch Schuld an den Mangel an jedem Zusammenhänge und jedem festen Aneinanderschließen der Deutschen im Aus lande sein, und in der That sehen wir, unsere Landsleute in Nord-Amerika ausgenommen, die Deutschen nirgends einen festen Körper, ein moralisches Ganzes bilden, wie z. B. die Engländer in Frankreich, die Franzosen in England u. s. w. Da wie dort findet man englische und französische 'lubbs, englische und französische Zeitschriften, Un- lerstützungs-Vereineftm^r^uücPVgeTmiidsleür^ ^und übe^yllilpt kräftiges Zusammenwirken Aller, ^ wo es sich um ein größeres nationales Interesse, R oder auch nur um die Wahrung der Rechte Einzelner ^ handelt. Bis jetzt haben wir unter den Deutschen . im Auslande dieses Aneinanderschließen und Zusammenhalten nur bei unfern deutschen Brüdern in Nord-Amerika gefunden; — überall sind dort deutsche Gesellschaften, Unterstützungsvereine für deutsche Einwanderer, und in dem weiten Gebiete der nord-amerikanischen Freistaaten erscheinen und bestehen über hundert deutsche Zeitschriften. Das Benehmen der Deutschen in Nord-Amerika bei Jordans Angelegenheit, wo in allen Städten deutsche Versammlungen veranstaltet,. und Subscriptionen für ftkne Familie eingeleitet wurden, so daß in der Stadt New-Uork allein in wenigen Tagen 1400 Gulden gesammelt und abgeschickt wur-. den, ein gleiches kräftiges Auftreten der Deutschen Ln der Sache eines gewissen Geißler, den man von einer amerikanischen Jury unschuldig zum Tode verurtheilt glaubte, sind Beispiele die von echtem Gemeinsinn zeugen und Nachahmung verdienen. Werfen wir dagegen einen Blick auf unsere nächste Umgebung, auf die Deutschen in Paris, so sehen wir Zersplitterung, Uneinigkeit, Mangel an jeglichem Gemeinsinn, wohin wir nur blicken. Vielleicht in keiner, nicht deutschen, Stadt Europas leben so viele Deutsche, als in Paris (man schlägt ihre Zahl auf 80,000 an) und doch bilden sie nirgends weniger ein Ganzes. Sie haben keinen Zusammenhalt, keinen Unterstützungs-Verein für bedürftige Landsleute, keinen Lesezirkel, keinen Clubb, und alle bisherigen Versuche hier ein deutsches Journal zu gründen, sind vorzüglich an dem Jndifferentismus und der Theilnahmlosigkeit der hiesigen Deutschen gescheitert, während hier doch fünf englische, sechs polnische, ein spanisches und, wenn wir nicht irren, auch ein italienisches Journal erscheinen. Lassen wir einen deutschen Landsmann hier durch Krankheitsfälle oder andere Bedrängnisse in Noth gerathen, — wer hilft ihm? an wen soll er sich wenden; —geräth er, oft ohne Schuld, durch seine Unbekanntschaft mit dem Lande, den Gesetzen, der Sprache, in Verlegenheiten, — wer nimmt sich seiner an? Sahen wir nicht die deutsche Operngesellschaft nach dem Bankerott Schumanns hier der bittersten Noth, dem größten Elende Preis gegeben, aus dem sie nur durch den Edelmuth einiger isolirt handelnden Personen und ihre'eigenen energischen Bemühungen gerettet wurde; — wiederholen sich nicht täglich einzelne Fällt dieser Art *w unfern Augen?— Und in einer Sicht, wo so viele Deutsche in allen Elasten der Gesellsckast leben, wo Wissenschaft, Kunst, Literatur, Handel und Industrie ihre deutschen Repräsentantm ehrenvoll neben den französischen Notabilitäten Dirken sehen, sollte es nicht möglich sein die deutsche Ehre, den deutschen Namen würdig zu vertre.en und durch Gemeinsinn und Zusammenhalten ein achtunggebietendes Ganzes zu bilden? Eine Nation, die sich nicht selbst achtet, wird auch von Andern nicht geachtet, und nur ihrer unterwürfigen Stellung im Auslande, ihrem wenigen National-Stolze, vor Allem aber ihrem Mangel an Eintracht haben es die Deutschen im Auslande zuzuschreiben, daß sie nicht überall mit jener Achtung und Rücksicht behandelt werden, die andern Nationen zu Theil wird, und die die kräftige ehrenhafte deutsche Nation in ihren Söhnen ebenfalls mit Recht verdient. Wir wenden uns daher an unsere Landsleute in Paris mit der Bitte diesen wichtigen Gegenstand ihrer Aufmerksamkeit zu würdigen, und Jeder nach Kräften dahin zu wirken, daß unter den Deutschen in Paris ein kräftiger Gemeinsinn, ein inniges Zusammenhalten erwache, daß sich ein Unterstützungsverein für hülfsbedürftige Landsleute bilde und daß deutsche Unternehmungen nicht grade vorzugsweise von' den Deutschen Anfeindung, Verketzerung und Angriffe aller Art, — statt reger Teilnahme und eifriger Unterstützung erfahren mögen. Wir bieten die Spalten unseres Blattes gerne zu Allem, was zu diesem schönen und nützlichen Zwecke beitragen kann, und wünschen, daß es mit der Zeit ein Organ für deutsche Interessen in Paris werde, zu welchem Zwecke wir es vorzüglich gegründet haben. Der Pariser Correspondent einer deutschen Zeitschrift hat an unseren Prospectus getadelt, daß wir uns nicht mit Zeitungspolitik beschäftigen, und daß unser Blatt daher nicht für die Deutschen in Paris das sei, was Galignanis Messenger für die hiesigen Engländer. Wir können hieraus nur erwiedern, daß ein solches Unternehmen weit über unsere Kräfte gegangen wäre; daß schon die Unkosten dieses nur zwei Mal wöchentlich erscheinenden Blattes jährlich beinahe auf 20,000 Franken kommen, und wir einer regen Theilnahme des deutschen Publikums bedürfen, um unser mit großen Opfern gegründetes Unternehmen, das durchaus nicht von dem Gesichtspunkte einer Geld-Speculation aus begonnen wurde, durchzuführen; — wird uns aber eine solche in immer steigendem Maaßstabe zu Theil, so wollen wir auch ferner Opfer und Kosten nicht scheuen, um Rahmen und Inhalt unseres Blattes ausm^^ und dasselbe in einen „Messer Paris, in eine deuts« umzuformen. 2 Renjahrsprophezeihnngen für ' Deutschland. Januar. Sehr schöne Witterung in Berlin. — Frühreife von grünen Erbsen und freien Genies. Doktor Gutzkow wird preußischer Hofrath und schreibt ein Buch über die Schädlichkeit der Preßfreiheit, welches er dem Herzog von Modena dedi- eirt;— er erhält hierauf den Strachino-Orden. — Die preußische Flotte manövrirt auf der Spree. Februar. Die preußische Allgemeine Zeitung wird wegen revolutionärer Tendenzen verboten ; ihr Redakteur, Doktor Zinkeisen, geht aus Verzweiflung unter die Communisten, — und wird von Weitling mit einer wichtigen Mission nach Rußland geschickt, wo er sehr gut auf- und eingenommen wird. März. Großes Ereigniß in Berlin, von dem acht Tage lang gesprochen wird und das von unberechenbarem Einflüsse auf die orientalische Frage sein dürfte. Der königl. preuß. Hofschauspieler Nott verliebt sich in eine durchreisende schöne Türkin, und da das Berliner Consistorium nicht seine Einwilligung zur Trauung geben will, so bekehrt sich Rott zum vierten Male und geht zum Jslamismus über. Durch seine Verwendung wird Hofrath Raupach mit der Errichtung eines deutschen Hoftheäters in Constantinopel beauftragt, und schifft sich mit Rott und Fräulein von Hagn von Stettin nach den Dardanellen ein. Abschieds- Sonette , Kränze, Nachrufe, „Hierbleiben"; — vier Berliner Gelegenheits-Dichtern geht ihr ganzer lyrischer Vorrath aus, die Sonette steigen um 7/8 im Cupse; — das Hoftheater gibt „Antigone" und trösiet sich. April. Raupach, Rott und Fräulein v. Hagn kommen in Constantinopel an; — die Bühne wird mit Raupachs „R afael e" eröffnet; — Rott übertrifft sich selbst, die Pforte ist gerührt, die Türkei weint; — nach der Vorstellung kündigt der Kis- lar-Aga die Belohnungen seines Kais. Herrn an: — da Tabatieren und Ringe dort noch nicht üblich sind, so wird Fräulein von Hagn wirkliche, kaiserliche geheime Odaliske und erhält freies Logis im Harem; Raupach wird Bimbaschi und erhält ein ganzes Serail alter ausgemustener Sklavinnen; Rott aber erhält den Nischan- Jstichar, mit der ausdrücklichen Erlaubniß, ihn unter dem zugeknöpften RW tragen zu dürfen. Auf diese Nachricht wandern alle deutschen Künstlerinnen, mit Ausnahme der edelnflind komischen Mütter, aus, und gehen nach Constantinopel auf Gastrollen. Das deutsche Re- pertoir bleibt dadurch auf Lessings „Phslotas" und Kotzebues „Körbe" beschränkt, die einzigen"' Stücke, in denen keine Frauenzimmer-Rollen sind. Mai. Allgemein erfreulicher Beschluß des deutschen Bundestages, wonach in Zukunft kein Journal mehr verboten werden soll; — es bleibt bloß den einzelnen Regierungen sreigestellt, das Erscheinen von Zeitschriften, die sich schlecht aufführen und unartig sind, sich zu verbitten. Hierauf wird ^-^'-inen der Mannheimer Abend- Trierer Zeitung sogleich 'dt heirathet Fräu- ''tschland wird Otahaiti Preß- 'ennen zu lernen; — am Rhein sieht sie Nielas Becker, der ihr sein Rheinlied nach allen acht und dreißig dazu componirten Melodien vorstngt; — sie wird hievon so bezaubert, daß sie ihm ihre Hand und den Thron Otahaitis anträgt; — als guter Patriot schlägt Becker dieses glänzende Anerbieten aus; — die Königin Pomarä verzweifelt, stürzt sich bei Mainz in den Rhein, und wird von Gutzkow, der Alles rettet was in Gefahr ist, gerettet. Zur Belohnung lieft sie seme „Wally", und findet sie ganz nach Otahaitischem Geschmacke. Großes Erdbeben in Wien; fürchterliche Verheerung; — das Theater an der Wien und das Lerchenfeld werden von der Erde verschlungen, allgemeine Trauer; — man sängt an sich mit Politik zu beschäftigen. Juli. Auf Reklamation der russischen Regierung werden alle Schris t steller aus Deutschland verwiesen; bloß die Verfasser von Koch- und Gebetbüchern dürfen Zurückbleiben. — Der Leipziger Meßkatalog erscheint ganz weiß; — das Papier fällt im Preise; — an Lumpen ist solcher Überfluß, daß man nicht weiß wohin mit ihnen. Die Schriftsteller wandern nach fruchtlosen Protestationen aus; — der Zug ist imposant; — die Trauer groß. — Der Leipziger Literaten-Verein stellt sich an die Spitze dieser Auswanderung; — alle Verbannten kaufen von Abd -el-Kader ein Land, das nicht ihm gehört, und bilden einen neuen Staat unter dem Namen: „Tie Veruneinigten Staaten von Literaria". Die Regierungsform ist natürlich republikanisch; — den Verlegern werden sehr glänzende Einwanderungsbedingnisse geboten; —der Fürst von Nordhausen legt eine Colonie daselbst an. August. Allgemeine Überschwemmung in Pommern und Hinterschlesien durch das Austreten einiger Musen-Almanache veranlaßt. In Berlin steht ein neuer Philosoph auf, der durch A -s- B beweißt, daß Hegel und Schelling Dummköpfe waren, und daß die eigentliche Philosophie noch gar nicht erfunden ist. Ungeheurer Andrang zu seinen Vorlesungen ; — alle Eckensteher legen sich aus die Philosophie. Sep tembe r. Ein Handwerksbursche, der aus der Fremde nach Berlin --ückkehrt, frägt einen Gensdarme um die Adresse der preußischen Constitution; — der Genödarme will ihn wegen entfernten Versuches zur Absicht des Hochverrates arre- tiren: — aber das Volk rottet sich zusammen und befreit den Handwerksburschen nach der Melodie: „Sie sollen ihn nicht haben!" In München wird ein Jesuit gesehen; — allgemeine Verwunderung! Herr von Katakazis, der in griechische Staats-Dienste übergegangen ist, wird zum griech. Gesandten in München ernannt. Oktober. Heine wird in Hamburg zum Bürgermeister gewählt; — einige deutsche Mächte pro- testireu, - lebhafter Noten- und Courierwechsel. — Zusammenziehung hanseatischer Truppen. — Heine opfert sich aus, . Ucir w 'ch e ua^ ch.. . zurück, wg»er ein neues Werk heraus gibt: „Was ich Alles erlebte." November. Der König von Hannover macht eine Reise durch ganz Deutschland und wird überall mit großem Jubel empfangen; — in Mannheim werden ihm die Pferde ausgespannt, und da nicht gleich wieder andere vorgespannt werden, so bleibt der Wagen stehen; — m Leipzig stattet er den Gebrüdern Grimm einen Besuch ab, und ernennt Hoffmann von Fallersleben zum königl. hannöv. - Hofdichter. >. ^ Gutzkows „Blasedow" erscheint in der zweiten Auflage, von Leibrock bearbeitet, bei Basse in Quedlinburg; — es werden über sieben Exemplare verkauft. Dezember. Auf den deutschen Hofbühnen werden mehrere vorsündfluthliche fossile Tragödien von gänzlich ausgestorbenen Dichtergeschlechtern zu Aufführung gebracht; — die Archäologen, Geologen, Philologen und alle andere Logen, freuen sich unmenschlich;—nurdas Publikum in den Logen gähnt so furchtbar, daß ganz Deutschland einschläft. Man hört das Schnarchen bis nach Petersburg. Die Griechen schicken eine Deputation an den König von Preußen, um ihm ihren Dank für den Schutz, den er dem griechischen Trauerspiele angedeihen läßt, auszusprechen; —in Berlin giebt man Medea und Antigone; — zum Danke läßt dieNational-Versammlung in Athen den „Eckensteher Na nie" aufsühren. Allgemeine Prophezeiung. Die Deutschen werden nach wie vor das gelehrteste, gründlichste und geduldigste Volk der Welt sein und bleiben; — sie werden sich in diesem Jahre wieder oft ärgern, auch manchmal räsonniren, aber - doch Alles schön beim Alten lassen. — Also geschehe es. Mathias von Landsberg. Kleine Pariser Chronik. Vor der Eröffnung der größeren politischen Salons, pflegt gewöhnlich der Monat Dezember sich durch eine sogenannte musikalische Eingangs-Saison auszuzeichnen. Zu Bällen ist die Gesellschaft noch zu sehr zerstreut, die meisten Familien kehren erst im Januar nach Paris zurück; die Comforta- bilität des Schloßlebens (la vis- äu olläteuu) hat sich auch in ocankreich in den letzten Jahren stark ausgebildet. Manhat dort seine Gesellschaft, sei- d nen eigenen Kreis, und erholt sich von den durch die englischen Sitten so zudringlich eingeführten kalten, steifen Raouts. Ein Raout r,. nie Gesellschaft ohne Geist und Austausch, ein steh ' an eineinander Vorüberziehn, ein Gemisch von Bekannten und Unbekannten, ein Gedränge ohne Grazie und blos ein Haschen nach Ostentation. Die kleinen traulichen Zirkel am Kaminfeuer, sechs bis acht Personen um den Theetisch versammelt; wieder eine andere Gruppe am Tische der Albumswieder eine > Arbeit. D'-ff diele behagliche Geselligkeit j-, und Begurmucynti der kleinen Sll'üUE/ wo . plaudert und ausgetauscht wird, sängt abc. wieder an sich zu regen. Ein Raout ist vßk. De>-po- A tismus der Mode und, wie jeder Despotismus, un- erträglich. Der Verstand geht im Gedränge ver- ^ loren, unmöglich beinahe wird es dem drei- und vierfachen Stuhlkreise der Damen sich zu nähern. Die kleinen Salons und Empfangstage sind dagegen - ? eine Labung für Geist und Herz. — Möge dst Zahl der kleinen echt geselligen Salons wachsen, um die stolzirende Nachäfferei zu verbannen. Ein Diplomat ohne Verstand gilt nichts in einem kleinen Salon, wo einige Frauen von Geist und einige Männer von Bildung Zusammentreffen. Wer nichts beiträgt, bleibt unbeachtet. In dem großen Raout glänzt auch der fadeste Gesandtschafts-Secretär, der konfuseste Minister-Resident; denn er trägt einige Orden, eine bunte Uniform, und dieser Rahmen allein wird beachtet. — Der Monat Dezember hat wie gewöhnlich in Paris einige musikalische Abende geboten, Coneerte wo immer dieselben Namen und dieselben Salons zum Vorschein kommen. Musikstücke ans dem neuesten italienischen Nepertoir sind bei der Gräfin Appony, der Baronesse Delmar, der Herzogin von Js.... u. s. w. einem noch kleinen Zirkel geboten worden. Hier und da sind einige Diners, um die Stützen desWintersalons zu vereinigen, veranstaltet worden; man bemerkt bei denen des Baron Delmar, die ungemein lästige Sitte sicherst nach Acht und ein Viertel Uhr zur Tafel zu setzen. Ein solches Forciren des Außergewöhnlichen überschreitet alle Anforderungen des guten Tons. Man merkt die Absicht und ist verstimmt. Bis jetzt war die übliche Stunde in der vorneh- ^ men Welt von Sieben bis halb Acht Uhr, da nach Ende der Kammersitzung, der Börse und des i Ausritts im Boulogner Gehölfoder den Elisäischen I Feldern alsdann die gehörige Zeit übrig blieb um die Tisch-Toilette vorzunehmen.- Man bemerkt allgemein, daß in den Häusern der sogenannten xarveinm die Ansprüche an Eti- quette, die oft ans Barocke streifenden Förmlichkeiten und Huldigungen an Reifrock-Ideen am j weitesten getrieben werden, während die Eingela- ! denen selbst bei diesen Spannungen leiden, und ^ gewissermaaßen eine Folter bestehen. In der freien Bewegung der Eingeladenen und im sich Heimlich fühlen, liegt eben der größte Zauber der wahr- * haften Geselligkeit. ^ Man hatte uns Wunderdinge von dem neuen Hotel Pontalba, in der Straße kauboui-A Lalnt- Honors, versprochen, — Das Äußere hat bereits E große Summen verschlungen, die innere Einrich- ^ tung erfordert noch einige Millionen. Sechzig ! tausend Franken waren allein 'zu Gardinenbort-^ bestimmt. Kronleuchter von achtzig tausen^^ranken das Stück waren verheißen.- Alle ^Uese Zauber sind bis jetzt durch ein une^-ellliches Schicksal gehemmt, und nur die Zeinen Appartements sind bis jetzt beendet Man erzählt sich daß die Marquis Pontalba bereits über zwei Millionen v>,i,v ,„n Grauen. Wie viele schlechte Stücke habe ich nicht dieses Jahr sehen müssen, wie wenig gute; — wie oft habe ich nicht, aus einem Theater herausgehcnd, schmerzlich ausgcrufen: «Oiem P6i-clilli! » und wieselten bin ich nur wahrhaft vergnügt zu Hause gegangen. Gutes '1 mit deinen üe-iux ehemaliger Größe, das von vergangenem Ruhme zehrt und von schönen Erinnerungen, in dem die Rachel allein steht wie ein Palmbaum in der Wüste, und Firmin noch hereinsieht wie eine schöne Ruine aus längst verschwundenen Zeiten; gutes Theater, das Voltaire im Foyer har und Alexander Dumas auf der Bühne, wo einst Talma, Lafond, Michelvt, dicDuchtsa«^ und die Mars glänzten und jetzt MadameMelingueZhre dramatische Kunst des Boulevards Luim. und Brindeau seine wvhlgeformten Waden produziren. Ar- . mes Theater! das nun auch noch seinen letzten Dichter Delavigne verloren hat, und sehnsuchtsvoll nach den vielversprechenden lrljillon» tluUiii,!«') siebt,die nicht flott werden wollen, die schon so nah waren und nun so fern sind. Soll ich von der großen Oper sprechen? D« .„or- Niis nil Iii!,i Ken«. Wann endlich wird hier der Prophet erscheinen, der dem nach Musik lechzenden Publikum ein neues musikalisches Paradies erschließt und cs erlöst von dem Leichenzuge des „Dom Sebastian", der Schwindsucht des Königs von Cypern und dem Wahnsinn Carls VI.—Sänger fehlen;—Sänger! ohne Sgpger keine Oper, und verzweifelnd ruft Herr Pillet, aber doch mit Stolz, aus: „Kann ich Teuere aus der Erde stampfen ? Wächst eine Säng'rin aus der flachen Hand ?" Duprez sehnt sich nach Ruhe;.— Mari« ersetzt ihn — auf dem Theaterzettel; — Madam Stolz ist zu stolz um sich mit der' Stelle einer zweiten Sängerin zu begnügen, und so muß sich die erste Opernbühne Frankreichs ohne erste Sängerin behelfen. Uhland sagt: „Singe, wem Gesang gegeben! " — dort aber singen Viele, denen der liebe Himmel Alles gegeben hat, nur keine Stimme. Viele gemalre Leinwand, bunte Coftume, glänzende Rüstungen, Tamtams und große Trommel, Neclamen und Claqueurs machen noch keine Oper. Da ist cs viel ge- müthlicher in der komischen Oper: keine großen Stimmen , aber netter, geschmackvoller Vortrag, frisches Zusammenspiel, Lust, Laune und Leben. Ich habe hier mit Vergnügen Aubers: «kurt cku vialile » und unseres deutschen Landsmannes Flottow « Lselsve cke vnmoens» gesehen. Doch hat dieses Theater durch den Abgang der lieblichen Roffi einen schwer zu ersehenden Verlust erlitten. Thomas « stliu» » ist eine der lieblichsten Erscheinungen in dem Nahmen dieses freundlichen Theaters: hübsch ausgearbeitete Melodien, eine leichte und doch brillante Instrumentation, ein witziges Buch, sichern dieser Oper eine dauernde Existenz auf dem hiesigen Re- pertvir und den Weg über alle andere Bühnen. —Sieh! da wäre ich auf dem Börsenplätze vor dem Vnuäeville, das einst seine glänzendste Epoche in der unfreundlichen rue cke Ltiirrlres hatte und jetzt in das Monopol des Schriftsteller- und Ehepaars Ancelot gefallen ist. Madam An- celot, dieser Jffland im Unter rocke, verarbeitet hier deutsche Sentimentalität zu französischen Vaudevilles; ihreHeldinnen, ,H e rmance", ,,M arguerite", ,,Loisa", und tutte quuute sind alle über einen Leisten geschlagen: — alle Mädchen sind rasend tugendhaft, alle Onkel entsetzlich freigebig, alle Tanten kokett, alle Väter larmoyant, und alle alten Diener grob und ehrlich; — alle Abende dieselbe Schüssel mit einer andern Sauce: toujoui '8 perckrix. Rolle, der geistreiche Kritiker des Nation»!, geht nie vor diesem Theater vorüber, ohne ein X zu schlagen und zu seufzen: Übrigens dürfen die Besucher dieses Theaters doch nicht über Mangel an Abwechslung klagen, heute ein Stück von Monsieur Ancelot, morgen eines von Mada m e Ancelot und so geht es fort: Eduard und Kunigunde- Kunigunde und Eduard. Da herrscht viel mehr Abwechslung in dem kleinen freundlichen Theater des Palais-Royal, diesem offenen Tempel der Lachlust; — hier thront noch immer als unumschränkte Gebieterin die Dejazet, jene nicht schone und nicht mehr junge, aber geist- und talentreiche Schauspielerin, die Theodor Munde zu einem Buche begeisterte und Gutzkow in den ihm eigenen steifleinenen Enthusiasmus versetzte. Aber nicht die Dejazet allein glänzt hier,—- hier wirken auch noch die anmuthige Fargueil die als ,,Tochter Figaro's" ihr Künstler-Talent glänzend bewährt hat, der muthwillig lebendige Ravel mit seiner übersprudelnden Laune, der drastisch komische Sainville, Le- vassor der gewandte Chargen-Darfteller und Chansonet- ten-Sänger und Alcide Tousez mit seiner etwas zu ledernen Komik. Hieher gehe, wer lachen, wer sich unterhalten will; — stets kann er sicher sein an der reich besetzten Tafel jedes Abends ein oder zwei Gerichte zu finden, die ihm trefflich munden. Dem Varietes-Theater ist doppeltes Heil widerfahren; — es hat Demoiselle Esther verloren und Herrn Bouffe gewonnen ; — der Cancan ist in den Hintergrund getreten und das Repertoir hebt sich. Nestor Roqueplan ist ein Mann von Geist, und ein geistreicher Mann weiß sich auch in die schwierige Stellung eines Theater-Direktors zu schicken. Sein Brief an Theophile Gautier war zehn Mal Mehrwerts) als dessen Stück, und das Witzigste und Wahrste was ich seit langer Zeit gelesen habe. Doch ehe wir die lange Reihe der Doulevarts hinabwandeln, lassen Sie uns, geneigte Leser und freundliche Leserinnen! einen Blick zurück werfen auf das Lieblingstheater der Pariser Elite, auf die italienische Oper. Die Stürme in seinem Innern haben sich beschwichtigt, der mit dem besten Willen und hinreichenden Mitteln ausgerüstete Vatel ist alleiniger Direktor geworden, Lablache ist uns wiedergegeben, Per- siani hat uns mit einer recht hübschen Oper: II kantasmu, beschenkt, in der seine treffliche Gemahlin und Mario ausgezeichnet singen und von Ronconi und Fornasari kräftig unterstützt werden; d r ei neue Opern sind bereits in drittehalb Monaten gegeben worden, und vor Ablauf der Saison haben wir noch unseres Conradin Kreutzers: Nachtlager in Granada und Riccis: Corrado d'Altamura zu erwarten, zwei Opern, deren erstere in Deutschland, die letztere in Italien ungetheilte Anerkennung gefunden haben. — Das Porte-Saint-Martin- Theater, an dem FrederikLemaitre, Bocage und die Dor- val immer wie Kometen kommen und verschwinden, macht mit seiner Revue: Ves ües Nargaisss en 1843, volle Häuser; wer gerne lacht und das Reclamen-Wesen unserer Zeit, so wie die neuesten Erscheinungen der andern Theater recht ergötzlich parodirt sehen will, dem ist zu ra- then diese Revue zn besuchen. Das Gymnase-Theater verliert seinen bisherigen Direktor Delestre-Poirson, der am Schlüsse seiner Direction noch das beste Geschäft machte, indem er Bouffe um 100,000 Franks verkaufte; — und man sage noch daß der Seelenverkauf abgeschafft ist. — Die anmuthige Nathalie und die kindliche Rosa Cheri werde-' uns lüer den Abgang der schönäugigen und talentvoller; Madame Volnys vergessen machen. Das Ambigu-C on.'jgue hat mit seinen « Lofiemieris cke L-n-is „ einen wahren Glückstreffer gemacht; — dieses drastische Lebensbild nähert sich schon vhn" Unterbrechung seiner h undertste u Vorstellung'^ är. «o dann erst dem neuen Stücke Fried. Soulie's Platz machen. Der Ci rq ue-Olympique hat im »VeuAeur» einen Rächer für die Niederlage seines Helden von der traurigen Gestalt, «von (Zuicirotte» gefunden, der jetzt sammt seiner Hossinante , seinem Lanctio ksnra und dessen oft ertemporirenden Esel ausruht von allen den Schlägen, Stößen und Püffen, die ihm die Verfasser des Stückes in Ermangelung von Witz freigebig zugetheilt haben. Die NN 8 « «n 8 L 6 NK des «VtZNAeur» ist ausgezeichnet, die Dekorationen sehr schön, es wird mit Luft und Liebe gespielt und so ist der Besuch dieses Theaters jedem Fremden zu empfehlen; — die Pariser strömen ohnehin schaarenweise m dieses ihr Lieblingstheater. — — In der Gaite macht Stella, das im Anfänge nicht recht ansprechen wollte, jetzt fortwährend volle Häuser und steht sich recht gut ein Mal an, — ebenso in den Folies Dramatiques Paul de Kocks : 6018,0« et Ureäire, ein toll komisches, barockes Machwerk, das aber unwiderstehlich lachen macht.—Genug für heute, — ich will den drolligen Debureau in den Funambules, die Desassemens und das spottwohlfeile Theater Lazari für dieses Mal bei Seite lassen, ich dehne meine Reise auch nicht bis zum Odeon aus, das dem Ob servat 0 ri um und der Barriere d'Enfer, also näher dem Himmel und der Hölle liegt, als dem^ irdischen Treiben von Paris, —schweige vom Pantheon und Luxemburg, werfe einen weh- muthsvollen Blick auf das nach so kurzem Glanze abermals geschlossene Theater Beaumarchais und verspreche beim Abschiede den Lesern Ihnen über Alles in der Theaterwelt Vorkommende schnellen, wahren und u n- partheiischen Bericht zu erstatten. Briefkasten. Herrn F. O. in B.— Die uns eingesandte: „Geheime Geschichte des — schen Hofes" haben wir der bewußten Mittelsperson wieder zu ihrer Disposition zu- rückgeftellt. Hätte sie historischen oder auch nur ästhetischen Werth, so hätten wir selbe gewiß, ohne uns um irgend bedenkliche Rücksichten zu kümmern, drucken lassen, — da lie aber nur auf Scandal berechnet ist, so paßt sie nicht in den Rahmen unseres Blattes. Hkrrn S. in B 0rdeaur. — Dank für ihre freundlichen Wunsche! -ihre Befürchtung daß unser Blatt nicht genug Unterstützung finden werde, widerlegt sich, zu unserer Freude, durch unsere Abonnentenliste, die von Tag zu Tage steigt. In emem halben Jahre erst läßt sich ein sicheres Prognvftrcon stellen. Redactcur: He inrich Bernstein. > Die deutsche Buchhan'. von Lutes Nenouar- u. 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Lle^awwent l-elie ü I'rmxiaise: 6 spgnos. ätann mit voller Überzeugung jetzt als der neueste, im Betreff der Notiren für Fremde aena» und überhaupt zweckmäßig st e Guide empfohlen werden, der /ich vor andern besonders au^ noch du?ch eiiie sehr Hub,che typographische Aus>lanuug und den bc,gegebenen prachtvollen Plan von Paris aus- für ^Co MM LN Ä l s iS'b l, - empfiehlt sich dem ^ mehrerer regierenden ^ 'e viel, v-1 Deutschlands beehrt, ir, «lle,. g--'tzen ^ äi trägen bestens zu entsprechen. — isommi von Anzeigen in d eutschen I 0 n : :a> Ankündigungen durch ganz De; sch großen deutschen Städten ist), Ausküns.e üb« rr- ' L. -! ^ L:- ^ ' Vertraue- ' »d ^ 'rr et'gr-l Familie n kk. ': . Stande lll-o Ans öspeciL^.K^E großen deutschen Städten ist), Ausküntze über deutsche NngcleqsrS, .en Minkä-t^ke für "L" har.s m den Fabriken und zu den Oriainalpreisen, Besteig gc./dc»'ch' tzabrikL' gehören rn.selncn Ge,chafts-Bereich. — Es expidtirt'.wö.chen-«l«ch zwo' '' ^,ei"- l- pbische Übersicht aller neuen indusir iells» h°g phische Übersicht aller neuen industriellen Erfindung"" bessernngen u. s.w. an seine Clienten nach Deutschland. «ichKe ' Fabrikstand wird eingcladen dem Central-Burean seine ProSpecms, CakaloäePK-, n. s. w. zur Verbreitung rn Deut,chland einzusenden. — Briefe franco ^ ^ ' h°gr, " V e VI!I!l»!Is lülssllR LI MMN. 16 . N e«. NIMM LI e L 8 , rnv «Leo« Ls-tL«« 8 t. VI»oi»r» 8 , DeutscheBuchhandlung und Leih-Bibliothek. kMM U MWK. Musik-Unterricht. Der Unterzeichnete empfiehlt sich zum u- terricht in Piano und Gesang zu sehr billig Bedingungen. rue ä'^nAouIeme, stätel cke Uaste, Für deutsche ÜuehÄruckereicii. Die ausgezeichnet schönen Micbes des Herrn Porret sind in einer Auswabl «..L tausend Stück z u den F a brikpr eise n durch das Unterzeichnete Bureau ru besie^^ »r Ccntral-Bureau für Deutschland, 3a, rue ckes Mou1iu8. (Briefe k-s»«-« . Druck mit Schnellpressen bei Paul Renouard, me varanciöre L Paris, Sonnabend. «». Januar 1844 l I Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 1» ,, Drei Monate. ... 8 ,, Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. Ar. 2. r w M Man abonnirt für Paris: in der Buchhandl. von aules Uenousrä et rue Ü6 1'ournon, 6, und im Uuresu veoti-sl pour t'^UIemsKne, rue lies Itlouiins, 3s; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: den Herren Eichthal und Bernhard, .Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. scheint Dienstags und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Mutik und geselligem Leben. Was wir wollen! Preßfreiheit und Öffentlichkeit der Gerichte! Wir sind keine Neuerer; — wir wollen auf den Urzustand, auf die guten alten Zeiten zurückgehen. Ehe es eine Een für gab, gab es Preßfreiheit, wie das Leben dem Tode nothwendigerweise vorangehen muß; — die Öffentlichkeit der Gerichte aber^ war das Palladium unserer Vorältern, und dieses Palladium ist älter als die Carolina und alle Strafgesetzbücher und peinlichen Gerichtsordnungen. Darum gebt uns zurück was wir hatten! Heine in Hamburg. (Ein Brief aus Hamburg enthält folgende Stelle: ,,Gestern sah ich Heine, er sieht wohl aus, aber trübe.") Warum bist Du trübe, Dichter? Weil in Hamburg die Gesichter Die Dir einst so komisch schienen Jetzt Dir dünken Trauermienen, — Liegt die Schuld an Dir, — an ihnen? Wie bist Du so ernst geworden Als wärst Hosrath Du mit Orden, — Wie? Du willst setzt nicht mehr malen Uns des Jungferusteigs Vcstalen, Nicht mehr scherzen mit Sensalen? Guinpelino ist gestorben, — Mancher Spaß Dir so verdorben. Doch — Du willst ja nicht mehr scherzen, Sagst: cs ging Dir nicht vom Herzen; — Dichter! hast Du wirklich Schmerzen? Oder ist'S die Langeweile? — Jst's der Jahre flücht'ge Eile? — Fiel der Täuschung bu"ter Schleier Und in früh'rer Lieder Feier 4 Sieh'st Du setzt-nur : „alte Leycr ?" Ei. so nimm' die alte Leycr, Singe uns mit altem Feuer Deine alten schönen Lieder. Dann sinkt auch dein Trübsinn nieder, — Alter Heine! Kehr' uns wieder! ' , es, Dezember 184z. ^ Kurze Ungarn über die deutsche V^rösse in Nordamerika. Es lebt ein frischer gesunder Geist vaterländischer Liebe und Anhänglichkeit in den deutschen Blättern der vereinigten Staaten. Unter den in dem weiten Gebiete der nordamerikanischen Freistaaten erscheinenden unzähligen deutschen Zeitungen und Zeitschriften steht unstreitig die deutsche Schnellpost, redigirt von W. Eichthal und H. Bernhard, obenan. Sie hat es sich, Me amerikanische Politik bei Seite lassend, zur Aufgabe gemacht, als Vermittler zwischen der alten und der neuen Welt, oder besser noch, zwischen der deutschen Heimath und den Deutschen ich Nord- Amerika aufzutreten, und Letzteren, die noch immer mit warmer Liebe am alten Vaterlande hängen, Alles zu berichten, was sich diesseits des Oceans in den acht und dreißig deutschen Vaterländern Be- merkenswerthes ereignet. Sie hat verläßliche Correspondenten in allen Theilen Deutschlands, und selbst die Deutschen in der Heimath dürften eher aus diesem nordamerikanischen Blatte erfahren, was und wie es sich in Deutschland zugetragen, als ans allen deutschen Hof- und ordinären Zeitungen mit allerhöchsten Privilegien. Das energische Auftreten der deutschen Schnellpost in Jordan's Angelegenheit, gereicht ihren Herausgebern, Herrn Eichthal und Bernhard, zwei wackern deutschen Männern, zur größten Ehre, und ist durch das schönste Resultat gekrönt worden. Neben ihr erscheint die New-Uorker Staats-Zeitung, ebenfalls eines der bessern deutschen Blätter Nord- Amerika's, das oft sehr gute Aufsätze über deutsche Lokal-Interessen liefert. — In Baltimore erscheint der deutsche Korrespondent, ein großes gut gedrucktes Blatt auf schönem Papier, immer mit der größten Aufmerksamkeit allen Pulsschlägen des Mutterlandes folgend. Die Zeichnungen für Jordan werden eifrig unterstützt. Unser Blatt wird ein gleiches thun, und in den folgenden Nummern einen Aufruf zur Unterstützung der , amilie Jordan's mittheilen. Dem deutschen Korrespondenten von Baltimore vom 22. N v. zufolge, wird der Geschichtsforscher Herr von Raumer im Frühjahr in Nord- Amerika erwarte' .w derselbe vom April bis Oktobern ^ r' ^ gedenkt Ob historische Compilationen dcH, Reise zum Grunde liegen, wird nicht ge^gt. Seit der Geschichte der Hohenstaufen leistete Herr von Raumer fast immer nur Mittelmäßiges. Emsiges Zusammensnchen, fleißiges Forschen in den Archiven ist da, aber kein Talent, kein frisches Blut, und kei.^Me Ansicht, Hermaphroditenthum ohne Saft und Kraft. In Philadelphia erscheint eine neue deutsche Zeitschrift Minerva, die bis jetzt gegen 92 Nummern geliefert hat. Die Nummer vom 2Iten November enthält, unter der Rubrik Schnelles Urtheil, folgende Angabe, welche dem Schneckengange der deutschen Justiz gegenüber Erwähnung verdient. „Am Freitag Morgens, sagt die Minerva, wurde Peter Wilden von dem Gonrt ok Quarter seZsicms des am Tage zuvor begangenen Uhrendiebstahls überwiesen, zu einer dreijährigen Einsperrung im östlichen Gefängnisse verurtheilt." Der deutsche Courrier von New-Uork läßt sich sehr praktisch über den Umstand vernehmen, daß in der deutschen Sprache zum Schreiben und Drucken verschiedene Lettern nöthig seien, und fragt, warum nicht lateinische zu brauchen seien. Er führt dieHam- burger Börsenhalle als Beispiel an, und sagt, diese werden viel von den Engländern gelesen, indem es ihnen so leichter würde, die deutsche Sprache zu erlernen. Dem deutschen Republikaner in Albany räth der deutsche Courrier die lateinische Schrift beizubehalten. Wir werden auf diesen Gegenstand, der Beachtung verdient, zurückkommen. Der Demokrat in Philadelphia, vom Llten November, enthält folgende Angabe: „Leichenräuber. Zwei Personen, die in der Sonnabend- Nacht den Leichnam eines am selben Tage begrabenen jungen Mädchens auf dem Kirchhof in Franzisville wieder auszugraben beschäftigt waren, wurden von dem Wach e haltenden Bruder der Verstorbenen angeschossen. Sie entkamen zwar, doch bewiesen Blutspuren, daß es nicht mit heiler Haut geschehen sei." Die Resurrectionisten scheinen also in Philadelphia eben so gierig nach anatomischen Subjekten zu spüren, wie in London. In Cincinnati erscheint im zweiten Jahrgange bereits die Volksbühne. Zahlreiche deutsche Anzeigen bedecken diese Blätter, die fast alle das Format der großen englischen Blätter haben. Die leitenden Artikel lassen viel zu wünschen übrig, die kleinen sind vielfältig, der Stoff der Mittheilungen mannigfach. — Das Volksblatt in Cincinnati erreicht jetzt den 6ten Jahrgang. Ein neues Blatt, im Format der großen englischen Zeitungen, ist der seit November in Columbien erscheinende Westbote. Auch dort wird für die Familie Jordan gesammelt. Zu Harrisburg, in Pen- silvanien, erscheint die Pensilv an ische Staats- Zeitung. — Seinen 7ten Jahrgang hat der Weltbürger in Buffalo erreicht. Er sagt am 18ten November: „In Cincinnati allem erscheinen jetzt fünfzehn tägliche Zeitungen, gegen acht demokratische und sieben whiggistische. Hierunter befinden sich drei tägliche deutsche demokratische Blätter und eine tägliche deutsche Wigh-Zeitung." Außerdem erscheinen noch zwei wöchentliche religiöse deutsche Blätter, der Wahrheitsfreund und der christliche Apologet. Dasselbe Blatt enthält folgende Notiz, die in der That, wie sich solche betitelt, „Nachahmungswürdig!" zu nennen ist: „Die Schneidergesellen in Boston, welche sich einige Zeit vergeblich bemühten, von ihren Meistern einen angemessenen Preis für ihre Arbeiten zu erhalten, haben eine Gesellschaft gebildet: » Ike Boston ^ssoeiackion o4 Operatives «, mit einem Capital von 20000 Dollars, in Theilen von 20 Dollars, womit Material für Arbeiter von verschiedenen Handwerken bezahlt werden soll. Die Gesellschaft beabsichtigt einen Stohr (Bazar) anzulegen, die gefertigten Artikel dort zu verkaufen und den Profit auf eine gerechte Weise zu vertheilen."— Weiterhin sagt dasselbe Blatt: „Die Schneidergesellen in Washington, die sich wegen höheren Preisen mit ihren Meistern nicht ganz vereinigt zu haben scheinen, haben eine Aktien-Gesellschaft unter sich gebildet, deren Grundkapital 50 000 Dollars betragen soll, die Aktie zu 20 Dollars. Kein Mitglied kann mehr als 50 davon erhalten, ünd kein Aktieninhaber mehr als 5 Stimmen haben. Sobald 500 Aktien unterzeichnet sind, tritt die Gesellschaft zusammen." Daß aber die Meister noch immer an ihrem Schlendrian hängen, und daß sie gegen diese Gesellschaften arbeiten, beweiset eine Notiz des deutschen Correspondenten in Baltimore vom 28ten Oktober: „Oonspirao^. Gestern wurden sechs Schneider- gehülfen, S.M. Heown, C. Brouks, B. Hobion, A. Henry, W. C. Neil, und Vogelmann, beschuldigt der Conspiracy, vor Gericht geführt." Ein gleicher Vorfall ereignete sich unlängst in Boston, wo man die Leute wieder frei gab, da sich erwies, daß die Verbindung, welche sie geschlossen, keine dem Wohle der Republik gefährliche war. <— Zum bessern Verständniß bemerken wir, daß alle nicht incorporirten Verbindungen, nach einem alten Gesetze, nicht geduldet werden sollen. In Washington erscheint im riesigen Formate, einen ungeheuren Bogen stark, einen ganzen Tisch bedeckend: Der Deutsche in Amerika, für Literatur, Kunst und Wissenschaft. Die Titelvignette ist ein großer Stamm mit reichen Ästen, Allegorie auf Nord-Amerika's Ausbreitung. Wir werden aus diesem Blatte in den nächsten Nummern ein Urtheil über Herwegh mittheilen. Kleine Pariser Chronik. Der Herzog von Luynes fährt fort sein Schloß Dampierre durch die ersten französischen Künstler ausschmücken zu lassen. Der berühmte Maler Ingres iü so eben von diesem Schlosse zurückgekehrt, woselbst er von dem Herzoge beauftragt worden ist in einem Salon eine allegorische Darstellung der vier Jahreszeiten zu malen. Hunderttausend Franken sind dem Maler der Apotheose des Homer für diese Arbeit von dem kunstsinnigen Herzog bestimmt worden. Ein großes Vermögen, aus eine so kunstverständige Art zur Aufmunterung der jetzt lebenden Künstler anzuwenden, verdient allerdings Anerkennung. Herr Leon Pillet hat am 24. Dezember Paris verlassen und ist nach Italien abgereis't, um Sänger und Sängerinnen für Meyerbeers Propheten zu engagiren, dessen Aufführung nun bestimmt für den Februar 1845 festgesetzt ist. Direktor Pillet hätte die Aufführung schon im November dieses Jahres gewünscht, allein da Meyerbeer dem Könige von Preußen für die Eröffnung des neuen Operhauses am 15. Oktober die Composition eines Festspieles versprochen hat, so kann er erst nach dieser Festlichkeit, Ende Oktober, wieder hier eintreffen, um die Proben des Propheten zu beginnen, übrigens ist Meyerbeer durch die letzte Zeitungspslemik wegen Küstner unangenehm berührt, so viel wir wissen, mit dem festen Vorsatze nach Berlin abgereis't, den König zu bitten, ihn seiner Functionen als General-Musik-DLrector, Ln so weit dieselben Bezug aus das Berliner Hostheater haben, zu entheben, um sich bloß dem Schassen und Sceniren neuer Tonwerke widmen zu können. Herr Benazet, der Spielpächter aus Baden, ist dieses Jahr aus seinen Minen ohne große Geldbarren heimzuführen zurückgekehrt. Vergangenes Jahr war der Gewinst gegen sechs hundert tausend Franken gewesen. Briefe au§ Cöthen versichern uns daß die dortige moralische Regierung keineswegs die Absicht hat die Spielbank zu schließen. Wenn sich noch einige junge Kauflente werden in den Eisen- bahnwagonsdie Kugel durch den Kopf gejagt haben, so wird die öffentliche Meinung in Cöthen vielleicht das Sündengeld anrüchiger finden. Homburg fährt fort Sommer und Winter mit seiner Spielbank zu locken. Der verstorbene Fürst von Hessen-Homburg hatte andere Ansichten über die Würde seines Namens. Der Prinz von Hessen- Homburg den uns Heinrich von Kleist geschildert, spekulirte nicht mit Spielpächtern der Roulette- Bank. Unsere Landsleute in Paris warnen wir mit besonderer Hinweisung auf einige sogenannte tMos ä'lloto, wo nach dem Essen sehr hoch Beartou. s. w. gespielt wird, vor Schlingen und Fallstricken. Die Unkundigen werden in der Regel dort von den Habitues geplündert, elegant geplündert, mit allen Formen der Höflichkeit und des guten Tons. Man hüte sich vor dem goldnen Hause fia inaison äoree) und den Syrenen; es giebt auch andre Spielparthien, höherer und niederer Art. Tie Zahl der Griechen (Oreos) ist in diesen Häusern stets bedeutend. Man nennt nämlich in Paris Griechen eine gewisse Klasse nur vom Spiel lebender Elegants, die säst alle einen Orden, einen Titel und immer eine sashionable Toilette zum Besten geben. Der Fremde wird dort magnetisirt, eingeführt, und meist mit leerer Börse entlassen. Diese Art von Griechen sind eine über ganz Europa verbreitete Association. Sie haben Korrespondenten in allen Städten und Ländern, ihre eigene Sprache und Signale; sie geben sich gegenseitig die Orte an, wo eilt guter Coup zu machen; sie suchen sich in die ersten Gesellschafteil entführen zu lassen und tragen oft berühmte Namen. Sie reisen sogar im Geschäfte; es ist eine Spekulation mit Steigen und Fallen. Einige werden durch einen Coup reich, andere verschwinden oder werden untergeordnete Helseshelser. Die Mysterien von Paris, welche Eugene Sue für das Theater der Borte-Luint-Alarrin beendet, werden erst im Monat Februar zur Vorstellung gelangen. Bereits seit vier Monaten sind alle Plätze vorauöbeftellt und bereits jetzt haben die Couponö- und Billet-Verkänfer glänzende Spekulationen für diesen Abend vorbereitet. Im Circus wird, nach Der republikanischen Episode des - VenFeur,. , die „Schlacht von Fontenay" unter Ludwig dem XV vorbereitet, und zwar mit dem Costume der Zeit. Die berühmtesten Namen des Hofes Ludwigs XV werden in den aus den Kupserwerkender großen ^ Bibliothek copirten Trachten erscheinen. Aus Deutschland erfahren wir daß derdeutsche »«, Schriftsteller Beurmann, der im französischen ) Journal de Francfort russisch e Artikel schreibt, aus ^ Verwendung des spanischen Generals Fürsten von Lichnowski, den portugiesischen Schwertorden erhalten hat. Eiue wahre Polyglotten-Nachricht. I Lizt war ein Paar Tage hier, und ist bereits D nach Weimar abgereist. Heine beabsichtigt jedes Jahr einen kurzen Ausflug nach Deutschland zu ma- ^ chen; Spontini verzehrt seine große preußische Pen- V sion in Paris und scheint nichts mehr zu componi- I ren. Die berühmten Concerte des Conservatoriums ^ beginnen dieser Tage. Sie sind der größte musikalische Genuß in Paris. Ein einziges Horn ist oft rebellisch, auch in der großen Oper; doch ist dieses Horn über die Maaßen von seiner Virtuosität eingenommen. In den beiden Journalisten-Logen des ! Conservatoriums werden regelmäßig an zwanzig ! große Namen gemordet; zwölf bis fünfzehn Per- j sonen sind dort zusammengepreßt wie in der Arche s Noe; alle treiben musikalische Kritik. Mainzer findet Ehre und Anerkennung in London , mit seiner trefflichen Gesangsschule für die arbei- ! tenden Klassen. Und die deutschen Regierungen las- ) sen solche Talente außer Landes! k Alle Welt hat dieses Neujahr statt solider Ge- ! schenke sich mit Bonbons und Zuckersachen gerettet. W Er kostet weniger und sieht zierlich aus. » Deutsche Z eilungsschau. Die Wiener Presse — auf hohen Befehl. Dingelstedt hat vor einiger Zeit der Wiener Presse einige bittere, aber wahre Worte gesagt, über die in Wien großes Zetergeschrei und namenloser Ingrimm entstanden; —Dingelstedt hat sich damals mehr mit den W i rkungen als mit den Ursachen beschäftigt, und mehr das, was ist geschildert, als das, woher es stammt. Ein neues Beispiel des Servilismus der Wiener Tagespresse ist in diesem Augenblicke vorgekommen. Ein Pariser Berichterstatter äußerte sich in einigen deutschen Blättern ungünstig über Donizettisneueste Oper: Dom Sebaftien. Da nun ein gewisser Theil der Wiener Presse wußte, daß Donizetti in Wien sehr hohe Beschützer habe, so warf er sich augenblicklich zum Verthcidigcr des Maestroauf, und Verarme Berichterstatter wurde mit einer Fluthvon Schmähartikeln und Angriffen überschüttet, die fast alle Wiener- Blätter in rührender Eintracht zu Tage brachten. Saphirs Humorist benahm sich dabeiwiegewöhnlich envrsi Poitou. Wo die Tagespresse zu solchem Serv'ilismus herabstnkt, daß sie. um nur das gnädige Kopfnicken irgend eines Beschützers dieses oder jenes beliebten Maestro zu erhaschen, Uchzu gedungenem Schreibsöldnern macht, läßt sich gar nichts mehr sagen, als : E u ch ^ e sch i eh t R e ch t! Auch unser Journal huldigt dem gemäßigten Fort- Ichritte in seiner edelsten Bedeutung, auch wir sehen das Heil der Menschheit nicht in dem Umstürze alles Bestehenden, sondern in einem vernünftigen, vielleicht etwas langsamen, aber nie stehen bleibenden Vorwärts- strebcn, aber vor dem feilen, kriechenden Servilismus möge uns der liebe Himmel bewahren; wenn nun aber dieser Scrvilismus sich sogar auf Kunsturtheile erstreckt, wenn ihr ehrliche Leute mit Kotb bewerft, um da und dort das huldvolle Lächeln eines Pr otektors zu erlangen; dann hat man in dem großen Hause der .Herrengasse in Wien wohl recht, wenn man mit verächtlichem Lächeln auf euer Treiben herabblickt und sich denkt: ,,Diesen Leuten kann man alles bieten !" Saphir, der privilegirte Wiener Spaßmacher, wurde vor einigen Jahren plötzlich ganz ernst, und schleuderte einen vernichtenden Artikel gegen Herloßsohn,! worin er ihn ungefähr ein ,,abgestandenes, verfaultes Aas" nannte, und mit den Worten schloß: Werft ihn zu den Todtcn!—Als Saphir im vorigen Sommer als Witzreisender Deutschland durchzog, um dem gutmütbi- gcn deutschen Publicum seine alten abgedroschenen Späße für gutes Geld zu verkaufen, sah man ihn in Leipzig Arm in Arm mit demselben Hcrloßsohn durch die Straßen ziehen. —Freund O.,der witzige Spötter, sah Saphir mitleidig lächelnd nach und sagte: ,,Wcrft ihn zu den Todten!" Laubes Zeitung für die elegante Welt, also zur Lecture für gebildete Frauen, für edle Fräulein, mit einem Worte für die elegante Welt bestimmt, kündigt in ihrem Anzeiger vom 13. Dezember folgendes belehrende und unterrichtende Buch an : ,,Dr. Albrecht : Der Mensch und sein Gesetz lecht; oder Belehrungen über Befruchtung;—zur Erzeugung gesunder Kinder, u. s. w.; "— Nsis e'k-8d tiop soll) ^VI. !" Einige deutsche Journäler führen seit Kurzem einen erbitterten Kampf gegen die Uebersehungen fran- zösischerThcaterftückc, aus denen übrigens die deutschen Bühnen-Dichter, sei es auch in der Technik nur, noch Manches lernen können. Dieselben Journäler füllen drei Viertheile, oft auch vicrVicrtheile ihres Blattes m i t U e b e r s e tz u n g e n f r a n z ö s i s ch c r N o v e l l e n, Anckdoten, Theaterberichte und pelüs tails aus. Erklärt mir, Graf von Oerindur, Diesen Zwiespalt der Natur. Wir werden über diese schrecklichen Franzoscnfrcs- ser cincgcnaue Controlle halten, und Ihnen von Zeit zu Zeit die genaue dctaillirte Note über verbrauchte französische Artikel ausstellen. — Wollt ihr deutsche Origin a l-D r a m e n, so schreibt erst deutsche Originalblätter. Vorwärts! Die Höflichkeit ist die erste Pflicht eines Mannes von guter Erziehung. Bei einem Diplomaten nun gar besonders ist die Höflichkeit eine Bedingung sine csuu. non. Wir empfehlen das Leien des Buches von Knigge über den Umgang mit Menschen dem Herrn Grasen von »Zischen Gesandten in Paris, uns vorbehaltcnd über die Art und Weise wie ein großer Theil der hiesigen deutschen Diplomatie seinen Verpflichtungen obliegt, weitlänftiger und durch Belege Bestätigtes zu offenbaren. Schutz der National-Fabrikation ! Wird man in Deutschland noch lange zögern der heimathlichcu, wirklich bereits Lebenskraft entwickelnden National-Jndustrie Schutz gegen England zu verleihen? Wird die Berliner Zollconscrcnz das neue Jahr mit einer Impotenz-Erklärung beginnen ? In Iserlohn hat vor einigen Monaten eine der größten Eisenwaaren - Fabriken Europas sallirt. Tic Passiva sollen sich auf vier Millionen T Haler belaufen. Sollte auch diese Angabe übertrieben seyn, so sind doch die Verluste, welche Berliner und Hamburger Häuser durch diesen Fall erlitten sehr bedeutend, der armen arbeitslosen Handwerker und Fabriksgehülfen in Iserlohn nicht zu gedenken. Ein gewisser vernünftiger Schutz der National- Jndustrie, ohne in das Ertreme der Prohibitiv- Maßregcln zu verfallen, scheint die allgemeine, Ansicht der Mehrzahl derer, welche den praktischen Standpunkt dem Auslände gegenüber festhalten. Buntes und Spitzes Vier Monate sind nun bereits verflossen, seitdem die preußischen Provinziallandtage ihre Sitzungen beendet haben, und noch immer sind die Landtagsabschiede nicht erschienen. Die Leute sehen sich verwundert an und fragen: Was denn ein .Hochpreisliches Ministerium so Wichtiges zu thun habe, daß es die Landtagsabschicde nicht von sich gebe? — Indessen das alte Sprichwort sagt, ,,Gut Ding will Weile haben!" —Wir wollen hoffen, daß sie dieses Mal ,,Gut Ding" enthalten. Von Heines Werken erscheint nun eine neue vollständige Gesammt-Ausgabe bei Hoffmann und Campe in Hamburg; — wir hören, daß sie bedeutend vermehrt sein soll; — wir wünschen dagegen, daß sie nicht „verbessert" sein möge. Ein deutsches Blatterzählt: Mlle Rachel sei in dem unweit Koblenz gelegenen Dorfe Vassenheim geboren. Mlle Sonntag, jetzt Gräfin Rossi, war eine Deutsche aus d.n Nheinprovinzen; Marie Taglioni, die berühmte Tänzerin, ist deutschen Ursprungs; Fanny Elsler tanzt auf deutschen Beinen; Hektor Berlioz greift unsere erste deutsche tragische Sängerin, die Schröder-Devrient, an, und die deutsche allgemeine Leipziger Zeitung fühlt sich geschmeichelt, die Briefe des Herrn Berlioz weit und breit wiederzugeben. Das Gute in den Briefen des französischen Kritikers müßte beachtet, das Schlechte aber verworfen werden. Wann werden gewisse Redaktionen Takt lernen? Der Takt ist weder deutsch noch französisch, sondern ein richtiges Gefühl der eigenen Würde sich und andern gegenüber. Wir empfehlen dies der achtbaren Firma Vrockhaus. Die Allgemeine Preußische Zeitung fährt fort in ihren Spalten die deutschen Bundesstaaten unter der Rubrik: Ausland mitzutheilen. Diese geographische und politische Lizenz kömmt uns in der That spanisch vor. Die Leipziger allgemeine deutsche Zeitung nennt den verstorbenen König Wilhelm I der Niederlande einen kauf m ä nnische n K önig odcrVinen königlichen Kaufmann, die Literattlk wenig liebend, aber die Lireraten in vornehmer Art reichlich unterstützend, standhaft im Unglück, voll oranischer Verschwiegenheit u. s. w. Di Trauerrede des Doktor Ehrenbcrg in Berlin ist mebr in apologetischer Natur gehalten worden. Rücksichten und Umstände trugen hiezu bei. Würde ein egyptisches Todtcngericht über den verstorbenen König von Holland gehalten, so wäre nicht zu vergessen, daß die Folgen seiner Negierung die Auflösung des Belgisch-Holländischen Staates und die jetzige Schuldenlast Hollands nach sich zogen. Der jetzige König von Holland ist eine seinem verstorbenen Vater ganz entgegengesetzte Natur: künstlerisch- geistvoll, lebhaft, lebenslustig, brav im Kriege, weniger fest als regiäm, dabei sich mehr dem französischen a's dem deutschen Elemente zuneigend, was sich auch leider bei der jetzigen holländischen Politik gegen Deutschland, den freien Rhein und das jnurg»'» fl» »,« >- ausspricht. Der jetzige König von -Holland ist Universalerbe seines Vaters, erbt ein großes Capital und wird so das Glei chge wi ch t in seinem Privat-Vermögcn wieder Herstellen können. Man schätzt die ihm zugefallene Erbschaft auf ungefähr dreißig Millionen holländische Gulden. Unter dem Titel der Jnfant von Eastilicn ist von einem Deutschen, Hermann Scharf, unter Mitarbci- tung eines der jüngern französischen Dichter !UicIikü Verfasser der Jugend Luthers, ein Drama dem zur Prüfling vorgelegt worden. Wir wünschen, daß zwei strebsame junge Leute durchdringen mögen. Zwar Iw! (me,«': hat mit seinen Versen in der Jugend Luthers auf dem Odöon Theater Glück gemacht; der Schwierigkeiten aber sind viele zu überwinden um auf dem ersten französischen Theater zur Aufführung zu gelangen. Ein Frankfurter Blatt, welches nebst andern deutschen Zeitungen das Erscheinen unsres Blattes bespricht, wünscht uns daß der kreisende Berg keine Maus gebäre, indem man unter den Deutschen in Paris viel Aufhebens von unserm Prospcktus gemacht habe. — Wir machen keine Ansprüche bei unserm Entstehen ein Chim- borasso zu sein, beklagen uns übrigens gar nicht, daß unser bescheidner Anfang nicht mäuschenstill vorü- bergcht. Die Augsburger Allgemeine Zeitung zeigt an: die Zeitschrift Vorwärts werde im gemäßigten Fortschritte geschrieben sein; — ein französisches oft sehr unterhaltendes Blatt, der Satan, wünscht uns M ei l e n - Sticfcl und spricht von der Aufmerksamkeit, die unser Titel unter der Deutsch-Pariser Diplomatie, den Russen u. s. w. erregt. Andere französische Blätter melden auch unser Erscheinen. Bettina Arnim wird indem Satan im ni'ßligä geschildert. Es wäre besser die geniale Frau dem Auslande nur durch ihre Schriften zu empfehlen. Fürst Pückler Muskau ist mit seinem cgyptischen Liberalismus, seiner Mohrenkomödie und seinen lutti lrutt i verschollen. Die Früchte sind längst verfault, es waren nur eingemachte Treibhaus-Erzeugnisse. Prinz Felix von Lichnowski, der unter Don Carlos rasch General wurde, in Deutschland bei -Hoffesten die carliftischen Orden trägt und sich als Ultra- Carlist darstcllte, erbat sich nichts desto weniger einen portugiesischen Orden von der Königin Donna Maria in Portugal und einen von dem Könige Leopold der Belgier in Brüssel. Welche Consequenz der politischen Farbe! — So eine besternte Brust sieht wie eine Muster karte aus. Eine Fürstin von Salm läßt im Conftitution- nel ihre Rückkehr nach Paris und ihre literarischen Arbeiten verkünden. Was doch Europa für große Ereignisse erfährt! Krebsliches. Ein Schreiben aus Dessau, vom 24teu Dezember, in der reg- und strebsamen Trierer Zeitung, enthält Folgendes: „Der hiesige Adel soll, wie man sagt, sich dahin vereinigt haben, kein bürgerliches, selbst den höchsten Ständen angehöriges Mädchen, sürder mit dem Titel -Fräulein zu beehren." Welcher kühne Fortschritt dcS Tcffaucr Adels und zugleich welche selbstvcrläugnende Bescheidenheit! — Da die bürgerlichen Mädchen also nun dort Inngsc rn heißen müssen, denn als gute Deutsche werden die Dessauer doch nicht Mademoiselle sagen, so will der Adel wahrscheinlich durch obigen Beschluß andcntcn, daß Jn ngsern nur in den bürgerlichen Klassen zu finden sind. — Laßt Krebse satteln, — Krebse zu einem Spazierritte sür den Tessaner hohen Adel.— Oh, alterDcssaucr! wenn du das sehen könntest! Es gibt hier in Paris eine gewisse Anzahl junger Greise, welche Bälle ganz eigener Art veranstalten; sür den Augenblick bezeichnen wir diese Satnrnalicn mit dem Ausdrucke: Bälle im N a l u rzu st a n de. Wir werden diesen Fortschritt zum viehischen Zustande nächstens genauer bezeichnen. Wenn sich junge Arbeiter nach den Mühen der Woche etwas gütlich thun, so erheben die heuchlerischen Moralisten ihre Stunmc und rnscn: Wehe! Warum schweigen diese salschen Propheten bei den Orgien einer Klasse der Gesellschaft, deren Bildung eine andere Art von Belustigungen erwarten ließe als Bälle und Diners wozu die Costume der Osa- gen und nackten Wilden mit ihrem Feder- oder Korallen-Putze noch zu verschleiert gefunden werden? Der Somnambulismus wird immer mehr Mode in Paris, hellsehende Damen prophezeihen Wunderdinge, jedes Viertel hat eine Seherin von Prevorst. Einige Pairs von Frankreich schwören zu der Fahne dieser modernen Pythonissinnen. Pariser Theaterschau. Die italienische Oper sucht nach Salvis entscheidender Niederlage in Anna Bolena einen Ersatz in Lablaches Medererscheinen in Don Pasquale, dieser Lieblings-Oper der letzten Saison. Hierauf folgen Othello, Linda und der Barbier von Sevilla; — ob Riccis: Cor rado oder Kreutzers Nachtlager den Vortritt auf dem Reper- toir haben werden, ist noch unentschieden ; — wahrscheinlich aber wird man das Nachtlager für den Monat März lassen, da Madame Persicmi schon mit Ende Februar nach London abgeht, Madame Grisi aber nicht alle Abende singen kann und daher Kreutzers Oper das Repertoir dann trefflich vervollständigt. Die Besetzung derselben ist: Ein Jäger, Herr Ronconi; Gabrielle, De- moiselle Nissen; Gomez, Herr Mario. Kreutzer selbst wird in diesen Tagen hier erwartet, um die Proben zu leiten. - Von Herrn Leon Pillet sind aus den hesperischen Gefilden noch keine entscheidenden Nachrichten angelangt; die französischen Blätter sprechen von den Tenoristen Fraschini und Feretti, die Pillet den italienischen Impresarios ent- und der großen Oper zuführen wolle. Wir glauben besser unterrichtet zu sein, wenn wir behaupten, daß es sich um einen ausgezeichneten jungen Tenor in Neapel Namens Tamberlic (wie wir hören: ein Deutlcher) handle, den Panseron auf seiner italienischen Reise gehört und vorzüglich gefunden hat. — Meycrbeer hat von Scribe den Plan einer neuen komischen Oper nach Berlin mitgenommen, die an Geist, Witz, Neuheit und Interesse der Situationen Alles über- treffcn soll, was der fruchtbare Scribe bis jetzt in diesem Fache geleistet hat. Wir werden uns freuen den Tondichter Roberts und der Huguenotten auf diesem für ihn neuem Felde zu begrüßen. — Ein neues Drama, Luther, von Victor Avril dem Theater-Francais übergeben und von dem Lese-Comitö sehr günstig ausgenommen, sott, bei der jetzt bestehenden Spannung mit dem Clerus, in Hinsicht der Aufführung beanständet werden, da man von den Parterre lebhafte Manifestationen gegen die Übergriffe-des Ultramontamsmus befürchtet. Rebus. Wir und mit uns noch viel klügere Leute glaubten bisher, daß die deutsche Sprache sich durchaus nicht oder doch nur schwer zu dem leichten Wortspiele der Rebus und Calembourgs eigne, und dieser Gedanke ließ uns gänzlich verzweifeln an der Zukunft des deutschen Vaterlandes, denn was sott aus einer Nation werden ohne Rebus und Calembourgs? Allein einer unserer Freunde, ein junger talentvoller Mann von 24 Jahren, der 62 Jahre seines Lebens mit den gründlichsten etymologischen und philologischen Forschungen über diesen wichtigen Gegenstand zugebracht hat, hat uns so eben eine Sendung von frischen deutschen Rebus und Calembourgs zukommen lassen, deren Echtheit und Güte er uns verbürgt. Da wir jedoch befürchten, daß unsere Leser nicht zu viel von diesen Leckerbissen auf ein Mal vertragen könnten, so geben wir hier nur als eine kleine Probe zwei deutsche Rebus: I. Samt Lateran, der Petersdom, die Stephanskirche, Sancta Maria Maggiore und cke l'-n-is, ist le Un-Stadt-Garn. II. : tttt B. A. T. die -7^- des Skt. M. A. Stiftes ln ihrer Würde r 8 tt es nicht iE. G. Koch. T. N. T. zu S. N. Die richtigen Leser und Löser dieser Rebus erhalten zur Belohnung einen wohlconservirten Eindruck der ersten öffentlichen Reden des Königs von Preußen. — Der Komiker Scholz. Wer hat nicht von dem berühmten Komiker Scho (z in Wien gehört, der allein das Vorrecht der Sprachfrei- heit in Ostreich besitzt und Dinge öffentlich sagen darf, für die jeder Andere eingesperrt würde; — »verkennt nicht auch Carl, den berühmten Theater-Direktorin Wien, der mit Nichts nach Wien kam und nun in Hietzing eine ganze Gasse von siebzehn Häusern besitzt, die Carls- Gasse genannt, und dessen Schauspieler-Contrakte in der Theaterwelt Höllen vertrage genannt werden, die man mit seinem Blute unterAchnen und mit seinem säuern Schweiße abdienen müsse ? Nun, Carl hatte vor Kurzem Scholz aufs Neue mit einigen Tausend Gulden ausgeholfen und sich dafür von ihm einen festbindenden Engagements-Contrakt für sein ganzes Leben unterzeichnen lassen. — Als Scholz nach der Unterschrift ihn verließ, ging ihm die Sache doch im Kopfe herum, und er schritt schwermüthig über das Glacis. — Ein Freund kam ihm entgegen: — Guten Tag, Scholz! Warum so traurig? — Oh, Freund! ich bin sehr unglücklich. —- Wie so? Was ist Ihnen denn geschehen ? — Ob, etwas Entsetzliches! Stellen sie sich vor, ich bin lebenslänglich zum Theater an der Wien verurtheilt worden! Aufruf! E Herr Friedrich Koch, aus Braunschweig, ^ wird gebeten von seinem gegenwärtigen Wohnorte gefälligst, unter der Adresse XX2, der Redaktion K des Vorwärts Anzeige zukommen lassen zn i wollen. ff Briefkasten Herrn G. L. hier.—Sie haben uns mit einem: ,,Ge- s dichte an den Kaiser von Rußland" beschenkt. ' Da wir mit der Verherrlichung dieses Lieblings des deut- schen Volkes nichts zu tbun haben »vollen, so geht es wie- - der zurück. Einige Proben daraus können wir jedoch unfern Lesern zu ihrer Erbauung nicht vorenthalttn: Eine neue Morgenröthe Wiederstrahlte in Berlin Und ein fr ischer Ostwind wehte Durch die langen Straßen hin. Wir danken für den Wind aus Osten, der den rus- . fischen Czar nach Deutschland bringt. Sechs der schönsten weißen Pferde ' Zogen ihn mit leichtem Fuß » Und mit huldvoller Gebende ? Danket er dem Volkcsgruß. s Diese Huld haben wir dem Cartell-Vertrage zu danken, ^ — übrigens war der .,Volkesgruß" dieses Mal ziemlich k unbemerkbar. Zum Schluffe ruftHr. G. L. begeistert I aus: ! Deutschland—Rußland! Schon die Namen ! Stimmen mit einander ein Und ein fester Freundschaftsrahmen - Schließet beide Volker ein. Schonen Dank! wir wollen von dem ,,Freundschafts- ^ rahmen" nicht profitiren, uns fällt dabei immer die bekannte Anekdote ein: ,,Wann werden die Preußen, Russen?" — ,,Wenn sie den Kopf verlieren. (Das P; , Preußen — Reußen.) ^ Herrn L. L. inWie n.— Den versprochenen Berichten sehen wir erwartungsvoll entgegen, — nur keinen Theaterklatsch und keinen : ,,Gott erhalte" - Patriotismus. Herrn V. v. I. in Berlin. — Sie fürchten unser Blatt nicht durch die Post erhalten zu können ; — wir halten die deutschen Negierungen für zu aufgeklärt, als daß sie sich vor unferm Blättchen fürchten und die Expedition desselben durch die Post verbieten sollten. Fr. I. v. H. Stuttgart. Ein deutsches Blatt ohne Censur scheint Ihnen nicht möglich. Wir wollen dieses Problem zu lösen suchen und selbst unsere Censoren sein. Redacteur: Heinrich Börnstein. Das Central-Bureau kür Commission und pulllicität, commercicUen und geselligen Verkehr »wischen Frankreich und Deutschland, 32, LVL DLL «roVLIMS, ^mpsteM stch dem Pariser Handels-und Fabriksstande zu geneigten Aufträgen. Mit dem Vertrauen mehrerer regierenden Höfe, vieler fürstlichen, gräflichen und adeligen Familien Deutschlands beehrt, in allen großen Städten Verbindungen besitzend, istcsim Stande allen Aufträgen bestens zu entsprechen. — Commissionen in Luxus- und Kunst-Artikeln, Insertionen von Anzeigen in deutschen Journalen, Versendung von Prospectus, Catalogen, Ankündigungen durch ganz Deutschland lda es im Besitze von 200,000 Adressen in allen großen deutschen Städten ist), Auskünste über deutsche Angelegenheiten, Einkäufe sür Fremde in Pnrrs in den Fabriken und zu den Originalpreisen, Bestellungen deutscher Fabrikate, u. s. w. gehören in seinen Geschäfts-Bereich. crpedirt wöchentlich zwei Mal eine lithographische Uebersicht aller neuen industriellen Erfindungen, Entdeckungen Verbesserungen u. s. w. an seine Clienten nach Deutschland. — Der Pariser Handel-und Fabrikstand wird eingeladen dein Central-Blncau seine Prospectus, Catalogc, Preis-Courants u. s. w. zur Verbreitung in Deutschland einzusenden — Briese franco. Druck mir Schnellpressen von Paul Renouarb Paris, Mittwoch. Nr. S. ^ 1«. Januar 1844. Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 43 ,, Drei Monate. ... 8 ,, Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 ,, Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen : die Zeile n 50 Centimes. w Man abonnirt: für Paris: in der Buchhandl. von aMer Neoauarck er v", I-U6 ük 1'vurnon, 6, und im Luresu venirst pour rue äss llloulins, 3»; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; * Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Mutik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am ErscheinnngS-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an unsere Pariser Abonnenten durch die Anstalt der Herren Bonnard und Campmas (kistaletw 6u eommere« 41, rue cie In 4u88i6nn6). — Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in fraukirt en Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briefe wollen Iruneo : « An die Nedaction des Journals: Vorwärts! Z 2 , rue 668 IllouIin8 in Paris » eingcsendet werden. Freies lvort und otkenes Gericht! DaS freie Wort,. Der Völker treuster Hort, Der Throne wahrster Freund, Heil Deutschland! wenn dir einst erscheint Dein wahrer Schutz und Hort,: Das freie Wort. Off'neS Gericht Schreckt nur den Bösewicht Gerechtigkeit verheißts dem Mann Heil Deutschland! wenn auch dir bricht an Des Rechtes wahres Licht: Off'nes Gericht. 7 > ' -—— Aufruf zur Unterstützung der Familie Sylvester Iordan's. Wenn der jähe Sturz eines Hochstehenden, auch der verdiente, auf unser Gemüth eines ernsten Eindruckes nicht verfehlen kann, — was für ein Gefühl muß uns übermannen, wenn ein solches Geschick einen der Besten unseres Landes, einen gerechten, thatkräftigen, muthigen, besonnenen Mann, wenn es Sylvester Jordan trifft? Was Jordan ist, wofür er leidet? —der rascheste Rückblick wird hier genügen. — Hochgeehrt als einer der begabtesten, freisinnigen Schriftsteller Deutschlands — wirkte er seit 1822 au der Hochschule von Marburg, als einer der vortrefflichsten Lehrer, wurde er, in ehrender Anerkennung seines hohen Verdienstes, als deren Vertreter in die denkwürdige kurhessische Ständeversammlung von 1831 gesendet, in welcher der Entwurf der neuen Verfassungsurkunde zur Berathung kam, als deren Hauptmitbegründer sein Name in dem biederen Hessenlande unvergeßlich bleiben wird. Ein Mann seiner Ueberzeugnng, der warme, kühne, furchtlose Anwalt des Fortschrittes — hier ist sein Verbrechen, das man ihm nicht verzeihen konnte. — Im Junius 1839 suspendirt, wird er im August desselben Jahres zur Untersuchung Ln's Criminalgefängniß abgeführt; erst nach dritt- halbjähriger Haft im Kerker darf er sein Haus bewohnen — ausgehen sogar, — von bewaffneten Schergen begleitet. Und in dieser ganzen Zeit hatten sie, die Edlen und Gelahrten, seine Richter, noch nicht näher „herauszustellen" vermocht, worin das Verbrechen, das sie im Voraus so strenge bestrafen, worin es eigentlich bestehe.— Und jetzt nachdem, 18 Monate später, der Urtheilsspruch endlich erfolgt ist, fragen wir nochmals, welches ist sie, diese Unthat, wofür dieser Märtyrer der deutschen Nation so schwer zu büßen hat? Ist es offener, ist es versteckter Verrath, hat er an dem Umstürze des Staates gearbeitet, blutige Pläne geschmiedet? — Das eigentlich nicht; er ist kein Rädelsführer gewesen. Oder hat er an solchen verderblichen Umwälzungsplanen wenigstens thätigen Anthcil genommen? — Auch das nicht es ist aber einige Wahrscheinlichkeit, es sind „Judicien" da, sagen seine Richter, daß er Etwas gewußt und es nicht angezeigt hat, und deshalb trifft ihn, sagen die Richter nach 8 so und so, und mit milder Umgehung des 8 so und so, der auf lebenslängliche Kettenstrafe erkennt, trifft ihn, nicht die volle gesetzliche Strafe, sondern nur der Verlust der bürgerlichen Ehre und fünfjährige Festungsstrafe. Unsere Leser müssen nämlich wissen, und wir verweisen sie deßhalb auf einen späteren Artikel, daß in Kurhessen noch in diesem Augenblicke eine Gesetzgebung besteht, die diesem Jahrhunderte nicht mehr angehört, eine Gesetzgebung die auf gleicher Stufe steht mit der edlen lÄrolinn, mit der „hoch- nothpeinlichen Halsgerichtsordnung" Karl des Fünften, die ja auch noch hie und da Geltung hat in Deutschland, nur daß man sie anzuwenden zu schamhaft ist. Und diese verrottete, vergessene, verspottete Gesetzgebung ist es, welche die kur-, hessische Regierung in den Stand gesetzt hat, einen freien Mann in solche traurige Lage zu versetzen. Freunde und. Landsleute! schauet einen Augenblick auf dieses Bild, und dann wendet die Blicke von diesem unter den schwersten Leiden und Prüfungen ungebeugt gebliebenen Manne, auf die Sei- nigen, seine arme Frau, seine verlassenen Kinder! — Jede Erwerbsquelle versiegt, die spärlichen Ersparnisse längst verzehrt, seine Familie durch Kummer und Krankheit, weit mehr noch als Er der stolze standhafte. Mann zu Boden gedrückt, und spärlich ist die Aussicht auf die Unterstützung durch Menschenfreunde. Zwar an dem lebhaftesten Mitgefühle, an der wärmsten Theilnahme für Jordan, fehlt cs wahrlich nicht in Deutschland; Aber wie kann sie recht geweckt, geleitet, unterhalten werden in einem Lande, wo die Presse gefesselt liegt, einer Handlung reinerMenschenfreundlichkeit ohne sonderliche Mühe der Anstrich einer polisi- schen Demonstration gegeben wird; wo daher die edlen Bestrebungen unabhängiger Männer wie Welcker und Ernst Emil Hofsmann, zu Gunsten der unglücklichen Familie, von einem vollen Erfolge, wir fürchten es, kaum begleitet seyn dürfen. All Euch wenden wir uns daher mit vollem Vertrauen, mit unbegränzter Zuversicht, ihr Deutschen in Frankreich. Lasset uns nach unseren Kräften ein Scherflein zusammenbringen, das den armen Bedrückten ihre kummervolle Lage etwas erleichtere, das dem edlen Dulder zugleich ein Zeug- niß sey, wie in seinen deutschen Brüdern im Auslande deutsches Gefühl nicht ausgestorben, die verehrungsvolle Anhänglichkeit an die guten Männer des ursprünglichen Vaterlandes, fern von der Heimat!) nicht erloschen ist. Und in der iynigen Ueberzcugung daß wir in den Gefühlen die uns diese Zeilen eingeben, nicht allein stehen, wenden wir uns mit um so größerem Vertrauen an Alle die in der Lage sind durch Rath und That der guten Sache förderlich zu seyn. Wir erbieten uns, so lange keine besseren, zweckdienlicheren Einrichtungen vorgeschlagen werden, Beiträge für die Familie Jordan einzusammeln und nach abgelegter öffentlicher Abrechnung an ihre Bestimmung gelangen zu lassen. Jede Gabe wird willkommen seyn. Aber jede solche Beisteuer wolle der Ordnung wegen von dem Namen des Gebers, oder wenn es dieser vorzieht einem Anfangsbuchstaben, einem Motto begleitet, oder auf irgend sonst beliebige Weise in der Art bezeichnet werden, daß sie der Geber in den zu veröffentlichenden Listen zu erkennen im Stande ist. An unsere französischen College», die herzliche, dringende Bitte, unseren Vorschlag nach Kräften zu unterstützen. Die Redaction des „Vorwärts!" Pan - Germanismus. Ts ist sonderbar, schreibt mir ein Freund aus Deutschland, und zugleich sehr bezeichnend, daß daö -in Deutschland populärste Volkslied mit der Frage anfängt: „Was ist des Deutschen Vaterland?" ein Problem, über dessen Lösung die Gelehrten in Deutschland noch nicht einig sind. Das Volk ist darüber längst im Klaren und sagt: überall ist Deutschland, wo Deutsch gesprochen wird. Wenn der Satz einmal in unserm lieben Vaterlande zum vollen, kräftigen Bewußtsein erwachen sollte, dann ist der Pan-Germanismus von selbst fertig, ohne daß man sich damit so viel zu mühen und zu plagen brauchte, als im Osten Mit dem, in künstlicher Treibhaushitze politischer Pläne, krüppelhaft erzeugten Pan-SlavismuS. Dann freilich würden wir einen Theil Brabants, Dänemarks, Schwedens und Norwegens, ja die russischen Ostseeprovinzen zu Deutschland rechnen und dort ein Bischen deutsche Propaganda machen müssen. Deutschland, wie es jetzt nach so vielen Prüsungsjahrhunderten der Knechtung, der Zerrissenheit, religiöser und politischer Kriege am Morgen eines neuen kräftigen Erwachens steht, hat nur zwei Wege vor sich, den, die erste Nation Europas zu werden — und bei Gott! es könnte dies, — oder für immer zurückzusinken in die Nacht der Unbedeutenheit, der politischen Zerspaltung, der moralischen Schwäche, ein zweites entnervtes, entartetes Italien, ohne dessen milden Himmel, dessen verschwenderisch freigebige Natur, dessen materielle Entschädigungen für verlorne, geistige Größe. Ist Jemand in Deutschland, der, so sehr er sich auch dem modernen Jndifferenttsmus hingegeben haben mag, dies Letztere möchte? — Gewiß Niemand! Jeder fühlt, daß es anders sein kann, — anders werden muß, als es ist. Aber dazu gehört etwas nationaler Fanatismus, — etwas deutsche Propaganda, — mit einem Worte: ein vollkommen orga- nisirter Pan-Germanismus. Bis jetzt ist an diesen noch wenig zu denken, — alle Bemühungen für die Einheit und Erhebung Deutschlands scheitern noch immer an deutscher Gründlichkeit, Bedächtigkeit und deutschem Phlegma; — ohne Zusammenhang arbeiten liberale Oppositionen, das Bessere wollende Blätter und einzelne begabte Nahmen im deutschen Vaterlande herum; — täuschenden Irrwischen gleich, leuchten sie einen Augenblick, verschwinden dann und lassen die ihnen Folgenden im alten Sumpfe stecken. Ein kräftiges Aneinanderschließen aller geistigen Kräfte in Deutschland zu einem Ziele und Zwecke, eine moralische Wahlverwandtschaft der Befähigten, ein großer socialer und geistiger Zusammenhang Deutschlands fehlen noch immer; und eben diese würden den unerläßlich nöthigen Pan-Germanismus bilden. Aber was geschieht statt dessen in Deutschland? — In der Literatur nichts Neues und in der Politik nichts Großes! es ist immer die alte Leyer,unddie Preußische Allgemeine Zeitung, die ihre ersten Spalten mit der Ankunft nnd Abreise von Prinzen, Grasen, Generalen und Superintendenten u. s. w., ihre letzten aber mit Bücheranzeigen über Schelling'sche und Hegel'sche Philosophie, Hauöfrauenbildung und Kochkunst aussüllt (was zwischen diesen Seilen liegt, behandelt England, Frankreich, Spanien, die Türkei, Brasilien und Ehina) gibt uns ein treues Bild von dem gegenwärtigen politischen, litterarischen und socialen Leben Deutschlands. Freilich regen sich hie und da politische Erörterungen; — Broschüren, Vierteljahrsschristen, leitende Artikel und dicke Bücher behandeln die Fragen des Tages, aber alle viel zu gelehrt, unverständlich für das Volk; — öS fehlt Deutschland an populären faßlichen Schriftstellern. Dtzr Deutsche ist, leider, sehr gelehrt; — er kennt Alles, er weiß Alles, nur was Freiheit ist, kennt er nicht,—was fein Vaterland werden könnte- weiß er nicht. Man spricht freilich viel von einem neuen Geiste, der dem deutschen Michel in den Leib gefahren sein soll! Du lieber Gott wo hat der deutsche Michel Platz für einen neuen Geist? — Er müßte ja erst den alten Sauerteig, die unverdaulichen Gedanken, die politischen Ammenmährchen, mit denen man ihn von Kindheit auf gefüttert und eingelullt, von sich geben. — Jordan wird nach langer Untersuchungshaft zu fünfjähriger Gefängnißstrafe vek- urtheilt, der der arme, kranke Mann wohl unterliegen wird;—und die Nachricht von dieser barbarischen Härte hat bet dem deutschen Michel viel Unwillen erregt, d. h. er hat sich geärgert, einige Gläser Wein öder Bier getrunken, dabei inwendig raisonnirt und sich dann zur Frau schlafen gelegt; das war Alles, — nein, er hat auch hinterdrein für die Familie einige Thaler Collecte gemacht. Ist das der neue Geist? Und wie bewährt sich dieser Geist der Verfassungsverletzung in Hannover, den Rückschritten in Preußen, den Jesuiten- Umtrieben in Baiern, dem Adelsunwesen in Braunschweig gegenüber; wie oben: — et ärgert sich, trinkt in dem Ärger hinein, schweigt und legt sich schlafen. — Schweigt?... und es gibt eine deutsche Presse? Geht mir doch mit dem Kinderspiel, das Mutter Censur mit der Ruthe überwacht; — aber habt ihr nicht eine freie Presse in England, in Frankreich, in der Schweiz, in Amerika? könnt ihr euch nicht dort hinwenden, nicht einstimmig so lange schreiben und schreien, bis eure Stimme gehört und verstanden wird und die Überzeugung von Recht und Unrecht sich sonnenklar überall hin verbreitet? Ihr thut es nicht, weil ihr euch fürchtet, oder weil ihr zu bequem seid, oder zu indifferent, oder weil ihr sagt: „Was geht das mich an?" — Durchdringt euch erst von der Heiligkeit eures Berufes, deutsche Schriftsteller und Publicisten, Wähltals Wahlspruch: „Die Wahrheit über Alles !" laßt das kleine Partheigetkeibe und Win- kelgeklatsche, die Verdächtigungen und dön Frau Basen-Ostracismus und arbeitet einig, Hand in Hand, für Deutschlands Größe und Erhebung, und dann werdet ihr erst würdig euren Platz ausfüllen. Ohne Pan-Germanismus kein Deutschland! ohne Zusammenhang der wirkenden Kräfte kein Erfolg,— ohne Wahrheit kein Licht, ohne Muth kein Sieg; —dies beherzigt, und handelt im Geiste deutschen Charakters: Treu! Offen! Furchtlos! und Wahr! So lange aber dies nicht der Fall ist, sprecht nicht von einer deutschen Presse, sondern bloß von deutscher Bücher- und Zeitungsmacherei , mit Aussicht auf etliches Honorar! Es eristirte, — höret es wohl! — es eristirte in Deutschland ein einziges Blatt, das sich mit der deutschen allgemeinen Nationalität, mit einem Pan- Germanismus beschäftigte; — es war dies Giehne's Deutsche Wochenzeitung, die ohne Lärmen und Aufsehen diesen Weg betreten hatte; leider aber ist sie in Bayern und eitrigen andern deutschen Vaterländern verboten, in andern nicht gelesen und ihre Abonnentenzahl 500, endlich eingegangen. Giehne und Andre, zwei begabte, kenntnißreiche Männer waren ihre Redactoren, aber sie waren allein, vereinzelt, ohne Verbindung mit der Gesellschaft, versauemd iu der Sahara Carlsruhe's. „Wir schreiben nicht für das Publikum!" sagten Beide. Unglückseliger Irrwahn! der so viele besseren Naturen in Deutschland befangen hält, nicht für das große Publikum, sondern nur für Auserwählte schreiben zu wollen; die Auserwählten aber sind nur ein kleines Häuflein und verschwinden in der Masse des ununterrichteten Publikums. Schreibt vernünftig faßliche Bücher und Zeitungen für das Volk, bringt es dahin, daß der Bediente, die Laden- Mamsell, der Bauer, der Commis bei seinen Pfef- serdüten, der Handwerker Abends im Wirthshause sich Mit den Angelegenheiten ihres Vaterlandes be- schäftgten, und eure Bücher, statt der zwölf schlafenden Jungfrauen, des Kunos von Kyburg, der Mi- mtli, des Eulenspiegels öder des Müchlerschen Anekddten-Almanachs lesen, und ihr habt mehr für Deutschland gkthan, als mit allen gelehrten und tiefsinnigen Abhandlungen, die den Kohl doch nicht fetter machen. Leider gab der Banquier Moritz von Haber die Fonds zur Wochenzeitung, und diese steckte daher bis über den Hals in Twist, Roheisen un-ähnlichen Krämereien. Das erzeugt aber Dürre, Trockenheit und Pedantismus, — und wir brauchen in Deutschland, Feuer, Begeisterung, ja etwas Fanatismus; ohne welchen eine Regeneration eines Volkes unmöglich ist. Deutsches Original-Drama. Berlin, Decbr. Neulich hatten wir auf der Bühne die merkwürdige Erscheinung einer deutschen Original-Tragödie : „Franz von Sickingen, von Ludwig Rellstab." Eine Tragödie, aber es war ein kapitales Lustspiel. Jeder der drei letzten Acte endigt mit einer Leiche am Souffleurkasten, worüber das Publicum lachte, daß die Thränen kamen. Jedes Gefecht auf der Bühne, wobei Einer stirbt, ist allemal lächerlich. Rellstab hat drei solche Gefechte dicht hintereinander und dadurch offenbar verrathen, daß er eigentlich ein Lustspiel hat schreiben wollen. Er hat seinen Helden zu einem Spitzbuben gemacht. Dieser weiß, daß ein Schiff von einem Manne, der ihm nichts gethan hat, unterwegs ist; um das gut beladene Schiff auf eine noble Weise wegnehmen zu können, schickt er dem Manne einen Fehdebnef. Das ist des Pudels i. e. der Tragödie Kern. Zuletzt stirbt natürlich Sickingen, aber um die Tragik zu erhöhen, unter fürchterlichen Zuckungen, worüber das einmal komisch gestimmte Publicum ebenfalls ehrlich lachte; erstirbt, ohne daß man weiß, was der Mann gewollt hat. Er sagt aber sterbend zum Landgraf von Hessen : „Dir (Zuckung)Hab' ich vertraut (Zuckungen), was ich (2 Zuckungen) gewollt habe!" (mehre Zuckungen, er stirbt). Nun fällt, wie es sich bei einer Tragödie mit 3 Leichen geziemt, der Vorhang sehr langsam, als wär' er betrübt, daß das Lustspiel nun schon zu Ende sey. Während dieses tragischen Falles schreit Einer mörderisch mehrmals „Landgraf von Hessen, Landgraf von Hessen! Der soll vor Gewalt heraus." „Na^warum denn Landgraf von Hessen?" schreit ein Anderer. „Na diesem Glücklicher! hat der Sickingen vertraut, was er gewollt hat! Nun soll der 'raus und sagen, was er eigentlich gewollt hat, denn es weiß es ja noch Keiner. (Schreiend) Landgras von Hessen! Landgraf von Hessen!" — Eine Schauspielerin, die meine Passion für deutsche Dramatik kennt, rief mir am folgenden Morgen zu, indem sie mir das Rübchen schabte: „Na das war ja eine deutsche Original- Tragödie! Na?" Ja aber von Rellstab. Die Bühne hat sich gegen mich verschworen, sie will meine Passion total lächerlich machen — deshalb gibt sie so gern deutsche traurige Lustspiele oder lustige Trauerspiele. Deutsche Consulate Aus Bsrd^äux. So wünschenswerth es ist eine deutsche Zollvereins-Flagge begründet zu sehen, um diesen wahrhaft patriotischen Bund würdig auf den Meeren zu representiren, so nöthig ist eine Representation der gesammten Deutschen Mächte auf dem Fest- Lande. Das Bundes-Kontingent ist die Quelle, woraus dieselbe längst hätte hervorgehen müssen, allein die deutsche Einheit, wovon man so viel schreibt und spricht, ist in der Wirklichkeit nicht vorhanden. Die Politik der verschiedenen Mächte mag bis jetzt der Ausführung eines solchen Projektes, wenn es überhaupt in den hohen und höchsten Köpfen jemals keimte, Hemmnisse in den Weg gelegt haben, die dasselbe unausführbar machten, jedoch verhindert dies die durch den Handel unter sich verbundenen Mächte, den Zollverein, nicht einen Representan- ten für sich zu wählen. Der Vortheil eines vereinfachten Geschäftsganges ist anerkannt, die Representation jener Staaten in einer Person ihrem Zwecke entsprechend. Nützlich im Interesse des Handels, fördernd im Interesse der Nation! Man begründe daher mit der Vereins-Flagge, auch Vereins-Consuln! Es ist dies wenigstens wiederum ein Stein zum Aufbau deutscher Nationalität und deutscher Einheit. Bis jetzt erkennen die fremden Nationen trotz Bun- des-Contingent und Dombau-Verein eine deutsche Nation nicht an und werden ob der vielen Staaten am Staate irre. Jeden Deutsche Staat hat hier seinen Consul und auch Vice-Consul, bis auf Sachsen- Weimar-Eisenach herab, und bald werden wir wahrscheinlich Reuß- Schleitz- Greitz- Lobenstein- Eberö- dorser-Consulate und Vice-Consulate besitzen, denn nicht allein die Fürsten dieser Länder schmeicheln sich durch Repräsentation im Auslande, sondern die unglückselige Titelsucht des lieben deutschen Michel, die sich wie die Erbsünde verpflanzt und selbst nicht durch die aufgeklärtere Schule französischer Sitten erstickt werden kann, befördert nur die Zerstückelung des gemeinsamen Vaterlandes. Unschätzbar-R othschild. Ein Berliner Tabakshändler, Herr Enneler, kündigt eine neue Tabakssorte: „Unschätzbar- Rot h sch i ld!" das halbe Pfund zu zwei und einen halben Silbergroschen, an. Das Vermögen der Familie Rothschild ist in der That unschätzbar, nur kömmt es den Regierungen und dem Publikum etwas höher, als Herrn Ermelers Tabak. Wenn wir nicht irren, so ward Herr Ermeler einige Zeit l ange zu den eifrigsten Freunden einer Constitution n Preußen gezählt; — allein die Verhältnisse cheinen jetzt der Art itt Berlin, daß Herr Ermeler lieber neue Tabakssorten, als Constitutions-Programme erfindet. Bei der Durchreise des Herzogs von Orleans in Berlin und bei Überreichung eines Gedichtes an denselben durch Ermelers Tochter, erlebte der liberale Tabakshändler bereits eine kleine Enttäuschung, indem der sehr freigebige französische Prinz, in dem dargereichten Gedichte eine Unterstützungs-Bittschrift vermuthend, der jungen Dame durch seinen Adjudanten eine Geldsumme übergeben ließ, — während es rein nur auf eine politische Aufmunterung abgesehen war. — Die Berliner haben länge über diese Geschichte gelacht. Heinrich Heine in Hamburg an Herwegh. Deutsche Blätter bringen folgende Notiz über Heines Aufenthalt in Hamburg, die wir hier unfern Lesern mittheilen: Heinrich Heine lebte einige Wochen in Hamburg, wo man sich über sein gutes Aussehen wunderte. Er spazierte mit unaussprechlicher Behaglichkeit durch die Straßen und ließ sich sein rundes leuchtendes Gesicht, auf dem keine Spur mehr von dem Weltschmerz seiner Jugend zu sehen war, von der Menge begaffen. Vor Kurzem hat er ein Gedickt verfaßt, das besonders in Berlin vielfach besprochen worden. Über den poetischen Werth und Gehalt dieses Gedichtes mögen die Leser urtheilen. Es lautet: An G. Herwegh. Sire, geben Sie Gedankenfreiheit! — Mein Deutschland trank sich einen Zopf, Und Du, Du glaubtest den Toasten, Du glaubtest jedem Pfeifenkopf, Und seinen schwarzrothgoldnen Quasten. Doch als der holde Rausch entwich, Mein lheurer Freund, Du wirst betroffen; Das Volk so katzenjämmerlich, Dar eben noch so schön besoffen. Ein schimpfender Bedientenschwarm Und faule Äpfel statt der Kränze, An jeder Seite ein Gensd'arm Erreichtest endlich Du die Gränze. Dort bleibst Du stehn. Wehmuth ergreift Dich bei dem Anblick jener Pfähle, Die wie ein Zebra sind gestreift, Und Seufzer dringen aus der Seele: Aranjuez, in Deinem Sand Wie schnell die schönen Tage schwanden. Wo ich vor König Philipp stand Und seinen ukermärkschen Granden. Er hat mir freundlich zugenickt, Als ich gespielt den Marquis Posa; 3n Versen Hab' ich ihn entzückt, Doch ihm gefiel nicht meine Prosa. Krebsliches. Die wohlgesinnten Wiener Buchhändler haben sich entschlossen, die „böse" Literatur über Oesterreich nicht mehr zu beziehen, und mit Hoffinann und Campe, in welchen das böse Prinzip Fleisch geworden, jede Verbindung abzubrechen. Die „Adelszeitung," Blätter für Krebse und Rittersporen, will noch nicht das Zeitliche segnen. Sie will die deutschen Cavaliere auch im Jahre 184^ mit dem Manna ihrer chevaleresken Gesinnungen speisen und mit dem Wasser ihrer Artikel tränken, und gibt das Versprechen, daß sie dem nächsten Jahrgange einen trefflichen Stahlstich, „nebst mehreren Porträts berühmter Adeligen" beigeben werde. Man prophezeit der Adelszeitung ein langes Leben, da sie keinen Geist aufzugeben hat. Buntes und Spitzes Mlle Carl im Serail. Unter diesem Titel geben einige deutsche Blätte die wichtige Nachricht, nebst einer gedehnten Schilderung, wie sich die königl preuß. Hofsängerin, Mlle Earl, in dem Serail befunden. Wir erinnern uns, vor nun bald zwanzig Jahren, die Sängerin Dlle Henriette Carl in der Berliner Oper gehört zu haben; — damals war Dlle Carl ein hübsches Mädchen, jetzt bei etwas vorgerücktem Alter mag der Besuch im Serail ohne alle Übeln Folgen für den Ruf der Dame sein. Um von sich sprechen zu machen, wird doch Alles benutzt. Eine ältliche Odaliske gehört übrigens zu den Erscheinungen, welche auch die guten Türken wenig zu schätzen wissen. Wäre Mlle Carl eine gute Sängerin mit noch jungerStimme, so brauchte sie sol- che Mittel nicht. Ebenso meldete die Augsburger Allgemeine Zeitung vor einigen Monaten, der Klavierspieler Leopold Meyer aus Petersburg habe in Constantinopel sich und sein Spiel vor dem jungen Sultan Abdul-Meschid producirt, Furore gemacht, und sei reich beschenkt worden; — ob auch mit dem türkischen Nisckan-Jstichar, ist uns unbekannt geblieben. Dabei wird der Klavierspieler Meyer ein Berühmter genannt. Herr Leopold Meyer erschien vor zwei Jahren in Paris, ließ sich als eine ungeheure Celebrität marktschreierisch verkünden, setzte, was andern bescheidneren Virtuosen oft schwer wird, durch, gleich im hiesigen Conservatorium vor dem ersten Kenner-Publikum Europas zu spielen, und — fiel in einer Art durch, wie wir sie noch nie hier erlebt hatten. Einige Tage daraus reis'te Herr Meyer in aller Stille von Paris fort, ohne durch sein Spiel die so prahlerisch angekündigte Piano- Forte-Revolution hervorgebracht zu haben. Im eigenen Interesse unserer Landsleute empfehlen wir allen deutschen Künstlern, bei ihrem Auftreten in Paris, Takt und Bescheidenheit. Der Violin-Virtuose Ernst hat dem Könige von Hanover sein Diplom als königl. Konzertmeister zurückgeschickt, weil ihn Seine Majestät Ernst August bei einer bestellten Privat-Audienz eine und drei Viertel Stunden warten ließ, und dann — noch nicht empfing. — Dem Minister von Scheele soll dies öfter gesehen sein, ohne daß er deswegen noch seine Demission gegeben hat. Es ist aber auch ein großer Unterschied zwischen einem Künstler und einem Minister. Der Kaiser von Rußland hat dem Vicomte d'Ar- lincourt, als Anerkennung seines Werkes, „der Polarstern," worin Rußland rösenfarben-idyl- lisch geschildert wird, eine goldene Medaille mit dem Bildnisse des Ezars auf der einen, der Zuschrift : krseinio äiKno! auf der andern Seite, zugesandt. Herr von Custine erwartet nun eine ähnliche Medaille mit der Zuschrift : ?rsemio inäiAno! Beide Schriftsteller mögen sich über die erlangte Anerkennung trösten. Wir warnen unsere deutschen Landsleute vor den vielfachen Colonisaüons-Werbem, die viel versprechen und wenig halten; —auch wegen der belgischen Gesellschaft für Guatemala sind die glänzenden Verheißungen über Clima, Gegend, Verdienst u. s. w. nur mit größter Vorsicht anzunehmen. Ebenso zeigte sich schon bei der Gründung der Fremdenlegion das 'nordasrikanische (algierische) Clima den Deutschen wenig günstig, während es den Süd- Franzosen, den Proven;und der Tauschhandel gewinnt dadurch einen neuen Wirkungskreis. Die Proben von Kreutzers Nachtlager, bei den Italienern, haben wieder aufgehört;—„das Warum wird offenbar, wenn die Todten auferstehen." — Wollte man gewissenCoulissen-Gerüchten Glauben beimessen, so stände die Aufführung des Nachtlagers noch im weiten Felde, daNoncvni durchaus keine Lust bezeigt, die Parthie des Jägers zu lernen, und mit Bällen und Soireen so vielfach beschäftigt ist, daß ihm auch wirklich keine Zeit zum Studiren übrig bleibt. — Wenn er uns nun auch den- Genuß entzieht, ihn in einer neuen, ihm gewiß zusagenden Parthie zu hören, so entschädigt er uns um so mehr durch die Eröffnung seines prachtvollen Salons, der viel zu reden gab. — Auch die Equipage Ronconis ist zu den 72,000 Fuhrwerken gekommen, die täglich Paris durchkreuzen, und zeigt wie unwahr der alte Kernspruch ist: DieKunft geht nach Brod; heutzutage fährt die Kunst nach Brod. Wie wir vernehmen, werden die neuen Romanischen Salons für die ungeheuere Zahl der Besucher viel zu klein und die anmuthige Frau des Hauses steht in Unterhandlungen mic dem Besitzer des Hotel Pontalba um ihre Soireen dorthin zu verlegen. — Mario ist von der Administration des italienischen Theaters aufs NeUe gewonnen worden;— die Unterhandlungen dauerten dieses Mal lange, eine kleine Differenz von 10,000 Franks drohte die ganze Unterhandlung scheitern zu machen, als plötzlich am Morgen nach der mißglückten Aufführung der Anna Bolena, Herr Vatel in Marios Zimmer trat, und ohne alle Umstände dem erstaunten Tenoristen den Unterzeichneten Contrakt überreichte, worin alle seine Forderungen bewilligt waren. — Mario erhält für den Winter 1844—45 40,000 Franken, für den darauf folgenden 48,ooo Franken, und die Zusicherung bestimmter nur ihm reservirter erster Parthien. Kaum ist Alexandre Dumas : Laird von Dumbicky von dem strengen Parterre des Odeon vom Leben zum Tode gebracht worden, als der unermüdliche Fapresto und Fatutto der französischen Literatur dem Varietäs-Theater abermals ein neues Stück überreicht hat: Sylvandire, von dem man, wie gewöhnlich, im Voraus Wunderdinge erzählt. r ! Das witzige Journal: Satan ist in Modena verboten worden; — man scheint sich dort vor dem Teufel sehr zu fürchten. Macht das das böse Gewissen ? In Berlin durfte Auber's : Lam clu ckiaküo, wcht unter dem Titel: das Teufels Antheil gegeben werden, sondern hieß : Car l o Br o schi. Fürchtet man sich dort auch vor dem Teufe l ? Jemand meinte, in Berlin habe die Censur den Teufel (aus dem Titel: des Teufels Antheil)geholt; — es wäre aber besser wenn der Teufel die Censur geholt hätte. Redacteur : Heinrich Börnste in. Druck mir Schnellpressen von Paul Renouard, Pmis, Sonnabend. N r. 13. Januar 184^». . Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 ,, Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. . Sechs Monate. ... 1» ,, Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. st w Man abonnirt: für Paris: in -er Buchhan-l. von aules Ler»or>Lrä «t e?" ru« 6k 1'oui oon, 6, und iM »uresu ve»»»Ll pour I'/NIsrvsß»«, ru« äes Moulivs, 3» ; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr» 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wittenschakt, Theater, Mutck und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Crscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post.— Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, PränumerationSgcldcr und Briese wollen franko : « An die Redaction des Journals: Vorwärts! 32, 1 U 6 068 Noulins in Paris » cingcsendet werden. Neues deutsches Prestgesetz. Wir bitten unsere Leser nicht zu erschrecken, ob dieser Aufschrift; — hier ist von keinem wirklichen Preßgesetze die Rede, welches die deutsche Bundesversammlung, alten Verheißungen gemäß, erlassen hat, auch nicht von der neuen vielgerühmten Preßfreiheit Preußens und Sachsens für Schriften über zwanzig Bogen, von denen Prutz so .reffend sagt: Zwanzig Bvgen! welche Menge Zwanzig Bogen! welche Länge Zwanzig Bogen lies't inan nicht; sondern von dem Entwürfe zu einem deutschen Preßgesetze, den uns die New-Norker Sraats- zeitung bringt. Wir wissen nicht, ob dieser Aufsatz schon früher in einem deutschen Blatte gestanden hat, halten ihn aber jedenfalls der weitern Verbreitung würdig; — sonderbar wäre es aber doch, wenn uns solche alte Wahrheiten erst aus der neuen Welt zukommen müßten. Entwurf eines deutschen PreßgesetzeS, wie es sein könnte und sollte. 8 1. Das Recht der freien Gedankenmittheilung ist so entschieden, daß es unter keinen Umständen suspendirt werden kann. 8 2 . Demgemäß hat Jeder das Recht, alles drucken und verbreiten zu lassen, was ihm des Drucks und der Verbreitung werth erscheint. 8 3. Jede Druckschrift muß mit der Adresse des Vertreters (Verfasser, Verleger, Drucker oder sonstige belangbare Person) versehen sein, der für den Inhalt der Druckschrift verantwortlich ist. 8 4. Druckschriften ohne Angabe eines Vertreters sind als herrenloses Gut zu betrachten, und dürfen weder gekauft noch verkauft werden bei Meldung der Confiskation. 8 5. Die Drucker solcher Schriften verfallen als Eonlravenienten der Strafe des Gesetzes. 8 6. Sowohl der Staat als auch jede Privat- Person hat das Recht, gegen den Vertreter einer Druckschrift Klage zu erheben, sobald sie sich durch dieselbe in ihren Rechten verletzt findet. 8 7. Ein weiteres Recht gegen Druckschriften mit genanntem Vertreter steht jedoch weder dem Staate noch einer Privat-Person zu. 8 8. Als strafbar ist nur das durch den Druck Veröffentlichte zu betrachten, was nach den bestehenden Gesetzen unerlaubt ist, in öffentlicher Rede zu äußern. 8 9. Da der Begriff der „unerlaubten Äußerung" positiv sich nicht feststellen läßt: so hat über das Schuldig oder Nichtschuldig ein Geschwornen- gericht zu erkennen. 8 10. Jede unerlaubte Äußerung, durch den Druck vervielfältigt, ist nach Maßgabe der Verbreitung der Schrift zwei- bis zehnfach so hart zu strafen, als sie es als mündliche Rede wäre. 8 11. Jeder durch eine Druckschrift Verletzte kann nach Verurtheilung des Vertreters der Druckschrift die Confiscation der LetztMr beansprechen. 8 12. Jedem durch eine Druckschrift Verletzten steht das freie Recht der Berichtigung durch dieverle- tzende Druckschrift zu, und im Falle dieselbe als geschlossen zu betrachten ist, durch die drei verbreitetsten Zeitungen auf Kosten des Vertreters der verletzenden Druckschrift. 8 13. Auch das in Folge einer Preßklage erlangte gerichtliche Urtheil hat der Verletzte das freie Recht, durch die verletzende Druckschrift und eventuell durch die drei verbreitetsten Zeitungen zur öffentlichen Kunde zu bringen. 8 14. Ein jedes auf die Gedanken-Mittheilung durch den Druck basirte Geschäft ist ein freies Gewerbe, zu dessen Begründung cs keiner besondern Concession bedarf. Deutschland und Frankreich. Zwei schöne Namen ! Ich gehöre nicht zu denen, die das Heil Deutschlands von Frankreich erwarten, aber lernen können wir hier Vieles und froh sein, wenn wir es in Hinsicht auf Garantien für geistige und bürgerliche Freiheiten erst einmal so weit gebracht hätten, als unsere Nachbarn jenseits dcö Rheins. Dazu ist aber vor der Hand noch lange keine Aussicht, und der Impuls wird wie immer abermals von Frankreich ausgehen müssen, um den im alten Kothe stecken gebliebenen Karren wieder in Bewegung zu bringen. Frankreich ist das Herz, .Deutschland der Magen Europas, und dieser ist gut, denn wie hätte er sonst so viel verdauen können? Nun! wenn wieder ein Mal Herzklopfen in Europa Antritt, so wollen wir hoffen, daß auch der überladene Magen, erregt, sich seiner unverdaulichen Stoffe entledigen und eine neue Lebensweise und Nahrung annehmen wird. Aber dazu ist vor Allemein deutscher Patriotismus nö- thig; wir haben einen kaiserlich-österreichischen, ein königlich-preußischen, einen würtembergi- schen, bayrischen, hessischen, ja einen lichtenstein- vaduzischen Patriotismus, nur keinen Deutschen. Die vielen deutschen Vaterländer haben so viele verschiedenen Richtungen und Separatzwecke, sie sind trotz der, von Niclas Becker erfundenen Einheit, so uneins, sie betrachten sich gegenseitig noch so sehr als Fremde untereinander, daß vor der Hand der Gedanke an einem echten deutschen Patriotismus ihnen noch fremd ist: und sie sich in dem großen herrlichen deutschen Vaterlande nur wie Miethcr betrachten, die immer nur sagen: „mein Zimmer" — sich aber um das Haus blutwenig kümmern. „Dasgeht den Hausherrn an!" sagen sie, wenn mau ihnen sagt, daß da das Dach schadhaft ist, dort die Grundfesten weichen, hier die Pfeiler fehlen und Thor und Thüren jedem fremden Eindringling offen stehen. Wir haben aber in Deutschland keinen Hausherrn, seit Kaiser Franz die deutsche Kaiserkrone niederlegte, um die österreichische auf sein Haupt zu setzen. Mancher möchte wohl, wie Preußen, das Haus haben, aber nicht die auf demselben ruhenden Lasten, und so sorgt denn jeder Miether nur für sich und seine Zim- merchen, stickt an dem Ganzen nothdürftig mit, wenn es ihm grade schon auf die Nase regnet, und das alte, starke Haus geht bei solchem Unwesen all- mählig zu Grunde. Da wird ein Deutscher (Doktor Grün) auS Baden ausgewiesen und aus Rheinbayern mit Gensdarmen sortgetrieben, weil er ein Ausländer, d. h. ein Preuße, mit einem Worte: ein Deutscher ist; da setzt die preußische Staatszeitungalle deutschen Bundesstaaten unter die Rubrik: Ausland; dort verweigert man einem thätigen braven Mann in einer Stadt Deutschlands das Meister- und Bürgerrecht, weil er einige Meilen über der Gränze, wiewohl auch in Deutschland geboren ist, und so geht es überall und in allen Dingen. Wird es besser werden; — wird man endlich einmal Deutschland als ein Land und nicht als ein Agglomerat von vielen Ländern betrachten;— wird der deutsche Bund endlich eine deutsche Macht werden, oder nur ein locker zusam- mengeknüpftes Bündel deutscher Mächte oder Un- mächte? Wird die gerühmte Einheit Deutschlands endlich ein Mal wo anders eristiren, als bloß auf dem Papier? cmsurirter Journale? Wir wollen es wünschen — hoffen — glauben! Aber dann muß erst Censur verschwinden, diese geistige Tonsur, die die Vernunft zum ewigen Cölibate verdammt und ihr das Gelübde abnimmt der Enthaltsamkeit von jedem höhern Forschen und Erkennen. Wird es dahin kommen in Deutschland, daß einst die Zeitungen berichten werden: „Gestern starbder letzte noch überlebende Censor; — er hatte die letzten Jahre seines Lebens in Reue und Buße zugebracht." Wird es dahin kommen? Krebs-Literatur. Die Hevue äs ?aris vom 30. Dezember liefert eine sehr scharfe Beurtheilung der Arbeit des Marquis von Cuftine: «I^u R.u88i's en 1839. » Diese Kritik ist von Herrn Chaudesaigues, einem übrigens begabten Stylisten, der sich in der Schule des bekannten Gustave Planche zu bilden suchte. Die in Paris lebenden ächten Russen werden von der Kritik der Hsvus äs ?uri8 bezaubert sein; Herr Chaudesaigues aber widerlegt und hebt eben so wenig, wie Herr Gretsch in seiner der Augsburger Allgemeinen Zeitung von hier aus zugesandten Cor- respondenzdie tiefen Eindrücke, welche das Werk von Cuftine hervorgerufen. Wir haben weder die persönlichen Verhältnisse des Herrn Marquis von Cuftine, noch seine Motive zu beurtheilen, die Sache allein kümmert uns, und es ist schon ein Vortheil für Europa, wenn es einmal über Rußland eine nicht kaiserlich-russische Kanzlei-Polizei und «Petersburger Mirtur, um Sand in die Augen des Publikums zu streuen, vorgelegb erhält, sondern Reiseeindrücke eines -Fremden, der sich in Nebensachen irren kann, hier und da Widersprüche mittheilt, die sich überall im Staatsleben finden, aber die allgemeinen Umrisse russischer Politik u. s. w. sehr wahr und richtig ausgefaßt hat. Übrigens wimmelt es jetztvon Russen aller Stände in Paris. Unter ihnen befinden sich geistvolle, gewandte Männer, die sich vielfach bemühen, um Federn und Zungen zu Gunsten Rußlands in Bewegung zu setzen. Mitunter gelingt diese russische Re- krutirung ganz gut; die Beispiele fehlen nicht. Es gibt hier eine förmliche russische politische Börse, mit Agenten und literarischen Courtiers. Unter vier Augen gestehen die Russen selbst ein, daß Herr von Cuftine viel Wahres neben einigen Übertreibungen geliefert hat: Daß sich Herrvon Cuftine hier und da an der selbst erbetenen Gastfreundschaft vergangen, trifft nicht den Schriftsteller, sondern seine Persö nlichkei t. Er bat um Aufnahme am russischen Hose, und dieser wird in seinem Werke nicht geschont. Die Franzosen, welche nach Herrn von Cuftine nach Rußland reisen, werden es allerdings hier und da wohl büßen müssen. Man wird vorsichtiger sein in den Salons an der Neva, denn man möchte gern als das Nordlicht Europas erscheinen ; ein Ehrgeiz der leicht erklärlich, aber nur durch ein Genie, nicht durch die jetzige Machiavell-Dik- tator-Politik des Kaisers Nicolaus zu verwirklichen ist. Wir werden auf diese russische Matrosen-Presse' in Paris und auf deren Folgen für Deutschland baldigst zurückkommen, da dieses Breitschlagen der öffentlichen Meinung zu Gunsten des russischen Czars und Knuten-Systemes mit aller Macht der gutgesinnten Presse von Deutschland abzuwenden und zu bekämpfen ist. Bereits im verflossenen Sommer zeigten die Augsburger und andere deutsche Zeitungen das baldige Erscheinen einer französischen und deutschen Broschüre: - I^ss NMsrs3 äs 1a H-ussis >. (die Geheimnisse Rußlands), an. Wir kennen die Ursachen nicht, welche diese Publikation bis jetzt verhindert, und behalten uns vor, gleich nach deren Erscheinen unfern Lesern Auszüge daraus mitzutheilen. Sue's Geheimnisse Ln Deutschland. Eine förmliche Revolution ist in unseren Leihbibliotheken ausgebrochen. Die ganze Lesemenschhett ist wie besessen. Es gibt keinen Unterschied des Standes und Ranges mehr. Herr und Knecht, Gebieterin und Magd, Gemeine und Offiziere, kurz: Alles, was abonnirt ist, stürzt sich mit einem wilden Heißhunger in die Leihbibliotheken und schreit nach den Geheimnissen von Paris. Kein Walter Scott, kein Spindler, kein Bulwer, kein Marryat, kein Paul de Kock, kein Balzac will mehr munden. „Die Geheimnisse von Paris" ist die Losung. Armer Leihbibliotheködiener, wie beklag' ich dich! Der bedauernswürdige Mensch kann nicht einen Augenblick verschnaufen. — „Haben Sie die Geheimnisse von Paris?" — „Sinddie Geheimnisse von Paris noch nicht zurück?" — „Wann werd' ich endlich die Geheimnisse von Paris bekommen?" Diese Fragen bestürmen ihn vom frühesten Morgen bis zum spätesten Abend. „Hat die Frau Doktorin die Geheimnisse noch nicht zurückgeschickt?" fragte ihn gestern ein Nähmädchen mit schwach unterdrücktem Unwillen. „Nein!" erwiederte der gequälte Leihbibliotheksdiener. — „Die Frau Doktorin hat aber das Buch schon über einen Monat, seufzte das Mädchen. — Es ist wahr, so lange hat die Frau Doktorin noch nie Geheimnisse behalten," antwortete Jener und erschrack über sich selbst, daß ihm die Verzweiflung einen Witz entlockt hatte. Eine Unzahlvaterländischer Schriftsteller spitzt schon die Feder zu Geheimnissen. Wiener Geheimnisse, Berliner Geheimnisse und Leipziger Geheimnisse sind ve- reits angekündigt und bevor einige Monate vergehen, wird jedes deutsche Städtchen seine Geheimnisse haben. Die geheimen Hosräthe und wirklichen Geheimräthe, die doch bekanntlich auch zu den deutschen Geheimnissen gehören, sind schon in sichtbarer Angst und schreien über das Unheil, das wieder von Frankreich zu uns gekommen. Sie haben Recht. Nur ein kleiner Theil Deutschlands hat von Frankreich die Öffentlichkeit angenommen; der Geheimnisse aber hat sich ganz Deutschland sogleich bemächtigt. Sammlungen für Jordans Familie in Nord-Amerika. Am 15ten November fand in New-Uork diej abermalige Versammlung des für Jordans Familie gebildeten Unterstützungs-ComiW statt. Die Rechnungsablage erwies, daß außer den bereits nach? Deutschland abgegangenen 1400 Gulden, abermals 632 Dollars (1 580 Gulden) in New-Nork ! eingegangen seren. Von Philadelphia kamen 140 Dollars, von New-Orleans 115 Dollars, ja sogar von den Deutschen aus der fernen Havanna liefen 142 Dollars ein. Die Israeliten New-Aorks, die gleichfalls dem thätigen Kämpfer für religiöse und bürgerliche Freiheit, Sylvester Jordan, ihre Theilnahme thatkrästig beweisen wollen, traten am Ilten November ebenfalls in eine allgemeine Versammlung zusammen. Übrigens dauern die Sammlungen noch im ganzen Gebiete'der Uuion fort und die Listen werden überall erst mit Istem Jänner geschlossen. — Der nächste Dampfer wird uns Näheres bringen. Unter den Motto's die die Gaben aus der Havannabegleiteten, bemerken wir folgende: „An den Churfürsten! Glaubst Du, dieser Adler sei Dir geschenkt? Ad. Rittmeyer. 2 Doll. 12 Cent." „Männerstolz vor Königsthronen! Albert Bläsing. 2 Doll. 12 Cent." — „Sanftere Jahrhunderte verdrängen Philipps Zeiten u. s. w. Nopitsch. 2 Doll. 12 Cent." — „Die Richter Jordans, die blindesten derblinden Hessen. G. W. Walte. 2Doll. 12 Cent." Man sieht, daß unsere deutschen Brüder über dem Ocean ihren Schiller im Kopfe und das Herz aus dem rechten Flecke haben. Buntes und Spitzes Der Hamburger Senat will die Uhren abschaf- sen, weil sie mit der Zeit sortschreiten. Auf dem Theaterzettel von Eupen las man neulich : „Don Carlos" von Schiller, Trauerspielin fünsAkten. „Meine Herren! Schiller ist todt und schreibt daher keinen ,,Don Carlos" mehr. Dies wird Sie veranlassen, die Vorstellung dieses Stückes heute zu besuchen, denn Schiller, auf Ehre! schreibt keinen ,,Don Carlos" mehr! Frege, Direktor." In Magdeburg hat ein Hr. Theobald Kehler seine Schriften herausgegeben und sie unter dem Titel angekündigt: ,,Die Gedichte, welche ich in meiner Jugend schrieb, in reiferen Jahren verbesserte, um nun in Alter davon leben zu können. Acht Bogen vier Groschen!" Der arme Mann! In Swinemünde bei Morgenheim ist ein Lerikon der Diebs-Ausdrücke aller Nationen erschienen: ,,für Criminalrichter und Advokaten, und auch sonst für Leute, die dergleichen erlernen wollen." Das Kreisamt zu Leipzig bringt in diesem Jahre einen Proceß zu Ende, der im Jahre 1744 angefangen wurde; zum Schlußtermine am 24. November des Jahres 1843 sind nicht weniger als 2000 Betheiligte vorgeladen worden. Sie könnten bei der Gelegenheit gleich einen Verein zur Abschaffung des Processirens gründen und denselben mit einem Ariedensessen einwerhen. Herr Kortum, Professor der historischen Lehrkanzel der Universität von Heidelberg, hat so eben eine „Geschichte der Entstehung der Jesuiten" herausgegeben. Wir glauben Gegner und Freunde dieses Ordens aus dieses Werk, als eine Frucht langjährigen, gründlichen Studiums, aufmerksam machen zu müssen. Der Dortmunder Verein „zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse durch passende Volksschristen und Gemeindebibliotheken," hat die Erlanbniß nicht erhalten, durch passende Volksschriften und Gc- meindebibliotheken nützliche Kenntnisse zu verbreiten. Wie doch Liszt in Deutschland beglückt wird! In Ungarn gaben sie ihm nur einen Degen, in Königsberg schon einen Doktorhut, in Hechingen gar den Hofrathsmantel, endlich in einem anderen Lande Deutschlands noch den Turnierhelm des Adels. Letztere Auszeichnung hat, wieder Telegraph behauptet, in Berlin allgemeine Theilnahme erregt, d. h. viele der dortigen Edlen möchten auch gerne dran Theil nehmen. Eugene Sue in Berlin! Es sollen nächstens Berliner Mysteres erscheinen, worin die Berliner Misereö erscheinen, das eigentliche Mysterium von Berlin aber ein Mysterium bleibt. Deutscher Unterstützungs-Verein. Die in Paris anwesenden Russen haben sich, um einen Vereinigungs-Punkt zu finden, damit beschäftigt, einen russischen Club oder Zirkel zu bilden. Wir erhalten zu spät vm den Abdruck in dieser Nummer aufzunehmen, eine Aufforderung zur Bildung einer Unterstützungsgesellschaft für hülfsbedürftige Deutsche in Paris, wie solche in London für hülfsbedürftige Franzosen längst besteht. Der uns zugesandte Brief ist vom Herrn von Dornstedt hier, der bereits oftmals in der deutschen Presse auf diesen Gegenstand aufmerksam machte. Wir hoffen daß bei den zahlreichen Verbindungen des Herrn von Dornstedt in Paris, derselbe praktische Unterstützung für sein echt patriotisches Unternehmen finden wird. Dasselbe würde einem lang gefühlten Bedürsniß abhelsen. Die Redaktion des Vorwärts wird sich dieser Angelegenheit lebhaft und mit rastloser Thätigkeit an- nehmcn. Entscheidungsgründe für die Verurteilung Jordans. (Es ist die schriftliche Anfrage cm uns ergangen, ,,auf welche Rechtsgründe die Verurteilung des Professors Jordan sich stütze" — und wir glauben dem stillen Wunsche vieler unter unseren Lesern zu entsprechen, wenn nur, aus ganz zuverlässiger Quelle, über diesen gesetzlichen Justiz-Mord eine nähere und ausführlichere Auskunft hier folgen lassen:) Als der Landgraf Wilhelm IX., später Kurfürst Wilhelm 1. von Hessen, in den neunziger Jahren alle Fürstenthrone durch die Grundsätze der französischen Revolution und deren Propaganda für gefährdet hielt, glaubte er zu seiner Sicherheit und EM zur Erhaltung derbeftehendeüDrdnung und Ruhe in seinem Lande zu terroristischen Maßregeln seine Zuflucht nehmen zu müssen, die zur allgemeinen Abschreckung von revolutionären Unternehmungen dienen sollten. Zu diesem Zwecke war denn auch unterm 14 Febr. 1795 eine besondere „Verordnung wegen Bestrafung des Hochverrat Hs und der Staasverbrechen" von ihm erlassen worden. Des Hochverrats schuldig ward im 8 1 dieses landesherrlichen Edicts Jeder erklärt, ,,der die persönliche Sicherheit des Landesfürsten verletzt, die Ruhe und Sicherheit des Landes feindselig stört und dessen bisherige Einrichtung und Verfassung zu Grunde zu richten oder demselben von außen Gefahr zuzuziehen oder solche zu vergrößern sucht." Bestimmt wurde zugleich, daß es bei dem Verbrechen des Hochverrats einerlei sein sollte, ,,ob dasselbe öffentlich oder in geheimen Gesellschaften oder von einzelnen Personen durch eigenen Rath und That, mit oder ohne Waffen, durch vorsätzliche Mittheilung von Geheimnissen und Absichten, durch Ertheilung von Rath, Hülfsleistung oder Förderung oder durch eine jede sonst dahin abzweckende Handlung geschehen." Im 8 2 fand sich für jedes Verbrechen des Hoch- verraths, wenn auch daraus kein Schaden erfolgt, sondern solches.blos bei dem Versuche geblieben wäre, die Todesstrafe, welches mittelst Hinrichtung des Verbrechers durch das Schwert vollzogen werden soll, und die Konfiskation des Vermögens desselben aä xios usus festgesetzt. Ein weiterer 8 3 erhält die Vorschrift: ,,Derjenige, welcher eine Handlung oder Unternehmung Anderer, welche auf Hochverrath abzweckt, da er sie doch leicht und ohne eigne Gefahr verhindern konnte, vorsätzlich nicht abwendet, soll als ein Mitschuldiger angesehen und lebenslang mit Strafe der Eisen erster Klasse, die Frauenzimmer aber mit lebenslänglicher Spinnhausstrafe belegt werden." Endlich ward im 8 4 noch verfügt: Derjenige, welcher einen ihm bekannten des Hochverraths schuldigen Verbrecher der Obrigkeit bcdachtlich nicht anzeigt, soll auf lebenslänglich mit den Eisen zweiter Klasse, die Frauenspersonen aber mit lebenslänglicher Zuchthausstrafe bestraft werden." Jedoch ward hinzugefügt: ,,Sollte derselbe indessen aus genügsamen Gründen gewiß sein, daß, wenn auch diese Anzeige unterbliebe, dennoch keine nachtheilige Folge mehr zu besorgen sei: so ist die lebenslängliche Strafe der Eisen und resp. des Zuchthauses auf 5 —10 Jahre zu mildern." Diese im Jahre 1795 in den hessen-kasselschen Landen eingeführte drakonische Gesetzgebung zur Bestrafung sowohl positiver als negativer Handlungen der Unterthanen, welche mit staatsgesährlichen Plänen oder Unternehmungen, die sämmtlich unter den Begriff hochverrätherischer subsumirt werden, in näherer oder entfernterer Beziehung stehen, ist seitdem, ungeachtet der später eingetretenen ganz veränderten Zeitumstände, fortwährend in Kraft geblieben, weil die fürstl. Verordnung, wodurch sie vorgeschriebe» werden, niemals widerrufen und weder jemals förmlich ausgehoben noch auch modificirt worden ist. Zwar hat sich nach und nach in der neuern Zeit ein Gerichtsgebrauch ausgebildet, wonach mit den harten Strafbestimmungen der gedachten Verordnung ebenso verfahren wird wie mit denen der noch immer gültigen Carolina. Dieselben haben beider Anwendung auf gegebene Fälle manche vom Zeitgeiste gebotene, der jetzigen Stufe der Gesittung angemessene Modificationen erfahren, wodurch sie gemildert worden sind. Allein im Ganzen dient doch noch jene Verordnug den hessischen Gerichtshöfen als Richtschnur bei ihren Erkenntnissen über politische Vergehen, und so ist es geschehen, daß nun auch Jordan von dem Obergerichte zu Marburg auf den Grund der Verordnung vom 14ten Februar 1795 verurtheilt worden ist. Das gegen denselben gefällte Strafurtel ist auf Judicien der stattgehabten Kenntniß des Angeklagten von hochverräterischen Umtrieben gegründet, durch deren nicht Verhinderung, bei Unterlassung der Denun- ciation derselben, er sich der Beihülfe an jenen strafbaren Unternehmungen selbst schuldig gemacht habe. Genau an den Wortlaut der besagten Verordnung sich haltend, hätte das Urtel, vorausgesetzt, daß die Anschuldigung hinreichend erwiesen worden wäre, auf lebenslängliche Eisenstrafe gehen müssen; aber es lagen Präjudicien des höchsten Justiztribunals in Kurhessen (des Ober-Appellationsgerichts zu Kassel ) vor, nach welchen ür oberster Instanz selbst in Fällen jenes versuchten Hochverraths, worauf nach der Verordnung vom Jahre 1795 die Todesstrafe stand, unter Umständen nur auf Ge- fängnißstrafe von einer durch richterliches Arbitrium zu bestimmenden Dauer erkannt worden war. Es würde also als eine Jnconsequettz erschienen sein, hätte man die bloße Nichtanzeige, die hier allein in Betracht kam, noch ferner mit lebenslänglichem Ge- fängniß bestrafen wollen. Das Gericht erster Instanz hat darum nicht umhin gekonnt, sich darauf beschränken zu müssen, gegen Jordan eine fünfjährige Festungsstrafe nebst Dienstentsetzung auszusprechen. Notrzeü. Die Beilage der Augsburger Allgemeinen Zeitung (Nr. 6) enthält eine längere sehr ironisch gefaßte Kritik über das Werk des Marquis vvn Custine. Dabei kokettirt der Schreiber des Brieses mit Deutschland, als ob er ein Deutscher sei und Germania über die Maaßen liebe. Sodann aber wird die russische Orthographie des Namens Nikolaj I gebraucht, der Kaiser aller Reußen als Heros Europas dargestellt, und von ihm behauptet: er gebe der Welt das imposante (!) Schauspiel (!) eines zu voller Klarheit des politisch-kirchlichen Selbstbewußrseins gelangten riesenhaften Volkskompleres! Wir bitten unsere Leser um Vergebung wegen dieser schwülstigen Citation. Herr von Custine wird stark getadelt; bloße Ironie, stete Bitterkeit sind aber in einer Entgegnung keine Beweisgründe. Zuletzt wird der Aufsatz in Nr. Oder Augsburger Beilage sogar persönlich, und mischt nur leicht verschleierte Anspielungen gegen Herrn von Custine ein. Mit solchen Persönli ch- keiten hat eine anständige, ehrenhafte Kritik nichts zu thun. Der Marquis von Custine, als Privatmann, ist nnS eine ganz gleichgültige Person; sein Buch hat g e t rossen, sonst würde der Ärger und die Bitterkeit nicht so gewaltig ungeschickt zum Vorschein kommen. Auch im Hamburger Correspondenten wird die Gegenschrift von Gretsch stark gelobt; warum wagte die Augsburger Allgemeine Zeitung die ihr aus Paris gesandten Mittheilungen gegen die hiesige russische Publizistik und Propaganda nicht aufzunehmen ? Das Werk von Herrn Gretsch, der sich viel Mühe gibt Custine zu bekämpfen, führt den Titel: „Über das Werk: D>nHn88is sn1639, pnrN. äs 0u8tin6, u. s. w." Heidelberg (deutsch gedruckt). Diese Berichtigung halboffizieller Art ward hier in Paris Ende 1843 beendet und sofern nach Deutschland speditr. Die Auszüge, welche die Augsburger Allgemeine Zeitung in mehreren Beilagen fort- setzte, enthielten wenig Beachtenswerthes. Das Werk: «Du mot 8ur 1'ouvrnAs äs N. äs 0u8tm6>., hat Herr von Tolstoy, einen russischen Publicisten in Paris, zum Verfasser. Dasselbe ist gut geschrieben, widerlegt aber wenig und nur Nebendinge. Die Broschüre ward großmüthiger Weise vielfach gratis vertheilt, auch in Lesekabinetten u. s. w. „Rußlands Einfluß auf Deutschland ist bisher ein heilbringender und wohlthätig erhaltender gewesen", also sagt die obige Kritik in den Beilagen der Allgemeinen Zeitung. Wohlthätig und heilbringend fü r Ruß land, allerdings, welches durch deutsche Generäle und deutsche Handwerker, Kriegführung, Fabrikbetreibung, Industrie u. s. w. erlernte. Deutschland hat von Rußland nichts erhalten als ein übermüthiges, aber jetzt allen Klassen der deutschen Gesellschaft gleich widerartiges Protec- torat, eine ungerechte Grenzsperre u. s. w. Man zählte auf der Berliner Universität im Sommersemester 1843, 1554, im Wintersemester 1843 bis 1844, 1656 immatriknlirte Studenten, d. h. einen Zuwachs von 102. Die neueste Nummer der preußischen Gesetzsammlung enthält mehrere Bestimmungen welche das Hazardspielen in dem Eisenbahnhause von Cöthen verbieten und mit gewissen Strafen belegen. Die Absicht dieses Befehls ist allerdings wohlgemeint und^als ein Fortschritt zu billigen, wird jedoch nur dann volle Wirksamkeit haben, wenn vom Bundestage aus ein allgemeines Verbot gegen die deutschen Spielbänke geschleudert wird. Der König von Preußen kann dem Herzoge von Cöthen nicht befehlen das Sündengeld im Bahnhause abzuweisen, der Herzog von Cöthen würde seine Souverai- nitäts-Rechte in Anspruch nehmen; aber die öffentliche Meinung würde der preußischen Regierung dankbar sein, wenn Herr von Bönhof, der preußische Gesandte am Bundestage, einen Antrag zur Aufhebung der Spielbanken auf Befehl seiner Regierung vorlegte und unterstützte. Die französische Regierung schaffte bereits im Jahr 1836 das bis dahin tolerirte Hazard-Spie.lab. Der Schatz verlor eine bedeutende Einnahme dadurch, aber man wußte auch aus offiziellen Statistiken, daß jährlich gegen 2,600 Individuen nur des Spiels wegen zu Gefängniß- oder Galeerenstra- sen verurtheilt wurden, außerdem daß sich jährlich gegen 229 Personen des Spiels wegen ums Leben brachten. Wir wünschten deutsche Statistiker möchten eine ähnliche amtliche Zählung zusammenstel- len, damit auch diese Zahlen beredt gegen die Spielpächterei zeugen möchten. Die Allgemeine preußische Zeitung, vom 31. Dezember, berichtigt: es sey nicht die Absicht in den alten Provinzen die Geschwornen-Ge- richte so wie Oeffentlichkeit und Mündlichkeit des Gerichtsverfahrens einzuführen, in Halberstadt sey auch kein Assisen-Saal gebaut worden, u. s. w., der Vergleich der Prozedurdauer zwischen den mündlich oder schriftlich geführten Prozessen sey überdem gänzlich zum Vortheil des letzteren Verfahrens, u. s. w, Warum gibt die Allgemeine preußische Zeitung nicht statistische Belege und Beweise zu ihren Behauptungen? Der Justiz-Minister Mühler, in Berlin, wird oft als Freund der O effentlichkeit gerühmt, von wem geht also die Berichtigung der Berliner Zeitung aus? Der bekannte politische Flüchtling I. Venedey hat ein Bruchstück über Flüchtlingsjahre und Am- nistie geschrieben. Man erwartet von demselben auch ein Werk über Irland, welches bei Brockhaus, in Leipzig, erscheinen soll. Herr Venedey hat im vergangenen Jahre Irland und England besucht, und ist seit einiger Z^it wieder nach Frankreich (Havre) znrückgekehrt. j Das letzte Feuilleton von Jules Janin, im äour- rml äe8 Vsl>nt8 (8. Januar), erzählt wie „Friedrich 1, König von Preußen, dieser rauhe Held „(es ruäs bsro8) bei der Lesung des Trauerspiels „Berenice geweint. Dieses wilde Herz, setzt „Jules Janin hinzu, gehorchte wider Willen den „Eindrücken der dichterischen Schönheit." Als Friedrich I, König von Preußen, lebte, war die Berenice noch gar nicht geschrieben; Jules Janin will von Friedrich II sprechen, auf diesen aber passen wenig die Ausdrücke: der rauhe Held und das wilde Herz. Die Köllnische Zeitung hatte einen Neu- jahrsartikel dem Censor vorgelegt, und er ward gestrichen; selbst ein Gedicht von Freiligrath, der von dem Könige von Preußen eine Pension angenommen, ward vom Censor als zu freisinnig verworfen ; vor einigen Monaten geschah ein gleiches, mit einem von A. von Bornstedt Unterzeichneten Anssatz über den Communismus, dem die'preußische Censur trotz seiner Mäßigung das Imprimatur verweigerte. lieber die ungeschickte Handhabung der Censur sind alle aufgeklärten Männer in Deutschland einig. Briefkasten. Ein Deutscher in Bordeaux.—Wirersuchen Sie, uns gefälligst eine Adresse mitzutheilen, unter der wir Ihnen schreiben können. Ferneren Mittheilungen sehen wir erwartungsvoll entgegen. Herrn B. L. hier. — Es wird uns*sehr angenehm sein, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen. Herr Baron v. Sch. — Ihre Reklamation wegen unrichtiger Zusendung des Journals haben wir erhalten, und sogleich Abhülfe getroffen. Wir gaben die Journale der Anstalt der Herren Bon- nard und Campmas, die sie durch 65 Briefträger in Paris austragen lassen und für die richtige Zustellung verantwortlich sind. Die Briefträger beschweren sich ihrerseits wieder über die Portiers und Concierges, denen sie die Journale übergeben, daß diese sie liegen lassen oder verwerfen, statt selbe gleich an die Partheien abzuliefern. Wir werden jedoch Alles aufbieten, um allen derartigen Übelständen abzuhelfen; — aller Anfang ist schwer. Auflösung der RebuS in Nr. 2. I. Fünfkirchen ist eine Stadt mitten in Ungarn. II. Beate, die vierte Oberin des Skt.-Emma-Stiftes, erachtete es nicht unter ihrer Würde, eine gekochte Ente zu essen. Anzeige. Herr Schneider (slius äs Gönnern) ist weder bei der Redaktion, noch bei der Expedition dieses Blattes an- geftellt. Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mir Schnellpressen von Paul Renouard, Zn Huben in Paris, im Bureau des Lericonö von Herrschet, rue Oarsnoiers. 6, und im Comptoir des Buchdruckervcreins, qua» ALalaquais, 43 : Der Fremdenführer l N »188 MNW MM M 18 MM KM1 M 1BMMW kMW. T voIui»«8 Kr. iii-8o «I« H 6VO PAK««. r ST kr 8 s vsuä aussi pur Iivru'i 80 N 8 cle 32 jM"S 8 . kiix äs In livr. äO e. In zwei Abtheilungen. Die Erste entbält, in gedrängter Kürze, alles was dem Reisenden während seines Aufenthaltes zu Paris zu wissen nützlich und angenehm seyn kann; die Zweite, die genaue Beschreibung der Monumente und Sehenswürdigkeiten der Stadt, nach den Arrondissements methodisch geordnet; von Karl Moritz Grimm. Mit 63 Ansichtender merkwürdigsten Gebäude und einem Plane der Stadt, auf welchem jedes Arrondissement mit einer besondern Farbe bezeichnet ist. Neue Ausgabe. Preis, geb. : 5 Francs. 24 .. Paris, Mittwoch. 9dr Z. Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... IS „ Drei Monate. . . . S „ .. ^ rw ü /, ^ v ^ « «/ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ...18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile s 50 Centimes. MW» iS ^ >N»r»»e «FM >7 Januar 1844. Man nbonntrtr für Paris: in der Duchhandl. von n.e»ou»rck er rue cke 1'ournon, 6. und im I2uresu ve»r^»t t'4NIe»vsA»«, i'u« lles Atoutins, ; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien ,- Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren (Kickt hat und Bernhard, Spruce Street, dir, I?, in New-Perk. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Panter Signale aus Kunst, Wittentchakt, Theater, Mutile und geselligem Leben. Der Tod macht alles gleich! (Deutsches Sprichwort.) ,,Jn Frankreich Freiheit? Gleichheit?" fragen Philister spöttisch oft in unfern Tagen Und schaun. von nationalem Stolz entbrannt, Auf die Censu r im guten deutschen Land, Und .m - die neue Ritter sch ul' am Rhein ! 2» ) nem Frankreich, Freunde mein, Dun eur.s Mitleids Achselzucken gilt, Srar'o jüngst ein Dichter. Schmerzerfüllt Weint ganz Paris an seinem Sarg. Und denkt uch nur 's ist wahrlich a. g! Das Babreuch trugen ihm z >vcen Dichter, Und ein Akt e u r; und dem Ge licht- r Schloß als der Vierte, - weint Philister! Sich an ein ganz gewöhnlicher diin i st e r! Aus Deutschland. Haben Sie schon eine recht heftige Migraine gehabt, wo Ihnen das Gehen lästig, das Stehen unausstehlich, vas Liegen eine Qual und das Sitzen eine Folter war, wo Sie alle Gegenstände um sich her durch einen grauen Schleier sahen und alle Worte wie durch eine verstimmte Trompete hörten, wo eine Beethovensche Sonate auf dem Klaviere gespielt, Sie unmuthig und ein Drehorgelmann auf der Straße Sie wahnsinnig machen konnte, wo Sie selbst das Buch Ihres Liebiingsschrischellers hinter das Sopha warfen, und wo die schönste lichtbraune Tos Amigos-Cigarre Ihnen vor kam wie verbranntes Stroh? Haben Sie schon eine solche Migraine genossen? Oder sind Sie schon an einem freundlichen Märzmorgen, wo die Sonne ihren Regen-Makin- tosh von grauen Wolken angezogen hatte, nnd die Natur aussah, wie ein Paar zum sechsten Male gewaschene Glace-Handschuhe, wo es regnete, rieselte, hagelte, graupte, ein kalter Nordost durch alle Ritzen des Wagens und alle Näthe des Mantels psiff, durch die Lüneburger Haide oder über eine Puszta Ungarns gereist, wo Sie rechts Nichts sahen, links Nichts, und vor ihnen gar Nichts, während die halbverhungerten Pferde sich und den Wagen in mattem Schritte dahinschleppten, und alles todt, still, einförmig und grau war? Haben Sie schon die Lüneburger Haide in ihrer Naturpracht so genossen? Oder waren Sie schon in Berlin in einer Gesellschaft von lauter Gcheimräthen, Hofrüthen, Landräthen, Commerzienräthen und andern Räthen, wo Thee mit Langeweile und Langeweile mit Butterbemmchen servirt wurde, und man Theater, Landstände, Fanny Elsler, Mucker, Professor Gubitz, Antigone und die Springbrunnen von Sanssouci mit gründlicher Langweile besprach, und die Leute nur sprachen, um das Gähnen zu verbergen und endlich Alle mit verschlagenem Kinnbacken- krampse nach Hause gingen? Haben Sie schon die Langeweile einer Berliner Raths- oder Unraths- Gesellschast genossen? — Nun sehen Sie, diese Bilder verfolgen mich, wenn ich die deutschen Zeitungen lese, — wenn ich die vielen schwarzen Buchstaben auf den: milchweißen Papier ansehe, — Worte! Worte! nichts als Worte! wie Hamlet sagt, — Migraine!— Lüneburger Haide! — Langweile! Die deutschen Zeitungen sind nicht interessant durch das, was darinnen steht, sondern durch das, waS nicht darinnen steht. We. aber zwischen den Zeilen zu lesen versieht, wer die rothen Striche des Censors herauszufinden weiß, wer die Pausen versteht und die Gedankenstriche und die Frage- und Auörufungszeichen, mit denen die Schriftsteller im Zwangs Camisol der Censur sich zu helfen suchen, der kann allerdings aus den deutschen Zeitungen mehr herauslesen, als man es allerhöchsten Ortes gerne sehen dürste. Nehmen Sie das ganze Packet deutscher Zeitungen, das Ihnen die Post bringt, lesen Sie sie aufmerksam durch und fragen Sie sich, welche deutsche Neuigkeiten Sie daraus erfahren haben. Wahrscheinlich wird die Ausbeute sehr genug sein; — die deutsche Gründlichkeit und Langsamkeit zieht alle Verhandlungen, ja selbst alle Ereignisse so in die Länge, daß man den Faden und die Lust verliert, ihnen zu folgen. — Auf den Kaiser von Rußland soll in Posen geschossen worden sein; nun sind seitdem Monate vergangen, Generale und Regierungspräsidenten, sogar der berühmte Spitzbubenriecher Dunker sind an Ort und Stelle geschickt worden, man hat inquirirt, referirt, deliberirt, combinirt, und wir wissen noch nicht ein-' mal, o b wirklich geschossen worden ist. Die Karls- ruher Zeitung hat vor Monaten versprochen, daß die Untersuchung gegen die Unruhstistervor dem Ha- berschen Hause fast beendet sei und daß die Stras- urtheile demnächst veröffentlicht werden dürsten. Wir haben bis heute noch kein Strafurtheil gesehen, — ja wir wissen nicht einmal, ob gegen die Unruhe- stister wirklich eine Untersuchung verhängt worden ist. Mit derselben Langsamkeit reift die deutsche Preßfreiheit, wird die preußische Constitution vorbereitet, geht der Bau der deutschen Bundesfestungen vorwärts, immer das alte Lied: „Hübsch langsam voran! damit-Nachkommen kann." Geschwind sind wir in Deutschland nur, wenn es sich darum handelt, einen deutschen Unterthan aus einem der 38 deutschen Vaterländer polizeilich auszuweisen ; da heißt es immer: „Binnen 24 Stunden." und das von Rechtswegen. Ick möchte Ihnen so gerne recht viel Neues und» Gutes aus Deutschland melden, aber leider ist, wie schon Schiller sagte, das Gute nicht neu und das Neue nickt gut. Es herrscht ein wahrer Überfluß au Neuigkeiteu-Mangel in Deutschland, und würde nicht hie und da ein Schriftsteller Landes verwiesen oder einer Zeitung die Eoncession entzogen, —man hätte gar nichts mehr zu berichten. Aber es wird der Tag kommen, wo eine große deutsche Neuigkeit, geharnischt wie die Minerva aus dem Haupte Jupiters hervor in die staunende Welt springen wird, die: daß Deut sch lank» Deutsch geworden ist; und an diesem Tage werden sich — doch stille mit den Prophezeihungen ; treffen sie nicht ein, so wird man auö- ^gelacht, und treffen sie ein, so war man ein Verschwörer. Nnd ich glaube, Verschwörer sind die Deutschen jetzt Alle; — es ist eine große Conspira- tion im Werke, und ich zeige sie als treuer Unterthan hier pflichtgemäß in: Voraus an, — eine Verschwörung wird in den deutschen Gauen ausgebrütet, gegen die alle Polizeiküuste nutzlos sind, deun sie liegt in der Lust, sie schlägt in den Adern, sie kocht in den Herzen, sie schleicht sich in alle Köpfe; — und was will da eine armselige schlecht bezahlte Polizei thnu? Die Deutschen wollen Deutsche sein! Er ist heraus! ein Schelm, der es weiter sagt. Und eben das wird ihnen so schwer gemacht. Kaum sangen sie an sich etwas daraus einznbilden, daß sie Deutsche sind, als auch gleich in einem der 38 Gauen Deutschlands ein Schwabenstreich geschieht, über den ganz Europa schmunzelt, und schnell sagen die guten Deutschen ganz schaamröthlich : Ich bin ein Bayer, ein Preuße, ein Würtemberger u. s. w. um nur nicht für das was in Hessen oder in Hannover oder in Nassau geschehen ist, mit ausgelacht zu werden. Diplomatisches. Heute Abend ist bei dem bairischen Gesamten, Grafen v. Lurburg, ein glänzendes Fest, — wie wir hören, zu Ehren der Anwesenheit des Herzogs Mar von Baiern. Deutsche Zeitungsschau. Nach der Allgemeinen Zeitung haben die dänischen Behörden die Börsen Halle in Hamburg ermahnen lassen, die Herzogthümer Schleswig-Holstein künftig nicht mehr unter der Rubrik „Deutsche Bundesstaaten" anzufübren. — Hat dei 2 Börsenhalle dieser dänischen Impertinenz etwa Folge geleistet? Wir hoffen : Nein. Die dänische Propaganda verdient beaufsichtigt zu werden. Der deutsche politische Flüchtling Rochau trat kürzlich von Paris aus fest und mit Glück gegen Orla-Lehmann auf. Die Aachner Zeitung gab Ende Dezember und Anfang Januar zahlreiche Feuilletons : Mlle Lenormand betitelt, und zwar ohne Angabe der französischen Quelle, woraus solche geschöpft. Warum tadeln die deutschen Blätter, welche sich so zornig gegen die Übersetzung französischer Bühnenstücke geberden, diese französischen Übersetzungsfabriken nicht, wo nicht einmal das : Woher? dem deutschen Leser angegeben wird? Man bittet uns um den Abdruck folgender Zeilen: Die Leipziger Allgemeine Deutsche Zeitung, so wie die Berliner Allgemeine Preußische (Er-Staatszeitung) haben in ihrer Verwaltung die Gewohnheit ihre Mitarbeiter, Correspondenten u. s. w., (vielleicht mit einigen wenigen Ausnahmen) bogenweise für die gelieferten aufgenommenen Arbeiten zu hono - riren. Eine solche Honorar-Berechnung ist bei politischen Arbeiten, Nachrichten, Mittheilungen verschiedener Art, wo oft einige Zeilen wichtiger sind als gedehnte Maccaroni - Artikel die niemand gerne lies't, namentlich nicht in Zeitungen, sehrwenig praktisch zu nennen. Entweder dehnt sich der Correspondent zu sehr aus um größeres Honorar zu erhalten, oder er findet wenn er nur kurze, gute Mittheilungen gibt, seine Mühe schlecht belohnt.^. Alle besseren Zeitungen sind längst von den bogenweisen Honoraren abgekommen. Signale. Das Wandern preußischer Handwerksgesellen nach der Schweiz, das einst der revolutionnären Umtriebe wegen verboten, dann wieder freigegeben worden war, ist nun neuerdings wieder verboten worden, und zwar, wie die Verordnung vom s. November sagt, wegen der unter der Leitung des bekannten Schneidergesellen Weitling dort stattfindenden communistischen Umtriebe. Es ist nur zu befürchten, daß wenn die preußischen Handwerksburschen nicht mehr zum Communismus wandern dürfen, dieser am Ende zu ibnen nach Preußen kommen wird. Es sieht uns in Deutschland eine trübe Zukunft entgegen und es thut Noch, daß ein großer genialer Mann unter uns aufsteht, um uns durch die Wüste zu führen; — ganz Deutschland würde ihm enthusiastisch zujauchzen, und nicht begeisterter waren die Franzosen ihrem Kaiserin seinen Schlachten- und Siegesläufen gefolgt, als die Deutschen ihrem Führer voll Treue und Zuversicht folgen würden. Schöne Träume. Wir haben nur Hofräthe und Geheimeräche, und «t emsra. Die öffentliche Meinung in Deutschland ist in gegenwärtigen Augenblicken etwas unwohl; sie leidet am Wechselfieber, was sie heute auf den Altar stellte und anbetere, wirft sie morgen in den Koch; die Her- weghs, und Ruges, und A. Grün's, und B. Bauer, und Hegels, und Hoffmanns, und Freiligraths und rc. in alten Fächern hatten ihren Tag; — er istHHmber; — die Völksgunsisift veränderlich undiBDeutschHmd daffept Nichts gleichmäßig fort, als die Geduld und die Ln»'- geweile. In Braunschweig will der Adel seine alten Feudalrechte und die Bürger wollen den Herzog Karl zurück; in Bayern reaktionirt man und baut Kirchen und Museen, während man kein ordentliches Straßenpflaster und eine noch schlechtere Beleuchtung hat; in Hannover tröstet man sich, daß es noch viel schlechter sein könnte, und wartet auf den blinden Thronfolger, damit der Scheele zurücktrete; in Baden und Sachsen alter Preßzwang unter neuen Mäntelchen; in Reuß- Schleiz-Greiz-Lobenstein-Ebersdorf und ähnlichen Lokalitäten herrscht eitel Glückseligkeit unter den — regierenden Fürsten. Im Ganzen : Viel Schafe, viel Geschrei! und wenig Wolle! Von der Donau. Die Antipathie gegen Nußland fängt Gottlob! an in Deutschland immer tiefere Wurzeln zu schlagen und die sonst so pfiffige russische Diplomatie hat sich dieses Mal gewaltig verrechnet, als sie so mit offenen Karten spielte, durch Gurowski und andere käufliche Consorten einen allgemeinen Slawismus predigen ließ, in den Donau- fürstenthümern zu unmaskirt auftrat, und ihre deutschen Provinzen zu moskowiciren und zu gräcisiren anfing. Hätte Rußland seineRolle verstanden, so hätte es Deutschland gegenüber nicht eine agreffive Haltung angenommen, es hätte freie Hand im Orient verlangen und Deutschland dafür als Entschädigung die ursprünglich deutschen Provinzen Curland, Liefland u. s. w. bieten sollen; — vielleicht hätte man sich den Tausch gefallen lassen. So aber ist man aufmerksam geworden, das Bischen deutsche Presse, das wir noch haben, hat seine Stimme erhoben, aber kräftiger noch spricht die öffentliche Meinung in dem Herzen jedes Einzelnen : ,,Nichts gemein zu haben mit dem russischen Zwangs- und Knuten-Staate!" — Wir stehen am Vorabende großer Ereignisse; nur noch einige Jahre und die alte Zeit und ihre Männer sinken in das Grab und ein junges kräftigeres Geschlecht wird die großen Fragen der Zeit gegen Rußland auszukämpfen haben. — Daß der Sieg der Humanität und Civilisation bleiben wird, ist gewiß; — gewiß aber auch, daß die Bewegung hiezu von Österreich ausgehen wird, wo sich unter dem Mantel des Stillstandes unmerklich Großes vorbereitet. Es dauert lange, bis Österreich etwas will, wenn es aber ein Mal will, so hat cs seinen Willen auch durchgesetzt. An der Donau wohnen 48 Millionen kräftiger Menschen mit gesundem Sinne, biederem Herzen, täglich mehr erwachender politischerMündigkeit, über sie ist noch nicht der entnervende Siroceo französischer Blasirtheit hingegangen, sie hat noch nicht der frostige Hauch norddeutscher Grübelei angeweht, sie haben noch nicht ,,Constitutivnchen" gespielt, aber diese kräftigen Kinder der Natur haben eine große, praktische Schule auf fremde Kosten durchgemacht, viel gelernt, viel gesehen und sind fähig das Gesehene und Gelernte anzuwenden; — die künftigen Regenteil Österreichs, die bisher stets, trotz des Absolutismus der Regierungsform, nach der Stimme ihrer Volker regiert haben, werden, ja müssen das Bedürfnis' ihres Volkes begreifen, und sich, wie Joseph II. um 60 Jahre zu frühe gethan, an die Spitze der Bewegung stellen, die eine vernünftige, gemäßigte, und darum eben segensreiche seyn wird. — Für mich aber steht der Satz wie ein Glaubensartikel fest : In ;o Jahren steht Österreich an der Spitze des deutschen Liberalismus; — den ich aber nicht mit englischem, französischem, italienischem oder spanischem Liberalismus zu verwechseln bitte. — Preußen wollte diese Aufgabe lösen, als cs aber zur Entscheidung kam, mangelte ibm der Muth und in den letzten zwei Jahren hat es in der öffentlichen Meinung Deutschlands mehr verloren, als zwanzig Jahre wieder gut machen können. Österreich aber diene Preußens Beispiel zur Lehre !-uu lieber lang-^ same, vorsichtige Fortschritte, — ja jieber keine, — als' eiO-NHck sch ritt! — Was em^roßer^ Staat, was ein Kutscher Fürst versprochen, müssen sie auch halten, in Kr vollsten Ausdehnung/.hes Wortes halten, hakten trotz ( aller abmahnenden Cotterien von Prinzen/--Höflingen und Beamten, die gerne bei dem alten liebgewordenen Schlendrian bleiben möchten.---Wollen und nicht können ! — Können und nicht wollen! ist Beides vom Übel und zeugt von moralischer Schwäche; — heutzutage aber regiert nur die moralische, nicht mehr die materielle Kraft. — Doch Nichts von Politik, diesem dür- ^ ren und steinigen Distelfelde, das so viele Esel abnagen; genug von dieser sandigen; Arena persönlicher Ehrgejtze und gemeiner Interessen; — die alte Schule Talleyrands . geht Gottlob! zu Ende, und unfern Nachkommen wird eine höhere, edlere Politik leuchten, als die jetzige, die den schönen Worten, Pfiffen und Kniffpn der coinmis- v<>>-,gk!uik! gleicht, wö es endlich bei Allem doch nur aufs Leute besetz....n ankömmt. Buntes und Spitzes ^ ^ , . ) Es erscheinen jetzt Mysterien von London im ^ Courrier Fran^ais;-Mysterien von Ber-H lin durch vier verschiedene Verfasser, bei vier ver- k schiedenen Verlegern in Berlin; Mysterien voll« Constantinopel; Mysterien von Hamburg, ob ß bloßer Jungfernsteg und Hamburger Berg-Skan- - dal, wissen wir nicht. Die Augsburger Zei- H tung kündigte bereits vor sechs Monaten russische Mysterien an. Diese letztem sollen nun - wirklich in Paris französisch erscheinen. Ein deutsches Blatt erzählt, die berühmte Mademoiselle Mars sey wieder im Theater-Fran^uis aufgetreten. Was doch gewisse Correspondenten Alles erfinden. Die Romane der bekannten Schriftstellerinnen Paalzow und Bremer werden in gewissen Kreisen Deutschlands viel gelesen. Lebt Clauren (der Geheimrath Heim, in Berlin) noch ? Die Zeiten dergleichen Waare sind, Gott sei Dank', vorüber. Ein deutsches Blatt behauptet, Herr A. Weil sei der Verfasser eines Aussatzes über Bettina Arnim im Satan. Diese Angabe wissen wir aus bester Quelle unrichtig. Man spricht in Berlin von der Bildung von Handelskammern. Spezielle Handelsgerichte würden eine solche Reform vollends praktisch machen. Es wird behauptet Eöpartero werde sich in Brüssel niederlassen. Einer seiner Freunde Don A. Van Halen, soll bereits ein Hotel gemiethet haben. Das Projekt sich nach Hamburg zu begeben, wäre demnach aufgegeben. Auch die vielfach gemeldete Ankunft Espartero's in Paris bestätigt sich nicht. Die Grenzboten, eine deutsche Revue von Herrn Kuranda gegründet, vertrat in Brüssel deut- , sche Interessen und deutsches Wesen. Die preußische . Regierung, anstatt solches Streben zu unterstützen, untersagte die Versendung des Blattes durch die Post« 3 Jetzt erscheinen die Grenzboten in Leipzig. Der Titel ist nicht mehr'ganz richtig bezeichnend und die Wirkung geringer. Die Herren in Berlin verstehen die Behandlung der Presse nicht. Es wird behauptet, das Journal äesOednts habe seine vierte Seite, die der Anzeigen, jetzt zu 1200 Franken täglich, 426 000 Franken jährlich verkauft. Kein andres französisches Blatt erreicht diese Einträglichkeit der Anzeigen. Der Bep von Tunis lernt seine Infanterie nun auch von Cameelen herab zu kämpfen. Französische Instruktoren sind es meist, welche in Tunis die Truppen ausbilden. Der Direktor des Odeon-Theaters hat einen Prozeß mit dem Vater der Geschwister Felirmnd Rebecca Rachel. Diese unreifen Gestalten hat der Vater Rachel im Odeon auftretcn lassen um mit dem Namen Rachel das Publikum zu locken. Der Erfolg war unbedeutend. Das Publikum fand die Früchte sauer, und ein Prozeß folgte vor den Gerichten. Der Advokat des Vaters Rachel suchte folgendes komische Argument geltend zu machen : Wie? Rebecca und Felir Rachel haben kein Talent? sind sie nicht die Geschwister der berühmten Rachel? Publikum und Richter haben bei solcher Beredsamkeit und bei solcher Logik gelacht. Es ist zu bedauern, daß ein Vater mit der frühen Jugend und vielleicht mit der ganzen Zukunft seiner Kinder also schachert.' Die Helvetie, eines der bekanntesten Schweizer- Französischen Blätter, läßt sich in ihrer Nummer vom 2. Januar, über ein Feuilleton der Presse, von Daniel Stern, worin Herweghs Dichtungen u. s. w. besprochen, vernehmen. Die Helvetie sagt, Daniel Stern sei ein Pseudonym der Frau von Girardin (Delphine Gay). Die Helvetie irrt: Daniel Stern ist ein Pseudonym der Gräfin Marie d'Agoult. Frau von Girardin schrieb einst in der Presse Feuilletons unter dem Namen : 1s Vicomte velnuim^. Seit einiger Zeit ist dieser Cavalier verschwunden. Der böse Leumund behauptet der Tod der Judith in dem Theater-Fran^ais habe viel zum bisherigen Verstummen des Cavaliers beigetragen. Das lesende Publikum hat dabei verloren, denn oftmals bot Frau von Girardin unterhaltende Mit- theilnngen ans den Pariser Salons. Die Aachner Zeitung haj das Feuilleton von Daniel Stern in einem größeren Aufsatze besprochen. Wir hätten gewünscht daß aus dieser Besprechung die Worte: „Harem des Herrn von Girardin," von der Aachner Zeitung weggelassen worden wären. Hr. von Girardin ist kein Pascha und ein politischer Artikel keine Klatscherei über Privatverhältnisse. Deutsche Ln Paris. Unsere Landsmännin, die gefeierte Sängerin Mademoiselle Caroline Ungher, hat bekanntlich einen geistreichen französischen Künstler, Herrn Sabatier geheirathet. Madame Ungher-Sabatier besitzt eine hübsche Villa, bei Florenz, die Villa Sabatier genannt, und wird einen Theil des Winters hier in Paris zubringen. Ter Baron von Münchhausen, ehemaliger Hannoverscher Gesandter in London, ein mit Recht geachteter Diplomat, befindet sich diesen Winter in Paris. Musterung der nordamerikanisch- deutschen Zeitungen. Unter dieser Rubrik haben wir uns vorgenommen unfern Lesern von Zeit zu Zeit Auszüge aus den uns reichlich zukommenden Amerikanisch-Deutschen Journalen mitzntheilen. Dnrch Havre und Liverpool in steter Verbindung mit unfern deutschen Brüdern in Amerika wollen wir es versuchen der Vermittler zwischen ihnen und Deutschland zu sein. Eine Manufaktur-Stadt. — Ein Brief von einem Herrn in Hamilton, Ohio, gegenwärtig aber im Osten, gibt den folgenden Bericht über dieLowell M a- nufakt uren: „Es sind 32 Spinn-Mühlen an diesem Platze in Thä- tigkeit, in denen ein Kapital von 12 Millionen im Umlauf ist. Diese Mühlen werden von ii verschiedenen Manufaktur-Compagnien betrieben, und sind alle seit t822, innerhalb einer Periode von 2v Jahren, in Gang gebracht worden. In diesen Werken sind in Betrieb 104 333 Spindeln , 6 048 Weberschutzen (looms); sie geben ferner 6 375 weiblichen und 2 345 männlichen Arbeitern Beschäftigung. Sie fabriziren 1351450 Aards per Woche und consumiren in der nämlichen Zeit 334ooo Pfund Baumwolle. Sie verbrauchen 12300 Tonnen Anthrazit-Kohle;— 600000 Büschel Holzkohle, 8 ooo Klafter Holz, 80 180 Gatt. Öl, und 800 000 Pfund Stärke in einem Jahre. Ferner verkaufen sie i Million Pfund Wolle, und 3 Millionen Pfund Weber-Kanden. Sie fabriziren in einem Jahr 70275400 Pards Tuchzeug, und^ zwar aus 22 568 000 Pfund Baumwolle, welches 56 940 Ballen gleich kommt. Einige dieser Mühlen sind von 150 zu 300 Fuß Länge unter einem Dach, und die verschiedenen Manufaktur- Compagnien eignen von 10 zu 15 Acker jede, für ihre verschiedenen Werke. Die Durchschnittslöhne der weiblichen Arbeiter sind Doll. 1,75 per Woche, frei von Kost, und die männliche 70 Cent per Tag, außer der Beköstigung. Die meisten dieser Mühlen werden durch Dampf, einige auch durch heiße Luft erwärmt. Äußer den obigen bereits erwähnten Maschinerien, befindet sich noch in Lowell ein Maschinenschop, in welchem 1 ooo bis l 200 Hände beschäftigt sind, und der im Stande ist, Maschinerien und Baulichkeiten für eine Mühle von l 600 Spindeln in 4 Monaten zu liefern. — Ferner find noch verschiedene andere Etablissements vorhanden, mit einem Kapital von 500 000 Doll., und 500 Händen Beschäftigung gebend. Graf Sürvilliers, Joseph Napoleon, bat einen Schlaganfall erlitten, durch den für sein Leben gefürchtet wird. In den Anzeigen desselben Blattes lesen wir die folgende Anfrage: Wo ist Peter Kraulig ein Mthodisten-Predigtr? — Derselbe ging vor etwa 12 Jahren mit der Frau des Unterschriebenen auf und davon, nachdem derselbe noch Geld und Geldeswerth mitgenommen hatte, und soll sich in oder bei Baltimore aufhalten. — Da dem Unterzeichneten darum zu thun ist, seine Kinder wieder zu erhalten, so werden alle Menschenfreunde gebeten, den Aufenthalt des Kraulig ihm wissen zu lassen. Pittsburg. Peter Lauwitz. Schicksal. — „Wir find von glaubwürdigen Personen in Kenntniß gesetzt, sagt der New-Orleans Courier, daß der Graf D'Adbemar, der Dilettant, und der ausgezeichnete (?) Sänger Voisel, welcher von den New-Aorker Zeitungen so sehr gepriesen wurde, auf ihrem Wege von Charleston nach Havanna, woselbst man sie mit großer Unruhe erwartete, das Leben verloren haben. (ZeitschriftMinerva in Philadelphia30.November? Fabrikarbeiterinnen. Weiße Sklavinn en. — Der Lowell Herald, nachdem er gezeigt, wie gefährlich es für ein öffentliches Blatt sei, in einer Fabrikstadt wie Lowell die bittre Wahrheit über die Behandlung der Fabrikarbeiter zu sagen, fährt fort: „Laßt uns dann sehen, was die Lebensgeschichte einer Arbeiterin während einem Tage ist. Morgens wird sie aufgeweckt um für ihr Frühstück um halb nach fünf bcreitzu sein —sage ums Uhr. Sie ißt demnach ihr Frühstück kurz nachdem sie aufgestanden ist. Um sechs Uhr läutet die Glocke der Fabrik zur Arbeit und sie arbeitet ohne Unterlaß bis halb nach zwölf; dann geht sie zum Mittagessen, wozu ihr mit Hin- und Hergehen „zwanzig Minuten" erlaubt find, und arbeitet dann bis halb nach sieben Uhr Abends. Bis sie nach Hause kommt und ihre Abendmahlzeit eingenommen hat, wird es wenigstens acht Uhr. Sie hat demnach alle ihre Zeit von Morgens s bis Abends 8 Uhr — fünfzehn Stunden— ver- wendet, ohne daß sie eine einzige Minute dieser Zeit ihr eigen nennen kann! Wo ist die Zeit zur Erholung und Erheiterung ? Wo ist die Zeit zur Ausbildung ihres Geistes in r ligiöser, moralischer und intellektueller Beziehung ? Wir wollen gegenwärtig keine weitere Bemerkung machen, sondern überlassen es unfern Lesern zu bedenken — zu bedenken, ob der Mensch dazu bestimmt ist, auf diese Weise mißhandelt zu werden !" Zu diesen Angaben bemerken wir, daß äbnliche trostlose Umstände in London, Paris u. s. w. paffiren. Denkt man an Hülfe? Der Demokrat und der Anzeiger der Deutschen von Philadelphia schreibt in seinem Blatte vom sechsten Dezember: Stadt-Neuigkeiten.—Ole Bull. Dieser Künstler ist das Tagesgespräch seit seinem ersten Auftreten am vorigen Montag geworden. Der Enthusiasmus, den sein Spiel erregte, ist schwer zu beschreiben, und wenn derselbe sich auch einigemale aufOhren verletzende Weise kund gab, so war es doch im Allgemeinen erfreulich zu bemerken, daß der Sinn für wahrhaft edle und große Kunst auch hier empfängliche und begeisterte Herzen findet; denn Olc Bull ist ein großer Künstler. Wer ihn früherhin Gelegenheit gehabt hat zu hören, wird mit Freuden wahrgenommen haben, daß er seiner eminenten Fertigkeit jenen tieferen Gefühlsausdruck zugesellt hat, der eigentlich erst den wahren Künstler bezeichnet und dessen Wirkungen auf die Herzen ein ungleich schönerer ist, als die, welche alle Technik hervvrbringen kann. Übrigens bemerken wir bei dieser Gelegenheit, daß sich ein anderer Künstler augenblicklich unter uns befindet, Vicurtemps, der, was elastisches Spiel, wie man es zu nennen pflegt, anbetrifft, dem Ritter Ole Bull den Rang streitig macht. Der Letztere spielte gestern in New-2)ork und wird sich morgen Abend wieder hier hören lassen. Es lebe die freundliche Kunst! In den Anzeigen desselben Blattes lies t man: ,,Nc- ckar-Wein so eben mit der l,»itPt-näs,>ce angelangt" weiterhin wird der deutsche Rheinwein mit der Überschrift: Wein! Wohlfeiler Wein! angepriesen. Die Deutschen in Philadelphia vergessen weder den heimischen Rebensaft noch die heimische Sprache. Höchst interessant, sowohl für die literarische als militärische Welt, ist die Nachricht, daß General Bertrand gegenwärtig ein Merk über den Feldzug Napoleons in Egypten in der Presse haben soll, welches ihm von seinem großen Meister selbst während seines Aufenthalts auf Sankt Helena, wenige Monate vor seinem Tode, dictirt wurde und welches vollständig in alle Einzelnheiten dieser Bewegung eingehr. Ebenfalls soll dasselbe Napoleons Ansichten über den politischen Zustand der verschiedenen Negierungen Europas während derselben Periode enthalten. Die Damenwelt in New-Aork hat jetzt eine eigene Kegelbahn für das schöne Geschlecht, demnächst soll auch ein Lesezimmer und ein Austernhaus für Damen etablirt werden. Das Werk des Herrn Branz Maver's über Mexiko 4 wird gegenwärtig in Boston ins Deutsche übersetzt, so daß wahrscheinlich die deutsche Übersetzung in Deutschland mit dem Originale hier gleichzeitig erscheinen wird., So weit wir nach Bruchstücken, die wir gesehen, urthei- len können, dürste das Buch des Lesenswerrben Manches enthalten. Mit der Menschenfreundlichkeit der Engländer gegen diejenigen Sclaven, die sie aus dm Händen der Sklavenhändler befreien, ist es eben auch nicht weit her. Alle wohlgebauten Männer werden von den Rekrurirungs- Officieren in Sierra Leone in englische Regimenter gesteckt und mit diesen seiner Zeit nach Westindien geschafft werden. (Alte und neue Welt vom 25,len November 1843. — Philadelphia.) Hoffnungsvolle Jugend. - Ein Zögling des Pale College zu New Haven, Namens Lewis Fassil, hielt mit seinen .Kamerad,n auf seinem Zimmer im Schulgebäude ein Gelage, wobei es etwas laut und unoroent« lieh zuging. Ein Professor der Anstalt, Herr I. B. Dwigbt, erschien um Nutze zu stiften, erhielt aber während er im Begriff war. den jungen Faffit ans Licht zu ziehen, von demselben drei Dolchstiche in den Unterleib, woran er nach zugetretener Entzündung starb. Faffit wurde flüchtig, aber bald darauf bei seinen angesehenen Verwandten in Philadelphia verhaftet, und unter 5 nun D. Bürgschaft gestellt. Nach dem Eintritt des Todes seines Lehrers, wurde er jedoch auf die Requisition des Gouverneurs von Connekticut ausgeliefert und nach New Havcn abgeführt. — Die werthe Jugend des College hat stch darauf versammelt und sehr altkluge Beschlüsse abgefaßt, worin sie den unglücklichen Vorfall beklagen, und cs für die Zukunft für eine Schande erklären, wenn Einer noch verborgene Waffen tragen sollte. — Professor Dwight war ein vielversprechender junger Mann von nur 2l Jahren und Enkel des Professor Dwight, des verdienstvollen Stifters der Anstalt. (Anzeiger des Westens. — St. Louis. 4ren November.) Dag uerreo typ d er Gegenwar t. — In Cincinnati ist zum Erstenmale ein Schooner vom See Eric, via Eleveland, durch den Ohio-Canal angekommen. — In verschiedenen Theilen deS Staates Tennessee hat das Scharlachfieber auf höchst bedenkliche Weise um sich gegriffen. — In de!, s und 4. congreffionellen Districten von Maine, wurden 4Whigs und im 7. ein Demokrat für den Congreß gewählt.— Im CraateM i ssissi p i scheinen die Wahlen entschieden zu Gunsten der Repudiatoren ausz ifatten. — Der berüchtigte Borer Lilly, welcher ror einiger Z.it in New-Kork einen Mann, Namens M'Coy, tödtete und dann nach England flüchtete, ist von den dortigen Behörden ausgeliesert und unlängst mir einem Schiffe in New-OrleanS angekommen. — Mademoiselle Calve, die Prima Donna der französischen Oper, hat stch vor wenigen Tag n in New,Orleans vergift.t. Liebesverhältnisse sollen die Unglückliche zu der traurigen Tbat veranlaßt haben.— Der Enthoustasmus in dem am Sonnabend Abend in New-Aork stattgcftmdenen ersten Conzerte des berühmten Violoniften Ole Bull, soll an's Unglaubliche gegränzt haben. - In N-w-2)ork bestehen gegenwärtig 4 Kirchen, in denen in französischer Sprache gepredigt wird, und zwei Zeitungen, ausschließlich ders. bcn Sprache gewidmet. — In New Kork wurde ein Deutscher, Namens Theodor Busch, verschiedener Diebstähle wegen arretirt und festgesetzt. Musikalisches Eine in der Kirche St. Mery am Weihnachtstage auf- Sriegier, aus München, hat unter den Kunstkennern sehr vielen Beifall gefunden. Man geht damit um die Stimmung des Orchesters der großen Oper, die ohnehin tiefer als in Deutschland ist, noch mehr herabzusetzen. Diese Maaßregel, die durch physische Unzulänglichkeit der jetzigen Tenoristen und Sängerinnen herbeigeführt wird, wird es den Baritons unmöglich machen, die tiefen Noten die ihnen die Herren Donizetti und Halevy zumuthen, mit Kraft zu nehmen, den vollen Klang der Streich-Instrumente vermindern und eine gänzliche Umgestaltung der Blech-Instrumente niftbig machen. Scribe und Auber's neue Oper ,,>» ist ftir die junge talentvolle Anfängerin, Mlle Lavoye, die Madame Rossi mit so vielem Glücke im cttr cftnttlc" ersew, g'schrieben. A. Adam's ,,E.,gl>o!Uiv" soll in der Opera-Comique dieser Tage in die Scene gehen. Auf den drei Operntheatern von Paris wurden im Laufe des Jahres ,813 fünfzehn neue Opern gegeben; hievon gaben die große Oper 3, die komische Oper 7, die Italiener 5. Erstes Conservatoriums-Conccrt. Am I4len Jänner. Nicht ohne Gefahr erdrückt oder wenigstens bedeutend an unseren lieben Ich beschädigt zu werden, ist es uns gelungen uns noch in die Journalisten-Loge des Conserva- toriums hinein zu quetschen. Wir waren unserer ungefähr zwölft, lauter musikalische Rhadamanthes, zusammengepreßt wie Häringe im Salzfasse und überhaupt so bequem plazirt, wie Neger auf einem Sklavenschiffe. Für diese körperlichen Leiden sollte uns nun der künstlerische Genuß entschädigen, der zu erwarten stand. Und in der That, von dem Augenblick an, wo Habeneck sein weißes Haupt schüttelte und seinen ruhmgekrönten Geigenbogen erhob, vergaßen wir auf irdisches Leid und auf irdische Qual, auf das Einschachtelungs-System der Con- servatonums-Coneerte, gegen das das Gefängniß-Zellen- System unserer modernen Criminal-Reformaroren noch ein wahrer Hochgenuß ist, und waren ganz Ohr. Was wir gese h e n, bleibt Nebensache, — weiß ja doch ganz Paris, daß ganz Paris, d. h. die Elite der Pariser Kunst- weit sich hier einfindet, um ein musikalisches Diner fin z,u genießen und in selten so ausgesucht geborenen Genüssen zu schwelgen: — was wir gehört, wollen wir in kurzen Andeutungen den geneigten Lesern milchulen. Das Programm war durchaus aus deutschen Meister- w crken zusammengesetzt, und wir hobur uns bei dieser Überzeugung um einige Zoll höher auf unserem Rohrstuhie, um die großen Meister der theuern Heimath zu begrüßen. <' u Neigen eröffnere eine neue Symphonie von Murdels- soh 'öartholdy, — d. h. neu für Paris; — uns kam sie wft ' e ältere, wahrscheinlich Jugendarbeit des Compo- ni vor, denn Beethoven und eine Art Nachahmung gu aus st der Note, vorzüglich aber im Scherzo und im er . Satze hervor, die der Form nach ganz au Deetho- s Pastoral-Symphvnie erinnerten. Der dritte Satz ildet eine Art Trauermarsch, der viertelst origineller und schließt mit einer lebhaften Stretta in dem Genre der Oberons-Ouverture. Die beiden letzten Thule trugen einen entschiedenen Erfolg davon. Der Beethooensche Chor aus den Ruinen von Athen mußte wiederholt werden ; — wir bedauern, daß die unverhältnißmaßige Anzahl der begleitenden Instrumente die Gesangs-Stimmen zu sehr deckte;—zum Gesangs-Accompagnement wären die Hälfte der Streich-Jnstrumenre hinreichend, da das Singen sonst in Schreien ausarten muß, um durchzudringen. Der deutsche Posaunist Belcke ließ stch hierauf in einem Concerto von David für die Tenor- Posaune hören. Große Befangenheit des Künstlers, die Langweiligkeit der Composition und die Undankbarkeit des Instrumentes ließen nur einen succes chesttm« erfolgen, der dem wackern Künstler galt, den wir bald auf einem dankbareren Felde zu begegnen hoffen. Das « Us- Nt-ä,eiu8 und Sanctus » von Haydn bedarf keiner beson- k."-n Erwähnung; — sv c."miis».- mit jenem Enthusiasmus ausgenommen werden der dieser klassischen Composition ward. Den Schluß machte eine Symphonie von Haydn in L clnr, von der das Nämliche gilt. Das Orchester hielt stch sehr wacker; nur wäre dem Paukenschläger eine bessere Stimmung seines Instrumentes zu wünschen, das sich besonders in der ersten Symphonie störend bemerklich machte. — Das zweite Concert findet am 28. statt. Mar M. Kleiner Theater-Courier. Herr Leon Pillet hat das erste Bulletin seines großen italienischen Feldzugs emgesandt; — es ist datirt aus Mailand. Was den gesuchten Tenor betrifft, so bat er zwar noch keinen gefunden, dafür aber die leichtfüßige Neapolitanerin Dlle Cerito für fünfzehn Gasttänze für die KNiuigkeit eines Honorars von 2U0N0 Franks enga- girr. — Also eine Pirouette statt des hohen Brust-C's, — die Cachucha statt des Propheten. Der Mnftctz denkt und der Postillon lenkt; —wäre Herr Pillet Narr nach Mailand nach Turin gefahren, so hätte er vielleicht ichon einen Tenor, da stch dorten ein solcher seltener Vogel gezeigt tzaben soll. Das Thearer-Fram-ais hat mit der Wiederaufführung von Nacines B ereniccs, trotz alles Talentes, das die Rachel in der Hauptrolle entwickelte, kein Glück gemacht. Berenice ist tg>,i snli >>«->.> !'>>»<>..c>, und riecht noch nach der Sentimentalität der Liebrstzöft und der müi- niglichen Zärtlichkeit der Troubadours. Es ,st noch unentschieden, ob es die Verehrung sur das alte klassiftoe Drama, oder der Mangel an gebenswerthen Novitäten waren,die das Thearer-Fram-ais dahin brachten die Berenice aus den altin verstaubten Kartons de, vorigen Jahrhunderte hervorzusuchen und einem Pa teile vor;u- führen, das indessen Bekanntschaft mir den energischen Figuren einer Lucretia Borgia, Maria Tu- dor u. s. w. gemacht hat. « c'«s, i.e-ge, ,, sagte ein Enthusiast ganz begeistert neben mir. — Ou>, » fügte sein Nachbar hinzu, « c'«sr mnes Sosi «In>- blemci'i klinu^eux. »— Die übrigen Tbearer brachten nichts von Bedeutung, einige mirDampt erzeugte Vaudevilles, die schnell vieder zu Wasser wurden, und die Wiederholungen der täglich mehr verblassenden Nevuen bildeten das Repertoir. E. Sue's u lVl>8rci'68 » sind noch immer ein Mustere, das in grauen Nebelwoiken unzugänglich dem Auge des Uneingeweihten ruht. Hier versichert uns ein Journal in seinen Otts cttvei-s, daß sie verboten sind, und unter den Reelamen desselben Blattes lesen wir, daß die Aufführung in der nächsten Woche statt findet. — l'.-tiis i-ni«-! sprecht ihr die Wahrheit? — oder lügst du, RNlame? ,,Wer leitet uns aus dieses Zweifels Nachts— Salvi hat in der Reprise der Anna Bolena das Publicum wieder etwas mit stch ausge- söhnt;er wurde, «ine kleine Opposition ausgenommen, günstig beurrheilt; — bei allem dem ist aber die Partie des Perey, an der schon so viele Tenore scheiterten, durchaus nicht mehr für Salvi. - Eben so ist es mit dem Rodrigo in Orello, der ihm jetzt zugethcilt wurde, und der, Rubini und David ausgenommen, noch zur gefährlichen Klippe für ille Tenoristen ward. Von Kreutzers Nachtlager i., Granada wird es immer stiller; — vielleicht ist es auch so besser für den Compofiteur. Lieber gar nicht aufgeführt werden, als mangelhaft und mit Unlust. Es bestätigt sich, daß der ausgezeichnete Bassist Standigl aus Wien von 1845 anbei der hiesigen großen Oper engagirt ist, eine Acquisttion zu der wir Herrn Pil- let nur herzlich gratuliren können. Meyerbecr ist glücklich in Berlin angekommen; — die Bitte seiner Funktionen beim Hoftheater enthoben zu werden, wurde von dem König? unter den schmeichelhaftesten Äußerungen abgelehnt; — jetzt componirt er außer dem Festspiele zur Eröffnung des neuen Opernhauses auch noch die Musik zu Tiecks: Gestiefeltem Kater, der nächstens in die Scene gehen sott. — Und was wird aus dem Propheten? O Herr! „komm zu uns, denn es will Abend werden ! " > Aedactcur: Heinrich Börnstein. Druck mir Schnellpressen von Paul Ncnouar d, Prris, Tonnabend Nr. «. Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . I» ,, Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen : die Zeile n 50 Centimes. H r to a / ^ WM 20 Januar 18^4. Man abonnirtr für Paris: in der Buchhandl. von aules Lenouarä «r L" ru6 lt« lonnnon, 6. und im Duresu V8»t^s> pour I'^NsmsA»«, rue clen Ohren. Die Tänzerin nämlich, die wegen eines Wortwechsels mit dem Theaterintendanten unsere Stadt verlassen wollte, ist auf freundschaftliches Ersuchen einer dem Kabinete sehr nah stehenden Person, zu bleiben veranlaßt worden. Als die Hochgefeierte gestern wieder anftrat, wurden ihr mehrere Jungferkränze zngeworfen. Sie hob diesel- Gen auf und sprach von Zeiten, die vergangen sind. Der Vorhang weinte und das Publikum fiel. Kuhsch w appel. Vorgestern war der Namenstag unseres Prinzen. Morgens fand große Parade, Abends große Affenkomödie statt. — Daß unser bisheriger Theaterlampenbeleuchtungsrath den Titel eines wirklichen Theaterlampenrathes erhalten, dürfte dermalen noch einigen bescheidenen Zweifeln unterliegen; hingegen bestätigt es sich vollkommen, daß unser Hofmarschall endlich zu Kreuz gekrochen, welches ihm jetzt auch den Busen schmückt. Köln am Rhein. Seit der patriotische Karl Andree die Redaktion der kölnischen Zeitung übernommen, wird der Artikel Deutschland sehr häufig über Gebühr herausgestrichen. Ein Glück für die Redaktion ist es, daß Columbus die nene Welt entdeckt und zwar deßwegen, weil — Uuglücksfälle. Jtt Hamburg ist. , gestern eine SärHerin json der Tonleiter hinuntergestürzt und hat s^ch mehrere schwache Seiten stark verletzt. —Vorige Woche ist im Königsstädter Theater zu Berlin ein junger Schauspieler in einer Rau- pach'schen Tragödie stecken geblieben. Nur mit Mühe gelang es dem menschenfreundlichen Souffleur, denselben herauszuziehen. Außer einigen höchst unbedeutenden Jamben ist von diesem Unglück nichts an ihm haften geblieben. — Im Regierungsbezirk Arnsberg hat sich die Ruhr gezeigt. — Auf der Schnstergasse in Mainz hat vorigen Donnerstag, ein junges, blühendes Mädchen in der Zerstreuung zwei Romane von Paul de Kock verschlungen und sich heftige moralische Krämpfe zugezogen. Die zärtlichen Eltern sind für die Zukunft ihres Kindes sehr besorgt. — Bei der Veröffentlichung des neuen Strafgesetzbuchs im Königreich Narragonia sind so viele tausend Unterthanen aus den Wolken gefallen daß man einen bedeutenden Aufstand befürchten mußte. — Ueber die Verwendung der Ersparungen im Königreich Thule haben sich die meisten Deputaten die Köpfe zerbrochen. Der König glaubt daher, daß diese Teputirten sich ihm bald verbunden zeigen müssen. — In Frankfurt am Main sind gestern zwei wilde Pferde und ein zahmer Künstler durchgegangen. — Unter der Mainzer Damenwelt grassirt gegenwärtig ein heftiges Gallafieber. Viele Väter und Ehemänner sind dadurch in tiefste Trauer versetzt. — Bei der Eröffnung der Narrhalla ist von dem Redakteur derselben ein Prolog vorgetragen worden. Verwirrte Ideen. Kinder und Narren pflegen die Wahrheit zu sagen; aber die Großen und Erwachsene pflegen sie nicht gerne zu hören. Wenn Schweigen der Gott der Glücklichen ist, so sind die Deutschen ein sehr glückliches Volk. Die TeutsÄM gleichen den Wanduhren. Nicht allein darin, daß beide sich durch Stricke leicht auf- ziehen lassen, sondern auch, daß die Stricke, durch welche beide aufgezogen werden, das meiste Gewicht haben. Die Deutschen unterscheiden sich aber von diesen Uhren wieder dadurch, daß diese schlagen und jene sich schlagen lassen. Amtliche Bekanntmachungen. Jeder fege vor seiner Thür. Der Bürgermeister. Da im Kalender Mondschein steht, so sind die Laternen einstweilen in Peusiousstand versetzt. Wer Menschen sucht, kann sich während dieser Zeit selbst beleuchten. Der Borgermeister. literarische Anzeigen. In meinem Verlage ist erschienen und in allen soliden Buchhandlungen zu beziehen: Die Preßfreiheit, ein deutsches Mährchen für erwachsene Kinder. Der populäre Gartenfreund, oder die Kunst: alle in Deutschland vegetirenden Schmarotzerpflanzen naturgemäß zu pflegen. Ein Hülfsbuch für angehende Wucherer und Hofschranzen. Weibertreue, vdet Äe Lehre botn Wechsel. Zum Selbstunterricht für Liebhaber und angehende I Ehemänner. Irrwisch, Derwisch und Flederwisch, drei Wische, von der Akademie der verbildenden Künste in Schilda gekrönt. Tausend und ein Hofrath. Deutsche Erzählungen für deutsche Schlasmützen. Kaspar Pappendeckel. Das deutsche Volk, festgebunden, doch an verschiedenen Stellen stark lädirt, wird sehr billig verkauft. Wo? sagt die Expedition dieses Blattes nicht. Vermischte Anzeigen. Zu dem bevorstehenden großen Manöver empfiehlt sich mit frischen Särgen Simon Leidvoll. — Frische Landpummeranzen sind angekommen und werden zu billigen Preisen abgegeben. Schustergasse, bei dem glücklichen Onkel. — Im jüngsten Concert Hab' ich die Geduld verloren. Der redliche Finder wird gebeten, mir dieselbe zurückzugeben, da ich kurhessische Zeitungen lesen muß. I. Got tstahmirbei. — Wer sich über das Wesen der Öffentlichkeit und Mündlichkeit belehren will, beliebe die Bekanntschaft meiner Frau zu machen. Lorenz Schmerzlich, Gemeiner im fünften schweren Pantoffelregiment. — Gestern Abend starb meine innigstgeliebte Gattin an den bösartigen Folgen einer zurückgeschlagenen Abendgesellschaft. Kurz war ihr Schmerz und ewig währt meine Freude. — Geistreiche Journalisten kauft die Regierung zu Schranzenhausen. — Einige Zierpuppen wünscht man an den Mann zu bringen. Das Nähere erfährt man große Bleiche, eine Stiege hoch, vorn heraus. — Für eine zu erbauende Ruhmeshalle wird Ruhm gesucht. Näheres erfährt man im König von Thule. — Ein Windhund, der auf den Ruf „Franz" hört, hat sich verlaufen. Wer nähere Auskunft über ihn ertheilen kann, wende sich gefälligst an die liberale Partei, deutsche Gasse, dicht am Gefängniß. — Frische Zankäpfel kauft ^ meine süße Ehehälfte. — Ein lediges Knopfloch und ein guter Namen können an einen soliden Orden sogleich vermiethet werden. Das Nähere erfährt man, wo man es nicht zu erfahren glaubt. — Ein Stück Eilfter zu haben. Wo ? beim Vater seiner Tochter, wohnhaft ans der Lndwigsstraße, Nr. so und so viel. ' — Eine Gans, die sich mit Tichterfedern schmückt und schon einigemal stark gerupft worden, wünscht -an den Mann zu kommen. Näheres sagt der Verlag. . — Weihrauch in großen Quantitäten kauft ^ . F. W. Prcuß. .In dem Hoflager zu Mainz kann leeres Stroh gedroschen werden. — Drei geschmackvolle und heizbare junge Männer, mit einer schönen Aussicht auf die goldene Luft, suchen drei ledige und zurückgezogene Zimmer. Näheres sagt die Redaktion der Blätter für die Nothdurft des täglichen Lebens. — Zwei ineinandergehende und sehr luftige Familien nebst Küche, können sogleich an eine stille, kinderlose Stube vermiethet werden. — Ein freundliches Mädchen, mit der Aussicht auf den Flachsmarkt, wünscht ein sittsames Zimmer- chen zu miethen. — Gute Witze und Abonnenten braucht die Redaktion der Narrhalla. — Beim Conditor Jkse ks sind frische Lohkuchen zu haben. — Ern ordentlicher junger Mann, von vermögenden Eltern, kann sogleich in die Leere treten bei Op ehku, Modenwaarenhändler, Ludwigsstraße, Nr.? — Ein junger Mann, der lateinisch und griechisch versteht, in den modernen Sprachen, namentlich aber im Englischen und Französischen, sehr bewandert ist und auch einige Kenntnisse von Naturwissenschaften besitzt, kann sogleich oder am ersten Februar eine sehr gute Anstellung suchen. Näheres im Verlage. Krebs-Literatur. Als Bestätigung des in N. 3 unseres Blattes über die russisch-politische Literatur-Fabrik hier Gesagte, finden wir nachstehendes Schreiben aus Paris in der Trierer Zeitung, das jedenfalls beachtet zu werden verdient: „Paris, 30. December. Wir haben unfern Lesern bereits mitgetheilt, daß der russische Staatsrath Gretsch hier und beauftragt ist eine Wiverle- gung über Custines : bmIUmsis zu schreiben, vaß er dieses Werk auch bereits beendet, aber noch kein Exemplar ausgegeben hat. Die Ursache liegt darin, daß der offizielle russische Ursprungseiner Entgegnung in den deutschen Blättern zu frühe enthüllt worden war, und daher aller Effect verloren ging. Staatsrath Gretsch hat nun an die Augsburger Allgemeine Zeitung und an mehrere französische Blätter eine Berichtigung geschickt, die übrigens weder Hand noch Fuß hat und eigentlich gar nichts sagt. Das Faktum, daß die Wiederlegung allerhöchsten OrteS anbefohlen worden ist, läßt sich nicht ableugnen, Herr Gretsch ist russischer Staatsrath und besoldeter Publicist, der deutsche Uebersetzer der Brochure Herr von Kotzebue ist Legations-Sekretär der russischen Gesandtschaft in Karlsruhe. Staatsrath Gretsch wartet nun aus Verhaltuugsbefehle von Petersburg, was mir den in seinem Zimmer verschlossenen Exemplaren nun anzufangen ist. Sollte die Gretsch'sche Brochure das Licht der Welt erblicken, so ist sie von dem deutschen Lesepublikum mit der größten Vorsicht aufzunehmen, wie alle andere derartigen russische» Publikationen, die hauptsächlich auf die deutsche Gutmüthigkeit berechnet sind. Der Leiter aller dieser russisch-politischen Litteratur ist Herr von Tolstoy hier, der auch die erste Brochure gegen Custine selbst schrieb, und einer der thätigsten Agenten Rußlands, in vielfacher Mission hier anwesend, ist. Die Genauigkeit dieser Notizen können wir verbürgen." j 3 Buntes und Spitzes Gutzkow sezirt Herrn von Holtei in der Kölln. Zeitung gleich einem Chemiker, der mit Scheidewasser seine Prozeduren vornimmt. Herr v. Holtei hat nämlich seine Memoire n herausgegeben. Mehrere frühere Arbeiten von Holtei machten Glück, auch einige Bühnenstücke blieben auf dem deutschen Repertoir; bis jetzt ist dies Herrn Gutzkow nur wenig gelungen. Dessen analysirend kritisches Talent, so wie viel Gutes in seiner letzten Reise nach Italien erkennen wir gern an; warum aber werden so oft ganz obsküre Freunde gelobt und zu großen Talenten gestempelt, während diejenigen auf welche die Lobhudelei-Assekuranz-Compagnie nicht ausgedehnt ist, unbarmherzig getadelt werden? Es ist von der Gerechtigkeit der Köllnischen Zeitung zu erwarten, daß sie solches Unwesen wie es einst im Telegraphen üblich war, nicht in ihrem literarischen Theile dulden wird. Doktor Andre ist viel zu sehr Ehrenmann als daß er nicht Sorge tragen sollte sein Blatt vor solcher Unbill zu bewahren. Was Gutzkow übrigens über Saphir uud dessen frivole Paöquinaden-Kritik, aller Gesinnung, jeder würdigen Auffassung entbehrend sagt, ist treffend wahr. Vor einigen Jahren war Dr. Mundt, jetzt an der Berliner Universität professorend, in Paris. Er compilirte Reiseeindrücke und brachte Pariser Schilderungen, Weltfahrten u. s. w., d. h. prahlerische Titel und wenig Neues oder Originelles zum Vorschein. Zur selben Zeit lag im Palais-Royal beim Buchhändler Barba ein kleines Buch über Mademoiselle Dejazet aus: der Papagei der Dejazet betitelt. Dieses französische Heft enthält in allen hiesigen Coulisseu bekannte, gesammelte, oft erfundene, oft ausgeschmückte Anekdoten über die bekannte und beliebte Schauspielerin des Palais-RoyalTheaters. Die Weltschmerzen des Herrn Mundt, damals in der Assekuranz-Lobhudelei-Compagnie des jungen Deutschlands verflochten, verhinderten denselben nicht ohne Angabe der Quelle dies ganze französische Büchlein auszuplündern, uud dem deutschen Publikum als Original anzubieten. Großes Lob erntete der damals genial genannte Verfasser, und keiner von denen, welche jetzt über französische Nebersetzungen den Stab brechen, geißelte den Herrn Mundt, der dem französischen Papagei die Federn ausrupftc, um seinen magern, jetzt in Berlin wohlgenährten Weltschmerz damit aus- zustaffiren. Das königliche sächsische Postamt, welches zum neuen Jahre das Verzeichniß der von der königlichen Postanstalt debitirten Zeitungen veröffentlicht, enthält 470 Nummern in deutscher Sprache, 76 in französischer, 50 in englischer, 15 in russischer, gegen 40 in polnischer, italienischer und anderer Zunge. Eine Berliner Correspondeuz in der Aachener Zeitung (Nr. 9j sagt: „Die Broschüre: Kn mot sur 1'c>uvru.o6 cle N. cls Gustins pur un Uusse, sei in Berlin von einem dortigen russischen Diplomaten geschrieben." Die Angabe ist unrichtig, sie ward in Paris von dem hier mit einer russischen Mission lebenden Herrn von Tolstoy gefertigt. Zu Wienhat einDLplomat des Herzogs von Lucca, der Freiherr von Ostini, so viel Schulden gemacht, daß er entfernt werden mußte und sich nach Italien zurückbegab. Alle seine Güter sind in Beschlag gelegt, in Wien machte er Aufwand, wie einst größeren von Geymüller, in Berlin der Banquier Bencke, Baron von Gröditzberg genannt, machten. Der Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht! Mehrere deutsche Blätter erzählen einigen französischen nach, der berühmte legitimistische Redner Berryer werde die Wittwe des Grafen Sommariva heirathen, auch habe der Herzog von Bordeaux bereits ein Brautgeschenk gesandt. — Kein wahres Wort an der ganzen Klatscherei. Der Herzog Mm von Baiern wird vier Monate in Paris verweilen. Das Hotel des Grafen Mole, auf dem Platze Ville-l'Lve^ue, ist zu verkaufen. Der reiche ehemalige Minister hat das prachtvolle Hotel des ehemaligen belgischen Gesandten Herrn Lehon, in der rue kuudourA Lt.-Honore gekauft und bezogen. Mehrere französische Blätter entnehmen unserm erst seit so kurzer Zeit erscheinenden Blatte fast täglich einige Nachrichten, einige wenige jedoch ohne die Quelle zu nennen. So der bekannte Feuilletonist des Siscle, Herr Pierre Durand in seiner vielgelesenen Pariser Chronik (vom 8ten Januar). Wer so reich ist, wie Herr Pierre Durand (Eugene Guinot) braucht nicht zu borgen. Andere Blätter wie Globe, Jndependant vom 14ten u. A. fordern wir aus künftig gefälligst ihre Quelle zu nennen, wenn sie uns Nachrichten entlehnen. Einige deutsche Blätter vom Rhein plündern uns bereits ebenfalls mit größter Bereitwilligkeit. Fürchten sich die Herren unser Vorwärts zu zitiren? Die Frankfurter-Ober-Po st amt-Zeitung läßt sich aus Paris vom 9ten Januar schreiben : Der berühmte General, Graf d'Orsay, ist gestorben. Was doch Deutschland für Berühmtheiten ausgebunden werden, von welchen hier Niemand etwas weiß! Warum wird in Berlin kein Musik-Konservatorium in der Art des Pariser, mit ähnlichen Concerten, eingerichtet? Das kleinere regsame Leipzig ging doch mit gutem Beispiele voran. Die Allgemeine preußische Staatszeitung läßt sich aus Paris in ihrem politischen Theile, unter dem 2ten Januar folgende wichtige Begebenheit schreiben : „Man verkaufte auf den Boulevards eine goldene Uhr nebst Kette zu 25 Centimes." .Solche Novitäten über die Neujahrstage gehören in'ö Feuilleton. Alexandre Dumas erklärt in einem hiesigen Theaterblatte, er habe sich nicht um den Platz des verstorbenen Gusiinir Oelavi^ns als Bibliothekar in b'ontuinedleuu beworben. Nur dessen Sessel in der Akademie wünsche er einst zu erlangen. Die letzten Theaterarbeiten des Herrn A. Dumas führen aber weder zum Ruhme, noch zur Akademie. Das Frankfurter Journal urtheilt überaus günstig über unser Blatt, räth uns aber nicht über die Schnur zu hauen, nur mit Mäßigung werde dem vernünftigen Fortschritte gedient. 4 /Vä nein! Die Rhein und Mosel Zeitung in Koblenz bespricht ebenfalls unser Blatt und endigt mit der Bemerkung: „Nicht in Ertreme zu ge- rathen." ^Wird nach allen Seiten hin vermieden werden. Die Salons der Gräfin Appony sind für den Augenblick geschlossen, indem deren vor einiger Zeit verheirathete Tochter sich in gesegneten Umständen befindet. Deutscher Unterstützungs-Verein. Um dem Ausrufe zur Bildung einer deutschen Hülss-Gesellschaft die gebührende Besprechung zu Theil werden zu lassen, wird derselbe erst in der Nr. 7 unseres Blattes abgedruckt werden, indem zugleich eine erste Subscriptionölistc beige- legt werden soll, für welche bereits mehrere Beiträge eingegangen sind. Aus Berlin. Berlin, 6. Jan. Heute beginnen die zwölf wissenschaftlichen Vorlesungen, welche alle Winter „für däs Volk" — „zur Vermittelung der Wissenschaft mit dem Volke"; wie sich die „Vossische Zeitung" sehr schön ausdrückte, gehalten werden, mit einem Vortrage Dehn's über Musik. Man sieht aber, was hier unter „Volk" verstanden wird. Melden kann sich Jeder, aber der sogenannte „Wissenschaftliche" Verein nimmt die Liften und streicht, was nach Rang und Stand nicht in die — höhere Gesellschaft gehört. — Aus Königsberg wird gemeldet, daß der Schriftsteller Walesrode in eine Criminaluntersuchung gezogen ist, nachdem ihm plötzlich die Polizei bei einer Haussuchung alle Papiere weggenommen; Walesrode habe bis jetzt noch nicht erfahren können, welches Verbrechens man ihn beschuldige. Schlimm ift's, daß auch Personen, von welchen bei Walesrode im Übrigen ganz unverfängliche Briefe gefunden wurden, in Unannehmlichkeiten verwickelt werden. —-Aus einer Provinzialstadt der Mark ward mir neulich folgender Characterzug unseres Königs gemeldet. Se Majestät spricht, während die Pferde gewechselt werden, mit den höchsten Magistratspersonen und fragt nach der Lage der Stadt. Der Bürgermeister sagt, unter dem glorreichen Scepter Sr Maj. könne es der Stadt nur gut gehen, sie habe keine Wünsche und Bedürfnisse, sie blühe in: blühenden Preußen und wie dergleichen Redensarten heißen, wodurch die Herrscher so oft beleidigt werden. Der Stadt- verordneten-Vorsteher fällt dem Bürgermeister in die blühende Rede und ruft entrüstet: „Ich bitte um Entschuldigung, das ist nicht wahr!" Se. Maj. steigen sogleich aus dem Wagen und nöthigen den Stadt- verordneten-Vorsteher mit Ihm in ein Zimmer zu treten. Hier fordert er den Beweis, der Stadtverordnete beweist mit genauer Sachkenntniß die Noth der Stadt, die größer sei als fast in allen Städten Preußens; der König dankt ihm sehr bewegt, geht mit ihm Hand in Hand zum Wagen, ohne die dastehenden Magistratspersonen eines Blicks zu würdigen und ruft dem Stadtverordneten allein beim Abfahren ein herzliches Lebewohl zu. Der Stadt wurden darauf 4000 Thlr. geschenkt, womit sie sich, da sie klein ist, bedeutend geholfen und z. B. die Stadtschulden auf 3 1;2 Procent von 5 herabgesetzt hat, da sie durch die 4000 Thlr. ermächtigt ar zu kündigen. — Wie oft werden die Ohren der Landesväter auf ähnliche Weise mit schmeichlerischen Unwahrheiten gefüllt, ohne daß ein redlicher Mann daneben steht mit dem Muthe hervorzutreten und zu sagen: „Ich bitte um Entschuldigung, das ist nicht wahr." Musterung der nordamerikanischdeutschen Zeitungen. Die New-Uovker Staatszeitung vom lften Dezember theilt einGedicht von Harro Harring mit: ,,Der M ensch- heit Auferstehung." Schluß-Monolog eines noch ungedruckten Drama's. Der gute Wille ist besser als die Verse. - Derdeutsche Correspondent in Baltimor vom 24. November sagt: „Harro Harring, der berühmte deutsche Schriftsteller, ist von Rio Janeiro in New-2)ork eingetroffen, und will dort eine erlesene Sammlung seiner Werke in drei Bänden, heftweise, bepausgeben. Die New-Aorker Staats- Zeitung bringt reiche Beiträge von ihm." Berühmt ist Harro Harring nicht. Fenimvre Cooper, der bekannte Novellenschreiber, hat seinen letzten Jnjurienprozeß gegen den Herausgeber des New-Iorkcr Enquirers verloren. Der letztere publicirt nun öffentlich eine Anekdote, die Herrn Cooper in das eben nicht sehr angenehme Licht eines undankbaren Lügners stellt. Schade, daß der Geist und das Herz nicht immer harmoniren. (Alte und ne ue Welt, 2. Dezember, Philadelphia). Seltenheit. — Es ist eine Seltenheit eine Person zu finden, die ihre eigene Kinder nicht gescheuter und besser erzogen denkt, als die ihrer Nachbarn. Seltener ist es, ein Mädchen zu finden das seine fünfzehn Jahre erreicht, das noch nicht an einen Mann dachte. (Der Freimüthige von Buffalo.) Deut sch e s Militärcvrps. — Mit eben so viel Vergnügen als Überraschung hören wir von der regen Theilnahme, welche sich für die Bildung einer deutschen Militärcompagni- in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten kund gibt. Und warum sollte es auch anders sein, da das Material, tüchtige deutsche Männer, in hinreichender Stärke vorhanden, und der Ort der passendste in den Vereinigten Staaten ist. Die beiden Versammlungen zu diesem Zwecke waren von einem trefflichen, vielversprechenden Geiste beseelt. In der letzten Freitag Abend, den 10 . November, anberaumtermaaßen im Locale des Herrn Creutzfeld abgehaltenen Versammlung, wurde die von der Comite zu diesem Zwecke entworfene Constitution angenommen und beschlossen, daß jede Woche eine Versammlung deswegen statt finde. Die nächste Versammlung findet demgemäß am Samstag den 18 . November bei Herrn Creutzfeld statt. Ein jeder Deutsche der obiges Vorhaben in Ausführung zu bringen wünscht, sollte sich daselbst einfinden. tN. Ztg.) Die deutsche Schnell post, von 29. November, sagt: „der amerikanische Himmel hängt voll Geigen. Der berühmte Belgische Violinist Vieurtemps,einKünstler vom allerersten Range, ist hier eingetroffen." Es scheinen sich in der That diesen Winter die ersten Violinisten Europa's in Nordamerika eingefunden zu haben: Vieurtemps, Artot, Ole Bull, u. s. w. — De Benot lebt in Brüssel und spielt nicht mehr vor dem Publikum, sondern empfängt große Gesellschaft. Das Publikum verliert dabei, de Benot aber nicht. Die berühmte Malibran sang mit Seele zur Kunst und starb nach übertriebener Anstrengung. De Benot wird wohl dieser Kunstenthufiasmus nicht nachahmen. Dem deutsche Correspondenten aus Baltimore, vom 29. November, entnehmen wir folgendes : Ole Bull aus Norwegen, der große Violin-Virtuose unserer Zeit, ist in New-Aork mit dem Steamer ,,Cale- donia" von Europa angekommen. Die N. - P. Schnellpost" bemerkt über den ausgezeichneten Künstler unter Anderen Folgendes : „Ein Hauptcharakterzug diests genialen Künstlers ist die Ruhe und anspruchlose Art, mit^ welcher er alle die unbegreiflichen Effecte und Schwierigkeiten hervorbringt, sein Staccato ohne Ende, sein vier-7 stimmiges Spiel und das auf ein er Saite, so wie seine Doppel- und Octavenläufe, die sogar Künstler vom Fach' in Erstaunen setzen. Ole Bull beasichtigt, in den vorzüglichsten Städten der Verein. Staaten Concerre zu geben j und alle Kunstfreunde werden demnach Gelegenheit haben, die Leistungen dieses Virtuosen bewundern zu können. Macready giebt in Boston Vorstellungen vor vollen Häusern. Die Bor-Sitze wurden täglich meistbietend versteigert. In New-Aork soll er 6000 Dollare baar reali- ^ firt haben. Philadelphia. — Ein Schauspieler, Namens Rice, hat die üble Gewohnheit an sich, im Theater der Walnutstraße zuweilen ein Lied zu fingen, worin der Präsident! der Ver. Staaten lächerlich und verächtlich gemacht ist, und das Volk sogar zur Gewaltthätigkcit gegen denselben aufgefordert wird. — Dieser Bühncnheld muß eine starke Frechheit besitzen und den Charakter der Anwesenden (vielleicht mit Recht) gering schätzen, sonst würde er ein solches Wagestück unterlassen. Der Präsident ist der Repräsentant der Nation, durch die von ihr sankrionirten Gesetze auf seinen hohen Posten gestellt. Eine ihm zugefügte Schmach trifft das Volk selbst. Wir bedauern jene Personen, welche, anstatt einen solchen ungezogenen Brettergesellen mit Unwillen auszupfeifen, schlecht und niederträchtig genug sind, ihm ihren Beifall zuzuklatschen. Lewaldischer Europa-Klatsch. Lewalds Europa, vom 4. Dezember d. I., enthält einen Klatsch über den Redakteur dieses Blattes, den die gute Frau Base Europa, wie sie ' sagt, einem Leipziger Klatschblatte nachklatscht. Der ganze Tralatsch ist zu dumm, um ernstlich darauf-^ zu antworten,"— wiewohl Lewald es für unum-' gänzlich nöthig erachtet. Klatschthiur zu, ihr guten Seelen, in eurem Strickstrumpf-Journalen, de-l' nuncirt und insinuirt, werft Halbwahres und Falsches, Erlogenes und Verdrehtes unter einander, macht eure langweilige salbungsreiche Sauce darüber und gebt euch dann das Ansehen, als hätte ihr die Ehre der Literatur und das Va- terland nebenbei gerettet. Armer Lewald! der mit solchem Klatsche sein Blatt füllen muß ! — Arme Abonnenten, die mit so etwas gefüttert werden. Zahnleiden. Wir können unfern Lesern, aus eigner Erfahrung, den Zahnarzt Herrn Hattute, Galerie Vivienne, Nr. 13, empfehlen. Arzt bei dem Generalstabe der ersten Militär-Division, zeichnet sich HerrHattute durch gründliche Behandlung und wirkliche Kennt- niß aus. Seine Preise sind mäßig. Bei der Menge von marktschreierischen sogenannten Aerzten und Charlatans, welche das Publikum mit glänzenden Anzeigen täuschen, halten wir es für Pflicht unfern Landsleuten Herrn Hattute zu empfehlen. Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mir Schnellpressen von Pani Renoua r d, Paris, Mittwoch. Nr. 7. 24. Januar 1844, Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. . Sechs Monate. Drei Monate. 24 Francs. 43 „ 8 .. ^ « rw a^/ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 43 „ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen: die Zeile ü 50 Centimes. MTW Man abonnirt: für Paris: in der Buchhandl. von auies LeoousrU «r v" I-U6 Ü6 1'ournon, 6. und im Duresu ve»rrsl pour I'^UlemsKne, rue ckes Nonlins, 3,; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. — Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briese wollen fonnoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts Zs, l ue tl68 Uoulin« in Paris » eingcsendet werden. Vorwärts! Brüder, auf! zum Vorwärtsdringm Lasset die Trompet' erklingen! Frisch geblasen, daß erscheinen Alle Streiter, und sich einen! Wollen heut' zur Fahne schwören, Daß wie Helden wir uns wehren, Daß wir eh'r im Kampf erblassen, Als von unsrer Fahne lassen! Laßt den Aufruf weit erschallen, Laßt ihn allwärts wiederhallen, Marschall Vorwärts soll uns leiten, Daß wir rasch zum Siege schreiten ! Doch der Feind ist schon entwichen, Hat bei Nacht sich fortgeschlichen, Mit den Fackeln in den Händen Scheuchen laßt ihn uns und blenden! Und es sollen die Trophäen Von der Siegessäule weben, Unsre Loosung drauf geschrieben : „Vorwärts! niemals fteh'n geblieben!" Das Selbst-Pensum. von F. A. Gräffer. In einer Laube saß ein anmuthiger schlanker Knabe, goldgelockt, mit einem dunkelgrünen Barett bedeckt. Sein Teint war blaß, aber die vollen Wangen blühten. Das Kinn war etwas vorspringend; die Gestalt der Nase noch unentschieden; der graziöse rosige Mund klein und schwellend; das blaue Auge sinnig und belebt, wie stets von Empfindungen und Vorstellungen bewegt. Seine Kleidung als Morgenanzug bestand aus einer Art Blouse von blaugestreistem Pique, weißen Panta- lons und hohen Schuhen. Den Hemdkragen hielt ein leichtgeschlungenes schwarzseidenes Tuch zusammen. Der Knabe saß aus einem grünangestrichenen Gartensopha, an einem kleinen Tisch von Nußbaumholz, auf welchem Schreibgeräthe lag, und ein Buch in vier dicken Bänden. Der liebliche Knabe war mit Schreiben beschäftigt, das ihm etwas schwer anzukommen schien. Von Zeit zu Zeit stützte er das Haupt auf die linke Hand, augenscheinlich um nachzudenken; rasch jedoch erhob er es, und schrieb mit seiner feinen schlanken, malerisch edel geformten Hand schnell ei-, nige Worte nieder. Mehre Male aber wenn ihm das Betreffende nicht beifallen wollte, langte er hastig nach einem der vier Bücher, schlug es aus, und blätterte und suchte mit Eilfertigkeit, wobei, durch die rasche Seitenbewegung des Kopfes, das reiche geringelte goldige Haar lustig umherschnellte. Das Mechanische des Schreibens selbst ging etwas langsam von Statten, wie bei allen Ungeübten, besonders wenn sie in einer fremden Sprache schreiben, die sie sich eben erst aneignen. Der junge Schreibende strich manche Wörter aus, andere an ihre Stelle setzend, nachdem er wiederholt in einem der Bände nachgeschlagen oder für sich selbst nachgedacht hatte. Endlich schrieb er den Aufsatz in's Reine. Er verweilte unverwandt bei seiner Arbeit, in der abgeschlossensten Sammlung, ohne aus irgend Etwas der nicht ganz unbewegten Umgebung zu achten: wie ein Mann. Er war ungefähr 11 Jahre alt. Ihm zur Linken, in einer Entfernung von etwa zwei Schritten, auf einem Gartenstuhle, saß ein großer, stark aber ebenmäßig gebauter Mann, von blassem Gesicht, lichten Augen, etwas spärlichem blondem Haar und ernster, fester, aber heiterer und völlig ruhiger Miene. Er trug einen blauen Frack, weiße Weste, Nankingbeinkleid, Halbstiesel, und einen runden Hut, den er auf die Bank des Knaben gelegt hatte. Der Mann war im Sommer des Lebens. Er saß in durchwegs ruhiger Haltung, wie denn auch sein ganzes Wesen jene Art Gesetztheit anzukündigen schien, die bei so manchem Berufe Grundbedingung zu sein pflegt. Er las in einem römischen Klassiker. Nur einige Male, und das nur absichtslos, glitt sein Blick über das Buch hinweg auf seinen jungen Nachbar und dessen, wiewohl geräuschlose, Beschäftigung. Es hätte scheinen müssen, als wolle er diesen auch nicht mit einem einzigen Blicke beobachten oder stören, oder sonst irgend einen Eindruck aus ihn Hervorbringen. Eine volle Viertelstunde lang hatte der holdselige Knabe gearbeitet. Er nahm jetzt das Quartblatt in die Hand, schob sich auf dem Sopha zurück, um an die Lehne zu gelangen; setzte sich so bequem zurecht, und durchlas das Geschriebene, das drei Viertheile einer Seite ausfüllte. In seinem kindlichen noch unausgeprägten und doch schon männlich karakteri- sirten Antlitz hätte man einen Anflug von zweifelhafter Selbstgefälligkeit wahrnehmen können. Nachdem er die Schrift noch einmal durchgesehen, schob er sich wieder an den Tisch vor, ergriff die Feder, und Unterzeichnete sie mit seinem Monogramme, einem fast unlesbaren F, umringelt von einer Menge sich durchkreuzender Kreise, die sich wie ein kleines Büschel Haar ansnahmen. Er bestreute nun diesen volltintigen Namenszug, und überreichte mit einer leichten Vernelgnng des Hauptes das Blatt dem Mann an seiner Seite. Er sagte zu ihm mit heiterer, fast lächelnder Miene in französischer Sprache, mit etwas schwächlicher Stimme: Sehen Sie hier mein kleines Machwerk! Seien Sie, wie allezeit, ein milder Richter. Der Mann hatte alsogleich bei der ersten Bewegung des Knaben, das Buch zusammen und in seinen Hut auf die Bank gelegt, sich, jedoch ohne auszustehen , merkbar verbeugt, und das Blatt in derselben Haltung empfangen, ohne aber Etwas zu sprechen. Er durchlas es mit Aufmerksamkeit, zuerst für sich, dann laut, in unbeirrtem Ernst, wiewohl einige Male ein leichtes Lächeln sich aufzudringen schien. Der Knabe beobachtete dabei in ganz regungsloser Haltung die gespannteste Aufmerksamkeit. Was der Mann las, war folgender kleiner Aufsatz, der mit dem noch vorhandenen, hier zum Erstenmale gedruckten Autograph*) Wort für Wort, Punkt für Punkt übereinstimmt: „Wolf von Wunnenstein und Götz von Sartern. Ein Ritterroman. Im 12. Jahrhundert, als das Faustrecht in ganz Deutschland, insonderheit aber in Schwaben und Thüringen wü- thete, lebte aus seiner Väter Stammburg am Neckar, der alte Ritter Wolf von Wunnenstein. Im Gau des Grafen Seisri ed von Sündan lag dieses Adlernest, denn mit Recht konnte man es so nennen. Die ganze Gegend beherrschte und übersah Wolf von seiner Veste; der Neckarstrom schlängelte sich in annehmlichen Krümmungen um sie, und kein Kaufmann war von der Habsucht der Knechte des Wunnensteiners sicher. In seiner Jugend ging Wolf wohl auch auf den Fang aus, itzt *) Diese höchst interessante Reliquie befindet sich jetzt in dem reichen kostbaren Autographen-Kabinet des Herrn Alfred Ritterv. Frank in Wien, der auch viele Tausch-Doubletten besitzt. 2 aber freuete es ihr: nimmer; und er brachte lieber die langen Winterabende, statt in einem Walde oder in einem Schneegefilde, am warmen Ofen mit einigen alten Waffenbrüdern zechend zu. Wann es aber gegen einen Erbfeind oder in eine Privatfehde zu ziehen galt, da hielt er immer mit." Als der Lesende geendigt hatte, verbeugte er sich leicht und sprach: Es ist dies kein Gegenstand meines Lehrfachs; ich hatte eine Übung aus dem zweiten Buche unseres Eutropius gehofft. Und nun finde ich zu meiner Überraschung noch, daß Eure Durchlaucht sich in dieser schwierigen deutschen Sprache sogar als Autor versuchen. Was meinen Absprung von unserem etwas trockenen Eutrop betrifft, entgegnete der Prinz, so bitte ich um Entschuldigung. Es fällt mir viel leichter, selbst zu entwerfen, als nach einem vorliegenden Pensum zu arbeiten. Ich suhle daß ich mich durch eigene Compositionen der deutschen Sprache schneller und sicherer bemächtigen werde. Das Verfahren, sagte der Mann mit Zufriedenheit, hat viel für sich. Es zeugt von Selbstthätigkeit des Geistes; indes ist die Mühe doppelt. Der Knabe bemerkte hierauf schnell, indem er zugleich aufstand: Die Mühe scheue ich nicht; nur rasch an's Ziel! Der Lehrende erhob sich jetzt ebenfalls, bedeckte sich, und schritt an des Prinzen Seite den Laubgang entlang, die Schrift stets in der Hand. Er sagte: Ich lobe Ihre Energie, Durchlaucht; indes die Formen der Sprache, die Wortfügung; es ist nöthig, sich dem Genius jener Sprache zu unterwerfen, die man lernt. Französisch denken und Deutsch schreiben gibt eine seltsame Verschmelzung. Lassen Sie mich, erwiederte der Prinz, indem er stehen blieb, ich bitte, diesen selbst auferlegten Kampf noch eine Zeitlang fortsetzen; ich füge mich gern, verehrter Lehrer und Freund. Soll ich dann, muß ich dann einfach übersetzen, so erlauben Sie mir wohl, daß ich einen Tert von Ihrer eigenen gediegenen Feder dazu nehme. Ein Lächeln überflog des Mannes Mund. Er ging über des Prinzen Äußerung hinweg und sagte im Weiterschreiten, dem Schlosse zu : Es wird Ihnen gerne vergönnt sein, noch Einiges aus sich selbst zu konzipiren ; doch wird es gut sein, sich abwechselnd einem kleinen fremden Pensum zu unterziehen, welches so eingerichtet werden soll, daß Eure Durchlaucht sogar das Lcrikon des Heinsius dabei entbehren können. Hohe Freude strahlte aus des Knaben neu belebten Augen; ach! aus diesen Augen, die Tags daraus von heißen, bitterlichen Thränen überströmen sollten. Tags daraus, den 22sten Juli 1821, brachte man dem Kinde die Nachricht vom Tode des Vaters, -am oten Mai 1821. In dem Lehrenden werden unsere Leser den unvergeßlichen M. v. Collin erkannt haben, der des Herzogs von Reichstädt klassische Studien zu leiten hatte. (Son-nt. Blätt.) Wir rs in Oeulülsian- ansücht. Es herrscht eine Begriffsverworrenheit in unserem lieben Vaterlande, wie zur Zeit der weiland egyptischen Finsterniß, jede Stadt macht sich eine Berühmtheit und setzt ihr ein Monument; - die 2 ^ Journalisten gerathen in allerlei überschwengliche Eseleien und zanken sich darüber, ob die englische Constitution besser sei oder die französische, und ob man die Rinnsteine in der Mitte der Straße anle- gen solle oder an beiden Seiten des Trottoirs; die wenigen Ständekammern sind entweder ganz zahm geworden, wie die würtembergischen, oder sie er- lustigen sich in allerhand sonderbaren gymnastischen Hebungen, sie turnen mit der Regierung, wobei sie allerdings eine große Gelenkigkeit der Glieder aber auch viele blaue Flecke erlangen; — die Schriftsteller schreiben so wacker daraus los, daß der Meßkatalog zu einem Folianten anschwillt, deutsche Pu- blicisten ergehen sich in tiefsinnigen Abhandlungen über Espartero oder Karageorgewicz von Serbien, die Enthusiasten wollen bloß deutsche sein und daher Eicheln statt Kaffee, Runkelrüben statt Zuckerrohr, Grüneberger statt Champagner und das Bier als Staatsgetränk haben; — französisch lernen soll bei Todesstrafe verboten werden und Frankreich alsobald gezwungen werden uns Elsaß und Lothringen aPutreten; — andere wieder zerbrechen sich den Kopf über Rußland und was es eigentlich wolle und nicht wolle, während die Pfiffigen meinen, es wäre doch besser russischer Hofrath erster Klasse zu seyn, als Reuß-Schleiz-Greitzischer und mit lüsternen Augen gen Osten und die russischen Rubel blicken. Fragen sie aber alle diese Leute: Was thut Deutschland Noth? so bleiben Ihnen von Hunderten, gewiß Neunzig die Antwort schuldig und die andere Zehne werden Ihnen Vorlesungen über Hegel'sche Philosophie, Twist- Fabrikation, Preßfreiheit, deutsche Flotte, Staats- Ordnungen, Communalwesen, Gewerbssreiheit und ausschließend patentirte Deutschheit halten, daß Ihnen die Augen übergehen vor Rührung, wenn Sie nicht schon früher eingeschlafen oder davongelaufen sind. Neuestes aus der amerikanischen ^unstwelt. Ein Brief aus New-Jork vom Zoten Dezember 1843, meldet uns folgendes über Ole Bull. Der Kunsthändler Schubarth, aus Hamburg, unternahm die Reise mit Ole Bull nach Amerika, um demselben als Lärm-Trompete zu dienen, verfiel aber mit demselben nach den zwölf ersten Coneerten, die bedeutende Summen einbrachten, in Streitigkeiten. Diese nahmen einen so ernstlichen Charakter an, daß Schubarth Herrn Ole-Bull in Baltimore verhaften ließ. Der Anspruch Schubarths gründet sich aus einen in Hamburg vor der Abreise gewechselten gerichtliche:: Vertrag, welchem zu Folge beide die amerikanische Kunstreise zusammenma- chen; Schubarth verpflichtet sich den geschäftlichen Theil, das heißt, die Arrangements der Concerte (und stillschweigend die Puffs in den Blättern) zu besorgen, wofür er an der reinen Einnahme mit einem 3ten Theil, übersteigt dieselbe 4000 Franks, mit einem 4ten Theil betheiligt sein sollte. Schubarth arbeitete in diesem Sinne mit einer seltenen Virtuosität, mit einer rastlosen Thätigkeit, mit einer Kenntniß des Humbugs (Puffs), die bei einem Fremden, einem Deutschen besonders kaum begreiflich ist, und sicherte dadurch den höchst glänzenden Erfolg des ersten Auftretens, und eben so glänzende Aussichten für die Zukunft; denn schon heute hat Ole Bull mehrere feste sehr brillante Engagements für die meisten Städte der Vereinigten Staaten und für Havanna. Plötzlich bekam er sein Verhältniß zu Schubarth, das er als eine nicht zu ertragende Abhängigkeit, ihn selbst aber als einen Schylock, einen eingefleischten Juden, Satan und Menschenverkäufer schildert, satt, und wollte seiner los werden. Jener aber, der sehr gerieben ist, scheint doch noch die Oberhand zu gewinnen und der Con- trakt-Bruch ist so klar, daß selbst die hier alles beherrschende Meinung, welche Ole Bull äußerst günstig ist, zu schwanken anfängt. Übrigens herrscht hier eine wahre Violo-Manie seit einiger Zeit. Ole Pull, der die Amerikaner am besten zu fassen wußte, und zwar nach Artot, aber vor Vieurtemps ankam, macht bei Weitem am meisten Geld und Spektakel. Vieurtemps, ob ihn gleich die Kenner vorziehen, hat mehr einen sueeks cl'estimo. — Artot mit der Damoreau-Cinti vereinigt, macht anständige Geschäfte, doch nicht mehr so, als wie er den Rahm allein abschöpfte. Die Herrn Bohrer und Knopp, zwei Deutsche, ziehen nicht so viel, als sie sollten. ^ Elfterer ist zum zweiten Male nach Havanna, wo ^ die wandernden Virtuosen ein zweites renäox-vous haben, und sich abermals bekämpfen, und wo man, ) wenn es glückt, wie von Fanny Elßlers Zeiten her bekannt, die besten Geschäfte macht. Ole Bnll's Erfolg nähert sich dem ihrigen — Proportion §aräoo, und die seruelle Verschiedenheit berücksichtigt — am i Meisten. — Eine Nachschrift meldet, daß Hoffnung ^ vorhanden ist, daß die Zwistigkeiten zwischen Ole t, Bull und Schubarth sich freundschaftlich ausgleichen ^ werden. h Demagogisches. 1 Kein Land ist friedlicher gesinnt als das deutsche, und dennoch wittern in keinem Lande die Regierungen so viele Revolutionen als in unserem lieben Germanien. Wenn ein halbes Dutzend Schneider zusammenkommt, und sich etwas laut über den ' neuesten Schnitt der Pariser Fräcke bespricht, so i glaubt man schon, daß den bestehenden Gesetzen Ge- s fahr drohe und daß eine Umwälzung im Stillen ' gähre. Dann machen sich die Gensdarmen auf die s Strümpfe; Maßregeln und Demagogen werden er- ^ griffen, und die hungrigen Spalten der Journale " bringen unendlich lange Artikel über Demagogen im Allgemeinen und über deutsches Demagogenthum im besonder», bis selbst die deutsche Geduld ermüdet und die schläfrigen Augen schließt. Was ist nicht seit einiger Zeit über die Zusammenkünfte der Studenten in Berlin gefabelt und gesaselt worden! Welche Wortmassen, welche Armeen von Gründen und Beweisen , sind in's Feld geführt worden, um darzuthun, daß ^ aus diesen unschuldigen Zusammenkünften kein Un- j heil dem deutschen Vaterlande entsprießen würde? Und nachdem man viel betäubenden Lärm gemacht, nachdem man in die Posaune gestoßen und die Trommeln geschlagen, nachdem man die Polizei ^ außer Athen: und viele Verdächtige aus dem Lande gejagt: kommt man erst auf die Idee, daß die ganze Sache nicht der Erwähnung werth sei und daß in Berlin nie ein wilder Sturm ausbrechen, sondern vor wie nach nur ein lauer Wind wehen wird. Man hat sich endlich in Berlin bewogen gefunden, die Zusammenkünfte der Musensöhne zu gestatten. Die dunkeln Wolken des Argwohnes sind von dem Berliner Himmel verscheucht und der Engel des Frie- ^ dcns schwebt wieder lächelnd über die blonden Sand- gesilde der Ukermark. Nhld. 3 Kleine Pariser Chronik. DieWinterfreuderi der großen Welt nehmen dieses Jahr eben keinen besonders kühnen Schwung. Einige Salons sind wie jedes Jahr geöffnet, ein bedeutendes fremdes Meteor aber welches alle Pariser Salons zn verdunkeln strebt, ist nicht erschienen. Die Gräfin Merlin empfängt jede Woche in ihrem gastfreunvlichen Salon italienische und französische Künstler, auch einige deutsche Künstler haben sich vernehmen lassen. In den Paar Concerten der Baronin Delmar ward nur Vokal-Musik ausge- sührt. Die Herzogin von Descazes empfängt jeden Donnerstag in den weiten, glänzenden Räumen des Luremburger Pallastes. Einige Gesandschaften, wie die englische, haben ihre festen Tage; die belgische Gesandtiu, Fürstin von Ligne, sucht nicht ohne einige kleine bittere Erfahrungen ihren Salon zu begründen. Der berühmte Prinz von Ligne ist längst todt, der jetzige ist ein sehr geselliger, übrigens noch junger Mann, der den besten Willen hat von sich sprechen zu lassen. Nur das echte Rezept ist noch nicht gefunden; dagegen sind mehrere hunderttausend Franken jährlicher Renten da. Der kleine belgische Legazionsgehalt ist nur so eine Art Nadelgeld für die Gemahlin und vielen Kinder, welche das Hotel de Ligne bevölkern. Der Gräfin Appony Bälle sind für den Augenblick verschoben, indem ein Familienereigniß die Sorgen der Hausfrau in Anspruch nimmt. Ein Fest beim Admiral Villaumez gehört zu den kleinen; einer Soiree bei der Gräfin Lurburg werden andere folgen. Die reiche und interessante Wittwe, Madam Schiller ist aus Rambouillet seit einiger Zeit wieder auf dem Platz Vendome in ihr Hotel eingekehrt. Viele Junggesellen jeden Alters warten auf die Gelegenheit der schönen Frau ein Heirathsprojekt vorzulegen. Die Ungeduld ist bedeutend. Werden wir geheirathet oder nicht? Die Marquise von Dalmatien räth aus Freundschaft: nein, größere Freiheit der Bewegung : ja. Auch die Millionnärs-Wittwe Marquise de las Marismas (Madame Aguado) wird von vielen Seiten beworben. Man nannte vorschnell einen ruinirten Deputaten, einen Bühnendichter in den Fünfzigern und einen ganzen Schweif von Hungrigen. Madame Aguado aber bleibt Wittwe und unabhängiger wie je zu den Zeiten als sie jeden Abend ihre Juwelen dem Herrn Gemahl zum Einschluß abliefern mußte. Heut zu Tage kann der Primo Tenore von der italiänischen Oper, Mario, bei der Marquise Aguado zu Mittag speisen, Abends singen, ohne Ungewitter in den häuslichen Laren zu erregen. Ein wöchentlich zweimal erscheinendes Blatt erzählt von dem Zulauf der Besucher im Hotel der Marquise von Pontalba in der Vorstadt Saint- Honore. Diese optische Täuschung müssen wir vernichten. Seitdem ein schrecklicher Pistolenschuß ein Schloß in der Umgegend von Paris in Aufregung und die ganze Pariser Gesellschaft in allerlei Mysterien brachte, blieb das Hotel Pontalba längere Zeit schon aus dem Vendome-Platze wenig gesucht. Neugierde lockte einige Personen in die kleineren Zimmer, die bereits im vergangenen Jahre beendet waren. Das was man in Paris die Ton angebende Damengesellschaft nennt, hält sich fern. Sollte der versprochene Zauber im Hotel Pon- tslba wirklich zum Vorschein kommen, so würde die Zahl der Neugierigen groß sein. Nachher verläuft sich die Menge. Der Seine-Präfekt hat seine Bälle begonnen» Eine große bunte Menschen-Menge wogt durch die lichten und magisch erleuchteten Räume. Auch der rothe Teppich-Saal ist schön. Der große Tanzsalou mit den vielen Kronleuchtern ist königlich zu nennen. Es gibt in Europa kaum etwas Ähnliches, namentlich Geschmack und Architektur also mit Kunstsinn vereinigend. Die Salons in den Tuilerien haben nicht denselben Styl. Das Gedränge ist bei der Gräfin Rambuteau unvermeidlich, weil oft zu viel Personen eingelassen, und nie Raum genug für alle die, welche Vorstellung beim Seine-Präfekten verlangen. Als erster Municipalbeamter der Stadt werden die verschiedenen Stände, und auch mit Recht geladen. Ein russischer Prinz har in den Coulissen des X... Theaters Furore gemacht, indem er Gold, Silber, Diamanten, Wagen und Pferde, ein reizendes Gemach u. s. w., einer eben so reizenden Schauspielerin huldigend dargebracht. Alle unsere Theaterdameu sind in Verzweiflung über solches Glück. Einige ältere Theaterdamen erinnern an die M oral, welche sie jedoch nie in ihrer Jugend selbst geübt haben. Einer sehr hochgestellten Dame, welche häufig Coneerte bei sich veranstaltet, deren Gemahl eine der reichsten Besoldungen in Paris bezieht, empfehlen wir Folgendes. Ist es billig und gerecht, daß eine Dame von Bildung und in einer so hervorstechenden Stellung, junge Künstler zu sich einladet, solche bei sich ein-, zwei-, dreimal spielen läßt, ihnen nicht die mindeste Gratifikation zu Theil werden läßt, Concertpläye annimmt, dem Benefiz - Concert des Künstlers beiwohnt, und dennoch den Preis der Billette nie bezahlt, obgleich ein-, zwei-, drei- und vierfache, in allen höflichen Tonarten variirte Anfragen erfolgt sind? Der Künstler lebt von seinem Instrument wie der Gemahl der Frau.von *, von seinem Talente anderer Art. Ter Tod des Herzogs von Angouleme würde diesen Winter alle legitimistischen Salons mehr oder weniger schließen. Tie letzten Nachrichten aus Görz lauten widersprechend. Bei der Prinzessin von Montmorency finden Abendgesellschaften statt; die Herzogin von Noailles pflegt eine kranke Verwandte, das Haus des Marquis von Pastoret ist wegen Trauer geschlossen, Madam Recamier empfängt regelmäßig in der 6-kmx-lZoi8, Herr von Chateaubriand erscheint dort regelmäßig jeden Tag und neben ihm geistvolle Perwuen aller Parteien. Dort wird noch die Unterhaltung in edelster Art geleitet, geistvoll, leicht und mit gegenseitigem Austausch. Die Nsrnoii'68 ä'outre-tomds (Jenseits des Grabes) von Herrn von Chateaubriand, die erst nach dem Tode des berühmten Mannes erscheinen sollen, werden wohl sobald nicht dem Publikum bekannt werden, denn Herr von Chateaubriand, obgleich in den Siebzigern, befand sich nie wohl er wie jetzt. Die Londner Reise scheint ihn verjüngt zu haben. Die Geschichte Napoleons von Herrn Thiers, welche bei dem Buchhändler Paulin erscheinen sott, wird noch immer nickt von dem Verfasser im Manuscript abgeliefert, obgleich derselbe diesen Sommer und Herbst fleißig gearbeitet. General Pelet, einer der besten französischen Militärschriftsteller, arbeitet an seiner Geschichte der Feldzüge Napoleons. —Lamartine läßt sein Trauerspiel: 4ou88nint I'Ouvertüre in seiner Ma- uuscripten-Mappe. — Der Salon von Herrn von Lamartine ist indes eröffnet. Die Besuche sind zahlreich, auch viel Russell erscheinen dort, um französische Sympathien zu rekrutiren und gegen den abscheulichen Herrn von Custine zu klagen. Der Satan entnimmt unfern letzten Angaben die Nachricht über die Bildung eines russischen Clubbs in Paris, irrt aber, wenn er eine Liste der Theilnehmer an- führt. Unter den hier anwesenden russischen Familien u. s. w. nennt man die Prinzen und Prinzessinnen Tru- betzkoi, Tschernitschef, Kourakin, Labanof, Kotschubei, Soltikof, die Grasen und Gräfinnen Davi- dof, Demidof, Stroganof, Obreskof, die Herrn Constantinof, Gretsch et tutti guariti. Herrn Gretsch nennt der französische Satan: einen kaiserlich russischen Publicisten; ein, wahrscheinlich russische Propaganda wenig liebender, Spaßvogel hat kürzlich in ganz Paris einige tausend Visitenkarten mit dem Namen des Herrn Gretsch jedoch mit einem sehr boshaften Prädikat begleitet, vertheilen lassen. Wir haben eine ähnliche Visitenkarte erhalten'So wird Herr Gretsch hier Rußlands Politik wenig Dienste mehr leisten können. Notizen. Der amtliche englische Bericht über die englischen Staatseinnahmen sowohl wegen des abgelaufenen Finanzjahres als wegen des letzten Quartals ist erschienen. Die Jahreseinnahme betrug 60 Mil. 71 943 Pfund Sterling und überstieg die vorjährige Einnahme welche sich auf 44 Mit. 329 865 Psd. Stg. belief, um 5 Mil. 743 087, wovon 4 Mil. 676 204 bloß ans den Ertrag der Einkommensteuer kommen. Man zählt jährlich die auswandernd in den Vereinigten Staaten von Nordamerika anlangenden Reisenden circa auf 100 bis 130 000, und im Jahre 1842 : 109 558 (Weser-Zeitung in Bremen vom 3ten Januar). Darunter waren 20 244 Deutsche (12 599 männliche und 8 245 weibliche Reisende). Großbrittanien liefert 73000 Reisende, Frankreich nur 4500, Holland 320, Spanien 120, Dänemark 35, Rußland 28. In New-Aork kamen 1842 an 74014 Einwanderer, beinahe 13000 in Neu-Orleans, 3 400 in Philadelphia, 5 300 in Baltimore, die übrigen in andern Häfen, Charleston und Boston besonders. Die Köllnische Zeitung gibt die Zahl der in Nordamerika lebenden Deutschen aus 3 Millionen Seelen an. Wir glauben diese Ziffer eher zu klein als zu groß. Die ,,Mysterien von London" im „Courrier Fran^ais" werden Amüdöe Pichot, dem Mitarbeiter der „Revue Britannique" zugeschrieben. A. lveiU,-cr Zcrüörcn-c. R appclkopfsindic Köhlerhütte tretend, wo sich Alles prügelt) : Recht so! nur zu! nur zugebancn uns einander Das ist ein Gesindel! Raimunds: „Alp enkönig", erster Akt. Die Köllnische Zeitung vom 16. dieses enthält folgende Notiz: „Saphir hat gegen A. Weil l, welchen er den Mensen Ernst der deutschen Journalistik nennt, einen erschrecklich launigen Artikel geschrieben. Leider aber vernichtet, wie die elegante Zeitung bemerkt, ein komischer Zufall den Haupteindruck dieser Kritik: unmittelbar hinter derselben nämlich folgt als se h r e m pfehlens w e r t h der Auszug einer Correspondenz aus Paris, welche Herrn Börnstein zerstörend (!!!) angreift, und diese Correspondenz—ist von A. Weill." Ist es nicht komisch cmzusehen, wie sich die guten Leute unter einander herumprügeln , sich in ihrer Halbblindheit aus die Kopse hauen, und gar nicht wissen, wen sie getroffen, und wer sie geprügelt. Armseliges Getreibe! das wahrhastig nur bemitleidenswert!) ist; — ihr klagt über den Verfall belletristischer Journale und daß sich das Publikum entschieden von ihnen ab, den politischen zuwende; klagt über euch selbst, über eure Gesinnungslosigkeit, über euer Ktatschwesen, über eure kleinlichen Umtriebe, über eure bodenlose Niedrigkeit, mit der ihr euch im Kothe der Verläumdung, der Denun- ciation, des Verdächtigens, herumwälzt. — Klagt nicht über das Publikum, das eure Nichtigkeit und Gehaltlosigkeit durchschaut und sich mit Ekel von euch und eurem Treiben abwendet. Wasdie zerstörende Kritik des Herrn A. Weilt betrifft, so kann der Redakteur dieser Blätter nur versichern, daß er sich trotz ihrer noch sehr wohl befindet. Es gibt Leute in derWelt, die es ärgert, daß ein Anderer gute Stiefel, einen ganzen Rock, eine ordentliche Wohnung, satt zu essen und keine Schulden hat, und die aus Neid dann solche „Glückliche" mit Koth bewerfen; — es sind dies die Communisten der Literatur. — Ich weiß nicht, ob Herr Weill auch zu dieser Klaffe gehört, da ich ihn nur in so weit kenne, als ich ihn einige Male im Lesekabinette und in dem Hause eines Dritten sah; — bin aber überzeugt, ihm durch nichts Veranlassung gegeben zu haben, mich hinterrücks aus gemeine Weise anzugreifen. — Übrigens klatscht und tratscht nur zu, ihr Herren! das Publikum kennt euer Treiben und gibt nichts mehr, weder auf euer Lob noch aus euren Tadel; — ihr foppt euch daher nur selbst. Geht erst in die Schule, gute Leute, lernt Anstand und gute Sitte, und vor Allem beherzigt die ernste Lehre: „Selbst im Angriffe wahr und offen zu sein und euch nur ehrlicher Waffen zu bedienen." Gott bess're euch — ich kann euch nur bedauern. Die Karlsruher Zeitung über A. Weill. Nachdem wir obigen Artikel bereits in die Druckerei geschickt hatten, erhalten wir zufällig die Carlsruher Zeitung vom 7. Januar, und finden darin eine Notiz über Herrn A. Weill. Wir würden dieselbe nicht ausgenommen haben, da wir dieser ganzen schmutzigen Polemik der Persönlichkeiten, die jetzt so sehr in der deutschen belletristischen Presse grassirt, gerne ausweichen möchten; allein die Pflicht der Selbstvertheidigung zwingt Jeden, der „zerstörend" angegriffen wird, auch zu zeigen, wer der „Zerstörer" ist, und wie ihn unpartheiische Organe der Öffentlichkeit benrtheilen. „Daß Herr A. Weill der Held der „Mannheimer Abendzeitung", wenigstens ihrer Beilage, geworden ist, wäre unbegreiflich, wenn sie ihn kennte. Hätte sie das Vergnügen gehabt, vorigen Sommer die persönliche Bekanntschaft des lieben zuläppischen Jungen in Stuttgart zu gewinnen, und wüßte sie, wie er alle möglichen Thüren aufstieß, und schwänzelte und scharwenzelte; hernach aber, — da er wegen seiner Gehaltlosigkeit nicht reussirte, —auf eine niederträchtige Weise in Korrespondenzen verläum- dete und schimpfte, dann würde sie sich doch noch einmal besinnen, ihn so heranszustreichen. Nur einen Charakterzug geben die Rheinischen Blätter sehr richtig: „Herr Weill schlägt nie die Fenster seiner Feinde ein, dazu, sagt er, ist er zu schwach (feig) — kann er aber ihre Pläne hinter der Gardine belauschen — dann holt sie der Teufel!" Schön gehandelt! Wie kommt aber Herr Weill hinter die Gardine seiner Feinde? Je nun, er kriecht mit Bücklingen zu Leuten, die ihn nicht kennen, nichts von ihm wollen, so lange herein, bis man einmal beim Hausschließen vergißt, daß er noch innen ist; dann lauscht er*); hernach kriecht er hinaus, und raisonnirt, weil er von Korrespondenzartikeln und Skandal leben muß. Manchen noblen Männern ist es unbegreiflich, wie sie zur Ehre solcher Feindschaft gelangen, da ihnen Weill doch nur indifferent, höchstens ekelhaft war. Jetzt hat man das Geheimniß. Daß dieser pfiffige Feindefabrikant französisch schreiben kann, muß ich vorerst den Rheinischen Blättern auf's Wort glauben, daß er aber nicht deutsch zu schreiben versteht, hat er bewiesen. Eine Sprache wird einer doch lernein Ein sranzösirter Floh sticht französisch." Bescheidene Frage: Ist Saphir der Repräsentant der Wiener Journalistik? Es ist mir leid um Sap h ir, diesen altgewordenen Gamin der Literatur, daß er in seiner Jugend nichts Ordentliches gelernt hat; — das Bischen Witz ist verpufft, die Wortspielerei abgenutzt, und da alle Selbst-Stimulanzen mit der Canthariden- Tinctur des formten Humors und das Kitzeln mit Drathbürsten selbst diese abgenützte und abgelebte Impotenz nicht mehr aufzuregen vermögen, so nimmt er seine Zuflucht zur göttlichen Grobheit und naturgemäßen Flegelhaftigkeit, und wälzt sich selbst im Kothe, um dann seine Feinde mit den beschmierten Händen anzugreifen und zu beschmutzen. So hat er über A. Weill einen vier Spalten langen Artikel unter dem Titel: „Die lebendige *) Welcher Unterschied ist zwischen diesem Lauschen und dem gewöhnlichen Spioniren? — Ein nicht aufzulösendes Rathsel. Pumpe der deutschen Redaktionen" geschrieben, der so bodenlos gemein ist, daß wir, obwohl wir nicht zu Herrn Weills Freunden gehören, uns schämen würden, mit solchem Schmutze unser Blatt zu verunzieren. Unsere Lesermögen als Probe an der mildesten Stelle genug haben, in der es heißt: „Dasselbe Weillche, welches in Deutschland deutsche Journal Haderlumpen zusammenklaubt um für Paris sein grobes Nvtizen-Papier daraus zu stampfen, der dann wieder in Paris die Fetzen und Lappen, die er im Unrath der Pariser Feuilletons findet, abnutscht und mit seinem seifigen Abhube vermischt, in deutschen Journalen wieder von sich gibt; dieses aufdringliche, naseweise, quecksilberige, gesinnun-slose, kneipenharanguirende, schibo- lethspciende Wurzelmännchen, dieses correspvndirende Kreuzerwlkrstel gefüllt mit französischer Arroganz, Cl- saßer Sprachrohheit und deutscher Grobheit, dieses Weillche, welches für ein Glas Champagner von Danzig bis zu Dommayer nach Hietzing rennt, erfrecht sich u. s. w." — Zum Schlüsse heißt es : „Wir schütteln diese L—s ein für alle Mal aus unserm Pelze.'' Und dieses gemeine Zeug schreibt Saphir in einem Wiener Journale, das in gebildeten Kreisen von anständigen Frauen und Mädchen gelesen werden soll. Welchen Begriff muß sich da der Ausländer von Saphirs Lesepublikum machen, welchen Begriff von der Wiener Journalistik, die dergleichen literarische Unzucht mit ansieht, duldet und schweigt. Noch ein Mal! wir haben keine Ursache Herrn Weills Vertreter zu sein, aber gegen solche gemeine Beschimpfung, gegen solche feige Mißhandlung aus der Ferne sollte die deutsche Presse doch in ihrem eigenen Interesse ernst und kräftig auftreten. Neuestes aus Deutschland. Lewald soll nach Berlin als Feuilletonist und sonst etwas kommen; — die „Europa" übernimmt, wenn auch Lewalds Name auf dem Titel bleibt, Herr C. E. Braun, ein junger talentvoller Mann. Jordans Angelegenheit beim Appellationsgerichte in Cassel soll bedenklich stehen, da dasselbe keine Nova zu seiner Unschuldsdarleguug annimmt, sondern sich nur als Spruch-Collegium gerirt, wie sonst nur in Civilgerichtsfällen. Von Herwegh ist ein zweiter Band Gedichte erschienen, lange nicht so gut als der erste, aber malitiöser und gereizter: — Wir hoffen von Herweghs schönem lyrischen Talente bald etwas Besseres zu sehen, wenn sich seine jetzige Aufregung und Verstimmung gelegt hat. Der Gattin Jordans sind durch den amerikanischen Consul Graebe 1 400 Gulden von der deutschen Sammlung in Amerika übergeben worden. Mit dem nächsten Steamer am 26sten Januar gehen von New-York abermals 2 600 Gulden an die Jordansche Familie ab. Heil unfern wackern deutschen Brüdern jenseits des Meeres! Deutscher Unterstützungs-Verein. Der Aufruf wegen des Deutschen Unterstützungs- Vereins wird, da die Statuten des französischen Vereins erst gestern von London angekommen sind, erst in den nächsten Nummern erscheinen. Mit der heutigen Nummer wird eine Beilage: j „Sch luß-Protocoll der Wiener Ministeriell-Conferenz vom 12. Juni 1834" auSgegc- ben. Redacteur: Heinrich Börnstcin. Druck mir Schnellpressen von Paul Rcnoua r d, Supplement zu Nr 7 der deutschen Zeitschrift: vorwärts! Schluß Protokoll Paris den 24sten Jänner 1844. der Wiener Ministerial Lonferenz vom ILtcn Juni 4834, Eröffnet durch nachftehende Nede des Fürtten von Metternich. (Noch nie veröffentlicht.) Das freundliche Wohlwollen mit dem unser Blatt allenthalben ausgenommen.wird, die zahlreichen Abonnements-Bestellungen, die nicht nur hier in Paris, sondern auch aus den Departements, aus Deutschland, der Schweiz, Belgien, England, ja Nordamerika ein- laufen, setzen uns bereits in den Stand Vergrößerungen und Verbesserungen unseres Blattes eintre- ten lassen zu können. Wir geben daher unfern Abonnenten mit der heutigen Nummer eine Ertra- Beilage eines der wichtigste n Aktenstücke der Geschichte Deutschlands enthaltend, welches uns soeben aus New-Dork durch die deutsche Schnellpost der Herrn Eichthal und Bernhard mitgetheilt wird. Wir geben es als historisches Dokument; — über die Authenticität, die übrigens in der Schnellpost verbürgt wird,'mögen Jene ur- theilen die die Verhältnisse von 1834 und den damaligen Geist genau kennen, und mit einem freudigen Blicke auf 1844 sehen, daß jene Zeit, Gottlob! vorbei ist. — Unser deutsches Pvrtsolio soll noch andere wichtige Dokumente zur Geschichte Deutschlands mittheilen. AuS den Stürmen der Zeit ist eine Parthei entsprossen, deren Kühnheit, wenn nicht durch Entgegenkommen, so doch durch Nachgiebigkeit bis zum Uebermuth gestiegen ist. Jede Autorität anfeindend, weil sie selbst sich zur Herrschaft berufen wähnt, unterhält sie mitten im allgemeinen politischen Frieden einen innern Krieg, vergiftet den Geist und das Gemüth des Volks, verführt die Jugend, bethört selbst das reifere Alter, trübt und verstimmt alle öffentlichen und Privat-Verhältnisse, stachelt mit voller Ueberlegung die Völker zu systematischem Mißtrauen gegen ihre rechtmäßigen Herrscher auf, und predigt Zerstörung und Vernichtung gegen Alles was besteht. Diese Parthei ist es, welche sich der Formen der in Deutschland eingeführten Verfassungen zu bemächtigen gewußt hat. Ob sie diesen scheinbargesetzlichen, langsamen und sicheren Weg, oder den des offenen Aufruhrs einschlage, immer verfolgt sie den nämlichen Zweck. Planmäßig vorschreitend begnügte sic sich zuerst damit, in den ständischen Kammern den Regierungen gegenüber eine Position zu gewinnen. Allmählig ging ihr Streben weiter; die gewonnene Stellung sollte thunlichft verstärkt werden. Dann galt es die Regierungsgewalt in möglichst enge Gränzen eiüzu- schließen; endlich sollte die wahre Herrschaft nicht länger in dem Staats-Oberhaupte concentrirt bleiben, sondern die Staats-Gewalt in die Omnipotenz der ständischen Kammern verpflanzt werden. Und in der That dürfen wir uns nicht verhehlen, daß die Parthei mit größerem oder geringerem Erfolge leider ihren Zweck hier und da zu erreichen gewußt hat; weiter, daß, wenn nicht bald dem überfluthenden Strom dieses Geistes ein hemmender und rettender Damm entgegengesetzt, und in dem mächtigen Entwickelungsgange jener Fortschritte der Faktion ein Abschnitt gemacht wird, in Kurzem selbst das Schattenbild einer monarchischen Gewalt in den Händen mancher Regenten zerfließen konnte. Die souverainen Fürsten und freien Städte Deutschlands haben in pflichtmäßiger Fürsorge für die Erhaltung der durch die Bundesakten bestimmten, und durch die Schlußakte ausgebildelen Verfassung des deutschen Bundes, wie für die durch diese Grundgesetze verbürgte Sicherung der landesherrlichen Autorität und der Ordnung und Ruhe in den einzelnen Bundesstaaten, endlich in dem festen Entschlüsse, den in Deutschland bestehenden Rechts- zustund gegen jeden Versuch zu dessen Verletzung durch alle in ihren Rechten wie in ihren Pflichten liegende Mittel gewissenhaft zu bewahren, zur Berathschlagung über die zu Erreichung dieses gemeinsamen Zwecks von allen Regierungen gleichmäßig^festzuhaltendc'Grundsätze und zu treffenden Maasregeln nachstehende Bevollmächtigte ernannt, nämlich re» (st unten), welche zu Wien nach geschehener Auswechslung ihrer richtig befundenen Vollmachten in Cabinets-Conferenzen zusammengetreten und zu einer einhelligen definitiven Vereinbarung über folgende Artikel gelanM sind: § 1. Das im Art. 87 der Wiener Schlußakte anerkannte Grund-Princip des deutschen Bundes, gemäß welchem die gesammte Staatsgewalt in dem Oberhaupte des Staats vereinigt bleiben muß, und der Souverain durch eine landsländische Verfassung nur in der Ausübung bestimmter Rechte an die Mitwirkung der Stände gebunden werden kann, ist in seinem vollen Umfange unverletzt zu erhalten. Jede demselben widerstrebende, auf eine ZheilUNg der Staatsgewalt zielende Behauptung ist unvereinbar mit dem Staatsrecht der im deutschen Bunde vereinigten Staaten, und kann bei keiner deutschen Verfassung in Anwendung kommen. Die Regierungen werden daher eine mit den Souverainitäts- rechten unvereinbare Erweiterung ständischer Befugnisse in keinem Falle zugestehen. H 2. Wenn Stände,-in der Absicht, ihre Befugnisse zu erweitern, Zweifel über den Sinn einzelner Stellen der Verfassungsurkunde erheben sollten, so werden die Regierungen die den übrigen Grundsätzen entsprechende Deutung aufrecht erhalten. Sollten die Stände sich bei dieser Deutung nicht beruhigen, so wird die betreffende Negierung den erhobenen Anstand auf dem in folgende Artikel zur Entscheidung solcher Irrungen bezeichnet«;: Wege zur Erledigung bringen. H 3. Für den Fall, daß in einem Bundesstaate zwischen der Regierung und den Ständen über die Auslegung der Verfassung, oder über die Grenzen der bei Ausübung bestimmter Rechte des Regenten den Ständen eingeräumten Mitwirkung, namentlich durch Verweigerung der zur Führung einer den Bundespflichten oder der Landesverfassung entsprechenden Regierung erforderlichen Mittel Irrungen entstehen, und alle verfassungsmäßigen und mit den Gesetzen vereinbarlichen Wege zu deren genügender Beseitigung ohne Erfolg eingeschlagen worden sind, verpflichten sich die Bundesglieder, als solche gegen einander, che sie die Dazwischenkunft des Bundes nachsuchen, die Entscheidung solcher Streitigkeiten durch Schiedsrichter auf dem in dem folgenden Artikel bezeichnet«; Wege zu veranlassen. H 4. Um das Schiedsgericht zu bilden, ernennt jede der 17 Stimmen des engern Nakhs der Bundesversammlung aus den von ihr repräsentirten Staaten von 3 zu 3 Jahren, zwei durch Charakter und Gesinnung ausgezeichnete Männer, welche durch mehrjährigen Dienst, hinlängliche Kenntnisse und Geschäftsbildung der Eine im juridischen, der Andere im administrativen Fache sich erprobt haben. Die erfolgten Ernennungen werden von den einzelnen Regierungen der Bundesversammlung angezeigt rc. ^Folgen bis Art. 14 die bekannten das Bundesgericht betreffenden Anordnungen). §15. Stände können von ihren eigenen Beschlüssen, oder von jenen einer früheren Ständeversammlung, wenn sie in verfassungsmäßiger Form erfolgt, und von der Negierung genehmigt sind, ohne deren Zustimmung mit rechtlicher Wirksamkeit nicht abgehen. Dieß versteht sich auch von den Beschlüssen, welche für einen ausdrücklich bestimmten Zeitraum gefaßt sind, während der Dauer desselben. Wo Landtagsabschiede üblich sind, werden die Regierungen in der bisherigen Form und Weise deren Abfassung keine Abänderung eintreten lassen, welche den landesherrlichen Rechten zun; Nachtheil gereichen könnte. H 16. Verordnungen, welche von der Negierung vermöge der Negierungsgcwalt in verfassungsmäßiger Form erlassen worden sind, haben für die Unterthanen verbindliche Kraft, und werden von ersterer mit Nachdruck gc- handhabt werden. Den etwa gegen solche Verordnungen gerichteten Competenz-Uebergriffen der Gerichte werden die betreffenden Regierungen auf jede mit den Gesetzen vereinbare Weise.standhaft begegnen. Ein Nichtanerkennen solcher Verordnungen durch die Stände kann die Regierung in Handhabung derselben nicht hemmen, so lange die ständische Beschwerde nicht auf verfassungsmäßigem Wege als begründet erkanntworden ist.—Ueberhaupt kann der Gang der Regierungen durch ständische Einsprüche, in welcher Form diese nur immer Vorkommen mögen, nicht gestört werden, sondern dieselben haben ihre Erledigung stets auf gesetzlichem Wege zu erwarten. Die Regierungen werden in den Gesetzesentwürfen, welche von ihrer Seite den Ständen vorgelegt werden, die eigentlich gesetzlichen Beftim- mungensorgfältigvon eigentlichen Vollzugsbestimmungen trennen. § ;7. Die Regierungen werden nicht- gestatten, daß die Stände über die Gültigkeitder Bundesbeschlüsse berathen Und beschließen. § 18. Die Negierungen werden Ständeversammlungen, welche die zur Handhabung der Bundesbeschlüssc vom 28. Juni 1832 erforderlichen Leistungen verweigern, nach fruchtloser Anwendung aller gesetzlichen und verfassungsmäßigen Mittel kund zwar nach Umständen mit Bezeichnung des Grundes) auflösen, und cs s 0 ll ihnen in solchem Falle die -Hülsedes Bundes nach Maaßgabe Art. 26 —27 der Schlußakte zugesichert sein. Diese Bestimmungen gelten auch für den Fall einer gänzlichen Verweigerung der Steuern.. H 19. Bedingungen, welche bei Bewilligung der zur Führung der Regierung erforderlichen Steuern nach Art. 2 des Bundesbeschlusses vom 28. Juni 1832 unzulässig sind, können auch unter der Benennung von Voraussetzungen oder irgend unter einer anderen Form n rch t geltend gemacht werden. H 2ü. Das Recht der Steuer bewilligung ist nicht gleich bedeutend mit dem Rechte, das Staats-Ausgaben-Budget zu regeln. Die Negierungen werden diesen Unterschied bei den Verhandlungen über das Budget genau im Auge behalten, und die durch die einzelnen Bundesverfassungen gezogenen Gränzen mit gehöriger Sorgfalt für die erforderlichen Dispo- sitions- und Reservefonds strenge beobachten lassen. Aus diesem Unterschiede folgt, daß Ständen das Recht einzelne innerhalb des Betrags der im Allgemeinen bestimmten Etatssumme vorkommende Ausgabekosten festzusetzen, oder zu streichen, nicht zusteht, insoferne ihre Zustimmung dazu nicht ausdrücklich durch Verfassungen und Gesetze Vorbehalten ist. Werden bereits erfolgte Ausgaben von den Ständen (worunter in jenen Staaten, deren Stände in zwei Kammern getheilt find, immer beide Kammern verstanden werden), nicht anerkannt, oder gestrichen, sokönnen letztere zwar eine Ver Wahrung für künftige Fälle einlegen, oder nach Umständen einen anderen, nach der Verfassung jedes Landes zulässigen Weg einschlagen; es können aber dergleichen als wirklich verausgab t nachgewiesen e Summen nicht als effektive Kassenvorräthe von den Ständen in Anschlag gebracht werden. Die Frage über die Rechtmäßigkeit einer erweislich erfolgten Ausgabe wird auf verfassungsmäßigem Wege entschieden, und, wenn diese Entscheidung verneinend ausfällt, so steht nur der kompetenten landesherrlichen Behörde, und nicht den Ständen, der Ausspruch über die Ersatzverbindlich- keit zu. H 21. Damit die Berathung über das Budget in der nötigen Frist um so gewisser beendet werden könne, werden die Regierungen die Stände zu rechter Zeit einberufen, und denselben das Budget in der Regel beim Beginn der Sitzungen vorlegen. Sollte die Erledigung der Bud- qetfrage nicht auf irgend einem gesetzlichen oder durch freies Uebereinkommen bestimmten Wege vor Ablauf der gesetzlichen Steuerbewilligungsperiode zu bewirken gewesen sein, so wollen die betheiligten Regierungen die Entscheidung der streitig gewordenen Punkte durch ein nach den Bestimmungen des Art. 3 zu bildendes Schiedsgericht so zeitig einleiten, daß die Entscheidung jedenfalls binnen 6 Monaten vor Ablauf der letzten Steuerbewilligungs- Periode an ertheilt werden kann.,,Würden sich die Stände auch zu einer einstweiligen, den Fortgang des Staatshaushaltes bis zur Entscheidung sichernden Steuerbewilligung nicht verstanden haben, oder sich einem schiedsrichterlichen Ausspruche gar nicht unterwerfen wollen, während die Regierung den obenerwähnten Bestimmungen nachge- kommen ist, so steht letzterer das Recht zu, die zur Erfüllung der Bundespflicht und zur Führung einer der Bundesverfassung entsprechenden, geordneten Verwaltung erforderlichen Steuern fortzuerheben, ohne jedoch den Fall außerordentlicher Bundesleiftungcn oder anderer außerordentlicher und dringender Ereignisse ausgenommen, den Betrag der letzten Steuerbewilligung zu überschreiten, und der Bund wird nötigenfalls die Bundeshülfe nach Art. 25 und 26 der Schlußakte, und Art. 2 des Bundesbeschlusses vom 28. Juni 1832 eintreten lassen." H 22. Die verbündeten Souveraine werden sich bemühen zu bewirken, daß da, wo das Einkommen des Regenten nicht verfassungsmäßig auf andere Weise gesichert ist, die Civillisten auf Dominalgefälle gegründet und jedenfalls in der Art mit den Ständen firirt werden, daß sie sowohl während der Lebenszeit jedes Regenten als bei einem neuen Regierungsantritte nicht ohne des Landesherrn Einwilligung vermindert, aber auch nicht ohne Zustimmung der Stände erhöht werden können. H 23. Man wird den Grundsatz festhalten, daß Staatsbeamte zu ihrem Eintritt in ständische Kammern der Genehmigung des Landesherrn bedürfen. § 24. Die Negierungen werden einer Beeidigung des Militärs auf die Verfassung nirgends und zu keiner Zeit ftattgeben. H 25. Die Regierungen werden zur Bewirkung eines gleichförmigen und kräftigen Vollzugs des Art. 5 des Bundesbeschlusses vom 28. Juni 1832 und der demselben vorausgegangenen Vorschriften der Schlußakte, in Betreff der Öffentlichkeit landständischer Verhandlungen, insoweit nicht durch die bestehenden Geschäftsordnungen ^bereits genügend vorgesorgt ist, die nöthigen Anordnungen treffen, und zu diesem Ende ihre den Ständesitzungen beiwohnenden Commissäre mit den geeigneten Instruktionen versehen. H 26. ,,Man wird besonders darüber wachen, daß die Präsidenten der ständischen Kammern nicht verabsäumen, die Redner wegen Mißbrauch des Wortes (sei es zu Angriffen auf den Bund oder einzelne Bundes-Re- gierungen, sei es zur Verbreitung die rechtmäßige Staats- Ordnung untergrabender, oder ruheftörender Grundsätze und Lehren), zur Ordnung zu verweisen, und nö- bigenfalls die weiteren verfassungsmäßigen Einschreitungen veranlassen. ,,Sollte eine Stände-Versamm- ,,lung in ihrer Mehrheit solche ahndungswürdige Ausfälle einzelner Mitglieder billigen, oder denselben ,,nicht entgegen treten, so werden die Regierungen nach ,,erfolgloser Anwendung anderer ihnen zu Gebote stechender Mittel, die Vertagung, und selbst die Auf- ,,lösung der Kammer, unter ausdrücklicher Anführung ,,des Grundes verfügen. § 27. ,,Jedesmal, wenn die Berathung in öffentlicher Sitzung über die Mittel zur Ausführung von Bundesbeschlüssen, insoweit ständische Mitwirkung dazu verfassungsmäßig nöthig ist, von nachtheiligem Einflüsse auf die Bundesverhältnisse, oder die auswärtige Politik des deutschen Bundes sein könnte, werden die Regierungen auf geeignetem Wege dahin wirken, daß die öffentlichen Sitzungen in geheime verwandelt werden." (Im Entwürfe folgte nach Art. 27. ein Art.: ,,Da die Gründe, welche dem provisorischen Preßgesetze vom 20. Sept. 1819, seine Entstehung gegeben, und dessen fernere Erstreckung veranlaßt haben, unverkennbar in gleichem Gewichte noch vorhanden sind, so sollen diese gesetzlichen Bestimmungen noch ferner in ihrem vollen Umfange in Kraft bleiben, und ihnen in sämmtlichen deutschen Bundesstaaten gleichförmiger Vollzug gesichert werden." Bayern beantragte dazu, hinter,,gesetzlichen Bestimmun- ,,gen" einzuschalten ,,a u f sechs Jahr e." Die andern Bundesmitglieder erwiederten darauf, ,,es gehe durch die- ,,sen Zusatz der Zweck des Art., das jetzt in unbestimmter ,,Dauer bestehende Gesetz vom Jahr '819, Ln seiner ,,Wirksamkeit zu bekräftigen und zu stärken, verloren." Da jedoch Bayern sich entschieden weigerte, ohne jenen Zusatz dem Art. beizutreten, so wurde beschlossen, denselben lieber wegzulassen. H 28. Um die zur Erhaltung der Ruhe Deutschlands übernommenen gegenseitigen Verpflichtungen einer wachsamen und strengen Aufsicht über die in den verbündeten Staaten erscheinenden Zeitungen, Zeit- und Flugschriften in gleichem Sinne vollständig zu erfüllen, und die dem provisorischen Preßgesetze gemäß bestehende Censur auf die zweckmäßigste Weise gehörig zu handhaben, werden die Regierungen: i) das Censoramt nur Männern von erprobter Gesinnung und Fähigkeit übertragen, und diesen eine dem ehrenvollen Vertrauen, welches dasselbe voraussetzt, entsprechende Stellung, sei es in selbstständiger Eigenschaft oder in Verbindung mit anderen angesehenen Ämtern sichern. 2) Den Censoren bestimmte Instruktionen ertheilen. 3) Een sur-Lücken nirgends dulden. 4) In denjenigen Bundesstaaten, in welchen nicht durch die Verfassung oder durch die Landesgesetze ander- weit Fürsorge getroffen ist, wird unbeschadet dessen, was in § 6 des provisorischen Preßgesetzes vom Jahre 1819 verfügt ist, eine höhere Behörde mit den Funktionen eines Ober-Censur-Collegii beauftragt werden, um als solches theils über die pflichtmäßige Erfüllung der Obliegenheiten der Censur zu wachen, theils auch die Beschwerden der Schriftsteller über das Verfahren und die Ansprüche der Censoren zu erledigen. H 29. ,,Von den Nachtheilen einer übermäßigen Anzahl politischer Tagblätter überzeugt, werden die Regierungen auf eine allmählig herbeizuführende Vermin- „derung solcher Blätter, soweit dieses ohne Kränkung ,,erworbener Rechte thunlich ist, Bedacht nehmen, H 30. „Kraft der ihnen zustehenden oberpolizeilichen ,,Aufsicht werden die Regierungen die Herausgabe neuer ,,politischer Tagblätter ohne die vvrgängige Einwirkung ,,einer dießmllsigen Concession nicht gestatten. Es wird ,,diese nur mit Rücksicht auf vorstehenden Art. 29, nach gewonnener Ueberzeugung von der Befähigung des ,,Redakteurs und mit der Clausel völlig uneingeschränkter ,,Widerruflichkeit ertheilt werden. H 3i. ,,Das in einem Bundesstaate einer Druckschrift von einem Censor ertheilte Imprimatur befreit diese Schrift nicht von den in anderen Bundesländern bestehenden Aufsichtsregeln. H 32. „Die Bestimmungen des Bundesbeschlusses vom 5ten Juli 1832, betreffend die Zulassung der außerhalb des Bundesgebietes in deutscher Sprache erscheinenden Zeit- und nicht über 20 Bogen betragenden Druckschriften politischen Inhalts, sollen fortwährend streng vollzogen werden. Rücksichtlich der in fremden Sprachen erscheinenden Zeitungen vereinigen sich die Negierungen zu der Bestimmung, daß Abonnements auf dieselben von den Postämtern nur nach einem von der Negierung genehmigten Verzeichniß angenommen werden dürfen. Die auf diese Weise nicht zvgelaffenen Zeitungen dürfen zwar von Einzelnen verschrieben, aber nicht öffentlich ausgelegt werden. H 33. „Es wird auf geeigneten Wegen dafür Sorge getragen werden, daß beim Druck der ständischen Protokolle, wo solcher statt findet, alle jene Aeußerungen hinweggelassen werden, welche nach Bestimmung des Art. 26 eine Verweisung zur Ordnung veranlaßt haben." Wenn die ständischen Protokolle in Zeitungen oder sonstigen periodischen Schriften abgedruckt werden, so unterliegt dieser Abdruck allen für die Redaktion, Censur und Beaufsichtigung dieser letzteren bestehenden Vorschriften. Gleiches gilt von der auszugsweisen Bekanntmachung ständischer Verhandlungen in periodischen Blättern. H 34. Die beaufsichtigenden Behörden und Censoren der Zeitblätter werden angewiesen werden, auch in Betreff der Aufnahme der faktischen Umstände anderer deutschen Ständeverhandlungen mit großer Umsicht und nach denselben Regeln, wie bei jenen des eigenen Staates zu verfahren. H 35. Da, wo Öffentlichkeit gerichtlicher Verhandlungen in Staatssachen besteht, wollen die Negierungen der Bekanntmachung dieser letzteren durch den Druck nur unter Beobachtung solcher mit den Gesetzen vereinbaren Vvrsichtsmaaßregeln statt geben, durch welche eine nachtheilige Einwirkung auf öffentliche Ruhe und Ordnung verhütet werden kann. (N8. Der Entwurf enthielt einen Art. 69: „In denjenigen Ländern, in welchen das Jn- „stitut der Geschworenen - Gerichte besteht, und seine „Wirksamkeit auf politische Verhältnisse ausgedehnt ist, „verbinden sich die Regierungen, auf dessen Zurückfüh- „rung in unschädliche Gränzen, oder nach Umständen auf „dessen Beseitigung hinzuwirken." Bayern verweigerte diesem Artikel seine Zustimmung, und deßhalb ward beschlossen, ihn zu entfernen.) H 36. Die Regierungen vereinbaren sich dahin, daß der Nachdruck im Umfange des ganzen Bundesgebietes zu verbieten, und das schriftstellerische Eigenthum nach gleichförmigen Grundsätzen feftzustellen und zu schützen sei. H 37. Es soll am Bundestage eine Commission ernannt werden, um in Erwägung zu ziehen, in wie fern über die Organisation des deutschen Buchhandels ein Uebereinkommen sämmtlicher Bundesmitglieder zu treffen sei. Zu diesem Ende werden die Regierungen geachtete Buchhändler ihrer Staaten über diesen Gegenstand vernehmen, und die Ergebnisse dieser Begutachtung an die Bundescommissarien gelangen lassen. H 38. Damit die nach Bundesbeschluß vom 2osten September 1819 für die Universitäten bestellten landesherrlichen Bevollmächtigten ihre Obliegenheiten mit gesichertem Erfolge ausüben können, werden sich die Regierungen die denselben ertheilten Instruktionen nach vorangegangener Revision gegenseitig durch den Weg der Bundesversammlung mittheilen, und solche zur Erzielung möglichster Gleichförmigkeit in ihren Anordnungen auf den verschiedenen Universitäten benützen. 8 39. Privatdocenten werden auf der Universität nur zugelassen, wenn sie mindestens die für die Candidaten des öffentlichen Dienstes in dem erwähnten Fache vorge- schrieben«' Prüfung, lind diese mit Auszeichnung bestanden haben. Die Regierungen werden übrigens, sofern die bestehenden Einrichtungen es zulassen, darauf Bedacht nehmen, daß diejenigen, welche in Wissenschaften, deren Studium zur Vorbereitung auf den Staatsdienst gehört, Unterricht ertheilen wollen, sich vorher auf dem für den wirklichen Dienst vorgezeichnetem Vorberettungswege mit den Geschäften bekannt machen. Die smii-, IkAk-ucki wird nur mit Genehmigung der der Universität Vorgesetzten Behörde und stets widerruflich errheilt werden. Kein Studirender wird an der Universität, auf welcher er ftu- dirt hat, vor Verlauf von 2 Jahren nach seinem Abgänge von dort als Privatdocent zugelassen werden. H 40. Kein akademischer Lehrer soll ohne Genehmigung der Vorgesetzten Behörde Vorlesungen über Wissenschaften halten, die einer andern Fakultät, als der seinigen, an- gebören. Es wird d i, wo es noch nicht geschehen ist, die Einrichtung getroffen werden, daß die Honorare für die Vorlesungen von den Studirenden nicht unmittelbar an die Professoren bezahlt, sondern durch einen von der Universitätsbehörde ernannten Einnehmer erhoben, und von diesem den Lehrern ausgehändigt werden. § 41. Die Regierungen werden sich vereinigen, die Ferien an den Universitäten dem Anfangs- und End- Termine nach möglichst übereinstimmend zu ordnen; den Studirenden soll übrigens außer den Ferien in der Regel keine Erlaubniß zu Reisen errheilt werden, und ausnahmsweise nur dann, wenn die Eltern oder deren Stellvertreter sowohl der Zeit, als den bestimmt anzugcbenden Gegenden nach die Reise genehmigen, oder der Nachsuchende dringende Motive zu einer Resse glaubwürdig dar- thun kann. Es soll Studirenden, weiche an geheimen Verbindungen Theil genommen, oder sich einer tadelhaften Aufführung schuldig gemacht haben, auch während der Ferien nur die Reise nach ihrer Heimath gestartet, und die Reise-Route wo möglich nicht über ei..e Universitätsstadt gerichtet werden. § 42. Die Regierungen werden auf ihren Universitäten für die Immatrikulation eine eigene Commission niedersetzen, welche der außerordentliche Regierungsbevollmächtigte oder ein von der Regierung dazu ernannter Stellvertreter beiwohnen wird. Alle Srudirende sind verbunden, sich bei dieser Commission innerhalb zweimal 24 Stunden nach ihrer Ankunft zur Immatrikulation zu melden. Acht Tage nach dem vorschriftsmäßigen Beginne der Vorlesungen darf, ohne Genehmigung der, von den Negierungen hierzu bestimmten Behörden, keine Immatrikulation mehr statt finden. Diese Genehmigung wird ins besondere alsdann erfolgen, wenn ein Studirender die Verzögerung seiner Anmeldung durch Nachweisung gültiger Verhinderungs-Gründe zu entschuldigen vermag. Auch die auf einer Universität bereits immatriku- lirten Studirenden müssen sich beim Anfang eines jeden Semesters in der zur Immatrikulation angesetzten Stunde bei der Commission melden, und sich über den inzwischen gemachten Aufenthalt ausweisen. 8 43. Ein Studirender, welcher um die Immatrikulation nachsucht, muß der Commission vorlegen: i) wenn er das akademische Studium beginnt, ein Zeugniß seiner wissenschaftlichen Vorbereitung zu demselben, und seines sittlichen Betragens, wie solches durch die Gesetze des Landes, dem er angehört, vorgeschrieben ist. Wo noch keine Verordnungen hierüber bestehen, werden sie erlassen werden. Die Regierungen werden einander von ihren über diese Zeugnisse erlassenen Gesetzen durch deren Mittheilung an die Bundesversammlung in Kenntniß setzen. 2) Wenn der Studirende sich von einer Universität auf eine andere begeben hat, auch von jeder früher besuchten ein Zeugniß des Fleißes und sittlichen Betragens. 3) Wenn er die akademischen Studien eine Zeitlang unterbrochen hat, ein Zeugniß über sein Betragen von der Obrigkeit des Orts, wo er sich im letzten Jahre längere Zeit aufgehalten hat, in welchem zugleich zu bemerken ist, daß von ihm eine öffentliche Lehranstalt nicht besucht sei. Pässe und Privatzeugnisse genügen nicht, doch kann bei solchen, welche aus Orten außer Deutschland kommen, hierin einige Nachsicht stattfinden. 4) Jedenfalls bei solchen Studirenden, die einer väterlichen oder obervormundschaftlichen Gewalt noch unterworfen sind, ein obrigkeitlich beglaubigtes Zeugniß der Eltern oder deren, welche ihre Stellvertreter, daß der Studirende von ihnen auf die Universität, wo er ausgenommen zu werden verlangt, gesandt sey. Diese Zeugnisse sind von der Immatrikulations-Commission nebst dem Passe des Studirenden bis zu seinem Abgänge aufzubewahren. Ist alles gehörig beobachtet, so erhält der Studirende die gewöhnliche Marrikel; die Regierungen der Bundes-Staaten werden aber dafür Sorge tragen, daß diese in keinem derselben statt eines Passes angenommen werden kann. H 44. ,,Jn den Zeugnissen über das Betragen sind die etwa erkannten Strafen nebst der Ursache derselben aufzuführen, und zwar in allen Fällen, wo irgend eine Strafe wegen verbotener Verbindungen bekannt ist." Die Anführung der Bestrafung wegen anderer nicht erheblicher Contraventionen kann nach dem Ermessen der Behörde ganz unterbleiben, oder nur im Allgemeinen angedeutet werden. In allen Zeugnissen ist (wo möglich mit Angabe des Grundes) zu bemerken, ob der Inhaber der Theil- nahme an verbotenen Verbindungen verdächtig geworden sei. Jeder ist verpflichtet, um diese Zeugnisse so zeitig nachzusuchen, daß er sie bei der Immatrikulation vorzeigen kann, und die Behörden sind gehalten, solche ohne Aufenthalt auszufertigen, falls, nicht Gründe der Verweigerung vorliegen, welche auf Verlangen des Studenten bescheinigt werden müssen. Gegen die Verweigerung kann er den Recurs an die Oberbehörde nehmen. Kann ein Studirender bei dem Gesuche um Immatrikulation die erforderlichen Zeugnisse nicht vorlegen, verspricht er jedoch deren Nachlieferung, so kann er, nach dem Ermessen der Immatrikulations-Commission,vorerst ohne Immatrikulation auf die akademischen Gesetze verpflichtet, und zum Besuche der Collegien zugclassen werden. Von Seiten der Universität soll aber sofort an die Behörde, welche die Zeugnisse auszuftellen oder zu beglaubigen hat, um Nachricht geschrieben werden, welche von derselben ohne Aufenthalt zu ertheilen ist. H 45. Die Jmmatrikulat'vn ist zu verweigern : i)Wenn ein Studirender sich zu spät dazu meldet und sich nicht genügend entschuldigen kann (Art. 42). 2) Wenn er die erforderlichen Zeugnisse nicht vorlegen kann. Erfolgt auf Erkundigung von Seiten der Universität längstens binnen 4 Wochen vom Abgangstage des Schreibens an gerechnet, keine Antwort, oder wird die Ertheilung eines Zeugnisses, aus welchem Grunde es auch sei, verweigert (Art. 43,44), so muß der Anqekommene in der Regel sofort die Universität verlassen, wenn die Regierung sich nicht aus besonderen rücksichtswürdigen Gründen bewogen findet, ihm den Besuch der Collegien auf eine bestimmte Zeit zu gestatten. Auch bleibt ihm unbenommen, wenn er später mit den erforderlichen Zeugnissen versehen ist, sich wieder zu melden. ,,3) Wenn der Ankommende von einer anderen Universität mittelst des OonsUium »de-uncki weggewiesen ist." Ein solcher kann von einer Universität nur dann ausgenommen werden, wenn die Regierung dieser Universität, nach vorgängiger nothwendiger, mittelst des Negierungs-Bevollmächtigten zu pflegender Rücksprache mit der Negierung der Universität, welche die Wegweisung verfügt hat, es gestattet. Zu der Aufnahme eines Relegirten ist nebstdem die Einwilligung der Regierung des Landes, dem er angehört, erforderlich. ,,4) Wenn sich gegen den Ankommenden ein dringender Verdacht ergibt,, daß er einer verbotenen Verbindung angehört, und er sich von demselben auf eine befriedigende Weise nicht zu reinigen vermag." Die Regierungs-Commissäre werden darüber wachen, daß die Universitäten jede Wegweisung eines Studirenden von der Universität nebst dem genau bezeichnten Verdacht in einem Signalement des Weggewiesenen, sich gegenseitig mittheilen, zugleich «berauch die Eltern des Weggewiesenen oder deren Stellvertreter davon benachrichtigen. H 46. Jedem Studirenden werden vor der Immatrikulation die Vorschriften des § 3 und 4 des Bundesbeschlusses vom 20. September 1819 über die in Ansehung der Universitäten zu ergreifenden Maaßregeln so wie die Bestimmungen der hier folgenden HH in einem wörtlichen Abdrucke eingehändigt, welcher sich mit folgendem Revers schließt: ,,Jch Endesunterschriebener verspreche mit meiner Namensunterschrift auf Ehre und Gewissen : i) daß ich an keiner verbotenen oder unerlaubten Verbindung der Studirenden, insbesondere an keiner burschenschaftlichen Verbindung, welchen Namen dieselbe auch führen mag, Theil nehmen, mich an dergleichen Verbindungen in keiner Beziehung näher oder entfernter anschließen, noch solche auf irgend eine Art befördern werde; 2) daß ich weder zu dem Zwecke gemeinschaftlicher Berathschlagungen über die bestehenden Gesetze und Einrichtungen des Landes, noch zu jenem der wirklichen Auflehnung gegen obrigkeitliche Maaßregeln mit anderen mich vereinigen werde. Insbesondere erkläre ich mich für verpflichtet, den Forderungen, welche die diesem Reserve vorgedruckten Bestimmungen enthalten, stets nachzukommen, widrigenfalls aber mich allen gegen deren Übertretung daselbst ausgesprochenen Strafen und nachtheiligen Folgen unweigerlich zu unterwerfen." — Erft nachdem dieser Revers unterschrieben worden ist, findet die Immatrikulation statt. Wer diese Unterschrift verweigert, ist sofort ohne alle Nachsicht von der Universität zu verweisen. § 47. Vereinigungen der Studirenden zu wissenschaftlichen oder gesellschaftlichen Zwecken sind unter den von den Negierungen festzusetzenden Bestimmungen erlaubt. Alle anderen Verbindungen der Studirenden sowohl unter sich als mit sonstigen geheimen Gesellschaften sind als verboten zu betrachten. h 48. Die Theilnehmer an verbotenen Verbindungen sollen, unbeschadet der in einzelnen Staaten bestehenden, strengeren Bestimmungen, nach folgenden Abstufungen bestraft werden : i)Die Stifter einer verbotenen Verbindung und alle Diejenigen, welche Andere zum Beitritt verleiten, oder zu verleiten versucht haben, sollen niemals mit bloßer Carcerstrafe, sondern jedenfalls mit dem con - ickliuln nbk-uncki, oder nach Befinden, mit der Relegation, die nach Umständen noch zu schärfen ist, belegt werden. 2) Die übrigen Mitglieder solcher Verbindungen sollen mit strenger Carcerstrafe, bei wiederholter oder fortgeletzter Theilnahme aber, wenn schon eine Strafe wegen verbotener Verbindungen vorangegangen ist, oder andere Verschärfungsgründe vorliegen, mit der Unterschrift des eonsilinl», »kieun !i, oder dem euusiiium selbst, oder bei besonders erschwerenden Umständen, mit der Relegation, die nach Befinden nochzu schärfen ist, belegt werden. 3) Insofern aber eine Verbindung mit Studirenden anderer Universitäten zur Beförderung verbotener Verbindungen Briefe wechselt, oder durch Deputirte communi- cirt, so sollen alle diejenigen Mitglieder, welche an dieser Correspvndenz einen rhätigen Antheil genommen haben, mit der Relegation bestraft werden. 4> Auch diejenigen, welche ohne Mitglieder der Gesellschaft zu sehn, dennoch für die Verbindung thätig gewesen sind, sollen, nach Befinden der Umstände, nach obigen Strafabstufungen bestraft werden. 5) Wer wegen verbotener Verbindungen bestraft wird, verliert nach Umständen zugleich die akademischen Beneficien, die ihm aus öffentlichen Fondskassen, oder von Städten, Stiften, aus Kirchenregisternrc. verliehen seyn möchten,-oder deren Genuß aus irgend einem anderen Grunde an die Zustimmung der Staatsbehörde gebunden ist. Desgleichen verliert er die seither genossene Befreiung bei Bezahlung der Honorarien für Vorlesungen. 6) Wer wegen verbotener Verbindungen mit dem cor>8lIium ssteuiicki belegt ist, dem kann die zur Wiederaufnahme auf eine Universität erforderliche Erlaubniß (Art. 45, No. 3) vor Ablauf von sechs Monaten, und dem, der mit Relegation bestraft ist, vor Ablauf eines Jahrs nicht ertheilt werden. Sollte die eine oder andere Strafe, theils wegen verbotner Verbindungen, theils wegen anderer Vergehen, erkannt werden, und das in Betreff verbotener Verbindungen zur Last fallende Verschulden nicht so groß gewesen seyn, daß deß- halb allein auf Wegweisung erkannt worden seyn würde, so sind die oben bezeichnet«:» Zeiträume auf die Hälfte beschränkt. 7) Bei allen in den akademischen Gesetzen des betreffenden Staates erwähnten Vergehungen der Studirenden ist, bei dem Dasein von Indizien, nachzuforschen, ob dazu eine verbotene Verbindung näheren 4 oder entfernteren Anlaß gegeben habe; wenn dieß der Fall ist, so soll cs als erschwerender Umstand angesehen wer« den. 8) Dem Gesuche um Aufhebung der Strafe der Wegweisung von einer Universität in den Fällen und nach Ab- . lauf der festgesetzten Zeit, wo Begnadigung statt finden kann (No. 6 oben'', wollen die Negierungen niemals willfahren, wenn der Nachsuchende nicht glaubhaft darthut, daß er die Zeit der Verweisung von der Universität nützlich verwendet, sich eines untadelichen Lebenswaudels,be- flissen hat, und keine glaubhaften Anzeigen, daß er an verbotenen Verbindungen Theilgenommen vorliegen. ,, 8 49. Die Mitglieder einer burfchenschaftlichen oder- feiner auf politische Zwecke unter irgend einem Namen ,,gerichteten unerlaubten Verbindungen trifft (vorbehält- ,,lich der etwa zu verhängenden Criminalstrafen) ge- ,,schärfte Relegation. Außerdem sollen dieselben so wenig „zum Civildienfte als zu einem kirchlichen oder Schul- ,,amte, zu einer akademischen Würde, zur Advokatur, zur „ärzrlichen oder chirurgischen Praxis innerhalb der Staa- , ,ten deutschen Bundes zugelassen werden." Würde sich eine Negierung durch besondere erhebliche Gründe bewogen finden, eine gegen einen ihrer Unterthanen wegen Verbindungen der bezeichneten Art erkannten Strafe, im Gnadenwege zu mildern oder nachzulassen, so wird dieses nie ohne sorgfältige Erwägung aller Umstände, ohne Überzeugung von dem Austritte der Verirrten aus jeder gesetzwidrigen Verbindung und ohne Anordnung der erforderlichen Aufsicht geschebcn. § 66. Die Regierungen werden das El forderliche ver- iügen, damit in Fällen, wo politische Verbindungen der Studirenden auf Universitäten Vorkommen, sämmtliche übrige Universitäten alsbald hiervon benachrichtigt werden. § 61. Bei allen mit akademischen Strafen zu belegenden Gesetzwidrigkeiten bleibt die Criminalstramng nach Beschaffenheit der verübten gesetzwidrigen That, und ins besondere auch dann Vorbehalten, wenn die Zwecke einer Verbindung -der Studirenden oder die in Folge derselben begangenen Handlungen, die Anwendung härterer Strafgesetze nothwendig machen. H 62. Wer gegen eine Universität, ein Institut, eine Behörde oder einen akademischen Lehrer eine sogenannte Verrufserklärung direkt oder indirekt unternimmt, soll von allen deutschen Universitäten ausgeschlossen sein, und es soll diese Ausschließung öffentlich bekannt gemacht werden. Diejenigen, welche die Ausführung solcher Verrufserklärungen vorsetzlich befördern, werden nach den Umständen mit dem consilinin »stbnncki, oder mit der Relegation bestraft werden, und es wird in Ansehung ihrer Aufnahme auf eine andere Universität dasjenige statt fin- cdm, was oben Art. 18 bestimmt ist. Gleiche Strafe, wie den Beförderer vorgedachtcr Verrufserklärung, wird diejenigen Studirenden treffen, welche sich Verrufser- klärungen gegen Privatpersonen erlauben, oder daran Theil nehmen. Der Bundesgesetzgebung bleibt die Bestimmung überlassen, in wie weit Verrufserklärungen außerdem als Injurien zu behandeln seien. H 63. Jeder der auf einer Universität studirt hat, und -in Staatsdienste treten will, ist verpflichtet, bei dem Abgänge von der Universität, sich mit einem Zeugnisse über -die Vorlesungen, welche er besucht hat, über seinen Fleiß und seine Aufführung zu versehen. Ohne die Vorlage dieser Zeugnisse wird keiner in einem deutschen Bundesstaate zu einem Examen zugelassen, und also auch nicht im .Staatsdienste angestellt werden. Die Negierungen werden solche Verfügungen treffen, daß die ausgestellten Zeugnisse ein möglichst genaues und bestimmtes Urtheil Zechen. Vorzüglich haben diese Zeugnisse sich auf die Frage cher Theilnahme an verbotenen Verbindungen zu erstrecken. — Die außerordentlichen Regierungs-Bevollmächtigten werden angewiesen werden, über den gewissenhaften Vollzug dieser Anordnung zu wachen. H 64. ,,Die akademischen Gremien als solche werden der von ihnen bisher ausgeübten Strafgerichtsbarkeit in Enminal- und allen gemeinen Polizeisachen über die Studirenden allenthalben enthoben." Die Bezeichnung der Zusammensetzung derjenigen Behörden, welchen diese Gerichtsbarkeit übertragen werden soll, bleibt den einzelnen Landesregierungen überlassen. Vorstehende Bestimmung bezieht sich jedoch eben so wenig auf einfache, die Studirenden ausschließlich betreffende Diseiplinar- Gegenstände, namentlich die Aufsicht auf Studien, Sitten und Beobachtung der akademischen Statuten, als auf Erkennung eigentlich akademischer Strafen. tz 65. Die Bestimmungen der Art. 28—34, dann 39— 63, sollen auf 6 Jahre als eine verbindliche Verabredung bestehen, vorbehaltlich einer weiteren Übereinkunft, wenn sie nach den inzwischen gesammelten Erfahrungen für angemessen erachtet werden. (X 6. Bayern beantragte die sechsjährige Frist, ohne welche Bestimmung es seinen Beitritt zu Art. 55 verweigerte. — Nebrigens ist nach Ablauf derselben die verbindliche Kraft der Art. 28—34 und 39—63 weiter erstreckt wvrdenft 8 6«. Die Art. 39—53 sollen auch auf andere öffentliche sowohl, als Privat-, Lehr- und Erziehungsanstalten, so weites ihrer Natur nach dienlich ist, angewendet werden. Die Negierungen werden auch bei diesen die zweckmäßigste Fürsorge eintreten lassen, daß dem Verbindungswesen, namentlich soweit dasselbe eine politische Tendenz hat, kräftigst vorgebeugt und sonach die Vorschriften des § 2 des Bundesbeschlusses vom 2n. Sept. 1819 insbesondere auf Privat-Jnstftute ausgedebnt werden. 8 57. Da sich ergeben bat, daß die im Art. i2der Bundesakte enthaltende Bestimmung wegen Verschickung der Akten auf eine deutsche Universität, oder an einen Schöppenstuhl zur Abfassung des Endurtbeils, zum Tbeil auch auf Polizei- und Criminal-Erkenntnisse ausgedehnt worden ist, eine solche Auslegung aber nicht in dem Sinne jener Art. liegt, so vereinigen sich die Regierungen zu der Erklärung, daß der gedachte Art. 12 der Bundesakte nur auf Civil-Streitigkeiten Anwendung zu finden habe. H 58. Da die in den vorstehenden Artikeln enthaltenen Bestimmungen ins besondere jene, welche die ständigen Verhältnisse betreffen und eine weitere Entwicklung der in den Art. 64—61 der Wiener Schlußakte festgestellten Grundsätze bezwecken, nach Maßgabe des Art. 62 derselben auch aufdie freien Städte (auf die freie Stadt Frankfurt, mit besonderer Rücksicht auf die Wiener Congreß- akte von 1815) Anwendung finden und deren verfassungsmäßigen Obrigkeiten daher jederzeit die Mittel zu Gebote stehen müssen, um dem bestehenden Rechtszuftand, die öffentliche Ruhe und gesetzliche Ordnung aufrechtzu erhalten, sowie namentlich allen, aus dem Dundesverhältnisse hervorgebenden Obliegenheiten Beachtung und Ausführung zu verschaffen, so werden auch die Senate der freien Städte alle ihnen durch die verschiedenen Verfassungen derselben zu Gebote stehenden Mittel zu einer conse- quenten Fe.stbaltung jener analogen Anwendung geltend machen. H 69. ,,Die vertragsmäßige Verbündlichkeit zur Erfüllung öer durch vorstehende Artikel eingegangenen Verpflichtungen kann durch Hindernisse, welche dem alsbal- „digen Vollzüge der gemeinsamen Verabredung in einzelnen Fällen durch bestehende Verfassungen oder bereits „geltende gesetzliche Vorschriften im Wege sieben, nicht „beeinträchtigt werden; es wird vielmehr auf Deseiti- „gung dieser Hindernisse von den betreffenden Regierungen „hingewirkt werden." () so. Die Regierungen werden sich gegenseitig an vorstehende Artikel als das Resultat einer Vereinbarung zwischen den Bundesgliedern eben so gebunden erachten, als wenn dieselben zu förmlichen Bundesbeschlussen erhoben worden wären. Die Art. 3—l4 werden sofort, mittelst Prästdial-Vortrags an den Bundestag gebracht, und dort in Folge gleichlautender Erklärungen der Bundesregierungen zu Bundesbeschlüssen erhoben werden. Hinsichtlich der übrigen, in gegenwärtigem^ in das geheime Bun- des-Präsidial-Archiv niederzulegmden Schluß-Protokolle enthaltenen, derzeit zur Verlautbarung nicht bestimmten Artikel werden di.e Negierungen ihren Gesandtschaften am Bundestage, nnlcr Aufbietung strenger E>e- heimhuttung, sowohl zur Bezeichnung der allgemeinen Richtung, als zur Anwendung - auf vorkommende specielle Fälle, die geeignete, mit den durch Gegenwärtiges übernommenen Verpflichtungen übereinstimmende Instruktion ertheilen. Zur Urkunde dessen haben sämmtliche hier versammelte Bevollmächtigte den gegenwärtigen Akt am heutigen Tagemnterzeichnet und mit ihren Wappen unterstegekt. — So geschehen, Wien den 1-2. Juni imIahr 1834. — Unterzeichnet: F. Metternich, Münch- Bellinghausen, Alvensleben, Mieg, Minkwitz, Ompteda, G. v. Beroldingen, Frh. v. Neiyenftein, Tettenborn, Frh. Trott zu Solz, Frh. v. Gruben, Neventlvw-CriMinill, Ver- ftolk van Soelen, Fritsch, Frh. von P lessen, von B erg, v. S trauch, Smidt. — (Der preußische Minister von Aneillon mußte vor Beendigung der Conferenzen Wien verlassen, erbat sich aber als besondere Gunst, daß ihm das Schluß-Protokoll nachträglich zur Unterzeichnung nach Berlin gesandt werden möge). Am Schluß der Conferenzen sprach sofort der Fürst von Metternich folgende Worte : ,, Wir alletheilen gewiß die Ansicht, daß die Gefahren, mit welchen unser gemeinsames Vaterland bedroht ist, ein trauriges Resultat, tief eingreifender älterer Ereignisse, die Niemand ungeschehen machen kann, ein Produkt bedauernswertherJrrthümer, von denen ganze Generationen heimgesucht werden, überhaupt zum größten Theil eine Wirkung von Ursachen seien, deren Schuld eine andere Zeit als die unsrige trägt. Wer wäre nun eitel genug zu glauben, daß menschliche Berathungen ein Uebel, welchcsleider eine so weit hinaufreichende und vielfach verzweigte Geschichte hat. in weniger Monate Frist mit der Wurzel ausrotten und seine Spuren vertilgen könnten? Unser Trost darf jedoch sein, daß gescheben ist, was menschliche Kräfte unter den gegebenen Umständen vermochten, und mehr noch als dieß, daß ein Weg gefunden und eröffnet ist, der, wenn er mit neuem kmd beharrlichem Festhalten an dem einmal als Recht Erkannten verfolgt wird, ohne gewaltsame Erschütterungen, ohne feindliche Gegenwirkungen hervorzurufen, nicht blos aus dem Labyrinthe dev in diesem Augenblicke drohenden Gefahren und Bedrängnisse zu führen, sondern auch für alleZukunft aus einen besseren Pfad der Ordnung, der ächten Freiheit und des Rechts zu leiten geeignet ist. Diese Hoffnung beruht auf 2 Einrichtungen, die ich als den eigentlichen Mittelpunkt der Beschlüsse dieser Conferenz bezeichnen möchte. „Die erste derselben ist das Institut der Schiedsgerichte. Während das Repräsentativ-Syftem in seiner naturgemäßen Entwicklung zu einer souverainen Gewalt demokratischer Volksvertreter - Versammlungen hinftrebt, und durch die unbegrenzte Verantwortlichkeit der Minister die eigentlich entscheidende Macht im Staate den Händen der Regierung zu entwenden, ja dieselbe in der Person ihrer nothwendigsten Organe gerade in den wichtigsten Angelegenheiten, der richterlichen Gewalt eben jener republikanischen Kammern zu unterwerfen, mithin die Natu" der Dinge umznkehren strebte, führt unser Schiedsgericht auf den schlichten Pfad der natürlichen Verhältnisse zurück, rc." Die zweite der obenbezeichneten, aus unseren Berathungen hervorgegangenen Einrichtungen schließt sich an die obengenannte an, und betrifft die Sicherung des Staatsbaushaltes in den deutschen Bundesländern gegen mögliche feindselige „Bestrebungen der anarchischen Faktion. Die Theorie des Nepräsentativsy- stems legt in die Hand der Vvlksdeputirten die Gewalt, mittelst einer Abstimmung das gesammte Leben der öffentlichen Verwaltuug zu lähmen, und Bosheit und Aberwitz einer systematischen Opposition hat auch in deutschen Kammern Bundesregierungen mitdieser landesver- räthcrischen Selbsthülfe bedroht, wenn dem Willen der antimonarchischen Seite in dem, was sie gerade zu fordern beliebte, kein Genüge geirhehe^" Unftlgen solcher Art >st für die Zukunft vorgebeugt. (Folgt eine Explikation von Art. 2i.) In welch' neue günstige Stillung die Regierungen, die früher durch jenounziemliche Drohung von den Ständen abhängig gemacht werden sollten, durch diese Bestimmungen kommen, wie ihnen jetzt ein kräftiges und entschiedenes Auftreten für die Sache der Gerechtigkeit und Ordnung, und ein rastloses Fortschreiten auf dieser Bahn möglich ist, ohne daß sie eine Hemmung von Seiten irregeleiteter Stände zu besorgen hätten, istsso einleuchtend, daß es einer weiteren Ausführung nicht bedarf.'' Redakteur: Heinrich Börnste in. Druck mit Uchnellpkessen von Paul Rcnou ard. Paris, Sonnabend. Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 43 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 48 „ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen: die Zeile ü 50 Centimes. Pariser Signale __ 27. Januar 1842 § rwn /- § Man abonnirtr für Paris: in der Buchhandl. von aMes ».«»ousrä «r ru« clk 1'ournon, 6, und im »urssu ve»*rLl pour rne äes Moulins, 3s; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Lage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. — Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgcldcr und Briese wollen franko : « An die Redaktion des Journals: Vorwärts, 32, l uo Oes >V1on!in8 in Paris » cingcscndet werden. An die Fürsten -cs 19. Jahrhunderts. Lass't die Menschheit zur Bestimmung reifen, Landen in der Freiheit sichern: Port: Wer vermag in's Zcitenrad zu greifen — Ewig unaufhaltsam rollt es fort! Neue Bahnen bricht sich der Gedanke, Und die Kunst nimmt ihren Riesenlauf: Keine Sprache, keine Länderschranke Hält den Fortschritt uns'res Geistes auf. Was den Vätern kaum im Tranmgestchte -Herrlich sich geoffenbart und schon: Will der Enkel heute als Geschichte In dem Reich der Wirklichkeiten seh'n. Und er reißt das morsche Werk zusammen, Das die Menschheit noch in Fesseln hält, Und der Freiheit Helle Oriflammen Pflanzt er ans den neuen Bau der Welt. Denn der Zeitgeist sendet seine Boten Stündlich an das jüngere Geschlecht: Und die Ruh e ist nur für die Tobten, Aber für die Lebenden das R e ch t. German Mäurer. Ist Deutschland radical? Deutschland ist durchaus nicht radical; — da ist keine Spnr von Jacobinismus, Republica- uismus, und Sans-culottes sind nur die deutschen Frauen; die kühnsten Wunsche der eraltirtesten deutschen Ultras gehen auf eine eonstitutionelle Monarchie mit liberalen Garantien und freier Presse. — Warum also dieser sklavische Preßzwang, der sich wieder allenthalben in Deutschland breit zu machen anfängt, der die Rothstifte vertheuert, und Finsterlingen und Dnmmköpfen glänzende Carrwren als Censoren eröffnet, der sich in Zeitungs- und Bücher- Verboten und Landes - Ausweisungen deutscher Schriftsteller groß macht. — Warum? — Weil von allen deutschen Ministern nur Wenige unsere Zeit und ihre Bedürfnisse begreifen, weil sie an dem alten morschen Gebäude mit dem Mörtel vergilbter und verschimmelter Traditionen herumflicken, nur den Einsturz hinausschieben wollen, statt frei und fest den Grund zu einem neuen und kräftigen Gebäude zu legen. —.-Me lange aber kann das Flickwerk noch dauern? — Nun, immer noch einige Zeit so lange'die Sonne warm scheint, kein Lüftchen sich regt und der Barometer der Politik auf: Beständig schön! zeigt. — Wenn aber der Sturm der Ereignisse daher toben, die wilde Windsbraut des Krieges aus ihrer Höhle Hervorbrechen, ein politisches Erdbeben Europa in seinen Grundfesten erschüttern wird; — wie dann? — in Trümmer fällt euer morsches Gebäude bei dem ersten Windstoße und ihr werdet dastehen, die Hände ringen, euch die Haare ansraufen und wie nach Jena rufen: Mein Gott! wer hätte sich das gedacht! Österreichisches. In Ostreich ist ein junger talentvoller Schriftsteller, Schuselka, verhaftet und in Untersuchung gezogen worden, weil er mehrere liberale Werke, wie: „Ist Ostreich deutsch?" — „Deutsche Worte eines Östreichers" u. s. w. im Auslande herausgegeben hatte; natürlich machte dieser Schritt der Regierung großes Aufsehen, da man auf derartige Polizeischritte gegen freimüthige Schriftsteller nicht mehr hoffte. Was wird aber bei dem ganzen Prozesse herauskommen? Schuselkawird zu einigen Monaten Arrest vernrtheilt werden, dann, wenn er gestnnungsfest ist, in's Ausland gehen und seinen Beruf verfolgen, oder, wenn er nicht fest ist, in Regierungsdienste treten und in der Staatskanzlei verwendet werden, wie Gentz und andere ci-de- vant Liberale. Ostreich mag thun, was es will, es kann und wird denFortschritt nicht mehr aufhalten; mit Fürst Metternichs Tode schon wird eine große Veränderung eintreten, eine größere wird bald folgen ; Gott gebe, daß sie unblutig wird, daß ein zweiter Joseph sein Volk selbst durch die Wüste in das gelobte Land der'Freiheit führt; geschieht dies aber nicht, so kann früher oder später der Conflict der vier Grund-Elemente Ostreichs, des deutschen, slawischen, ungarischen und italienischen National- Elements mit der Regierung ein fürchterlicher und verheerender werden. Diplomatische Literatur. Der Gotha'sche Almanach für 1844. Der Gotha'sche Almanachfür 1844, der zugleich in deutscher und französischer Sprache erscheint, liegt vor uns. Der französische Text wimmelt von Druckfehlern; die kleine Vorrede des Herrn W. H. Ewald von stylistischen Schnitzern. Warum sich nicht die Sache von einem französischen Professor erst sprachlich durchkorrigiren lassen, ehe man solche französische Prosa aus der Offizin Gustav Perthes in die weite Welt sendet. Wir spotten oft über die geographischen Verstöße und die geringe Kenntniß, welche die Franzosen über das Ausland zum Besten geben; suchen wir doch auch von Zeit zu Zeit neben dem Splitter unseres Nachbars die Balken im eigenen Auge. Die gelieferten Porträts für 1844 sind sämmtlich die fürstlicher Personen; auch kein einziger bekannter deutscher oder ausländischer Staatsmann von Bedeutung ist darunter. — Die Stahlstiche selbst sind im höchsten Grade häßlich: die auffallend reizende Kronprinzessin Marie von Baiern, geborne Prinzessin von Preußen, ist in dem Gotha'schen Almanach ohne alle Grazie dargestellt; dabei sind alle Stiche hart. Das Porträt des Kaisers von Brasilien ist geschmacklos, das des Herzogs von Nassau ganz verfehlt; das gelungenste ist das der Prinzessin Clementine von Coburg-Gotha, gebornen Prinzessin von Orleans. Die vergangenen Jahre lieferte der Gotha'sche Almanach seinen Käufern ein Futteral; dieses Jahr ist diese bei jedem Almanach nützliche Sache sortge- lassen, Druck und Papier sind grau und die Lettern durchschossen. Wenn man französische Publikationen zu demselben Preise vergleicht, so fällt solcher sehr zum Nachtheil der Ausstattung der Buchhandlung Perthes in Gotha aus. In den diplomatischen Angaben sind der Nnge- nauigkeiten viele zu rügen. Ein Almanach, der schon seit ein und dreißig Jahren erscheint, sollte wenigstens etwas fortschreiten mit der Zeit. Der Druck des Almanachs wird im Juni begonnen und Anfang Septembers beendet. — Diese Methode ist schlecht; ein einziger Monat, November, wäre hinreichend, um im Dezember die Versendung des Almanachs für das kommende Jahr zu 2 besorgen. Wir bemerken den Korrektoren, daß man auf französisch Dänemark nicht, wie Seite 18 gedruckt, mit „mark", sondern mit einem c schreibe: Onnemnre. Solche orthographische Fehler finden sich fast auf jeder Seite. Seite 26 wird nach der jetzt regierenden französische Königsfamilie angeführt: Branche Bourbon, um die seit 1830 crilirten Bourbonen zu bezeichnen. Ties iso ein politisch-genealogischer Fehler, denn es muß heißen « dranelle nmee cles Lourdond;. -> indem beide Linien, die jetzt regierende Königs-Familie Orkans und die seit 1830 Verbannte, bourbonischen Stammes sind. Nur in der alten französischen Schreibart wird im Worte Commandant im Pluriel ein t vor dem s eingeschaltet, alle modernen Schriftsteller gebrauchen solches nicht mehr. Dasselbe gilt vou den Worten sermens (Eide), eleuieim (Elemente), u. s. w. Ohne einen schulmeisterlichen Ton annehmen zu wollen, erlauben wir uns hier auf die Herausgeber deö Gothaschen AlmanachS aufmerksam zu machen. Großkaplan (grauä elmpelmn) schreibt sich ohne Akzent auf dem e. Ter Almanach wimmelt von solchen und ähnlichen Schreibfehlern, die einen schlechten Eindruck machen. Man schreibt auch nicht wie Seite 311 Avunä' mmti'6886 (hinter dem d ein Apostroph), sondern Fvrmcle irmitresse. Aus dem Chili ist das Einnahme- und Ausgaben-Budget von dem Jahre 1839 mitgetheilt. Diester Mangel an Correspondenzen ist gar zu nachlässig, um so Mehr da offizielle englische Angaben über Chili bis 1842 reickjon. Von den Equator-Freistaaten, welche Seite 329 Ecuador genannt werden (ans französisch müßte dies im französischen Tert Equateur heißen), sind auch fast gar keine Angaben da. Mit Spanien hat die Redaktion keine Corres- pondenz, es wird also bloß die Schuldenlast von 1840 angegeben. e Spanische Budgets sind aber offiziell in den spa- schen und französischen Zeitungen bis ins Jahr 1843 abgedruckt worden. Solche Lücken machen den Gothaschen Almanach jedes Jahr werthloser. Milder geringsten Mühe würden solche Nachlässigkeiten vermieden. Indem wir sagen Nachlässigkeit sind wir noch sehr gemäßigt. Seite 334 ist bei dem Namen des jetzigen Mi- nisterraths-Präsidenten der Familien-Namen weg- gelassen, eS muß also heißen: 1e nmreetml Loult, ckue de Out matt e. Amerikanisches. St. Louis, (Missouri) den I8ten November- A us dem India n ergebt e t. — Gouvern. Ml, von Arkansas, macht wiederholt auf die Nothwendigkeit und Wichtigkeit aufmerksam, die Militairstation in dem Jn- dianergebiet zu verstärken. Wir begreifen nicht, warum diesem billigen Verlangen nicht prompt entsprochen wird, da die stehende Armee jetzt wirklich nicht die geringste Beschäftigung in den Staaten hat. Während des ganzen verflossenen Sommers liegen in unserm Jefferson Barracks, abgesehen von einem Dragonercorps, zwei vollständige Infanterie-Regimenter, die im puren Müssiggang leben, sich selbst und ibre Nachbarn aufs Höchste langweilen, und mit sitten- und zügellosem Betragen das Land an- fteckeu.Warum verschafft man diesen Burschen nicht ein wenig Motion, und übt sie in Disciplin und Felddienst? Ihre Erhaltung kostet dort kaum mehr als hier, und dort können sie doch von einigem Nutzen seyn, während sie hier nur zum Schaden gereichen. Verschiedene Regierungsbeamten sind so eben unter die Indianer gegangen, um ihnen die Jahresgelder auszuzahlen. Dies ist die beste Erndtezeit für Trödler undWhisky- verkäufer, die den Agenten in Schaaren nachziehen, und die Thaler möglichst schnell wieder zurückkchren lassen, woher sie gekommen sind. Auch ist es begreiflich eine gute Zeit für Mord und Tvbtschlag unrer den Indianern selbst, und zwischen ihnen und ihren weißen Drängern. — Die Hin- ricbtung West's, des Mörders von Büschyhead, im Che- rokie-Gebiet, ist fälschlich mitgetheilt worden; er wurde begnadigt aus Rücksichten auf die allgemeine Beruhigung des gährcndcn Partheigeistes. — Alberto, der Mörder eines Weißen, Namens Long,wurde von einer Cherokescn- Patrouille eingefangen, und weil er sich zur Wehre setzte, angeschossen. Er ist dem Auslieferungsvertrage gemäß den Behörden von Arkansas übergeben worden. Ueberhaupt zeigen sich diese Cherokesen thätig und willig Ordnung und Friede zu erhalten, und ihren Verpflichtungen gegen die Staaten nachzukommen. (Anzeiger des Westen s.> Federvieh. — Es ist fast unglaublich, in welcher Menge sich das Federvieh in den Vereinigten Staaten vorfindet. Nach der Berechnung von > 840 wurde dasselbe zu 12 176 100 Thaler angeschlagen, wovon auf den Staat New-York etwa 2 373 029 Thaler kommen; diese Summe übersteigt daher den Werth seiner Schweine, macht den halben Werth seiner Schafe und den ganzen Werth seines Rindviehes aus, und ist fünfmal größer als der Werth aller seiner Maulthiere und Pferde. Amtliches Verzeichniß aller im Jahre 1842 in den verschiedenen Häfen der Vereinigten Staaten angekommenen Passagire. Aus Im Es kamen cm im Ganzen wie folgt Deutschland. Ganzen. .' 20 844 199 226 Unter diesen waren gebürtig aus: Männl. Wribl. Irland und Großdritanien. . 42 765 39 370 73 135 Deutschland....... >2 599 8 245 20 844 Frankreich.. 2 982 I 522 4 504 Brittisch Nordamerika.. . . I 265 813 2 078 Texas. . .. I 215 188 1 433 Cuba. ....... 832 158 990 Norwegen. ...... 280 232 512 Mexico. ....... 365 38 403 Holland........ 184 «38 322 Spanien. ...... 103 17 120 Italien. ....... 70 15 85 Belgien........ 34 10 44 Schweden. ...... 31 5 36 Dänemark. 28 7 35 Rußland. ...... 22 6 28 Afrika. ....... 3 I 4 Vereinigte Staaten u. s. w. 3 600 1 380 4 980 Dem Berufe nach befanden sich unter ihnen : Tagelöhner. . 16 722 Bauern. ..... 14 715 Handwerker. .... 14 133 Kaufleute. .... . . . 4 873 Seeleute. ..... 726 Ärzte. 245 Geistliche.. .... . . 151 Juristen. 91 Bergleute u. s. w. . . . . - 41 Näherinnen und Jungfern. . . . 36 294 Männliche Personen ohne Beschäftigung zu N. York angekommen. 12 663 Dem Alter nach waren: Unter 10 Jahren. ......... 18 951 Von 10 bis 20, Männl. I l 068; Weibl. 10 356 2l 424 Von 20 bis 40. . .. 57 632 Ueber 40 Jahre alt.. 8 859 Die übrigen unermittelt. Buntes und Spitzes Der bekannte politische Rofugio Venedey ist seit einigen Tagen aus dem Havre und von einer längeren Reise nach England, Irland u. s. w. hier angelangt. Wir erwarten seine neuesten Arbeiten über Irland, Hambdett u. s. w. Georg Fein wird im Frühjahr aus Christian!« in Paris erwartet. Der Heraushcber des deutschen Portsolios, Aktenstücke u. s. w., Herr Kombst, lebt in Edinburg als Professor bei einer achtbaren Anstalt. In Berlin soll dieses Jahr eine große Industrie- Ausstellung statt finden, dafür aber die Kunstausstellung aussallen. Warum nicht ein geeignetes Lokal anweisen oder die beiden Ausstellungen ans einander folgen lassen? Früher fanden bereits in Berlin Ausstellungen des Ge werb e v ereins statt. Wird die jetzt gemeldete Berliner Ausstellung nur den preußischen Staat, oder den ganzen Zollverein oderauch die nicht zum Zollverein gehörenden deutschen Zusendungen ausnehmen? Das liberalste System wäre das beste. Man schreibt uns aus Berlin, daß 300000 Thaler vom Könige von Preußen angewiesen wo r- den sind, um ein Musik-Konservatorium zu gründen. Wir erwarten nähere Mittheilungen über diese für die deutsche Musikkunst wichtige Nachricht. - / Tie letzte Nummer der Revue britannique enthält unter der Unterschrift: „Deutschland vor 50 Jahren", einen Aufsatz nebst einem Originalbriefe Napoleons an den Fürsten von Wrede. Die Zeit wo Napoleon deutsche Soldaten befehligte, ist Gott sei Dank vorüber; es wird hoffentlich keinen Deutschen geben, welcher nicht ohne Widerwillen den Aufsatz der brittischen Revue lesen wird. Die übrigens oft Gediegenes, im Sinne der englischen Revuen und Magazine enthaltende Pariser Revue britannique thut daher einen schlechten Dienst, wenn sie durch solche Arbeiten und Briefe wie die obigen eine Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland zu betreiben gedenkt. Oder wird das Gegentheil gewünscht? Menzel wird in Franzosenfresserei schwärmen bei der Lesung des Napoleonischen übermüthigen Schreibens über die baierische Armee. Heine sagt: Lizt sei ein vollendeter Philantrop, denn er unterstütze sogar heruntergekommene Prinzen. Dies erinnert uns an das französische Sprichwort: „Man wird nur durch die Seinigen ver- rathen." Karl Gutzkow sagte in der Köllnischen Zeitung: „Atta Troll von Heine ist in Frankreich sehr berühmt ; die Herren Marinier, Lagenevais und die Correspondenten der Augsburger Allgemeinen Zeitung, die dem Dichter sehr nahe zu stehen scheinen, haben schon mehr davon gelesen als wir in Deutschland." Atta Troll ist in Frankreich nicht berühmt, er wird weder übersetzt, noch sehr bekannt werden: ein Paar gefällige Freunde wie Marmier bilden noch kein Publikum, und der Correspondeut der Augsburger tadelte, obgleich mit Rücksichten. Wir halten Atta Troll für ganz verfehlt. Herrn Gutzkow benachrichtigen wir, daß M Marmier und La- genevais eine und dieselbe Person sind, indem Herr Marmier auch, um größere Freiheit zu haben, unter diesen Namen schreibt, ohne anders als oberflächlich und trotz dem anmaßend zu berichten. Herr Savoie hat bereits vor Jahren X. Marinier der größten Unwissenheit deutscher Sprache überwiesen. Seitdem hat Marmier nichts gelernt, wohl aber eine größere Dosis Zuversicht bekommen. Wir werden bei jeder künftigen Kritik des Herrn Marmier über deutsches Wesen und Deutschland nicht ermangeln eine Analysis zu liefern. Ter Komiker Nestroy, in Wien, hat ein neues Stück: Eisenbahn - Heirathen mit Glück aussühren lassen und theilweise selbst ausgesührt. Er ward sechzehn Mal gerufen. Fünfzehn Mal zu viel. — In Wien war der Lizt-Enthusiasmus einige Zeit ebenfalls groß, man riß sich um eine Locke, die Damen schwärmten in allen Tonarten, die Ungarn gaben dem berühmten Klavierspieler einen Ehrensäbel, um tüchtig Noten niederzumetzeln. In Berlin ging die Übertreibung noch weiter. AuS einem Glase Zuckerwasser zu trinken, welches die Lizt-Lippen am Piano berührt, schien Nektartrank. Tie hübsche Gräfin von S..... stand an der Spitze dieses Fieberparoriömns. Alan'erzählt sich, die täglich Herrn Lizt zugesandten Erklärungen begeisterter Seelen seien für die Berliner Stadtpost ein großer Mehrertrag gewesen. Ein Jahr später war der Spektakel zu Ende und die Berliner spotteten über sich selbst und die Lizt-Moden. Von hier aus Paris schrieb ein Correspondeut nach Augsburg: PonsardS Tragödie: Lucrezia, sei ein Ereiguiß. Der süßliche Enthusiast betete dies Herrn von Lamartine nach. Denn jetzt, nachdem der übertriebene Weihrauch dem falschen Götzen gewidmet, verraucht, hat auch die ganze gebildete Welt die Wahrheit erkannt: Ponsard sei kein Genie, sondern nur ein sehr beschränktes Talent, und Lucrezia macht weder in Paris noch in der Provinz volle Häuser. Es war Modcsache und Reaction gegen Victor Hugo. Tie Abschaffung des Hazard-Spiels in Aachen würde der preußischen Regierung Ehre machen. Warum meldet die au Ort und Stelle erscheinende Aachner Zeitung nichts darüber, während bereits französische Blätter die Nachricht als bestimmt angeben ? Ebenso ist die Absicht bei der Gründung des Schwanen-Ordens oder Vereins eine menschenfreundliche und gute, indem sie das Prinzip der Vereinigung zur Linderung des menschlichen Elends aufstellt, Kranke pflegen, Arme unterstützen, Arbeitslose beschäftigen will. Eine deutsche Zeitung fragt nun mit Recht: ob auch Jsraeliteudem Vereine des Schwauen-Ordeus bcitreten dürfen? Wir erinnern die Gründer des Ordens in Berlin an Jmmermanns schöne Toleranz-Worte in Kaiser Friedrich II. Übrigens kennt Wohlthun keinen Religions- Unterschied. Ausschließen darf ein solcher Verein Niemanden, der die Leiden des Nebenmenschen mit lindern will. Wir machen keine systematische Opposition, sondern wollen Recht und Gerechtigkeit für Jeden und Alle. Der Maler Achenbach ist bereits, so schreibt man uns, zur katholische!: Religion übergetreten. Jin junger Franzose nennt bei Besprechung einer Autographen-Sammlung im Artist-e, einem bekannten und eleganten französischen Kunstblatte, den Marschall Blücher einen betrunkenen Hunnen; Herr Marc Fournier thäte besser die alten Vorwürfe über die Barbarei der Kriegsführer nicht wieder aufzuwärmen. Unsere Zeit hat besseres zu thuu als solche Polemik. Die Franzosen hausten unter Napoleon und früher seltsam in Deutschland ; laßt die Todten ruhn und den Namen des Marschall Vorwärts in Ehren, denn es war ein biederer Mann, ein tapferer Degen, ein offener Charakter, der auch das freie Wort liebte und sehr oft selbst zu den hochstehenden Personen sich so derb als volksthümlich aussprach. Flecken giebt's auch in der Sonne, warum nicht im Leben des alten Feldherru? Tic Köllnische Zeitung meldet: Gutzkows Zopf und Schwert habe in Dresden, Nürnberg und Hamburg großen Beifall geerntet. Die Hamburger neue Zeitung meint, daß es mit dem Glas Wasser von Scribe wetteifern könne, was hoffentlich nur auf den Bühnenerfolg gesagt sein soll, setzt die Köllnische Zeitung hinzu, denn sorgfältiger gearbeitet ist es ganz bestimmt. Es ist nicht wahr, daß der Minister des Innern in Folge der Theater-Ceusur-Ansichten die Aufführung der Mysterien von Paris untersagt habe. Abänderungen nur sind augerathen. Es wird jetzt in Paris in einigen großen Häusern Mode, die Heitzung durch warmes Wasser zu besorgen. Tie ersten Röhrenanlagen einer solchen gleichmäßig zu erlangenden Temperatur kosteten im Hotel Hope jRue St.-Tominique-St.-Germaiu) beinahe 200000 Franken; im Hotel der Prinzessin Bagratiou ebenfalls bedeutend. In dem Hospital- und Altershause Bicetre bei Paris zählt man 3000 Personen. Täglich werden 690 000 Liter Wasser verbraucht, 3-4 Ochsen, 6 Hammel, 1 Kalb. 4 bis 500 Individuen sind mit allerlei Arbeit in dem Hospital beschäftigt. 16 bis 18000 Stück Wäsche werden jede Woche gewaschen. Tie Revue de Paris, welche einen Aussatz über Bicetre liefert, hätte erwähnen sollen, welchen günstigen Eindruck die Musik auf die Geisteskranken machte. Zwei deutsche Nsfugiös starben in Bicö-tre. Tie Heilung der Kranken durch gelinde Behandlung und moralische Einwirkung, eben so durch Arbeit und Bewegung, haben treffliche Resultate gegeben. Tie Zwangsjacken taugen weder in der Politik noch in der Heilmethode. Im März soll unter Mitwirkung deS Herzogs von Aumale in Algier eine größere Erpedition gegen Abd-el-Kader unternommen werden. Einige fremde Offiziere werden derselben mit Erlaubniß des französischen Kriegsministers beiwohnen. Ter Gras Westmorelaud, englischer Gesandte in Berlin, schreibt man von dort, denkt daran, seine Geschichte deS Jahres 1813 ins Deutsche zu übertragen. Graf Westmoreland ist ein regsamer Diplomat, der in Berlin ein großes Haus macht, und England Freunde zu erhalten sucht, was auch oft gelingt. Seine musikalischen Abende und Mittage sind beliebt und alle Welt gefleht ein, der Mann wisse mit Geschick und Glanz sein Vaterland zu vertreten. Unsere deutschen Diplomaten im Auslande, wir sprechen hier nicht von denen die schlecht besoldet, nicht die Mittel haben, wichtig anszutreten, unsere deutschen Diplomaten im Auslände essen, trinken, sparen, und lassen den lieben Gott walten. Um Deutschland und deutsche Ländeskinder bekümmern sich die Herrn wenig. Schreiben des durch die Versciininl. vom 2. Okt. dazu bevollinächt. dN'iniites an S. Jordan und seine Frau Anden Hrn. Dr., Professor S. Jordan. Verehrter Herr! Die Deutschen New- York's, welche bei diesem Anlaß zu vertreten wir uns hochgeehrt fühlen, bringen Ihnen durch uns den Ausdruck ihrer verchrungSvollstcn Anerkennung, ihrer wärmsten Anhänglichkeit dar. Fern von der Heimath, aber ihr nicht entfremdet, wissen sie, was dem Wirken Sylvester Jordans in Wissenschaft und Leben das Vaterland schuldet, fühlen sie das Schicksal, das ihn betroffen, auf das tiefste! Möge das innere Bewußtsein, das Sie aufrecht hält, an unserm Mitgefühl erstarken, und der Tag, der festliche Tag, welcher Deutschland einen seiner besten Söhne zurückgibt, —ein naher sein. Im Namen der Deutschen New-Yörk'ö und Amerikas und mit den Gefühlen tiefster und aufrichtigster Verehrung: New-York, 18. Okt. 1843. H. Bo ker, Präs, des deutschen Comitöes in New-York. Ehr. G. Eckel, Sckr. An die Frau Professorin Jordan. Verehrte Frau! — Mit schmerzlicher Entrüstung haben die Deutschen New-Yorks das über S ylv este r Jordan verhängte Urtheil vernommen — das Urtheil, welches unter dem Schilde der Gesetzlichkeit einen der besten Söhne Deutschlands trifft — das Vaterland um einen seiner würdigsten Vertreter, eine würdige Familie um ihren Beschützer verkürzt hat. Mehr wäre hier zu sagen, als sie, verehrte Frau, vielleicht anhöreu dürfen, nur der Wunsch finde hier noch einen Platz, —der aus unserem innersten Herzen gesprochene Wunsch, — daß die höhere Entscheidung unabhängiger Richter schleunig gut machen möge, was noch gut zu machen ist, und mögen die freundlichsten Sonnenblicke die ferneren Lebenswege einer Familie erleuchten, die so unendlich gelitten hat. Aber cs gibt Fälle, wo höher nochats die Entscheidung des Richters, die der Gesammtheit, die der öffentlichen Meinung, stehr; und daß dieses höchste Tribunal in Sylvester Jordan kein Fehl gesunden, daß eS zu Schuldigen nur seine Richter gestempelt hat, dieses tröstende, erhebende Bewußtlein möge Ihnen, verehrte Frau, ein Trost und Anhalt sein in so vieler Trübsal. Und dieses in höchster Instanz von Deutschlands stimmberechtigten Männern gesprochene Urtheil, es verkündet zugleich, daß, so lange Sylvester Jordan in Kerker und Roth schmachtet, seine Familie von allen treuen deutschen Herzen als die Ihrige betrachtet und gehalten werden soll. Und so gestatten Sie denn, verehrte Frau, daß die Deutschen New-Uork's, den Deutschen Amerika's hierin nur vorangehend, daß auch sie, die entfernteren, aber nicht undankbaren Söhne Deutschlands, ihre kleine Gabe darbringen dürfen der Familie von Sylvester Jordan. Die Unterzeichneten beehren sich demnach die Frau Professorin Jordan zu benachrichtigen, daß vorläufig der Betrag von Ein Tausend Vierhundert Gulden bei dem Consul derVereinigten- Staaten, Herrn Earl Grabe, zu Ihrer Disposition gestellt ist, so wie ihrem Auftrag gemäß die durch die hiesige deutsche Versammlung erlassenen Beschlüsse, derselben mitzutheilen. In den Gefühlen innigsten Antheils und hoher Verehrung nennen sie sich: New-York, 18. Okt. 1843. H. Boker, Präs, des deutschen Eomitös in New-Uork; Ehr. G. Eckel, Sekr. S. Jordan an -as Ncw-1)orkcr Lonütec. Frohnfestc bci Marburg, am 13. November 18-iS.. An die deutschen Brüder in New-Bork und in den übrigen Freistaaten Amerika's, ins besondere an die Herren Hermann Boker und Christian G. Eckel, als die Repräsentanten derselben. Geliebte d eutsche Brüder! —Ihre trostreichen und zugleich den Meinigen Hülfe bringenden Zuschriften an meine Frau und michvom 18. v.M. sind sammt den Verhandlungen der Versammlung im Interesse meiner Familie durch die Güte des Herrn Consul Carl Gräbe meiner Frau zuge- sändt worden, welche sie gestern empfing und mir sogleich in's Gefängniß brachte, in welchem ich bis zum Erfolge des Appellations-Erkenntnisses verweilen muß, jedoch mit den Meinigen ungehindert verkehren darf. Geliebte Brüder'! ich bin außer Stande, die Gefühle mit Worten auszudrücken, welche ich bei dieser frohen Kunde, bei dem Durchlesen Ihrer Briefe und Verhandlungen empfand! Elektrisch durchzuckte mich das Feuer jener Jahre wieder, wo- ich die Sache Kurhessenö und Deutschlands fördern zu Helsen den schönen Berus hatte; ich vergaß die jahrelangen Leiden und die bangen Besorgnisse der Zukunft und sehnte mich in Ihre Mitte, um nach langjähriger Verstummung die gepreßte Brust wieder erleichtern und mit deutschen Männern über das deutsche Vaterland deutsch reden zu können. Je weniger ich erwartete, daß Sie, geliebte Brüder! in Ihrem neuen Vaterlande meiner noch gedenken und sich an das erinnern würden, was ich während kurzer Jahre im Vereine mit gleichgesinnten Männern für Deutschland zu erstreben redlich bemüht war, desto größer war die Überraschung, als ich aus Ihren verehrlichen Zuschriften an mich und meine Frau und aus Ihren Verhandlungen ersah, wie warm Ihre deutschen Herzen für das Geburtsland auch in der gewählten neuen Heimath noch schlagen, ja wie Ihre deutsche Gesinnung in freien Staaten an Kraft und Energie gewonnen hat, wie Sie meiner mit werkthätiger Liebe gedenken, meine Gesinnung, so wie das Ziel meines frühem Strebens, so richtig erkennen und eben darin die Quelle meines Geschickes erblicken. Empfangen Sie für diese Anerkennung meiner früheren Bestrebungen, die aufrichtig , weil frei ist, für Ihre brüderliche und werkthätige Liebe, welche die Meinigen in ihrer schmerzlichen und traurigen Lage so großmüthig unterstützt, meinen, meiner Frau und meiner Kinder innigsten und wärmsten Dank. Ich selbst finde in dieser Anerkennung freier Deutschen, in dem Ur- theile der öffentlichen Meinung im amerikanischen Frei-Deutschlan de (man vergebe mir diesen Ausdruck!) den schönsten Lohn, gegen welchen die erduldeten Leiden nur gering achte, weil ich hoffen darf, daß gerade mein Geschick zur Erstarkung der deutschen Gesinnung dies- wie jenseits des Oeeans, zur innigeren Verbrüderung der Deutschen beider Welttheile und zur Förderung der Reformen und der Einheit in unserem Vaterlande darum beitragen werde, weil redliche Kämpfer für den Fortschritt daraus ersehen dürften, daß sie im Falle der Noth nicht hülflos bleiben und weil alle Freunde des Fortschritts sich durch dasselbe überzeugen werden, wie nothwendig ein festes, brüderliches Zusammenhalten sei, um zum Ziele zu gelangen. Welches Geschick mich auch noch treffen mag, ruhig gehe ich demselben entgegen, da ich nun überzeugt sein darf, daß die Deutschen beider Welttheile meine Familie als die ihrige betrachten und sie nie in Noth lassen werden. Erhält mir aber Gott meine Kräfte und verleiht er mir die Freiheit wieder, so werde ich mit neuem Eifer meine Kräfte dem deutschen Vaterlande weihen. Dankerfüllt für Ihre Liebe und hochachtungsvoll reicht Ihnen aus dem Gefängniß im Geiste seine Rechte Sylvester Jordan. Neuestes aus Deutschland. Man schreibt uns aus Berlin vom 13. Januar: „Man hat hier und in den deutschen Bädern diesen Sommer bemerkt, daß die Russen aus den höchsten Familien, welche in früheren Zeiten stets mit beispielloser Arroganz den Deutschen gegenüber auftraten, sich ganz besonders damit beschäftigten, die öffentliche Meinung in Deutschland für sich zu stimmen, was jedoch eine schwierige Aufgabe geworden ist. Bis jetzt ist hier wegen der Trauer um den verstorbenen König von Holland in der sogenannten Hofgesellschaft wenig Lebendigkeit gewesen. Gestern Abend war ein Ball beim dänischen Gesandten Grasen Reventlow, heute Abend ist ein Fest beim russischen Gesandten, Grafen von Meyendorf, Sonntag eine Soiree bei der Gräfin Rossi (Mlle Sonntag), wo wir hoffentlich sie selbst und den berühmten Moriani hören werden. Derselbe geht von hier nach Petersburg. Viel Aufsehen macht in unseren Scklons eine reizende kleine Französin Madame Oldecoq, welche die neuesten Romanzen mit viel Geschmack singt. Selbst unsere eingefleischte Aristokratie drängt sich um diese neue Erscheinung. Die neue italienische Operntruppe gefällt dem hiesigen Publikum sehr wenig; der frühere Liebling des hiesigen Publikums, die prima äorma Mlle As- saudri, welche in Warschau großes Glück gemacht, ist dagegen von dem Petersburger Publikum unbarmherzig mißhandelt worden, wie man sagt, durch eine Cabale, bei der Rubini'ö Frau eine Hauptrolle gespielt haben soll. Wollten vielleicht die Rnssen den übertriebenen Enthusiasmus der Polen strafen? Übrigens ist es bekannt, daß beiden: Petersburger Publikum nur Künstler von ganz begründetem oder usurpirtem Ruf, auch solche die schon im Rückschritte des Alters begriffen, Glück machen. So wird zum Beispiel Mlle Taglioni über die Maßen bewundert, obgleich sie für eine Tänzerin bald in Ruhestand gesetzt zu werden verdiente. Von den döhmisch-schlesischen Bädern war dieses Jahr besonders Marienbad glänzend; die österreichischen Familie:: zeichneten sich durch Reichthum und wirkliche Liebenswürdigkeit ans. Die russischen dagegen waren aus Befehl von einer an Carikatur glänzenden Höflichkeit. Karlsbad und Töplitz waren besucht, das letztere jedoch hat viel seitdem Tode des verstorbenen Königs von Preußen verloren. Moriani hat in Dresden Furore gemacht. Unserer Ansicht nach besitzt er eine herrliche Verschmelzung von Stimme, Schule und Spiel. — Rubini verliert von Tag zu Tag. „Der hiesige englische Gesandte, Gras Westmoreland, veranstaltet oft musikalische Festivitäten, bei welchen seine eigenen Compositionen eine Hauptrolle spielen. — Obwohl dieser Brief von keiner Dame herrührt, so enthält er doch folgendes bedeutungsschwere Postseriptum: Wi e gefallen Ihnen die Landtagsabschiede? — Wir richten diese Frage weiter an unsere Leser." H arrnoveriana. Ein ehemaliger hannoverscher oberer Staatsbeamte verbietet es sich durchaus ihm einen seiner Vornamen, Ernst, beizulegen. - Es taucht wieder das ältere Gerücht auf, der König von Hannover werde zu Gunsten seines Sohnes abdiziren. Würde in den Zuständen nichts ändern, bloße äußere Formen könnten vielleicht eine unbedeutende Aenderung erfahren. Man erfährt nichts mehr über den Protest der hannöverschen Agnaten. Wenn doch jemand diese Geheimnisse alle ausdecken möchte. Gesang-Unterricht. Wir empfehlen unser:: Lesern den Gesangs - Curs des Herrn B. Lütgen, Mitglied der Concert-Gesellschaft des Konservatoriums, 40, rus des Nart^rs, welcher wöchentlich zwei Mal statt findet. Eine äußerst praktische leicht faßliche Methode und ein stetes Fortschreiten mit dem Geiste der Kunst und der Zeit zeichnen Herrn Lütgens Gesangs-Unterricht aus. Erstes Verzeichniß der für die Familie Jordan bei der Redaktion des „Vorwärts" eingezogencn Beiträge. Fr. C. HerrGiseler ........... 2 Waldmüller. 2 PaulineDemini. 8 Heinrich Börnftcin r ........ 6 Ein armer Handwerksbursche. 2S A. v. Dornstedt ....'. .5 Mar M.2 Marie Börnstein .......... 2 JosepbineWolf..2 Julius Sohn ..6 Catharina B.—R. ..2 Jeder gibt was er hat ........ 50 Summe. . 32 75 Nedactenr: He inrich Bvrnstein. Druck mir Schnellpressen von Paul Renouard, Januar 1844 Paris, Mittwoch. MlÄW Nr. r>. Abonnements - Preist in Paris: Ein Jahr. . Sechs Monate. Drei Monate. 24 Francs. 13 .. HW*V n, , ^ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 43 ^ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. MW WMM Man abonnirtr für Paris: in der Buchhandl. von awles n.s»ou«rä «t S" ru« ck« 1'ournon, 6, und im Nursau veutrul pour I'^IIvruaßus, ruo äes Moulins, 3a ; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. — Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briefe wollen üunco : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, l ue cl68 Uou!in8 in Paris » eingcscndet werden. Friedrich der Große (Um 24sten Januar.) Ein eigenes Gefühl beschleicht an dem heutigen Tage das Gemüth jedes währen Patrioten: — eine eigenthümliche Mischung von stolzer Freude und dankbarer Wemuth. —.Es ist der Tag, an welchen sich so viele herrliche Erinnerungen knüpfen, — der Tag, an welchem ein Stern erster Größe an Preußens politischem Himmel erschien, der Tag, an welchem König Friedrich II., gesegneten Andenkens, ins Leben trat. — Hundert zwei und dreißig Jahre sind nun seit dessen Geburt, hundert vier seit dessen Thronbesteigung und acht und fünfzig seit dessen Hinscheiden verflossen; —eine geraume Zeit — und doch nicht vermögend, dessen unvergeßliches Gedächtniß in den Herzen seiner Verehrer zu verwischen. — Das ist eben das schöne wohlverdiente Antheil ausgezeichneter Männer und der Segen der Geschichte, daß sie, mit unpartheiischem Griffel und unauslöschlicher Dinte großartige Charaktere schildernd, dieselben ihren Spalten einverleibt und ihnen eine irdische Unsterblichkeit sichert zur Erhebung für die Mit- und zur Bewunderung für die Nachwelt. — Durchfliegen wir das Verzeichniß seiner fast in alle Sprachen übersetzten und sämmtlich im Französischen und ohne seinen Namen erschienenen Schriften vom Jahre 1740 bis 1789,, so erhalten wir eine Anleitung zur Beurtheilung dieses allseitig gebildeten Geistes und fühlenden Menschen, dieses scharfsinnigen Philosophen und großen Staatsmannes, dieses ausgezeichneten Feldherrn und erleuchteten Herrschers, und den Schlüssel zur Würdigung seines uns verbliebenen unschätzbaren geistigen Nachlasses. Unempfindlich gegen unverdiente Kränkungen und Herabsetzungen, erhaben über das Lob und den Tadel kriechender Schmeichler und einseitiger Gegner, unbesorgtbei hin und wiederaustauchenden Parteien und Faktionen, behielt er nur die Förderung dessen im Auge, was er als das Geeignetste zum Frommen des Gesammtwohles anerkannt hatte, und benutzte wohlweislich die sich kund gebenden Spaltungen und Zerwürfnisse, um die Mängel seiner Regierung zu ermitteln und denselben die angemessene Abhülse zu verschaffen. Es ist anerkannte'und durch die Geschichte verbürgte Thatsache, daß er nach einem vielbewegten Leben ein fast um die Hälfte der Einwohner vermehrtes Reich, einen Schatz von 70 Millionen Thalern und ein wohldisciplinirtes, kriegserfahrenes Heer von 224 000 Mann hinterlassen, 600 neue Dörfer angelegt, Sümpfe ausgetrocknet, die Bewirthung der Domainen verbessert, den Ackerbau gehoben, die Viehzucht vermehrt, den Handel befördert, Fabriken angelegt, eine den damaligen Bedürfnissen entsprechende Gesetzgebung vorbereitet, Künste und Wissenschaften geschützt, der Aufklärung den möglichsten Vorschub geleistet, und, was eben so viel werth ist, auf die Erzeugung eines ächten Gemeinsinnes und einer wahren Vaterlandsliebe unablässig hingearbeitet hat. — Wir glauben das Gedächtniß des heutigen Tages nicht würdiger feiern und des ausgezeichneten Fürsten weise und edle Denkweise nicht besser beurkunden zu können, als indem wir den „Großen" über manche seiner Marimen selbstredend anführen: „Die Aufrechthaltung der Gesetze ist der einzige Grund, welcher die Menschen veranlaß! hat, Fürsten über sich zu setzen; denn die^ ist der wahre Ursprung der Souverainetät." „Es ist das größte Unglück, wenn es Unholden gelingt, den Fürsten zu überreden, sein Interesse sei von dem seiner Unterthanen verschieden; dann wird derselbe, ohne zu wissen warum, der Feind seiner Völker." „Der Zweck aller Gesetzgebung ist das öffentliche Wohl. Prüft man das Verfahrender weisesten Gesetzgeber, so findet man, daß die Gesetze dem Geiste der Nation, für welche sie gegebenwerden, angepaßt sein müssen u. s. w." „Ein Fürst, der den Kopf und das Herz auf dem rechten Flecke hat, wird alle seine Ausgaben auf den möglichst großen Nutzen seiner Völker berechnen." „Die große Kunst der Besteuerung liegt darin, die Auflagen so zu vertheilen, daß man die Menge nicht drückt." „Der wahre Reichthum des Landes besteht in der Culturdes Grund und Bodens u. s.w." „Man darf nie die unentbehrlichsten Lebensmittel, als Brot, Bier, Fleisch u. s. w. besteuern, weil sonst der Soldat, der Arbeiter und der Handwerker die meiste Last zu tragen hätten." „Ein wichtiger Punkt sind Fabriken und Handel. Ein Land, in welchem die Handelsbilanz sich ungünstig stellt, so daß die Einfuhr größer ist als die Ausfuhr, verliert von Jahr zu Jahr u. s. w." „Ein Fürst erfüllt nur die Hälfte seiner Pflicht, wenn er sich blos und ausschließlich auf das Kri e gs - Handwerk legt; es ist augenscheinlich falsch, daß er nur Soldat sein müsse." „Die Justiz, die Finanzen, die Politik, der Kriegerstand zieren ohne Zweifel eine hohe Geburt; aber Alles würde in einem Staate verloren sein, wenn die Geburt mehr gälte als das Verdienst." „Das eigentliche Volk ist der zahlreichste und respektabelste Theil der Gesellschaft." „Niemand ist dazu geboren, Sclave seines Nebenmenschen zu sein.", „Diejenige Religion ist die beste, welche am meisten Einfluß auf die Sittlichkeit ausübt und die Menschheit milder und tugendhafter macht." „Die Toleranz ist so vortheilhaft, daß sie das Glück der Staaten ausmacht, in welchen sie eingeführt ist." „Der falsche Religionseifer ist ein Tyrann, welcher die Länder entvölkert; die Duldung eine zärtliche Mutter, welche dieselben pflegt und blühend macht." „Es gibt keine Religion, die sich hinsichts der Moral bedeutend von den andern unterschiede. Sie können also sämmtlich der Regierung gleichgültig sein, und diese muß Jedem die Freiheit lassen, sich einen Weg zu wählen, auf welchem er in den Himmel eingehen will. Er sei ein guter Bürger, das ist Alles, was sie von ihm verlangen kann." „Die Erziehung der Jugend ist einer der wichtigsten Gegenstände für eine gute Regierung. Das wahre Wohl des Staates, sein Vortheil und sein Ruhm fordern es, daß das Volk so unterrichtet und gebildet als möglich sei." „ Ich will Schulmänner, welche dem Pietismus nicht ergeben, sonst aber die Jugend zur Tugend und zu nützlichen Gliedern des Staates ohne Kopfhängerei zu bilden fähig sind. Und was die Philosophie betrifft, die muß von keinem Geistlichen gelehrt werden, sondernvon Weltlichen, sonst ist es eben so, als wenn ein Jurist einem Offizier die Kriegskunst lehren soll." „Die Milosophie ist der Prometheus, welcher das himmlische Licht aus die Erde gebracht hat, um das Volk von seinen Vorurtheilen und Jrrthü- mern zu befreien." „Ein Fürst soll die öffentliche Meinung achten." „Gazetten, wenn sie interessant sein sollen, müssen nicht genirt werden." Friedrich Wilhelm III., hochseligen Andenkens, ermahnte schon vor 30 Jahren in seinem bekannten Aufruf „An mein Volk", des großen Friedrich zu gedenken. Nach reiflicher und vorurtheilsfreier Erwägung der vorstehend aus dessen Vermächtnisse fragmentarisch mitgetheilten Grundsätze wird man diese landesväterliche Ermahnung geziemend würdigen und die Bestürzung und den Schmer; des gemeinen Soldaten begreifen lernen, der am Sterbetage des großen Königs von einem ihm zufällig begegnenden Kameraden befragt, ob irgend eine ausgebrochene Flamme das Zusammenlaufell des Volkes veranlaßt habe, zur Antwort erhielt: Keineswegs, es ist vielmehr eine sehr große Flamme erloschen. Jahrhunderte werden mit ihren welterschütternden Ereignissen Hinunterrollen in tiefer Vergangenheit Schooß, aber der Ruhm des großen Mannes, der in der Stimme des Volkes die Stimme Gottes erkannte, in dem Besitze der Gemüth er sei ner Unterthanen mehr als in dem Besitze von Städten und Dörfern, Bergen und Flüssen seine Glückseligkeit, und in der Aufklärung seiner Unterthanen seine Hauptaufgabe fand, Friedrich II. wird in den Spalten der Blätter der Geschichte begeisternd fortleben und der Tag seiner Geburt (24. Januar) von Patrioten stets mit stolzer Freude, und der Tag seines Todes (17. August) mit dankbarer Wehmuth indes Herzens stillem Heiligthume begangen und dessen Urne^ mit immer neuen Immortellen-Kränzen und Blumen der Dankbarkeit und Verehrung geschmückt werden. Die Deutschen am Ohio. Man schreibt aus Lancaster am Ohio: „Der Charakter der hiesigen Deutschen ist, im Ganzen genommen, lobenswerth und weit erhaben über den, der in größern Städten herrscht. Jeder ist arbeitsam und fleißig, findet daher hier sein Brot, und da er gewohnt ist Entbehrungen zu ertragen, so hört man ihn selten klagen; selbst dann nicht, wenn die Zeiten schlecht und der Mangel an den nothwen- digsten Bedürfnissen fühlbar wird. Vertrauend auf Gott und belebt durch die Hoffnung besserer Zeiten greift er muthig ans Werk, und legt das Werkzeug selbst dann noch nicht ermattet zur Seite, wenn seine bescheidensten Wünsche nicht immer mit Erfolg gekrönt werden. Hier sieht man keine Spaltungen unter ihnen; Nord-und Süddeutsche betrachten sich als Brüder, die ein Vaterland haben und stehen friedlich und einhellig neben einander. Möchten unsere guten Landsleute fortfahren in solcher Einigkeit, wie bisher, auch hier unter diesem Himmelsstriche den Lauf ihres Lebens zu durchpilgern und auch sie werden die Wahrheit des Symboles der Ver. St. erfahren: daß ein Bündel Pfeile so lange es von einem Bande fest umschlungen ist, nicht zerbrochen werden kann, und ihren Landsleuten in größern Städten mit einem nachahmungswürdigen Beispiele vorleuchten! Dank sei dem bisherigen treuen Seelsorger der hiesigen Gemeinde, dem Herrn Pastor Wagenhals, der dieses Band um die hier wohnenden Deutschen knüpfte und beständig zu erhalten bemüht war! „Wie es mir scheint, ist das Gehässige, was die Amerikaner in das Wort » vutell » legen, hier ziemlich verschwunden, und es wird immer mehr und mehr verschwinden, je liebevoller unsere Brüder sich einander begegnen und je fester sie sich an einander ketten.— Wohlan denn, Landsleute, gebet Euch einander die Hand in Bruderliebe und lasset keine Spaltungen, deren nachtheiliger Einfluß in größern Städten so fühlbar geworden ist, unter Euch auf- keimeu. „An wissenschaftlich gebildeten Deutschen fehlt es hier ebenfalls nicht, und ich möchte sagen, daß hier deren mehr denn in irgend einer andern Gegend Amerikas, die ich gesehen habe, wohnen. So haben wir hier im Orte die Herren Docts. med. Börstler und Sachse, Männer von gründlichen Kenntnissen und vielseitiger Bildung, dann wenige Meilen von hier ist Herr Baron von Roden, Hr. Hanptmann Witte und Hr. Dr. jur. Mithoff, alle Männer, deren Namen von Amerikanern sowohl wie von Deutschen nur mit Achtung genannt werden. Die letztem drei Herren haben hier große Plantagen, die nach deutscher Art und mit deutschem Fleiße cultivirt werden, und der Erfolg zeigt was deutsche Beharrlichkeit zu leisten im Stande ist! „In meinem nächsten Briefe werde ich Ihnen etwas von der hier bestehenden Deutschen Garde mittheilen, für heute gebietet mir meine Zeit zu schließen. Ihr Freund H. L." >» -o Buntes und Spitzes «! Aus Petersburg schreibt man, daß Herr von Balzac daselbst in den Salons nur lau ausgenommen worden sei, was (die Indiskretion des Herrn von Custine verschuldet. Wie stimmt das mit den Angaben überein, welche sagten, Herr von Balzac sei nach Petersburg berufen, um eine Art Entgegnung gegen das Werk des Marquis Custine zu schreiben? Andere Nachrichten behaupten, Herr von Bal- zac's gegenwärtiger Aufenthalt sei ein Geheimniß. Herr Staatsrath Gretsch hat vor vierzehn Tagen von Paris aus einen französischen Schriftsteller mit Aufträgen nach Petersburg gesandt. In Ulm ist ein Buch : „Das Pferdefleisch, ein Nahrungsmittel!" von einem Kreis- Medicinalrath, Herrn Härlin, erschienen. Albert Schott hat einen Beitrag zur Geschichte der deutschen Kolonien in den Alpen geliefert, und zwar unter den Titel: „Die deutschen Kolonien in Piemont, ihr Land, ihre Mundart und ihre Herkunft." — Ernste Arbeit und vaterländische Gesinnung zeichnen dieses Werk aus.- -- Der verstorbene Marquis von Wellesley, ehemaliger Lord-Lieutenant von Irland, Bruder des Herzogs von Wellington und des Lord Cowley, englischer Gesandter in Paris, hat seine Memoiren hinterlassen, welche Lord Brougham beauftragt ist herauszugeben. Die Aachener Zeitung, welche oft gründliche und dem Fortschritte nützliche Mittheilungen liefert, enthält am 17. Dezember u. s. w. an der Spitze ihres Blattes eine Anpreisung, welche (einer taktlosen Marktschreierei ähnlich sieht. Sie zeigt an, die Nachrichten aus Paris, London, Madrid, Brüssel u. s. w., zugleich mit den französischen, englischen und belgischen Blättern bringen zu können, die wichtigsten Nachrichtenselbst vier und zwanzig Stunden vor allen andern, selbst den französischen, verbreiten zu können. Diese Anzeige, welche sicher nicht von der achtbaren Redaktion herrührt, offenbar aber eine übertriebene Anpreisung der Ver- lagöhaudlung ist, schadet nur einem soliden Blatte, indem das Versprochene zu leisten faktisch unmöglich ist. — Wozu in Deutschland solche Puffs natu- ralisiren? Man sagt der verstorbene König von Holland habe seiner morganatischen Gemahlin, der Gräfin von Nassau-Oultremont, nebst Kapitalien, einen Gutsbesitz in der Gegend von Aachen hinterlassen. Einige deutsche Blätter meldeten kürzlich, Heine habe sich in Frankreich naturalisiren lassen. Heine wird wohl über diese Behauptung eine Erklärung liefern. Mysterien von Paris. — Voruns liegen der erste Band so wie 8 bis 10 Lieferungen des zweiten Bandes der Pariser Geheimnisse, eine illustrirte Ausgabe welche bei Charles Gosselin erschienen. Mit geringen Ausnahmen sind alle Kupferstiche verfehlt: der Geist, der Charakter der verschiedenen Personen aus dem vielgelesenen Romane von Eugene Sue ist fast nirgends in den Bildern wiedergegeben. Die Zeichner verstanden den Dichter nicht, sie lieferten meist Fabrik- Waare. Man hat sich oft über den Charakter des Prinzen Rudolph in den Mysterien tadelnd und als sei solcher ganz unnatürlich ausgesprochen. Ohne hier eine Analysis folgen zu lassen, sind die Schicksale derjenigen, die längere Zeit in Paris leben, oft so seltsam gewesen, daß mit ein wenig Phantasie gar Seltsames, fast unglaublich Scheinendes in dieser und jener Laufbahn wirklich faktisch da gewesen ist. Erinnert man sich vielleicht noch, vor wenigen Jahren im Ambigu - Theater einen jungen Schauspieler Namens Florestan gesehn zu haben? Gehörte derselbe nicht etwa einem regierenden europäischen Regentenhause an? Die Revue de Paris spöttelt in ihrer Chronik über Herrn Arago's Rede bei der Einweihung des Molisre-Denkmals und sagt, einige Republikaner hätten spöttisch bemerkt: On voit Oien gus ee clis- eours sort clu dureau äe8 1onZßtuä68 ! » (man merkt wohl, daß diese Rede aus dem Längen-Messungs- Bureaubervorgegangen). Die Revue de und Herr Terminier scheinen erfreut dieses Wortspiel zu Tage zu fördern. Die Rede von Herrn Arago aber war voll Thatsachen und interessanter Angaben; andere lange Reden und lange Artikel haben nicht immer dasselbe Verdienst. Toucilülches. Wir theilen einige Bruchstücke aus dem Schrei- ben eines Norddeutschen von Cölln den 26. Jan. mit: „Wenn man in Berlin von einem Minister eine Entscheidung verlangt, so steht es mit der vielgerühmten preußischen Raschheit ungemein baufällig. Die Stationen in den Ministerialbureaur dauern beinahe eben so lang, wie vor hundert Jahren die Landkutscher fuhren. Im Postministerium des Herrn von Nagler, obgleich dieser bewährte Staatsmann gealtert, wird die einzige Ausnahme gemacht. Von Cöthen an wird der Dienst der Eisenbahnen sichtbar schlechter. Cassel hatte ich hinreichend Zeit zu besehen, da die Post dort zur Be- trübniß aller Geschäftsreisenden vier und zwanzig Stunden liegen blieb. Die Stadt ist öde, und ohne alles öffentliche Leben. Auf dem Paradeplatz besah sich der Churprinz Mitregent zehn Remontenpferde mit der größten Wichtigkeit. In Arolsen, der Hauptstadt von Waldeck, begegneten wir den Fürsten mit der ganzen Familie spazieren fahren, die jungen Prinzen als Bedienten hintenauf. Bereits ehe wir dieses patriarchalische Schauspiel begrüßen konnten, zog der Fürst schon seine Mütze. Von Arolsen bis Westphalen reiht sich Fabrik an Fabrik, namentlich von Schwellen bis Elberfeld. Hier ist man Tag und Nacht unausgesetzt thätig. Jenseits Cassel beginnt das Leben sich schon rheinischer zu rühren. In Kölln wird es immer lebendiger, überall ist Mittheilung und Geselligkeit; nirgends fand ich eine antipreußische Gesinnung, obgleich man sich unumwunden und frei über alle Verhältnisse gegen Fremde und selbst hochgestellte Beamte äußert. Der Rheinländer tritt dem Fremden freimüthig und offen entgegen, ohne sich dabei uufzudrängen. Nach den ersten Worten schon wird man näher bekannt, Absperrung findet wenig statt: in allen Ständen findet man Kenntniß der Gesetze und Achtung vor denselben; überhaupt aber ein reges Gefühl für Recht und Unrecht. Leider kennt man noch in vielen Gegenden Deutschlands, so wie selbst in Regierungskreisen, den wahren Geist der Rheinprovinzen nur unvollständig. Man verdächtigt oft diese oder jene Tendenz, weil sie mißverstanden worden*). Aus Deutschland. In Braunschweig noch immer große Verwirrung und Unzufriedenheit! — Die guten Draunschweiger sehen die Strafruthe, die ihnen ihr verjagter Herzog Carl gebunden hat, drohend Heranrücken; — sie winden und drehen sich, — sie schreien und jammern wie die bösen Kinder; — aber die Ruthe kommt;— sie werden Hannoveraner. Herzog Wilhelm ist noch immer ledig; er heirathet nicht, weil er weiß, daß in diesem Falle der Herzog Carl augenblicklich auch heirathen würde, und da der Bundesbeschluß nur die Person des Herzogs Carl, Dieser Brief rührt von einem preußischen Beamten her. Anmerk, der Red. keineswegs aber seine Nachkommen vom Throne ausgeschlossen hat, so würden Herzog Wilhelm und seine etwaige Nachkommenschaft, sich etwa in jener kritischen Lage befinden, wie die Familie Orleans, wenn Heinrich von Bordeaux wieder den Thron Frankreichs bestiege.— Herzog Wilhelm heirathet also nicht, da alle diplomatischen Unterhandlungen an dem Eisenkopfe des Herzogs Carl gescheitert sind; — Carl aber heirathet gewiß nicht, damit seine geliebten Draunschweiger eben so gewiß unter das sanfte Seepter -Hannovers kommen; — er meint, das wäre die empfindlichste Strafe für das, was sie ihm gethan. Marche! und Halt! Das Stehenbleiben auf einem Flecke, die lederne Geduld sind ein Haupt-Charakterzug der guten Deutschen. Wollen wir aber beide Nationen scharf charakterisiren, so erwägen wir nur welches Com- mandowort jede von ihnen von der andern ausleihen mußte, weil sie es in ihrer Sprache nicht fand. — Um vorwärts zu kommen, hatten die Deutschen kein Wort und mußten das französische: Nurells! Marsch!! nehmen; für den Stillstand hatten die Franzosen kein Wort und nahmen von den Deutschen das hemmende : Halt!! Halte!! Dieser einzige Zug ist genug; — während die Deutschen das Halt erfunden haben, schufen die beweglichen Franzosen das Vorwärts — das Marsch! Amerikanisches Frarrzöftsch. kurll um? — Seit eine Zeitung zu New-Uork, der „Brother Jonathan," ein kleines Werk veröffentlichte, mit dessen Hülfe man binnen ganz kurzer Zeit selbst französisch zu sprechen lernen kann, parli- wut die ganze fashionable Damen- und Herrenwelt wie ein Heer Papageien. Wir hörten vor einigen Abenden in einer Privatgesellschaft Proben dieses modernen Dialektes, die zu den Manen von Voltaire und Moliore um Rache schreien: - ^Voolesivoo xromermäe? » fragte ein französi- render Adonis eine kleine Dame mit einem großen Munde. » Noun866r,» war die süße Antwort. « ^.ll! — Nuääemo^selle, vous et traifoll^ ! >> « Oll! mou vvous me tlutt^. » Schreckliche Mordthaten dieser Art werden täglich in der besten Gesellschaft und in der Mitte einer ci- vilisirten Welt begangen. Wo ist die Polizei? (Der Deutsche in Amerika.) Nordaincrikanil'che Seemacht. (Nach dem Bericht des Navy-Sekretärs.) Schiffe. 1 Schiff zu 9 Linienschiffe i Razee 12 Fregatten 1 Fregatte 2 Fregatten ii Kriegsschiffe ister Klasse 6 Kanonenschaluppen 6 dito 2 Provisions-Schaluppen > 1 Brigs und Schiffe 3 dito Provisions-Schiffe 120 Kanonen. 90 62 52 50 42 24 22 16 6 20 10 4 Schaluppen erster Claffe sind fertig, um votw Stapel gelassen werden zu können. Außerdem sind noch der Mississipi von 12 Kanonen, der Fulton von 13, der Princeton von 12, die Union von 4, Princeton von 4 und ein eisernes Kriegsdampfbvvt, der Michigan, von 6 Kanonen, der am See Crie so weit fertig liegt, um vom Stapel gelassen werden zu können. Außerdem sind noch 4 kleine Schooner in Bereitschaft. Die ganze Zahl von Schiffen jeder Art beträgt 76. - Der Washington von 90 Kanonen ist auseinander genommen worden. — Ein eisernes Dampfboot von 1000 Tonnen, mit Hunters unter dem Wasser wirkenden Rädern wird in Pittsburg gebaut. Seine Kosten sind zu 150 000 Dollar accordirt. Im April wurde Befehl zum Bau von 6 Kriegsschaluppen erster Äasse gegeben, zwei davon sind bereits fertig. Außerdem sind noch 3 Kriegsschiffe, jedes zu 30 Kanonen und 2 Fregatten, jede zu 62 Kanonen, im Bau begriffen. . Das heimische Geschwader kreuzt von den Neu-Fund- land Banken bis zum Amazonen-Fluß, den Golf von Mexiko und die Carribeansee einschließend; das mittelländische im gleichnamigen Meer; das brasilianische von der Mündung des Amazonen-Stromes bis zum Cap Horn und das östliche längs des Aequatvrs bis zur südwestlichen Gränze der afrikanischen Station dem Cap Negro, und von da an der Küste herunter, bis zum Cap der guten Hoffnung. — Das Geschwader im stillen Meere kreuzt längs der ganzen Westküste von Amerika und westlich vom Cap Horn der westlichen Länge nach, und südlich von beiden Meridianen. — Das afrikanische Geschwader kreuzt von Madeira und den carrarischen Inseln bis zu dem Bug von Diafra, und westlich von der afrikanischen Küste bis zum 13. Grad der Länge. Ein Herr Smith, mit dem Hanfbau in Rußland vertraut, ist vom Departement angestellt worden, nahe bei Washington Versuche zur Cultur des Hanfes zu machen. Der Navy-Sekretär empfiehlt, keine Spirituosa mehr an die Mannschaft der Flotte auszutheilen. An der Veröffentlichung des Werkes und der Karten über die Entdeckungs-Expedition wird unter Aufsicht des Commodore Wilkins fleißig gearbeitet. (PH. Dem.) Zweites Concert des Conservatoriums. (Am 28sten Januar.) Von den hiesigen musikalischen Instituten ist das Conservatorium das Einzige, welches nicht nur seinen Glanz zu erhalten sucht, sondern auch seinen Ruf von Tag zu Tag vermehrt. Die italienische Oper besitzt wohl einige Sänger, aber keine Opern; die Academie royale hätte mitunter wohl auch Opern, aber keine Sänger; in der komischen Oper hat Adam mit seinen Tanzmotiven so den Geschmack verdorben, daß eine gute Oper wie z. B. „Mina" nicht mehr im Stande ist das Publikum anzuziehen. Die Conzerte des Conservatoriums allein sind so wie früher besucht, und werden es auch bleiben, denn die Werke Mozart's, Haydn's und Beetho- ven's sind der Mode nicht unterworfen, und hängen nicht von der Individualität eines oder des andern Erecutisten ab. — Das zweite Conzert wurde mit der achten Symphonie in 6 äur von Mozart eröffnet. Wir erwähnen bloß des lieblichen Andante, welches ganz einfach instrumentirt, durch bloße Violinen und Violoncelli die überraschendsten Effekte hervorbringt. Das darauffolgende Scherzo im 3i8 Takte ist voll Humor und Begeisterung Ln der 'Conception und voll Originalität in der Jnstru- mentirung. Das Finale ist in contrapunktischer Hinsicht meisterhaft, jedoch ermüden die zu langen Fugensätze den Zuhörer. Das Ganze wurde mit vielem Beifall ausgenommen. Hierauf folgte le eulms äs In mer (Meeresstille) von Beethoven. Dieses Werk enthält mehrere schöne charakteristische Stellen, ist aber im Vergleich mit sonstigen Beetho- ven'schen Werken schwach. — Herr Dorus ließ sich in einem Concerto (in lss äur) von Tulou hören. Obwohl ich sonst kein Freund von Flötenconzerten 4 bin, so muß ich gestehen, daß Herr Dorus stets eine Ausnahme machen wird. — Herr Dorus, obwohl er als vollständiger Meister alle Schwierigkeiten, die dieses Instrument darbietet, mit Leichtigkeit überwindet, suchtseinen Zuhörer größtenteils durch einen seelenvollen Vortrag zu gewinnen. Außerdem vereinigt er die höchste Eleganz und den geläuterte- sten Geschmack mit seinem vortrefflichen Spiele. Conzertist und Composition wurden sehr beisällig ausgenommen. —Eine Motett von Mozart : I§6 xulvis 6t 6NÜ8 8np6rl)6 t6 A6VN8 (Sei nicht stolz, denn du bist Staub und Asche), enthält in dem Andante einige ergreiscnde religiöse Momente, aber das darauffolgende höchst lustige Allegro stimmt durchaus nicht mit dem Terte zusammen, und erinnert zu sehr an das Trio der drei Knaben in der Zauberflöte. — Den Schluß machte die Symphonie in V tlur von Beethoven. Dieses Meisterwerk wurde zwei Jahre hindurch von dem hiesigen Comits als bizarr verworfen, und den Bemühungen des Herrn Habeneck allein danken es die Pariser, die Bekanntschaft dieses Werkes gemacht zu haben. Seit mehreren Jahren wird diese Symphonie nun mit immer steigendem Enthusiasmus ausgenommen. Das nächste Conzert findet den Ilten Februar statt. Mar M. Pariser Theaterschau. Daß Herr Leon Pillet von seiner italienischen Reise zurückgekommen ist, wissen wir; was er aber mitgebracht, wissen wir noch nicht und dürfen es daher auch unfern Lesern nicht mittheilen; —wir fürchten immer, daß das Resultat ein geringes ist, und daß die Reisekosten dabei nicht herauökommen. Das neue Ballet: „Les Caprices", wird uns baldigst versprochen; man erzählt von Buch-Ausstattung, Tänzen u. s. w. Wunderdinge; wir wünschen, daß die „Caprices" auf keine Kaprizen, weder oben noch unten, stoßen. Mit der Abänderung des „Carl DI" in „Wilhelm Tell" am letzten Mittwoche schien das Publikum sehr zufrieden, was Herrn Halevy aber nicht besonders schmeichelte. Duprez war nicht bei Stimme ; Barroilhet und Mad. Dorus trugen daher die ganze Last des Abends. Die Opera-Comiquesoll Adams: „Caglio stro" bis auf den Sommer vertagt haben. Das: „Warum?" ist auch ein„Mystere de Paris." Herr B ayard, einer der Marschälle des Vaudeville, der auf der langen Theaterlinie vom Palais-Royal bis zum Boulevard Beaumarchais Hunderte von Siegen erfocht, hat sich nun vom Vaudeville ins Lustspiel gestürzt, wie Theoph. Gautier vom Feuilleton ins Vaudeville. Er gab uns im Theater-Fran^ais: „Un Manage pari sie n", Lustspiel in fünf Akten und in Versen ; das Publikum dieses Theaters ist seit einiger Zeit viel nachsichtiger geworden, es läßt sich pikant zugerichtete Vaudevilles als Lustspiele vorsetzen und goutirt sie Iaut6 äs nÜ6ux. Wenn wir bloß dem günstigen Erfolge nach urtheilen wollen, so müssen wir sagen, Herr Bayard hat mit seinem ersten Lustspiel-Versuche Glück gemacht,—das Publikum war zufrieden; — srägt man uns aber um unserer eignen Meinung, so sagen wir offen : Herrn Bayards Stück ist kein Lustspiel, es ist ein großes Vaudeville ohue Couplets, nicht besser, nicht schlechter als Aler. Dumas „Demoiselles de S t.-C y r", nur daß dieses in mittelmäßiger Prosa geschrieben ist, uud''„Un Manage parisien" in mittelmäßigen Versen. Ein Lustspiel besteht nicht bloß in der Erfindung eines interessanten Stoffes und überraschenden oder doch gut arrangirten Situationen, sondern es erfordert auch eine naturgemäße Zeichnung und Durchführung von Charakteren, eine Schilderung der Zeitsitten, und vor Allem eine feinere sorgfältigere Ausarbeitung der Einzelnheiten. Der Vaudevillist darf skizziren, der Lustspieldichter muß anömalen. Übrigens ist Herrn Bay ard s Werk als ein erster Versuch auf einem für ihn neuen Felde stets anerkennungswerth. Die Darstellung ging sehr gerundet, Provost und Rägnier, Madame M elingue und Dlle De - nain leisteten Vorzügliches. Inder italienischen Oper sieht es ziemlich traurig aus: Grippe, Halskrankheiten, Todesfälle, Verdrießlichkeiten, hemmen das Repertoir und zwingen alle Augenblicke zu Abänderungen oder zur Aufführung von Opern mit nur theilweise guter Besetzung. Die Wiederaufführung von Donize tti's „Liebestrank" gab uns Gelegenheit den köstlichen, unübertrefflichen Lab lache, diesen personnifizirten Humor wieder als Dulcamara zu begrüßen. Man mag sagen, was man will: — mit Lab lache stirbt einst die Opera bu s f a Italiens für immer; —was noch an Buffi cantanti aus den verschiedenen italienischen Bühnen herumsingt, ist nur Mittelgut, mehr Schauspieler als Sänger, oft auch keines von beiden. Lab lache aber ist unstreitig der vollendeteste Sänger seiner Zeit, ein höchst begabter, gründlicher Musiker und dabei einer der ersten Schauspieler. Wir erinnern uns noch mit wahrem Entzücken ihn vor achtzehn Jahren unter Barbaja in Wien in Pär'ö: „Agnese" gesehen zu haben, wie er das Publikum zum Zittern, zum Zusammenschaudern, zu Thränen brachte; wie er die höchste, erschütterndste Tragik entwickelte; und wir sahen ihn am Abende daraus als „Figaro" mit aller jener Laune, jenem übermüthigen Humor, jener drastischen Lustigkeit dieses Charakters, sich in den übermüthigsten und doch graziösesten Scherzen ergehend. Die ersten Schauspielkünftler des ersten deutschen Theaters, der Wiener Hofbühne, die damals aber in ihrem höchsten Glanze stand, versäumten es nie, Lablache in jeder seiner Rollen zu sehen, um, wie sie selbst sagten, viel von ihm zu lernen. Madame P ersi ani war vorzüglich gut bei Stimme, und errang stürmischen Beifall; — die Krone des Abends war das Duett mit Lab lache ; im Allgemeinen war das Publikum jedoch für das Ensemble der Oper kälter als gewöhnlich. — Wir erlauben uns die bescheidene Frage, warum Herr Ronconi nicht den Sergeanten sang, der doch immer von Tamburin i gespielt wurde, und warum Mario nicht ebenfalls bei seinem Nemorino bleibt? Das Publikum des italienischen Theaters hat für sein hohes Abonnementsgeld das Recht vollkommene Aufführungen und genügende Besetzung aller Parthien zu fordern. Fremde, die nach Paris kommen und z. B. „Norma" sehen, in der von den ersten Künstlern die einzige Grisi singt, machen sich einen sonderbaren Begriff von der Pariser italienischen Oper. Madame'Persiani verläßt uns Ende Februar und wird im „Liebestrank" und andern Opern durch Mlle Nissen als Supplement ersetzt werden, Herr Morelli suppliirt Herrn Ronconi, Herr Corel li suppliirt Herrn Salvi; wir fürchten immer, wir werden in diesem letzten Monate März auch nur ein Supplement- Publikum im Theater sehen. B ouffü macht im Variätos-Theater fortwährend so volle Häuser, als es der Karneval und die im Gefolge desselben sichst)äusenden Bälle, Soireen, Concerte, Gesellschaften u. s. w. möglich machen; — doch wird der „Oncle Baptiste" keineswe- geö so viele Vorstellungen erleben, als der „Gamin de Paris." — Ein kleines Vaudeville: Marjolaine von den Herren Cormon und Dennery fand in einer sehr hübschen und liebenswürdigen Debütantin Dlle Valence eine kräftige Stütze. DaS Vaudeville gibt fortwährend : ?ari8 dlogus von Herrn Morel Dupero, — ein alter Stoff geschickt gewendet und aufgeputzt. Arnal prozessirt wegen einer Rolle die er in einem neuen Vaudeville: io Unpiiicm jnuno 6t dl6u spielen soll; — dieses Intermezzo wird sich in.der künftigen Woche vor dem Handelsgerichte entwickeln; — Arnal als Schmetterling vordem Tribunale! Gewiß die ehrenwerthen Richter müssen lachen trotz ihrer richterlichen Würde. Unter unfern Schauspielerinnen ist eine wahre Völkerwanderung ausgebrochen, alles zieht hin und her, man weiß gar nicht mehr, wo man seine Lieblinge suchen soll, und die Anbeter dieser oder jener Künstlerin laufen binnen Kurzem Gefahr alle Augenblicke in ein Unrechtes Theater zu kommen. Mlle Rachel geht nach London, Madame Volnysvom Gymnase geht in's Theater-Fran^ais, Mlle Fargueil ist vom Palais-Royal in's Gymnase gegangen, Dlle Na- thalie geht vom Gymnase in's Palais-Royal, Dlle Dejazet geht vom Palais-Royal in's Vaudeville ; — das ist ein wahres ellu886-6roi8ä in der Pariser dramatischen Quadrille. — Alles geht hin und her. Cs ist, als ob die Menschheit auf der Wanderung wäre Wallfahrend nach dem Himmelreich. Unterdessen versammeln die Sonnabende der großen Oper Alles was Paris an abentheuerlustigen Dominos, an cancansüchtigen Debardeurs und übersprudelnden Chicarvs hat, Musard dirigirt sein Orchester mit einer Würde und einem Ernste, als ob es sich um eine Beethovensche Symphonie handelte; die beliebte Quadrille der Bohemiens wird von den begeisterten Tänzern im Unisono-Chormit- gesungen; im Foyer drängt sich's von Dominos, die einander unglücklicherweise Alle ähnlich sehen, wie ein Ey dem Andern, von alten und jungen Herren mit und ohne Perrücken, mit und ohne Ordensbändern, sich badend in einer Atmosphäre die aus 62 Theilen Stickstoff, 28 Theilen Moschus- und Pat- choulidünsten, und nur zehn Theilen Lebenslust besteht. Unten aber ist's fürchterlich Und der Mensch versuche die Götter nicht. Unten jauchzt der Cancan in Chargen die Dan- tans kühnste Phantasten übertreffen, wüthet der Galopp, wie ein daherbrausender Gebirgsftrom, wirbelt, kräuselt, wälzt sich das bunte Gemenge lachend, jauchzend, tobend, heulend, stampfend durch einander und schützend schweben über den sorglos sich Fr'euenden, wie die Engel der Vorsehung — achtungswerthe Stadt-Sergeanten und liebenswürdige Municipalgardisten. Friede sei mit ihnen! Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mir Schnellpressen von P^a ul Renoucird, Paris, Sonnabend Rr. I«». 3 . Februar 1844 Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 ,, Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 1» ,, Drei Monate. . . . S „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. Man abonnirtr für Paris: im Dnresu centriil ^our , rue ries Koulius, 3». und in der Buchhandl. von atules Heaousrck et eue cks 7ourno», 6; in den Departements: A bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. MMz MW pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Mustk und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in. frankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briese wollen kennet) : « An die Redgction des Journals: Vorwärts, 3s, ru6 068 NouIin8 in Paris » eingesendet werden. A M L s W L zur Bildung eines Hülfs- u. Unterftützungsvereins für nothieidende Deutsche in Paris. Wer nie sein Brod mit Thränen aß, Wer nie die kummervollen Nächte Auf seinem Bette weinend saß» Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte! (Goethe.) Im Namen nothleidender Landsleute, im Namen der Menschenfreundlichkeit, im Namen des Nationalsinnes wenden wir uns mit diesem Aufrufe an die Deutschen in Paris, in Frankreich, im Aus- und Jnlande. Es handelt sich um die Begründung eines Unterstützungs-Vereines für hülfsbedürftige Deutsche in Paris. Es bedarf wohl der vielen Worte nicht, um anzuregen für ein langgesühltes Bedürfnis, um hinzuweisen auf die Nothwendigkeit eines solchen Vereins. Von den verschiedensten Seiten ist der Mangel an einem solchen Vereine längst gesuhlt, oftmals besprochen, auch mannigfach in deutschen Blättern beklagt worden. In dem großen, bald eine Million Einwohner zählenden Paris besteht ein englisch er Hülfsverein, in London ein französischer, in Moskau ein französischer; in andern Städten haben verschiedene Nationen ebenfalls Hülfsge- sellschaften für ihre leidenden Landsleute gebildet, nur in Paris, wo man jetzt gegen 70 bis 80000 Einwohner deutschen Stammes zählt, die wechselnde Zahl der deutschen Reisenden und Besucher nicht mit eingerechnet; nur in der französischen Hauptstadt besteht kein Hülss- Verein für nothleidende Deutsche. — Diesem Übelstande muß abgeholfen werden, dies gebieten Nationalsinn, Nächstenliebe, Verstand und Menschenpflicht zugleich. Wie oft rettet die geringste Hülfe zur rechten Zeit geboten! Wie selten sind jedoch Rathgeber, Wohltäter und Retter da! Wo findet der Verlassene, der fremd in der großen Stadt Umherirrende Rath und Hülse? Wer richtet ihn aus, wer schützt ihn vor dem Falle, vor gänzlichem Untergange, dem moralischen und dem physischen? Wer die Leidensschule mit eignen Augen gesehen, wer selbst gerungen und gekämpft, gelitten und oft fast verzweifelt hat, sich der Feuerprobe des Erlebten in all' den kleinen Dolch- und Nadelstichen der Vergangenheit lebhaft erinnert, der wird gewiß kräftig beisteuern zu dem brüderlichen Aufrufe, mitwirkend zur Einsendung von Beiträgen, auffordernd jeder in seinem Kreise, jeder nach seinen Kräften. Dank und Heil allen denen die so Mitwirken werden! Es handelt sich hier darum, einen Verein zu gründen, der gänzlich fremd den Spaltungen der politischen, religiösen und socialen Auffassungen, sich nur an den Wahlspruch hält: Hülfe dem Leidenden. An alle Reichen und Glücklichen unter unfern Landsleuten ergehe hiermit der dringendste, herzliche Aufruf ihre Hülfe zu bieten, an alle Wohlhabenden die den Mangel nicht kennen, richten wir unsere Stimme: jeder steure bei. An die reisenden Deutschen, an die Besucher der französischen Hauptstadt, an die Jugend, an die großmüthigen und in Fülle der edelsten Gefühle sich Bewegenden ergehe der Ruf: Gebt für die Hülfsbedürftigen, welche nicht nur die Freuden der Welt, ja das Nothwendigste entbehren. Auch an die redlich mit ihrer Hände-Arbeit schaffenden deutschen Landsleute und Brüder ergeht die Bitte um Beisteuer. Die geringste Gabe ist eine ehrenvolle; wer wenig besitzt und wenig gibt, ist oft verdienter als die Reichen, welche einen Brodsamen von ihrer reichen Tafel fallen lassen. Vorzüglich aber ist unser innigstes, bittendes Wort an die deutschen Frauen gerichtet, an die edlen Seelen die auch in dem großen Paris die heilige Stätte des treuen Gemüths, des emsigen Wirkens, der Menschenfreundlichkeit, des häuslichen Wohlthuns treu bewahrt. Das Wort, die Fürsprache, der Beistand der deutschen in Paris lebenden Frauen wird uns eine mächtige Stütze sein. Wir werden an alle Pforten klopfen, weder Mühe noch Hindernisse scheuen, — denn es handelt sich um eine heilige Sache, es handelt sich darum ein Institut zu gründen das, wenn auch klein im Beginnen, all- mählig wachsen, befruchtend wirken und Allen denen, die dazu mitgeholsen, noch in späterer Zeit das lohnende Bewußtsein gewähren wird, ein Werk der Menschenliebe, der Bruderpflicht, der reinsten Mild- thätigkeit mit begründet zu haben. Und somit rüstig und muthig an's Werk! A. von Dornstedt. Paris am i. Febr. 1844. Baron von Köhler. Heinrich Börnftein. Wesentliche Anmerkungen. 1) Es befinden sich in diesem Augenblicke drei Subscriptions-Listen in Umlauf, welche nur von einem der drei oben Unterzeichneten den Subscri- benten vorgelegt werden oder durch eine besondere schriftliche Übertragung einer genau bekannten Person anvertraut werden. 2) Die Liste N. 2 ist weiter unten abgedruckt, und bleibt noch fortwährend im Umlaufe. 3) Subscriptionen für den deutschen Hülss- Verein werden angenommen: bei den Herren: a. I. Renouard et Comp., 6. rne äe lonruou. d. Im Bureau des Journals: Vorwärts, 32, rue äes Hloulins. e. Bei Herrn A. v. Bornstedt, 44, rue äe ?ro- venoe (von 2 — 5 Uhr jeden Tag). ä. Bei Herrn Brockhaus und Avenarius, 69, rn6 Uiedelieu. 4) Am 25ten März wird eine General-Versammlung der geehrten Herrn Subskribenten welche einen gewissen jährlichen Beitrag gezeichnet haben statt finden. 5) Diese General-Versammlung wird durch Stimmenmehrheit ein Comite wählen, einen Prä- sidenten, Vice-Präsidenten, 2 Sekretäre und 2 Kassirer. 6) Das provisorische Comits wird über das bis zu jener Zeit Geleistete, über die eingegan- genenGelderu. s. w. öffentliche Rechenschaft ablegen, und zurücktreten, da es sich bei den Unterzeichneten durchaus nicht um ein Vordrängen, oder an die Spitze Stellen, sondern nurum eine Anregung zur Begründung eines menschenfreundlichen Zweckes handelt.— Sie unterziehen sich gerne der Mühe und den Opfernder ersten Schritte, und treten, sobald Gesellschaft und Comitä gebildet, und die Statuten entworfen sind, wieder in ihre bescheidene Stellung zurück. 7) Um die heutige Nummer des Vorwärts nicht ausschließlich mit den Angelegenheiten des Hülss-Vereins zu füllen, so wird der Entwurf zu den Statuten mit zu Grundelegung der des französischen Vereins in London irrten nächsten Blättern dem Nrtheile des Publikums vorgelegt werden. A. v. Bornstedt. Baron v. Köbler. Heinrich Börnstein. Deutsche in Paris Unter den diesen Winter hier angelangten Deutschen bemerkt man den Grafen und die Gräfin von Bassewitz, aus Meklenburg; den Baron von Martens, ehemaliger preußischer Gesandter in Konstantinopel, welcher schon seit einiger Zeit einen Theil des Jahres in Frankreich zubringt; den Major von Willissen, Adjudanten des Königs von Preußen; den Regierungsrath von Willich, der eine Reise nach dem Oriente beendigt hat; Conradin Kreuzer, den Komponisten des N ach t lagersvon Granada u. s. w.; den Baron von Seidlitz, aus dem Großherzogthum Posen; Frau von Bethmann, aus Frankfurt; Herrn Böttcher, Sohn des Vortragenden Raths im Cabinet des Königs von Preußen, welcher von einer Reise nach Portugal u. s. w. zurückkehrt; Grafen Solms und Finkenstein, Adjudanten des Königs von Preußen; Baron Ca- mill von Lotzbek, in der Haber-Göller'schen Duell- Angelenheit genannt; Herrn Belke, Posaunist des Berliner Opern-Orchesters; einen preußischen Offizier, Lieutenant Leese, der sich nach Algier begiebt, um einer Frühlingserpedition der französischen Ar- nnee beizuwohnen, und den Sohn des Ministers von Nagler, der der hiesigen preußischen Gesandtschaft zugetheilt ist. Buntes und Spitzes Die Leipziger allgemeine Zeitung (15. Januar) bespricht in einer langen Korrespondenz aus Carlsruhe von neuem die Habersche Angelegenheit und behauptet : Mit großem Widerwillen hat man hier die Angriffe eines französischen Blattes sogar ans den Markgrafen Wilhelm von Baden gelesen. Der Pariser Aufsatz von A. von Bornstedt hat nicht die Person, sondern die obere Militärleitung die bei den Karlsruher Unruhen so lau einschritt, bezeichnet. Bei welchem Unpar- theiischen kann dies also Widerwillen erregt ha- haben? — Höchstens nur bei Betheiligten. Die bekannte Schriftstellerin Gräfin Jda Hahn- Hahn reiste kürzlich im Orient, besuchte Kahira, Syrien, Egypten, Constantinopel u. s. w., und wird bald wieder in Deutschland eintreffen. Reiseberichte werden folgen, nur ist zu wünschen, daß sie reichhaltiger ausfallen möchten als frühere und namentlich nicht in einem so geziert pretentiösen Tone. Moriani macht Furore in Berlin, das übrige Personal der dortigen italienischen Oper ist dritter Klasse. Einige deutsche Blätter sagen, daß die vielbesprochene neue auf Kosten der preußischen Regierung veranstaltete Prachtausgabe der Werke Friedrich des Großen, für deren 20 Stahlstiche allein 20 000 Rth. verausgabt sein sollen, nur in 200 Prachtexemplaren gedruckt und vertheilt werden soll. Die Aachner Zeitung erinnert mit Recht, daß in dieser Art das Publikum nichts von dem neuen Werke zu erwarten habe. Wir hoffen, daß sich aufgeklärte Männer in Berlin vernehmen lassen werden, damit auch der deutsche Buchhandel die historisch-populäre Gestalt des alten Fritz verbreiten könne. 200 Prachtexemplare würden ein todter Buchstabe bleiben für daS Volk und die gebildete Leserklasse in Deutschland. Die musikalisch-deklamatorische Akademie in Berlin verspricht diesen Winter die berühmtesten Volkslieder u. s. w. zu erecutiren : die Marseillaise, die Rule Brittannia, die Riego - Hymne, Vive Henri IV, Gott erhalte Franz den Kaiser, die portugiesische Kaiser-Hymne; ob auch Tragsla, Car- magnole, iru u. s. w. wissen wir nicht. Das Odöon-Theater beabsichtigt eine Vorstellung der Antigone von Sophokles, nebst Chören von Mendelssohn, zu veranstalten. Im Ambigu-Theater wird ein neues Drama von Frederic Soulie einstudirt. Das kleine Theater St.-M arcel ist seit drei Wochen geschlossen. Der Titel des neuen Romans, welchen der Verfasser der Mysterien von Paris jetzt bearbeitet, heißt: Der ewige Jude (I« juik er- rant). Commnnismns. Es ist in neuerer Zeit so viel und so oft die Rede von dem Kommunismus, daß wir unfern Lesern einen Dienst zu erweisen glauben, wenn wir Ihnen in Nachstehendem einen gedrängten übersichtlichen Auszug aus den Schriften und Systemen der Kommunisten, namentlich aus A. Beckers: „Die Volks- philosophie unserer Tage" mittheilcn. — Prüfet Alles und das Beste behaltet'. Dieser alte Satz findet auch bei dem Kommunismus seine volle Anwendung.— Das Folgende ist der New-Uorker Deutschen Schnellpost entnommen. Der Communismus stellt folgendes System auf: Veredlung seiner göttlichen Natur ist des Menschen Bestimmung auf Erden; der in den Menschen wohnende Geist ist Gott; jede Vorstellung von Gott außer uns und außer der Welt ist Aberglaube und Abgötterei; das schöne Gebot: Liebe Gott über Allesund deinen Nächsten wie dich selbst! ist fast ganz aus unserer jetzigen Ge. sellschaft entfernt. Man möchte fast Mgcn : die Menschheit ist stehen geblieben oder zurückgegangen; — es wäre aber nicht schwer die Menschheit zur wahren Überzeugung wie sie Christus hatte, zu bringen, wenn die Selbstsucht und der Eigennutz dieses nicht mit aller Macht unterdrückten; denn wer Mensch seyn will, kann es nicht, und wer Christ seyn will, darf es nicht. Durch den richtigen Gebrauch seiner Vernunft kann der Mensch zur richtigen Erkenntniß Gottes gelangen; sollte Christus noch ein Mal auferftehen, er würde weder zur katholischen, noch zu irgend einer andern Neligionsparthei gehören wollen, und man würde ihn eben so todtschlagen, wie es die Juden thaten, wollte er seine Lehre in's Leben ein- fübren. Der Mensch kann in der jetzigen Organisation der Gesellschaft nicht zur Vollkommenheit gelangen; denn so lange er, wie es jetzt in der Gesellschaft der Fall ist, immer noch mit den niedrigsten Gedanken beschäftigt seyn muß, um die nöthigsten Lebensbedürfnisse zu erhalten und sie bei allen Anstrengungen oft doch nicht erhalten kann, und so lange die gesellschaftliche Organisation noch von Einzelnen abhängt, so lange wird die Menschheit zu keiner geistigen Vollkommenheit gelangen. Es muß daher erst die leibliche oder sinnliche Vollkommenheit hergestellt werden, und diese besteht: i) in der Ausbildung und Gesunderhaltung des Körpers; 2) in der Möglichkeit der Ausbildung aller dem Menschen von der Natur gegebenen guten Anlagen; 3) in einem regelmäßigen selbstbewußten, allen Menschen wohlgefälligen Lebenswandel. Der Men sch ist von Natur mit nützlichen Anlagen ausgerüstet, aber diese müssen erst in ihm ausgebildet werden; durch die gegenwärtige Ordnung der Gesellschaft werden aber diese Anlagen meist zum Schlimmen ausgc- bildet. Es hat schon vom Anfänge an Menschen gegeben, die von Nattrr aus einige Vorzüge vor den Andern voraushatten, welche sie mißbrauchten; — sie suchten entweder durch Gewalt oder unter dem Scheine des Rechtes das Volk zu gewinnen; sie stellten sich als Volkslehrer oder Volksvertreter an dessen Spitze, führten es im Jrr- thum herum und machten es zu ihrem Untergebenen. Während sie selbst sich der Arbeit entzogen und ein bequemes Leben führten, bildeten sie dem Volke ein, seine Bestimmung auf Erden sei: zu arbeiten, zu Gott zu beten und seinem Oberherrn zu gehorchen. Das Volk, wenig gewohnt nachzudenken, glaubte und glaubt dieses; — allein nur Unvernünftige können dies thun, der Vernünftige, der seine Menschenwürde kennt, strebt nach Gleichheit (I« ßrsock moi «st Isciiel!) der Vernünftige muß daher die Unvernünftigen belehren, auf diese Weise wird endlich die Mehrheit des Volkes zur richtigen Erkenntniß kommen, und es wird die Güter verlangen, die man ihm mit Gewalt und List genommen hat, die Freiheit und die Gleichheit!!! Dann werden die Sklavenfesseln zerrissen und es wird in Erfüllung gehen, was Christus vom jüngsten Tag gesagt hat: Die Menschen werden aus den Gräbern auferftehen! — aus den Gräbern der Sklaverei. Es muß also die Ungleichheitaufgehoben werden, die durch das Geld, die Erziehung, die übermäßige Faulheit der Einen, den übermäßigen Fleiß des Andern u. s. w. entsteht: — wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen; die Arbeit ist ein Bedürfniß für den guterzogenen Menschen, die Faullenzerei aber ist ihm eine Last; es wohnt im Menschen ein Trieb zur Arbeit und zwar zur gemeinsamen Arbeit, wie in den Bienen. Man lobt die monarchische Einrichtung der Bienen; man vergesse doch auch nicht, daß sie keine fauttenzenden Drohnen'unter sich dulden. Das Geld, welches allen Neigungen der Menschen eine falsche Richtung gegeben hat, und Einzelnen Macht und Überlegenheit gibt, soll abgeschafft werden (was wird Rothschild dazu sagen!), das Geld ist die Quelle aller Übel, von dem Übermuthe des Reichen an bis zu der Proftitucion der Gassendirne hinab; wären alle Menschen gleich reich, hörte Alles dieses auf; — das Genie werde nicht mit Geld, sondern mit Ehre geehrt, dann erst werde cs wahrhaft große Philosophen, Künstler und Erfinder geben, und die Kunst und Philosophie ein Bedürfniß des Volkes werden. Essen, Trinken und Bekleiden werden dann für die Menschen nicht mehr die Hauptsache, sondern eine Nebensache sein, die sich wie Luft und Wasser gleichsam von selbst verstehe. Das Land muß nach einem großen ökonomischen Plane bebaut werden; bei dem gegenwärtigen ThcilungsSysteme gehen 2,3 der Produkte verloren; überall Hecken, Mauern, arme Kuhbauern, verlorene Mühe und Wege; in der einen Gegend werden Früchte gezogen, für deren Produktion offenbar eine andere bestimmt ist. Wenn das ganze Land ein Mal einem einzigen Besitzer, dem Volke gehört, so werden solche grobe Verstöße gegen die Prinzipien der gesunden Landwirthschaft nicht mehr vorfallen. Die Arbeiten welche sich auf die Zubereitung der Speisen, auf die Verfertigung der Kleidungsstoffe und Kleider beziehen, gehören den Frauen. (Es ist sonderbar, daß obwohl die meisten Schneiderges ellen C o m m unist en sind, doch die C o m m unift en einen solchen Widerwillen gegen Sch neider gesellen haben. Heißt es hier « »oder« csuoiqu«? »). Gerberei und Schufterei sollen durch Maschinen betrieben werden, als zu schwere Arbeit für Frauen und der Männer unwürdige. Wozu überhaupt Schuhe? Sandalen mit warmen wasserdichten Strümpfen, die die Frauen wirken und stricken können. - Ein HäupLgrundsatz ist: Die Erde gehört rechtlich demjenigen, der sie bebaut;— wenn die Produccnten ein Mal unter sich einig sind, dann können sie machen, was sie wollen, — auch ohne Revolution, denn sie sind durch ihre Zahl und ihr gutes Recht die faktischen Herren der Erde; — die Zahl der Producenten verhält sich zu den Nicht-Pro- ducenten wie 40 zu i. Die Producte gehören den Producenten, mittelst des Geldes hat man sie bis jetzt darum betrogen. Alle Menschen sollen sich miteinander associren, und mittelst dieser Association oder Gütergemeinschaft wird erst die Aufgabe'gelöst. Alle Kinder sollen gleich sorgfältig erzogen werden und bis in's achtzehnte Jahr einen geist-, körper- und herzstärkenden Unterricht genießen. Dann treten sie in die Arbeiter-Armee. Diese steht unter dem Commando der höchsten Staats-' behörden und muß die öffentlichen Arbeiten verrichten, zu denen sie commandirt wird; diese Armee wird von Lehrern begleitet, die den Schulunterricht fortsehen; vier Jahre dauert die Verwendung in der Arbeiter-Armee, es sind die Universitätsjahre der Jugend; — die Arbeit sei kurz und ernst, — alle fünf Tage ein Sonntag, (und die blauen Montage?) das arbeitende Volk soll an diesen durch Turniere, olympische Spiele, Theater entschädigt werden für seine Mühen. Das Theater soll eine edle Kunst, unentgeldlich ausgeübt (o Fanny Elßler!) und öffentlich werden, wie jetzt die Kirchen, die man ja dann dazu benützen könne. Die Jungfrauen kommen mit 16 Jahren in die Jungfrauen-Armee, verlassen aber ihren Wohnort nicht; — sie müssen in eleganten Arbcitssälen gemeinschaftlich weben und Kleider verfertigen;—auch müssen sie alle kochen und backen lernen, Mühlen und Spinnmaschinen zu dirigiren, wozu sie in der Schule schon vorbereitenden Unterricht erhalten. DieEhe sollganz frei sein; kein Pfaffe und kein Notar soll das Recht haben zwei Menschen an einander zu schmieden; der Mann kann sich ein Frauenzimmer, das Frauenzimmer einen Mann wählen, denn auch die Frauenzimmer sollen frei sein. Die Vielweiberei braucht man nicht zu verbieten u. s. w. Hier bitte ich die Redaktion eine oder irgend einen andern recht auffallenden Gränzpfahl aufzustecken, damit die einen Leser Athem holen, die Andern aber denen diese kommunistische Abhandlung zu lange oder zu langweilig war, darüber hinweg springen können, auf den obigen Gränzpfahl zu. So sauer es mir selbst ward, diesen Auszug aus den neuesten Schriften der Communisten zu machen und niederzuschreiben, so war doch ein für alle Male die gedrängte Darstellung der Grundzüge dieser neuen Zeiterscheinung nothwendig, um nicht später wieder oft daraufzurückkommen zu müssen. Ich nannte den Com- munismus eine neue Erscheinung; — er ist es nicht, die Grachen mit ihrer »»i-ii-i», die Dauernkönige des Mittelalters, die politischen Regenerations-Träume des Sansculotten St. Just, die Pläne Baboeufs, die Systeme der St. Simonisten, Fourieristen wollten Ähnliches : Zweckmäßige Organisation der Arbeit, des Erwerbes und des Besitzes! Ist dieses Ziel in Europa erreichbar? — Ich glaube nicht; — indessen dehnt sich der Communismus in den untern Classen Frankreichs, Deutschlands, der Schweiz furchtbar aus; schon ergreift er Spanien und Italien, und die Regierungen greifen zu den veralteten Hülfsmitteln der weiland Earbonari- Verfolgungen, demagogischen Untersuchungen u. s. w. Weitling, der Chef der Sekte, wird in Zürich zu sechs Monaten Gefängniß verurcheilt; — soll ihn das von seinen Ansichten bekehren? — Nein, sagt den Communisten, was sie auch begreifen werden, daß in Europa für ihre Lehre kein Platz sey, versammelt sie Alle, schifft sie auf gemeine Staatskosten über den Ocean, dort kauft ihnen entweder im Norden, am Ursprünge des Missouri oder im Süden an dem des Amazonen-Stromes einige hundert Quadratmeilen Land, gebt ihnen Arbeitsgeräthe, Sämereien, Vieh, Stoffe, Waffen, Maschinen, kurz Hülfs- mittel aller Art, laßt sie dort eine communistische Colonie nach ihrer Art bilden, und über fünfzig Jahre wollen wir wieder bei ihnen anfragen und sehen wie es steht. Das würde viel Geld kosten, meint ihr; ich aber sage euch, ihr erkauft damit noch spottwohlfeil alle die Uebel, die der Communismus und seine Folgen noch über euch bringen werden. Gebt den Massen materielle Begriffe, populäre Ideen in die Hand, und sie werden bald daraus furchtbare Waffen schmieden;— noch lacht man in Europa über den Communismus; — bald wird man ernst werden, — dann erschrecken, — zuletzt zittern und weinen. — Die größten Erscheinungen in der Weltgeschichte enstanden aus kleinen Anfängen. Rultitches. Man schreibt uns aus Deutschland : „Täglich entrollt die Weltgeschichte vor uns ihre mit Blut- und Flammenzügen geschriebenen Warnungstafeln, aber es wird blind und taub daran vorbeigegangen, täglich sollte das unter sich und in sich zerfallene Deutschland auf Polen blicken, das durch seine Uneinigkeit unterging, — immer enger sollten die Deutschen sich aneinander schließen, und sich gegenseitig im Hasse und Abscheu gegen das die Welt gerne knechtende Rußland bestärken. Aber leider giebt es in Deutschland noch servile und bezahlte Menschen genug, die eine russische Allianz dem guten Deutschland als das köstlichsteGut anpreisen und selbst nach dem tiefen Eindrücke des Widerwillens und der Verachtung, den Rußlands Benehmen in der griechischen Revolution in ganz Deutschland hervorbrachte, wagte es so ein verkleideter Kosak im Journal de Francfort zu schreiben : ein « raxxro- ciiement intime entre l'^liemsANe et In Uussie » sei « tres äesiradle. » Pfui der bezahlten Söldlinge ! Ach! Sie sind glücklich in dem Lande der Freiheit, — Sie wissen von aller dieser Misere nichts, — aber wir! — wir l — sollen wir doch noch russisch werden? — Heilige Liberias! bitt' für uns! Amen." Musikalisches. Concert der Gebrüder Dancla. — Eoneert der Gazette musicale. — Dlle Robert Mazel. Die Concertsaison hat begonnen, und, gleich Schwalben im Frühlinge, ziehen Schwärme von Concertisten aus allen Theilen Deutschlands, Italiens und Belgiens nach Paris,' um ihr Glück in der Weltstadt zu versuchen. Die meisten bringen wenig Gepäck, aber viel Arroganz, wenig Talent, aber viel eigene Compositionen, wenig Geld, aber viel Empfehlungsbriefe mit. Nachdem das letzte aus- und abgegeben ist, werden Anstalten zum Con- certe gemacht, und glücklich "derjenige, dem nach Bezahlung aller Concert-Unkosten genug übrig bleibt, um die mitwirkenden Künstler im Cabriolet und sich selbst im Omnibus nach Hause fahren zu lassen. Wohl jenen, welche nach einer solchen Erfahrung klug genug sind, ihre Schritte wieder heimwärts zu lenken, und die hiesigen Annoncen und Jeilungs- Urtheile im theuren Vaterland als eine Art Reclame zu benutzen; wehe aber jenen, welche, durch ihren eigenen Ehrgeiz und durch fremde Versprechungen verlockt, in die Hände jener Geistes-Wucherer, vul^o Mustkverleger, fallen. Die Höllencontrakte dieser Herrn lauten meistens der Art, daß der Künstler für die ersten zwanzig Werke zwar gar nichts, aber für die zweiten zwanzig bloß nichts erhält u .f. w. Nachdem nun so ein Kunst - jünger gehörig ausgesaugt und erschöpft ist, so kann er zur Belohnung sein Bildniß am Ladenfenster seines Gönners neben sechs bekannten Größen als siebente unbekannte Größe prangen sehen. — Sollte sich wer die Mühe geben, diese unbekannte Gröstb äuszusuchen, so findet er eine Berühmtheit aus der S. oder E***schen Fabrik! Doch zur Sache! Am 30. gaben die Gebrüder Dancla und ihre Schwester ihr Concert und vereinigten im Saale Pleyel ein zahlreiches Auditorium. Wir erwähnen von den vierzehn (!) Nummern, aus denen das Conzert bestand, besonders das Andante - des ersten Trio, das Scherzo des ersten Oua- ; tuors, und die Symphonie für zwei Violinen, sämmtlich Compositionen des Herrn Carl Dancla, als gelungene Werke. Carl Dancla zeichnet sich in seinen Compositionen durch Schwung und theoretische Kenntnisse aus. Leopold ist ein Violinspieler ohne Übertreibung,welche? bescheidenund würdig den Weg Baillots und Beriots verfolgt. — Arnaud ist Kü nst le r aus dem Violoncell, und Laura begleitet vortrefflich auf dem Piano. Die Conzertgeber wurden durch Mlle Mondetaigny und Herrn Corradi unterstützt. Die erstere sang die Arie der Agathe aus dem Freischütz mit vielem Ausdruck, jedoch bitten wir Weber's Compositionen nicht durch überladene Verzierungen verbessern zu wollen. — Herr Corradi saug mehrere artige Romanzen von Carl Dancla. Am Isten Februar gab die Redaction der Gazette musicale das vierte Concert für ihre Abonnenten, welches mit Ausnahme der Nummern wo Madame Sabatier und Herr Halle mitwirkten, mittelmäßig ausfiel. Seit vielen Monaten lasen wir in der Gazette musicale Correspondenzen aus allen Theilen Frankreichs, welche vom Lobe der Dlle Lia Duport ertönen, und wir waren sehr auf die Erscheinung dieser Sängerin gespannt, doch — 8i taeuiZses, plü!o 80 pllu 8 mnn8i8868, — hätte Dlle Lia nicht gesungen, so hätte ich doch nicht mit Gewißheit an ihrer Kunst zweifeln können ! — Sie besitzt eine selbst für den Salon zu schwache, umflorte Stimme von mittelmäßigem Nmfang, detonirt deßhalb oft, und diese Mängel können durch einige Kehlenfertigkeit nicht hinlänglich gedeckt werden. Sie trug eine Arie von Verton und eine andere mit Orgelbegleitung von Stradella vor. Die Arie von Stradella, voll elegischen Ausdruckes, ist diejenige, welche im Jahre 1667 die beiden Bravi entwaffnet haben soll, welche in der Kirche versteckt waren, um Stradella zu ermorden. Wenn Stradella die Arie so gesungen wie Mlle Lia Duport, so kann es uns nicht wundern daß die Mörder davongelaufen sind. Wir Hüten ein Gleiches, und mit uns ein großer Theil des Publikums. — Herr Goldberg sang einige Romanzen, und erwarb sich den Beifall des Publikums. Von den Privat-Conzerten, die täglich hier in so großer Anzaal stattfinden, erwähnen wir noch der Matinees der Dlle Robert Mazel, wo sich stets eine gewählte Gesellschaft und viele Künstler von Ruf einfinden. Wir hatten Gelegenheit einer derselben beizuwohnen, wo wir mit Vergnügen Mlle Me- /t quillet und Herrn Corradi hörten, und in der Per-- son der Dlle Robert Mazel eine vorzügliche Pianistin kennen lernten. — Das zweite Conzert des Herrn Berlioz findet heute im Salon Herz statt, und wir werden unfern Lesern unpartheiischen Bericht darüber abstatten. Mar M. Das Reitpferd und der Esel. Eine Fabel. Reitpferd. Nun Grauhant, Du hängst ja den Kopf gewaltig tief zur Erde, philosophirst Du etwa? Esel. Philosophien! — Was heißt denn das, Philosophiren? Reitpferd. Über ein besseres Schicksal nachsinnen. Esel. Nun, dann thäte uns Eseln wahrhaftig das Philosophien noth, denn kein Thier ist auf Gottes Erde geplagter, als die armen Esel! Reitpferd. Und das mit Recht, weil Ihr Esel seid. Esel. Mit Recht, sagst Du, das ist grausam! Leisten wir denn nicht wohl dem Menschen mehr Dienste, als Du? Und dennoch, während Du im Hafer schwelgst, giebt man uns kaum das Stroh davon! Reitpferd. Mehr Dienste leisten!... Man sieht doch, Ihr Esel kennt die Menschen nicht! Das hat einen ganz andern Grund. — Kannst Du etwa so muthig wiehern und so stolz dahertraben, als wir? Esel. So möcht' ich doch wissen, was Dein Wiehern und Traben nützt? Wird die Welt dadurch wohl um eine Kruste Brot reicher? Reitpferd. Was es nützt? — eine wahre Eselsfrage! wir kümmern uns wenig um's Nützen, wenn es uns nur nützt, das ist die Hauptsache. Wir machen es wie unsere Herren; fragt die wohl ein Mensch, was sie nützen? und dabei haben sie die fettsten Bissen. Sollten sie von dem Nutzen leben, den sie stiften, so hinge ihnen der Brodkorb eben so weit vom Munde, als mir die Mondscheibe. Ihr Esel seit lauter bürgerliche Benthamisten, immer zerbrecht Ihr Euch den Kopf zu nützen!... Wir sind aristokratisch, geben uns mit derlei brod- losen Spekulationen gar nicht ab, und stehen uns dabei viel besser. Esel. Ja, aber gewisse Arbeiten müssen doch gethan werden? Reitpferd. Da haben wir's, die Esel denken an Nichts als an Arbeit; darum sind sie auch so schrecklich mager; die lassen wir Andere verrichten. Und alle Thiere, die sich des Arbeitens enthalten, nehmen zu! so hört man tagtäglich von Ochsen, Schafen, Gänsen, ja selbst Schweinen, die fett geworden, aber von fetten Eseln — wer hat wohl je von fetten Eseln reden hören? Esel. Glaubst Du denn, daß uns der Herr das Bischen Futter reichte, wenn wir, wie Du, nicht arbeiteten? Reitp ferd. Keineswegs. Aber wenn Du ihm nicht weit mehr nützest als du ihm kostest, würde er sich wohl mit Dir abgeben! Ich hoffe, das bildest Du Dir doch nicht ein, Esel? Esel. Ganz und gar nicht. Aber was ist da zu machen?... Sollten wir etwa nur für unfern eigenen Unterhalt arbeiten? Das ist uns Eseln doch gar nicht möglich, dazu leben wir schon zu lange in der Dienstbarkeit und sind viel zu zahm worden. . Reitpferd. So rathe ich Euch nicht mehr so dienstbar und zahm zu sein. Ist Euch das aber nicht möglich, so ist Euch auch gar nicht zu helfen. Ihr werdet immer arme geplagte Esel bleiben. German Mäurer. Septembergesetzliches. Der Huissier Louis-Jean-Fran^ois Pilleur vom Civil-Tribunal erster Instanz der Seine, wohnhaft rue de Buffi, Nr. 16, hat dem Redacteur dieser Blätter (xarlant a Is xortiore) am 31. Jänner d. I. Abends um 5 IO Uhr eine gestempelte Aufforderung (Preis 5 Francs 40 Cent.) gebracht, worin uns anbefohlen wird, bei Vermeidung gerichtlicher Schritte den nachfolgenden Brief des Herrn A. Weill in die nächste Nummer unseres Blattes aufzunehmen, welches hiemit genau buchstäblich und unverändert in Styl und Orthographie geschieht: « La Lemoeratie jmeiliguo, journal guotickien, politigue et litteruire. Lureaux : rue cke lour- non, 6. Lrix cke I'ullonnement, Lari8 et clepurte- ments : Ln an, 48 Ir. 6 mcüs, 24 lr. 3 moi8, 12 Ir. Ln mois, 5 fr. Neme8 prix pour : ^l^ärie, Lrancke-Lreta^ne, ^.utrielle, Lacke, Laviere, Leitzigue, Nockene et Uetz^io, Lärme 6t LIai8anoe, Ltat8-Uomain8, I1e8 Iomerme8, LoIoAne, Lru88e, Uu88ie, Larckai^ne, Leux-8ieile8, 8ni886, 1o8- eane, ^VurtemderA. 1ou8 1e8 autre8 La^8 : Ln an, 68 f. 6 moi8, 34 f. 3 moi3, 17 fr. Le8 abon- nement8 partent cku 1^ et cku 16 cke ellague moi8. ^.ckre88er franeo Ie81ettre8 et paguet8 au Oerant. Lari8, 1e 31 janvier 1844 L6. Mmartre 32. .41exanckre^VeiU. Herr Redakteur Im Namen des Gesetzes, das mir doppelt so viel Zeilen als Sie über mich einrükten, gewährt, bitte ich Sie und fordere Sie im Nothfall auf, diese Antwort in der nächsten . Nummer Ihres Blattes einzurücken. Ich hatte in einem Artikel im Telegraphen blos Ihr Talent angegriffen. Ein so scharfsinniger Mann wie Sie, hätte wohl gleich einsehen können, daß mein Angriff auf Nichts berührte und daß mein Tadel über Ihre Artikel, so zu sagen ins Wasser siel. Ihr Zorn ist daher ganz am Unrechten Platze, „„bei diesem schlechten Wetter, kann ein Schnupfen draus entstehen.""*) Daß Sie, der liberal sein will, einen Artikel der ultra-Carlsruher Zeitung gegen mich einrükten, beweist von Ihrer Würde und Ihren festen Grundsätzen. Jener Redakteur, Herr Elssner, wurde nach 4 wöchentlicher Redaktion wieder verabschiedet. Es ist dies derselbe Mann, der Herwegh einen italienischen Banditen nannte. Und wissen Sie, warum Herr Elssner seine freiheitfressende Redaktion nixderlegen mußte? ich will es Ihnen sagen, weil er immer in einem gereizten Zustand, den der geistigtränkenden Aufregung war — Auf deutsch, weil er immer besoffen war. Ich danke Ihnen für Ihre zärtliche Liebe die Sie gegen mich, Saphir gegenüber, bezeugen. Ich habe diesem naserothem Hanswurst in dem Telegraphen geantwortet, nem- lich daß ich ihm nicht antworten werde, besonders nicht in seiner Art, weil man mit Koth keinen kriechenden Erdwurm tödtet, der sein Lebenselement ist, Empfangen Sie u s. w, A Weill" *) Diese Stelle ist im Originale durchstrichen. Nord amerikanische Zeitungsschau. Der Deutsche Correspondent vom 2Ssten November enthält folgendes: Wie wir so eben hören, hat der König von Preußen dem deutsch-reformirten Seminar in Mercersburg,Penn- sylvanie, i 500 Dollar geschenkt. Die Herren Hoffediz und Schneck, Abgesandte an den Professor Krummacher in Elberfeld, haben solche Summe bei ihrer Anwesenheit in Berlin in Empfang genommen. In Charleston, S. C., wird die Herausgabe eines neuen deutschen Blattes begbstchtigt, das den Titel ,,Teutonia" fübren und dessen erste Nummer bevorstehenden Januar erscheinen syll., (Stsz.) Eine Stadt. — In Erosby Straße in New-Pork fteht eine alte Brauerei die sechs Stockwerke und drei Kellergeschosse hat, worin im Ganzen gegen 1500 Seelen leben, unter denen beinahe alle neueren Sprachen gesprochen werden. Aus dem Bericht des Kriegssecretärs.— Die reguläre Armee besteht gegenwärtig aus 8 813 Mann, von denen 71« commissionirte Offiziere sind. Die Ver. Staaten sind in s militärische Departement eingctheilt. General-Major Scott ist der Oberbefchlhaber, und hat sein Hauptquartier in Washington. Auf der Penfions-Liste stehen noch 21 064 Pensionärs für Nevolutionsdienfte, worin die Wittwen mit cinge- schlossen sind. Die alte und neue Welt von Philadelphia hat in ihren Spalten eine stehende Rubrik: „Beiträge zu den Memoiren des Satans," worin diese- deutsche Blatt allerlei Unglücksfälle, Mord- thaten u. s. w. seinen Lesern zum Besten gibt. Mangel an solchen ist nie vorhanden. Man lies't im Anzeiger deS Westens von St.- Louis den 26ten November: Ein ewiger (!) Friede ist zwischen den teranischen Commissären und einer Menge Jndianerstämme abgeschlossen worden, die an den Grenzen von Texas und Arkansas leben. Es sind die Stämme der Tiwahconnes, Keachies, Wacoes, Kaddoes, Anahdakoes, Jronies, §he- rokees, Boluries, Delawares und Chickasaws. Die den Texanern gefährlichste Bande der Comanches scheint nicht unter den Paciscenten zu sein. Cingcgangene Beiträge zum deutschen Hülfs- Verein. (Erste Sammlnng der Liste Nr. 2.) Herr Lehnert. ....... Fr. C. . 2 B. Monnard. ..... . 2 Louis P. ...... . . 2 Steinitz. .. . A.Loos .. . . i A. v. Bornftedt (erster Beitrag) . 25 Scharf v. Scharfenstein (ickern) Gabriel. ....... . 6 50 Louis Wolf. ...... . 26 Müller. ....... 30 Ernst. ....... Carl S... .. . 6 40 Adolph L. . 5 Dorneau. . . .... . I 8 . G. A . . 2 Adolph L. (zweiter Beitrag). . . 3 H. Börnftein (erster Beitrag) . . 15 Julius Sohn. ..... . 5 Mar Maretzeck. ..... . 6! Carl B . . 2 Felix. ........ . 1 Klöker. ....... 50 Bose . . 1 Nochau. ....... . 20 Hebert .. . 3 Summe. . 111 SL (Die Fortsetzung folgt.) Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mir Schnellpressen von Pa ul Renouard, Paris, Mittwoch. Sdr. II. 7. Februar 1844. Abonnements-Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Mimate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 18 „ Drei Monate. . . . 9 „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. ^ ^ W lt MjW»! 7 Man nbonnirt: für Paris: äk» NouUns, Zr. und in der Buchhandl. von N.er»ousrä et 0'°, ruo rtk Lvuinun, 6; in den Departements :. bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3,in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Panter Signale aus Äuntt, tVittentchakt, Theater, Mull!» und getetligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in franirrten Briefen anzuzeigcn. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briefe wollen frgnoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, lue 668 Nou!in8 in Paris » eingcsendet werden. Deutsche Gelan-ttehaüen und deutsche Opposition. „Was sind Sie für ein Landsmann?" fragte ich gestern einen jungen Mann, den ich in der I. Re- nouard'schen Buchhandlung sich in schlechtem Französisch abquälen^hörte. — „Ich bin ein Reuß-Lo- bensteiner!" antwortete er mir.— „Also kein Deutscher?" fragte ich, mich dumm stellend, weiter. — „Ach ja, meinte der Lobenfteiner, das auch!" — „Ja, warum sagen Sie denn das nicht gleich?" brummte ich und ließ ihn stehen. — Warum sagen überhaupt alle Deutschen lieber: Ich bin ein Bayer, — ein Oesterreicher, — ein Sachse, — ein Preuße, u. s. w. — als : ich hin ein Deutscher. „Erklärt mir, Graf Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur!" — Warum, weil kein Zusammenhang ist in dem großen deutschen Chaos, genannt : deutscher Bund, weil wir sächsische, bayerische preußische Könige, österreichische, oldenburgische, lichtenstei- nischeArmeen, würtembergische, badische, hessische Nationalfarben, preußische, hamburgische, bremische Schiffe und Gott weiß, was Alles noch haben, aber nur — keine deutschen Könige, keine deutsche Armee, keine deutsche Nationalfarbe, keine deutschen Schiffe, mit einem Worte, weil in Deutschland nichts deutsch ist, als die Sprache. Von allen Staaten Europa'ö theilt Deutschland dieses Loos nur allein mit dem armen, schwachen, zerrissenen Italien. Warum sagt der Deutsche in Paris, in London, in Petersburg lieber: ich bin Bayer, Preuße, Sachse, u. s. w. als r ich bin ein Deutscher? — weil er im Nothfalle in diesen Städten doch einen bayerischen, preußischen oder sächsischen Gesandten findet, der sich zwar auch nicht viel um ihn kümmert, aber ihm doch wenigstens seinen Paß visirt, ohne den, und ohne welches Visum, er nicht wieder in der lieben Heimath eingelassen würde.—Ich habe mir schon oft den Kopf zerbrochen, warum wir im Ausland keine deutschen Gesandtschaften haben; — unterhalten ja doch Frankreich, England, Rußland, u. s. w., eigene Gesandten am deutschen Bundestage zu Frankfurt, und wieder Andere am Wiener, Berliner, Münchner, CarlS- rnher n. s. w. Hofe; — nun! wenn der deutsche Bund, als politischer Körper, Gesandtschaften annimmt, warum schickt er nicht zur Wahrung und Vertretung deutscher Interessen auch Gesandte aus? — Ein ordentlicher deutscher Gesandter in Paris und London, der Repräsentant einer festen compacten deutschen Bundesmacht wäre besser, als alle die verschiedenlandigen Gesandten und Ge- sandtchen, Geschäftsträger mit und ohne Geschäften und Minister-Residenten (ein schöner Titel: „etwas dunkel zwar, — aber dennoch wunderbar") von denen es hier und überall wimmelt. Möge es doch in jedem Lande österreichische, bayerische, sächsische und aller andern Herrn Länder Consuln geben, aber überall nur einen deutschen Gesandten, — Deutschlands Ejnheit repräsentirend und vertretend, — wäre es auch nur um des alten SprüchwortS Willen : „Viele Köche versalzen die Suppe!" — Siehe! da bin ich schon wieder bei meiner alten Leier, bei den Klagen eines neuen Jonas unter den Kürbißschatten von Paris sitzend und den Verfall Ninive-Deutschlands bejammernd. — Aber nicht durch Schlemmerei und Uebermuth geht Deutschland unter, sondern an allzugroßer Enthaltsamkeit und erbärmlichen Kleimnuthe. Man reise durch ganz Deutschland, man wird überall mit geistreichen, gebildeten, tüchtigen Männern Zusammentreffen, die viel gelernt, viel gelesen, viel erfahren haben, die sich aber wie das Pferd der Tretmühle immer in demselben Kreise herumdrehen, und deren Gedanken wohl über die Gränzen Deutschlands hinaus Europa durchschweifen, — aber nie über die Gränzen ihres Ländchens hinaus, durch Deutschland; —die vie Verfassungskämpfe in Baven, in Bayern, in Würtemberg genau kennen, aber nichts wissen von dem großen Bewe- gnngsstreben in Deutschland, die sich um und gegen einen Blittersdors, Arnim, Scheele drehen, — dabei aber die unsichtbaren Fäden, an denen sämmt- liche deutsche Marionetten gelenkt werden, übersehen ; die als Badenser von Bayern sagen : „WaS kümmert's uns? und als Bayern von Hannover: Laßt sie ihre Sache selbst ausmachen!" — Wir haben eine badische, sächsische, bayrische Opposition, eS soll auch ein Mal eine würtembergische Opposition gegeben haben, und sogar in Hannover will man in Fußstapfen auf der Lüneburger Haide und andern Kennzeichen, Spuren einer solchen entdeckt haben; — aber haben diese Oppositionen je unter sich einen Zusammenhang, ein geistiges Verständnis!, einen gemeinschaftlichen Richtungspunkt gehabt, als deutsche Opposition? — Nein! sie haben viel gesprochen, geschrieen und geschrieben; — aber auf den Randspruch der holl. Dukaten haben sie vergessen und sind spurlos vorübergegangen. — Ooneoräin res parvse erescmiit ! das sollte die Devise jedes ehrlichen Deutschen seyn und bald würde Deutschland groß und glücklich seyn. — Ich hin ein erklärter Feind aller heimlichen Umtriebe, ich hasse Verschwörungen und geheime Gesellschaften, weil sie sters nur der Dictatur und dem Absolutismus den Weg bahnten, ich will weder französische Propaganda, diese geschminkte Bnhldirne mit dem Judaslächeln, noch deutsche demagogische Umtriebe mit ihrem tölpischen, ungeschickten Dreinschlagen, weder italienische Carbonari, noch spanische Volks- junien,—aber ein Bindemittel wünsche ichDeutsch- schland, eine große allgemeine geistige Association, ohne Formen, ohne Statuten, ohne Zusammenkünfte, nur in dem Herzen und Verstände jedes rechtlichen, deutschem Mannes liegend, und daher allen Polizeien trotzend, frei wie der Vogel in der Lust, über Censur- und Ministe- rialschranken dahin schwebend. Ein kräftiges Be- wußtseyn muß das ganze Volk durchdringen, ein Gedanke seinen Kopf, ein Stolz sein Herzausfüllen, die: ein Deutscher zu seyn und sejn Vaterland zu lieben. — Und schon beginnt diese Association sich zu bilden; immer mehr erwacht das Bewußtseyn desVolkes, immer klarerwer ven seine politischen Gedanken, immer richtiger werden seine Urtheile, immer erhebender seinStolz,und läge ganz Deutschland nicht in so engen Censurfesseln, längst schon wäre das große Werk der Mündigkeit des deutschen Volkes beendigt. Darum habe Mnth, mein wackeres, deutsches Volk! laß dich nicht irre leiten von Radikalen und Jnstemilieuö, sondern gehe ruhig, ernst, gemessen deinem Ziele zu! — du wirft es sicher erringen. Eins thut dir vor Allem noch, die Presse stets und überall zu unterstützen. Wie keine menschliche Macht hat bis jetzt in dem kurzen Zeiträume einiger Jahre die Presse segnend für Deutschland gewirkt; — ihr danken Regierungen und Völker das erhebende Gefühl von 1813 und 14, ! ihr den Beginn der sich jetzt entwickelnden Emanci- Patron von der Handels-Tyrannei Englands; — und wie haben ihr die Regierungen gelohnt? Durch Undank, — durch Verbote, — durch verschärfte Censur! Nun, wenn die Regierungen in den Tagen der anscheinenden Ruhe vergessen, was sie inden Tagen des Dranges und der Noch derPresse zu danken hatten, so mögen es die Völker nie vergessen und sich fest und kräftig um ihre letzte Stütze, um ihren einzigen Hort reihen; — jede gewaltsame Maaßregel, jede Willkühr gegen die Presse werde in Wort und Schrift, überall gerügt; —der Geringsten jeder sei Hüter des jungfräulichen Vesta- FeuerS der Freiheit des Wortes , alle Wünsche, Bitten, Beschwerden, Forderungen mögen sich nur in diesem einzigen Punkte con- centriren, und die segensreichen Folgen werden nicht ausbleiben. Abschaffung der Tortur in Oettcrreich. Sonnensels war als Hof-Sekretär I. M. der Kaiserin zugetheilt, und hatte jahrelang in seinen Dienst-Akten schmerzliche, die Justiz betrübende Materialien gesammelt um die große Regentin zur Abschaffung der Tortur zu vermögen. Mehrmal sagte ihm dieselbe im gütigstem Tone: „Mein lieber Sonnensels, er ist ein junger Mann und meine Hofräche werden diese Sache wohl besser verstehen, glaube er aber deshalb ja nicht, daß ich seinen Eifer nicht erkenne und von den mitgetheilten Details der leidenden Unschuld nicht gerührt bin." So wartete Sonnensels immer günstigere Zeiten ab, bis sich endlich ein so schreiendes Beispiel des Mißbrauchs der Tortur in der Hauptstadt selbst ereignete, daß die Monarchin zu einer Untersuchung veranlaßt wurde. Diesen Zeitpunkt benützte Sonnensels, und als er sich in Tienstgeschäften zu I. M. begeben mußte, nahm er seine oben erwähnten -gesammelten Materialien mit, und wagte es I. M. zu bitten, ihm nur eine Viertelstunde zu gönnen um im Namen der Menschheit das Wort zu führen. Die Kaiserin wohl gelaunt, rückte ihm ihren Fußschemel entgegen. (Es war damals Niemand gestattet in Gegenwart der Kaiserin zu sitzen und dieses Zeichen bedeutete dem Vortragenden sich desselben zu bedienen um halb knieend, halb sitzend vorzulesen.) Sonnensels naht sich und jetzt entwickelte sich eine Scene, welche derselbe zu den glücklichsten Momenten seines Lebens rechnete. Er hatte einen für die damaligen Zeiten glänzenden Vortrag und als er nun bei Vorlesung seiner Justiz-Fälle in den Provinzen, deren Richtigkeit selbst von den ersten Justiz-Männern der Hauptstadt anerkannt waren, immer lebhafter wurde, da sah er, wie die edle Mouarchin in Thrä- nen zerstoß und ihn nur einige Pausen inne zu Hallen, buchstäblich bat. Sonnensels benützte diesen Augenblick und erlaubte sich, die einzige Schwäche der Majestät in Bezug auf ihren Todfeind den König von Preußen wohl kennend, die Bemerkung: „Eure Majestät können unserem gemeinschaftlichen Nebenbuhler in Deutschland keinen unangenehmeren Dienst erweisen, als wenn sie als Engel der Milde die Abschaffung der Tortur verfügen." Tie Kaiserin überwältigt in ihren Gefühlen schwang sich nach einem kleinen Nachsiunen plötzlich von ihrem Fauteuil auf und sagte schluchzend: „Gehe er mit Gott, die Folter ist abgeschafft." — Son- ucnsels fürchtend, daß seine Gegner ihm dennoch diesen Triumph der Seelengröße und Menschlichkeit seiner Monarchin verzögern oder gar vereiteln möchten, bat die Monarchin nochmals, ob er diesen großen Entschluß der edlen Fürstinjetzt veröffentlichendürfe. Erhoffte dadurch allen Jntriguen mit einem Schlag zu begegnen, indem er wußte, daß das laut verkündete Wort der Fürstin unwiderruflich war. Die Kaiserin war indessen ruhiger geworden, und sagte mit unendlicher Seelengüte, die eine Erleichterung ihres gepreßten Herzens verkündete : „Sage er es der ganzen Welt, mein Entschluß ist unwiderruflich gefaßt." Sonnensels stürzte von Freuden überwältigt zuerst in sein Bureau und ließ dann in der ganzen Stadt verkünden, daß die Folter abge'schafft sei. Ganz Wien war in Jubel, und als die Kaiserin Abends im Burgtheatcr erschien, war ihr ein Triumph bereitet, der sich nicht beschreiben läßt. Das Publikum blieb eine Stunde die Kaiserin mit Jubelgeschrei begrüßend stehen, bis die Kaiserin endlich von der Loge mit ihrem Fächer winkend, die Worte herab rief: „Ich danke Euch, meine Kinder". Sonnensels, der sich in der kleinen Parterre- Theater-Loge befand, wurde von Ihrer Majestät mit Zeichen des Wohlwollens beehrt, und den anderen Tag ließ ihn die Kaiserin holen und sagte, dieser Tag wäre der freudigste ihres Lebens gewesen. Diese Details sind aus dem Munde des um sein Vaterland hoch verdienten Sonnenfels. «SS Kleine Pariser Chronik. Auf dem Boulevard der Italiener haben einige Spekulanten vor einigen Jahren ein Haus gebaut, dasselbe mit Goldbronze verziert, vergoldet was nur zu vergolden war, Stein- und Gyps-Medail- lonö verschwendet, -kurz, sie bauten einen Lurus- Tempel und das Volk nannte bald diese überladene Pracht: Im nmison äores (das goldne Haus). Zu ungeheuren Preisen wurden die Zimmerreihen den Mietheuden angeschlagen, die Häusermasse blieb meist leer, die goldnen Geländer, die bunte Zierrath sind veraltert, die lockende Pracht ist so ziemlich verschwunden ; nur der Name ist geblieben, der einst reiche Spekulant starb, inan sagt, ruinirt, fast alle Appartements stehen leer, und außer einem Restaurant, der nicht sehr besucht ist, haben sich jetzt selbst zwei Spielgesellschaften in dieser mnison ckoree gebildet. Vor einigen Wochen warnten wir nur vor einer solchen Höhle, jetzt rathen wir unfern Landsleuten die Spiel-Table d'Hote überall zu vermeiden oder nur vorsichtig zu verfahren, sich nie mit Unbekannten dort leicht liiren und aus- plündern zu lassen, sondern den Feind (die Griechen, Oroes, die vom Spiel lebenden Industrie- Ritter) zu beobachten, um nicht gerupft und sodann verspottet zu werden. Einem unserer Bekannten sind im Monat Dezember in einem solchen Spielhausc tolerirter Art, wo Alles äußerlich sehr elegant zugeht, seine Louis- d'or mit beispielloser Damen-Grazie nach und nach entlockt worden. Die obgleich schon alternden Sirenen haben namentlich den Neuling gleich erkannt und alle Fallstricke studirt. Seit der Herzog von Choiseul todt ist, gibt cs Damen, welche einen ganz anständigen Namen als Aushänge-Schild führen und damit zu locken wissen. Auch in der Straße La- fitte sind einige solcher elegante Salons zu vermeiden. Seit Hr. von Montrond todt ist, wird kein ganz überaus eleganter Spielzirkel genannt. Auch in den Cafs^ und Estaminets gibt es lauerndes Gesindel, welches namentlich den jungen anlangenden Deutschen, die Neuheit anmerkend, alsbald .Parthieri Domino, Ecatts oder Piquet anbietet. Einige dieser Beutelschneider gemeldeter Art leben sehr flott von diesem Metier. Auf dem Boulevard befinden sich mehrere solcher Estaminets, wo oft eine ganze Bande zusammen operirt, umdie anlangenden deutschen Reisenden, Handlungsgehül- fen, Künstler u. s. w. mit allem möglichen Entgegenkommen zu plündern. Möchten daher unsere Landsleute unserer langjährigen Erfahrung einiges Gehör geben Und an öffentlichen Orten nur mit genauen Bekannten eine Parthie wagen. Manche Opfer, manches Unheil würde so erspart werden. Doch jetzt zu wenigen ernsten Worten, die mast richtig beurtheilen wird, indem wir es uns zur Pflicht gemacht auch in der kleinen Pariser Chronik neben dem Bunt-Schillernden und heitern Lebendigen stets Nützliches mit einfließen zu lassen. Die Bälle rauschen dahin, Übertreibung und Abspannung folgen, namentlich nach dem Wirbel der öffentlichen Theaterbälle. Der Saal in der Straße Vivienne (ehemaliges Conzert Musard) hat mit seinen Bällen Unglück; die dortige Leere gleicht einer Wüste, nur wenige Cavaliere sprengen durch die Einöde und die Damen, man verzeihe uns diese übertriebene Galanterie, sind weder an Qualität noch an Quantität bemerkbar. An Conzertt'agen ist der Saal anständiger besetzt. — Die Bälle in der Opera-Comique stehen einige Grade würdiger als der Opernball, die Theaterbälle nach dem Bbule- vart de Temple zu (Ambign u. s. w.) erinnern an die schmutzigsten Orgien der Courtille und der Barrieren, wenn auch bezahlte Anzeigen das Gegentheil selbst In großen Blättern ausposaunen. Aber selbst im Opernballe wird das saus iäoon über die Maaßen allgemein. Die meisten Herren, welche nicht kostumirt erscheinen, sind zu bequem um einen Frak zu wählen, Überröcke und Paletos domi- nircn selbst im scharlachrothen Foyer. Herren in Balltoilette mit Schuhen und Strümpfen sind bereits eine Minorität, ja selbst eine Seltenheit. Dagegen wirbelt neben im Saale der rasende Galopp wie eine Scene aus den Phantasien von Callot. Soupirt wird gut und schlecht, in dem Opernsaale selbst ist jede Erfrischung abscheulich und theuer; IZroM, Nuisson ckores, Ente an^lnis,. eine wohlfeile Taverne im Passage de l'Opera, bieten bis früh Morgens ihre Räume. Am besten soupirt luäü wieder im Cafä de Paris, wenig theuerer wie anderer Orts, aber eleganter servirt. Einige Scenen waren vergangenen Sonnabend- Ball tragi-komisch indem nach gefallener Maske auch alle Illusionen verschwanden. Man sei demnach vorsichtig und überzeuge sich erst vorher ob auch das Loos ein günstiges war. Am besten ist sich mit Be- 3 kannten eine kleine Gesellschaft für den Ball und Souper im Voraus zu organisiren. (Schluß folgt.) Deutsche Colonieu I st Auswandern ein Ung lück? — Wohl ist es das, es kann aber auch ein Glück werden, und leider zählt Deutschland viele Bewohner, die glücklich waren, wenn sie Mittel hätten, sich in einem fernen Erdtheile anzusiedeln. Ich habe die Gegenden durchreist, in denen so bittere Armuth herrscht, daß es schaudern macht. England hat Armuth, Frankreich hat Armuth — Deutschland aber auch. Aber daß sie nicht überhand nehme, wie in andern Ländern, daß sie sich nicht ausbreite, wie die Pest, daß sich nicht noch Immoralität zu ihr geselle, daß vielmehr dem Übel abgehvlfen, es wo möglich aus der Wurzel vertilgt werde — dafür zu sorgen, darüber zu wachen, das ist jedes Deutschen heilige Pflicht. Negierungen können helfen, Capitalisten nicht minder, aber auch daS freie Wort — öffentlich gesprochen, und immer und immer wiederholt — es wird nicht ganz verhallen, und trägt nur Ein Saä- menkvrn seine Frucht, so ist dies schon ein edler Lohn. Deutschland ist mildthätig, aber nicht ausreichend; man hilft, wo und wie man kann, die Noth wird gemildert auf Tage, auf Wochen, aber sie schwindet nicht. Man giebt Conzerte, man sammelt, Reiche und Arme tragen bei — die Theilnahme ist den Armen ein süßer Trost, die Hülfe eine Erquickung, ein Genuß, von denen wir uns keinen Begriff machen — aber das Elend, die Noth, sie ist noch da, und ist um so bitterer, weil man sic eine kurze Zeit vergessen konnte. Man muß es gesehen haben, dieses Elend! Diese schönen, herrlichen Gauen an der Mosel: ein fröhliches, lustiges Völkchen wohnte an ihren Ufern, sie arbeiteten und ernährten sich und ihre Familie, die schönen Trauben schafften ihnen Brod. Sie pflanzten Neben und pflegten den zarten Sprößling, sie freueten sich der süßenFrucht und kelterten, und weit hinaus sandte man das schöne Produkt des Landes. Wohlstand und Freude herrschte unter ihnen! Aber jetzt' Alles in unserer Zeit ist knechtisch der Mode unterworfen, der Moselwein findet keine Abnehmer mehr — und die Bewohner eines ganzen Landstrichs sind verarmt und darben. Sehen wir die Bewohner des Erzgebirges, einstens so glücklich, jetzt so arm, daß sie — nicht Fleisch, nicht Brod, kaum noch Kartoffeln zu.ihrer Nahrung haben. Und doch ist es ein fleißiges Völkchen, das hier wohnt, und seine friedlichen Thäler sind reich an Bergwerken, die tief in die Erde gehen, an Fabriken, die viele Stocke hoch sich in die Luft erheben; aber die Fabriken ruhen, die Bergwerke liefern keine Ausbeute mehr, und die Bewohner sind verarmt. Früher waren sie glücklich, da arbeiteten sie an den Schachten und an den Maschinen und daheim saßen die Frauen und klöppelten die zarten Spitzen, fein und durchsichtig, daß es eine Freude war; aber daS, was die armen Kinder des Landes arbeiten, es ist nicht mehr Mode; und nun haben diese Armen keinen Erwerb mehr und darben. Möchte eine Königin auf einem Hofball ein Kleid von Spitzen tragen, die im Erzgebirge gemacht, sie würden wieder Mode werden, die armen Leute würden wieder Arbeit finden — ein einziges Kleid könnte viel, viel Elend mildern! — Doch die Mode ist gebieterisch, und nur im Auslande versteht man, was schon ist! — Dorthin schickt man das, und hier müssen rechtschaffene Leute, hungern und frieren — helfet, helfet, ehe cs zu spät 'st. Und wollt Ihr ein ähnliches Bild, kommt nach Thüringen ! Ein schönes Ländchen, reich an fruchtbaren Ländern, reich an allerlei Gewerben, und dennoch auch reich — an Armuth. Hier ist wohl Arbeit, aber kein Brod; diese armen Leute sind glücklich, Kartoffeln zu haben, das ist in der ganzen Woche ihre Nahrung. Und diese bauen sie selbst auf den höchsten Bergspitzen mitunter; die Frauen bestellen das Stückchen Feld, das sie sich pachten können, tragen mühevoll den Dünger sogar hinauf; — und wie Diele sind da, die auch sogar das nicht haben. Vom frühen Morgen bis am späten Abend sitzen sie am Webftuhl oder sie haben andere Beschäftigung, und erschwingen doch nicht was sie brauchen, denn der Lohn der Arbeit ist sehr gering, weil es mehr Hände als Arbeit gibt, und Jeder am Ende lieber etwas alS gar nichts verdienen möchte. Und so sind sie in Elend gerathen und kommen immer tiefer hinein und keine Aussicht zur Hülfe'. — Durchwandert nur diese schönen Fluren, diese reinlichen Dörfer, ihr Reichen; wenn ihr diese Armuth sehet, dann erst werdet ihr glauben, daß es Elend gibt, das ihr nicht kennt. 2a wohl gibt cs Armuth, drückende Armuth in Deutschland, und schwer ist soches Übel mit der Wurzel zu vertilgen. — Wären diese armen Leute nicht glücklich, wenn sie auswandern könnten, nach einem Erdtheile der weniger bevölkert, wo die Arbeit besser belohnt wird? — Hier sollten die Regierungen vermittelnd wirken ! — Bildet eine deutsche Colonic und traget die Kosten, Tausende können glücklich werden. Es gibt Fälle, wo die Negierungen die Auswanderung verhindern sollten ; es gibt Fälle, wo man sie befördern sollte; die Umstände sind verschieden. — Möchten andere so wichtige Gegenstände näher erörtern, klar darlegen und gründliche Vorschläge machen: wir wollten hier nur anrcgen. Louis Simon. Buntes und Spitzes Tie Wiener „Theaterzeitüug" bringt seit einiger Zeit kleine Erzählungen, Anekdoten, Charakter- Züge zur Geschichte Wiens in den letzten achtzig Jahren von den Herren Gräffer, Realis u. s. w., die mitunter sehr interessant sind. Ein Aufsatz, den wir unfern Lesern im heutigen Blatte mittheilen, trägt die Aufschrift: A bschaffung der Tortur in Ostreich. — Wenn doch auch schon die glückliche Zeit da wäre, wo die „Theaterzeitung" einen Artikel liefern könnte, mit der segensreichen Aufschrift': Abschaffung der Censur in Ostreich. Karl Gutzkow liefert in der „Köllnischen Zeitung" einen mit viel Geist und treffender Schärfe geschriebenen Aufsatz über Rellstabs: Briefe aus Pa ris. An diesem Aufsatze, dessen Ansichten wir in Vielem theileu, haben wir nur eines auszusetzen: daß er nämlich von Gutzkow ist. —Es zeigt wenig Takt über ein schlechtes Touristen-Buch aus Paris den Stab zu brechen, wenn man selbst kurz zuvor ein sehr mittelmäßiges überdenselben Gegenstand geliefert hat. Der sonst so geistreiche und unterhaltende „Satan" enthält seit Kurzem: Dettreg ullemrmäes, Briefe über Deutschland, die leider von einem Deutschen herrühren. Gegen die höchst nndeutsche Gesinnung, die in ihnen herrscht, gegen die vielen Verstöße und Lügen, gegen die offenbare Entstellung und Verzerrung deutschen Lebens und deutschen Geistes, die sich hier ein Deutscher erlaubt, um die Franzosen auf Kosten seiner Landsleute lachen zu machen, glauben ffnr ernstlich protestiren zu muffen. Dauert dieses Unwesen fort, so werden wir seinen Namen nennen und zeigen wer hinter den „Kobold" steckt, der aus sicherer Ferne höhnt und mit Steinen wirft. Paris im Frühjahr 1843; v. Rcllstab. (Erster Artikels) ,'i Noch ein Buch über Paris! über dieß so oft be- urtheilte Paris! über dieß so oft theils überschätzte, theils gänzlich verkannte Paris! Noch ein Tourist, der nach einigen Wochen seines Aufenthaltes Paris gänzlich zu kennen glaubt! — Um über Paris ein vollständiges Unheil liefern zu können, bedarf es, meiner Ansicht nach, eines mehrjährigen Aufenthaltes, eines näheren Umganges mit den hiesigen politischen und Kunst-Notabilitäten, einer genauen Kenntniß verschiedener eigenthümlichen Einrichtungen und Sitten, und hauptsächlich eines Vorübergehenlassendes ersten Eindruckes, den Paris auf jeden Fremden macht. — Im Ganzen jedoch müssen wir gestehen, daß der Verfasser des verlegenden Buches größtentheils richtigere Ansichten als mehrere seiner Vorgänger mittheilt, und sich mehr darauf beschränkt, Beschreibungen als Urtheile zu liefern, und da Rellstab besonders als musikalischer Kritiker in Deutschland wohl bekannt ist, so wollen wir unseren Lesern einige Bruchstücke aus dem dritten Theile, welcher den hiesigen Kunstinstituten gewidmet ist, mittheilen, und nebenbei unsere Bemerkungen einfließen lassen. Über das hiesige Konservatorium enthält Rellstabs Werk folgendes : „Gewöhnlich verwechselt man unter der Bezeichnung des Konservatoriums zwei ganz verschiedene Anstalten oder hält beide irrthümlich für eine und dieselbe. Man spricht nämlich von den Concerten des Eonscrvatoriums und von den Schülern desselben, als ob beide demselben Institut angehörten; dies ist aber irrig. Jene, die Concerte, haben mit dem Lehrinstitut nur einen ganz zufälligen, äußeren Zusammenhang, den, daß sie in demselben Gebäude statt finden, und die ausführenden Musiker zum Theil, (doch ist dies gar keine nothwen- dige Bedingung) Schüler rer Lehranstalt sind. Im übrigen sind die Concerte von dem Institut durchaus unabhängig; sie werden von einer frei zusammeugetretenen Gesellschaft von Künstlern, an deren Spitze der erste Orchesterdirigent der großen Oper, Habeneck steht, gegeben, auf deren eigene Gefahr und Kosten, zu ihrem eigenen Vortheil. Das Lehrinstitut dagegen ist eine Staat samsialt, für die im Budget eine feste Summe ausgewörfeu ist, und die den ausschließlichen Zweck hat, junge Talente für die Bühne (Oper und Schauspiel), für den Gesang, die In- strumentalvirtuosität und die Composition zu bilden. Daher nennt es sich mit seinem vollständigen Titel: « Oormervntcüre rovnl äe mnsi^ne et cle cl^da- mation. » „Von diesem Institut wollen wir hier, von den Conzerteu die in dem Lokal desselben gegeben werden, in einem andern Aufsatze sprechen. . „Das Lokal des Instituts in der Straße Fau- bourg-Poissounisre ist nicht ursprünglich dazu erbaut, sondern das Gebäude führte den Namen: - 1s Ouräs-Neullles äs In eouronns >> und wurde dieser Benennung entsprechend benutzt. Erst als man ein anderes Lokal zu solchen Zwecken einzurichten nöthig fand, wurde es dieser künstlerischen Lehranstalt eingeräumt. Man hat sich somit in den vorhandenen Baulichkeiten behelfen, und davon so gut.als möglich Vortheil ziehen müssen; sonst würde Vieles gewiß ungleich zweckmäßiger eingerichtet sein. Namentlich bildet das Gebäude kein Ganzes, sondern nur ein Aggregat wenig conformer Einzelnbauten, wo man hier und da geändert und hinzugefügt hat. In diesem gegenwärtigen Jahre war eben ein durchgreifender Umbau vorgenommen, um für viele Bedürfnisse zweckmäßigere Lokalitäten herbeizuschaffen, doch war derselbe noch nicht vollendet und daher manche Theile des Gebäudes momentan in völliger Desorganisation. „Da Ausbildung von Talenten für die Bühne einer der Hauptzwecke der Anstalt ist, mußte man natürlich zuvörderst für einen.angemessenen Theaterraum sorgen, der auch, ohne glänzend oder groß zu sein (der Zuschauer-oder Hörerraum faßt etwa 800 Personen) vollkommen zweckgemäß und schicklich hergestellt ist. Dieses Theater wird auch für die Concerte des Konservatoriums benutzt, und werde ich die Beschaffenheit desselben dort genauer besprechen. In seinen Beziehungen zudem Lehrinstitut dient er aber hauptsächlich dazu, die Schüler für das recitirende Schauspiel und den Gesang praktisch zu üben, sie gemeinsam in Dramen und Opern oder einzelnen Theilen derselben auftreten zu lassen. „Die obere Leitung des Instituts hatten früher CH erubini, jetzt, seit 1842, Auber. ÄltereEin- richtungen und geschichtliche Entwickelungen übergehend, halten wir uns an die Gegenwart. „Der Unterricht ist unentgeltlich und wird in folgenden Gegenständen ertheilt: I) Lautes Lesen. . 2) Französische Sprache zu schriftlichem und mündlichem Gebrauch. 3) Theatralische Haltung. 4) Studium ßer Rollen. 5) Lyrische Deklamation. 6) Übungen im Solfeggio in verschiedenen Abstufungen ; desgleichen im Chorgesang. 7) Clavierspiel für alle Gesangszöglinge. 8) Gesang insbesondere. 9) Einübnng von Ensemblestücken. fO) Praktische Harmonie- und Aceompagne- mentslehre. In allen diesen Gegenständen wird der Unterricht sowohl weiblichen als männlichen Schülern ertheilt. Ausschließlich für männliche Zöglinge ist jedoch r II) Der'gründliche Unterricht in der Harmonielehre. 12) Der Unterricht im Contrapunkt, Fugensatz, Gesangscomposition. Gemeinsam ist wieder: 13) Pianofortespiel. 14) Orgelspiel; hierbei ist ein Viertheil der Schülerstellen für weibliche Zöglinge eingeräumt. 15) Harfe. 16 bis 26 ) Für männliche Zöglinge alle in, Unterricht auf folgenden Instrumenten: Violin, Cello, Contrabaß, Flöte, Oboe, Clarinette, Fagott, Horn, Trompete, Posaune (die letztem Instrumente auch in ihren verschiedenen Gattungen, als Ventiltrompete, u. s. w.). 27) Dramatische Übungen für Zöglinge beider Geschlechter." — Hierauf folgen einige Notizen über die innere Einrichtung, so wie über die Preisbewerbungen, wobei aber gerade der berühmte xrix äs Home gänzlich unerwähnt bleibt. (Fortsetzung folgt.) Zweites Concert des Herrn H. Serlw). (Am 3ten Februar.) Selten sind über einen Künstler so viele widersprechende Urtheile gefällt worden, wie über Ber- lioz. Lieblose Rigoristen, Neider und persönliche Feinde haben ihn oft begeifert und zur Zielscheibe ihres Spottes gemacht, während Enthusiasten und Schmeichler ihn vergötterten und den Gründer einer neuen Schule nannten. Berlioz strebt wirklich nach dem Letzteren, und wir erkennen schon dieß an und für sich lobend an, außerdem aber verdient derselbe dafür besondere Achtung, daß er der Erste von den Schöpfungen Webers und Beethovens begeistert, in Frankreich im Fache der Instrumentalmusik mit Erfolg debutirte. Berlioz besitzt Originalität, Schwung, gründliche Kenntnisse des einfachen und doppelten Kontrapunktes, und wie wir bereits erwähnt, ein Streben Neues zu schaffen. Dieß wären wohl Eigenschaften, die dem Genie zukommen; doch seine Originalität streift bisweilen bis ans Bizarre, seine Melodien And nicht der Art, daß sie je populär werden könnten, seine Kenntnisse dienen oft dazu, daß er sein musikalisches Talent dem mathematischen unterordnet. Berlioz faßt die Leidenschaften und Situationen die er durch Töne wiedergeben will, sehr richtig und poetisch auf, aber er gefällt sich in einem zu langen oft kleinlichen Ausmalen der Einzelnheiten. Berlioz'ö Kompositionen kommen mir vor, wie Walter Scotts Romane; seine Beschreibungen sind wahr und schön, man muß sich aber zwingen, sie zu lesen. Berlioz wurde oft von seinen Feinden des Contrastes wegen mit Rossini, und von seinen Freunden der Ähnlichkeit halber mit Beethoven verglichen; in Folge des Eindruckes den die Kompositionen dieser drei Meister auf mich machen, würde ich sagen: Ich bewundere Berlioz, ich liebe Rossini, und bete Beethoven an. — Wir bedauern, daß ein plötzliches Unwohlsein der Madame Nathan- Treilhet die Ausführung der angekündigten Szene aus „Faust" und der vier Nummern aus Glucks „Alceste" unmöglich machte. Madame Dorus trug anstatt dessen die Romanze des ersten Aktes aus „Robert" von Meyerbeer, und eine andere mir unbekannte Arie vor, und wurde mit rauschendem Beifall überschüttet. — Von den übrigen Nummern hatte eine neue Ouvertüre, - 1s Ourimvul ronmin >>, den meisten Erfolg, und dessen Wiederholung wurde einstimmig verlangt;, diese Ouvertüre in L äur wurde mit Benützung zweier Themas aus „Benvenuto Cellini" von Berlioz mit gewohnter Geschicklichkeit bearbeitet. Sie athmet Frische und Leben, ist vortrefflich instrumentirt, macht ungeheuren Effeckt, nimmt aber auch viele Mittel in Anspruch. Von den Fragmenten aus der schon bekannten Symphonie „Romeo und Julie" zeichnen sich besonders „die Liebesszene" durch Charakteristik und „die Königin Mab" durch Originalität aus. Außerdem hörten wir noch eine Hymne für sechs yon Herrn Sar neu erfundene Blasinstrumente. Die kleine Cylinder-Trompete in Ls, die Baß- clarinette und das Saxophone überraschten das Publikum durch die Schönheit und Fülle des Tones. Die Baßclarinette und das Sarophone sind den bisher gebräuchlichen Fagotten und Ophicleiden weit vorzuziehen. — Dem Vernehmen nach will Herr Berlioz wieder eine Reise nach Deutschland unternehmen, und wir rathen ihm geraden Weges nach Wien oder Berlin' zu steueru. In solchen Städten werden ihm gewiß alle Mittel, die die Ausführung seiner Werke erfordert, zu Gebote stehen, und wir prophezeien ihm von dem kunstsinnigen Publikum Wiens oder Berlins gewiß jene volle Anerkennung die sein schönes Talent verdient. Mar M. Briefkasten. Herrn G. A. Sie verlangen von unserm Blatte mehr Neuigkeiten. Wir wollen Ihnen drei wichtige Neuigkeiten mittheilen: Napoleon ist todt — aber noch nicht begraben; Schiller ist todt — aber noch nicht erseht; Goethe ist auch todt — aber die Altmeifterei in der deutschen Presse dauert noch fort. Herrn B. L. Schon wieder ein Gedicht! Wirerhalten deren so viele, daß wir unser ganzes Blatt damit füllen könnten; — allein das Publikum hat sich leider an der lyrischen Ananaskost übersatt gegessen und verlangt nicht mehr darnach. — Also so wenig Gedichte als möglich! Frau von C. Die uns mitgetheilte Novelle ist sehr hübsch, allein derlei bandwnrmartig abgefponnene Erzählungen, bei denen den Lesern durch io—is Blätter mit einem:.,Die Fortsetzung folgt" gedroht wird, passen nicht in den Plan unseres Blattes. Eingegangene Beiträge zum deutschen Hülss- Verein. (Zweite Sammlung der Liste Nr. 2.) Übertrag. . . Fr. C. 111 SS Herr Böhner. ....... . S Baron von Köhler .... . 25 Schad ........ . S Bard.. . 5 Postier. . 3 F. Kr. ....... . 1 L.Villotaur . ..... . 10 David .. . 3 Dastien. ....... . 2 H.M. . .. .200 Summe. . (Die Fortsetzung folgt.) 370 95 Redacteur: Heinrich Börnstein Druck mit Schnellpressen von Paul Renou ard, Paris, Sonnabend. Nr. 12. 10< Februar 18Ä4 ^7 Abonnements - Preise: in Paris: 'i^Ern Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. srw -d»'. M !W«K Man abonnirt; für Paris: im DureLU ve» 1 rsl pour I'^IIsmsAne, rue 6es Noulivs, 32. und in der Buchhandl. von Dilles NenousrN et <ܰ, rus eie I'ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und getcttigem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in frankirtcn Briefen anzuzcigen — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgeldcr und Briese wollen lranoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 82, ru6 668 NonNn8 in Paris» eingcsendet werden. " - Das Zunge Deutschland. Eine Correspondenz der „Deutschen Schnellpost" aus Süddeutschland enthält Folgendes: „Es hat mich von Herzen gefreut, aus Ihrem Blatte zu ersehen, daß das deutsche Nordamerika doch eine Gelegenheit hat, die Zustände im deutschen Mutterlande sich richtig zu veranschaulichen. Hoffentlich traut mir Niemand die Plumpheit zu, Ihnen da mit einer Schmeichelei schön thun zu wollen. Zur obigen Bemerkung veranlaßt mich vielmehr die Nummer einer nordamerikanischen Zeitung, die mir jüngst in die Hände gefallen ist: „Der Deutsche in Nordamerika". Die Nummer ist freilich vorjährig, und ich weiß nun nicht, lebt das Blatt noch oder ist es todt. Aber so viel steht fest: wenn alle seine Ansichten über Deutschland ähnlichen Schlags waren, wie die in jener Nummer ausgeführten, wonach die Mitglieder des sogenannten jungen Deutschlands als edle Märtyrer für die Sache der Freiheit erscheinen, so darf man keck die Behauptung entgegenstellen, der Deutsche Ln Amerika ist ein Indianer in Deutschland. Ist es möglich, daß sich jenseits der See die mutterländischen Zustände so fabelhast darstellen, wie die Bilder einer Fata Morgana? Ihr Blatt, ich wiederhole es, beweist mir das Gegentheil : es könnte, was die Richtigkeit seiner Anschauung, so wie was den Takt seiner Auslese aus unseren deutschen Zeitungen betrifft, ganz wohl in Deutschland selbst, freilich außer dem Bereich des politischen Gottseibeiuns, d. h. der Censur, geschrieben sein. — Da mir die Sache des jungen Deutschlands schon in die Feder gelaufen ist, und diese literarische Erscheinung, so brillant sie anfing, doch so unmerklich auseinanderfloß, daß nicht gerade Jeder weiß, wie man jetzt mit ihr daran ist, so gestatten Sie mir vielleicht einige Bemerkungen darüber. „Der Grundfehler des jungen Deutschlands war Mangel an Charakter. Talent, sehr bedeutendes Talent ließ sich jener Gesellschaft nicht absprechen : aber ohne Gesinnung kein Widerstand gegen den Wechsel der Neigungen, keine Ausdauer, kein Erfolg zumal in Deutschland, wo alles Leben und alles Abgestorbene so zäh ist. Daß das junge Deutschland (Menzel war der Pfarrer, der es so taufte) Übertreibungen beging, erklärt die Jugend jener Schriftsteller und ihre Concurrenz unter sich selbst, die öffentliche Aufmerksamkeit durch besonders gesteigerte Sätze auf sich ziehen; aber daß diese Übertreibungen mit sichtbarer Vorliebe ins Materielle, Ln die sogenannte Emaneipation des Fleisches gingen, daß die gegenseitige Lobhudelei systematisch betrieben, daß in den Angriffen auf andere literarische Schulen und Grundsätze auch Persönlichkeiten hervorgezogen wurden, wo die Sache ihrer gar nicht bedurfte, daß man keine Schonung auch da übte, wo es bloß über einen wehrlosen Feind zu trium- phiren galt, das lag nicht in der Jugend und nicht in der Concurrenz: das lag in dem unedlen Wesen mancher von diesen Leuten. Und daß sie, als die polizeilichen Maßregeln in Gang kamen, mitunter schleunigst das Unter peeeavi anstimmten, das lag im Mangel an Charakter. Man würde sich sehr täuschen, wenn man jenes junge Deutschland derzeit an der Spitze der strebenden Literatur in Deutschland stehend glaubte. Seine positiven Wirkungen gehören bereits der Vergangenheit an. Gutzkow, unstreitig der Gediegenste, Geistvollste jener Schriftsteller, hängt mit seinem in Hamburg erscheinenden Blatte : „der Telegraph", von seinem Wohnorte Frankfurt aus, nur noch lose, nur durch das Gebundensein an den einmal abgeschlossenen Vertrag zusammen; er hat sich aus den Tagesdebatten mehr und mehr zurückgezogen in das Gebiet speciellerer Studien: einestheils das Drama, anderseits die Politik sind die beiden Handhaben, mit denen er das Publikum zu fassen sucht. So ei- genthümlich, glänzend und oft überraschend neu aber auch Gutzkow's Leistungen sind, so darf man doch behaupten, daß er nicht daran denken kann, seinen bisherigen Ruf zu steigern, daß er angestrengt arbeiten muß, um ihn zu erhalten. Das kommt einzig daher, daß es ihm an der festen Farbe fehlt, er hat kein Vertrauen erweckt. So muß er mit dem Talente allein um Beifall kämpfen, und unstreitig wird er mit seinem durchdringenden Geiste sich immer eine ansehnliche Stellung behaupten können, aber ein Komet ist kein Lichtstern. Es fehlt der Gutzkow'schen Muse an gesunder Überzeugung, an einer starken Lunge, um die Luft der Freiheit stätig und mit Erfolg einzuziehen : sie hat das anziehende Kolorit eines schönen schwindsüchtigen Mädchens, aber steift schwindsüchtig, ist krank, ist ohne Zukunft. Laube, der seit Neujahr 1843 die „Zeitung für die elegante Welt" wieder übernommen hat, trägt einen ganz andern Stempel als Gutzkow. Übermüthig, schnell auffassend, aber seicht, Plagiate, Meinungswechsel, Dummheiten und literarische Ohrfeigen nicht hoch anschlagend, ist er der Mann der Unterhaltung, der Mode. Wie ein Sperling fliegt er ab und auf, zirpt im Hof und auf dem Dach, stiehlt Brodkrumen und Kirschen, jagt seine Kameraden und läßt sich wieder jagen. Seine Schöpfungen werden ihn nicht überleben. Theodor Mundt, der jetzt Ln Berlin als Privatdozent lebt, schreibt im Verhältnis zu den andern sehr trocken, häufig langweilig und ist offenbar der am wenigsten Geniale, wie denn auch sein heftweise erscheinender Freihafen ziemlich leblos, von angesehenen Flaggen wenig besucht ist, und auf den Markt der deutschen Literatur meist nur Mittelgut liefert.—Von Wienbarg, Kühne, ist cs fast ganz stille geworden, und von Heine läßt sich nicht sagen, daß er anders, als um sich ein Plaistr zu machen, mitgegangen sei. Die Angelegenheit des jungen Deutschland ist aus den Fragen der Gegenwart verschwunden: der Socialismus mit neuen Führern und neuen Hebeln hat sie beerbt. Die Träger jener zerfallenen Idee sahen sich längst genöthigt, entweder ganz von der Arena abzutreten oder aber sich neueren Erscheinun-' gen des Zeitgeistes anzuschließen, ohne sie beherrschen zu können. So waren namentlich Gutzkow, wie Laube, die sich übrigens fortwährend in kleinem Krieg befehden, gezwungen, dem Aufschwünge der praktischen Politik zu folgen, der sich in Deutschland seit zwei Jahren bemerklich geinacht und, schon mehr als Einen Tyrtäus hat. Die Dinge folgen in Deutschland seither einer ganz veränderten Richtung. Die Politik wird zusehends praktisch, die Ideale nehmen irdische Gestalt an, Bedürfniß und Mittel treten in das Gesammtbewußtsein. Die Traditionen, die bewußten und unbewußten Lügen, mit welchen man dem deutschen Volke bisher seine öffentlichen Zustände in Nebel gehüllt hatte, haben unendlich an ihrer Wirksamkeit verloren, die Nebel sind überall im Rückzuge begriffen. Täuschungen, mit welchen man noch vor wenigen Jahren escarno- tirte, werden jetzt auch von dem sonst so gläubigen großen Haufen durchschaut. Ein Beleg ist die Een- sur. Der Reihe nach haben in den konstitutionellen Staaten Deutschlands die Regierungökommissäre auf die Recklamation der verfassungsmäßigen Preßfreiheit erklärt, die Regierung sei ganz und von Herzen dafür, aber der deutsche Bund weigere sich. Rechnet man aber die Stimmen jener konstitutionellen Staaten zusammen, so ergibt sich eine Majorität, welche in der Bundesversammlung die Cen- sur längst über alle Berge hätte votiren können. Also ist es nicht der deutsche Bund, welcher die Censur gegen die allgemeine Stimme der Nation aufrecht hält, sondern die einzelnen Regierungen sind es, die den beschworenen Verfassungen entgegen die Censur und ebendamit das stärkste, ja man darf sagen, das einzige und letzte Bollwerk aller Privilegien und historischen Ungerechtigkeiten aufrecht halten. Würtemberg war cs z. B., das Preußen und Österreich bei dem Anträge ans Wiederaufhebung der badischen Preßfreiheit von 1832 mit am Kräftigsten unterstützte. „Solche Tinge weiß man heutzutage in ganz Deutschland, und die allgemeinen Floskeln von Staatswohl, väterlicher Regierung, Übelwollenden, besonnenem Fortschritt und wie die Stichwörter der deutschen Ministerialblätter alle heißen, diese abgedroschenen Redensarten fliegen als Spreu iu alle Winde. Das Vertrauen, welches einst die Begeisterung von 1813 entzündete, ist unwiederbringlich dahin. Das zeigt sich schon in der Oppositicn, welche sich in der Presse immer allgemeiner Lust macht, freilich, der Censur halber, meistens auf solchen Abwegen, daß ein für deutsche Zustände gut geübtes Auge dazu gehört, um immer und überall Mischenden Zeilen lesen zu können. Der Umstand, daß auf den Heerstraßen die Censur manthet und man daher mit freien Gedanken Schmuggel treiben muß, verursachtest Erscheinungen, die man im Auslande ganz irrig beurtheilt. Wenn man z. B. in Deutschland der Niederlage der Bayern in Griechenland, der Beschimpfung der österreichischen Flagge in Constantinopel, weun sie sich bestätigen sollte, überhaupt der sichtbaren Hintansetzung der deutschen Großmächte, in den meisten europäischen Fragen mit Gleichgültigkeit, ja wohl gar mit Schadenfreude zusieht, so muß das manchem Ausländer als ein verächtlicher Mangel an Patriotismus erscheinen. „Es ist aber geradeJas Gegentheil. Weil die deutschen Kabinette der Volksstimme lediglich keine Stimme gewähren, weil die von jenen befolgte Politik, in welcher die Unterwürfigkeit Ln Rußland, der Haß gegen die freien Institutionen, die Beamten- und Adelsaristokratie, die Fernhaltung alles bürgerlichen Elements vom Militär sich als Grundprinzipien erkennen lassen, den Gesinnungen der Nation völlig zuwider ist, so liegt es ganz in der Natur der Sache, daß jede Schlappe, welche Macht und Ansehen jener verhaßten Politik schwächt, als ein Vor- thcil für die Sache des Volkes angesehen und begrüßt wird. Man hat das deutsche Volk, das sich so ihätig der Griechen annahm, im Mindesten nicht befragt, als man das neue Königreich schuf und das Land, das für Freiheit gekämpft und geblutet hatte, unter einen absoluten Thron zwang : nun, da dieser gestürzt wird, nun, da der russische Einfluß, den zu brechen man zu feig war, in den Donauländern-, wo es nur Volksrechte galt, eine Königskrone antastet, nun soll sich der deutsche Michel entrüsten, nun nimmt man jene Sympathien in Anspruch: „Steh' auf, Michel, steh' auf, man tritt dir zu nahe; zeige, daß du doch immer der biedere Michel bist!" Aber Michel hat inzwischen den Kinderreim auswendig gelernt: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht;" er bleibt liegen, und wenn er einmal aufspringt, so geschieht es ganz gewiß nicht, um der seitherigen Cabinetspolitik die Honneurs zu machen. „Auf der andern Seite ist nicht daran zu denken, daß es in Deutschland ohne Anstoßvon Auße n zu durchgreifenden Reformen kommen wird. Des Deutschen höchste Leidenschaft ist die Ruhe. Er.sucht sich nicht von freien Stücken, nicht aus Temperament frei zu machen, dazu liegt er viel zu warm und bequem auf seiner Bärenhaut. Erst wenn ein energischer Nachbar ihm diese unterm Leib wegreißt, dann wird Michel aufspringen, seine geliebte Bärenhaut wieder nehmen, bei dieser Gelegenheit aber auch das Ungeziefer auöschütteln und zertreten, das ihn schon lange genirte, wiewohl er sich ohne sonstigen Anlaß nicht hätte zur Säuberung entschließen können." In Angelegenheiten dcs parier Hülks-llcreins für noth leidende Deutsche. Wir verdanken der Gefälligkeit des Präsidenten der Londoner französischen Hülfs-Gesellschaft die Mittheilung aller Statuten, Verhandlungen, Modifikationen und praktischen Erläuterungen über die in der Hauptstadt Englands bestehende so nützliche und ebenfalls allmählig ausgebildete Hülfs-Gesellschaft. Wir hoffen die Erlaubniß zu erhalten, ein .Schreiben, welches der ehrcnwerthe Präsident der Londoner Gesellschaft an A. v. Bornstedt richtet, in unserm Blatte abdrucken zu können, und sehen dieser Erlaubniß entgegen, indem dies Schreiben richtige und praktische Ansichten entwickelt. Um jedoch bereits heute eine Ansicht von dem Zwecke der deutschen Pariser Hülfs-Gesellschaft dem Publikum vorzulegen, heben wir vornämlich folgende Paragraphen aus den von uns bearbeiteten Statuten aus : 1. Der deutsche Pariser Hülfs-Verein hat den Zweck: 1) Hülfsbedürftige Deutsche iu Paris zu unterstützen ; 2) Denen, welche sich ohne Arbeit und Beschäftigung befinden, die Mittel zu schaffen, um nach ihrer Heimath zurück zu kehren; 3) So viel als möglich zu wirken, daß die von dem Hülss-Verein unterstützten Deutschen nicht auch den französischen Behörden, Gesellschaften und Personen zur Last fallen; 4) Anfangs so viel als möglich nur Hülfe in Natura, d. h. Vrod, Fleisch u. s. w. zu vertheilen; 5) Armen Handwerkern oder denen, welche im Hospital krank gewesen und ihre Kleidung oder Werkzeug aus Noth, nicht aus Leichtsinn, ins Pfandhaus getragen, solche als wesentliches Mittel zu ihrem Unterhalte auszulösen; 6) Geldunterstützungen zum Hierbleiben iu Paris nur dann auszutheilen, wenn solche dazu dienen können, um Arbeitslosen eine Beschäftigung, um Unbeschäftigten eine Anstellung u. s. w. zu schaffen. II. Der deutsche Hülfs-Verein wird sich namentlich vor sogenannten Schwindlern, Industrie- Rittern und denen, die aus dem Geld- und Hülse- Verlangen ein Gewerbe machen, zu hüten wissen, indem nur nach Erkundigungen und gewissen Garantien Hülfe verabreicht werden kann. III. Der Hülfs-Verein übernimmt die Verpflichtung nie die Namen derer zu nennen, welche sich an ihn mit ihren Wünschen wendeten. Dies ist eine Pflicht der Nächstenliebe und auch mit dem Gefühl übereinstimnicnd, welches so oft schuldlos Leidende hindert Hülfe anzusprechen. IV. Der Hülfs-Verein ist nur in einer wohlthä- tigen Absicht gestiftet; kein diesem Zwecke fremder Akt oder Vorschlag darf geduldet, noch verhandelt werden. V. Um Mitglied der Gesellschaft zu sein, genügt es, sich zu einer Beisteuer von jährlich 25 Franken zu verpflichten. VI. Jeder Subskribent welcher 200 Franken in einen Beitrag liefert, ist immerwährendes Mitglied der Gesellschaft. VII. Wenn sich so und so viel Personen zusammen thun um 25 Franken jährlich zu unterschreiben, so können diese sich durch einen Repräsentanten bei der Gesellschaft als Mitglied betheiligen. VIII. Jedes Mitglied der Gesellschaft, welches 21 Jahr zurückgelegt, kann zum Mitglied des Co- mites ernannt werden. IX. Die fremden nicht deutschen, so wie auswärts lebende deutsche Mitglieder der Gesellschaft können sich durch einen Delegirten representiren lassen.. X. 8. Wir legen diese erste Statuten-Skizze dem Urtheile der Subscribenten und derer vor, die für das Werk Theilnahme beweisen wollen. Mittheilungen deshalb erbitten wir uns schriftlich. — Die nächsteil Nummern werden die Statuten über die Bildung des Comito's, der Generalversammlung u. s. w. mittheilen. Ä. v. Bornstedt. Baron v. Köhler. Heinrich Bernstein.' Äuntes rrrrd Spitzes Eine Correspondenz des ersten Heftes (1844) der Gränz boten (ausParis) gedenkt unseres Journals in einer Weise, die wir nicht unberührt vorübergehen lassen können. Der Berichterstatter, den wir so genau kennen, daß wir seinen Namen mit Didot'schen Lettern abdrucken könnten, insi- nuirt, wir thäten zwar gewaltig liberal, steckten aber mit der preußischen Gesandtschaft unter einer Decke u. s. w. — Wir thun gar nicht liberal, — wir sprechen nur gemäßigt und vernünftig das ohne Censur-Zwang aus, was in Deutschland jeder denkende, sein Vaterland wahrhaft liebende Mann will; wir haben uns unter das Banner des gemäßigten Fortschrittes gereiht, hassen alles Ultra-Wesen und werden unwandelbar unfern Pfad verfolgen. Was unser Verhältnis zu Preußen betrifft, so diene zur Nachricht, daß nach einer uns von Aachen zugekommenen Anzeige, die Expedition unseres Blattes durch die preußischen Postämter von Berlin aus verboten worden ist, während die andern deutschen Staaten uns bis jetzt noch kein Hinderniß in den Weg gelegt haben. Wir können bei dieser Gelegenheit nur unser Bedauern aussprechen, daß man in Preußen noch immer von den Ansichten ausgeht, die die Verlegung der Gränz boten von Brüssel nach Leipzig nöthig machten, und nicht einsehen will, daß jedes deutsche und deutschgesinnte Blatt im Auslande, das sich, wie wir, von allen Ertremen fern hält, zu begünstigen, aber nicht zu beeinträchtigen sei. Daß wir, trotz der oben angedeuteten Maaßregel, bei jener Mäßigung beharren, die wir uns vom Anfänge an zur Richtschnur machten, brauchen wir wohl nicht erst zu versichern. Im Wiener Hosoperntheater wurde Aubers Part du Diable als Vaudeville (!!) gegeben. Wenn das am grünen Holze eines Hoftheaters geschieht, was kann man von dem dürren Holze kleiner Privatunternehmnngen verlangen? Die deutschen Blätter haben sich wieder einen Bären aufbinden lassen, der sich, von der „Schlesischen Zeitung" ausgegangen, weidlich in ihnen herum j tummelt, und schon bis an den Rhein gekommen f ist: der spanische General Prim soll nämlich ursprünglich ein preußischer Feldwebel sein. Wir können die Verbreiter dieser interessanten Neuigkeit mit Gewißheit versichern, daß Don Juan Prim, Gras von Reuß, ein geborner C atalonier ist und Spanien noch nie verlassen hat. Mehrere französische Blätter haben aus einem Tumult in Folge eines abgesagten Conzerts in Berlin eine großartige politische Emeute, nebst zwei hundert Verwundeten gemacht. Ein Paar Berliner Raison- neurs waren die einzigen Arretirten. Über die Abbestellung des Conzerts, welche Maaßregel so spät erfolgt und so ängstlich betrieben, unter dem Berliner Publikum viel Mißvergnügen und noch mehr Klatscherei erregte, sagt die „Rhein- und Mosel Zeitung" : Viele suchen die Ursachen der Abbestellung weder in der Marseillaise, noch weniger in der Riego-Hymne, sondern in dem angekündigten vivs Hönri IV, wobei man, mittelst einer sehr kleinen Addition, eine andere Zahl und deren möglich pro- testirte Beziehung vermuthete. Andere Nachrichten sagen noch, der russische Gesandte habe wegen den vielen Polen in Berlin um ein Verbot des Conzerts gebeten. — Die „Allgemeine preußische Staatszeitung" schweigt, die Berichtigung wird wohl wie gewöhnlich erfolgen, wenn die Sache längst vergessen. — Welche gewandte Benutzung der Regierungs- Presse und der publizistischen Talente der Herren Hermes, Zinkeisen u. s. w.! Die Berliner „Vossische Zeitung" gibt ein Gedicht unter den bezahlten Anzeigen, welches also beginnt : Eine Thräne (eingesandt) aus das Grab der jungen G... O. Auf meinen Annen habe ich dich gewieget, Als du das K noch sprechen nicht gekonnt u. s. w. Dieselbe Zeitung nennt die bekannte Sängerin Mllc Sovbie Löwe, welche der Berliner Hyper-En- thusiasmus lächerlich überschätzte: die Unvergeßliche! Allerdings sind dem Schreiber dieses die falschen Noten, die überladene Colöratur und die steten Detonationen dieser Sängerin Unvergeßlich. Herr Rellstab sagt: die berühmte Sängerin Schröder-Devrient habe noch jetzt eine innere Gewalt derStimme bewahrt. Eine innere Gewalt der Stimme! welcherphraseologischer Unsinn! — Die Schröder-Devrient ist ein großes dramatisches Talent, auf welches Deutschland mit Recht stolz sein kann; wozu aber eine Lobhudelei hervorpressen wollen, welche Widerspruch mit sich führt? Eine innere Stimme hat keine hörbare Gewalt. Ter Köllner Dom wird leider sehr langsam fortgebaut. Es geht der deutschen Einheit ebenso. Viele große Redensarten, und wenig praktische Mittel und folgenreiche Thateu. Malt vergesse nicht in Deutschland, daß ein deutsches Wort ein heiliges sein soll. Verdrehung der Worte, Deuteleien, künstliche Auslegungen, sind üble Mittel, und schwankendes Hin- und Herla- vüenhat nie weder einen Staat noch ein Fahrzeug gerettet. — Ter ächte Steuermann muß wissen was er will. Kleine Pariser Chronik. (Schluß.) In der sogenannten großen Welt sind überall Feste. Die tanzenden Abende drängen sich; bei der Herzogin von Gagliera, verwandt mit der sar- dittischen Gesandtenfamilie (Marquis de Brignolles- Sales) ist des kleinen aber eleganten Locals wegen die Zahl der Eingeladenen beschränkt, das Vermögen der Hausbesitzer colossal, die Artigkeit gegen Fremde stets groß. Einen Mittwoch empfängt die englische Gesandtin Lady Cowley, welche uns nicht Lady Granville vergessen macht; den andern die baierische Gesandtin, Gräfin Lurburg. — Die Hofbälle sind auf vierzehn Tage verlegt, die musikalischen Abende haben meist aufgehört um dem Tanze Platz zu machen; in einigen Häusern wird, wie bei der Vicomtesse deG... mit Musik begonnen und mit Tanz geendet, eine gute Mischung für jeden Geschmack. Die Bälle des Grafen und der Gräfin Rambuteau dauern fort, und mehr wie überall erscheint dort ein Flor von jungen reizenden Damen. Auf dem Polenball der Fürstin Czartoriska war die Gesellschaft unten sehr gedrängt, im ersten Stock überaus reich kostü- mirt. Man bemerkte unter den Tanzenden einen jun- genSchneidermeistervondem Boulevard Italien, der sehr emsig neue Westen studirte, und obgleich einige junge Herren sehr erstaunt über seine Gegenwart schienen, dennoch durch Bezahlung seiner 20 Franken für einen wohlthätigen Zweck das vollkommene R echt hatte sich zu produziren. Einige junge Lions welche dem fashionablen Schneidermeister begegneten, waren besonders genirt, weil sie vielleicht demselben noch die Ballkleider schuldeten. Tie Fürstin Adam Czartoriska trug sehr schöne Diamanten, der Ball soll gegen 30 000 Franken für die Polen eingetragen haben. Es ist jetzt zu hoffen, daß diese Summe nicht blos an die Polen der Coterie-Czartoriska, sondern an die Hülfshedürf- tigen der verschiedensten politischen Ansichten in der Emigration vertheilt werden wird, was früher mit einigen Polen-Collekten nicht immer geschehen, indem die polnische Fraction welche den Fürsten Adam Czartorisky als König anerkannte, besonders in den Geldunterstützungen begünstigt wurde. Tie Wohl- thätigkeit aber kennt nur Polen und Lkidcnde, und nicht diese oder jene betrübende politische Emigrations-Spaltung. Madame Ancelot, die bekannte Schriftstellerin, empfängt alle Mittwoch und zeigt sich auch gegen Fremde äußerst zuvorkommend, sich mit jeden: Eingeladenen unterhaltend. Die Baronin Marie de l'Epinay empfängt ebenfalls in einem traulichen Zirkel jeden Mittwoch Abend; Madame Aguado de las Marismas hält einen vortrefflichen Koch, den die Hausfreunde vergöttern; das Canapä der russischen Fürstin Lieven kommt ein wenig aus der Mode. Politistrende Damen von gewisser Reise sind nicht eben ein reizendes Schauspiel. Die Minister empfangen alle an bestimmten Tagen, meist erscheinen nur Herren in diesen Soireen; ein Ball wird für nächsten Monat von dem Presidenten der Deputirtenkammer vorbereitet; im Luxemburg empfängt die Herzogin Descazes regelmäßig; die Fürstin von Ligne, der Obrist Thorn, der hier lebende spanische Adel empfangen mit Luruöund namentlich zeichnen sich die spanischen Damen durch reichen Schmuck uud glänzende Toilette-Farben aus. Ehe Hoftrauer war erregte der Schmuck der Prinzessin von Joinville den Neid aller Damen. Diese Brillanten verdunkelten durch ihren Glanz alle andere. Die Prinzessin von Joinville besitzt einen Schmuck der mehr als eine Million Franken werth ist, dieverschiedensten Farben, blitzend, funkelnd, echt brasilianische Gesteine aus der Schlammerde des 8errc> äc> IVio. Über einige musikalische philantropische Projekte des Maestro und Ritter Spontini werden wir später berichten. Paris im Frühjahr 1843, v. Rellstab. ( Fortscyu n g. ) „Fremde Zöglinge können auf besondere Autorisation des Ministers im Conservatorium ausgenommen werden. Sie stehen dann den einheimischen durchaus gleich, und können eben so um die Preise con- curriren. *) Diese Bestimmung ist eine sehr lobenswerthe; sie beweist, daß man die Kunst als ein weltbürgerliches Eigenthum, nicht als ein ausschließliches besonderer Nationen behandelt. Diese und die Wissenschaft sollen auch allein, das über die besondere Nationalität und das besondere Staatsbürgerthum hinausgehende Rechte haben. In allen andern Beziehungen, namentlich beider Anstellung im Staate, wird mit und Oberröcke mit gelben Metallknöpfen, auf denen eine Lyra befindlich) auf Kosten des Instituts. Sie dürfen sich unter keinem Vorwände ohne Erlaubniß des Direktors aus demselben entfernen, und stehen überhaupt unterstrengster Beaufsichtigung. Der Chef des Pensionats begleitet sie nicht nur in die Theater, wo eine eigene Loge für sie bestimmt ist, sondern auch auf Spaziergängen; zu letzteren ist er mindestens einmal wöchentlich verpflichtet. „Alle Monat einmal mindestens finden musikalische und deklamatorische Übungen auf dem Theater des Instituts statt, denen die Zöglinge sich auf keine Art entziehen dürfen, sondern zu der untergeordnetsten Mitwirkung ebenso verpflichtet sind, wie zu der Übernahme von Hauptrollen oder Solopartien. Außerdem gibt das Conservatorium jährlich eine Anzahl Conzerte, in den Monaten Januar bis April, an welchen die Professoren, die vormaligen und gegenwärtigen Schüler Theil nehmen, und in denen die Arbeiten der Zöglinge aufgeführt werden. Diese Conccrte sind ganz unabhängig von solchen, welche die Professoren des Conservatoriums sonst in diesem Saal zu geben berechtigt sein können. (Auch ganz unabhängig von denen, deren wir schon Eingangs erwähnten, die vorzugsweise als Conzerte des Con- servatoirs bekannt sind, und unter Habeneck's Leitung einen so außerordentlichen Ruf gewonnen haben.) „Endlich verbindet sich mit dem Conservatorium eine Bibliothek, deren gegenwärtiger Vorsteher der eben so gelehrte als geistreiche Botts de Toul- mont ist. Dieselbe ist reich an höchst schätzbaren Werken, sowohl theoretischen als praktischen. Die unermüdliche Sorgfalt ihres Führers, der oft mit eigener Aufopferung, aus Liebe zur Sache, seine ganzen Kräfte diesem Zweige des Instituts widmet, hat sie in letzten Jahren mit einer Menge von Schätzen bereichert, welche der unermüdliche Bibliothekar überall ausgespürt, und theils durch Tausch, theils durch geschickten Ankauf erworben hat. Besonders haben ihm seine Reisen nach Deutschland (zumalWien) und Italien (dort hauptsächlich Rom) eine reiche Ausbeute gewährt. — Seiner freundlichen Zuvorkommenheit verdanke ich auch vorzugsweise die näheren Notizen über das Institut." (Fortsetzung folgt.) Militärisches. Die preußische Regierung wird wohl nicht verfehlen, zur bevorstehenden Industrie-Ausstellung einen praktischen erfahrnen Mann nach Paris zu senden. Rußland that solches bereits, stets die Jndnstrie- Entwickelungen der Ausländer mit großer Aufmerksamkeit verfolgend. Carnevalistisches. Der letzte Ball der großen Oper wird in den Annalen der Freunde des Carnevals fortleben. — Eine neue Quadrille von Musard, betitelt: « Des etnäians »wurde unter jauchzendem Beifalle drei Mal zur Wiederholung verlangt. Die Tänzer ließen sich so Hinreißen, daß sie gegen das Orchester stürzten, und den Tonzauberer Musard auf ihren Armen im Triumphe im Saale herumtrugen. Dieser Ball war noch besuchter und glänzender als die früheren. Heute Samstag, den 10. Februar, findet der sechste Ball statt, welcher dem letzten in keiner Hinsicht nachstehen wird. Derselbe beginnt um 11 lO UHr. Beim fünften Ball der komischen Oper herrschte eine besondere Lebendigkeit. Um Mitternacht waren Saal und Foyer gedrängt voll, und Musard Sohn trug mit seinem vortrefflichen Orchester am meisten dazu bei, das Publikum bis 6 Uhr früh in der heitersten Stimmung zu erhalten. Die populäre Quadrille der « Loüsmiens cks Daris » mußten mehrere Male wiederholt werden, ebenso diejenigen des « väserteur «, der « Deri >. und des -- Don 86- dastisn. — Die Decoration und die Beleuchtung des Saales Favart waren äußerst geschmackvoll. Sonntag den 11. Februar findet der sechste Ball daselbst statt, welcher um Mitternacht beginnen wird. Cingegangene Beiträge zum deutschen Hülss- Verein. Übertrag. . . Fr. C. 370 95 Fräulein Cathinka von Dich. . 10 Herr Eugen Nantulle. .... 1 L. Debrauz. ..... 20 A. Färber. 2 Bergmann.. 2 60 Caroline Ungher-Sabatier. . . SO „In allen Classen finden halbjährige Prüfungen, im Dezember und Junius statt; für den Gesang noch eine dritte im März. Alle diese Prüfungen sind unerläßlich. Die Comitös sind dabei die Richter über die Fortschritte der Schüler; sie entscheiden, wer seine Studien vollendet hat, und wer aus Mangel an Fleiß oder Fähigkeit ausscheiden muß. Nach der Prüfung im Junius werden durch eben diese Comites, doch mit Zuziehung der jedesmaligen Professoren, die Zöglinge ausgewählt, welche um die Preise concurriren können. „Zöglinge, welche nach dritthalbjährigem Studium nicht zur Preisbewerbung zugelassen werden können, scheiden aus. Eben so diejenigen, welche nach dreimaliger Concurrenz keinen Preis gewinnen konnten, oder welche, nachdem sie einen zweiten Preis erhalten, zweimal vergeblich um den ersten eoncnrrirten. Nur dringende Ursachen machen, nach der Berathung der Comites und mit Zustimmung des Ministers des Innern, eine Ausnahme von diesen Bestimmungen möglich. „Außer den Schülern des Conservatoriums, die nur Unterricht daselbst erhalten, gibt es auch ein sogenanntes Pensionat, in welches jedoch nur zehn Schüler männlichen Geschlechts ausgenommen werden. Diese können nur mit Autorisation ihrer Eltern oder Vormünder Ausnahme erhalten, und müssen von diesen die Erlaubniß haben, sich der theatralischen Laufbahn widmen zu dürfen. Sie müssen zuvörderst eine genaue Prüfung bestehen, und werden dann doch erst auf sechs Monate vorläufig ausgenommen. Alsdann entscheidet das musikalische Eomits, ob die Zulassung definitiv sein kann oder nicht. Jeder dieser Pensionäre muß das zwanzigste Jahr zurückgelegt haben; nur in dem Fall, wo der Aspirant außerordentliche Anlagen hat, oder schon ein ganz guter Musiker ist, kann eine Ausnahme gemacht werden. „Bei der definitiven Zulassungschließendiese Pensionäre einen förmlichen Kontrakt mit dem Direktor des Conservatoirs, in der Form eines Lehrlings- Vertrages, durch den sie sich verpflichten: 1) bis zur Vollendung ihrer Studien im Conser- vatoir zu bleiben, 2) auf einem der königlichen Theater zu de- butiren; 3) sich an keinem Theater, außer an einem der königlichen, zu engagiren. Der Minister allein kann von diesen Verpflichtungen entbinden.— „Wenn die Verwaltung es für angemessen hält, kann sie Zöglinge aus den Departements kommen lassen, denen für jeden Kilometer fünfzehn Centimes Reisegeld, und für jeden Aufenthaltstag in Paris zwei Franks fünfzig Centimes bewilligt werden, wenn sie nicht zugelassen werden; gleiche Entschädigung erhalten sie für die Rückreise/) Die Pensionäre erhalten Wohnung, Kost und Kleidung (letztere ist eine Uniform, blaue Fracks Recht der Eingeborene gegen den Einwanderer in Schutz genommen. Möchten wir bei uns so die Ausnahme wie das Gesetz strenger nachahmen, und nicht Ausländer zu Stellungen berufen, die wir eben so tüchtig und tüchtiger durch Inländer besetzen könnten, noch inländischen Cotterienmanöuvres so viel Raum geben, wo sie sich intriguirend gegen fremdes künstlerisches Verdienst wenden. *) Man sieht, daß diese Bedingungen auf sehr bescheidene Ansprüche der jungen Aspiranten basirt sind. Denn sie betragen auf die deutsche Meile noch nicht 10 Sgr. Reisegeld, und für den Aufenthalt in Paris täglich 20 Sgr., ein Satz, bei dem ein Fremder kaum auf dem Fuß eines Handwerkers dorr leben kann. Eine Übersetzung der neuen Reitmethode Bau- cher ist in Berlin bei Dunker, mit dem Zusatze: „Aus dein Französischen durch einen Überzeugten", erschienen. Der Verfasser ist ein preußischer Obrist-Lieutenant, Kommandeur des 7ten Cuiras- sier-Regiments. In diesem Augenblick befinden sich drei Adjudanten des Königs von Preußen in Paris, um diese neue Reitmethode durch eigne Anschauung zu prüfen. Da die hiesige preußische Gesandtschaft einen mit den militärischen Gegenständen beauftragten Attache, den Herrn Major von Cler, besitzt, so scheint das preußische Kriegsministerium mit der Absendung von drei Oberoffizieren zur Prüfung der Methode Baucher etwas rein Überflüssiges gethan zu haben. Besser wäre allerdings gewesen, statt diese bloße Kunstreitermethode zu prüfen, spezielle Missionen für andere wichtige Gegenstände des Handels, der Industrien, s. w. zuertheilen. Summe. . . 466 4L (Die Fortsetzung folgt.) Für Jordans Familie eingegangen: Fr. E. Übertrag. . . 32 75 H. ........ . 10 H. N... 6 Summe. . . 47 75 Berichtigung. In Nr. 10 lese man unter den in Paris angelangten Deutschen, statt Herr Böttcher, Herr Müller, Sohn des Vortragenden Geheimraths im Cabinet des Königs von Preußen, welcher eine Reise durch Portugal u. s. w. vollendet. Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Neno n ard. Preis, Mittwoch. Nr. 13. 11. Februar 1841. ^>5" Abonnements - Preise r in PariS: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... -3 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sech-Monate. ... 18 „ Drei Monate. ... S „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. s rwa * V Man abonnirt: für Paris: ilN Nnresr» ventral xonr I'^NenasAne, rne IouIin8 in Paris » cingcscndet werden. Abentheuer zweier Oeultchen auf einer wül'ten Intel. ' Zwei Deutsche litten Schiffbruch an einer wüsten Insel. Die übrige Mannschaft ertrank, nur unsere Landsleute retteten sich. Der eine war aus Baiern; er trug eine Wundermedaille, und das war gut. — Nachdem sie gemeinschaftlich die Insel besehen, und gesehen hatten, daß nichts zu sehen sei, als Berg und Thal, Fels und wildes Gesträuch, bauten sie sich Jeder eine Hütte, schafften Lebensmittel aus dem Wrack des Schiffes ans Land und ergaben sich in ihr Schicksal, wie es gewöhnlich Deutsche im Auslände thun. Da sie keine Gelegenheit hatten ein BierhauS zu besuchen, so langweilten sie sich und beschlossen eine geschlossene Gesellschaft zu errichten. Der Eine war, wie gesagt, aus Baiern, der Andere aus Anhalt. Jener wollte die zu gründende Gesellschaft Bavaria nennen, dieser bestand darauf, sie As- cania zu taufen. Sie hatten ihre patriotischen Sympathien auch in der Wild«iß beibehalten. Der Eine sagte: „Uber Bayern (er sprach es mit dem y aus) geht nir; wo giebt's so a Bier und Dampfnudeln und Würstel!" — Der Andere erhob die Augen schwärmerisch zum Himmel und seufzte: „O Anhalt! einziges deutsches Vaterland!" Da sie sich demnach nicht einigen könnten, so errichtete Jeder für sich eine geschlossene Gesellschaft. Es gab also auf der Insel zwei Deutsche und zwei geschlossene Gesellschaften. Der Gründer jeder derselben war zugleich Vorsteher und Mitglied, er wählte sich selbst und dirigirte sich selbst. — So ging es einige Zeit, aber da die zwei Deutschen sich demuugeachtet beide langweilten, so beschloß der Baier, als ein gutmüthiger Süddeutscher, einen Schritt zu thun, und ließ sich in der „Ascania" Vorschlägen. Er rechnete darauf, daß der Anhaltiner dann ein Gleiches thun und um die Aufnahme in die „Bavaria" nachsüchen würde. Er meldete sich also bei der „Ascania" zur Aufnahme. Aber der Anhaltiner erwies die frühere Hartnäckigkeit des Baiern, und als es zur Wahl kam, ballotirte er den Candidaten aus. Der Baier war mit Glanz durchgefallen und betrank sich denselben Tag aus Desperation; denn, was sollten seine Bekannten dazu sagen, dachte er! So schmollten sie eine geraume Zeit mit einander und langweilten sich wieder; denn sie saßen allein in ihren respectiven Gescllschaftslocalen, ans deren Thüren mit großen Buchstaben zu lesen stand: Geschlosserte Gesellschaft. —Ta ihre Ge- , sellschastslocale nämlich zugleich eines Jeden einzige respective Wohnungen waren, so durfte Einer Len Andern nicht besuchen; der Baier hatte Niemanden, um Sechsundzwanzig, und der Anhaltiner fand Keinen, um Schasskopf mit ihm zu spielen. Nur am Strande, wenn sie sich beim Fischfang trafen, sahen sie einander. Aber Mittags speiste der Baier in der „Bavaria" und der Anhaltiner in der „Ascania", und wenn sie des Abends am User von einander schieden, sagte der Baier: „Ich geh' in die Resursche!" und der Anhaltiner : „Ich jehe ins Cassino!" Dieses geregelte, durchaus nicht polizeiwidrige Leben führten sie einige Zeit und dachten in einsamer Stunde darüber nach, wie sie es anstellen wollten, ihre respective Gesellschaft zu vergrößern. — Affen waren nicht aus der Insel, sonst hätten sie dergleichen als Ehren- oder wirkliche Mitglieder ausgenommen. Eine Post gab es auch nicht daselbst, sonst hätten sie sich dergleichen aus dem Auslande verschrieben. Da faßte endlich der Vorsteherder „Ascania", da die Langweile immer tödtlicher wurde, einen kühner: Entschluß, bezwang seinen Stolz, ging zum Vorsteher der „Bavaria" und ließ sich zum Mitglied Vorschlägen. Der Baier hörte ihn geduldig au, dachte aber bei sich: „Wie Du mir, so ich Dir," und nachdem der Candidat acht Tage auf der grünen Tafel ausge- hangeu, und der Moment des Wahlactes kam, ballotirte er den Anhaltiner einstimmig aus und meldete ihm mit großem Bedauern, er sei bei der Wahl dnrchgefallen. Dieses verdroß natürlich den Anhaltiner sehr, er sang taut den alten Dessauer und trank sich einen Rausch, wie früher der Baier gethan. Das Verhältniß war wieder das alte und dauerte auch eine geraume Zeit fort. Da fuhr endlich dem Baier ein gescheidter, ein vermittelnder, also ein deutscher Gedanke durch das Hirn. Er sagte eines Abends zu dem Anhaltiner: „Wir haben die Statuten unserer Gesellschaft geändert. Die Zahl der Mitglieder darf hundert nicht überschreiten; ein Drittel abfälliger Stimmen scheidet aus; Fremde, besonders Ausländer, dürfen während der Zeit ihres Aufenthaltes die Gesellschaft besuchen, ohne Beiträge zu bezahlen, und an die Grundgesetze gebunden zu sein. — Wenn Sie mir also die Ehre erweisen wollen — heut Abend? !" „Mit Vergnügen!" versetzte der Anhaltiner und besuchte noch denselben Abend die „Bavaria". Beim Eintritt in das Local aber fiel sein Auge auf eine grüne Tafel und er entfärbte sich. Darauf stand nämlich: Bei der letzten Wahl ist ausgenommen worden Niemand. Dnrchgefallen. . . . . Hr. Tobias Schneidter aus Zerbst. Tief verletzt, wollte er schon die Ressource verlassen, aber der Baier, der den schlimmen Eindruck der Tafel bemerkte, hing schnell sein Schnupftuch über dieselbe und bat seinen Gast, Platz zu nehmen. So saßen sie gemächlich, aßen, tranken, rauchten und spielten SechSnndzwanzig. — Als es beinahe Mitternacht wurde, steigerte sich der Frohsinn in der Art, daß der Anhaltiner in edler Selbstoerläng- nung der „Bavaria" ein Lebehoch brachte, was der Baier im Namen der Gesellschaft auch erwiderte. — Nun wäre es an dem Anhaltiner gewesen, gleichfallseinen Schritt entgegen zu kommen, aber er tem- porisirte, er wollte seiner Gesellschaft, die nach seiner Berechnung die ältere war, Nichts vergeben, änderte daher erst in einer Wollte die Statuten dah.n ab, daß Ausländer und Fremde die Gesellschaft besuchen dürfen, ohne Mitglieder werden zu müssen.— Zn dieser Maßregel hatte ihn nebst dem auch die Sparsamkeit bewogen; denn so lange er als Fremder die „Bavaria" besuchte, mußte ihn der Baier mit Porter und Grog, Tabak und Pökelfleisch bewirthen, und ersparte ein Erkleckliches an seinen Vorräthen. Denn so lange diese aus der geborgenen Schiffsladung ausreichten, arbeiteten Beide nicht, denn sie dachten, wenn wir arbeiten sollen, konnten wir zu Hause bleiben. Endlich wurde der Baier doch in die „Ascania" mit Glanz eingeführt und beide Gesellschaften bestanden lange und ehrenvoll neben einander. Jährlich am Stiftungstage gab die „Ascania" der „Ba- Varia" und umgekehrt ein Fest. Beide Stifter feierten auch kurz nach einander als Vorsteher ihr, sowie ihrer Gesellschaften fünfundzwanzigjähriges Jubiläum, wobei es ohne einige Räuschchen nicht ablief. Nachdem die beiden guten Deutschen ein hohes Greisenalter erreicht, kamen sie zu sterben. Der Baier überlebte den Anhaltiner nur einige Tage, beerbte ihn und begleitete ihn Namens seiner Gesellschaft zu Grabe. Er war eben im Begriffe: Ressource und Casino zu vereinigen, als auch ihn der Tod überraschte. Er begrub sich selbst und trug in seiner Gesellschaft eine lange blühende Gesellschaft zu Grabe. Als fünfzehn Jahre später ein Seefahrer an dieser unbewohnten Insel landete, fand er zwei menschliche Wohnungen und zwei Gesellschaftslocale, nebst der betreffenden .Einrichtung, welche auf deutsche Cultur und Geselligkeit schließen ließ. Ein Naturforscher, welcher sich aus dem Schiffe befand, schloß daraus, daß diese Insel von längerer Zeit von vielen Deutschen bewohnt gewesen sein müsse, da sich daselbst sogar die Locale von zwei geschlossenen Gesellschaften vorfanden. Zwar sah er nur zwei Grabhügel, aber er vermuthete, der Nest der Bevölkerung habe in Folge politischer und klimatischer Ereignisse vor Zeiten das Eiland verlassen und weiter westwärts ein neues Deutschland mit geschlossenen Gesellschaften gegründet. Er kam hierdurch zu der Einsicht, daß der Deutsche eigentlich überall zu Hause sei, uud da er in den betreffenden Localen die vollständigen Manuscripte der ausführlichen Geschichte beider Gesellschaften entdeckte, so hat er sich entschlossen, dieselben in den Druck zu geben — auf welche hochwichtige literarische Erscheinung wir hiermit im Voraus aufmerksam machen. — Dies ist die Geschichte von zwei Deutschen, welche ihr Glück im Ausland gemacht und deutsche Sitte und Gemüthlichkeit über den Ocean gebracht haben. — C.'^Herloßsohn. Diplomatisches. Fürstliche Reiseprojekte. — Englische Blätter melden, der König der Franzosen werde im Frühjahr (zur Season) nach London gehen, andere behaupten Königin Victoria im Mai, zuiznNamens- seste Louis-Philipps nach Paris kommen^vie M a g- deburger Zeitung endlich sprichäwieder von einem Besuch der Königin Vict^^an dem Berliner Hose, oder wenigstens von einem Abstecher der englischen Königin nach dem Rhein. — Der beste Annäherungspunkt zwischen Deutschland und England, besser wie bloße Zö^monial- Besuche, wäre ein Ablassen von der englischen Ausbeutung des deutschen Marktes und in Deutschland ein allmählig vorwärts dringender gediegener Schutz der wirklichen und Wurzelfassenden National-, nicht bloß künstlichen Industrie. Übrigens ist es bekannt, daß am Berliner Hofe die Reise der Königin Victoria nach En, nachdem zuvor der König von Preußen Palhe des Prinzen von Wales gewesen, wieder den praktischen Beweis geliefert hat, daß in unsere Zeit blos fürstliche Reisen nicht mehr stark genug sind, um Allianzen zu begründen oder zu erneuern. Die preußische Politik hat also aus der Reise nach London nicht den mindesten Nutzen gezogen; diese Reise war also ein Fehler; die Berliner Höflinge werden sich jedoch schwerlich die Freiheit nehmen, solches an geeignetem Orte vernehmen zu lassen. Es gibt jedoch in Berlin und andren Orten Personen die solches freimüthig ge- than, ihre Stimme wird aber zur Zeit von dem Chorus der aristophanischen Frösche und zu allem servil Beifall nickenden Hof-Pagoden überhört. — Die Antwort und Lehre ist im Besuche von En zu suchen und in der für Deutschland unglücklich verstärkten französisch-englischen Allianz. Der Kaiser von Rußland kann jetzt jedes Jahr nach Deutschland reisen, Tabatieren, Ringe, Dosen, Orden und Umarmungen und Händedrücke, selbst im Übermaaß vertheilen, Deutschland wird doch nicht mehr russisch gesinnt werden. Beweise Rußland durch seine Politik Deutschland wirkliche Freundschaft, nachbarliche Rücksicht, Änderung der Grenzsperre, Ablassen vom Cartell-Verlangen, ein Fahrenlassen der utopischen Hoffnungen von russischer Suprematie über Deutschland, alsdann könnte Rußland einer neuen Politik folgen und in Deutschland Sympathien finden, aber jetzt nimmermehr. Selbst die Marmorzüge des Kaisers aller Russen üben nicht mehr weder die Gewalt des Me- dusen-Haupteö noch die Anziehungskraft des thie- rischen Magnetismus. Deutschland will deutsch werden und nicht halb russisch, halb französisch, halb englisch zerrisse-A und von verschiedenen äußern Einflüssen hin und her gezerrt sein. Anderseits veZ^ählt Rußlands Kaiserhof seine Prinzen und Prinzessinnen mit fast allen kleinen und großen deutschen Fürstenhäusern. Die näheren Verwandtschaften erstrecken sich über Preußen, Wür- temberg, Sachsen-Weimar, Sachsen-Gotha, Nassau, Oldenburg, Dänemark, Hessen, Altenburg^ die Familj^Leuchtenberg und Baicrn (also Napo- leoniden für^den Noth fall), Holland, Mecklenburg. In allen Höfen Deutschlands legt Rußland Propaganda-Colonien an. An dem Sund will sich Rußland lagern^wie ein Thorwachter der Ostsee, welche diese Fesseln einst fühlen könnte. Der präsumtive Thronerbe Dänemarks heirathet eine russische Großfürstin. „Mit nnnachahmhafter Pracht, sagt die „Elberfelder Zeitung", ward die bedeutungsschwere Ve r l o bun ff ürMe tersburggefeier t." Die seit dem 28. JamWvermählte Prinzessin Friedrich von Hessen erhielt einen Diamantenschmuck von 500000 Silberrubeln. Die Damen sollen mit russischen Diamanten geblenheLiverden. Was thut Deutschland gegen diese ruffMe Propaganda? Sonst hieß es : Tu lelix Austria nude. Jetzt will Rußland sich in Deutschland einsiltriren. Dem muß die öffentliche Meinung entgegen wirken. Visionen einer Somnambule. Ich sehe ein Roulette. — Auf jedem Felde des Roulettes erblick' ich einen deutschen Staat. —Das Roulette wird von geschickten Fingern gedreht. — Die Kugel rollt. — „Double Zero!" Die Croupiers scharren das Geld ein. — Ich bin in Wien. Es ist Dämmerung. Mehrere Wiener genießen gebratene Händel mit unschuldigen Gedanken. Vorn sitzen einige Fremde. Ein freundlich Männchen nähert sich ihnen und riecht, ob sie keine ausländischen Tabakssorteu und Ideen eingeschwärzt. Mehrere Lyriker sammeln poetische Blü- then, die von einigen Hunden sorgfältig beschnop- pert werden. Viele Journalisten liegen im Staube. Rechts ein Kirchhof. Links ein Krebs. Im leeren Hintergrund sitzt der Volksgeist. Ich sehe den großen Bier-Ocean, aus dem sich romantische Knödelfelsen erheben. Es ist weder Sturm noch Gewitter, sondern Meeresstille. Viele Oceaner liegen schnarchend am User, oder betrachten den Himmel, der voll gottessürchtiger Geigen hängt. Die Sonne ist bereits untergegangen. In weiter Ferne bemerk' ich den Olymp; in der Nähe ist gar nichts zu bemerken. Es wird immer dunkler. Ich sehe nichts mehr. Jchbefinde mich in Berlin.Die Straßen sind etwas unrein, da es drei Tage lang lauter Verordnungen geregnet hat. Es weht ein kühler Wind, der den Berlinern Sand in die Augen streut. Ein Bauer bringt Lebensmittel zu Markt, die wegen ihrer Unverdaulichkeit in Beschlag genommen werden. Zwei Candidaten der Theologie lassen sich erst die Sonne durch den hohlen Leib scheinen, und sprechen dann mit Wärme von der Aufklärung. Einige edle Menschenfreunde reichen sich weinend die Hand und nehmen Landtagsabschied von einander. Sie beten daraus: „Herr, dein Wille geschehe!" Ich befinde mich in der Hauptstadt von Flachsenfingen und sehe die berittene Bürgergarde ans Steckenpferden reiten. Mehrere junge, in das Gewand der Unschuld gekleidete Mädchen, deklamiren ein Gedicht, dessen Verse fast noch mehr hinken, als der Fortschritt des Flachsenfingen'schen Zeitgeistes. Der alte Ernst lenkt das Volk, das sich Luftschlösser baut. Trommeln und Trompeten erschallen, so daß man die himmelschreiende Ungerechtigkeit nicht hören kann. Einige schwindsüchtige Frauenschneider reden über das Grundgesetz des Staats. Mehrere Personen stehen in zweideutigem Licht. Im Hintergründe bemerk' ich die deutsche Hoffnung und die himmlische Geduld, die bei der Theekanne ewige Schwesterschaft trinken! Ein sanftes Duster umgibt die reizende Scene. Ich bin in Frankfurt und sehe viele Papiere, die mit Menschen spekuliren. Die Herzen sind leer; denn die Börse ist voll. Einige Aktien kriegen den Schwindel und fallen. Zwei Cöntre-Mineurs zerstören die Mienen mehrerer Spekulanten. Es ist schmutzig Wetter; denn im Kalender steht — der achtzehnte Oktober. Ich sehe den Kursaal in Wiesbaden. Die Natur vor, und die Tische in demselben sind sehr grün. Mehrere angehende Jünglinge haben ihre glänzende Rolle bereits ausgespielt und können sich eine sehr bedeutungsvolle Lehre zu Herzen nehmen. Im Winkel steht Herr Chabert und singt: „Das Gold ist nur Chimäre!" (M. Narrh.) Countül'chcs. Reise von Triest über Alexandrien und Suez nach Bombai. — Die ganze Reise von Triest über Egypten nach Bombai kann in 26 Ü2 Reisetagen zurückgelegt werden, und die Reisenden haben auf dem ersten Platz 641 fl. C. M. und aus dem zweiten 400 fl. C. M. Fahrgeld zu bezahlen. Die österreichischen Dampfbote sind sehr zweckmäßig gebaut, und bieten durch ihre innere Einrichtung volle Bequemlichkeit. Nach der neuen Fahrtordnung können die Reisenden am 1. und 16. jeden Monats von Triest nach Ancona, und von da am 2. und 17. nach Corfou abscgeln, woselbst sie am 4. und 19. Abends eintreffcn, am folgenden Morgen die Fahrt nach Patraß und von da am 6. und 21. nach Lutraki sortsetzen, welches sie an dem- selben Tage Abends erreichen. Am nächsten Morgen werden sie durch bequeme Kutschen binnen 1 H4 Stunde über den Isthmus von Korinth nach Kala- maki befördert, woselbst sie von einem zweiten Dampfbote der Gesellschaft ausgenommen werden und Abends am 7. und 22. in Athen anlangen. Von Athen können sie entweder mit dem österreich. Dampfbote am 10. und 29. oder mit dem französ. am 10. und 30. oder 31. des Monats, nach Syra abgehen, von welchem Orte sie die Fahrt nach Alerandrien vollenden. Ter mehrstündige Aufenthalt des Dampfbotes in jedem der genannten Hafen, gestattet dem Reisenden alles SehenSwerthe daselbst in Augenschein zu nehmen. Die Reise kostet von Triest über Corfn nach Sira in fünf Tagen auf dem ersten Platz 90 fl. C. M., von Sira nach Alerandrien in dritthalb Tagen 155 Francs oder 62 fl. C. M. In Alcrandria hat die linnsit Oompan)- die Beförderung der Reisenden und des Felleisens durch Egypten von den Herren Hill und Comp, und Wag Horn übernommen. Tie Fahrpreise von hier bis Kairo betragen in zwei Tagen 5 Lst. oder 50 fl. C. M. Tie Nilfluß-Dampbote zu dieser Fahrt sind ziemlich geräumig, und haben ungefähr zehn Pferdekraft. In Kairo werden Die Reisenden durch die IrnnAt Company nach Belieben durch Wagen, Tragsessel, Maulthiere oderReit- pferde, die Brief-Felleisen aber und die Frachtstücke mit Kameelennach Suez befördert. — JnderEnt- fernung von zehn bis fünfzehn englischen Meilen ist eine Raststation, deren es zwischen Kairo und Suez sieben giebt. Der Fahrpreis aus dieser Strecke beträgt 8 Pfd Sterl. 18 Shill. oder 89 fl. C. M. Die in Suez lebenden Europäer sind der englische Consul Herr I. Lewis, und der Eigenthümer des Gasthofes. Der Kaufmann, Herr Nicola Costa, ein Armenier von Geburt, ist Consularagent von Frankreich, und zeigt sich auch den Reisenden anderer Staaten sehr dienstfertig. Übrigens steigt die Einwohnerzahl von Suez mit jedem Jahre, und diese Stadt erhebt sich zum bedeutenden Handelsplatz. Die zwischen Suez und Bombai fahrenden Dampfbote sind Schiffe erster Größe, mit Kanonen bewehrt, und überhaupt ganz auf den Kriegsfuß eingerichtet. Die Fahrt dahin über Aden dauert 16 Tage, wofür 850 Rupien, oder 350 fl. C. M., zu bezahlen sind. Mit jedem Dampfbote werden im Durchschnitte 35 000 Briefe nach Bombai befördert, und nicht geringer dürfte sich die Zahl der Zeitungsblätter stellen. Auf der ganzen Route von Triest nach Indien ist für Transport, Unterkunft, Speise, Getränke rc. die beste Sorge getragen, und den Wünschen der Reisenden wird in jeder Beziehung nach Möglichkeit zu begegnen gesucht. Buntes und Spitzes Herr Sue hat unserem Deutschland viele Ehre erwiesen, indem er die schöne, edle, menschenfreundliche Figur Rudolphs, dieses rettenden Engels, dieser irdischen Vorsehung der Armuth zu einen Deutschen macht; — und wenn auch das Original zu diesem deutschen Fürsten vor der Hand noch in Deutschland fehlt, so wollen wir doch auch für das Ideal dankbar sein. — Eine Stelle hat mir viel Kopfbrechen gemacht, wo von einer Gegend Deutschlands gesprochen wird, die man wegen der beglückenden menschensreudlichen Negierung ihres Fürsten Deutschlands Paradies nennt. — Wo mag 3 das sein? Über die Lage des vorsündfluthlichen und anti-apfelbeißerischen Paradieses, haben die Gelehrten dicke Bücher geschrieben, ohne zu einem Resultategekommen zu seyn, das deutsche Paradies dürfte noch schwerer aufzufinden sein. Zwar glaube ich, — doch dieß ist nur eine Privatmeinung von mir, — eine Spur gefunden zu haben und denke mir immer, wenn ich alle Umstände vergleiche,' Herr Sue hat das Königreich Hannover gemeint, wo der Liebling des deutschen Vol- k e s, Ernst August, regiert, — und je mehr ich darüber nachdenke, je klarer wird es mir; gewiß das deutsche Paradies liegt in der Lüneburger Haide. — Oh glückliche Haidschnucken! Ans Berlin schreibt man, daß die bekannte Schauspielerin Fräulein Charlotte von Hagen, die bei den Manövren von Kalisch in der Suite des Kaisers ritt und schon zwei fürstliche Residenzen wegen diplomatischer Neclamationen — der regierenden Fürstinnen verlassen mußte, nun beabsichtigt ihre höchst interessanten Memoiren herauszugeben und zwar unter dem pikanten Titel : „Erinnerungen an Tausend und eine Nacht." Man erzählt, daß der Großfürst Thronfolger von Rußland, vor seiner Abreise aus Darmstadt, wo er seine Gemahlin einstweilen zurückließ, um sie im März abzuholen, seinen Leibköchen sein allerhöchstes Mißfallen für einige schlecht combinirte Saucen und falsch instrumentirte Ragouts dadurch zu erkennen gab, daß er dem ganzen Küchenpersonal ohne Ausnahme ein kaiserliches Geschenk von vierzig Kantschustreichen aä xostsriorn. huldvollst verabreichen ließ. —Wir geben diese Nachricht als Supplement zu Herrn vonCustine'sWerk: »DaUussie.» Im Hotel Rothschild finden in diesem Winter wegen des Todes der kleinen Enkelin des Baron James von Rothschild keine Bälle statt. DerMarquis von Custine ist entschieden in Rußland in Ungnade: sein Signalement, von Daguer- reotyp-Porträts begleitet, ist an alle russischen Gränzämter mit dem strengen Aufträge verschickt worden, ihn nie mehr nach Rußland hineinzu lassen. Auch alle russischen diplomatischen Agenten im Auslande haben den Befebl erhalten, sich vor jeder Berührung mit ihm zu hüten. Man sieht, wie leicht verwundbar der gefürchtete russische Coloß ist. Die » Kouvellss n In MAN " enthalten folgende Notiz: Die Frau Gräfin von Appony, Gemahlin des Neffen des östreichischen Gesandten, ist dieser Tage von einer Tochter entbunden worden. Die Schwiegertochter des Herrn Gesandten ist eine geborene Gräfin Benkendorf, Tochter des ruffischen Polizeiministers. Diese Verbindung hat einst in Wien, wegen des innigen Einverständnisses zwischen dem östreichischen und russischen Cabinette, sehr gefallen. Graf Benkendorf ist sehr leidend, die Ärzte haben ihm eine Reise in's Ausland ange- rathen; aber S. M. der Kaiser aller Reußen ist nicht der Meinung der Herrn Ärzte. Er meint, daß ein Polizciminister nicht in Europa herum zu spazieren und gewisse Städte zu besuchen brauche, wo er leicht zu Indiskretionen verleitet werden könnte. Deswegen wird der Graf Benkendorf in der Blüthe seiner Jahre und auf seinem Posten sterben, weil es so der Wille seines vielgeliebten Souverains ist. Herr Martinez de la Rosa, der neue Bothschaf- ter Spanieuö, hat das schöne Hotel der Rue de Clichy, wo einst der Herzog von Frias als Gesandter residirte, um 24000 Franks jährlich gemiethet. In den nächsten Monaten sollen in den Tuilerien vier große Hofbälle und zwei Kinderbälle statt finden. Man bemerkt dieses Jahr auf den Opernbällen, in den Händen der Damen keine Bouquets, und in den Knopflöchern der Herrn keine Kamelien mehr. Ökonomie, wohin man nur blickt; — die Sparkassen triuiuphircn über das Vcrsetzamt. Das unterhaltende Journal: - I'Dotr'nets enthält in seinem Blatte vom 7. d. einen übermn- thig lustigen Artikel, in dem Meyerbeers Musik zum „Gestiefelten Kater" und auch unserer Wenigkeit und unseres Blattes auf das Ergötzlichste gedacht -wird. Weit entfernt einen heiteren Scherz übel zu nehmen, haben wir herzlich über den Schwank gelacht, und gedenken der Redaktion deS Lntr'aett; nächstens ebenfalls im Geiste eine fantastische Visite abzustatten, wie sie uns mit einer solchen beehrte. Daß der « Dntr'uets - unser „Vorwärts" » In Onxetts ck'^uA-donr-A äs ?nris » nennt, ist allzu schmeichelhaft; aber dennoch müssen wir alles Ernstes dagegen protestiren, daß er unsere Bureaur in der rus äss Nonlins zwischen den vierten Stock und den Himmel verlegt und aus dem Redakteur dieser Blätter, der sich in der Blüthe seiner Jahre, zwischen achtzehn und neun und dreißig, zu sein schmeichelt, „einen apfelgrauen, fantastischen Greis" macht. — Zur Beruhigung des „Entr' ac- teS" bemerken wir übrigens bei dieser Gelegenheit, daß Meyerbeer, nach uns so eben zugekommenen höchst offiziellen Nachrichten, in Berlin nichts componirt, als das Gelegenheits-Vorspiel zur Eröffnung des neuen Opernhauses und daß sein „Prophet" nicht, wie einige Blätter fälschlich behaupten, zuerst in Berlin gegeben wird, sondern für die Aufführung in Paris reservirt bleibt — si Düs et Domino no-äio Deons Dillst plaoet! Leute die für Alles eine» Grund wissen wollen, haben gefragt, warum Molicre auf seinem Monumente sitzend dargestellt sei. Einige große Schrift- gelehrte haben ihnen geantwortet, daß nach einer alten, sehr alten, uralten Verordnung nur regierende Könige auf den Plätzen von Paris stehend oder in Reiter-Statuen verewigt werden dürften. Ein in der Geschichte ziemlich Unerfahrener soll hierauf gefragt haben: Wie lange denn der Obelisk von Luror regiert habe? Die Art und Weise, wie ein bejahrter, angesehener rechtlicher Mann, der Hosrath Murhard, in Cassel, wegen eines angeblichen Preßvergehens, in seiner Wohnung verhaftet und am Hellen Tage durch die volkreichsten Strafender Stadt unter Polizeibedeckung nach dem Criminalgefängnisse geführt wurde, ist wahrhaft empörend. Einige Tage darauf wurde er gegen Leistung einer Kaution von 10 000 Thaler zwar aus dem Gefängnisse entlassen, aber in seinem Wohnzimmer durch Polizeibeamte bewacht, — erst nachdem man alle seine Papiere sorgsam durchspürt und nichts Verdächtiges gefunden hatte, wurde auch diese Bewachung ausgehoben. Und so etwas geschieht 1844 mitten in 4 'Deutschland, — wahrhaftig, die Regierung in Cassel sucht sich auf alle Weise beliebt zu machen. Das „Magazin des Auslandes" sagt: Herr Gretsch (der russische Publicist) hat selbst in Frankreich Verbündete gefunden. — Sodann zitirt dies Blatt den Aufsatz des Herrn Chaudesaigues und spricht von dem großen Einflüsse der „Revue de Paris". Rußland hat sich diesen Winter hier viel Mühe gegeben um sich Verbündete zu werben, diese Mühe ist nur mit spärlichem Erfolge gekrönt worden. Die „Revue de Paris" verliert jedes Jahr an Abonnenten im Ausland. Ein Nord amerikanisch er Unions-Con- sul in den Rheinprovinzen. — Verschiedene rheinische Blätter äußern sich wie folgt: Da Herr Louis Marks, den man als Consul für die preußischen Rheinprovinzen, Westphalens, „Galignani's Messenger" sagt selbst Rhein-Bayern, namhaft macht, unserm Kaufmannsstande unbekannt ist, unsere Verhältnisse nicht studirt hat, so macht eine solche Ernennung Wunder." Ein Consul muß in die Verhältnisse eingeweiht sein, das Vertrauen und die genaueste Bekanntschaft mit den Ländem besitzen,wo er wirken soll. Die rheinischen Blätter fordern die preußische Regierung auf, durch alle ihr zu Gebote stehenden Mittel die Interessen der rheinisch-westphalischen Kaufmannschaft zu sichern. Das Passendste wäre nötigenfalls, was bereits früher geschehen ist, das Erequatur zu verweigern. Herr Louis Marks mag ein sehr ehrenhafter Mann sein, aber die Rheinprovinzen verlangen mit Recht nicht einen ihnen Unbekannten, sondern einen in Praxis bewährten Mann. — In Handelssachen so wie in jeder praktischen Regierungs-Frage muß man die Stimme der öffentlichen Meinung beachten. Pariser Theaterschau. Opera-Comique. Tod es-Anz eige. — Wir haben unfern Lesern die tiefbetrübende Kunde mitzutheilen, daß am Abende des io. d. der Graf Caglioftro, Buch von den Herrn Scribe und St.-Georges, Musik von A. Adam, an Entkräftung, Schwäche, gänzlichem Mangel an Ideen und Melodien Und Uebersctzung des Langetveile-Stoffes auf das Publikum eines sanften geräuschlosen Todes verblichen und unter den rauschenden Beileidsbezeugungen der Claqueurs und dem stillen Schmerze der Zuhörer auf der Place des Italiens begrüben worden ist. Die vorgenommene kritische Sektion zeigte, daß der Verstorbene schon von Geburt an an einer gänzlich fehlerhaften Organisation und durchgängigen Verstimmung litt. Das Buch, ursprünglich nicht ohne launige Situationen, ist wie gewöhnlich bei den Proben so verbessert, d. h. v er- bösert worden, daß es durchaus nicht mehr im Stande war einige Wirkung hervorzubringen. Der Charakter Cagliostros, des feinen Weltmannes, der alle höheren Zirkel besuchte, bei regierenden Fürsten und dem höchsten Adel Zutritt hatte und durch seine Sprachkenntnisse, seine ausgezeichnete Conversationsgabe und seinen Geist Alles, selbst die gebildetesten Personen für sich einzuneh- mcn wußte, ist in dieser Oper zu einer ArtDulcamara von der letzten Sorte, in einen Charlatan der Barrieren verwandelt worden, der plumpe Taschenspielerstückchen macht; die Unwahrscheinlichkeiten und Verstöße gegen Zeit und Sitte geben sich brüderlich die Hand. Was die Musik betrifft, so bedauern wir bemerken zu müssen, daß Herr Adam mit Riesenschritten rückwärts geht. Welche Armuth an Melodien, welche Sterilität der Ideen, welche jammervolle Jnstrumentirung! — die ganze Oper ist nichts als dramatisirte Cancan-Musik. DieOuverture, unstreitig das Langweiligste der ganzen Oper, hat drei abgerissene Themas, die einander nachlaufen wie Cour- rier-Pferde ohne Postillon, keinen Zusammenhang haben als erzwungene Übergänge, und in der gewöhnlichen Stretta einer Musard'schen Quadrille endigen. Nicht ein Mal eine hübsche Romanze, sonst Adams Paradeleistung, ist in der ganzen Oper; — viele Noten, viel musikalisches Geräusch, viele Walzer- und Cancan-Themas, — aber keine einzige Nummer die sich von der Bühne ims Publikum, von da in die Salons verpflanzen wird. —Der König von Avetot war ein großer Rückschritt nach dem Postillon;— aber der König von Ave tot ist ein Meisterwerk gegen Caglioftro. — Als Ca- gliostrv-Cholletden unglücklichen Liebhaber-Tenor am Ende deS zweiten Aktes einschläferte, nickte auch schon das Publikum schlaftrunken ein, und als dieser in der Versenkung hinabsank, sank auch das ganze Publikum in den Logen in die Arme eines bedeutend festen Schlafes.— Gespielt wurde gut, dafür aber sehr falsch gesungen; — die Claqueurs leisteten das Vorzüglichstein ihrer Art, aber das Publikum ließ sich nicht irre leiten. Die Taschenspielerstückchen mit dem rochen und weißen Wasser und dergleichen gehören in die Champs-Elystes. — Den deutschen Bühnen ist der Ankauf und die Übersetzung dieser ganz verfehlten Oper entschieden abzurathen. Odeo n-TH ea t e r. Ebenfalls eine Todes-Anzeige. — Das mit so großem Lärm angekündigte, Monate lang vorher ausposaunte und bis zu den papierenen Wolken der Journal- Unsterblichkeit erhobene neue Trauerspiel: ,,Le vi eur Consul", Erstlingsversuch des Herrn Arthur Ponroy, ist am 10 . d. vor einem sehr übelgelaunten Publikum zum ersten und wahrscheinlich auch zum letzten Male gegeben worden. Wir glauben daß man, nach dem übertriebenen Enthusiasmus und Lobesqualm, den man an Herrn Ponsards : L ucr etia verschwendete, wohl nachsichtiger und aufmunternder gegen die erste Arbeit Pon- roys hätte sein können, die jedenfalls zu Erwartungen für die Zukunft berechtigt; allein man schämte sich, damals so enthusiastisch gewesen zu sein und ließ dies nun dem vieur C on sul durch üble Laune entgelten. — Dlle Maxime gab sich viele Mühe um das Stück zu retten, wurde aber von den andern Mitspiekenden nur schwach unterstützt. Eine Verbesserung und Verstärkung des Personals des Odeons durch einige tüchtige Künstler wäre wünschenswerth; Herr Lireur möge bedenken, daß es sich nicht bloß darum handelt viele neue Stücke zu geben, sondern diese Stücke auch gut und vollkommen zu besetzen und zu geben. Drittes Concert des Conl'ervatoriums. (Am Ilten Kamt«? ) Dieses Concert begann mit einer Symphonie von Schwenke, welcher das seltene Glück hatte die Aufführung seines Werkes im hiesigen Conservatorium noch bei Lebzeiten zu erwirken. Besonders gut nennen wir bloß den dritten Satz (üct^i Lo) dieser Symphonie; in den übrigen drei Theiken stechen die neuen modernen Melodien, k> I» Nutzer, von den alten klassischen Formen, » ls Hg^ckn, gewaltig ab. Das Ganze verräth zwar Talent, verhält sich aber zu einer Beethoven'schen Symphonie, wie ein einfaches regelmäßig gebautes Haus zu einem erhabenen Dom im gothischen Style. — Der hierauf folgende Jäger-Chor aus Webers ,,Euryanthe" wurde stürmisch zur Wiederholung verlangt. Es war dieß die Uebersetzung und Bearbeitung von Castil-Blaze, welcher sich auch Nicht enthalten könnte Webers Musik verbessern zu wollen, indem er zwischen die Zwei Couplets einen verbindenden Mittelsatz, und am Schluffe, ein Finale hinzufügte. Wir würden diese Kühnheit sehr rügen, aber zufälliger Weise sind die besagten Anhängsel zu schön, und wir bedauern nicht sie gehört zu haben. Es wäre dieß das Beste was Castil-Blaze je geschrieben, wenn es nicht Note für Note aus Glucks ,,JphigenicG abgeschricben wäre. — Mlle Matmann trug hierauf das Concerto in 6 von Beethoven auf dem Piano vor; Talent, Eifer, Ge- müth und mechanische Fertigkeit sind die Eigenschaften dieser Clavierspielerin, welche von dem Publikum äußerst beifällig ausgenommen wurde. Mlle Matmann ist dem Vernehmen nach ein Schützling der Herzogin von Orleans, und dieser Gnade auch vollkommen würdig. Was die Composition, die sie vvrtrug, anbelangt, so fragen wir bloß, welcher von den jetzigen Clavier-Componisten so etwas zu schreiben im Stande sei? — Die vierte Nummer bildete die Jntroduction aus dem Chor aus ,,Moses" von Rossini, welcher hiemit seinen feierlichen Einzug in den Tempel der klassischen Musik hielt. Dieser vorzügliche Chor und dessen Ausführung erfreüeteN sich lebhaften Beifalles, und wir ermuntern Herrn Habeneck auch fernerhin das wirklich Gute der neuen italienischen Meister anerkennen zu wollen. — Den Beschluß machte die Symphonie in ^ von Beethoven. Es ist unnöthig sich über so bekannte Meisterwerke näher auszusprechen; wir berichten daher bloß, daß das Andante und Finale wie gewöhnlich Enthusiasmus erregte, während aber das Scherzo in Folge eines gänzlich vergriffenen Tempos seine Wirkung verfehlte. Ein Vorwurf, den man Herrn Habeneck zuweilen machen könnte! Das nächste Concert findet am 2üsten Februar statt. Mar Ni. Eingegangene Beiträge zum deutschen Hülss- Verein. Fr. E. Übertrag. . . 456 45 Gräfin Marie d'Agoult (jährlicher Beitrag). 25 M. N. Graf v. Lurburg, königl. barer. Gesandter (jährl. Beitrag). Baron von Seydlitz . . . . Herr Hubotter. Venedey.. Vieweg . . . . . - . Lieut. Leese. Herr A. Neuburger. Summe . . 4 100 100 10 10 10 10 5 730 45 Für Jordans Familie eingegangen: Fr. E. Übertrag. . . 47 75 Herrn Rochau und Venedey. . . 20 Summe. . . 67 75 Redakteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von PaulRenouard. Paris, Sonnabend. Nr. 14. 17. Februar 184L. Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S ,, Insertionen: die Zeile ü 50 Centimes. ^ ir w n Man abonnirt: für Paris: iin Nurssu vesrrsl pour I ^Nemstzne, rue lies !>Ioulius, Zr. und in der Buchhandl. von Tule» Lteoousrä et rus ä« 1'ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3,in New-Aork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Mukik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am ErscheinungS-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugcflcllt werden, so bitten wir uns dies in franlirtcn Briesen anzuzeigen. — Ansragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briese wollen ü-nnoo : « An die Redaktion des Journals: Vorwärts, 32, l-U6 668 UouIi lt8 in Paris » cingcscndet werden. Skizzen aus der deutschen Gegenwart. 1) Der König von prcul'scn und lein Volk. Selten wohl ist ein Fürst bei seiner Thronbesteigung mit größerem und aufrichtigerem Jubel seines Volkes begrüßt, selten sind auf einen feine schwierige Laufbahn beginnenden König freudigere, umfassendere Hoffnungen gesetzt, selten ist von einem Regentenwechsel mehr erwartet worden. Ein freudiger Jubelruf durchzuckte nicht nur Preußen, nein, ganz Deutschland beider Nachricht: „Friedrich Wilhelm IV hat den Thron bestiegen!" Man kannte des neuen Königs männlich edlen Charakter, seine hohe geistige Bildung; man wußte, daß er mit diesen schätzenswertsten Eigenschaften eine Tiefe, eine Innigkeit des Gemüthes verbinde, wie man sie auf deutschen Fürstenthronen selten mehr zu sehen gewohnt war. Als Kronprinz hatte Friedrich Wilhelm IV eine große, ereignißschwere Schule der Erfahrung durchgemacht; als Knabe schon hatte er nach der Schlacht bei Jena durch die Verblendung der Führer, durch die plumpe Ungeschicklichkeit der Preußischen Minister den Sturz des Staates gesehen, den er einst beherrschen sollte; — er war zwanzig Jahre alt, als der Fall Napoleons, des Gewaltigsten seiner Zeit, ihm die Lehre gab, das Reich der Bayonette und der Kanonen sei vorüber, die Herrschaft der Gedanken habe begonnen, die materielle Gewalt unterliege der geistigen Macht begeisternder Ideen. Im vollen Mannesalter, 35 Jahre alt, sah er jene mährchenhaft rasche und gewaltige Revolution des Julis, die das mühselig zusammengestickte Werk des Wiener Congresses über den Hausen warf und Europa Hand in Hand mit der schrecklichen Geißel der Cholera durchziehend, das vielbestrittene Recht der Legitimität abermals in Frage stellte, das Recht „von Gottes Gnaden" in einen Vertrag zwischen Völkern und Fürsten umwandelte. Am 7. Juni 1840, fünf Wochen vor der Unterzeichnung des Londoner Vertrags vom 15. Juli, bestieg er den Thron; und in die freudigen Hoffnungen, mit denen der neue Herrscher von den Ufern der Memel bis an die des Rheins begrüßt ^mrdc, mischte sich die edelste National-Begeistc- rung für deutsches Land, deutsches Recht Md deutsche Freiheit als Antwort auf Thiers übermüthige Propaganda-Drohungen. Der Augenblick war ein großer, bedeutungsschwerer; — ganz Deutschland sah ans den neuen Herrscher, in dem es, voll seines alten treuen Glaubens an seine Fürsten, den Regenerator deutscher Nationalität erblickte; — alle Augen waren auf Berlin gerichtet, alle Ohren horchten den Worten, die von dort erschallten; des neuen Königs Reisen glichen Triumphzügen, seine Reden flogen wie glückverheißende Orakelsprüche durch die deutschen Gauen, alle schlummernden Hoffnungen neu belebend, und wie ein warmer Frühlingsregen die edelste Saat zum Keimen und Sprießen hervorrufend. — Viertehalb Jahre sind seitdem verflossen; — welche Umwandlung! Die Rheinprovinzen verstimmt und unmuthig, die Ostsee-Provinzen unzufrieden, Altpreußen spöttelnd, kritisirend, ja verdammend, wo es vor Kurzem noch vergötterte. Wo liegt die Ursache? — wer beging den großen Fehler, der diese plötzliche, für einen fühlenden Fürsten wie Friedrich Wilhelm gewiß schmerzlich bittere Umwandlung hervorrief? Die Akten dieses großen Prozesses zwischen Volk und König sind noch zu wenig bekannt, die Geheimnißkrämerei des preußischen Beamtenstaateö umgibt Alles was geschehen ist, was geschieht, und was geschehen soll, noch mit einem so dicht verhüllenden Amts-Nebel, die Leidenschaftlichkeit der Partheien verzerrt die Tagsgebilde noch zu sehr zu karrikirten Chargen, der Mangel au Öffentlichkeit in Deutschland und ungeschickte Handhabung der Regierungs-Presse geben zu so mannigfachen Deutungen und Deuteleien Anlaß, daß sich in diesem Rechtsstreite, wo eine Parthei nicht sprechen darf, die andere nicht sprechen will oder doch nur halb spricht, noch kein klares vollständiges Urtheil fällen läßt. Wir können also nur nach den äußern Erscheinungen urtheilen und das Gesammtgebilde derselben gibt dem unbefangenen Beobachter das traurige Resultat eiues fortwährenden Schwankens, eineöVor- und Rückwärtsgehens, eines politischen Schaukelsystems, des schlimmsten unter allen politischen Systemen. Heute ein freudig begrüßter Fortschritt, morgen wieder ein Rückschritt, der unzufriedenes Murren erregt und den guten Eindruck von gestern vernichtet; heute eine dem Geiste der Zeit gemachte Concession, morgen ein absichtliches Prunken mit allen Formen des starren Absolutismus ; heute ein freies offenes Wort dem innersten Gemüthe des Königs entsprossen, und morgen ein diktatorisches Umherwersen mit „Ich will" und „Es soll!" Das Volk wird bei dieser Camäleons-Politik irre an seinem Fürsten ; der Samen des Mißtrauens, der Entfremdung, der Kälte findet üppiges Erdreich um in verderblichem Unkraute lustig emporzuwuchern; und der Monarch, den sein Volk auf den Händen trug, den es im Jubel der ersten Begeisterung den ersten Platz in seinem Herzen, in seiner Liebe, in seinem Glauben anwies, steht jetzt allein, vereinsamt in seinem Lande, das vom Enthusiasmus freudiger Hoffnungen zu der kalten, mißtrauenövollen Nüchternheit der Enttäuschung übergegangen ist. — Und wir fragen wieder: An wem liegt dieSchuld? Die deutsche Presse, so weit sie über solche Gegenstände sprechen darf, deutet darauf hin, als ob die ganze Schuld an diesem Ubelstande dem Könige allein zur Last fiele; die öffentliche Meinung in Deutschland, die sich glücklicherweise nicht in Cen- sursesseln schlagen läßt, spricht das offen aus. — Haben beide Recht? — Nein! Sie irren sich; — nicht an dem Könige allein liegt die Schuld, sondern viel mehr an denen die ihn nicht verstanden oder falsch verstanden oder die ihn nicht ver- stehen wollten. Ein Mann von so hoher, geistiger Bildung, von so vielem gründlichem Wissen, von so tiefem rein menschlichen Gemüthe wie Friedrich Wilhelm, glaubte alle Andere sich geistesähnlich, meinte, daß man seine Gedanken so schnell auffassen und so sinnestreu wiedergeben würde, wie sie aus seinem Kopfe und Herzen entsprangen; kurz, es geschah dem Könige, daß er, der jahrelang über seine Regierungspflichten und Absichten nachgesonnen, in die praktische Wirklichkeit tretend, zu sehr idealisirte und Andere nach seiner Begeisterung, seinem geistigen Maaßstabe maaß. Allein er wurde, wie gesagt, theils nicht verstanden, theils wollte man ihn nicht verstehen. Zu denen die ihn nicht verstanden, gehörte die deutsche Presse; zu denen die ihn nicht verstehen wollten, seine Um - gebung. Der ererbte Haß gegen Alles, was wie Liberalismus aussieht, der unter der Regierung des verstorbenen Königs unter dem hohen Beamtenstande und den höheren Klaffen hinreichend feste 2 Wurzel gefaßt hatte, die Unbekanntschaft mit dem wahren Geiste des Volkes, in der man sich absichtlich selbst hielt, alte Vorurtheile, eingesogen mit der Muttermilch und durch Gewohnheit und tägliches Beispiel von Oben zur zweiten Natur geworden, hatten in Berlin eine Kaste gebildet, die des neuen Königs zeitgemäße Richtung mit Schrecken sah, der sein kühnes und freies Heraustreten in die Öffentlichkeit ein Gräuel war. War es da ein Wunder, wenn des Königs Ab- und Ansichten eine unvollkommene, schleppende Ausführung fanden, wenn sich Hindernisse auf Hindernisse thürmten, an denen das Feuer der ersten fürstlichen Begeisterung verrauchte, wenn man geschickt Besorgnisse einzuflößen, Bedenken zu erheben, Zweifel zu erregen wußte und bei jeder freien Regung des auf die Stimme des Königs erwachenden Nationallebens, das Schreckbild der Revolution mit den grellsten Farben auf alle Wände des KönigSpallasteö malte? — Es gibt in Berlin leider eine Klasse der Oonsei vatenrs- boi'ne-, die zwar keine Haarzöpfe mehr tragen, sich aber doch für die Traditionen der Haarzopfzeit todt- schlagen lassen, die eher auswandern und ein neues Coblenz bilden, als in einem konstitutionellen Preußen leben würden, und deren Fanatismus, obwohl welk und hausbacken, doch ein wesentliches Hinderniß jedes Fortschrittes ist. Große fähige, nach Ideen und höheren Prinzipien handelnde Minister sind jetzt selten, gute administrative Beamte aber sind noch nicht genug um ein Volk den schwierigen Pfad zu seiner politischen Ausbildung zu führen und die Gedanken eines edeln, das Beste wollenden Fürsten kräftig ins Leben treten zu lassen. Hätte Friedrich Wilhelm IV einen großen Minister gefunden, wie Preußen deren schon mehrere hatte, — vieles stände jetzt anders und man hätte nicht nöthig erst mühsam wieder das gut zu machen, was man unbedächtigerweise verdorben. — Ter gewöhnliche seichte Liberalismus, der sich nur in schönen Worten und großen Phrasen gefällt, hat sich überlebt; unsere Zeit fordert Ernsteres, Gehaltvolleres, Nachhaltigeres. Das „Constitutiöuchen spielen" kömmt aus der Mode, man streitet nicht mehr um den Namen einer Rcgierungssorm, sondern um ihr innerstes Wesen, um ihren Gehalt, um ihre — Landstände mit Knebeln und Daumschrauben, De- putirtenkamnrern ohne moralische Kraft nützen nicht mehr als die Geheimregiererei des Absolutismus; das Representativsystem hat seine Schwächen wie die Selbstregierung, der Geist des Herrschers muß beide segensreich beleben. Hierin lag die Aufgabe der preußischen Regierung, an deren Lösung sie jedoch, wie es scheint, vor der Zeit erlahmt ist. Entwickelung der Freiheit und Unabhängigkeit der Presse, Verbesserung der Gesetzgebung, Einführung der Öffentlichkeit und Mündlichkeit des Gerichts-Verfahrens, Bildung eines großen Eisenbahnnetzes, Hebung des Handels und der Industrie, Ausdehnung des in seiner ersten Idee so großartigen Zoll-Vereines, all- mählige Verschmelzung der verschiedenen Provinzen des Staates, aber durch Vor-, nicht durch Rückschritte, — dieses war das Programm von Friedrich Wilhelm IV Regierung. Diese Aufgabe zu lösen, wäre seiner würdig und von den segensreichsten Folgen nicht nur für Preußen, sondern für ganz Deutschland geworden, dessen andere Regierungen dem von Berlin gegebenen Impulse nicht hätten widerstehen können. Künftige Herrscher hätten daun das Schwerste gethan und einen Staat gefunden, vorbereitet, empfänglich, politisch gebildet für fernere Fortschritte; — Rom ward nicht an einem Tage erbaut, — eben so wenig macht man aus einem Jahrhunderte lang absolut regierten und or- ganisirten Staate über Nacht einen constitutionel- len. — Die fürchterlichen Krämpfe der ersten französischen Revolution, der fünfzehnjährige Kamps gegen die Restauration, die ersten zehn Jahre von Louiö-Philippeö Negierung, das sich seit zwölf Jahren selbst zerfleischende Spanien liefern uns Belege für diese Wahrheit. — Aber nicht die allein tragen die Schuld aller begangenen Mißgriffe, die den König nicht verstehen wollten, sondern auch die, die ihn nicht verstanden. Der König wollte Fortschritt, sie wollten Umsturz; er wollte weiter bauen, sie wollten einreißen; er gab dem Strome der streng gedämmten Presse Lust und dieser ergoß sich einerseits in Flachheiten und Jämmerlichkeiten, andrerseits wühlte er die Grundfesten des Staates, das Christenthum und die sociale Organisation untergrabend um; — der vernünftige Mittelweg, die gediegene praktische Erörterung der Bedürfnisse der Zeit und des Landes wurden verschmäht, man wollte Aufsehen, sich selbst zum Tagesgötzen machen, — das war die Losung der neuen Aera. — Durch Beraugers Beispiel verlockt erstanden die politischen Sänger wie Pilze im feuchten Moorgrunde, ihre Oberflächlichkeit in holprige Reime kleidend und sich dabei das Ansehen gebend, als hätten sie Deutschland gerettet. Socialimus, Communismus, Hegelianismus, und eine Menge anderer „Muffe" mußten zum Banner dienen, um die Leute zu locken und ein Tohu-Bohu, eine Sprach- und Jdeen-Verwirrung wie beim Thurmbaue Babel ließ sich hirnbetäubend hernieder auf Deutschland; — man suchte in der Ferne, in den Regionen der Metaphysik, man stieg mit stürmender Hand in den Himmel, — aber das Wahre, das so nahe lag, ließ man unbeachtet liegen, man wollte ein schönes Dach bauen, und hatte noch nicht ein Mal die Grundfesten gelegt. — Bei dieser Flachheit einerseits, bei diesen Ausschweifungen andererseits, wurde es denen die des Königs vorschreitende Richtung mit Unlust sahen, die mit ihren ererbten beschränkten Ideen seinem Geistesfluge nur mühsam nachhumpeln konnten, ein Leichtes, ihm die Lust an seinen Schöpfungen zu verleiden, die Presse zu verdächtigen, den Volksgeist als gefahrdrohend zu schildern; — Friedrich Wilhelm schwankte, die ganze Verantwortlichkeit seiner Stellung stieg vor ihm im Geiste auf, Rußland und andere Mächte ließen es nicht an Einflüsterungen und Mahnungen fehlen; der König, der bis jetzt nur dem Triebe Zeines Herzens gefolgt war, nur mit den Augen seines scharfen Geistes gesehen hatte, fing an mit fremden Augen zu sehen, auf fremde Rathschläge zu hören, und von diesem Augenblicke begann jenes verhängnißvolle Schaukelsystem, dessen wir oben erwähnten. Man klagt nun Friedrich Wilhelm an, man spottet über seine Be- oder Umkehrung, — man sollte ihm das herzlichste Mitleiden schenken, nur mit warmer Theilnahme seiner gedenken, denu für einen so geistig hoch gebildeten, so tief und zart fühlenden Fürsten muß es das bitterste Gefühl sein das Gute ernstlich gewollt und es nicht vollbracht zu haben. —Daher weg mit jenen unedlen Spöttereien, die sich auf die früheren Lobeslieder ziemlich kläglich anönehmen, die nur erbittern und nichts nützen, die den ohnehin mit sich zerfallenen Fürsten nur ausreizen und ausregen, ohne der guten Sache zu nützen; hinweg mit jenem verdächtigenden Geklatsche der Berliner Correspondenzen in ausländischen Blättern, mit jenen gehässigen Auslegungen und Verdächtigungen, die die Entfremdung zwischen Volk und König immer ernstlicher machen. Deutschland will keine Republik, — es kann also nur mit und durch seine Fürsten vorwärts gehen, — darum habe die deutsche Presse ihre große Aufgabe im Auge, mit Ernst, mit Energie, ja mit Verläugnung der eigenen Parthei, die Wahrheit für und gegen zu sagen; sie suche die öffentliche Meinung vor allem ehrlich zu bilden, denn Perfidie taugt weder von Oben noch von Unten; sie suche das Band zwischen Thron und Land nicht zu lockern, sondern fester und inniger zu schließen, und ihre besonnene, ruhige, gemäßigte und wahre Haltung gebe dem schwankenden Könige den Muth wieder, vorzuschreiten auf der 1840 so schön begonnenen Bahn. Wir aber, die wir Friedrich Wilhelms Regierungs-Antritt als die Morgenrölhe einer neuen Aera begrüßten, — wir vertrauen noch immer auf ihn, — ein so inniges Gemüth kann wohl augenblicklich an sich und Andern irre gemacht, aber nie für immer irre geleitet werden, äußere Einflüsse können wohl bei so vieler Empfänglichkeit eine vorübergehende aber nie eine nachhaltige Wirkung haben; — das Flick- und Con- servir-System der jetzigen Staatsmänner Deutschlands kann wohl aushalten und dauern, so lange die gegenwärtige Apathie und Ruhe in Europa dauert, aber nicht über den ersten Anstoß von Außen hinaus. Wer kann Vorhersagen, was im nächsten Frühjahre schon geschieht, wer kann in unserer Zeit die Ereignisse auch nur des nächsten Jahres vorhersehen? — wir leben in dem Zeitalter des Unvorhergesehenen. Früher oder später wird die Zeit kommen, wo das alte vom fünfundzwanzigjährigen Revolutions-Kriege nun schon bald dreißig Jahre ruhende Europa wieder im heftigen Kampfe aufbebt, wo große Krisen die Völker aufregen und alle Fragen der Zeit geharnischt in's Leben treten werden. Dann werden die Fürsten sich wieder ohne Mittelspersonen an ihre Völker wenden, und vor der offenen aufrichtigen Sprache beider Theile wird das unglückselige Mißtrauen schwinden, die alte deutsche Herzlichkeit wieder in ihre Rechte treten. Auch Friedrich Wilhelm wird dann allein handeln, allein sprechen, sein Volk bereit, treu und ehrlich finden, und Hand in Hand mit ihm vorwärts gehen. — Bis dahin also Ruhe, —Geduld — Mäßigung und vor allem Wahrheit. Heinrich Börnstein. In Angelegenheiten ÄtS Pariser HülksAlereins für n o t h l e i d e n d e Deutsche. Wir haben die Erlaubnis; erhalten, das Schreiben des ehrenwerthen Herrn Präsidenten der Londoner stanz. Hülfsgesellschaft, an A. v. Bornstedt gerichtet, in unserm Blatte abdrucken zu können. Wir entnehmen demselben die folgenden, auch für den Pariser deutschen Hülfsverein praktischen Mittheilungen : , s ^ „London, 27. Januar 1844. — Beim Beginn Ihres verdienstvollen Werkes ersuche ich Die, mein Herr, sich nicht durch die anfänglich vielleicht kleine Zahl der Unterzeichner abschrecken zu lassen. Wir wissen aus Erfahrung, daß dieselbe zuerst sehr gering ist und daß Viele mit ihrem Beitritt zögern. Ist jedoch einmal die Gesellschaft fest begründet/ so bleibt auch eine lebhaftere Theilnahme nicht aus, besonders wenn Sie, woran ich nicht zweifeln darf, von thätigenund vortheilhast bekannten Männern unterstützt werden, die das Gute aus reinem Antriebe wollen und vollbringen. Wir fingen damit an den Bedürftigen nur Brod zu verabreichen; späterhin bewilligten wir in außerordentlichen Fällen kleine Geldsummen, theils zur! Erleichterung der drückendsten Noth, theils zur Auslösung verpfändeter Werkzeuge (was, wie sich von selbst versteht, nur unter unfern Augen geschah), um Handwerkern die nöthigen Mittel zur Wiederaufnahme ihres Geschäfts zu geben. Späterhin, als uns die milden Gaben des Publikums reichlicher zu- flossen, erweiterten wir unfern Wirkungskreis und dehnten ihn insbesondere auf die Kinder aus, für welche wir eine zweckmäßige El ementarschul e begründeten. Der Idee ein Hospital zu stiften haben wir entsagt, es schien uns zweckmäßiger unsere Kranken bloß in einen: solchen zu abonniren, da die Erfahrung lehrt, daß bei guter Nabrung Krankheitsfälle unter den Armen seltner Vorkommen. Wenn wir nach gegebener Hülfe erkennen daß die Lage des Unterstützten sich dadurch um nichts wesentliches besserte, so senden wir ihn auf unsere Kosten in seine Heimath zurück, jedoch stets mit der Vorsicht, daß ihm das Reisegeld erst bei der Abfahrt ausgezahlt wird. Wir bestreben uns möglichst Kinder in Familien unterzubringen, sowohl um englische Kinder französisch zu lehren, als auch zur Verrichtung jeder ihrem Alter und ihren Fähigkeiten angemessenen Arbeit. Gegen freche Industrie-Ritter, welche das Mitleid zum Nachtheil der wirklich Armen mißbrauchen, suchen wir uns, wie natürlich, auf alle Weise zu sichern. „Tie Geheimhaltung des Namens der von unsrer Gesellschaft Unterstützten betrachten wir als eine heilige Pflicht. Elend verstimmt und erbittert, wir wundern uns deshalb nicht, oft unschicklich abgefaßte Hülfsgesuche zu empfangen, und haben es unfern sämmtlichen Angestellten zur Pflicht gemacht darauf mit freundlicher Nachsicht zu antworten. „Wir hatten schon öfter Gelegenheit auch hiesigen deutschen Menschenfreunden ähnliche Doeumente mitzutheilen wie diejenigen sind welche wir hiemit dem neubegründeten Pariser Wohlthätigkeitsvereine übersenden. Es haben sich auch hier deutsche Philanthropen gefunden welche den edelmüthigen Gedanken eines Londoner Hülssvereins für ihre im Elend schmachtenden Landsleute ins Werk gesetzt haben. „Genehmigen Sie mit dem Anerbieten unserer besten Dienste bei verkommenden Fallen, der: Ausdruck unserer achtungsvollsten Ergebenheit." Ein zweites Schreiben von Herrn Bouillon, Präsidenten der Londoner französischen Hülfs- gesellschaft, vom 10. Februar 1844, drückt sich wie folgt aus: „Es freuet mich die Mittheilung der günstigen Fortschritte Ihrer Bestrebungen zu erfahren. Meine Bemühungen verspreche ich Ihnen stets mit den Ihrigen, zum Besten des Werkes für welches Sie arbeiten, zu vereinigen. Nächstens werde ich Ihnen, außer den bereits übersandten Statuten unserer Ge- ellschaft, auch das Reglement unserer Primarschule zuschicken. Unsere Generalversammlung Wird am 3. März 1844 statt haben, und wir, die vor einigen Jahren mit so kleinen Mitteln anfingen, hoffen auch dieses Jahr auf eine zahlreiche Versammlung — nämlich auf 1 200 Personen — rechnen zu dürfen. Nächsten Freitag haben wir einen Ball zum Besten unseres Vereins, eine große Menge Billets sind bereits abgesetzt. Setzen ^ie mich gefälligst von den Erfolg Ihrer Bemü- bnngen fortwährend in Kenntniß und fürchten nie mir durch Ihre etwaigen Aufträge zur ^fi zu fallen. Genehmigen Sie n. s. w." Herr Friedrich Monnard, einer der würdigsten Geistlichen der reformirten Pariser Kirche, schrieb unterm 12. Februar 1844 Folgendes in Sachen des Vereins an A. von Bornstedt: „So weit es meine Mittel erlauben werde ich das treffliche Werk welches Sie mir empfehlen unterstützen. Mit Gottes Beistand wird es Ihnen damit gelingen und Sie werden wahrhaft Gutes leisten. Möge des Himmels Segen Ihrem Werke in reichem Maaße zu Theil werden. Ihr Comits wird, namentlich im Anfänge, große Vorsicht beobachten müssen, um nicht von Personen welche keine Theilnahme verdienen hintergangen zu werden. Lxperto ereäs Uoderto. Die Schweizer Wohlthä- tigkeitsgesellschast (ln Loeletv lielveti^ne cls lüeu- lnisnncs) kann Ihnen durch eine langjährige Tätigkeit und Erfahrung äußerst nützlich und ein gutes Vorbild werden. Ich werde Sie mit dem größten Vergnügen in persönliche Verbindung mit derselben setzen. Empfangen Sie u. s. w." Se. Ercellenz der Herr Gras von Appony, Kaiserlich Ostreichischer Gesandter, schrieb am 12ten Februar an A. von Bornstedt Folgendes: „Sie haben sich vor einigen Tagen an meine Frau gewendet, um dieselbe zur Theilnahme an einer Gesellschaft auszufordern, deren Zweck ist den dürftigen Deutschen in Paris zu Hülse zu kommen. Erlauben Sie diese Einladung auch als an mich gerichtet anzusehen und Ihnen mit derselben zu erwiedern, daß ich ihr, deren Gegenstand ehrend und würdigend , recht gern entsprechen und zudem wohlthä- tigen Zwecke Mitwirken werde." An der Spitze der deutschen Diplomatie in Paris stehend, wird dieses humane und zeitgemäße Entgegenkommen des Herrn Grafen von Appony ein nachahmenswürdiges Beispiel für das gesammte Personal der übrigen deutschen Diplomatie sein, um so mehr, da bei unserem offenen und rein menschenfreundlichen Werke jeder auch der entfernteste Anstug von Politik ausgeschlossen bleibt, Verdächtigungen aber in Nichts zerfallen, wenn ein so erfahrner und hochgestellter Staatsmann wie der Herr Graf von Appony dem Hülss-Verein mit dankens- werther Humanität seinen Schutz verleiht. Besondere Bemerkungen in Betreff auf den Zweck des Pariser Hü lfs-Vereins. Es gehen uns von verschiedenen Seiten briefliche oder mündliche Mittheilungen, Anfragen u. s. w. über den Zweck des Vereins zu. Die in N. 12 des Vorwärts mitgetheilte Statuten-Skizze ist die Grundlage und spricht den Zweck klar aus. Es handelt sich keineswegs bei der Bildung des Vereins Deutsche aus der Heimath nach Paris zu locken, indem sie sich der Täuschung hingeben möchten, jedenfalls hier vom Verein Hülse zu finden. Wir werden nur den Deutschen die sich bereits hier in Paris befinden und schuldlos in's Unglück gerathen, hülfreich näher treten, keineswegs aber je denen, welche leichtsinnig und absichtlich ohne allen Zweck nach Paris kommend, sich muthwillig in's Unglück stürzen und sodann oft Jahre lang ohne Auskunstsmittel umherirren, die öffentliche und Privatmildthätigkeit mißbrauchen und so den wirklichen Armen manche Pforten schließen, viele Herzen von der Wohlthätigkeit entfernen und oftmals Mißtrauen gegen die Leidenden und deren moralisches Recht die Hülfe der Mitbrüder anzusprechen, erwecken, die nur vom einer regelmäßigen Gaunerei leben und ein trübseliges Dasein dahiu- schleppen,fast jeden in Paris anlangenden Deutschen, Prinzen, Rentier, Kaufmann, Künstler u. s. w., auszuspüren suchen und so zum Nachtheil der schuldlos Dürftigen, die Großmut!) und die Nächstenliebe der Wohlhabenden in Anspruch nehmen und mißbrauchen. Gegen diese sehr ausgebreitete Bettel-Industrie wird der Pariser Hülfsverein praktisch wirken und zu keiner Zeit dem Leichtsinne eine Prämie bieten, noch weniger Deutsche anlocken sich unvorsichtig und ohne alle Mittel nach Paris zu begeben, und hier zum Nachtheile der Achtung, welche unsere Nation verdient, sogar den französischen Behörden vielfach zur Last zu fallen. A. v. Bornstedt. Baron v. Köhler. -Heinrich Bernstein. Paris, den 17. Februar 1811. Pariser Theaterschan Ocr 13 . Februar oder Der -- N^st(w68 äa i?un8 Glück und Ende. ( 2n 24 Bulletins. ) Das große Interesse, das die Aufführung der teres cle knrls » nicht nur in ganz Paris, sondern auch in ganz Europa erregte, die Spannung mit der man diesem kk«V6N6M6I>: cki-3MJtiquk » (Reelame-Styl) nicht nur an der Seme und am Rheine, sondern auch jenseits der Pyrenäen, ja bis über dem atlantischen Ocean auf den Marquesas-Jnseln sogar entgegensah, hat die Nedaction dieser Blätter veranlaßt, alle möglichen Anstalten zu treffen, um über dieses große, kolossale, pyramidale und welthistorische Ereigniß ihren Lesern getreuen und wahren Bericht abftatten zu können. Alle dreizehn Redacteurs und zwei Mitarbeiter, die vier Laufburschen und der kleine Galopin des Journals, wurden also in Bewegung gesetzt, eineTelegrapben-Linie von der Nue des Moulins bis auf das Boulevard St.-Martin errichtet, und wir theilen nun den Lesern die Bulletins mit, wie wir sie nach und nach erhalten haben. 8 Uhr Morgens. Schöner heiterer Februar - Tag mit ziemlicher Kälte; die Sonne hat schon beim Aufgehen Noth aufgelegt; ungefähr vierzig Personen versammeln sich vor dem Hiöätre-Ll.-Msrtin mit dem festen Vorsatze eine tZueue zu bilden. Ein Omnibuskutscher, der vorübersegelt, sygt: «Mais ces gens-lä 8ont 1ou8.» Sie schämen sich hierauf und gehen in ein Weinhaus. Paris ist ruhig. :0 Uhr Vormittag. Die tzueue hat sich gebildet; — ste ist voll warmen Eifer für die Kunst, aber ste hat kalte Füße; — um sich zu erwärmen tanzt die ganze nach der Melodie des beliebten Liedes: «1i-6lns>6 wn x»in ! » Eine Menge Leute versammeln sich, um diese unerschrockenen Helden zu bewundern, die von acht Uhr- Morgens bis sechs Uhr Abends unter freiem Himmel auf ein Billett zu den « » warten. Großer Andrang zum Locations-Bureau. Der Cassier ist schon ganz heiser vom ewigen Wiederholen der einen Phrase: «1> ll'^ 3 s>»8 Uli6 8k!U>6 p!i>6p. 11 Uhr. Die Wohnung der Theater Direction wird von einer Menge Personen mit Briefen, Billettgesuchen, Reelamativmn u. s. w. förmlich gestürmt; die Direction ist jedoch klug.r Weise unsichtbar; — endlich kommen Municipalgarden, komplimentiren alle diese lästigen Besucher zum Hause hinaus und lassen Niemand mehr hinein. Auf dem Boulevard vor dem Theater wird das Gedränge so arg, daß Cavallerie erscheinen und die Ordnung Herstellen muß. Die Cocoverkäufer machen glänzende Geschäfte; einer derselben lös't den bedeutenden Betrag von 75 Centimes. 12 Uhr Mittags. Der erste Billettverkäufer läßt sich sehen; — alles stürzt über ihn her, seine Billette und ein Ärmel seines Rockes gehen rttßend ab. Der Cours der Parterre-Billette steht 16 Francs.Die (lereuk ist schon auf 1742 Personen angewachsen; zwölf darunter sind mit erfrornen Füßen in's Spital getragen worden; sie rufen noch unterwegs: « Vivo«: Ik8 IVH'8i6>68! » 1 Uhr. Das Gedränge nimmt immer mehr zu; — alle benachbarten Kaufleute schließen ihre Laden, dev Cassier des Theaters hat von vielem Sprechen eine Zungenlähmung bekommen; das Bureau wird geschlossenen ein Blockhaus verwandelt und eine Compagnie Linientruppen hineingelegt. Bedenkliche Aufregung unter dem Volkeein Gamin singt die Marsei llai se. — Cours der Billete: I5 5i8. 2 Uhr. Die Circulation der Wagen ist gehemmt, die Omnibus müssen über die äußere Linie der Boulevards vor den Barrieren fahren; — die (Ineue ist auf 2362 Personen gestiegen. — Cours der Dillete: 14 3j4; — in der Coulisse werden Geschäfte mit in i>4 gemacht. 4 3 Uhr. Allgemeine Bewegung; — ein langer unabsehbarer Zug kömmt das Boulevard herab; — alles schwarz, so weit das Auge blickt: — es ist die Colonne der Claqueurs;— ihr Chef reitet auf einem Schimmel voran. Lauter ausgesuchte, schlachtenerprobte Leute mit dreizehn Zoll breiten Händen, starken Lungen und fester -Haltung, ziehen sie schweigend heran; — alles macht ihnen ehrerbietig Platz und entblößt das Haupt. Rührender Moment. — Vor dem Theater schwenken sie in einer unabsehbaren Fronte auf; der cliek cle lg eisque sprengt mit seinem Adjudanten die Reihen hinab, dann tritt er vor die Fronte und hält folgende Anrede: ,,Kinder! von den Zinnen dieses Theaters blicken elf Akte auf euch; ihr seid Römer ! heute sind die« »— thut eure Schuldigkeit!" Die Claque ist gerührt, einige schneutzen sich, andere weinen, viele thun gar nichts. Unter den erhebenden Tönen der Volkshymne: <> Voilä I.-, vi«! » ziehen sie paarweise ins Theater. Cours der Dillete: 1 2 > s4. 4 Uhr. Diese Depesche ist uns ganz unleserlich zugekommen, da unser kleiner Galopin damit in eine Pfütze gefallen ist. Wir können nur die Worte entziffern: ,,Sue — Lorbeerkränze... Freibilletts... Oivsux.... um io o,ü gefallen." 5 Uhr. Das Gedränge steigt auf den höchsten Grad; die (Zueuk reicht bis zur Bastillesäule; —diemit Billetten versehenen Personen werden nun auch in eine tzueue; gestellt; nach der genauen Berechnung eines ambulanten Statistikers sind in der Oeuc 73 462 Ui-ioclies und 21 710 UiUtttts sie 8uci« il'or^k! verspeist worden; allgemeine Hungersnoth an Briochen und Gerstenzucker auf der ganzen Doulevardslinie vom Ovnn-,86 bis I^g-gri. Cours: io 7,8. s is2Uhr. Es wird bedenklich; die tzueue reicht schon bis zur Barriere du Trone; die Letzten hoffen bis gegen Tagesanbruch an das Theater zu gelangen. Es werden 17832 Exemplare des ^nli-'geles verkauft; — die Nedaction dieses Journals kauft sich sogleich ein Landgut und zieht sich in"s Privatleben zurück. — Cour/: Parterre, io Francs; Gallerie, 5 Francs. 6 3,4 Uhr. Man hört bereits an den Thüren die Riegel schieben, das Gedränge ist unbeschreiblich; — ein Municipalgardift wird mit sammt seinem Pferde von dem Volkshaufen aufgehoben und auf dem Triumphbogen St.-Martin abgesetzt. Die l)ueu6 reicht schon bis über die Festungswerke von Vincennes hinaus. Cours: 10 . 6 Uhr. Die Pforten werden geöffnet, — alles stürzt hinein, — fürchterliches Gedränge, — einem Herren wird ein Arm ausgerissen, mehrere herrenlose Hüte fliegen in der Luft herum; — der Shawl und die Tugend einer Dame sind in handgreiflicher Gefahr, — sie rettet ihre Tugend, aber ihr Shawl geht verloren. Die Unglücklichen, die zehn Francs für ein Parterre-Billet bezahlt haben, finden zu ihrem Entsetzen daß das Parterre heute in den dritten Rang verlegt ist. Im eigentlichen Parterre thront die Claque ernst, schweigend, majestätisch. — Das Haus ist überfüllt, — die Leute sitzen im buchstäblichen Sinne des Wortes aufeinander. Auf dem Boulevard bietet man 20 Francs für ein Billet; es ist keines mehr zu haben. — Ein Enthusiast zahlt 30 Francs um auf dem Logengang den dritten Theil eines kleinen Logenthürlochs zur Be- » nützung zu erhalten, und so die linke Wade Friedrich Le- maitre's sehen zu können. Das Publikum wird ungeduldig. s 3,4 Uhr. Drei schwere Schläge. -- Allgemeines Ahhhh!!!!!!!!!! Es geht los. — Posaunentöne im Orchester. — « ZilenLö » und « g I» Porte » Rufen auf den Gallerten. Der Vorhang erhebt sich über sich selbst. Erstes Tableau. Die rue gux k'eve8,— mehrere blaue Laternen und eine rothe, — es ist sehr düster, — die Nacht ist täuschend nachgeahmt; Fleur-de-Marie, Nigo- lette, Sarah, Tom-Seyton und eine Menge anderer Personen erscheinen nach und nach, — man weiß nicht woher sie kommen, und nicht wohin sie gehen; — das sind eben die IU)i8i6l-e8. Der Maitre-d'Ecole kömmt mit einer Drehorgel und spielt die 8inlonig eroio» von Beethoven; — dann setzt er sie nieder, d. h. die Drehorgel, nicht die Symphonie; — plötzlich große Prügelei zwischen einigen schwarzen und rothen Hosen und Dlle Leonide; — der Chourineur kömmt dazu und rettet Alles was zu retten ist; — Fleur-de-Marie gebt in ein Haus, Tom-Seyton geht auch in das Haus, der Maitre-d'Ecole geht ebenfalls in das Haus, — schauerliche Musik, — Jacques Ferrand mit einem rothen Barte wirft einen großen Brief auf die kleine Post. Der Vorhang fällt über diesen Aktschluß aus den Wolken und herab. Die Claqueurs gerathen vor Entzücken außer sich. Zweites Tableau. Innerer Hofraum bei Ferrand. Rechts ein Stiefel, links eine Dachrinne, in der Mitte eine Thüre, — reihendes Genrebild! — Madame Pipelet macht sich beim Publikum beliebt; — abermals große Prügelei zwischen Tortillard, der Milchverkäuferin, Madame Pipelet und ihrem Besen. Es wird ein Brief gebracht, — Pipelet kömmt und spricht sehr unzusammenhängend, — Prügelei zwischen Cabrion und Pipelet, — es wird wieder ein Brief gebracht. — Diamantendicbstahl bei Morel, — der Steinschneider fällt in Ohnmacht, und der Vorhang herab. — Auf diesem Vorhang sieht man alle Monumente von Paris in Staubwolken gehüllt, — der Genius des Herrn Sue schwebt zwischen dem Pantheon und der Börse, — aber er giebt der Börse den Vorzug. — Einige Publikümer sind so unartig sich schon zu entfernen, — man verkauft auf dem Boulevard die Contre- marken schon um io Sous. Drittes Tableau. Cabinett bei Ferrand, — sehr grau; —-Lemaitre tritt auf; — stürmischer Applaus, — er hat grüne Britten, — donnernder Beifall, — er nimmt eine Prise Tabak, — rasende Explosion der Claque. — Madame Pipelet macht sich überflüssig, — und Ferrand Flcur de Marien eine Liebeserklärung, — Sarah unterbricht diese Scene ä la Grecourt und sagt dem Herrn Ferrand mit vieler Liebenswürdigkeit bedeutende Grobheiten, worauf sie sich beschämt entfernt. Hierauf kömmt Morel, und Ferrand leiht ihm soo Francs, für die der Steinschneider so dumm ist, ihm ein Accept en blgno zu unterzeichnen. Ferrand reis't mit Fleur de Marien nach Saint-Mande, der Vorhang will ihnen folgen, stolpert und fällt. — Das Publikum wird pfiffig. Viertes Tableau. Zimmer bei Rigolette, rechts ein Tisch, links ein Gimpel, in der Mitte ein Bett, — herrlicher Baumschlag nach der Natur. Madame Pipelet kömmt schon wieder, das Publikum pfeift bedeutend. Im Hintergründe ist eine verschlossene Thüre, durch die alles, aus-und eingeht. Die Geschichte wird sehr langweilig, dem Vorhang fallen die Augen zu und er herab. Fünftes Tableau. Dachstube bei Morel, —graue Leinwand, — Hunger — Wahnsinn — Fieber — Elend — Gerichtsdiener — Wechsel-Arrest — Polizei-Commis- sär — Diebstahl, —sehr rührend, — das halbe Publikum schläft ein, — die Claqueurs streichen sich Zwiebeln über die Augen und weinen. Sechstes Tableau. Freie, aber nicht allzufreie Gegend in einem Park bei Frau v. Harville. Der Maitre- d'Ecole erscheint in einem neuen Frack, er ruft einm seiner Genossen, der hinkt;. — warum er hinkt, ist ein Mystöre. Man bittet im Publikum allgemein um die Adresse des Hutmachers des Maitre-d'Ecvle. Fleur-de- Marie im Ball-Costume bespricht mit Frau von Har- ville ein Kapitel aus der « lUorgle en umsorg«. Einige Landleute tanzen herein, zweie stolpern, die Milchfrau sagt Fleur-de-Marien mehrere Grobheiten, die guten Landleute wollen sie in's Wasser werfen, der Maitre- d'Ecole escamotirt sie, das Publikum pfeift, die Claqueurs toben und der Vorhang fällt auf die Nase. Siebentes Tableau. Gefängniß mit Eisen- Gittern und mehreren Spitzbuben, die den armen Ger- main umbringen wollen, — man weiß nicht warum; Scene im Spitzbuben-Comparativ zwischen Ferrand und dem Maitre d'Ecole. Ferrand macht,,schwere Manns- Künste" und hebt mit einem leichten Spazierstöckchen einen großen Quaderstein in die Höhe. — Pique-Vinaigre erzählt mit bewunderungswürdiger Geduld eine Geschichte bei der das Publikum sehr ungeduldig wird. Nachdem in diesem Gefängniß, wo alles aus und ein geht, wiein einem Taubenschlag, auch Mamsell Rigolette war, und sich und das Publikum herzlich ennuyirt hat, sott Germain ein bischen todtgeschlagen werden, aber der Chourineur kömmt aus der Erde und rettet ihn. Soldaten stürzen bei der Thüre herein und der Vorhang herab. Achtes Tableau. Eine schöne Brücke ganz im Geiste ihrer Rolle; — die Brücke wird von den Claqueurs herausgerufen; — der Maitre d'Ecole will Fleur de Marie tödten; — der Chourineur kömmt aus der Luft und rettet sie; — der Kahn auf dem er mit ihr fortschifft, hat ein Loch und geht unter; der Chourineur bleibt mit der Fleur de Marie an der Brücke hängen wie ein Paar Schinken im Rauchfange. Ferrand kömmt daher gerudert, und entführt Fleur de Marie. Der Chourineur und dieser Akt fallen in's Wasser. Neuntes Tableau. Hütte auf der Ile 6«8 Ksva- §eui 8. Fürchterliche Liebes-Scene zwischen Ferrand und Fleur de Marie, — im höchsten Momente nämlich wo er sie hoch in die Luft hebt, kömmt der Chourineur beim Fenster herein und rettet sie. Ferrand erschießt den Chourineur, dann bindet er ihn und dann verbrennt er ihn. — Der Vorhang legt sich in's Mittel und stürzt dazwischen. Zehntes Tableau. Zimmer bei Sarah. Sarah wird erstochen. Nodolph kömmt. Große Fluch-Scene; — der siebzehnte Brief an diesen Abend wird gebracht; — Fleur de Marie lebt, — Jubel, Entzücken und etwas Wonne. Die erstochene Sarah wüthet noch eine halbe Stunde herum, dann legt sie sich auf das Svpha und stirbt. Elftes Tableau. Landstraße, — rechts Bäume, links Bäume, oben die Sonne; — der Maitre d'Ecole will Rodolph überfallen, überfällt aber Ferrand und sticht ihm ohne allen Grund die Augen aus. Der Chourineur ist wieder lebendig und rettet was noch zu retten ist, nur das Stück nicht; — Nodolph und Fleur de Marie kommen gefahren, — die beiden Pferde spielen sehr gut, — die Claque jubelt, — Ferrand hält einen Monolog mit zwei Gensdarmen, — der Vorhang fällt um zehn Minuten vor zwei Uhr Morgens schlaftrunken herab, um sich nicht mehr zu erheben. Paris ist ruhig. Das Publikum pfeift wüthend, — die Claqueurs raffen ihre letzten Kräfte zusammen, — entsetzlicher Kampf der Verzweiflung,'— die Pfeifer siegen. Lemaitre kömmt heraus und nennt die Verfasser: Dinaur und Eugöne Sue. Man pfeift voll Enthusiasmus; — alles frägt, wo denn eigentlich die Mysteres sind; — man wartet, da aber keine My- steres kommen, vielmehr Alles ganz natürlich und dumm hergegangen ist, so geht Alles gegen Tagesanbruch zu Hause. Einige Bewohner der Nue d'Enfer kommen erst bei Sonnenaufgang in ihre Behausung. Um 3 Uhr Nachts erfahren mdlich die letzten Personen in der Queue die bei Vincennes stehen, daß keine Dillets mehr zu haben sind und gehen getröstet zu Hause. — Moral: Wenn man eine Kuh hat, die Milch giebt, so muß man von ihr nicht verlangen, daß sie auch noch Wein geben soll; — wenn man aus einem Stoffe einen guten Roman geschrieben hat, so sott man zufrieden sein und nicht auch noch ein schlechtes Stück daraus machen. Das Stück dcr Herrn Sue und Dinaur hat zwei große Fehler : 1) wer dm Roman nicht gelesen hat, wird aus diesem konfusen Durcheinander gar nicht klug und findet es absurd, — 2 ) wer aber den Roman gelesen hat, der vergleicht, und findet das Stück abscheulich. Uns aber fiel als wir gegen drei Uhr Morgens über die Boulevards heimgingen, das alte Sprichwort ein : ksrturiunt >nc>nl68 er nggeuritul' I'iclieulrr N^8terig. Cingcgange'ne Beiträge zum deutschen Hülfs- Verein. Fr. C. Übertrag. . . 730 45 Herr D'' Wertheim (jährl. Beitr.) 25 H.r (jährlicher Beitrag) 25 Heinr. Börnstein (2. Beit.) Pred. Monnard, v. Consist. 10 der Pariser reform. Kirche. 20 D'' A. Lürmann a. Bremen. 10 Professor Lerminier. . . 20 Baron von M. 10 Theodor v. C. (jährl. Beitr.) 25 Summe . . 875 45 Redcictcur: Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von PanlNeno u a r d. Paris, Mittwoch Nr. IS. 21« Februar IS 14 Abonnements-Preise r in Paris: Ein Zahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... IS „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile s -0 Centimes. § r rv a r, Man abonnirtr für Paris: im Nurssu cenirül pour I'^IIen»sß»v, rue cik>s ^ioutins, 3». und in der Buchhandl. von ^tule» Ue»ou»rck er 8i'6r, n. 6, im ersten Stockwerke, aufmerksam, wo sie außer einer gewählten französischen Bibliothek, eine sehr interessante Sammlung des Nonitaul-, des Journal ä68 V6liat8 und anderer Pariser Zeitschriften, alle französischen und auch folgende deutsche und Schweizer-Journale finden^: die „Allgemeine Augsburger Zeitung," die „Allgemeine Preußische Zeitung," die „Deutsche Allgemeine Zeitung," die Zeitungen von Hannover, Karlsruhe, Leipzig, die Berliner Vossische, die „Frankfurter Oberpostamts- Zeitung," der „Schwäbische Merkur," das „Vorwärts" und sehr viele Schweizer-Blätter von Bern, Zürich, Basel u. s. w. — Die Augsburger, Karlsruher, Leipziger und Hannoveraner Zeitung bleiben in vollständiger Sammlung im Cabinett. Der Preis einer Sitzung ist 20 Centimes. Eingegangene Beiträge zum deutschen Aülfs- Verein. Übertrag. . . Fürst v. S. (Beitrag aus Deutsch- Fr. 875 C. 45 land. 50 Herr Moritz v. Haber (B. a. D.) General von *** (jährlicher 100 Beitr. a. Deutschland). . 25 Th. Clarg (jährl. Beitrag). 25 B. Monnard (jährl. Beitr.) 25 Frau Baronin v. Delmar (j. B.) 50 Herr H. S. (jährl. Beitrag). . 25 Frau von Schiller. 200 Summe . . 1375 45 Berichtigung. In dem letzten Verzeichnisse ist zu lesen: Herr F. Monnod, Prediger, statt H. F. Monnard. Rcdactenr: Heinrich Börnstein. "k mit Schnellpressen von Paul Renou ard. Paris, Sonnabend Nr. 1«. 24. Februar 184L Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 15 „ Drei Monate. l . . 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. § r w u UM VW»»E,- 7 Man abonnirt: für Paris: NN Duresu cei»trril pour I'MIemsßue, rus 6es liloulins, Zr. und in der Buchhandl. von ^ules Lenousrä et rue ct« 1'ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchbandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Bork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am ErscheinungS-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in srankirtcn Briefen anzuzcigen. — Anfragen, Beiträge, PränumcrationSgeldcr und Briefe wollen franco : « An die Redaktion des Journals: Vorwärts, 32, rno e!o8 1>IonIi n8 in Paris » cingcsendct werden. Heinrich Heine (Schluß.) Da trat Heine auf. Noch Student erschienen von ihm seine ersten Gedichte, Berlin 1822. Man stutzte, und überrascht richtete ein Jeder sein Auge auf den kecken Waghals, der mit jugendlichem Ungestüm alle jene Schranken der Form über den Hansen warf, die so manchem mittelmäßigen Poeten zur Stütze gedient hatten. Anfangs staunte man, man betrachtete einen solchen Schritt im ersten Augenblick als Hochverrats), doch bald ertönte jubelnd das HU iru und das ü l)N8 aus tausend Tichterkehlen. Aber das war eben das Unheil. Die alten, soliden Leute fanden sich über das tolle Geschrei indignirt, Heine's Weltschmerz erschien ihnen schlimmer als der Schmerz ihrer poetischen Hühneraugen, die sie geduldig in den engen Schuh des geschnörkelten Versmaßes zwängten, um darin vor den Augen des Publikums ihre zierlichen Pas zu tanzen. Heine kümmerte sich indessen wenig um diese allgemeine Entrüstung, sondern fuhr fort mit den scharfen Waffen des Spottes und der Ironie das Philisterthum zu bekämpfen. Seine Gegner schrieen Zeter und Mor- dio; aber wie ward ihnen erst, als der Dichter mit arrogant liebenswürdiger Naivität von sich selbst sang: Ich bin ein deutscher Dichter, Bekannt im deutschen Land; Nennt man die besten Namen, So wird auch der meine genannt. Als nun Heine, Berlin 1823, Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo herausgab, die allerdings zu seinen schwächsten Arbeiten gehören, da ging's an ein Sturmläuten und Posaunen durch alle Journale, denn nun glaubte ein jeder den Sieg errungen zu haben. — Aber die Reisebilder, Hamburg 1826 —31, machten der Freude gar schnell ein Ende. Es ist wohl nicht gut möglich, zu bezweifeln, daß es dem Dichter bei seinen Liedern weniger daran gelegen war, eine unglückliche, subjektive Liebe zu besingen, als vielmehr jene widerlich süße Sentimentalität, die der deutschen Poesie anklebte, lächerlich zu machen, denn noch lebten Werther und Lotte im Munde aller unglücklich Liebenden, denen ein unerbittlicher Tyrann von Vater die Heiraths- erlaubniß versagte, weil er nichts wußte „von der süßen Macht der schönen Liebe," und außerdem, weil der Jüngling kein Brod hatte um die schmachtende Heißgeliebte zu ernähren. In den Reisebildern schwingt Heine aber auch die Geißel seines Spottes über andere Verhältnisse als die des bürgerlichen Lebens, und sein Spott trifft sowohl die Satzungen der Religion, als auch die Formen der weltlichen Negierung. — Eine Folge dieser Angriffe, die allerdings an manchen Orten zu weit gehen und einen gefährlichen Jndifferentismus verrathen, war das theilweise Verbot dieses Werkes in den deutschen Bundesstaaten, eine Maaßregel, über die Heine sich bitter beschwerte und die in der Folge die Veranlassung seines freiwilligen Erils wurde. Das Buch der Lieder, welches 1827 zu Hamburg erschien, und worin er, außer seinen früheren Gedichten, dem Publikum eine Auswahl neuerer Poesien übergab, diente ebenfalls dazu, das Talent des Dichters aus eine unbestreitbare Weise herauöznstel- len. Es erlebte bis 1841 vier Auflagen. Indessen hatte Heine bereits 1825 die juristische Doktorwürde erlangt und brachte nach dieser Periode seine Zeit ans Reisen, in Hamburg, München, Oberitalieu und England zu. Er schrieb in diesem Zeitraum seine „Beiträge zur Geschichte der neueren schönen Literatur, Paris 1833." Das Werk „französische Zustände," das in demselben Jahre in Hamburg erschien, ist nur eine Sammlung verschiedenartiger Aufsätze, die er von Paris ans für die Augsburger allgemeine Zeitung schrieb. Diesem Buche folgte der „Salon," ein theils in Prosa, theils in Versen geschriebenes, größeres Werk in drei Theilen. Alle diese Arbeiten tragen mehr oder weniger den unverkennbaren Stempel des wahren Genies, welches Heine zum Dichter berufen, und besonders sind jene Aussätze über Frankreich mit seltenem Talent geschrieben. — In dem „Salon" läßt er dagegen wieder seiner tollen übermüthigen Laune den Zügel nach Herzenslust schießen, und es gilt ihm gleich, ob der Pfeil seines Witzes den Hermelinmantel oder den modernen Frack des parfümirten Stutzers trifft. Daß der Dichter hierin allerdings oft genug zu weit geht, ist eine schwache Seite, die von seinen Feinden schon so oft und so bitter angegriffen ist, daß wir hierüber nichts weiter erwähnen wollen. Als direct polemischer Schriftsteller, denn Polemik ist wohl Ln allen seinen Schriften enthalten, trat Heine in seinen „Briefen über den Adel; ülnr den Denuncianten" (W. Menzel) und „Heine über Börne" auf. Diese letztere Broschüre diente indessen in der That nur dazu, Heine's Persönlichkeit her- abzusctzen, und ihm einen großen Theil seiner Anhänger zu entfremden. Börne hatte nämlich den ehemaligen Freund in einem Anssatze der „Blätter für literarische Unterhaltung" heftig angegriffen, und Heine, anstatt den hingeworfenen Handschuh auf- znnehmcn, erwiederte nichts; erst nach Börne's Tode erschien jenes berüchtigte Buch, in welchem Heine den todtenFeind bis in seine Privatvcrhältnisse hinein mit den bittersten Schmähungen verfolgt. — Viel, unendlich viel hat er sich aber, wie gesagt, durch dieses Buch geschadet; mag er bald ans die eine oder die andere Weise die Manen seines todten Gegners sühnen. So viel über Heine. — Was seine Persönlichkeit anbetrifft, so findet man in ihm den liebenswürdi- digen, artigen Weltmann, den unterhaltenden, geistreichen Gesellschafter, der mit der glücklichsten Leichtigkeit den französischen Tact mit deutscher Biederkeit in sich vereinigt. Dabei ist er durchaus kein guter Haushälter, sondern wirthschaftet mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln oft genug allzu freigebig; besonders äußert er sein WohlthätigkeitSgesühl gegen Deutsche, die seine Hülfe in Anspruch nehmen, denn mögen seine Feinde reden wie sie wollen, nie wird Heine sein Vaterland verläugnen. Er ist, wie die ibme^elopodie äo8 ^en8 du monde sagt, ans einem französischen Kopfe und einem deutschen Herzen zusammengesetzt. Daher hat er sich auch niemals von dem liberalen Schwindelgeist der französischen Nation sortreißen lassen, und was die deutsche Revolution anbetrifft, so hat er auch mit ihr nichts zu thun, da sie, wie er beißend genug bemerkt, Taback raucht, und er denTabackrauch nicht vertragen kann. Wenn aber auch dieser Kampf des deutschen und gallischen Prinzips, wie man behaupten will, segenbringend für den Dichter gewesen ist, da er demselben seine Originalität verdankt, so können wir uns dennoch nicht deswegen beglückwünschen. Heine mußte nie vergessen, daß er aus deutscher Erde geboren, daß es deutsche Luft war, die er als Knabe eingesogen, und bei seinen glücklichen Gcistesgabcn wäre er dann wahrlich für die deutsche Nation das ! geworden, was Bcrenger für das französische Volx 2 geworden ist, der Apostel einer neuerwachten, kräftigen Aera. Aus Deutschland. Wir geben hier ein Bruchstück aus einem Reiseberichte aus Deutschland, den wir der New-Uorker deutschen Schnellpost entnehmen. Er ist vom Spätherbste des vorigen Jahres : Zwei Sachen habe ich in Deutschland gefunden, die mich freuten; — beide deuten auf eine bessere Zukunft: Angst der deutschen Regierungen, — und Allgemeiner Haß in Deutschland gegen Rußland. Ja, man hat Angst, — Angst in Berlin, Angst in Hannover, — Angst in Carlsruhe wie in Darmstadt, in Dresden wie in Braunschweig; — daher diese ewigen Lor- und Rückschritte, daher diese Preßbedrückungen und präventiven Maßregeln, daher die ungnädigen Handbillette und Landtagsabschiede. Man zagt in Berlin, man sieht den Sturm kommen, die Minister schwanken, der Adel raisonnirt über die Unverschämtheit der Plebejer, die Prinzen überlaufen den König alle Tage mit den Worten : Ew. Majestät, wir gehen einer Revolution entgegen; — selbst die Ruhigen sagen, wie Salvandy i8lin: Wir tanzen auf einem Vulcan. — Die Mittel die man bis jetzt angewcndet hat, um den Sturm zu beschwören, sind fruchtlos; — Deutschland hat nur einen Wunsch, den : eine Nation zu werden, und seinen ihm gebührenden Platz in Europa einzunehmen. Wollte Preußen, oder könnte Österreich eine freisinnige Verfassung geben, ganz Deutschland würde ihnen zuströ- mcn, und die Dielregiererei wäre zu Ende. Hier liegt das Heilmittel, hier und nirgend Anders, — dahin wird es, — muß es früher oder später doch kommen, — und Gott gebe nur! auf friedlichem Wege und ohne gewaltsame Zuckungen und Krämpfe. Rußland wird in Deutschland ungeheuer gehaßt, — trotz seinen unzähligen Agenten, feiner bezahlten Zeitungsschreiber und allen seinen mindern Maschinationen in Deutschland, ist die allgemeine Stimme entschieden gegen dieses Jdealreich des Absolutismus, und ein Krieg gegen Rußland wäre selbst in dem friedlichen Deutschland populär, — wäre ein wahrer Volkskrieg. Und bat das Volk in seinem natürlichen Gefühle denn Unrecht, zeigt ihm nicht der natürliche Instinkt der Massen, daß sein ärgster Feind in Osten thront? haßt es denn ohne Grund? Haben Sie den schönen russischen Ukas gelesen? — Jeder preußische Unterthan, der ohne Paß jenseits der russischen Grenze betroffen wird, soll, wenn er vom Civil, nach Sibirien geschickt, wenn er vom Militär, unter die russischen Truppen gesteckt werden. Und einige Tage darauf der zweite czarische Ukas, der verordnet unverbesserliche Diebe sollten, auf Rechnung ihrer Gemeinden, zum Militär abgegeben werden. Also preußische Unterthanen und unverbesserliche Diebe haben in Rußland einerlei Ansehen und Bestimmung? Man kann es dem Charivari mehr verdenken, wenn er aufden Grund dieser Verordnung hin, die Frage aufftellt: Wozu ist ein Dieb gut ? und sich selbst antwortet : Um einen russischen Soldaten daraus zu machen. Man könnte eben so gut fragen : Wozu dienen Preußen Rußland? und antworten : Um sie als Verbrecher nach Sibirien oder als Diebe zu den russischen Regimentern zu schicken. Und eine solche, alles Menschen- und Völkerrecht verletzende Maaßregel läßt sich eine große deutsche Macht ruhig gefallen ! Doch nein! ich hätte bald ganz darauf öergessen, die weiland Preußische Staats-, jetzt Allgemeine preußische Zeitung versichert, es jenen bereits in Petersburg deßhalb Vorstellungen gemacht und die beruhigendsten Zusicherungen allerhuldvollst von dort ertheilt worden. Indessen sind aber schon mehrere preußische Unterthanen, die eines Geschäftes halber eine Meile weit über die Gränze gingen und doch nicht deßwegen einen Geld und Zeit kostenden Regierungspaß mit dem Visum des russischen Gesandten von Berlin holen konnten, als Opfer des kaiserlichen russischen Ukascs gefallen und nach Sibirien geschleppt worden. Ich weiß gewiß, hätte Rußland sich einen solchen Schritt gegen Frankreich oder England erlaubt, man würde es nutzt bei gehorsamsten ^Vorstellungen" haben bewenden lassen; der französische oder englische Gesandte hätte seine Pässe verlangt und die Maaßregel wäre öffentlich und feierlich zurückgenommen worden. Und hätten auch die Negierungen gezaudert, energisch zu handeln, die öffentliche Meinung, die Volksstimme, der drohende Unwille des Landes hätte sie dazu gezwungen; — in Deutschland giebt es aber keine Presse, folglich auch keine öffentliche Meinung und keine Volksstimme, — und so glaubt man auswärts : Deutschland müsse sich Alles gefallen lassen; — und es läßt sich wirklich auch Alles gefallen. Aus Wien Man schreibt dem Redakteur dieser Blätter aus der Hauptstadt Ostreichs: „Im April wird es in Wien sehr lebendig werden. Man will wissen, daß Se. Majestät der Kaiser von Rußland und Se. Majestät der König von Preußen hieher kommen und ihnen zu Ehren große Festlichkeiten hier statt finden werden. Man spricht auch davon, daß des Kaisers von Rußlands Majestät die Prinzessin Olga, eine der schönsten Prinzessinnen Europa's, mitbringen werde, welche als Braut Sr. Kaiserlichen Hoheit des Erzherzogs Stephan bezeichnet wird, der jetzt noch Statthalter, dann aber Vieeköni g von Böhmen werden soll. „In der Literatur wenig Neues. Die Journale gehen ihren gewohnten Gang. „Vithauers Zeitschrift" allein verliert mit jedem Quartal im ner mehr ihrer Abnehmer.. Seit SchickHs Tod hat dieselbe nicht den vierten Theil ihrer Abonnenten mehr. Sie ist zu langweilig und zu geschmacklos, und die Vornehmthuerei ihres Redakteurs macht sie vollends ungenießbar. Die neue „Literatur- Zeitung" von Schmidl findet durchaus keinen Anklang, und mit Recht bemerkt der Correspondent sür Deutschland, daß es ein todtgebomes Kind sei. Die „Theaterzeitung" hat jedoch seit dem neuen Jahre wieder einen erhöhten Aufschwung genommen. Es ist in der That bemerkeuswerth, wie sehr dieses Journal fiorirt. Nach Paris werden bloß durch das Wiener Postamt fünf und zwanzig Exemplare versendet. Das ist viel für eine Wiener nicht politische Zeitung. Zwar sind die sämmtlichen Redakteure Wiens in jeder neuen Ankündigung so liebenswürdig, die hämischsten Ausfälle auf die Wiener „Theater-Zeitung" drucken zu lassen, aber das ficht weder ihren Redakteur noch das Publikum an. DiesesManövre, aus nichtswürdigem Brodneid hervorgehend, macht gerade die entgegengesetzte Wirkung. Die „Theaterzeitung" erhält mit jedem neuen Semester einen größeren Lesekreis. Saphirs „Humorist" schleppt sich kläglich und jämmerlich forr; ein eigentliches Lesepublikum hat dieses höchst schleudrisch redigirte Blatt längst nicht mehr, allein man ist in den Kaffee- und Bierhäusern gewohnt es zu halten; Schauspieler und Künstler müssen sich abonniren, und so vegetirt es fort. Seit Saphir den Moralisten spielt und von der Sittlichkeit der Literatur und der Kunst spricht, ist er höchst possierlich; — ein alter trunkener Faun in der Kutte eines frommen Waldbruders: die Bocksfüße gucken immer unten hervor. Sonderbar daß mehrere gediegenere Schriftsteller, wie Grillparzer, Bauernfeld, Zedlitz u. A. sich von einem solchen oberflächlichen Phrasenmacher und Witzjäger noch immer soimponiren lassen. Saphir ist jetzt fünfzig Jahr alt, was wird nach fünf Jahren seine Zukunft sein? Ausgeschrieben hat er sich schon längst. „Unser Karneval ist sehr lebendig: Bälle auf Bälle, überall Lust und Frohsinn. Wir haben Juristen-, Mediziner-, Künstler- und Akademiker- Bälle, adeliche Bälle, bürgerliche Bälle, Militär- Bälle, Musiker-Bälle,sogar ein Industrie-Ball fand dieser Tage statt, der außerordentlich besucht wurde. Jn D aums Elisium, ein Unterhaltungsort für 10000 Menschen, die sich zwei stockwerk- lich tief unter d er Erde in prachtvollen Sälen herumtummeln und in fünf Welttheile, mit allen ihren contrastirenden Ergötzlichkeiten, versetzt werden; in den Katakomben, in welchen auch 20 000 Menschen Raum haben und die, trotz ihrer Kellergestalt, doch hoch und luftreich find, herrscht die Lustigkeit im höchsten Grade. Ein solcher Vergnügungsort fehlt den Parisern noch. Hier sind Theater, Gaukler, Maskenzüge, Taschenspieler, Improvisatoren, Minnesänger, dann sechs Orchester und ein ganzes türkisches Serail mit w un- derschönen Mädchen, und ein Sultan in großer orientalischer Pracht (freilich nur zum Ansehen) zu bewundern; so etwas wäre etwas sür die Vergnügungssüchtigen in Frankreichs großer Hauptstadt. „So eben wird im Theater an der Wien «1>8 Lolleimens äs ?aris», nach Ihrer Übertragung, mit außerordentlicher Ausstattung und wahrer Dekorations-Pracht einstudirt. Carl setzt es glänzend in die Scene und spielt darin selbst die Rolle des Osvecamr. Erzählen Sie doch Ihren Lesern in Paris, daß « karis 1a Nuit» in Carls Theater in zwanzig Vorstellungen über 50 000 Franken eingetragen hat. Zum Schluffe eine erfreuliche Neuigkeit:—Unsere Censur wird zusehends milder, und es scheint, als ob man dem Zeitgeiste auch bei uns bedeutende Zugeständnisse machen will. Ihr „Vor- wär ts" ist hier viel verbreitet und gelesen und findet keine Hemmung der Verbreitung. „Leben Sie wohl. G. v. L." Drolliges. In Rheinischen Blättern wird die seit dem Jahre 1791 vermißte Dorothea Kunigunde Albertine Fornader aufgefordert, sich baldigst in ihrem Geburtsorte zu melden, da sonst über die ihr zugefallene Erbschaft von Einem Gulden acht unddreißig Kreuzer Reichsw. anderweitig verfügt und diese Erbschaft, nach Abzug der Gerichtskosten, wahrscheinlich ihrer ältesten Schwester, Amalia Bertha Gertrude Fornader, zufallen würde!! —In der „Weser Zeitung" wird unter der Bezeichnung: „Melancholischer Sänger", ein abgerichteter Gimpel zum Verkauf ausgeboten, „der sür Schwermüthige eigens erzogen wurde, und nur gemüthfeierliche Melodien pfeift. Erbefindet sich in einem Häuschen von Ebenholz, schläft nur wenn er Abends mit Flor bedeckt wird, und frißt nur schwarze Vogelbeeren." Das arme Thier säuft wohl nur Tinte? — In Reutlingen erscheint ein Tageblatt unter dem Titel: „Die Trompete". Am Schluffe des Blattes werden stets die Zuschriften angezeigt, welche in den Brieskasten des Redakteurs geworfen werden. Unter diesen wurde auch eine folgenden Inhalts vorgefunden: „Herr Redakteur! Morgen spieleich die Louise in „Kabale und Liebe." Wenn es möglich wäre! Ich bitte sehr! Die Sterbescene. Sie verstehen mich! Am liebsten Blumen; keine Gedichte! Gedichte stören. Das neugierige Volk liest die Gedichte auf der Stelle und sieht vom Theater weg. und ich liege da ohne Antheil. Aber Blumen! Bitte ergebenst! Die Jahrszeit? wenden Sie ein. Ich sende Ihnen gemachte; es ist egal. Ich bekomme ja die Blumen und das Publikum merkt nichts. Ich abonnire sodann zwei Eremplare der „Trompete". Ihre hoffnungsvolle Auguste Hölzer-St ift, dramatische Künstlerin, früher in Bopsingen, nun in Reutlingen." — Mädchen wollen keinen Narren zum Manne haben, darum sollen sie auch keinen Mann zum Narren haben. -- Ein Mann, der ganz Liebe ist, verdient eine liebe Gans. — Es ist recht schlecht von Dir, daß Du kein Zutrauen zu mir hast! so sagen wir. Wir sollten aber lieber sagen: Es ist recht schlecht von mir, daß Du kein Zutrauen zu mir hast. — Materialisten und Journalisten handeln mit Lorbeeren, jene für Köche, diese für Künstler. —Jemand der französischen Sprache nicht kundig genug, wurde beauftragt, ein Bittschreiben an eine hohe Frau zu entwerfen. Wohlwissend, daß man Könige« 8irs » betitelt, schrieb er ohne langes Besinnen : « Lireue ». — Schwindler-Taschenbuch. In Osnabrück bei Kugler ist erschienen: „Die Kunst, mit Anstand zu betteln, Geld auszuleihen ohne abgewiesen zu werden, und in Gaststuben und Caffee- häusern auf Credit zu leben, ohne die Wirthe und Marqueure verdrießlich zu machen; mit einem Anhänge: das Ganze des Pränumerantensammelns auf Werke, die nie erscheinen, von Lumpazzi- Vagabundus dem Jüngern, zur Darnachachtung für Alle, die mit Schwindlern in Berührung kommen; sammt drei Porträten der größten Beutelschneider Europas." Preis: 1 Thlr 12 Groschen. — In der Bremer Zeitung liest man folgende naive Bekanntmachung: „Gestern, am heiligen Christtage, ist mein holdes Weib Eusebia ganz un- vermuthet von einem gesunden Knaben entbunden worden. Wir haben ihm in der Taufe den Namen Theobald und im geselligen Freudenzirkel das Prädicat: der kleine Unerwartete, gegeben. Die Mutter ist sowohl, als es die Verhältnisse erlauben. Kieritz und Compagnie, Leinsamenhändler." — Die „Altonaer Tags-Post" enthält Folgendes : „Da es sich gezeigt hat, daß der junge Mann, der neulich ertrunken, gar nicht ins Wasser gefallen war, auch sich nicht hineingestürzt hat, wo zu keine Ursache vorhanden, da er nicht hier ansässig, so hat es von dem Aussuchen seines Leichnams sein Abkommen. Der gefundene Hut und das Halstuch gehören übrigens einem Betrunkenen, nicht Ertrunkenen, welcher sich auch schon gemeldet. „Bolze, Leichenbeschauer." 3 Blätter für die tägliche Nothdurst des Lebens. Zur größeren Bequemlichkeit für meine Patienten, wohn' ich jetzt neben der Sargfabrik. Dr. Kilian Pillendreher, praktischer Arzt. — Eine erfahrene Köchin, welche breite Bettelsuppen zu kochen versteht, kann gleich in Dienst treten. Das Nähere sagt die Redaktion der iksikser Zeitung. — Ein neues Steckenpferd kaust der deutsche Michel. — Entbindungs-Anzeige. Ich beehre mich, allen Freunden und Verwandten die ergebene Anzeige zu machen, daß ich gestern Nachmittag von einer gesunden Frau glücklich entbunden worden. Michel Teut. — Ein abgerichteter Staar, der sich einige Monate in Paris aufgehalten und sehr deutlich « don jour» und - serviteur » spricht, ist billig zu haben. Näheres Thiermarkt, zwei Stiegen hoch. — Erklärung. Ich finde mich aus eigenem Antrieb und ohne irgend eine Aufforderung zur Erklärung veranlaßt, daß nicht ich, sondern Madame l)n- äevnnt, Verfasserin des Romans Consuelo ist. Kathinka Jmmortalitä. — Ein Handlungsgummi, der eine schöne Hand schreiben dhut, die franzeestsche Sprache verschdeh und berfeckt im Rechnen und Buchhalte ist, kann in einem gebildete Schpeehzerrei-Geschefft eine ledige Stehle finten. Das Nehere der Ferlaag. — Starke Hemmschuhe kaust L. Baier. — Ein junger Mann von hellblonder Statur, der keine Schulbildung nicht besitzt und eine unüberwindliche Zuneigung für Champagner und Col- chester-Austern hat, auch Herr seiner Zeit und Launen ist und nöthigenfalls auf die Jagd gehen kann, wünscht seine Hand einer jungen, reichen Dame zu geben. Wenn dieselbe schön ist, so wird ihm dies höchst angenehm sein; Tugend und Herzensbildung von ihrer Seite wird ihn aber durchaus nicht ab- schrecken. Frankirte Briefe erbittet man sich unter der Adresse D. M. in Mainz. — Einem jungen Mann, der für liberale Tendenzen kämpft, kann leicht ein fester Wohnsitz angewiesen werden. Näheres in Hessen-Kassel. — Universalmittel. Durch vieljähriges Studium in dem Herzen der redenden Menschheit und der schweigenden Natur, ist mir endlich der große Wurf gelungen. Das Universalmittel gegen alle Mängel und Gebrechen ist von mir entdeckt und dessen Wuuderkraft von Andern erprobt worden. DaS Universalmittel benimmt den Stieseln den überflüssigen Glanz und gibt unschuldigen Gelehrten ihr Sitzfleisch wieder; es reinigt schmutzige Wäsche und öffentliche Charaktere von verdrüßlichen Flecken und befreit hitzige Schriftsteller und Kaufleute von Schwindel und unangenehmen Blutaufwallungen. Es zieht die durch den Druck entstandenen Hühneraugen und unzufriedenen Gesinnungen mit der Wurzel auö und gibt dem Leder und den Philisterherzen außerordentliche Geschmeidigkeit. Den Glatzköpfen gibt es die ursprüngliche Kahlheit wieder und gewährt zerrissenen Gemüthern und Sohlen eine feste Basis. Es wirkt wohlthätig auf das erschütterte Nerven- und Staatssystem und ist ein unfehlbares Mittel gegen Blähungen und Junkerthum. Es schützt gegen Schlaganfälle, Klaviervirtuosen und unerwartete Konfiskationen und stillt die Mutterkrämpfe und die Vatersorgeu aus eine höchst wohlthuende Weise. Kurzsichtigen Augen und Ministern schärft es das Gesicht und bringt verletzte Eitelkeit und Gliedmaßen wieder auf den Strumpf. Es gibt der Haut die zerstörte Glasur und den Zähnen ihr üppiges Haar wieder. John Ouack. aus London an d.r Themse, Erfinder und einziger Besitzer des Universalmittels. — Zu den bevorstehenden Carnevals-Masken- bällen Hab' ich eine große Parthie von Mönchsund Nonnen-Anzügen auö München erhalten. Kilian Rückschritt. NordtUlierikanische Zeitungsschan. Am 8. Januar Morgen fand in dem Sitzungssaale des Criminalgerichtes Philadelphia eine äußerst interessante Scene statt. Zwölf Damen überreichten nämlich den Richtern dieses Gerichtshofes eine von 13000 Frauenzimmern der Stadt Philadelphia Unterzeichnete Bittschrift, in der dieselben gebeten wnrden, sie mögen in ihrer Strenge gegen ungesetzliche Verkäufer geistiger Getränke sortfahren, und wo möglich den Verkauf geistiger Getränke am Sonntage gänzlich verbieten. Die Richter nahmen die Bittstellerinnen artig aus und versprachen, ihren Bitten nach Kräften nachzukommen. Von vielen Seiten wird der Wunsch ausgesprochen, es möchte für die weibliche Jugend eine ähnliche Hoheschule in Philadelphia errichtet werden, wie sie seit Jahren für die männliche Jugend besteht. Diese Idee zu realisiren wäre gewiß eben so zweckmäßig als gerecht, da die Frauenzimmer zu derselben Bildung berechtigt sind, als die Männer. Eine gebildete, nicht überbildete oder verbildete, Mutter wirkt noch wohlthätiger im Geschäfte der Erziehung, als ein gebildeter Vater, da jenen seine Berufsgeschäfte von der Überwachung der Erziehung der Kinder abziehen, während die Mutter dieselben den ganzen Tag über um sich hat oder doch baben sollte. Die elegante Welt in New-Uork scheint über „Mein und Dein" sehr unklare Begriffe zu haben. Bei großen Partieen soll es üblich sein, daß die Erstkommenden sofort das Beste an Blumen, Früchten und Consitüren für sich in Beschlag nehmen, und zwar nicht um es sofort zn verzehren, sondern um ihren kleinen Kindern und Geschwistern bei ihrer Rückkehr von der Gesellschaft damit Geschenke zu machen, oder wohl gar in ihrem eigenen Hause Gäste damit zu bewirthen. In New-Uork beabsichtigt man der gesunkenen Moralität wieder mit nachdrücklichen Maßregeln aufzuhelfen. Unter Anderem wird vorgeschlagen, — alle Eigenthümer von Spielhäusern für ein Jahr, — alle handwerksmäßigen Spieler für zwei Jahre, — alle Ehebrecher für zwölf Monate, — alle Verfälscher für drei Jahre, und solche, die zum dritten Male an Knaben unter 15 Jahren geistige Getränke verkaufen, für einen Monat ins Gefängniß zu senden. Theaterdirectoren, die Frauenzimmern von schlechtem Rufe den Eintritt in ihr Haus gestatten, sollen für 100 Doll, gestraft werden. Palmo in New-Uork eröffnet im Laufe dieses Monats ein italienisches Opernhaus in jener Stadt; die dafür engagirte Gesellschaft besteht ans den Gliedern der früheren italienischen Operngesellschaft in Havanna. Es ist eine allgemein bekannte Thatsache, daß die Bewohner des Staates New-Hampshire im Durchschnitt älter werden, als die eines andern Staateslder Union. Als Beispiel möge hier das Städtchen Moulton- borough, das eine Bevölkerung von kaum 1300 Seelen zählt, aufgeführt werden. In diesem Städtchen starben seit 1643 vier und vierzig Personen, die durchschnittlich 98 Jahre alt wurden. Sechsund zwanzig von ihnen überlebten das hundertste Lebensjahr, Einer erreichte sogar sein 1 Liftes Jahr und der jüngste von ihnen starb in einem Alter von 87 Jahren. Was das hohe Alter dort noch viel schätzbarer macht, ist der Umstand, daß sich die meisten der hochbejahrten Leute bis zum Erlöschen ihres Lebcnö- flämmchens guter körperlicher und geistiger Gesundheit erfreuen. Nach hinein mäßigen Anschläge leben in New- Uork 17 300 Personen von Verbrechen! Nämlich 500 handwerksmäßige Diebe, 300 Einbrecher und Räuber, 400 Empfänger gestohlener Güter, 150 Verkäufer von falschem Gelde, 400 Diebe die die Kaien plündern. 200 Taschendiebe, 100 sonstige Taschenspieler, 100 diebische Bettler, 150 diebische Hausirer,3000 Personen die schlechte Häuser halten, 9000 feile Dirnen und 3 000 Spieler. Die Marseillaise in Deutschland. Äußerst würdig und nur in einer Äußerung nicht mit unfern Ansichten übereinstimmend spricht sich der Pariser 4 Correöpondent in der Allgemeinen Deutschen Zeitung über diesen Gegenstand, besonders aber,auch über die Nachäfferei und Nachsingerei der Marseillaise aus. Jeder redliche Deutsche wird diese Worte beherzigen. Wir theilen sie mit Vergnügen unfern Lesern mit, obgleich wir gewöhnlich ungern aus deutschen Blättern längere Mittheilungen wiederholen. Paris, 2. Febr. — Der Straßenlärm, welcher gelegentlich eines verbotenen Concertes in Berlin statt gefunden, wird von den hiesigen Organen der propagandistischen Gelüste mit den lächerlichsten Übertreibungen und mit höchst komischer Wichtig- thuerei besprochen. Glaubt man z. B. dem „National," so ist in den Straßen der preußischen Hauptstadt eine förmliche Schlacht geliefert, in welcher Hunderte von Verwundeten auf dem Platze geblieben, und Hunderte von Gefangenen gemacht sind. Natürlich wird es hier von dieser Seite her mit großer Genugthuung ausgenommen, daß die Marseillaise als die eigentliche Ursache des Verbotes und der tumultnarischen Protestation gegen dasselbe genannt wird. Und in der That, wenn die Franzosen auch vielleicht nicht berechtigt sind, aus eine solche Erscheinung stolz zu sein, so haben wir Deutschen doch allen Grund uns dadurch gedemüthigt zu fühlen. Unbegreiflich ist die Gedankenlosigkeit mit welcher man in Deutschland darauf beharrt, die Marseillaise zu dem Symbole von Grundsätzen und Hoffnungen zu machen, welche vor allen Dingen eines nationalen Gepräges bedürfen, wenn sie als rechtmäßig anerkannt werden sollen. Wir wollen der Marseillaise ihr Verdienst und ihren Ruhm als französisches Nationallied nicht streitig machen, aber je größer jenes Verdienst und jener Ruhm ist, desto weniger Ursache haben wir Deutschen das Marseillaiselied zu feiern. Sonderbar daß es nöthig ist, Tausenden von gebildeten Deutschen ins Gedächtniß zurückzurufen, daß der Kriegsgesang von Marseille gegen uns gedichtet ist, daß die Siege, welche er in- spirirte und begleitete, über uns erfochten; daß er uns auf zwanzig Jahre das linke Rheinuser gekostet und den Niederlagen, die wir durch Napoleon erlitten, die Bahn gebrochen hat! Nochmals, das Alles mag in den Augen des Franzosen ein guter Grund sein, sich der Marseillaise noch heute zu freuen, und sich an ihren Klängen zu erheben; wie es aber unter solchen Umständen möglich ist, daß deutsche Patrioten sich durch sie begeistern lassen, das erklärt sich nur unter der Voraussetzung, daß sie jedes Funkens von nationalem Bewußtsein bar und ledig sind, oder aber — wir ziehen diese Angabe bei weitem vor, — daß sie nicht wissen was sie spielen hören und was sie singen. Nein, man weiß in Deutschland nicht, was die Marseillaise sagt, und man denkt nicht daran, was sie in der Geschichte bedeutet hat; denn sonst wäre es unmöglich daß man fortsühre in ihr den Triumpf des Feindes über die eigene Nation zu singen. Man darf die Sache der Franzosen von 1792 für die allein gerechte halten; man darf die kriegerische Einmischung der europäischen Mächte, und namentlich Deutschlands, in die französische Revolution unbedingt verdammen, aber es gehört ein gänzlich verschrobener Kopf oder doch ein durch und durch verfälschtes Gefühl dazu, um sich im Geiste so völlig ans die Seite des revolutionären Frankreichs zu stellen, daß man mit Bewußtseyn und kriegerischen Jubelklängen die eignen Niederlagen singt. Wahrhaftig von hundert Deutschen, welche jemals in die Marseillaise eingestimmt haben, würden nenn und neunzig in tiefster Seele mit Scham erfüllt werden, wenn sie sick- plötzlich bewußt würden, daß sie mit den Worten jenes Liedes ihre eigenen Väter lästern, daß ihre eigenen Väter es sind, von denen es darin heißt, „daß sie, blutgierige Kriegsknechte, heulend durch das Land daherziehen, um Weiber und Kinder der Franzosen zu erwürgen." Neues N?erk über Russland. Im Laufe der nächsten Woche erscheint ein höchst interessantes Werk, das dazu bestimmt sein dürfte, in der politischen und diplomatischen Welt noch mebr Aufsehen zu machen als Custines:«Im kim- 8i6. » Es heißt: ZO/§§re. —— Zinnes. Revelation et in^8tei68 ;aoIiticiu68, röäi^ees ck'a- pres Ie8 note8 ä'nn vieux ckchlomate, xar N. Uarelournier.?ari8, 1844. elie?1re88e, 2, Materie de OlmrtreK. an?aIai8-Ro^a1; Villet, Uamon ckoree, 8iir le doulevarä äes Italieim ; et nu Bureau Oeutral xour IHIeuiaZue, 32, rue äe8 Noulins. — Brix: 4 Iraner Dieses merkwürdige Buch, von dem schon vielfach die Rede war, sollte ursprünglich unter dem Titel: » Im8 lVI^8tere8 cke In Bu88ie » erscheinen, und wir können nicht umhin unsere Leser auf die darin enthaltenen Enthüllungen und Mittheilnngen von größter Wichtigkeit aufmerksam zu machen. Pariser The ater sch an. Die ^.cncköinie ct« 4Iu8icsue gab am 21 . dem Aschermittwoche zu Ehren ein neues Ballett: Lady Henriette, das uns seit langer Zeit schon unter dem Titel : Oap, je« angekündigt worden war. Die Ballette der großen Oper sehen sich, die « ckotln llltn cle Onnck » ausgenommen, alle einander ähnlich wie ein Ei dem Andern ; sie sind Alle dazu bestimmt 20 bis 30 Vorstellungen bei halboollen Häusern zu erleben und dann klanglos zu verschwinden; — auch Lady Henriette hat nur einen cksini- succes gehabt, zu dem die Claqueurs viel beitrugen; — Dlle Dumilatre gab sich viele Mühe, — die Musik der Herren Flotow und Burgmüller ist recht hübsch. — In der italienischen Oper täglich Spektakel und Scandal, der Anschlagzettel des Morgens ist bis Abends eine Lüge und die Verkäufer der « ?>e>^i»mm68 exnciu Nu 8s)eetn- c!« » drohen der Direktion wegen der immerwährenden Abänderungen einen Prozeß auf üominn^68-iniä,6l8 zu machen. Mit Fornasari, der an einen hartnäckigen Lampen- und Bretterfieber leidet, liegt die Direktion im Prozesse, der sich binnen vierzehn Tagen vor dem Handelsgerichte entscheiden soll, und Herr Rvnconi macht sich die Unterhaltung, ohne allen Grund Abends nicht zu der Vorstellung zu erscheinen, so daß am vergangenen Dienstag der Commissär dem Publikum dieses achtungslose Benehmen ankündigen und die Vorstellung absagen mußte. Allein das Publikum wollte sich nicht entfernen, sondern verlangte eine andre Oper, und so begann um i;4 nach o Uhr endlich der Liebestrank, in dem Mario, auf ausdrückliches Begehren des Publikums, den Nemo- rino sang. Es steht nun zu erwarten, ob und wie lange sich das Publikum diese Künstler-Launen des Herrn Ron- coni gefallen lassen will. In der O^errr-Ooinilgnk wandelt drei Mal in der Woche der Geist des bei der ersten Vorstellung verstorbenen Grafen CagIiostro vor den verödeten Logen und den leeren Parterre-Bänken herum, und Adams Musik begleitet ihn in schaudervollen grauenhaften Weisen, so daß den wenigen Zuhörern die Haare zu Berge steigen und sie endlich entsetzt Hinausstürzen aufdas Boulevard und in die Conzerts Vivienne rennen, um doch wieder ein Bischen Musik zu hören. — « 1^8 U^tänss stk ?!>i'i8» sind zugeschnitten und gekürzt worden, ohne darum mehr Glück zu machen; die Zuschauer ersparen nur anderthalb Stunden Langeweile mehr, da das Stück jetzt um Mitternacht endigt. Die «Kollom>6N8 ck« ?-,iÜ8 « verfolgen dagegen triumphircnd ihren Siegeslauf und sind schon zur 155. Vv'.stellung im gelangt, während im Gaitä-Theatcr eine gefährliche Con- currenz in den ü« LniM » auftaucht, die sich vorgenommen haben, es auf 20o Vorstellungen zu bringen. tzur vivrn, verrs ! Cingcgangcne Beiträge zum deutschen Hülss- Verein. Fr. C. Übertrag. . . 1 375 45 Ihre K. H. die Frau Herzogin vm Nemours. 50 ö5err F. v. A. „Geben ist beglückender als Nehmen.". .... 80 P.l (jährl. Beitrag). . 25 I. W. (fährt. Beitrag). . 25 I. Sohn (2. Beitrag). . 20 Mar Maretzeck (2. Beitr.). 20 Frisch. .5 H. M. -. 5 Summe . . 1605 45 Nebactcnr: Heinrich Bernstein. Druck mit Schnellpressen von P aut Reno u a r b. Paris, Mittwoch. Nr. 17. 28. Februar 1844 Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen: die Zeile L 50 Centimes. § r rv u / , <«» FM «M^s Man abonnirt: für Paris: UN Nnresu ventrsl pour I'^IIeinsAne, i ns ük-8 ltlttutins, 32. und in der Buchhandl. von Jules Leuousrä et 0'°, rus cle 1 ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, PränumcrationSgeldcr und Briefe wollen ünnoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, ru6 c!68 Mn>in8 in Paris » eingcsendet werden. Skizzen uns der deutschen Gegenwart. 2 ) Über die neu zu erwartenden Beschränkungen der deutschen Presse. Es geht ein finstrer Geist durch dieses Haus. Schiller. Es wird seit Kurzem wieder ganz unheimlich in Deutschland, — allerhand unheilbedeutende Zeichen lassen sich sehen, die Nachteulen in den Journalen krächzen, und die alten Gevatterinnen in den absoluten Staats- und Stadtzeitungen sehen im Kaffeesatze grauenvolle Dinge voraus. Dabei weht ein böser Wind aus Osten, liegt ein dicker naßkühler Nebel ans den deutschen Gauen, und aus den wilden Sümpfen und Morästen qualmen schlimme Dünste auf, die trüben Nachtnebel noch verdichtend, daß man nicht recht mehr in Gottes freie Lust hinaus sehen kann. Grade so unheimlich war es vor den Karlsbader Beschlüssen und zu andern für die deutsche Presse bitterbösen Zeiten. Ta keucht ein Artikel aus Frankfurt am Main daher, und berichtet zwischen zwei langen Perioden über die Drei- prozentigen und den Stand der MetalliqueS, daß man dem Vernehmen nach von Seite der deutschen Regierungen sich zu verschärften Maaßregeln gegen die Presse vereinigt habe; dorten plappert ein Arti- kelchen von der Isar von sehr strengen Beschlüssen um die deutsche Presse, namentlich die im Auslande, zu überwachen, da man von Paris aus allerlei Bedenkliches erwarte — und so geht es alle Tage fort. Was sollen diese Brandraketen und Schreckschüsse? sind es die eigenen Besorgnisse, ist es die blasse Furcht der Berichterstatter die sie ihre Befürchtungen für Thatsachen, ihre Schreckbilder für wirklich Herannahendes halten läßt, oder rühren diese Artikel von Oben her, — wurden sie in das Publikum geschleudert um der Nation an den Puls zu fühlen und zu sehen welche Wirkungen ein neues heroisches Krastmittel und Censur-Recept gegen das Preßfieber auf die krankhaft verstimmten GemAher in Deutschland haben dürste? Sind diese Artikel und Artikelchen, die seit Kurzem durch die ganze deutsche Presse ziehen, Symptome der ängstlichen Besorgniß der Presse, man wolle ihr noch das letzte Bischen Luft entziehen und ihr die Kehle ganz Zuschnitten, oder sind diese Noten auf höherem ämt- lichen Befehl geschrieben und ausgestreut? — Ungeschickt genug abgefaßt sind sie dazu. — Wären eS nur diese Zeitungs-Notizen die so sprechen, so würden wir kein Gewicht darauf legen; aber Briefe achtungswerther Männer ans Deutschland singen dasselbe Lied; Schuselka'ö Prozeß in Wien nimmt eine schlimme Wendung; der „National" erzählt uns von gegen deutsche Schriftsteller in Paris gerichteten Ausweisnngsgcsuchen der preußischen Regierung an die hiesige; in^Halle werden Studenten- Verhaftungen vorgenommen, und Schweizer Blätter melden uns, in Preußen seien die Buchbinder amtlich verpflichtet worden, so oft ihnen verbotene Bücher zum Einbinden gegeben würden, Bücher und Eigenthnmer derselben sogleich Lei der Polizei anznzeigen. Ist dies Alles Wahrheit, dann steht es wahrhaftig schlimm um Deutschland; sind dieß aber nur Gerüchte, dann steht es noch schlimmer, da man so etwas für möglich hält, so etwas von deutschen Negierungen erwartet. — Gesetzt aber, es wäre wahr, die Regierungen hätten wirklich den unglücklichen Gedanken die Presse in noch schwerere, hem- mendere Fesseln zu schmieden, den Strom der, Ge- daukenmittheilnug noch mehr einzudämmen zwischen den hohen Backsteinwänden der Polizeimaaßregeln, den Censoren doppelten Gehalt und doppelte Arbeit zu geben und die dreifache Quantität amtlicher Scheeren und Rothstifte; — was wäre für die Regierungen mit Allem dem gewonnen? Gar nichts —als daß sie um die gefangene Presse zu hüten noch mehr Gesängnißwärter brauchten, noch mehr Tammwächter für den daherbrausenden Gedankenstrom, noch mehr Censoren, Scheeren und Rothstifte, und doch trotz aller Ketten, Dämme und Rothstifte die Presse da und dort, zu diesem und jenem frei und laut spräche, daß man es weithin hören könnte, des Stromes Wellen doch kräftig über die Dämme schlügen, das weite Land rechts und links segnend befruchtend, und die Censoren nach wie vor entweder zu ehrlich oder zu dumm wären und blieben, um Alles zu streichen was über 0 ist. — Ihr fürchtet Bedenkliches von Paris, oder, wie der Artikel aus Frankfurt sagt, „was von dort zu erwarten steht," — aber warum triebt ihr diese Leute aus Deutschland nach Paris, da ihr sie ja doch zu Haus im warmen Neste der Mutter Censur hattet, und sie hüten und beaufsichtigen konntet, wie ihr es hier nicht könnt; warum verbotet ihr da dem Einen ein Journal, das er doch unter eurer Censur heransgab, und wies't den Andern mit Gendarmen über die Gränze? Warum verkümmert ihr die Luft am freien Gedanken und am freien Worte jedem ehrlichen Menschenkinde so, daß Alles sich der deutschen Presse Nordamerikas, Frankreichs, der Schweiz zuflüchtet, um doch endlich einmal ans voller Brust sagen zu können, wie es ihm eigentlich um's Her; ist. — Man fürchtet Bedenkliches von der deutschen Presse im Auslande, und man hat durch Zwangs- und Verir-Maaßregeln diese Presse selbst geschaffen. Man hat das freie Wort, die offene Besprechung so gebunden und geknebelt, daß sie sich über den Rhein, über die Alpen, überden Oeeanflüchten mußten, um nicht ganz zu verstummen. Jede Beeinträchtigung der Presse, jede rohe Willkür an dem göttlichen Rechte des Gedankens ausgeübt, jedes Zeitungs- und Bü- cher-Verbot, jede Schriftsteller-Verweisung tragen heut zu Tage ihre Strafe in sich selbst, und jede Regierung ist zu bedauern, die zu solchen echt russischen Maaßregeln ihre Zuflucht nimmt. —Ihr drückt die Presse mit der eisernen plumpen Faust der Beamten- und Ministerial-Willkür nieder, aber sie macht sich schlank und geschmeidig wie ein Aal, und 'theilt sich wie Quecksilber in tausend kleine glänzende Kügelchen, die euch durch die Finger schlüpfen und überall eindringen, während ihr mit der geballten, aber leeren Faust stehen bleibt und das Nachsehen habt; — ihr wollt den Gedanken in Fesseln schlagen, und macht dadurch aus einzelnen philosophischen Jüngern eine politische Sekte; aus unschädlichen Theorienmachern, Proselytenwcrbende Fanatiker. Ihr verbietet ein Buch, und es wird nun erst recht gesucht, nun erst drei- und vierfach bezahlt; man läßt sich die ausländischen verbotenen Zeitungen, das Porto nicht scheuend, unter Brief-Couvert kommen, und an der Gränze sitzt euer Post- und Polizeimeister und erpedirt diese Briefe allerbereitwilligst; und wenn erst einmal alle Eisenbahnen fertig sind, wenn die Gränze ein leeres Wort, die Amts-Formalitäten veralten Schnecken-Erpedition wie die alten Zollschranken gefallen sind, welches Buch, welche Zeitung wollt ihr dann noch verbieten? Die Gedanken, die Bücher, die Zeitschriften, werden mit Dampf blitzschnell durch das Land fahren, und die Polizei wird mit langer Nase dastehen und ihnen Nachsehen. Ihr weis't einen Schriftsteller mit Gendarmen über die Gränze; und er, der früher wenig Beachtete, wird plötzlich zum politischen Märtyrer, znm Tageshelden, zur Berühmtheit. Wahrhaftig, wir haben HerweghS Brief an den König von Preußen stets für ein unüberlegtes re- nommirendes Stndentenstückchen gehalten, und Herwegh mag in seinem innersten Herzen jenen Brief eben auch nicht für den klügsten und tadelfreiesten Streich seines Lebens halten; er wird sich wohl jetzt, bei kälterem Blute, selbst gestehen, daß er damals von der Nähe der Majestät berauscht und zwischen ihr und den radikalen Jugend-Ideen, wie Hercules, am Scheidewege stehend, etwas zu sehr 'den Marquis Posa spielen wollte, und aus dem praktischen Leben in allerhand tolle Überschwänglichkeiten gericth; — aber das Benehmen der preußischen Regierung gegen ihn hob in den Augen der Welt all' sein Unrecht wieder aus und machte gut, was er gefehlt. Preußische Behörden ließen denselben Mann, der gestern noch in dem Zimmer ihres Königs gestanden, von diesem dahin eingeladen worden war, mit ihm sich besprochen und unterhalten hatte, durch Gendarmen ansasseu und über die Gränze teansportiren, nur über die Gränze, da man leider noch keine Colonie in Sibe- rien besitzt. Glaubtet ihr die Majestät des Thrones beleidigt, wiewohl wahre Majestät von so etwas nicht beleidigt werden kann, so hättet ihr dem unbesonnenen Briefsteller, dem Gaste und Besucher eures Königs einen hübschen Reisewagen mit vier Postpferden schicken sollen, eine Börse mit fünfhundert Louisdor dazu, und die höfliche Bitte, wenn es ihm in Preußen nicht gefalle, sich anderswo ein bischen umzusehen. So hätten es Kaiser Joseph II und Friedrich der Große gemacht, — und beide hatten viel Takt. — „Königsfreihei t" hieß im Mittelalter das Asylrecht gewisser Orte; — diese „Kö- nigssreiheit" hättet ihr in dem Manne achten sollen, der gestern noch als Gast eurem Könige gegenüber gestanden. Wir sprechen hier unsere aufrichtige innere Meinung anS; wir kennen Herrn Herwegh nicht, haben ihn nie gesehen, sind in vielen Punkten durchaus nicht mit ihm einverstanden und werden ihm, thuts Noth, vielleicht auch feindlich im Kampfe gegeuüberstehen; aber wir haben es uns selbst gelobt, wahr und aufrichtig zu sein, und darum sagen wir: Herwegh hatte damals groß Unrecht, aber die preußische Regierung noch größeres. Was das an die französische Negierung gerichtete Gesuch betrifft, diese angeblich gefährlichen Schriftsteller aus Frankreich zu verweisen, so glauben wir noch immer nicht daran; — ein solches Gesuch würde, wenn es hier Gewährung fände, der ansuchenden wie der gewährenden Macht eine ewige Schmach sein, und wenn es abgeschlagen würde, eine doppelte Niederlage für jene Regierungen werden, die sich, und noch dazu vergeblich, die Blöße gegeben, vor einigen alleinstehenden Schriftstellern im Auslande zu zittern. Was läßt sich aber zu dem, den Buchbindern in Preußen ertheilten Befehle sagen, verbotene Bücher und ihre Eigenthümer der Polizei anzuzeigen? Also der Mann soll gegen seine Kunden, von denen er und seine Familie leben, die voll Vertrauen zu ihm kommen und ihm Erwerb und Arbeit bringen, zum Denuncianten werden, — und das verlangt man von einem ehrlichen deutschen Handwerk ö m a n n ? Ja, dann klagt nicht über Demoralisation der untern Volköklassen, wenn ihr sie selbst so demoralisirt. — Denunciren war stets ein verächtliches Gewerbe, der ehrliche Mann hält solches Treiben fern von sich, und wehe dem Staate, der sich auf Denuncianten verläßt! sie mögen dies Handwerk nun im Großen oder im Kleinen treiben. — Doch nein! — nein! — es sind Gerüchte, ausge- sprengteMährchen,allzulebhafte Einbildungen klein- müthiger Seelen, alle diese Noten, Notizen und Artikelchcn, die jetzt durch die deutsche und fremde Presse lausen, und wir wollen ihnen nicht die Ehre anthun daran zu glauben, — nein, die deutschen Negierungen sind zu klug um einen neuen Krcuzzng gegen die Presse zu unternehmen, der sie doch nicht in das gelobte Land des Ultra-Absolutismus führen dürfte; sie wissen recht gut, daß man die Venrile der großen Staats-Dampfmaschine nicht allzu hermetisch verschließen muß, damit uicht am Ende der ganze Kessel zerplatze; die deutschen Negierungen erinnern sich, daß die französischen Ordonnanzen gegen die Presse und die Protestation der Journalisten das Vorspiel der denkwürdigen Juli-Revolution waren, die in drei Tagen eine Dynastie von achtzehn Jahrhunderteil in den Staub warf; sie erinnern sich auch, welche großen unbezahlbaren Dienste ihnen die Presse 1813, 14 und 15 geleistet und erst 1840 wieder; sie wissen welche Macht die Presse hat, und werden sie zu leiten suchen, aber nicht gefesselt sich nach zu- scbleppen, sich mit ihr ruhig in Rede nnd Gegenrede verständigen, aber nicht sie knebeln; sie werden den Völkern den einzigen Mund der ihnen blieb, um Beschwerden, Bitten, Wünsche vorzutragen, nicht verstopfen; —die Regierungen sind zu klug dazu und die deutschen Fürsten zu ehrlich. Ach, wenn nur ein Welttheil zwischen uns und Rußland läge,—-vieles wäre besser, aber alle diese Artikel in den Zeitungen bringen der russische Wind und die russischen Agenten uns daher, und die deutschen Regierungen lesen dann das und kommen dadurch aus Gedanken, die sie früher nicht hatten, und — ü proxos! dieses Frühjahr werden Se Majestät der Kaiser aller Russen abermals einen Besuch in Wien und Berlin abstatten;— heilige Liberias! bitt' für uns! — Arme Deutsche Presse! es sieht doch gefährlich für dich aus. Heinrich Bernstein. Die Wer. Staaten in Deutschland. Wollen wir Beweise von der wach'enden Wichtigkeit, dem Auslände und der Welt gegenüber, welche Deutschland als eine Nation in neuester Zeit gewonnen hat und täglich mehr gewinnt, so finden wir einen solchen in dem diesjährigen Berichte des Staats-Secretärs der Ver. Staaten, welcher sich beinahe ausschließlich mit dem Verhältnisse der Ver. Staaten zu Deutschland beschäftigt. Er liefert eine detaillirte Beschreibung des Umfangs und Wachsthums des Deutschen Zollvereins, nebst statistischen Angaben über die Ausdehung des amerikanischen Handels mit demselben. Die großen Vortheile eines zu Berlin abzuschließenden Handelsvertrages zwischen den Vereinigten Amerikanischen und Deutschen Staaten werden daraus ersichtlich gemacht. Seiner Wichtigkeit und der gerechten Freude wegen, womit er jedes deutsche Herz erfüllen» muß, können wir nicht umhin, diesen tüchtigen an den Präsidenten gerichteten Bericht des Herrn Upshur anszülicher mitzutheilen. Bericht des Staa ts-Secretärs. Staats Departement. Washington, den 21. November 1843. Der Staats-Secretär erlaubt sich, achtungsvollst Ihre Aufmerksamkeit aus die folgenden Bemerkungen in Bezug auf den wichtigen Gegenstand unserer Verhältnisse zu dem Deutschen Zollvereine und gewisse andere den Handel und die Schiffahrt der Ver. Staaten betreffende Gegenstände zu lenken. Am 24sten Mai 184D richtete der derzeitige Staats-Secretär, Hr. Webster, an Sie eine Mit- theilnng in Bezug auf den Deutschen Zollverein. Diese Mitthcilung wurde dem Congresse vorgelegt und dessen Befehle zufolge gedruckt. Seit der Zeit hat der Verein bedeutend au Industrie, Volksmenge und Einfluß zugenommen. Der Zollverein besteht gegenwärtig aus den folgenden Staaten: Staaten, , Bevölkerung. Königreich Preußen, .... 14 271 530 To Baiern, .... 4 315 469 To Würtemberg, . . . 1 649 839 To , Sachsen, .... 1 652 114 Großherzogthum Baden, . . . 1 277 403 Echurfürstenthum Hessen, . . . 704 700 Großherz. Hessen (mit Homburg). 806 671 Herzogthum Nassau, .... 386 221 ; Thüringischen Fürstenthümer, . . 908 478 ss Freie Stadt Frankfurt am Main, . 60 000 ' Herzogthum Braunschweig, . . 250 000 Großherzogthum Luxemburg, . . 400 000 Fürstenthum Lippe Detmold, . . 106 000 Zusammen, .... 26 799 000 Ter Anschluß des Königreichs Hannover, mit nahe an 2 000000 Einwohner an den Verein, ist unter Erwägung. Dieses würde ohne Zweifel die kleineren Staaten des Nordens bewegen, dem Verbände beizntreten; und in dem Falle würde ganz - Deutschland, mit Ausnahme der Dstreichischen Gebiete, vereinigt sein und eine Bevölkerung enthal- : ten, wie sie folgende Tabelle zeigt: Staaten. Bevölkerung. Zusammen. Gegenwärtige Bevölkerungdes Vereins nach obiger Tabelle, . . . — 26 799 000 2 Hannover, .... 2 000 000 ^ Großherz. Oldenburg . 270 000 ^ Herz. Holstein und Lüne- 4 bürg,. 481 000 Herz. Mecklenburg-Schwerin, . 490 000' Herz. Mecklenb.-Strelitz, . 91 000 Tie Hansestädte Lübeck, Hamburg und Bremen, . 260 000 3 392 000 Alle vereinigt im Deutschen ' Zollverein, ... — 30191 000 Die Interessen des Handels werden sich wahrscheinlich ebenso mächtig in diesem als in andern , Fällen erweisen. — Keine geringfügige Veranlass ' sung könnte ein so schwieriges Werk als die Vereinigung Deutschlands zu einem großen und gerneim . schastlichen Zwecke verwirklicht haben. In der Ver<; folgung dieses Planes gewinnt Deutschland, troO der Anzahl und Verschiedenheit seiner Staaten^ politische Einheit, erzeugt ein gemeinsames Natio-' nalgefühl und sichert sich den Rang unter den Nationen, wozu seine Ausdehnung, seine Hülssquellen und sein Charakter es berechtigen. Die Nachfrage nach den meisten Haupterzeug- mssen der Ver. Staaten ist in allen Staaten des Zollvereines beständig im Wachsen begriffen. So führte z. B. in 1834 die Union 148 322 Zollcent- ner s108 Pfunds unseres Tabackes ein, während in 1842 die Jmportation desselben Artikels sich auf 248 794 Zollceutuer belief. Die Nachfrage nach unserer Baumwolle und unserem Reis während derselben Period e stieg in einem ähnlichen Verhältnisse. Im Austausche für diese großen Erportationen empfangen wir einen verhältnismäßig geringen Betrag von deutschen Fabrikaten, und die Artikel, welche wir empfangen, sind mcistcntheils solche, die nicht in den Ver. Staaten erzeugt werden, z. B. Spiegelgläser, Seidenwaaren, Spielsachenn, s.w. Die Differenz wird baar bezahlt. Die Auswanderung von Deutschland nach den Ver. Staaten ist ein Gegenstand von großer Wichtigkeit für uns. Wir erhalten aus dem im Zollverein eingeschlossenen Deutschen Staaten sehr schä- tzenswerthe Einwanderer, hauptsächlich aus Land- leuten von bravem und betriebsamem Charakter bestehend, die hinreichendes Gold und Silber mit in ihr adoptirtes Land bringen, um sie zu befähigen, Land anzukaufen und sich anzusiedeln. Der folgende offizielle Bericht an die baierische Ständeversammlung, ein Land, welches nicht ein Siebentheil der Bevölkerung des Vereines enthält, weist die Stärke der Auswanderung aus jenem Lande nach. Von 1835 bis 1839 betrug die sämmtliche Auswanderung aus Baiern allein: Männliche Auswanderer, . . . 12896 Weibliche,.11701 24 507 Nämlich: nach Amerika, . . . . 18 937 " " Frankreich, ... 335 " " Preußen, ... 13 " " Griechenland, ... 119 " " Algier, ... 62 Nach unbekannten Orten, die ohne Pässe fortgingen und größtentheils nach Amerika auswauderten, . . 5 047 24 507 Ter Betrag an Geld, welchen diese Auswanderer Mitnahmen, so weiter der baierischen Negierung bekannt ist, beläuft sich auf nahe an sieben Millionen Gulden — gleich ungefähr Doll. 2 800 000; allein, in Folge der schweren Abgaben, womit in Baiern und einem großen Theile des übrigen Deutschlands das von Auswanderern aus dem Lande gezogene Geld und andere Mobiliarvermögen behaftet ist, dürfte man mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß wenige der aufgezählten Personen eine Deklaration von mehr als der Hälfte ihres Vermögens bei der Regierung machten. — Man kann daher mit Grund veranschlagen, daß diese Personen nahe an zwölf Millionen Gulden— oder circa Dol. 4 800 000 mit sich genommen haben müssen. Die Anzahl und der Werth der Bevölkerung die aus ganz Deutschland zu uns herüber kommt, läßt sich auf diese Weise genugsam schätzen, nicht allein in ihrem persönlichen Charakter, sondern auch in dem Zuschüsse, den sie zu unserm wirklichen Reichthume macht. (Schluß im nächsten Blatte). Fragen der Zeit. Der preußische Kriegsminister von Boyen dichtete einst ein Volkslied: Schwert, Licht und Rech t, als Grundzüge des Preußenthums aufstellend. Am з. Februar wurde in Berlin beim Feste der Freiwilligen dieses Liedes rühmend gedacht, und der greise Minister brachte auch eine Gesundheit auf den „freisinnigen" Prinzen von Preußen lautend, aus. Das Schwert ruht jetzt in der Scheide; ist es Licht in Berlin u. s. w:, wenn der Pietismus wuchernd um sich greift und thöricht begünstigt wird ? Ist einwirkliches Recht da, wenn die Censur, trotz Cen- sur-Gericht,überall den geistigen Aufschwung,die freie Forschung, selbst „die freimüthige und anständige Besprechung" hemmt? Wir richten diese Fragen persönlich an den Herrn Kriegöminister von Boyen, ohne nöthig zu haben an das Schreiben zu erinnern, welches Herr von Schön beim Eintritte Des Ministers von Boyen in die jetzige preußische Verwaltung an denselben richtete und worin die Worte verkommen: WennD u n o ch der Alte bist, so wohnst Du binnen einem Jahre wieder in Deiner Privatwohn un g. Gegen Murhard hat die chnrhesfische Regierung einen Hochverraths-Prozeß eingeleitet: einen Hochverrat!) am gesunden Menschenverstände hat die hessische Regierung bereits durch die bru- täte Arrestation und durch die schleppende Verhandlung in der Jordanschen Angelegenheit begangen. Ter Krug geht so lange zu Wasser, bis er bricht. Die preußische Regierung hat eine Note von dem Petersburger Cabinet erhalten, worin auf das Dringendste eine Entfernung der aus Frankreich и. s. w. in's Großherzogthum Posen gekommenen polnischen Flüchtlinge, Die nicht preußische Unter- thanen sind, ersucht wird. Vor Mitte Februar haben diese mit spezieller und humaner Erlaubnis! der preußischen Regierung seit der preußischen Am- nistie in Posen lebenden unglücklichen Opfer der russischen Verfolgungen, das Großherzogthum Posen bereits verlassen müssen. Nur einzelne, dringende Ausnahmen sind gestattet. Bittschriften sind auch zum Throne des Königs vou Preußen deshalb gelangt. Familienväter, die sich in Posen angekauft oder beschäftigt waren, werden also von der russischen Verfolgung getroffen. Was ist ihr Verbrechen? Das böse Gewissen der russischen Regierung, welches, wie Macbeth den erschlagenen Bank» überall beim Festmale der Gegenwart erblickte, auch in den unglücklichen Polen überall die ermordete polnische Nationalität gespenstig drohend und blutig aufsteigen sieht. Rußlands Einmischung in das freie Gebiet der Gastfreundschaft ist beklagenswert!); trauriger noch wäre eS, wenn nach gestatteter Erlaubnis! und ohne andern Grund als russische Anmaaßungen die preußische Regierung eine gegebene Erlaubniß in Folge Petersburger Noten zurücknähme. Die Consequenz so wie die moralische Würde der Regierung würden dabei zugleich leiden. Buntes und Spitzes Der Erfinder bedeutender Verbesserungen in den kleinen Feuergewehren, der bekannte französische Capitän Delvigne, dessen Geschoß später vom Obrist-Lieutenant Thierry angeblich verbessert wurde, hat vergangenen Herbst eine Rundreise durch Mittel-Europa (Berlin, Wien, Dresden u. s. w.) gemacht, um seiner Feuerwaffe dort Eingang zu schaffen. Er macht kein Geheimnis; aus seinem verdienstlichen System, welches, trotz vieler Hindernisse, einen wirklichen Fortschritt offenbart. Die Berliner Blätter, auch die Vossisch e Zeitung, spötteln mit Recht über die hier in Paris fabrizirten Correspondenzcn der O-mcww ües 454- lnnmux u. s. w., welche wegen eines abgesagten Conzerts eine Erneute nebst einigen hundert Verhafteten und Verwundeten ihren Lesern aufzutischcn für nöthig erachteten. Die Berliner Blätter schweigen aber wohlweislich über die Ursachen des so spät und so ungeschickt erfolgten Verbots, wie hier selbst ein streng monarchisches Journal sich über die Berliner Besorglichkeit ausdrückte. Die französischen Blätter aber mögen uns den wohlgemeinten Rath erlauben, künftig vorsichtig mit ihren fabrizirten Correspondenz-Mittheilungeu über Deutschland namentlich zu sein, indem sie durch entstellte, übertriebene oder gänzlich erfundene Nachrichten selbst der Sache des Fortschrittes schaden der sie vielleicht zu dienen glauben, unwissentlich aber im Auslande der Glaubwürdigkeit der französischen Presse im Allgemeinen bedeutenden Eintrag thun. Die Berliner haben jetzt einen Blumengarten im Winter, Krolls Garten genannt. Das Lokal kann 5 000 Personen fassen; der König und die Prinzen besuchten es; der Hauptsaal führt den Namen Königösaal, zwei andere: R o c oc o - und Renaissance-Saal; 13 Logen zu 15 Personen mindestens, 14 Zimmer zu Diners u. s. w., Tafeln zu 1 800 bis 2 000 Couverts können servirt werden. Der Unternehmer hat 60 Musikanten, die ir seine eigene feste Capelle in den öffentlichen Anzeigen nennt, engagirt. Bei großen musikalischen Festen sollen 160 Jnftrumentisten Mitwirken. Und zuletzt: das wissen die Götter und das abgebrannte Colosseum. Ein Tunnel beherbergt die Biertrinker und kleinere Restauranten, in Berlin Restaurazio- nen genannt. Eintrittspreis, Anfangs wo die Sache neu ist 1 Thaler, später 10 Silbergroschen. Der bekannte Militärschriftsteller, der preußische General von Decker, welcher vor zwei Jahren eine Reise nach Algier unternommen, hat jetzt in Berlin ein größeres Werk über seine persönliche Anschauun- .. gen: „Algier und die dortige Kriegsführung" herausgegeben. Herr von Decker schreibt viel, einige seiner Arbeiten werden in den Militärbibliotheken bleibende Plätze finden, andre sind bloßes Stroh- seuer und oberflächliches Beurtheilen. „Clauren, der Mimili Vater, erzählen „die Jahreszeiten," war einst über halb Europa berühmt, und jetzt weiß man kaum, daß er noch am Leben. In Berlin kennt ihn, seine nächsten Angehörigen und seinen Pudel ausgenommen, fast Niemand. Clauren ist eine Art tragischer Figur. Das fühlt inan am 4 unzweideutigsten, wenn er langsam unter den Linden dahin geht, die Hände ä. la Napoleon auf dem Rucken zusammengelegt. Es findet sich so viele alte deutsche Zeit in seinem Gesichte, so viel Zeit, die immer in Escarpins ging, weißes Halstuch und den Hut unter dem Arm trug. Sie war so kokett, jene Zeit, sie wußte so süßlich zu lächeln, sie tänzelte im Hundetrab in der Antichambre der Geschichte herum, aber die Geschichte hat ihr niemals Audienz gegeben. In dieser Zeit galt Clauren für ein Genie, aber aus dieser seiner genialen Zeit hat er nichts gerettet — als die weiße Cravatte." Die „Berliner Vossische Zeitung" enthält in N. 39 folgende bescheidne Bitte: „Mehrere „Kunstfreunde, durch die Leistung der Madame „Schröder-Devrient als Alice wahrhaft überrascht, „(!!) ersuchen diese große Künstlerin sie auch bald „durch die Darstellung der Zerline (! ?) im „Don „Juan" zu erfreuen." Tie Herrn V., T., E., Q., S., welche diese Bitte unterschreiben, sollten eine wirklich große Künstlerin nicht also in Versuchung führen. Zerline paßt weder für die Gestalt, noch für die Mittel, noch für das Alter der Madame Schröder-Devrient. Geschmack und Takt scheinen die Herren in Berlin noch immer nicht zu finden, sie welche die spitzen, falschen Noten einer Löwe vergötterten. Dieselbe „Vossische Zeitung" (N. 32) schreibt ans Potsdam: „Die interessanten Mosaikge- „mälde welche aus der alten Kirche herrühren, die „Se Majestät der König noch als Kronprinz in Italien gekauft hatte u. s. w." Die Kirche oder die .Mosaikgemälde? Potsdamer Stylist! Ein österreichischer Dichter, Herr F. von Schober, welcher bei Cotta eine Gedichtsammlung, der man Gutes nachsagt, hcrausgegebeu, ist seit Kurzem hier .angelangt. lieber die neue Broschüre. Ilüvelations politiciues, nediZes d'apres les Notes dun vieux ächlomute, pur N. Nnre ^ournier. ?nris, 1844, eb >62 Presse, 2, Aa- lerie^de Oimrtres, uu Pulnis-Ho^rd; elie? Villet, 12, doulevard des Italiens, lVIaison dc>- rüe; et au Lureau Central pour 1'^.lleinaAne, 32, rue des Uoulins. Prix. 4 tranes. Ein hiesiges Blatt läßt sich wie folgt über diese am 4. März in den Buchhandel gelangende Broschüre vernehmen: Vor einigen Tagen hat uns ein neutraler politischer Salon, mitten im Carneval, das seltsame Schauspiel einer Vorlesung geboten. Nur wenige Einladungen waren vertheilt, und das kleine konnte sollte einige Capitel der bereits im Manuscript vielbesprochenen Broschüre: „Rußland, Deutschland und Frankreich" vorlesen hören. Auf welche Art ein russischer Fürst Nachricht von dieser Vorlesung erhalten^ ist uns unbekannt; kurz, derselbe erschien als diese bereits begonnen. Die russische Diplomatie wagt sich überall hin. Als jedoch beiderVorlesung eine Porträtirung des Kaisers von Rußland bedeutende Aufmerksamkeit erregte, entfernte sich der Prinz***, als gewandter Hofmann, mit einem feinen Lächeln erklärend, seine Grundsätze erlaubten ihm nicht, ferner der Vorlesung beizuwohnen. Wer hatte jedoch den Prinzen eingeladen? Er sich selbst. Man fügt hinzu, der Prinz habe sogleich bei seiner Zuhausekunft zu seinem Buchhändler gesandt, und bei demselben zehn Eremplare der Broschüre bestellt, sobald die Hevelations polwigues erscheinen. Das satyrische Blatt, der „Satan", erzählt die Sache fast ebenso wie die obige Mittheilung, und fügt hinzu: die Fürstin Bagration sei angeklagt worden, dieser Vorlesung beigewohnt und sogar einige Stellen der Broschüre lebhaft applaudirt zu haben. —Dieses Geschichtchen sei aber eine Verläumdung und „Satan" selbst müsse der Wahrheit Gerechtigkeit widerfahren lassen. Wir fügen nun aus eigner Kenntniß hinzu, daß die Fürstin Bagration bei der erwähnten Vorlesung gar nicht zugegen war und daß übrigens die Broschüre : « Hussie, ^Heina^ne et Kranes« ans einen ganz andern Werth Anspruch macht als auf den vorübergehenden Erfolg eines Pamphlets. Der Verfasser hat uns so eben mit großer Gefälligkeit einen Probebogen zur Übersetzung mitge- theilt. Die nächste Nummer des„Vorwär ts" wird solche ihren Lesern bieten, und man darf bereits mit Überzeugung sagen, daß nie die russische Politik so ohne allen Partheihaß und von einem höhern Gesichtspunkt beurtheilt worden. Deutschlands, Preußens, Ostreichs Verhältnisse werden in dieser Broschüre ebenfalls in gedrängter Übersicht klar und freisinnig besprochen, ohne je in eine gehaltlose Phrasenmacherei zu gerathen. 8 « viertes Concert -cs Contcrvatoriums. (Am 2lien Februar.) Ein leichtes Unwohlsein des Herrn Habeneck, welches dessen Abwesenheit verursachte, eine unglückliche Wahl mehrerer Stücke, und eine unrichtige Zusammenstellung der andern, machten dieses Concert zu einem der Schwächsten, das ich je in den Räumen des Conservatoriums gehört, und ein Fremder, der Sonntags das erste Mal diesen Con- certen beigewohnt hätte, würde schwer den Enthusiasmus begreifen, den man sonst mit Recht für dieses Institut hegt. Die Symphonie in 13 dur ist die einzige Nummer, die diesmal einen günstigen Eindruck hervorbrachte, obwohl wir doch immer die gewohnte Präcision und Rundung unter Habenecks energischer Leitung vermißten. — Eine Engländerin, Miß Maria Hawes, sang zwei Arien in englischer Sprache, von Händel. Sie besitzt eine schätzenswerthe Contrealt-Stimme und deklamirt gut, hatte aber das Unglück zwei Arien desselben langweiligen Charakters zu wählen. Warum suchte Miß Hawes nicht in Handels „Samson," welcher einen reichen Schatz von Arien jeder Farbe dar- bieter? Es giebt aber Leute, welche Alles, was einen berühmten Mann zum Verfasser hat, für vorzüglich und classisch halten. Wenn die zwei vorgetragenen Arien classisch sein sollen, so halte ich es lieber mit den „Wilhelm Tell" und dem „Barbier von Sevilla."—- Die Gebrüder Carl und Leopold Däne la führten ^ mehrere Etüden eigener Komposition aus. Wir ha-^ ben in diesen Blättern bereits das Verdienst der, Herrn Dancla anerkannt, müssen aber diesmal es alseine Geringschätzung rügen, vor das Publikum, des Conservatoriums mit ganz gewöhnlichen Etüden zu treten. Das Publikum mißbilligte diese Wahl, indem es Zeichen des Unwillens hören ließ. Die^ Arie mit Chor („Befreien wir das Vaterland"),^ aus Webers „Eurianthe", entschädigte, was die Komposition anbelangt, wurde aber von Herrn Massol ohne allen Verstand und Geschmack bloß herabgeleiert. Den Beschluß machte Beethovens Ouvertüre (?) zu „Leonore". Dieses Meisterwerk fand nicht jene Anerkennung die es verdient, was wohl dem Mißmuthe des Publikums zuzuschreiben ist. Bei öfterer Anhörung dürfte sich diese Kälte in Enthusiasmus verwandeln, was bei allen Beetho- ven'schen Werken hier der Fall war. Den 10. März hoffen wir ein besseres Conzert zu hören. Mar M. Musikalisches. Duprez reift am 5. März nach London, wo er in der Favorite und in Wilhelm Tell auftritt. Am vergangenen Sonnabend versammelte er noch zum Abschiede eine gewählte Gesellschaft in seiner freundlichen Wohnung der rue Tur^ot, der er eine Reihe der ausgezeichnetsten Kunstgenüsse bot. Madame CarolineU ngher - Sabatrer, Mademoiselle Masson, eine Schülerin Duprez, und der Herr und die Frau des Hauses repräsentirten die Vocal- Parthie dieses interessanten Abends. Nicht minder vorzüglich war die Jnstrumental-Parthie bedacht, die uns Gelegenbeit gab den Bruder Duprez,. Herrn Osborne und einen jungen deutschen Violinspieler, Herrn Kiesewe t ter aus Hannover, der zu den größten Hoffnungen berechtigt, zu hören. Erklärung. Die Redaktion des „Vorwärts," mit Herrn A. Weill in einem bloß literarischen Streite verwickelt, hat sich mit ihm verständigt, den Streit ausgeglichen und nimmt hiermit die der „Karlsruher Zeitung" und dem „Humoristen" entlehnten beleidigenden Ausdrücke gegen ihn freiwillig zurück. Errata. Unter den diesen Winter hier anwesenden Deutschen lese man Baron von Guinanth statt Gienarth. Cingcgangene Beiträge zum deutschen Hülfs- Verein. Fr. C. Übertrag. . . 1605 45 Bar m von Könneritz, Kön. Sächs. Gesandte in Paris (jährlich). 100 Gras von Hohenthal, Kön. Sächs. Gesandtschafts-Sekretär. . . 100 Freiherr Carl von Guinanth, aus der Pfalz in Baiern. . . . 20 Herr M.. T... aus Gens. . . 10 Ein Mitteldeutscher, . . . . 2 Summe . . 1637 45 Nrdactcur: Hcinri ch Bvrnst ein. Druck mit Schnellpressen von Paul R e n o i, a r t>. Nr. 18 . . 2. März 1811. Paris, Donnabend. Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 ,, Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 13 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. Man abonnirt: für Paris: im Nuresu ventral ponr l'^IIenaLgne, rus äes Uouiins, 3», und in der Buchhandl. von ilules Nenouarä et EN", rus cie ^ ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Vork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Panter Signale aus Kunst, tvittentchakl, Theater, MutiK und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugcstellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigcn. — Anfragen, Beiträge, Pränumcrationsgeldcr und Briefe wollen t'ianco : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, ru6 (168 Nou!in8 in Paris » eingcsendet werden. Kaiser Joseph II. Am 2«)ten Februar. Von jeher haben die Völker aller Zeitalter es für Pflicht erachtet, den Manen Heimgegangener ausge- zeichneterFürsten,welche sich als Feldherren, als Gesetzgeber, Staatsmänner, als Philosophen und Aufklärer ihrer Völker, und dadurch als wahre Väter ihrer Staaten hervorstechende Verdienste erworbew hatten, bei gewissen Gelegenheiten ihre Huldigungen darzubringen, und dieser Act heiliger Ehrfurcht, welche sie für die Verklärten hegten, liefert den Beweis, daß sie, weit entfernt den Tod als den Zerstörer der sie gegenseitig umschlingenden Bande zu halten, denselben vielmehr als das Bindemittel betrachteten, das dem Andenken an dieselben eine ewigwährende Dauer verleihen sollte. — Das Leben in schönen Erinnerungen gewährte ihnen, wie uns, oft mehr Genuß als die nackte^, unerquickliche Gegenwart, besonders wenn die Bedürfnisse der Letztem für das Gute und Große beseelte Gemüther nicht aufzusinden vermochten und dadurch dem unaufhaltsam fortschreitenden Geiste der Zeit Hemm- niß bereitet und gewissermaßen die Zwangsjacke angelegt wurde. Der heutige Tag bietet gewiß jedem deutschen Herzen und jedem Freunde des Fortschrittes reichen Stoff zu einer derartigen fruchtbaren Betrachtung dar. Es ist der verhängnißvolle Tag, an welchem vor 54 Jahren ein hervorragender Geist seiner Zeit, Kaiser Joseph II, im 49sten Jahre seines Alters aus einem vielbewegten Leben schied. — So sehr einseitige, erboßte und gedungene Scribler sich auch bemüht haben, den Ruf des bei so vieler Humanität und Liebe, bei so großer Sorge für das allgemeine Beste und bei so erleuchteten Welt- und Lebensansichten dennoch vielverkannten Herrschers zu verunglimpfen und zu verdunkeln, so hat die, über den Werth und den Unwerth der Einzelpersönlichkeiten sowohl als über das Rechte und Unrechte, über das Gute und Böse in den Thaten und Handlungen der gesummten Menschheit schonungslos ab- urtheilende Geschichte dennoch für die Erhaltung seines wohlverdienten Ruhmes eine vollgültige Bürgschaft geleistet. — Sie führt uns denselben vor als den verwirklichten Fortschritt, als die' personificirte Aufklärung, als das Ideal seiner Zeit, als ein sehr Heller Lichtmoment und als einen seltenen Glanzpunkt auf ihrer unvergänglichen pergamentenen Rolle. Nur gegen das Ende seines durch so vielseitigen Widerstand verbitterten und verkümmerten Lebens wendet Klio in etwas den sich trübenden Blick, und schreibt, wie billig, die einzelnen retrogaden Bewegungen aus jener Zeit auf Rechnung seiner damals gefährdeten Gesundheit und seines durch Mißgeschick geistig niedergedrückten Zustandes. So sehr auch unter diesen Umständen von allen Seiten auf den geschwächten, kranken Fürsten eingedrungen worden sein mag, so blieb das von ihm ausgegangene Toleranz-Edict jedoch unwiderrufen, und die aus dieses erfreuliche Ereigniß in den östrei- chischen Staaten 1784 geschlagenen Toleranz-Tha- ler, drei Geistliche mit der Unterschrift: Leos amiei in Deo, zum Gepräge habend, überliefern und verewigen dasselbe. — Werfen wir einen Blick auf das Wirken und Schaffen des großen Kaisers, als er in der Fülle geistiger und körperlicher Kraft dastand, so erscheint er uns als ein mit einer bewunderungswürdigen Regsamkeit alles Gute und Wahre anstrebender, an Riesenplänen arbeitender und seiner Zeit gewissermaaßen vorauseilender Feuergeist. — In einer kriegerischen Zeit geboren und unter den Augen der bei seiner Mutter, Maria Theresia, großen Einfluß ausübenden Geistlichkeit in strenger Abhängigkeit erzogen, entrann er jedoch, vermöge der in ihm liegenden großen Anlagen, der vorbereiteten einseitigen Richtung, und gewann eine Selbstständigkeit in seinem Denken und in seinem Handeln, und seinem Leben und Streben, von welcher seine spätem Thaten als Regent ein so erfreuliches und erhebendes Zeugniß ablegen. — Nur Werth auf den Menschen legend, äußerte er eine entschiedene Abneigung gegen den bei seiner Mutter viel geltenden Rang der Geburt; sein Herz schlug für die ganze gesellschaftliche Menschheit, und war keinem einzelnen Stande besonders zugewandt. Es findet dies theilweise seine Bestätigung in der von ihm über dem Eingänge zum Augarten in der Residenz Wien angebrachten Inschrift: „Allen Menschen geweiht von ihrem Schützer und Schützer." Auf den ihm gebrachten Vorschlag, den Prater, den er in der schönen Jahreszeit in einem unansehnlichen Häuschen zu bewohnen Pflegte, nur der vornehmen Welt zugänglich zu machen, antwortete er mit echter Menschenfreundlichkeit: „Wenn ich nur meines Gleichen sehen wollte, so müßte ich zu der kaiserlichen Gruft der Kapuziner herabsteigen und da meine Tage zubringen." Wie einzig und bewunderungswürdig erscheint er nicht in seiner gegen Schmidt, den Geschichtsschreiber der Deutschen, gemachten Äußerung, indem er sagte: „Scheuen Sie Niemand, auch mich nicht, wenn Sie einst mit Ihrer Geschichte an mich kommen. Meiner Vorfahren und meine Fehler sollen die Nachkommen belehren." In Übereinstimmung mit dieser Ansicht erklärt er sich, hinsichtlich der nach feiner Thronbesteigung bedeutend erleichterten Preßverhältnisse, mit wahrhaft fürstlichem Sinne: „Critikeu, wenn nur keine Schmähschriften, sollten nicht verboten sein, sie möchten nun den letzten Unterthan oder den Landesherrn selbst betreffen." Nicht mit besonderer Ausführlichkeit zu reden von den unzähligen durch ihn veran- laßten vortrefflichen Einrichtungen, mildthätigen Stiftungen und wesentlichen Verbesserungen in den gesammten, unter seinem beglückenden Scepter lebenden Staaten, in der Armee und in dem Staatshaushalte, wollen wir hauptsächlich nur dessen vortreffliche Seite als Men sch im Auge behalten, wie er in Zeiten der Gefahr, der Noth und des Mangels den wahren Zustand seiner Provinzen durch selbsteigene Anschauung untersuchend, seine Bequemlichkeit in der Residenz gern daran gab, Pläne zu manchen neuen-, gemeinnützigen Schöpfungen an Ort und Stelle entwarf, Mißbräuchen steuerte und sonstigen Nbelständen die schleunigste geeignete Abhülfe verschaffte; wie er im Umgänge mit Fürsten, Beamten und Unterthanen, allem steifen Cere- moniell feind, stets die liebenswürdigste Persönlichkeit kund gab, und dabei dennoch, selbst dem römischen Hofe, dem Papste Pius VIgegenüber, mit einer fürstlichen Würde, einer unvergleichlichen Charakterstärke und eisernen Konsequenz verfuhr ; wie er die bei uns erst im 1.1807 stattgehabte Aufhebung der, die Cultur des Bodens sowohl, als des Menschen selbst unverkennbar fördernden Leibeigenschaft schon im Jahre 1781 für seine Staaten beschloß und den bis dahin vielfach verwahrlosten und zurückgesetzten Juden in Ostreich mehr Dul- 2 -"düng verschaffte; wie er die allzuenormen Pensionen theilweise verminderte und die, aus dem Verkaufe der sich nicht mit Unterricht, Krankenpflege oder Predigen befassenden Klöster erschwungenen Mittel zu öffentlichen gemeinnützigen Zwecken verwendete; wie er einer zeitgemäßen öffentlichen Erziehung jeden Vorschub leistete und seine ganze Sorgfalt schenkte; wie er die Landespolizei verbesserte und den Landbau beförderte; wie er über den verjährten Mißbrauch des menschlichen Lebens, das Duell, dachte und durch ein eignes Gesetzbuch die Todesstrafe aufhob; welche Meinung er von den Jesuiten hatte (man lese dessen in dieser Angelegenheit an den französischen Herzog von Choiseul gerichteten Brief), und Nichts unterließ, um sein Land auf jede mögliche Meise angemessen aufzuklüren und^ zu beglücken; wie bei ihm endlich da, wo es sich um die' Förderung des Gemeinbesten handelte, keinerlei engherzige Nebenrücksichten Platz griffen, und er das was er für wahr, gut und schön erkannte, ohne alle Umstände mit dem rastlosesten Eifer ins Dasein zu führen sich bemühete; — wir wollen dadurch Nachweisen, wie dem vom Volke angebeteten und nur von dem Adel und dem Clerus gefürchteten Kaiser Joseph II. das einstimmige Zeugniß werden mußte, ein würdiger Zeitgenosse Friedrichs des Großen, und zweifelsohne einer der humansten nnd geistreichsten Fürsten Europa's gewesen zu sein, - nach des vorstehend genannten großen Menschenkenners Urtheil über ihn -ein Kaiser, wie Deutschland lange keinen gehabt; in der Pracht erzogen, und doch von den einfachsten Sitten; unter Schmeicheleien groß geworden, und doch sehr bescheiden; von Ruhmbegierde entflammt, und doch seinen Ehrgeiz der Pflicht aufopfernd. Fern von der unserm Helden, Joseph II., auf Veranlassung seines Neffen, des hochseligen Kaisers Franz I., 1807 aus dem Josephsplatze in Wien errichteten, von Zauner gefertigten bronzenen Reiterstatue und dessen kaiserlicher Gruft in der Kapuzi- Aerkirche daselbst, gedenkt heute gewiß manches deutsche Gemüth dieser, in der Blüthe des männlichen .Alters und in der Mitte seines Berufes geknickten mnd eines zu frühen Grabes dunkelm Schooße verfallenen einstigen schönen Hoffnung Deutschlands! Dank und Ehre dem Andenken dieses menschenfreundlichen und aufgeklärten deutschen Fürsten! Friede, sanfter Friede seinen Manen! Die Ver. Staaten und Deutschland. (Schluß.) . Um das Hinderniß, welches die schwere Tare auf das Vermögen der Auswanderung in den Weg legt, zu entfernen, habe ich, auf ihre Anweisung, den Minister der Ver. Staaten zu Berlin, Hrn. Wheaton, der mit Vollmacht zu diesem Ende versehen worden ist, instruirt, fpecielle Verträge zur Abschaffung des -» droit d'uubuiue» und »droit do dotrnetion » zwischen den Ver. Staaten und den folgenden Deutschen Mächten abzuschließen, die ihre Bereitwilligkeit erklärt haben, in ein solches Arrangement einzugehen, nämlich: Seine Maj. der König von Baiern, Seine Maj. der König von Sachsen, Seine Maj. der König von Würtemberg, > . Seine Königl. Hoheit der Churfürst von Hessen, Seine Königl. Hoheit der Großh. von Hessen, Seine Königl. Hoheit der Großh. von Baden. Zu derselben Zeit wurde Herr Wheaton bevollmächtigt, Handels-und Schifffahrtsverträge mit den GroßherzogthümernMecklenburg-Schwerinund Oldenburg, zwei noch nicht im Zollverein eingeschlossenen Staaten, abzuschließen. - In Betracht dieser und anderer Vortheile war der Minister der Vereinigten Staaten zu Berlin instruirt worden, jede Anstrengung in seinen Kräften zu machen, um unsere Beziehungen zu dem Deutschen Zollvereine auf den besten und freundschaftlichsten Fuß zu setzen; und der Erfolg ist, daß ein Verständniß über eine Grundlage zu einer Han- delsübereinknnft so eben zwischen seiner Majestät dem König von Preußen, im Namen Preußens und sämmtlicher Staaten des Zollvereins, und dem Minister zu Berlin, von Seiten der Vereinigten Staaten, zu Stande gekommen (und dieser Regierung zur Erwägung und Ausführung vorgelegt worden ist); welche Übereinkunft, wenn sie vom Kongreß gebilligt würde, den lange erwünschten Zweck einer Herabsetzung der gegenwärtigen Abgabe auf unfern Taback erreichen, die fortgesetzte Zulassung unserer Baumwolle frei von allen Abgaben uns sichern und die Auferlegung einer höhern Abgabe auf Reis, als gegenwärtig auferlegt ist, verhindern würde —welcher letzterer Artikel," wie bereits bekannt ist, auf unser Gesuch von dem Zollverein auf seinen gegenwärtigen niedrigen Fuß gestellt worden ist. Für diese außerordentlichen Vortheile ist in der Übereinkunft vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten dein Zollverein gebührende Equivalente durch Herabsetzung der schweren Abgaben des gegenwärtigen Tarifs aus Seidenzeuge, Spiegelgläser, Weine, Spielsachen, Linnen und solche andere Artikel, welche die Vereinigten Staaten nicht erzeugen oder sabriziren, geben sollten. Herrn Wheatons jüngste Depesche wird seine sämmtlichen Schritte in Bezug auf diesen wichtigen Gegenstand erklären, und, wie ich nicht zweifle, den Beifall des Kongresses finden, sollte dieser Körper für gut finden, die Einsicht derselben zu verlangen. Inzwischen lege ich Ihnen die zwischen Herrn Wheaton und dem Baron Bülow gepflogene Korrespondenz vor, welche einen Umriß der vorgeschlagenen Übereinkunft liefert. Die von Seiten des deutschen Zollvereins in Aussicht gestellte Reduktion des Eingangszolles auf Taback bringt zu unserer Betrachtung in einem starken Lichte den unglücklichen Zustand des Handels mit England, Frankreich und Ostreich in diesem großen Stapel unseres Landes. In England haben wir uns über eine enorme Abgabe von drei Schillingen per Pfund, oder gegen acht hundert Prozent seines Werthes an dem Orte der Verschiffung zu beklagen. (Folgt eine Übersicht des Abgabensyftemes aus amerikanischen Taback in andern Ländern, nebst einer tabellarischen Darstellung des Tonnenverhältnisses einheimischer zu fremden in dem auswärtigen Handel der Vereinigten Staaten während der letzten fünfzehn Jahre beschäftigten Schiffen). Wir werden auf den übrigen Theil dieses eben so interessanten als wichtigen Berichtes zurückkommen. Auszug aus der Schrift: I KV88IL, L? I v'xi>KÜ8 LL8 «0?L8 v'ois VILI7X vlkLOlllX'rk: U N Ml. VILLV (1). Das erste Kapitel führt in der Arbeit des Marc Fournier den Titel: Herrn ^ I. Rußland. Summarium : Jnteressirt man sich für Rußland? — Rußland Europa gegenüber. — Rußland und England.— Die eigentliche Bedeutung der Einnahme von Warschau. — Die Vernichtung der polnischen Nationalität ist sie ein vollbrachtes Faktum (s«it »ooouipli)? — Polen und die Zukunft. H „Wiederum-Rußland! Jti'der'That ist diese Z Macht in der letzten Zeit der Gegenstand vieler ^ Schriften, die Zielscheibe mannigfacher Angriffe, das Thema verschiedener Dithyramben, mit einem ^ Worte die Duelle allgemeiner Besorgnisse gewesen. '' Warum solches? „Der Leser welcher die folgenden Zeilen durchlieft, wird wohlthun sich gleich Anfangs eines Irr- ^ thums zu entledigen. » „Man interessirt sich nicht für Rußland. Z „Diese Macht flößt nirgends Sympathien ein, ^ erregt aber auf allen Punkten Europa's Befürchtungen. Gerecht oder chimärisch, diese Befürchtun- ^ gen sind vorhanden. Bestätigen wir sie, um später ^ vielleicht wieder auf diesem Gegenstand zurückzukommen. „Es ist also nicht etwa weil man Rußland bewundert, daß man sich mit dieser Macht beschäftigt, sondern weil sie beunruhigt. Dies genügt. Seltsames Reich! — Man hat die Augen auf Rußland wie auf eine Fluth von Barbarei, welche wächst und ' die vordersten Bollwerke der Civilisation heimlich in Bresche schlägt. „Diese Fluth hat bereits Polen verschlungen und bedroht ganz Mitteleuropa, wenn solches sich nicht zusammenreiht." Aus dem dritten Kapitel, überschrieben : Nö- crologische Notiz über zwei russische, gewaltsamen Todes gestorbene Kaiser, entlehnen wir folgende Bruchstücke: „Peter der I. starb wie Tiber in Caprea, Senatoren und Generäle zogen an beiden Ende» der Schärpe welche ihn erdrosselte. „Das Ende Peters III. wurde durch eine raffinirte Barbarei bezeichnet. Diese Umstände sind minder bekannt wie jene welche den Tod Paul 1. begleiteten. Der Czar wurde durch die Günstlinge seiner Gemahlin ermordet und starb ein Opfer der Männer, welche eine Nacht in den Armen Catherinens zubringend, alsbald zu Verschwörer gebildet wurden. „Dieses Drama hat denen welche das Haus der Atriden blutig färbten, nichts zu beneiden. Folgendes ist der Hergang der Sache. „Peter III. war im Gefängnisse zum Opfer auserwählt von der Clytemnestra des Nordens. Die Egisthe nannten sich AleriS Orlof und Tep- lof; sie wurden zu dem Czaren gesendet und' mußten ihn von seiner künftigen Befreiung erzählen. Der Gewohnheit nach, ward diese Unterhal- (l) ksiis 1844. Liier Gi esse, «^ilenr, 2, ^»leiie 6e Liige- tre»,»» ksl3>s-Un)'sI; clier Viilet, 12, linuievarci lies Italiens, Usiso» lloi-ee; ciier iUgne, «aiteii,', et 91, Nuiesu eentrsl pour l'^IIema-^ne, 82, me des ^ImiNu?. — Mix : 4 figucs. tung mit Liqueuren und hitzigen Getränken angefacht, und während Teplof den Kaiser durch allerlei Späße zu zerstreuen suchte, goß Orlos das Gift, welches ein Hofarzt, anderer Günstling Catheri- nens, sorglich bereitet, in denkaiserlichen Becher. „Der Czar trank ohne Mißtrauen; aber bei den ersten Wirkungen des Giftes errieth er Alles, verweigerte ein zweites Glas welches ihm Orlos darbot und warf demselben sein Verbrechen vor. „Alsdann begann ein schreckliches Ringen. „Die Mörder warfen sich auf den Kaiser, welcher sich in die Arme eines französischen Kammerdieners, dessen Treue ihm bekannt war, flüchten wollte. Aber die Mörder schleppten diesen Bedienten aus dem Gefängnisse und drangen von neuem auf Peter III. ein. „Seine letzte Stunde herrannahen sehend, warf sich Peter III. zu, den Füßen seiner Henker, und rief: „Ihr seid also nicht zufrieden mir die Krone von „Schweden geraubt, die von Rußland entrissen zu „haben, es genügt euch nicht mich vergiftet zu haben, „ihr könnt die Zeit nicht erwarten meinen Todes- „kampf zu erblicken, ihr fürchtet, daß ich zu langsam „sterbe." „In diesem Augenblick drang der junge Fürst Baratinsky, der vor dem Gefängniß die Wache hatte, den Lärm hörend, in das Gemach, aber schon hatte Orlos den Kaller zu Boden geworfen und preßte ihm mit beiden Knieen die Brust. Mit der einen Hand faßte er den Hals des Czaren, mit der andern quetschte erdessen Haupt gewaltsam gegen den Fußboden. „Dieses sehend, geselltesichauch Baratinsky hinzu, Und von Teplof unterstützt bog er eine Serviette, woraus eine Schleife gemacht worden war, um den Hals des Kaisers. Selbst in den Zuckungen des Sterbens suchte sich Peter III. noch zu vertheidigen, er zerkratzte mit seinen Nägeln das Gesicht Bara- tinsky's, aber die drei Mörder wurden bald Meister ihres Opfers und vollendeten die Erdrosselung. „Vielleicht ist es bei dieser Gelegenheit nützlich zu sagen, daß der Fürst Potemkin das zu jener Zeit verbreitete Gerücht, welches ihn zu dw Zahl der Mörder gesellte, immer mit der größten Entrüstung Lügen strafte. „Catharina II. ließ den Körper Peter III. in der Kirche Alexander Newsky ausstellen und ließ ihrem Volke verkünden : ihr Gemahl sei in Folge einer heftigen Kolik verschieden. Dies erinnert uns an den Umstand, daß Constantin, der Bruder des jetzigen Kaisers, ebenfalls plötzlich an einem Anfalle der Cholera gestorben. „Drei Tage hindurch blieb der Leichnam des ermordeten Czaren auf dem Katafalke ausgestellt. Man hatte ihn in eine preußische Uniform gekleidet; blutige Verspottung! „Jedermann durfte dem Todten nahen, um dem Gebrauche zufolge einen Kuß auf den Mund des Verstorbenen zu drücken. „Die welche diesen Muth hatten, kehrten mit angeschwollenen Lippen daheim. „Das Blut des Schlachtopfers, unter der Oberhaut verbreitet und durch das Gift gebrannt, quoll durch alle Poren hervor und durchnäßte sogar die Handschuhe welche man dem Todten angezogen. Dies Schauspiel war scheußlich bis zum Wahnwitz! — „Es ist jedenfalls interessant einen Brief zu durchlesen, welchen Friedrich II. über diese Cata- strophe an den Grasen von Finkenstein, einer seiner Günstlinge, geschrieben. „Es ist übrigens bekannt, daß der König von Preußen mehrmals Peter den III. von den gegen dessen Leben gepflogenen Complotten in Kenntniß setzte. „Der Kaiser von Rußland, schtieb Friedrich II., „ist durch Catharina entfernt worden. „Dies war voraus zu sehn. Diese Fürstin hat viel „Geist und dieselben Neigungen wie die Verstorbene „(die Kaiserin Elisabeth). Sie hat nicht die mindeste Religion, aber sie ahmt die Fromme nach! „Es ist der zweite Band des griechischen Kaisers „Zenon, seiner Gemahlin Adriana und Catherinens „von Mediciö. „Der arme Kaiser hat Peter I. nachahmen wollen, aber er hat dessen Genie nicht." Rüge s neue Ikevue. Über das Erscheinen der deutsch-französischen Jahrbücher von Arnold Rüge und Karl Marx: » ^.nunles äs 1'allein LAN e et cke Brunos,« par ^.rnolä HuA6 et Lnrl Naix, läßt sich die letzte Nummer der « llevue inclepenännte «, in einem Aufsatze: Die Hegelsche Schule in Paris, wie folgt vernehmen. Wir citiren nur einige Sätze: „Die deutschen Annalen schlugen Bresche in die Monarchie Friedrich des IV. (?)." (Soll heißen Friedrich Wilhelm des IV.) Ferner: „Die rheinische Zeitung" folgte derselben Spur. Wie die „Annalen" schwenkte die „rheinische Zeitung" in ihrer Art die Fahne der Revolution. Die Grundsätze der „rheinischen Zeitung" und der „deutschen Jahrbücher" werden sich, wie wir gesagt haben, in den „Pariser Annalen" Deutschlands und Frankreichs wiederholen." Unter den Mitarbeitern nennt die französische Revue die Herrn Rüge, Marr, Herwegh, und verspricht Arbeiten von Heine (Gedichte?) über die Könige von Baiern, Preußen und Hannover. Unser „Vorwärts" wünscht der neuen „Revue" Takt und vaterländische Gesinnung; — Geist und Schärfe, philosophische Analysis u. s. w. werden nicht fehlen. Ob aber die «Hevue mcköpenckLnte» den neuen „Jahrbüchern" einen guten Dienst leistet, indem sie sagt, diese wollen den Umsturz der Monarchie, die Fahne der Revolution schwingen, stellen wir dem Urtheile jedes Unbefangenen anheim. In Deutschland hatten solches weder die „rheinische Zeitung" noch die „Hallischen Jahrbücher" u. s. w. ausgesprochen, und die ungeschickten Verbote dieser Blätter, die thörichten Verfolgungen gegen Herwegh u. s. w., haben wir bereits gerügt. Ob aber der Entwickelung der deutschen Zustände, der vaterländischen Ausbildung durch die „Neuen Pariser Jahrbücher" gedient werden wird, das müssen erst, nachdem Prospektus, die ersten Nummern beweisen. Allerdings, werden die Panegyriker der Regierung sagen, wenn die Revolution und das in Bresche-Schießen der Monarchie Fried- richsdes IV. gepredigt wird, wenn das der Zweck der freien Forschung war, so haben wir Recht ge- than diese Blätter zu unterdrücken. Wir glauben von neuem, daß es keine schlimmeren Feinde giebt, als ungeschickte Freunve. Unsere Ansichten wollendie größtmöglichste Freiheit der wissenschaftlichen und politischen Forschung, selbst wenn die „Jahrbücher" u. s. w. in Deutschland den Umsturz der Thronen, s. w. gepredigt hätten, war ein willkürliches Verbot ein Unding, eine Unterdrückung. Gerichte mußten entscheiden, kein Machtspruch. So lange die Presse keine Öffentlichkeit und Mündlichkeit des- Gerichts-Verfahrens erlangt, so lange Cabinets-Befehle und Ministeral-Rescripte entscheiden, herrscht bloßer Absolutismus. Indem wir dies aussprechen, sind wit monarchischer als die Thören, welche den Regierenden in Deutschland Rückschritte, Hemmschuhe und Inkonsequenzen aller Art Vorschlägen und eintrichtern. Wäre eine gesetzliche Freiheit der Presse in Deutschland, so würden sich daselbst freie Männer genug gefunden haben, um die Umsturz-Predigenden zu bekämpfen. Unser Blatt „V orwärt s" will reforMiren, bessern, das Schlechte im Bestehenden ausmerzen, aber nicht Umstürzen. Die Rathgeber der meisten Regierungen in Deutschland sind mit Blindheit geschlagen, und durch ihre jämmerliche Verfolgung bilden sie sich selbst eine Pflanzschule von Märtyrern im Auslande. Welche große Staatsmänner doch jetzt am Ruder sind an der seichten Spree und an der materiellen Donau!'. Paris im Frühjahr 1843, v. ReUstab. (Zweiter Artikel) Die italienische Oper. Von dem Conservatorium geht Rellstab zu den hiesigen Instituten der dramatischen Musik über, und beginnt mit der italienischen Oper. Er war ungemein gespannt darauf, ob die italienische Oper in Paris den Ruf wirklich verdiene, den sie früher mit so entschiedenem Rechte behauptete. Sein Ur- theil fiel entschieden zu Gunsten dieser Sänger aus. „Allerdings sind einige Farben derselben blässer geworden; die glänzendste Zeit war wohl die der Jahre 1824—1830, doch ist seitdem so mancher junge Anwuchs hinzugekommen, der Mittelpartien zu besserer Geltung gebracht hat, und für die ersten haben sich immer noch so große Talente gesunden als die ältern, und solche Bedeutung erhalten, daß dennoch, wir dürfen es mit voller Überzeugung aussprechen, das ganze übrige Europa keinen für diese Gattung so trefflichen Verein von Künstlermaufzu- bringen vermag, als Paris und London abwechselnd noch jetzt besitzen." Rellstab bestätigt noch heute aus festester Überzeugung, daß das musikalische Italien an der Seine und Themse die höchste Blüthe der äusführenden Gesangskunst in sich faßt. „Er gestattete sich diesen Ausspruch erst nach einer doppelten Prüfung. Zuerst in der komischen Oper „Don Pasquale" von Donizetti, wo Lab lache durch Stimme, geniales Spiel und Gesang den ersten Platz einnahm, Tamburini, durch den vollendeten Ausdruck feiner und edler Bildung den zweiten, dieGrisi, bei höchster Trefflichkeit den dritten, Mario, der Tenor und Ersatz Rubini's, erst den vierten; doch aber alle vier erste. Dann folgte die zweite, schärfere Prüfung für den tragischen Theil, durch eine Darstellung der „Norma." Hier waren allerdings nur die weiblichen Rollen vorzüglich besetzt durch die Grisi und Signora 4 D Nissen; die desSever und Oriovist durch Mirate und Morelli nur gut." „Von Mirate konnte man nur sagen daß er gut sey, ohne etwas Vorzügliches zu leisten, und daß er somit die Ensembles angemessen tragen und abrunden hals. Dlle Nissen (eine Deutsche oder Dänin? Mozarts Wittwe heirathete bekanntlich einen Herrn von Nissen) ist keine schöne, aber eine sehr gute Sängerin, mit wohllautender, reiner Stimme, die einen Grad der Ausbildung besitzt, mittels dessen sie neben der Grisi in allen Ehren bestechen kann und sich den Beifall des sehr aufmerksam hörenden und meist gerecht richtenden Publikums erwirbt. Sie hat ungefähr den RanMnserer jetzigen ersten Sängerinnen Deutschlands. Die Grisi aber überragt sie alle bei weitem; nur die Schröder - Devrient in ihrer Blüthezeit mochte sie auf- und übcrwiegen durch ihr vorwaltendes dramatisches Talent, nicht aber als Sängerin." „Sie verfehlte die EavatineOusta clivu ganz, gab nur ein elegant gesungenes Concertstück, übte aber in dem Finale des ersten Akts, von dem erkannten Verrathe Sever's an, eine unwiderstehliche Macht." Eine dritte Oper, welche der Verfasser hörte, war Rossini's „Othello." Diese Vorstellung, welche allgemein als die beste der vorjährigen Saison genannt wird, konnte den Beifall des Verfassers nicht erringen, „denn, sagt er, weder die Grisi gab jene zarte Weiblichkeit, jenen Blüthenhauch der Trauer, wodurch die Gestalt der Desdemona den höchsten Reiz gewinnt, noch zeigte sich Mario seiner Aufgabe gewachsen, sondern verfehlte sie im äußersten Grade." „Mario sang den Othello mit einem harten aber unerläßlichen Wort: abscheulich (?). Er war eine nachahmende Karrikatur Rubini's, ohne die Eigenschaften zu besitzen, um derentwillen man dessen Verirrungen erträgt. Sein Zorn war ein Zähnefletschen, jeder Ausdruck Grimasse (??)." Am Schluffe des Artikels sagt Rellstab mit vollem Rechte, daß trotzdem die sogenannte neuere italienische Schule mit raschen Schritten ihrem völligen Verderben entgegen gehe, und diesem ganz preis gegeben sein werde, wenn erst die wenigen großen Talenten, die jetzt noch die edlen Traditionen einer Höhen: vom Geist durchdrungenen Kunst bewähren, vom Schauplatze abgetreten sein werden. „Mit vollem Recht sagte Bordogni oft, wenn wir über die Art und Weise des jetzigen italienischen und französischen tragischen Gesanges sprachen: Ln eklet, on ne ebante plus, on erie!" Rordamerikanische Zeituugsschau. Die Gesetzgebung von Süd-Carolina hat ein Gesetz passirt, nach dem kein Richter eines Gerichts in Süd-Carolina älter als 65 Jahre sein darf. Im Staate Ohio scheinen die Buchdrucker in hohem Ansehn zu stehen. Der Sprecher des Hauses derGesetzgebung, der Sekretär desselben Körpers und der Sekretär des Senats, alle drei sind Buchdrucker. In einem bei Barbadoes (W. I.) neulich gefangenen weiblichen Haifische fand man 357 Junge. Die Zahl der Briese, die im letzten Jahre durch unsere Posten befördert wurden, soll sich auf 24 und eine halbe Million belaufen. Die Cherokesen beabsichtigen, eine Zeitung in englischer und cherokesischer Sprache herauszugeben. W. Roß, der bekannte Häuptling, soll Re- dacteur werden. Ein Countygericht in Connecticut hatte einen Mann, der die Tochter seiner verstorbenen Frau aus erster Ehe geheirathet hatte, der Blutschande schuldig befunden. Das Obergericht sprach ihn dagegen von diesem Urtheile los, weil jede Verwandtschaft zu derselben bei dem Tode dieser Frau erloschen sei. Eines des kostspieligsten Bücher, die jemals gedruckt wurden, ist das Werk des Lord Kingsborough über die Urbewohner von Mexico. Es ist in 7 Foliobänden mit mehr als tausend illuminirten Abbildungen erschienen. Die Kosten des Druckes sollen sich auf 160 000 Thaler belaufen haben. Obgleich der edle Lord in der Veröffentlichung dieses Werkes sein ganzes Vermögen zusetzte, so daß er endlich im Schuldthurme in Dublin starb, so verschenkte er doch alle Exemplare seines Werkes. Ein Exemplar befindet sich in der Philadelphia-Bibliothek. Von mehren Seiten wird gegenwärtig der Bau eines Canals, durch den der Obere See mit dem Michigan-See in Verbindung gebracht werden soll, angeregt. Die Kosten sollen sich auf nicht mehr als 150 000 Dollars belaufen. Der Gewinn dürfte mit der Zeit unermeßlich werden, da am Lac Superior nicht nur herrliches Land zu Ansiedelungen, sondern auch reiche, Kupferminen angetroffen werden, die Erz liefern, das einen Mineralgehalt von 20— 60 pCt. hat. ! Auf dem Herde des Herrn Stradling in Somerset, England, brennt ein Feuer, das seit 1672, in welchem Jahre es von einem der Ahnen des Eigners des Hauses angezündet wurde, unterhalten wird. Die Ingenieure der Ver. Staaten beabsichtigen, dem Missouri vor seinem Zusammenflüsse mit dem Mississipi ein anderes Flußbett zu geben. Er würde in diesem Falle 4 Meilen oberhalb Alton in den Mississipi einströmen, und so die Gefahr beseitigt werden, daß St.-Louis mit der Zeit, vom Vater der Flüsse verlassen, eine Landstadt würde. Dr. Troost, der Staatsgeologe von Tennessee, hat in Ost-Tennessee reiche Zinklager entdeckt. Ein schlecht unterrichteter Mondschcin- Corrcspondent. Ein o Korrespondent der „Augsburger Allgemeinen Zeitung" schreibt vom 15. Februar aus Paris : „man wisse nicht ob die deutsche Zeitung Vorwärts ihre Schwingen entfalte u. s. w., oder bereits zu ihren Eltern (?) übergegangen sei, indem seit den ersten Nummern dies Blatt gar nicht wieder zu Gesicht gekommen ist." Der 6 Korrespondent scheint sehr kurzsichtig, sonst würde er Vorwärts in verschiedenen Lesezirkeln, Cafes und in mehr als 200 Pariser Privathäusern, ja stets häufige Zitate unseres Blattes in den französischen, belgischen, englischen und deutschen Zeitungen täglich lesen können. vixi. — Der zweifelnde Herr Korrespondent hat, wie viele andere Personen, wahrscheinlich die ersten Probenummern gratis zugesandt erhalten. Es würde auch den besten Witten und die größten Mittel übersteigen, Freiexemplare an Privatpersonen lukullisch zu verschleudern. Eingcgangene Beiträge zum deutschen Küss- Verein. Übertrag. . . Fr. E. 1837 45 General von Fagel, Kön. Niedert. Gesandte in Paris. . . . 100 Herr Lehmann. 20 Vicomtesse de Flavigny. . . . 25 Herr Gust. de Bousquet. . . 80 Summe . . 2062 45 Redacteur: Heinr ich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouar d. Neues Werk über die Russische Politik, die Personen und Zustände. »V8SIL ^ riuuvoi: kLvöi..vri«MS?c>i.mtzvW V'1kkt8 1L8 «0IL8 V'M VILIIX vlkioillXIL. WM »MV ffWMWW«. Eber: Tnnssn, öäiteur, sueeosseur cle Larba, 2 et 3, Galerie cie Cburtres, au kuIais-I1o)m1, , eäiteur, 1, rue clu Laon 8aint-^.när6; Vinunr, 12, doulevnrä cles Italiens, Naison cloree; au lournal allemanä le Volnv^mrs et au Lureau Central pourl'^rllemagne, 32, rue äes Noulins. no/ttme r-r- 8 . 12 /errr'/Zes. — /s Cet ouviuge, clont ii a ckeja ete tun: parle avant son apparition, et ckont clillerentes leetures rlans les sulons cle ?aris on: kait un olffe: cle euriosile, ckevait paralti e il v a ckix mois sous le titre : c/e /a Frrssr'e. On ignore, clit un journal beige, quelle a ete la eause 6u retarcl apporle a eene pnblieation. keeemment on a trop ubuse clu titre l'auteur a clone sagement lait en ekangeant le tilre cle son ouvrage serieux et veritablement eonseieneieux, , Dieses bereits vor seinem Erscheinen vielfach besprochene Werk, welches auch durch verschiedene Vorlesungen in den Pariser Salons ein Gegenstand der Neugierde geworden, sollte vor zehn Monaten unter dem Titel: Russische Mysterien erscheinen. Man kennt die Ursache nicht welche diese Verzögerung veranlaßt, sagt cin belgisches Blatt. Der Titel Mysterien ist aber in letzter Zeit so oft gemißbraucht worden, daß bei einem ernsten Werre derselbe nicht mehr an Ort und Stelle erscheint. Der Verfasser hat also recht gethan, denselben bei Seite zu lassen. Paris, Mittwoch. Nr. 18 6 März 181^. Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile» 50 Centimes. § r w n MM Man abonnirtz für Paris: im Niiresu oeotrsl pour I , l ue lies Nouiins, 32. und in der Buchhandl. vdn aulss Nenouarä et V'°, rue cie 3'nu, non, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England : in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Sprnce-Street, Nr. 3, in New-Pork,' Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Dagc, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugcstcllt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigcn. — Anfragen, Beiträge, Prännmcrationsgeldcr unh Briefe wollen i'-nri^n : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, ru6 cl68 illttuNus in Paris » cingcscndet werden. OstreLchische Zustände. Die New-M-ker ,,Dcgt''che Schnellpoft" enthält die nachstehenden Bemerkungen über Östreich, die, wenn sie auch etwas zu schwarz und dunkel gefärbt sein dürften, doch immer eine interessante Auffassung des großen Kaiserstaats bieten. > Dieser Staat geht einer dunklen, jedenfalls einer gefährlichen Zukunft entgegen. Zusammengesetzt aus fremdartigen Nationalitäten, die nicht wie in Nordamerika durch ein in Fleisch und Blut übergehendes Bewußtseyn, daß sie, und sie allein den Staat bilden, überwogen werden, konnte Österreich sein Ansehen, seinen Einfluß, ja sein Leben nur dadurch , fristen, daß es um jeden Preis allen Ereignissen vorbeugte, wodurch jeye natipnalen Elemente wo nicht in Conflikt, so doch zum völligen Bewußtsein ihrer ^ selbst kommen.könnten. Laststder Ungar: welche Interessen verbinden ihn mit dem Italiener, dem Böhmen, dem Oberöstreicher, dem TyrolerI Was geht es den Italiener an, in wie weit das -Cabinet ' von Wien den Einfluß des Cabinets von Berlin beim deutschen Bunde zu paralysieren vermag? Kein Zusammenhang ist zwischen diesen Gliedern als der Hof. Das ging und geht eine Weile, so lange nämlich die Völker den Weg nicht finden, den ^ sie einzuschlagen haben, um den Bedürfnissen ihrer Natur, ihrer socialen und geographischen Lage zu genügen. Die Staatsmänner, welche das Geschick des Kaiserstaats lenken, sind, zum Theil wenigstens, scharfsichtig genug, um diesen divergirenden Drang und Berus der untergebenen Völker zu erkennen, und darum bieten sie Alles auf, damit das Bewußtsein dieser Verschiedenheit nicht zur Ausbildung gelange; und da dieses Bewußtsein unabweislich ber- vortreten muß, sobald die Völker überhaupt politisch denken lernen, so ward die Volkserziehung in einer Weise eingerichtet, deren vollkommener Mangel an nationalpolitischen Elementen zu bekannt ist, um erörtert zu werden. Und doch war dieses Verfahren zu unnatürlich, als daß es sich nicht gerächt hätte. Damit die Nationen sich ja nicht zu Einer Masse vereinigen, ja nicht sich gegenseitig kennen lernen, .und gestärkt durch den Anblick ihrer Macht und der Gleichartigkeit ihrer Beschwerden, die Regierung zu Änderung ihres Systems zwingen sollten, wurde jede Nationalität in sich abgeschlossen, ans sich selbst und ihre Provinz venrflesen, und zugleich adoptirte man, um jeder Annäherung zwischen Volk und Truppen vorzubeugen, den Grundsatz, jede Provinz mit fremden Regimentern zu versehen, deren Sprache man nicht versteht oder die wenigstens einem andern Volksstamme, andern Neigungen und Interessen angehören. Allein, was gewann die Regierung mit diesem System der Absonderung? Der Italiener lernte sich nie als Österreicher fühlen, der Gallizier' fand nichts was ihn von seinen Sympathien für Polen hätte abziehen können, der Böhme beharrte in seinem stillen Haß gegen die Deutschen, der Ungar in seiner Verachtung gegen das herrschende System. Die Folgen, die sich lange schon vorher sehen ließen, kommen nun allmählig zu Tag. In der Lombardei gährt es fort und fort; kein Verständiger läugnet, daß an dem Tag, wo das Land von österreichischen Bajonetten entblößt wäre, die Lombardei ausgehört hätte, durch Wien regiert zu werden. Das ist ein occupirtes, ein durch Gewalt friedliches Land, wie Frankreich 1814. In Ungarn muß sich die Regierung vom Reichstage Dinge sggen lassen, die, in Oftreich gesagt, dem Redner ein lebenlängliches Ouartier in den Kasematten von Ollmütz eintragen würden; Dinge, die nicht widerlegt werden können, und daher messerscharf einschneiden. Begünstigung der römischen Machination, Bedrückung der evangelischen Religion, gesetzwidrige Erschwerungder gemischten Ehen, Verschließung Kroatiens für Protestanten, die verfassungswidrige Manch und Censnr, die furchtsame Ergebenheit gegen Rußland, hundert offene und versteckte Eingriffein die Landesgrundgesetze find es, welche die ungarischen Stände zu energischen Beschwerden veranlassen. Tie Regierung spielt dabei eine leidende und nichts weniger als imposante Rolle: wo sie nicht ausreichen kann, giebt sie nach, im Übrigen temporisirt und bemäntelt sie. Der Sprachenstreit, obwohl von den Ungarn mit allzuwenig Rücksicht auf die in Ungarn lebenden Deutschen und Slaven geführt, ist doch wesentlich politischer Natur, eine neue Demonstration der Nationalität. Seitdem vollends die Magnatentafel sich der Opposition zuzuneigen beginnt, seitdem in den Reihen der letzteren sogar Namen der obersten Aristokratie, wie Esterhazy, Zichy, sich finden, hat sich die Lage der Dinge für die Regierung noch bedeutender verschlimmert. In den andern Provinzen steht es kaum besser. Trotz der behutsamen Schonung, welche gegen die Gallizier beobachtet wird, ist es doch eine allgemein bekannte Sache, daß von im Volke wurzelnder Sympathie für Österreich keine Rede seyn kann, daß die Gallizier Polen sind und bleiben, wie sie der Herr erschaffen hat. Materielle Verbesserung, auf die sich fast alle Reform in Gallizken beschränkt, können den Bauch befriedigen, aber nicht das Herz, welches weder auf seine Erinnerungen noch auf seine Hoffnungen zu verzichten weiß. Zumal aber in Böhmen regt sich eiii Geist, welcher Besorgnisse erregt, der slavische. Man hat denselben schon für ein Erzeugniß russischer Propaganda gehalten; allein wenn es auch wahr ist, daß die russische Diplomatie die Hände immer dabei hat, wenn es in fremden Ländern etwas zu rühren giebt, so ist doch der Ursprung der böhmischen, bis jetzt übrigens bloß literarischen Bewegung nicht in erkünstelten Kräften, sondern in dem Hunger des Volks nach Nationalität, nach Entwickelung des in ihm gährenden Geistes zu suchen, während die Mittel, jenen Hunger zu befriedigen, diesen Geist naturgemäß zu entwickeln, zu den hochverbotenen Artikeln der österreichischen Geistesmauth gehören. In den deutschen Provinzen Österreichs endlich herrscht eine dumpfe Unbehaglichkeit, allerdings weit entfernt von gewaltsamen Ausbruche, gleichwohl aber bedenklich dadurch , daß diese Erkaltung der Sympathie, um eben so viel das moralische Gewicht der deutschen Regierung über die außerdeutschen Bestandtheile schwächt. — Am Bedenklichsten jedoch und zugleich am Gefährlichsten für Österreichs Regierung ist die Abnahme ihres Einflusses auf das übrige Deutschland. In Norddeutschland ist dieser Einfluß schon längst durch Preußen beerbt. In Süddentschlcmd dagegen hatte Österreich noch längere Zeit das Übergewicht, theilS durch die großen Besitzungen, welche ihm bis in dieses Jahrhundert in Schwaben verblieben waren, theils durch den Katholizismus, theils endlich durch die Traditionen vom deutschen Reiche her. In diesen Einfluß schlug die erste Bresche das antiliberale Benehmen Österreichs in dem Gang der deutschen Verhältnisse. Allerdings pflegte Österreich hiebei mit vieler Feinheit Preußen vorzuschieben, so daß dieser Staat in der Regel zuerst mit den gehässigen Anträgen gegen die Presse, die Universitäten, die Landstände u. s. w. herausrückte. (Schluß im nächsten Blatte.) Deutsche politische Literatur. „Hinrichs' politische Vorlesungen. Unser Zeitalter, wie es geworden nach seinen politischen, kirchlichen und wissenschaftlichen Zuständen, mit besonderm Bezüge auf Deutschland und namentlich Preußen. In öffentlichen Vorträgen an der Universität zu Halle" u. s. w. Diese begriffsklare, ruhige, edele Bewegung des Werdens unserer Zeit! Dis verwickeltsten, delikatesten Dinge treten hier im Lichte der Wahrheit aus, zwar zuweilen der Schwachen wegen verschleiert, aber deutlich schimmert ihre Gestalt durch und man sieht sie entweder verklärt im richtenden Lichte der Geschichte und des Erkenntnisses, oder vernichtet im eigenen Gefühle ihrer Sünde zusammenbrechend. Ich sehe auf jeder Seite des Buches den kleinen, blühenden Professor, dessen volles, heiteres Gesicht so fest und Aar auf die staunende Menge der Zuhörer herab- -glänzt aus dem schöngescheitelten schwarzen Haare, seinen leuchtenden Blick, die Freude des Sieges über die widerspenstigen Stoffe, die spärlichen, anmu- thigen Bewegungen der schönen Hand dazu, welche 'symbolisch das sichere, edle Schreiten des Gedankens versinnlicht. Was Schelling einst versprochen, aber nicht gehalten, Hinrichs hat es gethan. Schelling versprach eine „bis jetzt für unmöglich gehaltene, sehnlichst gewünschte, dringend verlangte Philosophie, die das menschliche Bewußtsein über seine gegenwärtigen Grenzen erweitern und wirkliche Ausschlüsse gewähren soll über die in räthftl- haften Wirren der Zeit, über die nach allen Richtungen zerrissene Welt." Von diesem Versprechen hat Schelling nichts erfüllt, aber Hinrichs hat uns unsere Gegenwart geöffnet und die Nothwen- digkeit der Zukunft daraus; er hat über die Lebensfragen der Gegenwart, über das neuerwachte Nationalbewußtsein und die politische und kirchliche Volksbildung, kurz über unsere ganze christlich-germanische Vergangenheit, Gegenwart und nächste Zukunft das Licht der Erkenntniß ausgegossen. Über den ersten Band ist schon hierund da etwas Weniges und Winziges gesagt worden, sonst aber hat noch keine deutsche Zeitung ihre Pflicht erfüllt und die herrlichen Früchte der wissenschaftlichen Forschung für das Volk verarbeitet; man hat das Werk als eine Neuigkeit erwähnt, und bei der Jagd mancher Zeitungen auf sogenannte Thatsachen, besonders aus Berlin, von wo jede, auch die bedeutungsloseste localste Ephemeride als interessante „Thatsache" und Neuigkeit einen Tag floriren muß, ist kein Platz mehr, das Gold für die Publicistik aus dem Werke herauszuschaffen an's Licht bes Tages, daß es erleuchte als belebende Sonne des öffentlichen Geistes. Auch wir wollen uns zunächst nur aus das Äußerlichste und Allgemeinste einlassen, aber hoffentlich nur als Einleitung in die Sache selbst. Der erste Band schloß mit der wissenschaftlichen Kritik der Geschichte, wie sie sich nach den Freiheitskriegen bildete. Hier schon wie in dem ganzen ztveiten Bande wird zum Erschrecken klar und consequent nachgewiesen, daß nicht die Fürsten den Geist der Freiheitskriege aus dem Freiheitsdrange zurücktrieben, sondern daß an Allem die Ungeschicktheit, die Beschränktheit, der Egoismus und die größte politische Ignoranz der Stände, die nach den Freiheitskriegen durchweg liberal gesinnten Fürsten genöthigt haben, wieder Schranken zu schaffen. Es wird nachgewiesen, daß die Stände, die Volksvertreter, freiere Verfassungen nicht wollten; und anderseits, daß sie weder Geschick noch politische Bildung hatten, die liberalen Ideen der Fürsten verwirklichen zu helfeu. Dies wird am eclatantesten in der Verfassungsgeschichte Hannovers nachgewiesen. Schon aus dem Rescripte des Prinz-Regenten vom 29. Juni 1817, wo er die Stände tadelt, daß sie Schritte gethan von der Reichsständischen in die bedeutungslose, provinzialständische Verfassung. „Sehen wir hieraus nicht deutlich, daß der Fürst für die Freiheit gesinnt war und diese Gesinnung behielt, während die Stände durch ihre Verhandlungen und Majorität gesinnungslos gegen den neuen Geist der Freiheit und des Rechts waren, den sie sollten selbstbewußt gestaltend" Noch entschiedener tritt das durch das neuste Benehmen der han- növerschen Stände hervor. Der jetzige König von Hannover erkannte die neue Verfassung von 1833 gleich bei ihrem Entstehen nicht an. Als er zur Regierung kam, waren die neuen Stände gerade versammelt. Nach Art. 13 des neuen Staatsgrund- gesetzes mußte der König zuvor die Verfassung anerkennen, ehe die Huldigung erfolgen konnte. Der jetzige König erkannte die neue Verfassung nicht an, erblieb seinen Grundsätzen treu. Die Stände, anstatt ihr Recht geltend zu machen und ihm treu zu bleiben, wie der König seinem, gingen auf Befehl auseinander. „Die hannöverschen Stände hatten also — sagt Hinrichs — von 1815 bis 1837 nichts gelernt und nichts vergessen, trotz der bittersten Erfahrungen die sie gemacht hatten. Es ist, als ob die hannöverschen Stände bestimmt seien, die politische Entwickelung des Vaterlandes um ein ganzes Jahrhundert auszuhalten." Die Stände verlangten, wozu sie verpflichtet waren, nicht die Anerkemmng der Verfassung, sondern gingen gegen ihre staatsgrundgesetzliche Pflicht auseinander. Nachdem sie das gethan, war der König vollkommen in seinem Rechte, und die Opposition nachher war stets unberechtigt und neuer Beweis der größten politischen Beschränktheit. Hinrich setzt das klar und deutlich dem Begriffe und den Thatsachen gemäß auseinander, und wie gesagt, an dem meisten Unheil der neuesten Geschichte sind die beschränkten und egoistischen Stände Schuld. Es ist Thatsache, daß sie sich von Hause aus gegen den Willen der Fürsten, gegen freiere Formen des politischen Lebens vielfach gestemmt haben. Dadurch bewiesen sie als Volksvertreter, daß das Volk wohl keine freieren Formen verdiene. Dazu kamen auch'noch Demonstrationen von Studenten, die erst etwas werden wollen und sollen, welche der Entwickelung einer vernünftigen Befreiung viel schadeten. Zu politischen Demonstrationen gehört Kenntniß der Zeit, genaueste Kenntniß, Reise desGeistes, politische Erfahrung und Macht über das gegenwärtig Gegebene, welches nicht durch alberne Witzeleien und Verhöhnungen der Obrigkeit sich kund gibt, sondern durch meisterhafte Benutzung der gegebenen Umstände, aus denen heraus friedlich entwickelt werden muß, nicht mit allgemeinem Trotze Kleine Pariser Chronik. Ein Theil unsrer Abonnenten' klagt wegen der etwas lange auf sich warten lassenden Chronik, die. seit dem Carneval kein Lebenszeichen gegeben und jetzt in der Fastenzeit allerlei Buntes aufgehäuft zu besprechen hat. Wir gestehen- es gern ein, die Königin Pomarä von Otaiti hat uns auch ein wenig in Beschlag genommen, jene politische Königin deren Namen jetzt in allen Oceanen bekannt wird und deren Porträt bald vor den Laden der Boulevards erscheinen soll. Über die Königin Pomars ist diese und vergangene Woche mehr gesprochen worden als über den letzten Ball der Baronin Delmar, wo die russischen Brillanten und Perlen von den Repräsentantinnen dieser Nation triumphatorisch getragen wurden, zur Verzweiflung der französischen, spanischen, englischen, deutschen und nordamerikanischen Damen. Ein Ball bei der Baronin Delmar ist ein Ereigniß in der Fashion. Alles will eingeladen werden, eben weil das Eingeladensein schwer fällt. Die Hausfrau fühlet und wählt und sondert, und es gibt gute Naturen, die obgleich sie oft der Ostrazismus getroffen, dennoch wieder an die Pforte klopfen und Einlaß begehren. Die Gräfin Samoilof und die überaus schöne Fürstin Witgenstein, Frau von Nohan-Chabot u. s. w., zeichneten sich durch große Eleganz aus. Für ein so großes Lokal waren nur wenig Personen geladen. Der Tanzsaal ist vortrefflich gelegen, um uach allen Seiten zu eeoulemsns zu bieten. Die ganze Einrichtung im Hotel Delmar ist überaus reich und geschmackvoll. Etwas weniger Steifheit, etwas weniger Prätension und falsche Etiquette, und der Ton würde vollkommen vornehm sein. Vornehm sein im edelsten Sinne erlernt sich überhaupt nicht so leicht, denn es gehört Seelenadel dazu, Geist und Gemüth. Man bemerkte einige Herren, die eine Brosche von Orden trugen, ähnlich den kleinen Krammet- vögeln welche am Spieße in den Restaurants gebraten werden. Es gehört übrigens nicht zum guten Ton so viel Orden in einer Privatsoiree zu tragen, ein echter Cavalier trägt nur ein kleines Bändchen. Einige Spanier waren ganz buntscheckig von Orden, Farben, Brillanten u. s. w. — Allerdings ein sehr schlechter Geschmack. Aber gehen wir von diesem bereits längst vergangenen Delmarschen Balle zu anderen Rückständen unsrer Chronik über, so finden wir einen Ball bei Der Gräfin Merlin, der costumirt eine große Menge wenig geistvoller oder neuer Anzüge versammelte. Der Witz sprudelt den Masken nur wenig. — Bei dem Baron von Maistre versammelt sich jede Woche das Comite des Unterstützungs-Verein für das syrische Kloster auf dem Berge Carmel. Spontini wirkt für das Werk und will wgar ein neues Musikstück zu dem bevorstehenden Concerte komponiren. Wir glauben Herr Spontini hätte ebenfalls und eher eine Schuld an den deutschen Hülss-Verein abzutragen, er, der eine deutsche Pension von mehreren tausend Thalern im Auslande verzehren darf. Bei Frau von Maistre bemerkten wir auch Horaz Vernet, Alexander Dumas, stets lebendig und mittheilend ; die Prinzessin von Craon ließ sich entschuldigen; behüte uns der Himmel vor dem neuen Romane dieser würdigen Dame. Ein Ball bei Madam Tudor versammelte viel englische Gesellschaft, welche nicht immer zu denan- muthigsten gehört und worunter sich in Paris stets viel sehr zweideutige Nobilty und reisende Gentlemans mischen. Auf dem Tnilerien-Ball, am 17ten vorigen Monats, sah man viel ergötzliche englische, auch Phantasieuniformen; sogar mehrere nord-amerikanische Republikaner der Ver. Staaten hatten sich ein Ball-Kostüm-Kleid aä libitum von ihren Schneidern anfertigen lassen und figurirten also mit großer Zufriedenheit in den glanzvoll erleuchteten Räumen der Tuilerien, wo sich übrigens bei dem großen Balle von 3 000, oft mehr Personen, ein Theil der Eingeladnen stets benimmt, als ob sie in einem öffentlichen Balllokale, aber nicht in dem Palaste des Staatsoberhauptes wären. ^ Ein Ball bei der Vicomtesse de S..., eine Lotterie, Tanz und Ambigu (ein kleines Nachtessen) bei der Vicomtesse de G..., ein Diner Dienstag den 27. Februar) bei Madame James Rothschild, eine musikalische Soiree bei der tüchtigen Klavierspielerin und geistvollen Cathinka von Dietz, eine ebenfalls musikalische Soiree (2. März) bei Herrn Baumes Arnaud, wo die überaus liebliche Madame Sabätier niedliche Romanzen vortrug; ein stark besuchtes Konzert des Moskova-Vereins, eine ganz häusliche Hochzeit der Tochter von Madame An- celot, musikalische Dienstags-Abende bei Madame Ungher-Sabatier, um 9. März ein großer Künst - kerb all der sogenannten « ^.ssoeiation äes ar- tistes äinmÄtigues, " in dem Foyer der komischen Oper veranstaltet, dies würde, nebst einer neuen Vorlesung der famösen Broschüre: « Uussis, ^.lle- maAn« et IHnuee, -> so ziemlich ein buntes Bulletin, wenn auchein unvollständiges, sein. So sind wir vor der so weit entfernt gelegenen rue äeskoitevins erschreckt, wo Madame Pankoucke Künstler und Schriftsteller stets mit freundlicher Gastfreundschaft wie mit Eleganz und Liebenswürdigkeit empfängt. Der letzte Ball war bis zum frühen Morgen, wie uns ein Freund erzählt, gleich animirt. Wir möchten noch gerne von einigen wirklichen Künstlerbällen sprechen, welche mehrere Mitglieder des Theater-Fran^ais, ferner ein gewandter Schauspieler von der komischen Oper am ersten Tage abgesetzt worden. Es steht unfern Lesern frei, bei den Herrn Barba und Villet, wo die Broschüre verkauft wird, die Bestätigung selbst zu erfahren. Das Buch von Herrn von Custine, sagte ein Manu von Geist, war zu lang, die russischen Offenbarungen von Marc Fournier sind zu kurz. Man kann ein Lob unmöglich kürzer fassen. *** Buntes und Spitzes. Die drei Adjudanten des Königs von Preußen (einer war schon genug), welche das Bereitungs- System Baucher hier studiren sollen, sind vergangene Woche nach Saumur abgereist, um in der dortigen Kavallerie-Schule ihre Beobachtungen über die Brauchbarkeit und Anwendbarkeit der neuen Reitmethode zu vervollständigen. Am 4. wieder in Paris angelangt, sind die Grafen Solms, von Finkenstein und der Major von Willisen bereits nach Preußen zurückgekehrt. Der junge Großherzog von Mecklenburg - Schwerin, Neffe der Herzogin von Orleans, beabsichtigt eine Reise nach Constantinopel zu unternehmen. — Reisen bildet allerdings, nur gehört auch die richtige Anleitung dazu, um mit Nutzen zu reisen. In Constantinopel hat Mecklenburgs Fürst nichts zur Regierung seines Landes Förderliches zu studiren. Die konstitutionnellen Staaten Europa's, England, Frankreich u. s. w., würden für einen jungen Regenten viele Punkte zu einem guten Studium bieten. Der jetzt regierende Herzog Wilhelm von Braunschweig verreist einen Theil seiner Einnahmen, bringt oft den größten Theil des Jahres ans Reisen und im Auslande zu, und Braunschweig fragt sich, was es mit seiner Aristokraten-Revolution gewonnen. Der König von Hannover ist kein deutscher Fürst. Von England eine lebenslängliche Pension beziehend, ist seine Unabhängigkeit dem brittischen Kabinette gegenüber gelähmt, und der deutsche Zollverein, so wie alle Interessen des gemeinsamen deutschen Vaterlandes, laboriren an dieser für einen deutschen Fürsten unwürdigen Stellung, welche die hannoverschen Küsten zum englischen Stapelplatze macht und den Zollverein hindert eine freie Handelsbedeutsamkeit zu erlangen. England mit Hannover an der Nord-See gelagert, Rußland auf den Sund spekulirend, der preußisch Geheimerath von Bülow nach Copeu- hagen gesandt, nichts von der dänischen Regierung zur Herabsetzung des Sundzolls erlangend, Rußland die ostpreußische Grenze sperrend, den Weichselhandel zerstörend, in Posen agitirend, dies Alles sind wunde Flecken in der Geschichte der deutschen Gegenwart. Die Hannoveraner sagen: „Unser König ist von England pensionnirt; könnten wir ihm doch ein Gleiches thuu!" Als der König von Hannover zur Zeit des Dom- bau-Festes nach Kölln kam, weigerten sich fünf der angesehensten Bürger der Stadt, demselben ihr Haus zum Wohnsitz anzubieten. — Der König von Preußen hingegen wurde damals in Kölln mit Freuden begrüßt. Laudtagsabschiede aber wie der letzte rheinische, Rückschritte aller Art von unklugen Rächen vorgetragen, irrige Berichte über den Ge ist der Rheinprovinzen, Verdächtigungen der edelsten Bestrebungen, welche nur Recht, Licht, Mündlichkeit und Öffentlichkeit, aber keinen Koder-Rückschritt, wollen, dies alles würde dem Könige von Preußen schwerlich im Jahr 1844 einen jubelnden Empfang bereiten. Die Leute welche um den König von ' Preußen eine Art Sanitäts-Cordon ziehen, um ihn von seinem Volke abzusondern, sind besonders strafbar; und die, welche zu seig sind, um nicht vor dem Throue die Wahrheit zu sagen, sind ihrem Fürsten gefährlicher als die schlimmsten Demagogen, ein Wort welches heut zu Tage immer mehr allen Sinn verliert und aus der traurigen Zeit der argen Demagogen-Riecherei wie eine alte Bagage übrig geblieben ist, um damit allerlei Mummerei und Einschüchterung zu verbinden. Ein schlechter politischer Karneval. Musikalisches. Corrado di Altamura. —Oreste et Pylade. Der Karneval hat ausgetobt, die Triumphzüge des großen Musard und des fetten Ochsen sind vorbei, und mit Bangen sahen die Beschützer der Musik die Fasten herannahen, jene trübe Zeit, wo oft Katzenjammer das Herz und Katzenmusik das Ohr erfüllen, jene Zeit, wo man für 10 Franks oder aus Pflicht jeden Tag mehrere Matinees und So iw es musioule«. die barbarischen Straßenorgeln ungerechnet, anhören muß. und da unsere jetzigen Künstler und gesuchtesten Salonsänger oft nur ein Repertoir von drei bis vier Nummern haben, so ereignet es sich oft, daß man dieselbe Romanze oder Caprice einige hundert Mal während einer Conzert- firison verdaten muß.^Trotz dem Mer, daß man von Conzertisten jeder Art übersaufen psird, trotz dem, daß die Conzertbillets gleichsam mit der Pistole n: der Hand ausgedrungen werden, so ist ein Journalist, der sich 5 Centimes für jeden Buchstaben seines Feuilletons zahlen läßt, doch in Verlegenheit, wgs er schreiben soll. Soll ich etwa von jener holden Dame sprechen, die schüchtern an der Hand ihres Vaters eintritt? Sie selbst ist zu bescheiden um von sich zu sprechen, jedoch Papa versichert auf Ehrenwort, daß seine Tochter der Malibran weit vorzuziehen sei; — oder etwa von senem zehnjährigen Violinspieler, der mit liebenswürdiger Arroganz von sich selbst, und mit vornehmer Geringschätzung von Beisiot und Vieurtemps spricht? — oder vielleicht von jenem Klavierspieler, zugleich Kapellmeister S. H. des-Großfürsten von N...., der die Tasten für Kosaken, ,und seine Hand für die! .Knute ansieht? s Alle diese wollen wir übergehen, und.unsere Besprechungen bis zu den schon angekündigten Conzer- ^ Zen der Herrn Liszt, Döhler, Ernst u. s. w. vorenthalten. — Also ein anderes Bild! — Kennen Sie, meine freundlichen Leserinnen, den Maestro Signor Federico Ricci, einen jungen Mann, dessen Brudew Luigi vor einigen Jahren das bereits von einem ge- ^ wissen Mozart componirte Buch: -Du 00226 äi käAaro >. nochein Mal in Musik setzte? Mozarts „Figaro", der fünfzig Jahre früher geschrieben wurde, lebt noch immersrisch und jung; doch Ricci's „Figaro" ist schon lange wieder zu Grabe getragen worden. Nun denn, dieser Herr Ricci hat nun auch eine Oper . geschrieben, und zwar: » Oorraäo äi Altamura,'.., ^ äramma. lirieo in tre utti. Die Worte sind ursprünglich von Giacomo Sacchero. Wir sagen ursprünglich, weil die Oper, welche bereits in Mailand mit einigem und in Wien ohne Erfolg aufge- .führt wurde, für Paris bedeutend verändert und . vergrößert wurde. Jeder Mensch kennt den Inhalt und den Werth eines italienischen Opernbuches, und da alle italienischen Libretto's sich ähnlich sehen, wie ein Ei dem anderen, so kann sich der Leser schon den « Oorraäo äi Altamura » vorstellen. Diese Opern fangen alle mit einem gewöhnlichen Chor an, dann kömmt die Prima Donna, zugleich Prima amorosa, des Stückes, und singt eine Arie, welche gewöhnlich mit: II suo amore beginnt, und mit: Da nm Idlieita. endigt. Dann kömmt gewöhnlich ein Duett zwischen dem Tenor und der Prima Donna, welches: mia ve^osa, della ro 8 a, il tuo ri80, 6 ä il paraäiso, lautet. Hierauf tritt unter einem lärmenden Ritornell, mit obligater Trompeten- und Posaunenbegleitung, der Primo Basso asfoluto auf, und singt, oder vielmehr brüllt eine Arie, von der man nichts versteht als die Worte: II mio tdrro, son oltraA^iato, — V6nä6tta! — So geht es immer fort, ohne Zusammenhang und ohne Sinn; die Arien und Duetten folgen auf einander, und nur ein einziges Mal, gewöhnlich am Ende des zweiten Aktes, kommt ein Ensemble-Stück mit Chor, welches stets unisono mit den Worten: -- ^VIi! 1 a rad- Ina mi äivora ! » endigt. So ist es auch mit -- Oor- raäo äi Altamura. « Sollte aber irgend jemand eine genaue Auseinandersetzung dieses Trama's wünschen, so will ich versuchen, die Handlung desselben zu erzählen. Roger de M ontreal (Mario) wurde im Hause Corrado'ö (Ronconi) erzogen, welcher die liebenswürdige Delizia (Grisi), zur Tochter hatte. Der scharfsinnige Leser wird sogleich errathen, daß Roger und Delizia sich liebsten, und, was ganz natürlich ist, sich auch ewige, Treue schwuren, Zudem sie die Ringe wechselten. Es scheint aber, daß das deutsche Sprichwort : „Aus den Augen, aus Pen Sinn," schon im drei- ^ zehnten Jahrhundert m Sicilien bekannt war, denn ' Roger zieht in den Krieg und verliebt sich in eine' Andere, und da diese die reiche Tochter des Großkanzlers ist, welcher ihm zu Würden verhelfen will, so entschließt sich Roger, der auch interessirt wie ein Pariser Freier der Jetztzeit war, die zweite zum Altar zu führen. Delizia von Bonnello (Bram- billa), unterrichtet, erscheint noch zur rechten Zeit, um die Trauung zu unterbrechen. M o g e r nsird von dem Großkanzler und seiner Tochter verstoßen, und, von Gewissensbissen verfolgt, kommt er als Pilger verkleidet zu Corrado, um dessen Vergebung zu erflehen. Da -aber die Sache tragisch werden soll, so ! bleibt Corrado unerbittlich; Roger gibt sich zu er- f kennen und sie ziehen beide hinaus um sich zu schla- l gen. Roger wird verwundet, und es bleibt ihm! noch Zeit übrig, um sich in ein Kloster zu schleppen, wo er in den Armen der vergebenden Delizia, ^ welche den Schleier genommen, stirbt. WelcheOrigiualität der Handlung, welche Zeichnung der Charaktere, welche Abwechslung der Situationen! Wir könnten unzählige Opern und Dramen aufzählen, und ihre Ähnlichkeit mit diesem Drama beweisen, beschränken uns aber bloß darauf „Lucia di Lammermoor" zu nennen. „Corrado" ist der genannten Oper bis in den Einzelnheiten nach-' gebildet, und der einzige Unterschied ist, daß in der „Lucia"-die Dame, im „Corrado" aber der Herr der Ungetreue wird. Jedoch muß noch bemerkt werden, daß diese hiesige Bearbeitung besser ist als die frühere, denn in der ersten war es nicht Roger, sondern Corrado selbst, welcher im Zweikampfe blieb. Roger's Tod ist der poetischen Gerechtigkeit halber richtiger, nur sollte dann, da der Held des Dramas geändert wird, auch der Titel desselhen anstatt „Corrado di Altamura" besser „Rogero de Montreal" heißen. — Jedoch halten wir uns nicht bei den Freiheiten der italienischen Opernbücher- Manufaktur auf, und gehen wir zu der Musik dieses Werkes über. Im Ganzen trägt diese alle Mängel und alle Vorzüge der übrigen italienischen Opern. Die Formen dieser Partitur sind die alten, welche seit Rossini's „Tancred" bis auf heute stereotyp geblieben sind, Charakteristik ist durchaus keine zu finden, und die Jnstrumcntirung erhebt sich nicht über die Alltäglichkeit. Hingegen finden wir besonders im ersten und dritten Akt einige frische Melodien, und durchgängig eine richtige und elegante Führung der Singstimmcu. Es ist eine abgemachte und anerkannte Sache, daß die Italiener eine Oper nicht für eip dr amatisches Werk, sondern für ein Conzert in Costüm betrachten, und dies ist die Ursache jener angestammten Mängel und jener grassireuden Mißbräuche. Auch Ricci hat einige neue Nummern zu dieser Oper geschrieben, und einige alte aus frühem Werken in dieses übertragen. Sonderbar jedoch ist, daß man bei der ersten Anhörung sogleich diejenigen Stücke erkennt, welche in Paris geschrieben worden sind, denn sie tragen den Stempel des Cancans. Im Einzelnen genommen, erwähnen wir im ersten Akt dje erste Arie Bonnello's, deren Stretta jedoch Note für Note aus „Nozze di Figaro" — seines Bruders Luigi übertragen ist. Dort ist sie zwar einer komischen und hier einer heroischen Situation angepaßt, jedoch dies kann einen italienischen Maestro nicht geniren. Außerdem finden wir noch im ersten Akt eine Arie der Delizia und ein Duett zwischen Delizia und Rogero von Wirkung. Der zweite Akt ist sehr schwach und wimmelt von Reminiscenzen aus verschiedenen französischen und italienischen Opern. Der dritte Akt ist der beste und hat sogar zwei gutgearbeitete uud durchgeführte Nummern, und zwar: da? Terzett zwischen Corrado, Delizia und Bonnello, ugd dgs letzte Duett zwischen Delizia und Roger, dessen Haupt-Thema dann mit vielem Glück als Final-Quartett benützt ist. Das Ganze wnrde von dem Publikum günstig ausgenommen, und der Compositeur wurde zwei Mal gerufen. MesdM. Grisi und Brambilla, sowie die Herrn Mario und Ronconi trugen viel zum Gelingen der Oper bei. Eine einaktige Oper, „Oreste et Pylade," wurde in der Komischen Oper mit Beifall ausgenommen. Das Buch, von Scribe und Dupiu, ist einem alten Vaudeville, „les Jnseparables" nachgebildet; die Musik, von Thys, enthält einige artige Melodien, ist jedoch nicht bestimmt, Epoche in der Geschichte der Tonkunst zu machen. M ar M. Eingegangenc Beiträge zum deutschen -Hülss- Verein. Fr. C. Übertrag. . . 2062 45 Herr G. Meyerbeer (jährlich). . 70 X. aus Westphalen (jährlich). 100 Madame Debranz. 10 Doktor Philippi. ... . . 10 Summe . . 2252 4Z Redacteur : Heinrich B örnst e im Druck mit Schnellpressen von P au l R e n o u sr d. Paris, Sonnabend. Adr. 2O. ^ 9. Marz 1842. Abonnements-Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 18 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. ... S „ Insertionen: die Zeile L 50 Centimes. § r w rr, § Man abonnirtr für Paris: im Nureau veniral pour I'^4N«i»sß»s, rus kik 3 Moulins, Z-. und in der Buchhandl. von Fules ILeaous-ä et v">, rus clk 1'ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus AunÜ, tVittentehast, Theater, Mukik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugcstellt werden, so bitten wir uns dies in franl'irten Briefen anzuzeigcn. — Ansragen, Beiträge, PränumerationSgclder und Briese wollen Uunoo : « An die Redaktion des Journals: -Vorwärts, 32, ruo der; zioulins in Paris » cingcsendct werden. Ocutl'ch-franchüiche Jahrbücher, von Arnold Rüge und Karl Marx. (Erste und zweite Lieferung.) ) Die erste und zweite Lieferung der schon so lange angekündigten, so viel im Voraus besprochenen, von so vielen Seiten sehnlichst erwarteten, von andern ängstlich gefürchteten „Revue" Nuge's, diese Fortsetzung der „deutschen Jahrbücher", ist endlich erschienen, und der 237 Seiten starke Band, den sie bilden, liegt vor uns. Unsere hiesige Stellung, der Wahlspruch den wir gewählt, ja unsere Pflicht als Freunde des Fortschrittes gebieten uns aufrichtig zu sein ohne Rücksicht, wahr ohne Partheian- sichten, offen ohne Bemäntelung. Nun denn! Unser Gesammturtheil über den ersten Band der „Revue" lautet dahin, daß sie unsere Erwartungen nicht nur nicht übertroffen, sondern nicht ein Mal erreicht hat; — mögen hieran nun unsere zu hoch gespannten Erwartungen oder der Gehalt des Buches selbst Schuld sein; — gleichviel! wir sprechen hier nur von dem individuellen Eindrücke, den es auf uns und Gleichgesinnte machte. —Rüge sagt in der Einleitung, Seite 13: „Es handelt sich (bei „dieser „Revue") für uns Deutsche darum, ein Beispiel wahrer Preßfreiheit vor Augen zu haben, „eine Anschauung zu gewinnen von der Freiheit, „die sich selbst beherrscht und Gesetze aufer- „legt; von einer Freiheit, die vor nichts zurückbebt, „als davor sich selber und den ewigen Gesetzen der „Vernunft ungetreu zu werden, von einer Freiheit die „selbst gewiß und un erbittert dem Knirschen „des gefesselten Sklaven entsagt, die Welt nicht verwüsten und ihr nicht ims Gesicht schlagen, sondern sie gewinnen, sie Hinreißen, sie über „sich selbst erheben will; von einer Freiheit die in „der Schönheit ihr Gesetz und in der Wahrheit ihr Maaß und Ziel findet." — Und seinen Gegnern ruft er zu, Seite 14: „Wenn ihr „ohne Gemeinheit polemistren und ohne Rohheit „unsere Gegner sein könnt, u. s. w." Aufrichtig gesagt, wir hatten nach diesem Prospectus, der uns eine von dem höheren Standpunkte der Weltanschauung ausgehende Kritik der jetzigen Zustände versprach, viel, sehr viel erwartet; nicht umsonst durfte sonst der Prospectus alles Dagewesene in Philosophie, Geschichte, Literatur, Dichtkunst und unser ganzes deutsches National-Pantheon zu den Todten und Verfaulten werfen; nicht umsonst die „alte Welt" für vernichtet, allem Bestehenden den Krieg erklären; — er nahm uns viel, —er mußte uns auch viel geben. Vor allem aber hofften wir auf die Verwirklichung jenes Ideales der Preßfreiheit, welches Rüge so herrlich schildert, die „in der Schönheit ihr Gesetz, in der Wahrheit ihr Maaß und Ziel" findet; die nie zu den Verläumdungen der «Olironigus 8eanäal6U86» und den Klatschereien des "(Lil äe dcLuI» herabsteigt, nie in Gemeinheit ausartet und sich am Skandal weidet, nie hinabsinkt bis zum persönlichen Pasquill. — Wir haben uns getäuscht; —die Leidenschaftlichkeit, die Aufregung, der Groll wegen der ungerecht erlittenen Verfolgungen in Deutschland haben in diesem Buche Sachen zugelassen, die wir nicht darin zu finden gewünscht hätten. — Wir stellen als solche in erster Reihe:H. Heines „Lobgesänge aus den König Ludwig von Baiern" und: Bernayö «Oürmügne 8ennäal6U86 » des badischen Hofes. — Wir sind H. Heine, den wir als den Dichter des Buchs der„Lieder",alö den Verfasser der „Reisebilder" hoch ehren, persönlich befreundet, seä maxi8 amion vc>- ritn8, und so sagen wir es frei heraus: diese drei Gedichte machen weder dem M enschen Heine, noch dem Dichter Heine Ehre. Ja, es soll ein Kampf geführt werden, gegen das Schlechte im Bestehenden, gegen die eingewurzelten Mißbräuche, gegen die allzugroße Bevormundung der öffentlichen Freiheiten, aber mit ehrlichen Waffen werde dieser Kampf geführt, er sei gegen die Sachen gerichtet, nicht gegen die Personen, noch weniger aber gegen die Persönlichkeit der Personen; auch der politische Sänger steige hinab in die weite Tages-Arena, um am Kampfe Theil zu nehmen; aber er thue es als ehrlicher Gladiator, mit kurzem scharfem Messer dem Gegner zu Leibe gehend, aber nicht als Gaukler und Possenreißer ihm Sand und Schmutz in die Augen werfend und Purzelbäume schlagend um die rohe Menge lachen zu machen, und so sich aufseine Weise einen Sieg zu erringen. Auers- perg's „Spaziergänge eines Wiener Poeten," die zuerst die Östreicher aus ihrer apathischen Schlummersucht weckten, deren, wenn auch verpönte, doch desto allgemeinere Verbreitung zuerst in dem materiellen Astreich den Keim des politischen Bewußtseins anregte, der sich jetzt zu regen und zu entwickeln beginnt, können hierin als Muster dienen. Schneidend scharf wird darin die Wahrheit gesagt, schonungslos der Schleier von dem bis jetzt Allerheiligsten weggezogen, mit kräftigen Beilhieben das schwere Kerkerthor der geistigen Absperrung eingeschlagen; aber keine Spur von Persönlichkeiten findet sich in dem ganzen Buche; — Auersperg zeichnet die Gattung, das Genus, nicht das Individuum; er greift die Person als Repre- sentantin eines Systemes ödes Prinzipes an, aber nicht ihre körperlichen Mängel und persönlichen. Schwächen. — Was in aller Welt kann es aber der Sache der Freiheit, des Fortschrittes, der Aufklärung nutzen, wenn wir in Heines Gedichten lesen, daß K. Ludwig eben kein Adonis an Schönheit sei, stottere und stammele, und wenn es heißt: Herr Ludwig ist ein muthiger Held Wie Otto das Kind sein Söhnchen, Der kriegte den Durchfall zu Athen Und hat dort besudelt sein Thrönchcn. Was, fragen wir weiter, haben die Freiheit, die sociale Organisation, das Heil des Volkes davon zu erwarten, wenn Herr Bernayö die Oiiromgus 8enn- äa1eu86 des badischen Hofes und das Verhältniß des Herrn von Haber zu einer hochgestellten Frau mit brutalem Cynismus aus die Basis des Geschwätzes und Geklatsches der Karlsruher Bier- und Weinhäuser und Kaffeekränzchen hin erzählt; und so das Heiligste des Geringsten unter uns: sein Privatleben, die inneren Verhältnisse der Familie an den Pranger der Öffentlichkeit stellt? Es hat einen praktischen Nutzen, was er eine Seite früher von der eigenmächtigen Verwendung der erübrigten 32 Millionen Staatsgelder in Baiern und von der Lauheit, Schwäche und Unfähigkeit der bairischen Volksvertreter sagt; seine Bemerkungen über die ewig raisonnirenden, aber doch nach jedem allerhöchsten Vapeur ängstlich haschenden und schnappenden Berliner sind treffend; — aber wer verbürgt die Wahrheit und wo liegt der Nutzen für die Sache des Fortschrittes in der Veröffentlichung solcher Scanda- losa wie die badischen? — Ist das die Preßfreiheit die sich die Schönheit zum Gesetz, die Wahrheit zum Zie le gemachthat?—Oder sollen die im ganzen Buche häufig vorkommenden Ausdrücke: D...k, H.n, A...Prügel u. A. uns einen Begriff von der Schönheit der freien Presse geben? Rüge stellt die Franzosen als sein Vorbild auf, er haßt die Teutschthümler und die christlich-germanische Rohheit; aber die Franzosen würden solche Worte nie kraß und nackt hinstellen, kaum in einem Roman der Guinguetten- und Grisetten-Literatur, gewiß aber nicht in hinein der freien Forschung gewidmeten wissenschaftlichen Werke. Wenn wir über das, was uns bei Lesung der so freudig erwarteten Revue schmerzlich verletzte, hier unumwunden unfern Tadel ausgesprochen haben, so wollen wir doch auch bemerken, daß die Entschuldigung in dem momentanen Übermuthe nach dem Abstreifen des Kappzaumes, in der ersten freien Bewegung der lange gefesselten Glieder liegen kann; und hoffen daß Ruhe und Besonnenheit, diese zwei ersten Bedingungen des Politikers und des Philosophen, ihr altes Übergewicht behaupten und die späteren Nummern der Revue schärfer gesichtet und geläutert, keine so bedauerns- werthen Ausw'üchse mehr darbieten werden. Gehen wir nun auf den Inhalt dieser zwei ersten Lieferungen zurück, so finden wir außer der schon Anfangs erwähnten Einleitung von Rüge, einen Briefwechsel zwischen Rüge, Fröbel, Marx und B.sernays?) aus dem Jahre 1843. — Die Möglichkeit Deutschland zu reorganisiren, ein Jahr 1789 für dasselbe heraufzuführen, den deutschen Geist aus seiner Erschlaffung zu wecken, wird in diesen Briefen, für und gegen, nur meist zu sehr von einem idealen Standpunkte aus erörtert. Das Börne'sche „Verzweifeln an Deutschland" schlägt überall durch. „Der deutsche Geist, sagt R., so weit er zum Vorschein kommt, ist niederträchtig; und ich trage „kein Bedenken zu behaupten, wenn er nicht anders „zum Vorschein kömmt, so ist dies lediglich die „Schuld seiner niederträchtigen Natur."— Wir möchten diese Behauptung nicht unterschreiben, es ist ein guter Kern in dem deutschen Volke, und wenn es noch nicht politisch mündiger geworden ist, so liegt das an seinen Schriftstellern, die sich entweder feig servil mit ihm bückten, und ihm den Nacken noch tiefer hinabdcückten, oder die die rothe Jacobinermütze auf einer steilen Felsenspitze am schwindelnden Abgrunde aufpflanzten und das Volk gewaltsam mit sich Hinaufreißen wollten, statt in seine Mitte hinabzusteigen, und belehrend und begeistigend mit und unter ihm zu wandeln. — Stets nur Extreme, und die Extreme haben doch stets nur geschadet, nie genützt; an den Extremen des Despotismus oder der praktischen Freiheit scheiterten das ^neien L6- §ims, die Republik, das Kaiserreich und die Restauration; und Louis-Philippe dankt seine nun schon vierzehn Jahre dauernde Regierung nur dem goldnen msckiuni lonners Konti, — oder demjusts- milien. — Ein mehr als freundschaftliches Kompliment macht F. seinem Freunde R., wenn er Seite 35 sagt: „Der Untergang der deutschen Jahrbücher erinnert mich an den Untergang Po- „lens(!). Die Anstrengungen weniger Menschen „waren umsonst in dem allgemeinen Sumpf eines „verfaulten Volkslebens." Nachdem über die preußischen Verhältnisse, und namentlich über den verunglückten Versuch des Königs Friedrich Wilhelm IV., durch das alte Axiom : l'Ltnt e'ost moi! eine Regeneration des Staates zu bewirken, viel Wahres und Treffendes gesagt wird, wird unter den corres- pondirenden Freunden der Plan zu der Revue entworfen, die nun vor uns liegt, und deren Aufgabe die Critik der Gegenwart und durch diese die Reform des Bewußtseins des deutschen Volkes sein soll; d. h. das Volk soll endlich gedruckt lesen, was es schon längst, wenn auch unklar, in sich fühlte. Die Tendenz der Zeitschrift wird zusammengefaßt in die Worte: „Selbstverständigung der Zeit über ihre Kämpfe und Wünsche."— Hierauf folgen die Gedichte Heines, denen in den künftigen Heften, andere, wir wünschen nicht Ähnliche, folgen sollen. — Das Urtheil des Ober-Appellations-Senates in Berlin gegen Dr. I. Jacoby, das nun mitgetheilt wird, trägt eben nicht dazu bei, die an andern Orten der Revue ausgesprochene Behauptung, die Willkür des Königs und der Minister leite in Preußen Alles und keinerlei Bürgschaften und Schranken seien dagegen da, zu rechtfertigen. Wir haben selten ein Doeument gelesen, wo willkürlich absetzbare oder zu pensionirende Richter so offen freimüthig dem Throne und den Ministern gegenüber zu Vertheidi- gern eines aus Hochverrath und Majestäts-Beleidigung Angeklagten wurden, wie hier in den Er- kenntnißgründen des Ober-Appellations-Senates, klar wird hier ausgesprochen, daßeine Meinung nie ein Verbrechen sein könne, und daß der Richter sich stets in solchen Fällen strenge überwachen müsse, damit „die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit seines Urtheils vor dem Einfluß der eigenen politischen Überzeugung gewahrt werden." Ja selbst wo Jacoby die Mi- nisterial- und Beamtenwillkür tadeft, wo er den Vorzug der Reichsständischen vor der Provinzialständischen Verfassung hervorhebt, ja wo er königliche Kabinettsordres kritisirt, wird ihm von dem Ober-Appellations-Gerichte Recht gegeben. Nun, wo es noch solche unabhängige, unerschrockene Richter gibt, die mitten in Berlin, in der Nähe des Hofes, unter dem unmittelbaren Einflüsse des anklagenden Ministeriums also richten und sprechen, wollen wir nicht verzagen und das Beste hoffen. Die nun folgenden trefflichen Aufsätze: Zur Kritik der Hegel'schen Rechtsphilosophie von Karl Marx (voll scharfer Dialectik und geistvoller kritischer Zergliederung) und Umrisse zu einer Kritik der National-Öco- nomie von Friedrich Engels (einsehr gediegener Aufsatz) verdienten eine eigene ausführliche Besprechung, die der Raum unseres Blattes nicht gestattet. Die Briefe aus Paris von Heß besprechen das divergirende Streben der conservativ- reformirenden Partei (In Lre886, Lomoeratis pu- eitchus) und der radical-reformirenden (Leiorme, Lien xuklie),— erstere wird verdammt, letztere zu den Wolken gehoben; — wir theilen diese Ansicht nicht, interessiren uns vielmehr lebhaft für die Bestrebungen der Lelnoerutie pineiÜHue; halten uns jedochals Fremde, französische Gastfreundschaft genießend, möglichst fern von Besprechung und Beurtheilung französischer Zustände und rathen der „Revue", wäre es auch nur aus Politik, ein gleiches zu thun. Das Schlußprotokoll der Wiener Ministe« rial-Conferenz, bereits von der New- Uorker Schnellpost und unserm Blatte veröffentlicht, erscheint hier wieder; — die Frage ist abgethan: daß es so ist, weiß man längst, — das „Wodurch" hatte nur momentanes Interesse. Ein Gedicht von Georg Herwegh: Verrat, steht hoch über den Heineschen sowohl in Stoff, als Form, — nur spricht zu viel Gereiztheit und zu viel persönliches Voranstellen ans den Zeilen. Die Lage Englands von Fr. Engels ist wie der erste Aufsatz desselben Verfassers höchst beachtenswertst, und bespricht Thomas Carlysles 1843 erschienenes: Lust nnä ?re86nt. Zwei Aussätze von Marx über die Iudenfrage in Bezug auf Bruno Bauer und vom modern-socialistischen Standpunkte aus betrachtet, und eine Zeitungsschau von Bernays bilden den Schluß des Buches. — Wir sind sine ira et stuäio an das Lesen dieser ersten Hefte gegangen und wiederholen hier unser individuelles Urtheil: Wir hatten mehr und Besseres erwartet; — wir hofften auf eine neue Offenbarung, und wir sahen nur die Trompeten, die die Mauern Jerichos einstürzen sollen; wir verlangten Positives, neue Wahrheiten vorn Baume der Er- kenntniß, aber wir finden nur Negirung alles Bestehenden und schimmernde Luftgebäude in unkenntlicher Ferne als Ersatz dafür; — wir sahen Einreißen, aber nicht Aufbauen; — mit einem Worte: wir blieben unbefriedigt, mit gereiztem aber nicht gestillten Appetite, und wir hoffen zuversichtlich die nächsten Hefte werden der in der Einleitung gesetzten Aufgabe mehr entsprechen und sich reiner von den unwillkürlich anklebenden Schlacken erhalten.— Man wird nicht ermangeln uns dieses freimüthigen Urtheils halber des Servilismus anzuklagen, wir werden uns gegen solche Vorwürfe nie rechtfertigen; — wir haben gezeigt daß wir uns nie scheuen die Wahrheit zu sagen, wir haben die Brücken, die uns zu den Gewalthabern und ihrer Gunst führen könnten, abgeworfen und uns den Rückweg versperrt ; wir gehen muthig in den Kampf, aber wir wollen daß er der Sache des Lichtes, des Rechtes, der Wahrheit und der Freiheit nütze, und darum mustern wir unsere Mitkämpfer noch strenger als unsere Feinde und machen sie auf ihre Fehler aufmerksam, wie sie es auch uns thun mögen, wiewohl unsere Aufgabe eine kleinere, unser Auftreten ein viel bescheideneres und nur das Ziel Beiden ein Gemeinschaftliches ist. Heinrich Börnstein. Östreichische Zustände. (Schluß.) Allein Österreichs Spiel wurde doch bald durchs schaut, und seiire starr legitimistische Haltung in der griechischen, portugiesischen, spanischen Frage that das Übrige. Ebenso entfremdete sich Österreich das protestantische Deutschland durch seine fast unglaubliche Intoleranz. Das protestantische Bethaus in Wien, z. B., ist längst viel zu klein für die Gemeinde, so daß sehr häufig die Späterkommenden auf den Gottesdienst verzichten müssen: alle Bitten, die Erweiterung zu erlauben, werden abgeschlagen. Die Protestanten in Linz erhielten nach jahrelanger, unsäglicher Mühe die Erlaubniß zum Bau eines Bethausts; immer wieder aber wirst der katholische Clerus einen Prügel dazwischen, so daß ein Hofdekret anlangt, den Bail zu sistiren, bis wieder ein Schrei der Entrüstung in deutschen Zeitungen sich hören läßt, worauf man wieder etwas nachgibt; s» zettelt sich die Geschichte nun schon über zehn Jahre fort. Wer zum Protestantismus Übertritt, muß vor- herstchs Wochenlang sich von katholischen Priestern das Gewissen schärfen lassen und dann wird er, wenn er beharrt, beim Kasser unmittelbar zur Anzeige gebracht. So bildet sich in trauriger Conse- quenz das gerade Widerspiel Josephinischer To- 3 leranz. Endlich gerieth Österreich, seit der Zollverein Süddeutschlund in sich ausnahm, vollends in eine ganz isolirte Stellung. Der strebende Geist der Völker konnte durch das österreichische System des Stehenbleibens unmöglich eingeholt, daher auch nicht gelenkt werden. Österreich, indem es die Enthaltsamkeit von aller positiven Politik zu seiner Politik machte, indem es sich hütete, an die Spitze irgend einer der Fragen des Tages sich zu stellen, blieb zurück und verlor alle Gelegenheit, Sympathien zu wecken. So steht es einsam da, ihm sehlt die Neigungseiner außerdeutschen Unterthanen, ihm fehlt es an Halt in seinen deutschen Provinzen, ihm sehlt der moralische Einfluß auf das übrige Deutschland. Nur die Cabinette der kleineren deutschen Staaten noch sind es, welche aus traditioneller Furcht vor Franzosen und Demagogen sich an Österreich halten und seinen Bewegungen wenigstens in der Entfernung folgen. An dem Tage, wo sie es über sich gewännen, ihren Völkern zu vertrauen, wäre Deutschland für Österreich unrettbar verloren, seine letzte Stütze in Deutschland gebrochen. Diesen Zustand der Dinge verschuldet eine Politik, welche der neuen Zeit nicht aus den Cabinetten ans das Forum zu folgen wagte, welche den Zeitgeist durch Jgnoriren wegzuschaffen sucht, ohne zu bedenken, daß das Recht der Menschheit zu Fortschritten älter ist, als das Metternich'sche System, als Stammbaum und Privilegien, und gewaltiger als die österreichischen Armeen von Soldaten und Staatsdienern. Schon seit einiger Zeit waren in Deutschland diese Zustände bekannt, aber daß jetzt selbst österreichische Schriftsteller, freilich anonym, gegen die drohende Gefahr zu Hülfe rufen, daß selbst im glückseligen Wien das Vertrauen zu schwinden anfängt, beweist, daß die österreichischen Staatsmarimen jetzt ganz nahe am Rande desselben Ban- keruts stehen, in welchen früher die österreichischen Papiers und die österreichischen Feldherrentalente geriethen. Was wird daraus erfolgen? Läßt sich der Schleier der Zukunft auch nicht lüften, so scheinen doch einzelne Lichter für alle nicht gar zu blöde Augen durch: sie weisen darauf hin, daß das Haus Österreich aufhören wird, Deutschlands Geschicke zu leiten, daß der Kaiserstaat bei dem nächsten europäischen Krieg zerfallen wird in deutsche und in außerdeutsche Bestandtheile, welche letztere zu schwach sind, um für sich allein die Hegemonie zu bewahren; ferner, daß die slavischen Lande Österreichs entweder durch Rußland absorbirt oder aber in ein großes Reich der Westslaven, bestimmt zur Vormauer gegen Rußland, ausgehen werden. Die Ahnungeiner solchen Zukunft klingt durch in manchem der Censur entschlüpften Wort. Mit deutlichen Sätzen weist Hormayr in seiner Lebensbeschreibung des Grafen Münster darauf hin. Verblümter wird es gesagt in der zu so großem Ansehen gelangten, natürlich Plötzlich verbotenen Schrift: „Österreichs Gegenwart un.d Zukunft", ein Werk, welches einer der ersten Intelligenzen Österreichs, dem Grafen Boucquoy, zugeschrieben wird, dessen entschiedenes Auftreten das österreichische Gouvernement früher einmal zu der List veranlaßt haben soll, ihn für wahnsinnig zu erklären; ausgedrückt wird es ferner in den jüngst erschienenen „Deutschen Worten eines Österreichers", ebenso in einem mit vieler Sach- kenntniß geschriebenen Aufsatze von Taillandier in ei- vem der letzten Hefte derUevus äe8 Veux -Nonäes. Jetzt fühlt die österreichische Regierung allmählig, wie ihr der Boden unter den Füßen entweicht, wie namentlich der deutsche Zollverein die Mauer zwischen Österreich und Deutschland immer höher aufführt: sie lenkt ein. Daher die Anwesenheit und Eloquenz des Erzherzogs Johann beim Köllner Dombaufest, daher die Besuche des Erzherzogs Stephan bei allen deutschen Höfen, selbst bei solchen, welche seit Menschengedenken einer preußischen, antiösterreichischen Politik zugewendet waren; daher die stets wiederholten Gerüchte von kommerzieller Annäherung an den Zollverein, der projek- tirte italienische Zollverein als Gegengewicht; daher endlich, dem Verlauten nach, Hannovers hartnäckige Weigerung dem Zollverein beizutreten, und ihm dadurch sein höchstes Bedürfniß, die See, zu gewähren. Hannovers Nichtbeitritt soll die Bedingung gewesen sein, unter welcher Österreich die Verteidigung der jetzigen hannöver'schen Zustände seit 1837 beim Bundestage, leider mit genügendem Erfolge, übernahm. Eine Hand wäscht die andere. Neuerdings soll es Österreich sogar gelungen sein, für Baiern die Idee des Zurücktritts vom Zollverein und eines gemeinschaftlichen Systems mit Österreich plausibel zu machen. Dieses Gerücht, so traurig sein Inhalt ist, trägt doch einige Beglaubigung in sich. König Ludwig ist gegen mehrere Häupter des Zollvereins persönlich verstimmt. Auch ist nicht zu verkennen, daß in dem moralischen Einfluß des Zollvereins, wie sich derselbe durch tausend Poren in die Politik übergehend äußert, das protestantische Element vorwaltet. Baiern ist das einzige rein katholische Mitglied, möglich, daß es sich jetzt wieder zu Österreich neigt, wie vor und im 30jährigen Krieg. Das Ober-Censurgericht Ln Berlin. Verschiedene deutsche Blätter zeigen eine baldige Veränderung an dem Berliner Ober-Censur- Collegium an, indem die dabei betheiligten bisherigen Räthe bei ihren überhäuften Arbeiten den Geschäften nicht mehr gewachsen sind und theilweise schon haben davon entbunden werden müssen. Aus solche Weise wird sich durch die Entwickelung der Sache in dieser Beziehung eine Reorganisation von selbst ergeben. So schreibt die „Düsseldorfer Zeitung" aus Berlin. DasBerlinerOber-Censur-Collegium wird selbst mit dem besten Willen der Mitglieder nur Stückwerk liefern, da selbst der Geschäftsgang an längeren und gedehnten Expeditionen leidet, was bei der täglichen Presse eine stete, geist-und zeittödtende Hemmung hervorruft. Überdem sind die Berliner Berichtigungsartikel schlecht geschrieben, ungeschickt angepaßt, oft bei den steten Schwankungen in Berlin heute richtig und morgen unrichtig. In der That eine seltsame Art Berichtigung! Ferner kommen die Berichtigungen spät oder gar nicht, treffen oft den Nagel gar nicht auf den Kopf und wissen selbst von den oft falschen Angaben verschiedener deutscher Blätter, deren Opposition sich vor Lügen hüten sollte, keinen Nutzen zum Besten der Regierung zu ziehen. Eine große Ungeschicklichkeit, eine gänzliche Abwesenheit von praktischer Kenntniß der Presse und Volksbedürfnisse in Deutschland blickt aus der ganzen preußischen Preßverwaltung nebst allerlei verschleierten Besorgnissen hervor. Zugleich zwingt die Censur die Tagesblätter auf die trübseligste Weise zum Stillschweigen, verlangt gewisse Punkte der wunden Gegenwart ganz unberührt und unerörtert zu lassen und beweist also eine gänzliche Unklarheit der Auffassung. So sandte z. B. vor einiger Zeit, wie uns persönlich bekannt, A. v. Bornstedt, an eine vielgelesene rheinische Zeitung, von Paris aus, einen Unterzeichneten Aussatz über den Communismus, dessen Ansichten in einer Art bekämpfend, die aus praktischem Boden fußte; zugleich aber auch die Mittel angebend, wie der Communismus, die Noth der arbeitenden Klassen betheiligend durch Wirken von oben herab und von unten heraus zusammen helfend und fördernd, geheilt werden könne. Obgleich nun dieser Aufsatz in der bekannten gemäßigten Weise des Herrn v. Bornstedt gehalten, mehrere praktische auf Selbstanschauung gegründete Ansichten entwickelte, fand sich jedoch die Censur in Kölln-bewogen, dem ganzen mit A. v. Dornstedts Namens-Unterschrift versehenen Aussatz das Imprimatur zu verweigern. Sollte nun von Paris aus, Hunderte Meilen weit, A. v. Bornstedt an das Ober-Censur-Colle- gium appelliren, um erst nach 2 bis 3 Monaten Zögerung und vielen Kosten und Zeitverluste, einer Entscheidung gewärtig zu sein, welche dem bald nach dem Weitlingschen Prozesse geschriebenen Aufsatze voll speeieller Fakta, im allergünstigsten Falle jetzt den Abdruck gestattete, wo er nicht dieselbe Wirkung, dieselbe Schlagfertigkeit, dieselbe Augenblicklichkeit besitzt? Die Organisation des Berliner Ober-Censurge- richts leidet also an den Wehen so vieler anderer Institutionen unserer Zeit. Dieses Cenfurgericht ist ein bloß provisorisches, es fördert kein Leben noch Blühen der geistigen Entwickelung; es schützt weder die Ansichten der Negierung mit Geschick noch das gesetzliche Streben der freien Forschung und der unveräußerlichen Naturrechte. Das Ober-Censurge- richt in Berlin ist ein schmales, loses Brett für die Ausbildung der Preßangelegenheiten; die Zeiten werden eintreten, wo man eine feste, massive Brücke wird bauen müssen, denn die öffentliche Meinung in Deutschland will den freien Übergang von den: Ufer der Willkürlichkeit und Censur- Bevormundung zu den Gestaden der freien und anständigen Besprechung, welche der König von Preußen persönlich 1840 und 1841 seinem Volke versprochen hatte. Literarisches. „Lucretia," Trauerspiel in 5 Aufzügen, nach dem Französischen des Ponsard, von Adolph Philipp:. Von jenen Personen, die einen großen Namen führen, pflege ich drei Klassen zu unterscheiden. In die, erste Klasse gehören diejenigen, für welche die Umstände, Verhältnisse und Zufälle günstig gewirkt haben; zur zweiten Klasse rechne ich die, welche eine gute Gelegenheit zur rechten Zeit ergriffen; und zur dritten jene, die die Gelegenheit selbst zu schaffen wußten. Ponsard, der zur rechten Zeit die glückliche Idee hatte, dem Wesen der modernen sogenannten romantischen Literatur ein Werk in klassischer Form entgegenzusetzen, wurde auch durch den Fall der „Burggrafen", durch sein mysteriöses Auf- 4 tauchen, und durch die Bemühungen seines Freun- -des CH. Reynaud unterstützt. Kein Wunder also, daß diese Thatsachen, mit der Schönheit nnd dem Werthe seines Werkes verbunden, hinlänglich waren, um Ponsard's Namen bald in ganz Frankreich und in dem geistig verwandten Deutschland erschallen zu machen. Doch sonderbar, unsere deutschen Übersetzer, die sonst schnell über Alles herfallen, beeilten sich diesmal nicht, und erst nach Jahr und Tag erschienen unseres Wissens zwei Bearbeitungen, und zwar die Eine von I. G. Seidl in Wien und die Andere von A. Philippi. Philippi ist im Ganzen der Handlung und der Scenirnng getreu gefolgt, hat aber in wohlweiser Berücksichtigung der deutschen Censur und der sonstigen Verhältnisse manches an der Rolle des Brutus gekürzt und geändert. Außerdem hat er anstatt der gereimten Alexandriner des Originals, die bei uns üblichen fünffüßigen Jamben angewendet. Die Verse, wenn sie auch nicht den Höhepunkt der Ponsardischen erreichen, sind durchgängig fließend, die Bilder des Originals sind gut wiedergegeben. Der zweite und der vierte Akt, worinnen die Erzählung des Traumes der Lucreti a, sind von hoher dramatischer Wirkung, so wie überhaupt das Ganze in scenischer Darstellung noch viel gewinnen würde. Wir machen daher die deutschen Bühnen auf dieser Übersetzung aufmerksam, und rathen ihnen deren Anschaffung an; denn wir, und mit uns alle Unpartheiischen, sind derMeinung: besser eine Übersetzung eines guten französischen oder englischen Werkes, als ein schlechtes Original aus der Schule des „jungen Deutschlands." ....k. Kleiner Theater- und Musik- Courier. So oft wir an dem italienischen Theater vorübergehen, fällt uns unwillkürlich eine Frage ein, die unsere freundlichen Leserinnen wohl schon auch oft gestellt haben, und die sich Herr Vatel täglich wiederholen mag: „Was hätten wir diesen Winter gethan, wenn Lablache nichtwie- der gekommen wäre?" Ein starker Fels stand er, diese Saison hindurch, fest und unerschüttert in dem brandenden Meere der Grippen und Katharre, der Halsentzündungen und Nevrosen der wirklichen und Theater-Krankheiten und hielt mit gewaltiger Hand das arme Repertoir und Herrn Vatel über dem Wasser. Ronconi war krank, — Lablache saug, — Fornasari lag acht Wochen im Bett — Lablache sang, — Mario, die Grisi, Persiani erlagen der Grippe,— Lab lache sang rüstig fort. Der „Barbier v. Sevilla" und „Don Pasquale" waren die „vierzehn Nothhelfer" der italienischen Oper und so hat uns Lab lache glücklich bis ans nahe Ende der Saison gebracht, das wir gar nicht mehr oder viel früher zu erleben hofften. Ein glanzvoller Fest-Abend bereitet sich dem gefeierten Künstler nun für Montag den 11. d. vor, wo zu seinem Benefice Bellinis: „I Puritani" (seit zwei Jahren hier nicht gegeben) in die Scene gehen. Wenn nie noch Jemand im italienischen Theater erdrückt worden ist, so geschieht es gewiß am Montag Abend, denn wer wollte nicht in Labtache Benefice gewesen sein? und wir haben uns sagen lassen, daß in ganz Paris keine Blumen mehr zu haben sind, da alle aufgekauft wurden um Kränze, Kronen und Bouquets für den Benesicianten daraus zu machen, gegen den die Damen ein kleines Komplott organi- sirt haben, nämlich ihn so mit Blumen zu überschütten und zu bedecken, daß man ihn gar nicht mehr sieht, und dazu gehören bei Lablache eine schöne Portion Blumen. — Wir haben in der italienischen Oper schon Vieles verloren, — aber wenn uns nur Lablache bleibt, so wollen wir uns gerne bescheiden. — Das Vaudeville-Theater hat mit seinem neuen Stücke: « kisrrs 1e inillionnairs» einen glänzenden Sieg davon getragen; Geist, Laune, Verstand und Gemüth, spannende Situationen, wichtige Charakterzeichnungen, ein gefälliger, geistreicher Dialog weisen diesem neuesten Werke der Madam Ancelot den ersten Platz auf dem stets gewählten Repertoir des Vaudeville-Theaters an. Das Ambigu-Theater verspricht uns für heute Abend Frederik Soulis's: « Css ^naan8 äs Nur- eie.. ; — wir wünschen ihnen so viele Vorstellungen, als die « Loliämiens » deren erlebten, um so mehr als man von den Proben aus, dem Stücke sehr viel Gutes nacksagt. Wir machen bei dieser Gelegenheit unsere Leser auf einige nächstens zu erwartende höchst interessante Concerte deutscher Künstler aufmerksam, von denen wir hier zuerst das des Herrn C. Schad, eines tüchtigen Claviervirtuosen, nennen, das am 20. d. in den Erard'schen Salons statt findet; — sowohl die Wahl der von dem Concertgeber vorgetragenen Piecen, als die Namen der andern Mitwirkenden versprechen einen höchst genußreichen Abend. Auch Mlle Korn kündigt für Dienstag d. 12. d. in dem Herrschen Salon eine glänzende Concert- Soirse an, in der wir außer der talentvollen Con- certgeberin auch noch die Herrn Aleriö Dupont, Lac, Gebrüder Dancla, Offenbach, Constant, Madame Sabatier, Vavassenr u. s. w. hören werden. Deutsches Lesekabinett. Wir machen die zahlreichen Deutschen in Paris auf das schöne und elegante Lesekabinet ä 1a lents, im ?alai8-Hc>)'al, Zalsris NontpsnÄsr, n. 6, im ersten Stockwerke, aufmerksam, wo sie außer einer gewählten französischen Bibliothek, eine sehr interessante Sammlung des Boniteur, des Journal äes vsdats und anderer Pariser Zeitschriften, alle sranzösrschen und auch folgende deutsche und Schweizer Journale finden: die „Allgemeine Augsburger Zeitung," die „Allgemeine Preußische Zeitung," die „Deutsche Allgemeine Zeitung," die Zeitungen von Hannover, Carlsruhe, Leipzig, die Berliner Vossische, die „Frankfurter Oberpostamts- Zeitung," der „Schwäbische Merkur", das „Vorwärts" und sehrviele Schweizer-Blätter von Bern, Zürich, Basel u. s. w. —Die Augsburger, Karlsruher, Leipziger und Hannoveraner Zeitung bleiben in vollständiger Sammlung im Cabinett. Der Preis einer Sitzung ist 20 Centimes. Cingcgangcne Beiträge zum deutschen .Zittfs- Verein. Übertrag. . . Fr. E. 2252 45 Herr E. Tarochon. . . . , . 6 Dromond.. 8 Wendland, Kön. Bair. Ge- * sandtschafts-Sekretär. . 60 A. Duprez. 6 Tamburini. ..... 6 Baron Lotzbcckvon Weghern. 100 Biarvovski. 6 Th. Dvhler. 6 Pacini. 6 Summe. . . 2437 45 Nedcicteur : Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von PaulRenouard. Neues Werk über die Russische Politik, die Personen und Zustände. »VSSIL M KÜVLl^IKW k0I.IH(ML8 V'L?«L8 I.L8 «ÜIL8 0 v« VILIIX Dlkl-ÜIttlL. WM «ME 0 ÜS 2 InLWL, säiteur, 8U666886ur äs Larba, 2 st 3, Aalsris äs 0liartrs8, au ?alai8-Ho^al; säiteur, 1, rus äu ?aou 8ain1-^.närä; Vn.un'r, 12,doulsvarä äs8 Italiens, Naiscm äoräs; au äourual allemanä 1s st au Lur'eau Central pourl'^llsmaAns, 32, rus äes Noulins. vo/rEö r-r-8. 1 2 /ererV/es. — 4 /fernes. Ost ouvrags, äont il a äsja sts laut parle avant son apparition, et äont äillsr6nlS8 lseturss äan8 168 8aIon8 äe ?ar>8 ont lait un objet äe eurio8ile, äevait parailre il ^ a äix inois 80 U 8 ls tilrs : cks /« A-rssr's. On iAiiore, äit un journal beige, quelle a sts la eause äu retarä apporte a eelts publieation. ksesmmsnt on a lrop ab»8s äu titrs Wz/s/Zres/ i'auleur a äons 8agem6nt lait en ebangeant le tilrs äs son ouvrage 8srieux st vsritablsmsnt eon8eisneieux. Dieses bereits vor seinem Erscheinen vielfach besprochene Werk, welches auch durch verschiedene Vorlesungen in den Pariser Salons ein Gegenstand der Neugierde geworden, sollte vor zehn Monaten unter dem Titel: Russische Mysterien erscheinen. Man kennt die Ursache nicht welche diese Verzögerung veranlaßt, sagt ein belgisches Blatt. Der Titel Mysterien ist aber in letzter Zeit so oft gemißbraucht worden, daß bei einem ernsten Werke derselbe nicht mehr an Ort und Stelle erscheint. Der Verfasser also recht gethan, denselben bei Seite zu lassen. ° Paris, Mittwoch. Nr. 21. 13. Marz 18 M Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile L 50 Centimes. Man abonnirt: für Paris: im Nuresu osrriral pour l'MlemsAres, eus äes iNouUns, 32. und in der Buchhandl. von ^sules Leoorisrä et 0'", rns rie 1'ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Aunlt, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts', geschieht stets am Crscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briefe wollen Unnoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, ruo ll68 UouIi li8 in Paris » eingcsendet werden. Uns aus der Seele gesprochen. Ja, wahrhaftig uns aus der Seele gesprochen ist es, was die wackere „Trierer Zeitung" über den neuen von den „Ulmer Zeitinteressen" Horgeschlagenen deutschen Sprachreinigungs-Verein sagt, und wir glauben unfern Lesern mit dem Abdrucke dieser geistvollen Philippika gegen die unseligen Puristen und Sprachthümler ein Vergnügen zu machen. Schon wieder ein neues Spielwerk in Deutschland, um die großen Kinder zu zerstreuen und zu beschäftigen, damit sie nicht auf andere Dinge denken, — so quälten sie sich einst mit Vereinen gegen das Hutabnehmen, der Anzeiger der Deutschen or- ganisirte eine Verschwörung gegen die Fracks, die Vereine gegen Thierquälerei blühten empor und schützten das liebe Vieh vor Mißhandlung, während die Schulkinder von dem Büttel mit Ruthen gestrichen und bei den Erwachsenen die Stockprügel als Bildungs- und Besserungsmittel vorgeschlagen und theilweise eingeführt wurden; — und nun diese neue Sprachreinigungs-Manie. Wollt ihr uns nicht erst gefälligst sagen, Ulmer Puristen, wie der erste gesellschaftliche Verband, wie die Familie auf deutsch heißt; und wenn ihr uns sagt, dies und andere sind in unsere Sprache übergangene Worte, so fragen wir euch: Wo ist die Gränze zwischen den übergegangenen und den erst übergehenden, und wer maaßt sich hier das Recht an, zu bestimmen, was übergehen darf und was nicht. — Geht heim, Starke in Ulm'. und ihr Andere, die ihr sogleich dem läutenden Leithammel, der in die deutschen Gauen ausgeschickt wurde, gedankenlos und kopfnickend, wie echte Jaherrn folgtet unD nachblöcktet, schämt euch und les't was die viel bescheidener auftretende und sich nicht mit Feuilleton und buntscheckigen Cor- respondenzzeichen breitmachende „Trierer Zeitung," im Gefühl ihres Wollenö und Strebens sagt: „Man muß sich niemals täuschen lassen, nie die Form für das Wesen nehmen, nie Respekt haben vor den großartigen Anläufen und Paradereitereien, welche manche Menschen so gern vornehmen, um uns an ihre geschichtliche Mission glauben zu machen. Hatten wir neulich das Recht, gegen das Großthun mit politischen Formen aufzutreten, dafern eine solche Form nicht mit Nothwendigkeit aus der Freiheit und dem Bedürfuiß der Einzelnen entspränge, so werden wir uns wahrlich das Recht nicht nehmen lassen, gegen die neue Seele der Sprachreiniger aufzutreten, die uns weiß machen wollen, mit einem pedantischen Purismus sei die Geschichte gefördert, ja die nur einen Augenblick die öffentliche Aufmerksamkeit auf ihre Tiraden hin abzulenken suchen. „Die in Ulm erscheinenden „Zeitinteressen," ein Blatt, das nur in nationalökonomischer Beziehung einige kleine Verdienste hat, das sich noch durch keine durchschlagende Tendenz irgendwo entschieden Bahn gebrochen hätte, denkt sich plötzlich eine Wichtigkeit zu geben, indem es einen Aufruf „an die Herausgeber deutscher Zeitungen und Zeitschriften" da- tirt: „Ulm, im Februar 1844," erläßt, und dieselben auffordert, sich doch ja der Sprachreinigung zu befleißigen. Die deutsche Sprache, heißt es, sei noch immer nicht mit der dankbaren Rücksicht behandelt worden, die ihr als Trägerin aller Gefühle und Bestrebungen gebühre. Die „Zeitinteressen" geben sich gleich darauf selbst den ärgsten Gnadenstoß, indem sie hinzufügen: „Worte ohne Thaten machten den, der jene im Munde führe, lächerlich, und wir Deutsche seien nahe daran, mit unfern endlosen Se lbstv erherrl ichung en deutschen Wesens dem Auslande lächerlich zu erscheinen." Nichts kann in der That wahrer und richtiger sein. Was helfen euch alle Worte, alle epurirten Sätze, alle echt deutschen und gemächlichen Sprachreinheiten, wenn ihr keine Thaten, keinen Inhalt hineinzulegen wißt, wenn ihr zwecklos Sprachreinigung treibt und endlich nur das leere Ich der Worte übrig behaltet? Schafft Inhalt, schafft Freiheit der Sprache, schafft Thatkräftigkeit in der Presse, predigt und wirkt in unverwüstlich sittlicher Gesinnung so lange, bis die Fesseln des Wortes zerbrochen vor euern Füßen liegen! Lügt uns aber nicht vor, im Purismus liege das Heil der Welt, mit „Kahlkopfsbedcckung" statt Perrücke, mit „Druck- freiheitöverhinderungsanstalt" statt Censur sei cs abgemacht: sondern werft eure Perrücken erst selbst in die Rumpelkammer, bildet eine geistige Macht im Volke, in euch selbst, der gegenüber die Censur P 08 t iestum kommt. Das finden wir vnl gescheiter als eure Stammbaumsuntersuchung der Wort- raren. „Die Schriftsteller und Herausgeber von Zeitschriften sollen nach dem Ulmer Blatte ihr „Ehrenamt" der Sprachreinigung ganz besonders vernachlässigen. Daß ein Schriftsteller und Herausgeber von Blättern und Zeitschriften ein Ehrenamt und einen verantwortlichen Posten bekleide, ist wahr; nur suchen wir diese Verantwortlichkeit ganz anderswo als die „Zeitinteressen." Die erste Verantwortlichkeit bestände nach unserer Ansicht etwa darin, daß man in einer Zeit des Kampfes und Ringens das Publikum nicht unnützerweise von Hauptsachen auf Nebendinge ablenke, und daß diejenigen Leute, denen es von Natur nicht gegeben ist, in den Streit der Zeit ein entscheidendes Wort hineiuzure- den, wenigstens keine Lappalien hincinschwätz- ten, um der Masse glauben zu machen, sie seien vom Zeitgeiste zu einem besonders hohen Amte berufen. Sprache ist wesentliche Form, ist in gewisser Beziehung äußerst wichtig; es gibt aber noch wichtigere Dinge als Kleider: das sind die Leiber; es gibt sogar noch wichtigere Dinge als die Leiber: das sind die unsterblichen Seelen. „Wiederum korrigireu sich indessen die „Zeitinteressen" aus^>as Bündigste selbst, indem sie sagen: „Statt andere zu belehren und zu tadeln, fangen wir lieber bei uns selbst an: denn, werden wir besser, bald wirds besser werden." Möchten die „Zeit- intercssen" darnach handeln, und da sie der Sprachreinheit gewiß schon vorläufig vollkommen Meister sind, so predigen sie uns jetzt einmal Gedanken, wirkliche Gedanken über die Zeitinteressen! Höchst possierlich ist, wie sich die Herausgeber der „Zeitinteressen" als Sprachreinigungöcomito in Ulm eon- stituiren und ihre „Genossen in Herausgabe und Leitung von Zeitungen und Zeitschriften" einladen, ihren Zutritt zu dem Bunde vurch ihre Organe zu erklären, „und daß es geschehen, uns gefälligst mitzutheilen." Welche Anmaßung, sich in dieser Weise zu geriren und auf einen kleinen Punkt in Ulm die sämmtlichen deutschen Blätter hinzuweisen ! Dabei wird einmal etwas Rechtes herauskommen ! „Nein, ihr Herren von Ulm! Wir können nicht mit Euch gehen; wir sagen das in unserer ungeschminkten Art, wie es uns ums Herz ist. Wir antworten vielleicht etwas unwohlwollend auf eure freundliche Einladung; aber es dünkt uns, grade heraus und ehrlich ist auch den!sch, und so wollen wir denn grade heraus und ehrlich verbleiben. Wir nehmen es keinem Menschen übel, der in ähnlicher Weise mit unsern Ansichten zu verfahren Lust hätte; aber wir werden zu antworten wissen. „Reinigt ihr eure Sprache, wenn ihr nichts Besseres zu thun wißt; macht sie so weiß, wie ein frisch- gekälktes Zimmer; sagt uns wenn ihr fertig geworden seid, wir wollen dann sehen. Wir unsererseits wissen Besseres zn thun, wir wollen Gedanken predigen, sollten auch ein paar Fremdwörter dabei Vorkommen !" Deutsche politische Literatur. ( S ck l u ß. ) Doch das beiläufig. Wir wollen nun nur noch die geschichtlichen Punkte und Personen bezeichnen, an welchen und aus welchen Hinrichs unser Zeitalter und unsere Gegenwart entwickelt. Der zweite Band beginnt mit einer Genesis der Reaetion von 1819 an (Görres, Schmalz, Schleiermacher, Fichte, die Burschenschaft, Kotzebne, Sand, Karlsbader Beschlüsse), welche sich mit der Umwandelung des Staatenbundeö in den — deutschen Bund als ein vollständiges System der deutschen Diplomatie zum Siege über die liberalen Nachklänge der Freiheitskriege abschließt. Der deutsche Bund wird ganz besonders treffend critisirt und aus seinem Wesen heraus die Notwendigkeit einer Umgestaltung dargethan; besonders die Collisionen mit dem Zollvereine und der Umstand, daß Ostreich dem Bunde der Fürsten, d. h. den: deutschen Bunde, präsidirt, ohne dem deutschen Zollvereine anzugehören, der als ein ganz neuer Bund im Bunde sich politisch immer mehr entwickeln wird, da er in seinem Schooße die ganze politisch-mercantile Bedeutung des zukünftigen Deutschland trägt, nöthi- gen zn dieser Umgestaltung. Ties setzt er anseinander, nachdem er die liberale Periode Steins, Hardenbergs u. s. w., die auf Landstände bezüglichen Cabinetsordres, deren Umkehr zu Provinzialständen und die geschichtliche Deduction derselben betrachtet hat. In dem Vortrage über Jnlirevolntion, Louis Philipp, das eonstitntionnelle Princip Englands, Frankreichs und Deutschlands, deren wesentliche Unterschiede, den hanöverschen Verfassungsstreit, der besonders klar und entscheidend so wie in seinem Einflüsse aus die deutschen Ständeversammlungen entwickelt wird, und die Reaetion des Bundes nach dem Hambacher Feste kommt die eigentliche Kernstelle vor, welche das Wesen und den Begriff des gesunden modernen Staates aufschließt. Danach ist der Staat allgemeiner, vernünftiger, sittlicher Wille eines Jeden, da die Staatsidee sich als wirkliches Leben bethätigt. Er ist der Geist des Volkes, der aus seinein Innern heraus die Einrichtungen und Gesetze zur Sitte des unmittelbaren Lebens verwirklicht. Im Staate ist der einzelne Mensch als vernünftiger Eins mit dem Staate; er ist nicht der Staat, aber eins mit dem Staate durch seine Gesinnung und Arbeit, so daß er an seiner Stelle thätig ist und somit das Ganze hervorbringen hilf t. Das macht jeden Arbeitenden zum berechtigten Staatsbürger. Der gesunde, moderne Staat fordert die bewußte Thätigkeit und Teilnahme der Einzelnen am Ganzen. Das gibt die Freiheit der Einzelnen im Staat, politische Bildung und Patriotismus^ — Und so weiter. — 2 ^" Aus der politischen inhaltreichen Bedeutung des Zollvereins geht es zu den politischen Parteien Preußens fort, welche sich als nothwendige Ergebnisse der Stellung Preußens zum Bunde und zu den constitutionnellen Staaten kund geben. — Die neuesten Vorgänge seit 1840 bis zu den gegenwärtigen Parteien, wo besonders die Critik der „ge- schichtlich-conservativen Partei" viel Ausschluß gibt über gegenwärtige Richtungen, Thatsachen und Verhältnisse. — Eine Vorlesung über die Genesis der Gesetzgebung von Friedrich dem Großen bis auf die Gegenwart und deren politische Gesetzgebung — Ausschlüsse — Critik derselben u. s. w. Einzelheiten aus der neuesten Zeit — Bülow-Cumme- row, Steinacker, Preußisch oder Deutsch u. s. w. Der folgende Vortrag isi den Deutschen als politischen Nation gewidmet. Das Heil Deutschlands hängt von der wirklichen politischen Vereinigung Preußens und Deutschlands ab, das ist die Bedingung der Zukunft Deutschlands. — Kirchlich-theologische Vorträge mit Specialisirung und einer Pa- rellele der Kirchen- und politischen Verfassung. — Geschichte dieser Sphäre bis zu Schleiermacher und Marheineke. — Philosophie und deren neueste Geschichte und Schicksale. — SoeialiömuS und Eom- mnniömuö und was damit zusammenhängt. — Widerlegung des Communismas durch ihn selbst. — Schelling, Gericht des philosophischen und sittlichen Gedankens über den Verrath an der Philosophie. — Bruno Bauer —Feuerbach— Strauß — Rüge — Schiller — Poesie von Klopstock und Lessing bis zur neuesten politischen Poesie und deren Berechtigung im Begriffe der Poesie und des Schönen. — Es schmerzt mich, so eine armselige Nomenklatur hingestellt zu haben, um nur eine Ahnung des ungewöhnlichen, alle Richtungen, Bestrebungen, Schmerzen und Kämpfe unseres Zeitalters berührenden Inhalts, wie sie hier in dem Lichte der gediegensten Erkenntniß sich dem gedankensähigen Leser zum Genüsse und zur klarsten Einsicht geben, andeutend zu geben, um so mehr, da ich meiner innigsten Dankbarkeit für den geliebten Lehrer und Räthgeber, der er mir einst war, Worte geben möchte, wie sie mir das Herz bewegen bei der Erinnerung an die vielfach innerlich bewegte und zerrissene Zeit meiner akademischen Studien, Irrungen und Kämpfe. — Doch das gehört nicht hierher, und ich schließe mit dem Schluffe dieser herrlichen Schöpfung im Reiche des Wissens: „Folgen wir dem Geiste der Zeit und seiner Geschichte, in der er allein den Grund und Boden seines Weiterstrebens findet» Einheit des deutschen Vaterlandes, Aufopferung für das Ganze, freie Selbstbestimmung in den öffentlichen Angelegenheiten mögen unsere Losung sein und bleiben. Was die gegenwärtigen Parteien betrifft, bilde ich mir nicht ein, sie zum Bewußtsein über sich selbst gebracht und versöhnt zu haben. Das kann kein Einzelner: das kann nur durch die Parteien selbst und deren Entwickelung geschehen. Dem Einzelnen bleibt nur übrig, in all dem Drängen und Treiben nach seiner besten Erkenntniß und Überzeugung eine feste Stellung einzunehmen und zu behaupten. Die behagliche, gemächliche Ruhe scheint aus dem deutschen Leben gewichen zu sein, aber wir haben dabei nichts verloren, wir können im Gegentheil dadurch nur gewinnen und rufen deshalb mit Goethe aus : ,,Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben, Das ist der Weisheit letzter Schluß : Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sic erobern muß." Tr. Z. Gesellen - Verein. Seit Anfang des Jahres hat sich in Berlin unter den Handwerksgesellen ein Verein gebildet, dessen Zweck ist den Gesellenstand sittlich und geistig zu befördern. Die Zusammenkünfte fanden jeden Montag Abend von 7 1;2 bis 10 Uhr statt. Die dort gehaltenen Vorträge fanden Anklang und sind eine bessere Beschäftigung für die Arbeiter als den sogenannten blauen Montag in Schenkwirth- schaften und rohen Ausgelassenheiten zu feiern. Überall regt sich also der Geist der Association zur Ausbildung der edleren Kräfte in der menschlichen Natur. 250 Gesellen begannen den Verein, deren Zahl hat sich stark vermehrt und auch jeden Sonnabend werden bereits Versammlungen gehalten. Ein zweiter Verein, da man dem ersten Zunftgemäße und pietistische Tendenzen zuschreiben wollte, ist ebenfalls in Berlin in der Entwickelung begriffen. Die Statuten sollen nächstens entworfen werden um die Gesellen durch öffentliche Vorträge und Gesang, Bücher und selbst Unterricht anzuregen. Wir wünschen, daß überall solche Vereine versucht und gepflegt würden. Altes und Neues uns verschiedenen Gegenden. Berlin. Unsere Stadt wird bald durch eigenes Gas beleuchtet werden, und somit wird man Aufklärung über manche bis jetzt noch sehr dunkle Stellen erhalten. Das große Opernhaus und das Coly- seum sind abgebrannt. Rellstab schreibt tief ins Leben eingehende Opernkritikeil und die Studenten streben nach Fortschritt. Die Klagen beim Ober- Censurgericht vermehren sich und die Eckensteher vermindern sich mit jedem Tage. Doktor Zinkeisen erfreut sich des besten Wohlseins und die Bewohner des sogenannten Voigtlandes haben sich den Champagner abgewöhnt. Die Jung-Hegelianer werden mit jeder Stunde älter und im Schauspielhause wird Komödie gespielt. Raupach arbeitet mit vierundzwanzig Gesellen und nur diejenigen, welche einen Mantel haben, können ihn nach dem Winde hängen. Die Kaufleute und die Vollblütigen leiden am Schwindel und „die Frösche" des Aristophanes quaken vor klassischen Ohren. Der Thee, die Konversation und die Spree fließen so .gut als möglich, und die Pietisten stehen mit dem lieben Gott auf vertrautem Fuße. Fräulein von Hagn und dieTel- tower Rübchen sind noch immer sehr beliebt und vor den Thoren herrscht viel Vergnügen und Zufriedenheit. Kassel. Wer bei uns einen Sitz hat, der hat nicht immer eine Stimme; aber wer bei uns seine Stimme zu laut erhebt, dem wird gewöhnlich auch ein Sitz angewiesen. An bösen Früchten ist hier viel 3 mehr Überfluß als an guten Blättern. Wenn die Sonne scheint, ist es bei uns sehr hell und sobald es dunkel wird, werden die Laternen angesteckt. Unsere Prima Donna stiert oft Triumphe und hat also keine Ähnlichkeit mit der liberalen Partei. Sonst nichts Neues! Posen. Bei uns ist vor Kurzem ein Schuß' gefallen. In neuester Zeit gibt's überhaupt viel Knalleffekte. Was ich Ihnen berichten darf, ist nicht der Erwähnung werth, und was der Erwähnung werth ist, darf ich Ihnen nicht berichten. Sobald ein neuer Tenor an unserer Bühne engagirt wird, werd' ich Ihnen schreiben. Wir haben hier einen beständigen Nord-Ost, daher ein großer Theil unserer Bevölkerung über kalte und allzu trockene Witterung klagt. Hannover. Unsere Gendarmerie erfreut sich einer guten Gesundheit; auch ist es eine Thatsache, daß die Gedankenfreiheit bei uns nicht erfunden worden. An Junkern und langer Weile fehlt es, gottlob! nicht; auch wird hier, wie aus nuferem Verhältniß zum benachbarten Braunschweig hervorgeht, rüstig an der Vollendung der deutschen Einheit gearbeitet. Wenn sie fertig ist, werd' ich Ihnen darüber berichten. München. Daß bei uns die Witterung sehr oft wechselt, ist bekannt; daher kommt es denn, daß man sich hier sehr in Acht nehmen muß, wenn man sich nicht unangenehmen Beschwerden aussetzen will. Das jüngste Herbstbier und die neuesten Fresken sind gut gerathen, und zu neuen Gebäuden findet sich noch immer ein passender Grund. Die Nachricht daß hier die Censur abgeschafft worden, dürfte noch einigen bescheidenen Zweifeln unterliegen. Stuttgart. Dr. Wolfgang Menzel verspeist täglich ein Dutzend Franzosen und speit Gift, Galle und Rezensionen. Hosrath Dr. Dingelstedt erfreut sich seines schönen Daseins, und die Wiedertäufer und Lyriker scheuen das Wasser nicht. Fräulein Stubenrauch ist noch immee die Zierde unserer Bretterwelt. Leipzig. Unsere Stadt ist ein klein Paris und bildet seine Leute. Das hat auch schon Goethe behauptet. Unser Straßenpflaster ist sehr sauber, und könnte man dies auch von allen hier erscheinenden Zeitschriften sagen, so wäre dies ein wahrhaftes Glück zu nennen. Leipzig ist noch immer der Ort, wo die deutsche Poesie die Haut zu Markte trägt. Weimar. Daß Goethe gestorben ist, werden Sie aus den neuesten deutschen Blättern gehört haben; daß aber der Hofrath Friedrich Wilhelm Riemer noch lebt, ist wahrscheinlich nicht so sehr bekannt. Auch der Hosrath Peter Eckermann lebt hier, leidet aber von Zeit zu Zeit an poetischen Anfällen. Die Seele unserer Gesellschaften und Concerte ist der Hofrath Doktor Liszt, der sich in jüngster Zeit durch die vielen deutschen Orden Brustbeschwerden znge- zogen hat. Frankfurt. Die neue Börse und der alte Herr von Rothschild bilden den Tempel und die Gottheit der hiesigen Finanzwelt, und nirgends inehr als hier ist der Mensch dem Wechsel unterworfen. Man schätzt hier die Papiere viel mehr als die Lumpen, mit welchem Namen alle diejenigen getauft werden, welche den Reichlhum nur im Herzen, aber nicht in der Geldkiste bewahren. Elberfeld. An Twist und Pietismus ist bei uns kein Mangel und beide werden vor wie nach auf's fleißigste verarbeitet. Wie eine Thräne der Barmherzigkeit fließt die Wupper durch das Thal und das süße Muckerthum macht einen Katzenbuckel und lobt Gott den Herrn. So lang die Spulen sich drehen und die Maschinen klappern, sind wir zufrieden und enthalten uns aller übermäßigen Wünsche. Iserlohn. Unsere Fabriken sind jetzt in unausgesetzter Thätigkeit, da das Verlangen nach Schee- ren täglich zunimmt. Nordamerikanische Zeitmrgsschau. Tarif. Eine Anzahl vonNew-Uorker Kaufleuten hat den Congreß ersucht, den Eingangszoll auf Eisen zu ermäßigen. Unter den Bittstellern sind nicht weniger wie hundert Eistnwaarenhändler. — Ejdle Handlung. Die Demokraten von Richmond, Va., haben beschlossen, eine Substription unter sich zu eröffnen für die bei dem im letzten Blatte gemeldeten, kürzlich eingefallenen Dache des Clay-Club Hauses verwundeten Whigs. — Nichts geht über ein demokratisches Herz. — Vor 10 Jahren war da, wo jetzt das Städtchen Npsilanti in Michigan steht, noch kein Haus zu sehen. Jetzt steht ein Städtchen mit 3 000 Einwohnern, 4 Kirchen, 3 großen Mühlen und einer Tuchfabrik, die alljährlich 20 000 Uards Tuch producirt, auf dem Platze. Im verflossenen Jahre führte das Städtchen Mehl, Schweinefleisch, Potasche, Grassamen und Butter zum Betrage von 233000 Thalern aus. — Die reichste Goldmine in den Verein. Staaten befindet sich in Rowan-County, Nord-Carolina. Der Goldgehalt des Erzes ist so bedeutend, daß ein Bushel Erz durchschnittlich den Werth von 500 Dollar an Gold enthält. — Ter Zustand der Banken in New-Uork ist eben nicht besonders glänzend. Sie schulden die Summe von 47 Millionen, und haben nur 10 Millionen in baarem Gelbe. — Ein Eremit. Die „N.-Uorker Sun" erzählt folgenden Vorfall : „Ein Deutscher, Namens Heinrich Rulsch, der im Floridakrieg als Soldat gedient, entschloß sich ans Lebensüberdruß oder Mangel an Arbeitslust, ein Eremitenleben zu führen und quar- tirte sich in eine kleine Felsenhöhle, am Füufmeilen- stein östlich von der dritten Avenue, nicht weit vom östlichen River ein, wo er fast 3 Jahre gelebt hat. Bei Tage ging er aus, Almosen suchend, unvNachts lebte er in seiner Einsidelei. Dieselbe ist ungefähr 5 Fuß lang und 3 Fuß breit, und der Eingang so schmal, daß der Eremit auf Händen und Füßen hinein kriechen mußte. Er konnte auf dem Stroh, das ihm als Bett diente, nicht ausgestreckt, sondern nur in halb liegender Stellung schlafen. Ten Eingang hatte er mit Stöcken, gleich Pallisaden, die mit Lehm bedeckt waren, verwahrt, und da dies mit der Zeit fest geworden war, so hinderte es den Eingang der kalten Lust, da er es sonst, indem er im Innern kein Feuer machen konnte, vor Kälte nicht würde haben aushalten können. Er aß nur kalte, oft rohe Nahrungsmittel, und hatte ganz zerrissene Kleidungsstücke an. Da man von seinem Aufenthalte Nachricht erhalten hatte, so schickte Alderman Brevoort zwei Constables nach ihm, aus Besorgniß, daß er bei dieser Lebensart umkommen würde. Diese fanden den Eremiten vor seiner Einsiedelei, sich sonnend, sitzen, und nahmen ihn nach der Polizeistube mit, von wo er nun nach Blackwells-Eitand geschickt worden ist. — Die Zeitungsdrucker im Staate Ohio scheinen sich in ewigen Fehden zu gefallen. Dies gilt nicht nur von den deutschen, sondern insbesondere auch von den englischen. Am Christtage prügelten sich die Herausgeber des Staats-Mannes und Staats-Journales in Columbns. — Eisernes Pflaster. Die städtischen Behörden in Boston wollen demnächst einen Versuch mit eisernem Pflaster in einer frequenten Straße jener Stadt machen. — Lobenswertst Die „deutsche Gesellschaft von Maryland," deren Wirken sich namentlich in neuerer Zeit auf das wohlthätigste äußert, hat beschlossen, ein Circulär unter alle Einwanderer, schon in Bremen austheilen zu lassen, zu dem Zwecke, um diese gegen die mancherlei Gefahren, welchen sie bei ihrer Ankunft in diesem Lande ansgesetzt, zu warnen und zugleich solche Anweisungen zu geben, als für ihr Fortkommen von großer Wichtigkeit sein möchten. — Wir begrüßen solche Anordnungen freudig als den besten Schutz, so man den mit den „Sitten und Gebräuchen" Amerika's meistentheils unerfahrnen Landsleuten angedeihen kaffen kann. Der in Buffalo erscheinende Freimüthige enthält am 2. Dezember folgenden Aufsatz, den wir mit Vergnügen unsern Lesern mittheilen, indem sich darin eine feste, kerngesunde Gesinnung ausspricht: Wir wohnten am vergangenen Montag Abend einer öffentlichen Versammlung der hiesigen deutsch e n Jung. Männer-Gesellschaft bei; bei welcher Gelegenheit mehre englische und deutsche Vorträge von verschiedenen Mitgliedern gehalten wurden, und glauben gewiß die allgemeine Stimme des anwesenden zahlreichen Publikums auszu- drücken, wenn wir den Mitgliedern dieses so nützlichen und für unsere Stadt so ehrenvollen Vereins versichern, daß sicher jeder Anwesende den Versammlungssaal mit der größten Befriedigung und aufrichtigsten Hochachtung des gemeinnützigen Strebens der Gesellschaft verließ. Die drei Scenen aus Shakespeare's Richard I I I, wurden in jeder Beziehung meisterhaft auf- und ausgcführt, und die Gewandtheit und klareAuffassung mit der die Rolle Richards von Herrn S. durchgeführt wurde, würde einem vollendeten Schauspieler, geschweige denn einem Dilettanten, wie -Herrn S.,. Ehre und ungetheilten Beifall gebracht haben. Mit einem Wort, es war nicht allein eine angenehme Unterhaltung, sondern besonders was die theatralische Vorstellung an langt, ein Genuß für jeden, an diesem Abend in dem Versammlungslokal der d. I. M. Gesellschaft gegenwärtig zu seyn. Einen freundlichen und gul gemeinten Wunsch können wir jedoch im Namen Vieler, die an dem Gedeihen der Gesellschaft aufrichtigen Antheil nehmen, nicht unterlassen hier öffentlich auszusprechen; es ist der, daß man von Seiten der Gesellschaft doch für die Zukunft auch der deutschen Sprache und deutschen Literatur die gleiche Liebe und Aufmerksamkeit zu Theil werden lasse, die man bis jetzt der englischen zugewandt hat. Es ist nicht zu leugnen, daß die Vervollkommnung in der Sprache und Literatur unseres Adoptiv-Vaterlan- der nicht allein von großem Vortheil und Nutzen für uns, sondern sogar eine Pflicht ist, die dasselbe von uns fordert, und wir wollen daher keineswegs verneinen, daß der Zweck, den man in dieser Beziehung seither verfolgt hat, ein höchst lobenswerther ist— allein wir sollten doch auch nicht vergessen, was wir der Sprache und der in allen Ländern hochgefeierten Literatur unseres eigenen Mutter- und Geburtslandes schuldig sind; keine Sprache, weder der alten noch der neueren Zeit kömmt vielleicht mit Ausnahme der alten griechischen der deutschen an Sprach- reichthum und Sprachfülle gleich — keme Sprache und kein Volk der Jetzt-und Vorzeit besitzt einein jeder Beziehung, in jedem wissenschaftlichen Fache so glänzend ausgefüllte und besetzte Sprache als die Deutschen. Es ist wahr, England hat seinen Shakespeare, — aber Deutschland hat seinen Schiller, Goethe, Lesfing/Herder, Körner. Wo andere Völker sich mit einem Namen in irgend einem Fache ihrer Nationalliteratur brüsten, können wir fünf und sechs in der nämlichen Branche aufweisen. Es giebt kein Volk der Jetztwclt, was auf wissentschaftliche Durchbildung so gegründeten Anspruch machen könnte, als das deutsche! Dieses erkennen auch alle andere Nationen bereits willig an; in Frankreich muß die deutsche Sprache in den Volksschulen erlernt werden, in England gilt es gegenwärtig für den höchsten Punkt feiner Bildung deutsch zu sprechen. Wir kennen gebildete Amerikaner genug, die Summen darum geben würden, wenn sie sich die deutsche Sprache und Literatur nur einigermaßenzu eigen machen könnten: — Sollte die deutsche Sprache nicht Anspruch darauf machen können, in den Verhandlungen der deutschen Jung-Männer-Gesellschaft die Hauptrolle zu spielen? Dasselbe Blatt gibt folgendes Londner Genrebild: Londoner Spitzbüberei. — Ein zur Genüge bekannter Luxus in den großen Londoner Magazinen sind die ungeheuren Spiegelscheiben, welche die Thürcn und Fenster derselben bilden. Da cs jedoch nun dem Vorübergehenden leicht passiven kann, eine dieser bis zur Erde reichenden Scheiben unversehens zu zertrümmern, und der Preis derselben sich mitunter zu einer enormen -Höhe erhebt, so ist kraft Polizeibefehl den Eigenthümern solcher Magazine untersagt, für das Zerbrechen einer sol« chen Scheibe, falls nicht eine muth- oder böswillige Absicht des Thäters erwiesen ist, mehr zu begehren, als eine kleine Entschädigung (5 Pfd. Sterl.). Vor einem der prachtvollsten Magazine in Luögate-Hill drängte sich kürzlich die Menge, die ausgelegten Indischen und Chinesischen Maaren beschauend. In der ersten Re.'he der Gaffer befand sich ein Gentleman, der ganz im Anschauen vertieft dastand. Ein anderes Individuum drängt sich hinter ihn, versetzt ihm einen tüchtigen Stoß, unser Dandy verliert die Balance, und kling, kling liegt eine der thurmhohen Scheiben in Trümmern, und der Fashionable durch diesen unwillkührlichen Eingang im Laden. Während des dadurch entstandenen Tumultes hat sich der Stoßende leicht entfernen können, und der Ladeneigenthümer kann seinen Zorn nur an dem halb im Laden, halb auf der Straße befindlichen Gentleman auslassen. Dieser de- precirt jedoch, und beruft sich auf das Zeugniß der Umstehenden hinsichtlich seiner Unschuld, wobei sein Dialect den Fremden verräth; doch der Ladenbefitzer will von nichts wissen, und wenigstens die ihm gesetzlich zukommenden 5 Pfd. Sterl. haben. Darüber erhebt sich ein gewaltiger Disput zwischen den betheiligten Partheien. Der Gentleman will keine Naison annehmen, bis sein Gegner droht, die Constables rufen zu lassen. „Nun," ruft Jener aus, ,,ehe ich Collisionen mit der Behörde bekomme, will ich lieber, wenn es sein muß, zahlen," und wirft in der höchsten Wuth eine Fünfzig-Pfundnote, die er aus seinem Taschenbuch zieht, auf den Tisch. Man gibt ihm das übrige Geld zurück, rmd fluchend und schimpfend entfernt er sich. Erst als das Personal im Laden am andern Lage zufällig gewahrte, daß die Fünfzig Pfundnote falsch sei, ward es ihnen klar, daß das ganze angelegt worden, um dieses falsche Papier gegen gutes Geld umzutauschen. Fünftes Concert des Confervatorimns. (Am Orcn März.) So wie man in der Philosophie bei genauer Forschung ersehen kann, wie der Gründer eines neuen Systems gewöhnlich ein früheres als Grundlage nimmt, eben so kann man hinsichtlich der Formen der Musik behaupten, und aus den Werken der verschiedenen Meister welche Epoche machten, herausfinden, wie sich gleichsam Einer aus die Schultern des Andern gestellt hat. Doch zuweilen erstehen Geister, die von dieser Regel eine Ausnahme machen, und aus sich selbst ein neues System schaffen; dies sind die wahren Genies; zu solchen gehören vorzüglich: „Spinoza, Beethoven u. s. w." Diese Bemerkung fiel uns bereits oster, und gestern wieder, bei Anhörung einer Beethovischen und Mozar- tischen Symphonie ein. Ohne das Verdienst und den Ruhm Mozarts schmälern zu wollen, behaupt ten wir doch, daß Mozart in diesem Fache, zwar bei Originalität der Melodien dennoch hinsichtlich der Formen und des Charakters seine Vorgänger Haydn und Bach nachgeahmt hat; jedoch Beethoven steht in diesem Fache allein da, von seinen Vorgängern kaum geahnt, von seinen Nachfolgern unerreicht. Die 8 äur Symphonie von Mozart eröffnete also das gestrige Conzert. Das Andante erhielt wegen seiner lieblichen Melodie, und das Scherzo wegen seiner Laune, viel Beifall. Hierauf folgte ein Chorus aus dem sechzehnten Jahrhundert, dessen Verfasser unbekannt ist, und dessen Worte ich nicht verstehen konnte. Aus dem Charakter desselben schließe ich, daß es ein Gebet sein soll. Dieser Vocal-Chor besteht aus einem einfachen Thema von beiläufig 16 Takten, welches sich immer wiederholt, aber trotz dem einen mächtigen Eindruck auf den Zuhörer hervorbringt. Es wurde vortrefflich vorgetragen und die Wiederholung verlangt. — Ein Fragment aus Glucks „Armida" (Chor und Tanz der Schäferinnen) vergnügte das Publikum. Wir bemerken hierbei nur, daß sich in Glucks „Armida" viele des Konservatorium würdigem Sachen vorfinden, denn so reizend auch das Vorgetragene war, so bleibt es doch.nur eine Ballet-Musik, deren Harmonien sich durchgängig nur im Grundton und in der Quinte bewegen. Herr Klozs ließ sich auf »- der Klarinette hören; er spielte Variationen über ein Mozartsches Thema, und erndtete reichlichen Beifall. Beethovens Chor aus den „Ruinen von Athen" wurde ebenso günstig als bei dessen erster Aufführung ausgenommen. Uns fällt bei dieser Gelegenheit die Armuth des Repertoirs des Konservatoriums auf, und wir wundern uns, daß die Leiter desselben noch nicht Verschiedenes aus „Fidelio" von Beethoven (z. B. den Chor der Gefangenen) hervorgesucht haben. Einen gleichen Schatz bieten Spontiniö „Vestalin" und „Ferdinand Cortez" dar. Den Beschluß machte die Pastoral-Symphonie von Beethoven. Beim Zeichen des Dirigenten trat sogleich eine andächtige Stille im Auditorium ein, die Brust der Musiker erweiterte sich voll Muth und Lust; doch ich schloß das Auge und hatte den zweifachen Genuß, die köstlichsten Melodien zu hören, und zugleich die buntesten Bilder an mir vorüberschweben zu lassen. Mein inneres Auge sah die lachendsten Gefilde, die herrlichsten Landschaften, ein liebendes Paar am murmelnden Bache. Hierauf verwandelte sich die Scene, und ich sah rothwangige Dirnen sich lustig um den Maibaum drehen, und die Jungen sangen dazu aus voller Kehle. — Doch plötzlich zog ein Gewitter herauf, der Regen rieselte, die Windsbraut toste, der Dou - ner rollte, und nachdem das Gewitter sich entladen, tritt die Sonne'wieder freundlich aus den Wolken, und die Landleute knieen nieder um ihr Dankgebet sich zum Allmächtigen erheben zu lassen. Und solche Effekte bringt Beethoven mit einem ; ganz gewöhnlichen Orchester, ohne Cylinder- Trompeten, oh ne Surophone u. s. w., hervor. Das Orchester war diesmal wieder vorzüglich, und wurde in Abwesenheit des Herrn Habeneck von Herrn Tilmant geleitet. M ar M. Cingegangcne Beiträge zum deutschen .Zülfs- Verein. Fr Übertrag. . . . 2437 45 Herr Baron von Lotzbcck. 100 F. v. S. . ...... 5 Mlle Pauline Demini (jährlich) . . 25 Summe. . . 2567 45 Rcdacteur: Heinrich Börnste in- Druck mit Schnellpressen von Paul Nenouard. Neues Werk über die Russische Politik, die Personen und Zustände. »vss«: ^ v'ir«L8 I.L8 «Ü7L8 v'IIIi VILVX oikl-ÜIlIL. WM VMM MN WWW. (2" eärtiou.) L)e VEEe et au Nmeau OeMta, p°ur>'^e».a,ue. 32, .ue »eEouIme. r-r-8. i 2 .' 4 /-'K-res. 0°. un'taze. »ent i. . e.e WM p->r.«-E.5°« appaMm.,,, °^°°t >°5^t°°5 L w eame 6u "°eeL >'E«7. ->" °e sagemem di.«° ek-mzLm l« Uwe s« 50° o°v.°se 5ene°x et vmlmblemem Paris, Sonnabend Nr. 22. 16 März 1811. Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. H r n> a s 1 Z M SW IMMlE- ' LMM Man abonnirtr für Paris: im Nnresu ventrsl xour l'^Nernsguo, rus 6es Mouiins, 3». und in der Buchhandl. von alule-i Lenousrä et v'«, rus cik 1'ournoii, tt; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. O — Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wittentehakt, Theater, Mutik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Crschcinungs-Tage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugcstellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigcn. — Anfragen, Beiträge, PränumcrationSgcldcr und Briese wollen ldunoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, l'U6 (l68 UOUÜN8 in Paris » eingcsendet werden. Das tragische Ende Weidig's. Wir übergeben heute dem Publikum eine aus zu- verlässigster Quelle fließende Mittheilung über den Tod des Pfarrers Weidig in Darmstadt. Es ist dieser Aufsatz nichts anderes, als eine gedrungene, mit Ausnahme weniger unerläßlichen Bemerkungen des Einsenders ganz aus den Akten genommene, in ihrer Mäßigung furchtbar anklagende Darstellung der über Weidig verhängten torturartigen Mißhandlung. Schon was damals im Jahre 1837 über die näheren Umstände in's Publikum gekommen war, hatte der öffentlichen Meinung genügt um das vorzeitige Ende dieses deutschen Patrioten als einen Justizmord zu bezeichnen, und was jetzt zu Tag kommt, hat einen Schrei des Entsetzens hervorgerufen, so laut, daß die Regierung Darmstadt's ihn nicht überhören durfte, und Anstalten trifft ihren Anklägern vor dem Forum der Öffentlichkeit Rede zu stehen. Wir beabsichtigen nicht auf die Geschichte jenes Prozesses hier einzugehen, nur über die Lebensumstände Weidig's bis zum Anfänge seines Processes, so weit wir sie aus gedruckten Quellen kennen, glauben wir hier einige kurze Worte einschalten zu müssen. Weidig war im Jahr 1791 geboren, widmete sich dem Studium der Theologie und Philologie, und bekleidete 23 Jahre lang die Stelle eines Conrec- tors der lateinischen Schule in Butzbach (Grh. Hessen) ; ein beschränkter Wirkungskreis, den sein reger Antheil an dem Gedeihen und der Entwickelung der ihm anverlrauten Jugend zu einem sehr segensreichen zu erweitern wußte. Aber eben diese geistige Regsamkeit, welche ihn über seine Schulstube hinaus an dem ihn umgebenden Leben Antheil nehmen ließ, machte ihn bald verdächtig. Anfangs begnügte man sich mit allgemeinen Denunciationen, aber bald nach dem „Frankfurter Attentat" wurde er auf Grund: „daß er in Gesellschaft von Republikanern gewesen sei," verhaftet. Doch dauerte diese Hast, wie sich das Convers. Lei. d. Gegenwart naiv genug ausdrückt, nur 43 Tage, und hatte sogar, von Seiten der 2ten Kammer, eine mit bedeutender Majorität beschlossene, auf die in der Sache Weidig's begangenen Verfassungsverletzungen begründete Beschwerde, gegen den deshalb verantwortlichen Justizminister du Thil, zur Folge. Weidig, der Freiheit wieder geschenkt, von seinen zahlreichen Freunden freudig begrüßt, schloß sich nach der bald darauf erfolgten Auflösung des Landtags der Opposition noch entschiedener an und entwickelte in diesem Sinne eine bedeutende schriftstellerische Thätigkeit. Die Regierung griff zuerst zu einem bei solcher Gelegenheit seltenverschmähten Strafmittel, indem sie ihn von seiner übrigens sehr wenig einträglichen Stelle in Butzbach, gänzlich gegen seinen Wunsch, an die Pfarrei von Oberglenn, eine arme Gemeinde an der Grenze Kurhessens, versetzte. Aber auch in diesem kümmerlichen Berufökreise wußte er sich bald aus würdigste Weise zu finden, auch hier auf das nützlichste wirkend, und seine sonstigen Bestrebungen auf das eifrigste fortsetzend. Es erschienen damals, zum Theilanonym, verschiedene, alsrevo- lutionnär bezeichnet und ihm zugeschriebene Flugschriften; er wurde ferner beschuldigt in die damalige Bewegung tief eingeweiht zu sein und an „verbrecherischen, hochverräterischen, auf den Sturz der deutschen Regierungen gerichteten Unternehmungen" sich betheiligt zu haben. So erfolgte ayr 24. April 1835 seine zweite Verhaftung; er wurde zuerst in's Gesängniß nach Friedberg und von da in's Arresthaus nach Darin - stadt gebracht, um das Licht der Sonne nicht mehr zu erblicken. Daß der bis jetzt unbekannte Herausgeber der im Verlage des literarischen Comptoirs in Zürich erschienenen Druckschrift, die so großes und so schmerzliches Aufsehen in Deutschland erregt hat, für seine Worte einzustehen bereit ist, ist den Lesern bereits bekannt. Die von verändern Seite erwarteten Entgegnungen werden, wie aus den Äußerungen deutscher Blätter zu schließen, hauptsächlich darauf hinausgehen, nachzuweisen, daß die Zürcher Broschüre sich bedeutender Übertreibungen schuldig gemacht habe. Ob dieses System ausreichen kann um die öffentliche Meinung zu versöhnen, wenn bis zu diesem Grade empörende Rechtsverletzungen an das Licht der Öffentlichkeit gezogen worden sind, daran möchten wir zweifeln. Der Tod des Pfarrers Dr. Friede. Ludwig Weidig. Seit Langem, so bezeugen bereits viele in deutschen Blättern laut gewordenen Stimmen, seit Langem hat keine Erscheinung der Presse so sehr das allgemeine Interesse erregt, in solchem Maaße die Gefühle der Humanität, den Sinn für Recht und Gerechtigkeit in Anspruch genommen, wie die in der Überschrift bezeichnte, mit Aktenstücken und urkundlichen Belegen reichlich ausgestattete Druckschrift. Wie man auch Weidigs politische Vergehen betrachten mag, und ob man die Ansicht, daß dieser hochherzige deutsche Mann, indessen Leben sich die aufopferndste Liebe so mannigfach bethätigt hat, von einer Jury freigesprochen worden wäre, nun theile oder nicht: so viel scheint außer allem Zweifel zu liegen, daß die Begnadigung, durch welche seine Mitgefangenen der Freiheit und dem Wirken im Kreise der Ihrigen zurückgegeben wurden, sich auch auf ihn, der Würdigsten einer, erstreckt haben würde, wenn nicht das Gesängniß selbst und die Leiden, die es für Weidig herbeiführte, ihn zur Verzweiflung getrieben hätten. Eine Zelle von 20 Fuß Länge und 15 Fuß Tiefe im neuen Gefängnißbau zu Darmstadt schloß, so meldet der vor uns liegende aktenmäßig belegte Bericht, denverhafteten Weidig ein; nur ein trübes Licht scheint in den Kerker gedrungen zu haben, M bei voller Tageshelle die ärztliche Sektion in diesem Raume nicht vorgenommen werden konnte. Und da der Gefangene am Abend weder Kerze noch Lampe hatte, so brachte er den größten Theil einer zweijährigen Gefangenschaft in Dunkel und Dämmerung zu. Verschiedene Umstände deuten darauf hin, daß er im Winter an Frost litt. Im Sommer 1836 durfte ihn noch einmal, zum letzten Male, der Sohn besuchen und mit ihm, auf den Armen der Amme, das einige Monate nach seiner Verhaftung geborene Töchterlein. Seine Gattin, die bis an den Hof des Arresthauses mitgekommen war, auch nur durch das Fenster sehen zu dürfen, wurde ihm verweigert. Er geriet!) dadurch in große Aufregung und äußerte, daß nichts ihm so hart erscheine, als diese Weigerung, weder die Entbehrung des Lichtes und des Schreibmaterials, noch auch das längere Tragen von Ketten. Der damalige Arresthausarzt war verhindert, ihn öfter zu sehen und hatte ihn fünf bis sechs Wochen vor seinem Hinscheiden zum letzten Male gesprochen. Mit seinem Untersuchungsrichter, Hr. Hofgerichtsrath Georgi, war der Unglückliche ln ein so unseliges Verhältniß gerathen, daß, nach Hrn. Georgi's eigner Äußerung, Weidig befürchtete, der Untersuchungsrichter würde ihn ganz in der Stille hinrichten lassen. Dieser qualvolle Zustand, verbunden mit einer durch die Obduction eonstatirten Gehirnkrankheit, steigerte Weidigö feiudseligeStimmung gegen den Untersuchungsrichter bis zu Äußerungen, deren nur ein Verzweifelnder fähig ist und die, wie das so gründliche Gutachten der medicini- schen Facultät der Züricher Hochschule hervorhebt, wie von einem Gesunden ausgehend bestraft und bedroht wurden. Zur Strafe wurde ihm die warme Kost für acht Tage entzogen und bei Recidiven mit schärferen Corrertionsmaßregeln, nach Befund selbst mit körperlicher Züchtigung gedroht. Eine der ergreifendsten Thatsachen ist, daß der mehrerwähnte Untersuchungsrichter Hr. Georgi nach einem pflichtmäßigen Zeugnisse der Ärzte, selbst seines Hausarztes, in den Tagen vom 30. Januar bis zum 2. Februar 1837, also wenige Wochen vor Weidigs Tod, dem entschiedensten Ausbruch des Säuferwahnsinns — äelu'ium tl'6M6N8 — anheimgefallen war, und da bei der Obduction Weidigs noch mit Blut unterlaufene Hautwunden gefunden wurden, welche die Gerichtsärzte als Folgen von dem grellen und heftigen Zusammenstoß „mit stumpfkantigen Körpern" erkannten und von denen das Gutachten der Züricher Facultät aussagt, daß sich Weidig dieselben nicht wohl selbst beigebracht haben könne, so lag wenigstens die in der vor uns liegenden Schrift geäußerte Vermuthung, daß Weidig kurz vor seinem Tode körperlich mißhandelt worden sey, sehr nahe. Als am 23. Februar 1837 der Gefangenwärter zur gewohnten Stunde, etwa um 7 H2 Uhr in Weidigs Zelle trat, fand er ihn in seinem Bette ausgestreckt, mit gefalteten Händen, im Blute. Der Untersuchungsrichter, Hr. Georgi, der um 8 Uhr mit einigen Gerichtöpersonen im Gefängniß eintraf, fand ihn mit blutbefleckten Händen und Blutspuren am Hals, noch athmend. In diesem Zustande wurde er anderthalb Stunden ohne Hülfe, ohne Bewachung sich selbst überlassen. Erst um 9 H2 Uhr wurde die Erhebung des Thatbestandes von Hrn. Georgi einem zweiten Inquirenten übertragen und gegen 10 Uhr fand eine Besichtigung durch die beschickten Legalärzte statt. Weidig wurde nun in einer ganz andern Lage gesunden; dichte Blutspuren im Zimmer ließen darauf schließen, daß der Verwundete noch hin und her gegangen sei. An einer der Wände fand man die später entzifferte Blutschrift: „Da mir der Feind jede Verteidigung versagt, so wähle ich einen schimpflichen Tod von freien Stücken. F. L. W." Statt der bloßen Blutspuren trug der Hals jetzt eine von den Ärzten näher beschriebene weitklaffende Wunde und auf dem Bette lag, neben dem Körper, der noch Zeichen von Leben gab, eine große mit Blut befleckte Glasscherbe. Die Gerichtspersonen schlossen ans unzweifelhaften Selbstmord und erst jetzt, nachdem ihrer Erklärung zufolge keine Rettung mehr möglich war, wurde die Bewachung Wei- dig's seinem Gefangenwärter übertragen. Die am 24. vorgenommene Obduction zeigte, daß die Halswunde nicht das Werk eines einzigen Schnitts, sondern einer langsam wiederholten Metzelei mittelst einer Glasscherbe sei, und in einem Gutachten vom 2. März erklärten die Gerichtsärzte: „es ergebe sich mit Gewißheit, daß die Halswunde nach 8 Uhr (bei der durch Hrn. Georgi vorgenommenen Untersuchung) noch lange nicht bis zu dem Grade von Ausdehnung gebracht war, als dieselbe bei der Le- galuntersttchung um 10 Uhr gesunden wurde" und die Möglichkeit Weidig bei schleuniger Hülfe zu retten, wird von denselben außer Zweifel gesetzt. So starb Weidig. Ihm folgte bald seine edle Gattin mit gebrochenem Herzen nach. Von seinem reichen Gemüthe geben die in den ersten Zeiten seiner Gefangenschaft an die Seinigen gerichteten Briefe und Gedichte, die rührendste Beweise.*) Sein späteres inneres Leben, was er dachte, was er fühlte und litt, blieb bis jetzt verhüllt, denn seine letzte Hinterlassenschaft, zahlreiche an seine Gattin gerichtete Briese und Gedichte wurden der Wittwe und später auch seinen Geschwistern versagt. Sein jüngster Bruder, der Landgerichtsassessor Weidig hat es übernommen, eine gerichtliche Untersuchung gegen Hrn. Georgi hervorzurufen. Zur Begründung seiner Klage trat er mit so gravirenden Beschuldigungen hervor, daß Hr. Georgi hinwieder Klage führte und nicht gegen ihn, sondern gegen Herrn Assessor Weidig eine Untersuchung eingcleitet wurde, welche mit der Verurteilung des Herrn Ass. Weidig zu 16 fl. Gelostrafe, wegen Amtsbeleidigung Georgi's endete. Russisches Wesen und Unwesen. Ein geistreicher Franzose hat neulich die Bemerkung gemacht, daß alle Russen, wie sie sich im Auslande befinden, gleich Diplomaten werden und Politik machen, vor der sie sich daheim hüten, wie gebrannte Kinder vor dem Feuer. Es kann wohl auch nicht anders sein; denn wenn man die unzähligen russischen Agenten beobachtet, von denen es nicht nur hier in Paris, wo ihre Zahl Legion ist, sondern in ganz Europa, ja, in allen Theilen der Welt wimmelt, so kann man unmöglich glauben, daß sie alle aus der kaiserlich russischen Staats-Cassa bezahlt werden; denn diese müßte dann wenigstens die Kunst erfunden haben, Gold zu machen. Die Beschäftigung dieser Diplomatie - Dilettanten heißt dem russischen Kunstausdruck gemäß: „Europa studire n." Die ungebildete öffentliche Meinung belegt das Ding mit einem andern Namen, der mit S p anfängt, und so wie Spähen und Spüren klingt. Überhaupt muß man die russische Diplomatie, in allen Städten Europa's überall eher suchen, als in den russischen Botschafts-Hotels. So war z. B. hier in Paris der Graf Pozzo di Borgo nur der offizielle Repräsentant seines Herrn, aber im Hintergrund wirkten und agirten der Graf Pahlen, sein späterer Nachfolger, die Fürstin von Lieven und Andere. Auch jetzt machen *) So richtete er iin Frühling 1835 unter andern folgende Strophen an seine Gattin: Wie der goldne Sonnenstrahl Freundlich durch die Gitter blinket! Wo er spielt im Wiesenthal, Wo er dem Gefangenen winket, Thut er Liebe kund und Freiheit. Könnt' ich, goldner Strahl, durch dich Ein'n Blick von ihr erlangen, Die sich einsam härmt um mich Und mich Fernen möcht' umfangen, Mit dem Gruß der Lieb und Freiheit. Könnt' ich, goldner Strahl, durch dich Friedensgruß der Themen bieten > Ja, sei du mein Bote, sprich: Dir im Herzen wohnt dein Frieden Durch den Gott der Lieb und Freiheit. die Herren Völkersam, Tolstoy, Gretsch und lulti quunti mehr Diplomatie, als der russische Geschäftsträger Graf Kisseleff und der General-Konsul von Spieß. Man hat keinen Begriff von der Thätigkeit dieser Agenten und welchen reichen Schatz von Nachrichten, Dokumenten und Resultaten aller Art sie jeden Monat nach Sankt-Petersburg schicken. Wäre der heitere Himmel, das schöne Klima Italiens für Gold zu kaufen, schon längst hätten die russischen Agenten es an sich gebracht und wohl emballirt nach Petersburg geschickt. In Deutschland ist dieses russische Agenten-Weseu sehr behutsam und maskirt; hier in Paris tritt es ganz offen und ungenirt, wiewohl mit aller diplomatischen Feinheit aus. Französische Schriftsteller werden zum Besuche der Newa-Stadt eingeladen, den französischen dramatischen Künstlern macht man weiß, daß sie in einer Saison Millionärs werden können; die Coulissen- Agenten sprechen wie die ehemaligen Rekrutenwer- ber. „Stellen Sie sich vor," erzählte neulich ein solcher Agent in den Coulissen des Varletöö-Theä- ters, „der Schauspieler Paul, der Liebling des Kaisers, ward neulich krank, und Kaiser Nikolaus schickte sechöMal des Tages, sich nach seinem Befinden zu erkundigen, jedes Mal war die Erkundigung von einem kostbaren Diamantschmucke begleitet." — Eiu anderer Agent fügte gleich hinzu : „Ja, in Petersburg hat auch Dlle Georges jene wunderschönen Brillanten bekommen, die die Parisex so oft blendeten." — Geht man hier jetzt in Gesellschaft, so tritt einem sogleich ein Russe entgegen und hält einem ein Buch wie eine Pistole auf die Brust, mit der Frage: „Haben Sie schon das Buch des Herrn von Gretsch gegen Custine gelesen?" Sagt man: „Nein!" so hat man das Buch auch schon in der Rocktasche und es heißt: „Lesen Sie es, das ist ein herrliches, ein prächtiges, ein himmlisches Buch." — Sagt man: „Ja, ich habe es schon gelesen," so bekömmt man das Buch dennoch aufgezwungen, mit der Bemerkung: man möge es noch einmal lesen, es sei gar zu schön. Genug, man entgeht dem Buche des Herrn von Gretsch nicht. Jedes neue Buch über Rußland bringt diese Agenten-Armee in Bewegung, und eben jetzt ist sie wieder in fieberhaft krampfhafter Aufregung, denn ein neues Buch über Rußland ist erschienen, und dieses Mal soll es Enthüllungen enthalten, die alles von Custine Geschriebene weit übertreffen. Dieses Buch, von dem schon vor vielen Monaten in französischen und deutschen Blättern die Rede war, und das » 16068 Ü6 17.U88I6" heißen sollte, führt nun der zum Ekel gesteigertenMysterien-Maniewegen denTitel: « 11.ussi6, —— IHaneo; Hsvölalionü ckiplomaticxues, r6cki^666 sur les nol6s ck'un vienx Oiplomule; par Nare^oul-iüec. « Die erste Auflage dieses Buches wurde hier in drei Tagen vergriffen, die zweite ist nun eben ausgegeben, — wahrscheinlich wird dies interessante Buch auch noch eine dritte und vierte Auflage erleben. Bei Gutsch und Rupp in Carlsruhe sollte, wie schon in allen Zeitungen zu lesen war, eine deutsche Übersetzung erscheinen, allein schon bei dem Drucke des zweiten Bogens legten sich, man sagt auf Reklamation der russischen Gesandtschaft, die badischen Behörden insMittel und bedeuteten den Herrn Gutsch und Rupp, sie möchten mit dem Drucke aufhören, denn das Werk würde augenblicklich confiscirt werden. — Diese Übersetzung unterbleibt also jetzt. Rußland ist doch allmächtig in Deutschland. 3 Ängstlichkeiten und Rückschritte in Berlin. Der Herr Justiz-Minister Mühler, welcher sich früher den Ruf eines aufgeklärten und dem vernünftigen Fortschritt, auch der Mündlichkeit und Öffentlichkeit des Gerichtsverfahren geneigten Staatsmannes verschafft, scheint mit dem in Berlin grasfirenden Krebsgänge der Verwaltung jetzt Hand in Hand zu gehen. Das Rescript des Justiz-Ministers Mühler, wodurch derselbe den preußischen Advokaten und überhaupt sämmtlichen ihm untergebenen Beamten streng untersagt, der in diesem Jahre in Mainz stattfindenden Versammlung der deutschen Advokaten beizuwohnen, hat in ganz Deutschland eine große Sensation erregt. Die „Augsburtzer Zeitung" bestätigt dies vollkommen und die Blätter aller Farbe leugnen den dadurch hervorgebrachten Eindruck nicht. Das Verbot des Ministers Mühler bietet aber auch eine vielfache Offenbarung. Was den Ärzten, Naturforschern, Gelehrten, Künstlern, u. s. w. erlaubt ist, wird den Advokaten verboten. Warum? Findet ein Mißtrauen gegen den Advokatenstand statt und ist es klug ein solches Mißtrauen offenbar durch ein Ministenalrescript an den Tag zu legen? Überdem wollten ja die in Mainz zusammenkommenden Advokaten keineswegs ungesetzlich auftreten, sondern sich nur zur Einigung des deutschen Gesetzes berathen, Gedanken austauschen und sich praktische Ansichten gegenseitig mittheilen. Worin liegt hierin etwas Strafbares und eine Verpönung, ein Verbot Verdienendes? Sind die Advokaten nicht meist gereifte Männer, welchen eine solche stete Bevormundung peinlich sein muß? Ist es in Deutschland so weit gekommen, daß wenn wissenschaftlich gebildete Männer zum Austausche einer einheitlichen deutschen patriotischen Idee ohne allen Anflug von Partheistreben zusammentreten, alsbald die Sicherheitspolizei einschreitet und Feuerlärm schlägt? Über die Ungesetzlichkeit des Verbots des preußischen Justiz-Ministers haben sich ebenfalls in und außer Deutschland kräftige, ernste Stimmen erhoben ; aber die Tendenz besonders ist zu bedauern, welche also jeder geläuterten Association zur Bildung gemeinsamen deutschen Gesetzes entgegentritt. Warum das Wort Einheit von Deutschland so oft auf der Lippe, und Besorgniß und alten Schlendrian im Herzen tragen? Der Theil UI der allgemeinen preußischen Gerichtsordnung, auf welchem der Minister in seinem Rescripte hinweist und zu fußen scheint, ist übrigens in seiner Abfassung keineswegs der Art, daß dieses Rescript nicht eine willkürliche Deutung und Deutelei zu nennen ist. Auf den rheinischen Advokaten findet derselbe übrigens gar keine Anwendung, indem diese nicht der allgemeinen preußischen Gerichtsordnung unterworfen sind, sondern ein ihnen gesetzlich garantirteö, beschwornes Gesetzbuch besitzen. Die rheinischen Advokaten sind demnächst in Berlin eingekommen, um zu fragen ob das Verbot sich auch auf sie erstrecke. Die offizielle Antwort ist uns noch nicht bekannt. Buntes und Spitzes Der Fürst von Fürstenberg hat der Stadt Frei- bnrg im Breisgau 4 000 Gulden geschenkt, um von dem Ertrage dürftigen Handwerkern, dasigen Bürgern und Bürgerssöhnen, die ohne ihr Verschulden außer Stande sind, das zum ordentlichen Betriebe ihres Gewerbes nöthige Handwerkszeug oder Material sich anzuschaffen, die zu diesem Zwecke nöthige Unterstützung zu gewähren. Wir sehen mit Vergnügen, daß ein Theil der Reichen im deutschen Vaterlande seine Aufmerksamkeit dem Nothstande der arbeitenden Klassen zuwendet und ein gutes Beispiel zu Unterstützungs- Vereinen auf praktischen Grundlagen giebt, statt in frivolem oder puristischem Wesen zu verharren. Die „Bremer Zeitung" schreibt aus Berlin vom 22. Februar über das Ausscheiden des russischen Finanzministers von Cancrin. Diese Angaben stimmen ganz mit denen der wahrheitsstrotzenden Broschüre : Uussie, ^Olemußne et krunee überein, indem des Grafen Cancrin Ausscheiden aus dem russischen Cabinet das russische empörende Prohibitiv- System gegen Deutschland nicht ändern wird. Die Noten des preußischen Gesandten, Herrn von Liebermann, sind deshalb in Petersburg fruchtlos geblieben. Ebenso bestätigt diese Correspondenz vollkommen, was die Broschüre von Marc-Fournier über die Oberleitung der Geschäfte in Petersburg sagt. Diese liegt nicht sowohl in der Hand der Minister als in derder Adjutantendes Kaisers, namentlich des Herrn von Benkendorf, auch Chef der geheimen Polizei und des.Grasen von Orlof. Der Kaiser will auf irgend eine Weise Mitglied des deutschen Bundes werden; dieser bereits alte Gedanke um Rußland noch mehr Einfluß in Deutschland zu schaffen, verdient von der öffentlichen Meinung in Deutschland nicht außer Augen gelassen und stets bekämpft zu werden. Der König von Baiern hat bestimmt 220 000 Gulden aus seiner Privatchatoulle zu entnehmen umvon Jahre 1845 an in 10 Jahresfristen 100000 Gulden für die Herstellung von Fresko-Bildern und 120 000 Gul. für die übrigen Verzierungen des alten Kaiserdoms von Speyer zu verwenden. Wir gehören nicht zu den erclusiv Tadelnden und sehen daher mit Freuden, daß alte vaterländische Denkmäler geschützt und der Nachwelt anfbehalten werden. Die „Neue Züricher Zeitung" meldet, daß Georg Herwegh jetzt basellandschafter Bürger geworden. Die Papiere aus Würtemberg, die Entlassung aus dem dortigen Bürgerverbande enthaltend, sind bei dem Landrath in Liestal eiugetroffen und derselbe hatte keine weitere Gründe die Naturalisation zu verweigern. Es ist immer eiu bedauerliches Zeichen, daß deutsche Laudeskinder gezwungen werden im Auslande sich ansässig zu machen, um sich wenigstens eine gesetzliche Heimath zu schaffen. Von Metternich hört man, haß seine Geisteskräfte bedeutend abgeuommen haben; in seinen Salons zeichnen sich die Damen v. Flahaut, v. Canitz und v. Sambuy, die Gemahlinnen der Gesandten von Frankreich, Preußen und Sardinien, dadurch aus, daß sie die kleinen Jntriguen, zu denen sich der österreichische Hof versteht, mitspinnen, und daß sie in der Regel keine Unterröcke tragen. Besonders einflußreich soll die sardinische Gesandtschaft sein. Man hört immer wieder von Neuem über Verletzung des Briefgeheimnisses klagen. —Widersprüche und Jrrthümer! Frühan einem kalten Morgen aufzustehen, wenn man nichts zu thun hat. — Im Wasser bis an die Kniee zu stehen und Forellen zu fangen, wenn man sie auf einem reinlichen, trocknen Markte kaufen kann. Ein Pferd von einem Verwandten oder Freunde zu kaufen und ihm jedes Wort zu glauben, das er zum Lobe des Thieres sagt, das er gern los sein möchte. Einen Sohn auf Reisen zu schicken, der die Geschichte, Einrichtungen, Sitten und Sprache seines Vaterlandes nicht kennt. Im Bett zu liegen, bis zehn Uhr, dann ein gutes Frühstück einzunehmen, einen kleinen Ausgang zu machen, sich an eine gutbesetzte Tafel zu setzen, bis Mitternacht Karten zu spielen, noch einmal ein reichliches Abendessen einzunehmen und sich zu wundern, daß man sich unwohl fühlt. Jemandem, von dem man Geld borgen will, zu sagen, man sei desselben höchst bedürftig. Anekdote. Kaufen sie dieses Kleid, meine schöne Dame, sagte ein Kaufmann; das Zeug hält ewig, und dann können Sie immer noch einen Schlasrock daraus machen lassen. Nordarrrerikariische Zeitungsschau. Die schwarzen Republikaner in Haiti reden Niemanden als Herrn an, eben so wenig unterzeichnen sie sich in Briefen als Jemandes Diener. Ihr Gruß ist stets: Bürger, Freund oder Bruder! Das Parktheater in New-Uork soll in eine Kirche verwandelt werden. (Bei uns umgekehrt.) Im Stadtgefängnisse von Petersburgh, Va., einem blühenden Platze mit 13000 Einwohnern, befand sich am Anfänge dieser Woche nicht ein einziger Gefangener. (Deutsche Republ. v. 17.Febr.) Eine Virtuosin. In New-Uork entzückt gegenwärtig eine Pianofortespielerin, Fräulein Gsertz, eine Norwegerin, die musikalische Welt. Sie ist eine Schülerin Kalkbrenners, und gehört somit in den Kreis derjenigen Künstler, die nicht sowohl nach Effekt in der Erecution Haschen, als nach kunstgemäßem Vortrage klassischer Musik streben. Die Buchdrucker müssen sich schon mit dem Gedanken trösten, daß sie trotz der durchschnittlich kurzen Dauer ihres Lebens, des Guten so viel verrichten, als andere Stände bei einer viel längeren Lebensdauer. Sie werden nämlich im Durchschnitte nicht älter als 31 Jahre, während im Durchschnitte die Lebensdauer der Bauern sich auf 66, der Geistlichen auf 55, der Fischer auf 44, der Matrosen auf 43, der vornehmen Müßiggänger auf 58, der Advokaten auf 53, der Ärzte aus 57, der Tagelöhner auf 51, der Metzger aus 62, der Kauflleute auf 60, der Maler auf 42 Jahre beläuft. Nur Dichter und Pulvermüller leben noch kürzere Zeit als die armen Buchdrucker; letztere fliegen schon im 24. Jahre in die Lust, die Dichter aber steigen im 30. in den Olymp. Unterricht. Im Staate New-Uork besuchen 657 782 Kinder die Freischulen; in der Stadt New-Uork allein beläuft sich die Zahl der Freischüler auf 47 428. Privatschulen werden von 64105 Kindern besucht. Auf die Stadt New-Uork kommt ungefähr die Hälfte der letzteren. Ein praktischer Denker hat berechnet, das die Fälle des Niagara eine Wasserkraft von 4533334 Pferdekräften besitzen. Die Gesammtkraft aller gegenwärtig in England bestehenden Maschinen beläuft sich nur auf den 20. Theil jener Kraft. Was ließe sich nicht alles mit der Kraft des Niagara aus- richten, wenn man nur Mühlräder hätte, die einem Wasserfalle von 4 und einer halben Million Pferdekräften Widerstand leisten könnten. Aus dem Staatsgefängnisse von Missouri, zu Jefferson, sind am 14. Januar abermals 20 Gefangene entsprungen. Neunzehn derselben wurden durch die rührige Mithülfe der^Bürger von Jefferson wieder zur Haft gebracht. Der zwanzigste entkam aber glücklich, obgleich ihm ein Dutzend Kugeln von seinen Verfolgern nachgesandt wurden. Dies ist, glauben wir, der sechste Fall, daß Gefangene aus jenem Gefängnisse ausbrachen. Ein Uankee-Zeitungsschreiber sagt: Die Civi- lisation schreitet voran, langsam zwar, aber sicher, wie ein hungriger Esel einem Simri Hafer entgegen geht. _ Die „Evening - Post" macht auf den beunruhigenden Umstand aufmerksam, daß der Saitors Snug Harbor Trust mit der Zeit ausschließlicher Besitzer der Stadt New-Uork sein werde. Dieses Vermächtniß besitzt bereits 13 Acker Flächenraum von der Bowery-und Washington-Square bis zur 10. Straße. Das bedeutende Einkommen aus diesem Vermächtnisse (bestimmt zur Unterstützung alter arbeitsunfähig gewordenen Seeleute des hiesigen Hafens) wird dem größten Theile nach nicht verbraucht; das Kapital mehrt sich jährlich und die Verwalter kaufen beständig neue Grundstücke auf. Der „Charlesion-Courier" enthält Folgendes: „Meine Herrn Herausgeber! Es mag vielleicht der Erinnerung einiger Ihrer Leser nicht ganz entfallen sein, daß vor ohngefähr 6 Monaten in Ihrem Blatte ein Paragraph, einem nördlichen Blatte entnommen, erschien, worin behauptet war, daß So- bry, der berüchtigte ungarische Räuberhauptmann, gegenwärtig unter dem Namen Alexander Papp als Apotheker in Charleston lebe. Die Wirkung einer solchen Anschuldigung aus meine Gefühle läßt sich leicht denken. Ich stellte sogleich dem Mayor der Stadt und dem preußischen Consul den Paß zu, welchen ich in meinem Besitze hatte und die unbedingte Falschheit des Berichtes erwies, und erhielt von diesen Herrn ein dahin lautendes Certifikat. Ich war jedoch entschlossen, mich hiermit nicht zu begnügen und schrieb augenblicklich an meinen Vater in Buda, um von dem Stadtrathe dieses Orts ein Zeugniß zu erlangen. Dieses Zeugniß ist mir so eben zugekommen. Es ist in lateinischer Sprache abge- saßt, in welcher in Ungarn alle öffentlichen Dokumente geschrieben werden. Ich habe es von einem Herrn hiesiger Stadt übersetzen lassen und schicke Ihnen diese Übersetzung zur Veröffentlichung. Das Original ist in meinem Besitz und liegt der Prüfung eines jeden offen, der es zu sehen wünscht. Ich hoffe, meine Mitbürger werden daraus erkennen, daß der oben erwähnte Bericht durchaus verläumderisch und falsch war, und ich füge blos bei, daß meine Familie in der Heimath den Urheber ausgefunden und ihn zur Strafe des Gesetzes gezogen hat. Ich bin, meine Herrn, Ihr und des Publikums gehorsamer Diener Alexander Papp." Eine preußische Colonie. Es wird unfern Lesern nicht unangenehm sein, nachstehenden Bericht aus dem „Niagara Courrier" zu vernehmen. Eine Anzahl preußischer Einwanderer, bestehend aus 86 Familien und nahe an 400 Personen, haben über 1800 Acker Land bei der Stadt Wheal- field gekauft, auf welchem sie bereits sich niedergelassen haben und das Land bebauen. Dieser Strich Land, der meistens wild ist, wurde in kleine Farmen ausgelegt, und der Wald wird bald lachenden Feldern und Gärten Platz machen. Diese Einwanderer sind Glieder der lutherischen Kirche, über welche die preußische Regierung Strafen und Büßungen verhängt und, in ihrem Despotismus und Intoleranz versunken, mit der größten Strenge au sübt. Es ist nämlich in ganz Preußen auf Befehl der Regierung die reform. und luth. Kirche in Eine vereinigt, unter dem Namen „vereinigte evangelische Kirche." Durch Verfolgung aus ihrem Vaterlande vertrieben, landeten sie an unserer Küste, belebt von demselben Geist wie unsere Voreltern, die Pilger von Plymouth, um sich unserer Freiheit und Segnungen theilhaftig zu machen. Es sind tugendhafte, fleißige und fromme Leute. Als Beweis hievon kann angeführt werden, daß sie bereits eine Kirche und ein Schulhaus bauen, und einen Prediger und Schulmeister mit sich gebracht haben. Ihnen werden noch Hunderte ihrer verfolgten Brüder folgen, welche ein herzliches Willkommen von unserer Seite erhalten werden. — Möge der Gott ihrer Väter über ihnen wachen und sie in ihrer neuen Heimath beschützen! (Christ. Apologete.) Die Cunard Dampfboote. Diese zwischen Boston und Liverpool fahrenden Boote haben in dem verflossenen Jahr 1100 Passagiere nach Boston und 700 nach Liverpool befördert, welche zu 125 Doll, die Person die Summe von 280000 Dollars bezahlten. Die Fracht und 5 000 Doll. Briefgeld, schwellen die Einnahmen der Eigenthümer auf wenigstens eine halbe Million. Entführung. Ein fünf und sechzigjähriger Baumwollenspinner in Walpole, Mass., der eine zahlreiche Familie zu Hause hat, ist mit einem hübschen zwei und zwanzigjährigen Fabrikmädchen davongelaufen, — nein, im Schlitten davon gefahren, und noch nicht wieder zurückgekommen. An die Freunde der gesellschaftlichen Reformation. Die Unterzeichneten, im Glauben an die Ausführbarkeit des Gesellschafts-Systems, welches von Karl Fourier in Frankreich entdeckt und durch Albert Brisbane in New-Uork bekannt gemacht wurde, wünschen eine Gesellschaft nach den Grundsätzen dieses Systems aus einem Landgebiet in der Nachbarschaft von Cincinnati zu bilden, sobald sich-eine gehörige Anzahl von schicklichen Mitgliedern mit hinreichendem Capital eingefunden haben wird. Damit wir daher vergewissern mögen, ob ein gewisser Betrag von Capital und eine gewisse Anzahl von Personen, die nach unserm Urtheil zu einer glücklichen Ausführung dieses Systems nöthig, zu finden find, haben wir hierunter unsere Namen, Alter, Beschäftigungen, die Zahl, Alterund Geschlecht unserer Familien, den Betrag von Stock, den wir zu nehmen, und die Gattung von Eigen- thum, die wir dafür auszuwechseln wünschen, gesetzt, und zugleich ob wir einwohnende Mitglieder oder nicht einwohnende Stockhalter zu werden verlangen. (Deutsch. Republ.) Hmnburger Spiel-Annoncen. Die französischen Annoncen-Unternehmer machen mit den ihnen aus dem Spielnest Homburg zugc- sandten Anzeigen sehr gute Geschäfte. Die Lobpreisungen werden theuer bezahlt, und wir schämen uns diesen Skandal aus Deutschland zu uns nach Paris dringen zu sehn. Man sendet unserm Blatte ebenfalls eine solche Spielpacht- und Homburger- Lockvogel-Anzeige. Obgleich diese Anzeigen sehr reichlich linienweis bezahlt werden, so wollen wir mit solchem Schmutz unser Blatt nicht besudeln und bitten uns ferner mit der Art Spielpächterei- Unfug zu verschonen. Wir wollen solchen Gewinnst nicht und hoffen, daß das trübseelige Beispiel lasterhafter Spieltoleranz, welches der Landgraf von Hessen-Homburg in seinem kleinen Ländchen gibt, von der deutschen Presse so lange gebrandmarkt werde, bis dem Unwesen endlich Einhalt geschehe. Was thut bei dem allen der deutsche Bundestag? Nichts! Nichts in der hannöver'schen Sache, nichts für Amnistie, nichts für ein allgemeines Preßgesetz, nichts gegen die Spielbanken. Wozu ein solcher Bundestag, der das ganze Jahr hindurch seine Ferien hält? denn von der Wirksamkeit des Bundestags wird dem Publikum in Deutschland jetzt wenig bekamrt. Magnetische S^anee. Morgen, Sonntag d. 17. d., findet im Athönee Royal eine Leanee äe NnAnsti8M6 der bekannten ^ Somnambule Madame Tee men aus Mexiko statt, r Billets sind im Athenee Royal und in der Uue ^ Laint-Oeor^es, 8, zu haben. k C ingegangene Beiträge zum deutschen Külfs Verein. Übertrag. . . Fr. "E. 2567 45 Dr. Jmmerwahr aus Breslau. . . 10 Fedor Skutsch aus Breslau. . . . 5 H. Gerson ans Berlin .... . 10 Krohn aus Berlin. . 10 B. Wolff aus Berlin. . 10 Mackendorff aus Leipzig. . . . . 10 H. Jmmerwahr in Paris (jährlich) . 23 Baron von Delmar . . . . . . 50 Summe. . . 2697 45 Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. Parts, Mittwoch Nr. 23. 5 s 20. März 1844 Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 13 „ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. ^ L W lk ^ ^ Man abonnirt; für Paris: im Dureau ventrsl ^our I'^IleniSAire, I N6 lies MciuUus, 32. und in der Buchhandl. von Fules Lenousrä et rus cie lournin, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Mutik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am ErscheinungS-Lage, an unsere auswärtigen und Pariser Abonnenten durch die Post. —Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzcigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgclder und Briefe wollen franco : « An die Nedaction des Journals: Vorwärts, 32, ruo ti68 Nou!i n8 in Paris » eingcsendet werden. Skizzen aus der deutschen Gegenwart. 3) Unser Blatt in Deutschland. Schließt alle Thore, zieht die Brücken auf. Verrammelt Thür und Fenster, Luck' und Giebelloch! Der Fcinv ist da. — Es regnet Verbote.unseres Blattes in Deutschland, man will uns mit aller Gewalt zu Märtyrern machen und uns Abonnenten verschaffen, — denn was wird in Deutschland wohl mehr gelesen, als eben Verbotenes? Die preußische Regierung, in allen Rückschritten jetzt die erste, erließ schon vor Erscheinen der ersten Nummer unseres „Vorwärts" an alle Gränz-, Post- und Polizeiämter den Befehl auch nicht ein Exemplar nach Preußen durchzulassen; eine große Anzahl von Exemplaren, die wir auf Bestellung durch die Post dahinschickten, kam von Aachen aus mit der Weisung an uns zurück, uns Mühe und Porto zu ersparen, indem Alles von der Gränze zurückgewiesen werde. Unter jenen an der Gränze uneröffnet zurückgewiesenen Nummern, befanden sich Exemplare für fremde in Berlin rest- dirende Diplomaten, zu deren Gunsten nicht einmal eine Ausnahme gemacht wurde. In Trier wurden die Exemplare von der siebenten Nummer an von der Polizei auf der Post abgefordert und behalten; — Wirerlauben uns zu fragen: mit welchem Rechte Letzteres? Endlich wendete man sich, nachdem alle Quellen der Post-Erpedition sorgsam verstopft worden waren, voll Besorgniß vor der Expedition durch den Buchhandel, an die sächsische Regierung, um das Blatt in Leipzig, dem Central- Punkte des deutschen Buchhandels, mit einem Interdikte belegen zu lassen. Das neueste Buchhünd- lerbörsenblatt bringt nun auch wirklich ein Ausschreiben des Leipziger Stadtrathes an die dortigen Buchhändler, wodurch, „da ein hohes Ministerium des Innern nicht gemeint sei" diesem Blatte die Eingangserlaubniß zu bewilligen, selbe vor dem Debit und Auflegen unseres Blattes gewarnt, und bei schweren Strafen aufgefordert werden alle ihnen zu Händen kommenden Exemplare sogleich auszuliefern.— Wir haben auf diese Gefälligkeits-Äußerung der sächsischen gegen die preußische Regierung gar nichts zu erwiedern, wünschten aber nur, daß der Aktuar der?das^.Ausschreiben absaßte, ein besseres Deutsch lernen und schreiben möchte, damit das sächsiche Deutsch, die eigentliche reine toskanische Mundart unseres Vaterlandes nicht durch solche Edikte im Haarzopfstyle in Mißkredit kcmmen möge.— Auch die freie (?) Stadt Lübeck hat ein ähnliches Acht- und Bannschreiben gegen unser Blatt erlassen; — wahrscheinlich danken wir dieses Verdammungsurtheil der gut russisch gesinnten freien (?) Stadt Lübeck unserm unermüdeten Ankämpfen gegen die russischen Umtriebe in Deutschland. Ostreich, Würtemberg, Baden, Baiern benehmen sich bis jetzt mit großer Klugheit und Mäßigung, uuse^ Blatt nicht verfolgend und absolut verbietend, aber auch nicht fördernd und begünstigend, sie betrachten es als eines der nicht zu unterdrückenden Zeichen der Zeitbedürfnisse und fühlen sich zu ruhig und vor Allem zu stark um durch kleinliche Verfolgungen und Neckereien zu zeigen, daß ein großer Staat mit seinen Armeen, Kanonen und seiner moralischen Macht vor einem kleinen zwei Mal wöchentlich erscheinenden Blatte sich fürchte. Es geht überhaupt nichts über die Konsequenz im lieben Deutschland : in Leipzig so wie in vielen andern deutschen Städten liegt der französische „National", der offen die Republik und den Umsturz aller Throne predigt, in allen Lesezirkeln und Museen offen aus; das Pariser „Charivari," das sich vorzugsweise das Königthum zur Zielscheibe seines schneidend scharfen Witzes gemacht hat, ist erlaubt, — aberunser „Vorwärts," das ruhig, gemäßigt und anständig deutsche Zustände bespricht, ist bei schweren Strafen verboten. — Warum? weil wir deutsche Zustände besprechen; — das ist der wunde Fleck, den man nicht berühren darf; ja rüttelten wir am französischen Throne, pro- klamirten wir eine französische Republik mit Jakobinermütze und Guillotine, Maximum und Assignaten, man würde unserm Blatte durch die Finger sehen; machten wir schlechte Witze auf den greisen König Frankreichs, dessen Klugheit und Mäßigung allein Europa seit vierzehn Jahren die Erhaltung des Friedens dankt, — unser Blatt würde in gewissen Zirkeln mit Entzücken gelesen und allerhuldreichst belächelt werden; — aber wir sprechen von Deutschland und Rußland, von deutschen Rückschritten und russischen Fingerzeigen, von deutschen Fürsten und russischen Verwandtschaften, von nicht zu hoffender Preßfreiheit und herannahender Knute, mit einem Worte: wir lieben unser Vaterland, und — wessen das Herz voll ist, dessen geht der Mund über — wir sprechen auch gern davon. — Das aber ist unser Verbrechen und deswegen wird unser Blatt verboten, während die französische Negierung den schärfsten Kritiken ihrer Handlungsweise, ja oft offenbaren Verläumdungen und gehässigen Angriffen in censurirten deutschen Blättern noch nie den Eingang in ihre Staaten verboten hat. Man konnte und kann in deutschen Zeitungen mit Genehmigung der wohllöblichen Censur Es- partero, den rechtmäßigen Regenten Spaniens, einen Scharfrichter nennen, plumpe Witze über den Besuch der Königin Victoria in Eu machen, den König der Franzosen „verschmitzt" und Schlimmeres noch nennen; aber nur nichts von dem Treubruche Ln Hannover, von der Junkerregierung in Braunschweig, von den Rückschritten in Preußen, und vor Allem nichts von dem allseitigen hohen Verwandten, dem Russen'*). — Wir haben bei dieser Gelegenheit eine Versicherung zu geben und eine Frage zu stellen;— letztere an unsere Leser,— erstere an die deutschen Regierungen. — Wir fragen unsere Leser jetzt, wo ein Vierteljahrgang unseres Blattes fast schon vollständig vor ihnen liegt, haben wir je die Gränzen der freimüt higen und anständigen Besprechung, wie sie der König Friedrich Wilhelm l V. seinem Volke zusicherte, überschritten? haben wir je Umsturz des Bestehenden gepredigt, Krieg dem Königthum", der Religion, der gegenwärtigen socialen Ordnung erklärt; haben wir die Gesetze der Moral, der Schicklichkeit verletzt? Wir legen ruhig die Hand auf das Herz und sagen: Nein! Wir haben ruhig und vernünftig zu *) Zur Bekräftigung geben wir hier eine Notiz aus dem in Mainz erscheinenden „Rheinlande" Nr. 30 , wo es heißt : ,,Zu Berlin (aho mit königl. preußischer Censur) ist ein Schrittchen erschienen, weiches auf eilf Seiten den adeligen Unsinn mit vollem Maaße über seine Leser ausgießt. Es heißt ,,Reaction und Adel"; und es wird darin der König von Hannover gelobt, ferner beklagt daß Ludwig Philipp noch nicht ermordet sei, endlich auch die Schweiz beschimpft, und behauptet, die österreichischen Ritter seien von den Eidgenossen bei Sempach nur deßhalb geschlagen worden, weil sie vom Pferd gestiegen, und „sich dadurch dem Bauer gleichgestellt habend Gunsten aller jener Reformen gesprochen, die irr Deutschland die öffentliche Meinung von Jahr zu Jahr lebhafter und dringender verlangt, Reformen mit deren Erfüllung die Regierungen die Völker wohl noch eine Zeitlang Hinhalten können, aber sie endlich doch zugestehen werden müssen. Wir haben nk Umsturz der Throne gepredigt, sondern Befestigung derselben durch zeitgemäße Institutionen gewünscht und angepriesen; wir haben nie der Moral Hohn gesprochen, sondern die Erfüllung gegebener Versprechungen als etwas Heiliges, das herzliche Vertrauender Völker zn der Ehrlichkeit ihrer Fürsten als Grnndzug des deutschen National-Charakters, wechselseitige Liebe zwischen Fürst und Volk als erste Regierungs-Bedingung aufgestellt; — ist das Alles unmoralisch? — Trotz des strengen Verbotes sind eine große Anzahl Exemplare unseres Blattes mit unserm freimütigen Urtheile über den „König von Preußen und sein Volk" nach Berlin gekommen; man hat gelesen, uns vollkommen beigepflichtet, und nur in einem gewissen Kreise sich zu Unmuth und Mißstimmung Hinreißen lassen, — nicht weil wir übertrieben, verzerrten, verläumdeten, sondern weil man fühlte, daß wir die Wahrheit sprächen. Läsen die deutschen Fürsten selbst unser Blatt, glaubten sie nicht Berichten, die oft von mißmuthigem Spleen, gefaßtem Vorurtheile, systematischer Antipathie gegen alles Nicht-Censurirte ihre Färbung erhalten, — wir sind gewiß, unser Blatt wäre nicht verboten und dürste Manches Gute wirken. Unfern Lesern versichern wir, daß wir trotz aller Verfolgungen, Anfeindungen und Neckereien auf diesem ruhigen gemäßigten Wege fortfahren und uns durch Nichts irre machen lasten werden. — Den deutschen Regierungen aber geben wir die Versicherung, daß rhre Besorgnisse ganz ungegründet sind, daß unser Blatt gar nicht für Deutschland bestimmt ist, sondern in Paris, in den Departements, in England und in der Schweiz, in Belgien und Holland, ja selbst in Nord-Amerika Abonnenten genug hat, um anständig bestehen zu können. Daß uns demungeachtetund trotz der Verbote, Abonnements- Bestellungen aus Deutschland im reichlichen Maaße zuströmen, dafür können wir nichts und liegt die Schuld daran wohl einzig und allein nur an den Regierungen, die die Presse in Deutschland so zwängen und hemmen, daß die deutschen Leser gierig auf jedes censurfreie Wort im Auslände lauschen. Unser Zweck ist nicht ein Blatt für Deutschland zu schreiben, sondern unter den deutschen Brüdern in Frankreich, in der Schweiz, an der Schelde, jenseits des Kanals, und des atlantischen Oceans deutsche Gesinnung und deutsche Nationalität zu erhalten und zu bestärken, wie es hundert und drei deutsche Zeitungen in Nord-Amerika, alle der Sache des Fortschrittes huldigend, wie es die Schweizer Blätter und andere ins Ausland verbannte und geächtete Märtyrer der deutschen Tagespresse ebenfalls redlich thun. Unser Blatt ist keine Geldspeculation und kein Buchhändler-Unternehmen, daher liegt uns auch blutwenig an den Verboten, — wir haben unfern gesicherten Leserkreis in den wir nützen und wirken, und arbeiten rüstig für eine gewiß nicht ferne Zukunft. Wir werden stets die Umsturzprediger bekämpfen, die Gemeinheit und Rohheit des Angriffs verdammen, verderblichen Tendenzen der Ultra- Eraltirten entgegentreten, — dabei aber frei, offen und ohne Haß und Leidenschaft die Wahrheit sagen, und glauben somit konservativer zu sein (freilich in einer edleren Bedeutung, als der des weiland politischen Wochenblattes oder der er-Staatszeitung), als alle subventionirten Hof- und Staatszeitungen Deutschlands. Heinrich Börnstein. Berliner Berichtigungen. Das „Berliner Berichtigungs-Bureau," dieser hinkende Bote der deutschen Tagespresse, hat in den „Hamburger Correspondenten" voml 1. die Versicherung einrücken lassen die (zuerst von dem National gegebene) Nachricht französischer Blätter, — als habe die preußische Regierung die Ausweisung (im Berliner Berichtigungs-Style: „Ertramission") deutscher Schriftsteller ans Frankreich verlangt, — sei gänzlich unbegründet. Wir haben nie recht daran geglaubt und nehmen diese Versicherung hiemit zu Protokoll, bedauern aber nur, daß diese, wie alle andere Berichtigungen in einem so verzwickten und geschobenen Undeutsch geschrieben sind, als läge Berlin nicht mitten inDeutschland, sondern zwischen Moskau und Archangel. Ferner versichert dieselbe Berichtigungs-Korrespondenz untern 6. von Rugc's „Deutscher Revue" sei das erste Heft noch nicht, sondern nur ein Prospectus erschienen, während die „Augsburger Allgemeine Zeitung" in einem Pariser Schreiben vom 5. schon eine ausführliche Zergliederung des 1. und 2. Heftes enthält, wir aber hier in Paris die Revue schon am 29. v. M. in Händen hatten. — Es geht nichts über die Clair- voyaneedes „Berliner Berichtigungs-Bureau," das in Berlin so genau weiß, was in Paris geschieht,— oder sind die demselben zukommenden Pariser offieiel- len Berichte so gut unterrichtet? Wir bitten das „Berichtigungs-Bureau" um eine Berichtigung. Salon -Plaudereien über Musik, Theater, rc. Die neuen Dramen und Concerte, die dieses Jahr in bedeutender Quantität und unbedeutender Qualität gerathen sind, werden nicht sehr gesucht, und diese Vernachlässigung von Seiten des Publikums haben sie nur der Grippe, welche modern wurde, und der Polka, welche zu grassiren beginnt, zu verdanken. Grippe und Polka sind nun das Tagesgespräche aller Salons. So wie es aber überhaupt nichts Neues unter der Sonne gibt, so sind auch die Grippe und die Polka zwei ziemlich bejahrte Damen. Die Grippe hat bereits vor Jahren Paris besucht, ist aber nach einer glücklich vollbrachten Kunstleise wieder zurückgekehrt, um sich in die hiesigen Salons einzudrängen. Auch mir hat sie ihren Besuch abgestattet, und ich muß gestehen, daß sie eine höchst lästige Dame ist, welche ohne Kennt- niß von Anstand und Sitte sich zu lange bei einem jungen ledigen Manne aufhält. — Auch die Polka ist schon eine alte Bekanntschaft. Ich sah sie oft an den heimathlichen Ufern der Moldau und in dem lieblichen Hannathale von den Jnngens in grünen Hosen und rother Jacke und von den hochgeschürzten Mägden in gelben Röcken und rothen Strümpfen tanzen. Sie wagte sich später auch in die höheren Elasten, wurde von dem Bürgerstande auf einige Zeit ausgenommen, konnte sich aber nie bis zur Aristokratie erheben. Ksmo proxketa in xalria. Eingedenk dieses Spruches ging auch sie, wie so viele Aildere, die nicht mehr zu Hause fortkommen, nach der Weltstadt Paris, wo sie nun mit einem Enthusiasmus ausgenommen wurde, der nur mit der Lißtomanie der Pesther und Berliner, und mit der Elßlersucht der Nordamerikaner zu vergleichen wäre. Auch die Dichter haben sich schon der Polka bemächtigt, und dem Vernehmen nach schreiben Herr Alexander Dumas und Madame Ancelot ein neues bürgerliches Drama, dessen Hauptperson ein falscher Polkaschritt ist, welcher schreckliches Unheil in die menschliche Gesellschaft bringt, und die Quelle unzähliger Thränen und unseligen Jammers wird; hingegen soll Herr Bayard ein Vaudeville und Herr Scribe ein Lustspiel mit Benutzung der Polka machen. In dem Vaudeville findet ein junger Compo- siteur, der jahrelang nicht durchdringen konnte, durch die Polka einen Verleger, und in dem Lustspiele bekömmt ein Stutzer, der die Polka in ihrer ursprünglichen Rohheit tanzen kann, eine reiche Frau. Da wir nun von den Dramen gesprochen haben, welche geschrieben werden sollen, so wollen wir auch der schon geschriebenen und aufgeführten erwähnen. H Oomt6886 ä'^ltsniller^, von Alphons Royer und Gustav Vaez, hatte sich einer günstigen Ausnahme im Odeon zu erfreuen. Unschuld, Verführung, Eifersucht, Rache, Erkennung, Vergebung und Heirath sind die Hauptmomente dieses Stückes, welches vielleicht von Anicet Bourgeois bearbeitet, ungeheures Glück im Theater äs 1a Oaits gemacht haben würde; jedoch die schöne Sprache und die gute Behandlung der Herrn Royer und Vaez werden es auch einige Zeit im Odeon auf dem Repertoire erhalten. Wir müssen einer Anekdote erwähnen, die sich bei Gelegenheij^der ersten Aufführung dieses Stückes zütrug/Herr Royer wurde von seinem Diener, der ein einzigem Mal in seinem Leben vor etwa 20 Jahren im Theater war, um eine Einlaßkarte gebeten. Da man bei der ersten Aufführung nie genug der Treuen im Theater haben kann, so gab Herr Royer das Verlangte. — „Nun, wie hat dir mein neues Stück gefallen?" fragte der Herr als er des Morgens wonnetrunken und ruhmesstolz nach Hause kehrte. — „Neues Stück?" (!) erwiederte der Diener, „dasselbe habe ich vor zwanzig Jahren gesehen! am Anfänge lieben sie sich, und am Ende heirathen sie sich." 1^68 ^.man8 äs IVlureis, von Frederie Soults, welche endlich die 8ollsmisn8 äs?ari8 im Ambigu- Theater abgelöst haben, sind eine Nachahmung von Romeo und Julie. Obwohl dieses Stück keines der verschiedenen Romeo's und Julie's erreicht, so hat es doch der Verfasser nicht an rührenden und effekt- reichen Scenen und Aktschlüssen fehlen lassen, welche nun dem Stücke eine ziemliche Anzahl von Vorstellungen sichern, besonders da dieser Stoff noch nicht vor das Publikum des Ambigu-Theaters gebracht s wurde. Außerdem versah Hr. ArtusLas Stück mit mehreren artigen Bolero's und Seguidillas, und mehr verlangen ja zartfühlende Grisetten und rührungsbedürftige Wäscherinnen nicht. In der großen Oper debutirte vor einigen Tagen Herr Mengis in der Rolle des Dauphin in (Larles VI. Keine einzige Reclame, kein einziger Puff gingen dem Sänger voran. Ich war erstaunt, und wußte nicht, ob dies wirklich Bescheidenheit oder gar eine neue Art von Puff sein soll. Ich habe bereits Herr Mengis vor einigen Jahren bei dem Schweizer-Nationalfeste in Lausanne gehört. Damals hatte er eine frische Stimme, aber keinen Vortrag, jetzt hat er zwar noch keinen Vortrag, aber auch keine frische Stimme mehr. Damals sang er m der Symphonie-Cantate von Mendelssohn, was immerhin Geschmack verräth, jetzt singt er in (Larles VI, was wohl an gelinden Wahnsinn gränzt. Herr Mengis hatte einen geringen Erfolg, denn das wahre Publikum verließ bald den Saal, und die Claque war bei Halevy's Musik schon nach dem zweiten Akte eingeschlafen. Was soll nun aus Meyerbeers „Propheten" werden? Man sagt, daß Massol ihn, jedoch um einen Ton tiefer, singen soll. In diesem Falle prophezeihe ich dem Propheten, daß er Niemanden erbauen wird. Von den Conzerten erwähnen wir nur die der Dlle Krienitz bei Erard und der Dlle Eugenie Korn bei Herz. — Dlle Krienitz ist eine vorzügliche Klavierspielerin, welche ein Conzert von Mendelssohn und mehrere Etüden von Cramer-und Rosenhain mit Fertigkeit und Gefühl vortrug. — Hinsichtlb der Gesangsnummern war Dlle Krienitz d^ Damen Capdeville und Mondetaigny mäßig unterstützt. — Dlle Korn, den Parisern vortheilhaft beka^ ein sehr zahlreiches Auditors Sälen bei Herz. Sie tru^ Composition von Her^ schenden Beifall price eigener C^ entzückte sow> Originalität Publikum Döhles stat)- a^ benswürdigen Freunde unfern Dank ab, und fügen die Bitte hinzu, uns recht bald wieder einzuladen. Eine Lobeserwähnung noch seinem Koche, der so vortreffliche Mayonnaises und Trüffel-Pasteten bereitet. Ich habe sie zwar nicht versucht, jedoch Herr Kiesewetter, welcher den Spruch: „Nach Tische ist gut ruhen" zu Schanden macht, versich^ mich, daß sie vorzüglich gewesen sein sollen. Mar M. Deutsche Zeitungsschau. Die Berliner.politischen Zeitungen stehen hinter fast allen übrigen deutschen Blättern an Regsamkeit und Auffassungsgabe zurück. Die „Allgemeinepreußische (ex Staatszeitungj" ist eine langweilige Musterkarte ohne alle Farbe und von einer Seichtigkeit der Ansichten, Lauheit des Ausdrucks, Unbehol- fenheit der Darstellung, daß ein solches Blatt einen schlechten Begriff von der Intelligenz des Berliner Cabinetts gibt. Die ältere „Haude et Spenersche Zeitung," auch Spikersche genannt, ist konservativ, aber ohne entschiedenen Charakter gehalten; je^ doch gilt der Besitzer in den höhern Krells für einen liberal denkenden Mann bringen manchen in Berlins Die „Vossische Ze^ nige Tendenz verdient web Regierungen dem Beispiele der preußischen durch ein gleiches Verbot folgen werden. Es wäre zu wünschen, daß ein so übles Beispiel so wenig als möglich Nachahmer finden möge. ?ia äesiäeria vielleicht! Aber es begeben sich noch andere Dinge in Berlin. Hoffmann von Fallersleben wird aus Berlin verwiesen, weil einige Studenten ihm bei einem Fackelzuge zu Ehren der Gebrüder Grimm ein Lebehoch und einen Toast aus die sieben Göttinger Professoren ausgebracht. Sodann wird sogar von einer Untersuchung gegen die Studenten, die hierbei thä- tig waren, gesprochen. Wirtheilen die äußersten Ansichten des Professors Hoffmann von Fallersleben kei^ neswegs, aber das Wegweisen ohne Gerichts^ dies Polizei-Prozediren welches heute d ie^s gen jenen treffen kann, sind ein Zeick^ lichsten Herrschaft. Einem Privatdocentez Herrn Nauwerk. tersagt, ses Hievon lasen wir auch einen Bericht von dem (protestantischen) Redakteur des ^ournul, der wörtlich also lautet: „Der gute Vater De Smet war unser Reisegefährte nach England im verflossenen Juni. Er war sünf Jahre Missionär unter den Indianern jenseits der Rocky-Mountains und lehrte mit außerordentlichem Erfolge die Wahrheiten der christlichen Offenbarung, die Lehren des Friedens und der Civilisation. Er errichtete Schulen unter mehreren dieser wilden Stämme und vermochte Hunderte von barbarischen Kriegsleuten, ihre Schwerter in Sicheln und Pflugscharen zu verwandeln. Er gewann überall das Vertrauen, die ^Freundschaft und den Schutz der Indianer. Er hält Indianer im Ganzen für edel und großmüthig, ^ die Überzeugung, daß ihre barbarischen mrch die schreiendsten Ungerechtigkei- mgen der Weißen hervorge- werden. llebe und Sympa- ^zen erregt, üligen derungen im Charakter und in der Lage jenes mißhandelten Volkes eintreten." (Amerik. Blätter.) Rebus. Die Ur - theile die r heit Deutschland wird die Nd2ung siegen das ist die ? geschehen genug dies zu b2feln. Liee Hagen s n a beten ohnedacht tt tt tt tt tt tt tt tt Gt 4 — Sa ist ist ist ist jetzt i ist. Richtige Auflösungen werden portofrei erbeten; Herrn Saphir in Wien, der über unsere Rebus seinen himmlischen Humor ausgießt, bitten wir diese aufzulösen oder bessere zu machen. Was kann ein Saphir nicht Alles? Berichtigung. stets bereit im Interesse der ^ben zu berichtigen, die uns als ^eu. So befand sich in ei- 'wärt ö" eine Notiz ^rand, welche und ohne tch Einsicht in ein Rescript, welchem zufolge der König von Preußen dem jungen Maler zu seiner Reise eine Unterstützung von 800 Rthlr. zukommen ließ, welche Herr Hildebrand bei der königl. preußischen Gesandtschaftskasse durch seine eigne uns vorgelegte Quittung in Empfang genommen. — Herr Hildebrand hatte also vollkommenes Unrecht diese Kunst- Unterstützung zu verschweigen, um sich das Ansehn zu geben, nur durch seine eignen Mittel in den Stand gesetzt zu werden, seine künstlerische Ausbildung zik vollenden. Wir werden bei dieser so wie bei jeder andern Gelegenheit stets bereit sein, der Wahrheit überall ihr Recht widerfahren zu lassen. Cingegangenc Beiträge zum deutschen Hülfö- Verein. Fr. C. Übertrag. . . 2697 45 Herr Hnmbert. .. 60 Moritz Sachs aus Breslau. . io Summe. . . 2757 45 Redactcur: Heinrich Börnste in. Schnellpressen von Paul Reno u ard. ^ovio (ville lilwe), un pee- lanxiie maiernolle «Io )il >> 0886 ' ^ Man abonnirt: für Paris: im Vurssu ventral pour I'MIsrnLßnv, rus äes Moulins, Z-. und in der Buchhandl. von ruler I^enousrä et LÜ*, rus clk ^ ournon, 6 ; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerken; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen AlwnmnLcn durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des .H. Bi dault, 46, r-no «Io In 4n88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in sranl'irten Briefen anzuzeigcn. —Anfragen, Beiträge, Pränumcrationögcldcr und Briefe wollen frnnoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32 ) ruo el68 I>IouIin8 in Paris » cingcsendct werden. Nichtzu übrrschcn! Diejenigen p. t. Abonnenten, deren Abonnement mit 31. d. M. zu Ende geht, werden ersucht ihre Bestellungen bei Zeiten zu erneuern, um keine Unterbrechung in der Zusendung zu erfahren. — Auswärtige wollen sich in frankirten Briefen an das Central- Bureau für Deutschland, Z 2 , rue Aloulirrs, wenden und ein Mandat auf Paris im Belaufe des Abonnements-Betrages beilegen. Politische Literatur. Wir werden unfern Lesern die bereits vielfach besprochene Broschüre: -- IbuWie, ^.ilEmuone ot Kranes *), « welche die deutsche Censur schwerlich dem deutschen Publikum in uuverstü m melier Übersetzung gestatten wird, hiermit vollständig mittheilen und beginnen die Einleitung des ersten Kapitels wiederholend mit dem Urtheile über: Rußland. I. Summari um: Jnteressirt man sich für Rußland?— Rußland Europa gegenüber. — Rußland und England. — Die eigentliche Bedeutung der Einnahme von Warschau. — Die Vernichtung der polnischen Nationalität ist sie ein vollbrachtes Factum (lait soooin^li)? — Polen und die Zukunft. Wiederum Rußland! in der That ist diese Macht in der letzten Zeit der Gegenstand vieler Schriften, die Zielscheibe mannigfacher Angriffe, das Thema verschiedener Diatriben, mit einem Worte, die Quelle allgemeiner Besorgnisse gewesen. Warum solches? Der Leser, welcher die folgenden Zeilen durchlieft, wird wohl thun sich gleich Anfangs eines Jrrthums zu entledigen. ^ Man interessirt sich nicht für Rußland. Diese Macht flößt nirgends Sympathien ein, erregt aber auf allen Punkten Europa's Befürchtungen. Wird verkauft bei Iresse, Akckeri« (Üllartres, 3 , SU ksluis-Ilo^al; und im Bureau des ,,V orwärte", ^2, rue ge» llloulivs. — Preis: 4 Franken. Gerecht oder chimärisch, diese Befürchtungen sind vorhanden. Bestätigen wir sie, um später vielleicht wieder auf diesen Gegenstand zurückzukommen. Es ist also nicht etwa weil man Rußland bewundert, daß man sich mit dieser Macht beschäftigt, sondern weil sie beunruhigt. Dies genügt. Seltsames Reich! — Man hat die Augen auf Rußland gerichtet wie auf eine Fluth von Barbarei, welche wächst und die vordersten Bollwerke der Civilisa- tion heimlich in Bresche schlägt. Diese Fluth hat bereits Polen verschlungen. Wo wird sie stillstehen? Das ist die Frage, welche für sich allein schon die Unruhe der gleichgültigsten und den Haß der eraltirtesten Geister zusammenfaßt; welche alle leidenschaftlichen oder bezahlten Lügen, womit man Europa überschwemmt, erklärt, und deren Wichtigkeit vielleicht unsere Kühnheit rechtfertigt, welche uns antreibt über so große Dinge eine so kleine Schrift an den Tag zu fördern. Man fängt an zu glauben, daß Mittel-Europa, der natürliche Heerd aller Aufklärung, zwei Kolosse zu fürchten habe, nämlich: Sankt-Petersburg und Sankt-James. Dieses, sagt man, wird das Reich der Erde sein nennen, wenn wir nicht auf der Hut sind; jenes die Herrschaft der Meere. Rußland, fügt man hinzu, ist der eingefleischte Haß gegen den Fortschritt; England ist der zügellose Gelddurst; aber der erste machtverlöschen, der andere vernichtet. Vernichtung und Finsterniß, was sind sie aber anderes als ein Chaos? Man muß nicht übertreiben; wir sagen aber, indem wir diese drohenden Hypothesen auf ihre wahre Größe redueiren, daß es nicht genügen kann, über die Gefahr schöne Reden und Bücher zu schreiben, ohne auf andere Weise zu zeigen, wie hier geholfen werden könnte. Es ist schon sehr lange her, daß man den Czaren und England dem Mißtrauen der Welt bezeichnete; aber bis jetzt hat man gegen ein Allianz-System, welches Frankreich an England und Deutschland an Rußland schmiedet, weder etwas Zweckmäßiges gesagt noch gethan. Das ist alles nicht sehr logisch. Es wäre vielleicht besser, wir hätten einen Staatsmann mehr und einige Dutzend Redner weniger. Nicht die Advokaten sind es, welche gewöhnlich die großen Völker-Fragen gewinnen. Gleichfalls sagt man auch sehr geistreiche Dinge über Polen. Es sei das Irland Rußlands, versichert man, so wie Irland das Polen Englands sei. Unterdessen läßt man Irland seinen Prozeß an der königlichen Bank verlieren, und was Polen betrifft, so verschließt man sich mit frischem Gleichmuthe in die moderne Philosophie der vollbrachten Facten. Und doch war. der Fall Warschau'ö ein europäisches Unglück. Durch seinen Fall wurden nicht allein die moralischen Interessen der Völker verletzt, sondern auch das politische Recht: dieser Schutz der Nationen hat dadurch einen gefahrvollen Angriff erlitten. Die Traktate wurden verletzt; in einer Epoche des geschriebenen Rechts ist aber die ungestrafte Verachtung der Verträge ein nie wieder gut zu machendes Unglück. Was ist das: Thatsache ohne Recht; was anders als Barbarei? Dies muß man stets und überall wiederholen, denn für eine Gewaltthat au der Menschheit kann niemals Verjährung eintreteu. Nicht Ordnung herrscht in Warschau, sondern deren Umstmz (^). Ihr nennt geschehenes Factum eine unheilvolle Reaction, eine wüthende Protestation gegen den Wiener Congreß, von der in Wahrheit der Untergang Polens der erste Entwurf ist. Ihr nennt etwas Vollbrachtes den ersten Act eines Trauerspiels, dessen Ende Euer Untergang sein wird. Ter Fürst Metternich, versichert man, ist nicht ganz so sehr Philosoph wie Ihr. Er seinerseits fängt an zu glauben, daß wohl ein ungeheurer Fehler begangen sein könnte. Und mit ihm sieht ganz Deutschland der Stunde entgegen, wo auf den Kongressen die polnische Frage mit Gewalt zur Sprache gebracht werden wird. Dieser Gedanke schleicht sich überall und selbst bei den Kabinetten ein, bei welchen die polnische Revolution anfänglich nur Mißtrauen und Abscheu erweckte. In Berlin, in Wien hält inan vielleicht noch aus Achtung, die man der Tradition schuldig zu sein glaubt oder aus Familien-Rücksichten zurück; aber die öffentliche Meinung spricht sich darüber aus, die russische Partei verliert täglich an ihrem Einflüsse, und die Ci- vilisation erfüllt es mit Besorgniß, daß sie seit dem Falle Polens dem Absolutismus so nahe gegenübersteht. Der Tag, sagen die Deutschen, an welchem sich die germanische Nationalität eng mit der Wiedergeburt Polens verbinden wird, kann nicht mehr 2 zögern, an diesem Tage aber muß unterhandelt werden, denn den folgenden Morgen müßte man kämpfen. So spricht man jenseits des Rheins, wahrend wir diesseits aus dem vollbrachten Factum friedlich schlummern. II. Summari um: Machiavel und Rußland. — Erklärung des Verfassers, das Cabinett des Fürsten Metternich und den Pallaft von Sanssouci betreffend. Wir sind weniger, als irgend Jemand in der Welt, Bekenner der chevaleresken Ideen in Bezug auf Politik." Galant, mit höfischen Waffen einen Feind bekämpfen, wie Rußland, welcher unsere Städte mit Spionen, unsere Congresse mit seinen Umtrieben, unsere Annalen mit schändlichen Verletzungen anfüllt; welcher Polens civilisirten Boden zerreißt, um dort seine Tyrannei zu säen; welcher den beschworenen Buchstaben der Verträge durch Kugeln beantwortet; welcher weder seinen Haß gegen die Freiheit der Völker, noch seine stolze Verachtung für die Regierung der Gesetze verheimlicht ? Dies wäre nach unserer Meinung eine übertriebene und ganz und gar falsch angebrachte Seelengröße. Das Beste und Kürzeste ist, mit beiden Händen und allen Waffen loszuschlagen. Es gibt nur Ein Buch um Rath zu fragen über die Art wie den Tyrannen der Krieg zu machen sey: dies ist der Machiavel, und Machiavel würde Euch sagen: „Lernt die innern Krankheiten Rußlands kennen, um sie verschlimmern zu können. „Forscht seine Verlegenheiten nach, um sie zu vergrößern; seinem Elende, um es zu verdoppeln; seinen Schwächen, um sie endloszu machen. „Was das Ausland anbetrifft, so errathet das Mißtrauen, höret die Klagen entstehen und seid zu gleicher Zeit überall, um alles zu fördern und fruchtbar zu machen. „Jsolirt Rußland; nehmt ihm seine Allianzen; erwecket ihm Feinde." So würde uns Macchiavelli lehren, und in gewissen Fällen ist die Politik unserer Väter nicht geradezu zu verachten. Rußland nährt in seinem Schoose jene tödtlichen Prinzipien welche seine Schwäche verursachen, die aber unsere Kraft machen würden, wenn wir sie studiren und Vielleiche dauernd machen wollten. Aber es reicht nicht hin, wenn man wiederholt, daß der Koloß ans Füßen von Thon stehe, sondern man muß auch zugleich bedenken, daß sich dieser Thon Ln Granit verwandeln kann, wenn die Zersetzung der Basis nicht schnell das Herz erreicht. Das pathologisch eStudium Rußlands ist also eine sehr nützliche Kenntniß, welche bei Gelegenheit Dienste leisten wird. In dieser kurzen Übersicht wird man gesunden haben, daß die moskowitische Macht nicht blos in ihren Eingeweiden Keime des Todes trägt, sondern daß sie auch von außen her von schwächenden und den Untergang mit sich führenden Ursachen belagert wird, die ihr allerlei Qual bereiten. Daher sind auch die Noten, die wir dem Scharfblick des Lesers vorlegen werden, in zwei streng geschiedene Kategorien getheilt, nämlich in die den innern Zustand Rußlands betreffend, und in die seine äußern Beziehungen umfassend. Zuerst werden wir von den innern Organen des Kaiserreichs sprechen. ! Es fällt uns aber ein Zweifel bei: wir würden ! nämlich untröstlich sein, wenn man gegenwärtiges Merkchen irgend einer jetzt Curs habenden politischen Meinung zuschreiben wollte. Wir haben weder eine erklärte Sympathie für das was besteht, noch für das was nicht mehr besteht. Aber im Namen dessen, was nach den unarus lösch tischen Gesetzen der Völker-Civilisation kommen muß, ist es, daß wir ein wenig aus unfern literarischen Gewohnheiten herausgetreten sind und so den großen russischen Koloß angreifen, welcher zu viel Schatten aus den europäischen Horizont wirft. Wir, die ww also weder zur gestrigen noch zur heutigen Mode gehören, sondern uns offen zur Zeit bekennen, welche kommen wird, bittenden Leser — zum Unterschiede von vielen Flugschriften, — in den Ausdrücken unsrer Zeilen keine halb-offizielle Färbung zu sehen. Diese Noten sind im Vorbeieilen, überall ein Wenig, geschrieben worden, das Cabinet des Fürsten Metternich oder ein gewisser kleiner Pavillon im Schlosse von Sanssouci sind indessen auszunehmen. Was würde man übrigens auch an solch' hohen Orten zu sammeln vermögen? Man denkt dort noch zu leise, um daß es möglich wäre, von den discreten Worten etwas zu erfassen. Wenn es sich dort übrigens begegnet, daß ein Gedanke laut wird, so srägt es sich sehr ob man wünscht, daß solcher vom Publikum gehört werde. (Fortsetzung folgt.) Zn Angelegenheiten des Pariser Hülks-tlrreins für noth leid ende Deutsche. I. Herr Baron von Köhler, bisheriges provisorisches Comits-Mitglied, hat Paris auf einige Zeit verlassen, verbleibt jedoch als stehendes Mitglied der Gesellschaft. Das provisorische Comits dankt diesem Ehrenmanne für die dem guten Werke bisher geleistete Hülse. II. Derehrenwerthe Herr Humbert hat das Präsidium des provisorischen Comite's übernommen. III. Sämmtliche Personen welche einen jährlichen Beitrag von 25Franks odereinen einmal geleisteten Beitrag von 50, 70, 100 oder 200 Franks gezeichnet haben, werden ersucht sich am Montag, den 25. März 1844, um Punkt 3 Uhr, Nachmittags, ruel^alAte N. 1, in den Salons jder Piano-Fabrik des Herrn Hatzenbuhler, einfinden zu wollen, woselbst die durch den Aufruf bereits angekündigte General-Versammlung statt finden wird. Man bittet, im Fall gezwungener Abwesenheit, jedenfalls einen Stellvertreter zu senden, wie solches die Einladungsschreiben besagen. IV. Herr Hatzenbuhler hat mit der größten Bereitwilligkeit seinen äußerst bequemen, im Mittelpunkte der Stadt gelegenen Salon, unentgeldlich der Generalversammlung des Hülss-Vereins zur Disposition gestellt. Das provisorische Comite dankt Herrn Hatzenbuhler hiermit öffentlich für dieses humane und uneigennützige Benehmen, da in andern Concert-Salons, Fortepiano-Fabriken und üblichen Versammlungssälen eine bedeutende Mieth- summe gefordert wurde. V. Das Bureau des deutschen Hülss-Vereins ist Nr. 49, rus iVeuve-äes-ketitZ-Osiamps, und täglich, mit Ausnahme der Sonntage, von 1 bis 4 Uhr Nachmittags geöffnet. A. v. Bornstevt. Heinrich Börnstein. Buntes und Spitzes Auf der Universität Halle sind Untersuchungen gegen mehrere Studenten, Haussuchungen, Beschlagnahme von Papieren u. s. w. eingetreten; lauter Symptome von Unbehaglichkeiten,'Zeichen daß die Jugend und die Regierung nicht harmonisch Hand in Hand gehen und der Geist des Mißtrauens wie ein Gespenst in den deutschen Gauen umherschleicht. Der Minister Eichhorn ist gegen den Dr. Nau- werk cingeschritten, weil die philosophische Facul- tät der Berliner Universität solches verweigerte. Vor Jahren war Minister Eichhorns Geist und Richtung lebenöfrisch und leicht, jetzt liegt auch er in den Armen der Pietisterei und arg gebunden in den Fesseln der geistigen Unduldsamkeit. — Auch ein böses Omen! murmelt das Publikum in Berlin. Bei dem am 25. Februar in Berlin zu Ehren des Professors Grimm organisirten Fackelzuge der Studenten u. s. w., brachten die Anwesenden Abends ein Hoch aus die Göttinger sieben Professoren. Es ist deshalb von den Berliner Behörden eine Untersuchung angeordnet worden. — Die Berliner Ängstlichkeiten fürchten sich vor jeder Manifestation der öffentlichen Meinung. Wir überlassen unfern Lesern das Urtheil über folgende Mittheilung: München, 22. Febr. Die „historisch-politischen Blätter" enthalten in ihrem dritten Heft d. I. folgende Mittheilung aus Rom, 4. Januar: „In dem hiesigen Oonservutorio 4 durch eine Art symbolischer Deutung der Dogmen, durch ein poetisches Anschauen der Glaubenssätze zu vermitteln. Dagegen hat sich der Clerus mit mehr oder weniger Glück opponirt und konnte hin und wieder einen Sieg davon tragen. Hr. Lemaire aber läßt diese Doppelzüngigkeit bei Seite, er stellt sich auf das bloße Wissen, er läßt den Glauben Glauben sein und predigt aMdie einzigen wahrhaften Attribute des Göttlichen Freiheit und Wissenschaft. Er sagt, daß alles Unglück der Völker von jeher durch die Beeinträchtigung dieser beiden wesentlichen Ideen gekommen sei und daß Tyrannen und despotische Priester den genauen und innigen Zusammenhang beider genugsam gekannt hätten, um zu wissen, daß mit der Einschmuggelung von Unwissenheit und Aberglaube, desGegen- theils der Wissenschaft, auch immer das Eintreten der Sclaverei, des Gegensatzes der Freiheit, nothwendig verbunden gewesen wäre, daß daher derjenige, welcher Freiheit befördern wolle, vor allen Stücken freie Wissenschaft zu verbreiten suchen müsse. Den Menschen als das höchste Produkt der Schöpfung, der an seinem Theiledie Intelligenz des Universums repräsentire, stellt Hr. Lemaire als frei von Haus aus hin, als einer unendlichen Vervollkommnung fähig, als im Stande, die Nothwendig- keit in den äußern Ursachen aus Wirkungen frei- thätig zu ändern, woraus dann die Geschichte entsteht. Ter Mensch ist ein intelligentes, freies und sociales Wesen; seine Freiheit geht aber in der Vergesellschaftung nicht verloren, vielmehr ist die wahre Freiheit hier erst vorhanden, indem die Association alle Einzelnen stark macht, und das Band des Gesetzes die Freiheit Aller bewahrt; denn die vernünftige Gesammtheit, die intelligente Association trägt kein blindes, ihr wider Willen anf- erlegtes Gesetz, sondern ihre eigene Intelligenz bildet das Gesetz. Bei Lemaire ist von keiner Zwiespältigkeit im Wesen des Menschen mehr die Rede; der Zwiespalt ist durch die Vernunft gelöst, der Mensch ist ein einheitliches freies Wesen und bethä- tigt sich in der Freiheit. Die ächt democrarische Gleichheit aller Menschen folgt daraus von selbst, wie die lebendigen Kräfte des Universums in ewiger Harmonie ihr Werk vollbringen, und wie grade nur durch die Harmonie dieser Kräfte Alles in ewigem Bestände erhalten wird, so darf auch kein Unterschied unter den associirten Menschen gedacht werden, da jeder würdig seine Stelle im Organismus des Ganzen auszufüllen vermag und also gleich würdig mit dem Andern ist. Diese Schrift des Hrn. Lemairewird gewiß große Sensation erregen, auch außerhalb Frankreich. Auch an Widerlegungöversuchen wird es nicht fehlen; man wolle dabei aber nur gütigst vermerken, daß es mit Verketzerungsgeschrei nicht abgethan ist, sondern daß es sich im Ernste um tiefe Philosophie handelt, welche stehen bleibt, wenn man ihr nur Schimpfreden an den Hals wirft. T. Z. Der Hülfsverein und die deutschen Zeitungen. Die „Augsburger Zeitung" sagt mit Recht :„Es ist jetzt eine Ehrensache, daß jeder in Paris lebende Deutsche nach Kräften beisteuere, umso mehr da es hier unter denselben kolossal reiche Familien, Privatleute, Banquiers, wohlhabende Angesiedelte, reichbesoldete Diplomaten giebt. Von politischen Meinungen oder Standesverschiedenheit kann dabei nicht die Rede sein. Jeder gebe was er kann und ein tüchtiges deutsches Institut wird sich in Paris praktisch und menschenfreundlich zum Besten unsrer ge- sammten deutschen Nationalität bewährt haben." Auch die „Frankfurter Zeitung" wiederholt die Augsburger, sodann die „Rhein- und Moselzeitung" und viele Schweizer-Blätter regten mit Wärme für die Bildung des Hülss-Vereins an. Die französischen Zeitungen verdienen ebenfalls Dank, daß sie mit Bereitwilligkeit unser Streben gebilligt und zu Beiträgen aufgefordert. Bemerkenö- werth ist, daß es gerade die Berliner Blätter und namentlich die preußische Allgemeine Zeitung sind, welche Stillschweigen bei einer Angelegenheit beobachten, die offenbar eine Regung des Nationalsinns unter den in der Fremde lebenden Deutschen berührt. Mittwoch den 27. findet in den Salöns des Herrn Pleyel, 20,ru6iioeb66bonart, das Conzert des geschätzten Pianisten, Herrn Waldmüller statt, auf das wir unsere Leser der interessanten Zusam- stellung halber besonders aufmerksam machen. Eingegangene Beiträge zum deutschen Hü iss- Verein. Fr. C. Übertrag. . . 275? 45 Graf Bassewitz. 20 Baron von Rothschild (jährlich) . 300 Dr. Cohn (jährlich). 25 Summe. . . 3102 4L Redacteur: Heinrich Börnstein- Druck mit Schnellpressen von PaulRcnouard. Lehret Mrd gesucht. (OemarrclS s! UN 80 U 8 - 60 UV 6 I U 6 UI .) In ein großes Erziebungs-Jnsiitut der freien Stadt Krakau wird ein erster Lehrer gesucht. Derselbe muß ein geborener Franzose, seiner Muttersprache vollkommen mächtig und fähig sein darin gründlichen Unterricht zu ertheilen, außerdem auch die Fähigkeiten eines d -clit-Ii?!- es-Ir-cires besitzen. Moralität, anständiges Betragen und feine Weltbildung sind unerläßliche Bedingungen. Näheres erfährt man auf mündliche Anfragen von i bis 2 Uhr oder auf srankirte Briefe im Central-Bureau für Deutschland, 32, ru« ttss Moulins, in Paris. On clemancle (laus »n pensionnat flejeunss 5 Oaoovw (vilie libre), un Premier sous-Aouverneur, nekran^ais, el az'ant approkoncli sa lanZiie maternelle cle mattiere ü pouvoir i'enseiAuei'eonvenZblemeiit. Ln oulie, il cloit posseNer Wittes ies eonnsissanees et cpialites ä'un baebelier es-Ieilres, et ^ joinckre une parkaile ecluea- lion, une bonne moiali'e et des manieres dislmxuees. S'adresser personnellemenl de une ü deux beures, ou par lettre« «//>«/» o/rrss, au L/e/'sarr ssr/t/'s'/32, /'res <7s» ^/orr/r'rrL, ä />«r r§. Grosse Herrschaft )u verkaufen. (Sranäe Vrovriele a veiräre. Eine große Herrschaft in der Nähe von Füinay im Departement der Ardennen ist aus freier Hand zu verkaufen. Diese Herrschaft besteht aus i 650 Hektaren Eichenholz- und andern Waldungen in 19 regelmäßige Hotzschläge abgetheilt, — aus 19 Hect. Wiesen, deren Heu in jedemJahre öffentlich verkauft wird,— aus 16 Heet. Ackergrunden, — aus i i großen Schieferbrüchen im vollsten Erträgnisse, einige erst seit zwei Jahren in der Ausbeutung, einer der sehr erträgnißreich ist am Ufer der Maas, — ferner ein großes Wohngebäudein Fumay, ebenfalls am Ufer derMaas, die auch die Waldungen durchfließt, wodurch der Holz-Transport, so wie der der Kohlen und Schiefer, sehr erleichtert ist.— Die Erträgnisse der Herrschaft betragen jetzt 40 noo Franks, können aber durch die neuen Schieferbrüche, die sehr gute Aussicht darbieten leicht noch um io bis 15 ooo Franks vermehrt werden. Der Kaufpreis ist 1 500 ooo Franks. Kauflustige belieben sich persönlich oder in frankirten Briefen zu wenden, an das Central-Bureau für Deutschland, 32, rue des Noutins, in Paris. Une Grande piopriele pres de Lnma^, departement 650 beelares de bois Willis, de eböne et autres^di- vises en 19 eonpes reguliere« ; iv bec'ares de prairies en re^ie, dont les berbes se vendent publiquement wns les ans ; 16 beelares eie terres labonrables louees en dik- kerens lermes ; ii aidoisieres, dont ljuelgnes-unes en plein rapport, d'aulresen ex- ploiiation depuis deux an« seulemenl, entre aulies une gui prometsous pen un re- veiiu wrl eonsiderable. Lnfln une maison, siluee k Lnmax, okkre un ar^i eable pied-a-iei re, silue aux bords cle la Muse, ezui lraverse les bois et proenre le ssrancl avanta^e de transi orler les eeoiees, «Karbons et artloises, par eau. Les revenus sont de 35 a 40 000 kr., annee eommnne; msis les nouvelles aidoisieres donnant wule esperanee de tres bien mareker souspei», le revenu peut s'auAmenler kaeiie- me»t äe 10 a 15 OOO kr. Le prix cle ee beau domaine est de 1 600 OOO kr. 8'gdresser par lettres a//ir«-rs/rr'ss au ?^//ESA-rs, 32, /'res ctss Morr/r/rs, « t^a/'r§. Deultch-Französitches Ülörtertmch Zu haben in Paris, Bei M. Strauß, Vue 6e I'^rdrs-Leo, ^6 (erscheint subseriptionsweise): Dr. Sckufter's vollständiges Wörterbuch der deutschen und französischen Sprache. Ln 36 Lieferungen ä 36 Cent. ^ « Paris, Mittwoch. R r. 2-r. Z7. Marz LMÄ - Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 43 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate» ... 18 ,, Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. UM'. »!WWWM^ Man abonnirtr für Paris: l>N Durssu oeniral pour I l'US 6^8 lüoulins, 32. und in der Buchhandl. von a»Iss Nenousrä et 650 keelai'68 Oe bois taillis, Oe cliöne et autre8, di- visesen i9eoupe8 reguliere«; 19 kewares de prairies en regle, dont les kerbe« 86 vendent publiguement wi>8 le« ans ; 16 keetares cle terres lakourables louees en dik- kerens -a-re/rr'es au /-orc-- /^//e-,ra§-re, 32, März Paris, Lormabend. Nr. 21». Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 13 ,, Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen : die Zeile L 50 Centimes. § r w -r c- / r, "MUv's"',' ,S/L- Man abonnirt: für Paris: ilN Nuresu ventral pour l'MIemsAne, rus 6es Koulins, 3». und in der Buchhandl. von 0tuler Lenouarä et O'", rus ci« 1ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Bidault, 46, ruo de In .1,> 88 , 0000 .—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in srankirtcn Briefen anzuzcigcn. — Ansragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briefe wollen franco: « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 82 , ruo dos Klonli 08 in Paris » einqcscndct werden. Nicht ;u übcrlchcn! Diejenigen p. t. Abonnenten, deren Abonnement mit heute zu Ende geht, werden ersucht ihre Bestellungen bei Zeiten zu erneuern , um keine Unterbrechung in der Zusendung zu erfahren.— Auswärtige wollen sich in srankirtcn Briefen an das Ccntral- Bureau für Deutschland, 32, ru6 668 MlouUn8, wenden und ein Mandat auf Paris im Belaufe des Abonnements-Betrages beilegen. Erste Gencral-Vcrsammlung des deutschen Hülss-Vereins in Paris. Die in der ursprünglichen Ankündigung der Gründer des deutschen Hülss-Vereins aus den 25. Mär; angesetzte General-Versammlung der Mitglieder, sand in dem Salon des Herrn Hatzenbuhler am bestimmten Tage um 3 Uhr Nachmittags statt. Nachdem der Präsident des provis. Comitss, Herr Humbert, die Sitzung mit einer kurzen Anrede eröffnet hatte, in der er den Vorschlag machte, der noch nicht beendeten Vorkehrungen und Einsammlung der Beiträge halber, die Wahl des definitiven Comitss und die Bildung der Statuten noch um vier Wochen zu vertagen, wurde mit Einstimmigkeit der Grundsatz aufgestellt, daß nur jene Personen, die einen Beitrag von wenigstens 25 Francs zahlen, stimmfähig seien; daß aber auch mehrere, mindere Beiträge zahlende Personen, sich vereinen und durch eine bestimmte Person mit einer Stimme vertreten lassen können. Die Rechnungs- ablage des provis. Comitss erwies einen Cassa- Bestand von 3 295 Francs 45 Cent.; hievon sind baar eingegangen 1252 Francs 45 Cent., und als unterzeichnet noch einzukassiren: 2043 Francs. — Die von dem provis. Comits seit den 15. Jänner gemachten Ausgaben an kleiner: Unterstützungen für hülfsbedürftige Deutsche (in höchst dringenden Fällen), Ankauf des Bureau-Mobiliars, Schreibmaterialien, Postportos, Copiaturen, Drnckkosten, belaufen sich auf 286 Francs 40 Cent. — Nachdem dem provis. Comite, auf den Antrag eines Mitglieds, für seine bisherige Führung und Bemühungen der Tank der Gesellschaft ausgesprochen worden war, erklärte dieses, daß der Präsident, Herr Humbert, sich bereit erklärt habe interimistisch die Haupt-Cassa zu führen, wonach die Herrn v. Dornstedt und Börnstein den sämmtlichen baaren Cassastaud an ihn gegen Quittung ablieferten. Es wurde nun beschlossen, ein neues provis. Comits von sieben Mitgliedern zu wählen, demselben den Entwurf der Statuten und der Einrichtung des Geschäftsganges zu übertragen und die Vorarbeiten desselben bei einer zweiten General-Versammlung, am 25. April um 8 Uhr Abends zu prüfen und durch Votirung zum definitiven Beschlüsse zu erheben. Am 25. April findet ebenfalls die Wahl des definitiven Comitss statt. — Bei der nun vorge- uommenen Wahl des provis. Comitss durch Stimmzettel wurde das bisherige provis. Comite, die Herrn Humbert, Bornstedt und Börnstein mit Einstimmigkeit wieder erwählt; ferner die Herrn Gras Hoheuthal, Buchhändler Avena- rius, Professor Kühn und Dr. Cohn. Nachdem jedoch Herr Graf Hohenthal erklärte, Paris schon in einigen Tagen einer Reise wegen verlassen zu müssen, daher leider an den Arbeiten des Comitss keinen Theil nehmen zu können, und die Wahl mit herzlichem Bedauern ablehnte, so fiel die Wahl auf das die nächst meisten Stimmen besitzende Mitglied P. De m i n i. —Dies neue provis. Comitü beschloß sich alle Montage Abends um 8 Uhr, und nach Bedarf auch öfter wöchentlich in regelmäßigen Sitzungen im Bureau des Hülss-Vereins, Nr. 49, ims Xeuv6-äs8-?6tit8-6llnmp8, zu vereinigen, die Rechnungen zu prüfen, die Statuten zu entwerfen, die noch auöstehenden Gelder gegen Quittung einzukassiren und Alles so vorzubereiten, daß bei der General-Versammlung am 25. April alle Vorarbeiten gethan seien und der Verein sich bleibend constituiren könne. Nachdem, auf den Antrag eines Mitgliedes, der Redaktion des deutschen Journals „Vorwärts" der Dank der Gesellschaft für die bisherigen erfolgreichen Bemühungen und die Aufforderung auch ferner mit gleicher Thätigkeit zum Besten des Vereins zu wirken, geworden waren, trennte sich die Versammlung mit der erhebenden Gewißheit, daß die Zukunft dieses menschenfreundlichen Unternehmens eine gesicherte, und volle Hoffnung vorhanden sei, daß die Verdächtigungen und Zweifel, mit denen man hier und da dem Unternehmen seine ursprünglich parteilose, bloß menschenfreundliche Tendenz zu nehmen und demselben politische Zwecke und Nebenabsichten zuzuschreiben suchte, nun von selbst in Nichts zerfallen würden. Fortsetzung der Abersetzung des Weckes: IWS8IL, ) Es folgt hier das vollständige dritte Capitel aus welchem wir bereits einen Abschnitt in Nr. 18 des „Vorwärts" unfern Lesern mitgetheilt. Wir glauben unfern Lesern noch angenehm zu sein, indem wir das ganze dritte Capitel liefern, um also den Total-Eindruck nicht zu verwischen. III. Summarium: Über ein verbreitetes Vorurtheil, die Macht des Czaren betreffend. — Nekrologische Notiz über zwei russische Kaiser, welche dieses Vorurtheil getheilt haben. Einer der in Europa verbreiteten und die innere Regierung Rußlands betreffenden Jrrthümer, ist der, daß man sich eingebildet hat, der Kaiser sei ein absoluter Monarch, ein Autokrat, dessen einfachstes Angenspiel das Reich von West nach Ost in Bewegung bringe. Man irrt sich. Es gibt aus dem moökowitischen Boden zwei lebende, fest aufrechtstehende Tyranneien: nämlich die des Czaren und die des Adels. Der Czar decimirt seine Edlen, wenn er kann; unterliegt er aber, so tödtet man ihn. Der gegenwärtige Kaiser entgeht dem Schicksale seiner Vorgänger nur dadurch, daß er dem Senate und dem Adel einen sehr großen Theil der Regierung überläßt. Außerdem fehlt ihm, was die Herrscher macht. Er hat wederden scharfen Blick Ludwig XI., noch die Kühnheit Richelieu's, weder die Majestät Ludwig XIV., noch das Genie Napoleon's. Und seine Edlen wissen das und dulden ihn. *) Wird verkauft bei Iresse, Galerie 6« Lllurii es, 3, ksisis ; und im Bureau des ,,V orwärts", 32, 1 U6 Ü68 itloulilrs. — 3te Auflage.— Preis: 4 Franks. 2 Man braucht nur die Blicke aus die letzten Seiten der Geschichte Rußlands zu werfen, um sich eine Idee machen zu können von der chronologischen Verwirrung in welcher sich in diesem Reiche das falsch anerkannte, das falsch erklärte, das falsch gestellte Recht der Monarchie herum quält. Rußland gibt in dieser Stunde das Schauspiel, welches Frankreich im 15ten Jahrhundert darbot, aber ohne die Renaissance und mit viel Sklaverei als Zuthat. Es ist eine Lehensherrschaft. Was die Gewalt lähmt, zerreißt, was,dem Kaiser jedes Wollen des Fortschrittes, jeden heilsamen Versuch unmöglich macht, das ist die finstere, wenn auch beschränkte Macht desjenigen Theils des russischen Adels, welcher die sogenannte alte moskowitische Partei bildet, und dessen auflösenden Einfluß wir mehr als einmal bezeichnen werden. Der Tod Aleranders ist ein noch aufzulösendes oder vielleicht auch vollkommen gelöstes Problem : er wollte Kaiser sein. Peter I. starb wie Tiber in Caprea: Senatoren und Generäle zogen an beiden Enden der Schärpe welche ihn erdrosselte. Das Ende Peter III. wurde durch eine raffinirte - Barbarei bezeichnet. Diese Umstände sind minder bekannt wie jene, welche den Tod Paul I. begleiteten. Der Czar wurde durch die Günstlinge seiner Gemahlin ermordet und starb ein Opfer der Männer welche, eine Nacht in den Armen Catherinens zubringend, alsbald zu Verschwörern gebildet wurden. Dieses Drama bietet für die, welche das Haus der Atriden blutig färbten, nichts zu beneiden dar. Folgendes ist der Hergang der Sache: Peter III. war im Gefängnisse zum Opfer auserwählt von der Clytemnestra des Nordens. Die Egisthe nannten sich Orlof und Teplof; sie wurden zu dem Czaren gesandt und mußten ihm von seiner künftigen Befreiung erzählen. Der Gewohnheit nach ward diese Unterhaltung mit Liqueuren und hitzigen Getränken angefacht, und während Teplof den Kaiser durch allerlei Späße zu zerstreuen suchte, goß Orlof das Gift welches ein Hofarzt, ein anderer Günstling Catherinens, sorglich bereitet, in den kaiserlichen Becher. Der Czar trank ohne Mißtrauen; aber bei den ersten Wirkungen des Giftes errieth er Alles, verweigerte er ein zweites Glas, welches ihm Orlof darbot und warf demselben sein Verbrechen vor. Alsdann begann ein schreckliches Ringen. Die Mörder warfen sich auf den Kaiser, welcher sich in die Arme eines französischen Kammerdieners, dessen Treue ihm bekannt war, flüchten wollte. Aber die Mörder schleppten diesen Bedienten aus dem Gefängnisse und drangen von neuem auf Peter III. ein. Seine letzte Stunde herannahen sehend, warf sich Peter III. zu den Füßen seiner Henker und rief: „Ihr seid also nicht zufrieden, mir die Krone von Schweden geraubt, die von Rußland entrissen zu haben, es genügt Euch nicht, mich vergiftet zu haben, ihr könnt die Zeit nicht erwarten, meinen Todeskampf zu erblicken; ihr fürchtet, daß ich zu langsam sterbe!" In diesem Augenblicke drang der junge Fürst Ba- ratinsky, der vor dem Gefängnisse die Wache hatte, den Lärm hörend, in das Gemach, aber schon hatte Orlof den Kaiser zu Boden geworfen und preßte ihn mit beiden Knieen die Brust. Mit der einen Hand faßte er den Hals des Czaren, mit der andern quetschte er dessen Haupt gewaltsam gegen den Fußboden. Dieses sehend, gesellte sich auch Baratinsky hinzu, und von Teplof unterstützt, bog er eine Serviette, woraus eine Schleife gemacht worden war, um den Hals des Kaisers. Selbst in den Zuckungen des Sterbens suchte sich Peter III. noch zu vertheidigen; er zerkratzte mit seinen Nägeln das Gesicht Bara- tinsky's, aber die drei Mörder wurden bald Meister ihres Opfers und vollendeten die Erdrosselung. Vielleicht ist es bei dieser Gelegenheit nützlich zu sagen, daß der Fürst Potemkin das zu jener Zeit verbreitete Gerücht, welches ihn zu der Zahl der Mörder gesellte, immer mit der größten Entrüstung Lügen strafte. Catherina II. ließ den Körper Peter III. in dep Kirche Alerander Newöky ausstellcn und ihrem Volke verkünden: ihr Gemahl sei in Folge einer heftigen Kolik verschieden. Das erinnert uns an den Umstand, daß Constantin, der Bruder des jetzigen Kaisers, ebenfalls plötzlich an einem Anfalle der Cholera'gestorben. Drei Tage hindurch blieb der Leichnam des ermordeten Czaren auf den Katafalke ausgestellt. Man hatte ihn in eine preußische Uniform gekleidet; blutige Verspottung! Jedermann durfte dem Todten nahen, um dem Gebrauche zufolge einen Kuß auf dem Mund des Verstorbenen zu drücken. Die welche diesen Muth hatten, kehrten mit angeschwollenen Lippen daheim. Das Blut des Schlachtopfers, unter der Oberhaut verbreitet und durch das Gift gebrannt, quoll durch alle Poren hervor und durchnäßte sogar die Handschuhe, welche man dem Todten angezogen. Dies Schauspiel war scheußlich bis zum Wahnwitz! Es ist jedenfalls interessant einen Brief zu durchlesen, welchen Friedrich II. über diese Catastrophe an den Grafen von Finkenstein, einen seiner Günstlinge, geschrieben. Es ist übrigens bekannt, daß der König von Preußen mehrmals Peter III. von den gegen dessen Leben gepflogenen Complotten in Kenntniß setzte. „Der Kaiser von Rußland, schrieb Friedrich II, ist durch Catherina entfernt worden. „Dies war vorauszusehen. Diese Fürstin hat viel Geistund dieselben Neigungen wie die Verstorbene (die Kaiserin Elisabeth). Sie hat nicht die mindeste Religion, aber sie ahmt die Fromme nach. Es ist der zweite Band des griechischen Kaisers Zenon, seiner Gemahlin Adriana und Catherinens von Medicis. „Der arme Kaiser hat Peter I. nachahmen wollen, aber er hatte dessen Genie nicht." Der Mord Peter's ist, wie wir gesagt haben, in seinen Details weniger bekannt, als der Paul I., welcher mit der eignen Schärpe, in seinem eignen Pallaste, von seinen Vertrauten erwürgt wurde. Was den Tod Alerander's betrifft, dessen Körper, wie der Peter's, öffentlich ausgestellt wurde, so hat man den Schleier noch nicht gehoben, mit welchem mehrere Autoren diesen Hintritt bedeckt wissen wollen. Gestehen wir indessen, daß zwei Personerl, welche in jener Zeit sich in Rußland aufhielten und von denen die eine einen diplomatischen Charakter hatte, die andere eine hohe militärische Stellung bekleidete, die Herren von Th... und voll Sch... *), *) Mmi wird unsere Diskretion entschuldige,!. uns mit Bestimmtheit bestätigt haben, daß kein Merkmal, kein Beweis zu Gunsten des Geheimniß- vollen, womit man das Ende Alerander's umgab, beigebracht werden konnten. Allein der Mangel jedes Beweises eines Verbrechens beweist keineswegs das Nichtvorhandensein desselben, besonders aber in Rußland und bei Begebenheiten solcher Natur. Herr Duprs de Saint- Maur selbst, welcher den Limite en Hu88ie geschrieben hat, wird durch die Stille getäuscht, die sich stets um die Gräber der Kaiser lagert. Er versucht — sonderbar genug — Katherina II. wegen des Mordes von Paul III. zu rechtfertigen, indem er sagt: „Was mich betrifft, so kann ich bezeugen, daß ich an den Orten selbst diese Anklage weder in einem Munde noch in einer Erinnerung gefunden habe. Herr von Segur, fügt er hinzu, erklärt selbst in seinen Memoiren, daß ihm Friedrich, bei Gelegenheit des Bedauerns, welches dieser Gesandte über die tragische Einweihung der Regierung Catherinens äußerte, antwortete: „Ach! was diesen Punkt „betrifft, so weiß ich ihr Gerechtigkeit widerfahren „zu lassen, obgleich wir uns in anderer Hinsicht „entzweit haben. Man ist über diese Angelegenheit „in Jrrthum. Man kann der Kaiserin weder die „Ehre noch das Verbrechen dieser Revolution „beimessen; sie war jung, lebte abgesondert, war „mürrisch und nahe daran verstoßen zu werden. „Die Orlofe haben alles gemacht; Fürstin Taschkof „ist die eitle Fliege der Kutsche gewesen. Rulhiäres „ hat sich geirrt."" Das ist was Dnpro de Saint-Maur anführt. Aber dieses Gespräch Friedrich II. mit einem Gesandten, welches die in seiner Korrespondenz enthaltenen Briefe dieses Königs, der Wirkung nach ungültig macht, beweis't durchaus nur Eins, das nämlich, daß das Blut, welches von Thronen fließt, schnell verwischt ist, und daß es an gewissen Höfen eben so wenig Augen giebt, welche die Hand sähen die es vergießt, als Ohren die das Geschrei des Opfers hörten, und einen Mund, der den Mörder anklagte. Worauf muß man alsdann bei dein Tode Aleranders schließen? Das Beste was zu thun ist, ist das Stillschweigen seines treuen Adels nachzuahmen. Aber dennoch wollen wir den letzten Tagen dieses Kaisers einige Zeilen weihen, welche zur Geschichte der immer zwischen dem Throne und der moskowi- tischen Feudalität schwebenden Kämpfe dienen können. (Fortsetzung folgt.) Über den heutigen Stand der Reliefkarten - Fabrikation. Nicht nur seiner Nützlichkeit wegen, sondern auch weil sich Deutsche besonders darum verdient gemacht, wollen wir in unserm Journale diesem neuen Zweig der Industrie die gebührende Aufmerksamkeit schenken. Relief- oder Hochkarten werden folgendermaßen verfertiget: 1) In Holz, indem jede einzelne Karte aus diesem Stoffe geschnitzt, nachträglich mit Ölfarben überstrichen und mit Zeichen und Namen für Städte, Flüsse und Berge überschrieben wird. Solcher hölzerner Reliefkarten befinden sich unter andern sehr schöne und große im Pariser Jnvaliden-Hotel. Es braucht nicht bemerkt zu werden, daß solche unendlich theuer 3 sind und nur auf Staatskosten angeschafft werden können. Ihr Nutzen ist dabei sehr beschränkt, da sie nicht transportabel sind, und selten Jemand in dem Momente, wo er sie einzusehen nöthig hätte, sich gerade am Orte ihrer Aufstellung befindet. 2) In Gyps oder einer ähnlichen, mit Kreide und Leim gemischten Masse. Diese Materie hat den Vortheil, daß man die Reliefarbeit nach Belieben vervielfachen kann, indem man sie in die einmal gefertigte Modelform gießt; aber für Flüsse, Positionen und Namen bleiben dieselben Unvollkommenheiten; solche müssen, wie bei dem Holz, auf jede Karte einzeln ausgeschrieben oder ausgezeichnet werden, eine Procedur, die langwierig, ohne sauberes Ansehen und kostspielig ist, obgleich man nicht leugnen kann, daß sehr schöne und correcte Karten aus diese Art geliefert werden können. Sie sind aber ihres hohen Preises wegen nur Bibliotheken und ähnlichen Anstalten zugänglich; wohlfeile auf diese Art ausgesührte, können nicht anders als, als werthlose betrachtet werden. 3) Diesen Übelständen hat man nun dadurch abzuhelfen gesucht, daß man über eine dergestalt gegossene Reliefkarte einen ganzen Bogen Papier klebt, auf welchem Bogen vorher schon sämmtliche Flüsse, Positionen sammt den Farben aufgedruckt sind. Mit dieser Neuerung hat die Reliefkarten- Fabrikation in einer Beziehung einen bedeutenden Schritt vorwärts gethan, indem man nun nicht mehr nöthig hat, jeden Stadtnamcn einzeln auf die Karte zu schreiben, aber sie that auch einen eben so großen Schritt rückwärts, da mit dem Auskleben einer mit Schrift bedeckten Flachkarte auf eine schriftlose Reliefkarte alle Richtigkeit verloren geht. Denn abgesehen davon, daß es keine kleine Arbeit ist, zwei Karten, selbst bloße Flachkarten, einzeln so zu zeichnen, daß, wenn sie später auf einander gelegt werden, sie, wie zwei gleiche Dreiecke, einander in jeglichem Detail vollständig decken, so ist es ganz unmöglich, eine Reliefkarte durch eine Flachkarte gleichen Umfangs zu decken, denn eine Reliefkarte mit ihren Bergen und Thälern hat mehr Oberfläche als eine Flachkarte, nothwendig muß also letztere zerrißen, oder zerschnitten, gezogen oder verschoben werden, um wenigstens die stachen Stellen der Karte zu decken, während die Berge durch die Risse hervortreten. Je breiter deren Rücken, desto weiter die für sie nöthige Spalte, man möchte denn gerade, um diesen Übelstand möglichst zu maskiren, die Gebirge stets sehr schmal halten, wodurch sie aber, wenn die wirkliche Höhe derselben beibehalten ist, sich zu Mauern und Spitzkegeln gestalten, Formen, die in der Natur nur höchst selten Vorkommen. Daß die Flüsse über die Berge laufen, die Städte oft, statt im Thal, auf die Höhen zu liegen kommen, ist bei diesem Vorgänge unvermeidlich, und jedem aus den ersten Blick ersichtlich. Außerdem aber leiden diese Karten auch an zwei Hauptfehlern, Die übrigens weniger in die Augen springend sind. Tie Schrift ist durch Buchdruck auf die vorher in Farben gedruckte Flachkarte gebracht. Buchdruck aber läßt sich nicht gut anders als in geraden Linien setzen, welche aber beim Kartendruck nicht immer gut anzubringen sind, denn bald ist ein Land groß, bald klein, bald gerade ausgedehnt, bald schlangensörmig gewunden; die Namen müssen sich nun nach Erforderniß wenden und drehen, damit sie immer aus der rechten Gegend stehen bleiben, was bei dem gewöhnlichen Kartenstich sehr wohl geht, nicht aber ^ - bei Buchdruck-Manier, wo die Ländernamen bald zu kurz, bald zu lang, bald eckig abgebrochen erscheinen. Dies hätte aber weniger zu bedeuten als der unglückliche Umstand, daß der Satz sür die Namen nicht unmittelbar auf der Karte vorgenommcn werden kann, wie auf den auf Kupfer oder Stein gra- virten Karten, sondern derselbe, unabhängig vom Flußnetze, das ertra ü, ln eon^rdve blau gedruckt wird, unabhängig von den Städte-Positionen (oder Ringchen), welche ebenfalls ertra gelb gedruckt werden, unabhängig von der Reliefkarte, die besonders gegossen wird, gesetzt und zuletzt aufdie schon inFar- ben gedruckte Karte gedruckt werden muß. Wie bleibt bei so vielfachem Druck ausdemselben Bogen Papier auch nur die leiseste Hoffnung auf Correctheit, auf richtiges Zusammentreffen, da bekanntermaßen Wechsel im Feuchtigkeits-Grade das zu bedruckende Papier verlängert oder verkürzt? Was nun den Farbendruck betrifft, von dem man allerwärts viel gesprochen, und den man als großen Fortschritt gepriesen hat, so ist leider auch hierüber viel zu bemerken. Schön und rein fällt dieses Colorit ans, das kann Niemand läugnen, und paßt vortrefflich da, wo es sich nur um 2 bis 3 in großen Flächen gleichmäßig aufgetragene Farbentöne handelt, läßt den Geographen aber rathlos im Stich, sobald er kleine Pünktchen (z. B. Inseln oder kleine Läudchen oder einzelne Berge) zu coloriren hat, ebenso, wo er mehr als drei und vier Farben braucht, oder wo diese vielfach gewunden und ausgezackt durcheinander laufen oder sich gar allmählig in einander verlieren sollen. Nun aber kommt dies mehr oder weniger auf jeder Karte vor, und darum paßt der Farbendruck hierzu fast selten oder nie. Freilich, wenn man die Sache umdreht, wenn man die Färbung für Länder und Staaten nicht nach den Forderungen der Geographie, sondern wie es dem Drucker am leichtesten und bequemsten ist, bestimmt, also die Wissenschaft dem Congwve- oder andern Druck unterordnet, dann allerdings beseitigt man leicht alle Schwierigkeiten; man schiebt aber dadurch den weitern Fortschritten erdkundlicher Darstellung einen Riegel vor, statt sie zu fördern. Dies sind die drei bisher zur Verfertigung von Hochkarten angewandten Methoden; die Nachtheile der beiden erstem sind ihr hoher Preis und das schlechte Aussehen ihrer Schriften; die der dritten Methode vor allen: die Unmöglichkeit Richtiges damit zu liefern. Nun hat sich aber eine vierte Methode angekündigt, welche alle Nachtheile der vorhergehenden nicht zu haben scheint, wenigstens spricht die Probe, welche wir vor Angen haben, vollständig zu ihrem Besten. Es sind dies die Hochkarten von Obe rmüller in Paris. Sie sind auf Papiermasse gedruckt, die Namen der Städte eben so wohl als deren Ringchen; die Flüsse wie die Länder-Umrisse sämmtlich schwarz und sehr markirt, gerade wie auf gewöhnlichen Flachkarten und ebenso precis. Es ist nicht eine Flachkarte aufdie Reliefkarte geklebt, sondern Schrift und Berg scheinen durch einen einzigen Druck hervorgebracht, darum sieht man auch nirgends Verschiebungen, noch Risse, noch die Flüsse über die Berge laufen; die Namen derselben stehen hart am Flußsteig, die Städte-Namen hart bei ihren Ringchen, die Länder-Namen sind nach Bedürfniß gewunden und gebogen ohne Ecken und stehen an ihrem rechten Orte. Die Berge haben alle mögliche Formen, wie sie nur immer in der Natur Vorkommen mögen. Das Colorit ist brillant und entspricht in mehr als zehn Farben-Nüäncen allen Forderungen des Terrains, so wie politischer Eintheilung; kurz wir halten nun das Problem gelöst richtige, schöne und dabei wohlfeile Reliefkarten zu sabrici- ren, denn die Obermüllersche Hochkarte von Deutschland (2 Spannen hoch und 2 1 s4 Spanne breit) kostet sammt elegantem Rahmen nicht mehr als 5 Franken. drordamerikanische Zeitnugsschar^ Sonderbar. Vor einigen Tagen traten in Nen-Uork vier christliche Frauen zur jüdischen Religion über, und ließen sich, wie es in englischen Blättern heißl, zu diesem Zwecke taufen. Ob diese Rückläufe nöthig ist, wissen wir nicht. Kurz daraus verhciratheten sich dieselben mit vier Israeliten. Das Letztere ist nun zwar nicht sonderbar, aber daß sie zur jüdischen Religion übergingen, ist an und sür sich auffallend, und daß sie sich zu diesem Behufs taufen ließen, kömmt uns sonderbar vor. Es gibt in- deß genug Juden in diesem Lande, welche christliche Frauen haben und ganz gut mit einander auökom- men. Die Polizei in Boston hat 54 Kisten mit Fluß- spathsäure gemischten Thce in's Wasser werfen lassen. — Dies ist das zweite Mal, daß der Hafen von Boston als Theekessel gebraucht wurde. Magnet - Kraft. Professor Locke von Cincinnati hat einen Magnet erfunden und verfertigt, welcher bei einem Gewichte von 17 und 1j2 Pfund, 11 Centner zu heben vermag. Eine schwimmende Kirche. In New- Nork wurde aus Beiträgen, die wohlwollende Kaus- leute zu diesem Zwecke gesammelt hatten, eine niedliche, gothische Kapelle aus zwei großen Böten erbaut. Die Kirche ist 70 Fuß lang und 30 Fuß breit. Sie ist sür Matrosen, Schiffer und Fischer bestimmt. Gut. Die Gesetzgebung des Staates Alabama hatte kürzlich einen Gesetzentwurf unter Berathung, der die Ehescheidung eines I. M. Jones und seines WeibeS verordnte. Man trug aus dessen unverzügliche Annahme an, und antwortete auf die Frage, warum man solche Eile in dieser Sache verlange, daß Hr. Jones die nächste Woche noch eine andere heirathen wolle. Der Gesetzentwurf passirte hieraus mit 53 gegen 15 Stimmen. Im verflossenen Jahre wurde an Gold und Silber in den Vereinigten Staaten eingesührt 23743 631 Dollar. Auögeführt wurde an diesen Metallen nur zum Betrage von 3118399 Dollar. Der in Berlin lebende Gelehrte, Friedrich von Raumer, welcher ohnlängst von dem Nationalinstitute in Washington zum correspondirenden Mitgliede ernannt wurde, und sich nun vorbereitet künftiges Frühjahr die Vereinigten Staaten zu besuchen, hat unterm 15. November ein sehr verbindliches Schreiben an Herrn Francis Markoe, den Sekretär der genannten Academie, übersandt, in welchem er unter andern folgendes schreibt: „Ob ich gleich der englischen Sprache nicht ganz unkundig bin, ist doch das Deutsche in Nordamerika so bekannt, daß ich es wage, Ihnen, geehrter Herr, in meiner Muttersprache zu antworten. Dem Plane: mit nächstem Frühlinge nach den Vereinigten Staaten zu reisen, widersprachen Viele: denn ich sei' zu alt, könne mich hier nicht genug unterrichten, oder werde dort (als ein ganz Unbekannter) nur wenig erfahren und erlernen. So lange mit geschichtlichen Arbeiten, über die Vergangenheit beschäftigt, wollte ich aber auch einmal das Land der Gegenwart und Zukunft erforschen, ein Land wo man nicht bloß Ruinen längst verflossener Zeiten anpreiset, sondern Alles voll ist von jugendlichem, frischem Leben. Freilich, manche Reisende wissen von den Vereinigten Staaten nichts zu erzählen, als daß man Tabackkraut mit zweizinkigen Gabeln ißt u. dgl. — Andere, welche vorgeben tiefer einzugehen, jammern daß sie nicht fanden Richter mit Perrücken, Erstgeburtsrecht, eine herrschende Kirche, LordS und Prälaten, Soldaten und Offiziere in Überfluß rc. Weit entfernt daß mich derlei Behauptungen und Ansichtenüberzeugt hätten, ward ich immer hartnäckiger und eigensinniger im Widerspruche. Ob aber Nord- Amerika so sei, wie ich eS mir einbilde und ausmale, läßt sich hier nicht entscheiden, und ob ich Hinreisen solle, blieb lange unentschieden. — Ta kömmt die Ausnahme in Ihr Institut, wie ein günstiges, erfreuliches Omen. Ich darf nunmehr mit verdoppeltem Muthe uns freundliche Belehrung und daraus hoffen, daß man mich als einen dankbaren Schüler betrachten und aufnehmen wird. Mit größter Verehrung Ihr ergebenster v. Raumer." Buntes und Spitzes. In Kiel hat das Obergericht die Dennncla- tion (Angeberei) als unsittlich verurtheilt, und das Wort Denunciant als grobe Schimpsrede bestraft. Ein juugerMann., der gern Komplimente machte, aber kein Geschick dazu hatte, saß bei Tische mit mehreren interessanten Mädchen, deren eine ihn fragte: „Warum er so wenig äße?" — „Ach! antwortete er, wenn man solche Damen sieht, vergeht Einem der Appetit." „Das Leben in unserer Haupt- und Residenzstadt wird immer bunter und scheckiger, "wird der „Breslauer Zeitung" aus Berlin geschrieben. „TaS Al- tertbum, die mittlere und neue Zeit wandeln auf den Straßen herum, gehen ins Theater, in die Kirchen unv Collegien. Aristophanes Frösche, Ritterhelme, gestiefelter Kater, Kirchenzeitung, Schelling- sehe Philosophie, goldbetreßte Livreen aus der Zopfzeit, Sommeruachtstraum, moderne Röcke, weiße Filzmützen mit Nationalcocarden — das wimmelt Alles durcheinander, verwirrt Einem den Kopf und Verstand, daß man alle Augenblicke den Kalender zur Hand haben muß, rem sich von seinem Dasein im Jahre des Heils 1844 zu überzeugen. Auch in Merieo macht die deutsche Polizei Fortschritte. Jeder Fremde muß, ehe er landen darf, nicht unreinen Paß, sondern auch ein Zeugniß über sein gutes Betragen haben; reist er ins Innere des Landes, so muß er sich in jeder Stadt wie in jedem Dorfe bei den Behörden melden und seine Pässe vi- siren lassen. „Da muß 's ja prächtig sein." Wir empfehlen Merieo deutschen Auswanderern; sie finden daselbst deutsche Institutionen! Es gleicht sich doch mit der Zeit alles Unangenehme (!) aus. Die „Cölner Zeitung" meldet: „Tie Einführung einer deutschen Flagge ist vorläufig auf unbestimmt vertagt und von Herstellung einer deutschen Flotte höchstens nur noch auf dem Papier die Rede." — Ich hab's immer gesagt: Wenn die Deutschen nur etwas recht lange und ordentlich hoffen, sie erreichen's auch. — Wo aber wird nunmehr Herr Fr. Saß seine Anstellung als Admiral und Hochbootömann bekommen? („Morgenstern.") Essen. Jedes Thier ißt so viel als cs sich verschaffen und ertragen kann; eine Kuh ißt nur um zu schlafen, und schläft nur um zu essen, und wie- derkäut noch obendrein gehörig. Ein Haifisch schlingt 10 Millionen lebendiger Krabben auf einem Zug hinunter, ein brütender Kanarienvogel verspeist so viel als seine eigne Masse in einem Tage beträgt, und eine Raupe 500 Mal ihr eigenes Gewicht, el)e sie sich hinlegt um als Schmetterling wieder zu erstehen. Tie Maden und Milben essen die Welt, in der sie leien, selbst auf. Sie nisten und Hausen in ihrem Fleischklumpen. Tie Hyäne frißt, wenn sie nichts hat, ihresgleichen. Und doch hat eine Milbe nicht die Gicht, und ein Walisisch ist keinem Hüftweh unterworfen. Auch erzählt uns Capitän Lyon, daß kein ESquimaur von Zahnschmerz, Magendrücken oder Krämpfen geplagt werde, ob er gleich zehn Pfund Seehundsfleisch speist und eine Gallone Thran auf einen Zug trinkt. Es ist eine für unsere Zeit gewiß überraschende Erscheinung, wenn man immer noch die Behauptung aufstellen hört, die Ideen, welche sich durch die Zeitungöpresse kund geben, seien nicht sowohl Volks- eigeuthum, als vielmehr Eigenthum einzelner „unruhiger" Köpfe, die aus irgend einem persönlich sie berührenden Grunde ihre Ansichten geltend zu machen sich bemühten. Man sollte nicht glauben, daß, wenn auch jede geschichtliche Kunde über Völkerleben jenen Beurtheilern fremd geblieben wäre, die Ereignisse der Gegenwart so ohne allen Eindruckzu hiuterlassen an menschlichen Sinnen vorüber ziehen könnten, und es wird einem schwer, sich von der Kurzsichtigkeit eine Vorstellung zu machen, die es nicht einmal zu ahnen scheint, daß der Beurtheiler, indem er dem Volke jeden Sinn für höhere Entwickelung abspricht, sich selbst für die Beurtheiluug des wahren Volkögeistes als durchaus unfähig hiu- stellt. Wer irgend mit unbefangenem Blicke die Zeitereignisse betrachtet, muß eingestehen, daß die Menschheit heute mehr als je daö ihr durch die Vernunft gesteckte Ziel zu verfolgen uud zu erreichen strebt, muß einräumen, daß Alles, was zu diesem Ziele führt, mehr als je ins Volksbewußtsein übergegangen ist. Hierin liegt die Bürgschaft für sicheren Fortschritt! Mögen immerhin die in der Erinnerung früherer Vorzüge und Vorrechte Lebenden mit Mißfallen auf den heutigen Standpunkt derStaats- entwickelung Hinblicken, mögen sie immerhin sich Mühe geben, veraltete, vor dem Richterstuhle der Vernunft nicht anerkannte Rechte wieder au sich zu bringen, ihr Treiben wird um deswillen vergeblich sein, eben weil es ein vernunftwidriges Treiben ist und die Vernunft, dies dem Menschen dargereichte göttliche Geschenk, immer allgemeiner ihre Forderungen stellen wird. T. Z. Sechstes Concert -cs Lonürvatorinms. (Am Liste» März.) Dieses Eonzcrt begann mit der Symphonie in O äur von Beethoven. Diese Symphonie, welche durch Herr Tilmaut in Paris bekannt wurde, wurde jetzt wieder nach jahrelanger Ruhe von demselben hervorgeholt und zur Aufführung gebracht. Ich hielt dieses Werk stets für Eines der Schwächer» von Beethoven, und war eben sein Freund nicht, ich bin es aber seit heute, da ich diese Symphonie von dem Orchester des Eonservatoriums hörte, welches den frühern Eindruck gänzlich zerstörte. Das Andante und Scherzo wurde zur Wiederholung verlangt. — Nun folgte ein Motet von Mozart (8pen- «lente te Deus), der gute Vater Mozart! Wenn er sich etwas zu Gute gethan hatte, und die Perrücke schon schief auf dem Kopfe saß, da kümmerte er sich eben auch nicht sehr um den Tert und den Eharakter seines Stückes. 8u Illölaneolle; Unsänrole (? !) pour le violon heißt die Nummer, welche Herr Prume auf der Violine vortrug. Ter Name thut eigentlich nichts zur Sache, und das genannte Stück ist eine recht artige, wenn auch nicht werthvolle Eomposition, welche dem Spieler viel Gelegenheit darbietet, seine Fertigkeit zu zeigen und auch einige Kunststückchen zu machen. Herr Prume erwarb vielen Beifall, jedoch können wir nicht unterlassen zu bemerken, daß wir zu wiederholten Malen in einer und derselben Stelle im Ritornell eine Note hörten , die weder 41 noch 8 lautete, sondern die Mitte hielt. „Erklärt mir, Graf v. Örindur, diesen Zwiespalt der Natur?" — Der Seythen-Chor und daö vorhergehende große Reeitativ aus Glucks „Iphigenie in Tauris" wurden diesmal von Massol und dem Chorpersonale vortrefflich ausgeführt. — Den Beschluß machte die Symphonie in 8 6ur von Haydn, dereu frisches und originell instrumentirtes Finale am meisten an sprach. Herr Tilmant leitete das Orchester. Mar M. Conzert-Anzeige. Donnerstag den 31. März, um 1 Uhr Mittags, findet in dem Salon des Herrn H. Herz ein großes Conzert statt, daö der Sänger Herr E. Pas- quv veranstaltet. Wir haben die schöne Baritonstimme des Couzertgeberö in diesem Winter in vielen Salons mit großen: Vergnügen gehört und sind überzeugt, daß sein Conzert, in dem noch überdies wackere Künstler, wie die Herrn Lac, Armin- gaud, Madame Ruth u. s. w. Mitwirken, eines der besuchtesten der Saison sein wird. Eingcgangenc Beiträge zum deutschen AtlfS- Verein. Übertrag. . . Fr. C. 3247 45 Herr Bastion (Ster Beitrag). . . . 23 Müller a. Wcissenburg. . . 6 I. Wallerstein aas Mannheim. 5 D. Jmmerwahr (2ter Beite.). IS Dr. Otterburg (jährlich). . . 10 Summe. . . 330S 45 Redactenr: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Renon ard. Paris, Mittwoch Nr. 27. 3. April 1844 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate» ... 18 „ Drei Monate. . . . 9 „ Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. §rur l'MIemsgue, rus äes Noulins, 32. und in der Buchhandl. von Aulen Heuousrä et rue äs (louinori, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschast, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am CrscheinungS-Tagc, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. B idau lt, 46, rue eie la 4u88ienne.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzcigcn. —Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgclder und Briese wollen lrnneo : « An die Redaktion des Journals: Vorwärts, 32, rue 6e8 UouIin8 in Paris » eingcsendet werden. Probe-Scene aus einem deutschen Original-Drama. Die ausgezeichnet freundliche Art, die liebevolle Aufmerksamkeit, mit der Herr D. Karl Gutzkow stets mein geringes Übersetzer-Talent anerkannte, die zärtliche Sorgfalt, mit der er sich immer und eis- rigst mit mir beschäftigte, machen mir es zur Pflicht, ihm dankbar ein Original-Drama zu widmen, das zur nächsten Leipziger Michaelis-Messe vollständig erscheinen wird. — Für strenge Rigoristen bemerke ich, daß das beigehende Vorspiel im Dezember des vergangenen Jahres für einen kleinen gesellschaftlichen Kreis geschrieben wurde, in dem man gerne der falschen Propheten der heutigen deutschen Journalistik und der Lobes-Assecuranz-Gesellschaften des weiland jungen Deutschlands mit satyrischer Laune gedachte. Wahrscheinlich wäre dieses, nicht zur -Öffentlichkeit bestimmt gewesene Bruchstück, auch ferner ruhig in der Unterlage meines Schreibtisches geblieben, wenn nicht bei Herrn Gutzkow die zärtliche Liebe und Aufmerksamkeit für meine Wenigkeit einen solchen Grad erreicht hätten, daß er keine drei Zeilen mehr schreiben kann, ohne meiner zu erwähnen, und es fast scheint, als ob ich im Wachen wie im Träumen immer seinem Geiste vorschwebe. Für so viele Güte dankbar zu sein, ist der Zweck dieser Widmung. — Ich bin nicht undankbar und werde Alles mir Erwiesene stets zu vergelten wissen. _ HB. Probe- Seenen aus Doctor Karolus Put;kopk, Drama in S Akten und in höchst ungebundenen Versen. (Seitenstück zu Goethes „Faust.") Erste Scene. Des Meisters Zimmer; dunkles finsteres Gewölb mit allerhand wunderlichen Redaktions - Gerätschaften. — Mehrere verwelkte Lorbcerkränze an den Wänden. — Rechts vorne ein Schreibtisch mit dem „Conversations-Lericon" darauf und einer Ausgabe sämmtlicher Putzkops'schen Werke. — Die „Briefe aus Paris" sind mit einem Trauerflor umwunden, „Wally" liegt unter einem Briefbeschwerer aus Bronze, der einen trunkenen Faun vorstellt. Unter dem Tische liegen Öttinger's „Charivari," Laube'S „Elegante," Schuster's „Conversationsblatt," Saphir's „Humorist," und viele andre widerwärtige Blätter, die der Meister in trüben Augenblicken mit Füßen tritt. — An der Wand rechts bängt eine Ansicht vom Hambacher Schloß, links eine vom Schloß Johannisberg ; — in der Mitte das Portrat — Putzkvpfs. Dr. K. Puhkopf (allein; er sitzt im Schlafrockc am Schreibtische und kaut an der Feder). Mir ist so wüst, — ich kann nicht schlafen, Mein Kopf ist wie ein weißes Blatt So öd', so leer; — Gedanken fehlen, Jndeß die Worte strömend drängen Sich in die Feder, in die rechte Hand. — Die Nacht ist still; — kein Lüftchen regt sich, Sv lieb' ich's, wenn ich geistig schaffen soll. Still muß es sein im weiten Reich der Presse, Daß meine Stimme laut erschallen kann, Helltönend hin durch Deutschlands weite Gauen, Alles verstummt und nur der Freunde Echo Hallt hinterdrein vom Belt bis an den Rhein. Die wackern Jungen Hab' ich gut mir abgerichtet, Wie eine Meute bell'n sie, wenn mein Horn erschallt, Und weh' dem Feinde, der es keck gewagt Zu tasten an mein diktatorisch Haupt! Ein Wink von mir, und zwanzig Blätter stürzen Auf seine Spuren stch, ihn rastlos drängend, Und kläffend, knurrend, beißend Hetzen sie ^ Den Armen, bis er wankt und unterliegt. — So muß es sein, — allein will ich und unerreichbar Dasteh'n im Reich der deutschen Lit'ratur. „Lob muß und Tadel sein,^ sagt Goethe; Das Lob für mich, — der Tadel für die Andern! Mein „Telegraph^ regt die papiernen Arme Und deutet den Vertrauten meinen Willen, Den sie in stummer Ehrfurcht stets befolgen. — Noch sind nicht alle Blätter mein, noch gibt es Frevler Die ihre cig ne Meinung dreist zu haben sich erkühnen; Verfluchte! (Er tritt die Journale unter dem Tische mit Füßen.) Sehtso tret' ich euch, ich will nicht ruhen Bis ihr nicht Alle mir botmäßig seid. — Mein sei die deutsche Bühne, mein die Tagespresse, Mein die Kritik, mein Politik und Novellistik; Allein will ich in Deutschlands Press' regieren, Und alle die da schreiben, will ich führen. — (Er geht nachdenkend auf und ab.) Von Hambach bin ich ausgezogen; — jungesDeutschland ! Ich trug dein Banner hoch in meiner Hand, In die Trompete stieß ich: Fortschritt blasend, Vernichten wollt'ich des Besteh'nden Reich; — Die Zeiten haben stch geändert; — ich mit ihnen, Wie rührend stng' ich jetzt nicht den Johannisberg! „Preßfreiheit!" tolles Wort! „ste würd' uns tödten!"') Hinweg damit! wozu soll ste uns nützen? Daß jeder kommen könnte, was er wollte schreiben, Daß jeder Angriff gen mein heilig Haupt, *) Faktisch. Den jetzt des milden Sensors Nvthstift von mir wendet» Losbräche über mich, ein Donnerkeil. Nein, nein ! Censur, ich lobe dich: Du bist mein Schutz und Hort. Und soll der Putzkopf Deutschland's Erster werden, Muß die Censur streng herrschen rings auf Erden. Der Laube greift mich darum an, — der Blöde! Ich Hab ' ihn vorgemerkt, er soll mir nicht entgehen; Einstweilen geb' ich mir ein DämonU. (Er lieft einen Brief der auf dem Tische liegt,— indem er zum Schluffe kömmt, laut:) „Ich unterzeichne mich als einer löblichen Redaktion ganz Ergebenster, Dr. Karl Putzkopf." Das muß ihn rühren! denn Ich habe niemals noch So etwas Dichterisches hingeschrieben; — er wird Nicht antworten; er darf es nicht; — doch sollt er's wagen, So treff' ich ihn schon noch um ihn zu strafen, Dem Heine, Frciligrath, dem Dingelstedt, ich habe Jedem Wo ich nur konnte, einen Hieb gegeben: Der Laube wird wohl auch nicht ewig leben. Zweite Scene. Putzkopf. Ein Druckerjunge. Junge (von außen klopfend). Herr Doktor, es fehlen noch zwei Spalten für den „Telegraphen;" — die Setzer wollen nicht länger warten. Putzkopf. Tritt ein, mein Sohn! Sag' diesem Setzervolke sift's, Sie müssen warten,—müssen! hörst du, wer wohl Der einem Putzkopf kann befehl'n zu schreiben? Ja, wenn sie mich zum preuß'schcn Hofrath machten, Dann schrieb' ich — schöne Träume! Geh, mein Junge, In einer Stunde hole was du brauchst. Junge. Ja, aber die Seher sagen — Putz köpf (grimmig). Hinaus! fluchwürdiges Insekt! Junge Die Setzer haben gesagt, ich darf nicht ohne Manuskript wiederkommen. Putzkop f. Nun gut, so setze dich in jenen Winkes, Hier Haft du meinen „Blasedow," vier Bande, Lies' sie, mein Junge, das wird dich erquicken. -ZUNge (mit einem Sprunge zur Thüre hinaus). Ich danke,Herr Doktor! ich komme in einer Stunde wieder. - . (Ab.) Dutte Scene. Putz ko Pf (allein). Der Undankbare! Ach, ich sag' es ja, Nicht reif ist Deutschland noch; so lange Man meine Werke nicht in jeder Hütte lies't, Nicht meine Dramen spielt auf jeder Bühne, *) S. „Zeitung für die elegante Welt," 1843, Nr. 17 . Kann Großes nicht und Herrliches geschehen. Wie kam ich vorhin doch auf Preußen? Hm! sieh, ich dachte an Berlin, an Tschoppe, Bei dem ich manches Stündchen einst verplaudert; Zum Danke Hab' ich ihm auch einen Necrolvg geschrieben, Der seine Frau und Kinder freuen muß. — Cs war' so übel doch nicht in Berlin — Wenn sie mich nur zum Hofrath machen wollten; Der Raupach ift's doch auch, und was ist Raupach Gen eines Puhkopfs stolzen Adlerflug!— Der Dingelstedt ist Hofrath auch geworden, Und ich haß! noch nicht Mal 'nen Orden, Ein Bändchen, Kreuzchen, irgend einen Stern. Warum ist Rußland doch so kalt und fern? Du hitttefsiRecht, Therese, als du sangst: ,,Dorthin, dorthin laß uns Geliebter zieh'n, Wo Orden noch und blanke Rubel blüh'n, Wo das Genie noch richtig wird tarirt, Mit Obersten, mit Hokräthen rangirt."—- Weg mit den Träumen, — noch zwei Spalten Für meinen Telegraphen muß ich haben, Laß seh'n, was für ein Stoff hiezu sich findet. Hm? ,,Über Preßfreiheit?"— Nein! nein! der Laube könnte Mir wieder auf die Finger eins versehen. ,,Deutsche Philosophie?" Ein schlecht Geschäft, Man wird nicht Hofrath durch Philosophie, — „Theater?" - Hm! das ging! (Schreibt.) „In Hamburg wurde endlich das lang ersehnte Meisterwerk unseres berühmten ersten deutschen Dramatikers Dr. K. P. gegeben. — Endlich wieder ein Mal ein gediegenes, ein klassisches Drama unter der Fluth französischer gehaltloser Übersetzungen..." (Sich unterbrechend.) Wie oft ift's denn gegeben worden? (Blättert die Hamburger Journale durch.) Ein Mal! was ist das? „Die Wallftraße?" Nach dein Französischen bearbeitet, zum ersten Mal, Zum zweiten Mal: die Wallftraße, zum dritten, vierten, Zum fünften Male gar dies seichte Stück — Und ein Mal nur mein weißes Blatt! mein „Zopf und Schwert!" Oh deutsches Publikum! wie bitter kränkst du mich! Nichts vom Theater; — etwas Anderes! — Laß sehen! Sieh! Briefe! (Er lies t Einen.) „Die ungeheure Verehrung, die ich für Ihre ausgezeichneten Meisterwerke hege, die die Zierde unserer deutschen Literatur ausmachen, ermuthigt mich Ihnen beigehend hundert Sonnette, die ich in der Begeisterung müßiger Stunden geschrieben habe, zu übersenden. Möchten Sie selbe in Ihr vielgelesenes Blatt aufnehmen und mit Ihrem Adlerblicke ermu- thigen den schüchtern Hänfling, der sich vertrauend unter Ihre Flügel begibt. Da ich Correspondent der Schmierwinkler belletristischen Zeitung bin, so bitte ich in jedem vorkommenden Falle über mich und meine Feder zu disponiren. „In anbetungsvoller Verehrung erstirbt „Ihr ergebenster „Lobmich von Lobichdich." Ein wackeres Talent! man muß ihn heben, Solch' junge Kämpen unterstütz' ich gern, Schnell zwei Sonnette in das morg'ge Blatt, Und einige Zeilen drunter mit K. P. (Schreibt.) „Wir übergeben der deutschen Lesewelt hier zwei eben so zarte als sinnige Sonnette eines jungen Dichter-Talentes, das zu den schönsten Erwartungen berechtigt, und dem wir eine glänzende Laufbahn Voraussagen. ' K. P." So! Jetzo ist's gescheh'n, der Paß Zu der Unsterblichkeit ist für ihn ausgefertigt; Jetzt ist er mein, gehört mit Haut und Haar Zu meiner Treuen kampfbereiten Haufen. Noch eine Spalte fehlt; — was soll ich schreiben? (Man klopft.) Vierte Scene. Vorige. Ein Buchhandlungs-Commis. Commis. Ein Brief, Herr Doctor! Putzkopf. Von wem? Commis. 's steht drinn. (Ab.) Putzkopf (Mein.) Lakonisch ist der Mann. Was wird's da geben ? Ein Künstler wahrscheinlich, der meinem Schuhe Mit Ehrfurcht und Verehrung sich empfiehlt. (Er erbricht den Brief, lies't leise, wird blaß und murmelt halblaut die letzten Zeilen.) „-auf 200 Abonnenten gefallen ist, so sehen wir uns gcnöthigt die Redaction des „Telegraphen" — anderen Händen anzuvertrauen. Mit herzlichem Bedauern Ihre ergebensten „Hoffmann und Campe." (Er geht schweigend einige Male im Zimmer auf unv ab, — dann ausbrechend.) Ha! — Menschen! Menschen! heuchlerische Crocodillen- brut!— Halt! das ist aus Schiller, und Schiller War doch nur ein mittelmäß'ger Dichter gegen mich — Dies ist mein Stolz. — Deutschland, fahr' hin, — leb' wohl! Du wollt'st es 'so, — zerrissen ist das Band; Der Putzkopf zieht in's Moskowiter-Land. (Er geht stolz ab.) Unsichtbarer Chor aus Osten. Er ist unser! Er ist unser! Er ist unser! Lulrleops woslvies! Stimme, von 'Oben. Er ist vergessen! (Ende des Vorspiels.) Fortsetzung der Übersetzung des Werkes: KV88IL, IV. Summarium: Belehrende Geschichte vom Todeskampfe Alexanders. — Sein Tod in Taganrog. — Von einer Blume, welche das Geschick auf seinem Grabe mähte. In der letzten Zeit seines Lebens war der Kaiser Alerander traurig, melancolisch und hypochondrisch geworden. Dieser Umstand ist der Beachtung werth. Der Verlust zweier seiner vertrautesten Freunde, des Grafen Schuwaloff und des Generals Uwaroff, wendete seine Ideen dem Mysticismus der Madame Krüdner zu. Merkwürdiges Schauspiel, diesen Mann zu sehen, der aller materiellen Pracht und alles weltlichen Absolutismus, dessen Scepter er trug, überdrüssig, nur nach den Ketten eines kleinlichen und bornirten SpirituaÜsmus strebte, welcher seinen Sinnen einen neuen Reiz bot. Was begab sich während der letzten Tage in diesem kaiserlichen Haupte, das die politische und religiöse Doppel-Krone des größten Reiches der Erde trug? Hatte er Furcht vor seiner Gewalt, dieser Kaiser, welcher glaubte, die französische Revolution erwürgen zu können, oder erfüllten ihn seine Tar- taren-Legionen, deren Renner aus den Wellen der Seine getrunken und unter den Mauern von Paris die ersten Knospen der Linden benagt hatten, mit Verachtung? Es sei dem wie ihm wolle, Alerander fühlte, als er den Thron bestieg, seinen Fuß in dem Blute seines Vaters ausglitschen, und von da an füllten düstere Vorstellungen seine Seele, welche mit dem Alter immer dunkler wurden. Von den Mördern Paul's I. selbst in die Gewalt eingesetzt, war er gezwungen alle Folgen des Mordes, gleich einer verhaßten Erbschaft, zu übernehmen. Ein Geschöpf der Adligen, welche seinen Vater umgebracht hatten, träumte er vergeblich, sich von ihrem blutigen Patronat zu befreien. Seine erste Marter war, daß er die Mörder lossprechen mußte. Dies war unvermeidlich. Beim ersten Zeichen des Abscheus, das Alerander gegeben hätte, würden Hubof, Pahlen und Benningsen *) das Fest wiederholt haben. Es war schon viel, wenn sie sich ohne Murren dem kurzen Eril, das man ihnen der Form wegen auferlegte, unterwarfen. Die Edeln triumphirten. Sie konnten mit ihrem Kaiser zufrieden sein. Sie sahen in ihm ein leicht zu handhabendes Instrument, eine gekrönte Ma- rionnette, deren Fäden sie hielten, und so kümmerten sie sich wenig um das Gefühl der Zerfallenheit, das die letzten Tage Alerander's vergiftete. Indessen hatte er, nach den Kriegen von 1814 und 1815 und in dem ganzen berauschenden Gefühle des Sieges, eine Art plötzlichen Bewußtseins seiner Bestimmung. Aus Frankreich brachte er neue Ideen mit. Er wollte die rauhen Sitten Rußlands mildern, das neunzehnte Jahrhundert in den Schooß dieses Mittelalters einführen, die Gewalt centrali- siren und die Leibeignen nach und nach befreien. Der Kampf war sogleich begonnen. Die Opposition der Bojaren und der alten moskowitischen Partei nahm alle Formen an, setzte alle Triebfedern in Bewegung und wagte alle kühne Streiche.-Bald offen und stolz kämpfend, bald dumpf brütend und verschworen, machte sie Unruhen gähren, stellte Fallen, stiftete Verschwörungen an, deren Erschütterungen im Jahre 1823 selbst bis zu dem Kaiser gelangten. Nun mußte mit dieser anmaßenden Drohung, welche Ge- waltthat zu werden versprach, gebrochen werden. Der schwache und unentschlossene Charakter des Monarchen, sein durch mystische Exaltation entnervter Geist malten ihm den Ansgang dieses wüthenden Kampfes mit schwarzen, scheußlichen Farben; er schwankte auf der Bahn die er betreten hatte, und hatte keinen Muth einen Schritt weiter zu thun: seine Illusionen verließen ihn. Traurig, niedergeschlagen, enttäuscht, nahm sein Charakter einen Anstrich von Bitterkeit und Ironie an. Eine tiefe, durch die Erschöpfung sinnlicher Genüsse beförderte Melancholie, ein fast gerechtfertigter Ekel am Menschengeschlechte, ein Überdruß am Leben, eine wachsende, nicht zu heilende Taubheit, alles das wurde für Alerander neuer Stoff für Niedergedrücktheit und Langeweile. Er war nicht mehr der gewandte, galante Kaiser von 1815, der liebenswürdige Gesellschafter der Salons der Madame Recamier, der fast französische Ritter der graciö- sesten Französin. Sein in die düstern Jrrgänge einer kranken Einbildungskraft zurückgezogener Geist verband bald, durch ein bizarres Amalgam, die höchste Verzweiflung an Allem mit abergläubischen und finstern Ideen. Die Überschwemmung von Petersburg erfüllte ihn mit unheilvollen Vorgefühlen. Er glaubte sich ohne Unterlaß von Undankbaren, Feinden und Meuchelmördern umgeben. Sein Verstand litt sichtbar, und die moralische Zersetzung dieser verwundeten Natur machte schnelle Fortschritte. In weniger als einem Jahre war der Czar an den Pforten des Grabes. Es war im Monat Dezember 1825, in der Mitte der duftenden Gärten von Taganrog, unter dem lauen Himmel des mit- *) Wir haben diesen blinden Greis, welcher in der letzten Zeit seines Lebens in den Umgebungen von Hannover lebte, gesehen. 3 täglichen Rußlands, als Alexander den letzten Seufzer aushauchte. Erstarb an einer Seelenkrankheit, welche damit geendigt hatte, den Körper in ihre Verheerungen zu ziehen. So muß man wenigstens dieses schnelle Ende erklären, das keine genügend dargethane physische Ursachen hatte. Man könnte von diesem Fürsten sagen, daß er die Hälfte seines Lebens zum Lieben angewendet, den Rest desselben aber im Hassen verbraucht habe. Fast indemselben Augenblicke und wie von demselben Schlage getroffen, fiel die einzige Blume, welche auf den Ruinen, die sich um Alexander auf- gethürmt hatten, stehen geblieben war. Elisabeth starb als sie ihren kaiserlichen Gemahl begraben hatte, letzten und heiligen Auftrag, den dieses erhabene und treue Wesen auf Erden erfüllen sollte. Ihre Existenz war nichts als eine lange Verzichtleistung auf die Freuden der Welt gewesen. Vom Czar, den sie liebte, verachtet, von dem unbeugsamen, ehrgeizigen Stolze der Kaiserin Mutter beherrscht, leerte sie den Leidenskelch ohne eine Klage hören zu lassen, ohne anzuklagen noch zu verwünschen. Allein und verlassen in der Ungeheuern Öde der Hoheit des Thrones, trug sie kein anderes Diadem als die Krone des Märtyrers. Sie war eins jener Frauenherzen, welchem ihrer Barmherzigkeit unendlich, in ihrer Liebe unerschöpflich sind. Sie wußte wie man trösten müsse, sie die nicht getröstet werden konnte. Sie war der Schutzengel Rußlands. Elisabeth, ohne schön zu sein, besaß jenen geheimen, edlen Seelen eigenen Reiz, welcher sanft anzieht und zuletzt blendet. Ihrer erhabenen, keuschen Grazie und ihrem Lächeln standen die Thränen wie der Thau des Himmels der weißen Rose auf den Gräbern. Es war der Genius des Schmerzes, aber des christlichen Schmerzes, immer lächelnd und verzichtend. Als am Ende seiner Regierung, Alexander, von Enttäuschung niedergebeugt und aus einem langen Genusses-Traume erwacht, zu seiner Gemahlin, dieser göttlichen Natur, die das Übel nie berührt hatte, zurückkehrte, war es eine Freude für das ganze Reich. Man begrüßte diese Versöhnung als eine glückliche Vorbedeutung. Aber es war zu spät. Alexanders Herz war nur kalte Asche, die der Wind des Todes bald zerstreuen sollte. Die Lampe verlöschte nach diesem letzten Aufflackern. (Die Fortsetzung folgt.) Buntes und Spitzes Ein Sohn von Hegel ist jetzt Censor in Magdeburg. Was der Vater von der Censur dachte, wissen unsere Leser: der Sohn heißt Regierungs-Assessor und Censor Hegel. Man spricht in Berlin von Veränderungen in dem Kabinette des Königs. Die Vortragenden Geheimen Räthe Müller und Uhden würden ausschei- den, und die Herren Hassenpflug, in Cassel so beliebten Andenkens, so wie Herr von Gerlach, einer der Hauptstandartenträger des Pietismus, würden an deren Stelle berufen werden. Der Geheime Rath Müller galt stets für einen humallen und allgemein geachteten Mann. Der Bruder des Geheimen Ober- Zustizraths von Gerlach ist der kürzlich zum Consi- storialrath ernannte pietistische Prediger Gerlach. Die Herren wollen vielleicht aus dem Cabinet des Königs von Preußen eine Betstube machen. Und dies versuchen die Leute in demselben Pavillon wo Friedrich der Große in Sanssouci lebte und für geistige Freiheit wirkte. Im Jahre 1840, den 2ten November, erließ der Justiz-Minister Mühler eine Verfügung, welche eine legislative Berathung darüber anbefahl: „ob nicht in sämmtlichen Provinzen der preußischen Monarchie die Errichtung von Handelsgerichten ein Bedürfniß sei." Die Berathungen im Staats- Ministerium, so wurde offiziell angezeigt, waren bereits eingeleitet. Seit dieser nun mehr als drei Jahre dauernden etwas langen Einleitung ist nichts geschehen, während die gesummte öffentliche Meinung und die Angelegenheiten des Zollvereins eben so dringend die Bildung eines speeiellen Handels-Ministeriums verlangen. Das Ministerium aber in Berlin weiß weder praktische, noch politische und moralische Fragen zu erledigen. Die dänische Literatur ist kürzlich durch ein von Jakob Aull herausgegebenes Werk: „Erinnerungen als Beiträge zu Norwegens Geschichte von 1800 bis 1815" werthvoll vermehrt worden. Die Ulmer „Schnellpost" berichtet aus Augsburg : „Dieser Tage wurde auf dem hiesigen protestantischen Kirchhofe eine Frau begraben, welche eine Verwandte des protestantischen Pfarrers Ret- tenbacher gewesen, der bekanntlich eine Broschüre veröffentlichte gegen die Kniebeugung der Protestanten im bairischen Heere vor dem Mirabile der Katholiken. Aus der Grabrede war zu entnehmen, daß an demselben Tage (dem der eben stattsinden- den Beerdigung) jener Pfarrer Rettenbacher zu einer vierjährigen Festungsstrafe verurtheilt und abgeführt sei. Welchen Eindruck die Verkündigung dieses Urtels auf die Zuhörer machte, läßt sich nicht beschreiben. Rettenbach ist Vater von neun unmündigen Kindern." An der russischen Grenze wurden alle Nummern der „Augsburger Allg. Zeitung", welche das Werk von Herrn von Custine oder Kaukasische Feldzüge besprachen, in Beschlag gelegt. Ein gleiches traf andere deutsche Blätter. Wie man mit dem deutschen Michel reden muH. Ein beliebtes Sätzlein der „nationalen" Partei ist folgendes : Man muß das Volk nicht beleidigen, man muß ihm Zutrauen zu sich selbst einflößen, man darf von seinen Fehlern nur schonend sprechen und nur nach gehörig vorausgeschicktem Lobe. Dieses Sätzlein wird etwa so näher motivirt: „Namentlich das deutsche Volk ist zu lange in politischer Unthä- tigkeit gewesen, durch eine unglückselige Verkettung der Umstände ist seit den großen Kaisertagen nichts Geschichtliches in Deutschland passirt, was eine politische Größe der Nation herbeigeführt oder bekundet hätte. Der dreißigjährige und der siebenjährige Krieg wüthete nur gegen das eigne Eingeweide und beförderte die Trennung und Spaltung, welche durch die Reformation aufgekeimt war. Der letzte Krieg wider die Franzosen war nur eine halbe That; die Befreiung nach Außen wurde zwar vollbracht, aber im Innern blieben die besten Hoffnungen unerfüllt; der Zustand nach 1815 entsprach den Opfern von Leipzig und Waterloo keineswegs. Das Volk, ist dadurch mißtrauisch geworden, es hat das Zutrauen zu sich selbst verloren, haltet Ihr ihm jetzt noch obendrein seine Fehler und Mängel vor, so schlägt Ihr es vollends nieder, so wird es ganz apathisch, so kriegt Ihr es vom Faulbette gar nicht mehr empor. Darum seid weise! Ihr müßt nicht sagen, der politische Instinkt, das staatliche Bewußtsein gehe dem deutschen Volke ab; sondern Ihr müßt sagen: das deutsche Volk ist ein Volk des Gedankens, es macht seine Geschichte innerlich. Zur rechten Zeit wird auch die Lust zu Thaten schon kommen; laßt nur die Russen einmal die Ostseeprovinzen bedrohen, oder die Franzosen wieder nach der Rheiugräuze lüsten, so sollt Ihr schon sehen, wie Michel sich ermannt; am Besten wäre es, Rußland und Frankreich überzögen ihn zu gleicher Zeit mit Krieg! Ihr dürft nicht sagen, der Deutsche handle oft so, als ob ihm augenblicklich jedes Ehrgefühl abhanden gekommen wäre; sondern Ihr müßt die Sache so drehen: DerDeutsche ist einhöchst vortreffliches, sittliches, männliches Volk, er kann nur leider nicht immer wie er gern wollte und möchte, die Hände seien ihm leider gebunden, das solle aber künftig (durch was? weiß Gott und selbst der nicht) schon anders werden. Ihr dürft nicht also reden: Es ist eine Schande, daß dies intelligenteste Volk der Erde diejenige Garantie für freie, geistige Entwicklung nicht besitzt, welche Spanien und Belgien haben; sondern Ihr müßt sagen: Der Deutsche hat sich durch die beste Aufführung und durch das solideste Betragen gewiß würdig gemacht, daß Artikel 18 der Bundesacte endlich in Erfüllung gehe; namentlich würde das stille friedfertige Volk der Deutschen keinen Mißbrauch mit der Preßfreiheit treiben, und dann bitten wir noch obendrein zur Abwehrung von Übertreibungen um ein recht strenges Preßgesetz. Michel wird schon werden, sprecht ihm nur Muth zu, beleidigt ihn nicht, er ist empfindlich; wir versichern Euch, Michel wird sich machen, wir haben das seit 1840 bewiesen, wir haben das Rheinlied und bauen den Kölner Dom aus. Ist das nicht genug?" Solch larmoyantes Geschwätz, welches das Prin- cip vieler Zeitungen ausmacht, hat in Deutschland entsetzlich viel verdorben. Diese lauwarme Sauce droht an Michels Magen selbst die guten Seiten vollständig zu verderben, wenn man nicht bei Zeiten eine gehörige Dosis Pfeffer hinein würfe. Wollt Ihr einen Menschen total ruiniren, so bemäntelt nur seine Fehler; seid nur so schlechte Pädagogen, faulen Kindern zu sagen: Ihr seid zwar fleißig, aber Ihr könntet noch fleißiger werden; nun, das wird sich auch machen. Die Früchte solcher Erziehung möchten wir sehen ! Sagt doch zu einem diebischen Kinde: Du respectirst zwar, wie es sich gehört, das Eigenthum deiner Cameraden, aber Du könntest es doch noch mehr respectiren. Da wird sicher ein Spitzbube draus, der mit dem Galgen endigt! Wo eine Krebswunde ist, da helfen weiche Umschläge nicht, sondern der beherzte Arzt greift zum Höllenstein. Ach Höllenstein, das könnte den Kranken sehr schmerzen; vielleicht will er die Kur nicht einmal leiden. Der Arzt nimmt aberden Höllenstein und nöthigenfalls wird der Kranke gebunden und geknebelt. Hat er aber die Macht, sich dem Höllenstein zu entziehen, nun, so mag er sterben! Er wird ganz gewiß nach dem Höllenstein rufen, wenn es zu spät ist. 4 Es ist erste Pflicht der Zeitwächter, dem eignen Volke schonungslos die Wahrheit zu sagen. Wahrheit ist Macht, ist der wunderbare Speer des Achilleus, sie heilt die Wunden welche sie schlug. Ärgert sich das Volk über die Wahrheit, desto besser, das wirkt schon. Noch einmal die Wahrheit gesagt! Verstopft sich das ganze Volk die Ohren, will es absolut tanb gegen die Kritik sein: dann laßt fahren dahin, laßt das Volk in seiner Theilnahmlosigkeit zu Grunde gehn. Es ist die beste Probe für die geschichtliche Zukunft eines Volkes, ob es der ätzenden Kritik Stich hält und dann wirklich in sich geht, ein neues Wesen anzieht und Thaten der Besserung verübt. Wie habt ihr es los, den Nationalcharakter der Franzosen und Engländer mit allen seinen Fehlern und Mängeln tagtäglich zu beschreiben, diese Nationen neben die deutsche hinzustellen, gegen deren „Treue", „Biederherzigkeit" und „Gemüthstiese" jene so weit abstehen wie der Himmel von der Erde. Da sind immer die „leichtsinnigen", „frivolen" Franzosen, die „wälschen" Trugmenschen, die,/treulosen Nachbarn", die „materialistischen" Sinnlichkeitsmenschen; von der Ehrenchaftigkeit, Delicatesse, dem feurigen Muthe für die Freiheit, dem edlen Hasse wider das Unrecht schweigt Ihr wohlweislich. Da sind stets die „engherzigen", „egoistischen" Engländer, die mathematischen „Geldmenschen" ohne Eingeweide und Mitleid, die bornirten Patrioten : von der englischen Charakternoblesse, von der unbegrenzten Hochachtung für persönliche Freiheit, von dem tiefen Nechtöbewnßtsein kein Wort. Und dann kommen wieder die „edeln", „biedern", „treuen" Deutschen, die gemüthstiesen ,/Germanen!" Diese Schande sollte denn doch endlich einmal aushören. Ihr macht das Volk nicht frei mit dem Gedanken der „Nationalität;" wenn Ihr die wahre Freiheit kenntet, die Menschensreiheit, die sittliche Freiheit, welche von selbst schon in nationaler Fvrm zur Welt kommen wird, dann würdet Ihr auch wissen, wie ein Volk beschaffen sein muß, das diese Freiheit zu erringen hat, dann würdet Ihr -allererst den Kreuzzug gegen die deutsche Apathie predigen, die nichts Gutes und Großes zu Stande kommen läßt; dann müßtet ihr freilich den Strick zunächst um Eure eignen Hüften schwingen und zu Flagellanten Eurer selbst werden. Das mögt Ihr nicht, wie solltet Ihr wider Euer eignes Fleisch und Blut wüthen? So geht denn hin, thut, was Ihr nicht lassen könnt. Das Volk aber wollen wir aufmerksam machen, daß es nicht fürder auf die falscher: Propheten höre. L. Z. Pariser Theaterscharr. Opera-Comique. Erste Aufführung von: I^s Oper in drei Acten, von Scribe und Auber. Es handelt sich keineswegs um eine Homersche Syrenr, halb Mensch und halb Fisch, welche ihre Zuhörer unv Bewunderer in der: Meeresgrund versenkt, sondern um ein junges reizendes Geschöpf mit schöner Stimme, oder noch besser um eine neue komische Oper, welche der Verfasser Scribe 1a Sirene taufte, um durch diesen pikanten Titel das Publikum in den Saal Favart zu locken. Der eigentliche Held dieses neuen Stückes ist Marco Tempesta, ein Vetter Rinaldo Rinaldini's, ein Schwager des Fra Diavolo, und Wahlverwandter so vieler italienischen — Helden; mit einem Worte, ein Bandit, der Schrecken den Volkes und der Regierung, aber zugleich edel, großmüthig, geistreich, galant und liebenswürdig, ein frommer Sohn und besorgter Bruder, der nur das Gewerbe fortführt, um nicht die bekannte Firma seines Vaters untergehen zu lassen, und um seiner Schwester einen anständigen Mann zu verschaffen, falls dies auch nur ein Herzog wäre. — Seine Schwester ist die sogenannte Syrene, ein junges Mädchen, welches schon seit Jahren in Gesellschaft der Banditen lebt, aber trotzdem die Unschuld des Herzens und die Reinheit des Gemüthes bewahrt hat, und die selbst nicht ach n t, daß ihre Gefährten Banditen seien! Welch ein Aberglaube!! Diese Syrene, oder besser Zerline, liebt einen jungen Seeoffizier, welcher, ohne ihren Stand zu kennen, diese Liebe erwiedert; Zerline entdeckt selbe ihrem Bruder, doch dieser erkennt in jenem den Hauptmann eines Schiffes, der ihm und seinen Gefährten eine Ladung von 500 000 Piastern abgenommen und dem Gouverneur der Provinz übergeben hatte. Die Schwierigkeiten fangen an sich zu häufen, doch liebt euch nur zu, junge Leute! kümmert euch um Nichts, und laßt für das fernere dort oben den allmächtigen Vater Scribe sorgen! Tempesta schleicht sich mit seiner Bande, die er für Sänger ausgibt, in das Schloß des Gouverneurs, stiehlt da die ihm abgenommenen 500000 Piaster wieder, und schickt seine Leute damit an Bord des Schiffes „Ätna". Er selbst bleibt noch um seine Schwester an den Seeoffizier, der nun, in Folge eines entdeckten Geheimnisses, der Neffe und eigentliche Besitzer der Güter und Würden des Gouverneurs ist, zu verheirathen. Überrascht und gefangen rettet er sich, indem er seine Schwester singen läßt; und als ihr Gesang alle Wächter des Hauses herbeigelockt, spring! er vom Balkon hinab, unv erreicht glücklich seine Gefährten. Es wird ihm zwar nachgefchossen, aber was an den Galgen gehört, sagt die poetische Gerechtigkeit, kann durch Feuer und Wasser nicht umkommen. — Dieser unwahrscheinliche Stoff jedoch ist auf die geistreichste Weise von Scribe behandelt, die schönsten Situationen für die Musik sind daraus entwickelt worden, die ergötzlichsten Episoden laufen neben der Haupthandlung daher, und das Ganze ist mit Witz und Laune reichlich aufgeputzt. Die Musik zu dieser Oper ist von Auber, dem französischen Rossini. Beide haben die gleiche Leichtigkeit Melodien zu schaffen, und so wie Rossini's Melodien schon ihre glatten Formen mit sich führten, so kommen Aubers Schöpfungen schon gefeilt zur Welt. Nie eine Note zu viel oder zu wenig in einem Auber'schen Stücke, und wollte man etwas hinzufügen oder hinwegnehmen, so wäre alles verdorben. Außerdem athmen Aubers Werke die höchste Eleganz und ein gewisses edles chevalereskes Wesen; dabei ist ihm Alles dies natürlich, was anderen, selbst großen Meistern, viel Schweiß und B e- re chnung kostet. — Auch die neue Oper L/rene trägt diese Vorzüge; die Ouvertüre und der ganze erste Akt sind lieblich und frisch. Die Arie: « 0 äien äeZÜibustiers»ist die beste Melodie des ersten Aktes, und sie schlängelt sich in verschiedenen Formen durch die ganze Oper. Der Anfang des zweiten Aktes ist der Glanzpunkt der Oper. Der Chor und Arie : «^.njourck'llui e'est, 1'ora^e, äemain e'est le bsau temps!»ist ganz neu in seiner Erfindung. Die Stretta der Arie, wo der Chor den Hauptgesang in einer sogenannten umgekehrten Nachahmung mitsingt, ist von unbeschreiblicher Wirkung. Das hierauf folgende Duett zwischen Tempesta und Zerline ist sehr reizend, doch mit dem zweiten Finale fängt das Ganze an schwächer zu werden. Man bemerkt von nun an viele Rcminiscenzen aus frühen: Auber'schen Opern, und einen gewissen Mangel an Phantasie. Es scheint daß Herr Auber nach dem Sturze der vorgehenden neuen Opern gedrängt wurde, dieses Werk schnell zu beenden. Auber denkt sich dabei, „so lange es Keiner besser macht als ich, so lange schreibe ich fort," und Direktor Crosnier theilt diese Meinung. Dies ist wohl wahr, Auber aber würde doch noch besser thun, wenn er anstatt alle Jahre, bloß alle drei Jahre jetzt eine gediegene Oper liefern würde, denn des Ruhmes wird er nicht mehr erringen, und des Geldes braucht er nicht mehr zu haben, als er schon hat, und so würde er dadurch den jüngern Talenten Gelegenheit und Zeit lassen, ihre Werke anzubringen. Auch Herr Crosnier würde besser thun, wenn er den Anfängern die er debutiren läßt, eben solche Bücher anvertrauen würde, und wenn er ihre Werke eben so gut besetzen und ausstatten würde. — Die „Syrene" wird wohl unzählige Vorstellungen erleben, und Mlle Lavoye und Herr Roger werden noch viele Triumphe in dieser Oper feiern. Mar M. Auflösung der Rebus in Nr. 23 dieser Blätter. I. Die Urtheile über Deutschland sind gethcilt; wird die Einheit über die Entzweiung siegen? Das ist die Frage. Zeichen geschehen genug dies zu bezweifeln. II. Liebe ohne Behagen, Essen ohne Appetit, Beten ohne Andacht hielt Goethe für gleich. III. Saphir ist jetzt ein Humorist ohne Humor. Von den eingesendeten Auflösungen waren nur zwei richtig, eine von der Frau Gräfin von A. und eine von Herrn H. Beginn des zweiten Quartals -es „Vorwärts." Mit der heutigen Nummer beginnnt das zweite Vierteljahr unseres Blattes. Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, deren Abonnement mit 31. v. M. zu Ende gegangen ist, die Erneuerung uns sobald als möglich anzuzeigen, da wir nur dann im Stande sind ihnen complete Exemplare zugehen lassen zu können. Die Nummer vom 1. bis 15. Jänner sind bereits gänzlich vergriffen und können wir daher alle Bestellungen nur vom 16. Jänner an effectuiren. Mit dem Wunsche, daß uns unsere Lesere ihre bisherige Gunst und Teilnahme erhalten und sich in ihren Kreisen für Verbreitung unseres Blattes verwenden wollen, zeichnet achtungsvoll Die Redaction. Redacteur : Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Pau!Renou«rd. Paris, Sonnabend Nr. 28 . 6. April 1844 Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. sr rv a MZ LMM Man abonnirt: für Paris: im Nuresu ventral pour I'MIeinsgoe, rus lies Uouiins, 3r. und in der Buchhandl. von aules rrenousrä et LÜ", rue ct« 1'ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am CrscheinungS-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Bidault, 16, rue cle In 1u88icnn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzcigen. —Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgclder und Briefe wollen franco: « An die Nedaction des Journals: Vorwärts, 3s, ruc clc8 ^1ouIin8 in Paris » eingesendet werden. Lobgesang an Herrn Heinrich Heine. (3m Tone der Gedichte der „deutsch - französischen Jahrbücher.") Wir erhielten das folgende Gedicht mit einem Briefe, worin an unsere angelobte „Unabhängigkeit von jeder Parthei und Coterie" appellirt und der Abdruck verlangt wurde. — Unsere Unpartheilich- keit macht es uns zur Pflicht, dieser Aufforderung nachzukommen; übrigens konnte Heine, als er jenen Ton in den „Jahrbüchern" anschlug, den wir gleich Anfangs mißbilligten, aus eine heftige Polemik gefaßt sein, die nun beginnt und dieselben Waffen, die erbrauchte, gegen ihn wendet. D. R. I. Herr Heinrich Heine, der Dichter Der ist wohl lange schon todt; Er ftarb am politischen Fieber, Erstickt' im politischen Koth. Herr Heine, der Liberale, Ward einstens ganz konservativ; Es ging mit dem jungen Deutschland Grad damals entsehelich schief. Dann saß er auf den Ruinen Der Luftschlösser, die er gebaut, Und unter faustdicken Thränen Wehklagt er und jammert er laut: ,,Warum ist mir der Börne gestorben l „Er war mir doch wirklich so noth; „Mit ihm bin auch ich jetzt verdorben, „Mit ihm bin auch ich jetzo todt. „Man nannt' uns die Zwillingssterne „Im jungen deutschländischen Heer, „Da stirbt mir zum Unglück der Börne, „Jetzt nennt man mich gar nicht mehr. „So hat er die Krön' mir entrissen „Die willig Jung-Deutschland mir gab; „Ich Hab' ihm drum zürnend geschmissen „Ein Büchlein als Gruftstein auf's Grab." So jammert Herr Heine, der Dichter, Doch fasset er wiederum Muth, Nimmt seinen poetischen Trichter, Auf's neue drein blasen er thut. Das Versmaaß ist ihm geblieben, Es blieb ihm so mancher Reim, Er spuckt nun nach allen Seiten Aus seinen poetischen Schleim. II. Es ist ein Büchlein erschienen : „Jahrbücher" ward's titulirt. Es werden die deutschen Tyrannen Gewaltig dadrinn maltraitirt. Die Helden der deutschen Freiheit Eröffnen anjetzt den Strauß, Sie ziehen grimmig die Schwerter Und geben Jahrbücher h'raus. Sie haben die Schwerter gezogen, — Die Fürsten sahen's mit Schreck, — Sie steckten sie bald in die Scheide Und werfen dafür jetzt mit D...k. Wie Jungen, die Schläge bekommen, Hört man sie zetern und schrei'n : Das ist so ganz kommunistisch, So wirklich hundegemein. m. Da darf auch Herr Heine nicht fehlen Und sein politisches Lied; Er ist der Vordersten einer Und lobsingt im ersten Glied. Wie Rcuß-Schleiz-Greitz'sche Knüppelwege Holpern die Verse — o wehl Es fehlt ihnen ja nur ein Etwas, Das kleine Ding, — die Idee. So machte an Ludwig von Baiern Er sein sublimes Gedicht, Nicht auf seine schlechte Regierung, Nein! auf sein schlechtes Gesicht. Du liebe Madonna zu München! Gesteh' es nur immer uns ein : Wir können unmöglich Alle So schön wie Herr Heine sein. Herr Heinrich Heine, der Dichter Der ist wohl lange nicht mehr. Herrn Heines poetischer Trichter Der tutet noch immer umher. Es ist eine alte Geschichte, Herr Heine hat keine Ruh' Und wirft jetzo Gedichte Wie Junge das Känguruh. Es ist eine wahre Geschichte Die in's Unglaubliche strebt, Es hat der alte Heine Den Börne und sich überlebt. Girre Stimme vom Rhein über Dr. Karl Gutzkow. Die Kunst mit vielen Worten nichts zu sagen, ist heutzutage auf eine Stufe der Vollkommenheit gebracht worden, die alles bisher Dagewesene übertrifft und am Meisten zur Verflachung und systematischen Verdummung des öffentlichen Geistes in Deutschland beiträgt. Als Meister in dieser Kunst ercellirt Herr Gutzkow, und seine Feuilletons in der „Köllnischen Zeitung" sind wahre Muster preten- tiöser Nichtssagerei. Beweis't Herr Gutzkow nicht z. B. Ln dem letzten Feuilleton der „Kölln. Zeitung" in sechs langen Spalten, wie es wahrscheinlich sei, daß die vielen Zoten und Rüpelspäße in Shakespeare's Werken nicht von Shakespeare selbst, sondern von den Schauspielern des Globus-Theaters herrührten, eine abgedroschene Hypothese, die schon unzähligemale und viel besser und mit mehr Geist wiedergekäut worden ist. — Und für solches Gewäsch zahlt Herr Dumont Honorar, bezahlen die Abonnenten der „Köllnischen Zeitung" ihr theueres Geld! — Schaudererregend! Herr Gutzkow eifert gegen die Übersetzer fremder Theaterstücke, weil sie den jungen deutschen Dichtern den Platz auf dem Repertoir wegnehmen; — wir eifern eben so gegen Herrn Gutzkow , daß er sich mit nichtssagendem Geschwätze in den Feuilletons gelesener Blätter breit macht und anderen begabteren jugendlichen Talenten, die hier wirken und Ideen verbreiten könnten (an denen es Gutzkow doch gänzlich mangelt), Licht, Luft und Raum verkümmert. Herr Gutzkow bleibe bei seinen ziemlich hausbackenen Theaterstücken, erwerbe Dramaturg, Intendant, Hofrath, wir wollen ihm das Alles herzlich gerne gönnen, das sind unschädliche Vergnügen; — aber er pfusche nicht in Politik und Philosophie, von denen er nichts versteht. Wie übrigens die rheinische Presse über Herrn Gutzkow als Feuilletonist urtheilt, beweise der nachstehende Artikel der gesinnungsfesten „Trier'schen Zeitung" : „Die Zeitungen berichten aus Dresden, daß Herr Karl Gutzkow zum Dramaturgen des Dresdener Theaters ernannt worden sei. Wir begrüßen diese Nachricht mit Freude, aber vielleicht aus einem andern Grunde, als sich die meisten Leser denken. Herr Gutzkow hat nämlich in letzter Zeit einen An- 2 theil an der rheinischen Publicistik genommen, der uns durchaus kein fördernder und erwünschter zu sein schien. Herr Gutzkow hat in früher Jugend eine ästhetisch-sittliche Entwickelung durchgelebt, welche eine bedeutende, und trotz mancher Ercentrici- tätey eine ehrenvolle war, weil er mit großer Selbst- verläugnung seine eigne Person rühmlichst und auf eine Weise in die Schanze schlug, wie man sie nur in den an gänzliche Öffentlichkeit gewöhnten Ländern, Frankreich und England, kennt. Als regsamer und kritischer Geist bekümmerte er sich damals auch um politische Fragen, und waren es auch nicht die Resultate, welche in den Beilagen der „Ausgb. Allg. Zeitung" zu Tage kamen, an denen man sich hätte erholen können, so war es doch das Anregende, Aufstachelnde, ?welchesmit.der Pikanten Färbung des Styles Hand in Hand ging, das man freudig begrüßen mußte. Hr. Gutzkow hatte indessen das Unglück, theils durch Maßlosigkeiten, die wir ihm verzeihen, theils durch einen höchst beengenden Zustand der öffentlichen Verhältnisse, in die schwersten Conflicte zu gerathen, in eine Sackgasse, an deren Ende man entweder nur dulden oder reuig umkehren konnte. Für das erstere sind nicht alle Charaktere geschaffen, das Martyrerthum kann unbeachtet in der Ecke stehen und schmollen, zumal in einer Zeit, wo gediegenere Durchbildung und minderer Druck von Außen sehr bald die Diskussion der Fragen des Jahrhunderts aufs neue ermöglichen. Also Umkehr! Aber es gibt zwei Wege der Umkehr, eine Umkehr durch den Seitenweg der tieferen Durchbildung und eine Umkehr auf der platten Mittelstraße der Akkommodation und der Fadalse. Die tiefere philosophische Durchbildung der letzten zehn Jahre ist erstaunens- und bewundernöwerth, das Letztere namentlich, weil sie die End- und Zielfragen der jetzigen Menschheit an ihrer tiefsten Wurzel erfaßt, ohne sich durchweg der feindlichen Macht der Beaufsichtigung in die Hände zu liefern, ohne immer äußerlich prohibirt zu werden. Auf einzelne Lokalitäten, wo Argusaugen und böser Wille jedes freie Wort häscherartig verfolgen, kann hier nicht Rücksicht genommen werden: das deutsche Vaterland ist groß und zur Vertretung der Wahrheit gehören allezeit Umsicht und Klarheit. Alle ehrenwerthen Vertreter der Zeitideen fühlen das und handeln darnach'. 'Hr. Gutzkow zog es vor, „seinen Frieden zu machen", wie man mit'einer Felonie des Ausdrucks die Apostasien heutzutage^ nennt. Was sociale Romane! die werden nicht gelesen, oder verboten,' — was scharfeinschneidende Critiken! -- man macht sich nur verhaßt dadurch und es heißt nachher:'Wurst wider Wurst l'Lkeber Pie ver- sisicirten Schlaflosigkeiten des ^'HerrnWilhelm Wagner gelobt, damit dieser Unümgängki'che seinerseits ein rhetorisches Theaterstück anerkenne ; lieber mit der ganzen Welt gut Freund, man weiß nicht wie man die Leute gebrauchen kann'. Herr Gutzkow zog sich hinter die Coulissen zurück, er wurde dramatischer Dichter. Wer heutzutage Dramatiker wird, der hat seine Rechnung mit dem Himmel geschlossen. Die Zeit drängt zu politischen Stoffen; was zeitgemäß sein soll, muß politisch, vielleicht bald sogar social sein, soll es nicht vor der öffentlichen Meinung und der wahren Critik dnrchfallen. Wie man diese Stoffe zur' Aufführung bringen will, ist in der That nicht abzusehen, es sei denn, daß man die strengen Richter mit einigen politischen Phrasen abzuspeisen gedenke, übrigens aber für die Masse der Leistungen Ul!- - auf den vacanten Jfflandschen Thränensack specu- lire. Gut, auch das mag sein, jeder Charakter hat das Recht sich zu entwickeln, wie er es für gut findet ; die Herren Ästhetiker der Mit- und Nachwelt werden über die Gutzkowsche Dramatik zu Gerichte sitzen, das ist nicht unseres Amtes. Aber Herr Gutzkow will auch noch in die Politik hineinpfuschen, wenn auch nur in der Weise des Feuilletons. Das Feuilleton verlangt in unfern Tagen nothwendig politische Färbung, so gut wie das Drama, so gut wie Alles heutzutage, was irgend bedeutend sein will. Herr Gutzkow ist auch dieser Forderung nachgekommen, er spricht von Geschichte, Statistik, Hegel, der Julirevolution, den einfachen Begriffen der Politik, er braut ein Ragout zusammen ü msrveille? Wenn aber Herr Gutzkow glauben sollte, daß seine Feuilletons irgend einen Werth hätten, außer dem der geleckten, gebürsteten, nichtssagendenForm, so können wir ihm unsererseits und Namens einer großen Zahl von Meinungs- genossen versichern daß er sich im vollständigsten Jrrthnm befindet. Was uns Herr. Gutzkow lehren will, das hat alle Welt längst an den Schuhsolen abgelaufen, und wenn er glaubt, die Kunst, in vielen Zeilen nichts zu sagen, sei auch etwas werth, so müssen wir ihm auch das absprechen; denn dafür hat die deutsche Literatur bereits in vielen Erem- peln hinreichend gesorgt und sorgt noch beständig dafür. Die rheinische Presse ist zwar keinesweges was sie sein sollte und könnte, aber für die Stylübungen des Herrn Gutzkow ist sie doch zu gut; wir erklären diese Stylübungen für einen Mißbrauch der Presse. Wer zu aller saloppen Gesinnungslosigkeit Ja und Amen sagen will, der kann sich dies Vergnügen machen; wir protestiren aus unserm Moselwinkel heraus gegen die Fadaise und das unangenehme Sichselbstbelecken. In dieser Weise meinten wir es, als wir oben sagten, die Ernennung Gutzkows zum Dramaturgen Ln Dresden sei uns sehr erwünscht. Hoffentlich wird ihm die Dresdener Bühne so viel zu schaffen machen, daß er keine Feuilletons mehr an den Rhein schicken kann. Wiewohl solche Feuilletons eben nicht sehr zeitraubend sein mögen. Noimm in mimitam." Krebsliches Wir haben Einsicht in das Schreiben eines im Großherzogthum Posen lebenden, gesellschaftlich unabhängig gestellten Mannes erhalten. Die ganzen angeblichen Umtriebe im Großherzogthum Posen sind eine russische Jntrigue. Der Schuß blitzte ab, nun mußte etwas anderes ersonnen werden, um von dem schwachen- Perliner Ka- binet den Cartellvertrag und eine Verdächtigung der Polen und russischen Überläufer zu erlangen. Deshalb gingen zuerst von Warschau und Petersburg aus Winke über Umtriebe im Großherzogthum Posen an die Behörden in Berlin, ja direkt an den Thron. Auch nicht die mindeste Unruhe ist hier in unsrer Stadt vorgefallen, man hatte im Voraus Unruhen gemeldet, als wollten die Überläufer die Cassen erbrechen, und sodann mit einer Bewegung in's Königreich Polen eindringen. Bis jetzt hat die Untersuchung nichts ergeben, nicht dieinindeste Anschuldigung gegen irgend einen der hier lebenden polnischen Refugirten. Einige dreißig des Commu- nismuö angeklagte Überläufer sind nach Magdeburg geschafft worden, und da eine Untersuchung keine Anklage, noch weniger Beweisgründe geschaffen, ist der Befehl zur Ausweisung der polnischen Refugirten einstweilen unausgeführt geblieben. Die bei der ersten Notifikation alsbald Abgereisten allein haben uns verlassen; die Übrigen, welche über die Elbe wandern sollten, sind geblieben. Rußland hat aber seinen Zweck erreicht, denn der Cartellvertrag ist bereits zur Unterzeichnung fertig, vielleicht in diesem Augenblick unterzeichnet.— Der Kaiser von Rußland wird vielleicht bald in Person seinen ironischen Dank in Berlin abstatten kommen. Die Herren in Berlin, welche sich so über die Maaßen weise, klüger als Salomo und beredter als Dsnosthenes erachten, haben wieder bewiesen, daß Rußland es vortrefflich versteht den deutschen Michel bei der Nase umher zu führen. Wäre die öffentliche Meinung in Berlin repräsen- tirt, der Minister des Auswärtigen, welcher dm Cartellvertrag zu unterzeichnen wagte, hätte verdient in Anklage versetzt zu werden. In jedem freien Lande würde dies statt finden. Der Minister von Bülow vergißt, wenn dieser Traktat wirklich ratifizirt wird, daß sich sein Oheim, der hellsehende (leider gestorbene) Wilhelm von Humboldt nannte und daß der andere Oheim Alexander v. Humboldt heißt. — Es scheint, daß in Berlin Niemand wagt dem Könige von Preußen zu sagen, was die Volksstimme in ganz Deutschland überall denkt, spricht und fürchtet. Wir werden, in weiter Entfernung lebend und obgleich in den preußischen Staaten verboten, dennoch vielleicht Gelegenheit finden, daß einige Blätter zu Angesicht des Königs von Preußen gelangen. Unser Krieg gegen die Berliner Rückschritte findet täglich neuen Stoff. Allerdings ein übles Zeichen. Buntes und Spitzes. Der Landgraf Wilhelm zu Hessen hat in Berlin den schwarzen Adler-Orden erhalten, etwa als Belohnung dafür, daß sein Sohn, der Prinz Friedrich, welcher die Großfürstin Alexandra w Rußland geheirathet, in Dänemark und im Sund eine dem deutschen Volkssinne antipathische russische Kolonie anlegen'will? Der „Hamburger Korrespondent" meldet aus Berlin vom 13. März, die russische Diplomatie habe in Süddeutschland Einspruch gegen die Übersetzung der famösen Broschüre: UuWis, et kranoe eingelegt. Dieser Einspruch' aber sei abgewLesen worden. Der letzte Theil dieser Angabe scheint ungenau, indem die vom artistitischen Institut von Gutsch und Rupp vielfach angezeigte Übersetzung aus Cen- sur- und anderen politische Rücksichten unterbleibt. In den Rheinprovinzen war Pie Absicht eine Adresse an O'Connell zu richten; die Sache aber erkaltete, seitdem ein mattes, farbloses Vorwort des Professors Walter (anPer Universität in Bonn) bekannt geworden. Der Herr Professor wollte dem großen Agitator gute Lehren, wohlgemeinten Rath 3 und spärlich zugemessenes Lob zukommen lassen. Die Adresse fiel so hermaphrodrtisch aus, weil die Gesinnung sich nicht frei zu äußern wagt und jeder freien Anerkennung einer großen politischen Wirksamkeit in Deutschland alsbald Besorglichkeiten entgegentreten. Die Regierungen selbst sehen solche Adressen ungern und die preußische Censur hindert die freie Besprechung einer solchen. Wenn in Deutschland ein Agitator im Sinne O'Connells die Wahrheit zu reden versuchte, alsbald würden Marrburg, die Citadelle von Mainz, Würzburg, Spandau und Magdeburg demselben die beste Aufnahme versprechen. In ganz Dänemark ist die russische Allianz und Familienannäherung verhaßt. Auch die Schweden und Norweger wollen nichts von russischem Protec- torat welches Bernadotte, der verstorbene König Karl Johann, aus dynastischen Erbfolge-Rücksichten zu dulden s chien, wissen. Die Stellung des Königs Oscar I. wird schwieriger sein. Die „Köllnische Zeitung" von 23. März entnimmt unsrem Blatte von neuem einen Artikel ohne die Quelle anzugeben. Wir rügen das von Neuem. Auch andere deutsche Blätter plündern uns mit Muth und Consequenz. Den Berliner Zeitungen dagegen untersagt die Censur die bloße Erwähnung des Namens unsres Blattes. Der Ärger ist ein böser Rathgeber, denn wir zählen, trotz der an Post, Polizei und an Buchhändler gelangten Verbote eine große Anzahl Leser in der preußischen Hauptstadt. Auch Leipziger Studenten sind wegen unerlaubter Verbindung streng bestraft, von der Universität- entfernt und relegirt worden. Es weht Berliner Samum über die sächsische Grenze, und das Dresdner Cabinet, zwischen zwei Keilen gedrängt, Ostreich und Preußen, muß nolens volens Verfolgungen, Career, Zeitungs- und Bücher-Verbote proklamiren. Auch die armen Polen werden wieder in Deutschland gehetzt werden, wenn Nicolaus I. diesen Sommer die deutschen Gauen zu beglücken geruht. Überall wittert Macbeth des erschlagenen Banko blutiges Haupt. In Kurhessen hat die Behörde dem Professor Jordan nicht gestatten wollen bei der Beerdigung seines Kindes anders als in Begleitung zweier Gendarmen zu erscheinen. Solche Verbote reißen an jedem Vaterherzen, und sind ein Zeichen bis zu welchem Grade der Unduldsamkeit der systematische Geist der Verfolgung selbst über den Gräbern hinweg jedes heilige Gefühl verletzend, wuchert. Liebt etwa der Kurprinz Coregent von Hessen seine Kinder nicht oder wollen in dem Duodez-Ländchen Kurhessen die Herren Polizisten noch zur Entschuldigung rufen: „Der Kurprinz wußte es nicht?" Der Kurprinz wußte es sehr wohl. vixi. In Berlin ist ein neuer Curator für die er- Staats-, jetzt Allgemeine Preußische Zeitung ernannt worden. Ob der Obristlieutenant Schulz die alten Übel kuriren wird, bezweifeln viele. Geist genügt nicht allein; man muß neben dem Wollen auch, können, und neben dem Können auch seine Zeit verstehen, sonst kurirt man an der ^ Oberfläche umher und quacksalbert, heilt aber nichts. Die Literatur der philosophischen Critik wird demnächst durch ein Werk bereichert werden, das vornehmlich durch den Namen seines Verfassers, der sonst im Gebiete der Wissenschaften noch nirgendwo vorkömmt, Aufsehen erregen dürfte. Derselbe ist eins der jüngeren Mitglieder der Familie Rothschild, das unmittelbar nach Beendigung seiner Universt- tätsstudien zu Berlin, die ihm im älterlichen Hause gestatteten Mußestunden benutzte, ein mit eigener Hand niedergeschriebenes, etwa 150 Manuscript- bogen füllendes Werk über Plato abzufassen, das, wie urtheilsfähige Personen, die es eingesehen haben, versichern, eine wohlgelungene kritische Beleuchtung des in den Schriften des griechischen Weltweisen rvaltenden Geistes enthält. Der junge Kritiker soll darin namentlich bei politischen Dingen eine Freisinnigkeit zu Tage legen, die außer Zweifel setzt, daß er durch das Studium der alren Classiker nicht blos seinGedächtniß mitWort- kram bereicherte, sondern daß deren Geist und Gesinnung ihn durchdrangen und sein Gemüth veredelten. Dieses Manuskript nun übergab der jugendliche Denker bei seinem Eintritt in das praktische Geschästsleben seiner Familie zur selbstbeliebigen , Verfügung einem jüdischen Gelehrten in Frankfurt, der ihm zur vorgedachten Epoche bei seinen wissenschaftlichen Bestrebungen zur Hand ging und der, wie man hört, beabsichtigt, dasselbe durch den Druck zu veröffentlichen. Unstreitig wird schon der Namen Rothschild dem Buche, das sich auf mehr als zwanzig Druckbogen berechnet und das sohin keiner vorläufigen Censur unterworfen ist, eine große Zahl von Lesern unter allen Ständen zuwenden. In Jassy, in der Moldau, sind die Zigeuner von der Generalversammlung einstimmig emanzipirt worden. In Deutschland, setzt ein deutsches Blatt hinzu, sind die Juden noch nicht emanzipirt. Allgemein verlangt der preußische Handelsstand die Bildung eines Handelsministeriums. Einige Blätter bezeichnen zu der Stelle des Chefs dieser Verwaltung Herrn von Borne. Das Verlangen nach einem Handels-Ministerium, getrennt von der Finanzverwaltung, ist in Frankreich schon seit vielen Jahren erfüllt, und der Erfolg zeigt sich für Land, Handel und allgemeine Interessen günstig. Bis jetzt dachte der Finanz-Minister in Berlin nur an die Staatseinnahmen, an die Mehr- oder Minder-Einkünfte, nicht aber an die allgemeinen und speziellen Handels-Bedürfnisse, die neues Pulsiren verbreiten. Jeder Theil der Welt will heutigen Tages in dem modernen Staatsleben in der Verwaltung representirt sein, die Zeit schreitet vorwärts, der Drang nach einem Handels-Ministerium ist ein Zeichen mehr, daß Wünsche überhört, aber nach und nach in die öffentliche Meinung gedrungen, zuletzt eine Stärke bilden, welche nicht mehr wünscht, sondern gebieterisch verlangt. Weise Regierungen hören die Zeichen der Zeit und lassen nicht erst den Moment des gewaltsamen Abdringens eintreten. Mit dein bloßen egoistischen: Es soll nicht sein, kömmt heutigen Tages auf die Dauer keine Regierung mehr durch. Die Zeiten „auf Befehl" sind vorbei. Weil aber Alles in Deutschland und in Berlin namentlich ruhig abgeht, weil das Brandenburger Thor noch am Thiergarten und der große Kurfürst aus der langen Brücke stehen, in Hannover der König Ernst seine Sache durchgesetzt hat, so reiben sich gewisse Leute die Hände und sagen den Tadelnden triumphirend r Sie sehen, mein Lieber, es geht doch und die Opponenten sind lauter böswillige Seribenten, arme Zeitungsschreiber, ehrgeizige Mißvergnügte und wie das Volk alles heißen mag. In so edlem Style drückte sich kürzlich ein deutscher Minister aus. Wir wollen mit diesem trübseeligen Grafen Mitleiden haben und dessen Namen wegen dieser Prrvatunterhaltung nicht veröffentlichen. Ein hiesiger junger deutscher Diplomat, der seine diplomatischen Sporen durch Salons- und andere Fürsprache aber nicht durch Verdienst erworben, erzeigt unserm Blatt die Ehre dasselbe in geselligen Zirkeln, Briefen u. s. w. mit offiziellem Ingrimm „infames" zu nennen, weil wir seinen „Allerhöchsten Landesherrn" in jeder Nummer angreifen. Der König Ernst von Hannover steht, in der öffentlichen Meinung Deutschlands, aus der all e r- nietzrigsten Stufe, und sein gesetzloses, gewaltiges Benehmen hat in Deutschland den monarchischen Grundsätzen mehr Schaden verursacht als alle demagogischen Umtriebe der Welt, vixi dem jungen, unreifen Diplomaten, der seinen Allerhöchsten Herrn, wegen seiner dienstlichen Stellung wohl verrheidigen muß, aber etwas geschickter könnte die Verteidigung ausfallend Das „Frankfurter deutsche Journal" meldet: „die russische Gesandtschaft in Paris sei von Petersburg aus angewiesen den Inspirator der vielgelesenen Broschüre „vnssio u. s. w." von Four- nier zu erkundschaften. Auch solle kein Eremplar an der russischen Grenze und namentlich nicht nach Polen eingelassen werden." — Der großmächtige Kaiser von Rußland fürchtet sich also vor einer kleinen Broschüre und Herr Gretsch, der kaiserlich russische patentirte Publicift und Rektifikator, wird wieder eine Erwiederung zu schreiben haben, die niemand lies't. Der „Charivari" vom 30. März behauptet Herr Heinrich Lehmann und seine leichenartigen Porträts seien die Repräsentanten deutscher Malerrichtung in Paris. Wir danken für dieses Geschenk. Ouräe^-Ie xour vous! Herr H. Lehmann dcbü- tirte einst vor Jahren mit Glück, seitdem hat sich sein Geschmack in Paris verbildet. Deutschland ist. dabei ganz unschuldig und'Herrn Lehmanns falsche Richtung ist nur zu bedauern, da er Gutes schaffen konnte, jetzt aber nur Manierlrtes leistet! Salon-Plaudereien ' über Musik, Theater, rc. Ich sollte in der Charwoche wohl anstatt meiner Plaudereien eher eine Fastenpredigt halten, und Buße für die begangenen Sünden thun; doch ich unterlasse das Predigen, weil ich nach hem Ausspruche meiner ehemaligen Lehrer doch zu etwas Ordentlichem gar nicht tauge, und ich büße meine Sünden hinlänglich, da mich das Schicksal bestimmt hat, die meisten Conzerte mit anhören zu müssen. Diese sind aber jetzt beinahe gar nicht mehr besucht, denn die schöne Witterung lockt bereits Alles ins Freie, und die Fahrten nach Longchamps beschäftigen jetzt die feine Welt. Die Herrn produziren nun ihre Pferde, die Damen ihre Toilette, die Mütter ihre während des Faschings sitzen gebliebenen Töchter, und die Wittwen ihre Trauerkleider. Eitelkeit oder Interesse sind die Hebel aller Handlungen; Befriedigung seines Ehrgeizes oder der materiellen Bedürfnisse ist das Ziel, und viele die mit lachendem und frohem Gesichte einhergehen, sind innerlich unzufrieden. Sie jagen alle, jeder nach seiner Weise, dem Glücke nach, jedoch wenige sind die Auserwählten, und oft besucht es diejenigen, die es am wenigsten erwarten, im Schlafe. „Das Glück kömmt im Schlafe," oder „der Laz- zarone" heißt eine neue komische Oper von Saint- Georges und Halevy. Das Buch von Saint-Geor- ges bietet aber nicht sehr viel Komisches dar, hingegen die Musik von Halevy genug Trauriges. Halevy, dem man stets seine Melodienarmuth vorgeworfen, wollte diesmal das Gegentheil beweisen, reihte ohne Durchführung eine Melodie an die Andere, und ließ dem Zuhörer kaum Zeit sie einzeln auffassen zu können. Dabei vergaß Herr Halevy, daß es eigentlich nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität der Melodien aukomme, und die meisten in dieser Oper taugen eher zu einer Messe als zu einer komischen Oper. Die Ouvertüre könnte sehr gut als Requiem zur Oper selbst dienen. Der Erfolg war nicht günstig. Das Publikum nahm den ersten Akt trotz aller Bemühungen der Sänger kalt auf, und da die Musik und der Gesang nichts vermochten, so wollte Madame Stoltz durch einen kühnen Streich das Unglück abwenden; sie faßte Muth und fing zu tamzen cm. Dies war das eigentliche Komische an der Oper. Da aber der Schritt, den sie ausführte nicht neu, sondern von den Musard'schen Bällen her hinlänglich bekannt war, so wurde sie von dem Publikum auf eben nicht galcurte Weise an ihren Platz gewiesen. Das Ballet war das Einzige das uns noch in seiner ursprünglichen Reinheit und Keuschheit seit jenen schönen Tagen der ^onäeniie ro)nIo äe Uu^ue geblieben war, und nicht genug daß Madame Stoltz die Opern schreit, sie wagt es noch das Ballet zu verhunzen. tzuouZgus tanäem, tüatllarinn! ubuters Patientin nostra! ? Auch Dlle LolaMontez, die sich durch ihre antipreußische Gesinnung einen Ruf als Tänzerin erworben, debuürte in der großen Oper, jedoch ohne Glück. In der Chaumiere oder in einem Vorstadt- Theater würde sie Aufsehen erregt haben. Als ich ihre Handmuskeln und ihren starken Körperbau betrachtete, dankte ich Gott, daß er mich keinen Preußischen Polizeidiener werden ließ. In einer der letzten Vorstellungen eines hiesigen Theaters blieb plötzlich ein Schauspieler stecken, und starrte bewegungslos auf eine gegitterte Loge. Me Blicke richteten sich sogleich dahin, und, — oh, grauenhaftes Schauspiel! — -ein Herr drückte eben einen Kuß auf die Lippen seiner Dame. Es entstand sogleich ein großer Lärm im Saale; die Studenten im Parterre beteten schnell einige „Vater unser," die Grisetten auf den Gallerien zahlten einige Male von Eins bis Hundert und wieder zurück, und nachdem auf diese Art die Aufregung gedämpft war, wurde das Stück ohne Störung zu Ende gespielt. Der Direktor gedenkt jetzt immer an den Anschlagzettel die Worte: „Die Mutter kann ohne Gefahr ihre Tochter mitführen," setzen zu lassen. Auch die italienische Oper hat ihre Saison voll künstlicher und natürlicher Blumen, guter und schlechter Opern, Fiorituren, Coloraturen und Trillern, Grippen, Katarrhen und allen andern Zu- thaten geschlossen; die Grisi und Mario sind gleich nach der letzten Vorstellung nach dem guineenreichen London gesegelt, wir sahen Lablache ganz allein einen viersitzigen Wagen einnehmend, in seiner kalifornischen Reisemütze zum Thore Hinausrollen, Romani ist nach Wien, Salvi geht nach Italien und so zerstäubt die erste Pariser Oper nach allen Weltgegenden. Selbst Mlle Nissen verläßt uns; sie hatte 6 OOO Franks für die Saison, die Administration wollte ihr 10000 für die nächste geben, allein sie war bescheiden, verlangte bloß 30000 und so zerschlug sich die Unterhandlung. Als Ersatz für sie nennt man Madame Manara. — Die letzte Vorstellung war ein wahres Abschieds- fest, das Publikum war voll Enthusiasmus, verlangte in auf das Theater geworfenen Briefen noch, außer den „Puritanern" mit denen geschlossen wurde, eine Menge anderer Nummern als Zugabe und die Vorstellung hätte, wenn man alles was verlangt wurde gesungen hätte, bis 5 U. Morgens gedauert. Man traf daher ein Abkommen und die Arie der „Semiramis" mit Chor, so wie das Quartett aus „Don Pasquale" wurden im Zwischenakte und in dem sich dazu höchst possierlich ausnehmenden Cos- tüme der „Puritaner" gesungen. Es regnete wie natürlich, Blumen und Kränze im Überflüsse, alles wurde bedacht und selbst Lablache's stattlicher Bauch erhielt einen Riesenkranz, den er als Gürtel umnehmen konnte, und dessen Reif von dem Heidelberger Faß herzustammen schien. — Und somit wäre wieder musikalischer Waffenstillstand und der Platz Ventadour bis zum Isten Oktober verödet; keine lange Reihe glänzender Equipagen mehr, die von den hin und hersprengenden Municipalgardisten nur mühsam in Reihe und Glied gehalten werde», keine lieblichen zarten Damengesichter in glänzenden Toiletten, keine Schaar der lorgnirenden Dandys und Lions mehr, kein Rossini, Bellini, Donizetti, Pacini, Persiani, Ricci und wie alle die andern ims. nrÜ8 und ettis heißen; — es ist aus — Ü8 8ont pa.8868 668 jour8 äe 1et6. Wir haben musikalische Fastenzeit und melodische Abstinenz, — ein wahres Klosterleben! — Zum Glücke werden die alten Bäume in Montmorency grün, die Rosen treiben Knospen, die Natur zieht ihre neue Früh- lingsdecoration auf, die Nachtigallen im Tuilerien- garten fangen an zu schlagen und so wollen wir uns mit den natürlichen Frühlingssängern begnügen, bis der Winter und die italischen Philomelen zurückkehren. Von den stattgehabten Conzerten müssen wir vor allen Andern das des Herrn Waldmüller erwähnen. Dieser junge bescheidene Künstler sucht nicht durch die gewöhnlichen Mittel und Wege sich einen ephemeren Namen zu schaffen, sondern er lebt ganz für die Kunst, er hat Talent, Fleiß und eifriges Streben, und bei solchen Mitteln wird er nicht ermangeln sich bald mit den ersten Clavierspielern von Paris messen zu können. Herr Waldmüller besitzt eine außerordentliche Fertigkeit und ein ruhiges elegantes Spiel. Er trug zwei seiner Kompositionen, eine Fantasie über „Norma", und Variationen über ein Thema aus dem „Liebestrank" vor, und erhielt rauschenden Beifall. Neben ihm machten sich Herr Botgorschek als Flötenspieler, und Herr Kolchos als Violinist auf eine vorteilhafte Weise bemerkbar. — Am 31. dieses gab ^ Herr Pasquä sein Conzert im Saale Herz. Herr Pasque besitzt eine wohltönende umfangreiche Baritonstimme, welche jedoch noch der Feile bedarf. ! Wir ermuntern ihn mit Fleiß auf der gewählten Bahn sortzufahren. Außer ihn nennen wir noch Madame Routh, eine talentvolle Sängerin, welche mit schönen Mitteln eine gute Methode verbindet. Sie zeichnet sich im Vortrage von deutschen Liedern aus. — Die Polka macht nun, wie wir ! prophezeit haben, ihren Triumphzug um alle Thea- ^ ter von Paris, und es scheint, daß sie noch lange > hier verweilen, oder wohl gar das Bürgerrecht erhalten wird; jedoch nur selten sieht man die Polka in ihrer wahren Gestalt und noch seltener hört man sie in ihrem wahren Rhythmus und nationalem Charakter. Ein junger Compositeur der die Polka in ihrem Vaterlande studirt hat, einer meiner besten Freunde, mein erstes Ich hat nun auch Polkas geschrieben, und mich gebeten, ihm eine kleine Reclame darüber zu machen. Nichts billiger als dies. Da ich seine Meinung theile, daß ein bescheidener Auftritt bei jetziger Zeit ein großer Fehltritt ist, so scheue ich mich nicht dies zu thun, so zeige ich hiemit an, — nein, ich erkläre, — auch nicht, ich behaupte „daß dieser junge Compositeur von dem längst gefühlten Bedürfniß wahrer Polkas überzeugt, sich „zum Heile der tanzenden Menschheit entschlossen, „welche zu comvoniren, was ihm nach langwierigen „Bemühungen endlich gelungen. Das Räthsel der ^ „Polka ist nun gelöst, und mit dem Erscheinen die- „ses Werkes tritt eine neue Epoche in der Geschichte „der Tonkunst ein, und alle die diese Polkas kaufen, „werden sich glücklich schätzen Zeitgenossen eines so „großen Ereignisses zu sein." — Wer dies nicht glaubt, und sich vom Gegentheil überzeugen will, der beliebe nur diese Polkas bei Chabal, doulevarä äo8 Itu1i6N8, zu kaufen. M ar M. Conzert-Anzeige. Dienstag d. 9. findet in dem Pleyelschen Salon das Concert des Herrn W. Bärwolf statt, in welchem derselbe drei seiner Kompositionen ausführen läßt, und die geschätzten Künstler Mesdames Bram- billa, Cathinka von Dietz, Jourdan-Marchall, die Herrn Urban, Coßmann u. s. w. Mitwirken. Ntene Erfindung. Eine neuerfundene Maschine zum Mähen und Schneiden, äußerst zweckmäßig und vortheilhaft, für Frankreich privilegirt, ist für Deutschland zur Erhaltung eines Privilegiums zu erlangen. Man wendet sich mündlich oder in srankirten Briefen an N. Unken, rue äe8 Troi8-?avi11on8, n. 7, in Paris. Mündlich von 12—2 Uhr Mittags; Briefe werden bis längstens 20. d. erwartet. Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von PaulRenouard. Parts, Mittwoch 10. April 1844 Nr. 2S. Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. .15 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ern Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. Man abonnirt: für Paris: i>N Nnresu ventrsi pour t'^NemsAne, I U8 sjk-8 ssloulins, Zs. und in der Buchhandl. von ^ule« Le»ousrä et 0'°, rus cie t'ou, non, ^r>-sore- ete., eoncernaot leur8 prodvits, all» d en pouvoir parier avee detail dan8ls de8crisition raisonnee de I'expo8ilion. 1.6 direetenr du Imreau central reeevra KU. les industriell cliague jour de 2 a 4 tieures apresmidi, et de 8 3 10 lienre8 d» 8oir. L« cks ack-'ssssL, etc., dans le8 8gIIe8 de l'exposition s7a/i/ /or'Msf/s-ns-rt rnts/'cküs par I'autorite, il est de la plus Zrande utilite pour KK. le8 6XP083N8 de trouver au mo>en de l'ouvrgM aunonee UN6 publieite Arande et larxe, etd-/ar7 ^okLr>e//s d /'sAo-'ck cks /'^//s^-rsA/rs. Ln deliorsdeeet ouvra^e, le Fsrt/a//e?-rs//d /»a/'t/rsso/d ä pubüera, peudant /ou/s /a ckr//'s's cks s/rors, cks§ ^Kr>o-r^es 8vr I«8 produits exposes, et en outre, le .s/>K,-«r/--s ckss a^tro/ss /s -nsms sr//s/ cka/tL /ss^,rr'-rer/,«r/a? cks — La publieitä qu'ü eet e§ard le kureau central peut ollrir a ssl!V1. Ie8 exp083N8, e8t done /a oonr- /,/s/s/-OLsrä/s, et ne pourra 6>re reali^ee, 8 OU 8 ce rapport, par aucun autre admi- ni8trslion.—vejä 8»r la Premiere annonee de I'ouvrgM, cke -ro-nö^sttsss ^'o/rs nou8 80 nt parvenue8 cks /orcs /ss/ior>t^ «ls /'^//s/naA/rs,- on atlend ä ?ari8, au Moment de l'exposition, au moin8 20 ouo voxaAeur8 venant de l'^Iiem3§ne, taut commertzans et indu8triel8, que eommi88aire8 et a8ens de8 8<>uvernemen8, de8 aes- demie8 de l'indu8trie, vo^aKeur8 auxquel« notre livre Le/'vr»'« cks AmÄs. Ln outre, lejonrnsl Lo-'rocV-'/« est non-seuiement fort repandu parmi Ie8 ^Ilewand8 residsnt «et /ss cks/)a//s//re/rL, mai8 il a au88i de nombreux abonne8 ds»8 /tm/ss /ss vr'//ss cke?^u^r'o/rs, cks /a ^r^s, cks 6vn/scke>c//r'o?r Fs-'r-ra-rr^s, cks /n Lrrr'sss, Ssmsnra/'/c, et möme e/r Ss/i/r^s, s/r /l/rA/s/sr^s et /s» — et c'e8t a sa specialite de journal allewand de kari8, cjue 868 srticle8 8ur l'exposition devroNt une pulilicite trtzz ötendue. On 80U8crit » I'ouvraAe ci-de88U8, au kvnnxv 32, rue de8 IUoulin8, de 9s6 lieure8; — pour Ie8 departemen8 et I'etransser, il 8uM d'envover un Mandat 8»r Paris.—1.68 exemplaires expedies par la posle paieront 1 s. en 8»8 pour le port. Paris, Sonnabend 13. April 1844 Nr. 8«. Abonnements-Preise: in Paris: Ein Zahr. . . . . 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ - Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen : die Zeile u 50 Centimes. S« «L- Man abonnirt: für Paris: im V'irssu ceniral pour l ^NernsA»«, I N6 «tes MouUus, 32. und in der Buchhandl. von Fulor Dtenousrä er v'°, rus cie 1 lnieaon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Gicht hat und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, tNistensehakt, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Crscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des A. Bi dault, 46, euo 6 e In 4u88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. —Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briefe wollen lennco : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 82 , rr >6 668 UouIin 8 in Paris » cingesendet werden. S k i ; ; cn aus der deutschen Gegenwart. 4) Über ein französisch-deutsches Bündniß. (Erster Artikel.) , Wir leben in dem Zeitalter der Verbindungen und Associationen; überall schließen sich die Einzelnkräfte an einander um ein mächtiges Ganzes zu bilden; kleine Kapitalien ketten sich in Aktien- Unternehmen zu kolossalen Summen an einander, die Riesenmäßiges unternehmen; überall spricht sich im socialen Leben thätig und wirksam der alte Wahlspruch aus: I'uiüon iuit In tores. Während so alles um uns her dem großen Gedanken der Association und Verbrüderung folgt, geht die Politik, wie gewöhnlich, den entgegengesetzten Weg, und die einst so bedeutungsvollen politischen Allianzen schwinden immer mehr zu bloßen kraft- und farblosen Schatten, die bei dem geringsten Sturme in Nichts zerstieben müssen. Ein bedeutender Staatsmann hat jüngst auf der Tribüne gesagt: „Die Zeit der Allianzen sei vorüber, — es handle sich jetzt mehr darum mit andern Völkern im guten Einvernehmen zu leben und sich gegenseitig gefällig zu sein, als sich durch — ohnedies nutzlose — Allianzen zu binden." Es ist diese Behauptung eines jener Diktons mit denen die sonst so wortkarge Diplomatie entsetzlich freigebig ist, wenn es sich darumhandelt eine schreiende Blöße, eine offene Wunde ihrer Politik zu verhüllen und zu überkleistern. Eine Politik, die alle Allianzen verwirft, ist eine Politik des Egoismus, des Jndifferentismus, und paßt nicht in unsre Zeit. Allianzen sind der Grundstein aller äußern Politik, die Steinfeste des ganzen Gebäudes, die natürlichen Befestigungsmittel der Staaten; — nur müssen sie gut gewählt, aufrichtig geschlossen, und nicht blos auf die Erreichung dieses oder jenes politischen Zweckes gegründet sein. — Werfen wir nun unsere Blicke auf den Welttheil in dem wir leben, so finden wir daß in ganz Europa auch nicht eine wahrhafte und aufrichtige Allianz mehr besteht, der man Haltbarkeit und Lebensdauer zugestehen könnte. Jene durch gemeinschaftliche Lustlager, allerhöchste Besuche, Familienverwandtschaft und unzählige andere kleinere Mittel mühsam zusammengeflickte Freundschaft zwischen Preußen und Rußland, ist sie etwas Anderes, als der Bund der Furcht mit der Gewalt, des Bewußtseins der Schwäche mit der roh anmaßenden Kraft? Spricht nicht die öffentliche Meinung laut dagegen, erhob sich nicht ein allgemeiner Schrei des Unwillens in der doch so eng geknebelten Presse Deutschlands, als von Erneuerung des berüchtigten Eartell-Vertrags nur die Rede war; kam es nicht im Lager zu Kalisch zu offenen Feindseligkeiten zwischen den preußischen und russischen Truppen, und sieht die jetzige preußische Politik bei all' ihrer Verblendung nicht dennoch zeitweise ein, daß Preußen auf dem bisherigen Wege fortschreitend bald nur ein russisches Lehen werden wird, abhängend von dem Augenzucken d'es mosko- witischen Autocraten? Und doch beharrt man bei dem äußern Scheine dieser Allianz, macht sich lächerlich vor ganz Europa, läßt sich von Petersburg aus „gutgemeinten Rath" und Belehrung, Gränzsperre, Aufhebung preußischer Unterthanen und Versetzung derselben in die Strafregimenter oder nach Sibirien, Insolenzen russischer Diplomaten und Gott weiß was noch Alles, das nicht ans Tageslicht kömmt, gefallen, weil man vor unbekannten Gefahren, vor einem Popanze zittert, den die russische Diplomatie auf hohen Stangen aufsteckt, mit allerhand schrecklichen Lappen behängt, und dazu durch diplomatische Sprachröhre immer die Schreckensworte in die bangen Ohren ruft: „Revolution! — Französische Propaganda! — Demagogische Umtriebe! — Umsturz der Throne! — Gott steh' uns bei!" — Ist die Allianz zwischen Rußland und Ostreich eine aufrichtigere? Gewiß nicht, hier wie dort ist Rußland verhaßt, hier wie dort spricht die öffentliche Stimme allgemein gegen jedes Bündniß mit dem barbarischen Knutenstaate. Die Zeiten der politischen Sorglosigkeit, des luisser tuirs und laiMer aller, des Jndifferentismus im Staatsleben sind, Gott sei Dank, auch in östreich vorbei, man sieht klar von wo der Feind droht, man kennt die Umtriebe russischer Agenten in Ungarn und Gallizien, man hat den Kern der sogenannten illyrischen Bestrebungen bald erkannt, man weiß was in Böhmen versucht wurde und welche mächtige Waffe der Panslavismus in den Händen des Czaren werden kann. Wie sich die öffentliche Meinung von den höchsten Zirkeln an bis zum Volke herab bei Gelegenheit der projektirten Vermählung des Erzherzogs Stephan mit der Großfürstin Olga und den daran geknüpften politischen und religiösen Plänen aussprach, ist trotz Censur und Gränzsperre bekannt geworden. Ostreich geht einer Regeneration entgegen; der erste Schritt hiezu wird die Auflösung des Bündnisses mit Rußland sein, und schon mit Fürst Metternichs Tode wird und muß diese eintreten. Wie innig die Allianz des deutschen Bundes unter einander ist, zeigen uns hundert Symptome, und wir verweisen, um nicht Oftgesagtes zu wiederholen, auf die Behandlung des Gustav-Adolph-Vereines in den verschiedenen Staaten, auf die Hindernisse die deutsche Staaten und Städte dem deutschen Zollverein machen, auf die Apathie und Kraftlosigkeit des Bundestags u. A. m. — Über die Allianz zwischen Frankreich und England haben in letzter Zeit französische und englische Minister von der Tribüne aus selbst ein so klares Urtheil gefällt, den Werth und Gehalt derselben so sehr auf die kleinsten Proportionen redu- zirt, daß es ganz unnöthig wäre, über dieses auf momentane Zwecke und Bedürfnisse gegründete Bündniß noch etwas zu sagen. — Neapel, so wie fast ganz Italien, zwischen Frankreich und Ostreich schwankend, Spanien eben so, je nach dem Siege dieser oder jener Parthei sich bald zu England bald zu Frankreich wendend, Schweden nur ungern die ihm von Karl-Johann aufgelegte Abhängigkeit von Rußland ertragend; — England selbst, bald mit Frankreich bald mit Rußland kokettirend, — wo zeigen sich in allen diesen theils unnatürlichen, theils erzwungenen internationalen Verhältnissen, die Lebens-Bedingungen einer wahrhaften festen und dauernden Allianz? Es ist nichts als eine stillschweigende Übereinkunft den 8tutu guo so lange als möglich aufrecht zu halten, mit der trostlosen Devise als Losungswort: nous le äslu^e! Deutschland, das zerstückte, zerklüftete, vielfach gedrückte Land, das es.bei aller seiner hohen Bildung, seinem Wissen und seinem Fortschritte in der Civi- lisation noch nicht ein Mal bis zu dem gebracht hat, was das halbbarbarische Volk der Hellenen schon erhalten hat: Preßfreiheit und Verfassung, sieht mit Schrecken, wie verlassen, wie vereinzelt, Wie jeder Willkür gieriger Nachbarn preisgegeben es dasteht, während zwei Kolosse: Rußland und England es gleich mächtig bedrohen.—Rußland, diese große unförmliche Ländermasse, die nur durch fortwährende Vergrößerung^ und Eroberungspläne die nöthige Lebenskraft erhält, die das Bedürfniß -der Civilisation unaufhaltsam gegen den Westen Europa's drängt, sieht mit gleich gierigen Augen auf die ihrem Sturze zueilende Türkei und dasunbe- schützte, entwaffnete Deutschland; — dort im Orient -Wittes sich ein besseres Elima, ein immer offenes Meer für seine Flotten, in Deutschland civilisirte Unterthanen erobern, denn seine russischen Steppen selbst zu civilisiren, mit dem Klima und den Elementen zu kämpfen, wie Peter der Große es that, chaben seine Nachfolger längst aufgegeben. — Welchen Einfluß Rußland sich zu diesem Zwecke in den letzten zwanzig Jahren in Deutschland zu schaffen wußte, welche raffinirten Mittel hiezu angewendet wurden, welche machiavellistische Politik hier zum Siege verhalf, ist jetzt bekannt genug, und nur die Blinden oder jene, deren Augen man mit Rubeln schloß, wollen dieses traurige Bild nicht sehen. Rußland ist jetzt allmächtig in Deutschland, — man fürchtet es, und von der Furcht zur Unterwerfung ist nur ein Schritt. „Wir würden Schläge bekommen," sagt man in der preußischen und östreichi- schen Armee, wenn von einem Kriege mit Rußland die Sprache ist, und diese künstlich verbreitete Meinung, diese Fantasmagorie von Rußlands Riesenmacht und Unüberwindliche (die doch im türkischen wie im polnischen Feldzuge sich höchst erbärmlich erwies) entmannt und entmuthigt die Kräfte Deutschlands. Aus der andern Seite sicht England überladen mit Bevölkerung und Fabriken, gelähmt durch eine ungeheure Staatsschuld, und seinem Ruine nur dadurch entgegenarbeitend, daß es die Oberherrschaft der Meere und das Monopol des Handels an sich zu reißen sucht. Deutschland wird von England nicht kn seinem Gebiete, aber in der 'Entwicklung seines Handels- und Gewerbswesens bedroht, eine Thatsache, die durch unzählige bei dem Zollcongresse in Berlin eingelaufene Klagen und Bitten bestätigt wird, wenn wir auch nicht erwähnen wollten, wie England es ist, das Hannover und die Hansestädte vom Beitritte zu dem Zollvereine abhält, und so der Entwicklung der deutschen Handels-Einheit hemmend entgegentritt. Alle Gefahr für den Frieden Europa's, die man sonst von Frankreich aus fürchtete, kann jetzt nur von der Verwirklichung der weitaussehenden Pläne Rußlands und Englands kommen; sie allein haben bei einem europäischen Kriege Nichts zu verlieren, Alkes zu gewinnen, der Unzugänglichkeit ihrer Länder, an der sogar Napoleons Riesengenie scheiterte, nicht zu gedenken. Um unabhängiger und kräftiger zu handeln, werden sich im entscheidenden Augenblicke beide Mächte um die Allianz Frankreichs bewerben, und wir sehen jetzt das englisch-französische Bündniß, wie in den letzten Jahren der Restauration jene russisch-französische Allianz auf dem Tapete war,- die eine R e- vision des Wiener-Vertrages wegen der Rheingränzen zur Basis hatte. In wiefern eine Allianz zwischen dem freisinnigen, civilisirten und constitutionnellen Frankreich und dem absoluten, barbarischen Zwangsstaate Rußland möglich ist, läßt sich hier nicht erörtern; aber selbst diese Möglichkeit zugegeben, könnte ein ruffisch-französisches Bündniß wohl einen andern Zweck haben, als das gemeinschaftlich eroberte Europa unter sich zu thest 2 > len? Und wenn nun diese Eroberung nach so vielen entsetzlichen Jahren voll Schlachten, Blutvergießen und Verheerung, nach so vielen verschwendeten Millionen und Menschenleben wirklich geglückt wäre, wenn Europa wirklich halb Rußland und halb Frankreich hieße, wer verbürgt dann, daß diese beiden Riesenmächte aus einander eifersüchtig, nicht die Waffen gegeneinander kehren und nun ein neuer Vernichtungskrieg beginnt, wie ihn Rom gegen Carthago führte, — ein Krieg, der nur mit der Unterwerfung oder Vernichtung einer derselben enden kann? Und was würde während dieser langer: Zeit des Krieges, der Völkerzüge, der Schlachten, der Brandstätten, der Kriegsseuchen, während dieser Herrschaft des Kampfes nud der Zerstörung, aus der Civilisation, den Künsten, dem Handel, der Industrie werden? Europa hieße zuletzt Frankreich oder Rußland, aber es wäre nicht mehr Europa, das Centrum der Civilisation, — es wäre eine große Einöde voll rauchender Ruinen, mit Leichen besäeter Schlachtfelder, zerstörter Städte, verödeter Dörfer, — mit einem Worte, es böte das Bild jenes Verfalles der zu der Barbarei führt, in der wir heute die berühmtesten Staaten des Alter- thumö, Egypten, Griechenland, Carthago und Andere vor uns sehen. Ein einziges Bündniß zeigt sich unter allen zu macheuden Hypothesen, daö aus natürlichen Grundlagen beruhend, durch die geographische Lage bedingt, der Civilisation, den Künsten, dem Handel und der Industrie freie Entwicklung verbürgt und zugleich kräftig genug ist, Rußland und England für immer im Schache und so das politische Gleichgewicht in Europa zu erhalten. Es ist dies die Ur-Jdee Karls des Großen, von Napoleon zu engherzig und egoistisch -ausgesaßt, ein enges politisches und eommereiekles Bündniß zwischen den Ländern Mittel- Europas: Frankreich, Deutschland, Ostreich und Preußen. — Diese Staaten, durch eine politische Ljgue und einen commereiellen Verein, wie der Zollverein, eng verbunden, würden eine materielle und moralische Macht bilden, die die Geschicke Europas leiten könnte und würde. Was die Militärmacht dieses gallo-germanischen Bundes betrifft, so bemerken wir hier nur beiläufig, daß jetzt Frankreich. . . , , . 376 000 Ostreich. 315 000 Preußen. 122 000 die deutschen Staaten . . 150 000 also in: Ganzen 963 000, nahe an eine Million Soldaten unter den Waffen haben, eine Streitmasse, die sich in Friedenszeiten um mehr als die Hälfte vermindern, in Kriegszeiten aber durch die 800 000 Mann Nationalgarden Frankreichs, die 250 000 Mann der preußischen Reserve, die eben so starke Landwehr Ostreichs u. s. w. auf zwei und eine halbe Million streitbarer Männer vermehren ließe. Welche Macht würde es wagen, einen so bewehrten Bund anzugreifen, und würde es nicht, vielmehr diese Allianz sein die allen Andern Gesetze diktiren und die Angelegenheiten Europas regeln würde? Spanien und Portugal, die Schweiz und Italien, Holland und Belgien, Schweden und Dänemark an den Extremitäten Europas liegend, von einander, wie von Rußland und England ifolirt, könnten sie etwas Anderes thun, als sich diesem Bnnde anzuschließen, ja würden sie sich nicht glücklich schätzen darin ausgenommen zu werden? — Dieser gallo-germanische Bund würde alle europäischen Meere beherrschen und der Suprematie Englands bald ein Ziel setzen, er hätte überall seine Häfen; im atlantischen Meere: Brest, Cherbourg, Bordeaux; im mittelländischen: Marseille, Toulon, Algier; im adriatischen : Venedig, Triest, Fiume, Porto-Rö, Cattaro; in der Nord- See : Hamburg, Bremen, Cuxhaven; in der Ost- See : Danzig, Stettin; — ein großes Netz internationaler Eisenbahnen, verbunden mit der Fluß- Dampfschiffahrt würde dem Handel neue Wege eröffnen, den Verkehr und Umsatz erleichtern, die Donaudampfschifffahrt sich an die deutsch-französischen Eisenbahnen schließend, würde die Türkei mit Frankreich und Deutschland verbinden; tausend neue Auswege würden sich der Industrie und den Naturprodukten der verbündeten Länder eröffnen, und bald im Norden Afrikas ein neues Europa entstehen. Der Levante-Handel fiele ausschließlich in die Hände dieses Staatenbundes, und von da an könnte sich mit Erfolg eine neue Gestaltung von Napoleons Continental-Systeme, jener Achillesferse Englands, entwickeln, welches diese gefährliche Macht zwingen würde, in Europa nur eine Nebenrolle zu spielen und sich auf Asien zu werfen, wo cs dem im Schach und in seinen Westgränzen streng zurückgehaltenen Rußland begegnen und wo dann diese feindlichen Mächte sich fern von Europa bekämpfen würden. Dieses Bündniß Frankreichs, Ostreichs, Preußens und Deutschlands würde zu gleicher Zeit die Kraft, die Gelegenheit und die Mittel geben die künftigen Geschicke der altersschwachen Türkei zu regeln, das schmählich zertretene und mißhandelte Polen als Vormauer gegen Rußland wiederherzustellen, den Zustand Italiens, diese or- ganisirte Anarchie zu heben, und tausend andere schwierige politische Probleme zu lösen. — Ohne gewaltsamen Umsturz alles Bestehenden würde ein neues politisches Gleichgewicht in Europa begründet und ein eigentliches Central-Europa geschaffen werden, als Sitz der Civilisation, des Fortschrittes, der freien Entwickelung der Künste, des Handels und der Industrie. Beide Nationen, die französische wie die deutsche, sind zu diesem Bündnisse reif, beide sind von ihren Täuschungen zurückgekommen, haben klar sehen, und ihre Freunde und Feinde kennen gelernt; die Franzosenfresserei ist in Deutschland, trotz Wolfgang Menzel und Nielas Becker eben so vorbei, wie daö Rheinufergeschrei in Frankreich; beide Nationen lernen sich täglich mehr schätzen und lieben, — was nun geographische Lage, Nachbarschaft, gleicher Standpunkt der geistigen Entwicklung, gleiche Bedürfnisse und Sympathien vorbereitet und entwickelt haben, möge die Politik durch eine Allianz krönen, die große Gefahren abwenden und von den segensreichsten Folgen für die Fürsten und Völker sein wird. — Association ist das Losungswort der Zeit, — man versuche es doch mit dieser Vö lker-Association. Die Zeiten werden und müssen kommen, wo trotz der Engherzigkeit der Staatsmänner der alten Schule, der auf Deutschland so oft angewandte Spruch: viviäo 6t impera! aus dem Coder der Diplomatie gestrichen, wo man die Idee Karls des Großen wiederbeleben wird; — von da an wird Deutschland groß, stark und mächtig und nicht mehr der Sündenbock und das Schlachtfeld Europas sein. Ein Bund, der auf 31 361 Quadratmeilen 100 Millioneil Einwohner (die Hälfte der Bevölkerung von ganz Europa) zählt, der alltz europäischen Meere durch seine Hä-, fen beherrscht, die größten Flüsse sein nennt, Pie fruchtbarsten Gebiete vereinigt, durch eine starke Bundesarmee und die natürlichen Bollwerke der Alpen, Pyrenäen und Karpathen beschützt ist, alle Produkte erzeugt, in der Wissenschaft und Kunst, in Handel und Gewerbe auf so hoher Stufe stehet, ist ein starker, ein mächtiger, ein natürlicher Bund, und allein im Stande segensreich für Fortschritt, Aufklärung und Civilisation zu wirken. Vielleicht sehen bald kommende Zeiten, erleben unsere Kinder in freudiger Wirklichkeit schon, waS uns leider jetzt noch nur eine schöne Hoffnung, ein glückverheißender Traum scheint. Gott gebe es für Deutschland, wie für Frankreich. Heinrich Börnstein. Kleine Pariser Chronik. Das größte Ungemach, welches einem Zeitungsschreiber (Styl der Berliner großen Regierungsgeister) in dieser Jahreszeit widerfahren kann, ist von einem Salon in den andern durch zwei verschiedene Künstlergrößen verfolgt zu werden. Wir sind nämlich jetzt in den Hundstagen der Conzerte und-der Kunstausstellung. Wo sich nur so ein ganz gewöhnlicher Zei- tungsscribent erblicken läßt, werden ihm alsbald Fallstricke zugeworfen: „Sprechen Sie doch von meinem berühmten Conzert!" Dies ist die Scylla. „Berichten Sie doch über mein herrliches Bild im Louvre!" Das ist die Charybdis. Auf der Straße, beim Frühstücken, beim Arbeitstische, beim Kaffeetrinken, im Theater, ja, es sei der gerecht waltenden Nemesis geklagt, selbst beim Zubettegehen verfolgt uns das Duo: „Mein Conzert, mein Bild, mein Pianogerassel gelobt, meine Todtengräber- Malerei gepriesen." — Es gibt keine mehr gepeinigte Kreatur als den Zeitungsschreiber zwischen all den Violonisten mit der Beständigkeit ihrer falschen Noten, zwischen all den falschen Trillern der ersten oder letzten Sängerinnen, zwischen all den blau oder grün-gelb angelaufenen Porträts der großen Maler. Lobt unser musikalischer Berichterstatter, so ist es stets entweder zu viel oder zu wenig; für die großen Genies immer das letzte, für die Redaktion immer das erste. Selbst die liebkosende Frühlingssonne der Osterwoche haben diese Unbarmherzigen uns nicht gegönnt. „Mein Conzert, mein Bild, meine Compositionen, meine Gedichte, mein Triller!" das waren die Furien welche uns wie den Orest auf allen Fersen, selbst bis auf die lichte Terrasse von Saint-Germain und bis zu den knospenden Fliederbüschen des Parks von Monceaur verfolgten. Abscheuliche Furien in Glacehandschuhen, mit langen Fingern woran allerlei zukünftige Soloparthien klebten; sie gestikulirten uns selbst auf der Terrasse von Saint-Germain, trotz des blauen schönen Himmels und dem reichen Panorama der Ebene, allerlei arges Geschwätz von Herrn Ernsts Abreise nach London, um dort die i Conzerte zu geben, die er hier nicht veranstalten konnte; von Herrn Schlesingers unsterblichem Verklage und verlegten Unsterblichen, von dein vor seinem Laden ausgehängten wirklichen oder längst verschollenen Größen, von eines Herrn Panofka's nie gegebener Oper,, aber stets gehörten unreinen Viola-Tönen, von der ersten französischen Bravour- Sängerin Lila- oder Lia-Duport u. s. w. Und von solchen Dingen sprechen die Leute, während die Natur andere Adagio's dichtet als die Katzenmusik der Conzerte; mit solchen Dingen kasteien uns die Menschen, während selbst die Lerchen in der Ebene von St.-Ouen wieder in die Lüfte empor steigen und im Gesträuch singen, in dem Tempel der Frühlingsschöne, wo keine Stühle vermiethet werden um empor zu schauen zudem Allerheiligsten, zu dem Grabe des Heilands und zu dem Osleraltar voll Wachskerzen und künstlicher Blumen. Doch, hinweg von dieser bittern Klage und zurück zu der eigentlichen Pariser Chronik. Die Osterwoche hat viel gute Kirchenmusik geboten: in St.-Louis-d'Antin, in dem heidnisch verzierten Magdalenentempel und in der hellweißen Sankt-Rochus Kirche. Die Kirchen waren voll wie kaum ein Gratis-Theater bei einer großen Festlichkeit. Ob viele in dem Gedränge beten konnten? Ob die Mode mehr als das Gemüth und das Be- dürsniß diese Fülle erzeugten? Schwer zu beantwortende Fragen! In den Salons sind die Bälle in der Osterwoche meist beseitigt worden, dagegen hörten wir in dem letzten Monate viel Musik in den schon oftgenannten Salons der Gräfin Merlin, bei der graziösen Madame Mevil im Orleans-Square; früher noch ein Ball in dem Hotel-de-Ville, eine wirklich elegante Soiree bei der Gräfin von S., eine sehr langweilige bei einer verfehlten Malerin und Dichterin, ein Paar Diners, wo sogenannte Leute von der Welt die unreifsten Nrtheile mit großer Kühnheit zum Besten gaben; einige stets unterhaltende Gesellschaften bei Madame Panckouke, so wie endlich eine wirklich originell organisirte Soiree bei der liebenswürdigen und geistvollen Frau von l'Epinay, dies wäre so ungefähr die Bilanz dessen, was hier und da zu bemerken war. Wir erwähnen nur im Vorbeigehu einiger Gesellschaften im Hotel La- rochejaquelein, der Donnerstage des Herzogs von Levis, der Montage des Vicomte de F., eines elegant servirten Diner's bei der Baronesse de Martens, der Empsangtage der Frau von Rothschild, des ausgesuchten Zirkels der Frau von Montmo- rency, wo auch diebelgische Gesandtin, Fürstin von Ligne, erscheint; dies alles aber bot wenig Neues. Es ist dies das Paris von 1842, von 1843 und wird also wie der Winter von 1844 anch der von 1845 sein. ' Nur die Soiree der Baronin Marie von l'Epinay verdient besonders erläutert zu werden, weil die Anordnung aus dem gewöhnlichen Schlendrian der langweiligen Raonts hervortrat. Frau von l'Epinay hat nämlich ein sehr niedliches Lustspiel: le kut, für das Odeon-Theater geschrieben. Dieses einaktige Blumen - Bouquet ward bei ihr in Gegenwart der Schauspieler und Schauspielerinnen vorgelesen, die Rollen vertheilt und jeder Darstellende erhielt also die künstlerische Anweisung seine Rolle so und so aufzufassen. Frau von l'Epinay liest auffallend lebendig. Der kaum 45 Minuten dauernden Vorlesung waren italienische Gesangstücke, von Madame Vigano u. A.m. mit vortrefflicher Methode vorgetragen, vorangegangen. Ein italienisches Duo, Quatuor, komische Canzonetten, die Arie der Lodämiens äe karis mit improvisirtem Chor von der ganzen Gesellschaft mit drastischer Komik organisirt, zuletzt ein elegant servirtes Souper, wo Tafel und Buffet eben so geschmackvoll als reich servirt waren, beschlossen dieses heitre Fest. Diese Woche wird die kleine Komödie: 1e k'al, im Odeon aufgeführt. Ebenso hat Frau von l'Epinay einen neuen Roman: Rosette, diese Woche bei Viktor Magen herausgegeben. Eine reizende Gabe für alle die, welche eine stets fesselnde und gemüthvolle Darstellung so vieler schlechten groben Kost vorziehen. Den Damen, welche sich bald auf's Land begeben, empfehlen wir diese anch in styliftischer Hinsicht anmuthigen Schilderungen der Frau von l'Epinay. Zwei andere Bände neuer Erzählungen werden bald folgen. Marie von l'Epinay ist im Fortschritte begriffen, Kosette ist ein Genrebild, welches zierlich gemalt, zugleich Farbe und poetische Auffassung offenbart. Wir sind bei dieser Anerkennung nicht der Mann von Welt einer geistvollen Dame gegenüber, sondern der wahre Berichterstatter, den es erfreut nach den vielen schlechten Romanen der Prinzessin von Craon, den schlechten Stücken der Madame Sophie Gay, dem Fiasco von Judith, endlich auch wieder von einer Dame eine werthvolle Gabe zu empfangen. Herr von Balzac soll in Petersburg mit seinen Hoffnungen gänzlich verunglückt sein. Seit einiger Zeit wieder in Paris angelangt, hat sein sonst über jede seiner Reisen vieles in die Welt posaunende Suada ein kluges Stillschweigen beobachtet. Die hiesigen Salons erzählen deshalb Seltsames inMenge. Die Wahrheit verbürgen wir nicht, wir erzählen nur wie bei der Marquise von M... d gestern Abend von einem Gutunterrichteten, nämlich von einem solchen der sich als solcher verbürgte, folgendes erzähltworden: In Petersburg angelangt, wünschte Herr von Balzac eine Audienz vom Kaiser Nicolaus zu erhalten, spitzte seine Feder und übersandte ein Schreiben mit der Bitte um Audienz. Ob es aus Eti- quette durch den französischen Geschäftsträger unterstützt wurde, wissen wir nicht. « 51. äs Lnl/ue et 51. Zglxae Io /////«)/,8oI1ü'jt6nt nim auckienoe ckeVotrs 51a- ^68t6imp6rial6. » Das soll der Inhalt des Schreibens gewesen sein. Ob nun der Adel des Herrn von Balzac wirklich vorhanden, wollen Viele verneinen, seine bisherigen Biographen wenigstens; uns kümmert nur die Zusammenstellung: H. von Balzac der Edelmann und Herr von Balzac der Schriftsteller bitten Ew. kaiserliche Majestät um eine Audienz. Die Antwort soll sehr abweisend und sehr scharf gelautet haben, so stark, so hart, so unglaublich autokratisch, daß wir unmöglich glauben können ein Kaiser von Rußland habe eine solche Entscheidung selbst durch einen seiner Adjudanten oder Kammerherrn geben können, denn eigenhändig schreibt kein Kaiser ein solches Handbillet. Wie dem auch sei, einige Pariser Salons behaupten, und Herrvon Balzac wird vielleicht am besten selbst darüber urtheilen, der Kaiser Nikolaus habe geantwortet: er habe die französischen Schriftsteller bisher nie sür Edelleute gehalten, sondern für das Gegentheil; seitdem Herr von Cuftine aber in Rußland gewesen, habe /? e. der Kaiser aller Reußen erfahren, daß die Edel- lente nicht mehr werth seien als die Schriftsteller, und werde demnach Herrn von Balzac nicht empfangen. Zugleich wurde Herrn von Balzac höflichst eröffnet so bald als es ihm gefällig Petersburg zu verlassen, indem hier nichts für ihn zu holen sei, auch wurde den russischen Familien von oben herab die Anweisung, Herrn von Balzac gar nicht zu empfangen, gegeben. Also in Petersburg wie in einer Wüste umherirrend, soll Herr von Balzac ohne einen Anti-Custine gearbeitet zu haben, sehr ungehalten über die verunglückte Reise nach dem nordischen Stern, das undankbare Rußland verlassen haben. Die autographische oder autokratische Fassung des kaiserlichen Billets, wie solches in einigen Pariser Salons zirkulirt, glauben wir nicht abschreiben zu müssen, indem zu diesem Schreiben unstreitig eine Dosis Grobheit hinzu corrigirt worden ist. Herr von Balzac aber ruft: « 3'al xeräu mon temxs et ma xeine. - *** Buntes und Spitzes. Die „Rhein- und Moselzeitung" meldet aus Frankfurt vom 26. März: „Jeder Reitersmann von der Stadtwehr-Cavallerie, welcher zur Einholung der Herzogin von Nassau, gebornen Großfürstin von Rußland, beordert war und beim Corps fehlen würde, sollte das Dreifache der sonst sür's Ausbleiben zu bezahlenden Geldstrafe an die Standartenkasse entrichten. Später wurden alle Empfangs- Feierlichkeiten abbestellt." Wir glauben der Enthusiasmus für die neue russische Pflanzschule irr Nassau würde in Frankfurt nicht sehr groß gewesen sein. Ein Handels-Vertrag ist zwischen dem Zollverein und den Vereinigten Staaten in Berlin vom preußischen Minister, Herrn von Bülow, und dem nordamerikanischen Gesandten, Herrn Wheaton, am 28. März unterzeichnet und, wie es heißt, sofort zur Ratification nach Washington gesendet worden. Vor zwei Monaten dürften also die Auswechslungen der Ratificationen nicht zu erwarten sein. Die Zollvereinsstaaten haben diesem Handels- Vertrage ihre Beistimmung ertheilt. Was werden Hannover und die Hausestädte nun sagen? Die philosophische Facultät der Berliner Universität hat dem Minister des Unterrichts, Herrn Eichhorn, auf dessen Anfrage: „Ob dem Dr. Nau- werk wegen subversiver Tendenzen in seinen Schriften die Befugnisse eines Privatdocenten zu entziehen seien," mit einem klar und freisinnig abgefaßten Gutachten geantwortet, worin Dr. Nau- werk von jeder Verdächtigung und Anschuldigung frei gesprochen wird. Dieses einstimmige Gutachten macht den Männern der Berliner philosophischen Facultät alle Ehre. Sie haben wacker entschieden für das heilige Recht der freien wissenschaftlichen Forschung, und treten also den geheim und öffentlich umherschleichenden Versuchen des Rückschritts geistesklar unedle Rechte der Wissenschaft schützend entgegen. Nach der charakterlosen und einen Andersdenkenden im Augenblicke der Gefahr neulich verläugnenden Erklärung der Gebrüder Grimm, ist es ein erfreuliches Zeichen, daß die Wissenschaft in Berlin in dem Herzen der Universitäts-Männer nicht blos ein todter Buchstabe, sondern ein reges, erwärmendes Gefühl für Recht und geistige', Freiheit ist. Der Minister des öffentlichen Unterrichts in Berlin, Herr Eichhorn, schrieb einst im „rheinischen Merkur" viel schöne, goldne Worte über Licht, Freiheit und Forschung, über vaterländischen Sinn und deutsches Volksleben; der damals so populäre Name Eichhorn müht sich jetzt in erfolglosen Bestrebungen gegen die Ideen ab, deren glorreicher Verkünder er einst war. Wer breitete also einen Schleier vor dem einst so Hellen Blicke des Mitarbeiters am „rheinischen Merkur?" Die „Bremer Zeitung" erklärt von Hannover aus, das Gerücht einer Wieder-Vermählung des Königs von Hannover sei vollkommen grundlos, indem nicht die mindeste Ursache vorhanden sei an die Nothwendigkeit einer Regentschaft bei der eventuellen Thronbesteigung des Kronprinzen zu glauben. Es wird jedenfalls das erste Mal fein daß ein physisch blinder Fürst den Thron besteigt; was die moralisch Blinden anbetrifft, so zeigt die Weltgeschichte, welche Folgen für Fürst und Volk aus solcher Blindheit erwachsen und als traurige Saat dereinst noch erwachsen können. Der Kronprinz von Hannover wird allerdings ohne alle Schwierigkeiten den Thron seines Vaters besteigen; in welcher Art sich dies gesetzlich und bei der ganzen Umkehrung der Verfassung, dem Verhalten des deutschen Bundes und der Agnaten des Hauses geschehen kann, ist für jeden Staatsrecht und Gesetz höher als Willkür Achtenden längstverneinend beantwortet. Die hannöversche Frage ist für den Augenblick verstummt; die deutsche Zukunft wird auch diese Mißverhältnisse einst später Wiederaufleben sehen, während in jetziger Zeit Hannover mit England verflochten eine brittische Colonie an der Nordsee bildet, Englands Interessen aus dynastischen Rücksichten huldigend, und König Ernst für die englische Pension geregelten Widerstand leistet gegen die Ausdehnung des deutschen Zollvereins bis an die Ostsee. Das constitutionnelle England unterstützt den gesetzlos die Verfassung des Landes umstürzenden Herzog von Cumberland. Warum? Weil England überall nur seine Interessen sucht und die Prinzipien nur dann vertreten läßt, wenn sie seinem materiellen Vortheile nützlich sind. Die englische Pension an den König von Hannover, den souveränen deutschen Fürsten, ausgezahlt, ist also das Handgeld um einen Stein des Anstoßes mehr zu schaffen gegen die deutsche Handelseinigung, denn diese ist den Kaufleuten an der Themse ein Dorn im Auge. Die „Augsburger Zeitung" enthält ein H Schreiben aus Hamburg den 26. März, worin unter andern gesagt wird: Ein großer Nachtheil würde uns und Lübeck bevorstehn, würde der zweite Paragraph Des norwegischen Staatsgrundgesetzes aufgehoben .und den Juden das Niederlassungsrecht in Norwegen zugestanden, wozu indeß nicht viel Aussicht ist, obgleich von gewissen Seiten große Mittel auf- geboten werden. Es geht doch nichts über solche Hamburger Se- parat-Toleranz. Wann wird der deutsche Michel aufhören Hex kex! wie in Karlsruhe zur Zeit der Haberschen Geschichte zu rufen? Die Belgier zeigen bereits einen Brüsseler Nachdruck der Broschüre Hussie, ^.llsina^ne et Trance an, und die deutsche Buchhandlung Leopold Mi- chelsen in Leipzig sendet Anzeigen deshalb an die deutschen Blätter, fügt dabei dem Werke von Herrn Fournier den Titel Unteres cke 1a Hussie hinzu, und giebt den von Druckfehlern wimmelnden elenden Nachdruck zu 18 Groschen. Die einzige gute Ausgabe ist die Pariser Originalausgabe, und wir warnen das deutsche Publikum, nachdem wir den fehlerhaften und kümmerlich ausgestatteten Brüsseler Nachdruck, diesen Diebstahl an dem Eigenthu- me des Verfassers mit der Pariser Ausgabe verglichen, vor dem Ankauf der Brüsseler Piraten- Jndustrie. Deutsche Buchhandlungen, die sich achten sollten einem solchen Handwerke nicht die Hand bieten. Möge doch bald zwischen den verschiedenen Regierungen ein Vertrag über das literarische Eigenthum ins Leben treten, damit dasselbe nicht ferner von dem großen Brüsseler Fabrik-Nachdruck französischer und deutscher Merke so arg gefährdet werde. Man spricht in Dresden von dem baldigen Rücktritt des Herrn von Nostitz-Jänkendorf, Minister des Innern, welcher in der letzten Ständeversammlung heftige Kämpfe zu bestehen hatte. Der König von Hannover verlangt von den Ständen 20 000 Rth. als Prinzessinsteuer für die Prinzessin Augusta von Cambridge. In Preußen, unter der vorigen und^ jetzigen Regierung, wurde eine solche Steuer stets durch die Krone selbst erlassen. Da nun aber der Name des ehemaligen Vizekönigs von Hannover, des Herzogs von Cambridge, im Gegensätze zur jetzigen Verwaltung, in ganz Hannover ein beliebter ist, so werden die Hannöverschen Kammern die 20 000 Rthl. gewiß bewilligen, nicht aus Liebe für das Bestehende, sondern aus Rücksicht für das Vergangene. Der Herzog von Cambridge war in Hannover stets ein humaner nnd gemäßigter Regent, und seine Privateigenschaften erwarben ihm überdem überall Liebe und Achtung. Damenklubbs sind bisweilen Orte, wo die Elstern den Dohlen erzählen, wie schwarz die Raben sind. So eben ist für das Jahr 1844 — 45 ein neuer Geschäfts-Nachweiser der Stadt New-Uork erschienen, woraus sich folgende Berechnung ergiebt: Man zählt daselbst 506 Bäcker, 174 Grobschmiede, 129 Buchhändler, 1227 Schuh- und Stiefelmacher, 435 Banquiers, 2000 Karrenmänner, 243 Geistliche, 46 Sargniederlagen, 810 Commissions- Kaufleute, 35 Corset-Niederlagen, 100 Zahnärzte, 1456 Ellenwaarenhändler, 1984 Grocers, 265 Haarschneider, 130 Hotels, 1218 Importeure, 35 Eisenwaarenhändler, 839 Advokaten (!), 314 Damenputzläden, 60 Zeitungsdruckereien, 148 Säug- ammen, 136 Austern-Salons, 736 Ärzte, 992 Porterhäuser und 780 Schneidermeister. Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von PaulRenouard Paris, Mittwoch. Nr. 31 17. April 1844 Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 1» ,, Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. ^ 1k N) Ü Man abonnirt: für Paris: IM Nuresu ventral pour l'4.Nem»^»e, l uo Nes Moulins, 32. und in der Buchhandl. von 2ules l^enousrä et rue cie I'oui non, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchbandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater^ Mutik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. B idault, 46, nuo eie !a 4u88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugcstellt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzeigcn. —Anfragen, Beiträge, Pranumerationögelder und Briefe wollen franco: « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 82 , ruo 668 Mul! N 8 in Paris » eingesendet werden. Englische Urtheile über Preußen nnd Ostreich. Die Erbitterung, die in England gegen Preußen, die Hauptstütze des deutschen Zollvereins, herrscht, spricht sich unverkennbar in folgender Schilderung des gegenwärtigen Zustandes von Preußen in einem Londoner Journale, in einem Überblicke über die verschiedenen Länder, beim Jahreswechsel aus: „Preußen pflügt seinen sandigen Boden, sucht seine seichten Flüsse schiffbar zu machen, und strebt darnach, sich zu einem großen Handelsstaate heranzubilden, ob es gleich nur einen Seehafen besitzt. Es unterhält eine Armee, die groß genug wäre, um ganz Europa im Zaume zu halten, zum Schutze eines Gebietes, auf dem zehn (?) Millionen Menschen wohnen. Preußen ist ehrlich, tapfer und loyal, aber auch thöricht genug etwas Anderes als Zahnstocher zu fabriziren zu streben. Messer und Scheeren übersteigen seine Kräfte, — deßhalb sollte es dieselben auch nicht nachzumachen versuchen. Mit vieler Mühe mag es ihm gelingen, eine Mistgabel zu verfertigen, aber kein glücklicher Zufall wird es befähigen, eine Sense zu machen. Und doch hat es seine Zeit, seine Gedanken und sein Bauholz seit den letzten fünfzig Jahren in der Realisirung dieses Luftschlosses verschwendet. In Preußen hat sich nichts verändert, als der Stand der Ehren-Fräu- lein." Österreich. Über dieses Land sagt dasselbe Journal: „Österreich hat geschlafen. Zuweilen stößt es im Schlafe den Namen: Italien aus, oder wacht, wenn es vom russischen Bären träumt, aus seinem Schlummer auf, in den es aber wieder zurücksinkt, sobald ihm der Gedanke an die ungarische Freiheit durch den Kopf schießt. Fürst Metternich sitzt ihm zur Seite, und schaukelt seine Wiege. Wenn es gähnt, so hüllt er es in neue Decken ein, schaukelt die Wiege um so eifriger, und singt es auf's Neue in Schlummer. Metternich ist die beste Säugamme in Europa; er war es aber auch schon vor zwölf Monaten. Österreich wird dabei fetter, als irgend ein anderes Land in Europa, ohne daß man es viel bemerkt. Sonst — ist's noch immer beim Alten." Fortsetzung der Übersetzung des Werkes: AV88LL, VI. Summarium: Ist der Czar der schönste Mann seines Reiches? — Sein Geiste — Seine militärischen Eigenschaften. — Die Wahrheit über seinen Geschmack an den Künsten. — Die fremden Künstler in Petersburg. — Nikolaus als Kaiser. — Der Kaiser im Schooße seiner Familie. — Die mörderische Gtiquette. — Enttäuschung des Herzogs von LeuchLenberg. — Einige Worte von ihm über den Herzog von Bordeaux. — Über eine, den Romanoff's eigenthümliche Krankheit. — Die Kaiserin Alexandra. — Sonderbare Ursache der Untreue des Czars. — Die schöne Fürstin Uruffof. — Madame von Pompadour. — Die Fürstin Woronzow. Wir haben die verschiedenen Katastrophen und Begebenheiten, welche in letzterer Zeit die Geschichte Rußlands charakterisiren, schnell durchlaufen, indem wir uns beschränkten ihre politische Tendenz anzudeuten, um dem Leser die wahre Stellung der kaiserlichen Macht zu bezeichnen. — Nun wollen wir den Menschen kennen lernen, der jetzt Inhaber dieser Macht ist. Wir werden die Züge des Porträts, das wir zeichnen wollen, weder mildern noch übertreiben. Von der Überzeugung durchdrungen, daß sich die Seele des Menschen sehr oft in seinem Äußern abspiegelt, glauben wir, daß die Reinheit, wir möchten fast sagen die Rauheit der Umrisse, besonders hier nöthig ist. In den letzten Jahren hat man viele Porträts des Kaisers gefertiget, aber die einen blenden durch den Glanz ihres Colorites und die andern sind kleinlich bis zur Verläumdung. Die Mehrzahl der Touristen, welche das Glück hatten, Seine Kaiserliche Majestät zu sehen (wir citiren Niemand), haben gezeichnet, was sie sahen, nämlich die Majestät. Nicht der Mensch sitzt auf dem Throne, sondern der Kaiser, und das hätten sie nicht vergessen sollen. Will man einen Monarchen malen, so muß man ihn nicht vor der Staffelei sitzen lassen. Was wir hier vom Äußern sagten, wiederholen wir in Bezug auf den persönlichen Charakter und die öffentlichen Fähigkeiten des Kaisers Nikolaus. Vielen englischen, oft leidenschaftlich geschriebenen Broschüren, seichten französischen Schriften, deutschen Panegyriken, welche alle, theils durch die Umstände hervorgerufen, theils durch den moskowi- tischen Einfluß erzeugt wurden, ist es noch nicht gelungen ein richtiges Bild von dem gegenwärtigen Kaiser aller Reußen zu geben. Wir werden sehen, ob wir glücklicher sind. Übrigens lassen wir denen, welche diese Zeilen durchlaufen, die Mühe, Schlüsse zu ziehen. Zu wissen, mit wem man es zu thun hat in der Politik, ist schon sehr viel. Man hat gesagt und wiederholt, daß der Kaiser einer der schönsten Männer seines Reiches sei. Was aber besonders bemerkt werden muß, ist, daß die Schönheit des Czaren kalt und seelenlos, ohne Grazie und Refler ist. Er ist größer als sein Bruder Alexander, er besitzt aber weder das Lächeln, noch das verführerische Äußere, noch die galanten Manieren,wodurch Alexander eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Alle äußerte die sich ihm nahten. Nikolaus mag wohl einer der größten Männer seines Reiches sein, wir wollen ihm dieses Privilegium nicht streitig machen; aber Alexander war der liebenswürdigste und sicherlich 'auch der geliebteste. Nikolaus ist steif, geziert und eisig kalt: seine strengen kalten Züge affectiren die Unempfindlichkeit. Sein Gang hat nicht die geringste Leichtigkeit; er hält, ich weiß nicht welches steife Wesen, für Würde. Man würde ihn vom Kopf bis zu den Füßen in einen Fischbein-Harnisch eingezwängt glauben. Sein Gesicht hat die unbewegliche Regelmäßigkeit einer Maske. Es ist correct schön, aber keine Seele schimmert durch; es ist Marmor; man sieht, daß menschliche Beseelung nie diese geglättete Stirn überhaucht hat. Seinen Augen mangelt Feuer; sein Blick kämpft ohne Unterlaß mit dem Bedürfnis wohlwollend und majestätisch zu erscheinen; er ist hochfahrend, aber er imponirt nicht. Was es aber Eigenthümlicheö in dem Ausdrucke seines Gesichtes giebt, ist der Zwiespalt des Mundes, der zuweilen zu lächeln versucht, mit dem Auge, welches sich gegen diese vorübergehende Laune auflehnt. Den Menschen zu heucheln ist für Nikolaus schwerer, als als Kaiser zu erscheinen. Er hat, was man im gemeinen Leben eine gute Erziehung nennt, erhalten; sein Geschmack hat ihn aber den kleinlichen Details des Militär-Hand- 2 Werks zugewendet. Er spricht mit ziemlicher Geläufigkeit französisch, weniger gut deutsch und englisch; seine Rede ist, ohne glänzend zu sein, treffend, bestimmt, nur etwas gemein; er versucht nie schöne Phrasen zu machen. Er ist kein geistreicher Mann, er hat aber einen gewissen praktischen Sinn, der für Kleinigkeiten sehr schätzbar ist. Es ist ihm selbst eine Art Rohheit eigen, die in den meisten Fällen für Freimuth genommen wird. Was Höhe in der Voraussicht, Kühnheit in der Auffassung betrifft, so hat er davon nie eine Probe gegeben. Es fehlt ihm selbst gänzlich der militärische Überblick, welcher großen Kriegern eigen ist; aber glänzend weiß er ein Regiment zu commandiren, die Haltung der Truppen und die Entwickelung der Manöuvreö zu überwachen ; mit dem Blicke eines Adlers bemerkt er eine schlecht zugeknöpfte Uniform, eine etwas vernachlässigte militärische Toilette, die mit dem Buchstaben der Reglements nicht übereinstimmt. Er glänzt schon weit weniger beim Commando einer Brigade, wo das Auge und der Gedanke schon mehr Umfas- sungskrast nöthig haben; er erbleicht wenn es sich um eine Division handelt, und die Führung eines Armee-Corps würde, nach dem Ausspruche competenter Richter, seine militärischen Fähigkeiten um vieles übersteigen. Indessen hat er sich mit Erfolg mit mehreren Fragen beschäftiget. Er ist es, welcher beim Genie- und Artillerie-Corps nützliche Reformen eingeführt hat. Letztere ist trefflich bespannt, obgleich stein Bezug ausden Unterricht in ihren Cadren und in Rücksicht auf den Schuß der preußischen Artillerie nachsteht, welche wiederum die Höhe der französischen nicht erreicht. Nikolaus hat, was man auch sagen möge, von Natur keinen Geschmack für die Künste; aber seine Proselyten machende Politik gebietet ihm, fremde Künstler der russischen Sache zu gewinnen. Übrigens wäre es eine nützliche Berechnung, wenn man die Wonnen aufzuzählen versuchen wollte, die Petersburg den Künstlern bietet, die hier zusammenströmen. Arme Abenteurer, die die vielfache Täuschung nicht abhält noch und wohl immer zu träumen! Der Kaiser, behauptet man, liebt das Theater sehr; aber unter den Erholungen der Scene wählt er mit Vorliebe nur die werthlosesten. Weder die griechische Reinheit Racine's, noch die Tiefe Corneille's, weder die Begeisterung Schiller's, noch die gewaltigen Auffassungen Shakespeare's vermögen ihn zu interessiren. Ein Vaudeville, eine Bouffonnerie, ein neues Ballet, kleine Contretanzmusik, hübsche Frauen und gewagte Lustigkeit sind die Hauptquellen seiner Vergnügen. Es muß bemerkt werden, daß man sich im kaiserlichen Pallaste sehr langweilt, weil man nicht versteht, sich mit einer edlen und interessanten Beschäftigung zu befassen. Wie der Herr, so die Diener. Eine ernste und poetische Lectüre, das Studium der hohen gesellschaftlichen Fragen, die Geschichte aus ihrem philosophischen Gesichtspunkte betrachtet, die Zukunft der Völker, die Pflichten des Thrones der Menschheit gegenüber, dieses alles ist nicht besonders nach dem Geschmacke Nikolaus. Er hat die Neäita- tions Lamartine's nur ein wenig gelesen, um sie zu reinigen, denn vor seinem Regierungsantritte befaßte er sich vorzüglich mit der Censur, und seitdem nimmt er an allen Angelegenheiten, die sich auf letztere beziehen, ein lebhaftes Interesse. Übrigens besitzt er diese oft erpansive Heftigkeit, die die Forderungen der Gewalt und Politik sehr schnell zur Gewohnheit machen. In allen Städten, durch welche er im Auslande reist, besucht er gewissenhaft die Museen, die Künstler und die Ateliers der Maler, und läßt Erinnerungen eines klugberechneten Enthusiasmus zurück. In Preußen umarmt er oft die Offiziere bei den Revuen und drückt sie mit einer sehr gut gespielten Rührung ans Herz. Er vergaß nie die Hand des verstorbenen Königs Wilhelm zu küssen, aber vorzüglich bei den Nevüen der Garden und auf dem Balcon deskönigl. Schlosses zu Berlin; und dadurch erinnerte er die Deutschen nicht selten an das sarmatische Sprüch- wort: „Ich küsse die Hand die ich abhauen will." In seinem innern Leben entwickelt Nikolaus alle Grazie und Geschmeidigkeit eines Kosaken-Haupt- manns. Eine seiner Gewohnheiten im häuslichen Leben ist, daß er in seinem Kabinette eine kleine Trommel und Trompete hat, deren er sich bedient um seine Minister zusammen zu rufen. Wenn er den Grafen Czernitschef, Minister-Staatssekretär im Kriegs-Departement und General der Infanterie, zu sehen wünscht, so läßt er die Trommel wirbeln, worin man sagt, daß er sehr geschickt sei; er stößt in das Horn wenn er den General der Kavallerie Wenkendorf kommen lassen will. Die nach militärischer Disziplin riechenden Gewohnheiten sind so mächtig bei dem Kaiser, daß sich selbst seine Familie denselben nicht zu entziehen vermag. Kein Glied der Familie würde wagen einen andern Willen als den des Herrn zu erkennen zu geben, und der Wille des Kaisers hat stets den Anstrich einer militärischen Ordre. Haltung, Beschäftigung, Besuche, alles ist in der kaiserlichen Familie durchaus so geregelt, wie in dem Tagesbefehle einer gut com- mandirten Caserne. Dadurch daß der Czar von seiner Gemahlin ununterbrochene Vorstellungen, eine unaufhörliche Bewegung in Festen und Ceremonien verlangt, hat er die Gesundheit der Kaiserin blos- gestellt, ohne sich deshalb entschließen zu können, das, was er die unvermeidlichen und geheiligten Gesetze der Majestäten-Etikette nennt, abzuändern. Wer aber am meisten von dieser unbeugsamen Disziplin leidet, ist ohnstreitig der Herzog von Leuchtenberg, welcher, in den sanften und wohlwollenden Gewohnheiten der deutschen Fürsten-Familie erzogen, mit einem Male in die stumme und eisige Atmosphäre des kaiserlichen Pallasteö verpflanzt wurde. Er hat sich mehr als einmal, seit seiner Verhei- rathung, seiner schönen nun verlornen Freiheit und seines etwas bürgerlich-häuslichen Lebens in Baiern erinnert. Und in Folge dieses Gerüchtes hat man vermuthet, daß die gegenseitigen Beziehungen des Herzogs von Leuchtenberg und des Kaisers nicht immer von freundschaftlicher Art seien. Die Sache ist gewiß: der Herzog von Leuchtenberg hat mehrmals Arrest gehabt, weil er sein Kleid nicht nach den vorgeschriebenen Regeln zugeknöpft hatte. Der Czar hielt es gleichfalls für ein Majestäts-Verbrechen, wenn der junge Herzog es wagte im Schlaf- rocke in die Gemächer der Fürstin zu gehen und sich neben sie zu setzen. Aber was sollte Nikolaus thun, als er eines Tages den jungen Gatten rauchend neben seiner Frau fand! Die Verweise hörten nur auf, um den folgenden Tag von neuem zu beginnen; alle Augenblicke gab es Zurechtweisungen und Auftritte. Der Kaiser mäßigt seine Ausdrücke sehr wenig ; man hat gesehen daß er Generale, Fürsten und alte Diener mit grausamer Härte behandelte; er hat den schlechten Geschmack sich immer auf der Parade zu glauben. Es ist genug gesagt, wenn man an die Schmach erinnert, die der arme Herzog von Leuchtenberg zu erdulden gezwungen war, aber namentlich mit Stillschweigen zu erdulden. Einige ! Worte, die er neuerdings bei einer gewissen Gelegen- , heit aussprach, charakterisiren vollkommen seine ge- l genwärtige Lage, welche von der, die er in Deutsch- ^ land hatte, so verschieden ist, und die er nicht aufhört täglich zu betrauern. Es war nämlich die Rede von Eröffnungen, welche man den Bourbons der ältern Linie gemacht hatte wegen einer Heirath des Her- j. zogs von Bordeaux mit einer Tochter des Kaisers, s entweder der Großherzogin Olga, oder der Großherzogin Alexandra. Dieses Projekt scheiterte, und der Herzog von Leuchtenberg sagte zu einem französischen Legitimisten : „Der Herzog von ! Bordeaux danke dem Himmel, daß es ! ihm nicht beschieden ist den Käfig zu theilen, worin ich vegetire." Noch mehr: >> seine Briefe auS Petersburg an seine Freunde in Frankreich und Deutschland tragen das Gepräge ! einer tiefen Melancholie; auch bemerkt man, daß ^ diese Briefe nicht durch die Post befördert worden i sind, eine kluge Maßregel gegen die Erbrechungen ' welche sich die russische Polizei bei allen Korrespondenzen die für das Ausland bestimmt sind, oder welche daher kommen, erlaubt. Aber namentlich ! Briefe aus Paris sind einer besondern Controle ! unterworfen. ! Seit einigen Jahren haben die Geisteskräfte Nikolaus, ohne bemerkbar zu sinken, einen Anstrich von Schärfe angenommen, was jetzt bemerkbarer ist als am Anfänge seiner Regierung. Er ist finster und mürrisch. Er beklagt sich bitter, von seinen politischen Feinden verläumdet worden zu sein. Die- ' ses Hinneigen zu düstern Ideen hat er mit den Kaisern Alexander und Paul und fast allen Romanoffs s gemein. Dies ist eine Krankheit, welche sich durch s Erbschaft überträgt, und deren Anfälle sie in einer bestimmten Epoche des Lebens empfinden. Eine '! dumpfe, aufreizende Unruhe macht Nikolaus die Bewegung des Reifens zur Nothwendigkeit. Erreist viel und schnell; die Ruhe drückt ihn; das Nachdenken beängstigt ihn; Sammlung würde ihn närrisch machen. Das von den Stufen seines Thrones schlecht verwischte Blut seiner Vorgänger flößt ihm ' geheimes Schrecken ein. Vor der Thüre seines Schlafzimmers schlafen während der Nacht Garde- ^ Kosaken. Eine Folge dieser Neigung zum panischen s Schrecken ist, daß er sich polizeilichen Vorsichts- ! Maßregeln hingibt, die er bis zur SpioNirerei in ! feinem eigenen Pallaste, bis unter die Glieder seiner ! eigenen Familie treibt, ein verderbliches und demora- < lisirendes System, welches sich über das ganze Reich ^ und selbst bis ins Ausland verbreitet. ! Die Kaiserin Alexandra ist, bei ihrem Alter von ^ 44 Jahren, noch eine schöne Frau. Sie ist ziemlich schlank, etwas blaß, und der Ausdruck ihres Gesichtes ein wenig melancholisch, aber voller Hoheit, und ! der Blick ihres Auges ist majestätisch. Man sagt, sie I habe ihren kaiserlichen Gemahl sehr geliebt, ohne ^ jedoch im geringsten nach Theilhabung an den er- I habenen Privilegien der Krone zu geizen. Die Katastrophen, von denen sie Zeuge war, die blutige i Thronbesteigung Nikolaus, der traurige und schnelle k Tod Alexanders, alles das hat ihr Nervenansälle ; verursacht und ihren Zügen und ihrer Laune den ^ Stempel des Ernstes ausgedrückt, der sich auch in der Physionomie Friedrich Wilhelm III., ihres Vaters, aussprach. Die unaufhörlichen Ceremonien, wozu sie ihr Gemahl nöthigt, so wie eine fast wahnsinnige Leidenschaft für den Walzer und den Ma- zurk haben ihre Gesundheit dergestalt angegriffen, daß ihr die Ärzte die Bäder von Ems gerathen und jeden Erceß im Tanzen für die Zukunft untersagt haben. Man behauptet selbst, daß die Vorschriften oder vielmehr Verbote Eskulaps sich noch weiter erstrecken und daß die ärztlichen Befehle den Kaiser eben so gut als seine Gemahlin verpflichten, woraus folgt, daß der Czar die eheliche Treue nicht so gewissenhaft mehr beobachtet als ehedem. Aber in dieser Hinsicht kann man Nikolaus nicht Gerechtigkeit genug widerfahren lassen. Einige Huldigungen, im Geheim an eine Fürstin von berühmter Schönheit gerichtet, ausgenommen, kann man sagen, daß der Kaiser von jedem Vorwurf frei ist und sich weiblicher Einfluß nie ernsthaft in den Angelegenheiten am Hose des Czaren fühlbar gemacht hat. Was die in Frage stehende Fürstin betrifft, so kann allerdings nicht geleugnet werden, daß ihre Begünstigung in Hellem Glanze leuchtete. Sie war damals Ehrendame der Kaiserin. Die Fürstin Urussof, jetzt Fürstin Leon Radzivill, war unstreitig das vollendetste Muster russischer Schönheit. Man sah nie reineren Glanz, blendendere Frische. Ihre Haare fielen in weichen, vollen Massen aus ein Paar mit antiker Schönheit gerundeter Schultern herab. Aber besonders ihre großen blauen Licht und Zärtlichkeit strahlenden Augen, übten in ihrem Bereiche eine magische Kraft. Sie besaß eine Formenfülle, die vielleicht die Gränzen des strengen Geschmacks in etwas überschritt, welcher plastische Schönheit sich nicht nähern darf, die von der Wollust aber übersprungen werden kann. Seit 1833 ist die Fürstin Urussof an den Fürsten Radzivill, Garde - Cavallerie- Offizier und Adjutant des Kaisers, verheirathet. Die Chronik sagt nicht mehr. Aber neuerlich Mben böse Zungen Ln Petersburg das Gerücht von einer erneuerten Gunst verbreitet, deren reizenden Gegenstand sie mit einem pittoresken Pseudonym bezeichnen. Man nennt ihn Madame Pompadour. Was die schöne Fürstin Woronzow betrifft, so zitiren sie wir nur um der Geschichte willen. (Die Fortsetzung folgt.) Nordamerikanische Zeitungsschau. Der Ehrw. Doctor Schaf, von Berlin (Preu- sien) hat den Ruf als Professor der biblischen Literatur und Kirchengeschichte in dem theologischen Seminar zu Mercersburg, Pa., welchen die Synode der deutsch-reformirten Kirche an ihn ergehen ließ, angenommen, und ist gesonnen Europa zeitig genug zu verlassen, um seine Amtspflichten im nächsten Juni antreten zu können. „Han. Gazette." Wo Freiheit wohnt, da ist mein Vaterland! — Die Anzahl der in Amerika eingewanderten Deutschen beläuft sich bis jetzt auf drei Millionen, und zwischen 40-50 Zeitungen (wozu wir übrigens nicht die deutschen Blätter rechnen, welche sich anstatt Wahrheit und Recht, Fanatismus und Dummheit zur Richtschnur ihres Wirkens gewählt haben), vertheidigen in deutscher Sprache die heiligen Rechte, welche uns die Constitution eines Landes sichert, welches unter dem Schutze der Freiheit segensreich 3 gedeiht, und bereits den ersten Rang mit den größten l Nationen der Erde einnimmt. „Balt. Corr." Die Bunker-Hill (Massachusetts) „Aurora" sagt: „Vor einigen Abenden begab sich der deputirte Sheriff, Herr Choate, von Woburn, mit ungefähr 20 Bürgern nach dem Horn-Pond-Hause in jener Stadt, und nahm 7 Spieler, nebst ihren Spielge- räthschaften, welche aus 23 Fechthahnen, die der Eigner derselben zu dem Werth von ungefähr 1500 Thaler schätzte, bestanden, in Verhaft. Der Sheriff sagte, es sei seine Pflicht die Spielgeräthschaften zu vernichten, und köpfte demzufolge, in Gegenwart vieler Bürger von Woburn, alle die Fechthahnen. Der Eigner dieser Fechthahnen wohnt in Boston, und ist 87 Jahre alt. Er sagt, er habe das Geschäft des Hahnenfechtens 50 Jahre lang getrieben. Er hielt auf's äußerste an, man möge doch seinen armen Hahnen das Leben schenken, allein der Sheriff war unerbittlich. Die Köpfe der Hahnen hat man aufbewahrt, damit dieselben als Zeugen gegen den alten Spieler dienen können, dessen Verhör, so wie auch das des Besitzers vom Horn-Pont-Hause und noch fünf anderer Personen, welche Bürgschaft für ihre Erscheinung vor der Court gestellt haben, in einigen Tagen statt finden wird. Es würden noch viele der Spieler verhaftet worden sein, allein sie löschten die Lichter aus und entkamen in der Dunkelheit. Indessen kennt man mehrere derselben, und wird mit ihnen dem Gesetz gemäß verfahren." Langes Manuskript. Welche ermüdende Arbeit das Abfassen eines Adreßcalenders von New- Uork sein muß, ergiebt sich am Besten aus der That- sache, daß das Manuskript des diesjährigen Calen- ders 3201 Mrd oder — eine und eine Viertel Meile lang ist, und sich 27 000 — unter 1200 verschiedene Titel arrangirte Namen kommen, darauf befinden. Es heißt, daß Preußen im Begriffe stehe, einen Vertrag mit den Ver. Staaten in Bezug auf die wechselseitige Auslieferung flüchtiger Verbrecher abzuschließen. Ein Gesuch des amerikanischen Ministers, um gesetzliche Schritte gegen eine früher in Louisiana, und jetzt in Berlin ansässige deutsche Familie, wegen gewissen Eigenthumsveräußerungen in Louisiana, ist von der Preußischen Regierung unter Vorbehalt der Gegenseitigkeit bewilligt worden. Ein solcher Vertrag ist ohne Zweifel höchst wünschenswert!), und könnte der Deutschen Bevölkerung in den Ver. Staaten nur vortheilhaft sein. „Nat. Z." Amerikanisch-deutscher Ritter. Herr Gold. ....en, ein ehrbarer Kleiderkünstler von New-Orleans, hatte vor mehren Monaten den Einfall, Sr. Majestät dem Könige von Preußen ein Exemplar der hier erschienenen Porträt-Gallerie indianischer Häuptlinge zum Präsente zu machen. Der König nahm das Geschenk huldvoll an, und verlieh dafür dem Herrn Gold..... en den rothen Adler-Orden. Die Jndianer-Gallerie kostete 120 Doll. Der Orden ist werth: An Gold, Verzierungen und Arbeitslohn 10 Dollars. An Ehre ........ Nichts. Wer im Besitze ähnlicher Seltenheiten ist, die er gegen einen Orden auszutauschen wünscht, dem empfehlen wir, dieselben an obige Adresse in Berlin zu senden, wo Ordenskreuze nunmehr auf's Billigste zu haben sind. In Jersey-City wurden am 20. Februar die Bewohner in großes Erstaunen versetzt durch das Fallen einer Substanz, welche wie blutiges Fleisch aussah und in Stücken von der Größe eines Zehn- centstücks bis zu einem Viertelthaler herunter fiel. Die Nachricht von diesem räthselhasten Schauer verbreitete sich bald durch die Stadt, und die Leute liefen von allen Seiten herbei, um die Substanz zu untersuchen. Es scheint daß der Fall dieses Schauers sich nur auf einenverhältnißmäßig kleinen Raum beschränkte, vielleicht nicht über 800 Fuß im Quadrat, und die herunter gefallenen Flocken sahen Stücken blutigen Fleisches ähnlicher als irgend sonst etwas. Wo immer diese Flocken auf Leinenzeug fielen, breitete sich das „Blut" allmählig darüber aus, und ließ eine dicke, fleischige Substanz im Mittelpunkt des Fleckens zurück, welche einen widerlichen stinkenden Geruch von sich gab. Die Waschseile innerhalb dem Bereich des Schauers hingen beinahe alle voll mit neugewaschenen Kleidungsstücken, und die Flocken sielen so dick, daß selbst die kleinsten Stücke fleckigt wurden, und Alles wieder von neuem gewaschen werden mußte. Selbstenthauptungs-Versuch. — Ein Engländer zu Saco, Maine, machte den Versuch sich selbst den Kopf abzuhauen. Nach seiner eigenen Angabe nahm er eine Art und hieb seinen Kopf damit bis er nicht mehr konnte. Dann ging er nach dem Hotel und bat den Häßler ihn das Werk vollenden zu helfen. Er war mit Blut besudelt und hatte sich etwa ein Dutzend Wunden beigebracht. Er wurde nach dem Armenhause gebracht und man dachte nicht daß er mit dem Leben davon käme. „L.-Beob." Dampfschiff-Collisiou und Lebensverlust. In der Nacht vom l. zum 2. März liefen die Dampfschiffe De Soto und Buckeye unter Atcha- falaya in Louisiana in dem Arme des Mississippi, welchen man Old-River nennt, gegen einander. Der Stoß führte die beklagenswerthesten Folgen mit sich. Das Dampfschiff Buckeye sank in weniger als fünf Minuten bis an'ö Hurrikandeck. An Bord desselben befanden sich mehr als 250 Menschen, Weiße und Schwarze, die stromaufwärts reisten, und man glaubt daß 00 bis 70 von ihnen bei diesem Unglücksfalle den Tod fanden. Ein Augenzeuge beschreibt die Scene als herzerschütternd im höchsten Grade. Die Passagiere schliefen sämnulich, als das Unglück vorfiel, und diejenigen welche sich retteten, hatten nichts als ihre Nachtkleider an; Mütter suchten mit wahnsinniger Angst ihre Kinder, Männer ihre Weiber und Schwestern. Herr Hymes von Alerandria verlor seine liebenswürdige Tochter, stille junge und interessante Schwägerin und 15 Neger; Oberst Richard King verlor 2 Kinder; Herr A. M'Kenzie verlor seine Frau, 7 Kinder und mehre Neger; ein Unbekannter verlor seine beiden Schwestern; Herr Bean versuchte mit einem kleinen Neffen ans Ufer zu schwimmen, und beide ertranken. Von den Deckpassagieren konnten nur wenige gerettet werden, so schnell sank das Boot. Das Dampfschiff De Soto war nur wenig beschädigt und leistete den größtmöglichen Beistand, 4 um die Verunglückten aus dein Wasser zu ziehen und Eigenthum zu retten. Furchtbare Scene mit einem Leoparden. Ein schreckliches Schauspiel trug sich letzten Freitag in den Straßen von Baltimore zu. Die Kunstreiter-Gesellschaft des Herrn Driesbach zog nach herkömmlicher Weift durch die Straßen, und Herr Driesbach saß mit einem lebenden Leoparden in einer Barnsche. Vor einem Hotel stieg Herr Driesbach ans und nahm den Leoparden unter seinem Arni mit sich. Wie gewöhnlich sammelte sich ein großer Hausen Jungen, und als Herr Driesbach aus der Gaststube des Hotels wieder herauskam, fiel einer der Jungen mit seinem Kops gegen die Nase des Leoparden. Das Thier ergriff ihn sogleich beim Halse, schlug ihm die Klauen ins Fleisch und steckte seinen Kopf in den Rachen. Mit einer Schnelligkeit und Kühnheit, die dem Muthe und der Geistesgegenwart des Herrn Driesbach Ehre macht, schob dieser augenblicklich seine Faust in des Leoparden Maul und preßte sie ihm den Hals hinunter. Alle drei fielen auf das Steinpflaster nieder; doch wollte der Leoparde den Kopf des Jungen nicht frei lassen und das Geschrei des Letzter», so wie die Aufregung und der Alarm des Menschenhaufens, das Knurren des Thieres und die dringende Forderung des Herrn Driesbach ihm ein Messer zu reichen, veranlaßten eine Scene entsetzlicher Furchtbarkeit. Die Kämpfenden hatten natürlicher Weise einen weiten Tummelplatz, da die erschrockene Menge mehr und mehr zurückwich. Ehe jedoch das Messer gebracht werden konnte, war es Herrn Driesbach gelungen, dem Leoparden seine Faust so tief in die Gurgel zu drücken, um den Kopf deö Jungen befreien zu können, woraus er seine eigene Hand zurückzog und das Thier in den Wagen brachte. Der Junge ist sehr verletzt, und Herr Driesbach wurde arretirt. Wie wir vernommen, ist Herr Driesbach unter Bürgschaftsleistung von 1 000 Doll, auf freien Fuß gesetzt worden. Tie Sache wird im nächsten Juni vor das Gericht kommen. Wir können nicht umhin, unser Mißfallen über das Auftreten des Vaters des verwundeten Knaben zu äußern, um so mehr, da Herr Driesbach demselben auf liberale Weift für den zugefügten Schaden gerecht werden wollte. Der Vorgenannte verlangte 5(^0 Doll, von Herrn Driesbach, eine Forderung die, höchst unverschämt und unbillig, nicht befriedigt zu werden verdiente. Herr Driesbach hat zwar Veranlassung zu dem Unglücke gegeben, aber auch mit eigener Gefahr grö- ßerm Unglück vorgebengt. Die bei diesem Versuche erhaltenen Wunden sind vielleicht ebenso gefährlich wie die deö Knaben und haben den Thierbändiger — bettlägerig gemacht. (Balt/Eorr. v. 20. März.) Salon - Plaudereien über Musik, Theater, rc. Ich bin diesmal im bedeutenden Rückstände mit meinen Berichten, doch bitte ich nicht mich, sondern das tückische Schicksal anzuklagen. Nachdem ich diesen Winter über hundert Conzrrte, .einige Grippen und riete Polkas mitgemacht, und mitMuth und Glück überstanden hatte, mußte ich endlich doch der Zaubcrmacht eines glänzenden Aug.npaares unterliegen. Mit dem ersten Frühlingsstrahl traf auch mich, ein Lichtstrahl, der Anfangswohlthätig die irdische Nacht meines Daseins erhellte, später aber meine Augen blendete; ich fand eine Blume, deren Duft mich erquickte, doch deren Kelch tödtend Gift entsendete; ich träumte einen Traüm, dessen süße Bilder mich entzückten: desto schrecklicher jedoch war das Erwachen. — Nach diesem Eingänge ist wohl mein Übel leicht zu errathen, und Niemand wird sich wundern, daß ich Longchamps, Con- zerte und Theater bei Seite ließ, und die einsamsten Gänge im Boulogner Gehölze aufsuchte, wo ich einige Schock Sonette, und mehrere Dutzend Ghaselen dichtete, und sie ganz frisch der Redaktion des „Vorwärts" übersandte. — ,,Behalten Sie die Gedichte für sich und schicken Sic mir Neuigkeiten, Conzert- und Theaterberichte", war die Antwort meines Tyrannen, der in der ruo cle8 öloulln», 32, thront; und gehorchend ergriff ich die Feder, um die Neuigkeiten nachzuholen, die ich in schwärmerischer Zerstreuung und anticipirter Lenzwonne ziemlich esvslikromenl bei Seite gelassen hatte. — Und somit zur Sache. — Rubini ist zum Obersten in der russischen Armee erhoben worden. Sollte der Kaiser außer Rubini und Dreischock noch musikalisches Militär brauchen, so könnten wir ihm eine große Anzahl von Sängern, Sängerinnen, Eonzertisten und auch Einen Musikverleger überlassen, die uns hier sammt und sonders höchst überflüssig erscheinen. — Wenn Seine russische Majestät dann noch einige hundert Aktien auf die neuerfundenen Saxophone nehmen wollten, so könnten Seine Czarheit mit solchen Kräften gleich Jvsua ein Conzert s I» ^eiiclio veranstalten, und auf diese Art die durch gewöhnliche Waffen und aller- ungnädigste Ukase unbezwingbaren Ezerkessen besiegen.— Wie wir vernehmen, wäre Lablache, wenn er das angebotene Engagement nach Petersburg angenommen hätte, sogleich zum Feldmarschall ernannt worden. Lablache soll aber keine Lust nach russischen Epaulettrn, die doch immer unter der Knute stehen, verspürt haben. HerrDietsch, der im Aufträge des Herrn Leon Pillet aufTenoristenfang ausgegangcn, wurde sammt dem glücklich gefundenen Tenoristen Gardoni auf der Gränze ertappt und au violon gesetzt. Herrn Leon Pillet trifft das Unglück bei dieser Gelegenheit zweifach. Erstens entwischte ihm das mühsam gesuchte Bruft-C, und zweitens ist zu befürchten, daß wenn die Mailänder erfahren, daß Herr Dictsch der Verfasser des Vaisseau ksntoine ist, sie ihn so schnell als möglich wieder zurückschicken werden. (Ist bereits geschehen.) — Ein Pariser Eorrespondent berichtet an das,,Stuttgarter Morgenblatt", daß der öolissrio von Ricci hier mit Beifall aufgeführt wurde. Dieser Berichterstatter scheint aus den besten Quellen zu schöpfen, und sehr mit den italienischen Theater-Verhältnissen vertraut zu sein!? Uelirigi-io von Ricci, dies klingt ganz wie Schil- ers Räuber von Kotzebueü Im Theater des Varietes wurde ein artiges Vaudeville, ^leui-cke Oeuet) von Davesne, einem jungen Schauspieler, beifällig ausgenommen. Herr Lafont spielt die Titelrolle mit Humor. L.e Oi ipp68ou, ein unterhaltendes Vaudeville von Nyon, gefällt in den Delassements comi- ques. Im italienischen Theater gibt nächstens eine spanische Sängergesellschaft drei Opernvorstellungen, und dem Vernehmen nach, soll auch Mitte Mai eine deutsche Operngesellschaft hier eintreffen, welche zwölfVorstellun- gcn in demselben Theater zu geben gedenkt. Man nennt Breiting als Tenor, Reichel als Bassisten und Madame Pi rsch er als Primadonna. — Der CirqueOlimpique hat für diesen Winter geschlossen, und nächstens beginnen die Vorstellungen in den Champs-Elysees mit einer neuen Polka für vierfüßige Tänzer. Herr D ej ean hat den Circus, diesen Lieblingstempel der schaulustigen Pariser, von Innen und Außen geschmackvoll restauriren lassen, mehrere neue hippische Künstler engagirt, einige englische Dressurpferde auf Gastrollen verschrieben; der Sportfeuilletonift des neuverjüngten ,,ConstitUtionnel" wirddie hippvlogischen Kritiken liefern, Herr Lehmann die interessantesten Momente der Vorstellungen gelb in grün für den nächsten Salon malen, und Herr Gutzkow,der im Sommer hier erwartet wird, ein neues Werk schrei- ben:Über den sittlichen Einfluß der Pferde- Dressur auf die constitutionelle Bildung der Völker; — Proben aus diesem interessanten Buche erscheinen im Feuilleton der „Kölnischen Zeitung." Unter solchen Umständen können wir daher unfern Lesern mit gutem Gewissen anrathen, alle Tbeater mit ibren Pol- ka-Vaudevilles im Stiche zu lassen, und sich in den Cirque der Champs-Elysees zu begeben, wo mau doch füv sein Geld etwas sieht. — Übrigens, Scherz bei Seite! die dieß- jährige Saison des Circus verspricht sehr glänzend und durch den Andrang der Fremden, wie der Pariser, zu der benachbarten Kunstausstellung, auch sehr lukrativ zu werden. Wir wünschen dem thätigen Herrn Dejean eine halbe Million Gewinnst, und sind überzeugt, daß er deß- halb mit dem Schicksal nicht hadern wird. Nun habe ich die Neuigkeiten erschöpft, und gehe zu den Conzerten der letzten zwei Wochen über. Soll ich zuerst von dem Eonceet 8^>ll-itue1 des Herrn Berlioz, in welchem der Lsrnsvsl romsin und Madmois. Rezio das Publikum erbauten, oder von dem geistlichen Oraro- riumdesHerrn Leprevost, welches einen Schatz von Contratänzen darbietet, sprechen. Oder soll ich erzählen, wie Herr Thiers in denOoneerlus^iiituels des Conservato- riums gähnte, und wie Herr Herwegh schlief? Ist es nöthig Noch zu berichten daß die Beethoven'schen Symphonien in s clor- und o Mol Meisterwerke seien, und daß das alte Conzert in es äur von Beethoven mehr tauge als die neue Fantasie über lüncks cki Olismouni von Heinrich (reete: Henri) Herz? Ob Henri! Herr Halle trug diese Composition mit bekannter Virtuosität vor; wir sind jedoch der Meinung, daß der Vortrag der klassischen Compositionen von Beethoven dieses gewisse willkürliche sentimentale Schnellerwerden oder Zurückhalten des Tempo's, welches eine Erbsünde der modernen Doni- zettischen Opern ist, nicht erlaube. — Won den weltlichen Conzerten war wieder das des Herrn Döhler das vor» züglichste. Seine Fantasie über Mohamcd, seine Tarantella und seine Walzer erwarben ihm enthusiastischen Beifall. — -Herr Cavallo gab sein Conzert in den Salons des Herrn Pape. Herr Cavallo, den wir bereits als tüchtigen Clavierspieler und talentvollen Improvisator kennen gelernt, zeigte sich diesmal auch als guten Com» ponisten. Er spielte unter andern eine Fantasie über die Polka des Herzogs Mar von Baiern. Herr Bärwolf veranstaltete ein Conzert bei Pleyel. Herr Bärwolf ere- cutirte nicht selbst, sondern ließ seine Compositivnen, welche viel Talent verrierhen, von Herrn Pasquie und Mlle Mey vortragen. Herr Pasquio macht merkliche Fortschritte, und Mlle Mey ist eine anmuthige junge Sängerin mit frischer Stimme. Nach dem Vortrage eines Alpenliedes von Bärwolf wurde ein Kranz auf die Bühne geworfen. Wir wissen nicht, ob er für Herrn Bärwolf oder Mlle Mey bestimmt gewesen. Sollte aber das Letztere der Fall sein, so rathen wir der jungen Künstlerin Beifall und Kranz bescheiden aufzunehmen, und zu bedenken, daß Schmeichler und Enthusiasten oft mehr schaden alsnützen. Den Preis verdiente in diesem Conzert Fräulein Cathinka von Dietz, welche ein Quintett und ein Conzert von Hummel mit Meisterschaft vortrug. Fräulein v. Dietz besitzt ein feines, ruhiges, elegantes Spiel, einen seelenvollen Vortrag, und jene eigenthümliche Grazie des Cla- vierspieles, welche den kältesten und blasirtesten Conzcrt- besucher zu lautem Beifall Hinreißen. Herr Kiesewetter spielte eine Fantasie für die Violine, und wir prophezeihen dem jungen Manne bei Fleiß und Ausdauer eine schöne Zukunft. Madame Brambilla machte die ihr noch übrig gebliebenen Töne geltend, ließ sich aber zu thcuer dafür bezahlen. Schließlich erwähnen wir noch der Cönzertes des Herrn Coßmann, welcher unter anderm ein neues Solo für das Violoncell über Motive aus dem „Freischütz" vortrug und rauschenden Beifall erntete. Die andern Conzerte von Batta, Sivori, Seligmann, Louise Mattmann, Balfe und unzähligen anderen zu besuchen, fehlte es uns theils an Zeit, theils an Muth und Ausdauer, — Auch der Critiker hat Stunden Wo er es, wie nie, empfunden, Daß der Musik Vollgenuß Werden kann zum Überdruß; wo er alle Conzert-Billctte zum Fenster hinaus und die Feder unter den Tisch wirft und spazieren geht, wie ich es in dieseln Augenblicke thue und mich den freundlichen Leserinnen bestens empfehle. Bald mehr. M a r M. Redactcur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen vmi Paul R c n v uard Daris, Sonnabend. Nr. 32. 20. April 1824 Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jabr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... N ,, Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. . . . !> „ Insertionen : die Zeile ä 50 Centimes. , Man abonnirt: für Paris : im Dnrss» ver»r,l»1 pour 1'^UI«»»LAi»e, ruk 3es !ll»uUns, 3». und in der Buchhandl. von Ivlei Leoousrä st O^, ru6 lt« 3'nuinon, tt; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagetien; Deutschland, Schweiz, England : in allen Buchhandlungen z Belgien: dei den Messagerien ; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Mntik und geselligem Lebe«. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Crscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Bidau lt, 46, ruo c!e tu 4u88ienn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzeigen. —Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briefe wollen frunco : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, l'U6 ä68 UouIili8 in Paris » eingesendet werden. Festmahl der deutschen Geseüschast in New-Aork. Es war eine späte Stunde der Nacht als wir die festlichen Hallen verließen, an welche uns der Reiz des Augenblicks vielleicht zu lange gefesselt; denn wir sagen es mit voller Überzeugung, nie hat uns ein Fest dieser Art, in seinen Einzelheiten wie in seiner Gesammt-Erscheinung, in dem so sinnig als einsichtsvoll geordneten regelmäßigem Gange wie in den bunten Episoden, in den reizenden Nebenwerken die der Augenblick herbeiführt, vollständiger befriedigt. Die schwarz-roth-goldne Bannerfarbe des deutschen Reiches hat schon im vorigen Jahre die Gesellschaft als die ihrige sich angeeignet. Von der respektablen Höhe von etwa 30 Fuß über die Zinne des Astor-Hauses sich erhebend, flatterte die National-Flagge in beinahe gleicher Ausdehnung gar fröhlich in's Auge der deutschen Welt, während sie allerdings der übrigen ein vollkommenes Räthsel blieb. Die Dekoration des Saales war im Wesentlichen der des vorigen Jahres ähnlich, nur ein viel höherer Lurus unverkennbar, ebenso, daß sich dieser auf die freiwilligen Mehrbeiträge Einzelner stützte, denen wir auch das glänzende Banner verdanken. Zu besonderer Zierde gereichte ein größeres am Ehrenplätze hinter der Plattform angebrachtes Bild. Es stellte die Germania (ein recht hübsches und gesundes, aber etwas zu gutmüthig aussehendes Frauenzimmer hatte dem Maler als Ideal vorgeschwebt) dar. Zu ihren Füßen die sämmtlichen Wappenschilder der souveränen Staaten und Städte Deutschlands (beiläufig gesagt zum Theile in etwas problematischer Zeichnung); dem Ganzen als sinnige Einfassung dienten die Worte: Ein Einiges Deutschland. Die Farben welche dem noch Einen Deutschland angehörten, waren auch hier zwischen den Säulen des Saales, und wo sonst irgend möglich und passend angebracht. Die Ehrenplätze auf der Plattform nahmen der ehrenwerthe Präsident der Gesellschaft, Herr Conrad W. Faber, Herr Moses H. Grinell, stellvertretender Präsident der „New-England Society", die Herrn Richard Jrvin, dieselbe Würde bei der „St.-Andreas Society," Reyburn, bei der „St.- Patricks Society," Dr. Manley, bei der St.-Ni-- kolas,"Jos. Fowler, beider „St.-George Society" bekleidend ein; außerdem saßen dort Rev. Mr. Stollmann, die Herrn PH. Hone, John C. Del- pros, C. K. Degen und George Arcularius (seit fünfzig Jahren Mitglied der Gesellschaft). An den andern Tafeln saßen 227 Gäste. Das Mahl war, wie immer, des großen und verdienten Rufes des Astor-Hauses würdig. Als der geeignete Augenblick gekommen war, erhob sich der Präsident und sprach mit tiefer Bewegung aber mit vollster fernhintönender Stimme folgende Worte: „Meine Herren, „Mitglieder der deutschen Gesellschaft! „Ihr Wohlwollen räumt mir auch heute wieder diesen Ehrenplatz ein ; vertrauend auf Ihre Nachsicht will ich trachten die Pflichten meines Amtes zu erfüllen. „Wir sind versammelt zur Feier des 60sten Jahrestags unsrer Gesellschaft — zwiefach war der Stifter Zweck: armen Brüdern hülfreich beizustehen, und alljährig den Deutschen New-Jorks ein Fest zu bieten, geweiht der Erinnerung an das Vaterland. — In wie fern es uns gelungen, dem edlen Zweck des Wohlthuns zu entsprechen, davon gibt Ihnen unser Jahresbericht befriedigeude Kunde und diese zahlreiche Versammlung bezeuge, wie unsre Liebe für das Vaterland auch in der Ferne glüht. „Hoch schlägt jedes Deutschen Herz bei dem deutschen Worte : Vaterland — und wohin auch das Schicksal Deutschlands Söhne führt, und welche Ursache sie auch von der Heimath trennen mag, sie bewahren doch die Anhänglichkeit an das theuere Vaterland, und nehmen regen Antheil an allem, was dort vorgeht -- und die Brüder in der Heimath fühlen, daß ihnen jenseits des Meeres Brüderherzen warm entgegenschlagen! Heiße Wünsche für Deutschlands Wohl steigen unter uns empor — und mit freudiger Theilnahme begrüßen wir jeden Fortschritt zur Besserung, in dem raschen Aufblühen des Wohlstandes sehen wir den Segen,des Friedens und der Eintracht und zugleich den Keim zum höhern Volksleben — denn Das ist's ja, was den Menschen zieret Und dazu ward ihm der Verstand, Daß er im innern Herzen spüret, Was er erschafft mit seiner Hand t „Wenn Eisenbahnen und die Macht des Dampfes Raum und Zeit vernichten, wer kann da den raschen Austausch freier Gedanken hemmen? Und ruhig dürfen wir der Zukunft die Entwickelung dessen überlassen, was der Zeitgeist mit sich bringt. So blühe denn auch unser Vaterland in der Fülle seiner Reife und aus unserer Herzenstiefe weihen wir dieses Glas unserem ersten Trinkspruch." Diese Rede wurde mit stürmischer Begeisterung ausgenommen, mit einem Beifallsdonner der sich schien gar nicht beruhigen zu wollen. Es folgten nun dem ersten Toaste: 1. Deutschland unser Vaterland! — (Quartett: „Was ist des Deutschen Vaterland?" ) die übrigen regelmäßigen Trinksprüche in folgender Ordnung, und sie wurden mit gewohnter Wärme begrüßt: 2. run MVL in ! — (Das Orchester: « Hui! Oolumbiu. ») 3. Inn kRLswnnr on rnn ! (Orchester). 4. Lun cnv on jVnxv-LvRL -cno uis nonoun run ivl^von! Bei Gelegenheit dieses Trinkspruches sprach der Präsident sein tiefes Bedauern über die Abwesenheit des sehr ehrenwerthen Mayors aus, den unvermeidliche Hindernisse zu erscheinen abgehalten hatten. Im Auftrag desselben gab er folgenden Trinkspruch, den der Mayor zu diesem Zwecke ihm hatte behändigen lassen im Namen desselben: „Deutschland — den Königreichen gibt es seine Fürsten — den Freistaaten patriotische Bürger." Lebhafter und anhaltender Beifall belohnte diesen Toast. 5. Ouk 8I8ILR 80eiNHL8 änv rnmn NU?KL8M- L-cuvub! Herr Fowler dankte zuerst im Namen der St. - Georgs Gesellschaft. Nach einigen mit glücklichem Humor gemachten kurzen Bemerkungen an deren Schluß er erklärte durch zu häufiges Erscheinen bei solchen Gelegenheiten sich gänzlich „abgenützt" zu fühlen, schlug er als einen Toast von dem man keineswegs sagen könne, daß er abgenützt, und nach einigen für den Gegenstand desselben im hohen Grade verbindlichen Bemerkungen „die Gesundheit des Herrn Conrad W. Faber" vor (lebhafteste und andauerndste Beistimmung von allen Seiten)— Herr Faber sichtlich überrascht, dankte mit Wärme. Hierauf sprach im Namen der „Sankt-Andreas Society", Herr Richard Jrvin, einige Worte des Dankes, an welche er um Erlaubnis« bat einen Spruch, „zu Ehren der deutschen Hanse-Städte," einen Toast einzureichen. Nachdem er die Verdienste der hanseatischen Städte gebührend hervorgehoben, erwähnt wie ihre freie demokratische Verfassung das -höchste Lob gezollt, brachte er : „Das Wohl der deutschen Hanse-Städte'." aus, welches unter großem Beifall getrunken wurde. Herr Reyburn dankte auch seinerseits in wenigen aber glücklichen Worten. Sein Toast: „Schillers Räuber, die einzigen Räuber für die ein Irländer einige Achtung hegt." (Allgemeine Heiterkeit). , ^ Ihm folgte Herr Moses Grinnell. Er sprach lsich über die Rechtlichkeit und den Unternehmungsgeist des deutschen Kaufmannsstandes in New-Aork höchst anerkennend aus, und nach einigen den höheren Interessen der Menschheit gewidmeten Deiner-' kungen, schloß er mit dem Toaste: „Die Deutschen — nie sind sie Verlassene in New-England, wohl aber gar willkommene Einwanderer, verwandt wie sie ihm sind in Abstammung und Gesinnung, und nicht weniger durch ihre Thätigkeit und häusliche Tugenden ausgezeichnet." Doktor Man ly, nach einigen kurzen gediegenen Bemerkungen, brachte den Spruch: „Jenes Wohlwollen das nicht erst den Tod abwartet, um sich wirkend zu erweisen." Hierauf folgten: 6. Einheit Deutschlands! — Ihr Bild zeigt dieser Saal und dieses Fest; die Mor- genröthe ihrer Wirklichkeit erglänztüm Vaterlande! — (Quartett: „Hoch und hö- ^ her!") ' ' 7. Die dentsche Eiche! Kräftig und weitschattend wie sie, so steht das deutsche Volk in Curopa'ö Mitte — doch nicht länger, -wie sie, unbewußt seiner innern Stärke. — (Quartett : „Wer hat dich, du schöner Wald.") 'beide auf das feurigste unterstützt. Und hier der Ort zu bemerken, daß die Mitglieder des Doppelquar- cketts, welche zur Verherrlichung des Festes vereinigt und, wie wir wissen, den nöthigew Vorübungen eine'ansehnliche Zeit gewidmet, den aufrichtigsten ^Tank der Gesellschaft verdienen, um die sie sich so - großes Verdienst erworben. Am meisten Wirkung hat, wie uns scheint, das wunderschöne „Heinesche Waldlied" (mit Mendelssohn's Musik) hervorge-, llrächU Das Publikum ließ nicht nach bis es wiederholt wurde. ' ' " Auch darf bei dieser Gelegenheit nicht übergangenwerden, daß die Instrumentalmusik (unter Leitung des Herrn Schneider) zur Belebung des festlichen Abends und erhöhter Stimmung der Anwesenden mächtig beitrug. Der folgende Trinkspruch: ' 8/ Guttenberg's Erfindung! — Frei und nngefesselt sei ihr Gebrauch. ' " Laßt Euch nicht irren . Den Mistzrauch'rasender Thoren — - - Vor der freien Presse erzittert nicht! leitete zu einem der entschiedensten Glanzpunkte des Festes. Schon der Toast selbst' war mit einem Beifallsstürme begrüßt worden, dieser steigerte sich zu einem Qrkant; als Herr Francis Grund aus Philadelphia, des reichen aber schwierigen Themas, den dieser Trinkspruch bot, sich bemächtigte und unter dem entschiedensten, enthusiastischsten Beifall es durchführte. Bei der Stelle, die dem König Ernst gewidmet ist, erhob sich ein Beifallsjubel, der dem Redner längere Zeit zum Stummen machte. Wir sind durch die Freundlichkeit des Herrn Grund, der sich die Mühe nahm, diese Rede noch in später Nacht, so gut als es aus dem Gedächtnisse gehen wollte, für uns aufzuschreibeu, in den Stand gesetzt sie hier mitzutheilen. Herr Grund bemerkte: „Es ist sehr bezeichnend für den Charakter der Deutschen, daß das Gefühl der Einheit und Selbstständigkeit bei ihnen zuerst in Kunst und Literatur, also in den Blüthen des Volkslebens sich geltend machte. Nicht der Eigennutz, nicht die Belebung des Handels, der Gewerbe, und die Verbesserungen der materiellen Zustände überhaupt sind es, die uns zur Einheit, zum Selbstbewußtsein, zum Gefühl der in uns liegenden Kraft führten. Alles was sich auf unsere physischen Zustände bezog, erregte blos die'Theilnahme Einzelner, oder höchstens einzelner Stände. Im innersten Seelenleben des deutschen Volks reisten die Keime seiner Selbstständigkeit und sprachen sich in den Denkmälern seiner Kunst, seiner Poesie und seiner Wissenschaft aus. Seine Ausbildung ist eine geistige, die den sinnlichen Zustand und Alles was dahin gehört, völlig beherrscht, und das Zufällige dem unvergänglichen Grundsatz unterordnet. „Das war von einem Volke zu erwarten, dessen vielseitige Bildung, eben die einseitige nur in einer Richtung vorschreitende Nationalität bis auf einen gewissen Grad unmöglich machte. Wir sind vor Allem Menschen — wir repräscntiren nicht wie die Engländer, Franzosen, Italiener u. dgl., diesen oder jenen Charakterzug der Menschheit, sondern im eigentlichsten Sinn die Menschheit selbst — wir sind das humanste Volk der Erde. Eben aber weil uns die Einseitigkeit fehlt, kommen wir in der spe- ciellen Tugspolitik nicht weiter. Wir können uns kaum entschließen die allgemeinen Bedürfnisse der Menschen, sowohl die geistigen als materiellen, besonder» Zwecken unterzuordnen — und am allerwenigsten sind wir im Stande anders als auf dem Weg der Wahrheit und des Rechts vorzuschreiten. „Wie vielmehr das Geistige und Symbolische uns anspricht als das uns vielleicht näher liegende Materielle, das beweist der Wiederhall des deutschen Volks bei Gelegenheit des Köllner Dombaus — des Guttenbergfestes — und des Schiller-Denkmals. Wir opfern uns leichter einer Idee auf als daß wir darnach trachten durch Verträge uns diesen oder jenen Vortheil zu sichern; wir sind zu ideal als daß wir das Geistige dem Materiellen nachsetzten, oder gar demselben blos einen Platz im Gefolge des Letzteren anwiesen. Mit einem Wort, wir sind keine Engländer. - ' - - „Aber deswegen werde ich doch nie die Hoffnung in meiner Brust sterben lassen, daß die vielen edlen Keime, welche die Vorsehung im deutschen Vaterlande ausgestreut, eines Tages zur Reife kommen, daß der Tag der Erndte auch für Deutschland zuletzt kommen muß. Es gilt jetzt uns klar zu machen, daß der Weg den wir eingeschlagen, der richtige ist, — denn wir Deutsche vermögen Nichts ohne Bewußtsein des Rechts, — wir sind stark durch reines Gewissen. „Was die Deutschen bis jetzt für die Menschheit gethan, das beweist die Anerkennung, welche die Leistungen ihrer Dichter, Philosophen, Künstler und Gelehrten bei allen Nationen finden. Diese stehen auf keinem nationalen Fußgestell, wie Engländer,Franzosen oder Amerikaner. Deutsche Schriftsteller gelten nichts deßwegen weil sie Deutsche sind, reden nicht von der Rednerbühne herab zu den Völkern, auf die sie einen politischen Einfluß ausüben r was sie sind, sind sie durch ihren inneren Werth, durch die ihnen innewohnende Kraft. — Dadurch sind sie die Lehrer der Welt geworden. Amerikaner und Engländer mögen uns in Bezug auf praktische Auffassung des socialen Lebens und Politik ein Beispiel geben; aber in der Erziehung des Menschen stehen wir an der Spitze aller civi- lisirten Nationen. Schulen und gelehrte Anstalten bilden sich nach unfern Mustern, während Amerikaner, Engländer und Franzosen sich mit den Schätzen unserer Literatur bereichern. Was wären deutsche Männer nicht, wenn zu diesen Vorzügen sich noch der der Nationalität gesellte — wenn dem innern Werth unserer geistigen Produkte noch die Kraft eines einigen Volkes Stärke und Nachdruck verliehe? „Und doch glaube ich, Hen Präsident, die Vorsehung preisen zu müssen, daß sie seit 1830 alles so geschehen ließ, wie es gekommen. Ein Volk wie ein einzelnes Geschöpf kann nur jene Keime entwickeln, die die Natur in dasselbe gelegt. Es darf nichts Fremdartiges in seinen Organismus ausnehmen, das den ihm eigenthümlicheu Entwickelungsgang stören könnte. Aus sich selbst heraus, muß jedes Volk das werden, wozu es berufen. „Wir haben im Laufe der letzten vierzehn Jahre manche bittere Erfahrung — wir haben die Bekanntschaft unserer Fürsten gemacht. Jetzt schmeichelt man uns nicht mehr mit eitlen Hoffnungen — jetzt bauen wir nicht so leicht auf diesen oder jenen Mann -- jetzt haben wir gelernt uns selbst zu vertrauen, und selbst Hand ans Werk zu legen. Noch vor wenig Jahren fanden wir es -,,sc> schön von einem großen Herrn, So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen." Wir haben seitdem gelernt was „dieser langen Rede kurzer Sinn" war. „Wie kindlich vertrauend das gute deutsche Volk noch bei der Thronrede des Königs von Preußen in die Hände klatschte, und dieselben nachher in den Schooß legte, wissen Sie Alle. Man rieb sich ja vor Freude die Hände über die liberale Censur! Wir waren vor Dankbarkeit zerknirscht daß man uns nicht die Hände ganz band, und waren wie ausgesöhnt mit den Werkzeugen der Unterdrückung des Gedankens und der Rede. „Erlauben Sie mir, geehrte Herren, daß ich hier eines deutschen Fürsten gedenke welcher für Deutschland mehr gethan als irgend ein Anderer, ja vielleicht mehr als alle Übrigen zusammengenommen. Ich meine Se. Maj. den König Ernst von Hannover. Ja es wäre ein Glück für uns, wenn wir nur erst sechs solche Fürsten hätten! Diese brächten uns zum Bewußtsein — zum Gefühl des Rech ts, statt der Billigkeit die uns Deutsche so sehr beseelt. „ „Indessen wir wollen gerecht sein, und Ms auch desjenigen deutschen Fürsten erinnern, der selbst einen glücklichen Jugendtraum verlebte; dessen Re- scripte in den ersten Jahren seiner Regierung mit den Worten anfingen : Ä „Da das Glück und der Wohlstand des Volks der l alleinige Zweck jeder vernünftigen Regierung sein müssen — deswegen verordnen wir" re. „Und wie auch dieser Ton mit den Jahren und mit den Täuschungen des Geschicks sich geändert haben mag, Liebe für sein, für das deutsche Volk blieb stets in seinem Herzen; davon zeugen alle seine Handlungen. Bedenken Sie doch auch die Erziehung eines Fürsten — die Einflüsse, die schon in seiner frühesten Jugend auf ihn sich geltend machen, und Sie werden die Erscheinungen, die ich Ihnen gerne andeuten möchte, gehörig zu würdigen wissen. Ich spreche hier von dem König von Würtemberg und schließe mit dem Trinkspruch: „Die Zukunft Deutschlands und das Andenken an seine glorreiche Vergangenheit — die drei über einander stehenden Löwen im Wappen der Hohenstaufen!" 9. Handel und Gewerbe! — Trennen auch Meere, Sprachen und Sitten die Völker, so ist es des Handels hoher Beruf, Cultur und Industrie unter ihnen zu fördern und die fernsten Nationen durch der Gewerbe Belebung zu verbinden. 10. Unsere Rechte als amerikanische Bürger! — Was uns die Verfassung gesichert, soÜ niemand uns nehmen. 11. Die Frauen! — Die Unschuld, Liebe und Treue seien stets ihr schönster Schmuck. — (Quartett: „Heil und Preis den edlen Frauen.") Alle mit rauschendem Beifall ausgenommen. Herr Samuel Ward, einwerther Gast, sprach durch mehrseitige Aufforderung dazu veranlaßt, untenfolgende Worte. Jedermann kennt seine Vorliebe für unsere Heimath, unsere Literatur, und weiß daß er, was er in deutschen Landen Freundliches empfangen, an so manchen unserer Landsleute, die Geschick oder freie Wahl in diese Staaten geführt, mit wucherlichem Zins erstattet hat. „Unmöglich wäre es mir, Herr Präsident, Worte zu finden, Ihrer ehrenden Aufforderung gebührend zu entsprechen, fühlte ich mich nicht so heimisch hier diesen Abend. Alle diese befreundeten Gestalten um mich her, auf die mein Auge fällt, sie gemahnen mich an einige der glücklichsten Jahre meiner Jugend, an die Jahre, die ich in Ihrem Vaterlande zugebracht — an den Ufern jenes Stromes zugebracht habe, dessen Namen man nicht ausspricht ohne deutschen Heldenthums und deutscher Ehre und deutschen Gesanges zu gedenken; — und ich mag wohl hinzusügen — deutschen Weines. Ich sehe mich wieder einmal von de nen umgeben, die es in jenen Tagen mein Stolz war mit dem Bruder- und Freundesnameu zu begrüßen, ein Anspruch, der mir werth sein soll so lange noch ein Athem in dieser Brust ist. Diesen Bund beschwor ich bei manch festlichem Schmollis-Gelage, und neu geknüpft hat ihn die herzliche Sympathie, die mich an das Streben dieser würdigen Gesellschaft hinzieht. Ja, ich fühle mich heimisch hier, und sollte ich's nicht? — Denn so war ich's auch in Deutschland, weil ichmich im Herzen von Europa fühlte. Und jetzt ruft alles, was mich umgibt, mir abermals die Erinnerung der früheren Tage zurück, und erweckt gar wonnigliche Bilder in mir nicht allein, in Allen, die mich hier umgeben. Und Sie legen mir die Worte des großen Dichters ans Herz wie in den Mund: „Ihr naht euch wieder, freundliche Gestalten!" „Und ich freue mich doppelt darüber bei diesem Anlaß die neue Überzeugung zu gewinnen daß auch in fremden Landen den Deutschen dasselbe Gefühl beseelt, das ihn mit Liebe knüpft an die tiefsten Schluchten des Schwarzwalds, an die fruchtbaren Ebenen des Rheines, an die reben-bewachsenen Hügel, an die fruchtbaren Ebenen des Vaterlandes, ja bis zu den öden Ufern des heimathlichen Strandes ihn nicht verläßt. „Ein Einiges Deutschland—,was heißen soll, so bet'ich zu Gott „Ein freies Deutschland — und wie ich vertraue — Eine freie Welt, denn Deutschland einmal frei, wer vermäße sich noch die übrige Welt in Banden zu schlagen!" „Mein Herr Präsident, seit unverdenklicher Zeit waren sich in Deutschland Schwerterklingen und Becherklang gar nahe verwandt; möge dieser ritterliche Klang nie zum schreckhaft rauhen Tone des verheerenden Völker-Kriegs sich umgestalten. „Indem ich auf diese Wände Hinblicke, sehe ich mich von meinen Hausgöttern umgeben: Goethe, Leffing, Händel und Andere; aber noch andere Namen gibt es, welche nicht bloß Deutschland allein, welche der ganzen Menschheit angehören, die nicht Alle hier Platz finden konnten, aber in unseren Herzen leben sie: — Weber, dessen glanzvolle Ouvertüre wir uns nicht begnügten einmal nur zu hören, die uns jedes Mal mit Entzücken erfüllte. Johannes von Müller und so manche Andere. Und so schlag' ich denn als den meinigen, folgenden Trinkspruch vor : „Die abwesenden Freunde!" Ein Toast dem Andenken des zu früh dahingeschiedenen Ed. No lteni ns, von dem Präsidenten gewidmet, wurde von diesem mit sichtbarer, tiefer Rührung gebracht. — Herr Grund sprach noch ein Mal, diesmal in englischer Sprache; ebenso Herr Grinnell. — Den Verdiensten der Herrn Astor und Gebhard um die Gesellschaft geschah ehrendste Erinnerung; bei Gelegenheit des Letzteren, auch seiner Stiftung im Columbia-College, und des Herrn Professor Tellkampf. Unter immer zunehmender, nie das Maaß übersteigender Heiterkeit, bei fröhlichen Rundgesängen schloß eines der gelungensten Feste, das den Theil- nehmern nur zur höchsten Ehre gereichen kann, dessen Geist hier und über dem Ocean verdiente Anerkennung finden wird. (Aus der N.-York.,,Schnellpost.") Buntes und Spitzes Sir Eduard Lytton-Bulwer hat in leichter, fließender, wenn auch sehr oberflächlicher Art, die Gedichte und Balladen von Schiller ins Englische übersetzt. Die „Augsburger Zeitung" liefert über diese Arbeit ein Referat worin auch in einer Anmerkung Goethe gegen den Vorwurf von politischer Kälte und theilnamloser Weltanschauung verthei- digt wird. In der Jugend blühten die Gedanken der Entfesselung und der freien Regung mächtig in Goe- the's wenn auch plastisch und ruhig geformten Bildungen. Götz von Berlichingen, Egmont, Faust (der erste Theil) u. s. w. geben ein Zeug- niß davon ab; später, im reiferen oder vielmehr im mehr frostigen Alter verstummte diese Saite in Göethe's Seele allmählig und es blieb nur ein kalter, glatter Egoismus übrig. Goethe leistete Großes für Deutschlands geistige Entwickelung und literarische Stellung zur Mitwelt, warum sollte es nicht erlaubt sein neben dieser Anerkennung und Ehrfurcht vor der großen vaterländischen Gestalt zu- bedauern, daß sie nicht auch mitgefühlt habe für die Fragen der heimatlichen politischen und socialen Neugeburt? In der Beilage zu Nr. 97 der „Köllnischen Zeitung" wird unser Blatt wieder geplündert und zwar mit der schon alten Nachricht über die von Vidocq herausgegebenen „Wirklichen Geheimnisse von Paris", welche Notiz bereits im Monat Februar in unsere Spalten figurirte. Gutzkow giebt in dem Feuilleton der „Köllnischen Zeitung" Nr. 97 eine Kritik über die neuesten französischen Schriften über Rußland, und zählt Herrn von Custine zu den französischen Legitimisten. Obgleich nun in Paris Herr von Custine unbedingt nicht zu dieser Parthei gerechnet wird, so'wäre dies ein Nebending. (Vicomte Arlincourt wird arg gegeißelt, mancher Streich trifftscharf.) Wenn aber Gutzkow behauptet die Franzosen lieben vor allen Völkern die Russen am meisten, so ist dies ein Jrr- thum. Die Russen sind auf Reisen sehr liebenswürdig, warum nicht ihren Umgang'angenehm finden? aber weit entfernt ist die französische Nationalsympathie von den russischen Zuständen, jeder Tag im Gegentheil nähert Frankreich dem deutschen Geiste, und der gegenseitige Austausch, jetzt erst in der Übergangsperiode, wird sich immer thatsäch* licher entwickeln. Über Herrn Mauguin erzählt Herr Gutzkow, derselbe habe, aus Petersburg zurückgekehrd,. plötzlich alle seine enormen Schulden bezahlt und so bei seiner Parthei allen Kreoit verloren. Mit solchen Äußerungen würde sich Herr Gutzkow hier in Paris niedergeschrieben, einen Diffamations-Prozeß an den Hals ziehen. Übrigens sind die Gerüchte über Herrn Mauguin's Empfang in Petersburg wohl sehr übertrieben worden. In diesem Augenblick ist Herr Mauguin arm in Paris. (Nicht mehr!) Eon Herrn Loeve-Weimars erzählt Herr Gutzkow von gleichen Bekehrungs-Motiven in Petersburg und lobhudelnden Berichten über Rußland, später sei dann der Feuilltonist Loeve-Weimars alsGesandter nach Persien geschickt worden. Dies ist ganz unrichtig und zeigt, daß Herr Gutzkow über französische Verhältnisse spricht die er nur oberflächlich oder gar nicht kennt, und doch keck ab- zuurtheilen sich erlaubt. Herr Loeve-Weimars leistete nämlich dem Grafen Mols in den besten Pariser Revuen literarische und politische Dienste, zur Belohnung dafür ward er unter dem Ministerium Mole zum General-Consu l in Bagdad und nicht zum Gesandten in Persien ernannt. Herr Loeve-Weimars befindet sich noch jetzt in Bagdad. Über Herrn von Balzac läßt sich Gutzkow auch vernehmen und fragt ob derselbe in Petersburg habe sein Lustspiel -- les Les8ouro68 cle tzuinoln » praktisch in Scene setzen wollen? Wir haben bereits den Lesern des „Vorwärts" die Resultate des russischen 4 Feldzugs von Herrn von Balzac erzählt. Er wird kein Werk über Rußland schreiben, und eine boshafte Dame leihet Herrn von Balzac folgenden Ausspruch : „Ich habe wie Napoleon den russischen Feldzug verloren, aber meine Munitionen sind nicht wie die seinigen alle durch einen Rückzug verschossen." Die „Köllnische Zeitung" vom 11. April macht aus dem Aeronauten Kirsch, dessen Versuche am 8. und 18. April hier verunglückten, einen Luftschif- ser Hirsch. Der fliegende Hirsch aus den alten deutschen Sagen mag diesen Jrrthum hervorgelockt haben, Herr Kirsch aber will seinen Luftschiffer- Namen behaupten und protestirt. Herr von Haber sitzt seine Strafzeit im Schlosse Babenhausen ab und wird als einfacher Arrestant mit Rücksicht behandelt, kann auch Besuche empfangen. Jordan wird anders behandelt. Der bairische politische Gefangene Doktor Eisenmann, ist Anfang April von Würzburg nach dem Rothen Berge abgeführt worden. Und immer noch keine politische Amnistie. Die Kronprinzessin von Baiern, eine geborne Prinzessin von Preußen, soll sich, wie man sagt, in gesegneten Umständen befinden. Eine Fürbitte um Amnistie bei der Geburt eines Kindes würde dem Herzen dieser Fürstin Ehre und dem Staate eine Vernarbung alter Mißstände bereiten. Die Römer in Berlin. So ein großer Mann Julius Cäsar auch gewesen, als welcher in zehen Jahren ganz Gallien daö schwere Latein gelehrt, so ist der Doktor Geppert in Berlin doch noch größer; denn er hat in einem Tage Berlin lateinisch gemacht. Dies Letztere war viel, viel schwerer. Die Gallier sprachen ja schon vorher französisch, welches die größte Ähnlichkeit mit dem Latein hat; die Berliner aber verstanden bis heute nur berlinisch, was mit dem römischen gar nichts gemein hat. Der Doktor Geppert hat eine Komödie von Plautus aufführen lassen; der Hof und die Stadt hörten mit Entzücken zu; selbst der Eckensteher Nante gestand, Plautus sei witziger als Kotzebue, und dramatischer als Prutz und Laube. Ganz Berlin denkt jetzt lateinisch; selbst das Anzeigeblatt nimmt nur Einrückungen in klassischer Sprache auf. Folgendes haben wir, zur Probe, aus Nr. 85 der „Berliner Nachrichten von gelehrten Dingen" wörtlich abgeschrieben. In UNO lüslo bei »rm>8 birilibu» Lrscbiensvit cum jeck» junß» jsürs, Lobslcke priinis lercbis scbvnrrübus, 17os novs mocks vvunklerbsp». Rrimo tuit mocks ck »tini turneni; kloku» et slsclts bene turnsvit. öslcke cum lurnoris tuit nix mebri; Hokus et stsclts cksbnurn bssssvit. Wsnne lloisvit ßunst» HeAvlii, Holu8 et 8t»äts pbilo8opbsvit; lVunc cum Lcbellingo, belclo Hvsntzelii, üofus et stsclts se beecursvit. ^Vebit winllus cle Oi secis beco, Linßunt slli Lopboclis trsZwckisin; 1-nkts blssit cle Roms nunmebro, Lcblskunt slli spuck l-stinsm comoecki^m Osrumbe sucbo ammsm Istinsm jelro kro liinckulo, bsbens bonsm metbocksm; Ootlus bellst ibmi bslcke rum scbrvetro, Levore Russics lin^us lcominst in mocksm! tüsiolus Winckomsntellu», vvobnens spuck winckmulilism. Lißts Conzert. Schon um 7 Uhr Abends beeilte ich mich um in Lißts Conzert einen bequemen Platz zu finden, erhaschte aber nur noch mit genauer Noch ein kleines Winkelchen auf der Bühne. Vor mir hatte ich eine Coulisse, neben mir einige gewesene und zukünftige Claviervirtuosen und einen weiblichen Critiker; dicht hinter mir waren zwei Damen und als Scheidewand ein kleiner Junge, zugleich leidenschaftlicher Polkatänzer, denn er trippelte fortwährend und markirte stets das erste Viertel auf meinem linken Fuße. Ich wagte in dieser gezwängten Lage nicht den Mund zu öffnen, denn ich fürchtete daß man sich bei näherer Bekanntschaft noch mehr Freiheiten gegen mein kritisches Ich erlauben könnte, und blieb also stummer Zuhörer. ,,Jch bin begierig, wie er sich als Baron ausnimmt?' — „Wir wollen heute seine Orden zählen." — Diese und ähnliche geistreiche Gespräche wurden neben mir gewechselt, bis er endlich erschien — Franz Lißt, derselbe Franz Lißt, ohne Orden und Kammerherrn- Schlüssel, wie ich ihn vor fünf Jahren in Wien sah und hörte, eine einfache aber volle, feststehende Künftlergrö- ße, die der Potenzirung durch die Exponenten äußeren Schmuckes nicht bedarf. Er begann mit dem Andante der „Lucia" und hierauf folgte die Fantasie über „Nor- ma." Mit Entzücken hörte ich ihm zu, die lieblichen Melodien der genannten Opern traten lebhaft und wie von unsichtbaren Sängern vorgetragen, hervor; Lißt beobachtete auch die kleinsten Nuancen der Original Jnstru- mentirung, zu gleicher Zeit seine Figuren und Variationen einwebend, und es dem Auge kaum möglich machend seinen Fingern zu folgen. Nach diesen zwei Nummern trat eine Pause ein, der kleine Junge tanzte wieder, meine Nachbaren fingen zu kritisiren an. „Man glaubt einen Sänger zu hören," sagte der Eine. „Man glaubt zweie zu hören, welche ein vollständiges Duett singen," erwie- derte der Andere. „Man hört einen ganzen Chor," meinte ein Dritter, „und zwei vollständige Orchester dazu," fügte ein Vierter hinzu. „Das ist merkwürdig, "—„fabelhaft"— „himmlisch" — „teuflisch"— „das hat gar keinen Namen ! " so kreuzten sich die Urtheile, bis Lißt wieder erschien, und die Fantasie über „Don Juan" ausführte, das heißt er spielte das Duett und das Champagnerlied aus „Don Juan" und lieferte einen genialen Commentar dazu, er ließ das Publikum mehr hören, als man gewöhnlich bei der Aufführung des „Don Juan" hört. Hierauf folgten ein liebliches Tonbild, lc t.sc, und die originelle ungarische Melodie, welche unter donnerndem Beifall wiederholt werden mußte. Nun trat wieder eine Pause ein, der kleine Junge tanzte wieder, die Herrn schwiegen ganz, doch die Damen singen zu sprechen an. „Er hat ein sehr geistreiches Aussehen"—„Ja, fürwahr, er ist liebenswürdig," war die Antwort. „Sein Spiel greift meine Nerven an."— „Ja es ist sinneberaubend." — „Ich spiele die „Don Juanfantasie" auch," meinte eine junge Clavierspielerin, „jedoch habe ich es bisher noch „nicht so weit gebracht, einen Finger von dem Andern „unabhängig zu machen, und es scheint, daß dieß bei die- „ser Composition ein bischen nöthig lei."— Nun erhob sich auch der Lss-KIeu, und bedeutungsvoll sprach er folgende Worte, die ihm viel Überlegung und Mühe gekostet haben mögen: „Das Piano, welches bisher nur als „Hackbrett betrachtet worden, ist seit Lißts Auftauchen „ein Instrument, das singen, und welches alle Leidenschaften, Situationen und Bilder wiedergeben kann, „es ist nun das erste Instrument, und der Thron des „Königs aller Virtuosen." Mir blieb nicht Zeit Amen zu sagen, denn Lißt fing eben an Schuberts „Erlkönig" zu spielen, und endigte dann mit dem Oslop ekroma- tiyue. Der Beifall verwandelte sich nun in ein Jauchzen deS Enthusiasmus, die Kränze flogen von allen Seiten, einer traf meine Nase, ich setzte ihn jedoch auf das Haupt des Lss-bleu, und als der Sturm kein Ende nehmen wollte, erschien Lißt, und spielte noch einmal, das heißt zum neunten Male an diesem Abende noch eine Fantasie über die „Sonnambula." Was läßt sich sonst noch von Lißt sagen, das nicht hundert und tausend Male gesagt worden wäre? — ist nicht die Überschrift dieses Berichtes: „Lißts Conzert" schon genug, sagt sie nicht daß Leistung des Virtuosen und Beifall des Publikums auf gleicher Höhe standen? — ich wiederhole also nur noch den Ausspruch einer geistreichen Dame, die, als sie Lißt zum ersten Male hörte, begeistert ausrief: „Die andern Klaviervirtuosen spielen mit den Fingern, —Lißt spielt mit denNerven der Finger." Mar M. Die Polkamanie in Paris, oder: wie unsere modernen Virtuosen reich werden. Die „Wiener Theatcr-Zeitung" vom 9 . April enthält folgende schwere Anklage gegen Herrn Henri Herz, die mit glaubwürdigen Gründen zu widerlegen Herr Herz wohl nicht säumen wird, da es sich hier um seine Ehre als Künstler und als Mensch handelt: „Bekanntlich ist neuester Zeit Polka das Losungswort in den Salons der gebildeten Seinestadt, ein Object der Tanzwuth der ganzen modehuldigenden jungen Pariser Welt geworden. Dieses veranlaßte den berühmten Claviervirtuosen Henri Herz auch eine Polka für Pianoforte zu ediren, denn er wußte, daß ihm dabei 2000 Franken nicht entgehen werden. Er sendet eine solche Polka an den größten Kunstverlag Deutschlands, Schotts Söhnein Mainz, diese geben diese Polka, den Pariser Abgott des Tages, in einer prachtvollen Ausstattung heraus, zahlen das Honorar, das ihnen gewiß nicht übertrieben schien, versenden das Werk schleunigst an alle Kunsthändler Deutschlands, Frankreichs, Englands, Italiens; die Piece macht in Paris unter allen ihren Schwestern das meiste Glück, und was ist das für eine Polka, die den Namen Henri Herz durch die ganze Welt trägt? — Nicht- anderes als die „Wastl Polka" unseres anspruchlosen Emil Titl, in Wien, des genialen Componiften der „nächtlichen Heerschau," und anderer nicht uninteressanten Werke, und zwar Note für Note, Tact für Tact, Theil für Theil — sogar mit Beibehaltung des Arrangement fürs Pianoforte, wie es hier in Wien bei A. O. Witzeud or f erschien. Sehr viel Ehre für unfern Landsmann, wenn sich ein so großer Pariser Virtuose herbeiläßt, sein Werk in der Autenthie mit einigen Tacten Einleitung und einigen Tacten Schluß einzurahmen und herauszugeben. Wir zweifeln nicht, daß die Künstlergenerosität und Rechtlichkeit des Henri Herz es nicht über sich bringen würden, dem wahren Verfasser wenigstens die Hälfte des erhaltenen Honorars zuzuwenden; schöner und gerechter wäre es jedoch gewesen, wenn der große Virtuose bei seiner Herausgabe dieser Polka wenigstens Titls Namen beigeseht hätte, da ihm doch die hiesige mit dem Namen des Componisten genau versehene Auflage Vorgelegen sein muß, um eine so getreue Copie machen zu können. So zehren fremde Virtuosen oft an dem Fett unserer Componiften." Zweite General-Versammlung des deutschen Hülfs-Vereins in Paris. Die zweite General-Versammlung des deutschen Hülfsvereins findet Donnerstag d. 28. d. Abends 8 Uhr im Bureau des Vereins, 49, VU6 ?§6UV6-8 ,, Drei Monate. ... !> „ Insertionen : die Zeile ä 50 Centimes. r w Man abonnirt: für Paris: l!N D»resu ccnirsl pour I^U«ir»SAr»v, rxk? stk-8 HIoulins, 32. und in der Buchhandl. von I^snousrä et v'°, ruv et« l'ou, non, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am ErschcinungS-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. B idau lt, 46, ruo <46 !n 4us8i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briefe wollen franco : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 82 , rne 668 iUoulins in Paris » eingcsendct werden. LW88IL, VII. Summarium. Der Großfürst-Thronerbe. — Der Graf Grabowsky — Herr von Woronzow. — Herr von Can- crin. — Herr von Wenkendorf. — Herr von Nessel:ode. — Das Prohibitiv-System. — Die en ess der russischen Politik. — Das Capitol, ein Journal. Was auch an dem so eben Gesagten sein mag, nicht oft genug kann man wiederholen, daß das kaiserliche Ehepaar lange Zeit durch seine häuslichen Tugenden glänzte, und daß man den Kaiser damals als Muster allen Ehemännern des Universums vorstellen konnte. Wie wir aber bereits im lehren Ca- pitel bemerkten, haben die Unannehmlichkeiten, welche aus dieser fast übertriebenen ehelichen Gewissenhaftigkeit hervorgehen mußten, den Kaiser beinah berechtigt, die maliciöse Chronik seines Hofes zu üben und die seiner Autocraten- Krone ar.gehö- renden Privilegien ein wenig zu nützen. So hat man ihn seit einiger Zeit häufig einen wegen seiner leichten Schönheiten sehr berüchtigten Maskenball besuchen sehen, wo der Kaiser das Bedürsniß einer augenblicklichen Betäubung, welche eigentlich den Grundzug seines Charakters bildet, zu befriedigen sucht. Der Großfürst Thronerbe hat sehr schnell gelebt, zur Zeit seiner Reise nach Deutschland (1838- 1839) war seine Gesundheit schon sehr untergraben, und alle ärztliche Anstrengungen waren vergeblich bemüht, dieselbe zu befestigen. Man hat sich viel mit dem Projekte beschäftiget, das man dem Kaiser Nikolaus zugeschrieben hat und dem zufolge er beabsichtigen sollte, die Krone seinem jüngern Sohne, dem jungen Großfürsten Constantin zuwenden zu wollen. Wir können bestätigen, daß, bis zu diesem Augenblicke wenigstens, dieses Projekt einzig und allein nur in der Einbildungskraft der Neuigkeitö- sreunde eristirt, obgleich sie die Idee desselben an einer nicht ganz unscheinbaren Quelle geschöpft haben. Der Großfürst-Thronerbe ist von einem talentvollen Dichter, Schukowski erzogen worden. Der Lehrer wollte den Prinzen, vom zartesten Alter an, an alle mögliche Anstrengungen gewöhnen und ließ ihn Übungen machen, die mit der schwächlichen und kränklichen Constitution des Zöglings nicht im Ver- hältniß standen. Zu Pferd steigen und während mehreren Stunden militärischen Manövren beiwohnen, selbst die Waffen führen lernen, sich den Unannehmlichkeiten der Witterung aussetzen und mit Eile reisen, kurz alles was aus dem Großfürsten einen starken Mann, einen Soldaten, einen Roma- noff machen sollte, wurde auf eine rationelle Weise an ihm versucht. Er gleicht einem Bogen, der unter der Hand dessen zerbrach, der ihn spannte. Der Kaiser wünschte als Erben seines Thrones einen energischen Geist in einem Stahl-Körper; er hat nur ein saftloses Bäumlein erhalten, welches vor der Reife schon geknickt ist. Jetzt ist der Großfürst ein großer junger Mann, mit angenehmen Zügen, aber blaß, aufgeschossen, schwächlich, und seine schlanken Glieder und seine eingesunkene Brust zeigen die Verheerungen an, denen seine Constitution unterworfen ist. Er ist sanft, wohlwollend, empfänglich, aber sein Charakter ist eben so schwankend als sein Körper. Eine fast romantische Leidenschaft fesselte ihn während einiger Zeit an die schöne Prinzessin Montsort, und seine Verheirathung mit der Prinzessin Marie, Tochter des regierenden Großherzogs von Hessen-Darmstadt, welche seine geheime Verehrung störend durchkreuzte, hat den fast angebornen Hang des Großfürsten Alexander zur Melancholie nur vermehrt. Es ist möglich, daß der Anblick dieser aufgeschossenen, entnervten, mit den künftigen Pflichten eines Thronerben so wenig in Harmonie stehenden Natur den Kaiser mit einigem Bedauern erfüllt, aber namentlich wenn er den Contrast zwischen Alexander und seinem Bruder Constantin, diesem jungen Mann voll Feuer und Leben, bemerkt. Aber die Mitglieder der einflußreichen russischen Partei haben sich als Protektoren des Thronerben erklärt. Das begreift sich leicht. Sie sehen Ln diesem blassen und schwächlichen Zweige des Thrones den zukünftigen Sklaven und das gelehrige Instrument ihres Willens. Der Kaiser Nikolaus hatte am Antritte seiner Regierung, aber besonders als er noch Großfürst war, gegen mehrere Personen seiner Umgebung eine sehr bemerkbare Zuneigung. So bezeugte er in Berlin dem Herrn von Thümen, der später Adjudant des Königs von Preußen geworden ist, viel Vertrauen. Der Czar liebte auch sich mit einigen treuen Dienern zu umgeben, deren Rathschläge er willig befolgte. Der Graf Grabowsky, welcher damals Minister war, sich aber seitdem von den Geschäften und nach Polen zurückgezogen hat, besaß im Anfänge der Regierung Nikolaus das ganze Vertrauen des Kaisers; später verlor er es aber. Gleichfalls citirt man Herrn von Woronzow im Departement der innern Angelegenheiten,"Herrn von Canerin bei den Finanzen, Herrn von Benkendorf bei der hohen Polizei, und Herrn von Nesselrode im Departement der auswärtigen Angelegenheiten, als Männer, welche auf den Kaiser einen vorübergehenden Einfluß geübt haben. Die unheilvollste von diesen Einwirkungen ist aber ohnstreitig die Cancrin's gewesen, welcher der Erfinder jenes Absperrungs-Systems ist, das Rußland zu seinem Nachtheil von dem ganzen übrigen Europa trennt. Im Innern fabrieiren und die russischen Märkte fremden Nationen schließen, und so jede heilsame Concurrenz unterdrücken, ist das ewige Thema der finanziellen Politik Cancrin's. Man versichert, daß er sich von den Geschäften zurückziehen will; es ist aber zu fürchten, daß sein Rücktritt keine Veränderungen in die jetzt dirigirenden Prinzipien bringt, da sie die des Kaisers geworden sind. Übrigens kann man gegen diese brutalen Verbote, deren Wirkungen sich in Preußen, Österreich und dem übrigen Deutschland fühlbar machen, nicht genug protestiren. Es ist zu wünschen, daß der Zollverein Maßregeln treffe, um die deutschen durch Rußland verletzten Interessen zu schützen. Russische Waaren und Produkte haben gegen eine sehr müßige Taxe in Deutschland Eintritt, während deutsche Fabrikate in Rußland enormen Abgaben unterworfen sind, die einem gänzlichen Verbote gleichen. Das ist ein Haupt-Charakterzug der hochmüthigen und unterdrückenden Politik Rußlands, welche in Deutschland täglich mehr Fuß faßt, und selbst auf der öffentlichen Meinung lastet, daß sich diese beunruhigt fühlt. An seinem Orte werden wir aber sehen, welche die wahre Stellung des Kaisers Deutschland gegenüber ist. Wir beschließen diesen flüchtigen Abriß des russischen Hofes mit einer allgemeinen Betrachtung. Mn Haupt-Charakterzug der russischen Politik ist, daß sie überhaupt MM Politik von „Im Fall" ist. Wir werde;;- weiter unten, in einem kleinen Abschnitte 2 über die Allianzen, sehen, daß sich der Kaiser am I Schlüsse aller Hypothesen einen Ausgang, allen i Wahrscheinlichkeiten gegenüber irgend einen Vor- ^ theil in der Stellung spart. Die Vermählung des Herzogs von Leuchtenberg mit der Großfürstin Marie ist ein schlagendes Beispiel der Art und Weise wie der Czar dieses System in Anwendung bringt. Diese Verbindung ist durchaus nichts anders als 'ein bonapartistischer Im Fall, eine Idee, die zwar an und für sich unfruchtbar ist, die aber der Kaiser nicht aus dem Gesicht verloren hat, wäre es auch nur um in Frankreich eine Art gährenden Zwiespalt zu unterhalten. Man weiß, daß die russische Politik so weit gegangen ist, ehedem in Paris ein bonapar- tistisches Journal, 1e Ouxütols, zu protegiren, und darin stimmte sie mit dem Prinzen Louis Napoleon, welcher selbst einen Augenblick eine der russischen Großfürstinnen eheligen sollte, überein. Wir Haben vielleicht Gelegenheit zu bemerken, welchen unheilvollen Einfluß dieses Journal, dessen Toc- ckrinen Antipathien ohne Grund erweckten und, nach dem Wunsche Rußlands, unter den Bevölkerungen 'auf beiden Seitendes Rheins eine immer möhr und mehr bemerkbare Kälte'hervorriefen, auf die öffentliche Meinung in Frankreich äußerte. (Die Fortsetzung folgt.) Herr von Eckstein und die „Augsb. allg. Zeitung." Baron von Eckstein, der Pariser ? Korrespondent der „Augsburger Allgemeinen Zeitung", läßt 'sich in Nr. 100 über die neueren politischen Schulen in Frankreich vernehmen und nrtheilt weitläufig oder vielmehr breispärig über die Fou- rieristen, Herrn Louis Blaue selbst als Stifter einer Art Schule anführend, welche Überschätzung diesem übrigens mit Talent begabten Publizisten bisher nie ertheilt worden. Mer bildet die Schule des Herrn Louis Blanc? Wo sind seine Adepten? Welche Namen, welche Blätter? Herr von Eckstein möge nus dies erläutern, und nicht ferner Deutschland Dinge vorerzählen, an welchen in Paris niemanddenkt. Seit vielen Jahren schreibt Herr von 'Eckstein denselben Aufsatz wöchentlich ein Mal regelmäßig in die „Augsburger Zeitung", dieselben Reflexionen, oft anmuthig stylisirt, oft Makaro- -niartig gedehnt und schwülstig, dabei alte wieder- 'gekäute Ideen, ohne Schlußfolge und Konsequenz, -ein xot-xourri von Unklarheit und gelehrt scheinender Belesenheit. Was Herr von Eckstein nicht will wissen wir so ziemlich. Alles jetzt Bestehende wie Vergangene mißfällt ihm, über die Zukunft schweigt der Prophet aber ; was er daher will, wissen die 'Götter, wir armen Sterblichen nicht. Alles wird in Frankreicht schlecht gefunden, nichts findet Gnade vor Herrn von Eckstein. Der Mann scheint es der französischen Jetztwelt nicht vergeben zu wollen, daß er nicht mehr Polizei-Präfekt in Gent und Paris ist. Dabei werden den Lesern der „Augsburger Zeitung" kuriose Widersprüche aufgetischt, so wird in dem bezeichneten Aufsatz von den Fourieristen u. s. w. gesagt: „Alle diese Herren verachten die Individualität, alle erheischen die Totalität; alle bekämpfen die Vielheit, alle verlangen die Einheit." — In drei Zeilen vierfacher Wortschwall und doppelter Widerspruch. Und solch leeres Stroh wird von Herrn von Eckstein schon seit vielen Jahren gedroschen. Gute Körner kommen dabei selten oder gar nicht zum Vorscheine. Im Anfang des Berichts sagt aber Herr von Eckstein mit Recht vom deutschen Rationalisten, Fichtianer, Hegelianer: „Seine Gedankensaaten bleiben lediglich in das Traumbuch eingeschrieben." Bei Herrn von Eckstein bleiben es aber nicht allein die politischen Konstellationen, sondern sogar, wie der oben angeführte Satz der beiden Widersprüche beweist, die einfachsten Erläuterungen werden bei ihm verwirrt und zur bloßen Phrasenkünstelei. Reactiorr und Liberalismus. Die Reaktionen gegen das liberale System, welche sich überall in ganz Deutschland zu erkennen geben, besonders aber in Preußen, machen einzelne ängstliche Gemüther besorgt, daß es mit der Sache der bürgerlichen Freiheit und ihrer Entwicklung schlimm stehe. Wir theilen diese Besorguiß nicht. Wenn wir uns auch des Druckes nicht freuen, so wissen wir, daß schon nach mechanischen Gesetzen Druck Gegendruck erzeugt, im geistigen Leben ist diese Erscheinung noch viel bedeutender. Ter lebendige Geist hat mehr Federkraft — mehr Erpanstonö- kraft als die todte Materie. Zudem hat die Sache der Bürgerfreiheit viele unüberwindliche Bundes- genossen. Vor allem das gute Recht, und den aus solchen und der, zu dessen Erkenntniß wesentlich beitragenden vorgeschrittenen Volks- und Schulbildung sich entwickelnden Zeitgeist, welchen Ketten und Riegel nicht fesseln, und Bajonette nicht tödten können. Zu diesen treuen Hütern, Wächtern und Kämpfern für gesetzliche Freiheit hat die liberale Partei noch einen sehr wichtigen Bundesgenossen : den Undank der Regierungen und die Kurzsichtigkeit der in der Mehrzahl nur immer sich selbst, ihre eigene Größe, wollenden Minister; diese lichten die Reihen der servilen Kohorten. Die aus- gezeichnetsten Talente tverden, wenn sie nicht ge- borne Kandidaten der Ercellenz sind, benützt, und wenn man ihnen den Saft ausgepreßt hat, als Bettler entlassen, verhöhnt und verspottet. Als das höchste Kapitalverbrechen gilt : einen Fürsten oder Minister an gebrachte Opfer zu erinnern, oder gar sich eine Entschädigung zu erbitten. Daß dies geschieht, ist sehr gut, es öffnet den Verblendeten die Augen und führt das Talent in das Feldlager des Liberalismus. Dem Kämpfer für Freiheit und Recht winke Anerkennung; Ehre, Ehrenbecher und Bürgerkronen, und vor allem die allgemeine Achtung. Darum nur den Muth nicht verloren, nach Regen und Sturm kommt ein erquickender Sonnenschein. Der Kampf stählt die Kräfte und weckt auch die Schlummernden. Tie Sonne der Freiheit wird noch im 19. Jahrhundert über Deutschland aufgehen, die Nebel zerstreuen und die verpestenden Sümpfe austrocknen. Geht auch einmal ein Liberaler, durch äußere Verhältnisse gedrückt, zu den Feinden über, so geschieht es nur um zu schweigen, im Falle des Übertrittes zur liberalen Partei aber, um zu reden. Die Überläufer zum Servilismus sind demnach mehr nur vernagelte Kanonen, also unbrauchbares Geschütz, die Überläufer zum Liberalismus werden spielende Batterien. Die Überläufer zum Liberalismus entdecken die Geheimnisse und Schwächen der Gewaltigen, die Überläufer zum Servilismus können nichts entdecken, weil der Liberalismus keine Geheimnisse hat, und keine solche braucht; für ihn spricht das offene göttliche Recht. Also nur Muth gefaßt, das Ende des Kampfes wird ein gutes sein. Morganatische Ehen. Morganatische Ehen sind keine Seltenheit mehr in Europa; die Königin Marie Christine heirathete Herrn Munoz, jetzt zum Herzog und Granden von Spanien ernannt; ihre Mutter, die verwittwete Königin Beider-Sizilien, Marie Isabelle, Tochter Karls des IV. von Spanien, lebt ebenfalls in morganatischer Ehe mit einem deutschen Edelmann; die geistvolle Herzogin von Berry heirathete bekanntlich morganatisch in schwierigen Umstanden den Grafen Lucchesi-Palli; die Gräfin Henriette von Oultremont, jetzt verwittwete Gräfin von Nassau, denverstvrbcnen König Wilhelm!, der Niederlande ; die Gräfin Auguste von Harrach, als Fürstin von Liegnitz, den verstorbenen König Friedrich Wilhelm III. von Preußen; der allgemein verehrte und wissenschaftlich gebildete patriotitische Erzherzog Johann von Österreich lebt ebenfalls in glücklicher morganatischer Ehe, in den steirischen Alpen. Seit dem Tode des Generals Neipperg, welcher, wie man behauptet, die Erzherzogin Marie Louise von Parma morganatisch geheirathet, ist ein jüngerer Stellvertreter gefolgt. Ein Prinz, Georg Bernhard von Anhalt, lebt in morganatischer Ehe mit der jetzigen Gräfin von Reina. — Der Cursürst Wilhelm II von Hessen heirathete morganatisch zuerst Emilie Gräfin von Reichenbach-Lessonitz, seit 1843 die junge Tochter eines hessischen Obristen. Sein Sohn, der Kur- prinz-Coregent von Hessen, Friedrich Wilhelm, heirathete eine junge Offiziersfrau, die sich scheiden ließ und seitdem den Titel Gräfin von Schaumburg führt. Die Hessen behaupten also zwei Coregenten zu haben. Die Dinge gehen darum nicht besser in dem so reichen und so schlecht regierten Ländchen. Der Großfürst Constantin von Rußland heirathete morganatisch die jetzt auch verstorbene Fürstin von Lowicz. Der Herzog Alexander von Würtemberg, General im österreichischen Dienste, vermählte sich morganatisch mit Susanna, Gräfin Rhöday, durch den Kaiser von Österreich zur Gräfin von Hohenstein ernannt, seit 1841 aber verstorben. Der König von Würtemberg ernannte kürzlich seines Bruders, des in Paris lebenden Prinzen Paul Tochter zur Gräfin von Helfenftein. Dieselbe ist jetzt mit Herrn von Montessuy vermählt. Sollten einige Notizen fehlen, so bitten wir unsre Leser uns die Angaben deshalb zuzusenden. Nor-amerikanische Zeitmrgsschau. Eine deutsche Familie von einem Negersklaven ermordet. In der Nähe von Her- culanum, Illinois, wohnte ein deutscher Schuster mit seiner Familie, Herr Geider, in dessen Werkstätte am 3. d. M. ein Negersklave eintrat, angeblich in der Absicht, ein Paar Schuhe zu kaufen. Als sich Geider aber bückte, um das Maß an des Negers Füßen zu nehmen, versetzte ihm dieser mit einer Art einen tödtlichen Schlag auf den Hinterkopf. Von dem Schlage betäubt, stürzte er zu Boden, wo ihm der Bösewicht dann noch mehre Schläge auf den 3 Kopf versetzte. Als er ihn endlich todt glaubte, ; ging er von der Werkstätte nach dem Wohnhause des Schusters, und verlangte von dessen Gattin Pulver. Sie lief nach der Werkstätte, ein einjähriges Kind aus dem Arme tragend, um ihren Mann von dem Verlangen des Negers zu unterrichten. Aus Furcht, daß sie Lärm machen und den Verbrecher angeben würde, lief er ihr nach und tödtete sie mit einem Artstreiche, durch den auch das Kind gefährlich verwundet wurde. Bald nach der That wurde der Neger gefangen genommen und nach einem benachbarten Hause gebracht, wo er inzwischen gefangen gesetzt wurde. Er hat daselbst ein vollständiges Bekenntniß abgelegt und eingestanden, daß er den Mord begangen habe, um sich Geld zu verschaffen, mit dem er sich nach Canada zu flüchten beabsichtigte. Außer diesem Morde hat er sich aber auch noch zu mehren andern Mordthaten bekannt. Als die Bevölkerung von Hereulanum und dessen Umgebung erfuhr, mit welchem Verbrecher sie es zu thun hatte, beriethen sich ein paar Hundert Bürger zur Ersparung aller Zeit- und Geldverluste, den Neger sofort aufzuhängen. Sie begaben sich am Morgen des 5. nach dem Hause, wo der Neger gefangen saß, ließen ihn noch einmal ein Bekenntniß seiner Schuld ablegen und hängten ihn dann an dem Orte, wo er sein letztes Verbrechen begangen hatte, auf. Die Bürger von Albany finden aus, daß viele ihrer Polizeidiener, statt Diebe zu fangen, selbst stehlen, und haben jetzt unter sich eine Polizei über die Polizeidiener gebildet. Entsetzlicher Todesfall. Ein junger Mann, Namens Pinkney Hill, begab sich vor einigen Wochen von Franklin, Ga., auf die Jagd. Als er vier Tage nicht zurückkam, wurden seine Angehörigen über sein Schicksal besorgt, und vcranstalteten eine allgemeine Nachsuchung nach demselben. Man fand erst ein Bein des Unglücklichen, das unter einem schweren Baumstamme hervorragte; als man weiter suchte, fand man in ziemlicher Entfernung von dem Baume den übrigen Körper, — leider entseelt. Von einem blutigen Messer in der Tasche des Unglücklichen schließt man, daß der Baumstamm auf ein Bein des Unglücklichen gefallen sei und dasselbe gänzlich zerschmettert habe, wie, daß derselbe dann, um sich aus dieser entsetzlichen Lage zu befreien, mit Hülse des Messers dies Bein abgelöst und sich all- mählig nach der Stelle hingeschleppt habe, auf der man endlich den entseelten Körper fand. Schreckliche Folgen eines fruchtbaren Klimas. Folgender delikate Brief wurde kürzlich voll einer glücklichen Familienmutter in Illinois an eine unverehelichte Verwandte in Neu-England geschrieben. Er berührt ernste Saiten. „Theure Cousine — Ich habe wieder eine Tochter, genannt-, was bereits sechs Kinder ausmacht. Ich kann Dir sagen, I—, es macht mich manchmal fast toll, wenn ich daran denke und auf die Heerde Schreihälse um mich her blicke. Ich habe keine Zeit irgend etwas Anderes aus der Welt zu thun, als zu Hause zu bleiben und mich zu placken und zu schelten. Ich glaube nicht, daß es unter 15 Kindern aushören wird, und dieser Gedanke ist keineswegs erfreulich. Aber wir leben in dem überreifen und „fruchtbaren Westen" und sollten nichts anderes erwartet haben, ehe wir uns noch dahin aufmachten; Alles wächst hier nach demselben Ver- hältniß, und deshalb habe ich freilich wohl keine Ursache zum Klagen. „Mit Liebe" u. s. w. (N. N St. Ztg.) Erfindung. Der New-Uorker „Mereury" theilt eine neue Erfindung mit, um die Austern zu zwingen, ihre Schalen selbst zu öffnen. Man nimmt nämlich eine Handvoll Schnupftaback, streut ihn auf einen Haufen Austern und innerhalb fünf Minuten sind die Schalen geöffnet. (Dem.) Fourier-Association. Nachdem „Roche- ster Democrat" nehmen die Lehren Fouriers im westlichen New-Uork raschen Fortgang. Er sagt: „Wir glauben, daß jetzt in unserer Stadt 3 Office» offen sind, um Snbscriptionen auf den Stock eben so vieler Fourier-Associationen anzunehmen. Die Commune zu Clarksou ist bereits in Operation getreten und erhält täglich Zuwachs. Die Soduö-Bay- Association hat ihre Ländereiengekaust, 45 000 Doll, des Stocks unterschrieben und etwa 1 000 Gesuche zur Aufnahme erhalten. Die Blomfield- Association organisirt sich., Der Gesuche um Aufnahme in die drei Communen sind nicht viel weniger als 17 000." Kommt im Hafen von Iowa ein Schiff au, versammeln sich sogleich alle unverheiratheten Bewohner, um zu erforschen, ob junge Frauenzimmer sich am Bord befinden. Landen deren, werden sie alsbald mit der Frage bestürmt: „Wünschen Sie einen Mann, liebe Miß?" Iowa wäre demnach für hei- rathslustige Mädchen das Land der guten Hoffnung. Ein neues Mittel gegen die Schwindsucht. Eine New-Uorker Zeitung veröffentlich folgenden Fall: Einer unserer Subscribenten litt an einem Anfalle von Schwindsucht. Er mischte eine Unze chlorsaures Jodin mit sechs Unzen Wasser, goß die Mischung in ein Glas, das er ungefähr halb bedeckte, und ließ das Glas gegen 14 Tage in seinem Schlafzimmer stehen. Während dieser Zeit besserte sich seine Gesundheit so merklich, daß er nicht anders, als dem Jodin die gute Wirkung zuschreiben kann. Gutzkow, Laube, Lewald und die Geheimnisse von Paris. Leipzig, 12. April. „Gestern hatten wir das bedauernswerthe Vergnügen, die für die Bühne zugestutzten „Geheimnisse von Paris" in der Blum'schen Bearbeitung aufführen zu sehen. Bei so vielen Dummheiten, die jahraus jahrein auf den Brettern erscheinen, kommt es auf eine mehr oder weniger nicht an; allein auch die Dummheit muß ihre Gränzen haben. Wer den Roman kennt, der kann sich im Voraus sagen, daß aus diesen Ingredienzen ein gutes Theaterstück un- Einöglich zusammenzustellen ist. Wer aber an tollem Spectakel Gefallen findet, Effect auf Effect ohne die geringste Motivirung vorzugsweise liebt und vom Anfang bis zu Ende die Prügelei von ihrer ästhetischen Seite studiren will, der möge sich dieses Non xlus ultra theatralischen Unsinns ansehen. Das zahlreich versammelte Publikum fühlte doch das Unpassende und Entwürdigende eines solchen dramatischen Products und bezeugte seine Entrüstung theils durch höhnenden Beifallsruf, theils durch lautes Pfeifen und Pochen." (Köln. Ztg.) Was werden die Herren Gutzkow, Lewald und Laube dazu sagen, die die dramatisirten „N^störes äe Uaris" wunderschön und meisterhaft fanden, ohne sie gesehen oder gelesen zu haben, und die, sonst alle französischen Stücke blind verdammend, dieses schlechte Machwerk nur darum im Schutz nahmen, weil Pariser Correspondenten in deutschen Blättern es schlecht gefunden hatten, und diese wohlweisen Herren beweisen wollten, daß sie in Frankfurt, Karlsruhe und Leipzig besser wüßten, was in Paris geschieht, als die hier lebenden Berichterstatter. Oll sanotu sim- Aus Posen. Vom Monat Februar datirt erhalten wir so eben aus Preußisch-Polen eine Korrespondenz, welche die Censnr in mehrern deutschen Blättern, wo sie erscheinen sollte, trotz veutscher Freiheit gestrichen hat. Es sind darin so interessante Details über die dortigen Zustände enthalten, daß wir den Artikel auch jetzt mit Vergnügen in unser Blatt aufnehmen und fernere Mittheilungen mit Freuden gewärtigen. Die Sympathien für die polnische Nationalität leben in ganz Europa fort und nichts wird uns den Glauben an Polens Auferstehung rauben! Es ist bekannt, daß bei der im Herbste vorigen Jahrs erfolgten Durchreise des russischen Kaisers ein Schuß, angeblich auf einen Wagen des kaiserlichen Gefolges, gefallen. Die bisherigen Untersuchungen haben zu einem Resultate geführt, das man in Berlin sehr ungnädig ausgenommen, nämlich, daß der Schuß von einem der Mitgliederder Reisegesellschaft selbst gefeuert worden, und, wer die russischen Polizeistreiche kennt, dem wird dieses Resultat gar nicht befremdend erscheinen. In Berlin aber scheint man, wider alles Vermuthen, diese interessante Seite der russischen Politik noch nicht zu kennen, und man hat 1000 Dukaten Belohnung demjenigen verheißen, der den Thäter anzeigen würde; doch hat bis jetzt noch Niemand diesen königlichen Sold verdienen mögen..Indessen hat seit dieser Zeit das preußische Gouvernement seinen Zorn auf das Großherzogthum geworfen, und gewiß wird der kaiserliche Gott imWinterpallaste sich freuen, daß es ihm gelungen, seinen königlichen Schwager auf dasselbe edle Wild zu Hetzen, daß ec, mit der größten Kaltblütigkeit systematisch zu vernichten, sich vorgenommen. Unsere Beamten, die, was Gehorsam anbetrifft, mit den russischen wetteifern können, bemühen sich sichtlich, in die Kategorie russischer Sklaven einregistrirt zu werden, was der Kaiser, reich an Gnaden, zu seiner Zeit schon mit einem Titelchen oder Orden bedenken wird — denn deutscher Stolz ist im Preußenthum lange bereits untergegangeu, und die Preußen haben Recht, sich nicht Deutsche zu nennen, sie verdienen diesen Namen nicht. Preußen (Beireußen) ist ein viel bezeichnenderer Name für sie. — Seit Aufhebung des abscheulichen Kartells mit Rußland treten eine ansehnliche Menge junger rüstiger Männer in die preußischen Länder über; bisher hat man sich ihrer insofern menschlich angenommen, als man diejenigen, welche kein Unterkommen zu finden wußten, in die Arbeitskomvagnieen aufnahm nnd ihnen so Lebensunterhalt gewährte; in der neusten Zeit dagegen haben in Polen Arresta- tionen Einzelner stattgefunden, denen es an dem nöthigen Unterhalte nicht gebrach. Ohne Zweifel geschah solches auf Veranlassung der russischen Herrschaft. Einer dieser Jnhaftirten, welcher übrigens seine Arrestation unreiner zufälligen Namensgleichheit mit einem bei weitem bedeutenderen Landsmanne zu verdanken hatte, suchte durch die Flucht zu entkommen, verunglückte dabei und starb bald in Folge davon. Daß das Schicksal dieser Eingesperrten, daß überhaupt diese Verfahrungsweise des Gouvernements keinen angenehmen Eindruck auf Jener Landsleute machen konnte, darüber wird sich Niemand wundern; aber dennoch blieb Alles ruhig und in musterhafter Ordnung, welche die preußischen Unterthanen polnischer Zunge seit dem Wie- ner-Congreß überhaupt nie gestört; denn daß in den Zeiten 1830 und 31 viele hiesige Unterthanen zu ihren kämpfenden Brüdern zum Heldenkamps für's Vaterland eilten, wird man doch als Aufstand gegen Preußen nicht ansehen können. Trotz dieser ruhigen Haltung der Polen im Großherzogthume, wird plötzlich, scheinbar ohne alle Veranlassung, die Festung gerüstet, die Garnison mobil gemacht, jeder Soldat mit 30 scharfen Patronen versehen, sämmt- liches Geschütz auf die Citadellen gebracht, alle Waffeudepots in der Stadt dorthin abgefahren, die Thore der Stadt früher als gewöhnlich geschlossen, und Patrouillen in allen möglichen Dimensionen durch die leeren Straßen gesendet, mit der gemessenen Ordre, des Alarms gewärtig zu seyn. Alles bleibt ruhig wie gewöhnlich, nichts hört man durch die Stille der Nacht, als den Tritt der Preußen und das leise Dahinstreichen der Spione. Im Schatten dieser gewappneten Krieger fällt die Polizei des Morgens zwischen 5 — 7 über 31 russische Flüchtlinge her, nöthigt sie ihr aus dem Bette auf das Polizei-Bureau zu folgen, wo sie bis jetzt inhaftirt gehalten werden, angeblich als solche, denen es an zulänglichen Mitteln zum Unterhalte fehle, was notorisch bei keinem dieser jungen Männer der Fall, und was bei der allgemein bekannten patriotischen Gesinnung der Polen, der Noth hülföbedürftiger Landsleute abzuhelfen, gar nicht in Betracht kommt. Man sagt daß der Leichnam eines Gemordeten zu bluten beginne, sobald der Mörder herantrete; Preußen will versuchen, ob die Sage Wahrheit enthalte. Das Gouvernement muß eingesehen haben, daß es auf irgend eine Weise seine militärische Improvisation wie sein ganzes Verfahren rechtfertigen müsse, und daher jener fabelhafte Artikel in der Hofzeitung, derzusolge das Ganze nur ein in den preußischen Festungen gewöhnliches Übungsmanövre gewesen sein soll. Es ist unbestritten, daß die preußischen Unterthanen auf Befehl Vieles glauben, woran sonst ein gebildeter Mensch zweifelt; indessen scheint mir das doch ihrer Glaubenseinfalt zu viel zugemuthet zu sein, wenn man verlangt, einer also inspirirten Zeitung Glauben zu schenken. Die preußische Regierung nennt sich eine aufgeklärte, christliche, fromme, und doch befördert sie den Aberglauben; sie nennt sich eine gerechte, und doch verfolgt sie einen Theil ihrer Unterthanen mit dem Fluche ihrer Furcht. Aber das ist das Gericht Gottes über jede böse That auf Erden, „daß sie fortzeugend Böses muß gebären." — Es ist sehr schlimm, wenn ein Staat genöthigt ist, Verbrechen zu bestrafen, die er selbst hervorgerufen hat; noch schlimmer, wenn die Geister der Furcht ihm Verbrechen gegen ihn vormalen wo keine sind, die er aber sehr wohl hervorgerufen haben könnte; schlimmer wenn er solche ein4 gebildete Verbrechen nun mit Mißtrauen im Voraus schon bestraft. Das ist eine heuchlerische Frömmigkeit, welche das Bewußtsein der eigenen Sünde hat; das Bewußtsein der Sünde aber haben und dieselbe doch nicht bereuen, da es noch Zeit ist, ist Verhärtung gegen Gott und den heiligen Geist der Weltgeschichte, und führt zum Verderben. —Die Zeichen der Zeit rücken näher nach dem alten Ausspruche: Huos Oeu3 vult ckeperckere eorum äe- mentut rmimos. Deutsche Hülss-Gesellschaft der Stadt New-Bork. Der in der General-Versammlung am 22. Februar 1844 verlesene Jahresbericht wird zufolge eines Beschlusses der Versammlung hiemit veröffentlicht. Thomas Achelis Sekretär. Im letzten Jahresberichte, der im Ganzen ein befriedigendes Resultat des Wirkens der Gesellschaft zeigte, fand sich der Verwaltungsrath gezwungen zu gestehen, „daß er nicht ohne Besorgniß der nächsten Zukunft entgegensähe; " es wird den Mitgliedern der Gesellschaft erfreulich sein zu erfahren, daß jene Besorgnisse sich als ungegründet erwiesen haben, daß der Verwaltungörath nicht nur befähigt war, das wohlthätige Wirken der Gesellschaft unbeschränkt fortzusetzen, sondern sogar den Kreis desselben ansehnlich zu erweitern, und daß die Mittel zum ausgedehnteren Wohlthun in der Gesellschaft selbst sich entwickelten, nicht von fremder Hand gereicht wurden. Alan wird sich erinnern, daß bei der Zetzten Generalversammlung eine Kassenunterstützung von Seiten der Municipalität mit einiger Zuversicht in Aussicht gestellt wurde, da die Stadt einer andern Wohlthätigkeitsgesellschaft eine solche Unterstützung bereits bewilligt hatte. Der ehrenwerthe City-Council sah sich nach langer Berathung veranlaßt, das Gesuch der deutschen Gesellschaft unberücksichtigt zu lassen, der Verwaltungsrath fand sich in seinen Erwartungen getäuscht, jedoch er beklagt sich deß- halb jetzt um so weniger, da eben diese Täuschung eine der Hauptursachen war, welche uns unsere eigene Kräfte kennen lehrten. Einmal überzeugt, daß wir auf diese beschränkt waren, wußte der Verwaltungsrath, daß man die volle Anwendung desselben ihm nicht verargen würde: er erlaubte sich die Mitglieder, mit Hinweisung auf einen Paragraph des Art. 4 der Nebengesetze, um eine vergrößerte Beisteuer zu ersuchen und hatte die Genugthuung zu gewahren, daß man hierin keine unpassende Zumu- thung, sondern ein, durch die Umstände vollkommen gerechtfertigtes Anliegen erblickte und ihm bereitwillig entgegen kam. Gleichzeitig begünstigten uns die Umstände bei Belegung der fürstlichen Legates des sel. Herrn Gebhardt der Art, daß wir — ohne Verringerung des Capitals — ein ansehnliches Sümmchen zur Bestreitung der lausenden Ausgaben verwenden konnten; auch in unfern Bemühungen um neue Mitglieder waren wir glücklicher als im vorigen Jahre; wir wurden durch verschiedene kleine Donationen erfreut, und statt nun, wie wir beim Antritt des Gesellschaftsjahres befürchteten, unser Gottgefälliges Geschäft beschränken zu müssen, sind wir im Stande gewesen eine bedeutend größere Summe als je zuvor in einem Jahre an Nothlei- dende zu vertheilen. Als Beleg hierzu diene diene die weiter unten folgende Darstellung unserer Kassenverhältnisse. Es kamen im Laufe des Jahres 156 Schiffe mit deutschen Einwanderern hier an, nämlich: 56 Schiffe mit 6 390 Passagieren von Havre. 26 2556 Antwerpen. 15 I 336 // Rotterdam. 31 ,, 2578 Bremen. 23 2 222 ,, Hamburg. 5 ,, 506 Stettin. 156 Schiffe 15 588 Passagieren. Von diesen Ankömmlingen blieben zwischen 3 000 und 4 000 in der Stadt und Umgegend, die Übrigen gingen nach dem Innern. Allen diesen Einwanderern suchte sich der Agent auf hergebrachte Weise nützlich zu machen; doch wurde ihm durch Abänderungen und Neuerungen in den Regulationen an der Quarantäne in gewissem Grade entgegen gearbeitet, indem man ihm nicht, wie in früheren Jahren, erlaubte, die einkommenden Schiffe vor dem Landen der Passagiere zu besuchen; er konnte erst, wenn diese vom Bord waren und in manchen Fällen bereits rücksichtlich der Weiterreise und sonstigen Punkte eben nicht die zweckmäßigsten Arrangements gemacht hatten, mit ihnen in Berührung kommen, und es war denn in der Regel zu spät, dergleichen Arrangements entweder ganz umzustoßen, oder im Interesse des Einwanderers zu modi- ficiren. Dieser mußte darunter leiden, daß man dem Agenten den Zutritt auf ankommende Schiffe verweigerte und der Verwaltungsrath versuchte vergebens, dem Übelstande abzuhelfen. Er wird der Sache nächste Saison abermals gebührende Aufmerksamkeit widmen und kann nur hoffen, die Quarantäne-Beamten mögen seinen Vorstellungen mehr Gehör geben, als es im vorigen Sommer der Fall war. Der Agent verschaffte 406 Personen Plätze als Gesellen, Dienstboten u. Ärztliche Hülfe und Medizin empfingen 413 Personen. Der Wohlthä- tigkeits-Ausschuß befriedigte 1868 Gesuche um Geldunterstützung. (Schluß im nächsten Blatte.) Lißts zweites Conzert. Morgen, Donnerstag d. 25. d. findet im Italienischen Theater Lißts zweites Conzert statt. Der gefeierte Künstler spielt wiederallein sieben Piecen. Bedarf es noch mehr? Zweite General-Versammlung des deutschen Hülss-Vereins in Paris. Die zweite General-Versammlung des deutschen Aülfsvereins findet Donnerstag d. 25 . d. Abends 8 Uhr im Bureau des Vereins, 49, ri 16 iX6UV6-(l68-ptllil8-6Il3MP8, statt, wozu die p. t. Mitglieder hiemit eingeladen werden. Redakteur: Heinrich Bvrnstein- Druck mit Schnellpressen von PaulRenouard Paris, Sonnabend. Nr. 34. 27. April 1844 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. ... S „ Insertionen: die Zeile L 50 Centimes. w MMW L" > ^ - Man abonnirt: für Paris: im Duroau central paar I ^Nernsgne, i uk cles lllouiins, Zs. und in der Buchhandl. von Jules Nenousrä et v'°, rus äe 1'oucnon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst» Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Crscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an ' die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. B idaull, 46, ruo 6« la Iu88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. —Anfragen, Beiträge, PränumerationSgelder und Briefe wollen frunoo : « An die Nedaction des Journals: Vorwärts, 3s, rus 6e8 NouNn8 in Paris » eingesendet werden. Deutschlands historisches Recht auf Preßfreiheit. Unser historisches Recht auf die Freiheit der Presse gründet sich auf den Artikel 18 der Bundesacte. Wir haben schon früher bemerkt, daß die Cen- sur sowohl den Völkern des Alterthums als den germanischen Völkerstämmen durchaus unbekannt war und daß noch 40 Jahre nach Erfindung der Buchdruckerkunst völlige Preßfreiheit herrschte. Erfunden ward sie im Jahre 1505 des Heils von Papst Alexander IV. Das Beispiel der immer noch einflußreichen Hierarchie wirkte auf Deutschland zurück. Reichspolizeiliche^Gesetze verlangten Aufsicht auf die Presse und landesherrliche Censureinrich- tungen. Die damaligen Landesherrn beachteten aber wenig diese Reichsgesetze. So kam es, daß viele Regierungen, unter andern Mecklenburg und Hes- sen-Darmstadt, niemals Censur einführten, so daß sie ihnen zur Zeit des Artikels 18 der Bunoesacte unbekannt war und bis zu den Karlsbader Beschlüssen ganz fremd blieb. Ein wohlunterrichteter Staatsmann rechnet daß im Jahre 1818 — der Karlsbader Kongreß war 1819 — ohngesähr ein Drittel der deutschen Staaten keine Censur hatte. Die übrigen zwei Drittel hatten, den gedachten Reichsgesetzen Folge leistend, Censur eingeführt.— Die nächste, für ganz Deutschland maßgebende Norm hinsichtlich der Presse finden wir nun im gedachten Artikel 18 der Bundesacte. Derselbe sagt: „Die verbündeten Fürsten und freien Städte kommen überein, den Unterthanen der deutschen Bundesstaaten folgende Rechte zuzusichern," und zählt dann diese Rechte in vier verschiedenen Sätzen auf, von welchen der 4. lautet: „Die Bundesversammlung wird sich, bei ihrer ersten Zusammenkunft, mit Abfassung gleichförmiger Verfügungen über die Preßfreiheit und Sicherstellung der Rechte der Schriftsteller und Verleger gegen den Nachdruck beschäftigen." Für den schlichten Mann, welcher mit dialectischen Verdrehungen weniger vertraut ist, haben wir den Beweis unseres historischen Rechtes schon mit diesem bloßen Citate geführt. Wir wollen aber auch mit den Wortverdrehern anbinden, und ihnen möglichst das Hinterpförtchen verrammeln, zu welchem hinaus sie uns entwischen möchten. In der That, es hat ein höchst geistreicher, nunmehr verstorbener Staatsmann und Schriftsteller, derselbe Mann, welcher im Jahre 1797 an Friedrich Wilhelm III» bei Gelegenheit seiner Thronbesteigung jenes vortreffliche Sendschreiben richtete, welches in der überzeugendsten Sprache der heiligen Wahrheit die Kostbarkeit und Unantastbarkeit der freien Presse über allen Zweifel erhaben hinstellte, und die gegen ihre Beschränkung streitenden Rechtsund politischen Gründe als überwiegend und total schlagend erklärte, — ja derselbe Mann hat später behauptet, der Art. 18 der Bundesacte habe uns nicht die Preßfreiheit, sondern Censur verheißen. Es hat noch kürzlich ein Biedermann in einer deutschen Kammer auf diese Thatsache mit Entrüstung hingewiesen, und es ist'das Amt der Geschichte, über solche Sinnesänderungen, die nicht das Resultat wahrhaft in sich umgeborner Seelen sind, mit unpartheiischer Härte zu richten. Sie hat es schon zum Theile gethan, trotz der Vertheidigung des Herrn Varnhagen von Ense, und es ist eine erhebende Erscheinung für den Freund der Menschheit, wie vor ihrem ewigen Richterstnhle so kahl, so winzig dasteht das eitle Treiben der siegeskecksten Einzelnpersönlichkeit. Was aber die Sache selbst anbetrifft, so müssen wir leider gestehen, daß der bloße Wortlaut der Art. 18, indem er uns bloß „gleichförmige Verfügungen über die Preßfreiheit" verheißt, allerdings an und für sich nicht entscheidend ist. Um so schlagender sind aber die Thatsacken. Wir alle kennen den Fall Deutschlands, insbesondere des alten Preußens vor den siegreichen Panieren Frankreichs; wir kennen das Gericht der Geschichte über den todten Staat des unmündigen Bürgerthums mit schrankenloser bureaucratischer Bevormundung. Aber der Mermuth des Siegers und die Erniedrigung der moralisch noch nicht getödteten deutschen Nation führten auch den Wendepunkt der Geschichte herbei. Napoleons Egoismus zerstörte, bei der beispiellosen Zunahme seiner Macht, immer mehr die Freiheiten des Volkes, so daß ein französischer Schriftsteller mit Recht von ihm sagen konnte: „Ein Sohn der Freiheit, hat er seine Mutter entthront." Der Idee der Freiheit und Achtung der freien Persönlichkeit war nicht mehr wohl im französischen Heereslager; sie schlich leise und allmählig in das Lager der verbündeten Mächte. „Man gelangte — so sagt ein achtbarer Schriftsteller — zur Anerkennung der wahren Quellen des Unglücks, so wie der wahren rettenden Kräfte, der Freiheit und freien Wahrheit." Wie mit einem Zauberschlag haben wir mit dieser Bundes- genossin gesiegt; ohne sie war der Sieg unmöglich. Die Fürsten selbst verkündeten freie Verfassung und freie Sprache als Ziel und Preis einer allgemeinen Volkserhebung. Die gemeinschaftliche Proklamation von Kalisch vom 25. März 1813, so wie die einzelnen Aufrufe der Landesherren an ihre Völker ath- men diesen Geist. Blücher verhieß den Sachsen in seinem Aufrufe ausdrücklich die Preßfreiheit. Fast überall, wo sich die Macht der verbündeten Heere hin erstreckte, ward facti sch Wort und Schrift frei. Ja, wir finden während des Befreiungskampfes in den Hauptquartieren der verbündeten Mächte besondere Freiheitsredner angestellt, welche durch begeisternde Vorträge das Volk zum Enthusiasmus der Freiheit gegen die Sklaverei entflammten. Und als nun durch die entfesselte Macht des freigewordenen Geistes die Schlacht bei Leipzig geschlagen, als der glorreichste Sieg errungen war, da sollten die auf dem Congreß zu Wien versammelten deutschen Monarchen ihren Völkern die Censur verbeißen haben, sie sollten Angesichts des tausendstimmigen Verlangens, Angesichts der hochherzigsten Verheißungen, Angesichts der geflossenen Ströme des bravsten edelsten Blutes die Wünsche ganz Deutschlands mißachtet, sie sollten nicht nur den preßunfreien Ländern die Preßfreiheit vorenthalten, sondern selbst die preßfreien Staaten zum Lohne der hingehendsten Aufopferung dieser Wohlthat beraubt haben? Sie sollten — und das sagen wir für diejenigen, welche auch dort in den Fürsten nur die kalten Vertreter des historischen Rechts gegen die Idee erblicken wollen, welche nicht daran glauben, daß auch den Fürsten das Herz erbebte vor namenlosem Drang gemischter Gefühle, daß auch sie von dem allgemeinen Enthusiasmus ergriffen waren, der in ganz Europa ein millionenstimmiges Echo erregte — sie sollten ihren Völkern Censur verheißen haben Angesichts der Rückkehr Napoleons von Elba, Angesichts des drohenden neuen gefährlichen Krieges, welcher die Fürsten zur Wiederaufnahme der über dem Länderstreite fast vergessenen deutschen 2 Verfassungsfrage und zu der einstimmigen Erklärung veranlaßte: „daß unter den dringenden Umständen der gegenwärtigen Lage der Dinge durch neue Zusicherung ihrer Rechte in der, wenn auch noch unvollständigen Bundesacte, die Völker, um mit Vertrauen und Muth, mit Kraft und Freudigkeit den neuen Kampf zu beginnen, über diese Rechte beruhigt werden, daß sie zur Überzeugung gelangen müßten, daß die bereits dargebrachten Opfer, so wie die neuen Anstrengungen für ihre tHeuersten Interessen, für ihre unverjährba- ren Rechte, geleistet und erheischt würden?"— Wer mag noch Angesichts dieser Thatsachen zu behaupten wagen, der Artikel 18 der Bundesacte habe uns Censur verheißen? Vor ihrer Gewalt prallt die Sophisterei ohnmächtig zurück. Auch hat noch kein Fürst eine solche Behauptung aufgestellt. . Im Gegentheil, mehrere Bundesstaaten hoben — wie uns Welker berichtet — in Folge des Art. 18 der Buudesacte durch ausdrückliche Bestimmungen der Landesverfassungen und Landesgesetze alle Censur auf und die hohe deutsche Bundesversammlung ertheilte einstimmig der Weimar'sehen Verfassung und ihrer vollständigen Preßfreiheit ihre ausdrückliche Gewährleistung. Alles augenfällige Bestätigungen, daß der Art. 18 allen Deutschen die Freiheit der Presse, die sie zum großen Theil schon damals besaßen, jetzt als allgemeines deutsches Nationalrecht zu sichern, nimmermehr aber deren Zerstörung durch Censur androhen sollte. — Selbst der dritte der Carlöbader Beschlüsse, welcher die Censur in Deutschland wieder gemeinrechtlich machte, stellt sich nicht als Erfüllung der Verheißung des Art. 18 der Bundesacte dar, vielmehr lautet sein H 10 wörtlich so: „Der gegenwärtige einstweilige Beschluß soll vom heutigen Tage an fünf Jahre in Wirksamkeit bleiben. Vor Ablauf dieser Zeit soll am Bundestage gründlich untersucht werden, auf welche Weise die im 18. Art. der Bundesacte in Anregung gebrachten gleichförmigen Verfügungen über die Preßfreiheit in Erfüllung ^ zu setzen sein möchten, und demnächst ein Desinitiv-Beschluß über die rechtmäßigen Grenzen der Preßfreiheit in Deutschland erfolgen." Nach dem einmal in der Welt dastehenden Art. 18 und dessen von uns entwickeltem nothwendigen Sinn und Verständniß kann aber unter den rechtmäßigen Grenzen der Preßfreiheit Nichts verstanden werden als — Strafgesetze. Wir sehen also, daß auch die Carlsbader Beschlüsse nicht sagen, der Art. 18 habe Censur versprochen. Hätten die in Carlsbad versammelt gewesenen Minister, an deren Spitze Fürst Metternich, diese Behauptung offen zu der ihrigen gemacht, so war ja mit ihren Beschlüssen dem Art. 18 völlig genügt, es war Alles abgethan, und nicht nöthig, dieselben als bloß provisorisch und für nur 5 Jahre für gültig zu erklären. — Der Zufall hat es gewollt, daß die Carlsbader Beschlüsse grade am 18. October 1819, dem fünften Jahrestage der Völkerschlacht bei Leipzig, pnblicirt wurden. (Ges.-S. äs 1819, S. 224.) Sie wurden später durch Bundes-Beschluß vom 16. August 1824 für so lange, bis man sich über ein definitives Preßge- setz vereinigt haben werde, in Kraft erhallen. — So wie die Sachen jetzt stehen, gilt in Deutschland immer noch die Censur, jedoch mit Anwartschaft — mit historischem Recht — auf Preßfreiheit. Ob im Jahre 1819 zu den gedachten Beschlüssen ein hinreichender Grund vorhanden gewesen, oder nicht, dies können wir hier nicht näher untersuchen. Als Grund zur Carlsbader Konferenz wurden im Allgemeinen „die revolutionären Umtriebe und demagogischen Verbindungen bezeichnet. Wir wollen nur in kurzen Worten anführen, was der edle von Rotteck darüber sagt. „Die wahre Ursache — so lesen wir — der unruhigen und dü- stern Stimmung der Denkenden im Volke — wie alle Unbefangenen anerkennen müssen und die edelsten Schriftsteller, namentlich auch Zschokke, laut aussprachen — war die Nichtbesriedigung der gerechten Forderungen der Nation. Leider übersah man dies irr Carlsbad und auch die Präsidialproposition schweigt davon. Man hielt sich an die Symptome des Übels und verkannte dessen wahren Grund; man suchte den Rauch zu ersticken und beruhigte sich über den innen: Brand." Gebe ein gutes Geschick, daß bald der letzte Rest des Mißtrauens schwinde, auf daß endlich unser historisch es Recht eine Wahrheit werde! Daß dies ohne Gefahr, ja mit dem unverkennbarsten Nutzen für Herrscher und Volk, für Thron und Hütte, für Scepter und Bettelstab geschehen könne, wird sich für jeden Unbefangenen von selbst ergeben. Preßfreiheit in Botany-Bay aber nicht in Deutschland. Jeder Fürst muß die geistige Fortentwicklung sei- nesVolkes wünschen und zu befördern suchen. Schon ein gleichgültiges Zusehen wäre schwer zu verantworten. Alle aber, die sich an der öffentlichen oder heimlichen Hintertreibung des Bildungsprozesses ihres Volkes thätlich betheiligen, welche sich dazu entschließen könnten, einer von großen und hochherzigen Ideen schwängern Zeit ihre gesegnete Leibesfrucht abzutreiben, mögen zusehen, wie sie eine solche Handlung vor ihrem Gewissen und der Weltgeschichte rechtfertigen, und wie sie den Fluch verthier- ter Generationen von sich abwälzen! Wenn wir daher unsere deutsche Censurgesetzgebung wie oben vom Standpunkte des historischen Rechtes aus betrachten, so soll dies nichts weniger als ein Schlaftrunk für die Freunde der freien Rede sein. Wir wollen damit nur die Hoffnung und den Muth der an dem guten Willen der Machthaber Verzweifelnden aufrichten und von neuem einfachen, auf daß wir mit erneuten geistigen Kräften doch noch das Ziel unserer heißesten Wünsche erreichen. Ebensowenig fällt eS uns, indem wir uns auf diesen Standpunkt versetzen, ein, zu behaupten, wir seien zur Zeit wirklich noch nicht reif, ein „freies" Wort zu sprechen. Wir müßten uns ja schämen, hochroth wie Purpur müßte sich unsere Wange färben, wollten wir uns einer Wohlthatselbst für unwerth erklären, deren sich Spanien bedient, allwo noch vor nicht langer Zeit die Gräuel der Inquisition wütheten, deren sich die Schwarzen von St.-Domingo erfreuen und die englischen Verbrechercolonien von Australien! — Wir wollten nur andeuten, daß beiden, allerdings durch die Eigenthümlichkeit der Zusammensetzung und Verfassung herbeigeführten ungünstigen Beschlüssen unserer Landtage über die Preßfreiheit, es sich wohl erklären lasse, wie sich in gewissen Kreisen die Ansicht halten konnte, die Censur sei für uns re lat iv gut, selbst dann, wenn sie ab solut als schlecht zu erachten wäre. Wir wollen uns daher mehr und mehr von unfern Principien zu durchdringen suchen, auf daß Deutschland, „das mit stolzer Eifersucht die Erfindung Gu- tenberg's gegen die Ansprüche anderer Nationen vertheidigt, das intelligente, ideale, tiefe, philosophische Deutschland," auch so reif werde, wie Spanien, St.-Domingo und Botany-Bay. Buntes und Spitzes Die „Aachener Zeitung" vom 10. April theilt inihren vermischten Nachrichten die bereits vor zwei Monaten durch alle deutschen Journale gegangene Notiz über die Broschüre: NMeres äs in R.U8816 (jetzt als HU88I6, ^.llsmu^ns et krause erschienen) mit, demzufolge russische Agenten dem Buchhändler Paulin 10000 Francs für das Ma- nuseript geboten, welche dieser ausgeschlagen. Bekanntlich ward diese Angabe bereits später widerlegt, da Paulin das Buch gar nicht herausgab und die von Pagnerre jetzt angekündigten NMörs8 äs in Hu88is noch gar nicht erschienen sind. Die vermischten Nachrichten der „Aachner Zeitung" sollten also besser den Namen „verlegene Nachrichten" führen. Dieselbe „Aachner Zeitung" schreibt stets M ar- kis statt Marquis. Weshalb diese Zustutzung? Darin liegt keine Deutschheit. — Diese liegt tiefer. Carl Gutzkow sagt in der „Kölnischen Zeitung" vom 13. April: „Berlin ist eine Weltstadt geworden." Die Schmeichelei ist etwas stark und kühlt sich bereits in einem andern Briefe desselben Verfassers (in Nr. 111 derselben Zeitung) bedeutend ab. Den Krollschen Feenpallast schildert Herr Gutzkow als in Staub gewickelt und wenig glänzend, wenn auch groß, weit und breit gebaut und nur auf kurzen Effekt berechnet. Wir kennen andere Dinge in Berlin, die, in der Nähe betrachtet, eben so dekorationsartig, oberflächlich und dennoch großsprecherisch in alle Welt sich als Orakel verkündigend, die geheimen Mäkel jetzt gar nicht mehr verbergen können. Dies sind die preußischen Rückschritte, die jeder freien Entwicklung oft schlau verkappt, oft ungeschickt plump entgegentreten. Diese Zustände wünschten wir von Herrn Gutzkow's Feder lieber dargestellt zu sehen als die Krollsche Feenpallast-Prahlerei. Oder hat Herr Gutzkow in der großen Ziegel- und Holzbude des Herrn Kroll und dem staubigen Berliner Erercier- platz, eine Allegorie bieten wollen? Der sächsische Kreisdirektor von Falkenstein soll zu Johanni die Stelle eines Ministers des Innern in Dresden einnehmen. Der durch seine hier und da zusammen gesuchten Anekdoten, faden Novellen in Berlin oft genannte Herr Carl Müchler zeigt dasebst an, er lege den von ihm redigirten „Neuigkeitsboten", der übrigens nie die geringste Neuigkeit brachte, aus dem Grunde nieder, weil der Verleger in dieser Zeitschrift sich 3 / erlaubt ohne Herrn Müchlers Erlaubniß die „Mysterien von Paris" übersetzt zu geben. Klagen Werde er nicht, um sich Streitigkeit, Langeweile und auch einen seiner Gesundheit schädlichen Ärger zu ersparen; keinesfalls aber wolle er Aufsätze, die man einem gebildeten Publikum nicht bieten solle, gut heißen. Greift die Pietisterei oder Scheinheiligkeit etwa -in Berlin schon die Literatur an? Am Ende wird auch Herr Clauren (Hofrath Heim) gegen die Unmoralität der Eugene Sue-Literatur protestiren; Clauren, dessen verschleierte Lüsternheit zehn Mal schlimmer wirkt als die offene Darlegung der socialen Mißverhältnisse in den Pariser untern und obern Schichten der Gesellschaft. Kurze Fragen. Wozu dienen das Berliner Berichtigungs-Bureau und die aus den verschiedenen Berliner Ministerien versandten sogenannten Berichtigungs-Korrespondenzen ? Vor einigen Wochen meldeten verschiedene deutsche Blätter, der in ganz Deutschland mit Recht als zeitungemäß von der öffentlichen Meinung verworfene Cartell-Vertrag zwischen Rußland und Preußen sei bereits von dem preußischen Gesandten in Petersburg unterzeichnet und werde Anfang 1845 ins Leben treten. Was antworteten hierauf die Berliner Berich- tigungs-Correspondenzen ? — Nichts Bestimmtes, sondern Ausweichendes und Ungenügendes, d. h. weder ja noch nein. Wozu dient die „Allgemeine Preußische Zeitung" der preußischen Regierung, wenn sie aus so wich- - tige Fragen der Zeit keinen klaren offenen Bescheid gibt? Fürchtet man ja zu sagen, um die öffentliche Meinung nicht zu verletzen? Darf man nicht nöin sagen, weil der Cartell- Vertrag bestimmt erneuert werden soll? Oder wartet man den vollständigen gegenseitigen Abschluß ab, um dann die öffentliche Meinung durch das alte Lied der abgemachten und nicht zu ändernden Sache abzufertigen? Falls aber der Cartell-Vertrag eine veränderte Fassung und günstige Artikel eingeschaltet erhalten, warum dies nicht dem Publikum mittheilen? Eine andere Frage: Wie steht es mit der deutschen Zollvereins-Flagge, von welcher so prunkende Schilderungen vor zwei Jahren in die Welt geschickt worden? Ist diese Angelegenheit auch nur ein Luftballon gewesen, um den guten deutschen Michel mit schallenden Redensarten zu besänftigen und zu kirren? Wie steht es mit der preußischen Anfangs- Marine ? Wird die eine Fregatte nur ebenfalls gebaut um den Berlinern ein großes Spielzeug vorzuhalten? Man sollte mit so ernsthaften Dingen keinen Scherz treiben und nicht in alle Welt großsprecherische Worte versenden von der Gründung einer deutschen Marine, wenn das ganze Gerede bei der einen Fregatte oder Korvette stehen bleiben sollte. Eine andere Frage: Wie steht es mit der so zeitgemäßen Bildung eines preußischen Handelsministeriums? Soll auch diese Sache nicht gefördert werden, während die deutschen Eisenbahnen und Handelsverhältnisse jedem Tage eine größere Bedeutung und eine spezielle Behörde in Anspruch nehmen? Mit einem Worte: Ist der gestiefelte Kater von Tiek in Berlin Premierminister, und sollen griechische Trauerspiele, Waffenröcke, die Fontainen in Sans-Souci, der alte Schelling und dergleichen etwa fortfahren alte Mährchen vorzuerzählen und mit dem Parademantel des Pietismus verbrüdert, die einzigen Zeichen der geistigen Regung sein? Zur Entschädigung für so viel Unbehaglichkeiten werden den Berlinern wieder hohe russische Herrschaften zum Besuch versprochen. Deutsche Hülss-Gesellschaft der Stadt New-Bork. (Schluß.) Wir hatten zu Anfang des Gesellschafts- Doll, jahres in Casse. „ ,, ,, ,, ,, ,, Die Einkünfte im Laufe desselben waren. Die Ausgaben waren: Für Unterstützung an Arme und Kranke durch dm Wohlthätigkeits- Doll. Ausschuß. „ „ „ „ „ „ 2474 00 Für Medizin, Bruchbänder rc. 188 ls Für jährlichen Beitrag für die Entbindungsanstalt. ,, „ Für Druckkosten rc. ,, „ 665 63 4 456 22 10 00 106 74 Für Unterhaltung der Agentur. 1083 98 3 862 87 Läßt in Cassa 593 35 Dieser Caffenbeftand von nur 593 Doll. 35, womit wir das neue Jahr beginnen, ist im Ver- hältniß zu den vergrößerten Bedürfnissen der Gesellschaft eine kleinere Summe als wir je, so lange die Gesellschaft besteht, zur selben Periode in Händen hatten. Dennoch sieht der Verwaltungsrath getrost der Zukunft entgegen, denn die Erfahrung der letzten 12 Monate hat ihn gelehrt, daß er im Fall der Noth vertrauensvoll auf die Mitglieder der Gesellschaft, auf die Deutschen New-Aorks rechnen darf. Die zweckmäßige Verwendung der rasch zunehmenden Mittel unserer Gesellschaft wird mit jedem Jahre schwieriger und der Verwaltungsrath kann dem Gegenstände keine zu ernste Aufmerksamkeit widmen; doch soll er sich durch diese Schwierigkeit nicht entmuthigen lassen, denn bei hinlänglichen Mitteln erfordert die Befriedigung vergrößerter Bedürfnisse nur ein Bischen mehr Thätigkeit und guten Willen. Die Lage der Armen erregt mit jedem Jahre allgemeinere Aufmerksamkeit, und die Erfahrung bestätigt mehr und mehr die Richtigkeit der Ansicht, daß gemeinsames Wirken einer Anzahl Individuen zu günstigern Resultaten führt als deren isolirte Bestrebungen. Deshalb die wachsende Vorliebe für die Bildung von Gesellschaften. Ein Gesuch nach dem andern wird der Legislatur eingereicht um Jncorporirung von styts neuen Wohlthä- tigskeitsvereinen, und mit besonderer Genugthuung gewahrt der Menschenfreund wie in letzter Zeit eine Anzahl Ehrenmänner sich sogar das hohe Ziel gesetzt hat, dem Betteln jeder Art in der ganzen Stadt New-Uork ein Ende zu machen, wohlverstanden nicht durch Einschreiten der Polizei, sondern durch Bethätigung ächter Humanität, nämlich dadurch, daß man dem Hülfsbedürftigen, ohne daß er darum in den Straßen zu betteln habe, zu dem Noth- wendigsten verhelfe. Kopf und Herz beschäftigen sich gleich emsig mit der Lösung der wichtigen Frage, wie dem Übel der Armuth zu begegnen sei, ohne den Hauptquellen derselben, der Trägheit, Sitten- losigkeit und dem Verbrechen, freien Laus zu lassen; alle Sekten, Klassen, Nationen streben nach Erreichung des großen Ziels und bilden Vereine und suchen einander den Rang abzugewinnen; und wie wäre zu befürchten, daß gerade der Deutsche an diesem edlen Wettstreite nicht theilnehmen werde! Im Gegentheil, es wird schwer sein ihm den Sieg streitig zu machen, und deshalb, obwohl wir das Jahr mit so geringen Mitteln beginnen, sehen wir der Zukunft getrost entgegen und erwarten vertrauensvoll, es werde uns heute über 12 Monaten vergönnt sein, wie es seit dem Einschreiten des edlen Stifters der Agentschaft alljährlich am 22. Februar der Fall war, berichten zu können, daß wir nicht nur ebensoviel, sondern abermals mehr des Guten als im vorhergehenden Jahre gethan haben. New-Aork, 22. Februar 1844. Eine kurze vergleichende Darstellung des Wirkens der Gesellschaft in diesem und dem vorhergehenden Jahre dürste den Mitgliedern interessant sein. Voriges Jahr verschaffte der Agent Plätze als Dienstboten, Gesellen u. s. w. 322 Pers.; dies Jahr 406 Ärztliche Hülfe, Medizin rc. bekamen voriges Jahr ,, „ 299 ,, ,, ,, 413 Der Wohltätigkeits-Ausschuß befriedigte voriges Jahr 1 073 Applicationen, dies Jahr 1863. Beiträge, Eintrittsgelder rc. v. I'. d. I. von Mitgliedern. ,, ,, Doll. 1 320 00 2 031 50 Gesammteinnahmen. ,, 2 230 66 S790 89 Gesammtausgaben. ,, ,, 2846 24 3862 87 Caffenbestand zu Anfang des vorigen Jahres. „ ,, ,, „ 668 63 693 35 Um den Mitgliedern von dem Wirken der Gesellschaft in den Wintermonaten einen Begriff zu geben, wird bemerkt, daß der Wohltätigkeits-Ausschuß seit dem 4. d., also seit 18 Tagen, 380 Doll. 25 ausgab, sage über 21 Doll, per Tag. Um dieselbe Zeit im vorigen Jahre waren die Auszahlungen 15 Doll, per Tag. Mutikalitchcs. Die gute alte französische Musik von Gretry, Dalairac u. s. w. wird noch heutigen Tags in der komischen Oper neben den besten neueren Partituren vom Publikum ausgezeichnet. Es ist also eine sehr glückliche Idee gewesen diese komische Opern, deren Fülle der Melodie und Anmuth und Einfachheit des Styls immer neu bleibt, in wohlfeilen Klavierauszügen erscheinen zu lassen. Diese Aufgabe hat sich das Journal -- karols et 1'Om- teur », 16, rus äa 6iin6ti6re-8uint-J.nc1r<>ä68- ^res, gestellt und sie bereits durch einen guten Anfang gelößt. „Adolph und Clara", komische Oper von Dalairac, ist mit Clavierbegleitung und allen Gesangstücken nebst Gesangstert und einer kurzen historischen Notiz zu dem billigen Preise von 3 Franken im großen Format erschienen. „Die Beiden Savoyarden", von Dalairac, „Silvain", «1'L- xrenvs villaAeoise », von Gretry, die „Meloma- nie" von Champein werden folgen. Wir empfehlen allen Freunden guter Musik diese werthvolle Herausgabe. Zu demselben Preise giebt es nichts ahn- liches. Tüchtige Musikkenner haben die Partitur angeordnet. Auch die deutschen Mustkhandlungen mögen auf diese Unternehmung Rücksicht nehmen, sie werden in jeder Hinsicht befriedigt sein. „Adolph und Klara" wurden im Jahre 1799 zum ersten Male auf dem Theater Feydeau (komische Oper) gegeben. Die Lieblingssänger jener Zeit, Hlleviou und Madame Saint-Aubin, sangen und spielten die Hauptrollen. —Der Tert, bekanntlich von Marsollier, kann als Libretto nur Lob verdienen. Salon-Plaudereien über Musik, Theater, rc. Endlich doch ein Conzertstillftand, und hoffentlich bald ewiger Friede. Die Schlachtfelder bei C rard, Herz und Pleyel sind verödet; die Geigen, Violen, Flöten ruhen in ihren Fütteralscheiden, die zertrümmerten Pianos werden neu aufgebaut, die gefallenen Noten und erwürgten Rouladen bleiben begraben, Friede wird einkehren in die Wohnungen der Kritiker und das Publikum stimmt freudig ein 1« Ocum Isucknmu3 an. Nur die Enthusiasten und reiche Dilettanten werden noch auf's Land oder ins Bad ihre Schützlinge und Instrumente mitführen, um dort auf homöopathische Weise die Langeweile zu tödten. Solche einzelne Beschützer der Kunst sind in unserem bloß industriellem Zeitalter zwar sehr wünschens- werth, doch habe ich leider die Erfahrung gemacht, daß die größten Enthusiasten gewöhnlich am wenigsten verstehen.—So erschien unlängst bei dem Marquis*** (wir verschweigen aus gesnndheitspolizeilichen Rücksichten den Namen), der ein großer Musikfreund und Jnstrumenten- sammler ist, ein Musikhändler, und trug ihm eine echte Geige von Amati zum Verkaufe an. Der Marquis ließ die Geige von mehreren Violinspielern prüfen, und nach befundener Echtheit wurde der Preis von 5 ovo Franks gezahlt. Die Geige wurde nun numerirt, sie prangte unter anderen Cabinetsftücken im Jnftrumentensaale, und Sie können sich denken, daß der Marquis sogleich in Entzücken gerieth, wenn er selbst, oder sonst jemand die Geige mit dem Bogen berührte. Natürlich führte der Marquis jeden Künstler der sich ihm vorstellte, in seinen Conzertsaal, und da jeder vorzüglich fand was der Herr vom Hause lobte, so sah unser Beschützer den Himmel voller Geigen. Der Marquis befand sich noch in den Flitterwochen seiner Vermählung mit der Tochter Amati's, als seine Freude plötzlich gestört wurde; als er eines Morgens mit der schönen Amati tändelte, trat sein Neffe und einziger Erbe ein, und stellte dem lieben Onkel die dringende Nothwendigkeit eines neuen Reitpferdes vor. Der Onkel war zu sehr vertieft, er hörte nicht oder wollte nicht hören. — ,,Ein herrlicher Goldfuchs, lieber Onkel, fünfzehn Faust hoch." — „Höre zu, mein Junge, bewundere die Fülle dieses Tones." — „Sie sollten ihn traben sehen." — „Ich fühle eine besondere Geläufigkeit in meinen Fingern, wenn ich diese Geige in die Hand nehme."— „Und kostet bloß 5 000 Franks!" — „Wie? 5000 Franks für ein Reitpferd (!), lieber kaufe ich noch eine Geige von Amati." — Und somit wurde die Bitte rein abgeschlagen. Der liebe Neffe wollte aber durchaus ein Reitpferd besitzen, und ersann folgende Lift. Er kaufte in der rue cku lemple eine alte Violine mit einem Pferdekopfe am Ende des Halses, ganz ähnlich der Amati'schen Geige, für einige Franken, numerirte sie wie den Liebling seines Onkels, hängte sie an die Stelle der echten Geige und verkaufte diese. Für die erhaltene Summe wurde der Goldfuchs 4 angeschafft, der Neffe reitet nun alle Tage in's Boulogner Wäldchen, und der Onkel windet sich noch immer vor Entzücken bei den Tönen der Pseudo-Amati als wenn es die echte wäre. — Der Neffe ist nun Musikfreund geworden, und wünscht daß der Onkel recht viele edle Geigen kaufen möge. Bei Lißt ist alle Morgen großes Lever. Dichter, Journalisten, Componiften, Klavierspieler, kurz Alles was einen großen oder auch nur einen kleinen Namen führt, ist alle Morgen da zu finden, wo mit künstlerischer Freiheit gelacht, geschwatzt und geraucht wird. Lißt benimmt sich da, wie überhaupt in seinem ganzen Wesen, halb als Künstler, halb als Cavalier; was ich ganz recht finde, da der Künstler der eigentliche Cavalier unseres industriellen Zeitalters ist. Neulich trat er in das Conzert des Violoncellisten Piatti ein, und besuchte nach der ersten Abtheilung den Conzertgeber auf der Bühne. „Was haben Sie da für ein Instrument ?" fragte Lißt. „Ein vorzügliches Vivloncell," sagte Piatti, „welches mir zum Kauf angeboten wurde." — „Werden Sie es kaufen?" — „Ich weiß noch nicht, denn es kostet i 500 Francs/' meinte der Conzertgeber. — „Ich mache Ihnen ein Geschenk damit," erwiederte Lißt. Die Sache war abgethan, Lißt hatte sein Conzertbittet mit 1 500 Francs bezahlt. Sein zweites Conzert war wo möglich noch besuchter und glänzender als das erste. Wir enthalten uns eine beschreibende Zergliederung seines Spieles zu geben, denn jeder der ihn gehört, wird wissen, daß dies eine schwierige Aufgabe ist, welche würdig zu lösen die Feder des Kritikers wahrscheinlich zu schwach wäre. — In dem letzten Conzerte des Conservatoriums hörten wir eine lyrische Scene: Ke roi kenn, von Gustav Hequet, ein Musikstück, welches seiner Melodien, seiner regelrechten Stimmführung und seiner originellen Jnstrumentirung halber lauten Beifall erhielt. Dieses Werk, oder, wie wir ver- muthen, ein Fragment eines größer» Werkes, deutet auf ein besonderes Talent, dessen eigentliche Sphäre die Opern- Bühne wäre. Auch diese Scene würde in der großen Oper noch mehr Wirkung hervorgebracht haben. Die erste Vorstellung der neuen Tragödie: „Catha- rina II.,"won Nomand, wird wegen der Krankheit der Künstlerin Rachel fortwährend verschoben. Dem Vernehmen nach sotten die Ärzte der Dlle Rachel gerathen haben, die Bühne ganz zu verlassen. Vater Felir glaubt daß dann das Theater-Francais nur durch seine jüngere Tochter gerettet werden könnte. Welcher Aberglaube! — Das Publikum ist in diesem Punkte sehr ungläubig. In einer der letzten Vorstellungen im Theater-Francais befanden sich bloß vierzig Personen, darunter zehn Journalisten und dreißig Claqueurs; die Administration hofft jetzt blos auf die kslons llottnnn, welche, von der Censur erlaubt, im Laufe des Monates Mai zur Darstellung gelangen werden. Im Theater cke In <5site Mißfiel Könige et kou,8oiu von Dupeuty. In der komischen Oper macht die „Syrene" fortwährend volle Häuser, und nach dieser Oper wird ein Werk von Gerard zur Aufführung vorbereitet. Montfort, welcher von seinem Schwiegervater Herr Crosnier, ein dreiakti'ges Opernbuch als Mitgift erhielt, hat in dem Contrakte vergessen, die Zeit der Aufführung bestimmen zu lassen. Die Oper ist nun fertig, doch der liebenswürdige Schwiegerpapa hat sie »ck ArWc»8 ealenü^ verschoben. — Die deutsche Oper, die im Monate Mai hier eintreffen sollte, hat sich entschlossen, ihr Vorhaben erst im künftigen Jahre auszuführen, und die Zwischenzeit zu einer solchen Vervollständigung ihres Ensembles zu benutzen, daß sie dann allen Anforderungen der Pariser Kunstwelt entsprechen kann. Es ist dies die Darmstäd- ter-Hvf-Operngesellschaft. Eine liebenswürdige Tänzerin, Mtte Fanny Scherzer, welche das Wiener- und Münchner Publikum oft entzückte, ist hier angekommen, und gedenkt in der großen Oper zu debutiren. In der großen Oper sind die Debute der Herrn Mengis und Serda und das Wiederauftreten Duprez zu erwähnen, und ich freue mich berichten zu können, daß ich keinen von allen dreien gehört. So oft ich ins Locationsbureau trat, und die zehn Franks aus der Tasche zog, fand ich immer, daß sie Mehr Klang haben, als die Stimmen der großen Oper; ich steckte sie also ein und ging lieber zum Huni cke Liltzs hinaus um endlich die Luftfahrt des von so vielen widrigen Schicksalen und Winden geplagten Luftschiffers Kirsch zu sehen. Dieses Mal schien ihm ein freundlicher Stern zu leuchten, und obgleich die Deutschen nur schwer in die Höhe kommen, so flog unser wackerer Landsmann doch federleicht in die Höhe, sah sich ungefähr 40 Minuten lang Paris in der Vogelperspective an und kam dann glücklich bei der Barriere von 8evre3 zur Erde und in den Besitz seiner bis dahin mit gerichtlichen Beschlag belegten Cassa. Das herrliche Frühlingswetter, die bunte Menge in der Allee des Loui-3 Is keine, das Treiben und Drängen der auspackenden Industriellen in und um den Jndustrie- Pallast, über der Seine drüben die sich wie aus der Erde erhebenden Theater, Kletterstangen und Feuerwerksgerüste des i. Mai, Alles dieses zusammen bot ein viel unterhaltenderes und interessanteres Ensemble, als ich es in der großen Oper gefunden hätte. Lenti 1111 <^ui ^i-oeut der großen Oper und ihrer langweiligen Abende leben können. Mar M. Die Gallerte der schönen Künste ist alle Tage von 10 Uhr Morgens bis 11 Uhr Abends geöffnet. Die Sitzung kostet 25 Centimen. Man findet daselbst französische, englische und andere fremde Zeitungen, Revuen, Gemälde, Pastels, Aquarellen, Zeichnungen, Statuetten, Kupferstiche, Albums, Lithographien, und alle Liebhaber der Malerei thun wohl diese Anstalt zu besichtigen, indem sie daselbst eine große Anzahl Gemälde finden werden, welche in den frühem Ausstellungen des Louvre figurirt. Man kann so die früheren Ausstellungen mit der jetzigen sehr wohl vergleichen. Es war demnach eine glückliche Idee eine solche permanente Ausstellung zu gründen, denn die Gallerten best schönen Künste verdienen den Besuch durch die Auswahl und Verschiedenhenheit der Kunstwerke. Man findet daselbst, neben den besten Werken, die „Enthauptung Marino Fa- liero's", die „ arabischen Reiter", und die „Ermordung des Bischofs von Lüttich", von Delacroix; den „Tod Bailly's", von Bremond; „Christoph Columbus", von Colin; „die Arretirung der Madame Roland", von Heinrich Scheffer; „Galli- läus", von Cibot; „Franzisca von Rimini", von A. Hesse, und der „Empfang der Königin Victoria in Treport", von Tony Johanno. Conzert - Anzeige. Herr Th. Döhler läßt sich am 30. dieses Monats im Erardschen Salon und zwar zum Besten der Association der musikalischen Künstler hören; erwirb eine Sonate von Beethoven, die Fantasie über die „Somnambul«," seine beliebte Tarentella und fünf Romanzen vortragen. Billets sind in allen Musikhandlungen zu 15, 10 und 5 Francs zu Haben. — Herr Döhler reis't nach diesem Conzerte nach London. Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von PanlRenouard Nr. 33 Paris, Mittwoch. 1 Mai 1844 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 15 „ Drei Monate. ... 8 ,, Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... I» ,, Drei Monate. ... !> ,, Insertionen : die Zeile ä 50 Centimes. srw MMM. s Man abonnirtr für Paris: . - . im Vuresu oentral xour I'^IIsri»sß»s, ruv äes Noulivs, Zr. und ln der Buchhandl. voit I^uler NLnousrä et 0'", r»v cle t in den. «Departements..: ^. bei allen Postämtern und Mesiageriert l. Deutschland, Schweiz, England: ' in allen Buchhandlungen; > Belgien: . ^ bei den Meffagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard. Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends.^ .- 172 ^ - Pariser Signale aus Kunst, Ülistentehast, Theater, Mukik und geselligem Leben. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am CrscheinungS-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. B idault, 16, rue de in 1u88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briese wollen irunoo : « An die Nedaction des Journals: Vorwärts, 3s, ruv d68 IVl 0 uIin 8 in Paris » eingcsendet werden. RV 881 L, VIII. Summarium: Die Äuflösung des Ralhsels über den Zustand Rußlands. — Die barbarische Integrität. — Über die russische Constitution..— Die meistbietend verkauften Überzeugungen. — Die Spione. — Folgen der überaus theuern Paßsätze. — Die Religion. — Die Freundinnen. — Diebitsch. — Paskewitsch. — Woraus ist das russische Reich zusammengesetzt? — Beredtes Endresultat. — Von Petersburg aus expedirte Schriften. — Die europäische Pentarchie. — Der Graf Adam Gurowsky und seine Bekehrung. — Die Rolle der Heirathen in der russischen Politik. Der Leser, welcher sich die Mühe gegeben uns bis hierher zu folgen, erräth bereits welches der jetzige Zustand des Reiches ist, war und noch lange bleiben wird, so lange zwei Autoritäten, zwei Ansprüche, zwei Nebenbuhlerschaften sich stets gegenüberstehen, sich hin- und herzerren, und ohne Unterlaß gegenseitig ihren Einfluß und ihre Thaten zu neutralisiren suchen. „Der Staat, das bin ich," sagt der Kaiser; „der Staat, das sind wir," antwortet stolz der alte Adel. Und bei solchen Ansprüchen gehen die Geschäfte wie sie können, und lieber rückwärts als vorwärts. Denn wollte der Kaiser Tendenzen zeigen, um das russische Volk aus seiner Erniedrigung emporzurichten, alsbald würde der Adel einen heftigen, erbitterten Antagonismus offenbaren. Und dies begreift sich. Der Hauptreich- thum des russischen Adels besteht in der Sklaverei von 50 Millionen russischer Bevölkerung, und es giebt keine Sklaverei ohne Unwissenheit, Abstumpfung und Barbarei. Es ist also im Interesse des russischen Adels, daß Unwissenheit, Abstumpfung und Barbarei ewig sortgepflanzt werden. Dies ist Hassenswerth, aber es ist logisch. Vor einiger Zeit wollte der Kaiser einige Versuche machen um das Loos der Bauern zu verbessern. Der kaiserliche Befehl (Ukase) wurde veröffentlicht, aber weiter nichts. Und die Gewalt des Czaren mußte sich an dem Felsen der moskowitischen unbeweglichen Feodalität brechen. Die Sache blieb demnach ungeschehen. Also begeben sich fast immer die Reformversuche in Rußland. Der Czar ist nur dann Meister, wenn er im ganzen Reiche und wie eine geheiligte Charte die barbarische Integrität aufrecht erhält. Unter dieser Bedingung regiert er. Aber sobald er das Joch der adlichen Interessen abzuschütteln sucht, alsbald ist seine Gewalt im Abnehmen, die Gesichtszüge selbst seiner Höflinge verlängern sich, alles um ihn her nimmt ein besorgtes, eisiges, finstres Wesen an, bis der Moment erscheint wo eine Verschwörung den Kaiser ohne weitere Prozedur erdrosselt. Die Schwierigkeiten der russischen politischen Regierung gehen auch natürlich auf die Verwaltung über. Dort auch wird die Controlle der Gewalt null und unmöglich. Eine allgemeine Bestechlichkeit hat sich in die Sitten geschlichen, in das Blut einfil- trirt; sie lastet auf jedem Zweig der Verwaltung. Alle Versuche diese Bestechlichkeit zu vertilgen, sind eben so gefährlich für den Czar welcher diese Arbeit unternimmt, als unnütz und ohne alle Wirkung auf diejenigen welche man treffen will. Alles verkauft, alles erkauft sich. Der kleinste Beamte ist eben so gut wie der höchste zu tarifiren. Dieser Ausverkauf, dieser feile Markt, diese immer offene Schacherhalle treibt täglich Geschäfte mit allerlei Gewissen und Gefälligkeiten. Eine Audienz wird bezahlt, eine Protection wird bezahlt, ein Gerichtsspruch wird verkauft, alles verhandelt sich, alles hat seinen Geldkurs. Die russische Polizei treibt ihre Käuflichkeit bis an die letzten Grenzen des Möglichen, ja selbst ins Unglaubliche. Ein Umstand, welcher dieses Übel noch verschlimmert, anstatt es zu vermindern, ist die überaus schlechte Bezahlung der russischen Beamten. Sie erhalten nicht die Hälfte von dem was sie nöthig hätten um leben zu können, und sind also beinahe gezwungen das Übrige wo sie nur können und wie sie es nur vermögen herbeizuraffen. In den Provinzen besonders und entfernt von der Centralbehörde arbeitet die Bestechlichkeit mit der größten Ungebundenheit. Man sollte es nicht glauben bis zu welchem Grade von Elasticität und Beugsamkeit sich das Gewissen eines russischen Beamten vom Militär oder vom Civil, gleichviel, hergiebt. Der Beispiele sind unzählige vorhanden. Man muß auch wissen, daß die Pässe für das Ausland sich 75 Silberrubel bezahlt machen. Ein Silberrubel gilt ungefähr 4 Franken unserer Münze. Diese Abgabe scheint anfangs nur auf den Reichen zu lasten, trifft aber in der Wirklichkeit das Volk, den Mittelstand u. s. w., welchen es jede Ortsveränderung abschneidet und zwingt an demselben Orte zu vegetiren, ohne je eine Verbindung mit der Aufklärung und Civili- sation andrer Völker eingehen zu können. Überdem liefert kein Land so viele auf Befehl Reisende wie Rußland. Die Spionage ist in St.-Petersburg eine chronische Krankheit. Der Kaiser läßt die ganze Welt auökundschaften, und findet dennoch Zeit ganz in seiner Nähe und bis in die Häuslichkeit seiner vertrautesten Diener aufmerksame Ohren zu senden. Ein Russe ist niemals weder vor seiner Dienerschaft, noch vor seiner Familie, noch vor seiner Maitresse sicher. Überall sind Argusaugen. In Moskau jedoch hat der alte Adel in' einigen Familien eine Art festgemauerte Einfassung um seine Salons gezogen und dort geben sich alsdann die Zungen freien Spielraum, so daß die Kühnheit der Äußerungen und Urtheile wohl allen denen gleich kommt, welche wir in ähnlicher Art zur Zeit unserer Revolution gehört haben. Wir haben gesagt, daß die Gerechtigkeit, d. h. die Gerichtsbarkeit sich eben so bezahlt wie das Übrige. Eines Tags beklagte sich Jemand direkt beim Kaiser Alexander, daß er die Ausfertigung eines Urtheils nicht erlangen könne, ohne eine ungesetzmäßige Summe zu bezahlen. Der Kaiser erwiederte, wie er nichts dazu thun könne, indem er selbst, setzte er hinzu, alle seine Prozesse nach einem Tarif bezahle, worin er nicht klar sehe, und den er selbst nie also anbefohlen. So ist denn auch diese merkwürdige Bestechlichkeit die Ursache, daß mit einem großen Anschein von Richtigkeit einst gesagt wurde: Rußland sei verfault, ehe für die Civilisation reif gewesen zu sein. Dies hindert nicht, daß die in russischem Solde stehenden Schriftsteller jede Gelegenheit ergreifen bei einer Vergleichung zwischen den freisinnigen Institutionen und den russischen stets voll tugendhafter Entrüstung gegen die Corruption der konstitutionnellen Staaten und Verfassungen zu deklamiren. Uns scheint, mau brauche auf solche Widersprüche gar nicht zu antworten und lasse diese Eiferer in den Wind schwatzen. Jeder russische Beamte, welchen Ranges er auch sei, empfängt sehr gern, sei es im Paßbureau oder in der Douanenverwaltung, von den Fremden eine Gratifikation von 10 oder 20 Rubel, wenn man sie nur geschickt in die bereit stehende Hand zu gleiten weiß, darS siLübndr«Lei Lex Willkür der russischen Verwaltung den Fremden,gegenüber stets leicht ist den letzlern allerlei Schwierigkeiten zu bereiten^ wenn man nicht zur rechten Zeit zu bezahlen weist. Was aber die Cingebornen anbetrifft, so wissen dieselben Beamten solche auf eine weit lebhaftere Art zur Großmuth zu zwingen. Handelt es sich z. B. um einen Bauern, so erhält derselbe eine gewisse Anzahl Ohrfeigen, ja Fußtritte, bis der arme Wicht die 10 oder 20 Kopeken losgegeben hat, welche er in seiner Börse hatte. Er zahlt sie alsdann -gewissermaßen als Preis der Mißhandlungen und Prügel welche er empfangen. Die Sache scheint Äraß, sie ist aber buchstäblich wahr. (Die Fortsetzung folgt.) Religionsstreitigkeiten. Darf man einem Correspondenten der „Magdeburger Zeitung" Glauben schenken, so hat die Mo- tivirung des Verbotes der Gustav-Adolph-Stiftung in Bayern bei der Bundesversammlung einen sehr ungünstigen Eindruck hervorgebracht, und sollen bereits von ihr aus vermittelnde Vorstellungen, ja sogar Noten, in dieser Angelegenheit nach München abgegangen sein. Wird diese Sache nicht bald beigelegt, läßt man es so weit kommen, daß die verschiedenen christlichen Religionsparteien in Bayern eine feindselige Stellung gegen einander einnehmen, so dürfte dies leicht in anderen Staaten Reactioncn nach sich ziehen, und ist die unselige Fackel der Religionszwistigkeit einmal angezündet, dann erlischt sie so leicht nicht wieder, davon liefert die Weltgeschichte nur zu eminente Beweise. Es hat eine solche, wenn auch nur momentane Alarmirung immer den so sehr großen Nachtheil, daß sie die Reaction wieder an ihren alten Zwist erinnert und die Möglichkeit ihr vor Augen hält, daß es auch in unserm aufgeklärten neunzehnten Jahrhundert noch einmal zu .einem fanatischen Religionskriege sollte kommen können. Eine Verdächtigung des Gustav-Adolph-Ver- eins von vornherein war eine große Unbilligkeil von Seiten Bayerns, es war bisher kein Grund dazu vorhanden; ein Verbot der Theilnahme an demselben hätte sich nur dann rechtfertigen lassen, wenn eS auf eine erwiesene illegale That fache gefußt hätte. Darum überlege es die bayrische Regierung wohl, Levor sie neue Schritte thut, die sie von dem Wege der Humanität und Toleranz weiter ableiten. Waren es doch meistens immer -nur anscheinlich kleine Ursachen, die später so große Wirkungen nach sich zogen! Welcher Mächtige der Erde möchte wohl einst mit dem Bewußtsein von dieser Welt scheiden, daß er es gewesen, der den Zankapfel wieder unter die Völker geworfen, der das unter der Asche glimmende Fünkchen wieder hervorgesucht und zur verheerenden lichtbrennenden Flamme angesacht hat? — Die französische Regierung steht im Begriff, für die allgemeine Emancipation der Sclaven in ihren Colonien einen bedeutenden Schritt nach Vorwärts zu thun, dadurch, daß sie denselben das unbedingte Recht znerkennen will, sich loszukau- fen, während bis jetzt die Kolonisten die Freigebung ihrer Sclaven verweigern konnten : Wir werden wahrlich noch erlebe,! müssen, daß die Schwarzen aus Martinique, Guadeloupe, Cayenne freie, alle 4 Rechte genießende Bürger fein werden, indeß in WM, Berlin, München, Männer wie Meyerbeer, Geiger, Jost, Rießer, u. s. w., noch reicht einmal als Notariatszeugen, Dorfschulmeister, Unteroffiziere oder Nachtwächter würden fungiren können. O du gelehrtes, philosophisches, denkendes Deutschland! — Deutsche Klaglieder. Wie schmerzlich gedrückt, wie elegisch wehmüthig sich die Geister in Deutschland fühlen, wie ein tiefer, bitterer Gram an ihrem innersten Marke nagt, wie sie fast schon verzweifeln und selbst die Kräftigsten entmuthigt sind, möge nachfolgendes Bruchstück aus einer Korrespondenz der New-Dorker „Deutschen Schnellpost" zeigen, welches wir unfern Lesern hie- mit mittheilen. „Was sollichJhnen aber vonDeutschlaud melden? von Deutschland, diesem Lande der verkörperten Gummi-Elastikums-Geduld, diesem gleichförmigen , hötzern unempfindlichen Spieltische für Arnnäe patienee? Hie und da zuckt wohl ein Geistesblitz auf, hie und da dämmert ein Lichtlein, aber sie verschwinden auch gleich wieder und es wird immer trüber und dunkler. Die deutsche Presse, insofern unter den Zwangsjacken und Gartenscheeren der Censur noch eine solche eristirt, geht einer trüben Zukunft entgegen, Unheimliches gährt in den alten Hexenküchen des Ministerialismus und eine neue verböserte und vermehrte Auflage der Karlsbader Beschlüsse wird verkündet. Der Beamtenstaat zittert, er sieht in der Presse nicht den himmlischen Engel mit dem segenbringenden Lichte der Aufklärung, er sieht in ihr die Furie der Revolution mit brandstiftender Fackel; — er fühlt, daß er mit seinen Akten und herkömmlichen Floskeln, mit seinen Haarzopfs-Formen und seinen geheimen Inquisitions-Verfahren der Presse gegenüber, die alle Schleier wegnimmt, alle alten Harnische zersprengt, die Visire aufreißt, und die morschen Schlafröcke und Nachtmützen wegbläs't, nicht bestehen kann, und so rüsten sich Ministerialismus und Bureaukra- tie zum letzten entscheidenden .Kampfe auf Tod und Leben gegen die Freiheit des Wortes, gegen die Unabhängigkeit der Presse. Wie dieser Kampf enden wird? Siegreich für Wahrheit, Licht und Recht, die noch aus jedem Streite mit dem Lorbeer des Triumphators oder doch wenigstens mit der Dornenkrone des Märtyrers hervorgegangen sind, siegreich gewiß! — aber wann? Oh, es liegt ein unbeschreiblich trauriges Gefühl darin gestehen zu müssen, daß wir, die jetzige Generation daran verzweifeln, diesen Sieg zu erleben; daß wir die kommende Morgenröthe nur darum so freudig begrüßen, weil sie doch unseren Kindern, wenigstens unseren Enkeln eine neue Sonne der Freiheit verheißt, während wir hinabsinken werden in das Grab mit der schmerzlichen Erinnerung an die in Dunkelheit und Sklaverei verlebten Tage. — Und so viele kräftige, ehrliche Gemüther, so viele herrliche, echt deutsche Naturen, so viele reichbegabte Geister, so viele große Talente des theueren Vaterlandes so leben, vegetiren, sterben und verwelken zu sehen, ohne daß sie die beseligende Bergluft der Freiheit eingeathmet, ohne daß ihre von der Kerkerdämmerung halb erblindeten Augen das Licht der Wahrheit erblickt haben; wahrlich der Anblick ist herzzerschneidend. „Oh, ihr, die ihr einst nach uns leben werdet, freie Deutsche! blickt in eueres Glückes Seligkeit nicht spöttisch und nicht verächtlich auf uns arme 'Gefesselte zurück, die wir spurlos lebten und verschwanden; wir lebten und kämpften für euch, unser geistiges Märtyrerthum brachte euch die Heiligsprechung des Geistes, euer Glück erkauften wir mit un- ^ seren Qualen; wir waren die Pionniers, die mühsam die Wege gruben, Berge durchschnitten, Abgründe ebneten, die die Straße bauten, auf der dann euere siegreiche Armee zur geistigen Schlacht, zum Triumphe zog. Darum wenn Deutschland einst ein freies, starkes, großes Deutschland ist, denke es stets an das neunzehnte Jahrhundert und die vielen tausend Edeln, die für die Freiheit des Wortes, für das Recht der Wahrheit gekämpft und gerungen, gelitten und geduldet. Ah, es sieht trübe aus in Deutschland und mir blutet das Herz zu sehr dabei, als daß ich Ihnen alle die einzelnen Schattenstriche dieses großen Nachtgemäldes anzeigen und erklären sollte. Bekommen Sie ja doch die Zeitungen, lesen Sie ja doch darin, und ich weiß, Sie verstehen es, zwischen den Zeilen derselben zu lesen; lesen Sie ja doch darin, was sich Alles zugetragen in Deutschland oder wie sich Nichts zugetragen — was man laut werden lassen will. Eines steht fest, als Moral der großen Fabel von Deutschland, die Europa sich lächelnd erzählen läßt, daß Rußlands Einfluß allmächtig wird, daß die Beherrscher Oesterreichs und Preußens bald nur noch russische Länder-Gou- vernöre seyn werden, und wir selbst Unterthanen der dreimal gebenedeiten Knute. Jene barbarische Ausweisung der polnischen Emigranten aus dem Großherzogthume Posen, jene offene Verletzung aller Rechte der Menschlichkeit und Gastfreundschaft, geschah sie nicht auf Rußlands ausdrücklichen Be- ^ fehl, dem allunterthänigst zu gehorchen man sich in Berlin höchst glücklich schätzte. Und haben nicht Seine Majestät der Czar aller Reussen zur Belohnung für diese Folgsamkeit allergnädigst versprochen Berlin im Frühjahre wieder mit einem Besuche zu beehren, um an Ort und Stelle die Mittel zu besprechen, wie der gottlosen deutschen Presse das Handwerk zu legen nnd ihr durch Ausschneiden des Wurmes unter der Zunge (und, wenn es geht! der ! Zunge mit) die Wasserscheu gegen Rußland zu benehmen sei? „Fluch Rußland!" das sollte das Losungswort von ganz Deutschland sein, im Hasse gegen Rußland sollte jeder Deutsche seine Kinder erziehen, und sie wie den jungen Hannibal auf dem Altäre des Vaterlandes schwören lassen, stets und überall diesen Erbfeind der Freiheit zu bekämpfen. „Immer mehr zeigen sich in Deutschland die Folgen des russischen Einflusses, immer übermüthiger werden Minister und Beamte, immer mehr wird der Presse der Hals zugeschnürt, wird den Landtagen der Mund zugestopft; zwar sprechen noch freisinnige Männer, wie auf dem badischen Landtage, offen und ehrlich ihre Herzensmeinung aus, aber was ist das Resultat? Ein ihnen vom Ministertische zugeschleuderter derber Verweis; und Alles bleibt beim Alten, d. h. beim Schlechten. Ich sende Ihnen hier beigehend die letzten Verhandlungen der badischen Kammer über den Scandal vor dem Haber'schen Hause, wie selbe in der Landtagszeitung erschienen, ich lege Ihnen aber auch jenen Theil der Debatte > abschriftlich bei, den die badische Censur der Land- ! tagszeitung strich. Sie mögen aus diesem Aktenstücke ^ entnehmen, wie es im Jahre 1844 des Heiss zugeht ^ in Deutschland! Und Das ist das constitntionnelle ^ A Baden, — nun schließen Sie auf Preußen, Hannover und andere absolute Staaten. „Das in Paris erscheinende deutsche Blatt -Vorwärts! das von monarchischen Grundsätzen ausgehend den gemäßigten Fortschritt predigt, das sich stets in den Schranken einer vernünftigen Mäßigung hält, ist in allen deutschen Bundesstaaten auf das Strengste verboten worden; — wie wird es nun erst der neue Ruge'schen Revue ergehen, deren Prospektus offen die Fahne der geistigen Revolution aufsteckt und das Reich des Bestehenden, die alte Welt „aus ihren Angeln" Heben will. Sehen Sie, zu solchen Gewaltausbrüchen, zu solcher offenen Empörung führt die geistige Knechtung in Deutschland. Lassen Sie mich's offen gestehen, so sehr ich ein Freund der Freiheit, des Fortschrittes bin, so sehr bedauere ich die Richtung des Ruge'schen Unternehmens, die der guten Sache eher schaden, als nützen wird. Die deutschen Regierungen werden in solchen Preß-Ercessen einen willkommenen Vorwand finden, um die ganze Presse zu knebeln und den geistigen Grenz-Cordon noch enger und fester zu ziehen. Und wie lange wird das französische Kabinet den diplomatischen Reklamationen widerstehen, wie bald wird es nicht ein Paar isolirt stehende Schriftsteller den politischen Anforderungen opfern und eine Ausweisung sie verstummen machen? Bleibt ihnen dann auch gleich noch der freie Boden Nordamerikas, so liegt doch ein Ocean zwischen ihren Worten und Deutschland, und diese verhallen, eheste herüber dringen können. — Arme deutsche Presse! — Armes deutsches Vaterland! Auch sonst geschieht allerhand Unerfreuliches; so wollten die deutschen Advokaten eine Versammlung halten, um sich überMit- tel und Wege zu verständigen, wie nach und nach die Öffentlichkeit und Mündlichkeit der Gerichte einzu- sühren oder ihr doch wenigstens vorbereitend Bahn zu brechen sei.— Verboten! Ein Gesellenverein will sich bilden zur höheren Bildung und Sittlichkeit der Handwerksgesellen — Verboten! Ein Lesekabinett für Studirende, besser doch als die freien Stunden in der Bierkneipe zu durchschwärmen — Verboten! Neue Bücher, —Verboten! Neue Zeitschriften — Verboten! Herwegh's Gedichte zweiter Band — Verboten! nichts als Verbote, wohin man nur sieht. Deutschland ist voll verbotener Apfelbäume, auch die Schlangen sind da, — aber das Paradies fehlt. Und dabei sind die guten Deutschen noch immer ganz froh und gemüthlich, setzen sich Vormittags um 10 Uhr zum Schoppen, wenn's am Rheine ist, zum Bierkrug wenn's in Bayern ist, gehen Nachmittag wieder Wein oder Bier trinken, und schieben Kegel dazu und finden, daß es zwar schlimm sei, daß es aber noch viel schlimmer sein könnte. Die hohe Obrigkeit sieht solches Treiben und solche Gesinnung gerne und Bier-und Weinhäuser, wie loyale Meinungen und richtiges Steuerzahlen, finden stets allerhöchsten Schutz. „Zu hoffen ist unter diesen Umständen von Deutschland wenig; die freundliche Gewohnheit des Daseins, der alte Schlendrian, die Furcht und Kleinmüthigkeit lassen die Leute lieber im Kothe des breitgetretenen Fahrwegs sortpatschen als daß sie mit einiger Mühe an den Seitendämmen hinaufklettern und sich einen neuen trockenen Weg bahnen wollten; — von der jetzt in Amt und Würden, Haus und Hof, mit Weib, Kind und Vieh lebenden Race ist nichts zu hoffen, — aber eine frische kräftige Jugend wächst heran in den Gedanken der Zeit, gekrästigt durch die immer vernünftiger werdende physische Erziehung, gebildet in der Schule des Lebens und durch die Geschichte der letzten Jahre; — aus diese Jugend wollen wir hoffen und vertrauen; — wir ziehen wie die Israeliten vierzig Jahre in der Wüste herum, — sie werden ihren Jo- sue finden und das gelobte Land der Freiheit schauen; — dann fallen wohl die Strahlen der dann für Alle leuchtenden Sonne auch auf unser Grab und wir schlafen wenigstens ruhiger in freier Erde." Nordamerikanische Zeitnngsschau. Wir finden in einer Louisiana Zeitung folgenden merkwürdigen Fall eigenmächtiger Handhabung der Gerechtigkeit im Süden. Zwei junge Männer von guter Familie, friedliche und fleißige Bürgereines Platzes in Kentucky, an welchem moralische Rechte und Pflichten ebenso wohl verstanden und gewürdigt werden, als an irgend einem andern Platze jenes Staates, hatten die Frucht mehrjähriger Arbeit, in einer Bootsladung von Lebensmitteln bestehend, auf einen der Märkte am untern Mississipi gebracht. Sie fanden daselbst einen Mann von anständigem Äußern und vieler Geschäftsgewandtheit, der sich willig erklärte, ihnen ihren ganzen Vorrath zu einem guten Preise, abzukaufen, falls sie Kentucky-Banknoten an Zahlungsstatt annehmen wollten. Sie gingen den Handel mit Freuden ein, ließen sich Jeder die Hälfte des Geldes auszahlen, und kehrten nach Hause zurück. Als sie nach Monaten eine Zahlung machen wollten, fanden sie zu ihrem Schrecken aus, daß sie in falchen Banknoten bezahlt worden waren. Augenblicklich machten sie sich wieder auf, um den Betrüger zur Verantwortung zu ziehen, den sie ganz unerwartet an einem Holzplatze am Mississipi überraschten. So bald er sie sah, sprang er in ein Boot und ruderte nach einer Insel im Flusse hin, in der Hoffnung, daselbst seine Helfershelfer zu finden. Die jungen Männer verfolgten ihn aber und wurden seiner in dem Augenblicke habhaft, in welchem er den Fuß an's Land setzen wollte. Sie verlangten schleunige Entschädigung für den durch ihn verursachten Verlust. Als er dieselbe nicht gab, banden sie ihn an einen Baum, steckten ihm eine Handvoll der falschen Banknoten in den Mund, gingen ein Paar Schritte rückwärts, und jagten ihm Jeder eine Pistolenkugel durch das Hirn. Sie ließen ihn, seinen Gesellen zur Warnung, am Baume angebunden. Die beiden Kentuckier kehrten hierauf in ihre Heimath zurück, wo sie ihre That ungescheut erzählten. Keine Behörde, kein Gericht zog sie darüber zur Rechenschaft; nach dem Süden sind sie aber seithernicht wieder gereist, aus Furcht, es möchten die Genossen des Gemordeten Blutrache an ihnen üben. Buntes und Spitzes Es wird zwar hie und da gegen die Philosophie ein lächerliches Zetergeschrei erhoben; sie wird verschrieen als die Nährerin der Sittenvcrderbniß, als die Mutter aller Laster, die Erzeugerin der Revolutionen und aller menschlichen Schrecknisse. Aber die Zeiten für solches blinde Geschrei sind vorüber; auch der gemeine Mann weiß schon daß die Philosophie eben weiter Nichts ist, als Dasjenige, was er Ln hoherm oder niederem Grade in seinem Kopfe beherbergt, sein Meinen und Zweifeln, sein Wissen und Denken und Schaffen, sein Leben und Weben und Streben, sein eignes Ich. Die deutschen Blätter und der französische „Commerce" erzählen, 3—4 000 Exemplare der deutschen Übersetzung der Broschüre « Uubsie, ^.IlemnAne et k'ranee » von Marc Fournier seien bei den Leipziger Buchhändlern consiszin worden. Ter „Commerce" sagt aufVerlangen des russischen Gesandten^ Wie verträgt sich die EonfiScation mit der constitu- tionnellen sächsischen Verfassung? Rußland ist doch großmächtig in den kleinen und großen deutschen Staaten, und es ist Pflicht jedes sein Vaterland liebenden Deutschen gegen dieses Emporschwingen russischer Übergewalt unablässig zu Felde zu ziehen. Wien, 16. April. Eine politische Färbung eigener Art trägt die eben erfolgte Arretirung von 34 österreichischen Marine-Offizieren, welche bei den neapolitanischenVorfällen compromittirt erscheinen. — Nebst den beiden in höhern Militärchargen stehenden Söhnendes Contre-Admirals Bandiera hat auch der Sohn des Admirals Paulucei die hiesigen Dienste und das Vaterland verlassen, um einer andern Sache und einer andern progressiven Macht nützliche Dienste leisten zu können. Es sind bereits zwei italienische, im Lombardischen statio- nirt gewesene Regimenter hier eiugerückt, und die Artillerie wird folgen, da die Beurlaubten nicht mehr dahin einberufen werden. Man erwartet aber nur einen Umtausch der Truppen, keineswegs eine Verminderung derselben in Italien. Und uutey dem hiesigen Militär regen sich schon chimärische Hoffnungen von Avancements, wobei sie sich wenigstens nicht getäuscht finden werden, da der Eifer, sich für die östreichischeFahne thätig zu zeigen,jedenfalls zur Aneiserung höchsten Orts erkannt werden wird. — Nach den Nachrichten von Malta und Corsika, dürften England und Frankreich einer bewaffneten Intervention Ostreichs in den Angelegenheiten Italiens nicht mehr so ruhig zusehen, wie es vordem der Fäll war. Frankfurt, 15. April. Ein Privatschreiben aus Wien, vom 10. April, welches die „Mannheimer Abendzeitung" mittheilt), erzählt Folgendes: „Prinz Moriz, Bruder des Herzogs von Nassau, der sich in Ungarn aufhält, hatte in der Gegend seiner damaligen Residenz gejagt, wo es sich zutrug, daß ein benachbarter Magnat den Jäger des Prinzen in seinem Gehege betraf. Der Magnat erschoß den Jäger unverzüglich. Der Prinz, davon benachrichtigt, eilte in Begleitung seines Kammerdieners zu dem Magnaten und stellt ihn zur Rede. „Ein ungarischer Magnat, erwiederte der über- müthige Aristokrat, ist aus seinem Gebiet Herr über Leben und Tod, und zum Beweise sollen Sie sogleich noch eine zweite Probe haben!"Mit diesen Worten schießt der Ungar den unschuldigen Kammerdiener des Prinzen nieder. Dieser, durch eine so barbarische Mordthat außer sich gebracht, zieht ein geladenes Jagdpistol und streckt den Magnaten todt zu Boden. Die 4 Gerichte schritten ein und in diesem Augenblick befindet sich der Prinz aus einer ungarischen Festung." Die „Königsberger (Hartuugsche) Zeitung" meldet: Aus der von dem Polizeirath Dunker in Posen geführten Untersuchung hat es sich ergeben, was gleich Anfangs behauptet wurde: „Den bekannten Pistolenschuß habe ein Russe aus dem Wagen get Han und ein Weib ihm in den Wagen hineingerufen, daß es in Posen nicht erlaubt sei aus der Straße zu schießen. Der vielbesprochene Adam Gurowski, dem man die „europäische Pentarchie" zum Theil zuschreibt, ist plötzlich in Breslau angekommen, wie man sagt, um einer Übersiedlung nach Sibirien zu entgehen. A. Gurowski, auf deutschen Universitäten gebildet, aus erlauchten! polnischen Geschlecht, ein intimerFreund Heine's und tiefer Kenner des deutschen Lebens und der deutschen Literatur, gehörte zu den Eraltirten während der polnischen Revolution, begab sich als Emigrirter nach Paris und kam, bei seiner leicht erregten Natur, in mannigfache geistige Strömungen, die aber für ihn eine Folge innerer Umbildungen waren. Er schrieb — so wird erzählt — von Paris aus einen merkwürdigen Brief an den Kaiser Nikolaus, worin er Reue und Zerknirschung ausdrückte und in lebhaften Wendungen die Berechtigung des russischen Griechenthums zur Weltherrschaft aussprach. Damalige gute Notizen stellten es übrigens gradezu in Abrede, daß er jemals in zweideutiger Stellung zum russischen Gesandtschaftshotel in Paris gestanden. Er schwärmte nunmehr mit ziemlich ercentrischer Begeisterung für die „Mission" Rußlands und sah für sein unglückliches Vaterland keinen andern Rettnngsha- sen als reuevolles Einkehren in die Bucht der russischen Gnade. Der Kaiser, gerührt von so vieler Zärtlichkeit eines gewandten Geistes, erlaubte ihm nach Polen zurückzukehren, und man kennt die etwas sehr wunderlichen Schriften, die der gute Gras seitdem herausgegeben, pittoreske Schriften, in denen Kaiser Nikolaus als Messias der Cultür geschildert wird, und in denen die Knute, gleichsam umstrahlt von politischer Glorie, wie ein rosiges Scepter erscheint, das zarte Frauenhände anmuthig und beglückend im Reich der Liebe schwingen. Die Sache war sehr schön; aber ruhige Leute, die den Grafen aus guten Gründen im Auge behielten, fragten sich denn doch immer: was er denn eigentlich wolle? und sie prophezeiten ein böses Ende, obgleich sie nicht so weit gingen, den Grafen für einen ironischen Schalk zu halten, was viele Personen glauben. Havanna. Ole-Bull ist in dem Haupttheater aufgetreten und hat durch die Töne seiner Violine das ganze Publikum bezaubert. Alle Zeitungen erheben ihn bis in den Himmel und zollen seinem meisterhaften Spiele den glänzendsten Beifall. In Angelegenheiten des Pariser Hülks-Ncreins für notbleidende Deutsche. Donnerstag am 25. April fand die zweite General-Versammlung des deutschen Hülss-Vereins statt; die von dem provisorischen Counts entworfenen Statuten wurden, mit Vorbehalt nach und nach zu treffender Verbesserungen, angenommen und ein definitiver Ausschuß von fünfzehn Mitgliedern erwählt, der nun die Leitung des Vereines führt. Dieser Ausschuß besteht aus den zwei Präsidenten, dem sächsisch - weimarschen Geschäftsträger von Weyland, dem königl. baierischen Legationsrathe von Wendland und den Herren Avenarius, von Bornstedt, Börnstein, Cohn, Gaspe- rini, Graf Hohenthal, Hnmbert, Jm- merwahr, Kühn, Maretzek, Steinitz, Wertheim und Zang. — Dem Vernehmen nach werden zwei hochgestellte deutsche Männer das Ehren-Präsidium des Vereins annehmen. — Der zahlreiche Besuch der General-Versammlung, die besonders in den letzten Tagen, ja bis zur Stunde der Versammlung in großer Zahl einlangcnden Unterschriften neuer Mitglieder, und die Lebhaftigkeit, oft fast Leidenschaftlichkeit der Debatten lassen uns schließen, daß das Interesse und die Sympathien der Deutschen in Paris für den Verein im erfreulichen Steigen sind und dessen Zukunft somit als gesichert zu betrachten sei. Mit der Zusammensetzung des Comites ist man allgemein einverstanden und unser Blatt wird nun fortfahren dem fernem Wirken des Vereins stets die größte Aufmerksamkeit zu schenken und alles ihm hierüber von dem Comitä Zugesandte bereitwilligst zu veröffentlichen. Dem menschenfreundlichen Unternehmen rufen unsere Leser mit uns gewiß ein herzliches : Glückauf! zu. Schreiben zynowsky in Deutschland oder sonst wo, anbelangt, so habe ich ihn gewühlt, und werde ihn stets wählen, wenn es mir gefällig sein wird, so wie es allen anderen souverainen Fürsten frei steht, theilö aus politischen Gründen, theils aus Ökonomie derlei anzunehmen. Ich bemerke im Vorbeigehen, daß der Graf Pompes von Litta in Mailand, Geneatogist der italienischen Familien, kein unpartheiischer Geschichtsschreiber sei, weil er unter dem Einflüsse der österreichischen Regierung schreibt. E Ich berufe mich auf die in den Memoires des Grafen Pourret de Gands aufgeführten Thal- 1 suchen, und statt aller Antwort, in der Zukunft, wie für den gegenwärtige» Augenblick, werde ich meine Protestation vom 26. April 1843, und meine legitimen Rechte aus den Thron meiner Vorfahren vor einem Monarchencongresse und Angesichts von ganz Europa vertreten, sobald sich die Gelegenheit hiezu darbieten wird. Haben Sie die Güte Herr Redakteur, diese Antwort in Ihr geschätztes Journal aufzunehmen, und genehmigen Sie die Versicherung meiner ausgezeichneten Achtung. Gezeichnet: > Alerander, Fürst von Gonzaga. KonIoZno SU!' stier, am 23. April 1844. Neue Liever. Bei kenouarckl «r Lomp., pu« äs lournori, 6, ist in Commission erschienen: Deutsche Lieder aus der Fremde, von W. Rotte. Paris, 1844. — Preis : 2 Fr. 50 Centimes. Redactcur: Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von PaulRenouard Paris, Sonnabend. Nr. 36 4. Mai 1844 Abonnements - Preise r > in Paris : Ein Johr. . . . 24 Francs. Sechs Monate. . . . 18 ,, Drei Monate. . . . 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. ' Sechs Monate. ... 18 ,, Drei Monate. ... 9 „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. §rrv «MM -/-W'sx Man abonnirtr für Paris : im Luresu oer»tral xour IVLNemstziiv, i n«? lies Aloulins, 3r. und in der Buchhandl. von I^eoousrä et kck, rus 3oulnnn, li; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchbandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernbard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. _ >. >s Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, tVissenschast, Theater, Muük und geselligem Leben ' / Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des A. Vidau lt, 16, ruo cko in Iu88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzcigen. —Anfragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briese wollen franco : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 3s, duo 6r8üri68. Nun denke man sich neben diese offenkundige Tendenz des Schwanenordens noch den werteren, ick Volk verbreiteten Argwohn, daß der Orden eine Vermittlung zwischen Protestantismus und Kathölicismus anbahnen wolle : ein Argwöhn, der dann Nahrung findet, daß die preußische Regierung gegen Nom ganz ungeckein willfährig sich zeigt, daß die insolenten llbergriffe vieler Pfaffen furchtsam geduldet werden; 'während' män der PubliMionnnd Wst'rdi- 'gung solcher Dinge das Ickprimatür versagt sso'wüd ^ mau stch'lncht entrathseln können, warum die Stiftung des Schivänenordens nirgends'ln Dentschländ 'Änkl'ancj gefunden hat, warum selbst die servilsten Federn sich damit begnügett, die'Hochherzigkeit und „Geistreichrgkert" jener Idee herauszustreichen) während sie'sich zur Erörterung praktischer Folgen nicht heranwageu. Die stille Opposition, Welche der Plan allerw'ärts fand, hat denselben frühe genug gerichtet. Gottlob daß die Justiz der öffentlichen Meinung in Deutschland eine schleunigere ist, als die unsrer Gerichtshöfe! Man wird den Schwanenorden noch einige Zeit lang herumzerren, auch vielleicht, um das Feld nicht sogleich räumeü zn müssen, irgend einen praktischen Versuch damit a'n- stellen und dann die Idee zuverlässig zum alten Eisen werfen. ü > „Wäre aber auch ja dieser ausdrücklich dem preußischest Volk zu Weihnachten bescheerte Plan einer öffentlichen Freickaurerei im Stande gewesen, in den Herzen zst z'ünden, so hätten-'die gleich daraus folgenden Landt ag s ä bfcht ede 'das Feuer in einem Nu gelöscht. IN diesen Abschieden ist mit he'rbest Worten ausgesprochen, daß die Regierung sich entschieden weigere, demRusnach' freisinnigeren Staatsgrund'sätzen und Einrichtstngen irgend Gehör zu geben. Ihre Leser kennen ohne Zweifel die aristokratische Einrichtung der preußischen Provinzial) landtage, auf denen der Adel die Stimmen der anderen Stände überwiegt, und wo auch diese anderen Stände nicht Abgeordnete des Volks, sondern nur Abgeordnete der HochstbestenertelU sind'.' Wenn nun selbst einem so unvollständigen Collegium''gegenüber, das vom Radikalismus so weit entferckt ist als sechs Uhr von zwölf Uhr, die Regierung spröde alle nach Liberalismus riechenden Vorschläge ab- ^weist, so läßt sich denken, wie die Regierung erst der Anschauungsweise ick eigentlichen Volke entfernt steht. Dein rheinischen Landtage sistd von 40 Poftu- laten 36 abgeschlagen worden. Die Regierung hat also mit ganz dürren Worten ausgesprochen, daß sogar dann, wenn die von ihr selbst gewählten Organe des preußischenMolkes dies und jenes als den Wunsch ^er Nation aussprechen, die Regierung keine Notiz davon zu nehmen brauche. Daß dies von jeher ihr Grundsatz war, wußte freilich jeder Gebildete : aber der Deutsche mit seinem gutem hoffnutlgs- reichen Herzen, muß es erst schwarz auf weiß haben, ehe er'an den Bruch heilig gegebener Doch Ihr 'Blatt komnlt ' stach Deutschland, ich will nicht seine Cönsiskätivn verschulden! Aber eine kleine Parallele will ich ziehen, zück Trost für kleinmüthige Pa^ trioten. ^ ' ),Ats 1811 der ungarische Reichstag die Rechte des LÄndes verfocht; da erließ der Kaiser Franz, unterm 4. Növeinber folgendes donnernde Mani- 2 fest: „Von jenem, was ich zum Wohl der Monarchie zu beschließen finde, werde ich auf keine Weise abgehen, und in Ungarn eben so wenig als sonst wo Trotz, Verengung meiner Rechte und Widersetzlichkeit dulden, noch auch zugeben, daß die Ungarischen Stände meine wohlthätigen, auf die Wohlthat meiner gesummten Staaten gleich väterlich gerichteten Absichten vereiteln und hiedurch ihr und aller Erbstaaten Glück untergraben. Dies mein höchster, unerschütterlicher Entschluß." Mit dieser hochfahrenden Sultanssprache vergleiche man nun die k. k. Resolution vom Januar d. I., durch welche, nachdem der ungarische Reichstag seine Beschlüsse in dem so unendlich wichtigen Sprachenstreite selbst gegen den ausdrücklichen Befehl des Hofes muthig aufrecht gehalten har nnld die in alle Zeitungen geschleuderten Drohartikel, der Reichstag werde auseinander gejagt und Ungarn könne vom Kaiser nöthigen Falls auch ohne Stände regiert werden, keine Wirkung gethan haben, nunmehr in den allerverbindlichsten Formen dem Willen der Stände nachgegeben wird. Wenn man nun den König von Preußen in seinen Abschieden für die Nheinprovinz und für das Herzogthum Preußen Dinge sprechen läßt, wie z. B.: „Aus diesem Wege wird er sich durch keinerlei Bestrebungen hemmen, noch sortdrängen lassen; „vielmehr Versuche, welche dahin gerichtet sind „(nämlich die Anträge der Nation durch das Organ „der Ausschüsse), jeder Zeit mit Nachdruck zurück- „weisen;" oder: „es werden ihn auch ferner keinerlei „Bestrebungen bewegen, den ruhigen und besonnenen Gang der Regierung zu übereilen oder eine „andere Richtung einzuschlagen, als diejenige, wel- „che er nach reiflicher Prüfung als allein gedeihlich „für die preußische Monarchie erkannt hat," so kann mali aber nicht umhin, sich zu erinnern, daß der Absolutismus in Ostreich 1811 noch ganz andere Grundlagen hatte, als 1844 in Preußen. Bald genug wird die Zeit kommen, wo man auch in Preußen viel, viel gelindere Saiten aufzuziehen hat. Die Büreaukratie und was daran hängt, wird ganz gewiß ihren Tag von Jena finden. „Oh, diese preußische Beamtenwelt! Dieser grunvsetzliche, wohlgestempelte, organisirte Servilismus! Dieser Teig, aus welchem man jeden Augenblick Regierungsräthe, Oberregierungsräthe. geheime Oberregierungsräthe, wirkliche geheime Oberregierungsräthe knetet, gleichförmig, alles ein Gebäck, Menschen ohne Charakter, ohne Freiheit, ohne Stolz! So ist der Beamtenschlag in den alten Provinzen, mit Ausnahmen; in den Rheinländer, und im Herzogthum Preußen werden diese Ausnahmen zur Regel. Was sich aber für char- manteLeuteund Ideen unterden preußischen Beamten umtreiben, davon nur ein paar kleine Beispiele. „1838 schrieb ein gewisser Perthes, der sofort in Anerkennung seiner trefflichen Gesinnung Professorin Bonn wurde, ein Buch: „Der Staatsdienst in Preußen," in welchen Seite 126 als oberster Grundsatz aufgestellt wird: „daß der Wille des Königs Recht ist, sobald er in der Absicht, es zu sein, „ausgesprochen wird. Die Erfüllung keiner Bedingung, die Beobachtung keiner Form ist erforderlich." Jetzt läßt es sich erklären, warum die preußische Regierung die Versprechungen von 1813 vergessen zu dürfen glaubt: der Wille des Königs ist, jene Versprechungen nicht zu erfüllen; der Wille des Königs ist Recht, also wäre es Unrecht, jene Versprechungen erfüllt wissen zu wollen. Himmlisch! Dann entwickelt das Buch, der Beamtenstand sei das Organ, durch welches das Volk das bestehende öffentliche Recht, und der König die Bedürfnisse und Verhältnisse des Volkes kennen lerne (wenn das Volk über Beamtendruck zu klagen hat, so erfährt dies der König durch die Beamten? wunderbar, höchst wunderbar!). Bedingung jedes Staatsdienstes sei Liebe zum Vaterland, so daß Jeder, der sich nicht zum Christenthume bekenne, Jeder, dem treue Liebe zum Vaterland fehle, vom Staatsdienste ausgeschlossen sei. (Man verweigert den Juden ein Vaterland und dann sagt man, daß sie ihr Vaterland nicht lieben, eine niederträchtige Sophistik.) „Der Mangel dieser treuen Liebe offenbart sich durch das Eintreten in verbotene Gesellchaften, namentlich durch Theilnahme an demagogischen Verbindungen, so wie durch unehrerbietig und frech ausgesprochenen Tadel von Staats-Einrichtungen." Also wer die Censur eine heillose Anstalt nennt, liebt sein Vaterland nicht; wer es eine Calamität heißt, daß Bediente, wie dieser Herr Perthes, zu Lehrern der Jugend bestellt werden, ist ein Landeöseind. Ich bin einer!—Zweites Beispiel. 1838 hatte der Regierungspräsident Wolfart in Arnsberg ein Werk herausgegeben : „Preußen in seinen religiösen Verhältnissen," worin er die Keckheit hatte beweisen zu wollen, daß die katholische Religion in Preußen bloß tolerirt sei. Zum wirklicheu geheimen Oberfinanzrath und Direktor im Ministerium des königlichen Hauses befördert, will er sich auch dem jetzigen Monarchen nützlich und willfährig erzeigen, er schreibt also gegen die schlechte Presse ein Buch : „Das geheiligte Wort des Monarchen," und begleitet dessen Ankündigung wie folgt: „Ein Rezensent seines früheren Buches in der und der juristischen Zeitschrift, habe sich durch die Bezweiflung mancher in dem Buche ausgesprochenen Behauptungen „vielfacher Ungebühr schuldig gemacht." Das Buch sei nämlich vom verstorbenen Könige belobt worden, wie könne man also sich einen Zweifel an die Richtigkeit^der darin enthaltenen Grundsätze erlauben?" Durch wen wird in Preußen die höchste Staatsgewalt wohl repräsentirt, als durch seinen König? Und gibt es bei öffentlicher Besprechung so zarter Angelegenheiten, als der Gegenstand des fraglichen Buchs zu berühren nöthig machte, wohl ein Verfahren, das den Verfasser gegen jede Mißdeutung mehr hätte sicher stellen können, als den König selbst zum ersten Kritiker seines Werks zu berufen?" Das steht in der „Allgemeinen Preßzeitung" von 1843. Also wenn der König (der in dieser Sache zudem unmittelbar als Partei erschien) das Buch lobt, so ist es nicht mehr erlaubt anderer Meinung zu sein? Ist der König nicht etwa ein Mensch wie andere Menschen auch, oder ist sein Verstand ein überirdischer? Ich frage alles Ernstes: was ist der Unterschied zwischen dem Wolfart'schen Königthum und dem Kultus des Dalai Lama? Der edle Platen hat diese Sorte Staatsdiener recht hübsch bezeichnet in seinen „Briefen eines Berliners an einen Deutschen," z. B. : „Sie haben sehr schlecht in meiner Seele gelesen, wenn Sie glauben, ich würde mich durch den Ausdruck Knecht für beleidigt halten. Ich bin, Gott sei Dank, der allerunterthänigste Knecht des Königs und finde meinen höchsten Stolz darin..... Ach, wären Sie nur länger hier geblieben, unsre großen Männer würden Sie bald überzeugt haben ! Glauben Sie indeß denen, die erfahrner sind als Sie. Ich versichere Ihnen auf mein Ehrenwort, der Absolutismus ist die beste Staatsform... Es ist hier allgemein anerkannt, daß eine Republik nicht legitim sein kann, da die Republiken ihr Dasein deni Ausruhr und der Auflehnung verdanken. Selbst die Entstehung von Venedig ist nicht zu rechtfertigen. Die ersten Venetianer flüchteten sich vordem Attila nach den Lagunen und gründeten ihren Staat. Aber selbst diese Flucht war eine stillschweigende Rebellion. Attila war legitimer König der Hunnen; er hatte dasselbe Recht Europa zu unterjochen, als gegenwärtig die Czaren von Moskau. An einen Ort sich zu flüchten, wohin Attila, der keine Schiffe hatte, nicht folgen konnte, war eine feige und unerlaubte Kriegslist. Wir haben hier über alles dies nachgedacht und danken jeden Tag unsrem Schöpfer, daß der Wiener Kongreß, der sich das Ansehen eines Wiederherstellerö gab, keine einzige Republik wieder hergesteüt. Auch die Schweiz wird noch unterliegen müssen und wir haben bereits unsre Hände in Neufchatel." „Aberwie konnteauch die Unabhängigkeit der Gesinnung gekrästigt werden in einem Staatsdienste, gleich dem preußischen? Wird man es außerhalb Deutschland begreifen, daß zum Beispiel Diejenigen, welche vorzugsweise zum Schutze der bürgerlichen Freiheit berufen sind, nämlich die Advokaten (in Altpreußen Justizkommissäre genannt), nach der preußischen Gesetzgebung durch bloße Mi- nisterialverfügung entlassen werden können? Daß es den richterlichen Beamten verboten ist, Advokaten einen Besuch zu machen oderauch nur von ihnen anzunehmen, damit Befreundung vermieden werde? Mit welchem Mißtrauen entehrt dadurch der Staat seine eigenen Beamte! Ist es nicht groß, daß die preußische Gesetzgebung, um Bestechungen zu verhüten, den ganz unbemittelten Kandidaten vom Eintritt in den Staatsdienst zurückweist, also den Staatsdienst zum Privilegium des Reichen macht? Ist es nicht schön, daß der neu gebackene Lieutenant von 17 Jahren die Courfähigkeit hat, sein Vater hingegen, ein Geheimer Justizrath oder Geheimer Regierungsrath, nicht? Ist es nicht etwas Charmantes um die geheimen Conduitenlisten, welche die Vorgesetzten über ihre Untergebenen führen und Ln welchen sie Jedem, dem sie übel wollen, ein Bein für Zeitlebens stellen können? Beeilt man sich in Nordamerika noch nicht, die treffliche Kabinets- ordre vom 25. April 1825 nachzuahmen, wonach, wenn eine Privatperson an Ehre oder Vermögen durch Schuld eines Staatsdienerö beschädigt wurde, der Verletzte sein Recht nicht bei den Gerichten verfolgen, sondern nur eine Beschwerde bei dem Dienstvorgesetzten des Beschädigtes anbriugen darf? Von solchen Einrichtungen wimmelt das preußische Staatswesen. Verlangt man Abhülfe, so ist dies „frecher, unehrerbietiger Tadel der Landeseinrichtungen," als ob man Ehrerbietung haben könnte gegen das, was sich vor aller Welt Augen längst als Mißbrauch, Gewaltthat und Herabwürdigung der Menschheit herausgestellt hat! Als ob die Kritik nicht immer frech sein müßte gegenüber dem rein Faktischen und nur das verehren könnte, was vor ihr bestehen bleibt! — Man kann es nicht oft genug wiederholen: zwischen den politischen Prinzipien in Deutschland ist der Vertilgungskrieg ausgebrochen; eines muß untergehen. Versöhnung ist nicht möglich und nicht nöthig. „Sie wundern sich vielleicht, daß man sich soviel 3 Mit Preußen befaßt. Aber auf preußischem Terrain wogt gegenwärtig der Kampf am heftigsten, dort stehen sich die Prinzipien am markirtesten gegenüber. Ostreich sieht schadenfroh zu, wie Preußen die rasch erworbene Popularität ebenso rasch wiedereinbüßt. „Ostreichs bester Bundesgenosse ist die Zeit," pflegte Bernhard von Weimar zu sagen. Doch hat Ostreichs Ansehen einen bedeutenden Stoß erlitten durch sein schwaches Benehmen in dem serbischen Handel, zumal nachdem Guizot jetzt in der Kammer erklärt hat, daß Frankreichs und Englands Passivität nur durch Ostreichs Verhalten veranlaßt wurden. „Von Preußen nur noch so viel, daß der König, nicht zufrieden mit den diplomatischen Schritten gegen die „Augsburger Allg. Zeitung", welche nicht jede Handlung der preußischen Regierung herrlich findet, sich kürzlich auch in einem eigenhändigen Schreiben beim Eigenthümer jener Zeitung, dem Herrn v. Cotta, beschwert hat. Wie groß im Kleinen !" — Buntes und Spitzes In Leipzig erscheint seit einiger Zeit ein Taschenbuch von Blum und Sieger, welches den Titel: „Vorwärts" führt. Die sächsische Nachcensur, sagt ein deutsches Blatt, ist gegen einige Aufsätze dieses Büchleins eingeschritten und ordnete die Weglassung mehrerer politischen Gedichte an. Es gibt also eine Vor- und Nach-Censur. Was doch die Weisheit der Furchtsamen nicht alles erfindet'. Die „Köllnische Zeitung" vom 21. April liefert in ihrem Feuilleton einen Aussatz : „Wie es einem Dey in Europa ergehen könne," worin, ohne Angabe der Quelle, des Autors oder des Originals, eine ganz alte Geschichte über den Aufenthalt des Deys von Algier in Neapel als Neuigkeit aufgetischt wird. Die ganze Neuigkeit aber ward bereits im Monat November 1838 im Journal cke karis abgedruckl. Die „Köllnische Zeitung", welche in ihren Spalten oft durch Herrn Gutzkow et Consorten gegen Übersetzungen u. s. w. zu Felde zieht, sollte sich hüten so oft bloße Übersetzungen und alte, seichte, verlegene Maaren ohne Angabe der Quelle zu bieten. Was dem einen recht ist, ist dem andern billig. Die „Köllnische Zeitung" wittert den Splitter des Nächsten oft, sieht den eigenen Balken aber schwerlich. Dies Alles pro memoria. Dr. F. F. Strauß, der bekanntlich die Sängerin Mlle Schebest heirathete, soll sich mit einer Bearbeitung der Apostelgeschichte im Sinne und als Ergänzung seines bekannten Werkes über das Leben Jesu beschäftigen. Die „Düsseldorfer Zeitung" schreibt aus Berlin, 15. April: „Man unterhält sich hier von einem unangenehmen Prozeß, in welchem ein unter uns lebender bekannter Dichter und Schriftsteller wegen Benutzung von Urkunden über den von Schiller so poetisch ausgefaßten Wallenstein mit dem Fürsten Wallerstein zu München, einem Verwandten jenes Feldherrn im dreißigjährigen Kriege, verwickelt sein soll." Wir Hoffendaß diesem Prozesse keine Folge gegeben wird. Jede freie Forschung in geschichtlichen Quellen würde aufhören, wenn Dokumente aus dem siebenzehnten Jahrhundert nicht benutzt werden dürfen, ohne bei lebenden Familien Anstoß zu erregen. Wir empfehlen dies dem hier in Paris lebenden Herrn Fürsten von Ottingen-Wallerftein zur Überlegung. In Frankreich, sagt die „Köllnische Zeitung", gibt es noch hundert eils Ortschaften wo protestantische Gemeinden aus Mangel an Kirchen ihren Gottesdienst unter freiem'Himmel verrichten müssen. Nnserm Blatte fehlen die Angaben der hiesigen lutherischen oder resormirten Geistlichkeit, um diese Angaben jetzt zu controlliren. Die „Schlesische Zeitung" schreibt folgendes: „Man erfährt daß die russische Diplomatie in Deutschland aus Petersburg den Befehl erhalten hat, das Erscheinen skandalöser Werke über Rußland in der deutschen Presse nach Kräften zu verhindern. Namentlich soll der russische Gesandte in Dresden für diese Partie thätig gewesen sein und nach manchem Widerstreben her Behörden seinen Zweck erreicht haben." Der Ärger über die Broschüre: kussie, Me- mgAns et k'ranee, von Marc Fournier, ist also noch immer nicht in Petersburg verstummt. Er wendet sich jetzt nach Deutschland und gibt den deutschen Regierungen Weisungen. Erst zögern diese aus Schamgefühl, hernach wird der russische Gesandte dringender und drohender, und die kleinen und großen Regierungen beugen das Haupt. Armes Deutschlandl Ein Sohn von Mozart lebt als ein ganz unbedeutender Clavierspieler in Deutschland, ein Sohn von Hegel ist Censor und Assessor in Magdeburg; sie trunsit §1oriamunäi, anderer Beispiele nicht zu gedenken. In Darmstadt ereignete sich (der K. Z. zufolge) der widerwärtige Fall, daß ein durch Versprechen der Straflosigkeit und durch 4000 Gulden zum Verrathe an seinen Mitverschwornen bewogener politischer Unruhestifter vom Jahre 1833 (Kühl) diese Maßregeln aufdeckte, die doch sonst von den Regierungen vermieden werden; und daß er obenein gegen den Staatsminister du Thil auf fernere Entschädigung klagt, da er jenes Geld für Reisekosten und zum Traktiren seiner politischen Genossen ausgegeben habe, auch gegen des Ministers schriftliches Versprechen durch vierzehn Monate eingesperrt worden sei. LV88IL, (Fortsetzung des Kap. Vlil.) Wir haben vergessen die Religion und den Kultus zu den ebenfalls erniedrigten Dingen zu zählen. Die untere Geistlichkeit befindet sich in einer widerwärtigen, ekelerregenden Erniedrigung. Wir wünschen daß man in Rußland die Religion ehre, die Priester aber achtet man wenig, und man thut wohl daran. Die Popen sind im Allgemeinen unwissend, abergläubisch und der geistlichen Würden die sie bekleiden gänzlich unwürdig. Die meisten sind durch Übermaß geistiger Getränke wirklich tief gesunken. Man sieht sie oft in den Städten selbst um Branntwein bitten, wenn sie zur Zeit der Osterfeste die Auferstehung des Herrn in den wohlhabenden Häusern feiern und die Osterhymnen anstimmen. Nach einigen Stationen an verschiedenen Orten, wo immer getrunken wird, und zwar vor dem Bilde des Heiligen oder Schutzpatrones, verlieren sie dann gewöhnlich alle Vernunft; ja sie sinken so tief, daß man diese Priester sinnlos betrunken nach ihrer Wohnung tragen muß, oder sie hin- und herschwankend durch die Straßen schlottern sieht. Eines Tages wohnte der Kaiser Alerander einer Messe in einem kleinen Dorfe bei, wie er aus seinen Reisen stets zu thun pflegte. Der Gebrauch verlangt, daß der Kaiser sich dem Popen nähern mußte, um demselben als Zeichen der Ehrfurcht die Hand zu küssen. Der arme Pope zog sich eingeschüchtert zurück; der Kaiser aber sagte ihm ungeduldig: „Willst du mir wohl gleich deine Hand geben, §edo rmmut! (ein Fluchwort dessen Gleichbedeutnng wir nicht im Französischen besitzen und welches auch der Anstand uns verbietet hier zu wiederholen). Darauf ließ sich der Pope die Hand küssen und die Zeremonie ging ruhig von statten. Es ist aus dieser Anekdote eine sehr ernste Schlußfolgerung zu ziehen, die nämlich, daß in einem Lande wo der Fürst so wenig die Priester achtet, es ebenfalls schwer ist, daß die Geistlichen ihr Amt ernstlich betreiben. Ein Priester aber welcher sich nicht selbst achtet, ist sehr nahe daran auch die Religion, deren Diener er ist, eben so leichtsinnig zu betrachten wie sich selbst. Ein solches Beispiel aber ist bald von dem Volke und selbst von den Gläubigsten befolgt. Dies ist so vollkommen wahr, daß die russischen Bauern und auch ein TheilderStädtebewohnerkeine andere Religion kennen als eine Art Götzendienst, der oft bis zum empörendsten Fetischismus getrieben wird. Sie beten Alles an, nur Gott nicht. Der griechische Ritus hat keine Zukunft in Rußland, und der Kaiser, dessen Urtheil in höheren Dingen nicht frei von Schwäche ist, irrt vollkommen wenn er den Catholizismus und die Polen in der Hoffnung verfolgt, die Oberherrschaft der griechischen Kirche bis an die äußersten Grenzen seines Reiches auszudehnen. — Ein Volk wird durch die Gewalt unterjocht, es ist aber schwieriger seine Vernunft und seinen Glauben gänzlich zu vernichten. EinWort über die kaiserlichen Armeen. Die russischen Truppen schlagen sich tapfer. Sie haben nicht den glänzenden, angriffsweisen Muth, aber sie sind fest im Feuer, standhaft, kalt und hartnäckig. Sie verdanken viel von dieser schonen Haltung in den Schlachten und während den Kanonaden der Strenge ihrer Disziplin. Aber diese für einen Soldaten vortrefflichen Eigenschaften bilden noch keinen Feldherrn. Rußland hat immer einen großen Mangel an großen Generälen gehabt. Es gab an Diebitsch den prunkenden Namen Sabal- kanski, Besieger des Balkan-Gebirges, aber dies beweist nicht viel für das militärische Genie von Diebitsch. Dieser war ein guter Offizier, aber nie ein großer General. Alle französischen, österreichischen und preußischen Militärs werden mit uns übereinstimmen, wenn wir behaupten, daß die Feldzüge von 1829, besonders der in Klein- Asien, dem Siege keinen bedeutenden Widerstand boten. Der General von Müffling, welcher zu jener Zeit durch die preußische Regierung nach Con- stanstinopel gesandt wurde um dem Marsch der Russen aufdie ottomanische Hauptstadt Einhalt zu thun, besitzt, sagt man, sehr lehrreiche Notizen über diesen Gegenstand. Wahrscheinlich aber wer- den diese Noten erst nach dem Tode des gelehrten Generals veröffentlicht werden. Paskewitsch ist eine andere militärische Berühmtheit, welche ebenfalls ihren Nus sehr leicht errungenen Triumphen verdankt, indem übertrieben schwülstige Bulletins deren Wichtigkeit vergrößerten. Man kann in Bezug hierauf einige Rapporte über die dem Feinde abgenommenen Fahnen ansühren, welche Alles übersteigen, was je die spanischen Bulletins der letzten Bürgerkriege an Großsprecherei geliefert haben. Die Beendigung des polnischen Krieges aber setzte den letzten und schönsten Lorbeer ans das Haupt des Feldmarschalls Paskewitsch-Erivansky, Fürsten von Warschau. Es genügt aber zu wissen, daß mehrere Monate nöthig waren um diese desor- ganisirte Gegend zu bezwingen, jene polnische Revolution, dis, durch innere Spaltungen geschwächt, ohne allgemeines Zusammenwirken aller Nationalkräfte und beinahe ohne Oberhaupt, die größtmöglichste Spannkraft verloren hatte. Überschätzen wir also nicht in Frankreich die militärischen Kräfte Rußlands; Rußland bedarf einer großen Spanne Zeit um seine Armeen zu versammeln und in Bewegung zu setzen. Die russische Macht ist. zu großen und langwierigen Feldzügen wenig geeignet, aber sie hat noch von alter Zeit her den Instinkt und den Erfolg der Invasionen bewahrt. Jedoch verdient es ausdrücklich bemerkt zu werden, daß die Organisation vön Südrußland und der dortigen Kriegshäsen und Militärstationen der Art ist, daß ein bedeutendes Armeecorps mit großer Leichtigkeit und Schnelle nach Constantinopel geschafft werden kann. ^ Man wjrd, leicht erkennen, daß die Grenzen dieser Schrift uns mcht erlauben lange Mittheiluugen über die wirkliche Stärke des ruffischen Reichs zu liefern. Aber was nicht genug wiederholt werden kann, ist der Umstand, daß Rußland mehr als ein Jahrhundert innerer Gebährung, eine sociale Revolution, eine organische Arbeit nöthig hat, um die Ansprüche zu rechtfertigen, welche seine Anmaßung sich als vorherrschende oder selbst derr übrigen europäischen Großmächten gleichgestellte Macht bereits jetzt oft ausgesprochen, auch nur eiuigermaaßen praktisch zu reckstfertigen. Rußland beunruhigt, dies ist allerdings wahr; man-fürchtet Rußland, dies ist hin und wieder nröglLch;..aber num würde dies nicht thun, wenn inan die russischen Zustände genauer kennen lernte. Die barbarische Nacktheit feiner Bevölkerung ist höchstens hier und dort von einer Art erborgter Zivilisation übertüncht. Aus drei Viertel nicht bezwungener Stämmen bestehend, hat Rußland keineswegsch^s Recht sich,als euro; päischen Diktator emporzuschuellen. ' (Fortsetzung folgt.) Verkauf deutscher Kinder und Bettel- Industrie Ln London. ' '.,ft ' ' -.j,. ' Der englische „Heralp" schreibt folgendes, dem wir die Spalten unsres Blattes gern öffnen, indem wichftlbst in Paris oft viel deutsche Kinder mit Besen, uzid andern Gegenständen bettelnd^ gefunden. Der . deutsche Pari ser Hü,l fs - Verein tpjrd falls er auf einen Pariser Unternehmer solcher Bettel-Industrie in seiner Wirksamkeit stof ßen sollte, gewiß nicht Mangeln die^ Presse davon in Kenntniß zu setzen, da bereits schon oft französische Gerichte Schornsteinsegermeister und andre Leute bestraften, welche die ihnen in Savoien, in der Auvergne u. s. w., anvertrgvte Kinder förmlich zum Betteln abrichteten. - . . Hören wir nun das London. Blatt, den „Herald": „Dieser Tage wurde das schändliche, empörende System, die Kinder deutscher Eltern zu entführen und nach England zu bringen, um sie zum Betteln zu mißbrauchen, vom dem Pfarrer der deutschen lutherischen Kirche, Kappel, bei dem Richter Norton in Lambeth-Street denunzirt. Der Angabe dieses würdigen Geistlichen zufolge war ein deutsches Mädchen, 14 Jahre alt, zur Konfirmation zu ihm gekommen, und hatte über einen Mann, Namens P. Winter, und die Art, wie dieser sie behandelt, so schauderhafte Klagen geführt, daß sich Herr Kappel bewogen fand, die Sache dem Richter mitzutheilen. So viel sich herausstellte, hatte Winter die Eltern dieses Mädchens, arme Leute in der Nähe von Frankfurt, durch wenige Schillinge vermocht, ihm ihre Tochter auf einige Zeit zu überlassen. Winter hatte versprochen, das Mädchen nach Verlauf eines Jahres zurückzuschi- cken, und in der Zwischenzeit mit Kleidern u. ft ft zu versehen, und ihm einen bestimmten Lohn zu zahlen. Als sie in England ankam, hielt sie Winter mit 14 andern Mädchen desselben Alters, die ohne Zweifel aus gleiche Weise aus Deutschland nach England gelockt worden waren, zu verschiedenen Arten der Bettelei an. Einige mußten Besen und ähnliche Artikel zum Verkauf ansbieten, andere auf der Straße Musik machen. Auf diese Weise erwarb Winter bedeutende Summen, die er in Schwelgerei und Wohlleben verschwendete, während er dir armen Kinder selbst mit der größten Härte behandelte. Der Geistliche hatte das Mädchen mitgebracht, damit der Richter sie selbst vernehmen könnte. Das Mädchen, das sehr verständig aussah und das Englische ziemlich geläufig und korrekt sprach, erzählte sodann, daß Winter vor vier Jahren zu ihrem Vater gekommen war, und sich erboten hatte, sie auf rin Jahr mit nach Engläiid zu nehmen, sie anständig zu kleiden und ihr monatlich 10 Schilling zu zahlen. Er hatte auch versprochen/sie nach Jahresfrist heimzuftnden und in Staüd zu setzen, von Zeit zu Zeit eitriges Geld nach Hause zu schickem Allein beides war nicht geschehen. Winter chatte ihr nie einen Schilling gegeben und sie genöthigt, ihm all ihren Verdienst einzuhändigen. — Sie hätte die ganze Zeit über betteln müssen/theils indem sie Besen verkaufte, theils indem sie das Tamburin spielte. Ihr „Verdienst" belief sich täglich aus 18 P. und mehr; bei Jahrmärkten auf dem Lande brachte sie oft'14 Schilling, zusammen. Wenn sie öder eines der übrigen Mädchen nicht so viel Geld heimbrachten, alsererwartete, so schlug er sie. Einmal schlug erihr ein blaues A u ge ^ so haß sie mehre Tage das Gesicht verbinden-mußte; und Maus befahl er ihr, . wenn sie Jemand, fragte, Zu sagen, ein Betrunkener, -den sie angebettelt, habe sie so mißhandelt. Vor Kurzem war sie mit Winter nach London gekommen. Mach kurzem Aufenthalt reiste er jedoch wieder ab und ließ sie jn der. größten. Noth zurück, nachdem , cp ihr alle Kleider-bis aus dasjenige, welches sw auf dem Lerbe^hatte, genommen, — Der Richter,; Mrhreud du Tamburin spieltest, < hattest du wahrscheinlich bessere Kleider an? — Das Mädchen(N-Q ja, ich hatte einige hübsche Kleider. — R. : Wenn dich dieser Mann ordentlich bezahlt hätte, so würdest du wohl nicht ungern bei ihm geW blieben sein? —M- : Vielleicht. Aber er gab mir nie das Geringste für mich oder um es meinen armen Eltern heimzuschicken.' — Herr Kappel be-. merkte, hier, daß Winter noch zwei Brüder haM- welche sämmtlich das nämliche Gewerbe trieben unp dieselbe ausschweifende Lebensweise führten, Der eine habe 15, der andere 18 deutsche Kinder, welche alle für sie betteln müßten. Es seien auch zwei Knaben darunter, und sie würden alle schändlich behandelt. Einer der Knaben sei unlängst bei ihm gewesen, und was er von seiner Behandlung erzählte, sei wahrhaft schauderhaft gewesen. Der arme Junge habe gesagt, daß sie oft Dinge zu essen bekämen, die kaum ein Hund essen würde. Es sei, schloß er, hohe Zeit, daß Maßnahmen getroffen würden, um diese unglücklichen Geschöpft ihren Peinigern zu entreißen. — Herr Norton ent- gegnete, nach dem, was er von deutscher Art und Weift in Deutschland selbst gesehen uH) erfahren, wundre es ihn, daß deutsche Eltern ihre Kinder solchen Personen anvertrauten; und die Quelle des Übels liege eigentlich darin, daß man dort solchen Personen gestatte, jene armen Kinder fortzuführen. — Herr Kappel erwiederte, das Gesetz des Landes verbiete dieses Gewerbe, aber jene Betrüger wüßten stets Mittel zu finden, um die Kinder ohne Pässe und ohne daß die Behörden darum wüßten, fortzuschaffen.. So viel er wisse, sei bereits ein oder mehre Mitglieder der Winterscheu Familie wegen ihres schändlichen Gewerbes abgestraft worden.,Die Deutschen wünschten fthulichst, diesem System.ein Ende zu machen, nicht allein, weil es eine Schande für ihr Vaterland sei, wenn sich solche Schwärme deutscher Bettler übbr England verbreiten, sondern auchj weil« das englische Volk auf diese Weift schändlich hintergangen werde. Er wünsche,- daß dieses schamlose Verfahren öffentlich bekannt gemacht und gebrandmärkt würde, weil-sich dann-die Leute hüten und ihre Kinder besser in Acht nehmen würden. Cr habe übrigens diesem Mädchen-bei cr^ ner anständigen Familie einen Dienst verschafft. i'i '' . Nord amerikanische Zeitunasschau. Herr Dreisbach, der.Thierbändiger., nahm kürzlich .feinen Tiger mit in das Haus eines seiner Schuldner, der sortwähreMZahlung verweigertes Als dey,Schuldner den . Kopf des Tigers in der Stubenthür erblickte, bezahlte er augenblicklich und sagte Herrn Dreisbach er könnte zu einer andern Zeit den Empfangschein schreiben. - t > —ft. ^ ft S eus oer.wellveruymte 2-avld, brocket von. LeM nessee aus dem Eöngresft zurückkam, frugen.rhn einige neugierige Constituenten, wann man denn.-in Washington zu Mittag äße: „Zu Mittag, ei! gewöhnliche Leute so wie Ihr, essen um eins zu Mittag, die Congreßmitglieder um zwei, die Vornehmen jedoch und die großen^Leute 'nicht früheft'äls drei, uN die Mitglieder^^des Senats um/vier 'oder Ms." „Sappernreuft" erwiedertd einer, „wann ißt Änn der Präsident'zu MitW^ft ft ''' '„Ddr alt/ Hickory ?" frug Crocket. „Ja der! der ißt nicht eher bis den andern Tag!" '-'ft Rcdacteur : He inrich Bvrnstvitl- ' Druck mit Schncttprcffen von Paul Nenn « ur'd Paris, Mittwoch. Nr. 37 8. Mai 1844 Abonnements - Preise r in Paris: Ern Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 18 ,, Drei Monate. ... 9 „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. rv Man abonnirtr für Paris: im Dursau ventral pour 1'^IIeinatzuo, rus äes NouUu8, 3r. und in der Buchhandl. von Zules Deususr«! et rus cts 1'ournon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England/ in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Panter Signale aus Auntt, lVittentehakt, Theater, Mutik und getelligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am ErscheinungS-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. B idau lt, 46, rue cls 1a 4u88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzeigen. —Anfragen, Beiträge, Pränumerationögelder und Briefe wollen fianeo : « An die Nedaetion des Journals: Vorwärts, 32, r»6 ä68 Nou1ili8 in Paris » eingcsendet werden. Briefe eines Franzosen über Deutschland. - Nach einem zweijährigen Aufenthalte in Deutschland bin ich vor wenigen Tagen hier wieder eingetroffen, sehr erfreut in Paris ein deutsches Journal zu treffen, in dem ich offen und rückhaltslos meine Ansichten über Ihr Vaterlandaussprechen zu dürfen hoffe. Das konnte ich in Deutschland selbst nicht. Einmal hinderte mich die Censur, dann aber auch der Geist Ihrer Landsleute, der eben durch Censur und alle andere Arten von Druck gebeugt, und ganz entwöhnt die Wahrheit zu hören, vor jeder entschiedenen Äußerung erschrickt! In Deutschland ist es Sitte geworden jeden konsequenten nach Form und Inhalt aufrichtigen Mann von Seiten der Gewalt zu verfolgen, von Seiten des Volkes zu verlästern; je treuer der Spiegel die Zustände abmalt, desto geneigter findet man sich ihn zu zerschlagen, statt daß man seine Treue durch den Muth fest hineinzuschauen, belohnen müßte. Liebte ich nicht das deutsche Volk, so würde ich schweigen; mein Haß könnte mich bestimmen, selbst das Schlimme nicht zu sagen, weil ich gewiß wäre, daß es im Verborgenen noch schlimmer fortwuchert: als einem Nichtdeutschen wird mir der Vorwurf der Parteilichkeit doch nicht ausbleiben. Meine Liebe gibt mir aber ein Recht zum Tadel, möchte meine Aufrichtigkeit Ihnen ein Grund sein das Urtheil eines Franzosen über Deutschland Ihren Landsleuten vorzulegen. — Zur Sache! Ich habe in Frankreich selten anders von den Deutschen reden hören, als von einer Nation Arave; ihre Gründlichkeit, ihr Forschergeist, ihre Treue und ihr schwärmerisches Wesen (los re- veri68 alleinanäes) sind seit Frau von Stael sprichwörtlich, nnd so stereotyp, daß es wohl schwer halten wird meine französischen Landsleute, die für alles was sie nicht besonders iuteressirt sich mit einigen Kategorien zufrieden geben, davon zu überzeugen — daß ihre Charakteristik nur noch historische Wahrheit ist. Es ist wahr, die Deutschen verdienten eine geraume Zeit hindurch den Namen einer uatiou^rave. Don Lessingbis auf Hegel und Goethe, zum Beispiel, hat das deutsche Volk eine Geistesarbeit durchgeschafft, wie kein anderes auf der ganzen Erde, und die Reaktion hatte ein Herkules-Unternehmen vor sich, als sie sich daran machte sie zu zerstören! Und leider, so scheint es wenigstens, hat sie ihr elendes Werk vollbracht, sie hat das deutsche Volk um alle Früchte seiner Arbeit geprellt. — Wer wird in der Geschichte die Rolle des Rächers übernehmen? Die Antwort darauf will ich später versuchen. Sehen Sie sich Deutschland an, wie es jetzt ist; gehen Sie mit mir durch die Reihen des deutschen Volkes : wo Sie große Tugenden, Tiefe der Gedanken, Begeisterung, Kraft und Leidenschaften, wo Sie ächte Humanität, wo Sie Ernst der Gesinnung oder wahren Humor, wo Sie wirklichen Patriotismus, wo Sie den durchdringenden Schmerz oder nur das klare Bewußtsein über die grenzenlose Erniedrigung finden, da halten Sie mich an, und sagen Sie: Du lügst! Was ist aus allen sonst gerühmten deutschen Tugenden unter der Herrschaft der Reaktion geworden? Die deutsche Unparteilichkeit ist in feige Furcht vor jedem Partheibewußtsein degenerirt; die deutsche Gründlichkeit in Gelehrtthuerei und ein Verschanzen vor jedem Freiheitsstrahle; der deutsche Ernst in seinem äußerlichsten Anschein die versteckteste Gleichgültigkeit; die Begeisterung in erlogene Demonstrationen zu Gunsten verrotteter mittelalterlicher Gespenster, in Selbsttäuschung und Harlekinaden; die deutsche Religiosität (ich rufe sie nicht zurück), in abgeschmacktes Pietistenwesen oder gespreizten Ratiolismus. In ihr rechtes vernünftiges, wirkliches Gegentheil ist keine der ehemaligen deutschen Tugenden umgeschlagen, aus allen hat die Reaktion nur Fratzen gemacht! Welche Mittel hat die Reaktion zu diesem Teu- selswerk angewendet? welchen Widerstand hat ihr das deutsche Volk entgegengesetzt? Auch hierauf werde ich später antworten! — Andere Tugenden dagegen, Tugenden sogenannter politischer Völker, hat man in Frankreich nie an den Deutschen gepriesen. Wer hätte hier zu Lande je den Sinn der Deutschen für Politik, für öffentliches Leben rühmen hören? Hat ein Franzose je von den Deutschen gesagt, sie besäßen Nationalstolz, sie hätten das Bedürfnis! politischerFreiheitnnd Selbstständigkeit, oder nur der modernen Garantien für irgend einen wenn auch noch so untergeordneten gesetzmäßigen Zustand? Spricht man hier zu Lande je von deutscher Beredsamkeit, Staatsklugheit, Partheifähigkeit oder von deutschem Organisations-Talent? Kennt man eine deutsche politische Literatur? Die deutschen Weiber seien douues mo- uaAeres (gute Hausfrauen) und treue Gattinnen, die Männer brave Familienväter; es gäbe dort tüchtige Gelehrten und Philosophen, gute und viele Maler und Musiker und starke Geographen: — das ist die Zugabe zu den andern erloschenen Tugenden — und soll das Äquivalent für jene ungeheuren Mängel sein? Oder hat die Geschichte der letzten fünf und zwanzig Jahre das Gegentheil bewiesen? Oder läßt der angebliche Nationalhaß der Franzosen gegen Preußen dem deutschen Volke absichtlich keine Gerechtigkeit widerfahren? Deutschland hat ja Gemeingeist. Aus allen Ecken von Deutschland hat man zum Wiederaufbau der abgebrannten Stadt Hamburg deutsche Gulden und Thaler zusammengeschossen; die deutschen Länderstämme bauen den Köllner Dom; wir haben einen allgemeinen deutschen Zollverein, eine Gustav-Adolph-Stiftung für das gesammte protestantische Deutschland, und am Ende doch auch einen deutschen Bund ! Was gibt es herrlicheres als die deutsche Beredtsamkeit und politische Literatur? Hält nicht Friedrich Wilhelm IV. aller Arten Freiheitsreden? Ist nicht Prinz Johann ein Rednergenie? Und gar die großen Parlements- Redner Bassermann, Welker, Todt, Brockhaus, Schwindel, von Thon-Dittmer, von Ochs. Gibt es vortrefflichere Meisterwerke des politischen Styls als preußische Cabinetsordres, baierische Gesetzentwürfe oder Manifeste, Schwarzburg-Sondershau - fische patriarchalische Umschreiben? Hat nicht Dahlmann ein ganzes Buch über Politik geschrieben worin auch von den Zuständen Deutschlands gründlich Umgang genommen ist? Und von Görres, von Ancillon, Herr von Raumer, Dr. Jacobi, Walesrode, Bülow-Cummerow und Consorten vergißt man? Sind nicht alle Partheien durch die deutschen Zeitungen vertreten? Hat nicht sogar eine radikale Zeitung, die rheinische, zu eristiren aufgehört? Sind nicht die „deutschen Jahrbücher" an der Politik verschieden? Wer kennt nicht das ehemalige „Berliner Wochenblatt ?" Ist nicht das Format der „Allgemeinen preuß. Zeitung" fast so groß als das des „Moniteur universel" ? Und dann noch gar die Deutschen hätten kein Nationalbewußtsein! Gibt es einen herrlicheren Aufschwung der deutschen Nationalität als den von 1840? War damals nicht Frankreich in Gefahr deutsch oder Deutschland preußisch zu werden? Sind die Deutschen nicht Arminius-wü- thend? verehren sie nicht deutsche Götter in Walhalla? Will Deutschland nicht alle Garantien der Freiheit? Kann man mit mehr Bescheidenheit, als eS die Censur der deutschen Presse erlaubt, um Preßfreiheit, Geschwornengerichte, Glaubensfreiheit und ein wenig Constitution bitten? Haben die Ostpreußen dafür nicht fast die Ahnung von der Möglichkeit einer Revolution gefaßt? Eristirt jetzt in Hannover etwa keine Verfassung in anerkannter Wirksamkeit? Wo findet man das Wort Verfassung häufiger als in Baden? Entschuldigen Sie die Ironie, sie wird zur Grausamkeit unter gewissen Umständen, darum will ich enden; aber einem Franzosen ist es schwer ein solches Wesen anders als in diesem Tone zu besprechen. Wir haben auch vieles eingebüßt von dem was unsere Großväter erstritten — aber wir haben nur Vieles verloren um Alles zu gewinnen! Die Deutschen hatten noch nichts erobert und sehen das Grab der Freiheit schon geschlossen. Doch glaube ich an eine Auferstehung, wenn auch nicht der Tod- len, so doch der Lebendigen; und die neue Freiheit ist für uns und Deutschland vielleicht mehr werth als die alte. Edouard . LV88LL, (Fortsetzung des Kap- vm.) Warum hat England eine Art innere Lebenskraft, welche auch dem Auslande gegenüber Groß- brittanien seine Macht verleiht? Weil es eine feste, aus einem Stück bestehende Nationalität besitzt, mit breiter Grundlage, mit tiefen Wurzeln. Eine Na- tionalitätaber wird nicht zwischen einem Sonuenauf- und Untergang geboren oder vielmehr improvisirt. Die russische Nationalität ist rein illusorisch. Dies Reich ist eine ungeordnete Mischung der verschiedensten Racen, welche insgesammt wieder zu ihrem Ursprünge hinstreben. Wir finden in Rußland Curländer, Lithauer, Polen, Finnen, Letten, Lif- länder, Lappländer, Estländer, Permier, Ferianer, Wosiiaken, Ostiaken, Tschouwans und viel andre barbarische Namen, welche nie ein Volk gebildet haben. Die Finnen wurden unter andern den Schweden entrissen; die Einwohner der Bezirke von Petersburg, Wiborg, Olonetz u. s. w. unterscheiden sich von den eigentlichen Russen durch ihre Sprache, Sitten, Reinlichkeit und Arbeitsamkeit. Man zählt deren ungefähr 1500000. Warum sollte Schweden diese Provinzen nicht eines Tags wieder gewinnen? Und die deutsch-russischen Ostseeprovinzen, warum sollten die Cabinette von Berlin und von Wien nicht dort eine thätige Propaganda,eine germanische Parthei pflegen, welche in Nachahmung des russischen Panslavis- mus, der in Posen, Gallizien u. s. w. besoldet und aufgemuntert wird, deutsche Elemente zu kräftigen stets im Auge behalten! Aber fahren wir in der Aufzählung der Völkerschaften des russischen Kaiserstaats fort. Die tartarischen Stämme bilden eine Bevölkerung von ungefähr 3 Millionen 500 000 Seelen. Alle sind asiatischer Herkunft. Sie theilen sich in die verschiedensten Abarten. Die Tartaren von Kasan sind die Überreste der alten Beherrscher des Landes, sodann finden wir die Tartaren von Astrakan, die aus Tannen, die tartarischen Kalmücken, die Baschkiren, die Kirgisen u. s. w. Sodann folgen die kaukasischen Völkerschaften, welche hartnäckig die russische Oberherrschaft verweigern. Dort ist der Krieg endemischer Art. Noch vor Kurzem wurden alle dort befehlenden russischen Generäle abbernfen und der Czar ernannte neue, um den langwierigen Kamps fortzusetzen. Dieser Krieg ohne Ende, dieser Guerillas-Kampf, wo der Feind nie recht zu fassen ist, wo er stets vorn, hinten, auf der Flanke der Russen operirt, die kaukasischen Operationen bieten Rußland nur einen Ausweg, die Soldaten dahinfterbcn zu sehn und in Europa alle Mittel anzuwenden um die Verluste und Niederlagen unscheinbar zu schildern. Und selbst diese Fantasmagorie der Lüge gelingt nicht mehr. Zählen wir ferner die mongolische Race, die MantschouS, die Polarstämme, die Kosaken-Pulks am Schwarzen Meere, am Don, am Bug, am Dnieper, am Ural- Gebirge, am Gebirge von Orenburg. Die Aufzählung würde nicht enden. Dieses also ist das Amalgam« des russischen Reiches. Alle diese Völker, alle diese Stämme, alle diese durch das Blut und die Sitten geschiedenen, oft feindlichen Elemente, sind nur durch ein künstliches, scheinbares Band gefesselt, ein Band, welches man nicht zu ändern sucht, um es nicht zu brechen. Für sie alle ist das russische Kaiserreich eine Fabel, der Czar eine Chimäre, Petersburg eine neblige Vision! Sie glauben etwas mehr an Moskau, der Hauptstadt der alt-russischen Parthei, dem Zufluchtsorte des unzufriednen Adels, dem Heerde aller Verschwörungen; aber dieses Glauben selbst ist wenig für den Kaiser und das Reich. Was sich in der russischen Politik am besten handhabt, das ist die Lüge. Sie hält Schriftsteller im Solde, welche durch Europa ziehen und die deutsche Presse mit fantastischen Romanen erfüllen. Sobald ein Fremder Rußland bereist, werden vor seinen Augen allerlei Taschenspielerkünste, deren Geheimnisse die russischen Behörden sehr wohl kennen, mit vieler Gewandtheit zum Besten gegeben. Man verführt, schmeichelt, verwirrt ihn, und gewöhnlich kehrt ein solcher Reisender erblindet zu uns zurück. Etwas Ähnliches begegnete vor einigen Jahren dem Herrn Mauguin. Aber es genügt nicht zu verheimlichen, zu scheinen was man nicht ist, es muß auch überall mit Geschicklichkeit betrieben werden. Man muß nicht Ln alle Welt posaunen lassen, daß man nach Allgewalt, nach souveräner Schiedsrichterschaft, nach europäischer Schutzherrschaft strebt. Diese Eingeständnisse sind von dem Standpunkte der politischen Gewandtheit aus die naivsten sowie die ungeschicktesten Offenbarungen, welche die mos- kowitische Einbildung ihren Scribenten niederzu- schreiben anbefahl. So giebt es in der russischen Welt, wir wissen nicht recht an welchem Orte, einen Grafen Adam Gurowsky, einst polnischer Refn- girter und eraltirter Demokrat, seitdem Plötzlich zum wahren Russenthume bekehrt. In seinem neuen Werke, welches in Leipzig unter dem Titel: „Rußland und die Civilisation" erschien, schildert derselbe das russische Reich wie ein Musterland. Wie es ihm gefällt; denn dies ist blos eine Behauptung, welche Art zu doziren jedermann erlaubt sein muß; worin aber der Russomane Unrecht hat, ist uns die Wahrheit seiner Behauptung beweisen zu wollen. Hier folgt eine von den Anekdoten, welche es ihm gefällt uns zu erzählen: „Der Graf Scheremetief ist ein reicher Grundbesitzer, der mehr als hundert tausend Leibeigne be- „sitzt, unter denen mehrere (buchstäblich) sich mit „seiner Erlanbniß (buchstäblich) in Petersburg oder „in Moskau etablirt haben, woselbst sie durch ihre „Intelligenz und ihre Thätigkeit ein Vermögen von ^ „mehreren Millionen erworben!" ! Der russische Autor bemerkt nicht, daß indem er also die Intelligenz der Leibeignen lobt, welche durch ihre Thätigkeit Millionen gewonnen, sobald man ihnen eine gewisse Freiheit gestattet, er dadurch der gesammten russischen Leibeigenschaft das Verdammungsuriheil spricht. Auf der Seite 42 seines Werkes, spricht Herr von Gurowsky im theo- crytischen Style von der Deportation nach Sibirien. Er sagt zuerst die einfache Deportation um die Ebenen von Südsibirien zu colonisiren, sei bei weitem weniger grausam als der Aufenthalt in Afrika und in Botany-Bay. Aber diese Parallele ist auf einer solchen Basis keineswegs aufrichtig. Es giebt nämlich drei Categorien unter den nach Sibirien Deportirten. Die erste Klasse wird zur Arbeit in den Minen verurtheilt; die zweite, zur Jagd auf die Pelzthiere; der dritten Klasse allein wird der Ackerbau u. s. w. erlaubt. Jede Woche findet ein Appel wie bei den Kriegsgefangenen statt. Die Verurteilten können von einer Klasse zur andern übergehen, ehe sie das Ende ihrer Strafzeit erreicht. Aber was Herr von Gurowsky nicht sagt, ist, daß I die Minenarbeit der ersten Categorie einem Todes- » urtheile gleich kommt, vielleicht mehr noch, denn zum Übermaaße des Elends sterben die Unglückli- ^ chen nicht dort unten im ersten Augenblick, sondern leiden die furchtbare Strafe lange Zeit hindurch, ^ bis sie endlich untergehn. Was ebenfalls verheimlicht wird, ist die Willkürlichkeit welche die Verurthei- lungen vorschreibt, die persönliche Sicherheit jeden Augenblick in Rußland allen Launen und Anwandlungen des Despotismus aussetzt; es ist endlich jenes schreckbare, niederschmetternde, geheime Gericht des Kaisers, welches man Gerechtigkeit nennt, wir wissen nicht warum, und welches ganz einfach den Namen: Rache oder Eigensinn verdiente. Aber wir sprechen hier nur längst bekannte Gemeinplätze aus. Wozu seine Zeit verlieren, um solche längst erkannte Wahrheiten von neuem zu doku- mentiren?—Sehen wir lieber wie Graf Gurowsky trotz seiner Verherrlichung der russischen Zustände dennoch naiver Weise zugleich die geheimen Gebrechen und Aussichten des russischen Cabinets aufdeckt. Man wird es kaum in Frankreich glauben, daß sich so etwas in deutscher Sprache gedruckt finde. „Aus „Rußland gestützt, sagt der Apologist, haben „Deutschland und besonders Preußen von dem Bo- „den des Vaterlandes die fremde Herrschaft verjagen und ihre Unabhängigkeit wiedererobern können. In Folge dieser gänzlich wohlthätigen Stellung, ist Preußen inden Stand gesetzt dem Strudel „zu widerstehen, welcher es gegen Westen „schützt, und besitzt zugleich die nöthige Solidität „damit sich die kleinen deutschen Staaten um Preu- „ßen gruppiren. Die moralische Kraft Preußens, „sagt der ehemalige polnische Refugirte weiter, ist 3 „stärker als seine materielle Kraft. All' seine „Güter dankt Preußen der Nachbarschaft „Rußlands!" Was würde aus Preußen werden, wenn es Nachbarn hätte wie die Bevölkerung der unruhigen Polen, der Belgier, der Franzosen und einiger konstitutionellen Kreise Deutschlands? „Das Schiedsrichteramt Rußlands, fährt sich erhitzend der ehemalige Demokrat „fort, hält den Frieden in den entferntesten Gegenden Europa's aufrecht. Rußland allein re- „präsentirt die Stabilität und die Ordnung. Es „erscheint, und alsbald weichen die Revolutionen „und die Revolutionärs bei seinem bloßen Anblick „wie maguetisirt zurück. Wenn der Krieg mitunter eine göttliche Mission ist um ein „noch gefährlicheres Übel auszurotten, „so könnte auch Rußland eines Tags „kämpfen für die Rechte der Menschheit!!" Man muß sich in Europa Glück wünschen, daß die Russen so unbesonnene Advokaten gefunden, welche ganz laut Alles das ausrusen, was die allergewöhnlichste Geschicklichkeit nur ganz in der Stille denken sollte. Aber wenn Rußland durch seine besoldeten Evangelisten eine solche Propaganda macht, jedes Jahr eine ganze Legion von Reisenden ins Ausland sendet, um dort mit scharfen Argusblicken und allerlei unwiderstehlichen Elementen zu wirken, wenn Rußland in Europa so häufig die Presse und die öffentliche Meinung hintergeht und mißbraucht, so würde man irren wenn man glaubte Rußland beschränke sich auf solche Umtriebe in der niedern politischen Sphäre. Rußland verfolgt in höhern Kreisen das geregelte System seiner Allianzen, und dies ist ein Terrain wohin wir den Leser bitten uns bald folgen zu wollen. Seit dem Beginn dieses Jahrhunderts ist die politische Gewalt des Czaren und der Czar selbst der russischen Gewalt von großem Nutzen gewesen, und, Dank den Prinzen und Prinzessinnen des Hauses Romanos, hat sich die russische Politik durch Verheirathungen aller Art in Preußen, Wür- temberg, Sachsen-Weimar, Sachsen-Gotha, Nassau, Oldenburg, Dänemark, Hessen - Darmstadt, Altenburg, in der Familie Leuchtenberg, in Baiern, Holland und in beiden Meklenburg insinuiren können. In Folge der Vermählung der Großfürstin Alerandra, dritte Tochter des Czaren, mit dem Prinzen Friedrich von Hessen, muthmaaßlichem einstigem Thronerben von Dänemark, hat sich Rußland einen festen Posten an den Ufern des Sund schaffen wollen. Auf diese Art hält es die Schlüssel der Ostsee für den Handel und auch für die Kriegszeiten in der Hand. Aber es geht noch weiter. Unter der Jugend von Dänemark, unter den Studenten namentlich, wird die Hoffnung einer Restauration der alten skandinavischen Union gepredigt. Rußland scheut sich nicht auch die revolutionären Mittel zu Hülfe zu rufen, sobald es in diesen irgend einen Beistand für seine umsichgreifende Politik findet. Während aber Rußland die skandinavischen Unions-Gedanken hätschelt, Unterzeichnete es vor drei Jahren einen geheimen Traktat mit dem Könige Carl Johann von Schweden, um seinem Kronprinzen und Thronerben Oscar den russischen Schutz zur Erbfolge zu bieten. — Auf diese Art überall betrügend, wird Rußland endlich nirgends mehr Glauben finden. Aber nähern wir uns endlich jener großen Frage der Allianzen und natürlichen Bundesgenossen, und sehen wir ob auf diesem Gebiete die französische Politik nicht irgend eine Eroberung zu machen hätte. Dieser Theil unserer Arbeit wird auch die Notizen liefern, welche auf die äußere Stellung des russischen Reiches Bezug haben. (Fortsetzung folgt.) Sylvester Jordan. Volksstimme — Gottesstimme. Hat dieser alte Glaube heut zu Tage seinen Werth verloren? Fast möchte man es glauben, wenn man das Schicksal des unglücklichen Jordan in Erwägung zieht, der noch immer in Gefängniß schmachtet, obgleich, es ist nicht zu viel gesagt, das ganze Volk diesseits und jenseits des Meeres für denselben aufgetreten ist. Eine eben so seltene als seltsame Erscheinung! Eine ganze Literatur hat sich bereits zur Vertheidi- gnng dieses Mannes gebildet, ganze Facultäten haben zu seinen Gunsten entschieden, aus allen Gegenden Deutschlands und Amerikas, wohin nur Deutsche gedrungen sind, werden Beiträge zur Unterstützung der Familie eingesandt, und doch ändern sich Jordans persönliche Verhältnisse darum um kein Haar, und nach den Berichten über seinen körperlichen Zustand zu schließen, wird er wohl dem Patriotismus, der sich bei dieser Gelegenheit kund zu geben sucht, zum Trotze, im Kerker zu Grunde gehen. Nach dem was man bisher über diese Angelegenheit, die gleichsam eine europäische geworden, erfahren, beruht die ganze Anklage auf den Aussagen zweier Menschen, welche die öffentliche Meinung längst moralisch gebrandmarkt hat. Daß zwei solche Menschen, welche der Fluch von Millionen trifft, moralisch erniedrigt und verachtet unter ihren Mitmenschen noch sortzuleben wagen können, bestätigt die Beweise, die man von allen Seiten gegen sie aufgebracht hat. Nach den letzten Zeitungsmittheilungen verlangt der eine noch gar eine außerordentliche Belohnung seiner Vaterlandsliebe! In die Eisen mit ihm, wenn es sich herausstellt, daß er nur aus Habsucht denuncirt und, was dann nabe liegt, Unschuldige ins Unglück gestürzt hat. Die großherzoglich hessische Regierung dürfte Anlaß genug haben eine andere Rechnung mit ihm abzuschließen, statt seine Forderung von 20 000 fl. zu befriedigen. Ihn läßt das Schicksal, die rächende Nemesis, hungern, darum lasse man ihn nur sort- hungern, lasse ihn von Gewissensbissen gemartert im Elende schmachten und greife dem Schicksale nicht vor. Er stützt sich, wie es scheint, allein auf seinen Freibrief, aber dieser ward ihm doch gewiß nicht für den Fall gegeben, daß er falsche Anzeigen gemachr hätte? Es befindet sich in dieser Gegend (an der Mosel) ein höchst achtbarer, würdiger Mann, der keinerlei Extravaganzen jemals huldigte. Nie kann sich derselbe der Thränen enthalten, kommt die Rede auf jenen politischen Gefangenen, den er persönlich kennt. Jordan, sagt er, besitze ganz den biederen, aufrichtigen Charakter des Tyrolers; er sei einMensch, den man lieben müsse, habe man ihn einmal kennen gelernt. Er hält es für unmöglich, daß sich dessen gesunder, nüchterner Verstand in jugendliche Verirrungen eingelassen habe, denen er stets abhold war; es sei dies seinem ganzen Wesen völlig zuwider. Dieser Mann hatte schon mehrmals die Absicht, ungeachtet seiner ihn ganz in Anspruch nehmenden Geschäfte, nach Kassel zu wandern und Alles aufzubieten was für Jordans Rettung möglich sei; man hielt ihn jedoch stets mit der Bemerkung zurück, daß dergleichen Schritte schon von den einflußreichsten Männern, aber vergebens, versucht worden wäre, weshalb ein Fehlschlagen seiner Bestrebungen mit Gewißheit vorauszusehen sei. Nur eins kann den schwergeprüften Jordan in seinem beklagenswerthen Schicksale trösten, und dies ist, daß er das Mittel wird, den Wunsch nach Öffentlichkeit und Mündlichkeit des Gerichtsverfahrens, besonders in Folge der stattfindenden Einsammlungen, die nicht ohne vielfache Erklärungen über die Ursache geschehen können, zu einer Allgemeinheit zu erheben, wie nichts Anderes so erfolgreich es im Stande gewesen wäre. Die stattfindenden Einsammlungen geben Gelegenheit, selbst da dem gemeinen Manne die Wohlfahrt des öffentlichen Gerichtsverfahrens begreiflich zu machen, wo derselbe vordem nur dunkle Begriffe davon hatte. Es wird ihm tausendmal eingeprägt werden, daß mit einem solchen Verfahren Jordan nie einem so schrecklichen Schicksale hätte anheimfaüen können. Wenn dasselbe daher auch tief und innig zu bedauern ist, wenn Jordan, was nur zu wahrscheinlich, auch als Opfer fällt, so fällt er doch als Opfer für einen durch ihn wesentlich geförderten hohen Zweck. Es ist kein Zweifel, daß die Sache Jordans und Weidigs das Bedürfniß nach Öffentlichkeit mehr fördert als die gelehrtesten Abhandlungen mit juristischer Schärfe abgefaßt. Bis in die untersten Classen wird dieses Bedürfniß mit jedem Tage, den Jordan länger im Gefängniß sitzt, mehr und eindringlicher gefördert, als es denen wünschenswerth sein kann, welche gegen die Öffentlichkeit sind. Man kann dreist behaupten, daß in dieser Beziehung durch beide Prozesse die Sache der Öffentlichkeit einen un-. berechenbaren Vorsprung gewinnen wird. (T. Z.) Buntes und Spitzes Die „Allgemeine preußische Zeitung" zeigt an, daß der König von Preußen geruht habe, dem Grafen von Arnim, seinen Gesandten in Paris, den Titel „wirklicher Geheimerath" und das Prädikat Ercellenz zu ertheilen. Was die „Allgemeine preußische Zeitung" doch für wichtige Dinge der Welt verkündet. Der Rock macht übrigens die Leute nicht und kein aufgeklärter Mensch legt in Deutschland den mindesten Werth auf solche veralteten Titulaturen und Prädikat e. Einige deutsche Blätter erzählten kürzlich, der Herzog Carl von Braunschweig sei bereit seinen Ansprüchen zu entsagen, und eine Vermählung seines Bruders, des regierenden Herzogs Wilhelm, stehe bevor, um also die ganze Successions-Frage zu beseitigen. Briefen aus London zu Folge, ist der Herzog Carl weniger wie je bereit seinen Ansprüchen zu entsagen; und längst bekannt ist ebenfalls, daß derselbe mehrfach erklärte, sich augenblicklich auch verheirathen zu wollen, falls sein Bruder zu einem solchen Schritte bewogen werden solle. Die trefflichen Hochkarten unsres Landsmannes Obermüller sind in der diesjährigen Industrie-Ausstellung ausgenommen worden. Die beliebte und talentvolle Clavierspielerin der 4 Königin von Baiern, Cathinka von Dietz, hat einen Ruf nach London erhalten und wird dort am Hofe der Königin Viktoria spielen. Neue russische Absperrung. Der Kaiser von Rußland hat einen neuen Befehl erlassen, demzufolge das Reisen der Russen ins Ausland immer schwieriger, für Unbemittelte fast unmöglich wird. Für einen Paß ins Ausland sollen jetzt jährlich 200 Silberrrubel (2 000 Francs) per Person bezahlt werden. Eine zahlreiche Familie trifft eine solche eigenmächtige Abgabe ungemein hart. Der Kaiser Nikolaus I. fürchtet jeden Verkehr der Russen mit den Auslande, mit den Ideen des Fortschritts, mit der Bevölkerung der nicht sklavisch regierten Länder. Zählt eine russische Familie fünf Mitglieder, so ist dies eine jährliche Abgabe von 10000 Francs. Ist es möglich seine Zeit trübsee- liger mißzuverstehn! Hier lebende Russen selbst äußern sich mit größter Bitterkeit über diese Tyrannei. Der Kaiser Nikolaus wagt kein förmliches Verbot gegen alles Reisen ins Ausland zu ziehn, dazu fehlt ihm der Muth, er verordnet daher Paßabgaben, welche das Reisen der Russen immer schwieriger machen und wodurch es nur denen gestattet ist, welcheein großes Vermögen oder eine große Unabhängigkeit besitzen. Die hier lebenden Russen, selbst die, welche entschieden die Entwickelung und die Größe ihres Vaterlandes wünschen, erklären sich ohne Rückhalt dahin, diese neue Verordnung des Kaisers sei in der persönlichen Gereiztheit desselben gegen mehrere neue Schriften über Rußland, theils von Russen, theils von andern verfaßt, zu suchen. Eine solche kleinliche Rache, zum Beispiel wegen des bekannten Werkes des Herrn von Golowine, ist jedoch eine für den Kaiser gänzlich unwürdige Repressalie. Sie beweist von Neuem die kurzsichtige, begrenzte Auffassungsweise des Kaisers, der sich durch solche und andre Maaßregeln in seinem eignen Reiche eine immer größere Masse von Feindseeligen und Mißvergnügten durch seine eigne kaiserliche Thorheit bildet. Will der Kaiser Nikolaus etwa um Rußland eine Art chinesische Mauer ziehen? So habe er doch den Muth solches kühn und offen zu erklären. Dieses Gelderpreffeu von seinen Nnterthanen hat übrigens etwas sehr wenig fürstliches ; und ein Kaiser der sich durch persönliche Bitterkeit leiten läßt, ist versucht von einem Fehltritte in den andern zu gerathen. Bei absoluttyrannischen Regierungen, wie die russische, trifft der Tadel den Monarchen allein, denn es besteht kein schützender Schild der Verfassung, um den Fürsten über den Partheien zu erhalten. Die üble Laune des Kaisers Nikolaus ist demselben ein schlechter, ungeschickter Rathgeber. Einige reiche Russen werden vorziehn sich lieber gänzlich im Auslände niederzulassen, als sich den sultanischen Launen der kaiserlichen Mittelmäßigkeit zu unterwerfen. Namentlich die Kinderlosen möchten diesen Schritt zu thun wenig zögern. In den letzten Jahren ist allgemein von denen, welche den Selbstbeherrscher aller Reußen in der Nähe erblickten, vielfach bemerkt worden, wie eine große Gereiztheit und Bitterkeit den Grundzug seiner jetzigen Handlungsweise und Ansichten zu bilden scheinen. Dies ist jedenfalls ein übles Zeichen. Personen unter fünf und zwanzig Jahren sollen, mit''geringer Ausnahme, gar keine Erlaubniß erhalten ins Ausland zu reisen. Es ist überdem bekannt, daß kein Russe ohne Erlaubniß im Auslande seine Erziehung genießen, wenn anders er nicht auf jede Aussicht auf Anstellung im Staatsdienste verzichten will. Die „Bremer Zeitung" sagt hierüber: „Von einiger Wichtigkeit ist die neulich in Petersburg veröffentlichte Verordnung über das Reisen der Russen im Auslande. Für einen Paß ins Ausland sollen, wie bekannt, fortan jährlich 200 Silberrubel bezahlt werden, was als eine unerhörte Steuer erscheint. Man hat die letztere allmählig gesteigert, und sie trifft die kur- und sinn ländischen Edelleute am härtesten, die es bekanntlich lieben, sich zeitweilig in Deutschland, ihrem Mutterlande, aufzuhalten. Jene Paßsteuer trat in den Vordergrund, als die sogenannte „nationale Richtung" sich immer mehr in Rußland geltend machte, die bekanntlich jetzt die herrschende geworden. Man fürchtet den Geist, den namentlich die russischen Edelleute aus der Fremde zurückbringen, weil man ihn im Widerspruch mit dem einheimischen Wesen glaubt. Und wuuderlicher Weise hat man vor dem deutschen Geiste noch mehrBesorgniß alö vor dem Aufenthalte in Frankreich; in Paris — sagen russische Staatsmänner — ruiniren sich unsere Edelleute den Leib, der läßt sich in Petersburg und Moskau wieder ku- riren; aber aus Deutschland bringen sie einen verwirrten Geist zurück, und dafür haben wir keinen Doktor. — Im Zusammenhang mit andern Maßregeln, die auf ein immer mehr durchgreifendes, inneres Abschließen Rußlands deuten, auf ein physisches und spirituelles Absperrungssystem, muß jene erhöhete Paßsteuer aufgefaßt und verstanden werden." Der Fürst Dolgorucki, welcher unter den Titel: iVotiees 8ur les pririeipul68 kumilles ru8868, pur !s eomtö ^.ImuAro, eine bedeutsame Schrift voriges Jahr in Paris herausgab, ist nicht nach Sibirien gesendet, sondern durch ein Eril in seine Güter bei Wiatka begnadigt worden. Graf Adam Gurowsky, sagt eine Berliner Korrespondenz der „Köllnischen Zeitung," sei in den letzten Umtrieben in russisch Polen von der russischen Regierung benutzt worden, habe nun aber, als ungeschicktes Werkzeug der russischen Polizei erkannt, Aussicht gehabt nach Sibirien zu wandern und sei deshalb über die polnische Grenze geflohen. Der Graf Adam Gurowsky hat verschiedene politische Stadien durchgemacht und ist in Betreff seiner Ansichten ein ganz unzuverlässiger, wankelmütiger, unklarer Geist, vor welchem jede es redlich meinende Parthei ernstlich gewarnt werden muß. Der „gestiefelte Kater" von Tiek langweilt die Berliner, was auch die „Augsburger Zeitung" bestätigt. Der alte Kater hat ausgetretene Schuhe an. Mit der Jnvaliden-Literatur wird kein Aufschwung geboren, weder ein Klein- noch ein Großthun. Die Zeit will Leben und Sprossen, aber keine Antiqui- täten-Sammlung und künstliche Spielerei mit Kothurn, Antigone, Froschchören und Kindergruppen aus dem Sommernachtstraum. Wenn die Herrn in Berlin wähnen mit solchem Mummenschanz auf die Richtung des Publikums durch Druckwerk zu wirken, so irren sie gewaltig. Ein Berliner Eckensteher erzählte einst, einem Reisenden als Cicerone dienend, auf den Hügel mit der Stocknadel vor dem Hallischen Thore deutend: „Dat ist der Königsberg, unser Montblanc, und det Monument da oben ist so groß wie der Straßburger ihr Münster. Von unnen hier kömmt det nur so kleen vor, weil der Berg seine Höhe hat." Als aber der Reisende den Königsberg besteigen wollte, sagte der ironische Eckensteher: „Steigen Se aber nich rus, et is nich der Mühe werth um den Maulwurfshaufen!" Berlin, 25. April. Es hat uns hier ganz ungemein gefreut, als wir neulich von Gutzkow versichern hörten, Berlin habe sich ganz verwandelt, es sei nicht mehr die alte Theilnahmlosigkeit an allem höheren Leben zu finden, die nur aus ihrer Apathie erwache, wenn eine Parade oder eine Künstlerin losgelassen werde. Man finde jetzt sogar politische Salons, Parteien, kurz es sehe beinah aus, wie Paris zur Zeit der Restauration. Wir haben uns um so mehr damit gefreut, weil wir gar bisher nichts davon bemerkt haben, und Herr Gutzkow wird, wenn er bei seinem nächsten Stück hier anwesend sein sollte, gewiß aus Dankbarkeit herausgerufen werden. Die „Slavischen Jahrbücher" haben die Entdeckung gemacht, 'daß die nicht polnisch redenden Bewohner in Schlesien „eine germanische P arth e i" seien! Der Züricher „Landbote" berichtet, daß das obergerichtliche Urtheil an den Schriften Baner's und Herwegh's bereits vollzogen worden ist, d.h. sie sind in der Papierfabrik in Wüstlingen, wonicht dem „Teufel" doch den „Holländern" übergeben und grausamlich zu Brei zermalmt worden. Statt des ehemaligen Reichsvogtes mußte das Statthalteramt in Begleitung von Waibel und Landjäger sowohl der Ausführung als der Erecution beiwohnen. Beide gingen ohne Störung vorüber, obwohl den Arbeitern in der Fabrik vor Entsetzen die Haare zu Berge standen und die Furcht vor Hereil und bösen Geistern, .die sie jeden Augenblick aus den zerrissenen Trümmern emporsteigen zu sehen glaubten, auf den Gesichtern gemalt stand. — Das nächste Mal werden solche Schriften unter dem Galgen verbrannt, und das dritte Mal — die Verfasser selbst! Der Stadtrath von New-Uork hat in den letzten zwei Monaten zwar nicht viel geleistet, aber um so mehr gegessen, nämlich 6000 Austern und eine Unmasse von Butterbrod. Deutsch - Französisches Wörterbuch. Bei M. Strauß, ttu« 6s L'Arbrs- 8eo, 46, in Paris, erscheint subscriptionsweise: Dr. Schusters „vollständiges Wörterbuch der deutschen und französischenSprache," in 36 Lieferungen u 50 Centimes. Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von PanlÄenou cird Parts, Sonnabend. Nr. 38. I I. Mai 1844 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. . . . 1» „ Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen : die Zeile » 50 Centimes. H rw n,, MSW Man abonnirtr für Paris: im Durssu oentrst xour I -^IIernsFr»«, »U6 des AlouUlls, 32. und in der Buchhandl. von Jules Nssousrä et 0'°, rus ck« l oui non, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England/ in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Runtt, Wissenschaft, Theater, Muük und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des .H. B idault, 16, nue clo In luskionne.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestell werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. —Anfragen, Beiträge, PränumcrationSgeldcr und Briefe wollen trnnoo : « An die Rcdaction des Journals: Vorwärts, 32, ruv 668 Nou!i»8 in Paris » eingcsendet werden. Der Kaiser von China. Mein Vater war ein trockner Taps, Ein nüchterner Duckmäuser. Ich aber trinke meinen Schnaps Und bin ein großer Kaiser. Das ist ein Zäubertrank! Ich hab's Entdeckt in meinem Gemüthe: Sobald ich getrunken meinen Schnaps Steht China ganz in Blüthe. Das Reich der Mitte verwandelt sich dann In einen Blumenanger, Ich selber werde fast ein Mann Und meine Frau wird schwanger. All überall ist Überfluß Und es gesunden die Kranken; Mein Hofweltweiser Confusius Bekömmt die klarsten Gedankeü. Der Pumpernickel des Soldats Wird Mandelkuchen — O Freude! Und alle Lumpen meines Staats Spazieren in Sammt und Seide. DickMandarinenritterschaftj Die invaliden Köpfe, Gewinnen wieder Jugcndkraft Und schütteln ihre Zöpfe. Die große Pagode, Symbol und Hort Des Glaubens, ist fertig geworden; Die letzten Juden taufen sich dort . Und kriegen den Drachen-Orden^ Es schwindet der Geist der Revolution v Und es rufen die edelsten Mantschu : Wir wollen keine Constitution, Wir wollen den Stock, den Kantschu! Wohl haben die Schüler Eskulaps Das Trinken mir widerrathen, Ich aber trinke meinen Schnaps Zum Besten meiner Staaten. Und noch einen Schnaps, und noch einen Schnaps! Das schmeckt wie lauter Manna ! Mein Volk ist glücklich, hat's auch den Raps Und jubelt: Hosianna! Heinrich Heine. Die provisorische Censur. Es hat sich neulich — herausgestellt, daß wir ein geschichtliches Recht aus Preßfreiheit haben, welches uns nach der Sachlage durch die karlsbader Beschlüsse weder geraubt werden konnte noch auch wirklich geraubt worden ist. Trotz ihrer pro- viso rischen Natur treten aber diese Beschlüsse nun schon am 20. September dieses Jahres in das Stadium ihres fünf und zwanzigjährigen Jubiläums. Während dieser Zeit haben wir es nur zu oft erfahren, wie sich, bei den Erörterungen über die Preßfreiheit, die Stabilitätsmänner auf dieselben nicht wie auf etwas Provisorisches, Vorübergehendes, sondern wie auf etwas Ewiges, Unabänderliches bezogen. Es ist förmlich zur Mode geworden, den Bestrebungen um Preßfreiheit die karlsbader Beschlüsse entgegenzusetzen, und manchmal muß man sogar hören: „Die Fürsten gäben Euch sehr gerne Preßfreiheit, aber die Hände sind ihnen selbst durch die Carlsbader Abschlüsse gebunden." Diese Einrede ist— offen gesagt — nicht ehrlich. Hält man die Preßfreiheit für etwas dem höchsten Staatszweck Gefährliches, so antworte man gleich an tonä und schiebe nicht die Einrede der Carlsbader Beschlüsse vor. Denn das weiß ja doch Jedermann, daß diese Beschlüsse nichts außerhalb Liegendes, Fremdes, Unantastbares sind, sondern grade etwas von den Fürsten, für welche man sich darauf beruft, Geschaffenes, folglich auch wieder Abschaffbares. Wir wissen, daß der Art. 5 der deutschen Bundesacte jedem Bundesgliede, so klein auch dessen Territorium sei, die Befugniß er- theilt, Vorschläge zu machen und in Vortrag zu bringen; wir wissen, daß die Carlsbader Beschlüsse, dadurch daß sie sich provisorisch nennen, selbst den Keim einer dereinstigen Vernichtung in sich gelegt haben. Wir glauben sogar, daß über die Abschaffung derselben, solgeweise der Realisirung der im Art. 18 der Bundesacte enthaltenen Verheißung, im engen Rath der hohen Bundesversammlung nach einfacher Stimmenmehrheit ein Beschluß gefaßt werden kann, da diese Form der Beschlußfassung nach Art. XI der Wiener Schlußacte von 1820 in allen Fällen stattfinden soll, „wo bereits feststehende allgemeine Grundsätze in Anwendung oder beschlossene Gesetze und Einrichtungen — im untergebenen Falle Art. 18 der Bundesacte — zur Ausführung gebracht werden sollen." Ist man also der Preßfreiheit in der Idee abhold, so schiebe man die Carlsbader Beschlüsse nicht vor, welche ebensogut und im Einklang mit „heiliger Treue und Wahrheit" wieder aufgehoben werden können, als der Art. 18 der Bundesacte suspendirt wurde. Man sage dann grade heraus, was man uu llmä gegen die Preßfreiheit hat. LV88IL, IX. Summarium: Rolle der Vermählungen in der russischen Politik. — Rekapitulation aller bisher zu Gunsten der russischen Politik mit den regierenden Familien geschlossenen Heirathsverbindungen. — Der Prinz Friedrich von Hessen. — Gewandte Combination. — Gegen-Mine. — Über ein Allianz-Projekt mit Österreich. Aber wenn Rußland durch seine bezahlten Apostel Propaganda treibt, wenn es jedes Jahr eine Legion Reisender erpedirt, mit Argusaugen und einer hinlänglichen Zahl unüberwindlicher Argumente versehen, wenn es Europa auf alle Weise, durch die Presse sowohl als durch den Schein zu täuschen sucht, so soll man nicht glauben daß es seine Stärke auf die niedern Sphären der Politik beschränkt. Rußland praktizirt vorzüglich das große System der Vermählungen und Allianzen. Allianzen in der That, wenn auch nicht durch Traktate mit Deutschland, wohin es mehr geheime Agenten als Diplomaten schickt, Vermählungen mit allen fürstlichen kleinen oder großen Familien, welche seiner Macht zum Schemel dienen können. Beginnen wir zuerst mit den Vermählungen. Seit dem Anfänge des Jahrhunderts sind die ehelichen Tugenden des Czars und der Czar selbst Rußland besonders hülsreich gewesen; er sowohl als die Prinzen und Prinzessinnen seines Hauses, glorreicheSprößlingeNomanoffs, sind endlich überall durch Ehen, in Preußen, in Würtemberg, in Sachsen-Weimar und Gotha, in Nassau, Oldenburg, in Dänemark, in Hessen-Darmstadt, zu Altenburg, mit den Leuchtenbergs, in Bayern, in Holland und in beiden Mecklenburgs, verzweigt, und so schreiten denn russische Einflüsse zu einer zweckdienlichen und für russische Größe allein vorteilhaften Zerstückelung Deutschlands fort. Endlich ist es Rußland auch gelungen festen Fuß am Sund zu fassen, in Folge nämlich der kürzlich erfolgten Vermählung zwischen dem Prinzen Fried- / ^ 2 richvon Hessen und der Großsürstin Alexandra, dritten Tochter des Czars. Diese Verbindung ist eine politische Klugheit, denn Prinz Friedrich ist von der Seitenlinie des dänischen Hauses, und wenn der jetzige Kronprinz von Dänemark ohne Kinder stirbt, so wird der russische Einfluß durch Prinz Friedrich auf immer in diesem Lande festgesetzt Der Czar hätte so die Schlüssel des Baltischen Meeres, sowohl für seinen Handel als auch für den Fall eines Krieges in Händen. Denn es ist ja im Süden des Baltischen Meeres kein See-Hafen der größere Kriegsschiffe aufnehmen könnte, außer dem von Kiel, der 54 Fuß tief ist, während alle andern nicht 12 erreichen. Nun ist aber der Hafen von Kiel im Herzogthum Holstein gelegen, welches zum deutschen Bund gehörend, dem russischen Reiche einen neuen Einfluß auf Deutschland darbictet. Man muß sogar hinzufügen daß das moskowitische Cabinet sich nicht damit begnügt. — Es verbreitet nämlich im Dänischen unter der Jugend, besonders aber unter den Studirenden, die Hoffnung einer Wiederherstellung des alten Skandinavischen Bundes, also selbst revolutionäre Ideen verbreitend, wenn solches zu den Zwecken seiner unternehmenden Politik paßt. Es ist wahr indessen, daß vor drei Jahren zu Stockholm, Nikolaus einen geheimen Vertrag mit dem König Karl Johann abschloß, um ihm die russische Beihülfe für seinen Kronprinzen zuzusagen, welches dem skandinavischen Bund ein wenig zuwider wäre. Doch es ist nur durch fortwährenden Betrug daß Rußland endlich Niemand mehr trügen wird. Ein anderer Vermählungsvertrag, welcher schon lange in der Conferenz der hohen Diplomatie erschien, ist daß die zweite Tochter des Czars den jungen Erzherzog Stephan von Österreich, dem nämlichen, welchem man beabsichtigte die Schwester des Herzogs von Bordeaux zu geben, eheliche. Die Nachrichten melden selbst, daß der Kaiser eine Reise nach Wien noch dieses Jahr machen wird, und von der Fürstin Olga begleitet werde, so daß der Erzherzog Stephan, welcher Gouverneur von Böhmen ist, im Stande sein wird seinen Hof den erlauchten Besuchern zu machen. Wenn dieser Vorschlag sich verwirklicht, so kann Herr von Metternich seine Abdankung als Kaiser von Österreich geben; denn Rußland, einen Fuß in Prag und den andern über der Donau, diesem Nebenbuhler Talleyrands wird nichts mehr zu thun überlassen. Übrigens versichern die Personen welche sich dem Fürsten in einer besondern Audienz nähern konnten, daß dieser Staatsmann, der in der Handhabung der höchsten Geschäfte veraltet ist, nach und nach die praktische Fähigkeit und den schnellen und sichern Blick die ihn so lange auszeichneten, verliert. — Und in der That, diese russisch- österreichische Heirath wäre kein Beweis von einer glücklichen Vorsicht von Seiten des erlauchten Politikers. Ein engerer Bund zwischen Rußland und Österreich, im gegenwärtigen Zustande der Angelegenheiten und der slavischen Parthei Ln den österreichischen Provinzen, wäre eine Ungewandtheit, um nichts Ärgeres zu sagen, welche den politischen Ruhm des Fürsten von Metternich auf eine sonderbare Weise in Gefahr bringen müßte. Doch wir dringen hier in eine Frage, welche sich natürlicher Weise weiter finden wird, wenn wir den zweiten Theil unsrer kleine Schrift angefangen habenwerden, 4>as heißt jenen Theil, welcher einen besondern Be- Mg aus die Umgänge Rußlands mit den fremden Mächten hat. Wir wollen nun ohne andere Einrede, in der Behandlung zweier entgegengesetzter Punkte der russischen Politik fortschreiten : Die Verhältnisse Rußlands mit Preußen zuerst, und mit Österreich nachher. Doppelte Eramina, woraus wir uns bestreben wollen die Wahrheit zu ziehen, um ein richtiges Maaß der moskowitischen Macht zu haben, welche größer scheint durch die Ausdehnung ihrer Herrschbegier als durch die wirkliche Größe ihrer Zukunft. (Fortsetzung folgt.) Das preußische Budget für 1844. Es ist ein ganz eigenthümliches Schauspiel zu sehn, wie ein Finanzminister in Berlin, Herr von Bodelschwingh, dessen praktische Fähigkeiten oft belobt worden, obgleich sie nie so schlagende Beweise geliefert haben, wie dessen frühere Vorgänger, die Herrn von Motz und Maaßen, eine Ein- und Ausgaben- Tabelle unterschreiben kann, worin sich Ein- und Ausgabe in das Wohlgefallen der vollendetsten Übereinstimmung auflösen. Ein solcherOptimismuö ist in der That nicht geeignet vielen Glauben an die vollständige Richtigkeit der gebotenen Zahlen zu erregen, und dieses ängstliche, besorgte Auftreten der Öffentlichkeit gegenüber, lieferteinen neuen Beweis, wie in Berlin die Anforderungen der Zeit mißverstanden werden. Das Publikum, welches die Abgaben zahlt, hat das Recht zu verlangen, daß ihm genau bis aus Heller und Pfennig der Staatshaushalt vorgelegt werde; die Zeiten werden noch kommen, wo ein solches Verlangen nicht mehr ein demagogisches, anti-monarchisches und den Respekt aus den Augen setzendes genannt wird. Allerdings wird es dann nicht mehr möglich sein dem gebildeten preußischen Publikum Zahlen-Tabellen vorzuinstruiren, die keiner genauen Untersuchung Stich Hallen. .Vor der Seehandlung, diesem so wichtigen Staats-Institute, schweigt der Bericht des Herrn Finanz-Ministers. Ist es nicht in der That an das Komische grenzend, über ein Institut zu schweigen, welches über so wichtige Mittel gebietet, so große Privilegien hat, und über welches Alles ein so geheimnißvolles Dunkel gebreitet wird? Und von der Civilliste ist auch keine besondre Rubrik geliefert worden. Wie viel beträgt solche? Wo figurirt sie? Welches sind die Zweige derselben? Aus welchen Fonds nrerden sie entnommen? Wie viel entnimmt der König, die Prinzen, Prinzessinnen? Warum wird nicht einmal eine runde Summe angegeben? Und der preußische Schatz, wie viel beträgt der Reserve-Fonds, dessen Verwaltungskosten erwähnt worden? Auch hierüber wird aus Geheimnißthuerei geschwiegen. Wir protestiren also gegen Unzulänglichkeit und willkürliches Gruppiren der ln der „Preußischen Allgemeinen Zeitung" u. s. w. gelieferten Ein- und Ausgaben-Tabelle, weil sie unvollständig, weil sie willkürlich, weil sie ohne die nöthigsten Belege und Aufklärungen veröffentlicht ist und endlich, weil die wichtigsten Zweige der Ausgaben und Einnahmen, Seehandlung, Schatzwesen, Reserve-Fonds, Civilliste n. s. w. gar nicht geliefert worden sind. Eine andre, die Form betreffende Bemerkung ist folgende. Die Cabinetsordre des Königs von Preußen lautet: Haupt-Finunz-Etat für das Jahr 1844. „Ich habe den mir am 23. v. M. eingereichten „allgemeinen Etat der Staats-Einnahmen und „Ausgaben für das Jahr 1844 vollzogen und sende „Ihnen denselben zurück, um dessen Publikation „durch die Gesetz-Sammlung zu veranlassen. „Berlin, den 9. April 1844. „Friedrich Wilhelm. „An den Staats- und Finanz-Minister von Bodelschwingh." Wenn man so viel in Preußen von Sprachreinheit und Dentschthum, von Franzosen-Nachäfferei u. s. w. spricht, so sollte man in drei Zeilen nicht vier französische Worte gebrauchen. Die deutsche Sprache ist reich genug und der König von Preußen, der in seinen Privatbriefen einen sehr fließenden, geistvollen, Plastisch geformten Styl besitzt, sollte seine Unterschrift so abscheulichem Kanzleistyl verweigern. Auch indiesem Cabinets- und Curial- styl ist, wie in viel anderer Hinsicht, etwas mehr Geschmack zu wünschen. Was bedeutet aber denn der Ausdruck: „Ich habe den Etat der Staatseinnahmen und Ausgaben für das Jahr 1844 vollzogen? Das ist kein Deutsch, sondern Cabinets-, Zopf-, Perrückenstyl, und überdemein Verstoß gegen die Logik. Man vollzieht eine Handlung, aber keinen Einnahmen-und Ausgaben-Etat. — DochdaS sind Nebendinge. Buntes und Spitzes Mehrere hiesige Blätter, auch die gerichtlichen, erzählen einige Skandalös« über einen in Contumaciam wegen Verführung minderjähriger Mädchen zu mehreren Jahren Gefängniß, polizeilicher Aufsicht u. s. w. verurtheilten Baron von Brockhausen, den diese Blätter einige einen Sachsen, andre einen Preußen, alle aber einen Deutschen nennen. Diese Angaben sind unrichtig: der genannte Brockhausen ist seit mehreren Jahren Bürger von Genf, woselbst er sich naturalisiren ließ. Aus Deutschland längst ausgewandert und seiner Ercentrizitäten, selbst Geisteskrankheit wegen einst in Berlin mit Interdikt und Nichtverwaltung seines Vermögens belegt, bürgerte sich derselbe im Auslande ein. Es ist also eine sehr ungenaue Angabe der französischen Blätter, wenn sie des Herrn Baron von Brockhausen's Pariser Treiben dem deutschen Namen ausbürden. Derselbe gehörte, wie gesagt, seit vielen Jahren nicht mehr uns Deutschen an und trieb sein undeutsches Wesen hier in Paris so weit, seine eigne Muttersprache seit Jahren zu verläugnen. Wir hätten diese schmutzige Geschichte von dem Harem, den sich der hirnverdrehte Baron hier in Paris organisirt hatte, aus Rücksicht für eine achtbare Familie gar nicht erwähnt, wenn nicht seit vierzehn Tagen die verschiedensten französischen, englischen und belgischen Blätter dieses neue Capitel der Pariser Mysterien vielfach besprochen und sehr interessant ausgeschmückt hätten. Der Vater des Herrn von Brockhausen war der allgemein geachtete preußische Staatsminister gleichen Namens; ein Bruder ist in den obern Stufen der preußischen Diplomatie beschäftigt ; es ist aber ganz unrichtig wenn dem hier jetzt in Paris so trübseelig bekannt gewordenen 3 Herrn von Brockhausen der Titel eines reichen preußischen oder sächsischen Gutsbesitzers zugetheilt wird. Berlin, 20. April. (Mgd. Ztg.) Die Errichtung eines eigenen Handels-Ministeriums soll ausgegeben sein und der. dafür designirte Herr von Rönne, zeitheriger preuß. Gesandter beiden nord- amerik. Staaten, den Titel eines Präsidenten der Handels-Kammern erhalten. Letztere werden nunmehr überall in's Leben treten. A. v. Bornstedt ist auf einige Tage von Paris nach Portsmouth, London, Birmingham u. s. w. gereift. Eduard Meyen liefert in dem Feuilleton der „Köllnischen Zeitung" einen lebendigen und tief eingreifenden Aussatz über den veralteten „gestie-, selten Kater" von Tiek, den man in Berlin vor einer glänzenden Versammlung galvanisiren wollte. Der Versuch mißglückte. EduardMeyen ist ein geistvoller, für Bewegung und geistige Emancipation strebsamer Kopf. Bereits in dem leider zu früh untergegangenen „Athenäum" leistete er, trotz äußern Hemmungen, viel Gutes; seine Auffassung ist kühn, seine Analysis sezirend. Viele seiner Ansichten sind den unfern als in Ertreme gerathend entgegen, aber wir verlangen die freie und anständige Besprechung für Jeden, wie solche der jetzige König von Preußen versprochen, und wünschen der „Köllnischen Zeitung" oft ähnliche Beiträge wie den oben erwähnten. Die diplomatische Erklärung der Berliner Universität über Nauwerk, worin sie zu verstehen gibt, daß sie die sernern Vorträge Nauwerks in der ihm üblichen Art nicht mehr würde haben gutheißen und rechtfertigen können, ist in Bezug auf die Sache vielleicht zu billigen; aber ausgefallen ist es, daß sie mit keinem Worte angedeutet hat, ob von ihr die Form des Verbotes gegen Nau werk zugleich als eine wesentliche Verletzung der Universitätsfreiheit, des Rechtes der Wissenschaft und derFacultät angesehen wird. So theile ich wenigstens das Gerücht als wahrscheinlich mit, daß die Erklärung der Universität, obgleich Professor Di et eri ci im Namen der ganzen Universität sich unterzeichnet hat, nicht all- gemejn gebilligt und auch weniger aus freiem Entschlüsse als durch besondere Einwirkungen und Unterhandlungen erwirkt worden sei. Aus dem Wupperthale, Ende April. Daß es bei uns besser geworden, Heller, aufgeklärter, namentlich seit drei Jahren, ist eine Wahrheit, welche man sich selbst dadurch nicht verleiden lassen darf, daß sie bis zum Übermaaß und gewaltig übertrieben wiederholt wird. Es hat sich ein freierer Geistund namentlich von der Politik aus bei uns angesiedelt, nebenbei eine Belehrung für diejenigen, welche die Zeit nicht verstehen und erst auf dem einen Felde tabula, rasa machen wollen, während die öffentliche Meinung gerade für das andere bereit ist. Allein man muß sich um Gotteswillen auch nicht zu viel von unserm Fortschritte vorstellen. Die Lust ist noch gewaltig trübe und dumpf, und die sür's Licht Gewonnenen begnügen sich meistens leider, die bessere Überzeugung für sich zu haben, anstatt sie nach Kräften zu verbreiten. Die Herren Krummacher und Friderici halten von der Kanzel herab förmliche Controverspredigten wider einander, und diese Erbitterung der Heerdenführer pflanzt sich natürlich aus die Heerde selbst über. Als vor Kurzem die Anlegung neuer Kirchhöfe nöthig wurde, wählten zwar die Confessionen einträchtiglich dasselbe Feld; trennten aber doch ihre lieben Todten durch acht Schuh hohe Mauern. -Das ist Aufklärung, das ist Fortschritt! (Sprecher.) Berlin. So eben erfahren wir aus guter Quelle, daß ein Cabinetsbefehl von Sr. Majestät dem Könige erlassen worden ist, daß der Strafgesetzentwurf den Ständen wieder vorgelegt werden soll. Zugleich soll darin ausgesprochen sein, daß die Strafe der körperlichen Züchtigung wegsallen solle. In Bezug auf die Rheinprovinz wird die Niedersetzung einer Commission angeordnet, die sich über die Vereinbarkeit des Strafgeffetzentwurfs mit dem Geschwornenge- richt aussprechen solle. Hiesige mit dem rheinischen Rechte bekannte Rechtsgelehrte sind der Meinung, daß eine solche Vereinbarkeit wohl schwerlich abzusehen. sein dürfte, indem der Strafgesetzentwurf nicht die Genauigkeit und Bestimmtheit haben möchte, die er doch haben müßte, um mit dem Ge- schwornengericht verbunden zu werden. Ein Hannöverscher Diplomat (siehe „Köllnische Zeitung," 1. Mai) ist zur katholischen Religion übergegangen. Alsbald ruft ihn der König Ernst von Hannovervon seinem Posten in Berlin ab. Wie lange wird dieser König Ernst noch sein Wesen treiben und selbst in das innere Forum der Überzeugung und des Glaubens seine freche und nichtsverschonende Faust hineindrängen! Wo bleibt bei solcher Unbill im neunzehnten Jahrhundert die Toleranz? Und wie hat die Politik das Recht die religiöse Überzeugung eines Beamten so absolutistisch zu mißhandeln? Der König Ernst ist mit Blindheit geschlagen, und der Bundestag hat sich an dem monarchischen Prinzip arg vergangen, den frühem Gewaltschritten eines solchen Fürsten nicht hemmend und das Gesetz achtend entgegenzutreten. Russische Stimme in der „Augsb. Al lg. Zeitung" (N. 117). Die „Allgemeine Zeitung" hat, ihrer Stellung und ihrer Rücksichten zufolge, oft die unangenehme Mission auch Mittheilungen ihren Spalten öffnen zu müssen, welche wahrscheinlich den Ansichten ihrer Redaktion sehr wenig Zusagen können. Einen neuen Beweis dieser Duldung liefern einige Aufsätze überdie kaiserlich russische Akademie der Wissenschafte n, von einem „guten Deutschen" unterzeichnet. Gut ist in der That das Prädikat wohl nicht gewählt, vielmehr sollte es heißen : ein gut russisch gesinnter Deutscher, wie es deren leider noch einige aus verschiedenen Rücksichten und Zwangsjacken gibt. Der gut russisch gesinnte Deutsche streut nämlich die zierlichsten Lobsprüche der unvergleichlichen Munifizenz, mit welcher Rußland die Bedürfnisse der Wissenschaften befriedigt; nennt die russische Akademie eine durch großartige Mittel unterhaltene, durch mannigfaltige Glieder gebildete, weithinreichende Körperschaft, die besonders für uns Deutsche von allgemeinem Interesse sei. Über den Car- tellvertrag, die Judenverfolgungen in Rußland, die Weltverbesserungsideen spöttelt der gut russisch gesinnte Deutsche und wirft uns ein unaussprechlich zartes Gewissen, ein ca- tonisches Rechtsgefühl vor und räch uns Deutschen: den Staub vor unserer Thü-r zu fegen, selbst auf Gefahr hin wegen solcher Sprache für einen besoldeten russischen Pentarchistenzu gelten. In der russischen Akademie sind 26 Namen deutscher Herkunft, 29 russischer, schwedischer und französischer Abkunst beschäftigt. „Dies, ruft triumphatorisch der Panegyriker aus, gibt einen glänzenden Beweis der Anerkennung welche Rußland deutschen Talenten zollt. Denn viele der 26 Gelehrten sind nicht in Rußland geboren, sondern dorthin berufen." Dieses Argument ist schwach. Ein deutscher Professor wird in Rußland gebraucht, russisch benutzt, und würde es ihm einfallen seinem Vaterlande treu zu bleiben und das germanische Prinzip vertreten zu wollen, alsbald würde er verdächtig genannt und entlassen werden. Der gut russisch gesinnte Deutsche warnt zuletzt: das ungeheure, mächtige Rußland nicht mit sieten Plänkeleien der deutschen Presse zu verfolgen, und fragt ganz naiv: „Haben wir Deutschen denn so vielen Grund uns bei den Russen verhaßt zu machen? Dieses Schlußbouquet des oratorischen Feuerwerks, welches der gute Mann zum Besten russischer Ideen aufsleigen läßt, zerfällt in Rauch und Wind. Es bleibt von solchen ungeschickten Verthei- digungen nichts übrig als das Bedauern, solche gewandtgeschmiedete Stylübungen spurlos, um falsche Stellungen zu vertheidigen, verschwendet zu sehen. Dem Herrn von Ouwarof, Präsidenten der russischen Petersburger Akademie, wird auch pflichtschuldigst ein glänzendes Zeugniß des Talents, der Weisheit, der Staatsklugheit, der Schärfe des Urtheils u. s. w. ausgestellt. Uns fehlt der Athem alle diese Lobhudelei zu wiederholen. Ob vergüte Deutsche wohl ein Professorin St. -Petersburg ist? Um Antwort bittet — A. v. B. Die Bier-Revolution in München. Es gehen merkwürdige Dinge in Deutschland vor, Erneuten und Revolutionen wohin man nur steht; in Lübeck: Revolution wegen Nachtigallen und Bürgermilitär; inDanzig: Revolution wegen Packtragen und Schiffladen,- in Carlsruhe: Revolution weil sich ein jüdischer Baron mit einem christlichen Herrn von gezankt, und ein russischer Herr von dabei erschossen wordenist; inMün- chen: Revolution weil das Bier um einen Kreuzer theurer geworden ist; das sind fürchterliche Geschichten, die Haare stehen uns zu Berge, und wir sind froh, daß wir sicher in dem ruhigen Paris leben, wo man zwar wegen Freiheit der Presse, der Wahlen, des Individuums Revolutionen macht, aber noch nicht auf jenen Culmina- tions-Punkt der Emeuterie gekommen ist, wie die deutschen Nevolutionsmänner in Danzig, Lübeck, Earlsruhe und München. Und die bäurischen Cürassiere, die neulich einen Kreuzer Soldzulage verlangten und deshalb revol- tirten; und die Eisenbahnarbeiter in Liegnitz und diean- noncirte Emeute in Kölln, — weiß Gott! es wird bedenklich und wir möchten nicht Hofrath in Deutschland sein, denn 1789 ist im Anzuge. Eine Revolution wird kommen und eine Declaration der Menschenrechte wird veröffentlicht werden, wonach alle Packträger ausschließlich das Recht haben die Schiffe zu laden, kein Jude sich mehr duelliren darf, und das Bier um vier Kreuzer ausgeschenkt werden muß. — Aber Scherz bei Seite! es liegt etwas Ernstes, Unheimliches in diesem Aufblitzen des materiellen Unbehagens, das sich aller Orten in Deutschland kund gibt; — die Regierungen sind mit Blindheit geschlagen, sie denken lediglich darauf Erneuten zu bezwingen, aber nicht darauf ihnen vorzubeugen. Die Volksmassen aber lernen bei diesen Krawalls ihre Kraft und ihre Macht kennen, sie zählen sich und finden, daß fie in der Mehrzahl sind. Die Cürassiere in München haben sich geweigert gegen das Volk zu rücken, sagt die,,Kollnische Zeitung;" die Oaretta cke8 1iübr>r>aux erzählt, daß die Artilleristen der Hauptwache, trotz des Befehls des commandirenden Offiziers, ihre Kanonen nicht auf das Volk abfeuern wollten, und dieses ihnen dankbar zujubelte. — Das Alles ist ernst, — ernster als es Manchen scheinen dürfte. Man wird in München, wie immer wenn das Volk etwas ernstlich^ will, nachgeben müssen; — eine solche Inkonsequenz aber ist verderblich. Wenn hier in Paris der Getreidepreis steigt, so gibt die Negierung den Bäckern Zuschüsse um den Drod- preis auf seiner mäßigen Stufe zu erhalten; man erinnert sich an 1790, man weiß daß das Volk nur wenige Bedürfnisse hat, daß diese aber unerläßlich sind. In Baiern ist das Bier das zweite Brod des Arbeiters, den es näbrt und kräftigt; wie unbesonnen also jene aufreizende Erhöhung (und noch dazu an jenem festlichen Tage), die man ohne Opfer vermeiden konnte, selbst mit Opfern hätte vermeiden müssen. Des Bierkreuzers wegen Menschenleben geopfert, deutsche Soldaten gegen deutsche Bürger in den Kampf geführt, Aufruhr, Zerstörung, Kavallerie-Angriffe, Verhaftungen, Criminal- prozesse des elenden Bierkreuzers wegen! Wahrhaftig, man wird irre an dem gesunden Menschenverstände der Negierenden, wenn man solches thörichte Beginnen sieht. Etwas Zuverlässiges über die Münchener Vorfälle zu erfahren, hält schwer; die ,Münchener Zeitung" versichert uns, die Bewegung sei nicht politisch gewesen (was ihr Jeder, der Deutschland kennt, aufs Wort glaubt); die,,Augsburger Allgemeine Zeitung" ist schweigsam und lakonisch aus begreiflichen Rücksichten; die meisten Details gibt die „Köllnische Zeitung;" die französischen Blätter schmücken die Geschichte aus; und das Publikum? — Nun, es macht es wie gewöhnlich — Ieder glaubt was er will, das aber ist der Segen der Preßunfreiheit. — Gott bessers !! Pariser FrühLLngstreiben. Der Monat Mai har endlich die Salons voll musikalischer, politischer und ästhetischer Langeweile geschlossen, und uns zum Ersatz Sommersprossen, Maikäfer, Wettrennen, Industrieausstellung, Landparthien u. s. w. gebracht. Dies alles ist zwar schon voriges Jahr dagewesen, und wird künftiges Jahr wiedcrkommen, wir können jedoch eben so gut eine Wiederholung wie eine Neuigkeit besprechen, besonders da jede Sache auf verschiedene Art ausgclegt werden kann. Wenn wir zum Beispiel von Sommersprossen reden, so meinen wir nicht jene Fleckchen, welche oft die Hautfarbe verunstalten, aber auch oft den Reiz eines zarten Gesichtes erhöhen, sondern wir meinen jene ?6tits masteres sie 1» >>6 liuiusine, die im täglichen Leben so oft Vorkommen. Wenn man etwa jemanden begegnet, und erst zehn Schritte später sich erinnert, daß man hätte grüßen sollen — Sommersprosse; wenn man seinen Hut sucht, und ihn auf dem Kopfe hat — Sommersprosse; wenn man sehr früh ausgeht, um einem Gläubiger auszuweichen, und ihn auf der Treppe 4 begegnet — große Sommersprosse; wenn man voll hochzeitlicher Wonne zu seinem Liebchen schleicht, und durch das Schlüsselloch eine Offiziers-Uniform erblickt — ungeheure Sommersprosse. Wenn wir von Maikäfern reden, so verstehen wir darunter vielleicht jene, die mit einem bescheidenen Wesen fortkommen wollen, oder die offen die Wahrheit ins Gesicht sagen, oder auch die da meinen, daß ein wohlgemeinter Tadel Freunde verschaffe, und auch jene, die sich auf das Wort eines Musikverlegers verlassen. Solche Leute werden von den betreffenden Personen verhöhnt und mißhandelt, wie die armen Maikäfer von den Gassenjungen, und sie bleiben ephemere Erscheinungen, wie jene. Die heurigen Wettrennen haben bereits begonnen; die meisten Pferdebesitzer und alle Pferdeliebhaber strömen wöchentlich auf das (Ramp cke öl »es. Da es in der Natur des Menschen liegt, zu vernachlässigen, was er besitzt, und zu lieben, was er nicht erlangen kann, so versteht es sich von selbst, daß ich ein großer Pferdeliebhaber bin, und in der That ist bei unserm industriellen, verderbten Zeitalter in der ganzen Menschheit das Pferd das einzige Geschöpf, welches noch ein bischen Edelmutb, Uneigenvutz und Objektivität beibehalten hat. Die Pferde rennen um die Wette, und die Menschen stecken den Preis, ein. (!) Hat man je dies von einem Menschen gesehen? Und falls dieß geschehen, oder etwa noch geschieht, so wird derjenige zum Danke auch gewiß als ein wahres Pferd betrachtet. — In dem ersten Wettrennen zeichnete sich besonders ,,Commodore Napier" des Baron Rothschild, und ,, Conjecture" des Herrn Grafen Mornay aus. Ersteres erhielt den Preis des Hauses Janiffet, und das zweite den der Administration der Gestüte. Die Industrie-Ausstellung für das Jahr 1844 wurde am 2. Mai in dem eigens dazu erbauten kolossalen Gebäude in drn LIigm^,8-L!^86t'8 eröffnet, und bereits einmal von dem König, öfter von der königlichen Familie besucht. Die Königin und die Prinzessinnen besichtigen stets besonders die inländischenManufakturenin Shawls, Seiden- und sonstigen Stoffen, lassen sich alles genau erklären, und zollen gewöhnlich persönlich und mündlich den Ausstellenden ihren Beifall. Es ist unmöglich schon jetzt eine zergliedernde Beschreibung all der Sachen zu geben, wir erwähnen daher blos, daß jeder Zweig der Industrie Vieles, Ausgezeichnetes und mitunter Großartiges geliefert hat. Eine merkwürdige Thatsache ist es, daß die Zahl der Ausstellenden, welche beim Beginne dieser Ausstellungen im Jahre 1803 sich auf 300 bis 400 belief, jetzt auf 4 000 angewachsen ist. Die Llla,np8-L!v8668, welche jetzt der Sammelplatz aller Fremden sind, wimmeln von Buden aller Art, von Hunde- und Affenkomödien, von Musikanten, Gauklern, Seiltänzern, Taschendieben und sonstigen Jnduftrierittern; auch kleine Kinder von 3 Jahren sind zu sehen, welche auf Befehl ihres Rabenvaters ihre Glieder auf die schauderhafteste Weise verrenken! Es gibt doch schon so viele Anstalten und Gesellschaften gegen Thierquälerei, und noch keine gegen Menschenquä- lerei! Auch die Theater entwickeln seit der Anwesenheit so vieler Fremden mehr Thätigkeit. Das Ockeon brachte ein neues Trauerspiel, ,,Sardanapal." Nicht geüug, daß dieser Fürst, der leben und leben lassen wollte; der, ein Feind der Jntrigue und der blutigen Gräuel, blos Liebe, Freiheit und Recht für sich und das Volk in Anspruch nahm, so unglücklich endete, er wurde auch, so wie manche andere, durch Jahrtausende von den Geschichtschreibern verkannt und verläumdet, bis endlich Lord Byron ihn zu schützen verstand und auf würdige Weise hinstellte. Die französische Tragödie von Lefsvre ist eine Nachahmung oder bloße Bearbeitung von Byrons Werk, blos daß die Griechin Myrrha des Lord Byron von Lefövre in eine Jüdin verwandelt wurde. DieVerse sind rein und fließend, die Gedanken jedoch erheben sich selten über die Allgemeinheit. — ck9c<^ue8 Ik Loi'8kii>'6, ein Melodram in 5 Akten, von Desnoyers, ein Effektstück und Nachtrag zu den schauerlichen Dramen aus der guten Zeit des Z«ul«v»i-ck cku Oim«, hat im Gaite-Theater sehr angesprochen. Ein neues Lustspiel aus der Fabrik Dumas ei eomp., unk Oon8pil-3tic>n 80U3 1a kögenee, wurde von der Eensur verboten. Es scheint, daß dieses Strick von Meister Alexander selbst zugeschnitten worden sei, und daß er viel Hoffnung auf sein jüngstes Kind setzte, denn er geberdet i sich wie ein verzweifelter Vater, und setzt die Presse uny. alle Journal-Kriegsmaschinen in Bewegung, um sein Kindlein dennoch dem Publikum vorführen zu können. — Mlle Rachel hat sich ein Landgut gekauft und auf unbestimmte Zeit Urlaub von der Bühne genommen, und Mad. Volnys, ein ehemaliges Mitglied des Hrö-ttra- k>anca>8, hatdemnoch immer im Bann gelegten Hiäatr« üu 0^,nnk>86 nun auch Lebewohl gesagt, und ist wieder auf den Schauplatz ihrer ersten Triumphe zurückgekchrt, wo sie als I^ 0 U 186 Ü6 I^i^n6roI1e8 mit Theilnahme aufgenommen wurde. — Die royale cke mu8ique hält sich blos noch durch das Ballet; — Carlotta Grisi welche noch Tags bevor in London tanzte, und sich durch eigens für sie bestimmte Eisenbahn- und Dampfschiff-Fahrten in 17 Stunden von London nach Paris bringen ließ, trat Montags wieder in (Hi-eHk auf, doch man vermißte diesmal die gewohnte Leichtigkeit und Grazie. Einige gaben der Anstrengung der Reise Schuld, andere jedoch scharfsichtige Kenner wollen behaupten, daß Carlotta nicht solo, sondern im pas cke ckeux tanze, was die Leichtigkeit ihrer Bewegung sehr erschwere, so zwar daß sie nächstens gleich Mlle Rachel wegen Unpäßlichkeit, auf unbestimmte Zeit der Bühne entsagen werde. Herr Leon Pillet hat bereits, um einer Verlegenheit zu entgehen, die gefeierte Taglioni für sechs Rollen, so wie Madame Fabri-Bretin und Herrn Bretin engagirt, welche bereits in Paris cingetroffen sind. Herr und Madame Bretin sind ein ausgezeichnetes Tänzerpaar, welches italienischen Blättern zufolge in Triest, Venedig und Mailand Enthusiasmus erregte. Ihr Debüt ist dem Vernehmen nach auf künftige Woche in dem Ballet 1-. festgesetzt. — Die übrigen Theater brachten keine Neuigkeit von Bedeutung, erfreuen sich aber alle zahlreichen Zuspruches, besonders locken die mysteriösen Vorstellungen des sogenannten chinesischen Zauberers IRilippi«; die Neugierde der Fremden an, und täglich sind die Raume seines kleinen Theaters auf dem koulevai-ck Lonnk-ölouvellk überfüllt. Philipp verbindet auch wirklich mit seiner Geschicklichkeit einen unterhaltenden und witzigen Vortrag, und die Damen aus der Provinz erzählen noch Monate später ihren Kindern, Basen und Vettern am heimathlichen Heerde die wunderbaren und unbegreiflichen Zaubereien, die sie da gesehen. Schlüßlich haben wir noch der Cvnzerte der Herrn Döhler, Lißr und Berlioz zu erwähnen, welche allem Anscheine nach den Reigen der heurigen Conzerte schlossen. Döhler spielte für den Verein der Musiker und trug nebst einer Sonate von Beethoven und seiner Tarantella eine neue ungedruckte Fantasie über Motive aus der ,,Sonnambula" vor, welche ihm den rauschendsten Beifall verschafften. Außerdem spielte er noch eine Etüde, 1a Mutta von Keller, welche sich durch Charakteristik und Originalität auszeichnet! — Die beiden ersten Conzerte von Lißt dienten nur dazu die Neugierde des Publikums noch zu erhöhen, und sein drittes Conzert im Verein mit Berlioz war wo möglich noch besuchter als die Ersten. Es ist unnöthig noch über Lißts bekanntes Spiel und Berlioz's Compositionen genaue Berichte zu liefern; wir erwähnen daher bloß, daß die Fantasie über Oon üuan, und die ungarischen Melodien wieder Enthusiasmus erregten, welcher seinen Höhepunkt erreichte, als Lißt die Ballseene aus der Harold-Symphönie von Berlioz, welche eben hundert und vierzig Musiker ausgeführt hatten, allein variirend auf dem Piano mit seiner gewöhnlichen Meisterschaft nachspielte. Lißt spielt heute noch Ein Mal zum Besten der Opke- Iiti8 cka Oi-03-CaeUou, und begibt sich nächstens nach Wien.— Als Jemand Lißt vorstellte, daß er z u edel und freigebig, ja sogar verschwenderisch im Unterstützen sei, und an seine eigene Zukunft nicht denke, erwiederte er: » ck'ai eneore ckeux zroii'«« poui- 1a 8oit, e'est l'^n^le- tei'r« et L^-inörique. » Mar M. Bei M. Strauß, kus rie L'Ardre- §6o, 46, in Paris, erscheint subscriptionsweise: Dr. Schusters ^vollständiges Wörterbuch der deutschen und französischen Sprache," in 36 Lieferungen ä 50 Centimes. Redacteur: Heinrich Bvrnstein. Druck mit Schnellpressen von PaulRenouarv Paris, Mittwoch. Nr. 39 I S. Mai 1842 Abonnements - Preise r Ln Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 18 „ Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen : die Zeile ä 50 Centimes. §rw GM S«sU Man abonnirtr für Paris: im Niiresu ventral pour , I NK 6es Alouiius, 3s. und in der Buchhandl. von Fuler Nenousrä et rus cio Ittuinn», 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, Englands in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Mutik und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. B idau lt, 46, ruo 66 ia 4u88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzcigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briefe wollen fl-unLO : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, rue 668 NouIin8 in Paris » eingcsendet werden. Briefe eines Franzosen über Deutschland. So hieß ein Aufsatz, dessen ersten Theil wir unfern Lesern in N. 37 des „Vorwärts" mittheilten. Obwohl Vieles darin nicht mit unfern Ansichten übereinstimmte, so räumten wir ihm doch willig einen Platz in unfern Spalten, da wir die Freiheit der Diskussion wollen, und obwohl selbst durchaus nicht radikal, doch radikalen Meinungen die Mittel sich ausznsprechen nicht vorenthalten wollen, wenn sie in jener Art und mit Beobachtung jener Form vorgebracht werden, die Humanität und Bildung verlangen. Wir lieben den Kampf, aber wir lieben es, wie die französischen Garden bei Fönten oy, erst unsere Gegner zu grüßen : ^ vons, NesAeurs! und dann zu fechten. Das Dreinschlagen mit Keulen und Morgensternen aus den Zeiten der Bauernkriege taugt nicht mehr in unsere Zeit; wer so plumpe Waffen führt, wie der gewöhnliche Radikalismus, wird im Kampfe mit dem schulgebildeten Fechter auf die Länge den Kürzern ziehen. — Wir bedauern es, aus diesen und andern Ursachen unfern Lesern den seither erhaltenen* zweiten Brief des Franzosen (?) über Deutschland nicht mittheilen zu können, so geistreiche Bemerkungen auch darin Vorkommen. Wir hätten daran ändern und mildern können, aber wir lieben es nicht jene Censur selbst zu üben, die wir an Andern verdammen, und so enthalten wir uns lieber der Mittheilung ganz, so lange der Einsender nicht mit uns Rücksprache genommen hat. Der in Frage stehende Brief lauft darauf hin in unserm Blatte, in Hinsicht auf Deutschland, einen Ausdruck gebrauchen zu lassen, den wir an den „deutsch - französischen Jahrbüchern" so ernst rügten. Was wir dort an dem Deutschen tadelten, werden wir von dem Franzosen um so weniger dulden. Übrigens sind die Redaktionen durch die Mystifikationen, die sich z. B. Herr B er n ay s nach seinem eigenen Geständnisse (siehe „deutsch-französische Jahrbücher" und die in Straßburg erschienenen „Schandgeschlchten" u. s. w.) erlaubte, so vor- sichtig geworden, daß man es sich doch nicht mehr einfallen lassen sollte, auf eine nochmalige Wiederholung solcher Überrumpelung des ehrlichen Treuglaubens zu hoffen. Wir sind aber doch bereit die Fortsetzung jener Briefe aufzunehmen, wenn der Verfasser sie mit seinem wirklichen Namen unterzeichnen will und behalten uns nur vor unsere Bemerkungen hinzuznfügen. Wir wollen den Kampf, aber wir wollen keine Prügelei; wir wollen den Fortschritt, aber kein Zusammenreißen alles Bestehenden ; wir wollen dem deutschen Volke seine, Fehler aufdecken, aber es nicht schmähen und in den Staub treten; — mit einem Worte: wir lieben unser Vaterland und das deutsche Volk zu sehr, wir achten den deutschen National-Geist und Charakter zu hoch, wir achten uns selbst zn sehr, um deutsches Land, deutsches Volk und deutschen Geist, nach dem Vorgänge der „deutsch-französischen Jahrbücher" „niederträchtig" zu nennen. Wer sein Kind liebt, züchtigt es, aber er entehrt es nicht; wer sein Vaterland liebt, mag ihm wohl auch zürnen und harte Worte der Wahrheit sagen, aber er beschimpft es nicht. Es gibt ein Maaß und Ziel in Allem, auch in der Polemik; — darauf aber vergißt die neueste Schule der Philosophisch-Radikalen zumeist. Dies unsere aufrichtige Meinung; haben wir uns getäuscht, wovon uns zu überführen lediglich bei dem Einsender jener Briefe steht (nur nicht schriftlich-anonym), so wollen wir es gerne eben so offen erklären: soit ^ui mul ^ xense! H. B. WM Das Volk und die Partheien. Ein neues deutsches Buch *). Es ist in dem noch am wenigsten preßunfreien Würtemberg und zwar in dem freundlichen Heilbronn, wo schon der wackere Götz das Gesindel der Akten-Würmerund Unraths-Männer züchtigte, ein neues deutsches Buch, mehr als zwanzig Bogen stark erschienen, das wir mit Vergnügen un*) Au Huben in der deutschen Buchhandlung von Jules Rcnouard und Comp., iuc; <1^ lournon, 6. fern Lesern empfehlen. Es heißt: Das Volk und die Partheien. Wir gestehen aufrichtig, daß wir bei den jetzigen Preßverhältnissen Deutschlands, oder vielmehr bei der unverhältnißmäßigen Censur im armen Vaterlande jedes in Deutschland gedruckte Buch nur mit Mißtrauen in die Hand nehmen, da es uns vorkömmt, als sähen wir den armen Schriftsteller den schreibenden rechten Arm in eine rothe Aderlaßbinde krampfhaft fest eingeschnürt da sitzen, und die Buchstaben nur kümmerlich und ängstlich auf das Papier malen, vor jedem freiem Zuge oder keckem Schnörkel zurückbebend, und sich immer scheu umsehend ob nicht schon ein Censor mit der'Scheere oder ein Polizeidiener mit dem Ausweisungsbefehl binnen 24 Stunden, hinter dem Stuhle stehe. In Ostreich ist der Volksglaube, daß außer einigen praktischen und wissenschaftlichen, ferner Koch- und Gebetbüchern kein gutes Buch aus österreichischen Pressen hervorgehen könne, so fest und unumstößlich geworden, daß die östreichische Regierung sich genö- thigt sah, Bücher deren Verbreitung sie wünschte, mit ausländischen Verlagsorten bezeichnen zu lassen. So wurde Montbelö Herzog von Reichstadt bei Gerold in Wien gedruckt, auf dem Titel aber staud: Leipzig, bei Baumgärtner, und das Buch ging nun reißend ab. Doch zu unserm deutschen Buche zurück, das dieses Mal unser Mißtrauen Lügen straft und so aussieht, als hätten alle Sensoren in Würtemberg eine lange Wintersteste gehalten und das Kreisgericht sei in oorpore auf Urlaub gegan- * gen. Es sind bittere Wahrheiten in dem Buche und wir glauben nicht, daß man sie überall in Deutschland verdauen wird, vielmehr hoffen wir auf einige Verbote des Buches in diesem oder jenem der 38 deutschen Vaterländer, was wir auch herzlich wünsche», damit die öffentliche Aufmerksamkeit so auf das Buch hingelenkt und es mehr gelesen und verbreitet werde. Der Verfasser, der wie uns die Vorrede verräth, im „Murgthale auf dem Schwarzwalde" haus't, stellt seine Ansicht vom Staate in höchst geistreicher Art auf. Nach ihm findet man in jedem Staate vier Partheien: Radikale, Liberale, Conservative und Absolutisten, und ober ihnen soll die Regierung stehen, unter ihnen steht jederzeit die Canaille. Was der Verfasser unter der Canaille meint, zeigt das weiter folgende, also liberschriebeile Capitel, das wir als Probe seinem Werke entnehmen. Er sagt in der Einleitung: „Gleiches sucht Gleiches; so sollen auch allenthalben im Staate vier große Partheien erscheinen, welche in ihren Lebensänßerungen den Charakter einer der vier Lebensstufen tragen. „Darnach wurden alle unerfahrenen, knabenhaften Geister als Radieale, — alle jngendfrischen als Liberale, — alle gereiften als Conservative, — alle alten Naturen endlich als Absolutisten sich je zu gleichen Zwecken in vier Partheien vereinigen. „So einfach diese Idee auslritt, so fruchtbar wird sie in ihren Folgerungen. „Als letztes praktischesZielverlangt sie die Vereinigung aller jugendsrischen und reifen Geister, mit andern Worten : die Bildung einer liberal- conservativen Parthei. Nur dadurch scheint ihr die Herrschaft über einen allzuzähen Absolutismus und die Zügelung des allzuleichtfertigen Sinnes der Radikalen möglich. „Treffender und dem gesunden Sinne verständlicher läßt sich der Punkt nicht bezeichnen, von dem aus ein organischer Fortschritt möglich ist. Und doch wird der Versuch zur Bildung einer solchen Parthei durch die geistige Kraft und die Lebenszeit Eines bedeutenden Menschen, welcher ihr den Mittelpunkt leiht, bedingt sein, und aus die Dauer am Leben selbst scheitern, wenn sie nicht auf einer unsterblichen Basis ruht, die sie vom einzelnen Geiste weniger abhängig macht, sie durch emporquellendes Leben frisch erhält und vor allem Dogma, vor jeder Doktrine schützt. „Diese Basis ist das Volk. „Die unsichtbare, darum nicht weniger eoncrete, nur von kranken Geistern geläugnete Individualität eines Volkes, welcher, wie dem einzelnen Menschen, vom Schicksal ein bestimmtes Ziel als Glied einer höheren Verkettung geordnet ist; ein sicherer Gang vom Leben zum Tode. „Ohne das Eigenthum nur Eines Standes oder Einer Parthei zu sein, umfaßt das Volk alle Stände und alle Parthelen, prägt auch den geringsten seine Fehler wie seine Tugenden auf, und hält die Größten an sich gefesselt. „Das Kennzeichen seiner Individualität ist seine Sprache. „Christus selbst, der uns für den Erlöser der Welt gilt, blieb ein Jude, bis ihn die höhere Macht in seinen letzten Tagen zwang, für die Menschheit zu sterben, weil er für sein Volk und Vaterland nicht leben konnte. „Die Freihei tdieser Volksseele ist: „zu thun, was sie muß; des Volkes Weisheit ist: was es muß, zu wollen, sich die Natur zum Freunde zu machen und die Freiheit zu ehren, indem es alle Willkür zügelt." Speziell aus Deutschland übergehend sagt der Verfasser: „Es ist aber ein langer Weg, den ein Volk vom Entstehen bis zum Tode zu gehen hat. „Zufälle aller Art werden ihm begegnen. Es kann, bevor es sein Ziel erreicht hat, in eine Krankheit verfallen, die dem Tode ähnlich sieht. „Geschieht dies, so fragt sich weniger : wie die Pariheien zu scheiden sind. „Ob noch ein Volk, ob noch ein lebensfähiger Kern vorhanden sei? dies zu wissen is alsdann Hauptsache. „Diese Frage peinigt die Deutschen in der Gegenwart, und Jeder beantwortet sie mehr, wie er es wünscht, als wie er es einsieht. Täuschen wir uns aber nicht. Deutschland ist im Innersten krank, so bündig uns einige zu beweisen suchen, daß es auf dem Wege zum besten Zustand sei. Es gehört wahrhaftig nicht allzugroße Nüchternheit dazu, um das Ideal eher in der Vergangenheit, als in der nächsten Zukunft aufzusuchen. „Wahr ist freilich nicht minder: die Hoffnung, daß Deutschland gesunden werde, belebt Viele. Wenn diese Ahnung aber auch ein Zeichen wiederkehrenden Lebens, wenigstens vorhandener Kraft ist, so tritt erst die zweite Frage, wie ein Gespenst dem wir die Antwort schuldig bleiben, vor uns hin: Auf welche Art soll Deutschland gerettet werden? „Diese Frage lähmt allen den Arm; der Himmel mit seinen Wundern scheint stumm. Wie jeder auch darüber denken mag — er wird nur zwei Wege vor sich sehen, die beide Menschenwitz nicht mehr, einzig das waltende Schicksal herbeiführen kann. „Wir leben in einer Zeit, in der die Einsichtigen erwarten, was da kommt und nur darauf bedacht sind, den Augenblick nicht ungenützt vorübereilen zu lassen, in welchem — wie hie und da geschieht, und unwiederbringlich, wenn nicht erfaßt, — das Schicksal in die Hand der Sterblichen gegeben wird. „In Deutschland scheint dies doppelt nothwendig, weil man sagt: die Deutschen haben die Kunst, den Augenblick zu fassen, früher zu wenig verstanden." Über die Partheien sprechend entwickelt der Verfasser folgende Sätze: „Zwei Partheien, Absolutisten und Radikale, erscheinen bei allen Völkern. „Solche die festgewurzelt im Boden das leibliche Leben des Volkes um jeden Preis festhalten, das individuelle abzuschneiden trachten. Sie erkennen den irdischen Beruf der Völker, ohne den geistigen zu erfüllen. Sie beschränken des Geistes Freiheit, um von irdischen Dingen selbst zu genießen, wor- nach sie irgend gelüstet. Sie grünen im Tode; die Natur der Freiheit der Person bleibt ihnen ewig ein Geheimniß. „Zum andern solche, die allzuheftig das Recht des Einzelnen gegen das Ganze geltend machen; die überall mehr wollen, als wozu der Geist des Volkes und der eigene berechtigt. Sie bewegen sich ohne Inhalt; ihnen bleibt, weil sie nur denken, der Zustand ein Geheimnitz. ^ „Beider? gemeinschaftlich ist die Sucht zu herrschen; das Streben des Volkes dagegen ist nur : frei zu sein. „Die einzig richtige Stellung der Fürsten und derer, welche er zu Vollziehung seiner Plane nöthig hat, ist an der Spitze des Volks, allen Partheien fern, diedann ohne Schaden zur Linken und zur Rechten stehen mögen. „Macchiavelli schon sagt: es ist nöthig Fürst zu sein, um die Natur der Völker wohl zu erkennen; und um die Fürsten zu erkeunen, muß man zum Volke gehören. „Der Fürst ist keineswegs blos der erste Beamte des Volkes, sondern vielmehr der Erftberechtete im Volke. Sein Recht fließt nicht vom Volke, obwohl es durch das Volk erhalten wird. Das Haupt wird auch nicht vom Körper gemacht, wohl aber erhalten, in gegenseitigem Liebedienst. Das Recht deS Fürsten fließt aus der natürlichen Ordnung und ist insofern, wie das Volk und der Geist selbst von Gottesgnaden; die Macht des Fürsten ist Eines mit dem Volk." (Fortsetzung folgt) RV 881 L, X Summarium. Politische Folgen der Gefallsucht Alexanders. — Die Russomanie zu Berlin. — Satyrc dem Kronprinzen zugeschrieben. — Ereignisse von 1813 . — Umwendung der Meinungen. — Der Haß gegen den russischen Namen im Heere.— Das Lager von Kalisch. — Herr Goldmann. — Die preußische Amnestie. — Der Flintenschuß zu Posen. — Erste Streitigkeiten zwischen Preußen und Rußland. — Der Czar zu Berlin. — Ein Vorurtheil Deutschlands über Frankreich. Als eiue der Ursachen der Bildung einer russischen Parthei in Berlin kann man einen unbedeutenden Umstand erwähnen, welcher aber von der Art ist, durch die schon oft große Folgen in der Politik entstanden sind. Alexander, gewohnt durch eine Reihe von Vergnügungen an die Art von Beifall welcher der Macht viel zu danken hat, welchen aber doch seine persönlichen Eigenschaften, die Anmuth seiner Gesichtsbildung, die Vollendung seines Wuchses und die Eleganz seines Anstandes erhöhte, konnte sich nicht entschließen die Verwüstungen des Alters zu ertragen ohne gewisse Toiletten-Hülfsmittel anzuwenden, so daß, wenn gleich seine Jugend verflossen war, er doch wenigstens deren Schein behalten wollte. Er nahm folglich seine Zuflucht zu den Kunstgriffen der Toilette: die Ordnung seines Kopfputzes, der Schnitt seines Kleides und alle die kleinen Verräthereien des Wattirens, wurden für den Czar ein wahres Staatsereigniß. Sein Beispiel wurde nun von allen russischen Offizieren und überhaupt von denen seiner Garde nachgeahmt, welche diese hohe Toiletten-Lektion bis aufs Äußerste trieben. Denn bald sah man am Hofe Feldmarschälle mit geschnürten Leibern wie Wespen und in Baumwolle bis zum Halse. — Diese Tändelei schien von so gutem Geschmacke zu sein, daß sie ansteckend wurde. Sie reiste selbst bis zu den Ufern der Spree. Alle Offiziere der Garde zu Berlin wur- der plötzlich so übertrieben ansstaffirt, daß dies Wunder alle Hofdamen in ein reizendes Erstaunen setzte. Die Spötter nannten diese Mode Russomanie ; aber das Übel blieb und nahm bald alle Eigenschaften und Merkmale einer chronischen Krankheit an. Sie wuchs bald bis zur Wuth, bis zum Fanatismus. Man kann leicht denken, daß Rußland nichts vernachlässigte, um eiue so vortheilhafte Eigenliebe zubenutzen. Hat mandie Folgen seit dieser Zeit schon errathen?Das ist ein Geheimniß, welches Friedrich Wilhelm IV., der jetzige König, allein uns mittheilen könnte, denn er allein hatte den guten Geschmack, vielleicht den Muth, die Russomanie zu tadeln. Er war damals noch Kronprinz, und jene Riesenschultern mit einem Schnürleibchen ärgerten ihn so sehr, daß man ihm ein reizendes Gedicht zuschrieb, welches damals sehr in Ruf kam; es war dies eine Parodie des berühmten Gedichtes: „Ehret die Frauen." Diese Parodie aber war an die Garde-Offiziere gerichtet. Diese Epigramme hielten den russischen Einfluß nicht auf, welcher noch vermehrt wurde durch Ordensbänder und andere Geschenke, welche man geschickt genug unter die Häupter der russisch-berlinischen Parthei 3 vertheilte. Der Nordwind blies über Preußen mit steigender Macht. Die Heirath des Großfürsten Nikolaus hatte übrigens die russische Allianz zur unbedingten Nothwendigkeit gemacht, woraus die Ereignisse von 1813 früher ein politisches Zeitbedürf- niß machten. Man mußte Russe sein, um einen Thron und wasDeutschland zu jener Zeit seine Freiheit hieß, wieder zu erobern. Man erhielt das Losungs-Wort von Rußland aus, und der politische Polarstern war der nordische. Aber die Süßigkeiten dieses Honig-Monats fingen bald an sauer zu werden. Kurze Zeit darauf, im Jahre 1815, fing man an im Stillen zu sagen, daß Rußland den Deutschen Unheil bringe. Es hatte Sachsen getheilt, Preußen schwach wieder hergestellt, und in den Konferenzen für die Zerstückelung des alten germanischen Reichs gestimmt. Die überspannten Geister von 1813 waren die ersten welche diese Ränke entdeckten. Sie waren alle von der liberalen Schule, welche seit dieser Zeit unter dem Namen der hist o- risch-politischen bekannt wurde, und welche die Wiederherstellung der alten deutschen Freiheit wünschte. Die Freiheit war für sie daS alte umgeschaffene Reich, und im Namen dieser Wiederherstellung hatte man sie als Opfer nach Leipzig geführt. Sie waren es, welche die zerstörende Tendenz Rußlands bemerkten, denn sie verstanden daß es, also sortfahrend, mit Deutschland dahin war. Die deutschen Fürsten ihrerseits, schwach gegen die Meinung der Patrioten, aber stark durch den Schutz Rußlands, entdeckten die Kabalen, indem sie sich in die Arme des Czars warfen. Später fügten die beständigen Heirathen der kaiserlichen Familie mit dem Herzog von Nassau, den Prinzen von Weimar, von Gotha, von Mecklenburg neues Mißtrauen zu dem alten Hasse aller Klassen der Deutschen gegen Rußlands Familienpläne. Diese Entfremdung stieg, und Preußen besonders entzog sich allmählig seiner Anbetung der russischen Moden. Aber der verstorbene König hing zu sehr an der Allianz des Czars, und zwar durch seine Ideen wie durch Familien-Bande, um die öffentliche Meinung in ihrem Fortschritte zu fördern, ja zu verstehen. Der Einfluß des regen Geistes war zu schwach, zu langsam, zu ungewiß, zu heimlich, und drang nur spät in das Heer. Nun folgten die Ereignisse von 1830, welche diesen Einfluß auch nicht förderten. Im Gegentheil, die deutsche Parthei, erschreckt von dem Lärm welcher ans Frankreich herscholl und schon den Rhein mit ungeduldiger Kühnheit zu überschreiten schien, ließ sich leicht durch die neuen Umstände beherrschen. Die deutschen Throne zitterten auf ihren Grundfesten. Die Völker fürchteten für ihre Unabhängigkeit, die Könige für ihre Kronen, und Rußland hatte keine Mühe diesen Schrecken zu benützen. Es wurde wieder stark in Berlin; zwei Jahre später ermordete es das unglückliche Polen!! (Fortsetzung folgt.) Der Frack, Humoristischer Beitrag zu den jüngsten Versuchen in der Symbolik. (Aus Öttinger's „Charivari.") Was ist der Frack? Ist er ein Begriff? Ist er eine Erscheinung? Oder ist er Beides, d. h. ein in die Erscheinung getretener Begriff? Ist er das Hegel- sche „An sich," welches „für sich" geworden? Ist er die Idee, welche sich äußerlich gesetzt hat, durch den Widerspruch hindurch geht und wieder zu sich kommt? Ist er etwas Zufälliges im Reiche der Dinge oder etwas Nothwendiges, ein nur Gemachtes oder auch zugleich Gewordenes? Ist er ein Produkt der Spekulation, eine schließliche Heraus- gebärniß tellurischer Genesis, ein auf richtig logische Weise concret gewordenes Abstraktum, ein, um mit Theodor Mundt zu reden, genährtes Stück „Dialektik der Weltgeschichte," oder ist er ein bloßes Konglomerat des Zufalls, eine Mißgeburt schneiderhaf- ter Geistesverwirrung, eine schnöde Construktion a posteriori, die aller philosophischen vonv ornigen Rechtfertigung entbehrt? Dies Alles sind Fragen, welche sich dem denkenden Forscher der Kulturgeschichte aufdrängen, wenn er ihn auf den Promenaden, in denäejeuners-ckmn- toires, in den raoüts, glmnek.8, tkes ännsans, vor dem Altar, ans der Kanzel, im diplomatischen Zirkel sieht, wenn sein sinnender Blick den schwalbenschwanzähnlichen Steißverschönernngen begegnet, welche die Ausdrucköweise des gemeinen Lebens so gedankenlos als undeutsch mit dem fremdländischen, ruppigen Worte „Frack" abzufertigen pflegt. Alle jene Fragen thut er sich, der denkende Cul- turgeschichtsforscher, dessen eigener Frack von allen innerhalb seines Gesichtskreises eristirenden meistens der schäbigste ist, und er schließt bei sich, tiefsinnig, mit dem Ausspruch: der Frack ist ein Symbol!! Und er hat Recht. Die Zeit der bloßen Zufälligkeiten ist vorbei für uns deutsche Grübler; für uns giebt es nichts Bedeutungsloses mehr; wir finden überall Etwas, wo es keiner andern Menschenseele einfällt, Etwas zu suchen; wir sind die wahren Consequenzmacher des Universums, die eigentlichen Kerls, welche der liebe Gott erpreß als Antworter für die Frage erschaffen hat: „Erklär' Er mir das!" — Wir erklären ihm auch Alles, sogar ihn selbst, wie die neueste Philosophie das darthut. Wir erklären, wie gesagt, Alles was wir haben und nicht haben, was wir sind und nicht sind, was wir waren, nicht waren, und niemals sein werden. — Können Sie sich das erklären? fragt vielleicht ein über den Kanal zu uns hereinriechender Engländer. — Ja, Mr. Beefsteak! klingt die entschiedene Antwort des selbstbewußten Deutschen; wir können es, und sogar Ihre unverschämte Frage dazu! Ja, noch mehr, wir erklären Ihnen, obgleich Sie selbst den bestgeformten Frack anhaben, der je aus den Künstlerhänden der Bond-Street hervorgegangen ist, gegen den alle deutsche Fracks nur wie wahre, eingetrocknete Saubohnenhülsen sich ausnehmen; wir allein, sehr ehrenwerther Puddingesser und möglicher Pickwickier, können Ihnen die Erklärung verabreichen, was der Frack xer so, d. h. der Frack als Kategorie, als Idee, die sich selbst setzt, und nicht auf die man sich setzt, die sich ins Bewußtsein vermittelt hat, was — mit einem Wort — der Frack als Moment des Weltgeistes ist — und hier ist sie — die Erklärung!!! „Der Frack," wie Herr Professor Gans in einem Collegium über neuere Geschichte in Berlin gesagt, „der Frack, meine Herren, ist das Symbol des allgemeinen Nivellirungs-Ganges der Neuzeit;" der Frack, fahren wir fort, ist, symbolisch ausgedrückt, das Gesicht der Weltgeschichte unserer Tage, er ist die Physiognomie des Zeitalters seit 1793; er ist der fürchterliche Gleichmacher, die sociale Riesenform, welche die heterogensten, barocksten Verschiedenheiten früherer menschlicher, persönlicher, gewerblicher, volksthümlicher Erscheinungsweisen verschlingt und sie alle zu einem und demselben abnormen, phantastischen Produkt eines Wesens in „aufklaffender, geschwänzter Weste" umbackt und so gestaltet, in die Strudel des Daseins schleudert! — Überall finden Sie den Frack, überall, wo man früher, selbst in den Träumen der tollsten Fieberkranken, keine Spur von Ahnungen, nur der Möglichkeit dieser Produktion vorfindet; der Sultan in Constantinopel, wenn er zum tllo änosnnt der fränkischen Botschafter geht, trägt einen Frack; der polnische Jude, der mächtige Großhändler auf der Leipziger Messe — gilt's eine Soiroe bei Frege und Comp., der sein Banquier ist, mitzumachen — wirft den ehrwürdigen, schwarzseidenen Kaftan, das Erbtheil seiner Väter, von sich und zieht an — den Frack ; der Hamburger Laternenputzer und „Telegraphen-Flügcl-Schmierer," wenn er Abends zum s-bnm;,etl-o bei Dorgerloh trabt, erscheint im Frack; der Mann, der Englands politisches Steuerruder in den Händen hält, Lord Melbourne, wie sah ihn Fürst Pückler auf dem Wolljacke sitzen? — Im Frack! Alle Pariheinngen, alle Zwiste, alle Gegensätze, selbst die grellsten, verschwinden vordem Fracke. Herr Görres trägt den Frack, die „Triarier" tragen einen Frack; Herr Gutzkow wie Herr Menzel, Herr Leo wie Herr Rüge, der Verfasser der „Hannoverschen Charaktere," wie diese Charaktere selbst, mit Ausnahme eines Einzigen, der nie einen Frack trug; ja endlich er selbst, der dieses schreibt, sodann der, der dieses setzt, der es corrigirt, der es colportirt, der es lies't, der es nicht lies't. Überall der Frack! Frack und kein Ende! Frack hinten und Frack vorn — oder vielmehr nicht vorn, denn der Frack ist die eigentliche Construktion ü posteriori; deshalb ist er auch der ungeheuere Materialist, der keinen Glauben an abstrakte ä priori'sche Wahrheiten, als da zum Beispiel sind Standesunterschiede und Standesvorzüge, zuläßt. — Also Frack überall! Frack vom Nordpol bis zum Südpol, vom Ural bis zu den Pyrenäen, vom Dniester bis zum Vorgebirge der guten Hoffnung, von Göttingen bis zu den Sandwichsinseln, wo die neu civi- lisirten Sandwichser wohnen, im Marmorpallast zu Petersburg wie in den Londoner Bettlerkneipen, in der Judenschule wie in der Deputirtenkammer, auf dem Schiffsdeck wie auf dem Luftballon, auf dem Dampfwagen wie im Tilbury, im Omnibus wie in der Staatskarosse, im Ministersalon wie auf dem Heuboden der Handwerksburschen — Frack überall — Frack prädominirend, alles irdischen Daseins diametral auseinander laufende Enden vereinigend und verknüpfend, die Sahara und die Lüneburger Heide, das Nil-Delta und die Bremischen Marschen, die Memnons- und die Waterloosäule, den Elephanten- und den heiligen Geist, den Strumpfband-, Wladislaus-, Stanislaus- und andere — laus-Orden, Straßburger Gänseleberpasteten und trullos 6o ^anterro, westphälische Schinken und Lein-Athens Metwürste, Pariser Windbeutel und Osnabrücker Pumpernickel, Peking und Wien, Nowaja-Sembla und Berlin, Utopia und Hannover. — Alles vereinigt, zusammengeknotet durchdiesenin die nnläugbarste Erscheinung getretenen Begriff menschlicher Totalitätshilfe, benamset: Frack! — O!!! Man sollte ihm ein Monument errichten, diesem 4 Weltummodler und Weltversöhner — es ist ja einmal die Zeit der Monumente — ein Monument, riesig, ungeheuer, höher als die höchste Pyramide Ägyptens. Als Material dazu schlagen wir vor — papisr müolm; sogenannte Steinpappe, wovon man jetzt schon Schiffe und Kanonen (Beides unvergänglich) construirt, also puxier müelm. sabri- cirt aus dem Conglomerat sammtlicher unbezahlten Schneiderrechnungen, welch' eine Pyramide könnte das abgeben — das Hermannsdenkmal wäre ein Nußknackerpostament dagegen!! — Oben auf diese Säule sodann aus unverbrennbarem Asbest, getriebener Arbeit, er selbst, das sociale Monstrum- Symbol, der Napoleon der Zeitgewalt Mode, der kolossale Frack!!! — Aufrecht stehend auf seinen wie Ossa und Pelion auslaufenden Schößen, die Patten sich abdachend wie ein Paar Gletscher, die Ärmel sich abwärts senkend gleich Lavaströmen, der Kragen emporgesträubt, wie ein Gebirgskamm, ^das Hängsel über denselben hinaus sich öffnend, als das Schlüsselloch des Universums, vor welchem, Visionären ersichtlich, in Gestalt einer grauen Fata Morgana die Schicksalsspinne, die Frage Zukunft, sitzt. Wenn dann die Kometen, die genialen Vagabunden der Sphärenwelt, an unserer Erde vorüber sausen, so werden sie, unser Frack-Monument erblickend, auörufen: „Sei gegrüßt, Erde, Schneiderseele der Welt, große Nachahmerin unseres Vorbildes!" (denn die Kometen sind die einzigen unter den Sternen, welche ein geschwänztes Kleid haben, den wahren kosmogonischen Ur-Frack mit leuchtenden Schößen) — und sie werden uns strahlend und jubelnd mit ihren Appendixen als dankbare Wegweiser voranwedeln und voranschwänzeln in die — Ewigkeit! Amen! Wilhelm Schröder. Eine neue alte Geschichte. Es ist einem französischen Journale, kaute äe rnieux, eingefallen, eine alte, uralte, vorsündfluth- liche Anekdote von der Tölpelei eines zum Bedienten avancirten Bauernjungen wieder aufzuwärmen, der den Befehl seiner Gebieterin Karten auszuthei- len mißverstand, und in allen Häusern Spielkarten, statt Visite-Karten ausgab. So weit ist die Sache ganz gut und wir nehmen es dem französischen Re- ffurrectiomen,der diesen alten Spaß wieder aus dem Staube hervorgrub, gar nicht übel. Nun geht aber -diese fade Geschichte, als der allerneuste Pariser Spaß, „den wir eben erst gekriegt haben" durch alle deutschen Blätter, namentlich, wie gewöhnlich durch jene, welche am Eifrigsten gegen die französischen Übersetzungen wüthen. Dagegen müssen wir denn doch protestiren, denn dieser abgenutzte, alte Spaß, kömmt schon buchstäblich in Kotzebues: „Intermezzo" oder „Der Landjunker zum ersten Male in der Residenz, " vor, und ist daher in Deutschland so bekannt, daß ihn schon alle Schuljungen kennen. Wenn sich ein französisches Journal einsallen ließe eine Episode aus Molieres „Geitzigen" oder einem andern populären Stücke als neue Anekdote zu erzählen, so würde ganz Frankreich in ein homerisches Hohngelächter ausbrechen, und das arme Journal unter einen Hagelregen von Witzen erliegen, — in Deutschland geschieht so etwas, ohne daß es Jemanden auffallt. Ist es denn nicht schlimm genug, daß euch die Censur nichts Gutes zu drucken erlaubt, müßt ihr denn noch aus dem Schlechten das Schlechteste heraussuchen, ^d! 8i N. Outrlecuv »avalt! !! Neue Sprichwörter. Die Feinde machen dir die Hölle heiß, Giebft du nur deine schwache Seite preis. Gefährlich wohl ist eine schlechte Lunge, Gefährlicher noch eine Hose Zunge. Einen armen Sünder zu binden, Lassen sich tausend Stricke finden. Ist Einer eine feige Memme, So sitzt er stündlich in der Klemme. Des Volkes Lage fänd' ich gut, Wär's bei Verstand und hätt' es Muth. Die sind würdig die Freiheit zu lehren, Die sie moralisch an sich bewähren. Sobald die Leidenschaft im Haus, Hält's die Vernunft nicht bei ihr aus. Wer mit den Menschen lang verkehrt, Täuscht sich nicht oft in ihrem Werth. Als Fremdling irrt die Weisheit durch das Land, Die Thorheit nur ist allerwärts bekannt. Gehst du mit neidischen Gesellen, Magst du dich arm und hülflos stellen. Wer aber zu Neichen geht in's Haus, Der lasse den armen Wicht nicht aus! Hat man die Menschen gar nicht nöthig, Sind sie zu jedem Dienst erbötig. Doch willst du Thaten und nicht blos Worte: Klopfst du vergebens an ihre Pforte. Es handele sich nur um Interessen, Willst du die Güte des Freundes ermessen. Ist man in seinem Haust auch noch so klug, Man ist's doch nie recht für die Welt genug! Die böse Welt! Wer fühlt es nicht mit Schmerz! Verbraucht am Ende auch das reichste Herz. Es giebt in allen Ständen und Klassen Menschen zu lieben, und Menschen zu hassen. German Maurer. DLL vom.Lvzko vo«irx-novvLl.i.r, n. 20. Die Gallerte der schönen Künste ist alle Tage von 10 Uhr Morgens bis 11 Uhr Abends geöffnet. Die Sitzung kostet 25 Centimen. Man findet daselbst französische, englische und andere fremde Zeitungen, Revuen, Gemälde, Pastels, Aquarellen, Zeichnungen, Statuetten, Kupferstiche, Albums, Lithographien;und alle Liebhaber der Malerei thun wohl diese Anstalt zu besichtigen, indem sie daselbst eine große Anzahl Gemälde finden werden, welche in den frühem Ausstellungen des Louvre figurirt. Man kann so die früheren Ausstellungen mit der jetzigen sehr wohl vergleichen. Es war demnach eine glückliche Idee eine solche permanente Ausstellung zu gründen, denn die Gallerten der schönen Künste verdienenden Besuch durch die Auswahl und Verschiedenheit der Kunstwerke. Man findet daselbst, neben den besten Werken, die „Enthauptung Marino Falicro's", die „arabischen Reiter" und die „Ermordung des Bischofs von Lüttich", von Delacroir; den „Tod Bailly'ö", von Bremond; „Christoph Columbns", von Colin; die „Arretirung der Madame Roland," von Heinrich Scheffer; „Galiläus", von Cibot; „Franzisca von Rimiui", von A. Hesse, und der „Empfang der Königin Victoria in Treport", von Tony Johannot. Redacteur: Heinrich Eörnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard Zu haben in Paris, im Bureau des Lcricons von Hcnschel, rue (rarsnoisre, S, und im Comptoir des Buchdruckervereinö, qnar Alalsouais 1Z : I»I8 MMN Lk NIMM OMM WM M I>8 MM MN M I/UMMM kMIM T kort« voIum«« Kr. in 8" zn zwei Abtheilungen. Die Erste enthält, in gedrängter Kürze, alles was dem Reisenden während seines Aufenthaltes zu Paris zu wissen nützlich und angenehm seyn kann; die Zweite, die genaue Beschreibung der Monumente und Sehenswürdigkeiten der Stadt, nach den Arrondissements methodisch geordnet; von Karl Moritz Grimm. Mit 36 Ansichtender merkwürdigsten Gebäude und einem Plane der Stadt, auf welchem jedes Arrondissement mit einer besondern Farbe bezeichnet ist, ^ Neue Ausgabe. Preis, geb. : 5 Francs. Parts, Sonnabend. Nr. 40. 48. Mai 1844 Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 2^4 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 18 „ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. § r n' n ME, Man abonnirt: für Paris: ilN Duresu ventrsl pour I ^NemsA»«, «Nt? .j?s Uoulins, 32. und in der Buchhandl. von Lenousrä et v'°, ru« c!e nu> non, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England/ in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. B idau lt, 16, ruo Oe In 1u88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigcn. —Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgcldcr und Briefe wollen frnnoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, rue 668 U0UÜN8 in Paris » eingesendet werden. Toast und Protest. Wir liegen so fröhlich und frei hier im Gras Und trinken auf duftenden Matten; Als Sühnung lasset uns leeren ein Glas Für Weidig's zürnenden Schatten. Ein Trinker Hab' ihn gequält und gehetzt (So Gräßliches ward uns berichtet), Bis er, wie geängftigtes Wild, sich zuletzt In die Schatten des Todes geflüchtet; EinTrinker Hab' ihn zum Sterben gebracht, So gehet die schaurige Kunde; — Solch ein Trinker werde erkläret in Acht, Gestoßen aus unserem Bunde! Ein achter Trinker kann der nicht sein, Der solcher That sich vermessen! Zu Gifte werd' ihm der goldene Wein, Er sei vervehmt und vergessen! Und bringt er Attest, so verbrennet den Wisch, Peitscht fort ihn von Keller undHeerde! — Wir trinken den Gegner wohl unter den Tisch, Doch niemals unter die Erde. DaS Volk und die Partheien. Ein neues deutsches Buch *). Über den Radicalismus finden wir folgende im Buche ausführlicher entwickelte Bemerkungen: „Es ist noch nie eine Revolution vom Radicalismus ausgegangen. Jede große Umwälzung ist nicht aus einer Parthei, sondern aus einem lange unterdrückten Volke gekommen, dem sich dann in solchen Augenblicken der Radicalismus verbündet hat. „Für sich allein kann er höchstens eine Verschwörung machen; ein Spiel von Kindern, die mit etwas Pulver einen Ätna nachahmen; gefährlich nur, wenn die Herrschenden selbst im Volke entzündbare Stoffe aufgehäuft haben. Außergewöhnliche Lehren, wie ercentrische Partheien können ihr Jahrhundert zwar in Aufregung, vielleicht in Unordnung bringen, nie aber unterjochen oder gar leiten. „Zum andern wird der Radicalismus alle großen Geister der Revolution als das Haupt Jupiters an*) Zu haben in der deutschen Buchhandlung von Jules Renouard und Comp., rno de lou, non, 6. sehen, dem er selbst eine gerüstete Jungfrau entsprungen. Und doch sind diese ihm so sern wie wahre Begeisterung (ob für einen Jrrthum oder ein achtes Gut, gilt uns hier gleich) der falschen; nahe nur insofern, als wahre Aufklärung leicht die falsche erzeugt. Ja sogar die radikalen Partheihäupter, die in der Revolution auftauchen, der heuchlerische Vater und Lehrmeister aller politischen Lügen, der methodische Ehrenmann des Galgens — Robespierre und der schleichende Couthon würden die Freundschaft des heutigen Radicalismus abweisen. Solch ein Unterschied ist zwischen Entschlossenheit und Schwäche. „Die Sucht nach Neuerung und die Negation alles Bestehenden ist noch lange keine Revolution. „Die Revolution geht vom Volke aus, und wird nicht von Menschen gemacht, sondern vom Schicksal herbeigeführt. Sie ist das Streben einer Organisation, die ganz zerrüttet ist, durch die rettende Krisis einer Krankheit wieder zum gesunden Zustand zu kommen. Ein Volk sucht das natürliche Gleichgewicht seiner Theile wieder herzustellen, dem unterdrückten Geiste Luft zu schaffen, sich zu gleicherem Genuß des Besitzes, zu freier Bewegung und Äußerung zu verhelfen. „Gelingt dieß, so nennen wir diesen Zustand Reformation, weil um des inneren Rechtes willen nur so viele äußere Rechte zerstört und umgestaltet werden, als unumgänglich nöthig ist. „Gelingt es nicht, so ist überall das Volk verloren, die Partheien werden Meister; die Absolutesten suchen alten Gebrauch und Herkommen ohne Rücksicht, ob sie noch passend sind, herzustellen; der Radikalismus aber bemächtigt sich der Grundsätze der Revolution, macht das, was im Momente der Krisis nöthig war, zum stabilen Gesetz; er systema- tisirt die Revolution, kann aber, weil ihm das Volk fehlt, nur die Verschwörung, die Propaganda, nie die Revolution ewig machen. Verschwörungen aber sind bei unseren Zuständen sehr wenig gefährlich, und müssen sowohl hinsichtlich des Gelingens, als hinsichtlich der Unterdrückung ganz anders behandelt werden, als die Revolutionen. Wären die Menschen gewohnt, von alten Geschichten etwas zu lernen, und zwischen Revolution und Verschwörung zu unterscheiden, so wären seit 1815 mehr unglückliche Maaßregeln unterblieben. Man hätte weniger zu fürchten nöthig gehabt, weil Verschwörungen nur da ein glückliches Ende genommen haben, wo sie von einzelnen Mächtigen ausgingen, oder wo die stimmfähigen Theile des Volkes schon vorher vom Gedanken einer Revolution durchdrungen sind, die bei Gelegenheit der Verschwörung ausbricht. Beides fehlte in Deutschland. Stimmung zur Änderung der Dinge wurde erst durch die Beschlüsse, welche sie Niederdrücken sollten, erzeugt. „Zum andern aber, und es ist zu wissen nöthig, lehrt die Geschichte : „Daß ein großer Mann wohl ein Republikaner, ein Revolutionär aber nie ein Radikaler sein kann. „Die deutschen Radikalen verhalten sich zu den Männern der Revolution, wie Affen zu Menschen. „Guter Wille und ehrlicher Name ist bei Vielen. Dies kann sie aber wenig retten, denn in großen Dingen ist der gute Wille wenig Werth, wenn der gute Geist fehlt. Ein guter Name ist ein Glück; allein die Götter wollen, daß man darauf nicht eitel sei. Darum hat auch den eiteln Necker seine Tugend einst wenig gegen den erhaben denkenden Mirabeau geschützt, obwohl sie von diesem sagen, daß er unsittlich gewesen sei. „Drei große Revolutionen sind in der neueren Geschichte die Erlösungstage der Individualität: „Christi Auftreten, die Reformation und der Umsturz von 1789. Revolutionen alle drei, weil sie Völker erfaßten, die um Rettung flehten, weil sie vom Geist ausgingen und der Individualität ein höheres Recht einräumten, als ihr gebührt. Alle drei im engsten Zusammenhang. Es sind keine Ereignisse, die vom Himmel fallen und den Gang der Dinge wunderbar unterbrechen; alle drei sind sichtbare Folgen der Vergangenheit; sie haben sogar nichts Neues, sondern nur das Alte neu und im geweihten Worte ungemeiner Individualitäten gegeben. „Nur Eines ist uns dabei auffallend und vielleicht tröstend, daß die Perioden der Revolution und Reaktion immer enger zusammenrücken. Denn wie lange ist die Zeit von Christus bis zur Reformation, kürzer die Zeit bis zur Revolution, und seither hat die gleiche Generation, ja auch die jüngste 2 ff *! durch das dtachspiel im Jahr 1830, in einigen Jahrzehnten alle Phasen der Revolution wie Reaktion durchlebt. Höchst interessant ist was der Verfasser über den Radicalisinus der Regierungen sagt: „Die Regierungen selbst sind der nationalen Tendenz abhold und zwar nicht, wie man ihnen vorgeworfen, stets ans Herrschsucht und Furcht die Macht zu verlieren, sonder darum, weil ihre Büreaukratie selbst vom kosmopolitischen radikalen Geiste angesteckt ist. Sich selbst unbewust sind die Regierungen radical. „Ich erinnere nur an das Verhältniß unsrer Büreaukratie zu den neuesten ökonomisch-politischen Bestrebungen. Kann man nicht von allen Kathedern, in allen Ministerien so glänzende, nichtssagende Phrasen, von Weltökonomie, ewigem Frieden, Handelsfreiheit, daß man kaufen müsse wo es am wohlfeilsten sei u. s. w. in Hülle und Fülle hören? Vernimmt man zur rechten Zeit die Stimmen, die welche um Hülfe rufen? die welche nationale Schritte verlangen? Nein; nein! Der Referent über die wichtigsten Dinge hat Say stndirt, Adam Smith gelesen, von Ricardo lauten hören; weiß: daß eS in München einen Hermann gibt, und läßt sich sagen, List sei ein Schwärmer. Er folgt also Say, eraminirt nach Say, damit ja auch die Kommenden untüchtig werden, er handelt nach Say, und Say ist — durch und durch radikal, kennt von nationalen Elementen nichts, und dreht unter Phrasen die Ergebnisse der Geschichte hin und her. Man vergißt, daß die politische Ökonomie denselben rationalistisch-radikalen Prozeß, den die Theologie und Philosophie im 18. Jahrhundert durchgemacht und wenigstens scheinbar überwunden hat, im 19. Jahrhundert durchmachen muß. Man vergißt, daß sie in ihrer jetzigen Form von einem Manne begründet wurde, der ein Zeitgenosse Voltaire's, und Hume'ö Freund war. „Wir sagen es noch einmal: in ihrer ganzen Unterlage, in allen materiellen Bestrebungen sind die, welche sie leiten, ganz vom Radikalismus angefressen. Wenn es so fort geht, glaube man ja nicht, das der Geist der Büreaukratie, so sehr sie den Radikalismus haßt, nicht auch nach und nach von diesen kosmopolitischen Ideen unterwühlt werde. Und was dann sein würde, ist leicht einzusehen. Es wäre besser, wenn uns wenigstens die Furcht vor dem Radikalismus zu Schutzzöllen verhelfen könnte, da eine nationale Taktik und Politik zu mangeln scheint. „Wenn so die Regierungen mit bösem Beispiel vorangehen, so ist natürlich, daß dadurch auch alle Plane, die ganze kosmopolitische Gleichmacherei und Erfahrnngslosigkeit der radikalen Parthei verhüllt werden. „Diese hat sich darum in Deutschland einen viel klügeren, wirksameren Weg ausgedacht, als den: nach der administrativen Centralisation zu ringen. Sie hofft, daß ihr diese mit der Zukunft ohnehin zufallen werde. „Dagegen verlangt sie laut die Centralisation der Regierung der ganzen deutschen Nation. Freilich nicht aus nationalem, sondern aus kosmopolitischem Drang. Allein dieses Eine Wort macht die Radikalen mächtig. Denn hier vereinigen sie sich in dem Bestreben des Volkes, das nicht so genau zusieht, was hinter derjenigen Einheit verborgen liegt, welche der Radikalismus predigt." ^ (Fortsetzung folgt) IW88LL, (Fortsetzung des Kap. X.) Aber heute hat die gesunde Vernunft wieder ihren freien Lauf in Deutschland, das alte Mißtrauen ist wieder zurückgekehrt, und es ist richtiger und stärker fühlend als vorher. Die russischen Verbote an den ostpreußischen Grenzen, wo sie eine traurige Schmugglerei bilden, die Schaaren von geheimen Agenten welche das Land durchstreifen, die mosko- witische Bestechung überall eingeführt, am Hose, in den Zeitschriften, unter den Bürgern; die anonymen Bücher welche beständig das Lob des Kaisers Nikolaus singen und die für Preußen eine Art schmähliche Unterwerfung unter russischem Schutz predigen, Alles dies, und mehr noch die nackte Wahrheit über die Vernichtung Polens, haben bis in die letzten Reihen der deutschen Heere den Haß für den russischen Namen und den heißen Wunsch eines Bruches mit dem Cabinette des Czars hervorgerufen. Man hat im Lager von Kalisch den Haß der preußischen Offiziere bemerken können, der sich dort mit einer gewissen Heftigkeit offenbarte. Es gab dort blutige Streitigkeiten und Kämpfe. Wir können versichern, daß heutigen Tags ein Krieg mit Rußland für ganz Deutschland ein allgemeiner Nationalkriegwäre. Wir müssen besonders hier wiederholen, daß die vom St.-Petersburger Hofe bezahlten Schriften täglich neue Erbitterung in der öffentlichen Meinung erwecken. Eines dieser Bücher (die Pentarchie) ist wenig in Frankreich bekannt, sagt aber ohne weitere Nmrede, daß die Zukunft Europens von Rußland allein abhängt. Der Verfasser ist ein deutscher Renegat, Goldmann genannt, welcher sein Vaterland verkaufte wie Judas den Heiland. Nur anstatt dreißig Silberlinge, hat er in Dresden drei tausend Goldstücke erhalten. Friedrich Wilhelm IV., welcher noch Kronprinz war als er seine Pfeile auf die russische Parthei schoß, war gezwungen sich bei seiner Thronbesteigung vorsichtiger zu benehmen. Er ist dem Czar nahe verwandt, ist sein Nachbar und absoluter Monarch, dies sind drei Ursachen zu einer Art Verstellung. Indessen hat eine neue Begebenheit ein wenig Kälte zwischen beiden Kabinetten geschaffen. Es ist dies nämlich die Amnestie, welche Friedrich Wilhelm allen Flüchtlingen von Preußisch-Po- len gestattete. Rußland wurde darüber erzürnt, denn diese. Amnestie ist nichts weniger als eine stillschweigende, aber kräftige Kritik der schändlichen Martern welche der Czar in Polen ausübt. Man hat mit heimlichen Schrecken in Petersburg diesen Beweis einer menschlichem und freiem Politik gesehen. Viele Flüchtlinge eilten von Paris und England nach Posen. Einige russische Polen erhielten sogar vom Berliner Cabinet die Erlaubniß sich im Großherzogthum aufzuhalten. Sogleich erklärte die russische Diplomatie, daß diese Erlaubniß eines Aufenthaltes nahe an der russischen Grenze eine Verletzung der Pflichten sei, welche sich freundschaftlich gestellte Mächte schuldig sind. Eine Zeit lang blieb das preußische Cabinet taub gegen all diese Vorstellungen. Aber die russische Polizei erfand ein Mittel. Ein geheimer Flintenschuß ging in Posen beim Durchzuge des Kaisers Nikolaus los, und alle Werkzeuge der russischen Publicität verbreiteten sogleich, daß der Schuß dem Kaiser gegolten. Indessen Konnten die strengsten Untersuchungen diesen Umstand nicht bestätigen. Ein wenig später, im Monate Januar 1844, ließ die russische Polizei in Posen eine Art von Verschwörung entdecken, deren Geheimnisse aber noch nicht bekannt wurden. Endlich machte das Berliner Cabinett einen Ausschaffnngsbefehl bekannt, der allein Posen wohnenden russischen und er-refugir- ten Polen traf. Aber dieser Sieg war noch nicht bei der letzten Reise des Königs von Preußen nach St.-Petersburg errungen, welche bei Gelegenheit der 25. Vermählungsfeier der Kaiserin erfolgte. Und cs ist leicht zu begreifen, daß dieser Besuch etwas von diesem geringen aber doch bedeutungsvollen Zwiste zu leiden hatte. Die Beziehungen zwischen beiden Fürsten waren kalt und gemessen. Es waren übrigens zwei wichtige Fragen abzuhandeln, über welche beide Fürsten nicht eins werden konnten. Preußen forderte die Abschaffung des russischen Verbotes, welches seine alten Provinzen ruinirte. Man erlangte kaum einige unbedeutende Konzessionen. Rußland, seinerseits, wollte eine Erneuerung des Gesetzes vom 30. Mai 1830, über die Auslieferung der Deserteurs. Diesem Gesetze zufolge, bezahlte Rußland ein Prämium für jeden russischen Deserteur, welchen die preußischen Bauern auslieferten. Es war dies eine Erlaubniß zur Menschenjagd, welche den rohesten Instinkten schmeichelte und die Grenzbewohner gänzlich demoralisirte. Man muß wissen, daß diese Desertirungen so häufig waren und noch sind, daß man selbst Oberoffiziere sah, die der Lust über die Grenze zu gehen nicht widerstehen können. Darum ist es leicht zu begreifen daß Rußland diese Berührung seiner Soldaten mit milderen und angenehmeren Sitten Preußens nicht sehr liebt, und nur mit scheelen Augen betrachtet. Wie es auch immer sein mag, der König von Preußen, von der öffentlichen Meinung beherrscht, verweigerte den Vertrag. Diese Weigerung überraschte den Stolz des Czars, der früher an eine unbedingtere Unterwerfung gewohnt war. Er bildete sich ein das Berliner Cabinett in eine Verlegenheit zu setzen, indem er sich verweigerte seine Deserteurs zurückzunehmen. Er hoffte daß diese Agglomeration von Russen den preußischen Autoritäten Unruhen verursachen könnte. Man zählte, sagt man, bis 10 000 Deserteurs. Alles was der Czar erlangen konnte, war eine provisorische Auf- rechterhaltnng des Vertrags. Und man denkt überall daß die öffentliche Meinung früher oder später im Geiste des Königs über die Anmaßungen von Sankt-Petersburg siegen wird. Endlich ein letzter Zug der in dieser Skizze ein Anzeichen vom Sinken der moskowitischen Macht in den preußischen Staaten ist. Dies ist die letzte Reise des Kaisers nach Berlin. Welches auch das Stillschweigen der deutschen Presse gewesen sein mag, man weiß daß beide Fürsten sich nie fremder gewesen waren als in dieser Zusammenkunft voll Etikette und Schein. Die russische Parthei ist nun wirklich todt in ganz Deutschland. Wenn Friedrich Wilhelm IV., der den Thron voll von liberalen Ideen bestieg, jetzt durch die Einflüsterungen Rußlands und die Verweise Österreichs abzeschreckt wurde, so muß er doch fühlen daß diese Politik zwischen zwei Strömen, nicht ganz absolut und nicht wirklich liberal, ihn in die schwierigste Lage versetzt. Er ist weder mit Rußland, noch mit England, noch mit Frankreich verbündet. Er nähert sich etwas Österreich, und zwar wie durch die Nothwendigkeit des Augenblickes. Er zaudert, schwankt und wartet vielleicht, aber gewiß wird er nicht nach Rußland zurückkehrcn. Die öffentliche Meinung erschreckt ihn. Alle deutschen Patrioten, sie mögen der historisch-politischen Schule angehören oder dem Bannier der negativen Philosophie folgen, vereinigen sich gegen Rußland im allgemeinen Haffe, welchen sogar die eifrigsten Conservateurö theilen. Ein sonderbarer aber wahrer Zufall ist, daß in diesem Augenblicke die größte Klage der Deutschen gegen Frankreich der Gedanke ist, das diese Macht sich ins Geheim mit Rußland zu vereinigen strebt. Die Verlassung Polens ist für sie ein Beweis dieser Tendenz. Möchten die Philo> sophen des Geschehenen (6u kait neeompli) darüber Nachdenken, vielleicht ist es der Mühe werth. (Fortsetzung folgt.) Buntes rmd Spitzes Wir entnehmen aus einem Berichte des Dr. Hö- ser an densranz. Minister des öff. Unterrichts folgende Data über Baie.rn: Der Kandidat, welcher allen Anforderungen des Staates entsprochen hat, der feierlich als Doktor erklärt worden ist (was in Baiern mit dem Staatsexamen gleiche Bedeutung hat), darf seine Kunst nicht ausüben. Er muß zuwarten, bis eine Stelle frei wird. Entsprechen die politischen und religiösen Ansichten des jungen Arztes den Anforderungen der Negierung, so wird diesem eine durch den Tod erledigte Stelle zu Theil, öderes wird^ sogar eine neue zu seinen Gunsten creirt; entspricht aber der junge Arzt den Anforderungen der Regierung in politischer und religiöser Beziehung nicht, so muß er bis ins Unendliche zuwarten. Auch die praktizirenden Ärzte stehen unter fortwährender Aussicht; jeder Kreismedicina'aus- schuß muß nämlich jährlich über die Ärzte seines Kreises Bericht erlassen, und zwar nach einem Tabellenschema, in welchem die größte Kolonne der Frage: ob der Arzt dem Monarchen, seiner erhabenen (?) Familie und der Staatsverfassung ergeben sei, gewidmet ist. Diese ängstliche Überwachung des ärztlichen Personals hat unzweifelhaft ihren Grund darin, daß die Mehrzahl der Ärzte von jeher vermöge ihres Studiums der freien und sich stets fortentwickelnden Natur freiere Ansichten in Beziehung auf Kirche und Staat hegten, und dem Fortschritte huldigten; sie ist aber um so zweckloser, je weniger leider die einflußreichsten und beschäftigtsten Ärzte Lust und Zeit haben, als Glaubensapostel oder als Revolutionsmänner aufzutreten. Aus Preußen. Das so vielfach besprochene, mit Recht angesoch- tene und noch ganz kürzlich in Abrede gestellte sogenannte vertrauliche Du, als^Anrede für die Landwehrmänner, wird wieder ausgenommen. Bei einer der letzten Compagnie-Versammlungen wurde den Anwesenden der Tagesbefehl verlesen, daß es den Oberen allerdings sreistände, die Landwehrmänner mit „Du" anzureden. Die Vorlesung erregte aber ein so lautes Murren, daß der Lesende unterbrochen wurde und in den Ruf ausbrach: „Nun, meine Herren, wenn ich nicht lesen soll, so mag es Einer von Ihnen thun!" Es wäre nach' allem dem, was im vorigen Jahre bereits gegen das vertrauliche „Du" angeführt worden, wirklich überflüssig, noch einmal darauf zurückzukommen; so viel steht aber fest, daß eine solche Maaßregel in dem Bürgerstande nirgends Beistiinmnng findet. Bemerkt muß übrigens werden, daß die einjährigen Freiwilligen noch fortwährend mit „Sie" angeredet werden, hier also die anscheinende Bevorzugung, wenn nämlich überhaupt daran gedacht werden kann, noch mehr ans Licht tritt. Anekdote. Eine Berliner Dame, welche mehr Vermögen als Bildung besaß, befand sich in stetem Hader mit dem Dativ und Accusativ. Deshalb befahl sie ihrer Gesellschafterin, wenn sie einen Fehler im Deutschen machen sollte, sie daran zu erinnern. In einem Zirkel beim Thee kam Madame in großen Eifer über einen ihr sehr interessanten Conver- sations-Gegenstand und ries mehrere Male: „Des is mich janz einjal." Die Gesellschafterin, ander Seite der Sprechenden, unruhig da sich der Fehler wiederholte, neigte sich zur Gebieterin hin und flüsterte: „Mir — mir!" Die Dame hatte eben nicht Lust Lehren zu empfangen, und ohnehin schon aufgeregt, ries sie mit gellender Stimme ihrer Gesellschafterin zu : „Sie haben jemirt und jemirt und sind sitzen geblieben; ick habe je micht— und habe einen Mann jekricht." Nordamerikarrische Zeitungsschau. Selbstmord. In New-Orleans hat sich am 21. vorigen Monats ein Italiener, Namens Antonio Martorel, mit einem Metzgermesser auf dem Markte den Leib aufgeschlitzt und sich so ein schreckliches Ende bereitet. Die Ursache der bedauerns- werthen That soll eine unheilbare Spielwuth des Genannten gewesen sein, die zuletzt ihm alles nahm, was er nach langjähriger Arbeit mühvoll zusammengespart hatte. Seltene Frechheit. Man erzählt sich, daß vorgestern ein Mann, der nach Hause kommt und Kiste und Schränke erbrochen und alles entwendet findet, zu seiner Verwunderung im Spiegel eine Karte stecken sieht, welche die Worte enthält: „F. Everley, Dieb." Ein Engländer von guter Erziehung und, so viel man weiß, unzweideutigem Charakter, verließ vor ungefähr 18 Monaten sein Vaterland mit dem Vorsatze, einige Jahre in einer einsamen Zelle eines unserer Gefängnisse zuzubringen. — Er machte zuerst Anfrage am östlichen Staatsgefängnisse zu Philadelphia, wo ihm aber sein Ansuchen verweigert wurde. Er sagte daß er es verabscheue ein Verbrechen zu begehen, daß er aber doch ein solches verüben würde, um nur einige Jahre in einem amerikanischen Gefängnisse zuzubringen. — Auf diese Drohung hin wurde er arretirt und ins Moyamen- sing-Gefängniß gesperrt, und obgleich ihm die Thü- ren offen stehen, so sitzt er doch schon ungefähr 13 Monate daselbst. Er arbeitet täglich 10 Stunden, welches mehr als die Gefängnißkosten bestreitet; i daher erlaubt man ihm zu bleiben. Nebenbei verfolgt er seine mathematische und andere Studien mit großer Energie und Ausdauer. Er soll in vollkommenem Besitz seines Verstandes sein. Tanzfertigkeit der Hindu-Mädchen.— Im August wurde in Madras einigen angesehenen Beamten der ostindischen Compagnie von den vornehmsten Eingebornen ein Festmahl gegeben, wobei die Unterhaltung größtenteils aus Tänzen mehrerer Tänzerinnen bestand. Ein junges Mädchenna^ mentlich erregte großes Aufsehen dadurch, daß sie auf der Schneide scharfer Schwerter tanzte und dabei das erste Mal Zuckerrohr, das sich an ihren Füßen befand, auf den Schwertern in Stücke schnitt, das zweite Mal dagegen Apfelsinen mit den Füßen auf den Degen in zwei Hälften theilte, während sie auf den scharfen Schneiden tanzte. In Angelegenheiten vcs Pariser Mtks-ilereiiis für noth leid ende Deutsche. Nach der jetzt erfolgten Constituirung des deutschen Hülfsvereins ist das bisher im Lokale des Journals „Vorwärts" befindliche Büreau von dort nach der rn6 6s Sorbonne, n° i, verlegt worden, wohin sich diejenigen zu wenden haben, welche auf Unterstützung Anspruch machen. Die Verwaltung der Angelegenheiten des Vereins, und besonders die Bewilligung der Unterstützungen, ist zunächst anvertraut den Herrn Weyland, Großherzogl. Sächs. Wenn. Minister-Resident, rns Onumurtin, 7- Wendland, Königl. Bairisch. Legationsrath, xlaee Venäöme, 19. Humbert, bonlev. UoisLonnmre, l 28. Avenarius, rne Uiellelieu, 69.1 Kühn, rus ä'Lnker, 9, Sekretär > P .^enten nä interim. ^rafroenlen Cohn, tnnl). Nonm nrtre, 10 , > - Kassirer nci interim. ^ unter jedesmaliger Mitwirkung eines oder zweier Mitglieder des von der Versammlung am 25. April gewählten allgemeinen Ausschusses. Die wöchentlichen Sitzungen des engen Ausschusses sollen vom 20. Mai an, alle Montage, Abends 7 H2, im Lokale des Vereins statt finden. 2 „Freilich ist es wahr : der Radicalismus hat in den Jahren nach 1830 böse Schläge erlitten; er hat die Hülflosigkeit und kleinen Mittel hinlänglich gezeigt, mit denen er operirt. Es sind auch nicht die Persönlichkeiten, die zum Radicalismuö schwören, die man zu fürchten hat, sondern die, durch die Cen- sur künstlich gehegte, unheilbringende Verbindung der kosmopolitischen Ideen des Radicalismus mit einem, das ganze Volk durchdringenden Bedürsniß nach nationaler Einheit. Weniger den Regierungen, als dem Volke ist der Radikalismus gefährlich. „Mag man immerhin unfern deutschen Radicalismus für blos theoretisch halten und meinen, darin liege keine Gefahr. Wenn dies für die Gegenwart richtig gesprochen sein mag, so ist es falsch für die Zukunft. Man erinnere sich, daß der theoretische, philosophische und antireligiöse Radikalismus der Pariser Coterien schon lange vor dem Jahre 1789, während er mit sich selbst und der Natur einer unzufriedenen Menge nur zu spielen glaubte, die Revolution der untern Stände heraufbeschwor. So meinen auch Viele in Deutschland, die vornehmen Standes sind, mit dem Radikalismus, den sie für ungefährlich halten, spielen, ja sich selbst einen kleinen Anstrich desselben geben zu können. Diese vergessen, daß wo sich Partheien bekämpfen,^wie jetzt in Deutschland, bevor das Volk dazwischen tritt, eine Dummheit viel gefährlicher ist, als eine Gemeinheit. Das umgekehrte ist wahr, wo man es mit einem Volke zu thun hat. „Auch ist nicht zu vergessen, daßder Radikalismus ungemein regsam und beweglich ist, wie alles Mechanische. Sein Fanatismus ist annehmbarer und gefährlicher, als der ängstliche magere Fanatismus der anderen Parthei. Für die Jugend namentlich, die den Eindrücken der Zeit ohnedies offener ist, wirkt der Radikalismus durch schimmernden Fanatismus, wie durch eine zwar gemachte, aber doch lockende Socialität und Brüderlichkeit seiner Kreise gefährlich. Eine Verbindung mit dem Radikalismus gewährt die frühesten Lorbeeren. Ob diese dauern und wohl erworben sind, fragt der jugendliche Ehrgeiz selten, wenn ihm der schleppende Gang derabsolntisti- schen Mechanik jede frühzeitige Bedeutung abschneidet, und er nur die Wahl hat: unter kleinlichen Akten zu verschmachten, oder mit dem Opfer seiner innersten Natur, die er noch nicht erkannt hat, Bewegung und frühen Ruhm zu erkaufen". Wir geben nun das versprochene ganze Kapitel, und behalten uns vor, noch ausführlicher auf dieses interessante Buch zurückzukommen. Die Canaille. ,,Unter uns soll keiner der Trefflichste sein. ,,Und ist er ein solcher, so sei er es anderwärts und bei andern." Die Ochlokratie. „Bis dahin haben wir nur die Bestrebungen des Radikalismus berührt, der immer noch für nöthig hält, sich wenigstens eine Idee zu machen, und seinen Egoismus unter schimmernde Phrasen zu verstecken, oder ihm durch freisinnige, populäre Forderungen Eingang zu verschaffen. „Zugleich sind wir auf die materiellen kommunistischen Absichten und Plane eingegangen, und haben überall wenigstens eine bestimmte Farbe, und, wenn keinen Fortschritt, doch den Drang zum Fortschritt gefunden. „Jetzt muffen wir auch der geistigen Commu- nisten gedenken, des platten Haufens, der ganz ohne öffentliches Interesse, ohne um die Partheien als solche oder um das Volk sich zu kümmern, sogar ganz ohne Heroismus, ohne Zweifel, sich mit gar nichts innerlich zu beschäftigen weiß, als mit dem dummen,ungegründeten,instinktiven Haß gegen alles Eigenthum eines großen Geistes, gegen jede Idee, gegen Alles, was dem Menschen Schönheit und innere Würde verleiht. Wir reden von der Dreckgeburt der Gewöhnlichkeit: von der Canaille, von dieser, wenn auch nicht unsterblichen, doch nie aussterbenden Hefe der Menschheit. „Es ist die Classe von Menschen, auf welche sich Leffings schneidendes Epigramm bezieht: „Da schwimmen wir Äpfel, sagte der Roßdreck, und schwamm mit Äpfeln den Bach hinab." „Ein großer Unterschied besteht zwischen dem Wesen der Partheien und zwischen der Natur der Canaille. „Die Leidenschaften, — die Partheien lassen sich durch ein zwischen ihnen wnnderthätig waltendes Leben desVolkes bändigen, und zu nothwendigen Lebenstrieben, wenn nicht im einzelnen Parthei- mann, doch im Geiste des Ganzen veredeln. „Obgleich ihrer Natnr nach egoistisch, werden die Partheien doch erst durch bestimmte Verhältnisse verderblich. „Das Wesen der Canaille dagegen ist stets unheilbringend. „Wie in jedem Einzelnen, und trüge er sonst den Himmel und die ganze, Menschen mögliche, leidenschaftslose, aber lebenswarme Kraft des Maaßes in sich, eine Stelle ruht, wo die Hölle lauert; so ist auch im Geiste der Erde ein dunkler Punkt. Die, welche derselbe in einem solchen unheimlichen dämonischen Denken erschafft, erwachsen zur Canaille. „Wie die Gährung der Massen ein nothwendiges Substrat des geistigen Gebildes, ewig und noth- wendig wie das Gebilde selbst, so ist auch die Canaille nothwendig; obwohl vom Geiste unendlich verschieden, wie die Trebern vom Wein, wenn gleich nicht unsterblich, so stirbt sie doch nie. „Hieraus folgen zwei Dinge, die wohl zu beachten sind: „Die Canaille ist das Gebilde der Hölle und nur dadurch in Schranken zu legen, daß sie der strengsten Sklaverei und Knechtschaft zufällt. Zu vertilgen ist sie nicht; aber die eiserne Ruthe ist für sie geschaffen. „Da die Canaille nie stirbt, und zwar nicht klug, aber doch schlau, und weil formlos, deshalb für jede Öffnung gerecht, stets hervorbricht, so ist sie nicht blos dem lebenden Geschlecht verderblich, sondern dem kommenden nicht minder. Und wo eine Generation ihr Raum gibt, da rächt sie sich nicht blos an dieser, sondern an Kind und Kindeskind. Sie wächst mit quadratischer Schnelligkeit. Sie ist die Hyder, aus deren abgeschlagenen Rumpfe viel neue Häupter wachsen, der Teufel, von dem Christus sagt, daß er einfach ausfahre und siebenfach wiederkehre. „Canaille! Das Wort haben wir nicht in deutscher Sprache, als wäre sie zu edel, die Geburt des Todes mit dem lebendigen Wort zu bezeichnen; aber die Sache haben wir im deutschen Lande. „Es ist nicht die Rede von der Masse armer Proletarier, denen Alles genommen ist, sogar das Glück des Sklaven, sich zu sättigen. Noch weniger umfaßt die Canaille einen Stand; dies wagen sogar die englischen Fuchsjäger nicht mehr auszusprechen. „Die Canaille durchdringt, wie das VVlk, Alles; sie ist stets da, wo das Volk nicht ist; wo das Gute nicht ist, ist das Böse. „Wie das Volk, gehört die Canaille auch keiner Parthei an. Während aber das Volk unmäßige Leidenschaften und Partheien zügelt, so wirft sich die Canaille stets zu der Parthei, welche gerade am verdorbensten ist; ein treuer Genosse, wie Räuber gegen Räuber treu. „Das Volk ist ruhig. Die Canaille theilnahmlos. Inder Ruhe findet das Volk seine Größe; die Brutalität läßt der Canaille ihre Theilnahmlosigkeit als Größe erscheinen. Brutal, wo sie Macht hat, Hund, wo sie gebeugt wird, von Individualität keine Spur, der Eitelkeit voll. „Unter sich selbst haßt sich die Canaille grimmig. Da ist ein Zutragen, ein Verleumden, ein Neid, ein Rangablaufen, ein Hutziehen, Hoffarth und Schmutz allenthalben. „Es wäre ein Krieg Aller gegen Alle, wüßte der Teufel nicht Ordnung zu halten. Er hat der Canaille die Pflicht auferlegt. Nicht jene Pflicht, die durch Liebe und Geduld zur Freude wird, sondern die magere, dürre, kalte Pflicht des äußeren Gesetzes, der Menschensatzung. Ihr Codex ist die Convenienz. Die Eltern ehrt sie — wegen der Leute; sie thut wohl, — wegen der Leute; sie stiehlt nicht, —wegen der Leute; sie geht zur Kirche — wegen der Leute; sie lernt des Nützlichen und Brauchbaren viel, — wegen der Leute; kurz sie ist, was sie zu sein verdient, Sklave. „Ethische Gesetze kennt sie nicht; mit Freiheit zwischen der Pflicht sich bewegen, heißt sie Schwärmerei ; Hemmung der Bewegung ist ihr deshalb Ordnung. Ideale sind Narrheiten; heilige Güter und Menschenrechte—Auflehnung gegen das Gesetz; ihr genügt eine hausbackene Sentimentalität, die man so zuweilen, wie den Sonntagsstaat, vor andern Leuten anlegt, um die innern Schäden zu verdecken. „Und dies Alles zusammen heißt die Canaille: Praxis. Sich in die Convenienz 'zu fügen, diese Praxis ist ihr Maaßstab. Wer nicht so praktisch ist, der ist ein Taugenichts, ein Schwärmer, zum Mindesten ein Narr. Aus der Hölle geboren, spricht sie doch: wer nicht für uns ist, der ist wider uns. Die Hölle ihrer Pflicht nennt sie Glückseligkeit. „Da die Canaille alles durchdringt; wie das Volk, so nennt sie ihre Meinung — den gesunden Verstand. Sie ist grausam bis zum Tod, wo sie die Macht hat; ihr Recht zur Grausamkeit leitet sie von dieser Meinung ab. Ein Herz zu brechen ist ihr Wollust; einen wahrhaft stolzen Geist zudemü- thigen, Verdienst. Nur wer vorden Augen der Welt die Convenienz nicht antastet, ist ihr ein Ehrenmann. „Wenngleich zwiespältig in sich, wie alle ungesunden Geister, ist sie doch in Einem streng verbunden, und wegen dieses Einen des ewigen vernichtenden Hasses werth. „Sie> verachtet das Volk und seinen gesunden Sinn. Nach dem großen Gesetz der Hölle: „Umdrehung" nennt sie das Volk Canaille, den gesunden Sinn des Volkes: anmaaßliche Forderung. Sie haßt alle guten Geister, alle großen Seelen. Die Fürsten möchte sie um ihre besten Stützen bringen. „Ihr Urtheil ist schnell fertig und bald gesprochen, da die Gesetze der Convenienz klar sind. Wo die Canaille Macht hat, wird das Urtheil im Über- muth gefällt, mit dem angemaaßten Gewicht einer alles überschauenden, nüchternen, unbestechlichen, 3 ^ - weltklugen Praxis. Sie stecken nur bis am Kopf und nicht ganz im Sumpfe, darum meinen sie darüber zu stehen. „Sie ist es, diese holde Canaille, welche stets das böse Sinnen der Partheien ausgeführt, vie das Volk stets gedrückt und betrogen hat; welche mit der Pflicht, mit ihrer stillen Tugend ihre Sünden vor dem Ewigen entschuldigen will. Sie weiß: es sei den Bäumen dasür gesorgt, daß sie nicht in den Himmel wachsen; sie vergißt, daß sie Schuld auf sich nimmt, wenn sie das Werkzeug wird, eine große Seele zu morden. Sie preßl darum ruhig alle guten Geister, sie kreuzigt, verbrennet, vertreibt sie, oder überläßt sie dem Hungertod. Wenn alles nicht hilft, den guten Geist zu verderben, so verleumdet sie ihn wenigstens. „Man schlage die Geschichte aller Zeiten auf. Man wird finden, daß von Christus bis Goethe alle großen Menschen von dieser Canaille besudelt wurden; man schlage ihre Schriften auf, man wird finden, daß sie in Einem Zusammentreffen: in der Verachtung dieses Otterngezüchtes. „Deshalb verdammt man glühende Seelen mit Unrecht, die von solcher Brut gehemmt und verfolgt, zu der Verachtung der Menschen gekommen sind, und der Herrschaft der Canaille eine Revolution vorzogen, wie Juniuö — obwobl er den Radicalismus haßte, oder die Tyrannei eines klugen Fürsten lieber wollten, wie Macchiavelli, dessen Seele, obwohl allem kosmopolitischen fern, für die nationale Freiheit Italiens glühte. Man hat solche Naturen nur in ähnlich verdorbenen Zeiten anerkannt; jetzt fängt man in Deutschland an, Macchiavelli zu verstehen. Denn der Wunsch wäre wahrhaftig nicht frech, nicht Ironie, sondern bitterer Ernst, wenn einer Deutschland einen großen Tyrannen wünschen würde. Freilich gilt solchen Männern, um ihre große Idee durchzusetzen und die nationale Wiedergeburt heraufzuführen, der Einzelne, die Generation nichts; sie können uns aber verehrungswürdig bleiben, wie das Beil des Gesetzes, wenn wir sie vielleicht nicht zu lieben vermögen. „Richten wird sie keiner, der weiß, wie die Menschen schlecht sind; daß man in Geschäften des Staates mehr mit schlechten zu thun hat; daß wenn im Leben des Staates nicht höhere moralische Gesetze walten, schreckbar vielleicht für die Moral deS Einzelnen, noch nie ein Staatsmann, noch nie ein Staat moralisch war. „Ewigen Andenkens Werth bei solchen Männern bleibt, daß sie die Canaille behandeln als das was sie ist. Denn so lange diese ihr freches schmieriges Haupt erhebt, so lange muß eine Nation klein bleiben; so lange ihre conventionnelle Bildung genügt, muß man wünschen, daß Barbarei Hereinbreche, damit die Menschen inne werden, es sei nur der im Kampfe stark, welcher die ewigen Güter in der That besitzt. Dann wird die Canaille Knecht werden. Dies Wort hat eingeschlagen." Die Texas - Frage. New-Pork, den 16. April 1844. Nicht früher als gestern bin ich von Herrn G. aufgefordert worden, der Zeitschrift,,Vorwärts! " von Zeit zu Zeit, wo möglich durch jedes Havre- Packet, einen kleinen Bericht zu schicken. Mit Vergnügen, so weit meine Zeit dazu ausreicht und besonders mein Talent. Einen Bericht heute zu geben bin ich begreiflicherweise nicht in Verfassung, doch will ich nicht versäumen, über die eben heute officiell bekannt werdenden Bestimmungen des Vertrages, der Texas den Vereinigten Staaten incorporiren soll, Ihnen eine kurze Notiz zu geben. Als vor einigen Wochen zuerst das Gerücht auftauchte, der Anschluß von Teraö an die Union sei in geheimer Verhandlung vorbereitet, entstand unter den Partheien, im Schooße der Presse, eine Aufregung, wie ich sie während eines zehnjährigen Aufenthaltes nicht ärger erlebt habe. Der Krieg stehe ,vor der Thüre, ja die Auflösung der Union hieß es. Heute wissen wir officiell, daß dieser gefürchtete Vertrag von dem teranischen Bevollmächtigten und dem Staatssekretär des Äußern bereits unterzeichnet ist, daß nichts mehr fehlt um ihn bindend zu machen, als die Bestätigung des Senats, und wir bleiben ruhig? — „Erkläret mir, Gras Örindur" — Die eine Hauptschwierigkeit besieht noch in voller Stärke; die ganze Abolitionistenparthei prote- stirte und protestirt auf das Bestimmteste gegen eine Maaßrcgel, die das so mühsam erhaltene Gleichgewicht zwischen den Sklaven- und den freien Staaten auf einmal zerstört; dagegen ist jede Apprehen- sion wegen eines möglichen Einspruchs von Seiten Englands rein verschwunden. Es zeigt sich jetzt, daß England seit geraumer Zeit selbst mit der Regierung von Teras unterhandelte, daß es die Anerkennung dieses Staates von Seiten Mexicos zu bewirken übernahm, zu diesem Zwecke als Abfindungssumme den Betrag von vier Millionen Dollars vorzuschießen bereit war, wenn Teras aufhörte ein Sklavenland zu sein, und für den Handel Englands Zugeständnisse gewährt wurden, die dieses Land gleichsam zu einer englischen Provinz herabgesetzt hätten. Seitdem diese Verhältnisse bekannt geworden, man sich zugleich überzeugt hat, daß Teras in seiner bodenlos verwirrten Finanzlage einer Stütze nicht länger entbehren kann, und sich entscheiden muß, seitdem der in Washington anwesende teranische Abgesandte auf eine schleunige Entscheidung drang, seitdem Calhoun, wohl der begabteste, unstreitigder patriotischste der amerikanischenStaats- männer, durch Übernahme des Staats-Sekretariats des Äußern, die Leitung der Negociation in seine Hand bekam, konnte die eigens erwähnte Entscheidung nicht ausbleiben. So steht diese Angelegenheit, deren Entscheidung 'man mit ungeheuerster Spannung entgegen sieht. Die Aktenstücke über die von England mit Teras eingeleitete und schon sehr weit gediehene Geheim- Verhandlung sollen eben so merkwürdiger Natur sein, als geeignet, durch die Aufregung, die sie Hervorbringen werden, den Anschluß um so populärer zu machen. —Das Motiv hingegen, welches, nach der Ansicht Wohlunterrichteter, den Senat vielleicht bestimmen dürfte nicht zu ratificiren, mag Ihnen eine Andeutung sein, wie tief in diese Staaten das zerstörende Gift des Partheigeistes sich eingefressen hat. Man glaubt, daß die beiden großen politischen Partheien (Whigs und Demokraten), welche dieses Land regieren, gegen den gegenwärtigen Präsidenten (der zu keiner von beiden recht gehört, und besonders in neuerer Zeit in der Meinung auch der Gemäßigten, immer mehr verloren hat), so gründlichen Haß hegen, daß der Senat eine große nationale Maßregel lieber vertagt oder verloren sehen wird, als daß die Ehre derselben auf seine Regierung falle. Ich schreibe in äußerster Eile; — Ausführlicheres und Mannigfaltigeres in meinem nächsten. Bis im einen oder andern Sinne entschieden, wird das „Ercitement" ein zunehmendes sein. Und damit Sie ungefähr wissen, wie zugänglich wir diesem „Ercitement" sind, hier noch eine kleine, kaum glaubliche Probe. Vor zwei Tagen schleuderte eine der gelesensten hiesigen Zeitungen die Nachricht in die Welt, soeben erfahre man, daß nächst Charlotten (Süd-Carolina) ein Luftballon mit acht englischen Passagieren eingetroffen sei; daß Monk Mason, der Erfinder eines neuen äronautischen Systems, diesen Ballon in drei Tagen über das atlantische Meer geführt, daß er Harrison Ainöworth und verschiedene Standesper- sonen herübergebracht. Sollten Sie glauben, daß im ersten Augenblick Tausende und Tausende an die Wahrheit des grob gesponnenen Unsinns , koax ist der technische Ausdruck, glaubten!? aber so ist es, und Tausende und aber Tausende von diesen „Extrablättern" wurden an die Gläubigen verkauft, obgleich der Herausgeber desselben derselbe ist, der seiner Zeit das berühmte Herschelscbe Tagebuch: „Über die Entdeckungen im Monde," veröffentlichte. Als man endlich die grobe Mystifikation einsah, lachte man, anstatt sich zu ärgern. In letzten» ist allenfalls noch einiger Menschenverstand. Der Ihrige IV. k. 8. Ein zweites uns im Augenblicke wo wir unter die Presse gehen zugekommenes Schreiben vom 3". April gibt folgende neuere Nachrichten: DieTeras-Ängclegenheit dürfte für den Augenblick als vertagt zu betrachten sein, aber ruhen wird sie nicht, darauf können Sie sich verlassen. Die öffentliche Meinung, wenn man die Abvlitionisten ausnimmt, ist für den Anschluß und wird ihn über kurz oder lang durchsetzen. Die Position ist gegenwärtig diese: Der Vertrag ist dem Bevollmächtigten von Teras und dem Staatssekretär für das Auswärtige, Herrn Calhoun, unterzeichnet, wird aber ohneZweifel von dem Senate, welchem die Entscheidung obliegt, abgelehnt oder hinausgeschoben werden. Erstens würde der Senat, dessen Majorität der Whig-Parthei zugehört, dem gegenwärtigen Präsidenten Tyler, den diese Parthei als einen Abtrünnigen auf das äußerste haßt, nicht die Ehre einer so bedeutenden und populären Maaßrcgel gönnen ; aber, abgesehen davon, hat Herr Clay, das Haupt der Whigs, in einem langen, mit großer Vorsicht und in dem Sinne : ,,Wasch mir den Pelz, mach ihn nicht naß", abgefaßten Schreiben so viel erklärt, daß er für die augenblickliche Annexion nicht ist. Auch der Prästdentschafts-Candidat der Locofocos, Von Buren, hat sich in ähnlicher Weise geäußert. Was aber außer dem Bereich der Partheipolitik am ungünstigsten wirkt, ist der Umstand, daß aus den jetzt veröffentlichten Dokumenten hervorgeht, daß von der Seite von Teras ein so ungestümer Wunsch nach der Einverleibung in diese große Republik gar nicht ausgesprochen worden ist; im Gegrntheil, es ist seiner Zeit protestirt worden gegen diese Maaßrcgel, was die Amerikaner nicht abhielt die Sache bis auf den gegenwärtigen Punkt zu treiben, und in der diplomatischen Welt mit Recht als ein großes Skandal gelten wird. Ich führe es nur als ein Kleineres an, daß die Dokumente, welche jetzt von der ganzen amerikanischen Presse veröffentlicht werden, in Folge einer sehr großen und strafwürdigen Indiskretion, die nur von beeidigten Beamten ausgegangen sein- kann, an eines der hiesigen Journale eingesendet wurden. Das ist einmal eines der Extreme des Öffentlichkeits-Bedürfnisses, vor dem man in Deutschland allerdings gesichert ist. Der Deutsche Ln Paris. Unter dem Titel: 1^68 Ütran^ors a ?aris, erscheint bei dem Verleger OnLnrns (rue Ui- okelieu. 45 dich seit einiger Zeit ein neues illu- strirtes Prachtwerk, auf welches wir mit Vergnügen die Aufmerksamkeit unserer Leser lenken. — Es sind bis jetzt schon fünfzehn Lieferungen erschienen, das ganze Werk aber soll ans fünfzig Lieferungen zu 30 Centimen bestehen. Die Charakterschilderungen der verschiedenen in Paris lebenden Fremden sind 4 von I. Janin, Old-Nick, Eugen Guinot, Mery, Gozlan, und andern geistreichen Schriftstellern; die Illustrationen sind von Gavarni, Gusrin, Emy, Lorsay und Fröre. Die Behandlung des Stoffes ist durchweg humoristisch, in leichter gefälliger Form gehalten, und wir geben unfern Lesern unter dem obigen Titel als Probe ein Bruchstück aus dem Buche, in dem Louis Huart den Deutschen in Paris schildert. Was darin wahr, was darin unrichtig, oder vom st-anzösischen Standpunkte aus mit Befangenheit beurtheilt ist, werden unsere Leser selbst finden. Lonis Huart also sagt: „Ich erinnere mich nicht mehr, welcher geistreiche Schriftsteller, — ich würde mich nicht wundern , wenn es Mery gewesen wäre, — eines Tages sagte, er würde recht gerne in England leben, wenn cs dort nicht so viele Engländer gäbe. In einem Bierteljahrhundert wird man Deutschland diesen Vorwurf nicht machen können, wenn die Auöwanderungstuft, die sich in diesem Lande seit einigen Jahren zeigt, so zunimmt, denn man wird dann in Deutschland von allen Völkern etwas, nur keine Deutschen mehr finden. Sonst reisten nur die cdeln Bewohner Nürnbergs nach Frankreich, ihre reiche Ladung von Kinderspiclzeng dahin bringend, und schnell in die Heimath zurückkehrend, sobald diese abgesetzt war. Wir wollen hier nicht von den kleinen Besenhändlerinnen sprechen., die sich rühmten aus dem Schwarzwalde herzustammen, eigentlich aber aus der Umgegend von Straßburg oder Colmar kommen. Aber der Nationalgeist ist ein Mal bei uns Franzosen so, daß keiner von uns zwei Sous für einen solchen kleinen Besen bezahlt batte, wenn er gewußt hätte daß er in Frankreich erzeugt worden ist. Jetzt findet die Auswanderung in Deutschland nicht mehr von Einzelnen statt, nicht von Familien, ganze Dörfer machen sich, besonders in Baiern, auf den Weg, ihren Pfarrer und Schullehrer voran, um die Urwälder Amerika's zu bevölkernalles dies auf Treu und Glauben von Ankündigungen und Prospeetns, die ihnen versprechen was alle Ankündigungen und Prospeetns versprechen, — wunderbare, prächtige Dinge. In der Erwartung des Glücks, das sie am Ohio erwartet, ruiniren sich diese armen Teufel zuerst am Rhein und an der Mosel, indem sie ihre Hütten und Grundstücke um einen Spottpreis verschleudern. Wenn man im Frühling oder Herbste auf der Straße von Paris nach Straßburg reist, kann man die trübe, bittere Empfindung nicht überwinden, die unser Herz schmerzlich zusammenpreßt beim Anblicke dieser langen Wagenreihen voll Auswanderer die man ffast jede Stunde begegnet. Auf diesen ärmlichen Wagen, von kleinen magern Pferden gezogen, denen man kaum die Kraft zutraut M'mach Havre zu kommen, sieht man bunt durcheinander die armseligen Kisten mit den noch armseligem Effekten dieser Bauern; auf diesen Kisten von weichem Holze sitzen Frauen, Greise, Kinder und die von den Strapatzendes Marsches Krankgewordenen. Man glaubt einen Zug von Verwundeten zu sehen, der nach einem blutigen Kriege ins Vaterland zürück- kehrt, wenn man nicht unter dem schlechten Leinwanddache der Wägen eine Menge lachender und sorgloser blonder Kinderköpschen sähe, die ohne Sorgen und Kummer in das ferne Land ziehen, das''ihnen zur neuen Heimath werden soll-. Dock) ich lasse -meine armen Auswanderer, die mich zu sM traurigen politischen- 'Betrachtungeit führen würden, und will die Leser bloß von dem Deutschen in Paris unterhalten. Indem ich diese Auswande- rungswuth vorübergehend andeute, will ich damit nur zeigen, daß Msry in einigen Jahren ganz gut sagen kann: Ich möchte recht gerne in Deutschland leben, wenn es nur dort mehr Deutsche gäbe. Deutschland schickte uns einst den Magnetismus, den Somnambulismus und die Schädellehre, drei Jmportationen die ein gewisses Aufsehen in Frankreich machten, und die durch Gall und Mesmer, die wahren Lions der damaligen Pariser Salons, verbreitet wurden. Heute zu Tage machen von deutschen Erfindungen die chemischen Reibzündhölzchen und die Wiener Semmeln das meiste Glück in Paris. Die deutschen Reibzündhölzchen haben zahlreiche Nachahmungen hervorgerufen, eine knallender und krachender wie die andere; aber die Wiener Semmeln, Milchbrode und Kipfel sind bis jetzt unnachahmlich geblieben. Die Einführung des Wiener Weisgebäcks in Frankreich hat zwei Resultate gehabt, — erstens auch die Gaumen der heiklichsten Kenner zu befriedigen, und zweitens das, ein altes Vorurtheil aller jener Franzosen zu zerstören, die nie jenseits des Rheins waren. Man bildete sich nämlich allgemein ein, daß Deutschland in gastronomischer Hinsicht unendlich zurück sei, ja man hätte einen Pariser nie überreden können, daß man in Wien oder Berlin etwas Anderes äße, alsSauerkraut und Gerstenbrod. Uebri- gens dürfte darum doch die deutsche Küche in Frankreich weniger Anklang finden, als die Wiener Bäckerei, und wir würden es für ein ziemlich thörichtes Beginnen halten, in Paris ein Wien er-Spei setz aus zu gründen ; — nicht als ob die Lieblingsge- richte der Deutschen sich zu sehr dem Urzustände der Küche näherten, im Gegentheile, man könnte ihnen vorwerfen, einer zu weit vorgerückten Civilisation anzngehören, denn die Gastronomen jenseits des Rheins sind im Aufsuchen unbekannter und neuer Genüsse dahin gekommen, Kalbsbraten mit Johan- nisbeerenmnß, und Schöpsenbraten mit Zwetschgen zu essen. „Solche Speisenmischungen aber, solche Ideen werfen alle clässischen französischen Werke Cawmes und anderer Kochkünstler über den Haufen,— das ist kulinarischer Romantismns bis auf das Äußerste getrieben. (Was würde Herr Huart erst sagen, wenn er, der als Franzose den Sallat nicht, wie bei uns zum Braten, sondern nach dem Braten ißt, wenn er wüßte, daß man in Wien zu einem gebratenen Kapaune in Scheiben zerschnittene Pommeranzen mit Zucker bestreut, in Stettin Perlgraupen oder Grütze mit gedörrten Zwetschgen in Wasser gekocht, irr Ungarn Wildschweinbraten mit Hagebut- ten-Gelee, oder in Sachseil gekochtes Schweinfleisch mit kalten Preiselbeerenmuß als besondere Deliren ißt? — gewiß, er würde an der Zukunft der deutschen Küche und Constitution verzweifeln. Anm. der Red.) Auch könnte ein deutscher Speisewirth seinen Gästen in Paris di'e größten Leckerbissen seiner Küche gar nicht oder doch wenigstens nicht zu den Wmatblichen Preisen Vorsitzen, diese fabelhaft großen Karpfens'die nicht theurer sind, als unsere Gründlinge aus der Seine;-Rehböcke, die in Baiern weniger kosten, als-in Frankreich dieSchöpse; denn in Deutschland bekömmt man ganze Ochsen zu unerhört billigen Preisen und Kälber fast umsonst „Seit undenklichen Zeiten haben die Deutschen in Paris, so zu sagen, das Monopol gewisser In-' duftrien: deutsche Schneider und Schuster sind hier so zahlreich, daß man glauben sollte die Deutschen allein hätten einen besondern Beruf zu diesen Gelverben, wie alle Savoyarden zum Beispiel Wasserträger oder Kohlenverkäufer sind. Die Anzahl der deutschen Schuster in Paris beläuft sich auf 2000, die der deutschen Schneider auf4 000, die Gesellen mitgerechnet. Fast alle diese Handwerker sind Junggesellen und leben, so zu sagen, gemeinschaftlich in gewissen stotels ß-arnis, wo vom Keller bis unter das Dach deutsch gesprochen wird. Sonntag Abends kehren alle diese wackern Landsleute in Gruppen von 12 bis 15 Personen von den Barrieren zurück, ihre heimathlichen Lieder singend, die von den friedlichen Bewohnern der Straßen Vau- girard und Temple oft sehr schlecht ausgenommen werden, denn nach Mitternacht haben die guten Pariser Spießbürger keinen Geschmack mehr für Musik. — Bemerkenswerth ist die scharfgezeichnete Nuance, die sich zwischen den Charakteren der Schuster und Schneider heransstellt; außer ihrem gemeinschaftlichen Vaterlande und ihrer Vorliebe für die heimathlichen Lieder, weichen sie in allen andern Punkten entschieden von einander ab. So außerordentlich höflich der Schneider ist, so ausgezeichnet grob ist der Schuster; der Schneider hat ein unbegränztes Zutrauen zu Jedem der sich ihm als von irgend einer kaum halbgekannten Person empfohlen, vorstellt; der Schuster gibt kaum dem Besitzer von drei schuldenfreien Häusern ein Paar Stiefel auf Credit; ^ der Schneider ist, wenn ihr nur ein ehrliches Gesicht habt, augenblicklich bereit euch mit seinen Wohlthaten zu bedecken, und wie die gütige Vorsehung wirft er einen Paletot auf die Schultern des Mittellosen; der Schuster läßt seinen besten Freund barfuß gehen, er ladet ihn lieber fünfzig Male zum Essen ein, ehe er ihm ein Paar Schuhe gäbe. In diesem Geize der Schu ster, der sich bis auf das Zuschneiden ihres Leders erstreckt, muß man auch den Grund suchen, daß die Schuster seit undenklichen Zeiten ihren Kunden nur Stiefel bringen die sie die ersten Tage fürchterlich drücken, — vermuthlich damit ihre Schuldner ihnen nicht so leicht damit durchgehen können. Allein nicht nur die deutschen Schneider sind sehr zahlreich in Paris, sondern auch die berühmtesten Kleiderkünstler, die Helden der Annalen der Mode sind überden Rhein hieher gekommen (Humann, Staub u. s. w.), und der französische Geschmack, der in Europa so viel gilt, dankt einen großen Theil seines Ruhmes jenen Deutschen, die doch und zwar nicht mit Unrecht, für sehr schlechte Richter in- Bezug auf Eleganz und Form gelten. Die französischen Schneider selbst erkennen dieses Übergewicht an, und--das Renommee ihrer ausländischen Nebenbuhler bewegt sie, sich auch für überrheinischen Ursprungs auözuge- ben. — Kömmt zum Beispiel ein Schneider aus der Champagne nach Paris um hier ein Etablissement zu gründen, so setzt er gewiß nicht seinen wahren Namen aus sein Schild, sondern je nachdem er: Le- noir, Jacques, Paul, Pierre heißt, nennt er sich: Lenoirmaun (oder gar Schwarzmann) Jacobmann, Paulmaun, Pierremann u. s. w:, und die Kunden bleiben nichUaus. ' - ,, (Fortsetzung folgt.) . > , , Redartcnr : Heinrich Börnste fn. gut äße',' so gehörte wahrlich nur- böser Wille dazu'. Truck nur Schnellpressen von Pre u l R c uo u a r d Parts, Sonnabend. Nr. 42 2S. Mat 1844 Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen : die Zeile ä 50 Centimes. SMW Man abonnirtr für Paris: im Duresu central pour , r U6 llt-s- IVlouIins, 32. und in der Buchhandl. von trule« ZLenousrU et 0 ", NUS cik IliuillOii, n- in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, Englands in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Bi dault, 40, rue Oo in cku88i6»n6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugcstcllt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzcigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumcrationsgclder und Briefe wollen trunoo : « An die Ncdaction des Journals: Vorwärts, 32, rue 068 KIouIin8 in Paris » eingescndct werden. Deutsche Zustände. Wer erlöst mich von diesem Preußen! Muß ich cs denn immer wieder an die Spitze des deutschen Sündenregisters stellen? Immer wieder auf preußischem Boden mein Sträußchen pflücken von : Stinkender Hoffahrt, Passionsblumen, Königskerzen, Fuchsschwanz, Judenkirschen, Gänseblümchen, Brennesseln und Pfaffenhütchen? Da erläßt der wegen seines königl. preußischen Liberalismus so hoch gefeierte Justiz-Minister Müh- l e r Ercellenz ein Rundschreiben, wonach keine preußische Gerichtsperson an der Mainzer Advokatenversammlung Theil nehmen darf, weil es nur den deutschen Regierungen, nicht aber Privatpersonen zustehe, über die Einigung der deutschen Gesetzgebung zu berathen, und es wird dieses Unterfangen der deutschen Rechtsanwälte ziemlich unverblümt als Hochverrath bezeichnet. Da haben wir wieder den Perthes und den Wolfart aus meinem vorigen Berichte, den Schmalz und den Kampz und den Jarke und den Tschoppe und wie die Säulen des Absolutismus alle heißen und hießen. Es ist groß, es ist wunderbar, wenn man die Mainzer Versammlung, dazu bestimmt, unter Männern vom Fache die geeignetsten Wege zur Abhülfe für die längst und von Jedermann anerkannten Nachtheile der deutschen Gesetzanarchie zur Berathung zu bringen, als eine strafbare, jedenfalls unstatthafte Handlung bezeichnet! Wofür edle, berühmte Männer, wie der unvergeßliche Thibaut, schon vor dreißig Jahren laut ihre Stimme erhoben : die Notwendigkeit einer einigen deutschen Gesetzgebung, die soll jetzt noch nicht einmal besprochen werden dürfen! Man verkündet es in allen Zeitungen mit Posaunenschall, wenn der König von Preußen oder ein österreichischer Erzherzog von der Einigkeit Deutschlands spricht: aber sobald ein, ob auch noch so loyaler, Versuch gemacht wird, auf Reali- sirung jener schönen Worte hinzuwirken, Hurra! da kommen sie gesprungen mit Kabinetsordren, Gesetzesstatuten und Interdikten, damit ja nicht irgend ein Lappen Regal etwas an Ansehen verliere! Ja, wenn sich nur wenigstens die deutschen Negierungen selbst für jenen Zweck rührten! Aber es rührt sich . keine, und am wenigsten der Bundestag, der in solchen Dingen alsogleich Schnupfen bekommt, inkompetent wird. Jetzt erklärt man es also gar für ein Verbrechen, der Gesetzesanarchie steuern zu wollen! va, lron train: die Reaktion greift blindlings um sich, wie die Cholera. Da hilft weder der Essig der Satire, noch die Choleraräucherung der Critik, noch die Flanelljacke der Indifferenz, sondern alleincher liebe Gott, der wieder einmal eine Luftreinigung von 1830 bescheeren wird. Mein Brandenburg aber ist eben, wie es schon vor zweihundert Jahren war, als es bei dem Erbfolgestreit über Cleve, Jülich und Berg den Antrag von Pfalz-Neuburg, die Streitsache dem Land^ tage vvrzulegen, mit der Erklärung ablehnte: „Es ist für große Herren eine Schande, wenn der Pöbel bei Wein und Bier über solche Rechte gaifert und plaudert." Wie es scheint, sind seit zwei Jahrhunderte im Sande der Kurmark spurlos zerronnen. So viel von Preußen: ich werde frühe genug darauf zurückkommen müssen, und es soll ihm wahrhaftig nichts geschenkt werden. Müßte man die deutschen Zustände allein nach dem beurtheilen, was mit einer Art äußerlicher Berechtigung austritt, so bliebe jedem freisinnigen Deutschen nichts übrig, als Auswanderung. Dort in Hessenkassel verhaftet man auf die allerbrutalste Weise eine der ehrwürdigsten Zierden der deutschen staatsrechtlichen Literatur, den greisen Hofrath Murhard, wegen eines Aufsatzes, der offen mit seiner Unterschrift versehen, in einem deutschen Bundesstaate erschien und nichts als eine, übrigens ganz anständige Critik enthält, wodurch sich aber das kurhessische Ministerium, falls, was ungewiß, eine betreffende Stelle ihm galt, beleidigt fühlen könnte. Das ist deutsches Staatsleben, die oft gerühmte patriarchalische Glückseligkeit, in deren Genuß wir mit Verachtung herabsehen auf die politischen Zänkereien der Franzosen, Engländer und anderer, der deutschen Tiefe entbehrenden Nationen. Daneben in Hessen-Darm st adt schämen die Residenzbürger sich nicht, den russischen Cesarewitsch mit festlicher Demuth zu einer Zeit zu empfangen, wo Rußland durch Plackereien aller Art den deutschen Namen auf's Schmählichste insnltirt und es heilige Manuespflicht ist, seinen Russenhaß zu be- thätigen. In Nassau bereiten sie ähnliche Feste dem Herzog, der sich vor einigen Wochen mit einer Großfürstin vermählt hat, und treiben die Niederträchtigkeit so weit, eine Ehrengarde in russische Farben zu kleiden. O du deutscher Lakai! Was Baden betrifft, so hat der Karlsruher Straßen- scandal noch immer nicht aufgehört die Gemüther zu beschäftigen, und in der That ist eine durch vornehme Leute arrangirte Straßenemeute etwas in Deutschland seit lange Unerhörtes großen — Sieyes' Ausspruch aber hat sich bestätigt: Dans lous les äu monäe 1a crmaills apxartient a 1'ari8toera1i6. Die Bürger nehmen nicht Theil, sondern nur „Herren" und Auswurf. Aus Wür- temberg hört man freilich keine schreienden That- sachen und die Administration ist dort vortrefflich; dagegen leidet die Landeöuniversität Tübingen unter argem geistigen Druck, und die Censur soll mit außerordentlicher Strenge gehandhabt werden. — Aus Baiern läßt sich nur Trostloses berichten über die methodische Verfinsterung der Geister. Ich fürchte fast, in Altbaiern hat eine aufgeklärte deutsche Politik noch am wenigsten Wurzel: mit Ausnahme weniger freier Köpfe, nimmt das Land, wenigstens sichtbarlich, durchaus keinen Antheil an der Entwicklung wahrhaft nationaler Ideen. — Österreich — seht aus seine Politik in den Donauländern, seht auf die Aristokratie, die alle oberen Stellen besetzt hält, seht auf die Corruption im ganzen Staatshaushalte, seht vor Allem auf seine gepreßte Presse! — Wohin soll sich nun die Hoffnung deutscher Patrioten retten? Ins Königreich Sachsen, wo sie eben wieder die Censur schärfen? Oder in die kleinen deutschen Fürstenthü- mer, wo der Despotismus noch unerträglicher wirkt, weil er auf weniges Objekt beschränkt ist und Persönlichkeiten nothwendig ins Spiel kommen? Oder gar nach dem „glückseligen Lande," wie Ernst August sein Hannover so sarkastisch genannt hat? Oder endlich nach Mecklenburg, von wo die deutschen Höfe ihre Vollblutpferde und ihren Vollblutadel beziehen, wo die mittelalterlichen Feudalrechte noch üppige Blüthen treiben? Nein, nein, wir retten uns alle nach Vaduz. Wissen Sie, wo Vaduz liegt, das man aber um dem daran hängenden Spotte zu entgehen, in Lichten stk in umgetaust hat? Wer nicht weiß, wo das Fürstenthum Lich- tensteiu liegt, ist kein rechter Deutscher. Denn Lichtenstein ist ein souveräner deutscher Bundesstaat, nicht weniger als 2 1z2 Ouadratmeilen groß, ver- theidigtdas deutsche Vaterland mit 55 Mann Infanterie, und wenn in die deutsche Bundeskasse z. B. 30,000 fl. einzuzahlen sind, so gibt Lichtenstein bei Heller und Pfennig einen Dukaten und einen Kreuzer, nämlich 5 fl. 31 kr. Warum hat man diesem Fnrstenthum die Souveränität gelassen, während größere Staaten mediatisirt wurden? Fürst Metternich muß es wissen; auch der damals re - gierende Fürst Lichtenstein, der zugleich ein reicher österreichischer Standesherr war. Ich denke mir, daß die deutsche Diplomatie ihr Meisterstück machen wollte, indem sie, wie unser Herrgott, neben die Weltwächter Österreich und Preußen auch eine lilliputische Souveränität schuf und durch Verleihung gleicher Rechte im deutschen Bund ein erhebendes Beispiel deutscher Gerechtigkeit gab. Bekanntlich finden die Zoologen den Bau einer Raupe noch viel bewunderungswürdiger, als den eines Stephanien: darum bewundern wir Lichtenstein. Und Lichtenstein hat auch seine Constitution! Zwar bei der Gesetzgebung haben die Stände nicht, auch nicht einmal berathend, mitzuwirken : dagegen werden jedem Landtage die Steuerpostulata vorgelegt, und es haben sofort : „die getreuen Stände imr über Eindringlichkeit der postulirten Steuern zu berathschlagen und dafür zu sorgen;" worauf die getreuen Stände wieder heimgeschickt werden. Ist das nicht eine allerliebste, winzige Miniaturausgabe von Österreich? der österreichische Foliant im Taschenformat? Lichtenstein liegt übrigens auch am freien deutschen Rhein, während sein Souverän österreichischer General und die Souveränin österreichische Pallastdame ist. Glaubt man in Amerika vielleicht, das beleidige den Nationalstolz? Pah, wir sehen den König von Hannover den englischen Pairs-Eid schwören, unsere preußischen und sonstige Prinzen moskowitische Truppen kommandiren : das ist ja eben der herrliche, unbegreifliche, tiefsinnige deutsche Kosmopolitismus. (N.-N- deutsche Schnellp.) AV 881 L, XI. Summarium. Die slavische Parthei in Österreich. — Rußland an den Donau-Mündungen. — Die Verzweigung in den ungarischen Zwisten. Die meisten Klagen Preußens gegen Rußland sind dieselben wie die welche Österreich gegen die Unternehmungen Rußlands zu machen hat. Die Zerstückelung der deutschen Macht, welche durch die Jnfiltrirung des moskowitischen Einflusses in den kleinen Staaten Deutschlands sich ausübt, mußte endlich dem Wiener Cabinette lästig werden. Aber es ist hauptsächlich gegen Osten wohin Österreich die Augen mit Ungeduld wendet. Es fühlt daß seine Scharfstcht zu spät gekommen ist; in der That, während der fünfzehn Jahre der Restauration war Europa zu müde und suchte sich von den langen Kriegen zu erholen; übrigens waren die Gefühle obgleich verschieden, doch nicht weniger lebhaft. Der Kamps der Opposition in Frankreich mit der Macht, erfüllte alle fremden Mächte mit Schrecken. Italien schwächte sich mit innern Zwistigkeiten, Spanien war durch seinen Bürgerkrieg zerrissen und Deutschland war durch das stille Treiben und Wirken des öffentlichen Geistes heftig bewegt. Man wußte nicht ob die allgemeinen Unruhen das letzte Streben eines kaum gelegten Sturmes waren, oder vielmehr die ersten Bewegungen eines neuen. Rußland wußte geschickt genug diese Mischung von Angst und Müdigkeit, welche Europa lähmte, zu benutzen und seinen Ränken einen vollen Schwung zu geben. Eö streckte auch seine Hand nach Asien aus, nahm von Persien eine seiner schönsten Provinzen, und, was noch besser war wußte sich dort einer der festesten militärischen Stellungen zu bemeistern. Mau muß über diesen Gegenstand und über die russische Politik im allgemeinen ein Buch lesen das kürzlich vom Grafen Venceslaus Jablonowsky verfaßt wurde und den Titel hat: „Frankreich und Polen, oder der Slavismus und die polnische Dynastie," ein Werk welches merkwürdige Umstände und wichtige Anweisungen enthält, neben anderen Anmuthungen welche übrigens keineswegs von der ganzen polnischen Emigration gelheilt werden. List, Gewalt, Hartnäckigkeit und Bestechung wurden von Rußland in seiner Politik gegen die schwankenden Interessen des oöma- nischen Reichs angewenvet. Kann man uns einen einzigen Vertrag nennen in welchem Rußland nicht einige Landsstriche erhalten hätte? Tannen, Georgien, Bessarabien, und nach und nach die ganze nördliche Küste des Schwarzen, des Azowischen und Caspischen Meeres sind unter russische Gewalt gekommen. Militärische Anstalten, Seehafen und Militär-Stationen nehmen das ganze südliche Rußland ein und dienen dazu, im Falle der Augenblick der Handlung da ist, in einem Augenblicke eine Armee nach Constäntinopel zu bringen. Alles, selbst der Vertrag von Andrinopel, trägt etwas zu den Begebenheiten des Morgenlandes bei, um den Russen den Vorzug über alle andern europäischen Mächte zu geben, während Österreich einen Augenblick in der französischen Revolution versenkt und dem blutigen Schrecken überlassen, welchen St.-Petersburg wohl zu unterhalten wußte, während Österreich jetzt ansängt mit unruhigen Blicken die Zeit und die Machtzu fühlen, welche es vor beständiger Furcht gänzlich aus den Augen verloren hatte. Eins ist besonders zu betrachten: das ist die Art wie Rußland, nachdem eö Polen trotz des Wiener Vertrages vernichtet hatte, sich jetzt bemüht, das Blut und die Ideen der jungen polnischen Generation zu verfälschen, dabei sich auch beschäftigt eine sogenannte slavische Bewegung im preußischen und österreichischen Polen zu erschaffen, um sich damit einiger Hülfsmittel im Herzen von Europa zu versichern und so eine brennende Fackel über die Kabinette von Wien und Berlin zu halten. — Diese Angelegenheit, wenig in Frankreich gekannt, verdient jedoch eine ernste Überlegung von Seiten derer welche sich eine genaue Idee von der gegenwärtigen und gegenseitigen Lage Österreichs und Rußlands machen wollen. Österreich besitzt in Gallizien, Ungarn, Transsylvanien u. s. f. eine sehr zahlreiche slavische Bevölkerung. Mitten in denselben bezahlt St.-Petersburg eine thätige Propaganda, deren Loosungswort der Panslavismus ist, d. h. Einheit, Wiederherstellung der slavischen Nationalität. Es ist das, wie man es sieht, einWiderspruch zwischen dem was Rußland zu Hause thut,und dem was es auswärtig wirkt. Im russischen Polen spricht man nichts vom Wiederherstellen, im Gegentheil befleißt sich Rußland dort alles zu zerstören; es transportirt ins Innere von Rußland die polnischen kleine Kinder mit Ketten an den Füßen und heerdenweise von 100 bis 120 Stück, um also die neue Generation Polens zu russomanisiren, wie es sagt, während es anderer Orten ein patriotisches Spiel treibt, nämlich in den österreichischen Besitzungen, wo es das slavische Blut gegen das germanische reizt. Das ist eben ein ausdrückliches Merkmal, welches die Politik der nordischen Neu-Griechen auszeichnet. Wir hatten schon davon ein Muster in seinen Ränken unter der dänischen Jugend, wo der Samen einer skandinavischen Bewegung gewandt ausgestreut wurde. Auf der andern Seite ist Rußland, welches sich in seinem konsequenten Vordringen auf Constanti- nopel eine Parthei gebildet hat, mächtig durch den Einfluß der Religion, und hält so das oömanische Reich zwischen dem Meere und den Donaumündungen gefesselt und eingeschränkt. Darin besteht die ernsthafte Furcht des Hauses Östreich, denn die Donau ist ja die Lebensader seines ganzen Reiches. Und eS ist nicht ohne Schrecken, daß man in Wien Rußland sich an den Mündungen dieses Flusses ansässig machen sieht. Überdies entdeckt Wien in den innern Streitigkeiten von Ungarn, wo immer drei Elemente sich gegenüberstehen: der Magyarismus, der Slavismus und das deutsche Element, auch die Merkmale der schlecht verborgenen moskowitischen Bestechung. Das österreichische Kabinett weiß wohl wie die Sachen stehen. Es bedarf keiner großen Anstrengungen um zu errathen, daß die russische Politik ihm Hindernisse zu schaffen suchte, mit denen sich Gefahren und Schrecken verbanden, um die Nothwendigkeit eines Protektorats fühlbar zu machen, welches Rußland gerne über ganz Deutschland ausdehnen möchte, und vielleicht noch weiter. Was Österreich beschließen wird, wissen wir nicht; aber ein Grundsatz jeder klugen und gesunden Politik ist nie den Bund eines Nachbar- Staates nachzusuchen, wenn die Interessen desselben Staates dem eurigen gerade zuwider sind. Es ist im Gegentheil höchst nöthig, sich mit den natürlichen oder politischen Gegnern dieser Macht zu vereinigen, um ihr eine größere Kraft entgegenstellen zu können, welche sie stets in ihren Übergriffen hindern könne. Dies wollen wir auch hervorzuheben suchen in dem Kapitel, welches zum Schluffe dieser Schrift dienen wird. (Fortsetzung folgt) Die „Preußische Allgemeine Zeitung" unter dem Obristlieutenant Schulz. Vom Rhein. Die „Preuß. Allg. Zeitung" hat ihre neue Wirksamkeit auf eine sehr erfreuliche Weise begonnen. Es sind zwar weniger leitende und überzeugende Artikel, durch welche sie auf unsere politische Bildung zu wirken sucht, als kleine, schlagende Notizen, mit denen sie bald an diesem, bald an jenem Orte uns ins Gesicht schlägt, und die daher auch Ihre Wirkung nicht verfehlen werden. Es verlohnt sich, diese Aussprüche zu sammeln. Nachdem sie uns neulich erklärt hat, daß die Juli-Ordonnanzen ganz in der Ordnung und Karl X. ein höchst gewissenhafter König gewesen, sagt sie uns jetzt, indem sie einen Aufsatz des sächsischen Abgeordneten Watzdorf ci- tirt, daß die Stufenleiter der „Neuerer" folgende sei: erst constitutionnelle Verfassung, dann Öffentlichkeit und Mündlichkeit der Rechtspflege, dann 3 Schwurgerichte und endlich Ochlocratie. Nun wissen wir was wir sind, wenn wir nach einer Constitution streben, „Neuerer" und „Pöbelknechte." Dieser rohe Ausspruch hat auf dem Feste, welches die Sachsen kürzlich ihrem Abgeordneten Braun gaben, eine laute öffentliche Züchtigung erfahren. Die „Preuß. Allg. Zeitung" mag daraus ersehn, wie herrlich sie auf diese Weise der „Einheit Deutschlands" in die Hände arbeitet. Sie versteht sich aber auch aus die Einheit in Preußen selbst. Die Rheinländer werden aus „Kölln" zurechtgewiesen, daß sie die Regierung nur zu „bekritteln," nicht „anzuerkennen" verstehn, und daß sie ihr erst kürzlich für die Veröffentlichung des Budgets und die Druckverstattung der städtischen Verhandlung den gebührenden Dank schuldig geblieben seien. Es schiene fast, daß sie mehr an „Irland" dächten, als an die Vermeidung von Jrrthümern in Bezug aus das eigene Vaterland. Das ist ein tiefer Stich. Die Rheinländer denken zu viel an „Irland!" Auch sollten sie statt des vielen „Geschreibes" über „Proletariat" lieber Notizen über das Landes-Öconomie-Colle- gium und die verschiedenen Kreis-Versammlungen in den einzelnen Provinzen geben, und zeigen daß sie „Kenntnisse" haben. Die Rheinländer werden sich das gewiß nicht zwei Mal sagen lassen und sich bemühen darzuthun, welches Interesse die Kreis-Versammlungen in den einzelnen Provinzen darbieten. Die „Tagespresse" ist wichtiger als die Eisenbahnen, sagt die „Preuß. Allg. Zeitung" zum Schluß dieses Artikels. Das ist eine große Wahrheit und es freut uns, daß die „Preuß. Allg. Zeitung" schon zu dieser Überzeugung gekommen ist, die ihr im Jahre 1842 noch )o fremd war. Sie macht daher auch den Vorschlag, daß die übrigen Zeitungen ihrem Beispiele folgen und Berichtigungen der „Tageslügen" geben sollten, die sich in der schlechten Presse fänden. Schwerlich hat sich schon jemals eine Zeitung geweigert, einen Jrr- thum den sie begangen, oder ein falsches Gerücht, das ihr zugekommen, zu berichtigen; die Art und Weise der Berichtigung aber, welche die „Preuß. Allg. Zeitung" sich angeeignet hat, ist so berück) t i g t, daß ihr schwerlich eine andre darin Nachfolgen wird. Dennmehr als einmalhat die „Preuß. Allg. Zeitung" in ihren Berichtigungen geradezu die Unwahrheit gesagt. Wir erinnern sie nur an die Geschichte mit dem „Schwanenorden." In andern Fällen wieder waren die Berichtigungen so zweideutig und schief gestellt, daß daraus immer nur die halbe Wahrheit sprach und nur die Absicht ganz deutlich hervorging, die Correspondenten verschlechten Presse so viel als möglich zu verdächtigen. Damit wird also wohl die „Preuß. Allg. Zeitung" vorläufig abfallen. In Folge des gegen die neueste Schrift des Professors Marheineke in der hiesigen „literarischen Zeitung" so äußerst heftig gerichteten Artikels, welcher selbst die Freunde dieses Blattes in nicht geringes Erstaunen versetzt hat, ist der bisherige Redacteur genannter Zeitung, Herr Stips, aus der Redaction getreten. Derselbe soll nämlich durch höhern Einfluß gezwungen worden fein, erwähnten Artikel in die Zeitung aufzunehmen, was derselbe aber nach seiner Ansicht nicht vertreten konnte, weshalb er sich nun lieber von der Redaction ganz zurückzog. In den hiesigen gelehrten Kreisen macht dieser Schritt um so mehr Aufsehen, da auch der Buchhändler Dunkerden Verlag gedachter Zeitung aufgeben will, indem dies Blatt seit Anfang dieses Jahres sich nur noch auf ein Minimum von Abonnenten beschränkt. Noch etwas über die Münchner Bier-Revolution. Der sonderbare Halbe-Kreuzer-Auflaufin München hat manches Lächeln hervorgerufen. Hätte man die Constitution vernichtet, die Bettelklöster aufgehoben, Geschwornengerichte eingesetzt oder alle Justiz abgeschafft, so hätte schwerlich der geringste Auflauf stattgefunden; aber die Biertare ist in München mehr als die Literatur in einem Thee- zirkel Norddeutschlands. Daß, wie man sagt, einige Bierfreunde im Militär nicht ganz Lust hatten einzuschreiten, ist bedeutsam; es zeigt daß die Auflage aus den täglichen Beutel stets an's Leben geht. Man sieht aber daraus, wie schädlich jedem Staate Mangel an Öffentlichkeit ist. Hätte man die Ursache der Höhe der Tare gehörig motivirt, so wäre wohl der Hauptspektakel nicht entstanden; so gehtS mit den ineisten Gesetzen. Man sieht ein, daß in modernen Staaten blos daö Interesse aller Bürger es ist, was den Staat wahrhaft schützt, und daß Intelligenz der große Hebel ist, der seine Fortdauer verbürgt; versteht sich solche Intelligenz, die zugleich das Gefühl bewegt und den Willen kräftigt. Die hohe Biertare ist übrigens das Ergebniß der vorigjährigen Theurung und ganz gesetzlich; um so ultangenehmer fällt es auf, daß man nun die Tare herabgesetzt hat. Der Pöbel — und jeder gehört dazu, der seinen Egoismus vor dem allgemeinen Wohl zu fördern sucht — darf nie gesetzgebend sein in civilisirten Staaten. Dagegen läßt sich sagen, daß wohl die Bierverordnungen Baierns, die dessen gutes Bier begründeten und erhalten, einer Revision bedürfen, denn es ist unnöthig, daß die Biertare einem streng mathematischen Verhältnisse des Preises der Gerste folge, — das beweisen die Reichthümer der Brauereien — vorzüglich wo der Wucher auf kurze Zeit den Preis der Gerste Hinauftrieb, wie 1843. Höchst bedauerlich sind die Vorfälle, weil sie ein Ereigniß unangenehm berühren mußten, an dem der greise Held von Aspern den innigsten Familienantheil hatte. Es mag aber eine Lehre für alle Octrois sein, denn die Biertare Baierns ist zwar kein einseitiges und durchaus schädliches, aber immer doch eine Art Octroi auf eins der nöthigsteu dortigen Lebensbedürfnisse. Buntes und Spitzes Aus Baden. Der Name „Jordan" ist selbst bei unseren Landsleuten so populär geworden, daß bei Nennung seines Namens schon Jedermann eben so gut weiß, um was es sich handelt, als wenn ^„Welker" genannt wird: nämlich, daß von einem hochachtbaren, der Verehrung der ganzen deutschen Nation würdig gewordenen Manne die Rede ist. Aber, fragen sich unsere schlichten Landbürger, was ist das für ein Volk, das kurhessische, bei dem es möglich ist, einen Mann, mit solchen Bürgertugenden geschmückt, als Verbrecher in Haft nehmen und Jahre lang darin schmachten zu lassen? Gehört ein solches Volk auch zum deutschen?! Oder ist seine Einsicht noch so kurz, um nicht einzusehen, daß es sich hier lediglich um Jordans Tod handelt! da man nämlich den Sittcnreinen nicht mit Schuld belegen kann, unv es für Diejenigen, die gerade mit der größten Schuld — vielleicht Blutschuld — beladen, höchst gefährlich wäre, wenn Jordan wieder in Freiheit gesetzt würde. So dünkt uns die Sache—kurz ausgedrückt— zu stehen. Jordan ist eben zum langsamen Tode verur- theilt! — Bei uns in Baden, so weit sind wir Gottlob, hält man so etwas für eine moralische Unmöglichkeit. Und welche Regierung oder welches Gericht so etwas unterfangen wollte, sein und ihr Bestehen wäre das längste gewesen; wie Ein Mann erhöbe sich daö ganze Volk, um mit allen durch die Verfassung gebotenen Mitteln solche Nichtswürdigkeiten schon im Entstehen zu brandmarken und zu vernichten. Uns scheint aber, es fehlt dem Kurhessenlande nur noch ein Georgi, um die beabsichtigte Blut- schandthat desto bälder zu erreichen. Gut, euere Herren können ihn ja leihen auf kurze Zeit bei Hessen-Darmstadt. Seitdem untersagten National-Lieder-Concert, welches man vor einigen Monaten in Berlin zum Besten eines Wohlthätigkeits - Fonds für arme Schauspieler veranstalten wollte, müssen jetzt alle Arienterte und Abhandlungen, die in öffentlichen Concerten vorgetragen werden sollen, zuvor den Censoren zur Begutachtung vorgelegt werden. Nach deren Genehmigung erfolgt dann erst die polizeiliche Erlaubniß zu dergleichen öffentlichen Unterhaltungen. Es ist schon jüngst auch in diesem Blatte davon die Rede gewesen, daß der Schriftsteller L. Buhl eine dreimonatliche Gefängnißstrafe wegen eines Angriffs auf die Postverwaltung abbüße. Die Art dieses Gefängnisses aber,das Berliner Polizeigefängniß, dürfte wohl einige Worte erfordern, um aus den traurigen Zustand eines Mannes von Bildung aufmerksam zu machen, der das Unglück hat, eine gesetzliche Strafe darin zu erleiden. Mit acht oder zehn Genossen aus den untersten Ständen, die wegen Polizeivergehen eingesperrt worden, muß der Schriftsteller zusammen einen engen Raum bewohnen, auf der Gefangenmatratze schlafen, sich in Reih und Glied stellen wenn die Thür aufgeht und der Hausvater oder der visitirende Referendarius erscheint. Und dieser Schriftsteller ist eines Preßvergehens wegen zu Ge- fängniß verurtheilt worden. Nachdem der Ankläger gegen ihn, eben weil er ein Mensch ohne Titel ist, auf Zuchthausstrafe angetragen hatte, sandte man ihn hierher, und es war eine Milderung des Gerichts, Gefängnißstrafe auszusprechen. Der Staatsbeamte, welchen Grad er auch habe, ist erimirt, gehört einem höhern Gerichtsstände an und wird anständig behandelt; der Schriftsteller, der Bürger wird ohne Auswahl mit Leuten der niedrigsten Volksklasse zusammengebracht, wenn er Strafe erleiden soll. In dem ganzen Stadtgefängniß ist nicht ein einziges Zimmer für anständige Haft eingerichtet. Solche Zustände bedürften eher der Abhülfe als manche andere, über welche so viel gewehklagt und gesorgt wird. Aus Leipzig erfährt man, daß die Buchhändlermesse im Ganzen sich nicht ungünstig abgewickelt, und daß solide Werke (namentlich wissenschaftliche, auch die bessere Belletristik) großen Absatz gefunden. Bülau's Rücktritt von der Censur der Zeitschriften Zuge zu folgen, geräth er jedesmal in Maßlosigkeit ) und falschen Heroismus. Doch konnte dieser Mangel an Haltung und Würde in den ersten Leistungen noch nicht so unumwunden zum Vorschein kommen, weil er während der Conception derselben unter dem Einfluß einzelner älterer Männer stand, die, indem sie ihm hin und wieder einen mehr positiven Inhalt zubrachten, seinen Fanatismus selbst wider seinen Willen in Schranken hielten. Zugleich war Her- wegh damals noch reinern Gemüthes, weniger berührt von den zersetzenden Wirkungen des sich überhebenden Verstandes, und der Eitelkeit nur in dem Maaße zugänglich, wie sie von einer überkindlichen Natur gern hingenommen wird. „Jubelnd wurden die Gedichte empfangen; eine schöne Zukunft öffnete sich dem Lichter: Kommt aber ein Nciflekn über Nacht Und raubt dem Blümlein seine Pracht. Um diese Zeit, vor seiner Reise nach Deutschland, traten zwei Verhältnisse in Herwegh's Leben unheilbringend herein. Zum ersten verlor er in jenen Tagen seine geistige Unschuld, jenen zarten Duft der Seele, der uns aus seinen früheren Liedern entgegenhaucht. Der demüthige und darum von den Musen geliebte Jüngling gab sich geistigem Hochmuth hin; im fortgesetzten Umgänge mit dem scheulosesten, ihn feiernden Radikalismus verschwand die letzte Spur eines edlen Gleichgewichts aus seiner Seele, da er, der zarte Dichter, sich Monden lang im Gewirre des politisch-schmutzigsten schweizerischen Partheikampfs umhertrieb. Zum anderen schien auch zu gleicher Zeit sein Kö rp er die Kraft zu verlieren, das in ihm wirkende somnambüle Leben, welches entfesselt, ihn zerstören mußte, zusammenzuhalten. Von innen heraus verbrannte die Gluth,va sie nicht mehr durch Reinheit gebändigt und gemildert war; das Gehirn setzte, wie es die Ärzte nannten, eine Gehirn-Erweichung an. In gleichem Maaße wie also der Radikalismus Herwegh's Herz bis zur Frechheit gegen göttliche und menschliche Gesetze verhärtete, wurde sein Gehirn weicher, und weniger fähig dem sumsenden Spuk und Traum politischen Heldenthums und den SirenensÜmmen der Eitelkeit zu trotzen. Doch hatte er selbst in dieser verworrenen Zeit noch lichte, bescheidene Augenblicke, denn er ist eine von den bildsamen Naturen, die gut sind mit den Guten und traurig mit den Traurigen ; noch war er denen fern, welchen Verrath an sich und Andere für Charakterstärke gilt, noch war der Undank gegen einen Fürsten, der ihm einen Fehler verziehen, gegen einen Anderen, der ihn freundlich ausgenommen, nicht bei Herwegh zum Glaubensartikel geworden. Dennoch war er nicht Chorsänger in der neuen Kirche philosophischer Ruchlosigkeit, noch hätte er vor den Worten gebebt, welche er jetzt zum Lobe und Preis (!) des Alterthums drucken läßt, und welche namentlich im „Heidenliede" die gröbste Verunreinigung sind, wozu es die Blasphemie gebracht hat. Den Tod im Herzen, Triumph aus den Lippen trat Herwegh seine Reise nach Deutschland an. Wer will ihm verargen, daß ihn der Schwindel befiel? ward doch sein Gehirn immer weicher und schwächer. Wer will es ihm verdenken, daß unter Narren und Neugierigen der gute Geist von ihm wich, und das Wesen des Radikalismus, — eiue unreine Substanz des sich überhebenden eigenen Verstandes, — ihn erfaßte? Von jetzt an könnte ich Schritt für Schritt Nachweisen (wenn es nur der Mühe lohnte), wie Herwegh die wahre Begeisterung mit Füßen trat, wie er die Poesie zur Metze einer liederlichen Theorie von Menschenrecht und einer noch liederlicheren von Gottesrecht machte; wie die weiche, zarte Seele (denn man denke sich ja keine Eisennatur, die ehernkliugende Verse saug) wie die arme Seele zerbröckelte, wie er alle Gehaltenheit verlor und gleich einem unartigen Schulknaben zu toben anfing, weil man in politischen Dingen ihn nicht auch ein veni vicki viel spielen ließ, sondern nach seiner Berechtigung zum Staatsmann fragte und bemerkte: er seie in ernsten Geschäften des Staats unerfahren, ganz ein beschränkter Kopf. Ich könnte jetzt aussühren, wie blos armselige Eitelkeit den Dichter zu der tollen Kriegs-Erklärung und zu dem noch tolleren Kampfe gegen Tinge trieb, von denen er lediglich gar nichts versteht; wie er ein reiches Mädchen ehelichte und seitdem Kommunist wurde; wie er sich behaglich im Reisewagen dehnt und Liedenvom armen Jacob schreibt; wie er bis zum kleiulicheu Epigramme herabsiukt, poesielos, er, der ein Seher sein will; formlos, er, der die Neiterlieder geschrieben; wie er sich endlich selbst nach Paris erilirt, um vor einem fremden Volke sein Vaterland zu schmähen. Ich will das Alles nicht thun. Ich will bloß erzählen, daß Herwegh einen zweiten Band Gedichte aus Paris herübergeschleudert hat, die ästhetisch so schlecht sind, daß kein Mensch daraus geachtet hätte, träte er damit zum erstenmal auf. Und was darin poetisch noch erträglich ist, hallt wie ein Ächzen, was politisch erträglich ist, wie eine gestohlene Erinnerung aus einer besseren Zeit herüber, eingeballt in einen großen Haufen Radikalismus. Möchten doch die Regierungen diese frechen Lieder nicht verbieten, denn sie sind so frech, daß die Gläubigen stutzen, die Narren entzückt sind und die Vernünftigen verachten müssen. Und doch mischt sich Bedauern in diese Verachtung, daß Herwegh unter dem Gelichter versinken muß, das ihn jetzt in Paris anbetet, daß auch die Reue und Buße über sein literarisches Treiben, wenn sie ihn überkommt, zu spät über ihn kommt. Denn jetzt bleibt ihm in dieser Beziehung nichts mehr, gar nichts, als das Schicksal aller falschen Propheten: „das Vorwärts" in die grenzenlose Leere. „Mag er sich immerhin eine neue Heimath suchen! Die Pforten des Vaterlandes find ihm geschlossen, nicht durch den Willen eines Mächtigen, sondern durch die öffentliche Meinung, weil er zu viel am echten deutschen Geist gefrevelt hat. Tröste er sich nicht damit, daß er sich ein Märtyrer für Freiheit zu sein dünkt: er ist nur ein Märtyrer für Frechheit, der, wenn er nicht vermag, sich von dem Abhange zurückzureißen, an dem er steht, ein böser Dämon, welchem er sich dann opfert, sein Epitaph schon finden wird: „O. Henveß. Lnieiän. Uarrieiäa." Der Deutsche in Paris. (FortsetzimA.)^ In künstlerischer, und besonders in musikalischer Hinsicht, ist Deutschland in Paris großartig vertreten; es wäre genug den Tondichter „Robert des Teufels" und der „Huguenotten" zu nennen, um zu beweisen, daß dieses Land, das man seit undenklichen Zeiten das kalte, nehelige, blonde- Deutschland zu nennen für gut befunden hat, mit größerm Rechte: „Das melodische Deutschland" genannt werden kann. Ein Land welches Beethoven, Mozart, Haydn, Weber und Meyerbeer geboren hat, kann mit Italien um die Palme des Ruhmes ringen. Meyerbeer ist wesentlich ein Pariser-Deutscher, denn er hält darauf, daß seine Kompositionen zuerst auf dem Theater der Straße Lepelletier zur Aufführung kommen; und obgleich die verschiedenen deutschen Fürsten ihn mit Ehren, Orden und Tabatieren überhäufen, ist es doch nicht möglich ihn von der Idee abzubringen, seinen „Propheten" anderswo als in der Pariser großen Oper geben zu lassen. Jeden Winter bringt der große Tondichter zwei bis drei Monate in dem Mtel ckes ?rine6s der Richelieustraße zu ; und hier sind alle jene bezaubernden Melodien entstanden, die Deutschland und ganz Europaentzückt haben. Meyerbeer, der, als Künstler, allen seinen Launen Genüge leisten kann, hat eine, die wenigstens nicht kostspielig ist, denn er hat die fire Idee das Piano an dem er alles componirt, in ein Dachstübchen zu stellen, und er ist nie begeisterter als wenn während eines heftigen Unwetters der Wind) durch das schlechtgeschlossene Fenster pfeift, der Hagel auf das Schieferdach schlägt, ein Paar Nauchfänge hinab- stürzeu und die Ziegel mit Gepolter über das Dach Herabrollen, — dann ist er in der höchsten Ertase und er schreibt dann eine Melodie die ein Meisterwerk ist, — ich will sagen, die noch mehr Meisterwerk ist, als seine andern meisterhaften Tonschöpfungen. (Das klingt so recht phantastisch-deutsch und riecht nach E. T. A. Hoffmann und seinen „Kreisleriana;" — wir können aber Herrn Huart versichern, daß Meyerbeer während seines Pariser Aufenthaltes das Notel äe 1'Nm^lre in der IU6 iVeuv6-Ü68-^.uZU8tin8 bewohnt, und daß sein Piano dicht bei seinem Bette im Schlafzimmer steht; daß ein Genie wie Meyerbeer überdies nicht nöthig hat, seine Inspirationen aus Wind und Hagel, umgeworfenen Schornsteinen und herabfallenden Ziegeln zu schöpfen. Anm, der Red.) Übrigens bitte ich zu glauben, daß Meyerbeer nur sein Piano in ein Dachstübchen logirt, für sich selbst hat er eine viel confortablere Wohnung, die der schwächliche Zustand seiner Gesundheit auch erheischt. Weun das Publikum wüßte, daß Meyer- beers Piauo sich unter dem Dache des Hotel äeg l?rinees befindet, so würden alle angränzendeu Dachstübchen während der Anwesenheit des mne8tro in Paris um rasendes Geld vermiethet werden; denn wer gäbe nicht gerne drei- bis vierhundert Francs um die noch unbekannten Melodien des so sehnlichft erwarteten „Propheten" zu hören? Da wir einmal bei den sonderbaren Launen des berühmten Tondichters sind, so können wir seine entschiedene Antipathie gegen die Katzen nicht mit Stillschweigen übergehen. Meyerbeer liebt die Gewittereben so sehr, als er die Katzen haßt, und wenn wir an die Seelenverwandlung glaubten, so müßten wir annehmen, daß Meyerbeer früher eine Maus war, ehe er Compositeur wurde. Es ist unmöglich sich einen Begriff von seiner unüberwindlichen Abneigung gegen alle Katzen zu machen. Er treibt seine Katzenscheue so weit, daß, als er eines Tags zwölf Stunden weit zu Scribe auf dessen Schloß Montalais gefahren war, um Wichtiges zn bespreche», und im Vorzimmer zwei Katzen fand^ er augenblicklich umkehrte, die Thüre zuschlug, in den Wagen sprang und eiligst nach Paris zurückkehrte. Um seinen „Robert der Teufel" in der Oper zur Aufführung zu bringen, schoß Meyerbeer dem Direktor sämmtliche Auslagen der In die Scene Setzung vor, und hätte die Oper nicht gefallen, so hätte er mehr als 100000 Francs verloren. Alle Welt weiß dies; aber was man größtentheils nicht weiß, ist daß Meyerbeer die Geldopfer zur Begründung seines künftigen Ruhmes noch weiter trieb. Er erfuhr daß in Herolds „Zampa," den man gerade damals in der Op^rn-Lomi^ue in die Scene setzte, ebenfalls ein Gesangsstück mit Orgelbegleitung sei, wie er es in seinem „Robert" habe, dessen letzte Proben auch grade waren; sogleich lief Meyerbeer zu allen Orgelbauern in Paris, kaufte ihnen alle ihre vorräthigen Instrumente weg, und machte noch Bestellungen auf sechs Monate Arbeit. Von diesem Augenblicke an war der „Robert" gerettet, die Furcht vor der Concnrrenz verschwand, denn „Zampa" hätte sich keine elende Drehorgel zum Accompagnement mehr verschaffen können. Übrigens hatte Mcyerbeer, der doch immer Gefahr lief mit einigen zwanzig Orgeln auf dem Halse sitzen zu bleiben, das seltene Glück, daß er sie hinterdrein sehr vortheilhaft anbrachte und mehrere tausend Francs durch diesen sonderbaren Aufkauf gewann. Um also „Robert den Teufcl"zur Aufführung zu bringen, wagte Meyerbeer 150000 Francs; —es gibt wenig große Musikpreise von Rom (»runcl8-xrix clu Lonservatoire) die sich nach der Zurückkunft von ihrer Stipendienreise daö Vergnügen machen könnten, ihre erste Oper um eine solche Summe aufführen zu lassen. (Wir brauchen nicht erst zu bemerken, daß diese Geschichte, wie so viele andere, in dem Bereich der historisch gewordenen Fabel gehört; — als Meyerbeer seinen ,,Robert" der Pariser Oper gab, war sein Oociaio mit der Pasta bereits fünf Jahre früher mit enthusiastischem Beifalle in Paris gegeben worden, und der bereits berühmte Componist hatte solcher Opfer wie die oben erwähnten nicht mehr nöthig. Anm. der Red.) Unter den andern deutschen Musikern, die ihren mehr oder minder bleibenden Wohnsitz in Paris ge- nommen haben, nennen wir in erster Reihe den berühmten Franz Lißt, der eigentlich als cosmo- politischer und humanitarischer Pianist weder Franzose, noch Deutscher, noch Italiener, sondern Weltbürger ist und die ganze Welt durch seine, wie eine Predigt Massillons in drei Theile getheilten Sonaten moralisirt, erhebt und veredelt. Nach ihm kömmt Thalberg, der, obwohl geringere Ansprüche als sein Nebenbuhler machend, und auf seine Zuhörer weniger wirkend als Lißt, sie doch alle zu überzeugen weiß, daß — er ein vortrefflicher Pianist ist. Da wir einmal beim Piano sind, so dürfen wir Dreyscho ck, Wolfs, Rosenhain und andere wackere Virtuosen die uns Deutschland abgetreten hat, nicht vergessen. Wollten wir übrigens ein genaues Verzeichniß aller jener Musiker geben, die Wien, Berlin oder eine andere Stadt Deutschlands verlassen haben, um in Paris die Violine, das Piano, das Klappenhorn oder selbst das Ac- cordson zu cultiviren, so dürften wir eine Liste entwerfen die bei A aufinge und bei Z aufhörte. Wenn aber die deutschen Tondichter und Musiker in Paris Glück machen und im Allgemeinen fast immer glänzende Erfolge erringen, haben die deutschen Sänger nicht gleiches Glück, denn mit Ausnahme der Dlle Sonntag, haben wenig deutsche lyrische Gesangskünstler sich in Paris eine eigentliche Berühmtheit gegründet. Mehrere Male schon sind deutsche Direktoren mit einer Operngesellschaft, auf die sie goldene Hoffnungen bauten, nach Paris gekommen, aber immer haben der Bankerott und seine getreuen Acolyten, die Huis- siers, die Pforten des deutschen Theaters schnell wieder geschlossen. Wir können uns dieses Mißlingen nicht erklären: denn „Don Juan," der „Freischütz", die „Zauberflöte" und so viele andere bewundernswerthen Partituren der großen deutschen Meister sollten doch die Neugier der Pariser Dilettant! eben so sehr locken, als das Repertoir der italienischen Oper, das sich seit zehn Jahren nicht verändert hat. Man wird hierauf freilich antworten, mit Darstellern wie Lablache, Mario, die Grisi findet man alle Partituren ewig jung; aber es gibt ja doch auch in Deutschland ausgezeichnete Künstler, und wenn diese fremde Bühne bei uns noch kein Glück macht, so kömmt es daher, weil die allgewaltige Göttin Mode sie noch nicht unter ihren Schutz genommen hat. Warten wir noch zehn Jahre, und es wird vielleicht in Paris zum guten Ton gehören, seine Abende in der deutschen Oper zuzubringen. (Die Ursache, warum eine deutsche Oper in Paris nicht bestehen konnte und kann, liegt mit kurzen Worten hierin: Nur das italienische Opernhaus, oder vielmehr dessen jeweiliger Pächter, hat das Recht Operovorstel- lungen in fremden Sprachen zu geben; — da er nun in der Winter-Saison sein Haus für die italienische Oper benützt, so kann er es einer deutschen Oper, falls sich eine solche meldet, erst vom i. April an überlassen; das Publikum aber, das dieses Theater besucht, geht in der Mitte April schon von Paris fort auf das Land oder ins Bad, und für das übrige Publikum sind die Eintrittspreise des italienischen Theaters, die nicht herabgesetzt werden dürfen, zu hoch. Unter diesen Umständen waren es mehr die Ungunst der Saison und andere Verhältnisse, namentlich die Ungeschicklichkeit der auch ohne hinreichende Geldmittel hieher kommenden Directoren, die der deutschen Oper die bisherigen Fiascos bereiteten, und nicht der Mangel an Geschmack für deutsche Mirfik, die in Paris sehr viele Freunde und Verehrer zählt. Anm. der Red.) (Fortsetzung folgt.) Pariser Plaudereien. In zwanglosen Folgen. Herr Naab und die Polka. Wir haben es ja vorausgesagt, Herr Raab war ein unabweisliches Be- dürfniß für Paris; die Polka, bis zur gesunken, bedurfte einer Regeneration, und Naab kam — sah — und siegte. Raab ist buchstäblich mit Lektionen bestürmt; einen Antrag, die Polka in der großen Oper zu tanzen, mußte er ablehnen, da ihm keine Zeit zu den Proben bleibt, und so muß sich das Publikum der rur-l^pel- It-tiei- schon mit der Polka des Herrn Coralli Sohn begnügen, die, wie Herr Coralli Vater sagt, die einzige echte ist, da er sie 1807 in Eisenstadt, in Ungarn, selbst tanzen gesehen habe. Nun eristirt abcr die Polka erst seit 1838, und was Herr Coralli in Eisenstadt 1807 gesehen haben mag, weiß der liebe Himmel und der verstorbene Fürst Esterhazy. Alle ehemaligen Polkaprofessoren sind ruinirt: Cellarius hat die Gelbsucht, Lionel leidet an einem Gallenfieber', und Boizot van Pavert bekommt Krämpfe wenn man nur den Namen Naab nennt. — Naab fliegt von den Gesandtschaftshotels des Fäubourg St.-Germain mit seinem Cabriolet in die von reichen Engländern bewohnten Gafthöfe der ins stivoll, überall vier bis acht Paaren aus der Elite der hohem GesellschaftPolkä-Lektio- nen gebend, überall ersehnt und freudig empfangen, überall nur mit Schmerzen entlassen, überall mit Gold und Lorbeern überhäuft. In einer seiner letzten Lektionen zählte ich zwei russische Fürsten, einen italienischen Herzog, einen deutschen Diplomaten, eine Herzogin des Fäubourg St.-Germain, eine österreichische Gräfin und zwei englische Miß, — diese noble Quadrille pv lkte, daß es eine Freude war. Raab bleibt nur noch vflr Wochen hier, denn dann entführt ihn Lord M. nach London, wo er bereits brieflich angemeldet ist, und als erster Neisemarschall der jetzt ganz Europa durchziehenden Königin Polka mit Ungeduld erwartet wird. Für diejenigen unserer Leser, die noch von Raabs Anwesenheit Nutzen ziehen wollen, bemerken wir, daß er IN,6 Vivionve u" 49, 3U 2^, wohnt, und nur von 8 bis 10 UhrMorgms zu sprechen ist. tzu'on 86 le ckise! s)essoo 86 ie IlUAle! l)o'on 86 16 83X0- Russische Reisen. Die Fürstin von Lieven wird diesen Sommer einen Monat in Baden-Baden zubringen, wo sie mit ihrem Bruder, dem in Ungnade gefallenen russ. Polizeiminister Graf Benkendorf, Zusammentreffen wird. Zweimal hunderttausend Franken und ein Stiefel. Einer der hiesigen Diplomaten, den wir nicht näher bezeichnen, als daß er vor Kurzem eine sehr reiche Heirath geschlossen hat, war, nachdem er einige hundert- tausendFrankszum Fenster binausgeworfen hatte, in einer so verwickelten Lage, daß ihn nur die obenerwähnte Heirath retten konnte. Einige Tage vor der officiellen Trauung war der glückliche Bräutigam bei der schon privatim sein gewordenen Braut, und unter den anticipirten Freuden des künftigen Ehestands war eine lange Februarnacht rasch entschwunden. Aber welche Verlegenheit, als am andern Morgen einer der eleganten, gefirnißten Stiefel unseres Diplomaten vermißt wird, und trotz alles Suchens nicht zu finden ist. — Der schon halb verheirathete Bräutigam war in dertödtlichsten Verlegenheit, denn die zwer- hunderttausend Franken Mitgift seiner Frau gehörten ! noch nicht sein. Er konnte zu Hause keine andern Stiefel holen lassen, denn er hatte nur dies eine Paar und bei keinem Schuster mehr Credit. — Allein die Liebe ist scharfsichtig, die junge Frau errieth, wo den Diplomaten der Schuh, oder oielmehr der Stiefel drücke, das Stubenmädchen wurde zum Schuster geschickt, und unser Diplomat kam glücklich zu den zweihunderttausend Franken und einem neuen Stiefel. Die Kinder Neschids-Pascha. — Die hohen Damen des diplomatischen Corps haben die Kinder des türkischen Gesandten Neschid-Pascha in Mode gebracht. Kleine Türken, welche interessante Naturerscheinung! Bis jetzt glaubte man, bei dem undurchdringlichen Schleier, der die ehelichen Geheimnisse der Türken im woblbewach- ten Harem deckt, die Türken kämen alle gleich groß und mit Bart undTurban auf die Welt, jetzt hat man kleine Türken ili nsiui'3 und sie machen die Bewunderung aller Salons aus, man überhäuft sie mit Zärtlichkeiten und Bonbons, was ihnen bedeutend den Magen verdirbt. Lady Bowlen hat sich auf der türkischen Gesandtschaft einschr eiben lassen, um den Kleinen wöchentlich ein Mal zu essen geben zu dürfen. — Frau von Scrra-Capriola hat ebenfalls ihren Tag verlangt, sie hat den Dienstag, — man fürchtet jedoch in der diplomatischen Welt, daß dieFrauGrafin Appony auf diesen Tag bestehen wird, — das gäbe eine neue orientalische Frage, dü"schwerlich ohne Krieg endigen dürfte. Die Polka durch die Polka getödtet. Um etwas Besonderes zu erfinden, hat der berühmte Cellarius die Polka mit Sporen tanzen lassen. Der junge Graf von Mon. erschien also in einem Salon des Fäubourg St.-Honorö mit Ungeheuern Dragoner-Sporen an den Stiefeln, — er hatte eine höllische Kabale im Sinne. Zu Ende der Soiree hatte Graf Mon... so viel grpv l kt und so gutgep olkt, daß es im ganzen Ball-Salon keine halbwegs anständige Damen-Tvilette mehr gab; er hatte mit seinen Sporen alle Roben zu einfachen Corsetten redu- cirt; — die unglücklichen Tänzerinnen sahen alle aus wie die wilden Frauen auf Otaheiti vor Cooks erster Entdeckungsreise ; — man mußte die Shawls als Feigenblätü-r umnehmen. Oh Polka! wie schön bist du mit Sporen! Eine Gemüthsbewegung. Bei der Hinrichtung des jungen Dueros waren, wie gewöhnlich, mehrere elegante Damen in ihren Equipagen anwesend; ' unter Ihnen bemerkte man Frau von N. V., die im offenen Landau zusah ; — es ist wahr, sie sah diesem scheußlichen tiefergreifenden Schauspiele mit einer erschreckenden Leichenblässe zu, ihr Auge war halb gebrochen, sie hatte keinen Athem; — die arme Frau hatte aber auch die ganze Nacht Polka getanzt. Fürst von Wallerstein in Ungnade. Der Fürst von Wallerstein, von dem Könige von Baiern mit einer Specialmission nach London und Paris geschickt, um von der griechischen Constitution etwas herunter zu reden, ist plötzlich grade in dem Augenblicke zurückberufen worden, wo er bei Lord Aberdeen eben so weit war, als er schon bei Herrn Guizvt gekommen war. Man begreift in den hiesigen politischen Kreisen nicht, wie ein Diplomat so schnell in Ungnade fallen kann, der so schöne goldene Ohrringe trägt. Die Polka der österreichischen Erzherzoginnen. An allen Straßenecken, an den Fenstern aller Mkn-cstöncks cle vin und an den famösen Säulen der Boulevards kann man einen Anschlagzettel lesen auf dem steht:Cou>8 üc stollv» lest« gu'cll« csl ünttsäc 1'nr l.ki. ^.4.. II. l«8 srcitickucllesscs ck'^Vuiricü«'. Asto die gekrönten und noch zu krönenden Häupter Europas werden schon für die choreographische Obscenität der hiesigen Quasi-Polka verantwortlich gemacht. Was nützt es dem öftreichischen Hofe und seinen Prinzessinnen das Muster der Tugend, der Sittsamkeit und des Anstandes zu sein, wenn die Charlatanerie eines Tanzmcisters sie an allen Straßenecken als Musterbilder für seine unanständige Hopserei anschlagen kann? Es ist wahrhaftig heutzutage ein schlechtes Brvd Prinz oder Prinzessin zu sein. Der Spielgefährte des Herzogs von Reichstädt. Gras Dietrichftein, bisheriger östreich. Gesandter in Brüssel, ist zum bevollmächt. Botschafter in London ernannt worden. — Französische Blätter bemerken hierbei, daß der Graf mit dem verstorbenen Herzog von Reichstadt erzogen wurde. Was folgt hieraus ? - Ball auf der englischen Gesandtschaft. Am 8ten war großer Ball auf der englischen Gesandtschaft; — man hat getanzt als wenn wir noch mitten im Winter wären. Die bemerkenswerthestcn Polkisten waren der könig. sächsische Legations-Sekretär Graf Hohenthal, und die Frau Baronin von Stockhausen, Gemahlin des Gesandten des Lieblings des deutschen Volkes. Mlle Dejazct. Unsere Vaudeville-Theater haben keine Schauspielerinnen mehr; — selbst von Dlle Dejazct sagt man schon, ,,sie habe ihrer Zeit das Ihrige gethan," was so viel sagen will als : „die Zeit hat an ihr das Ihrige gethan,"— kurz man unterhält sich nicht mehr im Theater, weil es keine Schauspielerinnen mehr giebt. Schöne Arme, hübsche Gesichter, volle Nacken, schwarze, blonde und braune Seidenhaare, glänzende Toiletten, prächtige Cri- noline-Oudinvts, — aber keine Schauspielerinnen mehr! Man schreibt jetzt Toilette-Stücke, wie man einst Charakter- Stücke schrieb. Frage und A ntwv r t. Eine unserer leichten Schön, heiten aus dem galanten Quartier hinter Rothschild und Lafitte begegnete neulich Abends einem sehr reichen Gesandtschafts-Sekretär, der eben von einem prächtigen Diner im Cafe Francais kam. Mit einem Blicke hat unsere schlaue Schöne den Goldfisch erkannt und bemerkt, daß er sein Auge auf sie geworfen; ihr Plan ist gemacht; sie spielt die Schüchterne, die jungfräuliche Unschuld und flieht wie ein erschrecktes Rehlein die Straße Taitbout hinab, — endlich an der i uc ckc ?i ovsnc« erreicht sie unser junger Diplomat und schlingt nolleüslsmmeni seinen Arm um die üppigen Hüften. „Mein Herr! ruft die Schöne, indem sie sich bemüht die Miene der beleidigten Unschuld anzunehmen, „mein Herr, für wen nehmen Sie mich?"— „Mein Kind, sagt er lachend, das ist eine naive Frage, ich nehme dich für mi ch.'Gesagt, gethan, man verständigte sich und der Friede war bald geschlossen. Noch ein Ball. Der Herr Minister des Innern, Graf Duchatel, hat am 12. seinen großen Frühlingsball gegeben; das Arrangement des Ganzen war wahrhaft prachtvoll, die Kredenz war mit lukullischer Verschwendung besetzt, der feinste Geschmack und die höchste Eleganz gaben sich brüderlich die Hand. Die kostbarsten Blumen und Gewächse zierten alle Säle und die wunderschön beleuchteten Gärten boten einen wahrhaft feenhaften Anblick. Die Polka wurde mit Fanatismus getanzt. Auch eine Antwort. Man hat die Bemerkung gemacht, daß in Frankreich Jedermann so lange des Ordens der Ehrenlegion für würdig gehalten wird, bis er ihn bekömmt; von diesem Augenblicke an bestreitet Alles seine Verdienste. Als man vor Al. Dumas neulich von einem Schriftsteller sprach, der am ersten Mai decorirt worden war, fragte ihn Jemand : „Warum hat N... wohl das Kreuz bekommen? "— „Weil er es noch nicht hatte!" sagte Dumas. —Alles staunte über die tiefe Bedeutung dieser Antwort; — in dem Munde eines Andern würde man sie für eine Albernheit gehalten haben. Herr Thiers und seine Strümpfe. Wie alle geistreichen Männer hat Herr Thiers sehr gute Ideen, — aber nie zwei auf ein Mal. — Jetzt zum Beispiel beschäftigt nur eine Idee die vielen Mußestunden seines ministeriellen Interregnums, — dies ist: der Gebrauch der wollenen Strümpfe. Herr Thiers hat die Entdeckung gemacht, daß er seine blühende Gesundheit nur dm wollenen Strümpfen verdankt, die er Winter und Sommer trägt. Jeden Morgen bei seiner Toilette sagt er zu seinen Besuchern mit dem gewissen maliciösen Lächeln, das man an ihm kennt: „Ja, mein Freund! diese Strümpfe machen Guizvt unglücklich."— Ein Sandkorn in Cromwells Blase warf England in eine Revolution, die Strümpfe des Herrn Thiers sind noch berufen eine große Nolle in der Weltgeschichte zu spielen. Man schaudert, wenn man bedenkt, daß es keine Cabinetsfragen und ministeriellen Crisen mehr in Frankreich gäbe, wenn Herr Thiers eines Morgens vergäße seine wollenen Strümpfe anzuziehen. E in e Sch m eichelei. Man schreibt dem alten Marschall Sebastiani eine aus dem Griechischen neu aufgewärmte Schmeichelei zu. „Wenn ich nicht Franzose wäre, soll er zu Lord Wellington gesagt haben, so möchte ich Engländer sein." — Lord Wellington soll aber geantwortet haben: „wennichnichtEngländer wäre, so möchte ich Engländer sein." Die geistreiche Gräfin Appony soll, als man ihr diese Anekdote erzählte, gesagt haben: „Wenn der Marschall nicht siebzig Jahre alt wäre, so möchte er zwanzig alt sein." Eine Gesandtin. Einer der hiesigen fremden Gesandten (nvtr, bene : Junggeselle) ließ neulich von Herrn Sauzet Dillets in die Deputirtenkammer verlangen um die Frau Gesandtin dahin zu führen. Welches Staunen in allen Tribunen als unser einer Halbinsel angehörigcr Gesandter mit einer in Paris wohlbekannten Dame erschien, die höchstens Gesandtin eines Liebeshofes sein könnte. Ein Vertu st. Dlle Rachel, die Ersehnte, ist uns wie- dergegeben, aber ein neuer Verlust steht uns bevor. Dlle Earlotta Grisi, die leichtfüßige „Sylphide," die bezaubernde „Päri," das „reizende Mädchen von Gent" verläßt die Bühne, um ihre Hand und ihr Herz einem reichen Manne zu geben. — Das Parquet weint, die Logen seufzen, das Parterre heult, Herr Guill.... trägt einen sieben Ellen langen schwarzen Flor und Herr Petipa, der seine holde Partnerin verliert, tanzt nur in schwarzen Trikots und streicht die Sohlen seiner Tanzschuhe statt mit Kreide nun mit Kienruß an. — „Die Grisi geht und nimmer kehrt sie wieder." Neue deutsche Zeitschrift in Paris. Es kann wohl nichts Überraschenderes geben, als wenn man cs schwarz auf weiß gedruckt vor sich sieht, daß man gar nicht eriftirt. — So ging es uns, als wir zufällig die Ankündigung eines neuen Pariser deutschen Jvurnales in die Hand bekamen, das man weiß nicht wann erscheinen, man weiß nicht von wem herausgegeben, man weiß nicht bei wem gedruckt, veröffentlicht werden soll, und das somit, seiner geheimnißvollen Ankündigung wegen, die alle obigen Punkte mit Stillschweigen übergeht, wohl zu den ck« Laris gehören wird. In besagter Ankündigung wird denn ganz kurzweg erklärt, „es fehle der deutschen Bevölkerung Frankreichs bis jetzt an einem Journale in ihrer Muttersprache." — Ist das nicht klar genug? mit diesem Federzuge sind wir aus der Reihe der Lebendigen gestrichen. Das Journal soll: Der deutsche Steuermann, oder,wie es sich selbst übersetzt: Lik Lilo!« heißen, und es will sich, der Ankündigung zufolge, hauptsächlich „auf eine aufgeklärte (?- „weite (??) Correspondenz, abgesondert (!) von allen politischen Zwistigkeiten (sic!) verlegen, wie selbe mit „reicher Ernte nur durch Tiefdenker, wie die Deutschen „sind, unternommen werden kann." — Dazu fügt der „Deutsche Steuermann" oder vielmehr sein Prospectus, noch folgende schöne salbungsvollen Worte: „Auch sind wir „völlig überzeugt, daß eine Unternehmung von solchem „Nutzen bei allen Menschenfreunden und ernsthaften Gei- „ftern Deutschlands, die schon von Natur aus so nachlenkend und so poetisch sind (me: ei!), günstigen Beilall (!) finden wird." — Wir copiren buchstäblich; — das ist die poetische Seite des „Deutschen Steuermanns", jetzt kommt die prosaisch-praktische. — Auf der letzten Seite seines Prospectus spricht er folgendes schöne Musterd eutsch: „Ein Bureau der Administration des Journals (Der Deutsche Steuermann) beschäftigt sich, auf Verlangen einer großen Anzahl von deutschen Com Patrioten (l), mit folgenden Bedürfnissen: „Jedem Deutschen, und hauptsächlich den Ankömmlingen, alle mögliche Erörterungen und Erklärungen zu ertheilen, welche ihn vor dem Betrug d erjenigen Leute und Verhältnisse beschützen, die seiner Unfähigkeit der französischen Sprache und seiner Unwissenheit Alles dessen was die Existenz in Paris anbetrifft, benutzen wollen (!!!). Die Administration des „Deutschen Steuermanns", welche 17 000 deutsche und mehr als 200 000 französische Adressen besitzt, ist demgemäß in den Stand versetzt, einer jeden Person, ungeachtet wessen Standes und von welcher Profession, alle diejenigen Adressen mitzutheilen, deren Kcnntniß ihre h i e- sige Existenz bedarf. „Jedem Deutschen, ungeachtet wessen Standes und von welcher Profession, eine Beschäftigung zu bewirken. — Eine große Anzahl wohlhabender deutscher Compatrivten, so wie mehrere deutsche Gesellschaften sind mit der Administration unseres Journals übereingekommen, sich an letztere in allen Fällen zu wenden, wosie irgend einer Person bedürfen; ein Bureau der Administration „Des Deutschen Steuermanns" beschäftigt sich auch selbst mit der Nachsu- chung von leeren Stellen. „Dasselbe Bureau zeigt die nöthigen Wege an um Akte zu schließen, Pässe zu erhalten, Prozesse zu leiten rc. „Die Gebühren für gewöhnliche Erörterungen und Nachsuchungen sind lOCentimes und mehr in schwierigern Fällen." Also wer von unfern „Compatrivten" „Bedürfnisse" hat, wer ,, leere Stellen sucht," wer sicheine„Beschäftigung bewirken lassen will" oder wer „Akte zu schließen" hat, wende sich an „den deutschen Steuermann." Wir rächen dem künftigen Kollegen vor Allem deutsch zu lernen, sonst dürfte der deutsche Steuermann dem deutschen Sternenachsteuern, der nach so kurzem Glanze heim gestrahlt hat. Böse Zungen behaupten, der Steuermann sei nur eine Auferstehung des Sternes. Veflci-einmo ! — Industrieller Courier. — Shawls. Wir machen unsere Leser, bis uns Zeit und Umstände erlauben eine vollständige Übersicht der Industrie-Ausstellung zu geben, auf die Cachemir-Shawls der Herren Gour« jeunc und Grandjean aufmerksam, deren Fabrik sich hier ruk Oleuve-Lsittl-Lusweli!;, n. 8, befindet. Ihre in der Exposition ausgestellten Shawls ziehen die Aufmerksamkeit aller Besucher auf sich. Nicht bloß einzelne Prachtstücke sind es die die Herren G ou r« und Grandjean ausstellen, sondern das Ganze der Shawlfabrication in allen ihren unendlichen Abstufungen. Durch ihre ausgedehnten kaufmännnischen Verbindungen erhalten sie immer die neuesten indischen Shawls und wissen selbe auf das Täuschendste nachzuproduciren, so daß man sie von den Originalen nicht unterscheiden kann. Durch eine kluge Oconomie, durch Einkäufe im Großen und durch Anwendung aller Fortschritte und Verbesserungen in der Fabrikation ist es ihnen gelungen die Preise bedeutend zu reduciren und sie bieten ihren Kunden einen Shawl um 600 Francs, den man allenthalben 800 Francs bezahlen muß. Unter den auf der Ausstellung befindlichen Produkten dieser Herren ist ein Lila-Shawl besonders bemerkenswerth, den die Königin und ihre Hofdamen mit gerechter Bewunderung priesen; außerdem andere lange und viereckige Shawls in drei bis vier Farben, gestickte Teppiche u. s. w.; mit einem Worte, die Ausstellung der Herren Gour« und Grandjean bietet für Damen einen so bezaubernden Anblick dar, daß sie sich Stundenlang nicht davon losreißen können. Redakteur: Heinrich Börnstein. Druck mir Schnellpressen von Paul Renoua rd, >',«> s Paris, Sonnabend. Nr. 44. 1. Juni 1844 Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 1a „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile ä, 50 Centimes. Man abonnirt; für Paris: i>N Duresu ceatrLl pour I ^Neins^nv, reik äes Uoulins, 32. und in der Buchhandl. von Leirousrä et <ܰ, rus clk I'ouenon, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England, in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser /Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Bidau lt, 16, rue de In 1u88ienn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgeldcr und Briese wollen irrmeo : « An die Nedaction des Journals: Vorwärts, 82 , rue de 8 UouIin 8 in Paris » eingesendet werden. Zur Beruhigung. (An die deutschen Fürsten.) Wir schlafen ganz wie Brutus schlief; — Doch jener erwachte und bohrte tief In Casars Brust das kalte Messer; Die Römer waren Tyrannenfresser. Wir sind keine Römer, wir haben Gemüth, Wir sind von germanischem Geblüt, i Wir sind germanisch brav und edel; In Schwaben giebt es die besten Knödel; Wir sind German er edel und brav, Wir schlafen gesunden Pflanzenschlaf, Und wenn wir erwachen pflegt uns zu dürsten, Doch nicht nach dem Blut unserer Fürsten. Wir sind so treu wie Eichenholz, Auch Lindenholz, drauf sind wir stolz; Im Land der Eichen und der Linden Wird niemals sich ein Brutus finden. Und wenn auch ein Brutus unter uns war', Den Cqsirr fand' er nimmermehr, Vergeblich würd' er den Cäsar suchen; Wir haben gute Pfefferkuchen. Wir haben sechs und dreißig Herrn, (Ist nicht zu viel) und einen Stern Trägt jeder schützend auf seinem Herzen, Und er braucht nicht zu fürchten die Iden des Merzen. Wir nennen sieVater,"und „Vaterland" Benennen wir dasjenige Land, Das erbeigenthümlich gehört dem Fürsten; Wir lieben auch Sauerkraut mit Würsten. Wenn unser Vater spatzieren geht Zieh'n wir den Hut mit Pietät; Deutschland die fromme Kinderstube Ist keine römische Mördergrube. Heinrich Heine. Der Deutsche in Paris. (Fortsetzung.) ) Bis aber die in Paris ansässigen Deutschen ihre Abende in einem heimathlichen Theater zubringen können, trösten sie sich, indem sie herzlich über die Späße Arnals und Alcide Tousez lachen. In Folge der glücklichen Natur der Bevölkerung jenseits des Rheines, sind diese Menschen, die man übereingekommen ist nur für sogenannte Biertrinker zu halten, die ernsthaft ihre Pfeife rauchen, ohne ein Wort mit ihren Nachbarn zu sprechen, diese Menschen sind im Gegentheil fast durchgängig vortreffliche Lebemenschen, die ebensogerne lachen, wie die Franzosen selbst. Die Anzahl der alten komischenMährchen und Legendenschwänke in Deutschland ist unberechenbar, und während die Franzosen ihren Kindern nichts anderes zu erzählen wissen, als das ewige „Rothkäppchen," haben die Ammen und Kindermädchen jenseits des Rheines in ihrem Kopfe eine ganze Bibliothek wunderbarer und wahrhaft unterhaltender Abentheuer, die den Herren Eulenspiegel, Münchhausen und Andern widerfahren sind. Übrigens liebt der Deutsche, der „fl egma tische Deutsche," wie wir in allen unfern Geographien sagen, die Fröhlichkeit so sehr, daß es in jedem Regimente einen Soldaten gibt, der der Odry, der Arnal der Kaserne ist; so wie er des Morgens erscheint, lacht die ganze Kompagnie, und wenn er den Mund ausmacht, um zu fragen, ob die Suppe schon fertig ist, so muß sich das ganze Bataillon die Rippen halten vor Lachen. Diese bei jedem deutschen Militär-Corps unerläßliche Person heißt der,, Lustig," und könnte eben so wenig unterdrückt werden, als der Guitarrenträger in einem spanischen Bataillon (???). Ter Deutsche lacht so gerne, daß er im Varietes - oder Palais-Royal- Theater schon darum herzlich lachen kann, weil der ganze Saal lacht. Es ist euch gewiß schon zwanzig Mal widerfahren, daß ihr euch, wie ich, im Theater an der Seite eines gemächlichen Wieners oder Berliners befunden habt, der zu seinem Vergnügen nach Paris gekommen ist. So oft nun Alcide Tousez einen Ca- lembourg losläßt, lachen die Zuschauer, und unser deutscher Nachbar lacht noch stärker als Alle zusammen; wenn er aber zu Athem gekommen ist/wendet er sich zu euch und sagt höchst artig: " tzu'est-es gne avro clit l'u^äeur k ... je nvrs pus Aomdris. Wenn ihr nun gefällig seid, so erklärt ihr euerm Nachbar, warum er gelacht hat, und er fängt von Neuem zu lachen an, und da es diesmal nicht blos auf Treu und Glauben geschieht, so lacht er um desto herzlicher. (Wir wundern uns, daß die Deutschen überhaupt noch lachen können, — nach Allem dem, was in Deutschland geschieht, was noch zu erwarten steht, dürfte ihnen das Lachen längst vergangen sein.—Oder lachen sie nur inParis so herzlich, wenn sie die schwarz-gelben, die weiß-schwarzen, die weiß-blauen und alle unzähligen andersfärbigen Schlagbäume und Gränzpfähle im Rücken haben und endlich freie Luft schöpfen ? A. d. R.) Um die Liste berühmter deutscher Künstler in Paris zu vervollständigen, müssen wir auch die Brüder Sch effer nennen, deren Bilder stets einen so glänzenden und verdienten Erfolg erringen. Übrigens scheinen die Brüder Scheffer durch die melancholische und träumerische Wahl ihrer Gegenstände unsere Behauptung, daß die Deutschen von Natur zur Fröhlichkeit gestimmt sind, Lügen strafen zu wollen, — indessen eine Ausnahme beweist nichts gegen die allgemeine Regel. Die deutsche Literatur hat seit zwölf Jahren einen Repräsentanten in Paris, — Heinrich Heine, den berühmten Romantiker und Dichter, der in Folge seiner politischen Meinungen lieber in Frankreich als in seinem Vaterlande lebt. — Paris war auch die Adoptiv-Heimath des Gründers der homöopathischen Lehre, Hahnemanns, der erst vor Kurzem hier achtzig Jahre alt gestorben ist, — leider sind gegen den Tod alle Arzneikugelchen ohnmächtig. Vor sechs Jahren hatte der. alte Doktor eine hübsche ffunge Wittwe geheirathet, die eine der eifrigsten Anhängerinnen der Lehren ihres zweiten Mannes ist, und die Heilsucht bis zu dem Grade getrieben hat, sich von einer Jury homöopathischer Ärzte zur Doktorin graduiren zu lassen. Das könnte nun allerdings sonderbar erscheinen, und nach den eingewurzelten Ideen der alten Medecin sollte man sich wohl hüten, wenn man das Fieber hat, eine junge, hübsche Frau an sein Krankenbett rufen zu lassen, deren Anblick allein unser Herzklopfen vermehren, unser Blut rascher wallen machen könnte, aber in der Homöopathie ist dieses -Mittel vortrefflich, denn ihren Lehren zufolge curirt man das Fieber durch das Fieber. Eine hübsche Frau kann uns also viel angenehmer das widerwärtige Chinin ersetzen. Was die deutschen Fürsten betrifft, die in Paris leben oder gelebt haben, so sind in unserer Zeit die durch ihre Originalität bekanntesten: der Fürst Kaunitz und der Herzog Carl von Braunschweig. — Der Fürst Kaunitz, der beständig ein griechisches Sammtkäppchen trägt, ist ein Schwager des Fürsten Metternich, und lebt seit vielen 2 Jahren in Paris. Es gibt wenig Leute, die in den Sperrsitzen der Oper und bei den ersten Restaurants des Loulevnrä des Italiens besser bekannt sind. Ter Herzog vonBra un schweig, der Paris seit Kurzem verlassen hat, machte durch seine Sonderbarkeiten Aufsehen; so hatte er, um nur eine derselben anznführen, in seinem schönen Hotel der Elluinps- I^soes ein Schlafzimmer ganz mit schwarzem Sammt auötapeziert, die Verzierungen waren Todtenbeine von Silber, und elfenbeinerne Todten- köpfe trugen die Draperien. Die Lieblings-Unterhaltung des Prinzcnharmonirtemitdiesem Ameublement, er versäumte nicht eine einzige Hinrichtung, und an den Tagen eines derartigen Schauspiels miethete er fein Fenster in einein Hause an der Barriere St.-Jacques mit demselben Eifer wie unsere Dilettanti ihre Sperrsitze im Italienischen Theater, wenn Lablache und die Grisi singen. Dagegen brachte einst der dicke Markgraf von A n sp ach, dieser Typus der deutschen Prinzen des achtzehnten Jahrhunderts, seine Zeit viel vergnügter in Paris zu, wenn er, wie gewöhnlich, den Winter hier verlebte; und die Tradition seiner berühmten Soupers hat sich bis aus uns verpflanzt, denn es scheint gewiß zu sein, daß man sich vor der Revolution von 1789 viel besser unterhielt, als nach der voll 1830. Heutzutage kann man in Paris, wie es einmal Mitternacht geschlagen hat, verhungern, wenn man nicht der Vorsicht halber zu Haus eine kalte Pastete vorräthig hat. Verspätete Flaneurs, die zehn Minuten nach Mitternacht sich erkühnten noch so bescheiden an die Pforte des Outo cko karis zu klopfen, würden von der Patrulle als nächtliche Ruhestörer behandelt und nach dem Polizeisaale St.-Martin gebracht werden. Der Herr Polizeipräfekt hat es erst neuerlich de- cretirt: Nach Mitternacht dürfen die Pariser nicht mehr hungrig sein. Der Mark- grafvon Anspach abersingseine Soupers regelmäßig um 11 Uhr Abends an, und sie dauerten gewöhnlich bis 3 Uhr Morgens, die schönsten Schauspielerinnen machten dabei die Honneurs. — Glückliche Zeit! — wenigstens für die Markgrafen und die Schauspielerinnen. Bei den gänzlichen Mangel an deutschen Markgrafen in Paris haben unsere Operntänzerinnen noch deutsche Barone, die in dem Foyer der „Ratten" sehr geschätzt werden. Der englische „Milord" hat viel von seinemjehemaligen ^ glänzenden Rufe der Freigebigkeit verloren, der spanische Herzog zahlt nur in Corteö-Bonö, dem traurigsten aller Papiergelder, — aber der deutsche Baron ist in jeder Hinsicht eine ausdauernde und baarzahlende solide Wirklichkeit. — Manchesmal fallen zwar diese unglücklichen Balletdamen auch in die Hände bekannter „Barone von Wormspire,"— aber so ein trauriges Ereigniß kömmt nicht oft vor, und die alte deutsche Ehrlichkeit zeigt sich gewöhnlich ihres guten Rufes würdig. Deutschland figurirt auch auf eine würdige Weise in den Pariser Winterfesten. Wir haben in Paris mehrere große deutsche Häuser in der Diplomatie und den Finanzen, diesen zwei glänzenden Höheupunkten der gesellschaftlichen Leiter. — Den ersten Rang nimmt hierunter die österreichische Gesandtschaft ein, — Ehre, dem Ehre gebührt! Das Hotel der Grenellestraße, das die Fürstin von Eckmühl dem Grafen Appony abgetretenhat, ist in der eleganten Pariser Welt durch seine Morgenbälle, eine der pikantesten Wiener Verpflanzungen, berühmt geworden. Als man zum L- ersten Male in den aristokratischen Salons Einladungskarten circuliren sah, auf denen stand: „Der „Herr Graf und die Frau Gräfin von Appony „bitten Herrn *** ihnen die Ehre zu erzeigen auf „dem Balle zu erscheinen, den sie Donnerstag den „27. Morgens geben. —Man versammelt sich „um 12 Uhr Mittags" — machte diese neue Erscheinung Ungeheuern Effekt und schien vom feinsten Geschmacke. Man strebte mit Feuereifer nach der Gunst zu diesem originellen Feste zugelassen zu werden, wo das Tageslicht die Wachskerzen der Kron- nnd Armleuchter ersetzen sollte, aber zu spät erst bemerkte man, daß dies eine gefahrvolle Probe für die Pariser Reize sei. Mehr als eine Frau, gewohnt auf den Abendbällen zu glänzen, kompromittirte den Ruf ihrer Schönheit bei dieser morgendlichen Zusammenkunft; besonders aber die Heldinnen des Herrn von Balzac, die Frauen von dreißig Jahren fanden, daß diese Morgenstunde ihnen eine höchst ungünstige sei. Man mußte alle jene blendende Weiße, alle jene unverwüstliche Reinheit des deutschen Teints haben, um den Gefahren eines Morgenballes trotzen zu können; — einige Damen aus Wien, Berlin und Frankfurt trugen die Ehren dieses Festes davon; — man hatte sie bei Kerzenlicht nie bemerkt, man bewunderte sie bei Hellem Tage. Welcher Lichtstrahl für böse Zungen, die sogleich aussprengten, die Frau Botschafterin habe diese Morgenstunde absichtlich gewählt, um den Triumph ihrer Landsmänninnen zu sichern. — Indessen erschienen die Pariserinnen, trotz des Nach- theils, der daraus für sie erwuchs, muthig aus den Bällen der österreichischen Gesandtschaft. Die Böswilligkeit hätte ihre Abwesenheit auf eine zu ungünstige Art deuten können, man machte also gute Miene zum bösen Spiele und wartete bis die Zeit dieser vorübergehenden Neuerung ihr Recht widerfahren ließ. Alle Künste der Toilette, alle Feinheiten der Coquetterie wurden in's Werk gesetzt um mit dem indischen Tageslicht zu kämpfen, während man andrerseits im Stillen daran arbeitete zu beweisen, daß diese Morgenbälle ein Unsinn, eine Anomalie in unsere Sitten, ein gänzlicher Umsturz unserer Gebräuche, kurz eine Laune seien, der man nur eine kurze Dauer gewähren dürfe. — Einer der berühmtesten Geizhälse von Paris, der Herr Marquis von***, bemächtigte sich der Idee der Gräfin Appony. Er hatte versprochen einen Ball zu geben und dachte nun auf ein Mittel, wenn auch nicht seinem Versprechen ganz zu entgehen, doch es wenigstens so wohlfeil als möglich zu erfüllen. Konnte er etwas Besseres finden als einen Morgenball? Die Sonne ersparte ihm Öhl und Kerzen, das war reiner Gewinn. Unser Marquis hob die deutsche Erfindung zu allen Himmeln und gab seinen Morgenball an einem schönen Märzmorgen, wo es grade schneite und regnete. Dieses Beispiel fand Nachahmer in einigen Hotels des IHudoui-A 8t.- Hcmore und bei mehreren Banquiers der 6bau8866 cl'^ntin; — man erlebte sogar daß ein Notar und ein Advokat zu Mittag bei sich tanzen ließen. Von diesem Augenblicke an war der Morgenball nicht mehr zulässig in der eleganten Welt, man hatte ihn um seiner aristokratischen Sonderbarkeit wegen angenommen ; von dem Augenblicke an, wo er Gemeingut wurde, konnte man ihn offen angreifen und ihn direkt verlängnen; — was auch geschah; —> die Gräfin Appony versuchte ihn noch auf ihrem Sommersitze in Anteuil wieder zu beleben, allein vergebens. Obwohl die Deutschen in Paris wegen ihrer sprüchwörtlich gewordenen Hartnäckigkeit bekannt sind, so gab die Frau Botschafterin doch nach und' öffnete ihre Salons wieder bei dem Glanze der Kronleuchter. (Wie wir aus guter Quelle wissen, eröffnet Frau Grasin von Appony ihre „ikUinöes clrilissiNes von Neuem,— die Gräfin Razumoffsky ist ihr in der vergangenen Woche schon mit einem Morgenbatte im Hotel I^ioLbelouesuIä vorangegangen, wo man von 12 Uhr Mittags bis Abends 8 Uhr tanzte und ein glänzendes Diner dann das Fest beschloß. Die Morgenbälle sind also noch nicht so todt, wie Herr Huart glaubt. A. d. R.) (Schlup im nächsten Blatt.) Zeitfragen. Deutsche Nachrichten sagen, der Kaiser von Rußland werde bestimmt diesen Sommer Carlsbad besuchen, Fürst Metternich ebenfalls seine böhmischen Besitzungen zu derselben Zeit, während der Kaiser Nikolaus damit umgehe die Heirathspro- jekte zwischen der Großfürstin Olga und dem Erzherzog Stephan eifrig zu betreiben. Man hatte hier und da dem Fürsten von Metternich das staatö- kluge Abweisen dieser Heirath zugeschrieben ; desto schlimmer wenn jetzt die persönliche Erscheinung des Kaisers aller Reußen diese neue Allianz und Einmischung in deutsches Gebiet durchsetzen sollte. Die „Augsburger Zeitung" thcilt in einer aus London den 14. Mai datirten Correspondenz einen offiziellen Briefwechsel des Lord Aberdeen und des preußischen Ministers des Auswärtigen, Baron Bülow, mit. Tie Interessen des Zollvereins gegen brittische Ansprüche nimmt bei dieser Gelegenheit der preußische Minister mit kräftigen Beweisgründen und würdevoller Haltung in Schutz. Es wäre zu wünschen, daß die preußische Regierung oft fremden Ansprüchen gegenüber eine ähnliche, selbstständige, zeitgemäße Sprache führe, der alsdann gewiß auch die Beistimmung aller Unpartheiischen nicht fihlen würde. Wir sind leider nicht in den Stand gesetzt oft ähnliche Dokumente zu loben; umso mehr geschieht dies jetzt ohne allen Rückhalt, weil Baron von Bülow in seiner Note für Lord Aberdeen den rechten Punkt getroffen und gegen das englische Monopol und für den Schutz der heimischen deutschen Industrie gewichtige Worte spricht. Möge uun diesen Worten auch bald die That folgen, damit der Zollverein auch gegen englisches Eisen-Monopol thatsächlich durch die Zollconferenz geschützt werde. Zugleich richten wir die Bitte an den Herrn Minister, er möge doch in Angelegenheiten des Cartell-Vertrags gegen Rußland dieselbe energische, deutsche Sprache führen, denn Deutschland leidet von der russischen Grenzsperre eben so Ungerechtes, als bisher von den englischen Ansprüchen. Wenn übrigens die preußische Regierung oft ähnliche Dokumente veröffentlichte, so wird eine solche Publizität nur die Billigung aller Patrioten finden, während das Geheim- und Vornehmthun das größte Übel unserer deutschen Zustände ist. Die Regierung selbst würde bei allen deutschen Fragen dem Auslande gegenüber stets in der -Presse einen mächtigen Stützpunkt und Hebel finden, während die trostlose, kleinliche Scheu vor Öffen t- lichkeit nie Gutes zu Wege bringt. Wie stimmt aber die Nachricht von der baldigen Ratifikation des Cartell-Vertrags mit der engli- scheu Antwort zusammen? Wäre es vom preußischen Cabinett nicht die schreiendste Inkonsequenz in Rußland nachzugeben und in England zu pro- testiren? Leider sind solche Widersprüche in der schwankenden, planlosen Berliner Tagespolitik gar zu oft seit einigen Jahren zum Vorschein ge- kommen. Buntes und Spitzes Der General von Benkendorf, oberster Leiter der russischen politischen Polizei und General-Adjudant des Kaisers Nikolaus, hat einen mehrmonatlichen Urlaub erhalten, was so viel bedeutet als eine halbe oder ganze Ungnade. Graf Benkendorf gehörte mehr zur deutsch-russischen Parthei, die Alt-Russen nehmen jetzt seine Stelle durch den Grafen Orlof ein. Der Kaiser Nikolaus scheint unzufrieden mit dem Grafen von Benkendorf: der verfehlte Pistolenschuß in Posen, die verunglückte Verschwörung in Posen, mehrere literarische Angriffe gegen Rußland, die Entweichung des Grafen Gurowsky und auch tiefer liegende innere russischen Partheigestaltungen haben des Grafen Benkendorf Sturz bereitet. Eine Tochter des Grasen Benkendorf heirathete bekanntlich einen Grasen Appony. Graf Benkendorf hat sich auf sein Landgut Fall, in Esthland zurückgezogen. Name und Sache treffen hier eigenthüm- lich zusammen. Herr von Bülow-Cummerow, der bekannte Publizist, gibt in N. 139 der „Aachner Zeitung" eine Erklärung über die Kritik, welche sein Buch „über die Landtage" getroffen. Dabei spricht Herr von Bulow stets von sich redend: uns, wir, unser Buch. Dieser veraltete Kanzleistyl paßt nicht für den oft rüstigen Kämpfer, dessen erstes Werk jedoch größeren Erfolg erhielt und auch verdiente. Herr von Bülow-Cummerow will keine Repräsentativ-Ver- fassung z eben so erklärt er das juste-milieu in die Acht. Was er will, wissen wir nicht recht, sein Ministerstaat ist noch nicht construirt; denn, daß sich Herr von Dülow einen freisinnigen Aristokraten nennt, baut noch keine Grundpfeiler für seinen Staat. Er spricht von der „Einigkeit" des Königs mit seinem Volke, worin die sicherste Bürgschaft für die Wohlfahrt des Landes, der Bürger und Preußens liege. Solche Gemeinplätze sind bloße Lückenbüßer, aber kein praktisches Material. „Viel Geschrei und wenig Wolle," würde der Berliner sagen. Am Schluffe seiner Erklärung sagt Herr von Bülow: „Hinsichts des Vorwurfs, daß wir dem rheinischen Rechtsstreite zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, erklären wir, daß es das Geschick so gewollt." Eine ernste Anwort ist dieser schlechte Witz keineswegs, denn ein Publizist der ein Werk über die Landstände schreibt und diese wichtige Frage des öffentlichen Rechts, worin sich alle Fragen der Mündlichkeit und Öffentlichkeit, die größten Hoffnungen auf das Erringen einer Garantie für alle Stände kuüpfen; ein Publizist, der solche Dinge außer Acht läßt oder nur kurz berührt, verfehlt seine Aufgabe und verdient Tadel, um so mehr, wenn er mit einer ironischen trivialen Charge sogar sein Unrecht vergrößert. 3 n, Herr von Bülow-Cummerow vertritt, übrigens weder eine Richtung noch eine Parthei; er ist hingegen eine vereinzelte Stimme die links und rechts hineinspricht. Wer in unsrer Zeit nicht ein wohlgeformtes Programm aufstellt, der geräth in die Gefahr in den Wind zu reden. Die „Breslauer Zeitung" enthält eine Erklärung des Grafen Adam Gurowsky, aus dem Riesengebirge vom 6. Mai 1844datirt. Die Erklärung erklärt nichts, sondern dreht und wendet sich in labyrinthischen Stylübungen umher, verweist auf zukünftige Offenbarungen, behauptet sich erst sammeln zu müssen, und straft die „Allg. preuß. Zeitung", die in letzter Zeit viel Unglück hat, durch einige Thatsachen der Lüge und Entstellung. Von allen Seiten wird die „Allg. preuß. Zeitung" angegriffen undmnbarmherzig analysirt. In der That ist der neueste Aufschwuug der „Allg. preuß. Zeitung" sehr schwerfällig gewesen. Man erzählt sich das ehemalige Besitzthum Vol- taire's, das Schloß Ferney, solle vou den Jesuiten in Freiburg angekaust und in eine Suecursale umgeschaffen werden. O ungeheure Ironie des Schicksals ! — Andere Nachrichten sprechen vom Herzoge von Aumale als Käufer. Bei der kürz liehen Wiederaufführung des „Tar- tufe" in Berlin begrüßte das zahlreich versammelte Publikum zwei Stellen mit besonders stürmischem Applaus. Die eine lautet: „Weiß ich doch selbst, daß in seinem Vaterlande die Tartufe im Besitze aller Stellen sind;" und die andre: „Der Teufel traue den Frommen." Die Pietisten in Berlin behaupten, diese richtige Auffassung des Berliner Publikums betreffe sie nicht. Jedoch kann man all die Frommen am Berliner Hofe und in den Ministerien dutzendweis zählen. Sie kriechen vordem Könige einher, beugen sich vor der weltlichen Herrschaft noch tiefer wie vor Gott, verdrehen in den Kirchen und Betstunden die Augen, und vergessen dabei ihr zeitliches Wohlsein keineswegs. Auch im Berliner Ministerrath gibt es zwei oder drei solcher Pietisten-Generäle, die ihre Zeit, ihre Mitbrüder und ihren Einfluß mißverstehen, also traurige Wirkung Hervorbringen. Die Berliner Polizei-Behörde hat neulich den seltsamen Befehl gegeben, daß jeder Besitzer einer Leiter, wenn solche nicht gebraucht werde, unter Strafe verpflichtet ist, selbige stets angeschlossen oder an einem verschlossenen Orte zu bewahren. Dies beweist eine große Menge von Diebstählen und gewaltsamen Einbrüchen in Berlin. Auch die Taschendiebe mehren sich in der preußischen Residenz in bedauerungswürdiger Progression. Ob dies von steigender Moralität und steigendem Wohlstände spricht? Wir richten diese Fragen an die Pietisten in Berlin, die da vermeinen mit ihrem falsch verstandenen Religionszwang werde das Volk gebessert. — Im Gegentheil, es wird nur heuchlerischer, und bei Hofe in Berlin hat die Mode bereits bei Herrn und Damen der vornehmen Welt angefangen, feile Augendienerei als Metier zum guten Fortkommen wie eine Art Spekulation zu betreiben und sich unter einander zu stützen, zu heben und zu gruppiren. Ein Sohn von Hegel, Censor jn Magdeburg, hat die Tochter des preußischen Finanz-Ministers Flottwell, ein Sohn des Cultus-Ministers Eichhorn die Tochter des Philosophen Schelling ge- heirathet. Jn der „Ober-Post-Amts-Zeitung" macht der Hofgerichtsrath Georgi bekannt, die Doctoren Stegmayer und Grass hätten eine „Täuschung" drucken lassen, als sie ihn des Säuferwahnsinns beschuldigten. Er sei krank gewesen, aber Nicht am Trunk, und habe nicht einen Tag seinen Dienst ausgesetzt. Von all den Scenen seiner Erregung in Gesellschaft sei Nichts wahr. Zugleich macht er die Recepte der ihm verordnten Arzneien bekannt, welche meist in Küh luugsmitteln für das Blut bestehen. Zum Beispiel Kuli nitrieum, UnAimsia sul- pllurieu, Ammonium murmtieum, ete. — Es kommen doch auch Blutegel darin vor, ferner ^guu luuroeerasi , lineturu opii oi oeutu und Simplex — endlich, was höchst entscheidend ist : Cha- millen und s^rupus rudi lässt! Die Doct. Grass und Stegmayer haben ihm übrigens so kräftig geantwortet, daß der betrunkene Scharfrichter Weidigs nun wohl schweigen wird. Choreographisches. Die Taglioni wird sich bald vom Theater zurückziehen, um sich in einer Villa am Comer-See niederzulassen, wo bereits Madame Pasta eine reizende Villa besitzt, ihren Garten pflegt und ihre Hühner selbst füttert. — Ein odek zwei Mal in ihrem Leben hat die berühmte Marie Taglioni ihr bedeutendes Vermögen verloren, und immer wieder durch ihre choreographischen Talente wiederertanzt. Wir glauben jedoch noch nicht an den gänzlichen Rücktritt der Taglioni. Fanny Elsler, die nur wenige Jahre jünger ist, denkt auch noch keineswegs die Bretter zu verlassen. Trotz unserer Galanterie müssen wir erwähnen, daß Marie Taglioni bereits über vierzig Jahr hinaus und Fanny Elsler sich den letzten dreißiger Jahren genähert hat. Carlotta Grisi hingegen zählt drei und zwanzig Jahr, die Cerito ist ungefähr in demselben Alter. Lucile Grahn macht einiges Glück in London. Pariser Plaudereien. In zwanglosen Folgen. Die Naab-Polka. Schlesingers ,,musikalische Zeitung" gibt einen recht hübschen witzigen Aufsatz Henri Blanchard's über die Polka, die Polkisten und den Regenerator Naab; — als Beilage ist eine neue Polka von Piris, die: Naab-Polka, angefügt. Wir gestehen, daß sie uns, nach Maretz eks bei Chabal erschienenen Polkas, in Hinsicht der nationalen Form und Melodie, am meisten befriedigte. Die andern Polkas, mit denen jetzt alle Musikladcn überschwemmt sind, haben von der echten Polka nichts als den Namen und sind meist nur travestirte Galopps. Deutsche Buchhandlungen. Unfern deutschen Landsleuten empfehlen wir vor Allem die deutsche Buchhandlung von Jules Nenouard et Lo-.np., 6, rus Ue loui-nou ; — sie finden daselbst stets ein wohlassor- tirtes Lager aller neuen und gediegenen Erscheinungen der deutschen Literatur und eine äußerst zuvorkommende und gefällige Behandlung. Von den andern Buchhandlungen die sich mir deutschen Büchern befassen, nennen wir noch Treuttel und Würz, und Klinksiek, ruo 4« IKW, 17, und Brockhaus und Avenarius, rue lli- ollklieu, 69. Letztere Handlung soll, wie wir hören, binnen Kurzem in die Hände der Herrn View eg, jetzt Commis bei Brockhauö und Avenarius, und Frank aus Breslau, übergehen. — Herr Avenarius soll dann nach Leipzig gehen und seine ganze Thätigkeit seinem dortigen Hause widmen. Der deutsche Hülss-Verein. Mehrere Freunde und Mitglieder des deutschen Hülfsvereins haben bei uns angefragt, warum die Liften der für den Verein eingehenden Beiträge nicht mehr veröffentlicht werden, wie es doch das Interesse der Anstalt erheische. Wir richten diese Frage weiter an das Comitö, und bemerken hierbei, daß auf unsere Einladung an mehrere Personen zu der Vcreins-Cassa beizusteuern, uns die Antwort ward: ,,Wozu? es gibt ja Niemand mehr etwas; seit Monaten lies't man von keinem eingegangenen Beitrage." — Wir schlagen ferner zu dieser Veröffentlichung ein weitverbreitetes Blatt, z. B. das äournul lies Döiists, vor, und begegnen dem uns schon einmal gemachten Einwurfe: ,,Viele Personen scheuten die Veröffentlichung ihres Namens in einer Zeitung," mit der einfachen Bemerkung, daß es diesen Personen ia frei steht ihren Beitrag mit einer Chiffre oder Devise bezeichnen zu lassen. Wir leben in dem Lande der Öffentlichkeit und wünschen somit die größtmöglichste Öffentlichkeit, besonders bei einem Gegenstände allgemeiner Wohlthätigkeit, wo sie nur nützlich und ancifernd wirken kann. Eine musikalische Heirath. Der bekannte Klaviervirtuvse E. Wolf hat sich mit Dlle Maas vermählt ; — wir gratuliren zu dieser M aaßnahme; — Klaviervirtuosen müssen stets das richtige Maaß halten, das tempo i-ubsto taugt nicht im Lebensorchester. 3üooo Francs zu verdienen! Ein reicher Sonderling, der vor Kurzem hier gestorben ist, hat in seinem Testamente demjenigen armen Mädchen 30 ooo Francs vermacht, die sich verpflichtet ein ganzes Jahr lang in seiner Gruft auf dem Lere-dsoliuise bei seinem Sarge zu wachen. Es versteht sich von selbst daß sie bei dieser Grabwache des Nachts schlafen darf, auch erhält sie eine kleine, wie ein Zimmer eingerichtete Nebengruft, zur Wohnung, sowie anständige Kost, darf aber vor Jahresablauf die unterirdische Wohnung nicht verlassen. Es soll sich noch Niemand gemeldet haben. Eensoren und Scharfrichter. In Deutschland ist der Scharfrichter unehrlich, Niemand pflegt mit ihm Gemeinschaft, setzt sich im Gasthause mit ihm an einen Tisch, jeder weicht ihm schon von Weiten aus; — dagegen ist der Censor, der Scharfrichter des Gedankens, der Henkersknecht der geistigen Freiheit, ein geachteter Mann, ein kaiserlicher, ein königlicher oder ein fürstlicher Staatsdiener, mit dem zu verkehren man sich höchst glücklich schätzt. In Frankreich hält man den Scharfrichter für einen Menschen so gut wie alle andere, und wenn man ihn auch grade nicht sucht, so weicht man ihm doch nicht — gäbe es aber Sensoren, so würde man den Franzosen es nie begreiflich machen können, daß ein Mensch, der so elend und servil ist, daß er sich zum Schinderknechte des freien Wortes, zum Folterknechte des freien Gedankens für kümmerlichen Sold dingen läßt, ein achtbarer rechtlicher Mann sein könne, und alle Menschen von Herz und Ehre würden ihn fliehen wie einen Pestkranken. Man lamentirt in Deutschland so herzbrechend über die böse Censur, Jahr aus Jahr ein werden die kläglichsten Jeremiaden über den Preßzwang angestimmt, aber darauf gedacht hat man noch nicht, die Censoren systematisch zu vertilgen wie die Raupen und Maikäfer. — Wenn sich alle Männer von Herz und Ehre stillschweigend dahin vereinten, mit keinem Menschen der sich das fluchwürdige Geschäft der Censur aufgeladen, zu verkehren, ihn zu vermeiden wie man Diebe, Denuncianten und ähnliches Gelichter meidet, wenn kein Vater ihm seine Tochter gäbe, kein rechtlicher Mann einen Handschlag, kein Gastwirth einen Trunk Wein, wenn wie ein Censor an einen öffentlichen Ort käme, alles aufftünde und sich mit verächtlichem Schweigen entfernte, kurz wenn man seine Person für das hielte was sein Geschäft ist, für unehrlich und niederträchtig, — bald gäbe es keinen ehrlichen Menschen mehr, der sich zum Censor hergäbe, und mit den wenigen Schuften, die der öffentlichen Verachtung trotzen wollten, würde man schon fertig werden. Was wollten die Regierungen bei diesem Verhalten des Volkes gegen die Censoren thun? Nichts, — denn kein Gesetzbuch enthält Bestimmungen die uns zwingen mit i -E - l diesem oder jenem umzugehen, zu verkehren, ihn zu grüßen u. d. gl. —In Kölln ist man auf ähnliche, nur mildere Art, schon drei Censoren in Jahresfrist losgeworden ; in Baden beklagt sich der Minister in der Kammer, daß die Regierung keine Censoren mehr auftreiben könne; das beweis't daß wir auf dem rechten Wege sind. Nur Muth! mein deutsches Volk! wolle nur ernstlich, und du hast bald keine Censoren und also auch keine Cen- sur mehr. Bairische Triumphbogen. Wie naiv doch die deutschen Zeitungen sind! Sie melden ganz ernsthaft, daß man in München dem Könige von Baiern bei seiner Abreise nach Italien Triumphbogen errichtet habe. Wollte man zeigen, daß man sich über seine Abwesenheit freue? Der Kravatten-Orden. Prinz Albert sott eine neue Art die Kravatte zu binden erfunden haben, die am Hofe von St.-James Sensation macht; — lithogra- phirte Abbildungen dieses prmzlichen Knotens sind bereits an die hiesige englische Gesandtschaft gekommen. Der erlauchte Erfinder wird kein Patent oder Privilegium auf seine geniale Entdeckung nehmen, aber zur Feier dieses denkwürdigen Ereignisses soll ein neuer Orden: der Kravatten-Orden gestiftet werden, mit der Devise: « Lencku soit lsui ni.il per>8«. » Ein Portefeuille. Herr Thiers hat seine Geschichte des Kaiserreiches beendigt. Wenn der Minister des i. März so viel gearbeitet hat, so brauchte er Banknoten, und wenn er diese nun bekömmt, so wird er ein Portefeuille brauchen, um sie hineinzuthun. Herr Guizvt ist auf seiner Hut. Der Jokeyclubb war in diesen Tagen in großer Aufregung, es ging zu wie in der Deputirtenkammer bei einer Kabinettsfrage. Es handelte sich darum, ob die freien Frauen in diesem Jahre wie in den vergangenen in den reservirten Tribünen der Wettrennen zugelassen werden sollten oder nicht. Diese Damen fanden sehr viele Vertheidiger im Klubb selbst unter den vcrhei- ratheten Herren, deren Frauen man eigentlich durch die vorgeschlagene Ausschließung vor einer gefährlichen Nachbarschaft sichern wollte. Die Schlacht war heiß zwischen den Freunden der Tugend und den Vertheidigern des schönen Lasters, von beiden Seiten wurden die triftigsten Argumente entwickelt, aber der Sieg blieb der Tugend, die Damen des Quartiers Noli-«-!)»,,,« cke doi-etls wurden ausgeschlossen, „fletrirt." Unser Zeitalter, das schon so viele Tugenden hat, ist nun wieder um eine reicher. Tröstet euch, arme verbannte Schönheiten, habt ihr nicht Nativa, Nautilus, Karagheuse und wie alle die anderen mehr oder minder schwindsüchtigen Pferde heißen, schon rennen gesehen? — les't den Sport des „Constitu- tionnel" und tröstet euch. Auf die Stunde. Es gibt nichts Schrecklicheres auf Erden, als langweilige Schwätzer; — fürchterlich, wenn sie uns besuchen und uns mit nichtssagendem Geschwätze die kostbare Zeit stehlen; entsetzlich, wenn sie uns auf der Straße begegnen, sich in unfern Arm hängen und rastlos fortschwatzend uns nun selbst Gottes freie Luft verbittern. Einer unserer Bekannten hat ein sinnreiches Mittel erfunden sich dieses sociale Ungeziefer vom Leibe zu halten. Besucht ihn ein solches in seiner Wohnung, so sagt er ihm nach den ersten Begrüßungen : ,,Lieber Freund! gut, daß Sie kommen, ich wollte ohnehin mit ihnen sprechen, ich weiß Sie find mein Freund und ich kann auf Sie rechnen; — ich werde in einigen Tagen eine bedeutende Summe nöthig haben und werde ihre Freundschaft in Anspruch nehmen. Wir sprechen noch davon." Der zudringliche Besucher wird verlegen, einsilbig, kürzt seinen Besuch ab, empfiehlt sich unter einem Vorwände und — kömmt nicht wieder. — Begegnet nnserm Freunde aber eine solche gesellige Klette auf der Straße, so springt er schnell in das erste beste Kabriolet; — der Zudringliche will ihn zurückhalten: „Nur ein Wort." — „Unmöglich, lieber Freund! ich habe den Kutscher auf die Stunde genommen,— aber wir sehen uns ein Andermal." Und damit fliegt er fort; — es ist eine Seltenheit, daß ihm solche ertemporirte Spazierfahrten nicht täglich drei bis vier Mal Vorkommen. Er sagt auch nicht mehr: „heute habe ich den oder den begegnet;sondern: „Heute habe ich den oder den auf die Stunde genommen." Gutzkow von der „Köllnischen Zeitung" desavouirt. Die „Köllnische Zeitung,^^ die durch Gutzkows künstlich fabrizirten Ruf verlockt, ihm die Spalten ihres Feuilletons zu seinen breispärigen Stylübungen öffnete, sieht sich in einer ihrer letzten Nummern gezwungen ihn zu desavouiren und zu erklären: sie sei durchaus nicht für Herrn G. Ansichten und Urtheile solidarisch verantwortlich. Kann einem Schriftsteller noch Ärgeres, Schmachvolleres widerfahren, als von dem Blatte für das er schreibt, desavouirt und verläugnet zu werden? Wie Recht hatten Heine und Andere, wenn sie auf Gutzkows kleinliche Angriffe nie antworteten; — sie haben jetzt die glänzendste Genugthuung. Wird Herr G. noch den Muth oder die Selbstverleugnung haben für die „Köllnische Zeitung" zu schreiben? Deutsche Zeitungen plündern fortwährend unser „Vorwärts" ohne die Quelle zu nennen; — so druckt zum Beispiel das „Rheinland" Heines Gedicht: „Der Kaiser von China" und andere unserer Artikel ohne Angabe nach; — wir appelliren an die Rechtlichkeit und Billigkeit der betreffenden Redakteure und fordern ernstlich, daß Solches für die Zukunft unterbleibe. Den preußischen Blättern ist von der Regierung die Nennung unseres Namens verboten worden, so mögen sic denn wenigstens wie die rheinischen Blätter bei einer Anführung unserer Artikel hinzufügen : „Ein Pariser Deutsches Journal schreibt." Bemerkenswerth, daß in Preußen, welches dem Wahlspruche: Vorwärts! so Vieles dankt, selbst die Erwähnung dieses Wortes jetzt verboten ist. Fürchtet sich die mächtige preußische Re- gicrung vor unserm kleinen Blättchen? Muth unter Censur. Unter den censurirten deutschen Blättern sind bis jetzt die „Elberfclder Zeitung" und die „Triersche Zeitung" die Einzigen, die den Muth hatten, sich über den feigen und gemeinen Artikel der „Preußischen Allgemeinen Zeitung" gegen Herwegh ernst tadelnd auszusprechcn. Von einem preußischen Blatte, — das allen möglichen Chikanen der Concessions- Entziehung, verschärfter Censur und anderen Willkür- lichkeiten ausgesetzt ist, — viel Muth! Pariser Verein deutscher Ärzte. Wirerfahren, daß mehrere hier lebende deutsche Ärzte, von dem Wunsche beseelt, deutscher medicinischcr Wissenschaft auch in Paris einen Centralpunktzu geben, und dem Frankreichs Hauptstadt nur auf beschränkte Zeit besuchenden deutschen Kollegen zugleich die Mittel zu bieten, sich auf dem Wege praktischer Besprechung mit französischer Wissenschaft bekannt zu machen — schon längst den Plan vorbereitet hatten zur Bildung einer Gesellschaft hier ansässiger und temporär sich hier aufhaltender deutscher Ärzte. Dieser, zur Förderung der Wissenschaft höchst wichtige Verein, ist nun unter der Mitwirkung achtbarer, um Wissenschaft und Praxis vielfach verdienter Männer ins Leben getreten. Das Lokal ist bei Herrn Qi-. Szokalski, l u« IMi.l.iuterru, n" 6. Der Verein hat, nachdem er den Herrn Di. Otterburg, als praktischer Arzt und Schriftsteller bekannt, zu seinem Präsidenten, und den verdienstvollen Arzt und Schriftsteller vr. Szokalski als beständigen, und Herrn Di-. Feldmann als temporären Sekretär gewählt hatte, seine Sitzungen begonnen. (Eingesandt.) Die deutsche und französische Sprache, theoretisch oder durch Conversation praktisch zu erlernen, für Schreib-Unterricht, kaufmännisches Rechnen, Buchhaltung und Briefftyl, kann die Redaktion dieses Blattes, auf postfreie Anfragen, einen guten Lehrer, so wie auch an Damen eine Lehrerin für Conversations- stunden in beiden Sprachen empfehlen. Briefkasten. Herrn Ferd. Co el. Bernays. Ihr schätzbarer Autograph vom 26 . hat uns, obwohl wir deren schon einige (vonSchlayer, Edouard u. s. w.) besitzen, außerordentlich viel Spaß gemacht. Herrn L ss, rue 8t.-douis. Mit Unterzeichnung Ihres w ahre n Namens steht der Aufnahme kein Hinderniß entgegen. —dis in ickem ! Nedacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard Paris, Mittwoch. Nr. tZ 3 Jmrt 18^? Abonnements-Preise r in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 1» „ Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen: die Zeile L 50 Centimes. H r w n § ^ MMZ. Ec-Mk. WSEW EL Man abonnirt: für Paris: im D»resu ventral pour l ^IlemsAne, r ue lies Uoutins, 32. und in der Buchhandl. von ^ules Nenousrä et v'°, ru« 6« 1'ournou, ti; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England c in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Elchthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am GrscheinungS-Ta z' , an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Vidault, 10, ruo Oe In ^uRkienue.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirtcn Briefen anzuzeigen. —Anfragen, Beiträge, PränumerationSgcldcr und Briese wollen srnneo : « An die Nedaction des Journals: Vorwärts, 32, rue Oes kloulins in Paris » eingcsendet werden. An F. Dingelstädt. (Im Januar I 81 l.) Verschlechtert sich nicht dein Herz und dein Styl, So magst du treiben jedwedes Spiel; Mein Freund, ich werde dich nie verkennen, > Und muß ich dich auch Herr Hofrath nennen. Sie machen jetzt ein großes Geschrei Von wegen deiner Verhosrätherei, Vom Seinestrand bis an der Elbe Hört' ich seit Monden immer dasselbe : Die Fortschrittsbeine hätten sich l In Nückschrittsbeine verwandelt. — O, sprich, Reitest du wirklich auf schwäbischen Krebsen? Äugelst du wirklich mit fürstlichen Kebsen ? Vielleicht bist du müde und sehnst dich nach Schlaf. Du hast die Nacht hindurch so brav Geblasen, jetzt hängst du das Horn an den Nagel: Mag tuten wer will für den deutschen Jan Hagel! Du legst dich zu Bette und schließest zu Vre Augen, doch läßt man dich nicht in Ruh'. Vor deinem Fenster spotten die Schreier : l ,,Brutus, du schläfst? wach' auf, Befreier!^ Ach! so ein Schreier weiß nicht warum Der beste Nachtwächter wird endlich stumm, Es ahndet nicht so ein junger Maulheld Warum der Mensch am End' das Maul hält. Du fragst mich, wie es uns hier ergehst? Hier ist es still, kein Windchen wehst, Die Wetterfahnen sind sehr verlegen, Sie wissen nicht wohin sich bewegen... Heinrich Heine. Kindermährchen. Es war einmal ein kleiner Mäuserich mit seiner Frau, der Maus. Das waren recht unglückliche Leute. Denn in demselben Hause, wo sie wohnten, hielt sich auch ein großer garstiger Kater auf; dem mußttt^Lrr arme Mäuserich und seine Frau tagtäglich sechs junge Mäuschen liefern, die der Kater verzehrte, nämlich drei zum Frühstück und drei zum Mittagsbrot. Ein rechtes Glück war es noch für die armen Mäuse, daß der Kater Abends nicht zu Hause speiste, denn sonst hätten sie ihm auch noch drei Mäuschen zum Abendessen liefern müssen. Aber das war nicht nöthig. Denn wenn der Abend herankam, so putzte und leckte sich der Kater, und strich sich den garstigen Schnauzbart, und gingaus, in Gesellschaft, und machte den Katzen den Hof, und musicirte mit ihnen. Deshalb brauchten ihm Abends keine Mäuse geliefert zu werden. Und das war gut, denn der arme Mäuserich und seine Frau wußten ohnedies schon nicht ein noch ans, daß sie dem Kater täglich sechs Junge liefern mußten, die er ohne viel Federlesens lustig verspeiste, drei zum Frühstück und drei zu Mittage. Eins-zwei — drei— waren die armen Mäuschen verschluckt, und dann wischte Herr Kater sich den Bart, und legte sich hin und hielt Mittagsruhe. Mäuserich und seine Frau, die Maus, jammerten und klagten gewaltig, wenn sie dem bösen Kater ihre niedlichen Mäuschen zum Fressen abliefern mußten, und sie konnten gar nicht genug Junge anschasfcn, und gingen ganz dabei zu Grunde, sowohl Mäuserich der Mann, als Maus die Frau. Und einstmals, als sie dem Kater wieder drei Mäuschen zum Mittagsbrod überbracht hatten, und nun zusammensaßen und bitterlich klagten, und über ihr Elend viel Thränen vergossen, da sagte Maus, die Frau: „Mäuserich, mein Mann! nicht länger können wir es ertragen, daß wir dem grausamen Kater täglich sechs von unfern Kindern liefern müssen. Ach, ich weine so Nacht als Tag über unsere armen Kinder, die von dem Kater gefressen werden. Laß uns rathschlagen, ob wir solchem Jammer nicht entgehen können!" — Worauf denn Mäuserich erwiderte : „O liebe Frau! wie geht mir doch mein und dein Elend zu Herzen! wie betrübt mich der Tod unserer armen Kinder! aber was können wir thun, um das zu ändern? Wo finden wir dazu Rath und Mittel?" Da sagte Maus, die Frau: „Ich freilich weiß kein solches Mittel. Aber laß uns unsere Nachbarn und Freunde aufsuchen, und laß uns sie um Rath und Hülfe ansprechen, unsere Nachbaren, den Hund, der dem Kater ohnedies gram ist, den Raben oben aus dem Dache, der guten Ratheö und großer Weisheit voll ist, und die gute Frau Henne nuten im Hofe. Vielleicht weiß einer von diesen einen guten Ra-th, und ein Mittel, wie wir unsere Kinder vor dem Rachen des Katers retten!" Diesen Einsall seiner Frau billigte Mäuserich, und alsbald begaben sich beide auf den Weg, um ihre Nachbaren um Rath und Hülfe zu bitten. Zuerst gingen sie zur Frau Henne und trugen dieser ihr Leiden vor, wie sie täglich dem Kater sechs Mäuschen znm Fressen liefern müßten, und sie baten die Henne, ihnen doch zu helfen, und ihnen ein Mittel zu sagen, wie sie sich und ihre Jungen einem solchen Unglück entziehen möchten. Als nun Frau Henne diese traurige Geschichte vernahm, und von den armen Mäuschen hörte, die dem grausamen Kater zum Fressen abgeliesert werden müßten, begann sie bitterlich zu weinen, denn sie war gar mitleidigen und weichherzigen Gemülhes. Und sie beklagte das Schicksal der armen Eltern und der unglücklichen Kinder mit gar rührenden Worten, so daß MauS und Mäuserich in Gesellschaft mitweinen mußten. Als sie nun alle drei eine zeitlang geweint hatten, trockneten Maus und Mäuserich ihre Thränen, und dankten der Henne für ihre Theilnahme, und baten sie ihnen nunmehr einen guten Rath zu geben, wie ihnen zu helfen sei, und wie sie ihre Kinder vor dem Kater retten möchten. Da begann die Henne von Neuem zu schluchzen und zu weinen und sagte: „Euer Unglück geht mir zu Herzen; aber wie euch zu helfen sei, weiß ich nicht. Doch will ich euch einen guten Rath geben: ertraget euer trauriges Geschick in Geduld, Ungeduld macht eS nur schlimmer. Vielleicht bringt euch die Zeit Linderung eurer Leiden. Es ist ja möglich, daß der Kater krank wird oder stirbt." — Da jammerten die Mäuse und sagten: „O was würde uns das Helsen? Wenn der Kater krank wird, so bleibt er Abenvs daheim, und dann müssen wir ihmunsere Jungen auch noch zum Abend- brod liefern; und wenn erstirbt, so geht die Geschichte mit seinem Sohne, dem jungen Kater, von vornean." — Darauf erwiedcrte Frau Henne: „Ja freilich, dann ist euch nicht zu helfen! Aber es ist doch gar zu traurig, daß ihr eure lieben Kinder dem häßlichen Kater zum Fressen hingeben müßt! O wie freue ich mich, daß von mir dergleichen nicht gefordert wird! das würde mir das Herz brechen! O, wie bin ich doch so glücklich! Meine Kinder werden zwar auch verspeiset, aber doch immer nur gebraten! O ich bin eine glückliche Mutter!" Und nun wurde die Henne wiederum zu Thränen gerührt über ihr eigenes Glück. Da sahen die Mäuse, daß sie hier nicht Rath und Hülse fänden, und dankten deßhalb der Henne für ihre Theilnahme, und gingen davon zum Hofhund. Der Hund lag in der Sonne und schnappt nach den Fliegen, die ihn umsummten. Die Mäuse naheten sich ihm und machten einen gar schönen Kratzfuß, und trugen ihm ihr Leiden und ihre Bitte vor. Der Hund war aber nicht so weichen Gemü- theS wie die Henne, und als die Mäuse ihm ihr Anliegen gesagt hatten, erwiederte er ganz barsch und kurz: „Wie? sechs Mäuse müßt ihr täglich dem schlechten Kerl von Kater liefern? sechs Mäuse? das ist ja ein Schuft, der Kerl, und ein ungeheurer Fresser! Aber warum thut ihr es? ist eS doch eure eigene Schuld! Kommt der Kater wohl zu mir und verlangt daß ich ihm meine Jungen zum Fraß gebe?" — Da sagte der Mäuserich: „Ei, ihr seid aber auch ein Hund, und wir sind Mäuse!" — Worauf der Hund versetzte: „Ja, daS ist eS eben; warum seid ihr Mäuse? daS eben ist euer Fehler." — Und daS alles sagte der Hund in so grobem Tone, daß die armen Mäuse ganz betrübt wegschlichen, gar wenig erbauet von dem Tröste und dem Rathe, den sie beim Hunde gesunden. Und Mäuserich sagte: „DaS ist ein grober Hund! Weh uns Armen! unS ist nicht zu helfen! und beim Raben wird eS uns nicht besser gehen, als bei Hund und Henne." — „Vielleicht doch!" sagte die Maus, „laß uns ihn nur aussuchen: er soll ein gar geschickter Anwalt und Rathgeber sein." lSortsrhung folgt.) Noch ein Wort »Her die „Allgemeine Preußische" und Herwegh. Wir erhalten folgende Mittheilung über den feigen Angriff des Preuß. Reg. Organs gegen Herwegh, die wir unfern Lesern hiermit vorlegen. Pari-, r. Juni. Sie haben ja das Prachtstück aus dem Feuilleton der ,,Allgemeinen Preußischen Zeitung" Ihren Lesern mitge- thcilt! Nicht wahr das ist ergötzlich? Das heiß ich zuschlagen ! Alle Teufel noch einmal, da fahren aus allen Ecken Pest, Veitstanz und sonstiger lieblicher Höllenduft beraus! Anders konnte also das deutsche Volk nicht geschändet werden, für den Enthusiasmus, mit dem es Her - wegHs Gedichte aufnahm ? Man mußte ihm sagen: „Ihr habt einen Verrückten angebetet, Ihr habt einen Veitstanz- Defallenen zu Euerm Propheten gemacht, einen Somnam- bülcn habt Ihr für einen Dichter und seine thörichten ausschweifenden Mondsuchtsphantasten habt Ihr für die poetischen Ergüsse eines begeisterten jugendlichen Patrioten genommen! Ihr armen Deutschen! wie bedauert Euch Herr Wittmann! Warum betet Ihr ihn nicht an, den heiligen Geist in der Dreieinigkeit wo Herr Friedrich Rohm er Gott Vater, und Herr Theodor Rohm er Gott Sohn ist? Habt Ihr nicht gesehen, Ihr Dummen, daß Herwegh der Antichrist ist, daß er Pferdefüße hat und Feuer ausspctt? Während Ich: Wittmann, eben das neue Evangelium „das Volk und die Parthei" vom Stapel laufen lasse, schwärmt Ihr noch immer für den Herwegh, der eigentlich gar kein Mann ist, dessen Natur ganz weiblich angelegt ist? Schämt Euch Deutsche und erkennt Eure Götter besser! Da kommt ein ganz schlichter deutscher Philister her, und fragt Herrn Wittmann : „Woher kommt es denn, daß Sie seiner Zeit und noch jetzt sich so viel Mühe gaben, um in Preußen ein Ämtlein zu erjagen; warum wählen Sie grade die schwarz- und weißgestreifte Opferschale der „Allgem. Preuß. Zeitung" um Ihr Giftsäckchen zu entleeren ? Kann man in der Schweiz keine Herrgottsvaterei »nehr treiben? Sind dort schon alle Teufel gebannt?" „Dummer Teufel!" antwortet ihm Herr Wittmann; „meinst du denn es ist mir darum zu thun, dich von deinen bösen Wegen abzuhalten? 11 ü»ut vive! » das ist zwar ein französisches Sprüchel, es gilt aber für einen deutschen Schriftsteller auch! — Ich aber versichere Sie, daß Herwegh in voller Kraft seiner Gesundheit steht! Erft heute sah ich ihn wieder; « seine Augen glänzen wie von jeher, er ist heiter und jugendlich frisch, — das Publikum wird wohl bald wieder etwas Schönes von ihm zu lesen bekommen — dann natürlich, nicht wahr Herr Wittmann? hat er wieder den Veitstanz? Er hat einen dicken gesunden Buben (wie er mit seiner weiblich angelegten Natur dazu gekommen ist, errathe ein Anderer), der Kerl strampelt mit den Beinchen; sollten das wohl die Anfänge vom Veitstanz sein, den er vom Papa geerbt hat? Wüßte ich doch nur ob er auch schon Hermaphrodit ist? Aber, wie ich höre, waren Herwegh und Wittmann früher Freunde — oder sollte das blos eine böswillige Erfindung sein ? — Buntes und Spitzes Ein neuer Charakterzug des Königs von Hannover. Die englischen Blätter wärmen jetzt das von uns bereits vor zwei Monaten erwähnte Gerücht wieder auf, als ob der dreiund- siebenzigjährige König von Hannover sich mit der vierzigjährigen verwittweten Großherzogin Aleran- drine voll Mecklenburg-Schwerin, Schwester des Königs von Preußen, vermählen würde. Ob der König von Hannover in seinem Privatleben neue Ereentricitäten zu seinen politischen fügen will, um seine Laufbahn in der stets gehaltenen Art zu schließen, kümmert uns wenig. Hannovers Absperrung vom Zollverein, Hannovers Abhängigkeit von der englischen Politik, den allgemeinen deutschen vaterländischen Interessen gegenüber, dieser Partikularismus würde aber seltsam mit einer neuen Vermählung, und zwar gerade mit einer preußischen Königstochter, zusammenpassen. Ob die verwittwete Großherzogin von Mecklenburg gern am Schluß ihres Lebens die Königin und einst die Königin Mutter spielen möchte, um den blinden Kronprinzen einst als Königin zu beherrschen, oder ob tiefere politische Combinationen dabei im Spiele sind, überhaupt das ganze Gerücht Hand und Fuß hat, wissen wir nicht. Eine neue Anekdote, deren vollkommene Wahrheit wir verbürgen, wird dem Charakter des Königs Ernst neue Schlaglichter verleihen. Der ehemalige Herzog von Cumberland leidet bekanntlich seit langer Zeit an einer sehr bedeutenden Kurzsichtigkeit. Diese Kurzsichtigkeit hat in der letzten Zeit immer zugenommen, so daß z. B. in den Abendunterhaltungen dem Könige das Kartenspielen selbst, welches er besonders liebt, unmöglich geworden ist, weil derselbe die Karten nicht mehr unterscheiden kann. Da nun aber der humane König andern nicht gern eine Unterhaltung erlaubt die er nicht selbst theilen kann, so ist am hannoverschen Hofe auf Befehl des Königs Ernst das Kartenspiel bei Hose in den Soireen verboten worden (historisch). — Ferner, als der König von Hannover beim Dombaufeste in Kölln war, fand sich kein Bürger, welcher freiwillig sein Haus demselben überlassen hätte. Weder Bitten noch andere Mittel gelangen die freisinnigen Bürger Köllns anders zu stimmen. „Alle, war die Antwort, nur Diesen nicht." Des Volkes Stimme ist die Stimme Gottes. Der rigoristische evangelische (? das Evangelium lehrt aber Toleranz) Prediger von Ger lach, einer der Hauptleute des Berliner Pietisten-Regiments, hat sich geweigert, den Landesgesetzen gemäß einen geschiedenen Ehemann zum zweiten Mal zu trauen. Die Berliner Behörden zögerten mit ihrer Inter- cession, und^der Ehemann ließ sich in einem andern Kirchensprengel trauen. Weitverzweigt bildet sich die pietistische Intoleranz in Berlin u. s. w. aus, und die für liberal geltende „Voffische Zeitung," welche leitende Artikel bringt, ergreift keine starke Opposition gegen dieses trübselige Treiben. Darf sie nicht, oder wagt sie nicht? WaS wird aber denn aus dem königlichen Worte, welches eine freimüthige Besprechung der preußischen Presse versprochen? Die päpstliche Regierung hat sechs der in den letzten italienischen Unruhen Gefangenen von hinten todtschießen lassen. Einige dreißig andere wurden lebenslänglich zu den Galeeren verdammt. Die Sache wird in Italien immer wieder von neuem anfangen. Mit Blut und Galeeren hat man nie Emancipations-Gedanken erstickt, für einige Zeit unterdrückt wohl, aber nur vertagt. Auch für das gefürchtete Italien wird die Stunde der Erlösung schlagen, darum sind unreife und vorzeitige und decimirende Ausstände bedaurens- werth. In den lombardisch-venezianischen Staaten blieb alles ruhig, die römische weltliche Verwaltung ist aber im höchsten Grade jämmerlich. Einige Führer der letzten Bewegung sind bereits in Frankreich angelangt, andere begeben sich nach Corsu und Malta. Die Zahl der italienischen Emigranten mehrt sich jedes Jahr, da die kleinen italienischen Staaten der zeitgemäßen und politisch klugen österr. Amnestie nicht nachzuahmen wagten. Im Großherzogthum Posen erscheinen slavische Jahrbücher, welche die nicht-polnisch redenden Einwohner von Schlesien eine germanische Parthei nennen. Rußlands panslavische Propaganda rastet nicht, scheut weder Opfer noch Mittel; oft werden sogar slavische Enthusiasten klug durch Mittelspersonen benützt, ohne zu wissen, daß sie nur Petersburger Interessen dienen. Es wäre zu wünschen, daß die schlesischen Blätter diesem Unwesen gehörig entgegenträten, und wenn die Censur der preußischen Regierung in Breslau die Verthei- digung deutscher heiliger Pflicht aus Rücksichten und Schonung für Rußland hindert, so begeht die Regierung ein Verbrechen an dem deutschen Vaterlande, dessen Grenzwache nach dem drohenden Osten ihr übergeben worden. In Saarlouis haben sich am 20. April zwei preußische Offiziere in der königlichen Reitbahn öffentlich duellirt. Die Fenstern waren mit Zuschauern besetzt. Was bedeuten bei solchen Vorfällen Duellgesetze, große kriegsministerielle Erlasse, wenn solche Dinge sich in Gegenwart eines Ehrengerichts zu Saarlouis zugetragen? Pariser Plaudereien. Eine Viertel-Elle Minister. Als Thiers seine jetzige Frau,Dlle Dosne, heirathete, wollte der Schwiegervater, Herr Dosne, der gerne seinen Namen mit dem des Ministers deS 1. März zur Unsterblichkeit bringen wollte, durchaus, daß Thiers zu seinem Namen den seiner Frau hinzufüge und sich Thiers-Dosne nenne. „Schwiegerpapa ! sagte Thiers, das geht durchaus nicht, ich bin ohnehin nicht groß, geschähe aber was Sie wollen, so würden die bösen Zungen sagen: ich sei nur ein Thiers-Dosne (üers ä'sune» Drittel-Elle)." — Wir haben in Deutschland Minister deren geistige Größe sich kaum über die Viertel-Elle erhebt, und die dennoch wie der Gipfel des Teneriffa auf das arme Volk und besonders auf Schriftsteller und Journalisten herabblicken; — letztere aber sehen nicht zu ihnen hinauf, sondern über sie hinweg. Der Kaiser von Rußland hat wieder einen seiner neuen Comödien-Coups ausgeführt, — er ist in dieser Hinsicht der vollendetste fürstliche Schauspieler der Welt, darin von einem Andern unterschieden, daß er mehr agirt, während jener nur spricht. Während man ihn noch an der Newa glaubt, ist er schon in Berlin, und ehe noch die deutschen Zeitungen diese höchst erfreuliche Botschaft in alle Welt tragen, ist er schon im Haag und in diesem Augenblicke schon an der Themse. Sollte diese Reise das Vorspiel zu dem angekündigten Carlsbader Congresse sein? Carlsbad hat einen verhängnißvollcn Namen für die deutsche Presse, — Gott gebe, daß dem Vorspiele kein deutsches Trauerspiel folgt. Auf der Rückreise werden Seine Majestät der Vernichter Polens Deutschland mit allerhöchst Ihrer Gegenwart beglücken, und das deutsche Volk wird entzückt sein und auf seinem Wege jubeln. Ein Correspondent der New-Aorker ,,Schnellpost" schreibt hierüber Folgendes: ,,Und Deutschland? werden Sie fragen, was thut Deutschland, wo jetzt der Russenhaß an der Tagesordnung ist? — Was es thut? Sonderbare Frage! Die deutschen Fürsten werden als gut russische Vasallen und Verwandte an das allerhöchste.Hoflager beschieden und sich eine Ehre daraus machen, bei Hoffesten, Paraden, Jagden im Gefolge des Czaren nachhumpeln zu dürfen, und das deutsche Volk, schaulustig wie die Kinder, wird auf Praga und Ostrolenka, auf das geschlachtete Polen und die Opfer der sibirischen Bergwerke, auf die Gränzsperre und die Verfolgung der katholischen Priester, auf alle diese tausend Schändlichkeiten und Grausamkeiten vergessen, und sich in Sonntagskleidern auf die Straßen drängen, dem kaiserlichen Wagen athemlos nachlaufen, stundenlang vor des Czaren Hotel stehen, zu den Fenstern hinaufgucken, und sich halb heiser mit enthusiastischen: Vivats! schreien. Oh es ist eine Misere, vor der Einem eckelt. Lassen Sie doch dm Nikolaus nach Frankreich kommen, er würde ausgepfiffen und gehöhnt werden, wie der König von Hannover in England, und er könnte Gott danken, wenn ihm, dem Scharfrichter Polens, nichts Ärgeres widerführe. — Ja wohl! es ist ein Unterschied zwischen Volk und Nation, und die Deutschen find, nach Nestroy, noch immer mehr Volk, alsNatio n." Gla ßbrenn crs: 1843 im Guckkasten. Der witzige Glaßbrenner, der echte Repräsentant des Berliner Volkswitzes, bat das zwanzigste Heftchen seines: ,»Berlin wie es ist und trinkt" erscheinen und die politischen Ereignisse von 1843 eine satyrische Guckkasten-Revue passiven lassen. Wie die deutsche Presse, trotz alles Cen- sur-Zwanges, sich über die neuesten Zeitfragen aus- spricht, mögen folgende Proben zeigen. Ein Guckkäftner erklärt seinem Publikum, zwei Straßenjungen und einem Klcidermacher-Gehülfen seine politischen Bilder; in dieser bunten Reihe kommen folgende bemerkenswerthe, der Leipziger Censur entgangenen kleinen Malicen vor: Guckkästner (mit Pathos). Immer ran, meine Herrschaften! Jmmerr an, meine Herrschaften! Einen Sechser vor s Reinsehen und die Erklärung umsonst! Die jlänzendsten Jejenstände der Natur und der Weltje- schichte wechseln hier vor ihre Augen und bringen Ihnen einen Begriff von die neuste Politik bei, welche das deutsche Jemüth intressirt: Einen Sechser, meine Herrschaften ! Erster Junge. Man zu, hier ist mein Sechser, auf hochdeutsch: halber Silberling. Guckkästner (steckt das Geld ein). Vor Ihnen allein, Jüngling, wird nischt jekukastent. Eine einzige lumpije Person is kein Publikum, un wenn diese Person Kaiser- aller Schafsköppe wäre. Vor einen Sechser arbeite ick mir meine Lunge nich entzwee. Sind, Jott sei Dank, man Einer, und Einer is kein Publikum. Erster Junge. Wie Viele müssen da noch kommen, bis ick Publikum werde? Guckkästner. Noch zwce Stück, (rufend) Immer ran, meine Herrschaften! Der Kuckkaftcn jeht jleich los! (zum Jungen) oder jeben Sie noch zweeSechser, denn find Sie Publikum alleene. Erster Junge..Ach so?Hören Se mal, Sie haben woll König jelernt? Ne, ick danke Ihnen, ich werde Eener bleiben. Guckkäftner (gleichgültig). Wie Sie in dieser Hinsicht empfinden. Zweiter Junge. Jeht et bald an? Guckkäftner. Jeben Sie mal erseht einen Sechser! Zweiter Junge. Hier! Guckkästner (steckt das Geld ein). So ! Nu haben Sie blos zu warten, bis der Driette kommt; dann sind die Löcher beseht, und alsdann jeht es an. Zweiter Junge. Haben Sie da ooch das Porträt von den König von Spanien drinn? Guckkäftner. Verstehen Sie Französch? Zweiter Junge. Ne! Guckkäftner. Schade, sonst hätt' ick uf Französch Ochse zu Ihnen jesagt! Zweiter Junge. Wie so? Guckkäster. Wie so? Weil in Spanien jejenwärtig jar keen König is ! Zweiter Junge. Deshalb bin ick'n Ochse? Wat kann ick' n davor? Erster Junge. Ne, det iS wahr, davor kann der Junge nich. Er würde det Jcschäft jern übernommen haben; aber er will nich so hoch hinaus, sondern en ehrliches Handwerk lernen. Guckkäftner. Hür, meine Herrschaften, erblicken Sie die Vertheilung der Orden — dumme Jungens, drängelt euch nicht so ! Zweiter Junge. Ick kann jar nischt sehen; der Junge hier macht sich sobreet! Guckkäftner (zum ersten Jungen). Mache Dir schmaler! (fortfahrend) Hür, meine Herrschaften, erblicken Sie die Vertheilung der Orden des chinesischen Kaisers. — Sie sehen, wie er so eben in seine allerhöchste Kalesche steifen will un noch Viele die Hand Inhalten, worauf Alle wejen ihrer Verdienste befriedigt werden. Guckkäftner. Rrrr, ein anderes Bild ! Hür, nnine Herrschaften, präscntirt sich Ihnen der jroße Feldzug der Bundeskorpser im Jalre 1843 jejen die Haidschnucken in de Lüneburjer Haide. Es is der Mojcment aufjefaßt, wo Wkeprechten sein jroßer Zappenstreich vor die versammelten Potentaten am'jeführt wird, un mehr als zweidausend Trommeln einen orntlich angst machen. Der in de Mitte, der sein Schwert über Alle raushebt un einen ma- jcstätschen Blick umherwirft, is seine Majestät der Kaiser von Rußland. Seine Majestät der König von Hannover sprengen eijenhändig heran un fragen: ,,Sind Sie zufrieden, Vetter?" worauf der Kaiser von Rußland ant- wort: ,,Bald Vetter !" Mehr nach hinten erblicken Sie eine Masse Königliche Hoheiten, die sich ebenfalls amüfi- ren, un vorne fällt einHaidschnucke einen Bundeskorpser, der sein Schwert über ihm schwingt, zu Füßen un bittet ihn um Pardon, worauf der Bundeskorpser zur Erwiederung jibt: „Kenne Furcht, juter Mann, es ist man Spaß!" Erster Junge. Des Bild is recht hübsch, aber der Kaiser von Rußland war ja jar nich da? Guckkäftner. Des schadt nischt: des isch Poesie. Fietsch. Aber was bei des Bild sehr stört, des is, deß die Haidschnucken ja keene Völker sind, wie Sie sagten, sondern Schaafe! Guckkästner. Des schadt ooch nischt; des bleibt sich jleich. Ein Maler hat wie jeder Künstleer des Recht, seinen Jejenftand über des jemeine Wirkliche zu heben, was man äfthetsch nennt. Wenn Sie keinen höher» Unterricht jenoßen haben, so halten Sie jefälligft bei meine Kunstwerke Ihr Maul. 8 Letsch. Na hören Se mal, Sie sind aber höllisch jrob; Sie können Keile kriejen, wenn Sie mir det noch mal sagen! Guckkästner. Sind Sic en Deutscher? Fietsch. Ja ! Ick jloobe, det können Sie woll hören! Guckkästner. Na denn wiederhol' ick Ihnen, det Sie Ihr Maul halten sollen! Verstehen Sie mir? F i e t sch (ärgerlich). Ick habe aber bezahlt, un vvr meinen Sechser kann ick mitreden! Guckkästner (wüthend). Stille sag' ick! Un wenn Sie 'n Dahler bezahlt hätten. Sie haben blos zuzusehen. Verstanden? Wenn Sie um en Paar Jahrhunderte voraus sind, denn menagiren Sie sich hier , Herr! hier, bei meinem Guckkasten hat blos Eener mitzureden, det bin I ck! Außer mir versteht keen Mensch davon wat, wat in meinem Kasten vorjeht! Un wenn ich Ihnen wirklich erlaube, mitzureden, so haben Sie blos zu loben; und wenn Sic sich unterstehen zu tadeln, so sind Sie ein verwerfliches Subjekt! Un Dieses i s eine Rede, die ich Ihnen jehalten habe! Fietsch. Is nich möglich! Guckkäftner. Wollen Sie nu ruhig sind ? Fletsch. Na ja, man zu ! Guckkästner. Na des freut mir, deß Sie besser- denkend jeworden sind. Dafür verdienen Sie eine Auszeichnung. Da! (Er drückt ihm etwas in die Hand). Fiet sch (besieht es). Was soll ick 'en mit dem Plunder ? Guckkäftner. Machen Sie sich en Orelljee draus. Rrrrr, ein anderes Bild! Hür, meine Herrschaften, präscntirt sich Ihnen die Fontenette von Frankreich: Al- jier, wie es wirklich is und wie cs sein könnte. Sie sehen ein Stück Sand, woruf der Jeneral Büjod steht un ausruft: Jott sei Dank, det hätten wir wieder; Abdelkater is per.ii'l! Von hinten indessen sehen Sie aber Abdelkatern un seine Frau Jemahlin Abdelmies. Diese Beuden sprengen plötzlich auf ihre arabische Hengste durch der Wildniß un rufen Büjodtcn zu: Juter Mann, Sie irren sich; es jeht uns noch janz passabel! — Rrrrr, ein anderes Bild! Hür, meine Herrschaften, erblicken Sie Seine Heiligkeit den heilsten Vater, Papst und Beherrscher der römischen Lande, wie er zu Peters Stubl jejangen is, um über die jetzigen Unruhen nachzudenken. Im Hinterjrunde hängt ein jroßes Bild, auf welchen Christus die erhabenen Worte ausruft: Mein Reich is nich von dieser Welt! Vorne unterzeichnen mehrere Car- dineelers eine neue Anleihe, un durch die jroße Dhüre sehen Sie jefälligst einen Jensd'armen, der einen zerlumpten Kerl reinschleppt un die Meldung thut: Diese Bande haben wir eben wieder ufjehoben? Zweiter Junge. Braucht denn der Papst ooch Jensd'armen? Guckkäftner. Wui! Zw eiter Junge. Na wie kann denn aber en heili- jer Vater Jensd'armen jebrauchen? Guckkäftnc r. Halten Sie's Maul! Rrrrr, ein anderes Bild! Hür, meine Herrschaften, erblicken Sie den diesjährigen jroßen Landtag zu Kassel, welcher, wie in de Zeitungen steht, wejen Mangel an Vorlagen ohne alle Beschäftijung is, un selbst die Ausschüsse nischt zu dhun haben. Sie sehen eine Menge ausjezeichne- ter Menschen versamrmlt, die des Vertrauen der Nation haben, un deshalb da sitzen. Der Präsident erhebt sich so eben un sagt: wir find zum Wöhle des Vaterlands hier versammelt! worauf die janze Versammlung Ja am- wort't. Hierauf sehen sich sämmtliche Deputirte jcjensei- tig an, un cs tritt eine lange, sehr wichtije Stille ein, während welcher die Volksvertreter über ihre Diäten Nachdenken. Mit einmal stecht ein unjlücklicher Mensch aus des Hessenkasselsche Volk seinen Kopp durch die Dhüre und fragt weiter nischt als: Na?! Über diese Störung sind die Vertreter sehr unjehalten un beschließen einstimmig, sich ferner nich stören zu lassen. Unter die vielen Jemälde an der Seitenwand is ooch Seine Hoheit der Mitrejent. Rrrrr, ein anderes Bild! — Hür, meine Herrschaften, erblicken Sie eins von die vielen Berliner Festfressen, welche den schönen Zweck haben, daß sich Einije amesircn können. Sic bemerken auf dieses herrliche Jemälde Hun- dertunfufzig deutsche Männer eßen un drinken, un im Hinterjrunde den Wirth, welcher über den alljemeinen Patriotißmus sehr erfreut is. Zuerst kommt Bouillon, aber jleich nachher wird ein Toast auf unfern König aus- jebracht, un nachher kommt jar keine Bouillon mehr. Nachher kommt blos noch Cavjaar, Am Rhein, Am Rhein, Kräbsschwänze, Heil Dir im Siejerkranz, Sauerkohl, Bratwurst un deutsche Tugend, Mehlspeise un Ehrt de Frauen. Hierauf steht einer vor de Twischenspeise auf, zeigt seine Orden un redt so lange, bis er nischt jesagt hat un seßt sich darauf unter den Jubel der janzen Versamm- lung nieder. Während dieser rührenden Scene besingt der Hofrath Törichter einen Hammelbraten, un nachher kommt noch Champanjer un nasse Wonne, un den andern Dag der Katzenjammer über des Janze in de Zeitung. Erster Junge. Na wat is denn nu die Veranlassung zu des Fest? Guckkäftner. Hunger. Fi et sch. Na sagen Se mal: halten denn die Leute keene schöne politische Reden? Guckkäftner. Ne, dazu sind sezu ängstlich. Erster Junge. Übrigens erinnere ick mir aus de Zeitung, deß se doch ooch zuweilen politsch reden. Guckkästner. Ja, sehr zuweilen, un wenn fe wirklich mal reden, denn i s es ooch danach; denn heeßt es so viel wie: komm' her un dhu' mir nischt, oder : wasch' mir 'n Pelz un mach'n mir nich naß. Se reden diplomaatsch, des heeßt: nich jehauen un nich jestochen. Ick wer'Ihnen mal en Beispiel jeden, un zu Ihnen so 'ne freisinnige Rede halten wie uf de Festfressen. iMit Salbung.) Meine Herren Jungens oder meine junge Herren! -Heute is der Tag, dessen hohe Bedeckung Sie Alle kennen un dessen hohe Bedeckung uns hier versammelt har, um dessen hohe Bedeckung lebendig zu erhalten ins Jedächtniß der Nation, die anzujebören wir Alle stolz sind. Wenn ein Tag jeeijent is, des Herz eines Patrioten nach diesen vortrefflichen wilden Schweinebraten zu entflammen, so is es der beitije, dessen hohe Bedeckung noch die Seelen unsrer Nachkommen mit Stolz erfüllen wird, wenn Wir längst weder eßen noch drinken können. Es läßt sich nach jerade die Erfahrung nicht beseitigen, daß in einijen Jemüthern unserm jemeinsamen Vaterlandes Deutschland die Übcr- zeujung wurzelt, als dürfte ein rubijer, büchst anständijer und je messen er Fortschritt im Weje der Jesetze und der Jnade von die erhabenen -Herrscher unscrs jemeinsamen Vaterlandes, und durch dessen bekannte und nie genug zu rühmende Jeduld ein sehr fernes Ziel endlich erreicht werden möchte, von welches aus man sich kaum scheuen dürfte, auf dem Volke hinabzublickcn, das einst mit Gut un Blut die Freiheit seiner Fürsten eroberte. Es liegt uns nicht ob. Erster Junge. Ob! Guckkästner. Stille! (fortfahreud) Es liegt uns nicht ob, in den ruhigen Jang der Begebenheiten gewaltsam einzujreifen, aber cs liegt ui s ob, durch der öffentlichen Weihe, welche wir diesen Tag geben, dessen hohe Bedeckung in das Andenken der Nation feftzuhalten, indem wir sehr jut eßen un vorzüglich jut trinken, damit des arme Volk eine Basis bewahrt werde, ein Boden, den es mit seine jute Jedanken, die indessen immer höchst anständig bleiben müssen, nach und nach besäe, um vielleicht in kommendem Jahrhunderten das erste hoffnungsvolle Jrün eines möglichst besseren Zustandes heranwachsen zu sehen, das ihren spätermNachkommen Blüthen und Früchte versprechen dürfte. Darum meine Herrn Jungens, ergreifen Sie jetzt mit mich Ihre Jläser, gedenken Sie bei diesen ausgezeichneten Ehampajner des armen Volkes un laßen Sie mit mich vereint Deutschlands erhabene -Herrscher leben, welche uns nich verwehrten, die hohe Dedei- tung dieses Tages zu beeßen und zu betrinken ! Fietsch. Na hörn Se mal, wenn mir Eener so was vorredte, den würd' ick höchst anständig in de Fresse schlagen. Guckkästner. Wie Sie darüber empfinden. — Rrrrr, ein anderes Bild! -Hür, meine Herrschaften, prä- sewtirt sich Ihnen die intressante Bejebenheit, wie Seiner Majestät der König von Neujriechenland, Otto der Aller- erschte, am dritten September Achzehnhundert un drei- unvierziz sehr dringend ersucht wird, seinen Volk die versprochene Konstitution zu jeden. Dieses Bild is sehr schön jemalt, und durch die Fenster des Schlosses bemerken Sie ein bewimpertes Schiff, auf welches man sehr schnell nach Deutschland fahren kann. Oberscht Kalergi, der vor s griechsche Volk steht, was nich so'n Brummochse wie manches andere is, steht vor den König, deutet mit den Zeijefinger auf dieses Schiff, un hält mit de linke Hand Otto'n die Konstitution vor, indem er bescheiden äußert: -m! mc! welches auf Deutsch: Entweder, oder, aber! bedeutet. Seine Majestät hören Dies mit ihren hochjeneigten Ohren an un schütteln eine halbe Stunde lang ihren allerhöchsten Ko pp, worauf unten aus Versehen ein Gewehr losknallt. -Hierauf rmterzeichnen Seine Majestät Ihren allerwerthsten Namen, treten an's Fenster un freuen Sich zu des versammelte Volk, deß sie Ihr Versprechen je halten haben. -Hinten fällt Ihre Majestät die Könijin, weil sie so was in Oldenburg nich jewohnt waren, in eine Ohnmacht, wodurch sie den janzen Zustand ausdrückt. An's Fenster steht rin Mönch und liest des Volk, um es zu zerstreuen, Jedichte vor, m, rechts in de Ecke präsentirt ein deutscher Kammerherr einen jriechschen Jroßen ein Jlas Daiersch Bier, welches Dieser aber mit den neujriechschen Worten ablehnt: Ne, Leb- mannaio, meine Konstitution verdrägt des Baiersche nich. Fietsch. Des is aber sehr schnell gegangen, die Jeschichte! Guckkästner. Ja, die Jriechen konnten sich nich lange damit ufhalten : sie haben mehr zu dhun. Die letzte französche Revolution dauerte Drei Dage; die jriechfche man Drei Stunden, un wenn eine Nation wat will, oder wenn eine Ration wat will, so kann sie Allens in drei Minuten abmachen. Guckkästner. Rrrrr, ein anderes Bild! -Hür, meine Herrschaften, präsentirt sich Ihnen das imposante Porträt, wie die dreizehnjährje majorenne Könjin von Spanien Jsabella seeunde in de Eohorteskammer zum Eid fährt, wozu ihr Acht Pferde ziehen. — Ihre Majestät hat den Königsmantel um, der ihr natürlich noch en bisken zu lang is un das Wetter is schlecht. Es rejent fürchterlich, so deß lauter Jucks nf de Straßeis, und die Augen der versammelten Zuschauer sind vor Wonne ganz feucht. Das Volk schreit Fifathoch, worauf Ihre kleine Majestät mit de Hand winkt, um dadurch anzuzeijen, deß sie schon weiß, was Des zu bedeuten hat. Jejenüber von de Könjin sitzt ihre Hofmeister«'» Madam Santa Cruzzen, welches auf Deutsch -Heiliges Kreiz heeßt, und nöben ihr liegt der Zepter. Zweiter Iun g c. Schwört se denn in 'n Wagen? Guckkästner. Sic sind besoffen, (wieder mit Pathos) Ihre Majestät, welche noch ein Kind is und blos als Idee dient, fährt nach de Eohorteskammer, besteigt die Tri- biene, nimmt den Eid uf de Kvnstition, der ihr vorgeschriebe» is, inde.Hand, hält ihn, un leest ihn ab, welches Alles nich lange dauert und worauf Spanien bis auf die verschiedenen Unruhen janz beruhigt is. -Hierauf verneigt sich Ihre Majestät die kleene Idee, un so wie die Volksvertreter: Es lebe de Könijin Jsabella seeunde! uf Spansch jerufen haben, fährt se zurück. E rftcr Jung e. Vor Schreck? Guckkästner. Ne, in't Schloß. Fietsch. Wie'n Schnepper. Sagen Se mal: se soll ja ooch wohl nächstens en Mann kriegen un sich verhei- rathen? Guckkästnc r. Ja, des soll sie. Fietsch. Na wer wird 'n des sind? Guckkästner. Deß wceß ich nich. Sie nich un ich ooch nich, des steht fest; darüber is Frankreich, England un Spanien schon einig. Fietsch. So. Guckkästner. Ja. Fietsch. Na denn brauch' ick mir also deshalb keene Unruhe zu machen? Guckkästner. Ne. Sein Sie janz ruhig, ehrlicher Schneiderjeselle; Ihr jutes Jewißen steht nich uf't Spiel. Et wird woll ein Coburjer werden; denn des Haus hat kronische Zufälle. Fietsch. Wie so? Guckkästner. Wie so? Weil ihm die Kronen zufallen. Fietsch. Ach, als wie so? Guckkästner. Ja. Rrrrr, ein anderes Bild! Hür, meine -Herrschaften, erblicken Sie die berüchtigte chinesche Bande Pöthis-thee, welche den janzen ausjeschlagnen Tag uf de Knieen rumrutfcht un de Welt weiß machen will, det der Mensch in de schöne Natur blos zum Entbehren da is. Diese Jeschöpfe haben, von de.chinesche Pollezei die Erlaubniß jekriegt, fromm zu dhun, um des Volk in seiner Dummheit zu erhalten, denn von fromm sind is nich de Rede, da de Meesten von diese Bande Wnch- rer, Bedrüjer, Spitzbuben un sonstije Canaillen sind. Viele lassen sich ooch blos in diese Bande ufnehmen, um Stellen zu kriechen, wollt' ick sagen: kricjen. E r ft e r I u n g e (mit Abscheu). Äh! Zweiter Junge. Fui Deibel! Fietsch. Ick will mir nich den Apptitt zum Abeudbrod verderben. In'» Nacht! (Ergeht). Der königliche Namenstag. Unter den vielen Lasten, die heutzutage auf der Krone Frankreichs ruhen, muß man doch die offiziellen Reden und Gratulationen des Neujahrstags und des königlichen Namensfestes obenan stellen; vom frühen Morgen an bis zum späten Abend muß der König alle Tambours der Linie und Nationalgarde wirbeln, alle Musiken der Regimenter und Legionen blasen, alle Diplomaten leere Phrasen machen. alle Advokaten der Kammern, Gerichtshöfe, des Staats- rathes (und es gibt deren Legion) schwatzen, den Clerus protestiren, die Offiziere der Armee und Nationalgarde gratuliren, die,,Marseillaise" und,,Parisienne" ableiern und die Raketen, Schwärmer, Tourbillons und Mörser des Feuerwerks knallen und krachen hören, und auf alle diese Erpectorationcn durch Wort oder Zeichen antworten. Kann es einen geplagteren Menschen geben, als einen König an seinem Namensfeste! Die geistreiche Gräfin S. sagte daher auch: ,,An dem Tage seines Namenspatrons weiß ein König nicht mehr welchen Heiligen er anrufen soll." Eine Heirath. Graf Hatzfeld, von der preußischen Gesandtschaft, vermählt sich binnen kurzem mit der Tochter des französischen General-Lieutenants Grafen von Castellane. Napoleon wollte den Vater des Grafen erschießen lassen, der Sohn ist in Frankreich glücklicher. „Was dem Einen Tod gibt, gibt dem Andern Leben," sagt der alte Spruch. Eine schreckliche Geschichte. Es gibt keine größere den Menschen mehr in Anspruch nehmende Leidenschaft als das Angelfischen; — die Welt kann um die Liebhaber dieses unschuldigen Vergnügens untergehen, sie sitzen ruhig da, den Blick unverwandt auf ihre Angelruthe gerichtet, und warten geduldig bis etwas anbeißt. Vorige Woche saß einer dieser Geduldmcnschen bei Asniäres und angelte in größter Seelenruhe und Gemüthsreinheit, als ein anderer Fifcherdilettcmt neben ibm seine Angel hcraus- schleuderte und der Haken sich in den Nasenlöchern des Ersten einhakte. Alle Versuche den unglücklichen Angelhaken aus den Geruchsorganen des Fischers zu entfernen waren vergeblich, man mußte also cm Federmesser holen und einen Einschnitt in den Nasenflügel machen. Während nun der Urheber dieses Unglücks schleunigst nach Asniüres lief um ein Messer zu holen, setzte sich unser angehakter Fischer ruhig hin und angelte mit dem Haken in der Nase weiter. Die Amazone. Alle Freunde des edel» Sports machen wir auf ein neues hippologisches Journal aufmerksam, das unter dem Namen: K'sinnvolle, journat ckes pviiles, fle j'gAi'multuro M fle8 coii>iai83rjNL(>s piczuc;?, seit Beginn dieses Jahres hier erscheint. Alles ivas sich auf das Postwesen, die Veredlung der Pferde-Race, die Reitkunst, Thierarzneikunde, Naturgeschichte, Wagenbau und Sattlerarbeit, Hufbeschlage, Wettrennen, öffentliche Fuhrwerke, Neit-Costüme u. s. w. bezieht, wird in demselben mit Gründlichkeit und eleganter Behandlung von Leuten vom Fache besprochen. Das Blatt kostet jährlich 24 Francs; für Deutschland mit der Postversendung 26 Francs; — die Dureaur sind Nr. c, ,ue cku Lonr-I^ttui8-p!nIiz>p6. Ein heimliches Spielhaus. Am 31. Mai Abends um 11 Uhr drang die Polizei plötzlich in eines der noch immer zahlreichen hiesigen heimlichen Spiel- Häuser in der Nähe des Boulevards. Der Fang war gut: außer einer beträchtlichen baaren Summe in der Bank, fand man eine prächtige Einrichtung und zwei und dreißig Spielgäste, Herrn und Damen, meist Spieler von Profession, die den ?roo68-VeiU,I unterzeichnen mußten und nun vor dem Zuchtpolizeigerichte als Zeugen zu erscheinen, verhalten werden. In Homburg, Wiesbaden, Baden u. s. w. wird unter der Aufsicht und dem Schutze der sonst so gewissenhaften deutschen Polizei gespielt. Es geht nichts über die Moralität. Bei lionouariL «r Lorup., i-uo lournon, Nr. 0, ist ganz neu zu haben : 1813 im Berliner Guckkasten von Ad. Brennglas. Auch unter dem Titel -. Berlin wie es ist und — trinkt, 2Ostes Heft. Mit einem colorirten Titelkupfer von G. Hahn. 8" geheftet in Umschlag 1 Fr. — Das 1. bis 19 Heft von diesem interessanten Werke ist in den neuesten Auflagen, auch n 1 Fr. wieder vollständig zu haben. . Rcdnctenr: Heinrich Börnstein- Driick mit Schnellprcsscn von P a u l N e n o u- arr Parks, Sonnabend Nr. 46 8. Juni 1844 / Abonnements - Preise r in Pariö: Ein Jahr.24 Franks. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... IN „ Drei Monate. ... 8 „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. § r w a Man abonnirt: für Paris: i>N Nnrvsu ventrat pour l -/^Ne»i»A»v, »ua ci,8 IVtoulin», 32. und in der Buchhandl. von Jules Leoousrä et 0'«, ruv 6« l ou, noi>, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerren; Deutschland, Schweiz, England r in alten Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Äuntt, Wissenschaft, Theater, Mutik und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am CrscheinungS-Ta^: , an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Vidau lt, 16 , rue ci« in 1U88I6NN6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. —Anfragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briefe wollen feJnoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 82, pue 6e8 UouIin8 in Paris » eingcsendet werden. Deutsche Bänkelsänger-Lieder. Versprechen und Versprechen. i. Im Jahre achtzehnhundert zwölf Da wackelten die deutschen Throne, Die Fürsten schrien : „Gott uns helf „Und uns'rer armen Krone!" Im Jahr achtzehnhundert drei und zehn Da riefen sie: „Zu den Waffen! „Auf, Kinder! kommt und laßt uns seh'n „Was wir zusammen beschaffen. „Jagt nur den Kaiser über den Rhein, „Es soll Euch vergolten werden, „Ihr sollt dann frei und mächtig sein, „Das glücklichste Volk auf Erden." Der Aufruf geschah 6 s lo Kalisch," Verhieß Preßfreiheit und Constitutionen; Die Völker alle glaubten dem Wisch, Verlangten Gewehr und Patronen. Sie machten die deutschen Gauen frei Und sorglos die deutschen Fürsten; Die dachten ftilllachend im Innern dabei: Alan wirft den Speck nach den Würsten. Doch drauf ein jeder zum Volke spricht, Sich blähend auf seinem Thrönchen : „Die deutsche Constitution vertrage nicht Das winzigste Cvnstitutiönchen." Und als das Volk darauf mit Gemurr' Erinnert sie was sie versprochen, Da sagten sie: „Kinder! ein Irrthum nur, „Wir haben uns ja nur versprochen." H. In Köln, beim ersten Dombauftein, Herr Thiers war grade Minister, Was war das für ein Jubeln und Schrei'n Vom Hofrathe bis zum Küster. Herr Becker der sang vom „freien Rhein", Sie toasteten „Deutschlands Einheit!" Die Presse die würde frei nun sein, So sprachen sie keck beim Wein heut. Doch als Herr Thiers gefallen war Und Frankreich ruhig geworden, Da war von Allem kein Wörtchen wahr; .Herr Becker bekam einen Orden. Es hatte der König, zwar unter Censur, D 0 ch „ Anständ' gcBesprechung " verspr 0 chen, Allein die Besprechung fand Anstände nur; Er hatte sich auch wohl versprochen. m. Von dreizehn bis vier und vierzig nun Ward Vieles und Viel uns versprochen, Doch ließ man Alles bei'm Alten beruh'»; Man hatte sich wohl nur versprochen. Das Volk aber glaubte mit treuem Muth Anseiner Fürsten Versprechen; Es gab seine Habe, es opfert sein Blut Für Worte, für bloßes Versprechen. In Carlsbad aber ward's klar gemacht Was früher in Wien ward besprochen : Man Hab' überlegt es über Nacht, Man habe sich damals versprochen. „Absolutismus" heiß' es statt „Constitution," Statt „Preßfreiheit" heiß' es „Censoren;" Verstanden habe man falsch, was vom Thron Gesagt ward zu deutschen Ohren. Und wie bei jenem Barbiere stand : „Hier wird man Morgen gratis rasiren!" So verspricht man im deutschen Vaterland Stets auf „Morgen" das Emancipiren. Heinrich Börnstein. Der Deutsche Ln Paris. (Schluß.) Wenn aber die deutschen Damen vorzugsweise beiden Morgenbällen glänzen, so glänzen die deutschen Männer Morgens und Abends. Ohne sie gibt es kein vollständiges Ballsest, ja keine Nation ist in den Salons der Pariser schönen Welt gesuchter, als die männlichen Repräsentanten der Deutschen. Man kann im Nothfalle Russen auf einem Balle entbehren; die Engländer sind keinesweges unerläßlich, wiewohl sie-in ihren rothen Uniformen mit Gold hübschen Effekt machen; man wird mit Ergebung die Abwesenheit der Spanier, Italiener, Amerikaner, Portugiesen und der Unterthanen des Fürsten von Monaco ertragen, aber ein Ball ohne Deutsche verliert die Hälfte seiner Annehmlichkeiten, denn nur die Deutschen können walzen; — es ist dieses eine der bemerkenswerthesten Eigenheiten dieser großen Nation, die auch den Kreisel erfunden hat. Die Franzosen sind zu frivol, zu unbesonnen, besonders zu heißblütig, um in einer Kunst zu glänzen, die nicht bloß Leichtigkeit, sondern auch Kraft, kaltes Blut, Berechnung, Gewandtheit und eine gewisse Hingebung erfordert. Ein guter Walzertänzer muß eine Kniekehle von Stahl, einen Fuß von Caoutschouc, einen eisernen Arm, einen Adlerblick und dabei ein Herz von Erz haben; — er muß Herr seiner Bewegungen und seiner Leidenschaften sein. — Diese kostbare Vereinigung so verschiedener Eigenschaften findet man nur bei jenen ausgewählten Naturen, die sich unter dem schönen Himmel Deutschlands entfalten, bei jenen kräftigen Männern, die jenseits des Rheins oder an dem User der Donau geboren werden. — Daher schließen auch alle Salons, die etwas auf eine gut gewählte Gesellschaft halten, Allianz-Verträge und enge diplomatische Beziehungen mit den Vertretern der deutschen Staaten. — Ostreich, Preußen, Baiern, Sachsen, Hannover, Mecklenburg, Hessen, Baden und Nassau, können den während eines Winters an sie gestellten Gesuchen gar nicht mehr genügen. Die Einladungskarten regnen ordentlich in die deutschen Gesandtschafts-Hotels. Die Sekretäre und die Attaches werden mit Bitten, Schmeicheleien und Artigkeiten überhäuft; sie haben alle Abende zehn Bälle mitzumachcn, man läßt sie von 10 Uhr Abends bis 5 Uhr Morgens sich im Walzer herumdrehen. — Während dieser Walzerperiode leiden die Protokolle, und nach Ostern ist die ganze deutsche Diplomatie schachmatt, — zum großen Mißvergnügen des Fürsten von Metternich, der nicht mehr walzt. — Diesem ihrem Nationaltalente haben die Deutschen zu danken, daß sie den Vorrang vor allen Fremden behaupten, die in Paris zusammenströmen. Der Walzer hat ihnen die Bahn des Erfolgs geöffnet, und unsere neue Lite- tur hat sie ganz in die Mode gebracht. Einst war es Wert her, der die weiblichen Gemüther Frankreichs entzückte, und die Pariserinnen schwärmten für dieses Muster sentimentaler Liebe, von dem nur Deutschland ihnen genügende Copien bieten konnte; — heutzutage ist wieder ein Deutscher der Held des berühmtesten Romans unserer Zeit und unsere Modedamen bemühen sich unter den jungen deutschen Diplomaten einige der glänzenden Vorzüge zu entdecken, die den Großherzog Rudolph von Gerolstein auszeichnen. Die Chronik könnte in dieser Hinsicht mehr als ein pikantes Abentheuer erzählen, wenn die Deutschen nicht über allen Begriff discret wären. Diese Eigenschaft empfiehlt sie dem Wohlwollen des schönen Geschlechtes eben so sehr, als ihre wirklichen Verdienste im Walzen. Man könnte ihnen manches Mal eine Art Kälte und eine gewisse Schwerfälligkeit in ihrem Äußern vorwerfe», aber diese Hülle verbirgt stets ein gefühlvolles Herz und einen zu Abentheuern geneigten Geist. Ost sogar leisten diese anscheinend so ruhigen, in ihrem Äußern so pflegmatischen Deutschen, das Wunderbarste; wie z. B. der Baron von S..., der vor zwei Jahren den ganzen Jockey-Clubb durch eine außerordentliche Wette, die er auf die glänzendste Art gewann, in Aufregung setzte. Der Sport, der Champagner und die Liebe bildeten die Grundlage dieser merkwürdigen Wette, und der junge Baron bewies in dem kurzen Zeiträume von zwei Stunden, daß er zu gleicher Zeit ein vortrefflicher Reiter, ein unerschrockener Trinker und ein feuriger Liebhaber sei. Es ist mit den deutschen Frauen eben so, man traue ihrer gleichgültigen und leidenschaftlosen Miene nicht: sie wissen, wenn es Noth thut, mit den Pariserinnen zu wetteifern, keines der kleinen Hülfs- mittel der Koketterie ist ihnen unbekannt, und ihr erfinderischer Geist gibt ihnen, um zu gefallen, die schlauesten Künste ein. Im vorigen Winter walzte auf einem der glänzenden Bälle des Stadthauses eine junge schöne Deutsche, Frau von W... mit einem Auditeur des Staatsrathö. — Plötzlich geht ihr Kopfputz los, und — ein entzückender Anblick! — eine Fülle der schönsten blonden Haare rollt hinten herab fast den Fußboden erreichend. Herr I., einer unserer geistreichen Akademiker, der dieses anmu- thige Schauspiel sah, verglich diese herabrollenden prächtigen Haare mit einer Gold-Cascade. Frau von W... spielte die Verlegene indem sie ihre schönen Haare wieder in Ordnung brachte, aber böse Zungen behaupteten, der Unfall sei vorbereitet gewesen; — was hieran zu glauben berechtigt, ist daß er sich im Laufe dieses Winters auf den glänzendsten Bällen fünfibis sechs Mal wiederholte. Unter diesen Ballfesten stellen die Geschichtschreiber der eleganten Welt die reizenden Bälle des Barons Delmar, eines deutschen Millionärs, obenan, — er empfängt in jeder Woche die Elite der Pariser feinen Gesellschaft in seinem glänzenden Hotel, — einer der bezauberndsten Wohnungen des kau - bou>-A Lt.-lllonoro. Noch ein anderer Salon deutschen Ursprungs steht in der Pariser Welt mit ihm auf gleicher Höhe, — es ist der des Barons von Rothschild. — Der reiche Finanzmann hat nicht vergessen, daß Frankfurt am Main seine Wiege war, und man kann daher mit Gewißheit darauf rechnen stets die Deutschen sehr zahlreich in seinem glänzenden Hotel der rue I^lltte zu finden, einem Pallaste, der mit königlicher Pracht alle Wunder des Luxus und alle Meisterwerke der Kunst vereinigt. Die Pariser Deutschen haben in letzterer Zeit einen ihrer liebenswürdigsten Amphytrionen verloren; den Baron Schickler, der seine Landsleute in seinem prachtvollen Hotel des Venäome-Platzes empfing und sie zu seinen großen Jagden von Rambouillet einlud. (Dieses nun so verwaiste Hotel dürfte durch die binnen Kurzem stattfindende Vermählung des Fräuleins von Schickler mit dem Herzoge von Albufera wieder zu neuem Leben kommen. A. d. R.) Übrigens sind die Deutschen noch nicht zu beklagen, denn die Anzahl reicher deutscher Häuser in Paris ist nicht gering. Ohne von den zahlreichen , Botschaften und Gesandtschaften zu sprechen, haben wir hier eine Menge großer und kleiner, aus dem Thaler- und Gulden-Lande gekommener Banqniers. Die Einen machen Bankgeschäfte und escomptiren, die Andern verschleißen die Loose der berühmten von Reinganum gegründeten und den fantastischen Erzählungen Hoffmanns nachgebildeten deutschen Lotterien, wo seit zehn Jahren eine Menge unbekannter Glücklicher eine unendliche Anzahl von Luftschlössern gewonnen haben. (Wir wissen nicht, daß sich ein deutscher Bankier hiermit dem Absätze der Loose zur Frankfurter und andern Lotterien abgäbe, halten auch dieses Geschäft für tief unter der Würde des ächten Kaufmanns, und wünschen überhaupt, daß Deutschland bald dem schonen Beispiele Frankreichs folgen und nicht nur die Spielhöllen seiner Bäder, sondern auch die Leute-Betrügc-Anstalten im Großen, genannt: Lotterien, aufheben möge. A. d. R.) Da der deutsche Speisewirth bis jetzt noch eine unbekannte Sache in Paris ist, so haben unsere überrheinischen Freunde noch nicht gewisse Sammelplätze wie die Engländer und die Italiener, und wir kennen von öffentlichen Orten nur das Oatll äe In?orto lVlontmartre und das Onio äe lVlulllouse, wo man gewöhnlich eine Sammlung deutscher Phy- sionomien antrifft, —die Elsässer mit eingerechnet. (Herr Huart hat als Franzose hierin weniger Lokalkenntnisse ; — wir haben uns vorgenommen, nächstens eine detaillirte Andeutung aller jener öffentlichen Orte zu geben, die vorzugsweise von Deutschen besucht werden, und wir nennen hier vorläufig nur die Lesekabinette: 8slou ölonlpensiei- und cle I» Hilt», beide im llk>Isi8- lio^rrl, wo man die meisten deutschen Journale findet; das Ls sä Ü6 llaris ebendaselbst in der Galerie Valois, wo in vier bis fünf geräumigen Sälen gutes Bier getrunken, hinreichend geraucht, und fast nur deutsch gesprochen und politistrt wird ; das Estaminet Dinding , 6 , iuo iilsnclsr; das Lslä ttillsNM?»88SA6 llor-llgnoi-ains^dos L»lk ük i» lloloucloNr. 10 in der I'U6 clk l'RooIe cko Alklle- eilil-; S cherz ers Kaffeehaus, 20 , l'U6 Ü68 öons 1'llilsn8; R uhls Cafä, 36, I U6 Locsuilliöi'k; Cafk Frascati auf dem Loolovsi cl ctes Iu>limi8, und das freundliche Cafe der I'OK Lkjit-lleüoi-, 5; ferner dasLsle Oevsux,5susi clk 1'Loole, 16 ; das Lsl'ä ckk ttanoiorri-o, I'U6 8sinl-tto- NOI k-; M e r i m 6 e s vorzüglich von Deutschen bewohntes Hotel <1e ll^on, 2 V, rue cik8 kiI1k3 8l -LÜ 0 INS 8 , und Zangs deutsche Conditorei in der roe Ittollelieu. An allen diesen Orten finden unsere deutschen Landsleute die heimische Sprache, gute Bedienung, mehrere deutsche Zeitungen und — wenn es sie intereffirt — auch unser ,,Vorwärts." A. d. R.) Übrigens ist es in unserer Zeit, wo Alles rancht und Bier trinkt, schwer geworden, auf den ersten Blick Deutsche un^ Franzosen in einem Estaminet zu unterscheiden, besonders seitdem selbst die Franzosen die weiland 4-Sous-Cigarren aufgegeben und die Pfeife mit dem Wassersacke angenommen haben, die bisher, besonders auf der Bühne, das ausschließliche ELgenthum des ächten Vollblut- Deutschen war. Allgemeine Regel ohne Ausnahme: Wollt ihr auf das Parterre eine große Wirkung Hervorbringen, indem ihr ihm eine Person vorführt, die Hermann, Petermann oder Choncroutemann heißt, so braucht ihr ihn nur sagen zu siassen: „ Ja Nonsir" statt «Oui, Nonsieur,» und:«Olle uime^oAoululleclläe I^ißäoire,» statt: « 4'aime lleuueoup lu xettte Vio- toire», — laßt diese Reden zwischen zwei aus einer großen Meerschanmpfeife herausgeblasenen dichten Tabakswolken sprechen, und euer Parterre jubelt vor Entzücken. — Der größte Reiz, den das Oalo äe In korte-Nontmnrtre den Pariser-Deutschenbie- tet, ist ein Exemplar der „Augsburger Zeitung" — „Allgemeine Zeitung" genannt. Indem der Deutsche dieses Blatt lies't, das ihn an sein fernes Vaterland erinnert, kann er sich nach Stuttgart oder München versetzt'wähnen, wenn er nicht das fortwährende monotone Geklapper der Dominosteine auf den Marmortischen hörte; — das Domino aber ist eine durch und durch französische Unterhaltung. (Wir können bei dieser Gelegenheit die Bemerkung nicht unterdrücken, daß unsere deutschen Zeitungen, und namentlich die „Allgemeine," die deutsche Nationalität und ihren gegenwärtigen Zustand treffend charakteri- stren. Während die französischen politischen Folioblätter sich auf der ersten Seite mit Frankreich beschäftigen, und auf der zweiten mit Frankreich, und auf der dritten wieder mit Frankreich, dem LNrgoger aber nur ein kleines Winkelchen einräumen, geben unsere deutschen Zeitungen auf neun Zehntel ihres Raumes die vollständigsten Nachrichten über Portugal, Spanien, Frankreich, England, Italien, Amerika und China, und auf verletzten Seite ein kleines Stückchen : Deutschland, welches Land die „preußische Allgemeine" gar unter die Rubrik .Ausland setzt. Wir wissen wohl, daß die Schuld nicht an den Redaktionen, sondern mehr an der Censur liegt, die nicht erlaubt, daß man von Deutschland mehr erzählt als das Alleroberflächlichfte, aber eben das bezeichnet ja den Stand unserer deutschen Nationalität. Wo aber Deutschland ein größerer Raum gewidmet wird, wie z. B. in der „Köllnischen Zeitung," findet man kaum das den Argusaugen der Censur entgangene Körnlein unter der vielen Spreu. A. d. N.) Übrigens haben seit dem Anfänge dieses Jahres 1844 die in Paris lebendenDeutschen die Annehmlichkeit ein für sie in Paris selbst nnd Ln ihrer Sprache geschriebenes Journal, das: „Vor w är ts" erhalten zu können. Dieses unter der Leitung des Herrn Heinrich Börnstein stehende Blatt scheint für die Deutschen in Paris das zu werden, was seit längerer Zeit „Galignanis Messenger" für die hier lebenden Engländer ist. (Wir danken Herrn Huart für die freundliche Erwähnung unseres- Blattes und erneuern unsere schon beim Beginne unseres Unternehmens gegebene Versicherung, daß wir Alles aufbieten, um das obige Ziel zu erreichen. An unserm guten Willen, an Eifer und Thätigkeit soll es nicht fehlen, das Übrige liegt in den Händen unserer deutschen Landsleute. A. d. N.) Eine andere noch wichtigere Schöpfung für die Deutschen ist dieueubegründete deutsche Hülfs- gesellschaft, von den hiesigen Deutschen errichtet um ihren bedürftigen Landsleuten zu Helsen. Dieser Deutsche Hülfsverein, durch den von dem Grafen Orsay gestifteten französischen Hülfsverein in London hervorgerufen, wird wie jener der Sache der Menschenfreundlichkeit große Dienste leisten. Ein Ausschuß von fünfzehn Mitgliedern unter denen wir die Namen: von Bornstedt, Börnstein, Avenarius, Stei- nitz u. s. w. bemerken, präsidirt von dem sächsischen Gesandten Baron von Könneritz und dem Sach- sen-Weimarschen Geschäftsträger, Herr von Weiland, leitet dieses nützliche Werk. Der Erfolg des Deutschen Hülfsvereins ist um so weniger zweifelhaft, als der Deutsche, schon von Natur aus, gut und mildthätig ist. . Wir haben uns in diesem Aufsatze weitläufig, vielleicht zu ausführlich über denDeutschen in Pmis ausgesprochen, wie er uns 1844 erschienen ist, aber der Herausgeber möge sich auch beeilen diesen Artikel erscheinen zu lassen, denn in einiger Zeit, vielleicht in wenigen Monaten schon, wird der Deutsche in Paris, durch die vielen Eisenbahnen die Deutschland durchfurchen und an die sich nun die französischen Bahnen schließen, nur noch ein Reisender sein, der statt alles Gepäckes nur noch seine Nachtmütze in der Tasche trägt, da er dann alle Woche oder wenigstens alle 14 Tage ein Mal herrnberrutschen wird um einer Opernvorstellung oder einem Musardschen Balle beizuwohnen und am andern Morgen frühe mit dem ersten Wagenzug nach Berlin zurückzufah- ren, nachdem er sich grade noch so viel Zeit genommen hat seine Pfeife im Tabakladen der Civette zu stopfen. — Doch halt! — eben denke ich daran — die Eisenbahn nach Straßburg ist den Regierungs- Ingenieurs anvertraut und da diese Herren aus das Strengste den weisen Spruch befolgen, mit Weile zu eilen, so sind von diesem Wege der uns nach Berlin führen soll, bis jetzt in zwei Jahren erst elf Wegstunden fertig geworden. Da man nun aber von Paris nach Straßburg 120 Stunden zählt, so fange ich an mich zu beruhigen, mein Artikel wird noch zu rechter Zeit erscheinen. Kindermährchen. (Fortsetzung.) Die Mäuse stiegen also auf das Dach, um den Raben zu suchen. Der saß oben auf des Daches Rücken und hielt die lange Nase in den Wind, ob er irgendwo etwas röche, von dem er zehren könne. Und die Mäuse traten vor ihn mit vielen Reverenzen, trugen ihm ihr Leiden vor und baten ihn um Rath, wie ihnen und ihren Kindern doch zu helfen sei vordem Kater. Als der Rabe die Sache vernommen, lachte er und sagte: „Mein Freund Kater ist nicht dumm! junge Mäuse sind eine leckere Speise und schmecken gut so zum Frühstück wie zum Mittagsbrod." Von solcher Rede des Raben traten den Mäusen die Thränen in die Augen; der Rabe aber sprach weiter: „Seid getrost, ich will euch mit gutem Rathe beistehen.. Aber ich kann es nicht unentgeltlich thun, ihr müßt mir meinen guten Rath bezahlen." Da sagte Mäuserich: „Verlanget nur; wenn wir unsere Kinder retten, so ist uns nichts zu theuer." — Der Rabe schneutzte sich und sprach: „Nun — wie ich euch sage: junge Mäuse sind meine Lieblingsspeise. Ihr sollt mir meinen Rath mit einem Dutzend Mäuschen bezahlen!" Als Mäuserich und Maus diese Rede des Raben vernahmen, fingen sie großes Jammern an und die Maus sagte: „Lieber Herr'. wie wollt ihr also mit uns armen Leuten reden? wir bitten euch um Rath, wie wir unsere Kinder vor dem Kater zu retten vermöchten, und nun verlanget ihr selbst nach unfern Kindern Meister Rabe aber entgegnete: „Ich habe euch nicht geheißen zu mir zu kommen: wer aber zu mir kommt und begehrt guten Rath, der zahle auch für den Rath. Das ist Gebrauch und Recht." — Da sagte Mäuserich: „Wohlan, laßt uns euern Rath hören, damit wir sehen ob er auch gut sei und des Lohnes werth. Erweiset er sich nützlich und hülfreich, so wollen wir euch gern einige Mäuschen zum Lohne geben. Denn es ist besser, wir opfern noch einige unserer Kinder um die übrigen zu retten, als daß wir fort und fort den Kater füttern. So sagt uns denn euern Rath!" — Auf diese Rede erwiederte der Rabe: „Mit Nichten, Freund Mäuserich! so ist das Laken nicht geschoren! wenn ihr meinen guten Rath vernommen habt, so möchte ich dem Lohne wohl vergebens Nachsehen. Zahlt mir den Lohn im Voraus, so soll euch mein Rath nicht seh^n." — Da steckten die Mäuse die Köpfe zu- 3 sammen und beriethen sich mit einander, waS sie thun sollten, um des guten Rathes theilhaftig zu werden, und sie begannen darauf mit dem Raben zu handeln, und wurden endlich eins mit ihm, daß sie ihm wollten drei Mäuschen voraus geben, und daß der Rabe ihnen dann sollte seinen Rath sagen. Erwiese der Rath sich hülfreich, so solle der Rabe noch drei Mäuschen zum Lohne erhalten. Deß wurden sie eins mit dem Raben, und holten dann sofort, ob zwar schweren Herzens, doch guter Hoffnung voll, drei Mäuschen herbei. Die verspeiste der Rabe und sprach dann: „Nun sagt mir genau an und besinnet euch wohl: habt ihr dem Kater stets und von jeher die sechs Mäuse geliefert? hat er deren niemals mehr, niemals weniger gefressen? besinnt euch genau auf alle Umstände, denn davon hängt die Rettung eurer Kinder ab." — Da antwortete Mäuserich: „Dessen brauchen wir uns nicht lange zu besinnen. Im vorigen Frühling war der Kater in eine Falle gerathen, und hatte zwar sich loögemacht, doch dabei das eine Bein so verwundet, daß er mehrere Tage lang nicht vom Flecke konnte. Da blieb er denn Abends daheim und wir mußten ihm auch Abends drei Mäuschen zum Nachtessen liefern." — „So, so," sprach Meister Rabe und legte den Finger an die lange Nase, — „dachte ich es mir doch! Sagt mir aber : wieviel Tage blieb der Kater wohl zu Hause, wie oft also mußtet ihr ihm drei Mäuschen zum Nachtessen liefern?" — „Das mag schier eine Woche lang gedauert haben," erwiederte die Maus, „leichtlich auch einen Tag mehr." — „Hm, hm," sprach der Rabe, „das ist es! Hier haben wir den Hebel anzusetzen! Nun vernehmt, was ihr thun müßt." — Die Mäuse spitzten erwartungsvoll die Ohren, um keines von des Raben Worte zu verlieren. Dieser sprach: „Ihr müßt den Kater verklagen, daß er euch diejenigen Mäuschen zurückgebe, welche er damals, wo er krank lag und Abends daheim bleiben mußte, zum Nachtessen verzehrt hat." — Da sagte die Maus,: „Aber die sind ja todt und aufgefressen; wie kann er uns die zurückgeben und wiedererstatten?" — Der Rabe erwiederte: „Das ist auch keinesweges die Absicht, sondern ihr müßt die Sache nur auf solche Weise einleiten. Auf jene Mäuschen, die er zum Nachtessen verspeist, hatte der Kater offenbar keinerlei Recht noch Anspruch; behauptet er das dennoch gegen eure Klage, so muß er es beweisen. Das aber wird ihm nicht gelingen, und dann möchte gar leicht sein ganzes Recht, eure Kinder zu fressen, in Zweifel gezogen werden können. Wenigstens aber erlangt ihr einen Anspruch gegen ihn, den er nicht erfüllen kann, nämlich auf Wiedererstattung jener zumNacht- essen verspeisten Mäuschen." — Da sagte Mäuserich : „Der Anschlag ist uns zu hoch und zu schwer! wäre es denn nicht besser, wir verklagten den Kater darauf, daß er uns nicht ferner die Mäuschen auffresse?" — Meister Rabe entgegnete: „Solches geht nicht an; Frühstück und Mittagessen werdet ihr ihm nicht wohl weigern können, sondern für's erste auch ferner noch liefern müssen, denn der Kater ist einmal im Besitz. Aber demnächst, wenn der Kater erst zur Wiedererstattung jener Mäuschen verurtheilt worden, die er widerrechtlich znm Nachtessen verspeist hat, dann weigert ihr euch ihm feiner Frühstück und Mittagessen zu liefern, bis er euch jene Mäuschen ersetzt habe. Das kann er nimmermehr, und solcher Weise kommt ihr von eurer Pflicht los. Bis dahin aber, daß der Kater zur Wiedererstattung jener Mäuschen, die er zur Nacht gegessen, verurtheilt worden, bis dahin werdet ihr ihm wohl Frühstück und Mittagsbrod wie bisher liefern müssen." — Da begann Frau Maus zu jammern : „Weh uns, wenn das euer Rath ist, den wir so theuer bezahlt haben! Wir sollen vom Kater die Mäuschen verlangen, die er zum Nachtessen verzehrt hat, und sollen ihm deren doch täglich neue znm Frühstück und Mittagessen liefern! Wehe uns Armen! ihr habt uns mit eurem Rath betrogen!"— Meister Rabe erwiederte auf diese Rede der Maus : „Ihr seid ungebildete Leute und versteht nichts von den Rechten. Es ist also, wie ich euch sage, und dieses das einzige Mittel, durch das euch geholfen werden kann." Da fragte Mäuserich : „So sagt uns denn, bei welchen: Richter sollen wir den Kater verklagen?" worauf Meister Rabe entgegnete: „Des Katers Richter ist der Mensch, der Herr des Hauses; bei diesem müßt ihr eure Klage Vorbringen."—Als Mäuserich das vernahm, jammerte er und sprach: „O weh! wie wird der Hausherr uns gegen den Kater helfen? solches wird er nimmermehr thun, denn er ist dem Kater hold und zugethan, und uns arme Mäuse hasset und verfolgt er. Wahrlich! das würde unS schlecht nützen, wenn wir beim Menschen Hülfe gegen den Kater suchen wollten !" — Ärgerlich erwiederte der Rabe : „Aber bei wem sonst wollt ihr den Kater verklagen als eben beim Menschen? Das ist ja des Katers Herr und Richter; und es würde gar schimpflich vom Menschen sein, wollte er ans Freundschaft und wider das Recht dem Kater beistehen." Mäuserich sagte: „Dennoch ist es also, und es wird den Hausherrn wenig kümmern, ob er gegen uns arme Mäuse schimpflich handelt. Nimmer würde er den Kater hindern, auch wenn dieser all unsere Kinder fräße und uns selbst dazu." Da zuckte Meister Rabe die Achseln und sprach : „Ihr habt aber kein anderes Mittel als das, welches ich euch sage." — Und die Maus begann zu jammern: „Ihr habt uns betrogen mit eurem Rath! Ihr heißt uns den Kater beim Hausherrn verklagen, der nur dem Kater, nicht aber uns beistehen wird! Ihr heißt uns den Kater auf Wiedererstattung der zum Nachtessen verzehrten Mäuschen verklagen, und heißt uns doch, ihm ferner Mäuschen zum Frühstück und Mittagessen bringen! O wie ist doch euer Rath so schlecht und euer Anschlag so unwirksam!" — Da wurde der Rabe verdrießlich und erwiederte barsch und grob: „Undankbar seid ihr und dumm, daß ihr also meinen Rath verachtet, der so wohl begründet ist in den Rechten! Geht denn und laßt mich in Ruhe! geht und laßt euch fressen mit sammt euren Kindern!"— Da schlichen die armen Mäuse ganz betrübt davon. (Fortsetzung folgt.) Gorrespondenz der Redaktion. Paris, r. Juni 1844. Werthgeschätzter Herr Redacteur! Gerechtigkeit! das ist der Wahlsprnch Ihres Blattes, welches (mit Freude bemerkte ich's) sich gleich weit entfernt hält von den beiden Extremen, woran fast alle sonstige Journale scheitern. Sie haben sich so gut der Jordanschen und Weidigschen Sache angenommen, daß man auch meinen sollte, Sie würden folgendes nicht unbeachtet lassen, wovon diese Zeilen Sie unmaßgeblich in Kenntniß zu setzen sich erlauben. Obgleich keinesweges Kommunist, auch nicht Socialist, auch nicht Republikaner, weder wilder noch zahmer; den Absolutsten wie den Radikalen gleichermaßen abgeneigt. bekenne ich mich — um Ihnen hier mein Glaubensbekenntnis' in relrus polilicis zu geben — zur Parthei des gemäßigten Fortschritts. Irre ich mich nicht, so huldigen Sie derselben Ansicht; wenigstens deuten mir viele Aufsätze, offenbar aus Ihrer Feder kommend, darauf hin, wenn auch manche andere widersprechend schienen. Und nun zur Sache. Ein Magdeburger, der junge Schneider und kommunistische Schriftsteller und Zeitungsredakteur Wilhelm Weitling, den ich vor einem Jahr in der Schweiz zufällig sah, ist so eben von der Zürcherischen Negierung an die preußischen Gensdarmen ausgeliefert worden. Weshalb ? weil der preußische Gesandte in der Schweiz es wollte, und weil die Zürcherische Negierung sich streng an die von Berlin ausgehenden Vorschläge und Maßregeln bindet. Der junge Mann, der, wie mir versichert wurde, keine Missethat daheim, auch nicht in der Schweiz begangen, ward, als ich in Zürich verweilte, als ,,soci a ler Schriftsteller" verhaftet und in zwei Jnstancen zu fast einem JahrGefängniß in Zürich und. drauf folgender Verbannung aus der Schweiz verurtheilt. Gegen das Ende seiner Hast erklärte er, daß er mit den schweizerischen Auswandrern nach Nordamerika gehen wolle und ließ durch seine zahlreichen, zum Theil angesehenen Freunde in Zürich feinen Wunsch dem Großen Rath und dem preußischen Gesandten verlegen, letztern bloß um einen Durchzugs-Paß auf kürzestem Wege nach Amerika bittend. Er ward ihm verweigert; man schlug ihn, legte ihm Ketten an, stopfte ihm den Mund, und schleppte ihn zwischen zwei Schweizer-Land-Jägcrn nach — Baden, wo er den Gensdarmen zur Beförderung nach Preußen in den Kerker — trotz dem, daß seine Strafzeit vollständig abgelaufen ivar — überliefert worden ist. Obgleich ich nicht Kommunist bin sund Sie sind es wahrhaftig auch nicht!), so erscheint mir dieser völkerwiderrechtliche Fall doch zu traurig, zu ,,gut moskowitisch," als daß Ihr Blatt nicht Notiz davon nehmen müßte. K. F. Buntes und Spitzes Ein neuarabischer Dichter, Philipp Beuna aus Aleppo, der jetzt in Constautinopel lebt, besingt den König von Preußen in arabischer Mundart. Die Zeit der Lob- und Gelegenheitsgedichte ist in Deutschland vorüber, dieser Industrie-Zweig flüchtet sichalso jetzt nach dem Mvrgenlande. Das Abendland kann sich zu solcher Emigration nur Glück wünschen. Die vom Dr. Otto Röhrich gelieferte deutsche Übersetzung dieses Lobgedichts bietet uns keine Seraphsstimmeder gute Dichter kömmt in einem Rosengarten ( denBerliner Thiergarten vielleicht?) und vergleicht den König von Preußen mit einer Nachtigall die im Oeeident schlage, durch ihren Triller-Ton alle Lande entzücke, ihre Jungen beschatte gleich einem Adler, schütze gleich ei- mm Leu und mit der Weisheit Rathe nähre (ob Schelling oder die „Preußische Allgemeine Zeitung" .damit gemeint, wird nicht gesagt). Das Hauptelement der orientalischen Dichtkunst war stets eine überschwengliche Einbildungskraft. Ob der Neu-Araber Philipp Benna den Civil-Ver- dienß-Ordeu durch Herrn von Humboldt zngesandt erhielt, ist uns noch nicht bekannt. Vielleicht erfolgt auch nur der rothe Adler-Orden vierter Klas- se, den die Berliner: den „rothen Vogel" nennen, «eine sehr verbreitete Dekoration, wie in China die 'Pfauenfedern, krodntum 68t. In Berlin heißt das Schuldgesängniß, auf dem Alexander-Platze: der „Ochsenkopf." Ein Berliner Literat, der dort Erfahrungen gesammelt, will jetzt die „Mysterien des Ochsenkopfs" herauögeben. Künstlerisches. Die „Aachener Zeitung" erzählt ans Berlin: die dortige Theaterintendantur habe Mlle Sophie Löwe und Madame Viardot- Garcia für eine Wintersaison ein Gesammteinkom- men von 11000 Rthlr geboten; Mlle Löwe aber habe das Anerbieten abgewiesen, weil sie nicht mehr in deutscher Sprache singen wolle. Dasnenne ich mir doch eine deutsche Sängerin! und die überschwenglich in Mlle Löwe vernarrten Berliner sind für ihren Hyper-Enthusiasmus dadurch gehörig bestraft. Als Mlle Löwe hier in Paris war, wollte sie ebenfalls nur französisch sprechen und singen, konnte aber nicht zum Döbut gelangen; jetzt in Italien singt Mlle Löwe nur italienisch, was aber diese Sängerin nie lernen wird, das ist richtig singen. Je mehr Mlle Löwe in Berlin falsch und schaudervoll sang, desto mehr applaudirten die Berliner, welche der guten musikalischen Periode der Berlinischen Oper zur Zeit derMilder, Sontag, Seidler, der unvergeßlichen Gastspiele der großen Schechner nicht mehr eingedenk waren. Auch am Berliner Hof waren Kunstsänger- Dilettanten wie Baron Pitt-Arnim, der Mlle Löwe, die „Löwin der modernen Gesangs" nannte. Es ist derselbe Pitt-Arnim, der ein Buch über Constantinopel, später über Spanien nach sechs Wochen Aufenthalt mittheilte, und den einige Berliner Correspondenten zum künftigen spanischen Gesandten ernannten. Pariser Plaudereien. A. von Dornstedt, welcher vor Kurzem aus England zurückgekehrt, ist bereits vor einigen Tagen wieder abgereist, um die Bäder von Bagnolles zu gebrauchen und von dort eine Reise rings um die Küsten der Normandie und der Bretagne über Cherbourg, die englische Insel Jersey, St.-Malv, Brest n. s. w. zu unternehmen. Wir haben das bestimmte Versprechen von dort aus Reiseskizzen für unser Blatt zu erhalten. Der Anblick des Oceans und einer schönen oft wilden Natur wird vielleicht gewisse trübe Stimmungen mildern, welche in einer gedrückten Übergangs-Periode oft auch die Seelen ergreifen, welche mit warmer Liebe an dem deutschen Vaterlande hängen; um so tiefer aber gewisse Dissonanzen fühlen, welche in Deutschland die freie Entwickelung der Intelligenz und das kräftige Emporblühen des Nationalsinnes hemmen, und in den widerlichsten Tönen der Reaktion eine wirkliche Zerrissenheit der Gegenwart bilden. Die Systeme welche jetzt in Deutschland hanthieren, werden die vaterländische Einheit nie heilbringend zur praktischen Gestaltung bringen. — Einige französische Literaten und Künstler haben sich an A. von Dornstedt angeschlossen, um mit demselben in ungebundener Laune die Küsten der alten Armoricaner zu besichtigen. Die Dampfschifffahrt umsegelt jetzt von Havre aus das ganze französische Küstenland von Havre bis Bordeaux. Die Bretagne aber gehört zu den Gegenden, welche die Reisenden am wenigsten besuchen und welche jedoch unter den französischen Provinzen noch den eigenthüm- lichsten Stempel behalten hat. Julius Sohn, der wackere Statuär, unser fleißiger deutscher Landsmann, ist bei dem letzten Besuche des Königs in der Industrie-Ausstellung auf das Ehrenvollste von Seiner Majestät ausgezeichnet worden. Der König, bei Sohns Ausstellung angelangt, die er schon bei seinen vorhergehenden Besuchen bewundert hatte, ließ, da er Sohn zufällig anwesend fand, Stühle für sich und seine Familie bringen, setzte sich, ließ sich alle Gegenstände nochmals zeigen, sich die von Sohn erfundene steingleiche und doch im Formen so schmiegsame plastische Masse erklären, und unterhielt sich hierauf sehr lange mit dem anspruchlosen Künstler in deutscher Sprache, ihn persönlich zu dem heutigen Feste nach Versailles einladend. Wir machen alle unsere hier anwesenden deutschen Landsleute, die die Kunftschätze von Paris besichtigen, aufmerksam, es ja nicht zu versäumen Julius Sohn's schönes Atelier, 25, rue gegenüber der Madeleine-Kirche, zu besuchen. »Ls ror.LLl Eine große Neuigkeit! Eine wichtige Begebenheit!! Ein Ereigniß! ! ! Die Polka ist in der fashionablen Welt enthront, sie ist zu schnell allgemein geworden, um nicht gemein zu werden; es ist ihr darin gegangen, wie der „Preußischen Staatszeitung," als sie ebenfalls allgemein ward. Da nun aber ein neuer erclustver Tanz das unabweisliche Dedürfniß der nächsten Winter-Saison ist, um die vaeante Stelle der im Frühling ihres Lebens gestorbenen Polka auszufüllen, so muß Herr Raab in allen Häusern von gutem Tone jetzt Unterricht in einem andern neuen Tanze slavischen Ursprungs ertheilen, der bestimmt ist auf den kommenden Winterbätten Fanatismus zu erregen. Die schöne Herzogin von T..., die Gräfinnen A... und M...,die Vi- comtesse von F...,der junge russische Fürst T..., die Grafen A...und E... und der Herzog von F..., sind bereits in dieses neue choreographische Geheimniß eingeweiht und leisten Außerordentliches. Herrn Raab, der im künftigen Winter der Mann des Tages — und der Nacht sein wird, ist von seinen hohen Gönnern das eidliche Versprechen abgenommen worden, diesen Tanz NiemanSE als der Elite der feinen Welt zu lehren. Wer Lektionen erhalten will, muß sich daher mit einem Stammbaum von sechszehn Ahnen oder mit einem Vermögen von sechszehn Millionen ausweisen. Man will eigentlich diesen Tanz nur auf die Faubourgs St.-Germain und St.- Honore beschränken, wird aber wohl auch die LI,au.88k«- ck'^-ntin und die ru6 Antheil nehmen lassen müssen. Wir wollen unsere Jndiscretion nicht weiter treiben und sagen unfern Lesern also nur noch im größten Vertrauen, daß dieser neue Tanz, der bestimmt ist ganz Paris wahnsinnig zu machen, die Slowanka heißt. Der Kaiser von Rußland in London. Die englischen Zeitungen, die mit ihrer gewöhnlichen Genauigkeit in allen Dingen, die Etiquette und Hofleben betreffend, jeden Schritt und jede Bewegung des Czars auf Minute und Sekunde angeben, sind alle darin einstimmig, daß der Empfang von Seite des Volkes ein kalter und stummer war, — kein einziges «cfteer!» ließ sich hören, Alles starrte schweigend den Schlächter Polens, den Verfolger der katholischen Geistlichkeit wie der israelitischen Bevölkerung an; man war neugierig den Repräsentanten des starren Absolutismus zu sehen, um erzählen zu können, wie ein Despot aussehe, — dann ging Alles seiner Wege. Bei den späteren Ausfahrten des Kaisers zu Sir R. Peel u. s. w. fanden sich auch nicht einmal Neugierige mehr, — man kümmerte sich in dem freien Lande nicht um den unumschränkten Beherrscher von 60 Millionen Sklaven. In Deutschland werden sie wieder jubeln und Vivat schreien. Die italienische Oper durch Rußland be- d r o h t. Unsere großen Kollegen, die politischen Journale, zerbrechen sich seit vier Tagen die Köpfe, um zu ergründen, welches eigentlich der Zweck der Londoner Courrierreise des russischen Kaisers sei. Sie sprechen von der Heirath Jsabellens, von der Erneuerung der Coalition von 1840, von der Theilung der Türkei u. dgl., allein das Wahre wissen sie doch nicht. Wir haben zuverlässige Nachrichten aus London, und beeilen uns, unfern Lesern das wahre Sachverftändniß mitzutheilen. Der Kaiser hat jetzt die Marotte, eine italienische Hofoper zu haben; da die italienischen Citronen und Orangen in Petersburg nun einmal durchaus nicht gedeihen wollen, so will er wenigstens italienische Nachtigallen haben; er hat Nubini, Tamburins, die Viardot, — allein einer fehlt ihm noch: L a- blache, der einen der glänzendsten Anträge erst vor einigen Monaten ausschlug. Der Czar, der irgendwo gelesen hat, daß Napoleon sich von Moskau aus mit dem Reglement des Französischen Theaters beschäftigte, und der sehr stark im Copiren großer Männer ist, hat sich cs nun mitten unter den Vorbereitungen zur Beendigung desTscher- kessenkriegcs in den Kopf gesetzt, Lab lacheä loul prix zu erobern, und deßwegen ist er persönlich nach London. Lablache sind Generalsrang, ein Gehalt von 100000 Rubeln und 500 Leibeigene angetragen worden. Herr Vatel ist in Verzweiflung, er erhielt im Voraus Nachricht von dem beabsichtigten couzz, und ging in Eile nach London, jetzt ist er nach Wien zum Fürsten Metternich, um dessen vielvermögende Vermittlung in Anspruch zu nehmen. Armer Vatel! Der Polenball, der trotz der Anwesenheit des Cza- ren in London am iS. dieses, als eine philantropische Protestation, abgehalten wird, verspricht der glänzendste seit vielen Jahren zu werden. Achtzig Dames-Patronesscs aus den ersten Familien stehen an der Spitze desselben. Die Polka wird von mehreren Quadrillen in dem charmanten ssoftume der Grisi und Perrots getanzt werden; Lady Pollington, eine der Königinnen der Almacks , di- rigirt das Ganze; — man reißt sich um die Billette .— Ob Lord Dudley Stuart, der Präsident des Polen-Co- mitös, nicht auch dem Czar eine Einladungskarte schicken wird? Redakteur: Heinrich Börnste in. Truck mit Schnellpressen von PaulRenouard Paris, Mittwoch. Nr. 47. 12. Juni 1844 Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr. . . . ,. 24 Francs. Sechs Monate. ... 15 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. MW ALL. Man abonuirt: für Paris: ilN N»resu «reniral paur I'^VIIerr>s»ne, »ne> ,>f>8 Monlins, z?. und in der Buchhandl. von Iules et 0 ", ruv ein 1 nni non, in den Departements: bei allen Postämtern und MessaFerieN; Deutschland, Schweiz, England, in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, tVissentchast, Theater, Musik und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tag:, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Bidau lt, 16 , rue de in du88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. —Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briefe wollen frnneo : « An die Redaction des Journals : Vorwärts, 82, rue 668 ^loulin8 in Paris » eingesendct werden. Deutsche Bänkelsänger-Lieder. Das Lied vom Freiligrath. Freiligrath der deutsche Sänger, Arm wie deutsche Dichter sind, Wollt' nicht ledig bleiben länger, Heirathct ein liebes Kind, That er'ö wirklich, in der That? Oh du armer Freiligrath l Seine Majestät von Preußen, Damals mit der Press' intim Gab aus seiner Gnade Schleusten Jahr's zwölf hundert Thaler ihm. Nahm er an sie, in der That? Oh du reicher Freiligrath. Hofpoet also geworden, War er bald nichts mehr für's Volk: Mit Pension und bunten Orden Floh'n Begeistrung und Erfolg; Niemand nannt ihn, in der That, Mehr als: Armer Freiligrath! Doch er lebte froh am Rheine An den Brüsten der Pension : Gute Braten, feine Weine Spendet ihm der preuß'sche Thron. Ich beneid' ihn, in der That, Oh du reicher Freiligrath! Immer ferner, in die Weite Zogen sich von ihm zurück Alle ehrlich braven Leute Die verachten solches Glück. Hm! ich dacht' mir's, in der That, Oh du armer Freiligrath! Einstens will er Lieder singen, Und sieh'da! allein er steht; In die Ohren Hort er's klingen: ,,Pensionnirter Hofpoet." Man begriff nicht, in der That, ,,Subvention" und„Freiligrath!" Da setzt er sich schnell zum Schreiben : „Fürst! nimm' die Pension zurück! „Arm und ehrlich will ich bleiben, „Frei ertragen Männer Blick'." Also schrieb er ? in der That? Oh du braver Freiligrath! Ist nur die Pension bei'm Teufel Wollen wir dich hvr'n vom Neu'n; Solch' Pensiönchen, das macht Zweifel: Dichterruf muß flecklos sein. Bist du los sie, in der That? Oh du reicher Freiligrath. Heinrich Börnstein. Bruchstücke aus Friedrich II. Testament. „Die Geschichte der Menschheit," sagt Jean Paul irgendwo, „ist viel größer und erhabener, als „die Geschichte der Könige;" doch auch diese zeigt uns im Verlaufe von Jahrhunderten zuweilen einen Mann, der unter dem Glanze der Krone Mensch zu bleiben wußte, und der uns, wenn nicht mit dem Purpurmantel auszusöhnen vermag, doch viele schwarzen Verbrechen seiner Vorgänger und Erben bedeckt. Vielleicht können diese Worte nie eine bessere Anwendung finden, als wenn wir sie an die Spitze einiger Bruchstücke aus dem Testamente eines Mannes setzen, der mit vollem Rechte zu den schönsten Zierden des letzten Jahrhunderts gezählt zu werden verdient, mag man ihn nun vom demokratischen oder royalistischen Standpunkte beurtheilen, und als bloßen Menschen oder als Stäatsregenten betrachten. , - Nicht allein semeHandlungen stehen vor dem Richterstuhle der Nachwelt, auch seine Gesinnungen. Wir dürfen nur die Äußerungen, mit denen er seine Regierung antrat, zusammenstellen mit denen die er hinterließ, um uns von seinen genialen Geisteseigenschaften einen würdigen Begriff zu bilden, und zu der Überzeugung zu gelangen, daß seine Nachfolger nichts weiter als das Geschlechtsregister mit ihm gemein haben. „Ein Fürst," so sagt er bei Gelegenheit der Beur- theilung seines Großvaters, ist «le Premier servi- teur et le Premier Magistrat del'llltat.» Er ist dem Staate also Rechenschaft schuldig, über den Gebrauch, welchen er von den Abgaben macht, und er erhebt dieselben, um eine Armee zur Vertheidigung des Staates zu unterhalten, um Dienste und Verdienste zu vergelten, um gewissermaßen ein« e^ulillre «utre les rielles et les öderes » zu bewirken, die Unglücklichen aus allen Ständen und Verhältnissen zu unterstützen, «uün de mettre de 1a mnAniüeenoe en tont oe gui Interesse le oorps de l'Ltat en Ae- nsral... Wenn der Souverain einen aufgeklärten Geist und ein rechtschaffenes Herz hat, so wird er alle seine Ausgaben zum Nutzen des Publikums und zum möglichsten Vortheil seines Volkes einrichten." Dieser Äußerung setze ich eine andere aus seinem Testamente an die Seite, welches der Angabe nach vom Jahre 1769 datirt, nach seinem Tode unverändert gefunden und also auch als seine letzte Gesinnung anzusehen ist. „Unser Leben," so hebt er an, „ist un pussu^e rapide von der Minute unserer Geburt bis zu dem Momente unseres Todes. Die Bestimmung des Menschen während dieses kurzen Zeitraumes ist: zu arbeiten für das Wohl der Gesellschaft in welcher er einen Theil des Ganzen ausmacht. Seitdem ich Antheil an Geschäften genommen, habe ich mich denselben mit den mir von der Natur verliehenen Kräften gewidmet, » et seien mes laillles lumieres ^"ai ellerelle a renäre lleureux et üorissant eet etat, Me ^'ai eul'llouneur de opuveruer.» Ich habe die Gesetze und die Justiz handhaben lassen; «j'rü mis del'ordre et nettete dans les ünanees« und ich habe die diseipiine in der Armee erhalten, wodurch sie eine Überlegenheit über die andern europäischen Truppen erhalten hat. Nachdem ich dieser Pflicht gegen den Staat ein Genüge geleistet, würde ich mir einen beständigen Vorwurf zu machen haben, wenn ich meine Familienverhältnisse vernachlässigt. . . . „Gern und willig gebe ich den Hauch, der mich belebt, der wohlthätigen Natur, welche mich der Mühe werth hielt ihn mir zu leihen; meinen Körper den Urstoffen, aus welchen er zusammengesetzt ist. Ich habe wie ein Philosoph gelebt, und ich will auch wie ein solcher beerdigt werden, ohne Prunk und Geräusch; man soll mich weder seciren noch balsamiren; ich will aus der Terrasse zu Laus-Louei in dem Grabe beigesetzt sem, das ich mir dort zubereiten lassen." „Ferner hinterlasse ich ihm den Schatz, so wie er am Tage meines Todes sein wird, «eomme un dien ax- partenunt ü 1 llltat, et gui ne doit servir gue pour delendre les peuples ou pour les soulaAer. » „Ich bin niemals geizig, niemals reich gewesen, auch habe ich für meine Person niemals über Viel zu verfügen gehabt. Ich habe die Einkünfte des Staates betrachtet «eomme Helle du Lei^neur, „ die keine ungeweihte Hand berühren durste. «I^es revenns pudlies n'ont^umuisete ä^tournüs a mon usa^s purtieulier. I^es cl^peuses c^ue j'ai iuites pour nioi n' ont^umnis äspusse 220000 «eus pur nn, nu8Zi mon uckministration me luisse-t-elle In 6on8eienee en repos, et je ne erainärai pus cl'en renäre eompte nu pudlie. «I^e llasurä ^ui pr^siäe nn clestin liesliommes, rö^Ie In primogsniture, mnis e^e, o/r /r'e/r ,,r/er/a7^o»/' cs/« /s§ a/t^eL. — IVles clernier'S voeux nu Moment oü j'expirerai, 8eront pour 1e llonlleur cke eet empire. kuisse-t-il tou- jours etre ^ouverns nvee justiee, sugesse et koree! ?uisse-t-il etre 1e plus lieureux des etnts pur /a /o/§, 1e plus ec^uitulllemeut aäministrü pur rupport nux llnanees et le plus vaillnmment äetenäu pnr un militnire gui ne res- pire ^ue I'llonneur et //r et puisse-t- il ckurer en üorissnnt jusgu'ü In ün clessieeles!» — Die Sorgfalt, welche er in den mißlichsten Lagen stets nur darauf verwendete, daß die Kriege, die er führte, dem Staate nicht drückend werden möchten, und sein ganzes Regentenverfahren im Frieden, bilden mit den obigen Äußerungen seiner Gesinnungen die schönste und innigste Harmonie. Er betrachtete sich nie als Zweck und den Staat als Mittel, sondern den Staat als Zweck und sich selbst als Mittel. Erverstattete aufeine ungeheuchelte Weise Preßfreiheit; diese führte zur Publizität, und diese zum Urtheil ohne Ansehn der Personen. Friedrich glaubte wenig, wußte aber und dachte unendlich viel. Daher ehrte er die Meinungen und in diesen die Menschheit. Er hatte das große Ge- heimniß gefunden, daß man desto sicherer auf die Handlungen wirkt, je weniger man die Meinungen beschränkt. In keinem Staateist freier gedacht und williger und allgemeiner gehorcht worden., als in dem, worin Friedrich regierte. Was man heute als verwegene Demagogie verschreien würde und wofür man zeitlebens auf Festungen büßte, sprach Friedrich laut und öffentlich aus. Im Jahre 1781, als Greis von 69 Jahren, schrieb er: „Wenn man bis zu dem Ursprünge der „Gesellschaft hinaufsteigt, so ist es einleuchtend ge- „nug, daß der Regent schlechterdings kein Recht „über die Meinungen der Bürger hat. Müßte man „nicht wahnsinnig sein, wenn man sich vorstellen „wollte, daß Menschen zu Einem ihres Gleichen „gesagt hätten : Wir erheben dich über uns, weil „wir gerne Sklaven sein wollen, und wir geben dir „die Macht, unsere Gedanken nach deiner Willkür „zu leiten? Sie haben vielmehr gesagt: Wir geben „dir unser Ansehn um die Gesetze, denen wir ge - „horchen wollen, aufrechtzu erhalten, und Alles „znm Gesammtbesten zu lenken. Übrigens fordern „wir von dir Achtung für unsere Freiheit. „Dies ist das Verlangen der Völker, wogegen „keine Einwendung statt finden kann, und diese Toleranz ist selbst so vortheilhaft für die Gesellschaft „wo sie eingeführt ist, daß sie das Glück des Staa- „tes bewirkt." Nie hat ein Regent so sorgfältig das Religions- von dem Staatsinteresse zu unterscheiden gewußt, als er. So wenig er sich hierüber eigentlich bestimmt geäußert hat, so geht doch aus seinem ganzen Regentenverfahren hervor, daß er alles, was Religion und Gottesdienst betraf, als allein die Corporation 2 oder das Individuum angehend betrachtete, und der Regentengewalt durchaus keine positive Einwirkung in dieselbe gestattete. Ohne die einmal bestehenden äußern Religionsverhältnisse aufzuheben, suchte er auch nicht sie durch nähere Bestimmung zu erhalten; ohne sich mit Projekten von Religionsvereinigungen zu tragen, hinderte er die Modifikationen und Vermischungen derselben durch die natürliche Modifikation der Denkkraft nicht; ohne das Amt eines Oberpriesters zu verwalten, wirkte er doch zur Vervollkommnung des Priesterstandes unaufhörlich. Er war für den Cle- rus nichts als Regent, der Ekerns für ihn nur Staatsbürger wie die Übrigen. Friedrich hielt den Gang der menschlichen Natur in keiner Weise auf und trug dadurch allein schon zur Ausbildung derselben mächtig bei. Daher ist auch unter ihm die große allgemeine Revolution in der Tenkkraft entstanden, welche noch jetzt fortgeht, und so lange dauern wird, bis Wahrheit und Recht in jeder Sphäre die ihnen schuldige Anerkennung finden. German Maurer. Kirrdermahrcheir. (Schluß.) Als sie nun in ihrem-Mauöloch angekommen waren, weinten sie bitterlich und sprachen: „ O wir Unglücklichen! so kann uns denn Niemand helfen! weder die Henne, noch der Hund, noch der Rabe! o wir Armen!" — Als sie nun also saßen und ihr großes Leid beklagten, erwachte davon eines von ihren Kindern, ein gar zierliches Mäuschen. Das spitzte die zarten Ohren und öffnete die feinen Augen, und als es Vater und Mutter also bitterlich weinen sah, sprang es auf und sprach: „Herzliebe Eltern! was ist's, das euch also betrübet? saget mir an euer Leid!" — Da offenbarten ihm die Eltern ihren großen Jammer, wie sie all ihre Kinder dem Kater zum Fressen bringen müßten und wie sie vergebens deßhalb Hülfe und Rath gesucht bei Freunden und Nachbaren. Als das Mäuschen das vernahm, ward es ganz nachdenkend und fragte dann: „Aber sagt mir an, liebe Eltern, weßhalb denn müßt ihr dem Kater eure Kinder zum Fraß darbringen?" Der Mausvater erwiederte: „Mein theures Kind! wir müssen das thun, weil der Kater es also haben will." — Weiter fragte das Mäuschen: „Warum denn weigert ihr euch nicht, des Katers Befehle zu thun?" Der Vater entgegnete: „Mein Kind! das verstehst du nicht!" — worauf Mäuschen erwiederte: „Ei nun, so erklärt es mir!" Die Mutter aber sprach: „Mein Kind! wir wagen es nicht, uns des Katers Befehlen zu widersetzen." — Und so fragte das Mäuschen noch Vieles über die Sache, und die Alten gaben ihm Bescheid, und endlich sagte das Mäuschen: „Morgen früh, wenn ihr dem Kater drei Mäuschen zum Frühstück liefern müßt, so thut das nicht, sondern laßt mich allein hingehen." Da begannen die Alten von Neuem zu jammern, und wollten das nicht zugeben, denn dieses war gerade ihr liebstes Kind. Aber das Mäuschen bestand auf seinem Vorhaben und ließ sich durch keine Bitten und Vorstellungen der Eltern davon abbringen. — „Was kann mir Schlimmeres geschehen, als daß mich der Kater frißt?" fragte das Mäuschen. „Und wenn er mich frißt, geschieht mir ja doch nur, wie meinen Brüdern und Schwestern geschehen ist, und bin ich ja doch um nichts besser als sie." Da nun der Morgen herankam, wo die Mäuse dem Kater drei ihrer Jungen hätten zum Frühstück liefern müssen, zog das Mäuschen getrosten Muthes zur Wohnung des Katers, nachdem es^sich vorher bei den Eltern genau erkundigt über des Katers Natur und Gewohnheit. Die Eltern gaben ihm das Geleite und nahmen unter vielen Thränen Abschied von ihm. — Das Mäuschen nun trat leisen und vorsichtigen Schrittes zum Kater ein, und sah sich überall um, damit es im Nothfall die Ausgänge wüßte und wo ein Schlupfloch zu finden. Als das Mäuschen jedoch den Kater zuerst erblickte, füllte sich sein Herz mit Angst und Schrecken, bald jedoch faßte es sich wieder und sah festen Auges den Kater an. Der Kater war wohl spät in der Nacht zu Haus gekommen, denn er lag noch in tiefem Schlafe. So konnte klein Mäuschen ihn ungestört betrachten. O welch ein gräuliches Geschöpfwar doch der Kater! Er war über die Maaßen groß und stark, und sein glänzendes Fell war braun und grau gefleckt. So lag er in sich zusammengekrümmt unv schlief. Als das Mäuschen ihn eine Weile betrachtet hatte, wachte der Kater auf. Da öffnete er ein Paar große feurige Augen und dehnte und reckte die Glieder und stand auf und machte einen Ungeheuern Buckel und gähnte, und dann legte er sich wieder hin und reckte die scharfen Krallen aus und rollte den Schweif. Als das Mäuschen die spitzigen Krallen sah und den mächtigen Rachen mit der scharfen Zunge und den vielen Zähnen, da begann es von Neuem zu zittern. Der Kater aber schloß die Augen und schickte sich an weiter zu schlafen. Da faßte das Mäuschen sich ein Herz und trat vorsichtig näher, und machte einen zierlichen Reverenz und sprach mit zarter Stimme: „Großmächtigster Herr Kater!" Als nun der Kater des Mäuschens ansichtig ward, glaubte er, es sei eins von den Mäuschen, die ihm zum Morgenbrod bestimmt, und richtete sich auf, um sein Frühstück zu verzehren. Das Mäuschen aber sprach zum zweitenmale: „Großmächtigster Herr Kater!" — Der Kater, der nur ein Mäuschen sah, statt ihrer drei, wie er erwartete, sprach unwirsch: „Was ist das? was soll das? nur eine Maus statt ihrer drei? soll ich etwa aus mein Frühstück warten? Das will ich nicht hoffen." — Allerdings, großmächtigster Herr Kater! " erwiederte dasMäuschen, „allerdingswerdet ihr so heute wie auch fernerhin auf euer Frühstück sowohl, als auf euer Mittagsmahl vergebens warten." — Der Kater spitzte die Ohren und machte große Augen, als er das hörte, und sprach: „Was sollen die müßigen Reden? — komm näher, daß ich dich fresse." Das Mäuschen aber kam nicht näher, sondern ging im Gegentheil noch zurück bis an ein Schlupflöchlein, das es sich vorher schon ausersehen, und dann sagte es: „Ich bin ein Bruder der Mäuschen, die ihr früher gefressen habt; ich aber wünsche nicht gefressen zu werden und werde deßhalb auch nicht näher kommen." — „Du willst nicht gefressen werden?" sprach zornig der Kater. „Was muß ich hören? was sind das für aufrührerische Redensarten?" — Dem Mäuschen aber entfiel ob des Katers Zorn keineswegs der Muth, sondern festen Sinnes sprach es: „Gewiß Herr Kater! ich will nicht gefressen werden; und von nun an werden euch meine Eltern weder Frühstück noch Mittagsbrod liefern." -„Du bist ein frecher Bursch! " sprach der Kater, „und verdientest, daß ich dich nachdrück- 3 lich bestrafte. Aber ich Witt großmüthig sein, und dir dießmal noch verzeihen, wenn du hinführo dich besser erweisest." Als der Kater diese Worte gesprochen hatte, that er plötzlich einen mächtigen Sprung auf das Mäuschen zu; dieses aber war auf seiner Hut, und ehe noch der Kater seinen Sprung ausgeführt hatte, saß es im sicheren Schlupfwinkel. Von da aus sprach es: „Ihr mühet euch vergebens, Herr Kater ! ihr fangt mich nicht und freßt mich nicht. Laßt euch überhaupt euer Gelüste auf Mäuse vergehen!" — Der Kater, da er sah, daß sein Sprung mißlungen, ging wieder an seinen Platz zurück und sagte: „Komm nur wieder heraus, ich will dir nichts thun!" — Das Mäuschen aber trauete ihm nicht und erwLederte: „Nein, Herr Kater, ich bin hier ganz wohl aufgehoben." Darauf sprach der Kater mit schmeichelnder Stimme: „Mein Kind, du bist verführt worden, daß du also redest; und auch deine guten Eltern sind verleitet worden von Verführern und schlechten Leuten, die sie ausgehetzt haben, daß sie also sich weigern, ihre Pflicht und Schuldigkeit zu erfüllen. Vermuthlich hat euch der Rabe aufgehetzt, der nur seinen eigenen Vortheil suchet, oder mein alter Feind, der Hund." —Das Mäuschen erwiederte: „Ihr irret, Herr Kater, wir sind nicht verleitet noch aufgehetzt worden; es ist unser freier Entschluß. Und keinesweges ist es unsere Pflicht und Schuldigkeit, uns von euch fressen zu lassen." — „Allerdings!" entgegneteder Kater, „ist es eure Pflicht, euch fressen zu lassen, wie es mein Recht ist, euch zu fressen. Seit Jahrhunderten haben meine Vorfahren Mäuse gefressen, also ist mein Recht wohlbegründet, und ihr seid schuldig, euch von mir fressen zu lassen." — „Mit Nichten, Herr Kater!" sprach das Mäuschen, — „wenn unsere Vorfahren sich von den euren fressen ließen, so wollen wir jetzt klüger sein." — Der Kater entgegnete: „Ihr seid dummes, ungelehrtes Volk, und sehet nicht ein, daß es nur zu eurem eigenen Wohle ist, was ich für euch thue. Ihr versteht euer eigenes Bestes nicht!" — „Nein, Herr Kater!" sprach das Mäus- lein, — „das vermögen wir wirklich nicht einzusehen, was es uns frommen könne, daß ihr uns freßt! Lebt wohl, und seht euch von nun an anderwärts nach Speise um!" — Der Kater sagte: „Ihr seid ein undankbares Geschlecht! So Tag als Nacht quäle ich mich mit Sorgen um eure Wohlfahrt, und nun behandelt ihr mich so pflichtvergessener Weise! Wie habe ich das um euch verdient?" — „Ei nun!" erwiederte das Mäuschen, — „desto besser für euch, wenn wir euch jetzt diese Mühe abnehmen und selbst für unsere Wohlfahrt sorgen wollen. Lebt wohl, und gedenket unser." — Da nun der Kater sah, daß es Ernst sei, dachte er, es sei wohl besser andere Saiten aufzuziehen. Deshalb sprach er: „Mein Freund ! laß uns vernünftig über die Sache reden; wir wollen uns in Frieden vertragen und' einen Vergleich schließen. Ich will ja nur euer Wohl und euer Bestes, und gern bin ich daher, so ihr es wünschet, bereit einen Theil meiner wohlbegründeten Rechte aufzugeben. Ich will mich von nun an mit drei Mäuschen den Tag über statt mit sechs begnügen, das ist doch wahrlich ein großes Opfer, welches ich euren Wünschen bringe." — Nein, Herr!" sagte das Mäuschen; „ibr bekommt auch kein einziges mehr. Lebt wohl!" — Da ward der Kater zornig, und pruhstete und fauchte und schnaubte: „Rebellisches Gesindel! so ziehe ich denn meine Hand von euch ab! geht hin, und seht zu, wie ihr ohne mich fertig werdet!" — „Lebt wohl, Herr Kater!" kicherte das Mäuschen in seinem Schlupfloch, und lief davon. Daheim sagte es seinen Eltern die frohe Mähre an. Die waren in großer Angst und Sorge um ihr Kind gewesen; als sie es aber frisch und gesund zurückkommen sahen, und hörten, wie es ihm mit dem Kater ergangen, waren sie hoch vergnügt und tanzten vor Freude, daß sie so von dem garstigen Kater sreigekommen. Seit dieser Zeit muß der Kater, wenn er Mäuse fressen will, sehen, daß er deren fängt. Diese Fabel lehrt, daß so leicht Niemand gefressen wird, der sich nicht fressen lassen will. Aus Berlin. „Es ist mir vorgeworfen worden, daß ich manche Idee zu oft wiederhole, zu oft wieder auf dieselben Ideen zurückkomme, diese drehe und wende und in die verschiedensten Details ziehe. Mag sein, aber wäre denn dies Grund zu einem Vorwurf? Die iveale Masse des Zeitgefühls, des Bewußtseins dessen, was geschehen muß und soll, sei der Regen, der tropfenweise den Stein höhle — non vi seä ssexe eaäenäo. Wir können nicht wie Moses mit einem Zauberstabe an die Felsen des Bestehenden schlagen, um ihnen die Quellen des modernen Lebens, das Ideal der Zeit zu unserer Labung zu entlocken; wir müssen, um mich einer sehr genial gemünzten Phrase zu bedienen, „auf der Bahn des besonnenen Fortschritts fortschreiten," wir müssen das Ideal und die Nothwendigkeit der Zeit detailliren, von jeder Thatsache aus darauf emporblicken, jede Tageö- neuigkeit in diesem Lichte betrachten. Das sollen die Zeitungen thun, das thun aber die Zeitungen nicht, mit Ausnahme weniger. — Da hat mir eben ein junger Berliner, der aus dem grünen Schlesien zu uns gekommen, ein Heftchen geschickt, das er mir wie aus der Seele geschrieben, namentlich Folgendes : „Die Zeitungen lesen können, ist in der That keine Kleinigkeit, besonders wenn es deutsche sind. Die deutschen Zeitungen sind so verworren und zer- theilt, wie die Grenzen der verschiedenen deutschen Lande. In die deutschen Zeitungen muß man erst eine Gesinnung Hineinlesen, denn heraus lesen kann man keine, weil sie entweder wirklich keine haben oder keine haben dürfen. Die deutschen Zeitungen annoneiren die .Geschichte nur, sie sind nur Speisezettel der Politik. Sie melden mit demselben Gleichmuthe, daß in Baiern der Pfarrer, der gegen das Kniebeugen der protestantischen Soldaten geschrieben, auf die Festung geführt worden, wie sie melden, daß in Berlin Dieser einen Orden, Jener einen Hofrathstitel bekommen. Sie zeigen immer dasselbe Gesicht, sie werden nicht warm, sie gesticuliren nicht. Sie sprechen den Fluch nicht über das Böse und den Segen nicht über das Gute, sie melden nur Beides an." Viele Schuld liegt allerdings außerhalb den Redactionen, aber sie könnten ungeachtet dieser Schuld, die von Außen auf ihnen lastet, viel mehr thun für die Interessen der Gegenwart und wenigstens den Platz ihrer Spalten, der mit den jämmerlichsten, bedeutungslosesten Neuigkeiten gefüllt wird, vernünftiger, mit anregenden Betrachtungen, Erörterungen und Reden füllen. Die deutschen Zeitungen sollten auch Redner sein. Ich will hiermit nicht sagen, man solle bedeutungslos erscheinende Tagesereignisse ignoriren, nein, die Zeitungen müssen die'Zeit just bis in die kleinsten Details verfolgen ; aber dieses kalte, trockene Hinsetzen solcher Dinge, wie zum Beispiel daß Einer krank geworden, in der Besserung begriffen, daß ein Anderer an- oder durchgekommen oder abgereist sei, daß man dort zusammengekommen zu einem Essen, einem Conzert, einem Dejeuner, Diner, Thee u. s. w., diese Lohnlakai-Jnteressantheiten gehören nicht in die Zeitungen."— Obige Stelle ist aus dem zweiten Hefte der „Berliner Stecknadeln" von Feodor Wehl, der schon mehre Hefte „Berliner Wespen" herausgab. Der junge, geniale, frische Schriftsteller ist zu geistreich sür's Volk, zu keck, zu witzig, zu leicht für den deutschen Philisterernst; man will ihn noch nicht recht für voll anerkennen; aber er verdient die wärmste Anerkennung und Liebe. Das ganze reiche, volle Vewußsein ist in ihm aufgegangen ; es ist warm, lebendig, frisch quellend in ihm; er spritzt es aus in den kecksten Einfällen und treffendsten Schlagsätzen, welche oft eine ganze verworrene Masse von Einzelnheiten und unerklärlichen Thatsachen plötzlich für das Verständuiß durch und durch erleuchten. Besonders treffend ist ein Artikel: „Der Berliner Witz und die Geschichte." Ich will die Hauptgedanken theils wörtlich, theils anbeutend hersetzen. Berlin ist anders geworden, es ist nicht mehr das Berlin von 1830. Es ist nicht mehr im Stande, über den Pas einer Tänzerin in Enthusiasmus zu gerathen, und einer Sängerin feierliche Serenaden zu bringen oder die „Vossische" nur wegen der Conzert- und Opernreferate L. Rellstabs zu lesen. Berlin hat alle seine Puppen und Steckenpferde bei Seite geworfen; es lächelt nicht mehr so wohlgefällig, sein Witz ist melancholisch geworden. Der Berliner Witz war (wie Th. Mundt sagt) bisher der Robespierre der Berliner, ihre Freiheit, ihre Charte, ihre Constitution, ihr Alles und ihr Nichts. „Der Berliner Witz war die liebenswürdigste Feigheit vor der Geschichte, die es geben kann. Er war stolz auf diese Feigheit. Ter Berliner Witz war aber nur so lange mächtig, als er eben jene Feigheit vor der Geschichte war, die Feigheit vermöge welche er die Geschichte nicht etwa hinterrücks bekämpfte, sondern sie compromittirte, lächerlich machte, gleichgiltig gegen ihren Haß, gleichgiltig gegen ihre Liebe. — Jetzt ist der Berliner Witz gefallen, gestürzt; er sieht bleich auS, er kneift die Lippen; die Geschichte hat ihn unversehens überrumpelt und gefangen genommen; sie hat ihn nun zu ihrem Claqueur gemacht, er steht im Parterre und klatscht. Der Berlinische Witz lag wie eine Sphinr vor den Thoren Berlins ; die neueste Geschichte hat seine Räthsel gelöst; aber statt sich in den Abgrund zu stürzen und mit einer letzten Feigheit seine hundertjährige Feigheit sieghaft zu krönen, kroch er elend zu Kreuze und bot sich der Geschichte zum Lohndiener an. Er führt sie nun auf allen Plätzen, in allen Straßen umher, ihr die Merkwürdigkeiten von Berlin zu zeigen." — Die Geschichte ist da in Berlin, ist herrschend, aber sie selbst wird hier nur als Usurpator geduldet, man hat Furchr vor ihr. Die Furcht vor der Geschichte, das ist das Charakteristische, das Wehl außer Acht gelassen. Der Berliner Witz hat sich der Geschichte nicht ehrlich unterworfen, er ist perfide, er conspirirt gegen sie, er macht ihr Kratzfüße, um ihr gelegentlich die Augen auszukratzen. Er glaubt nicht an die Ge- schichte, er fürchtet sich nur vor ihr, wie gesagt. — „Das Herz hat Berlin nicht gepocht, als in den sächsischen, badischen und bairischen Kammern die edelsten Männer für Recht und Freiheit sprachen; es hat sich lieber die Seandale der spanischen Tänzerin Lola Montez erzählt. Es hat gelächelt und gewitzelt und gesagt: „Es hilft doch Alles nichts, es bleibt Alles beim Alten." Das wird'ö nicht, nein! Aber Berlin glaubt's und glaubt nicht an die Geschichte, die den Witz jetzt zu ihrem Narren gemacht hat. Der Berliner Witz steckt jetzt sein grinsendes Gesicht hinters Gebetbuch und gedenkt die Geschichte durch Beten zu vertreiben, wie gläubige Seelen den Teufel durch dieses Mittel zu verscheuchen meinen. In diesem tragischen Dilemma befindet sich Berlin jetzt, und dieses geklemmte Verhält- niß wirst ans die meisten Details der neuesten Geschichte erst das gehörige Licht zum Verständniß. Deutsche Zeitungsschau. Vom 1. Juli an erscheint in Luxemburg ein deutsches Blatt: Die „Luxemburger Zeitung." Dies war ein langgefühltes Bedürfnis«. Möge nun aber auch die neue Zeitung deutsche Sprache, deutsches Wesen und das Anhalten der Deutschen in Luxemburg an das große gemeinsame Vaterland stets rüstig betreiben und verfechten, dabet allen Rückschritten feind, auch der holländischen Propaganda und denen, welche Luxemburg vom deutschen Lande ablösen wollen, kräftig entgegentreten. Artikel wie die des Hofrathö Rousseau (wir haben bereits die Mittheilung gegeben, die den Artikel Herrn Wittmann zuschreibt, und glauben auch nicht, daß er aus Rousseaus Feder floß, —aber Herr Rousseau redigirt das Feuilleton der „preuß. Allgemeinen" und ist daher mitverantwortlich) in der „Allg. preuß. Zeitung" gegen Herwegh, sind, außer der bodenlosen Gemeinheit der Gesinnung der pie- tistischen Seelen, welche einem Nebenmenschen den Selbstmord prophezeihen, auch noch als politische Polemik von Seiten eines Regierungsorgans eine grenzenlose Ungeschicktheit^ denn offenbar wenden solche Angriffe dem also Angeseindeten die öffentliche Theilnahme nothwendig zu, und rufen auf das Regierungsorgan Mißachtung und Ekel. Wie beispiellosklug doch die Berliner halboffiziellen Publici- sten zu Werke gehn! Wären die Leiter der Berliner Regiernngspresse nicht so überaus klug, der Berliner sagt superklug, man sollte glauben Herr Rousseau (kein Jean Jacques) et Lonborten schrieben diese Artikel aus kerüäie, um der Regierung, welche sie .besoldet, zu schadeu. Die preußische Regierungs- Presse ist der schlimmste Demagoge iu Berliu. Wenu Herr von Tschoppe noch lebte, der Mann würde die Leute bald nach Spandau oder in die Llmrito (Narrenhaus) geschickt haben. Pariser Plaudereien. Sue's „Ewiger Jude" macht die deutschen Verleger ungeheuer lüstern, — jeder will eine Übersetzung herausgeben, und es wird bald von „ewigen" und andern „Juden" wimmeln in Deutschland, wie es bereits von .Geheimnissen" aller Art und aller Farben wimmelt. Die Coneurrenz arbeitet fabriksmäßig au rsbais. Der Leipziger Buchhändler Kollmann wird in einigen Tagen vier erwartet, um den fetten Bissen des neuen Sue'schen Romans seinen Kollegen vordem Munde wegzuschnappen. Er hat den hier lebenden Literaten Herrn Wesch« mit einer Übersetzung beauftragt, und soll, wie man erzählt, I das Eigenthumsrecht der Übersetzung für ganz Deutschland von Herrn Sue gekauft haben; — zugleich wird versichert, daß an dem Tage, wo hier im ,,Constitutionnel" das erste Kapitel erscheint, in Leipzig auch schon das erste Bändchen der Übersetzung ausgegeben wird. — Uns klingt dieses hier in buchhändlerischen Kreisen circulirende Gerücht wie eine Blague. Erstens glauben wir nicht, daß in Deutschland ein Gesetz bestehe, welches einem Buchhändler verbieten kann, sich eine Übersetzung durch einen andern Übersetzer machen zu lassen und selbe zu oerlegen, und da man Ähnliches auch schon von der Voß'schen Buchhandlung in Berlin und der Übersetzung der Thiers'schen „ Geschichte des Kaiserreiches " erzählt, so wäre es schon des Nechtspunktes wegen sehr interessant, hierüber die Meinung des „deutschen Buchhändler-Börsenblattes," der „Preßzeitung" u. s. w. zu hören. Zweitens aber erklärt dcr,,Cvnstitutionnel," daß dieAusgabe in Bänden immer erst vier Monate nach Beendigung eines Bandes im Feuilleton des,,Constitutionnels" erfolgt; — erschiene nun die deutsche Übersetzung, wie man hier erzählt, sogar v o r dem französischen Original, so könnten wir den Lesern des „Constitutivnnel" hier schon die Entwicklung des z. B. zehnten Kapitels mittheilen, während sie noch beim dritten sind. So ungeschickt sind aber weder Herr Sue, noch Herr Veron. Jedenfalls glauben wir, daß man doch erst in Deutschland das Erscheinen eines Bandes abwarten sollte, um zu wissen, ob die Geschichte auch das Übersetzen lohnt; — uns kommt der „ewige Jude" wie eine Fabrik-Arbeit auf Bestellung von accreditirter Firma vor, und wir errinncrn z. B. nur an den neuen Roman Georges Sand's: , ,Jeanne," den der „ Cvnstitutionnel" jetzt veröffentlicht, und der trotz des großen Rufes der Verfasserin doch matt, schwülstig und gedehnt ist. Der letzte Ball der Gräfin Appony war äußerst glänzend. Naab's neue „Polka" machte den Glanzpunkt des Abends aus; — sie wurde super ieur-e- meut getanzt und noch mehr superieurement gvutirt. Wir haben etwas zu voreilig den Tod der famösen Polka angezeigt; — seitdem sie bei dem Hoffeste in Versailles (von Cvrali und Dlle Maria) getanzt worden ist, ist sie hoffähig geworden, — das hoffährtig werden wird ihr nun nicht fehlen. Eine neue Oper. Unser deutscher Landsmann, der hier lebende Compositeur Niedermaper, Verfasser des in der großen Oper mit Beifall gegebenen: „Stradella," ist von Herrn Leon Pillet mit der Composition einer neuen drciaktigen Oper beauftragt worden, deren Buch sehr interessant sein soll. Ball- und Concert-Monstre. Unsere Leser wissen bereits, daß die Industrieausstellung der verspäteten Eröffnung wegen, nicht am letzten Juni geschlossen wird, sondern bis 15 . Juli offen bleibt. Was sie aber vielleicht nicht wissen, ist, daß sodann das große Ausstellungs- Locale zu einem riesenhaften Doppelfeste, Euterpen und Terpshchoren gewidmet, benutzt werden wird. Am 18. Juli, um 1 Uhr Mittags, findet darin ein großes Musikfest, nach Art der deutschen Musikfeste, unter Hector Berlioz Leitung statt. Die Orchester sämmtlicher Pariser Theater, alle Künstler des Conservatoriums, die Sänger der beiden Opern, alle Chorsänger und Chorsängerinnen der Theater, des Conservatoriums u. s. w., kurz was in Paris nur von tauglichen musikalischen Kräften aufzutreiben ist, werden zu einem Ganzen vereinigt, und mehrere grandiose Vocal- und Instrumental-Piecen, meistens im einfachen und ernsten Style der alten Meister ausgeführt werden. Sontag, am 21. Juli, findet in demselben zum Ball- saale umgeschaffenen und glänzend decorirten Locale ein großes Ballfest statt, bei dem Strauß das Orchester von 300 Musikern leitet. Wir bemerken bei dieser Gelegenheit den deutschen Blättern, daß es nicht, wie sie immer glauben, der Wiener Walzerheros Strauß ist, von dem die französischen Journale sprechen, sondern ein anderer Strauß, auch ein Deutscher und ein recht wackerer Künstler, der sich hier als Ball-Dirigent und Cvm- ponist schon einen großen Ruf erworben hat. A. Weill zerarbeiret im „Satan" denarmen Professor Taillandier (in Montpellier), wegen seiner Artikel über die deutsche Literatur in der k.evue ckes Oeux- iVIonckk-.-,, ziemlich unbarmherzig. Herr Taillandier läßt sich allerdings oft große Jrrthümer zu Schulden kommen und ist meist oberflächlich, aber man liest seine Artikel doch noch mit zehn Mal mehr Vergnügen, als z. B. Herrn Gutzkows schlafmützige Literatur-Artikel. Übrigens tadeln wir Herrn Weill durchaus nicht dem französischen Professor so scharf zu Leibe gegangen zu sein, — wünschen aber nur, daß dahinter nicht etwas Götzendienerei für Gutzkow stecke, der auf Herr Taillandier, wegen versagten Weihrauchs, nicht gut zu sprechen ist. Der böse Kaiser von Rußland! Nicht nur Lablache will er uns nehmen, auch die ewig launige und geiftesjunge Dejazet will er uns*rauben. Nun begreifen wir, warum man von einer Jncognito-Neise des Czaren nach Paris murmelte; — er wollte die enteule eoi-cti-ue zwischen Dlle Dejazet und Herrn Dormeuil, Direktor des Palais-Roya<-Theaters, stören. Allein Seine Majestät der Beherrscher aller — (wir hätten uns bald verschrieben und:.,,Pr eu ßen" hingesetzt) aller Reußen kömmt nicht nach Paris. Sein Geschäftsträger, Graf Kisseleff, hat die ganze Sache arran- girt; —in seinem Aufträge begab sich der der Gesandtschaft attachirte Fürst Trubetzkoi zu der gefeierten Schauspielerin und legte ihr einen von dem Kaiser Nikolaus Unterzeichneten Vertrag vor, in welchem die Summe des Gehaltes en Klane gelassen worden war; — mit diplomatischer Feinheit und Präcision sagte er zu ihr: „Schreiben Sie und dann unterschreiben Sie." — Dlle Dejazet aber sagte gar nichts als: « Voilä! » füllte die leere Stelle mit i oo ooo Francs aus und Unterzeichnete dann in anmuthigen kalligraphischen Schnörkeln: Virginie Dejazet. — ^ revoir — pour jamais! Wo ist Dr. Karl Gutzkow? Eine anständige Belohnung bieten wir jedem, der uns sagt was aus dem Herrn K. Gutzkow der „Köllnischen Zeitung" geworden ist. Seit seiner Desavouirung durch die Redaktion sieht und hört man in dem ganzen Erdgeschosse der,,Köllnischen," Feuilleton genannt, nichts mehr von ihm. Wir nehmen alle Tage die „Köllnische Zeitung" in die Hand, wir suchen, — eitle Hoffnung! „Dir Nummern rauschen auf, sie rauschen nieder, — den Dr. Gutzkow bringt uns keine wieder." — Die „Köllnische Zeitung" soll seit diesem frohen Ereignisse mehrere hundert neue Abonnenten gewonnen haben. — Von einer andern Seite meldet man uns, daß Gutzkows literarische Thätigkcit für das Feuilleton der „Petersburger Hofzeitung" gewonnen ist. Deutsche Dichter in Paris. Unser geistreicher Landsmann H. Heine geht im Juli in die Bäder von Bareges und dann wieder nach Hamburg; —seine leidenden Augen sollen am ersten Orte Heilung finden; — wenn nur das, was er darauf in Deutschland sehen wird, sie nicht wieder schmerzhaft angreift. — Hebbe l, der gemüthvolle Dichter, ist hier und arbeitet an mehreren, wie wir hören, großartigen dramatischen Conceptionen. Sind sie das wirklich, so werden sie auf der deutschen Bühne bei ihrem jetzigen Zustande kein großes Glück machen; — ein Bischen: „Zopf und Schwert," — ein Bischen: „Bern- fteinhere," ein frivoles Lustspielchen und etwas griechische Spielerei, das ist das Höchste was Pub'likümchen in Deutschland als geistige Diät erlaubt ist. Lißts Krankheit. Unser hochbegabter Landsmann befindet sich auf dem Wege der Besserung; die Ärzte wollen ihn in acht bis zehn Tagen aus den Händen lassen; — er wird diese Freiheit nach der langen Gefangenschaft des Krankenlagers zu einer Rundreise durch Frankreich benutzen und Lyon, Bordeaux, Marseille, Toulon und die Provence besuchen. Ob er daselbst Conzerte geben wird? fragen die Leser. Wir wissen zwar nicht, was Lißt thun will, was aber das Publikum dieser Städte thun w i r d, wissen wir; — es wird ihm die Pferde ausspannen, der Postmeister wird ihm andere verweigern, der Präfekt wird ihm seinen Paß nicht zur Weiterreise visiren, er wird nicht essen, trinken und schlafen können, ja vor lauter Deputationen und Unterhändlern keinen Augenblick Ruhe haben, bis er nicht ein Cvnzert gibt; — hat man Lißt aber ein Mal gehört, so will man ihn noch ein Mal hören und so wird ein zweites Conzert folgen, dann ejn drittes, und aus der Lust- und Erholungsreise wird wieder nichts. Nedactcur: Heinrich Bvrnstein. Druck u.nt Schnellpressen von Paul R cnouard Paris, Sonnabend. Nr. 48 . IS. JnnL 1844 Abonnements-Preise r in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen: die Zeile L 50 Centimes. o r rv li / / MM- Man abonnirt: für Paris: im Duresu veatrsl pour ! -4.IIerns^ne, I »k> sips ülciulins, Z2. und in der Buchhandl. von D-euousrä et ; in den Departements: bei allen Postämtern und Mefsagerien; Deutschland, Schweiz, England, in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, tVissentehakt, Theater, MutiK und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am GrscheinungS-Lag: , an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des .H. Bi dault, 16, rue 6o In 3u88i6Nno.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briefen anzuzeigen. —Anfragen, Beiträge, PränumerationSgclder und Briese wollen franco : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 3s, ruv 668 älouIin8 in Paris » eingcsendet werden. Der neue Alexander. i. Es ist ein König in Thule, der trinkt Champagner, es geht ihm nichts drüber; Und wenn er seinen Champagner trinkt. Dann gehen die Atlgen ihm über. Die Ritter sitzen um ihn her, Die ganze historische Schule; Ihm aber wird die Zunge schwer-, Es lallt der König von Thule: „Als Alexander, der Griechenheld, Mit seinem kleinen Haufen, Erobert hatte die ganze Welt, Da gab er sich an's Saufen. „Ihn hatten so dürftig gemacht dev Krieg Und die Schlachten, die er geschlagen; Er soff sich zu Tode nach dem Sieg, Er konnte nicht viel vertragen. „Ich aber bin ein stärkerer Mann Und habe mich klüger besonnen : Wie jener endete fang' ich an, Ich Hab' mit dem Trinken begonnen. „Im Rausche wird der Heldenzug Mir später weit besser gelingen; Dann werde ich, taumelnd von Krug zu Krug, Die ganze Welt bezwingen." II. Erster Feldzug. Da sitzt er und schwatzt, mit lallender Zung', Der neue Alexander; Den Plan der Welteroberung, Den setzt er auseinander : „Lothringen und Elsaß, das weiß ich längst, Die fallen uns zu von selber; Der Stute folgt am End' der Hengst, Es folgen der Kuh die Kälber. „Mich lockt die Champagne, das beff're Land Wo jene Neben sprießen, Die lieblich erleuchten unfern Verstand Und uns das Leben versüßen. „Hier soll sich erproben mein Kriegesmuth, Hier soll der Feldzug beginnen; Es knallen die Pfropfen, das weiße Blut Wird aus den Flaschen rinnen. „Hier wird mein junges Helventhum Bis zu den Sternen mussiren ! Ich aber verfolge meinen Ruhm, Ich will auf Paris marschiren. „Dort vor der Barriere mach ich Halt, Denn vor den Barriere-Pforten, Da wird kein Octroi bezahlt Für Wein von allen Sorten." Heinrich Heine. LV881L, (Letztes Capitel.) Deutschland und Frankreich. Summarium: Französisch-deutscher Bund. — Der alte französische Liberalismus. — Deutschland im Jahre 1830. — Das linke Rheinufcr. — Interesse Rußlands und Englands im Orient. — Algierische Frage. — Orientalische Frage. — Schluß. Die Idee einer französisch-deutschen Verbündung hat noch nicht in der öffentlichen Meinung Wurzel gefaßt. Sie ist weder zu den Anführern noch zu dem Haufen gedrungen. Deshalb besprechen wir diesen Gegenstand mit Schüchternheit, und wir können den Leser nicht oft genug erinnern, daß er sich zum Voraus aller fremden Begriffe ent- äußern muß und sich nur um die eigentliche politische Essenz der Frage zu erkundigen hat. Man hat sich in einer gewissen liberalen Schule gewöhnt, den Rhein wie ein unübersteigliches Hinderniß zwischen Frankreich und Deutschland anzusehen. Erinnerungen anderer Tage, sehr übel angebracht zu einer Zeit, wo die Welt-Interessen verändert sind, treten unaufhörlich wieder vor die Blicke des alten Liberalismus, um sich ungeschickt zwischen den Bedürfnissen Frankreichs und der neuen Tendenz Deutschlands zu stellen. Daher kömmt das Mißtrauen und die Empfindlichkeit, welche den natürlichen und rationellen Lauf der Ideen hemmen. Daher die Abneigung ohne Ursache, die von Rußland sorgsam in Deutschland, und in Frankreich durch eifrige Freunde Englands genährt wird. Ja, wir scheuen uns nicht zu behaupten, daß der alte Liberalismus mit seinen bleibenden Lockungen, mit seinen todten Traditionen, mit seinem unzeitigen Lärm und mit seiner Prahlerei mehr zum Unglück Deutschlands beigetragen und zur Nieder- drückung Frankreichs unterm englischen Joche, als alle Anspinnnngen des Czars und alle Protokolle Palmerstons. Was uns in Frankreich vielleicht unbekannt blieb, ist daß das elektrisirte Deutschland uns im Jahre 1830 angehörte und uns die Arme öffnete. Doch wir haben von Eroberung gesprochen und die Zeitungen haben ihren ewigen Schlachtruf zum Rhein, zum Rhein! wieder angestimmt. Und das betrübte Deutschland, welches mit sehnendem Blicke nach Frankreich sah, hat deshalb der heiligen Allianz Gehör gegeben, welche ihm zurief: Dies sind nicht Deine Brüder, aber Deine Feinde. Schlimmes Mißverständnis Rußland war da um das Protektorat Deutschlands zu übernehmen. Und Frankreich über die Gesinnungen jenseits des Rheins irre geführt, ließ sich leicht und gelassen an die englische Politik schmieden. Daher diese unerträgliche Lage in Deutschland sowohl als in Frankreich, welche sich bestrebt die Zukunft zu kompromittiren, ebenso das Gedeihen nach Innen und die Kraft nach Außen und den innern Frieden beider Nationen. Nie, man kann es behaupten, zu keiner Epoche der Geschichte Europa's haben wir ein Bundes- System weniger verträglich mit den Interessen der Völker gehabt und welches diese eben sehr in ihren Lebensbedingungen bedrohte. Man hat viel geschrieben, gesprochen und gestritten um die übrigens sehr unbedeutende Frage des Rheinbesitzes. Diese Art von Streit endet im Allgemeinen nur mit kasuistischem Unterschiede. Flüsse und Berge sind keine wahren Grenzen. Aber es trifft sich immer das man denen, welche die Schicklichkeiten der Sprache und der Sitten vorschützen, mit Flüssen und Bergen antwortete, so wie denen, welche ihr Argument auf geographische Gränzen baut, mit Sprachverschiedenheiten und Sitten aufwartetete. Dazu kommt noch, daß ein jeder von den Gegnern für sich und seine Ideen diese Zauberworte, natürliche Grenzen anführen kann. Was ist natürlicher als ein Fluß oder eine Sprache? Und doch, Elsaß, welches deutsch spricht, will sich nicht vom französischen Gebiete trennen, wie die Deutschen vom linken Rheinufer nicht von Deutschland getrennt werden wollen. Das Eine hält an den politischen Rechten und an der moralischen Stellung Frankreichs, welche es mit allen übrigen Provinzen theilet; die Andern beabsichtigen die große Deutsche Einheit, diese ewige Religion aller deutschen Herzen. Man findet so, daß die Frage gar keinen Ausgang hat. Aber wa- rum stellt man diese Fragen? Warum stößt man ins Horn um beständig den Deutschen zuzurusen,daß man ihnen das linke Rheinufer nehmen wird ? Warum dieser Lärm der den rückwärtsgehenden Regierungen zu Gute kommt, dergestalt daß einer der vorzüglichsten Staatsmänner Deutschlands sich wie folgt ausdrückt: „Herr Thiers hat sich um unsere Regierungen auf ewig dadurch verdient gemacht, daß er im Jahre 1840 die Gefühle und Gesinnungen der alten deutschen Nationalität wieder anfachte, so, daß unsere Regierungen ihren Privatnutzen daraus ziehen konnten, gerade so wie im Jahre 1813." Es ist unmöglich klarer zu sein. Nein, und immer Nein, kein Grenzstreit der von nun an Frankreichs Interesse von denen Deutschlands trennen soll. Erhebt euch, wenn ihr wollt, zu den ausgedehntesten Spekulationen, schafft aus demMit- tel-Europa eine gewaffnete Phalanx welche zwei mächtigen Feinden widerstehen könnte, und ihr werdet sehen, daß diese große Angelegenheit von den natürlichen Grenzen plötzlich ein ziemlich unbedeutender Punkt in der neuen Gestaltung wird. Übrigens, wer weiß wie viele Concessionen eine lange und aufrichtige Verbindung von beiden Seiten bringen könnte. (Fortsetzung folgt.) Ans Berlin.. Ich habe einen Propheten entdeckt, wo man ihn gewiß nicht vermuthete, einen Propheten für das Preußen von 1844'. Mirabeau, der große beredte Mrabeau, war bekanntlich in den Jahren 1786 und 1787 mit diplomatischen Aufträgen des Tuilerienhofes in Deutschland und vorzugsweise in Berlin. Bald darauf ließ er die Fülle seiner in den Depeschen niedergelegten scharfen, geistvollen Beobachtungen als Weihgeschenk für die französische Revolution, übrigens anonym, erscheinen, unter dem Titel: Ilisloire socrete de tu cour de Berlin, 2 tomes, 1789. V o ln e y, in seinem berühmten Buche: les Iduines, sagt von diesem Werke, es habe gezeigt, wie das beste Mittel, die abergläubische Verehrung vor den Mächtigen dieser Erde zu vertreiben, darin bestehe, ihren persönlichen Lebenswandel zu enthüllen. Allerdings beziehen sich nun die folgenden Auszüge aus Mirabeau's Depeschen angeblich auf Friedrich Wilhelm II., den Großvater des jetzigen Königs. Aber ein Narr, wer's glaubt: Mirabeau hatte nur den Muth nicht, dem damals herrschenden Unglauben seine Gesichte prciszugeben, darum maskirte er sie. Man vergleiche. Bekanntlich liebt es der jetzige König von Preußen, seine Politik als eine ächt deutsche darzustellen. So verwarf er vor Kurzem den Antrag des rheinischen Landtages, statt des königlichen Strafgesetzentwurfes, worin der Prügel keine unbedeutende Rolle spielt und der Adelsund Deamtenwelt besondere Gerichtsstände Vorbehalten werden, einen anderem mehr dem freisinnigen französischen Rechte sich nähernden Entwurf abfassen zu lassen, mit der im Landtagsabschied enthaltenen Phrase: ,,Den Antrag aber, einen neuen, ans die französische Gesetzgebung gegründeten Strafgesetzentwurf ausarbeiten zu lassen, weist der König um so entschiedener zurück, da er es sich zu einer Hauptaufgabe gestellt Hat, deutsches Wesen und deutschen Sinn in jeder Richtung zu stärken." In dieser Beziehung sagtMirabeau, Thl. I, S. 259: « de crois c>ue le Hoi s concn l'idee «1 despoir de devenir un Arand Boinine en so laissnt ädlemand, puremenl ^.llemsnd et nac^usnt sinsi 1s snpei iorile drancaise. » Dann läßt er einen Minister (wahrscheinlich den allbekannten Eichhorn) zum Könige sagen: « II ne vous reste gu'nne maniere d'ette guelque cllose, c'esl 6« donner une impulsiv» ä volre Nation, qni doil daler de votre regne un nouveau gen, e de gloire; vous ne pouver la donner, ceUe impulsiv», «zu'en vous mettant ä tout de tvt«. » Von den vielen neuen Einrichtungen und Versuchen in Preußen heißt es (das. Bd. 2 , S. 38-, 4 Bd. 87,145): « L'est une etrsnge manie gue de vouloir rendre raisou de tous les caprices des rois. Strange singu- larite gue ce de /-ordere et de /ärLte^e par leguel les demi-caracleres se perdenl! UacBiavel a raison : « dout le mal de ce monde vient de ce gu'on n'est pas asser Bon ou asser: mecBanl. » d'ai grand' peur^ue teile ne soit la devise de !a monarclne prussienne. (Quelle lluctua- tion de plans, d'ordres, de volontes! Quelle diselle de force et de mo^ens! » Über die Projekte des Schwanenordens, die Begünstigung der Pietisten und Verfolgung der Lehrfreiheit, überhaupt jeder unabhängigen Gesinnung läßt sich Mi- rabcau ( 2 . Bd. S. 147, 179) so aus: « d.» verite est, gue ce prince protege viveinent le s^sle.oe de ceux c;ui trouvent dans ia prolondeur de leurs connaissances rn^stigues de quoi conduire les affaires d'Ltat. Ba laveur pour ces Systeme» va tou- jouis en s'eclrauffant, ou plulol en se demasgusnt; car eile ne s'estjamsis refroidie. — II semBIe gue ce soit une eonfederation tacite, et gu'on ne veuille metlre dans l'administralion gue desseclsii-es epiou- ves et fervens. dersonne n'ose les comlrattre; tout le monde ploie Ia tele; les eselaves de cour et de ville, gui n'ont pas pris les devans, murmurentä voix Basse, et peu-ä-peu ils se rangent du psrti dominant. », Die Wirksamkeit der Provinzial-Landtage schildert Mirabeau unter dem Gleichnisse einberufencr Handelskammern (das. 162 ): «c On n'est pas d'accord sur le gen re «le Services gue peut rendre au gouvernement le comit^ des mar- cBavds couvogues des differentes provnice». ve'rrVe ert, c'e§t te «/c/rer/rt et /onda-nc,rt«t g'n'rt ^'«Arrart de detr?/rre et go/o-r -re rent ^rre /-«//rer. de saug est infecte; au lieu de l'epurer, on ne pense gu'a fermer tel et tel ulcere, on exaltera le virus et gare la gangrene. » In Beziehung auf die allgemeine Klage, daß nichts wirklich Heilsames geschehe, heißt es (das. S. 263): «Be roi s efourditsur toutcela.damals onne porta plus loin la manie de regner par »oi-mvine sans rien faire. » 3um Schluß wird folgendes Panorama ausgestellt (das. 317, 348) : damals ro^aume n'annonca une plus prompte de- csdence. On le sape par tous les endroits ä-ia-iois. On di minus les mo^en« de recette, orr -N7r//r/»/r> teL de/ienLSL, on tourne te ctos ann /-rrrrerpesorr ^as/,r//e t'o/irnrorr; on affaiBlit t'armee; orr ckeeorrra§6 /s/rc§ /-e/r'/rro-rrÄre de g»rr'o-r /-orrrr«//e--r/-/o^er,- on mecontente ceux-lä meme pour lesguels on a me- contente tout le monde; on eloigne tous les elran- gers gens de merile; orr ^'errtorrrede c«7r«r//eL,/-07rr' anor>t'»r>do re^-rer Ferrt / cetle funeste manie est Ia cause Ia plus leconde de tout le inal gui se iait, et de tout celui qui se prepare ! » Auf, ihr königlich preußischen Stützen für Thron und Altar! auf, auf gegen diesen „ frechen, unehrerbietigen Tadel der Landesgesetze und Einrichtungen;" gegen diese PestHoch aus dem längst vermoderten Grabe eines halben Jakobiners! Hochverrats), Feuer, jo! Was? er verhöhnt unser Streben nach ächt deutschen Einrichtungen ? Haben wir nicht den urgermanischen Orden pour le merite wieder in's Leben gerufen? Bringen wir nicht die Trauerspiele von Sophokles auf die Bühne und die Lustspiele von Plautus? Kann cs was Deutscheres geben, als sich Horazen's klassisches Latein Vorsingen zu lassen? Quaken wir nicht mit den Fröschen des Aristophanes? Großer Gott, wir hätten keinen deutschen Sinn, in uns lebte nicht das Blut Herrmann's des Cheruskcrs, die wir unsere Grenzbewohner von den Russen mißhandeln, plündern, todtschießen, nach Sibirien schleppen lassen, weil sich eine große Nation, wie wir, billig schämen müßte, ihre Aufmerksamkeit an solche Bagatellsachen zu wenden! Aber Mirabeau ist ein verstockter Sünder: er gibt nichts auf diese Einwürfe. Kommt heran, Preußen, heran, Österreich, und hört was er von euren moskowitischen Freunden prophezeit, mit denen ihr Polen getheilt, die heilige Allianz geschlossen, denen ihr den entscheidendsten Einfluß auf eure Politik, selbst auf die blos innere, gestattet habt. Es heißt von Rußland (das. i. Bd., S. 220 , 221 ,275): « t)ue de Revolution» et de cäser d äs-nme^ et de cäoLes occ»sionners le developpement des destinees de cet empice, et do-nr-re §r-cce§§r'r>e-ne»t tortt cs /'e-rtor,--e et /'tt-'orHe / Ia veritä, so» intluenee sur cBague point psrsit devoir Htre en raison inverse de leur multiplicite. Usis com Bien le nomBre de ces points de contact ne s'auFmente-t-il pas pour I'Lurope; et sau» se Bäter de deviner le sort de l»'dur^uie europeeane pour se les exagerer, si la Hussie prend I't/1--Kr-re (comme la maniere dont eile arme l» mer bioire et dispose so» commerce, parait indiquer clsirement un dessein imminent), co-nLrc-r-re / /ete a do-rs t Lm/rere«--, s'il est impossiBle de lui deinonlrer k^u'il vaut mieux »voir des 'durcs et de» dolonais pour voisins, c;ue cette etrsn^e nstioo, propre s tout, susceptiBle de tout, ui lui sera tres salulaire, parce gu'alors eile sera vraiment inatts- quaBIe et presc^ue inaccessiBle ä loute l'Lurope reunie, sera operee au Moment oü eile l» tenters, si nous n'^ prenons Farcle. Ouel que soit l« jour oü l'apprenne <^ue cela est eonsomme, et meine c^ue le nouveau Systeme de In 8uede est totalement Bou- leverse, je ne serais ps» surpris. » Mirabeau schrieb 1789 : Kurland ist hin, Neurußland ist hin, Finnland ist hin, alles wie er es vorausgesagt. Ich ärgere mich ordentlich, daß ich nicht auch den Verlauf prophezeit finde, welchen der russische Appetit bei den fetten Bissen in Deutschland nehmen wird. Doch was sageich? Ganz Deutschland ist russisch;nur weil Clima und Sitte milder sind, gestaltet sich die Knute jn den Censorstift; was dvrtSibirien ist, Heißthier Jnquisitions- prozeß oder Hannover oder Bundcstagsbeschluß oder — ach! cs sind vom freien deutschen Rhein bis an dieOder der ,,oder" unzählige, und wenn man sie auch zählen könnte, so wachsen in der Zwischenzeit eben so viele neue nach. Aber sagen Sie selbst : ist nicht Mirabeau ein Prophet? Zeigt nicht unsre Zeit zum Erschrecken das ähnliche Gesicht, wie vor 56 Jahren? Hatte ich Unrecht, als ich Ihnen kürzlich schrieb, wir Deutsche stehen jetzt in den 1780er Jahren der Franzosen? Mein deutscher Patriotismus gebietet mir übrigens, dem französischen Seher einen Deutschen gegenüber zu stellen. Woher wußte P laten, daß die jetzige preußische Regierung mit Rom liebäugeln und dabei gleichzeitig Rom's Todfeind, Rußland, hätscheln werde? Platen ift nun schon ziemlich lange todt (er starb 1835); in seinen nachgelassenen politischen Gedichten, Straßburg 1841 (die Cotta'sche Sammlung seiner Werke durfte jene natürlich nicht aufnehmen) schildert er die russisch-katholische Politik des Berlins von 1844 kurz mit folgenden Zeilen: ,,Diesen Kuß den Moskowiten, Deren Nasen sind so schmuck ! Rom mit seinen Jesuiten Nehme diesen Händedruck'." Was Rußland betrifft, so schließt ein freisinniger alter Rechtslehrer, Professor Häberlin in Helmstädt, sein 1792 erschienenes Handbuch des deutschen Staatsrechtes mit einem Seufzer darüber, daß man Rußland zum Garanten des Teschener Friedens (1779) aufgerufen habe. „Der Kurfürst von Trier behauptete sogar beim Ausbruche der jetzigen Unruhen, daß weil in dem Teschener Frieden die älteren Friedensschlüsse, namentlich der west- phälische, bestätigt seien, so sei Rußland Garant auch des westphälischen Friedens. Für Rußland, das so gerne die ganze Welt despotisch beherrschen möchte, ist eine solche Behauptung sehr willkommen. Schon hat der russische Hof, der bekanntlich seit mehreren Jahren hundert tausend Mann auf dem Papier gegen Frankreich marschiren läßt, der den Frieden auf alle Art zu verhindern, und den Krieg, jedoch ohne seine Beihülfc, zu 3 verlängern sucht, um nur die kriegführenden Mächte zu schwächen und sie dann nach Willkür beherrschen zu können, — sich vermöge der Garantie für berechtigt gehalten, die deutschen Reichsstände auf dem Reichstage auffordern zu lassen, daß sie alle Kräfte gegen Frankreich aufbieten sollen. Der erste Schritt zu einer Behandlung des deutschen Reichstages, wie weiland des polnischen zu Grodno, wird also geschehen." Man sieht aus dieser Stelle, die ich mit vielen anderen aus damaliger Zeit verstärken könnte, daß wir Deutsche Rußlands Absichten von lange her kennen. Aber was hilft das ? Rußland hat Preußen im Sack — Folge von Sympathie ; Rußland hat Österreich im Sack — Folge von Feigheit und Finanznoth; Preußen und Rußland haben die übrigen deutschen Staaten im Sack — Folge des „ausgelegten" Bundesvertrags und der Angst vor den Radikalen: also sind wir allesammt im Sack, Fürsten, Adel und Canaille, und werden darin bleiben, bis die Franzosen einen Riß hinein machen. Dabei gereicht es jedoch jedem deutschen Patrioten zu nicht geringem Trost, daß dem Kaiser aller Reußen, dem zärtlichen Vater Polens, dem aufrichtigen Freund allen Fortschritts, dem wohlwollenden Nachbar der Türken und Tscherkessen, dem Civilisator Europas, dem Eman- zipator der Juden, dem trefflichen allgeliebten Niko- las I. fast ausschließlich deutsches Blut in den Adern rinnt. Denn also ist sein Stammbaum. Sein Vater war Kaiser Paul (wenigstens ostensibel; Mirabeau erzählt freilich eine artige Geschichte von einem französischen Ca- valier), seine Mutter eine Prinzessin von Würtemberg. Pauls Vater war Peter III. (auch wenigstens angeblich); Katharina II. entthronte und ermordete diesen ihren Gemahl besonders auch deßwegen, weil er damit umging, ihren Sohn öffentlich für einen Bastard zu erklären, s. z. B. ^necckoles russes, b.» Ils^e 1765. S. 12o). Katharina II. war eine Prinzessin von Anhalt-Zerbst, Peters HI. Vater war der Herzog Carl Friedrich von -Hol- stein-Gottorp, und nur seine Mutter, die Großfürstin Anna, hatte in soferne russisches Blut, als sie die Tochter Peters des Großen, der seinerseits den Aleri Michaelo- witsch, eigentlich aber den Sergej Soltikov zum Vater hatte, und Katharinens der Ersten, einer finnischen Dra- goners-Wittwe war. Und welch ein idyllisches Familienleben! Peter der Große läßt 1710 seinen Sohn Aleri hinrichten, Katharina die Zweite 1762 ihren Gemahl und 1764 ihren Vetter Iwan den Dritten, den legitimen Thronerben, umbringen; 1796 wird sie selbst mit Betttüchern erstickt, 1801 ihr Sohn, Kaiser Paul, ermordet. Das Alles ist wahrscheinlich auch „deutsches Wesen und deutscher Sinn?" Ich würde Vorschlägen, diese effekt-' vollen Scenen »I ki-eseo in der Regensburger Wallhalla auszumalen und ein Carmen von Nikolaus Becker, dem Sänger des freien deutschen Rheins, zu bestellen, des Inhalts, daß Rhein und Newa, die deutsche Freiheit und die moskowitische Leibeigenschaft Geschwister seien und Eine große friedliche Bedientenstube vom Bodensee bis ans Weiße Meer reiche. Ich fühle wohl, das ich meine Correspondenz nicht regelrecht einrichte. Statt Schritt für Schritt hinter den Tages-Ereignissen herzulaufen und jede Fußstapfe zu untersuchen, wie es einem wackeren Corrcspondenten gebührt, fahre ich wie ein ungeschlachter Bullenbeißer jeden Augenblick der Geschichte an die Waden, springe der frech voranschreitenden Reaktion an die Gurgel. Warum das, da ich doch die Geschichte nicht ändern, die Reaktion nicht aufhalten kann? Je nun, warum das? Warum kann man es sich nicht geben, auf die Sehnsucht nach der Freiheit zu verzichten und in servilem Materialismus ein Schlaraffenleben zu führen? Wenn ich über Deutschland berichten soll und nun mein armes Vaterland so ansehe, wie es im Inneren zerrissen, eine Domäne der Fürsten, ein Schauplatz für Komödien, ein Spielball für persönliche Launen ist, wie es im Auslande ohne politisches Ansehen bleibt, weil unsere Diplomatie keine Selbstständigkeit, keine Nationalität, keine Energie, keine Ehre hat; wenn ich bedenke, wie es der vielen politischen Intelligenz in Deutschland nur an der Anwenduug, dem allverbreite- ten guten Willen nur an Organisation gebricht und, wie das herrschende System, welches die deutsche Nation heute mit Köttner Dombau und Franzosenhaß äfft und morgen wieder mit Fußtritten aller Art, Landtagsabschieden, kirchlichen und politischen Verfolgungen mißhandelt, durch einen einzigen großen gleichzeitigen Entschluß der Nation sich in Trümmer schlagen ließe — wo soll ich da die Fassung hernehmen zu einer nüchternen Chronik unserer erbärmlichen Ereignisse? Und doch, und doch — es muß sein, der Deutsche kann Alles, beinahe selbst grob gegen einen Baron sein. Also will ich bei meinem nächsten Berichte die Zipfelkappe aufsetzen, und Ihnen einen Detailbericht schicken, so zahm, als hätte ihn einer der österreichischen Offiziere geschrieben, die nun schon seit vielen Jahren politischer Vergehen wegen auf dem Spielberg schmachten und strumpfstricken müssen, dieweil der Absolutismus Seide spinnt. D. Schn. Theologische Widersprüche. Randbemerkungen zu Schleiermachers theologischen Schriften. Das Wesen, so wie die Eigenschaften Gottes sind nur Vorstellungen unseres Geistes. Und da Geist und Vorstellung etwas blos Menschliches sind, so ist und kann unser Gott auch uns ein rein Menschlicher sein. Je nach äußern Einflüssen und Muthmaßun- gen nimmt er Gestalt und Charakter an. Er ist die willkürliche nicht die nothwendige Vorstellung des Geistes, wie sie die Wissenschaft fordert. Die Vorstellung oder Anschauung einer Kreislinie ist für den Chinesen, wie für uns, dieselbe, weil sie eine durch sich selbst nothwendige ist; die Vorstellung eines Gottes ist eine rein willkürliche. Darum ist die Gotteslehre — Theologie — auch keineswegs als Wissenschaft zu rechtfertigen. Hochmuth, Betrug oder Dummheit konnten sie nur dazu machen. Wie läßt sich wohl auf wirre Einbildungen und schwanke Gefühle eine Wissenschaft gründen! Auch verdiente, wegen seiner innernLVidersprüche alles das, was man bis jetzt über diesen Gegenstand gedacht und gesagt hat, kaum die Aufmerksamkeit des Denkers, wenn es nicht auf die ungeheure Masse der Nichtdenkenden den traurigsten Einfluß ausgeübt, sie ihrer menschlichen Freiheit beraubt und sie zu Sklaven einer Fantomwelt gemacht hätte. — Besehen wir uns die Eigenschaften des theologischen Gottes etwas näher bei Lichte. Und es verlohnt sich wahrlich der Mühe, denn seine sogenannten Priester und Eingeweihten versichern uns, daß er unendlich gut ist. Allein Gott ist der Urheber aller Dinge, folglich muß man auch alle Übel, die das menschliche Geschlecht Niederdrücken, ihm zurechnen. Das Gute und das Böse setzt zwei Grundwesen voraus, oder, wenn es nur eines gibt, so muß es wechselweise gut und böse sein.' Man sagt, er wäre gerecht, und diese Übel züchtigten uns nur für die Unbilden, die wir ihm zu- sügten. Also der Mensch hat das Vermögen seinem Gotte ein Leid anzuthun? Allein, um Jemanden zu beleidigen, müssen Beziehungen zwischen ihm und uns walten. Jemanden beleidigen, heißt in. ihm das Gefühl des Unwillens erwecken; und wie kann ein schwaches Geschöpf, das von Gott sein Dasein erhielt, gegen den Willen einer unwiderstehlichen Macht handeln, die nie in eine Unordnung oder Sünde willigt? Die Gerechtigkeit bedingt die Nothwendigkeit Jedem zu geben, was ihm gebührt. Und nun sagt man uns, daß uns Gott nichts schuldig wäre; daß er ohne Verletzung seiner Billigkeit das Werk seiner Hände in den Abgrund aller Mühseligkeiten stürzen könne. Diese Übel, versetzt man dagegen, sind vergänglich; sie dauern nur eine Weile. Allein ist es nicht unbillig uns damit, wenn auch nur aus einige Zeit zu beschweren? „Es geschieht zu ihrem Wohle, wenn er seine Freunde züchtigt!" Wenn er aber gut ist, kann er ihnen Leiden aufdringen — auch nur auf kurze Zeit? — Wenn er Alles weiß, hat er alsdann nö- thig seine Lieblinge zu prüfen von denen er nichts befürchten darf? — Wenn er allmächtig ist, warum läßt er sich von eiteln Verschwörungen beunruhigen die man wider ihn angesponnen? Wie möchte der Mensch wohl gut genannt werden können, der seine Mitmenschen nicht aus allen Kräften glücklich zu machen suchte? Warum aber erlaubt der theologische Gott das schmähliche Loos unter welchem neun Zehntheile der Menschheit seufzen? Ein einziger Spruch seiner Allmacht hätte sie von ihrem Elende und ihrer Erniedrigung befreien können. Warum enthält er sich aller bessern Anordnungen? Was antwortet man uns auf dies alles? „Die Nrtheile Gottes sind unerforschlich." Jft nun dieS der Fall, warum faseln und vernünfteln die Theologen also darüber? Aus welchem Grunde geben sie ihm eine Tugend, die Niemand durchdringen kann? Welche Begriffe soll man sich von einer Gerechtigkeit machen, die der menschlichen niemals gleicht? „Seiner Gerechtigkeit hält die Langmuth, Barmherzigkeit und Güte das Gleichgewicht!"—Doch diese Güte schadet seiner Gerechtigkeit. Wenn er unwandelbar ist, kann er diese auch nur einen Augenblick entziehen? Gott hat die Welt, wie uns die Theologen versichern, seiner Verherrlichung wegen erschaffen! — So hatte der über alles Erhabene noch Etwas zu seiner Verherrlichung zu machen. Die Liebe zur Verherrlichung ist blos das Verlangen sich mit Seinesgleichen zu messen. Wenn er dem Ehrgeize ausgesetzt ist, warum gestattet er daß man ihn beleidige? — Gewiß um uns für den Mißbrauch seiner Gnaden zu züchtigen? — Aber warum läßt er diesen Mißbrauch seiner Gnaden zu? Oder warum erstrecken sich diese Gnaden nicht so weit, daß sie mich zwingen, nach seinen Absichten zu handeln? „Darum nicht, weil er uns frei schuf?" Warum bewilligt er mir eine Freiheit, von der er voraus wußte, daß ich sie mißbrauchen werde? — Eine Folge dieserFreiheit ist, daß der größteTheil der Menschen, wegen der Fehler die sie in dieser Welt begehen, jenseits ewig bestraft werden. Aber wie kommen ewige Strafen zu einem göttlichen Verbrechen oder Vergehen? Was würden wir von einem Könige halten, der einen Nnterthanen spießen und braten ließe, weil er in der Trunkenheit seine Eitelkeit verletzt, und der sich überdies selbst beflissen hätte, ihn in diesen Zustand zu versetzen? Man antwortet uns hierauf, daß Gott so vorzügliche, den unsrigen so wenig ähnliche Eigenschaftenbesitze, daß sie in keiner Weise miteinander verglichen werden könnten. Allein wie mag man sich in diesem Falle einen Begriff davon bilden? Warum maaßt sich die Theologie an sie zu predigen? „Gott hat ja geredet; er gab sich selbst den Menschen zu erkennen!" Wann und wem? Wo sind die göttlichen Aussprüche? In uralten und widersprechenden Histörchensammlungen, woraus wir weidlich ersehen, daß der Gott voll Weisheit ein dunkles, hinterlistiges, vernunftloses Zeug schwatzte; daß der Gottvoll Güte grausam und blutdürstig; daß der Got4 voll Gerechtigkeit ungerecht und Parteiisch gewesen sei, daß er die Unbilligkeit befohlen habe; daß der Gott voll Barmherzigkeit den Schlachtopfern seines Zornes die gräulichsten Martern angethan. „Die Beziehungen zwischen den Menschen und Gott können sich nur aus moralische Eigenschaften gründen!" Wenn jedoch die Menschen diese Eigenschaften nichterkenneu, so ist es unmöglich daß sie ihnen als Muster dienen. Wie kann man sie nachahmen ? Es ist schon kein Verhältniß zwischen Gott und den Menschen; also ohne Verhältniß auch gar keine Beziehung. Wenn Gott unkörperlich ist, wie wirkt er auf die Körper? Wie können Körper auf ihn wirken, ihn beleidigen, seine Ruhe stören, Ln ihm die Regungen des Zornes aufreizen? Wenn der Töpfer über das Geschirr, daö er gemacht hat, zürnet, weil er es verderbte, so ist's ja er selber den er darüber hernehmen müßte'. Wenn Gott den Menschen nichts schuldig ist, so sind auä) sie ihm nichts schuldig. Das sind keine Beziehungen, die nicht wechselseitig sind; die Wichten haben ihre Grundlage in den natürlichen Bedürfnissen der Menschen. Wenn Gott ihrer nicht nöthig hat, so kann er ihnen nichts schuldig sein, und die Menschen können ihn nicht beleidigen. Sein Ansehn beruht nur auf dem Guten das er den Menschen erweis't, und das sie von ihm erwarten. Ist er ihnen dies Glück gar nicht schuldig, so hören alle Bezüge gänzlich auf. Wenn man Gott alle menschlichen Tugenden in einem Grade von unendlicher Vollkommenheit beilegt, wie mag man sie alsdann mit seinen metaphysischen Attributen vereinigen? Wie kann er, Lin reiner Geist, dem Menschen gleich handeln, der ein körperliches Wesen ist. Ein reiner Geist sieht nichts, hört weder unsre Bitten noch unser Klaggeschrei, und kann sich also über unfern Jammer nicht erbarmen, eben deswegen, weil er der sinnlichen Werkzeuge beraubt ist, durch welche das Gefühl des Mitleids in uns erregt wird. Ist er unveränderlich, so kann er seine Anordnungen nicht mehr ändern. Er ist ganz und gar nicht unendlich, so lange die ganze Natur mit ihm zugleich bestehen kann, ohne daß sie selber dieser Gott wäre. Eben so ist er auch nicht allmächtig, wenn er das Übel dieser Welt zugibt, oder ihm nicht vorbeugt; noch -a l l- gegenwärtig, wenn er in dem Menschen der sündigt mcht mehr ist, oder wenn er in dem Augenblicke, wo er die Sünde begeht, von chm zurückweicht. Die Offenbarung würde Bosheit beweisen. Die ganze Offenbarung setzt voraus, daß Gott dem menschlichen Geschlechte während tanger Zeit habe Kenntnisse vorenthalten können, die zu ihrem Glück und Heil nothwendig sind. Und sie nur einer kleinen Anzahl angedeihen lassen, wäre eine Bevor- theilnng in seiner Liebe, die sich mit seiner Güte und Gerechtigkeit nicht verträgt. Die Offenbarung vernichtete seine Unwandelbarkeit, weil sie voraussetzte, daß er zu einer Zeit etwas gethan hätte, das er zu einer andern nicht that. Und überdies — wozu taugt eine so geheimnißvolle Offenbarung? ich will sagen eine Offenbarung, die schon gemacht ist, nicht verstanden zu werden? — Etwa damit sich ein Heer von Gauklern und Betrügern ihrer bemächtige und dem Volke von wegen des unerforschbaren Gottes Ekel vor der Vernunft und blinde Unterwürfigkeit unter den Willen des Fürsten predige ? G. M. Pariser Plaudereien. M e t e o r o l og i e. Seit Anfänge Mais haben wir, zum größten Nachtheil der Atmosphäre, fast beständig den alles austrocknenden und jedes Vorwärtskommen hemmenden Nordwind, und wenn nicht Süd und West sich zuweilen, aber viel zu selten, mit Gewalt vordrängten und uns einen warmen, befruchtenden Platzregen sendeten, so wäre es um alle unsre Hoffnungen geschehen. In Amerika steht es nicht besser. Der kvnigl. preuß. geheime Ge hei mder ath von Raumer (wir glauben dem Boudoir-Historiographen diese Duplicität schuldig zu sein um ihn in dem Vaterlande rathloser Näthe und öffentlicher Geheimnisse vor andern auszuzeichnen), Herr Fricdr. von Raumer also, der eben mit seiner Familie auf einer Reise nach Ccntral-Amerika begriffen ist, berichtet uns, daß sein Schiff in sehr südlichen Breiten von Ungeheuern Eismassen umlagert worden sei, welch durch den Nord w i n d vom Pole dorthin getrieben wurden.— Wir fürchten sehr daß sich dies Pvlar-Cis, besonders Ln und um Califvrnien bleibend stellen wird. Nach Deutschland, und nebenbei nach Holland und England, hat uns der fatale Nordwind, außer andern Unannehmlichkeiten , auch den russischen Kaiser gebracht. — Möge er bald und spurlos von dannen fahren! — der Nordwind nämlich. Medizinisches. Wir haben in p,r,x> oft alte Übel mit neuen Namen, hier aber ist von einem neuen Übet mit altem Namen die Rede; Graf Orlvf nämlich, General- Adjutant des russischen Czars, derselbe welcher eben an Benkendorfs Stelle Polizei-Minister geworden ist, derselbe welcher den Kaiser auf seiner jetzigen Reise begleitet, hat selbst in seinem Varerlande (wo man sich ihn freilich nur in die Ohren flüstert), den Spitznamen : ebolers- „.orlius. — Die Veranlassung hiezu ist keine einfache, sondern eure sehr vielfältige. — Als Dieb'itsch- Sabalkanski mit den lebendigen Polen nicht sobald fertig werden konnte als mit dem tvdten Gesteine des Hämus (weshalb die Berliner Gassenjungen den Helden auch zum „Diebitsh-So bald kannst nicht" umtauften), ergrimmte der Czar und schickte ihm seinen Adjutanten Orlof,— um den Borusso-Russen zu inspiri- r e n. — Orlof erschien, sprach, trank mit dem Feldherren Thee, und am nächsten Tage starb Diebitsch unter furchtbaren Leiden, an der cliolkta-moi-bu». Großfürst Eonstantin, der ältere Bruder Nico- lau's, hatte dem Throne feierlich entsagt, aber welche Parthei für ihnstch gebildet hatte, zeigte sich bei der Thronbesteigung des jetzigen Autokraten. Als Eonstantin, aus Polen vertrieben (> 83 n), sich heimbegeben wollte, schickte ihm sein gekrönter Bruder den Grafen Orlvf entgegen, um ihn zu - kompliment i- r e n. Der Adjutant kam, sprach, trank Thee mit dem Er- Vizekönig der Sarmaten, und noch am selben Abende fühlte dieser alle Symptome der KroI^- .-moibun, an der er auch allsobald starb. Die Wictwe des Prinzen, die holde Tochter eines armen Castellans, um derentwillen Eonstantin der Kaiserkrone entsagt hatte, die den Unmenschen so viel humanisirt Hatreals ein Russe aus dieser Familie zu humanistren ist, btieb trostlos zurück. Ihr erhabner Schwager sendete seinen Orlof um zu — condoliren, und die arme Dulderin starb in derselben Woche an der ePolkiÄ-mui-bus. — Seitdem hat der Enkel des Henke, s Peters Hl. und Ivans V. jenen Spitznamen, der ihm durch zahlreiche Visiten mit stets gleichen Folgen auch immer mehr gebührte. Als er vor Kurzem nach Wien geschickt wurde, wagte es kein Staatsmann, während seines Aufenthaltes Tbee zu trinken, als Fürst Metternich; — der hatte freilich nichts zu fürchten. Als Homeopathe aber wünschte ich schnlichst das Rezept des OrIof-T h ee' s, um bei etwaigem Wieder- crscheinen der ächten rtrole,.'» ihr mit einigen Billions- oder Quintillionstheilchen auf das kräftigste entgegen zu wirken. > Artistisches. Man sagt sich in's Ohr, und einige l Zeitungen haben es bereits drucken lassen: ,,daß unser Maler-Fürst Horace Vernet, als eine Art heimlicher Gesandter zu dem Czar nach London geschickt sei; — nun ? warum nicht? — P. P. Rubens, beinah so groß als Staatsmann denn als Maler, wurde öfter als einmal als öffentlicher Gesandter an verschiedene Höfe geschickt, und zeigte sich in der That geschickt, was nicht immer der Fall ist, denn nicht jeder Gesandter ist ein Geschickter. Dem guten Horace aber hätte ich bei seiner Sendung an den Czar den umgekehrten Raimund'schen Spaß als Reise-Segen mitgeben mögen: „Sie sind Maler, Herr? - — oh schmieren Sie mir ihn recht an." lliio Artistisches. Ein früherer Aufsatz unseres Blattes stellt dem Kaiser Nikolaus keine andere Absicht bei seinem improvisirten Londncr Besuche unter, als ! den Wunsch den Sänger Lablache für sich zu gcwin- I nen, und setzt voraus: daß er ihn zum Generale u. s. w. ernennen würde. — Auch in dieser Hinsicht ist schon ähnliches dagewesen; uil novi sub luri». Der berühmte Castrate Farinelli, zum Herzog ernannt, mit einem ganzen Firmamente von Orden geziert, regierte Spanien als erster Minister beinahe unumschränkt, und j Farinelli ivar ein halber Mann, Lablache hingegen kann füglich für zwei gelten, wcßhalb ihn einst, als er noch lange nicht so puiss-rni war wie jetzt, in Wien ein Fiaker, ! den er aufforderte ihn nach dem Prater zu führen, mit ächtem Wienerwitz fragte: „Sott ich Ew. Gnaden auf Einmal fahren?" Deutsche Zeitungsschau. „Der Eisler-Enthusiasmus," schreibt mau der „Europa" aus Wien, „geht ins Ekelhafte." Wollen etwa die Wiener hinter den lächerlichen Ubertrei- brmgen der Berliner nicht zurückstehn? Allerdings ein edler Wetteifer, der den geistigen Standpunkt der herrschenden Seichtigkeit bezeichnet. Sechs Jahre dauert bereits der von Oben herab gegen den Professor Jordan in Churhessen verhängte politische Prozeß. Welche herrliche Empfehlung des geheimen Gerichtsverfahrens! Nun kömmt noch der Prozeß gegen den Hofrath Murhardt dazu. Huousstuö tnnäsm. — Der Obristlieutenant Schulz, der früher für einen Mann von Geist galt, hat schlechte Rekruten für die „Preuß. Allgemeine" geworben; selbst die Berliner Eckensteher machen ihre Witze nnd sagen die „Allgemeine Preuß. Zeitung" sei „a llzuje- -' meene." In Potsdam erscheint feit einiger Zeit eine Monatsschrift unter dem Namen: „Vorwärts." Sie soll z. B. über die Eisenbahnsragen gute Aussätze geliefert haben. Das Potsdamer „Vorwärts" hat aber einen schlimmen Alp aus der Brust: die Cen- sur — und noch obendrein die engherzige Berlin- Potsdamer. Unter solchen Umständen wird das rüstige Vorwärts marschiren doppelt schwierig und fast nur in speziellen Fragen möglich. Anzeige. Mit30. d. M. endet der erste halbe Jahr gang des „Vorwärts;" — die p. t. Abonnenten werden ersucht Ihre Bestellungen und Pränumerations-Beträge für das 2te Semester bei Zeiten einzusenden, um keine Unterbrechung in der Zusendung zu erleiden. Zugleich zeigen wir jenen Blättern, denen wir bis jetzt Tausch-Eremplare sandten, und die dies nicht erwiederten, au, daß wir mit 1. Juli unsere Sendung einstellen. Neducteur: Heinrich B v r » stci n. Druck mit Schnellpressen von P a ul Nen» uarv Nr. 4S LN. Juni 1844 Paris, Mittwoch. Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jakr.21 Francs. Sechs Monate. ... I >'» „ Drei Monate. ... tt „ A uSw ärtö: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. . . . >-t ,, Drei Monate. ... !) „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. WM Man abonnirt: für Paris: im L>»r«su eenrrril pour l , »ne! >>>, 0; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England- in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Mefsagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in NeirnPork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, ^Vissenschast, Theater, Musik und geselligem Leben -Di^Versendung des Vorwärts! geschieht stets am ErscheinungS-Ia z' , an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die ^lnstalt des .H. Bidau lt, kt>, rne t!e !n ^ussianno.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in sranl'irtcn Briesen anzuzcigcn.—Anfragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briese wollen t'innco : « An die Redaktion des Journals: Vorwärts, 3s, rua 0e8 >1oulin8 in Paris » cingcsendet werden. Nicht ;u Ucbcrschen! Mit 30. d. M. endet der erste halbe Jahrgang des „Vorwärts;" — die p. t. Abonnenten werden ersucht Ihre Bestellungen und Pränumerations-Beträge für das 2te Semester bei Zeiten einzusenden, um keine Unterbrechung in der Zusendung zu erleiden. Zugleich zeigen wir jenen Blättern, denen wir bis jetzt Tausch-Eremplare sandten, und die dies nicht erwiederten, an, daß wir mit 1. Juli unsere Sendung ein stellen. Deutsche Bänkelsänger-Lieder. A das mit den deutschen Dichtern! „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los, Wer legt die Hände noch feig in den Schooß ?" So sang einst ein deutscher Dichter. Still, deutsches Volk! leg' dieHänd' in den Schooß, Was kümmert's dich, was in Europa ist los? So sagen jetzt große Lichter. „Was ist des Deutschen Vaterland? Ein großes einiges deutsches Land." So sang einst ein deutscher Dichter. — Doch wenn man jetzt spricht vom Vaterland, Von der deutschen Stämme Brüderband, Da schneiden sie schiefe Gesichter. „Der Mensch ist frei geboren, ist frei Und wenn er in Ketten g'eboren auch sei." So sprach einst ein deutscher Dichter. — Zum Steuerzahlen das Volk nur sei; Alles Andere sei Nebellerei. So prcd'gen jetzt hochweise Richter. „Es wachsen uns're Reben am Rhein, Die bieten den herrlichen deutschen Wein." So sangen einst deutsche Lieder. Jetzt heirathet alles in Rußland hinein. Die Knute kommt immer näher dem Rhein; Der Stock und die Prügel kehr'n wieder. Drum löscht eure deutschen Lieder aus Nur fort mit den Lügnern, hinaus zum Haus: -V !>-,^ mit den deutschen Dichtern ! Denn was sie einst gereimt und geträumt Das klinget jetzo ganz ungereimt Den großen politischen Lichtern. Deutsches Abendlied. Holder Mond! du ziehst so stille Durch die Abendwolken hin, Scheinst auf Wien und auf Trippstrille, Scheinst auf Schilda und Berlin. Holder Mond! du scheinst so stille Von der Donau bis zum Rhein, Wo die Deutschen : „Herr! dein Wille — " Beten, und dann schlafen ein. Wo bescheiden, ohne Prahlen, Stolz man ist ein Knecht zu sein; Wo sie freudig Steuern zahlen, Und nur ganz im Stillen schrei'n. Wo die Zeitungen so muthig Schreiben unter Zwangscensur, Und der dicke Rothftift blutig Übet an dem Geist Tortur; Wo es Sitte ist zu lieben Sein so theu res Vaterland, Und man den, der frei geschrieben Aus dem Bundesstaat verbannt. Wo man deutsche Eide schwöret Und ein Königswort verletzt, Wo man deutsche Helden ehret Und Arminius versetzt. Holder Mond! will's dir nicht däuchten Daß du überflüssig bist? Denn um Deutschland zu beleuchten G'nügt 'ne Mondesfinsterniß! Epilog. Ach! wie werden sie nun schreien Daß ich „ist" und „iß" gereimt; Wie wird jeder Tadel speien Der ein Mal 'nen Reim geleimt. Kinder! glaubt mir, ich bereu' es; Weiß ich doch, euch gilt die Form Mehr als Wahres, mehr als Neues : Mein Verbrechen ist enorm. Heinrich Dorn stein. Arnold Nuge an die Nedaction der „deutschen Sehnellpost für europäische Zustände, öffentliches und sociales Leben Deutschlands" in New-Uork.*) Paris, den 10. Juni 1844. Meine Herrn! Sie beehren uns mit einer Zusendung Ihres Journals, die wir mit bösem Gewissen empfangen. Das Düreau der Nach New-Uork abgesendet und uns zur Veröffentlichung mitgecbcilt. D. R. „Deutsch-französischen Jahrbücher" ist aufgehoben, un ohne Zweifel meinten Sie mit Ihrer Adresse nicht diesen oder jenen Schriftsteller, sondern das Institut. Ihre Nummer vom 4. Mai hat mich vollends überzeugt, denn in ihr werfen Sie durch die Hand eines Pariser S. die Schriftsteller sämmtlich in „die Flammen des höllischen Pfuhls," versteht sich in Effigie, denn in Wahrheit werden Sie uns die elpseischen Felder nicht streitig machen. Meinen verbindlichsten Dank. Darf ich nun noch einige undankbare Worte hinzufügen? — Ihr Correspondent ist ein sehr unabhängiger Mann. Er ist in seiner Bildung unabhängig, nicht blvs von der pariser Schule der Revolution, und'von der alten und neuen französischen Philosophie, — er macht es den Schriftstellern der „Deutsch-französischen Jahrbücher" zum Vorwurf, sic hätten „was zeither in den einzelnen Richtungen von Republikanismus, Freigeisterei und Co mm unism u s sich kundgab, svstematisirt,'^ — er hält auch nichts von Hegel und den Hegelianern, nichts von Strauß und den Gegnern des Christenthums in Schwaben, nichts von Bauers antichristlicher Exegese, nichts von Feuerbachs Kritik des Chriften- thums, nichts endlich von den deutschen Jahrbüchern und der rheinischen Zeitung, „die einem Verbot der preußischen und sächsischen Negierung unterlagen," ja, er hält überhaupt nichts von so gottlosen Schriften, „die nach dem Urtheilsspruche des Berliner- Gerichtshofes (er meint die Polizei) in einer Papiermühle zerstampft wurden." Er hat sich nur in der Adresse seines Briefes versehen, der ohne Zweifel ein leitender Artikel für die preußischen Amtsblätter werden sollte. Man darf also nicht behaupten, dieser S. hätte kein „deutsches Ge- müth," keinen Sinn für Ordnung, Censur und,,deutsche Ehre," keinen Widerwillen gegen „Freigeisterei" und jede Art von „Republikanismus." Die Schriftsteller der „deutsch-französischen Jahrbücher" oder, wie er den Titel ins Deutsche übersetzt, der „teuto-gallischen Revüe," sind ihm nur „Frevler am Könige von Baiern," „an herzoglichen und königlichen Ehebetten," „am Vaterlande und Patriotismus," „an Religion und Christenthum," „am Eigenthum und an der Behaglichkeit," „Überläufer ohne nationales Ehrgefühl, ohne Form, ohne Witz, ohne Wissenschaft." — Gestehn wir ein, dieser S. ist ein positiver S., der Alles mit einem Schrei des Entsetzens gerettet, der das Capitol entsetzr hat! — Sie sahen seine That in New-2)ork, Sie publieirten sie; ich darf also an- nehmcn, daß Sie dem Theile von Deutschland, welcher durch die Hegel'sche Philosophie und durch die genannten Schriftsteller vertreten wird, nicht sehr geneigt sind, die Parthei der offieiellen Religion und Politik dagegen nicht nur für die herrschende, sondern auch für die bessere halten. Warum sollte auch ein nordamerikanischer Republikaner, wenn er ein Deutscher ist, mit den Republikanern, warum ein deutsch-amerikanisches Blatt „für sociales Leben" mit den Socialistcn stimmen? Der Deutsche ist 2 „treu," er wird selbst in Nordamerika noch für den König fechten, vor dessen Bilde seine Landsleute knieen müssen, wenn sie von Freiheit sprechen; er wird mit nordamerikanischer Preßfreiheit die Censur, die Verbote, ja das Einstampfen der Bücher und Journale vertheidigen. Was ist diese Treue? Sprechen Sie es aus, ich habe es zu oft gesagt, ich will an diesem Wort nicht heiser werden. Aber, meine Herrn, Sie wollen nach Ihrem Titel, „das öffentliche und sociale Leben Deutschlands" beleuchten, und was Sie davon in dm „deutsch-französischen Jahrbüchern" finden, dem kehren Sie den Rücken, weil es böse Dinge sind ? Wenn man leuchtet, muß man sehen wollen, auch das Unangenehme, auch das Gefährliche, ja selbst das Verderbliche. Viel verderblicher als ein böser Herr, ist ein verderbtes Volk. Ich habe mir die Mühe genommen in der „Zeitungsschau" nur einen Monat lang die gröbsten Kopflosigkeiten, Schmeicheleien und Niederträchtigkeiten der deutschen Zeitungen zu notiren. Wem diese Citatc nicht genügen, — mit dem „streiten Götter selbst vergebens." — Sie rechnen ferner ohne Zweifel zur deutschen „Öffentlichkeit" die deutsche Literatur; und Sie erpediren gleich eine Nsenge Bücher und Journale und ein Dutzend Schriftsteller, deren Werke zum Theil — ich will nur-Hegel, Heine, Strauß und Feuerbach citiren — in der Geschichte des deutschen Geistes Epoche machen, auf das Geschrei einer Capitolinischcn Wache, in den Höllenpfuhl? — Ich glaube, meine Herrn, Sie haben sich übereilt, und Ihr correspondirender S. hätte in dieser Sache seine Kenntnisse und seine Kräfte bedenken sollen. Ist das ,, Nationalgefübl" in Deutschland vorhanden, wenn ein S. in Paris ausruft: „Ich l in Patriot 1 ? " — Ist Deutschland „eine Nation," wenn ein S. es findet? Ist ,, die Religion kein Wahn, ist das Ehristenthum wahr," weil S. daran glaubt, und weil sogar alle Menschen, die nicht Heiden, Juden, Muhamedaner und Philosophen sind, es auch thun? Ist endlich „das Eigenthum und die Behaglichkeit" eine Wahrheit, weil S. sie procla- mirt, das Gesetz sie beschützt? — Alle Menschen, die kein Eigenthum besitzen und in „unserm behaglichen Zeitalter" sich unbehaglich fühlen, werden die letzte Frage nicht überflüssig finden; und da Sie, meine Herrn, als Demokraten auf die Majoritäten einiges Gewicht legen, so werden auch Sie bedenklich werden. Lassen Sie diese Disposition nicht unbenutzt vorübergehen, und sollten Sie darüber in der „Behaglichkeit un- sers Zeitalters" gestört werden. Wir haben Ihnen That- sachen citirt; Sic warfen das Buch von sich. Sind die Thatsachen die Schuld des Anklägers oder des Thäters? Wir haben namentlich die Deutschen überall redend cin- geführt. Sie selbst lieferten durch das Wiener Conferenz- Protokoll vom 12 . Juni 1834 einen Beitrag; und nun strafen Sie den Ankläger, weil er die Verbrechen in den Mund nimmt, die der Schuldige verübt hat? Oder wollten Sie mit dem Protokoll vom i2.Juni 1834 die deutsche Freiheit beweisen ? Es wäre wohl der Mühe werth, die deutsche Nation und ihren Patriotismus, die Religion und sogar das Eigenthum mit der Diogeneslaterne ihrer democratischen Preßfreiheit in Augenschein zu nehmen; aber was nutzt dem Blinden die Laterne ? Oder wollen sie immer noch für sehend gelten? Hat sich etwa Amerika nicht darüber zu beklagen, daß dort, wie hier, das Eigenthum den Menschen beherrscht? Die humanistische Schule fragt, wer soll herrschen? Und sie antwortet: der Mensch. Wer beherrscht werden? die Dinge. Die Beherrschung der Sachen nennt sieArbcit, die Direktion der Arbeit Vernunft, d-ie Leitung der Vernunft Bildung. Allerdings wird auch der Mensch und die Gesellschaft ein Gegenstand der Arbeit, aber nicht, wie die Sachen,als Mittel, sondern als Zweck. Durch die „Organisation der Arbeit" wird die Gesellschaft organisirt, aber nun nicht mehr im Namen des Eigenthums, sondern im Namen des Menschen. Es gibt alsdann keinen Menschen mehr, der einem fremden Zweck diente; — die Socialisten wollen dieScla- verei aufheben. Es ist nicht möglich, sagen Sie?Es ist logisch, es ist nothwendig, es ist Resultat der Geschichte, antworten Ihnen die Socialisten. Und Sie werde;, gestehen, daß die Geschichte, die Logik und die Nvth drei Dinge sind, die Eisen brechen. Das Sprüchwort meint, Noth allein sei es im Stande. Diese Frage ist mit dem Blindekuhspiel der „Behaglichkeit" nicht zu beseitigen; und Sie würden sich weniger geirrt haben, wenn Sie die Aufsätze der Jahrbücher und die Schriften der Engländer und Franzosen darüber verglichen hätten. Sie wollten nicht seh'N; Sie wollten „glücklich und behaglich" sein. Noch weniger Zweifel hegen S>'c über unser frevelhaftes Verfahren mit derReligio n. Sie bedachten nicht, wie das religiöse System mit der modernen Sklaverei zusammenhängt. Die Religion ist eingestandenermaßen das System einer Welt, aus welcher der Mensch Erlösung hofft und wünscht. Sie ist der Seufzer des Armen, des Unterdrückten. In Deutschland wurde dieser Seufzer permanent erklärt und aus der Religion ein politisches System gemacht, das hinterher auch die Philosophie zu beweisen gesucht hat. Das deutsche System sagt: „der Mensch ist Sclav, und seine Erlösung der Tod; der Tod aber ist die Seligkeit, der Himmel selbst, sein verdrießliches Aussehen ist nur Scherz." Da Sie sich nun für Deutschland interessiren, sollte es nicht der Mühe werth sein, die Kritik dieses Systems, die in Deutschland durch nicht-religiöse Schriftsteller vorgenommen wurde und viel gründlicher als im achtzehnten Jahrhundert ausgefallen ist, näher in Betracht zu ziehen, als es in Ihrer Korrespondenz aus Paris und in der Stampfmühle der Berliner Polizei geschehen konnte ? Deutschland hat sich damit befaßt, es hat seine ganze christliche Vergangenheit revi- dirt; und es gibt jetzt in Deutschland so viel religionsfreie Gedanken , daß nicht mehr alle Köpfe, die sie hegen, eingestampft werden können. Sie fragen erschrocken, was wird aus uns armen Menschen werden, nrenn wir keine Religion haben? Sie werden freie und vernünftige Menschen, denen die Probleme der Glückseligkeit gesellige, die des Wissens gelehrte Aufgaben sind, und deren Sitten darum nicht schlechter sein werden, weil ihre Gedanken klarer sind. Aber Sie wollen nicht klar seh'n, Sie sind gegen die „Freigeisterei." Lassen Sie sich einen Censor aus dem Berliner Consistorium kommen, aber lassen Sie ihn nicht mitschreiben, er könnte ein Hegelianer sein. Sie wollen vielmehr „die deutsche Nation und das deutsche Nationalgefühl" mit dem alten System der Religion und Politik. Denken Sie, daß man sich in Deutschland für die Auggburgische Confession und für die Wiener Bundesakte mit dem Anhänge des Protokolls vom 12 . Juni 1834 begeistern könne? Und scheinen Ihnen diese Dokumente, die übrigens ihre Wirkung gethan haben, dazu geeignet, um „eine deutsche Nation", eine „gemeinschaftliche Mutter," an deren Magna-Charta ein „Hochverrath" möglich wäre, zu constituiren? Wenn ermöglich ist, so wissen Sie doch wohl wer ihn begangen bat. Die Patrioten haben keine Ursache auf den deutschen Staat, auf die Urkunden und auf die Ausführung seiner Freiheit stolz zu sein. Und wenn sie sich auf das jetzige Vaterland nicht berufen können idenn die deutschen Gesetze und Systeme haben alle Deutsche zu verantworten, nicht blvs ihre anderthalb Minister), wofür schwärmen sie denn? Für das künftige Vaterland? Aber, meine Herrn, das wäre ja das revolutionirte; denn Sie werden sich doch nicht vorstellen, daß die Herren der Deutschen sich eines guten Morgens in Frankfurt versammeln und ihre Fahnen freiwillig an das Volk ausliefern ? Seien Sie Patrioten für welchen Staat Sie wollen, aber bedenken Sie, wer Patriot sein will ohne Staat und ohne Freiheit, — dem spukt es im Oberstübchen, und er wäre ein Hochverräther an seinem bestimmten Staat, wenn er nicht ein Narr wäre, dem alle Schiffe der Athenienser gehören. Glücklich, wer so reich ist; — aber was nutzt ihm die Laterne der freien Pr esse ? Gebt ihm einen Gens- darmen mit, der ihm zeigt, wo er zu Hause gehört. Endlich den Patriotismus selbst, der das Vaterlandschaffen will durch den „gemäßigten Fortschritt," den „stellen wir auf das Schamloseste blos," rufen Sie uns zu. Zeigen Sie mir diesen Schöpfer, und ich werde mich sehr sür seine Pläne interessiren; aber vergessen Sie nicht, daß der schaffende Lingam nicht allmählig proce- dirt, im Gegentheil zur Schöpfung der überspanntesten Turgescenz, der unmäßigsten Leidenschaft, der Gewalt gegen die,.gemeinsame Mutter^ nöthig hat.Doch geben wir die Schöpfung des deutschen Staates mit den schlaffen Segeln „des gemäßigten Fortschrittes" zu. Wenn Sie die deutsche Freiheit erreicht haben, so werden Sie immer nur bei der mensch liehen angelangt sein; wozu also das arme Beiwort, wenn Sie das Hauptwort haben, dieses Zauberwort, das alle Dummköpfe mit Griechenschädeln versorgt, denn leider werden die Barbaren nicht frei werden. Ich würde selbst patriotisch sein gegen die Barbaren, die unsre Freiheit zerstören, die unsre Gedanken einstampfen, unsre Journale und ihre Pressen zerreißen, unsre Meetings zersprengen; aber ich würde freundlich gegen alle Völker gesinnt sein, bei denen die Freiheit ein Asyl fände; ich würde keinen andern Hochverrath kennen, als den an unserer gemeinsamen Freiheit.— Wem liegt dies Gefühl näher, als dem Deutschen der in der nordamerikanischen Republik frei geworden ist? Und die Presse des freien Nordamerika's wird benutzt, um einen Apologeten jeder Unterjochung unter alle Stichworte des offiziellen Deutschlands: „Ehristenthum, Patriotismus, deutsche Ehre, deurschesGemüth, deutsche Treue," wie sie der König von Baiern, das Protokoll vom »2. Juni, Maßmann und der König von Preußen nur immer im Munde führen, zu Worte zu bringen ? Wehe über Amerika, wenn es die Freiheit nicht anders versteht, als unsre Despoten und ihre Schleppenträger ! Wo hatten Sie ihre Augen, als Sie diesen Dotocuden für einen Griechen ansahen? b.aluil, vixii. Und nun noch ein Wort über Ihre Zuthat. Sie haben sichhinreißen lassen, meineHerrn, in dem Ausdruck: „Der Untergang der „Jahrbücher" erinnert mich an den Untergang Polens" eine Unbescheidenheit zu finden. Sie sind Demokraten und Sie denken, ich hätte die „Jahrbücher" gemacht? Sie sind in Deutschland erschienen, diese „Jahrbücher," aber sie waren ein demokratisches Institut, lediglich dazu bestimmt, „die Entwicklung des deutschen Geistes zu begleiten, die Fortschritte aufzunehmen und darzustcllen." Sie haben es notorischer Weise gethan. Wenn sie nun untergingen, was hatte die Gewalt in ihnen zertreten? Die deutsche, d. h. die theoretische und kritische Geistesentwicklung in dieser öffentlichen bewußten Form. Und das soll nicht an das Zertreten einer Volksgeschichte, nicht einmal erinne r n ? Oder ist Ihnen, dem Patrioten, nun plötzlich Polen theurer, als'die deutsche Freiheit, die einzige, die Deutschland bisher besaß, die theoretische? Geben Sie zu, meine Herrn, dieser Hochmuts) ist nur der Ausdruck einer Thatsache, deren Anerkennung wir nicht bei den Huronen, aber bei der Geschichte in Antrag bringen. Und wenn Sie nun, als Männer der politischen Praxis, wünschen, Deutschland möge sich in Zukunft revolutionär statt kritisch, praktisch statt theoretisch befreien, so ist das vielleicht ein Fortschritt; es bleibt aber zweifelhaft, ob diese Befreiung ohne jene unterdrückte eine reelle sein wird, und auch das ist eine Analogie mit dem Untergänge Polens. Denn auch die Polen werden nicht frei sei»; wenn sie von den Russen befreit sind, dann müssen sie sich erst von sich selbst, von den dicken Schädeln ihrer Pfaffen, von der Verblendung ihres Adels und von der Verwahrlosung ihres Pöbels befreien. Und die Deutschen, wenn sie ihre Revolution gemacht hätten? — würden nur noch einmal, wie nach den Freiheitskriegen, die Frage zu beantworten haben, ob sie wissen was Freiheit ist. Die Theorie ist der Anfang und das Ende aller Freiheit. Sie sehen, meine Herrn, wie menschlich wir enden und wie wenig wir „heute 1793 an der Tagesordnung und Robespierre auf der Höhe glauben." Die Höhe ist heute nicht der Fanatismus, nicht der Patriotismus, nicht der Rigorismus und nicht die Askese des Berges, sondern der Humanismus und seine Probleme. Die deutlche Philosophie kehrt nicht zu Robespierre und Rousseau, nicht zu Voltaire und Diderot zurück; aber nur in ihr ist Deutschland weiter als Frankreich 1789 und 1793 war. Die Acten liegen vor, und wenn Sie sich bei näherer Einsicht derselben, wie ich hoffen darf, überzeugen, daß die deutsche Philosophie und die Schriftsteller, welche aus ihr hervorgegangen, eine nicht ganz verächtliche Existenz des deutschen Geistes und seiner Öffentlichkeit bilden; so werden Sie zukünftig entschiedene Gegner ihrer Unterdrücker und 3 - ) e gerechtere Zuschauer ihrer Thaten sein, als Sie es in Ihrem Blatte vom 4. Mai waren. Daraufhin auf Wiedersehen! Arnold Rüge. LV881L, ^Fortsetzung des letzten Capitcls.) Als Frankreich Polen verließ und taub war beim letzten Todeöruf dieser Nation, welche fallend noch nach Frankreich blickte, da glaubten die Deutschen, daß es sich um eine schändliche Allianz mit Rußland handle, dessen blutiges Ausgeld der Mord eines ganzen Volkes gewesen. Die Träume der gefallenen Parthei, einen Augenblick von russischen Rubeln galvanisirt, verbreiteten sich bald in ganz Deutschland und gaben dem sonderbaren Gespräche von einem französisch-russischen Bunde ein gewisses Gepräge von Wahrscheinlichkeit. Man glaubte diese Albernheit jenseits des Rheines; mehr noch, sie ist heute das liebste Thema der deutschen Presse jedeSmal wenn dieselbe Frankreich als den Feind Deutschlands darstellen will. „Deutsche, sagt sie, der französisch-russische Bund würde die Zukunst, die Einheit und selbst das politische Dasein Deutschlands von beiden Seiten bedrohen. Am Tage, wo diese Allianz sich abschließen würde, werdet ihr eure Nationalität verlieren." Also das Dilemma ist deutlich erklärt; Frankreich kann sich Rußland nicht nähern, ohne sich zwei Verantwortungen aufzuladen: erstens die unwiderrufliche Vernichtung Polens, und zweitens die unnütze Zerstückelung der großen deutschen Nation. Und alles das, warum? zu welchem Zwecke? Wird es durch Rußland seinen alten Einfluß auf den Orient wieder erhalten? Es ist zu spät. Das ottomanische Reich ist nur noch ein diplomatischer Schatten. Man hat irgendwo gesagt, daß das türkische Reich nur noch die Regierung einer Stadt zu nennen sei, deren Schlüssel Graf Orloff im Jahre 1833 in seiner Tasche fortgetragen habe. Rußland ist seinem Ziele näher als man gewöhnlich glaubt. Rußland ist die erste Macht auf dem Bosphorus, seine Flotten im schwarzen Meere bringen es in vierundzwanzig Stunden nach Konstantinopel, es ist gleich mächtig im Divan wie bei sich zu Hause, und ihr Andere dient ihm höchstens als Kerkermeister oder Nachrichter bis zum Tage wo, um mit dem türkischen Körper, der noch ein wenig lebt, fertig zu werden, es euch sogleich verrathen wird, um mit England zu handeln, und ihm gegen den Bosphorus den Weg frei in das Mittelmeer und die ungeheure Linie von Gibraltar bis nach Bombay zu geben. Man sagte auch — was hat man nicht gesagt über dieses seltsame Utopien? — daß diese französisch - russische Allianz Frankreich das linke Rheinufer und ein Quartier in Egypten zusichere. Frankreich hat das linke Rheinuser nicht nöthig, da es ja Belgien neben sich hat, und was Egypten anbetrifft, so bedarf dieses Frankreichs nicht. Sich an den russischen Absolutismus anzuhängen, und also gegen sich, gegen seine Ideen, gegen seinen politischen Glauben das ganze Mittel- Europa aufzuregen, um einige Meilen vor dem befestigten Paris zu gewinnen, das ist wirklich nicht der Mühe werth. Es ist vielmehr vortheilhafter für Frankreich, außer seiner eigenen Kraft sich in Afrika auf die Einstimmung der Deutschen zu stützen, als auf die von Rußland. Die Eroberung von Algier gibt Frankreich eine Lage im Mittelmeere, welche sich bis nach Egypten ausdehnen wird, sobald es nur will. Ganz Europa frohlockte über den Sieg, welchen die Civilisation über die Barbarei errang. England und Rußland allein sehen diesen Triumph mit scheelen Augen an. England, weil es einen freien Weg nach Indien haben will, und Rußland, weil sein moskowitischer Stolz sich beleidigt fände durch den Gedanken, einst Frankreich zinsbar zu werden für den Durchzug seiner Schiffe durch die Dardanellen in das mittelländische Meer. Nun müssen wir genau beobachten, daß weder die russische noch die englische Allianz den Zustand der Angelegenheit ändern wird. Ihr seid nun seit zwölf Jahren mit England verbündet, dies hindert aber England nicht Syrien zu verlangen. Wollt ihr euch nun Rußland nähern, so wird das kein Hinderniß für die ruffische Politik sein, die Dardanellen stets zu wünschen. Nein, eure Bundesgenossen sind nicht dort; schreitet zur Eroberung der mittelländischen MeereSufer, und zwar mit der Deihülfe von Mittel-Europa. Deutschlands Interessen, anstatt euch schaden zu wollen, müssen wünschen, daß ein Vorposten den Czar an den Donaumündungen bewache, und Deutschland sähe also mit Vergnügen eure Macht in Nordasrika wachsen und gedeihen. Und sagen wir es jetzt frei heraus, weil sich die Gelegenheit gerade darbietet, Frankreich kann nicht aufmerksam genug auf das kleine Königreich Griechenland wachen, denn das mosko- witische Element quält es jetzt wie noch nie zuvor, weil Rußland auf jeden Fall aus Griechenland ein Werkzeug seines Vorhabens zur Vernichtung des osmanischen Reiches zu machen wünscht. (Schluß im nächsten Blatt.) Industrieller Courier. Nächst den Maschinen sind es ohne Widerrede die Cachemir-Shawls, welche diesmal den Sieg davon tragen; aber unter den vielen Bewerbern um die Palme in dieser Spezialität triumphirt wieder über alle das berühmte, und auf allen Märkten des Welthandels seit lange bekannte Haus C. Ternaur, dessen Magazine sich in der Straße ckes kosi-es- Nontmul-tre, nächst dem Caffee-Hause der Bank von Frankreich befinden. Die dort ausgestellten herrlichen Produkte fesseln die Blicke aller Vorübergehenden und reizen die zahlreichen Besucher zu nie bereuten Ankäufen. Auch im Lokale der Industrie-Ausstellung finden sich mehrerer Gewebe des Hauses, und Jeder der sie sieht, auch S. M. der König, bei seinen wiederholten Besuchen, bewunderte sie; besonders einen langen Shawl von der reichsten Zeichnung und einer vollendeten Arbeit, weichender gegenwärtige Chef des Hauses Ternaur, Herr Bourn- houet in verschiedenen Farben, als in Weiß, Blau und Meergrün anfertigen ließ. Die erlauchten Besucher versicherten den Fabrikanten ihrer vollsten Zufriedenheit. H. C. Ternaur findet in dieser Äußerung, so wie in der einstimmigen Zufriedenheit des Publikums einen neuen Sporn den alten Ruhm seines Hauses nicht nur zu erhalten, sondern zu erhöhen; er schläft nicht auf den früher errungenem Lorbeern ohne von neuen, schönem zu träumen, und den Platz welchen die Firma seines Hauses in der industriellen Welt erworben, immer ehrenvoller zu behaupten. Altes und Neues aus den 38 deutschen Vaterländern. Mineralogie. Vor nicht langer Zeit entstand in der Gelehrtenwelt (nicht — gelehrten Welt) ein heftiger Streit. Man hatte, wenn ich nicht irre, in der Schweiz, einen versteinerten Fuß gefunden, oder einen Fuß von Stein für ein Petrefact gehalten. Uber eine so ungeheuer wichtige Sache wurde nun mit einem gränzenlosen Eifer pro unduonlr» gestritten, declamirt und besonders — da es in Deutschland war — geschrieben, also gedruckt, denn in solchen Fällen — aber n u r in solch e n — ist die deutsche Preßfreiheit unbeschränkt. — Der Fuß hatte alle Köpfe verrückt; Alle, die den Fuß gesehen hatten, behaupteten und schwuren darauf: daß er unmöglich das Bruchstück einer Bildsäule sein könne. Warum? weiß ich nicht, — es liegt auch nichts daran; — die Übrigen, und das war die große Mehrzahl, bewiesen in bogenlangen Deduc- tionen, daß eine solche Versteinerung rein unmöglich sei, und stützten dies auf tausend und aber tausend Gründe. Ich begreife nicht, wie deutsche Physiologen diese Unmöglichkeit verfechten können, da gerade in Deutschland selbst — nicht etwa nur ein Fuß, oder Arm , oder einzelner Mensch, sondern ein ganzer großer Sraat mit Allem was — und Allen die er enthält, seit Jahrhunderten pe- trificirt ist, so daß er die Mäbrchen von ,, tausend und einer Nacht" mit ihrem halbmarmornen Monarchen und den in Fische verwandelten Menschen weit hinter sich läßt. Jedermann, der nur einen ganz regelrechten Paß und nichts Mauthbares, besonders keinen Tabak, mit sich führt, kann steh mit eigenen Augen davon überzeugen. Kommt ihr vom Westen, so braucht ihr nur bis an den Inn zu gelangen, —da liegt das ungeheure, unabsehbare P etr efact vor euch, in dem sich seit Jahrhunderten keine Kraft mehr regt als die dem ganzen Steinreich eigene, — freilich auch gewaltige, — vis ioei-i,»;. Theologie. Die ganze Christenwelt, besonders die protestantische, ist in der höchsten Bestürzung, denn es hat sich das Gerücht verbreitet, daß S. M. der König von Preußen ein Türke werden wolle. — Ja, ja! man glaubt ihn auf dem Punkte dem Islam zuzuschwören. Diese erschütternde Nachricht stützt sich besonders auf zwei wichtige Gründe: erstens, weil man seit der famosen Köllner Dombaurede nicht mehr recht weiß, welcher christlichen Confession er angehvren, oder, nach gemeiner Redeweise, ob er Fisch oder Fleisch sein wolle. Viele meinen, weder das eine, noch das andere; und da Jeder in religiöser Hinsicht doch Etwas sein oder scheinen müsse, so würde er sich dem Coran zuwenden. Der zweite und hauptsächlichste Grund aber, weßhalb man dies glaubt, ist: weil sich Seine Majestät einen Harem zugelegt haben und solchen eitrigst zu vermehren streben. Zwar keinen Harem von reizenden Odalisken, lwas sollte er auch damit anfangen ?) — sondern einen von berühmten, meistens sogar alten und äußerst unschönen Gelehrten und Künstlern. Dies höchst sonderbare Serail, welches die Frommen für seine Seele bange macht, ist nun einmal Seiner Majestät Marotte, ihr Dada, ihr Steckenpferd. Wie die unseligen, und glücklicherweise längst höchslsili- gen Ahnherren für riesenmäßige Grenadiere die bedeutendsten Summen hinauswarfen, und um sie zu fangen (die Grenadiere, nicht die Summen), an allen Ecken der runden Erde Spione und Werber hielten, so lauert, fahndet und hascht der ruhmbedürftige Nachkömmling auf berühmte Namen, welche dem sinnigen zur Folie dienen sollen. Augustus und Mäcenas in Einer Person und ein Stückchen Louis XlV. dazu, kitzelt doch gar zu angenehm. Darum die eifrige Na men - Jagd, — um die Sache ist es dabei weniger zu thun. So hatte die Majestät dem Schwager in München vier Notabilitäten escamvtirt: Cornelius, Schelling, Nückert und Maßmann, und that damit so stolz als hätte er, ein zweiter Alcide, die hesperischen Äpfel erobert; es sind aber nur vier ausgepreßte Citronen, und der Baierfürst weiß am Ende Dank daß man ihm die Pensionen für die an Geist und Körper verschrumpften Männer spart. König Ludwig versteht zu rechnen, und sein AugustusMuhm sieht bereits in fünfzig riesigen Bauten begründet, — der nordische König hat ihn erst zu schaffen, darum läßt er sich's auch Etwas kosten. In der That sind die Launen 4 des artistisch-literarischen Harems sehr Geldzersplitternd; die alten Kinder haben kostspielige Gelüste. Der Eine will noch Einmal seine retrograde byzantinische Kunst in bizarren Fresken auf Goldgrund verherrlichen, — flugs wird der Bau einer neuen katholischen Kirche anbefohlen. Der alte Tiek will stch in seine Kinderjahre zurücktändeln, und seiner Shakesspeare-Manie huldigen, und mit nicht geringem Aufwandc trippelt der ,,g efti efe lte K a- ter," über die Bretter die die Welt bedeuten, und die dramatischen Künstler müssen im , ,S o m mernachrs - träum" als Acrobaten durch die pappendeckelnm Lauben husche«; — heute giebt man die ,.Antigone" in Ber- linerteutsch, und morgen ein Stück von Plautus oder Terenz in einem Latein, welches gewiß kein Römer verstehen würde, und alle diese Spielereien kosten ein höllisches Geld! — aber das thut nichts : das Volk muß es zahlen wenn es gleich schon bettelarm ist, und die Majestät will nun einmal den Augustus spielen. — O. du armer Romulus Augustulus! Übrigens ist eine Million gegen einen preußischen kupfernen Silbergroschen zu verwetten, -aß dies Gelehrten- und Kunst-Fieber nicht lange anhalten werde: Friedrich Wilhelm I V. liebt die Sprünge, besonders die ^rückwärts," zu sehr. Mit welcher bewunderungswürdigen Leichtigkeit voltigirte er nicht von dein zuerst angekündigten Liberalismus zu verschärfter Censur zurück (der Berliner Inder wird bald dem römischen nichts nachgeben); wie schnell folgte nicht Her weg Hs Verbannung auf die allergnädigste Audienz ?! — Tröstet euch, ihr Pietisten und Mucker! Euer König wird nicht Türke, trotz dem Philo- sophen-Harem; er bleibt was er vom Anfänge in religiöser und politischer Hinsicht war: — ein Jesuite. — Der Protestantismus thut hier nichts zur Sache; nicht vom Eultus sondern von den Prinzipien ist hier die Rede, und der Name,,Jesuite" ist nur die bequemste Art die Leute zu bezeichnen, welche dem verderblichen Grundsätze huldigen: „der Zweck heiligt die Mittel," welche auf ihre Fahne schreiben : Omni-, »ck m.Hoiem Den zfloi-i»,», um desto besser ihre Tasche zu füllen und ihre Gegner zu verderben, und in diesem Bezüge waren die alten Priester des Apis und die des Vitzliputzli, die Bonzen und Tala- poinen, die griechischen Hyerophanten und römischen Auguren und Feeialen so gut Jesuiten als Lvjolas Söhne, als die fetten englischen Episeopaten in England, die magern lutherischen Bischöfe in Preußen, und tum 'lu-inli, tonsurirte und nicht tonsurirte, ordinirte und -nicht ordinirte Heuchler aller Zeiten, Länder und Eon festst onen. Natur h i stör ische s. Man ist üb er eingenommen anzunehmen, daß alle mögliche Gattungen und Arten von Geschöpfen seit Anbeginn der Schöpfung eristircn, mag diese Schöpfung nun wann und wie sie wolle statt- gefunden haben. Man muß wohl zugeben daß manche dieser Gattungen ausgegangen sind, besonders seit der Sündfluth, aber die Entstehung von Neuen leugnet man kurzab. Wird hingegen solch' eine, viele tausend Jahre alte und also wohlbekannte Thiergattung durch irgend einen besonder« Zufall, allzu auffallend, so meldet steh geschwinde ein Naturforscher der sie entdeckt, d. h. — nicht der sie zuerst gekannt, sondern der zuerst ein Langes und Breites darüber geschrieben hat.— So z. B. wurde die, jedem Land- und Forstmanne längst bekannte Kieferraupe vor vier oder fünf Decennicn in Deutschland erst entdeckt, nachdem sie einige hundert tausend Morgen Waldungen verwüstet und mehrere Millionen Thaler Schaden verursacht hatte.") So eben hat man nun wieder zwei neue Entdeckungen solcher, zwar höchst verächtlich scheinenden aber doch äußerst gefährlichen Gattungen von Ungeziefer gemacht, und zwar die eine in Süd-, die andere in Norddeutschland, wie dann diese beiden Hälften, trotz allem Einigkeitsgeplärre, in Allem stets geschieden bleiben. In den süddeutschen Gauen (ach! indem ich diese Worte Nach einer ganz natürlichen Jdeenassociation muß man vermachen, daß auch die, leider nur zu sehr bekannte Abarten (Abnormitäten- des Menschengeschlechtes, als da sind: Russen, Kalmücken, Baschkiren u. s. w., in Deutschland erst ein deckt werden, wenn sie das halbe Land verwüstet haben und gar nickt mehr auszurotteu sind.' I schreibe, wandelt mich, — nicht etwa das Heimweh, — aber so eine Art von hohenstauffischen Poetcn-Fieber an), in den süddeutschen Gauen also ist man besonders mit einem Schaalthiere geplagt, das man zwar seit drei Jahrhunderten kennt, dessen besondere, nicht sowohl Eigenschaften als Eigenheiten man aber jetzt nur entdecken konnte. Es ist dies die Postschnecke, nicht ursprünglich deutsch, sondern sie wurde erst unter Carl V., mit andern spanischen Seltenheiten, als z. B. der „Etikette," einer gewissen amerikanischen Krankheit n. s. f. her»ingebracht. — Man hielt sie Anfangs, mit Recht, eher für nützlich als nachthcilig, und freute sich ihrerwegcn ihres stattlichen Aussehens; sie ist die größte und seltenste, aber auch un- behilflichste aller Schnecken, das Haus ist gelb mit schwarzen Streifen, doch hat ste durch Kreuzung in den verschiedenen deutschen Ländern hier und da auch rotbe, blaue und andersfarbige Streifen angenommen. Auf dem Rücken trägt ste ganz deutlich die Buchstaben '1'XXIrj, was unwillkürlich an enorme Taren erinnert, die ursprünglich auch nicht deutsch sind, weder dem Namen noch der Sache nach. Nun, dieses träge Thier, welches seit der Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts ruhig seinen Schneckenweg ging, ist auf einmal in eine wahre luiM n-.-inkDs verfallen; nicht etwa um schneller zu laufen, — Gott bewahre! im Gegenthcile, um stch jeder schnelleren Bewegung entgegenzustellen, besonders den Eisenbahnen. Vor Allem hat man in Würtemberg diese traurige Erfahrung gemacht; — wo man ein Stückchen Eisenbahn anlegen will, nur fingerlang (viel größer braucht man ste in diesem Königreiche nicht), da legt fich die Postschnecke in den Weg, und hemmt und hindert jeden Fortschritt. Man wird fragen : „Warum zertritt man das häßliche Thier nicht, und fährt über seinen Trümmern fort?" — Wer solche Extravaganzen zu Markte bringen kann, kennt die deutschen Fürsten nicht. — Die frommen Herren scheinen den Wahn der Judostaner zu theilen, welche kein Thier tödten weil ste an die Seelenwanderung glauben, und sobald es Sch necken betrifft, kann man einem deutschen Monarchen den Glauben nicht übel nehme«; — wer aber möchte am eignen Blute freveln? Die würtemberger Eisenbahnen werden also wohl noch ein Weilchen auf die Ausführung warten müssen, und zu St.-Jmeran in Regens singt man bei Ungeheuern Humpen nach einer der 138 Melodien zu Beckers Nheinliede: „Sie sollen nimmer haben die Eisenbahnen frei!" und nach eigner Weise: „Vivat die Poflschmcke, Postschnecke hoch'!" Norddeutschland, vor allem aber Preußen, und hier wieder besonders Berlin, ist von einem Insekte geplagt, weit furchtbarer als die alles verheerende Wanderameise (Termite) der tropischen Länder, oder die Heuschrecken des Orients. — Dies häßliche preußische Ungeziefer ist die Blattlaus, ja nicht zu verwechseln mit dem Jnsecte gleichen Namens welches von und auf grünen Pflanzenblättern lebt und deren Farbe trägt. Die preußische Blattlaus lebt nur auf und 'von mit Tinten- oder Druckerschwärze beschmutzten Papierblätter n, vorzüglich auf löschpapiernen, wie sie in Deutschland, zumalzu Zeitungen, beliebt sind. Man ist über die Rechtschreibung des Namens dieses Kerbthieres noch nicht ganz einig ; die Mehrzahl schreibt ihn wie ich hier oben, und zwar aus demselben Grunde, nämlich seines Sitzes und Nahrungsstoffes wegen; manche aber, und zwar mit nicht weniger Recht, schreiben Plattlaus, weil sie so unendlich platt sind, und wollen sie auch deshalb, und weil sie bei j-dem Druck einen verpestenden Gestank verbreiten, mehr dem Wanzengeschlechte zuzählen. In der That haben ste auch, ",u!:ui8 ,»ut»n- ckis, einige Ähnlichkeit mit der auf dem OpunmR lebenden Cochenille, in Hinsicht des Färbestoffes, mit dem einzigen Unterschiede, daß die Cochenille Alles mit dem glänzendsten Schachlach färbt, die Plattoder platte Blattlaus hingegen alles Helle und Lichte an schw ärzt. Ich möchte dies aber bei dem heillosen Thiere in Hinsicht seines Vaterlandes entschuldigen; man weiß: Schwarz auf Weiß ist Preußens Narional- farbe; das Jnsect hat sich nun, seit einem Paar Jahren besonders, bis ins Unendliche vermehrt, und beschmutzt und befleckt,denHarpyen gleich, alles Genießbare. Beißen kann zwar das Ungeziefer nicht, dazu fehlen ihm die Zähne und der Muth, denn es ist ein außerordentlich furchtsames, verächtliches Thierchen; aber es verspritzt gegen seine Feinde (und als solche haßt es alle freien Geschöpfe) siincn ätzenden, stinkenden Saft, und bringt hiedurch ganz Preußen in üblen Gern ch. In Süddcutschland ist das Jnsect seltener, und hält sich dort nur wenn cs in russischen Pelz oder Juchten hübsch warm aufbewahrt wird. Dann wird es aber außerordentlich fett, ohne deshalb an Plattheit zu verlieren. Wahre Prachtexemplare dieser russisch-schwäbischen Abart kann man mit leichter Mühe in jeder Sammlung der „Augsburger Allgemeinen Zeitung" finden. Justiz. Gott lobe mir Deutschland! trotz allen Schreiern das Land des strengen Rechtes, des kühnen Vvr- schreitens und der Consequenz. Man halte nicht etwa den Schreiber dieses selbst für inconsequent, weil er hier und da vielleicht schon etwas gesagt hat, was grade wie das Gegentheil klang. Ich habe nur zuweilen so heftige Anwandlungen von Liebe, daß sie dem Zorne gleich sehen, lind kann mit Abeilard lagen : Xori irr» seN ver-sten, (>!,>):,,; aber ich thue Buße, ich stimme mein s,l>cer,v> an, und wiederhole: Gott lobe Deutschland! und in diesem wieder besonders das Großherzogtbum Hessen, oder Hessen-Darmstadt, oder Rhein- Hessen, oder -Hessen bei Rhein idas Ländchen hat mehr Namen als Provinzen), wo sich kühnes Fortschreiten, strenges Recht und ungeheure Consequenz noch glänzender zeigen, als irgendwo in den germanischen Staaten. Ich will cs Schritt für Schritt beweisen, u) K ühn e s Vorschreiten. Wer kann kühner sein als diese Negierung, welche das älteste deutsche Sprichwort, das seit unendlichen Zeiten, zwar nicht den Herrschern, aber dem Volke als Norm galt, das Sprüchlein: „Thue Recht und scheue Niemand," durch die einzige kräftige Variante: „Thue Allen Recht und scheue Jeder man n," aufhob, zermalmte, zu Nichts machte? —Seht, so schlägt eine großherzogliche t beinahe hätte ich aus Jrre- verenz großherzige geschrieben) Negierung dem dummen Schlendrian, dem alten Herkommen ein Schnippchen, und ihr sprecht vom Stehenbleiben, vom Festklammern an hergebrachten Formen? — O geht, geht ihr — Undankbaren ! An dieser Variante aber hält Hessen-Darmstadt fest, und darin besteht seine ungeheure Consequenz. Nachdem der Pfarrer Weidig, den es augenscheinlich nur im Bezug auf den zweiten Thcil des Spruches: — „Scheue Jedermann," eingekerkert und endlich eingesargt hatte (denn sonst begriffe man nicht wie der arme Dorfpfarrer der Regierung Rhein-Hessens hätte gefährlich, also auf solche Weise behandelt werden können), — nachdem also Weidig so beseitigt war, entstand aus seinem so glücklich beendigten Prozesse, ein zweiter. Zwei hochgestellte darmstädtische Sanitäts-Beamte klagen den Untersuchungs-Richter Geo rgi öffentlich als Säufer, als halbwahnsinnig, ja, als Weidigs Mörder an, und Georgi seinerseits nennt, ebenfalls öffentlich, die beiden Ärzte und Beamte „Lügner, Verläumder." — Was thut nun Hessen bei Rhein? Befiehlt es Untersuchung? Bestraft es den Einen oder die Andern? Setzt cs den Einen oder die Andern nur ab? Nein! es hält an seiner Variante: „Thue Allen Recht," d. h. cs läßt die zwei Medieiner nach wie vor in ihren Stellen, und Georgi in seiner Henkersglorie auf seinem Platze; das heißt freilich Allen recht thun, aber nicht Allen ihr Recht thun. Ei, zum Kuckuck! da sticht mich schon wieder der skeptische Kitzel. Verstumme, und juble dafür: hoch das Großherzogthum Hessen! Vivat Hessen-Darmstadt!! Hessen bei Rhein l'o>- nv > ! !! C. H. Redacteur : Heinrich Börnstei n. Druck mit Schnellprcssci'. ven P n n l R enn uarv Paris, Sonnabend. Nr. 30 22. Juni 1844 Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. . . . ,, Drei Monate. ... 8 ,, A uöwärtö: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... I» ,, Drei Monate. ... 0 ,, Insertionen : die Zeile ä 50 Centimes. » * s r v) a r ^ dWA Man abonnirt: für Paris: im D»resu ventrsl pour »na ,1,-8 Moulin8, 32. und in der Buchhandl. von ^ule; ^enousrä et ruo ctk 3ouiiion, li; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England,' in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, tVissensehast, Theater, Mutik und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am CrscheinungS-Da g: , an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des .H. Vidault, ttt, mie lie ln fu88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzcigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationögeldcr und Briese wollen ldnnco : « An die Nedaction des Journals: Vorwärts, 82, rue 668 iVIouIin8 in Paris » eingcs'endct werden. Nicht;u Urbcrschen! Mit 30. d.M. endet der erste halbe Jahrgang des „Vorwärts;" — die p. t. Abonnenten werden ersucht Ihre Bestellungen und Pränumerations-Beträge für das 2te Semester bei Zeiten einzusenden, um keine Unterbrechung in der Zusendung zu erleiden. Zugleich zeigen wir jenen Blättern, denen wir bis jetzt Tausch-Exemplare sandten, und die dies nicht erwiederten, an, daß wir mit 1. Juli unsere Sendung einstellen. Kirchenrath Prometheus. Ritter Paulus, edler Räuber, Mit gerunzelt düftern Stirnen Schau'n die Götter auf dich nieder, Dich bedräut das höchste Zürnen, Ob dem Raube, ob dem Diebstahl, Den du am Olymp begangen. — Fürchte des Prometheus Schicksal, Wenn dich Jovis Häscher fangen! Freilich jener stahl noch Schlimm'res, Stahl das Licht, die Flammenkräfte, Um die Menschheit zu erleuchten. — Du, du stählest Schellings Hefte, Just das Gegentheil des Lichtes, Finsterniß, die man betastet, ^ Die man greifen kann wie jene Die Egypten einst belastet. Heine ich Heine.- Berkehrte Welt. Das ist ja die verkehrte Welt, Wir gehen auf den Köpfen! Die Jäger werden dutzendweis Erschossen von den Schnepfen. Die Kälber braten jetzt den Koch, Auf Menschen reiten die Gäule; Für Lehrfreiheit und Rechte des Lichts Kämpft die katholische Eule. Der Häring wird ein Sanskülott, Die Wahrheit sagt uns Bettine, Und ein gestiefelter Kater bringt Den S phokles auf die Bühne. Ein Affe läßt ein Pantheon Erbauen für deutsche Helden. Der Maßmann hat sich jüngst gekämmt Wie deutsche Blätter melden. Germanische Bären glauben nicht mehr Und werden Atheisten; Jedoch die französischen Papagei'n, Die werden gute Christen. Im uckcrmärkschen Moniteur Hat man's am tollsten getrieben: Ein Todter hat dem Lebenden dort Die schnödeste Grabschrift geschrieben. Laßt uns nicht schwimmen gegen den Strom, Ihr Brüder! Es hilft uns wenig! Laßt uns besteigen den Temploiver Berg Und rufen : es lebe der König! Heinrich Heine. Offener Brief an Herrn Dr. Arnold Rüge. (Zur Verständigung). Mein Herr! Sie waren so gütig mir den Brief mittheilen zu lassen, den Sie an die Redaetion der New-Uorker „Deutschen Schnellpost" als Antwort auf einen in diesem Blatte erschienenen Angriff gegen die „Deutschfranzösischen Jahrbücher" richteten. Obwohl mit den Redacteuren jenes Blattes innig befreundet, habe ich doch Ihre Replik augenblicklich ausgenommen, da ich überzeugt bin, meine amerikanischen Freunde werden ein Gleiches thun und, gleich mir, dem: ^.uäiatur et altern pars! huldigen. Ich habe Ihren Brief auch veröffentlicht, obwohl ich in mancherHinsicht nicht Ihre Ansichten theile, weil ich ein Journal, das unter Preßfreiheit erscheint, als die Arena betrachte, auf der jede, nicht subventionirte, Meinung sich frei aussprechen dürfen soll, und weil alle Blätter, die nur ihnen zusagende Aufsätze aufnehmen, alle anderen aber unterdrücken, in einer einseitigen Richtung begriffen sind, die nie zur wahren kontroverse, zum geistigen Kampfe, zur endlichen Er grün düng der Wahrheit führen kann. Ich öffne Ihnen daher zu diesem Zwecke auch künftig gerne die Spalten meines Blattes, wenn Sie selbe benutzen wollen, ohne darum selbst Hegelianer oder Socialist zu sein, sondern bloß von dem Wunsche getrieben, durch Rede und Gegenrede Ihr System, wie andere, der Prüfung der Öffentlichkeit zu unterziehen. Ich habe in dieser Hinsicht einen Wunsch und eine Bitte. — Elfterer geht dahin, daß diese Erörterungen (denn ich hoffe nicht, daß Sie sich nach dem Aufhören der „Jahrbücher" zum Schweigen verdammt haben) jenen Ton der Mäßigung beibehalten, der der wissenschaftlichen Forschung geziemt, und der auch der Wahrheit leichteren Eingang, selbst bei den Gemäßigten und, wenn Sie wollen, Furchtsamen verschafft, während er den Gegnern jeden Vorwand zu Verdächtigungen im Voraus abschnei- det. — Sie selbst müssen aus der Erfahrung, die sie mit den „Jahrbüchern" machten, zu der Überzeugung gelangt sein, daß das allzu gewaltsame Auftreten eher schadet, als nützt, eher die Gemüther entfremdet, als Sympathien erweckt, und daß die Sprache mehrerer Aufsätze darinn um fünfzig Jahre zu früh gekommen ist, oder — um fünfzig Jahre zu spät. Deutschland, das so lang bevormundete, steht noch immer im Stadium der politischen Kindheit, und Kinder soll man eher mit Liebe als mit der Strafrnthe erziehen. Und welches Volk finden Sie, das, selbst in unserm so weit vorgeschrittenen Zeitalter, so philosophisch durchbildet ist, daß seine Eitelkeit nicht durch allzu scharfes Geißeln seiner Fehler verletzt würde und sich unwillig von dem allzustrengen Sittenrichter abwendete? Blicken Sie auf Frankreich, auf England, auf Nordamerika, — Sie werden selbst in diesen an die Öffentlichkeit gewöhnten Ländern eine gewisse Antipathie gegen allzu nackte Wahrheiten, gegen allzu derbe Rügen, — in der Presse eine gewisse Zurückhaltung, eine Mäßigung im Tadel finden. Ich will damit nicht sagen, daß man den Leidenschaften des Volkes schmeicheln, seine Fehler ihm verhütten, oder als Tugenden darstellen solle; aber es gibt ein Maaß in Allem, und man kann Vieles sagen, Vieles wirken, Vieles nützen, ohne in Ertreme zu verfallen. Sie brechen über das ganze deutsche Volk den Stab, indem Sie sich ans diese oder jene einzelne Facten stützen; — ist das nicht etwas unbillig? Glauben Sie nicht, daß die politische Verfassung, die Zerstückelung des Reiches, ja einzelne Personen und Kasten Deutschlands eher an dem gegenwärtigen Zustande Schuld sind, als das deutsche Volk selbst? Und ist es daher nicht hart, den Geist des deutschen 2 Volkes mit einem Epithel zu bezeichnen, das Entrüstung, statt Besserung, bewirken muß? Sagen Sie Deutschland seine Fehler, zeigen Sie ihm den Irrweg den es geht, bieten Sie ihm die Mittelund Wege sich zu emancipiren, rathen Sie ihm als Freund, und Sie werden mehr Anklang finden, als mit einem harten Verdammüngsnrtheile, das nur verletzt, statt ohnehin offene Wunden zu heilen, und das es den Bedrückern des Volkes leicht macht, dasselbe mit Mißtrauen gegen seine Freunde und Vertreter zu erfüllen. Also Mäßigung ! und Krieg den Sachen, den Prinzipien, den Jrrthümern und falschen Lehren, selbst den Individuen, — nicht den Massen, in denen sich Gerechte und Ungerechte befinden. Dies mein Wunsch, und nun eine Bitte: Nehmen Sie an, ich hätte die „halleschen" und „deut - . scheu Jahrbücher" nicht gelesen, oder, was in Ihren Augen schlimmer sein dürste, gelesen und nicht ganz verstanden, betrachten Sie mich als einen Profanen im Tempel der neuen Lehre, und belehren Sie mich. Sie reißen alles Bestehende ein, Sie verwerfen Alles Dagewesene, Sie wollen weder von Staatsverfassung, noch von Liberalismus, weder vom Christenthume, noch von der bisherigenPhilosophie, weder vom Repräsentativ-Systeme, noch von der absoluten Macht des Einzelnen, weder von der gegenwärtigen Einrichtung der Gesellschaft, noch van der nationalen Richtung des Volkes etwas wissen, — Sie werfen Alles in Trümmer; — lassen Sie mich meine Frage in die wenigen Worte fassen: „Waswollen Sie an dieStelle desBestechenden setzen?" Ich gestehe cs Ihnen offen, ich bin kein Philosoph, ich halte nichts auf abstracte Systeme, ich liebe das Praktische, die Wirklichkeit, — ich erkenne nur jenes System als -zeit- und -sachgemäß an, das zu jedem Augenblicke, mit dem .festen Willen derMassen, ins Leben treten und auch .durchgeführt werden kann. Belehren Sie mich hierüber positiv, wenn es Ihnen der Mühe werth scheint; — bis jetzt habe ich Sie immer nurmegi- §end gefunden ; — mit Negiren aber organisirt man keine Gesellschaft. — Verzeihen Sie mir meine Bedenklichkeiten, ich bin nun einmal so ein engherziger Deutscher, der es durchaus schwarz auf weiß und mit mathematischer Gewißheit bewiesen sehen nvill, was er.glauben soll. Und sind Sie nicht selbst schuld an meinen Zweifeln? — basiren Sie nicht in den Jahrbüchern ihre Lehre aufdie „ Mens cssen- rechte," und geht n'cht in demselben Bande Herr Marr weit über die Menschenrechte hinaus? Wie aber soll der Dritte bei diesem Zwiespalte nicht mit sich selbst und an Ihnen unklar werden ? Noch einmal, belehren Sie mich über das Wesen der humanistischen Schule, aber so klar, einfach und faßlich, so, ^aß es auch der Geringsten, der Ungebildetsten ^ Jeder im Volke verstehen könne. Zwei Rechte hat der Mensch, ehe er in den Staat tritt, — ich nenne sie gesellige, oder besser, reinmenschliche Rechte, sie heißen: das Recht zu leben, und das Recht an die Arbeit, das heißt an den Erwerb durch selbe, um leben zu können. Alle seine andern Rechte, .wie die Rechte der Glaubens- und Meinungsfreiheit, der Preßfreiheit, des Antheils an den öffentlichen Geschäften, der offenen und mündlichen Gerichtsbarkeit durch seine Mitbrüder, sind politische Rechte, die sich mit dem Begriffe des Staates verknüpfen. — Ich aber, und vielleicht täusche -ich mich, unterscheide Staat und Gesellschaft, und halte Manches für ausführbar in der letzteren was es im ersteren nicht ist. So die große Frage der Organisation der Arbeit, ein Ausdruck, der heut zu Tage so gang und gäbe geworden ist, daß man ihn schon wie andere Ausdrücke: Gott, Religion, Vaterland u. s. w., braucht, ohne eben viel dabei zu denken. Wäre dieser Ausdruck praktischer erläutert, wäre er in'ö Volk übergegangen, wüßte das Volk, was die neue Schule wollte, vielleicht hätte sie weniger Verkennung gefunden. Diese Verkennung aber hat Sie mißmuthig gemacht, Sie haben dieser trüben, erbitterten Stimmung in Ihren letzten Produktionen Luft und die Spaltung dadurch größer gemacht ; — und die Entfremdung zwischen Ihnen und Ihrem Volke nahm zu bis auf den heutigen Tag. Sie selbst sahen ja, wie die sächsischen Volksvertreter, unter denen Sie persönliche Freunde zählten, den Untergang der „Jahrbücher" theilnahmlos an sich.vorübergehen ließen, — Sie sahen, -welche geringe Wirkung, einzelne gewählte Kreise ausgenommen, Ihre letzte Publikation in Deutschland gemachthat. Ich glaube, die Schuld liegt anJhnen, Sie waren zu abftrart, zu philosophisch und zu ne- girend; — um aber auf ein Volk zu wirken, das man absichtlich so verwahrlost erzogen hat, daß es noch nicht seine Freunde von seinen Feinden, das Wahre von dem Falschen zu unterscheiden weiß, muß man faßlich, praktisch und positiv sein. Nehmen Sie mir meine Offenheit nicht übel, glauben Sie ja nicht, daß ich Sie belehren will, — ich erbitte mir Belehrung von Ihnen, über Zweifel und Bedenken, die mir aufsteigen, und weiß Sie werden diese Zeilen nicht mißdeuten. Sie sind ein geistreicher, philosophisch durchbildeter Mann des Wissens, .ich bin ein einfacher Naturmensch, ein praktisches Wesen, — noch einmal, belehren Sie mich. Bis dahin Ihr achtungsvoller Heinrich Börnste-bn. ^ Ein Brief. Mannheim, am > 3 - Juni >84;. Mein lieber Freund! Ich bin recht glücklich! Allerdings, so glücklich wie Du nicht; aber ich bin auch dazu nicht gemacht Dein Glück zu ertragen! Du lebst einmal in einer doppelten Welt, in und außer Dir. Mein In- und Außer-Mir-Sein ist in einen Teig znsammenge- knetet, in ein phantastisches Lebens-Meteor, das aufsteigt und zerplatzt, das wieder von Neuem einen Anrand nimmt und ehe es ans Zenith kömmt wieder zerplatzt. Daraus wirb sein Lebelang kein ordentlicher Stern, kein solides freundlich glänzendes Licht — aber die Eristenz eines Jrrwisches ist auch berechtigt, und die vindizire ich für mich ! War ich nicht etwa auch in Deine Amalia verliebt, oder liebte ich sie nicht auch mit der ganzen Kraft meiner Seele? Ich erinnere mich sehr wohl eines Zeitraums von vier Wochen, wo meine Jrrwisch- seele immer stieg, und immer höher stieg. Ich war damals ein großer Mensch: Alles was ich Hat, war edel, feurig und von einem poetischen Than überzogen. Ich schrieb damals eine Petition an unsere Stände-Kammer — ich werde so lang ich lebe, darauf stolz sein; ich setzte mich ans Clavier, und meine Liebe redete begeisternd aus den Tönen; ich spielte, weil ich mußte, das elende Taroe-Spiel, ich verlor mit einer Freude — rein geschämt hätte ich mich Geld zu gewinnen! Ich war mir selber eine Freude in allem was ich Hat. Das machte die Liebe zn diesem herrlichen Mädchen, zu dieser Deiner Amalie. Das vortreffliche Kind wußte davon nichts, aber es ist so klug, und hat wohl etwas geahnt. Frag' es einmal, was es Dir wohl aus der Zeit über mich sagen wird? Ich war in den nächsten paar Wochen nach dieser heißen Liebe — ein trauriger, abgeschmackter, ganz übler Junge; ein zerplatzter in den Sumpf ans dem ich aufgestiegen war, zurückgefallener Irrwisch, so eine rechte Men- schenschlake. Bald darauf befiel mich eine neue Liebe — ich flog wieder in die Höhe, fast bis ans Zenith, nnd ich wiederholte diese umgekehrte Me- tempsycose noch oft. Der Körper und die Normalmechanik des Geistes leiden ein Bischen unter solchen Evolutionen — und ich spür' das seit Kurzem bedeutend. Es war gut, daß ich mich auf ein anderes Gäulchen setzte. Ich begann die Politik zu reiten. Ich war ein sehr schlechter Reitersmann, aber das Gäulchen war noch schlechter. Es giebt nichts Miserableres auf der ganzen weiten Welt, als die Politik, mit ihren zwei Henkersknechten Religion und Recht. Religion und Recht, oder richtiger Theologie und Jurisprudenz entmenschen den Menschen, und machen ihn zum Schlachtopfer für die Politik zurecht. Alle drei, Mutter und Töchter, müssen sterben ! Die Politik weiß nichts und ist nichts als Herrschaft. Ihr ist der Mensch ein zu beherrschendes Wesen; das ist die einzige Qualität, die sie an ihm anerkennt; die andern müssen vernichtet werden, und dazu helfen die zwei Schergen. Die Theologie sagt dem Menschen : Deine menschlichen Eigenschaften sind erst recht alle außer Dir in Gott potenzirt; ich zerreiße dich in zwei Theile: in den Menschen der beherrscht werden muß, das Men- schenvieh, — und in den herrschenden im Himmel, oder durch seine Repräsentanten auf der Erde. Du behältst nur ein gewisses Maaß von Wissenschaft,— .er ist allwissend, Du hast ein bischen Macht — er ist allmächtig—Du bist unsterblich —er ist ewig, u. re. Alle menschlichen Eigenschaften steigert sie bis zum Unmenschlichen und nennt deren Compler Gott. Sie muß den Menschen vernichten, um einen Gott machen zu können; sie mußte aber auch den Menschen zum Gott machen, denn weiter wußte sie ja nichts, und konnte weiter nichts wissen. Gott ist eine menschliche Erfindung, die ich aber dem Teufel zuschreiben würde, wenn es einen gäbe. Und grade so hat eö die edle Jurisprudenz, die Zwillingsschwe- sier der Theologie gemacht. Alle menschlichen Bedürfnisse und Eigenschaften hat auch sie isolirt sich gedacht, und aus ihnen oder ihrem Gegentheil Ju- risten-Begriffe, Juristengötter : Eigenthum, Ehe, Diebstahl, Mord gemacht. Sie ist die Moral ohne den Menschen, und wiegt mit ihrer Wage die Unmenschlichkeit paragraphenweise zu. Sie sagt dem Menschen: Sei nur gerecht und moralisch, aber hübsch nach demMaaße in dem ich oir's erlaube. Du willst stehlen um zu essen und zu leben? Verhungere lieber! Selbstmord bestraft die Theologie meine Schwester : sie betet dich ins Fegfeuer, in die Hölle. — Stählst du, so hole ich dich und stecke dich in das irdische Fegfeuer, in die irdische Hölle. Pack es an wie Du willst: entgehest Du dem Fegfeuer, so kommst Du an den Galgen, und kommst Du nicht an den Galgen, so ist Dir das Fegfeuer gewiß. Ein Mittel jedoch gibt es gegen beide — das rathe ich Dir an: Sei reich: dann lasse Dir von den Pfaffen Messen lesen, sie erlösen Dich für Dein 3 Geld aus dem Fegfeuer, — oder treibe deu Diebstahl auf dem ehrlicheu Kausmannswege, sei eiu anständiger sünfprocentiger Dieb, dann beschützen wir Juristen Dich. I.es i-odins sont xiro8 c^us les ealotins, sagte Camille Desmoulins. Die Jurisprudenz hat ihr Wesen lange genug getrieben, sie ist grade so unmenschlich wie die Theologie. Sie zerreißt den Menschen grade wie jene: Sie läßt ihm seine menschlichen Bedürfnisse, gibt ihm das abstrakte Recht sie zu befriedigen — aber die concrete Möglichkeit dazu hat sie ihm genommen. Ob ich bei meinen jetzigen Begriffen eine Messe lesen höre, wo die Seelen ins und aus dem Fegfeuer gebetet werden, je nachdem sie Ketzer oder rechtgläubige Christen sind, oder einer Gerichtsverhandlung beiwohne, wo die Schuldigen ins Gesänguiß und die Unschuldigen in die Freiheit geschickt werden, — das macht beides denselben Eindruck auf mich. Ter Himmel der Rechtgläubigen, wie die Freiheit der Unschuldigen, ist eine eben solche Lüge, als daß die Einen rechtgläubig und die Andern unschuldig sind. — Hat das herrliche Zwillingspaar die Menschen zu Unmenschen gemacht, dann nimmt sie die Herrin Politik und sagt: So, jetzt seid Ihr gehorsamfähig; der Staat ist Euer Herr — er§o Ihr seid seine Sklaven. Ich schreibe Euch ein Maaß von Glück vor, darin lebt Ihr und sterbt Ihr. Das ist denn all eins, ob sich der Staat Monarchie oder Republik nennt, ob der entmenschte Mensch von einem Herrscher oder von einer herrschenden Classe tyrannisirt wird. Die Republik ist die vollendetste Form des Staats, worin es aber immer noch Juristen und Pfaffen und beherrschtes Men- schen-Vieh geben muß; aber der politische Staat ist eben auch nicht die letzte Form, in der die Gesellschaft leben muß. Der politische Staat ist nur die Abstraktion, das Unmenschliche der Gesellschaft; laß' sie nur menschlich sein, eine Gesellschaft von Menschen, dann hört der Staat von selber auf. Inder Einsicht kam ich, ein politischer Ritter von der traurigen Gestalt, sehrbald. Drum holperte ich so lang auf der Mähre herum, als ich mußte. Ich bin herunter gesprungen, aber das schäbige Vieh wird noch viele Reiter finden. Ich habe mich zu einem seit Jahrtausenden, seit den Griechen nicht mehr gekannten, nunmehr aber wieder erstandenen Geschlecht gewandt: — zu dem Menschengeschlecht, und mein neues Zenith setze ich in der Besiegung aller Unmenschen, — der Politiker, der Theologen und meiner eigenen Kaste, der Juristen, und mit allen Kräften die ein schwacher Mensch wie ich hat, will ich gegen den alten Feind anrennen; — der nächste offene Kamps, der bevorsteht, besiegt ihn. Es galt bisher den Feind recht erkennen; nunmehr aber hat er eine Fahne aufgesteckt, eine Cocarde am Hut, eine Livree an, die auch der dümmste von der Menschenparthei erkennen kann: — das Geld; und nunmehr kann man ihn vernichten. Du denkst, wenn Du dies liesest: Wenn der Irrwisch auf dieser Reise nicht erlischt, dann ist er ein wirklicher Stern. — Du hast recht, aber über meine Irrwisch-Natur reicht meine Ambition wirklich nickt hinaus. Dein W. KV88LL, (Schluß.) Der Raum dieser Schrift erlaubt uns nicht in eine lange Abhandlung dieser wichtigen politischen Angelegenheiten einzugehen. Wir wollten hier nur einige Absteckpfähle pflanzen und einige Verhältnisse aufdecken; dies glauben wir gethan zu haben. Nur noch ein Wort über die ewig währende orientalische Frage. Denn obgleich sie uns schon manche Rede und manche Enttäuschung verursachte, wollen wir uns noch einen Augenblick bei der Wichtigkeit eines Bundes mit Mittel-Europa verweilen, indem Frankreich einer festen Stellung im Oriente bedarf, um dort weder dem Ehrgeize Rußlands, noch den Entwürfen Englands zu dienen. Frankreich, Österreich und Preußen haben in dieser Hinsicht ein gemeinsames Interesse. Es wäre eben so unpolitisch für Frankreich sich im Osten unter englischen Einfluß zu stellen, weil dieser immer weiter nach dem Isthmus von Suez durch Ägypten und Syrien hinstrebt, als für Deutschland zu erlauben, daß Rußland die schreckliche und gefährliche Umgar - nung vollendete, in welcher Rußland die deutsche Nationalität cinwickelu und verwickeln will. Tie russischen und englischen Kräfte zu bewachen, und zugleich durch diese Aufsicht zu beherrschen, sie geschickt einander gegenüber zu stellen und so zu wirken, daß sie sich beide in Indien begegneten, dies wäre das einzige was Frankreich zu thun hätte, wenn es, auf Deutschland gestützt, unfehlbar durch Gewalt und die Mehrheit der Stimmen endlich die höchste Stimme zur Entscheidung der orientalischen Angelegenheiten erhalten würde. Wir haben frei undunverhohlen diese zwar noch junge Idee eines französisch-deutschen Bundes abgehandelt, weil wir sie für volksthümlich halten. Doch, wenn wir wüßten, daß diese Zeilen nur von Staatsmännern gelesen würden, so strichen wir sie auf der Stelle aus. Wir wenden uns weder an das Kabinett von Frankreich, noch an die deutschen Kabinette; das erste hat zu lebhafte Sympathien und zu werthe Verträge mit England, mag ihm gleich sein eigenes Land also entfremdet werden. Die andern haben noch zu viele monarchische Befürchtungen, zu viel absolutes Mißtrauen und zu viele Unterwürfigkeit dem Hause Romanoff gegenüber, als daß es uns in den Sinn gekommen sei für Blinde zu schreiben oder für Taube zu sprechen. Nicht den Thronen, sondern den Völkern bestimmen wir diesen Aufruf. Wir müssen ein gewisses Vorurtheil zu entwurzeln suchen: es ist dies der Liberalismus ohne Gegenstand, ohne Grund und ohne Logik; von ihm muß man sich .losmachen, weil er für sich nur eine wilde rohe Halsstarrigkeit zeigt, welche nichts erlernen und nichts vergessen will, ein wahrer Chauvinismus, welcher alle Interessen Frankreichs seinen sabrikar- ligen Wiederholungen ausopferu würde. Ein Würfel allen politischen Gauklern hat er zur Stütze unv zum Vorwände vieler Fehler gedient nnd vielleicht zum Verrath, welcher Frankreich jetzt so heruntergedrückt hat, daß es bald bis zum zweiten Rang der Nationen Herabstiege. Diesem falschen Liberalismus, welcher sich rühmte der Ausdruck des Fortschrittes zu sein und doch der Zukunft den Rücken zuwendet um nur das Vergangene zu betrachten; diesen Männern, oft aufrichtig gesinnt aber doch eingeschlasen am Busen eines todten Gedankens, rufen wir zu: „Deutschland!" bis sie ihren Schlaf abgeschüttelt nnd ihren alten Mantel von Austerlitz abgestreist haben! ! Macht aus der Geschichte der Vergangenheit was sie sein soll, eine Heldengeschichte, ein Epos. Laßt uns im großen Schatten des erzenen Götzen niederknieen, welcher auf eisernen Schlachten errichtet; lasset unsabet' nicht vergessen, daß die Zeit, welche den Ruhm zu Grabe trägt, in ihrem ewigen Kreisläufe die Stunden der Völker nach den Zeiten der Helden an- weis't. Der Krieg pflüget die Welt, aber der Frieden säet die Frucht hinter ihm in die Furchen der Gegenwart. Was wir der alten militärischen Parthei diesseits des Rheins verkünden, wir wiederholen es auch der ultra-historischen Schule Deutschlands. Es gibt dort auck reine eraltirte Seelen, Männer, welche in den verlorenen Tagen der Geschichte eine zu ausschließliche Verehrung für veraltete Ideen und für vergangene Glaubenslehren schöpften. Es sind meistens geistvolle Intelligenzen, und so aufrichtig iu ihren Träumen, daß sie selten von ihrer Höhe auf die irdischen Wege der Praris und der Wirklichkeit herabblicken wollen. Ihr Dichter, lebet ein wenig mehr mit euerm Zeitalter! Man kann die große, aber langsame Bewegung, welche gegenwärtig in der ganzen deutschen Familie stattfindet, nicht längnen. Es lebt dort ein Volk, das sich wieder ansrichten will. Es fühlet, wie alle Völker, die Wirkung neuer Instinkte, welche unsere Zeit regieren, und alle Ideen zu den großen Ge - me inschasten lenken. Vielleicht schreitet sie dieser Einheit auf zu langen Umwegen der reinen Philosophie zn, und vielleicht fehlt ihr auch die praktische Fähigkeit, welche uns Franzosen auszeichnet. Doch gerade darum könnten Frankreich und Deutschland miteinander, eines dem andern aushelsend, der vollkommene Ausdruck des neuen Europa's werden. Frankreich mit seiner Ten- denz zum Seeptizismus, mußte unfehlbar Prinzipien der Zerstörung im kalten Austausche mit England einsaugen, und gewiß die Ereignisse der vergangenen Jahre, die triumphirende Bestechung, welche in nn- serm Heerde, wie iu den öffentlichen Plätzen herrscht, zeigt hinlänglich von der Gefahr, welcher Frankreich von den Anhängern dieses Bundes ausgesetzt wurde. Was uns nöthig ist, uns Söhnen der Ency- clopädie, denn das sind wir, man mag sagen, was man will, das ist, nicht beständig ein Volk von Kaufleuten, ohne Glauben und andere Religion als das Gold, ohne andern Enthusiasm als eine rasende Eigenliebe, vor Augen zu haben; wir müssen im Gegentheile in unser altes gallisches Blut etwas von dem cinfacheu Ernste und von der aufrichtigen Begeisterung einzuimpfen suchen, welcher alle Herzen jenseits des Rheins erwärmet, und welche erzeugt, daß sie noch an manche schöne Dinge ernstlich glauben, welche unser kaltes Lachen leider längst für uns verzaubert hat. Entsetzliche Begebenheit. Buchstäblich wahr.) Auch ein Tanzmeister kann fallen, auch ein Cassa- Beamter kann einen Additionsfehler, auch ein Minister eine Dummheit machen, und selbst cm Redakteur kann einen Bock schießen, — alles das sind Unglücksfälle, die ihr Beruf unabweislich mit sich bringt, und denen sie früher oder später nicht entgehen können; — wenn aber in das Leben dieser armen harmlosen Geschöpfe plötzlich ein großes, ungeheures, unerwartetes Unglück schlägt, wenn ein Blitz aus heiterem Himmel auf ihre Häupter oder irgend ein Topf auf ihre Nasen fällt, wenn sich die Ordnung der Natur umkehrt, und den Cassa-Beamten mit dem zwölften Kinde, dem Tanzmeister mit einem Dolchstiche, dem Redakteur mit einer allgemeinen Abonnenten- Desertion und dem Minister mit einer Anklage und einigen Jahren Festung droht, — dann ,,fahre hin, männliche ! Gelassenheit und jede Faser recke sich auf zu Grimm und Verderben." — Kann es, geliebte Leser, wohl ein friedlicheres harmloseres Wesen als einen Tanzmeister geben? fließt nicht Milch in seinen Adern, ruht nicht ein ewiges mildes Lächeln auf seiner sinnenden Stirn, ist er nicht die Freundlichkeit, Gefälligkeit und Gutmüthigkeit selbst? Gibt es wohl einen Barbaren, der so grausam sein konnte, einem Tanzmeister etwas zu Leide zu thun? Ich wenigstens habe mich stets mit Schauder von der Carricatur des Gikn-iviil-i abgewendet, wo ein grimmiger Abd-el- Kader mit zwei ellenlangen Pistolen in der Hand zu einem kleinen französischen Tanzmeister sagt: « ckn vous ckoune oing iniurrles poun in'nppi encli'6 In l'olbn ! » und wo unten nach der Lektion dem sich glücklich aus dem Staube machenden Tanzmeisftr, als Honorar, von einem verruchten Beduinen in den Theil geschossen wird, auf dem der Mensch und der Hund zu sitzen pflegen. — Und doch ist Ähnliches in diesen Tagen erst hier in Paris geschehen, und das Schlachtopfer dieses schändlichen Fallstr ickes war Niemand Anderer als unser Landsmann Herr Raab, der Regenerator der Polka. — Raab wird 'vor vier Tagen von einem eleganten Herrn eingeladen, einer Gesellschaft junger Leute vom Lande, die nur vierundzwanzig Stunden in Paris bleibt, einePolka-Lection zu geben; Raab willigt ein, und der fremde Herr verspricht ihn abzuholen. Um acht Uhr Abends erscheint pünktlich derselbe Herr mit einem Wagen, Raab steigt mit ihm ein, und es geht fort über die Seine durch eine Menge winklichter Straßen des Quartier St.-Jacgues, bis der Wagen vor einem ganz einfachen Hause hält. Eine Gesellschaft von sechs jungen Leuten und M'ei hübschen Mädchen empfängt ihn hier in einem hübschen Salon, uud die Lection beginnt. Die Schüler können zu Raabs Verwunderung alle diePolka schon, und die Lection ist bald beendet. Unsere Leser werden sich erinnern, daß wir ihnen bereits mittheilten, wie Raab einen zweiten Tanz, dieSlowanka, für den nächstcnWinter in peito babe, und derselbe exclusiv nur für die Elite der Fashion reservirt bleibe. Genug, nach der Polka-Lection fordern die jungen Leute Herrn Raab auf, sie nun auch die Slowanka zu lehren; Raab entschuldigt sich, daß dies in einer Stunde unmöglich sei, daß er die Musik nicht bei sich habe, kurz er erschöpft sich in Ausreden, da er nicht eingestehen konnte oder wollte, daß er der Prinzessin von T..., dem Grafen A..., und dem Fürsten T... einen hohen Eid geschworen hatte, die Slowanka vor Mitte des künftigen Winters Niemanden als den ihm eigends zu bezeichnenden hohen Personen zu lehren. Allein seine Ausreden fruchten nichts, die Bitten werden immer dringender, verwandeln sich endlich in Befehle, man umringt ihn, harte Worte, drohende Blicke fliegen auf ihn ein, an der Wand hängen ein Paar Pistolen, Raab verliert alle Fassung, er wird todtenbleich, seine Sinne verwirren sich, er sieht, daß er in eine fürchterliche Mausfalle gefallen ist, er ist einer Ohnmacht nahe; — da donnert ihn einer der jungen Männer an: ,,-Herr! wollen Sie uns jetzt die Slowanka zeigen, oder-!!! „Ja!" lispelt Naab ganz vernichtet; — schnell ist die alte Freundlichkeit und Artigkeit wieder da, man bietet ihm Erfrischungen, er kömmt wieder Zu sich, und -die Lection beginnt. Aber wie die Gefahr verschwindet, kehrt unseres Tanzmeisiers Geistesgegenwart zurück, rasch beschließt er List mit List, Betrug mit Betrug zu vergelten, und zeigt seinen Zwangsschülern nun als Slowanka cinMired-Pikle von Quadrille- und Mazurka- Figuren, Cotillon und Hopswalzerschritten, von marvc- canischen Sprüngen und Auriol'schen Lazzis, das eher einem Narrentanze gleicht als einer Slowanka. Die jungen Leute tanzen den Unsinn zwei Stunden lang mit eiserner Ausdauer während einer alle Figuren und Schritte aufzeichnet, — dann wird Naab honorirt und entlassen. Wie ein Pfeil schießt er die Treppen hinab, zum Hause hinaus und nun fort im Galopp durch die Straßen aufs Gerathewohl, bis er einen Fiaker findet, der ihn nach Hause und in das Bett bringt, das er des ausgestandenen Schreckens wegen drei Tage lang hüten muß. — Er weiß weder die Straße noch das Haus zu bezeichnen, wohin man ihn geführt und zerbricht sich den Kopf, ob dieser Fallstrick das Werk neidischer Tanzmeister war, ! die gerne das Geheimniß der Slowanka haben wollten, oder Studenten, die der noblen Welt zum Trotz den neuen Tanz in die Elinumiöie verpflanzen wollten ehe er noch in den Salons erscheine. Genug, die Betrüger sind dieses Mal betrogen und kennen die Slowanka doch nicht,— Raab aber ist gestern nach Baden-Baden abgcreist, mit dem festen Vorsatze, wenn er im November wieder hieher kömmt, sich zu jeder Lection von zwei Muni- cipalgardisten begleiten zu lassen. Altes und Neues aus den 38 deutschen Vaterländern. Philologie. Was würde man wohl von einem Menschen denken, der uns nicht einmal seinen Namen zu sagen wüßte? — In Deutschland haben wir dreißig Millionen vor uns, die sich in diesem Falle befinden. Der Name „Teutsch" stammt allbekannt voa,,Teut," der Gottheit der alten lettischen oder keltischen Stämme ab, nach welcher sie sich Teutonen, ,,Volk Gottes," nannten, (und ich wüßte nicht warum sie hiezu nicht dasselbe Recht gehabt hätten als die Hebräer). Niemand aber ist es noch eingefallen, „Dcur" und „Deutonen" zu schreiben; woher also das weiche D in gegenwärtiger, leider beinahe allgemeiner Schreibart? — Fühlen die guten, breiweichcn Leute jenseits des Rheines, daß ihnen nirgends mehr, nicht einmal im Namen, ein etwas harter, kräftiger Ausdruck gebürt? — Sie haben sich allerdings schon früh daran gewöhnen müssen, daß man mit ihnen nach Belieben umsprang, ja, sie ihres eigenen Namens beraubte und ihnen fremde aufdrang, und ließen sich es auch ruhig gefallen. — Die Römer nannten sie, entweder nach dem Worte: ,,Herr-Mannen," oder nach den langen ,, Spießen" — ,, Gehren" — „Gehr-Man- n e n," Oei-mskii, und das von ihnen besetzte Land „Germania." Die Franzosen lernten erst von jenem Volke nur die ihnen zunächst am Oberrheine Wohnenden kennen, die sich mit Recht ,, Al le-Mannen " nannten, da sie sich aus den Mannen aller teutschen Volksstämme in dem Dreiecke zusammengefunden hatten, das sich findet, wenn man von dem Ausflusse des Rheins aus dem Dodensee bis zur Einmündung der Kinzig in diesen Strom eine Linie zieht, oder, wenn man will, in dem „Knie," das sich zwischen dem Grate des Schwarzwaldes und dem Rheine zwischen den angeführten Punkten bildet, und diese Gegend, also das Ober-Baden, heißt wirklich noch Allein annien. Die Franzosen aber, mit ihrer gewohnten Hast tem pro wio zu nehmen, und mit der Oberflächlichkeit, welche dieser sonst so liebenswürdigen Nation eigen ist, dehnten die Benennung dieses Winkelchens gleich auf das ganze, weite Land aus, von den Alpen bis zum baltischen Meere, von der Maas bis zur Weichsel, und so haben wir denn « ckos Mlemnncks» und eine « » welche in der allerdemüthigsten kleinen Parcelle eines Duodez-Staates ihren Ursprung nahmen. Da wir aber eben von Baden sprechen, so muß ich bemerken, daß dessen Bewohner noch weniger als die übrigen Teutschen wissen, wie sie eigeMlich heißen. Siegeben sich, nach den verschiedenen Ständen, drei verschiedene Benennungen. Fragt man einen Bauer, Bürger, Handwerker u. s. f., so ist die Antwort: ,, I bin eBaadi- sch er. " Der Student, Offizier, geringere Dikaftrrient sagt: „Ich bin ein Bad enser." Der Schriftsteller, Hofmann, oder Jeder, welcher auf höhere Bildung Anspruch macht, lispelt: „Ich bin ein Badener. Drei Editionen und alle falsch. „Badener! " wie übelklingend! — ich würde ihnen rathen, sich lieber Bad er zu nennen, wenn die armen Teufel nicht, statt Andere zu scheeren, selbst geschoren würden. Warum folgen sie nicht dem allgemei nen Sprachgebrauch,.' ? Kein Mensch wird Sachsen er, Hessen er sagen, sondern Sachsen (das Land), die Sachsen (das Volk), ein Sachse u. s. f., also auch : ein Bade Um aber Meder auf T eutschland zurückzukommen, so bitte ichSetzer und Eorrektor, mir meineHärtezu lassen; ich lasse mir nicht gerne meineÜberzeugung rauben, und möchte lieber, wie jener thüringische Schmid, dem ganzen Volke jenseits des Rheines zurufen: „Werde hart, Teutschland, werde hart! " Militärisches. Man glaubt wohl ich wolle von dem Kampfe der wackern Tscherkessen und Tschetfchcnzen sprechen, welche, — eine Handvoll Krieger, — nun schon seit fünfzehn Jahren der, als so unwiderstehlich geschilderten, Macht Rußlands ein Schnippchen schlagen, und mich über die Schlappen freuen, die sic vor Kurzem wieder ihren Gegnern angehängt? — oder ich würde meine Blicke nach Nordaftika wenden um etwa dem drohenden marokani- schen Kriege ein Prognostikon zu stellen § — Bewahre der Himmel! Militärisches lautet die Überschrift, nicht Kriegerisches. — Ich mache es wie die meisten teutschen Fürsten und unterscheide beides genau. — So sehr ich den Krieg scheue, so sehr liebe ich das Militär; — ich habe das mit obgedachten Fürsten und mit den meisten Weibern gemein. — Kann es auch etwas hübscheres geben als das diese Reihen von Puppen, alle wie von Einem Drache gezogen sich bewegend, mit blitzenden Gewehren, in gleicher, zierlicher Kleidung, je bunter je besser? — Woran könnte ein Herrscher seinen Geschmack (er mag Andern noch so geschmacklos Vorkommen), oder wenigstens seine Caprice allen seinen demüthigen Unterthanen so bewähren als hier ? — Andere Leute kleiden sich nach eignem Willen, oder wie es die Umstände erlauben (in manchen Ländern wundert man sich, daß das Volk sich überhaupt nur noch bekleidet, dercs die Abgaben so wenig erlauben!, — das Militär aber, welches auf jeden eignen Willen re signiren muß, spricht in keinem Äußern (und hiebei kömm^ es ja nur auf das äußerliche anH — den Geschmack, die Verhältnisse, oder Neigungen seines allerdurchlauchtigsten Herren aus. Nur zu oft zwar treten die Verhältnisse den Neigungen feindlich in den Weg und zwingen einen Mi- niatur-Svuverain, der nur in den engen Grenzen seines Ländchens mächtig ist, sich fremdem Willen und fremdem Geschmack zu fügen; so sahen wir zum Beispiel mit Ei- nemmale in allen Armeen, großen und kleinen, nur französischen Schnitt; bald darauf bekam Alles einen russischen Anstrich u. s. f., aber der lokale Beigeschmack bleibt doch, und ich wollte darauf wetten die wahre Tendenz eines Fürsten zu crrathen, wenn ich nur ein Paar seiner Soldaten gesehen habe, sobald die erste Uniform-Reform nach seinem Regierungsantritt statt fand. — Da seht nur gleich die Preußen in ihrer jetzigen Metamorphose! — Verkündet nicht jeder Mann vom Kopf zur Sohle die Grund-Idee des Königs: „Rückkehr zum Mittel- alter, zum Feudalwesen?" — Das warschonals Kronprinz seine Marotte und Er, und Prinz Georg von Mecklemburg-Streliz, standen an der Spitze des Adels in offener Opposition gegen den alten König, weil er ihnen Zu liberal war.-Friedrich Wilhelm II l. zu liberal!!!- Jetzt als Herrscher kann er, trotz der gleißenden Hul- digungs- und Dombau-Reden, seiner Neigung freien Lauf lassen; daher die Vorzeichen, der Waffenrock des Soldaten und die Pickelhaube. Diese letzte nun mit ihrer hohen Spitze (so kann doch jeder Krieger dem Feinde die Spitze bieten), ist so lächerlich als unkleidsam. Aus affectirter Sorgfalt für den Soldaten, ist an einer Kugel ein Ventil angebracht, um bei heißem Wetter den Kopf aus dampfen zu lassen; beim Regen kann man es schließen! — Diese Helmspitze ist also zugleich Nauchfang und Blitzableiter; Schade, daß man nicht, was so leicht gewesen wäre, an jeder ein Windfäbn- chen angebracht hat, —aber - da von Preußen die Rede ist, weiß man schon daß es nicht am Winde fehlt und woher er weht. H. C. M. Wichtige medicinische Preisfrage. Ein hiesiger deutscher ärztlicher Verein hat auf die beste Beantwortung der Preisfrage: Ist die Unfruchtbarkeit erblich? einen Preis von hundert Ducaten gesetzt; —die Abhandlungen können bis zum 15. August französisch oder deutsch eingereicht werden bei Herrn vr. Koreff, 50, rus l^euve-äes-^uAUstiris. — (Eingesandt.) Nedactcur: Heinrich Eörnstcin. Druck mit Schnellpressen von PaulRe n n uard Paris, Mittwoch Nr. 31. 26. Juni 1844 Abonnements-Preise r in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 ,, Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 9 ,, Insertionen : die Zeile a 50 Centimes. » * H rw n / § Man abonnirt: für Paris: im Dnresu ventral ponr l ^Neinsßnv, »U6 ktes NoulinZ, Za. und in der Buchhandl. von Inle» Lenousrä et 0'", ru« cle ^oui non, 6; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, Englands in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien, Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Pariser Signale aus Kunst, Wissenschaft, Theater, Musik und geselligem Leben Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am CrscheinungS-Ta z: , an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Vidault, 10, rue cie In 1u88>6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in srankirten Briesen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumcrationögclder und Briefe wollen t'ermoo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 82, ruo 068 klouIin8 in Paris » cingesendet werden. Nicht;u Acbcrsehtn! Mit 30. d. M. endet der erste halbe Jahrgang des „Vorwärts;" — die p. t. Abonnenten werden ersucht Ihre Bestellungen und Pränumerations-Beträge für das 2te Semester bei Zeiten einzusenden, um keine Unterbrechung in der Zusendung zu erleiden. Zugleich zeigen wir jenen Blättern, denen wir bis jetzt Tausch-Eremplare sandten, und die dies nicht erwlederten, an, daß wir mit 1. Juli unsere Sendung ein stellen. An den Czar in Deutschland. Sei uns gegrüßt, du Herr der schönen Knute! Sei uns gegrüßt, der Warschau „still" gemacht! Die Opferschale voll von Polenblute Sei dir als Huld'gung dargebracht. Siehst du die deutschen Volker zu dir jubeln, Die deutschen Fürsten zittern deinem Blick, So denk': Das dank' ich meinen Rubeln Und meiner russisch-deutschen Politik. Sei uns gegrüßt, von dem allein wir hoffen Daß Deutschland groß noch werden kann und frei; Du zeigst das einzige Nettungspförtchen offen: Der Schreckruf ist's von Rußlands Tyrannei. Der kann das Volk aus seinem Schlafe wecken; Nur das Bewußtsein drohender Gefahr Reißt von dem scheuen Auge ihm die Decken Und macht ihm seine Lage klar. Und da dich thut nach, deutschen Ländern dürsten, So fasse die Gelegenheit beim Haar; Mit unfern vier und dreißig deutschen Fürsten Wirst du bald fertig werden, großer Czar! Und wenn's uns so vom Osten hat getaget, Dann bieten wir dir auch Revanche an : Die vier und dreißig Haft du uns verjaget, Dich Einen jagen wir zum Teufel dann. Heinrich Born stein. An j-. „Was sollen uns noch Schiller oder Goethe!" Ein Lebender. Lass' heilig unsre Ruhmestcmpel fteh'n, Und schmäh' nicht was die Väter einst bewundert, Denn was auch wir in's Leben hoffend säen, Verkleinert gern das künftige Jahrhundert. Und wer von uns am mächtigsten gestrebt Die großen Räthsel seiner Zeit zu losen, Und muthig für die Menschheit nur gelebt, Verschonet nicht der Natterstich der Bösen. Auch überholt den Trefflichsten die Zeit. — Wer sah nicht schon die Zwerg' auf einem Riesen, Die voll von einem kleinen gift'gen Neid Auf nieder» Standpunkt den Coloß verwiesen? — Ehr' alle Männer der Vergangenheit Die würdig je des Lebens Bahn betreten; Verkenne nicht die Größen deiner Zeit; — Auch sie hat ihre Heil'gen und Propheten. German Mäurer. Öffentlicher Brief an die geehrte Redaction der New-Norker deutschen Schnellpost.*) (Zur Verständigung.) Geehrtester Herr Redacteur! Es ist mir wirklich aufrichtig und von Herzen leid, daß Sie in Ihrem Blatte den Mißgriff begehen ließen, mich und meine Partheifreunde als Verächter des deutschen Volkes hinzustellen; aber nicht meiner Person wegen, sondern einzig um des Vortheils willen, den Sie unfern gemeinschaftlichen Feinden dadurch ohne Noth in die Hände spielen. Ich werde mich nicht vertheidigen; wer sich ver- *) Die von Herren W. von Eichthal und H. Bernhard redigirte New-Porker deutsche Schnellpost, ein Blatt das mit Freimuth und Wahrheitsliebe die deutschen Zustände bespricht und sie unter diesem Gesichtspunkte den nordamerikanischen Deutschen mittheilt, enthielt, wie bereits erwähnt, in einer ihrer letzten Nummern eine Beurtheilung der zwei ersten Hefte der deutsch-französischen von Rüge und Marx herausgegebenen Jahrbücher, die im Tone der Indignation eine Menge von Borwürfen gegen alle Mitarbeiter derselben vorbringt. Herr Rüge hat bereits darauf geantwortet. Herr Bernays, ein Mitarbeiter an den ,,Jahrbü- chen," dem ein gewisser Theil der Vorwürfe und der Indignation gilt, hat uns die folgende Mittheilung gemacht, der wir die Ausnahme nicht verweigern können, weil unser Blatt das einzige deutsche in Paris ist, und wir uns Unpartheilichkeit innerhalb des Meinungskreises der ganzen Fortschrittsparthei zum Grundsatz gemacht haben. Daher theilcn wir noch keineswegs alle von Herrn Bernays aufgestellten Grundsätze, sind aber von dessen Wahrhaftigkeit vollkommen überzeugt. — Nur dadurch daß alle Meinungen frei ausgesprochen werden, ist es möglich die Irrenden zu widerlegen und so zur Wahrheit zu gelangen. Nur aus dem harten Zusammenstößen von Stahl und Stein entspringt das Feuer, der zündende Funken. Dies zur Berücksichtigung. D. R. theidigt, ist in politischen Kämpfen schon verloren; ich will vielmehr noch einmal anklazen, und stärker als ich es gethan, und will Sie, den erklärten Freund und Lobredner des deutschen Volkes, zum Richter machen. Sie meinen es gewiß gut und redlich mit der deutschen Sache: daß Sie mich persönlich verletzten, thut mir darum nicht wehe — es führt ja zu einer Verständigung die allen zu Gute kommt! Über Dreierlei muß ich mich jedoch mit Ihnen ins Klare setzen, damit keine unnöthigen Diskussionen entstehen. Ich schreibe nicht des Schreibens wegen, damit ein schöner Artikel in einem Blatte steht. Für mich sind die Worte leider nur die schwachen Surrogate von Bajonetten und Kanonen. Ich bin kein Litterat und will keiner sein; mein Herz blutet, und ist von Wuth und Nache- gefühlen durchwühlt; meine Leidenschaften gelten den Schändern einer großen Nation; und hat sie sich selbst geschändet, so gelten sie auch ihr. Zuerst, was ist das deutsche Volk? Ich antworte Jh. nen : Alle Deutschen, wo Sie sie finden, weß Standes und Ranges sie sind, von dem König bis zum Bettler, bilden das deutsche Volk. Alle zerfahrenen abstrakten Verstellungen davon laß ich nicht gelten. Ich lebe auf der Erde, suche meine Begriffe unter den wirklichen, nicht geträumten Dingen, und dasjenige wovon ich rede, muß etwas Concretes, Eristirendes sein. Das deutsche Volk sind mir alle Deutsche, die heute leben, nicht die Todten mit ihrem Herrmann und ihren Urwäldern, mit ihren Burgen und Naubschlössern, mit ihren Hohenstauffen nnd heiligen Reichswürden; aber auch nicht die kommenden freien Menschen auf der Erde, die deutsch reden werden, und dabei doch Menschen sind, — sondern einzig und allein die mit denen ich bei meinen Lebzeiten zu Tische sitze, die ich kenne, die ich leben und handeln sehe. Mir sind die Könige keine Götter, sondern deutsche Menschen; mir sind Beamte, Gelehrte, Militär und Priester, so gut wie die Bauern, Leute die einen Bestand- theil des deutschen Volkes bilden, und Liberale so gut wie Aristokraten. Oder sind die Könige in Deutschland Franzosen ? (Der einzige nicht deutsche König, der von Hannover, ist schlecht genug um ein deutscher König zu sein, man kann ihm den Engländer verzeihen!) Oder liegt der Grund der beständig gemachten Unterscheidung zwischen Fürst und Volk, zwischen Adel und Volk, zwischen Militär und Volk, in der deutschen Natur der Einen und der undeutschen der Andern? Und ergänzen und re- crutiren sich nicht diese Kategorien beständig aus einander ? Alle Deutschen meiner Zeit gelten mir das deutsche Volk. Die deutschen Liberalen können mit einem solchen Begriffe aber nicht auskommen. Sie nennen sich ja Volksfreunde, das Volk muß also etwas anderes sein, als die deren Feinde zu sein sie vorgeben, und gegen die sie sich opponiren. Sie haben zwei Kategorien : Lob und Tadel, und doch nur einen Gegenstand. Er muß daher zerrissen werden je nach Umständen : heute wird das Volk gelobt, 2 und die Fürsten (aber wie zärtlich) gescholten; morgen das Volk gelobt, und der Adel geschmäht; dann wird über das Militär hergefallen und dem Volke geschmeichelt, dann das Volk gesalbt, und die Pfaffen gekreuzigt, dann wieder das Volk gepriesen und der Pöbel verfolgt, dann das Volk angebetet, und die Juden gesteinigt; so daß unter dem Volke, je nachdem eben ein Gegner gegeißelt werden muß, alle Tage etwas anderes verstanden wird; immer aber nicht das wirkliche Volk, sondern ein Götze ohne den die Herrn nicht sein können, dem sie räuchern, dessen sie ein Theil sind, den sie anzübeten, für den sie zu arbeiten und zu dulden vorgeben, der beute so und morgen so aussiebt. Es giebt in Deutschland keine politischen Partheien; — der Einzelne stellt immer Einige den Mehreren gegenüber, und diese Mehrere nennt er das Volk; der Einzelne ist eine obnmächtige Parthei gegen Alle, und bleibr, wenn er noch so boch steht, ein Sklave, und da dies alle trifft, so sind sie's alle. Unterwürfigkeit ist der Grundcharakter des ganzen Volkes, d. b. aller Deutschen, und wenn ein Preuße z. D. Sklave seines Königs ist und seiner deutschen unterwürfigen Natur, so ist sein König ein Sklave desselben unterwürfigen Instinktes, und er dient als ein Knecht seinen Thorbetten und dem Kaiser von Rußland. — Das war eines über was wir uns zu verständigen hatten. Für richtige Darstellung und Charakterifirung der deutschen Verhältnisse, reichen aber die vben angeführten Kategorien der Herrn Liberalen, Lob und Tadel, nicht aus; sie können die Form sein in der man einmal sprechen kann, wenn es gilt blos seine persönlichen Sympathien oder Antipathien auszudrücken; im Munde eines politischen Menschen, der eine politische Stellung zu rechtfertigen hat, beweisen sie blos die Schwäche des politischen Verstandes. Das Loben und Tadeln beruht auf dem Zerreißen desVolkes in imaginäreBestandtheile.Wenn der Liberale die Deamtenparthci andvnnert, so sagt er jedesmal dem Volke eine Schmeichelei, und lügt ibm vor, es wäre anders wenn es selber regierte! Er begreift nicht, daß wenn sein Tadel begründet ist, sein Lob cs unmöglich auch sein kann, denn die Beamten find selbst das Volk; — er schmäht das Volk, — aber er weiß es nicht. Aber auch z. D. die willkürliche gedankenlose Trennung von Beamten und Volk zugegeben, ist wohl ein Angriff auf den Beamtenstand eine Vertheidigung aller andern, oder des sogenannten Volke? ? Ist das Volk, d. h. die Andern, deßwegen unterdrückt weil es die Beamten unterdrücken ? Ist das Volk gut, weil die Beamten Peschttldigt werden es schlecht machen zu wollen ? Ich gehe noch weiter: Und wenn das Volk schlecht ist, ist es schlecht weil die Beamten es schlecht gemacht haben? Wenn Sie jn einer Wage auf eine Schale einen Gewichtstein, und auf die andere Kirschen legen, und die Schale mit dem Gewichte senkt sich, ist wohl der Gewichtstein allein schuld daß die Kirschen so leicht find ? — Und wenn z. B. dieser imaginäre Volkscompler von den Beamten, oder wem Sie sonst wollen, unterdrückt ist, muß er nicht nothwendig entweder zu schwach oder zu feige zu seiner Befreiung sein? Oder muß es ihm, und das ist leider nicht nur ein möglicher, sondern ein wirklicher Fall, nicht in dieser Unterdrückung gefallen aus Gewöhnung, Fühllosigkeit oder aus sklavischem Sinn?.Haben sie aber je gehört, daß ein liberaler Schönredner diese Cousequenz gezogen hätte? Die Liberalen sagen, es ist eine Schande, daß es in Deutschland mehr als dreißig Souveraine giebt, aber nie: es ist eine Schande daß ihnen die Deutschen nicht schon längst die Köpfe abgeschlagen haben. Es ist niederträchtig, daß die Fürsten keine Preßfreiheit, keine öffentlichen Gerichte, keine Volksrepräsentation einführen; — aber nie: es ist niederträchtig, daß die Deutschen Censur, geheime Vehmgerichte und die despotische Staatswirth- schaft dulden. Der König von Preußen, sagen sie höchstens, ist ein romantischer Thor, daß er den Schwanenorden gründet, den Köllner Dom ausbauen läßt, den Gustav-Adolph-Verein protegirt, alle romantischen Narren um seinen Thron sammelt, ohne Schiffe eine Flotte baut; — aber sein Lebtag nicht, die Deutschen find die echten romantischen Thoren, daß sie solchen Unfug, solches Ge- lüge, solche Mummerei mit sich treiben, und alle Schel- lings, Tieks, Savignys, Maßmanns, die Gradheit in dem Körper und Geiste der Jugend verdrehen lassen ! Sie sagen die Könige sind Tyrannen, aber nie nennen sie die Deutschen Sklaven, und doch ist eins unmöglich ohne das andere! Sie hegen und pflegen die feige Furcht vor Rußland, und wedeln dem Volke, das sich fürchtet! Sie predigen gegen den Pietismus, aber wollen nicht sehen wie zugänglich er dem deutschen Volke ist! Sie feilen an dem Gewichtstein, und sehen nicht wie die Kirschen vertrocknen! Wollen Sie, Herr Redakteur, in Amerika die verbrauchten Begriffe oon Aristokratismus und Liberalismus immerhin fort gebrauchen, so lassen Sie sich wenigstens darauf aufmerksam machen, daß es m'chrs Aristokratischere? gibt, als alles Schlimme was passirt, den Fürsten allein in die Schuhe zu schieben. Die Aristokraten wissen den Liberalen für dieses Angriffssnstcm allen Dank. Sie selber bezweifeln ibre Allmacht im Guten und Dösen nicht — wenn es die Liberalen, ihre 8oi-cki8r,»i. Feinde, auch nicht thun — dann sind sie ja von Allen anerkannt! was wollen sie mebr ? — Dies der zweite Punkt! (Fortsetzung folgt.) Aus Baden. "Noch immer wird die Reise deö Selbstherrschers aus jede uns denkbare Weise besprochen. Sie bildet auch bei uuS um so mehr den Gegenstand vielfacher Aufmerksamkeit, als Gutunterrichtete wissen wollen und der Glaube auch allgemein verbreitet ist, daß unser volksfreundlicher Großherzog nur deshalb so schnell und unerwartet seine Reise in die Schweiz unternommen habe, um dem Autokraten, vor dem er als acht konstitntionneller Fürst doch immer einen gewissen Abscheu haben muß, nicht zu begegnen. Die vorgehabte Reise nach Ostende wurde daher verschoben und eine andere nach der republikanischen Schweiz angetreten, wo er am ehesten hoffen konnte, mit dem Czarcn nicht zusammenzutreffen; denn es ist hier noch recht gut bekannt,welche Furcht der Selbstherrscher aller Reußen vor den freien Schweizern bei seinem Besuche in Würtemberg im Jahr 1840 an den Tag legte. Damals kam er mit dem König Wilhelm von Würtemberg (der als der Vielgeliebte in seinem Lande benamset und überall im Auslande hochgeachtet, sich voriges Jahr nicht scheute, allein, nur von einem Adjutanten und einem Diener begleitet, zu Fuß einen Theil der Schweiz zu durchwandern) nach dessen Lustschloß „Friedrichshafen am Bodensee," wo auf dem jenseitigen Ufer der Schweizer stolz sich erging. Diese Nahe und die Möglichkeit, daß auch Polen dort seien und wissen konnten, wo der Tyrann ihres Landes sei, mochten dem Kaiser Nikolaus unheimlich zu Muthe machen. Darum mußte auf sein Ansuchen die ganze wür- tembergische Gendarmerie aufgeboten werden und Tag und Nacht die weite Umgegend durchstreifen. Jeder irgend verdächtig Scheinende wurde angehalten und ausgeforscht, ob ernicht nach moökowitischem Blute dürste. Gleichwohl hielt eS der Czar nicht lange an jenen Gestaden aus und erst als er wieder fern von da andere Luft einathmete, als die der Freiheit, wurde es ihm wieder leichter ums Herz. Die Presse Europa s. Als der englische Minister Peel aus Ruder kam, frohlockten die Blätter des Continentö; man hätte glauben sollen, ein neuer Achilleus sollte seinen Pa- rrvkleö retten, d. h. die Reaetion, welche durch Pal- merston etwas ins Stocken gerathen war. Sogar die französischen Blätter, ärgerlich, weil die syrische Sache nicht nach ihren vagen Prineipien, sondern gleichsam mit Ausschluß der Franzosen entschieden worden war, erhoben ein Trinmphgeschrei, das wenigstens den Blättern mit rother und halbrother Mütze sehr übel stand. Jn Ländern, wo keine Censur besteht, kann einer leicht merken, wohin der Volksgeist geht, denn die Blätter mögen sich maskiren wie sie wollen, der Volksgeist läßt sich nicht so zügeln wie eine diplomatische Zunge. Jn Ländern, wie zum Beispiel in Rußland und Ostreich, wo nicht allein Censur, wie in Deutschland, gegen das was nicht gesagt werden soll, sondern auch eine Anordnung besteht, wo etwas was keiner sagen will, gesagt werden muß, kann man aus den Blättern nur lernest, was nicht geschehen soll; in Ländern wie Ostreich, das eine bestimmte Tendenz hat, daran, wenn das Nicht- zugeschehende entweder nicht berührt oder leicht oder - heftig getadelt wird; in Ländern aber wie Rußland, daß eine Tendenz oft ganz versteckt, kann man oft das, was gewollt wird, daran sehen, was eS nicht sagt, oder anders sagt, oder scheinbar verthei- digt. Die deutsche Presse ist so arg nicht, sie steht zwischen der englischen und östrcichischcn in der Mitte. Englisch ist sie darin, daß sie manchmal wie die englische auch etwas nicht sagt, weil sie nicht darf — in Deutschland wegen der Censur nicht darf, in England wegen Patriotismus nicht darf, zum Beispiel in allen Handelsangelegenheiten, und wo es sich um englische Kraft, Tüchtigkeit, Ehre und Interesse handelt. So weit sind wir leider noch nicht. Tie französische Presse ist aber der wahre Baro- und Thermometer Europa's, nicht als ob sie nicht lüge und irre, wahrhaftig nein; keine lügt wahrscheinlich mehr und keine irrt auch mehr, aber man sieht es ihr stets an, wenn sie lügt, denn sie lügt stets zu ihrem Vortheil, was keine andere Presse als die, die keine ist, sondern eine diplomatische Jonglerie, öffentlich auch thut. Die französische Presse ist kein Muster einer freien Presse, denn sie ist etwa wie das deutsche Recensentcnweseu ein Band von Cotte- rie, ein Partheieuconglomerat, das stets unwahrer und unlauterer ist, je höher es an das Ministerium reicht, und das am wahrhaftigsten ist, je tiefer es ins Volk reicht; man verstehe uns recht: wahrhaftig, d. h. willenhabend, die Überzeugung zu sagen: nicht Fähigkeiten haben, das Wahre und Richtige zu sagen; denn im Ganzen hat die Mini- sterialpresse Frankreichs, so unwahr sie stets die Politik gegen Außen auffaßte, stets mehr Recht in Bezug auf die innere Politik, als der „National" und die radiealen Blätter, welche sich immer noch nicht überzeugen können, daß man mit Volksversammlungen und was daran hängt, Frankreich nicht leicht regieren kann. Ein Europäer braucht eigentlich nur das „Journal des Dobats" zu lesen, um zu wissen, was England, Deutschland und Spanien thun soll. Er wird in 100 Fällen 99 mal richtig nrtheilen, wenn er immer diesen Ländern das Ge- gentheil von dem zu thun anräth, was das „Journal des Dvbats" sie zu thun heißt. Die deutsche Presse ist eine jungfräuliche, unschuldige, gleichsam spissertartige, um uns des Studentenausdrucks zu bedienen. Wo sie recht gehudelt worden, kommt sie uns vor wie ein gemeines armes unglückliches Bauermädchen, das recht blutjung in die Prostitution gebracht, zwar alle Jungfräulichkeit, aber nicht alle Naivität verloren hat. Nun die Naivität ist noch das Menschliche was sie thut. Ehret das Menschliche, wo ihr es findet! Unfern Staatsund Hofzeitungen geht es wie den Hoftheatern; von lauter Respecten-Complimenten und Rücksicht 3 ten können sie nicht sagen, was der Nation frommt; sie kommen mir stets vor wie Kammerdiener und Chaisenjäger, deren Höflichkeit die Bittsteller zum Hause hinaus manövriren und deren Geputztheit den Kindern mehr gefällt, als die Herren selbst. Nicht viel besser würden es die Volksblätter im entgegengesetzten Sinne machen; vor lauter Rücksichtslosigkeit könnte man die Wahrheit nicht erfahren. Wir sind aber aus den deutschen Wäldern heraus, und es geht ohne republikanische Derbheit nicht mehr unter monarchischen Staaten an. Die Hausmannskost brauchen wir in den Blättern wie das Zollvereinöblatt von List und Biedermann's Monatschrist, welche Wahrheit sagen wollen, ohne Rücksicht ans Höfe und Volk, aber doch ohne Rücksichtslosigkeit und Grobheit. Unsere Tageöpresse hat sich offenbar gebessert seit 10 Jahren, denn sie hat seitdem Europa mit Rücksicht auf Deutschland beurtheilt, während sie aber der Censnr wegen früherhin Europa gleichsam objektiv sah, ein fremder Zuschauer das Drama. DaS wollen die fremden Staaten von Deutschland. Dieses Bessere hat die Presse freilich nicht gethan, noch weniger die Censur, sondern die Jnlirevolution that es, aber nicht sie allein, das Volk hat es auch mitgethan, es hat sich mehr darum bekümmert, daß es ist, also denken, also reden, also handeln, daß es ein Volk sein darf. Die Presse ist also subjektiver, mitredender geworden, und wenn wir nicht verkennen, daß die Censurplackereien bis 1836 und der Hanövrische Ärger für die Nation dazu mitgewirkt haben, das deutsche Volk etwa anzuregen, so thateu es auch die Erleichterungen der preußischen Presse, welche immer noch viel freier ist als die von Baiern, Würtemberg, Baden und den beiden Hessen. Man benutze sie nur, man tadle die Gesetze, wo sie nicht gut sind, man lasse sich nicht vom Ärger, daß wir noch keine Reichsstände bekommen, übermannen, man nütze so viel man kann durch Rede und Schrift Preußen und vergesse Deutschland nicht. — Die deutsche Presse sollte sich einmal über einige Hauptpunkte verständigen, alle Redaktoren sollten sich das Wort geben, ohne den Widerstrebenden ihr Blatt zu verschließen, denn Freiheit für den Angegriffenen ist ja Ritterpflicht, über folgende Hauptpunkte einstimmig zu sein, welche wir so allgemein wie möglich fassen wollen, während einzelne Blätter unter sich noch spezieller sie alle fassen könnten. 1. Was das Allgemein-Menschliche angeht, darüber braucht man wohl in Deutschland keine Bestimmung; denn das Menschliche, Kosmopolitische ist ja das Deutsche, das Allgemeine, das von un- serm Volk Gepflegte. Daß man das Beste anderer Völker, die Galanterie der Spanier, die schöne und fast stets geübte zarte Rücksicht im Kriege von Seiten der Franzosen gegen Frauen und Kinder, ihren Patriotismus, die Festigkeit der Engländer gegen Unbilden, welche irgend Einem ihres Volkes an- gethan werden, stets selbst auf Kosten unsers Wohls hervorheben muß, ist durchaus nöthig und Recht und Pflicht. Wahrheit gegen Freund und Feind gilt hier., k- 2. Was das Vaterländische angeht, so fehlt unserer Presse noch immer, aber viel weniger als sonst, die Beziehung der Objekte und Thatsachen auf unfern Zustand. Hier muß vor Allem eine Einheit und deutscher Bund, Deutschland, Volk oder Einheit der Deutschen angenommen werden, und wenn sie ein Phantom wäre; ein Ich muß da sein, was die Gegenstände auf sich wirken läßt. Ist keinö da, so ist kein Denken da, sind mehrere da, so ist verwirrtes Denken da. Der Deutsche ist freilich, ehe er ein Deutscher wird, erst ein Hundsrücker, dann ein Pfälzer, dann ein Preuße, dann ein Deutscher, während der Franzose und Spanier gleich Spanier und Franzose ist: aber eben deßwegen muß die Einheit des Größcrn stets in den Begriff jedes Deutschen gestellt werden, so daß es ein Nationaldenkbegriff wird, der seit dem Nheinbundswirrwar erloschen war; ist doch jeder Mensch, ehe er denken wird, auch erst als Embryo wie eine Puppe, dann ein Thier und soweiter. Unsere Presse muß durchaus Deutschland als Einheit immer durchführen, das ist nöthig für uns, wie für das Ausland. Es muß sein, als ob die Einheit Deutschlands ein Punkt wäre, um den sich Alles drehe, wie in der Astronomie irgend ein Punkt, der ja auch nie seststeht, als BeobachtungSpnnkt angenommen wird. 3. Alle Beziehungen deS Auslandes müssen zuerst in Bezug auf das Ganze, aus Deutschland geprüft werden; ob es meinem Bruchtheil, und wenn eS Preußen wäre, nutzt, ist eine gemeine und philisterartige Ansicht. Nutzt es nicht dem Ganzen, so ^ braucht es dem Bruch gar nicht zu nutzen. Alle Länder Deutschlands könnte man mit solchen Bruchzahlen bezeichnen, und das wäre die vergleichende Geographie der Fortbildungsschulen, sogar auch in Bezug aus ihre Wichtigkeit gegen Außen, und in dieser Beziehung würde man Österreich mit 3(4, Preußen mit 1(2, Baiern mit 1(10, Würtemberg mit 1(30, Baden mit 1(32, Großh. Hessen mit 1(60 bezeichnen können. Vor zehn Jahren hätte diese geographische Theorie noch, wie das Turnen, für demagogisch gegolten, aber dann wird man den Theil nicht überdrüssig, wenn er sich als Theil, d. h. als Organ zur Förderung des Ganzen darstellt, wohl aber, wenn er als Theil wie ein Ganzes geehrt sein will, sowie ein Polypenkörper. Deutschland war ein Polyp vor zweitausend Jahren und will ein Mensch werden, das ist seine Verwandlung; durch Einheit des Denkens wird man ein Mensch, nicht indem der Mensch keine Glieder hat, sondern wegen, mit und durch die Glieder. 4. Alles was vem kleinsten Bruchtheil des deutschen Volks, auch jedem Einzelnen vom Ausland geschieht, muß vom Ganzen empfunden und von der gesummten Presse angefeindet werden. 5. Jeder fremde Einfluß muß ebenfalls vvn der Gesammtheit zurückgewiesen werden, und Unterstützer des Ausländischen mit aller Macht der Rede und des Spottes bekämpft werden, wenn das Ausländische eine Anmaßung oder Beleidigung ist. Über diese fünf Punkte muß jeder Deutsche einig sein, wenn er nicht ein verächtlicher Knecht oderBe- stochener des Auslandes sein will; wenn daher die Presse sie stets und überall befolgt, so wird Schule und Leben endlich damit übereinstimmen und Deutschland eine geistige Einheit sein, stärker wie die politische Frankreichs und Rußlands —und das brauchen wir. Man kann deßwegen im Einzelnen wieder besondere Kreise und .Gesellschaften haben, so die Gesellschaft der konstitutionellen Blätter, so die Blätter des Zollvereins, so die Blätter des Rheinlands, der Freunde der Öffentlichkeit rc., das berührt alles unfern Vaterlandsverein nicht; aber über jene fünfPunkte muß jedes Blatt einstimmig sein. Wer sich dagegen verfehlt, muß zurechtgewiesen, wer dagegen absichtlich handelt, angeseindet werden, wie ein Hochverräter, und wenn er der Höchste wäre; das ist nöthig als geistiger Kitt der deutschen Nation und wird uns jene Rücksicht verschaffen, welche das Ausland nur, und zwar mit Recht, den einigen Völkern zugesteht, welche es aber Deutschland, das es bisher — wie ein plumper Volksknäul ansah, bis jetzt fast nur zweimal, 1813 und 1610, zn- gestand. T. Z. Das junge Deutschland. Wäre die deutsche Presse nicht krank, d. h. wäre sie nicht in ihren gesunden Verrichtungen und Bewegungen gestört, so würden Bestrebungen, wie wir sie dem Herrn Karl Gutzkow abzumerken glauben, keinen Raum und keine Hoffnung auf Erfolg haben. Diese Bestrebungen gehen, wie es uns scheint, auf nichts Geringeres hinaus, als das „junge Deutschland," den „produktiven" Liberalismus, wieder in Ausnahme zu bringen. Wenn die französische Kritik die Schriftsteller des „jungen Deutschlands" unter den Einfluß Heine's stellt und sie zu Kopien desselben macht, so haben diese Herrn einzeln Gelegenheit genug, sich durch Worte oder durch die That zu verthcidigen, im Fall ihnen Unrecht geschehen, und es würde eben kein Gegengewicht gegen das französische Urtheil sein, wenn sie sich unter die Flügel des Herrn Gutzkow flüchten müßten. Daß dieser den französischen Angriff benutzt, um das „junge Deutschland" in corpore herauszustreichen und zwar im Gegensatz zu den Hegelianern, das verräth sich trotz den geschickten Wendungen als eine Taktik, welche die Eroberung des Terrains, das die Hegelianer dem „jungen Deutschland" abgewonnen, aber durch äußere Einwirkungen wieder verloren haben, im Hintergründe durchscheinen läßt. Natürlich würde der General, der das Gebiet wieder erobert, auch das Oberhaupt des neuen Staates werden und der Mann, der früher von der freien Presse „getödtet" zu werden fürchtete, würde künftig unter dem Schutze der Censur als Beherrscher der deutschen Literatur dastehen. Die Kameraderie, welche das „junge Deutschland" mit seinem Anhang so trefflich zu kultiviren und zu organistren versteht, würde mit ihren Verzweigungen die Befestigung und Verbreitung der neuen Herrschaft übernehmen, mau würde sich der verschiedenen Organe der Tagespresse als HülfStruppen bemächtigen und in kurzer Zeit würde nur noch eristiren und Anerkennung finden, wer zur Fahne des wieder erstandenen „jungen Deutschlands" geschworen und die Oberherrschaft des Herrn Gutzkow anerkannt hätte. Die Hegelianer, die mit ihren scharfen Waffen dem jungen Deutschland so furchtbar geworden, sind vom Kampsplatze der Tages-Literatur verdrängt; eine andere Macht ist nicht an ihre Stelle getreten und kann unter den jetzigen Verhältnissen nicht an ihre Stelle treten. Was liegt also näher, als daß diejenigen, die vor ihnen sich für die Herrn des Landes hielten und sich aus Konzessionen besser verstehen, ihre geschlagenen Truppen wieder zusammenlesen und, wie sich's versteht, in anderer Uniform und mit moderirtem Feldgeschrei wieder in die alten Quartiere zu rücken suchen! Man könnte ihnen die>e Rückkehr schon gönnen, wenn sie die Leute wären, von deren Einfluß die Zeit etwas zu hoffen hätte. Aber das ist's grade. Einzelne, basd wieder verklungene Weisen abgerechnet, die aus dem Chor^ des jungen Deutschland hier und da laut geworden, > haben die Herrn noch keinen Ton angestimmt, wonach die Fortschrittstruppen der Zeit ihren Schritt einrichten könnten. Was auf dem jungen Baum des jungen Deutschlands gewachsen, ist im Ganzen schlecht zur Kost für eine Zeit geeignet, die nicht der Unterhaltung, sondern der Kräftigung bedarf. Deshalb schlagen wir auch die Prodnktionskrafl, die ihm Herr Gutzkow nachrühmt, nicht hoch an, und auch die Producte Gutzkows selbst haben nur einen relativen, von der gedruckten Temperatur der Zeit bedingten Werth, so daß sie ihren Autor schwerlich laug überleben werden. Er will nun, wie es scheint, vom bretternen Theater auch aus das Theater der Politik herabsteigen, und beginnt das Werk, für sich und seine Alliirten Platz zu machen, mit einer Diversion gegen die Hegelianer und an deren Spitze gegen Rüge. Früher, als den Angegriffenen noch der Kampfplatz offen stand, hat Herr Gutzkow sie mit seinem Muthe verschont, obschon sie ihn hinlänglich herausgefordert hatten; jetzt, wo er sicher zu sein glaubt, rückt er ins Feld. Wenn einem das Recht fehlt, ihr Wirken als nichtig darzustellen, so ist es Herr Gutzkow. Wenn sie auch nicht praktisch gewesen sind und auch zu viel verneint haben, ihr Wirken galt wenigstens der Menschheit und den ewigen Ideen, welche sie beleben. Der „productive" Liberalismus aber, seine einzelne ehrenhafte Ausnahme etwa abgerechnet, wirkt blos für sich. Darauf ist ihr Tadel und ihr Lob berechnet. Auch ist dasselbe eben so wenig an ein politisches Prinzip gebunden, als von der Bedeutendheit der gelobten Ka- pacitäten abhängig gewesen, und dem Lobredner des Herrn Rehfues konnte man eben sowohl bei seiner Kritik als bei seinen gelegentlichen politischen Äußerungen das Streben ansehen, „möglich" zu bleiben. Mag er „möglich" bleiben und wirklich werden; aber ein Mann, der noch durch nichts eine Entschiedenheit der politischen Gesinnung an den Tag zu legen gewagt hat,.lasse die Finger von Leuten weg, denen man, man mag mit ihnen einverstanden sein oder nicht, wenigstens zugestehen muß, daß sie in einem Jahr bedeutendere und nachhaltigere Wirkungen hervorgebracht haben, als der ganze productive Liberalismus in seinem ganzen Leben, und daß sie, was viel heißt, eben so viel Muth der Idee hatten, als Andere Muth der Klugheit. Wir unserer Seits gehören nicht zu ihrer Parthei und wünschen ihr Auftreten nicht in der alten Weise zurück; aber wir, und mit uns viele Andere, sehen zehnmal lieber das krasseste Hegelthum, das nur mit Preßfreiheit bestehen kann, als das gezähmte junge Deutschland an der Spitze, das es unter dem Schutz der Censur und mit Hülse der Kameraderie immer noch zu einer nachtheiligen Bedeutung bringen kann, wenn ihm nicht zeitig entgegengetreten wird. Wer nicht den Muth oder die Kraft der Entschiedenheit hat, der möge wenigstens wissen, daß uns mit seiner zurückhaltenden Halbheit auch nicht gedient ist, und wenn Herr Gutzkow den Hegelianern vorwirst, daß sie den Konstitutionalismus überspringen wollen, so zeige er uns, was denn er für den Konftitutio- ualismus gewirkt hat. Das Leben ein Traum, der Traum ein Leben. Mit der verzweifelten Aufklärung, im physischen wie im figürlichen Sinne! —Wir werden bald gar keine Nacht, nicht einmal mehr nur Dämmerung haben; hier hellt der Gas (oder das Gas), dort die philosophische Brandfackel alles so unverschämt auf, daß Diebe, Prediger und Liebesleute sich gar nicht mehr zu helfen wissen, und Glaube, Romantik und Liebe zum Teufel gingen, wenn es nur noch einen gäbe. Um Nacht und Dämmerung ist es aber doch auch etwas Hübsches, wenn man gleich weder ein Dogma zu vertheidigen, noch eine Börse zu stehlen, noch ein süßes „Stell dich ein" (zu deutsch Rendez-vous) abzuhalten hat. — Ich liebe diese Tag-, besser Nachtzeiten, schon der Ruhe, des Schlafes und der Trau m e, auch der wachenden wegen. Zwar hat die böse Aufklärung selbst den Träumen ihren besten Reiz, die Deutung, geraubt; aber wer klug ist, geht seinen eignen Weg, nennt sich zwar öffentlich den Ritter der prätentiösen Dame, und glaubt heimlich, vor wie nach, was er will. — Ich werde mich ohne weiteres diesen klugen Traumgläubigen anschließen, und mir Calderon öffentlich behaupten: „daß Traum und Leben, Leben und Traum" gar nicht zu entwirren und eigentlich nur Eins sind, wenn mir nur noch zweimal im Leben ähnliches geschieht wie vor einigen Tagen. Höret, theilnehmende Leser, und vor allem Ihr, holde Leserinnen, und theilet meine Schauer des Schreckens und des Entzückens. Ich träumte, so mußte ich wenigstens glauben, ich trä umte, — m an wird glauben, ich hätte vorher grade die Mährchen von „Tausend und Eine Nacht" gelesen, aber ich kann versichern, daß ich mich dieser Sünde seit meinem 19. Jahre nicht mehr schuldig gemacht, und zähle jetzt schon — ach! ich mag gar nicht zählen, sonst möchten meine grauen Haare schamroth werden, — kurz ich hatte den Tag über gar nichts gelesen als das ckournöl ckes und die <)uot>ckikline, und beide sind zwar vortreffliche S ch l afmittel, aber gewiß keine Reizmittel für die Phantasie. Wenn ich aber so fortfahre, so komme ich gar nicht zur Erzählung meines Traumes, und um den allein ist es mir doch zu thun; — also ich träumte: ich befände mich in einem prächtigen Pallaste, ohne mir bewußt zu sein wie ich dahin gekommen sei, oder was ich dort zu suchen habe, und ließ mich denn so gehen wie es im Traume, und oft auch im Leben zu geschehen pflegt. Biele Leute eilten hastig eine Treppe hinan, ich schleuderte gemächlich nach, und so wie neue Besucher sich in die Flügel der geöffneten Tbüre drängten, hörte ich ein freudiges Oh! und Ach! um das andere, und als ich nun auch eintreten konnte, rief ich Oh! und Ach! zugleich, denn der lieblichste Anblick überraschte mich; ich befand mich in einem Blumengarten, Blumen aber sind so sehr meine Lieblinge, daß ich, blos um mir den Genuß an diesen reizendsten Kindern der Natur nicht zu verderben, nie Botanik kennen wollte, und Gottlob! auch jetzt noch nicht das ABC davon verstehe; aber ich kenne alle und weiß sie zu nennen und ihre Formen nach zu fühlen, und fand so viele hier wieder, schön wie immer, aber in einem eigen- thümlichen, ich möchte sagen: magischen Glanze, wie ich sie früher noch nie gesehen. Beinahe zweifelnd bückte ich mich nieder; — doch — doch — sie sind es! sehe ich nicht an der Reseda hier sogar die kleinen Unvollkommenheiten, die abgefallenen oder verkümmerten Blättchen; — und der Glanz? — Je nun, ich bin wohl im Oriente. — Richtig, dort wiegt sich ein prächtiger Psittich auf den Zweigen, und hier — das Wort erstarrte mir vor Schrecken im Niunde, denn indem ich den Blick aufwärts richtete, fiel er grade in den Rachen eine.s prächtigen L ö- w en, nicht etwa eines Phantasie-Löwen von Marmor oder Bronze, wie sie unsere Bildhauer— dichten, sondern eines wirklichen, dem keine Muskel, kein Härchen fehlte, und der mich mit seinen glühenden Augen vernichtend anftarrte. Zwar blieb der Monarch der Thiere ruhig, aber ganz nahe sah ich einen tückischen Königstiger, dort einen blutgierigen Panther! — oh, hätte ich nur diesmal keine orientalische Reise gemacht! — Zwar blieben auch alle diese gewiß lebendigen Thiere unbeweglich, und mir deshalb um so unbegreiflicher; alle Mährchen der grauen Vvr- welt, desMittelalters und unserermodernenKinderstuben, die ich je gehört und gelesen, fielen mir ein;— was glaubt man nicht, wenn man die Wunder handgreiflich vor sich steht? — Ich sah mich ängstlich nach einem Zauberer um, und siehe da ! — er fehlte nicht. In einem Gemache, ganz nahe am Wunderorte, saß ein Mann, emsig beschäftigt eine Unzahl Pflanzen und kleine Thierchen zu ediren. Vor ihm brannte ein Helles Licht. — Ha, dachte ich, gewiß ein neuer Prometheus, der dem Olymp, oder irgend einem andern Himmel, das Feuer entwendet hat, womit er seine schon so täuschend nachgeahmte L-chöpfungen beleben will; — weh uns, wenn er seinen mächtigen Thie- ren, das Einzige was ihnen fehlt, auch noch die Bewegung gibt. Eben wollte ich hin, — ihn dringendst bitten, nur solches nicht zu thun, — da rief es hinter mir: „Narr! " — Ich wunderte mich, nach so langer Abwesenheit im Oriente noch so gut gekannt zu sein, aber im Umwenden sah ich einen meiner hiesigen Freunde, der mir nun milder zulächelte: „Träumer!" — Er hatte aus meinem Benehmen, aus einzelnen Worten meinen Irrwahn er- rathen, und sprach jetzt : „Aber mein Guter, du bist ja in Paris, im inusöe I^inkourg, der Mann dort an der Lampe ist allerdings der Schöpfer dieser herrlichen Blumen und Thiere, und also in seiner Art ein Zauberer, aber kein Prometheus. — Affo, erwiederte ich sehr kleinlaut und beschämt, dies sind nur gewöhnliche, sogenannte italienische Blumen und ausgestopfte Thiere? — Nicht doch — btlehrte mich mein Freund, — alles dies ist von Glas. — VonGl-a-s," stammelte ich, und der Kopf wollte mir auf's neue wirbeln von Wundern und - aber es war wirklich so; und ich mußte mich wiederholt in Arme und Beine kneipen um mich zu überzeugen daß dies Leben kein Traum, sondern der Traum im Leben sei. H. C. M. Nachschrift. Unterzeichneter Nichtunterzcichneter glaubt es Andern und sich selbst schuldig zu sein hier eine kleine Bemerkung zu machen : Er wurde von einigen sehr achtungswerthen Männern aufgefodert das wirklich vortreffliche mu866 auch im ^Vorwärts" bekannt zu machen, und konnte das nicht füglich ablehnen. — Nun verspürter aber in sich nicht den mindesten Beruf noch das Geschick zur sogenannten Reklame, und da ohne Zweifel noch gar Viele sich an diese Zeitschrift wenden werden um ihre Anzeigen auch dem so zahlreichen teutfchen Publikum zugänglicher zu machen, so konnte das für ihn bedenklich werden, und ihn, zumal in dieser Erpositionszeit selbst sehr erponire n.— Dies wohl überlegt, schlug ich also (ich spreche lieber in eigner als in dritter Person) auch hier meinen eignen Weg ein, und somit kam obiges Mondkalb an's Tageslicht. — Herr Lambourg wird mir vielleicht, wenn er etwas davon erfährt, den fcrnern Eintritt in sein Museum versagen, und das würde mir leid thun, denn man sieht es lieber zehnmal als einmal, aber ich hoffe alle übrigen Herren abgeschreckt zu haben sich in ähnlichen Fällen m eilt e r Feder zu bedienen. Alle sind daher gewarnt sich bei ihren resp. Anzeigen vorzubehalten daß deren Redaktion nicht dem Cvllaborator H. C. M. anvcrtraut werde, sonst setze ich meinem natürlichen Ungeschicke noch ein Maaß zu, und es kömmt noch tolleres Zeug zu Markte. Uixi 6t 8»lvr»vi rrrnmsm. Schon die Schrift sagt: „Hütet euch vor dem Gezeichneten." Der oben Gezeichnete. Industrieller Courier. Jedem Fremden, der hier ankommt, liegt gewöhnlich daran, sobald als möglich den alten Adam, welchen er aus der Provinz, oder von jenseits des Rheines, der Alpen, der Pyrenäen oder des Meeres mit sich gebracht, abzu- ftreifen und sich den Parisern zu assimiliren. Unter den unzähligen Anstalten, sogenannten «msisons cks eon- lsekiott, » die sich zu diesem Zwecke darbieten, ist ohne Widerrede das eben so brillante als solide Haus « su Von ks8l6ui> » (zum guten Hirten), an der Ecke der Straße St.-Honor« und äu Ooq, am meisten zu empfehlen. Der Fremde findet dort die reichste Auswahl von Gilets, Pantalons, Fracks, Oberröcken, Paletots, Twen's, Twed's u. s. f., für jede Jahreszeit, in den modernsten Stoffen und Formen, und — was anderwärts selten zu finden — sehr solid gearbeitet, und zu bestimmten, billigen Preisen. Wer dort seine Garderobe wählt, kann versichert sein, sich eben so sehr im Einklänge mit dem neuesten Geschmacke zu finden, als auf längere Zeit mit guten Stoffen und tüchtiger Arbeit versehen zu sein. Die Ungeheuern Magazine und glänzenden Bazars, wo man Alles findet, und jetzt noch zu allerdings billigen Preisen, mehren sich auf eine bedenkliche Weise, und drohen den kleinern Kaufleuten den gänzlichen Untergang zu bereiten, wo dann allerdings zu befürchten wäre, daß sie auf den Trümmern dieses achtbaren Standes ein Monopol begründen und dem Publikum Preise nach Willkür vorschreiben könnten. Als Gegensatz ist zu beachten, daß es für den Käufer eine große Bequemlichkeit bietet, mehrere Gegenstände an einem und demselben Orte zu finden, und nicht genöthigt zu sein, sie mit bedeutendem Aufwands von Zeit und Mühe in der Riesenstadt aufzusuchen. Um diesem letzten Zwecke zu genügen, ohne sich in den ersten, grenzenlosen Unternehmungen zu verlieren, möchten wohl die Anstalten, welche die goldene Mitte hielten, und ohne sich auf eine zu beengte Spezialität zu beschränken, doch nur alle, gleichsqmverwandteArtikel führen, am geeignetsten sein. Unter diesen zeichnet sich aber das an IXouv6uut68 aller Art, besonders aber in Seiden-, Baumwoll- und Leinwaaren so überreiche Magazin »ux 8t3M68 c>6 8girll-cknecsu68, Straße St.-Denis, auf das vortheilhafteste aus. Die gewissenhafteste Auswahl ächter, tüchtiger Waare, die schnellste Bedienung durch ein zahlreiches, artiges Personal, und die möglich billigsten Preise werden gewiß jeden Käufer vollkommen zufrieden stellen. 8. W. Redacteur: Heinrich Evrnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Neno uard Paris, Sonnabend Nr. S2 30. Jnni 18L4 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Zahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 15 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 1» ,, Drei Monate. ... 0 „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes. u> Man abonnirtr für Paris: im Luresu central xour l ^4Ilernstznv, »uo lies Koulins, 3». und in der Buchhandl. von Fules Neaousrä et 0'«, rus cie l ouennn, 8 >VI<,«Iin8. und in der Buchhandl. von in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Mittwoch.) Pariser Deutsche Zeitschrist. (3.) Jul,. Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des Vidau lt, 40, nuc Oc la ^ussienne.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestcllt werden, so bitten wir uns dies in frankirtcn Briefen anzuzeigcn. — Anfragen, Beiträge, PränumcrationSgcldcr und Briefe wollen franco: « An die Rcdaction des Journals: Vorwärts, 82 , ruc Oes Klouling in Paris » cingcscndct werden. Eine Antwort. Geschätzter Herr! In einer der letzteren Nummern Ihres Blattes stellen Sie an Dr. Rüge mehrere hochwichtige Fragen. Da dies ganz allgemeine Principsa- chen sind, so suhle auch ich mich veranlaßt, unmaßgeblich Ihnen zu antworten. Erhalten Sie von Dr. Rüge desgleichen Antwort — nun, desto besser. Sie scheinen sich um Aufklärung in der großen Sache der Neuzeit zu kümmern. Ist es Ihnen damit Ernst? wollen Sie wirklich für die 80 000 Pariser Deutschen und Deutschinnen etwas Gutes wirken? so machen Sie sich vor Allem die ungeheure Aufgabe deutlich, um deren Lösung sich unser Jahrhundert dreht und woran es verbluten wird; aber verblutend wird es sie gelöst haben. Zur Sache. Vorläufig erklären wir ohne Weiteres das deutsche Volk, die Massen, als im Gegensatz zu Individuen und Kasten, für völlig unschuldig an dem jetzigen Zustande Deutschlands. Welcher Philosoph der neuesten humanistischen deutschen Schule Feuilleton -es llorwärts. Arlequin. R c v u e-Novelle. I. Satan I., von Gottes Gnaden Fürst der Hölle, saß eines Morgens in einem großen Armsessel ä 1» Voltaire, beschäftigt sein erstes Frühstück einzunehmen, und die Neuangekommenen Zeitschriften der Oberwelt zu durchblättern. Satan hatte das Aussehen eines stark vorgerückten Fünfzigers, dessen Auge, Wuchs und stolzes Benehmen wohl einen Mann verriethen, der einst eine wichtige Rolle gespielt haben mag, dessen Einrichtung, Sitten und sonstiges Wesen jedoch erkennen ließen, daß derselbe sticht mit dem Zeitgeiste fortgeschritten sei, — daß er sich selbst überlebt habe. Die kostbaren Tapeten und Möbel seines Gemaches waren im Renai's- sance-Style, er selbst meinen weiten giftrothen Damast- Schlafrock gehüllt, welcher einen Pferdefuß und einen Füchsschweif dem Auge des Beobachters entzog, und sein Kopf war von einer langen gepuderten Perrücke a !a ^.ouis XV bedeckt, durch welche die Spitzen zweier Bockshörner majestätisch hervorguckten. Seine sonst heitere Stirne war seit einiger Zeit mit Falten, diesen sichtbaren Zeichen des Kummers, überzogen ; sein Feueraugc war (denn nur Deutschland hat solche gezeugt) und wann und wo hat er das wohl geleugnet? Geleugnet, daß wenn eine Nation einmal als zerspalten aufgefaßt wird in Gebildete, Herrscher, Ober-Kasten, aus denen die merkwürdigen Einzel- Personen emporragen; und anderseits in Ungebildete, Beherrschte, Unter-Kasten, deren die ungeheure Mehrheit ist — daß in diesem Falle von Schuld und Verdienst u. s. w. gar keine Rede sein darf? So lange die Geschichte spricht, lehrt sie dasselbe uralte Lied: die zwei sich befeindenden Staats- Klassen, die Ober- und die Unter-Klasse, haben alle beide die Bestimmung unterzugehen im Wechselkampf und ein Neues zu schaffen. Von diesem Neuen werde ich unten reden. Was empört Sie, mein Herr, so sehr gegen das Urtheil welches die „Deutsch-französischen Jahrbücher" über Deutschland aussprechen? Jenes Urtheil lautet : Deutschlands Geist (wenn ich nicht irre) ist niederträchtig. Das ist das Epithel von dem Sie wohl richtig bemerken, daß es manchen nicht bessert, sondern entrüstet. Auch sagen dieselben „Jahrbücher" : Unser Volk ist'das matter und dessen Blitze seltener geworden, und ein sonst eigenthümlicher ironischer Zug am Munde hatte sich nun in ein boshaftes verzweifeltes Lächeln verwandelt. — Satan war also eben aufgestanden, hatte eine Tasse Cho- colade vor sich, und auf dem Tische lagen zerstreut: die ,,Preußische Staatszeitung," die ,,Augsburger Allgemeine," der ,,Telegraph," ,,Spiegel" u. s. w. Diese und ähnliche waren die einzigen Zeitschriften, die in Satans Reichen erlaubt waren, und* nebst diesen war der katholische Catechismus ein treuer Vasall, der stets Satans Macht und Größe anerkannte, die Lieblingslectüre unseres Helden. ,,Fürwahr! sagte er, indem er den Rest der Taffe leerte, es wird immer toller da oben, sie werden täglich kühner, und es ist entsetzlich was sie treiben. Nicht genug, daß sie mir meine seit undenklichen Jahren angestammten Rechte und Ansprüche plötzlich streitig machen, und mich durch eine Unzahl Afterteufcl ersetzen wollten, sie wagen es nun seit Fichte, Hegel und Fcuerbach meine Existenz zu läugnen. Im Vergleiche zu diesen Leuten waren die Rebellen Wiclef, Huß und Luther ja noch ultra-conservativ! — Jedoch mit Schrecken gewahre ich, daß diese Irrlehren immer mehr Wurzel fassen, und ich muß gestehen, seit Teufelsgedenken war mein Reich nicht in solcher Gefahr als jetzt. — Es wankte wohl damals auch mein Thron, als Ehristus auferstanden und ein Reich der Liebe und Gleichheit gepredigt; doch, der Hölle feigste der Erde. Darüber kümmert sich Ihr patriotisches Herz, nämlich nicht über diese bodenlose Feigheit, die sich Ihren Augen nur „in einzelnen Facten" zeigt, sondern über den dreisten Namen der bösen Sache. — Betrüben Sie sich ja nicht über die welche durch das harte Wort und den rauhen Klang sich entrüsten; oft ist solche Entrüstung der Anfang der Reue, oft ist sie auch das untrügliche Anzeichen eines Charakters der da längst versteinert ist. Huieseut in xaee : Den lasset ruhig rasten Von seines Wachens Lasten; der gehört zu der kolossal zahlreichen Klasse der lebendig schon Verstorbenen. Aber wie? Sie läugnen, mein Herr, daß die elenden Zustände aller Art, in denen unsre Nation seufzt, das Product dieser Nation und ihrer Umgebung, mit der sie sich berührt, zu nennen? Sie glauben also, die Nationen hätten nichts zu schaffen mit dem historischen Leben in welchem sie sich befinden? die Nationen lebten einerseits und dann käme anderseits noch eine fremde Zuthat, wodurch sei Dank, seine Nachfolger, vom heiligen Petrus angefangen bis auf meinen würdigen Freund Lojola, haben das drohende Unglück abgewendet, und nur ihrer kräftigen Unterstützung habe ich die glorreichsten und ruhmvollsten Tage meines Reiches, welche mit unauslöschlichen Flam- mcnzügen in der Weltgeschichte gezeichnet sind, zu verdanken. Es waren doch schöne Zeiten, als Religions- Kriege und Inquisition, ^mo lla le und Bann an der Tagesordnung waren! Damals war ich ein großer Mann, beinahe so groß als Philipp II. von Spanien ! Ja, ja, es war ein blutdürstiges Reich, jenes Reich der Liebe! Doch, seitdem jener Luther der Erste es wagte mir sein Dintenfaß an den Kopf zu werfen und sich statt dessen der Presse bediente; seit Spinoza behauptete, daß Alles Gott sei, also Nichts Teufel sein könne, seit dieser Zeit geht es rückwärts mit meinem Reiche, was jene oben vorwärts nennen wollen. Vergebens habe ich bisher alle Mittel angewcndet, Um den Sturz meines Reiches, den ich vor mir sehe, aufzuhalten. Ich habe oft großen Rath und Eongreffe gehalten, doch ohne Erfolg. Wir stopften das Übel auf der einen Seite, doch auf der andern brach es wieder los! Ich habe sogar, 0 Schmach! die jungen Teufel zu jenem Volke in die Schule geschickt; doch, anstatt Diplomatie zu ftudiren, haben sie sich im Jockey-Clubb aufnehmen lassen, und sich in Opernratten verliebt, und sie kehrten, an Geist und Körper entkräftet, als dumme Teufel zurück, Uberfeigheit, weder das eine noch das andere Extrem in Lebensthätigkeit und in Lebensgenuß ist — dann möchte ich doch ein Mal sehen, was Sie mit Jury, Justiz, Strafsystem (mit oder ohne Knute, gleichviel), mit Repräsentativsystem, mit Patrio- lenthum und Christenthum, Handel mit Geld und Privateigenthum anfangeu wollten in der dann seienden Gesellschaft! Oder bestehen Sie noch immer draus, auch diese einen Staat, einen politischen Staat zu heißen? Wenigstens wäre das doch ein seltsamer Staat, ganz unähnlich denen die bisher figurirten, so lange die Masse jeglicher Nation roh und dumm gewesen; wie noch leider heute. Anerkennung des Menschen im vollständigen Kreise seines Wesens —-Be- ^ thatig'ung ber mannigfachsten Kräfte des Menschen — nicht mehr und nicht minder begehrt d'ie humanistische Schule des neunzehnten Jahrhunderts. Diese Schule, mein Herr! nimmt das heilige Wort Ema neipation buchstäblich; sie will den Pöbel verschwinden machen und die Aristokratie desgleichen. Sie will den Einzelnen im vollen Gebrauch seiner Tätigkeiten und Fähigkeiten erblicken, aber durch das unauflösliche Band der Menschenliebe und Menschenehre verknüpft mit der ganzen Menschheit, Menschcngattung, dem Menschengeschlecht, das ist: mit der Gesellschaft. Daher ist diese humanistische Philosophie eine socialistische; vor ihr schmelzen die Nationalitäten, und die Albernheiten der Individuen desgleichen. Sie finden eine besondre Freude, sich mit nutzlosen Distinctiönchen zu peinigen: zum Beispiel reinmenschlich- oder gesellige Rechte, unterscheiden Sie von politischen oder (verzeihen Sie den sich aus Ihrem Aufsatz ausdringenden Wortwitz und Gedankenschlag) unreinmen schlichen. Ich wundre mich, daß Sie seit Erscheinen her „Pariser Jahrbücher" immer noch nicht wissen, daß das Recht zur Existenz, zur Arbeit u. s. w. das einzige Recht ist; denn die politischen Rechte werden doch nicht Ihren und meinen Magen füllen, Körper bekleiden, Wohnplatz bauen? Oder glauben Sie, ein Bauer würde satt mit Weib und Kind, indem er' sein Wal) trech tauf demKreislandtag übt? ein armer Kaufmann würde sich aus seiner Noth reißen, indem er die Preßfreiheit benutzt?,ein hungernder Gelehrter würde zufrieden gestellt durch einen Prozeß vor der Jury? ein kümmerlicher Schuhmacher erziehe leichter und besser seine Kinder und nähre sie vollständiger wenn er als „freier Bürger" Gebrauch vom Petitionsrecht gemacht hat? Antworten Sie sich selbst aus diese Fragen, und Sie werden begreifen, daß die socialen Rechtedie einzigen Mensche n r e ch t e sind. Gegen diese zieht Dr. Marx keineswegs zu Felde; wohl aber und mit Recht gegen die samösen vier droits de 1'lloinmeder Neunziger Jahre, jene herrlichen Menschenrechte, nach welchen: ?rimo. Im Eigenthumörecht,. Leute vor Elend und vor Schwelgerei zu Grunde gehen, und fortwährendes Betrügen statt hat. Leeundo. Im Freiheitsrecht durch Konkurrenz aller Art der Schwächere allzeit aufgerieben oder zu schlechten'Dingen gezwungen wird. lertio. Im Gleichheitsrecht (vor Gericht und Gesetz, hat man wohlweislich beigefügt) die Leute arm und reich, roh und gebildet, sich einander gegenüber blieben; Huurto, endlich, im Sicherheitörecht der Persönlichkeit die Be- sitzthümer durch das Prokuriren, Hasardiren, Besteuern, Bankerottiren u. s. w. allzeit auf der Schwebe hängen; Gesundheit und Ehre, Leben sogar stets der Rachsucht ausgestellt sind. . Mit geringer Mühe würden .Sie diese traurige Betrachtung über die hochgepriesenen französisch- amerikanischen „Menschenrechte" ins Weitre auöführen können. Ich überlasse das Ihnen; der Raum gebräche mir. Schauen Sie, mein Herr, gefälligst einen Augenblick auf Philadelphia, wo die Einwohner, trotz dieser vier konstitutionell pro- klarmrten, dem Wiudelkinde schon vorgeleierten köstlichen Menschenrechte, die man mit dem hochtrabenden Titel der unve räuß e rlichen beehrt hat, sich kannibalische Straßengefechte etliche Tage lang geliefert haben. Wo blieb da die Freiheit? und die Gleichste in Glück oder Unglück versinken? Sie glauben also nicht daß die hochgepriesene Jury und Preß- und Redefreiheit in England eine Frucht des englischen Wesens ist? Sie glauben das sei von außen gekommen? Ich wende mich an ihren Verstand, der Ihnen sagen wird : daß eine Nationalität durch Zeit und Raum sich aus Anlage, Natur, herausentwickelt und verschiedene Perioden des Glückes, der Ehre wie des Gegentheils durchmacht. Wenn wir Beide also, Sie und ich, ganz herzlich einig sind über die Unschuld der deutschen niedern, bedrückten, mit Absicht versumpften Massen an dem heutigen Zustande des Landes: so sind wir ganz und gar uneinig über den Ursprung dieses-Zu stgnds. Weiß der Himmel, wo sie sich denselben herholen ! Mir kommt er klar und einfach daher wo auch die großen Dinge Herkommen, die unsre Nation that: die großen Erfindungen, die große Philosophie und Kunst u. s. w. Das Niederträchtige, mein wertster Herr! ebenso wie daS Erhabene in der Gesellschaft des Botoknden, des Eskimo, des Spartaner, des Deutschen u. s. w., u. s. w., u. s. w., n. s. w. kommt gleichermaßen aus der Natur-Anlage, d. h. aus diesen Nationen selbst. Da Hilst kein Vertuschen, kein Bemänteln. Verwechseln Sic aber nicht Nation (das Ganze) mit Volk (die bedrückte Majorität) ; wollen Sie das Ganze auch mit dem Wort Volk geben,,Jo sprechen Sie sich deutlich aus, um Mißverständnisse zu verhüten. Wenn der ungeheure, bedrückte, ungebildete Mehrtheil der Nation, das Volk im Gegensatz zu der kleinen herrschenden Minorität (die da regiert durch Gelehrsamkeit und durch ein Ding das wir später nennen wollen emancipirt wird, Schritt vor Schritt, oder — was keiner vorher ausklügeln kann, Sprung auf Sprung; wenn er also), der herrschenden Oberkaste parallel, in die Höhe gestiegen und ganz gleich mit ihr stehet an Bildung: — dann ist das Neue eingetreten, von dem ich oben Erwähnung gethan. Das ist die neue Menschheits-Epoche, worauf die humanistische deutsche Philosophie zusteuert,; geradezu, ohne Zagen. — Wenn also weder Ober- noch Unterklassen mehr sind, weder Rohheit noch und als endlich dies Volk noch meine letzten Stützen, die Jesuiten, verjagte, — da war meine letzte Hoffnung gesunken, — mein Muth gebrochen!" So sprach Satan, und brütend sank er in den Lehnstuhl zurück. Er strengte seinen Geist an, und unglücksschwangere Gedanken kreuzten sich in seinem Gehirne. Es war dies die letzte Kraftanstrengung eines mit dem Tode Ringenden. Er wollte entweder ein Mittel finden, welches die Gefahr abwenden könnte, oder gleich Samson in der letzten Stunde noch die Säulen des Weltgebäudes brechen, den ganzen Lau mit sich reißen, und sich unter die Trümmer desselben begraben. Seine Kvpfadern voll schwarzen Blutes schwollen dick an, seine funkelnden Augen traten weit hervor, seine Miene verzerrte sich zu einer häßlichen Fratze, seine Bruftchob sich voll Wuth und Verzweiflung, er ächzte, stöhnte, jammerte, — doch p-,rlu- riunt molites, nsscitur riclieulus mus — plötzlich sprang mit besonderer Leichtigkeit ein kleines schmächtiges Männlein aus seinem Kopfe, machte, als es den Boden berührte, eine minutenlange Pirouette, und blieb dann in gebeugter Stellung mit lachender honigsüßer Miene vor dem erschöpften Satan stehen. So wie Mi? nerva schon geharnischt Jupiters Haupte entsprungen, so war auch dieses Männlein schon bei seiner Geburt mit einem Fracke, Beinkleidern u. s. w. nach dem neuesten Schnitte angethan. Sonderbar jedoch war es, daß sein ganzer Anzug aus einer unzähligen Menge kleinere schnurz-blau er, grün-rother, weiß-grauer Lappen und Fetzen zusammengesetzt war, und jedermann wird in ihm sogleich Arlequin erkennen. Außerdem hatte er elegant fristete schwarze Haare, einen vorzüglich schönen Schnurrund Backenbart, einen kleinen Degen an der Seite, und um den Hals an einem bunten Bändchen, ein einzelnes Augenglas in schwarzem Horn gefaßt, welches sich ohne Beihülfe der Hand ganz allein am rechten Auge festhielt. — Guten Morgen, Papa, befinden sich... Danke, gut, und Sie?... So so... waren die ersten Worte Arleguins. — Wer wagt es hier Vater mich zu nennen? entgeg- nete Satan. — Ich bin's, dein hauptentsprungener Sohn Arlequin. — Elender Bastard ! Du mein Sohn ? Wo sind Hörner und Schweif ? — Potz Puder und Perrücke! — erwiederte Arlequin — Hörner und Schweif! das ist ja rocoeo! Haben Sie Goethe'u nicht gelesen ? D i e s ist nun unser Wappen! — (Er tanzt einen leichten Cancan.) — Ganz wohl, doch diese Gestalt und dieser possierliche Anzug, die dich nur zum Kinderspott machen können! — Das verstehen Sie nicht, Papa? dünn wie ein Rohr, glatt wie ein Aal, so schlüpft man durch jedes Schlüsselloch; und aus meiner Kleidung müssen Sie sogleich ersehen, daß ich weder zur Parthei der grünen, noch zur Parthei der rothen Farbe gehöre, sondern ich huldige eder Partei und jeder Farbe. Ich stehe Jedermann zu Diensten, mit einein Wort, ich bin die Objectivität selbst! — Ach! das ist gar zu arg, ein objectiver Teufel! die wir bisher das Pr-inzip der Subjektivität vorstellten! Ein Teufel, der jeder Farbe huldigt, und Jedermann zu Diensten steht!! Und dies Alles ohne Contrakt und blutige Unterschrift?! — Seitdem in allen conftitutionellen Ländern der Wohlstand in den Thronreden so sehr steigt, haben die Unterschriften schrecklich viel von ihrem Werthe verloren. Ich mag nichts mit Wechsel und Escompte zu thun haben, ich verpflichte die Menschen, und ein verpflichteter Mann ist gebunden und keiner freien Bewegung mehr fähig. Das Übrige dann ist meine Sache. Über Haupt benützen wir unfern Verstand eher dazu unsere Gesinnung zu verbergen, als dieselbe an's Licht zu ziehen und sie geltend zu machen. Wir suchen bis zu einem günstigen Augenblicke das Gegentheil dessen zu scheinen was wir eigentlich sind; doch beruhigen Sie sich, bloß die Einleitung ist geändert, die Katastrophe bleibt dieselbe, wie sie früher gewesen. — Die Theorie ist so übel nicht, — entgegnete Satan, — und wenn die Anwendung derselben solche Früchte tragen sollte, daß man mit Recht auf ein Wiederaufblühen un- seresReiches hoffen könnte, so will ich dich als meinenSohn anerkennen, und willig meinen Scepter und Krone sammt sonstigen Bürden der Regierung in deine Hände legen. sonders den ganzen Menschen mit Leib und Seele zu Ehren einsetzen. Sie meinen, Herr B., gewisse Rechte müßten andern Rechten geopfert werden. Ja, leider geschah das und-geschieht noch, und es würde immerdar das geistige Bedürfniß mit deiü leiblichen in Zwist verbleiben, und die geistige Befriedigung mit der leiblichen : wenn die humanistische Schule des 19ten Jahrhunderts nicht das Princip der neueil gesunden und ausgesprochen hätte. — Schließlich bemerke ich: meine individuelle Ansichtist, daß Deutschland sich aus seiner jetzigen Schande erheben und abermals ans seiner Na- turtiese (denn reich ist das Germanenthum!) Erscheinungen bringen wird, wodurch es seine Niederträchtigkeit auf immer zu Särge legt. — Nationen sterben, die Menschheit kennt keilten Tod. ' Leben Sie wohl.- Altes und Neues ans den 38 deutschen Vaterländern. Braunschweig. Der Herzog möchte heirathen, findet aber keine standesgemäße Gemuhlin, weil der Erzherzog Karl in London droht, sobald sein Bruder Wilhelm hcirathe, vermähle er sich auch und verwirre damit die Snccessionssrage. Von solchen Regierungöbeschwerden läßt sich doch der friedliche Bürger nichts träumen. Bremen bringt in der Regel nichts Neues, als alte Cigarren. In Hamburg hat es gebrannt; Deutschland sammelte durch seine begeisterten Beisteuern glühende Kohlen auf das Haupt der Stadt; sie trug aber einen schützenden Röchaud von englischer Arbeit auf ihrem Haupt; nun da die Kohlen verglimmt sind — scheer dich zum Henker, engherziger deutscher Patriotismus! England kor ever! Einem sichern Werner ist die aberwitzige Idee gekommen, der Brand habe auch die alten Perrücken ver- sehrt; er trat mit Reformglauben'hervor; nun ist er peinlich auf Hochverrath angeklagt. Ich möchte Vorschlägen, ihn in der freien deutschen Elbe zu ersäufen oder am Mastbaum des dort stationirenden dänischen Kriegs- und Zollschiffes aufzuknüpfen. Aus Hannov'er treffliche Nachrichten. Se. Majestät hüten sich wohl, das von Würtemberg gegebene Beispiel einer vollständigen Amnestie für alle politischen Gefangenen nachzuahmen. Dadurch, daß Einzelne, an Leib und Seele gebrochen, aus ihren Kerkerlöchern sreigegeben werden, mehrt sich in passender Weise der Schmerz der Zurückgebliebenen, namentlich des Dr. Seidenfticker; und Ernst August zeigt dadurch daß von ihm und ihm allein Glück und Vernichtung abhängt. Darum ist es auch sehr zu loben, daß er den Freigewordenen alle Existenz- mittel entzieht; wie denn zum Beispiel dem Advo- caten Braunhold, trotz der trefflichsten Zeugnisse über sein neueres Wohlverhalten, die Wiederzulassung zur Advokatur entschieden verweigert wird. Sterbe er Hungers, der Hund !—^ Mit Braun- ^ schweig und dem Zollverein bestehen zwar l gegenwärtig Gränzhändel; bei Nacht und Nebel ! werden Zolloffizianten, welche über der Gränze ! wohnen, durch Gendarmen aus dem Hause ge- ^ jagt; arme braunschweigische Teufel von Holz- > Hauern werden nicht mehr in den hannoverschen Forsten beschäftigt und die gegenseitigen Enklaven mit einem rasch der Verarmung entgegen führenden Pestcordon umzingelt; allein im Grunde leidet darunter doch nur die Kanaille. — Dagegen haben sich Se. Majestät in treffliches Einvernehmen mit der Ritterschaft gesetzt, vergeben alle vorzügliche Stellen an den Adel und erweitern die Jagd-, LandtagS- und sonstigen Rechte der Jnnkerschast. Die Stände werden demnächst einberusen werden, um die zum Bau eines neuen Hoftheaters, zu Militärveränderungen und sonstigen Gegenständen der allergnädigsten Liebhaberei benöthigten Summen alleruuter- thänigst anzuschaffen. Hessen - Darmstad t. Die Regierung ist aus eine höchst impertinente Weise auS ihrem Friede n gestört worden, durch eine Scharteke: „Der Tod des Pfarrers Weidig," heransgegeben von einem ehemaligen Lieutenant und späteren politischen Verbrecher, Namens Schulz, der jetzt in Zürich lebt nachdem er die Erbärmlichkeit gehabt hat, sich durch eine List seiner Frau aus dem Gefängnisse befreien zu lassen. Das Buch soll einen schaudervollen Mord, begangen an einem politischen Gefangenen und die Verwerf- heit ? und die Personen-Sicherheitd und die Ehrfurcht vordem Eigenthum?Wenn Amerikä's Geldspeculan- ten für drei Millionen Gold, dreißig Millionen Papier aus ihren Räuberhöhlen (Banken genannt) ausgeben, und alle Tage Tausende von Bürgern bettelarm und steinreich (zur Abwechselung) werden lassen, erkennen wir auch darin noch die heuchlerisch ausposaunte Heiligkeit des Privateigenthumö? Wenn Katholiken und Protestanten sich ein weniges zur Ehre ihrer beiderseitigen Confessionen die Hälse umdrehen, wo steckt da die Gewissensfreiheit, die doch ein Hauptpunkt im Freiheilsrecht ist? Diese famose Religionsfreiheit, aus die Amerika so pocht, und die nicht einmal darinzu bestehen scheint, daß Jeder seinen Gott nach Belieben anbeten kann, siehe Philadelphia. Entgegnetn man mir, der Ursprung deö Philadelphischen Skandals sei in der politischen Verwahrlosung der Irländer jener Stadt zu suchen, so kann ich nicht umhin, mich über die Möglichkeit einer solchen Verwahrlosung eines Theils der Bevölkerung in der Kenntniß und Handhabung der „unveräußerlichen" politischen Rechte zu verwundern, zumal in einem Staate wie Nord-Amerika. Es handelt sich also selbst im principiell ausgebildetsten, am weitesten vorgeschrittenen Staat e, in Nord-Amerika, um ganz andere Dinge als um die vier Menschenrechte alten Styls, wenn die Menschen menschlich leben sollen. Es handelt sich um Auslösung des Privat-Eigenthums ilts allgemeine Besitzthum; um Aufhebung des Geldes und der damit zusammenhängenden Wiedereinsetzung deö wahrhaften Werthes der Gegenstände und des Menschen selbst. Für Geld ist Alles käuflich; es darf aber nicht Alles gegen Alles ausgetauscht werden. Die Religion ist nichts weiter als die Sanktionirung dieser unmenschlichen Lage; ihr Nrtheil ist hiemit gesprochen. Wie das deutsche Wesen sich emancipiren solle? Die Antwort ergibt sich von selbst : durch die rastlose Ausbreitung der Grundsätze der socialen Verbesserungen. Politische Emancipationen sind allzeit Bruchstücke; wir wollen nicht den abstrakten, den philosophischen, den moralischen aufgeblähten, noch den philiströsen spiesbürgerlichen Menschen, — Abgemacht, Papa! Wenn Sie sich etwa sogleich überzeugen wollen, so bitte ich bloß eine Lustreise mit mir in die Oberwelt unternehmen zu wollen. — Fürwahr, eine kleine Luftveränderung kann meiner Gesundheit nicht schaden. Herr Uriel, — rief er, — einen Besenstiel und vier schwarze Bocke! — Potz Puder und Perrücke! das ist ja zu noeac.,, Papa. Die Leute da oben würden meinen der Landgraf von X. fahre zur Kirche, um Absolution zu holen! Bringe Faust's Mantel, der trägt viel schneller durch die Luft. Faust's Mantel wurde herbeigeholt, Arlequin faßte den vordern und Satan den hintern Zipfel, und mit Blitzesschnelle trug sie derselbe in die Regionen der Oberwelt. Satan, dem ein neuer Hoffnungsftern aufgegangen, war seit langer Zeit wieder das erste Mal vergnügt, und begann sein Lieblingslied zu brummen : Hau hau! Durch Sumpf und Schlund! Wau wau! Durch'Meeresgrund! — Potz Puder und Perrücke! unterbrach ihn Arlequin, das ist ja zu roeoco! dies riecht nach klassischer Freischützmusik. Papa, ich will Sie ein ganz neues modernes Liedchen lehren: Lebt von Industrie Lustig spät und frühe: Dies ist das Zigeunerleben Von Paris. Ja, so strebt Und so lebt Der Zigeuner Von Paris. Pis.) M a r M. (Fortsetzung folgt.) Der Preuße Ln Paris^ (Nach rem Französischen des 80HH.I.IM in dem Werke : LL8 Ü ^ I>^IiI8 ) Auf den ersten Blick sollte man schworen, es wäre ganz überflüssig von Pr euße n zu sprechen, wenn man einmal ganz Teutschland und die Teutschen abgehandelt hat; aber so wie ein gewaltiger Unterschied ist zwischen Holz und Holz, ist auch ein riesengroßer zwischen deutschen und Teutschen. Ich gehe noch weiter: ich behaupte, (und es ist wahrlich kein Paradoxon) — daß es gar keine Teutschen gibt; Österreicher, Preußen, Baiern, Sachsen, Wür- temberger, Baden u. s. f. — zugegeben, und ich könnte so einige und dreißig Volksstämme und Zweiglein in ,,er" und „en" nennen, aber Teutsche? — Linksum! — Nehmt den nächsten besten Bewohner der weiten Länder jenseits des Rheines, und fragt ihn: ,,Was sind Sie für ein Landsmann ? " so lautet die Antwort gewiß: ,,Jch bin ein Hesse, oder ein Oldenburger, ein Reuß-Greuz- Schleiz-Lobensteiner" oder dergleichen, aber kein Einziger wird sprechen : ,,Jch bin ein Teutscher!" — woraus ich denn mit Recht schließe, daß es keine Teutsche gibt. Sehen wir uns nur in Paris um! — Gibt cs hier einen Gesandten Teutschlands ? — oder nur einen Repräsentanten des teutschen Bundes? — Nein! — Hingegen finden wir wohl einige zwanzig Diplomaten aller Farben, welche die Länder von denen ich oben sprach, oder vielmehr deren Fürsten vertreten. Mehrere der Duodez-Svuverajne, welche ein zu karges Einkommen haben, oder so wenige Unterthanen in ihren engen Gränzen zählen, daß sie daraus schließen, außerhalb derselben ihrer noch weniger bevormunden z> müssen, schießen zusammen, um einen ,,Gesammt-Gr sandten" zu halten, der dann nach Maßgabe des Jnd viduums mit welchem er eben zu verhandeln hat, oder de Fürsten, den er eben repräfentiren soll, bald die Unison dieses, bald jenes Vaterländchens anzieht. Unter gar vielen Beweisen meiner obigen Behauptun will ich nur gleich den schlagendsten anführen : Die,,all gemeine preußische Zeitung" (ehemals Staatszeitung), e' offieielles Berliner Blatt, spricht nie von den übrige: teutschen Staaten, als unter der Rubrik: Ausland. Alles was ich bisher angeführt, beweiset zur Genüge daß der Preuße eine eigene teutsche Specialität, ein „Abart" bildet, und daß ich folglich berechtigt bin, ihi auch besonders abzuhandeln, und dies einmal festgesetzt faseln wir nicht länger in den Nebendingen herum, sor dern springen mit gleichen Füßen in meclias i-««. (Fortsetzung folgt.) lichkeit,der deutschen geheimen Justiz darthun. Allein abgesehen davon, daß Hochverräter unbedingt den Tod verdienen, also von einem an ihnen begangenen Mord gar nicht die Rede sein kann, so verdienen Hochverräter, sie mögen Aktenstücke vorzeigen' so viel sie wollen, auch durchaus keinen Glauben, und Schulz ist ein großherzoglich-hessischer Hochverräter. Die von ihm ganz unberufen ausgewärmte Sache macht nur Aufsehen in den unteren Kreisen; an den 38 Staatsrudern Deutschlands hingegen weiß man sich über solche ignoble, scandalsüchtige Versuche wegzusetzen, hingegen den Fackelzug und sonstige Ehrenbezeugungen, welche Darmstadts loyale Bürgerschaft dem Thronfolger Cesarewitsch und seiner zum griechisch-russischen Glauben aus Überzeugung bekehrten Gemahlin gebracht haben, gebührend zu schätzen. — Die Studenten von Gießen hatten sich herausgenommen, über Niedersetzung von Ehrengerichten zur Verminderung der Duelle, über Begründung eines Lesezirkels und sonstige dergleichen unnütze Dinge zu be- rathen; die Regierung hat sich aber beeilt, diese Berathungen als entfernten Versuch der Einmischung in Gesetzgebung und Politik zu verbieten und die Urheberin Untersuchung zu ziehen. Hessen-Homburg, Pharao-Spiel. Hessen-Kassel hat den übrigen deutschen Regierungen ein leuchtendes Beispiel gegeben, wie man dem frechen Oppositionsgeiste einen Zügel Ln'ö Gebiß legen muß. Die Verhaftung des Demagogen Murhard unter recht herben Formen kann einen heilsamen Einfluß auf die öffentliche Meinung unmöglich verfehlen. Zwar berufen sich die liberalen Schreier auf die Bestimmung in den Karlsbader Beschlüssen, wonach Verfasser, Verleger und Herausgeber einer in irgend einem Bundesstaat mit Censur gedruckten Schrift von Verantwortlichkeit befreit sind und diese an den betreffenden Staat übergeht. Da sieht man recht die Liberalen! Erst verlangen sie fort und fort die Aufhebung der Karlsbader Beschlüsse, und wenn sie nun eine hochherzige Regierung wirklich aushebt, so schreien sie abermals Zeter! — Der Kurfürst hat alle russischen Orden auf Einmal erhalten. Welch ungeheures Verdienst muß er sich um die russische Monarchie erworben haben! Er hat es auch, gab er doch die Einwilligung zu der Heirath des präsumtiven Thronfolgers Ln Hessen mit einer russischen Großfürstin. Den souveränen Staat Lichten st ein hat der Rhein immer noch nicht weggeschwemml. Lippe-Detmold, stille Wirthschaft. Lübeck, dieselbe heilige Ehrfurcht vor dem Zopfregiment wie in Hamburg, aber leider auch dieselbe im Wachsen begriffene Opposition. Möchte man doch gleiche Justiz hier gegen den Kaufmann Jakobi, wie dort gegen Werner üben, damit überall dieselbe Melodie gesungen werde, wie die von Hauptmann Nachtigall. Luxemburg. Das Nationalgefühl dieser Bundesregierung ist so groß, daß, sobald das Bundes- kontingent von einem deutschen General inspizirt werden soll, dasselbe auch wirklich gebildet wird, um freilich gleich nachher, wie vorher, als Bestandtheil der niederländischen Armee zu dienen. Beide Mecklenburg. Das Eldorado des Adels, voraussichtlich auch das letzte Asyl der geheimen Justiz. Man hört von dorther wenig anderes, als: Jagden, Cavaliere, Hunde, Pferde, Prügel und landesväterliche Regierung. Glückliches Land, das noch nicht der Revolutionsschwindel, ja kaum erst der Aktienschwindel ersaßt hat, das, in idyllischer Abgeschiedenheit vom übrigen Deutschland, dem Russenthum entgegendämmert! Nassau. Derselbe infame Sturm, welcher gegen die Mitte dieses Monats März so viel Unheil anrichtete, hat auch die neunzig Schuh hohe Triumphpforte umgerissen, welche die treuen Nassauer ihrem geliebten jungen Landesvater und ihrer geliebten jungen Landesmutter, der russischen Großfürstin Elisabeth , errichtet hatten. Welch abscheuliches Erempel für die Unterthanen! Gottlob, daß es Deutsche sind. — Nun, der Herzog hat sich ja mit anderen Potentaten weitläufig in Teras angekauft? Hat es schon Schlosser dort, um den Bedarf an Kammerherrnschlüsseln zu fertigen? Oldenburg, ein sanfter, blonder Staat, mild, etwas schöngeistig regiert, bürgerlicher als Mecklenburg, honetter als Hannover. Demokratie wird übrigens dort, so weit sie sich nicht in traditionellen Formen von der uralten Friesenzeit herbewegt, als erotisches Gewächs behandelt und höchstens in den Treibhäusern der Gelehrtenstuben als Curiosität gehalten. Eine fürstliche Taufe iu England. Der Herzog von Sutherland hatte dem Prinzen Albert das Versprechen abzulocken gewußt, der Pathe seines Kindes zu werden, wenn die Herzogin (eine der gefeiertsten Schönheiten Albions), einen Sohn gebühren würde. Dies geschah und der Prinz, mit der Königin seiner Gemahlin, begab, am 22 . Juni, sich nach Staf- ford-House, dem Sitze der glücklichen Eltern, um der heiligen Handlung beizuwohnen, welche durch den Erzbischoff voü Pock vollzogen wurde. Die Gesellschaft, aus der Ormne der englischen Aristokratie bestehend, war so zahlreich als glänzend. — In dem Marmorsaale, dev auf das brillanteste beleuchtet war, hatte man mehrere Springbrunnen angebracht, und während der Mittagstafel umkreisten die Musiker (Pfeifer) des Herzogs, in der ursprünglichen Tracht des Clans, die Tische und spielten schottische National-Melvdien. So interessant dieses sein mochte, so sehnten sich doch die Gäste nach einem zartern Genüsse, und auch dafür war gesorgt. Wir sagen cs mit einigem Stolze: daß Teutsch- land das Meiste und Beste zum Ohrenschmause lieferte. Unter den vielen Leistungen der Vokal- und Instrumental-Musik fand das Conccrt der trefflichen Pianistin, Fräulein Cathinka von Dictz, den ungetheiltesten und lautesten Beifall. Die Königin selbst überhäufte die ausgezeichnete Künstlerin mit den schmeichelhaftesten Lvbsprüchen, welche um einen so höhern Werth gewannen, da die Königin während der ganzen Saison durchaus keine Clavierspieler hören wollte, da ihr dies Instrument, zum Überdrusse gehört, , ganz wiederwartig geworden war. Cs bedurfte der ganzen Meisterschaft des Fräuleins v. Dietz um den Bann zu heben, — aber die Versöhnung war vollkommen, und die Königin versicherte der Künstlerin daß sie sie stets mit neuem Vergnügen hören würde. Ein Pole wußte durch ein Solo auf der Guitarre ebenfalls Bewunderung zu erringen; und Salvi befriedigte durch den seelenvollen Vortrag der Arie i „Dies Bildniß ist bezaubernd schön" aus Mozarts „Zauberflöte." — Noch lautern Beifall erhielt Staudigl in der Arie: „In diesen heil'gen Hallen," aus demselben Meisterwerke. H. Benedikt hielt dabei das Fortepiano. Erst nach n Uhr verließ die Königin mit Prinz Albert und dem Gefolge das Fest und das Schloß, und nun begann der Ball der bis zum Morgen währte. H. C. M. (nach englischen Blättern.) Redacteur: Heinrich Bernstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Nenn uard Julius Sohn. Bildhauer und Statuär, 25, rus k-OJÄle, gegenüber der Madeleine-Kirche, empfiehlt sich dem Publikum mit seiner reichen Auswahl von Statuetten, Nachbildungen berühmter Kunstwerke, Büsten, Medaillons u. s. w. in der von ihm erfundenen und brevelirten plastischen Masse. Wegweiser für Fremde Ln Paris. Schnitt- und Modeivaaren. —.4,» ?auvi'o Oialrle, ü, ru« lV1ont68c>uieu. Hüte. —ckuv, rue Vivikliue, und tUbus, ru« Vivionne. Stiefel. — Ilulcolliacb, 3rg, ruo8t.-Horror«. Schneider. — Akar^sirr, 5, pssimg« cies l'etits- körers. Leinwand und Wäsche. — Vielau et Ilez;- irault, 3, rue 6t,oiseul.' Papier, Schreibmaterialien. — iVlaquet, 20 , i ue cle Iu ksix. Pianos. — Halreullubler, i, ru« ^sllitte, IVIsison ckoree. Jagdgewehre, Waffen. — vevisin«, 2 , ruo cku lielüer. Optische Instrumente. — cllievsiier, iS, pluee cku ?ont-IXeuk. Chirurg. Instrumente. — L.uei, r», rue üe I'6eol«-cke-I>Iecl6eine. Deutfche Buchhandlung. 4VH3 Li- Oosm., 6, »UL VL Vollständiges Lager aller älteren und neueren deutschen Werke, Broschüren, Zeitschriften u. s. w. I. Levot, 54-55, ?^88VOL LH0I8LM.. Feine Pariser Handschuhe bester Qualität, Parfümerien, Seifen, Stickereien. Feste Preife. Insertionen in allen Deutschen Blättern werden billigst und pünktlich besorgt durch das I»0VU I. 32, UVL VLS MOVQMS. Für Deutsche in Paris. Das Central-Büreau für Deutschland, 32, ru« cke« empfiehlt sich den in Paris anwesenden Fremden, besonders den Deutschen, zu Besorgung ihrer Einkäufe aller Art. Der Fremde wird durch seine Unbekanntschaft mit den hiesigen Verhältnissen oft bei seinen Einkäufen übervortheüt; — das Central-Büreau verschafft ihm die Artikel von der ersten Hand und im Fabrikspreise. Unterricht in der deutschen Sprache, im kaufmännischen Rechnen und Buchführung, Schön- und Rechtschreiben. Näheres bei Herrn H. Rapp. Deutfches Lefe-Cabinett, 8^0N NM1PM8IM, Reiche Auswahl deutscher, französisch., englisch., spanisch., russisch. Journale. Monatlich.... 6 Franks. Eine Sitzung. 25 Centimes. Zu haben: im Büreau des Lexikons von Henschel, rue Oaraneiore, 5, und im Comptoir des Buchdruckervereins, ni- la 8>ine »aison , L»> ler vite, ed cjuiUertu ?, r,nce. » Sie werdeu uicht sagen, daß dies Schmeicheleien sind. Die Franzosen haben darauf geantwortet mit der Vertreibung der Bourbons und mit der Freiheit der Presse. Und wie viel Grobheit, wie viel Zorn, wieviel Erbitterung, wie viel Wuth können erst die Deutschen ertragen! Börne hat das ganze Alphabet durchgescholten, man lies't ihn jetzt von vorne und hat den „Franzosensresser" neu aufgelegt. Börne wird nicht eher veralten, als bis ihm die Deutschen so geantwortet, wie die Franzosen ihren Tadlern. Börne muß so lange fortgesetzt werden bis die Wahrheit keine Grobheit und die Deutlichkeit keine Unmäßigkeit mehr ist. Ihr Wunsch, die Vorwürfe zu entfernen, ist vortrefflich; um ihn zu erfüllen, wenden Sie sich aber mit Unrecht an mich: reformiren Sie den Sumpf, der diese Pflanzen erzeugt, und Sie sind am Ziel. Wenn Sie dies aber mit der Feder thun wollen, so werden Sie nicht leicht eine wirksamere finden, als die stählerne Feder des edlen Börne. Schimpfen Sie, aber schimpfen Sie und schienen Sauertopf auch nicht so wichtig als die Andern. Doch die Baukunst war es, die lange Zeit die Oberherrschaft führte, und die den Andern den Rang streitig machte. Die Idee wurde durch Steine ausgedrückt, die Steine sprachen und wurden verstanden; die Monumente waren groß und fest, wurden gesehen, und konnten nur durch die Zeit zerstört werden. Als nun Sauertopf in den ersten Jahren die Stadt der Künste so hart belagerte, da endigte die freie griechische Periode, und es begann die Byzantinische, düstere, dumpfe, drückende, absolute, katholische Periode der Baukunst. Als Sauertopf einige Male geschlagen worden war, und der belagerten Stadt einige Hülfe von den nordischen Göttern zukam, da kam die gothisch e, erhebende, himmelanftrebende freie demokratische reformirende Periode der Baukunst an die Reihe. Die Musik, Malerei, Skulptur unterstützten kräftig, und Sauertopfs einzige Hoffnung war damals die Langsamkeit, mit welcher diese Kunst nur vorzurücken vermochte. Plötzlich jedoch tauchte die Buchdruckerkunft auf, und das Wort bemächtigte sich der Presse, dieser furchtbaren Waffe, dieser Congräve-Nakete der geistigen Kriegführung, und riß die Oberherrschaft an sich. Leicht und unaufhaltsam schwang sich das Wort empor, verbreitete sich mit Blitzesschnelle in Säuertopfs Lager, und schoß aus Millionen von Mündungen seine zerstörenden Pfeile gegen klassisch; es ist das letzte Mittel, um den Schimpf I zu entfernen. Vielleicht aber ist die Zeit des Pamphlets noch nicht gekommen. Offenbar spielen in diesem Augenblick die Doktrinen eine größere Rolle, als die Leidenschaften, die Leiden eine größere als die Empörung über die Ubelthäter; man sieht die Quellen der menschlichen Verwahrlosung in den Verhältnissen, nicht in den Einzelnen. Und dies führt mich auf den wichtigsten Theil Ihres offnen Briefes vom 22. Juni, auf Ihre „Bitte." Sie bitten (denn „wünschen" darf ich wegen Ihrer Eintheilung nicht sagen) zweierlei. Zuerst soll ich Ihre Zweifel heben, die Sie aussprechen, und dann Ihnen sagen, „was an die Stelle des Bestehenden zu setzen wäre." Und es ist nicht zu verkennen, daß Sie die letzte Frage, wie alle die sie thun, für eine solche halten, wie sie der Kaiser dem Abt von Sanct-Gallen aufgab. Hans Bendir, der gemeine Manu, wird sie diesmal vielleicht ernsthaft beantworten. Zuerst Ihre Zweifel, ob die neue Schule in Deutschland gewirkt, ob Sie nicht noch deutlicher hätte werden können, als sie geworden ist, haben wir schon berührt. Setzen wir noch hinzu: Wenn eine Philosophie ganz deutlich werden will, so muß sie ganz frei sein. Die Zeit der Auswanderung aus den alten Verhältnissen kommt mit unerbittlicher Nothwendigkeit heran. Denn die alten Verhältnisse ertragen keine neue Prinzipien. In der Schweiz, in Kehl, in Holland, in England, in Berlin sind die wichtigsten Werke der französischen Aufklärung gedruckt worden. In Frankreich wurde das 8^-8töm6 äe ln Nature, das 1770 in London erschienen war, auf Befehl des Parlaments verbrannt, und die Anklagacte sagt: „Man müsse der Klugheit der Philosophie, die nichts Bestehendes heilig hielte, eine Grenze setzen. Das Gift dränge nicht nur in die Herzender Gebildeten, es hätte seinen Weg gefunden zu den Putztischen der Damen, ja zu den Hütten der Ar- muth . Und sei die Armuth früher elend und gläubig gewesen, so habe man ihr jetzt das Elend gelassen und die Hoffnung entrissen. Frankreich laufe Gefahr, den Ruhm des reinsten Christenthums, den es so viel Jahrhunderte bewahrt, zu verlieren, es sei in den Händen einer haltungölosen, trostlosen Philosophie, die alle Fundamente der Gesellschaft untergraben würde, wenn das Parlament nicht mit einer heilsamen Strenge dem Übel ein Ziel setzte." Wollen Sie sich die Mühe geben, die „Leipziger die Feinde ab. Sauertopf erbebte, und als er die Früchte jahrelanger Kämpfe und Bemühungen plötzlich vernichtet sah, bat er demüthig um Waffenstillstand, dessen die erschöpften Künste auch sehr bedurften und auch um so mehr bewilligten, als ihnen während der Zeit des Waffenstillstandes volle Freiheit im Thun, Lassen und Wirken zuge- stchert wurde. I!I. Die erste Zeit des Waffenstillstandes wurde von Sauertopf der Zerstreuung und Unterhaltung gewidmet, und bei Gelegenheit eines Volkfestes das Sauertopf seinen Unterthanen gab, und welches diese selbst bezahlen durften, zog eine Dame die Blicke des Königs auf sich. Sie war zwar häßlich und widerwärtig, jedoch Sauertopf, der die Künste haßte, konnte wohl am Schönen keinen Gefallen finden, und er erkundigte sich sogleich nach dem Stand, Charakter und Namen dieser Dame. Cr erfuhr, daß sie dumm, boshaft, neugierig, hochfahrend, dünkelhaft sei, daß sie kein gutes Haar auf dem Haupte eines Anderen lassen könne, daß sie aber übrigens eine Gottergebene fromme Christin sei, und sich Madame Censur nenne. Herrliche Eigenschaften für einen Mann wie Sauertopf. Er entbrannte in heißer Liebe zur Dame Censur, und die Frucht dieses verbotenen Umganges war ein Bastard, welcher alle Eigenschaften des Vaters und der Mutter in sich vereinigte, und zwar dergestalt, daß er die Bosbeit und die Neugierde, den Stolz und den Haß, Zeitung," vom Jahr 1843 (nur den Januar) nachzulesen, so werden Sie denselben Inhalt, nur schlechter stilisirt, weil ein kleiner Staat natürlich keine großen Stylisten hat, wiederfinden. Die wirklich freien Werke der deutschen Aufklärung unserer Tage können nicht mehr in Deutschland gedruckt, kaum können sie dort gedacht, aber desto besser können sie dort gelesen und verstanden werden. Wer versteht sich am besten auf die Töne der Freiheit? Der in Ketten ist. Wer am besten auf den Druck der Gefangenschaft? Der ihr entronnen ist. Die Vertreibung der freien Literatur aus Deutschland ist kein Beweis ihrer Wirkungslosigkeit. Jetzt erst beginnt ihre Stärke, weil ihre Wahrheit und Deutlichkeit. Nach den Verhältnissen sich einrichten, heißt lügen, so lange die Verhältnisse nicht nach der Wahrheit eingerichtet sind. Einen andern Zweifel an der Wahrheit des neuen Princips nehmen Sie aus dem Widerspruch, in welchem die „deutsch-französischen Jahrbücher" gleich in ihrem ersten Hefte mit sich selber stünden. Sie fragen mich: „Basiren Sie nicht Ihre Lehre auf die Menschenrechte, und geht nicht Herr Mar r weit über die Menschenrechte hinaus?" Sie vergleiche den Prospekt mit der Abhandlung zur Judensrage. Im Prospekt heißt es: „Frankreich ist das politische Princip, das reine Princip der menschlichen Freiheit, und Frankreich ist es allein. Es hat die Menschenrechte proclamirt und erobert, es hat seine Eroberung verloren und wieder- gewonnen; es kämpft in diesem Augenblick um die Realisirnng der großen Principien des Humanismus, welche die Revolution in die Welt gebracht." Dies ist eine Geschichtserzählung, welche den jetzigen Kampf,den socialistischen, ausdrücklich von der Eroberung der alten Revolution, ja sogar von der Wiedereroberung ihrer Freiheit im Jahr 1830, unterscheidet. Eine Lehre wird damit nicht begründet, sie wird vorausgesetzt und es wird erzählt, wozu sich das Princip der Revolution entwickelt hat. Die Principien des Humanismus, um die es sich jetzt handelt, sind dieselben, aus denen „Herr Marr die Menschenrechte, die Morts äe 1'tromme," kriti- sirt, und diese Kritik gehört zu dem „jetzigen Kampfe Frankreichs für die Realisirnng des Humanismus," zur socialen Bewegung. Wie kann es sie verwirren, daß der eine das Princip nur nennt, die Thatsache seiner Existenz feststem, der andere „weit darüber die er von der Mutter erbte, gegen die Feinde seines Vaters, die Künste im Allgemeinen, und gegen die Dichtkunst insbesondere wendete. Dieses Söhnlein wurde Roth st ist genannt. Schon in frühester Kindheit äußerte sich bei diesem Prinzen eine außerordentliche Zerstörungssucht und ein Haß alles Wissens, denn das erste ABC-Büchlein, das ihm sein Taufpathe, ein alter Erzbischof, schenkte, wurde auf eine schauderhafte Weise verunstaltet. Nothftift hatte nie das Geringste geschaffen, sondern stets nur zerstört, und besonders waren es Bücher und Kunstgegenstände, die er mit wahrem Vergnügen der Vernichtung Preis gab. Papa Sauertopf erkannte bald die guten Anlagen seines Sohnes, sah dieses als ein günstiges Prognofticon an, und als der Junge herangewachsen war, begann er sogleich die Feindseligkeiten gegen die Künste, und machte Nothftift zum obersten Feldherrn, indem er sich selbst noch immer von Madame Censur beherrschen ließ, und ihren Einflüsterungen Gehör gab. Nothftift machte seinem Platze Ehre. Er belagerte die Stadt der Künste von Neuem, und war besonders ein unerbittlicher Henker aller Worte und Gedanken. Ja, seine Grausamkeit ging so weit, daß er sogar des Wortes im Mutterleibe nicht schonte, und die ungeäußerte Gesinnung, wo sie sich nur vermuthen ließ, zu tödten befahl. Die Künste, welche die Zeit des Waffenstillstandes zum Einreißen des Bestehenden benützten, und eben beginnen hinausgeht," indem er Gebrauch von der Lage der Sache macht? Gehen Sie doch mit, wo einer „vorwärts" geht, und kehren Sie sich nicht an Hinz oder Kunz, sondern untersuchen Sie, ob die alte Revolution mit den äroits äe 1'komme oder die socialistische Kritik derselben die wahre Auffassung des Humanismus, d. h. der Befreiung des Menschen ist. Was mich betrifft, so erinnern Sie sich aus meiner Antwort an die New-Aorker „Schnellpost," daß ich nie geglaubt habe, das Project einer Zeitschrift könne ihre Entwicklung, die eine demokratische sein muß, vorwegnehmen. Die erste Bedingung des Humanismus ist Bildung zu haben und bildungsfähig zu sein. Alles Lebendige tritt mit seinem Anfänge in den Widerspruch, daß es fortlebt, und fortleben heißt anders werden. Jedes Ich aber, das statt der Befreiung des Ganzen, sich zum Princip machen wollte, und hieß es Napoleon, ist ein Klotz, den die Geschichte ins Feuer wirft. Sie wollen endlich wissen, „was an die Stelle des Bestehenden gesetzt werden soll?" Die ckroit8 cke l'llomme sind etwas Bestehendes. Lesen Sie doch Herrn Marx Kritik nach; er setzt etwas sehr Bestimmtes an ihre Stelle, indem er schließt: „Erst wenn der wirkliche individuelle Mensch den abstrakten Staatsbürger in sich zurück- nimmt und als individueller Mensch in seinem empirischen Leben, in seiner individuellen Arbeiten seinen individuellen Verhältnissen, Gattungswesen geworden ist, erst wenn der Mensch seine koreos propres als gesell schaftliche Kräfte erkannt und organisirt hat, und daher die gesellschaftliche Kraft nicht mehr in der Gestalt der politischen Kraft von sich trennt, erst dann ist die menschliche Emancipation vollbracht." Ist das nicht deutlich? Ist diese „Organisation der Arbeit" ein leeres Wort? Und wenn man es vielfältig braucht, „ohne eben viel dabei zu denken," so ist es doch in der That etwas stark, daraus für die einen Vorwurf zu machen, die das Wort brauchen mußten, weil sie die Sache dachten. Sie tauschen sich über das Positive. Jede Kritik ist positiv. Sie ponirt ihr Prinzip, sie macht ein Bewußtsein geltend, welches schon eristirt, und nicht nur im Kopse des Kritisirenden, sondern auch auf dem Grunde seines Gegenstandes eristirt. Was ist nöthig, um den Staat, die Religion, die Philosophie, die bürgerliche Gesellschaft zu verändern, als sie zn kritisiren und die Menschen mit der Kritik zu gewinnen? Ist die Kritik der alten Philosophie nicht nur mittelbar eine neue? Ist die Aufhebung der Mängel, an denen die bürgerliche Gesellschaft leidet, nicht unmittelbar die vermenschlichte Gesellschaft? Kritisiren heißt die Mängel der Sache signa- lisiren aus der Kenntniß der wahren Natur der Sache. Die Kritik führt die Sache zu ihrer wahren Natur zurück. Da der Staat die jetzige Organisation der Gesellschaft ist, so ist die Kritik der alten Gesellschaft zugleich Kritik des Staats; und indem das Prinzip einer neuen Organisation ausgesprochen wird, geschieht weiter nichts, als es sucht sich ein neues Bewußtsein an die Stelle des alten in die Köpfe der Menschen zu setzen. Wollen Sie das neue weniger positiv nennen als das alte? Es ist kein Grund vorhanden. Die Sachsen sind nicht positiver als Karl der Große, der sie bekehrt, und die jetzigen Sachsen, die sich nichr zu Menschen bekehren wollen, sind nicht positiver als die Philosophen, die es vergeblich versucht haben. Aber Sie wollen die neue Einrichtung kennen lernen? Ehe sie gemacht ist? Das ist voreilig. Ihre Basis ist ja das neue Bewußtsein, welches die Majorität erst sucht, noch nicht gewonnen hat, welches sich noch nicht überall an die Stelle des alten ponirt hat. Dieser Hergang aber ist kein Sturz ins Leere. Das Leere hat keine Macht. Die Aufhebung der Philosophie kann nur durch die Wissenschaft, die Aufhebung der bürgerlichen Gesellschaft nur durch die mensch- liche Gesellschaft geschehen. Denn weder die Dummheit kann der Philosophie, noch die Bestialität der Civilisation beikommen. Endlich die Religion. Was kann die Religion aufheben? Auch sie kann nur aufheben, wer sie realisirt. Und wie kann man sie realisiren? Wenn man weiß was sie ist, was sie weiß und was sie will. Kein vernünftiger Mensch wird sich vor einem Abgrund fürchten, wenn er sich diese Fragen beantwortet. Der Mensch sucht das wahre Wesen und verehrt es; Religion also ist ein Verhalten des Menschen zn seinem wahren Wesen, das richtige Verhalten zu demselben ist ihre Reform. Das Verhältnis: des Menschen zn seinem wahren Wesen umfaßt alle seine Verhältnisse. Die Religion weiß deshalb, daß sie die allgemeine Theorie von Allem ist, und sie will mit diesem Verhältniß das wahre Wesen erreichen, d. h. sie will die Glückseligkeit. Wenn sie nun kritisirt wird, so geschieht ihr kein Unrecht, im Gegentheil „sie wird zu ihrer wahren Natur zurückgeführt," indem untersucht wird, was das wahre Wesen des Menschen ist. Und was ist es? Es ist der Mensch, der in der Gesellschaft vernünftig und frei geworden ist, die humane Existenz des Menschen. Der wahre Mensch ist sein wahres Wesen. Das wahre Wesen ist das höchste Wesen. Der Mensch ist Produkt der Natur und der Gesellschaft. Die Religion, insofern sie Theorie ist, verwandelt sich daher in die Wissenschaft von Natur und Mensch; die Religion, insofern sie Praxis ist und die Glückseligkeit will, verwandelt sich in die Aufgabe der menschlichen Gesellschaft. Die Glückseligkeit hört auf nur eine Hoffnung des Menschen zu sein, sie wird eine menschliche Realität und ein geselliges Problem. Die Entdeckung daß der Mensch das höchste Wesen, die vollkommenste Existenz ist, die Theorie, daß er nichts weiß als durch die Wissenschaft, die Praxis endlich, daß er sein Glück nirgends sucht und findet, als in der menschlichen und wirklich vernünftig organisirten Gesellschaft; — diese drei Formen der aufgelösten, das heißt der realisirten Religion liegen jedem Menschen unserer Zeit so nahe, daß sie ihn ohne direkte Beziehung auf die Religion durchaus nicht überraschen; sie eristiren bereits überall, es fehlt nur die Besinnung über diese Thatsache. Die Welt ist nur darum irreligiös, weil sie sich mit der Realisirung der Religion so ernstlich beschäftigt, wie noch nie zuvor, und sie ist nur dort noch religiös, wo man an dieser Realisirnng verzweifelt oder frevelt. Das konservativste ist den Menschen zu conser- viren, das Positivste ihn zu poniren, und das Negativste sich diesem Unternehmen zn widersetzen. Ich weiß nicht ob ich deutlich geworden bin, obgleich ich das Gefühl habe in aller Kürze oft genug trivial gewesen zu sein, da die Gegenstände weder neu noch unzugänglich, im Gegentheil durchgängig schon Eigenthum eines großen Publikums sind. So viel ist aber gewiß, daß aller Fortschritt an diese Fragen sich anknüpft. Nachdem Sie also einmal aus sie eingegangen sind, sollten Sie die Ereignisse, die Bücher, die Systeme, die Menschen, die das großartige Leben der Hauptstadt täglich in seinem Flusse vorüberführt, auf die Prinzipien des deutsch-französischen Humanismus beziehen. Dies würde von selbst ein interessantes Detail herbeiführen, und sie es nennen, wiederholte, auf welches sie nach dem Titel des Mannes Anspruch machen, daher es auch Medicinal- und Criminal-Räthinnen gibt, und noch viel rollere und lächerlichere Titel, die aus dem Amalgam der Männerbeschäftigung mit den weiblichen Endungen hervorgehen. Jean Paul hat einige Beispiele ausgestellt, die auch den spleenvollsten Britten zum Todtlachen bringen könnttn. Fügen Sie zu dieser Titelsucht noch eine tüchtige Dosis Aufgeblasenheit, Eitelkeit und Eigenliebe, viele Schulbildung, einen unwiderstehlichen Hang zur Aufschneiderei, blondes Haar, röthlichen Schnurrbart, angeborne Musik- liebe, eine entschiedene Neigung zum Glänzen, gezähmt von einer noch größern Neigung zur Sparsamkeit; ein auf der Brust stark wattirtes Kleid, mit obligaten gems- ledernen Handschuhen, viele Naivität und natürlichen Verstand; eine Uhr vom Umfange eines Zwiebelapfels, eine Casquette mit schmalem, grünem Schirme auf die Stirne wie hingeleimt, und das Ganze verziert mit einem riesigen Meerschaumkopfe, oder einer Porcelain-Pfeife mit einem zierlichen, aber meistens etwas luxuriösen Gemälde, und Sie haben das treueste Porträt, im physischen und moralischen Sinne, jedes P'reu ßen der sogenannten wohlhabenden Klasse, wie deren so Viele im Posthofe von Lafitte und Caillard landen, oder in den Messageries Royales. wollten aufzubauen, waren auf diese zweite Belagerung nicht vorbereitet, und bald ließ sich ein Mangel an Lebensmitteln fühlen: — Shakespeare, Schiller und Racine waren verzehrt, Mokiere, Kotzebue, Goldoni schon verdaut, Scribe war mit einem Glas Wasser erschöpft, Victor Hugo war zäh geworden wie ein siebenhundert Jahre alter Burggraf, Naupach war von Sauertopf aufgefangen, und von Ro thstift für die königliche Küche bereitet worden, Banernfeld war ohne Salz und Butter, und Börnftein, Blum, Castelli, Friedrich u. d.A. hatten nichts mehr umzukochen. — Die Noth war groß, und der Hunger stieg immer höher. Man versuchte Ari- ftophanes, Sophokles und Plautus(mit Sauerkraut) aufzuwärmen, jedoch diese Speise wurde ungenießbar befunden. Der Much sank, die Hoffnung schwand, da bildeten die letzten Übriggebliebenen ein Schutz- und Trutz- bündniß unter dem Namen der junge Parnaß, und schwuren hoch und theuer — sich gegenseitig nichts zu thun. Da aber gewöhnlich große Ereignisse durch kleine Begebenheiten vorbereitet werden, so war der,,junge Parnaß" auch nur der Vorläufer dessen, was da kommen sollte. Eines Tages, als eben großer Kriegsrath gehalten wurde, und bereits Einige den Vorschlag machten, sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben, da wurde ein Fremder gemeldet, und mit leichtem, tändelndem Schritte, mit freundlicher, ewig lächelnder Miene trat Arlequin in die Versammlung. Max M. (F. f.) Der Preuße in Paris. (Nach rem Französischen des Oll LNIH8 in dem Werke: l i s i: ririXOLl'.s I iinis (Fortsetzung.) England schickt uns seine Lords, Spanien seine stolzen Dons, Rußland und Italien seine Fürsten; das specielle Preußen hat auch wieder seine Specialität, und liefert uns leine Barone, seine Geheimeräthe und Hofräthe. Der Deutsche im Allgemeinen, besonders aber der Preuße, ist auf Auszeichnungen und Titel wie toll versessen und erpicht. Daher die Unzahl Barone, von welchen es im Reiche weiland Friedrichs des Großen wimmelt, daher die Heuschreckenschaar von Rächen jeder Art und Form. — Befehlen Sie Näthe ? — wir haben sie überall hingeflickt. Wir können dienen mit Legations- räthen, Geheimeräthen, Kriegsrächen, Hofräthen, Cri- minalräthen (Gott stehe den Angeklagten bei!), Justizrächen, Medicinal-, Finanz-, Commercien-, Studien-, Regierungs-, Bau- und Commissions-Näthen, und und und — was weiß ich was sonst noch für Rächen. Es ist vielleicht gerade diesem Überfluß von Rächen zuzumessen, daß Preußen im Rufe so tiefen Elends steht, nach dem Sprüchlein, „Behende Racher, schlechte Zahler." Diese Titelwuth erstreckt sich auch auf die Weiber; diese würden es sehr schief ansehen, wenn man in Briefen oder im Gespräche nicht bis zum Eckel das „Prädikat," wie (Fortsetzung folgt,) Ek > wäre für Deutschland vollkommen neu, während der Liberalismus mit der freien Presse nichts anzufangen weiß, was er nicht in Deutschland mit der Censur auch könnte. Übrigens bin ich nicht jung genug, um mir vorzustellen daß ich Sie so mit zwei Worten bekehrt und verwandelt hätte, und, ernstlich, nicht aus jenem aristokratischen Grunde, nein, vielmehr braucht der Mensch nur Zeit um sich an die Wahrheit zu gewöhnen. Was hat die Unwahrheit für sich als ihr Alter? — Leben Sie wohl! Arnold Rüge. Die Weber am Riesengebirge im Juni 1844. ^ Im Königreiche des schwarzen einköpfigen Adlers ging Alles herrlich! Seit Jahren schon wurden die „unbequemen" Redner und Schriftsteller zur Ruhe gebracht oder verbannt; die „unangenehmen" Geistes-Produkte noch vor dem Drucke erwürgt oder doch bald nach demselben polizeilich eingesteckt oder in den Papier-Mühlen „auf höchsten Befehl" eingestampst. Die Zeitungen priesen täglich das unnennbare Glück des Bolkes und seufzten pflichtschuldigst recht oft über die „bösartigen Leute," welche ein bischen mißvergnügtzu sein wagten. Allwöchentlich lasen die erstaunenden Un- terthanen des angedeuteten Reiches, daß die Staatsschuld vermindert, die Steuer erniedrigt, Kirchen auf Kirchen gebaut, alte Dome ausgebessert, die Soldaten frisch eingekleidet, rothe Adler mit und ohne Laub ausgetheilt, neueste Museen neben den neuen gegründet, Adelsdiplome ausgetheilt wären; sie lasen mit steigender Rührung wie fromm christlich sie selber gemacht werden, die königlichen Kammer-Junker dreifache Löhnung, uud wie sie, die bürgerlichen Bewohner des Landes, vor dem geheimen Gericht väterliche Stock - schlage bekommen sollten. Ja, man las sogar in jenen Reichs-Annalen, daß viele nie gesehene und nie gehörte Schauspiele und Musikfeste, für den der Geld habe, aufgeführt uud etliche Millionen Tha- ler dazu aus dem Staatsschatz genommen würden. Um den Lurus des Hofes geschmackvoll im Großen zu betreiben, waren die geeignetsten Anstalten getroffen : dadurch — so lehrten die weisen Zeitungen und die hohen Beschützer derselben — werde den Arbeitern Verdienst gegeben und dem lästigen Übel des Volks-Elends „von Oben herab" weit vorgebeugt. Übrigens baute man viele Eisenbahnen um armes Gesindel zu beschäftigen und von bösen Gedanken abzuhalten, wie auch um die Reichen friedfertig (in der Angst um ihre Prozenten) zu bewahren; auch stach die schwarze Adlerflotte in See (bestehend aus einem Kriegsschiffe), um der Welt Respect vor dem Adler einzuflößen. Alle Kanzeln rauschten vom Lobe der hohen Regierung, alle Schullehrer mußten ihren Schülern Lobpredigten auf selbige einbläuen, und wenn ein alberner Professor dagegen zweifelte, so jagte man ihn fort „mit allerhöchster Bewilligung." Welche Nation war demnach glücklicher als die in Rede stehende? Erfreute sie sich doch auch noch vieler andrer köstlichen Dinge, die in den Zeitungen weniger oft angezeigt waren; als da sind: Pie- tisterei, viehische Grobheit des Polizeidieners, menschenverhöhnender Hochmuts) ihrer von ihrem sauren Schweiß bezahlten Amtsträger, Spionerei, Junkerstolz, Kaufmannsftolz mit zerstörender giftiger Gewerbefreiheit; Gelehrtenstolz auf verdüm- mende volksfeindliche Kenntnisse; und was das Schönste von Allem: die Landstünde dieses Reiches waren—natürlich mit wenigen „böswillige n"*) Ausnahmen — gar sanft und demüthiglich vor dem Adler. — O wie glücklich war dies Volk! — Wie fremd dem Revolutioniren! Da, im Juni 1844, zu Peterswalde und Lan- genbielau in Schlesien, standen eines Tags fünf tausend Weber, Stöcke, Messer, Steine in den magern Händen, und lieferten einigen Bataillonen Soldaten eine wüthende Schlacht! Und sie räumten in den Palästen ihrer Fabrikfürsten auf, und vertilgten die Schuldbücher und die Kreditbriefe; aber sie stahlen nicht und betrogen nicht! Die Arbeiter in Breslau und die Schiffer in Glun sprangen auch in die Höhe und setzten sich erst als ihnen die Reiterknechte auf die Köpfe säbelten. — Der Adler aber erschrack. Das geschah im „glücklichen" Reiche? 1844? Ei, da haben entweder die Zeitungen vorher zu viel Rühmens gemacht vom dortigen Glücke, oder die fünf tausend Weber sind toll. — O nein, sie sind *) Amtlicher, itzt dort üblicher Kanzleiftyl. bei Verstände! Die Sache ist sehr einfach : diese Fabrikarbeiter hungerten theils leiblich, theils quälte sie geistiger, tiefster Kummer ob der unseligen Lage, zu der sie der böse, heutige Zustand verdammt hatte. Die Mehrsten haben sich müde gearbeitet; für vierzehn gute Groschen Mann, Frau und Kind eine volle Woche. — Dieser Sold behagte ihnen nicht mehr; und doch sahen sie täglich die Herren Zwanziger und Birch nebst Gemahlinnen uud Kindern die nahrhaftesten und feinsten Speisen verzehren. Andere dieser Rebellen hungerten noch nicht, doch täglich konnten sie das gleiche LooS haben. Mittlerweile begriffen sie aber nicht, weshalb denn wohl sie und ihre Weiber und Sprößlinge ganz wild und ungebildet an Geist und - Herz und Wissen leben sollen, während die Herren Zwanziger und Birch und deren Familien gar feine, kenntnißreiche, gebildete Herrschaften sind? Und doch arbeiteten diese steinreichen Herrschaften nicht das allergeringste! Ihr Kapital trieb Zinsen auf Zinsen, wie ein lustiger Baum Früchte für seinen Gärtner! Ihre Fabrikleute arbeiteten sich schief und schwitzig, krumm und dumm; und jene nahmen das eroberte Geld. Mit einem Worte: zum ersten bedeutenden Male auf vaterländischem deutschen Boden, im sonst so stillen, gemüthlichen Schlesien, ist ein Vorbote der socialen Umänderung aufgetaucht, der die Welt unaufhaltsam im erhabenen Entwicklungsmarsche der Menschheit entgegen wandelt. — Laßt uns nicht den Stein werfen, auf diese Fabrikfürsten als Personen; sie sind erzogen in dem alten verderbten Zustande der Verhältnisse; wohl wissen wir daß auch oft sie der Concurrenz erliegen und daß Geist und Herz und Vernunft ihnen längst umnebelt, ja ausgelöscht sind durch die Zaubergewalt des Weltgespen- ftes, des Geldes. Aber unser ganzes Leben sei geweiht fortan, den Mitbürgern zu beweisen, daß so lange Privathabsucht, Monopol, falsche Werthung des Menschen und der Gegenstände, kurz solange die Nationalökono m i e im alten Schlendrian bleibt, keine menschliche wahre Gesellschaft möglich ist. Redacteur : Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von PaulNennuard Julius Sohn. Bildhauer und Statuär, 25, ras Ho^ale, - gegenüber der Madeleine-Kirche, empfiehlt sich dem Publikum mit seiner reichen Auswahl von Statuetten, Nachbildungen berühmter Kunstwerke, Büsten, Medaillons u. s. w. in der von ihm erfundenen und brevetirten plastischen Masse. Wegweiser für Fremde in Paris. Schnitt- und Modewaaren. — kauvre Oinble, 5, i ne stlootesguiou. Hüte. —4av, rue Vivienns, und IHbus, rrre Viviknoe. Stiefel. — Ilnleolbucli, 3ig, rue8t.-1Ionorä. Schneider.— !t!r,l-A»rs, 5, pssss^e ciss ?6tits- köres. Leinwand und Wäsche. — Villau et n»ult, 3, rue 6Uoiseul. Papier, Schreibmaterialien. — Nsesuet, 20 , IU 6 lle Ikl ?six. Pianos. — llstrielibuliler, i, rus I^allttte, stlsisoir cloree. Jagdgewehr?, Waffen. — Devisme, 2 , ru« llu Helllor. Optische Instrumente. — k.bevalisr, r5, pluee llu kont-iXenk. Chirurg. Instrumente. -- 4,uer, ir, »ue 6« l'Lcole-ele-IVIeäecine. Deutsche Buchhandlung. KlbL8 KM0IIVKV Li-llOA?., 6, »on VN Vollständiges Lager aller älteren und neueren deutschen Werke, Broschüren, Zeitschriften u. s. w. I. Levot, 81-85, kV88V6L LH0I8kkk. Feine Pariser Handschuhe bester Qualität, Parfümerien, Seifen, Stickereien. Feste Preise. Insertionen in allen Deutschen Blättern werden billigst und pünktlich besorgt durch das 32, KVL VL8 MOVQIVIS Für Deutsche in Paris. Das Central-Büreau für Deutschland, 32, rue ckes »loulinn, empfiehlt ßch den in Paris anwesenden Fremden, besonders den Deutschen, zu Besorgung ihrer Einkäufe aller Art. Der Fremde wird durch seine Unbekanntschaft mit den hiesigen Verhältnissen oft bei seinen Einkäufen übervorthcilt; — das Central-Büreau verschafft ch^die Artikel von der ersten Hand und im Fabrikspreise. Deutsches Lese- 8440N NO^IkEIM, Osler!« IltlorNpensier, ^slsix-Uo^sl Reiche Auswahl deutscher, französisch., englisch., spanisch., russisch. Journale. Monatlich-... 6 Franks. Eine Sitzung. 2S Centimes. Untere icht in der deutschen Sprache, im kaufmännischen Rechnen und Buchführung, Schön- und Rechtschreiben. Näheres bei Herrn H. Rapp. 8, rue Aileuve-cks-IiuxernkorirA. Zn haben: im Büreau des Lexikons von Henschel, rue Garnneiore, 5, und im Comptoir des Buchdruckervereins, huai Nalaciuais, 15 : k»MW K LILMM OMM MM M 1.8 MW DILI- M I/IÄMMN MUW. » sr. I« 8° U« » ««« r O, 86 veuä 3 U 88 i Ml- Iivl3>80N8 cl 6 32 MA 68 . kl -ix c >6 la !ivr. sch o. Parts, 18 LL Nr. 3^ Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 1» „ Drei Monate. ... S ,, Insertionen: die Zeile ü 50 Centimes. srw ar-/ Man abonnirt: für Parkst im Nuresu ve»trsl ^our I'^Ulemsßue, rus <168 IVloulins, 3s, und in der Buchhandl. von aules Neoousrä et ru« cke l ournon, 6 ' in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Mittwoch.) . Pariser Deutsche Zeitschrift. (IV. Juli.) Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am CrschcinungS-Tage , an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Bi dault, 46, ruo Oe In 4u88ienn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzcigen. — Anfragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briefe wollen franco: « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 3s, ruc 068 IllouIin8 in Paris » cingescndct werden. Prostitution und Literatur. (Eine Parallelle.) Die Menschen sind mit geschlechtlichen Trieben oder Gelüsten behaftet. Es liegt im Wesen des Mannes geschlechtlichen Umgang mit dem Weibe zu haben, und umgekehrt ist der Umgang mit Männern oder einem Manne ein Bedürfnis; des Weibes. Von der Befriedigung dieses Bedürfnisses hängt die normale oder humane Eristenz des einzelnen Menschen und des ganzen menschlichen Geschlechtes ab. Die heutige inhumane antisociale Gesellschaft hat die humane normale Befriedigung des Geschlechts- oder Fortpflanzungs-Triebes unmöglich gemacht, und hierdurch den an sich humanen Trieb in einem gereizten, unnatürlichen, bestialischen verwandelt. Den anormalen Zustand abzustellen hat die herrschende Classe kein Interesse, denn sie hat alle Vortheile davon. Ihn in seiner ganzen Bestialität offen als gesetzlich und berechtigt zu erklären, verbietet ihr das Moralgesetz, d. h. die juristische und theologische Heuchelei. Was ist daher zu thun? Nichts anders als den anormalen Zustand Feuilleton des Uorivnrts. Die armen Weber. Im düftern Auge keine Thräne, Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne: ,,Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch, Wir weben hinein den dreifachen Fluch! Wir weben! Wir weben! ,,Ein Fluch dem Gotte, dem blinden, dem tauben, Zu dem wir gebetet mit kindlichem Glauben; Wir haben vergebens gehofft und geharrt, Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt. Wir weben! Wir weben! ,,Ein Fluch dem König', dem König' der Reichen, Den unser Elend nicht konnte erweichen, Der uns den letzten Groschen erpreßt, Und uns wie Hunde erschießen läßt!. Wir weben! Wir weben! ,,Ein Fluch dem falschen Vaterlande, Wo nur gedeihen Lüg' und Schande, Wo.nur Verwesung und Todtengeruch — Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch! Wir weben! Wir weben! H. H. Arlequin. (Fortsetzung.) Alle Augen und Augengläser waren sogleich auf den Eintretendcn gerichtet, und ein leises Gemurmel trat an die Stelle der ernsten Berathungen. ,,Wer ist der Mann? Kennen Sie ihn? Durch wen ist er empfohlen?" fragten sich ziemlich laut die Herrn. „Ein hübscher Junge, etwas linkisch, sein Anzug riecht nach der Provinz," meinten außer Justiz und Theologie zu stellen, d. h. ihn als ein nothwendiges Übel anzuschen, und ihn als solches polizeilich zu organisircn. Dasist die Erklärung des Lureau äe lolsrunes, oder der Organisation der Prostitutionsanstalten und der Prosti- tuirten. Tie Blume der heutigen Civilisation an diesem Zweige der Menschennatur ist daher ein Bordell, wie Armenhäuser, Spitäler und Zuchthäuser, mit ihrer ganzen Bevölkerung, der scharf- markirte, in seiner ganzen Vollkommenheit und Trauer dargestellte Ausdruck einer andern Seite der unmenschlich gewordenen Zustände des Menschengeschlechts sind. Grade so ist es mit der Literatur. Es ist dem Menschen nothwendig zu denken und zu fühlen, und seine Gefühle und Gedanken mitzu- theilen; oder anders ausgedrückt: es ist menschlich zu sagen, zu schreiben und zu verbreiten, was man denkt und fühlt. Von der unbeschränkten Freiheit dieser Seite der menschlichen Natur zu entwickeln, hängt ebenfalls die humane Existenz des Menschen ab. Die heutige unmenschliche Welt würde menschlich werden müssen, sobald sie diese reinmenschliche 1 die weiblichen Mitglieder des jungen Parnasses. Als die Ruhe wieder ein bischen hergestellt war, trat Arlequin vor, machte drei tiefe Verbeugungen und sagte mit liebenswürdiger Bescheidenheit: ,,Meine Herrn und Damen, ich bin ein Unive rsalgenie, und komme Sie zu retten, und Sie von dem verhaßten Joche des Sauertopf und Rothftift zu befreien." Ein homerisches Gelächter brach in der ganzen Versammlung nach diesen Worten los, ein solches Gelächter, daß die Herrn sich den Bauch hielten und Thränen vergossen, während die Damen drohten, den Parnaß — unter Wasser zu sehen. Endlich erhob sich' der Präsident, dem ein langes Schwert an der Seite und ein noch längerer Zopf am Genicke herabhing, und fragte den Neuangekommenen: „In welchem Fache der Literatur haben Sie sich als Universalgenie — (wiederholtes Gelächter) — ausgezeichnet? Haben Sie Gedichte, Novellen, Lustspiele, Trauerspiele so wie ich geschrieben?" „Lustspiele?! Trauerspiele?! Potz, Puder und Perrücke! das ist ja rococo , erwiederte Arlequin, ich schreibe nur Geheimnisse, nichts als Geheimnisse. Ich bin der Erfinder der geheimnißvollen Literatur, und meine Geheimnisse sind in der ganzen Weltbekannt. Dies ist die einzige wahre, belehrende und zugleich anziehende Literatur. Welcher Mensch wünscht nicht ein Geheimniß zu wissen? Schickt einige Legionen Geheimnisse in Sauertopfs Lager, und Ihr werdet sehen, seine Soldaten lassen sich fangen !" Eigenschaft sich unbeschränkt entwickeln ließe. Di^ menschlichen Gedanken und Gefühle könnten dann entweder ungestört zu blos geistig formirter und ausgesprochener Eristenz, zu freier Literatur, Wissenschaft und Poesie, oder zu unmittelbar humanen, freien, socialen Handlungen, Werken und Institutionen werden. Die herrschende Classe, die das Privilegium der Menschlichkeit zu besitzen vorgibt, hat der beherrschten Mehrzahl diese Unbe- schränkheit nicht zugestehen können. Die Civilisation setzt unmenschlich gewordene Menschen voraus; die Verwirklichung der wahrhaften Menschen-Ge- danken und Gefühle in unmittelbare Thaten würde die Civilisation ausheben, und dadurch ein Verhält- niß von Herrschern und Beherrschten unmöglich machen. Die Verwirklichung dieser Gedanken und Gefühle in unmittelbarer blos ausgesprochener Eristenz, also in der Literatur, würde die Möglichkeit der unmittelbaren Verwirklichung voraussetzen, oder doch erwarten lassen — das kann die herrschende Classe eben so wenig zugeben. Und doch ist der Drang zum Reden, zum Schreiben, zum Verbreiten nicht zu unterdrücken, so wenig als am Ende Staunend blickten sich alle Anwesenden an, und diejenigen Herrn, die vor einigen Minuten am meisten gelacht, waren jetzt schon die Zuvorkommendsten gegen Ar- lequin. Man bot ihm sogar einen Stuhl an, und ersuchte ihn höflichst Platz zu nehmen. — Ein langer, hagerer, magerer, blasser Jüngling, der mit aufgelösten Furien-Haaren, dem Erlkönig oder einem ungarischen Czikos gleichend, auf dem Schwänze eines eisernen Erard'schen Pianos ritt, und den die Wucht mehrerer an seiner Brust hängenden Kreuze zu einer ewig gebeugten Stellung zwang, nahm nun das Wort, ohne sich in seiner Neitübung stören zu lassen. Indem er seiner Gewohnheit nach den rechten Winkel seiner Oberlippe ironisch hinaufzog, und zugleich mit den Augen zwinkerte, fragte er: „Spielen Sie Clavier? Fantasien, Neminiscenzen, Nocturne« oder Reverien?" „Warum nicht gar'. das ist ja roeoeo, meinte Arlequin ; blos Etüden und Polkas. Nur jenes ist geistige und nützliche, nur dieses unterhaltende Musik. Wenn Ihr gegen Sauertopf ausrückt, spielt nur Emden, da läuft der Feind gewiß davon, und dann könnt Ihr nach Herzenslufteine anständige Polka tanzen." (Allgemeine Bewegung.) Und indem er dies sagte, stürzte er auf das Piano los, und hämmerte mit beiden Händen eine Figur von lauter enharmonischen Akkorden ohne Auflösung in chromatischer Ordnung hinauf und hinunter, sprang auf die bizarrste Art in die fremdesten Tonarten, schlug mit 2 "L ' der Drang zur unmittelbaren Erecution dieser Gedanken und Gefühle! Daher werden blos mittelbare und unmittelbare Ausflüsse der unmenschlich gewordenen Gedanken und Gefühle geduldet, die menschlichen unterjocht und alsbald nach ihrem Erscheinen vernichtet. An den Glauben der Unmöglichkeit unmittelbar menschlich zu handeln, haben die entmenschenden Zustände das Geschlecht fast ganz gewöhnt; die Unterdrückung der unmittelbaren Thätigkeit in der Literatur, die Organisation dieser Unterdrückung durch die Lehranstalten, Censur, Repressivmaaßregeln, durch Autoritätengewalt, durch theologischen, juristischen Schematismus und Dogmatismus, durch Belohnung und Schacher, durch Gesetze über das literarische Eigen- thum, ist, erst jetzt bis zu ihrer Höhe gekommen, ein vollkommenes, passendes Seitenstück zur Organisation der Bordelle. Die Literatur hat man zu einer von den andern Menschen abgesonderten Kaste gemacht. Wie die öffentlichen Weiber benutzt und bezahlt werden zur unmenschlichen Befriedigung ursprünglich humaner Triebe, wie ihr Zustand als ein nothwendigeö Übel betrachtet wird, so werden die Literaten grade benutzt und bezahlt zur Ver- läugnung der menschlichen Natur, zur Prostitution aller wahrhaft humanen, freien und socialen Begriffe, grade so werden sie als eine nothwendige Landplage angesehen. Wie die Metzen numerirt werden, so werden jene mit Orden, mit Professuren, mit Titeln, mit Subventionen, mit schmeichelhaften Bülletins gestempelt und in die Prostitutionöregister eingetragen; wie der Arzt den Gesundheitszustand der unglücklichen verstoßenen Weiber untersucht, ob sie tauglich sind zu ihrem schmählichen Gewerbe, so wachen die Censur, das Gericht, die Pfaffen und die Central-Preß-Polizei und Unterrichts-Allgewalt über Jener Rechtgläubigkeit, und über die Bülletins ihres verworfenen Treibens, über Bücher und Zeitungen. Die Prostitution ist ein Unglück und eure Schmach; — dem Unglücke gelten unsere Thränen, — die Schmach gehört an den Pranger! Denen, die das Unglück und die Schmach geschaffen und erhalten, unser Haß und unser Fluch! Liberaler Unsinn. Wir müssen unfern Lesern einmal einen deutschen Liberalen denunziren. Das „Frankfurter Journal" enthält einen Bericht aus München über die Unruhen in Ingolstadt. Der liberale Korrespondent sagt in seinem Klatsch, die Unruhen würden sich gewiß nicht wiederholen, wenn die Unruhestifter rasch und öffentlich abgeurtheilt würden. Die Worte „rasch und öffentlich" sind im Berichte durchschossen. Man braucht kein Politiker, kein Radikaler von Geschäft zu sein, um hierin im Augenblicke die Brutalität und die bornirte liberale Wohlthätig- keit zu erkennen, -öffentlicher und mündlicher schneller Strafprozeß ist eine von den Hauptkategorien der deutschen Liberalen ; — wie das Recht beschaffen ist, nach welchem öffentlich und mündlich geurtheilt wird, daraus machen sich die Herren blutwenig, und davon haben sie denn gar keinen Begriff, daß unter den jetzigen Staatseinrichtungen das Recht überhaupt eine Gewalt' an den Einen, und ein Privilegium für die andern ist. Bornirtheit ist der Charakter des gesummten deutschen Liberalismus ; aber sage nur Einer, daß es nicht auch ruchlos ist, beim Anblick von 6000 Menschen die sich erheben weil man sie halb verhungern läßt, an weiter nichts als au Strafe zu denken? Es ist eine krasse Dummheit zu behaupten, daß öffentliches und mündliches Strafverfahren den unterdrückten Proletarier abhalten wird künftig zu schweigen wenn er mißhandelt wird, — aber es ist auch niederträchtig dieses Schweigen nicht einmal von einer humaneren Behandlung zu erwarten. Es ist eine von den liberalen Scheinheiligkeiten und Heucheleien, die wir längst kennen; solche nichtssagende Stichworte bei den Haaren herbeizuziehen, um darunter ihre eigene Armseligkeit, und daß.sie aller andern Auskunftömittel und politischer und socialer Kenntnisse baar sind, zu verdecken. Da habt Jhr's, Ihr armen Festungsarbeiter: damit Ihr künftig nicht am Hungertuche nagt, damit Ihr wie Menschen und nicht wie Zug- und Lastvieh behandelt werdet, wollen wir Liberale in der nächsten Ständesitzung öffentliches und mündliches Gerichtsverfahren beantragen. In dieser Voraussicht werdet > ihr so klug sein zu schweigen, wenn euch der Magen poltert, und jedenfalls unsere aufrichtigste Theilnahme anerkennen. Ich aber prophezeie Euch wohlgenährten Herrn Liberalen ein öffentliches Gericht, bei dem Ihr Euch über langsames Verfahren nicht beschweren sollt! Pariser Plaudereien. Es war eine heiße Woche, die vergangene, und Ihr Berichterstatter, meine werthen Leserinnen, hat sich wacker plagen müssen, um Ihnen auch nach eigener Anschauung sagen zu können, wie und auf welche Art sich Alles zugetragen hat. Bedenken Sie, daß er seine Zeit zwischen Deputirtenkammer und Assisenhof theilen, jeden Morgen ein Capitel von E. Sues: ssuik errunt lesen, die andern Journale durchblättern, sich nach dem Befinden des Luftballon des Herrn Kirsch, und nach dem Zustande der Luftflotte erkundigen mußte, mit der eine „junge hübsche Person," wie die Journale sagen, Dlle Augustine Dupas in die Luft fliegt, und zwar für baare 6000 Frs., die sie — nicht bekömmt, — sondern für die Spazierfahrt bezahlen muß; — da sind die Omnibus doch wohlfeiler, — man kann auch mit ihnen nur um- und nicht herabfallen ; kurz Ihr Berichterstatter, meine Damen! war ein geplagter Mensch, und nur Ihr freundliches Lächeln, Ihre zufriedene Miene können ihm Ersatz für das Ausgestandene bieten. Zur Sache. Nehmen Sie mit mir Abschied von der Industrie-Ausstellung, die ihre Pforten für fünf Jahre schließt; preisen Sie mit mir die Vorsehung, meine Damen, die uns von diesem systematischen Chaos von Dampfmaschinen und Nachtmützen, plastischen Kunstwerken und Clysopompes, wasserdichten Hüten und ausgestopften Vögeln, Uhren und inoäores, Seidenstoffen und Fußsocken, Setzmaschinen und Perrücken, lithographischen Pressen und Schnürmiedern und all' den sonstigen andern industriellen Wundern erlöst hat, danken Sie Ihrem Schöpfer wie ich, daß das heillose Ellurivuri auf den fünfhundert guten und schlechten Fortepianos, Orgeln, Harmoniums, Melodiums und andern Ums endlich zu Ende ist; schätzen Sie sich glücklich der blagotechnischen Fluth dem linken Elbogen in unbestimmten Zeiträumen den Grundton, und hauchte mit dem rechten Elbogen ein gewisses Etwas, das Melodie sein sollte. Die Wirkung war unbeschreiblich; die Herrn stöhnten, als ob sie der Alp h.ruckte; die Damen wurden ohnmächtig, die Kinder schrien, die Hunde heulten, die Pferde der äußern Wachposten würden scheu, und großes Unglück hätte geschehen können, wenn sein Spiel länger als drei Minuten gedauert hätte. Dies jedoch war unmöglich, denn eben, als er nach dem Mittelsatze durch einen kühnen Übergang ins Hauptthema zurückkehren wollte, brach das eiserne Piano unter furchtbarem Gekrache mitten entzwei, und der oben trabende blonde Jüngling stürzte zur Erde. Mit triumphirender Miene stand Arlequin auf, betrachtete mit wohlgefälligem zufriedenem Lächeln das Schlachtfeld, und kehrte dann sehr angegriffen an seinen Play. Von allen war der herabgeftürzte Reiter der Erste, der wieder zu Besinnung kam, und kaum erwacht, warf er sich zu Arlequins Füßen, und schrie mit kläglicher Stimme: ,,Mein hoher Herr, ich selbst bin ein großer „Künstler, aber ein noch größerer Beschützer der Kunst. „Lob oder Tadel sind mir gleichgültig, ich strebe nicht nach „Geld, Ruhm und Würden, ich lebe nur für die Kunst „und für meine Brüder, die Künstler. Sollte ich Ihnen „daher durch meine Gläubiger oder durch meinen Ein- „fluß dienen können, so bitte ich zu befehlen, und mit ,,Zuversicht auf einen Mann von Ehre und Wort zu rech- „nen. Jedoch bitte ich, falls Sie, wie ich vermuthe, ein „bedeutender Mann, oder gar unser König und Heerführer werden sollten, allergnädigst geruhen und mich zu „dero unterthänigsten geheimen Hof-Adjutanten „ernennen zu wollen." „Arlequins Adjutant," erwiederte unser Held mit mildem herablassendem Lächeln, „sind Sie schon „lange, doch zur Belohnung Ihrer Treue und Anhänglichkeit, will ich Sie dann zum Hofrath machen!" Wenn Arlequins Geheimnisse schon so großes Aufsehen erregten, so kann man sich erst den Eindruck vorftellen, den sein musikalisches Talent hervorbrachte. Man umringte ihn, hätschelte ihn, trug ihn auf den Armen, gab ihm Bonbons, und als er versprach nächstens eine zw'te liebliche Serenade Horen zu lassen, die er für drei hundert Saxophone, zwei hundert und fünfzig Cylinder-Trompe- ten, und zwei hundert Kesselpauken componi'rt hatte, da stieg der Jubel aufs Höchste. Doch nicht zufrieden mit dem Weihrauch, den man Arlequin als Dichter und Musiker streute, wollte er auch sein Genie als Maler beweisen, und in Einer Sitzung von zehn Minuten machte er das Porträt einer anwesenden jungen Dame in gelb-, grün- und grauen Farben, mir erstarrten Zügen und eingefallenen Augen. „Sehen Sie, meine Herren und Damen," sprach er nach Beendigung, „dies ist das schönste Produkt der „neuesten Schule. Das Porträt ist zwar ein wenig geschmeichelt, doch dies geschieht nur im Interesse der „Kunst, um dieser reizenden Art von Farbenmischung „Bahn zu brechen. Zeigen Sie, meine Herren, ein solches „Bildniß Ihrem Todfeind Sauertopf, er wird gewiß „demselben sogleich den Rücken kehren, und Sie haben „dann viel leichteres Spiel mit ihm!" (Ungeheure Sensation.) — Nun sing Arlequin auch unaufgefordert zu tanzen an, und wenn er als Dichter genial, als Musiker unerreichbar, als Maler ganz neu gewesen, so war er als Tänzer erst auf feinem wahren kolossalen Schlachtrosse. Welch' eine erhabene, spirituelle, empirisch-psychologische, metaphysisch bedingte, logisch durchgeführte Auffassung des durch die intensive Kraft des Anfchauungs- und Gefühlsvermögens zur Subjektivität gelangten, und durch das Bewußtsein der freien Nothwendigkeit zur Allgemeinheit, objectiv gewordenen Charakters des übersinnlichen, idealischen Tanzes!! ! (etwaiger Pefther Nezensenten- Styl. Ui — Uf! — )—Die Herren betrachteten Arlequins himmlischen Tanz, wünschten hundert Augen zu besitzen, und zerflossen in süßer hochzeitlicher Wonne; die Damen fanden die Sache ein wenig arg, bedeckten ihre Augen mit der Hand, und guckten durch die Finger, selbst Lola Montez hielt sich für besiegt, und sogar Madame Stolz erröthete. Nun machte sich der Enthusiasmus — nein die Dankbarkeit, die Hochachtung, die Ehrfurcht Luft. Man stürzte aufArlequin hin, schnittihm die Haare ab, riß ihm die Kleider herunter, und schlug sich um den Koth seiner Fußsohle; man bewunderte sein Stehen, sein Gehen, sein Sitzen, sein 3 1 >r. der bezahlten Zeitungsartikel, Annoncen, Prospcc- tus, Karten u. s. w. endlich entgangen zu sein; athmen Sie wieder frei auf und sagen Sie bei dem „Requiem" das ihr Berlioz in den letzten Tagen dieses Monats veranstaltet, der Verstorbenen alles Gute nach. Ich habe neulich die bis jetzt erschienenen Kapitel des ffuik errunt gelesen; — bei der Beschreibung der Schuhnägel des ewigen Juden, am Bos- phorus, schlief ich ein und träumte die ganze Nacht von wilden Thieren und^Schuhnägeln, von Buchhändlerprozessen und socialen Romanen. Aler. Dumas und Fredäric Soulis sollen ihren Verlegern erklärt haben, keine Zeile mehr zu schreiben, wenn man ihnen nicht auch, wie^Sue, 10000 Fraucs für den Band zahle; — daß ihnen das nicht auch früher eingefallen ist! — Haben Sie dem Prozesse Donon-Cadot beigewohnt, dem Balzac mit eiserner Ausdauer zuhörte um sich Stoff zu einem neuen Romane zu suchen? haben Sie in dem niedrigen gedrückten Saale eine Temperatur von 36 Grad Reaumur und einen Dunstkreis von Lau äe 6o- 1o§n6. kntellouli, Zwiebeln und Knoblauch erduldet, um die langsame Agonie zweier Menschen mit ansehen zu können? von denen der Eine zum größten Leidwesen eines Theiles des Publikums losgesprochen wurde, und der Andere weil er „mit mildernden Unständen" gemenchelmordet hat, lebenslänglich aus die Galeeren kömmt? Ein Sohn ist angeklagt, des zu erbenden Geldes wegen, einen Freund seines Vaters für Geld gedungen zu haben, um den wehrlosen Greis zu ermorden. Ist ein solches Verbrechen, welches die Gesetzgeber der Alten für unmöglich hielten, wohl in einer andern Zeitmöglich als in unserer, wo das Geld die Welt beherrscht, und Arbeit, Intelligenz, Überzeugung, Alles sich beugen muß vor dem goldenen Kalbe der Kapitale? Doch lassen Sie mich nicht vergessen Ihnen zu sagen, daß gleichzeitig mit dem „Drama von Pontoise," wie es im Journal-Style heißt, auch noch ein anderer Prozeß verhandelt wurde, wo ein blutjunger Holzschnitzer-Lehrling seinen Meister mit der Art erschlagen, weil dieser wollte, er sollte stehend arbeitend, er aber schon rachitisch und krumm war, und der SpitaU Arzt nach langer mühsamer Behandlung ihm gerathen hatte nur sitzend Liegen, ja sogar die Art — wie er seine geheimsten Verrichtungen abmachte. Endlich warfen ste ihn auf einen Karren, die Männer zogen, die Weiber schoben, und im Triumphe führten ste ihn so um den ganzen Parnaß, indem ste riefen : „Hoch! es lebe hoch Arlequin, unser Herr und König! ,,Arlequin, der König im Reiche der Künste hoch ! Vivat Vrlequint ! IH «vor ^.rleguili! LV. Während dieser Ereignisse stand auf dem höchsten Gipfel des Berges ein Mann in eine Toga gehüllt, und an ein muchiges geflügeltes Roß gelehnt, und betrachtete mit gerunzelter Stirne das Treiben des jungen Parnasses. Das Ruß stampfte den Boden und wieherte ungestüm, als ob es seinen Herrn verstände und seine Gefühle theilte. ,,Ja, ja," begann der Mann mit finsterer Miene, ,,gar große Unbill ist dir widerfahren, mein Pegasus! Anstatt auf deinem Rücken sich in die Sphären der Begeisterung zu schwingen, lassen ste sich ziehen und stoßen durch verächtliches Volk. Die Kunst dient ihnen nur als Mittel ihrem niedrigen Ehrgeize und ihren unwürdigen Interessen stöhnen zu können; und demjenigen , den ste früher Mit Recht dem Gelächter Preis gegeben, jauchzen sie nun entgegen, weil er ihnen einige Kunststlickchen vorzumachen gewußt. — Doch brüstet und blähet euch, und dünket was Rechtes zu sein, ihr erhebt euch doch nimmer über den irdischen Schlamm! Jauchzet und jubelt euerm After- König nur zu, zerstört und zertrümmert das Schöne und zu arbeiten. Als der Brigadier der Municipalgarde erzählte, wie er sich nach der That gleich selbst der Wache übergeben hatte, als die andern Lehrlinge des Ateliers, bleiche, verkrümmte, verkümmerte, hektische Gestaltenals Zeugen heranwankten, datratcn Thrä- nen in mehr als ein Auge,— man weinte nicht über den Mörder, nicht über den Mord — nein! über das fürchterliche Elend solcher armen verwahrlosten Geschöpfe, dieser Heloten der Civilisation, man weinte über eine Gesellschaft, die all' dieses Elend sieht und nicht daran denkt ihm abzuhelfen. Der unglückliche Mörder wurde auch zu den Galeeren verurtheilt. So ist es Recht. — Gleichheit vor dem Gesetze! Das ist ein schönes Wort. — Wir werden auch Eisenbahnen bekommen, ich war in der Kammer und habe sie selbst votiren gehört, der Staat baut mit dem Gelde der Steuerpflichtigen herrliche Bahnen nach allen Weltgegenden und schenkt sie dann ans 40 oder 50 Jahre an Banquiers und andern Geldmenschen, die ein bischen Schienen und Locomotive anschaffen, und nun sich von den Steuerpflichtigen doppelt bezahlen lassen, ein Mal durch den Actienschwindel und das andere Mal durch die Tarife der Bahn. Ist das nicht Alles ganz recht und logisch? Es haben zwar einige Unberufene dagegen räsonnirt und gemeint, was das Land baue, müsse es auch selbst betreiben; aber was verstehen diese Leute von den Prerogativen der Capita- lie n? Doch lassen Sie mich von etwas Lustigerem sprechen. Wissen Sic, daß der russische Geschäftsträger alle hier lebenden Russen hat zu sich kommen lassen und daß er ihnen befohlen hat, bei allerhöchster Ungnade und Confiscation ihrer Güter, die Reise des Kaisers Nikolaus nach London nur als eine bloße Galanterie und Höflichkeitövisite zu betrachten? Man kann seit dieser Zeit keinem Russen mehr begegnen ohne daß er sogleich fragt: „Wissen Sie warum unser Kaiser in London war? und selbst gleich antwortet : „Um der Königin Victoria zum neuen Jahre zu gratuliren."— Auch sieben deutsche Buchhändler sind hier angekommen, — sie wollen mit Eugene Sue um das Übersetzungörecht aller seiner künftigen Romane unterhandeln, und bieten ihm fabelhafte Summen. Sne will jetzt, wie Wahre, ihr grabt euch nur selber der Vergessenheit Grab ! Ihr mögt immerhin fallen, und dienen als Knechte dem Feinde, der arg' euch bedroht. Die wahre Kunst, ihr könnt ste verjagen, vernichten doch nie!" Hierauf schwang er sich auf sein Roß, und pfeilschnell flogen beide durch die Lüfte, und das Auge, das kaum zu folgen vermochte, verlor sie bald aus seinem Gesichtskreise. Wir kehren daher in der Hoffnung, sie vielleicht einst wieder zu begegnen, zu dem jungen Parnaß zurück. Arlequin begann seine glorreiche Regierung mit einem Ungeheuern Festmahle, das der junge Parnaß in dem prachtvollen Gasthofe eines ehemaligen Kunstjüngers seinem Kö- nigzu Ehren veranstaltete. Da sie aber, wie wir wissen, nicht mehr viel zu essen hatten, so tranken sie desto mehr. Der erste Toast wurde natürlich von Rechtswegen seiner Majestät dem König Arlequin gebracht. Dieser erhob sich hierauf, ergriff den Becher, und sprach mit feierlicher Stimme: ,,Mit wahrer Zufriedenheit geruhen wir den ehrfurchtsvollen Toast Unserer getreuen liebwerthen Unterthanen huldreichst anzunehmen, und werden Unserem Diener, dem Minister des Innern, den Auftrag gnädigst ertheilen lassen, Euch Unfern wohlwollenden Dank dafür abstatten zu wollen. Zugleich ermahnen Wir Euch, das bisher unerhörte Beispiel, daß eine königliche Majestät sich haben so tief herabgelassen, sich mündlich mit Dero gehorsamen Unterthanen unterhalten zu wollen, tief in Eure dankbaren Herzen einzugraben, und dies als Euern und Eurer Alerandre Dumas, eine Romansabnk anlegen, und alle Woche einen Band herausgeben. — Arme deutsche Schriftsteller ! hängt euch aus, dahin werdet ihr's nie bringen; ihr habt die schönste Aussicht zu verhungern oder als böswillige Scribenten ans die Festung zu kommen, — in beiden Fällen seid ihr versorgt. Und was sagen Sie denn zu dein Wetter, meine schönen Leserinnen, zu diesen wahrhaften Hundstagen mit der liebenswürdigen Abwechslung von Regen und Kälte und von Kälte und Regen? — man wird bald einheitzen müssen im Juli und ich habe meinen Pelz vom Kürschner holen lassen. Drei Fabrikanten von Sommerstoffen haben sich bereits asphyrirt und sieben und zwanzig Schneider sind in die Seine gesprungen, daß heißt, in der Schwimmanstalt. — Und welche Konsequenz der Natur alle Sonntage regnen zu lassen, zur Verzweiflung der Landwirthe, d. h. der Wirthe auf dem Lande, die ihre Kaninchen selbst essen und ihren Wein selbst trinken müssen, ein Erperiment, dem nur kräftige Naturen gewachsen sind. Lassen Sie mich von den Theatern schweigen, wer geht auch im Sommer in'ö Theater? — unsere schwerbezahlten Künstler und Künstlerinnen sind auf Urlaub, das Publikum ist auch auf Urlaub, nur die Recensen- ten sind da, und der Teufel mag vor schnöden Ne- censenten neue Stücke aufführen. Also nichts von den Theatern, — haben wir doch Komödien genug, wo wir nur Hinblicken, oben und unten, — um uns und über uns, und mitunter herzlich schlechte. Nicht wahr, Sie haben schon genug? — Ja wohl, es sieht traurig aus und unerfreulich in der Welt, die Menschheit geht unbehaglich herum, als ob sie die Zeit und ihre Ereignisse nicht recht verdauen könnte, — ich glaube, alle Menschen haben moralisches Magendrücken, — hat doch neulich ein deutscher Gesandter hier gesagt: Unser Blatt liege ihm gewaltig im Magen. — Nun, er uns auch, und so hebt sich die Geschichte aus. Es regnet schon wieder, — sollte unser Herrgott die Geduld verloren haben und eine zweite Sündfluth schicken? — Schrecklich aber gerecht — es regnet immer ärger— retten Sie sich!!! H. V. Nachkommen einzigen Stolz und wahres Glück zu betrachten, — Wir werden Euch ferner gnädigst erlauben, bei wichtigen Staatsangelegenheiten Eure Meinung ab- legen zu dürfen, werden Uns jedoch Vorbehalten, dasjenige zu bestimmen und zu beschließen, was Uns, Unfern Brüdern, Lettern, Ministern, und dero Lockern, Kebsweibern, Knechten, Mägden und Hunden -kgenehm und nützlich. — Für den Wohlstand des Landes werden Wir geruhen dergestalt zu sorgen, daß Wir mit Gewißheit die königliche Hoffnung aussprechen, daß Wir einst nach unserem höchst betrübenden Hintritte den getreuen Unterthanen Unsere Liebe werden vermachen können. — Seid einig Meine gehorsamen Unterthanen, denn nur ein einiges starkes Festhalten an Euer erlauchtes Herrscherhaus kann Euch zum Ziele, zur allgemeinen Glückseligkeit führen. Alaf! Alaf! Ein einiges, starkes Reich! Alafü" „Alaf l Alaf! ein einiges, starkes Reich ! " jubelte die ganze Versammlung; an den entferntesten Gränzen des Landes ertönte das Echo : ,,Alaf! Alaf! " und zahlreiche Thronen waren die Zeugen dieses erhabenen rührenden Augenblickes! Nun kamen die anderen Toaste an die Reihe, das Festmahl währte bis Tagesanbruch unter abwechselnder Begeisterung und gehöriger Befriedigung des Durstes. Und als sie hatten genug gesoffen Sind sie dem Wirth davon geloffen! (Fortsetzung folgt.) Mar M. Die nordamerikanische Presse über Preußen. Was nützt es, daß sie in Deutschland so eine gut organisirte Ceusur haben, daß sie alle „böswilligen" oder „unangenehmen" Schriften streichen, verbieten oder einstampfen? die Wahrheit macht sich doch Luft. — Da nehmen wir ein nordamerikanisches Blatt vom Mai in die Hand, und finden einen Brief aus Schlesien vom 23. März, aus dem wir Einiges mittheileu. Der Schreiber scheint, seinem trocknen^ derben Style nach, kein Literat, kein „böswilliger Scribent" zu sein; er gehört zum sogenannten „Volke" — und was sagt der Mann? Also so fühlte man in Preußen am 23. März, und wir schreiben jetzt schon Juli — und die Leute ertragen das noch immer und sind ganz ruhig —die Paar Weber in Schlesien ausgenommen, die das Hungern nicht länger aushal- ten konnten. Oh deutsche Geduld, du bist — Hören Sie zu, werthe Leser. (Aus dem ,.Anzeiger des Westens^ in St. Louis.) „In Preußen ist jetzt ein erbärmliches Sein. Der König, arbeitsscheu, dem Einflüsse nichtswürdiger Minister hingegeben, will seinen Hof zum glänzendsten machen. Sein besonderer Günstling ist der Minister Anton Graf von Stollberg, der aus einem schlesischen Landrath und ehemaligen Major, Minister wurde, — ein Mann ohne alle wissenschaftliche Erziehung, ohne alles bessere Gefühl, und dabei mit den lieblichen Tugenden der preußischen Adelsaristocratie, deren Grundsatz Quälung des Volkes, im reichsten Maaße versehen. Dieser Mann ist nun der Führer unsers theuern Preußenlandes, und es braucht keiner ferneren Bemerkung, um Euch zu sagen, wie glücklich wir uns unter solcher Leitung fühlen. Pietismus, Heuchelei, und was in diesem Gefolge sich befindet, herrscht allenthalben; die Demagogenjagd hat wieder angefangen, auf allen Universitäten Preußens sitzen Studenten im Gefängniß, werden consilirt, relegirt, die Presse liegt in Ketten und Banden, und servile Schurken loben dies Alles, und vertheidigen solche Handlungsweise, preisen die Weisheit des Königs, der nur auf Vergnügungen bedacht ist, und sprechen stets von dem Fortschritt Preußens in Intelligenz, und von Freiheit der Presse. Die Censur ist unerhört strenge, und die Polizei und deren Spione allenthalben, wie die Fliegen im Sommer. Universitätslehrer und andere Gelehrte werden ganz nach Belieben des Cultusministers Eichhorn verwiesen, die Vorlesungen ihnen verboten, wenn sie nur irgend eine mißliebige Äußerung machen, und dabei herrscht im Lande, z. B. hier unter den Webern und Spinnern, die herzzerrei- siendste Armuth, die von den servilen Speichelleckern, damit es nicht so empörend klingt, mit dem Namen „Pauperismus" benannt wird. Der elendeste unter den Ministern ist der genannte Eichhorn, ein Erzdummer — (mit dem Schreiber dieses 1796 sein letztes juristisches. Eramen machte), der nichts wußte, und nur aus Gnade und Barmherzigkeit nicht durchfiel. sEr äußerte damals, ehe wir eingelassen wurden, im Vorzimmer, auf Theorie und Definitionen werde es wohl nicht ankommen, denn er habe zum Studiren (er war damals Quartiermeister bei einem Füsilir-Bataillon) keine oder nur wenig Zeit gehabt. Wir lachten den Strohkopf aus, denn die Eraminatvren fragten wahrlich nicht nach der Zeit zum Studiren, sondern nach dem Wissen, und der dumme Mensch wußte nicht einmal was Eigenthum sei. Durch Kriecherei und Pietismus erschlich er seine jetzige Stellung, in der er von allen Redlichen verachtet ist. Es geht toller zu wie. in Rußland, und der ruhigste Bürger riskirt alle Tage arretirt zu werden, wenn er nicht Alles, was von oben herabkommt, vortrefflich nennt; denn Jeder, der nicht lobt und preist was geschieht, wird gleich ein Hochverräter, Majestätsverbrecher, Aus- reizer zur Unzufriedenheit genannt. Bei uns trägt jetzt alles Orden, oder besitzt sie wenigstens, denn Viele schämen sich zu einer Heerde zu gehören, in welcher so viele räudige Schaafe sind. Kammerdiener und Lohnlakayen tragen diese Abzeichen, um von den Bessern unterschieden zu werden, und nicht weniger als 5 000 diverse Orden hat der edle Monarch seit seiner 3 und 3(4 jährigen Regierung vertheilt. Titel werden täglich fabricirt,so erhalten die Ärzte den als Sanitätsrath, sie müssen aber den Hofhudlern angehören. Die Soldatenspielerei ist groß; die Offiziere sehen in ihren Waffenröcken wie Seiltänzer aus, und die Cürassiere werden jetzt uniformirt wie die Wallensteinschen im dreißigjährigen Kriege. Genug, die Narrheiten der preußischen Regierung nehmen gar kein Ende, in militärischer und administrativer Beziehung. Brechen muß der Krug bald, denn er geht schon lange zu Wasser. Uber die Land- tagöabschiede ist man wüthend, besonders die Rheinländer, Westphalen und Westpreußen. Alle ihre Anträge sind mit groben Redensarten abgeschlagen, und den Rheinländern ist nur erlaubt worden, das Bild des Königs im ständischen Sitzungssaale aufzuschlagen. Der Köllner Carneval hat alle diese Albernheiten bei seinen Maskenzügen scharf kritisirt. Ncdacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen vonPaulRenouard eÄltvur, rue LUelKvNvK») 43 dis. LlMIiW?L8I8 Dessrns. — 50 Livrai 80»8 a 30 eeulii»e 8 . — La 56 - est en vente. Uue Osrsneiere, 5. Der Fremdenführer Ln Paris. Mit 36 Ansichten der merkwürdigft. Gebäude u. einem Plane der Stadt, auf welchem jedes Arrondissement mit einer besvn- dern Farbe bezeichnet ist. — Neue Ausgabe. Preis, geb. : 5. Fr. Julius Sohn. 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Man abonnirtr für Paris :' ' NN N'ireau ceatrst pour I'^IIeirrsßs«, ru« li.'8 IUo»Iiii8, z», und in der Buchhandl. von Fütss Nenousrä et cue cke 1'ourson, 6 ; in den Departements: .,. bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England:'' in allen Buchhandlungen^' Belgien: bei bei, Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. ( ! 3. ÄuliH Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Erscheinungs-Tage, an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die.,Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. B idau lt, t6, nuo Oe In ^U88t«nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugcstcllt werden, so bitten wir uns dies in franl'irten Briefen anzuzeigen.Anfragen, Beiträge, PränumerationSgeldcr und Briefe wollen trnnoo : « An die Redaktion des Journals: Vorwärts, 82, ruo 1 ouiin 8 in Paris p cingcsendet werden. Deutschland und seine Zukunft. Man mag in Deutschland wohnen, wo mau grade will, in dem letzten pommer'schen Dorfe, oder in einer der vielen großen Städte, ganz gleichviel, überall dieselbe schwere Luft, überall die Ahnung von der fürchterlichsten TodeSart, — dem Ersticken. Man scheint überall entschlossen zu sein, Alles zu ertragen, und um Ertragen erträglich zu machen, erklärt man es für eine Tugend, für die herrlichste Eigenschaft des deutschen Geistes und Charakters. Wir'gewöhnen uns so allmählig an die Hundheit, wir finden sie trotz den Schlägen, mit denen man uns das „Aufwarten" lehrt, bequem; dann preisen wir das Hundegeschlecht, das heißt uns selber, glücklich wegen seiner großen Tugenden, seiner Anhänglichkeit und Treue, seines Gehorsams und seines Muthes, mit dem eS die Feinde feiner Herrn anbellt und anfällt ;—wir überreden uns am Ende daß das alles keine hündischen, sondern wirklich menschliche, deutsche Tugenden sind, und sind dann mit unserer Metamorphose vollständig ausgesöhnt. Die Hundesattler haben dabei ein so Feuilleton des Uorumcts.. Der neue Alexander. Mein Lehrer, mein Aristoteles, Der war zuerst ein Pfäffchen Don der französischen Colvnie, Und trug ein weißes Beffchen. Er hat nachher als Philosoph - - > Vermittelt die Extreme, Und leider Gottes ! hat er mich Erzogen nach seinem Systeme. Jchward ein Zwitter, ein Mittelding, Das weder Fleisch noch Fisch ist, / Das von den Extremen unsrer Zeit ^ 'u'- - - -u Ein närrisches Gemisch ist. ''^ ... Ich bin nicht schlecht, ich bin nicht guG , ... 17 . ü ^ Nichtdumm und nicht gescheudre,n . ,r , Und.wenn ich gcstern vorwärts ging, . «riüL , , So,geh' ich rückwärts heute, --stk 'ir-m- Ein aufgeklärter Obscurant, ' Und weder Hengst noch Stute! ' ^ Ja, ich begeistre Mich zugleich ' '' Für Sophokles und die Knute. leichtes Geschäft, wir sind so gelehrig und so folgsam. daß sie doch nur selten den Stock auzuwendeu haben: wir kommen ihnen überall auf halbem Wege entgegen, wir haben von Natur aus einen Appell wie der beste Jagdhund, wir stehen einen vernünftigen humanen Gedanken als wären wir Hühnerhunde von der besten Race; wir apportiren unser Hab' und Gut, unsere menschliche Vernunft und unsere Arbeit, jeden Brocken den man uns hinwirft dem besten Pudel zum Trotz, — und wage es Einer unsere Herrn zu lästern oder nur scheel anzusehen, dann soll er die deutschen Doggen kennen lernen!, O! wäre es nur Ironie, was ich sage; könnte mich einer überzeugen, daß ich meine Feder in Galle tauche, daß ich allein Alles schwarz sehe, daß Hoffnung da ist, daß das deutsche Volk der Menschheit nicht verloren werde, hätte ich wenigstens die Gewißheit, daß viele. Tausende so wie ich die Erniedrigung fühlen, daß sie die Entwürdigung ihrer Menschennatur erkannt haben, dann wollte ich mich wenigstens an dem Hellen. Hoffnungsschimmer erfreuen, der. aus der Zukunft in die deutsche Nacht Herr Jesus ist meine Zuversicht, Doch auch dm Bachus nehme , Ich.mir zum Tröster, vermittelnd stets Die beiden Götterertrcme.. ' H. H. Der Preuße in Paris. (Nach rem Französischen des 86UH.I.KK in dem Werke I.N8 ß: lMLXUIMS ^ »'r,N8 ) ' (Fortsetzung.) ' >l: Der preußische arme Teufel, abgerechnet den eigen- thümlichen, schnarrenden Provinzial-Dialekt und das unüberwindliche Gelüste zu schwätzen, zu lügen und zu prahlen, unterscheidet sich wenig von den übrigen teutschen Handwerkern. Wie sie, reiset^ex per n«;cki-8 rr^o8to1oruin; hat,, wie jep^Meistens keinen Sou in der Taschp, den Sack auf dem Nucken, die unvermeidliche grüne Casquette.auf ^ dsm Schädestund zwischen. den Lippen,Pie Pfeife mit biegsamer Spitze uyd duftendem Weichsclrohre. ^ ! ..In Preußen unh in allen teutschen Bundesstaaten ist ! die Reiselust mit dem Herkommen, der Sitte und, dem ' Naturell aller Stände, aufdas innigste verwachsen. Jeder Handwerker und GewerbsMnn, eh' er sich in Stadt oder Dorf häuslich niederläßt, das Bürgerrecht erwirbt, oder Mitglied einer Zunft wird, wo es noch Zünfte gibt, hereinscheint! Aber, neu;, es ist keine Sinnentäuschung in. der ich besangen bin! DaS deutsche Volk ist übersatt, ohne etwas genossen zu haben; daS deutsche Volk ist geschlagen, ohne im Kampf gewesen zu sein; daö deutsche Volk erklärt im Frieden zq leben, ohne daß es einen Sieg erfochten; — das deutsche Volk wird auch nntergehen, ohne je eristirt zu haben! . Doch der Tod ist ja die Erlösung von allem Übel; daS größtschrecklichste Übel ist nur die Vorstellung des Sterbens, der Tod selber macht allem Schrecken und allein Unglücke ein Ende. Tie P r o- phezeiung von dem Untergange des deutschen Volkes ist darum eine furchtbare, — sein Untere gang oder sein Aufhören selber ist aber die Versöhnung mit der Menschheit. Tie Deutschen sind ächte, vollständige Deutsche; sie- haken, wo alle Völker Völker waren, nieseln rechtes Volk^ werden können; sie haben.sich im Lause ihrer ganzen Geschichte mit dem Schein begnügt — drum wird ihnen auch der Todeskamps leichter werden als andern Völkern. — Drum soll es keine Ironie sein, daß daS deutsche Wesen vor seiner gänzlichen Per- muß beweisen, daß er eine gewisse, gesetzlick) bestimmte Zeit, meistens zwischen 2 und 4 Jahren, in „der Fremde^ war-,Bei den hohem Ständen sieht man die Erziehung und die Studien eines jungen Mannes nicht für vollendet an bis er,, die große Tour," nämlich eine Reise von mehreren Jahren gemacht hat, deren Zielpunkt gewöhnlich Paris ist. „ Aber keine. Rose ohne Dornen ! — Gewiß, es gehört zum besten Tone, und muß einem ehrlichen preußischen Baron sehr angenehm sein mit einer gewissen Wichtigkeit sagen zu können: „Wien ältester Sohn, der Fritze (alle Preußen heißen Fritze oderWilm'», wird nächstens die große Tour antreten; künftige Woche jetzt er nacher Paris ab. Es.wird mir sehe freuen duhn, wenn Sie mir beem Abschiedsschmause beehren wollen.,Die ganze Familie wird dabei sind." Aber so schp epstch dqbei aufbläht, rechnet er doch heimlich nach, wie viel ihm die Reise kosten wird, und^ erinnert sich seufzend der.namhaften Zahl Friedrichsd'or, die er seiner Zeit seinem Papa qbgepreßtz dann tröstet ersieh wieder I wat? Men Fritze is en forscher'Junge, klug und ordentlich; mit juLem Rathe und heilsamen Warnungen.wird ihm dok nich der Deuwel plagen, daß er mich en zu jroßes Loch in mener Kasse macht." ', Und der gute Baron fahrt fort Einladungen züm Ab- schiedsschmause zu machen, während sein hoffnungsvoller Sohn, der junge Baron Fritz von Ebrenfels, Abschieds- 2 wesung noch einmal eine andere bestialische Gestalt annimnr-tH.dsß es vor seinem Tode sein Paradebett mit all seinen Insignien ausputzt: — es hat mit Pfaffen und mit Fürsten , mit der Knute und dem Weihwedel, mit Mönchen und Juristen, mit Junkern und Soldaten gelebt — es will auch so sterben -^77 sein Kiste geschehe. - Doch ist es 'such gewiß, daß das deutsche Volk stirbt? Kann man .en dlich hoffen? Wo sind die Anzeigen des TodeS? Und trügen sie nicht? Beruhigen ^ie sich darüber; diesmal ist es wirklich Ernst. Die Deutschen liegen alle aus den Knien; sie beten ans freien Stücken wie alte abgelebte Metzen, sie müssen den Tod im Herzen sühlen, sonst thäten sie's nicht. Sie stecken sich lies unter ihre Betten, denn sie hören schon den Sturm der daherbraust, sie drücken die Augen gewaltsam zu ünndre lichte Brandfackel nicht zu sehen, die ihre Höhlen erleuchtet und sie selber verzehrt 7-^ sie^sind -ent- schloffen mit-der thatloscsten.Resignation zu sterben, mit dem Gesichte ihrer Vergangenheit, mit dem Rücken der Zukunft zngekchrt. Sie transigiren nicht einmal mit der neuen Welt, sie wollen ganz' sterben, oder ganz so leben wie sie leben. Aber der Hahn hat auch schon gekräht, der den Tag der neuen Welt verkündet. ES gibt jetzt Mein schen in Deutschland, die den Hunger sühlen, und sagen: „Gebt mir zu essen." Das sind keine Deutsche. Hunger haben und betteln ist deutsch — aber Speise begehren und sie nehmen, ist menschlich. Es gibt Menschen in Deutschland, die sagen: „Gott hat mir nicht geholfen, weil ich mir selbst nicht geholfen habe: ich will mir selber helfen, dann brauche ich Gott nicht Mdhr!" Es gibt Menschen in Deutschland, die sagen: „Ich habe ein Recht zum Leben — nun will ich auch wirklich leben;" Menschen die das Gute nicht um Gottes, nicht um des Guten, nicht um des Rechtes, sondern um der Menschen Willen thun wollen! Und ist auch das Häuflein klein, so steht ans seinem Banner eine Devise mit der es die alte Welt zusanft menwerfen wird, gegen die aller Widerstand Thor- heitist: Wir sind Menschen, und wollen als Menschen leben! Die Helvetische Colonie nach Missuri ( Nord - Amerika). Vor einigen Wochen wanderte ein Wagen mit etliche?! vierzig Personen beiderlei Geschlechts, mit Küchengeräth, Speisevorrath und Waffen beladen, an Paris rechts vorüber um sich nach Havre, zur Überfahrt nach den VereinigtenStaaten Nord-Ame- rika's, zu begeben. Diese Leute waren der Vortrab einer fast ganz ans Schweizer Bauern und Handwerkern bestehenden Gesellschaft, der sich auch einige Teutsche an geschlossen hatten. Ihr durch Einstimmigkeit erwählter Anführer, der Bürstenmacher Dietsch aus Mühlhausen »Elsaß), besuchte inzwischen nebst dreien den Ausschuß bildenden Mitgliedern, Frankreichs Hauptstadt und verweilte hier 48 Stunden im Kreise seiner zahlreichen. Fremde. ,Er ist allgemein hochgeachtet als ein"Mensch von seltnem Talent und Charakter, felsenfest im Beharren und vorsichtig im Entschluß.. Seine Kenntniß und seine Rcdegabe zeichnen'ihn vor'Allen aus ;"wenn er ' spricht, dann spritzt die Flamme ^der /Begeisterung aus jedem Worte und für ihn gibt es keinen Zweites mehr über das Gelingen deö großartigen Plan's. Mit wenigem, von ihnen selbst zusammengclegten Gelbe wollen diese Lenje jenseit des Mississippi?m Missuri-Gebiete, über San-Louiö"hinaus, eine ackerbauende Niederlassung ans die Prinzipien der Geineinschaft gegründet, errichten. Sie wollen einen abermaligen Anhalts-Punkt für die täglich zunehmende Auswanderung derjenigen Teutschen abgeben, die durch das Elend des Bestehenden sowohl materiell als geistig gedrückt, bereits die Zeit gekommen glauben um thatsächlich und nicht mehr theoretisch das böse Wesen des Monopols, das heißt des Privateigenthümö, zu bannen. Schott gibt es in Nord-Amerika zwei bis drei teutsche Kolonien die den Acker gemeinsam bauen und die Produkte unter sich ohne Geld austauschen, wobei sie natürlich allemal eine Kaffe der Gemeinde für ih- ^ reu Verkehr mit der Nachbarschaft als nöthig befindest. Landbau wie Industrie können durch solche Vereinfachung und Hinwendung der Interessen jedes Einzelnen aus einen einzigen Mittelpunkt, auf daö Interesse des Ganzen, nicht anders als gewinnen- .1 Aber eine ganz andre Sache ist es, ob die Europäische Gcsellschnst durch solche ArdSwaWritugen ihrer von den besten Prinzipien durchdrungenen und energischen Mitglieder nicht viel mehr verliert als die Amerikanische dadurch gewinnt? Auf Amerika'ö Riesenfläche zerstreuen sich drei oder vier Gütergemeinschastskolonieen wie ebensoviel Wassertropfen auf einem heißen Steine, was den jetzigen Einfluß betrifft. Der zukünftige ist dagegen so ungeheuer fern in Aussicht gestellt, daß bis dahin auch die Europäer bei allen Hindernissen" im Vaterlande etwas der Art bewirkt haben werden, wenn die Weltgeschicht^nicht stille stände. Das abepjst ja ein Ding der Unmöglichkeit; die Menschheit entwickelt sich unablässig und es kann nur die Rede von Beschleunigung und Verlangsamung sein. —- Wir Wollen den helvetischen Pilgern —Neu-Helvetien wird ihre Pflanzung heißen — keinen betrübenden Abschied über das Meer michrufen; eS sind Leute darunter die in Hunger, Noth und Gram geboren sind, und gearbeitet haben ohne die Früchte ihrer Arbeit en Geburtslande zu kosten, denn diese fielen in den gierigen Mund der Reichen die dadurch noch reicher geworden sind. Und der geplagte empörte Mensch geht am Ende gern dahjn wo er Essen und Wohnung ohne Zwackcrei und Hudelet zu erlangen hofft; Essen und Wohnung! das allergeringste und das allererste seiner thierischen Bedürfnisse. Wir wollen auch Nicht fürchten, daß diese Leute an den tausend Klippen die sie auf ihren: Pfade treffen, nämlich an der Betrügerei und Schadenfreude der Spekulanten und der „freien Bürger Ameri- ka's" scheitern gehen. Ihr Entschluß ist wenigstens gefaßt, sich mit keinen?, sei er ein Geldfürst, sei er ein sogenannter uninteressirter Rathgeber oder sonst etwas, einzulassen. Sie beabsichtigen schnurstracks von New-Aork nach St-Louiö queer hindurch und dam: in's Binnenland zu ziehen. Glückauf! — Aber eben so wenig darf dies uns verleiten, solches ÄüSwandern als Allgemeinmittel hem in? Lebensrechte gekränkten Europäer anzupreisen, Verschmelzen 1)ie Pilger mit den Amerikanern, so ist weiter nichts zu sagen; dann sinkt diese Übersiedlung in die breite Klasse der sonstigen Völkervermischungen und— wird eine einfache Wohnorts- pisiten macht, und von allen Seiten Glückwünsche und Empfehlungen erhält. «IV?0,1 nkvkn ! «^spricht seine alte Tante, die Freyin Hedwig von Pappdorf, „Sie duhn nach Paris jehn ? —fn, r Wen. Ein junger Mann von Ihrer ckis- nrieüoii muß ein wenig von Allem prositiren, aber, >non »evk;u. in Mitte der Zerstreuungen die Sie erwarten, verneglischkrcn Sie niche die frommen religiösen Übungen, und — (weinend) lassen Sie Ihnen niche verführen d:chn, von den inAufgis exeinplerst die Sie vor Dogen kommen werden." Von der Tante begibt sich Fritz zu seinem Oheim mütterlicher Seite; dem Baron Hans von Kreuzfcld, einem alten Garde-Major. „ Ach! bist du da, glücklicher Spitzbube ? Blitz Sapperment ! ich mochte wohl an deiner Stelle fein, Ooch ich war in Arkadien, will das heißen in Paris, — es mögen nun so in Jährchen fünf und dreißig sind. Donner und Wetter, wat Hab ik mir verämüsirt! — Aber, Junge! hüte dir vor den Weibern. — Na, ich könnte dir ein Liedchen davon singen. Du bist junk, ein hübsches Kerlchen, die Gelegenheiten werden niche fehlen; — abetst —Z'hüte dir! I mehr sag ich'nicht." / . .. ' Den Onkel verlassend besucht unser Reise-Cändidat seine Großeltern, den Herrn Grafen und die Frau Gräfiwvon Ehrenfels, ein würdiges Greisenpaar, :velche's den Enkel vergöttert. ,,Ach mein Fritzchen!" — sprach die Großmama, indem sie ein Röllchen Holländer-Dukaten in seine Rocktasche gleiten ließ, — ,,ich will dich nicht mit Ermahnungen plagen; hüte dich nur in Paris vor Bekanntschaften, welche deiner Geburt und des Namens den du trägst, unwürdig wären. Guter Himmel! die Jugend ist heutigen Tages so unüberlegt und viel zu vertrauenvoll." — „Und vor Allem fliehe jede Verbindung mit Liberalen und Demagogen, von welcher es in jener Weltstadt wimmelt/' — fügt der Großvater hinzu, der einst Justiz- Präsident gewesen war, — „sie würden dich verderben und die reinen Grundsätze vergessen lehren, und die guten Beispiele, die du hier stets vor Augen hattest. Empfange meinen Segen und diese wenigen Thaler, welche du zu deinen Vergnügungen verwenden magst. Besonders rathe ich dir sparsam zu sein und nicht das 'Geld zum Fenster hinauszuwerfen." So waren endlich die Besuche abgethän, derAbschieds- schmaus gegeben, alle Vorkehrungen'getroffen' und der Reisende von der ganzen Familie bis zum Wagen begleitet; da erneut sich das'Abschiednehmen, man giebt dem jungen Menschen noch etwas Segen, einige Warnungen und einige Empfehlungen mit auf den Weg, und der Eiswagen rollt ab. ' Während unser Reisender sich nachlässig auf den Kissen dehnt, und dem gelobten Lande, Paris, welches seine ganze Denkkraft in Anspruch nimmt, entgegeneilt, wollen wir einige Worte über die eigenthümlichen Vorbegriffe sagen, welche sich die Fremden über Frankreichs Hauptstadt, ihre Einwohner, ihre Vergnügungen, ihre öffentlichen Denkmale und so manche andere Dinge schaffe?:. Jeder Preuße, wir könnten beinahe sagen, jeder Teutsche, wenn diese hierzu unserm Beweise gehörten, hat bei seiner Ankunft eine vorherrschende Idee : das kicksis- oder, wie sie es aussprechen: das Bqlleh-Rojaal. Man hat ihnen so viel von dessen Wundern porgeschwätzt, daß es der Gegenstand ihrer Träume wurde, und ihren ersten Besuch erhält, sobald sie nur die Reisekleider abgeworfen haben. Daher antwortet er auch bei seiner Rückkehr Nach Deutschland auf die stereotype erste Frage : „Haben Sie auch das Balleh-Rvjaal gesehen?" — sein: „Das versteht sich, täglich! — mit nicht geringem Stolze.— Ist diese erste Pflicht erfüllt, so läßt sich Jeder, nach seiner persönlichen Neigung, nach den Tuilerien zur Wacht- parade, von da zu Napoleons Gruft bei, den Invaliden führen, wobei er gelegentlich die Ungeheuern Fleischtöpfe bewundert. Andere ziehen den ^rerckin-cktzs-lllsliteL mit seinen interessanten Bewohnern vor, oder den Hafen von Bercy mit seinen zahllosen Weinfässern; noch andere, und zwar die Romantiker, oder auch die Abgelebten, die nach starken Eindrücken als nach Reizmitteln ringen, verschmähen es nicht die MorZue zu besuchen, und seufzen darüber daß es verboten ist in die Catacomben hinabzusteigen. änderung! Über kurz oder lang tritt in Nord- > Amerika, wie Jeder der gesunden Verstand nnd keine altmodisch-republikanischen Vorurtheile hat, gänzlich derselbe sociale Zustand ein, der Europa längst in den Hauptländern beherrscht, und haben die Answandrer von l844 ihr persönliches Loos auf die kurze Dauer ihres Lebens verbessert, so schaffen sie damit noch nichts Gutes für ihre Enkel, die 1944 (spätstens) drüben der nämlichen kläglichen Quälerei äusgeseht sein werden wie wir hier in heutiger Zeit. Darauf muß das Geschlecht von 1944 dorten abermals die -fürchterliche Mühe der M ensch we r- dnng, d. h. der Befreiung aus den alsdann ganz unmenschlich gewordenen amerikanischen Verhältnissen übernehmen, und mir scheint nicht, daß dabei ein Vortheil erschwungen wäre. Selbst zu genießen so daß unsre Nachkommen leiden müssen, — ist wahrlich sehr selbsüchtig. In diesen Fehler gerathen nothwendig alle die, welcl>e fernhin weitläufiges Land zum Spielraum ihrer Bewegungen erwählen, weil ihnen im alten Lande die verschrobenen Verhältnisse das Leben sauer machen; diejenigen Aus^ Wandrer, sage ich, welche unfähig das moderne Gesellschafts-Gesetz in der Kolonie durchzuführen und zu bewahren, über kurze Zeit sich mit der ungeheuren Masse ringsum verbinden und somit dem Prin- zipe untreu werden. Das hat sich schön mehrmalen begeben. Ob auch Neu-Helvetien dies Geschick trifft? Wir hoffen es nicht, doch ist keine Gewähr dagegen. Für Europa find überdem Leute von Energie und Talent aus dem neuen Kampsplatze hochnöthig. Gehen dieselben über Meer, so erwächst für Eus ropa ein bitterer Mangel an Helden. Man bilde sich ja nicht ein, solche verstreute prinzipielle Kolonien drüben wirkten segensreich zurück! Um das zu thun, bedarf es der Ungeheuern Arbeit mehrerer Menschenalter; weis sage ich? zweier Jahrhunderte. Das ist aber wahrhaftig eine Zeitfrist/'lange genug um hier in Europa ein Großes zu erringen, ganz abgesehen von Amerjka's deutschen Kolonien? Verschlingt nun die Riesenmasse jenes Landes unsere Auswanderschaft sammt dein neuen, von hier hingeführten Weltverbesserungsprinzip, so wird für Amerika allerdings eine Menschenzahl gewon- Nächst der Sehnsucht das zu sehen, plagt den Preußen, so wie seine übrigen teutschen Landsleute, noch der Kitzel die „Marseillaise" zu Horen und sogar zu erlernen. Es find beinahe immer die Teutschen, welche in den Schauspielhäusern während den Zwischen- Akten 11ou»6r'8 cle patriotische .Hymne verlangen. — Seltsamer Widerspruch! Gerade unter den begeisternden Klängen der ,,Marseillaise" trieben die republikanischen Krieger die eingedrungenen Preußen zurück, und die jungen Preußen find so begierig sie zu lernen, und das Verbot sie im Berliner königlichen Schauspielhause ab- stngen zu lassen hätte vor Kurzem beinahe einen Aufruhr veranlaßt. Da wir eben von Theatern sprechen, bemerke ich, obgleich es beinahe überflüssig ist,, daß es größtentheils die Fremden find, welche das zahlreiche Publikum bilden, das jeden Abend die vielen Schauspielsäle füllt. Für die Preußen hg/ die große Oper, das Theater des und' Franconis Olympischer Circus am meisten Anzieh- krafk. Es ist gerade nach einer Vorstellung der Dtte Dejazet, und nach einem sechs-wöchentlichtn Aufenthalte, daß wir ! unfern Baron Fritz von Ehrenfels «Heiner hübschen Wohnung der Straße de Lille wiederfinden, wo er sich erst seit acht Tagen angefiedelt hat. Gehorsam den Sparsamkeits- Lehren die er zu Hause empfangen hatte, war er zuerst in einem ultra-bescheidenenen kolel-gstick der Straße Nonen, aber die Welt verliert eben so viel Kämpfer für jenes. ^ Also noch einmal sei es gesagt: die Auswanderung von vierzigtausend Teutschen nach den Unionsstaaten, denn sv hoch im Jahre ist seit'lange schon der Durchschnitt, ist ein Verlust für die gute Sache, das heißt, eine Verlangsamung der bevorstehenden Veränderung. Betrachten wir den fraglichen Gegenstand indeß genauer, so ergibt sich, daß wutsche Aristokraten' und Fürsten diese Übersiedelungen feit Kurzem ganz besonders zu begü nsti gen anfangen. Jahrzehnte lang gaben sie, die treuen Landesväter, ihre mißvergnügten Unterthänen allem erdenklichen Ungemach von Seiten der schurkischen Geldkratzer in ^>en Hafenstädten beider Welttheile preis , ^a sie erschwerten ihnen oft die Wegziehnng durch älse möglichen Mittel, die man in Teutschland anwendel, wenn es gilt „den Menschen zu schlagen ohne Aufsehen zu erregen." Trotz dem strömte es immer mächtiger hinüber; die Hasenspekulanten wurden Millionäre durch das Blutgeld daö'''sie den Verstoßenen allspreßten, und die Herrn Lanü- und Waldspekulanten in der „R epublik der freien Sterne"*) sägten stets : „heute'find wieder frische Schafe von Osten angelangt ; wir wollen wieder lustig fcheeren." Die größten, schwärzesten Infamien, die durch das Eigeuthumörecht entstehen können, fallen in Amerika vor; das ist eine alte Sache, wodurch sich freilich die Anbeter der amerikanischen freie n Glüäselig seit immer noch nicht enttäuschen lassen. Sie seufzen wohl) ^„Wo viel Glanz nnd Tugend, da ist' auch viel, Schatten und — Laster " u. s. w. ' ^ ^ Mtk sölchen langweiligen Stichwörtern und abgedroschenen Moratsprüchlein helfen sich die Her- renÄbcralen jedesmal, wenn ihnen der Sociatiö- mus die derbe Faust vor die Nase hält, oder wenn der Kommunismus ihnen das herzbrechende Elend der menschlichen Leiber und-Seelen zeigt. „Nichts Vollkommenes hienieden," setzt der Priester und der *- Go heißt Nord-Amerika bei seinen Dichtern, mir Anspielung auf die Unionsfahne , wo. jeder Staat des Bundes ein Gestirn verstellt. txc-Dame-des-Victoires gebliehxn, und cs war kein geringer Gegenstand seines Verwunderns gewesen, als er den schmutzigen Geiz bemerkte, der bei dem sogenannten Ameublement seines Zimmers präfidirt hatte. Gewöhnt an die behagliche Bequemlichkeit die bei allen wohlhabenden Leuten in Teutschland an der Tagesordnung ist, fühlte er sich äußerst unangenehm berührt und beengt als er bei dem ersten Eintritte in sein Zimmer die elenden Möbel gewahrte, die e.s noch entstellten statt schmückten, das Herz zog sich ihm in der Brust zusammen; seine Eitelkeit, seine Gewohnheiten, ja seine Nein- lichkeitsliebe fanden sich gleich beleidigt, und er wäre kejne vierundzwanzig Stunden in dem Schmutzloche geblieben, hätte ihm nicht der Geizteufel in die Ohren geflüstert : daß das Zimmer in der That weder elegant, noch bequem, noch selbst nur sauber sei, daß es aber nur r Frank den Tag koste, und daß der Papa zu Hause lange zusammenscharren und hem häuslichen Budget manchen Abbruch thun mußte um ihn in den Stand zu fitzen diese Reise zu unternehmen. — Fritze eytschloß sich also seinem Widerwillen und Ekel zum Trotze in der efindpn Cajütte zu bleiben/welche man frech genug gewesen war zu tapsen, Wie mochten wohl die Gefühle'des jungen Mannes gewesen sein als er sich so plötzlich iw die betäubenden Wirbel der Weltstadt geworfen fand? — Um dies zu erfahren, dürfen wir nur ein wenig in den Brief sehen den Religiöse hinzu: „Traue auf den Himmel jenseits!" ^ Allerdings, Ihr hochweisen Männer!'so lange Ihr den Schlendrian duldet, so lange gibt es Schlendrian; auf tentsch: so lange Ihr den Menschen auseinanderreißt in zwei Wesen, in den politischen und in den bürgerlichen Menschelt, so lange Ihr das Zweikammersystem der constitution- nellen Monarchien oder der Republiken als non plus ultra aufftelltj und so lange Ihr Himmel und Erde'als Zwei-Weltensystem lehrt, werdet Ihr immerdar im irdischcnI a in m e rthale stecken. Warum ? weil Ihr die 'socialen, d. h! die Verbesserungen, die an's Lebensmark der Menschheit gehen, als unchristliche oder unreligiöse oder schwärmerische Wünsche vor's Polizei- gericht der Fürsten, oder (was gänzlich'das Nämliche ist) vor den Gerichtshof der öffentlichen Meinung Eurer egoistischen Republikaner schleppt. Das läuft ja Alles ans Eins hinaus. Habgier und Mord ln st, d. h. Lnst am Untergange des Nebenbuhlers, am Bankerott des Konkurrenten und an der Selbstbereicherung, sind Amevika's tagtägliche Beschäftigung. Und wie könnte es wohl besser dort sein, wo die los und ledig, d. h! nicht vernü n stig, sondern un ge b unde n gewordene Persönlichkeit rechts und links ausholt was sic erreichen kann ! Das nennen sie'drüben Freiheit, man merke sich diesen Begriff , den sie mit dem Worte verbinden, sonst hören die Mißverständnisse nicht aus. Kehreil wir zurück zum Thema. Ww gesagt also, die' germanischen Auswanderer stürzten bisher geradewegs dieser köstlichen Freiheit in den Schlund. Jetzt sorgen tentsche Edelleute, als ein „Verein" ain Rheine, dafür, daß selbiges mit Regelmäßigkeit und ohne Skandal schon in Europäö Hafenplätzen zu erregen, geschehen möge. Sind die allzu argen Prellereien diesseits des Oceans gehoben, so ist an den Fingern abzurechnen, daß die Äuöwanderer- maffe wachsen wird. Was drüben mit ihr geschieht, ist zwar im Dunkel; die spärlichen in New-York u. s. w. getroffenen oder zu treffenden Sicherheits- maaßregeln zum Empfange der Pilger, sind jedenfalls sehr gering anzuschlagen. Aber dafür zu sorgen, ex an einen seiner Jugendfreunde schrieb, nachdem er sechs Wochen in Paris zngebracht hatte. Ich habe einen der Lieblingsfehler, oder wenn man will der Lieblings-Eigenschaften der Preußen vergessen, nämlich die Wuth sich in der schweren Kunst der Calem- bourgs unterrichten zu lassen. Ich kenne in Teutschland einen ziemlich hos-gestellten Bergwcrksbeamten, der einem jungen französischen Ingenieur eine kostbare Mine- ralien-SlNnmlung zun; Geschenke machte, weil dieser dem wackcrn Perghauptmann endlich, freilich nicht ohne große Mühe folgendem Calcmböurg eingetrichtert hatte; nämlich folgendes (versteht sich in französischer Sprache) : t^uplle t>8l. li, I>öe« n» G»8 tun« 6U iiiuMguee? Antwort : 6'est eine 83VH3U6, sjUL t)'k-8t uuv döte »fix Vk>irw8 (Beethoven). — Mail muß hier bemerken daß der rpackre Mann das Französische so schlecht ausspricht älsfiin Teutscher der es nicht kann, aber er fühlte sich so geschmeichelt, Paß man einen berühmten Landsmann zum Gegenstände eines französischen Calembourgs gewählt hatte! ^ ° o. Jetzt aber gebe ich meinen Lesern, hen Bvi-ef von lpelchem oben die Rede war: . >u ,(l .u (Fprtsetzung filzt?) geht ja die hohen Herren auch gar nichts an! Im-/ merhin mögen etliche hundert Teutsche zerlumpt und verdorben aus. Amerika wieder heimkehren,, es gehen ja doch viele Tausen.de wieder hinüber! Übrigens suche Niemand nach fe in er List und dieser Überlegung, m den Thaten teutscher Edellente and Prinzen. Feinheit und tiefe. Berechnung das stad zwei Eigenschaften, die eines , echten germanischen Landesyaters.unwürdig sind.; rohe,freche Zwangs- befehlte oder plumpe väterliche Vorschläge, worin man den verborg'nen Schalkssinn mit Händen greifen könnte, das ist. Alles, .wohin teutsche Politik und Diplomatik in den inländischen Verhältnissen es bisher brachte. Maechiavclli war bekanntlich kein t e u t scher Meister.-— Deutschlands Aristokratie wünscht somit sehnlich, sich von der „w iderlichen " Gegenwart ver „ a r- men Kanaille" befreit zu. sehen. Tann wird, sagen in's Geheim, diese großen Menschenfreunde, dem Pauperismus und dem Proletariat ganz gemächlich vorgebengt z dann wird Alles ruhig bleiben z dann gibt es keine Aufstände mehr in Fabrik- Distrikten und in^ Gewerbstädten ; dann .schärfen wir noch ein bischen das Censurmesser und die Ver- Hasts-Ordonnanzen — und cs wird keinep Socig- lismus und Kommunismus mehr geben ! ! ! ! Alle fleißigen Leute werden stille sein und sich redlich nähren; der Reiche wird unbeneidet schmausen, der Ärmere wird kindlich gerührt rufen: „Guten Appetit, Freund Millionär'." und die goldene Zeit wird an!>rechen. Halleluja! Hosianna! So kalkuliren diese Weisen, die Ritter vom Rheine 1844 ! Es ist als hätten sie geschlafen zweihundert Jahre durch. Sie haben nichts gelernt, die unseligen Reichsritter, von den Lehren der Menschheits-Entwicklung - sie wissen nicht einmal, daß in England durch die von Staatswegeu oft geleiteten Abwanderungen, der Arbeitslohn keineswegs gestiegen, daß die Lebensbedürfnisse sich trotz jener vertheuern, mithin das Elend der Bauern und Stadt-Arbeiter sich vermehrt hat, gegenüber dem sich in selbigemVerhältniß anhäusenden Reichthum. Somit sehen wir wiederum, daß die Äbhülse durch Auswanderung (ganz abgesehen von dem im Anfang dieses Aussatzes Gesprochenen) nicht ein- Julius Sohn. Bildhauer und Statuar, 25, rue Ko^ale, gegenüber der Madeleine-Kirche, empfiehlt sich dem Publikum mit seiner reichen Aus- nxchl von Statuetten, Nachbildungen berühmter Kunstwerke, Büsten, Medaillons u. s. w. in der von ihm erfundenen und brevetirten plastischen Masse. Wegweiser für Fremde Ln Paris. Schnitt- und Modewaaren. —- I^uvre Ointrte, l>, rue iVlontesquwu. Hüte. —4nv, rueDIvieiiue, und tUtius, rue Vivikniie. Stiefel. — HuliilUneli, 3la, rueSt.-'IIön'orä. Schneider.,— 5, psssqMsA'tzs.LeUt»?: 1^6108. . ^ Leinwand und Wäsch'e. — Viäau et lleg- unult, a,De,e LUoiseut. 'b Papier, Schreibmaterialien. — Ns^uet, 20 , i ue eie 1a Laix. Pianos.' -— ktal/.6n1>'uU1er, i, rue Oaltttte, IUui8'>n äoree. Jagdgewehre, Waffen« — Oevisine, 2 , rue etu Iteläer. Optische Instrumente. — Obevulier, i5, pl.nee Ie66Liue. . mal.für -die Aristokraten,, ihre neumodischen Be-., schützer, einen erheblichen Vortheil bringt. Diese i Abhülse ist genau so viel wertst als die gezwungene, von „Oben herab," befohlene .Erhöhung des Arbeitslohnes ; vorausgesetzt nämlich, was noch sehr bezweifelbar ist, die Fabrikfürfteu gehorchten wirklich dem Befehl des Landesfürsten.. . Diese und andere Ouacksalbereien^iu der großen S 0 cialkrankheit nützekl nichts., Die Weiischheit wird sich selber heilen, aber ra d i c.a l, durch neue Thei- lung ber Ärbeitey und neuen Austgnsch; sie wird den Handel wie er im Gelde und Monopol sich treibt, d. h. sie wird den Schacher vernichten, und in ihm das Monopol der Monopole, d. h. das Privateigenthum, dessen giftige Blütste in ihrer ganzen gleißenden phantastischen Pracht und Wachs in Nord-Amerika sich entfaltet hat im Kredit und Banksystem sonder Gleichen. Aber deßhalb. hat jenes Weltreich allgemeine Bedeutung für alle Bewohner dieser Erdkugel, und wir Europäer haben die Pflicht, zu schauen, wie weit die Menschheit in Amerika's Gestalt gekommen; wir müssen Amercka nicht minder als Asien, d. h. Rußland, .dem Vergrößerungsglas der Kritik unterwerfen, Wasgehen uns dabei die Empfindlichkeiten gewisser Amerika- Liebhaber an? Die Menschheit gilt mehr denn Amerika, ihre Zukunft mehr denn seine HeZeg- wart! — Teuischlmrd möge aber durch seine vorgeschritt- nern Mitbürger gemahnt werden ans derbe harte Weise — denn sonst öffnet es seine Ohren nicht, — daß es endlich ablassen möge, blos dem Brodkorbe nachzulausen, den es drüben ausgehäugt erblickt. Es möge endlich die philisterhafte Gemächlichkeit von sich thun, und ausharren im Kampf und in seinem Vorspiel. Dem Proletarier sagen wir aber; A u s w andern ist gut, d 0 ch^N icht - A u s w a n-. dern —ist besser! . ^ „ . Aus Prag. ^ ' (Anszlig eines PrlvatschreN'cns.) Durch zehn Tage war Revolution in Prag?! Vielleicht hast Du die Arbeiter - Ereessen Ln Schlesien gelesen; wo nicht, so tsteile ich Dir nur mit, daß die armen dortigen Weber, die ihren Herrn klagten- daß sie für die 18 Silbergroschen wöchentlichen Lohn nichbmehr hinreichend Droh zur Stilluizg des Hungers kaufen könnten, zur Antwort erhielten :— ste möchten eS mit dem wohlfeilem Heu versuchen — rasend wurden.und einige. Fabriken bis ans,die Keller zertrümmerten; daß später durch, zahlreiches Militär die Massen,.zerstreut uichM'ch erschossen und verwundet wurden«. Hier hatten, w/r ein Nachspiel nur in einer so ruhigen und würdigen Art, wie eS kaum in eurem gebildeten Frankreich Vorkommen dürste. DaS Uberhandnehmen der Druckmaschinen schmälerte die Arbeit und den ^ohn der Art, daß die Noth die Drucker zur Zerstörung des Druckmaschinen, Uvrotina.(?) genannt, bestimmte, die sie am 1.6. d. in allen hiesigen und. umliegenden Fabriken demolirstcn,, ehe sie die .bewaffnete Macht daran hindern konnte. Hierauf gingen sie, 1 600 an der Zahl, in und um Prag, immer von Militär gefolgt und beobachtet, spazieren, ohne Waffen, ohne Stöcke, ohne allen weitern Erceß, bis sie endlich aur 24. umringt, in.eine Caserne abgeführt, und gegen das Versprechen, chaß sie für hin-- reichenden Lohn arbeiten wollten, entlasten wurden — ohne Strafe. Während ihrer kurzen Eiu- sperrung bombardirten ihre Weiber alle jndisck)en Fabriken mit Steinen und mißhandelten deren Besitzer, obgleich die Fabriken militärisch besetzt waren. Während dieser Zeit rückte alles auf viele Meilen um Prag stationirte Militär in die Stadt, starke Patrouillen zu Fuß und Roß, mit blanken und geladenen Waffen, durchzogen dieselbe bei Tag und Nacht, geladene Kanonen wurden an allen großem Plätzen angelächejt, — und die Verordnungen, daß nicht 6 Manu beisammcnstehen um 8 Uhr N jemand,Ms geh e n und um 10 Uhr alles geschlossen sein solle, — wurden mit gebührenden Re speckt entgegengenonMen : — es fehlte nicht viel, und wir wären in Belagernngöznstand erklärt worden.. Unsere Behörden scheinen, beinahe eben so furchtsam zu sein als die, über die sie oft spotteten. . . . Redactcur: Heinrich B v r n st e i n. ' Dtück mit Schnellpressen von P a nlRennuard' Deutsche Buchhandlung. ^'wOL8 kLH'VÄv L-r eoAv-, 6, LVL VL .0 .. . Vollständiges Lager aller älteren und neuercn deutschen Werke, Broschüren, Aeitschriftcn u. s. w. I. Levot, 54-55, OÜ88ÜOL 611018000. Feine Pariser Handschuhe bester Qualirär, Parfüme Vien, Seifen, Stickereien. 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OW OMIOW IM E VOI.UUL 11^-32 VLIX. .... . . >- .. . . .... UH V0IÜW6 017116 ^6 31 tzravuriss iMonre psr I'üniver^ile le (omike eeiilml ll'iMruelimi slimsirh. i rn. 25. so Paris, 1844 Nr 37. Abonnements - Preise: Ln Paris: Ein Zahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Zahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. ... S ,, Insertionen: die Zeile L 50 Centimes. § r w n§ l->i ^ UM« Man abonnirtr für Paris IM Dureau oentrül ;x>ur , rus sik-s Issoulin», 3,, und in der Buchhandl. von auter ^enousrc! et O", ru« Ü6 l ournon, 6 ' in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Mittwoch) Pariser Deutsche Zeit sehr ist. ('?. I..«.) Die Versendung des Vorwärts! geschieht stets am Crscheinungs-Tage , an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Bidau lt, 16, rue cic la 1u88i6nn6.—Sollten Blätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigen. — Anfragen, Beiträge, Pränumerationsgelder und Briefe wollen franco: « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 3s, rus 668 UouIin8 in Paris » cingesendet werden. Der Weltuntergang. Einer Ihrer Mitarbeiter verglich jüngst die heutige Literatur mit der Prostitution. — Als Modell eines Literaturbordells hätte er Ihnen das von Herrn Jules Janin seit ungefähr fünfzehn Jahren eröffnete enipfehlen können. Es wird dort fürs Geld weit getrieben: Jules Janin's eigene Mutter und Tante, sagt Herr Felir Pyat, sind dort zu haben ! Nur zu! Laßt den lichten Tag hineinscheinen in solche Lotterbuden; sie sind nur das Miniaturgemälde des prostituirteu Menschengeschlechts. Man kann Alles prostituiren, und man hat es gethan; — bleibt nur noch übrig die prostituirte Welt selber zu prostituiren, und dann stehen die Sacher: wieder auf ihren rechten Füßen. Die allgemeine Schändung alles Menschlichen war das wirkliche Fegefeuer; es soll nur ausbrenneu^ mit glühenden Eisen vernarbt man die Wunden und tödtet das Gift. Die jetzige Welt ist ihrem Untergänge nah'— sie hat Alles zur Waare gemacht, Menschen wie Sachen; es wird bald keine Käufer mehr geben, und dann wird der Kram geschlossen. Abbe Gaume, der neue Prediger vom Untergange der Welt (Hi8toire de In soeiete cloinesti^ue, pur 1'abbs Ouume; ?a- ris, 1644), hat ganz recht; er sagt nur ein Wunder könne die Welt vor dem Untergange retten! Allerdings, wenn die Welt so bleiben soll wie sie ist, dann müssen die Leute aus dem Mond oder aus der Sonne auf die Erde herabfliegen, und uns zu essen und zu trinken geben; von den reichen irdischen Bestien haben wir keinen Schluck Essig zu erwarten. Der katholische Adjutant des Generalweltmarschalls stellt eine Menge Beobachtungen über die prostituirte Welt an, und macht dann seinen lamen- tabeln Rapport. Wenn er auch durch den Weihrauchdunst nicht alles sieht, so ist doch das Bischen was er sieht genug um ihn zur Verzweiflung zu bringen. Ihm ist die Welt nicht mehr prostituirt genug, und das nahe Ende aller Prostitution nennt er den Weltuntergang. Wenn der Papst erst gehangen ist, wenn es keine Könige mehr giebt, dann ist'ö aus, dann können die Menschen nicht mehr eristiren! Allerdings, dann können die Pfaffen nicht mehr eristiren, dann ist's für sie mit der Welt am Ende, denn für den Pfaffen ist die Welt nur so *1ange Welt als sie pfäffisch ist. Wie beweint der Mann den Untergang des deutsch-römischen Kaiserreichs ! das war der erste Stein, meint er, den man aus dem Weltfundament gezogen! Der französische Priester ist klüger als der deutsche Politiker: er sieht den Tod des Christenthums hinter dem Leichenwagen des heiligen römischen Reichs herschleichen; — das Reich ist fort, zu was noch die Heiligkeit? — In Deutschland darf Reich und Heiligkeit längst verfault sein — sie glauben doch noch an den christlich-germanischen Staat, das Gespenst des heiligen römischen Reichs! — Wenn sich die Juden bekehren, dann geht die Welt bald unter, soll in den Evangelien stehen. Die Juden werden jetzt wirklich in Masse Christen — also geht die Welt unter. Wenn der fromme Mann schlösse — darum geht das Judenthum mitsammt dem Christenthum unter, dann wäre Sinn drin — denn die muselmännische Welt könnte dann doch noch bestehen! Da hilft er sich aber : der Mohamedismus geht auch seinem Ende entgegen, und das hat die Christenwelt von jeher als Vorspiel der großen Katastrophe angesehen! Das Aufhören der Unmenschlichkeit in der Kuriosum. Verspätete Antwort eines deutschen Konstitutionnellen auf Becker's Rheinliedlein: „Sie sollen ihn nicht haben u. s. w." Der Rhein ein Knecht. Die Fremden werden nimmer Des Rheines Herren sein, Doch wer ihn darum frei nennt, Den hat berauscht sein Wein! Ist frei wo man die Wahrheit Nus edeln Schriften streicht, Damit des Sinnes Klarheit Verdunkelt wird und schweigt! Wie lang' wollt Ihr noch träumen Ihr Schläfer an dem Rhein? Auf! ernst und ohne Säumen Werft ab den falschen Schein ? Ihr Völker an dem Rheine! Ihr könnt wenn Ihr nur wollt — Und in dem Staatsvereine Als Freie wirken sollt! ,,Preßfreiheit" sei der hehre, Allein'ge, heil'ge Ruf; Das klingt zur Menschheits-Ehre Die Volk und Fürsten schuf. ,/Verfassung" sei das Schlagwort Das jede Lippe spricht. O Träumer! werdet wach dort Und schaut der Zukunft Licht. Hier frommen andre Waffen, Kein Feuer und kein Stahl; ,,Verfassung" gilt's zu schaffen Im,,Redefreiheit"sstrahl. Doch Ihr die schon errungen Verfassungsbuch und Halt, Gebt dem was Euch gelungen Lebend'gen Geist's Geivalt. Nicht Kinder mehr noch Knechte! Erstarkt in Bürgermacht Und ob der heil'gen Rechte Führt forthin besser Wacht. Hier felsenfester Witten, Beredter weiser Rath — Hochernster Spruch im Stillen — Dann Manneswort und That. So einig ringen sollet Ihr Männer kühn und frank, Und für uns beten wollet Ihr Frauen hold und schlank! Beatus Wort lieb. Arlequin. Revu e-Novelle. (Fortsetzung.) Das enthusiastische Jauchzen während Arlequins Krönung war bis in Sauertopfs Lager gedrungen, und dieser konnte sich die Ursache eines Freudengeschreies in der belagerten Stadt nicht erklären. Nachdem er sich in Muthmaßungen erschöpft hatte, beschloß er Vorsichts- maaßregeln zu treffen, und befahl seinem Sohne Roth- stift die Strenge und die Wachen zu verdoppeln, und jede Bewegung des Feindes genau zu beobachten. Und fürwahr, seine Besorgnisse waren nicht ungegründet, denn es währte nicht lange, so öffneten sich die Thore, und — furchtbar anzuschauen — stürzte unter dem Feld- geschrei: ,,Sie sollen ihn nicht haben, den freien jungen Parnaß^" eine von Begeisterung glühende, kampflustige Schaar, welcher ihr tapferer Anführer Arlequin folgte, hervor, und sprengte muthig dem Feinde entgegen. Je näher sie der feindlichen Linie kamen, desto langsamer wurde ihr Schritt, und bevor sie an die Schußweite gekommen waren, blieben sie ganz stehen; und Arlequin, um sein den Unterthanen kostbares Leben besorgt, ließ ein starkes Viereck um sich bilden. Sauertvpf, den dieser kühne Angriff erschreckt harte, wollte bereits eine retrograde Bewegung anbefehlen, blieb aber ebenfalls, als er das Manövre des Feindes gesehen, ruhig stehen, und beide Heere betrachteten sich 2 Welt, der Religion, die Menschwerdung der Gesellschaft, grade die Auferstehung der wahren Menschheit gilt ihm ihr Ende, weil diese nothwen- dig seinen Tod vorauösetzt. Ich könnte dem modernen Jonas noch viel weiter helfen : sogar die Sachen haben ihre vernünftige Bedeutung verloren; sogar die Natur ist prostituirt. Das Wesen der Früchte des Feldes, der Produkte menschlicher Arbeit, der Eingeweide der Erde, des Laufes und der Tragbarkeit der Ströme, des Holzes in den Wäldern, der Thiere im Felde und der Fische im Wasser, aller Kräfte der Luft, des Feuers und der Erde ist geschändet und verleugnet; — ihre ganze und nächste Bedeutung in der civilisirten oder christlichen Welt ist ihre Käuflichkeit, ihr Werth im Schacher, nicht ihr Werth für sich selbst, im Zusammenhang mit der Welt, und in Gesellschaft und Beziehung der Menschen. Drum müssen diese Sachen untergehen? Versteht sich für den Pfaffen — denn er kamt sich die Welt nur im flagrante,: Zustande der Prostitution, der Entäußerung ihrer selbst denken; — die Welt muß für ihn sein, sonst soll sie lieber gar nicht bestehen. Ihr habt die Lehre vom Fegfeuer, dem Purgatorium, nicht umsonst erfunden; di? Menschheit fegt jetzt und reinigt den Stall in den ihr sie eingesperrt habt,— und sollte sie damit nicht anders fertig werden, als dadurch daß sie ihn in Brand steckt—wohlan! Ihr habt uns mit dem Feuer fegen lehren, wir wollen's versuchen ob wir'ö gelernt haben! Ihr haltet den christlichen Stall in dem wir stecken für die Welt, Ihr predigt den Weltuntergang — wir wollen Euch behülflich sein : was Ihr predigt, das wollen wir thun. — Ihr seid zur Leiche gebeten ! Das Hazardspiel. Wir lesen in den deutschen Zeitungen viel von der allgemeinen Entrüstung über das Hazard- spiel, namentlich über den Colonel Benazet in Baden-Baden, welcher die splendidesten Geschäfte macht, König des Badeortes ist, und sogar einen gewissen Journalisten Honek aus dem Lande zu treiben wußte, weil dieser in deutlichen Anspielungen die Manöver des Herrn Benazet verlange, indem sie drohende Gebärden und böse Gesichter schnitten, und so ihrer gegenseitigen Tollkühnheit freien Lauf ließen. Das mochte ziemlich lange gedauert haben, und noch immer blieb der Ausgang der Schlacht unentschieden, als plötzlich ein junger Hase, von dem Kriegsgeschrei aufgeschreckt, aus einem Gesträuche hervorsprang und mitten durch das Schlachtfeld lief. „Feuer!" rief ein Offizier in Nothstifts Regiment, dem der Mund nach Hasenbraten wässerte, und — „Piss, Paff, Puff!" — - das Häslein war dahingestreckt. — Doch gefährlich ift's dm Leu zu wecken, verderblich ist des Tiegers Zahn, doch , das Schrecklichste der Schrecken — ach, das ist ein Schießgewehr! — Kaum war der erste Schuß gefallen, so stürzte das ganze Heer des jungen Parnasses zusammen und fiel — nicht auf den Kopf, sondern auf den Sitz- theil. Arlequin that desgleichen, und Ohren- und Nase »zeugen erzählen sich gar seltsame Dinge über die Nebenumstände, die Arlegums Fall begleitet haben sollen. Sauertopfs Scharfblicke war dieser kleine Fehler der Taktik nicht entgangen, und er ließ sogleich seine Co- lonnen vorrücken. Sich, wenn es die Notwendigkeit erheischt, geschickt und ohne Verlust zurückziehen, ist eine eben so große Tugend eines Feldherrn, als das Schlachtfeld zu behaupten, besonders wenn kein Widerstand geleistet wird, und wir müssen gestehen, Arlequins Schaar, und er selbst immer voran, liefen so schnell davon, daß es rieth. Neuerdings heißt es nun wieder, den Studenten sei wenigstens das Geschäft an den grünen Tischen in Baden-Baden untersagt; dabei dürfte sich indeß die Presse nicht beruhigen, das Spiel müsse gänzlich ausgerottet werden. Die Seitenblicke der deutschen Zeitungen auf Frankreich sind bei solchen Erörterungen nicht selten, und sogar die bärbeißigsten Franzosenfresser werfen sich bei dieser Gelegenheit in die Cravatte, um willig einzugestehen, daß die Franzosen in diesem Punkte sittlicher seien als die Deutschen. Das Alles ist recht schön und gut, und weit entfernt sei es von mir, das sittliche Moment in solchen Bestrebungen zu verkennen oder gar zu lästern. Dennoch muß ich an diese Propaganda wider das Spiel einen Tadel knüpfen, den man leider in unserer Zeit so oft wiederholen muß. Man heftet sich nämlich mit der ärgsten Wuth der Polemik an etwas Einzelnes, vergißt aber der Wurzel dieses Einzelnen nachzusorschen; man sieht die Erscheinung und läßt das Prinzip, den Grund ununtersucht, man reibt seine Kraft aus wider einen Drachenkopf, und läßt außer Acht, daß der Rumps nur um so mehr Köpfe gebiert, je mehr deren abgeschlagen werden. Das Hazardspiel an den grünen Tischenist etwas Unsittliches — zugegeben! Aber was ist die allgemeine Unmoralität, worin diese Unsitte ihren Grund hat? Es ist die Habsucht, die Eigen- th-umssucht und die Genußsucht der ganzen Zeit. Haben, zu eigen haben will Jeder, wo möglich recht viel, ohne Arbeit, ohne Anstrengung, vermöge des Kitzels des Risiko's soll gewonnen werden, damit durch das so Gewonnene alle übrigen Kitzel befriedigtwerden können, in großen Rationen mit Auswahl, vor allen Stücken mit Abwechselung : jetzt Frühstück, dann Spazierritt, dann Besuch, dann Mittagsmahl, dann Ruhe, dann wieder Genuß, dann ein Bad, dann Theater, dann Gesellschaft, dann u. s. w., u. s. w. — Genuß ohne entsprechende Arbeit ist das geheime Stichwort unserer raffinirten Gesellschaft geworden, ein Stichwort, das sie sich nur einzugestehen brauchte, um aufs Glühendste vor ihrer eigenen Verderbtheit zu erröthen. Aus dieser raffinirten Weltansicht entspringt auch die in Deutschland so arg wuchernde Leidenschaft des Hazardspieles, das ist der geheime Sauertopf unmöglich wurde auch nur einen einzigen Mann zu fangen oder zu tödten. Beide Theile schrieben sich daher den Sieg zu, und ließen ihn durch patriotisch abgefaßte Bülletins verkünden. — Zu Hause angekommen, ließ Arlequin seine Soldaten von der Anstrengung und Mühe des glorreichen Tages ausruhen, und berief dann seinen Staatsrath, den Adel, dasMilitär, sogar das gemei'neVvlk, und sprach: „Meine getreuen Mitbürger und Waffengefährten! Wir haben unserm Feinde einen neuen Beweis geliefert, wie geschickt wir unsere Operationen auszuführen, und wie schnell wir die eingeschlagene Bahn zu verfolgen wissen, mit einem Worte, wie unzugänglich und unbezwingbar wir find. — Mit Stolz blicke ich auf euch, und schätze mich glücklich, solche Soldaten zu besitzen; mit 1000 Mann solcher Truppen will ich die ganze Welt in sechs Monaten durchlaufen. — Im Vertrauen auf Eure bisher erwiesene Treue wage ich es nun, auch ferner um Cuern kräftigen Schutz zubitten, und gebe mich der Hoffnung hin, daß Ihr Cuern Mitbürger, Waffengefährten und König in dieser bedenklichen Lage nicht verlassen werdet, eben so, wie er Leid und Freud' brüderlich mit Euch tragen, und Euch nach überstandener Gefahr alle Freiheiten und Rechte gestatten wird, die euch nicht schädlich sind! — (—Es lebe der König! —) „Ich bin des Kriegführens müde, und weiß, daß Ihr meine Gefühle theilet, ich will dieser barbarischen unUrsprung aller Geldspiele; die spätere Leidenschaft der Spieler am Spiele, als solchem, das Nberraffi- nement der Lust am Gewinnst und Verlust, ohne auf die materiellen Folgen Werth zu legen, das sich Schaukeln in der Schaale des Fatums, wie George Sand es vergeblicherweise im Freemore idealisiren wollte, das ist ganz gewiß das Spätere und Seltenere. Und diese Gewinn-, Hab- und Genußsucht ist keineswegs in Frankreich ausgestorben, weil die öffentlichen Spielbanken aufgehoben sind, weil man die geheimen Spielhäuser polizeilich verfolgt und die Betroffenen vor Gericht stellt. Schon darin liegt ja die Fortdauer der Spielwuth, daß jeden Augenblick Spielhäuser aufgehoben werden — und die Polizei weiß zwar viel, aber noch lange nicht Alles; man erzählt zum Überfluß folgendes Factum : Ein Spieler von Profession befand sich eines Nachmittags in einem Cafe, woselbst viele Philister ihre Cigarren rauchten und ihre Tasse tranken. Eine große Schmeißfliege brummte durch das Zimmer und setzte sich zu verschiedenen Malen auf das Tischchen vor dem Spieler. Plötzlich ergriff derselbe ein Spiel Karten, legte mehre neben einander auf den Tisch und ein Geldstück auf die eine der Karten legend, rief er aus: Was gilt's, die Fliege setzt sich hierher? Man trat herzu, wettete auf andere Karten, der Spieler ward im Augenblick zum Bankhalter, gewann, verlor; die Fliege, sobald sie ihre Entscheidung abgegeben hatte, flog weg, kehrte aber nach ihrer Natur stets zum neuen Roulette zurück. — Man kann daö Spiel wie die Natur mit der Heugabel austreiben, es kehrt immer wieder zurück. Und nun, ist dieses Spiel, daö Hazardspiel, Roulette, Pharao, Trente-et-un das einzige Spiel, wobei ohne Mühe und Arbeit Alles zu gewinnen und Alles zuverlieren ist? Wie geht es ander Börse zu? Ist das Börsenspiel im besten Falle nicht ein pures Lotteriespiel, wobei es sich meist um größere Summen handelt, als an den Tischen der Herren Benazet und Chabert? Und man sage nicht, die Börse habe blos ihre Habitues, Kauf- und Geschäftsleute, der ordinäre Privatmensch kenne die Form solcher Geschäfte, solchen Spieles nicht einmal. Diese Behauptung wird von Tag zu Tag unwahrer, es gibt nichts Einmenschlichen Gewohnheit, die den Unterthanen das Leben und dem König wohl gar sein Reich kosten könnte, ein Ende machen, und die Streitigkeiten mit Sauertopf auf gütlichem diplomatischem Wege ausgleichen! National- stolz und Unabhängigkeit sind im Grunde doch nur abstrakte Begriffe, leere Worte thörichter Leute, denn ein altes christliches Sprüchwort sagt: der Klügere gibt nach !— Außerdem habe ich in der Person Seiner Majestät des Königs einen alten Jugendfreund und leiblichen Vetter erkannt, und es wäre doch lächerlich, wenn zwei leibhafte königliche Vetter sich wegen der Zwistigkeiten ihrer Völker entzweien sollten ! Wir wollen daher, meine lieben Mitbürger, ein seltenes Beispiel von Nächstenliebe, Demuth und Gehorsam geben, wir wollen die Klügeren sein, wir werden nachgeben!! " — Alle Welt pries die Weisheit des Königs Arlequin, und sie begriffen nicht, daß es ihnen nicht schon früher eingefallen war, nachzugeben. — Warum einem lächerlichen Triebe von Freiheit folgen, und sich deshalb belagern, verjagen oder gar tödten lassen, während man mit oder für Sauertopf wirkend, gemächlich essen, trinken, wohnen, schlafen, den Lüsten stöhnen, und sich gewisser Vorrechte bedienen könnte ? „Was geht uns die wirkliche Bildung und das Elend Anderer eigentlich gar an !?Profterniren und prostituiren wir die Kunst, und wir werden glücklich sein. — Hoch lebe Arlequin der Weise, nur er vermochte solchen Rath zu geben!" -^ So sprachen 3 fachereö als das Börsenspiel, es ist zehnmal einfacher als Roulette. Haben die guten Deutschen nicht erfahren, welcher Actienschwindel plötzlich in das Land der Ideologie eingerissen war, wie Droschkenführer den Curs machten und Habenichtse Männer von Consideration wurden, wie Familien sich rui- nirten, Besoldungen verspielt wurden, wie der Staat endlich um Gotteswillen einschreiten mußte? Welch gräulichere Lotterie in der Welt als der Kornhandel, als die Ölspeeulation, die man doch zur Genüge in Deutschland kennt! Wenige, sagt man, betheiligen sich dabei und ruiniren sich auf ihre eignen Kosten. Gott bewahre! die Spekulanten selbst haben in der Regel sehr wenig, nicht einmal soviel, als die öffentlichen Bankhalter im ersten Jahre; was sie gewinnen, sind Differenzen; was sie verlieren, ist das baare Vermögen von Hunderten. Mit einem Worte: Aller Handel, der nicht auf dem einzig richtigen Princip des Austausches zwischen Product und Product beruht, und deshalb aller Handel von heute, ist eine Lotterie, wobei derjenige Bank hält, welcher das Einlagekapital besitzt, und diejenigen verlieren, welche mehr geben als sie empfangen. Dieses Lotterieprincip des Handels ist ein ganz allgemeines, universelles; seine böse Natur merkt man nicht wegen der Mäßigung und Zurückhaltung der Verständigen oder der Furchtsamen; seine eigenste Natur enthüllt es in den Faillitenanzeigen von Paris und London, in dem tragikomischen Verhältnisse zwischen Aktiven und Passiven, das oft eben so sehr ans Unverschämtheit als auf Dummheit schließen läßt. Und dieses Handelslotterieverhältniß durchzieht unsere sämmtlichen Verhältnisse von oben bis unten und von hinten bis vorn; Jeder, jeder Erwerbende ist Kaufmann und Lotteriehalter. Auf diesem Principe beruht unsere ganze Gesellschaft, beruht all das beklagte und unsägliche Unglück unserer Civilisation. Wer gegen die Lotterien zu Felde zieht, muß daher folgerecht, er muß das Princip aller Lotterie, den auf Spekulationen begründeten Productenaustausch anfechten, er muß bis zur definitiven Wurzel hinabsteigen, und ist es ihm anders Ernst um das Heil der Gesellschaft, dieselbe Wurzel mit den letzten Fasern ausreißen. Das heißt radical ffaäix) sein. Wer aber blos gegen die.Helden des jungen Parnasses, und noch denselben Tag wurde eine Deputation an Sauertopf geschickt, um den Frieden zu erbitten, und um Seine Majestät zu einer Konferenz zu bewegen, in welcher die beiden königlichen Vetter die Artikel des Friedens bestimmen und den Frieden selbst beschließen würden. Die Zusammenkunft fand wirklich in einem eigends hiezu auf einem Hügel errichtetem Zelte statt, die beiden Vettern umarmten sich zärtlich, und schickten sich hierauf an, das Wohl und das Glück ihrer Unterthanen zu bera- then. Sauertopf war von Rothstift und zwei Professoren, und Arlequin von drei geheimnißvollen Männern, deren Herkunft Niemand kannte, begleitet. Die beiden Könige und die sechs Begleiter beriethen und beschlossen die Bedingungen, und sobald ein Artikel bestimmt war, wurde er von Herolden den auf beiden Seiten aufgestellten Heeren verkündet. Beschlossen wurde: Art. 1. Sauertopf erkennt das Reich der Künste an, jedoch nur so lange als die Dynastie Arlequin auf dem Throne sitzt. Dieser Artikel wurde verkündet, und plötzlich verwandelten sich die rechten Füße Arlequins und seiner drei Gefährten in Pferdefüße. Art. 2. Die Festungswerke der Stadt der Künste werden geschleift, und die Stadt wird frei. Sauer- topfö Unterthanen haben freie Einfuhr in die Stadt -erKünste, hingegen müssen diese, wenn sie in Sauerdie einzelnen Spielbanken raisonnirt, und nicht tiefer zu gehen weiß, geräth mit Recht in den Verdacht eben bloßer Raisonneur und Deklamator zu sein,— ein nicht zu beneidendes Renommäe, Zur Handelspolitik. Aus Berlin. Die drei Völker, die auf der Höhe der Geschichte, der Bildung stehen, führen jetzt Krieg gegen einander in Amerika drüben, dem Lande der Freiheit, um ein Päckchen Varinas oder Portorico, kann man sagen. Der Handelsvertrag mit Amerika wird nämlich besonders aus Herabsetzung der Zölle auf amerikanischen Tabak in den Zollvereinsstaateit hinauslausen, damit die Amerikaner ein Übergewicht über den westindischen bekommen. Die Engländer und Franzosen sollen sich's beiderseits sehr sauer werden und viel kosten lassen, dem deutschen Bundeövolke (die Geschichte hat sie verbrüdert und weist auf höchste Einheit hin) das bischen Portheil, das schon für uns aus einem Handelsverträge mit Amerika hervorgehen würde, vor dem Munde wegzulisten. Amerika wird wohl mehr Einsicht gehabt und dem Vertrage die nöthige Stimmenmehrheit gegeben haben, denn der Vortheil ist auf beiden Seiten, wie am Ende bei jeder Erleichterung des Verkehrs. Daß das die Krämerpolitik nicht einsieht! Amerika und Deutschland ergänzen sich in Handel und Production so recht eigentlich, und der Vortheil ist hier vielleicht noch mehr auf Seiten Amerika's. Es wird mit viel mehr Vortheil die unermeßlichen Wüsten voller Fruchtbarkeit und überhaupt den Boden cultiviren als die Fabrikation. Es kommt viel mehr dabei heraus. Und Deutschland könnte man wenigstens in Verbindung mit England und Frankreich als industriellen Lieferanten dulden. Es concurrirte schon bisher vortheilhaft mit Wollen-, Eisen- und Glaswaaren, und Deutschland wird schon freudig aufathmen aus seinem erstickenden Jndustrieschweiße, wenn ihm Amerika die wahrlich sehr bescheidenen Erleichterungen im Tarife bewilligt. Freilich die Engländer, die um Baumwollenballen und dergleichen Menschenblut vergießen, sind höchst wüthend auf die guten fleißi- topfs Reich wollen, Zoll an Rothstift und Madame Censur entrichten. Nach Vorlesung des zweiten Artikels kamen ein Fuchsschweif und zwei Fledermaus-Flügel bei Arlequin und seinen Begleitern zum Vorschein. -- Rothstift meinte daß dies irgend etwas bedeuten könnte, und suchte einen verborgenen Gedanken in dieser Metamorphose. Er machte seinen Vater darauf aufmerksam, doch Sauertopf lächelte unbesorgt und betrachtete dies als eine ganz gewöhnliche Arlequinade. Art. 3. Sauertopf behält sich die Schutzherrschaft des Reiches der Künste vor, und diese sind verpflichtet nöthigen Falles für Sauertopf zu kämpfen. In Anbetracht dessen wird Sauertopf für die Aufrechthaltung der Dynastie Arlequin und für die Belohnung verdienstvoller Hülfstruppen sorgen. Mit dev Bekanntmachung dieses Artikels wurden zugleich von Sauertopfs Adjutanten eine Menge Orden und Hofrathstitel unter die Hoffnungsvollsten in Arlequins Heere vertheilt. Auf^dem Kopfe Arlequins und seiner drei Männer jedoch schossen Bockshörner empor. Axt. 4. Nach dem Erlöschen oder etwaigem Abdanken des Hauses Arlequin, nimmt Sauertopf Besitz vom Reiche der Künste, und nach Absterben der Dynastie Sauertopf hat Arlequin die Anwartschaft auf Sauertopfs Reich. gen Deutschen und erboßen sich, daß in Amerika alle deutschen Fabrikate, die mit Menschenhänden gemacht worden, einen Vorzug haben. Das kömmt daher, weil der Deutsche wohlfeiler lebt und produ- cirt. In Amerika und England sind die Arbeitslöhne zwei bis dreimal so hoch. Der aus diesem Umstande hervorgehende Vorzug deutscher Maaren in Amerika ist den: Engländer grade der größte Ärger. Wie man hört, sind die Zugeständnisse, welche Amerika den Zollvereinsstaaten gemacht hat, gar nicht eben groß; aber auch Amerika soll sich größtenteils daraus beschränkt haben, als Gegen- concession Herabsetzung des Einfuhrzolls auf die Tabake und Cigarren zu fordern, so daß wir wohl eine gute Cigarre wohlfeil rauchen können. Daß dadurch der inländische TabakSbau leiden wird, ist freilich außer Zweifel, aber im Allgemeinen betrachtet, kann uns Deutschen dies nicht unlieb sein. Der Tabak, den wir in Deutschland hauen, erfordert viel Dünger und bleibt meist herzlich schlecht; mit Berechnung des Düngers ist gar kein Vortheil beim Tabaksbau, und die genügsame Kartoffel, welche der liebe Gott bei uns stets gut wachsen läßt ohne besondere Zuthat als Brod der Noth, ist gewinnreicher für den Bauer. — Die heimlichen Demonstrationen Englands und Frankreichs gegen den Handelsvertrag mit Amerika sollte die Entrüstung Deutschlands Hervorrufen, seinen Muth, sein Bewußtsein, daß es beide Länder zu Verkehrserleichterungen zwingen könne und müsse, denn freiwillig, aus Philanthropie bewilligen diese Völker, die mit uns auf der Höhe der Bildung stehen, uns nichts. Wer weiß, was die Engländer mit Hülfe Rußlands noch gegen uns Vorhaben. Es wird eine Zeit kommen, wo man ein starkes, materiell kräftiges und politisch gebildetes deutsches Volk brauchen wird. — „Die Zeit ist ernster, als wir glauben." Allerlei Deutsches. Etwas vom Münchner Bier. Die Cholera ist los unter- den Gemüthern Deutschlands: Gesundheiten welken dahin, die zähe genug waren, selbst die Seuche von 1830 zu überstehen. Aufruhr in München! Zwar nur um Brod und Bier, aber Kaum war dieser Artikel verkündet, so streiften Arlequin und seine Diener ihre Hüllen ab, und Satan mit andern drei Höllenfürsten standen in Lebensgröße mit drohender Miene vor dem bestürzten Sauertopf. ,,Herr Jesus und Maria, Vetter, was soll das heißen!" schrie Sauertopf, ,,der Teufel wird mich doch nicht holen wollen?" ,,Potz Puder und Perrücke!" erwiederte Satan, indem er schnell wieder Arlequins Gestalt annahm, ,,das wäre ja loeoeo ! Ich wollte Ihnen blos eine Tasse Thee oder Chokolade anbieten." Indem er das sagte, reichte er Sguertopf eine Tasse dar; dieser nahm sie lächelnd an, schlürfte, und stürzte — todt zu Boden. Nachdem Arlequin nun so die Streitigkeiten mit Sauertopf auf gütlichem diplomatischem Wege ausgeglichen hatte, ließ er sich Kraft des 4. Artikels des geschlossenen Friedenstraktates auch als König in Sauertopfs Reiche krönen. Der Bastard Rothstift und Madame Censur wurden als ioeoco befunden, und aus beiden Staa. ren verbannt, doch zum Danke erbat sich blos Arlequin bei Geld-, Leibes- und Freiheitsstrafe, daß man ihn selbst achte, und seinen Freund, den Papst ehre, was mit Freudengeschrei auch angenommen wurde. Papa Satan jedoch lachte, und sagte: „So ist's recht, nun bleibt Alles beim Alten!" Mar M. (Fortsetzung folgt.) doch Aufruhr! Oder war es etwa ein dichterischer Einfall König Ludwigs, die Hochzeit der Prinzessin Hildegard durch einen Knalleffekt zu verherrlichen und so eine Volksftene zu arrangiren? Dort Ball bei Hof, hier Sturm im Volke; Illumination, zertrümmerte Häuser, Barrikaden, Prügel, Musik, Mord, Sauerei und Soiree! In der königlichen Residenz wurden die Scheiben eingeworfen, das dürfen die Zeitungen natürlich nicht drucken; der Weg zum Pulvermagazin wurde mit Truppen bedeckt, ebenso die Kanalschleusen bewacht, denn man raunte von Anzündung der Stadt an allen vier Ecken und Absperrung des Wassers. Während der Theatervorstellung stürmte das Volk und wurde zwar durch die Anstrengungen des Militärs zurückgetrieben, aber das geängstigte Publikum flüchtete sich und auch König Ludwig verließ, mit den Hochzeitgästen, das leere HauS. Ach! ihr hättet ihn sehen sollen, wie er mitten in den Aufruhr trat und seine Gedichte declamirte: jede Sylbe ein eckiger Pflasterstein, der zerschmetternd aus die Köpfe der Unsinnigen rumpelte! lind als er gar anhob, Leier zu spielen und zu singen, da zerrissen die stärksten Eingeweide, und heulend, wie Verdammte der Hölle, wälzten die Aufrührer sich in ihrer Kolik. Die Revolte war erstickt und König Ludwig befahl diesen herrlichen Tag al kre8eo in die Arkaden zu malen, wie er, in den Locken den Lorbeerkranz, gekleidet in das Engelsgewand, mit welchem ihn «inst Cornelius gemalt, durch seine Töne Mauern und Ohren zerstörte, wie jener Trompeter von Jericho. Aber es ist Alles nicht wahr. König Ludwig sügt zu seinen übrigen fürstlichen Tugenden auch noch die Bescheidenheit: so lange der Aufruhr dauerte, zeigte er sich nirgend, um nicht seine Getreuen in Unruhe, die Rebellen nicht in allzu fürchterliche Reue zu versetzen. Wie die Sonne, kam er erst wieder zum Vorschein, als das Gewitter vorbei war, und geruhte sich alsbald nach Italien zu begeben. Es ist freilich bezeichnend, daß die Münchner, welche mit ganz Baiern schon so unzählige Mißhandlungen über sich ergehen ließen, nur losschlagen, wenn der Bierpreis anfschlägt. Und doch ist es mehr Noth, als Üppigkeit, was diese Richtung der Geister und der Prügel veranlaßt. Eine Masse Taglöhner leben nur von Brod und Bier: der Aufschlag von nur ein Paar Pfennige auf das Maaß, die Minderung von einigen Lothen am Laib, wirkt für die armen Klassen weit lästiger, als wenn König Ludwig die 80000 Fl., die er kurz vor dem Cra- vall zu Erbauung eines Mönchsklosters in der Pfalz auswarf, weniger „erübrigt" hätte. Und was ist das für eine unkönigliche Wirthschaft! Sonst, wenn eine Landesprinzessin sich verehlichte, spieen die öffentlichen Brunnen weißen und rothen Wein, Brod und Amnestie wurde ausgetheilt, das Volk konnte sich einen guten Tag machen. Jetzt aber kein Wein, kein Brod, keine Amnestie; wohl aber Prinzessinsteuer, Jlluminationskosten, Bier und Brodauf- schlag, Haftverschärfung für politische Gefangenen. Wenn nun die treuen Baiern revoltiren und im Residenzschlosse Scheiben einwerfen, so geschieht es nur Ln dem richtigen Instinkt, daß die fast unerschwinglichen Steuern, wozu namentlich auch die vom Könige verbauten und verpfafften „Erübrigungen" mit 32 Millionen gehören, alle Lebensmittel un- nöthig vertheuern. Man hat also ans rechte Fenster gesprochen. Schade nur, daß doch eben nur das Volk die kostbaren Glasscheiben wieder bezahlen muß! Michel mag seinen Prügel noch so hoch werfen, er fällt ihm doch auf die Nase. Bei dem Münchner Spektakel ist übrigens noch zu beachten, daß die Soldaten anfangs, ehe der Generalmarsch schlug, gemeinschaftliche Sache mit den Tumultuanten machten; sie haben keine Anhänglichkeit an den König, dessen einzige Freunde die Ordensgenerale,E dessen Leibtrabanten und Lieb- lingötruppen die Regimenter von Pfaffen, seine Schöpfung, sind. Hofrath Dingelstedt, der ehemalige politische Nachtwächter, hat vor Kurzem, als er in Wien seine Braut, die Sängerin Lutzer, abholte, Audienz beim Fürsten Metternich gehabt. Gut gebrüllt, Nachtwächter! Die verklärten Schatten von Genz und Jarke lächeln mild auf Dich nieder! Der Bundestag in Frankfurt hatin vertraulichem Schreiben die deutschen Höfe ersucht, die im Publikum verbreiteten Eremplare der Wiener Con- ferenzprotokoüe möglichst zu beseitigen, jedoch ohne Aufse hen. Es ist aber zu spät. Als gewissenhafter Buchhalter hat die Geschichte jene Schuld der deutschen Fürsten bereits in das Soll eingetragen. Weil die Seite des Haben ganz weiß blieb, so malte der Buchhalter aus Langeweile allerlei Schnurren hinein: Köllner Dom, Rheinlied, kour 1e mente, Schwanenorden, Wallhalla : aber es ist eitel Sudelwerk. Einige Erhöhungen. Deutschland schreitet unaufhaltsam seiner großen Bestimmung entgegen: wer sich so lange selbst erniedrigt, wird erhöht werden. Die' sachsen-koburg-gothaischen, sachsen-wei- mar'schen, anhalt - köthischen, anhalt - bernburgischen, anhalt-dessauischen Herzoge haben sich von der „Durchlaucht" zur „Hoheit" emporgeschwungen; die Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt, auch der Herzog von Nassau, stehen im Begriff diesem Beispiel zu folgen; und verschiedene andere Fürsten, vielleicht die Herzoge von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, Sachsen-Altenburg, was weiß ich? haben cs schon gethan. Meinen Sie, da werde der Rest, z. B. Braunschweig, Hohenzollern-Sigmaringen, Hohen- zollern-Hechingen, Lichtenstein-Vaduz, stille halten? da sei Gott vor! Allgemeine Standeserhöhung ist's, was uns vom Auslande verachteten Deutschen Noth thut. Der Kaiser von Österreich, bisher simpel, wird Oberkaiser; der König von Preußen zum protestantischen heiligen Vater und Knäö von Rußland, auch zum Wirklichen Geheimen Oberkönig; die übrigen Könige legen sich das Prädikat : „Kaiserliches Halbblut" bei; die Großherzoge werden Zaunkönige (zum Unterschied von wildlaufenden wie die Königin Pomare); alle deutsche Fürsten, minorum gentium, trachten, statt der bisherigen Niederträchtigkeit, nunmehr nach Hoheit, mit Beibehaltung ihres Charakters als Pascha's; der Bürgerstand wird als gemein, unzeitgemäß und irreligiös aufgehoben und nur noch als Schimpfwort für Franzosen und Demagogen gebraucht; wir, die Kanaille, werdenVon und ganz Deutschland wird in den Hofrathsrang erhoben. Der deutsche Bund heißt fortan „hoher Rath" (mit Metternich als Oberpriester Kaiphas); der mächtige deutsche Adel wird hochmächtig, das preußische Christenthum Hyperorthodor, die landesväterliche Fürsorge für das irdische Wohl der Unterthanen beschränkt sich aufdas überirdische Wohlergehen im Jenseits: kurz, alles steigt, Titel und Bierpreis, Censur und Volksnoth, die ganze Geschichte: Madame steigt in die Höhe So hoch sie steigen kann, heißt es im Marlboroughliede; und ist sie erst ganz oben, so kriegt sie den Schwindel, und es wird das ein gefährlicher Purzelbaum werden. Redakteur: Heinrich Eörnste in- Druck mit Schnellpressen von Paul Neuouard Julius Sohn. Bildhauer und Statuär, 25, ru6 Ko^ule, gegenüber der Madeleine-Kirche, empfiehlt swh dem Publikum mit seiner reichen Auswahl von Statuetten, Nachbildungen berühmter Kunstwerke, Büsten, Medaillons u. s. w. in der von ihm erfundenen und brevetirten plastischen Masse. egweiser für Fremde Ln Paris. 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Sechs Monate. . . . 18 „ Drei Monate. . . . S Insertionen: die Zeile» 50 Centimes. (Sonnabend) 4 ' '' - 7!!'. . " . i. k - ''7ck-Ik r'tt 7.^ Man äbonnirl: ^ Pariser .Deutsche Zeitschrift. - für Paris:^^^'^' - - ' NN Nnresu ventrsl pour I'^IIsrn»K»e, rue li< 8 IVIouIi.,8, 7», und in der Puchhandl. von Aules Nenorisrä er nue cte's cntrllon, 6 ; in den Departements ; /- bei allen Postämtern und Messagerien; Dentschlanv, Schweiz, England: ' in allen Buchhandlungen; ''' i'. Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. ^ Erscheint Mitwoch und Sonnabends. s ' (2l>. Jiitt.) Die Versendung des Vorwärts! gescksieht stets am Erscheinnngs-Däge , an unsere auswärtigen Abonnenten durch die Post, an die Pariser Abonnenten durch die Anstalt des H. Bidau lt, 16, rue cte In lukmenntz.—SolltenBlätter gar nicht oder unregelmäßig zugestellt werden, so bitten wir uns dies in frankirten Briefen anzuzeigcn. — Anfragen, Beiträge, PränumerationSgelder und Briefe wollen frsneo : « An die Redaction des Journals: Vorwärts, 32, rus 6^8 I>louIin8 in Paris » cingcscndct werden. Negersklaven und freie Sclaven. Wir haben neulich das Schauspiel gehabt, daß der Proletarier Frankreichs seine Stimme erhob zur Verbesserung des Looses einer zahlreichen Neger- sclavenbeoölkerung in den französischen Kolonien. Man konnte dem lebendigen Mitgefühl dieser leidenden Klasse für ihre farbigen Mitmenschen Achtung und Lob niclsi versagen. Auch ich bin weit entfernt da tadeln zu wollen, wo das Herz so rührend gesprochen. Doch halte ich es an der Zeit nun auch den Kops sich die Sache betrachten zu lassen. Was war der philanthropische Wunsch der französischen Ouvriers? Sie wollten und konnten vor der Hand nichts anders wünschen, als daß der Neger in der Gesellschaftauf eine Stufe mit ihnen ge? stellt würde.. Die französischen Arbelter fühlen alle sehr wohl das ganze Elend,welckM auf ihnen lastet; und nicht nur die Arbeiter, sondern auch andere menschenfreundliche Männer verlangen dringend Abhülse vom Staat. Die Zukunft, die sie von zweckmäßigen Maaßregeln für sich hoffen, wünschen sie auch für die Neger. Feuilleton des Uorrviirts. i - ' »/- i > .. -i ,' - ^ , - l.. Doctrin. Schlage die Trommel und furchte dich picht, Und küsse die Marketenderin !' Das'ist die ganze Wissenschaft, ' Das ist her Bücher tiefster Sinn. Trommle die Leute ans dem Schlaf, - Trommle ReveillS mit Jugendkraft, u i Marschire trommelnd immer voran, " - . Das ist die ganze Wissenschaft. ß-.--/ " ^' Das ist die Hegel'sche Philosophie '''' ^ '' Das ist der Bücher tiefster Sinn ! ' '' ^ Ich Hab'sie begriffen, weil ich gescheidt, " ' Und weil ich ein guter Tambour bin. ^ --- - - .nc-'i . ^ i Heinrich Herne. ' ' , !-..7' ?. 7. UN',. -V ,i' -. . i. - Fest grüß ,, zur 4ten SäcularseLer der Schlacht bei St. Jacob.. ^ f AÄ' der' Ächwcizer Nätional-Zeltüng.) ,cUt,7'. i Ihr siohgefchmückten Zecher, Vergeudet nicht den'Saft,- " -b - "7".-^ Und leert heut'jeden Becher ' ' ll-Au f unfre B rüderfchaft!'-si'-> - -un.^ Denkt bei dem-Blut der Reden" ^ Des Ackersj blutigroth;,'-- ch» .'.'Ml Trinkt: aus ein freies Lebens ^ - Und > e ßü en gvößen Tod' 'd. > - -r - cnu .... Z: ^ - u '<-; c; . O grüßt ihn dort, den Boden,.... . Mit Leichm eingefät! O nehmt ihn mit, den Oden, Der dort herüberweht! Dort lest, wenn's Eure Feder Zu schreiben auch vergaß: Zwölfhundert! und ein Jeder War ein Leonidas!'' -'!? lr77t!7ch'j7'»L Dort sind ste hingezogen^ Und haben's wohl gezeigt,- / Wie man mit;Schwert-und Bogen, ^ Den-Feind zur Hölle geigt./,---,-?-» Man tanzte neue Weisen i nj - Auf diesem Ehrenfeld; , F Zwölfhundert Schweizer-Eisen Mit einer Söldnerwelt! Zwar sind sie all' geschwunden Durch Feindes Überwucht; ^ Doch der hat überwunden Der solchen Tod gesucht. Wohl kvnnt' der Feind sie tödtenL" Doch bleibt in jedem Krieg Geschlagen, wer crröthcn Muß über seinen Sieg. ' 7--'.^,, -(>- , M-- ' !!U . nj - Drum, Sohn detzWallis. bttckc.,,..^ ^ nicht,h>W«: dreiq/.^ ^ ^ ,, .Es werden die Geschicke .. Vor Abend anders sein. , ° - 2 sehr wünschenswertes an, und sehen ganz von der I oben gegebenen Definition ab, so handelt es sich um die Möglichkeit sich dasselbe zu verschaffen. Dazu muß die Concurrenz verhelfen. Der Arbeiter nun hat nach der Nationalökonomie keine andere Hülfsquellen und Mittel als die Arbeit und ihren Lohn. Hiemit muß folglich das Kapital erworben werden. In welchem Verhältnisse aber steht der Arbeitslohn zu dem, was damit erreicht werden soll? Wie tvird zuerst der Arbeitslohn firirt? Die Nationalökonomie lebt noch in den barbarischen Zeiten, wo der Krieg das Normalmittel zurEr- reichung gesellschaftlicher Zwecke, oder zur Ausgleichung aller Differenzen ist. Der Kapitalist und der, der capital nichts ist, der Arbeiter, müssen in Streit mit einander gerathen, um den Arbeitslohn zü firi- ren. Der Arbeiter fordert möglicherweise alles, und der Kapitalist bietet möglicherweise nichts. Das Resultat dieses Kampfes zwischen dem Etwas und. Nichts ist das czuuntum, welches als Arbeitslohn gezahlt wird. Ohne hier weiter untersuchen zu wollen, ob dieser Kampf auch ein anderes Resultat hätte habeu köunen, wollen wir uns damit begnügen das anzuführen, was nachdem ZeugnißderNatio- nalökonomie wirklich als Resultat sich herausgestellt hat. Wie groß also ist der Lohn des Arbeiters? Nach Sah beschränkt sich der Lohn des Arbeiters auf das Allernothwendigste zum Leben, auf so viel als nöthig ist um die Arbeit fortsetzen zu können. Wenn er hinzufügt, daß noch ein kleines Mehr hinzukäme, um die Kinder bis zum vierzehnten Jahre zu füttern, so sagt dies eines Theils nicht viel, andern Theils ist es gar nicht wahr: Adam Smith führt selbst eine Berechnung auf, wonach im günstigste n Falle der Arbeitslohn nur so hoch steigt, daß von vier Kindern stets zwei aus Mangel des allernoth- wendigsten zu Grunde gehen, und die Statistik weist sogar nach, wie schon vom achten Jahre an die Kinder Mitarbeiten müssen um die Eltern ernähren zu helfen. Zn den von Dampf und Wasser getriebenen Spinnereien Englands arbeiteten im J. 1835 : 20858 Kindern zwischen 8 und 12 Jahre, 35867 zwischen 12 und 13 Jahren und 108208 zwischen 14 und 18 Jahren, und zwar eine Arbeitszeit von täglich 8 bis 14 Stunden, also völlig die Tagewerkzeit eines erwachsenen Mannes. Das Einkommen eines Arbeiters ist also im günstigsten Fall, nach der Nationalökonomie, so groß, daß in gewöhnlichen Jahren eben das nackte Leben gefristet werden kann. Tritt aber die geringste Theuerung ein, so geht ein großer Theil der Bevölkerung zu Grunde (Say). Und von diesem Einkommen verlangt die Nationalökonomie, soll sich der Arbeiter ein Kapital erwerben ! Die Unmöglichkeit liegt auf der Hand. Aber wir sind noch lange nicht an der Grenze des Elends angekommen. Unseren Tagen ist es ausbehalten worden, zu zeigen, wie tief der Mensch ins Elend sinken kann; nachzuweisen, wie die gänzliche Beraubung.aller Eristenzmittel und Hungermord des Heranwachsenden Geschlechts dennoch nicht im Stande sind, ein Grab aus der Erde zu machen';' nachzuweisen, wie weit es möglich ist die bedürfniß- losen Gespenster der Farttasie in die brutale Wirklichkeit zu versetzen.! Das einzige Mittel in der'heutigen Gesellschaft sich eine menschliche Ensteuz - zu - verschaffen, ist die Erwerbung eines Kapitals. Das einzige Mittel, welches der Arbeiter dazu besitzt,.-ist die Arbeit. Ich zeigte wie der Arbeiter auf diesem Wege unmöglich zum Ziel kommt. Aber auch der letzte Traum muß falle», und ich werde dar- thun, daß diese Waffe, mit welcher er gegen den Druck der Gesellschaft kämpft, eine verfehmte ist, die sich stets gegen ihn selbst wendet. Die Arbeit bringt den Arbeiter nicht nur dem Ziele nicht näher, sondern rückt es ihm immer ferner und stürzt ihn fort und fort tiefer ins Elend. Es wird durch die Coucurrenz uicht nur der Arbeiter der Todfeind des andern, sondern sogar die eigne Arbeit ist das Gift an dem der Arbeiter untergehl. Der Arbeiter kann sich nur daö Grab erarbeiten. » Da er einmal zur bloßen Waare herabgesunken ist, so folgt er allen Gesetzen die für diese gelten. Übersteigt die Zufuhr die Nachfrage, so sinkt der Preis. Je mehr Arbeiter sich anbieten, desto mehr wird freilich geschafft, aber alles was geschafft wird, ist für den Arbeiter die schwellende Frucht am Baume über Tantalus Haupte, stets nahe, nie erreichbar; denn ein zweiter, ein dritter Arbeiter, der sich anbietet, drückt den Arbeitslohn des ersten hinab; und die letzte Grenze bis.zu der sie sich Wechselweise hinabstoßen, ist allein das Grab. Ein Arbeiter ist der Todfeind deö andern. In den Norddistrikten Englands ist der Arbeitslohn längst unter den Preis des allernothwendigsten zum nackten Leben herabgesunken. Der Arbeiter ist schon neben seinen Lohn auf Bettel- oder Diebstahl angewiesen. Aber nicht bloß durch den Nebenarbeiter, nicht bloß trotz der Arbeit, sondern durch seine eigne Arbeit geht der unglückliche Jndustrieselave zu Grunde. Man hat gesagt: durch vermehrten Fleiß, wie Say sehr naiv sagt: „durch Verdoppelung seines Fleißes," ist es dem Arbeiter möglich, seine Lage zu verbessern. Wer sechzehn Stunden täglich arbeitet, müßte aber erst die Kunst entdeckelt die Stunden des Dags zu verdoppeln, mit dem hestialisckM Rathe der Ökonomen folgen zu können. ^So lauge ihin dieses nicht gelungen, wollen wir uns begnügen die Folgen dör einfachen Vermehrung des Fleißes zu betrachten. " Nehmen wir also eine Arbeiterclaffe von 10 Arbeitern an, welche, wie gewöhnlich, arbeiten und gewöhnlichen Lohn bekommen. — 5 vor: diesen Arbeitern verlängern ihre Arbeitszeit von 14 auf 17 Stunden. Freilich erhalten sie nun etwas mehr Lohn. Was aber ist'die nächste Folge? Dieselben 10 Arbeiter produciren jetzt etwasffnehr, als früher 11 Arbeiter thaten. Es entsteht Mehr Zufuhr an Produkt, und dieses sinkt im Preise. Von nun an kann der Fabrikherr nicht mehr den früheren Lohn zahlen, mit dem Producte sinkt auch die Arbeit im Preise. Nehmen wir an, daß dieser dahin fiele, daß etwa die 5 fleißigem Arbeiter nun für ihr 17 stun- digeö Tagewerk nicht mehr erhielten, als früher für ihr llstündiges, so sind' die übrigen Arbeiter, da dies eben nur zuM nothdürstigen Leben ausreichte, gezwungen, ebenfalls jetzt 17'Stunden zu arbeiten. Rene Über-Prbduction, neues Sinken des Arbeitspreises, neue Vermehrung der Arbeitszeit, stets sich wiederholender Zirkel, der nur mit dem Nichts, d. h. mit dem Tode endet. Was wir für dine^ Arbeits- olaffe von 10 Arbeitern angenommen haben, hat Die jüngst mußt'unterliegen In Tagen bittren Leids, Heut' ift'sanihr, zu siegen,' ^ Heut' gilt die junge Schweiz! In Deinem Gletschermeere ^.. Zerscheitern wird sie bald, Die üppige Galeere . ' " ^ Der r ömifchen Gewalt: Der vor vierhundert Jahren-».'. - Gerufen. „Es muß gehn!'< Der Geist der HeldeMchaaren Wird in uns auferftehn! Georg'He-rwegh, i Bürger von Augst. Der Preuße Ln Paris. (Nach rem Französischen des 6»^kL«8 86MLI.LN in dem Werke: r.V8 ü^k^OLN8 ^ ) (Fortsetzung.) . . ' ) „Mein lieber Wilhelm!n-? ^ st- E ,,Sechs ewige Wochen bin ich bereits hier, und mich dünkt es kaum zwei' Tage. Aber auch, welch ein Aufenthalt!? — Ich hätte Luft das bekannte'neapolitanische Sprüchlein: „Neapel sehen und dann sterben!" so zu pärödiren : „Paris sehen und ewig do'rt"leben— aber nein ! ich möchte doch nicht mein ganzes Leben lang hier bleiben: man lebt hier zu schnell, zu viel auf Einmal ; ach! ich weiß selbst llicht «vis ich Dir diesen anscheinenden Widerspruch losen-soll, aber wenn die Reihe hierher zu reisen an Dich gekommen ist, wirst Du mich schnell verstehen. "b'i> '--1 „Ich bemerke eben noch zu rechter Zeit daß ich auf dem Punkte bin mich in metaphysische Grübeleien emzulaffen, und das ist nichts für Dich : Äu willst Geschichte, und ich gebe Dir treu und wahrhaft die meiner Abentheuer, meiner Widerwärtigkeiten, Und — darf ich es sagen ? — meiner Siege und Eroberungen^ „Schreie nur nicht Zeter über diese letzten Worte; wir ^laufen am Ende doch Alle nach diesem Ziele.aus. Lnlin, u'inipol-te! sagt der- älteLePeintre der jüngere, der fetteste aller Schauspieler des modernen Babylons, wie mein Großvater Paris getauft hat. ^ > „Ich will Dich nicht mit den Eindrücken während meiner Reise,langweilen, ja./ ich ware^sogar in der größten Verlegenheit darüber Rechenschaft geben zu müssen, denn ich sah nichts,, ich hörte nichts; Paris war mein einziger Gedanke. Endlich ras'te der Eilwagen durch die Barriere St.-VLartin. Unglücklicherweise war es bereits s Uhr Abends, also in dieser Jahreszeit Nacht, und trotz der unzähligen Gaslampen und'Scheinwerfern konnte ich nichts unterscheiden als eine ungeheure Bewegung die immer wuchs und wuchs, je Mehr wir uns dem Herzen der Stadt näherten. Endlich hält der Wagen in dem Hose der'Messageries Caillard und Laffitte, alle Reisenden steigen ab, und ich thue natürlich wie Jedermann. Indem Augenblicke dachte ich an die Nothwendigkeit mir schnell eine Wohnung zu suchen, und das «st natürlich keine Kleinigkeit für,einen Novizen meiner Art; aber ein Cpmmisslvnnär, wie man hier die Eckensteher nennt,zog mich aus der Verlegenheit indem er mich fragte „ob «ch Niemand'nöthig hätte meinen Koffer zu tragen," und ohaie meine Antwort abzuwarten ihn auf seine.Schultern lud. „—Wohin soll ich ihn bringen? war seine zweite Frage. „—Ich weiß nicht, ich kenne hierFein Haus — „Der Eckensteher besah mich einen Augenblick mit recht kritischem Blicke von dem Scheites bis zur Sohle, und sprach dann: . ^ ^ . „-Aha? —Hab' schon was Siechrauchen. Allerliebstes kleines Hotel in der Straße Kolre-Oamd-ckks-^sie- wil-es; Hab' schon viele Ihrer Landsleute hingewiesen. — Sie sind doch ein Teutscher, Herr? „Ich bejahte seine Frage, obgleich ich nicht begreifen konnte, woher in aller Welt er doch errathen haben mochte, welcher Nation ich angehörte? — Er schritt nun voraus, ich ihm nach; aber während «vir so durch die Straßen zogen, fand ich mich in der verzweifeltsten Stimmung. Man hatte mir so viel vvn den schläuen Dieben 3 in England sich schon im Großen herausgestellt. Ich glaube daß diese Betrachtungen hinreichen um zu zeigen, daß die Versprechungen der neuen Heilmethode das Übel an dem unsere'Gesellschaft krankt, zu vernichten, sich keiner bessern Erfolge rühmen können als die Versprechungen der Maueraffi- chen. Und dennoch sind in der Nationalökonomie alle Mittel erschöpft, welche die heutige Gesellschaft besitzt, um das Glück ihrer Mitglieder zu machen, ohne sich selbst aufzuheben. Ich nahm zu diesen Bemerkungen Anlaß von der Arbeiterpetition. Die Petitionirenden wünschen, freilich ohne es zu wollen, den armen Negern nur ein noch viel schlimmeres Loos, und die Arbeiter selbst haben von der heutigen Gesellschaft nur auf eine Weise Änderung ihres Looses und Verbesserung zu erwarten, nämlich indem sie sich in den Zustand der alten Sclaven zurückbegeben. Wohl war es ein hartes, ein unwürdiges Loos, welches die alten Sclaven zu tragen hatten. Oft waren sie als freie Menschen geboren und kannten den Werth der Freiheit. Ein unglückliches Ungefähr, eine Laune des Krieges raubte ihnen dieses höchste menschliche Gut. Indessen es war die äußere Gewalt die sie zu Sclaven erniedrigt hatte, glückliche Umstände konnten ihr Loos ändern. Wie ganz anders ist dies heute!. Nicht mit den Waffen in der Hand werden Sclaven erworben, nein, sie müssen sich selbst aubieten; sie müssen sich abarbeiten, schinden und quälen um es nur sein zu dürfen; der frei geborne Mensch muß sich seiner Menschheit entäußern, um nichts als sein elendes thierisches Dasein zn fristen! Er arbeitet, unv je mehr er arbeitet, desto mehr sieht er die Möglichkeit verschwinden auch nur sein nacktes Leben davon zu tragen. Der Neger arbeitet, aber er erhält seinen nothdürftigen Lebensunterhalt, er verhungert nicht. Der Industrie-Sclave arbeitet, aber seine Arbeit schützt ihn nicht vor dem Hungertode. Unter den sechs Millionen Irländern sind stets, nach authentischen Berichten, drei Millionen am Verhungern. Deshalb wünschen die Fabrikherrn auch keineswegs die Selaverei, Peil sie mit sogenannten freien Menschen wohlfeiler produciren können, weil sie die Sclaven füttern müssen, aber die freien Arbeiter verhungern lassen können ! Spätere Zeiten werden Mühe haben unsere Zustände zu begreifen, nachdem einmal das Grundübel gehoben sein wird. Wo dies liegt, das hat Proud- hon zuerst ausgesprochen, und die deutsche Philosophie der neuesten Zeit in größter Allgemeinheit nachgewiesen. Vor der Hand aber, Arbeiter, zwingt die Reichen euch zu Sclaven zu machen, damit ihr nicht vor Elend umkommt! G. Weber. Klagen und Hoffnungen der Prager Weber und Drucker. Der Hunger ist für ein paar Wochen gestillt, die Weber unv Drucker haben die Arbeit wieder ausgenommen, und die Gefangenen hat man bis aus wenige sreigegeben. Die Polizeidirection wollte die Armen vor ihrer Entlassung zur Strafe und Warnuugmit Stockprügeln züchtigen, aver die obersten Militärbehörden sprachen sich gegen solche Grausamkeit aus. Der Bürgermeister beredete sie darauf zur Ordnung und zur Rückkehr an die Arbeit, woraus die Gefangenen erwicdert haben sollen, daß wenn ein solches Wort an sie gleich anfangs gerichtet worden wäre, sie sich demselben gewiß gefügt haben würden. Statt' dessen, sprachen sie, sandte man gegen uns bleiche, kraftlose, halb verhungerte Menschen, Militärmacht aus, ohne daß wir auch nur einen Stock zu unserer Bewaffnung in Händen gehabt. Wir haben uns nicht zusammengerottet, sondern blos deshalb in größerer Zahl unter freiem Himmel versammelt, um unser Elend gemeinschaftlich zu besprechen und über Mittel zu berathen, die gegen unsere Noch am geeignetsten seien. Übrigens ist es nicht so sehr ein erhöhter Lohn, den wir ansprechen, als vielmehr eine menschlichere Behandlung. Wir verdienen im Durchschnitt 14 Fl. W. W. wöchentlich. Obwohl wir mitunter wochenlang ohne Arbeit,'und daher meistens mit Schulden belastet, demungeachtel von dem uns nach Bezahlung derselben verbleibenden Überreste spärlich genug zu leben im Stande wären, so werden uns doch jene 14 Fl. Wochenlang nur selten oder nie zum Vollen ausgezahlt. Sehr oft wird uns unter dem bloßen Vorwände, dieses oder jenes Stück sei verdorben worden, ein bedeutender Abzug, oft bis 6 Fl. W. W. gemacht. Die verdorbene Waare wird von Seite des Fabrikanten doch verkauft, wir aber haben sie umsonst arbeiten müssen. Blos die Fabrik von Przibram macht hierin eine ehrenvolle Ausnahme, hier ist bei jeder Wochenauszahlung entweder der Herr selbst oder der Sohn zugegen. Es kann mithin nicht, wie bei den andern Fabriken, wo der Buchhalter die Auszahlung besorgt, ein Unterschleif stattfinden. Jede Webe, die einen Fehler besitzt, oder jede Farbe, die nicht festhaltig ist, kann von den Druckern in dieser Fabrik zurückgewiesen werden. Wird aber ein in der Webe oder Farbe fehlerhaftes Stück dennoch ausgedruckt, so wird eS auch von dem Herrn gleich den andern bezahlt. Wir bitten und wünschen deshalb, daß auch in den andern Fabriken, so wie in jener von Przibram, ein gleiches Verfahren und eine gleich anständige Behandlung statt finden möge u. s. w. Man versprach ihnen darauf, dafür zu sorgen, daß in Wien die Arbeitspreise festgesetzt, und die Auszahlungen controllirt werden sollten. Arme Arbeiter, wie seid Ihr betrogen ! Wann wäre je ein Zwangscurs durchgesctzt worden, — wann hätten die Reichen nicht Mittel gefunden dergleichen Maaßregeln unwirksam zu machen? Wo in der Welt gibt es eine Regierung, die Euch zn Liebe mit den Reichen bräche, — mit den Reichen, die ihre Stützen sind, die Priester der Götter, die sie selber anbeten, des Geldes und der Macht? Arbeitet nur ruhig weiter; — wenn Ihr das nächste Mal rebel- lirt, nachdem man von Wien aus für Euch gesorgt, und Ihr Euch der kaiserlichen Gnade unwerth gemacht habt, dann seid auf Kartätschen gefaßt, die stillen den Hunger gründlich ! — Deutschland aber läßt keinen Kelch vorübergehen, es muß sie alle austrinken! Zu den vielen Wunden an denen es siecht, mußten noch die kommen, die der Jndustrie-Reichthum schlägt: Hunger, Verkrüppe^ lung und Verzweiflung ! Deutschland hat an seinen Brüsten den Vampir des Feudalismus großgesäugt — und hat noch Gift genug um den jüngern Bruder aufzunähren? erzählt, von welchen Paris wimmelt, daß ich jeden Augenblick das Verschwinden meines Führers fürchtete. Stelle Dir dazu das dichte Gedränge, .das betäubende Wqgengerassel vor, um nicht gerädert zu werden, mußte ich bald links bald rechts ausweichen, und auf den Bürgersteig springenwährend dieser gezwungenen wurs ctk tsre« aber hätte mir der Mann zwanzigmal entfliehen können, Und ach! er trug alle nmm Habe. Mich schaudert noch wenn ich nur an diese Möglichkeit denke, und in der That war ich nicht ruhig bis er endlich an dem Thore — ach nein! nur an der Thüre eines ultra-bescheidenen-Hauses ftillftand. ,,, Nun, da wären wir, junger -Herr. ^ . , Und was bin ich für den Gang schuldig? - ,,Er forderte 30 Sous, da man mir aber scharf einge- prägt hatte in Paris bei allem zu handeln, sagte ich: Nein, lieber Mann, Ihr fordert mir offenbar zu viel; zwei Franken will ich euch geben, und ich denke das ist sche- nerös genug. ' i " „Der Eckensteher sah mich mit einenj"ganz eignen Blicke an, reckte schweigend die Hand hin und nahm das ^ Silberstück.— Blitz! — fing'er endlich ans',^- wenn Sie wollen, mix kgnn's Recht sein. Jetzt trag' ich einmal Ihren Koffer hinein, und Sie mögen stchMt dem Hausherrn selbst arrangiren." „In der Folge habe ich erst erfahren, daß 30 Sous nur r 1^2 Franks sind, und ich also io Sous mehr gegeben als er geködert hatte. Da konnte ich freilich begreifen : warum er sich meinen Vorschlag so willig gefallen ließ.-- . „Sobald ich mit meinem Hauswirthe alles Nöthige berichtigt hatte, legte ich mich sogleich zu Bette, denn ich fühlte mich von der Reise und der abendlichen Reitschule zu Fuß durch die Pariser Straßen zu erschöpft um nur noch einen Schritt machen zu können, und schlief auch tief Und fest bis zum Hellen Morgen. - „Als ich die Augen aufschlug, sah ich zu meinem nicht geringen Erstaunen, in meinem Zimmer, an das Fenster gelehnt, einen langen hagern Mann, mit einem ganzen Kupferbergwerke in seinem Gesichte, der die Augen starr auf mich gerichtet hatte. Unwillkürlich fielen mir die ' Spitzbubengeschichten wieder ein die Mich am Abende vor- ! her so geängstet hatten.2/ - ! > „Da er nicht geneigt schien das Schweigen zuerst zu brechen, richtete ich mich in meinem Bette auf, um ihn zu fragen was er wolle. Auf diese Weise überzeugt daß ich wachte, trat das lange Skelett an mein Bett, und frug entgegen, im hcisern, schnarrenden Tone^ " „Sprechen Sie teutsch? ^ ''' i'- ,,Ja!-—warum, u° „Da holte sich der Unbekannte einen Stuhl, setzte sich vor^mich hin und begann in teutscher Sprache, mit pathetischem Vortrage, eine lange, lange Geschichte von den zahllosen Unglücksfällen die ihn betroffen hätten und nun ' zwangen, um sich und eine zahlreiche Familie zu erhalten, das erbärmliche Geschäft eines Lickrone, zu teutsch Lohnbedienten, zu betreiben, als welcher er mir hiemir seine Dienste anböte. Aber da er für den Tag einen Du- caten, und dazu freie Kost forderte, da ich,während seiner Jammergeschichte eine unerträgliche Emanation von Schnaps bemerkt hatte, so fand ich es gerathen ihm für sein Anerbieten ablehnend zu danken. Mit einem Ausdruck beleidigter Würde nahm er seinen Abschied, nachdem er mir noch einen s Frankenthaler abgeborgt harte, angeblich um seiner kranken Gattin Arznei zu kaufen. „Allsobald machte ich mich nun auf die Jagd nach allen Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt der civilisirten Welt, wie die Franzosen so gerne die ihrige nennen. Ich durchlief alle Plätze uud Straßen, besuchte alle öffentliche Gebäude,» Monumente, Museen und Sammlungen, aber allein immer allein,— da meine Schüchternheit mich stets abhielt irgend eine Verbindung mit den zuvorkommenden Franzosen einzugehen. Das konnte ich nicht länger ertragen und ich entschloß mich endlich Gebrauch von einem Empfehlungsschreiben zu machen, welches man mir in Berlin an einen unserer Landsleute in Paris gegeben hatte, an einen Herrn.Herrmann Leonhard, einen talentvollen Maler der schon seit zehn Jahren hier wohnen sollte. ^ , Gleichheit vor dem Gesetz, und Natur der Strafgesetze. Was geschieht nicht alles um zu besitzen und zu haben, um mehr zu haben und zu besitzen als Andere, um reich und ein großer Eigenthümer zu sein ? Alles was Müschen nur thun können, um zu Reichthum und Macht zu kommen, das thun sie; Alles ohnc> Eine Ausnahme. Die jetzige Staats- einrichtnng kennt zweierlei Arten von Mitteln zum Reichwerden — die erlaubten und die verbotenen. Die erlaubten beschützt sie, die verbotenen straft sie. Zu den erlaubten gehört vor allem der Reichthum und die Macht selbst, das Eigenthum an Sachen und Gedanken, und die Familie, die Contracte aller Art und die Industrie. Der Staat beschützt diese Arten des Reichwerdens, so lange sie in..dein Gewände der Staatstugend, dessen, was Rechtsund Gottesgelehrtheit als öffentliche Moral in Staatsgesetzbüchern predigen, manövriren. Sobald aber irgend eines der erlaubten Mittel nicht mehr in der Form des Staatsdogmas von Tugend und Moral erscheint, dann fällt es in die Reihe der verbotenen und per Staat straft.. Zu diesen verbotenen Mitteln gehören der Diebstahl, der Mord und der Betrug. Daß in der Schändlichkeit des Zweckes des jetzigen Lebens, zudem alle Mittel angewendet werden, auch die Schändlichkeit aller Mittel liegt, das kann und darf der Staat nicht anerkennen ohne sich selbst aufzuheben... Er muß deswegen zum Heuchler werden, und muß alle Menschen und alle Institutionen heuchlerisch machen. Die Industrie, sagt z. B. der Staat, ist ein erlaubtes Mittel zum reich werden. Können die Fabrikherren nur dadurch reich werden, daß sie den Lohn der Arbeiter so Herabdrücken, daß diese zu Hunderten verhungern, so ist das erlaubt; der Fabrikherr hat zwar gemordet, aber nicht in dem Sinne wie die Staatsrechtsgelehrtheit den Begriff von Mord auffaßt. Nimmt dagegen ein armer Lehrjunge, den sein Lehrherr wie ein Vieh mißhandelt, den er hungern und verkrüppeln läßt, in der Verzweifluug einen Hammer und schlägt den grausamen Hund todt, so hat er sich gegen die Staatsmoral, wie sie im Staatsgesetzbuch erscheint, verfehlt, und er wird zum Tode verurthei.lt. Der Fabrikherr wollte schnell und sehr reich werden, es kostete das vielen Menschen das Leben;— der arme Junge wollte seinen ganzen Reichthum, der in seinem Leben und der Gesundheit und Kraft seiner Hände bestand, nur erhalten; den grausamen Lehrherrn rächt der Staat, die Hunderte von todten Arbeitern verfaulen vergessen und ungerächt. Das ist Staatsgerechtigkeit. — Eine Menge Familien haben ihr Geld in Eiseubahnak- tien angelegt. Ein reicher Mann, ein Bankier, verbreitet das Gerücht durch seine Diebshelfer, die sogenannten ^Mäkler, durch Zeitungen u. s.'w.', die ihm alle, durch sein Geld zu Gebote stehen, daß man von der Regierung wahrscheinlich die Erlaubnjß er- chalten werde zu einer zweiten Eisenbahn in derselben Richtung. Die vielen Aktionnäre, 'die die betrügerischen Ausstreuungen für wahr Hallen, sehen vorauf daß durch die Coneurrenz einer zwek- -ild ' . -t > , ' - - ten Eisenbahn zhre, Aktien bedeutend.im Werthe fallen ,müssen sie verkaufen sie darum lieber schon jetzt mit geringerem Verlust. Der reiche Bankier kauft sie aus, läßt die falschen Gerüchte sodann widerrufen, die Aktien steigen natürlich wieder, und er hat sich auf diese Weise viele Tausende erworben. Die Staatsmoral hat dagegen nichts, — er ist nach dem Rechtsgelehrteu-Recht kein Dieb, wenn er auch im Sinne aller Getäuschten ein diebischer Schuft ist. — Eine arme Frau stiehlt aber in einem Hause ein Bettuch, um ihrem Kinde ein Hemd daraus zu machen, oder verkauft es für Brod, — sie ist eine Diebin nach den Buchstaben des Gesetzes, denn sie ist nicht reich genug um mit Anstand, d. h. mit Umgehung der Gesetze, oder doch ohne von ihnen erreichtwerden zu können, zu stehlen. Das ist abermals Staats-Gerechtigkeit. — So ist es grade mit allen Verbrechen : seid nur reich, dann mögt ihr stehlen, betrügen, morden, mögt die Weiber und Töchter der Armen schänden, mögt Gewalt üben an Jedem, der sich Eurem Willen nicht fügt, — Ihr habt ja die Mittel Eure Schlechtigkeiten zu vergolden und zu maskiren —- so daß kein Häscher und Strafrichter sie auffucht; seid Ihr aber arm und unglücklich, dann nehmt Euch zusammen und seid tugendhaft : verhungert lieber mit Euren Weibern und Kindern, ehe Ihr einen Groschen stehlt, laßt Euch bis aufs Blut mißhandeln, ehe Ihr die Hand aufhebt um Euch zu rächen, arbeitet Tag und Nacht wie das Vieh, kauft verpestete verdorbene Speisen für Euer Geld, und beschimpft Eure Betrüger nicht, hütet Euch wohl Euch gemeinschaftlich über die Änderung Eures Schicksals zu berathen, — Ihr seid Canaille, mit Euch macht man „kurzen Prozeß!" Daß Ihr moralisch seid, dafür sorgt der Staat — arm fein und unmoralisch, so mag er wohl mit seinen Pfaffeu und Juristen raisonniren, ist des Unglücks zu viel — sorgen wir dafür, daß die Armen wenigstens tugendhaft sind! — Zu den Verbrechen in ihrer akuten Form treiben die Bedürfnisse und die Leidenschaften. Wer wird ein Verbrechen begehen, wenn er als ein Mensch ohne das leben kann? Wer wird morden aus bloßer Mordgier? Oder wenn er seine Rache auf eine andere humanere Weise befriedigen kann?. Wie selten würde nur der Fall Vorkommen sich rächen zu wollen, wenn die Erziehung eine humanere wäre? Welche Ungereimtheit und Unverschämtheit liegt darin, die Masse des Volkes ohne alle Erziehung zu lassen, ihr aber jene Feinfühligkeit und Delikatesse zuzumuthen mit der sie sich im Verhältniß zu den Reichen benehmen soll? Der Arme soll jeden Lappen respectiren der einem Andern, namentlich einem Reichen gehört (man meint fast die Fetzen selbst erbten die vornehme Natur ihrer Besitzer), während der Reiche ihn zu allen, selbst den schweinischsien Diensten auffordert, seine Menschenwürde, das Beste was er hat, seiner Brust entreißt, und ihn schlechter als seine Hunde fressen läßt! Er soll in den Aufwallungen seines Zornes auch anständig sein — soll sogar nicht betteln, um durch die bloße bittende Gebehrde bei dem Geldmen- schen keine Mißlaune oder Besorgniß für sein Vermögen zu erregen! -^- I Die Strafgesetze sind weiter nichts als die Moral, wie sie das herrschende Staatsprinzip zu seiner Eristenz nöthig hat. Ist das Staatsprinzip ein schlechtes, unmenschliches- so können die Mittel'zu dessen Erhaltung keine hümanen'sem. Das Prinzip der alten FeudaÜtät war die Herrschaft der Lehensherren über Leib und Seele des Pafallen, überden christlichen, den bedürfnißloftn Menschen, — die Moral daran war dieHündische Treue, —^ das Verbrechen — der Treubruch. Das Prinzip des modernen Feudalstaates ist die Herrschaft der Materie, des Geldes, des Eigenthums über den wirklichen, den bedürftigen, den humanen Menschen. Die heutige Moral heißt Achtung des Eigenthums in der^Hand derer, die es haben; das heutige Verbrechen Diebstahl. Die Gleichheit vor dem Gesetze besteht daher darin, daß auch der Reiche, wenn er stiehlt und bettelt, und betrügt und mordet, vor die Gerichte gestellt wird. Der Reiche weiß sich nur so einzurichten, daß seine Mordthaten und Gaunerstreiche nicht als unmoralisch, d. h. nicht als strafbar angesehen werden . Die Moralität oder das Wesen des Gesetzes besteht darin, daß jede Befriedigung eines menschlichen Bedürfnisses oder einer menschlichen Leidenschaft daun ein öffentliches Laster ist, wenn sie der Arme in der seiner Lage und seiner Bildung entsprechenden Weise vornimmt, oder sich überhaupt am Staatsgötzen, dem Mammon, versündigt. Wird daher der Arme reich, so darf er ein Schuft sein; wird der Reiche arm, so ist. schon seine Armuth ein Verbrechen. Eine verloren - gegangene Correspondenz für die nächste Nummer d^r Leipziger ,«D. Ällg. Zeitung" von Brockhaus, aufgefundcn von V. Weilt. Aus dem Nichtnorddeutschen Süddeutschland. Den 17. März 1835. Wenn man nicht.ganz von den Partheien und ihrem Getreide geblendet, seine Blicke in dem deutschen Vaterland Herumschweifen läßt, so dürfte man allenthalben conflictartige Reibungen wahrnehmen, die denn doch beweisen möchten, daß die Politik der christlichen Staaten, wenn auch nicht Alles, doch noch Vieles zu wünschen übrig läßt. Wir sind weit entfernt die Befürchtungen der Jetztzeit zu theilen, wir haben Vertrauen auf das Deutsche Volk und seine Geschichte; und auch die Presse, in sofern sie das Vergangene der Vergangenheit, das Gegenwärtige der Gegenwart und das Zukünftige der Zukunft anheimstellt, trägt ihr Scharflein zn dem Gedeihen des geistigen Volksseins , bei. Zwar dürfte das neueste Verbot das Gustav-Adolph-Vereins in Baiern uns zum Denken Anlaß geben; auch möchte man nicht geneigt sein, schon zu glauben, als habe die päpstlich-jesuitische Parthei ganz ihr Spiel aufgegeben; vielmehr könnte man das Gegentheil nach so vielen Anzeichen behaupten. Dennoch haben wir festes Vertrauen auf den erlauchten Geist unserer erleuchteten Fürsten, namentlich hat der das Wohl Deutschlands und namentlich Preußens wollende König Friedrich Wilhelm, durch seinen Schutz, den er offiziell dem Gustäv-Adolph-Verein angedeihen läßt, bewiesen, daß, weit entfernt, demagogische Umtriebe im Busen zu bergen, dieser Verein nur ein evangelisch-christlicher, der/wenn er auch einerseits eine politische Seite aufweisen könnte, andererfeits aber mehr rein religiös, d. h. evangelisch sei... Freilich ließe sich hier die Frage aufwerfen, ob überhaupt in einem Staate es eine bloß religiöse, d. h. evangelische Frage gibt? Die Geschichte sagt nein, aber unsere Zeit ist eine Zeit der Versöhnung und des mildernden Staatsprinzipö, und obschon man ihre Zeichen nicht greifen kann, so liegt doch in ihr der Keim einer neuen Phase, die wichtiger sein dürfte, als der gewöhnliche Alltagsmensch glauben möchte, Deßwegen wollen wir keineswegs den Entschluß des baierischen Herrschers und Dichters tadeln; doch befürchten wir, daß in seinem Lande-eine. gewisse Finsterlingsparthei aufs dien das Haupt erheben möchte, ja wir würden noch mehr befürchten, wenn wir noch weniger vollkommenes Vertrauen auf das deutsche Volk und seine.erlauchten Fürsten besäßen./Die Geschichte bleibh GMichte und., ejn Volk kann nicht umhin sie als das Kleinod seuler Väter treu zu bewahren. Das ist'uusere feste Zuversicht und unsere heilige Überzeugung.' Der Gustäv- Adolph-Verein wird nicht darunter leiden. Nedacteur: Heinrich Äörnstei ni ' --- ^ ^ . . .» -^ Druck mit Schnellpressen von Paul N enouarrz Paris, 1844 Nr Zs». Abonnements - Preise r lil rn Paris : r/. n.^ Ejn Jahr. . , . .24 Francs. Sechs Monate. ... 4L „ Drei Monate. ... 8 ,, Auswärts: ' Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 48 „ /»j'.' Drei Monats. . < . S .un.ll'IilP -ui . _ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. (Mittwoch) !5 . . . Man nbonnirt r ' -F fü^Paris-rv -- Ml R'irosu centrat xoi»r railsiustzo», rue ct<-s üllonlin«, 32, und, in der Buchhandl. von I äkule» Dl,vr>k>ULrk1 et 0^, pu« cltz lolWtlOll, 6 ; . iir den Departements r bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, Englands in allen Buchhandlungen; Belgien,:. bei den A^ffagerieN; Nord-Amerika: bei den Herren Eichtha! und Bernhard,. Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. '' Erscheint Mitwoch und Sonnabends. äriter Deutsche Zeitschrift. - .. - Hi (S4. Juli.) Vertheidigung der Preußischen Politik. ... ^ Van -einem Pr-eustsv. ^ Es ist allgemein zur üblen Gewohnheit geworden, den Preußischen Staat und seine Politikanzü- greisett: mm Macht sich lustig über den König; man hält feine Minister sür unwissend und beschränkt; man sagt däs band' sei' ausgesogen, dir Armee verweichlicht, die Offiziere latlter Kadetten, der Schatz m Kindereien verzettelt, die Wissenschaft verhöhnt und entmuthigt, der Pietismus dagegen und die Heuchelei provocirt und begünstigt; man benutzt die Unzufriedenheit am Rhein, die Unruhen in Schlesien und den Zorn dep-ost-preußischen Patrioten,-um das gegenwärtige System- zu vennH glünpfen. Alles dies ist eben so böswillig als unbegründete Pmrßen wird verkannt; und „wenn emL mal der König Friedrich Wilhelm IV. über den Rhein geht, so wird er eine Großmacht zerstören." Der König ist in Preußen die Politik. Wer ist der König? Friedrich Wilhelm IV. , ein umgekehrter Odysseus, ist kleiner wenn er sitzt- er ist sehr hochgespalten. Seine Wohlbeleibtheit macht daher einen imposanten Eindruck. Man sollte nun denken, Se-. Maj. müsse gut zu Pferde sitzen- Das ist aber bekanntlich nicht der Fall, im Gegentheil, der König hat kein Gemüth fürs Pferd und kein Geschick sür den gespaltenen Sitz : er würde den Damensattel vorziehn, wenn es die Landessitte erlaubte? Sem Gesicht ist durch die' neben Thaler zur öffentlichest KeNntniffgelaligt. Er ist nicht geistreich- was anch nicht nöthig ist, aber klüger und heiterer als das Gesicht seines Vaters. Die Stütznase allerdings'ist weniger königlich' und die spärlichen Haate vedrcr- then eine etwas verspätete Thronbesteigung. Die Heiterkeit, der Witz und'das rordate Weseü, hat darunter indessen nicht gelitten ^ unv-'es ist-jedenfalls übertrieben, wenn man meint, dev' König tränke etwas mehr Champagner- damit der Ruf seiner Laune und seines Geistes' mcht geschwächt würde. Im Gegentheil. Die -Freuden der Tafel und des Lurus, die man linkischer- Weise mit dem Hunger und Elendder Schlesier in Eontrast setzt, sind nur darum nach seinem Geschmack, weil er ein sinnlich heiterer Mann, ein vortheilhafter Gegensatz zu seinem finstern Vater ist. In seiner Jugend wurde er von der Historisch-Patriotischen Schule geleitet Diese würdigen Männer, unter denen Lancizölle und Amillon, dachten anders vvn der deutschen Treue und von dem göttlichen unumschränkten Recht elms deutschen Königs, als die Revolutionärs, die dies «Vekhältniß der zartesten Gegenseitigkeit als Despotismus verschreien. Aber-die königlichen-Er- zieher Waren Saue-rtöpse und der König liebt, wenn auch fromme, doch dicke und heitre Leute, wie Herrn Äu usen, oderauch dünne und geniale Personen, die eben so schalkhaft als fromm sind- wie Herrn Thol uck-; weniger angenehm findet er die Puritaner ohne Witz und voller Mißbehagen, die H ass eupslng, die Gerlach und H e ng st-e n s berg. Die Liebezur Frömmigkeit hindert dem König nicht ein Weltmann und ein Lebemann zu sein; Ludwig der XI V. und Karl der I. schweben ihmvor, und vergebens '.sucht inan ihn mit dem Ende Karls I. zu schrecken. Er weiß, daß der Protestantismus keine Fanatiker und Deutschland keine Revolution mehr, zu erzeugen fähig ist. Er ist: hierin weniger.kühn, als aufgeklärte Deßhalb hat er es zwar kein Hehl; Paß er katholisch denkt, aber erfindet es überflüssig den Protestantismus abzulegen. Auch darf man es lediglichdem Willen seines starrer: - Vaterö'^zuschreiben/ daß die Königin- , seine Gemahlin, damals, zum Protestantismus übertrat. Ihren Glauben kam: diese. Feierlichkeit nicht geändert haben. Sie ist^eine Christin, der. König.ein Christ. Die Menschen urtheilen immer nach Äußerlichkeiten. „Die Königin hinkt, der König trinkt" haben die Berliner gewitzelt. Beides ist wahr, aber Beides muß nicht gedeutet werden.: Ihrer wesentlichen Qualität, dem Christenthum, that es keinen Eintrag. Die Königin ist eine ergebne etwas angegriffene Christin, Christin ist sie und darum nur um so mehr: der König ist ein heiterer, ein Lebe- Feuilleton des Vorworts. Erleuchtung. ^ Michel! fallen dir die Schuppen ' . Von den Augen? Merkst du itzt, Daß man dir die beßten Suppen Vor dem Maule wegstibitzt? AlS Ersatz ward dir versprochen Reinverklärte Himmelsfreud' ... Droben, wo die Engel kochen . , Ohne Fleisch die Seligkeit! Michels wird dein Glaube schrvächer ^ Oder stärker d ein App'tkt? - Du ergreifst-dm Lebensbecher - Und du singst rin Heidenlied! - Mrchel! fürchte nichts und labe Schon hienieden deinen Wanst, ^, y Später liegen wir im Grabe . ' Wo du still verdauen kannst. ' ' Heinrich Herne. -n - Es fei denn — ^ ' . 1 . Deutsche Blätter melde»,,daßder Berliner Hof die Verhaftung d'eS Dr. Karl '. . Marr befohlen habe- Der Kaiser von China entbrannte Vor Zorn in seinem Gemüth — Weit etwa Kartoffeln man brannte Statt Korn in seinem Gebiet? l . -'ü. O nein ! Ganz andere Sorgen - .. Umfloren sein kaiserlich Haupt, .. - Und haben die Nacht bis zum Morgen Allerhöchst seinen Schlaf ihm geraubt. „Diö rohen Barbaren erschüttern ^ ,,Ünehrerbietig und frech ! ^ -,^)e's Volkes Glauben und Zittern! > ' " b ' „Mich ? Götter ! streiten sie weg! „Die weisesten Mandarinen, - ^ „Die ries ich an meinen Hof,. „Als Führer dem Volke zu dienen — ,, - „Derweil ich, mich etwas besoff. . „Doch als ich erwache, da sehe ^ ' „Ich rings die Barbaren vermehrt ! . - « „Der Mandarinen dreifaches Wehs - " >:- „Hat sie nicht abgewehrt. „Da sanfte Mittel nicht fruchten, Es bekümmert mein väterlich Herz, — , ,Sv vertilgen ww setzt du.' Verruchten „Mit der Schneide unseres Schwerts. ,,Und brechen wir unser Schweigen, „Und befehlen im ganzen Reich „Sämmtlichen Behörden höchsteigen, „Die Barbaren zu sahen sogleich." - . ' ^ . u:. . ... Was kann die Bgrbaren nun retten? . ^ ^ , „Es sagt ein altes Gerüchts , .... Es sestdenn, daß sie ihn hätten, Sonst hängen die Nürnberger nicht. , G. Weber. Der Preuße Ln Paris. r? / tz.--. dl: ^ , Mach re^m Fxauzxsischen des. in dem Werkes LLs ÜrÜ^OLIi8 .. /' „Ich gestehe Dlv, lieber Freund, daß es mich Überwindung kostete diesen ersten Besuch abzuftatken, aber ich hatte keine Ursache^ihn m der Folge zu bereuen, denn hätte ich nicht die Bekanntschaft des trefflichen HerrMann gemacht, so hätte Mast buch auf mich mit dem besten Rechte das bekannte Liedchen anwendeü"können : ... . . „Er flog als Gänschen über'n Rhein ^ - Und kam als Gäns'rich wieder heim." „Eines Morgens a lso nahm ich das Herz in beide Hände und steuerte nach der rue Naänms, wo der Maler wohnte. An dem Hause angekommen, welches schon eine lockende, stattliche Außenseite hatte, wies mich der Thürsteher nach 2 ^ christ ; Christ beibt er darum nicht weniger. Diese Ehe selbst- LWvollkommen christliches, ein rein spirituelles Verhältnis hatte daher von vornherein keine irdischen Zwecke; übersehn konnte man alles Körperliche, und lediglich die religiöse Weihe und Glaubensvollkommenheit ins Auge fassen. Durch seine Mne Ehe mußte der König auf die Ehe- Reform verfallen. Der König hat es aber vergebens versucht, alle andere Ehen im Lande nach der seini- gen einzurichteu; nicht einmal etwas christlicher scheißen die „ Ehen der Preußen werden zu wollen, geschweige denn ganz spirituell. Der König hat eben so, wie die Ehe-Reform, fast alle andere Reformen vergebens versucht, was am besten beweis't, daß er kein Tyrann ist. Die finstern Christen wollten englische Sonntage; Wisocki läßt nach wie vor sein Tanzvergnügendes Sonntags feiern. Die Christen wollten die grausamen und strengen Strafen, namentlich die qualificirten Todesstrafen, wieder eiu- führen. Man hat es nicht weiter gebracht, als daß einige Mörder gerädert worden sind. Der Scandal mit dem neuen Strafgesetzbuch ist bekannt, der König dachte damit den Anfang der Abolition französischer anti-nationaler Gesetzgebung und Verfassung in der Rheinprovinz zu machen. Die rheinischen Stände haben den Plan wenn nicht vereitelt, doch seine Ausführung erschwert. Der König wollte den Adel stärken, seine Majorate finden keinen An- klang.. Er wollte die anglikanische Kirchenverfasr sung, man widersetzte sich; er gründete das Bisthum in Jerusalem, man verhöhnt es; er stiftet den Schwanenorden, man vergißt ihn; er tritt an die Spitze des Gustav-Adolph-Vereins, man verläßt ihn. So ist der König. Voll guter Intentionen und schöner Pläne; aber es unterstützt ihn niemand, man begreift ihn nicht oder man will ihn nicht begreifen; und mit welcher Geduld und Freundlichkeit erträgt er.alle diese Widersetzlichkeit! Hat er Schel- ling gestraft, weil er sich lächerlich gemacht? Hst er Tieck verjagt, weil er keinen Glanz, Rücke rt weil er keine Weisheit verbreitet, Hävernick weil er keine und Stahl weil er nur scharrende Zuhörer bekam? Im Gegentheil, er hat diese Männer durch Geschenke getröstet. Der König unterscheidet die gutwillige und böswillige Hemmung seiner einer sehr niedlichen Wohnung im dritten Stockwerke, die mit Anstand,und Geschmack meublirt war, und in der jene liebenswürdige Unordnung vorherrschte, wie man sie nur in Künstlerwohnungen findet, die aber, wenigstens für mich, einen ganz eignen Reiz hat. ,,Nachdem ich in das Empfangszimmer getreten war, sah ich einen noch jungen Mann mir entgegenkvmmen, mit blonden, kurz verschnittenen Haaren (man nennt das hier ä ls msl-eontent), dagegen rahmte ein reicher Bart das schöne geistreiche Gesicht mit kühn hervorspringenden Zügen. r.''' 2 - ' „Nachdem er den Brief unseres gemeinschaftlichen Freundes überflogen hatte, sagte er mir mit einem herzlichen Händedrucke: „—Meinlieber Herr Landsmann, es freut mich innig Sie bei mir zu sehen. — Das Begegnen eines Landsmannes thut immer wohl. — Kann ich Ihnen irgendwo gefällig sein, — sprechen. Sie frei heraus, und Sie sollen mich stets bereit finden Ihnen zu dienen." Uein Herr ! entgegnete ich, ich danke Ihnen für das freundliche Anerbieten; — was mich zu Ihnen führte war eben die Sehnsucht, ein — ich möchte sagen, verwandtes Gesicht aus der lieben Heimath zu sehen. Seit acht Tagen bin ich nun in Paris, von Fremden umgeben, ohne eine Seele zu finden, der ich mich hätte mittheilen und von meinen Eindrücken und Empfindungen sprechen können. — Diese Verlassenheit drückte und erAbstchten. Es wurden daher nur die böswilligen Widersetzlichkeiten an Docenten und Schriftstellern gestraft. Die „gute Presse," die jetzt ihre Opposition mit besserem Gewissen, als früher die schlechte machen darf, beweis't unsere Auffassung. Die gelungenen Pläne des Königs beweisen eben so sehr seine umfassende als die mißlungenen seine milde Politik. Welches sind nun seine gelungenen Pläne? Der Köllner Dom, obgleich er noch nicht fertig ist, kann ein gelungener Plan genannt werden, denn der Plan besteht nicht darin, daß der Dom fertig, sondern darin, daß an dem Dom gebaut und das Volk erbaut wird, eben so die Wiederherstellung Arndts und des Patriotismus ist eine Thatsache, sodann, und dies ist von eingreifender Wichtigkeit, die ritterlichen Helme der Soldaten und die Turnübungen auf der Häsen Heide erwecken zwei große Erinnerungen : Ritterthum und Deutschthum. Nicht minder- wichtig und eben so gelungen ist die Wiederherstellung des Christeuthums. Gelungen ist dies Unternehmen, denn die Minister Thiele, Stollberg, Eichhorn, Arnim sind notorisch fromm, Roch ow, ein Schalk, ist.es zwar nur so weit als nö- thig und Bode (schwing nur aus altdeutscher Bravheit so im Händedruck, Mühler gar nicht und Kampf glaubt nicht an den Teufel : aber Savigny macht alles wieder gut, er ist das einzige Renommee, die andern sind obscur, und ec trägt sich sogap ü> 1a ^ösus-Oärist. Es gibt 16 Minister und eine mehr als verhältnißmäßige Menge Räthe; also jedenfalls mehr als 12 Apostel d.es neuen Glaubens.. Diese Reform ist also als gelungen zu betrachten; und man muß sich nur wundern, daß die Welt das Wort Frömmigkeit nicht über die Lippen bringt, ohne von Heuchelei zu reden. ÜbrL? gens ist es voreilig den König selbst fromm zu nennen. Er liebt nur die Frömmigkeit, wie der Philosoph die Weisheit liebt. Dies Mißverständniß schreibt sich daher, daß die Menschen sich nicht klar machen, was mit der Frömmigkeit gesagt ist. Wer ist fromm? Die guten Kinder und die guten Frauen, sie denen die Pietät gegen uns zukommt. (Das Wort Pietismus ist daher mit Unrecht so verrufen). Wer kann nun verlangen, daß der König fromm sim solle? Nur die Republikaner oder gar die So- drückte mich, und somit nahm ich mir die Freiheit — — „Wohlgethan! — Um nähere Bekanntschaft zu machen. nehmen Sie für's Erste bei mir ein Frühstück, ohne alle Umstände, an, und dann wollen wir darauf bedacht sein, Sie zu zerstreuen, denn Sie müssen es müde sein, so allein herumzuspahiercn. Es gibt in der That nichts langweiligeres. „Er führte mich hierauf in einen allerliebsten kleinen Salon, bot mir eine Cigarre an, indem er selbst eine angesteckt, und erst als wir uns auf einem bequemen Divan gelagert hatten, frug er nach Berlin und seinen dortigen Freunden. — Ich war eben im besten Zuge von der Wiederbelebung des griechischen Schauspieles in der preußischen Hauptstadt zu erzählen, 'als, ohne vorheriges Pochen, die Thüre aufflog, und eine junge, hübsche Blondine hereintrippelte, einfach, aber mit einem Geschmacke gekleidet, wie ihn unsre schönen Landsmänninnen wohl nie nachzuahmen vermögen; sie ging, ohne mich zu bemerken, wie es schien, auf meinen neuen Freund zu, den sie herzlich umarmte und küßte. —Ich sprang vom Sopha auf, und fragte Leonhard, indem ich mich tief gegen die Dame verneigte: „Habe ich die Ehre Ihre Frau Gemahlin zu begrüßen— Ich sah wohl, daß das Frauenzimmerchen nur mit Mühe ein lautes Lachen unterdrückte, und Leonhard antwortete ebenfalls lächelnd) „Nicht so ganz,— aber es gilt gleichviel." '„Ich wurde roth bis zum Scheitel, denn ich fühlte, cislisten können träumen, daß unsre politischen Väter die Gesinnung guter Kinder annehmen ünd den mystischen Codrus historisch mgchen sollen, indem alle Landesväter, Landeskrnder würden. Darum ist der König nicht-fromm,-aber >r ist ein Freund der Frömmigkeit.'Versteht sich, W er die Heuchelei haßt, und darum die Hegelianer, die ohne alle Pietät dennoch Frömmigkeit vorKben, verfolgt; aber wie milde verfolgt er sie! er läßt sie aussterben und übergehn. . . . , on i-, Zu den gelungenen Plänen gehört die Reise nach St.-Petersburg. Man faßte im Publikum die erste Rückkehr als Me Entfremdung Preußens und Rußlands aus, eine Stimmung die damals noch sehr wünschenswerth war. Als der Prinz Karl, der es wohlfeil hat verwegen zu sein, die Verleihung des Johanniterordens an mehrere verhaßte Personen verlangte, sagte der König : „Warte bis ich erst fester im Sattel sitze;" und der König hörte nicht auf die Antwort ': „Ew. Majestät sitzen in einem deutschen Sattel," er verschob die Verleihung bis nach der ruffischen Reise. Auch die englische Reise gelang. Die „Times" ließ sich ungeschickt vernehmen und Lord Brougham rieth dem König eine Constitution zu gehen; die deutschen Zeitungen hoben dagegen-, hervor, y)ie der König mit Miß Frey zusammen in ,der Kapelle der Gefangenen gekniet hatte,.«unbeschrieben sie die heilige, Handlung der Taufe ; und es wird Niemand lüugnen,, daß die Reise einen erbaulichen Eindruck im Lande hinterließ.., ^ . ..n -< Die Reisen nach Schlesien haben ebenfalls ein Resultat gehabt. Wenn auch die Noth der niedern Classen und der Fabrikdistricte durch sie nicht gehoben werden konnte, so wurde.es doch die Frömmigkeit, außerdem daß die Verfassungsfrage in Breslau durch das Gastmahl in dieser Stadt ihre Lösung erhielt. Der König zankte nicht, er aß mit seinen getreuen Breslauern; der König discutirte nicht die Hungersnoth mit den Webern, er betete auch hier mit den Damen. In der Nähe von Warm- brunn starb ein alter Edelmann. Der König kniete mit seiner Frau am Sterbebette und betete mit ihr für seine Seele. Auch begleitete er den Todten zu Grabe und schlug einem Bauerjungen die Mütze daß meine Frage sehr indiscret war. Der Künstler war eine morganatische Ehe eingcgangen, oder — wie man in Paris zu sagen pflegt: hatte sich im dreizehnten Arrondissement vermählt, (Paris hat nur zwölf Arrondissements oder Mairien.) „Leonhard, der meine grenzenlose Verlegenheit sah, machte ihr großmüthig ein Ende, indem er mit einem Gleichmuthe, als verstünde sich alles von selbst, zu der Blondine sagte: Liebes Kind! dieser Herr hier ist ein werther Landsmann, Baron Friedrich von Ehrenfels, den ich dir hiemit vorstelle, und der uns die Ehre erweisen will, mit uns zu frühstücken. „Sie verbeugte sich gegen mich mit unendlicher Grazie, und ich spielte die einfältigste Nolle- ich hätte ihr so gerne etwas artiges, verbindliches, geistreiches gesagt, aber meine widerhaarige Phantasie blies mir auch nicht das ärmste Wörtchen ein- — Leonhard erbarmte sich meiner abermals: — „Du siehst, lieb Liebchen, Monsieur Frödäric, — (es ist hier so gewöhnlich, im pertrautern Umgänge nur den Taufnamen zu gebrauchen, als in Italien, Spanien, England u. s. w., wo einDon Namiro, oder Carlos, ein Sir Robert oder John rc. glücklich über die verzweifelten Titel und oft schwierigen Familien-Namen weghelfen),- — Monsieur Fredöric ist noch etwas schüchtern; das ist der gewöhnliche Feblex fast aller meiner Landsleutein- 3 vom Kopf, als er an ihm vorbeikam, ohne sie abzuziehen. Man sagt, es sei der einzige Junge gewesen, der eine Mütze gehabt, und der mit seinem Lurus den lebhaften König und den todten Edelmann grade zu ehren gedacht hätte. Aber man em- ! Pfand doch allgemein das umfassende Interesse Seiner , Majestät; und wenn die Unruhen so schnell wieder gedämpft sind, so darf man dies vem Saamen der Frömmigkeit und der. Ehrerbietung zuschreiben, den der König in Warmbrunn damals eigenhändig j ausgestreut. Das sind die erfolgreichen Reisen des Königs. Um so mehr muß man es bedauern, daß Seine Majestät nicht an den Rhein gekommen sind, ohne Zweifel hätten die Widersetzlichkeiten in > Köln und Düsseldorf alsdann gar nicht statt gefunden. ^ , Weniger wichtig sind die Jagdreisen nach Hannover und in den Harz. Der König hatte dabei, außer dem Vergnügen, den Zweck durch seine Pu- pularität den König von Hannover zu heben. Man traf sich,gewöhnlich auf der Burg des Grafen von Asseburg (ursprünglich Asburg, von den Äsen der nordischen Mythologie), welche vollkommen wieder hergestellt ist und früher als die Wartburg ein vollendetes Denkmal der alten Zeit darbietet. Die Herrn pflegten sämmtlich das alte ritterliche Jagdkostüm zu nehmen, und nach einer Pause von Jahrhunderten hörte das Echo des Mägdesprungs zum ersten Mal wieder das alte Hussa und Holla. Die Harzbewohner unterstützten eifrig diese Jagden, um so viel Schweine als möglich ins Verderben zu stürzen und ihre Kartoffelernte ein wenig dadurch zu sichern. Aber bei alle dem hat der Cy- nismus des Königs von Hannover im Harz wenigstens den Zweck des Königs von Preußen vereitelt. Die Bauern haben gemeint, wenn Seine Majestät auch alle Schweine im Harz erlegte und j die Schweine in Hannover übrig ließe, so wäre ihnen wenig geholfen. (Schluß im nächsten Blatte.) Eine Eriminalprozedur. Eduard Donou-Cadot war beschuldigt einem Schlosser, Namens Rousselet, den Vorschlag gemacht zu haben seinen alten sechzigjährigen Vater zu ermorden, damit er bälder in den Besitz von dessen I Vermögen käme und von einem reichen Nebenbuhler befreit würde. Er sollte den Rousselet für 100000 Franken zu dem Morde gedungen haben, dessen sich Letzterer auch eingestandener Maaßen schuldig machte. Rousselet wird von der offiziellen Jury schuldig befunden, und zu lebenslänglicher Zwangsarbeitsstrafe verurtheilt; den Eduard To- non-Cadot dagegen erklärt die Jury für unschuldig, und er wird freigesprochen. Humanes Urtheil. In Erwägnung erstens, was Donon-Cadot angeht, daß dieser eine ganz verkehrte Erziehung erhielt, und daß für seinen Charakter und sein Temperament der gewöhnliche Studierschlendrian höchst unzweckmäßig war, und also nicht anschlagen konnte; In Erwägung, daß Liebe, zu wem es auch sei, nicht erzwungen werden kann, sondern ein freier fortgesetzter Akt der Sympathie ist; daß sogar die Dankbarkeit, die man den Eltern in der Regel zollt, keine unter allen Umständen nothwendige Eigenschaft eines Kindes ist, und daß man für den Akt der Zeugung und der Geburt allein, Niemanden Dank schuldig ist z In Erwägung, daß Eduard Donon-Cadot in einem Alter stund, in welchem die Abhängigkeit von seinem Vater, den er dazu nicht liebte, ein widernatürlicher unerträglicher Zustand war; daß also die väterliche Gewalt auf eine unvernünftige inhumane Weise ausgedehnt gewesen ist; In Erwägung, daß der Vater Donon-Cadot ausschließlicher Eigenthümer eines großen Vermögens war; daß das Eigenthum und dessen ausschließliche Natur an sich schon eine anti-sociale Institution ist, in den Händen eines Mannes, wie Donon-Cadot Vater, aber noch viel mehr als ein gehässiges Monopol erschien; In Erwägung, daß nach der Constitution der jetzigen Familie, der Sohn entweder als zum Vermögen des Vaters mitgehörend, oder als Miteigen thüm er dieses Vermögens anzusehen ist, daß aber beide Bestimmungen unvernünftig sind;— daß Eduard Donon-Cadot so selbstständig war, um nicht mehr als Eigenthumsappendir angesehen werden zu können, daß ihn aber dennoch sein Vater von der Mit-Disposition über sein Vermögen fortwährend ausschloß, wie dies in den meisten Familien geschieht; In Erwägung, daß Eduard in ein junges Dienstmädchen im Hause, Namens Carolina Merandon, verliebt war, und daß Letztere als junges Mädchen nur deßhalb mit dem alten abgelebten Vater einen vertrauten Umgang haben konnte, weil dieser sie reichlich dafür zu bezahlen im Falle war, und diese in ihrer Armuth dem Gelde einen hohen Werth beilegen mußte; daß das Verhältniß Eduards mit der Carolina als ein natürliches, deren Verhältniß mit dem alten Manne aber als ein widersinniges, gehässiges, ekles und unfreies erscheint; In Erwägung, daß die menschlichen Leidenschaften durch die inhumanen anti-socialen Einrichtungen und Vorurtheile sich aus eine unnatürliche Weise entwickeln müssen, und daß sie trotz allem äußern Zwang sich doch nie nach den Vorschriften der Staats-, Juristen- und Theologen-Moral und den hierauf basirten Strafgesetzen richten; Daß in einer vernünftigen auf Humanität gebauten Gesellschaft ein Conflikt in der Person einer Geliebten zwischen Vater und Sohn unmöglich ist, da die Unabhängigkeit des Individuums vom Privateigenthum und dein Gelve, so wie die Möglichkeit der normalen Befriedigung der menschlichen Triebe vorausgesetzt, ein junges Mädchen grade wahnsinnig oder krankhaft constituirt sein müßte, wenn es den geschlechtlichen Umgang mit einem Greise, dem eines Jünglings vorzöge; Daß also ohne die Voraussetzung aller Gebrechen der jetzigen Gesellschaft: des Privateigenthums, der schlechten Familieneinrichtung und der zur Regel gewordenen Prostitution oder Käuflichkeit der Liebe der Fall der Complizität des Eduard Donon-Cadot gar nicht denkbar ist; In Erwägung, daß daher die heutige Gesellschaft mit ihren unhumanen Voraussetzungen das leidenschaftliche Individuum entweder zum eigenen Untergänge (Morde, Selbstmorde), oder zum Verbrechen zwingen muß; , Daß aber der Heroismus, den Kampf mit der Unmenschlichkeit der ganzen Gesellschaft bis zum eigenen Untergange zu bestehen nicht von jedem Menschen gefordert oder vorausgesetzt werden kann; Daß jedoch der Mangel an diesem Heroismus, sobald er zur Tücke und Hinterlist, oder Feigheit wird, nichts desto weniger verächtlich ist, Eduard Donon-Cadot dagegen, wenn seine Mitschuld bewiesenwäre, der eigenen thätlich erprobten Anhänglichkeit an die verwerflichen Prinzipien der jetzigen Gesellschaft als Opfer gefallen sein würde; In Erwägung, daß die Jury, das gesetzmäßige Organ der jetzigen perversen Gesellschaft, diesen Fall nicht angenommen hat, und demnach den Eduard Donon-Cadot frei sprach; Daß die Jury jedoch kein Mittel hat den nunmehr von Staats- und Rechtswegen als unschuldig zu betrachtenden Menschen auch in den Gedanken des Volkes, vor dem ihn die Justiz des Vatermordes beschuldigte, von allem Verdachte zu reinigen, und ihn vor den nicht verdienten Folgen der vom Staat an ihm begangenen Grausamkeit zu schützen; dessen wollen wir ihn schon davon heilen. Jetzt aber zu Tische! ,,Ermuthigt durch das ungezwungene Benehmen und das behagliche „Sich gehen lassen" des Malers, so himmelweit verschieden von der steifen Ängstlichkeit uud der lächerlichen Förmlichkeit, welche noch in unfern Berliner Eirkeln vorherrschen, warf ich auch einen guten Theil meiner linkischen Spießbürgerlichkeit über Bord, und das Frühstück war noch lange nicht zu Ende, als wir schon eine dauernde, unverbrüchliche Freundschaft geknüpft und beschworen hatten. „Seit diesem Augenblicke verließ ich nicht mehr Leonhards Wohnung und Gesellschaft, als um nach Hause schlafen zu gehen. Je öfter ich ihn sah, um so inniger knüpfte sich unser Bund. Die Freundschaft, welche er mir bezeugte, die zuvorkommende Sorgfalt seiner allerliebsten Gefährtin, Alles, selbst die scherzhafte Weise in welche der Künstler seine Lebensregeln und Warnungen zu kleiden wußte, flößten mir für ihn eine Art von Enthusiasmus ein, den ich früher gar nicht gekannt hatte. Jedes seiner Worte galt mir als ein Orakel, und ich glaube, wenn er von mir Las Attertollste gefordert hätte, es würde mir ganz natürlich und nothwendig erschienen sein. „—Lieber Friedrich, sagte er zu mir eines Tages, ich will mich nicht selbst rühmen, aber ich darf mir schmeicheln, daß ich Ihnen schon viel von der Unbehülflichkeit abgeschliffen, Sie schon von vielen der Vorurtheile geheilt habe, welche dem Ausländer oder dem Provinzialbewohner eine ganz eigene, erstickende Atmosphäre schaffen; aber, glauben Sie mir, nichts vollendet schneller und glänzender die Erziehung eines jungen Mannes, als der Umgang mit einem geliebten Weibe. Ich halte dies mit Recht für den Gipfel des Glückes. Diese Geschöpfe allein können den Typus der Vollkommenheit verleihen, welchen alle Reisen in die bekannten fünf Welttheile, und das Hospitiren bei allen möglichen Gelehrten nicht zu geben vermögen. Deßhalb habe ich beschlossen Sie einer meiner Freundinnen vorzuftellen. Sie hat sich der Kunst geweiht, wie ich, besitzt Geist für zehne, den Anstand einer Pfalzgräfin, die Herzensgüte eines Engels, und alle Bosheit eines — Frauenzimmers. Haben Sie nur das Glück ihr nicht zu mißfallen, so finden Sie an ihr einen Erzieher, wie Ihre eigene Mutter Ihnen nie hätte einen bessern wünschen können. „Zwei Tage später stellte mich Freund Leonhard der Dame Lanoue vor, und — vH! wie tief fand ich Alles was er mir von ihr gesagt hatte, unter der Wahrheit! Ich hoffe, Du wirft es nicht ohne Interesse finden, wenn ich Dir hier ihr Bild entwerfe; Du bist es ja von unser» teutschen Romanen her gewöhnt, solche Beschreibungen ohne Ende zu lesen, und diese hier hat wenigstens das Verdienst voraus, kein Hirngespinnft des Malers oder Dichters zu sein, sondern treues Porträt. „Stelle Dir also eine Frau von dreißig Jahren vor, (ich weiß nicht warum die Franzosen sich so sehr über Herrn von Balzac, einen ihrer besten Schriftsteller, luftig machen, weil er die Frauen dieses Alters rühmt; was mich betrifft, so bin ich ganz seiner Meinung); — ich sage also, stelle Dir eine Frau von dreißig Jahren vor, ziemlich groß, mit einer wunderherrlichen Büste, das einzige, was sonst die Franzöfinnen den Teutschen zu beneiden haben; den niedlichsten kleinen Fuß in blaulammtne Halbstiefelchen (lli-ockk-quins) geschnürt; eine Hand — nein: — nur ein Kinderhändchen, ebenfalls in blau- sammtnen Handschuhen ohne Finger; ein reiches schwarzes Haar, das sich in langen Locken auf den Schultern wiegt, welche durch ihre Weiße den Schnee eifersüchtig machten; Augen, aus welchen der lebhafteste Geist leuchtet; einen lieblich lächelnden, aber doch etwas spöttisch verzogenen Mund, eine schlanke Taille, sich in den reizendsten Wellenlinien bewegend, und zu Allem diesem, das Ganze krönend, das vollklingendste, metallreinste Organ. — Ich stand geblendet von so viel Zauberreiz, und meiner — unlöblichen Gewohnheit nach, benahm ich mich wie ein Schulknabe, j „Glücklicherweise half mir Leonhard etwas nach, und ich konnte mich von meiner Bestürzung nach und nach erholen. Ich schämte mich meiner Schüchternheit, ich versuchte es, sie zu besiegen, und siehe da! es gelang mir. (Fortsetzung folgt.) I >4 'In Erwägung, was Rousseletüicmgeht- und die voll ihm begangene schändliche Mordthat, daß in ihm sich die Brutalität' des heutigen Lebenszweckes, d. h. deK Reichwerdrns, in ihrer akutesten Form zeigt; a'. Daß das Reichwerden sich durchsetzt, trotz Freundschaft, schuldiger Dankbarkeit, und um den Preis von Blut und Leben seines Mitmenschen"; -Daß nur die offene Rohheit und Gewaltthat den einzelnen weditirten, vorbedachten Mord gräßlicher erscheinen laßt, als die gewohnte heuchlerische offizielle Ehrlichkeit mit der die Repräsentanten unserer Industrie die Menschen massenweise eines langsanten Todes sterben lassen,, oder als die politische datatl- lonsweise auf Commando ausgesührte Mcnschen- mörderei anfdenSchlachtfelvern zmn Vortheil einer herrschenden Familie odereiner herrschenden'Klasse; Daßäber durch die Schlechtigkeit der socialen Einrichtungen Rousselet weit aus nicht gerechtfertigt werden soll, sondern daßseine Handlung durch jene nurdie rechte Würdigung erhält, und seine richtige Stelle im System ihm durch solche Betrachtungen gesichert wird ; daß er vielmehr, indem er die akuteste bestialischste Form des Eigenthumserwerbes gewählt, seine vollständigste Anhänglichkeit au die Verderbniß der Gesellschaft beurkundet hat; -.> ' In Erwägung- daß aber Donon-Cadot Vater todt ist? und daß ihn die Verurtheilung des Rouffelet nich t ins' Leben zurückru st In Erwägung, daß auch deltt überlebeuidett Geschlecht, dadurch, daß sich die offiziellen Organe der heutigen Gesellschaft mit dieser Form des Eigene thumserwerbes im Widerspruch erklärten und deswegen Rousselet verurteilten, nick)t gedient sein kann, da, wie sich zeigt, trotz der vielen Verur- theilungen die Zahl der sg. Verbrechen sich beständig vermehrt, und das Prinzip selber durch Anerkennung der Irregularität in der Form nur noch verstärk wird; -- In endlicher Erwägung, daß allerdings Roüffe- let euren Niord begangen hat, daß aber dadurch nicht wie durch eineHererei ein Mo nsch Namens Rouf- selot von der Erde verschwindet, und nichts als ein Mörder Rousselet übrig bleibt; daß kein Mensch durch einen Mord seine menschliche Natur verliert/ und daß sich die Gesellschaft- die an der Erziehung und den Lebensverhältnissen dieses gemordet habenden Menschen, also auch an seinem Morde mitschuldig ist, sich durch die juristische Sophisterei: er sei kein Mensch mehr, sondern nur noch ein M örder, so- wenig als durch den Schauder den seine That in ihr erweckt, und durch die Rache die sie au ihm dafür ausübt, voll ihrer Mitschuld reinigen kann; . .. Aus diesen Gründen ' Erklären die Menschen, denen der obige sogenannte Criminalprozeß zur Beurtheilung vorliegt, nach Anhörung der Stimme derMeuschlichkeit, ihres Verstandes Md ihres Gewissens, die Gesellschaft verantwortlich/^ 1) für das Ungliick das dem gemordeten Donon-Cadot und seiner Familie widerfuhr; 2) für die Folgen der Beschuldigung und Freisprechung die dem Eduard Donon-Cadot daraus erwachsen.; so wie 3) derinconsequenten Beurtheilung der That des Rousselet, und erkennen schließlich sie selbst als die moralische Urheberin des schrecklichen Vörfalls. ^' > ^ Könnte unser Urtheil alsbald von allen denen, die es angeht, in Vollzug gesetzt werden. Die Arbeiterbewegung in Böhmen. Es war voranszusehen, daß die. Bewegung der unglücklichen Arbeiter in Böhmen nicht so schnell aushören würde. In Reichenbach, der gewerbreich- sten Stadt Böhmens, ist es zu einer Katastrophe gekommen,, die bcweis't, daß das Elend der Arbeit ter und ihre tyrannische Behandlung die höchste Stufe erreicht hatte. Die Arbeiter zogen in großen Masse» nach allen Fabriken jn denen sie neue Maschinen wußten, und zerschlugen sie sämmtlich. Sie nannten dieselben Broddtebmäschinen! Allerdings stahlen diese Maschinen dem Lebensunterhalt der Armen—ihre Rache wendete sich daher gegen sie. — Durch sie waren eine Menge Hände unbeschäftigt geworden, durch sie vermehrt sich der Reichthum der Fabrikherrn, und verringert sich ihr Lohn; sie sind seine Nebenbuhler — er hat recht, wenn er sie zerschlägt. Wo der Arbeiter seinen Todfeind antrifft, oder anzutreffen glaubt, da möge er hinschlagen.;, daß er sich täuscht, ist nicht seine Schulde Nicht die nknen Maschinen sind seine-Feinde, sondern nchr!)ensche Gesellschaft. Die, Maschinen ersparen dem M-enscheu viele Arbeit, aber die Er- sparniß sollte auch dem zu Gute kommen, dessen Mühen dadurch verringert werden — dem Arbeiter ! Aber nein! Den Arbeiter betrachtet das Kapital selbst nur wie eine Maschine ; w ird eine zweckmäßigere erfunden als die Hauvai'beit der Menschen, so wirst man die Menschen weg, wie die alte, überflügelte Maschine! Den Vortheil davon haben weder die^ welche sie erfunden, noch zu Gunsten derer sie er^ funden ist, sondern allein die privilegirte Klaffe der Kapitalisten, derer, die kein Verdienst und keine Mühe hatten, in deren Person kein Talent und keine Arbeit belohnt wird , deren einziger RechM grund zu allen Genüssen und Vortheilen darin besteht, daß sie die Firma eines großen Kapitals'sind. Die Arbeiter sagen darum leider jetzt noch-: sind wir bloße Maschinen, so wollen wir unsere gefährlichen Concurrertten zerstören, ^ dächten sie vielmehr : wir sind Menschen, und die menschlichen Err- findungen muffen uns zu Gute kommen, sie würden ihre Feinde wo anders suchen, sie würden ans den richtigen Fleck treffen- Doch Ne Zeit der Aufklärung ist nicht ferne: wenn sie dann ihre wahren Feinde keimen, dann werden sie sie auch zu vernichten wissen. Eine nur in Deutschland mögliche Abgeschmacktheit, dle bei den Induftriekatastrophen hervortritt, ist die Beschuldigung der christlichen Fabrikanten und Reichen, daß diL Juden an dem ganzen Unheil Schuld seien; und die Negierungen unterstützen diese Heuchelet;'Die christlichen Reichen, daS' versieht sich, wollen sich, voll den Arbetteranfprüchen so gut befreien als dieWdischen, und können sie sich dabei die jüdischen Coneurrenten mit vom Halse schaffen, — warum sollten stcks nicht thnn? Gelingt das Manövre, so haben die Arbeiter davon den Vortheil, daß sie künftig blos von ihren Glaubensgenossen dem Hungertod preis gegeben werden- Ich gratulire zu dem Vorthetl. In Irland sind es wohl auch die Juden, die ohngesähr die Hälfte der Bevölkerung, drei Millionen Menschen, M Skeletten-gemacht haben? in den englischen und französischen Fabrikstädten auch? Pfui deutsch! Die nationale Heuchelei versteckt sich' hinter das Christenthum, die industrieM Gewalt hinter dle christliche Heuchelei; — das Christenthum soll ein Bollwerk für alle Unmenschlichkeiten, ein Freibrief für alle Schurkerei, ein Mord- und Diebsprivi- legium feint -'* ' ^ —------- ^ - .i Redactcur : Hei,nr ich Bornstei». Druck mitSälnellpxeffcn von PaulNrnd nÄet, in allen Deutschen Blättern .werden billigst und pünktlich besorgt durch das I»OVK r. 32, KVL VL8 Deutsche Buchhandlung. '.WllLS^ lts'XOll-llll) vc Eonk., " -'S, »DD DD ronDrrorr. 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A r a ^ / Man abonnirtr für Paris: im V'iresu eeoiral pour , rue <1,-8 I^Iouiins, 3,, und in der Buchhandl. von ctules Lenousrck et 688e äoröe, welche als Gardeossiziere die Bürgermädchen auf den Maskenbällen unanständig behandelt und das Adelsprincip bis zum ärgsten Erceß geltend gemacht haben, wußte der König durch eine chevalereske Kabinetsordre, die mit Schiller ausrief: „Ehret die Frauen!" zu beseitigen. Der gute Geist der Preußen verzeiht dem Adel und dem Hofe Alles. Ein Hofskandal ist kein Skandal, sondern eine interessante Geschichte, und ein adliges Verbrechen eine Ehrensache. Der König hat diesen Geist richtig beurtheilt, er wußte wie weit man gehen kann. Auch die Pietisten waren anfangs verhaßt, der König hat sich ihrer angenommen, und mit Erfolg, ja mit Heroismus. Eines Tages war an seiner Tafel viel die Rede von dieser theuren Richtung. Man hatte damals noch den Muth sie zu bekämpfen, ja der Justizminister erklärte auf Befragen, daß rechtlich in Preußen von einer „Kirche" durchaus nicht die Rede sein könne, die katholische sei nur ignorirt und die protestantische gar nur „eine unsichtbare." Der König erhitzte sich ein wenig für die Pietisten, die Wiederhersteller der Kirche. Endlich wurde er den Oberstaabsarzt Ruft gewahr, der keinen Antheil am Gespräch nahm. Er fragte ihn scherzend: „Nun, sind Sie für oder wider die Pietisten?" — „Ich kann das Volk nicht leiden." — „Warum nicht?" — „Sie haben Karl I. auf's Schaffet gebracht!" Man sagt der König sei blaß geworden. Ich glaub' es nicht, er steht besser mit den Pietisten als Karl I., und selbst die Puritaner, die Eiferer im Heere, die er im Grunde nicht liebt, zieht er heran, weil er, wie wir oben gezeigt, die Frömmigkeit an ihnen liebt. Es war dahereonsequent den Herrn von Hassenpflug, gegen den sich sogar eine poetische Opposition in Berlin erhob, nicht sinken zu lassen. Man klagte damals, dieser Mann sei finster und fromm, die Hessen hätten ihn deshalb vertrieben; er habe viel Charakter, und sei nicht constitutionneü. Dies Feuilleton des vorwärts. Jndenoppositiorr. Ihr klaget, daß die Juden jetzt Sich überall empören, Und wollet auf ihr Nvthgeschrei Um Rechte doch nicht hören. Sie sollen ruhige Bürger sein, Und nehmen dafür keinen Heller ein. Gebt ihnen Amt und Ordensband, Sie werden sich schon bekehren, Und neben dem alleinigen Gott Als Götter euch verehren; Macht Israel nur zum Baron, Und Israel bedankt sich schon. So tief gekrümmt, wie den Christenplebs, Sek' ich zu euch sie kvmmrn ; In Bücklingen kaben Jahrhunderte lang . Sie Unterricht genommen; Doch thun sie umsonst nicht die Knappenpflicht, D i e Esel sind sie wahrhaftig nicht. S. Der PreuHe Ln Paris. (Nach rem Französischen des 611 nrt-k !8 868161.^11 in dem Werke: 1.18 k ruHVOLNS 1 I? 1818 ) (Schluß.) ,,Unser erster Besuch zog sich sehr in die Länge, und wir verließen Madame Lamme nicht ohne übereingekoim men zu sein, daß wir gleich am nächsten Tage alle vier, nämlich Leonhard, seine Gefährtin, die schöne Laura und ich, eineParthie nach St.-Germain machen würden, wohin ich noch nicht gekommen war. „Ich verließ Leonhard sobald ich es konnte ohne mich seinen Neckereien auszusetzen, und lief wie toll durch die 6l>»mp8-LI)8668; — ich war auf einmal zu der Er- kenntniß gekommen was mir fehlte,,zur Vollendung meiner Erziehung," — wir Leonhard meinte, oder ,,znr Vollendung meines Glückes," — wie ich fühlte. — Während meines Spatzierganges, oder vielmehr—Laufens, wurde ich von den entgegengesetztesten Gefühlen bestürmt. Habe ich ihr gefallen ? — habe ich nicht? — Wohl das letztere, denn ich war gewiß von der unleidlichsten Un- beholfenheit. — Aber wäre dem so, nimmer hätte sie ihre Einwilligung zu der Luftfahrt gegeben— juheiffa, ich darf hoffen ! Weh mir, ich muß verzweifeln ! Und je nachdem das eine oder das andere Gefühl in mir das Übergewicht gewann, hatre ich Luft, alle Lustwandler zu umarmen, oder mich in die düstersten Gebüsche zu verlieren. Mit einem Worte: ich war ein Narr, ich war verliebt; der Werther war mir klar geworden. ,,Der sehnlichst erwartete Morgen dämmerte endlich auf. Ich machte meine Toilette mit einer Sorgfalt wie nie vorher, und war doch damit fertig ehe die Sonne in die Straße schien. Ich lief zu meinem Freunde ihn abzuholen, dann zu ihr. Alles ging wie wir es beschlossen hatten, und nach dem angenehmsten Spatziergange in dem Parke speisten wir in einem der trefflichsten Restaurants von St.-Germain zu Mittag. — „Nun, mein Herr Baron, sprach mich Madame Lanoue beim Nachtisch an, Sie scheinen so ernsthaft. Sind Sie mißvergnügt, oder ist es nur Ermüdung ? — ,,AH, Madame! Ermüdung gewiß nicht, und Mißvergnügen ? güt'ger Gott! — „Es ist aber auch wahr, Fritz! unterbrach mich Leonhard, Sie sitzen so ernsthaft da wie ein Criminal- richter, den Mund halb geöffnet, und doch geht keine Sylbe daraus hervor, das Messer in der Hand, als wollten Sie einen erstechen, und was das Ärgste ist, Sie trinken nicht. — „Hier, lieber Baron , lächelte Laura, nehmen Sie dies Glas Champagner' aus meiner Hand, und dann vertrauen Sie mir ganz leise, leise die Ursache Ihrer Traurigkeit. — „Sie inen, Madame! es ist nicht Traurigkeit, die ich empfinde, — es ist Neid. — „Neid? rief Laura betroffen aus. — „Neid! wiederholte der Maler. — „Neid? — sprach das niedliche Echo, Adele, Leonhards Geliebte. — ,'Ja, seufzte ich, und, indem ich mich zur Letzter» wandte, — und S.e, Madame, sind Ursache daran. Wenn ich so den ganzen Tag Zeuge sein muß, wie hold Sie sich 2 seltsame Geschrei verzögerte die Berufung des Mannes. Der König aber kam auf ihn zurück, als das Geschrei verstummt war. Und in der Thal, der Unwille ist schwer zu verstehn. Alle wahren Preußen sind — da es gewünscht wird — fromm, energisch und antikonstitntionnell; sie sind lauter Hassenpflüge : Hassenpflug ist also ein Normalpreuße. Seine Einführung ist jetzt eine vollbrachte That- sache. Man erhob sich damals auch gegen den General Thielei., welcher znm Kabinetsminister ernannt wurde. Auch seine Ernennung ist ohne wesentliche Erschütterungen durchgesetzt. Es ist eine ehrenvolle Thatsache, daß der tapfere Offizier früher ernstlich darauf gedacht, als Missionnar nach Afrika zu gehn. Weniger begreiflich ist es, weshalb der Plan nicht zur Ausführung gekommen, da doch der Herr Minister keinen Augenblick zweifelhaft sein wird, daß es weit größer ist das Christenthum zu gründen wo es noch nicht eristirt, als ein eristi- rendes Chriftenthnm, und wäre es selbst der preußische Staatsschatz, zu verwalten. Wir wollen die Thorheit der öffentlichen Meinung über die Thie l e, Arni m, Voß, Gerl ach, Eichhorn, Stollberg nicht weiter pressen. Alle diese Männer sind durchgesetzt, sie haben zum Theil gar keinen Verstand. Arnim, Eichhorn und Stollberg sind notorische Schwachköpfe, aber der Herr wählte seine Werkzeuge unter den Armen an Geist, und er that wohl daran. Sie haben gewirkt, wie sie sollten. Wir kommen auf die gelungene Sendung des Herrn von Nadow itz nach Wien und an den Rhein. Welch eine Stärkung der deutschen Politik! und wenn Rastadt und Ulm noch nicht fertig sind, so ist es jetzt klar, diese Festungen sind überflüssig geworden durch die Sendung des Parisverbrenners selbst. Man wird keinen Ver- IheidigungS-, man wird einen Angriffskrieg gegen die alte Höhle der Revolution führen. Was hat man also gegen den Herrn von Rad ow itz und seine Sendung? Man sagt auch der Herr von Radowitz sei aus Hessen, und nicht nur von einer ganz ähnlichen Richtung wie der Herr von Hassen Pflug, sondern auch noch der avancirteste Franzosenfreffer; aber was noch mehr ist, man hat keinen Enthusiasmus für den Bund und für Öfteren den schmiegen, den Sie lieben, während ich so einsam und verlassen sitze, habe ich da nicht Grund traurig, — neidisch zu werden ? — ,,Und glauben Sie denn, entgegnete Adele mit lautem Lachen, daß Sie liebenswürdig sind, wenn Sie den ganzen Tag erscheinen wie der Ritter von der traurigen Gestalt? Sollte man wohl glauben, wenn man Sie sieht, daß wir eine L ustparthie machen ? — Sie scheinen sich zu amüsiren wie, — wie — — ,,Verzeihen Sie, ich amüsire mich sehr, aber innerlich ; von Außen erscheint es freilich nicht. — ,,Laß meinen Freund, Adele, quäle mir ihn nicht. Ich bin überzeugt, daß er für sein Leben gern liebenswürdig erscheinen mochte, aber uns Teutschen wird es so sauer dazu zu kommen. — Sind wir aber endlich dahin gelangt, ah! dann geht es um so besser. — ,,Jch möchte ihn wohl im Zuge sehen, lächelte Madame Lanoue. — ,,Das hängt nur von Ihnen ab, rief ich lebhaft, denn ich fühlte wohl, daß ich ein dreifacher Tbor sein würde, wenn ich mir diese Gelegenheit entgehen ließe, — und da Sie die Ursache meiner Traurigkeit wissen wollen, so gestehe ich, daß es die Liebe ist. — ,,AH bah! sprach sie scherzend. — „Ja, die Liebe! — Ich habe nur ein Sehnen, schöne Laura, das, Ihr Petrarca zu sein, Ihr demü- reich. Die Sendung des Herrn von Radowitz war die wohlfeile Antwort auf Herrn Thiers theure Rüstungen, die nicht befestigten Städte entsprechen der Befestigung von Paris. Man hat den König und seine Weisheit nicht begriffen. Man ängstigt sich vor der österreichischen Politik, und glaubt nicht, daß der deutsche Bund liberal sei. Seltsam! Ist nicht der deutsche Enthusiasmus so lange Jahre vom Bunde und von Österreich bekämpft worden, und nun ihn beide auf Verlangen des feinen Königs in Altspruch nehmen, nun, soll das nicht liberal sein? Es ist wahr, es ist demagogisch. Man ist überhaupt über Österreich nicht gehörig unterrichtet. Man würde sonst nicht scheel sehen zu einer Unterordnung Preußens unler diesen alten ehrwürdigen braven Staat. Immer waren es nur Anomalien, jugendliche Verirrungen, wenn Preußen gegen ihn auftrat. Die Geschichte beweiset es. Georg Wil - Helm und Schwarzenberg waren im 30jäh- rigen Kriege, so viel sie konnten, auf Österreichs Seite. Der große Kurfürst ist eine Anomalie, aber noch lange keine entschiedene; er verbündet sich gegen Kar l Gu stav von Schweden mit Österreich, und seine Größe besteht darin, daß er alle miteinander hinters Licht führt, wodurch er eine Art Existenz gewinnt. Seine beiden Nachfolger sind wieder dumm, sie haben es daher auch bekanntlich nie zu einer wirklichen Souverainetät gebracht. In Grumb kow, dem Factotum deö Vaters von Friedrich II., lebte Schwarzenberg, dieser österreichische geheime Lenker der brandenburgischen Politik, noch einmal wieder auf. Er wußte daß Friedrich II. im Interesse Österreichs geköpft werden müßte, denn dieser war der erste und einzige Kopf Preußens. Als er starb, war er wieder kopflos, ohne Seele und Verstand, und nun auch ohne einen österreichischen Statthalter. Die neue Aera brach herein, die Revolution. Seitdem ist Preußen minorenn. Es hat nicht wieder allein gestanden, es ging Arm in Arm mit Rußland, es folgte der Politik Österreichs. Mußte Österreich früher Grumbkow und Schwarzenbergbezahlen, soistdiesjetzt gar nicht mehr nöthig. Friedrich II. kann keinen Nachfolger haben, der Nachfolger „des ersten Staatsdieners" ist die Revolution. Die moralische Allmacht ist die revolu- thigster Sclave, Ihr treuester Anbeter. Ich fühle es, daß ich bis zu dem glücklichen Augenblicke, wo ich Sie sah, noch nicht gelebt hatte. Ich kenne nur eine Furcht, die, Ihnen mißfallen, Sie beleidigt zu haben. — O, sagen Sie, daß Sie mir verzeihen, daß Sie mich nicht zurückweisen, nur ein einziges Wort — ,,In dem Augenblicke ging die Thüre des Kabinetts auf, und ein Aufwärter mit dem dümmsten Gesichte von der Welt, trug die Confitüren des Nachtisches auf. Ich hätte den Kerl ermorden mögen, begnügte mich aber, ihm einen vernichtenden Blick zuzuwerfen, den er indessen gar nicht zu bemerken schien. — „Nein, lieber Friedrich! sagte die holde Laura, sobald der Einfaltspinsel abgetrollt war, — und Du kannst Dir vorstellen, wie mein Innerstes aufjauchzte, als sie mich zum erstenmale mit meinem Taufnamen nannte, statt mich, wie bisher, mit dem ewigen „Herr Baron" zu petrificiren; — Lieber Friedrich ! ich bin in der That sehr verlegen, Ihnen zu antworten. Sie kennen mich kaum zwei Tage und machen mir eine Liebeserklärung mit einem Feuer, einem Ungestüm, deren ich Sie, aufrichtig gesagt, gar nicht fähig gehalten hätte. Ich muß zugleich gestehen, daß diese Raschheit mit welcher Sie sich erklären, wirklich etwas Beleidigendes für mich hat, denn Sie müssen mich für sehr leichtsinnig halten, da Sie — — „Nein! nein ! — schrie ich auf, — keinen solchen tionnäre Freiheit. Aber ist diese nothwcndig, ist sie wünschenswert!)? fragt der König. Sind wir nicht Christen, und war Friedrich II. nicht ein Philosoph? Haben wir nicht den 30jährigen Krieg überstandelt, ohne den eitlen Ruhm für die Glaubensfreiheit, d. h. am Ende für die Freiheit vom Glauben ehrlich Parthei zu ergreifen? Warum sollen wir jetzt nicht mit Österreich und mit dem deutschen Bund gegen die politische Freiheit der Franzosen fechten? Was ängstigen wir uns also vor diesem guten Einverständniß? Der König hat recht. Wäre es nicht undeutsch und verrätherisch, wenn wir Deutsche nur im entferntesten den Gedanken faßten, daß die Netze des Obskurantismus und Despotismus über den Köpfen der europäischen Menschheit nun aller Orten zusammengezogen werden sollten? Ein solcher Gedanke wäre eines Deutschen, geschweige eines Preußen, unwürdig. Sind nicht die Franzosen französisch, und ist die französische Freiheit eine Freiheit? Eben so wenig als die englische und nordamerikanische. Freiheit ist Christenthum und das kosmopolitische Christenthum, der Mensch mit allen seinen Rechten und Würden, das Himmelreich und der jüngste Tag der alten gottlosen Welt, ist nahe herbeigekommen. Nun? dies will der König. Wer ist nun noch engherzig genug sein Princip zu tadeln? Der König von Preußen ruft den Seinigen zu: „Verkaufet alles was ihr habt und folget mir nach, und wenn wir das gelös'te Geld verthan haben, dann wollen wir Gütergemeinschaft machen." Der Staat hat deshalb in den Tresorscheinen, Stempel- und andern Steuern die Einrichtung getroffen, daß allmählig alles in seine Kasse fließt. Es leidet keinen Zweifel daß nirgends leichter als in Preußen alle Menschen zu Staatsdienern zu machen sind; man brauchte nur das Patent des Geheimeraths statt an so viele an alle; statt für 13 Thlr. 10 Sgr., gratis zu er- theilen, und das Problem des Communismus wäre gelöst, die neue, ja die allerneuste Weltordnung gegründet. Die Gemeinplätze gegen die russische Allianz will ich nicht widerlegen. Das Verhältniß zu Rußland ist gar keine Allianz. Überhaupt ist es nicht wahr, daß Preußen eine äußere Politik hat, es hat nur Gedanken, meine Ehrfurcht ist so unbegrenzt als meine Leid— „Und abermals öffnete sich die Thüre, und mein Henker ohne es zu wissen, der Maulaffe in der runden Weste und mit der weißen Schürze, der unfern Caffö auftrug, schnitt mir zum zweitenmale das Wort in der Kehle entzwei. Wüthcnd sprang ich auf, aber meine drei Gefährten brachen in ein so homerisches Gelächter aus, daß ich am Ende nolevs voleos mit einstimmen mußte. „Wir kehrten nach Paris zurück, und nachdem wir Laura an ihrer Wohnung abgesetzt hatten, lud mich Leonhard ein, bei ibm noch eine Tasse Thee zu nehmen. Ich war wieder düster und ernst geworden. — „Herr Friedrich, sagte Adele, die Mitleid mit meiner Schwermuth hatte, Sie müssen nicht ganz verzweifeln. Glauben Sie meinem Scharfblicke: eine Frau, welche sich beleidigt fühlt und es ausspricht, ist geneigter zu vergeben und — sich zu ergeben, als eine, welche nur lacht. Wenn Sie sich klug benehmen, so haben Sie viel — All es zu hoffen. Erlauben Sie mir nur, Ihnen einen freundschaftlichen Rath zu geben, und seien Sie überzeugt, daß ich es gut meine. Sie sind ein recht hübscher junger Mann, haben Figur, ein ausgezeichnetes Gesicht — — „Brav, — unterbrach sie Leonhard, — mache Du ihm in meiner Gegenwart eine Erklärung. — „Still, fader Spötter! — aber Sie müssen Ihre Toilette total ändern. Lassen Sie sich die Haare nach der Verwaltuugs-Büreaus, und für den Fall der Ruhe- ! ftörung oder, was einerlei ist, einer allgemeinen Unordnung in Europa, eine Armee. Es ist daher alles erklärt, wenn man die Minister ins Preußische übersetzt: sie sind königliche Diener, sie haben gar nicht die Aufgabe Politiker zu sein. Wer sich am besten schickt, gilt am meisten; wer sich widersetzt, verliert seinen Einfluß. Jetzt zum Beispiel gilt Arnim am meisten, denn Arnim thut was er nur irgend für erwünscht hält. Man sollte daher meinen, alle Pläne des Königs müßten sogleich verwirklicht sein; und doch haben wir von mißlungenen Reformversuchen sprechen müssen; ja, wir verhehlen es nicht, alle gelungenen Werke des Königs sind keine Reformen und alle Reformen sind nicht gelungen. ^ Woran liegt dies? An dem Genie des Königs, welches nicht verstanden wird. Nehmen wir ein Beispiel, und schließen wir mit ihm. Es war vorgekommen, daß bei einer Untersuchung gegen einen Subalternen im Gericht die höheren Gerichtspersonen sämmtlich eines sträflichen Umgangs mit dessen Frau bezüchtigt wurden. Der Jnquisit wurde bestraft, die Inquirenten konnten ! . es nicht werden. Se. Majestät fühlte den Übelstand, und wie er denn gegen die fleischlichen Vergehen in Sonderheit aufgebracht ist, so verlangte er eine Reform. Man sollte Ehrengerichte bei den Gerichten einführen und die Vergehen der Mitglieder, die moralisch strafbar, den Gesetzen aber nicht erreichbar wären, durch Ausstoßung der Übelthäter ahnden. Arnim ergriff mit Eifer den Plan, der überall cirkulirte und nach der Reihe von allen Ministern weise und vortrefflich gefunden wurde. „Aber," sagte zuletzt ein alter Rath, „wenn wirnunselbstetwas dergleichen begehen, sollen wir nach wie vor straflos, die armen Juristen aber gestraft sein?" Er schlug ' vor: man möge alle Staatsdiener, also die halbe Monarchie, unter dies Ehrengericht stellen, alle, oder niemand. Dies Bedenken schien unüberwindlich, denn es gibt viele Staatödiener, die sich nicht für die Function der Ehrenrichter passen z.V. die Nachtwächter ; auch mußte man Anstand nehmen, solche Functionen als Prediger und Nachtwächter und vollends die Polizei nur überhaupt dem Verdacht Pariser Mode schneiden und ordnen; schaffen Sie die Vatermörder ab, die Ihnen die Ohren abzusägen drohen; fragen Sie nach einem der geschickten teu tschen Schneider, die bei unfern jungen Herren die französischen Moden bestimmen, lassen Sie sich von ihm in einen ,.Löwen^ nach dem letzten Mode-Journale metamorphostren, und Sie sollen Wunder erfahren. — Sehen Sie hier das '»suvais sujet, Ihren Freund und Landsmann? Den hat nur meine Wenigkeit aus einem steifen Berliner in einen ganz passabeln Pariser Dandy umgeschaffen. ,, Gleich am nächsten Morgen befolgte ich Adälens Rath. Ganz umgewandelt begab ich mich zur Madame Lanvue, welche sichtlich überrascht war, und sich sogar, wie es schien, geschmeichelt fühlte, mich so metamorpho- sirt zu sehen. Kühner, weil ich allein war, gelang es mir endlich den widrigen Eindruck zu verwischen, den mein früheres linkisches Benehmen gemacht haben mußte, und nach vier Wochen, während welchen ich Freund Leonhard nur selten sah, weil ich meine angebetete Laura nicht verlassen konnte, nach vier ewigen Wochen endlich — nun, das Übrige magst Du errathen. „Jetzt, mein theurer Wilhelm, kann ich sagen, daß ich glücklich, ganz glücklich bin. Nur Eines beunruhigt mich ein wenig. Außer meinen täglichen Ausgaben haben manche außergewöhnliche, die Umwandlung meiner Garderobe, die Einrichtung einer kleinen aber niedlichen Wob auszusetzeu als könnten sie fleischlich sündigen, ja, noch mehr: sollte die eine Hälfte der Preußen nach wie vor Freiheit zu fleischlichen Vergehen haben, die andre aber davon ausgeschlossen sein, das hieße ja die Unterthanen gegendie Staatsdiener Privilegien. Kurz die Idee des Königs, so vortrefflich sie jeder fand, so unausführbar schien sie Plötzlich allen. Keine Zuflucht? Keine Rettung? Keine! Diese Ideen gehn unter, und neue, die auftauchen, haben dasselbe Schicksal. Wir haben gesehn: die Politik und der König von Preußen sind gut; aber sein Schicksal? Auch sein Schicksal ist rosenfarbig. Da die Reformen mißlingen, so conservirt eö nur seine Form. Die konservativen sind die Söhne des und der ein Göttergeschlecht, wie auch immer. Die Züricher Verratherei. Als der geistreiche sociale Schriftsteller Wilhelm Weitling aus Magdeburg (ehedem Schneider), wegen „Preßv ergehen und Unehrerbietigkeit gegen die christliche Religion" durch zwei Instanzen des sich frei nennenden Kantons Zürich zu Gesängniß und nachheriger Verbannung aus der Schweiz verurtheilt worden, da zählten seine zahlreichen Freunde und die Anhänger des neuen Welt-Prinzips im Allgemeinen, jeden Tag der den Verurtheilten seiner Freiheit näher führte. Doch kaum erschien der Termin, wo er nach zehn- monatlicher Hast wieder den rühmlichen Kampfplatz des öffentlichen Wirkens betreten sollte, so lieferte ihn Zürich's gut Berlinisch gesinnte Regierung gegen die allereinfachsten Grundlehren des Völkerrechts verstoßend, heimlich und unter Mißhandlungen an die deutsche Gendarmerie jenseit Schaffhausen aus. Solches geschah mit einem jungen Manne, der seine Kerkerstrafe gebüßt und zur Austreibung aus der Schweiz verdammt worden war, der demgemäß seinen nunmehrigen Aufenthalt sich selbst hätte wählen dürfen. Wie diese diplomatische Unthat in jener „aufgeklärten Republik" statt finden konnte, wird erst klar wenn man in das Innere der Schweizer Dinge tiefer herabschaut ; was aber ein andermal geschehen soll. — Weitling wurde attmählig über Stuttgart nach Mag- nung in der rue ckk lülle (denn ich konnte die schöne Laura doch wahrlich nicht in der Dachstube der rue lXon-s- Ogme-ckes-VietoWks empfangen), alle diese Um- und Zustände haben die Thaler meines guten Großvaters bis auf den letzten verschlungen, und die Ducaten der Großmama, und die Friedrichsd'or meines Vaters haben ihnen treulich Gesellschaft geleistet. Mit einem Worte: ich bin jetzt ganz „Löwe" und besitze auch nicht mehr einen Sou. Ich schreibe auch heute noch an meinen Vater um neue Substdien, und zweifle nicht, daß er mich in den Stand setzen wird, nur wenigstens drei Monate noch dies herrliche Leben fortzusetzen. Man hat Recht: Reisen bildet den Menschen. „Lebe wohl, mein theurer Wilhelm! Begegnet mir irgend etwas Neues und Interessantes in meinen Pariser- Verhältnissen , so verspreche ich Dich gleich davon in Kenntniß zu seken. Dein Freund Friedrich von Ehrenfels." Vierzehn Tage nach Abgang dieses Briefes kam ein Le- gations-Sekretär der königl. preußischen Gesandtschaft zu unserm -Helden , in Auftrag des alten Baron Ehrenfels, in dessen Namen er ihm — die ernstesten Vorwürfe machte über seine Verschwendung, sein unsittliches Verhältnis:, seine Irreligiosität, und ihm zugleich den Be, fehl mittheilte, Paris auf der Stelle zu verlassen. Der würdige Legationsmann gab zu diesem Ende dem jungen deburg geführt (mit Zwangs-Paß, wie die Deutschen Blätter sichausdrücken), und vorläufig zu abermaliger Haft und nachfolgendem Eintritt in die Armee verurtheilt. Letzteres bezieht sich darauf, daß währen der sich sein kärgliches Arbeitsbrod in der Fremde als Handwerker, und später als Schriftsteller für das Wohl Aller, gewann, er wahrlich nicht Zeit noch Lust gehabt hatte, die weite Reise nach Hause zu machen und seiner königl. preuß. Dienstpflicht zu genügen. — Eine andre Nachricht in Frankfurter Blättern besagt indessen, er sei von den Ärzten für zu schwach zum Dienste erklärt, und nicht in's Ge- fängniß, sondern unter strenge polizeiliche Aussicht gekommen, und er gedenke sich mit Übersetzen aus dem Französischen zu nähren. — So weit die Zeitungsberichte in dieser vielfach interessanten Angelegenheit. Jedenfalls ergibt sich daß „der freie Stand Zürich" tyrannischer mit Weitling verfahren ist als die Preußische Königsmacht. Und woher diese unerhörte Langmuth gegen einen Proletarier, So- cialisten und Demokraten, drei Titel die bis jetzt denen wenig Vortheile brachten die sie in Preußischen Staaten führten? woher die Schonung mit der die Krone in Schlesien austritt? und woher die Aufforderung vom Throne herab, „die Bürger möchten sich vereinen zur Unterstützung der Arbeiterklasse" u. s. w.? woher die auffallende Milde den Gewaltmaßregeln gegenüber, die man zur Unterdrückung liberaler Prätensionen ungescheut an - wendet? Die Antwort ist leicht. Die Liberalen braucht man nicht zu fürchten, sie sind ohnmächtig, und an die Ohnmächtigen wagt sich die herrschende Gewalt. Die Stärke der neuen Parthei ist noch nicht zu beurtheilen — sie könnte leicht allzugroß sein, wenn man sie durch Gewaltstreiche herausforderte sich zusammen zu schaaren , mit Milde gewinnt man Zeit sie kennen zu lernen. Die Liberalen greisen den Staat aufseinen Höhen an; einen Baum zieht man nicht an den Ästen aus der Erde, die Krone, der Stamm und die Wurzeln widerstehen leicht: die Radicalen wühlen den Grund um die Wurzeln los — da fällt der Stamm mit der Krone wehrlos zusammen! Das ahnt man in Baron eine Summe, welche nvthdürftig hinreichte, die Hälfte des Weges zurückzulegen, indem er ihm dm Orr bezeichnete, wo er die andere Hälfte zur Weiterreise empfangen könne, damit ja nicht die ganze Summe ihn verlocken möge, seinen Aufenthalt in Paris zu verlängern, in dieser Stadt, welche man mehr als je als den Pfuhl der Verderbnis' ansähc. Der junge Baron gehorchte, — denn selbst der Gedanke, „allenfalls nicht zu gehorchen," blieb seiner Seele fremd; — (in Preußen weiß man gar früh die Lente zum Gehorsam zu dressiren . Übrigens war, wie man sich denken kann, sein Herz von Verzweiflung voll und seine Börse von Gelde leer, doch konnte man darauf wetten, daß auch er einst zu einem Neffen sprechen wird, wie der alte Major zu ihm : „Du gehst nach Paris, glücklicher Spitzbube ? — Auch ich war vor fünfunddreißig Jahren dort und habe mir jöttlich amüstrt." Nach CH. Schiller— H. C. M. Berlin wie überall; während aber in den andern , Staaten die politischen Partheien fest zusammen halten, um dem bevorstehenden Sturme etwa trotzen zu können, zerstreut man in Berlin durch Unterdrückung der letzten politischen Gedanken des Volkes das einzige Bollwerk, das der neuen Weltbewegung vielleicht einen kurzen Widerstand hätte entgegenstellen können. Der preußisch-russische Cartellvertrag. Preußen und Rußland haben den so oft besprochenen Cartell-Vertrag am 3. Juli dieses Jahres auf die Dauer von zwölf Jahren erneuert. Er bezieht sich auf die Auslieferung von Deserteuren mit den Pferden und Monturstücken, von Militärpflichtigen und Verbrechern, auf das dabei zu beobachtende Verfahren, und die Kosten, endlich auf das Recht der Ausweisung, und die Pflicht der Übernahme der beiden contrahirenden Staaten in Bezug auf alle übrigen Individuen. Von Schmugglern ist keine Rede. Wir nehmen hierbei nicht Anlaß von Rußland zu sprechen. Wo der Despotismus anerkanntes, ausgesprochenes Staats-Grundgesetz ist, wo Grausamkeit, Heimtücke, Hinterlist und Brutalität als die entsprechenden Regierungs-Marimen betrachtet werden, wo es in dem Ungeheuern Staate von Rechtswegen nur einen einzigen Menschen gibt, den Kaiser, und wo dieser Einzige von seinem Rechte, ein Mensch zu sein, ans Bestialität keinen Gebrauch macht, da ist ein solcher Seelenverkaufs- Vert^rg nur eine Bagatelle. Aber wegen Preußens, des Staates pur exesllenee, der intelligenten, avancirtesten Monarchie, dort, wo der König der Staat ist, muß man den Vertrag prüfen. Der König von Preußen verfährt in dem Vertrag mit seinen Preußen gerade so, wie der Czar mit seinen Russen. Die Preußen gehören sein. Wie man sein Schwein von einem Nachbarn zurückfordert, das sich ln dessen Stall verlaufen hat, und ihm dafür Futtergeld bezahlt, so fordert der König von Preußen seine Soldaten, seine militärpflichtigen Unter- thanen, seine Verbrecher vom Kaiser von Rußland zurück, und bezahlt ihm 21f2 Silbergroschen Futtergeld per Tag. Das Dienstpferd und der Soldat wird cims wie das andere angesehen, nur wird für das Dienstpferd 7 1f2Thaler vergütet. Wohnt .ein Preuße in Rußland, oder ein Russe in Preußen, wenn er auch nicht zu den drei oben angeführten Menschenklassen gehört, so hat der Staat das Recht, den Fremden, „wenn er ihm aus irgend einem Grunde lästig geworden ist," ohne Weiteres über die Grenze zu schicken. Nicht etwa wenn der Preuße in Rußland ein Verbrechen begangen hat, oder wenn er ohne Unterhaltsmittel war und Rußland dadurch zur Last fiel, oder weil ^r politische Umtriebe machte, kann er über die 'Grenze gewiesen werden: nein, wenn es dem Kaiser lästig wird, daß sich der Preuße in Rußland ehrlich ernährt, wenn ihm seine Nase nicht gefällt, aus „irgend welchem Grunde" kann er ihn wegjagen. Daß Rußland so etwas verlangt und zugesteht, ist ganz in der Ordnung; man treibt in Rußland die Heuchelei nicht so weit, die Menschen wie Vieh zu behandeln, und sie doch noch Menschen zu nennen. Ein Pferd ist in Rußland ein theuereres Thier als ein Mensch. Der Großfürst Michael schoß mit der nämlichen Kaltblütigkeit zum Zeitvertreib . auf einen gejagten Bauern wie auf ein gejagtes Wildschwein — aber in Preußen, wo jetzt die Humanität auf dem Tapet ist, wo der König sogar seinen Blick auf die unglücklichen Arbeiter fallen zu lassen geruht, wo ihn der Pauperismus zu Cabinets- Stylübungen über das allgemeine Elend hinreißt, wie begreift sich da die russische Doctrin? Sie begreift sich leicht. Die Humanität ist in Preußen nur die Maske der Tyrannei und der Bestialität; der König schreibt überall , wo er gewiß ist, nichts thun zu können, er handelt nur, wo er gezwungen ist zu handeln — und der Czar ist sein Herr! Er unterschreibt gegen Frankreich den Untersuchungs- Tractat, — er führt aber an seinen Grenzen den Menschenhandel ein, während Frankreich das Asyl aller frei gewordenen Sclaven ist. Er schreibt Ka- binetsorvres zur Linderung des Nothstandes der Arbeiter, — und ruft ihn durch sein Regierungs- syftem, durch den Zollverein und die Industrie, durch Verschwendung und einen unerhörten Lurus hervor. Sehe er zu, wie das endet. Der König von Preußen und die Socialreform. In Folge der schlesischen Aufstände hat der König von Preußen eine Cabinetöordre erlassen, in welcher er 1) die Behörden tadelt, daß sie es an Aufsichts-Sorgfalt für die Unglücklichen und Armen, für die obdachlosen Kinder, für die entlassenen und besserungsfähigen Verbrecher, für die Arbeiter, die durch Krankheit in Noth gerathen u. s. w. fehlen ließen. Und doch seien diese Aufsicht und Sorgfalt wesentlich nothwendig, um den großen Übelständen vorzubeugen, welche aus der Verwahrlosung entspringen, in der man die Kinder der untersten Klassen aufwachsen läßt, und um socialen Zerrüttungen zuvorzukommen, welche sich als eine Folge der Verarmung und des Mangels an Unterstützung darstellen, wozu die Gesellschaft gegen die Hülfs- bedürstigen und gegen die reuigen Verbrecher verpflichtet ist. 2) Der König weiß, daß eine Abhülfe dieser Übel nur möglich ist durch die Vereinigung aller Kräfte christlich mi ldthä- tiger Herzen. 3) Er fordert deßhalb alle Behörden, welche mit der Armenpflege und Armenpolizei beauftragt sind, auf, sich jeder Association oder Gesellschaft, die sich zu diesem Ende gebildet hat oder noch bilden wird , ernsthaft anzunehmen, und diese Fürsorge als eine heilige Pflicht, als einen Theil ihrer Amtsthätigkeit anzusehen. 4) Der König erwartet von ihnen Pläne und Vorschläge über diesen Gegenstand. 5) Er befiehlt, die Chefs der Provinzialbehörden von seinem Willen in Kenntniß zu setzen, und fordert sie auf, diese Frage als eine Angelegenheit von höchster Wichtigkeit zu betrachten, sie sorgfältig zu prüfen, und die Bildung wohlthätiger Gesellschaften überall, wo sie noch fehlen, zu begünstigen. Die „Reforme" hat mit Recht diese Cabinets- Ordre bemerkenswerth gefunden. Sie ist die christliche Antwort des preußischen Staats aufdie Ereignisse in Schlesien, während die weltliche oder diejurist ische zum Theil schon erfolgt, zum Theil mit ihrer gewöhnlichen Härte noch zu erwarten ist. Die „Reforme" sagt in ihrem Premier-Paris vom 20. : „Der König von Preußen handelt unter dem doppelten Einfluß eines vagen Schreckens und eines religiösen Gefühls. Der Durchbruch der Ar- beiternoth erschreckt ihn als eine Unordnung der Verwaltung, nicht als ein Anzeichen einer Social- Revolution, und gegen diese betrübende Lage der Dinge kennt er kein anderes Mittel als die Privat- wohlthätigkeit, ermuntert und geordnet durch die Behörden; ja, er geht selbst so weit, es als eine Pflicht der Gesellschaft anzuerkennen, den Bedürftigen ihre hülfreiche Hand zu reichen." Am Tage vorher gab die „Reforme" sogar zu: „Abgesehen von einer unwissenden und empörenden Vermischung der entlassenen Verbrecher und hülfsbedürf- tigen Arbeiter, fände sich in diesem Dokument das Vorgefühl, der Instinkt der großen Reformen der bürgerlichen Gesellschaft, welche die gegenwärtige Lage Europa's überall erheischt." Die „Reforme" würde sich nicht irren, wenn sie neben den offiziellen Gedanken des Dokumentes nicht noch die ganze deutsche Wirklichkeit kennen müßte, um den König zu verstehn. Der König und die deutsche Gesellschaft ist noch nicht bei dem „Vergesst hl ihrer Reform" angelangt, selbst die schlesischen und böhmischen Aufstände haben dies Gefühl nicht erzeugt. Es ist unmöglich, die partielle Noth der Fabrikdistricte einem unpolitischen Lande, wie Deutschland, als eine allgemeine Angelegenheit, geschweige denn alseinen Schadender ganzen civilisir- ten Welt zur Anschauung zu bringen. Das Ereigniß hat für die Deutschen denselben Charakter wie irgend eine lokale Wassers- oder Hungersnoth. Deshalb nimmt es der König als einen VerwaltungS- und Mildthätigkeitsmangel. Aus diesem Grunde und weil wenig Militär mit den schwachen Webern fertig wurde, flößt das Demoliren der Fabriken und Maschinen auch dem Könige und den Behörden keinen „Schrecken" ein. Ja, sogar das „religiöse Gefühl" hat die Kabinetsordre nicht dictirt; sie ist ein sehr nüchterner Ausdruck der christlichen Staatskunst und einer Doctrin, die vor ihrer einzigen Mcdicin, der guten Gesinnung „christlicher Herzen," keine Schwierigkeiten bestehn läßt. Ar- muth und Verbrechen sind zwei große Übel, wer kann sie heilen? Der Staat und die Behörde? nein, aber „die Vereinigung aller christlichen Herzen." Hieraus erklärt sich auch das merkwürdige Znge- ständniß, „daß, man die Kinderder untersten Klassen in der Verwahrlosung aufwachsen lasse." Wo dies geschieht fehlt es noch am christlichen Sinn, und dazu kann bekanntlich eine Ermahnung helfen. Der König wirft es dem Staat und der Einrichtung der Gesellschaft nicht vor, er schreibt es dem Mangel christlicher Gesinnung zu, die nach seiner Ansicht theils in den Armenbehörden — sie sind ans unbesoldeten Commnnal-Beamten und Vertretern gebildet — theils in der ganzen bemittelten Bevölkerung zu erwecken ist. Diese „Gesinnung" ist der Zweck der Cabinetsordre, und die Behörden werden angewiesen, ihrer Entwickelung, versteht sich durch Hülfsvereine, kein Hinderniß in den Weg zn legen, wie sie im ordinären Verlauf der Dinge ge- than haben würden, sondern sie im Gegentheil zu unterstützen. Warum ordnet also der König nicht sogleich die Erziehung aller verwahrlosten Kinver an? das übersteigt seine Kräfte, nur „die Vereinigten Kräfte aller mildthätigen Herzen" sind im Stande es zu leisten — versteht sich irgend einmal, wenn sie alle beisammen sind. „Die gewöhnliche Armenpflege der Communen reicht nicht aus": was ist zu thun? „Es müssen sich alle mildthätigen Herzen vereinigen!" Diese sind mächtiger, als selbst die „Chefs der Provinzialbe- hördeiu" Was ist also die Kabinetsordre des Königs von Preußen? Sie ist nichts anders, als die entschiedenste Rathlosigkeit des Politikers, der bei der Ermahnung des frommen Predigers zur christlichen Gesinnung Hülfe sucht; die Berichte und die Studien, die Pläne und die Vorschläge werden natürlich den königlichen Gedanken nicht vorgreifen. Die guten Worte und die gute Gesinnung sind wohlfeil; die Einsicht und die erfolgreichen Tha- ten sind theuer: sie sind in diesem Falle mehr als theuer, sie sind noch gar nicht zu haben. Auf diesem Punkte der Rathlosigkeit, und um vieles hinter England und Frankreich zurück, ist Deutschland von den Bewegungen, der Proletarier in Schlesien und Böhmen überrascht worden; auf diesem Punkte wird es bei einer neuen Hungersnoth auch im sächsischen Erzgebirge überrascht werden, und schwerlich wird es in Berlin und andern größern Städten weiter sein, wenn die Proletariatsfrage wiederkehrt. Die deutschen Armen sind nicht klüger, als die armen Deutschen, d. h. sie sehen nirgends über ihren Heerd, ihre Fabrik, ihren Distrikt hinaus; die ganze Frage ist von der alles durchdringenden politischen Seele bis jetzt noch verlassen. Es werden alle Aufstände in Blut und Unverstand ersticken, die in dieser heillosen Jsoliruug der Menschen von dem Gemeinwesen und ihrer Gedanken von den socialen Prinzipien ausbrechen; erzeugt aber erst die Noth den Verstand und entdeckt der politische Verstand der Deutschen die Wurzel der geselligen Noth, alsdann werden auch in Deutschland Diese Ereignisse „als Symptome einer großen Umwälzung empfunden werden." Eine Socialrevolntion ohne politische Seele (d. h. ohne die organisirende Einsicht von Standpunkt des Ganzen aus) ist unmöglich. Hierin werden Frankreich und England ohne Zweifel die Initiative haben, so sehr der König von Preußen ans neue Pläne und große Reformen bedacht ist. Ein Preuße. Redacteur -Heinrich Bernstein. der außer seiner Muttersprache «deutsch) fran- ^ zvstsch spricht, wünscht Beschäftigung für ein Hand- lungsbaus zu haben, um Bestellungen re. zu machen. Näheres >-»« -I--» iZ. beim Pförtner zu erfragen. Druck mit Schnellpressen ven P a n l R e nn u a r d Paris, 1844. Nr Kl. Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 45 „ Drei Monate. ... 8 „ S * ^ « * Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs^ Sechs Monate. ... 4 8 „ Drei Monate. . . . S Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. i Man abonnirt: für Paris:' lM Nuresii oentrsl pour I'44Ueu»stzi»s, ru« ci«-8 IVll,ulin8, z», und in der Buchhandl. von aules Lenousrll et 0 °, NU6 cke ^'ournoo, 6 ' in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Mittwoch) Pariter Deutsche Zeitschrift. (3i. Juli.) Aus Deutschland und aus Paris. Karlsbad, den 20. Juli 1844. Aus der Überschrift, lieber Freund, erräthst Du warum ich nicht komme; und wieder ist mir durch mein altes Übel ein Lebensplan vereitelt. Ich muß den Ärzten gehorchen und meine Sparpfennige, statt sie zur Erweiterung meines Weltbewußtseins zu verwenden, in lauwarmen Wasser . verbaden und vertrinken. Dazu würg' ich nun auch noch an Deiner Philippica. Ich kann Dich nicht widerlegen, wenn Du unsre jetzigen Zustände mit schwarzen Farben malst, sie sind schwarz. Aber — ich stehe und falle mit meiner Nation; ich kann sie nicht verlassen in dem Augenblick wo sie, in ihrer Weise, mächtiger als je um die Freiheit kämpft. Danton sagte: „Ich kann das Vaterland nicht an den Sohlen mitnehmen," und er hatte Recht. Wer das Vaterland aufgibt, der verliert den Boden unter den Füßen; bedenk' es wohl! Und wie kannst Du Dich mit Heine und seiner Frivolität befreunden und verbünden? Ist plötzlich der Frevel kein Frevel mehr, weil er eine Waffe ist? Und ist nun auch das Vaterland kein Heiligthum mehr? Weh Dir, wenn wir in deutscher Zunge sagen: Olli prokunum' vul^us et nreecr — Uhus, et iAni interäietos! Ich erinnere Dich an Fichte, den edelsten Freund der Freiheit, den Deutschland je besessen. Der Egoismus, die Verderbuiß, die elende- Schwäche, die Feigheit und die Niedertracht, mit einem Worte, die Schmach war unendlich größer als jetzt — damals, als er seine Reden an die deutsche Nation hielt und schrieb. Und wie sprach er? „Die Schuld soll nicht vorgerückt werden!" Er schalt und schmähte, er höhnte und spottete nicht, er sprach einfach von den Mitteln der Rettung und war erhaben über allen Zorn. Und welches war die Wirkung? Die Briese Försters an Körner (in der „Pandora") und das rothe Herzblut vieler Tausende geben die Antwort darauf. Jede Zeit will ihren Glauben, jeder Glaube seinen Kampf. Eine Freiheit ist zu erobern; nun ist sie noch nicht in der Welt. Die Gewalt ist da, die ihr im Wege steht. Man muß daran glauben, diese Gewalt zu überwältigen, und ich nenne es Patriotismus, mit dieser Zuversicht den Einen Punkt, den wir zn erstürmen haben, im Auge zu behalten. Wir können nur von Preußen reden, Preußen ist die Achilles-Ferse Deutschlands^ hier ist das alte deutsche Unwesen tödtlich zu treffen, denn hier sind die Geister bereits bis auf den Grund revolutionirt, sie sind philosophischgeworden; nur die Gewalt hält den Deckel des Dampfkessels nieder, und glaube mir, die Gewalt ist in Preußen schwächer als je. Alles deutet aus eine glückliche der Freiheit günstige Entwickelung. Du denkst zu geringe von Deutschland. Je härter der Druck, desto stärker der Gegendruck. Tie Götter haben ihre Herzen verhärtet und ihnen den Verstand genommen. Die Berliner Geistreichen, vom Philosophen bis zum Dichter Seiner Majestät, sind zum Spott der Einfältigen geworden, und der König sieht alle seine Pläne in den Brunnen fallen."— Die Mainzer Advokaten-Versammlung ist aufgeschoben. Auch das nicht! Sie wollen den Frieden nicht; nun, so werden sic den Krieg haben ; und so friedlich auch jetzt noch alles aussieht, er wird ausbrechen wie ein Gewitter und auch die trägsten Köpfe in Flammen setzen. Erinnere Dich an meine Worte. Dein H. N. Paris, den 28. Juli 1844. Sehr übel, mein alter Freund, seid Ihr daran! Ihr wißt alles weise zu deuten und bedenkt nicht: In tolie In plus ineurable, o'est cke ss eroire suA6. Die Schwäche der preußischen Regierung, die Verschiebung der Mainzer Advokaten-Versammlung, der Kinderspott Tieck und Schelling, ja, sie eristiren ; aber was sagt Ihr dazu? Wasssagen Eure Organe? Du meinst, sie repräsentiren Euch nicht? Wenn Eure Zeitungen nicht ein großes Publikum reprä- sentirten, so würden sie nicht von ihm gelesen werden. Was sagen sie nun, und was können sie sagen? Die Wahrheit? Sie ist gottlos. Die Freiheit? Sie ist Hochverrats Und in dem Fall Eurer Zeitungen 4 ^ i »! * Feuilleton des llorunnts. Kriegslied für Deutschland's Zukunft; mitten auf der Wahlstatt zu singen. Der große Kampf. ( Nach eigner Melodie.) Ihr Freunde! die wir mitsammen Geflogen zur heil'gen Schlacht, Wie hat der Tod gewüthet! Die Schaaren so klein gemacht!, Seht wie der Feind so mächtig, Wie seine Reihen so dicht; Seht wie er von allen Seiten Stets enger uns umflicht! Wir kämpfen für Gleichheit und Freiheit, Für das Heil'ge in Menschenbrust; Uns lockt nicht Gold noch Ehre, Auch nicht die eitele Lust. , . ' - ^ Ha! uns're Wunden brennen, Und unser tapf'res Blut Rinnt nieder aus hundert Quellen- Doch frisch! uns're Schwerter find gut, . Und unsere Fahne flattert Noch in den Lüften hoch; Wohl sind wir arg bedränget, - Allein wir stehen noch. Und wären wir nur noch zween, Du Fahnenträger und ich: Schmach dem der vor dem Sterben Aus diesem Kampfe wich! Wenn unsere Leichen modern Im kugelbesä'ten Gefild, Dann weihen sich neue Helden Und halten der Menschheit Schild! Und immer Neue stürmen Mit klirrender donnernder Wehr .- Bis Gleichheit siegt und Freiheit: ,,Der Menschheit Preis und Ehr'!" (Ki8.) Markus Stahl Hand. Fern am öden Meeresufer Wo die Woge spült im,Sand, Harrt ein Schiff der müden Wanderer Und ein Greis erhob die Hand: „Seht das Meer dort grau und finster Wie ein Unthier ausgestreckt, Mit den Wellen, wie mit Schuppen Seinen Riesenleib bedeckt. „Hinter euch sind grüne Fluren, Saatenfelder, Wein und Brod, Wollt ihr vorwärts, wollt ihr rückwärts? Überall trifft euch der Tod?" „Weiter, lveiter durch die Flnthen!" Scholl es aus der Männer Kreis; „Hinter uns ist böse Plage." Und es sprach hierauf der Greis: „So viel Diebe, so viel Richter, Dafür ist das Land zu klein; So viel Herrn und so viel Knechte, Und die Luft ist kaum gemein. „Sind die Fluren auch ergiebig, Und was Hilsts? Hast du die Saat Für die Vögel ausgeworfen, Willst Du ärnten ift's zu spat. Die Auswanderer. Eine stille Karavane Zieht durch's Deutsche Vaterland, Schneller noch als Dromedare Trägt die Hoffnung sie zum Strand. 2 seid Ihr alle. „Die Schuld soll nicht vorgerückt werden!" Gottbewahre! „das Vaterland ist heilig, ein Frevler der ihm nicht alles Gute nachsagt!" Niemand unter Euch kann es sagen, ja, er wagt es nicht einmal zu denken, was für eine Revolution Ihr zu machen habt. Erst Eure Revolution wäre Eure Freiheit. Man muß also lügen, wenn man in Deutschland von der Freiheit spricht. So steht es. Ihr wißt es sehr gut. Euer Zustand gefällt Euch nicht; aber Ihr wollt mit ihm weder ernsthaft gescholten, noch frevelhaft verspottet sein. Ein Neger auf Guadeloupe wollte nicht Sclave genannt sein. Meinst Du daß es besser ist, als wenn er sich's klar gemacht hätte, daß er einer war? Angenehmer ist eS vielleicht, Sclave zu sein und es zu läugnen, als es zu sein und eS zu empfinden; aber zur Aufhebung der Sclaverei führt die. Ab- läugnung ihrer Eristenz gewiß nicht. Jede Sclaverei, oder wenn das Wort zu hart klingt, jeder Despotismus, jede Herrschaft entwürdigt die Menschen, macht sie wirklich schlecht und verderbt sie bis in ihre Gedanken hinein. Ihr preiset die Fortschritte der Freiheit, wenn der Druck nachläßt, und lobt den Druck, wenn sein Gewicht ärger wird; bis zum Prinzip des Drucks, das Eure eigene Indolenz ist, erheben sich Eure Gedanken nicht. Die Neger denken, sie bestehlen ihre Herren wenn sie fortlaufen, und die nicht fortlaufen, halten sich für moralisch. Ihr wollt Euer Vaterland, sowie es ist, gelobt haben, und wer es verläßt, verräth es. Fahrt nur fort zu zürnen, wennman Euch Sclaven nennt; es ist viel bequemer, als sich frei zu machen. Ja, dies schreckliche Ereigniß ist ohne Weiteres unmöglich, so lange es niemand will; und die Hoffnung eines jüngsten Gerichtes, dem alle Freunde der Freiheit und Weisheit aus dem Fenster herab zusehen, und in welchem der preußische Romulns mit Donner und Blitz zum Hiinmel fahren wird, soll ich doch nicht für staatsgefährlich halten? Das Problem der menschlichen Freiheit ist in Deutschland wie in Guadeloupe gelöst; ja, es ist noch besser gelöst. Jeder, Du nicht ausgenommen, liebt seinen Herrn; was sollte aus Euch werden, wenn Ihr auch nur Einen verlört? Ihr fühlt es, und in der Gefahr würden neue ,,So viel Zölle und Gesetzt, Und kein Hund läuft frei daher, Go viel Räche, so viel Weisheit, Und der Arme leidet schwer. ,,So viel reiche Gotteshäuser, So viel Burgen, stolz und groß; Sv viel Elend in den Hütten, So viel Kinder nackt und bloß. ,,Darum mag der Herr euch leiten, Freier Math, der trägt nicht schwer, Hinter euch laßt Noch und Plage, Senkt den alten Gram ins Meer!" Und die müden Freiheitspilger Schütteln dankbar ihm die Hand, Hoffnung schwellt die weißen Segel, Muthig stößt das Schiff vom Strand. Abschiedsthränen glänzen Helle Noch wie Perlen in dem Sand, Leis' verhallt es in den Lüften: ,,Fahre wohl, o Heimathland! Ficht e's auftreten und Reden mit eben so herzzerreißenden Erfolgen halten, als es der alte Fichte in Berlin gethan. Fichte wußte früher , damals als er für die französische Revolution schrieb, was Freiheit ist; in Berlin hatte er es natürlich vergessen, in den Reden an die deutsche Nation weiß er nur noch was „Nationalität" ist. Diese Nationalität, „nicht den Franzosen, die sich selbst nicht verstehen, sondern Euch selbst, dem selbstbewußten Urvolk, das sogar die Wurzeln seiner Sprache versteht, zu gehören," die habt Ihr nun. Ihr wißt es nun doch wer die Freiheit und sich selbst am besten verstanden, wem die Franzosen und wem das Urvolk gehört? Ich spotte nicht, wohl bekomm's! Worin besteht also der Fichtische Triumph? „Welch' eine ungeheure Wirkung hatten seine Reden?" Es ist seitdem klar geworden, daß nicht mehr Napoleon, sondern Mieg und Phiseldeck, Ompteda und Schmidt, Schuster und Schneider und wie die Wiener und Frankfurter Amphiktionen weiter heißen, Euch Gesetze geben. Menschen also, die in der Geschichte der Menschheit gar nicht eristiren, sind jetzt Eure Herren ! Hättet Ihr doch Napoleon behalten! Wenn Ihr jetzt nur Einen Napoleon hättet! Ja, wahrhaftig , wäre Fichte nicht zur rechten Zeit am La- zarethsieber gestorben, und hätte er diesen Kern des deutschen Pudels kennen gelernt, selbst Fichte wäre bei Napoleon geblieben. Fast möcht' ich Goethe» seine Reise (von 1813) nach Böhmen verzeihen ; er kannte die deutschen Biedermänner, und wer will es ihm verdenken, wenn er dachte: es ist nicht wahr, daß Ihr mit den Klötzen eher fertig werdet, als mit dem Storch. Willst Du Dich übrigens belehren, in welcher Intention schon damals der deutsche Freiheitskrieg geführt worden ist, so lies nicht Körners Leier und citire nicht Försters Harlequinsschwert, so lies'die Memoiren, die sie schon jetzt die Stirn haben zu publiciren. Allerdings, die Geschichte ist alt genug: man könnte endlich wissen, was daran ist. - Du drohst mir mit einer Ausstoßung aus der deutschen Nation. Hast Du je gehört, daß man einem drohte, man werde ihn zuin Gefängniß hinauswerfen? Und wenn Danton ein Recht hatte, müde zu sein und sich auf der Guillotine zur Ruhe Berliner Witz. Der König von Preußen soll jüngst seinen Eichhorn gefragt haben, ob er wohl eine zeitgemäße Übersetzung des alten Sprichworts kenne: ,,Da stehen die Ochsen am Berge?" Der Minister, der, wenn er auch etwas weiß, doch nichts wissen darf sobald er vermuthen kann, daß sein königlicher Herr ihm etwas Neues sagen will, antwmtete mit einem erwartungsvollen ,,Nein!" ,,Da stehen die Liberalen am Jordan!" schrie der König, und konnte sich vor Lachen kaum halten. Ein Glück, daß den Witz kein Radikaler gemacht hat, die Liberalen würden ihn ohne weiteres steinigen. IiS dorr vreux teoaps. So lange es alte Leute gegeben hat, war ihr Wahlspruch: l^k- bon vieux temps! Es gibt aber ein Volk wo die Menschen als Greise geboren werden. Es ist dies der Name der Micheliden. — Ein Michelide läuft noch mit der Eierschale am Steiß herum und seufzt schon ganz erbärmlich : HK ! le gon vienx, temps! Wunderliches Volk! Und wo wohnt es ? Das ist schwer zu sagen. Es hat auch Dichter, und einer unter diesen besang einst die Geographie seines Vaterlandes. Als er jedoch an die Grenzen kam, da haperte es gewaltig. An etwas anders > zu legeu, so war es nach der Arbeit der Revolution. Wo lebt ein Deutscher, >)er ihm diese welthistorische ^ Erschöpfung nachgähnen/ den großen Gedanken: ich will in meiner Welt untergchn, ihm nachzn- denken das Recht hätte ? Auch hat die Welt seitdem sich weit herum gedreht. Dein Punkt, den Du er- i stürmen willst, ist überall in jedem Herzen, in jedem Kopf; und es könnte wohl kommen, daß Du mit benannten Zahlen, wie Preußen und sein Regiment, > eine ganz falsche Rechnung angesetzt hättest. Ja, es wäre nicht unpassend gewesen, wenn Du wirklich Dein Weltbewußtsein, "statt Deiner Poren und Nieren, hättest erweitern können. Man verachtet, man haßt, man verläßt noch die i' Deutschen nicht, wenn man sich über sie und mit ihnen keine Illusionen macht. „Die Menschen, sagt ^ ein geistreicher Franzose, sind wüsste sein können; jeder Haß gegen sie ist ein Unrecht: ein Narr trägt Narrheiten, wie ein Wildling Holzäpfel." Ein unterjochtes Volk kann unmöglich eine wahre und freie Literatur, es kann, wie gesagt, nicht einmal freie Gedanken im Kopf haben. Man muß sich er- ^ innern , daß dies zu allen Zeiten der Fall war, um ' seine Zeit in der Ordnung zu finden, selbst wo man mit dieser Ordnung ein Ende machen will. Lord Chesterfield schrieb über den Geist der Gesetze: „Es ist schade, daß der Präsident Montesquieu, ohne Zweifel wegen des Ministers, nicht den Mnth gehabt hat, Alles zu sagen. Im Ganzen merkt man wohl, was er denkt, aber er drückt sich über gewisse Dinge nicht deutlich und nicht stark genug aus. i Man würde besser wissen, was er denkt, wenn er in London geschrieben hätte oder als Engländer geboren t wäre." Weder Montesquieu noch Helvetius wagt zu seiner Zeit den französischen Despotismus Des- , potismus zu nennen, immer citiren sie dazu die Asiaten; ja, der letztere widerruft Alles, was in seinen Discours gegen das Christenthum wäre, ^ obgleich sein ganzes Buch dagegen ist, wie das die ! Pfaffen auch sogleich ganz richtig rochen. So hat ^ Kant nie seinen Republikanismus, Hegel nie seine II Freiheit von der Religion rein herausgesagt. Warum? „Die Luft macht leibeigen!" Der Boden j macht frei, den ein freies Volk bewohnt. Jeder ^ Sclave, der in England landet, ist frei, versteht j aber kam er nicht. Der Dichter sagt uns, das Land sei allenthalben da, wo man diesen Seufzer hört, und ich kann nur noch die etwas unbestimmte Notiz hinzufügen, daß es in der Mitte liegt. Nun bestrebt sich natürlich das Volk, seinen Seufzer zu verwirklichen, ihm Fleisch und Blut zu geben. Und man kann sagen, daß im Ganzen die ersehnte alte Zeit, die heraufgezaubert wird, allmählig der unsrigen etwas näher rückt. Die Masse des Volkes versteht den Fortschritt nicht wie seine hoffnungsvollen Musensöhne, welche die Musen in die Urwälder und die Urwälder in unsere Salons verpflanzen wollen. Die Volksmasse ist in der Ritterzeit angelangt. Somit wird es heilige Pflicht genannt, die Unterdrückten zu schützen und vor ihrem gänzlichen Untergang zu bewahren. Wundern wir uns also nicht, daß diese mannhaften Ritter jetzt hauptsächlich ihre Lanzen brechen zu Ehren des dahinsiechenden Gottes, Königs und Vaterlandes, des wankenden Eigenthums und anderer verlassenen Wittwen und Waisen. Im vorigen Jahr erschien ein solcher Ritter von der traurigen Gestalt auf den Kampfplatz, erklärte das Privateigenthum für seine Dulcinea und schleuderte seinen Handschuh in die Welt. Nehme ihn auf wer will. Ich sah ihn hinein reiten in die Arena, und will nun einige Kennzeichen von ihm angeben, damit man ihn wieder finden kann, wenn er einmal verloren gehen sollte; denn das wäre Schade. 3 sich, so weit er es zu sein vermag. Undcmtsua kntn llbortt. Ist die politische Freiheit noch nicht die ganze Freiheit, so ist sie ohne Zweifel der Anfang ihrer Realität, die Voraussetzung der totalen Befreiung. Was könnte ich nun für meine patriotischen Freunde in Deutschland thun? Es wäre vor allen Dingen gut, wenn Ihr entnationalisirt und, ich will nicht sagen englisirt oder französirt, sondern humanisirt würdet, um dann als Schwärmer nicht auf Einen dummen Punkt, wie Berlin, sondern auf tausend Punkte leuchtend und zündend loszuplatzen. Was ich also thun würde, wenn ich die Fonds einer passenden literarischen Civilliste hätte, um Euch zu dotiren? Ich würde Euch Alle in Hamburg als Sclaven einschiffen und in Havre de Grace als Emancipirte ans Land setzen. Wer wohl den Danton spielen und seinem Kopfe das nicht zutrauen würde, was seine Schuhsohlen ihm versagten? Kein Einziger, selbst Du nicht, der Du es jetzt freilich nicht vermeiden kannst, „mit Deiner Nation zu siehen und zu fallen." Stündet Ihr nur erst! Uber Heine bist du eben so sehr im Dunkeln, als über die Nationalität. Ein lebendiger Heine ist besser, als eintodter Fichte. Heine's politische Satiren sind darum gut, weil jetzt Stoff zur Satire vorhanden und er witzig genug ist, ihn zu benutzen. Zur Freiheit, die nicht eristirt, kann man sich nur ironisch verhalten; so lange es klar am Tage liegt, daß niemand sich bei ihrer Realisirung die Finger verbrennen will. Heine hat eine Menge hübscher Satiren gemacht und eine Menge in petto. Er muß mit diesem Genre jetzt nothwendig noch einmal in Schwung kommen. Diese Zeit ist wieder sein. Er ist einer, der jetzt dichten kann. Er hat keinen Enthusiasmus, und er braucht ihn so wenig zu seinen Witzen, als Ihr zu seiner Lectüre. Freilich, wenn die Witze an der Tagesordnung sind, so ist die Freiheit herunter, so ist der Welt die Poesie über die Ohren gezogen und eine Schellenkappe daraus gemacht ; die Existenz des Charivari beweist die Verunglückung der Juli-Revolution. Aber wollt Ihr nun auch den Charivari nicht? wollt Ihr Eure nackte, bewußt- und witzlose Misere? Seid nicht albern! Übrigens ist Heine nicht ohne Sympa- Jch spreche von Herrn Dr. Heinr. Wilh. Kaiser, der uns mit einer Broschüre beschenkt hat über ,,die Persönlichkeit des Eigcnthums in Bezug auf den Socialismus und Communismus im heutigen Frankreich." Der Titel deutet es schon an, woher der Verfasser mit dem Socialismus und Communismus bekannt geworden ist. Er sagt es überdies, daß er ihn aus Steims Arbeit kennt, der bekanntlich den Socialismus und Communismus nicht kennt. Damit Niemand die ganze Broschüre durchlese, will ich nur dem ersten § einige Sätze entnehmen ; so weit bin ich darin auch gekommen. Den Socialismus will er vom allgemeinsten Gesichtspunkt auffassen, und geht deshalb vom Begriff des Eigcnthums aus.— Das Wesen des Eigenthums ist Persönli chke it (wird später ausgehechelt). - Der Socialismus erkennt die Berechtigung des persönlichen Eigen thu ms an, und will (trotz dem!) die Armnth vernichten, was er, nach dem Verfasser, aber nur deshalb nicht kann, weil — überhaupt keine Idee ausführbar ist! Doch soll wieder der Socialismus ausgeführt werden. Und von wem? Vom Staat! So steht der erste H aus. Wer noch Lust zum Zwciten hat, den muß ich an die Broschüre seihst verweisen, ich habe genug. Ich war erst zweifelhaft, ob es der Don selbst war, der auf dem Kampfplatz erschien, oder sein Sancho. Er ist es thie. Lies sein Lied : „Die armen Weber;" und Du wirst sehn, daß selbst die Verfluchung der Devise des Freiheits-KriegS einen sehr positiven, einen sehr tragischen Inhalt gewinnt. Es ist wieder frevelhaft umgekehrt. Diese Devise ist ein Frevel an der Menschheit, mit ihr wurde sie um ihre Befreiung geprellt; nur mit der Anslöschung dieses Fleckens kann die deutsche Sonne wieder hell werden. Aber ich vergesse, daß man Euch, und vollends wenn Ihr in Karlsbad seid, dergleichen zu denken und zu lesen verbietet; noch mehr, ich vergesse, daß Ihr dies nicht übel nehmt. Ihr findet keinen Schimpf darin, Ihr, so erwachsen Ihr seid, wenn man Euch offen sagt: „Ich will, daß Ihr darüber im Dunkeln bleibt oder gar von der guten Presse getäuscht werdet." Ich könnte Euch zurufen: Wie unwürdig! Und wäre es eine Insel in der Südsee, die keinen Gedanken, ja keine Pflanze zur Welt brächte, man müßte es übel nehmen, sie nicht entdecken zu dürfen! Es wird sobald kein Zuruf fruchten. Dennoch sind unsre Geschicke nicht so getrennt. Was werden soll, das fügt sich. Also auf Wiedersehn in Deutschland, so oder so. Ja, Gedanken haben Flügel, Schweben luftig her und hin rc. — Du kennst das Lied. — Es ist jetzt nicht mehr nöthig, daß sie in London, sie können auch in Paris zur Welt kommen. Dein A. R. Das Briefgeheimnis. Die „Allg. Preuß. Zeitung" berichtet triumphi- rend, daß die Briefe die aus Böhmen ankämen, alle von der östreichischen Regierung erbrochen, und mit dem kaiserlichen Postsiegel wieder verschlossen würden. Der König von Preußen ist gerechtfertigt; — er hat zwar eine schändliche Maaßregel eingeführt, — aber seine gekrönten Brüder und Schwestern in Christo begehen sie auch! Das muß man dem Manne lassen, er lernt viel von den großen Staaten! Auch in England so gut wie in Rußland und Ostreich erbricht man Briefe, ja der Nationalconvent erließ einst ein Dekret, das aber selbst, sonst hätte er seine §§ mit einem Sprüchlein seiner Großmutter geschlossen; etwa: Trau, schau, wem? Die Wiener Blätter. Nichts ist gewöhnlicher, als in Wien von Kindern angebettelt zu werden mit dem Versprechen uns glückliche Nummern zu sagen. Dort herrscht nämlich neben Ferdinand und seinem Ersatz-Kopf Metternich noch stets das Zahlenlotto. Es ist so komisch-widersinnig, daß man um eine Kleinigkeit gebeten wird, während man uns Reich- thümer verspricht. Aber was uns hier auf der Straße lächerlich erscheint, dasselbe Verfahren gilt noch heut für wissenschaftlich. Italien, England und Frankreich sind die Länder, welche uns vorzüglich die sogenannte Volkswirth- schaftslehre, oder die Kunst das Volk reich zu machen, predigen. Sie fordern : ,,Machts wie ich euch vormache, wenn ihr reich werden wollt," und sterben dabei selber vor Hunger! Wie wenn die Wiener Bettler und die National-Ökonomie alle beide Betrüger wären ? Kleine Nachrichten. Hippologisches. Das von uns neulich unfern Lesern empfohlene hippolvgische Journal: « I/wnEone » änderte, mit dem Schluffe des vorigen Monates, Titel die Verletzung des Briefgeheimnisses sanctionirtc: — Warum aber sieht der große Mann nur immer die gewaltsamen Maaßregeln, die Mißbräuche ab, warum führt er ein Auönahmsgesetz der großen Revolntionsperiode als veratonsche Regel in seinen friedlichen Staaten ein? und wenn dann auch die ungeschickte Wahl der abgelernten Gewalterpe- rimente nur ein Jrrthum wäre (ich wundere mich über meine Mäßigung), warum verläugnet er die Maaßregeln, warum guckt er wie ein neugieriges altes Weib in die Briefe, und verkleistert sie dann künstlich, so daß nur ein scharfes Auge der Betrug sehen kann? Warum läßt er nicht auch den eröffn neten Briefen das Staatssiegel aufdrücken? Warum nimmt er einer Gewaltthat ihren gewaltigen Charakter, und macht sie zu einer schlechten Jntri- gue, zu einem pfiffigen Unfug? Weil er Muth genug hat um ein gewaltiger Schauspieler, nicht aber um ein gewaltiger Mensch zu sein! Der Pauperismus in Preußen. Ein bedeutender Mann, der die Farcen des Königs von Preußen von Anfang herein richtig auffaßte, sprach sich jüngst über die kürzlich erlassene Cabinetsordre so aus : „Der König ist erfreut darüber, daß er in seinen Staaten auch Pauperismus hat. Es ist ihm das ein Beweis, daß er ein großer König ist. In andern Ländern und namentlich in England hat er viel von dieser Krankheit reicher mächtiger Staaten reden hören, — sollte sich dies Symptom nicht auch in seinem Reiche wieder finden? Er hat den Pauperismus richtig entdeckt, er erklärt es in einer Cabinetsordre, daß er diese Entdeckung gemacht hat, er ist jetzt ganz sicher, Herr eines großen Staates zu sein — und dabei bleibt's." Die politische Philosophie. Wenn es schon überhaupt wichtig ist, eine geordnete, auf klarer Vernunft beruhende Weltansicht zu besitzen, so ist dies Erforderniß um so dringender in politischen Angelegenheiten. Stirbt dir ein Kind und du weißt dich nicht denkend zu ermannen, ver- und Redaction. Erfterer heißt : « b» kkeamioa » , — letztere ist einem äußerst kenntnißreichen und fähigen Manne vom Fache übertragen worden. Das Journal selbst, seine bisherige Tendenz unverändert beibebaltend, steht unter den Auspicien der Hoeietä völerinaire. Ein nord-amerikanisches deutsches Blatt sagt : Wir lesen in den vortrefflichen ,,Vaterlands-Blättern" die allerdings etwas auffallende Nachricht, welche wir hier folgen lassen: „In der großen Co^-ia — nicht zu Kilano, noch zu k» en28,nvch zu Napoli, sondern zu Illonaeo, aber nicht in dem unter königlich sardinischer Oberherrschaft stehenden, sondern in dem IN Lavier» gelegenen — zu deutsch zu München, auf der Ludwigsstraße, sollen außer anderen bayrischen Feldherren auch Wrrde und Lilly zu dankbarem Gedächtnisse in Erzbil- vern ausgestellt werden. ?»r nobile trau-a.n ? — Schade, daß mindestens zu dem Tillydenkmale nicht öffentlich gesammelt worden ist; alles Volk in Deutschland, was Sachsennamen trägt und getragen hat, hätte ganz vorzüglich Ursache ein ,,dankbares Gedächtniß" an dem Helden von Magdeburg und Brcitenftld zu bewähren." zehrst dich in Traurigkeit, verwaltest dein Amt, dein Geschäft wohl gar schlecht: so ist das immer dein eigner Schade, wie beklagenswertst er auch sei. Wer aber politisch zu handeln, zu wirken, auch nur zu reden befugt ist, der hat noch viel größere Ursache und Dringlichkeit sich nach dem umzusehen, was die Welt im Innersten zusammenhält, was die Bedingungen und Gesetze aller Entwicklung, alles Werdens sind, weil Verwirrung in diesem Gebiete, weil auch nur ein einziger Jrrthum, in ein fruchtbares Erdreich gepflanzt, die weitverzweigtesten Folgen haben kann. Wie z. B. wenn Einer nicht wüßte, daß es allgemeines Weltgesetz ist, daß ein Princip, eine Seite des Geistes, grade dann am Meisten es selbst, grade dann am Hartnäckigsten und Energischsten wird, wenn bereits sein Tobten- glöcklein geläutet, wenn bereits die Keime des Neuen siegreich zu sprossen begonnen haben? Wenn Einer dies nicht wüßte, der doch politisch zu wirken berufen wäre — Ehrlichkeit setzen wir hier immer voraus — wie würde der nicht sehlgreifen und fehlwirken müssen! Die Dialektik des großen Weltprozesses bringt es sogar mit sich, daß jenes Prinzip sich kurz vor seinem Tode eben erst recht als dasjenige offenbart, was es eigentlich Zeit seines Lebens gewesen und waS bereits seit geraumer Zeit den Kampf gegen dasselbe nöthig machte. Wann wäre Roms Wesen, die Zweckmäßigkeit, die Unterordnung aller sittlichen und religiösen Elemente unter den Einen Zweck, den Räuberstaat über die ganze bewohnte Erde auszudehnen, mehr und besser an den Tag gekommen, als zur Zeit nach Entstehung des Christenthums? Wann hätte sich die absolute Willkür, Verschwendungssucht und unsinnige Prachtliebe der französischen Cape- tinger glänzender gezeigt, als zur Zeit, da man die Frage nach dem „dritten Stande" bereits aufwarf? Wie hat nicht Napoleon in den letzten Schlachten noch sein Genie bewährt, während die Sittlichkeit der Völkerempfindung seiner mechanischen Erobe- rungsidce bereits den Untergang ankündigte? DaS Alte zeigt sich, wie gesagt, jetzt erst recht in der Fülle seines Wesens, das aber freilich schon ein Unwesen gewvrden ist. ... Wer nun nicht philosophisch gebildet ist, wer die Nothwendigkeit dieses, scheinbaren Wunders nicht einsieht, der konnte in der besten Herzensmeinung sagen: „Wie sollten wir kämpfen gegen ein Princip, dessen Dasein offenbar noch für Jahrhunderte gesichert ist, das eben jetzt alle Poren, des Lebens durchdringt und das nnt wahrer Hartnäckigkeit den Plan behaupten will und aückH behaupten zu können scheint? Daß wir doch Thoren wären, unsre Kräfte in solchem Turniere aufzuwenden, zu zersplittern und uns die Ruhe und den Frieden des Privatlebens, welche unö ja ohnedem keine Macht rauben kann, selbst zu verkümmern! Lassen wir die Hände gegenwärtig von der öffentlichen Angelegenheit, üben wir die allgemeinen Pflichten und Arbeiten sanfter Humanität aus, Studien, Künste, Musik; ach ja, Musik mit ihrem Silberklang." Es ist der Mangel philosophischer Bildung, der also laut wird, denn dieses Gerede war durchaus unphilosophisch und darum unwahr. Wo eineReac- tion, das ist ja doch die letzte Wiederbelebung eines dem Tode verfallenen Princips, wo eine Reaction so bedeutsam auftritt, daß die Furchtsamen im Geist schon in obiger Weise zum Rückzuge blasen : da verlasse man sich, dafern nur Jeder das Seinige thut, auch auf eine baldige radikale Änderung zum Bessern. Wenn die Leute sagen : „Nein, es ist zu arg!" ! dann hat eine Reaction bald ihre Berghohe erreicht, ! und von da geht es hinab — hinab, weit schneller als hinauf; nur daß man nicht sagensollte: „Es ist zu arg," sondern : „Es ist jetzt grade arg genug!" Erhebend und erquickend ist der Gedanke an die Verwesungsblüthe der untergehenden Principien, eines der herrlichsten Resultate des Denkens, wenn nicht das großartigste von allen. Aber es darf damit kein fatalistischer Unfug getrieben werden, 'es muß nicht so gehandhabt werden, als ob sich nun die Weltgeschichte von selber machen würde, als ob das Umschlagen des Alten in das Neue ohne menschliches Zuthun zu erwarten stände. Die böse quietistische Lehre soll uns fern bleiben. Die Welt ist bis jetzt meist unbewußt vernünftig gewesen; der Kern der Gattung, die Vernunft, hat gewissermaßen nur als Jnstinct gewuchert. Es ist Zeit, daß der Jnstinct zum vollen Selbstbewußtsein erwache, daß wir denkend das vollbringen, was wir handelnd wissen. Dieses hohe Selbstbewußtsein, dieses Sichselbstbe- sinnen der Vernunft in uns, angewandt auf das Wissen von der Bedeutung aller Reaction, die dann am Schlimmsten scheint, wann sie am Schwächsten ist: das wird die nächste Geschichte bilden, eine große und schöne Geschichte! Die landwirthschaftliche Colonie „Osterwald" im Elsaß. Der Direktor dieser merkwürdigen Anstalt, Herr Kraft, war so gefällig, mich die ganze Einrichtung derselben in Augenschein nehmen zu lassen. Sie ist darauf berechnet, hundert Bettler und Hei- mathlose als Colonisten aufzunehmen; da sie aber noch im Entstehen ist, zählt sie deren jetzt etliche vierzig Männer und vier Frauen. Die Wohn- und Öconomiegebäude, bis jetzt neun an der Zahl, sind zum Theil sehr geräumig, von Holz erbaut und den Schweizerhäusern ähnlich. Das Hauptgebäude, vor dem sich ein Blumengarten mit einer Fontäne befindet, enthält, außer der Wohnung des Direktors, zwei große Speisesäle und eine Küche, worin für Alle gekocht wird. Hier überzeugte ich mich von der Güte der Speisen, welche den Colonisten gereicht werden, Sie bestehen.aus Suppe und Gemüse, täglich zwei Pfnnd Brod und einem Becher Weins. Zweimal in der Woche wird Fleisch beigefügt, an welck)en Tagen der Wein wegfällt. In einem der Säle.effen die Männer an einem langen Tische; in einem anvern die Frauen. Letztere besorgen die Küche und Wäsche. Die Männer bebauen das theils zur Colonie gehorendeFeldj, theils treiben sie ein Handwerk, worin sie sich etwa früher schon übten, oder wozu sie Geschick haben. Neben dem Hauptgebäude befinden sich zwei Nebengebäude, in denen die Schlafsäle sind. Da stehen auf beiden Seiten Reihen von eisernen Bettstellen, mit den reinlichsten Betten darauf. Hie und dg hängt auch wohl ein kleiner Spiegel. Diese Säle sind hoch und luftig, und die größte Ordnung herrscht hier, wie in allen andern RäuineW der Colonie. ^ ^ Die Werkstätten der Handwerker sin-V in besonderen kleineren Häusern eingerichtet. Irr der -einen werden sämmtliche Schuhe der Colonisten verfertigt, in der andern ihre Röcke, die im Winter yuS einem guten wollenen Tuche gemacht werden und blou- senartig zugeschnitten sind, im Sommer aus leinenem Zeuge. Die Schmiede- und Wagenarbeit wird in einem dritten Gebäude verrichtet; ebenso haben die Aufseher der Ackerleute und der Secretär des Direktors ihre besonder» Wohnungen, von wo aus sie die Colonie übersehen können. Nur'vier Person neu beaufsichtigen die ganze Anstalt. In einem geräumigen Stalle befinden sich jetzt etwa 40 Stück schönes Rindvieh, das sehr reinlich gehalten ist. Man war gerade beschäftigt, einen zweiten Stall zu bauen und den Viehsland zu vermehren. Eine große Scheune schließt sich noch an, worin die Vorräthe aufbewahrt werden. Alle Ge- ! bäude umgeben ein weites Viereck, welches theils als Hof, theils als Gemüsegarten dient. Hinter diesem Viertel dehnen sich die Felder aus, welche 147 Hektaren enthalten. Arbeiten muß jeder Colonist. Morgens gegen 6 Uhr fängt die Arbeitszeit an und dauert mit gehörigen Unterbrechungen von Eß- und Ruhestunden, bis Abends 6 Uhr. Zu gewissen Zeiten, wo die Feldarbeit viele Hände erfordert, müssen auch die, welche sonst ein Handwerk treiben, sich ihr unterziehen, was sie mit Freuden thun. Diese Änstalt hat große Vorzüge vor den gewöhnlichen Arbeitshäusern, wo fast nur in Zimmern die Arbeiten verrichtet werden, während in Osterwald die meisten derselben landwirthschaftlicher Art sind und den Aufenthalt im Freien nöthig machen, der sehr wohlthätig auf die Arbeitenden wirkt. Täglich erhalten sie, außerdem, was sie zu ihrer Eristenz bedürfen, je nach ihren Leistungen, ei- s nen kleineren oder größeren Lohn an Geld. Diesen i können sie nach ihrem Belieben verwenden, wozu ih- ' nen Gelegenheit gegeben wird, indem sie an Sonn- und Feiertagen, am Nachmittage in der Umgegend spazieren, oder auch nach der Stadt Slraßburg gehen können. Auf meine Frage nach dem sittlichen Verhalten der Colonisten, antwortete der Direktor: daß es ihm die größte Mühe gekostet habe, sie von dem ! Genüsse des Branntweins abzubringen, daß es ihm indeß jetzt glücklich gelungen sei. Über derThüre des größeren Schlafsaales stehen in französischer und deutscher Sprache die Worte: „Ter Branntwein ist der Weg zum Spital." Der Direktor sagte mir, ^ daß nur selten Streit unter den Colonisten ent- j stände, und daß durch ein gutes Beispiel am meisten aus sie gewirkt werden könne. Dieses fehlt ihnen auch gewiß nicht an den Vorstehern der Anstalt, in denen ich die humansten Männer fand. Ein solches Amt muß mit Liebe verwaltet werden, und dies ist nur da möglich, wo eine Begeisterung für die Idee l herrscht, einem Theile, wenn auch nur einem klei- ! neu, der leidenden Menschheit zu dienen. Jeder, der sich als heimath- und mittellos ausweist, wird in der Colonie ausgenommen, und selten verläßt sie der wieder, der einmal eingetreten ist, obgleich in dieser Beziehung nicht der geringste Zwang obwaltet. Was sollte er auch draußen in der Welt? Ohne Heimath, ohne Arbeit würde er wieder betteln oder noch etwas Schlimmeres thun müssen, und dann wäre ihm das Zuchthaus gewiß. Diese Colonie, die erst vor zwei Jahren auf Anregung des MaireS von Straßburg entstand und die Fonds zu ihrer Gründung theils aus dem Ertrage eines Waldes erhielt, der auf einem sumpfigen Terrain abgcholzt wurde, welches jene Stadt für das . Unternehmen angewiesen hatte, theils auch durch i eine namhafte Summe, die der Gemeinderath von « Straßburg dazu verwilligte — erhält sich jetzt schon aus sich selbst und wird bei längerem Bestand nur gewinnen. Später sollen auch ganze Familien ausgenommen werden. Liegt nun nach diesem Allen nicht die Frage nahe, ob dergleichen Unternehmungen nicht in jedem Landein vergrößertem Maaßstabe gegründet werden und gedeihen könnten? Wie manches Stück sumpfi- . gen Landes,' das nutzlos daliegt, könnte urbar ge- nlacht,'könnte, üon Händen bebaut, die sich uns jetzt bettelnd entgegenstrecken, zum Unterhalte für Men- . schein dienen,., welche der nothdürftigsten Lebensbe- dürffi.iffe. beraubt, heimath los umherirren, körperlich und geistig versinken^ ihre Menschenwürde verlieren, und so zu jeder Art von Verbrechen fähig ge- > inacht werden ! ^ '' n Redacteur: Heinrich Börnstein. Truck mit Schnellpressen von PaulRenvuard Paris, rr^'l Nr 62 . Abonnements - Preise r Ln Paris: ^ Ein Jahr. . . 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 ,, Drei Monate. ... 8 „ kl.' - Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 18 „ Drei Monate. . . . S Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. -4 - ° ^ ^ ü (Sonnabend.) , ? s r w sk / ^ iü Man abonnirtr für Paris:> li.-8 Illoulins, 32, und in der Buchhandl. von aules Lenousrä et nue cle ^ ournon, 6 5 in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; . 1 . Belgien: bei den Messagerien-' ' ^ Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. P ariter, D euttche.„A ei.t teh rik 1.. - (». Aug»st> Attentat aus den König von Preußen. Das preußische Staatsministerium veröffentlicht im offiziellen Theile der „Allg. Preuß. Zeitung" die näheren Umstände eines Altentat's gegen den König. Im Augenblicke, da der König unter dein Schloßportal in seinen Wagen stieg,, um sich nach Erd- mannsdors und von da nach Ischl zu begeben, feuerte ein Manu ein Doppelpiftol- in zwei schnell aufeinander folgenden Schüssen auf den Wagen ab, die jedoch statt den König zu treffen, in das Innere des Wagens fuhren. Der Thäter ist der ehemalige Bürgermeister Tschech aus Starkow in der Kurmark, der nach einer „sehr tadelnswertHerr Dienstführuug, im Jahr 1841 seinen Abschied „nahm," und der seitdem mit vielen Anstellungsgesuchen abgewiesen wurde. Als Grund seiner That gab er Rache wegen der wiederholten Zurücksetzung an und erklärte weder Mitwisser noch Anstifter zu haben. Er wurde augenblicklich verhaftet. Die obige Erzählung ist ein getreuer Auszug des offiziellen Berichts,' mit Weglassung der obligaten Redensarten von Gnade der Vorsehung, von Dankgebeten und andern abgeschmackten Verzierungen. Daß Herr von Savignp und Consorten es eine Gnade der Vorsehung nennt, daß ein Mensch schlecht zielt,.wenn er einen König treffen will, möge,aus sich beruhen ; wir haben andere Betrachtungen an den Vorfall zu knüpfen. So wie die „Staatszeitung" die Umstände erzählt, liegt dem Attentat kein politischer Beweggrund unter. Spezielle persönliche Rache habe den Thäter zu seiner Handlung bestimmt, die ganz in das Bereich der so häufig vorkommenden Mordthaten aus Rache fiele, wenn nicht der König eines großen Staates Gegenstand des Angriffs gewesen wäre. Daß ein Mensch, der sich verletzt glaubt, verletzt von einem König, dein gegenüber es keinen Rechtsweg gibt, der von Gottes Gnade regiert, eSwagt,'sich an diesem unerreichbaren Stellvertreter Gottes, an diesem irdischen Gotte zu rächen, daß ein gewöhnlicher Mensch einen deutschen König sich gegenüber als Mensch und als weiter nichts ansieht, den die Gnade Gottes micht kugelfest macht und nicht vor menschlicher Rache schützen kann, das ist eine große Entdeckung, die man also in Deutschland auch gemacht hat. Ein Attentat auf einen deutschen König ist für Deutschland der einzige Beweis gegen den deutschen Absolutismus. Alle andern haben nicht angeschlagen. Der Absolutismus, sobald er angreifbar ist, verliert seine göttliche unfehlbare Natur; daß er angreifbar ist, mußte an einem deutschen König bewiesen werden, — denn weder der Tod Karls 1. und Ludwigs XVI., noch die vielen Attentate auf Ludwig Philipp haben Deutschland belehrt: ein deutscher König konnte rauben und morden, und sich in den lüsternsten Gewaltstreichen üben, er konnte Menschen quälen, entehren und verkaufen, — und dabei seinen sündigen Leib ungefährdet in jeder Hütte niederlegen — das ist vorbei! Es ist in den Augen der deutschen Menschheit keine Unmöglichkeit mehr, sich an einem König zu rächen,. . Ein solcher Gedankengang ist der Politik durchaus fremd. Es handelt sich nicht darum,.eine gewisse Parthei zur Regierung zu bringen, oder eine Dynastie zu stürzen; und die sichtliche Ängstlichkeit mir welcher der Ministcrialbericht jeden Gedanken an die politische Entstehung des Attentats ausschließt, war durchaus überflüssig. Vor der Herrschsucht der Part Heien hat sich ein König von Preußen nicht zu fürchten, wohl aber vor dem Ausschlagen des Menschheitsbewußtseins des ganzen Volkes. . Eine andere Frage ist die, ob das Attentat nicht bedeutende politische Folgen haben wird. Man wird die Partheien nicht offen beschuldigen, aber man wird sich , wahrscheinlich heimlich? an ihnen rächen ! Was bedeutet die Todesstrafe, selbst wenn der Unglückliche von unten hinauf gerädert wird, gegen den Angriff auf das Leben eines preußischen Monarchen? Ist die königliche Rache befriedigt, ist eine solche That gesühnt durch denToddes Thüters? Feuilletän des, Uorwiirts. -- .-2 ' Vorwärts! Gedicht von Goethe, im Jahre 1794 geschrieben, von ihm später aber in der Sammlung seiner Gedichte unterdrückt. Brüder auf! die Welt zu befreien! Ehre winkt, die Zeit ist groß ! r Alle Gewebe der Tyranneien Hau't entzwei und reißt Euch los. Hinan-! Vorwärts! Hinan! Und das Werk, es werde gethan. Sv erschallet Gottes Stimme, ' ' Denn des Volkes Stimme schallt, Und entflammt vom heil'gen Grimme '' Folgt des Blitzes Schnell-Gewalt? ' " -- Hinan ! Vorwärts !'Hinan! , -i - - Und das Große, es fei gethan! ' i - Ha! so schreiten alle.Kühnen I., , Eine Hache Äelt,.entlang^ Die Verwüstung, di? Ruinen,. , Nichts verhindert ihren Gang. Hinan ! Vorwärts! Hinan! Und das Gewalt'ge, es sei gethan! Hinter uns her vernehmt Ihr Hallen Starke Worte, treuen Ruf. Siegen! heißt es, oder fallen! Das ist's waschie Völker schuf. - . - H>'nan! Vorwärts! Hinan! Und das Werk, cs wäre gethan! ' ' Euch die A lten, auch die Greisen Werden nicht im Ratheruh'n, Denn 's ist Um den-Stein der Weisen, Um die Freiheit ist's zu thun !' Hinan! Vorwärts! Hinan! Und das Werk — es ist schon gethan! Noch ist^Vieles zu erfüllen — Noch ist Manches nicht vorbei. ' Doch wir Alle durch den Willen Sind schon von den betten frei. Hinan! Vorwärts! Hinan! ' ' Und das ^Werk, es bleibt gethan! " ' ^ " 'U'"! Üb -, ' Als ich auf den Ruinen von Pastnm 6 k.; staud.i " - . ' .. , ^ m- . - Diese Wildniß voll Gestrüppe, .. ... . . , Und dort hinten jene Schatten, , ^ Jene wandelnden Gerippe, Mit dem Leidensaug', dem matten — Wie! .Hier wäre ich zur Stelle, Wo einst doppeltblüthige Rosen Schmückten jedes Hauses Schwelle, Der Hetäre Stirnaber losen? Ja, so ist's. Der Tempel Zinnen Stolz noch in die Lüfte ragen. Das Gemeine ging von hinnen, Doch die edlen Säulen tragen. Wie ein Held in fester Rüstung Trotzet einem ganzen Heere, ., Rings Vernichtung und Verwüstung — So die griechischen A ltäre. - II. - Fühlest Du ein heilig Wehen ' '' Nun wir auf der Schwelle stehen? Menschen ließen dies entstehen, Und die Menschen waren groß. Dieses Denkmal ihrer Zeiten, Aufgebaut für Ewigkeiten, . i Seinen Sinn will ich dir deuten : iE Groß zu sein, sei nur ein Mensch. Laß dem Thoren seine Götter, . ,, - Sei dir selbst dein eigner Netter, 2 Werden die Minister des Königs, diese kleinen Seelen,-aus dem Attentate eine große Lehre ziehen, oder werden sie den rachsüchtigen König als Werkzeug ihrer erbärmlichen Leidenschaften, ihrer kleinen politischen Rancüne benützen? Ohne Zweifel das letzte! denn einem großen Ereigniß gegenüber werden unbedeutende Menschen immer noch unbedeutendere Intriganten ! Der König selbst hat, nach seinem Charakter, nur zwei Wege, die er jetzt einschlagen kann. Entweder die Furcht zwingt ihn zur Milde, zur Humanität: dann ist er verloren, denn sein Maaßstab ist nicht der des Volks, — die Humanität beginnt dort, wo das Königthum aufhört; oder die Rache treibt ihn zur Grausamkeit, zur Härte, zur vollständigen Knechtung seiner Unterthanen, — dann ist er auch verloren! Sein Schicksal ist gewiß, aber es liegt in seiner Hand, ob er komisch oder tragisch enden wird! Ich aber bin wahrhaft erfreut, daß er den Kugeln entgangen ist: er möge noch lange leben, bis er das Königthum zum Spott vor Kindern und zum Greuel vor allen Männern gemacht hat. Die Angaben der vsdats, die offenbar aus guter Quelle kommen, widersprechen der „Allg. preuß. Zeitung" in Bezug auf die Gründe welche den Tschech zu dem Attentate bewogen haben. Die Osbats sagen: II a ckeelaro gu'il nvait voulu ren- -ckre 8srvie6 ä, son pa.^8 en assasZinant 1s roi, et ckonner un uvertissement ä, 868 sueeWseurs. (Er -erklärte, daß er durch die Ermordung des Königs -seinem Lande einen Dienst habe erweisen wollen, der zugleich dessen Nachfolgern als eine Warnung dienen könne.) Will etwa Preußen im In land e glauben machen, es gäbe keine Partheien, und soll das Ausland vorbereitet werden auf die Ge- -walt-Maaßregeln gegen den Partheigeist? Ich glaube kaum daß ein so muthiger Mann, als dm -man Tschech schildert, nicht so klug sein sollte um . einzusehen, daß Könige unverbesserlich sind und von keinem Beispiel profitiren. Sie hätten dazu oft Gelegenheit gehabt. Der Nachfolger des Königs -ist der Prinz von Preußen, wenn die Gnade Gottes so lang'Stich hält; — der will -und soll gar Rufe auf zum freien Äther : Ich, der Mensch, ich bin der Gott! III. Und es nahen schon die Stunden, Wo der Mensch sich selbst gefunden, Wo die Götter überwunden, Uns gehöret der Olymp. Ein lebendig, neues Watten Will sich frisch und froh entfalten, Neu die mächtigen Gestalten, Neu ersteht das Alterthum. Nur dasSchlechte fällt in Trümmer, Darum rudre, stolzer Schwimmer, Nur das Ziel im Auge immer, Du, der Menschheit Genius. Brief einer jungen Dame aus Heidelberg über die badischen Prinzen. Heidelber g, am 31. Juli. Mein lieber Cousin! Wissen Sie, daß ich bald verrückt werde, oder daß ich fast schon ein bischen toll bin — und das vor lauterem Glück! Ach ! mich schaudert wenn ich denke, daß das bald aufhören wird. Denken Sie, ich habe schon viermal mit den nicht gewarnt oder gebessert werden. Wollte Tschech sich rächen, so hat seine Handlung Sinn; wollte er ein warnendes Beispiel statuiren, so hat er sein Leben umsonst gewagt. Der Phraseologie der preußischen Er-Staatszeitung und der geheuchelten Schönrednerei der deutschen liberalen Journale gegenüber, ist eine solche Auffassung unabweisbar; daß man den Mord unter keinen Umständen rechtfertigen will, braucht darum auch nur für diese gesagt zu werden. ^ Die Berner ^ cheLuherligt üt. Längst haben Bern'S Jur ^ and re.che Bürger die Revolution der Nennziger^-Hre vergessen und träumen sich-eine ruhige Gewaltherrschaft bis m's Ende her Tage. Was die reinigenden Stürme der. Politik damals in dem größten aller Kantone nie-^ dergesch'mettert, wird sorgsam restaurirt. Und damit ja auch das Komische nicht dem Argen mangele, geht die hochweise Regierung — so heißt es — im Stillen damit um, den französischen Prinzen der entthronten Familie dereinst zu unterstützen und dafür durch seine Hülfe den Wiederbesitz des schönen Waadtlandes, der ehemaligen Berner Provinz, zu erlangen. — Vorläufig jedoch begnügen sich die ehrenwerthen Stadt-Junker, jeden Wahrheitsfrennd möglichst zu Grunde zu richten und sich dabei zu bereichern. So stand z. B. Herr Jenni, ein so- cialistischer Buchhändler, schon öfter wegen „Religions-Verletzung" vor dem Staatsanwalt und wurde mehrmals zu Geldbußen und Ortsverweisung verurtheilt. — Aber thäte sociale Verbesserung nicht sehr Noth in einem Lande, wo die „Heimath- losen," diese aus der Gesellschaft verstoßenen Menschen, aus einem Kanton in den andern gesetzt werden? wo die auf dem Armenregister verzeichne- ten Personen nicht anders heirathen dürfen, als wenn sie die für ihren Unterhalt bisher vorausgab- ten Gemeinde-Gelder zurückzahlen; wo es endlich gäng und gebe ist, die Kinder der Armen öffentlich auf dem Auktionswege an diejenigen wohlhabenden Bürger abzutreten, die das mindeste Geld als Entschädigung fordern. — - - ' So steht es mit dem „Chanton Behren" (Landes- Aussprache), dersich stolz das Haupt der Eidgenosbadischen Prinzen getanzt die hier stüdiren. Ich bin ganz auseinander! Ach! mit einem Prinzen tanzen, was das heißt, das wissen Sie nicht, das weiß kein Mädchen auf der ganzen Wett, wenn es auch die stärkste Imagination hat, ohne es genossen zu haben ! Wenn ich zum Abendmahle gehe, und den lebendigen Sohn Gottes verzehre, das ist ein arges Vergnügen; aber im Vergleich zu der Galoppade die ich mit dem Erbgroßherzog beim Professor von Leonhard tanzte, ist es wie ein Stück Schwarzbrod gegen eine Trüffelpastete! Sie sollten aber auch sehen, wie die Herrn Professoren den Prinzen dafür dankbar sind, daß sie uns Mädchen so glücklich machen ! In den Collegien, so erzählen mir gewöhnliche Studenten (ach! ich ärgere mich, wenn mich nur so Einer engagirt), würzen die Herren ihre Vorträge mit den ausgesuchtesten Wohlgerüchen ; jedes Wort athmet Weihrauch und Ambra; eine blumige Phrase, eine huldvolle Wendung, die gewiß nicht für den gewöhnlichen Troß erfunden war, macht die Studenten auf das hohe Glück aufmerksam, in denselben Räumen mit den erlauchten Söhnen ihres Herrschers zu weilen! In den Soireen, auf den Professorenbällen sind die Prinzen der Gegenstand ihrer ganzen Aufmerksamkeit, ja ihrer Anbetung; da ist der gelehrte ascetische Ausdruck auf den Gesichtern unserer Forscher und Denker einem holden Lächeln gewichen; da verkürzen sich die hohen Gestalten unserer großen Mittermaier, Chelius und Nägele um mehr als einen Schuh; da er- senschaft nennt, aber seine uralten Herrengelüste immer noch nicht aufgegeben hat/Spricht Wan diesen Leuten von humaneren Prinzipien, so lachen sie Euch in's Gesicht und sagen: „Beim Eid! seht Ihr denn unsere WohlhabrnheiNncht?" Jedoch hüten sie sich, Euch das Elend,' das sich so gerne verbirgt, zu zeigen. „Wir sind frei und christlich" heißt es auch wohl. Wir wollen aber unfern Lesern eine empörende Thalsache als.Beweis Hierzu geben, und denunciren öffentlich dio juristische Christlichkeit der Herren Republikaner vvn-Bern, die sich „freie Schweizer" tituliren. Herr-Gunziker, ein braver, einfacher, ausgeklärter, .abev— armer,Landbewohner und Bürger des Kantons, ein Jäger von Profession, hatte seit Jahren keine Gelegenheit versäumt um seinen Nachbaren über Religionsbetrug, Regi'erungsränke und dummen Patriotenstolz die Augen zu öffnen. Mehrmals verbannt, ward er endlich im Jahr 1836, d. 30. August, vom Amts- Gericht Bern: „wegen Gotteslästerung und Verspottung der Religion" polizeigerichtlich zu fünfzehntägigem Gesängniß bei Wasser und Brod, zur Vertreibung auf zehn Jahre und in die Kosten verurtheilt. Wir haben das Dokument*) in Händen gehabt und führen der Merkwürdigkeit halber den Schlußsatz an : „falls Gunziker die Ereeution dieses Urtheils durch die Appellation zu hindern sucht, so soll derselbe, da er durch seine strafbaren Sünden dem Publikum, besonders der Jugend, äußerst gefährlich ist, zur Verhinderung dessen (!!!) sogleich in Gefangenschaft gesetzt und darin behalten werden — bis das Obergericht u. s. w." Dieser bereits bejahrte Mann befindet sich seit lange hier; von der Mehrzahl seiner " verblendeten Landsleute mißkannt und in beschränkter Lage, weiß er jedoch seinen Muth zu wahren und seiner Gesinnung immerfort getreu zu bleiben. Der heilige Benno in der „Karlsruher Zeitung." Die „Karlsruher Zeitung" läßt sich Folgendes aus München schreiben : „Vorgestern früh fand hier *) Auf welchem die erlittenen 20 Stockhiebe sreisich nicht verzeichnet sind. ' i- . - " . .. kennt ein Jeder wie seine ganze Gelehrsamkeit nichts als Tand ist vor dem strahlenden Auge ihres künftigen Herrschers ! Ganz neue Fähigkeiten hat das fürstliche Doppelgestirn aus den alten versteinerten Herrn herausgelockt; ihre herbe Natur ist wie umgezaubert. Sie verstehen sich vollständig auf den herrlichen Wuchs und die majestätischen I Gestalten der Prinzensie j bewundern trotz uns Mädchen ihre Grazie im Tanzen und wie stattlich sie zu Pferde sitzen; sie beugen sich vor ihrem Geiste und staunen über ihre Körper-Vorzüge. O! ich bin fest überzeugt der graue Mittermaier und der würdige Roßhirt beneiden mich um meine Jugend und mein bischen Schönheit, wenn ich am Arme des Erbgroßherzogs durch den Saal fliege: Bei der-Aufopfe- rungsfähigkeit und dem Grade von Anhänglichkeit an das großherzogliche Haus deren ein Professor fähig ist —wie würden die Herrn, nach einer solchen Metamorphose, ihre Reize geltend zu machen wissen ! Nicht wahr, ich bin ein eitles geschwätziges Mädchen? — aber ich mußte mich aussprechen — ich weiß ja, Sie sind verschwiegen, und ich wäre meines Glückes nicht vollkommen froh, wenn Sie nicht darum wüßten, Sie der es so ganz zu würdigen weiß! Tanzen in Paris die Professorentöchter auch mit den Prinzen? sind die Prinzen dort auch so liebenswürdig wie die unsrigen ? und wie stellen sich die Herrn Professoren dabei an? O! schreiben Sie mir darüber bald! Ihre treue Cousine E m meli n e. 3 bei noch sehr zweifelhaftem Wetter eine große Prozession unter Vortragung des Standbildes des heiligen Benno, des Landes- und Stadtpatrons, statt, die den sich ihr anschließenden Personen Gelegenheit gab, ihre Gebete mit denen der Geistlichkeit um ein günstiges Erntewetter zu vereinigen. Bei dem hohen Ansehen, welches der genannte Heilige ohnehin genießt, kann es nicht an einem höchst günstigen Eindruck aus die gläubige Menge fehlen, daß sich der so lauge trübe Himmel fast noch während des Bittganges aufgeklärt hat, rc." Also das nennt der Korrespondent der „KarlsruherZeitung" einenhöchst günstigen Eindruck! Daß die betrügerischen Pfaffen in München sogar den Hellen Sonnenschein zu benutzen wissen, um die Macht des Aberglaubens zu verdichten, begreift sich; das ist ihr verfluchtes Metier, sie leben von Lüge und Niedertracht! Aber Euch liberalen Bad- ncrn gratulire ich zu Eurer Tagespresse, — sie hat Respekt vor Euch und Eurer Aufklärung, sie behandelt Euch würdig! — Venerische Gewissensfreiheit. In Baiern hat das Ministerium von der Beschwerde des protestantischen Ober - Konsistoriums wegen Übertritt eines Kindes zur katholischen Con- fession Anlaß zu einem Rescript genommen, welches den Glaubenswechsel auch bei Minorennen dem Gewissen eines Jeden überläßt. An sich ist die Sache bedeutungslos. Ob einer auf katholisch oder protestantisch seine menschliche Natur prostituirt, — ob, wenn denn einmal ein Herrgott sein muß, die Einen ihn im Geist, und die Andern auch noch in Wirklichkeit verzehren, das macht keinen großen Unterschied. Aber was man in Baiern Ge wisse ns- freihc it nennt, das ist interessant. Die Gewissensfreiheit eines Minderjährigen besteht von nun an darin, daß ein katholischer Priester ein Kind so lang quälen und ängstigen, daß er dieses und seine Eltern durch Versprechungen und Geschenke so kirre machen darf, bis das Kind aus freien Stücken sich zur alleinseligmachenden Kirche bekennt, und sich dessen Eltern aus freien Stücken nicht widersetzen. — Sage mir nur noch Einer, in Baiern gäb's keine Freiheit, wo sogar die Minderjährigen frei sind! Arbeiterbewegung Ln Dresden. Mehrere hundert Arbeiter an der sächsisch-schlesischen Eisenbahn hatten sich am 20. Juli in Dresden mit einer Vorstellung wegen zu geringen Lohnes an den Ober-Ingenieur gewendet. „Grund soll ein Denkfehler gewesen sein," sagt die „Vossische Zeitung." Hätten die Arbeiter Logik studirt, räsonnirt vermuthlich die abgeschmackte Berlinerin, so würden sie sich nicht über zu geringen Lohn beklagen ! Freilich sie wüßten dann, daß der Schlußsatz heißt: Ihr bekommt doch nicht mehr! Und worin bestand der Denkfehler? Man hatte die Arbeiter durch eine anscheinende Lohneserhöhung zu täuschen gesucht, indem man ihnen für dasselbe Stück Erdarbeit, wenn sie es inkürzererZeit vollendeten, denselben Lohn wie früher für die längere Arbeitszeit, versprach. Die Arbeiter begingen nun den Denkfehler, einzusehen, daß dieß keine Erhöhung sei, denn man bezahlte für dieselbe Arbeit vor wie nach nicht mehr, und die Regierung allein hat den Vortheil, daß die Bahn eher fertig ist. Dü sehen Arbeiter wurden mit ihrer Beschwerde abgewiesen , und die Regierungslogik setzte sich mit Gewalt gegen den Arbeiterunverstand durch! Officielle preußische Wohlthätigkeit. Der König von Preußen hat es sich in den Kopf gesetzt, seinem Schwager den literarischen Kranz zu entreißen; während dieser Participial-Herameter aus der Klasse der millepeäes construirt, schafft auch jener sich ein ganz originelles Genre: das der wohlmeinenden Kabinetsordres. Auf diese seine gei- stigen Kinder verschwendet er alle Sorgfalt, die er an leibliche nicht verschwenden kann. Es ist ein merkwürdiges physiologisches Factum, daß man mitunter alle Fötustheile im männlichen Körper findet, indeß war doch noch kein Mann wirklich niedergekommen. Das einzige Beispiel ist bis jetzt der große Preußenkönig. Schade, daß er stets abortirt; das müßte sonst ein Minervengeschlecht werden. Bei seiner letzten Niederkunft hat man alle mögliche Sorgfalt angewendet, und deutsche Ärzte glauben, daß dießmal das Kind zwar noch etwas „frühzeitig" aber doch lebensfähig sei. Ich bin darüber anderer Meinung. Es wird diesem Kinde nicht besser gehen wie jenem vorletzten, welches sogar singend auf dieWelt kam, — aberes war sein Schwanengesang: Friede den Schwänen! Ernsthaft. Friedrich Wilhelm hat eine Kabinets- ordre erlassen, worin er der erstaunten Welt verkündet, daß der Pauperismus wirklich ein übel Ding sei, daß dieser aber nunmehr definitiv durch seinen königlichen Willen aufhören solle. Das Mittel ist jedoch nicht allein die Macht seines gesalbten Willens, sondern auch die Errichtung von Wohl- thätigkeitsgesellschaften. Verzeihen Ew. Majestät: Sie wissen, daß ck'erres den Hellespont peitschen ließ, aber er kam doch nicht hinüber. Auch Sie, Majestät, werden nie auf einer christlichen Brücke den Abgrund überschreiten. Die Sache will andere Mittel. Officielle Wohlthätigkeit hat 1) bis jetzt noch nie den Fortschritt der Armuth ausgehalten, noch ist sie überhaupt 2) im Stande dies zu thun. , Der Raum gestattet nicht historische Thatsachen zu häufen, es mögen deßhalb einige der sprechendsten genügen. Die legale Wohlthätigkeit hat nie zur Erleichterung der Arbeitslosen, immer vielmehr zu größerem Drucke geführt. Das Beispiel Englands liegt uns am nächsten. Hier ist das Elend auf den höchsten Gipfel in Europa gestiegen. Ein Zug mag es, statt aller, charakterisiren: 1830 mußten fünfzig Familien in der City von London alle Habe, Betten eingerechnet, verkaufen — um die Armentare zu bezahlen. Unter dieser Form der Tare bestand die Unterstützung von jeher in England. Das Elend stieg aber stets, wie man aus dem Steigen der Tare Nachweisen kann : 1776 war die Armentare 1720316 Pf. St. 1801 „ „ 4780891 „ 1812 „ „ „ 11 978875 „«) 1830 „ „ „ über 10 Mill. „ auf eine Bevölkerung von 14 Mill. Menschen. — England erschrak vor sich selbst; die Tare wurde am Ende unerschwinglich, aber das Elend senhafter. Mau glaubte, wenn man das Mittel in einer andern Form reichte, ein anderes Mittel zu geben, und so wurde 1834 im Parlament die Amendement-Bill angenommen. Demzufolge errichtete man >Vorivllou868. Ich will keine Beschreibung dieser Anstalten geben, sondern nur ihr Resultat. 1837 hatte man die Armentare um 3809498 Pf. St. reduciren können. Man jubelte über die herrliche Idee, denn die Abnahme der Tare, die Ersparniß der Reichen bewies den bornirten Krämerseelen, daß das Elend abgenommen habe. Das war aber nicht der Fall. Einige der Bedingungen zur Aufnahme ins Werkhaus lauten: Trennung von Weib und Kind, in den Häusern Scheidung der Geschlechter; verläßt der Aufgenommene das Haus, so darf er nicht wieder eintreten; die Arbeit, in einigen : Hand- und Tretmühle (Strafarbeit der alten Sclaven); Kost : Gerstensuppe, Gemüse und Wasser, zweimal wöchentlich Schweinefleisch (wir sind in England und nicht in Italien !). Man sieht also im Ganzen, daß diese mildthätigeu Anstalten den travuux tores8 sich würdig an die Seite stellen. Nun, diesem lebendigen Tode zogen die hungernden Arbeiter den todten Tod vor; sie flohen diese Häuser wie die Pest. Was aus ihnen würde, darum kümmerte sich das Parlament nicht, nahm die Armentare doch ab! Die Geldbeiträge nahmen nicht ab, sondern dauerten unter anderer Form fort. Die V^orkllou8e8 wurden zuerst in Süd-England eingeführt. Augenblicklich entflohen 500041 Arbeiterin die Nord-Distrikte. Ihre Übersiedelung kostete den Pfarreien 28140 Ps. St. Im Norden nahm man sie mit offenen Armen auf, weil sie den Arbeitslohn drückten. Aber bald wurde nun hier das Elend so schauderhaft, daß selbst die Kapitalisten diesen Zuwachs wieder los sein wollten. Diese 500041 Arbeiter, vermehrt um ihre gezeugten Kinder, wurden nun mit vermehrten Kosten nach ihrer Heimath zurückgeschickt. Wie sieht es jetzt hier aus? Müssen die Armen denn nicht endlich das Werkhaus dem Hungertode vorziehen? 1836 war ein harter Winter und ungeheure Noth. In einer Sitzung des Co- mites in einer Stadt der Grafschaft Lerny meldeten sich auf einmal 149 Arme um Unterstütznng. 118 von ihnen bietet man die Aufnahme ins WerkhauS an. Aber nur 6 von dieser Zahl nehmen diese an, die übrigen kehren sämmtlich auf den Schnee, in die Verzweiflung zurück. In der folgenden Sitzung melden sich 60. Dasselbe Anerbieten. 8 nehmen es an, aber schon nach 2 Tagen kehren 3 von diesen zurück. Lieber vor Hunger als vor Kummer sterben! Setzt doch dem Sperling ein herrliches Bauer mit schönem Futter auf den Schnee, wo er vor Hunger umkommt. Er geht nicht hinein. Und Ihr wollt daß der Mensch in einen elenden Käsig mit eklem Futter gehen soll? Und weil er das nicht thut, glaubt Ihr er sei nicht hungrig? Geht! Doch auch einiges aus Frankreich. Ich will hier nur Thatsachen aus der Revolution anführen. Sie wendete zu allem was sie sich vorgesetzt hatte, die gewaltsamsten Mittel an — wenn es ihr nicht gelang von Staatswegen das Elend aufzuheben oder zu lindern, so darf man annehmen, daß es der mn und daß am allerwe- sich und will das Elend aufheben. 1789 erklärt sie daß die Unglücklichen R echt au f U n t e rst ü tz u n g und Arbeit hätten (das ist etwas, und zwar etwas was die liberale'National-Ökonomie noch heute in Zweifel zieht)-. Sie machte einen Zusatz, der sich später uüd früher stets bei allen Gesetzen findet, welche der Armuth abhelsen sollen, nämlich daß von nun an auch die Armuth als Verbrechen zu betrachten sei. Sie konnte wohl Recht ans Arbeit, aber keine Arbeit geben.-"-Die Constitution von 1791 enthält ein Gesetz zur Bildung von Unterstützungs-Etablissements. Alle politische Freiheit, welche die droits dol'llomm,; verkündeten, retteten den Armen nicht vor dem Hungertode, und der Pauperismus griff reißend um sich.-Wie viel Arbeit das Recht aus die Arbeit verschafft hatte, ergab sich daraus, daß alsbald mehrere Arbeiter - Emeuten ausbrachen. Diese wurden immer augenblicklich beschwichtigt durch augenblickliche Sättigung. Aberder Hunger kehrte stets mächtiger wieder, die Eigenthümer fingen schon jetzt an sich zu fürchten, und am 14. Juli 1791 wurde, im Widerspruch mit der Constitution, ein Decret gegen die Arbeiterverbindungen erlassen. — Wir kommen zum Convent. Dieser will alles Elend mit einem Schlage ausrotten. Er konnte viel, aber dies vermochte er nlcksi. Zum größten Erstaunen zeigte sich der Todtgeglaubte am 17. März 1795 sehr handgreiflich. Eine große Masse von Arbeitern belagert den Convent und verlangt Brod. Auch Napoleon, der wohl den König von Preußen und noch etwas mehr vernichten konnte, vermochte das Elend nicht zu tilgen. Am 5. Juli 1808 erließ er ein Decret, worin er den Bettel als Verbrechen bestraft. Um es zum Verbrechen zu stempeln, errichtete er Wohlthätigkeitshäuser. Wie in England, will hier Niemand hinein, ganz dasselbe Resultat.— Wir brechen die Reihe der Thatsachen ab. Was in Frankreich und England erreicht ist, Ihr sehts täglich, Das Zeugniß der Geschichte könnte wohl genügen einen Zweifel an die Macht der Wohlthätigkeitsanftalten gegen das Elend zu begründen. Jndeß dies scheint noch nicht geschehen zu scjn^ — deshalb noch eine kurze Betrachtung, die vielleicht hinter diesen historischen Thatsachen hin- reiche die nothwendige Machtlosigkeit derselben begreiflich zu machen. Wir haben also hauptsächlich zwei Arten von Unterstützung. Einmal muß der Arme für die Unterstützung arbeiten, das andere mal nicht. Man halt im Allgemeinen die erste Art für die vorzuziehende. Sehen wir ihre nothwendige Folge. Die Arbeit der Unterstützten hat nur den Zweck die Armen ihren Unterhalt selbst verdienen zu lassen. Die Arbeit der Fabrikarbeiter soll aber nebenbei den Gewinn des Fabrikherrn herbeischaffen. Folglich kann die Arbeit der Unterstützten ihre Produkte billiger liefern. Die Produkte sinken im Preis, die Fabrikarbeiter bekommen weniger Lohn. Der Lohn aber ist schon aus das Minimum reducirt, also fällt er unter das Minimum, und die bisher noch nicht Unterstützten sinken jetzt zu der allertiefsten Stufe, zu den Unterstützung - Bedürfenden herab. Auf diese Weife also erhalten wir, statt Abhülse der Armuth, stets mehr Armuth. Das günstigste Resultat wäre eine stets wachsende Masse Armer, welche per Staat unterstützt. Aber auch dies Resultat ist noch nicht einmal erreichbar, denn die zunehmende Menge Hungriger zwingt die Rationen zu theilen, und da dieser Prozeß ins Unendliche geht, so kommen wir zuletzt am unendlich kleinen an, was die Mathematik, wie bekannt, gleich 0 setzt. Also Vernichtung des Menschen. Lassen wir deshalb die Armen nicht produciren. Zuerst, welche Ungerechtigkeit, daß ein Mensch sein Leben gefristet bekommt und nichts dafür leistet, während ein anderer, der alles was er kann thun muß, doch nicht besser daran ist. Die Erfahrung hat hier übrigens laut genug gesprochen. Alle so eingerichteten Armenanstalten klagen über den stets wachsenden Zudrang, also über das stets wachsende Übel. Natürlich. Wer Arbeit bekommen kann, wird sie nicht nehmen, weil er sick- besser ohne Arbeit steht. Die Industrie, welche doch nur die Kapitalien, zur Unterstützung liefern kann, verfällt dann auf den Standpunkt wo wir heut zu Tage angekommen sind; der Arbeitslohn ist schon unter das Niveau des zum Leben Nothwendigsten herabgesunken; die Unterstützung aber bietet das zum Leben Nothwendige. Sie macht also der Industrie eine Concurrenz, die diese nicht aushalten kann, denn sie zahlt was sie zahlen kann. Sie wird also ruinirt, darum kann sie auch kein Kapital mehr zur Unterstützung liefern, und diese hört aus, — D der Arbeiter hört auf. ' -> So führen beide Wege nothwendig zu einem, aber dem gewünschten entgegengesetzten Resultate. Verlasse man sie also endlich, nachdem man Jahrhunderte aus ihnen fortgestolpert ist, und beachte einmal die Wegweiser die der Menschheit Genius, schon so wohlwollend am Wege aufsteckt. Doch ich vergesse, Seine Majestät lieben den Witz, und ich schreibe ernsthaft. Diesmal aber haben Höchstdieselben einen sehr alten Witz gemacht, nnd es ist nicht mehr möglich darüber zu lachen. G. Weber. MV !V Zeitungsstyl der „Deutschen allgem. Zeitung," redigirt von Hrn. Professor Bülau, in Nummer 206, vom 24. Juli 18-14. ,,Sollte lediglich die Lage eines Ortes entscheiden, wo der Stapelplatz des süddeutschen Buchhändlervereines sein soll? Hier (in Nürnberg) meint man, gewichtigere Gründe dürften in der gegebenen Blüthe der Druck- und Verlagsgeschäfte liegen, und eben weil man dieser Ansicht ist, befcheidet man sich auch gern mit der Nichtbevorzugung; nun glaubt man, da unsere Buchhändler und Drucker im ganzen Lande klagen, mochten anderwärts in Baiern jene vorwiegenden Gründe eben so wenig gegeben sein, wie hier." — Das Alles soll auf deutsch übersetzt heißen, daß keine Stadt in Baiern wegen der Censur hierzu passend sei.- Redacteur : Hel nr ich Bornste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renv uarL Für Deutsche in Paris. Das Central-Büreau für Deutschland, 32, rue des empsiehl- sich den in Paris anwesenden Fremden, besonders den Deutschen, zu Besorgung ihrer Einkäufe aller Art. Der Fremde wird durch seine Unbekanntschaft mit den hiesigen Verhallt nissen oft bei seinen Einkäufen übcrvortheilts— das Central-Büreau verschafft ihm die Artikel von der ersten Hand und im Fabrikspreise-, Unterricht im Pianofortespiel, in Generalbaß, Harmonielehre und Composition nach eitler äußerst faßlichen Methode. Unterricht in deutscher oder französischer Sprache. Näheres im Bureau des „Vorwärts?'.. Deutsches Lese - Cabinett, Ltslev!« DToriipender, ikalsis-Nozal. Reiche Auswahl deutscher, französisch., englisch., spanisch., russisch. Journale. Monatlich.... 6 Franks. Eine Sitzung. 2S. Centimes. Zn haben: im Büreau des Lerikons von Henschel, rno Ouraneiors, 5, und im Comptoir des- Buchdrnckervereins, Alnlnciuais, 15 : »«8 MM Lk MMM egweiser für Fremde Ln Paris. Schnitt- und Modewaaren. —.^u knuvrs Oinllle, 5, , us Nonlsscjuisu. Hüte. —üi'V, rus Vivieuus, und Oibus, rus Vivisnus. Stiefel. — Huleslbnsli, 3 lg, rus8t.-lIonors. Schneider. — 5, pnssiiAS dss l'stits- ksrss. 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Eben weil die Administration die organisirende Thätigkeit des Staats ist. -Pen Widerspruch zwischen der Bestimmung und dem guten Willen der Administration einerseits, und ihren Mitteln wie ihrem Vermögen andrerseits, kann der Staat nicht aufheben, ohne sich selbst aufzuheben, denn er beruht auf diesem Wider- sprach. Er beruht auf dem Widerspruch zwischen dem öffentlichen unddem Privatleben, auf dem Widerspruch zwischen den allgemeinen Interessen und den Sonder-Jnteressen.>Die Administration muß sich.daher auf eine formelle und negative Thätigkeit beschränken, denn wo das bürgerliche Leben und seine Arbeit beginnt- eben da hat ihre Macht aufgehört Denn wie die Ohnmacht der deutschen Bourgeoisie die politische Ohnmacht Deutschlands, so ist die Anlage des deutschen Proletariats — selbst von der deutschen Theorie abgesehen —7- die sociale Anlage Deutschlands. Das Mißverhältniß zwischen der philosophischen und der politischen Entwicklung in Deutschland ist keine Abnormität. Es ist ein noth- wendiges Mißverhältniß. Erst in dem Socialismus kann ein philosophisches Volk seine entsprechende Praris, also erst im Proletariat das thätige Element seiner Befreiung finden. Doch ich habe in diesem Augenblick weder Zeit noch Lust dem „Preußen" das Verhältniß der „deutschen Gesellschaft" zur socialen Umwälzung und aus diesem Verhältniß einerseits die schwache Reaktion verdeutschen Bourgeoisie gegen den Socialismus, anderseits die ausgezeichneten Anlagen des deutschen Proletariats für den Socialismus zu erklären. Die ersten Elemente zum Verständniß dieses Phänomens findet er in meiner Einleitung zur Kritik der Hegel'schen Rechtsphilophie („Deutschfranzösische Jahrbücher"). Die Klugheit der deutschen Armen steht also in umgekehrtem Verhältniß zur Klugheit der armenDeutschen. Aber Leute, welchen jeder Gegenstand zu öffentlichen Stylübungen dienen muß, gerathen durch diese formelle Thätigkeit auf einen verkehrten Inhalt, während der verkehrte Inhalt seinerseits wieder der Form den Stempel der Gemeinheit aufdrückt. So hat der Versuch des „Preußen" sich bei Gelegenheit wie der schlesischen Arbeiter-Unruhen in der Form der Antithese zu bewegen, ihn zu der größten Antithese gegen die Wahrheit verführt. Die einzige Aufgabe ''eines denkenden und wahrheitsliebenden Kopfes,' Angesichts eines ersten Ausbruchs des schlesischen Arbeiter-Aufstandes, bestand nicht darin den Schulmeister dieses Ereignisses zu spielen, sondern Sitze hier in den Ruinen .Des Theaters alter Zeit. Bilder, die hier einst erschienen, Sie erscheinen mir auch heut. Denn die Gegensätze streitend, Menschenkraft und Jovis Blitz, Jedes siegend, jedes leidend Sah man einst auf diesem Sitz. Vor mir heut der Riesenkegel, Oben blendend weiß im Schnee, Und sein schwarzer Fuß die Segel Schützend vor dem Schwall der See. Doch die Eingeweide neiden Ihrem Haupt den reinen Schmuck; Grollend sie darüber breiten Schwarzen Qualmes dumpfen Druck. Und der Grimm er wächst im Grimme, Und er greift zu neuer Wehr, Und mit Jovis Donnerstimme Bricht hervor ein Flammenmeer. Eis und Feuer sich, umfassen -Wllduuf Leben und auf Tod. - Saht ihr je solch glühend Hassen Von so kaltem Haß bedroht ! - - Welch ein Stück wird hier gegeben! Colossalisch, Zug um Zug Sehe ich der Menschen Streben Und des falschen Strebens Fluch. Feuer mußt' im Eis erkalten Und das Eis dem Feuer wich; Denn der Krieg kann nicht gestalten Nur vernichten kann der Krieg; So der Kampf von Reich und Armen. Wann ertönt das Friedenswort Dieses Krieges ohn' Erbarmen, Dessen Ende Wechselmord! Georg Weber. Aus dem Briefe einer deutschen Dame Mein Theurer! Ich erhielt Deinem Brief grade in dem Moment, als alle Glocken läuteten, Geschütze feuerten und die fromme Schaar in die Tempel wallte, dem himmlischen Herrn ein Halleluja zu bringen, daß er den irdischen Herrn so wundersam gerettet. Du kannst Dir denken, mit welch eigener Empfindung ich während der Feier die Heine'schen Lieder las, und auch mein Hosannah mit anstimmte. Hat denn auch Dein Preußenherz vor Entsetzen gebebt bei der Kunde jenes Frevels/ jenes unerhörten, undenkbaren Frevels ? O! über die verlorne Jung fr au scha ft, die verlorne Ehre! Das sind so die preußischen Stichwörter. Als ich das kleine grüne Heupferd, den Cavatteriehauptmann X., von verlorner Jungfrauschaft declamiren hörte, glaubte ich nicht anders, als er meine die heilige unbefleckte Jungfrauschaft der Mutter Maria, denn das ist doch einmal die einzige officiell constatirte — aber von der Jungfrauschaft des preußischen Staats! Nein, davon hatte ich das Bewußtsein längst verloren. Ein Trost bleibt noch beim Entsetzlichen dem reinen Preußenvolke, nämlich: daß kein politischer Fanatismus der Beweggrund derThat war, sondern rein persönliche Rachlust. Sie trösien sich.damit — wohl ihnen — grade hierin liegt von Neuem der Beweis, daß in Deutschland eine politische Revolution unmöglich ist, zu einer socialen aber alle Keime vorhanden sind. Hat es dort niemals einen politischen Schryärmer gegeben, der das Äußerste gewagt, so ist dagegen der erste, der einen Mordversuch gewagt, aus Noth, aus materieller Moth dazu getrieben worden. Der Mann hat unter beständiger Gefahr des Hungertodes drei Tage'in Berlin vergebens gebettelt — also ein socialer Mordversuch! Geht es einmal los, so bricht es aus von dieser Seite.,— das ist der empfindlichste Fleck und an dem ist auch ein deutsches Herz verwundbar! .--n 3 Noth überhaupt ein Mittel, so ist die blutige Noch sogar ein sehr acutes Mittel zur Erzeugung des Verstandes. Der „Preuße" mußte also sagen: Die Erstickung im Blut wird den Unverstand ersticken und dem Verstände einen gehörigen Lustzug verschaffen. Der „Preuße" prophezeit die Erstickung der Ausstände, die in der „heillosen Jsolirung der Menschen vom Gemeinwesen und in der Trennung ihrer Gedanken von den socicU len Principi'en" ausbrechen. Wir haben gezeigt, daß der schlesisch Ausstand keineswegs in der Trennung der Gedanken von den socialen Principien statt sand. Wir haben cd nur noch mit der „heillosen Jsolirung der Menschen vom Gemeinwesen" zu thuN. Unter Gemeinwesen ist hier das politische Gemeinwesen, das Staatswesen zu verstehn. Es ist das alte Lied von dem unpolitischen Deutschland. Brechen aber nicht alle Ausstände ohne Ausnahme in der heillosen Jsolirung des Menschen vom' Gemeinwesen aus? Setzt nicht jeder Aufstand diese Jsolirung nothwendig voraus? Hätte die Revolution von 1789 statt gefunden ohne die heillose Jsolirung der französischen Bürger vom Gemeinwesen? Sie war eben dazu bestimmt, diese Jsolirung aufzuheben. Das Gemeinwesen aber, von welchem der Arbeiter isolirt ist, ist ein Gemeinwesen von ganz andrer Realität und ganz andrem Umfang als das politische Gemeinwesen. Dies Gemeinwesen, von welchem ihn seine eigene Arbeit trennt, ist das Leben selbst, das Physische und geistige Leben, die menschliche Sittlichkeit, die menschliche Thä- tigkeit, der menschliche Genuß, das menschliche Wesen.. Das menschliche Wesen ist das wahre Gemeinwesen der Menschen. Wie die heillose Jsolirung von diesem Wesen unverhältnißmäßig allseitiger, unerträglicher, fürchterlicher, widerspruchsvoller ist, als die Jsolirung vom politischen Gemeinwesen, so ist auch die Aufhebung dieser Jsolirung und selbst eine partielle Reaction, ein Aufstand gegen dieselbe um so viel unendlicher, wie der Mensch unendlicher ist als der Staatsbürger, und das menschliche Leben als das politische Leben. Der industrielle Ausstand mag daher noch so partiell sein, er verschließt in sich eine universelle Seele: der politische. Aufstand mag noch so universell sein, er verbirgt unter der kolossalsten Form einen engherzigen Geist. Der „Preuße" schließt seinen Aufsatz würdig mit folgender.Phrase: „EineSocial-Revolution ohne politische Seele (d. h. ohne die organisirende Einsicht vom Standpunkt des Ganzen aus) ist unmöglich." Man hat gesehn. Eine sociale Revolution befindet sich deßwegen auf dem Standpunkt des Ganzen, weil sie — fände sie auch nur in einem Fabrikdistrikt statt — weil sie eine Protestation des Menschen gegen das entmenschte Leben ist, weil sie vom Standpunkt des einzelnen wirklichen Individuums ausgeht, weil das Gemeinwesen, gegen dessen Trennung von sich das Individuum reagirt, das wahre Gemeinwesen desMenschen ist, -das menschliche Wesen.<^Die politische Seele ! eisier Revolution besteht dagegen in der Tendenz ! der politisch einflußlosen Klassen ihre Jsolirung vom Staatswesen und von der Herrschaft aufzuheben ^Jhr Standpunkt ist der des Staats, eines abstrakten Ganzen , das nur durch die Trennung vom wirklichen Leben besteht, das undenkbar ist ohne den organisirten Gegensatz zwischen der allgemeinen Idee und der individuellen Existenz des Menschen. Eine Revolution von politischer Seele organisirt daher auch, der beschränkten und zwiespältigen Natur dieser Seele gemäß, einen herrschenden Kreis in der Gesellschaft, auf Kosten der Gesellschaft. Wir wollen dem „Preußen" anvertrauen, was eine „sociale Revolution mit einer politischen Seele" ist; wir vertrauen ihm damit zugleich das Geheimniß, daß er selbst nicht einmal in Redensarten sich über den bornirten politischen Standpunkt zu erheben weiß. Eine „sociale" Revolution mit einer politischen Seele ist entweder ein zusammengesetzter Unsinn, wenn der „Preuße" unter „socialer" Revolution eine „sociale" Revolution im Gegensatz zu einer politischen versteht, und nichts desto weniger der socialen Revolution statt einer socialen eine politische Seele verleiht. Oder eine „sociale Revolution mit einer politischen'Seele" ist nichts als eine Paraphrase von dem, was man sonst eine „politische Revolution" oder eine „Revolution schlechthin" nannteI«uk. Chirurg. Instrumente. — I^uer, 1,, ius Ue l^Leole-Ue-Mecieeine. Lu« ä« Valors, u S, au prenrrso, sur I« öeroiör«. Local zu vermiethen. Bei einer deutschen Familie ist für einen Herrn oder Dame sogleich ein meublirtes Zimmer zu vermiethen. coiVieioiK DL8 18, liü. I.» 818^8 888 fLMl.l .88 LL L'LXI'L DL DIDI.L LLVitDN ^yorSSLSI-L l5LDS7LLSL DLL DLVX SLXLS. lln IN!,;;, tili j!ie V"! II Ule eie looo Ibisses, 01'ne tie l o 8lljet8 .braves. — !>rix : 10 ir. Paris, L814. 9ev (rZ, Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. . . . .24 Francs. Sechs Monate. . . . 13 „ " Drei Monates . . . 8 „ Auswärts: Ein Jahr. ' .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S Insertionen : die Zeile a 50 Centimes ^ . (Mittwoch.) H L NI tl ^ ^ Man abonnirt: i für Paris im Nureau cenirsl pour I'^UIe»»Lg»s, ru« cjxs IVIoutius, 3s, und in der Buchhandl. von lNenouarä «t 0'E, ru« clk Pouruon, 6 ^ in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien z Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; .Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, 2 Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. n Marite r Deuttche Zeit tch r i fl. - ;.'tt (L4. August) Auszüge aus dem „iUrten des Glaubens im Sinne Qtthers etc." von Ludwig Feuerbach. Leipzig, 1844. ' ^ Keine Religionölehre widerspricht, und zwar mit Wissen und Willen, mehr dem menschlichen Verstand, Sinn und Gefühl, als die lutherische. Keine scheint daher mehr als sie den Grundgedanken vom „Wesen des Christenthums" zu widerlegen, keine mehr als sie einen außer- und übermenschlichen Ursprung ihres Inhalts zu beweisen; denn wie könnte der Mensch von selbst auf eine Lehre kommen, welche den Menschen aufs tiefste entwürdigt und erniedrigt, welche ihm, wenigstens vor Gott, d. h. in der höchsten, aber ebeu deßwegen allein entscheidenden Instanz, alle Ehre, alles Verdienst, alle Tugend, alle Willenskraft, alle Gültigkeit uud Glaubwürdigkeit, alle Vernunft und Einsicht unbedingt abspricht? So scheint es; aber der Schein ist noch nicht das Wesen. Gott und Mensch sind Gegensätze. „Wenn wir Menschen uns recht abmalen, wie wir sein für und gegen Gott, so werden wir befinden, daß zwischen Gott und uns Menschen ein großer Unterschied ist, und größer denn zwischen Himmel und Erden, ja es kann keine Vergleichung gegeben werden. — Gott ist ewig, gerecht, heilig, wahrhaftig, ^Feuilleton -es Uorwärts. ^ Die Communisten. (Aus der „Trierer Zeitung.") Gott weiß, was all' noch werden soll Aus uns, ihr lieben Christen, Es wird von Tag zu Tag zu toll Mit diesen Communisten. Der Gegensätze Zauberkraft, '' Den Urquell alles Hehren, Will diese Erzphilisterschaft ^ - Uns freventlich zerstören. Von Menschenwürde führen sie. Unpractisch tolle Reden, Um schmählich uns die Porste . , . ^ , Des Lebens zu ertödten. , , ^ Des Dandy's üpp'gen .Hüftenschnitt, ' " Des Bettlers trag'sche Fetzen, ' Champagnerlust und Morgenritt, Baarmß'ges Frostemsetzen, -l> ^ 's. - Der Prunkgemächer Purpurroth, ) Die Bettelstäbe, Kronen,. ,. ^ . Der Hütten sanftest -.Hungertod, . ^ , Nichts wollen sie verschonen. und in Summa Gott ist alles gutes. Dagegen aber der Mensch ist sterblich, ungerecht, lügenhaft, voll Untugend, Sünde und Laster. Bei Gott ist alles guts, bei den Menschen ist Tod, Teufel und höllisch Feuer. Gott ist von Ewigkeit und bleibet in Ewigkeit. Der Mensch stecket in Sünden und lebet mitten im Tode alle Augenblicke. Gott ist voll Gnade; der Mensch ist voll Ungnade und unter Gottes Zorn. Das ist der Mensch gegen Gott zu rechnen." vi, S. 68.) „Meine Kraft kann nicht mächtig sein denn nur in eurer Schwachheit. Wo Du nicht schwach sein wirst, so hat meine Kraft au Dir nichts zu thun. Wenn ich Dein Christus sein soll und Du wiederum mein Apostel, so wirst Du Deine Schwachheit mit meiner Kraft, Deine Thorheit mit. meiner Weisheit, mein Lebenr mit Deinen^ Tode zusammenreimen müssen."(TH.-lr^S.' 284.) „Gott allein gehöret zu die Gerech takelt,die Wahrheit, die Kraft, die Weis heit, die H eiligkeit,die Seligkeit und alles Gute. Uns aber gehört zu dieUngerechtigkeit, dieThor- heit, die Lügen, die Schwachheit und alles Böse, wie dieses alles in der Schrift überflüssig bewiesen wird. Denn die Menschen sind Lügner, heißt es Psalm 116, 11, und Hos. 13: Israel, das Verderben ist Dein. Daher mangeln wir alle des Ruhms, den wir^vor Gott haben sollten, auf daß sich vor ihm kein Fleisch rühme, wie Paulus, Röm. 3, spricht rc. Derowegen kann die Ehre Gottes nicht erzählet werden, wo nicht Gibt es was Schön'res weit und breit, Als Tröster feist von Speisen, Die Hungrigen die Süßigkeit Des Himmelsreichs verheißen? — ... Als einen Hund, der Hände leckt, Die ihn unsäglich quälten? Wer hat es anders je entdeckt Auf unfern Kunstgemälden? — Die Ehe wird bei gleichviel Gel- Prosaisch nur betrieben. Und Niemand wird auf weiter Welt > . . ^Noch heiß und feurig lieben. .... , Sv helft, ihr Mädchen, helft auch ihr Die Gegenwart beschützen, ^ ' Sonst bleibt, fürwahr, sonst bleibet ihr " Am Ende alle sitzen. '' i Ein großer Philosophe spricht: . „Was ist, das ist vernünftig!" In Gottes Hand ist das Gericht, Beim A lten laßt's auch künftig. Levasseurs Mission zur Nordarmee. Warum ein Franzose auf seinen Namen stolz ist, das läßt sich begreifen; er ist stolz auf sich selber; er weiß 2 nem beschränkten, niedrigen, Gott aber im höchsten Grade bei. Allein ein Vermögen, eine Kraft oder Eigenschaft, die-wirklich,-ihrer Natur nach, einer Steigerung sahiglst — denn nicht alle Eigenschaften sind einer Steigerung natur- oder vernunftgemäß fähig — die verdient erst da als solche anerkannt und mit ihrem eigenthümlichen Namen benannt zu werden, wo sie den höchsten Grad erreicht. Der'Superlativ ist hier erst der wahre Positiv. Die höchste Freiheit ist erst Freiheit—ausgemachte, ent- schiedne, wahre, dem Begriffe der Freiheit entsprechende Freiheit. Was einer Steigerung fähig ist, das schwankt noch zwischen sich und seinem Ge- gentheil, zwischen Sein und Nichtsein. So schwankt z. B. ein Künstler niedrigen, folglich steigerungsfähigen Rangs, zwischen Künstler s^u und Nicht-. Künstler - sein^Erst ein Künstler ersten Rangs Ist' unbedingt, unbestritten ein Künstler; nur der letzte, äußerste Grad —nur das Ertrem ist überall erst Wahrheit. Ist also Gott der höchst Gute, der höchst Freie — nun so bekennt, daß Er auch allein erst gutund frei ist, und laßt eure mittelmäßige Freiheit, eure mittelmäßige Güte zum Teufel fahren. ' - - „Der Namen fr eper Wille sich zum Menschen nicht reimet, sondern ist ein göttlicher Titel und Name, den Niemand führen soll noch mag, denn allein die hohe göttliche Majestät, denn Got t der Herr allein thut (wie der Psalm 115 sagt), was und wie er will^ im Himmel, auf Erden, im Meer und allen ' Tiefen.- Wenn sch das von einem Menschen sage, ists gleich, als "wenn ich sagere: EinMenschhat göttliche Gewalt und Kraft; das wäre die höchste Gotteslästerung auf Erden und ein Raub göttlicher Ehr^und Namens." „Derhalben, wenn man die Gnade und die Hülfe der'Gnade preiset, so wird auch zugleich gepredigt, daß der freye Wille nichts vermag. Und ist eine gute, starke, feste, gewisse Folge, wenn -ich sage : die Schrift preiset allein Gottes Gnade, darum ist derfreye Wi l l e nichts." (Th. xix, S.28, S. 121.)"^-' - ' Was aber vom'freien Willen oder der Gnade Gottes — denn die Gnade ist nichts andres als der göttliche Wille — gilt, dasselbe Alt von allen'än- > ... > j djgkeit Gottes beruht ehenj Mtsdarguf, daß Er das selig wäre —selig in dem.überschwänglichen.Sinne, als eS der Christ verlangt —; wie käme er dazu, ein anderes Wesen außer" sich^ als 'ein seliges Wesen sich vorzustellen und ob dieser Eigenschaft ztr'm Gegenstand seiner Verehrung null Anbetttng zu machen? Selig presst nur der Gefangene den Freien, der Kranke den Gesunden. — Habe schM^ Ms Gohgt, s^ Mg Mts, wenn Gott fehlt. Aber nurZvenn mir etwas fehlt, wenn Gott fehlt, ist mir Gott ein Bedürfniß. Nur pepi strseligen ist die Seligkeit, nur dem Sclaven !?ieFreiheit ein Bedürfniß. Auf dieFreiheit Gottes reimt sich nur die Knechtschaft des Menschen; bin ich dagegen frei, nun so bin ich vor allen Dingeri auch-frei von Gott. Die Huldigungen, die vom Standpunkt der Freiheit Gott dargebracht werden, sind höchstens nur noch Höflichkeitsbezeu- gungen, Galanterien, Komplimente. Nur in dem Munde der Noth, des Elends, des Mangels hat das Wort: Gott Gewicht, Ernst und Sinn; aber auf den Lippen der religiösen — freilich auch der politischen Freiherren klingt das Wort: Gott nur wie Spott. Was also Gott ist, das kann unmöglich der Mensch sein, wenn nicht Gott ein bloßer Luxusartikel sein soll. Diese Unmöglichkeit, diese Noth- wendigkeit, daß jede Bejahung in Gott eine Verneinung im Menschen voraussetzt, ist die Grundlage, worauf Luther sein Gebäude aufgeführt und die römisch-katholische Kirche zertrümmert hat. Ist Gott gut, so ist der Mensch böse, so ist es folglich Gotteslästerung, Gottesverläugnung, wenn der Mensch"sich gute Handlungen, gute Werke zuschreibt; denn Gutes kommt nur aus Gutem, „gute Früchte setzen einen guten Baum voraus;" wer sich 'daher gute Werke zutraut, legt sich gutes' Wesen bei, maaßt sich eine göttliche Eigenschaft an, macht sich in der That selbst zu Gott. ^Zst Gott selbst der Versöhner des Menschen tnit Gott, Gott der Heiland, der Sündentilger, der Seligmacher der Menschen; so' kann nicht der Mensch der Tilgersei- zugleich mit die Schande derer Menschen erzählet wirtLUndGwtt.kann Nicht vor wahrhaftig und gerecht und barmherzig gerühmt wcrdAHAw.jr'' nicht' vöt Lüg n e r und Sst n der und elonde Leute öffentlich ausgegeben werden.",M. i) 17«.) En.'M§.der^— Oder. Entweder ein Teufel gegen deir^'Menschen — „alle Menschen außer Christo sind Teufelökinder" (Th. xvi, S. 326) — aber ein Engel gegen'Gött— „Christus und A da'lsi^"i/, Gott und. Mensch) sind gegen einander zu halten, wie Engel und Teufel" (Th. ix. S. 461.) — oderein Teufel gegen Gott, aber ein Engel gegen den Menschen. Ist der Mensch frei, wahr, gut, so ist Gott umsonst gut, wahr und frei; es ist keine Notwendigkeit, kein Grund da, daß Gott es sei. DieNothwen-' digkeit Gottes überhaupt beruht nur darauf, daß rr ist und hat, was wir nicht sind und haben. Sind wir, was er ist, wozu ist er? Ober ist oder nicht ist — eS ist einerlei; wir gewinnen nichts durch sein Sein und verlieren nichts durch sein Nichtsein; denn wir haben an Gott nur eine Wiederholung von uns selbst. Nur, wenn Das, was in Gott ist und Gott zu Gott macht, nicht ist, wenn Gott selbst nicht ist, nur dann ist fein Sein an sich selbst eine Notwendigkeit und dessen Annahme für uns ein Bedürfniß. Dieß -ist aber nur der Fall, wenn die wesentlichen, d. h. die Gott zu Gott machdnden Eigenschaften, wie z. B. Weisheit, Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit/'Freiheit, 'nicht auch in uns sind; denn sind sie auch in uns, so bleiben sie, Gott m a g -sein o der n i ch t- se i n, und es ist daher an die Annahme eines Gottes kein wesentliches Interesse geknüpft. Nur dann also, wenn ein herber, durchdringender Unterschied 'oder vielmehr Gegensatzwischen uns und Gott besteht, ist die Gleichgültigkeit, ob er ist oder nicht ist, aufgehoben. -- - Wir heben den'Unterschied Gottes von uns nicht aust-u- höre ich die Mittelmäßigen einwerfen wenn wir auch dem Menschen Güte, Freiheit und andere Eigenschaften Gottes zufchreiben^benn wir .legen diese Eigenschaften dem Menschen nur in eibaß er alles gekonnt, und -aß wenn er je etwas zu wollen vorhat, ihn nichtsaufbalten kann.- Ein solches Bewußtsein macht stolz. Heute (i o/Aug.) vor zwei rmd fünstigJahren, es ist ein Zufall daß rchgrade daran denke, hat du einzige Stadt Paris eine viel tau send Jahre alte, eingewurzelte, eingerostete Staatsform in wenigen Stunden zusammengeworfen, eine Knechtschaft gebrochen, dir, der Menschheit fast nothwcndig, fast eingeboren schien, eine Knechtschaft auf die andere Völker heute noch stolz sind. An einem solchen Tag hat Frankreich Theil, das französische Volk, nicht blos ein einziger Mensch; jeder Einzelne ist dabei ein Held; jeder Einzelne Feldherr - die Begeisterung com- mandirt, der Instinkt der Freiheit wird zur Kriegskunst; das allgemeine Bewußtsein dessen was sie erkämpfen wollen, ist das einzige Maaß der Gewalt. Ein solcher Tag allein genügt um einem Volke zu zeigen was cs kann, um es stolz zu machen den vielen, Völkern Europa's gegenüber, die ersticken und verfaulen unser -er Last der alten Ketten. Und solcher Grvßthaten hat das französische Volk so viele gethan! Die unwiderstehliche Gewalt und die tiefste Einsicht liegt immer in den Massen; das wissen die Könige) drum benutzen sie sie. Mit Massen gewinnen sie die Schlachten, mit massenhaften Parthrim Und Truppen suchen sie sich au f ihren Thronen zu erhalten. Wenden ihnen die Massep den Rücken» w o l leiste besser wissenwas ihnen Noth thut, dann sind jene verloren. In solchen Zeiten füllt fast jeder den Posten aus, der ihm angewiesen ist; was dem Einzelnen an Kenntnissen mangelt, das ersetzt er durch Energie und 'graden Verstand; die Begeisterung tritt an die Stelle der Erfahrung. Lauter neue Menschen stehen dann an den ^Rudern,-deren Verstand nicht getrübtist durch hergebracht« Handwerks-Vorurtheile, deren Thätt'gkeit abgeschmackte Formalitäten nicht hemmen, und für die alle Ceremonien hinderlicher Zierrath sind. Solcher Männer hat die Revolution eine Menge bervor- gerufen, und zu ihnen gehöre,n in erster Stelle fast die meisten Mitglieder des Nationalconvents und der Pariser Commune; und vor allen die Montagnards. Die Welt mußte gähren und kochen, um aus ihren innersten Eingeweide« heraus Männer wie Danton, Nobespierre, Camille Desmoulins, St.-Just, Barrere, Carnot, Levasseur und so viele andere zu erzeugen. Ich will es versuchen, nach Levasseurs Memoiren nur ein kleines Bild von der Art der Thätigkeit dieser Männer in den bedeutendsten Angelegenheiten zu geben. Wie da die größte Offenheit bei den wichtigsten Verhandlungen herrscht, während wir bei erbärmlichen Traktätchen Umschweife aller Art, Lüge, Heuchelei und falsche Versprechungen nöthig haben; wie einfach die Diktion gegen unfern verdrehten Styl; wie naiv und unmittelbar jedes Wort gegen die gesuchte, vornehme, zweideutige diplomatische und journalistische Gaunersprache ! 1 t». - - - Es war um die Zeit/als Custine von -er Nordarmee zurückgerufen wurde. Der Wohlfahrts-Ausschuß hielt ihn für einen Verräther, und in einer so gewaltigen Zeit, in der Frankreich mit vierzehn Armeen gegen die'ganze Welt kämpfte, und im Innern vor der Reaction keinen Augenblick sicher war, ist ps.ein Unsinn, den,Wohlfahrts-Aus- schuß wegen seiner Strenge beschuldigen zu wollen. Die Vermuthung der Verrätherci, die auf einem großen einflußreichen Manne lastete/ war dem Verrathe gleich geachtet, — Custine würde guillotinirts vb er schuldig oder unschuldig war, ist wöhlM herzustellen Ar war ein Anhänger der Girondisten, er mußte fallen. ^ ^ In der Zeit zwischen seiger Arreftativn und.seiner Hinrichtung brachen in der Nordarmee Unruhen aus. Der Wohlfahrtsausschuß bedachte sich alsbald, daß rin Augenblick der Schwäche -ie keimende Zwietracht vermehren, und die größte Gefahr haben könnte. Kaltblütigkeit und Muth konnten'da allein helfen. Es galt der Armee zu zeigen, daß sie in allem von der Allgewalt des Convents abhängig sei, daß sie nicht-ie dienstbare Mannschaft eines Königs, sondern eine Masse von Staatsbürgern ist, die ihr Vaterland und die junge Freiheihzu vertheidigen haben, und deßwegen denen gehorchen müssen, die sie selbst zu gleichem Zwecke mit als oberste Staats-Gewalt gewählt hatten. Man entschloß sich daher einen Commissär im Namen der Convention mit unbegrenzter Vollmacht an die Armee abzüschickcn; und man bestimmte hierzu Levasseur de la Sarthe. — Ich wurde, sagt Levasseur, alsbald in den Wohl- ner Sünden, der Heiland von sich selbst sein ^ und folglich sind alle sogenannten verdienstlichen Werke, die der Mensch thut!, alle Leiden und Mar-! tern, die er sich auferlegr, um seine Sünden abzutilgen, sich mit Gott zu versöhnen, sich die göttliche Hnld und Seligkeit zu erwerben, eitel und nichtig — eitel und nichtig also der Rosenkranz, dieFasten- speise, die Wallfahrt, die Messe, der Ablaßkram, die Mönchskappe, der Nonnenschleier. ^ (Fortsetzung folgt.) MittisterwechseL in Hannover. Die „leipziger Zeitung" zeigt den bevorstehenden Ministerwechsel in Hannover mit folgenden Worten an: „Daß der geheime Cabinets-Rath von Falke, der bekanntlich seit der Abwesenheit des Herrn von Scheele Dessen Geschäfte versieht, demnächst definitiv seinen Platz als Staats- und Cabinetö-Mi- nister einnehmen werde, darf man wohl als ziemlich entschieden ansehen. Denn ob zwar Herr von Falke von Geburt Bürgerlicher ist^ —erst 1834 ward er wegen seiner Verdienste um das Staats-Grundgesetz geadelt,—so ist doch Herr von Falke ein besonders fähiger und in dieser Hinsicht wahrhaft ausgezeichneter Mann." Die „Leipziger Zeitung" ist kein hannövrisches Blatt, sie erscheint ans sächsisch- deutschem Boden, sie macht auch auf Klugheit gar keinen Anspruch, und es kommt ihr nie in den Sinn, die Dummheit, die sie hier geschrieben, als Ironie darstellen zu wollen ; — sie ist nur gemein, bodenlos niederträchtig. Sie begreift es vollständig, daß ein Bürgerlicher kein Minister sein könne, wenn er nicht ein grundschlechter Kerl ist; und diese Schlechtigkeit macht sie ihm dann zum Verdienst. Als Bürgerlicher ist'einer verdienstlos, Haler aber ein Staats-Grundgesetz machen Helsen, es beschworen, wieder Umstürzen helfen, und wird er dann unter der neuen Ordnung der Dinge Minister, so ist. er ein wahrhaft ausgezeichneter Mann. Der König, in Aussicht auf sein baldiges Sterb'estünd- lein, weiß gewiß feine Wahl besser zu rechtfertigen. Dem hellsehenden Ernst August war ein Scheeler Minister willkommen, der blinde-Thronfolger mußte erneu Falken haben! Jch bin ein großer Monarch! Es kommt so, wie ich schon oft gesagt habe .- der König von Preußen macht den Bajazzo poch zu Schanden! Man müßte eine Narrenzeitung gründen, im ,>Times"-Format, wollte man alle Schnees ken erzählen, die von Gottes Gnadenr in Berlin' aufgespielt werden. Jeder neue Tag sieht eine neue Travestie; wollen sie ernsthaft sein, dann werden sie Pudelnärrisch; wollen sie. Witze machen, dann kann man um tausend Thaler nicht lachen. Was ist nur in den,.letzten Tagen geschehen? Es wird aus den König geschossen; damit die Geschichte ja Je-r dermann lachen nracht,.erklärt der König selbst das Attentat für einen „dummen Spaß," der dem unglücklichen Tschech nichts deftoweniger den Kopf kostet; wegen des dummen Spaßes wird ganz Berlin in vre Kirchen getrommelt und muß Gott danken, daß der Spaß nicht klüger ausgefallen ist!- Nachdern man die Wissenschaft in ganz Preußen auf die schmählichste Art tyrannistrt und entwürdigt hat, bringt man die Weifen wieder zu Ehren, indem man sie in rothe, grüne und blaue'Kutten steckti Die Uniformen machen dem großen Monarchen überhaupt viel Sorgen (erlhat eben'wieder die Polizeidiener als Lanzknechte maskiren lassen), und diese unsägliche Arbeit hat ihm wahrscheinlich zu dem kostbarsten seiner Witze Veranlassung gegeben, zu einem Dampfministerium! Muß man nicht König Friedrich Wilhelm IV heißen, um einen Eisenbahnwagen bauen zu lassen, in dem Ministerrath gehalten werden kann? muß man nicht ans Berlin sein, um so originelle Einfälle zu haben? Napoleon hatte auch einen Reisearbeitswagen, Richelieu und Julius Cäsar arbeiteten in ihrer Senfte, dafür fuhren sie aber auch nicht auf Eisenbahnen. O wie viel größer bin ich als der Größte!. Das nenne ich skark und christlich feinE Die „Preußischen Zeitungen" konnten keine bessere Gelegenheit ergreifen um das Lvos zu schildern das die?russischen Überläufer nächHrer Auslieferung erwartet, als den Moment, dst ihr König,"der Erneuerer des Kartellvertrags, durch'die! Gnade Der Vorsehung'rvom-iTode' errettet würde?' Wir 'lesen mit Schaudern:"'- -'"-"lw "... Die Schilderungen, welche glaubwürdige Augenzeugen von den Strafen machen, welche die russischen- Überläufer,'deren man wieder habhaft-geworden, zu erleiden haben, übersteigen die Vorstel- lungs eines Jeden, der noch Glauben an Menschlichkeit hat«' Vor Kurzem wurden in einem russischen Gränzorte fünf solcher Unglücklichen, jeder mit 1500 Hieben bestraft. Fast keiner überlebte den tausendsten Hieb. Das Fleisch hing itt blutigen« Fetzen von dem entblößten Ge^- rippe herab« Der Tod der Sträflinge'hindert die Henker nicht, den Leichnamen die zugemessene Zahl Hiebe pflichtmäßigst bis auf den letzten zu ertheilen. Die Angehörigen der zu Tode Gemarterten waren «genöthigt, dieser öffentlichen Erecution vom Anfänge bis zum Ende beizuwbhUen?''Dieses Factum habe ich aus dem Munde eines l'-HA Stunde von der jenseitigen Gränze stationirten achtbaren preußischen Beamten. Das ist also das Schicksal, dem nunmehr preußische Beamte kraft Gesetzes, kraft des Kartellvertrags, russische Überläufer zuzuführen -haben. Welch stolzes Machtgefühl,-einen Menschen geknebelt in die- Höhle eines Tigers schleppen zu dürfen! Welch untrüglicher Beweis für dis Christlichkeit des preußischen Staats! Welches Glück preußischer Beamter und Christ zu sein! Wollte ich meine Feder in Blut tauchen, Ihr reicht mir eine volle Schale! ^ . 275 . - !. sN - -1 ,lN., . 7' . ! -« Gin Dpfer der. JnduMie^.,,... Chemniß" 3." August. Am Samstag27. Juli) war ich Zeuge des Begräbnisses emes unglücklichen Opfers des Druckes, welcher von einigen Handelsleuten auf die Arbeiter auögsüb't wird. Ein Webersactor Vater von vier kleinen Kindern — hatte sich aus Verzweiflung erhängt und wurde in tiefer Stille begraben. Der Verlaus der fahrtsausschuß beschieden. Ich traf dort Niemanden als Carnot, der allein das Kriegs-Departement unter sich hatte. ^ ^ - j — Die Nordgiunee, sprach jener Hst in offenem Aufruhr: wir bedürfen eines starken Armes, um ihn.zu unterdrücken; Du schienst uns der tauglichste. , . ., - Die Wahl ehrt mich, Carnot;aberdie bloße Kraft wird nicht" ausrfichen;. zu einer solchen Mission gehören mehr Erfahrung, mehr militärische Kenntnisse, als ich he- Ühe. , .. m H .',s? ^ —^Win kennen Dich, und.wissen Dich zu würdigen. Es wird kaum mehr bedürfen, als daß die Armee einen so geachteten Mann wie Du bist, sieht, einen wahren Freund des Vaterlandes und der Freiheit, und dann wird sie zur Ordnung zurückkehren. — Abersieh mich doch an, Carnot, mir fehlen sogar die physischen Kräfte; betrachte doch meine kleine Gestalt, und urtheile selbst ob ich der Armee werde imponiren können? — (vlexancler UsgnuL corpore puivus erst., erwie- derte Carnvt. , , — Ja, aber Alexander war in Schlachten groß geworden, er hat das Kriegshandwerk von Jugend aufgetriebev! (und Levasseur war Chirurg !) Für ihn war's ein Leichtes mit den Truppen umzugehen. - — Min Freund, die Umstände machen den Menschen; deine Charakterstärke und deine Aufopferungsfähigkeit füx die Republik bürgem mir für den guten Erfolg. ' 7— Wohlan, dann!nehme ich die Sendung an. Muth und Eifer verspreche ich ^ und wann «muß ich abveistn ? T'- Mopgen. Du wirst deine- Uniform bekei't'finden?- — Und deine besonderen.Aufträge ? i <- -) n Die laß Dir von deinem Herzen und von deinem Kopfe diktiren; deine Geivalt ist' unbeschränkt. Mach dich auf den Weg und sei glücklich!. .n— nn -,.« r —^ Ich verließ Carnot, fährt.derr achtzigjährige- Greis, UN montagnsi-ä non couvei-tic fort,anit der festen Überzeugung von dem Gelingen meiner Bemühungen-; ich sah nur Ehre, und verachtete die Gefahr. Ich hatte von jeher Vorliebe zum Soldatenstand, und hätte ich meinen kleinen Wuchs nicht wirklich als ein Hinderniß angesehen, ich würde nie eine andere als die militärische Laufbahn ergriffen haben. Wenn ein Regiment, unter dem Klange der Militärmustk an mir, vorbeizog, oder eine große Schwenkung ausführte, dann beneidete ich immer den General, auf dessen bloßes Wort sich die ungeheure Masse bewegte; und wenn ich mir erst, vorstellte, wie ich sie zum Siege führen wollte: ^- Oh, dreifach glücklicher Mann! rief ich dann aus, dem ein so herrlicher Beruf ward. Wie oft überraschte ich mich über den Gedanken, an Lafayettes Stelle für die Freiheit der Amerikaner kämpfen zu dürfen!,- > Ich kam in Cambrai an. Ich empfing den Generalstab und die Ortsbehörden mit der Würde die in meiner Stellung Wicht war;"nichts v'errieth die Unruhe, die mich trotz memer^WtschrosseNheit irssGegenrväxf der dielen höheren' Äffizikre beste.!, deren martialisches Aussehen etwas ünponirendes hatte. ÄnfihrenLippess bemerkte ich ein hämisches "Lächeln ! dentr 'ss/ kannten' den'Hweck meiner Sendung, und mochtest mich wenig öazu^geeignet ^ Mil c...... glauben. — Woher kommt die Unzufriedenheit in der Armee? fragte ich. ' .l . — Du weißt es selbst , Repräsentant..!!^" - — Antworte mir, ich will es von Dir hören.' ' Die Offiziere sahen einander an... Dev Soldat verlangt Custme zuriick ^ erwiedevte zaudernd der interinti- stische General. -n.-c- -un-ckb nt. lii.--.-V.. — Das weiß ich,.aber warum ? - — Der General Custine wußte die Mannszucht zu erhalten. ... . — Ein Anderer, sprach ich, wird sie auch-zu erhalten und die Pflichtvergessenheit aufrührerischer Bürger und Soldaten zu bestrafen wissen ! Mit welchem Recht will die Armee dem National-Conveyt Gesetze vvrschreiben S Eine Armee die nur berathfchlagts ist schon dadurch allein aufrührerisch. Eure Pflicht ist, dem General zy gehorchm, den Euch der Convent gibt. Der gemeine Soldat'weiß das, aber die Offiziere verführen ihn. Offiziere! Ihr steht mir mit dem Köpfe für, die Insubordination Eurer Truppen! Sache ist folgender: Die Weberfactoren lassen von jedem Stücke, welches sie abliesern, etwa 7 1s2 Ngr. in den Händen des Bestellers, durch welchen Abzug diesem Sicherheit für die Garne n. s. w. geboten wird, die er den Webern anvertraut. Nach einiger Zeit wird über diese Abzüge abgerechnet und dem Weber daSGeld—oft bis aufeine gewisse Kautionssumme, die der Händler behält, ausbezahlt. Die Berechnung über diese Abzüge, wie über alles Andere, wird in ,den „Beibüchern" geführt, deren jeder Weber eines hat. Ein Handelshaus nun hatte diese „Beibücher" von etwa zwölf Weberfactoren und Webermeistern seit 6 bis 8 Monaten zurückbehalten, während dieselben in der Regel stets in der Hand des Webers sein sollen. Als nun in voriger Woche die Factoren endlich ihre Bücher zurück erhielten und nun a.uch die erwähnten .Abzüge erstattet zu erhalten erwarteten, hatte das genannte Haus eine solche Reihe von Abzügen für Defecte und Fehler gemacht, daß die Armen nicht allein die t 40 — 200 Thlr, auf welche sie rechneten, nicht erhalten, sondern sogar eine ähnliche Summe herauszahlen sollten. Angenommen selbst, daß alle diese Abzüge vollkommen gerechtfertigt waren, so springt die Härte, Willkür und Ungerechtigkeit dieses Verfahrens in die Augen, wenn man bedenkt, daß ein solcher Faktor wieder eine große Anzahl Weber beschäftigt, an die er sich wegen gemachter Fehler nur dann halten kann, wenn er dieselben an der Waare selbst nachzuweisen vermag. Jetzt aber soll der Factor Abzüge für Fehler erleiden, die man ihm nicht nachweist und nicht mehr Nachweisen kann. Jeder Abzug, der nicht auf der Stelle, Angesichts der fehlerhaften Waare, gemacht wird, ist eine Ungerechtigkeit; denn der Arbeiter muß nothwendig einwilligen und die Freiheit haben, seine fehlerhafte Arbeit anderwärts zu verwerthen, wenn er dem Händler das gelieferte Material bezahlt. Die Mehrzahl der gekränkten Faktoren wandte sich an den Stadtrath, der auch vermittelnd einschritt und dem fraglichen Hause sehr ernste Vorstellungen machte; den Einen'aber, dessen ganze Habe in dem erwarteten Betrage der gelunchten Abzüge bestand, ergriff die Verzweiflung., V .7- >- ^-- - ,n.'> - Zunft und Gewerbefreihert. Wie feindlich man in den meisten Staaten Deutschlands gegen die Gewerbefreiheit im Kleinen ist, ist eine bekannte Sache. Daß man dazu keine vernünftigen Gründe hat, sondern blvs aus germanischer Zähheit und aus Romanticismus die alte Form der Zünfte, Bannrechte und Privilegien beibehält,braucht kaum gesagt zu werden; auch verfehlt das Wort Freiheit auf die altersschwachen Leute seine furchtbare Wirkung nicht. Die Freiheit des Geldes und der großen Fabrik-Industrie hat den Zünften längst den Hals gebrochen und alle Privilegien an sich gezogen; so etwas muß erst alt geworden sein, eher sehen sie es nicht ein— so lang die Zünfte noch ihre Fahnen tragen, und die Bäckerjungen in München im mitten Winter in den Brunnen aufdem Schrannenplatz springen, so lang steht es gut mit den Zünften. Das ist aber unübertrefflich deutsch, daß sie die Gewerbfreiheit sehr oft als Strafe gegen die Zünfte und Gewerbe benutzen. Im verflossenen Jahr vorder Erndte war das Brod in ganzDeutsch- land sehr theuer. Der Bürgermeister von Worms gab sofort das Brodbacken allgemein frei, und wollte damit für seine Gemeinde von den Bäckern wohlfeilere Preise erzwingen. Was war die Folge? statt daß die Bäcker schweres Geld verdienten, verdienten es nunmehr die reichen Fruchtwucherer, die ein paar Tage lang wohlfeil bucken, und dann die alten Preise machten. Heute lese ich, daß man in München mit den Metzgern dasselbe Exerzitium macht. Jedermann darf schlachten. Den Profit theilen an den ersten Tagen mehrere, dann wenige,— die Konsumenten bezahlen die hohen Preise an andere — das ist ihre ganze Erleichterung. Preußische Naivität. Die „Preuß. Allg. Zeitung" läßt sich aus Köslin, der „treuen Pommerstadt" (Styl dieser Zeitung) schreiben: ein Postillon der mit seinen Pferden durch die illuminirten Straßen nach Hause ritt, habe auf-seinem^ Posthorne die Melodie des Liedes „Heil Dir im Siegerkranz" geblasen. Die Die Offiziere sahen sich von neuem an, aber das Lächeln ist verschwunden ! Manche zuckten noch die Achseln, ich that aber, als sähe ich es nicht, setzte mich nieder und -schrieb den folgenden Armeebefehl: „Der Volksrepräfen- tant Levasseur wird morgen früh Schlag 8 Uhr die Armee eine Revue passiren lassen." Ich übergab dem General Kilmaine die Ordre mit den Worten : — Morgen früh um 8 Uhr auf Wiedersehen; ich Khenkeckeine Minute; da wirst Du mich kennen lernen. JmHmausgehen hörte ich.eincn Offizier spöttisch sagen: — Wie sich der kleine Mann ein Ansehen geben kann ; wird er sich wohl morgen auch aus der Affaire ziehen ? Zur bestimmten Stunde.war ich der vierzig tausend Mann starken Armee gegenüber. — General, sprach ich, Du wirst mich die Linie vorüberführen. ' Er gehorchte. Ich war' schon einige Schritte gegangen, — keine militärische Ehre, kein Trompetenstoß. — — — General, warnm wird der Generalmarsch nicht geschlagen? ... ' Die Tamboure rühren die Trommel, und die Trompeter blasen den Generülmarsch: - Ich komme an einer Standarte vorbei: Kein Gruß. — ' — Auch das vergessen, General! Und eine Fahne'nach der andern salutirt. Ich gehe weiter, UNd überall dasselbe geringsc^ätzende Schweige^ auf allen Gesichtern Unzufriedenheit, kein einziges Lebehoch der Republik oder der Convention. Ich hatte das erwartet, und nahm drum meine ganze Geistesgegenwart zusammen. Ich lasse den General aus der ganzen Armee ein Carre bilden und stelle mich in dessen Mitte. — Republikaner, sprach ich mit sicherer Stimme, der Wohlfahrts-Ausschuß hat Custine verhaften lassen.... Aber meine Stimme ist angenblicks von dem lang anhaltenden Stufe übertönt: „Wir wollen Custine wieder haben ! Gebt uns Custine zurück! ^ — Soldaten! — begann ich von neuem, mit Ruhe, — aber ich konnte nicht zu Worte kommen, das Geschrei Übertönte mich von neuem. Da lasse ich die Trommel rühren, und befehle dem General die Reihen zu öffnen. Ich zog den Säbel, und mein Gesicht hatte während ich an der Fronte vorüberging, einen Ausdruck angenommen, der Jedem verrieth, daß ich ihn beim ersten Laute niederstoßen würde. Dann begann ich von neuem. Ein Sergeant fiel mir ins Wort, und schrie nach Custine. , — Tritt heraus aus der Linie, der Du Cüstine verlangst, rief ich; willst Du mit deinem Kopfe für seinen Patriotismus einftehen? Und mich rasch an die Massen wendend: „Undankbare die Ihr seid ! ist das der Dank für unfern Eifer und unsere Mühen für Euer Wohl? Ihr verlangt Custine zurück,»und wißt doch nicht ob er unschuldig Musik war gewiß sehr einfach, die Idee aber höchst glücklich, setzt sie hinzu, aber sie erhöhte den Jubel der Volksmenge! Glückliches Land das solche ideenreiche Postillone besitzt! ' pro Memoria W,Deutsche Allgemeine Zeitung," N. 22V.) „Aus Erdmannsdorf erfährt man, daß der König das Attentat lediglich vom Standpunkte der Pietät gegen Gott anfsaßt, und daß dieser Fürst (der König, nicht Gott. A. der Red. des V.) sich in einer sehr erhabenen feierlichen Stimmung befinde. Dies sind seine authentischen Worte, — Worte die ihn scharf charakterisiren, und schon darum wohl aufbewahrt zu werden verdienen: „Gott hat sich überaus gnädig gegen mich gezeigt; ich will dieser Gnade mich dadurch würdig zeigen, daß ich, wie und wo es nur immer angeht, nach Allen meinen Kräften gnädig gegen meine Unterthanen verfahre." Die preußischen Bergwerksarbeiter. Die Gesammtzahl der preußischen Bergwerks- arbeiler mit ihren Familiengliedern beträgt, nach eben erschienenen offiziellen Angaben, 184 910 Köpfe. Der Werthdurchschnitt dessen was je ein Arbeiter jährlich für HM Staat produzirte, d. h., zu Tage förderte re. rc., beläuft sich auf 179 Reichö- thaler in den Gruben, auf 114 Thlr. in den Steinbrüchen, auf 953 Thlr. in den Hüttenwerken und aus 710 Thlr. in den Salinen. Der Gesammt- wcrth ihrer Ausbeute ist 32568836 Thlr. per Jahr. Wie viel ein Arbeiter aber davon verdiente, ist bei den sonst sehr ins kleine gehenden Angaben nicht aufgesührt. Rcdacteur: C. F. BernLyS. Druck mit Schnellpressen von P a u l R e n o u a r d ist; Ihr verlangtet wohl auch nach Dumouriez, hätte man ihn am Tage vor seinem offenbaren Verrath ergriffen; und doch würde diese Maaßregel uns den Verlust vieler Tausend Braven erspart haben, und den Schmerz um unsere verrätherischer Weise gebordeten Waffenbrüder!.. Wenn Custine unschuldig ist', so werdet Ihr ihn Wiedersehen; ist er schuldig, so fließe sein Blut; für den Verrä- ther giebt es keine Gnade. Ich bin vom Convent geschickt um Euch an Eure Pflichten zu erinnern, und um Euch anzukündigen, daß die Gerechtigkeit ihren Lauf haben wird. Ich bin jetzt Euer Anführer, mir müßt Ihr folgen. Zeigt Euch durch Eure Unterwerfung wie durch Euren Muth, als würdige Söhne des Vaterlands, das für Euch wacht und sorgt. Wer auf mich hört, dem sei verziehen; Tod und Schande dem Ungehorsamen!" Das wirkte. Kaum hatte ich geendet, als ein Bataillon Freiwilliger 'aus meiffem Departement die Reihen verließ und auf mich'i'züftürmte : „Es lebe unser Landsmann, unser Freund, unser Vater! es lebe der würdige Völks- repräsentant!" schrien Offiziere und Soldaten. „Es lebe die Republik und der Convent!" erscholl es darauf wie aus einem Munde in der ganzen Armee; — und"die Ordnung war hergestellt. Denselben Abend versammelte ich alle Offiziere zu einem Bankett bei mir, — die schönste Eintracht herrschte; ich hatte das Vertrauen der'Armee gewonnen, und ich führte sie bald darauf zu Ruhm und Sieg. ^ ' Paris, 1844. Abonnements - Preise: ^ in Paris: Mn Jahr.24 Francs. Sechs Monate. . . .13 „ Drei Monate. ... 8 „ j , ^ Auswärts: Mn Jahr. ^. . 28 Francs. Sechs Monate. § . . 48 „ Drei Monate. ... v ->l Insertionen; die Zeile L 50 Centimes (Sonnabend.) Nr .LilL- - > --"i .. . Mariter Deutsche Aeitschr ÜM» 8ZM Man abonnirtr für Paris:' im Nurssu eentrsl pour I'^NIsmsß»«, ru« tlp» Noulin», Zs, und in der Buchhandl. von aules Neoousrä et V'*, nue lle l ournou, 6 ; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; bei den Messagerien; ' Nord-Amerika: ' bei den Herren Sichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch .und Sonnabends. ' Uuj--' t ^ t. (17. August) Aussichten für Deutschland. Seit den letzten fünfundzwanzig Jahren spielt das officielle Deutschland eine ganz eigenthümliche Rolle unter den europäischen Staaten. Mitten inne zwischen Rußland und Frankreich steht es beständig auf der Schwebe, welcher der beiden Staatsformen, die dem Feudalismus gefolgt sind, es sich zuwenden will: dem offenen russischen Absolutismus oder der französischen Bastardform, dem Constitutiona- lismus. Ein passenderes Land für solche Experimente gibt es nicht aus dem Erdboden; das ganze Gebie,t ist ohngefähr wie ein botanischer Garten in allerlei Felder eingetheilt, in welche die verschiedenen Gärtner nacheinander alles mögliche Gepflänze aus allen Zonen der Erde einsäen; für die erotischen Pflanzen ist es zu kalt, für die nordischen Moose zu warm, das einheimische Unkraut verdrängt die fremden Sämereien und wuchert allein fort bis es sich den ganzen Boden erobert hat. ES ist höchst eigenthümlich! Die officiellen Partheien und die Regierungen sind wie mit Blindheit geschlagen. In den sogenannten constitutivnellen Staaten hat der Geschmack der Regierungen am Absolutismus nicht mehr als die Gleichgültigkeit des Volkes gegen die Verfassung zur Vernichtung dieser Staats- sorm geführt, — in Hannover, in Baiern, in Chur- hessen, in Nassau, in Hessen-Darmstadt, in Coburg, Feuilleton -es vorwärts. , ,, ° Der Verein „zum hsstorischen'Christus" in Berlin.-' Wird hier Weißbier geschenkt? es glühen ^ ' -Begeifteri die Köpft; . Nein, hier werden, mein Freund, Fünfe gerade gemacht. ^ Zur Titelfrage. . Laß doch dem Dinge seinen Lauf! Von „Durchlaucht" zur „Hoheit" hinauf. Es blies schon mancher Frosch auf Erden, Und konnte doch kein Ochse werden. Recept zum „deutschen Nationalverein." Polenblut, Kvsakenknute, Schwarz-roth-goldner Teutonismus, Bairisch Bier und Haselruthe, Etwas preußischen Pietismus; Dann von zwanzig Eminenzen Such ich zwei Loth Hirn zusammen, Und mit Schellingschen Potenzen Dring ich faules Stroh in Flammen: ja selbst in Baden (ich komme darauf in den nächsten Tagen besonders zu reden) ist die Action der Stände auf ein Minimum heruntergebracht, das bereits bei den meisten in das Gegentheil, d. h. in die freiwillige Anerkennung der eigenen Nichtigkeit, und iü die ausdrückliche enthusiastische Anbetung des Absolutismus ümgeschlagen ist. Ich citire statt der meisten nur Baiern, wb man die Stände zusammenberuft, um ihnen zu erklären, was ohne sie geschehen ist, waS sie nicht thun dürfen, und daß man sich im Übrigen nicht daran kehren werde, was sie etwa wünschen, und wo die Stände einstimmig sich glücklich preisen, daß man ihnen ihre Geschäfte so erleichtert und vereinfacht hat. In dem absolut absoluten Preußen ganz die umgekehrte Erscheinung. Der officielle preußische Liberalismus sehnt sich darnach, seine lahmen Glieder auf den gepolsterten Bänken eines Ständehauseö recken zu können; der König tapptnach einer Staatö- form, bei der er bleiben kann was er ist, durch die aber die disparaten Provinzen Preußens und die 'Staatsbewegungen in eine gewisse Einförmigkeit gebracht würden. Wer weiß, wenn nicht andere nicht bei der'Rechnung berücksichtigte Größen dazwischen kommen, bekommt Preußen vielleicht noch eine Constitution !'" ' ' ^ Neben diesen politisch-romantischen Träumen und Selbsttäuschungen geht die deutsche nicht-politische „Deutsche Nativnalvereine" ' Sind urplötzlich draus geworden, Und Mephisto wird, ich meine, - -- Großcomthur vom Schwanenorden. " „ ,, ' >, !. ' -r.-. . .. Georgi-Ljteratur. Jetzt sehen, wir — wenn auch die Kerker >. > .. - Zu stark noch sind zum Niederreißen Doch konstitutionnellp Löwen .... .. ! Den halkwerreckten Esel beißen. - Die heilige Allianz der Völker. - Nach.Ecrangcr,.voi; G. Weber. Des Friedens Göttin schwebte zur Erde Sie spendete Blumen und Ähren und Gold; " Himmlisches Licht den Äther verklärte ' " '' Wo des Krieges Donner kaum noch gerollt. „Engländer, Franken, Morigolen, Kirgisen, „Belgier, Deutsche, ihr habt euch verkannt. „Völker! ein heiliges Bündniß zu schließen „Reicht euch die Hand! „Sterbliche, denen vom Hasse ermüdet, > „Dennoch der Schlaf von dem Lager sich stahl, Gesellschaft ihren eigenen Weg. Ter Adel wird von Tag zu Tag ärmer, oder wenn er reich bleibt, ist ihm sein Geld lieber als seine Ahnen; die Industrie scheidet die Massen mit fast unbegreiflicher Schnelligkeit in Reiche und Bettler, und je gleichgültiger den Reichen und^den Bettlern die abstrakte politische Berechtigung und die Staatsform wird, desto drückender'werden für die einen die Lasten des Staates und die Entbehrungen des Lebens, desto üppiger und wollüstiger das Machtgefühl und die Genußsucht der Andern. So haben sich auch in Deutschland zwei ganz neue Menschenklassen gebildet, die man in andern Staaten schon seit längerer Zeit als Proletariat und Bourgeoisie unterscheidet. Während aber, z. B. in Frankreich , England und Amerika, diese neuen Klassen in derForm politischer Partheien erscheinen, während dort die Bourgeoisie herrscht und das Proletariat unterdrückt ist, eriftirten beide bis jetzt inDeutschland kaum für den Staat, oder sind, so weit es der Staat kann, beide unterdrückt.. Erst seit kurzem kamen sie zum Vorschein, und gleich in einem so kecken heftigen Auftreten, daß das ganze gedankenlose moderne Mittelalter davon zusammen- schauderte: in der Gestalt der Arbeiter-Äufständp und des Königs-Mordes. ' , Eine andere Erscheinungsform ganz derselben Zustände hatte namentlich der preußische StaM bereits kennen gelernt, und eine wahre Hetzjagd da-' „Theilt was dep kleine Erdkreis euch bietet; ,,, „Allen ja scheinet der Sonne Strahl. ... „Am Wagen der Macht habt ihr ziehen müssen,F., „Vom Wege des Glückes euch abgewandt. „Völker! ein heiliges Bündniß zu schließen" / ' ^' ,,Reicht euch diöHand! ^ i . ? . 2 ij.. . l!. „Während dem Nachbar Feuer ihr zündet c lX i . „Hebt sich der Nord — und es brennt euer Dach, u, u „Nun kein Rauch mehr Feuer verkündet ^ r - „Feiert der Pflug, denn der Pflüger erlag; ist'- :-X ^ „Und an der Völker Grenze entsprießen - , ,,Saaten dem blutgetränkten Sand. „Völker! ein heiliges Bündniß zu schließen „Reicht euch die Hand! - „Und in den Städten, die noch in Flammen, - nux- „Markten und feilschen die Fürsten kalt, n „Rechnen und zählen die Seelen zusammen, „Die der blutige,Sieg gab ihrer Gewalt. ' / „Drückendes Joch habt ihr von euch gewiesen^ ' „Unmenschliches Joch hält jetzt euch gebannt. „Völker ! ein heiliges Bündniß zu schließen-,,;....;. ^ „Reicht euch die Hand!, . „Daß nicht Ares zum Scheine nur schweige „Stellet das Land in Gesetzes Hut. „Fürder der Springquell des Bluts nicht steige 2 gegen unternommen: die Philosophie und die Literatur ; jetzt^wipd es ^an die Verfolgung des Lebens selbst und'der Nöeüscheu rn Masse gehen, und dann ha,t die Stm^/geWageu,^ wo mit allen andern, Sünden '(Ntch'^dre versuchte Gewalt .an der freiend - n ,«l0»1I!' ' ^ „tr k»v r , »s --»o 2-' Natur des^GMxs Mgcht wird.--Daß die Rache so gründlich'.sein wird' als es die Geduld und die Schmmh Ä'r, dafür bürgt'mirider Gang, den die deutsche Entwicklung cingehalten hat, und die Blindheit mik M die in Pietismus und Nation«- lisyrus,!M Sicherheits- und Vaterbands-Gesühlen stcckendett 'Pästcheien 4iüd^'Regierungen geschlagen sind. Der großen französischen Revolution ging die Kritik des Staats und- der^Ueligiim- vom Standpunkt des abstrakten Rechtes und des religiösen Atheismus voran, — die Revolution blieb bei dem politischen Bürgerthum und der Irreligiosität sicf Heu; Erneuten, Attentate und Arbeiter-Aufstände auf der einen, die Allgewalt der Industrie auf der andern Seite waren ihre Folgen,.,. Die deutsche Kritik geht vom Wesen des wirklichen geselligen Menschen und der Natur aus,, und zerstört die ab-, straften Begriffe von Politi.k^und Religion, indem sie diese mensck)lrch erklärt.^ ^ . . Der deutschen Revolution voran'gehen die partiellen Aufstände, Arbeiter-Erneuten,und Attentate, drum wird sie auch bei der Eonstitniruug einer neuem menschlichen Gesellschaft, bei der höchsten Anerkennung der Natur des menschlichen Wissens und der'mcnschlichen Gefühle ankommen,^ Illustrationen , 7 ^ zu der neuesten Labinefsstylübung Friedrich Wilhelm I V. "„Ich kann den vaterländischen Boden nicht, wenn auch nur auf kürze Zeit, verlassen, ohne öffentlich^ den tiefgefühlten Dank m Meinem und der Königin Namen auszusprechen, von dem Unser Herz bewegt istZ Er ist''durch die unzähligen mündlichen und schriftlichen Beweise der Liebe zu Uns erzeugt wor/ den, die das Attentat vom 26. Juli hervorgernsen hat,"— der Liebe, die Uus im Augenblicke des Verbrechens selbst entgegenjäüchzte., als die Hand des Allmächtigen das tödUiche Geschoß von Weiner. Brust zu Boden geworfen hatte. Im Aufblick zu dem göttlichen Cpretter gehe Ich mit frischem MuAe anMein Tagewerks DeAnneNes zu vollenden, Vorbereitetes auszuführen, da^BöseMit neueEieges-Gewißheit zu bekämpfen, und Meinem Volke das zu sein, was mein hoher Berns mir auflegt, und Meines Volkes Liebe verdient." Erdmanttsdorf, den 5. August 1844. ^ ^ (gez.) Friedrich Wilhelm." - Der unmittelbare Affect ist ein ^ schlechter Schriftsteller. Der Brief, den der Liebende in großer Aufregung der Geliebten schreibt, ist kein styli- stisches Muster, aber eben diese Konfusion des Ausdrucks ist der kl arst e, sinnfälligste, herzergreifendste Ausdruckdon der Macht der Liebe über den Briefsteller; PiL^Ncacht ^rr^Liebe' Ger den Prchf^ steller ist die Macht der Geliebten über.ihn. Jene leidenschaftliche Unklarheit und haltlose Verwirrung des Styls schmeichelt daher.dein Herzen der Geliebten, indem das reflectirte, allgemeine und daher unzuverlässige Wesen der Sprache einen unmittelbar individuellen, sinnlich-gewaltsamen und darum absolut - zuverlässigen^Charakter' angenommen hat. Der verdachtslose Glauben an die Wahr-. .'5-'-iu." . . ^ heit der Liebe, welche der^Gefiebte fnrste^^äußert, ist aber der höchste Scübst^enuffder^ Geliebten, ihr Glauben an sich selbst. ^ . Aus diesen Vordersätzen folgt: Wir^erweisendem preußischen Volke einen unermeßlichen^Dienst, wenn wir .die.innere Wahrheit des königlichen Dankes 'überf allen Zweifel erhebest. Wfr erheben, diech Wahrheit aber über allen Zweifel, indem wir die Gewalt der dankbaren..Empstndung über den königlichen Schriftsteller bewe.iserrj uyd wir.beweisen !dle Gewalt dieser Empfindung über den königlichen SchÄtsteller, indem,^.fr dje sty l icht.ische C 0 nfu- . js io n dcD d a nk sa g enden Cabine ts'ordre beweisen,. Man nmd als§den. Zche,ch unserer patriotischen Analyse nicht mMufcn V, ^ i „Ich kann den vaterländischen Boden, nicht,jweun auch nur ans kurze Zeit verlassen, yhiw öffentlich^ den tiefgefühlten Dank in Melnem und der. Königin Namen auszusprechen, von dem Unser,Herz be-.- wegt ist." Nach der Satzstellung glaubt man im ersten Augenblick, die ^Wtzljchdn Busen kftim-'M>Wihrem eigenen Namen bewegt. Schärft die Verwunderung^ über diese sonderbare Bewegung das Nach- deizAn, so findet man f daß sich-die rSkMv'dWer- biüdnng „von dem User Herz'beWg^ist^,micht aus den Namen', sondern äuf d entwert er ^abstehenden Dank bezieht.:Der Gingütaris „unser Herz" für das^Herz des Königs und W/Hpr-z der Königin kann als poetische .KsihnhoiH-M herzlicher ^Ausdruck der herzlichen-Einheit des -herzlichen Hohen iPaars gerechtfertigt werden. Die lakonische Kürze: „in Meinem und der Königin Namen" statt: ,4n meinem Namen uno rm Namen der Komgm" verführt leicht zu einer falschen Deutung. Unter „meinem und der Königin Namen" läßt sich der ei n- -fAchle Name des Königs verstehen, da der Name des Manns, des Mannes und der Frau Name ist. Nun ist es zwar ein Privilegium der, großen Männer und her Kinder, statt ihres „8ch" ihren Namen zum Subjekt zu machen. So darf Cäsar statt: „Ich siegte" sagen : „Cäsar siegte. " 'So sagen die Kinder nicht : ,Zch will iw die Schule nach Wien gehn,."-sondern: ^Friedrich- Kakl,Wilhelmrc. will in die Schute nach Wien gehn." Eine gefährliche Neuerung aber wäre, sein „Ich" znm'Subjekt zu machen, mnd zugleich zu versichern," dies „Jch"'^ sprechet.in fernem „eignen" Namen?-Eine solche Versicherung könnte das Geständniß, daß man ge-" wöhnlichmicht aus eigener'Inspiration spreche,"zu" enthalten scheinen. „IchkanüdenvaterländischenBö- den nicht, wenn auchmur auf kurze Zeit- verlassen" ist eine nicht ganz geschickte und nicht eben das Verständnis; erleichternde Umschreibüng'vön^„Jch -kann den vaterländischen Boden selbst-auf kürze Zeit'nicht^ verlassen >. ohne rc.." Diese Schwierigkeit entstand durch.'dio Kombination der drei Gedankens 1) daß der König seinen Boden verläßt," 2) daß et ihn nnr^ auf kurze Zeit verläßt, 3) daß -erdas"Bedürfm'ß sühl.t,. dem Volks zm dankeM Die^zu gedrängte Ver- öffentlichung dieser drei Gedanken-bringt den Schein- hervor)Vals spreche der^ König seinen'Dank-nur^ ansv Mil. er: .seinen.Boden verläßt. War aber der" Dank ein ernstgemeinter- strömte er aus dem^Her^ zen,-so)ki)nntecheinL Äußenmg- unwöglich an eineiü -n „Für FürstenLank und Ewberungswuth. , ,Die Zaübermacht ist den Sternen entrissen § , „Heute noch schreckte, was morgen verbanm. ^ ^ „Volker', ein heiliges Bündniß zu schlicßenj"''-b! - 4 NS, „Reicht euch die Hand. -'-4'- ' ^ .,4l- " ' n- - . 4 ^ uj/ „Frei nun athme die Wett und freier, . , . „Hüllt das Vergangene in Nebel und Dunst, „Säet das Korn beim Tone der Leier, „Der Friedensgöttin nur Opfer der Kunst! ' „Die lächelnde Hoffnung der Fülle zu Füßen - „Empfangen von Hymen das WestePfand! " ^ ,,Völker! ein heiliges Bündniß zu schließen, " i ' "<>' „Reicht euch die Hand!" - 1-2 ^ ' ^.... 'luM-. Sprach's, und die Göttin zum Äther entschwebte.'-- ^, Im Herzen der Fürsten selbst hallte es nach,— - Frühlinges Grün die Erde belebte *), Blumenduft ries Amoretten wach^i4 . ^ ' Fränkische Weine den.Fremdlingen fließen, - ri , Sie ziehen ja fovtsin'.s heimische. Land.änu Völker! den heiligen Bund laßt uns schließen^ .' 4 Uns reichen die Handck . ... -.rjtt.binc--, _ ! ' b'Hi l.'UllN , Der Herbst 1818 war ausgezeichnet schön, viele Frucht-' bäume blühten wieder, selbst im Norden Frankreichs"" ' 4DN -chiM rflün U'MpbMuqV Mar at üb er den Kölner Donrllair. Um die Geister einzuschläsern, braucht man dir Sachen nur laufen zu lassen. Indessen verläßt man sich nicht immer auf die Macht der Zeit allein. Zur Macht der zeit und zur Zerstreuung der, Feste-sügt. man noch abkeitende Beschäftigungen hinzu: man unternimmt irgend ein Nationalmonument, läßt öffentliche Gebäude, große Straßen, Plätze und Kirchen erbauen. So wird der Geist immer schlaffer ; und endlich, wett verliefen die Völker darüber aus den Augen? ihren Feind/'' c, ^ "" Sobald die Geister abgespannt werdeii'/' fängt^die Schlechtigkeit der Herrscher an sich' zu entwickeln; ihr Interesse im Auge, denken sie nur auf die Mittel es durchzusetzen ; aber Anfangs hüten sie sich sorgfältig irgend etwas zu thun, was die tiefe Sicherheit stören könnte. ! Nach und nach scheint alles beruhigt und die Kirche ist fertig geworden zur Einsegnung des todten Volks. Aber das kundige Auge des Piloten steht am äußersten Hvri-" zont sich schon den Keim des Sturmes erheben,r der bald alle Menge in Aufruhr,,bringt, -- - : 5 m . ^ i ^ 4>68,.LÜS1Me» Ü6 1'L8ki»VH>86. ? .Ur- ul'Ä '>n i .„BLrLMLgu«g^,z^^ Die Nedaktion hat fvlgendtn'Brief erhalten: ! In dem setzten Feuilleton des ,/Vorwärts^ haben Sse - NO-, 1--- chliiltV". unter mehrern andern Gedichten eines von mir *)'jedoch mit Unterdrückung meines Namens ausgenommen. Es wäre mir vollkommen -gleichgültig vom- Publikum als Verfasser desselben gekannt zu sein, wenn sämmtliche Gedichts p^icht mit dem Namen „G e op g W-e b e r" mi- terzeichnet wären, und ich also bei einer späteren Veröffentlichung nicht zu^dem Verdachte berechtigen., schulte als schmücke ich Mich ^unrechtmäßigerweise mib.deffen literarischem Eigenthmne. - ^ -»-üV n--' Aus diesem Grunde bilke ich' Sw diesen Jrrthum, der von Ihrer Seite gewiß sehr absichtslos, in der nächsten Nummer des „Vorwärts" zu berichtigen. Freundschaftlichste' > - " j --ui.ber Ihrige :i-T m---i .P .>ur-r^MLü,r«^' j.m hi'ül') -'V- -u.-; Paris, den ilV August. 1844 . -TiM"- ATNTYEt - *) Es ist das erste in N. 6 4 abgcd ruckte Gedicht, gegen dessen Autorschaft sich so eben H. Weber auch verwabrt. l ' .ui - - -olb «-.ch'-r"-. - ^ chü-rit/L g! ' ch> ch-i D m -nü : ünlri.- u: -.'1-: ' >ü> 3 solchen Zufall geknüpft sein. Voll Herz macht sich unter allen Umständen Luft. „Er (der Dank) ist durch die unzähligen mündlichen und schriftlichen Beweise der Liebe zu Uns erzeugt worden, die das Attentat vom 20. Juli hervorgerufen hat — der Liebe, dieUnö nnAugens blick des Verbrechens selbst entgegenjauchzte, als die Hand des Allmächtigen das tödtliche Geschoß von Meiupr Brust zu Baden geworse-r hältst ?Ran weiß nicht, ob das Attentat die Liebe oder die Beweise der Liebe hervorgerufen hat, umso weniger als der Genitivus„der Liebe"''nachder Parenthese wieder als der herrschende und accentuirte Rcdetheil des Satzes erscheint. Die stylistische Kühnheit ur der^ Wiederholung dieses Genitivus .springt-in die Äugen- Die Schwierigkeit wächstj wenn wir den Inhalt des Satzes betrachten. Drahte die Liebe, welche sprach und schrieb, unmittelbar als das Subjekt bezeichnet werden, welches auf der Straße lärmte ? Erheischte Nicht die chronologische Wahrheit, smi't der Liebe zu beginnen (die sich sogleich in Gegenwart des Ereignisses äußerte, und dann erst zu den späteren Äußerungen der Liebe in Schrift und Rede überzugehn? War nicht der Verdacht zu vermeiden, als wolle der König zugleich der Aristokratie und dem Volke schmeicheln? der Arist okratie-, indem ihre schriftlichen und mündlichen Liebesäußerungen-, obgleich der Zeit nach später als die populären Liebesäuße- rungen, doch der Wirkung nach früher den Dank im königlichen Herzen zu erzeugen wüßten; dem- V o l ke, indem seine jauchzende Liebe für ein und'dasselbe Wesen wie jene schreibende und redende Liebe erklärt, also-der Geburtöadel der Liebe aufgehoben wird ? Es scheint endlich nicht ganz geeignet, Gotteshand unmittelbar das „Geschoßt pariren zu lassen, indem e-inigerMaaßen confeguentes Denken ans diese Weise zu dem Trugschluß gelangen wird, Gott Habe die Hand des Frevlers zugleich ans den König geleitet und zugleich das Geschoß von dem Königüabgeleitet; denn wie' kann' -man eino einseitige Aktion'Gottes voraussetzen ? „Im Aufblick zu dem göttlichen Errettet "gehe ich mit frischem Muth an mein Tagewerk, Begonnenes zu vollenden, Vorbereitetes auszusühren, das Böse mit Sieges-Gewißheit zu bekämpfen und meinem Volke das zu sein, was mein hoher Berns mir auflegte und meines Volkes Liebe verdient«" Mpn kann nicht wohl sagen: „Ich gehe, „etwas zu sein." Allenfalls kann man gehen „etwas zu werden." Die Bewegung im Werden erscheint wenigstens als Resultat der Bewegung des Gehns, obgleich wir auch die letztere Wendung nicht als korrekt empfehlen w ollen. Daß Seine Majestät „im Ausblick ^zu Gott geht," das „Begonnene zu vollenden, das^Vorbereitete auszuführen, ^scheint weder der Vollendung noch der Ausführung günstige CbanceN zu versprechen. Um Begonnenes zu vollenden und Vorbereitetes auszusühren, dazu muß man den Blick fest auf das Begonnene und Vorbereitete richten, und nicht von diesen Gegenständen weg in die blaue Lüft schauen. Wer wahrhaft „im Aufblick zu Gott geht," wird der „nicht im Anblick Gottes aufgehn?^ Werden dem nicht alle weltlichen Pläne und Einfälle vergehn?, Der isolirte, durch ein Comma auf sich feW verwiesene Schlußsatz: „und meines Volkes Liebe verdient," scheint, auf einen unausgesprochenen, versteckten Nachsatz zu deuten, wie ejwa ^„Verdient die Knute des Schiva- gerö Nikolaus und die Politik des GevattersMet- ternich.;" oder auch: „verdient das Conftitutiönchen des Ritters Bunsen." ^ - - ^ : -n ' ^ 5 9 .UI- < !. s. u ' - ^ r- ) ch. ,s,Correspon^enz.. ^ Ui ^ Berlin, lOten August. Sie hatten Recht, wenn Sie ruifern König einen politischen Gour- mand, einen politischen Eklektiker und Dilettanten nannten; Sie hatten Recht,, wenn Sie uns eine abenteuerliche Mischung aller Staatsformen prophezeiten; aber Sie hätten sich doch nicht träumen lassen, daß Preußen nahe daran war, mit einer Eonstitutnon beschenkt zu werden,, daß es dieser Gefahr noch immer nicht entlaufen ist? , Ritter Bunsen heißt der Vater des neugebor- nen Kindes. Der König war so griesgrämig, geworden,'so — erlauben Sie den Berliner Ausdruck — so eklich und zorümüthig,' daß Niemand es ihm recht machen konnte, daß Niemand sich an , ihn hinanwagte. Womit kann man Seiner Majestät wieder gute Laune verschaffen? Niemand wußte Rath. Da kömmt Bunsen aus England und hat. ein ganz kleines, christlich-germanisches, englische-preußisches^ ständisch-repräsentatives, servil- libera(es Constitutiönchen in der Tasche. Er spricht davon, er legt das Schriftlein Seiner Majestät vor, und siehe, Seine Majestät verspürten wieder guten Appetit und um den geistreichen Mund spielte ein wohlgenährtes, schalkhaft-gnädiges Lächeln. „Constitution, Constitution, Bunsen!- Das war der Humor davo'nj wie Corporal Gyr sagt. Wie'ein Lauffeuer geht dje Parole von Mund zu Mund, alle Köpfe — lueus a non iueenäo — gerathen in Aufruhr. Seiner Majestät erhabener Bruder und presumtiver Thronfolger, der Prinz von Preußen!, stürzt Höchstselbst nach dem Schloß — denn jede andere Constitution, als dw wer. preußischen Ar- mie^—scheint ihm vom Überfluß und daher vom Bösen. Er spricht zum allerhöchsten Bruder, wie der Hoftnarschall Kalb zum Präsidenten: „Ihr seid ein gelehrter. Mann, i Ahr seid ein vortrefflicher Redner aber ich, was soll äus mir werden den andern Tag"? Ich bin höchstens' ein Bauchredner, also" — doch alles vergebens, Bunsen, Ritter Bunsen siegt. Bunsen, im Siegesübermuth und in vorweggewonnener Premier-Minister-Laune, hat sogar , die Kühnheit, dem Prinzen von Preußen einen Besuch ä, l'auglawe zu machen; d. h. er kommt gegen alle: "geheiligte Sitte vor das prinzliche Palais vorge- ritten. Der Prinz empfängt ihn kalt und schreibt gleich darauf an den Minister von Bülow — den Minister der auswärtigen Angelegenheiten — es sei ein Mensch.zu Pferde zu ihm gekommen, der sich für den Gesandten in London ausgegeben,, man möge nachsorschen, ob daS kein Betrug sei. Es wird geforscht, es wird geschrieben, es wachsen die Akten an,und richtig —'Bunsen ist wirklich der Tollkühne, der das Ungeheure gewagt. Mit diesen Beweisen von dem gefährlichen,'neuerungssüchtigen Charakter seines Gegners eilt der Prinz wieder zum Könige, allein Bunsen steht fest. Guter Hoffnung rM er nach EnglMd und der König will, noch schlafen — da Mt ver Schüß l Oö ävohl mit HmWchHK.Äststi'trchchn, die christlich-germanische 'Eonstitütion verpufft M? Dir Antwort auf diese , Fragerulst nvchlim duükleu.Schoos der Zustmft. - Der ^angebliche Preuße^ zn den Randglossen re. re. ^ - - i ll . - - N ' . Vorwärts" N. 63 und 6t.) In der letzten Randglosse heißt es: „So vieler Weitläufigkeiten bedurfte es, um das Gewebe von Jrrthümern, die sich in eine einzige Zeitungsspalte verstecken,^ zu zerreißen. Nicht alle Leser können dis Bildung und die Zeit besitzen, sich Rechenschaft über solche literarische Scharlatanerie abzulegen." .. Allerdings, „die Bildung und die Zeit," die Herr Marx „besitzt,," waren zu diesen Randglossen nöthig, aber die Bildung jedes Lesers reicht vollkommen aus, um den Wurm der Mürrischen Bildung ohne weitere Beihülse selbst zu entdecken. Auch der „Preuße" ist nicht zu verkennen. Er hält „daö Gewebe seiner Zrrthümer" nicht für so schädlich. Überzeugt sich daS Publikum von seiner „literarischen Charlatanerie," so wird er für seine ^Zrrthümer" keine Leser mehr finden. Bringt er aber „Zrrthümer" vor, und sie werden angehört und geglaubt, so ist ja das „Zerreißen ihres Gewebes" jeden Falls die Enthüllung der Wahrheit. Was ist für ein .Unglück dabei? Doch höchstens dieses, daß die Enthüllung der beabsichtigten Wahrheit auch noch eine unwillkürliche aüs Licht bringt. „Es irrt der Mensch, so lang' er strebt." „Ein Preuße." - - , r >> ' Fräulein Tschech. Das edle achtzehnjährige Mädchen gibt an Muth und gewandter Rede ihrem kühnen, viel erprobten Vater nichts nach. Dif Frankfurter Blätter berichten, wie sie, W aller Eristenzmittel beraubt ist, gesagt : der König, der ihren Vater so elend gemacht, habe jetzt die Pflicht, für sie zu sorget!. Der Prediger Vater ward nunmehr zu ihr gesandt um ihr „weltliches Herz zu rühren," aber er entfernte sich bald mit den Worten k „Diesem Frauenzimmer ist mit der Religion mcht beizukommen. " Ein Mädchen welches ausruft: „Ich bin stolz auf meinen Vater der nachdem König geschossen hat!" ist ein schwieriges Beichtkind; das mag der Herr Prediger sich merken. Wenn es aber erlaubt ist, aus diesem einzelnen Fall Zeinen Schluß zu ziehen, so können wir nicht umhin über den Aufschwung zu erstaunen, den das deutsche Bewußtsein seit Kurzem in tiefster ^Stille genommen. Ein Bürgermeister, der, durch Zntri- guen abgefetzt und verleumdet, keine ^Anstellung mehr findeft hält mit seiner Tochter in der grimmigsten Noth/o lange ruhig aus bis der Hunger Mn zum Bettler währeMdreier Tage zwingt; dann erst,"^nachdem er alle gütlichen Mittel versucht, greift er zum letzten, aber nicht zum Selbstmorde nach alt-sentimentaler Manier: nein, zum Rachemorde ! Sein Kind weiß eö^ und verräth ihn nicht; unerschütterlichrwie- v gr Per That, stehen sie beide auch noch ihr da: völlig bei Verstände, mit ruhigem Gewissen. Das hat sich noch nie in Deutschland ereignet; unerhört ist. dort, solche marmorne antike Bjutthat, solche kurze bündige Weise, dem „eigenen.gemarterten Herzen Genugtuung zu-schaf- fen. Wir enthalten uns weiterer Äetrach jungen für diesmal und weisen nur noch aüfrdiL grmzeNloße Bestialität Ver deutschen Zeitungen hilf die nicht etwa bloS jn' Klageg über dgs. Geschehene äusbre- s chen^daß ist ihre Schuldigkeit uud ohnedein bringt es ihr Standpunkt mit sich), sondern, sogar die ge- sammte „moderne Zeit" hiebei mit ins Komplot ziehen. Mit Wehmuth deuten sie auf die „Verderbtheit des Bstmüths" und auf don „schrecklichen Einfluß der modernen Ideen des Westens hin." Ha'! Ihr wittert Morgenluft, Ihr deutschen Gespenster? der Westen Europa's liegt.Euch hart Lin Sinne ; überall wo das Menschenherz einen Ring seiner nachgeschleiften Kette sprengt, muthmaßt Ihr französische Ideen," fremde Gefühle.also„ w-ild- sremvi dem deutschen Wesen gewordene Regungen! Möge Deutschland jetzt in diesen Spiegel des „Westens" schauend wieder einmal am > zornigen Wehgeschrei sei ned eignem Gebieter erkennen, auf welcher Stufe es steht und iwofur es.vou ihnen angesehen wird, Deutschland's offizielle Unterthanen und Deutschland's Herren send identisch beide sind Sklaven, christlich germanische Knechte; und nur sparsam verstreut liegt die gute Saat.der Ausnahmen über nuferen'Gauen, aber -j- sie sprießt.. i "" ' ' - i: -U -- , ö> - l ^ ^ w' . Auszüge au.s.drm „Nieten -cs Glanbclls im Sinnc Qlthcrs ctc." . . d. - I.u. " V . von Ludwig Feuerloch. Leipzig, 1844 . - ^ j- - (Fortsetzung.) Gnade oder Verdienst; Gnade hebt Verdienst, Verdienst Gnade auf. Aber die Gnade gehört dem Glauben an, das Verdienst dem Werk, und der Glaube gehört Gott an, das Werk dem Menschen; -denn im Glauben bethatige ich Gott, im Werke .mich, den wirkenden Manschen-., Also mußt Du es entweder mit Gott oder mit dem Menschen halten, entweder an Gott glauben und am Menschen verzweifeln, oder an den Men- dchon!)tzlauben.nnd an Gott verzweifeln.. Zugleich.sannst Du nicht an Golt^glauben und an Gott verzweifeln, zugleich nicht um gnädige Unter- ' itützüng betteln und eignes Vermögen besitzen, zu- ! rzleich mcht Knecht .und.Herr, zugleich nicht Luthe- ' r^nrer und.Papist sein. Ganz für.Gott und wider denWenfchen, oder ganz,für den Menschen und ; Wider Gott. ^ ' ' / . ^ ! Luther nun entscheidet sich g an-z j unbedingt — j Lj ist ein ganzer Mann- 77 -,für GHtt wider den Menschen—Gott ist ihm, wie wir gesehen, Metz.; : der Mensch Nichts ; Gott die Tugend, die Schönheit, die Anmuth, die Kraft, die Gesundheit, die Liebenswürdigkeit; der Mensch das Laster,, die Widerlichkeit, die Häßlichkeit, die Nichtswürdigkeit und Nichtsnutzigkeit in Person. Luthers Lehre ist göttlich, aber unmenschlich, ja barbarisch, eine Hymne auf Gott, aber ein Pasquill auf den Menschen. Aber sie ist nur unmenschlich im Eingang, nicht im Fortgang'; in der Voraussetzung, nicht in der Folge; im Mittel, nicht im Zwecke. Die lutherische Lehre versetzt dich in den Zustand des Hungers, wo dem Menschen alle seine Kräfte versagen, sein Muth sinkt, sein Selbstgefühl schwindet, wo ed verzweistnngövoll ausruft: ach! wie so gar nichts ist doch der Mensch. ohueWpeise ; aber sie versetzt dich nur in diesen unmenschlichen .Zustand, um dir durch den Hunger den Genuß der Speise zu würzen : „Ter Herr Christus schmecket Niemand, denn einer hungrigen und durstigen Seele. — Diese Speise gehört, nicht.für eine satte Seele." (Th. m. S. 545.) Die schmecken es aber am besten, die in Todeönöthen liegen oder die das böse Gewissen drückt: da ist der Hunger ein guter Koch, wie man spricht, der machet, daß die Speise wohl schmecket. — Aber jene verstockten Leute, so da in eigner Heiligkeit leben, auf ihre Werke bauen und ihre Sünde und Unglück nicht fühlen, die schmecken das nicht. Wer am Tische sitzt und hungrig ist, dem schmecket alles wohl; der aber vorhin satt ist, dem.schmecket nichts, sondern hat auch ein Grauen über der allerbesten Speise?' (Th. xr, S. 502—3.) Keine Speise ohne Hunger — so keine Gnade ohne Sünde, keine Erlösung ohne Noth, kei n Gott, der Altes ist, ohne-ein.en Menschen, der Nichts ist. Was der Hunger nimmt, ersetzt die Speise. Was Luther im Menschön dir nimmt, das ersetzt er in Gott dir hundertfältig wieder.. . Luther ist nur inhuman gegen den Menschen, weil er einen humanen Gott hat, und weil die Humanität Gottes deü Menschen der eignen Humanität überhebt. Hat der Mensch,-'was Gott hat, seist Gott überflüssig, derM.ens-ch ersetzt die Stelle Gottes; aber eben so umgekehrt: hat Gott was an sich der Mensch hat, so ersetzt Gott dieStelle des Menschen; so ist es nicht noth- wendig, daß der Mensch Mensch ist. .Denkt Gott für den Menschen r— das thut er aber, indem er sich offenbart, sich ausspricht, d. h. dem Menschen vorsagt, was er ihm nachsagen, was er von ihm denken soll — so braucht der Mensch nicht-Selbstdenker zu sein; ist Gott ein für den Menschen und dessen Heil und Seligkeit thätiges Wesen, soistdieThä- stigkeit des.Menschen für sich selbst überflüssig: Gottes Thunhebt mein Thun auf: „So es Christas -th ut) so mu ß ich' s nicht -t h u n., Eins muß heraus^ entweder, Christus oder mein Zeigen Thun." (Th. xxn, S, 124.) Hat Gott Sorge für dich, Liebe zu dir, so'ist deine Selbst sorge, deine Selbstliebe unnöthig; trägt Gott dich auf den Händen, so brauchst du nicht mif deinen eignen Beinen zu. stehen und gehen. Und du kommst eben so gut, ja poch besser auf den Händen eines Andern an das Ziel deiner Wünsche,'als auf deinen eignen Beinen. (Fortsetzu^ folgt.).„ Die Schweizerische National-Zeitung beur theilt sogarvon ihrem politische n Standpunkte aus das Attentat auf den König von Preußen sol- gendermaaßen : „Alibaud's grimmiger Geist ist durch Berlin geschritten. Alsgemach erscheint die That Tschechs in wahrerem Licht., Istgin Unterschied zwischen einem vierten Heinrich und einem Domitian, so wird auch ein Ravaillac und ein Brutus nicht aus gleiche Linie dürfen gestellt werden, nicht ein Fieschi und ein Alibaud. Die tiefe Empörung des Gemüthes über das, wie er meinte, vom König ansgegangene Unrecht, das in dessen Machtfülle fleischgewordene Pose der Verwaltung und Regierung des Staates, dies, nicht Schlechtigkeit, hat dem Königsmörder die Feuerwaffe in die Hand gedrückt und die Brust des Staatsoberhauptes seinen Kugeln, zur Scheibe vorgesteckt. In absoluten Staaten ist der König als Quell aller öffentlichen Gewalt zu betrachten; natürlich richtet sich wider seine Person dann auch der . Haß gegen das herrschende, Regierungssystem. Tschech hat gefehlt, das Leben des.Königö, habe er noch so viele Regie-» rungssünden hegangen, hatte er nimmermehr anzutasten; allein wie muß es um das Innere eines Staates stehep, wenn ein gebildeter Mann, nicht eine mordgierige Bestie ist Tschech, zu solch Äußerstem gedrängt wird rc. rc. ?". . „Aufrichtige Liebe und Servilität werden nun in Dank- und Gratulationtzadressen ein Wettrennen zum Könige veranstalten. Man wird für einige Wochen nur die Wahl -haben zwischen Götzendienst oder Verdächtigsein rc. rc. Tschechs Schuß wird über dem bevorstehendeil offiziellen Geschwätze vergessen werden, rc. re?' ' ' ' Redakteur: C. F,. Brrnay s. >- Druck mit Schnellpressen von Paul Neno uard -Sehr empflhlenöwerth. für Deutsche die.nach London reisen.. Zum -kutülM fläus?"-flötet d'Ätltmagnk. 'S?' L.' 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August) Episode ans den dreißiger Jahren Ich habe in diesen Blättern schon mehremale Anlaß genommen, um von der Bewegung der baie- rischen Pfalz, des nachmaligen Rheinkreises, in den dreißiger Jahren zu sprechen. Ich habe behauptet, daß sie der »«zeitige Ausbruch ungezeitigter Gedanken, das Zerplatzen politischer Hohlheit und provinzialer Aufgeblasenheit, daß sie weiter nichts als ein bloßer Skandal war. Im großen Ganzen hatte ich Recht! Eine in unbegrenzter Eitelkeit, Ignoranz und Wohlleben vegetirende Bevölkerung, berauscht wie immer durch Wein und selbstgefälliges Geschwätz, hatte nach damaliger Sitte Fürsten und Beamte zum Gegenstand ihrer Skandalsucht gemacht, und mit dem großen Maul darauf zugeschlagen. Die Pfälzer betrugen sich damals wie Bediente gegen ihren bankerut gewordenen Herrn, „einschimpfender Bedientenschwarm!" Der Herr ist seitdem wieder zu Ehren und Kräften gekommen; da kehrten auch die Bedienten flugs zur alten Unterthänig- keit und Kriecherei zurück! Ein Vorfall jedoch zeichnete sich durch seinen besonder» Charakter unter der allgemeinen Bewegung aus. Ich meine den Bettleraufstand in Frankenthal. Kurze Zeit nach dem Hambacher Feste, während der Ungeheuern Früchte- und Brodtheuerung, erhoben sich, ohne ein vorhergehendes ähnliches Beispiel in der Pfalz, ohne Aufreizung von Seiten der „Liberalen," die Armen in Fraukenthal, einem kleinen unweit Mannheim gelegenen Städtchen, und marschirten einem reichen Fruchthändler vor das Haus und seine Magazine. Dem Schwarme voran ritt ein gewisser Prinz (von Habenichts) mit einer dreifarbigen Fahne; eine bedeutende Menge Bettler folgte unter Absingung des üblichen „Fürsten zum Land hinaus" u. s. w., und unter beständigem Schimpfen, Fluchen und Drohen. Die Weiber hatten sich alle mit Körben und Säcken versehen, um nach Eindringung in die mit bedeutenden Getreidevorräthen versehenen Magazine ihren Antheil einzukassiren. Leider wurden sie daran verhindert. Das „F ürsten z u m Land hinaus" amüsirte die guten Bürger, — als sie aber sahen, daß der eigentliche Text des Liedes der Hunger war, und das königsmörderstche Gesinge nur der Prätert, da erhoben sie sich wie ein Mann, und eilten ihrem bedrohten Mitbürger zu Hülfe. Die Armen erbrachen zwar noch die Magazine, aber nach gehabter Augenweide mußten sie mit leeren Säcken von dannen ziehen. Siebzehn von den Anführern, wenn ich nicht in der Zahl irre, wurden vor die Assissen in Zweibrücken gestellt, und alle von der Jury freigesprochen. Tie liberalen Geschwernen betrachteten den Vorfall als einen Ausbruch der in ihren Augen gerechtfertigten Liberalität, und die Angeklagten als eine Art von Mitschuldigen Wirths nnd Siebenpfeiffers, ja als ihre eigenen Complieen. Wie sollten sie die Vaterlandsfreunde v'erurtheilen! Das war ein Glück für die Armen; denn wer beim gewöhnlichen Laufe der Dinge nur einen Laib Brod stiehlt, ist ihrer Rache gewiß; wie wären sie mit einer ganzen Bande Einbrecher umgegangen, wenn sie nicht aus „Liberalismus" eingebrochen hätte?Die eigentliche Bedeutung des Vorfalls begreift aber Niemand. Die Regierung benützte ihn, um ihren Getreuen die Liberalen als Diebe darzustellen; und die Liberalen, unter deren Stichworten von jeher eines der Schutz des Eigenthums war, warfen diese Beschuldigung weit von sich weg, obgleich sie, bloö weil es ein Skandal war, dem Aufstaude selbst ihren Beifall nicht versagen konnten. Spektakel, Geschrei, Skandal, Raufereien, jede Grobheit gegen einen Gendarmen oder Polizeidiener war liberal, der Grund dazu mochte sein welcher er wollte. Mit der Bettler-Demonstration in Frankenthal hatte aber der Liberalismus weiter nichts zu thun, als daß die Armen bei der allgemeinen Aufregung und der Schwäche der eonstituirten Gewalten, etwas wagten, wozu sie in ruhigen Zeiten nur die unbändigste Noth und die Verzweiflung treibt. Die Armen wollten sich dort Brod holen, wo sie wußten, daß es zu finden war. Die Erlaubniß dazu hat ihnen der Liberalismus nicht gegeben. Zu Carl Theodors Zeiten waren in Frankenthal Seiden- und Porzellanfabriken — die Fabriken eri- stiren nicht mehr, weil sie keinen Vortheil abwarfen, aber die unbeschäftigte Armen-Bevölkerung blieb übrig. Die einzige aus Fabrik-Industrie erzeugte Armuth in der ganzen Pfalz — und so gering sie an der Zahl ist, es mögen 300—400 Köpfe sein, zeigte ganz dieselben Symptome, wie wir sie jüngst in Böhmen und Schlesien sahen, sobald die äußere Möglichkeit zu deren Erscheinung vorhanden war. Ich wollte aber weiter nichts als den bekannten Vorfall unter dem einzig richtigen Gesichtspunkte darstellen. Arbeiterbewegung in Deutschland. Die Bewegung unter den deutschen Arbeitern hat keineswegs aufgehört. Es war das vorauszusehen. Tie Mittel die man überall dagegen aufbot, waren alle gegen die Erscheinung, und nicht gegen den Grund des Übels gerichtet — mit Gewalt und Strafen will man in Deutschland Alles vermögen! Die neuesten Unruhen find in Berlin auögebrochen. In einer der bedeutendsten Cattunfabriken, erklärten die Arbeiter einstimmig, nicht weiter arbeiten zu wollen, und verlangten vor Allem Erhöhung des WochenlohnS; das Fabrikgebäude wurde durch Gendarmen besetzt. Auch in einer andern Cattun- fabrik trugen die Arbeiter auf Erhöhung des Lohnes an. Der Polizeipräsident begab sich alsbald an Ort und Stelle. Die Arbeiter wurden in diesen Fabrikstätten, so berichten die offiziellen preußischen Journale, sehr gut behandelt und belohnt, so daß sie von dieser Seite keine Klage haben. Ihnen fällt zur Last, daß sie, die vorschriftsmäßige vierzchn- tägige Kündigungsfrist unbeachtet lassend, die Arbeit sofort einstellten. Versteht sich von selbst, daß in den Augen eines preußischen Polizeipräsidenten die Arbeiter immer genug haben. So lang sie sich seine Ansicht als Maaßstab für ihre Bedürfnisse gefallen lassen, geht das an; wenn sie sich aberfragen, was bedürfen wir, um menschlich zu leben, und warum bedürfen unsere Fabrikherren unendlich viel mehr als wir? warum müssen wir uns auf ein Minimum der Bedürfnisse setzen, um Jene schwelgen und Reich- thümer sammeln zu lassen? dann ist's mit der Humanität der Polizei am Ende. Wie baar von aller Einsicht in die Gründe der Unzufriedenheit der Arbeiterklassen so ein preußischer Polizeivogt ist, beweis'! folgende amtliche Bekanntmachung die alsbald nach dem Vorfälle erlassen wurde: „Die Lage der hiesigen Cattuudrucker ist seit mehreren Jahren der Gegenstand sorgfältiger und umfassender Untersuchungen der Staats- und Commu- nal-Behörden gewesen. Es hat sich ergeben, daß der Grundsatz der freien Bewegung, welcher die Basis unserer Gewerbe-Gesetzgebung bildet, in den Verhältnissen dieser als freie Gewerbe-Gehülfen anzusehenden Leute nirgend verletzt, ihre Rechte überall gewahrt, und einzelne Verlegenheiten nur allein die unvermeidlichen Folgen vorübergehender Conjuneturen gewesen sind. Gerade jetzt ist bei ausreichender Beschäftigung der Cattunfabriken und wohlfeilen Preisen der ersten Lebensbedürfnisse weniger Grund zu Beschwerden vorhanden, als sonst. Dennoch sind, wahrscheinlich angeregt durch die Beispiele eines Nachbarlandes, seit einigen Tagen auch hier Arbeits-Verweigerungen in Masse in verschiedenen Cattun - Druckereien vorgekommen, welche, insofern dadurch Polizeigesetze übertreten worden, das Einschreiten der Behörde mit Strafen und Verhaftungen nöthig gemacht haben. Störungen der öffentlichen Ordnung haben bis jetzt nicht stattgefundcn und sind, bei der Gesinnung der größtenteils zu der gebildeteren Arbeiter-Klasse gehörenden Beteiligten und den überall getroffenen Vorsich-tsmaaßregeln, auch nickt zu erwarten." Eine Kritik dieser Bekanntmachung ist kaum nöthig. Während man in allen Fabrikländern es längst weiß, daß gerade der^,/Grundsatz der freien Bewegung," d. h. die Concurreuz, den Arbeitslohn beständig herabdrückt, und die Noth und in deren Folge die Aufstände herbeiführt, hält der preußische Polizist diese freie Bewegung für eine Garantie der Rechte der Arbeiter, die er heuchlerisch mit dem Ehrentitel „freie Gewerbe-Gehülfen" beschenkt. Während er daraus, daß gerade jetzt „bei ausreichender Beschäftigung und. wohlfeilen Preisen der ersten Lebensbedürfnisse" dennoch Unruhen ausbrechen, schließen sollte, daß das Übel tiefer liegt, schreibt er es vorübergehenden Conjuneturen zu, die ja, nach seinen eigenen Worten, gar nicht eri- stiren. Und um sich aus diesem Wirrsal zu helfen, will er glauben machen, die Berliner Arbeiter hätten die Prager nachgeäfft. Durch wessen Beispiel sinv denn die schlesischen Arbeiter angeregt worden ? Es ist zu albern ! Alle die einzelnen Aufstände werden durch „Strafen und Verhaftungen" erstickt werden, bis endlich die Noth sich über ganz Deutschland ausgebreitet hat, und dann kommt die Reihe des Strafens an Andere. Auch in Prag haben die Unruhen noch nicht aufgehört, und in Magdeburg, wo man ähnliche Aufstände fürchtet, war die Regierung so feige, Weitling plötzlich zu entfernen. Die Polizei bemächtigte sich seiner, und man weiß zur Stunde nicht, wo er hingekommen ist. Die „Mannheimer Abendzeitung" bringt folgende Nachricht: „ Briese aus Magdeburg melden, daß Weitling in der vergangenen Woche von der Polizei ans seiner Wohnung geholt und weggebracht worden sei. Ob er, wie es früher hieß, aus seinem Vaterlande verbannt, oder ob er gefänglich eingezogen worden, darüber wisse man nichts Näheres." Was werden nun die deutschen Blätter sagen, die bei dieser Gelegenheit Preußens Milde und Gutherzigkeit so rühmten, weil die preußische Regierung den kränklichen und militäruntauglichen Weitling nicht in den Soldätenrock gesteckt, sondern ihm als gebornen Magdeburger erlaubt habe, in Magdeburg unter strenger Polizei-Aufsicht zu leben. Die Milde hat nicht lange gedauert, die Großherzigkeit hat sich in kleinliche Furcht vor dem armen, schwächlichen jungen Mann verwandelt, man fürchtete seinen Einfluß auf die Arbeiter-Klassen, man zitterte selbst vor dem Schreckbilde des unter Polizeiaufsicht gestellten Communismus, und so — ließ man Weitling plötzlich verschwinden. Was mit ihm geschehen, weiß man noch nicht, — ob er nach Stettin gebracht und dort nach Amerika eingeschifft worden ist, — ob man ihn vielleicht als einen angeblichen Ru ss e n dem Cartellvertrage zufolge au Rußland ausgeliesert hat, oder ob er bei Nacht und Nebel auf irgend eine Festung geschleppt wurde, um dort wie Weidig, Jordan u. A. todtun ter sucht zu werden, wird die Folge lehren. Einstweilen ist es Pflicht der unabhängigen Presse auf den Mißbrauch aufmerksam zu machen, den das preußische Ministerium mit seinen Dettros äs ea- ellst treibt. — In Berlin und in ganz Preußen ist das Wort: Verhaftungen seit einiger Zeit an der Tagesordnung, man sperrt ein rechts und links, oben und unten, auf's Gerathewohl; findet man nichts, so läßt man die Leute wieder los, — das ist Alles. — Eine ungeheuere Überschwemmung, begleitet von beständigen Stürmen, hatte mehrere Tage lang der kleinen Stadt Schwetz an der Schwarz den gänzlichen Untergang gedroht. Am Sonntag den 4. August, gegen ein Uhr, begannen sich die Stürme zu legen, und die Wasser zu verlaufen. Die „Allgemeine Preußische Zeitung" bringt diese glückliche Nachricht auf die zierlichste Weise von der Welt in einem mystisckM Rahmen: Die Stille des Sabbaths, sagt sie, hat dem Sturme auch Ruhe geboten." Das Elend in Schwetz soll alle Grenzen übersteigen — aber der Sturm ließ nach, nicht der Unglücklichen wegen— einen solchen gutmüthigen Unsinn wollte ich verzeihen; — nein, deren gibt es ja so viele,— sondern damit sich eine, wenn auch nur kleine Schaar in der protestantischen Kirche versammeln konnte, „um das erlauchte Königspaar ver Gnade des Allerhöchsten re. re., und die leidenden Brüder getrost dem Walten der Vorsehung zu übergeben." , Den elenden Sklaven dient die Natur in ihren segensreichsten, wie in ihren schrecklichsten Erscheinungen zu weiter nichts als zu hündischen Beziehungen auf ihre Herren. Ja wohl — es friert, damit die hohen Herrschaften Schlitten fahren können, der Sommer ist da wegen ihrer Reisen; Feuers-und Wassersnoth bricht aus, damit sie wohlthätig scheinen können; sie läßt nach, damit man Zeit hat für sie zu beten. Eine solche Welt für die Höchsten mußte allerdings ein Allerhöchster gemacht haben, sonst wäre sie so vornehm nicht ausgefallen! Die Schuljugend in Ftatow, einem westpreußischen Städtchen, ist unter Leitung ihrer Lehrer und Eltern ausgezogen, um den „Königs- mörder" (wie die deutsche Sprache nur ein Wort hat für einen solchen Menschen, und daß es gar so vollklingend sein muß!) im Bilde zu erschießen. Die „Köllnische Zeitung" standalisirt sich darüber. Sie meint „vom Erhabenen bis zum Lächerlichen wäre nur ein Schritt; da würde ein beliebiges Bild zusammengeklert, und die Knaben schießen mit ihren Kugeln darauf bis der Lappen durchlöchert ist." Von welchem Erhabenen, „Köllnische Zeitung," ist denn der Schritt eigentlich zu thun gewesen? Ist vielleicht die Art, wie Ihr von dem Attentat sprecht*), so erhaben? Habt Ihr es wohl mit andern Augen angesehen, als eine alte Betschwester den gekreutzig- ten Christus? Habt Ihr nickst alle gerade so geschlottert, gelottert und gebenedeiet? — War die Haltung des Königs erhaben, da er einen schlechten Witz machte oder seine Kabinetsordre erließ? Ihr macht so ungern Schritte, — es bedurfte auch diesmal einer Bewegung bis zum Lächerlichen Mich erinnern die erhabenen Adressen und Zeitungsartikel lebhaft an die Erhabenheit -er Reden, Programme, Toaste u. s. w. beim badischen Verfasiungsjubilaum. Ganz dieselben Geschichten, nur ein bischen anders drapirt. Herr Mathy ließ den ganzen Quark damals in ein Buch zusammen drucken; ein ähnliches patriotisches Unternehmen sollte man in Preußen jetzt veranstalten. Wer die beiden Bände verschlingt, der kann die allerekelhafteste Medizin nehmen! nicht: Ihr seid nach Pflicht und Gewissen lächerlich und bübisch von Anfang an gewesen.^— Bei den Buben allein ist die Büberei natürlich. Die Flatower Kinder haben ganz recht, wenn sie Tschech im Bilde erschießen; eine von Kindern ausgeführte Demonstration ist kindisch, aber deswegen nicht lächerlich; wenn Männer findisch sind, dann sind sie der Kinder Spott. Euer Raisonnement ist für Kinder vollständig geeignet: der König ist der Landesvater ; das LandeSkiud,. dys die Hand gegen ihn aufhebt, ist des Todes schuldig -—und die Kinder erschießen es! Wenn diese wackern Kinder Männer werden, dann denken sie vielleicht, ein Mann braucht keinen Vater mehr, und wenn einer sich Vaterschaft anmaaßt um sie tyrannisiren zu können, dann nützt es ihnen daß sie in der Jugend schießen Mlernt haben — sie durchlöchern dann vielleicht den wirklichen anmaaßlichen Vater, wie jetzt das papierne Kind. Aus dem Briefe eines abtrünnigen Juristen. -Und was machen die Herrn Advokaten mnjorum et minorum gentium , die Anwälte von Gottesgnaden, und die Usurpatoren, die Ferkelstecher? Und die Herrn Prokuratoren der ewigen Gerechtigkeit, und die die Wage halten? Brutales Geschäft die juristische Pfafferei; namentlich dann erst recht brutal, wenn Ihr klug und geistreich thut, wenn Ihr Controversen macht. Muß Montags die Messe in einem rothen oder grünen Rock gelesen werden? Genügt eine siZnilisation navous, oder muß der Wisch auch noch ü äomisils signifizirt werden? Der Richter, Euer Papst auf Erden, der Ambassadeur Gottes aus dem ewigen Justizdepartement entscheidet : es muß so sein; undvonzwei Spitzbuben wird durch diese Entscheidung der eine arm, der andere reich. Ihr Priester der Justitia ziehet Eure Stolgebühreu, Taren und Sporteln allemal — weil Ihr den einen in den Himmel, und den andern ins Fegfeuer gebetet, wieder Pfaffe der den einen getauft und den andern begraben! Die Analogie ist vollkommen! Und wenn Du einen Dieb vertheidigst, und er wird freigesprochcn, d. h. zur Ehrlichkeit verurtheilt: wo ist dein Verdienst? Wenn der Arme Hungers stirbt, so geht er wenigstens mit einem Ehrlichkeitspatent versehen in die Unterwelt, er stirbt mit seinem ehrlichen Namen, oder vielmehr am ehrlichen Namen. Du weißt doch, daß eine heilsame Arznei für den einen, oft Gift für den andern ist : dem Satten hilft die Ehrlichkeit verdauen, dem Hungrigen reibt sie die Magenwände durch! Ihr seid Capitalkauze: Ihr lackst die Pfaffen aus, die einen Menschen in den Bann thun, weil er auf die Hostie beißt, statt sie ganz zu verschlucken, und Ihr selber verurtheilt dock- alle Tage Leute genug, blos weil sie zehn Prozent mit der linken statt mit der rechten Hand nahmen! Es möge Euch vergolten werden! Cvrrespondenz. Berlin, 16. August. Vor einigen Tagen brachte das Militär-Wochenblatt die neu auögearbeiteten Kriegsartikel. Die preußische Pointe König und Vaterland wird darin paragraphenweise durchgedroschen, die Soldaten werden darin zu Mameluken gemacht, und der Heroismus bei Todesstrafe besohlen ! Das wollen wir Alles auf sich beruhen lassen. Ein anderer Artikel heißt aber so: „Wer in Erfüllung seines Berufs als Soldat sich bewährt, hat nach Maaßgabe seiner Fähigkeiten und Kenntnisse auf Beförderung zu rechnen. Als Commentar zu dieser infamen Lüge, wenn man die Worte „zu rechnen" so versteht, daß der auch wirklich was bekömmt, der darauf zu rechnen hat, diene die folgende kurze aus den officiellen Bekanntmachungen gezogene Zusammenstellung. Die preußische Armee zählt 16 Generäle darunter kein Bürgerlicher, 54 General-Lieut. „ kein „ 85 General-Majors „ drei Bürgerliche, 122 Obersten „24 „ 98 Oberst-Lieutn. „26 „ 555 Majors „ 244 „ Auszüge ans dem des Glaubens im Sinne Luthers ete." von Ludwig Feuerbach. (Fortsetzung.) Gott und Mensch sind gegen einander, wie Mann und Weib — ein von Luther und überhaupt den Christen häufig gebrauchtes Gleichniß. Wenn das Weib für mich kocht, wäscht, spinnt, so brauche ich nicht selbst zu kochen, zu spinnen, zu waschen; wo das Weib thätig ist, bin ich unthätig; wo es Etwas ist, da bin ich Nichts. Was ich überhaupt an dem Weibe habe, das brauche ich nicht an mir selbst zu haben; denn was des Weibes ist, ist doch des Mannes, wenn gleich das Weib ein anderes Wesen, ein Wesen außer dem Manne ist. Will daher der Mann selber sein und thun, was ihm das Weib ist und thut, will er selbst das Weib sich ersetzen, so vergeht er sich schmählich. Wenn ich nun aber dem Alaune die Selbstbefriedigung verwehre, bin ich deswegen ein unmenschlicher Barbar gegen ihn? Durchaus nicht; denn ich verbiete ihm nicht die Befriedigung, ich verbiete ihm nur, daß er selbst sich befriedige, daß er in sich selbst suche, was er nur außer sich suchen soll und nur außer sich naturgemäß finden kann. Gerade so ist es nun mit Gott. Was du in Gott hast, das hast du allerdings nicht in und an dir selbst, aber gleichwohl Haft du es — es ist Dein, zwar nicht so, wie dein Arm, dein Bein Dein ist, aber so, wie dein Weib Dein ist. Es ist Dein nicht als Eigenschaft in Dir, sondern als Gegenstand, aber als ein Gegenstand, der nicht zufällig, sondern wesentlich ein Gegenstand für Dich ist, denn er hat, was Dir fehlt, gehört also zu Dir selbst. Gott ist, was Du nicht bist; aber gerade deswegen ist er Dir eben so unentbehrlich, als die Speise dem Hunger, der Trank dem Durste, das Weib dem Manne. Und Er ist, was Du nicht bist, eben deswegen, weil Du es nicht bist. Gott ist wahrhaftig, weil wir Lügner, gut, weil wir böse, human, menschlich, weil wir wilde Bestien sind. In Gott ergänzt, befriedigt sich der Mensch; in Gott ist des Menschen mangelhaftes Wesen vollkommenes Wesen. Suchet, so werdet ihr finden. Was ihr bei Luther im Menschen vermißt, das findet ihr in Gott. Was uns als Gegenstand der Selbst- thäti gkeit, des Willens in Nichts verschwunden ist: das menschliche Wesen— das strahlt uns als Gegenstand des Glaubens selbst, als göttliches Wesen entgegen. In sich ist und vermag der Mensch Nichts, aber in Gott, d. h. im Glauben, ist und vermag er Alles — selbst über Gott. „Gott thut den ÄVillen des Gläubigen." Oberflächlich betrachtet, unterscheidet sich der lutherische Glaube seinem wesentlichen Gegenstand und Inhalt nach nicht von dem katholischen Glauben. Aber die Katholiken beherzigen nur, daß Christus gelitten, nicht daß er für uns gelitten. Allerdings war es für sie auch eine rührende, ja entzückende Vorstellung, daß Gott um der Menschen willen gelitten, aber keine praktische, erfolgreiche Wahrheit; sonst würden sie nicht aus dem Leiden Christi die Notwendigkeit des eignen Leidens zur Erlangung der Seligkeit und Versöhnung mit Gott gefolgert haben. Denn hat Christus wirklich für uns gelitten, so ist eben unser Leiden überflüssig und eitel; was durch unser Leiden erreicht werden soll, ist bereits erreicht durch Christi Leiden — oder— ein erschreckliches Oder! — Christus hat umsonst gelitten. Aber nein! sein Leiden ist genug, sein Leiden hebt unser Leiden auf; sein Leiden ist unser Leiden. Hat er für uns ^gelitten, so haben wir ja bereits in ihm gelitten; wenn ich für Andere handle, so handle ich ja an ihrer statt und überhebe sie daher der Notwendigkeit, für sich selbst zu thun, was ich für sie gethan. Wenn ich aber das Leiden Christi nur zu einem Erempel mache, welches ich durch eignes Leiden nachahmen und re- petiren soll, so mache ich das Leiden für sich selbst zum Gegenstand, gebe ihm selbstständige Bedeutung. Allein nicht das Leiden war Gegenstand und Zweck des Leidens Christi, sondern unser Heil, unsre Erlösung. „Was haben wir sin Papstthum angerichtet? Bekennet haben wir, daß Er (Christus) Gott und Mensch sei, aber daß er unser Heiland, als für uns gestorben und erstanden re., das haben wir mit aller Macht verläugnet." (Th. xxn, S. 105.) „Obwohl diese Worte, daran sich der Glaube halten muß, für uns geboren, gelitten u. s. w. nicht aus gedruckt dastehen (im apostolischen Symbolum), so muß mans doch aus andern hernach nehmen und durch alle diese Stücke ziehen, damit wir bekennen, daß alles was der Mann ist und thut, uns geschehen ist, als der darum geboren, gelitten, gestorben, auferstanden ist, zu Trost, daß er unser Herr sei."(Ebend. S. 125.) Hier haben wir den Unterschied des lutherischen Glaubens vom alten Glauben mit Luthers eignen Worten ausgesprochen. Wohl ist, was Luther sagt, schon enthalten im alten Glauben, aber noch nicht ausgesprochen, ausgedrückt, wenigstens nicht so entschieden, so greiflich, so populär — Luther erst hat das Geheimniß des christlichen Glaubens ausgeplaudert. In Uns liegt der Schlüssel zu den Glaubensmysterien, in Uns ist das Räthsel des christlichen Glaubens ausgelöst. Nicht nur Uns ist Gott Mensch geworden, nicht nur Uns hat er gelitten, wie es im Nicenischen Symbolum heißt, sondern Uns ist er Gott, Uns allmächtiger Schöpfer, Uns heiliger Geist, kurz Uns ist er, was er ist. Das Wesen des Glaubens im Sinne Luthers besteht daher in dem Glauben an Gott als ein sich wesentlich auf den Menschen beziehendes Wesen — in dem Glauben, daß Gott nicht ein für sich selbst oder gar wider uns, sondern vielmehr ein für uns seiendes, ein gutes und zwar uns Menschen gutes Wesen ist. Worauf Du nun Dein Herz hängest und verläs fest, das ist eigentlich Dein Gott. — Das, war mich also von allen Übeln, sowohl moralischen all physischen erlösen kann, worauf ich folglich unbedingt in allen Nöthen mich verlassen kann, das iß Gott. Um aber Das, also ein Gegenstand unbedingten Glaubens und Vertrauens, folglich Gott zu sein oder vielmehr sein zu können, muß es ein bedürf- nißl oses Wesen sein, denn ein bedürftiges Wesen hat genug für sich selbst zu thun; es muß wahrhaft und unveränderlich (gut) sein, sonst ist es kein zuverlässiges Wesen; allgegenwärtig, sonst kanu es mirnur an demOrte, wo es sich geradebcfin- det, abe^ nicht an entfernten Orten helfen; wissend und zwar allwissend, denn hat es keine Angen und Ohren, wie die heidnische Götterstatue, so vernimmt es nicht meine Leiden ; allmächtig und unbeschränkt, denn die Schranke seiner Macht, seines Wesens überhaupt ist auch die Schranke meines Vertrauens; selbstständig und unabhängig von allen Dingen, ja mächtig aller Dinge, denn ist es nicht Herr aller Dinge, so ist es auch nicht Herr- aller Übel. Alle göttlichen Eigenschaften sind daher nur Mittel zum Zweck der Güte. Gott ist nur allmächtig, um allmächtig gut, unbeschränkt, um unbeschränkt gut, bedürfnißlos, um uneigennützig gut zu sein. Alle diese Eigenschaften für sich selbst, sie mögen nun einzeln genommen oder zusammen - gefaßt werden, machen noch nicht Gott zu Gott. Allmächtig, allwissend kann auch ein teuflisches Wesen sein. Aus das Herz nur kommt es an; das Her; macht Gott; Gntsein heißt erst Gottsein; aber Gutsein im höchsten uneingeschränktesten Sinn, Gutsein ohne die Schranken, die im menschlichen Individuum dem Gutsein entgegenstehen. Denn was ist und hilft der gute Wille ohne die Mittel und Kräfte, diesen Willen durchzusetzen? Wille ohne Vermögen ist nichts als ein ohnmächtiger Wunsch. Was ist die Güte ohne Allwissenheit? Nur zu oft eine das Gegentheil von dem, was sie will, bewirkende, und folglich nur verderbliche Güte. Um also absolut gut sein zu können, muß man ein Gott, d. h. ein in jeder Rücksicht unbeschränktes, vollkommenes Wesen sein. Alle Wünsche kann nur Der erfüllen, der alle Macht hat, alle Übel nur Der heilen, der im Besitze aller Güter ist, Alles geben nur Der, der Alles hat. Aber Gott ist nicht für sich selbst gut. Um gut zu sein, muß überhaupt etwas Andres sein, dem man gut ist. Ein ganz allein für sich selbst gedachtes Wesen ist weder gut noch böse. Böse ist, was wider, gut, was für Anderes ist. Ein guter Mensch ist nur Der, der Andern gut ist, Gutes thut; dadurch daß er Andern gut, ist er für sich selbst gut. Was für den Andern eine Wohlthat, ist in Beziehung auf mich, deu Wohlchäter, eine moralisch gute That, gleichwie was für den Andern ein Übel, in Beziehung aus mich, den Übel- thäter, eine böse That ist. Verstand, Macht habe ich für mich, Güte nur für Andere; Güte ist keine stehende, sondern fließende, übergehende Eigenschaft. Gutsein heißt Lieben — Liebe nur ist Güte — aber ist Liebe denkbar ohne Anderes, das man liebt? Der Sinn der Liebe ist ja nur der Gegenstand der Liebe. Gott ist aber Uns gut; in Uns also liegt erst der Sinn der Güte Gottes; Uns nur zu gute ist Gott gut. Aber alle göttlichen Eigenschaften sindH nur als Eigenschaften eines guten — nicht bösen, teuflischen — Wesens göttliche Eigen- schäften —vermittelst der Güte sind daher alle göttlichen Kräfte und Eigenschaften Eigenschaften Uns zu gute, Uns zum Besten, strömen sie alle aus Uns über. Gott ist ein für uns Menschen seiendes, uns gutes Wesen — was heißt das aber anders als: Gott ist ein menschlich gesinntes Wesen? Wie kann ich einem Wesen gut seiu, wenn ick ihm nicht in seine m Sinne gut bin? Wenn ich einer Blume gut sein will, so muß ich'ihren Willen thun; ich muß ihr geben das Licht, die Wärme, das Wasser, die Erde, die sie verlangt. Behandle ich sie nicht nach ihrem, sondern meinem willkürlichen Sinne, so bin ich, statt gut, böse gegen sie. Will ich daher den Blumen gut sein, so muß ich Blumist, will ich dein Menschen gut sein, so muß ich ein im menschlichen Sinn gutes, ein menschlich gesinntes Wesen sein. Böse und Unmenschlich, Gut undMensch- lrch ist einerlei — darum eben auch der Vien sch daS höchste Gut des Menschen, denn kein Wesen ist dem Menschen so gut, als der Mensch. Fürden Menschen gibt es kein andres Maaß des Guten ^ als den Menschen"). Und dieseö Maaß — versteht sich aber nur, wenn es nicht im Sinne des Einzelnen, sondern im Sinne der Gattung, die aber, wenigstens als solche, kein Gegenstand des ChristenthumS ist, genommen wird'— ist keineswegs ein egoistisches, ein beschränktes, selbst nicht im physikalischen Sinne, denn der Mensch eristirt eben so gut unter dem Äquator, als unter den Polarkreisen. Was der Tod des Menschengeschlechts wäre, das wäre auch der Tod der Pflanzen- und Thierwelt, wenigstens der gegenwärtigen. Eine absolut unmenschliche Hitze oder Kälte könnten auch die Thiere und Pflanzen nicht ertragen. Das Maaß der Gattung ist ein absolutes, kein relatives, wie das der Individuen und Arten, denn was der einen Art gut und zuträglich, ist der audern nicht gut und unerträglich; aber die Gattung saßt alle diese relativen Maaße in sich. Was daher dem Menschen im Sinne der Gattung gut ist, das ist auch der Thier- und Pflanzenwelt gut, das ist an sich selbst gut. Aber was gibt uns denn nun die Gewißheit, die untrügliche, unumstößliche Gewißheit, daß Gott wirklich ein Wesen für uns, ein gutes, ein menschlich gesinntes Wesen ist? — Die Erscheinung Gottes als Menschen in Christo, die keineswegs eine vorübergegangene Erscheinung ist, denn heute noch ist in Christo Gott Mensch. In Christo hat sich Gott geoffenbart, d. h. gezeigt, bewiesen als ein menschliches Wesen. In der Menschheit Christi ist die Menschlichkeit Gottes außer allen Zweifel gesetzt. Das Zeichen, daß Gott gut, das ist erst, daß er Mensch ist. Gut sein heißt Mensch sein. Gut bin ich nur, wenn ich die Leiden Anderer mitfühle, auf mich nehme; aber fühlen mit Andern, fühlen für Andere, das eben heißt Mensch sein. Aber kein Gefühl, am wenigstens Mitgefühl, Mitleiden, Theilnahme, Barmherzigkeit ohne Sinnlichkeit. Wo kein Ohr, ist auch keine Klage, wo kein Auge, auch keine Thräne, wokeine Lunge, auch kein Seufzer, wo kein Blut, auch kein Herz. Wie kann ich Eingang finden bei einem Wesen, dem die *) Wenn daher der oberste Grundsatz der christlichen Moral lautet: Lhue das Gute um Gottes willen, der oberste Grundsatz der philosophischen Moral: Thue das Gute um des Guten willen ; so lautet dagegen der oberste Grundsatz der auf den Menschen gegründeten Moral: Thue das Gute um des Menschen willen. ^ Sinne fehlen? Wer soll mein Vertreter und Fürsprecher sein, wenn kein Auge und kein Ohr da ist? Die Bürgschaft und Wahrheit der Güte und Barmherzigkeit, d. i. Menschlichkeit Gottes liegt daher nur in Christo als dem sinnlichen Wesen Gottes. „Gott ohne Fleisch ist nichts nütze". (Luther Th. vn, S. 61 .) Ja er ist, wie eben daselbst und an vielen andern Orten Luther sagt, ein „Schreckbild des Zorns und Todes;" denn der Gott ohne Fleisch ist auch der GottwiderdasFleisch, widerdenMenschen. Demi was nicht in Gott gilt, das gilt -auch nicht vor Gott, was Gott nicht an sich selbst leiden kann, das kann er auch überhaupt, auch au andern Wesen nicht leiden. Was von Gott verneint, von Gott ausgeschlossen ist, das ist ja eben damit für etwas Gottloses, Gottwidriges, Nichtiges erklärt. Ist daher kein Fleisch in Gott, so ist das Fleisch vor Gott nichts. Nur der Mensch ist für den Menschen, nur Fleisch für Fleisch. Was nicht meines Wesens, ist auch nicht meines Sinnes. Was also kein Wesen von Fleisch, hat auch keinen Sinn, kein Gefühl für Fleisch. Alle Menschen, sagt mehrmals Luther, denken sich unter Gott ein gutes, wohlthätiges Wesen, denn wie sollten sie sonst Gott um Hülfe in ihren Nöthen anrusen? Weil jedoch dieses gute Wesen für sie nur ein Gedanke von ihnen ist, so gerathen sie in.Zweifel, ob Gott auch wirklich gut ist, und durch diesen Zweifel in Abgötterei. Aber die Christen haben nicht ihre Meinung, sie haben das Wort Gottes selbst für sich, denn ihnen hat sich Gott selbst in Christo als ein gutes Wesen geoffenbart. Was heißt Das? Nichts anders als : was für die andern Menschen, die Heiden, ein gem einteS, nur gedachtes und eben deswegen bez Weisel bares Wesen,das ist für die Christen ein sinnliches und ebendeswegen gewisses Wesen. Ist Gott für den Menschen, so muß er auch für die Sinne des Menschen sein. Was meinen Augen, meinen Ohren, meinem Gefühl sich entzieht, wie soll daö ein gutes Wesen für mich sein? Nein! was wider die Sinne, ist wider den Menschen. Ist Gott ein geistiges, d. h. unsinnliches, nur gedachtes, nur denkbares Wesen, so muß ich mich verstümmeln, mich meiner Sinne berauben, um dieses nackte Wesen zu erreichen; ein Wesen aber, das mich entleibt, entsinnlicht, entmenscht, ist ein böses, unmenschliches und noch dazu ein unzuverlässiges, ungewisses Wesen; denn es wird nur dadurch gewiß, daß ich die allernächste Gewißheit, die Gewißheit der Sinne aufgebe. Aber ein Wesen, das mir nur im Widerspruch mit dem Gewissesten gewiß wird, dessen Existenz nur auf die Spitze des von den Sinnen abgesonderten Gedankens gestellt istund daher stets aus dem Spiel des Zweifels steht, ist ein Wesen nur dem Menschen zur Quaal und Pein. Nur ein sinnliches Wesen ist ein den Menschenbeglückendes und befriedigendes, ein wohlthätiges Wesen, denn es ist ein unwider- sprechliches, ein gewisses Wesen; aber Gewißheit nur ist Wohlthat. Selbst die Gewißheit des Schrecklichsten ist nur so lange erschrecklich, so lauge sie noch keine unmittelbare, sinnliche, sondern nur eine Gewißheit für die Vorstellung ist. Die Vorstellung ist der Affe der Wirklichkeit, aber je mehr sie die Wirklichkeit erreichen will, desto mehr verfehlt sie'sie. Alles für die Vorstellung und Einbildung Maaß- und Grenzenlose hat in der Wirklichkeit sein gewisses Ziel und Maaß. Das größte, schrecklichste Übel für die Vorstellung, der Tod ist gerade das gewisse, das sinnfällige Ende aller Schrecken und Übel. Schrecklich ist allerdings der Kampf mit dem Tode, aber da ist eben auch der Tod noch keine unmittelbare, keine sinnliche Gewißheit — der Moment der sinnlichen Gewißheit ist auch der Moment der Versöhnung und Erlösung. Folge mit Vernunft den Sinnen, aber unterbreche sie nicht durch eigenmächtige Vorstellungen, laß sie ihr Thema bis ans Ende auöspielen — und Du findest gewiß, wenn auch erst am Schlüsse, Befriedigung. Was dem Leibe die Quelle, das ist dem Kopf, dem Geiste der Sinn; Heilkraft liegt in den Sinnen; Kopf und Herz reinigen und befreien die Sinne. Was Dich drückt und beängstigt, reizt und befleckt, mache es aus einem Gegenstand der Vorstellung zu einem Gegenstand des Sinnes — und Tu wirst sicherlich frei. Die Vorstellung benebelt, aber die Sinne machen nüchtern; die Vorstellung macht trübselig, feig, menschenfeindlich, aber die Anschauung heiter, muthig, menschenfreundlich; aus der Vorstellung der That kommt das Verbrechen, aber aus der sinnlichen Gewißheit der That daS Gewissen. Wohl entzünden auch die Sinne das Feuer der Begierde; ihr Feuer ist jedoch ein belebendes, wohlthätiges Feuer, aber die Vorstellung, aber der bloße Gedanke ist ein „verzehrendes Feuer" wie „die göttliche Majestät," die nur ein vorgestelltes, gedachtes, kein wirkliches, kein sinnliches Wesen ist. Der Grundsatz des Christenthums: Gott hat sich denMenschen geoffenbart,d. h. ist Mensch geworden, denn die Menschwerdung Gottes war ja die Offenbarung Gottes, hat also keinen andern Sinn als den: Gott ist im Christenthum aus einem Gedankenwesen ein sinnlich e s Wesen geworden. Ein sinnliches Wesen kommt nicht aus meinem Kopse; es kommt von Außen an mich; es wird mir gegeben; die Sinne haben es mir geoffenbart. Es ist kein Product der menschlichen Vernunft, wie der Gott der Philosophen, aber auch kein Product der menschlichen Hände, wie der Jupiter des Phidias; es ist ein selbstständiges Wesen, das folglich nicht durch mich, sondern d urch sich selbst mir gegeben wird. Ich sehe nur, was sich sehen läßt. Das sinnliche Wesen ist ein sich hingebendes Wesen; dem sinnlichen Wesen gegenüber bin ich nur leidend; es ist kein Gegenstand der Werk- thätigkeit, sondern nur ein Gegenstand der Anschauung. Was ich sehe, ist kein Verdienst von mir, ist ein Geschenk, ein Glück für mich. Die Offenbarung gibt, was nie einem Menschen in den Kopf gekommen wäre; aber nur die Sinne gebendem Menschen, was alle seine Erwartungen und Vorstellungen übersteigt, worauf er nie von selbst gekommen wäre. 'Kurz: Alles was von der Offenbarung Gottes ausgesagt wird, das gilt nur von der Sinnlichkeit: das Wesen der Offenbarung ist das Wesen der Sinnlichkeit im Unterschiede von der menschlichen Selbstthätigkeit, sie sei nun eine moralische oder künstlerische oder philosophische oder religiöse, gottesdienstliche, wie die der Juden und Papisten. (Fortsetzung folgt.) Redacteur : C. F. B crn ay k. Druck mit Schnellpressen von PaulRennuarv Paris, 1844. Nr Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. § . . 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile» 50 Centimes. (Sonnabend.) § r w ir, , .E 'sj Man abonnirtr für Paris: im Nuresu ceirtrrr» zrour IV4IIsu»sßi»s, ru«> Ü68 I>1nulili8, 32, und in der Buchhandl. von Dilles Leuousrä et rue r!« ll'ournon, 6 z in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England r in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-York. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. ariter Deutsche Zeitschrift. August) Der Wucher Ln der Pfalz. Das kaiserliche Dekret vom Jahr 1807 erlaubt dem gewöhnlichen Manne fünf und dem Handelsmarine sechs vom Hundert zu nehmen. Wer sich ein Geschäft daraus macht höhere Zinsen zu nehmen, den Gewohnheitswucherer, straft es mit der Einbuße des halben Wucherkapitals; hat er dabei betrügerische Manövreö angewandt, so kann er auch noch Gefängnißstrafe bekommen. Für diese Art des Reichwerdens, für den Gewohnheitswucher ist die Pfalz das beste Terrain, und wie Blutigel sitzen die Wucherer der ganzen Provinz im Nacken. Im kleinsten pfälzischen Nest sitzen zwei, drei Kreuzspinnen auf der Lauer, und verspeisen tagtäglich einen Bauern in den Netzen die sie ihm gestellt; aus dem benachbarten Hessen, aus Alzei und Worms, aus dem Badischen, aus Mannheim und der Umgegend strecken sie ihre Polypenarme herüber und zerdrücken einen kleinen Mann, dessen goldenes Blut sie in gierigen Zügen schlürfen. Sie fahren wie Irrwische in ihren Kabriolets im ganzen Lande herum, dort wo sie einfallen ist's sumpfig, da wird jedesmal ein Opfer im Schlamme erstickt. Ich muß sie nennen, diesedüsternLichter, diese Wagner, Bundschu, Ebertz, Gerhard, Adolay, Wolf, Heyt, Weiß, diese Brüder Levy, diese Hillgärtner — doch im Aufzählen kommen mir immer neue, ihre Zahl ist ungeheuer groß. Vor drei Jahren unternahm auf einmal die Staatsbehörde eine Parforcejagd auf diese Wucherer. Sie fing sich vier bis fünf aus der Masse heraus, und untersuchte woher ihre Neichthümer kamen. Ein panischer Schrecken lag auf dem ganzen Lande. Jeder der mit Geld Geschäfte machte, suchte sich mit seinen Schuldnern auf einen angenehmen Fuß zu setzen; man erzählte sich daß einige von den Wuchermatadoren Wochen lang auf allen Dörfern herumsuhren, zu viel genommene Zinsen zurückbezahlten, mit den Bäuerchen schön thaten, ihnen Geduld versprachen — damit sie schwiegen, und das Gericht keinen Verdacht schöpfte. Allein das hatte gute Wege. Das Gericht hatte nicht nur Verdacht, es wußte alles; aber wollte man nicht die Ruhe in allen Familien stören, wollte man nicht den ganzen Regierungsbezirk von oben zu unterst kehren, so mußte man einhalten; der Wucher ist eine akute eingebürgerte Krankheit der Pfalz, er ist die Folge der Landbauindustrie, und der Weg auf dem das kleine Vermögen rasch verschwindet.— Was Verbrechen? — Reichwerden ist erlaubt — du sollst mit deinem Pfunde wuchern, steht in der Schrift, und das eilfte Gebot heißt: Laß dich nicht ertappen. Das Parket wollte sie nicht ertappen, es sah die Unmöglichkeit ein, alle Wucherer strafen zu können; um Schrecken unter die Leute zu bringen, verfolgte es einige der giftigsten, aus den niedrigsten und höchsten Regionen. Ich habe dieselben Gründe nicht, wie das Parket, und ich will sie maßenweise vornehmen, will sie in Klassen einthei- len, und dann der besonder»! Lieblichkeit wegen, ein vorzüglich interessantes Individuum abzeichnen- Die erste verbreitetste Klasse sind die Steigaktenkäufer. Ein kleiner Grundbesitzer braucht Geld uni Schulden zu bezahlen, oder einer Erbtheilung wegen, oder weil er auswandern will. Er verkauft seine Güter, und nach der Landessttte bewilligt der Versteigerer dem Erwerber fünf Termine. Allein er braucht baares Gelv. Er wendet sich daher an einen „Aktenkänfer" und verhandelt ihm gegen einen Nachlaß von 5 — 10 Prozenten vom Kapital seine Kaufbriefe gegen baares Geld. Er wird desto mehr Nachlaß gestatten, je mehr er iin Rücken von andern gedrängt ist. Spielen zwei Wucherer ihv Spiel gut, drücken sie den Armen von beiden Seiten, lassen sie sich durch einen Advokaten das Opfer- Hetzen helfen, so können sie auch 20 und mehr Prozent auf diesem einfachen Wege erlangen- Man nennt dieses gewöhnliche alltägliche Geschäft, Aktenkauf oder Cession; es ist aber weiter nichts als ein maskirteö wucherisches Zinsgeschäft, denn der Aktenkäufer verlangt stets den Verkäufer als Bürgen uttd sogenannten Selbstzahler, im Fall der Gutssteigerer die vollen Terminen nicht richtig abträgt. Der Cessionär ist ein Gläubiger, der dem Ce- Feuilleton des vorwärts. Lebens lieber. Ohne Gott! Für Gleichheit und für Freiheit, Für spätester Enkel Glück Mußt du dich ganz hingeben, Und nimmer schau' zurück! Wir beten zu keinem Schöpfer; Was sollte uns ein Gott? — Wenn du an's Jenseits glaubest, Dann wird der Mensch zum Spott. Wir beten nicht zu Christus, Zu keinem der Heil'gen mehr — Du sollst die Menschheit preisen Und thu'n zu ihrer Ehr'. Wir wissen daß uns're Seele Im Tode vergänglich ist — Drum sollst du wahrhaft leben, Thatkräftig, zu jeder Frist. Wir »vollen in diesem Dasein Erschaffen die Seligkeit; Wir »vollen vor dem Grabe Verklären die Zeitlichkeit! Der wahren Wesen Schönheit, Vernunft und Will' und Gemüth — Der Menschheit heil'ge Mächte, Des Weltall's Krön' und Blüth'! Das lebet und webet ewig, Das kennt kein schmerzlich Vergeh'»:, Die Einzelnen schwinden —^die Gattung Bleibt immer jung besteh'»:. Mag unser Planet zerstäuben — Was hätte das für Noth? Weit über Furcht und Hoffnung Ragt der Vernunft Gebot. Ha ! rings auf tausend Gestirnen Herrscht Herz und Verstandeslicht; Dort walten vernünft'ge Geschöpfe; Vernunft erstirbt ja nicht- Drum werfen »vir unsre Seele In des Weltall's Ewigkeit — Dort möge sie untertauchen, Die schlechte Persönlichkeit! Sie möge dann sterben im ew'gen Alleinigen Lebensmcer! Braust doch die Lebenswvge Vorn Wurm zürn Sonnenheer! Seht nur wie zitternd sie bangen Um eig'ne Unsterblichkeit! Wie sie zum,,Heil der Seelen^ Entheil'gen die Leiblichkeit! Sie zanken und sie schachern Um ihrer Seele Gewinnst, , Und neigen sich und beben . Vor eig'nem Hirngespinnst. Sie würfeln und sie feilschen Um Geistesunfterblichkeit; -Hier beten sie und lügen Für dortige Seligkeit ! Sie fleh'»: zu ihrem Herrgott Und schau'»: zum Gnadenthron; Schon rechnen sie und markten U»n einst'gen himmlischen Lohn! Doch»vassoll uns Gott-Valer's Phantaft'sches Schattenbild? Das hohle Gespenst! es dient nur Der Tyrannei zürn Schild. Des Menschen Sinne sind heilig! Hochheilig ist reiner Sinn! deinen, seinem Schuldner z. V. 90 Gulden leiht, sich dafür ^00 verschreiben läßt, und von diesen 100 fünf Prozente zieht, Er ist also rund heraus ein Wucherer. Wenn ich deren Zahl in der Pfalz auf 10000 anschläge? so irre ich mich gewiß nicht zu ihrem Nachtheil; eS sind eher mehr. In der Regel, namentlich in schlechten Frucht-Jahren, bleibt ein Steigerer mit eineinTermin im Rückstand; der Kapitalist fällt dann über ihn her, wickelt ihn wie eine Boa Constrictorin Schleim, oder in das französische unauflösliche Gantverfahren, und verschluckt ihn dann ganz mit Gut und Blut, oder richtiger mit Haus und Hof, und läßt ihm nichts übrig als Haut uüd Haar. Eine zweite Art dieser goldgierigen Vampire sind die kleinen eben so häufigen Wucherer, die selbst auf dem Lande wohnen, die vorerst nur über kleinere Kapitalien zu verfügen haben, und sogenannte Wiederkunft machen. Sie leihen einem Bauern eine gewisse Summe baares Geld, machen aber dafür mit ihm einen Akt durch den sie ihm ein Stück Feld, das jedoch viel mehr werth ist, in der Art abkaufen, daß er am Verfalltag der Schuld, wenn er Kapital nebst Zinsen entrichtet, wieder Eigenthümer seines Feldes wird. Der Bauer ist in Noth, er geht den Handel ein, in der Hoffnung daß er die geringe Summe rechtzeitig werde zurückbezahlen können. Der Wucherer fordert in den ersten drei Jahren keine Zinsen; er ist der vortrefflichste Gläubiger von der Welt, er hat alle mögliche Geduld; im vierten Jahre aber soll der Bauer das Kapital mit dreijährigen Zinsen auf einmal zurückbezahlen. Da ist keine Gnade und Barmherzigkeit mehr, und der Wucherer erpropriirt ihn. In diese Falle geht der Bauer deshalb so leicht, weil er wenigstens in der Regel nur das wirklich erhaltene Kapital zu verzinsen hat; — die anscheinende Geduld und Großmuth seines Gläubigers ruinirt ihn, nebst der Unmöglichkeit auf dem Lande sich in aller Schnelle beim Herannahen des letzten Termins ein Kapital, das durch rückständige Zinsen ausgelaufen ist, zu verschaffen. Eine dritte Clasft, die furchtbarste von allen, sind die, welche sogenannte Urtheile in erweiterter Competenz machen. Grade weil dieses Verfahren Die Gedankennebel schwinden Vor Sinn und Sinnen hin. Wir aber, wir lieben das Schöne Und Gute in weiter Welt; ! Wir wirken und schaffen rastlos, > Umackernd das Zukunftfeld. Fest stehen wir zum Kampfe ^ Und ringen überall Und werden singend fallen Mit stolzem Posaunenschall; Die wir an Gott nicht glauben, Verachten kühn den Tod — In unseren Augen leuchtet Der Menschheit Morgenroth. Wir glüh'n für wirkliche Tugend Im frischen Lebensmuth; Wir flammen für Menschenwürde, ' Ihr weih'n wir unser Blut; Und unsrer besten Jahre Hochsprühendes Heldenthum - Nimm du es hin, o Menschheit! In dir allein ist Ruhm! Wir kämpfen für einstige Geschlechter, Für freies gleiches Glück, etwas anscheinend Humanes hat, ist es so furchtbar zerstörlich. Nach dem Art, 7 der französischen Civil-Prozeßordnung, können zwei Partheien die Competenz des Friedensrichters, der in der Regel nur über einen Streitgegenstand von 100 Franken sprechen darf, auf die allerhöchsten Summen erweitern. Ehe ich die Manövers erzähle, durch die der unglückliche Schuldner mit Leib und Seele in die Krallen des Wucherers kömmt, muß ich zum Verständniß erwähnen, daß durch jedes Unheil die Partheien in das Verhältniß von Gläubiger und Schuldner treten, und daß durch ein Unheil der Gläubiger allemale eine Generalhypothek auf alle gegenwärtigen und zukünftigen Güter seines Schuldners erhält, während durch andere Darlehen nur Hypotheken auf einzelne Güterstücke begründet, werden können. Ein Bauer kauft sich eine Kuh, oder ein Pferd, und kann sie nicht gleich bezahlen. Der Verkäufer sagt ihm schmunzelnd, das habe gute Wege; er bedarf einige Malter Saatfrucht, derselbe süße Mann ist bereit sie ihm gegen Credit auf unbestimmte Zeit zu verkaufen; er ist dem Wagner einige Gulden schuldig, der süße Mann erbietet sich, das Geld für ihn zu bezahlen; vor der Erndte, da die Bauern in der Regel kein Geld haben, wenn sie auch 20 bis 50 Morgen Acker besitzen, leiht er ihm einige Louisd'orö baares Geld, bis ihm der Bauer 200 bis 300 Gulden schuldig ist. Da läßt sich der Gläubiger einen einfachen Schuldschein ausstellen. Die Summe wird, wenn die Sache so weit gediehen ist, durch Aufbezahlen rund gemacht, und nach Verlauf eines Jahres verlangt der Wucherer von dem Bauern zu seiner Sicherheit ein sogenanntes freiwilliges Urtheil. In aller Stille geht er mit seinem Opfer zu dem Friedensrichter, das Urtheil wird erlassen, und nun hat der Wucherer den Bauer in der Tasche; er kann ohne Erlaubniß seines Gläubigers keine Scholle Landes verkaufen, denn jener hat eine Generalhypothek auf alle seine Güter ; nach Verlauf von 4 bis 5 Jahren steigt die Schuld durch neue kleine Darlehen und Verkäufe; neues Urtheil, und der Bauer ist mit sammt seiner Familie ein Bettler, und ist in der Regel glücklich, wenn ihm der Gläubiger seine eigenen Äcker in Pacht gibt. Diese Art des Wuchers auf dem flachen Lande halte ich für die fürchterlichste; ,cher Bauer wird anscheinend ^von Tag zü ' Tag reicher, er hat beständig Geld, er läßt-sichs ein bischen wohl sein, da ihm sein Gläubiger immer von neuem leiht; ja er kauft sogar auf Termine 'hie und da einen Acker dazu — bis er,,ohne es sich zu versehen, auf einen Tag nackt gelegt ist. Eine andere Art von Wucher herrscht in den Weinorten an der Hardt. Dort gibt-es weiter nichts als Crösusse üud Böttler';' und doch haben die Bettler alle eigne Weinberge! Die Sache ist einfach. Der große Weinhändler sieht ein, daß es profitabler sürsihn Isis» dem kleinen. Weinbauern seinen Weinberg zu lassen, wenn er nur die Früchte davon zieht. Dem Weinbauer selbst bleiben die Steuern, die Ungeheuern Culturkosten zur Last, er arbeitet sich in der beschwerlichen Arbeit halb todt, und, trinkt und verkauft keinen Tropfen seines Gewächses. Ein schlechtes Weinjahr ist gewöhnlich der Grund des Untergangs von ein paar hundert Bauern. Der reiche Gutsbesitzer borgt ihnen Mehl, Kartoffeln, Geld, nimmt dafür ein Urtheil, und pfändet ihnen am ersten Tage des Herbstes ihre Trauben. Die armen Bauern haben das ganze Jahr für die Geldwölfe (so nennt man dort eine ungeheuer reiche Familie) gearbeitet, und müssen von neuem, blos um ihr ärmliches Leben zu fristen, gegen einen Taglohn von 21 Kreutzern und eine Flasche s. g. Knechtwein (das Ergebniß verfaulter, halbreifer Trauben) in den Plantagen ihrer Herren unter der glühendsten Sonnenhitze wahre Sklavenarbeit verrichten. Dafür bauen sich aber auch die Weinprinzen wahre Palläste neben den Hütten ihrer Sclaven in den reizendsten Gegenden z sie treiben den ekelhaften brutalsten Lurus, ihre Freudesist die Tyrannei, und die Namen : Grohe- Henrich, Johann Georg Fitz und Wolf sind nicht umsonst verhaßt trotz Schinderhannes. Solche Klassen könnte ich noch manche anführen. Das Wuchersystem reicht hinab bis in die letzten Sphären der Gesellschaft. Man hat in allen Städtchen und Dörfern Wucherer in Menge, die aus Pfänder und ohne Pfänder kleine Summen gegen 400 bis 1000 Prozente verleihen. Eine Magd,^ ein Wir ringen für kommende Zeiten, Kein Gott trübt unfern Blick! Ein Handwerker. Parallelle. Brief eines königl. preuß. Gymnasiallehrers in Berlin. Berlin den -5. August 1844. Lieber Freund! So eben hat mich A... besucht, der auf seiner Reise von Hamburg hier durchgegang-'n ist. Cr erzählte mir viel von Paris und London, an welchen beiden Orten es ihm wohl gefallen hat, und sagte mir auch, daß Du für immer in Paris bleiben würdest, was ich mir schon immer gedacht habe. Du Glücklicher, in mitten dieser Weltstadt. Auch ich denke oft an das gesegnete Frankreich und wünschte wohl noch einmal dahin zu kommen, ein Wunsch, der sich in einigen Jahren, der Eisenbahn wegen, wohl ausführen läßt. Mit meiner englischen Familie stehe ich immer noch in freundschaftlichem Briefwechsel; des Alten jüngster Sohn ist vor einem Jahre in New-Seeland, wo der älteste Sohn Chef der englischen Company ist, von den Wilden erschlagen worden. In Paris kommst Du jetzt gewiß häufig mit Nuge, Herwegh re. re. zusammen, vielleicht auch mit Madame Herwegh, einer intimen Freundin von Emilie, die noch immer das liebe gute Mädchen ist, wie bisher. Sie hat sich nun von ihrem großen Liebesunglück etwas erholt. Du weißt nämlich wahrscheinlich schon, daß sie mit einem Compvniften (gegenwärtig auch in Paris) verlobt war, daß sich aber dann mehrere Stimmen gegen ihn erhoben, nichtssagende gegen seine Geburt, gewichtige gegen seinen Lebenswandel, und daß so die Partie, gegen Emiliens Willen, sich zerschlug, worauf der Componift 12 000 Thaler Abstandsgeld erhielt, durch dessen Annahme er seinen Charakter nur zu sehr dargelegt hat. Emilie hat nun seitdem keine wahre Freude mehr gehabt; doch auch dieser Schmerz scheint sich, wie gesagt, allmählig zu verbluten. Meine Frau und ich kommen oft zu N's, besonders im Winter, wo ich die musikalischen Soiröes leite. Ich bin nunmehr hier am Gymnasium als englischer Sprachkehrer)°ange- stellt, eine Stelle, die zwar noch nicht sehr einträglich, aber doch wenigstens fix ist. Meine Privatstunden aber im Englischen und Französischen bringen mir recht viel ein, und außerdem habeich seit Ostern zwei Penstonnairs, die auch wacker bezahlen. So ist meine äußere Stellung eine günstige. Innerlich aber fühle ich mich nicht minder wohl, wozu mein Tienchen, die mir in 6-7 Wochen Vaterfreuden bereiten wird, das ihrige beiträgt. Nichts von Politik? Ist Philippus noch der kindliche Royalist geblieben, oder har er sich geändert? wirft Du fragen. Ach Gott! man sieht nur zu oft Widersprüche im Leben, ohne aber, unserem Wirkungskreise nach, die Knecht, ein Gymnasiast leiht sich einen Gulden und bezahlt dafür die Woche einen Groschen oder einen Sechser. Die Beamten in Menge, die meistens sehr geringe Gehalte haben, leihen gegen ungeheure Zinsen auf ihre Gehaltbezüge, ja sogar die gemeinen Soldaten in Landau und Speyer sind mit ihren armseligen 7 Kreutzern per Tag eine willkommene Beute für die Wucherer. Ich habe dergleichen während meiner kurzen juristischen Laufbahn von allen Sorten kennen gelernt. Die Pfalz fängt erst jetzt an, die Fabrik-Industrie kennen zu lernen; und wenn die Eisenbahn fertig ist, und sich die Kapitalien noch mehr concentrirt haben, dann wird sie ohne Zweifel auch das Fabrik-Elend kennen lernen; bis dahin aber muß sie sich mit den Geld- und Güterwucherern, und ihrem Lotto begnügen, um die alte Fendalität und den Bettel herzustellen. Der Mann aber, dem ich noch in Kürze m?ine besondere Aufmerksamkeit schenken will, heißt Johannes Wagner. Er ist der raffinirteste Wucherer, den das Gericht entdeckte. Er war in seinen jungen Jahren Huissier, und wurde wegen mancherlei Betrügereien seiner Stelle entsetzt. Mit seinem Rock ans dem Leibe und einigen Gulden in der Tasche ging er nach Speyer, und nach einer Reihe von 20 Jahren treffen wir ihn als einen Mann von wenigstens 300000st. Vermögendes Gewohnheitswuchers beschuldigt vor dem Correctionsgerichte. Der Mann hat sich einen günstigen Ort für seine Erploitation ausgesucht. Das katholische Speyer wimmelt von Wucherern aller Art — er war ihr König. Alle Dörfer rings um Speyer herum sind ihm zinspflichtig, er hat Familien zu Hunderten auf'S Stroh 'gelegt, und verfuhr bei seinem grausamen Erwerbszweig mit einem unglaublichen Cynismus. Wenn er eine Familie nacktausgezogen hatte, Pflegte er zu sagen: „So, jetzt ist's gut: Du bist gestriegelt und gebürst't." Die Bauern erzählen von ihm, daß wenn er ihnen das Geld vorzählte, ihm immer die Hände vor Gier zitterten, daß ihm der Schweiß aus Habsucht auf die Stirne trat. Als Huissier hatte er sich genaue Kenntniß des Gesetzes erworben, er verstund die Lehre vom Darlehen und von den Contracten trotz dem durchtriebensten Advokaten; in Speyer waren ein Notär, ein Huissier Möglichkeit zu haben ihnen abzuhelfen. Unser König baut viel, so z. B. hat er acht Millionen zu der Aufführung eines neuen Doms bewilligt. — Schade, daß die armen Weber in Schlesien nicht Maurer oder Zimmerleute sind, um bauen helfen zu können; Schade, daß sie selbst für den Fall, daß sie diese Metiers gelernt hätten, schwerlich so viel Geld haben würden, um bis Berlin kommen zu können; Schade, daß sie selbst in diesem Falle doch schwerlich zum Baue zugelassen werden würden, wenn sie nicht beten und singen könnten. Jaja, man betet und singt hier viel, und der Minister Mühler soll nur deßhalb einem gewissen Herrn Eichmann Platz machen, weil jener nicht so musikalisch ist wie dieser, und zwar das,,Gebet" nicht minder schlecht versteht als Eichmann, wohl aber das „Gebet". Das neueste Museum hat an einem Theile einen Sprung bekommen; der König soll wüthend darüber sein. Aber Du siehst doch wenigstens, er ist weiter als Xerres, der die Brückenbauer peitschen ließ, was unser König wohl weislich nicht thut. Das Opernhaus soll erst im Dezember fertig werden. Schadet nichts, ich komme doch nur selten hin. Adieu, denkt bisweilen an Euren entfernten Freund und schreibt einmal Eurem Philippus. und der Friedensrichter, drei Personen, die er bedurfte, seine besonder:: Freunde. Dem ersten brachte er die Akte, die er selber ausgenommen, in's Bureau, so daß der gewissenlose Notar sie nur abzuschreiben brauchte; der Friedensrichter, vor dessen Geeichter auch den Winkeladvokaten spielte, erließ ihm ohne Bedenken alle die freiwilligen Urtheile, von denen ich oben sprach; er quälte seine Opfer unausgesetzt durch Mahnungen, die er selber fabrizirte, und für die er sich die halbe Gebühr anrechnete, die er seinem gefälligen Huissier abzog. An seiner Wand hatte er eine Tafel hängen, auf der die Audienzgebühren, Consultationen, verzeichnet waren; d. h. er wucherte mit den Bauern, und sie mußten dafür per Stunde, während welcher Zeit er sie betrog, noch obendrein Gebühren bezahlen.*) Er trieb alle die oben auseinandergesetzten Manövers zusammen mit einer bewundernswürdigen Durchtriebenheit, — er hat ausNichts, blos mit dem Code civll und seinem Wuchertalente, Häuser, Wiesen, Felder und Weinberge geschaffen. Er erscheint endlich vor dem Zuchtpolizeigerichte; ein feister Mann mit stechenden kleinen Augen, grau-blauem Teint, zuckenden Händen und feuchter Stirne. Man vernimmt Hunderte von Zeugen — lauter Opfer seiner Habsucht, die jedoch kaum die Wahrheit zu sagen wagen, so sehr hat sie der furchtbare Mensch in seiner Gewalt. Das Gericht nimmt das Wucherkapital zu 30 000 Gulden ohngefähr an, und verurtheilt ihn zu der Hälfte — an den Staat. Er bleibt dabei vor wie nach ein reicher Mann, seine Opfer bleiben geopfert. — Um diesen Preis konnte er es wohl thun, — aller Schaam ist eine solche Bestie ja ohnehin baar. In der Regel wissen die deutschen Despoten ihre Gewaltstreiche, ihre Morde und ihre Betrügereien in schöne Reden und heuchlerische Formen der Gerechtigkeit zu hüllen. Das ist der Charakter des christlichen Despotismus. Sie scheinen diese Maske *) Z. B. Ein Bauer hat viele kleine Schulden, die ihn quälen ; Wagner stellte einen Status auf, bezahlte die 80 Gulden Schulden, und läßt sich dafür 90 Gulden verschreiben. Dieses humane Arrangement dauerte eine Stunde — für den Zeitverlust rechnet sich der Wucherer noch obendrein 3 Gulden. Auszüge aus dem Briefe eines Gymnasiasten aus Trier. Mein Brief hat die Ehre von Geschützessalven und Glockengeläute begleitet zu werden. Jetzt eben donnert und summt und brummt es wieder um mich herum. Ich wüßte aber auch keine Zeit zum Schreiben zu finden, in welcher die geräuschvolle Stimme der religiösen Aufreizung sich nicht vernehmen ließe. Schriebe ich Ihnen des Abends, so würden meine Zeilen im bengalischen Feuer glänzen, denn den stürmischen Tagen folgt eine milde Abendröthe, Illumination und Feuerspektakel. Von dem Leben und Treiben in Trier, seit Ausstellung des ungenützten Rockes Christi, haben Sie keine Ahnung. Ein Meer von Menschen wogt beständig hin und her. Gestern war der erste Tag, wo das Heiligthum zu schauen war, und wer stand nicht an den Stufen des Thrones und schaute nicht empor zu der verjährten Herrlichkeit? Ich selbst war nicht allein unter den Hoffenden, sondern durch edle Dreistigkeit sogar unter den Genießenden. Ich habe ihn gesehn, den heiligen nahtlosen Christusrock, und mein Ring hat ihn berührt. „Sage, was willst Du mehr?" Sein Alterthum verleiht dem Rock eine wahre überschwängliche Autorität. Greise sind immer staunenswürdige und Ehrfurcht gebietende Räthsel für den, der noch jung und lebendig ist. Der greise Nock ist wie aus Schwamm zusammengesetzt, und dem Zunder jetzt abwerfen zu wollen, sie haben ihrer Nieder trächtigkeit kein Hehl mehr. Ich entnehme die folgende Nachricht preußischen censirten Blättern: „Ich kann Ihnen eine Mittheilung machen, die unglaublich sein würde, wäre sie nicht einem schlesischen, einem in der Provinz erscheinenden Blatte entnommen. Es hieß nämlich schon lange, Wilddiebe seien von Forstbeamteu todtgeschofsen und auf Holzstößen sogleich verbrannt worden. Bis heute war in den öffentlichen Blättern hierüber nichts Näheres zu lesen, erst jetzt erzählt die Liegnitzer „Silesia", daß allein im vergangenen Winter aus einer einzigen Herrschaft mehr als zehn Wilddiebe auf diese Art der Vergessenheit überliefert seien. Diese Procedur enthebt nämlich jeder eventuellen Verantwortlichkeit. Man sollte so etwas für unmöglich halten, aber die Einstimmigkeit, mit der es erzählt wird, und zwar von glaubwürdigen Leuten erzählt wird, läßt keinen Zweifel zu." Mehrere Anfragen bei der Redaktion beweisen uns, daß man vieler Seits die Nachricht aus Berlin über die Wiederaufnahme des Constitutionsplanes für Scherz nimmt. Wir versichern, daß unsere Mittheilung die vollständigste Richtigkeit hat, und daß sie uns aus ganz authentischer Quelle zu- gekommen ist. D. Red. Auszüge aus dem ,,Arien -es Glaubens im Sinne Luthers ete." von Ludwig Feuerbach. (Fortsetzung.) Christus ist also die Menschlichkeit Gottes als Mensch, das göttliche, d. h. das uns gute Wesen, als untrügliches, als gewisses, d. h. sinnliches Wesen. Und die Sinnlichkeit ist keineswegs nur Form, Erscheinung, Einkleidung, nur ein populärer Ausdruck eines an sich unpopulären Gedankens, sie ist Sache, sie ist Wesen selber; denn ein allseitig und folglich wahrhaft gutes Wesen ist, wie gezeigt, nur das, was ein Wesen für die Sinne ist. Was ein Wesen für die Sinne, ist auch ein Wesen für den Verstand, aber nicht umgekehrt, was für den Verstand, ist auch für die Sinne ein Wesen. Mit einem ähnlich; fast versteinert, und doch lose wie Staub : ein ganz nettes Gleichniß für das heutige Christenthum. Während Tausende in dem Dom hineingedrungcn waren, entstand draußen ein furchtbarer Lärm, ein Drängen, Toben und Schlagen. Die moderne Vorsehung, die Polizei, trat vermittelnd zwischen den Gottestempel und den Gotteslüfterncn Wolkshaufen. Heute sind die Wachen bedeutend vermehrt und überall militärische Schutzengel aufgestellt. Ist das nicht ein großer Beweis von der Civi- lisation Gottes, der auf eine anständige, mit den Gesetzen der Polizeiordnung übereinstimmende Weise verehrt sein will und die alte Ercentricität und Anarchie des gläubigen Gemüths verschmäht? Dreimal fahrt das Dampfschiff täglich von hier nach Bernkastel. Gestern kamen ooo Menschen oder angebliche Menschen. Die Posten haben oft s-6 Beiwagen. Morgen erwartet man 6 ooo Seelen aus Coblenz, der klassischen Stadt des rheinischen Catholicismus. Unterkommen ist kaum mehr zu finden: Paris kann nicht lebendiger in diesem Augenblicke sein als Klein-Trier. Welche Zeit welche Contraste, welche widersprechenden Erscheinungen Während Ihr kleines Häuflein nicht nur die historische Existenz des berühmten Gott-Menschen läugnet, sondern seine Geburtsstätte sogar in dem menschlichen Gehirn bis aufs Tota nachweist, stürzen Millionen gierig auf den Rocke los den er getragen, und glauben sich durch bloße Berührung schon geheiligt und sündenfrei. Worte: was für die Sinne, ist für den ganzen Menschen, aber nur, was dem ganzen Menschen ein Gut, ist auch an sich selbst ein ganzes vollkommenes Gut. Nun möge Luther selbst reden und bezeugen, daß die Offenbarung Gottes in Christo keinen andern Sinn, als den ausgesprochnen hat. „Haben doch die Heiden solches erfahren und bezeugen müssen, daß mau mit keinem Gedanken, noch Forschen der Vernunft Gott gewiß erlangen möge. — Darum laß Dir diesen Spruch wohl eingebildet sein : Was Haft Du? Zeige unö den Vater. (Joh. 14, 8, 9.) Lieber, fladdere nicht mit Gedanken. — Du aber höre und bleibe andern : Wer mich siehet, der siehet auch den Vater." (Th. x, S.38.) .„Aus einem Gott, der nicht geoffenbaret ist, will ich ein ge offenbarter Gott werden und will doch derselbige Gott bleiben. Ich will Mensch werden oder will meinen Sohn senden — und also will ich deine Begierde erfüllen und dem genug thun, aus daß Du wissen mögest, ob Dnversehen (zur Seligkeit vorausbestimmt) seiest oder nicht. Siehe, das ist mein Sohn, den sollst Du hören, den siehe an — da wirst Du mich gewißlich ergreifen. Denn wer mich sieht, spricht Christus, Joh. 14, der siehet auchden Vater selbst. Niemand hat Gott je gesehen. Und dennoch hat sich Gott uns aus großer Gnade (d. i. Güte, Liebe) geoffenbaret. Er hat uns ein sichtlich Ebenbild dargestellt und saget : Siehe, da hast Du meinen Sohn, wer den höret und wird getaufet, der ist in das Buch des Lebens eingeschrieben: das offenbare ich Dir durch meinen Sohn, welchen Du mit den Händen kannst angreifen und mit den Augen sehen." „Und das beweiset und bestätigt er nicht mit g e ist l i- chen, sondern mit greiflichen Argumenten und Wahrzeichen. Denn ich sehe ja das Wasser (in der Taufe), ich sehe das Brod und Wein (im Abendmahle), ich sehe den Diener des Worts, welches ja alles leiblich ist, in welchen leiblichen Figuren oder Bildern er sich offenbaret." „Ja er hat dieses alles darum eingesetzet, daß er Dich damit wollte ganz gewiß machen und aus Deinem Herzen den großen Mangel und Fehler des Zweifels wegnehmen, auf daß Du nicht allein im Herzen glauben, sondern auch mit leiblichen Augen sehen und darzu mit den Händen greifen möchtest. Warum verwirfst Du nun dieses alles und klagest, daß Du nicht wissen könnest, ob Du zur Seligkeit versehen seist?" (Th. n, S. 479 —482.) „Darum saget nun Petrus: wir haben euch verkündigt und kund gethan den Christum, daß er ein Herr sei und herrsche über alle Tinge u. s. w. Solches haben wir nicht selbst erdacht, sondern durch Gottes Offenbarung gesehen und gehöret." (Th. xi, S. 553.) „Er wohnete unter uns. Er ist nicht erschienen, wie der Engel Gabriel, denn Engel wohnen nicht sichtbar unter den Leuten, sondern er ist bei uns (spricht der Evangelist) in seiner menschlichen Natur, die nach seiner Menschwerdung un zertrennt ich mit der göttlichen vereinigt ist, blieben, mit uns gessen, getrunken, gezürnet, gebetet, traurig gewesen, ge- weinet u. s. w." „Er war kein Gespenst, sondernein wahrhaftiger Mensch." „DieKetzer Manichäi ärgerten sich daran, daß der Sohn Gottes sollte Mensch worden sein. Es ist erschrecklich zu hören, daß sie sürgaben, Christus hätte nichts gessen, noch getrunken, die Juden hätten auch den wahren Christum nicht gekreuzigt, sondern ein Gespenst." „So ist nun der edelste Schatz und höheste Trost, den wir Christen haben, daß das Wort, der wahre, natürliche Sohn Gottes ist Mensch worden, der allerding Fleisch und Blut hat, wie ein ander Mensch, und um unsertwillen Mensch worden, daß wir zu der großen Herrlichkeit kommen, damit unser Fleisch und Blut, Haut und Haar, Hände und Füße, Bauch und Rücken oben imHimmel Gott gleich sitzen; daß wir kühnlich trotzen können wider den Teufel und was uns sonst anficht. Denn da sind wir gewiß, daß die (wir) in Himmel gehören und des Himmelreichs Erben sind." (Th. ix, S. 457, 458.) „Und wir sahen seine Herrlichkeit. Was ist das? Er hat sich nicht allein erzeiget mit Gebährden, daß er wahrer Mensch ist, — sondern auch sehen lassen seine Herrlichkeit und Kraft, daß er Gott sei. Das haben ausgewiesen seine Lehre, Predigt, Mirakel und Wunderthaten. Also daß gleich wie Gott durchs Wort (d. i. durch ihn) Himmel undMrden geschaffen, ebenso hat er, was er gewollt, ausgerichtet und gethan, nur ein Wort gesprochen als: Mägdlein, stehe auf. Item : Jüngling, stehe auf. Lazare, komme heraus.ZumGichtbrüchigen : stehe aus, sei loS von deiner Krankheit. Item zu den Aussätzigen: seid gereinigt. Item mit fünf Broten und zweien Fischen gespeiset fünf tausend Mann, daß die, so solche Zeichen sahen, sprachen: Dieser ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Also auch da groß Ungestüm im Meer sich erhob und der Herr das Meer bedräuete und es stille ward, da verwunderten sich die im Schiffe waren und sprachen: Wer ist dieser, dem Wind und Meer gehorsam sind? Item: er gebot den Teufeln, so mußten sie ansfahren. Das konnte er alles durch ein Wort ausrichten." (Ebend. S. 459.)*) Aber was sind denn die Wunder? sichtbare, augenfällige Beweise allmächtiger, ungebundner, durch keine Schranke der Natur gehemmter Güte und Barmherzigkeit— augenfällige, handgreifliche „Gut- thaten," Wohlthaten. Aber was sind Wohlthaten? Befriedigungen menschlicher Bedürfnisse, Erfüllungen menschlicher Wünsche. Wer nichts bedarf, nichts begehrt, nichts wünscht, dem kann man keine Wohl- that erweisen. Der Wunsch des Kranken ist die Gesundheit, des Hungrigen die Speise u. s. w. Wer mir gibt, was ich nicht habe, aber gleichwohl haben will oder wenigstens haben möchte,'— vorausgesetzt natürlich, daß es nichts Böses, Schlechtes, Unrechtes ist — der nur ist gut. Die Wunder Christi oder Gottes unterscheiden sich eben dadurch von den — eben deswegen auch an Macht beschränkten, nur oberflächlichen — Wundern des bösen, gottwidrigen Wesens, des Teufels, daß diese dem Menschen zum Schaden und Verderben, jene aber zum Wohl, sowohl zeitlichem als ewigem, gereichen. (S. hierüber L. z. B. Th. x, S. 40.) (Fortsetzung folgt.) *) , ,Die Evangelien sagen nichts von der Gottheit Christi." Mag sein; aber was sie nicht mit Worten sagen, das sagen sie mit Thaten. Worte sind prosaisch, Lhaten poetisch. Nedacteur: C. F. Bernays. Druck mit Schnellpressen von PaulNenouard Wenn ich diesen Wahnsinn der Massen, ihre Dummheit, Dumpfheit und namentlich ihren religiösen Fanatismus sehe, so verliere ich allen Muth. Mag noch oft die Noth, die schreiende Ungleichheit der Verhältnisse, das Volk zur Wuth treiben, mag es sich auch augenblicklich gewaltsam auflehncn, ich glaube doch nicht an ein baldiges Umschlagen des Bestehenden. Haltet dem Volke seinen Herrgott vor und es vergißt wieder alles. Nehmt ihm diesen Götzen, und es bricht wüthender los gegen seine Freunde als gegen seine Feinde. Es vertauscht doch nicht das Brod mit dem Herrgott. Sie können nicht glauben wie arg dieser Fanatismus ist. Ich wenigstens habe ihn mir nie so ercentrisch vorstellen können. Und nun der aufgeklärte Rationalismus dazwischen, der spöttelnd auf die Massen niedersieht, und fast noch schwerer zu bekehren ist, weil er den Schein der Vernunft immer noch festhält und mit dieser Waffe sich ein Scheinkampf ganz bequem führen läßt. Dieser Rationalismus ist so sehr auf den Schein erpicht, daß er sogar ein Werk wie das „Wesen des Cbristenthums" von Feuerbach, in seinem Sinn zu verdrehen und so das Selbstgefühl am Fortschritt theil- zunchmen mit dem gemächlichen Genuß des verjährten Aberglaubens zu verbinden weiß. Ja, diese seine heuchlerische Lebensart gilt dem Rationalismus sogar für die wahre Versöhnung der Kritik mit dem Leben. Ich weiß was Sie mir sagen werden. Ich sage mir es selbst. Jedes geschichtliche Leben, also auch das Leben der Religion, faßt sich noch einmal energisch vor seinem Tod in sich zusammen und täuscht sich über seinen Tod, indem es das krampfhafte Aufflackern des erlöschenden Lebens mit der glänzenden Morgcnröthe des ausgehenden Lebens verwechselt. Der große Haufen des Volks aber bewährt seine Sehnsucht nach einem menschlichen Leben, selbst indem es desselben unter der phantastischen Gestalt eines himmlischen und überirrdischen Westns sich zu bemächtigen sucht. Curivsum. Ein Pfarrer Ostertag zu Freudenthal (im würtember- gischen Vaterland) hat neben dem Hühnerhaus noch einen kleineren Stock bauen lassen, in welchem der Hahn an allen Sonn- und Festtagen eingesperrt wird, damit nicht durch die Serailwirthschaft der Sabath entheiligt werde. Nach einem umlaufenden Gerüchte ist dieser zarte Gedanke bereits in Berlin ausgenommen und demnächst eine Cabinetsordre zu erwarten, wonach nicht nur sämmtliche Hähne, Enteriche und Gänseriche der preußischen Monarchie Sonntags nach dem strengen Zellenshsteme in Haft zu halten sind, sondern ihnen fürderhin euch nicht Mehr als Eine Ehefrau gestattet werden soll. Ehescheidung ist nur noch nach Maaßgabe des neuen preußischen Ehegc- setzes zulässig und die Civilehe aufgehoben. Gemischte Ehen sollen wegen des Kirchenfriedens, so viel wie möglich erschwert werden. Ein Brief. Aus Nr. 66 des „Vorwärts^ ersehe ich mit Vergnügen, wie ich ungleich mehr zum Poeten denn zum nüchternen Prosaisten berufen bin. —Dennoch ersuche ich Sie bestens, nachstehende Gegenüberstellungen gefälligst im Feuilleton Ihres Blattes abdrucken zu wollen : Im letzten Feuilleton des „Vorwärts" haben Sie unter mehren andern Gedichten auch eines von mir, jedoch mit Unterdrückung meines Namens ausgenommen. Es wäre mir vollkommen gleichgültig vom Publikum als Verfasser g ckannt zu sein, wenn sämmtliche Gedichte nicht mit dem Namen „Georg Weber" unterzeichnet wären, und ich also bei einer spätern Veröffentlichung nicht zum Verdachte berechtigen könnte, als schmücke ich mich unrechtmäßiger Weise mit dessen literarischem Eigenthum. Aus diesem Gründe bitte ich Sie, diesen I r r t h um, der von Ihrer Seite gewiß sehr absichtslos, in der nächsten Stummer des „Vorwärtszu berichtigen. 3m letzten Feuilleton des „Vorwärts" haben Sie neben andern Gedichten, auch ein von mir verfaßtes, jedoch mit Übersetzung meiner Namens-Unterschrift auff genommen. Vom Publikum jetzt nicht als Verfassergekanntzu sein, würde mir vollkommen gleichgültig bleiben, wenn das Kind meines Geistes, durch die allgemeine Unterzeichnung „Georg Weber," nicht das Ansehn erhielte, von diesem Herrn gezeugt zu sein, und würde ich nicht durch jetziges Schweigen — bei anderweitiger Veröffentlichung meines Gerichtes — zu dem Verdachte berechtigen, als wolle ich mich müdem litera ri sch en Eigenthum Anderer schmücken ? Aus diesem Grunde bitte ich Sie, diesen Irrthum, der von Ihrer Seite gewiß sehr absich t s l ö s, in der nächsten Nummer des „Vorwärts" zu berichtigen. Nicht würde ich Sie wiederholentlich belästigen, allein mir ist versichert worden, daß vieles, besonders aber „Unterdrückung meines Namens'^ mit „sehr absichtslosem Jrrthum" im grellsten Widerspruche ständen. Genehmigen Sie die Versicherung meiner Hochachtung. Kurz ist das Leben — Vernunft und Prosa schwer. Paris, den is. August 1844. G. M. Paris, 1844. Nr 6S- Abonnements-Preise: in Paris : Ein Jahr. . . . .24 Francs. Sechs Monate. ... 43 „ Drei Monate. ... 8 „ > ')' Auswärts: Ein Jahr. . » Sechs Monate. ^ ...» „ Drei Monate. ... S H . 28 Francs. 48 Insertionen: die Zeile a 60 Centimes. (I , . ^7' ' 7 - / U' ' (Mittwoch.) N a r i te st D e u 1 trh e Äeittchrik 1 . :l - l ^ ' Man abonnirt r ^ ^ für Paris:' ' im Nure»» contra! ^xrur l'^II«r>aßii«, vyp / 6es Nouiins, Z», und in der Buchhandl. von qti»Ie8 Leoousrü et 0'", rne (je 1'ouriKNij 8 ;ü' ^ in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; ,. Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: ,, ^ bei den Messagerien Nord-Amerika: " bei. hen Herren Eichthal und Bernhard,. Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. S 77^ . : ->1,, - - N'' ^ .^Erscheint Mitwoch und Sonnabends, . tt- : ' ' '77' ' .. -/zfl ,^'s, 7.'-.) -77 Mfl M7's-/st 7'ut tfj l.'-jrch-'.'-.-. '-st/ ' 7i'- 7--r ,r- (SS. Auguft) /Ä! ,'7L, DaS Geld. -77/ -5 " Die NaÜonalökonomett möchten uns gerne über» reden, daß das Geld eine ganz unwesentliche Sache sei, daß Alles auch ohne das Geld daffelbe Aussehen habenwürde> Wollenste dem Golde das Löv nicht gönnen, .zur Gestaltung unserer Gesellschaft beigetragen zu haben,-so wollen wir nicht entstehen es dessen anzuklagen..!!- . lj. - , Immer mehr lastet der Mammon, wie ein drückender Alp auf den 7Bewegungen der rivilistrten Staaten. -Die Politik, welche als Herrscherin der Welt proclamrrt ist, hat nicht mehr Recht ans diesen Titel als Kaiser Ferdinand auf den seinigen; die Politik ist zur Magd'geworden; die diplomatischen Kabinette erhalten ihre Befehle aus den Comp-' toirs eines Rothschild und Consorten; Anfang und Ende von Krieg oder Frieden hängen von einem Re- chenerempel ab, in welchem das >X der-Zinsfuß der Staatspapiero ist So sehen wir im Größen die Menschen gerade da, wo sie sich am freiesten dünken, zu Sklaven des schnöden Metalls herabgewürdigt. Der Politiker aber^ der heute selbst,nicht .mehr da-, ran zlveifelt, daß dis Börse die Triebfeder ist/ welche *) Man sche in den letzten-Zeitungen den Einfluß des Bombardements vön Tanger. In London und Paris spiegelt sich dasselbe nur in Börsenschwankungen. ^ '5! -g '--^77!. ' -.0/' 7 Feuilleton -es vorwärts. Kamille DesmoEn's, ^ i, Vertheidigung gegen Pen Henker Samsön. (Nr. S des von Desmoullus ^ während der zwei ersten Jahre der Revolution heransgegeb. Jonrnal- : ".Es zuckt mir in hm Häliden^da ich^Euch, meine lieben' Leser,'einige der schönsten Seiten aus der Revolutions^ Literatur mittheile, über das feile verächtliche Volk, Unserer heutigen Zeitungs- und Geschichtsschreiber herzufallen, diest'Üch aus jener großen Epoche pon'weiter nichts als von Blut, . Gräueln, Barbarei und Gräusämkeit zu'erzählen wissen; über die Lügner und Ignoranten, die Ma- rat, Danton, Robeöpierre, St.-Just und Camille De^- möulins immer aüfeinmal in den Mund nehmen, — und sie als solidarische Bluthunde darstellen. Aber sch will es nicht thnn: das Gewürm verdien,et .gar nicht/auf demselben Blatte genannt'zu werden, lvo von so lchen Riesen gereyftSlrh! Es'nährt sich wohl'von /den.,L,eschnamen' jenerHelden: es stiehlt.ihnen Worte und Phrasen, um si? als/ngenest.Produkt auf dem Lit.eraturyHkkte zst,.verschachern, während'es züm Dank ihr Lehen/un^Hst^ Thaten verlästert und verläumdet l Natürlich l Ließen sie jene. (NroßÄ sMundchMn, was sie/waritt und wie/ste. sprachest/ 'stellktn Je Je, lebendig und/ wahHa/t där"'^ wie könnten"sie es noch ^wagest, lhr? eigene ^Ha'ük'zü Markte zu bringen ? Drum will ich die Todten auferftehen den politischen Mechanismus bewegt, ist.dennoch so naiv sich nicht für- geknechtet, zu halten. ' Das alltägliche Leben hat hier weit richtiger erkannt als die sogenannte Wissenschaft. Wie- oft hört man das Geld verfluchen als Hinderniß guter Vorsätze, als,Ursache so vieler Leiden'. Ich bin in- deß weit entfernt das'Geld mls die-»Ursache unserer- gegenwärtigen Misere anzusehen; vielmehr.betrachte ich es als einen Theil derselben, welcher dem gemeinsamen Grunde entsprungen ist. Cs ist aber ein so integrirendev Theil, dasi er einer Wiedererzeugung des Ganzen fähig-ist, wenn man auch alles andere, weggeraumt hat, wie der kleinste^Rest des Krebses, den die Operation stehen ließ, dieselbe vereitelt und das alte Übel in scheußlicherer Gestalt wieder her- vorruft. -l r- Diese Bösartigkeit im Wesendes Geldes ist bisher noch wenig erkannt worden, so daß selbst von den socialen Schriftstellern ihm nur wenige den Krieg erklären. Sogar Proudhon, während er schonungslos dem Eigenthum die Maske des Rechts herunterreißt, läßt das Geldsystem gänzlich unangetastet. Und wenn auchWeitling's Scharfblick die ,Wichtigkeit dieses Punktes nicht entgangen ist,, so greift er doch mehr unser gegenwärtiges Geldfystenw als das Wesen des Geldes an. Erst Marr (in den „deutsch-' ftänzöstschen Jahrbüchern") erklärt das Gew für „den allgemeinen, für sich selbst ronstituir- ten Wertst' aller-Dinge." Und in diesem Ausspruch ist der Kern dieses räthsebhaften'Pudels gegeben- den'wir jetzt aus seiner Hülle herausschälen wollen.- Wenn M'r nach dein Webthe eines Gegenstandes fragen, so handelt'es sich Nicht mehr um den- absoluten Werth beffelben, sondern lediglich um den Tauschwert!). Es bleibt nur zu bestimmen, wie viel andere Sachen ichfürekne gegebene emlaufchett kann, mn die Bedeutung dieser zu bezeichnen. ,,Dte immer gesteigerten Bedürfnisse-des Menschen und die dadurch birmehrte Produktion der Arbeiter hatten den Tauschhandel bedeutendvervielfältiglnnd erweiterte Durch die Vennehrung und Vervielfältigung der Produkte entstanden vielfache Verwirrungen und Jrrthümer im Austausch derselben. Der Eine hatte Leder zu Markte gebracht um Werkzeuge dafür einzutauschen, der aber die Werkzeuge austaufchen wollte brauchte oft kein Leder, sondern Holz und Eisen; der das Eisen vertauschen wollte; weder Werkzeuge noch Leder, sondern Stoffe, oder Früchte oder sonst dergleichen Maaren. Dadmch'.wurden der Bequemlichkeit- des freien Austausches bedeutende Hindernisse in den Weg gelegt. Um diese nun . zu heben kam'inan auf eine neue Erfindung, die des 'Ge l- d es?.7. diese Stücke Metall, denen man einen eingebildeten Werth gegeben.hatte, dienten nun als Werthbestimmnng der umzutau-- schenden Maaren." (Weitling, Garantie n.-> - lassenDer liebenswürdige Jüngling, der proeureur ^neo-rl 661-, lgniestne. EaMilleDesmoulins steige zuerst aus seinem Grabe, und wiederhole Euch, was er damals erwiederte, als' ihn der Henker Samson bei Gerichte belangt hatte, weil er ihn öffentlich Henker und nicht Scharfrichter nannte. ,,Du bist undankbar gegen mich, Samson, ruft ihm DesmöuliNs zü. Ich konnte glauben, das eigene Bewußtsein von der Verworfenheit deines Handwerks würbe dir , verbiet?»'/'die Äugen nach' einem ehrlichen Mann zN erheben, sebst wenn Dü ihm für etwas zu danken hast: denn Du bist mir Dank dafür schuldig, daß ich Dich in dem Pröspektns meiner Zeitung den Repräsentanten der ausübenden Gewält nannte. Man hat mir versichert, Du gäbest Dir Viele Mühe, durch allerlei gut? Werke deN Eindrücken schwachen, den Dein gemeines abschreckendes Geschäft hervörbnngt', und den Schauder, der Jeden befällt,.wennDü ihMauf der Straße begegnest , und ich selber habe mich bei Gelegenheit bemüht/diesen Eindruck zu mildern ! Zum Dank dafür — eine 'gerichtliche Herausforderung, 'abgefaßt in den ^schamlosesten Ausdrücken! Ich werde mich so tief,nicht erniedrigen und mich niitDchnson jnessen/: aber weil Dü doch ein so, zartfühlender HeNk?r'chist,,vonffp feinem Ehrgefühl, Will ich Mr doch zeigen, was Dü vön Deinem Handwerk eigentlich,zu dMken.Mli"/ ^ : ,,Äor .ein haar ^ahrey mußte mein Väter.als Beamter einer ^lnrl^tung beiwohnen. Die Delinquenten waren auf's Rad gebunden, ba verlangte der Henker noch zweihundert Franken mehr, als ihm das Gesetz bewilligt — eher würde er die Hinrichtung nicht vollenden. Mein Vater hätte den Niederträchtigen augenblicklich in's Gefäng-' niß werfen lassen können t —'aber dadurch wurde dib° Todesangst der Unglücklichen verlängert. Et ließ ihm daher ohne Weiteres die verlangte Summe auszahlcn. Als derüIerichtshöf di? RechnüngeN durchl'as, strich er den Post?n, und stellte meinem Väter frei/den'Henker zü verklagen/ 'Mein Väter zog/ es äbet^ vvl'/'die Summe zu verlieren, nUr uM/mit ^dm/He'Nkrr keinen Prözeß'^U haben. Ich Höffe, man wird^esftmr verzeihest, -daß ich diesem Beispiel nicht folge: Ich habe keine tauserrd Thaler zu verlieren, um einem Prvceß ausguweichrnden miv ^ dev Henker ast den Hals wiest. —Ich kamst cs dem Henkest nicht wehren, wenn er mich vor Gericht laden ivill j aber ich Hab? das stolze Bewußtsein, daß ein Samson ünd seine Anstifter mich nicht besudeln können. Mein Leben können mir die Schurken nehmen, aber meine Ehre nicht. Als der Tribun Metellns den Cicero beim Austritt aus dem Consulat verhinderte, an das versammelte Volk eine Redezu halten, da sprach Cicero nur drei Worte-: ,,Jch allein habe d'as Vaterland gerettet," und alles Volk j jauchzte ihlst zu. Ich vermag mir rin solch ruhmvolles Zeugniß tticht auszustellen.'- Zum Glück hat Shärta mehr als dreihundert bessere Männer als ich. Wmn mich aber der Henker zwingt mir ihin auf den'Kampfplatzzu-tre- i test, dann such'' ich 'alles auf, um vor mir selber als'ein ^ Mensch zu erscheinen.- - — ^ ^ Dann fällt es mir ein/und diese Ehre kann mir Niemand rauben, daß ich es war, der eines Sonntags,"'am 12 . Juli, im Palais-Royal, umringt von zehn tausend Men- neuen abstrakten Werth an die Stelle des alten setzt. Denn seine Commerzstunden sind nichts anderes. Eine'Arbeitsstunde hat eben nur ^den Werth einer Arbeitsstunde, aber nie den Werth'von etwaö anderem, ja eine Arbeitsstunde von A kann eben nur den Werth einer Arbeitsstunde von A, nicht aber von B haben. Weitling ist in diesen Jrrthum verfallen, weil ihn die Frage der Werthbestimmung beschäftigte. Diese national-ökonomische Frage aber wird gänzlich Wegfällen, sobald das Eigenthum weggefallen ist. Ich verlange etwas nicht seines Wer- thes halber, sondern weil ich es bedarf. Schon Morelly macht die Forderung, daß der Einzelne nicht erhalten dürfe nach seinen Leistungen, sondern nach seinem Bedürfniß: kuiser selon sss llesoins. klm unfern Zustand zu vermenschlichen, ist vor -allem uöthig, daß wir den wirklichen, ganzem Menschen als berechtigt anerkennen. Sein Bedürfnis gibt den Werth. Sobald wir einen Werth außer dem Menschen zugeben, so wird die Befriedigung des Bedürfnisses von etwas anderem abhängig gemacht als von dem Dasein des Bedürfnisses, so genügt das Dasein des Menschen nicht mehr zur Berechtigung seiner Eristenz, mit einem Worte, so kommen wir wieder auf den alten Standpunkt zurück, wo wir mit Weitling sagen können; „In welchen Winkel des alten, morschen Bau's der gesellschaftlichen Ordnung.unsere Blicke dringen, überall stoßen wir auf Verbrechen und Mängel, deren Ursache die Ungleichheit ist, und das Mittel diese Ungleichheit zu erhalten, das ist das Geld!" Lassen wir eine Sache bestehen, die den Werth an sich darstellt, so ist mit ihr jede andere zu erlangen. Dieser abstracto Werth ist dann die Brücke, welche wieder zur Brutalität des Eigenthums hinunterführt. Eigenthum und Geld stehen in dem Verhältuiß zu einander-, daß das Eigenthum nach Abschaffung des Geldes wieder, das Geld, das Geld nach Vernichtung des Eigenthums wieder das > Eigenthum gebiert, Wir haben es mir einer vielköpfigen Hyder zu thun, wo es nicht genügt einen Kopf abgehauen zu haben. Deshalb nannte ich das Geld einen integrirenden Theil unserer allgemeinen Misere, aber nicht die Ursache derselben. Die. Ursache liegt tiefer. Wenn Marx Ln einer der vo-. rigen Nummern dieses Journals aussprach : Das menschliche Wefiem^k's'"wsshte^Ge- meinwesen des Mensche^ sh ist darin der Grundgedanken einer Reorganisation der Gesell- schaft gegeben, und wirHben die setzte U isln e n schlich keit der Gesell.schäft' nür'Un^de.r,.Hhe- rigen Ungesellsch a'ftlichkei t des M e n sch e n zu suchen. . Nach Feuerloch geht-dem Erkennen das Leiden vorher. Jetzt stehen wir am der Grenze vieserMnt- wicklungsstufe. Gelitten hat die MenschhÄt geffug, jetzt wirv sie erkennen. Da wir den vergaug^ueu Zustand uicht^als^imn zufälligen sondern nothwendigen begreifen, so können wir mit Begeisterung der Zukunft entgegengehen .und dochwhne Haß von der Vergangenheit scheiden. ' Ülld'die Gegenwart? Freilich der venmreinigte Most muß gähren, damit ein reiner Wein erscheine. Und gerade darin, daß in unseren Tagen die Wahrheit heftigen Widerspruch erleidet, beurkundet es sich daß sie Macht über die Gemüther gewinnt. Sie erscheint neu weil sie anfängt wahr zu erscheinen. Das merkwürdige achtzehnte Jahrhundert hat schon manches verkündet was aber damals überhört wurde. „Wenn aber, sagt George Sand, unser Jahrhundert erst dahin kommt sich selbst zu erfassen, dann wird es auch das Leben des achtzehnten Jahrhunderts, seines Vaters,erfassen." Ich kannmichnicht enthalten bei dieser Gelegenheit einiges anzuführen was schon 175J Morelly in seinem Ooäe äe tu nuturs über das Eigenchum sagt : „Das einzige Laster der Well, welches ich kenne, ist der Geiz; alle andere, wie sie heißen,, sind nur Grade von diesem einend dem Proteus,, dem Mercur, der Basis, dem Vehikel aller Laster.,..... alles löst sich .auf Lu die. Sucht zu haben; ihr findet es selbst wieder im ^ Busen der Uneigennützigkeit. Hätte aber eine so allgemeine Pest, ein solches schleichendes Fieber der ganzm^Gesellschaft, wie das Einzel--Juterosse, je den Platz, greifen können, wo es nicht nur keine Nahrung» sondern nicht den geringsten Gährnngs- stoff gefunden? Ich glaube niemand wird die Wahr-"' heit, dieses Satzes bestreiten: daß da, wo kein Eigenthum besteht, auch keine seiner verderblichen Folgen auftreten kann;" oder Es gibt uns iu der That die Verwandlung des Werthes in r?Mchwerth uHh/eiue vollkommne Anschauung unseres gegenwärtigen Zustandes. Man vergleicht zwei Maaren nicht unmittelbar miteinander auch bestimmt' blos aus dieser Vergleichung den Tauschwerth, sondern man stellt beide in Verhältnis zu einem brüten, dein Golde, so daß aufs neue endlich der Tauschwerth sich in den Preis auflöst. Der Kaufmann giebt nur Waaren für Waareu in Bezahlung," weun.er über den Preis beider Waaren im Reinen ist, und Weitling hat vollkommen Recht, daß die Werthbestmunung der Sachen nur vom Gelbe abhange. Darin tritt das Wesen des Geldes als Werth schlechthin, als der abstrakte Werth heraus, und diese Abstraktion ist der Schein den es für seine göttliche Natur beibringt. Wie der Gott die Abstraktion des Menschen, so ist das Geld die Abstraktion des Werthes; wie in der Religion ein Wesen nur Bedeutung hat in sofern es nicht concret, nicht wirklich, sondern abstrakt, unwirklich, in das göttliche Wesen aufgelöst erscheint, so erhält in der bürgerlichen Gesellschaft ein Ding erst Werth, wenn es sich entäußern, wenn etz aushören kann dies Ding zu sein und sich in Geld verwandelt. Wo sich aber einmal ein Gott eingenistet hat, da ruft er augenblicklich: Du sollst keine andere Götter haben neben mir! Und die sklavische Welt betet an. Der Gott der Religion ist längst vom Schauplatz abgetreten und hat seinen Thron dem modernen Gott überlassen müssen. Unsere Mönche kreuzigen ihr Fleisch in der Zelle des Comptoirs ; u n se r Evangelium ist die letzte Spalte der Zeitungen, und willst Du im Tempel die andächtige Gemeine dem Herrn ihr Loblied singen hören, so gehe in die Börse. Wirst Du da nicht ergriffen und erbaut, so mußt Du eine gottlose Seele sein, ^rmtkema esto! Diese Abstraktion, welche das Wesen des Geldes ausmacht, ist der Keim alles Übels, welches er mit., sich bringt, und von dem uns Weitling eine treffliche Schilderung gegeben hat. Deshalb aber ist.es auch nicht, genug, diese Form des Geldes aufzuheben, sondern man muß den Kern desselben vernichten; und hier hat Weitling sich geirrt, indem er einen schm, ein Pistol in der Hand, auf einen Tisch sprang und das Volk unter die Waffen rief; daß ich es war, der den Patrioten vorschlug, eine Cocarde zu.wählen, an der sie sich erkannten, um einer zweiten Bartholomaus-Nacht zu entgehen, und sich gegen die gedungene Mörderbande zu vertheidigen, die sie in derselben Nacht ermorden sollte. Das Volk verlangte, ich möchte die Farbe wählen: Wählt Grün, die Farbe der Hoffnung, rief ich, oder das Band des Cincinnatus, die Farben der Republik. Und als man sich für das Grün entschieden hatte, schrie ich dem Heere der lauernden Polizeiknechte zu: Seht mir fest ins Gesicht, daß Ihr mich kennt; jetzt bekommt Ihr mich lebend nicht mehr in Cure Hände; stieg herab, und band die grüne Schleife um meinen Hut. Der Abbe Sabatim wird sagen, ein solches Geständniß allein verdient schoss den Tod. Ich weiß es auch wohl, daß man mir lieber als hem nichtswürdigen Besenval*) den Prozeß gemacht hätte, aber gerade dafür danken mir meine Mitbürger auch, daß ich die Gefahr nicht gescheut habe. Laßt uns nun auch untersuchen, wie es mit der Ehre des Herrn Samson steht, die ich gekränkt haben soll, und für deren Verletzung er eine eklatante Genugthuung for- dert.Hn, der Größe der Buchstaben, in denen in seiner. Vorladung das Wort HENKEN geschrieben ist, sieht man, daß mein ungeheures Verbrechen darin be-. steht» daßjich ihn so genannt habe» .. Die Katzen nenne ich Katzen, uyd.Samstn einen He nker.. *) Bestnval hatte Kanonen auf dem. Montmartre auffahren lassen, um.Pazis zu beschießen. Wenn das ein Verbrechen ist, so muß er alle Schriftsteller, alle Zeitungsschreiber, alle Bürger, jedes Volk, ja.die gesetzgebende Versammlung selbst verklagen^und warum ist es ein Verbrechen? Weil ein Beschluß des Staatsraths besteht, der ihm einen andern Namen gibt. Keine üble Autorität, ein Staatsraths-Beschluß allen Akademien, allen Wörterbüchern, allen Schauspielen, allen Sprachen gegenüber. Es fällt mir die naive Antwort des Peter Lenoir ein, die er den Lichterziehcrn von Paris gab, als sie sich auf einen ähnlichen Beschluß bezogen:,,Ich werde doch wissen, was so ein Beschluß auf sich hat; ich mache ja alle Tage ein halb Dutzend." Geradeso einen Beschluß erließ Breteuil Anno r?87 für den Henker; nach dem Charakter Breteüils, über den alle einig sind, mußte er ganz besonders für Samson eingenommen sein. Unser Freund war seine Seelenfreude, sein Juwel, und nach allem was ich von ihm weiß, bin ich ganz erstaunt, daß er Samson nicht ein Adelsdiplom oder wenigstens den Hofrathstitel verschaffte. Aber dieses vertrauliche Verhältuiß, diese zarten Bande, die ihn an Breteuil knüpften, sind doch für Samson kein Nechts- tjtel, kraft dessen er nun auch von uns andern dieselbe Herzlichkeit und Zuvorkommenheit verlangen darf? Seine persönliche Liebenswürdigkeit mag bei den damaliger) Parlamenten und Ministern den Abscheu vor seinem Geschäft zurückgedrängt haben: das ist ein persönlicher Adelnder sich auf keinen andern, überträgt. Weil Lud'- wig Xl. dm Tristan seinen Gevatter nannte, kann man uns doch nicht zwingen, die Henker Gevattersleüte der Könige zu heißen! Den Kampf gegen die Worter- ^ re?') bücher,können die Ordonnanzen nicht bestehen. Wie stch die Wogen des Meeres an einem Sandkorn brechen, so bricht sich die Macht Zeines Königs au einem einzigen Wort. Der Kaiser Hadrian konnte eine ganze zur Verzweiflung gebrachte Nation ausrotten; er konnte leichter anderthalb Millionen Juden erwürgen, und die Tempel und Mauern Jerusalems zerstören, als dieser Stadt seinen Namen geben. Oder will Samson das Wort Henker aus der Sprache' ausmerzen? und was gewinnt, er dabei, wenn man ihn Scharfrichter nennt? Es dauert nicht drei Tage, dann ist die neue Bezeichnung eben so infam als die alte; denn ein Wort ist nicht infam, sondern das was es ausdrückt. Geh in dich Samson, und fühle die ganze Gemeinheit deines Gewerbes. Öffne alle Wörterbücher von Nicot bis Guyot; das was dich schändet, ist nicht dein Name, aber die Bedeutung deines Namens. Lies Trevoür, und steh zu, miss er dich behandelt. „Scharfrichter ist der, welcher die Ur- theilevollstreckt; seiner wahrer Name ist Henker; der letzte Scherge des Gerichts. Wenn das Gericht einen Auftrag an ihn gesiegelt hat, so wisst es ihn unter den Tisch, um die Infamie seines Geschäftes zu ^bezeichnen; ein Edelmann aus Savoyen, der stch für Beleidigungen an seiner Familie rächen wollte, wußte ihr keinen großem Schimpf anzuthun, als daß er sich in Genf zum Henker mächen ließ)" ^ ^ Äor der Erklärung der Menschenrechte und, unserer > Revolution war das Henkeramt viel wenigex^schändlich. Damals, war es erblich, und es gab Familien, z. B. die 3 später: „Jede gleiche oder ungleiche Theilung der Güter, jedes Eigenthum des Einzelnen in der Gesellschaft an diese Theile, ist was Horaz 8umnn mnteria nmli, die Quelle alles Übels, nennt." Wohl erhoben in den Stürmen der Revolution sich einzelne Stimmen zu Gunsten dieser Wahrheit, sie wurde aber vom politischen Strudel verschlungen, und so tritt sie heute noch als eine neue der Welt gegenüber. Nicht alles was gesagt ist, istdeshalb bekannt. Man erinnere sich der Antwdrt des Aristoteles an Alexander. Deshalb wiederhole ich hier gerne die Worte die schon vor Jahrhunderten Shakespeare seinem „Timon von Athens in den Mund legt : , , ......Was find ich hier ? Gold? kostbar- flimmernd, rothes Gold? Sv viel hievon macht schwarz iveiß, häßlich schön ; Schlecht gut, alt jung, feig tapfer, niedrig edel. Ihr Götter ! warum dies ? warum dies, Götter ? Hü! dies lockt euch den Priester vom Altar; Reißt Halbgencf'Uen Weg das Schlummerkissen : Ja dieser rothe Sclave lös't uNd bindet Geweihte Bande; segnet den Lee fluchten; Gr macht den Aussatz lieblich; ehrt den Dieb Und gibt ihm Rang, gebeugtes Knie, und Einfluß Im Ruth der Senatoren : dieser führt Der überjähr'gen Wittwe Freier zu; " Sie, von Spital und Wunden giftig eiternd Mit Ekel fortgeschickt, verjüngt biilsaMifch Zu Männerjugend dies. Verdammt Metall, ° ' ' ' '' Gemeine Hure du der Menschnr; die Die Völker Lhört.......... Du süß'ster Könkgsmvrder, edle Scheidung Des Sohns' und Vaters ! glänzender Besudler Von Hymens reinstem Lager !> tapfrer Mars 1 Du ewig blüh'nder, zartgelicbter Freiet, Deß rorherScheinden heil'genSchnee zerschmelzt Auf Diana's reinem Schoos! Sichtbare Gottheit, Die du Unmöglichkeiten eng verbrüderst, Züm Kuß sie zwingst! Du sprichst iü jeder Sprache, Zü jedem Zweck'. Du der Herzen Prüfstein ! Denk, cs empört ^ein Sclave sich, der Mensch- Vernichte deine Kraft sie all verwirrend, ' Daß Thieren wird die Herrschaft dieser Welt! G. Weber. ^ ^ . 7- . u . . - Samsons*), die als zum Schaffot gehörig auf. die Welt kamen, wie andere zu der Scholle gehörten, auf der.sie geboren wurden, solche unglückliche durch die schändlichste Tyrannei zu ihrem elenden Gewerbe gezwungene Familien konnten dem Philosophen gewiß eher Mitleid als Abscheu ein flößen. Wie geistreich faßt Voltaire die falsche Humanität Rousseaus, da er ihm den Vers in'den Mund legte: „Des Schinders Töchterlein trau ich dem Dauphin an/' Aber damals war die Infamie die Schuld der Gesetze und nicht der unglücklichen im Voraus zu Henkern bestimmten Menschen. Es lassen sich dabei Umstände denken, unter denen Rousseau die Lehre aus dem Voltaireschen Vevse bekannte : der Vers beweist, daß der Dichter kein Philosoph war, und daß er die Leidenschaften zu malen wußte, ohne sie selber gefüh lt zu haben. Aber heute, da! es in Frankreich keine Sklaven mehr gibt, da die Menschen frei geboren werden, da die Gesellschaft nicht mehp das Recht hat einen,Menschen zum Henkeramt zu verdammen, da es Samsons freier Wille ist, wenn er sein fürchterliches Geschäft nicht aufgibt: — wenn er heute, aus freier Wahl, blos um zu leben, fortfährt die Menschen zu hängen, zü rädern und zu verbrennen, wenn er heute blos um sündiges Geld alle natürlichen Gefühle in sich erstickt, welcher Unterschied ist dann *) Der heutige Scharfrichter von Paris ist der Enkel unseres Samson. Auszüge aus dem -' n „Nieten desMaubens im Sinne Luthers etc." ' "von Ludwig Feuerbach. (Fortsetzung.) Aber wie die Thal, so der Thäter. Wohlthun setzt wohltätiges Wesen voraus; und wohltätiges, gutes Wesen macht das Wesen Gottes aus. Also ist Christus das unsichtbare Wesen Gottes als sichtbares, sinnfälliges Wesen. „Denn wo er (Gott) Lust hätte zu zürnen, verdammen, strafen und plagen, würde er nicht durch Christum Sünde vergeben und die Strafe derselbigen wegnehmen. an den Gichtbrüchigen, Aussätzigen und andern. Itery wo er Luft hätte zum Tode» würde er nicht die Todten auferwecken und lebendig machen, r — Also werden wir gewiß nicht allein' des Artikels, daß Christus wahrhaftiger Gott ist mit dem Vater, sondern auch daß er ein barm her-, zig er Gott und Heiland und können in allen Wer- - ken des Herrn Christi (— „so ihr vor Augen sehet!"—) des Vaters Herz und Willen ergreifen ^ zu rechtem seligen Trost." (Th. v, S.38, 39.) Was ihr in Gott denkt, das seht ihr in Christo, was Gott nur in Gedanken, das ist Christus in Wirklichkeit. Wenn ihr Christus nicht als Gott erkennt» so kommt das nur her von dem Unterschied, der überhaupt zwischen einem Wesen, wie es gedachtes, und eben demselben, wie cs wirkliches ist, statt findet; denn das gedachte Wesen ist ein allgemeines, das wirkliche oder sinnliche We- ' seit ein individuelles. Aber ungeachtet dieses Unterschieds, öder, vielmehr Widerspruchs, habt ihr in Christo nur vor enern Augen, was ihr ench.unter Gott (Gott wenigstens im christlichen Sinne) denkt. ^ Gott und Christus unterscheiden sich nur, wie das Gemeinte oder Gedachte und das Gesagte sich unterscheiden. Der Meinung ist das Wort immer zu enge, wie euerM.Gott der Mensch; die Meinung will sich nicht beim Wort nehmen lassen ; sie hat immer noch etwas im Rückhalt, was sie nicht gesagt haben will; sie dünkt sich unendlich mehr, als das Wort und will sich daher nicht durch dasselbe beschränken lassen. Diese Meinung kommt aber nur daher, daß, was ich meine; oder denke, noch in meiner Macht steht; was ich aber ausspreche, außer dem Bereich, meiner Macht ist, daß die Meinung oder der Gedanke, weil abhängig von, mir, veränderlich, das Wort aber, weil bereits unabhängig von mir, unveränderlich ist. Deßwegen erschrickt der Mensch vor seinem eigenen Worte, wie vor einer fremden Macht, wie vor der Macht der unabänderlichen Nothwendigkeit, und zieht sich scheu hinter das Bollwerk seiner unaussprechlichen Meinung zurück. Aber gleichwohl ist zwischen dem Worte und Gedanken kein Unterschied dem Wesen, sondern nur dem Zustande nach — kein andrer Unterschied, als der in der Natur zwischen dem gasförmigen, oder flüssigen und dem festen Zustand stattfindet. Es ist derselbe Inhalt, dasselbe Wesen, was ich denke und was ich sage, — wenn ich es anders richtig, treffend sage — aber Ln Gedanken befindet eS sich im unge- bundnen, im gasförmigen, im flüssigen, im Worte aber im festen Zustande. So ist es nun auch mit Gott und Christus. Der Gott in euerm Kopfe ist Gas, Lust, der Gott in Christo firer, fester Körper. Wie kann das große, umfassende Wesen in den kleinen Körper des Menschen hinein? Als Gas kann es freilich nicht hinein, denn das Gas ist nicht greifbar und nsmmt einen größern Raum ein, als der feste Körper. Um fester Körper zu werden, muß es aufhören, Gas zu sein; um zu reden, muß ich aufhören, blos zu denken; eben so, um ein sinnliches, faßliches Wesen zu werden,,aushören, ein unsinn- liches zu sein- Gas kann nicht zugleich fester Körper,. Gedachtes nicht zugleich Gesagtes sein; denn ist es Gesagtes, so ist es nicht mehr Gedachtes, und ist es Gedachtes, so ist es noch nicht Gesagtes ; Eines schließt das Andere aus. Und diesem zufolge sagt ihr ganz richtig ^ ist esGott, so ist es nicht Mensch und umgekehrt. Aber indem Gott Mensch wird, hört er eben aus,, das zu sein, was er m enern Gedanken ist Gott, v. h. unsichtbares, unfaßliches, unhegrchiztes,.,.unmenschliches, ungegen- ständlicheö Wesen. Bringt, ihr freilich den Gott in euerm Sinne nicht aus euch heraus, so ist ein ge- kreuzigterGott ein eben so lücherlicherWiderspruch,*) als ein peinlich bestrafter Gedanke ; denn nur, was — *) Der Glaube, d.,h. die christliche Religion kommt allerzwischen dessl Abscheu den mir seine Gegenwart einflößt, und dem vor dem Meuchelmörder, der einen Reisenden .erwürgt,— La für Geld einer wie der andere Menschenblut vergießt? Werflucht nicht dem feigen Duellan-. ten, den sein Gegner fehlt, der ihm dann das Pistol , auf die Brust setzt, und ihn todt-zu Boden streckt? nicht die Rache, nicht die eigene Todes-Gefahr entschuldigen die grausame Bestie. Und ich sollte dich nicht wie den! Answurf, wie die Schmach des Menschengeschlechtes betrachten, wenn auf der Richtstätte die Entrüstung der Menge dem Mitteiden gewichen ist, wenn der Priester Thränen vergießt über! das Loos des Unglücklichen und du dann, blos um Geld zu verdienen, mit kaltem Blute einen Desto es erwürgst, und einen Calas*) in Stücke zerreißest? Du, der du nicht etwa einen schnell erschießest, nein, der du dir die Fertigkeit erworben hast ein unglückliches Weib die aus Hunger und Verzweiflung eine Semmel stahl, langsam den Galgen hinauf zu ziehen) deine Füße auf ihre Schultern zu stellen, und hüpfend und tänzelnd ihr das Leben zu entreißen. Wer wollte nicht lieber bundertinal sterben, als Dein Gewerbe"treiben? Was'willst Du, soll ich von Dir denken, Du schmutzige Seele, der Dü Dein teuflisches Amt *) Calas wurde unter der falschen Beschuldigung in vier Stücke an Händen und Fußen zerrissen, als habe er seinen Sohn ermordet, wegen dessen Uchertrittes vom protestantischen zum katholischen Glauben.. Es stellte sich spater heraus, daß Calas unschuldig gemordet wurde. Voltaire, der humane Voltaire hat das Verdienst diesen Justizmord entdeckt zü haben. freiwillig behältst, und nun uns ein Ehrlichkeits-Patent gestützt, noch gar Achtung und Rücksichten verlangst? Und wie mir, so gehts dem Volk. Mit den Fingern deü- tet's auf den Henker; und hättest Du hundert Patente, Du bleibst doch ein Ungeheuer. Ein Mensch kauft sich bei einer Frau Austern; er handelt, er sucht sie aus. Da er weggeht, sagt man der Frau : „Das war der Henker '?' Da wirft sie das Geld und den ganzen Korb, in dem er seine Hände hatte, weit von sich weg, wie wenn es Gift wäre. Ein Mensch aber, der wie Du, um Geldes willen dem Abscheu und der allgemeinen Verwünschung Hohn bietet, ein freiwilliger Henker entehret unsere Nation, und wir dürfen ein solches Scheusal nicht länger unter uns dulden. Zieh weg von uns, zu den Barbaren, wo man Deine verfluchte Arbeit kauft, und wo Deine Infamie Geld gilt. Ich breche hier ab. Camille wurde bekanntlich feeige- spr ochen. Wie hart muß es einem so edlen Gemüth geworden sein, sich gegen den Henker zu wehren, — dem er sich später sö geduldig ergab! Furchtbares Geschick! — Derselbe Samson guillotimrte ihn kaum drei Jahre ch sage, was ich von mir gebe, was ich außer mich hinausstelle, aber nicht, was ich meines was ich denke, ist ein Gegenstand des Criminatrechts. Die Fragd : wie kann Gott gekreuzigt werden? ist daher die Frage : wie kann her Gedanke, die Meinung bestraft werden? Ünd die Antwort darauf ist : wenn Du dem Gedanken zu'einem, auch Andern allster Dir wahrnchndbaren, gegenständlichen, d. i. sinnlichen Wesen machst. Der bloße Gedanke-freilich ist unbelanMr und unwiderleglich, erhaben über alle Angriffe und Schranken, eine göttliche unantastbare Majestät; aber'der aus der festen Äurg'des' Kopfs auf die schlüpfrige Zunge herabgleitende / der sich züm Wort erniedrigende', ' herablassende- Gedanke n'iNunt alle'^Schtnach und^ Nö'th des menschlichen Lebens auf sich. So ist denn auch der Gott iwbuerm Kopfe, ded Gott, welcher'nnr ein gedachtes, innerliches Wesen, V. h. nur Gedanke ist,- freilich Tein Gegenstand des Spottes und'Gelächters, Wohl aber der Gott in Christo,'d.ch. der ausgesprochene Gott; denn sich aussprechen, 'heißt sich verrathen, sich veräußern, sich preisgeben. Und' doch ^ist'fn Christo Nichts andres ausgesprochen, als was in Gott gedacht ist, nur mit dem Unterschiede, daß, was in Gott noch ungewiß ist weilWloßeMeinung, in 'Christo' unbezweiselbar gewiß "ist; denn das Wort lst die Gewißheit ches Gedankens'. Der bkoße Gedanle ist ünstät, flatterhaft; kaum ist er'da, so ist er schon" wieder wegaber der ins Wort gefaßte Gedänke ist gebannt — das Wort ist beständig- fest, gewißi Aber Christus ist ja das Wort Gottes, d. h. ebe'n, wie es ausgedrückt -wurde, der sichtbare, sinnliche'und eben deßwegen unbezweifelbare, gewisse Gott, Was? — höre ich mir trotz der bereits gelieferten Beweise entwenden — sinnliches, sichtbares Wesen -wäre der Gegenstand' der christlichen Offenbarung, des christlichen Glaübens? Heißt es nicht ausdrücklich Der Glaube stehet auf das Unsichtbare— der Glaube ist Nicht derer'Dinge, so man stehet, ^sonderstdererfdie man nicht ziehet; Mr. 11,1." (L. Th. in, S. 123.) Sagt nicht Luther, daß Christus kein'Gegenstand der Sinne ist, um ein Gegen- -' stand des Glaubens zu sein? Ist affo hier nicht ausdrücklichnls derGegenftand derOffenbarung — denn was andres ist Gegenstand des Glaubens, als das Wort Gottes?--^- das'Unsichtbare ausgesprochen? Allerdings ist jetzt Gott, Christus für uns kein Gegenstand der Sinne, aber er war es einst >,md wird es einst wieder. Jetzt ist nur. sein Wort in unfern Ohren, aber einst sein Wesen vor un-. fern Augen, Abraham ist das Vorbild .der Glaubens. Abraham glaubte der Verheißung Gottes. Aber was war der Gegenstand dieser Verheißung, dieses Glaubens? Ein Sohn— also ein nur jetzt usiflcht- bares, aber später sichtbares Wesen. „So scharfe Angen hat der Glaube, daß er im Dunkeln sehen kann, da doch nichts überall^ scheinet, stehet, da nichts zu sehen ist, fühlet, da nichts zu fühlen ist. Also glauben wir-auch an den Herrn Christum, .daß er droben sitzet zur rechten .Hand des allmächtigen Vaters unw regieret also, daß er alle Creatüren in Händen hat und alles in uns wirket^ Das sehen wir nicht, fühlen es auch nicht; doch stehet' das dings nicht über diesen Widerspruch hinaus; denn Christus soll zugleich. Mensch und Gott, d. i. Wort und Gedankenwesen, fester Körper und himmlisches Gas sein. Mer wir sehen hier . von diesem, wie allen andern heillosen Widersprüchen des Chri-' stenthnws ab, welche im zweiten Lheil des Wesens des Chri- - stentbums behandelt sind. Herze durch den Glauben so gewiß, alswenn es mit Augen sähe." (Th. i, S. 92.) Der Glaube ist das geistige Auge — das Auge der Einbildungskraft; er sieht, was er nicht sieht, d. h. nicht gegenwärtig vor Augen hat — der Glaube haftet nicht am Gegenwärtigen <— ör sieht, wie ich ein durch den Tod oder den Raum von mir getrenntes, entferntes Wesen sehe. Der GkaubeM hier getrennt von dem Gegenstand seiner Verehr rüng; die „Mauer" dieser gegenwärtigemsinnlichen Welt ist zwischen ihm und» Gott; aber der Glaube durchbricht diese Mauer : er ist-getrennt nicht getrennt, er ist da mit der'Seele-, wo er nicht mit dem Leibe ist. Dem Glauben ist das Ferne nahe, aber eben deßwegen das Nächste das Wrnste.-'Der Glaube ist „sinnlos" und'„widersinnisch," ,,b'liüd und taub," denn er ist wo anders mit seinem Sinne, wo anders mit seinen Sinnen. Wbr Abwesendes sieht, sieht das Gegenwärtige nicht: Aber non einem Wesen dem'Leibe nach getrennt und doch dem Herzen nach Mit ihm verbunderstzu sein, das -ist ein Zustand der Zerrissenheit, des Zwangs, denn -mein Herz reißt sich mit Gewalt von den Banden meiner Sinne lvs — 'ein schmerzlicher Zroiespält. Einst hebt sich daher dieser Zlviespakt auf> eiüst ^ verwandelt sich der Glaube in Schauen; einst ist! Gott für den Gl-äubigen, was er jetzt nur-aü sich ist: sinnli ches Wesen. „Reich-Christi jetzt auf Erdenk ist ein Reich des Glaubens, darinnen er regieret durch das Wort, nicht in sichtlichen öffentlichen Wesen, sondern ist gleich wie-man die Sonne stehet durch eine Wolke."--—,-Du sollst es nicht sehin, sondern glauben,'nicht mit den fünf Sinnen fasten- sondern dieselben zügethan (mit ge- schloßnen Sinnen) allein hören, was Dir Gottes Wort sagt, bis so lange das Stüudlein kommt, da Christus wird des ein Ende machen--und sich v f- fe nt l i ch (offenbar, sichtbar) dar st ei len in sei- neb'Majestät und Herrschaft; da wirst Du sehen und fühlen, was Du jetzt glaubest." -(Th. x,S. 371.) -- - - -- i l: - i. ^ iji .. (Sortsttz^ng ßzlgt.) " „Nur ein dummer Spaß! " So Poll der stets geistreiche, allerorten beredtsame Fürst das Ätteirtat genannt haben/als er sogleich nachher vom Wagen aus seine väterliche Rede an eine,Scha«r neugieriger Berliner richtete. — Noch einige kurze Be-! trachttmgen über diesen Spaß. i Wie die kindischen lChinesen vor ihrem Himmelskaiser, so'beugen sich die deutschen „Wohlgesinn ten" wieder i einmal in den Staub vor dem kugelfesten Hohenzollern und singen wochenlang pietiftische Dänklieder aus dem neuestenGesangbnche von Anno I8A8. DaßViele, besonders viele Deutsche, ihren Landesherrn lieben, darf uns nicht wundern; denn Liebe ckenut Gebot. Aber dabei bleibt es nicht; sie legen sich ihm zu Füßen,, diese edeln germanischen Gemüther^ wir sind Hunde,, sagen sie; ja j wohl Hunde sind wir, aber.wir sind treu: ' .. Sie sind :reu'! ste beißen wie wennste künstlich dressirt wären. Sie verfluchen, als ächte Christen/nebenher den Bürgermeister von Starkow, dem sie es doch',, nächst Gott" alkein zu danken hätten, dünkt uns, daß sie jetzt abermals die Gelegenheit bekamen, ihre unterthänigste Liebe recht großartig an den Tag zu legen. Ganz m der Ordnung finden sie es, daß der General von Sicher. Name dieses brutalen KönigsInechtes wird, in Pen Zeitungen nicht genannt) eine Viertelstunde naci) der Verhaftung in den Kerker stürzt und sich gegen Herrn Tschech : pöbelhgft beträgt/sie schreien üb.er.Skaydal, als der Ge- i fmrgene statt Mer Antwort erwiedert: „Entfernen Sie sich; hier stehe ich unterm-Schutz des Gesetzes»" s ^ . ' 'Au^Wesi-Preußeü, wo 'fine beiHiellöK'MFjMMNj-' ! mung wüthet, schreiben sie : man danke jetzt in den Kirchen zrnrst für die Errettung des Königs, und spät erfolge die Bitte um Abhülfe in der Wassersnoth. Das ist folgerichtig; so muß es im absoluten .Staate her- gehen. Allein es gebt noch immer weiter ! Die preußischen Zeitungen fordern jetzt alle Ünterthanen auf, so christlich gottergeben' zu werden, wie das Herrscherpaa'rT'Die -,Allgem. deutsche Zeitung^ meint: „m den letzten Jahren sei Vieles geschehen, was sich nicht mit der heiligen Ehrfurcht; dir man dem Könige schuld-, vertrage !, Es dürfe fortan sich kein.Einzelner und keine Mehrheit gegen .des. Fürsten Beschlüsse erheben, und man soll' nur 'unerschütterliches vertrauen ' in den königl. Herrn haben, den der'AslMächtige'wunderbar gerettet." Nächstens rvird sie wohl noch berichten:'die köm'glicl>ell Hofpietisten hätten allerdings im Augenblick der zwei Schüsse einen Engel am Wagenschlage stehen und die Kugeln,schief wenden gesehen; doch ließe mißverstandene Ehrfurcht und Scheu dieses ihr himmlisches Gesicht bis anjetzt verschweigen. Die,,Augsburger" ist sehr deutlich; sie läßt sich aus Berlin eine ganze.Predigt schreiben: „Einfachheit der Sitten, leidender Gehorsam, freiwillige Hingebung an Rang und Geschlecht, höre leider! mehr und mehr auf ; daher erscheine im Volke die Selhst- vergötterung des Verstandes, die Verachtung alles Heiligen." Hiezu fügt sie : „das Volk müsse ganz religiös erzogen werden ; der übrige Volksun1erricl>t sei eigentlich doch nur vom Übel; denn er diene am Ende blos,- die Leute mit dem Loose, das ihnen der Himmel beschützen, mißvergnügt zu machen.^, - ,... Wir aber wollen diese Worte, die von den königlichen Ministern diktirt sind, nimmer vergessen/wir wollen unser jetziges Wirken darnach einrichten und einst auch ihrer uns erinnern, wenn wip die gründ-licyste Abrechnung halten werden mit diesen Zuchtmeistern oder, wie sie so gern sich tituliren, Vormündern deutscher Nation. Sie fürchten sich insgeheim vor den nmen.svcial;si und humanen Ideen, jene frommen,Heuchlerischen, hochgelehrten Helden Altdeutschlands. ,-,Selig sind die geistig Armen" rufen sie dem unglücklichen Volke zu, welches .ob seines Mangels an geistiger Bildung nicht minder in gerechtem Unwillen aufgährt als wegen leiblicher Noch. Ja, Werkes Euch, Ihr Dürftigen, jeglichen Geschäfts,.für;.Euch ist die ewige Seligkeit drüben, doch nur für die Mächtigen und Reichen ist das kurze irdische Dasein ! Gesteht also endlich selbst, Ihr Hungerleider und Verwahrlosten, und Ihr Übrigen alle gegen die unsere jetzige Gesellschaft eine Rabenmutter, ist, gestehtdoch, daß Ihr es viel tausendfach besser habt,.als^die Privilegirten, die Glücklichen, Eure Gebieter. Wagt Ihr indessen trotz Bibel und Crucifir, trotz Kanzelreden und tröstlichen Kabinetsordren, dennoch jene neue Lehre zu bekennen — nun so setzt es Kartätschen und Kanonenkugeln. Dieselbe Zeitung sagt schließlich: der König sei so hochherzig, daß er bei alledem noch nicht die Volks- Ausklcstrun g beschränken werde. Übrigens melden die neuesten Berichte, daß halbgedruckte Werke unter der Presse confiscirt, die Censurgesetze geschärft worden. Der dumme Spaß hat ganz spaßhafte Folgen. .^ . Aber ist esmicht völlig gleichgültig, was Friedlich Wilhelm IV. thut? Dieser „deutsche König", andes wurmstichigen Deutschlands Spitze gestellt, wandelt jenen dämonischen Weg, wo man, ein Tantalus, nichts -als Vereitelungen der schönsten eigenen Hoffnungen erfährt/jenen Weg, wö'man ein Held der Menschheit zü sein wähnt, und doch nur ein Ritter von der ällertraring st en Gestalt ist. Wer dorthin gekommen, ist "nicht mehr, ein Steuermann, sondern ein steuerloses, vom wib- den Meer des Zeitgeistes umher^geschleudertes Wrakg,M Schritt rückwärts, ist dann eben so. viel-als ein Schritt vorwärts. Die stebm. unreinen Geister aber, die ckls Ge- -wiffelisräthe den Nachfolger des großen Friedvi-etz umlagern,stnögen wissen/daß'lange ehe das König'shaupt des btitkifchen Stuart fiel, schön der 'Gbaf Stra'tW, Mktzister und Dftähre^. seines Fürsten^ aufHeM^B^lt- Mmst pebüßt hat. P/M ß e ntz. Äin i.^st e. r,'chi'e (e' E (e^- .d tzU .m ö g e n -?,«d l ich, ihre .Z.Y k-u stsst b-e-der, cken) .. Nedacteur : C. U. Ber'n äy sV' ----- - Druck mit GWcllpressen von Pciut d Paris, 1844. Nr ^0 Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 15 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Franc». Sechs Monate. § . . 18 „ Drei Monate. ... S Insertionen: die Zeile s 50 Centimes. srw Man abonnirt: für Paris: im D'iroau central pour l'^IIeina^ne, 6es Uoulins, z», und in der Buchhandl. von aules Lenousrä «t 0'*, nue cie ^ ournon, 6 ; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Sichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-York. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Sonnabend.) Pariser Deutsche Zeitschrift. ^ (31. August) Die Lage Englands. Das achtzehnte Jahrhundert. Dem Anscheine nach ist das Jahrhundert der Revolution an England ohne viel Veränderung vorübergegangen. Während aus dem Continent eine ganze alte Welt zertrümmert wurde, während ein sünsundzwanzigjähriger Krieg die Atmosphäre reinigte, blieb in England Alles ruhig, wurde weder Staat noch Kirche irgendwie bedroht. Und doch hat England seit der Mitte des vergangnen Jahrhunderts eine größere Umwälzung durchgemacht, als irgend ein anderes Land, — eure Umwälzung, die um so folgenreicher ist, je stiller sie bewerkstelligt wurde, und die deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach ihr Ziel eher in der Praxis erreichen wird, als die französische politische oder die deutsche philosophische Revolution. Die Revolution Englands ist eine sociale, und daher umfassender und eingreifender als irgend eine andere. Es gibt kein noch so entlegenes Gebiet menschlicher Erkenntniß und menschlicher Lebensverhältnisse, das nicht zu ihr beigetragen und wiederum von ihr eine veränderte Stellung empfangen hätte. Die sociale Revolution ist erst die wahre Revolution, in der die politische und philosophische Revolution ausmünden müssen; und diese sociale Revolution ist in England schon seit siebenzig oder achtzig Jahren im Gauge, und geht eben jetzt mit raschen Schritten ihrer Krisis entgegen. Das achtzehnte Jahrhundert war die Zusammenfassung, die Sammlung der Menschheit aus der Zersplitterung und Vereinzelung, in die sie durch das Ehristenthum geworfen war; der vorletzte Schritt zur Selbsterkenntniß und Selbstbefreiung der Menschheit, der aber als der vorletzte darum auch noch einseitig im Widerspruch stecken blieb. Das achtzehnte Jahrhundert faßte die Resultate der bisherigen Geschichte, die bis dahin nur vereinzelt und in der Form der Zufälligkeit aufgetreten waren, zusammen, und entwickelte ihre Nothwendigkeit und ihre innere Verkettung. Die zahllosen, durcheinander gewürfelten Data der Erkenntniß wurden geordnet, gesondert und in Cansalverbindung gebracht; das Wissen wurde Missenschaft, und die Wissenschaften näherten sich ihrer Vollendung, d. h. knüpften-sich auf der einen Seite an die Philosophie, auf der andern an die Praxis an. Vor dem achtzehnten Jahrhunderte gab es keine Wissenschaft; die Erkenntniß der Natur nahm ihre wissenschaftliche Form erst im achtzehnten Jahrhundert an, oder in einigen Zweigen ein paar Jahre vorher. Newton schuf die wissenschaftliche Astronomie durch das Gravitationsgesetz, die wissenschaftliche Optik durch die Zersetzung des Lichts, die wissenschaftliche Mathematik durch den binomischeil Satz und die Theorie des Unendlichen und die wissenschaftliche Mechanik durch die Erkenntniß der Naturder Kräfte. Die Physik erhielt ebenfalls im achtzehnten Jahrhundert ihren wissenschaftlichen Charakter; die Chemie wurde durch Black, Lavoisier und Prieslav erst geschaffen ; die Geographie wurde durch die Bestimmung der Gestalt der Erde und die vielen, jetzt erst mit Nutzen für die Wissenschaft unternommenen Reisen zur Wissenschaft erhoben; ebenso die Naturgeschichte durch Buffou und Linus; selbst die Geologie sing aümälig an, sich aus dem Strudel phantastischer Hypothesen, in dem sie verkam, herauszuarbeiten. Der Gedanke der Encyklopädie war für das achtzehnte Jahrhundert charakteristisch; er beruhte auf dem Bewußtsein, daß cillo diese Wissenschaften unter sich Zusammenhängen, war aber noch nicht im Stande, die Übergänge zu machen , und konnte sie daher nur einfach neben einander stellen. Ebenso in der Geschichte; wir finden jetzt zuerst bändereiche Compilationen der Weltgeschichte, noch ohne Critik lind vollends ohne Philosophie, aber doch allgemeine Geschichte, anstatt der bisherigen lokal und zeitlich beschränkten Geschichtsfragmente. Die Politik wurde auf eine menschliche Basis gestellt, und die National-Hkonomie durch Adam Smith reformirt. Die Spitze der Wissenschaft des achtzehnten Jahrhunderts war der Materialismus, Feuilleton -es vorwärts. Zur Tagesgefchichte. Gott unsere Hoffnung. , H veu,n woll-'n sie singen, ,, ^5-. Weil Gott ihn erhalten hat; Die Weihrauchfässer schwingen — .. O pfui! die Komödie ist matt. Der liebe Herrgott da oben Ist doch ein gefälliger Mann, ' ! Und wenn die Berliner ihn loben < >^l--s Dann schaut er sie freundlich an. ,, Der Herrgott läßt alles beim Alten, Es lebend oder verwest; Cr hat auch den da erhalten: 'l!"> , . Deus 8s)68 »08:1-3 68t ! Schlechter Schuß. Sagt, was hat der Mann verbrochen, Den man dort zum Kerker schleift? Auf den Fuchs hat er geschossen, Aber nur den Balg gestreift. „Was Gott thut!' das ist recht gethan." ° Wenn das kleine Sprüchlein wahr ist, Elk — so Hab* ich oft gedacht — Dann hat Gott, wie an sich klar ist, Preußens Könitz nicht gemacht. Und ich hegte bange Zweifel Über Gottes Machtgebrauch; Dock der Zweifel isi vom Teufel! Preußens König etwa auch?.... Und ich ward vom Schlag getroffen, Fiel und starb und rührt' mich nicht; Und ich sah den Himmel offen — „ Preußens König - sah ich nicht. W. Marn. Deutsche Briefe uns der Gegenwart. So lange die ,,Rheinische Zeitung" ihre Geißel über die deutsche Schindmährenpresse schwang, zog letztere wenigstens an und versuchte es zuweilen, den Karren, worauf der deutsche Michel schläft, aus dem Kothe zu ziehen ; seitdem aber dieser Tagewächter nicht mehr bläst, wühlen die deutschen Blätter wieder wie eine Fischotter im Sumpfe herum und wedeln und schwänzeln und lassen es sich wohl sein, und ducken blvs das Haupt unter, wenn eine polizeiliche Gabel, die sie für eine Harpune an- sehen, nach ihnen stößt. Man lese nur die „A. A. Z.." die wie ein Stoppelfeld aussieht und die, wenn sie Ideen haben will, mir vorkommt, wie ein Kahlkopf, der sich aus Verzweiflung die Haare ausreißen möchte. Sonst war sie zwar auchKoth, aber er war gefroren, man gleitete darüber angenehm hinweg; jetzt aber scheint die Sonne der Censur und des bäurischen Jesuitismus beiß hinein, so daß er den Leser bis über die Augen bespritzt. Die „Leipziger Allgemeine" ist ein wahrer sächsisch-preußischer Bandwurm geworden. Sobald sie Salz riecht, Irümmt sie sich fchlangenartig und speit sächsisch stinkenden Brei und hannövrisch-junkerschen Speichel. Wozu- auch brauchen die Sachsen ein gesinnungsvolles Blatt? Dieses wohlige, wolligte, pelzichte Völkchen mit seinem Käseaccent ist in diesem Augenblick überglücklich, einen König zu haben, auf den noch Keiner geschossen hat, obschon er als Null wie zu einer Zielscheibe von der Natur geschaffen zu sein scheint. Sie freuen sich, keine Preußen zu sein, und danken Gott, der Vorsehung und der Polizei, ächte Sachsen zu sein, — als wenn sie etwas Anders sein konn- daö erste System der Naturphilosophie und die Folge jener Vollendung der ^Naturwissenschaften. Der Kampf gegen die abstrakte Subjektivität des Christenthums trieb die Philosophie des achtzehnten Jahrhunderts auf die entgegengesetzte Einseitigkeit; der Subjectivität wurde die Objectivität, dem Geist die Natur, dem SpiritualismusderMaterialismus, dem abstrakt Einzelnen das abstrakt Allgemeine, die Substanz entgegengesetzt. Das achtzehnte Jahrhundert war die Wiederbelebung des antiken Geistes gegenüber dem christlichen; Materialismus und Republik, die Philosophie und Politik der alten - Welt, erstanden auf's Neue, und die Franzosen, die Repräsentanten des antiken Prinzips innerhalb des Christenthums, bemächtigten sich für eine Zeit -lang der historischen Initiative. Das achtzehnte Jahrhundert lös'te also den großen Gegensatz nicht, der die Geschichte von Anfang an beschäftigt hat, und dessen Entwicklung die Geschichte auömacht, den Gegensatz von Substanz und Subjekt, Natur und Geist, Nothwendigkeit und Freiheit; es stellte aber die Seiten des Gegensatzes in ihrer ganzen Schroffheit und vollkommen entwickelt einander gegenüber, und machte dadurch seine Aufhebung nothwendig. Die Folge dieser klaren, letzten Entwicklung des Gegensatzes war die allgemeine Revolution, die sich auf die verschiedenen Nationalitäten vertheilte, und deren bevorstehende Vollendung zugleich die Lösung des Gegensatzes der bisherigen Geschichte sein wird. Die Deutschen, das christlich-spirilualistische Volk, erlebten eine philosophische Revolution; die Franzosen, das antik-materialistische, daher politische Volk, hatten die Revolution auf politischem Wege durchzumachen; die Engländer, deren Nationalität eine Mischung deutscher und französischer Elemente ist, die also beide Seiten des Gegensatzes in sich tragen, und deshalb universeller sind, als ein jeder der beiden Faktoren für sich, wurden daher auch in eine universellere, eine sociale Revolution hereingerissen. — Dies wird näherer Ausführung bedürfen, da die Stellung der Nationalitäten wenigstens für die neuere Zeit in unserer Geschichtsphilosophie bis jetzt sehr ungenügend oder vielmehr gar nicht behandelt worden ist. Daß Deutschland, Frankreich und England die drei leitenden Länder der gegenwärtigen Geschichte sind, darf ich wohl als zugegeben annehmen; daß die Deutschen das christlich - spiritualistische, die Franzosen das antik-materialistische Prinzip, mit andern Worten, daß jene die Religion und Kirche, diese die Politik und den Staat vertreten, ist eben so einleuchtend, oder wird es seiner Zeit schon gemacht werden; die Bedeutung der Engländerin der neueren Geschichte ist weniger in die Augen fallend und für unfern gegenwärtigen Zweck auch am wichtigsten. Die englische Nation wurde gebildet von Germanen und Romanen zu einer Zeit, wo beide Nationen sich erst eben von einander geschieden und ihre Entwicklung zu den beiden Seiten des Gegensatzes kaum begonnen hatten. Die germanischen und romanischen Elemente entwickelten sich neben einander und bildeten zuletzt eine Nationalität, die beide Einseitigkeiten unvermittelt in sich trägt. Der germanische Idealismus behielt soviel freies Spiel, daß er sogar in sein Gegentheil die abstrakte Äußerlichkeit Umschlagen konnte; die noch gesetzliche Verkäuflichkeit der Weiber und Kinder, und der Handelsgeist der Engländer überhaupt, ist entschieden auf Rechnung des germanischen Elements zu bringen. Ebenso schlug der romanische Materialismus in abstracten Idealismus, Innerlichkeit und Religiösität um; daher das Phänomen der Fortdauer des romanischen Katholicismus innerhalb des germanischen Protestantismus, die Staatskirche, das Papstthum der Fürsten und die durchaus katholische Art die Religion mit Förmlichkeiten abzufertigen. Der Charakter der englischen Nationalität ist der ungelöste Widerspruch, die Vereinigung der schroffsten Contraste. Die Engländer sind das religiöseste Volk der Welt, und zu gleicher Zeit das irreligiöseste; sie plagen sich mehr um das Jenseits als irgend eine andre Nation, und doch leben sie dabei, als ob das Diesseits ihr Einsund Alles sei; ihre Aussicht auf den Himmel hindert sie nicht im mindesten eben so fest an die „Hölle des Kein-Geld-Verdienens" zu glauben. Daher die ewige innere Unruhe den Engländer, die das Gefühl der Unfähigkeit, der Widerspruch zu lösen ist, und sie aus sich selbst heraus zur Tätigkeit treibt. Das Gefühl des Widerspruchs ist die Quelle der Energie, aber der sich bloß entäußernden Energie, und dies Gefühl des Widerspruchs war die Quelle der Cololüsatio.n, der Schifffahrt, der Industrie und überhaupt der ungeheuren praktischen Thätigkeit der Engländer.' Die Unfähigkeit, den Widerspruch zu lösen, gel/t durch die ganze englische Philosophie hindurch, und treibt sie aus die Empirie und den Scepticismns. Weil Bacon mit se iner Vernunst.den Widerspruch von Idealismus und Realismus nicht lösen konnte, mußte die Vernunft überhaupt dazu unfähig, sein, der Idealismus kurzweg verworfen und in der Empirie das einzige Rettungsmittel gesehen werden. Aus derselben Quelle geht die Kritik des Erkenntuißvermögens und die psychologische Richtung überhaupt hervor, in der die englische Philosophie sich von Anfang an ausschließlich bewegt hat, und die dann zuletzt, nach allen vergeblichen Versuchen den Widerspruch zu lösen, ihn für unlösbar, die Vernunft für unzureichend erklärt und entweder im religiösen Glauben oder in der Empirie Rettung sucht. Der Hume- sche Scepticismus ist noch heutzutage die Form alles irreligiösen Philosophirens in England. Wir können nicht wissen, raisonnirt diese Anschauungsweise, obein Gott eristirt; wenn einer eristirt', so ist jede Communication mit i^ns für ihn unmöglich, und wir haben also unsre Praris so einznrichten, als ob keiner eristirte. Wir können nicht wissen, ob der Geist vom Körper verschieden und unsterblich ist; wir leben also so, als ob dies Leben unser einziges wäre und plagen uns nicht mit Dingen die über unfern Verstand gehen. Kurz, die Praris dieses Scepticismus ist genau der französische Materialismus; aber in der metaphysischen Theorie bleibt er m der Unfähigkeit der definitiven Entscheidung stecken. — Weil die Engländer aber beide Elemente, die auf dem Kontinent die Geschichte entwickelten, in sich trugen, darum waren sie im Stande, selbst ohne viel mit dem Continent zu verkehren, doch mit der Bewegung Schritt zu halten, und ihr zuweilen sogar voraus zu sein. Die englische Revolution des siebzehnten Jahrhunderts ist genau das Vorbild der französischen von 1789. Im „langen Parlament" sind die drei Stufen, die in Fransten, als wenn ein versoffener Waldschwamm dem vorübergehenden Schweine danken wollte keine Eiche zu sein. Sie sind stolz auf ihren König, auf ihre Constitution, auf Heinrich Brockhaus, und alle die christlich-sächsischen Bauchredner, die sich in der „Landtagszeitung" Grab- monumente stellen, und im Grunde noch keinen preußischen Hund vom Ofen locken. Sie sind stolz keine Preußen zu sein, und bei der ersten Reklamation Preußens, kriechen sie wie die Pudel, und rächen sich an König Friedrich Wilhelm, indem sie ihren sächsischen König feierlich empfangen, nicht auf ihn schießen, und ihn mit lauter Lebehoch taub schreien, als wenn nicht alle Könige von Natur- taub für ihre Völker wären. Gehässigeres, Dümmeres, Lächerlicheres gibt es nichts als die deutschen constitution- nellen Völker, namentlich Sachsen, das sich jetzt schon seit sechs Monaten über ein altes von einem geistlichen Schneider umgewendetes Vaterunser herumschlägt, den ewigen Juden siebenmal übersetzt und Halleluja heult, wenn sein König der englischen Victoria im rochen Lakaienkleid hintennachreitet, und nicht vom Pferd herabstürzt wenn ein gallischer Hahn kräht. Ich bin von der „Leipziger Zeitung-" und Brockhaus, die sich wie die Schnecken oben und unten zugleich umarmen, auf Sachsen gefallen. Daß ich mir die Rippen nicht zerbrochen (denn ein Sturz von einem Esel ist gefährlicher als der von einem Pferd), kam daher, weil ich auf Mist fiel. Indeß giebt es noch etwas Widerlicheres als Mist, und das ist das '„Frankfurter Journal." Dieses Blatt gehört einem ehmaligen banqueroutirten Spezereikrämer und har sieben tausend Abonnenten, was sehr wenig ist für ein so feiges niederträchtiges Blatt. Es giebt in Deutschland mehr als so viel..... Abonnenten. Ha, mit welcher Frankfurter Main-lust beschrieb dieser politische Waschlappen den Triumph des nassaui- schen Nikolaus, der eben wieder die Prügel für seine Unterthanen einführte, weil er selbst Furcht davor hat, als er die russische Prinzessin zur Herrscherin über einige 100000 Deutsche mit einem Ruck stempelte. Wie blies es seine rothe Bäcken auf, als die Frankfurter freien Bürgerhelden wie weiland der Bürgerkapitän ihm entgegcnritten, und ihm ihre Freiheit und sonstige baumwollene, seidene und kattunene Waare anboten; wie zürnte es dem deutschen Herrgott als der einen Wind losließ, der den nassauischen Triumphbogen umwarf, als hätte ein Gott nicht eben so das Recht wie ein Herzog, am Tage seiner Hochzeit einen Wind loszulassen. Es kommt kein Junkerchen im Schwarzwald, in Thüringen, in Westphalen auf die Welt, es steht feierlichst in dem Frankfurter Hellerblatte. Hat es nicht neulich gejubelt als die Fürstin von Eber einen jungen gesunden Eber von sich warf und das ganze badische Land damit beglückte: Und wie hat es für den edlen V. G.... gekämpft, diesen feigen Junker dem hier ein Schneider, Namens Corran, rus Lsjuic-^nnc, 46, eine Ohrfeige gab und ihm die gsi-ckes ckk commerce wegen lumpiger 147 Franks für Rock und Hosen schicken mußte. — Neulich erst hat es den Donner der Polizei und der göttlichen Rache über Fodor Wehl geschleudert, weil dieser ein Mal, aus Versehen, einen guten Artikel in die „Elegante" gestellt hatte und den jene Zeitung, ebenfalls aus Versehen, aufnahm -- ja, Herr Heller ist rachelustig. Die „Didas- kalia," Blätter für Geist, Gemüth und Langeweile, verlangen Blut, die Beilage wird rebellisch und die Correspondenten drohen vernünftig zu werden, wenn Fodor Wehl nicht gerädert wird. Ach, warum zwingt ihn die preußische Polizei nicht das „Frankfurter Journal" täglich zu lesen! Ja, sogar für Tschech wäre dies die beste Strafe. Allenfalls würde ich ihn noch zwingen, entweder ein sächsischer Liberaler, oder ein Frankfurter gesetzgebender Körper-Bürger zu werden. Doch bin ich fest überzeugt, Tschech stirbt lieber auf dem Schaffot, denn Tschech ist kein echter Deutscher — obschon er seinen Schuß fehlte. 3 2 reich als constituirende und legislative Versammlung und Nationaleonvent auftraten, leicht zu unterscheiden; der Übergang von constitutionneller Monarchie zur Demokratie, Militärdespotismus, Restauration und Justemilieu-Revolution, ist in der englischen Revolution scharf ausgeprägt. Crom- well ist Robespierre und Napoleon in einer Person; der Gironde, dem Berg und den Hebertisten und Baboeuvisteu entsprechen die Presbyterianer, Independenten und Levellers; das politische Resultat ist bei beiden ziemlich kläglich, unv die ganze Pa- rallelle, die noch viel genauer ausgeführt werden könnte, beweist nebenbei auch, daß die religiöse und die irreligiöse Revolution, so lange sie politisch bleiben, beide amMideauf Eines herauskommen. Freilich war dies Vorausseiu der Engländer vor dem Continent nur momentan und glich sich allmälig wieder aus; die englische Revolution endigte im Justemilieu und der Schöpfung der beiden nationalen Parteien, während die französische noch nicht abgeschlossen ist und sich nicht abschließen kann, bevor sie bei demselben Resultat angekommen ist, bei dem die deutsche philosophische und die englische sociale Revolutionen auzukommen haben. Der englische Nationalcharaktcr ist so vom deutschen sowohl wie vom französischen wesentlich verschieden ; die Verzweiflung an der Aufhebung des Gegensatzes und die daraus folgende totale Hingebung an die Empirie ist ihm eigenthümlich. Auch das reine Germanenthum verkehrte seine abstrakte Innerlichkeit in abstrakte Äußerlichkeit, aber diese Äußerlichkeit verlor die Spur ihres Ursprungs nie, und blieb der Innerlichkeit und dem Spiritualismus stets untergeordnet. Auch die Franzosen stehen auf der materiellen, empirischen Seite; aber weil diese Empirie unmittelbare Nationalrichtung, nicht eine sekundäre Folge eines in sich selbst zerspaltenen Nationalbewußtseins ist, macht sie sich in nationaler, allgemeiner Weise geltend, äußert sie sich als politische Thätigkeit. Der Deutsche behauptete die absolute Berechtigung des Spiritualismus, und suchte die allgemeine Interessen der Menschheit daher in der Religion und später in der Philosophie zu entwickeln. Der Franzose stellte diesem Spiritualismus den Materialismus als absolut berechtigt gegenüber, und nahm in Folge dessen den Staat als die ewige. Form dieser Interessen an. Der Engländer aber hat keine allgemeinen Interessen, er kann von ihnen nicht reden ohne den wunden Fleck, den Widerspruch zu berühren, er verzweifelt an ihnen und hat nur Einzelinteressen. Diese absolute Subjektivität, die Zersplitterung des Allgemeinen in die vielen Einzelnen ist allerdings germanischen Ursprungs, aber wie gesagt von ihrer Wurzel getrennt, und darum bloö empirisch wirksam, und unterscheidet eben die englische sociale von der französischen politischen Empirie. Frankreichs Thätigkeit war stets national, von vorn herein ihrer Ganzheit und Allgemeinheit sich bewußt; Englands Thätigkeit war die Arbeit unabhängiger, nebeneinanderstehender Individuen, die Bewegung unverbundner Atome, die selten und dann nur aus individuellem Interesse, als ein Ganzes zusammenwirkten, und deren Einheitslosigkeit gerade jetzt in allgemeinem Elend und gänzlicher Zersplitterung ans Tageslicht tritt. Mit andern Worten, nur England hat eine sociale Geschichte. Nur in England haben die Individuen als solche, ohne mit Bewußtsein allgemeine l Prinzipien zu vertreten, die nationale Entwicklung gefördert und ihrem Abschluß nahe gebracht. Nur hier hat die Masse als Masse, um ihrer eignen Einzelinteressen willen, gewirkt; nur hier sind die Prinzipien in Interessen verwandelt worden, ehe sie auf die Geschichte Einfluß haben konnten. Die Franzosen und Deutschen kommen auch allmälig zur socialen Geschichte, aber sie haben sie noch nicht. Auch aus dem Continent hat es Armuth, Elend und socialen Druck gegeben, aber das blieb ohne Wirkung auf die nationale Entwicklung; aber das Elend und die Armuth der arbeitenden Klasse des heutigen Englands hat nationale, und mehr als das, hat weltgeschichtliche Bedeutung. Das sociale Moment ist auf dem Continent noch ganz unter dem politischen vergraben, hat sich noch gar nicht von ihm getrennt, während in England das politische Moment allmälig von dem socialen überwunden und ihm dienstbar geworden ist. Alle englische Politik ist im Grunde socialer Natur, und nur weil England noch nicht über den Staat hinansgekommen, weil die Politik ein Nothbehelf für es ist, nur darum äußern sich die socialen Fragen politisch. So lange Staat und Kirche die einzigen Formen sind, in denen die allgemeinen Bestimmungen des menschlichen Wesens sich verwirklichen, so lange kann von socialer Geschichte nicht die Rede sein. Das Alterthum und das Mittelalter konnten daher auch keine sociale Entwicklung ausweisen; erst die Reformation, der erste, noch befangene und dumpfe Versuch einer Reaktion gegen das Mittelalter brachte einen socialen Umschwung, die Verwandlung der Leibeignen in „freie" Arbeiter, hervor. Aber auch dieser Umschwung blieb ohne viel nachhaltige Wirkung auf dem Continent, ja er setzte sich hier eigentlich erst mit der Revolution des achtzehnten Jahrhunderts durch; während in England mit der Reformation das Geschlecht der Leibeignen, invilains, doräars, eotturs und so in eine Klasse persönlich freier Arbeiter- verwandelt wurde, und das achtzehnte Jahrhundert hier bereits die Konsequenzen dieser Umwälzung entwickelte. Warum dies nur in England geschah, ist oben auseinandergesetzt. (Fortsetzung folgt.) Preußische Staatszeitung. (N. 234, v. 23. August.) ^ ^'Provmz Westphaten. Unter der Aufschrift aus dem Ravensbergischen, den 2. Aug., enthält die „Elberfelder Zeitung" den nachfolgenden Artikel : „Öffentliche Blätter haben vor einer Versammlung von Lichtfreunden zu Tatenhausen bei Bielefeld geredet, und ihr eine gewisse Bedeutung beigelegt, als wenn auch hier sich Licht und Finsterniß zu scheiden beginne. Das Ganze aber läuft daraus hinaus, daß einige junge und alte Leute für kommunistische und radikale Ideen erhitzt sichausBielefeld, Halle,GüterslohnundOsnabrück, in dem' kleinen Badeorte Tatenhausen zusammen- gethan, zusammen geredet, zusammen gezecht, und auch den Versuch gemacht Hasen einige Landleute der Umgegend für solche Ideen zu gewinnen. Diese haben den angebotenen Champagner sich wohl schmecken, aber von „Unterschriften" nichts wissen, auch sich „dem Teufel nicht verschreiben" wollen, und die ganze Konferenz hat ein lächerliches und klägliches Ende genommen, wie denn dieses Prognostikou nach dem frechen und mit genügender Entrüstung aufgenommenen Auftreten von Carl Grün zu Bielefeld sicher gestellt werden konnte. Über den letztgenannten Herrn Carl Grün heißt es in der „Berliner Kirchenzeitnng :" Gerechte Indignation aller Ernstgesinnten hat das Auftreten des Literaten Carl Grün in Bielefeld erregt, dieses Prophetendes falschen Socialismus, des diesseitigen Himmels der angeblichen „Organisation der Arbeit und Aufhebung der Armuth, wo Alle arbeiten und Alle genießen." Seine zum Besten der armen Spanier gehaltene Vorlesung über wahre Bildung,verkündigt das „neue Evangelium" und ist im Druck erschienen. Es gab (heißt es darin) nur eine einzige echt menschliche Bildung, die griechische, und es wird eine neue vollständige Hereinbrechen, die sociale, nachdem die einseitig christliche durch Luther (der das Selbstbewußtsein befreite und den inwendigen Menschen frei erklärte), Raphael, Shakespeare und Spinoza überwältigt worden, durch die französische Revolution aber der Welt das volle Licht der Aufklärung geschenkt und in Folge derselben das Recht des vierten Standes zur Frage gekommen ist." Die Bielefelder Prediger haben das Recht ihres Amtes und die Pflicht desselben von der Kanzel geübt, ihre Gemeinden zu warnen vor dieser gleißenden unde in großer Zuversicht auftretenden modernsten Weisheit, die schwerlich einen flucht - baren Boden unter den besonnenen Westphalen finden wird." Über den Ton der offiziellen Artikel so wie über den Vorfall selbst keine Bemerkung, — denn aus welchem Ton die Engel singen, wissen wir alle, und über den Vorfall selbst kann ich nichts genaueres angeben. Wenn aber die Pfaffen auf den Kanzeln gegen den Kommunismus donnern, dann hat es gute Wege. Wir brauen den Trank, und die Pfaffen schenken ihn aus. Nur recht viele offene Feinde: Dr. Seifenfeder Bluntschli's compagnienweise, einige Patres Krummacher und Eberhard — und am Ende muß noch Görres und Philipps unters Gewehr treten — dann marschiren wir trommelnd und mit klingendem Spiel voran. Eicheln aus den germanischen Wäldern. In Berlin hat die Polizei das Tragen von Co- carden verboten, die sich eine Gesellschaft von Berliner Tagedieben und Pflastertretern an die Hüte gesteckt hatten, um sich als solche zu erkennen, und fortan die Hüte nicht vor einander abzunehmen. „Die preußischen Gesetze verbieten das Tragen äußerer Abzeichen, die auf eine Verbindung deuten:" die Polizei war daher vollständig in ihrem Recht. Wenn nun Nante klug ist, so nimmt er den Hut erst recht nicht ab, — er hat dadurch seinen Zweck erreicht, ohne revolutionär zu sein. So etwas nennt man dann auf liberal die Lehre vom gesetzlichen Widerstand. Die Freimaurersordern zu einem Herder-Denkmal auf. Ein gewisser Ernst Förster verlangt, daß die andern Leute Herdern auch eine Säule errichten lassen. Er sagt in der „Allgem. Zeitung": „Herder ist wohl zweier Säulen würdig, und Deutschland wird Raum genug für beide haben." Deutschland hat nicht nurRaumfürzwei, nein für viele Tausende von Säulen. Ein jeder einzelne Ludwig und Frie- drich Wilhelm ohne Thron, denn weiter seid Ihr nichts als Abklatsche Enrer Herrn, ist eine Schand- säule, die sich alle Andern gesetzt haben. Steril an Körper und Geist wollt Ihr und Eure Könige Eure Nichtigkeit zu schreiben und zu bauen, aber was Ihr schreibt und baut sind nur ihrer würdige Denkmale. Ein wahres Nichts, ein König von Wnrtemberg, lebt noch, und bei lebendigem Leibe setzen sie ihm ein Denkmal, — er muß ein Bursche wie eine Null sein, die erst durch das Eins was wird, das man ihr voransetzt! Man schreibt mir aus der Pfalz: aus dem Kloster in Oggersheim, zu dem der König die Fonds geschenkt, würde nichts, da der Fürst Wrede, der Proconsul der Pfalz, bei seinem Amtsantritte die Versicherung gegeben, es sollten keine Klöster im Kreise errichtet werden. Er würde sich ja compro- mittireu, sagt mein Freund, wenn es nun doch geschähe! Daß der ergebenste aller Knechte in Baiern lieber seinen König und Herrn als sich selber compromittirt, beweist zwar für den Knecht, aber nicht für seine Ergebenheit. König Ludwig gibt nie nach; er selber schreibt die Programme der Minister; bis auf den Styl müssen sie ihm folgen, bis auf die Schnurrbärte und die Halsbinden, die sie tragen, bis auf den Gang und die Grimassen, die sie schneiden *) — und wenn es ein Kloster gilt, sollte ihm Jemand zu widerstehen wagen? Mein deutscher Freund sieht Gespenster — so revolutionär ist kein bäurisches Blut. Neueste Nachrichten aus dem Neiche Gottes. Das Reich Gottes, welches früher nur jenseits der Wolken und in der Einbildung der gottseligen Gemeinde der Gläubigen existiere, hat stch bekanntlich neuerdings auf der rechten Seite des Rheins zur Erbauung aller Welt verwirklicht. Der Hüter Israels hat seinen getreuen Knecht Till Eulenspiegel I V. zu seinem Statthalter ernannt, und dieser, allzeit des heiliges Geistes voll, steht dem Regiment kräfriglich vor zur Ehre des Herrn. Unsere Leser wissen bereits wie viel der theure Gottesmann zur Stärkung des Glaubens und zur Ausdehnung der Kirche bisher gcthan hat, und werden sich freuen zu vernehmen, daß er treulich und ftetiglich auf derselben Bahn fortwandelt. Der ,church seine kommunistischen Umtriebe in der Schweiz bekannte Schneidergeselle" Weitling wurde notorischer Wesse von der heiligen, ja wohl sehr heiligen Hermandad des Cantons Zürich an die deutsche Grenze gebracht und von dort auf Befehl Tills per Zwangspaß nach Magdeburg transportirt, um ihm dort Gelegenheit zu geben, die in Zürich begonnene innerliche Kur zu vollenden. Till wollte diesen frechen Schneider/der selbst die heilige Schrift aufs schändlichste gemißbraucht hatte, zum wahren Glauben zurückbringen und ihn zu einem auserlesenen Rüstzeug vor dem Herrn machen, zu welchem Zwecke,,der re." Weitling zwangsweise beim Militär eingestellt werden sollte. Weil aber derselbe körperlich untauglich war, wie Einige behaupten, od'er weil, nach Andern, Till die Berührung dieses Aussätzigen für seine treuen Soldaten doch zu gefährlich hielt, so wurde er freigelassen. Er blieb einige Zeit in Magdeburg unter polizeilicher Aufsicht, und istjetzt, da der Kurversuch mißglückt zu sein scheint, pee Schub über die Grenze transportirt, H Wenn Man in München in einem Concerte ist, dem der König Ludwig mit seinen Lakaien beiwohnt, meint man in einem Tollhause zu sein. Wieder König zerren sie einander an den Ohren, an den Rockknöpfen, blinzeln mit den Augen, schießen und stolpern hin und her, ziehen die Mundwinkel bis cm die Ohren, schütteln den Oberkörper , wackeln Mir dem Kcpsc und staxen einander unvernehmliche Fragen rmd Antworten zu. nachdem er, der gerne aus dem gelobten Lande wegge- blieben wäre wenn Till ihn nicht beordert hätte, einen Revers unterschrieben hatte, daß er bei zwei Jahren Zuchthausstrafe nie wieder in das irdische Himmelreich zurückkehren wolle. Aus christlicher Liebe händigte ihm die himmlische Polizei zehn Thaler Reisegeld aus. Der verruchte Mörder Tschech, der ein doppeltes Ter- zerol auf das Herz des Mannes nach dem Herzen Gottes richtete, ist auf Befehl des Ministeriums für wahnsinnig erklärt worden. Die zerknirschten Bewohner seiner Vaterstadt, die sich durch seine Schuld mit befleckt fühlen, bringen ihrem Herrn ein Sühnopfer dar, indem sie beschlossen haben das Haus, in dem der teuflische Frevler geboren wurde, bis auf den Grund zu demvliren. Möge dies Sühnopfer der gedemüthigten und zerschlagenen Herzen Gnade finden vor den Augen des Allerhöchsten! Derselbe hat auch in seiner Barmherzigkeit und um ferneren Schüssen wegen vernachlässigter Beschwerden zuvorzukommen, ein neues Ministerium, ein Beschwerde-Ministerium eingerichtet, so daß neben dem Obcrcensur-Gc- richt nun ein zweites Denkmal des stets originellen Tittischen Geistes dasteht. Till reist jetzt. Auf der Reise von Ischl nach Wien wurde Till und Frau Tillin vor Linz von einem Donnerwetter überfallen. Der Herr zürnet zuweilen auch seinen Getreuen ; auch David der Harfenschläger wurde vom Herrn geschlagen, als er das Volk zählen ließ, die ungöttliche Wissenschaft der Statistik erfand und mit feinen Millionen Untcrthanen renommirte vor den Heiden. Auch Till hatte mit seinem Danke gegen Gott für die Abwendung des Schusses vor den Heiden Berlins von allen Kanzeln renommiren lassen. Zur Strafe schlug ihn der Herr mit einem Donnerwetter, und Till wurde so tief gedemüthigt, daß er in des Abdeckers und Scharfrichters und Schinders Hause mit seiner bessern Hälfte Zuflucht suchte vor dem Zorn des Herrn. Glücklicherweise ist bei dem jetzigen hohen Stande der Civilisalivn selbst, ein Schinderhaus hinreichender Schutz für einen ziemlich starken Ausbruch des Zornes Gottes, und Till kam mit dem Schrecken davon, der seine renommistischen Gelüste wohl etwas niedergeschlagen haben wird. Auszüge aus dem ,,Mtcn des Glaubens,im Sinne Luthers etc." von Ludwig Feuerbach. (Fortsetzung.) Christus ist die sinnliche Gewißheit der Liebe Gottes zum Menschen; er ist selbst der den Menschen liebende Gott als sinnlicher Gegenstand, sinnliche Wahrheit. Aber die Untrüglichkeit, die Zuverlässigkeit dieser Liebe liegt eben, wie gesagt, nur in seiner Menschheit; denn den Menschen kann auch nur ein selbst, ein wirklich menschliches Wesen — wenigstens aus eine dem Menschen genügende und entsprechende Weise — lieben. Die Liebe im Sinne eines n tch t oder übe rmenschlichen*), unsinnlichen, unleidlichen Gottes oder Wesens ist eine offenbare Lüge; denn mit der Menschheit fällt auch die Liebe weg. Der Sinn der Erlösung und Versöhnung des Menschen mit Gott durch Christus liegt daher auch nicht in der Stellvertretung, der Genugthuung, der Rechtfertigung, der Blutvergießung für sich selbst — er liegt nur in der Liebe, oder, was eins ist, in der Menschheit Christi oder Gottes. Der durch däö Blut Christi gestillte, aufgehobene Zorn oder Haß Gottes gegen die Menschen ist der durch den Manschen und im Menschen getilgte, ausgehobne unmenschliche Gott. Gott ist nicht Gott, d. h. nicht unmenschliches, unstnnliches Wesen: er ist Liebe, er ist Mensch — dadurch ist aller Zwiespalt zwischen Gott und Mensch aufgehoben, dadurch die Sünde des Menschen vergeben, der Mensch gerechtfertigt. ' „Es sind viel Lieben, aber keine ist also brünstig und hitzig als die Brautliebe. — Eine solche rechte Brantliebe hat uns fürgetragen Gott in Christo, in dem, daß er den für uns hat Mensch werden lassen und vereiniget mit der menschlichen Natur, daß Eines wirklich übermenschlichen, denn das übermenschliche Wesen des Glaubens ist nichts anders als das überschwängliche, das übermenschlich menschlicheWestn. wir in dem seinen freundlichen Willen gegen uns spüren und erkennen. — Daß muß ja eine große unergründliche und unaussprechliche Liebe sein Gottes gegen uns, daß sich die göttliche Natur also mit uns verbindet und senket in unser F leisch und Blut, daß Gottes Sohn wahrhaftig wird mit uns ein F leisch und Leib und sich so hoch unser annimmt, daß er nicht allein will unser Bruder, sondern auch unser Bräutigam sein und an uns wendet und zu eigen gibt alle seine göttliche Güter, Weisheit, Gerechtigkeit, Leben, Stärke, Gewalt, daß wir sollen in ihm auch theil- hastig sein der göttichen Natur, wie Sanct Petrus spricht. — Und wie eine Braut sich mit herzlicher Zuversicht auf ihren Bräutigam verläßt und hält des Bräutigams Herz für ihr eigen Herz; also sollst Du auch von Grund des Herzens auf die Liebe Christi Dich verlassen und keinen Zweifl haben, daß auch er nicht allders gegen Dir gesinnet ist, denn wie Dein eigen Herz." (Th. xiv, S. 353b—- 355'.) „Ich darf sagen,, daß ich in der Schrift nicht lieblichere Worte habe gelesen von Gottes Gnaden geredet, denn diese zwei Worte Chrestotes (Freundlichkeit) und Phi- lanthropia (Menschenliebe lit. 3, 4), darinnen die Gnade also abgemalet ist, daß sie nicht allein Sünde vergebe, sondern auch bei uns wohne, freundlich mit uns umgehe, willig ist zu helfen und erbietig zu thun alles was wir begehren mögen, als von einem willigen Freunde, zu dem sich ein Mensch alles Gutes verstehet und sich ganz wohl vermag." (Th. xin, S. 118.) „Dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe. — Wenn ich das weiß und gewiß bin, daß der Mensch Christus Gottes Sohn ist und dem V ater wohlgefälle t — so bin ich auch gewiß — daß solch Reden, Thun und Leiden Christi, so für mich geschieht, wie er sagt, müsse Gott herzlich Wohlgefallen. Nun wie könnte sich Gott mehr aus- schütten und lieblicher oder süßer dargeben, denn daß er spreche, es gefalle ihm vom Herzen wohl, daß sein Sohn Christus so freundlich mit mir redet, so herzlich mich meinet und so mit großer Liebe für mich leidet, stirbt und alles thut. — Weil denn Christus in solchem Wohlgefallen und im Herzen Gottes gefastet, mit alle seinem Reden und Thun Dein ist und Dir damit dienet, wie er selbst saget, so bist Du gewißlich auch in demselben Wohlgefallen und eben so tief im Herzen Gottes als Christus." (Th. xiv, S. 543 -544.) ^ ^ (F. f.) Gorrefponderrz mit -Herrn Friedrich Wilhelm German Maurer. lVlonsieur, ^ Lnieponses ins lettre du ... (je ne ine rs spelle ^lus sn jnske I» dsle) von» me deinSnde? s>oui'guoi se n'v »i point »nenttonne uns lettre gne je vous sursis eerite s une cksle snterieur«. de. in'einj-resse cle vous insorrner gor'oulre l» recti- liesti"n y-ue vous svex inseree dsns le je ne vous »ijsinsis sdiesse d'sutre lettre celle eontensil je petit lr.ivsil . « /o /-cr§§e ee L » 8> vous en svex reeu d'snon^ine«, j ^ suis eompletement öttsnAer, sinisnt tuop 1i srsneliise prour des detours. ^Arees I'expression de mes senlinrens tres distinAues, Volre devoue ^ Oeimsn stlFmnnn. Niii'iz, le 23 1844. Herr Redakteur, . 7,, Wenn jämmerliche Silbenstecherei und k'einliche Angriffe auf Personen, die für das Prinzip der Freiheit und Gleichheit kämpften als wahrscheinlich Ihre politische Welt noch im Embryo lag, der Volkssache zu Starten kommen, so haben Sie derselben durch die kommmkarische Umschreibung und Veröffentlichung meines Briefchens, (das, beiläufig sei es gesagt, nur an Sie und nicht ai?s Publikum gerichtet wav,) einen sehr erklecklichen Dienst erwiesen, der, in so fern er Ihren Seelenadel und. Geist es um fang beürkündet, nicht unbeachtet bleiben wird. Daß Sie bei diesem Verfahren die Gunst Ihrer Leser auf die Dauer gewinnen, erlauben Sie mir wohl sehr zu bezweifeln. German Mäurer.' Den -s. August. „ , r , _ Redak teur: C. F. Bernayk Druck mit Schnellpressen von Pan l Rcno u arv Nr 71 Paris, Abonnements-Preise: Man abonnirtz u in Paris: I- ^ ^ Ein Jahr. . . . 24 Francs. Sechs Monate. » .' 48 „ Drei Monate. ,8 '. „n ' Auswärts:^. ^ ^ Ein Jahr,. . . . 28 Francs. Sechs Monate. ^ . 18 „ Drei Monate. ... S - E ^ ^ ' Insertionen : die Zeile» 50 Centimes. 15, s> WS^- für Pariö :< IM Dnreau cenirsl pour , ru« cit-tz Nliulins, 3-, und in der Buchhandl. von dules Lenousrä et > US cts l ournou, 6; in den Departements : bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland-, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; " Belgien: l - ' i-. , bei den Messagerien; Nord-Amerika: ^ bei den Herren Eichthal und Bernhard'/"' i u-: Spruce-Street, Nr. 3, in New-Bork. ^ Erscheint Mitwoch nnd Sonnabends. (Mittwoch.) Pariter D c u t s ch e Zc it sch ri s t. <«. Scptcmb-r> Die Lage Englands. Das achtzehnte Jahrhundert. (Fortsetzung.) Das Alterthum, das .roch Nichts von dem Rechte des Subjekts wußte, dessen ganze Weltanschauung wesentlich abstrakt, allgemein, substantiell war, konnte deshalb nicht ohne die Sklaverei bestehen. Die christlich-germanische Weltansicht stellte die abstracte Subjektivität, daher die Willkür, die Innerlichkeit, den Spirituali^ius dem Alterthum gegenüber als Grundprinzip auf z diese Subjektivitätmußte aber, eben weil sie. abstrakt, einseitig war,, sogleich sich in ihr Gegentheil verkehren, und statt der Freiheit des Subjekts, die Sklaverei des Subjekts erzeugen. Die abstrakte Innerlichkeit wurde abstrakte Äußerlichkeit, Wegwerfung und Veräußerung des Menschen, und die erste Folge des neuen Prinzips war die Wiederherstellung der Sklaverei in einer andern, weniger anstößigen, aber darum heuchlerischen und unmenschlicheren Gestalt, der Leibeigenschaft. Die Auflösung des Feudalsystems, die politische Reformation, d.h. die scheinbare Anerkennung der Vernunft, und daher die wirkliche Vollendung der Unvernunft, hob diese Leibeigenschaft scheinbar auf, machte sie aber in der Wirklichkeit nur unmenschlicher und allge- Fcuittcton des vorwärts. ... - . , '-V . .. : 7 )j(y .' . u 17---- , V ig ' Lebenslieder. ' ^ D i e Kette». ^ N; . tt -s. Von den feftgeschloß'nen Ringen, ' ^ ^ Die des Menschen volles Leben i . ,,-s Eng umschnüren und ihn zwingen .. , . Sich des Menschthüms zu begeben, s " ' ' Sollten unsre Lieder singeN; -vi ^ - Von.den alten-Zauberkettm.. -r-:' 7-1 . Die uns Herz und Leib umschlingen , . . .... . Und aus denen zu erretten ^ ' u.n- i- ^Set b st er k e n n tu i ß nu r v ermä g - - ^ - ^Und des Eisenarmes Schlag. . 7 ' Ha s Ihr predigt christliche Moral Und Ihr preist als höchste ird'sche Tugend Wenn der Mensch in seiner langen Quai Bis zum Grabe von der frühen äugend Stillergeben seufzend ausharrt; immer ^ Auf ein fchon'res Leben j-nseit schauend - -n Und bei heiterm sel'gem Hoffnungsschimmer Demuthovll auf seinen Gott vertrauend. Demuth! ja, wir kennen diese Lehre Mstw. Die den Großen ehrt, .den Freien haßt: . Gleich dem Tiger, flugs zu Gottes Eh r e An den Griff des blut'gcn Beiles faßt; Demuth, Sanftmuth predigt Ihr den Armen, Denen ja das blaue Himmelreich; meiner. Sie sprach zuerst aus, daß die Menschheit nicht mehr durch Zwang, d. h. durch politische, sondern durch das Interesse, d. h. durch sociale Mittel zusammengehalten werden solle, und legte durch dies neue Prinzip die Basis zur socialen Bewegung. Aber, obwohl sie den Staat so negirte, .stellte sie ihn auf der andern Seite erst recht wieder her, indem sie ihm den bisher von der Kirche usur- pirteu Inhalt zurückgab, und dadurch dem während, des Mittelalters inhaltlosen nnd nichtigen ..Staat die^Kraft einer neuen Entwicklung verlieh. Aus den Ruinen des, Feudalismus entstand der christliche Staat, die Vollendung des christlichen Weltzustandes nach der politischen Seite hing durch die Erhebung des Interesses zum allgemeinen Prinzip vollendete sich dieser christlicher Weltzustand nach einer andern Seite. Denn das Interesse ist wesentlich subjektiv, egoistisch Einzelinteresse, und als solches die höchste Spitze des germanisch-christlichen Subjektivität- und Vereinzelungsprinzips. Die Folge der Erhebung des Interesses zum Bande der Menschheit ist, so lange das Interesse eben unmittelbar subjektiv, einfach egoistisch bleibt, uoth- wendig die allgemeine Zersplitterung, die Concen- trirung der Individuen auf sich selbst, die Jsolirung, die Verwandlung der Menschheit in einen Haufen einander abstoßender Atome; und diese Vereinzelung ist wiederum die letzte Consequenz des llnd den Hohen rathet Ihr E r b ar m e u; Damit, wähnt Ihr, macht Ihr Alle gleich! Dank Eucb, heil'ge Gottesknechte, Deren Wahnwitz uns so lang betrogen, Und von Eures Hjmmelfürften Rechte Uns viel tausend Jahre fromm belogen. Dank auch Euch, Ihr hochgelehrten Richter, Ihr ,,Do llmetscher der Gerechtigkeit;" Des Gesetzes weise Dösewichter, I Abgelaufen bald ist Eure Zeit. Priester des Gesetzes — Diener Gottes, ,, Landrechtsbuch und Bibel in der Hand, : ' 6 Habt die Menschheit in des ärgsten Spottes ^ Fluchbeladne Trägerin verwandt» " Aber jetzt ist Eure Frist geendet, ''' ' ' - Horch.! die Freiheitsgkocke hebet an! ' - - > Und das Blatt hat drohend sich gewendet. Brüder! auf! jetzt drauf und dran. ü Laßt den Kindern die Religionen! - Doch wir Männer, um uns zu befrei'n, ..„.Werden nicht mehr einer Gottheit frvhnen, WvUen keines Gottes Kinder sein. n Gott im Weltall haben wir zernichtet, > Sind zur Menschenwürde auferwacht; Himmel unsres Hirns ! Du bist gelichtet, H'erzens-Hallen ! Ihr seid hell gemacht. lj . ' "r Nun empor! du blühend Menschenleben! Auferstch' aus deiner tiefen Qual; christlichen Subjektivitätsprinzips, die Vollendung des christlichen Weltzustandes. -77 So lange ferner die Grundveräußerung, das Privateigenthum bestehen bleibt, so lange muß daS Interesse nothwen- dig Einzelinteresse sein und seine Herrschaft sich als die Herrschaft des Eigenthnms erweisen..Die Auslösung ver feudalen Knechtschaft hat „baare Zahlung zum einzigen Bande der Menschheit" gemacht. Das Eigenthum, das^dem menschlichen, geistigen gegenüberstehende, natürliche, geistlose Element,, wird dadurch auf den Thron erhoben, und in letzter Instanz, um diese Veräußerung zu vollenden, das Geld, die veräußerte, leere Abstraktion des Cigen- thums, zum Herrn der Welt gemacht. Der Mensch, hat aufgehört Sklave des Menschen zu sein, und ist Sklave der Sache geworden; die Verkehrung der menschlichen Verhältnisse ist. vollendet; die Knechtschaft der modernen Schacherwelt, die ausgebildete, vollkommne, universelle Verkäuflichkeit ist unmenschlicher und allumfassender als die Leibeigenschaft der Feudalzeit; die Prostitution ist unsittlicher, bestialischer als das Jus xrimee uoetis. — Höher kann der christliche Weltzustand nicht getrieben werden; er muß in sich selbst zusammenbrechen, und einem menschlichen, vernünftigen Zustande Platz machen. Der christliche. Staat ist nur die letzte mögliche Erscheinungsform des Staats überhaupt, mit dessen Fall der Staat als.solchep fallen Wirst nicht länger in dem Banne beben; Miede.r die unmenschl iche Mora l!^. ... Ein Handwerker. ,1 : d,' ^ ! ' lch- ^ . E ^ „... . . . H ." Mv - Deutsche Briefe. ' '" ' Warum ich noch einmal auf die,,A. A. Z." zurückkomme? Wer kennt sie nicht dstfe altdeutsche Metze, die ihre runzeligen Spalten ohneSaft und Kraft allen fremden bezahlenden Fürsten öffnet, die nie, sogar in ihrer ersten Jugend nicht»,Mark in dem Gebein hatte, die skrophulvs auf die Welt,kam, die nur muthig gegen unglücklich Gefcs- selte bramabarsirt und fern vom Schuß fürchterlich schwer- dronirt, die von lauter übermäßig mittelmäßigen, ledu- nen, entnervten und hohlen Schriftstellern zusammenge- stoppelt wird? Warum man eigentlich Rücksicht auf dieses Bein-und Schädelhaus im deutschen politischen Kirchhof nimmt ? — Ich weiß es nicht — denn die, die^ettvas auf sie halten, sind ebenfalls der Mühe nicht werth, daß man sich mit ihnen abgjbt. — Wer wird Schaascn und Rindvieh predigen wollen ?— Sind sie nicht glücklich, ja glücklicher noch als die Deutschen? —Es kitzelt das Schaaf wenn es geschoren wird, es freut sich des Deutschen Herz wenn es von der Polizei, gemaaßregeit wird, Sein Vater ein Ochse hat ihn erpreß dazu gemacht, seine Mutter ,eine ideale edle Eselin hat ihn dazu erzogen. — Es, ist daher durchaus mein Zweck nicht, die ,,A. A. Z." und ihre Leser zu 2 r muß. Die Auflösung der Menschheit in eine Masse isolirter, sich' abstoßender Atome ist an sich selbst schon die Vernichtung aller corporatwen, nationalen und überhaupt besonderen Interessen, und die letzte . nvthweÜbiZe . Stufe freiest Selbstvereinigstnss der Menschheit. Die-Vollendung der Veräußerung in der Herrschaft des Gelbes ist eur unvermeidlicher Durchgang,, wenn der Hstensch, wie er denn jetzt nahe daran ist, wieder zu sich selbst kom- men soll. . Die sociale Revolution in England hat diese Consequenzen der Aufhebung des Feudalsystems soweit entwickelt, daß die Krisis, die den christlichen Weltzustand vernichten wird, nicht mehr Herr sein kann, ja, daß die Epoche dieser Krisis, wenn auch nicht in Jahren und quantitativ, so doch qua- . litativ mit Bestimmtheit vorausgesagt werden sann; diese Krisis muß nämlich eintreten, sobald die Korngesetze abgeschafft und die Volkscharte einge- sührt, d. h. sobald die Adelsariflokratie durch die Geldaristokratie und diese durch die arbeitende Demokratie politisch besiegt ist. Das sechzehnte und fiebenzehnte Jahrhundert hatten alle Voraussetzungen der socialen Revolution ins Leben gerufen, das Mittelalter ausgelöst, den socialen, politischen und religiösen Protestantismus etablirt, die Kolonien, die Seemacht und den Handel Englands geschaffen, und eine zunehmende schon ziemlich mächtige Mittelklasse neben dib Aristokratie gestellt. Die socialen Verhältnisse setzten sich allmälig nach den Unruhen des siebenzehnten Jahrhunderts, und nahmen eine feste' Gestalt an, die sie bis gegen 1780 oder 90 hin behielten. Es gab damals drei ^Klassen von Grundbesitzern, die adligen Lattdlords, noch öie einzige und nnä'lt- gegriffene Anstökratiedes Reichs, die ihre Grundstücke in Palzellen verpachtete und die Renten in London oder ausReisen verzehrte;dienichtadligen Landlorvs oder Oountr^-Osntlemen (gewöhnlich Lyuires betitelt), die auf ihren Landsitzen lebtest, ihr Land verpachteten, und die aristokratische Auszeichnung, die ihrer niedrigen Geburt, ihrem Mangel an Bildung und ihrem bäurisch derben Wesen in den Städten verweigert wurde, dafür 'von ihren Pächtern und ven andern Bewohnern der Umgegend genoffen. bessern oder zu moralisiren. — Wenn ich die mindeste Ahnung hätte, daß der liebe Herrgott'/ als er- in Gemeinschaft mit meinem Vater mich schüf'(meine Mütter wird rnir das verzeihen), diese Absicht gehabt hätte, so würde ich ihn ewig verläugnen, wovor mich der Engel Gabriel und das preußische Strafgesetzbuch bewahren werden. Aber es freut mich eben, es macht mir Vergnügen, es amüstrt mich, von der ,,A. A. 3." zu sprechen. Ich übe mich an ihr, wie Man sich an einem Holz- und Stroh- Mann übt. Es gibt Leute die glauben/die Augsbürger Dirne hätte sich blöd durch ihre geistige Schmmke^sv lange erhalten. In der That, während Hunderte von Organen tausendmal blühender, schöner und kräftiger als stetheils geivaltsam, theiks schleichend untergingen, vegetirt sie Immer fort-Mid scheint Hü leben. Woher dies Wunder ? Ach, nichts Einfacheres als dies — was kriecht-^ stürzt nicht.'— Die „Ä. A. hat nie gelebt, sie ging nie siveibeiNig Ufrecht. Wie die Schlange kroch sie beständig über Blll- Men uiid Saat sowohl als über^Koth üNd Morast: Wenn sie den Kopf in die Höhe reckt, so kann'iüan sicher sein, daß ihr jemand einen derben Hieb auf den Schweif versetzt hak Wch liegt ihre ganze Kraft im Schweife. Ihr MaUlgift ist durchaus Nicht gefährlich. Man braucht nur darauf zu spucken; denn Speichel ist das beste Gegengift gegen alle giftige kriechende 'Wesen. - Ist aber die ,,A. A. 3?' nur dem gefährlich,'der Nicht Diese Klasse ist jetzt total verschwunden. Die alten Liquires, die unter den Landleuten der Umgegend mit patriarchalischer Autorität herrschten, Rath- . geber-Schiedsrichter, Alles in Allem tbaren, sind ^-ssänz ausgestorben; ihre Nachkommen nennen sich die unbetitelte Aristokratie Englands, wetteifern an Bildung und feinem Benehmen, an Aufwand und aristokratischem Wesen mit Wem Me.s der Me-. mg mehr vor ihnen voraus hat, und haben mit ihren ungeschliffenen und Verben Voraltern nur den Grundbesitz gemein. —- Die dritte Klaffe der Drundbesttzer waren die l^eomen, Eigenthümer kleiner Parzellen,' die sie selbst bebauten, gewöhnlich auf die güte alte nachlässige Weise ihrer Vorfahren; auch diese Kläffe ist Äus England verschwunden, die sociale Revolution hat sie erpropriirt und das Kuriosum zu <8iande gebrächt, 'daß zu derselben Zeit, wo in Frankreich der große Grundbesitz gewaltsam parzellirt wurde, in England die Parzellen von dem großen Grundbesitz attrahirt und verschlungen wurden. Neben den boomen standen kleinö Pächter, die gewöhnlich außer ihrem Landbau noch Weberei betrieben; auch sie sind im heutigen England nicht mehr zu finden; fast alles Land ist jetzt in wenige und große Güter getheilt und so verpachtet. Die Concurrdnz der großen Pächter schlug die kleinen Pächter und ^eomen ans dem Markt und verarmte" sie ; sie wurden Ackerbautaglöhner rrnd wom Arbeitslohn abhängige Weber, und lieferten die Mästen, ponderen Zufluß die Städte mit so wüst- derbärer Schnelligkeit znnähmeft. Die Ämtern führten also zu seiner Zeit ein stilles und ^rruhigeä Lebeä in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit, lebten ohne viel Sorgen, aber äüch ohne Bewegung, ohnd allgemeines Interesse,"ohüb Bildung, offne geistige Thätigkeit; sie waren noch aus der vorgeschichtlichen Stufe. Die Läge der Städte war nicht viel anders. Nur London war ein bedeutender Handelsplatz; Liverpool, HuÜ, Bristol, Manchester, Birmingham, Leeds, Glasgow waren noch nicht der Rede werth. Die Hcurptindnstrie- zweige, Spinnen und Weben, wurden meist aus dem Lande und wenigstens außerhalb der Städte, in der Umgegend, betrieben; die Anfertigungwon Metall- und Töpserwaaren stand noch üuf der hand- auf sie speien kann, so ist sie demjenigen den sie vertheidigt noch weniger mitzlich. Man muß nicht glauben,'daß sie eben vött' Weör'eiih'bezahlt Ärd, 'ÄüH Üi'cht von Rußland. — Um sich zu verkaufen, muß man erst etwas werth sein. Ihre Servilität ist bloße Kriecherei. Sie hat Furcht in Österreich und Rußland verboten zu werden, wo sie Abonnenten hat, und ihre einzige Bestechung besteht darin, daß man sie kriechen läßt und ihr hie und da einen Fraß, entweder einen deutschen Ehrenmann lebendig oder todt, oder einen Franzosen vorwirft: — „Freilich, sagt sie, sie könne ohne dies nicht bestehen;^ aber wo ist die Noth- wendigkeit ihres Bestehens? — -1« n'eir vors pss I» nö- C688it6. — Dabei aber hat sie noch die Frechheit und hält sich für wichtig, ja für eine deutsche Zierde. Sie unterstützt Österreich, dieses faule Wrak, das beim ersten Stoß in lauter Trümmer Zusammenstürzen wird; sie unterstützt Metternich, der Minister bleiben muß, weil er sich sonst nicht er nähren könnte; sie vertheidigt ferner Rußland, diesen aufgeschwoltnen Wanst ohne Fett noch Fleisch, dem ein kleines Bergvölkchen, das ein Herz hat, Fußtritte m den Hintern gibt, daß ihm die Eingeweide vorn heraushängen; einen Staat der lauter Schein ist und den Preußen allein zum Frühstück verzehren würde, wenn es keinen König hätte; — kurz alles was sie vertheidigt, ist alt, marklos, abgelebt, faul und wird durch sie, da sie keinen Geist zum erhalten hat, noch älter, abgelebter und fauler. — Zum Glück nimmt sie für Preußen nur werksmäßigen Stufe der Entwickelung ; was konnte also viel in den Städten geschehen? Die unübertreffliche Einfachheit des Wahlsystems überhob die Bürger aller politischen Sorge, man war nominell WHkg oder Tory^ wuAe aber sehr gut daß das im Grunde gleichgültig sei, da .man kein Stimmrecht hatte; kleine Kaufleute, Krämer uns, Handwerker, machten die ganze Bürgerschaft aus, und führten das bekannte, dM h'eükigen Engländer fö^gänz unbegreifliche Kleinflädtd'rlebön.' Die'Bergwerke wurden noch wenig ffenutzt; 'Eisen', Kupfer und Zinn lagen ziemlich ruhig in der Erde, und Kohlen wurden nur sük häusliche Zwecke benutzt. Kürz, England war damals m einem Zustande, in dem sich, schlimm genug, der größte Theil Frankreichs und besonders Deutschlands noch befindet, in einem Zuftandb vorsündfluthlicher Apathie gegen alles allgemeine und geistige Interesse, in der socialen Kindheit, in der es noch keine Gesellschaft, noch kein Leben, kein Bewußtsein, keine Thätigkeit gibt. Dieser Zustand ist äe tüeto die Fortsetzung des Feudalismus und der mittelalterlichen Gedankenlosigkeit, und wird erst mit dem Auftreten des modernen Feudalismus, mit der Spaltung der Gesellschaft in Besitzer und Nichtbesitzer, überwunden. Wir auf dein Kontinent, wie gesagt, stecken noch tief in diesem Zustände; die Engländer haben ihn seit achtzig Jahren bekämpft, und seit vierzig Jahren überwunden. Wenn die Civilisation eine neuen Impuls; sämmtliche Maschinen erfuhren unzählbare kleine, aber in ihrer Summe sehr bedeutende Verbesserungen, und jede neue Verbesserung hatte günstigen Einstuß ans die' Ausdehnung des güüzeN' industriellen Systems. Alle Zwerge der Baümwolleniudusirie wurden revolutionier; die Druckerei wurde durch Anwendung mechanischer Hülfen, und zugleich mit der Färberei und Bleicherei durch den Fortschritt der Chemie Unendlich gehoben; die Fabrikation von Strumpfwaaren wurde mit in den Strom gerissen; seit 1809 wur- den feine Baumwollsachen, Tüll, Spitzen u. s. w. mit Maschinen gemacht. Mir fehlt hier der Raum, den Fortschritt der Baumwollensabrikation durch die Details seiner Geschichte zu verfolgen; ich kann nur das Resultat geben, und das wird, der vor- sündfluthlichen Industrie mit ihren 4 Millionen Pfund Baumwolleneinfuhr, mit ihrem Spinnrade, Handkratze und Handwebstuhl gegenüber, seinen Eindruck nicht verfehlen. 1833 wurden im brittischen Reich 10264 Millionen Stränge Garn gesponnen, deren Länge über 5 000 Millionen Meilen beträgt, 350 Millionen Ellen Baumwollengewebe gedruckt; 1300 Banm- wollenfabriken waren in Arbeit, in denen 237 000 Spinner und Weber arbeiteten ; über 9 Millionen Spindeln, 100000 Dampf- und 240 000 Handwebstühle, 33000 Strumpswebstühle und 3 500 Bobbinetinaschinen waren in Arbeit; 33 000 Pferdekraft Dampf, 11000 Pferdekraft Wasser trieben^ Maschinell zur Verarbeitung von Ballmwölle, llttd anderthalb Millionen Menschen lebten Mekt oder indirekt von diesem Industriezweige. Lancashire Nährt sich allein, Lanarkshire großenteils vom Spinnen ülld Webender Baumwolle; Nottingham- shire, Derbyshire und Leicestershire sind die Hauptsitze der untergeordneten Zweige der Baumwollen- Jndustrie. Die Quantität der ausgeführten Baum- wollen-Waaren hat sich seit 1801 verachtfacht; die Masse der im Lande selbst verbrauchten ist noch viel mehr gestiegen. (Fortsetzung folgt.) Flüchtiger Blick Ln die deutschen Gefängnisse. -. Der schreckliche Tod einer Frau chat in diesem Augenblicke die Aufmerksamkeit des Publicums auf das städtische Gefängniß in Köln, „die Violine,"geleitet. Die Frau wurde nämlich Abends aufgegriffen, in Gewahrsam ^gebracht, und als sie sich in der gewöhnlichen Stube nicht 'gedulden ivvllte, allein in einen engen dunkeln Raum gesperrt, der keine Fenster für Luft und Licht hatte, der ehedem Abtritt und dessen Kloake nur mit Brettern zugelegt war. In diese Kloake stürzte die Unglückliche und starb am Stickflusse. Man fand sie früh Morgens über unb über von Ratten benagt. Die Untersu- chungsbeämten erstaunten l!) über die peftilenziali- sche Lust, die das Sondergefängniß und die andern Mäu- me erfüllten, wie über die Myriaden von Ungeziefer, welche an diesem Orte die Unglücklichen quälen. Das fürchterlichste was die royalistischen Herausgeber der Gefängniß-Memoiren von der S'chreckenszeit in der Revolution zu erzählen wissen, ist nicht der Tod, oder die Todesart , auf welche die'Gefangenen jeden'Augenblick gefaßtstem mußten, sondern die Art wie man sie in den Gefängnissen behandelte. Höhlen dicht neben den Abtritten, über Schweineftällen und Kloaken, Dachkammern ohne Licht und Luftzug, die von giftigen mephitischen Dünsten durchweht wurden, und faule ungenießbare Speisen — kurz das Leben in einem solchen Zustande I schildern sie fürchterlich, den Tod als die Erlösung. Das war ater m einer Zeit der höchsten Überreizung, des politischen Fanatismus, und wo es bei der Ungeheuern Anzahl von Verhafteten kaum möglich war sie besser zu beherbergen. Alle Eßwaaren waren auch außer den Gefängnissen schlecht, und nur für ungeheure Preise zü bekommen^ in vier Gefängnissen, der Force, der Abbaye, den Madelöne'ttes und in St.-Lazäre, säßen außer den gewöhnlichen Verbrechern mehr als io 0M> politische Gefangene, und diese waren die persönlichen Feinde leidenschaftlicher Menschen. Es galt damals einen Kamps auf Leben und Tod, und die Rache war gerechtfertigt. Wenden wir unsaus dieser gewaltigen Zeit, zudem friedlichen in tiefster Ruhe, in gänzlicher Leidenschaftslosigkeit vegetirenden Deutschland; dorthin wo -ine christl. Staats- gesellschaft, wie sie sich so gerne nennt, unter milden Scep- tern lebt, wo die Gefängnisse von den gebrochenen Unglücklichen, von den gewöhnlichen Alltagssündern in der Gesellschaft bewohnt sind, wo die kalte leidenschaftslose Justiz und nicht eine empörte Gesellschaft die Gefängnisse füllt, wo der Gefangene Nicht der erbitterte Feind sondern das mattgehetzte Opfer der Gesellschaft ist, und sehen wir zu wie dort gehaus't wird. Einen Fall vor allem wie den Eingangs erwähnten, erzählen die wüthendsten Feinde der Revolution nicht, weder die Pfaffen noch die Legiti- misten.'Sft lügen vieles, und übertreiben wo sie können, aber eine Marterkammer, eine Höllenbrücke wie diese konnte sich keiner denken — so was kommt nur im christlichen wohlgeordneten Preußen vor. — Der Aufenthalt auf den Spielberg ist bekannt. Die österreichische katholische Regierung hat dem Teufel vorgegriffen und eine Hölle auf Erden für die politischen Gefangenen erfunden. Mit allem was Leib und Geist quälen und foltern kann, quält und foltert dort der gutmüthige Hfterreicher die Armen. Schlechte 'einförmige Nahrung, Kesten an den Außen, die das Fleisch bis auf die Knochen durchscheuern, tropfende, feuchte, niedrige und dunkle Höhlen zur Wohnung, ein Brettergestell sogar ohne Strohjack züm Bett, als Arbeit, feuchte ranzige Wolle zum Zupfen,"die einen unerträglichen Aasgeftank verbreitet, die Kranken verwahrlost bis sie dicht am Tode liegen, Und ihre Glieder Mit Beulen und Geschwüren bedeckt sind, keineAhnung von der Welt außer dem GeMgnlß, keinen Trost von Freunden und Eltern! — Und im frommen BaierN ? Das Raffinement der Grausamkeit reicht dort fast wieder bis an Naivetät. Der Cri- minalgefangene, der Herrn Baron von Wehfeld übergeben wird, merkt es gleich beim Eintreten daß sein Gelang- nißwärter den rechten Namen trägt. Weh dem der in seine Hände fällt! Eine ganze.Schaar von großen Bulldoggen, die alle auf den Mann *) dreffirt sind, umlagern den Hof und sind die Gehüsten der Gensdarmen. König Ludwig ist ein poetisches Gemüth, er hat den Cerberus aus der Unterwelt heraufbe/chworen um die Münchner Hölle zu bewachen. Beim Empfang begrüßen den Verur- theilten 25 Stockhiebe, und die Haare auf dem Kopfe werden ihm glatt abrastrt; bei der geringsten Bewegung die nicht reglementsmäßig ist, fallen die Hunde über den Gefangenen her und reißen ihn zusammen. Vor mehreren Jahren wurde Herr von Wehfeld prävenirt, daß eine Empörung im Gefängnisse wegen der grausamen Behandlung ausbrechen würde. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, sie vor dem Entstehen zu unterdrücken. Das war aber nicht glorreich genug. Er poftirte seine Hunde und Zuchtknechte mit Knüppeln, so wie eine Anzahl Gensdarmen, deren Flinten Mit Schrot geladm waren, in alle Winkel, und bei der ersten Bewegung die ausbrach/ ließ er die wirklichen und Menschenhunde unter den Wehrlosen ein wahres Blutbad anrichten. Die Arbeit besteht im Zuhauen und Sägen von schweren Marmorblöcken; man versicherte mir, die Gefangenen ständen dabei im Wasser, und sobald sie aufhörten zu pumpen und zu arbeiten, stieg.bas Wasser ihnen bis über den Mund. In einem andern baie,rischen Gefängnisse ertränkte sich der berüchtigte Rothenbach aus diese Weise. Vor zwei Jahren brachen Unruhen in einem kleinern Gefängnisse in Eklingen aus, weil man den Gefangenen *) Es ist das ein Erwerbszweig für die-armen Gefangenen. Siebekommen einige Kreuzer, um die Hunde auf sich Hetzen zu lassen. 4 -//o schon seit Jahren nur das halbe.Maaß ihrer Koft zukommen ließ. In den meisten ist die Krätze einheimisch, und der Entlassene siecht m'.der wieder gewonnenen Freiheit an deren Folgen dahin. Von den politischen Gefangenen in Baiern, die nicht im Zuchthaus*), sondern aus der Festung saßen, will ich nicht reden, ihre Behandlung ist allgemein bekannt; ich mag den Kitzel des Gefangmßwärtcrs von Dehr und Eisenmann nicht,erneuern, die Qualen, die ep ihnen anthat sind seine Seelenfoeuden, seine Wollust. So ! jetzt habe ich gesagt, was ich weiß, und wie wenig erfährt man von dein was hinter den vielen Schlössern und Riegeln vvrgeht. Aber das Wenige ist genug um das Blut kochen zu machen über dieses leidenschaftlose christliche Barbarenvolk. Weitling ist frei! Am vorletzten Dienstage ist der kommunistische Schrifsteller Wilhelm Weitling wohlbehalten in London an's Land gestiegen, und obwohl wir noch keine nähern Nachrichten haben, so wollen wir -ihm doch schon jetzt ein frohes glückverheißendes Willkommen über'sMeer zurufen. Aus Altdeutschlands Sumpf- Atmosphäre ist er endlich erlöst; möge er rüstig fortwirken. Bankerntte in Paris Von der ungeheuren Geschwindigkeit mit der die kleinen Kapitale durch das gegenwärtige Handels- und Industrie- System aufgefressen werden, gibt die nachfolgende Zusammenstellung der Vankerutte, die im verflossenen Justiz-Jahre in Paris vorfielen, einen sichern Beweis. Wie die Mucken umschwirren die kleinen Kapitalisten, l Krämer und Handwerker die großen Lichtflammen der - Fabrikfürsten, Großhändler und Danqmers, und stürzen zu Hunderten mit verbrannten Flügeln in die Nacht der Armuth. Unter 676 gerichtlich anhängigen Fallimenten sind: 124 deren Schulden weniger als io ooo Fr. betragen. 153 '97 97 66 21 12 7 7 7 zwischen io und 20«wo 20 30 ,) 60 , 100 , 200 , 300 , 4U0 , über 30 000 60000 80 000 200 000 300000 400 000 500 000 500 000 Von 38 ist die Bilanz noch nicht gemacht. Die Zahl der Fallirtcu bis zu loo ooo Fr. Schulden beträgt daher 537 ; die Rezesse über looooo Fr. belaufen sich mir auf 54. Auszüge aus dem des Glaubens im SinneLuthers etr." von Ludwig Feu erb ach. (Fortsetzung.) ... Die Sünde raubt dem Menschen Gewissensfrieden, Freudigkeit, Muth, SelbstgeWl; sie zerknirscht, vernichtet den Menschen — namentlich den Gläubigen, für den die Sünde den Zorn Gottes, den Verlust der Gnade, der ewigen Seligkeit zur Folge hat. Aber die Menschenwerdung, d. i. Vermenschlichung Gottes ist ja zugleich die „Vergot - tung des Menschen;" indem Gott Mensch ist, so ist ja zugleich der Mensch Gott. Was mir daher das Bewußtsein der Sünde raubt, das stellt mir Christus, in dem mir die göttliche Natur des Menschen Gegenstand ist, wieder zurück. Ja die Ehre, die mir in Christo zu Theil wird, macht mich *) Der Bürgermeister Behr von Würzburg,i der ehemalige Hofmeister des Königs, kann davon erzählen; er saß bei Wehfeld — dem ehrwürdigen Greise zogen sie die doppel- farbige Zuchthauskleidung an, und schoren ihm das graue Haar! Er hat eine schöne Natter groß gezogen ! ganz fühllos gegen den Schimpf, den mir die Sünde authnt. Was kümmert mich das Gebelfer der Tagesblätter, wezin ich im Buche der Unsterblichkeit meinen Namen eingezeichnet lese? was der Tadel meines ängstlichen, befangnen Gewissens, wenn die Himmel selbst,wegen der mir in der Menschwerdung Gottes wiherfahrnen Auszeichnung von meinem Lobe.wiederhallen? tbas der Schlangenbiß des Teufels in meine Ferse, wenn mir das Gift nicht ins Blut, nicht ins Herz dringt? was der Fleck an meinen Füßen im Gassenkoth, wenn mein Haupt im Himmel tüs ein Stern erster Größe strahlet ? was der Schatten hinter meinem Rücken, wenn ich das Licht vor meinen Augen habe? Wenn das Wesen für mich ist, wie kann das Unwesen wider mich sein? „Wo das Herz rein ist, so ist alles rein, und schadet nicht, obgleich alles auswendig unrein, ja obgleich der Leib voll Schwären, Blattern und eitel Aussatz wäre." (Th. ix, S. 20Z.) Die rohen und widerlichen theologischen Vorstellungen der Vertretung, Rechtfertigung, Genug- thuung, selbst auchder Vermittlung und Versöhnung kommen nur daher, daß hinter dem menschlichen, sinnliche Gott zugleich noch der alte zornige Gott, vor dem die Menschen als Sünder nichts sind, weil ihm die Sünder nicht als Menschen Gegenstand sind, der „abgesonderte" „bloße" Gott, d. h. der unmenschliche, unstnnliche Gott als ein Wesen bestehen bleibt; denn ein menschlicher Gott ist von selbst der Vertreter und Rechtfertiger des Menschen, braucht keinen ^Mittler zwischen sich und dem Menschen. Aber daß chinter dem menschlichen Gott der unmenschliche noch sein Wesen oder vielmehr Unwesen forttreibt, das ist eben ein Widerspruch; denn mit der Menschwerdung Gottes ist ja an sich das unmenschliche Wesen aufgehoben, — so gut, so nothwendig aufgehoben, als das Gas aufgehoben ist, wenn es ein fester Körper geworden — und an seine Stelle ein neues, anderes Wesen, der menschliche Gott, das menschliche Wesen getreten. Tritt der menschliche Gott nicht an die Stelle des unmenschlichen, ist er nur der Mittelsmann zwischen dem unmenschlichen und menschlichen Wesen; so ist die Versöhnung zwischen diesen beiden Wesen nur eine oberflächliche, scheinbare, ja trügerische; denn es wird nur der Zorn Gottes aufgehoben, aber nicht der Grund des Zorns, nicht das Wesen, welches zürnt und feiner Natur nach nochwendig dem Menschen zürnt; denn es hat ja kein menschliches Herz, kein menschliches Wesen Un sich. Seine Versöhnung mit dem Menschen ist^ streng genommen, chur eine Verstellung., nur ein Zwang, den es sich authut; denn es bewahrt seinen Groll im Gemüthe, nur äußert es ihn nicht, weil ihm der Mittler diei Hände gebunden. „Wie könnte denn 'nun der Vater aus uns zornig sein? Ja selbst der Vater wird Vin, Sohn und wegen des Sohnes gezwungenen gewisser Maaße (daß ich so reden mag) zum Kinde zu werden, mit uns zu spielen, uns zu liebkosen." „Das ist denn der rechte Christus, daß er dort un- sers Herrgotts mächtig ist." Der menschliche Gott — und vermittelst desselben jeder Mensch selbst, wie Luther häufig sagt — ist mächtig des unmenschlichen; aber doch ist zugleich der Unmensch- ^ liehe Gott noch eine selbstständige Macht, eine. Person, die daher nothwendig auch sich selbst geltend machen will, und zwar um so mehr, als sie die Person ersten Ranges ist. Wie sollte es also zu einem-wahren, gründlichen Frieden kommen, so lange nicht das über- oder, was eins ist, unmenschliche Wesen ganz und gar beseitigt wird? ... , . . ; .(Fortsetzung folgt.) ^ ' ' Fortsetzung der Korrespondenz mit Herrn G. Mäurer. Herr Redakteur, - . . . Wenn jämmerliche Sylbenstecherei und kleinliche "Angriffe 'auf Personen, die für die Freiheit kämpften, als Zh re politische Welt wahrscheinlich noch im Embryo lag, der Volkssache zu Gute kommen, so haben Sie derselben durch dfe kom- mentirte Mljheilung meines., Briefchens (in Nr. 68 des „Vorwärts"), das, beiläufig sei cs gesagt, nur an Sie und nicht an's Publikum gerichtet war, einen sehr erklecklichen Dienst erwiesen, der sicher nicht unbeachtet bleiben wird. Wenigstens ist dieses Verführen sehr geeignet das Publikum, wenn von sonst nichts, doch von Ihnen und Ihrer Redaktion zu befreien. -:l? Ueber den Schluß Ihres Kommentators übriges, daß es schwer sei Vernunft zu haben, kann man ihm nur gratuliren, denn er hat weiter nichts nöthig um vollkommen human zu sein, als daß er diese Wahrheit ins Sclbst- bewußtsein erhebt. Paris, den 27. August 1844. (gez. German Mäure r.) ki" 9229. Iigiluit ns ?rni8, le 3o r»oüt 1844, gchne 1.-4. NeiuI>gi-6, 11? io, cue äe Nesnne. Nm-egi-are 8,1c Is IrsMietio», ä l'üris, I« lieuie gvüt 1844, t»l. 63, v" g. 4, gux äi «1t5 de Ir»>5 lim»!« weulecent. cnl. 8igne l.ekevi e. Haducüon öle l'gilcmguct, au limeati cle li'gduclion geuei'g'e, »o 10, r»e de Negune. 8i l'un -ei t Irr cg»8e Mi penple pgr une nMecgble poinlilleiüe el de bivoles »Ngcsuex cl>figee8 eonwe cle; personues (pii combgttgieut. dejg poue lg libeil«, lursgue >otre wunde poliligne elgit pi obirblemeut encore s I'etgl d'enibr^o», vou8 gver rendu 2 celle egU8e un 8elviee noläble, en publisnt svec eoiumenlgiie mon billei. leguet (soit dlt en ips48snl) nekäil point gdnesge gu pulrlie, mg>8 s v<,u8 reul. ^i»8i 8u>8-je 5Ür gue ee 8e> viee ne pg88vi'g pviat jnspeihu. (lelle msUlei e 6« prodedei' «8t >>68 propne g äü- tivrer I« public, rinon Msulee cbo8«, su moin8 vou» «1 llc vatre reäaclüui. ()usur s lg coaclu8ion 6c volle commentg- leui', (pi'il e8läilt»cile äekgire preuveä'iuletligence, je ne puig gue le coinplimeute,', ege poue 6lre vrg>menl lg',8 »nable, il n'g be8oin t)iie ä'gvoie äe celte v^ritb lg co»ngi88gnee pee80N- nelle. Pgri8, I«8ix go»it 1844 8igne O. lUreui-ee. tzs» 9229. 4e 8uu88igue, intei peete-li-gciucleui juie pies l» (luui- es^ale, les Iribungux, elc., cei tilie lg pee8enle lcgllueliou lläel« ek con- loimh g l'oiigingl gui n,'g ele pi-e?e»le, elepiej'gi ien6u gpie8 I'gvnie sigire el pai'gpbe/re rin/veett''. Pg,j8, le 3o goül i844» 8igueI'.-7. Reinbuiä. Lui-e>;>8l, e g l'gei8, leli enle goüt 1844, kol. 3, i,° g. 4. ttecu 3l>. 3o ceut. 8igne4. I.efev,e. ?. c. c. b.'gn mil buit cent (jugi snte-ejusUe, le Uenle goüt, g lg regueie äe AI. Oeinigin lVIreueer, boinme 6e letties, äe- ineuisnt 2 kgri«., 1 ue Vsnnegu, n° 23, pour leguel tionsieile e8l elu cn 8g äemeure. <> ... 4'si Lu^ene ^csecl, bui85iei' preg le tiibungl civil 6e ls Seine, s^sat' g Vsris, ^ -äeateuniüt, 1 ue ReüVe-äe^ktztilr- tlbgmp8,^ Ir" 69, pglenle le 17 oelobi-e üerüiei', 216, 3- cls?86, !VUL8igN6. UÄ!. 8igujüe el^ en lete cke^pl^enlerMgiNe eopie g AI. (l.-ss. keiug^8, reclgcleue clu jouengl glleilisncl lls- meul'gnt ä ?2i >8, rue 6e8 Üloulio8, n" 32 , eu 8vn äomicile pgclgiit g un emplo^e g 8ou 8e> vice gin-i clcclgre. Oe lg ie- poilseellgllemgllä ckel'gutle pg> 1 co;nee, ä eeko»»>ike 6e i'griiele n cle lg loi üu 20 mg> 8 1822, et clerelle äu onre üepleiubne 1829 , j'ai, bui8^ie>' «ou88ig»e s meine >e<;uele c^iie 0e88U8, fgitz 8Uln,ng!i,«n au 8ie>ir siei- ng)8, vn pgilgnt coiinue clit e;l, ce ägN8,lroii joui8 g» p>U8 tsi -l vii clgl>8 le plv8 piocbgi» uumei v, in^ei ec clgn8 8vn j->ur- i>g 1 ^ Ig'repon8k c/l 6ont coi>ie «8t llöilnee entsie sie? p,e 86 Nle 8 . < ^ ^ ' Iin 7 gu« kaulv lle ee kiiiivillgn^ lellit-MlMs le l egueegut 8e pmli voicg nid qus cie äeoit, Fui^-gkN 1«-^ psp8 exprerser resvi'-veg » cel-essvt,, ) >j . ^ ^4, e«! ,gn'il n(eu i»»ol e,. je lu.i gi, eu pgi lgnl cvn»ne Ü688U8, Igi.-ire celle conie. l7vüt, guinre li-g„c8 eeut. <3. AlLvtzLil. Redactcur: C. F. BernayS. Tlrück init Schnellpressci' von Paul Renv uartz Paris, 1844 . ' - . - . : - mi: ----bszc-j-rli i Abonnements-Preise: ^ ^ r l -V . .- ^ > . . 'Hirn Paris: . ^ ..-/ .i. ' - <--- /7:n > , Ein Jahr» , .- . ..... 24 Frans. ,-KiFjT) M,)- . . Sechs Motzate,.... 15 . , ,,,-- ..^ Drei Monats. ... 8 ^ --- Auswärts:. ir-,^ .»Ft um Ein 3ah'r.< '7'''." 4 " 28 Francs/^ ^ '^''' - Sechs Monate: ^ .' . 18 -l-'-. ,- j-Drei Monate-, .;- --. .-. 1 r,'l77>-.- ',srl>Fr :.l- -> ickllr-' N'i/'^ '.".'5:.- -rl Jnsertronen :. die Zeile u 50 Centimes. , - k^7?^r'l) 'uck ttl'.-nDjrsk-K --K-7 U7N 7;rir irr^t ^ c-ll .r,«'tttt'i'Mn!h si'D (-Gommbenb.^^ ..-kvrtt'ün -.-lofi 7-.')'.- 7i:7 7,v> --D 4 Ass irm ucm ^ZccioW) te r D e u t s etz e s e ä tss ctz MrsstssZrtsÄ- Man «rbottütr^ : - ^ ' sür Paris i- '-"" ' '« iÄ TNtireav oentrül pour t'HWvastzss, VÜ8 sl ük-s.älo plins, 3-, pnd in der Buchhandl. VYII^ Vlule; NeacruarU et V'", nue lje^i'üuriioii, 6 -stff iw den Departements? /. ..^ .7?) .. bei allen Mostämtern und Messager! en- ' Deutschland, Schweiz, England: . in allen Buchhandlungen; » ."tt ' ' a^blgten: ,si,^,-.,st . bei den Messagerien; . N' uNord-Amerikä i""" - - bei den Herren Eichthabund Bernhard,,),/ Spruce-Street, Nr. 3?in New-Uork. / /'-I - 1 -..rr 11 »Mi Ar'..-! - -sst7/-' ':-rAi fs'.-r -.-.ik7) stüst . Ss- --r^tt'l^Wpt.-, Mjtstwch^Wd.SoMLb.eilds./j». äi-T.7^-^ -' .-'-4l-d*" ,nr) -t)i!)ss^ p uz (7^'lSeptember> > >j: ' : ^ -iS ' ... , DtH Lage Englan-s^ ^ "-Das ächtzehntd Jahrhundert.' . ^ d . lFortsctzung.) ^ . - , . Der der Banmwollensabrikätiön gegebene Anstoß theilte sich bald den übrigen Industriezweigen mit. Me Wv klen induftrie war bis dahin der Haupt-' erwerbszweig gewesen; ste wurde jetzt von der Baumwolle zurückgedräNgksaber stakt abzunehmen^dehnte sie sich ebenfalls raus? -1785 lag die gaNZe^in drei Jahre» gesammelte Wolle unverarbeitet da; die Spinner konnten sie nicht aufcwbeitens so lange sie bei'ihrem unbeholfenen Spinnrad blieben. Da fing man an, die BaumwollspinNmaschlnen auf Wolle anzuwenden, ums nach einigen Veränderungen vollkommen gelang, und nun erfuhr die Wollenindu- strie dieselbe rasche ÄNsdehnüng, die wir schon bei der Baumwollenfabrikation gesehen haben.' Die Einfuhr'roher Wolle flieg'von 7 Millionen Pfund (1801) auf42 Millionen Pfund (1835); iN letzterem Jahre waren 1300 Wollenfabriken mit 71300 Arbeitern in Ähätigkeit, tkngerechnet Mer Masse von HandwWern'swdie zü Hause arbeiten, und Drnckernj Färbbrn- BleicherMrc."rc7/ d'ie ebenfalls indirekt ^von dek Wollenverarbeitung leben- Die Hauprsitze diefeS JrtdnstriezweigeS find Vas We^t- Riding-' von^Dorkfhire, und der' „Westen'^öst'ENgi- land" (b'e sond erslSeme rsetshtre,Willshire n. :' Die L einen Industrie hatte'fM)er ihren Hsiupt- sitz in Irland/Degen das Ende des vorigen Jahrhunderts wurden die ersten Fabriken zur Verarbeitung des Flachses, und zwar in Schokland Errichtet. Die Maschinerie warrndeß noch sehr unvollkommen; das Material legte Schwierigkeiten in den WeA d'N bedeutende Modifikationen der Maschinen erforderten. Der Franz ose 'Girard (1810) verv ollkoNtintttte sie zuerstÜber erst in England wurden diese Verbesserungen pntktisch wichtig. Die Anwenduntj des geführt; und von setzt an hob sich die Leinrnfabnka- Lion, obwohl sie von der Eoncurrenz der Bttumwvlkr zu leiden 'Hatte/Onit üngeheü^er Schnelligkeit. In England wurde Leeds, in Schottland Dundee, in Irland Belfast khr Centralpunkt. Dundee allein iM-^ porlirte 1814: 3000,1834:49000 ToNS Flachs'. Die Leinenausfuhr Irlands, wo sich die Handwe'- berei noch neben der Dampfweberei gehalten hat, stieg von 1800 -^-1825 um 20 Millionen Härds, die fast alle Mach England ! gingen und von da aus theilweise wieder ansgesührt wurden; die Ausfuhr des ganzen brittischen Reichs, nach fremden Landen?, stieg 'Volt 1820 — 33 um 27' Millioneü DardSg 1835 waren 347 FlachSfübriken in Arbeit,'von de- nen 170 in S'chottlaNvi iir dieseli Fabriken Waden 33 'OOO Arb'eiter 'beschHigts untzei'echnekchw'vieleN' iristhen-Handiverker. ^ Die S e iden industrie wurde erst seit-1824 durch- die Abschaffung der drückenden Zölle wichtig'seit> dem hat sich divEinfnhr wher Seide verdoppelt und' die Zahl der Fabriken auf 266 mit 30000 Arbei--' ter'Nvermehrt. Mr Hauptsitz dieses Jüdustriojwefges ist Cheshire"(Macclesfield, DvngletdnÜnd Nmge-- gend), dann Manchester,ünd inGcho-ttiandPaislest.) Der Sitz der Bandwirkerei ist Coventrh ln Marwick-' shire/l" ' d - N - - - . Diese vier Industriezweige, die Anfertigüng'vest Garn und Geweben, wurden so'total tkvolntMitt'.'' An die Stellender häMichen Arbeit trat die gemeinschaftliche Arbeit' in ^großen Gebäuden; die Handarbeit wurde durch die' Triebkraft des Tdnipfs und dldThättgkeit der Vkaschinbn ersetzt! Mit Hulse der Maschine that jetzt ein-Kind voll acht Jahren mehrals früher zwanzig erwachsensMännerg sechs hunderttausend Fabrikarbeiter, von denen die Hälfte Kinder/ undmrehr als die Hälfte Nstiblichen Ge-- schlechts'/lhnn die Arbeit'von hundert sünszig Mk- liöneNMenschen. . - E Dies ist 'stbcr nur der Anfang der industriellen Umwälzung.- Mrchabeir gesehen, wie Färben, MNP ckest und Bleichen durch den Fortschritt des SpM nerrsMd Gebens tinsgedchnt wurdest,''und in Folge deffen 'M Nr Mechäntt' NNd 'MMe HM - - - " ! ' -> c> -MNttil- l-'NI' FeuiÜcton Äes^ vorwärts^ ilt 4 surr ^7 , .1' 77'.' ' Hi/'. ' . N07 N'.4 7.-7. -7n- über das- Dekret- der Assembler- nationale, das Ade!-/ Titel, Wappen ü > .1- '' M7d Livree abschaffte/ -s .-(MSM'LÜS dessen.3üurnal: .Ni>va7n»idv' Ne -l-iÄnos et ' -n-m"-!1 ,7 Am isten Juni des rJah'res 7 790 schaffte die Natio- nalveesammluug den Baronen-, Frerherrn-, Grafen-, -Heezogstitel u. s,'7w. ab, verbot-Wappm und Livree zu tragen, rmd firirte einen kürzen Termin/ an dein alle die- AdelsiNsignien verschwundei, sein Müsstelt/- Düs - Dekret war ein harter Schlag für die lungehmre Schaar von Halbgöttern/drren^ganzes Leben in Bewunderung ihrös- Stnmmbanmes Md M herakoifchen Genüssen dahmfloß l Sienvarm zu MenschcM Mgvadwc »V6rden'4 ich^stell^MV' istre Lage so vM- wiri didieitws-KüNgursthsi bder eines Orang-OertaNgs,'-dem v'inrr'dieAngen Pfoten stützt- ünfsit ins Menschengeschlecht^ zn^rheben^WtelMng ünd ihlstitM hatfflch'-ldggegM'^liichsnDetttschlstttd beNMtnM (NröMii habest Ne Kkemer'eN» nur che- p4-ü ndeV/s nbeb' nicht: Ä?gl'!ild4''i?s in Dtütschtckid- gibt"ssO^Mjl Masse Baröttd'<'-Vö8 HabeM-chtM' DalMt'leS'äbessiMch nicht an adelichen Reichen fehlt, hat mau eine «mge von Geldsäckestädelig ploncbut.^Sv hat nainentlich Baiern sich eirstn allerliebsten ''Hohen' Adel ^'usanimengeflickt r Schnupftabacksbarön 'Neichsrath Freiherr von Lotzbeck*), Makukatnrfabrikant Bäron von Cotta/Bier bauch Freiherr von lltzschN'eider, Feldwebel Neichsrath Fürst Wrede Nlit Descendenz, GröbschlNied Neichsrath Freiherr von GieNanth M s. w. recrutirti '' Übrrhaüpf' ist iir'^Bai'ern" ein ^ Adeliger beinahe so gering chngefchlageis'stnd sb hoch anzuschlagen,' rvie ein geivbhnrlichtr MeNfch ;-es'g'ibt ihrer so' diel, dasiman wohl thnt, wie die Münchnlst'Fiaker, eiNen Jeden strer Herr Baron anzureden. Doch jetzt haben wir gut'spaßen, — die Evmvdie ist schied üm/Ende ; höreN wir liebes rvie dcr'cherrliche Camille den Tanz eröffnet: ' ' ' Du thnstwöhldadcln, Äde'lsgeblüt, die Kindereieii auf- - ll --tt- ' - - cicmi -'> -- ^ 7-. "!..rir- ') Änf eine gute-'Anekdote "haste ich starke' Stucke. Per Prinzessin'Schnupftastcltk' zrt'Ghretr will ich eine zum Besten gchelw Die lkebenswürNgdbSoübrt'tte, Madame' Spitzeder, trcünu München lchiksnüBaM'unter-den'ArMenhikistetstc^ einzukaufen. Die älteste'Lochtet dvs SchuuffftabäM-BärLns war vor ihr da, und sixirte die schöne Sängerin mit der Lor- Wtts.-Kiczthgz chs.^M^cht^sle's^nichl,ssprachchbtzriganz:Nut ^KMch i-,ch hahed>Migrqse^ g/stÄ'r'W'lish/ dieffcharmaiste Sängerinhchllig eine schallende Lache aus, und hüpfte zur Lhür hinaus. zügeben/JHHin, ein guter Kerl, meinetwegen könntest Dü dir deine/ Mrppen^äuf best Rücken brennen lassest: aber sur/d'as Volk stehe iii^mcht! Wenn her Jüti kommt und Dü hast nur noch einen Livreebedientens — .-Ni!-- Nzo-uZ l: -.1 dann wctst ich nicht, wie. sie,mit drr nmjpnngen werden! ^ Sre machen^'pstfflg,^kie'Ahnenrekter^, ^le'di"^fa/- fen in "her Charwoche das Crncsir und die Hutter Gottes mit einem Flor nmw/ckeln. so verhüllen sie' die JlischrifteN und Wappen an ihren'Hausern mit Gips, und denken, die Revolution wir? ungefähr so lange Wolken überpinselt, um anznd/nten, daß das. Unwetter, das über tie gekommen ist, wie ein schwerer Qual ver- !.>:->-»i-)yr --)»«.«!)»->. .... ; n.r, . . .W«-L 'UN gehen wird. .Ein Pfiffikus darunter hatte Angst, das gcrostetsten unter ihnen,, die sich solchen süßen Lräu- fen em paar Minuten nachdem sie das Dekret gelesen; die.Apzte verdient n schweres. Geld, eine Mhre,Peft l>t in >eit, dem Zurückgeschlagcnen Aristokiatensieber. Aber die Damen sollen sich beruhigen, wir sind ein galantes Volk 'E holten. Seit der Anwendung der Dampfmaschine und der metalluen Cylinder beim Drucken, thut ein Mann die Arbeit von zweihundert; durch die Benutzung des Chlors^ statt des Sauerstoffs, beim Bleichen ist die Zeit der Operation von ein paar Monaten ans ein paar Stunden rednzrrt. Dehnte sich so der Einfluß der industriellen Revolution aus die Prozesse aus, die nach dem Spinnen und Weben mit dem Produkt vorgenommen werden, so war die Rückwirkung aus das Material der neuen Industrie noch viel bedeutender. Die Dampfmaschine gab den unerschöpflichen Kohlenlagern, die sich unter der Oberfläche Englands hinziehen, erst ihren Werth; neue Kohlenbergwerke rvNrd ötrin M assd eröffnet und die alten mit doppelter Energie bearbeitet. Die Anfertigung der Spinnmaschinen und Werkstühle fing auch an, eine» eignen Industriezweig zu bilden, und würdd zn einer von keiner andern Nation erreichten Vollkommenheit gesteigert. Die Maschinen wurden durch Maschinen gemacht, und durch eine bis ins Einzelnste gehende Theilung der Arbeit wurde die Präcifion und Genauigkeit erreicht, die den Vorzug der englischen Maschinen ausmacht. Die Maschinenfabrikation wirkte wieder aus die Eisen- und Kupfergewinnung zurück, die indeß ihren Hauptanstoß von einer andern Seite her, aber immer noch durch den anfänglichen, M Watt und Arkwright bewirkten, Umschwung erhielt. Die Folgen des einmal gegebenen industriellen Anstoßes sind endlos. Die Bewegung eines Industriezweiges theilt sich allen andern mit. Die neugeschaffnen Kräfte verlangen Nahrung, wie wir eben gesehen habendie neugeschaffne arbeitende Bevölkerung bringt neue Lcbensverhältnisse und neue Bedürfnisse mit. Die mechanischen Vortheile der Fabrikation verringern den Preis des Fabrikats, machen also die Lebensbedürfnisse und in Folge dessen den Arbeitslohn überhaupt wohlfeiler; alle andern Produkte können wohlfeiler verkauft werden, und erlangen dadurch einen im Verhältnisse ihrer, Wohlfeilheit ausgedehnteren Markt. Das Beispiel der vortheilhaft angewendeten mechanischen Hütfs- mittel einmal gegeben, Wird allmälig in allen Industriezweigen nachgeahmt, die Steigerung der, Ci- vilisation, die die unfehlbare Folge aller industriellen —wir lassen ihnen ja ihre Lakaien! Zu ihrer Ehre muß man's sagen, selbst die Hofdamen haben den dritten Stand nie verachtet, sie hatten längst vor Abb« Sieyes die Menschenrechte anerkannt. Die Nationalversammlung ist in den Principien der Philosophie bei weitem nicht so fortgeschritten, als die liebenswürdigen Aristokratinnen, da sie den Bedienten nicht die Rechte der Citoyens actifs verleiht. Darüber sind die aristokratischesten Damen langst hinaus! Wenn ich so manchmal mit ansehe, wie die schonen Kinder, der Stolz der Spahiergänge und Theaterlogen dahin schmachten, dann erwacht mein Mitgefühl! Sie sollen sehen, der proeui eur Zenöl sl cke Is l-anterne ist kein Cannibal, kein scheußlicher einäugiger Cyctop, der keinen Sinn für ihre Reize hat. Der galante Ovid hat's ja schon vor 2000 Jahren gesagt : IVll Mss ineinioei-e lueternre, bis morgen haben die Laternen wieder'alles vergessem Meine Laterne soll Eure niedlichen Verschwörungen und weißen Cocärdchen auch vergessen, und wie Ihr mit Euern kleinen Füßchen auf den Nationalfärben herüm- tanztet.Jch will Euch'einen guten Nath'geben. Der kiM tigste Essig und das schärfste Salz schützt Euch "einmal nicht gegen die NervenanWe und Ohnmächten die Euch das Decret alle Tage verursacht, — folgt mir einmal,, und lest das kleine Büchlein, das vor ein paar Tagen erschienen ist: „der echte französische Adelsspiegel.'^ Das kurirt Euch radicäl voü all'Euren Zufällen. Kommt her,' meine Verbesserungen ist, schafft neue Bedürfnisse, neueFa- brikationszweige, und dadurch wieder neue Verbesse- rmlgeu. Dir Folge der revolutionirtest Baumwollspinnereimußte eine Revolution der gefammten Industrie sein; und wenn wir die Mittheilung der bewegenden Kraft an die entfernteren Zweige des industriellen Systems nicht immer verfolgen können, so ist daran nur der Mangel der statistischen und historischen Data schuld. Wir werden aber überall sehen, daß die Einführung mechanischer Hülfsmittel und überhaupt wissenschaftlicher Prinzipien die Triebfeder des Fortschritts war, Die Metallverarbeiküflg ist nachdem Spinnen und Weben der HällMndustnezweig Englands. Warwikshire (Birmingham^und S^-'^ire (Wolverhampton) sind die.Hauptsitze desselben Di- Dampftzast würde seht balh-M Hillft gc noMntrn und hierdurch, so wie durch Tb ni .-g de- '»rbeii,«- e Produktionskostender Metallw'^. umViertel reduzirt. Dafür vervierfachte sich die Ausfuhr von 1800 bis 1835. In ersterem Zahre wurden 86000 Centner Eisen- i -b.., so viel Kupfer- waaren erportirt, in setz.. ,-» '.st-0 > . Eisen- und 210 000 Centner K "> u p.pMWng- Waaren. Die Ausfuhr von Stangen- und Gußeisen wurde auch erst jetzt bedeuteud; 1-, 0 .-„rrden 4 600 Tons Stangeneisen, 1835 920« i Stangen- und 14000 Tons Gußeisen a: geführt. Die englischen Mefferwaaren werd. ^ alle in Sheffield gemacht. Die Benutzung der Dampskrast, namentlich zumSchleifen und Poliren der Klingen, die Verwandlung von Eisen in Stahl, die erst jetzt Wichtig wurde, und die neuexsundene Methode Stahl zu gießen, bewirkten auch hier eine vollständige Revolution. Sheffield allein verbraucht jährlich 500000 Tons Kohlen und 12000 Tons Eisen, von denen 10000 Tons ausländisches (besonders schwedisches). Der Verbrauch gußeiserner Maaren datirt auch seit dar letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, und ist erst in den letzten Jahren zu der Bedeutung gestiegen, die er jetzt hat. Die Gasbeleuchtung (seit 4804 Praktisch eingesührt) schuf einen ungeheuer» Bedarf für gußeiserne Röhren: die Eisenbahnen? Kettenbrücken u. s. w., die Maschinerie u. s. w^ steigerten diesen Bedarf noch mehr. 1780 wurde dal Pnddeln, d. h- M ÄMvmtdinng Des Mißeisens in schmiedbares Eisen durch Hitze und Entziehung M Kohlenstoffs erfunden, und dies gab den englischen Eisenbergwerken neue- Bedeutung. Wegen Wmgels an Hotzkohken hatten die Engländer bis dahin alles Schmiedeeisen von Äüßen beziehen müssen. Seit 1790 wurden Rägtzl, seit 1810 Schrauben durch Maschinen gemacht ; 1790 erfand Huntsmann iu Sheffjald das StahlHieße»; Drath wurde durch Maschinerie gezogen, und Mrhaupt in ^ die ganze Eisen- und Messing-Industrie eine Masse neuer Maschinen ejnaesührt, Pie, Handarbeit verdrängt, und' foFiel^ie^älm^er Sache es zulreß, das Fabriksystem durchgesetzt. Die Ausdehnung der Bergwerke war nur die Mkßvendige Folge hiervon. Bis 17tz8 war alles Eisenerz mit Holzkohle geschmolzen worden und die Eisengewinnung daher durch die geringe Quantität des Brennmaterials beschrankt.- Sekt 1788 fing man an, Cokes (geschwefelte Kohlen) statt der Holzkohlen anzuwenden, und versechsfachte dadurch , in sechs Jahi'^ de.s Quantum der jährlichen Gesinnung. 17 - wurden jährlich 17 000 Tons, -'-,35>wurdew 553 000 Tons gewonnen. Die Aus- i der Zin: un.» Kupferminen verdreifachte sich seit 1770 Aber neben den Eiseuminen sind die Kohlengruben die wichtigsten Bergwerke Englands- Die Ausdehnung der Kohlengewinnung feit der Mitte des vorigen Jahrhunderts ist gar nicht zu berechnen. Die Masse der Kohlen, die jetzt von den zahllosen in Fabriken und Bergtverken thätigen Dampfmaschinen, von den Schmiedeeffen, von Pen Schmelzöfen und Gießereien, und von der Privatheizung einer verdoppelten Bevölkerung verbraucht wird, steht mit dem vor hundert oder achtzig Jahren verbrauchten Quantum in gar keinem Verhältniß. - Die Schmelzung des Roheisens Min verzehrt jähr- ! sich über drei Millionen Tons (zu zwanzig Centner dieTons^. --I , ^ . . Die Schöpfung der IndustrieI hatte zur nächsten Folge dio Verbefferuug der Couyrruntcatjonsmtttek. Die Straße». WM» .inr. vorigen; Jahrhundert,ln EnglayP eben so schlecht wie^ anderswo, yich blieben eS auch bis der berlchmte Mac-Adam den Siraßeui scharmanten Kinder, und les't mit mir Herrn Ludwig Capet, Ihr wißt doch, daß ich die höchste ausübende Gewalt meines der König stammt ab von Lorenz Babou, der Anno 1S43 Notar in Bourges war. Ist es möglich, schreitJhr Alle zusammen, der König von einem Notar? Das ist so bedeutend möglich, daß es sogar gewiß ist! Seht nur in den verzauberten Spiegel hinein; geht mit mir in dieses enge Gäßchen, drückt auf die Klinke, da seht Ihr wirklich Herrn Babou in seinem geblümten Lehnsessel, mit seiner Roßhaarperrücke und seinen hölzernen Leuchtern, wie er gerade seine faulen Schreiber herunterkanzelt. Und das ist ganz genau der nämliche Lorenz Babou, dessen Kinder, die jungen Babou's, einst (wenn wir sie auf schmale Kost gesetzt haben werden) noch 2 S Millionen Renten jährlich für Küche und Keller bekommen, und ein Veto ausüben dürfen über 2 ö Millionen Bürger. Jetzt werdet Ihr doch einsehn, daß man mich mit Unrecht einen Wahnsinnigen heißt, weil ich sage, man müsse zuerst schreien ; « Vivo Irr und hintennach: « Vive N. Lapot,» deßwegen soll ich ein Majestätsbeleidiger (eiu! Seht mich einmal an und lacht nicht, wenn ich sage: Se. Majestät Herr Lorenz Babou ! - ^ Der Verfasser unseres Adelsspiegeks fleigt nun die Stufen des Throns hinab, und läßt zuerst den Prinzen von Tarent hinemschanen. Der schneidet j.q ein Gesicht, als hätt' er einen verhexten^Trunk gethan : Kein Wunder, er ^ieht seinen Ahnherrn, einen gewisse»» Nieolaus la Tre- moille, Purzelbäume vor Karl V. schlagen! Der König weiß sich.vop Lachen über die Späße des Hofnarren,kaum zu helfen. Weiß Gott, Prinz^ wenn unser Autor es nicht so gewiß wüßte, ich hätte nicht geglaubt, daß Ihr Euerm Witz zu Ehren geatÄt worden seid. — Kommt die Reihe an den Herzog von Luxemburg; sein ehrenwerther Großvater war Honorius Albert, Advokat in Momas, dessen anderer Enkel, derHerzog von Ehaulnes, lachte die ganze Sippschaft aus, und heirathete ein schönes Bauernkind, die Jungfer Darquet; dann kömmt der Häringsfänger Ville- roi unter Franzi-, dann die Herrn vvnRochefoucaultund LiancourtMetzgerssöhne; dann Herr von St.-Simon, Vogelhändler auf dem qng> äs bi unter Ludwig dann Herr von Breteuij, eines ehrsamen Schreinermeisters Kind a»n Pont Notre-Dame; dann Maupeou, Müller aus Gonesse- 4 Stunden von hierz u er vergißt gar keine» —7 »licht einmal daß Herr von Noaittes Livreebedien- ter war »Mein weither Vicvlnte von Noailles/ Sie sind ejn tüchsigepj Patriot; lassen Sie sich's nicht verdrüßeü, daßjich das Geheitymß.ausgeplaude-x'.t Hab«; .— Wer »um un^.wenn,ep auch heute .ein Dutzend eigener Wägen und WerdeMte,: kann mit Bestilnmtheit behaupte», daß keiner seiner, Voreltern je Chaisenganckler,vder Brettelhupfer »var? Und ist Pas eine Schande ? hat nicht I, J. Roussean der liebenswüpdjgen Fräulein von Sphrr die -Serviette umgebunden, und sagt nicht der gMe Lafontaine: ss,?. 3 hau auf wissenschaftliche Prinzipien reduzipte und dadurch dem Fortschritt der Civilisatiou einen neuen Anstoß gab. Vom 1818 bis 1829 wurden in England und Wales neue Chaufföen von einer Ge- saiNmtläuge von 1000 engl. Meilen, ungerechnet die kleineren Feldwege angelegt, und fast alle alten nach Mac-Adams Prmcipieu erneuert. In Schottland legte die Behörde der öffentlichen Arbeiten seit 1803 über 10M Brüllen äü; in Irland wurden die weiten Moorwüsten des Südens,' in dönen ein halbwftdes Mnbergeschlecht, wohnte, von Straßen.dur^schnitten. Hierdurch,.wurden.alle Musel deH^Lglw«rs,chie bisher, außer,, Mer Ver- r bindung mit der Welt gestanden , hatten^ zugänglich gemacht; - nanrentlich die eeltischredendeN Bezirke Wales, die schottischen Hochlande Und der Süden doü Irland, wurden dadurch gezwungen, sich mit der Außenwelt bekannt zu machen und die ihnen ansgedrangte Civilisation anzunehmen. 1755 wurde der erste erwähnenswerthe Canal in Lancashirc angelegt; 17S9 fing der Herzog von Bridgewater seinen Canal von WorSlay Nach Manchester an. Seit dem find Canäle von einer Ge- sammtlänge von.2200 Meilen erbaut worden; außer ihnen besitzt England noch 1800 Meilen schiffbarer Flüsse, deren größter Theil auch erst in der letzten Zeit nutzbar gemaclst'worden ist. Seit 1807 wurde die-Dampfkraft zur Forttrei- bung von Schiffen angewandt^ und seit dem ersten brittischen Dampfschiff (1811) wurden 600 andre erbaut. 1635 waren an 550 Dampfschiffe Ln brit- tischen Häfen in Thätigkeit. Die erste öffentliche Eisenbahn wurde 1801 in Snrrey gebaut; aber erst mit der Eröffnung der Liverpool-Manchester Eisenbahn (1830) wurde das neue Kommunikationsmtttel bedeutend. Sechs Jahre später waren 630 engl. Meilen Eisenbahnen .eröffnet, und vier große Linien, von London nach Birmingham, Bristol und Southhampton, und von "Birmingham nach Manchester und Liverpool, in ..Arbeit. Seitdem wurde das Ney über gay; Eng^ land ausgedehnt; London ist der Knotenpunkt für neun, Manchester für fünf Ekfeübähnen^1( Die obigen statistischen"Details sind größtenteils dem . Lrogres« of Oie Nation, von G. Porter/ einem Beamten „Wie gerne war ich doch dein-Knecht > .. . ,. - ^ '' Du 'wnnderlieblich Mdchen,'' ' ^ : Das Strümpfbarkd bänd'ich die gerecht, n .' ^ - Und thät', als sah' ich's nicht. das Mädchen. Für- heute genug ^kch habv noch wichtigere Sachen zu tbun als immer Späße zu machen. Die Geschichte der Famiiieovn Hareoürt, sie stammt von dem säubern Bischoff von Bayeux und -er heutigen Susanne ab, verspare ich miv Mf ein andermal. Warum sie solche Geschichten auf unfern Theatern nicht aufführen, ist mir ein wahres Räthsel. Wcnn's nur geschähe um dem Abbe Maury ein Vergnügen zu machen,^- das lohnte allein schon der Mühe! da möchte ich ihn sehen, den Spitzbuben, den i Heuchler, wie er da das Maul verzöge, und die Hände riebe: „Zum Guckuck, warum bin denn ich Nicht am Platze.des nokmävmschen Bifchoffs gewesen ? Soweit vom hohen Adel; ^ ,vas die Krautjunker, den Adel vom Lande angeht, dm konnte man noch vor drei Jahren Stück für .Stück zu n sü Thalevn haben -- das Pall, meine sreundlichm Damen, ist hinter der Hecke! auf die Wett gekommen ^. darauf seid Ihr ohnehin nur stolz gewesen, daß ihr im Salon geboren seid', ul r ch-l' '' ' . 7 . ---/d l-'? stntü-'-'b z.-c-y üi- ui m. j - . - ^ k ' ^ ' " !-i - Diese Revolntionimng der englischen.Jndustrle ist die Basis aller modernen englischen Verhältnisse^ die treibende Kraft der ganzen socialen Bewegung. Ihre erste Folge war die schon oben an- gedentete Erhebung des Interesses, zur Herrschaft scher derr Menschen. .Das.. Interesse bemächtigte sich der nengeschaffneu industriellen,.Kräfte -und beutete sie zu seinen Zwecken aus; diese, von Rechtswegen der Menschheit gehörenden Kräfte wurden durch die Einwirkung des Prwateigenthums das Monopol weniger reicher Kapitalisten und das Mittel zur Knechtung der Masse. Der Handel, nahm die Industrie in sich «uf und wurde dadurch allmächtig, wurde das Band der Merffchheit; Mer persönliche und nationale Verkehr löste sich in Handelsverkehr aus, und, was dasselbe Ist, das^Eigenthmn, gdse Sache wurde zum Herrn der Weft erhoben. s Fortsetzung sv1g.t.) Offene Epistel an die „Allgemeine Augsburger Zeitung." (Siehe den Art.: * „Aus Süddeulschlanh." A- A. A. Nr. -3g.) Es hat lange gedauert, alte Metze, bis du liberal geworden ist; es muß dir, scheint es bald, schlecht gehen, weil du dich so tief erniedrigst, von einem Jtzstein, von einem Jordan zu reden, weil du von einer Zeitung rühmst, sie sei nicht servil. Willst du, abgelebtes M'eib, in deinen alten Tagen noch Knaben verft'chren, weil du freigebig urit ganz neuen Reizen thust ? Warst du noch nicht gemein, genug, mußtest du mit allen, auch mit den Liberalen buhlen ? Du bist sicher vor ihnen — sie geben dir keinen Tritt, sie speien dich nicht an für das Lob, das du ihnen spendest/ — sie reiben sich dis Hände, und liebäugeln dankbar sogar mit dir, — Ihr seid einander werth, Ihr gemeinen und allergemeinsten! Daß dein Zuchtknecht, der wackere Censor Lässt, deine libtMen Sprünge duldet, das beweist'für deine vollkommenste Aufrichtigkeit — Eure Laufbahn ist ohngefähr dieselbe: seit Ihr Euch fandet, glaub' ich an Wahlverwandtschaft! Herr Lusft war Anno 1832 liberaler Laudconlmissmiats-Aktuar in Reu- stadt m Rheinbaiern, ^ er erklärte dem damaligen 'T -77 "" 7 " " " 7^— ^ d.fr öosl'ä ok kracke unter dem Whigministcrium, also offiziellen Quchen entlehnt. i-, . aus MoreÜp's Lorte 1s usturv. - i . - N l .. Ältestes bewahrt mit Treue Freunylichaufgefaßtes Neue. ' ' ' ' ' ' Göithe. ->- .... .... Wenn man den Stimmen der öfficiellen Gesellschaft glauben wollte, so wäre der CommunisMus eine urplötzlich in Unfern Tagen aufgeschossene Pflanze, eine Mä- rotte der'Neuen Zeit. Statt weiterer Antwort theile ich hier einige Auszüge aus dem in der Aufschrift genannten Buche Mi'^' welches schon im Jahr 1768 erschien. Der Verfasser wußte es wohl vorher, daß seine Zeit noch Nicht reif für diese Ideen war. daß sie noch erst den angefänge- nen Weg bis an's Ende zu gehen habe, um einzusehen, daß er in die Wüste führe; er hak es verschmäht, sich'zu nennen. Später wurde sein Buch Diderot zugeschrieben und erschien 177S in der in Holland herausgegebenen, ^ sehr' unvollständigen GesamM't-Ausgabe dieses Philosophen. Der Verfasser dieser merkwürdigen Schrift, m welcher zum erstenmal grünvlich"das Prwat-Eigenkhum an- j geklagt wird, ift Morelly, der Sänger des'im Jahr y7^3 , ebenfalls anonym erschienenen Gedichts «1a » j Über sein Lchep isi so gut wie Nichts bekannt, liür ^sem ^ Gebn'rksort, Vilt^-lk-d'ranxals ist uns aufbewähys. ' .,.r,7.Von den Jrrthümern der gewöhnlichen ' Moral. ' -/i 'l' E 7 .!- Es ist zum Erstaunen, welch e eine Masse von Abge- ^ > Regiernngöpräsidenlen van Stengel, daß er unke diesem baicrischen Aristokraten - Regiments nich» länger dienen könnte. Der liberale Mann gab seine Demission- wanderte in die Schweiz, ließ sich zum Bürger in Bätzingen machen , und predigte dort im. Jahr 1835 das burgnndische Reich- als konstitutionelles Zwischenreich gegen die absoluten Mächte im Osten. Auf einmal, ehe es zu dessen Gründung kam, war er verschwunden, ^ und nach eurem Jahre erscheint er.' in baiertscher Livree in Krenth als katserlich-rnffischer Polizeikvmmissär, um als alter Polenfretmd diese während der Anwesenheit des Czaren im Bade von gefährlichen Abem- chenern abchhalten.. Der Kaiser reist äb, Herr Luffss bekommt richtig einen russischen Orden, mit dem ich selber ihn vor zwei Jahren bei einem Musikseste ans dem Hambacher Schlosse sah, —^ wird erst Regierungs-Assessor in München, —und daun au; besondere Empfehlung seines Mischen Gömier-s, unter demselbenRegierungsMfidenten vi Stengel, der in der Zwischenzeit nach Augsburg versetzt wurde, Regierungsrath — und dein Sperialttnsor. Du sichst, ich weiß allerlei strafe mich Lügen, wenn du kannst, aber sage mir, ob ihr zwei beide nicht ein köstlich Gespann seid? Warum hat sich aber die Baronin von Cotta heute liberal geschminkt? Will sie etwa mit Euch, meine geehrten Liberalen, in Gesellschaft über die neuen „Hoheiten" raisonniren? Macht es ihr Haustyrann, der heuchlerische Abel, auch ihoendltch zu argL Will sie Preßfreiheit; oder Geschwornen- Gerichte, will sie die Juden verfolgt haben, oder lechzt sie nach einem Trünke aus einem Welkessschen Ehrenbecher? . ^ Nicht wahr, meine Sibylle, über solche Kindereien sind wir längst hinaus; —- wir haben zwar unser Schäfchen in der Jugend, in's Trockene gebracht; die Katze läßt einmal das. Mausen nicht, —, wenn wir in unfern ulten Tagen, mit einem Gaunerstreich noch einmal was verdienen können, dann' kommt es uns auch Nicht darauf an)'— rvir verdrehen die falschen Äugen heute wie die unbefleckt« Mutter Gottes^. brüllen morgen wie ein blondgelockter Eisenfresser gegen die Franzosen, vertheidigen dann die russische Politik und den schmacktheiten die Moral, wie sie in der ganzen Welt, gekehrt wird, unter dem Namen von unumstößlichen Wahrheiten unter die Leute bringt. Eine Wissenschaft, die in ihren Grund- und Folgesätzen fast so einfach und faßlich fein könnte wie die Mathematik, ist sie im Gegentheil ein verworrenes Gewebe von vagen Ideen und falschen Voraussetzungen, in dem sich der menschliche Geist kaum wieder zurecht finden kann: endlich gewöhnt er sich daran, das alles für unfehlbar zu halten, weil er die Kraft zum Prüfen nicht mehr hat. Solcher unumstößlicher Voraussetzungen, auf die mm immer fort gebaut wird, gibt es eine Unzahl — und wenn man sie genau betrachtet, sind sie weiter nichts als Vorurtheile. Sie kommen mir gerade vor wie die Abhandlungen unserer Alterthümler über unächte Münzen. Wenn nun der gewöhnliche Mensch kaum begreift, wie ech Gekehrter vom Fach sich von einem einfältigen Metallgießer täuschen lassen konnte — wie erstaunt musterst der Philosoph sein, da er sieht, wie sich die ganze Menschheit seit Jahrhunderten durch alle möglichen Jrrlehrey. einer falschen Moral die Freudigkeit aus ihrem Leben stehlen laßt. Der Hauptgrund diesex unaufhörlichen Verblendung, und die Schwierigkeit sie zu hei- .lem, liegt darin,daß d«ie Wahrheit.yin außerordentlich seiner Msaßstab;ist, bei^ dessen Anwendung-,die allergeringste, im Anfang unmerkliche Abweichung zu unendlich großem Perstößen^führt, als ein RechnungsWer, wozu leider auch noch der Unterschied kömmt, daß man russischen Einfluß in Preußen — alles für Geld und Abonnenten;*) wir verrathen und verlausen -unserem häretischen Patriotismus zmmTrotz unsern eigenen Landsmann Schimper, weil wir wissen, -daß ihn der Kronprinz mißhandelt wünscht, und wenn wir gerade im Auge sind, so mitten in der -dicksten Niederträchtigleit, dann thun wir, es kostet ja mchts, ein bischen liberal, - und speien unter dieser Maske gegen die wüthenden Radikalen in -Paris einen Nachen voll Gift , weil uns denn doch gar Niemand glauben würde, wenn wir aus der Kapuzinerkutte -herauspredigten ! Nicht'wahr/Herr von Cotta, Sie verstehen Ihr Metier-Ä)llständig, und ich kenm': Sie ein wenig ? Sie snrd ein geschickter. Handelsmann, Sie.wissen wohl^ was baS iw meinem Munve heißem will. Sie sehen ein, daß die bloßen Nerbore^-die empörenden Zwangs- - Maaßregeln/ durch-die man in Deutschland unsere Literatur zu mordem versuchte ( Sie 'selber haben darum kein eigenes Verdienst, Sie waren damals so klug zu schweigen, wären Sie so dumm gewesen, klug zu reden, daun hätte es ihnen den Köpf kosten können**) den umgekehrten Erfolg hatten, und daß das Publikum nur noch begieriger auf unsere Schriften wurde. Jetzt dcr Sie.-unsere Hände gebunden glauben, da die niederträchtigsten- albernsten Angriffe wenigstensin Deutschland, von der einheimischen Presse nicht geahndet werden -^ wollen Sie ihren Käufern die fremde Waare verleiden, wollen ihnen glauben machen, daß das Stroh das Sie ihnen iw.die Krippe werfen besser schmeckt, als die verbotenen Früchte,wie wir ihnen bieten. .. - Sie sind ein- schlauer Krämer, Herr Baron, aber diesmal haben Sie falsch speculirt. Sie konnten in der Kutte bleiben, es lohnte der Mühe.nicht, sich unter Jordan's und Jtzsteins Banner zu stellen: Wissen Sie. denn nicht, daß diese Herren mW noch mehr *) Bor zwei Jahren ging sein Berlag »inlßseme Zeitung sshr schlecht'; dä möchte er bekanntlich, um flch'in'der Gunst ikes Publikums zuPchaltm, einige liberale Evolutionen gegen Preußen und die italienischen Staaten. — Flugs,,legte ihm.die baierische Regierung das Handwerk, er schrie um G>;ade und versprach Besserlings. Er hat Wort gehalten» ''' Die->,M A. Z." erschien mehrere Iaht e lang in doppelter Auflage; eine besondere für-sÖsterreich wurde, von eurem österreichischen Zensor in Augsburg , censirt, —, Jetzt ist die eine schlecht und gemein'genüg auch'' für Österreich. ^ desto sicherer wird, je tiefer man irr die Jrtthümer hinein- geräth, und kommt man doch dinmal zur Einsicht, dann steht man betäubt und erschrockenen den endlosen Irr- gängen dieses Labyrinthes, ohne die Kraft uni) den Muth . sich ein'en Ausweg zu suchen. - u -2. Von den Gründen der Ivrthümer aller ,alten.uyd neuen M.oralüsten. Ich habe versucht, das erste Glied an der Kette der Jrrthümer zu entdecken, den ersten Punkt bemerklich zu machen, von dem ab unsere Moralisten und Gesetzgeber sich von der Wahrheit entfernen. Hört'ste Alle; sie Me wwden Euch als unbestreitbares Prinzip und als Grundlage ihrer Systeme den gewichtigen Satz üufstellen: der Mensch ist von Geburt lasterhaft und bösartig. Das nicht, sagen einige H aber die Lage rn der er sich in diesem Leben befindet, ja sein Wesen selbst zwingen ihn unvermeidlich zur Verderbtheit. — Das ist einmal ein Glaubenssatz für Älle; Keiner ahnt, daß es aüch anders stin Wune, und Keiner unternähw vs^ jene große Autzahe zu stellen und zu lbstn':'^ ^ ^ , Bedingungest^frnd eck ünkr^'deneft es-' d ein . Menschen fast unmög lich ift,Mß 'Urck-asti'L- Und bösartig mird'st^ödeo ckestigstcns'itiknimk,' ckö . itstM, b. H7e I < Da aber diese Frag/ßle g-'sMt-'ünd daher'flckeLöMß ' auch nie verflicht wurb^' so verloren die Ältest W'mWe hassen als Sie (von Haß ist bei Ihnen eigentlich keine Rede; Sie möchten uns nur wie rin äoüx oommer^nt vergiften, weil wir ihren Consmnen- ten den Geschmack an Ihrer Literatur verleiden). Wissen Sie nicht daß Sie trotz aller Ihrer Servili- tät in den Augen der Liberalen*ein Heiliget gegen uns sind ; daß ganz aridere Leute unser Pu- 'blikum bildern? ü v - ^ Versuchen Sie's -sich hinter die zu stecken, Mnr stlückt's Ihnen vielleicht'besser. Gebest Sie einem- jeden, den Sie zum'Bottler cknächen'hälfen, einen' Zentner Ihrer Verlags-Maku7atirr' Um sich seine Hütte zu heißen, Venn ihre Sange- und Schrift- ^ steller lockon Sie nie mit Ihrem Sündengeld- dann wemgsiens'lernen Sie unser Pnbttküm kennen. -Das-tröstöd Sie vielleicht^Sie"ChristkathM-! scher BnchhäMet^- ver-Sre die Schamlöstgkeit hä- > ben auf der nämlichen Spalte uns unglücklich zu nennen (Zeile 5 v.,unten), und. dxffh wie ein Meuchler über uns hetzil^Mn. Freut'Erlch Eures Glückes —wir haben es ja nie betteidentJe weiter aus Eurem Dunstkreise, desto freier die Luft, desto heiterer das Leben. — Freut Euch Eurer' Einigkeit und über die in unsere „Patlhei zum Durchbruch gekommenen Mißverständnisse."' IhrHabt! Grund auf Eure Einigkeit so stolz zu sein, wke eine Heerde von Schweine auf die Eintracht, mit der sie in deutschen Wäldern sich an -Eicheln mästet ! „Kaufliebhaber mit Abscheu und Entrki- „stu n g! erfüllte, so wird hiermit ein zweiter Ver- „ kaufsversuch auf S-"ulstag, den 24. August, mit dem „Bemerken festgesetzt, daß:der Zuschlag, erfolgt weng auch „nur ein einziges Gebot stattsinden sollte. Das Büxger- „meisteramt. Raus." Welches Urtheil verschweigt »vohl die' „Trftrische Zeitung?" Mag sie nicht sagen, daß her Sohn ein fluchwürdiger Mensch .ist, daß der Bürgermeister' seilst De- fugniß überschritt, afs ev bei seiner einfachen Amtshandlung. Gelegenheit nahm echey Pknschen Zu hrand»Mken, daß es eine neue Niederträchtigkeit,ist nqch xjzi.etn. solchen Vorfall noch einmal "bie Versteigerung zu beginnen? Das alles ckonnke st?fagen^öhiio jegliche ^ Gefährd?'. Aber ich' sink ihr weitest helfen. Wenn bist fraglich^ Händtrlng -eine fluchwürdige ist--so- müssen diöGostße-' die sie hinein -Dohne erlaubßn--stuchwmdig sein- so müssen di.e Gerichst, .die^hn hi»»M,^r^^sfl,.,cht;Kzzchzvürdige.KtstiMio«, so kann der. fletzte.Grun^^A^,.Gesetzp. u»;d Geeichte gascht ' besser sein ! Wie sollrnän's he»m eigentlich anfangen/ um vor dsm' Fluche betb'ahrk zu werdest? ^Dkes Gesetz g'iebt dem Sohn durch de»; Mund der Geöschte ein Urckstil, wer nach er seinen eigenen Vater pfänden lassen muß wenn er zu seinem Rechte kommen will, und Recht hat er, sagt das Gericht; das Ppozeßgesetz zieht auf's ausführlichste die Wege au, auf welche Art hierbei operirt werden muß; — und wenn der Sohn nun seinem Vater das wirklich thut, wozu ihn Gesetz und Gericht autvn- siren, dam; nennt ihr ihn fluchwürdig! Alsv gegstn die Gesetze muß man'handeln wenn man es-recht machen und frei vorn Fluch sein.sott! — Das ist auch mein.Glaub ' - ' i—— und erste Ursache alles Übels äks den Augen, das einzige' Mfttel welches ihnen beiveisen komrte, daß sie auf falschem Wege waren.: Dfle Neuern, die nur auf der alten Spur weiter gingest, sind natürlich noch weiter abgerathcn von der ersten Wahrheit, deren Erkenntniß sie, leicht über den »Wirklichen Ursprung, das Wesen und die Verkettung der Fehler, und über die Umvirksamkeit dee Mittel, welche die gewöhnliche Moral ihneu entgegen setzt, hätte anfklärm köllnen. Unter ihrer L^itung^lväre es ein Leichtes gewesen, diese Schulmoral zu zerlegen, das Falsche ihrer Voraussetzmrgen, die Schwäche ihrer Lehrer;, die Wider-! spräche zrvischen Nüttel und Zweck, und die Unyerttäg- i lichkeit der einzelnen Grundsätze unter einander nachzsi- »veisen, kurz alle Fehler jedes einzelnem Theils an diesern mißgestalteten Körper darzuthun. Diese Analyse hätte, wie die »nachematische Anflösstng einer Gll'ichung, ^das Falsche, Zweifelhafte verj'ch;pi,iden und das Uyd e'kg nn.^.Hervortt'eteysWns Wes. Un- bekannte jst/eine Moral^ Welche im StMde.Uyare . lt'.NN-:- : A ..u»,! Hch bm ,d»eser Äsethohe ßefol^tmndH^.be.SfAMflfjM : WM! »velche.sie höchst irriger Weste für eure unselige Schicksals- : zugabe des menjchtlchen Wesens hlelten, »mrner dle Ur- : sachk-Hststrev'HknfäNgktjt vorLh'ist verlegtest 'iA^sik*nie ' »var, und dann gerade Gift als Heilmittel des Übels ans- dHtck UWchii flil'es'Uekkn.'^ "rue k«i ' ^ ^ Marnnüg. Herr Barou von Costa hat einen schauderhaften Plast gegm die Deutschest in Amerikll gefaßt. Ich will sie ge- warnt haben. Er bedauert daß fein^Makulätür in Amerika so »venig verbraucht„»vprde, u»rd er hgt.nun der; Gedanken gefaßt die amerikanische fluft mit den Dünsten seines vergilbtest Papiers Zu verpesten. In der Beilage zu Rr. . 242 feistes »vürdigen Organes, der „A/Ai Z.'/' spricht er den Wunsch aus Kommissionsgeschäfte-sti Boston, Ne»v-Nork und Philadelphia zu. exrichten, durch deren Dennittelung hie Deutschen in Amerika „zu herabgesetzten Preisen die Rest consumirrn könnte»;, »velche.ja^ohnehin von».fast atlen Auflagen den Verlegern liegen bleiben und V eV»;; ch tet ,v e rde st." Freut Euch, Ihr Deutschen in Aisterika : Hstst- von Cvtta hat es'groß mit Emch vor; Ihr sollt-die -Kloake:-werden für. dir verfaulten Überbleibsel der deutscher; S.chriftstelstrküche. ' . Nedacteur.: E. F. Bernays- I.. öm! u-v'Ujiwjs .!. Druck mit GchArllprcssrri von-P«a l R^no u a-x-» ' Sie »viedcrholtmflch. ustaufhöelich, und keinem dieser endlosen Schwätzer, .kam der Gedanke, daß gerade ihre Lehren Ursache der menschlichen Verderbniß wären. Ihnen schien ihr Stvffwiel zu rei»;, zu erhaben,. ihre Gesetze, ihre Vorschriften viel zu weise und achtungswerth, als daß man ihnen das Ungeheure zuvijLast legen könnte;- sie »välzten es lieber.auf die Natur. Sv stellen sie den ersten Menschen ohne alle methaphysisthe oder moralische Ideen, und nur mit den Anlagen dazu ausgestattet, Lar; in den .ersten Augenblicken seines Lebenslust er:>nicht heftigen Leiderrschaften hmgegeben, sondern indifferent gegen .jede De»yegu»;g,:und dennoch- ausgeftattet .mit einer 'histrei- chender; Portio»; .Schlechtigkeit, de»n einige Tugenden bej- ge»nilÄ)t sind,-angebvone Tugenden »vl'e angeb orne Ideen. Schon ehe ex das Licht der Welt erblickt, trägt er in . seinem-Busen den verd^rbLchm Süamen des-:Bissen, welcher ihn-,mttreibt sein Gsück-zu. suchen au f Kvftestlder Gattung,sta, webn's NIögllch^wäre/-des Weltalls.^ '7/^.Bei-Äev'.Wetr«chi«NPEsevchr»Hartigeli'.AbgeschlttackH- heit, .werde .ich neberibrll.drniHevrlr'Doetoren 'zcige»;, wie sie nicht einmal MittA-nuifuchtm-um:dissm'.airgeblichen schlechten Instinkt auszurvtten, und die paar schwachen Tugenden deren ^Wurzeln, wie sie seufzen, noch nicht ganz verfault sind, Früchte krage»; zu machen — nein, wie sie grade im Gegentheißdio Saat aller Laster in die Menschenbrust ausstreuten,' u»;d alles mögliche thun u»n die wenigen Tugenden die sie ihr zugestehe,», zu zerstören. Nr 73 Paris, 1844. ».u .W^ ^ ,. .».,?, , -sj -npck b-'-u 77( 1-' ! -rtl situ - ^-- -.- ','"^ -)! Ä)ck 1'-^." ^«Mk»TE?I^Ee» --- -- - * - j Paris: rlr'-^-'-'i.' '- ' ' ^' Ein Jahr. . ... 24 Francs. "'^ ^ScchS Monate. 13 „ Dock Monate.-u-.- -. > 8' ,- - n-v , e„ lSs-: - - u ..-' .l .^"il-L , > Auswärts: - . , -- Ein Jahr. .. . . . 28 Francs. ----- Sechs Monate. ^ . . 18 „ - - '-2- — 0(-^ !k ' " Insertionen: die Zelle» 50 Centimes.' " ->!'> !.--. >n ' nr fsr Srru uslu^..-'E'-'-st...-^ n -. -? -.'il.rk,:n ni'tr.5,.j rr.-7''.'r?'si'- U7-,;ÜMUA. ?>i '!' -'Re- - w N'sstwst -, W -tt-o««iL-.kt.-r. rgchssj ' -v-L > -.- r' für -Paris.r^i (druck 6es lUouling, z», und in der Buchhandtll von j ^«le» Le»ou»rä et 6^; rue cle Pouraoy,L» ^. V in den Departements:. d - bei allen Postämtern und Messagrrieii ; Deutschland) Schweiz > England:- '-st >- in allen Buchhandlungen; ^ - Belgien: ' ^ st - >.''-t nrrtlst)fft)8k -ei- den Messagerim; r'. Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, ---ü 7i^ 'si SpracerStteet, Nr. 3-, >in Rew-Borr.^ M(lj 'H.- Erschein't Mitwoch' und Sonnabends. s'ISttN-L MN^'stn NÜ -.' (Ätittwoch.) P a'r i te r' D x u t Lch e A eit krh rikt. »-j»»!--- - T«ptc,»b«r) ! Alles zur Ehre Gottes! Tummelt Euch, Ihr Berliner Pietisten, daß Euer Himmel eingerichtet ist, ehe der heilige Ludwig ^tirh^ sonst ist Alles verloren! Ter katholische Himmel von Deutschsand ist jetzt fertig geworden,— dachblau und weiße Königreich I sDie Pforten allein Habennoch gefehlt, sür t^rs ist nun auch gesorgt! ^Petrus ist abgesetzt, und der fromme Ludwig verwahrt die Himmelschüssel! Das ist keine Schwärmerei, das ist alles blanke, fleischliche, greifbare Wahrheit! Dicht hinter Aschaffenburg fängt der Himmel an, und in Aschaffenburg sind seine Pforten). Der heilige Ludwig hat dort ein Kloster gestiftet, des „Fxaüenktofters. HimmelS- pforte'nst Da geht's hoch hep im baierischen Himmel.'' In München chrchfen hie Franziskaner Doppelbier und ersticken fast nn Speck vor lauter Leberktösen und Emmenthäler-Käse. Die Fraueninsel im Chiemsee und die paradisische Gegend nngsuni Än See ist dick bevölkert mit jungen Cö- libatären beiderlei Geschlechts^), eme ganze Schwa- - U - -U tt- j'- ' - . ! *) Die gegenwärtige Generation von Baierischen Pfaffen Dichte- Freund Hugencheim mit ftiMz, Ent-deckuWn^aUs dem vorigen Jahrhunderte-ordentstch a,^ nichts weiß, als" daß'die Pfaffenkmder in Salzburg untergebracht werden, und daß man alle'Woche ein DutzeNd^Pfaffenkebs- weibxr aus München über die österreichische Grenze schaffte--— dann hat/chwcjgcn sollen, sggte em.ehemaliger Kapuziner , dron von Mstnchlwr Piuselit macht die Himmels- fcnster; iin mittel: Mai, wenn die Henn auf deur Blocksborg reiten, in der Bockwoche, da halten die Pfaffen auch ihren FrohnleichnamsZag ;/,dg stöhnen Vater Lildwigs'. Sohn Maximilian und verheil ige Geist von GörreS ihreilj Leichnamen; hiust'r den Himm^ls.bannerir die je sieben maskirte Bier- .äümmel mit, langen, Stangen . stäupexn und ^hinter, der stdisthen Dreifaltigkeit zieht- das heilige Cortege auf, die Mzeugel vou Baser, Moi und Philipps; dann.kommt die Muttergottes mit ihrem Leibarzt von Riugseis, dem „Hippokrates in der Psaffeukutte;" der würdige Apostel von Gebsattel mit den Trabanten tragen ihren kleisternen Herrgott ^spazieren und verdämmern die Bierdämpfe in Len langem Gasstn; untr in Aschaffenburg bewacht eine! neue Rhea Silvia mit.viel lieblichen Vestalinuen ,des „Frau eil kl öfters^- Him me Hs Pforten.," ^ Ich weiß nicht welcher Papst, aber ich.^beschwöre die Wahrheit beim .Bockglas des heiligem, Benno, .schickte einst eine,u jungen Cardinal nach Baiern, - . um die Frauenklöstermud die .Klosterfrauen zu un- .tcrstcheu. In. den lateinischen Epistel, die .der Gottesmann mit auf den Weg bekam, sollte ^es- Heißen, chje Jungfrauen möchten chen Abgesandten. Petri ÄAerchte'Sgcldrlr zä mir'/datübLe'sind wle länD''ihlnaü?— und die ^Oesterrcicher nehmen sie auch gar nicht mehr>--sie ,Msstn uichdihre eigenen SämlingeuMerzubringen. mit offenen Thoren/ch,e?t?8^-kckviZ5-einpsaiigen; — der Teufel weiß wo er sich drein zu legen hat, der Kanzlist sah das.u für ein ü an, und schrieb uxeotis vulvis in. den Hirtenbrief. Der fromme. Njanil war wohl.vorbe^.eitet mit offeueu^A r me.n ausgenommen zu.tperden, aber einen, solchen Mlpsang ließ er .sich nicht träumen,., ^aum.hakst die.Äbtissin im He- .fectorinm yen Hstlenbries vj-rlestu, sta entstand ein Gezücht in .den heiWn.,.Halles .genug nach der Untersuchung des zweiten Kjosters zog der Unglückliche nach Rom zurück, — so nmgex wie ein zwanzigjähriger Hofhahn! Seit der Zeit stehen des „ Frau enklosters Hi m m elöps ststte n." in Baiern offen. Die heiligen,Geister fliegen, aus mW ein wie in einen Taubenschlag,mnd.fforg^n dafür, daß die Nace nicht ausgeht. . . Das, -Friedrich.. Wilhelm,. kannst,,Du Deinem heiligen Schwager illcht nachmachen. Einen nuge- uähten Nock und vierM.,Tauseud.„ tod te. Jungfrauen kann, ein Ied§r haben^.-^.aber vierzig Tausend lebendige ,—. —,.,ohne Hpck —Las .will besorgt sein !.,. - . ' ' . Freispröchnttg DarireL O'Eönnells nüd U^Wulö-gt-». ^) Der oberste englifchr , Gerichtshof,Isst Kammer der L.prdSq, hatn ' ! Noch ein Knirps-von Pvtentatk >'d- ! . ,n- Ni N ' -7 ,. Ein Subject und gar nichts weiter, , ,,;. . Mchte gerne wa^ rechtes sei'nz ^ / Schade daß nicht noch ein zweiter . .... Churfürst humpelt hinterdrein ! , - Wollt ihr nach dem Höchsten streben, ' " Statt nach Hoheit, rath'ich-dies: --- -- - " ^Hbret alle auf zu-leben - - - -- - - - - Und geht ein m's Paradiesp- '" ^ - '.-E.-- --- - lllNii-^ luNi'- . ,,, . Hundstagsghsang., i m^nC's sind im deutschen Reich -nii'sü'n nL n --- s ---'.ch-Biel Hunde toll geworden, -w h-.^ , leiden an fixen Ideen - o/d - -Und träumen von Stern .und Orden, ^''Der SpiyLcr will'ein Mops, " '''^. Der Mops ein Bulldogg' werden; ' " Sie füllen mit ihrem Gebell, .. . - )Die.ganze deutsche Erden, mr'-d - Die Unterthauen schrcin/ ) ^ ' ' Das Übel abzuwenden:f Es seren die .Hundstäge da - - ^ - - st..- . ' 'Und Hundswurh an allen Enden. ' ' ' ! ui'-" -l - . ' an . ' Doch ach» her,.Schinder nimmt .. Par-thei für tolle Hunde, Und Schinder und Hunde stehn Vereinigt im heiligen Bunde! ' Dje Wuth wird allgemein, (Ihr wißt worum sich's handelt!) ' " .hjx Hundstage sich ' I' - Bei uns in Hundsj a hr'e verwandelt! ^ - j Doch gibt's ein-Mittel noch —7- - - ,i - . Iff),wjll's euch, leise sagen:.—7. i .De-n;Inüp.pel zur Hand und, flink .. -. D.je Hundp todtgeschlagen!. , ... - - ' --'^Vi-el Lärm um Nichts. Grundgütiger Himmel!. Welche Rohheit! . .'! Und wie viel Worte hin und Her z Als ob ein Zwerg^nik aller ,,Hoheit" Schon Wunder welch' ein Riese wär'! W. M. Zweiter Brief des Trierer Gywna- . --n.i--^ -d. ^sten. R - -n, !-st )--!« ' . . sia .. . Sagen Sie doch, bester Freund, ..ich meine ich kennte den Tr i.erer Gmnnasiasten ein wenige hat er nicht in Ihrem Hause, gxpgEk.üud Pripa.Lstunden bei Ihnen ge- ^habt? Dastist alles recht schön^, ich. stirchse aber, doch, daß er im AbitürienWexamen nach preußischem. Ritus.durch- Mt. Auf den, ersten Blick ffteht. er über dem königlich preußischen Gymnasiallehrer, der -nichts zu kennen scheint als berliner Klatschgeschichttn, und. wackere Bezahlung der christlichen Jugend, so wie des Alten jüngsten Sohn, und destJüngsten alten Sohntiefer gegangen hat der Ghnastaft aber nicht einmal Kenntnisse für Sexta: was er weiß, das hat er aus.der Luft geschnapptz ich habe das Bürschchen aber gleich heraus gekannt — ich wünsche ihm Glück in seiner Carriöre! Übrigens hätte der Patron das ganze tolle Treiben hier noch viel toller schildern kön- ,nm, pr wäre doch noch-der wirklichen Tollheit nicht gleich gekommen. Waren die Gläubigen früher schon wie besessen, wem: sie nur seiner Eminenz dem heiligen Schwammlappeu nahten, so sind sie jetzt ganz des Teufels, seitdem die hoch- gdeligen Beine, der atterchristlichsttn Jungfrau, Gräfin DrosteMischering dort Heilung .gefunden. Diese junge s1pänzigjähx.ige.Hame,,,xlN.e Großnichte des ErzbischvD, ging auf zwei Krücken. Ich habe sie selbst sesigesehen. Sie 2 Gefangenen werden demnach alsbald in Freiheit gesetzt werden. Die irische Bewegung tritt jedoch durch diese Entscheidung nicht in ihr früheres Sta- Mm.Kö.r der ^Anklage zurück.. Das freie Affocia» tivnsrecht ist durch die Staatsgewalt einmal «vrge- griffe-;, W^-Wider den Willen der Irländer hat die Regierung ihnen dieZuhaltslofigkeit ihrer politischen Refornrationswuih gezeigt, durch die das Elend, des letzte Grund der Bewegung, nicht gehoben wich. ' ^ ^ ' Äird.esD'ConlM' zum zweiteumale gelingen, durch das bloße Versprechen der Trennung von Eugjaud einen ähnlichen Lärm hervorzubrilrgen wie im verflossenen Winter? Die Lage Englands. Das achtzehnte Jahrhundert. (Schlüße Die Herrschaft des Eigenthums mußte sich noth- wendig zuerst gegen den Staat wenden und diesen auslösen, oder wenigstens, da eS ihn nicht entbehren kann, aushöhlen. Adam Smtth begann diese Aushöhlung gleichzeitig Mit der industriellen Revolution, indem er 1776 seine Untersuchung über das Wesen und die Ursachen des Nationalreichthums cherausgab, und dadurch die Finanzwisseuschaft schuf. Alle bisherige Finanzwissenschaft war exklusiv national gewesen; die Staatswirthschaft war als ein bloßer Zweig des ganzen Staatswesens angesehen, dem Staat als solchen untergeordnet worden; Adam Smith machte den Kosmopolitismus den nationalen Zwecken unterthan und erhob die Staatswirthschaft zum Wesen und Zweck deS Staats. Er reducirte die Politik, die Partheien, die Religion, Alles auf ökonomische Kategorien, und erkannte dadurch das Eigenthum als das Wesen, die Bereicherung als den Zweck des Staats an. Auf der andern Seite stürzte William Godwin (kolitieal lustiee, 1793.) das republikanische System der Politik, stellte zu gleicher Zeit mit I. Bentham das Utilitätsprinzip auf, wodurch das republika-. nische : 8alus xublios. suprema lex zu seinen legitimen Consequenzen gebracht wurde, und griff das Wesen des Staats selbst durch seinen Satz, daß der Staat ein Übel ist, an. Godwin faßt das Utili- tätsprmzip noch ganz allgemein als die Pflicht des Bürgers, stn't Vernachlässigung des individuellen , ' Interesses nur dem allgemeinen Besten zu leben; Bentham dagegen führt die wesentlich sociale Natur dieses Prinzips weiter aus, indem er, in Mer- einstimmung mit der gleichzeitigen ^iatsonalrM- tung, das Einzelinteresse zur Basis des allge-i meinen machte, die Identität beider in dem besonders von seinem Schüler Mill entwickelten Satze: daß Menschenliebe nichts anders ist, als aufgeklärter Egoismus, anerkennt und dem „Allgemeinen Besten" die größte Glückseligkeit der größten Zahl substituirt. Bentham begeht hier in seiner Empire denselben Fehler, den Hegel in der Theorie- begangen hat; er nkacht nicht Ernst ckit der Überwindung der Gegensätze, er macht das Subjekt zum Prädikat, das Ganze dem Theil unterthan, und stellt dadurch Alles auf den Kopf. Erst spricht er von der Untrennbarkeit des allgemeinen und einzelnen Interesses, und nachher bleibt er einseitig beim krassen Einzelintereffe stehen; sein Satz ist nur der empirische Ausdruck des andern, daß der Mensch Vre Menschheit ist, aber weil er empirisch ausgedrückt ist, gibt er, nicht dem freien/ selbstbewußten und felbstfchaffenden, sondern dem rohen, blinden, in den Gegensätzen befangenen MenscheN die Rechte der Gattung. Er macht die freie Konkurrenz zum Wesen der Sittlichkeit, regulirt die Beziehungen der Menschheit nach den Gesetzen des Eigenthums, - der Sache, nach Naturgesetzen, und ist so die Vollendung des alten, christlichen, naturwüchsigen Weltzustarrdes,'die höchste Spitze der Veräußerung, aber nicht der Anfang des neuen, durch den selbstbewußten Menschen mit voller Freiheit zu schaffenden Zustandes. Er geht nicht über den Staat hinaus, aber er nimmt ihm allen Gehalt, ersetzt die politischen Prinzipien durch sociale, macht die politische Organisation zur Form des socialen Inhalts, und bringt dadurch den Widerspruch auf die höchste Spitze. '' Zu gleicher Zeit mit der industriellen Revolution entstand die demokratische Partei. 1769 stiftete I. Horne Jooke die Loeist/ ok Ille Lill okRi^llts, in der^zuerst wieder seit der Republik deywkratische Prinzipien diS daß England jetzt in drei Partheien gespalten ist, in die Landarlstökrati'e^ die Geldaristokratie und die arbeitende Demokratie. Diese sind die einzigen Partheien in England, die einzigen Triebfedern, diechffr wirken, und wie sie wirken, werden wir vielleicht in einem spätem Artikel darzustellen versuchen. ^ i - Auszüge aus dem „lveten desGlaudensim Sinne Luthers etc." (Fortsetzung.) : Glaube ist Seligkeit, Unglaube Uuseligkeit: Glaube Einigkeit*), Unglaube Zwietracht; Glaube Gewißheit, Unglaube Zweifel"; aber aus der Gewißheit ruht der Segen des Lichts, auf dem Zweifel der Fluch der Rächt, die keines Mensches Freund ist. Der Zweifel steht auf dem Spiel des Zufalls — heute macht mir dieser Fall, morgen ein andrer einen Strich durch die Rechnung — der Glaube auf dem unerschütterlichen Boden der Noth- wendigke it -7— es ist unmöglich, daß dieses Wesen mich täuscht und betrügt, unmöglich, daß Gott lügt, er kann nicht anders als wahrhaftig, er kann nicht auch nicht wahrhaftig sein. Der Glaube ist die Wurzel der Liebe — Glaube, Vertrauen erweckt Liebe — >er Zweifel die Wurzel des Haffes — Zweifel, Mißtrauen entzweit den Menschen mit dem ' Menschen — der Zweifel stößt ab, Vertrauen zieht an; der Zweifel ist unfreundlich, der Glaube leutselig. Der Unglaube ist die Hölle der Eifersucht; der Glaube der Himmel gewisser Liebe. Der Unglaube opfert dem Schein das Wesen auf, der Glaube aber läßt sich durch keinen Schein des Ge- Der Glaube wird hier, obwohl auf Grund Luthers, nur nach seinem allgemeinen, wahren, menschlichen Sinn charakterisirt. Nur von dem Glauben in diesem Sinne gelten die Eigenschaften der Einigkeit, Entschiedenheit und Seligkeit; denn in wiefern sich der Glaube auf,,den Sinnen, dem Gefühl, der Vernunft" widersprechende^Dinge oder vielmehr Undinge erstreckt, ist der. Glaube die größte, unausstehlichste Tortur, die sich nur immer der Mensch anthun kann. gentheils an dem Wesen irre machen, dem er einmal sein Vertrauen geschenkt; denn er ist. gewiß, daß .kein Wesen das Gegentheil von sich selbst sein kann, Der Unglaube, der. Argwohn treurt seinem Gegenstände nicht 'weiterabs.'t er sieht, denn et traut ihm nur Böses zu-; der Glaübe^äber ist fernes ''Gegenstandes auch in der' Trennung,'' in der En tfernUNg ^ewiß, Lelm er t^auL ihm nur Gutes z^ weil er selbst nur Gutes zm Sinne hat, wie umgekehrt der Unglaube nursjSchlimrneS.,. Glauben heißt eben : Gutes glauben; nicht glauben : nichts Gutes glauben. Der Glaube ist die Überzeugung, daß überall das Gute nicht dem Schlechten, sondern das Schlechte dem Guten unterliegen muß — die Überzeugung, daß die Wahrheit, auch wenn sie ganz allein und verlassen dasteht, doch unendlich mehr ist und vermag, als die Lüge, und wenn ihr auch Millionen Kaiser und Päpste zur Seite stehen. Der Glaube verläßt sich nicht, wie der Unglaube auf die Macht der Polizei und peinlichen Halögerichtöordmmg, nicht auf Personen, („Menschen") auf Verbindungen („Rotten"), auf Zahlen, auf Massen, auf Mittel und Titel; er verläßt sich nur auf seine gute und gerechte Sache; er ist daher selbst in Ketten seines Siegs gewiß. Der Glaube ist die frohe Aussicht, daß der heutige Tag nicht der letzte Tag unter der Sonne ist, daß vielmehr auf Heute Morgen kommt und was daher heute nicht ist, morgen ist; der Unglaube aber bricht die Geschichte mit der Gegenwart ab. Der Unglaube opfert der Zeitung die Geschichte, einem augenblicklichen Siege, einer ephemerischen Ehre die Ehre der Zukunft, die Ehre der Geschichte auf; der Glaube aber verzichtet auf den Genuß und Besitz der Gegenwart, in der Gewißheit, daß die Zukunft sein ist. „Der Glaube, sagt Luther, hat niemals zu thun mit vergangenen Dingen, sondern allein mit zukünftigen. Denn man glaubet nicht denen Dingen, die geschehen sind, sondern denen Verheißungen Gottes, der die Dinge thun will." Der Unglaube schränkt den Umfang des Möglichen nur auf den engen Kreis seiner bisherigen Erfahrung ein; aber der Glaube bindet sich nicht an die Schranken der Vergangenheit unir Gegenwart; er glaubt an die Möglichkeit des (bisher) Unmöglichen. „Dem Glauben ist nichts unmöglich." Der Unglaube ist daher kleimnüthig, klug, ja überklug, bedingt, umständlich, philisterhaft, besangen, zaghaft; der Glaube hochgesinnt, unbedingt, laconisch, ^efölut, kühnj frei, sorglos. Aber Sorglosigkeit, Freiheit^ Sicherheit^ Unbe- dingtheit, Nothwendigkeit, Unwandelbarffit, Einigkeit, Entschiedenheit, Gewißheit,, Seligkeit, Liebe, Freundlichkeit, Leutseligkeit die Eigenschaften und Wahrzeichen des Glaubens sind auch die Eigenschaften und Wahrzeichen der Gottheit selbst. Wie kannst Du also ist' Gott einen Gott au sich und einen Gott für Dich unterscheiden? Das, worin die Gültigkeit und selbst Möglichkeit dieses Unterschieds aufgehoben ist, Das gerade, Das allein ist Gott. Kannst Du an das Licht die Frage stellen, ob es Licht oder auch nicht Licht ist? Hebst Du mit dieser Frage nicht das Wesen des Lichts auf? Kannst Du bei einem leutseligen Wesen fragen, ob es für Dich nur, ob es auch an sich wohl leutselig ist? Was ist ein gutes, Glauben, Vertrauen erweckendes Wesen anders als ein Wesen, das so für Dich, wie es für sich ist? Gutfein heißt eben nichts für sich sein und haben, was man nicht auch für Andere ist und hat. Kann also ein offnes Wesen zugleich ein ver- schloßnes, ein mittheilendes zugleich ein rückhaltiges, ein Gegenstand des Glaubens zugleich ein Gegenstand des Zweifels, des Mißtrauens sein? Aber Gutsein im höchsten Sinne heißt eben Gottsein; hebst Du daher das gute Wesen auf, so hebst Du das göttliche Wesen aus. Aber das thust Du, indem Du im Unterschiede vom dem Gott für Dich, d. h. dem guten Wesen noch einen Gott an sich, d. h. also ein nicht gutes und folglich nicht göttliches Wesen annimmst. Was nicht gut, ist allerdings nicht sogleich böse; aber ein Gott, welcher Dir nur in den Kopf kommt, wenn Du das gute Wesen ausgibst, welcher Dir den Glauben an das Gute als das wahre, letzte, d. i. göttliche Wesen raubt, das Gute nur zu einem Anthropomorphismus, einem bloßen Bilde, einer bloßen Erscheinung herabsetzt, ein solcher Gott ist in der That kei n Gott, sondern ein böses Wesen. ' (Fortsetzung folgest' EL ist also gerade Eure elende Moral , welch; dev menschlichen Entwicklung diese,düstern Farben geliehen bat. Man sah und steht noch heute von der zartesten Kindheit an durch diese Lehren jene unnatürlichen Gifte in das menschliche Herz ein impfen, die Ihr fälschlich der Natur .aufbürdet. Ws das erstemal ein Vater in solcher Lehre seine Kinder unterrichtet;, da. begann d.e verhängnißvolle Zeit der St-rrigkeit, des Auflehnens, der Gewaltthat. War dieser Mißverstand ein Fehler der Natur ? Gewiß nicht, er war nur die gerechtfertigte Vertheidigung ihrer Rechte. . . u . .4,-' ^ ^...Gesellschaftliches Desen des Menschen rm . ' Naturzustand.' ' Der Mensch hat weder ä Ng e bo rn e I deen noch angeborne Triebe. Seine Bedürfnisse machen ihn auf seine Erhaltung aufmerksam, und von den ersten Gegenständen dieser, Aufmerksamkeit erhält er seine ersten Ideen. ,.st - ^ , ----st , -- . - Fände der Mensch kein Hinderniß in.der Befriedigung (feiner Bedürfnisse so würde er nach jeder Befriedigung derselben in seine ursprüngliche Gleichgültigkeit zurückfallen, er würde sich daraus nur erheben , wenn das wiederkehrende Bedürfniß ihn dazu triebe, und die Leichtigkeit der Befriedigung machte keine größere Einsicht nöthig, als den Instinkt der Thiere — der Mensch würde nicht gesellschaftlicher sein als diese. Vereinzeltfühlteer sich schwach, zapt und empfindlich, und es, mußten durch das Verlangen, durch die Unruhe um einen gewünschten Gegenstand, von dem er augenblicklich getrennt war) die m 0 v a l i s ch e A n z i e h u tt g s k r a ft gesteigert werden. ' ^ Diese Spannung hatte zwei wunderbare Wirkungen : 1) die Liebe zu allem, was unsere Schwäche unterstützt; 2) die Entwick lung der Vernun ft,. welche die Natur dieser Schwäche als Helferin brigegcben hat. Deßhalb also hat die Natur die Kraft der Menschheit in verschiedenen Graden an die einzelnen Individuen der Gattung ausgetheilk, das -Eigenchum des Feldes aber, das ihre Gaben^ hervorbringt, hat sie rmtheilbar- der Gattung gelassen, Allen und Jedem den Genuß ihrer Spenden. Die Welt ist 'ein reichlich gedeckter Tisch für alle Gäste, dessen sgmmtliche Gerichte bald Allen gehören, weil sie Alle,Hunger haben, bald nur Einzelnen, weit die Übrigen gesättigt sind — so daß Niemand, deren Eigen- thümer isi, noch das Recht hat es zu sein., , . ' U st li-lchns,-, 6. Die wahren Grundlagen der Gesellschaft. Betrachten wir-die Grundlagen, die Anordnung und das Spiel der Hauptfedern dieser wunderbaren Maschine: 1) Unteilbarkeit des Bodens und gemeinschaftlicher Genuß seiner Produkte. 2) Größere Menge und Mannigfaltigkeit dieser Produkte als der Umfang unserer Bedürfnisse, aber Unmöglichkeit, sie ohne Arbeit zu erhalten. Das sind die Hülfs- mittel zu unserer Erhaltung, die Smtzen unseres Wesens. Suchen wir nun noch auf, was die Natur gethan hat, um dm Menschen zur Einigkeit und Verträglichkeit zu stimmen,, und wie sie einen Zusammenstoß der Ansprüche, der in einzelnen Fällen entstehen könnte, vorgesehen hat. 1) Durch gleiches Empfinden und Bedürfen läßt sie die Menschen die Gleichheit ihres Wesens und ihrer Rechte und die Nothwendigkeit gemeinschaftlicher Arbeit fühlen. 2) Dadurch, daß unsere Bedürfnisse in jedem Augenblicke wechseln, daß sie nicht Alle zumal, und einen Jeden aufandere Weise berühren,-mahnt sie uns, nach Umständen unsere Rechte Andern zu überlassen, und dies gerne zu thun. 8) Mitunter kömmt die Natur einem Widerstreit, einer Concurrenz der Wünsch^ des Geschmackes, der Neigungen zuvor, und bietet uns deßhalbeine hinreichende Menge von Gegenständen um jeden Einzelnen zu befriedigen; durch die Mannigfaltigkeit der Wünsche und Triebe verhütet sie, daß gleichzeitig alle auf denselben Gegenstand fassen, NÜIrit 'sug rjuemHUk! 4) Durch die Verschiedenheit der Kraft, der Fertigkeit, des Talents, je nach dem verschiedenen Lebensalter oder dem Körperbau weist sie uns auf verschiedene Gewerbe an. 5) Dadurch, daß die Mühe und die Anstrengung um b.r.ünft, d.ie piom. Dstnkel, umhi'ssl-lt, vo.r- - schreit e t," moch warum mit sichtlicher Assertion von , „ MT' ch- k'N-o j ./im - „Unsseret Albertina " und ,,Unserem Norden" gesprochen ivivd. WÄ die von' Se/'Majestät' aNgerustfle Devise: V-0-twävts! betrifft, so heißt fie-bei ihm nur: Vorwärts nach mnd mit Rußland! Das preußische Volk scheint aber ein ganz. anderesW o r ip ä rt s -dar- Uttter. zu verstehen.^ Die^deutschen Zeitungsti, stnd hiebei ganzin ihrem Elemente^ statt^den nichrssagcnden^Wolst- schwall ohne alle Bemerkung wlederzugeben und das Pu- blikUM^nitseinpni' g'efüüden MeNschenverstaüd^darübei- richten zü lassen,-sügenSe beide Backen vb« nchm'mb hinzu: >,Mese erhabenen k öu i g l icheN. G o r t e?b ege i st e v ü' n „alle Hist er und ihr herrlicher-Inhalt, hat für immer „seinen unauslöschlichen.Platz m der Geschichte, des La- !i „ter'lands eingenommen." ", Aber das Beste kömmt Nach; män traute der Gestn- num; der Bevölkerung in Königsberg nicht/man ahme, daß da Mo Uchte undKaNt gelehrt hatten, die'Leute sich nicht so^leiM, verdummen ließen, »pjiesssU'Vri'lin oder Magdebst^g^mid hie Henpn Offiziere. erhielten »ust «soa deu Auftrag, mit jedem Unzufriedenen Händel anzubinden und sich so zu Seiden der Gp/vält zu, machen. Die unter ftrenger Censur stehende „AachNer Leitung" bringt hierüber folgende Andeutung, bei'ber viek-Mschrn den Zeilen zu lesen ist?: . Leider ward das Fest der Grundsteinlegung durch ein trauriges Ereigniß, dessen Kunde stch bei her Grundsteinlegung blitzschnell verbreitete, noch zn^tzäschmerzlich getrübt^ Schon vor dem Feste hatte die unüberlegte Äußerung' eines hiesigen sonst höchst achtbaren .jväuf- MMues-deni Lhbaterdirektor Herrü -Betz Lern nlas- sung zu eitter Anzeige gegeben;- gestern führte eine ähnliche, im trunkenen.Muhe vorgebrachte sinnlose Drayade des Referendars S—e gus Insterburg nych traurigere Folgen herhei, indem sie Veranlassung zg ei- , nem Duell gab, inHvelchem er von dem Ingenieur - Lieutenant L—d erschossen wurde. Der Gebliebene warrin liebenswürdiger Mami/Lreblilig der Damm- aber »Veit entfernt vbn aller politischen Gesinnung, und mußte-einer unpolitischen Äußerung zum blutigen Hpstr fallen !^ßs scheint,, altz hätten die Stu- denten-eh^ Vorahnung von der Möglichkeit solcher Provokationen gehabt, indem sie'fich weigerten an dem heute Abend ^Dtk'gcfünden'en^Bail Tt/eihzu nehmm, wozu vom T^nst -8o6 Miziör-BlÜbit^ aüsg'Äheikt wordär wärest."' Die-Studtntechtihnten äiso dielFaÜe, die man ihnen gestellt hattL, kamen nicht-lind die 600 HerreckQffiziere waren umsonst erschieiMr.. ---M'rhaupt ftehtM-r'König seitdem Attentate und.ssinem letzten stylistisch-grammq- tikalisch-schönen Kabinetsscksteiben überall nur Kampfs und'Wölben, wie aus' nachstehender Korrespondenz herMgeht:' 1'icknT// , .. r - ^D a n z i g, 28. August.Als dlechiosWn städtischenBe- hörhen^stch..Sr. Majestät dem König vorste.lttoy, hielt unfer Oberbürgerrnei'steH geh.Regierrrngsratho.Weickh- mätitt, dif Anrede,' we/che mit der Äußerung schjoß: ein Volk, das sich solcher bmeidenswerthen Verhältnisse erstelle, würde nicht-zurückbeben im Kampf gegen das Böse aller Art, den Se. Majestät mit,freudigem Heldm- muthzu dem seinigen gemacht, und das Gute zu fördern bestrebt sein, Se. Majestät erwiederte hierauf, für , die kundgegebenen Gesin.nung^m dankend: „Wenn Sie von einem Kampfe sprechen,'söift wohl inD'änzsg v on Mir- nichts zu bekämpfen/ zwrschestl-mir un'd Danzia-'st kcinr Wolke/"-- /-i/'chs m /'on Quichi/W Üämpfte mit Windmühlen, Friedlich Wilhelm lV 'mpftmit Wolken. 3 lin, ' Ar, ust."Schön während der Vorberei- > nqen zlUtj^ prrmg .dssj^,M-vriz .vpfl SyckAN" mä ^em Dichter, der das Einstudiren leitete, den Vorschlag, Dieß und Jenes zu ändern, namentlich »her eine Szene z» retouchiren, die zwischen Kai/erKari Vst und semew Pm ren Statt findet, und wobei freilich sehr herbe, namentlich in Bezug auf die neueste Zeit sarkasti- sehe Redewendungen Vorkommen. Herr Pruh erklärte rundweg : entweder man führe sein Stück auf, wie er es geschrieben;- oder — im Weigerungsfälle -nehme er dasselbe g a n.z zurück : eine Erklärung, die dein Dichter, unserer Überzeugung nach, zur Ehre gereicht. Denn Kunstwerke, aus e i u er Idee gegossen und aus ei n e r Form hervorgegangen, produzirt man.entlveder gar nicht, oder "vollständig/ wie sie der Schöpfer in das Leben gerufen. Das Stück Wurde also gsgebkn/und der dem leben- vollen Hervortreten vieler Partien und Redewendungen knüpfte stch daran, namentlich der rasch entzündbaren Jugend gegenüber, eine förmliche Demonstration der Gesinnung, die noch dadurch an Schärfe und Absichtlichkeit gewann,-daß wirklich in vielen Stücken die neueste Zeit stch durch die spitzen Bemerkungen des . Marren auf eine Weise entschleierte, die vielen Leuten böses Blut zn 'machen wobl geeignet schien. Demnach wurde beschlossen, dns-Stück bis zur RückkehrSr. Majestät liegen zu lassen. — Gestexn wurden hier die Salyujieder.vön Hvffmami von Fallprsleben verboten. - st. - — Dieser Tage wollte man wissen, das Urtheil in erster Instanz gegen Tschech hü M-reltch gefällt, und laute auf Rädern vmhünten auf. ' Köln, 31 . August. Mit dem ersten Oetober wird die neue Zeitung unter Redaktion bcs Dt. Berchtzuverlässig erscheinen'und zwar als Abendblatt'i'n nicht allzu großem Formate ibbeu die Farbe-, welche ste-annehmen wird, läßt sich vor Ler.Hqnd .Nichts- sagen „doch fann man wohl voraus bestilnmen,. daß sie eine evn servac.ive.se in lvird. . ^ Nedacteur : C.' ff. D er n a y s. s.,, DrlbLLUs.E.chncllpectzr.-stvpn Paul g^env Ä,arv ^ Inhalt -er deutschen Zeitungen." " ..,jsst-^.^ nst-n-r/Y m'- .. .n'/h Königsberg, 3 ^ August. Seine Majestät der Kv- nig von Preußen, Friedrich Wilhelm IV., ist glücklich bei seiner fünfundvierzigsten Rede angekommen, die er hier gehalten hat. Bei der Grundsteinlegung des neuen Unü versttätsgebäudes sprach er folgende.Wo^rte st^- . h,Meine Herren! Unsere Hochschule Hat hres Jahrhunderte in hohen Ehren zürückheiegt-"sie hat das Ihrige treü erfüllt; sä sie hat der Welt Männer vhne Gleichen, Sterne Erster Größe geschenkt. Ihr viertes-Jahrhündett bricht unter den Segnungen -eines langen Friedens.und v n t e p de m Scheine de r lange ii tbehr t e n Sonne (?^-an. .Wir bezeichnen seinen Anfang, indem wir den Grundstein zu dem neuen ObdachHr ihre Wirk- sam kü t t egen.' Die 'S tuü de i st gükistig, uni ihr äu'söollem Herzen einen Glückwunsch Mzuvufen der Meinige ist kurz, aber inhaltsschwer st.Sie sei ein Heerh des Lichts! zu einempHeerdkides Lichts in Unserem/Nprden schuf sie Herzog Albrecht.; Er, der mit treuem Herzen dem wahren hickste. zugewandt w»w. .Seine Schöpfung beweist, daß er dieselbe Losung wie die Fürsten nach ihm gehabt, Meine, Meiüe's Vaters, Meines Lolkäs Losung :' V v r Wä rls das sei auch für und 'sür die Losung unserer Hschschnle. Aber sie folge ihr nimmermehr auf be r Zr rbachn der Komete n oder auf dem We gechep F e uersbrun st, die — von Dunkel umhüllt — .verschrei- f r t. Ihr Vvrwchrts sei das des Lichts der Sonne, ? das',' glelchmä ß i g / ausge st r ä h l t, die ' Änsterniß wirklich erhtllt, in tiefe Höhlen dringt, das Nacht- gefieder (?)^vers<^e'Ücht- Keiwe entwickelnd, Dlü- th eneNtfaltcnd,'Früchtereifend, Früchte, meine Herren! an deren Genüsse die Menschen gesunden. Diese Fruchte sind: Echte Gottesfurcht aller Weisheit A n - fang (?) — echte, Treue^.die da weist, daß. m an dem Fürsten nicht dient, wenn man seine hohen Diener he'räbzi'eht — gütä Und cble Sitts, Liebe zum- Lernen, Liebe zum'Wissen, Liebe zum Handeln ssur ch^s Gemeinwohl, zu Lhaten der Ehre unter d e n F i k- tigen des Adlers. In der festen Zuversicht, daß! diese Meine Wünsche erfüllt werden, unter dem göttlichen Segen und durch die pßlichttreue Pflege ihrer Lehrer, wie durch den edlen Sinn der Jugend, fordere Ich Sie Alle auf, während ich die HaMmÄ'schläge thne, ttn^erer Albertina — dem Heerde des Lichts-^für Miseren-Norden.^- ein. dreimalkges .herzliches Lebehoch zn bringen.V - Wir gestehen aufrichtig, -,L§ß wir von jdezi MjwsthM- drrn, die Se..Majestät in rhetorische r jlberschwe^glichk^t gebraucht haben, nichts versücheld'Lhir begreifen, chm so wenig, warum die Universität gewarnt wird, nicht „d e r Loosung: Vorwärts auf der Jrrbahn der Korn eten, nachzu fo lg en " — noch was eine „Fen ers- unsetn Bedürfnissen vorzusehen, stets etwas größere Kraft als die des Einzelnen erfordern, wollte sie uns dis Noth- -wen-igkeit' einfthen läffm, >uns -Mchselseitig zu imkors stützeü-, und uns Liebe zu jedem HelflndeN eiNflVßcn. Daher unsere Abneigung gegen-die Einsamkeit und 'V?r- ckassmheit, unsere Liebe " zu den Annehmlichkeiten und Bortheilen einer mächtigen Vereinigung, der 'Gefelck- schaft. - '- - Um endlich unter den Menschen die Wechselseitigkeit von Hülfe und Dankbarkeit zu schaffen und zu unterhalten, um ihnen zu geigen, wo und wann diese Pflichten zu 'erfüllen sind, ging die Natur in die kleinsten Details ein : sie läßt uns nacheinander Unruhe und Ruhe, Erschlaffung und Anspannung, Ab- und Zünchmen der Kräfte empfinden. ^ Alles ist vorgesehen, Jeder findet seinen Gegenstand, jede Kraft ihr Gleichgewicht, jede Leidenschaft die Möglichkeit ihrer Befriedigung — die Natur ist die herrlichste, wunderbarste und. vollkommenste Maschme. ^ ^^ ' ..ninlfl!'. . ch--, n- . ' st - v - L- 7»' '! i Neuestes deutsches Complimpntirvuch. - (Erschienen in Frankfurt anr Marn, ^ Eschenl'flmcrgasse,. im Verlag der deutschen Bundesversammlung. Erste Auflage.) -- - Die hohe deutsche Bundes-Versammlung hat am 16. August einhellig beschlossen: daß von Seiten des' Deutschen Bundes den die'Regieriwg führenden durch-' lauchtigftm Herzogen von Braunschweig, Nassau- Sach- -fkn-Koburg-Gotha, Sachsen-Meiningen- Sachsen-Alten- .bur'g. -Anhalt-Dessau, Anhalt-Bernburg undjAnhalt- Kvthen- für^Ihre Persow .stKt .des bisher.^geführten Prädikats „Durchlaucht" das Prädikat.„Hoheit/ werde beigclegt werden. In der v e r trauen tz v,o lj e n E r w.a r- t ung, daß die durchlauchtigsten Herzoge' weder i'n der deutschen noch'ln fremder Spräche sich einer BeMchiiüng bedienen oder eine solche in Anspruch nehmen werden, wodurch' äweisel darübdr entstehen köünien, daß durch das Prädikat „Hoheit"''ein anderes als jenes der „Herzogli chen Hoheit" gemeint sei, wird von der nähern Bezeichnung desselben Umgang genommen. Gegenwärtiger, ausdrücklich nur die C o u r toisie -F r age erledigende Beschluß soll die wechselseitigen Rangverhältnisse unter den souveränen Häusern durchaus nicht verändern und vielmehr hinsichtlich des.Ranges und Vor- tritts Alles Und Jedes in der bisherigen'Lage Verbleibens" § Durch das vorstehende Merkchen ist einem allgemeinen Und tiesgesühltm^Bedürfniß abgeholfen worden. Es wä'r vorauszusehen, daß bei der Ungeheuern Concütrenz von deutschen Durchlauchten, die durch die bedeutende Vervielfältigung der mediatisirten und ganz, neu crcirten Durchlauchten, wie z. B. der Wrede's, der Leuchtenberg, der Löwenftein, der Wallerstein, der ^ Fürstenbergder Salm, entstand, deren relativer Werth .bedeutend fallen .musste, worunter natürlich einmal die.Würde.der regierenden Durchlauchten und ihr Einfluß auf. das europäische Gleichgewicht bedeutend lift, dann"a8er auch' die Ruhe und das Glück von deren Jlnterthanen untergraben wurde. Der Kaiser von Rußland/der so Wiekes schon für Deutschland gethan,-» unternahm es zuerst/ diesem Verfalle Schranken zu setzen er verwändette die Durchlaucht des. Herzogs von iLeuchtenberg in.eine, kaiserliche Hoheit. D amst war der Anfang gemacht, und mit,bekannter deutscher Behendigkeit wurde nach dreijähriger-gründlicher Behandlung der Furage, die Sache so ins Reine ge- brachtssdaß dre Herren regieremlsen Herzoge zü „H öheiten avcmckrteN. Es ist dadurch eine gewisse Bewegung in die dcutschä Hierarchie gekommen : dir'Herzöge sind min '„Hoheiten," die Übrigen werden nachrücken-wollen; die königlichen Hoheiten der Großherzvge fühlen sich jetzt schon beengt, die Könige sehen nicht ein, warum sie nicht Kaiser sein könnten, — die Zahl der Grafen, Barone und Freiherren ist heute säst großer als'die der Menschen, — es war ein neues Complimentirbuch bei der hierdurch drohendest Verwirrung das höchste Bedürfnis Unsere EpwartUMstHn Bezug arstJn.ha.lt und Form, waren sehr hock) gekannt, da wir die Gewandtheit emes HerrnMünch- Bällinghäustn ünd dÄ'sechzehn''übrigen Mitarbeiter, so wie deren tiefe Forschungen im Bereicheder Courtoisie längst kannten, und sich dis-Herien ja'seit ihrer Geburk ausschließlich mit diesem Fache befaßten ^ aber fie wurden noch übertroffen, Auch der Einband in wohlriechenden gepreßten Juchten läßt nichts zu wünschen übrig-. Als Probx aus demWerkchen diene d^p oben mittgetheiltefllbschstitt.. 1 > II 7 Parts, 1844. Nr 74 Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr.21 Francs. Sechs Monate. ... >3 ,, Drei Monate. ... 8 ,, Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 ,, Drei Monate. ... N „ Insertionen : die Zeile a 50 Centimes. ttsrw »r, (Sonnabend.) ik V l ^ ^ t N 1 ^ t!) t ^ t t 1 ^ t!) 1* l ^ s. Man abonnirt: für Paris: im Nuresu ventral pour l ^llernagne , ru« lies Uliulins, 3^; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; . Nord-Amerika: 7 ^ bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (14. September) Zustande aus dem Kanton Wallis. Endlich haben wir das „Vorwärts" erhalten. ^ In Iionne lleure! Wenn Ihr da hinaus vorwärts kommandirt — beim armen Conrad! — dann wollen wir nicht die Letzten sein, die Euch folgen. „Eine Kritik der hiesigen Zustände vom socialen Standpunkt" wollt Ihr also von mir. Wie versteht Ihr das? Soll ich aus der hiesigen Societät Argumente für die Nothwendigkeit der Socialreform ziehen, zum Besten derjenigen, die da Augen haßen und doch nicht sehen, kluge Köpfe und doch nicht begreifen? O Freunde! wenn das Eure Meinung ist, so habt Ihr mir eine schwere Aufgabe gestellt. Wißt Ihr nicht, daßder Kanton Waadt dle Musterrepublik pur exeellenee, die.lebendigste Demonstratio aä oeulos ( mit-der-Nase-drauf-Stoßnng ) ist, daß sich durch die einseitig politische Reform Großes, Außerordentliches, Vollkommnes erreichen läßt, und daß es folglich Eure socialistischen „Hirngespenster" (wie ein gewisser Handwerksgesell zu sagen Pflegte) gar nicht bedarf, die Menschen srei, gleich und human, wohlhabend, gebildet und glücklich zu machen? Wißt Ihr nicht, daß sich hier die Träume unserer Politiker in Fleisch und Bein verwandelt haben und ganz handgreifliche Dinge geworden sind?—Daß hier „Freiheit und Vaterland" keine leeren Phrasen und Phantasien mehr sind, sondern sichtbarlich von Jedermann auf dem Wappen der Republik gelesen werden können; Gott (denn an dem fehlt es uns auch nicht), Freiheit, Vaterland — Herz was verlangst Du mehr? — Daß wir endlich hier in dem glücklichen Eldorado der kleinen Eigenthümer mitten drin wohnen, wo jeder Bürger sein Huhn im Topf haben und seines Zopfs in Frieden pflegen kann? O Freunde! man kann diese freien, gehäbigen, ehrenfesten, wohlgenährten frommen Republikaner nicht ansehen, ohne der ehemals freien Reichsstadt Reutlingen zu gedenken, von der der Dichter singt: Reutlingen die gute Stadt, Wo jeder Bürger einen Wassereimer hat, Und kömmt die Noth wo Gott für sei: So hat auch jeder Bürger zwei. . Freunde, — nur noch ein wenig germanisches Element und es bliebe für diesen Status nichts Ftthr zu wünschen übrig! Und ein solches gegen uns zeugendes Beispiel soll ich gegen unsre Gegner ins Felv führen? Wo denkt Ihr hin? Wollt Ihr wahrhaft glänzende Beweise für die Erbärmlichkeit der modernen Republik, so müßt Ihr Euch über Bern, Basel, Zürich, Freiburg, Wallis, oder noch besser über die sogenannten Urkantone schreiben lassen. Auch Amerika liefert, wie Ihr wißt, reichen Stoff zu diesem Thema. Ich soll Euch aus der Ausnahme die Regel beweisen. Gut: ich will's versuchen, aber ich muß mir zur Vorsicht das Motto Vorbehalten: „Wenn das am grünen -Holz geschieht, Was wird dann erst am dürren geschehen? Vorher einige bekannte Geschichten. Der Kanton Waadt war bekanntlich früher ein dem Berner Adel gehöriges Unterthanenland. Eigner Anstrengung und, wie die Waadtländer behaupten, der Liebe Alexanders zu seinem Lehrer La Harpe, verdankt er seine jetzige Unabhängigkeit. Die Berner (dummen) Füchse haben hier rechtlich nichts mehr zu holen, als etwa die Trauben aus manchen der besten Weinberge von La Cote und Lavaur, die während ihrer Herrschaft ihr Privateigenthum geworden sind. Die Waadtländer verabscheuen den Feudalismus, aber sie respectiren das Privateigenthum. Es ist ihnen so heilig, daß sie es selbst, wenn's über und über mit feudalem Schmutz behängen ist, noch anerkennen, und daß sie sich daher von Zehnten, Rauchhühnern, Zinsferkeln und andern feudalen Abscheulichkeiten mit 7339255 Schw. Franken 92 Ruppen gewissenhaft losgekauft haben. Der Kanton ist 20 Wegstunden lang und 14 breit; drauf mögen in 32000 Häusern etwa 185000 Menschen wohnen. Das Zahlverhältniß der weiblichen Bevölkerung zur männlichen ist ein sehr glückliches; jede irgend passable Waadtländerin kann unter sonst günstigen Conjnncturen auf einen Mann rechnen; es sind der Mausen nämlich mehr als der Weibsen. Geburtsaristokratie gibts hier, wie man behauptet, keine; auch die Geld- und Beutelratten- Aristokratie soll sehr schwach sein. Millionäre (die, oder deren Väter, selten Großväter, ihre For- tüne gewöhnlich im Ausland gemacht haben), sollen zu den wahren Seltenheiten gehören. Große Landeigenthümer gibts, wie cs heißt, auch nicht; der Boden, der aus etwa 424000 Morgen (xosos) Land besteht, (darunter 13000 Morgen Weinberge, 118000 an Wiesen, 148000 an Äckern) ist so glücklich vcrtheilt, „daß Eigenthümer, die 50 Morgen Boden selber bebauen, selten anzutreffen sind," daß dagegen solche, die deren 14 besitzen, für wohlhabend gelten. So heißt's in einer sonst sehr präcis geschriebenen statistischen Abhandlung über den Kant. W... Wer könnte daraus klug werden, wenn man nicht anders woher wüßte, daß Waadt das Land der kleinern Grundeigentlm- mer ist. Handel und Fabrikation, 5ie durch Anhäufung des Geldes das Volk anderwärts so elend gemacht haben, sind unbedeutend. Die nicht produzirenden Geschäftsleute, worunter ich Wirthe, Krämer und Großhändler verstehe, mögen etwa 2500 da sein. Das im Handel engagirte Kapital l)at bis dato noch nickt ermittelt werden können. Es ist also ungewiß, wie viel Mark sich die produzirenden Waadt - länder von den Spekulirenden abzapfen lasten. Wenn auch die 60 Weinhändler en §ros aus den armen 20000 Rebleuten eine halbe Million oder mehr für sich heraus diftilliren — was will das bedeuten? Diese Leute wollen auch leben; sie wollen ihre Büreaukosten hcrausschlagen, ihre Söhne für Himmel und Erde erziehen, ihren Töchtern eine anständige Mitgift erwerben und dabei auch nicht umsonst arbeiten. Verluste riskiren diese Leute freilich nickt, aber sie riskiren doch in einem Jahr weniger zu gewinnen, wie in andern Jahrgängen; wieder letzt - vergangne, in welchem ein hiesiger Millionär (der Gerber Mercier) ganz gewöhnlich 100000 Franken netto an dem Wein gewann, den er den Rebleuten kurz vorher aus Gefälligkeit abgekaust hatte, sind zwar nicht unerhört, aber keineswegs an der Tagesordnung. Die (vorgebliche) 20000 Rebleute sind freilich, wie man allgemein behauptet, sehr verschuldet, so daß gar viele ihre Trauben, wenn sie welche haben, a tont xrix am Stock verkaufen müssen, um nur Geld zu ihren dringenden Zinszahlungen zu bekommen: aber was schadet's, wenn auch die Hälfte dieser wackern Republikaner a Person für 100 Frauken Haare an die Großhändler lassen müssen? Sterben Sie davon? Sind sie deshalb weniger Söhne Wilhelm Tells? Zahlen sie nicht RauchhühnerundZinsfeckel, wiedieSerf's und Sclaven anderer Despoten, und haben sie nicht ein Recht mit Stolz und Verachtung auf all dieses Gesindel herabzuschauen? Besteht auch die ganze Herrlichkeit vieler dieser Leute, gerade wie die „deutsche Herrlichkeit" nur in der Einbildung, so besteht sie doch einmal. Es gibt hier ein Morgen Weinbauern, die, wenn sie den Wein versuchen wollen, den sie keuchend aus ihren sogenannten eignen Trauben gepreßt haben, dem Wirth, der die ganze Bescheerung zum Voraus —aus purer Gefälligkeit, an sich gebracht hat, seinen Profit zahlen müssen. Was thnts? Wenn auch nicht am Wein, so können sich sich während der traulichen Winterabende — am Reisig erwärmen, das sie in ihren Weinber- 2 gen gewonnen haben. Wer Wein trinken will, mag ins Wirthshaus gehen. Die Gast- und Patentwirthe wollen auch leben, mit Frau und Kind und Kellner. MehralsderdritteTheilalleshiergewonnenen Weins geht— natürlich nicht ungerupft, —durch ihre Hände. Sie verzapfen nicht weniger als 22000 Char (etwa 11000 Fuder) in mehr als 1000 Etablissements. We viel diese 22000 Char durchschnittlich werth sind, läßt sich beiden schwankenden Weinpreisen schwer bestimmen. Bekannt aber ist's, daß die Wirthe 100 oder nahe an 100 (HO an ihrer flüssigen Waare gewinnen. Gesetzt sie kaufen die 22000 Charö für 3 Millionen, so verkaufen sie dieselbe wenigstens für 5, gewinnen also 2 Millionen oder 2 000 Franken jeder daran. Diesen Gewinn muß natürlich das souveräne Volk entrichten, unter dem es viele Winzer gibt, die, sonderbar genug, keinen Wlßin im Keller haben. Unterm souveränen Volk, verstehe ich nämlich, wie sich von selbst versteht, die armen Teufel. Die Reichen und Wohlhabenden gehen nicht ins Wein-, sondern höchstens ins Kaffeehaus; sie trinken ihre 10— 15000 Ehars daheim innerhalb ihrer vier Pfähle in aller Gemächlichkeit und Ehrbarkeit— um die Hälfte des Preises. Ein andrer kleiner Mißstand, der das souveräne Volk, namentlich auf dem Lande, in etwas genirt, sind etwa 60 Millionen geliehenes Kapital, die es mit etwa mit 2 und ein halb Millionen Schweizerfrankenalljährlich verzinsen muß. Dochwas thut das? Diese dritthalb Millionen werden ja nicht etwa fremden Despoten, sondern den eignen wohlgenährten Landsleuten (Lnkunts de la kstrie) bezahlt ; nur 1s7 der Abgabe wird an Fremdlinge entrichtet. Um eine ungefähre Übersicht über die Schätze zu bekommen, die der Kanton Waadt an Männern besitzt, die nichts produzireu als Kinder, Mist und Haupt- und Contobücher und dergleichen, erlaube ich mir folgende Kategorien aufzustellen. Es mag hier geben: 1 600 Geldkapitalisten, d. h. Republikaner, die den Bauern, Rebleuten und Handwerkern Geld geliehen haben, von dessen Zinsen sie leben. Daß wir von dieser Sorte gerade 1500 haben, läßt sich freilich mit Bestimmtheit nicht sagen. Im Jahr 1814 constatirten die gerichtlich niedergelegten Hypotheken, vuI§o Schuldbriefe, ein verzinsliches Kapital von 63000000. Ich habe, um eine runde Summe zu bekommen, 60 Millionen angenommen. Möglich, daß dieser Schwarm, der ja seiner Natur nach aufschwillt und in der ganzen Christenheit seit 1814 bedeutend angeschwollen ist, auch in den Händen der frommen sparsamen Waadtländer seitdem um ein ganzes Drittheil seines Volumens gewachsen ist. Item : Sechzig Millionen unter 1500 Rentiers vertheilt, jeder mit einem Einkommen von 2000 L., heißt, wie ich hoffe, mit Billigkeit verfahren. Waadt ist das Land der kleinen Eigen- thümer und läßt sich mit Wohlgefallen so nennen. Die 6 bis 800 Luruspferde, die es hier geben mag, scheinen herrlich zu beweisen, daß es auch viele Rentiers gibt, die mehr als 2000 Fr. einnehmen. Dafür zahlen aber auch diese Luruspferde (gleichsam zur Strafe dafür, daß jedes derselben soviel frißt, wie ein Volksschullehrer oder ein gewöhnlicher Republikaner) eine Steuer von 8 Franken xer Stück. Auch die Jagd, Waffenpaß und resx. die Jagd- Hundesteuer deutet an, daß sich in der Republik eine Auswahl der allerscharmantesten Flaneurs herumtreibt, da es hier zu Lande weit mehr Jäger als Hasen und dergleichen gibt, folglich die Jagd eine bloße Lurus- und Renommse-Angelegenheit für die Müßigen und Gelangweilten ist. Dem sei wie ihm wolle; besser zu wenig, als zu viel! Daher habe es beiden 1500 Kapitalisten und den 60 Millionen Schuldbriefen sein Bewenden. Wir nehmen jetzt ferner: 6. 1500 Gutskapitalisten. Darunter verstehen wir Republikaner die liegende Güter, namentlich Weinberge, besitzen, die sie unter höchsteigner Oberaufsicht und ohne selbst Hand anzulegen, durch Andere — mit strengem Ausschluß der eignen Familienglieder — bebauen lassen, oder einem Pächter um die Hälfte des ErtrMs oder unter andern Bedingungen zur Bebauung überlassen. Man schätzt das Rebland des Kantons auf 13000 Morgen (ko868), — zu deren Bebauung 20000 Rebleute (Weiber und Kinder nicht gerechnet) nöthig sein sollen. Wären diese Rebleute alle Eigenthümer, so kämen auf Jeden noch nicht 2z3 Morgen Weinberg, eine Fläche aus der höchstens 2 Ehars oder 1 Fuder Wein, im Bruttowerth von 300 Franken, gewonnen werden könnte. Daß nun aber die ganze Jahresarbeit eines Menschen wirklich um 300 Franken an die Großhändler, Wirthe und Privaten verkauft werden kann, würde, wenn nicht andere Beweise vorlägen, allein dar- thun, daß sich unter den angeblichen 20000 Rebleuten eine Menge besitzloser armer Teufel befinden. Denn für nichts und wieder nichts, für 300 Franken, würden sie sich doch nicht ein ganzes Jahr lang abschinden, — wenn sie nicht müßten. Doch was thut das? Diese Zwingherrn sind ja Kantonsbürger und ihre Herrschschaft führt den populären Namen „Noth" — und der Kanton ist bei alledem das glücklichste Land der kleinen Eigenthümer ! In der That, sehr klein ist dieses Eigenthum! Manche sind sehr klein, unendlich klein — Null! Manche Eigeuthümer besitzen nur 1s16 Morgen und eigenthümern und taglöhnern zu gleicher Zeit; manche arbeiten selbst im Weinberg des Herrn, lassen aber auch noch andere neben sich taglöhnern, und so geht es weiter, bis wir bei einer Schaar freier Republikaner anlangen, die zu christlich denken, um ihren Mitbürgern durch eigene Arbeit Konkurrenz zu machen, die Andern auch Etwas zukommen lassen wollen, und sich daher mit einem anständigen Pachtgeld, oder mit der Hälfte des Ertrags und dergleichen begnügen. Wir setzen ihre Zahl auf nur 1500; ihr Vermögen auf 30000000; ihr Einkommen, weil sie häufig auf dem wohlfeilen Land leben, aus nur 1000 Franken a Person — lauter Ziffern die, wie man mich versichert hat, sehr niedrig gehalten sind. Wir kommen: 0. Zu den Hüuserkapitalisten, der Gleichförmigkeit wegen, nehmen wir wieder nur 1500, obgleich kaum zu zweifeln, daß sich unter den 32000 Häusern der Republik mehr als 1500 kleine Paschaliks befinden, die ihren Paschas einen ganz anständigen Tribut abwerfen. Wir nehmen die Zahl so niedrig, weil unter den vorgehenden Kategorien viele auch in diese gehören, wir uns also beschränken müssen, um keine allzugroße Zahl Nichtproduzenten zu erhalten. Dagegen setzen wir den Tribut, den so ein todter Hausgötze seinem Herrn jährlich, zu Füßen legt, auf 800 Franken. Im Jahre 1814 belief sich das in den verwirthbaren Häusern steckende Kapital auf 16 Millionen. Nehmen wir an das Hauptkapital werfe seiner allzugroßeu Sicherheit wegen nur 4 lssO ab, so wird unsere Rechnung richtig sein. Es kommt jetzt die Reihe v. An die Kommerzenten. Dazu rechnen wir 1000 Krämer, 1000 Wirthe, 220 Großhändler und ein Rest von Spekulanten, Unternehmern, ! Mäklern u. s. w. Wie mein Gewährsmann bemerkt, konnte das im Handel engagirte Kapital bis jetzt schlechterdings nicht ausgemittelt werden." Ich will mir daher nicht den Kopf damit zerbrechen. Die Großhändler haben bedeutende Büreaukoßen, eine Krämer- und Wirthsfamilie wird auch wohL 1000 Franken zu ihrem Unterhalt bedürfen (oben haben wir gesehen, daß die Wirthe durchschnittlich ein jeder 2000 Franken gewinnen dürften), — kurz; die Einkünfte der Kommerzenten aus 300000, und die Rente eines jeden derselben durchschnittlich auf 1100 Franken zu setzen (ein Sekundarlehrer be- ^ kömmt 1200 ), dürfte nüht sehr unbillig sein. Bedenkend jedoch, daß die Handelsleute und Wirthe einen großen Theil ihres Prosits vom Ausland und den Fremden gewinnen, ferner, daß diese Menschen zum Theil nur unter Voraussetzung zu den Nichtproduzenten gezählt — werden, da wir ja durch die jetzige gesellschaftliche Einrichtung gezwungen sind, uns unsere Bedürfnisse Durch diese Menschen loth- und schoppeuweise zumessen zu lassen, wollen wir die isnä8 ^eräu8. die sie verschlingen, auf jährlich nur ^ 1500000, und die Unkosten die jeder Einzelne verursacht auf F 600 herabsetzen. Schließlich führen wir aufr L. 2000 Stück Bedienten, Kutscher, Gouvernanten, Köchinnen, Konfiseurs, Putzmacherinnen, Kunstgärtuer, Zahnärzte, Gendarmen, Advokaten, Professoren, Kommis, Buchhalter und eine Menge andere freie Künstler, die zwar nicht alle, doch größtentheils zum ausschließlichen Gebrauch der Nichtproduzen^n da sind. Die Ziffer wird nicht zu hoch sein. Ach! wollten wir alle Die aufzählen, die nur zur Befriedigung der Bedürfnisse derblos verdauenden, spekulirend- undZiffern schreibenden Menschen da sind, wahrhaftig — ich fürchte, wir müßten den dritten Theil der sämmtlichen Bevölkerung aufmarschiren lassen. Wir begnügen uns aber hier mit der nicht produzirenden Dienerschaft. Wir treiben unsre Vorsicht noch weiter; wir setzen das Budget dieser Klasse auf Rechnung der vorhergehenden, da ja diese es sind, welche all' diese Commis, Kammerjungfern, Hühneraugenärzte u. s. m. u. s. w. großmüthigst — mit dem. Geld das ihneu das souveräne Volk vorher dazu gegeben hat, aus ihrer eignen Tasche bezahlen. (Fovtsetzung,folgt.) Auszüge aus dem „Ulkten des Glaubens im Sinne Luthers etc." (Fortsetzung.) Der wahre Gott, .der wahre Gegenstand des lutherischen, überhaupt christlichen Glaubens, ist nur Christus, und zwar nur deswegen, weil sich in ihm nicht mehr ein Christus an sich von dem Christus für uns unterscheiden läßt, und daher in ihm alle Bedingungen der Gottheit erfüllt, alle Geheimnisse der göttlichen Natur aufgelöst, alle Anstände und Zweifel gehoben, alle Gründe des Mißtrauens und Argwohns beseitigt sind. „Dero- . wegen muß man sich zuerst und vor allen Dingen, dahin bemühen, daß wir lernen der Güte Gottes vertrauen, die er uns in Christo, seinem Sohne, den er vor unsere Sünden und^den Tod gegeben, erzeiget hat. Denn sonst entstehet daher eine Gewohnheit und Neigung zum Mißtrauen gegen Gott, welches hernach unüberwind lich-ist." „Die Gedanken von seiner Majestät sind sehr gefährlich. Denn es kann sich ein böser Geist in die Gestalt der Majestät verstellen; in die Gestalt aber des Kreuzes kann er sich nicht verstellen*)." Das heißt: Christi Wesen ist ein evidentes, lichtes, durchsichtiges Wesen; Christus ist nichts an sich oder für sich, was er nicht für uns ist. Sein göttliches Wesen ist unser göttliches Wesen; seine Geburt als Mensch unsre Heilsgeburt; sein Sieg unser Sieg; kurz alles, was sein, ist unser. Was ist denn die Auferstehung Christi wohl für sich selbst? Nichts; denn sie bedeutet nur unsre Auferstehung, ist nur die sinnliche Gewißheit unsrer Auferstehung, unsrer Unsterblichkeit. Was der Gottmensch für sich selbst? Nichts; denn der Mensch Christus ist nur darmn Gott, daß er für uns Gott, und darum Mensch, daß er für uns Mensch sei. Was ist überhaupt Gott für sich? Nichts; denn Gott ist nur Anderen Gott, eristirt nur für das, was nicht Gott ist. Wo kein Bedürf- niß überhaupt, ist auch kein Bedürfniß Gottes, und wo kein Bedürfniß Gottes, da ist kein Gott. Ter „Grund" Gottes liegt außer Gott, liegt im Menschen; Gott setzt den Menschen voraus. Gott ist „das nothwendige Wesen", aber nicht sich oder an sich, Andern ist er nothwcndig, — denen, die ihn als nothwendig fühlen oder denken. Ein Gott ohne Mensch ist ein Gott ohne Noth, aber ohne Noch ist ohne Grund, ist Tand, Lurus, Eitelkeit. „Gott ist nicht ein Gott der Todten, sondern der Lebendigen. (Matth. 22, 32.) Gott ist desjenigen Gott nicht, das an ihm selbst nicht ist: Julius (Keiner) und Nemo (Niemand) beten Gott nicht an, und Gott regiert über sie nicht. Wo Abraham einen Gott hat, so folget nothwendig wiederum das auch, daß Gott und Abraham zugleich leben müssen, denn diese Zwei stehen und fallen mit einander, sintenmal Gott mit den Todten nichts zu thun hat." (Th. ir, S. 494—95.) Das heißt: kein Mensch — kein Gott. Gott ist wesentlich Jemands Gott. Aber dieser Jemand ist für uns der Mensch. Gott ist wesentlich Herr; aber der Herr ist nicht ohne den Diener. „Ein eigen Volk zu haben, gehöret zu einemwahren Gott." (Th. xm, S. 157.) Gott ist wesentlich Vater, aber der Vater ist nicht ohne das Kind. „Die Gottheit nicht ohne die Creatur ist." (Th. xix, S. 619.) Gott ist nichts an sich selber. Wie spricht dies aber der Glaube aus, da er ein vom Menschen unabhängiges Bestehen Gottes vorauösetzt? Durch die Gnade, die Huld, die Barmherzigkeit, die Güte, mit einem Worte: die Liebe Gottes. Die Unselbstständigkeit eines selbstständigen, das nichts für sich Sein eines gleichwohl für sich seienden oder als solches vorgestellten Wesens ist die Liebe. Lieben heißt nichts an sich selber sein können und wollen, heißt sein Wesen außer sich setzen. Der Satz : „Gott ist die Liebe," d. h. die Liebe ist das Wesen Gottes, sagt also nichts weiter aus als : Gott ist nichts an sich. Aber dieses Wesen Gottes, nichts an sich selbst zu sein, ist nur in Christo offenbar, wirklich, sinnfällig und Christus nur der wahre, wesentliche Gegen- *) Übrigens hatte Luther solche Gemüthszustände —Anfechtungen — wo sich der böse Geist — der Geist des Unglaubens — der Satan allerdings auch selbst in die Gestalt Christi verstellte. Luthers Eriefe von de Wette, LH. m, S. 226 . ? ^ ^ stand des Glaubens. Das Wesen des Glaubens ist daher nichts andres als die Gewißheit, die unerschütterliche zweifellose Gewißheit, daß die Menschenliebe das Wesen Gottes, das höchste Wesen ist. (Forts, folgt.) Vermischtes. Aus der Schweiz schreibt man: Am 23. Aug. hielt die Tagsatzung ihre letzte Sitzung. Glückliches Land! In Preußen will man die rheinischen Provinzialstände noch um einen Monat früher als gewöhnlich zusammenberufen. Was mögen die Rheinländer verbrochen haben, daß man sie so straft? Die „Deutsche Allgemeine" schreibt aus Berli n vom 28. August: „Auf seiner Durchreise nach Königsberg traf der Minister Eichhorn am 21. August in Marienwerder ein, besichtigte unmittelbar nach seiner Ankunft daselbst die Domkirche, wohnte am Tage darauf einer Session der Regierung bei und ließ sich die Stadtbehörden, die Geistlichkeit, die Lehrer des Gymnasiums und der Stadtschule, sowie die dortigen Ärzte vorstellen. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, hat sich der Minister gegen die Geistlichkeit zu Marienwerder im toleranten Sinn ausgesprochen und erklärt, daß er der Mannigfaltigkeit der Bewegungen auf dem theologischen Gebiete keineswegs abhold sei, dieselbe vielmehr gern sehe. I n der Regierungssession bezeichnete er das gewaltsame Aufstreben der untern Volksklas- senalseinHauptübel der Zeit, das man durch religiöse Erziehung und Wohlthätigkeit hemmen müsse. Den Lehrern der Stadtschule gab er seinen Willen zu erkennen, daß künftig der Religionsunterricht durch alle Klassen nur von Einem Lehrer ertheilt werden solle; dieser Unterricht sei der Haupt- und Grundpfeiler der Schule, alle übrigen Lchrgegcnstände müssen als minder wichtig zurücktrcten. Auch den Behörden der Stadt empfahl er, der Beförderung des religiösen Elementsin der Schule die größte Sorgfalt zu widmen, weil nur dadurch die eindringenden Übel der Zeit zu bewältigen seien. In Betreff des Gymnasialunterrichts soll der Minister verschiedene Bemerkungen über das philosophische Fach gemacht und sich im Allgemeinen gegen das zu minutiöse Treiben der Grammatik geäußert hat. Finstere Strenge und priestcrlicher Eifer, so wird aus Marienwerder geschrieben, waren an dem Minister durchaus nicht wahrzunehmen; vielmehr hat er auf Alle, die mit ihm in Berührung gekommen sind, durch sein mildes und humanes Wesen einen vortheilhaften Eindruck gemacht. Überall zeigte er sich mit den Gegenständen seines Ressorts wohl vertraut, und in mehren Fällen, welche bei der Session zum Vortrage kamen, überraschte er durch ganz specielle Kenntniß der Personen und Sachen. Der Minister sah übrigens leidend aus, und es ist zu fürchten, daß die großen Anstrengungen, die seiner in Königsberg warten, nachtheilig auf seine Gesundheit einwirken werden." Wir haben schon oftmals den mächtigen Herrn Eichhorn Schulen, Kirchen und andere Orte mir gebührender Amtsfeierlichkeit inspiciren gesehen, wir haben stets denselben preußisch-knutisch-christlichen Galimarhias von ihm vernommen. Heute lautet cs etwas anders. Der Minister gesteht das „gewaltige Aufstreben" der untern Volksklassen ein. Dieses, hier zum erftenmale gemachte Eingeständniß ist von großem Einfluß auf die fernere Art und Weise des Kampfes. Die Negierung fühlt es, daß sie nicht mehr mit einer mittelalterlichen, todten, willen- und gedankenlosen Volksmasse zu thun hat, sie steht weiter als ihr Oberst in Cöln, der vor einigen Jahren zu ,, sein en " Soldaten sprach: „Der Mensch ist auch gleichsam nur eine Maschine;" sie sieht weiter als die Propheten in Charlottenburg, welche dem Arbeiter noch völlig das Bewußtsein absprechen, weil sie die absolute Critik noch nicht anbeten. Ja die Negierung sieht ein, daß ihr eine intelligente Deivegung gegenüber steht. Daß sie sich mit dieser veränderten Lage der Dinge keineswegs befreundet, ist durchaus natürlich. Eine Regierung, welche den wahren menschlichen Fortschritt begünstigte, wäre ein coin^»üieüo io »ckjooio, denn sie müßte vor Allem damit anfangen, sich selbst zu vernichten, was man am allerwenigsten von einer so christlich-germanischen Regierung, wie die preußische ist, verlangen und erwarten wird. Nein, sie ergreift die einzige für sie mögliche Parthie: sie desavouirt sich selbst. Wenn nach Walesrode ein Preuße auf alle Vorwürfe, die man der Regierung macht, stets nur einige bestimmte Antworten hat, wie: „Aber die Post ist ausgezeichnet", oder: „Aber nirgends ist die Administration so geregelt cc.," so wußte die Regierung selbst immer mit großem Selbstgefühl geltend zu machen, daß nirgends so viel für die Volksbildung gethan würde. Diese bezeichnet sie als Ziel ihrer väterlichen Bestrebungen. Plötzlich nun verkehrt sich dies ersehnte Ziel in „das Hauptübel unserer Zeit." So recht! herunter mit der Maske, das Schafsfell von den Schultern! Und frei und rein stehen sich nun die Gegensätze gegenüber; die Parole des Kampfes ist gegeben und die Frage lautet jetzt: Brutalität oder Humanismus! Die Negierung nimmt die Brutalität für sich in Anspruch, indem sie dasgcwaltsame A u f- ftreden, durch welches, wie bekannt, schon Sallust den Menschen vom Vieh unterscheidet, den untern Volksklassen zuschreibt. Über Rußland. Seit Custine häufen sich die Schriften über Rußland, welche mit Vorliebe die Schwären und Schwächen dieses Niesenstaats aufsuchen, die Schattenseiten seiner Größe mit grellen Schlaglichtern beleuchten. Das neueste Buch dieser Gattung sind die so eben in London anonym erschienenen „Enthüllungen über Rußland" (U, velrruon» ol Uurism. 2 Volumen, tlollunII, lmnüott von denen Bruchstücke früher in dem „NewMonrhly Magazine" und dem „United Service Magazine" mitgetheilt wurden und die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Erscheinung des ganzen Werkes spannten. Der Verfasser scheint Militär oder Seemann zu sein, denn dem russischen Heer- und Marinewesen ist sein Augenmerk besonders zugewendet. Seine Schilderung der St.-Petersburger Verhältnisse contrastirt auffallend mit dem bekannten Panegyri- kus des Lord Londonderry, von welchem seiner Zeit ein Kritiker sagte: „er möge ein ganz fürtrefflicher Marquis sein, aber er sei ein dupirter Beobachter und ein kläglicher Schriftsteller." Das Urtheil dieses neuen englischen Buchs über hohe Persönlichkeiten und die meisten Zweige der Civilverwaltung stimmt so ziemlich überein mit dem der zwei wohlbekannten französischen Schriften... Das Schicksal der besiegten Polen wird in vielen Zügen als ein äußerst hartes geschildert. Die Angabe der Zahl derer die nach Sibirien verbannt sein sollen, ist hier wohl bis zum Unglaublichen übertrieben. Wir entlehnen dem Buche des Engländers nachstehende statistische Angaben über die russische Armee : „Die regelmäßige Reiterei besteht aus 48 Linien-und 12 Garderegimentern, nebst 12 Regimentern Grenadiere zu Pferd; I Regiment kaukasischer Dragoner, und i Musterregiment von neun je iso Mann starken Schwadronen; zusammen, auf dem Papier, 94000 Combattanten oder, einschließlich der im Depot befindlichen, 103 000 Mann, in Wirklichkeit aber wohl nicht mehr als8S000 Mann. Die irreguläre Cavalerie beläuft sich auf ungefähr 135 000 Mann, und besteht aus den Kosaken des Ural, vom Don und dem schwarzen Meer, den Kirgisen, Tataren, Baschkiren und andern asiatischen Stämmen. Von dieser Zahl sind gegen soooo so gut disciplinirt wie die Linie. Die russische Reiterei von der Linie steht aber gegen das Linien-Fnßoolk entschieden zurück, besonders der rein moskowilische oder aus Einge- bornen Alt-Nußlands gebildete Theil derselben. — Im Allgemeinen bietet die ganze russische Linienarmec einen mißfälligen (vvi-etcliec!) Anblick dar; die schmutzigen graubraunen Mäntel, die gewöhnliche ärmliche Uniform der Soldaten, ihre blasse lederne Gesichtsfarbe, ihre magern Leiber rc. machen nichts weniger als ein imposantes Schauspiel: ein Anderes ist es mit den kaiserlichen Gar, den. Zum erstenmal bei einer Musterung gesehen, erfüllen diese den Zuschauer mit Bewunderung; denn obgleich er im Einzelnen viele schönere Regimenter als die hier a; ihm vorübeeziehenden gesehen haben mag, eine suche i Masse schöner Truppen findet man nirgends in der Welt beisammen. Die kaiserliche Garde, welche immer das Steckenpferd der russischen Selbstherrscher war, und besonders der Liebling des jetzigen Kaisers und seines Bruders Michael ist, besteht aus 4» ooo Mann Infanterie und Artillerie und 15N00 Reitern — die junge Garde oder das Grenadiercorps dazu gerechnet, aus nicht viel weniger als 120 000 Mann. Diese Streitmacht liegt im Gouvernement St.-Petersburg, hauptsächlich in der Hauptstadt selbst und um diese herum; ihr Befehlshaber ist der Großfürst Michael. Die Gardesoldaten, auserlesen aus der ganzen Armee, find durchweg Männer von 5 Fuß 1 1 Zoll Größe oder darüber. Beim ersten Anblick fällt dem Beobachter die große Ähnlichkeit ihrer dunkeln Gesichter auf; sie sehen einander ähnlich wie die Schafe einer Heerde; sie sehen aus als hätte sie die Natur alle zufolge Mas und nach einem gegebenen Muster geformt. Abgesehen von der gleichen Bekleidung und der eingeschulten qleichstcifen Haltung, beruht diese fast unheimliche Ähnlichkeit grvßentheils auf der im Allgemeinen dunkelblassen Gesichtsfarbe der Soldaten (vielleicht eine Folge von der übermäßigen Wärme der künstlichen Atmosphäre worin sie leben, und vom Mißbrauch der Dampfbäder), desgleichen auf dem schwarzen Schnurrbart, der bei allen den völlig gleichen Schnitt hat und, was auch seine ursprüngliche Farbe sein mochte, mittelst einer Salbe dieselbe dunkle Färbung erhält. Alles auf Ord .c. Ein Mas bestimmt auch bis auf die Linie eines Zolls wie lang Offiziere und Gemeine ihr Haar tragen dürfen, nach welcher Seite hin es gebürstet sein muß, wie tief der Backenbart in's Gesicht hereintreten darf rc. Diese Gesetze sind die nämlichen für den General wie für den Trommelschläger. Wahrlich eine wunderbare Ordnung, hineingedrillt in Gottes bunte Welt! — So lange man nun diese Gardesoldaten in der Masse sieht, machen sie einen sehr imposanten Eindruck. Don hoher Statur, von martialischer, wenn gleich streng steifer Haltung, in geschmackvollen Uniformen von zwar grobem aber geschickt zubereitetem Stoff, zudem jedem Mann einzeln angepaßt — so wären sie würdig aus der Hand jenes Monarchen hcrvorgegangen zu sein, von welchem ein anderer Monarch zu sagen pflegte, daß ein trefflicher Schneidermeister an ihm verdorben sei....." Inhalt der deutschen Zeitungen. Berlin, 6. Sept. Zwei hiesige Literaten, worunter F. Wehl, sind dieser Tage von dem königl. Polizei-Präsidium verhört worden, um über ihre Subsiftenzquellcn, Beschäftigungen, Vor- und Grundsätze, ihren Umgang u. f. w. Nachweise und Versicherungen zu Protocoll zu geben. — Trotz der mannigfaltigen Gerüchte von der Freilassung des Hrn. Pelz sitzt derselbe noch immer im Jn- quisitoriat. Die Frau desselben hat zwar für ihn eine Bittschrift bei dem Könige in Fischbach überreicht, allein bis jetzt ohne Erfolg. Der König wies die arme Frau mit den harten Worten zurück: ,,Für Leute, die die Arbeiter aufwiegeln, thue ich nichts! " und begab sich dannin dieKirche. — Der Polizeidirector Dunker, dessen Abreise nach Berlin die Zeitungen gemeldet, ist der Fremdenliste zufolge bereits wieder in Breslau cinge- troffen. — Das Mich, welches der Regierungs-Assessor A. Schneer im Aufträge des hiesigen Unterftützungs-Comites über die Schlesischen Leinarbeiter geschrieben, ist bereits erschienen und verdient in so fern Empfehlung, als es uns eine Menge Thatsachen und Dokumente bringt, die bis jetzt wenigstens in dem Umfange und in der übersichtlichen Zusammenstellung nicht vorhanden waren. Schneer hat die Kreise Löwcnberg, Lauban, Hirschberg, Schönau, Landshut, Dolkenhain, Waldenburg, Schweidnitz, Rci- chenbach, Strehlen und Glatz bereist und findet überall die Noth schreckenerregcnd bei den Facken- oder Putzel- spinnern. Eine Familie von sechs Personen verdient täglich bei der angestrengtesten Arbeit nicht mehr als neun Pfennige bis i Sgr. 3 Pf.! Fleisch von lrepirten Pferden ist ein Leckeressen, und eine Frau, die vor vielen Jahren ein Stückchen Brod nach einem alten Aberglauben in ihrer Lade versteckt hatte, jauchzt vor Freuden auf, als sie sich dessen errinnert und verschlingt mit Heißhunger die verschimmelte eisenharte Reliquie. Schneers Meinungen und Ansichten über Ursache und Abhülfe der Noth, also dem subjektiven Theil des Buches, können wir unsere Zustimmung aber nicht geben. sAach. Z.) Berlin, 30. August. Das neue große Gefängniß mit pennsylvanischem System an der Westseite Berlins erhebt sich jetzt in steinerner Größe. Es must das Ansehen einer versteinerten Abschreckungstheorie bekommen, wenn man es mit dem Bewußtsein ansieht, daß hier für mehr als fünfhundert vereinsamte Verbrecher Strafzellen hinter dicken hohen Mauern mit Thürmen und Eisengittern entstehen. Wenn man nur auch etwas baute zur Verhütung der Verbrechen, etwa Arbeitshäuser für freiwillig sich meldende Arbeitslust. Berlin, 31. August. Die Kattunfabrik-Arbeiter sind zu ihrer Arbeit zurückgekehrt, aber nur um ihrer Kameraden willen, die gezwungen waren, ihren Accord- Verpflichtungen nachzukommen, und haben daher auch keineswegs die Forderungen, welche sie an die Fabrikbesitzer gestellt, aufgegeben. Die Fabrikbesitzer beschäftigen gewöhnlich eine große Anzahl von Arbeitern, aber in ganz unbestimmten Zeiträumen, so daß dieselben sich eben so oft auf Müßiggang wie auf Arbeit angewiesen sehen und es völlig unwahr ist, daß sie sich, wie einige vorschnelle Berliner Correspondenten, die sich um diese Sache nicht bekümmert haben, behaupten, wöchentlich 4 bis 7 Thaler verdienen können. Sie haben oft gar nichts und sind dann ungleich schlimmer daran, als die Handwerker, die von einem Meister zum andern gehen oder zum Wan- derftab greifen können. Ferner bestimmen die Fabrikbesitzer die Preise der Arbeiter im Winter, wo wenig zu thun ist, und nicht im Sommer, wo sie der Arbeit bedürfen. Ein dritter Klagepunkt bezieht sich auf die Beschäftigung der Mädchen in den Fabriken. Haben daher auch die Arbeiter sich zur Ruhe begeben, so werden ihre Forderungen sicherlich wiederkehren und cs wird sich auf die eine oder die andere Weise keine Lösung für die obwaltende Collision der Interessen finden lassen. Lächerlich aber ist es, jetzt zu behaupten, die Forderungen der Arbeiter seien an der ,,Festigkeit" d/r Fabrikbesitzer gescheitert. Es ziemte diesen „Besitzern" weit eher, der Gefahr vorzubeugen, als sie aufs Neue hcrbeizurufen. Berlin, 26. August. Die Direktion der Gewerbe- Ausstellung hat beschlossen, sämmtlichen Theilnehmern der hiesigen Handwerkervereine Eintrittskarten zu einzelnen Besuchen der Ausstellung zu geben. — Unsere Zeitungen sprechen seit einiger Zeit von der Anlegung einer deutschen Kolonie an dcr Moskito- küste. Jetzt erfährt man, daß sich hier eine Privatgesellschaft mit hohen Personen an derSpitze gebildet hat, die ein beträchtliches Stück Landes, halb so groß wie das Königreich Würtembcrg, ankaufen will, und eine Kommission von preußischen Beamten, unter denen sich auch ein Regierungsrath befindet, deßhalb nach Amerika abgesendet hat. Das in Rede stehende Landstück liegt nun an der berüchtigten Moskitoküste, wo angeblich die bösen Stechfliegen und allerlei Ungeziefer Hausen soll, während auf anderem Wege verlautet hat, daß diese Angaben durchaus ungegründet seien, und von den auf ihre Kolonien eifersüchtigen Engländern und Spaniern Herrährten, damit Keiner Lust bekomme, sich in ihrer Nähe anzusic- deln, und ihnen die Vortheile zu rauben. Die Kommission soll nun ermitteln, ob die Moskitoküste besser ist, als ihr Ruf, und wenn die Berichte günstig lauten, so soll zum Ankauf, vermuthlich auf Aktien, geschritten werden, da das zu kaufende Landftück etwa eine Million Thaler kosten soll. Koblenz, 3t. August. Heute Vormittag kam ein 60 Köpfe starker Zug Auswanderer aus dem benachbarten Herzogthum Nassau hier an, um sich nach Nordamerika zu begeben. Dieselben führten auf 12 schwer beladenen Karren die nöthigen Hausgeräthschaften und Handwerkszeuge verschiedener Gewerbe bei sich, denn es waren viele Professioniften unter ihnen. Redakteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Nenn uard Sehr empfehlenswert!) für Deutsche die nach London reisen. Zum deutschen Haus. - Hötel d'Allemagne. o. 1-^.lssvL sc L. LN0I-L, 84. Lustle-Llrsel., IUeesler-Zauarv, l-0HD0»r Im Mittelpunkt der Stadt gelegen, in der Nähe des St.-James-Parks, königl Pallastes, Westminster-Abtey, Parlamentshanses, so wie aller Haupt-Theater und übrigen Sehenswürdigkeiten. — Table d'Hote um 5 Uhr. Für Deutsche in Paris. Das Central - Vüreau für Deutschland, 32, ru« des orouU»s, empstehlt sich den in Paris anwesenden Fremden, besonders den Deutschen, zu Be>orgung ihrer Einkäufe aller Art. 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MM» EM Man abonnirt: für Paris:l iM Duresu ventral xour l'^Nenragno, rue ües Fouling, 3», in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Bork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Mittwoch.) _ Pariser Deutsche Zeitschrift. _ (i8. September.» Die Lage Englands, m. Die englische Constitution. Im vorigen Artikel sind die Prinzipien entwickelt worden, nach denen die gegenwärtige Stellung des brittischen Reichs in der Geschichte der Civilisa- tion zu beurtheilen ist, so wie die nöthigen Data über die Entwicklung der englischen Nation gegeben worden, so weit sie zu diesem Zwecke unumgänglich, aber ans dem Kontinent weniger bekannt sind; wir können somit, nach Begründung unsrer Voraussetzungen, ohne Weiteres auf unfern Gegenstand selbst losgehen. Die Lage Englands hat bisher allen übrigen Völkern Europas beneidenswerth geschienen, und ist es auch für Jeden, der auf der Oberfläche sich herumtreibt uud bloß mit dem Auge des Politikers sieht. England ist ein Weltreich, in dem Sinne, wie ein solches heutzutage bestehen kann, und wie im Grunde alle andern Weltreiche auch gewesen sind; denn auch Alexanders und Cäsars Reich war, wie das englische, eine Herrschaft eivilisirter Völker über Barbaren und Kolonien. Kein andres Land der Welt kann sich an Macht und Reichthum mit England messen, und diese Macht und dieser Reichthum liegen nicht, wie in Rom, in der Hand eines einzelnen Despoten, sondern gehört dem gebildeten Theil der Nation. Die Furcht vordem Despotismus, der Kampf gegen die Macht der Krone, eristiren in England seit hundert Jahren nicht mehr; England ist unläugbar das freiste, d. h. am wenigsten unfreie Land der Welt, Nordamerika nicht ausgenommen, und in Folge dessen hat der gebildete Engländer einen Grad augeborner Unabhängigkeit an sich, dessen kein Franzose, geschweige denn ein Deutscher, sich rühmen kann. Die politische Thä- tigkeit, die freie Presse, die Seeherrschaft und die riesenhafte Industrie Englands haben die dem Nationalcharakter inwohnende Energie, die entschlossenste Thatkraft neben der ruhigsten Überlegung, so vollständig säst in jedem Individuum entwickelt, daß auch hierin die kontinentalen Völker unendlich weit hinter den Engländern zurückstehen. Die Geschichte der englischen Armee und Flotte ist eine Reihe glänzender Siege, während England seit achthundert Jahren kaum einen Feind an seinen Küsten gesehen hat; der Literatur kann nur von der altgriechischen und deutschen der Rang streitig gemacht werden, in der Philosophie hat England wenigstens zwei — Bacon und Locke, — inden empirischen Wissenschaften unzählbare große Namen aufzuweisen, und wenn es sich darum handelt, welches Volk am meisten geth an hat, so darf kein Mensch läugnen, daß die Engländer dies Volk sind. Das find die Dinge, deren England sich rühmen kann, die eS vor den Deutschen und Franzosen voraus hat, und die ich hier von vorn herein aufgezählt habe, damit die guten Deutschen gleich anfangs von meiner „Unpartheilichkeit" sich überzeugen können; denn ich weiß sehr wohl, daß man in Deutschland viel eher von den Deutschen als von irgend einer andern Nation rücksichtslos sprechen darf. Und diese eben aufgezählten Dinge bilden mehr oder weniger das Thema der ganzen bändereichen und doch höchst unfruchtbaren und überflüssigen Literatur, die auf dem Contiment über England zusammengeschrieben worden ist. In das Wesen der englischen Geschichte und des englischen Nationalcharakters einzugehen, ist Niemand eingefallen, und wie jämmerlich die ganze Literatur über England ist, geht schon aus dem einfachen Faktum hervor, daß das jämmerliche Buch des Herrn von Raumer, so viel ich weiß, in Deutschland noch für das beste über den Gegenstand gilt. Fangen wir, da man bisher England nur von der politischen Seite betrachtet hat, mit dieser an. Prüfen wir die englische Constitution, die, nach dem Ausdruck des Tory, „das vollkommenste Produkt der englischen Vernunft" ist, und verfahren wir, um dem Politiker noch einen Gefallen zu thun, vorder Hand ganz empirisch. Das Juste-Milieu findet die englische Verfassung besonders darin schön, daß sie sich „historisch" entwickelt hat; d. h. auf deutsch, daß man die alte, durch die Revolution von 1688 geschaffene Grundlage beibehalten, und auf diesem Fundament, wie sie's nennen, weiter gebaut hat. Wir werden schon sehen, welchen Charakter die englische Verfassung dadurch bekommen hat; vorläufig genügt die einfache Vergleichung des Engländers von 1688 mit dem Engländer von 1844, um zu beweisen, daß ein gleiches, constitutionnelles Fundament für beide ein Unding, eine Unmöglichkeit ist. Selbst von dem allgemeinen Fortschritt der Civilisation abgesehen, so ist schon der politische Charakter der Nation ein ganz andrer als damals. Die Testacte, die Hudens Oorpus-Acte,die okUiZdts, warenWhigmaaß- regeln, die aus der Schwäche und Überwindung der damaligen Tories hervorgingen und gegen diese Tories, d. h. gegen die absolute Monarchie und den offnen oder verborgenen Katholizismus gerichtet waren. Aber schon in den nächsten fünfzig Jahren verschwanden die alten Tories, und ihre Nachkommen nahmen die Prinzipien an, die bisher das Eigenthum der Whigs gewesen waren; seitder Thronbesteigung Georgs I. gingen die monarchisch-katholischen Tories in eine aristokraüsch-hochkirchliche Parthei über, und seit der französischen Revolution, die sie erst zum Bewußtsein brachte, verflüchtigten sich die positiven Satzungen des Torsymus immer mehr zu der Abstraktion des „Conservatismus," der nackten, gedankenlosen Vertheidigung des Bestehenden— ja selbst diese Stufe ist schon überschritten, in Sir Robert Peel hat sich der Torysmus zur Anerkennung der Bewegung entschlossen, hat die Un- haltbarkeit der englischen Constitution eingesehen und kapitulirt nur noch, um das verrottete Machwerk so lange zu halten wie möglich. — Die Whigs haben eine eben so wichtige Entwicklung durchgemacht, eine neue, demokratische Parthei ist entstanden, und doch soll das Fundament von 1688 noch breit genug sein für 1844! Die nothwendige Folge dieser „historischen Entwicklung" ist nun, daß die innern Widersprüche, die das Wesen der constitutionnellen Monarchie ausmachen, und die schon zu der Zeit, als die neuere deutsche Philosophie noch den republikanischen Standpunkt einnahm, hinreichend aufgedeckt worden sind — daß diese Widersprüche in der modernen englischen Monarchie ihre Spitze erreichen. In der That, die englische konstitutionelle Monarchie ist die Vollendung der constitutionellen Monarchie überhaupt, ist tee einzige Staat, in dem, so weit dies jetzt noch möglich, eine wirkliche Adelsaristokratie ihren Platz neben einem verhältnißmäßig sehr entwickelten Volksbewußtsein ihre Stelle behauptet hat, und indem daher die auf dem Continenr künstlich wiederhergestellte und mühsam aufrechterhaltene Dreieinigkeit der gesetzgebenden Gewalt wirklich eristin. Wenn das Wesen des Staats, wie der Religion, die Angst der Menschheit vor sich selber ist, so erreicht diese Angst in der constitutionnellen und namentlich der englischen Monarchie ihren höchsten Grad. Die Erfahrung dreier Jahrtausende hat die Menschen nicht klüger, sondern im Gegentheil verwirrter, befangener, hat sie wahnsinnig gemacht, und das Resultat dieses Wahnsinnes ist der politische Zustand des heutigen Europas. Die reine Monarchie erregt Schrecken — man denkt an den orientalischen und römischen Despotismus. Die reine Aristokratie ist nicht weniger furchtbar — die römischen Patrizier und der mittelalterliche Feudalismus, die venetianischen und genuesischen Nobili sind nicht umsonst da gewesen. Die Demokratie ist fürchterlicher als beide; Marius und Scylla, Crom- l well und Robespierre, die blutigen Häupter zweier Könige, die Proscriptionslisten und die Diktatur reden laut genug von den „Gräueln" der Demokratie. Zudem ist es weltbekannt, daß keine dieser Formen sich je hat lange halten können. Was also m zu thun? Statt geradeaus vorwärts zu gehen, statt von der Unvollkommenheit oder vielmehr Unmenschlichkeit aller Staatsformeil den Schluß zu ziehen, daß der Staat selbst die Ursache aller dieser Unmenschlichkeiten und selbst unmenschlich sei, statt dessen beruhigte man sich bei der Ansicht, daß die Unsittlichkeit nur den Staatsformen anklebe, folgerte aus den obigen Prämissen, daß drei unsittliche Faktoren zusammen ein sittliches Produkt machen können, und schuf die konstitutionelle Monarchie. Der erste Satz der konstitutionellen Monarchie ist der vom Gleichgewicht der Gewalten, und dieser Satz ist der vollkommenste Ausdruck für die Angst der Menschheit vor sich selbst. Ich will von der lächerlichen Unvernünftigkeit, von der totalen Unauöführ- barkeit dieses Satzes gar nicht reden, ich will nur untersuchen, ob er in der englischen Konstitution durchgeführt ist, ich werde mich, wie ich versprach, rein empirisch halten, so empirisch, daß ich es vielleicht selbst unser» politischen Empirikern zu sehr sein werde. Ich nehme also die englische Verfassung nicht, wie sie in „Blackftoneö Commentaren", in „de Lolma's" Hirngespinnsten, oder in der langen Reihe konstituirender Statuten von „Magna Charta" bis auf die Reformbill, sondern wie sie in der Wirklichkeit besteht. Zuerst das monarchische Element. Jedermann weiß, was es mit dem souveränen König von England, männlichen oder weiblichen Geschlechts, auf sich hat. Die Macht der Krone rednzirt sich in der Praris aus Null, und wenn ein in aller Welt notorisches Faktum noch des Beweises bedürfte, so wäre die Thatsache, daß seit mehr als hundert Jahren aller Kampf gegen die Krone.aufgehört hat, daß selbst die radikal-demokratischen Chartisten ihre Zeit zu etwas Besserem, als zu diesem Kampf anzu- wenden wissen, Beweis genug. Wo also bleibt das in der Theorie der Krone zugewiesene Drittel der gesetzgebenden Gewalt? Dennoch — und hierin erreicht die Angst ihren Gipfel — dennoch kann die englische Konstitution nicht ohne die Monarchie bestehen. Nehmt die Krone, die „subjektive Spitze," weg, und das ganze künstliche Gebäude fällt über den Hausen. Die englische Verfassung ist eine umgekehrte Pyramide; die Spitze ist zugleich die Basis. Und je unbedeutender das monarchische Element in der Wirklichkeit wurde, desto bedeutender wurde es dem Engländer. Nirgends ist bekanntlich die nichtregierende Persönlichkeit angebeteter, als in England. Die englischen Journale übertreffen an sklavischem Servilismus die deutschen bei weitem. Dieser ekelhafte Kultus des Königs als solchen, die Anbetung der ganz entleerten, alles Inhalts beraubten Vorstellung—nicht Vorstellung, des Wortes : „König" ist aber die Vollendung der Monarchie, wie die Anbetung des bloßen Wortes: „Gott" die Vollendung der Religion ist. Das Wort König ist das Wesen des Staats, wie das Wort Gott das Wesen der Religion ist, wenn auch beide Worte rein gar nichts bedeuten. Bei Beiden ist die Hauptsache, daß die Hauptsache, nämlich der Mensch, der hinter diesen Worten steckt, ja nicht zur Sprache tomme. Sodann das aristokratische Element. Diesem geht es, wenigstens in der ihm von der Verfassung angewiesenen Sphäre, wenig besser als der Krone. Wenn der Spott, mit dem das Oberhaus seit mehr als hundert Jahren fortwährend überhäuft wurde, allmälig so sehr ein Bestaudtheil der öffentlichen Meinung geworden ist, daß dieser Zweig der gesetzgebenden Gewalt allgemein für.ein Jnvalidenhaus für ausgediente Staatsmänner, daß das Anerbieten einer Paine von jedem noch nicht ganz verschlissenen Mitgliede des Unterhauses für eine Beleidigung angesehen wird, so läßt sich leicht denken, in welcher Achtung diezweite der durch die Konstitution eingesetzten Staatsmächte steht. In der That, ist die Thätigkeit der Lords im Oberhause zu einer bloßen, nichtssagenden Förmlichkeit herabgesunken, und er- hebt sich nur selten zu einer Art von Energie der Trägheit, wie sie sich während der Whigherrschaft von 1830 — 40 zeigte — aber selbst dann sind die Lords nicht stark durch sich selbst, sondern durch die Parthei, deren reinste Vertreter sie sind, die Tories; und das Oberhaus, dessen Hauptvorzug in der Theorie der Konstitution der sein soll, daß es von der Krone und dem Volk gleich unabhängig sei, ist in der Wirklichkeit von einer Parthei, also von dem Stande der Volksmeiuung, und durch das Recht der Krone, Pairs zu ernennen, auch von dieser abhängig. Aber je ohnmächtiger das Oberhaus ist, desto festeren Boden erhielt es in der öffentlichen Meinung. Die konstitutionellen Partheien, Tories, Whigs und Radikale, schaudern gleich sehr vor der Abschaffung dieser leeren Förmlichkeit zurück, und die Radikalen bemerken höchstens, daß die Lords, als die einzige unverantwortliche Macht der Konstitution, eine Anomalie seien und deßhalb die erbliche durch eine Wahlpairie zu ersetzen sei. Es ist wieder die Angst vor der Menschheit, die diese leere Form aufrecht erhält, und die Radikalen, die für das Unterhaus eine reine demokratische Basis verlangen, treiben diese Angst noch weiter als die übrigen beiden Partheien, indem sie, um das abgenutzte, überlebte Oberhaus ja nur nicht fallen zu lassen, ihm durch Infusion populären Bluts, noch etwas Lebenskraft einzuhauchen suchen. Die Chartisten wissen besser was sie zu thun haben ; sie wissen, daß vor dem Sturm eines demokratischen Unterhauses das ganze morsche Gerüst, Krone und Lords und so weiter, von selbst zusammenbrechen muß, und plagen sich daher nicht, wie die Radikalen, mit der Reform der Pairie. — Und wie die Anbetung der Krone in demselben Verhältniß gestiegen ist, wie die Macht der Krone abnahm, so ist auch die populäre Achtung vor der Aristokratie um so höher geworden, je unbedeutender der politische Einfluß des Oberhauses wurde. Nicht nur, daß die erniedrigendsten Förmlichkeiten der Feudalzeit beibehalten wurden, daß die Mitglieder des Unterhauses, wenn sie in offizieller Capacität vor den Lords erscheinen, mit dem Hut in der Hand vor den sitzenden und bedeckteil Lords stehen müssen, daß die offizielle Anrede an einen Adligen lautet: „Möge es Eurer Lordschaft gefallen" (Muss it xleass ^our lorä- ellixj u. s. w.; das Schlimmste ist, daß alle diese Förmlichkeiten wirklich der Ausdruck der öffentlichen Meinung sind, die einen Lord für ein Wesen höherer Art ansieht, und einen Respekt vor Stammbäumen, volltönenden Titeln, alten Familien-An- denken u. s. w. hegt, der uns Kontinentalen ebenso widerwärtig und ekelerregend ist, wie der Kultus der Krone. Auch in diesem Zuge des englischen Charakters haben wir wieder die Anbetung eines leeren, nichtssagenden Wortes, die vollkommen wahnsinnige, sire Idee, als ob eine große Nation, als ob die Menschheit und das Universum nicht ohne das Wort Aristokratie bestehen könnte. — Bei alledem hat die Aristokratie in der Wirklichkeit dennoch einen bedeutenden Einfluß; aber wie die Macht der Krone die Macht der Minister, d. h. der Repräseutenten der Majorität des Unterhauses ist, also eine ganz andre Richtung angenommen hat, als die Konstitution beabsichtigte, so besteht die Macht der Aristokratie in etwas ganz Anderem, als in ihrem Unrecht auf einen erblichen Sitz in der Legislatur. Die Aristokratie ist stark durch ihren ungeheuren Grundbesitz, durch ihren Reichthum überhaupt, und theilt diese Stärke daher mit allen andern, nicht adligere Reichen; die Macht der Lords wird nicht im Oberhause, sondern km Hause der Gemeinden entwickelt, und dies führt uns zu dem Beftandtheil der Legislatur, der nach der Konstitution das demokratische Element vertreten soll. (Forts, folgt.) Zustande aus dem Kanton Waadt. *) (Fortsetzung.) So haben wir also in Waadtland 9000 Nichtproduzenten, mit Familien 45 000 Personen, die Familie zu 5 Personen gerechnet. Sie repräsentiren ein Kapital von 145 Millionen. Darauf kommen 28 000 Produzenten, mit Familien 140 000 Personen. Nichtproduzenten und Produzenten zusammen 180 000 Seelen. So hätten denn die waadtländischen 28000 Produzenten, außer ihrer eigenen Person, noch ihre aus l 12000 Individuen bestehenden Frauen, Kinder, Väter und Großmütter u. s. w. zu erhalten, und ferner noch 9000, aus 45000 Personen bestehenden, sogenannten guten Familien (Domestiken inbegriffen) zu ernähren, also 157000 Mägen (die eigenen abgerechnet) zu füllen; fallen jedem Produzenten 5^- Nichtproduzenten zur Last. Die 9000 eigentlichen kapitalistischen Urnicht- produzenten repräsentiren ein verzinsliches Kapital von 145 Millionen. Die unverschämten Ansprüche dieses todten Koths zu befriedigen, müssen die waadtländischen Produzenten, niedrig angeschlagen, jährlich 6—6 ^ Millionen Zinsen zahlen und jedem Nichtproduzenten eine Pension von 666 bis 777 Schweizer Franken entrichten. Der Beitrag jedes einzelnen Produzenten zu diesem Tribut würde betragen 200—250 Franken. — Mord, Millionen Mac-Culloch, Riccardo Don- nerw — !! Ich glaube die ganze Rechnung ist falsch ! Hole der Teufel das Geldsystem ! So eben kommt ein Spion, den ich ausgesendet hatte, mit der Nachricht, daß ich Renten und Beisteuern um die Hälfte zu niedrig angesetzt. Perdonnet, ein bedeutender Millionär, weiland Banquier unter Napoleon, sei gestern wüthend nach Hause gekommen, habe das Geld, das er seinen Domestiken seit 20 Jahren verwaltet, kapitalisirt und vortheilhaft angelegt habe, denselben gleichsam vor die Füße geworfen mit den Worten: „Sehet selber zu, wie und wo Ihr Euer Geld anlegen könnt; ich kann es nicht mehr." Die kleinen Eigenthümer seien so verschuldet, meint nun der Spion, daß man ihnen *( Durch ein Versehen wurde im jetzten Blatte iu der Überschrift: Wallis, statt: Waadt gesetzt. A kein Geld mehr anvertrauen könne. Auch habe ich vergessen, die 18000 Kantons-Armen mit in Rechnung zu bringen, die, obgleich sie den Staat nur 16 Franken per Stück zu stehen kommen, dennoch so oder so mit unter die Nichtproduzenten zu rechnen seien. Item : dem sei, wie ihm wolle, ich berechne diese Gräuel nicht noch zum zweitenmal. Mag die Revenue eines Kapitalisten oder Spekulanten sich auf 8—1600, mag sich das Tributquotum eines Arbeiters auf 200 oder 500 Franken belaufen : das ist Alles eins. Waadt ist und bleibt das glückliche Land der kleinen Eigenthümer! Zweihundert Franken sind eine Bagatelle, so gut wie fünfhundert. Braucht doch mancher arme Teufel für sich und seine Familie kaum 300. Was soll ihm nun der Überfluß ? Kann er nicht die Hälfte seines Verdienstes für seine konsumirenden Mitbürger hergeben? Legt nicht auch der Kuckuck sein Ei ins Nest der Grasmücke, und ist es dem dummen Vogel deßhalb je eingefallen, die Weisheit Gottes in der Ordnung der Natur mit weniger Eifer in seinen Liedern täglich und stündlich, früh und spät zu singen und zu preisen? Wenn nun eine Grasmücke sich schon so vernünftig erweist, eine wie viel größere Masse von Vernunft wird sich dann nicht bei einem republikanischen Produzenten vorfinden, namentlich wenn derselbe ein guter Christ und Patriot, oder gar ein Waadtländer ist? Laßt Euch hängen, Freunde, mit Euerm Socialismus ! Es fällt diesen Söhnen Teils auch nicht von ferne ein, einen Anstoß an dem verdaulichen Geschäft dieser konsumirenden und spekulirenden Kuckucke zu nehmen, das ihnen (den Kuckucken nämlich) und folglich auch der Republik, deren Bürger sie ja sind, so vortrefflich bekömmt; dieser seltenen Vögel, die durch ihre vorwegschnappende Betriebsamkeit (i. e. Spekulation!), Handel und Wandel zu ihrem eigenen Vortheil, folglich auch zum Vortheil der Republik, deren lebendige Glieder sie ja sind, befördern, die selbst direkt und xroäueenäo zum allgemeinen Wohl beitragen, — da ja, was Niemand läugnen wird, die verdauten Speisen und verschriebenen Hauptbücher noch zu Mancherlei zu gebrauchen sind. Da dem so ist, so wird es unter hundert waadtländischen Produzenten^kaum Einer merken, daß er den Zehnten, was sage ich, —daß er die Hälfte von all seinen Produkten au seine blos konsumirenden Mitbürger abgeben muß. Im Gegentheil — er ist fest davon überzeugt, daß Zehnten und andere feudalistische Abscheulichkeiten, z. B. Fenstergeld und Rauchhühner, längstabgeschafft sind. Daß jährlich 1, 2 bis 3 Millionen Schw. Franken von 1, 2 bis 3000 in den 14 Städten wohnenden Produzenten alljährlich zum Fenster hinaus - geworfen und durch den Rauchfang gejagt werden, — das zu begreifen, ist selten ein Waadtlünder aufgelegt. Wie so denn? Fenstergeld und Rauchhühner sind ja abgeschafft — und haben die Leute für ihr Geld nicht alle mehr oder weniger trockene Wohnungen?-Aber könnte man, mit Beibehaltung der Wohnungen, die Sitte „Mieth- geld zu zahlen" nicht ganz abschaffen? — Oll, moniere, welch ein Unsinn! wovon wollten denn da die Häuserkapitalisten eristiren? Entweder müßten sie sich auf die Armenliste setzen lassen, und sich mit 16 statt mit 1600 Franken abspeisen lassen, oder sie müßten sich ebenfalls auf's Produziren legen. Beides aber wäre zum Schadender Republik. Durch die Vermehrung der Produzenten um 9 000 Konkurrenten würde die jetzige Arbeitszeit der erstem, die, wenn sie sich nur hübsch eintheilen wollten, jetzt schon kaum 9 Stunden betragen würde, auf kaum 5 Stunden herabgedrückt werden, was ein großer Jammer wäre. Auch würde die gezwungene Einfachheit der zur Miethe wohnenden Tellensöhne denn bald aufhören. Sie würden die 3—400 Franken Miethsgeld, die sie jetzt ihrem Hauspascha entrichten, daheim zwischen ihren vier Wänden zum großen Schaden der Pintenwirthe, in Wein vertrinken, — oder sie würden sich damit auf die Spekulation werfen, und der Gewinnsucht und dem Wucher anheimfallen, — oder endlich, im besten Falle sich Bücher dafür einkaufen, und sich und ihren Kinderneine Bildung zu erwerbensuchen,diemit ihrer auf eine einförmige verdummende Beschäftigung mit der Materie und der mechanischen Arbeit angewiesenen Lebensweise im grellsten Widerspruche stehen und sie nur unglücklich machen würde. Und was. hätten wir dann ? ? Ach! und wenn erst auch noch die Kapitalisten und Gutsherren in Folge eines großen Futtermangels (auf deutsch: Zinszahlungs-Einstellung) ihren blos konsumirenden Beruf mit einem zugleich produzirenden vertauschen müßten ! ? Ach! würde durch ein solch schreckliches Ereigniß die Arbeit nicht noch mehr verkürzt und der Verdienst nicht noch mehr geschmälert werden? Und an wen sollten sich die Bedienten, Knechte, Zofen, Köchinnen und Kindermädchen, dieGärtner, Portiers,Pächter u. s. w. verdingen? Und die Modistinnen, Bijoutiers und Damenschuster, die Hühneraugen - Operateurs, Säugammen und Zahnärzte, an wem wollten sie ihr Leben verdienen? Und die Gottseligkeit und die Traktätlein? Ach — wer sollte sie fördern, wenn's keine reichen Patrone und Subscribenten gäbe? Gott erhalte die Kapitalisten! Sie mehren Armuth und Arbeit, — sind aber auch, zum Theil eben dadurch, die Förderer unserer Mäßigkeit, unseres Fleißes und unserer ewigen Seligkeit. Amen. So ungefähr räsonnirt die Masse der waadtländischen Republikaner, oder vielmehr, so würde sie räsonniren, wenn man ihnen ihre Staatsmaschine tadelte; bis jetzt hat aber dieselbe fast nur noch Bewunderer gefunden. Die Kommunisten, die die Construction dieser Maschine, die den dummen Produzenten die Thaler so geschickt, so mechanisch, so unbemerkbar und so sanft aus der Tasche holt, durchschauen, sind selten. Unter 1000 Waadtländern gibt's nicht fünf, die sich die Mühe genommen hätten, eine klare Einsicht in den Betrug dieses scheinbar so tiefsinnigen, im Grund aber sehr plumpen und albernen Schein- und Räderwerks zu kriegen. Ja freut euch nur, ihr deutschen Krämerseelen ,,Ei! wie könnt es anders sein! Narr'n wie Wir sind selten; Narr'nwic ihr sind hundsgemein, Mit Respekt zu melden!" (Fortsetzung folgt ) Auszüge aus dem „lvel'en des Glaubens im Sinne Luthers etc." (Fortsetzung.) Der Unterschied zwischen dem Lutheranismus und Katholicismus besteht daher auch nur darin, daß dort die Liebe Gottes gewiß , hier ungewiß, zweifelhaft ist. Siehe hierüber Th. xix, S. 26; Th. ix. S. 671; T. x. S. 106.) Aber Gewißheit ist das Wesen der Güte, der Liebe; Zweifel hebt die Liebe auf. Der Gott des Katholicismus ist daher auch in der That nicht nur ein Gott von zweifelhafter Güte, sondern ein wirklich ungnädiger, zorniger, inhumaner Gott; denn der Katholik will durch Werke, Opfer, selbstthätiges Leiden Gott mit sich versöhnen, Gott sich gut machen. Aber wie Glaube Sein, so setzt Thun Nichtsein voraus : Gott ist dem Menschen gut, das ist Sache des Glaubens; Gott soll dem Menschen gut sein, das ist Sache des Thuns, des Opfers; aber was erst sein soll, das ist nicht. Der Glaube ist mit Gott im Reinen und fertig, er hat darum Raum und Zeit zu menschennützlicher Thätigkeit; aber der Werkthätigkeit läßt der Zorn Gottes keine Ruhe und keine Zeit dazu. Immerwährender Zorn erheischt auch immerwährende Opfer. (S. hierüber z. B. Th. xviri, S. 160.) Kurz dem Glauben ist Gott nur ein Wesen für den Menschen — ein Wesen, das daher dem Menschen den Menschen gibt, den Menschen auf sich selbst zurückführt; der Werkthätigkeit ist Gott ein Wesen für sich, ein andres als ein menschliches Wesen — ein Wesen, das daher den Menschen von sich abzieht, dem Menschen den Menschen nimmt. Der Katholicismus läßt wohl dem Menschen Kraft zum Guten, Willen, Freiheit, — er erscheint insofern human — aber er läßt sie ihm nur dazu, um gegen sich zu sein und wirken — sich zu opfern, zu peinigen, zu fesseln durch willkürliche Satzungen, — und durch dieses Gegensichselbstsein Gott für sich zu gewinnen. Denn ich kann ein Wesen nur durch das gewinnen, was mit seinem Wesen übereinstimmt : einen Gott also, der nicht für mich, ja wider mich ist, nur dadurch für mich stimmen, daß ich wider mich selbst, daß ich mir böse bin. Der „Papismus" oder Katholicismus ist nur human, um inhuman, wie umgekehrt der Lutheranismus nur inhuman ist, um human sein zu können. Im Katholicismus sind wir nur Menschen, um keine Menschen zu sein; im Protestantismus dagegen sind wir nur keine Menschen Gott gegenüber — vor Gott sind wir „stinkendes Aas, Madensäcke, Klötze" — um Menschen zu sein im Leben; wir räumen hier im Glauben Alles Gott ein, um im Leben Alles dem Menschen einräumen zu können. Im Glauben haben wir es nur mit Gott; im Lebenaber dafür auch nur mit dem Menschen zu thun. „Siehe da hat Paulus klärlich ein christliches Leben dahin gestellet, daß alle Werke sollen gerichtsein dem Nächsten zu gute,, dieweil ein jeglicher für sich selbst genug hat an seinem Glauben, undalle andere Werke und Leben ihm übrig sind, seinem Nächsten damit aus freier Liebe zu dienen." (Th. xvn. S. 390.) Ein anderes Wesen also:—Gott —ist Gegenstand des Glaubens; ein anderes — der 'Mensch — Gegenstand der Liebe, d. i. der praktischen Thätigkeit, des Lebens. Aber ist das wirklich der Fall? Nein! der Gegenstand des Glaubens ist, wie wir gesehen, die Liebe — der höchste, der allein entscheidende, der Alles umfassende Artikel des Glaubens der Satz : Gott ist die Liebe. Aber wessen Liebe? — denn Liebe für sich, Liebe ohne einen Gegenstand ist eine Chimäre —die Liebe des Menschen. Also ist in Wahrheit auch der Gegenstand des Glaubens der Mensch — auch das Geheimnis; des Glaubens diePhilanthropie, die Menschenliebe; nur mit dem Unterschiede von der Liebe, daß in dieser der andere Mensch, im Glauben Ich selbst der Gegenstand der Liebe bin, dort Liebe, hier geliebt bin. Aber Lieben demüthigt mich; denn ich unterordne, unterwerfe mich hier einem andern Wesen; Geliebtsein erhebt mich. Was ich im Lieben verliere, bekomme ich im Geliebtsein reichlich wieder zurück. Das Bewußtsein, geliebt zu sein, ist Selbstbewnßtsein, Selbstgefühl; und je höher das Wesen, von dem ich mich geliebt weiß, desto höher das Selbstgefühl. Sich vom höchsten Wesen geliebt zu wissen, ist daher der Ausdruck des höchsten, der Ausdruck göttlichen Selbstgefühls. Der Unterschied des Glaubens von der Liebe besteht demnach nur darin, daß im Glauben derMenschein himmlisches, göttliches, unendliches, in der Liebe aber ein irdisches, endliches, menschliches Wesen ist. „Durch den Glauben, sagt Luther, wird der Mensch zu Gott," „im Glauben sind wir Götter, in der Liebe aber Menschen."*) Denn in der Liebe bin ich relatives Wesen, nütze Anderem, bin nur Mittel; aber im Glauben bin ich absolutes Wesen, bin ich Selbstzweck. In der Liebe vergöttere ich ein anderes Wesen; aber im Geliebtsein bin Ich das vergötterte Wesen. Wer mich liebt, der ruft mir zu: Liebe Dich selbst, denn Ich liebe Dich; ich zeige, vergegenständliche Dir nur, was Du bist und thun sollst; meine Liebe berechtigt, ja verpflichtet Dich zur Selbstliebe. Geliebtsein ist das Gesetz der Selbstliebe. Der Gegenstand der Liebe ist daher die eigentliche, die „profane," ja wohl profane, tagtäglich tausend und abermal tausend Mal mit Füßen getretne Philanthropie, aber ver Gegenstand des Glaubens das unantastbare Heiligthum der Selbstliebe. Die Liebe ist das Herz, das für Andere, aber der Glaube das Herz, das nur für sich *) Auch in der Liebe, sagt anderwärts wieder Luther, ist der Mensch Gott, aber in der Liebe ist er Andern Gott — Das für sie, was Christus für uns ist, Wohlthäter, Helfer, Heiland - iin Glauben ist er Gott für sich, Gott an sich. In der Liebe habe ich daher nichts von meiner Gottheit, ich enräußcre mich vielmehr derselben; aber im Glauben bin ich im Nollgenusse derselben. selbst schlägt. Die Liebe macht unselig, denn sie ist das Gefühl, die Sorge für Andere; aber selig der 'Glaube," selig das Gefühl: ich bin geliebt, selig das Selbstgefühl, denn hier verschwindet alles Andere außer mir. „Der Glaube führt die Leute von den Leuten (d. h. von den Menschen weg) hinein zu Gott. — Darum heißt es aus den Augen der Leute gehen, da man Niemand sie- het noch fühlet denn Gott:" (Th. xiv, S. 373.) das heißt: Sich selbst. Uber der Liebe stehet der Glaube, d. h. über der Nächstenliebe stehet die Selbstliebe. „Wenn man aber von dem Glauben recht reden und lehren will, so übertrisft er weit die Liebe. (Fortsetzung folgt.) Inhalt der deutschen Zeitungen. Leipzig, 11. Sept. So eben kommt hier eine Esta. sinke mit der traurigen Nachricht an, daß die Kreisstadt Plauen ein Raub der Flammen wurde. Seit zwei Tagen wüthet dort das Feuer und bis zur Stunde sind 160 Häuser, die Kirche, die Stadtapotheke abgebrannt. Cs heißt die werthvolle Bibliothek des Advokaten Braun (der jetzt abwesend ist), die beste im ganzen Voigtlande, sei gerettet worden; jedoch fehlen uns noch neuere Nachrichten. An Fabriken war die Stadt nicht reich. (Fr. I.) Aus dem Nheingau, 12. Sept. Der Dichter Hoffmann von Fallersleben ist von Geisenheim aus nach der Schweiz und Italien gereist. Hoffmann reist in Gesellschaft eines reichen weftphälischen Gutsbesitzers, eines Herrn von Tenge, der sieh durch seine entschiedene, fast radikale Ansicht besonders auszeichnen soll. Aargau. Kr. Metzger, Schlossermeister von Möhlin, einer der eifrigsten und thätigften Kloster- und Neli- gionsmänner der dortigen Gemeinde, sagte längst bei jeder Gelegenheit: ,,Es muß anders werden, so kann es nicht mehr gehen, die katholische Religion muß wieder in ihrem Glanze hergestellt, die Klöster eingesetzt, die Liberalen vertilgt und die Regierung ausgejagt werden u. s. w." Nunmehr sitzt der Glaubensheld als Gehülfe einer im benachbarten Badischen entdeckten? Falschmünzerbande in Untersuchungshaft. Wallis. Die zur Untersuchung der letzten Vorfälle aufgestellte Gerichtskommission hat von der Gemeinde Bagnes eine Petition erhalten, welche gegen die unglücklichen Flüchtlinge und gegen die besiegte Parthei im Allgemeinen noch mehr Strenge fordert. Das Volk ist von Natur nicht grausam; wer anders als die Pfaffen sind die Triebfedern solcher Schritte! — Im Zehnten Gomsch ist das Tragen der grauen Hüte, wie sie sonst die Jungschweizer getragen, verboten worden. Die Negierung hat alle Vereine untersagt. — Wie man aus Luzern vernimmt, haben die Jesuiten nun auf die Bedingung, sich der Verfassung und den Gesetzen, die der katholischen Religion nicht widersprechen, zu unterwerfen, den Ruf nach Luzern angenommen, der ihnen das Recht zusichert, nach ihren Ordensregeln zu verfahren. Die Berufung von 9 Jesuiten ist so gut wie beschlossen. — Im Kloster St.-Urban, welches das Stelldichein geheimer ultramontaner Zusammenkünfte geworden, hat man seit Kurzem eine Druckerei errichtet. —ImKanton Luzern werden nächstenszwei neueBlätter erscheinen. Das eine soll heißen: „Der Bote aus der Urschweiz" und redigirtwerden von Staatsschreiber Bernhard Meyer und Kriminalgerichtspräsident Joh. Georg Bossart. Das zweite Blatt soll heißen: „der Volksbote" und als Redaktor wird bezeichnet, Herr Alt-Ober- richter Fellmann, den Herr B. Leu, Professor und Chorherr, mit mehrern geistlichen Herren und Regic- rungsrath Peyer mit andern gleichgesinnten Männern unterstützen sollen. Der Hauptzweck dieses Blattes soll sein: Bekämpfung des Jesuitismus, Ultramontanismus, überhaupt des Kretinismus in kirchlicher und politischer Beziehung. — In London stürzte sichneulich ein lOjährigcsMädchen, Elise Kendall, um nicht zu verhungern, in den Kanal; ihre Schwester, die Dasselbe gethan, wurde gerettet. Die armen Geschöpfe hatten für je 5 Pfennige Matrosenhemden nähen müssen! Die Todtcnbeschau-Jury verdammte die Herzlosigkeit der Hemdenverkäufer, welche junge Mädchen mit einem Lohn beschäftigen, bei welchem keine Subsistenz möglich ist. — Unter den vielen neuen Anwendungen des Kautschuk nimmt die Aufmerksamkeit vorzüglich dessen Verwendung im Seewesen in Anspruch. Nicht nur die Theilungswände der Kriegsschiffe und ihre innere Schanzbekleidung zwischen den Kanonen wurden bereits in England aus diesem Gummi gemacht, sondern neulich hat sogar die ostindische Kompagnie ein Rettungsboot ganz von Kautschuk anfertigen lassen, welches, wenn es wirklich gegen Klippen und Felsen geschleudert werden sollte, wie ein Ball unzer- trümmert davon zurückprallen würde. Nedacteur: Heinrich BörnsteLn. Druck mit Schnellpressen von PaulNenouard Z " WS s K Z 77 « Z HZ s. ^ 3 77 2 Z , 3 - 0 .' TÄ Z. ^ s. SK ^ 5 - AL 8 x: r- "3 Z s *-r L- *-r Z -- OOlVIstlOIK I)L8 1NkllINLNIi8-IE8, levIiriMW M8IÜIM8-VM 1.A kivi.c ow LL DL DIDDL LL«lDD X0OLS8IDI.L H. L/v SLVVILSSi: DLS DLVX SLXLS. (7ri mussliijitjue volume Ue icroo pusses, orne cle 120 8ujet8 Fiuves. — : 10 tr. I— , ^ ^ « Z2 « , s I- ' L N -er --- i — ^ ^ « cD o « . VL8 IlllkLILlLV»» IMI8, IS. l k«!. i°-8: ? Süj Mk x.-k OOVUIMK VL VIKXM, ß k»I. , so V ^ L t r -ä "D p; - bä 7. ^ ^ ^ ^ N <—, . Z va « s-a > ' x- ^ - L EH -2 Sl , — L k-« ^ «-L ^ ^ s- - ^ 0 --- O " O ^ > ^7 ^ 6 'Z « er 7 « 2 « -a M Lw> H« NI L IV. M WU «M U-. LM G'° DZ 2 volumes — ?rix : 12 ko. SS ve/tcks/et se/ia-'e,?r6-rt r.88 70NL8 I «k kII8I0IIlL VL8 PUL»NLK8 LAPLKLM8 ci-, ^ ^ i—^ LZ 8 8 ^^ a— — , st, 8 ^ ? oM cmx^ « ls ^^2 st) 8 « .— ^ « - « Z: < Sl 'smiöiviiil M 'AM Ml Die Schweizerische National- Zeitung sungen gewährleisteten Freiheit seine nächste Aufgabe erkennt, wird es allen von ihrem Vaterlandc fern lc' bcnden Schweizern der treueste Spiegel hciinathticher Zustände sein. — Die Verbreitung des Blattes über die ganze Schweiz, Baden und das Elsaß macht die von ihm aufgenommcnen IX8LU riOXLX XI.I.KK ^It'r (Preis 6 Sous für den Raum einer Petit-Zeile) vorzugsweise wirksam. Für Paris vermittelt Abonnements wie Insertionen das tlNXVNcker. - NMtvXtl für IN t I 8 t N! -dX!» , 52 , ,»e >1cs Aloulil.'i ' luna^üch^erftenende^Matt den freisinnigen Bestrebungen aller Völker die aufmerksamste Betrachtung; indem es dann aber in möglichster Befestigung und Fortentwickelung der durch die schweizerischen Berfas- Nr 76 Paris, 1841. Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. - . . 48 „ Drei Monate. . . . S Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. Hr iv a MM Man abonnirtr für Paris:' tm N»»resu ventral pour I ^Nems^ne, rus lies ^toutins, 3s. in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Sichthal und Bernhard, ^Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Sonnabend.) Pariser Deutsche Zeitschrift. ( 21 . September.) Zustande aus dem Kanton Waadt. (Fortsetzung.) Tie große Masse hier wie anderwärts gibt sich dermalen noch keine Mühe, die Konstruktion dieses mechanischen Taschendiebs zu begreifen. Dieser Taschendieb wird übrigens seinem Schicksal nicht entgehen. Es wird ihm gehen wie der Schachmaschine des Wiener Orgelbauers, die alle Weisen und Dummeu oes Morgen- und Abendlands so lang in Erstaunen setzte, bis endlich Einer herausbrachte, daß ein spitzbübischer Betrüger hinter der Coulisse stecke. Statt über die Komplikationen des Geldsystemö und die Natur des Kapitals und der Spekulation nachzudenken, beschäftigen sich die Waadtländer von heute lieber damit, selbst Kapitalien zu erspekuliren. Selten Einer, der sich nicht mit dem Traum herumtrüge, selber einmal ein mehr oder minder großer Weltmann zu werden; — selten Einer, der nicht einmal in seinem Leben einen Versuch zur Reali- sirung dieses Traums gemacht hätte. Endigen auch diese Träume und Versuche gewöhnlich mit Katzenjammer und verbrannten Fingern, so gibt'ö gleichwohl wenig Lumpen hier zu Land, die nicht wenigstens Einmal im Jahr mit stolzem und befriedigendem Bewußtsein zu Bett taumelten, einer Republik anzugehören, in der „Freiheit" und „Vaterland" Trumpf sei, in der Jeder, der Arme so gut wie der Reiche, die Frucht seiner Arbeit genieße; in der es keine Tyrannen und Seigneurs -— excepts notre Lei^neur ck.-Oti. ! — gebe, in der man folglich keine, oder so gut als keine Abgaben zahle, kurz in der all' die Herrlichkeiten zu finden, über die man in Schweizergeschichten, Kalendern, Zeitungen u. s. w. das Weitere Nachlesen, oder, wenn man nicht lesen kann, in der ersten besten Pinte erfragen könne! So viel über die ökonomischen Verhältnisse der Waadtländer. So unbequem dieselben auch für Viele, ja geradezu für die Meisten sein mögen, man wird nicht läugnen können, daß sie im Vergleich mit denen anderer Länder vorteilhaft zu nennen sind. Das kommt vom Mangel an Handel und Industrie, zwei Erwerbsquellen, die in civilisirten starkbevölkerten Ländern das Volk arm machen. Die reichern Waadtländer haben, sagt man, in frühem Zeiten den Herren aus Bern, die früher hier den Ton an- gaben, eine gewisse Abneigung vor Handel und Industrie nachgeäfft, und dieselbe dann bis in unsere industrielle Zeit hinein behalten. Ein Krämer oder Handschuhfabrikant zu sein, scheint ihnen, mich dünkt mit Recht, ein peu honorabler Beruf für einen Sohn von guter Familie zu sein; kurz, man sagt, sie ziehen es vor, Gutsbesitzer oder Rentier zu sein, Staatsrath, Professor oder sonst dergleichen. Daß sie sich dazu hergeben, in den Rächen der hiesigen Republik neben Parvenüs und Leuten von schlechter Familie zu sitzen, darin sind sie den Berner Patriziern unähnlich. Diese letzter« werden sich nie dazu verstehen, die Herrschaft mit den Käsekrämern, Mezgermeistern, Kuhbanern und andern Leuten von bürgerlichem Geruch zu theilen; eher würden sie sich mit der Canaille verbinden — und das ist nobel von ihnen. „Es ist schimpflich, des materiellen Gewinns halber etwas zu lernen; " — »1s travu.il äero§e -> — sind Grundsätze, die wir überall bei freigebor- nen Völkern wiederfinden. Wie die Waadtländer Nobili dazu kommen, weiß ich nicht. Ich glaube, sie könnten getrost und ohne ihrer Geburt etwas zu vergeben, eine Marime der Nordamerikaner, die ja auch Republikaner sind, adoptiren; eine Marime, die den Grundsätzen der freien Griechen und des germanischen Adels schnurstracks widerspricht, eine Marime nämlich, nach der es für eine Schande gilt, „Etwas zu erlernen oder zu thun, das keinen materiellen Profitabwirft." Werin Amerika nicht schachert und spekulirt, wird verachtet. Da die Amerikaner aus germanischem Geblüt, und die meisten deutscher bürgerlicher Herkunft sind, so steht zu fürchten, daß Deutschland in eine Republik verwandelt und mit Handels- und Gewerbefreiheil beschenkt, dieselben Krämerseelen wie Amerika erzeugen würbe, wenn dem Unheil durch Abschaffung des Privateigenthums und des Geldes nicht vorgebeugt würde. Die hiesige Verfassung ist so demokratisch, wie man sie nur wünschen kann. Auch besitzen die Waadtländer insofern einen ächten demokratischen Sinn, als sie die Meinung des Andern respektiren und gewähren lassen. Die Demokratie in Aktion ist indessen bei weitem nicht so lebhaft wie die nordamerikanische, und das liegt in gewissen Verhältnissen. In Amerika ist man leidenschaftlich für die eine oder andere Parthei, je nachdem man ein Baumwollen- oder Mehlspekulant, ein Jmporter oder Erporter ist. Diese noblen Motive fallen hier weg. Daher die Stille, ich möchte sagen, die Schläfrigkeit des hiesigen politischen Lebens. Und doch sind die kühnsten Träume der französischen Reformisten hier eine Wirklichkeit, eine selige, aber etwas trübselige Wirklichkeit: Republik, Associationsrechte, direkte Wahlen, keine Censur, jeder majorenne Bürger Wähler und wählbar, keine Septembergesetze— Herz v. Lamartine, was verlangst du mehr? Ach! Herr v. Lamartine verlangt nicht einmal so viel. Er will nur, daß die Nationalrepäsentation ein getreuer Ausdruck der wahren Interessen des Volkes sei. Eitle Hoffnung ! Ohne Abschaffung des Privateigenthums und der Privatintereffen werdet ihr „durch Wahlresorm" eine Repräsentation der wahren, d. h. menschlichen Interessen des Volkse nie zu Wege bringen — denn das Volk kennt keine solchen. Das kann man hier in der Schweiz sehen. Neue Besen kehren gut! In den ersten 30ger Jahren waren- die Wahlen überall ziemlich lebhaft; damals kamen hier in Waadt durchschnittlich zwei Drittheile der Wähler zur Wahlstätte. Jetzt, nachdem sich das Volk davon überzeugt hat, daß doch nichts dabei herauskommt, ob es Hans oder Kunz in den großen Rath schickt, werden die Wahlen nur noch sehr spärlich besucht; dies ist fast in allen Kantonen der Schweiz so; — und dadurch wird das Spiel den sogenannten Reaktionären sehr erleichtert. Indessen — das Volk hat Recht. Was können ihm diese Gesetzmacher helfen, so lange noch das Eigenthum nach der Verfassung (z. B. der genferischen), oder nach der Ansicht des Volkes selbst, ein über jede Discussion erhabener heiliger Gegenstand ist. Dem Volk kann nur durch eine neue Constituante geholfen werden; — die Vollmachten seinerdermaligen Gesetzgeber sind zu kurz, ihm zu helfen. Das fühlt das Volk, aber es weiß es nicht — und daher ist es ihm ziemlich gleichgültig, von wem es repräsentier wird. Die eigentlichen Repräsentanten des Volks und der Volksnoth in den großen Rath zu senden, geht nach der Meinung des armen Volks nicht wohl an, — sonst würde es den eben erwähnten 28000 Produzenten, wenn sie nur eiumal 2 — 3 Tage Zusammenhalten wollten, gar nicht so schwer fallen, eine aus puren Taglöhnern, verschuldeten Bauern und Handwerksburschen bestehende Majorität in den großen Rath zu bringen. Aber ach! das souveräne Volk hat eine zu schleckte Meinung von seiner eigenen Souveränetät, es traut sich zu wenig Rhetorik, Nationalökonomie, Staatsrecht und tke äevil take Ille rebt zu, kurz, es hat nicht Einsicht, Muth, Tugend und Humor genug, um aus der Komödie einmal Ernst zu machen. Ich habe oben gesagt, dem Volk könne nur eine Konstituante Helsen; ich nehme diesen Ausspruch zurück, denn ich sehe jetzt, daß selbst ein guter „großer Rath" Außerordentliches leisten könnte. Nur 2 'Eins : hier zu Land sind 5 Prozent der gesetzliche Zinsfuß, den die Gesetzgebung sestgeftellt hat. Lll dien! kann die Gesetzgebung 5 Prozent feststellen, so kann sie auch 1, ja 0 Prozent seststellen. Bestimmte sie nun ferner, wozu sie zweifelsohne ebenfalls berechtigt ist, für die Rückzahlung der Kapitalien einen sogenannten Kündigungs-Termin von 100 Jahren, so wäre für die nächsten 100 Jahre manchen Waadtländern ein Bedeutendes geholfen! Wetter ! wenn die armen Leute das einsähen : vielleicht würden sie dann die Wählen fleißiger besuchen. Ja, wenn!! Nicht daran zu denken vor der Hand! Für die nächsten hundert Jahre werden, bei aller Wahlfreiheit, hier und anderwärts die Volksrepräsentanten von solchen Leutender Minderheit gewählt werden, die Geld, Zeit und Interesse genug haben, ihre Kandidaten durchzusetzen. Man hat mir gesagt, es sei viel, wenn, hier zu Land, von 2000 berufenen Wählern 700 auf dem Wahlplatz erschienen oder ausharrten; und von diesen 700 soll durchschnittlich ein Drittel wenigstens zum Personal der Beamteten gehören. Auf diese Weise sind Majoritäten zu Stand gekommen, die aus Leuten bestehen, welche in sofern gar nicht zum souveränen Volk gehören, als sie aus diese Souveräne- tät mit einer mehr oder weniger versteckten Verachtung herabschauen, ja geradezu, wie z. B. der Professor Cherbuliez in Genf, Bücher und Zeitungen gegen dieselbe schreiben. Noch muß ich, um gewissenhaft zu sein, bemerken , daß die hiesigen demokratischen Politiker die Schuld so trauriger Resultate nichi sowohl in der Indifferenz und Unwissenheit des Volks, als vielmehr in gewissen äußerlichen Mißständen zu suchen pflegen. Bei den hiesigen Wahlen entscheidet nämlich das sogenannte absolute Stimmenmehr der Anwesenden. Nun soll es aber den Klugen und Reichen, die Muße genug haben, die sogenannten -vorbereitenden Versammlungen zu besuchen, ein Leichtes sein, dieses absolute Stimmenmehr zu er- chalten, oder so lange (oft Tagelang) anzuhalten, bis das Volk, das auf seinen Tagelvhn hingewiesen ist und keine Zeit hat, sich gründlich auf die Wahlen vorzubereiten, ermüdet und gelangweilt zu Hause bleibt und der Minorität das Feld räumt. Mögen sich das die französischen Reformisten merken, und einstweilen auf Mittel sinnen, wie die 5 Millionen Wähler, die sie aufstellen wollen, auf den Wahlplatz zu bringen und dort zu halten sind. Wenn sie nicht über 10 — 20 Millionen Tagegelder für die armen Wähler zu verfügen haben werden, wird die projectirte Wahlreform an dem stulus qmo der Krämerherrschaft auf die Dauer nichts Bedeutendes .zu verändern im Stande sein. Was haben die radikalen Reformen der 30ger Jahre an den Zuständen der Schweiz geändert? Nichts, so gut als Nichts. Einige Artikel, einige Namen sind mit andern vertauscht worden, die Sachen sind dieselben geblieben. Keine Demokratie, weil die Volksherrschaft nur von einem gebildeten, der Herrschaft fähigen Volk ausgeübt werden kann. Die Herrschaft, die seit 1815 in die Hände der historisch-berechtigten Familien und Korporationen zurückgegeben worden war, ist kraft des „Rechts des Reichern und des Listigem" in die Hände einiger andern Familien, Korporationen und incorporirten Parvenüs gekommen. In Bern kämpfen, nachdem die Patrizier hochmüthig zurückgetre- ru sind, Juristen und die „Geldbauern"umdie Herrschaft; in Genf (wo Guizot seine Schule gemacht!), herrschen trotzderdemocratischenVerfassung, die alten, ausgetrockneten,-herzlosen Doktrinärs; Waadt wird ebenfalls im Sinn einiger pietistifch- doctrinären Professors-Familien gegängelt. Ullilo- soxllus rex esto ! Gäbe es Philosophie an der hiesigen Akademie, der Traum Platos wäre hier nahe daran eine Wirklichkeit zu sein. (Fortsetzung, folgt.) Die Lage Grrglan-s. Die englische Constitution. (Fortsetzung.) Wenn die Krone und das Oberhaus machtlos sind, so muß das Unterhaus nothwendig alle Gewalt in sich vereinigen, und das ist der Fall. Zn der Wirklichkeit macht das Unterhaus die Gesetze und verwaltet sie durch die Minister, die nur ein Ausschuß desselben sind. Bei dieser Allmacht des Unterhauses müßte England also eine reine Demokratie sein, wenn auch nominell die beiden andren Zweige der Legislatur bestehen blieben, wenn nur das demokratische Element selbst wirklich demokratisch wäre. Aber davon ist keine Rede. Die Gemeinden blieben bei der Festsetzung der Verfassung nach der Revolution von 1688 in ihrer Zusammensetzung ganz unberührt; die Stävte, Flecken und Wahlbezirke, die das Recht zur Absendlmg eines Deputaten früher gehabt hatten, behielten es bei; und dies Recht war durchaus kein demokratisches, „allgemeines Menschenrecht," sondern ein ganz feudalistisches Privilegium, das noch unter Elisabeth ganz willkürlich und aus freier Gnade von der Krone vielen bisher nicht vertretenen Städten verliehen wurde. Selbst den Charakter der Repräsentation, den die Unterhauswahlen wenigstens ursprünglich hatten, verloren sie bald durch die „historische Entwicklung." Die Zusammensetzung des alten Unterhauses ist bekannt. In den Städten war die Erneuerung des Deputaten entweder in der Hand eines Einzelnen oder einer geschlossenen und sich selbst ergänzenden Korporation; nur wenige Städte waren offen, d. h. hatten eine ziemlich große Zahl Wähler, und in diesen verdrängte die unverschämteste Bestechung den letzten Rest wirklicher Repräsentation.Die geschlossenen Städte warenmeist unter dem Einfluß eines Individuums, gewöhnlich eines Lords; und in den ländlichen Wahlbezirken unterdrückte die Allmacht der großen Grundbesitzer jede etwaige freiere und selbstthätige Regung unter dem übrigens politisch leblosen Volk. Das alte Unterhaus war weiter nichts, als eine geschlossene, vom Volk unabhängige, mittelalterliche Korporation, die Vollendung des „historischen" Rechts, die auch nicht ein einziges wirklich oder scheinbar vernünftiges Argument für ihre Eristenz anführen konnte, die trotz der Vernunft eristirte, und darum auch 1794 durch ihr Counts läugnete, daß sie eine Versammlung von Repräsentanten und England ein Repräsentativstaat sei*). Einer solcher Verfassung gegenüber mußte die Theorie des Repräsentativstaats, selbst der gewöhnlichen konstitutionellen Monarchie mit einer Repräsentanten-Kammer, als *) 8koonü Hkpoi-t o5 che LoinmiNee »f Leei-ee^, lo vchonl che kg^-eeg ikkerreä to Ot8 N«8- 83A6 on che 12. Milt 1794, ^vei e ckklivereck. (Bericht Mer die Londoner revolutionären Gesellschaften. London, 1794.) kng 68 ff. i durchaus revolutionnär und verwerflich erscheinen, und daher hatten die Tories ganz Recht, wenn sie die Reformbill als eine dem Geist und Buchstaben der Konstitution schnurstracks zuwiderlaufende und die Constitution untergrabende Maaßregel bezeich- neten. Die Reformbill ging indeß durch, und wir haben nun zu sehen, wozu sie die englische Verfassung und besonders das Unterhaus gemacht hat. Zunächst sind die Verhältnisse für die Wahl von Deputaten auf dem Lande ganz dieselben geblieben. Die Wähler sind hier fast ausschließlich selbst Pächter, und diese sind von ihrem Grundbesitzer durchaus abhängig, indem dieser ihnen, die mit ihm in keinem kontraktlichen Verhältniß stehen, jeden Augenblick die Pacht aufkündigen kann. Die Deputaten der Grafschaften (im Gegensatz zu den Städten) sind nach wie vor Deputirte der Grundbesitzer, denn nur in den aufgeregtesten Epochen, wie 1831, wagen die Pächter gegen die Grundbesitzer zu stimmen. Ja, die Reformbill machte das Übel nur schlimmer, indem sie die Zahl der Deputaten für Grafschaften vermehrte. Von den 252 Grafschafts- Deputirten können die Tories daher immer auf wenigstens 200 rechnen, es sei denn daß eine allgemeine Aufregung unter den Pächtern herrsche, die das Einschreiten der Grundbesitzer unklug machen würde. In den Städten wurde wenigstens der Form nach eine Repräsentation eingeführt und jedem, der ein Hans von wenigstens zehn Pfund jährlichen Miethwerthes bewohnt, und directe Steuern (Armensteuer re.) bezahlt, das Stimmenrecht ertheilt. Hierdurch ist die ungeheure Majorität der arbeitenden Klassen ausgeschlossen; denn erstens wohnen natürlich nur Verheirathete in be- sondern Häusern, und wenn auch ein bedeutender Theil dieser Häuser jährlich zehn Pfund Miethe kostet, so umgehen doch die Einwohner fast alle die Bezahlung der direkten Steuern und sind daher keine Wähler. Die Zahl der Wähler bei chartisti- schem, allgemeinem Stimmrecht würde sich mindestens verdreifachen. Die Städte sind somit in den Händen der Mittelklasse, und diese wiederum ist in den kleineren Städten sehr häufig — direct oder indirect — durch die Pächter, die die Hauptkunden der Krämer und Handwerker sind, von den Grundbesitzern abhängig. In den großen Städten allein kommt die Mittelklasse wirklich zur Herrschaft, und in den kleineren Fabrikstädten, namentlich Lan- cashires, wo die Mittelklasse an Zahl und das Landvolk an Einfluß unbedeutend ist, wo also schon eine Minorität der Arbeiterklasse ein entscheidendes Gewicht in die Wagschale legt, kommt die Scheinrepräsentation einer wirklichen einigermaaßen nahe. Diese Städte, z. B. Ashton, Oldham, Rochdale, Bolton u. s. w., schicken daher auch fast nur Radikale ins Parlament. Eine Ausdehnung des Stimmrechts nach den Grundsätzen der Chartisten würde hier, wie überhaupt in allen Fabrikstädten, diese letztere Partei zur Majorität der Wähler erheben. Außer diesen verschiedenen und in der Praxis sehr komplicirten Einflüssen machen sich aber nock- verschiedene Lokalinteressen, und zu guter Letzt ein sehr bedeutender Einfluß geltend — der der Bestechung. In dem ersten Artikel der gegenwärtigen Reihe war schon die Rede davon, daß das Unterhaus durch sein Bestechungs-Comite erklärte, es sei durch Bestechung gewählt, und Thomas Dun- combe, das einzige entschieden chartistische Mitglied, hat es dem Unterhause längst gerade heraus gesagt, daß kein Einziger in der ganzen Versammlung, er selbst nicht, sagen könne, daß er durch die freie Wahl seiner Konstituenten, ohne Bestechung, an seinen Platz gekommen sei. Im vergangnen Sommer erklärte Richard Cobden, Mitglied für Stockport und Führer der Antikorngesetz-Ligue, in einem öffentlichen Meeting in Manchester, daß die Bestechung jetzt einen höheren Grad erreicht habe als je, daß in dem torystischen Carlton-Club und dem liberalen Reformclub in London die Repräsentation von Städten förmlich an den Meistbietenden versteigert werde, und diese Clubs als Unternehmer handelten — gegen soviel Pfunde garantiren wir dir diese Stelle u. s. w. — Und zu alledem kommt noch die saubere Manier, mit der die Wahlen vorgenommen werden, die allgemeine Trunkenheit, in der das Votum abgegeben wird, die Schenken, in denen die Wähler auf Kosten der Kandidaten sich berauschen, die Unordnung, die Schlägereien und das Geheul der Masse au den Abstimmungsbnden, um die Nichtigkeit der für sieben Jahre gültigen Repräsentation zu vollenden. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Über Bruno Bauer. Der zweite Band der Geschichte des 18. Jahrhunderts von Bruno Bauer entspricht in keiner Weise auch nur der mittelmäßigsten Erwartung, die man von diesem Werke früher hegte. Die Berliner Zeitungscorrespondenten hatten den ersten Band marktschreierisch ausposaunt; die Potizeihinderniffe sammt den Modisicationen des Obercensurgerichts hielten die allgemeine Aufmerksamkeit wach, der Name des Verfassers, der als kritischer Kopf bekannt war l Alles das mochte dazu beitragen, bereits jenem ersten Bande, selbst in nicht „befreundeten" Blättern, eine viel besstre Würdigung zu verschaffen, als er eigentlich, bei Lichte betrachtet, verdiente. Konnte aber das Urtheil beim ersten Bande noch schwanken, so muß die Kritik bei der ersten Abtheilung des zweiten Bandes vollständig ins Klare gekommen sein. Man kann sich nichts Aphoristischeres, Unzusammenhängenderes denken, als diesen' Potpourri von seltenen Anekdoten, von geringschätzender Behandlung wirklich bedeutender Geister, von gänzlichem Unverstände über die deutsche Entwicklung während des vorigen Jahrhunderts. Bruno Bauer hat sich in den Kopf gesetzt, die französische Revolution zum Maaße der Dinge zu nehmen, die Thatkraft eines Volkes darnach zu beur- theilen, ob es so praktisch sein könne, wie die Franzosen von 1789 — 1792; er schüttet seinen kritischen Spott über Deutschland aus, weil dieses Land — keine französische Revolution gemacht, weil es sie größtentheils in seinen Consequenzen nicht einmal begriffen habe. Das deutsche Volk würde aber aufgehört haben, das deutsche zu sein, hätte es sich den politischen Standpunkt der Franzosen damals angeeignet; es hätte darauf verzichtet, erst einen höhern Standpunkt sich herausarbeiten zu sehen und selbst mit herauszuarbeiten; es hätte folglich den ganzen kritischen Standpunkt Bauers, diesen Gegenstand der Apotheose, gar nicht einmal aufkommen lassen. Was aber das Verständniß der französischen Revolution anbelangt, so war gerade dieses die Aufgabe desselben höhern Standpunktes, den namentlich die deutsche Kritik gegenwärtig gewonnen hat, eines Standpunktes, den das praktische Volk unserer westlichen Nachbarn weder damals hatte, noch auch großentheils jetzt durchgängig besitzt. Hätten Förster oder Fichte die französische Revolution verstanden, wozu brauchte man denn jetzt „Denkwürdigkeiten" zu compiliren und die Gedanken der Geschichte kritisch „fein auseinander zu legen?" Wozu bedürften wir Bruno Bauers und seines Herrn Bruders? Wer die deutsche Nation während der Zeit der französischen Revolution vom Standpunkte derselben Revolution aus kritisirt, der muß sich gefallen lassen, daß man diesen Standpunkt selbst wieder der Kritik unterwirft, und ihn, den Kritiker, mit; daß man, falls sich ergeben sollte, die französische Revolution sei unter dem Standpunkte der s / - heutigen Kritik, auch ihn, den Kritiker, unter der Kritik findet. Die deutsche Philosophie mit ihrem Resser in der schönen Literatur erbärmlich finden, heißt die französische Revolution und das politische Leben Frankreichs ebenfalls erbärmlich nennen. Denn die noch unvollkommene, erst werdende Geschichte der Freiheit hatte sich im 18. Jahrhundert getheilt, hatte zwei sich gegenseitig ergänzende Faktoren in Bewegung gesetzt, die erst später in dem Gedanken des Menschen ihre höhere Einheit fanden. Früher gab es auf der einen Seite den cim^en, auf der andern Seite das absolute Ich: diese beiden find eben durch die Entwicklung der Geschichte, durch die Philosophie und die Revolution in dem Menschen zusammengefallen. Wer das nicht versteht, sollte am Wenigsten eine Geschichte des 18. Jahrhunderts schreiben. Deutschland, das bisher unpraktische, das bisher nur gedankliche Land, wegen dieser seiner Art und Weise mit Hohn und Spott übergießen, ist grade so unsinnig, als wenn man an die franz. Philosophie den Maaßstab des deutschen Idealismus legen und über die Unzulänglichkeit der Franzosen spotten wollte. Der deutsche Idealismus aber wird trotz aller Feier der,,wunderlichen Heiligen," die „französisch sprachen," sein Recht behalten; denn wenn er sich in letzter Instanz als in die unmittelbare Praxis übergehend erweist, so thut er das wahrlich nicht, indem er auf den Vvltaire'schen Standpunkt zurücksinkt, sondern indem er sich über sein eigenes Wesen bewußt wird. Und Frankreich muß gerade sogul seine praktische Noth zur bewußten Noth machen, wie wir die Noth unseres Bewußtseins als pra ktische Noth zu begreifen haben. Von diesem Standpunkte aus schreibt man Geschichte, Herr Bruno Bauer! Wir thun indessen dieser Darstellung „Deutschlands während der französischen Revolution" viel zu viel Ehre an, wenn wir von ihr verlangen, sie solle in Fichte, Schiller und namentlich in Göthe, der als der „Armseligste" unter den „Armen" geschildert wird, grade so gut die.Vorbereitung zum menschlichen Wesen erkennen, wie dies in den Helden der französischen Revolution zu finden ist; denn es ist nicht einmal dasjenige gethan, was der eigene, falsche Standpunkt erforderte, das Material ist nicht einmal zu einer falschen Tendenz richtig ausgebeutet worden. Die Wichtigkeit, welche Bruno Bauer den alleruntergeordnctstcn Kleinigkeiten, einem Herren Hase in Zerbst, dea Hildesheimer Streitigkeiten rc. widmet, zeigen zur Genüge, wie die Anec- dote hieran die Stelle der Geschichte getreten ist, wie das C ur i osum der Gott der absoluten Kritik geworden, wie das Publikum hier nicht durch die Macht der allgemeinen Thatsachen zu einer Überzeugung gebracht werden, sondern im Speziellen, bei Seite Liegenden, das Genie und die Entdeckungsgabe des Autors anstaunen soll. Fahre Bruno Bauer nur so fort, so wird ihm sein : einsam, einsam, einsam! schon im Garten wachsen, so wird er seine Ausschließung aus der Gesellschaft, auch aus der literarischen, in der Weise erzielen, daß nicht mehr Er es ist, der sich selbst ausschließt, sondern daß Andere, Alle einem Geiste die Thüre weisen, der zu seiner einzigen Devise die Marotte genommen hat. Mit Marotten wird keine Geschichte gemacht, sondern mit Hingebung an die Wahrheit und mit rücksichtsloser Darstellung der Wahrheit. Bruno Bauer beweist recht eclatant, wozu man kommt, falls man Entwicklungen nicht adoptirt, blos aus dem Grnnde, weil man ihre Namen nicht selbst erfunden hat, wie fabelhaft man sich endlich gebärden muß, wenn die Geister über Einen hinausgegangen sind, und man dennoch stets die Behauptung ertönen lassen will : Ich allein weiß das Beste, das Neueste! Die Pariser Correspondenz der „Deutschen Schnel l p o ft" schreibt folgendes aus Paris, den 16. Juli 1844 : Ernste Ereignisse sind in den letzten Tagen an uns vorübergegangen, an noch ernstere Ereignisse haben wir uns durch Gedächtnißtage zu errinnern gehabt; ich nenne Ihnen von letzteren nur den 13. und den 14. Juli. — Am letzteren Tage begann die große Revolution von 1789 mit dem Sturm der Bastille, - an ersterem starb der Thronerbe der neuen Dynastie, die die zweite Revolution auf den Thron Frankreichs gehoben hatte. Welche Weltgeschichte liegt zwischen diesen beiden Tagen! Die Hinrichtung Ludwig I., weil er nicht Much und Aufrichtigkeit genug hatte, um m i t der Revolution zu gehen, der Sturz Camille Desmoulins, Dantons, Nobespierres, St.-Just und aller dieser andern Heroen des Convents, die man jetzt als Bluthunde verschreit und denen eine spätere Zeit erst unpartheiische Gerechtigkeit wicderfahren lassen wird, sie die bloß deshalb auf dem Schaffotte endeten, weil ihnen der Muth fehlte ganz zu rcvolutioniren; sie hatten Adel, Privilegien, Königthum, Geistlichkeit, ja selbst Gott abgeschafft, sie hatten allen Götzendienst vergangener Jahrhunderte zertrümmert, aber an den Hauptgötzen, den Baal unserer Zeit wagten sie sich nicht, sie wollten das Eigenthum nicht revolutioniren, und darum fielen sie; —- sie schickten Hebert, Chaumette, Ana- charsts Klootz, die dies wollten, zum Tode; damit tödteten sie die Revolution, der 9te Thermidor kam und von nun an ging Frankreich unaufhaltsam der Gegen- Nevolution, dem Militär-Despotismus und somit der Restauration entgegen. Aber zwischen jenen beiden Tagen liegen auch Direktorium, Consulat, Kaiserreich, Restauration, Hundert Tage, Juli-Revolution, Juste-Milieu- Regierung mit allen den unzähligen Details und Schar- tirungen dieser großen historischen Bilder und reicher als alle Zeiten der Vergangenheit sind diese 53 Jahre an großen Lehren für die Völker. Haben sie etwas daraus gelernt ? Ja — und : Nein! Doch war das Lernen mehr negativer Art; — man sah ein, was schlecht und gefährlich ist, man lernte den Despotismus in allen seinen Arten kennen, von dem Despotismus der Pöbelmassen, dem Despotismus glücklicher Generale bis zu dem Ur-Despo- tismus der russischen Knute; — man lernte den hohlen Flitterkram des Konstitutionalismus kennen, man pro- birte es mit zehn bis zwölf verschiedenen Konstitutionen, alle für die Ewigkeit gemacht und beschworen, — man erkannte endlich den gefährlichsten Feind der Menschheit: das Geld, und seine alles beherrschende, alles lähmende Macht. Man hat eine große Schule durchgvmacht, viel gelernt, wird sich künftig als gebranntes Kind vor Vielem hüten, aber positiv hak die Menschheit aus Allem Geschehenen noch wenig gelernt, — sie weiß nür was ihr schadet; was ihr frommt, weiß sie noch nicht. Unser politisches Bewußtsein ist zur Kritik des Bestehenden geworden, das ohne Rücksicht verworfen wird; aber etwasNeues, Vollkommneres zu organisiren, dazu haben wir es noch nicht gebracht. Allein schön das ist genug, daß wir anfangen klar auf die Vergangenheit zurückzublicken und sie abzuurtheilen, — auch der Schleier der noch über der Zukunft ruht, wird reißen und die Menschheit wird unaufhaltsam ihrer Bestimmung zugehen. Sie haben gewiß, wie so viele andere edle Gemüther, über Deutschlands Zukunft nachgedacht, aber gewiß seltener über die Zukunft der Menschheit; — und doch ist diese ungleich wichtiger; ohne glückliche Menschheit kein glückliches Deutschland Frankreich, England und wie diese Parzellen des Ganze- alle heißen. Glauben Sie denn wirklich, daß wenn ganz Deutschland ein einziges Reich wäre, wenn es die Konstitutionen Nord-Amerika's und den besten Menschen zum Kaiser oder die beste Republik (nach den bisherigen Begriffen) hätte, daß ihm damit geholfen wäre? — würden die armen Weber am RieseNgebirge darum weniger hungern, weil Preßfreiheit eristirte? würden Tausende und Tausende von armen Handwerkern darum weniger kümmerlich sich unter Noch und Sorgen vom Tage auf den Tag durchschlagen müssen, wenn die Deputaten aus allen deutschen Gauen beisammen säßen und gar herrliche Reden hielten? glauben Sie, daß der Pauperismus aufhören würde, wenn Deutschland zur politischen Macht geworden, auch seinen Gesandten bei der Londoner Conferenz hätte und ein Wort über das Schicksal der Türkei mitreden könnte?--- glauben Sie das Alles? Nein, das Übel liegt tiefer, — es liegt in der Entwürdigung, in der gedrückten Lage, in dem Nothstande der Massen, in der Tyrannei der Kapitalien, in der Engherzigkeit und Unduldsamkeit der cönfessionellen Religionen, in der inneren Einrichtung der Gesellschaft, die man zum Staate gemacht, deren Glieder man zu Bürgern, Soldaten, Armen, Reichen, Christen, Juden, kurz zu sich befeindenden Kasten gemacht hat- Aber es tagt fürchterlich herauf übe> Europa, die Menschheit regt sich zum Kampfe um ihre alten Rechte, und gegen die Menschheit kämpfen die Kaiser und Könige mit ihren Kanonen und Bajonetten, kämpfen die Priester mit ihrem Gott und Teufel, die Juristen mit ihren Gesehen und selbst die Philosophen mit ihren Systemen vergebens. Die Menschheit kennt nur einen Sah: Ich bin, damit ich bin. Da ihr aber das „Sein" täglich mehr unmöglich gemacht wird; — da Einzelne auf- treten und der Masse, den Sah verdrehend, sagen : Ihr seid, damit wir sind, so steht ste auf, nicht um sich zu rächen für Jahrhunderte lange Unterdrückung, nicht aus Ehrgeiz, Habgier, oder Umwälzungstrieb, — sie steht auf um das Erste, Heiligste: ihre Existenz wieder zu erkämpfen. Der Mensch muß wieder das Höchste sein auf Erden, die Sache ihm unterthan, und unter den Sachen steht das Geld, welches leider jetzt das Höchste ist und Könige, Kaiser, Minister und Priester, ja die ganze Welt beherrscht. Arbeit, Fleiß, Intelligenz, Genie, Überzeugung, Alles schmachtet in der Sklaverei des Geldes; — mit dem Gelde aber ist keine Freiheit möglich. Sie haben in Amerika unbeschränkte Preßfreiheit,— nicht wahr? — Sie können also, was sie denken, fühlen, empfinden, wollen, durch Ihr Blatt veröffentlichen, der Menschheit mitthcilen, Gutes wirken — doch nein! es ist nur Täuschung, — Sie können es nicht; — das Geld verhindert es; das Geld ist mehr als Sie, als Ihr Präsident, als Ihr Eongreß, als Ihre Konstitution, als Gott. Wollen Sie den Beweis? Nichts leichter als das. Nehmen wir an, ich wäre ein reicher Mann, ein amerikanischer Rothschild — Gott sei Dank! ich bin cs nicht, — und mir gefiele die Tendenz Ihres Blattes, ja mir gefiele nur eine Zeile Ihres Blattes nicht, so kann ich es augenblicklich vernichten. Dazu hat ja das Geld seine Zwillingsschwester : die Concurrenz, auf gut Deutsch : die Geldjagd und Brodschnapperei; ich gründe Ihnen gegenüber eine andere Schnellpost, ich gebe sie um das halbe Deld, ich gebe ste umsonst, bis alle Ihre Abonnenten abgefallen sind; — nun drucken Sie doch noch, verbreiten Sie doch noch ihre Gedanken, mit der konstitutionellen Preßfreiheit; — nicht wahr, ste können es nicht? — das Geld ist stärker als Sie. Und wollen Sie dieses Beispiel auf tausend und tausend, ja auf alle anderen Lebensverhältnisse anwenden, es wird überall passen, von dem armen Arbeiter an, der den sauren Schweiß seiner Arbeit, die Mühen seiner rüstigen Arme für kärglichen Taglohn dem reichen Fabrikherrn verkauft, der Millionen damit gewinnt, — bis zu dem genialen Erfinder einer Maschine, der seine Idee um ein Lumpengeld an Kapitalisten verkaufen muß, weil ihm die Mittel zur Ausführung fehlen, und der dann Andere, der nichts erfunden, nichts gedacht, nichtsgethan, sich mit den .Früchten seiner Erfindung bereichern steht;— von den Eisenbahnen an, die das Land mit seinen Steuergeldern baut, um ste an Aktiengesellschaften zu verschleudern, die schändlichen Wucher damit treiben, bis zu Rothschild, der durch eine bewilligte oder verweigerte Anleihe einen Staat zum Kriege oder zum Frieden nöthigt. — Wer regiert jetzt? — Das Geld! — Ei so wollte ich doch lieber den härtesten Gesetzen Spartas gehorchen, als der elenden aufgeblasenen Schacher-Aristokratie des Geldes. Dieses Bewußtsein nun durchdringt Europa täglich mehr; — nennen Sie es Communismus, Soeialismus, Fourierismus, Simonismus, humanistische Schule, — genug! cs ist da, es regt und erhebt sich auf allen Punkten, und die Arbeiteraufstände an allen Ecken und Enden sind nur schwache Symptome. Haben Sie eine Ahnung davon was in den Arbeiter-Klassen Englands gährt, von welchem Lande die neuste rad reale Revolution auch ausgehen wird, — wissen Sie, welche Gedanken die Arbeiterschaa- rcn in Frankreich zu einem mächtigen Ganzen organistrt haben, — werden Sie es vermuthen, daß die Schweiz, daß Deutschland, politisch unmündig, in Beziehung auf ihre humanistische Stellung mündig zu werden anfangen, und daß eine neue Zeit mit Riesenschritten heranrückt? Ja wir stehen am Vorabende einer neuen, großen, gründlichen Revolution — ob sie nun in hundert Wochen ausbricht, oder in hundert Jahren, ob ste durch äußere Verhältnisse, durch Umstände und gewandte Jntriguants aufgehaltcn oder zeitweise unterbrochen wird, gilt gleich- - — sie wird ihren Weg machen, ste wird ihr Ziel endlich erreichen. ,,Den Menschen in den Besitz aller sei- ,,ner menschlichen Rechte zu setzen, die wahre Gleichheit ,,der Menschen zu begründen, das unbeschränkte Eigen- ,,thum aufzuheben und Jedem seinen gleichen Theil an ,,der Erde zuzugestehen, das Geld und mit ihm Laster ,,aller Art, Habsucht, Neid, Egoismus, Diebstahl, Raub, ,,Mord, Verrats) und Prostitution, — Alles nur um ,,und durch Geld möglich — zu verbannen, und so die ,,Menschheit gereinigt von den Schlacken des Rangunter- ,,schiedes, des Sektengeiftes, der Herrschsucht, des Geizes, ,,ihrer Ausbildung und Vollkommenheit entgegenzufüh- ,,ren, das ist die Aufgabe und der Zweck dieser neuen „Revolution und er ist erreichbar." Ich weiß, daß man diese Ideen oft wegzuspötteln versucht, daß man von Communismus, Socialismus u. s. w. Zerrbilder entworfen hat, die Alles besaßen nur keine Wahrheit; daß man Lügen, Verdächtigungen, Lerläum- dungen verbreitete, daß man sogar mit Feuer und Schwert gegen die neue Lehre wüthete, — die Grund-Idee kann man doch nicht vernichten und sie wird triumphiren. Sehen Sie, wie ich zum Propheten geworden bin; — in einem meiner ersten Briefe schrieb ich Ihnen : Die preußische Regierung hat ihren Handwerksgesellen verboten in die Schweiz zu wandern, um nicht vom Communismus angefteckt zu werden. Es ist nur zu fürchten, daß, wenn die Unterthanen nicht mehr zum Communismus dürfen, ,,dieser zu ihnen kömmt." — So schrieb ich, — ist das nicht binnen einem Jahre pünktlich eingetroffen? Taucht der Communismus in seiner furchtbarsten Gestalt: Haß gegen das Eigenthum, Zerstörung des Überflusses, nicht in Peterswalde, Langenbiclau, Reichende;g, Böhmisch-Leippa, P ag, Ingolstadt, — ja mittelbar in München auf und von allen diesen Leuten, diesen Leinwebern und Festungsarbeitern war Keiner in der Schweiz; — die Regierungsorgane klagen die Presse an, aber diese Leute haben nie etwas gelesen, gewiß aber nicht die deuschen Jahrbücher, die Rheinische Zeitung, Feuerbach, Marx und Rüge, ja nicht einmal Weitlings Harmonie, die sie ja auch vielleicht nicht verstanden hätten. Nein, der Communismus wächst überall aus dem Boden heraus, er entsteht von selbst, er wird nicht durch Propaganda gemacht, die Regierungen und die Kapitalisten sind seine eifrigsten Beförderer. Da helfen auch keine „Vereine zur Verbesserung der Lage der ärmeren Vvlksklassen," keine „allerhöchsten Handbillcts" — keine „von Oben herab angeordnete Erhöhung des Arbeitslohnes" — (eine Sache, die sich gar nicht befehlen läßt), keine Geldvertheilungen oder Lebens- mittelscndungen; — hier hilft nur eine radicale Kur. Der Communismus ist die große Krankheit unserer Zeit, die jetzt die Welt in heftigen Krämpfen durcheinander zu schütteln beginnt, diese Krämpfe und Fieberzuckungen werden immer ärger, immer gefährlicher werden, bis der höchste Punkt, dieC risis auf der Nadelspitze zwischen Leben und Tod eintritt; — dann erst ist die Genesung, ist die Rückkehr zur Gesundheit möglich. Ist wirkliche Lebenskraft in Deutschland, — so wird es die Crisis überstehen,— wo nicht, nun so mag es hinfahren ; — wenn es auch keine Deutschen mehr gibt, Menschen wird es doch immer geben. Hier in Frankreich gehen die alten Parthcien zu Grabe, so daß man ste kaum mehr unterscheiden kann, als höchstens nach ihrem Journalgeschwätz, — in Europa gehen die alten Nationen zu Grabe; — man wird keine Franzosen, Deutsche, Spanier, Türken, man wird nur Menschen finden; keine Katholiken, Protestanten, Juden, Muhamedaner, aber Menschen; keine Reichen und Armen, keine Hofräthe und Bettler, keine Fürsten und Sklaven; aber Menschen — Menschen - Menschen!!'. Und ist eine solche Zukunft nicht eine schöne, hehre, heilige; — sollen wir nicht Alle daran arbeiten? Und Deutschland? werden Sie fragen. — Mein liebes Deutschland — habe ich Ihnen nichts davon geschrieben ? ich sollte doch meinen, der ganze Eingang dieses Briefes handelte Mn nur von Deutschland und dessen Zukunft; die Gegenwart aber ist keinen Schuß Pulver werth.— Der Cartellpertrag zwischen Preußen und Rußland ist wirklich erneuert worden, — die Er-Staats- Zeitung gibt diese Nachricht offiziell mit einer süßen Sauce darüber und großen Rosinen von Redensarten, um den harten Brocken genießbarer zu machen. Nun die Deutschen verdauen ja Alles, — warum denn auch nicht die Schande die Häscher Sr. Maj. des Kaisers Nikolaus zu sein, ihm das entlaufene Menschenwild Hetzen zu Helsen und die armen Sklaven abzuliefern in die Bergwerke von Sibcrien. Dafür bewilligen Seine Czarheit den biedern Preußen Grenzsperre, Plackereien aller Art, Einfuhrsverbote und andere freundnachbarliche Dienste. In Jedem andern Lande würde man die Minister, die einen solchen empörenden Vertrag erneuerten, gegen den sich die öffentliche Meinung so entschieden ausgesprochen hat, i n Anklagestand versetzen, in Deutschland kräht kein Hahn darnach und das Volk auch nicht; — vorher hat man gewaltig räsvnnirt, aber vor dem ltzil scoonipll zieht jeder ehrfurchtsvoll den Hut ab. Die deutschen Minister find noch viel zu ängstlich, ste dürften noch viel mehr wagen, dieses Volk ist so ledern, so kleinherzig, und trabt so gern im breiten, bequemen Ochsenwege fort, daß man es noch viel mehr treten könnte, ehe es zu brüllen anfinge; — was man ihm aber thun müsse, damit es seine Hörner gebrauche, dies ist noch gar nicht erfunden worden. Sonst Arbeiteraufstände überall — in Prag, trotz einer Besatzung von s ooo Mann; dreitägiger Aufstand mit Zerstörung aller Druckmaschinen; — „wir verlangen keinen höheren Arbeitslohn, sagten die gefangenen Arbeiter den Behörden, wir verlangen nur eine menschlichere Behandlung." Die österreichische Regierung zeigte Takt; obwohl Kreisamt und Polizeidirektion auf das Universalmittel der Prügel angetragen hatten, wurden die Arbeiter auf den sehr offenherzigen Bericht des kommandirenden Generals ohne Strafe entlassen. In Neichenberg und Böhmisch-Leippa sind nun neue Aufstände ausgebrochen; — die schaafsköpfigen deutschen Zeitungen sagen : „es liege ihnen jedoch keine politische Ursache zum Grunde." Ja wohl, ihr Blinden, das Volk kümmert sich den Teufel um eure Politik, es will zu essen haben für seine Arbeit und menschlich behandelt werden, — und das ist allerdings sehr unpolitisch von dem Volke. Die Zukunft ist ernst; — lassen Sie uns ihr nicht ganz unvorbereitetentgegengehen; vielleicht erleben wir noch die neue Freiheit, vielleicht scheint diese glückliche Sonne erst unfern Kindern. Inhalt -er deutschen Zeitungen. Preußen. Die „Sächsischen Vaterlandsblätter" sind verboten worden. An die Censopen find verschärfte Instruktionen ergangen. Um unfern Lesern an einem Faktum klar zu machen, wie weit solche Censoren gehen, entheben wir den so eben erschienenen Salonliedern von Hoff- mann von Fallersleben (Verlag des literarischen Comptoirs in Zürich und Winterthur) folgende Anmerkung: „Der Breslauer Censor hatte in einem Neujahrsliede 1843 folgende Verse: Ja, keine Zeit ist jemals schlecht In jeder lebet fort Gefühl für Wahrheit, Ehr' und Recht Und für ein freies Wort, also geändert: Za, keine Zeit ist jemals schlecht: Zn jeder lebet fort Gefühl für Freundschaft, Lieb' und Recht Und für ein traulich Wort. Er hätte gewiß auch das Recht nicht gelten lassen, wenn sich dafür nur so ein traulicher Reim fände." In Betreff der in Schweidnitz inhaftirten Weber (im Ganzen 83 , wurden nun die letzten 33 Individuen umfassenden Erkenntnisse erlassen; die höchst Best, asten sind zu 8 Jahr Zuchthaus verurtheil. Das Einkommen des kleinen Prinzen von Wales aus den Herzogthümern Cornwall und Lancaster betrug im porigen Jahre ?3 000 Pfd. Sterling. „Ein hübsches Sümmchen für ein dreijähriges Kind! " meint der Glvbe. Redakteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schncllvrcssen von Paul Reno uard Paris, 1844 Nr 77. Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 4L „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ^..18 „ Drei Monate. . . . S Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. Man abonnirt: für Paris im Dnresu central paar l'^IIerna^ne, ru« 8 illouIin8, 3s, in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Port. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Mittwoch.) . Pariter Deutsche Zeitschrift._ < 2 -;. September.) Die Lage Englands. Die englische Constitution. (Fortsetzung.) Wir haben gesehen, daß die Krone und das Oberhaus ihre Bedeutung verloren haben; wir haben gesehen, auf welche Weise das allmächtige Unterhaus recrutirt wird; die Frage ist jetzt : wer regiert denn eigentlich in England? — Der Besitz regiert. Der Besitz regiert die Aristokratie, die Wahl der ländlichen und kleinstädtischen Deputaten zu beherrschen; der Besitz befähigt die Kaufleute und Fabrikanten, die Deputirten für die großen und theilweise auch die kleinen Städte zu bestimmen; der Besitz befähigt beide, durch Bestechung ihren Einfluß zu steigern. Die Herrschaft des Besitzes ist in der Reformbill durch den Census ausdrücklich anerkannt. Und in so fern der Besitz und der durch den Besitz erworbene Einfluß das Wesen der Mittelklasse ausmacht, insofern also die Aristokratie bei den Wahlen ihren Besitz geltend macht und damit nicht als Aristokratie auftritt, sondern sich der Mittelklasse- gleichstellt, in so fern der Einfluß der ei-- geistlichen Mittelklasse im Ganzen viel stärker ist, als der der Aristokratie, in so fern herrscht allerdings die Mittelklasse. Aber wie und warum herrscht sie? Weil das Volk über das Wesen des Besitzes noch nicht im Klaren, weil es überhaupt, — Feuilleton des llorwärts. Pariser Plaudereien. Die alte, stets reizende, kokette, geisteiche, luxuriöse, thä- tige, berüchtigte, gastfreundliche Stadt erfreut sich nun zum zweitenmale in diesem Jahre eines auffallend zahlreichen Besuches von Seiten der Fremden. Im Monate Mai war es die Industrie-Ausstellung, welche Erfinder, Gewerb- und Kaufleute jeder Art herbeisührte, und nun sind es einestheils die Ferien, welche die Beamten, Advokaten, Professoren und Studenten benützen, um für ihr patriarchalisches Provinzleben Ersatz, Abwechslung und Unterhaltung zu finden, und anderseits ist es der herannahende Winter, welcher die Künstler aus allen Weltgegenden herbeilockt, um viel Ruhm, aber noch mehr Geld zu suchen. Allem Anscheine nach werden wir besonders an Künstlern auch im nächsten Winter keinen Mangel leiden, denn alle ankommenden Meffagerien speien schon jetzt hoffnungsvolle Musiker, talentreiche Maler und weltschmerzbeflissene zerrissene Dichter zu Dutzenden aus. Jede Stadt des In- und Auslandes schickt täglich einige Meffagerien nach Paris, jede Messagerie bringt einige Künstler, und jeder Künstler bringt einige Empfehlungsbriefe. — Sehen Sie diesen blondgelockten Jüngling, in dessen Koffer der Zollbeamte blos Noten- aus dem Lande wenigstens, — noch geistig todt ist, und daher sich die Tyrannei des Besitzes gefallen läßt. England ist allerdings eine Demokratie, aber wie Rußland eine Demokratie ist; wie das Volk unbewußt überall herrscht, und in allen Staaten die Regierung nur ein anderer Ausdruck für den Bildungsgrad des Volks ist. Es wird schwer halten, uns von dieser Praris der englischen Konstitution zu ihrer Theorie zurückzubringen. Die Praris steht mit der Theorie im schreiendsten Widerspruch; die beiden Seiten sind einander so entfremdet, daß sie gar keine Ähnlichkeit mehr haben. Hier eine Dreieinigkeit der Legislatur, — dort eine Tyrannei der Mittelklasse; hier ein Zweikammersystem — dort ein allmächtiges Haus der Gemeinden; hier eine königliche Prärogative — dort ein von den Gemeinden gewähltes Ministerium; hier ein unabhängiges Oberhaus mit erblichen Gesetzgebern — dort ein Jnva- lidenhaus für überlebte Deputirte. Jeder der drei Bestandtheile der gesetzgebenden Gewalt hat seine Macht an ein anderes Element abgeben müssen: die Krone an die Minister, d. h. die Majorität des Unterhauses, die Lords an die Torypartei, also an ein populäres Element und an die Pairs creirenden Minister, d. h. im Grund auch an ein populäres Element, und die Gemeinden an die Mittelklasse, oder, was dasselbe ist, an die politische Unmündigpapier findet, und der seine Wäsche unter dem Arme trägt? Dies ist ein Meyerbeer in 8^6. Dieser hagereMann, mit der knöchernen Hand und mit den langen Fingern, der eben seinen Mante'sack dem Träger übergibt, während er selbst den Vivlinkasten und den Regenschirm behält, — träumt von Paganini'sRuhm und frischen Lorbeeren, die seine Stirne kühlen sotten. — Jener Jüngling mit dichten bis über die Schulter herabwallenden Haaren, dessen Haupt ein kleines Käppchen ohne Schild bedeckt, mit der langen, gebogenen Nase, — der den Boden blos mit den Fußspitze berührt, — dies ist ein Maler, der bei der nächsten Kunstausstellung den Orden der Ehrenlegion aspirirt. Und dort jener Mann mit dem weißen Schäferhute auf dem Kopfe, dem ein Hemd von zweifelhafter Farbe zum Ellbogen hervorguckt, — es ist ein Dichter, der seines Vaterlandes müde ist, wie es seiner. Indem er aus der Rotonde herauskriecht, ruft er mit Scipiv aus: Nee o88» Ii»bebi8 ine», ir>A,-rii.ki pslria! Außer diesen Ankömmlingen kehrt nun auch die elegante Pariser Welt von ihren Sommerausflügen in die Winterquartiere ein. Die Salons werden sich dann öffnen, wo jedoch anfangs blos die Neiseeindrücke, die erlebten Abentheuer, elll'oniqvk! 563116.3161186 der Badeorte mit mehr oder weniger Übertreibung zum Besten gegeben werden. Der Eine erzählt von der Normandie und vom Äpfelwein, von Meeressturm und von Fischerhütten, wo entweder gar keine Seefische oder viel theurer als bei Chevet zu keil des Volks. Die englische Konstitution eristirt in der Wirklichkeit gar nicht mehr, der ganze langwierige Prozeß der Gesetzgebung ist eine bloße Farce; der Widerspruch von Theorie und Praris ist so grell geworden, daß er sich unmöglich noch lange Hallen kann, und wenn auch durch die katholische Emanzipation, von der wir noch weiter zu reden haben werden, durch die Parlaments- und Municipalreform dem Scheine nach die Lebenskraft der siechen Verfassung noch etwas gehoben wurde, so sind doch diese Maaß- regeln selbst schon das Geständniß, daß man an der Erhaltung der Konstitution verzweifelt, und bringen Elemente in sie hinein, die mit ihren Grundprinzipien entschieden in Miderspruch stehen, also den Konflikt noch dadurch vergrößern, daß sie die Theorie mit sich selbst in Widerspruch bringen. Wir haben gesehen, wie die Organisation der Gewalten in der englischen Verfassung durchaus auf der Angst beruht. Diese Angst zeigt sich noch mehr in den Regeln, nach denen die Gesetzgebung verfährt, den sogenannten LtunckinA Ockers. Jeder Gesetzvorschlag muß in jedem der beiden Häusern dreimal in gewissen Zwischenräumen gelesen werden; nach dem zweiten Lesen wird er einem Com- mittee übergeben, das ihn im Einzelnen durchgeht; in wichtigeren Fällen „entschließt sich das Haus in ein Committee des ganzen Hauses" zur Berathung des Vorschlags, und ernennt einen Berichterstatter, haben sind. Der Andere erzählt von Baden, von der Spielbank, von hohen und allerhöchsten Ehescheidungen und von Duellen. Der Dritte war in der Schweiz. Er berichtet vom Paradiese der himmlischen Gegenden und vom Fegefeuer der höllischen Gasthöfe, von zuvorkommenden offenen Gebirgsleuten, und von abstoßenden verschlossenen Engländern, von unschuldigen, natürlichen Hirtinnen, und von schuldigen, unnatürlichen Jesuiten. Der Vierte war sogar in Italien, im Neiselande pgr nxcellknc«; dieser erzählt von dem ewig blauen Himmel, von den braunen Mädchen mit den schwarzen Haaren und dem steten Lächeln, mit dem königlichen Wüchse und dem koketten Gange, von ihrer fingirten Tugend und ihrer scheinbaren Kälte, von ihrer maskirten Keuschheit und ihrer nachgeahmten kindlichen Einfalt; kurz, von allen ihren Eigenschaften und Künsten, welchen selbst der heiligste Cardinal unterliegen müße. Er erzählt von Inci-im» Eki'i8li, und von poleniii 1161-3, von devoten Banditen und übermüthigen Pfaffen. —Erst gestern erzählte mir ein Bekannter, der eben aus Nom zurückgekehrt, daß er auf die unsanfteste Art aus der Sixtinischen Kapelle hinausgeschafft wurde, weil er — nicht im schwarzen Frack eingetreten war. Der freie Franzose konnte diese unwürdige Behandlung nicht verschmerzen, und beschrieb nun sein Abentheuer in einer kleinen Broschüre, die er « (^3l38trO^Ü6 , 1111^1-68810118 61 ol>561V3tit)l18 tlkIN8 8 >.-?i 6 i -,6 » 1^0,116 >1 nannte, und welche vor einigen 2 der nach Beendigung der Berathung mit vieler Feierlichkeit demselben Hause, das berathen hat, einen Bericht über die Berathung abstattet. Beiläufig, ist dies nicht das schönste Beispiel der „Transcendenz innerhalb der Immanenz und Immanenz innerhalb der Transcendenz," das ein Hegelianer sich nur wüuschen kann? „Das Wissen des Unterhauses vom Committee ist das Missen des Com- mittees von sich selbst" und der Berichterstatter ist die „absolute Persönlichkeit des Mittlers in der beide identisch sind." Jeder Gesetzvorschlag wird daher achtmal berathen ehe er die königl. Sanktion erhalten kann. Diesem ganzen lächerlichen Verfahren liegt natürlich wieder die Angst vor der Menschheit zum Grunde. Man sieht ein, daß der Fortschritt das Wesen der Menschheit ist, aber man hat nicht den Math, den Fortschritt offen zu proclamiren; man gibt Gesetze, die absolute Geltung haben sollen, die also dem Fortschritt Schranken setzen; und durch das vorbehaltene Recht, die Gesetze zu ändern, läßt man den so eben geläugneten Fortschritt zur Hinterthür wieder hinein. Aber nur ja nicht zu rasch, nur ja nicht übereilt! Der Fortschritt ist revolutionnär, ist gefährlich und muß daher wenigstens einen starken Hemmschuh erhalten; ehe man sich zu seiner Anerkennung entschließt, muß man sich die Sache achtmal überlegen. Aber diese Angst, die in sich selbst nichtig ist und nur beweist, daß die Ängstlichen selbst noch keine wahren, freien Menschen sind, muß noth- wendig auch in ihren Maaßregeln fehlgreifen. Statt eine umfassendere Berathung der Vorschläge zu sichern, wird die wiederholte Lesung derselben in her Praxis ganz überflüssig und eine bloße Formsache. Die Hauptberathung concentrirt sich gewöhnlich auf die erste oder zweite Lesung, zuweilen auch auf die Debatten im Committee, je nachdem cs der Opposition am besten convenirt. In ihrer ganzen Nichtigkeit erscheint aber diese Vervielfachung der Debatte, wenn man bedenkt, daß das Schicksal jedes Vorschlags schon vom vorn herein entschieden ist, und wo esnicht entschieden ist, in der Debatte nicht über den speziellen Vorschlag, sondern über die Existenz eines Ministeriums berathen wird. Das Resultat dieser ganzen, achtmal wiederholten Posse ist also nicht etwa eine ruhigere Berathung im Tagen in Paris erschien. Ich konnte mir anfangs nicht erklären, warum er diesen kleinen Unfall « cstnstroptik « nannte, doch bei näherer Betrachtung fand ich den Grund. Das Wort eata8troxIi« ist von den griechischen Wörtern und abgeleitet; heißt vorschreiten, und >««7-« ist ein Vorwort, welches stets das „Gegentheil" bedeutet. Wenn also su-exüo vor- - schreiten bedeutet, so soll wohl mit Recht eata^i-epl»« aufhalten, zurückgehen oder hinauswerfen heißen. Doch abgesehen von dem Titel der Broschüre, enthält das Büchlein einige richtige Bemerkungen und mehrere interessante Notizen über den Hof Gregor XVI. und über die Verderbniß, über den Luxus und über den Unverstand der römischen Geistlichkeit. Wir können diese Gelegenheit nicht Vorbeigehen lassen, ohne auch eine Anekdote aus Rom zu erzählen, deren historische Wahrheit wir selbst verbürgen können. Doch, kehren wir von Italien zurück, wohin uns die Catastrophe meines Freundes führte, und bleiben wir in Paris, wo man zwar nicht aus den Kirchen hinausgeworfen wird, wo man aber zahlen muß, wenn man beten will. — Dies ist ein Mittel, wie jedes andere, um Leute anzuziehen; denn in Paris wird alles was Geld kostet gesucht. Seitdem das neue Jagdgesetz das Jagen zu einer kostspieligen Unterhaltung gemacht hat, schießen hie Jäger aus allen Winkeln hervor. Ganze Schwärme von Nimrods und Amazonen ziehen täglich mit Geweh- Hause selbst, sondern etwas ganz Anderes, das I gar nicht in der Absicht derer lag, die die Posse einführten. Die Langwierigkeit der Verhandlungen läßt der öffentlichen Meinung Zeit, ein Urtheil über die vorgeschlagene Maaßregel zu bilden, und im Nothfalle durch Meetings und Petitionen dagegen zu opponiren, und oft — wie im vorigen Jahre bei Sir James Grahams Erziehungsbill — mit Erfolg. Aber dies, wie gesagt, ist nicht der ursprüngliche Zweck, und könnte weit einfacher erreicht werden. Da wir gerade bei den 8tunckin§ Ockers sind, so können wir noch einige Punkte erwähnen, in denen sich die Angst der englischen Verfassung und der ursprüngliche corporationsmäßige Charakter des Unterhauses verrathen. Die Debatten des Unterhauses sind nicht öffentlich; die Zulassung ist ein Privilegium, und wird gewöhnlich nur durch einen schriftlichen Befehl eines Mitgliedes erwirkt. Während der Abstimmung werden die Gallerten geräumt; trotz dieser lächerlichen Geheimnißkrämerei, gegen deren Abschaffung das Haus sich immer heftig gewehrt hat, stehen die Namen der für oder wider stimmenden Mitglieder den andern Tag in allen Zeitungen. Die radikalen Mitglieder haben nie einen authentischen Abdruck der Protokolle durchsetzen können —noch vor vierzehn Tagen fiel eine dahin gehende Motion durch; — in Folge dessen ist der Drucker der in den Zeitungen erscheinenden Parlamentsberichte für den Inhalt derselben allein verantwortlich, und kann von jedem, der sich durch einen Ausspruch eines Parlamentsmitgliedes beleidigt fühlt, wegen Veröffentlichung verläum- derischer Aussagen — gesetzlich auch von der Regierung — belangt werden, während der Urheber der Verläumdung durch sein parlamentarisches Privilegium gegen alle Verfolgung sicher gestellt ist. Diese und eine Menge andrer Punkte in den 8tan- ckinA Ockers zeigen den exclusiven, antipopulären Charakter des reformirten Parlaments; und die Zähigkeit, mit der das Unterhaus an diesen Gebräuchen festhält, zeigt deutlich genug, daß es keine Lust hat, sich aus einer Privilegien Korporation in eine Versammlung von Volksrepräsentanten zu verwandeln. (Fortsetzung folgt.) rm, Hirschfängern und Jagdmessern versehen vor die Stadt, und doch ist um ganz Paris kein Häslein zu finden. Doch dies ist auch nicht der eigentliche Zweck und das wahre Vergnügen des Jagens. Ist denn das Waten im Kothe, die Annehmlichkeit eines Platzregens, das Erschießen seines eigenen Hundes u. s. w. für nichts zu rechnen ? Wenn man zufällig Lust hat, Hasen zu essen, so kauft man ße beim Wildprethändler, wo sie übrigens billiger find, als wenn man sie selbst jagt. Auch dieWeinlese hat begonnen, und man verspricht uns vorzüglichen Bordeaux, Champagner, Burgunder, und zwar aus den besten Fabriken von Paris. Die ländlichen Feste in der Umgebung von Paris nehmen nun auch schon ab, und alles deutet daraufhin, daß wir dem Winter nahe sind; sogar die Schwalben find schon weggezogen, und die Nachtigallen und Lerchen sind angekommen, d. h. die italienische Oper beginnt ihre Vorstellungen am i. Oktober. Mehrere Intendanten sind bereits in Ungnade gefallen, weil sie keine Loge mehr für ihre Herrschaften erhaschen konnten; mehrere hohe Damen tragen auf Ehescheidung an, weil der Herr Gemahl es wagte, von der Kostspieligkeit der italienischen Oper zu sprechen, und Direktor Vatel wirft mit mehr Nonchalance als je sein Augenglas ans rechte Auge, und betrachtet die schonen Napoleons, die in die Kasse fließen. Sein Augenglas und seine Casse sind seine einzigen unzertrennlichen Freunde. Dem Vernehmen nach schläft er sogar auf der Auszüge aus dem „lvel'en des Glaubens im Sinne Luthers etc." (Fortsetzung.) Gott, der Gegenstand des christlichen Glaubens, ist nichts andres als der befriedigte Glückseligkeits- trieb, die befriedigte Selbstliebe des christlichen Menschen. Was Du begehrst und wünschest, das ist in Gott erfüllt, erreicht, verwirklicht. Aber was ist Dein Wunsch, was Dein Verlangen? Freiheit von allen Übeln, Freiheit von der .Sünde, denn sie ist das allergrößte und noch dazu das allernächste Übel, Freiheit von der unwiderstehlichen Macht und Noth- wendigkeit der sinnlichen Triebe, Freiheit von dem Drucke der Materie, die Dich mit den Fesseln der Schwere an den Boden der Erde bindet, Freiheit vom Tode, Freiheit überhaupt von den Schranken der Natur, mit einem Worte: Seligkeit. Aber diese Seligkeit nicht als ein bloßer trostloser Gedanke, nicht als eine gegenstandlose Hoffnung, d. h. nicht als eine Eigenschaft, die einst erst, wenn Du selig wirst, an Dir einen Halt bekommt, gegenwärtig aber keinen Grund und Boden hat — diese Seligkeit als wirkliches Wesen ist Gott. „Gott ist selig, aber er will nicht, wie Luther sagt (Th. xvii, S. 407.) für sich allein selig sein." Nein ! seine Seligkeit ist nur die Zuversichtlichkeit, die Gewißheit, die Existenz unsrer eignen Seligkeit. Gott ist, was er ist, für uns — selig, damit wir selig sind. Soll die Seligkeit kein bloßer Traum, kein leerer Wunsch sein, so muß sie Wesen und zwar höchstes Wesen, Gott sein; denn steht das selige Wesen andern Wesen nach, so gibt es auch denselben nach, kann nicht Dem widerstehen, was wider die Seligkeit streitet. Den höchsten Wunsch, den Wunsch, der sich über alles hinwegsetzt, kann auch nur ein höchstes, über Alles erhabnes Wesen erfüllen und befriedigen. Gott ist das selige Wesen, weil die Seligkeit der höchste Gedanke, das höchste Wesen des, wenigstens christ-gläubigen*), Men- *) Also nicht aller Menschen oder des Menschen schlechtweg ? Nein! das Verlangen der Seligkeit ist ein Produkt nur des Christenthums. Wohl ist der Mensch stets bestrebt, von allen Widerwärtigkeiten, allen Hemmungen seines Selbst- und Lebensgefühles sich stei zu machen; aber dieses Bestreben ist stets zugleich an bestimmte, wirkliche Gegenstände, an bestimmte menschliche Zwecke gebunden. Casse, das Glas fest ins Auge gedrückt. Die italienische Oper beginnt mit läncka cki Ollamouni, in welche Oper Tagliafico an der Stelle des jungen Lablache auftritt. Von neuen Opern nennt man vna diono a Oranacka, von Kreutzer; und Lrnani von Veräi, wenn Victor Hugo die Erlaubniß ertheilt. Man spricht davon, daß Mo- riani an dieStelle Salvis engagirt sein solle. In den übrigen Theatern spielt der Teufel die Hauptrolle. Satan, la kart <1n Oiable, le Oialilk ä LLcole, les trois Reelles cku Oiable, 1b8 86^t Lsiateaux clu Oiabl«, karia ckia- dolique, füllen die meisten Theater. Auf zwei Boulevard- Bühnen werden Dramen vorbereitet, deren Stoff dem Leben zweien berüchtigten Personen entlehnt ist. Die klroit8 ck'sutkur dieser Stücke werden die Verfasser mit Madame Lafarge und Rousselet theilen. — In der Journalistik macht die Vereinigung des Satan mit dem Ooi'8ail-6 viel sprechen. Jedenfalls ist gewiß, daß durch die vereinigten Kräfte der Herrn Fiorentino und Le- prevost-St.-Alme nur Tüchtiges zu Tage gefördert werden kann. Horace Vernet arbeitet an drei neuen Schlachtgemälden, die Schlacht von Jsly und die Beschießungen von Tanger und Mogador darstellend. — Ein Tanzlehrer kündigt einen neuen Tanz unter dem Namen: I^a Illarocgiue an, welche im nächsten Winter die Polka verdrängen soll. 3 schenist. Der Gruird, dieNothWendigkeit des seligen Wesens ist das Verlangen, selig zu sein — der Glückseligkeitstrieb und zwar der unbeschränkte, d. h. der von allen bestimmten Materien, bestimmten Gegenständen der Wirklichkeit abgesonderte, übernatürliche, Glückseligkeitstrieb. Wie daher der Glaube: Christus ist auferstanden im Sinne Luthers und der Sache, des Gegenstands selbst nur der Glaube, die Gewißheit ist: Ich werde auferstehen, der Glaube: Christus ist der Erlöser von der Sünde und ihren Strafen nur die Gewißheit ist, daß Ich erlöst bin von der Sünde und dem Tode; so ist der Glaube an die Seligkeit, oder, was eins ist, die Gottheit nur die Gewißheit meiner eignen Seligkeit und Gottheit. „Allenthalben, wo die Schrift von Werken und Geboten der ersten Tafel (d. h. von Gott) handelt, da wird verdeckt auch angezeigt die Auferstehung der Todten. — Also beschleußt eigentlich Gottes Dienst, Glaube, Gebete in sich den Artikel der Auferstehung und ewigen Lebens." (iv. Th., S. 289.) „Denn darinnen ist die Lehre vom Glauben und Auferstehung der Todten begriffen, da Gott spricht: I ch, der allmächtige Schöpfer Himmels und der Erde, bin Dein Gott. Das ist so viel gesagt: Du sollst leben in dem Leben, darinnen ich auch lebe." „Das Evangelium von der Auferstehung Christi — das ist das Hauptstück un- sers Glaubens." (Th. xi, S. 485.) „Das haben wir (sagt S. Petrus) durch die Kraft des Glaubens, daß wir theilhastig sind und Gesellschaft oder Gemeinschaft mit der göttlichen Natur haben. — Was ist aber Gottes Natur? Es ist ewige Wahrheit, Gerechtigkeit, Weisheit, ewig Leben, Friede, Freude und Lust, und was man gut nennen kann. Wer nun Gottes Natur theilhastig wird, der überkommt das alles, das er ewig lebt und ewigen Frieden, Lust und Freude hat und lauter, rein, gerecht und allmächtig ist wider Teufel, Sünde und Tod. — Wer einen Christen unterdrücken will, der muß Gott unterdrücken." (xr. Th., S. 549.) „Du bist eben so wohl ein König, als Christus ein König ist, wenn Du an ihn glaubest. — Er ist ein König über alle Könige, der über alle Dinge Gewalt hat und dem alles muß zu U.4. Sä.lXI'N-cÜLH.L. Komische Oper in drei Akten von Herren Ancelot und Eom- berouffe, Musik von Montfort. Alle Lustspiel- und Operndichter, so wie alle Vaude- villisten von Paris haben jeder ein oder mehrere Stücke geschrieben, welche die Sitten oder Unsitten zur Zeit der Regentschaft und Louis XV. abspiegeln. Die Grundideen dieser Stücke gleichen sich aufs Haar, nur die Nebenumstände, z. B. ob der Marquis vermittelst einer Leiter oder durch Hülfe einer bestochenen Kammerjungfer zur Ersehnten gelangt, sind geändert. Die Nacht ist bei allen diesen Stücken der Intrigant, und der Morgen der Deus «X mncliins. Die Nacht ist immer stockfinster, kein einziges Sternlein am Himmel, kein Mondschein, ja nicht einmal Straßenbeleuchtung. Unter solchen Umständen ist es sehr leicht möglich, daß man sich verirrt und des Morgens dort gefunden wird, wo man am allerwenigsten sein sollte. Nun wird schnell eine Lüge erfunden, welche den Gemahl, Bräutigam oder Geliebten von der Tugend seiner Dame, und von den unschuldigen Absichten seines Freundes überzeugt. Ein eben solches Vaudeville schrieb auch einst Herr An- celot, der Akademiker, indem er eine Anekdote aus dem Leben des Malers Vanloo bearbeitete. Vanloo kehrt von Italien zurück, und findet die Dame seines Herzens, Füßen liegen. Wie der ein Herr ist, also bin ich auch ein Herr, denn was Er hat, das habe ich auch." (Ebend. S. 509.) Glauben heißt nichts andres als das: Es ist ein Gott, ein Christns in das: Ich bin ein Gott, ein Christ, verwandeln. Der bloße Glaube: es ist ein Gott oder Gott ist Gott, ist ein todter, eitler, nichtiger Glaube; ich glaube nur, wenn ich glaube, daß Gott mein Gott ist. Ist aber Gott mein, so sind auch alle göttlichen Güter mein Eigenthum, d. h. alle Eigenschaften Gottes Eigenschaften von mir. Glauben heißt Gott zum Menschen und den Menschen zu Gott machen. Der Gegenstand des Glaubens ist nur Veranlassung, Mittel, Bild, Zeichen, Fabel — die Lehre, der Sinn, der Zweck, die Sache bin ich selb st. Gott ist die Speise des Menschen — Luther vergleicht sogar Christus mit einem „Braten, einem gespickten Kapaun" — allein der Zweck der Speise ist ja nur der, daß ich sie esse. Was ist ein Braten für sich selbst? Glauben heißt Essen, aber im Essen hebe ich den Gegenstand auf, verwandle ich seine Eigenschaften in Eigenschaften von mir, in Fleisch und Blut. So werden von dem Genuß der Färberröthe die Knochen der Thiere roth. (Fortsetzung folgt.) Die „schwarze Liste" von England. So hieß das von Menschenfreunden vergleichsweise zusammengestellte Verzeichniß der Staatsbesoldungcn der hohen Personen und Ämter Großbritanniens, welches für einen Pfennig verkauft wurde. Das Volk konnte auf solche Weise, einigermaaßen wenigstens, den mächtigen Betrügern, seinen gottgeweihten Herren, in die Karten sehen, und in der That fand man höhern Orts in London für dienlich, das fliegende Blättchen zu verbieten. Das gesellschaftliche Elend des gemeinen Mannes in England hängt mit demjenigen in Deutschland und der ganzen übrigen Welt so garinnig zusammen, daß auchunsere Leser- gewiß sich nicht versagen werden, einen theilnehmenden Blick auf diese ausländische Lifte zu werfen, zumal da unsres Wissens eine deutsche annoch leider nicht erschienen ist. Über den Zeilen steht das Bild jenes berüchtigten Upas, des großen Giftbaumes, von dem die ältern Neisebe- schreiber der holländischen Insel Java in Ostindien viel zu erzählen hatten. Zwar hat sich dieses Gewächs bei genauerer Prüfung als ziemlich unschädlich erwiesen, aber welche er vor zwei Jahren in einem Kloster entzückend singen hörte, und deren Züge er benutzte eine heilige Ceciliazu malen, als die Gemahlin seines Freundes und Wvhlthäters. Indem er zufällig und unwillkürlich den Herzog von Fronzac, einen andern Freund seines Wvhlthäters, belauscht, und einen verlornen Brief desselben findet, entdeckt er ein Complott gegen die Tugend seiner Cecilia. Er verhindert nun zweimal die Ausführung des Vorhabens, schmiedet eine Nothlüge um den Gemahl zu beruhigen, und nachdem er so die Ehre der Angebeteten gerettet, geht er wieder woher er gekommen ist. Dieses leichte Stück, welches jedoch mit Witz ausgestattet ist, wollte Herr Ancelot wahrscheinlich anfangs im Vaudeville-Theater aufführen, doch wie es scheint, Kabalen und Mangel an Protektion bei Madame Ancelot verursachten die Zurückweisung desselben. ,,Was nun anfangen mit dem refusirten Vaudeville?^ fragte sich der Akademiker. ,,Bah! ein schlecht es Vaudeville ist immernoch ein gutes Opernbuch," meinte der Akademiker. Flugs wurden einige ideen- und formlose Verse hinzu- gefügt, und der Verfasser lief zu Herrn Crosnier. ,,Werthester Herr College, ich habe ein allerliebstes Vaudevill- chen in der Tasche. Meine Frau hat es an meinem Theater zurückgewiesen, aus bloßer Eifersucht weil sie nicht Akademiker ist. Künstlern e id, sonst nichts. Wollten Sie es nicht als Opernbuch annehmen ?" Herr Crosnier las immerhin findet seine Figur auf vorliegendem Flugbozen eine passende Anwendung. Inmitten eines weiten Gefildes, das mit Gerippen, Leichen und Sterbenden aus der Volksmasse bedeckt ist, und auf dem auch die kleinern Bäume vor den Hütten der Darbenden verdorrt umher- ftarren, ragt ein stattlicher luftiger Baum empor; an ihn lehnen sich drei Männer, drei Hauptäste tragen ihre Namen. Der mittlere ist der König von England mit Krone und Zepter, wohlgefüttert, und mit gefälligem Lächeln har er seine dicken Arme der Kirche und dem Heere gegeben; den einen dem Erzbischof, einer aufgedunsenen, viehischen Gestalt, einem gemästeten Hausschweine ähnlich, mit dem heiligen Ornate angethan und einen Hirtenstab und Geldbeutel tragend; den andern Arm hat der Herzog genommen. Der Herzog schlechthin heißt der von Wellington; ein fratzenhafter Knochenmann in Feldmarschalls-Uniform, das ungeheure Blutschwert in Händen; im Gesicht ein höhnisches adliges Grinsen. So sind sie abkontrefeit, die heiligen Drei, die Schirmer der glücklichsten Nation des Erdbodens, wie sie sie zu nennen sich erfrechen. Lauter als das Bild des Upas und schärfer als Lieder und Reden sprechen die unerbittlichen Ziffern und Zahlen. Hier ein Auszug davon : Die Königin Victoria bekommt aus der Staatskasse täglich über 1148 preuß. Thaler, oder über42o ooo Thaler jährlich. Überdies gehören ihr vier Regierungsund Vergnügungspalläste. Die Hofwürdenträger des Hofstaates verzehren an Sold und Halbsold nach Ablauf der Dienstfrist über 3 Millionen Thaler jährlich. Wobei zu bemerken, daß isooooThlr. jährlich davon für gnädige Almosen verschleudert werden. Der Prinz Albert bekommt aus der Staatskasse ein tägliches Taschengeld von 728 Thalern. Wohnung, Nahrung u. s. w. kostet ihm zudem nichts. Der Herzog von Cumb er land , nebenbei Landesvater und Landesherr von Hannover, läßt sich täglich 400 Thaler auszahlen, und besitzt einen Pallast bei London. Leopold, König der Belgier, bezieht als halb englischer Prinz über 900 Thaler täglich. Die übrigen Prinzen und Prinzessinnen von Geblüt erhalten verhältnißmäßig. Außerdem braucht das königliche Hausmeisteramt für der Königin Tafel 42oooo Thaler (zum Beispiel allein is ooo Thaler für Fische, sooooThlr. für Wein und 7000 für Liqueur; das Tischzeug kostet Jahr aus Jahrein 13000 Thaler). Das Hausmeister-Amt selbst kostet 280 ooo Thaler; davon bezieht der Lord Hausmeister 14 ooo, obschon er nichts thut, sondern alles durch die Untergebenen ausführen läßt. das Buch und meinte: ,,Die Situationen sind zwar keineswegs musikalisch, die Verse enthalten hübsche Wortspiele, sind aber durchaus nicht lyrisch, doch für diejungen Compositeurs ist dies genug. Diese setzen Alles in Musik, selbst ein Kochbuch oder den pythagoräischen Lehrsatz. Ich habe meinem Schwiegersöhne Montfvrt ein Opernbuch als Mitgift versprochen, er soll dieses haben/' Gesagt, gethan. Montfort nahm das Buch als Mitgift, und componirte eine so gute Musik dazu, als man zu einem schlechten Buche machen kann. Wo die Situation nur ein wenig begeistert, sind die Musikstücke gelungen. Wir rechnen dazu das Duett zwischen Vanloo und der Marquise, das Trio im zweiten Finale, die Arie der Marquise im dritten Akt, und die Romanze Vanloos während des Malens. Aus der übrigen Musik ersieht man ein sicheres und leichtes Behandeln des Orchesters, und die Jnftrumentirung ist durchgängig schön. Seit seinem letzten Werke, I» ckeunesse cke tübsrlks-t^uirii, hat Herr Montfort einen sichtbaren Fortschritt gemacht, denn damals componirte er zu einem guten Buche eine mittelmäßige Musik, und jetzt zu einem schlechten Buche eine ziemlich gute Partitur, und wir sind überzeugt, daß er nun zu einem guten Stoffe auch etwas Tüchtiges leisten würde. Das Stück ist mit Sorgfalt ausgestattet, und von den Darstellenden ist bloß Madame Thillon als ausgezeichnet zu nennen. Ferner kostet das Schloßdienft-Amt 430 «oo Thaler jährlich. Das Roßmeister-Amt 200 000. In Summa also zahlt der produzirende Theil der englischen Nation für die Ehre, ein gekröntes Oberhaupt zu besiyen, alle Jahre fünf Millionen Thaler. Dieses Geld bleibt allerdings nicht in den Taschen zweier oder dreier Leute; es vertheilt sich vielleicht unter sechstausend Personen beiderlei Geschlechts. Aber welch eine Vertheilung ! Je weniger der Beamte zu thun hat, desto höhern Sold bekommt er. Zudem treten die sechstausend Leute in ein des Menschen völlig unwürdiges Abhängigkeits-Verhält- niß von dem Geldbeutel ein es Individuums. (Fortsetzung folgt.) Neueste preußische Neligiosttäts - Verordnung. Se. Erccll. der Minister Eichhorn, der treue ,,hohe Diener," wie sein Herr ihn in der Rede zu Königsberg nannte, hat bekanntlich in West- und Ost-Pretzen auf seiner Durchreise vor Stadt- und Schulbehörden sich recht offenherzig ausgesprochen. Die Herzensergießungen des hohen Dieners liefen sämmtlich auf den Satz hinaus: Ohne Beförderung der Religion ist keine Tugend, keine Wissenschaft möglich. Wir wußten schon längst, daß der König den Franzosenhaß und Freiheits-Widerwillen, die Religiosität und den Lurus seines Großvaters sieb zum Muster erkoren; jenes Hohenzollern, der das polnische Reich zweimal, und beidemal nach vorausgeschicktem Meineid (s. Menzels „Geschichte der Deutschen," 2 .Bd.) zerreißen half; der dann im Feldzuge von 1793 ebenso mit Frankreich verfahren, und insonderheit Paris, das revolutionäre Heidennest, den Flammen überliefern wollte, und als er gottergeben und champagnerfroh die königliche Seele ausgehaucht, zwanzig Millionen Schulden hinterließ. Die Ähnlichkeit hat sich auch diesmal nicht verläugnct. Wie jetzt Eichhorn u. s. w., so schleuderten damals Wöllner und Bischoffswerder, diese lutherischen Heiligen im Marmorpalais, Edikte und Ermahnungen, die dem Empfänger das Amt und oft die persönliche Freiheit kosteten. Als Kant durch seine „Kritik der Vernunft ' ganz Deutschland aufregte, da erbebten auch die frommen Männer zu Potsdam, und der Philosoph bekam eine derbe Drohung „höhern Orts;" da zwang man auch die Kandidaten der Theologie zu Namens-Unterzeichnungen eines Nechtgläubigkeits- und Frömmigkeits- Scheines und solch Unfug mehr. Fünfzig Jahre sind seither verstrichen. Die Heiligen von Berlin haben nichts in dieser Zeit gelernt noch verlernt. Nicht ungestraft jedoch schließt man Bündnisse mit den Mächten der Finsterniß in der menschlichen Brust; nicht umsonst verbrüdert man sich mit der Priesterschaft und versetzt sich selbst in hochpriesterliche Stimmung; nicht ohne Grund reicht man dem menschenfeindlichen, himmelsschweißvergießenden Pietismus die Hand und schmeichelt so seltsam väterlich nachgiebig dem kindischen Köhlerglauben des nämlichen rohen Volks, auf welches man doch sonst mit preußischer Pünktlichkeit die schwarzen Husaren loshetzt, so bald es nicht im officiel l en Sinne religiös ist. Danzig, Königsberg, Cöln, Schlesien, selbst bas allergeLuldigste Pommerland wißen davon zu erzählen. — Einsam, getrennt von seinen Kampfgenossen sterben, ist sehr bitter; besser stirbt sich's Arm in Arm, daher verbinden sich Staat und Kirche noch einmal, diese zwei dem Verscheiden nahenden Emri'chtnngcn einer sich auflösenden Mcnschheitsperiode. Der deutsche verknöcherte, verfteinte, verholzte, geistlose Staat stützt sich noch vor seinem Ende auf die gute steche Mutter Kirche mit der er so manchen Zwist gehabt; aber beide treibt jetzt ein unheimlicher Instinkt sich ernstlich zu verbinden gegen den gemeinsamen Feind: gegen die allmächtige Menschheirszukunft. — So stumpf und dumpf Preußens „Unterthanen" in gewissen Klassen sind, den* noch werdet Ihr, werden Eure stillschweigenden Bundesgenossen, die Philister, nimmermehr den Geist der Zeit verrückt machen; weder in den Vorkänrpfern, noch im deutschen Proletariat werdet Ihr Eure Giftsaat aufgehen sehen. Da verschwendet Ihr Gebetschluchzen und Kniefall, Kirchenbauten und neue Kirchenmelodie; es hilft Euch doch nichts, daß Ihr die jungen Gelehrten, die Euch nicht niederträchtig genug frömmeln, heimtückisch durchs Staatsexamen fallen laßt. Aber laßt Euch nicht stören im heiligen Werke; nur fort und immer weiter; versucht's, den preußischen Schulunterricht, auf den Ihr einst —vor 1846 — so gewaltig gepocht, zu untergraben und mit rein religiösen Herzensa u sschüt- tungen zu ersetzen. Unseres Beifalls seid Ihr ja ohnehin gewiß; wir haben ihn noch wohl im Kopf den Vers aus der Jliade, die Ihr uns auf Tertia schon auswendig lernen ließet, und jetzt selbst vergesset: Einst wird kommen der Tag wo das heilige Ilion hinsinkt, Priamos auch und das Volk des lanzcnkundigsten Königs. Vermischtes. Mannheim, am 20. September. Es ist recht gut, daß man manchmal etwas aus der Schlafkammer hoher Herrschaften hört. Der Nimbus und die Gloria hören dort auf; der schwarze Fleck, an den man sie kennen soll die Höchsten und Allerhöchsten, leuchtet ja nicht; dort sind sie also ganz gewöhnliche demaskirte Menschen, und was man von dorther hört und belauscht, ist also auch sehr unfürstliches, entkleidetes, bürgerliches Wesen. Kleine Kinder fragen: ,,Essen die Prinzen wenn sie jung sind auch Brei?" Große Buben oder Lümmel schwärmen fürfürstliches Geblüt. In Italien, erzählt George Sand, glaubt die Tochter einer adeligen Familie, die gemeinen Leute hätten blaues Blut! Eine deutsche Prinzessin, aus dem Hause das so besonders auf Keuschheit hält, heira- thete einen englischen Herzog. Ihre Mutter wußte daß der edle Herzog eine gehässige Krankheit an sich habe, so sagt man wenigstens; das arme Weib wurde schwanger, gebar vor der Zeit, hat die scheußlichste Krankheit von ihrem Herrn geerbt, und lebt ein Jahr nach der Hochzeit — getrennt von ihrem Mann — um sich kuriren zu lassen. Giebt es was Bürgerlicheres? Oder, wollt Ihr, gibt es was Adeligeres? — Die Augenkrankheit an der die Königin von Baiern fast seit ihrer Vermählung leidet, sott beinahe gehoben sein. — Trotz aller Behauptungen deutscher Journale, ha, ben die sechs verheiratheten Prinzen und Prinzessinnen aus dem Hause Baiern noch keine Nachkommenschaft. Plänkler. Die „Augsburger Allgemeine Zeitung" frißt wieder fleißig Franzosen, — der leibhaftige Menzel muß in sie gefahren sein. Ihre Correspondenten aus Paris, aus Belgien und vom Rhein tischen ihr täglich ein Paar in die Pfanne gehauene und gebratene Franzosen auf. In Nr. 26» wird sie ganz deut sch-christlich-ein - hei ts-patriotisch und schleudert ein fürchterliches Kriegs-Manifest a I» Herzog von Braunschweig gegen Frankreich. Hier ist man natürlich sehr bestürzt darüber; gestern war Minister-Conseil, und wie wir erfahren haben, sott der Telegraph den Befehl nach Straßburg überbracht baden, sogleich — drei Mann und einen Korporal gegen Augsburg marschiren zu lassen. —Oh! die gute Augsburgerin ist fürchterlich in ihrem Zorne. Die Bremer Zeitung, diese gute alte eonservative Haut, bat einen Corrcspondenten in Berlin, der ihr Neuigkeiten aus Paris schreibt. Erft dieser Tage hat er ihr wieder eine herzbrechende Epistel über den,,Sanscu- lottismus " unseres V 0 r w ä r t s, das er „ m anchmal zu Gesichte bekomme" und einen langen albernen Klatsch über Dr. Rüge geschickt. Warum schreibt der gute Berliner Correspondent nicht was Neues aus Berlin? weiß er nichts oder darf er nicht; — und wirft man ihm etwa die Brocken vor in die er beißen muß? Armer Correspondent ! Arme alte Bremer Zeitung. Lax vobis cum ! Redakteur: Heinrich Börnstcin. Druck mit Schnellvrefsen von Paul Reno uard Nachricht kür Ausländer. Personen, welche unter vortheilhasteil Bedingungen eine industrielle Gesellschaft im Auslande zu vertreten wünschen, oder eine Stelle in Paris für die Correspvn- denz annehmen wollen, belieben franco unter der Adresse VV., rue besielletier, 12, zu schreiben: ihr Alter, aus welchem Lande dieselben sind, und ihre bisherige Beschäftigung; mit Adressen, wo man Erkundigungen über ihre Moralität einziehen kann, im Falle die Ges. den Nachsuchenden engagiren will. LLVVL DLL 1.6 auccea dela premiere repreaentation d'6kc//o 86 80 Utient dikkicilkinknt. Lette inuaigu«, 8t belle, 8t 8U3V6, 8t melodieuae 6t 8t large ä la-koia, N6 s'accom- niocle guere avec 168 kacultes 6t 168 babitudes des cbanleurs ck6 l'Vcademie royale. Ouprer ^ succombe, llaroilbet 1utt6 611 desespere, Octave, 66 pauvre Octave dont 168 grands journaux ne s'occupent M6N16P38, kait 66 cjtLll P6ttt : ma lbeureusement il ne peut pasbesucoup. Il n')- kt ^U6 Madame 8toltL gut cliante. IVIais eile 3U8si eile geslicule dan3 66tt6 piece plus gu'elle N6 voealise. O'est evidemment UI16 6X- 66ll6ttl6 ii6tvi66 : 668t M6M6 Ik» 86ul6 csntatrice 3 1'0p8ra ; M»t8 8t elle ^ regne 8ans parlage, nen 86- 6U80N8 Nt 8NN t3>6Nt, Nt 88 Voix , l)I6N gU6 lblN 6t l'gutre ONt UN IN6vit6 I660NNU 6t inconteslable. 1.8 Iutt6 8668 plu8 VtV6 6t pll 18 6ll8N66U86 6N60V6 lorsgue I 3 salle Ventadour 86v8 ouver te. Uadame Orisi, lVllVI. lVlario, Oonconi 6t Oablacbe rendront loute coniparsison dikbcile, sinon impossible; N. killet l6 prevoit. Vu88i 86 bate-t-il de 86 menager la re- traite derriere en 6t (i/orro-Nnwrt, Ü6UX Oper»8 8 grand krscas d'orcbestre. 0'e8t H>i6ll 66 gu'il kaut. bundi dernier, /kenr/ette 3 prouve c;u6 !a cbarmante mademoiselie A^dele Oumilatre N6 s'endort P3S 8 U 1 - 868 lauriers. Lite 8 obtenu 66 soir- Ig, 60INM6 tO»joUI8, UN double 8U6668 de mime 6t kl8N80U86. II ^ a un mois, lorsgue Hoger par- courait la province, et qu'on etoulkait cke clialeuv et ck'ennui <18118 tOU 3 l 68 8p66t86lc 8, 1'on 8'3MU88lt6N6066 a I'Opera Eornigue, grace aux ckispositions granckioses et 86I8t06I-3ticsU68 Ü6 cette mggntllgue Lalle, 6t 3 I'tl3- Ijilete <1'un6 ackminislration 26 le 6 6t intelligente. Aujoui cl'lttti, gue le ckivin clianteun et la li^e cl'au- tomne NOU 8 80 nt 66 V 6 NU 8 , on ^ 68 t tout-a-fait ä l'3186. (^uel talent 6 sU 6 eelui Ü 6 Hoger! l)uel clianteur 6 t guel corneckien ! Erliste accompli, Hoger sniine la 866 N 6 , 6 t enleve le public. L'cst 3 lui gue revicnt 83N8 contreckit la plus large part cke Liininense 8 uc- 668 ckont zouit encore la ckrc kl/wL/e, malgre stak- 86 N 66 trop prolongee, bela 8 ! cke Ume H.o 83 i-La 66 t 3 . i»iou 8 avons revu au 88 i avee plai 8 ir le meilleur cle 8 opei '38 cle IVl. ^.ckam, le Hermann, kiarlo et IVIme iJuicksnt-bebuen ^ouent et 6 li 8 nt 6 iitcl 8 N 8 cette piece a ravir (i'e 8 t ui >6 excellenle 36 csui 3 ,tion pour l clout la lroupe n'a peut-ötre j 3 M 8>8 ete 30881 complete, ni l 6 i 6 p 6 rtoi> 6 3 U 88 i V 3 i'i 6 Ltcttoi 8 i. l^uant 3 nous renvo^on 8 no 8 lecteui^ 3 notre keuiileton, p6i8U3cle3 <;u6 c'e8t le meilleur nio^en cle les engager ä aller voir 6ux-me,»68 cette nouvelle procluction. I .3 aalte du Vaudeville continue a etre comble. L'est la decidement c>u'on trouve l'e8prit, la gaite et le rire de bon goüt. Ln imprimant cette tenclance au Vaudeville, N. Vncelot 3 repondu 3 Lattente du public eclaire. I.'exi8tenc6 de ee joli tli63li6, si pi o- bleinatigue il ^ a eucore un an, 68t maintenani plus ^u'388uree. On porte en koule 6t 011 ^ revient avee plai8ir. Oi'3mali^ue8,16gere3, 3mu83iite8, tout68 Ie8 piec68 gu'on ^ voit porlent un rare cacliet de di3- tinction. Lt puis csuels interpretes! l.akerriere, Lar- dou, Vrnal; c'est ä ne pas savoir auguel donner la prekerence. A.U88i on lea applaudit tou8 Ie8 trois a vec la meine kureur, bien gu'a de8 titres dlvei'8. Lt csuand on voit ölni68 Ibenard, Lievenne, 8t.-Narc, ssuliette et tont ce joli regiment gu llippol^te kait 8i bien ma- noeuvrer dans 1e8 , on ne 86 80 uvient de Nine kages que pour la plaindre, et de Nine Ooclie c^ue pour l'oublier. V propos, on dit <^ue decidement Nme Oocbe Porte 868 pknate 8 au In 86 N 8 «e! La oü lVI. 8 cribe lui-meme, ne peut plus retrouver 8 on 68 - prit, gue pourra trouver lVlme Oocbe? Oepenclant le public croit ^ trouver encoreguelgue cbo 86 , pui 8 - <^u'il z- revient peu a peu. Lt, eu esset, on n^ trou- verait gue Nile Oesiree qu'on ne 8 erait p 38 vol«. Vjouton 8 csue lVIlle Hose Lberi 68 t toujours naive et charmante comme un enkant <^ui vient de naitre ; c^ue IVIme Largueil joue avec verve, «gue le personnel M38- culin, c^uoigue un peu maigre de cor^is, ne manc^ue ni de cerlaine tenue, ui de certaine intelbgence, et nous comprendrons eommeut de tem^s 3 autre le 8 ucck 8 « 8 t po 88 ible au tbeatre du boulevart Ilonne-lVouvelle. Vux bakont et Lousse tont kureur.^ l.e languit. Il a perdu Acbard, et I. 6 V 38801 - 68 t encore ab 86 Nt. Il 68 t vrai k^ue Havel lui re 8 te. stlais au 88 i il abu 86 de ce bon Havel, gui, 3 8011 tour, abu 86 du publie, ce gui kait c^ue la aalte 68 t souvent presgue vide. I.e n'a rien perdu de 80 >i aucce» primitik. O'eat toujours la pieee en vogue : d'abord parce <;u'elle eat b en jouee, et eii 8 uite parce qu elle ne manc^ue paa reellement d'in- tei e t. V la ob i'on pleure si aouvent, on rit depuis troia ou gualre 86,n3ine8. 1.68 ckrc ckr8, piece etpublic ne konten quelguesorte gu'un. 6'e8t preague de la realite; et en tout cas c'eat un double apectacle, et une clio e doublement digne ä voir! O O * Paris, 1844. Nr 78- Abonnements-Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 18 „ Drei Monate. . . . S Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. srw al, Man abonnirt: für Paris:' NN Duresu eoritrsl pour t'^IIemsßiae, rue cles Uouiin3, 3^, in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Bork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Toni,abend.) M ll r i r e r Deutkcht S c i t kcl> r i k t. ( 28 . September.) Nicht ;u Ucbcrskhm! Diejenigen p. t. Abonnenten, deren Abonnement mit heute zu Ende geht, werden ersucht ihre Bestellungen bei Zeiten zu erneuern, um keine Unterbrechung in der Zusendung zu ersah- . ren. — Auswärtige wollen sich Ln sran- kirten Briefen an das Central-Burean für Deutschland, 32, rne des Monlins, wenden und ein Mandat ans Paris im Belaufe des Abonnements-Betrages beilegen. Die Lage Englands. Die englische Constitution. (Fortsetzung.) Ein anderer Beweis hiefür ist das Privilegium des Parlaments, die erceptionelle Stellung seiner Mitglieder gegenüber den Gerichten, und das Recht des Unterhauses, Jeden, den es will, verhaften zu lassen. Ursprünglich gegen die Übergriffe einer seitdem aller Macht entkleideten Krone gerichtet, hat dies Privilegium in der neueren Zeit sich nur gegen das Volk gewendet. 177 l erzürnte sich das Haus über die Frechheit der Zeitungen, die die Debatten veröffentlichten, wozu doch nur das Haus selbst LruillcLan des Vorwärts. Vom beglückten Volk. Wie hat ein Volk es doch so gut Für das sein König Alles thut! Das braucht nicht früh vom Morgen Bis in die Nacht zu sorgen — Der König sorgt für's Land allein : Was kann da noch zu sorgen sein? Wie hat ein Volk cs doch so gut Für das sein König Alles tkut! Das braucht von den Gesetzen Und Rechten nicht zu schwätzen — Der König giebt Gesetz allein : Was kann da zu bemerken sein? Wie hat ein Volk es doch so gut Für das sein König Alles thut! Das braucht sich nicht zu quälen Seine Obern sich zu wählen — Der König selber seyt sie ein : Wie kann die Wahl da besser sein? Wie hat ein Volk es doch so gut Für das sein König Alles thut! Das braucht nicht hauszuhalten, Staatsgelder zu verwalten — Der König nimmt die Gelder ein : Wo könnten sie wohl sich'rer sein? berechtigt sei, und versuchte durch Verhaftungen von Druckern und dann von Beamten, die diese Drucker sreigelassen hatten, dieser Frechheit ein Ziel zu setzen. Natürlich mißlang dies; aber der Versuch beweist, was es mit dem Privilegium des Parlaments ans sich hat, und das Mißlingen beweist, daß auch das Unterhaus, trotz seiner Erhabenheit über das Volk, dennoch von diesem abhängig ist, daß also auch das Unterhaus nicht regiert. In einem Lande, wo „das Christenthum ein wesentlicher Bestandtheil der Landesgesetze ist," chllristiunitL ig purt unä pureol ol tlle lurvs o5Ille lunä), gehört die Staatskirche nothwendig zur Verfassung. England ist seiner Verfassung nach wesentlich ein christlicher Staat, und zwar ein vollständig ausgebildeter, starker christlicher Staat; Staat und Kirche sind vollkommen verschmolzen und untrennbar. Diese Einheit von Kirche und Staat kann aber nur in Einer christlichen Confession, zur Ausschließung aller andern, bestehen, und diese ausgeschlossenen Sekten sind dadurch natürlich als Ketzer bezeichnet und der religiösen und politischen Verfolgung verfallen. So in England. Sie wurden also von jeher allesammt in eine Klasse zusammengeworfen, als Nonconformisten oder Dissenters, von aller Theiluahme am Staat ausgeschlossen, in ihrem Cultus gestört und gehindert, und mit Strafgesetzen verfolgt. Je eifriger sie sich gegen die Einheit Wie hat ein Volk es doch so gut Für das sein König Alles thut! Das braucht sich nicht vor Giften Zu fürchten in den Schriften — Der König läßt kein Gift herein : Was kann auch wohl gescheidter sein? Wie hat ein Volk es doch so gut Für das sein König Alles thut! Es braucht in schlimmen Zeiten Nur blos für ihn zu streiten — Sein Leben setzt es für ihn ein : Was kann auch wohl gerechter sein?! Adolf Schutts. Friedrich II. Ansfcheiden von dem Freimanrerbunde. Friedrich II. war schon als Kronprinz in den Freimaurer-Orden eingeweiht; aber er durfte es bei Lebzeiten seines Königlichen Vaters nicht wagen, sich als Freimaurer zu bekennen. Als er im Jahre 1740 den Thron bestieg, wünschte er sogleich, daß eine Loge gestiftet würde, und diese erste Loge war : « Irois Olobc8,» die jetzige große National- Mutterloge zu den „drei Weltkugeln." Friedrich hatte den Zweck der Freimaurerei kennen gelernt, und wußte aus welchem Gesichtspunkte er den Orden zu betrachten hatte: „Als eine liebevolle Pflegerin der menschlichen Natur; als eine Ausbildung alles Guvon Kirche und Staat erklärten, desto heftiger wurde diese Einheit von der herrschenden Parthei vertheidigt, und zu einem Lebenspunkt des Staats erhoben. Als der christliche Staat in England noch in voller Blüthe stand, war daher auch die Verfolgung der Dissenters und besonders der Katholiken an der Tagesordnung, eine Verfolgung die zwar weniger heftig, aber universeller, ausdauernder war als die des Mittelalters. Die akute Krankheit ging in eine chronische über, die plötzlichen, blutdürstigen Wuthansälle des Katholizismus verwandelten sich in eine kalte, politische Berechnung, die die-Hetero- dorie durch einen gelinderen, -aber anhaltenden Druck auszurotten suchte. Die Verfolgung wurde auf das weltliche Gebiet herübergezogen, und dadurch unerträglicher gemacht. Der Unglaube an die ncununddreißig Artikel hörte auf Blasphemie zu sein, aberanstattdessen machte man ihnzumStaats- verbrechen. Aber der Fortschritt der Geschichte ließ sich nicht aushalten ; der Abstand zwischen der Gesetzgebung von 1688 und der öffentlichen Meinung von k828 war so groß, daß in diesem Jahre selbst das Unterhaus sich genöthigt sah, die drückendsten Gesetze gegen die Dissenters anfzuheben. Die Teftacte und die religiösen Paragraphen der Corporationsakte wurden abgeschafft; die Emancipation der Katholiken folgte im nächsten Jahre, trotz dpr wüthenden ten, Edlen und Großen, was in dem Menschen liegt; als eine Schule des menschlichen Herzens; als eine Mittlerin zwischen dem Gesetz uno der wahren inneren Tugend; als X eine Lehrerin der Menschenliebe, Eintracht, Wohlthätig- keit, Rechtschaffenheit und aller geselligen Tugenden." Friedrich kannte das Constitutionsbuch der ersten großen Loge in London, welches 1723 daselbst gedruckt wurde, und worin die wichtigsten Pflichten Folgendes geboten: „Der Maurer ist als Maurer verbunden, dem Sittengcsctze zu gehorchen, und wenn er seine Kunst recht versteht, wird er weder ein stumpfsinniger Gottesläugner, noch rin religiöser Wüstling sein. Obgleich die Maurer in alten Zeiten in jedem Lande verpflichtet wurden, der Religion des Landes und dieses Volkes anzugehören, so wird es doch jetzt — so heißt es in einer späteren, ohne dem Grundwesen zu nahe tretenden, für die Zeit in etwas geänderten Ausgabe vom Jahr 1749— für zweckmäßig gehalten, sie allein zu der Religion zu verpflichten, worin alle Menschen übereinstimmen, das ist gute und treue Männer; — Männer von Ehre und Rechtschaffenheit zu sein, durch welche Benennungen, und in weichen Überzeugungen sie auch verschieden sein mögen. Hierdurch wird die Freimaurer'i das Mittel, treue Freundschaft unter Personen zu stiften, welche außerdem in beständiger Entfernung von einander hätten bleiben müssen. Der Maurer ist ein friedfertiger Unterthan der bürgerlichen Gewalten, wo er auch wohnt und arbeitet, und soll sich nie 2 Opposition der Tories. Die Tories, die Vertreter der Konstitution, hatten volles Recht in dieser Opposition, da keine einzige der liberalen Partheien, >auch die Radikalen nicht, die Konstitution selbst angriffen. Die Konstitution sollte auch für sie die Grundlage bleiben, und auf dem Boden der Konstitution waren nur die Tories consequent. Sie .sahen ein und sprachen es aus, daß die obigen Maaßregeln den Sturz der Hochkirche und noth- wendig auch den der Konstitution nach sich ziehen müssen; daß, dem Dissenter aktives Bürgerrecht geben, äe lueto die Hochkirche vernichten, die Angriffe auf die Hochkirche sanctioniren hieß; daß es eine arge Inkonsequenz gegen den Staat überhaupt ist, wenn man dem Katholiken, der über der Staatsgewalt die Autorität des Papstes anerkennt, Theil an der Verwaltung und Gesetzgebung bewilligt. Ihre Argumente konnten von den Liberalen nicht beantwortet werden; die Emancipation ging dennoch durch, und die Prophezeiungen der Tories fangen bereits an, sich zu erfüllen. Die Hochkirche ist also auf diese Weise ein leerer Name geworden, und unterscheidet sich von den andern Konfessionen nur noch durch die drei Millionen Pfund, die sie jährlich bezieht, und einige kleine Privilegien, die gerade hinreichend sind, um den Kampf gegen sie aufrecht zu erhalten. Hierhin gehören die kirchlichen Gerichtshöfe, in denen der anglikanische Bischof eine alleinige, aber sehr bedeutungslose Jurisdiktion übt, und deren Bedrückung besonders in den Gerichtskosten besteht; ferner die lokale Kirchensteuer, die zur Erhaltung der zu Verfügung der Staatskirche stehenden Gebäude verwendet wird; die Dissenters stehen unter der Jurisdiktion jener Höfe und müssen diese Steuer mitbezahlen. Aber nicht allein die Gesetzgebung gegen die Kirche, sondern auch die Gesetzgebung für sie hat dazu beigetragen, die Staatskirche zu einem leeren Namen zu machen. Die irische Kirche ist ein bloßer Name von jeher gewesen, eine vollendete Staatsoder Regierungskirche, eine komplete Hierarchie, vom Erzbischof abwärts bis zum Vikar, der weiter nichts fehlt, als die Gemeinde, und deren Beruf darin besteht, für die leeren Wände zu predigen, zu beten, und Litaneien abzusingen. Die englische Kirche hat zwar ein Publikum, obwohl sie auch, besonders in Wales und den Fabrikdistrikten ziemlich von den Dissenters verdrängt worden ist, aber die wohlbezahlten Seelenhirten bekümmern sich eben nicht viel um die Schafe. „Wenn ihr eine Priesterkaste in Verachtung bringen und stürzen wollt, so bezahlt sie gut," sagt Bentham, und die englische und irische Kirche zeugen für die Wahrheit dieses Ausspruchs. Auf dem Lande und in den Städten in England ist dem Volke nichts verhaßter, nichts verächtlicher, als ein ellurell-ok-LnAlauä xur- son. Und bei einem so frommen Volk wie dem englischen, will das was bedeuten. Es versteht sich, daß, je leerer und bedeutungsloser der Name der Hochkirche wird, desto fester hängt die konservative und überhaupt entschieden konstitutionelle Parthei daran; die Trennung von Kirche und Staat könnte auch dem Lord John Ruffel Thränen entlocken; es versteht sich ebenfalls, daß, je leerer dieser Name wird, desto ärger und fühlbarer wird der Druck. Die irische Kirche besonders, weil die bedeutungsloseste, ist die verhaßteste; sie hat gar keinen Zweck, als das Volk zu erbittern, als es daran zu erinnern, daß es ein unterjochtes Volk ist, dem der Eroberer seine Religion und seine Institutionen auszwängt. England steht demnach jetzt auf dem Übergange vom bestimmten in den unbestimmten christlichen Staat, in den Staat, der keine bestimmte Konfession, sondern einen Durchschnitt aller eristirenden Konfessionen, das unbestimmte Christenthum zu seiner Basis macht. Natürlich hat schon der alte, bestimmte, christliche Staat sich gegen den Unglauben verwahrt, und die Apostasie-Akte von 1699 bestraft ihn mit Verlust auch des passiven Bürgerrechts und mit Gefängniß; die Akte ist nie abgeschafft worden, wird aber nie mehr in Ausführung gebracht. Ein anderes Gesetz, aus Elisabeths Zeiten herrührend, schreibt vor, daß Jeder, der Sonntags ohne gehörige Entschuldigung aus der Kirche bleibt (wenn ich nicht irre, ist sogar die bischöfliche Kirche vorgeschrieben, denn Elisabeth erkannte keine dissentirende Kapellen an) mit Geldstrafe und respektive Gefängniß dazu anzuhalten ist. Dies Gesetz kommt auf in Zusammenrottungen und Verschwörungen gegen den Frieden und die Wohlfahrt der Nation verwickeln lassen» noch sich pflichtwidrig gegen die Obrigkeiten bezeigen. Es zsoll kein Privathaß oder Streit zu der Logenthür hereingebracht werden, viel weniger irgend ein Streit über Religion und Nationen, oder Staatsverfassung; wir sind von allen Nationen, Mundarten oder Sprachen, und sind entschieden gegen alle Staatshändel, als welche nimmer noch der Wohlfahrt des Ordens beförderlich gewesen sind, noch sein werden." Diese alten Vorschriften der reinsten Sittlichkeit haben sich bis jetzt fortgepflanzt, und jene Grundsätze, die den Kern der Freimaurerei bezeichnen, von der in London ,721 gestifteten ersten großen Loge aus über alle nachher entstandenen Brüderschaften auf der Oberfläche der Erde verbreitet. Friedrich betrachtete den Freimaurerorden als einen Schmuck der Krone menschlicher Erfindungen, wenn er das ist, was er sein soll, und fand unter der symbolischen Hülle den Kern. Er stiftete im ersten Jahre seiner Regierung eine Loge, in welcher er als Meister vom Stuhl den Hammer führte; diese Loge bildeten seine vertrautesten Freunde, von denen er sich überzeugt hielt, daß sie brave und moralisch gute Menschen seien. Aber nicht alle Berufene sind auch Auserwählte, und in allen Verhältnissen des Lebens bleibt der Mensch — Mensch! In ihm liegt der Keim zum Guten und Bösen; nicht einer ist von Schwachheit frei. Leider mußte auch Friedrich sich betrogen sehen. In dem engen Zirkel seiner Loge befand sich ein Königs-, Landes- und Ordensverräther, gegen den Friedrichs Benehmen königlich und maurerisch war. Als der große König nun Schlesien erobert hatte, mußte er es auch zu erhalten, und seine übrigen Provinzen zu decken suchen. Zu diesem Zwecke war es nöthig, die alten Festungen zu verbessern und neue anzulegen. Dem General Wallrave, einem der geschicktesten Ingenieure, übertrug der König die Ausführung. Besonders wurde die Festung Neisse mit einigen Forts und durch Minen, die Festung auf eine Viertelstunde weit umgebend, verstärkt, denn sie war die „Grenzfestung" gegen Österreich. Dieser General Wallrave, Liebling des Monarchen und Mitglied der Loge, in welcher sein königlicher Herr als Meister vom Stuhl präsidirte, hatte sich, durch Gold verblendet, mit dem Fürsten Kaunitz in Wien in Korrespondenz gesetzt, und wollte den Plan der Festung und die Lage der Minen und ihre Verbindung mit den Werken an das Cabinet zu Wien verkaufen. Aber die Unterhandlungen wurden nicht vorsichtig genug betrieben — eine höhere Macht waltete über Preußen — der General-Postmeister schöpfte Verdacht, und meldete die Sache dem König. Als nun wiederum ein Brief des Wattrave abgehen dem Lande noch häufig in Ausführung; selbst hier im civilisirteu Lancashire, ein paar Stunden von Manchester, gibt es einige bigotte Friedensrichter, die — wie M. Gibson, Deputirter für Manchester, vor vierzehn Tagen im Unterhause anführte — eine Menge Leute wegen unterlassenen Kirchenbesuchs zu mitunter sechswöchentlichem Gefängniß verur- theilten. Die Hauptgesetze aber gegen den Unglauben sind die, welche Jeden, der nicht an einen Gott oder eine jenseitige Belohnung oder Bestrafung glaubt, zur Ablegung eines Eides unfähig machen und die Gotteslästerung bestrafen. Gotteslästerung ist alles was die Bibel oder die christliche Religion in Verachtung zu bringen strebt, und ebenso die direkte Läugnung der Existenz Gottes; die Strafe, die darauf steht, ist Gefängniß — gewöhnlich ein Jahr, und Geldstrafe. (Fortsetzung folgt.) Der Czar. Unstät wie ein böses Gewissen stöbert der Czar herum, bald am schwarzen Meer, bald an der Ostsee, an der Spree und an der Themse, jetzt in Gewaltthaten und jetzt in Jntriguen. Treibt ihn das gespenstige Polen? Scheuchen ihn die bluttriefenden Schatten des Vaters, des Großvaters? Nicht die Reue über seine an der Menschheit verübten Sünden ist es, die ihn beunruhigt, nein es ist die Todesangst eines verstockten Herzens, das die Verschwörung beleidigter Großen, die Verzweiflung zertretener Nationen, das Reagiren brutal unterjochter Kräfte fürchtet, und das diesen Gefahren keine Seelengröße entgegenzusetzen hat. Glaubet nicht, daß der Czar je von der lange eingehaltenen Bahn des Bösen, Unmenschlichen abweichen wird; weder das Wimmern der Geknutelen, noch die Protokolle des jetzigen, noch die Bajonette des künftigen Europa's sind im Stande, die Rohheit dieses modernen Attila zu zähmen : er wird, seiner hunnischen Natur nach, gegen alles, was Freiheit heißt, instinktmäßig wä- then, so lange er noch einen Arm und eine Jntrigue frei hat. Czar Nikolaus, aller Genialität, alles Edclmuths, aller Begeisterung baar, ein Kaiser gewordener Korporal, kurz das Widerspicl seines hochsinniges Bruders Aleran, ders, hat freilich so viel Erfahrung, daß er sieht, diese zusammengeraubte Ländermasse, die man Rußland heißt, lasse sich in ihrer bisherigen Gestalt und ohne die organischen Vermittelungen der Freiheit, nur durch die stärksten despotischen Mittel Zusammenhalten. Darum leimt er seine Völker mit Blut zusammen : alles Hervorragende, Auszeichnende in ihnen, was eben deshalb der mechanischen sollte, wurde er dem König gebracht. Friedrich erbrach ihn, und vor seinen Augen stand das Verbrechen. — Er sah sich verrathen an seinen Erbfeind; verrathen von seinem Lieblinge, von einem Mitglieds seiner Loge, auf deren Liebe, Treue und Ergebenheit er (die Loge hatte nur 24 Mitglieder) vermöge seines Scharfblickes und seiner Vorsicht Felsen gebaut hätte; verrathen und verkauft als König, Freund und Bruder, und in die traurige Nothwendigkeit verseht, den, welchen er mit seinen Wohlthaten überhäuft, und als Bruder umarmt hatte, als Landesverräther zu bestrafen. - Lange überlegte Friedrich, bis er einen Entschluß faßte, der ihn und sein vortreffliches Herz zu mehr als einem Menschen — zu einem Maurer des allerhöchsten Welten- Baumeifters erhob. — Er berief eine Loge zusammen, in der er mit Begeisterung, mit Belehrung und Wärme von den Pflichten eines ächten Maurers sprach, und die er als ein solcher dem Orden, seinen Brüdern, dem Staat und dem Vaterlande zu leisten schuldig sei; und am Schlüsse dieser ernsten, eindrucksvollen Rede wurde sein Ton feierlich, und seine Worte setzten Alle in Erstaunen. Der tief Gekränkte erhob sich von seinem Sitze, und sprach: „Einer hier unter den versammelten Brüdern hat sich an den Gesetzen des Ordens, seiner Pflicht gegen den Staat, seinem Eide, seiner Treue und Dankbarkeit gegen mich als Vorsitzenden Meister und seinen König schwer und todesftrafbar vergangen. — Als König will 3 Unterordnung in das Militärkommando widersteht, zerreibt und vertilgt er; und damit nicht die Anziehungskraft europäischer Cultur einzelne Theile der unnatürlichen Composition losreiße, so duldet er diese Cultur gar nicht in der Nähe und zieht das chinesische Mauersyftem um die Länder, welche das Unglück ihm unterworfen. Daß auf dem Wiener Congresse die Selbstständigkeit Polens garantirt ward, und daß Polen jetzt eine russische Provinz mit russischen Truppen, Beamten, Münzen, Gesehen ist, das werden unsere Geschichtsbücher als abscheulichen Schandfleck für die Contrahenten der Wiener Akte, namentlich für Österreich, Preußen, England aufbewahren. Nicht minder schmachvoll ist es, daß Rußland so un- beschrieen die Friedensschlüsse von Nyftädt und Abo, wodurch den Liven und Efthen die Beibehaltung ihrer seitherigen Gesetze und Freiheiten von Rußland zugesichert wurde, mit Fußen treten darf. Unter diese Freiheiten gehörte namentlich auch freie Municipalregierung und die Herrschaft der evangelischen Kirche. Nur Deutsche konnten Stadtbürger sein; aber der Czar befahl, auch Russen zuzulassen; die Deputationen, welche in Petersburg sich auf die Friedenssthlüsse beriefen, fuhr man an, diese Länder feien erobert und sollen sich glücklich schätzen, daß man ihnen nur so viel an Rechten gelassen, als sie noch haben. Die Russen mußten in die Bürgerschaft ausgenommen werden, und bei der gewalttätigen Zudringlichkeit, womit das Russifizirungssystem verfährt, werden die Stockrussen frühe genug den Magistrat regieren. Alle Kinder aus gemischten Ehen folgten bisher der Religion des Vaters: der Czar aber hat jetzt beschlossen, daß solche Kinder nunmehr stets der griechischen Kirche einverleibt werden müssen. Und bewundernswert ist die cynische Offenheit, mit der dieses russische System zu Werke geht : in Finnland, das man noch wegen seiner- treuen Anhänglichkeit an die schwedische Mutter zu fürchten hat, beläßt es Kaiser Nikolaus durch gleichzeitigen Ukas bei dem in den wehrloseren deutschen Provinzen aufgehobenen Neligionsgesctze: zum handgreiflichen Beweise, daß er dem Rechte nur immer in so lange Galgenfrist gewährt, bis er ihm unangefochten den Garaus machen kann. Übergang vom Popenthum, vom Christentum, von der Verehrung des Czaren als Statthalters Christi auf Erden zu vernünftiger Ansicht über geistliche Dinge ist bei Sibirien verboten. — Das ginge übrigens noch Alles an : Haifisch bleibt Haifisch und Czar bleibt Czar. Aber traurig ist es, daß der deutsche Adel der Ostseeprovinzen trotz dem Allen mit dem Czaren ganz wohl zufrieden ist, weil dieser ihn noch schont und der misei-a p1vd8 conll'ikueiis zwar neue Lasten zu Gunsten der Krone auferlegt, ohne ihr aber von den Abgaben an den Adel abzunehmen. Der Adel ist in jenen Provinzen unter kaiserlicher Autorität allmächtig; er allein ist, mit Ausnahme der Städteweichbilder und zweier oder dreier ich es nicht wissen, als Meister vom Stuhl ihm verzeihen, als Bruder biete ich ihm die Hand, von seinem Falle ihn wieder aufzurichten, und als Mensch will ich das Geschehene vergessen. Ich verlange nur, er soll sein Verbrechen h i er gestehen, in sich gehen, und sich alsdann bessern; in diesem Falle bleibt Alles unter uns, und nie sott davon wieder eine Erwähnung geschehen. Schweigt er aber, und nimmt die ihm angebotene Verzeihung nicht an, so werde ich als Meister ihm andeuten, daß ich gezwungen bin, auf immer die Loge zu verlassen, und ihn, als Herr und König, als erster Beamter im Staate, dem Ausspruche des Gerichtes zu übergeben." Stillschweigend und erschüttert sah die Versammlung einander forschend an. Keiner konnte sich sogleich die Schreckensworte des Königs erklären, und selbst Wallrave ahnete nicht, daß sein Verrath entdeckt, und er gemeint sei. Nach einer Pause wiederholte der König ,,dieselben" Worte; Alle schwiegen. — Friedrich sprach zum dritten- male; Alle waren verstummt. — In den Augen des großen Königs glänzten Thränen. Er sprach weiter: ,,Als Maurer habe ich meine Pflicht erfüllt. Leider aber gewahre ich, daß unter dieser kleinen Zahl kein Maurergefühl herrscht, daß Eid, Pflicht, Treue und Erkenntlichkeit nicht vermögend sind, Menschen zu fes, sein, und die Allgewalten der Leidenschaften zu zügeln. Somit schließe ich denn heute und für immer diese Loge, nie werde ich den Hammer wieder führen ! " privilegirter Landgüter, grundbesitzfähig, er allein erhält die einträglichen Stellen, er allein hat das dort sehr wichtige Recht Branntewein zu brennen. Auch jetzt wieder kommt ihm ein kaiserlicher Ukas zu gut, vermöge dessen der Erbadel, der bisher mit Erhebung in eine der vierzehn Staatsdienerklassen verbunden war, nun auf die vier oder fünf obersten Klassen beschränkt wird. Und dort ist der Adel wichtig : er bildet gewöhnlich die Bedingung für alle Ämter und macht prügelfrei! Für solche Aufmerksamkeiten läßt es sich denn der Ostseeadel Wohlgefallen, daß der Czar jetzt, um den Liven und Kuren die seither stark besuchten deutschen Universitäten und damit eine der stärksten Widerstandskräfte gegen das Verrussen abzuschneiden, das Reisen außer Land vor dem fünfund- zwanzigsten Lebensjahr verboten hat. Überhaupt aber ist es demüthigend, daß immer wieder Deutsche cs sind, die sich als Schweißhunde für Rußlands Polizei, Unterjochungskriege und Völkeraussaugung brauchen lassen. Da ist Benkendorf, da ist Cancrin, da ist Paskewitsch (Bassewitz aus Hannover), da sind und waren seit dem polnischen Kriege die Generale : Kleinmichel, Rüdiger, Gerftenzweig, Rautenstrauch, Fäsi, Kluge von Klugenau, Plake Plakenau, Saß, Platen, Geismar, Kreuz, Grünwald, Neidhard u. s. w. Bricht, was der liebe Gott in Bälde gäbe, Krieg aus zwischen Rußland und Deutschland, so werden deutsche Generale gegen uns Deutsche kommandiren, und für so und so viel tausend Landsleute, die sie in ihren Büttetins gefangen und niedergemacht, den Alerander-Newsky-Orden, oder wenn sie nicht hoch genug logen, eine Tracht Kantschuhiebe aus kaiserlicher Machtvollkommenheit erhalten, die wir ihnen von Herzen recht kräftig wünschen. Denn wirklich, es kann nichts Empörenderes geben, als daß Deutschland allezeit die Cloake sein soll, mit welcher der russische Despotismus seine Steppe düngt. Was hat der Kaiser mit seinem Ausfluge nach London beabsichtigt? Ist der Hexenkessel gut im Zuge, worin die Zaubermittel gegen die Freiheit gekocht werden sollen? Ach, Czar Nikolaus, unsere Zeit ist so ungläubig geworden ! Wir fürchten uns nicht mehr vo.r dieser Goldtinktur, die, einem Metternich oder sonst hochgestellten Biedermännern in die Kisten gestrichen, die ganze Nation in eine Goldgrube für fremde Industrie und Politik verwandeln sollten; wir fürchten uns nicht mehr vor diesen wunder- thätigen Kreuzen, die an irgend eine herzlose Brust geheftet, die Freiheit der Völker sympathetisch ans Kreuz heften sollten. Umsonst heuchelst du enieiiie eoicki»!«, umsonst suchst du die Victoria in London auf, weil du keine im Caucasus findest, umsonst beabsichtigtest du den Kissinger Gesundheitsbrunnen zu trinken, was wahrscheinlich wieder eine ähnliche gesegnete Kur für Deutschland werden sollte, wie die berüchtigte Saison von Aachen, Karlsbad, Töplitz. Denke nur, der Geist ist seither ganz Feierlich schloß Friedrich noch einmal nach Maurersitte die Loge, und legte, bis in sein Innerstes bewegt, und mit entblößtem Haupte, den Hammer auf dem Altäre nieder. Im Vorzimmer forderte der König dem General Wallrave den Degen ab, ließ ihn in Arrest führen, und ihm später den Prozeß machen. Er wurde zu lebenslänglichem strengem Festungsarreft verurtheilt, und in das von ihm erbaute Gefängniß abgeführt. Wallrave mußte nämlich auf Befehl zu Magdeburg das Fort Preußen und darin ein Gefängniß bauen. Es sollte dies Gefängniß für einen Staatsverbrecher, und so eingerichtet sein, daß aus ihm weder zu entweichen, noch auch sich darin um das Leben zu bringen möglich wäre; die Wände und der Fußboden waren gepolstert, und mit schwarzem Tuch überzogen, so daß man sich nicht einmal durch einen Stoß verwunden konnte. Sieben Jahre verlebte Wallrave hier ohne Licht — nur etwas schimmerte von oben herein — ohne Schreibmaterialien und Bücher, nur sich und dem nagenden herben Gefühl der Neue überlassen. Kein Mensch durfte zu ihm, und selbst der Offizier, der ihm das so zubereitete Essen brachte, daß er solches ohne Löffel, Messer und Gabel Zu sich nehmen konnte, durfte mit ihm kein Wort wechseln. Nach sieben Jahren erhielt er auf Befehl des Königs ein besseres Gefängniß mit einem kleinen Gärtchen, worin er frische Luft schöpfen, und sich Bewegung machen konnte; die übrigen Bedingunaen blieben die nämlichen» Er saß ders geworden. Während man früher noch an, in der Noch gemachte, fürstliche Versprechungen glaubte, sieht man jetzt ein, daß die deutschen Machthaber eben an der gewöhnlichen Natur aller Privilegirten leiden, daß sie engherzig, unduldsam, unwissend, gewaltthätig sind, daß das deutsche Staatsrecht bloßes Fürstenrecht ist. Äsop, der überhaupt recht nette Fabeln auf unsere Zeit gemacht hat, bringt auch eine vom Fuchs, der, als er den Raben mit einem Stück Käse auf dem Baum sitzen sah, ihn schmeichelnd bat, seine herrliche Stimme hören zu lassen. Und richtig: das deutsche Volk sang : „Heil dir im Siegeskranz," da fiel ihm die Freiheit aus dem Schnabel und der listige Fuchs ging damit durch. Der Nabe ist gewitzigt: helft ihm nur erst seinen Käse finden. (Fortsetzung folgt.) Zustände uns dem Kanton Waadt. (Fortsetzung.) Die hiesige Akademie gilt für den unabhängigsten Körper des Staats. Sie ist die nutrix der Staatsmänner und Seelenhirten, und sie ist es mit Bewußtsein. Die Wissenschaft ist hier, wie in Amerika, religiös, aber die Religion nichts weniger als wissenschaftlich. Fast alle Professoren sind Separatisten (Momiers). Um zu verhüten, daß die Akademie in keine Loterie ausarte, werden die Professorenstellen auf dem Weg des Konkurses besetzt. Unpartheiische, der Akademie fremde Sachverständige entscheiden über die Tüchtigkeit der Konkurrenten. Deßhalb ist denn auch diese Akademie ein Konflurus von Weisen aus Morgen- und Abendland — mit nichten! Die hiesigen Weisen sind säst alle in derselben Straße geboren. Lausanne ist zu reich an gelehrten Männern, als daß der übrige Theil der Erde Konkurrenz mit ihm machen könnte. Es gibt hier allein drei Professoren, die den Namen Söcretan führen, und auch die andern sind bluts- oder doch geistesverwandt unter einander. Der Pietistenprosessor I. I. Herzog ist freilich aus Basel — aber das hindert ihn keineswegs ein guter Momier zu sein. Die Koterie ist d a, trotz der Verfassung, trotz der Konkurrenz. Was vermag so ein lederner Gesetzesartikel gegen den subtilen Geist der Doctrine? Unter den Philosophen ist ein schelling'scher Offenbarungsphilosoph Secre- tan III. Dieser concurrirte vor etwa 2 Jahren mit einem französischen Eklektiker. Zu den Experten bis an seinen Tod, von 1746 bis 78, also so Jahre abgeschieden von der lebenden Welt. Einmal wagte es Wallrave durch den 88sten Psalm Davids um Befreiung aus seinem Kerker zu bitten, worauf ihm der Monarch mit dem roten Psalm antwortete. Von der Zeit an, wo Friedrich das Strafamt gegen einen Bruder zu übernehmen gezwungen war, konnte er nun nicht mehr Mitglied sein, und dies allein war die Ursache, warum der große König und Menschenfreund die Logenversammlung nicht mehr besuchte. Aber der König ehrte den Orden bis auf seinen Tod; denn er war überzeugt, daß die Mitglieder des Freimaurerbundes mit Liebe, Treue und Ergebenheit an ihrem Könige und dem Vaterlande hangen. Mag immerhin noch die profane Welt von dem Freimaurer-Orden denken, was sie will, und der Frömmler vor dem Worte „Freimaurer" erschrecken; mögen noch mehrere Broschüren über Sitten und Gebräuche der Freimaurer erscheinen, sie zeigen doch nur die äußere Schaale; den Kern aber lernt nur der Geweihte kennen, der Mensch— der Geist. Dir Fiorina, Vaudeville in 2 Akten von den Herren Melesville und Carmouche. Eine Episode au 4 hatte man den alten Niederer aus Genf berufen, einen sehr braven aber so überschwenglichen Mann, daß er seine Überschwenglichkeit selbst in der kleinen liebevollen Kontroverse, die er einmal mit Weitling hatte, nicht verläugnen konnte. Kannten diejenigen, die den Dr. Niederer zum Erperten vorschlugen, diese Eigenschaften des Mannes nicht? Oder —- doch wozu die Frage. Der Franzose wurde, wie vorauszusehen, siegreich aus dem Feld geschlagen. Ich sah ihn ans seinem Rückzug; er ertrug seine Niederlage wie ein Mann, ja, wie ein Franzose, aber er konnte nicht umhin dann und wann aus- zurnfen: Hns le äindle m'emporte, si j'ui eom- pris une senke ellose c!e In pllüosopllie sellellin- Aieime cle mon eoncurrent ! Doch ich will mich kurz fassen; diese Herren lieben es vielleicht nicht, daß man sich so viel mit ihnen beschäftige, und sie sind mächtig, haben wenigstens alle Aussicht es zu werden. Die Leute von der Doctrin dominiren den großen Rath durch ihre Zungenfertigkeit, wenn auch nicht durch ihre Zahl. Im Staatsrath aber sitzt Druey, der konsequenteste Demokrat und der ehrlichste Staatsmann der Schweiz, in der Minderheit. Professor Monuard sitzt auch im Staatsrath! Binet ist der geistreichste und liebenswürdigste aller Pietisten; Schelling ist eine klingende Schelle, und Leo ist ein Hund gegen ihn. Die Herren Professoren gehören zur Secte der sogenannten „Vollkommnen," xmLits. Ihr Bethaus heißt „Oratoire;" ihr politisches Organ ist der « Oourrier Luisse, « ein doktrinäres Blatt, in welchem neulich Herr Theodor Rohmer mit so wenig Succeß sein germanisches Französisch versucht hat. Auch ein religiöses Organ haben sie, dessen Titel ich aber nicht weiß. Die .. lüspe.-Lnee >' in Paris, so wie die protestantische Propaganda in Frankreich überhaupt, wird von hier aus mit Stoff versehen; — oder kommt euch diese ganze Geschichte langweilig vor? Liebe Freunde, auch mir ist sie langweilig; und ich schreibe nicht aus Muthwilleu darüber, — wahrhaftig nicht! Ich schreibe nur, um denen, die von der politischen Reform Alles erwarten, zu zeigen, daß vor Abschaffung des Privat-Eigenthumö im Großen an kein Aushören der Herrschaft der Erbärmlichkeit zu denken ist. Daher, liebe Freunde, dem bewegten Leben Casanovas. — Eine italienische Sängerin wird allem dynastischen Herkommen zu Trotze von einem italienischen Großberzog geehlicht und so regierende Fürstin. Allein Casanova war früher ihr begünstigter Liebhaber und ein Töchterlein, Fiorina, ist die Frucht dieser Verbindung. Die Fürstin läßt das Mädchen in einem Dorfe Italiens bei einem Wirthe erziehen, und besucht es jährlich ein Mal incognito. Fiorina ist indeß groß und schön geworden, und soll beiratben; — ihre Wahl fällt auf den Sohn eines Notars im Orte, aber der Notar verweigert seine Einwilligung, weil Fiorina ein Findelkind ist. Casanova kömmr als Reisender in das Wirthshaus, Fiorina gefällt ihm und er will sie sinne« pe-il« heirathen; da kömmt die Fürstin dazu, das Geheimnis klärt sich zwischen beiden auf, die Heirath wird rückgängig und Casanova nimmt seine Tochter mit sich. Im zweiten Akte finden wir sie bei ihm vor aller Welt verborgen in der Residenzstadt der Fürstin; — leider gilt aber Fiorina für seine Maitreffe; der junge Nvtarssvhn, aus Verzweiflung zum Militär gegangen und Garde- Capitän geworden, weist daher Fiorinas Hand zurück; der Wirth, Fiorinas Erzieher, schlägt Lärm gegen den Verführer, und nur der Geistesgegenwart der Fürstin ist es zu danken, daß Alles sich befriedigend ausgleicht und Fiorina Julius glückliche Gattin wird. Dieser unwahrscheinliche Stoff, von Frau von Weißenthurm unter delikateren Verhältnissen schon deutsch behandelt lPau- line, Schauspiel in 5 Akten), bat den Herren Verfassern Gelegenheit zu einem recht hübschen Vaudeville gegeben, das auch sehr beifällig ausgenommen wurde. Eine junge hübsche Debütantin, Dlle Duverg'er (Fiorinas, sprach durck ihr natürliches gefühlvolles Spiel und ihren hübschen Couplets-Vortrag allgemein an; die Herren Sain- ville (Wirth Brocoli) und Derval (Casanova) unterstützten sie vorzüglich. Das Stückchen amüstrre und dürfte noch viele Wiederholungen erleben. druckt mir, ich bitte Euch durum, noch dieses Kapitel über die Religion. (Fortsetzung folgt.) Augsburger Orakelspruch. Von der Seine Strande; Ende Meffidor, im Jahr des Heils 1844. Wenn die ,,Allgem. Augsburg. Zeitung" so was recht Gescheidtes sagen will, wenn sie im Sinne hat von weitem sachte herzuschleichen und die Alten auf dem Nest zu fangen, dann hüllt sie sich in den allgemeinsten Mantel ihrer allegorischen Garderobe, setzt sich in den Bauch der Erde und orakelt zu deren Schalllöchern heraus ! Sv bauchredet sie in einem ihrer letzten Blätter: „Vom Lech!" und ihre Stimme kollert daher wie die vereinigten Wogen des Lechs und der Werlach über das Lechfeld, wie das Donnergerumpel eines augsburger Magens in den sich eine Flasche Seidlitzer Wasser ergossen hat. Was will sie, die keusche Pithia ? Ist König Ludwig nicht in Berchtesgaden, sondern in Aschaffenburg? Hatte sie das Unglück, sich über die Stunde zu irren, wann seine königliche Hoheit der Kronprinz in Hohenschwangau anzukommen geruhten? Hat sie in der letzten Nummer eine Albernheit weniger als in der Regel begangen — und corrigirt sie sich heut? Nein, nein! Sie hat heute eine Entdeckung gemacht, wegen deren es auch lohnt vom mysteriösen Loch aus zu predigen: Herder ist größer als Schiller, denn Herder stellt den Christen über den Menschen, und Schillerden Menschen über den Christen, und der Königsberger, der Herdern des Gcgentheils beschuldigte, ist ein Verläumder. Herder ist dadurch in den Augen eines jeden vernünftigen Menschen gerechtfertigt! Warum sollte ein so großer Mann wie Herder, auch eine getaufte Nothhaut vom Honduras, oder den christckatho- lischen Baiern-Ludwig nicht über den Atheisten Göthe oder den Juden Spinoza stellen ?Wenn auch der Wilde Menschenfleisch von erschlagenen Feinden frißt, und der Baiernkönig seine Feinde lebendig begräbt, so find sie doch Christen; nach Vergebung ihrer Sünden gehen sie Arm in Arm in's Himmelreich, während die Teufel den Juden und Atheisten erwarten! Und das hätte Herder nicht einsehen sollen? Der tbörichte Schiller, daß er von Rousseau rühmte, er wolle,, aus Christen Menschen werben!" Wenn er ihn noch bedauerte, daß er keine Enge l aus ihnen machen wollte, da er doch fühlte, wie schwer es ist, aus ihnen Menschen zu machen ! Doch legen wir das allgemeine Orakel nicht falsch aus; ein M en sch in rst-sii-uwo, meint es, wäre weniger werth, als ein Christ in sstsii-ncto, oder so: ein Mensch weniger eimm Menschen bleibt nichts, ein Chri- sten-Mensch weniger'einem Menschen bleibt immernoch ein Christ, und dessen ist das Himmelreich ! Das hat Herder entdeckt! Leser, frommer, christlicher, baierischer Leser, begreifst du jetzt das Orakel? Lech, Lech, warum heißest du nicht Lethe? Christliche Welt, nie verzeih' ich dir.'s, daß du auch den Lethe umgetauft ! Soll ich nichts vergessen können? 1844!N Das Unheil über Tschech ist gesprochen; die deutschen Blätter berichten mit rührendem Gleichmurhe, daß er i) in einem weißen Hemde an den Pranger gestellt; 2) ihm die rechte Hand ab ge hauen, und 3) er dann von unten auf gerädert werde. Für diejenigen unserer Leser, die die Proeedur der kvnigl. preuß. Kriminalgesetzgebung noch nicht kennen, fügen wir eine kurze Beschreibung dieser Hinrichtungsart bei. Der Verbrecher wird mit einem langen weißen Hemde bekleidet barfuß auf das Schaffot geführt, dort wird ihm sein Urtheil verlesen, und er bleibt eine Stunde lang den Blicken des Volkes ausgcfetzt. Seine rechte Hand wird sodann auf einen Block gelegt und mit einem Beilhiebe abgehauen; der Stumpf aber, um das zu schnelle Verbluten zu verhindern, mit einem glühenden Eisen gebrannt. Hierauf wird er auf den Rücken mit ausgestreckten Armen und Beinen auf den Boden gelegt; breite Holzstöcke dienen als Unterlage für Arm- und Beingelenke, so daß der Körper allenthalben hohl liegt. Der Nachrichter und seine Gehüsten ergreifen nun ein großes mit Blei ausgegossenes und mit Eisen beschlagenes Rad, schwingen es hoch in die Luft und zerschmettern, indem sie es Niederschlagen, zuerst das rechte, dann das linke Schienbein, dann beide Schenkelknochen, dann die Knochen der Arme und endlich die Brust. Hierauf wird der Körper aufs Rad geflochten und ausgestellt. Die Geschichte erzählt uns, daß Rudolph von der Wart, einer der Mörder Kaiser Albrechts, noch 24 Stunden so auf dem Rade lebte und litt, und durch den Zuspruch seiner mu- thigen Gemahlin, die allein bei ihm ausharrte, in seinen fürchterlichen Leiden getröstet wurde; — Patkul, nachdem er alle Nadstöße empfangen hatte, kroch auf der Erde zu dem Commandanten der Erecution und wimmerte; ,,Kopfab! Kopf ab!" worauf man ihm das Haupt vom Rumpfe hieb. Doch genug von diesen blutigen Grauelscencn finsterer Jahrhunderte, wir leben ,844. Es ist zwar Alles gegen Nichts, Rothschilds Vermögen gegen einen Stecknadelkopf, ein Ehrenplatz im Plutarch gegen den preuß. rothen Vogel-Orden zu verwetten, daß der König von Preußen nicht den Muth haben wird dieses Urtheil, dem sich mit Abscheu wegwendenden Europa gegenüber, vollftrecken zu lassen ; aber es ist schlimm genug, daß in unserer aufgeklärten Zeit eine Gesetzgebung in dem angeblich am weitesten vorgeschrittenen Staate des christlichgermanischen Vaterlandes besteht, wo ein solches Urtheil gefällt wird, wo die Vollstreckung desselben möglich ist. Die,,Trier'sche Zeitung" vom 20. Sept. ist nur mit drei bedruckten Seiten und einerganzen Seite wer» ßem Papier erschienen. Der Herr Censor hatte sie in Folge der neuen verschärften Censur-Jnstruktioncn so zugcrichtet. Und die Deutschen freuen sich noch immer über den ,,besonnenen Fortschritt" der „weisen preußischen Negierung." Deutsche Wirthschaft, gehalten von L. ö. Gnisscr. Am Montag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag mnsikalrsche Abendunterhaltnng. R.U6 cle I'^rllre-Lee, 46. Nedacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Sckmcllvresscn vvn Paul Nenu uard s, ßlMIM W MLMN 8 -M 8 . MI_ 15 . « W N'IML N'il UN LH I81S. E AI le L. cke XVkVKINtX. 2 vor. »4-8. >5 IM. INitien lii8loril>iie8 et mästim Ick IMIckM Ick MR ^ in: vinxivi: Docteur en rlvoit, 1 vol. in-8. ki'ix: 5l). SOVVLNIK8 V'E ä.VEOl.6. V6V U,IMU rm ir vli ROM 1MIX t 24 IM. 8 IM N 8 IMIM 8 (I-ö tsüö AM M L Is Miss äs lä MllöM) xsr 8. 1s — i^8 cx84U8. IlMire 8'ä kieron. I^tz ülomle loniAii 80U8 Ie 81 ° ümstereiii^. I»,r »I. I- 6^ cke oil^AIk^tlAiX 4 vor. II4-S. 24 IM. 8 ou!evemeiit mlioiiü I ?sr VäM'lHÜLI), contempor ain ! IVacitttl /-a/° U. /'«bös k.x>8E8 ä«8»llem8 (Iv reliziml en tll«,ii!>§,w. v-rn NLU VLQINS l vor. II4-S 41461-418. 3, so. !>M MN M MW8 sie pelit livre >iit!i8peii8itble) 1.^1 »ÜLOIiVLir^L I.LS KUWMWrUlkW tiö zvuc ui.,! IM BI. KNcküikkli L eil. MIMI. 1 vol oen'S cls 3t ßrav. 2 vol. in-8. 10 kr. Coo.iti- oo,u.„l. I?.'.x - 1, 2t. IM, WM L I»M Iss Z lVIerdockss AI. m. 8OVI.101:. -oMMMUKW W M W>- IMIMMIilü W 8 MM 6 äI 8 L LI 4 I 4 MM 0 L OuvruA« spprouv« par I'TIiüversite 2 vol. Arsircl in-8o ä« 2,700 pLAes. ^ LMion «les 6ei>8 flu monüe. . 32 lr.-Läition äes tiolle^es. . . . 18 st- Paris, 1844 Nr 79. Abonnements-Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... IS „ Drei Monate. . . . 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . 18 „ Drei Monate. ... S Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. »MM Man abonnirt: für Paris: tm Nurssu central zrour I'^Ilernsßne, rue rte» ^louliug, 3s, in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthai und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in Rew-Uork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Mittwoch.) _ Pariser Deuts ehe Zeitschrift._(2. Oktober.) Des deutschen Schriftstellers W. Weitling Empfang in England. Als er nach London gekommen, kündigten die englischen Socialisten in ihrer Zeitung (tste No- vement) feierlich an: „er sei den Krallen seiner Verfolger endlich entrückt und man müsse ihm ein gebührendes Willkommen bereiten. Dies wurde ans Sonntag, den 22. Sepr., festgesetzt. Die große Socialhalle (das Versammlungöhauö der Socialisten) war mit Männern und Frauen so gefüllt, daß Saal und Gallerien nicht hinreichten und die Leute im Hausflure bis auf die Straße hinausstanden. Der Gesang (Chöre von jungen Personen beiderlei Geschlechts) und das Jnstrumentalkonzert wechselte mit den Reden ab. In einer derselben sprach ein englischer Socialist sich dahin aus, „daß „sie allerdings Niemanden lobten oder tadelten (bekannter socialistischer Grundsatz), jedoch seien die „Verhältnisse von der Art, daß sie in Bezug auf „Weitling eine Ausnahme erheischten, denn man „hätte in ihm nicht etwa nur einen Märtyrer, sondern vielmehr den Vergegenwärtiger der Zuneigung sämmtlicher Kommunisten des Festlandes zu „begrüßen." Weitling hatte eine Antrittsrede ausgearbeitet und ließ sie in englischer Sprache durch einen der Vorsteher vorlesen. Hier ist sie wörtlich : Freunde! Ihr sehet, das Ende ist gut; nun ist alles gut; ich bin wieder frei, bin unter Euch, eingeladen und bewillkommnet von Euch.Ich, der deutsche Handwerker, finde hier Freundschaft, Theilnahme und Sympathie, die sonst nur mit vieler Mühe di'e Großen und die Gelehrten fanden; Ihr aber beweist sic auch dem ausländischen Handwerker sobald eres verdient hat, und dadurch eben zeigt Ihr, daß das freie Wort bei Euch kein tönend Erz und keine klingende Schelle ist, sondern eine Wirklichkeit deren Studium und Übung mich zur Erkenntniß des kommunistischen Prinzips und zur Anwendung seiner praktischen Folgerungen leitete. — D>'e Liebe für das Prinzip, dem wir leben, hat in Euch den Entschluß zuwege gebracht mich zu empfangen, um gerade dadurch unseren Freunden auf demFeft-- lande eine frohe Botschaft zu bereiten und die blinde Verfolgungswuth unsrer gemeinschaftlichen Gegner zu beschämen — wenn anders noch ein Gefühl von Schaam in ihnen schlummert. (Beifall.- Was erwarteten wir immer von ihnen? Mas erwarten wir noch? Das freie Wort, eine freie Diskussion, eine offene Widerlegung unserer Prinzipien; Beweise dafür daß die bestehenden Verhältnisse eine Wahrheit, eine Nochwendigkeit, und daß unsere Ideen und Vorschläge zur Verbesserung derselben Jrrthümer oder Lügen seien. Allein, was thuen sie? Sie ziehen sich vor der großen Frage feige zurück und brüten über Plänen, welche die völlige Unterdrückung der Freiheit der Meinungen in Wort und Schrift zum Zweck haben. Theilweise haben sie schon ihre Pläne voltt'ührt. Was aberhaben sie damit erreicht? Das Gegentheil! Denn sie wollten den Funken der Freiheit auslöschen, und haben ein Freiheitsfeuer angefacht. Der Eommunismus war früher eine )n der Literatur nicht kultivirte Pflanze. Wie steht es jetzt ? Die Zeitungen, die ehedem kein Interesse hatten, den Eommunismus zu berühren, oder es nicht wagten, füllten sich nach und nach im Laufe dcr Verfolgungen mit Berichten und Kritiken über Eommunismus und Communisten. Die philosophische und politische Litteratur können nicht mehr umhin, ihn zu berühren; mehr und mehr werden sie von ihm durchdrungen. Die Philosophen der neuesten Schule sind konsequente Communisten, ja unsre Gegner selbst beginnen sich Socialisten zu nennen, um die Einseitigkeit ihrer politisch- reformatorischen Ideen der öffentlichen Meinung in einem gefälligen Gewände darzustellen. Sind das nicht erfreuliche Fortschritte ? Haben wir dieselben nicht unseren socialen Feinden zu danken? Diesen wüthenden Affen auf hohen Bäumen, welche müde Reisende mit Cocosnüssen werfen, nicht ahnend, daß diese sich damit lächelnd zur Weiterreise erfrischen werden. Sogar das Volk, für welches die wissenschaftliche Sprache unserer Philosophen und Politiker verdunkelt ist, durch Worte, die es nicht versteht; das Volk, das kein Geld besitzt, Bücher und Zeitungen zu kaufen, und keine Zeit hat, sie zu lesen — es grübelt schon über die unabsehbare Gedankenwelt nach, die in dem ihm noch fremd klingenden Worte „Eommunismus" liegt. Gleich müßte Alles sein, das wäre recht — so raunt man sich in's Ohr, von Cöln bis Königsberg, von Berlin bis Wien, von Prag bis Langenbielau. Wir wollen ihre Häuser und Güter keineswegs verbrennen — haben sie dort gesagt — damit sie nicht durch die Feuerkassen entschädigt werden; aber niederrcißen wollen wir sie, damit sie endlich auch lernen, wie einem Armen zu Muthe sei. (Ja, ja! hört, hört !) Feuilleton des vorwärts. L e b e n s l i e d e r. An drö Nationaler». i. Was prahlt Ihr immer mit dem Vaterland? Wozu mit Landesruhm sich brüsten? Fort mit der Vorzeit längst zerfall'nem Tand! Euch sticht fürwahr ein krankhaftes Gelüsten. Noch wollt Ihr pochen aufVolksthümlichkeit, AufAhnensitt' und Sprach' und Glauben; Und liebt es, nach verlor'ner Herrlichkeit In Schutt' und todtem Wust zu klauben. Das ist der Ichsucht freventlich Begehr, Sie nennt es heuchelnd „Volkes Ehre," Doch die ist aller Menschenliebe leer, Nationenhaß ist ihre giftige Wehre. Ihr Thoren nennet Eure Nation Der ganzen Erde Glanz und Krone! Für diesen argen menschvergeß'nen Hohn, Wird Patrioten Euch nur Spott zum Lohne. Die Völker all' in freier gleicher Pracht, In gleichem Glück ringsum zu schauen; Die große Zukunft naht mit Rielenmacht; Der könnt Ihr nimmermehr den Weg verbauen. N. Wir wollen ein wahres Vaterland, Wo All' umschließt ein menschlich Band; Wo keine Armen noch Reichen, Ein Liebes-Reich ohne Gleichen, Wo nicht mehr Geldes Kette klirrt, Wo nicht mehr Mammon's Zauber flirrt, Wo Lebensgtück gefunden, Wo Eigennutz verschwunden, Wo man dem Volke nicht Blendwerk zeigt, Kein Herz sich in Zerknirschung neigt; Dann ist ein Hcerd für Alle Auf unserem Erdenballet Ein Handwerker. Die Arrgsb. Allg. Zeitung. Pfui! Du der Gemeinheit Born, — Faules Brod aus faulem Korn, Widrig hinten, schmutzig vorn, Ekle Wespe ohne Dorn, Vom Mephisto nur das Horn, Metze ohne Lieb und Zorn, Lumpen hie und Lumpen da: hll)i aui'utn ikn jZijtiia! Warm muH ich werden. Kommt einmal gegen Abend in einer Stadt in Deutschland ein Fremder mit Ertrapost an, und verlangt Pferde, > um weiter zu fahren. Ein baumstarker Postillon spannt an, und fährt mit dem fremden Herrn ab. Als sie in den zwei Stunden langer, Wald kommen, fängt es an, Nacht zu werden. Es ist, als ob die Pferde selber eine gewisse Unruhe verspürten, und sie laufen, daß man glaubt, die Näder fliegen davon. Plötzlich werden sie aber angehalten, drei Räuber überfallen den Wagen, und verlangen von dem Reisenden, er solle ihnen Alles, was er habe, freiwillig geben, oder sie wollten ihn zwingen, daß er keine Einsprache mehr machen könne. Der Bedrängte ruft nun den Postillon zur Hülfe. Dieser aber sitzt ruhig auf dem Bock, uud schmaucht behaglich seine Pfeife, als ob ihn die ganze Geschichte nichts anginge. Was wollte alwder Fremde thun? Er steigt aus, und muß zusehen, wie ihm die Räuber Alles, was er an Geld und Geldeswerth hat, wegnehmen. Als nun endlich die Platte rein geputzt ist, sagt der Fremde: „Mit Verlaub, ihr Männer, ich hätte noch eine Bitte, daß ihr mir einen Dienst erweiset; ich wills nicht umsonst. In meiner Kutsche ist noch eine verborgene Kiste mit fünfhundert Thalern, die sollt ihr haben, wenn ihr mir den Schwager da oben, den Postillon, herunternehmt, und tüchtig durchwalkt." Zu einem so ehrlichen Verdienst lassen sich die Räuber nicht zweimal auffordern. Sie reißen du, Postillon herunter und trommeln tüchtig auf ihn los. E.ne Weile läßt er Alles mir sich machen. Endlich hebt er die Achseln, und sagt: „Jetzt ist's genug ! " eben gerade als seine Peiniger daran sind, ihn ganz niederzuwerfen. Nun kehrt er den. Stiel um, Dahin also haben cs freche Selbstsucht und blinde Verfolgungswuth gebracht. Der Unterdrückte, der Verfolgte, der Gemarterte finden immer ihren Helfer und Rächer. Hegt doch auch das Thier Mitgefühl mit einem gepeinigten Thiere. Habt Ihr noch niemals bemerkt, daß wenn ein kleiner Hund von einem großen gebissen wird, die andern gelaufen kommen und knurrend über den großen herfallen ? Und wenn das Thier sogar solche Gefühle hat, wir dürfte der Mensch fie verlängnen? Dieses immer unwiderstehliche Gefühl ist natürlich, und die Folgen, die aus ihm hervorgehen, bedingen unser Recht. Unser Recht ist also keine Wissenschaft; es ist ein Gefühl. Unser Recht läßt sich deshalb auch nicht mathematisch nach Zahlen berechnen; läßt sich nicht durch den Geldsack und den Kerker in's Gleichgewicht bringen. Das innere Gefühl allein ist das Barometer unsres Rechtes. Wenn unsere Gefühle jetzt zu einer und derselben Zeit verschiedene Grade anzeigen, so ist das nur weil die Einen tief in den Schlamm hinabgedrückt, die Andern hoch in die Wolken erhoben werden. Was aber heute in der Sprache der Juristen Recht heißt, ist nichts als ein Sophismus, ein trügerisches Gaukelspiel, eine Gaukelei, in welcher man nach Belieben schwarz aus weiß und weiß aus schwarz machen kann. Es ist eine Angel, die den Männern einer unnützen, ja schädlichen Wissenschaft den Fraß besorgt; eine Angel, an welcher der gesättigte Schlemmer gefahrlos vorbeigleitet, während der Hungrige und der arme Genußsüchtige daran schmerzhaft verbluten. Hatten sic ein Recht mich zu verbannen? Nein. Ich lMte nach dem Nechtstarif Preußens noch ein Recht an das Vaterland; aber sie haben es nicht anerkennen wollen. Ich sagte ihnen: Ich habe noch ein Recht! und sie antworteten: Wir haben die Gewalt! Jawohl, das Recht der rohen Gewalt! Darauf hat freilich der Ochse mehr Recht als der Mensch. Ihr seht also, wollen wir unter solchen Umständen zu unserm Rechte kommen, so ist es nöthig das Gefühl derselben mit dem Bewußtsein unsrer Kraft zu paaren. Die physische Kraft, die in unfern Fäusten liegt, haben wir unfern Feinden vermiethct, weil kein weiser Mann einen Heller darauf bieten wollte. Es bleibt uns also noch die Kraft des Geistes, die Schöpferin alles dessen, was durch uns ist und sein wird. Diese Macht des Geistes, worin entwickeln wir sie um zu überwinden und zu siegen? Nicht durch Kapitän Warner's Zerstvrungswerk; nicht durch Rothschilds fein berechnete Finanzoperationen; nicht durch die schlauen Ränke der Diplomatie oder die sophistischen Lehrsätze der erkauften, unnützen oder schädlichen Gelehrsamkeit; sondern durch die Macht der Prinzipien, die sich durch das freie Wort entwickeln, das in jedes Menschen Brust einen natürlichen Vertheidigcr findet, wenn packt den Einen hüben und den Andern drüben, und schlägt sie so aufeinander, daß ihnen das Herz im Leibe zittert, und sie Umfallen wie die Mücken im Herbst. Jetzt kniet mein Postillon auf sie hin, und gibt ihnen das D'raufgeld sammt Zinsen wieder zurück. Als das der Fremde merkt, gewinnt er Muth, und macht es mit seiner Leibwache ebenso. Mit Hülfe herzugekommener Leute gelingt es dann, die Räuber zu binden, und sie so nach der Stadt hineinzubringen. Unterwegs sagt der Fremde zum Postillon: ,,Aber hör' einmal, du bist ein sonderbarer Heiliger. Warum bist du denn so ruhig gewesen, und hast mir nicht geholfen, und hast dich zuerst prügeln lassen?" — ,,Warm muß ich werden! antwortete der Postillon; wenn ich meine tüchtige Tracht Prügel habe, dann weiß ich erst, was ich bin, dann kann ich erst recht tapfer um mich hauen!" Daraus ist zu lernen : wie gar viele Ntenschen ruhig bleiben, so lange ihr Nachbar in der Klemme steckt, bis es ihnen endlich selber an den Kragen geht. — Wann wird Deutschland endlich einmal warm werden, und — tüchtig dreinschlagen ? Frankfurt, 26. September. Das schauluftigePubli- kum strömt jetzt den Vorstellungen zu, welche Mad. Weiß mit ihrem aus 36 Kindern bestehendem Ballet im Theater gibt. Aus einer Vorstellung wurden bereits fünf od«r sechs, und noch sollen einige folgen, denn das Haus es sich um das Interesse der Individuen, um Erklärungen und Vorschläge Harbelt die das Nothwendige, Nützliche, Schöne und Angenehme bezwecken. (Beifall.) Man sagt: Wir haben hier das freie Wort. Sei mir willkommen, o England! wenn dem so ist; willkommen, du europäische Zuflucht des freien Worts. (Beifall.) Ach! wärest du nur das und weiter nichts ! Warum bist du auch die stolze Residenz unsres materiellen Herrgottes, des Mammon geworden? Deine zahllosen Segler und Dämpfer durchkreuzen die Gewässer, die Produkte der Arbeit vieler Millionen Menschen aufsuchend und austauschend. Doch — wie? du lässest stiefmütterlich deine fleißigsten Kinder mit leeren Händen am heimischen Heerde, während du einigen wenigen verhätschelten Muttersöhnchen die Taschen voller bunten Tandes und süßer Leckereien prvpfest! Mächtig bist du in deiner Herrschaft über die Meere; du hast die Emaneipirung der schwarzen Sklaven angeregt und theilweise durchgesetzt. Weßhalb, England, willst du nichts für diejenige der weiß en Sklaven thun ? Kannst du denn gleichgültig deine Magazine von allen Gütern der Erde überfüllt und die Hervorbringer derselben zerlumpt und nackend durch deine Straßen schleichen sehen? Siehe, der Winter naht; sie befinden sich zu ganzen Haufen in ungesunden Löchern oder ohne alles Obdach dem Froste und der Nässe ausgesetzt, während deine Umsonstfresser nach dem schönen Süden ziehen und hier ihre weichen Nester leer stehen lassen. Die Schwalben verlassen auch ihre Nester und ziehen gegen Süden; aber dann kommen die Spatzen und machen sich's in den Nestern bequem. Warum erfriert der Mensch dicht vor den bequemen, warmen, leeren Wohnungen? Hat das Volk, welches die -Häuser für Andere baut und einrichtet, weniger Recht an diese als die Spatzen an die Nester der Schwalben, welche sie nicht gebaut haben ? (Stürmischer Beifall.) Stolzes England, das unter den entferntesten Völkerschaften Licht, Aufklärung und Christenthum verbreitet, das großen Nationen seine Sprache gibt, siehe die Unwissenheit und das Elend deiner eigenen Bewohner ! Schau hin auf junge Mädchen, die noch Kinder, schon das Bild des Todes in den Zügen tragen; schau, wie sie am schlüpfrigen Abgrunde frech vor aller Welt ihr Stückchen Brod aus dem Kothe der ekelhaftesten Wollust ziehen. Da sieh' zu und hilf! Wie lange wirst auch du noch b i t- ten und betteln müssen, was zu verlangen du ein Recht Haft! So lange wirst du es, du stolzes England, als die Bedürfnisse und Fähigkeiten der einen zum Nachtheile der andern befriedigt und ausgeübt werden können; so lange als es Gesetze und Strafen giebt, um solche Nachtheile zu erhalten und zu mehren; so lange als es noch Einige gibt die ärmer sind als diejenigen, welche regieren. (Stürmischer Beifall.) Das freie ist jeden Abend zum Brechen voll. Die kleinen Tänzer leisten in der That, und insbesondere im Ensemble, Außerordentliches. Über das traurige, in Königsberg ftattgefundene Duett vernimmt man noch folgendes Detail. Als der Neferen- darius Tages darauf, in nüchternem Zustande, das, was er gesagt, überdachte, schickte er zu dem Offizier hin, und ließ ihm erklären, daß er die im Rausch ausgestoßenen Worte, wodurch der Militär in seiner Uniform sich beleidigt fühlen mußte, hiemit zurücknehme. Damit war der Gegner aber nicht zufrieden, und erklärte ein solches Benehmen für Feigheit. Am 3o., Abends, auf dem Erercier- platz vor dem Königsthor, wurde das wahrhaft mörderische Duell abgehalten : s Schritt Zwischenraum mit Avanciren bei einer Barriäre auf 3 Schritt Distanz. Das erste Mal fehlen beide Gegner. Nochmals wird von dem Referendarius die Zurücknahme der Beleidigung propo- nirt. Vergebens. Einer müsse hier bleiben! lautet die lakonische Antwort. Der Referendarius, in den Unterleib geschossen, sank mit den Worten : ,,Jch gratulire, Herr Lieutenant, zu dem Kapitänspatent." So erzählen wenigstens Briefe aus Königsberg. Eine amerikanische Zeitung meint, heirathluftige Mädchen können unmöglich der Whigparthei angehören. Die Mehrzahl der Whigparthei ist gegen den An sch su ß (von Wort ist eine vortreffliche Sache, eine gewaltige Waffe im Munde des Unterdrückten, ein unbeschreiblicher Jubelton von den Lippen des Mächtigen, aber — es ist doch immer nur ein verhallendes Wort, wenn aus den Ideen, die es zeichnet, kein praktischer Nutzen gezogen werden kann, wenn sie ohne Prinzip sind. Unsere Macht also liegt in der Macht unseres Prinzip's. (Beifall.) Sie entwickelt sich durch die Verbreitung desselben. Die beste Propaganda ist mithin das beste Mittel zur Erringung unseres Zweckes. Sind wir demselben nahe (und es scheint so, denn immer stärker vereinigt das Mitgefühl der Phalangen der Europäischen Kommunisten) ; sind wir ihm nahe, dann bedürfen wir eines Mannes im Geiste und Prinzipe Owen's, und mit der Entschlossenheit und dem Edelmuthe Oskar des Schwedenkönigs, dieses Freiheitsfürsten, der an einem Tage freiwillig dem Volke gibt um was hier Millionen Chartisten Jahre lang umsonst gebettelt haben. Ich bin zu Ende. Ich habe ein freies Wort geredet, und hoffe nicht deswegen verbannt zu werden, wie von der republikanischen Regierung Zürichs und von der liberalen preußischen Regierung. (Beifall.) Deutschland und Nichts. Ein älterer Brief aus Deutschland enthält folgende Stelle: Die Unruhen in Prag sind vor der Hand beschwichtigt, aber das Feuer ruht nur unter trügerisch deckender Asche, und bricht alle Augenblicke bald da, bald dort hervor; selbst in Wien konnte man nur mit Mühe einen Arbeiteraufstand vereiteln, der in einer der volkreichsten Vorstädte auszubrechen drohte; — aus Preußen, Österreich und Baiern hat sich die Arbeiterbewegung nun auch schon nach Sachsen fortgepflanzt, und an der Dresdener Eisenbahn haben ernste Unruhen statt gefunden. 1^8 cliE» voul leui- Irrnn et ör levoluliori le toui- Uir Ii.on.le! ruft man lächelnd, wenn man die Pygmäen-Be- mühungen der Negierungen sieht, die mit etwas Almosen und einigen Bajonetten das cvlossale Gespenst des Pauperismus, die unzählbare Armee der Proletarier bekämpfen wollen. In Hinsicht des Cartellvertrags herrscht nur eine Stimme des Abscheus und der Entrüstung über diesen Menschenhandel in ganz Deutschland; aber die deutschen Zeitungen sind sehr sparsam mit Berichten und Aufsätzen darüber; — wahrscheinlich haben die verschiedenen deutschen Censvrcn die considentielle Weisung erhalten, so wenig als möglich über diesen kitzlichen Gegenstand paffiren zu lassen. Sonst steht in Deutschland noch Alles auf dem alten Teras), alle Mädchen aber für den Anschluß (an einen Mann). Das muß wahr sein, denn Die lieben Mädchen weit und breit Sind alle für den Anschluß. „Die Geschichte der drei Julitage in russischer Darstellung von Pojeliuski." Durch königliche Ordonnanzen wurde die französische Charte im Jahre 1830 angctastet, die arbeitende Classe ward durch künstliche Mittel von der Mittelklasse aufgeregt. Zwischen Volk und königlichen Truppen entspann sich ein Kampf. In blinder hirnloser Selbstverläugnung gab sich das Volk Preis und schlug sich für die Verletzung von Rechten, die nicht im Entferntesten zu seinem Glück beitrugen und folglich ihm eben so nahe lagen, als die Frage über das Befinden des thibeta- nischen Bogda Lama. Man schlug sich in einzelnen Haufen, hinter Barrikaden, ohne gemeinschaftlichen Plan, ohne Feldzeichen, ohne Führer, fast ohne zu wissen, gegen wen, und gänzlich ohne zu wissen, für wen und wofür. Breslan, 11. Sept. In Börsdorf bei Waldenburg fand man vor einigen Tagen in einem Teiche die Frau und ivjährige Tochter eines Webers ertrunken. Sie hatten sich einander gebunden und so, wegen gänzlichen Mangels an Unterhaltungsmitteln, freiwillig den Tod gesucht. s ? ) Flcck, die regierenden Häupter reisen bin und her, conft- riren, besprechen sich und jammern über die schwere Noth der Zeit, über die Zeit der schweren Noth, über die Noth der schweren Zeit, — der König von Baiern kommt mit Jesuiten, Rosenkränzen und alten Scherben beladen aus Italien zurück/ den Kaiser von Österreich haben seine Minister nach Triest geschickt, der König von Preußen will fern von Berlin über das Geschehene Nachdenken, — die paar Kammern vegetiren fort, im Übrigen noch Ruhe, Stille, Erwartung des Kommenden. Inder Schweiz der alte Streit des Jesuitismus mit der jungen Schweiz; letztere allmälig den offenen und heimlichen Angriffen erliegend. — In Dänemark, Holland — Ruhe und Stagnation; — inNußland — Schweigen der Nacht. Wahrhaftig, wäre Frankreich nicht, man müßte einschlafen in Europa;— die alte Jungfrau langweilt sich aber auch was Ehrliches, sie reckt sich und dehnt sich und gähnt, und wenn sie vor lauter Gähnen niest, so gibt das irgendwo eine Emeute. Am fürchterlichsten aber langweilen sich die Deutschen, es geschieht bei ihnen nichts, — in ihren Zeitungen steht Nichts, man fragt sie um Nichts, — sie gelten im europäischen Völkerrathe nichts, von Politik und Negierung erfahren sie nichts; — dieses ewige Nichts ist die potenzirte Langweile und — geben Sie Acht! — die Deutschen machen noch aus Langeweile eine Revolution. — Bis dahin aber wird noch viel gegähnt werden, vom Rhein bis an die Spree und Donau. — Leben Sie wohl; — ich fange selbst zu gähnen an ; am Horizonte liegt eine so mattgraue Negenluft, dabei ist es so schwer und schwül, daß man abgespannt und müde wird, ohne eben noch viel gethan zu haben. So geht es Deutschland, — cs ruht aus, ohne noch gehandelt zu haben ; — wohl bekomm's ! Adieu. Berlin. Gestern reiste ein berühmter russischer Diplomat als Courrier ab. Er hatte sich während seines kurzen Aufenthalts so sehr mit hiesigen lieberalen Literaten befreundet, daß diese ihm einen feierlichen Abschiedsgruß bereiteten. Er ward vor dem Thore mit Musik, Wein, Blumen, Feuerwerk, Reden, Gedichten und Gesängen empfangen. Die Heiterkeit ging in Rührung über. Der russische Diplomat ward von den liberalen Schriftstellern weinend in den Wagen gebracht. — Es ist hier ein neuer Verein im Werke, mit dem Zwecke, entlassenen Strafarbeitern und Arbeiterinnen aus dem Arbeitshausc (wo jetzt über i 200 Personen mit Schweigen täglich vierzehn Stunden arbeiten müssen) Arbeitend Lohn und menschliche Behandlung und ermunternden, sittlichen (nicht pietistisch-dummenden) Zuspruch zu verschaffen, mit dem Plane, später, wenn die Geldmittel erstarkt sind, freiwillige Arbeitshäuser zu stiften. Berlin, 15 September. Es war ein schöner Gedanke, daß die Gewerbeausstellung erst dann ihren Zweck erfüllen würde, wenn wir durch sie auch erführen, welchen Lohn die Arbeiter der verschiedenen Industriezweige für die Produkte, welche wir hier staunend betrachten, erhalten, wenn uns gewissermaaßen die Biographie jedes einzelnen Stückes erzählt würde. Geschähe dies, so würde uns eine Reihe von Anschauungen daraus her- vorgehen, welche uns eine ganz neue Statistik und damit auch die sociale Bedeutung der Industrie offenbarte. Wir würden daraus abnehmcn können, welche Zweige derselben dem Volke die beste Nahrung versprechen und deshalb am meisten gepflegt zu werden verdienen, und es würde sich uns daraus die erste und hauptsächlichste Grundlage zur Organisation der Arbeit ergeben. Aber davon ist jetzt noch keine Rede. Die Fabrikanten stehen den Arbeitern noch schroff gegenüber; diese sind nichts als Werkzeuge, deren sie sich bedienen, um ihre Produkte darzustellen, eine Masse, die sie gebrauchen, damit sie ihnen nützen. Sie werden sich daher auch hüten, uns zu sagen, durch welche Mittel sie diese ihre Herrschaft ausüben. — Die Industrie ist ein mächtiger Hebel. Mit dem Reichthum, den sie schafft, ruft sie auch den Trieb nach dem Genüsse und dadurch auch nach Bildung hervor, denn nur die Bildung versteht zu genießen. Je mehr sich die Bildung aber verallgemeinert, je weiter sie ihre Kreise erstreckt, desto mehr wird auch die Masse davon berührt, und ist diese erst einmal zu dem Bewußtsein von dem, was ihr zufteht und was sie vermag, gekommen, so wird sie auch den Drang empfinden, dessen Erfüllung zu fordern. Indem die Industrie der Cultur dient, ruft sie diese auch bei denen, welche für dieselbe arbeiten, hervor und wird daher auch nicht eher ruhen, bis sie diesen Dienst zum unmittelbaren So- cia lzweck gemacht hat. Daher ist es für uns von Wichtigkeit, zu sehen, bis zu welchem Grade der Ausbildung es bereits unsere Industrie gebracht hat, und daher kann auch der Socialift die Freude, welche über diese erste allgemeine deutsche Gewcrbeausstellung herrscht, theilen. Während die Menge nur ihr rohes nationales Interesse daran findet, während sie sich freut, daß ,,wir doch in Deutschland auch schon so etwas machen können," berechnet der Socialist die Culturmittel, welche dadurch in Umlauf gesetzt werden, und es stellt sich ihm die Möglichkeit der Heranbildung der Masse zur Freiheit dar, denn jede Nationalkraft hat nicht sich selbst, sondern die allgemein menschliche Freiheit zum Ziel und Zweck. Deutschland aber wird, weil es am wenigsten national beschränkt ist, auch am ehesten zu dieser Stufe der Cultur, mit der die wahre Bildung erst beginnen wird, zu gelangen wissen. Posen, 6. September. (Korr.) Zu welchen Absurditäten die Furcht und das böse Gewissen treibt, davon hat Posen neulich wieder ein eclatantes Beispiel erlebt. Man geht jetzt nämlich hier schon so weit, daß man nicht nur jeden Menschen, der polnisch spricht, für euren gebornen Demagogen hält, sondern man macht jetzt schon Jagd auf Uhren, welche in Genf in der Fabrik der Herrn Crapek und Patek, polnische Emigranten, gefertigt, und hieher, so wie überall hin, versendet werden. Einige von diesen Uhren tragen das polnisch litthauische Wappen, schön gar- nirt, auf der innern Kapsel; andere tragen andere Embleme, Porträts berühmter Polen, Sccnen aus den verschiedenen Kriegen dieses Volkes rc. Nun ist die hiesige Polizei darauf aufmerksam gemacht worden, denn wahrscheinlich gehört ihr selbst der Ruhm dieser Entdeckung nicht, daß noch andere Uhren aus dieser Fabrik eristiren, welche angeblich revolutionnäre kommunistische Inschriften, als: Freiheit, Gleichheit, Unabhängigkeit tragen. Das sind nun freilich in absoluten Staaten ganz fatale Worte, aber sie eristiren einmal in der Sprache, und gewiß sind sie dazu geschaffen worden, daß sie eristiren, gedacht, gesprochen, geschrieben und realisirt werden sotten, denn sonst würde die Sprache, die immer klüger ist als die Leute welche sie sprechen, dieselben nicht besitzen. Zur Zeit aber hat man gegen diese Worte in Preußen noch eine ziemlich allgemeine Antipathie, man fürchtet sie, wie die Kinder den schwarzen Mann, und die Polizei übernimmt folgerecht das Geschäft, auf solche demagogische Uhren zu fahnden. Ob man glücklich darin gewesen, und solcher Rebellen habhaft geworden, weiß Referent nicht, es scheint ihm aber, daß der Dämon der Furcht der Polizei wieder einen Streich gespielt, daß sie Mäuse für Elephanten angesehen. Man fiel über einen jungen Menschen her, der aus Gefälligkeit gegen jene Fa- brikherren zuweilen erlaubt, unter seiner Adresse Uhren nach Posen zu senden, verlangte seinen Uhrenvorrath zu sehen — natürlich war kein solcher vorhanden, sondern nur ein einziger Delinquent, mit dem man sofort zu einem Uhrenmacher eilte, um den vermutheten Rebellen zu entlarven — aber Schade, er hatte durchaus nichts Revolutionnäres an und in sich, imGegentheil, erging ganz regelmäßig in dem einmal gefertigten Zwange, wie eine Staatsmaschine. Man kehrte zurück in die Wohnung des jungen Mannes, fragte ihn auf Ehrenwort, ob er nicht mehr Uhren bei sich habe; nachdem er dieses auf Ehrenwort versichert, begehrt man von ihm, seine Schränke für die Untersuchung zu öffnen! — Soll man sich wundern, wenn ein Ehrenmann über eine solche Behandlung bis ins Innerste sich verletzt fühlt? Abgesehen davon, daß keiner Polizei das Recht zusteht, in solchen Fällen das Ehrenwort oder den Eid zu fordern, so muß bei einem notorisch ehrenwerthen Menschen daseinmal gegebene Ehrenwort geachtet werden, oder man muß schließen, daß das preuß. Gouvernement alle seine Un- terthanen für Ehrlose, für Schurken hält, was doch so allgemein nicht angenommen werden könnte. Gerüchte über Arbeiterunruhen in Magdeburg sind seit Kurzem verbreitet, ohne daß man etwas Näheres darüber hört. Die Nübenzuckerfabriken, deren es dort 20 gibt, sind, weil ihre Produkte bedeutend gestiegen, zu einer höheren Besteuerung herangezozen worden. Um sich vor Schaden zu bewahren, haben die Fabrikanten die Nachtheile des höheren Steuersatzes auf ihre Arbeiter geworfen, wie das immer der Fall ist. Der arme Arbeiter muß unter der Lohnherabsetzung leiden, wenn irgend Concurrcnz entsteht oder ein ungünstiges Verhält- niß eintritt. Diese Lohnherabseyungen sollen auch in Magdeburg zu Ercessen verleitet haben, in deren Folge militärische Vorsichtsmaaßrcgeln angeordnet, sogar Kanonen in Bereitschaft gehalten wurden. Außer einer Rauferei zwischen Arbeitern und Soldaten soll jedoch nichts Erhebliches vvrgefallen sein. Die „schwarze Liste " von England. (Schluß.) Auf dem Bildchen zu Anfänge des Rechenblattes (llie new LI»cK,-lÜ8l) steht (wir machen den Leser ausdrücklich aufmerksam) keineswegs die Königin, sondern der verstorbene König; denn cs schien, vielleicht mit Recht, den einfachen aber zartfühlenden Volksmänncrn unpassend, ein junges Weib zum Gegenstände der Carrikatur und des Volkshasses hinzustcllen. So fein ist das Volk selbst in seinem allergerechtesten Zorne, und dennoch entblöden die Zuchtmeistcr desselben sich nie, es als ein Höllenungc- heuer, ein Scheusal mit tausend Drachcnmaulern u. s. w. abzubilden, wenn es ihnen einmal beliebt, sich Späße mir ihrem ,,Diener" zu erlauben. Die,.Herren" aber haben sich jetzt in der Art in des Volkes Erbtheil gcthcilt, daß für gethane Kriegsdienste, Civildienste und geheim e, tagtäglich 6 228 Thaler unter etwa hundert vierzig Personen beiderlei Geschlechts sich ausbreiten. Es versteht sich von selbst, daß dieJnha- ber dieser Pensionen fast ohne alle Ausnahme zum Adel gehören ; indessen führt die Liste einen Dvctor Croke und zwei „Damen" an, die, wie cs scheint, anderweitige Verdienste haben. Die Nachkömmlinge oder Verwandte des Admirals Nelson nehmen zusammen an 80 Thaler täglich für die Heldenthatcn, die jener schon längst verstorbene Feldherr vollführte. Der Herzog von Wellington aber hat 245ooa Thaler jährlich, v44Thlr. täglich. AlsObristderBüchsmschützen allein i 536 jährlich, als Lord Aufseh erüber d i e fünf Häfen, wo er nichts zu beaufsichtigen hat — 3 392 jährlich. An die Pensionen für bekannte oder unbekannteDienste, die vielleicht irgend ein Onkel oder Bruder dem Land geleistet hat oder haben soll, reiht sich würdig die heilige Schaar der siebenundzwanzig Oberhirten; darunter zwei Erzbischöfe und der Nest Bischöfe. Der Erzpriester von Kanterbury verzehrt täglich 364Thlr., der von Aork 238 ; der ärmste aller Bischöfe, der von Landoff, bezieht seine vollen 15 Thaler täglich. Die Ämter selbst zu verwalten, kommt ihnen ohnedies nicht in den Sinn; sie reisen oder vergnügen sich in der Hauptstadt, während sie einen armen Teufel als Stellvertreter kümmerlich bezahlen. Alle kosten dem Lande täglich 3072Thlr. preuß. Courant. Zwanzig Richter erhalten jeder durchschnittlich 28 000 Thaler jährlich für das allerdings schwierige und einst gefahrvoll werdende Geschäft, über das hungerleidende Volk Recht zu sprechen. Zur Erhöhung des Unwillens ist beigefügt, daß die nordamerikanische Republik mit etwa hundert tausend preuß. Thalern das gesammte hohe Regierungs- und Staatspersvnal, aus zehn Beamten bestehend, bezahlt, während der Kanzler Englands allein fast ebensoviel aus dem Schatze für sich nimmt. Im Jahr 1841 rechnet man unter die Ausgaben auch: 273000 Thaler für geheime Dienste (bei Hof, bei den Behörden, Gesandtschaften, Polizei u. s. w.); 1554 ooo Thlr. zum Druck des Geschwätzes des Parlamenthauses und der Regierungssachen; 420000 sonstige Parlamentskosten; 140 ooo Ausbau des Mustergesängnisses; 210 000 für wcitereBauten für das neue Sitz'.mgshaus; 35000 für Gefänanißaufsicht; 434 000 für die Armenkvmmissivnsvcrwaltung. Um die Armenkommiss'on, die bald ein eigentliches Ministerium werden kann, bis jetzt aber noch zu dem des Innern geschlagen wird, dreht sich vorläufig insofern die öffentliche Aufmerksamkeit, als noch Viele sich einbilden, mit Werkhäusern und Armengesetzen könne man zuletzt den Pauperismus ausrotten. Die,,schwarze Liste" enthält sich aller Betrachtungen, und schreibt nur Folgendes: Für den königlichen Tisch jährlich: Bier .... 14 oso Thaler Milch .... 8 080 - Butter, Eirr und Käse . 7 903 - Weinsorten 30 000 - Früchte und Dackwerk . 8 060 - Fische .... 7 806 - Fleisch .... 40 060 - Ohl. 7 580 - Gemüst .... 3 060 Wachskerzen . 8009 - Porzellan und Glas 7 906 - In den Arbeitshäusern der Grafschaft Gloster bekommen die Gesunden jeder zum Frühstück täglich 7 Unzen Brod, > «z2 Pint Graupen. Die Frauen erhalten, damit sie sich nicht übcressen, eine Unze Brod weniger. Mittagessen : Zweimal wöchentlich 21,2 Unzen Speck; (aber kein Fleisch, obschon der Hof jährlich für 7 580 Thaler kaust). Sechsmal i — 11,2 Unzen Kartoffeln. Einm al zwei Pint Nindfleischsuppe. Zweimal 14 Unzen Pudding. (Die Frauen 2 Unzen weniger.) Abendessen : Täglich 6—7 Unzen Brod, i Unze Käse. Ganz abgemergelte, über 70 Jahre alte Personen bekommen Morgens Thee und Milch mit Zucker. Widerspenstigkeit wird mit Brod und Wasser gestraft. So lautet die Verordnung von 1838, ii. Januar, unterzeichnet und gesiegelt von den damaligen drei Kommissionären des Armengesetzes für England und Wales. Das fliegende Blatt führt sie wörtlich an. Wann aber wird Deutschlands Hungerklasse end'ich die „schwarzenListen" der fünfunddreißig Länder und Länd- chen lesen ? Wahrlich ! die Deutschen sind in allem reichlich; auch in „schwarzen Listen" werden ste's bald sein, es ist wenigstens zu hoffen. Der Czar. (Fortsetzung.) Zu welchen Maaßregeln könnte der Czar seine deutschen Verbrüderten etwa aufmuntern? daß sie die öffentliche Meinung noch fester knebeln? Sei's drum, die Einen werden es mit Vergnügen, die andern wegen der Störung ihrer Ruhe mit Verdruß thun! aber was hat die strenge, was hat die sanfte Gewalt seit 1830 genützt? Es ist wahr, wir hatten mittlerweile Zeiten der Todes- ftille, wir hörten nur die Natten, die in den Rumpelkammern voll verlegener politischer Waare, in Bundestagsbeschlüssen und Berliner politischen Wochenblättern polterten : hörte aber die Zeit darum auf, fortzumachen in ihrer Arbcit^Nur verlange man nichtein tägliches Bülle- tin : sie veröffentlicht ihre geseygebrischen Studien, ihre geschichtlichen Resultate nur nach Abschnitten. Am wenigsten aber möge man sich durch getäuschte Hoffnungen, die man auf einzelne glänzende Erscheinungen gesetzt hatte, entmurhigen lassen. Der schöpferische Geist nimmt einen Gedanken, studirt ihn, wirft den eigen weg, während er den anderen benützt. So arbeitet auch die Geschichte mit allerlei Werkzeugen. Legt sie eines bei Seite, so thut sie es nur, um ein anderes, jetzt brauchbareres zu ergreifen. Dieser Wechsel stört die Förderung der Arbeit keineswegs. Darum glaube man nur nicht, daß die Wirksamkeit des Zeitgeistes von Personen abhänge» mit ihnen vernichtet werden könne. Was thaten die Jesuiten, als Christine, die Tochter des großen protestantischen Glaubenshelden, Gustav Adolphs, katholisch wurde? Sie jubelten. Resultat : nichts. Was thaten Frankreichs Feinde, als Moreau überging? Sie jubelten : umsonst. Was hat es der Sache der Freiheit verschlagen, daß Görres, dessen Rheinischer Merkur einst der gefährliche und gefeierte Gegner des Absolutismus war, jetzt des Letzteren Schildknappe ist? Soll die Freiheit kapitalsten, weil manche liberal scheinende Fürsten, wie die von Baden und Preußen, die Hoffnungen getäuscht haben? Und dieser Zeitgeist, der Europa durchgährt, der die Völker durch eine Reihe von Sympathieen vereinigt, der immer einfachere Formeln für ihre Bedürfnisse findet, der soll durch einen Ausflug des russischen Kaisers zurückgescheucht werden? Ihr wolltet diesen Zeitgeist schon längst mit euren Congreßproto- kollen versiegeln, ihr wolltet ihn mit Bajonnetten an die Wand spießen, ihn in euren Gefängnissen verkommen lassen, ihn, der ohne nach euren Polizeipässen zu fragen, von Dorf zu Dorf, von Herz zu Herz, durch die Lande wandert, hinter dem ihr drein seid mit Landdragonern und Gänsekielen, den ihr eben in Frankreich verhaften wollt, als er sich iü Polen zeigt, der dort vom Schlichtst lde verschwindet, um in Spanien oder Griechenland oder Italien zu erscheinen. Wie ein Irrlicht tanzt er vor euren blöden Augen und führt seine Verfolger im Sumpfe, wo er sie unrettbar stecken läßt. Vergeblich sucht denn auch der Czar sich zu orientiren durch seine Inspektionsreisen. Sein moskovitisches Auge sieht nur Fürsten und Diener, seitab eine Rotte Mißver- vergnügter, die sich entweder durch Sibirien oder durch Orden beschwichtigen lassen; dieses Auge sieht nur Person li'chkeiten» Zufälle, die man durch List oder Gewast beseitigen kann. Der Geist, in welchem jene Personen, jene Ereignisse, wirken, der erscheint ihm nur als das eben erlvähnte Irrlicht. Den Spiritusrektvr der die Geschichte macht, der Könige und Berechnungen stürzt, der durch die kleinsten Mittel, wie Schießpulver und bleie'me Lettern, immer wieder die Felsen sprengt, welche man für den Ausgang der Welt hielt, diesen Spiritus sieht der Czar nicht. Reell sind ihm allein die Mittel der Corrup- tivn und der Gewalt. Augenblicklich sind sie auch die wirksamsten, dafür aber auch die unhaltbarsten. Der geistliche und der weltliche Despotismus, der Minister und der Jesuit; machen wohl manche Bekehrungen : aber was sie der Freiheit nehmen mit Löffeln, das holt sie wieder in Scheffeln; sie bekehrt im Großen; für jede Seele, die ihr entführt wird, rächt sie sich, zwanzig andere erobernd. (Fortsetzung folgt.) Tages - ELntheilurrH für Fremde in P a r i s. Sonntag. — io Uhr: Wachparade im Tuilerien- Hvfe. — Von io bis 4 Uhr: Gallerten des Louvre, Marine-Museum, Museum Standish, Egyptisches Museum, Gallerie moderner Gemälde im Pakais Lurem- burg, Oonsei vatoire « 1,-8 rlits et Möllers. — Von 1 bis 3 Uhr: alle Hospitale. Montag. — io Uhr: Wachparade im Tuileric- Hofe. — Von io bis 2 Uhr: Anatomisches Cabinett der Deole «le Mecteeine und mineralisches Cabinett in der Duole lies Mloes» Dienstag. — io Uhr: Wachtparade.— io bis 4 Uhr: Gallerie des Louvre und Luxemburg (mit Paß). — Von 3 bis « Uhr: Naturhistorisches Museum im ^arlin-ctes- 1>Ia,,i68. — Von io bis 2 Uhr : Bibliothek des Königs. Mittwoch. — io Uhr: Wachparade, Gallerten des Louvre (mit Paß). — Von io bis 2 Uhr: Anatomisches Cabinett der Dcole cle Mecteeine. — Von 2 bis 4 Uhr: Gobelin.Tapeten-Fabrik (mit Paß). Donnerstag. — io Uhr: Wachparade in den Tui- lerien, Gallerie« des Louvre (mit Paß). —Von ii bis 3 Uhr : Mineralogisches Cabinett der Deole cies Mlnes. — Von i bis 3 Uhr: Königliche Buchdruckerei (mit Er- laubnißschein). —Von 12 bis 4 Uhr: Artillerie-Museum (plaee 8t.-'Lstomas cl'^.czulo. Mit Paß). Von 12 bis 3 Uhr: Oonservaloire ctes ^rt» 6t Metiers (mit Paß). Freitag. — lo Uhr: Wachparade. — Von io bis 3 Uhr: Galletien des Louvre (mit Paß). — Von 2 bis 6 Uhr: Königliche Spiegel-Fabrik und Gobelin-Tapeten- Fabrik (mit Paß), Artillerie-Museum mit Paß). — Von 2 bis 6 Uhr: Naturhistorisches Museum im ckaräin-ctes- klantes. —Von io bis 2 Uhr: Bibliothek des Königs. Sonnabend. — io Uhr: Wachparade, Louvre (wie oben). Paß-Bureau auf der Polizeipräfektur: von 9 bis 4 Uhr. —Deutsche Journale: Salon Montpensier und Cabinett >Io Ir» Pente, beide im Palais-Royal. Auskünfte aller Art für Deutsche im ttureau eenirat pour l'^lleoraßne, 32, rue «les Moulins. - Nednclenr: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellvreffen von Pa^ul Ren vuard. LLWL »L8 ste 7Hea/re-/>cr/rear'§ souilent stigneinent 88 viertle reputatlon. D'est louzours l8 traute eeole ctraiusliczue et le rencteL-vous cte gens ct'etile. Des acteurs ne s'ap- pelleot plus , il K8t vrai, k?e>7rreckr'e7r§ cstr /kor : la eour, iious voulons ctlre , le gouveroeioeot 86 niootre Me-ne euvers eux laut soit peu avare cle 868 laveurs; inals e» revaneste ils zou>8sent sans partage cte la loute- puissaole protecilon cte l'opinioN pukstczue. Dsl.ee «»ne perle 7 Des Partisans ,lu vieux regone cllsent czu'oui. Des reeettes cte estalzue soir prouveot le eon- 1 raire.()uolczuil en soll, tu souveralneie nationale est clans I» Dstarte, et puisczue tu Di anee s'bn liouve streu, nous 06 vozocns pas pourczuoi le ?Hccr/rc-/>„-rc«tc'§ ne 8'en aeeonnnoclerart pasaussi. O'allleurs, czu'unpor.e la nalurectu gouveruenieut czuaucl les resuliats soot stons? czu'impoite 8i e'est M kulor, te ecuolte ou leg slaiuls czuc reglsseot te Isteatre-Draneals; czuaoct ou salt czu'etastli sur l'ega- iite clu nierlte, ee reginie r» touzours protege l'urt, n soriue cte ^isnclg artete», et cioune, 8 lu zirkuliere geene cteksrnnee, 66t eelat «zur tut avait in-cuczuk stau» 868 plug ste8ux^jour8 ,l 8utr«-loi8. I^n verite,et88N8 aller reinuvr ctuu8 IeU> 8 tomsteuux leg t)ueste8noi8, leg Lalinn, et tout«>8 ee8 illo8tr8tioii8 ctu gieele ^>8886 , czue czuelczues oriliczut 8 evoczuent 8 plaigir z>our etustlrr cte.8 eo!uz>8>gi8on8 c>ui zroui In zUuzmrt ne teullent 8 riei, , et ne zrrouvent > ien, czue z>eut-on nna^iner ctk plag ecunzrtei , cte z>l»8 sti lltaut, cte ziiu8 i,»z>083ut czu'une ti ouz.e oü liz;urent Nlteg Ua- c stet, Lle.88^, .^> 8lcli et tXuzilal; IV1,ue8 Keliu^ue, Vot- «>V8 6t ötriuteg; lVlN. tti^ier, Ou^on, kleauvalel, 88 IU 80 N, Li o> 08 l et b lrmlu? )^I»U8 n'uvong ctlt czu6 1k8 U0IU8 czui 8ont ctan8 >3 stouelre cte lout le inoncte, Our z,our ütre jagte il kuustcail uoinmer te z,ei 80 »ne 1 zu688 juo>8, aang eraintk, 1ou8 tes Genres, et repregente avee nu e^at 8U6668 t 0 U 8 tes csteks-ct'ceuvre cts l'art ctraina- tlczue. sta trnAectle aveo Nlle Uaettet, la staute eoioectie 8vee Nlle Uik88^, te ctrame avee (Vlme stleliogue et Votn^g, czuette souree cte joulssances inettasttea et inconnueg, 8»rtout czuaoct les auteurs 86 nominent stlorueille, Uaeioe, Möllere, t)38i>nlr Oelavi^iie ou Viktor Hugo. i>o»8 z>c>uvon8 itire 8an8 exager-itlon , et 8308 tzt^te cte reclaine, czue cst ozue t'ois czuk l'aklieste ziorte //o- rvree, ck/rl^r-rclcr/e, ^-rc/r-orrrcrgoce, Vo/z/errc/e, ou 7'Leo/e c/e» l rcrV/ttrclF, la satte e8t eonistle, et czue le8 azizilauctigsemeug 8ont 8in6ere8, eleelriczueg et stleo nouri >8. Oisona, eo outre, czue ta ineink laveur «8t ae^uise au Mcrrr cr 7« carrr^»A,r6 , 3 t'/kerrirere kt a z,ln8»eur8 aulreg eoi06clik8 uouveiteg, ctont le orerite ctevleot cte zilus eo zilu8 reet et ineoutegtastle. 7^.ux k^crrcH, l'lutatigastle, l'exlraorctioairk, ttz guroaturel ttoutke zia886 ct'uu 8U6668 8 l'autr'e ä travers les eieations les plus ctlsziarales et l,-8 z>lu8 originales, ste 6ur/rr/r cle la cie / l /e /'e/'e ?'rrr/rrttr/rr, li'out ezruise nl 800 taleot cl'inveotiooj ol sa verve iinitatlve. tt vient cte ereer, claos les L7r/a,r^ c/e V uu nouveau tv>>e. 7>r'?rr est uo cstel-cl'ceuvre cle zvlus ctrns te rieste re- i.ertooe cte Loutte. L'est uoe ei eation zrleiiie cte gi aee et cte vei lte. stezzelnlre et stlottiuano^joueOt cta»i8 ee zoll vauctevilte ä lavlr. Uieee et aetriee F'r'orrrrcr keroiit leur korlune au Lalals-Zo^al. st,a z»löee est jolle; Nlle Ouverger est z^»Iu8 zolle eoLore. stllle a Ireaueouzr cte oaivele et ctk cki8tiuetion; 8a voix est ckouce, sa clletloo ziuie et suave; e'eLt une exeelleote ae'tUlsltiou pour le tstea- tre... pourvu czue czuetczue Lasanovs ctu ssodcev- (ülust,. IVIais /r'orr'rnr est aussl sage czue stelle, et elte 3 trop ck'esprlt pour renoocer, czuaoct meine, aux stonrmages, eouronnes et azrzstaustisseineus czue les U0UV63UX VKOU8 et les stastitues ctu kalais Koval lui envoleut ctiaczue soir. ste ^arrckevrV/e ziaraitra stienlot ctaos toule sa sziten- cteur. stakerriere et lVlme Uoelie sont arri ves. Ils leront leiii reoiree un cte ces zours. »ezä Larctou a reziaru , et zstus aoiusant czue zainais. ste roi ctes comlczues, I ioeomziargstle Vrnal, a fall sa reasiparitlon stier lt ios l'/loccrrrre Oo anuonce zilusieurs zneceü nouvel les. II zs eo aura une en trois aetes cte sttme ^.n- eelot. st,a saisou sera stelle. Do alleostaut te ^Vrlni/r, les Marc-errrrres et les Derra- soutiennent avtze liooneurleursucees zirlinitiks, graceü l^tmesHeuarcl, Oelville, et lillles 8l.-ölare et ssullette. Lans le Larscrratte oous o'aurlons parle «te l'Opera czue pour ctlre «zu'il a lrouve, clans la personue cte kilme bastri-ltretin, une ctauseuse actmirastl,-. Il esc ctilüelle ctezoioctre plus cte graue et «le legerete ä plus cte nostlbSSe et tle ctislioctifM ; la place cte Mine Dast, l est clesorinuis marczuöe enire itOs cteox reuies cte l» ctanse, eotre la eliai inaute Oiasi et la zolle Oumilsttre. Mine d>t>>ll 2 a ele inagolstczue clans le '/crrr«ra,ie. Da represenlalioo «tu ctiinaneste, cle 6rs-la c/,r /Ir'cröüe a repris aussl sa place sur les attielies; azout «'2 ä e« s cleux zolies eompositions le , te OeLerierrr', le cr 7'eeo/e, le t»7r7r'Ltcrrr, les l^crcrk^ dzcrrro/r et la Lcrru/e-O'eur/e, et vous coinprenctreL cztt'avee une pareille actlvlte et uo parell repertoire, II est nnpossistle cte ne z>8S reussir. De 7Ä6«(r'e-/ia/rerr a ele ouvert stier avec un grancl eetat. ***. Paris, 1844 Nr 8V Abonnements-Preise: in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 43 „ Drei Monate. ... 8 ,, Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . 48 „ Drei Monate. . . . S Insertionen: die Zeile s 50 Centimes. «W -Mb 'E Man abonnirtr für Paris lM D«resu ve»trsl pour ru» ües I^louiiirs, Z 2 , in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Sonnabend.) Pariser Deutsche Zeitschrift. (S. Oktober.) Rechnungsabs chluß mit der „Allgem. Augsb. Zeitung." Von C. F. Bernays.") (Vergleiche Nummer 268 der „Allg. Augsb. Zcitg.) Die „Allgemeine Augsburger Zeitung" beschäftigt sich seit Kurzem sehr viel mit mir. In der Nummer, die ich heute vor mir habe, verallgemeinert sie mich in drei verschiedenen Artikeln. Die perfide, heimtückische Weise, in welcher in dem ersten Artikel von Dr. Arnold Nuge gesprochen wird, bestach ohne Zweifel hauptsächlich die Al lge- m eine — einem solchen Leckerbissen konnte ste nichtwiderstehen. Daß sie mich bei dieser Gelegenheit a u ch des Sans- cülottismus bezüchtigen kann, daß sie sich herbeiläßt, die Bezeichnung meiner Nedaktionsführung als ,, Schüle r- arbeit" zu advptiren, verdanke ich, ohne Zweifel, hauptsächlich jener ersten obligaten Niederträchtigkeit, welche mit verbreitet zu haben, Niemand der Allgemeinen verdenken wird : das ist einmal ihr Beruf, dagegen ist weiter nichts zu sagen. Ich habe zwar nie von mir gesagt, daß ich ein Sansculotte oder ein Communist sei: als Sansculotte würde ich erfrieren und als Cvmmu- nist verhungern — wie dumm stellt Ihr Euch doa) die Sachen vor! Nie in meinen Schriften, auch zuletzt im „Vorwärts" nicht, von dem ich die Nummern 51—73 redigirte, habe ich michso genannt, —denn blrs mitsolchen Worten ist nichts gesagt, noch gethan; — wenn aber deutsche Zeitungen sie als Beschuldigungen gegen mich aussprechen, dann nehme ich sie ohne Weiteres als Ehrentitel für mich in Anspruch, denn wessen Ihr einen beschuldigt, das kann nur was Gutes sein! Ihr scid dafür gedungen und bezahlt den Aberwitz Eurer Fürsten Geist, ihre thörichten Faseleien Genialität, ihre Grausamkeit landesväterliche Güte, die Feigheit und Bannalität Eurer Minister Hochherzigkeit, Eure eigene faulige Existenz Volksglück zu nennen, — versteht sich ja von selbst, daß die Beschimpfungen, mit denen Ihr mich bedeckt, der ich für gar nichts bezahlt bin") wider Euren Willen das höchste Lob sind, das ich je erstrebe! Ein andermal sucht Euch bessere Ausdrücke! Hättet Ihr mich wirklich beschimpfen wollen, so mußtet Ihr mich Euern Co liegen, einen deutschen Zeitungsschreiber, heißen, da hätte ich mich vor Abschew geschüttelt. Wenn ich manchmal bedenke mit Euch in eine Kategorie geworfen zu werden, dann möchte ich es verschwören je wieder eine Feder anzurühren : Aber nein, dann versetze ich mich lieber in eine andere Zeit, dann denke ich an die herrlichen Männer, die durch Muth, Ernst und Reinheit der Gesinnung, die pu- bliciftische Journalistik zu hohen Ehren gebracht haben: an Camille Dcsmvulins, Mirabeau, Junius, an dieMänner der rhein. Zeitung und einige andere noch lebende englische und französische Ncdactoren, die Ihr, beiläufig gesagt, alle kaum dem Namen nach kennt: Eure Ignoranz ist ja eine bedeutende Stütze Eurer Verworfenheit. — Ich habe mich selber freiwillig aus Euern Reihen cxilirt, — glaubt Ihr aber, ich hinge nur noch an einem Härchen mit Euch zusammen, zeigt mir's, daß icl/s durchreiße, — ich werde nicht undankbar sein. Ein hiesiger dcutschcr Ehrenmann hat es besser verstanden als Ihr Alle zusammen, mir wehe zu thun! Er dictirte der kevue cke Lsris* *), die natürlich kein Wort deutsch versteht, ich und meine Freunde, wir wären solche Tröpfe wie Ihr; wir träumten im „Vorwärts" teutonische Träume, von Elsaß und Lothringen: Was wir wirklich thaten, konnte der Elende hier in Frankreich nicht besudeln; er mußte uns Eure Ge m einheite n aufbürden, um uns wehe thun zu können: von dem Mann könnt Ihr was lernen! Stehlt und schreit dann nach uns: «aux vo!eur8! » das paßt ganz in Euern Kram! Haben Eure Verwünschungen und Euer Dannstrahl die Überzeugung von der Wirksamkeit und Tüchtigkeit meiner Bestrebungen zu einem Axiom in mir erhoben, so erquickte der Vorwurf der , ,Schülerarbeit" mein zur Freude und Heiterkeit so selten gestimmtes Gcmüth. Wie komisch, wie unvergleichlich lächerlich, dachte ich, ist doch ein Gouvernement, das wegen solcher „Schüler- ar beiten" mir die Rückkehr in die Heimath unmöglich macht, das deren wegen vor Wuth schäumt, im Auslande Reklamationen erhebt, und mich von der Erde weg zu allen Teufeln wünscht, — und doch nichts gegen den „Schüler" durchsetzt; wie heiter und tölpelig ist die Haft mit der die deutschen Allgemeinen und Gemeinen ihre vermeintlichen Scheltworte kunterbunter aus ihrem Bettelsack werfen, wie sie „ schü lerh aft" und „Sans- cülottismus" aneinander koppeln : haben die Schläge, dachte ich dabei, welche die deutschen Knaben von den Sanscülotten bekamen, sie an weiter nichts als den Schulstock erinnert? Damit Ihr seht, wie heiter mein Zorn ist, wie ohne Rückhalt, will ich Euch meinen Rache- plan, den ich gegen Euch gefaßt habe, offen mittheilen : Jhrseid der Comik verfallen, ich behandle Euch nach Würdigkeit ; *) Zuerst erlaubt mir die Frage an die Redactoren aller deutschen Zeitungen, die beute so würdig und taktvoll thun, aus welchem Grunde sie ohngefähr 6» verschiedene pseudonyme, aber von mir verfaßte Artikel, die alle ohne Ausnah me die abenthcuerlichsten Erfindungen, die abgeschmacktesten Lügen, lauter Unmöglichkeiten, statistischen, geographischen, ökonomischen und diplomatischen Unsinn enthielten, in dem eine n M 0 nateSeptem- ber des vorigen Iabres sich von mir aufbinden ließen, und als reines Gold in ihren Spalten mittbeil- ten *-? Ich bin auf die Antwort der „deutschen Presse " begierig, die sie einem ,, Schüler " nicht schuldig bleiben kann, der sie direct um Aufklärung bittet. — Das deutsche Lesepublikum, vor dessen Augen ich die ganze Comödie spielte, scheint diesen Aufschluß nicht verlangen zu dürfen, denn nicht ein einziges deutsches Blatt lispelteeine Entschuldigung. Wenn die„Allgemeine Augsburger Zeitung'' diese Historie einen „Gamin" streich nannte, dann hätte sie recht, — sie hat aber alllmal das Unglück Scherz für Ernst, und Ernst für Scherz zu nehmen; ich war der ^min. aber Ihr wäret >08 ckupk-8! lßü dien, ich schwör's Euch hiermit: Ich mache Euch noch einmal, und diesmal Alle ohne Unterschied der Färbe, ob blaugrau oder graublau, zum Kinderspott; wie? sollt Ihr schon sehen, — dieses Mal habe ich Euch im Voraus gewarnt. Das also wäre einstweilen abgemacht! Warum ich ein Sanscülotte bin, das sagt Keiner von den Heiligen. Sie dürfen, ein schöner Beruf, nur poltern, die Poltrvns! Keine zehn Zeilen, von dem, was ich hier in Paris geschriebenhabe, dürfen sie abdrucken; sie dürfen sich nur- selber damit kitzeln, die heimlichen Sünder, um dann wie sieche neidische Jungen über das starke Weib schimpfen zu können, dem eine einzige Stunde freier voller Lie- beslust ein reicherer Genuß und ein höherer Triumph sind, als das erlogene Keuschheitsbewußtsein lüsterner sich selbstgenügender Tugendheuchler. Über den zweiten Artikel in demselben Blatte der Allgemeinen werde ich hier nicht reden. Er enthält die Geschichte und einige processualische Reflexionen eines Processcs, den mir das hiesige Gouvernement gemacht hat. Ich lebe hier als Fremder, undj werde für den Schutz, den man mir bisher in Frankreich angedeihen ließ, nicht undankbar sein. Ich schweige, — reden doch andere kräftigere Stimmen für mich, die durch Rücksichten, wie die meinigen, nicht gebunden sind. — Kommen wir zum dritten Artikel, einem Schandmachwerke, in dem aller Schmuz einer deutschen Zeitungsseele wie auf einen Haufen zusammengekehrt ist. Es ist einmak mein trauriger Bewahrt, politischen Einfluß zu haben? Ich ging vor Kurzem hierdurch die kleine enge Straße ck« llloiel-üo -vill«, da zankten sich auch zwei All ge meine miteinander; die eine aus dem vierten Stock, die andere auf der Straße: « L'ss t«- eouraAe, vieille liori our, ? » — « 'lions, litziiL, ollo 8« vnulk cko n'ölr« jile>8 flnu s nien! » *) Ich habe diese Mystifikationen, mit denen ich mich in meinen Mußestunden, als Erholung von dem tödtenden Geschäfte eine der Censur unterworfene liberale Zeitung zu re- digiren, erheiterte, in einer in Straßburg 14 Lage darauf bei Schüler erschienenen Broschüre: Sch and ge schichten zur Charakteristik des deutschen Sensoren und Red actoren packs, genau mit allen Daten und Namen der Zeitungen beschrieben. *) Die Redaktion des „Vorwärts" gibt hiemit die Entgegnung des Herrn Bernays auf die vielfältigen heftigen Angriffe der „A. A. Z." gegen ihn, ohne vorläufig die von der „A. A. A." angefangene Polemik mit dem „Vorwärts" fortspinnen zu wollen. Mag die ,,A. A. Z." diese Polemik nun aus eigenem Antriebe oder auf höhern Befehl begonnen haben, so wird sie wohl nun einsehen, daß sickeine Seide dabei spinnt, und daher künftig so klug sein zu schweigen. Ihr Lob oder ihre Beistimmung ist ja nie verlangt worden. ") Herr Bernays hat für seine Nedaktionsführung des „Vorwärts" nie einen Gehaltangesprochen, und dafür überhaupt nicht das geringste Emolument bezogen. Die Eigenthümer des „Vorwärts." Die Revue cko ?aiÜ8 hat sogleich ihren unfreiwilligen Jrrthum auf ehrenhafte Weise gut gemacht. Die Redakt. **) In einer Anmerkung derselben Nummer, die mir hier vorliegt, auf Seite 2l42, zanken sich die zwei „Allgemeinen" aus Leipzig und Augsburg mit einander. Die „Allgemeine" aus Leipzig wirst ihrer Schwester in Augsburg „politischen Nihilismus" vor, weil sie keine eigene Politik verfolge; und die Augsburgerin erwiedert ihr, darin bestände gerade das Wesen ihrer Allgemeinheit; „wir hatten noch nicht gewußt, sagt sie, daß in Deutschland die Journale, nicht die Regierungen, die Politik i machen," nun aber müssen wir von der Leipzigcrin das Gegentheil erfahren. Ist das nicht heiter, wie das „erste politische Blatt Deutschlands" sich dagegen ver- 2 ruf, Laternen an solchen Mistgruben aufzustecken: ich will auch in diese hmeinleuchten : ,, Wir erhalten zugleich, fährt die Allgemeine Zei-, tung an jenen zweiten Artikel anschließend fort, von einem achtbaren Deutftl)en, keinem unserer gewöhnlichen Correspondenten, folgende Zuschrift, die wir um so weniger Ursache haben dem Publikum vorzuenthalten alS das deutsche Gamin blatt*) uns selbst Lurch eine Menge der pöbelhaftesten Ausfälle, — man kann nicht sagen Polemik, genöthigt hat von ihm Notiz zu nehmen." Also von einem achtbaren Deutschen, keinem ihrer gewöhnlichen Correspondenten, erhält die „Allgemeine" den folgenden Artikel dessen Achtbarkeit wir gleich untersuchen werden ! Ehrt die „Allgemeine" ihre hiesigen Correspondenten so »venig, daß sie sie in Gegensatz mit einem achtbaren Deutschen bringt! Bei Herrmann und Thusnelda, bei Elsaß, Lothringen und Dr. Wolfgang Menzel, das, 2hr Leser der ,,A!lg. Zeitung," lassen sich pariser Correspondenten nicht gefallen — ich wette zehn gegen eins, die hiesigen Correspondenten der „Allg." schicken ihr keinen einzigen Artikel mehr. (Seit wann, „Allg. Zeitung!" ist es nicht mehr achtbar, solche Artikel, wie ich deren eben noch heute (immer in demselben Blatte), in deiner Beilage lese, zu schreiben ? Ist es nicht höchst achtbar. Laß der eine Correspol,dem, nachdem er über die imperialistische Schule geplaudert hat, Deutschland zur Beruhigung ausruft: der Revolutions- geift ist verstummt? Gibt es auf der Welt was A cht bareres, als daß der andere deutsche Correspon- Lent, (immer in derselben Nummer 268), der hiesiges Gaftrecht genießt, Frankreich der höchsten Barbarei in Bezug auf Ta>ti beschuldigt, wodurch die rechtmäßige Erbitterung in England (o die humanen Engländer!) provozirt wurde? als daß er der vömocistie ,,!,cilikiu6 ein: „Pfui" darüber zuruft, weil sic in dieser Angelegenheit die Franzosen ihre Landsleute gegen die Engländer und den Methodisten Pritchard in Schuh nimmt? Kann es überhaupt eine achtbarere Beschäftigung geben, als dem deutschen in sich vergnügten Vaterlande gegenüber/ Frankreich, das Vaterland der Freiheit, täglich in den Koch zu ziehen? Mich geht das weiter nichts an, das mögen die Correspondenten ^ Ler^ „Allgemeinen" mit ihr selbst ausfechten, aber in ihrem Parorismus über meine pöbelhafte Sprache hat sie sich jedenfalls furchtbar verbauen. . Allein, verehrte Leser, was sagt Ihr dazu, daß i ch die „Allgemeine" genöthigt habe von dem »«Vorwärts" Notiz zu nehmen? das soll und kann doch nichts anderes heißen, als sie hätte keine Notiz von ihm genommen, wenn es nicht zuerst gegen sie ausgetreten wärel Dem deutschen, ihrem Publikum kann sie Liese infame Lüge aufbinden, da das Blatt Ler deutschen-Polizei wegen wenig dort gelesen wird; aber Euch? Die ersten**) Artikel, die unter meiner Redaktion des „Vorwärts" gegen die „Allgemeine" erschienen, waren, wie Jedermann weiß, und wie «u töte jener Epistel zu lesen ist, die A n t w o r t auf einen perfiden Angriff in ihrer Nummer 239. Ich versichere Euch, und Zhr glaubt mir's ohnedies, ich küsse lieber ein freundlich Mädchen, als daß ich mich mit einer alten Dirne Herumzanke: — wenn sie mir ihre ekelhafte Physiognomie nicht zu dicht vor die Nase hielt, ich hätte mich bei Seite gewendet, und wo anders hingesMckt. Ja, angespuckt***) habe ich sie, — aber nicht mit ihp polemisir 1, wie sie's zwar gewollt hätte (siehe den oben citirten Sah), nicht so in breiten Klatsch mich mit ihr eingelassen, nicht ein Wort mit ihr gewechselt, über Dinge die schon dadurch entheiligt würden, daß man sie mit einem solchen Gegner *) Nicht einmal dieser Ausdruck, so trivial er auch ist, kommt aus dem Hirnschädel der Allgemeinen. Sie hat ihn einem gewissen Herrn Pastor Egidius entlehnt, der ihn in seinen Bußpsalmen über die deutsch-französischen Jahrbücher gegen mich gebraucht. . ") Auch der Brief im Feuilleton ist unmittelbar durch jenen Angriff veranlaßt. > *") Carnot, Mitglied des Wohlfahrtsausschusses rc., der Osinin, ruft mach dem 18 . Fructidor gegen seine Ankläger aus: Ro cil-vnit-on pas (wacker (anspeien, zu deutsch, „Allg. Zeitung") au visage (io ces infames, ne.Ieu, cke- viail-ou pas ciouer sur je (tos et sur i'estomac les rnols imposteurs, krigsncts et asssssins? verhandelt. Und so halt ich's auH heute. Die „Allgemeine Augsburger Zeitung" belehren oder bessern? Das sind Geschäfte für -Herrn von Abel und Consorten, wahre Züchtlingsarbeiten, — die wird mir kein Mensch zumu- then. — -Hören wir jetzt den achtbaren Deutschen! „Allen Deutschen zur Nachricht. Einer der gelehrtesten und geistreichsten Männer Frankreichs bezcichnete treulich die Allianz zwischen dem Allgemeingeiste der Franzosen und dem der Deutschen als das sicherste Mittel den französischen Genius überall zum vollständigen-Siege und zur unbestrittenen Herrschaft über die moderneWelt zu führen. Der Versuch eine solcheAllianz zu veranstalten wurde im Kleinen wirklich schon gemacht, als vor einiger Zeit mehrere deutsche Zeitungsschreiber und Publicisten nach Paris kamen, um hier, wie nach Seiltänzerweise angekündigt ward: die alte Welt, nämlich Deutschland, aus ihren Angeln zu heben. Sie waren zu diesem Werke gerüstet mit den Waffen Voltaires, nur beträchtlich stumpferen." Den plumpen Angriff, den der ,,achtbare Deutsch e" hier auf die Redaktoren der „deutsch-französischen Jahrbücher" macht, habe ich nicht zurückzuschlagcn. Eines von den verbrauchtesten Mitteln aller Denuncianten ist es von jeher gewesen, seine Gegner alle zusammen in einen beliebigen erlogenen Zusammenhang zu bringen, damit jeder -Hieb sie alle zusammen treffe. Es fällt mir und den Deutschen, mit denen ich hier zusammen komme, gar nicht ein eine politische Parthei bilden zu wollen, wo nach alter Weise K— einer für Alle steht, und Alle für K —einen! Jch',^. B., habe mit Herrn von Lamartine mein Lebetag nichts zu schaffen gehabt; ganz auf meine eigne Faust bin ich ein abgesagter Feind aller Franzosen- fresserei, finde ich nichts auf der weiten Welt ekelhafter und abgeschmackter als den von der Polizei und den Herrn Liberalen eingeführten Ur-Germanismus; ganz auf meine eigne Faust laß ich meinen Lungen den Glauben, es athme sich hier angenehmer als in der deutschen Sumpfatmosphäre, und meinem Zwergfell das Recht, sich ohne Gefahr bei jedem neuen könig. preußischen Purzelbaum herzhaft auszulachen; und ich achte meine Freunde viel zu sehr, um zu glauben, daß wenn es ihnen eben so geht, irgend ein abstracktes Partheiinteresse Haran Schuld sei.") Finden sie sich dem methodistischen Betbruder gegenüber (wir werden den „achtbaren Deutschen" sogleich als solchen erkennen) mit seinen Seiltänzer n und Angeln zu einer Antwort angeregt, so werden sie's thun — ich denke die „Allgemeine Zeitung" könnte wissen, daß sie alle nicht a«f's Maul gefallen find. „Mit Ironie und Sarkasmus, fährt der „achtbare Deutsche" fort, nicht weniger als mit Zorn und Erbitterung fingen sie an wiew(ldo Eber, die nicht Hund noch Jäger mehr zu fürchten haben, in dem Un- rathe zu wühlen de» sie hie und da in Stadt und Hof entdeckt hatten. Sie zerrten, fletschten, schäumten, wü- theten Labei so unsinnig im ersten Anlaufe, daß ihnen schon nach zwei Monaten die Luft ausging." Wollte ich die Art grade meiner Wirksamkeit selber beschreiben, ich hätte es wirklich nicht gewagt, so schmeichelhafte Ausdrücke dafür zu wählen als unser „achtbarer" Freund dafür gefunden hat; nur würde ich die natürlichen Anlagen eines wilden Ebers nicht durch Ironie und Sarkasmus, durch Zorn und Erbitterung, lauter so herrliche Eigenthümlichkeiten der menschlichen Race vermehrt haben. Aber seine zoologischen Forschungen entsprechen ganz vollständig seiner Stellung in der menschlichen Gesellschaft. — Er braucht für seines kühnes Bild ein Schwein das im Unrath wühlt — statt nun ein zahmes Schwein zu nehmen, dem ja, wie er an sich selbst abnehmen kann, die Ironie und der Sarkasmus nicht schlechter zu Gesichte steht als einem wilden Eber, nimmt er der Originalität wegen das letztere Thier das seine Kraft grade aus der reinlichen Frucht deutscher Eichen, aus den aromatischen Kräutern deutscher Wälder zieht—darum, achtbarerDeutscher, *) Was würde Herr Carl Vogt sagen, wenn er alle Gemeinheiten und Blamagen mit verantworten sollte, die neben seinem schönen Artikel über die Gletscher und Findlingsgc- stesnein Chambery immer in derselben Nummer 268 stehen? haben auch die zahmen Schweine ein so fades zähes Fleisch, dagegen die schmackhaften kräftigen Braten von den wilden Ebern kommen. Mit „dem Unrath in Stadt und Hof" aber, „Allgemeine," he, scheint es doch seine Richtigkeit zu haben? den hat das zahme Schwein doch auch ausgefchnüffelt! Weil wir aber so arg gewüthet und „gefletscht" hatten, ging uns schon nach z w eiMonate n die Luft aus! Die „Allgemeine" ist ckc könne toi! Während sie im September vor Wuth schäumt über das, was ich vor acht Tagen gegen sie geschrieben habe, während sie aus einer Erklärung des Herrn Dr. Carl Marr in ihrer eigenen Zeitung, der von Niemand widersprochen wurde, weiß, warum die „Jahrbücher" damals aufhörten, läßt sie einen „achtbaren" Deutschen in ihren Spalten sagen, wir hätten im Februar schon nichts mehr gewußt! Und dabei welcher Vorwurf! Nichts mehr wissen und schweigenist vernünftig, aber seit 30 Jahren in einem fort salbadern, und nie selber etwas gewußt haben, ja sogar darauf stolz sein, daß man nichts gewußt habe, und nichts wissen dürfe — dazu gehört das Temperament einer Allgemeinen aus Augsburg ! „Aus den „Jahrbüchern" ist daher nur ein einziges Mvnatsbüchlein geworden, das mit so verdorbenem Christen-, Juden- und Affenherzblut geschrieben war, daß selbst Französin, die doch seit Voltaire andergleichen gewöhnt sind, es ercessis finden mußten. Aus der beabsichtigten Allianz wurde nichts. Die deutschen Universalbrüder zeigten sich nach der ersten Probearbeit so unerträglich, daß die französischen Publicisten ihre Umarmung ekelte." DieFranzosen t?)haben das Monatsbüchlein erces- stf gefunden. Welche Franzosen hat unsere Umarmung geekelt? Die Franzosen der Itevue tncköperiitauie, als sie die „Jahrbücher" so freundlich ihren Lesern empfahlen? Oder die Franzosen der deforme, die erst unlängst einen Artikel von Herrn Dr. Marr übersetzten, und uns jeder Zeit die Spalten ihrer Zeitung öffneten ? Oder die Franzosen des Rational, die mich augenblicklich gegen eine Anklage in Schutz nahmen und uns heute wieder so kräftig vertheidigen? Oder die Franzosen sämmtlicher Oppositions-Journale, den Rational wieder an der Spitze, ja sogar deZ legiti- mistischen Blattes der 6arelte de krance*), die für uns in die Schrankei^raten als deutsche Zeitungen das Gerücht von dem Verlangen der preuß. Negierung uns von Paris wegzuweisen hierher brachten? Welche Franzosen? sprich, methodistischer Betbruder! Ich will Dir sie nennen: Sie bestehen aus einem einzigen als Franzosen verkappten „achtbaren Deutschen" der zu dem hiesigen Methvdistenpak gehört, der auch den folgenden Artikel in das hiesige Methodiftenbla tt, t'bispe- rsnce, geschrieben hat, und der sich darüber ärgert, daß keinHahn hier darnach gekräht hat. Für solchen Mist ist aber die „Allgemeine" immer noch gut genug, darum schickt er ihn ihr: „Die Deutschen, welche das „Vorwärts" redigi'ren, geben durch die Anzeige (daß nämlich der Schneidergesell Weitling endlich aus der stinkenden Atmosphäre des alten Deutschlands sich nach England gerettet habe) zu erkennen, welcher Geist sie beseelt. Wir beschränken uns nur darauf, zu. bemerken, daß dieses Blatt geschrieben wird in dem Sinne des gemeinsten Radicalismus und Communismus, der in Frankreich , wo selbst die verderblichsten („achtbarer Deutscher" ich erkenne dich!) Lehren nie in so gemeiner Gestatt aufzutreten wagten, nur Ekel erregen kann. Wenn wir Deutschland nicht durch andere Repräsentanten kennten, so würden wir uns nur eine traurige Idee davon machen können. Was übrigens genügt zu beweisen, daß die Deutschen dieser Art von uns nur als Bastarde angesehen werden müssen, ist die Thatsache, daß es denselben unmöglich war mit ihrer Schriftstellerei in einem Lande zu reüffiren uni» selbst zu bleiben **) das mit Recht als der klassische Boden, der Freiheit des Gedankens und der Diskussion betrachtet werden kann. Man muß Deutschland Glück wünschen, daß es sich nicht an Richtungen hat gewöhnen können, derglei-- *) Worüber sich, beiläufig gesagt, die ,Meuß. Allgemeine" ganz unsinnig gebärdete. *') Wir Alle ohne Ausnahme bleiben und wohnen zum großen Ärgerniß von Euch fortwährend hier! Ihr dummen Teufel habt uns schon nach Amerika,, nach England, und jetzt eben Rüge wieder nach Deutschland zurückgeschickt, — es Hilst Euch alles nichts, — Paris liegt Euch schwer im Magen ! chenvon den bezeichneten Schriftstellern verfolgt werden." (Anmerk, des Einsenders.) Ich gratulire der „Esperance" zu ihrer Umarmung des „achtbaren Deutschen" — es hat eine gute Nace gegeben ! Erklärt sich die fromme Schöne auch damit einverstanden, daß Christen- undJuden-Herz- blut mit dem Affen Herzblut in eine Categoriegehören? Ich für meinen Theil habe dagegen nichts einzuwcnden; vielleicht könnten wir dann auch noch Brüderschaft mit einander machen! Hören wir weiter : ich will mich aber beeilen, denn die Geschichte ekelt mich an. Der „achtbare Deutsche" macht auf mich eine Wirkung wie wenn ich eine Portion I'kli Irn us ornkNicus verschlungen hätte. ^ „Ihre Philosophie war auch zu beschränkt (Gebt acht!) Sie waren noch nicht weiter gekommen als der zwar nicht von den Männern der Wissenschaft aber von dem Troß seiner sogenannten Schüler bereits vergessene Hegel... (Die drei Punkte bedeuten wie unendli ch hoch der „achtbare Deutsche" über dem beschränkten von meinen Freunden, seinen sogenannten Schülern, d. h. von ihm sogenannten, — denn i ch bin kein Philosoph und habe mein Lebtag mich mit Hegel nicht abgegeben — bereits vergessenen Hegel steht.) Sie können stch nur noch begeistern wenn es gilt, den Christenglauben und die Christgläubigen zu verspotten, was sonst auch den beschränktesten Köpfen ohne Begeisterung gelingt. Sie gehen nun ihren Weg allein, und sprechen mit allen Geistesverwandten ihre Orakel durch das in Paris erscheinende deutsche Journal „Vorwärts" aus; oder vielmehr ste speien immer rückwärts und fluchen auf das „schlechte Vaterland," weil dort für ihr rohes und wildes Treiben kein Raum ist." Brav Pfaffe! Man braucht wirklich keine Begeisterung dazu um die Christgläubigen zu verspotten, und selbst der beschränkteste Kopf ist klug genug um Eure Christgläubigkeit zu verhöhnen! Vollkommen einverstanden ! Aber ein solcher Satz, so aus des Herzens dümmster Einfalt und Unschuld herausgelvckt, — ist Gold werth! „Das Ziel, fährt der achtbare Deutsche weiter fort, ist ihren Lästerungen, wie wir zu unserm Tröste wissen, durch stch selbst schon gesteckt." (Richtig! Wie aus diesem Artikel vollkommen zu entnehmen ist.) „ Inzwischen, schließt er, muß doch zur öffentlichen Kenntniß gebracht werden, daß noch stinkender Koth am Wege liegt, damit sich dieBlinden und E i n fä l- tig en (von jetzt an kommt lauter Bibel!) nicht besudeln ; damit alle, denen die Wahrheit lieb ist, nicht aufhören ebenso ernstlich wider das Reich der Lüge zu beten (Plumps , da liegt er auf den Knien!!, und damit endlich alle diejenigen welche die Kraft der Schlüssel kennen und anzuwenden verstehen, das Heiligthum schützen helfen vor öffentlicher Schändung und vor dem Pefthauche giftiger Scribter. Möchten diese Worte eines Deutschen in Paris unter den Deutschen hier und daheim ein recht vielfaches Echo finden! Paris, den is. September 1844 . " Amen und damit schließe ich auch meine Rechnung ! Auf Wiedersehen! , Paris, 14 . Oktober 1844 . Ferd. Cölestin Bernays. Der Czar. (Fortsetzung.) So bin ich auch überzeugt, daß Rußlands verrätheri- sches Spiel an der Donau ihm hoch wird zu stehen kommen. Bis jetzt waren diese Völker apathisch und wären ste unmittelbar in eine freie Staatsform übergetreten, so fehlte es an einer Grundbedingung des politischen Lebens, an Kenntniß und Ordnung der eigenen Kräfte. Nun kommt aber Rußland. Seine Diplomatie beschränkt sich V auf die Kunst, Gewissen und Abhängigkeit bei sich und Anderen auszurotten! — Die Corruption, welche durch Rußlands gesammte Staatsgliederung gehet, wirktauf deü Einzelnen zumeist so unwiderstehlich, daß es an Menschen mit abgetödtetem Gewissen, die fast mit Fanatismus schlecht sind, nie fehlt. Wer kein Gewissen mehr hat, kann gut den Lügner und Verräther machen, und so lange er verkappt ist, hat er die Oberhand gegenüber Jedem, der durch sein Gewissen oder wenigstens durch die politische Moral seines Staates gebunden, also in der Wahl seiner Mittel beschränkt ist. Durch solche Agenten läßt Rußland die Donauländereien unterminiren : Habsucht und Ehrgeiz, Neid und Haß und Mißtrauen, kurz alle Leidenschaften werden gegen einander gesetzt; es gelingt die organischen Kräfte so zu eombiniren, daß ste stch endlich gegen einander richten, stch aufreiben und wtcke neue für- russische Politik und Besitznahme machen. So weit steht alles gut für Rußland. Die um stch fressende Corruption unterstützt die russische Arbeit. Aber nun weiter. Die Partheikämpfe, das Aufgebot zum Durchsetzen dieses oder jenes Einflusses, das tägliche Schauspiel politischer Bestrebungen und Erfolge, die Proben der eigenen Wichtigkeit regen die Völker an: von dem Phlegma der türkischen Herrschaft befreit, sehen sie vor stch eine Bahn der Tätigkeit, der Entwicklung für ihre durch langen Schlummer genährten Kräfte: ihre seitherige Verwendung, wenn auch nur als Werkzeuge, lehrt die Völker Beweglichkeit, Organisation, Verstand. Werden nun ste, die Nachbarn der Ungarn und Deutschen, ste, die Neuerweckten, stch Hinstrecken wollen, um den bleiernen moskovitischen Todes- schlaf zu schlafen? Werden ste Erfahrung und Intelligenz dazu erwerben, um stch in den Sack russischer Barbarei einnähen zu lassen? Ist ein Volk lieber Knecht, als sein eigener Herr? Werden die Donauländer nicht lieber sich selber besteuern und regieren, die Schätze ihrer Fluren, ihrer Berge und Flüsse nicht lieber selbst ausbeuten, als dem Czaren nach St.-Petersburg ziehen und frohnen? Und hat dann nicht die Corruption wie ein Fontanell gewirkt, daß die bösen Säfte großentheils ablcitet? So wird stch denn wohl das Resultat Herausstellen, daß Rußlands Operation mit den Dvnauländern dieselben von der türkischen Faulheit emanzipirt und durch die aufreizenden Mittel der Politik befähigt, europäische Bildung stch anzueignen. Ich hoffe und wünsche die Zeit zu erleben, wo der Czar, statt wie er erwartete, wieder einige zu Grund gerichtete Völker unter die Regimenter, aus denen der russische Staat besteht, stecken zu können, mit Verwunderung und Schrecken gewahr wird, daß er sich an den Donauländern einen Feind erzogen hat, der den Polen die Hand reicht und mit diesen eulsus pvi-ckus das Vordertreffen Europas bildet in der Entscheidungsschlacht gegen die europäischen Mongolen. Es empört sich alles in mir, wenn ich jene heillose russische Diplomatie so geschäftig hin- und herspinnen sehe, wenn die Zeitungen fast täglichen Beweis bringen, daß nur wir arme deutsche Fliegen dieser Kreuzspinne Tribut pflichtig find, während eine derbe englische Wespe frei durchschwirrt, so oft sie mag. Ja, mein Zorn hat mich so- gar poetisch, hat mich normaldeutsch gemacht, und ich bitte Sie, mir einen eben so zornigen Komponisten zu folgendem Gedichte zu vermitteln. Russiches Nation« l lied. 1. Wir lieben ihn, wir lieben ihn Wir lieben unsren Czaren; Laßt immergrün und russischgrün Uns dies Gefühl bewahren! Denn leib- und seeleneigen sind Der Krone wir, Mann, Weib und Kind. 2. Zwar fraß der Krieg, den er begann, .Den Kaukasus zu sitten, Schon zweimalhunderttausend Mann Getreuer Moskoviten: Doch Ziffern, was bedeutet das Bei Gott und unsrem Nikolas! 3. Er hat das alte Polenreich Und seinen Eid zertreten; Wie kann der Held so butterweich Gesetz und Ehre kneten! Er, der ja unser Papst zumal, Bestimmt durch Ukas die Moral. 4. Anbetung Dir, Du heil'ger Czar! Der Kirchenhymnus schalle! Wir meucheln unsre Herrscher zwar; Doch sterben wir ja Alle. Es lebe, schenkt die Gläschen ein, Der Kaiser und der Branntewein! Das Gedicht mag schlecht sein, aber es kommt von Herzen. Findet stch ein Componift dazu, so wollen wir es Sr. Einfalt dem russischen Herrn Staatsrath von Gretsch dediziren zum innigen Dank dafür, daß er Herrn v. Cu- stine gegenüber seine Brodherrschaft so übel bedient hat. Es ist, als ob irgend ein Gegner Rußlands diesen Gretsch bezahlt hätte, durch thörichte Vertheidigung die Anklagen Custine's zu bestärken. Je nun, Irren ist menschlich, manchmal begegnet es selbst den Russen, aufrichtig zu sein, und goldene Worte ließ einmal Panin, der Held von Bender, verlauten: « Lu ckisiiibusnt cle I'e. u vie aux Dixies, on a fteau fsire un ern^küpui'. » (Schluß folgt ) Zustände aus dem Kanton Waadt. (Fortsetzung.) Ihr habt doch von den Momiers (Muckern) gehört? Sie zerfallen in drei Sekten : die Auöer-- wählten, die Vollkommnen und die Nationalkirche. Die Auserwählten haben das Dogma von der Gnadenwahl, d. h. sie glauben, die Gnade komme von selbst, da helfe kein Beten und Augenverdrehen. Ihr Prophet ist der Lord Darby aus England. Er kommt alle ein bis zwei Jahre hierher, um den Leuten die nahe Ankunft des Herrn aus der Offenbarung und den Büchern Daniels zu beweisen. Schon 1842 hatte er die Rückkunft des Heilands auf den Herbst jenes Jahres als ganz gewiß angekündigt. Nun, es hatte sich eben ein kleiner Rechenfehler eingeschlichen. Dieses Jahr kommt er nun ganz gewiß; wir stehen so hart am 7ten Posaunenstoß, daß es wahrscheinlicher ist, er kommt Heute als Morgen. So (sie), hat Darby seinen vor einigen Monaten in Jverdon, in vier Generalversammlungen vereinigten auscrwählten Brüdern und Schwestern aus dem Kanton Waadt, mit der größten Kaltblütigkeit von der Welt, verkündet : denn diese Leute haben durchaus nicht das Ansehen von Schwärmern, sondern — und das ist gerade so schauerlich — vou trocknen, berechnenden, herzlichen Spekulanten. Vielleicht ist der Herr im Augenblick, wo ich dieses schreibe, schon angekommen; daß Niemand den Posaunenstoß gehört hat, beweiset Nichts; denn dieser Posaunenstoß ist „unerhörbar!" (8ie). Die beiden andern religiösen Partheien sind nicht viel klüger; — drei Narrheiten, aber Eine Thor- heit. Ein studircnder Jüngling, aus der Schaar der Vollkommnen, sagte neulich zu einer deutschen Dame: Es sei ausgemacht, die Erde würde ganz .vertrocknet sein, wie eine Hutzel, sie werde ihre Fruchtbarkeit gänzlich verloren haben, wenn sie Christus nicht mit seinem Blut bewässert hätte. Ob der junge Mensch diesen Blödsinn aus eignem Geist erzeugt, oder etwa aus dem Geist seines Professors geschöpft hatte, oder nur einfach dem Glau- bensbekenntniß der Vollkommnen entnommen, wußte mir die deutsche. Dame nicht zu sagen. Ein heiliger Schreck hatte sie abgehalten, den „Gottvollen" Jüngling über diese wichtigen Punkte weiter zn questio- niren. Die unterscheidenden Merkmale der Vollkommnen weiß ich nicht weiter anzugeben; wenn ich nicht irre, glauben sie, man könne sich durch Gebet und Zerknirschung die Gnade erwerben. Zur Nationalkirche gehören Pietisten, Kalvinisten nnd andere Jsten, soviel als Lust haben. Ein eigentliches Dogma hat die Kirche nicht mehr, seitdem nach Großrathsbeschluß von 1841 die Geistlichen- derselben nicht mehr aus das helvetische Glaubensbekenntnis!, sondern schlechtweg aus das 4 weitschichtige „Neue Testament" verpflichtet werden. Ihr meint wohl da könnte Weitling, der das „ Neue Testament" ja auch nicht verwirft, am Ende duck) noch Pfarrer werden. O! sorgt nicht — sorgt nicht um den Köhlerglauben des nationalen Klerus dieser Republik. Ihr dürftet sie getrost auf den Koran verpflichten, sie würden dennoch den Gekreuzigten verkündigen. Die drei Laien und die drei Geistlichen, die unter dem Präsidium eines Staatöraths, über das Seelenheil der Nationalchristen zu wachen haben, ja die Majorität des Staats- und Großen-Rathö und des ganzen Volks sind zu fromme Christen um je einen räudigen Hirten in den unbefleckten Schaasstall eindrin- genzn lassen. Hier dürftet ihr den Bruno Bauerund die ganze Mente der Junghegelschen Atheisten ge- - trost von der Kette loöbinden : die hiesigen Heerden sind von zu guten Hirten bewacht, wohnen in zu festen Schaasställen, sind mit einer zu dichten Glan- benöwolle bedeckt, als daß sie die Zähne dieser kritischen Wölfe zu fürchten brauchten. Diese Schaafe sind ihres Glaubens und ihrer Zukunft so gewiß, daß sie die Kritik geradezu her- auöfodern, daß sie sich allen weltlichen Schutz verbitten, daß sie im christlichen Vertrauen auf die Dichtigkeit ihrer Glaubenswolle, die beengenden, die Mauern des Schaafstalls niedergerissen haben wollen. Der Differenzpunkt der Separatisten und der Nationalen liegt nämlich nicht sowohl im Geist, als vielmehr im Fleisch. Die Ersteren sind eifrige Anhänger der sogenannten Religionsfreiheit. Der Staat soll sich nicht ums Treiben der Frommen im Land kümmern; er soll sie ganz gewähren lassen, sie können auch ohne ihn fertig werden; — die Nationalkirche soll sich auflösen; die Geistlichen sollen von denen, die zu ihnen in die Kirche gehen, nicht aber aus der Steuerkasse gezahlt werden n. s. w. Die Separatisten, glauben, daß eine solche Maaßregel den Bestand ihrer respectiven Heerden vermehren werde — und in den Punkt trifft ihr Glaube gewiß mit der Wahrheit zusammen. Die meisten Waadtländer können, Gott lob! nicht eristiren ohne Singen und Beten; deßhalb, so kal- kaliren die Separatisten, würden sie sich nolens Polens unter eine der separatistischen Heerden flüchten müssen. Nun, daran wäre am Ende nichts gelegen. Vielleicht aber rechnen die Absonderlichen auch auf die äußerer: Güter der Kirche, auf die -hübsche St.-Peterökirche etwa und andere Häuser des Herrn. Um die wäre-es aber denn doch Schade. Die Kommunisten wenigstens halten es für vernünftiger, diese Gebäude in große Speisehallen und Versammlungshäuser zu verwandeln. (Fortsetzung folgt.) Die Lage Englands. (Fortsetzung.) Aber auch der unbestimmte christliche Staat geht schon seinem Verfall entgegen, ehe er durch die Gesetzgebung zur offiziellen Anerkennung gekommen ist. Die Apostasie-Akte ist, wie gesagt, absolut; das Gebot des Kirchenbesuchö ist ebenfalls ziemlich veraltet, und seine Durchführung nur Ausnahme; das Blasphemie-Gesetz sängt — Dank der Furchtlosigkeit der englischen Soeialisten und besonders Richard Carlile's — ebenfalls an zu veralten, und wird nur hier und da in besonders bigotten Lokalitäten, z. B. Edinburgh, in Anwendung gebracht, und selbst eine Verweigerung des Eides wird, wo es eben angeht, vermieden. Die christliche Parthei ist so schwach geworden, daß sie selbst einsieht, eine strenge Handhabung dieser Gesetze werde in kurzer Zeit ihre Aufhebung nach sich ziehen, und bleibt daher lieber ruhig, damit das Damoklesschwert der christlichen Gesetzgebung wenigstens über dem Haupt der Ungläubigen schweben bleibe und vielleicht als Drohung und Abschreckung fortwirke. Außer den bis jetzt beurtheilten positiven politischen Institutionen sind noch einige andere Dinge in den Bereich der Verfassung zu ziehen. Von den Rechten des Bürgers ist bis jetzt kaum die Rede gewesen; innerhalb der eigentlichen Konstitution hat das Individuum keine Rechte in England. Diese Rechte eristiren entweder durch den Gebrauch oder die Kraft einzelner Statute, die mit der Konstitution in keinem Zusammenhang stehen. Wir werden sehen, wie diese sonderbare Trennung entstanden ist, und gehen für den Augenblick zur Kritik dieser Rechte über. Das erste ist das Recht, das Zeder seine Meinung ungehindert und ohne vorherige Genehmigung derRegierung veröffentlichen darf—die Preßfreiheit. Es ist im Ganzen genommen richtig, daß nirgend eine ausgedehntere Preßfreiheit herrscht, wie in England; und doch ist diese Freiheit hier noch sehr beschränkt. Das Libellgesctz, das Hoch- verrathsgesetz und das Blasphemiegesetz lasten schwer auf der Presse, und wenn Preßversolgungen selten sind, so liegt das nicht am Gesetz,sondern an der Furcht der Negierung vor der unausbleiblichen Unpopularität, die die Folge von Schritten gegen die Presse sein würde. Die englischen Zeitungen aller Partheien begehen täglich Preß- vergehen, sowohl gegen die Regierung wie gegen Einzelne, aber man läßt sie alle ruhig passiren, wartet bis man im Stande ist, einen politischen Prozeß anzufangen, und nimmt dann bei der Gelegenheit die Presse mit. So istö mit den Chartisten 1842, so neulich mit den irischen Repealern gegangen. Die englische Preßfreiheit lebt seit hundert Jahren eben sowohl von der Gnade, wie die preußische Preßfreiheit von 1842 that. Das zweite „angeborne Recht" (dirtüri^llt) des Engländers, ist das Recht der Volksversammlung, ein Recht, das bis jetzt kein anderes Volk in Europa genießt. Dies Recht, obwohl uralt, ist später in einem Statut als „das Recht des Volks, sich zu versammeln, um seine Beschwerden zu diskutiren und die Legislatur um Abhülfe derselben zu peti- tionniren," ausgesprochen worden. Hierin liegtschon eine Beschränkung. Wenn keine Petition das Resultat eines Meetings ist, so bekommt dies dadurch wo nicht geradezu ungesetzlichen, doch sehr zweideutigen Charakter. In O'Connells Prozeß wurde es von der Krone besonders hervorgehoben, daß die Meetings, die als ungesetzlich geschildert wurden, nickt zur Berathung von Petitionen berufen waren. Die Hanptbeschränkung ist aber die polizeiliche ; die Central- oder Lokalregierung kann jedes Meeting vorher verbieten oder unterbrechen und auflösen, und dies hat sie nicht nur bei Clontarf, sondern in England selbst bei chartistischen und so- cialistischen Meetings oft genug gethan. Das aber gilt nicht für einen Angriff ans die angebornen Rechte der Engländer, weil die Chartisten und Soeialisten arme Teufel und also rechtlos sind; danach kräht kein Hahn, außer dem Norttiern-Ltar und der ^ew-Uoral-Morlä, und daher erfährt man davon auf dem Continent nichts. Fernerdas Assoeiatlonsrecht. Alle Associationen, die gesetzliche Zwecke mit gesetzlichen Mitteln verfolgen, sind erlaubt; sie dürfen aber nur jedesmal eine große Gesellschaft bilden, und keine Zweigassociationen einschließen. Die Bildung von Gesellschaften, die sich in lokale Zweige mit besonderer Organisation theilen, ist nur zu wohlthätigen, überhaupt pecuniären Zwecken erlaubt, und darf nur ans ein Certificat eines dazu ernannten Beamten hier begonnen werden. Die Soeialisten erlangten ein solcljes Certificat für ihre Association, indem sie einen derartigen Zweck angaben; den Chartisten wurde es verweigert, obwohl sie die Constitution der socialistischen Gesellschaft wörtlich in der ihrigen copirten. Sie sind jetzt gezwungen, das Gesetz zu umgehen, und dadurch in die Lage versetzt, daß ein einziger Schreibfehler eines einzigen Mitgliedes der chartistischen Association die ganze Gesellschaft in die Fallstricke des Gesetzes verwickeln kann. Aber auch abgesehen davon, ist das Associationsrecht in seiner vollen Altsdehnung ein Vorrecht der Reichen; zu einer Association gehört vor allem Geld, und es ist der reichen Korn- gesetz-Ligue leichter Hunderttausende aufzubringen, als der armen chartistischen Gesellschaft oder der Union brittischer Bergleute, die bloßen Kosten der Association zn bestreiten. Und eine Association, d.'e keine Fonds zur Verfügung hat, will wenig bedeuten und kann keine Agitation machen. (Fortsetzung folgt.) Berliner Eckensteher über die Industrie- Ausstellung. Nerecke: „Ludge, was is für Dich dat Anziehendste auf de Industrieausstellung?" ,,Jch globe dat kleene Locomotivgen wird dat Anziehendste sind." Nereke: ,.Es ist schön von Dich, daß Du deine Jemahlin mit in de Ausstellung gebracht hast." Ludge: ,,Nun ick thu dat nur, weil ick sehr viele an meiner Alten auszustellen finde. ^ Fichte über die französische Revolution. Das tbätige,,literarische Comptoir" in Zürich und Winterthur bat die politische Lesewelt mit der Wiederauflage eines älteren Werkes erfreut, das bei seinem Erscheinen das größte Aufsehen machte, aus der Feder eines der größten deutschen Denker floß, und seitdem gänzlich vergriffen, nur noch in einzelnen wenig zugänglichen Exemplaren in einigen öffentlichen und Privatbibliotkeken vorbanden ist. Es ist dies : I. G. Fichte' ö Beitrag zur Berichtung der Urtheile des Publikums über die französische Revolution. Zur Beurtheilung ihrer Nechtmäßigkeit. Neuer Abdruck der 1793 ohne Namen und Druckort erschienenen Ausgabe. Wir machen unsere Leser auf dieses interessante Werk aufmerksam, welches trotz dem, daß es vor 61 Jahren erschienen, noch immer jugendfrisch und lebendig dasteht. In demselben Verlage ist erschienen : Or la. Dramatisches Gedicht. Es behandelt die Catastrophe des Frankfurter Attentats im Jahre 1833 und ist voll wirksamer cffectvoller Scenen. Deutsche Wirthschaft, gehalten von L. S. Euiisser. Am Montag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag mrrsikalifche Abendunterhaltung. Ruo cle I'^rdre-Leo, 46. Nedactcur: Heinrich Vvrnstcin. Druck mit Schncllvreffcn von Paul Renouard. Paris, 1844 Nr 8i. Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... IS „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . 18 „ Drei Monate. . . . S Insertionen: die Zeile» 50 Centimes. » * Man abonnirt: für Paris:' im Nuresu ventral xour I'4^lLN»SAne, rue des ^loulirrs, Zs, in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-York. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Mittwoch.) Pariser Deutsche Zeitschrift. (9. Oktober.) Deutsche Pracht und deutsche Nottz. Während unablässig die Millionen des Staatshaushalts für Kirchen aller möglicher Konfessionen, für Kunstsammlungen und für die Feste des Hofprunkes vergeudet werden, damit Preußen doch ja sagen könne: ,,Jch gehorche einem frommen, feingebildeten und reichen Herrn!" — hungern sich die Schlesischen Arbeiter nach wie vor zu Tode. Was schadet das denn eigentlich? Steht nicht im Neuen Testament, welches die gottergebenen Minister alle Tage einmal mindestens zur Hand nehmen, mit sonnenklaren Worten der berühmte und berüchtigte Ausspruch Jesu zu lesen : ,,Jch werde nicht stets unter Euch weilen, aber die Armuth werdet Ihr immer behalten in Eurer Mittel Allerdings ist an diesem Verse und überhaupt an allen sonstigen Bibelsprüchen gar nichts zu deuteln und auszulegen. Blind ist -er, welcher nicht sieht daß obiger Sah, als Regel aufgestellt, aller socialen Verbesserung entgegen arbeitet. Wenn Christus sagt: ,,Die Armuth ist unausrottbar," so ist sie's wirklich, und jeder Versuch das Elend zu mildern, ist unchristlich; denn im künftigen Leben nach dem Tode wird ja doch Alles unnütz was hier geschehen ist; also nur dies Leben im Jammerthal zu Ende gehaspelt, der eine in Noch, der andere in Pracht und Lust, das ist Alles Eins: drüben geht das wahre Leben erst los. — Der Allerärmste, predigt man weiter, kann ein Tugendheld sein, der Reichste ein Bösewicht; daher brauche Niemand sich der unverschuldet gekommnen Armuth zu schämen; auch sei ein größer Glück schon hienieden der Seele eines braven Armen beschieden, als derjenigen eines lasterhaften Reichen. Aus diesen und sonstigen Gründen pflegt daher in Bibeln, Schulbüchern, Volksschriften, Jahrmarktblättchen u. s. w. die Armuth als gar nicht übel, ja als oft wünschenswerth gepriesen zu werden. Allerdings nimmt sich das Ding in der Wirklichkeit nicht so lieblich aus. Herr Alexander Schneer, in seiner Schrift über die Weber, berichtet: „Nicht volle acht Tage vor Ausbruch der Unruhen war ich in jenen Orten (Langenbielau, Petcrswalde u. s. w.). Im letzten Winter hat man von wirklicher -Hungersnot- unter diesen Armen sprechen können. So sagte mir der 6? Jahr alte Weber Anton Berner zu Schöneberg, mit Frcudethränen in den Augen: ,,Er habe bei mangelnder Arbeit doch das Glück gehabt, daß in feiner Nähe zwei Pferde gefallen, und mit diesem Aase hat er sich, seine Frau und seine drei Kinder eine Weile ernährt." Diese Thatsache haben die mich begleitenden Bürgermeister und Kaufleute bestätigt. — Sehr oft verschlingen die Weber die ekelhafte Schlichte oder sauergekochtes Stärkemehl, das sie zum Handwerk nöthig haben. — Im Landshuter Kreise trugen die achtjährigen Kinder im Zimmer keine Kleider, ja nicht einmal Lumpen." — Zwei Franken wöchentlich ist dort ein hoher Arbeitslohn. Die Arbeiter- Familie Frömmelt besteht aus dem Elternpaar und neun, sage neun Kindern, deren zwei stets bettlägerig wegen Knochenleiden und verdorbener Säfte; das Haus ist in Trümmern, ohne Dach; eine Kammer ist noch bewohnbar, sie dient als Küche und als Aufenthalt dieser elf Menschengeschöpfe; drei Sous täglich verdient die Mutter, und an vier Franken wöchentlich der Vater; davon muß er der Standsherrschaft nicht minder als fünfzehn Franken jährlich entrichten, bei vier Franken Ortssteuern, und außerdem hat er das Vergnügen die Zinsen eines 133 Franken betragenden Capitals, welches man ihm einst geliehen, abzuzablen. Daß dieses Armuth zu nennen, läugnet Keiner, auch nicht der verstockteste Spießbürger und der überspannteste Pietist. Wenn nun Jemand sein kümmerliches Auskommen, wie man zu sagen pflegt, hat, und so eben mit knapper Noth durchkommt, so heißt er diesen Herrn noch ein Armer, und flugs sind die schönen Seelen bereit, durch mildthätige Gaben oder Einpferchung in Arbeitshäuser dem Elende abhelfen zu wollen; zwei Mittel, von denen das erste eine Lächerlichkeit, das zweite eine Tyrannei, alle beide ganz unmöglich auf die Dauer und nicht überall anwendbar sind. Übrigens ist cs den Leuten auch gar nicht um die völlige Ausrottung des Pauperismus, des Armenthums, zu thun, so lange sie noch an den Spruch halten, den wir oben anführten. Wozu sich den Kopf zerbrechen, wenn sie doch wissen, daß die Armuth ewig bestehen wird! Oder zweifelt Ihr daran? Ei, mit Eurer Erlaubniß: so seid Ihr keine Christen, keine Gläubige mehr, und als solche, die sich von der Vormundschaft des Glaubens frei gemacht haben, müßt Ihr die Armuth für vertilgbar ansehen. Thut Ihr jedoch das, so dürft Ihr keine Stunde, keine Minute bei Tag und bei Nacht versäumen, und ohne Unterlaß über die Ursachen und die endliche Vernichtung des socialen Elends nachforschen. Statt dessen, was thut Ihr ? Was bringt Ihr heraus? Ihr macht die tiefsinnige Entdeckung: daß die Einführung des sächsischen Rädchens das alte schlesische verdrängt und die Verfertigung der Leinwand zwar schneller, doch von unsichrer Güte, gemacht habe. Durch diese Verschlechterung der Waare sei der Preis gesunken und hiemit zugleich der Tagelohn. Wahrhaftig, Ihr solltet jetzt, Ihr großen Weisen, frisch heraus mit der Schlußfolgerung : ,,Das sociale Elend zu Feuilleton des vorwärts. Gott und Mensch. Will sich für die einige Drei Niemand mehr so recht begeistern; Selbst die absolute Philosophei Konnte sie nicht zusammenkleiftern. So erfasse ich dich, du ewige Eins, Schaffend über Welten schwebender, Lebendes tödtender, Todtes belebender, Körperloser Gedanke des Seins. Körperloser Gedanke? Materie und Kraft Sind eins. Drum ist der Gott, der schafft, Nur in dem, was ist. Aus aller Noch Sag' ich: Gott ist die Welt, die Welt ist Gott. Könnt ich so den Gott verwandeln Nach Belieben, ei! so sprich, Wer erscheinet da im Handeln? War's der Herrgott oder ich? Das Wunder des ungenutzten Nocks zu Trier. O! wie viel Worte ob des Plunders! Ihr steht und sinnt, denkgläubige Christen: Wie das geschehn, wenn wir das wüßten! Und wundert höchlich euch des Wunders. Die Gnäd'ge, die den Nock gehoben, Die Lahme ist sogleich geheilet; Und alles Volk zum Tempel eilet, Und brüllet: Dich, Herr Gott, wir loben. Ich fühlte öfters mich gesunden Wenn ich ein Röcklein durfte heben; Doch in dem neuen frischen Leben Hab ich ein Wunder nie gefunden. G. W. Der fromme Herr Pastor. Der ,,MissvuriDemokrat" vom 17. August meldet folgendes aus Boston: Wir geben nachstehend einen Auszug der Aussagen des Mädchens Rhoda Davidson, welches von dem säubern Ehrwürden Pastor Fairchild in Boston verführt und vor ein Gericht der Geistlichkeit seiner Kirche als Klägerin gestellt wurde: „Ich kam in des Herrn Predigers Haus im Jahre 1840 und wurde von ihm sehr gut behandelt. Eines Morgens rief er mich in sein Studirzimmer und verlangte Rechenschaft von mir über meinen religiösen Glauben u. s. w. Ich entsprach seinem Verlangen und er sagte mir, ich sei ein gutes Mädchen und er sei sehr erfreut, mich bei sich zu haben. Es werde mir auffallend Vorkommen, daß er mich so gut behandle; der Grund dafür sei, weil ich einer Frau ähnlich sähe, die er sehr geliebt habe, die aber gestorben sei. Der Herr Pastor erklärte mir die feurigste Liebe und ich sollte mich nicht darüber verwundern, obgleich er schon verheirathet sei. Damals saß ich auf dem Ruhebette; er kam zu mir, legte seinen Arm um meinen Nacken, küßte mich und wiederholte diese Redensarten. Zugleich bat er mich, gegen Niemanden etwas zu äußern, da es ihn sonst ins Verderben stürzen würde. Ich setzte großes Vertrauen in den Herrn Pastor und schwieg. Bald darauf ging ich zu Bette und war nicht lange darin, als er zu mir kam und mich über den Leichtsinn ausschalt, mit welchem ich mein Fenster offen gelassen hätte. Hierauf legte er sich auf mein Bett und sagte, er wolle mir nichts zu leide thun. Dann citirte cremige Bibelstellen; Gott habe ihm Zuneigung zu mir eingeflößt, folglich sei diese Zuneigung keine Sünde, weil sie von Gott komme, und es würde bloß unnatürlich sein, gegen den Willen Gottes zu handeln. Ich wäre verpflichtet, in Alles einzuwilligen, was recht sei vor dem Angesichte Gottes.Dabei führteer David undSalomon an und sagte, David habe mehr als ein Weib gehabt, worauf er fragte, ob ich nicht glaube, daß er ein rechtschaffener Mann gewesen sei. Ich entgegnete mit der ^rage, ob Gottnicht gesagt habe, daß der Mann nur in.- heben, ist nur Wiederbenutzung des schlesischen Rädchens von nöthen; und ist erst das arge sächsische Ding verbannt, dann kommt der Rest von selber; Amen." — Ihr staunt vor Eurem eigenen Genie, Ihr Herren. Und doch laufen Eure Vorschläge auf dies Mittel heraus, auch wenn Ihr für gut befindet, es nicht gradezu zu sagen. LZ Ihr meint, die Erfahrung beweise, wie die solidesten Handelshäuser Schlesiens gerade die seien, welche nur mit den auf alte, sichere, wenn gleich langsame Manier verfertigten Linnen handelten, und daß die Fabrikanten dieser Häuser höher« Lohn auszahlten. — Das ist, wenn nicht sehr glaublich, doch möglich. Aber es spricht nicht für, nicht gegen Euch, weil es ja ein ganz einzelner Fall ist. Wenn ein Kaufmann aber mit guter Waare von dem Konkurrenten mit schlechter überholtundvernichtet wird : so ist das eine Thatsache, die etwas bedeutet. Wenn ferner eine Menge schlechter oder guter Qualitäten, die wir als gleich setzen wollen, konkurriren, und diejenige siegt, die dem reichsten dieser Kapitalisten gehört: so liegt dieser Erscheinung, die alle Tage zutrifft, auch ein tieferer Grund unter. Aber seht, die Konkurrenz, diese fratzenhafte Freiheit in Handel und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft, diese elende Karrikatur der menschlich-geselligen Thätigkeit, die zu tadeln, fällt Euch nicht ein. Ihr fragt immer: ,,Woher soll denn der Antrieb zum Arbeiten kommen, wenn kein Wetteifer mehr vorhanden ist?" — Nun aber sind in dieser Frage zwei Sätze und in jedem steckt derselbe Gedankenfehler. Die Menschen brauchen keineswegs aus der Sucht, sich einer vor dem andern hervorzuthun, und um ein angenehmer Dasein als der Mitbruder zu führen; sie brauchen durchaus nicht aus diesem menschenfeindlichen, egoistischen Wetteifer zu arbeiten. In einer vernünftigen Gesellschaft rühren sich die Einzelnen aus dem einfachen, absoluten, das heißt, auf sich selbst beruhenden und sich selbst genügenden Triebe -er Lebensthätigkeit; dies aber vollkommen zu vollbringen, gelingt heute Keinem, weil Jeder den Andern zu Hindern strebt. Wie? ruft Ihr aus, sind denn heute alle Leute Betrüger und Räuber? Ja wohl, sie sind betrogene Betrüger, gezwungene Wegelagerer; allesammt beugen sie sich unter das fürchterliche Joch des Geldes, dieses eingebildeten Werthes aller Bedürfnisse und aller Befriedigungen, dieses Abstractums vom Werthe der Dinge. Die Sache ist es, die als Privatbesitz, das heißt als Eigenthum oder Eigennutz, über den Menschen herrscht und es dahin gebracht hat, daß die Welt auf dem Kopfe steht; kein Wunder wenn sie verrückt geworden ist. Wir sind nichts als erbärmliche Knechte, unsre reichen Mitbrüder sind nicht weniger unterwürfige Diener des Mammon als die ärmsten. Seht um Euch her, und Ihr werdet Be- ege genug finden. Frau haben solle; er antwortete: Nein, Gott hat dasnicht geboten, sondern der Apostel Paulus. Endlich war ich gezwungen seinen Absichten zu entsprechen, oder ich hätte schreien müssen, was ich nicht thun wollte, da ich fürchtete, es möchte ihn und seine Familie verderben. So erreichte er seine Absichten." Hoffentlich wird nun der Ehrwürdige Herr Pastor auch vor die gesetzlichen Behörden gezogen werden, wohin die Sache eigentlich von vorn herein gehört hätte. Hamburg, 23 . September. Heinrich Heine's neueste Gedichte liegen bei seinem Verleger (Hoffmann und Campe) zur Versendung bereit. Sie werden große Sensation und heftige Angriffe auf den Dichter erregen. Eigentliche politische Lieder schreibt Heine auch in diesem Bande nicht*), sondern läßt in seiner Muse das erotische Element vorwalten; er geißelt Freund und Feind, Hoch und Niedrig, schneidet in eigenes wie in fremdes Fleisch, und bleibt der ,,ungezogene Liebling der Grazien," der deutsche Aristophanes. Es muß auch solche Dichter geben; sie sind ein treffliches Ferment in dem großen Geisterbottich, und verhindern die allgemeine Essiggährung. Heine *) Nicht? Der Herr Einsender scheint das wunderschöne Wintcrmahrchcn „Deutschland" nicht gelesen zu haben; kräftiger, geistreicher, lebendiger war Heine noch nie; — unpolitisch werden Manche die Lieder finden, aber ächt politisch gewiß nicht. D. R. Es gibt ein seiner Zeit viel gesungenes Lied von Professor Arndt zu Bonn, dem bekannten Franzosenfresser und Deutschthümler, welches er „Lebenslied" überschrieben (wenn ich nicht irre), worin es heißt: Thu' das Deine, thu' es frisch, Steh' und falle mit eignem Kopfe Besser stolz am irdnen Topfe Als demüthig am goldnen Tisch. Diese Zeilen sprechende gäng und gäbe Lebensansicht aus, welche der Genügsamkeit das höchste Lob ertheilt. Um also stolz sein zu können, sollen alle Leute arm werden. Wir wird es dann mit den Künsten und Wissenschaften aussehen ? Um glücklich zu sein soll der Mensch das Gold, das unschuldige, schöne Mineral von sich weisen und aus irdnem Geschirr sich sättigen? Diesen Zwang also wollt Ihr der Menschheit auferlegen? Ei, so bleibt doch lieber in dem jetzigen Verwirrungszustande, in dem Ihr Abwechselung habt. Aber der Dichter sagt: „mit eigenem Kopfe müsse man sich auf'S Leben schlagen," und das ist der Grundirrthum, aus dem Ihr alle Euch noch nicht emporarbeiten konntet. Nicht mit eigenem Sinne, nicht mit sich 'abschließendem Eigensinne, sondern mit vereinten Kräften sollen die Menschen wirken und schaffen; dann würden sie bald weder auf irdne, noch auf goldne Töpfe zu achten haben, und nicht an diese Sache, an dies Eigenthum, an diese Äußerlichkeiten ihr Wohl und Wehe gebunden sehen. Ihr dreht Euch beständig im Kreise, wie solltet Ihr nicht schwindlich und selbst Schwindler werden? Aber einmal den Zauberkreis durchbrochen — und der Mensch wird sein eigenes Wesen, allerdings nicht sein persönlich launisches Belieben, aber das allgemeine wahre Wesen der Menschheit gefunden haben. In dessen Mitte wird er sich naturgemäß entfalten. Mit den unglücklichen Schlesiern werdet Ihr, weise Nationalökonomen und väterliche Regenten, unstreitig eine lange Reihe von Operationen aller Arten vornehmen. Die erste, nothwendigste, leichteste und auch Euer würdigste, habt Ihr schon vollzogen: Eure Gerechtigkeit hat Einige bis zu sechs Jahren Festung verdammt, und den einzigen Mann, der vorher durch Schriften den Blinden die Augen öffnen wollte, Herrn Pelz, in einstweiligen Verdachts-Arrest geworfen. Nachdem Ihr diese großen, wahrhaft erhabenen Werke beendigt, werdet Ihr gewiß ebenso umsichtig und eben so kräftig die Quellen des Elends verstopfen. Ihr werdet wahrscheinlich milde Stiftungen in Masse anlegen. Als wenn die Menschen sich nicht schon dadurch entmenschten, daß sie die Nothwendigkeit des Almosens anerkennen! Ihr menschliche Unmenschen! — Arbeitshäuser, besser echt christliche Sklavenhäuser, werden Euch auch willkommen scheinen. Ihr habt ja Englands glorführte während seines Hierseins ein eingezogenes, stilles Leben, das seiner Persönlichkeit am Meisten zusagt. Abends sieht man ihn zu Zeiten im Theater, oder, trotz des Tabakdampfes, in der Alsterhalle, in Gesellschaft seines Verlegers und einiger Freunde. Seine Unterhaltung ist belebt, und an ihr besonders merkt man, daß Heine gute Gesellschaft in Paris frequentirte. Er trägt die Kosten der Unterhaltung nie über die schicklichen Grenzen hinaus, läßt gern Andere zu Worte kommen, und gehtauf den Jdeengang derselben ein. Von den Franzosen hat er die Tugenden des geselligen Lebens angenommen, dabei aber einen deutschen Zug von Gemütlichkeit nicht einge- büßt; nur dann und wann wirft er eine Bemerkung mitten in das Gespräch, an der man merkt, daß der Schalk Ohr und Zunge immer gespitzt hält. (N. K.) Wie man Arme zu behandeln hat. Das bekannte satyrische englische Journal „Punch" gibt Menschenfreunden und Armenpflegern — wie sie nicht sein sollten — ironisch folgende Verhaltungsregeln bei den Besuchen, die sie ihren Pflegebefohlenen abzustatten kommen. „Wenn Ihr bei einem Armen eingctreten seid, so thut, als wäret Ihr in Euerm eigenen Hause, und setzt Euch, ohne Euch erst dazu auffordern zu lassen; behaltet auch hübsch den Hut auf dem Kopfe. Den Mann redet Ihr mit einem „mein guter Freund!" die Frau reiches Beispiel vor Augen; Euer Fürst ist ja mit Quäkern und dem Erzbischöfe gut Freund. Ihr werdet,,höher« Orts" einen Tagelohn kom- mandiren und dem Fabrikherrn drohen, der selbigen Herabdrücken möchte. Ihr werdet auch wohl einige tausend Ellen Leinwand bestellen, um die Arbeitslosen zu beschäftigen. Vor Allem vergeßt aber nicht die beiden Heere abzusthicken: das in den schwarzen langen, und das in den blauen kurzen Röcken; Bibel und pietistische Tractätlein, Kanonen und Polizei sind treffliche Mittel, die Ihr ja schon oft gebraucht habt. Seid übrigens so klug, das rathe ich Euch als Freund, die Konkurrenz nicht zu stören. Im System des Privateigenthums, das ist unter der Weltherrschaft des Eigennutzes und des Eignen Kopfes, ist die Konkurrenz die einzige Weise wie sich die menschliche Thatkrakt äußern kann. Rüttelt Ihr Euch daran — nun so sehet selber zu was Ihr Euch anrichtet. Wenn Ihr aber die Konkurrenz gewähren lasset, so seid versichert, daß Euer Treiben mit schnellen Schritten seinem Ende naht. Ist es auch kein Ende mit Schrecken, so ist es doch hoffentlich das des Schreckens. Nachtrag. — Die „Preuß. Allg. Zeitung" verkündet so eben die gewichtigen Nachrichten : 1) Se. Majestät hätten in Schlesiens Kirchen die Posaunen blasen lassen und befunden, daß dies Instrument sich vorzüglich zur Kirchenmusik eigene. Das ist also wieder ein neues Mittel zur Tilgung des Elends. 2) Der Domcandidat Strauß würde von Sr. Majestät nach dem heiligen Grabe geschickt. Der junge Herr, der Sohn des leider nur zu bekannten Hofpredigers, vergnügt sich also auf einer Reise nach Jerusalem. Dazu ist Geld in der Kasse. Ihr dummen Weber, zahlt doch Euren letzten Silbergrvschen, damit noch einige fromme junge Herrn nach Jerusalem pilgern können! zahlt! zahlt! Deutsche Adelsfreiheit im Jahr 1844. Vor kurzem spazierte der junge Graf von Leiningen aus Mainz an das bei Kassel gelegene Zollhaus der Nheinbrücke, und, die aristokratische Nase hochtragend, geruhte er mit barschem Tone der Zöllnerfrau anzukündigen, er sei ein Graf und werde deshalb kein Überfahrgeld zahlen. Als die Frau ihn nicht weiter ließ, hieb er mit seinem Stocke nach ihr und rannte auf den Eisenbahnhof zur Fahrt nach Wiesbaden, um dort seine Goldbörse auf den grünen Tisch zu werfen. Statt den Missethäter polizeilich zu ar- retiren oder wenigstens Volksgericht an ihm zu vollziehen, ließen die Anwesenden ihn ruhig abfahren. All- mit,,gute Frau!" an; doch kann das guter und die gute auch allenfalls wegbleiben. Wenn Ihr Platz genommen habt, so erkundigt Euch auf's Genaueste nach allen ökonomischen Dingen, z. B. ob man den Zucker mit sechs oder sieben Pence bezahle, vonRauch- oder Schnupftaback Gebrauch mache, oder zu Zeiten gar Bier oder Branntwein trinke. In einem und dem andern Falle ist den Leuten ein tüchtiger Text zu lesen. Erkundigt Euch ferner, wann sie aufstehen, wann sie zu Bette gehen, und zu welchen Stunden sie frühstücken, zu Mittag und Abend essen, laßt Euch alle Kisten und Kasten, alle Pfannen und Töpfe zeigen, und sparet Eure Bemerkungen nicht, wenn Ihr irgend etwas auszusetzen findet. Ist Alles, was Ihr gesagt und gefragt habt, mit schuldiger Demuth angenommen und beantwortet worden, dann weiset den Dürftigen eine Unterstützung — von sechsHell ern an." Caf6 Tschech. Aus der Schweiz, Anfang Oktober. Vielleicht in- teressirt es den König Friedrich Wilgelm lV., daß die Bernerein neues Kaffeehaus: ,,Caf« Tschech" getauft haben. Versteht sich von selbst, daß dies in Berücksichtigung des gräulichen berliner Attentats geschehen ist, aus Sorge, aus Liebe, aus republikanischer Anhänglichkeit an den Fürsten von Neufchatel, aus den urpreußlschsten Trieben. Das muß einem königl. Herzen wohl thun, so ein ehrlich gemeintes Aushängeschild! Gedruckt bei Paul Rcneuard, ,ue «arülici»-?, , ». 5. 3 mählig fingen diese deutschen Schnecken und Schlafmü- Hen indessen an, über den Vorfall Betrachtungen anzustellen und entdeckten endlich, zumal die Frau und ihr Mann ihnen ernst zuredeten, daß dem Grafen, wenn er heimkehre, wohl was weniges aufzupassen nicht ganz unzweckmäßig fein dürfte. Der deutsche Michel, der doch schon manchen lieben Schlag von Zepter, Hirtenstab und Reitpeitsche erhalten und das Ding gewohnt sein mußte, entschloß sich zu der Kühnheit, die Ankunft des Dampfwagens abzuwarten. Die Arrestation ward natürlich verhindert, und zwar durch Dazwischenkunft eines angesehenen (merkt Ihr, Leser?) Garnisons-Offiziers. Die Sache ist zur gerichtlichen Anzeige gebracht und die guten Mainzer find so rührend unbefangen, daß sie sogar schreiben: sie wären auf die Entscheidung des Gerichts sehr gespannt. Als wenn adlige Niedertracht nicht eben solche Niedertracht ist wie eine Nichtadlige. O du schläfriges constitutionnell-un freies Rheinland, wann wirst du aufwachen? Der deutsche Adel, der ja durch Gemeinheit und Rohheit stets den französischen übertraf, hat noch nicht ein Jährchen, wie 1793 in Frankreich war, durchgemacht. Er scheint indeß daheim so etwas zu wittern. Nicht nur, daß er Leute auf der Treppe niederschießt, wie 1826, i l. Oktober, die preußischen Offiziere von Lobenthal und von Poppe, die nachher höhern Rang bekamen, mit dem Handlungsreisenden Herrn Weissert zu Luxemburg tha- ten; mit einem jungen Manne, der nichts Schlimmeres gethan, als daß er eine Prügelei dieser Königshelden zufällig mitangesehen und erzählt hat. Nicht nur daß erschießt, schlägt, flucht, schimpft um einzuschüchtern, er setzt sich auch hin und schreibt Bücher in Prosa und Versen zum Lobe des Adels; er beweist aus Philosophie und Vergangenheit, daß ein Adel nöthig sei. Aber was thut ein Kapitän in B. in Nhcinpreußen? Der stellt sich beim Appell hin und predigt seiner Kompagnie Haß gegen die Kommunisten und Atheisten, die er Auswurf der Menschheit, Sünder, Tagediebe, Faullenzer nennt. Der große Redner donnert jedesmal, wenn er schlecht geschlafen hat, gegen den freiwilligen Soldaten der auch als freisinnig bekannt ist. Er hat sogar, als dieser in Haft saß, allen Kameraden gera- then, mit selbigem den Verkehr abzubrechen (wie echt adlig!). Um das Ganze zu krönen, beorderte er neulich seine Kompagnie, die zum Manöver ausrückte, nichts anders auf die Anfrage nach jenen bösen Dingen zu antworten, als: ,,der Kommunismus und Atheismus sind verruchte Teufeleien!" Herr Kapitän! ich gratulire Ihnen für Ihr sinniges Verfahren; nurso sor t, n o ch ein weniges den Kommunismus verleumdet: jedes Schimpfwort gegen ihn macht hundert Neugierige und fünfzig Anhänger. Der Czar. (Schluß.) In Deutschland verwendet man vorzugsweise deutsche Spione, weil die russischen Namen immer ein: Nehmt Euch in Acht! mit sich bringen. — Da ist der alte Sünder Staatsrath Faber, der sich am Rhein und in der Schweiz umtreibt, da ist ein sicherer Grimm in Preußen, da ist ein Baron Schweizer in Würtemberg. 3u einem meiner Bekannten — es war in Frankfurt — kam kürzlich ein solcher Seelenverkäufer, obwohl er ihn nur eben von der Straße kannte. Der Besuchende richtete erst irgend einen schönen Gruß aus, dann fing er an, von dem literarischen Einflüsse des Anderen zu sprechen und ließ das Gespräch nachlässig in die Politik übergleiten. Hier rühmte er Deutschlands Gerechtigkeitslicbe, seinen nationalen Aufschwung im Kölner Dombau u. s. w., fing dann an, von russischer Bewunderung für deutsche Cul- tur zu sprechen, begegnete den Einwürfen über Rußlands Despotismus mit der Betheurung, daß der Kaiser mit Schmerzen dieses System anwenden müsse, um des trotzigen Adels Herr zu werden und langsame, weise Verbesserungen, zu denen sich die russische Indolenz nicht freiwillig bequeme, mit Gewalt durchzusetzen; daß der Kaiser nichts sehnlicher wünsche, als seine Völker durch Gesittung, statt durch Strenge zu binden. Überhaupt verkenne man Rußland; der Haß gegen dasselbe werde künstlich genährt und der Argwohn bestätigt durch niederträchtige Skribler, die sich zu Lerrheidigern der russischen Negierung aufwürfen. Die sicherste Widerlegung sei die mit Ziffern und im Interesse der Wahrheit und zweier so benachbarter Nationen würde er, der Besucher, sich ein Vergnügen daraus machen, einem Manne von tüchtiger Gesinnung und strenger Wahrheitsliebe die erforderlichen Notizen zu liefern; freilich wäre es eine mühsame Arbeit, aber es würde ihm bei seinen Verbindungen wohl nicht schwer fallen, aus irgendeinem „wissenschaftlichen Fond" Rußlands ein Honorar von einigen tausend Gulden zu vermitteln. — So klopfte der Besucher an die Thüre eines reinen Gewissens; aber es antwortete kein Herein. Solcher Schufte treiben sich in Deutschland eine ziemliche Menge um, und die Regierungen, welche doch sonst gleich einen peftverdächtigen Menschen, einen mit der Klauseuche behafteten Ochsen einsperren, lassrn jene moralische Seuche „ungehindert verschleppen." Eben sott wieder ein Buch herausgekommen sein: „Österreich und Rußland," eine sehr vorsichtig verbesserte zweite Auflage der „Europäischen Pentarchie," worin Österreich unbarmherzig mitgenommen wird. Sie sehen, Rußland macht eine Diversion in das Innere Österreichs, um einzuschüchtern und freie Hand in den Fürftenthümern zu behalten. Und dabei läßt sich der alte eitle Metternich immerhin den Salomo der europäischen Diplomatie nennen! Österreich ist eine Ruine. Der nächste europäische Sturm wird sie zusammenwehen und Bausteine zu Bergung der noch obdachlosen Nationen liefern. Habsburg vergeht, Freiheit besteht. Österreich wird wohl schwerlich darauf antworten. Denn welchen Begriff die österreichische Negierung von Literatur hat, das machte mir wieder recht deutlich die von der österreichischen Prästdial-Gesandtschaft am Bundestag 1835 ausgeschriebene Steckbriefliste über politische Verbrecher und Verdächtige, die mir gestern in die Hände fiel: Börne und Heine sind darin ja als „Literatus" signalirt. Lite- ratus! ich bitte Sie. Corpvralis, Diplvmatus, Arifto- kratus, Alles zu dekliniren nach ovis und ssinus! Und solche Kanzlisten wollen Deutschlands geistige Bewegung verstehen und behandeln! Das Wahre über die Weberunruhen in Schlesien werden wir aus den Zeitungen nie ersehen. Der äußere Thac- beftand ist ein Ausbruch rein physischer Verzweiflung, Selbfthülfe des Hungers. Und doch lag eine Methode drin, ein Charakter, der mir Angst machen würde, säße ich auf einem von Deutschlands Fürstenstühlen. So viel ist gewiß: man hat es aufgegcben mechanisch die Hülfe von den Beamten zu erwarten. Der Hunger ist ein gewaltiger Agitator. Ich muß immer wiederholen : wir Deutsche schreiben siebenzehnhundert und einige achtzig. Ich schaue vergnügt in die Zukunft, ob ich schon mit der Gironde werde geköpft werden. Vermischtes. Aus Bayern. Die Stimmung bei uns in Bayern ist jetzt nicht die beste, alle Augenblicke hört man von Störung der Ruhe und nirgends traut sich die Regierung fest aufzutreten. Die Ercesse in Ingolstadt waren gar nicht unbedeutend und das Schlimme dabei ist, die Arbeiter, welche revoltirtcn, waren in ihrem vollsten Rechte, denn es ist schändlich gewesen, welche schlechte, verdorbene Nahrungsmittel man ihnen um theucre Preise und nicht einmal in hinlänglicher Quantität darbot. Dies geschah unter den Augen der Polizei und dennoch wurde, trotz der häufig wiederholten Klagen, nicht abgeholfen. Ungenießbares verdorbenes Fleisch wurde u. A. zu Würsten verbraucht und diese unter dem Namen „Schanzerwürste" an diese Leute, welche die schwerste Arbeit thun, verkauft. Da die Arbeiter vom Militär pünktlich bezahlt wurden und nur über den Bürger zu klagen hatten, so ließen sie, als sie die Straßen lärmend durchzogen und die Bäckerläden zerstörten, die anrückenden Soldaten hoch leben und wichen aus. Da aber das Lürgermilitär erschien, wurde es mit Pfeifen und Zischen empfangen. Die Bürger (d. h. die Bürgercavallerie), darüber entrüstet, verwundeten mehrere dieser Leute mit ihren Säbeln und wurden dann später öffentlich für ihre gute Haltung gelobt. „Den ersten Anlaß zum Ausbruch dieser Unruhen hatte ein an einem Arbeiter von einem Soldaten verübter Mord gegeben, doch bedurfte cs nur irgend eines Anstoßes, um die lang verhaltene Wuth dieser mißhandelten Menschen zum Ausbruch zu bringen." Auch aus München schreibt man uns, daß man dort beim Heranahen des Winters lebhafte Besorgnisse wegen des Ausbruches von Unruhen in den arbeitenden Klassen heizt. Schon jetzt steigen die Lebensmittel täglich im Preise; Bäcker, Fleischhauer und Bierbrauer sind in offenem Streite mit der Regierung, die herabgesetzte und fixe Preise für das Militär haben will, und alle drei Cor- porationen find wieder unter sich im Zwiespalt, weil die von ihnen erzeugten Lebensbedürfnisse unter einander im schreiendsten Mißverhältnisse der Preise stehen; so kostet die Maaß Bier fünf Kreuzer und das Laib Brot (früher acht Kreuzer) jetzt vierzehn Kreuzer, das Fleisch (früher acht Kr.) l'etzr ebenfalls vierzehn Kreuzer. Die Brauer haben bereits erklärt daß sie die Maaß Bier diesen Winter nicht unter sieben Kreuzer ausschenken können, was zu einer Wiederholung der letzten unruhigen Auftritte führen dürfte. So treten in ganz Deutschland immer mehr die materiellen Interessen und der Nothstand der arbeitenden Klassen in die erste Reihe, und das alte politische Flickwerk der Negierungen steht trost- und machtlos diesem kategorischen Imperative gegenüber und weiß sich nicht zu rächen noch zu helfen. Die deutschen Publiciften in und außer Deutschland haben ein neues, jedoch ganz ihrer würdiges Mittel gefunden, ihre Feinde zu bekämpfen. Sie machen dem Publikum glauben, diese seien zu ihnen übergegangen, und salben oder besudeln sie dann mit dem gewöhnlichen degoutanten Brei ein. So macht es heute auch ein Frankfurter Blatt. Es erzählt, der König von Stuttgart hätte gar nichts dagegen, wenn Herwegh sich in seinem Lande niederlassen wolle, und gibt zu verstehen, daß es wohl möglich sei, Herwegh bald als Pendant zu Dingelstedt im guten Schwabenland zu sehen. Es gehört zu solchen Erfindungen raffinirte Gemeinheit — selber gemein sein ist der Positiv; Andern fälschlich Gemeinheiten aufbürden, die man selber dann als solche angreift, ist der Com- parativ; — seine eigene Niedertracht aber apologostren und sie Ehrenmännern aufbürden, um diese zu brandmarken, das ist der Superlativ, die Gemeinheit in der Potenz! -Hannover, 23. Sept. Daß Hr. v. Schele die letzten Monate oder Wochen seines Lebens geistesabwesend war, haben die Zeitungen bereits gemeldet; wie man Hort, hat er sich eingebildet, es bestehe eine Verschwörung, um ihn katholisch zu machen. Lübeck, 22. Sept. Der Merkwürdigkeit halber erwähnen wir, daß in unserer Nähe, im Hcrzogthume Lauenburg, unter Christian's VIII. Negierung, noch im Jahr 1844 ein Stück aus dem barbarischen Mittelalter, die Tortur, zu Recht besteht; daß sie nicht mehr angewendet wird, sind wir überzeugt, aber sie darf doch angewendet werden. In andern Ländern, wo sie längst abgeschafft ist, hat sich meistens ein Rest davon erhalten. Oder ist cs kein Stück von Tortur, wenn man, wie jüngst ebenfalls in unserer Nähe, einen vermeintlichen Wildschützen durch 25 Stockschläge auf den Hintern zum Geständnis- zwingen will und ihn bei fernem Läugncn mit 50 bedroht, welche, wie man sagt, wirklich applicirt worden sein sollen? Möglich, daß man durch verdoppelte Prügelportionen endlich seine Absicht erreicht hat, allein es fragt sich noch, ob ein unter Angst und Schmerzen abgelegtes Bekenntnis; auch rechtsgültig ist? — Zu den vielen Vereinen, welche uns schon beglücken, sollen wir nun auch einen Verein gegen Thier quäl er ei bekommen. Die Ostseeblätter machen sich über den öffentlich ergangenen Aufruf für die in ihren Rechten gekränkten Geschöpfe lustig und fragen, ob ein Verein gegen Menschenquälerei in Lübeck nicht nöthiger sei? „Nehmt euch, heißt es, zuerst der in ihren Rechten gekränkten Menschen an, und sollte von euern christlichen Mitbürgern keiner eures Beistandes bedürfen, so wendet eure Blicke nach Moisling, wo eine Anzahl jüdischer Glaubensgenossen unter den dru- ckendften Verhältnissen leben. Den Juden sind die allgemeinen Menschenrechte verweigert, obgleich sie eben so gut ihre Militärpflicht erfüllen, Steuern und Abgaben bezahlen wie alle andern Staatsangehörigen. Verwendet euch für in ihren Rechten gekränkte Menschen, ehe ihr an Vereine gegen Thierquälerei denkt. Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes, aber er erbarmt sich auch seiner Nebenmenschen ! " (D. A. Z.) Bremen, 26. Sept. Wir hatten hier seit der letzten Zeit ein reiches viclbewesies Leben in unserm sonst so stillen Bremen. Die Gesellschaft der Naturforscher hielt in diesen Tagen ihre 22. Versammlung, und hohe Nvtabilitä- ten der Wissenschaft sind von nah und ferne herbei geeilt, um das Crgebniß ihrer Forschungen auszutauschen. — Fast nie vorher sah man auch um diese Zeit eine so große Menge Auswanderer, und unter ihnen bemerkte man sehr viele Leute, die nach ihrer Kleidung und nach den vielen Effecten die sie mit sich führten, gewiß zu den wohlhabenderen Auswanderern gehörten. Diese eben erwähnten Personen gehörten der ersten Expedition der Colvnisten an, welche der Verein zum Schutze für deutsche Einwandererin Texas, nach dem von denselben acquirirten Lande über Galveston zu der zu gründenden Colonie, auf dem sehr- gesund gelegenen Hochplateau am Colorado, aussendet. sSo berichtet die „Weserzeitung; " anders jedoch wird der ,,Allg. Zeitung" in Betreff des teranischen Clima's re. aus Washington unterm 29. August geschrieben; es heißt daselbst : Aus Galveston in Texas sind die kläglichsten Berichte eingelaufen, die ich hier zur Warnung niederschreibe. Das gelbe Fieber wüthet dort fürchterlich, und die öffentlichen Blätter bemerken dabei, daß es hauptsächlich nur unter den deutschen Einwanderern wüthe, von denen 20—30 des Tages ster- den. Ehe deutsche Einwanderer nach Texas gehen, sollten sie füglich erst die geographische Lage des Distrikts kennen, auf dem sie sich niederzulassn gedenken. Keine weltliche Macht vermag diesen Menschen eine Garantie gegen das Fieber zu geben, und der ganze Südwesten von Texas und namentlich alles in der Nähe der Seeküste gelegene Land ist zur Cultur durch Europäer, besonders Nordländer, wie die Deutschen untauglich. Auch lohnt es sich auch wohl der Mühe, vor der Hand sich zu erkundigen, ob Texas unabhängig bleiben oder englisch, mexikanisch oder nordamerikanisch werden wird.^j Auszüge aus dem „Acten -cs Glaubens im Sinne Luthers etc.*, (Fortsetzung.) Hierin haben wir den Sinn von den so oft von Luther ausgesprochenen Gedanken : „Wie Du 4 glaubst, so geschieht Dir; glaubst Du es, so hast Du es,"glaubst Du es nicht, so hast Du es nicht;" „glaubst Du es, so ist es, glaubst Du es nicht, so ist es nicht;" „glaubst Du z. B., daß Dir Gott gut ist, so ist er Dir gut; glaubst Du das Ge- gentheil, so ist er das Gegentheil." Das Wesen des Gegenstandes des Glaubens ist der Glaube, aber das Wesen des Glaubens bin Ich, der Gläubige. Wie ich bin, so ist mein Glaube, und wie mein Glaube, so mein Gott. „Wie Dein Herz, sagt Luther, so Dein Gott." Gott ist eine leere Tafel, auf der nichts weiter steht, als was Du selbst darauf geschrieben. Gott sagt nur dem Menschen, was der Mensch selbst im Stillen von sich denkt, aber für sich selbst sich nicht getraut, zu sagen. Was ich selbst nur von mir sage und denke, ist — möglicher Weise wenigstens — Einbildung; was aber auch der Andere von mir sagt, ist Wahrheit. Der Andere hat in den Sinnen, was ich nur in der Vorstellung habe. Ihm sagen seine Augen, ob ich Das wirklich bin oder nicht bin, was ich mir einbilde zu sein. Bestätigt daher der Andere, was ich denke, so bin ich dessen gewiß. Und je zaghafter ein Mensch ist, je weniger er Selbstbewußtsein, Selbstvertrauen hat, desto mehr muß er sich von Andern sagen, zureden lassen. Sagen sagt sehr viel; Sagen macht aus Nichts Etwas. Die Schöpfung aus Nichts ist nicht umsonst die Allmacht des Worts. Noch mehr als Kleider machen Worte Leute. Gar Viele, die Nichts sind, glauben Etwas zu sein und sind wirklich Etwas, aber nur deswegen, weil Andere sagen, daß sie Etwas sind; Andere dagegen, die Zeug genug haben, Etwas der Anlage, der Fähigkeit nach sind, glauben für sich selbst Nichts zu sein und sind auch wirklich in Folge dieses niederschlagenden Glaubens so lange Nichts, bis ihnen eine Stimme von Außen zuruft, daß sie Etwas sind; Viele aber haben bereits durch die That vor aller Welt Augen bewiesen, daß sie Etwas sind, aber gleichwohl sind sie noch Nichts für Andere, bis diesen wieder Andere sagen, daß sie Etwas sind. Einer glaubt und redet dem Andern nach, und so wird man von Pontio bis zu Pi lat geschickt, bis man endlich einmal an einen Mann kommt, der den Muth und Geist hatte, Etwas An- I dem nicht nach-, sondern vorzusagen. Der Glaube kommt aus dem Gehör; der Glaube stützt sich auf das Wort. Leichtgläubige Leute glauben daher Alles, was ihnen nur immer gesagt wird, und zwar aus keinem andern Grunde, als weil es eben gesagt wird. Woher aber diese Macht des von einem andern Menschen ausgesprochnen Wortes, wenn es gleich dasselbe sagt, was ich mir selbst sage oder wenigstens sagen kann? Lediglich eben nur daher, daß es das Wort eines außer mir eristireuden, andern, gegenständlichen Wesens ist. Was aber im Leben, in der Wirklichkeit der andere Mensch, das ist im Glauben, in der Religion Gott für mich. Im Leben ist das Du der Gott des Ich, im Glauben ist Gott das Du des Menschen. Gott ist das Wesendes Menschen, aber alsein von ihm unterschiedues,d. i. als gegenständliches Wesen. Gott ist der Vater des Menschen. Der Vater ist Das, was das Kind nicht ist— Das für das Kind, was das Kind nicht für sich selbst ist. Das Kind ist unselbstständig, unfrei, unfähig, sich selbst zu versorgen und zu beschirmen; aber was es nicht in sich selbst ist, Das ist es im Vater — frei und selbstständig. Das Kind braucht nicht zu betteln, hängt nicht ab von der Willkür fremder Personen, ist nicht blosgestellt den Angriffen feindlicher Mächte; es ist versorgt, gedeckt. Es geht an der Hand des Vaters eben so getrost durch alle Gefahren hindurch als der Mann, der sich nur auf seine eigene Kraft und Einsicht verläßt. Die Kraft des Vaters ist des Kindes Kraft. Das Kind kann nicht für sich erreichen, was es wünscht; aber vermittelst des Vaters ist es mächtig, Herr der Dinge, die es will. Das Kind fühlt sich daher auch nicht abhängig vom Vater — abhängig fühle ich mich nur von einem despotischen, aber nicht einem mich liebenden Wesen; abhängig bin ich widerwillig, im Widerspruch mit meinem Freiheits- heitstrieb; aber das Kind ist mit Freuden Kind, hat im Vater sein Selbstgefühl — die Kinder sind stolz auf ihre Eltern — das Gefühl, daß der Vater kein Wesen für sich selbst, sondern ein Wesen für das Kind ist. (Fortsetzung folgt) Nedacteur: Heinrich Bvrnstein. rULVVL DLL dkotrerevne lyriqueestenpleine setivile; le eksmp cke compsrsisons est ouvert. Ke , l'^- 8 svee un sue- ees soutenu, cet Opera a ele eeoute svee un plsisir cktklieile s ckecrire. kersisni » eu ckes moinens nisAni- ticjues : eile s cllsnle les ckeux sir8, su Premier et su seeonck sele, svee cette ßrsce, eette ele^snee et ee Font parksil qu'on lui connskt. stlsrio s ete exeeilent cksns le role cku vieomte. 8a voix, sur te coinpte cke isc^uelle on s ksit eourir ckes kruits slsrmsns, est toujour8 su8si pure, sussi 8usve et sus8i etenckuer^ue psr le passe. IVIorelli, qui s remplsce ksklseke cksn8 lerole ckekreketlo, s'en est squitte svee Islent; )ssor- nsssri s ckiAnement sueeecke s Lsmkurini. M,Alislleo. Isible cksns Is premiere repressntstion, s monlre plus ck'splomk cksn8 ls seeoncke. kis soiree cke ssmecki s eie plus krillsnte encore c^ue celles cke msrcki et cke jeucki. VorEt, ce ckernier eksnt cku snck Maestro, ee sublime reklet ck'une sme tenckre, melsncolique, expirsnte, a ete eksntee svee un en- semkle sckmirsble. ka puisssnte voix cke Orisi s ckeplo^e ckes ressourees en quelque Sorte nouvelles. lVlscksine IVIsnara s eu un keau ckekut. Ke puklie ckes /tn/renL est eneore sksent. llepen- cksnt ls sslle presente ellsHue soir un eoup ck'eeil elisr- msnt. Il n'en est pss cke möme, kelss! s eet sutre opers, c;u's lort ou s rsison on sppelle: le l)uel puklie ! Orsncl Oieu ! Une eokorle ck'kskils sullissm- ment räpes pour ksire 1 econnsitresu parterre, quelques perru^ues et ksrtres plus ou »noins lie- teroelltessux slalles, ckesespotes etetiäles tspis 3 i'sm- pliitliestre, ckes Iionnets normancks, et ckes eoiü'ures Kretonnes su ksleon... c'est s poukker cke rire. V ls plsee cke HI. killet nous simerions mieux Isisser Is «alle vicke e^ue cke ls remplir cke ls Sorte. IVIsis il ^ s un sulre mslkeur, e'est qu's l'Opers on ne cksnte vraiment plus. On comptsit kesucoup sur /imLni'ck e,r Ks psrtition eoutient, en eklet, plusieurs moreesux ck'une ^rancke vsleur. K'exe- eution s presente ssser ck'ensemkle. dlous eu ckirons ckavautsze cksns notre procksin numero. Kn sttencksnt. et pour ne pss inourir s ls peine, PS88OU8 s I't)/ierr/-r 7 o 7 ?rrg'r/ 6 . Ks place resei vee s ee tlieütre cksns ls plei'scke' l^ricsue est Kelle et il l'oeeupe ckignement. Oe n'est pss ls ^rsncke music^ue ckes /ta- /r'e?r§, e'est Kien moius eneore le kru^sn t poi-pourri cke l'Opers, e'est une music^ue nationale svee ses cke- ksuts, msis sussi »vee loutes ses c^uslites, musi^ue ckouee, kseile, ledere, spirituelle, eaprieieuse et eo- quette. kt puis, Orosnier est un ckireeleur c^ui s cku tslent et cku gont. (^uelque me. its csu'il trouve s prockuire ckes compositions nouvelles, il n's pss vou- lu Isisser cksns l'oukli ees jolis petits ebeks-ck'oeuvre kjui eksrmsient tsnt nos peres. Ke DeLercerrr, le le rvr ont repris leur >>lsee cksns le 1 epertoire s eote cke ls cku cku /-smr>ro Vor>, et cke tsnt ck'sulres kesutes ckujour. Orsee s eette intelligente sollieitucke cke l'sckministrs- tion et sux ckelieieux tslents c^u'il possecke, l'O/ie'r»- Oomrg'rro ckarme, sttire et ckispute meine so» puklie su O'est en tout css le tkestre oü l'on respire et oü l'on s'smuse l Paris, 1844 Nr 82 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate., . . 18 „ Drei Monate. . . . S Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. Man abonnirtr für Paris lM Vuresr» ventral pour I'^Nerns^ne, rue des Aloulins, Z2, in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Erscheint Mitwoch und Sonnabends. (Sonnabend.) Pariser Deutsche Zeit sehr ist. _ (12. Oktober.) Noch einmal die „Angsb. Allgem. Zeitung." Tie in Basel erscheinende „Schweizerische Nationalzeitung" enthält folgenden Artikel, den wir unfern Lesern nicht vorenthalten wollen: Die französische Presse hat der ,,Allg.Augsb. Zeitung" wieder einmal einen schlechten Spaß gespielt. Die „Allgemeine" ließ sich aus Paris von einem methodistischen Prediger schreiben, das kommunistisch-radikal-atheistische „Vorwärts" sei von allen honnctten Menschen hier verhaßt, und die französischen Publizisten hätten dessen Re- daktore, wie überhaupt die zu jener Parthei gehörenden hier wohnenden Deutschen mit Ekel von sich gestoßen. Zwei Tage nachdem dieses Blatt in Paris ankommt, erscheint im „National" ein Artikel, worin er sich mit aller Wärme jener Deutschen annimmt; dasselbe thut die „Demokratie pacifique," dasselbe die „Revue de Paris." Ja, seitdem Rüge, Marx, Herwegh, Bernays hier sind, hat die französische Oppositionspresse, dis leMmistische mit eingerechnet, jeder Zeit ihre Spalten zu deren Vertheidi- gung offen gehabt, und noch jüngst, wie Sie selbst erwähnten, war der „National" der erste, der für Hrn. Bernays Parthei ergriff, als die Negierung ihn in Anklage- zustand versetzte. Daß auch die dynastisch-konservarive „la Presse" namentlich für G. Herwegh auftrat, nur nebenher. Was wird die „Allgem. Augsb. Zeitung" nach solchen Handlungen, die sie offen und unmittelbar Lügen strafen, thun?Was sie immer thut ! Sie lügt noch einmal, indem sie sich stellt, als hätte sie keine Kenntniß von den Vorfällen, die nicht in ihren Kram taugen. Die „A. A. 3." ist eine deutsche Hautkrankheit — wenn es einmal innen gesundet, dann schuppt es dieses Geschwür- sicher mit am ersten ab. Demoralisirt, wie nur eine Zeitung der Welt, kann sie nur demoralisirend wirken. Sie ist gegen die Humanität, wo und wie sie sich findet, sie denuncirt trotz einem Pariser Mouchard; ihr Streben ist, die Gemeinheit zu monopolisiren, und wenn sie selbst im gemeinsten deutschen Wisch, der ihr in keiner Beziehung nachfteht, irgend einmal eine hvnnette Äußerung findet, flugs ist sie dahinter her, bis das Blatt verboten ist. Lxempls 8ULl odios». Ihre Politik in Bezug auf Frankreich ist die verächtlichste, die man haben kann: Bayerns und Preußens Königen zu Liebe, dem deutschen Volke zu Trug und Verderben, zieht sie Frankreich Tag für Tag in den Koth; ja sie vertheidigt England und Rußland, die ärgsten Feinde Deutschlands, Frankreich gegenüber! Und am Ende, statt froh zu sein, daß einmal wieder deutsche Schriftsteller in Paris wohnen, die von Frankreich geachtet werden, macht sie sich ein Geschäft daraus, diese zu beschimpfen, und lügt ihrem gläubigen Publikum vor, die französische Presse wäre gegen sie aufgetreten. Doch dem Katholischen werden alle Sünden vergeben! — Die Redaktion des „Vorwärts" kann diese Gelegenheit nicht vorüber gehen lassen, ohne ihr Bedauern auszusprechen, daß sich die Redaktion des „Globe" hat dazu gebrauchen lassen, bei Gelegenheit einer Reclame für den nach Berlin ab- gereis'ten Herrn A. v. Dornstedt das „Vorwärts" anzugreifen und demselben Sachen zur Last zu legen, die durchaus unwahr sind. Diese Unwahrheiten hat sie in einem Schreiben an den „Globe" bereits berichtigt und widerlegt, und hofft Herr v. Bornstedt, der, wie der Gorsnire-Lntun in einer dito Reclame sagt, „im Namen des deutschen Zollvereins und der französischdeutschen Allianz (!!!) nach Berlin berufen worden ist," werde künftig um sich weiß zu waschen, nicht die Leichtgläubigkeit und Unkennt- niß deutscher Sprache der französischen Redaktionen benutzen, um Andere zu verschwärzen. Wir werden seiner Zeit aus diese Angelegenheit ausführlicher zurückkommen, und alle diese gegen das „Vorwärts" gerichteten Umtriebe und Machinationen schonungslos aufdecken. Freiligrath. Eine verfehlte geistige Bestimmung ist ein Unglück, das sich vergrößert nach dem Maaß der geistigen Kraft, die ihm zum Opfer wird; eine verfehlte Charakterbestimmung aber ist nicht blos ein Unglück, sie ist auch eine Sünde. Wohl dem, dessen Geist Raum und Leitung fand, um die Bahn seiner Bestimmung nicht zu verfehlen; Ehre dem, dessen Charakter Kraft und Festigkeit genug besaß, um sich nicht auf Wege zu verirren, auf denen seine ursprüngliche Gesinnung ihn zum Rückweg mahnen muß. Ehre aber auch Dem, der, durch getrübten Blick auf den Irrweg geführt, die Mühe und Verdrüßlichkeit des Rückwegs nicht scheut, sobald er gefunden, daß die Gefahr einer Untreue gegen sich selbst und den bessern Geist ihn umschleicht. Wenn das Alles von Allen gilt, so gilt es in höherem Grade vom Dichter, denn im Dichter pvtenzirt sich das Böse wie das Gute des Menschen. Das Beispiel eines Restes älterer Dichter hat bei uns Deutschen Zweifel darüber erregt, ob ein wahrer Dichter ein politischer sein könne. Mit der Zeit ist man so ziemlich zu der Überzeugung gelangt, daß ein wahrer Dichter bei uns ein politischer sein müsse. Wenn die Wehen und Bestrebungen unserer Zeit den Dichter nicht ergreifen sollen, so müssen wir Andern uns lebendig begraben lassen, so haben wir vollends kein Empfindungsvermögen mehr. Nach welcher Seite hin aber der Dichter unserer Zeit seine Töne soll erklingen lassen, das ist eben schon bedingt und entschieden durch die Betheiligung an dem Lebensprozeß der Zeit. Unter denen, welchen die Erkenntniß über unsre Zeit nach früherer Verkennung ausgegangen und zu deren Herzen sie endlich den Schlüssel gefunden, müssen wir Freiligrath, den wiedererstandcnen Freiligrath begrüßen. „Die Freiheit kann verzeih'n." Dies über Herwegh früher gesprochene Wort findet jetzt volle Anwendung aufDen, der es gesprochen, und die Freiheit steht so hoch, daß ihre Verzeihung nur ehren, keinen Stolz verletzen kann. Freiligraths Loos, das früher einem verirrten Schiff unter Klippen glich, ist jetzt günstig entschieden und er hat jetzt wieder die offene See des freien Streb.ens vor sich. Möge er ein mu- thiger Segler sein, von Charakter so kühn und energisch, wie sich früher seine Phantasie gezeigt hat;-die in das lyrische und Phantasieleben hineinragcnde sociale Seite des Zeitlebens ist vielleicht der Boden, auf welchem Freiligraths künftige Lorbeer» wachsen werden, wenn auch seine neueren Gedichte diesen Boden nur in vereinzelter Probe cultivirt haben. Doch wir gedenken nicht, ihm seinen Weg vorzuzeichnen : den wird der wahre Dichter ohne Leitung finden; einstweilen ist es genug, daß der Mensch und Mann in ihm die wahre Seite nach Außen gekehrt hat und dieserhalb mögen sich Tausende freuen, für den Dichter nicht minder als für das Volk, dem er angehört. Bemühungen der deutschen Negierungen zur Verbreitung nützlicher und guter Bücher. Karlsruhe, 3. Okt. Unser Ministerium des Innern hat unterm Gestrigen nachstehende Bekanntmachung erlassen : „Der ehemalige großherzogl. bad. Hauptmann Möller wurde wegen Landesverraths durch oberhofgerichtliches Urtheil vom 26. Februar 1842 zu einjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt, die er auch in dem Zuchthaus zu Bruchsal erstanden hat. Desgleichen wurde derselbe durch höchste Verfügung aus großherzogl. Staatsminifterium vom 9. Juni 1842 in Folge obiger Verurtheilung, aus großherzogl. bad. Diensten entlassen und ihm Pension und Orden entzogen. Aus Rache wegen dieser wohlverdienten Straferkenntnisse hat nun Möller, nach längerem 'Aufenthalte in Frankreich, eine Schmähschrift aufgesetzt, die nicht nur die großberzogliche Familie und einzelne Glieder derselben zu verunglimpfen sucht, (?) sondern auch die großherzogliche Regierung und alle öffentliche Zustände Badens auf's gemeinste hcrabzuwürdi- gen trachtet. (??) Ja, Möller hat sich sogar erfrecht, sein schändliches Machwerk mehrfältig höchsten und hohen Orts zum Kaufe anzubieten, indem er gegen eine beträchtliche Summe die Handschrift ausfolgen und den Druck unterlassen wollte. Es versteht sich von selbst, daß ein solches niederträchtiges Anerbieten mit der gebührendenVer- achtung behandelt worden ist. Aber gegen alle Erwartung (!) hat die Schmähschrift einen Drucker in der Person des Buchdruckers P. Barret in Mühlhausen gefunden und es wird in diesen Tagen der Versuch gemacht werden, sie in 6 000 Exemplaren längs der Grenze unter dem nachstehenden Titel in das Großherzogthum einzuschmuggeln und abzusehen: „Die modernen deutschen Constitutionen, den geheimen Wiener Cvnferenz-Beschlüssen gegenüber, als Beiträge zu den politischen Zuständen Deutschlands. Von einem deutschen Patrioten."— Obgleich nun diese Druckschrift ohne alle Bedeutung ist (Wirklich?) und von Jedermann als ein Ausfluß der Rache und Bosheit gehörig gewürdigt werdendürfte, so erachtet es das u n t e r- zeichnete Ministerium dessenungeachtet für angemessen, alle Mittel aufzubieten, um dem verbrecherischen Treiben hes Verfassers entgegen zu wirken. Es wird daher dem 2 Zoll-Personal, der Gendarmerie und den übrigen Angestellten der Polizei eröffnet, daß eine angemessene Belohnung für die Beschlagnahme obiger Druckschrift oder für die Arretirung oder glaubhafte Ausmittelung und Anzeige ihrer Verbreiter oder für die Entdeckung und Anzeige einer Niederlage derselben ausgesetzt ist. Dabei bemerkt man dem sämmtlichen Aufstchtspersonal, daß die Druckschrift nach glaubhaften Anzeigen(!)in aller möglichen Weise, namentlich aber in kleinern Partien durch Boten oder einzelne Personen über den Rhein geschafft werden und zugleich Niederlagen in verschiedenen Grenzwirthshäusern ftattfinden sollen, von wo aus der Verkauf heimlich geschehen könnte. Auch sollen einzelne kleine Buchhandlungen, Buchhändler und dergleichen mit dem Absatz beauftragt sein. Karlsruhe, den 2. Oktober 1844. Großherzoglich badisches Ministerium des Innern. Der Ministerialdircctor: Eichrodt Vui sson." Wie gut doch die badische Regierung von Allem unterrichtet ist, was in Frankreich vorgeht; — sollte das Budget des konstitutionellen Badens auch eine Ausgaben- Rubrik mit der Aufschrift : ,,Geheime Polizei im Auslande" haben? Eines zeigt die Minifterial-Ver- ordnung, man hat fürchterliche Angst, — eine kluge Negierung aber sollte nie zeigen, daß sie Angst hat. In Preußen ist eine ähnliche Verordnung gegen Frei- ligraths: „NeuesteGedichte" erlassen worden, in Köln war die ganze Polizei auf den Beinen und confiscirte alle Exemplare. Daß doch auch Freiligrath die königl. preuß. Pension zurückgeben und wieder unabhängig werden mußte, das ist ein schlimmer Streich, für alle die -Herrn Hofräthe, die in ihm schon ihren künftigen Collegen » I» sahen. — Wahrscheinlich wird -Heine neues Gedicht: „Deutschland ein Wintermährchen" auch auf ähnliche Art von der preußischen Negierung anempfohlen werden. Gott geb's! Vermischtes. Was den Angriff auf den König von Preußen betrifft, so muß ich doch Ihre Leser mit einer sonderbaren Prophezeiung bekannt machen. Im Jahre 1306 lebte im Kloster Lehnin in der Mark ein Mönch, der in den Sternen zu lesen behauptete und denn namentlich das Schicksal des Hauses Hohenzollern, das jetzt Preußen beherrscht, voraussagte. Das lateinische Gedicht, worein er diese Prophezeihung faßte, erschien erstmals gedruckt im sie- benzehnten Jahrhundert. Zur Zeit des siebenjährigen Krieges ward es auf österreichische Kosten, um Preußen -einen Tort zu thun, abermals gedruckt, und wiederum im Jahr 1807, zum Trost nach der Schlacht von Jena. Es Huden sich diese Ausgaben in jeder großen öffentlichen Bibliothek: die von >807 habe ich selbst gesehen. Das ganze Gedicht ist vielleicht zu groß, um es hier mitzutheilen, obwohl seine Übereinstimmung mit den wirklichen Schicksalen des Hauses Zollern in der That merkwürdig ist: ich beschränke mich darauf, den Schluß, so weit er Friedrich II. und seine Nachfolger betrifft, hier mit Bemerkungen wiederzugeben: LIox juvenis kiemit, clum ma^»a pvkl'pera gemil. 8ecl c^uis tuidaMm poleril velingei^e stalum ! Vexillum waget, seä law eruUelia ssangel. klanlillus liio austris viwm v»It erecleie elsastiis. (Zui 86g»lllII', plgvos jmilalus pkssiimis 3VV8. Non vollur menli, non aclsunt uumina genli. Oijus »pem pelit, eonliaiius Ine sibi sleiis. Lt perlt inunllis, gui miseet summe pi nsunllis. Nalus llorelnt, guvll non sperasset, lralrelrit. 8eä populns ii islis llelnt Ismporllniz istis. Nam sortis mirre viclenlur ka>a venire. Lt prlueeps neseit, cpioä nuvg poteiNia crescik. 1'auciem sceptra gerit, qui slemmalis ultlmiis erlt. Israel inlaniluin seelus auclet morle piainlum. Ll pislur regem recipit, Oermania regem. Zu Deutsch etwa: Bald knirscht jetzt ein Jüngling, während eine große Frau seufzt. Wer wird den zerrütteten Staat wieder befestigen können! Er wird die Fahne ergreifen, aber harte Schicksale leiden. Wahrend es so stürmt, will er das Leben in Schränke verschließen *-. Sein Nachfolger wird an Verderbtheit die schlechtesten seiner Vorfahren nachahmen. Seinem Geist fehlt die Stärke, seinem Volke die Führung. Dessen Hülfe er sucht, der war ihm entgegen gestanden. Im Wasser wird er, der das Höchste und das Gemeinste zusammenwarf, untergehen **). Seinem Sohn wird es gut werden, er wird mehr, als er hoffen konnte, gewinnen. Das Volk aber wird traurig weinen in jenen Tagen. Denn wunderbare Schicksale werden sich ankündigen. Und der Fürst weiß nicht, daß eine neue Macht heranwächst***); Endlich wird den Scepter führen der Letzte des Stammes. Das Volk wird ein unglaubliches, todeswürdiges Verbrechen, wagen. Dann erhält der Hirt seine Heerde wieder, Deutschland seinen König ****). Wären die Ärgernisse im politischen Leben Deutschlands Sechsbätzner und ich also ein Millionär, so würde ich einen Preis von looooo Fl. aussetzen für gründliche Beantwortung der Frage, was schamloser ist: i) daß die österreichische Polizei, die der Post anvertrauten Briefe nach Gutdünken nicht nur erbricht, sondern seitdem böhmischen Unruhen sich, wahrscheinlich weites zu viele werden, die Mühe der Verheimlichung erspart und die Briefe mit dem k. k. Amtssiegel wieder verschließt; oder 2) daß die bezahlte preußische Presse erklären muß, die Weber- aufständc seien durch die liberalen Zeitungen veranlaßt worden, oder 3) daß der Herzog von Nassau die Prügelstrafe bei seinem Militär eingeführt hat. Es ist freilich schon lange kein Geheimnis' mehr, daß Österreich das Briefgeheimniß verletzt. Aber so methodisch, so mit einem Anspruch auf staatsrechtliche Geltung die Sache zu betreiben, so die Mißachtung des bürgerlichen Eigenthums als Regierungsmarime auszusprechen, in einer Zeit, wo Österreich mehr als je auf der Hut sein sollte vor unvolksthümlichen Pratikcn, das kann nur einer Politik beigehen, die unter altersschwachen Händen zur Polizei herabgesunken ist, die statt mit großen schöpferischen Gedanken, sich nur noch mit Bestechung und Spionen zu helfen weiß. Meine Ansichten über Österreich kennen Sie: ich sehe im Geiste schon die Leichen- bitter aus Berlin und München ihren Trauerflor rüsten. Die lachenden Erben die'. Die schlesischen und böhmischen Weber sollen durch die Zeitungen verhetzt worden sein. Als ob so ein armer Schlucker, der oft nicht einmal das Salz zu seinen Kartoffeln erschwingen kann, der von Tagesanbruch bis gegen Mitternacht frohnen muß, Zeit und Geld hätte, Zeitungen zu lesen! Die Perfidie liegt zu offen am Tag.' Freilich will man im christlich-germanischen Staat auch nicht zugeben, daß er trotz allem Christenthum Unttrthanen verhungern läßt! Und nun soll die Presse den Hunger gemacht haben! Da steht dieser gutmü-hige Hammel, die deutsche Presse und trinkt an dem schmalen Bächlein, das aus der herrschaftlichen Domäne Politik ab läuft, und *) Der Jüngling ist Friedrich H., die große Frau Maria Theresia. Das Verschließen des Lebens in Schränke bezieht sich wohl auf die Organisation des unerträglichen Despotismus und der Bureaukratie. **) Friedrich Wilhelm II-, bekanntlich einer der elendesten Regenten, zugleich bigott und liederlich. Ec alliirte sich mit Preußens altem Feinde, Oesterreich, gegen die Franzosen. Starb an der Brustwassersucht. ***) Friedrich Wilhelm III. Konnte er nach den fürchterlichen Folgen der Schlacht von Jena ahnen, daß er sein Land nicht nur wieder so vollständig, sondern auch mit so reichen Zugaben, wie es später geschah, erhalten werde? Bekanntlich war er ein sehr beschränkter Kopf, der keine Idee hatte von den Forderungen der neuen Zeit, überhaupt von der Macht des Geistes. ****) Der Letzte des Stammes wäre der jetzige, kinderlose König Friedrich Wilhelm IV. Wir müssen es der Zukunft anheimgeben, ob und wie weit sie den Schluß dieser Prophezeihung des Mönchs Hermannus zu Schanden machen will. Aber ein merkwürdiges Zusammentreffen der Prophezeihung mit den bisherigen Schicksalen des Hauses Brandenburg läßt sich keinesfalls läugnen. da oben steht der gleißende Wolf und behauptet, der Hammel habe ihm das Wasser getrübt! Ach, wenn wir's könnten, wie gerne sollte es geschehen ! Daß der Herzog von Nassau, Eidam des Kaisers Ni- kolas geworden, die Prügel für die nassauischen Truppen eingeführt hat, beweist viel guten Willen und ist eine sinnige Gewähr der von den getreuen Bürgern bei der Vermählungsfeier geäußerten Wünsche. Denn haben sich diese Schlingel nicht in russische Uniformen gesteckt. Auf russische Rücken russische Prügel'. Überhaupt aber ist der Despotismus in den deutschen Kleinstaaten noch viel unerträglicher, als Ln den größer«, weil dort die Fürsten so gar häufig mit dem Publikum unmittelbar in Berührung kommen und denn ihre gereizte Persönlichkeit mit ins Spiel bringen. Das Fürsten- thum Anhalt-Bernburg hat das Glück, unter einem blödsinnigen Fürsten zu stehen, der als Kreisverwalter, als Justizrath, ja als Pollzeidiener völlig untauglich wäre, aber weil er sein Amt von Gottes Gnaden erhielt, das Recht über Land und Leute, über Leben und Tod hat, kurz unumschränkter Monarch ist. Einmal lies't er in der Geschichte Napoleons, wie dieser einen Soldaten, weil er ihm den von einer Kanonenkugel entrissenen Hut, während Alles vor Schrecken erstarrt war, kaltblütig überreichte, mit den Worten belohnt: „Dank, Kapitän!" Da fühlt Herzog Alexander ein? große Bewegung. Er reißt das Fenster auf und schleudert seinen Hut hinunter. Die Schildwache sieht herauf und schweigt. Der Herzog wartet eine Weile; dann ruft er : Dumm - köpf, den Hut heraufbringen! Der Soldat läßt sich ab- lösen und erscheint. „Dank, Kapitän!" antwortet der i Fürst. Der Soldat macht große Augen und denkt, es ist ein gnädiger Spaß. Mit Nichten, der Fürst läßt ihm auf der Stelle sein Patent ausfertigen und weil der Bursche zum Offizier ganz untauglich ist, versorgt man ihn mit einem Försterdienst. Ein ziemlich naher Geistesverwandter des Herzogs von Anhalt-Bevnburg ist der Großherzog von Sachsen- Weimar, der ja bekanntlich einem nach Amerika reisenden Gelehrten den angelegentlichen Auftrag mitgab, unter der dortigen deutschen Bevölkerung Namen aufzusuchen, die auf leben ausgehen, von denen der Großherzog schon eine recht hübsche Sammlung beisammen habe. Eines Tags tritt er in sein Kabinet und findet seinen Kammerdiener vornehm ausgestreckt im Fauteuil liegen. „Was, Kerl! fährt er ihn an, wie kannst Du Dich unterstehen! Ich glaube gar, Du bildest Dir ein, der Großherzog zu sein? — Dumm genug wärst Du dazu!" Einer der ärgsten Tyrannen ist der allerdurchlauchtigste großmächtigste Fürst Heinrich der zweiundsieben- I zigfte von Reuß-Schlel>Lobenstein-Ebersdorf, Mitregent von Gera. Mit Czar Nikolas hat er das gemein, daß er mit Blitzesschnelle seine Staaten zu durchfliegen liebt, dort Ertrapost, hier Reitpferde bestellt, aber plötzlich hinter einem andren Acker zum Vorschein kommt. Eine besondere Steuerbeschwerde ist seine Garderobe, indem er die unumschränkte -Herrschermacht durch eine sehr reiche Auswahl von Röcken und Hosen darzulegen strebt, in dem Maaße, daß, wenn er promenirt, einer der Bedienten einen Zweiten Nock und Hut nachtragen muß, damit er wechseln kann. Dieser Heinrich der zweiundsiebenzigste ritt einmal von seinem Schlosse nach Gera, als ihn plötzlich aus dem tiefen Nachdenken über die Wohlfahrt seiner Reiche ein Schuß aufschreckte. Es war kurze Zeit nach der Posener Schußgeschichte: offenbar ein Versuch des Meuchelmords. Spornstreichs jagt der Fürst nach Gera; heiße Dankgebete steigen zum Himmel empor für den wunderbar geretteten Landesvater: dieser aber läßt alsbald eine bis tief in die Nacht dauernde, leider erfolglose Streife anordnen. Wahrscheinlich war der Thä- ter schon hinter einen der nächsten Büsche, über die Grenze, gegangen. Doch wie, am andern Tage entdeckte es sich, daß ein Knabe auf einem Kartoffelfelde einen Schwärmer in die Erde gesteckt und angezündet hatte, während zufällig eben der Fürst in der Nähe ritt. Der Urheber dieses nicht sehr entfernten Versuchs zum Hochverrats ward in Anbetracht seiner Jugend mit einem ernsten väterlichen Verweise begnadigt. Und da gehen nun die guten deutschen Staatsdiener her und wollen sich über die Souveränität der Schweizerkantone lustig machen. Kein Zweifel, daß sehr viel Lächerliches mitunterläuft; aber es scheint nur deswegen verhältnißmäßig viel, weil dort die Öffentlichkeit sich sogleich aller Einzelnheiten bemächtigt, während ganz Deutschland, zumal aber dessen kleinere Fürstenthümer- chen ein Gestrüppe bilden, wo nur selten die Art der Wahrheit einen Weg eröffnet. Wie es im Innern von Reuß-Greiz-Lobenstein oder im Ländchen Vaduz aussieht, davon weiß man im übrigen Deutschland beinahe so wenig, als vominnern Afrika. Publizisten können dorthin wahre Entdeckungsreisen machen; sie werden noch manchesStück vorsündfluthliche Schöpfung finden. Brief eines angesessenen Deutschen in New-Aork. (Wörtlicher Auszug.) Das gewöhnliche Leben und die Geschäfte dahier sind sehr verschieden von denen in Europa. Die Bezahlung ist weit stärker, allein um bestehen zu können, muß man englisch verstehen. Die Miethe ist theurer als bei uns. Ich bezahle 2 Dollars, das sind 7 Schweizerfranken 2 Batzen, für die Woche; die Nahrung und Kleidung find nicht so theuer, denn man lebt sehr gut für 2 1,4 Dollars die Woche. Ich als Uhrmacher verdiene 12—16 Dollars in der Woche. Eine Magd erhält 6 —8 Dollars den Monat. Ein guter Arbeiter 6 — 6 Dollars die Woche. Man steht viele Arbeiterinnen in Seiden gekleidet. Überhaupt ist nichts, das den ,,Herrn Arbeiter" vom Künstler unterscheidet. Die Frauen werden besser behandelt als bei uns. Um zu heirathen hat man keine Papiere, keinen öffentlichen Ausrufin der Kirche oder so etwas nöthig, sondern man geht nur mit zwei Zeugen zu einem Geistlichen und verlangt die Einsegnung. In derjenigen Umgegend von New-Aork, die ich kenne, ist ein unehliches Kind eine Seltenheit, obschon es doch viele rohe und wüste Menschen gibt, die täglich aus allen Ländern in hiesigem Hafen an- landcn. Man achtet die Personen und das Eigenthum der Personen sehr; überhaupt ist der Verkehr unter einander viel ruhiger und angenehmer als bei uns, was eine Folge der Freiheit ist; denn ein Jeder achtet in seinem Mitbürger jene Freiheit, die er selbst besitzt. Mit vielen öffentlichen Geschäften ist es aber etwas anders. Wer ein Geschäft treiben will, muß Bürger sein; um solches zu können, muß er fünf Jahre wohnhaft sein, doch ist dies nicht für alle Geschäfte nöthig. Man hat keine Papiere und keinen Paß nöthig, und demungeachtet hat man eine weit bessere Polizei als bei uns. Die Stadt ist in 6 Viertel abgetheilt, und in jedem gibt es einen Arzt, Apotheker und Spitäler für die Armen. Man fragt nie beim Eintritt wer der Kranke sei, woher er komme rc., sondern es genügt, daß er leidet, um ihn als Menschen auch menschlich zu behandeln. Die Straßen find sehr breit mit breiten Fußwegen und diese mit Bäumen besetzt. Zu jeder Stunde geht ein Dampfboot und ein Dampstvagen ab, womit man für 7 Kreuzer drei Stunden Wegs machen kann. Es gibt sehr viele Neger, die ihre eigene Schule und Kirche haben; sie find keine Sklaven, allein sehr arm und verachtet. Sie find ausgeschlossen.von allen öffentlichen Diensten und verheirathen sich nicht mit den Weißen, wenigstens gibt es seit vielen Jahren nur ein einziges Beispiel davon. — Einem deutschen Prediger, der den gemischten Ehen mit Negern und Weißen das Wort redete, wurde seine Wohnung zerstört und er mußte sich flüchten. — Lebe wohl. Wenn man diesen Brief gelesen, so erstaunt man billiger Weise über die amerikanische Glückseligkeit und Verblendung. Es ist bekannt, je weniger von den ältern europäischen Einrichtungen ein junger Staat an sich kleben ^at, desto hochmüthiger blickt er hinab auf das müde arbeitete, schon Jahrtausende lang nach Glück suchende ' 'tropa. Von den vierzigtausend Deutschen, die durchschnittlich alle Jahre nach den Vereinsftaaten hinüberpilgern, werden die Mehrften durch die demokratischen Vortheile überrascht, und nachdem sie nur einige Zeit sich an das neue Land gewöhnt, wissen sie nicht genug es zu preisen, und werden blind gegen seine Gebrechen und Verbrechen. Namentlich der Deutsche bindet sich schnell und gern an ein ,,fremdes Vaterland," wie er zu sagen pflegt. Er hat ja kein einheimisches Vaterland, worauf er mit Freuden zurückschauen könnte; kein mächtiges Reich des Deutschthums bietet seinen hin- und hcrschwei- fenden politischen Gefühlen Gegenstand und Mittelpunkt dar. Wie so? Diese Frage ist unnütz, wie die Million anderer Fragen, die alle: ,,Warum ist der Himmel blau?" oder: ,,Warum ist das Feuer heiß und das Wasser naß?" lauten; die Antwort ist immer dieselbe: ,,Weil es die Natur, der Charakter des germanischen Himmels so und nicht anders mit sich gebracht hat. Der Deutsche hat wenig Nativnalgesühl, ist ein sehr schlechter politischer oder Staatsbürger von je gewesen, und nichts Erbaulicheres, in der That, gibt es, als die hohlen Phrasen der Deutschthümler, der Franz»senfresser, der Gern ü t h l i ch e n, der Turner und Keuschen, und wie ihre mannigfachen Zweige zu nennen sein mögen; nichts irrthümlicher als ihre dreiste, aus der Luft gegriffene Behauptung: „Deutschland habe polirische Anlagen." Mögen die guten Deutschthümler endlich ohne Vorurtheil die von ihnen hochgepriesene „Geschichte der Deutschen" (von ihrem langweiligen Abgotte Menzel geschrieben) durchblättern, so wird ihnen selbst aus diesem Buche klar werden: daß selten eine Nation so geringes Talent, so wenig Sinn und Interesse für Nationalität, Landesruhm, Reichseinheit, Landkartengröße u. s. w. gezeigt hat wie die Deutschen. Ob sie in der gewaltigen Gährung, die seit 1789 Europa ergriffen, auch ihrerseits noch in der Geschwindigkeit, bevor der ganze alte Plunder zerfällt, ein politisches Reich aufbauen werden, um gleichsam nachzuholen was sie seit dem Jahre Zwölfhundert versäumt — mag dahin gestellt bleiben. Möglich ist es allerdings, doch was vermag fortan noch die Politik und die Religion gegen die Menschheit und Menschlichkeit? Was vermag wohl ein Deutschthum gegen das Menschthum? Nichts; und das Bewußtsein dieser Wahrheit hat bekanntlich schon feit etlichen Jahren angefangen in Deutschlands verschiedene Klassen einzudringen. Socialist, Cvmmunist wird der Deutsche ^werden mit Leib und Seele, gründlich und genial; seine ganze Natur wird sich selbst wieder gefunden haben, und dem Einzelnen wie der Gesammtheit wird wohl werden, wie ihm noch niemals gewesen ist so lange es Deutsche gibt. Denn gibt man dem Germanen das politische Wesen zum Arbeitsfelde, so seufzt er unverholen nach dem gemächlichen Heerde, nach dem Familienkreise; kaum aber hat er sich in diesen eingeschlossen, so wird er gefühllos für das politische Leben de. draußen, während sein Familienleben selbst entartet. Wir Alle sind darin ja nur zu sehr betheiligt; wir kennen diese zwcischwächtige Elendigkeit der Deutschen , während andere Nationen von Natur sich leichter mit dem Widerspruch zwischen Staat und Heerd ab- finden. Wir Alle, wollten wir aufrichtig sein, müßten gestehen, durch diesen Dualismus durch und durch verwirrt und verderbt zu sein, und in der That, nur der Denkende, nnr der Fühlende, nur der Communift hat das Recht, indem er an der Menschheit nicht verzweifelt, auch Deutschlands Söhne in der Zukunft füx gerettet zu halten. Im germanischen Wesen liegt der Zug des Manderns; und dieser mag als gutes Anzeichen des allgemein mensch- heitlichen Verhaltens des Germanenthums begrüßt werden. Deutsche strömen nach Amerika um dort leichter ihre Lebensbedürfnisse zu finden als hier; sie lassen die Tyrannei daheim fortwüthen, und kümmern sich um das Geburtsland nur noch beiGastmählern oder bei Gelegenheit einer Geldkollekte für einen heimischen politischen Gefangenen, einer Kollekte, die unsers Wissens jetzt zum erstenmale geschah so lange Amerika besteht. Es ist vernünftigerweise nicht von nüchternen Leuten mehr zu verlangen, und nüchtern sind hie Germanen, wenn sie nicht phantasiren, denn einen Mittelweg kennen sie nicht. Aber diese prosaische gedrückte Anschauung des Lebens, wie sie sich in dem angeführten Briefe aussvrieht, der sich wirklich nur um Miethe, Geld und Löhnung dreht, ist das traurige Gegenstück des Lurus, der hoch einherfährt und ohne den der moderne politische Staat nicht aus- dauern könnte, ohne aufzuhören ein Staatswesen zu sein. Daß die Arbeiterinnen New-Aorks seidene Röcke tragen und nicht mit deutscher oder englischer Grobheit behandelt werden, ist allerdings ein Fortschritt der Sitten Ame- rika's. Die Seltenheit der unehelichen Kinder rührt daher, daß die Ehen möglichst erleichtert sind; wenigstens die Schließung. D»'e anständige Ungezwungenheit des Verkehrs — wer wollte so blind sein, sie nicht zu loben und Amerika deshalb zu beglückwünschen? Da schlägt die Münze um und zeigt die Rückseite: Haß gegen die Neger, Verachtung der Menschenrechte in ihnen, Wuthausfälle gegen die Beschützer derselben und Hochachtung des Eigenthums, Heiligkeit des Mammon, Heiligkeit des Eigennutzes; denn Eigenthum ist ja nur die äußere Form des Eigennutzes und verhalten sich wie Wortund Gefühl, wie That undWort, oderThat und Gefühl; Eigenthum ist der sichtbar, fühlbar, hörbar, riechbar, schmeckbar gewordene Eigennutz. Wie der weiße Amerikaner die Menschenrechte für sich allein bean» spricht, so erhebt er unter diesen das des Besitzes, das Recht des Egoismus, auf die Spitze, und feiert dem Eigenthume zu Ehren die mordgierige Konkurrenz, diese Hetzjagd des Menschthums, als die wahrhaftige Unabhängigkeit „des freien Mannes." Möge der gute Uhrmacher bald enttäuscht werden und alsdann diese Grundsätze, die Europa, das alte, dem jugendlichen Amerika zusendet, eifrig verbreiten. DerBoden ist bereit; schon wuchert das Elend furchtbar unter dem Banner der Republik, und die Arbeiterin in Seide wird wohl bald in Leinwand gekieidet sein. ^Es geht Alles rasch in Amerika. Christlich - Züricher Staatsweisheit. (Brief eines Schauspielers aus der Schweiz.) Im Juni erhielt einer unserer Bekannten einen Brief aus der Schweiz, der unter andern auch Näheres über Wilhelm Weitling's Behandlung berichtete, dessen Mittheilung jedoch nicht eher geschehen konnte, da dieser Schriftsteller sich selbst bisher noch nicht in persönlicher Sicherheit befand. Jetzt ist bekanntlich für ihn nichts mehr zu befürchten. Zürich den 15. Juni 1844. — Ich bin aus Deutschland nach der Schweiz gekommen, — nach der Schweiz, in der Alles göttlich ist, — nur der Geist des Menschen nicht! Wollte Gott sein verlornes Ebenbild wieder suchen, er würde es hier so wenig finden, wie in Deutschland, — ja noch viel weniger! Philister hier, Philister dort! Wehe mir! Ich bin versucht die ausgezeichnete Erbärmlichkeit des schweizerischen Nationalcharacters auf Rechnung des Einflusses der modernen repu bl ikanisch e n Staatsformen zu setzen. Ich habe nichts gegen die Volksherrschaft, — aber es muß die Herrschaft eines von den Banden der Bornirtheit und des Privatinteresses befreiten Volks sein. Das Privatinteresse, das jämmerliche, mit Sorgen beladene, macht Philister. Der Philister aber soll nicht Herr sehen, sondern zum wahrenMenschen gemacht werden, sonst wird man dieser widerwärtigen Klasse niemals los. O! es ist nicht zum Ansehen ! Alles trägt hier einen unverschämten helvetischen halsstarrigen Zopf im Nacken, der Konservative so gut wie der Radikale; — Alles ist Krämerseele, vom Professor bis zum Schulknaben, vom Gaftwirth bis zum „Führer im Gebirge" herab. Nirgends ein Interesse für die großen Angelegenheiten des Geistes und der Menschheit. Ich könnte davon erzählen. Was diese unerquickliche Wirthschaft völlig unerträglich machen muß, ist ein lächerlicher, durch Schulmeister und Freischießen gepflegter, die Eitelkeit kitzelnder, dem dummen Hochmuts) des Vorurtheils.nährender Ahnenstolz „von wegen der biedern Altvodern." O Schweizervolk I was gehen Euch diese Altvodern an, diese rohen Naturmen- 4 chen, die ihre Heerden auf den Memannischen Allmen herumtriebcn; diese harten, einfachen, frommgläubigen Leute, diezwar weit entfernt waren den Pfaffen Jesui- tencollegien zu bauen, wie die heutigen Schwytzer, aber ihre Pfaffen beim Arm nahmen, wenn sie nicht Messe lesen wollten, oder sie aus dem Lande jagten, wenn sie mit dem Kir chcnbanne zu drohen wagten. Laßt ruhen die Todten. Jene uralte Freiheit war die der naiven Kindheit und heute thut eine neue noth. Doch wohin gerathe ich in meiner Bitterkeit? O! ich bin recht zornig, — denn es ist wieder eine recht elende Geschichte in der ,,freien Schweiz" passirt, ein Skandal, betitelt: .,Die Auslieferung" oder vielmehr die „Hinüberspie lung" Weitlings, des talentvollen, braven, interessanten Proletariers aus den Händen Bluntschlis in die Hände tur Preußen. Sie kennen doch die Leidensgeschichte dieses jungen Mannes? Er wurde in Zürich verhaftet, weil er ein ,,Evangelium der armen Sünder" wollte drucken lassen; ein Buch, welches mit den Worten beginnt: ,,Euch schenke ich dieses Evangelium, arme Sünder und Sünderinnen: macht ein Evangelium der Freiheit daraus!" Er wollte sein Werk auf Subscription herausgeben; er hatte zu dem Ende eine Einladungslifte, auf der die Kapitel-Überschriften des Buchs zu lesen waren, in Umlauf sehen lassen. Solche Überschriften waren:,,Christus verwirft das Privateigenthum; Christus verdammt den Neichthum," u. s.w.Die geistlichen Behörden de- nuncirten den weltlichen alsbald die Gottes- lästerlichkeit dieser Liste. Gleichwohl zirkulirte sie 3 bis 4 Wochen ungehindert im Kanton Zürich. Was aber that der Christ Vluntschli unterdessen? Ließ er Weitling kommen, um ihm die Herausgabe seines Buchs abzura- then, ließ er die gotteslästerliche..Subscriptionsliste con- fisciren ? O nein ! er ließ Weitling gewähren, das Buch sollte erst gedruckt werden, um dann ihm und seinem verhaßten Verleger (Heß) durch Confiskation der ganzen Auflage einen desto empfindlicheren Schlag zu versehen. Erst als die christlichen Männer vernahmen, daß Weitling den Druck seines Buches entstellen und Zürich verlassen wollte, erst da fielen sie über ihn her, con- fiscirten seine Privatbriefe, druckten sie und fingen den Communistenlärm an. Und was sagten die schweizerischen Radikalen zu allerem? O! diese bornirten Nationalzopfe fanden es ganz ,,in d er Ordnung," daß dem „fremdem Chaib" somitgespielt wurde. Der „Republikaner," das einzige Blatt das sich Weitlings annahm, wurde damals von Deutschen redigirt und geschrieben. Weitling wurde der Gotteslästerung und des Angriffs auf das Eigenthum angeklagt — und deshalb von der ersten Instanz zu 4 Monaten Gefängniß, Tragung der Kosten u. s. w. verurtheilt. Er appellirte an das Obergericht und wurde von diesem, zwar nicht wegen Gotteslästerung, sondern wegen Aufreihung zum Aufruhr und Übertretung des Fremdengesehes zu 6 Monaten Gefängniß und zu Ausweisung aus der Eidgenossenschaft verur- .theilt. Als der 24. Mai, der Endtermin der Strafzeit, heranrückte, mußten seine Freunde und er selber daran denken, was nun aus ihm werden sollte. Weitling wäre gern nach England gegangen. Da sich aber die Züricher Behörden durchaus nicht geneigt zeigten, ihm die Erreichung dieses Wunsches irgend zu erleichtern, so entschloß er sich einer Auswanderungsgesellschaft beizutreten, die am i. Juni von Aarau aus, unter Leitung des trefflichen Bürgers Dietsch, eines Bürstenbinders, nach Amerika gehen wollte, um dort eine kommunistische Colonie zu gründen. Dietsch hatte sich erbvten Weitling auf seine Kosten un- entgeldlich mitzunehmen, und sich deshalb an den Staatsrath in Zürich gewendet. Diese edeln Herrn aber hatten nicht Herz genug, dem ferneren Schicksal Weitlings und den Wünschen seiner Freunde die geringste Rücksicht zu schenken. Das Einzige, was sie thatcn, war ihm zu erklären, „man werde ihn (gegen seinen Wunsch) auf dem nächsten Weg über die deutsche Grenze bringen." Als die Freunde Weitlings von dieser Bosheit und Barbarei am Nachmittag des Himmelfahrttages Kunde erhielten, machten sie sich sogleich auf den Weg nach Zürich, um ihrem geliebten Bruder - koste es was es wolle — noch einmal — etwa auf seinem Weg nach der deutschen Grenze —freundlich zu begegnen. Schon am Vormittag des 21 . langten sie in Zürich an. Sie erkundigten sich sogleich nochmals nach den Absichten, die der Staatsrath mit ihm Vorhaben mochte. Man versicherte sie — angeblich aus guter Quelle — daß es sich hier keineswegs um eine durch das Fremdengeseh verbotene Auslieferung, sondern nur um eine einfache Ausweisung handle; man werde, hieß es, „den Weitling auf dem nächsten Weg an die deutsche Grenze liefern und ihn dort seinem Schicksal überlassen. Bei dieser Versicherung konnten sich natürlich diese Freunde nicht beruhigen; „das ist ja fast so breit wie lang" mußten sie denken. ImAugenblick indessen, als man ihnen diese trügerische Hoffnung gab, hatte Weitling schon die deutsche Grenze passirt. Die Bewohner der Pinte, d. h.des Gasthauses das dem Gefängniß schräg gegenüber liegt, haben folgendes ausgesagt, und diese Aussagen sind durch eine Menge anderer Augen- und Ohrenzeugen bestätigt worden. Am 21 . in aller Früh, Morgens 3 Uhr, wurden die Anwohner des Arresthauses durch ein von der Straße kommendes Geschrei aus dem Schlafgeweckt. „Helft mir! rief es, ich bin Weitling; helft mir! Man will mich an die deutsche Polizei ausliefern'." Die Leute, die ans Fenster eilten, sahen einen Menschen auf dem Boden liegen, welchen zum Gehen zu bringen, die wegen ihrer Rohheit berühmten Züricher Gendarmen durch kein Mittel, weder durch Fußtritte, noch durch Kolbenstoße, im Stande waren. Weitling wurde in's Gefängniß zurückgebracht. Sein Hülferuf verstummte bald. Man hörte nur noch ein klägliches Wimmern und das Klatschen eines Züchtigungsinstruments. Man hatte dem Opfer der Gerechtigkeit den Mund mit einem Taschentuch verstopft! Unterdessen war eine Kutsche vor dem „Stockhaus" angelangt ; den Mund verstopft und an Händen und Füßen „geknebelt" wurde Weitling in den verschlossenen Wagen geschleppt. Er drückte die Wagenfenfter ein — allein Alles war vergebens, der Wagen rollte fort. Sobald die waadtländischen Kommunisten Kunde von dieser Geschichte erhalten, eilten sie noch in der Nacht über Eglisau in das badische Gebiet, in der Hoffnung ihren Freund dort zu begegnen. Von dort aus wäre es dann leicht gewesen, ihn in kürzester Frist in den menschlicher gesinnten Kanton Aargau zu bringen; die ersten badischen Grenzorte liegen außerhalb des Zollgebiets und sind daher entblößt von Gendarmen und Zollbeamten. Das mochten Dr. Vluntschli und seine Gesellen aber gerade gefürchtet haben; dem Weitling sollte sein Entkommen nach Amerika nicht nur erschwert werden, sondern es mußte überdies ein Mitschuldiger der ungroßmüthigen Rache d^r Mächtigen gegen den Schwachen gesucht werden. Deshalb hatte man den Weitling auf einen Umweg den zopfbürgerlichen Schaffhäusern überliefert, und diese, durch kein Fremdengeseh gebunden, hatten ihn sofort bei dem badischen Dorfe Engen, auf der Straße nach Duttlingen gelegen,seinem Schicksal überlassen, das ihn richtig in die Hände der deutschen Polizei geliefert hat. Ich weiß nicht, ob die dortige Polizeibehörde etwa durch die Bluntschlianer von der Ankunft des Gefangenen in Kenntniß gesetzt worden — noch auch, ob er durch badische Gendarmen an die würtembergischen übergeben worden ist. Soviel aber ist gewiß, daß sich Weitling vor vierzehn Tagen noch im Gefängniß in Stuttgart befand*). Und was sagen die radikalen Zöpfe, frage ich abermals, was sagen sie zu all' diesen Erbärmlichkeiten? Nichts! Der Züricher,,Republikaner" hat die oben mitgetheilten Facten kurz erwähnt und zwei Winkelblätter derselben Farbe haben sie nachgedruckt. Sonst hat kein Hahn nach Weitling gekräht. Selbst die täglich erscheinende „Neue Züricher Zeitung," die doch sonst Raum für alle schweizerischen und europäischen Nichtigkeiten hat, gedenkt dieser Geschichte mit „keinem Wort." Wie dürften auch diese Partheiblätter wagen den Namen eines armen Schneidergesellen zu nennen, der die Täuschungen und *) Seine späteren Schicksale und seine endliche Befreiung sind nun bekannt. Lügen der sogenannten „republikanischen Freiheit" so unbarmherzig aufgedeckt hat? Zudem war er ein Deutscher, das heißt auf schweizerisch: ein Ausländer. Wehe ihm ! (Schluß folgt.) Herr Redakteur! Ich muß Sie bitten in Ihrer Zeitung die drei Niederträchtigkeiten zu constatiren, welche allein in den letzten vierzehn Tagen hier wohnende Deuts che an ihren Landsleuten öffentlich begangen haben. Den Commentar dazu mögen die betreffenden Delinquenten in der „Allg. Augsburger Zeitung" oder einer andern von ihnen bedienten Kloake niederlegen. 1 ) Ein Deutscher beging die Niederträchtigkeit, der „Revue de Paris" die falsche Angabe zu machen, die Redaktoren des „Vorwärts" wären gegen Frankreich feindselig gesinnt. Er wollte sie bei dem französischen Volke denunciren, und da er hiezu in dem Charakter und den Äußerungen jener Männer keinen Grund fand, mußte er lügen. 2) Ein Deutscher beging die Niederträchtigkeit in dem französischen Methodistenblatte der „Esperance," die Tendenz des „Vorwärts" bei denjenigen französischen Zeitungen zu denunciren, welche so großherzig das deutsche Blatt in Schutz nahmen. 3) Ein Deutscher, ein Mitarbeiter der legitimistischcn „la France," beging die Niederträchtigkeit, im „Globe," einem dynastisch-conservativen Blatte, das „Vorwärts" bei der bestehenden Regierung wegen Communismus und Atheismus zu denunciren. Herr A. v. Bornstedt's Name dient dieser Denunciation als Stygma. Was den Werth dieser drei Niederträchtigkeiten noch erhöht, ist daß sie ohne alle Provocation, ohne alle Gründe beleidigten Ehrgefühls oder persönlicher Gereiztheit, ganz spontan aus des Herzens tiefster ange- borner Schlechtigkeit und Verwahrlosung in einem Augenblicke hervorquellen, wo die äußere Stellung der Denuncirten die höchste Diskretion erheischt, wo jedes unüberlegte Wort ihre Lage verschlimmern kann. Ich bin begierig ob und wie eine gewisse hier vegctirende deutsche Mcnschenklasse sich rechtfertigen könnte, wenn sie bei dem Urtheilsspruche zugegen gewesen wäre, den gestern Abend ein berühmter französischer Publicist in meiner Gegenwart gegen sie erließ: « stlonmeui, msIIi6ur6U86- meur Wut ce que von» ckiws u'est r;ue trop vr^i. Ees Iiommes sout ee gu'il ^ » cke plus curisillo s Lsris. Ich bin mit aller Achtung Paris am 12 . Okt. 1 844. Ihr ergebenster F. C. Bernays. Deutsche Wirthschaft, gehalten von L. B. Emisser. Am Montag, Donnerstag, Sonnabend und Sonntag musikalische Abendunterhaltung. RE 6e I'^rrdre-Lse, 46. Billiger französischer Unterricht für Deutsche im Sprechen nn- Schreiben wird ertheilt, rue cles kUsös-Luinl-Kki-mgin-I'.^uxer- rois, n. 1 t, täglich von 8 bis 9 und von 9 bis IO Uhr- Abends, monatlich 4 Francs. — Für Schüler die allein Unterrichtzu haben wünschen, kostet der Monat io Fr.; von zwei Schülern einem jeden 6 Francs. Nedacteur: Heinrich Bvrnstein. Druck mit Schncllvressen von Paul Renouard. Paris, 1844 Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 8K Abonnements - Preise: in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 1» „ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen : die Zeile ü 50 Centimes » o rw MM '«»MM 4'E MW Man abonnirt: sür Paris: rrr« des ^louii»8, 3s; im Comptoir des Buchdruckervereins gusi Llslaquais , i5 ; in der Mendel'schen Buchhandlung, cue clu ks» cke lg IVluIe, 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. (Mittwoch.) Pariser Deutsche Aeitschrikt. ( 16 . Oktober.) Die Lage Englands. (Fortsetzung.) Das Recht des Habeas-Corpus, d. h. das Recht jedes Angeklagten (ausgenommen ist der Fall des Hochverrats), bis zur Eröffnung des Prozesses gegen Caution freigelassen zu werden, dies vielgepriesene Recht ist wiederum ein Privilegium der Reichen. Der Arme kann keine Bürgschaft stellen und muß daher ins Gefängniß wandern. Das letzte Vieser Rechte des Individuums ist das Recht eines Jeden, nur von seines Gleichen gerichtet zu werden, und auch dies ist ein Privilegium des Reichen. Der Arme wird nicht von seines Gleichen, er wird in allen Fällen von seinen gebornen Feinden gerichtet, denn in England sind die Reichen und die Armen in offnem Krieg. Die Geschwornen müssengewisse Qualifikationen besitzen, und wie diese beschaffen sind, geht daraus hervor, daß die Juryliste von Dublin,-einer Stadt von 250000 Einwohner, nur acht hundert Qua- lifizirte stark ist. In den letzten Chartisten-Prozessen in Lancaster, Warwick und Staffort wurden die Arbeiter von Grundbesitzern und Pächtern, die meist Tories und Fabrikanten oder Kaufleute, die meist Whigs, in jedem Falle aber die Feinde der Chartisten und der Arbeiter sind, gerichtet. Das ist aber nicht Alles. Eine sogenannte „unparthei- liche Jury" ist überhaupt ein Unding. Als O'Con- nell vor vier Wochen in Dublin gerichtet wurde, war jeder Jurymann als Protestant und Tory sein Feind. „Seines Gleichen" wären Katholiken und Repealer gewesen — aber selbst diese nicht, denn sie waren seine Freunde. Ein Katholik in der Jury hätte das Verdikt, hätte jedes Verdikt, mit Ausnahme einer Freisprechung, unmöglich gemacht. Hier ist der Fall eklatant; aber im Grunde ist es in jedem beliebigen Fall dasselbe. Das Geschwor- nengericht ist seinem Wesen nach eine politische und keine juristische Institution; aber weil alles juristische Wesen ursprünglich politischer Natur ist, kommt in ihr das wahre Juristenthum zur Erscheinung, und das englische Geschwornengericht, weil das ausgebildetsie, ist die Vollendung der juristischen Lüge und Unsittlichkeit. Matt fängt an mit der Fiction des „unpartheilichen Geschwornen;" man schärft den Geschwornen ein, alles zu vergessen, was sie etwa vor der Untersuchung in Beziehung auf den vorliegenden Fall gehört haben; bloß nach dem hier im Gerichtshof vorgebrachten Zeugniß zu urtheilen — als ob so etwas nur möglich wäre! Man macht die zweite Fiction des „unpartheilichen Richters," der das Gesetz entwickeln und die von beiden Seiten vorgebrachten Gründe ohne Partheilichkeit, ganz „objektiv" zusammenstellen soll — als ob das möglich wäre! Ja, man verlangt von dem Richter, daß er besonders und trotz alledem keinen Einfluß auf das Urtheil der Geschwornen ausüben, ihnen das Verdikt nicht unter den Fuß geben soll — d. h. er soll die Prämissen so legen, wie sie gelegt werden müssen, um den Schluß zu ziehen; aber er soll den Schluß selbst nicht ziehen, er darf ihn selbst für sich nicht ziehen, denn düs würde ja auf seine Darlegung der Prämissen einen Einfluß auöüben — alle diese und hundert andere Unmöglichkeiten, Unmenschliche keiten Und Dummheiten verlangt man, bloß um die ursprüngliche Dummheit und Unmenschlichkeit anständig zu verdecken. Aber die Praxis läßt sich nicht irre machen, in der Praxis kehrt man sich an all das Zeug nicht, der Richter gibt der Jury deutlich genüg zu verstehen, was für ein Verdikt sie zu bringen hat, und die gehorsame Jury bringt das Vsrdikt auch regelmäßig ein. Weiter! Der Angeklagte muß auf alle Weise geschützt werden, der Angeklagte ist, wie der König, heilig und unverletzlich, und kann kein Unrecht thun, d. h. er kann gar nichts thun, und wenn er was thut, so hat's keine Gültigkeit. Der Angeklagte mag sein Verbrechen eingestehett, das hilft ihm gar nichts. Das Gesetz beschließt daß er nicht glaubwürdig ist; ich glaube es war 1619, daß ein Mann seine Frau des Ehebruchs bezüchtigte, nachdem sie Während einer Krankheit, die ihr tödtlich .schien, Feuilleton -es Vorwärts. Der deutsche Proletarier. Die Nacht bricht an, in dumpfer Kammer Bebt sterbend deiner Lampe Schein; S'ift Licht genug zu deinem Jammer, Kriech' in das faule Stroh hinein! Mag Morpheus seine Körner streuen, Nur Thränen werden dir zu Theil, Du kannst am Gestern dich nicht freuen, i.Das Morgen bringt dir auch kein Heil. Du schreibst nicht an den Pyramiden Der Freiheit Jahre kurze Zahl, Kein Strahl von ihr ward dir entschieden, Nicht einer deinem Jammerthal. Nur Blitze stnd's, die sie dir schicken, Nur Kerker stnd's, die sie dir bau'n, Kannst kaum zum grauen Himmel blicken Und auf den alten Gott vertrau'n! Jahr aus, Jahr ein, mit jedem Tag Das alte Lied zur alten Leier, Bis deiner Stunde letzter Schlag Den Tod dir meldet als Befreier: Dir träufelt die Vergangenheit Nicht Balsam auf die heißen Wunden, Dir'ist, mit der entschwundenen Zeit, Das künftige Hoffen auch entschwunden. Kein Sänger, nein, kein Lied kann hier Dir deines Volkes Thaten melden- Nicht eine Säule zeiget dir Den Kampfplatz deiner todten Helden. Du bist allein mit deiner Noch, Brod! Brod! so rufen deine Sänger — Man schießt sie mit Kartätschen todt, Und es frohlocken deine Dränger! Dein König kann auf Dich nicht schauen, Die große Oper brannte ab; Er mußt' ein neu Theater bauen, Auf daß der Hof Vergnügen Hab'. Das ist für Herren seines Standes Die erste königliche Pflicht, Doch um die Armuth seines Landes — Da kümmert sich der König nicht. Du armer Teufel! Glück und Ruhm Mußt du dir aus dem Sinne schlagen- Die sind der Neichen Eigenthum! Kein Andrer darf daran sich wagen. Ein herrlich Bild die schöne Erden, Du bist der Schatten bei dem Licht; Was soll auch aus dem Bilde werden, Wenn es an Schatten ihm gebricht? Dein krankes Weib liegt in den Wehen, Des Säuglings warten Lumpen nur; — Muß mit der Mutter betteln gehen, Er findet schon die rechte Spur! — Die Tochter ließ für's Geld sich lieben, (Dein Enkel lebt im Findelhaus); Wär's Mädel nur gesund geblieben, Sie schlüge doch die Mieth' heraus!! — Genieß die Nacht, schlaf armer ManN, Tauch in das Nichts die müden Glieder; Der Morgen lächelt dich nicht an, Ist nur ein neues Gestern wieder. Und wenn zuletzt am Bettelstab Dein enges Thal du ganz dm-chzogen, Dann armer Mann hat dich das Grab Auch um das Jenseits noch betrogen! W. Marr. Pariser Plaudereien. ,,Plaudern wir ein wenig" heißt es gewöhnlich, wenn man am traulichen Kaminfeuer mit irgend einem Freunde eine Cigarre gemüthlich raucht, oder wenn man während des Flanirens einem Bekannten auf dem Boulevard begegnet. Plaudern und flaniren sind auch enge ver- schwistert, und beide Abkömmlinge des flolee fnr mente-. Das Flaniren entstand aus der Vermischung desselben mit französischem Blute und Geiste, welche nicht ruhig bleiben können, und das Plaudern oder Schwatzen haben sich in Deutschland eingebürgert, weil man dort nicht reden darf. Wozu aber sich auch immer mit ernsten Dingen, als Philosophie, Politik, Organisation der Arbeit, und mit der allgemeinen Glückseligkeit beschäftigen? Denken wir nun ein wenig an unsere eigene Bequemlichkeit, und 2 ihren Mann den begangenen Ehebruch gestanden hatte — aber der Vertheidigerder Frau wandte ein, daß das Geständniß der Angeklagten kein Beweisgrund sei und die Klage wurde abgewiesen*). Die Heiligkeit des Angeklagten wird dann ferner in dem juristischen Formenwesen durchgeführt, mit dem die englische Jury bekleidet ist, und die den rabu- listischen Kniffen der Advokaten ein so überaus ergiebiges Feld bietet. Es geht ins Unglaubliche, was für lächerliche Formfehler eiueu ganzen Prozeß umwerfen können. 1800 wurde ein Mann wegen Fälschung schuldig befunden, aber freigelassen, weil sein Vertheidiger noch vor Urtheilsfällung entdeckte, daß in der falschen Banknote der Name abgekürzt Bartw, dagegen in der Anklageakte vollständig Bartholomew geschrieben war. Der Richter, wie gesagt, nahm die Einwendung für genügend an, und ließ den Überführten frei**). — 1827 wurde in Winchester ein Weib des Kindesmords angeklagt, aber freigesprochen, weil in dem Verdikt der Todtenschau-Jury diese „ans ihren Eid" (Um jurors o5 our Imrck tim UnA uxon ttmir oulll pre- 86nt tlmt, ete.) versicherte, daß dies und jenes geschehen sei, wo doch diese aus dreizehn Männern bestehende Jury nicht einen Eid, sondern dreizehn Eide abgelegt habe, und es also hätte heißen müssen: „lipon tlmir ontim"***). Vor einem Jahre wurde in Liverpool ein Junge, der Jemanden an einem Sonntagabend das Schnupftuch aus der Tasche stahl, auf der That ertappt und verhaftet. Sein Vater wandte ein, der Polizeidiener habe ihn ungesetzlich verhaftet, weil ein Gesetz vorschreibt, daß Niemand am Sonntage diejenige Arbeit thun dürfe, wodurch er sich seinen Unterhalt erwerbe; die Polizei dürfe also Niemanden am Sonntage verhaften. Der Richter war damit einverstanden, eraminirte aber den Jungen weiter, und als dieser gestand er sei ein Dieb von Profession, wurde er um 5 Schillinge gestraft, weil er am Sonntage seinem Beruf nachgegangen sei. Ich könnte diese Beispiele verhundertfachen, aber sie reden für sich selbst schon genug. Das englische Gesetz heiligt den Ange*) Wscle, Ll > 1 . Ili-tor^, London, 1838» **) Ebendasebst. ***) Ebendaselbst. fangen wir nun ein wenig zu flaniren und zu plaudern an. Der Sommer, der dieses Jahr ganzincognito angekommen war, und sich stets hinter einem dichten Wolkenschleier verborgen hielt, war bereits abgereis't, als er sich auf der ersten Station erinnerte, weder eine Ankunft- noch eine Abschiedsvistte gemacht zu haben, und die Sonne wurde noch einmal zurückgeschickt, um beides zugleich anzuzeigen. Diese Gelegenheit wurde benutzt, und die Boulevards wimmelten von Flaneurs sowohl in Blousen als in Paletots Abderhaman, (!) und von Flaneuses mit den Gri- settenhäubchen oder mit Hüten ä l» Polka. Jeder Musik-, Bücher- und Bilderladen wird betrachtet, jeder niedliche Fuß bewundert, jeder hübsche Schnurrbart beliebäugelt, doch die meisten Gaffer ziehen die neu zu bauenden Häuser an. Stunden lange bleiben die Pariser, da stehen, und sehen Zu, wie ein Stein nach dem andern hinaufgezogen oder Herabgelaffen wird, und wenn sie nicht der Hunger triebe, so würden Manche vom Augenblicke der Grundsteinlegung bis zur völligen Beendigung des Hauses stehen bleiben. Auf allen Seiten und mir zauberischer Schnelle wird auch hier gebaut, und wer sich auf einige Zeit von Paris entfernt, findet bei seiner Rückkehr neue Häuser, neue Straßen und neue Bewohner. Zu ebener Erde ist nun statt eines Weinhändlers ein esle rvsmu- i-airl, wo man vergoldete Model, Frescomalereien, und Speisen zu verhältnißmäßig billigen Preisen findet; anstatt des ehemaligen Portiers, des Schneiders, thront klagten und wendet sich gegen die Gesellschaft, zu deren Schutz es eigentlich da ist. Wie in Sparta wird nicht das Verbrechen, sondern die Dummheit, mit der es begangen wurde, bestraft. Jeder Schutz weudet sich gegen den, den er schützen will; das Gesetz will die Gesellschaft schützen', und greift sie an; es will den Angeklagten schützen und verletzt ihn — denn es ist klar, daß Jeder der zu arm ist, der offiziellen Rabulisterei einen ebenso ra- bulistischen Vertheidiger entgegenzustellen, alle Formen gegen sich hat, die zu seinem Schutz geschaffen wurden. Wer zu arm ist, um einen Vertheidiger oder eine gehörige Anzahl Zeugen zu stellen, ist in jedem irgend zweifelhaften Fall verloren. Er bekommt nur die Anklageakte und die ursprünglich vor dem Friedensrichter gemachten Teposilionen vorher zu sehen, weiß also nicht das Detail dessen was gegen ihn vorgebracht wird (und gerade für den Unschuldigen ist das am gefährlichsten); er muß sogleich, nachdem die Anklage geschlossen ist, antworten, darf nur einmal sprechen, erledigt er nicht alles, fehlt ein Zeuge, den er nicht für nöthig hielt, so ist er verloren. (Schluß folgt.) Fernere Entwicklung der Collision des Herrn Tschech mit Friedrich Wilhelm IV. Hätte man Napoleon gleich nach seiner Geburt unter dem Bette erstickt, kein Hahn krähte heute nach ihm; daß seine Amme so human war, ihn lebendig zu lassen, ist der Grund zu seiner spätem Große. Man kann nicht läugnen, daß Friedrich Wilhelm IV. diese Eigenthümlich- keit mit Napoleon gemein hat, wenn auch von diesem Ausgangspunkte ab die Lebenswege der beiden großen Männer geradezu die umgekehrte Richtung gehen. Sei dem wie ihm wolle, cs ist immer ein erhabener Gedanke den Urgrund seiner ganzen Laufbahn mit einem solchen Niesen unter den Königen wie Napoleon gemein zu haben ; — ist doch das ganze übrige Leben von so unendlich vielen Zufällen abhängig, von dem Walten der Vorsehung, dem Finger Gottes, daß der Mensch dabei nur wie ein schwaches Werkzeug erscheint. Napoleon kommt mit gewöhnlichen Händen und Füßen, und einem menschlichen Kopfe auf die Welt; das ist alles. Denken wir nur den Loni ck'^l-cole, die Umstände die ihn zum Ober- general der italienischen Armee machten, den 18 . Brumm im Entresol ein Concierge, der dem Ankommenden den Cigarrendampf unter die Nase bläs'tund durch seine Magd Auskunft erthcilen läßt. Im ersten Stocke kann wegen der Kostspieligkeit des Zinses natürlich nur sein Schneider wohnen, den zweiten Stock hält eine Modistin inne, im dritten Stockwerke ist ein sogenannter lsi^ui- lUglllni-k-L, und im vierten endlich wohnt ein Rentier. Die Mvdewaarcnlager, die sich früher mit dem i ex-cke- cii!,u88e6 und mit dem ersten Stock begnügten, fühlen sich nun beschränkt, und nehmen ganze Häuser in Anspruch. Täglich beinahe wird ein neues Modcwaarcn- lager auf Seiltänzerart unter Begleitung des Blagv- phons und der Pufftrompete eröffnet, und eigens gemie- thete Cabriolets fahren sogleich vor, eigens gcmiethete Lords und Ladys steigen aus, besehen und bewundern Alles, kaufen tüchtig ein, und das Publikum, getäuscht durch diesen Zuspruch, folgt der Menge, und läßt sich dann erst recht foppen. Ein guter Beobachter jedoch erkennt, daß während der ersten Lage nach der Eröffnung eines solchen Ladens immer dieselben Equipagen vor der Thüre, und immer dieselben Einkäufer im Laden stehen. Jedes Aufkommen eines solchen neuen Ladens zieht den Fäll von sechs andern, die nicht mehr konkurriren können, mit sich. Jedes große Haus verschlingt gleich vor Beginn mehrere kleine Häuser, was uns die gezwungenen Ausverkäufe allerseits beweisen. Voltaire sagte, maire, und einige andere ähnliche Verwicklungen weg — wer wird behaupten, daß aus dem gewöhnlichen Corsiea- nermenschen der große Kaiser geworden wäre, dazu wenn er weiß, daß die Halsstarrigkeit und Absonderlichkeit jenes Mannes ihn immer aparte Wege gehen ließen. Die Sache ist einfach, das Schicksal war groß in diesem Mann, ,,er ist ein merkwürdiges, unumstößliches, histon- schesKactum," aber kein großer König. Wie ganz anderes Friedrich Wilhelm IV. Als König kommt er auf die Welt; er hat von der Wiege bis zum Thron all' jene schwülstigen Verwicklungen nicht durchzumachen, die fast das ganze Leben Napoleons erfüllten; er trifft einen geordneten Staat vor, während jener sich mit den meskinen Haushaltungssorgen, mit der Erschaffung einer ganzen neuen Welt Jahr aus Jahr ein herumlpagen mußte. Er hat Gesetze, eine Armee, Feldmarschälle, Minister, Landstraßen, Polizei, Beamten, Staatspapiere, Hofräthe, Orden, Finanzen, das Mutterland mit den Provinzen, ja sogar einen Thronfolger, Alles in größter Vollständigkeit von seinem Vater geerbt, erhalte dafür nichts zu thun. Seine Zeit bis zum Regierungsantritte konnte er daher mit tüchtigen Studien der Werke des jungen Deutschlands und der von seinem Vater erfundenen Agende, mit Ausbreitung genialer Gedanken, überhaupt der innerlichen literarischen Vollendung seines königlichen Wesens zubringen. Wie klein erscheint gegen solche Größe Napoleon, dessen höchste Würde, dessen Rang unter den Großen der Erde, dessen Kaiserschaft auf demselben Niveau mit der untersten naturwüchsigen sich eine selbstverstehenden Stufe des als König gebornen Preußen steht. In einer solchen Stellung gilt es dann natürlich zu zeigen, daß der König ein großer König ist. Den Weg vom Menschen zum König hat die Weltgeschichte für Friedrich Wilhelm zurückgelegt — den Rest hat er selbst zu thun. Das Bewußtsein dieser Aufgabe im Kampf mit der von seinem königlichen Wesen durchaus unabhängigen geistigen Sterilität; der Drang nach Originalität und der unverschuldete Mangel origineller Gedanken; die Sehnsucht nach Neuem und die eintönigen Gegenstände und trivialen Vorkommnisse, geben den Schlüssel zu der anscheinend caleidoscopischen Negierungsweise des großen Königs. Die physikalische Doktrin vom Parallellogramm der Kräfte gibt die faßlichste Anschauung von der königlichen preußischen Staatsbewegung. Die Umstände drücken nach der Linken, das Bewußtsein der königlichen Kraft nach der Rechten, und die ganze Maschine geht wider sein Erwarten einen dritten von allen andern vor ihm betretenen Weg. Daher kommt es hauptsächlich daß anscheinend und äußerlich genommen die Thaten des großen Königs den gewöhnlichen Königsthaten so außerordentlich ähnlich sehen. Stemmte sich der König z. B. von vorn gegen die Umstände, oder drückte er von hinten die Maschine vvr- daß man in dieser Welt zu den Häm m ern oder zu den Am bösen gehöre; ich und Andere meinen, daß man entweder Essender oder Gegessener sein müsse. Selten gibt es Leute, die zwischen diesen zwei Klippen durchzusteuern suchen, und sich bemühen, weder Essender noch Gegessener zu sein. In unserer Zeit, wo die Geldaristokratie herrscht und wo der Jndustriekrieg wüthet, find die Armen stets die Gegessenen. Doch warum sind sie auch so dumm, wie Austern, und lassen sich essen, wie Austern mit Pfeffer und Citrone? s>i-opo8 der Austern! Wir leben ja in voller Austern- Zeit und zu sämmtlichen Philipps der rue Monioi^ueil kann man nur durch Protektion, oder durch langes Warten in der guene vor dem Hause gelangen. Mehrere Philantrophen haben nun in derselben Gasse specielle Austerstuben errichtet, wo man zu billigen Preisen ächte Ostender-Austern aus Havre, und den besten Sauterne aus der Essigfabrik in Puteaur haben kann. Doch genug dieser materiellen Dinge; schwatzen wir nun von Kunst. Ohlenschläger, der rühmlichst bekannte dänische und deutsche Dichter, befindet sich seit einiger Zeit in Paris, und wird nächstens ein neues deutsches Trauerspiel im Salon der Mi da me Koreff vorlesen. Ponsard ist ebenfalls angekommen, und bringt eine Tragödie,-Agnes de Meranie" für das Theater Frmwais mit, auch Augier soll ein neues klassisches Lustspiel beendet haben, welches ebenfalls dieselbe Bühne angenommen. wärts, dann würden allerdings sehr bald höchst originelle Resultate zum Vorschein kommen. Seine Originalität besteht aber wie gezeigt darin, daß er es eben grade so macht, wie alle seines Gleichen, nur mit dem Bewußt se i nPon der Nothwendigkeit dieser Originalität, -as seinen wenigen literarisch gebildeten College« abgeht. Ich verfolge diese interessante berliner Erscheinung nicht durch alle bisher schon durchlaufenen Phasen: aber auf einen Vorfall will ich doch die Anwendung machen. Es war vorauszusehen, daß irgend Jemand auf Friedrich Wilhelm schießen würde. Ich kann mir sehr gut denken, daß es einem so originettsüchtigcn Könige fatal sein mußte, daß auch auf ihn, wie auf so viele andere beliebige Fürsten, ein Attentat unternommen wurde. Warum passirt mir auch gar nichts Neues? Nachdem sie für andere alle Teufels- und Höllenmaschinen erfunden haben, kommt ein ordinärer Mensch.daher, und schießtauf die trivialste Weise von der Welt mit einem Pistol nach mir, und trifft mich nicht einmal? Dir will ich dienen; führtest du dein Werk auf eine eigenthümliche, groteske, originelle Weise aus, dann hätte ich meinen Geist nicht zu quälen brauchen um dich nach Verdienst zu strafen: ich begnadigte dich, und damit war ich gerächt; für deinen ordinären Anfall aber muß ich dich der Originalität wegen von unten herauf rädern! So sprach er durch das Organseiner Gerichte. Aber so sollte die Sache nicht enden. Die Umstände, d. h.hier die Ansicht des Volkes von dem Vorfälle war eine andere; der originelle Einfall des Königs, Herrn Tschech von unten hinauf rädern zu lassen, konnte bei seiner Ausführung auf äußere Schwierigkeiten stoßen, oder wenigstens unter den Leuten controverse Ansichten Hervorrufen. Der große König entschloß sich daher auf eine höchst originelle Weise von seiner originellen Idee abzuftehen. Auf die originellste Weise von der Welt setzte er sich über alle legitimen Vorurtheile hinaus, berief sich auf das Beispiel des Usurpators Bernadorte, und drohte seinen Ministern, wenn sie auf der Erecution des Herrn Tschech beständen, ihn am Tage der Hinrichtung vollständig' freizu lassen. Umdie Verbreitung dieser originellen Nachahmung haben sich die französischen Journale äußerst verdient gemacht. Die OareUe ckes Hibuusux namentlich hat dafür neben den Schandpfählen der Alltagsverbrecher einen eigenen Tugendprangcr errichtet. Ob sie wohl nicht daran gedacht hat, wie doppeltwohlklingcnd der Name des Preußenkönigs in den Ohren eines Franzosen klingen muß, wenn er mit Bernadotte dem ,,Treuen" zusammen genannt wird? Christlich-Züricher Verrätherei. .(Schluß.) Abcr^heraus an's Tageslicht soll sie, diese Erbärmlichkeit der ,,freien Bürger," und die noch größere ihrer Dieital.OperhatwiderErwarten anftattmit,,Othello" mit,,Linda diChamouni" begonnen, und ,,Norma" dar- auffolgen lassen Außer mit den beiden Sängerinnen Grisi nudPersiani, und mit Lablacheu. Mario sind wir mit dem heurigen Personale nicht einverstanden. Signora Manara scheint eine gebildete Musikerin, jedoch ist ihre Stimme zu schreiend, um den Anforderungen, die das hiesige Publikum eigentlich machen sollte, entsprechen zu können. Fornasari singt stetsnochzutief, Ronconizu hoch, Taglia- fico bildet sich nach diesen Mustern aus, und der Chor begleitet. Es scheint, daß die letzte Epoche der italienischen Oper sowohl hier als in Italien selbst angekommen sei, keine Compositeurs und keine Sänger mehr weder hier noch in Italien. Die Italiener haben ihre Heiterkeit verloren, sie singen nicht mehr, sagte mir Jemand, sie pfeifen aus dem letzten Loche. — Jedoch trotzdem ist die italienische Oper sehr besucht, und für die ganze Saison keine Loge und kein Sitz bei Herrn Vatel zu haben. Wer aber dennoch welche haben will, findet sie gegenüber vom Locationsbureau beim Weinhändlcr Gabriel. Das Publikum, die Polizei und die Direktion ärgern sich über diesen artistischen Weinhandel, ohne jedoch einschreitenzu können; dochHersichert man, daß Herr Vatel selbst welche holen läßt, wenn irgendwer ,,um jeden Preis" sie haben will. Die große Oper hat ihre Parodie oder verböserte Auflage von ,,Othetto" nun durch die neue Oper ,,Richard Institutionen. Warten Sie, ich werde ihnen mehr darüber schreiben. Für heute wollte ich Ihnen nur diese „Auslieferung" berichten. Ich habe sie niedergeschrieben, so wie sie mir ein alter Freund Weitlings erzählt hat. Er hat nnch entflammt mit seinem Zorn; aber dieser Zorn ist ein gerechter. Er beweist uns, daß diese Kommunisten noch lange nicht die Ungeheuer sind, die Herr Dr. Bluntschli aus ihnen hat machen wollen. Nein, ihr jungen Bursche! ihr habt ganz Recht! Hört nicht auf die Stichwörter und das Feldgeschrei dieser politischen Zungendrescher und Kannengießer! Laßt Euch nicht mit Worten abspeisen, und lauteten sie auch: Republik, Nationalität, Vaterland und Freiheit! Schaut den Dingen auf den Grund! Verlangt vor allem die Sicherung einer menschlichen Eristenz, die Ihr jetzt mit Eurer Arme rastloser Arbeit nur für Krämer und Müßiggänger, nicht aber für Euch selber zu errichten im Stande seid ! Ich bin Schauspieler und verstehe wenig von EurenSystemen. Vielleicht find ich sie in ihrer jetzigen Form unausführbar ! Das darf Euch aber nicht hindern, nach der Wahrheit zu suchen und auf Eurem guten Recht zu bestehen. Fahrt fort den Philistern den Krieg zu machen und sie in Angst zu jagen um ihren Mammon und ihre „goldenen M äuse!" denn dieses Volk ist unerträglich in seinem Hochmuth und in seiner Scsselherr- lichkeit. Daher seid munter, Ihr jungen Simsons; die schöne Dalila war schon deshalb eine ganz schlechte Frau, daß sie dem Philisterfeind die Locken seines Muthes abschor ! Leben Sie wohl! Als Nachtrag zu vbgem sei noch bemerkt, daß der eifrige Kommunistenfresser im Großrathe zu Zürich nicht immer Thaten vollbringt die die Menschlichkeit empören, sondern auch mitunter sich Mühe zu geben scheint, sich lächerlich zu machen. Herr Bluntschli läßt nämlich — es klingt fast fabelhaft und ist dennoch wahr — die confiscirten Erem- plare des kommunistischen Handbuches : „Garantien der Harmonie und Freiheit," von Wilhelm Weitling, öffentlich verkaufen, um dadurch die Prozeßkoften zu decken. Weniger in's Lächerliche gehört die Confiscirung von Weitlings Baarschaft, bestehend in hundert Schweizerfränken, die man in seinem Reisekoffer fischte. Hätte verfeme Staatsmann auch dies Geld noch dem Regierungsspione geschenkt, dem man die Arrestation verdankte, so hätte man diesen Elenden, der ein baierischer Spezereihändler ist, vielleicht jetzt nicht wegen Diebstahl cinzu- ftccken gebraucht. Gastronomischer Dithyrambus. Wie sich die französischen Journale und namentlich Ire Lies»« dazu hergeben mögen , die Potsdamer Nachäfferei des Festes zu Versailles in zu besingen und zu in Palästina" ersetzt. Das Buch, von Paul Foucher, nach Walter Scotts ,, Talisman " ist ziemlich gut, die Musik von Adam ist, mit Ausnahme eines Duetts im zweiten Akte, mittelmäßig. Es war die höchste Zeit, daß Adam Mitglied des Instituts wurde, denn nach seinen letzten Werken hätte ihm Niemand geglaubt, daß er ein guter Compositeur wäre. Vielleicht kommen wir, wenn es der Raum dieser Blätter erlaubt, auf diese Oper zurück. Wir sind nun auf die „Maria Stuart" unseres talentvollen Landsmannes Niedermayer und auf den Tenoristen Gardoni gespannt. Die „heilige Cecilia" inspirirt, wie wir im letzten Berichte vorhergesagt haben, auch das Publikum der O^ei-Ä-eomiqus nicht, und wir werden, allem Anscheine nach, diesen Winter mehr auf die Concertsaison angewiesen sein, welcheauch würdig begonnen werden wird! Herr Georg Kästner, der sich durch seine theoretischen, kritischen und musikalischen Werke einen sehr vortheil- haften Ruf in Frankreich und Deutschland erworben, Kästner, der die höchst seltenen Eigenschaften eines bescheidenen wahren Künstlers mit denen eines beschützenden Kunstgönners vereinigt, gedenkt in der zweiten Hälfte des Monats November eine große biblische Oper, „der letzte König Judas" (Worte von Maurice Bourges) im Saale des Conservatoriums aufführen zu lassen. Dieses Werk ist keineswegs, wie einige aus der Benennung glauben könnten, irgend ein Oratorium im alten Zopf- und Perrückenstyle mit endlosen Fugen, und / belobpsalmen, ist fast unerklärlich. Selbst die servilsten deutschen Journale haben von dieser Abfütterung der preußischen Fabrikanten durch den munificenten Friedrich Wilhelm IV. kein Aufsehen gemacht. In Paris könnte man wenigstens wissen, daß die Civillifte eines Preußenkönigs so zu sagen aus dem sämmtlichen Hab und Gut seiner Unterthanen besteht: was er ihnen lothweise gibt, nimmt ersihnen centnerweise wieder. Doch man weiß ja was Reklamen bedeuten, und woher sie kommen ! Gewerbs Privilegs um fürdieCxploitationdesheiligettRockes in Trier. Der Stadtrath von Trier, in Gemeinschaft mit dem bischöflichen Kapitel, einer Deputation der Trierer Bäcker, Metzger und Wirthe, endlich des Direktoriums der Mo- sel-Dampfschifffahrts-Gesellschafr, hat im Himmel um ein Gewerbsprivilegium wegen ausschließlicher Exploitation des Aberglaubens, in so weit sich dieser auf die Wunder- kraft des heiligen Rockes bezieht, nachgesucht, und dasselbe, wie verlautet, auf die Dauer der Regierung des Allerhöchsten erhalten. Die genannten Bittsteller waren hierzu durch den Coucurrenzversuch der Wirthe in Argen- teuil getrieben worden, welche unaufhörlich durch Reklamen in ihren Zeitungen die Echtheit jenes trierischen Nocks in Zweifel zogen, und ein in Argenteuil aufbewahrtes Kleidungsstück aus der göttlichen Garderobe als einzig ächt bezeichneten. Sobald die Wirthe von Argenteuil von dem Vorhaben der Trierer hörten, thaten sie auch ihrerseits die nöthigen Schritte, und die Jungfrau von Orleans versicherte ihre Landsleute allerhöchsten Ortes ihren ganzen Einfluß verwenden zu wollen. Allein das Recht war offenbar auf Seite der Trierer, und die aktenmäßigen Beweise der Wunderkraft trugen den Sieg über die schönen Reden der Hofschranze davon. Die Mosel-Dampffchifffahrts-Gesellschaft legte ihre Bücher vor, woraus sich ergab, daß sie „in diesem Jahre 36oao Thaler mehr als im verflossenen durch die Wallfahrt nach Trier eingenommen hat;" der Stadtrath brachte ein ärztliches Zeugniß bei, aus dem erhellt, daß die lahme Nichte des Erzbischofs Droste v. Bischerig-; durch Berührung des Rockes kurirt wurde; das Kapitel producirte einen Rechnungs-Auszug, nach welchem im Durchschnitt seit 6 Wochen täglich 600 Thaler Opfergcld im Opferstock und Klingelbeutel ein-? gegangen war; und die Bäcker, Metzger und Wirthe aller Confessionen erklärten, daß blos durch die Wunderkraft des heiligen Nocks die kupfernen preußischen Viergroschen- ftücke in Louisd'ors verwandelt worden seien. Zudem aber erklärten Sachkenner und Alterthumsforscher, wie hochweisen, gelahrten, umgekehrten Nachahmungen. sondern es ist eine dramatische Arbeit, eine Oper, wie „Joseph und seine Brüder," vonMehul, und wie die „Siebenschläfer," von Naumann, welche ebenfalls eben so gut auf der Bühne, wie im Concertsaale gesungen werden können. Doch warum läßt Kästner nicht sein Werk in der Oper aufführen? werden Sie fragen. — Wahrscheinlich weil er sich nicht der kritischen Autorität des Herrn Leon Pillet unterwerfen will, wahrscheinlich weil er nicht von Madame Stoly geschrien sein wahrscheinlich weil er nicht von Duprez geändert und trans- pon-rt sein, weil er nicht seinen Erfolg den Sprüngen der Mad. Lerour, nicht den Pinseln Dieterle und Sechan, und nicht der Bemühung der Claque verdanken will; weil er ein unabhängiger, sich selbst bewußter Künstler, sein Werk, wie er es geschaffen, dem wahren und einzigen Richter-Publikum vorlegen kann und will. Habeneck wird dirigiren, Nogerund Mad. Doru s- Gras werden die Hauptparthien singen, die Künstler des Musikvereins werden das Orchester und die Zöglinge des Conservatoriums die Chöre bilden. Kurz alles vereinigt sich, um dieses Concerr zu einer musikalischen Feierlichkeit zu erheben, und wir machen alle Musikfreunde überhaupt und unsere Landsleute insbesondere auf. dieses Werk aufmerksam, welches dem Talente eines Beschützers, Vertheidigers und Fortpflanzers der deutschen Schule in Frankreich entsprossen. *** cs erwiesen sei, daß der Trierer Rock auf dem Jahrmärkte in Kaphernaum gekauft worden sei. Dagegen konnten die Wirthe in Argenteuil nicht aufkommen, und das Ge- werbsprivilegium wurde den Bittstellern tar- und spor- telsrei zugestellt. Auszüge aus dem „lvet'en des Glaubens im SinneLuthers etc." (Fortsetzung.) Der Vater hat daher nur die materielle physische Macht; aber die wahre, das physische Vermögen erst zur That bestimmende und beherrschende Macht, das Vaterhcrz hat vas Kind in seinen Händen. Als Mann, als vollkommnes Wesen, d. h. an Macht und Verstand steht der Vater über dem Kinde, aber nur um als Vater, d. h. im Herzen unter dem Kinde zu stehen; er ist nur der Herr desselben, um der Diener seiner Bedürfnisse und Wünsche sein zu können. Das Herz ist der Regent des irdischen, wie des himmlischen Vaters*). Worin besteht denn nun aber der eigentliche Unterschied zwischen Vater und Kind? Nur darin: im Vater ist als Gegenstand vorhanden, was im Kinde als Anlage, dort Sein, was hier Ziel des Werdens, dort ein gegenwärtiges, was hier ein Zukünftiges, dort Wirklichkeit, was hier Wunsch und Streben. Das Kind bestimmt sich nach dem Vater; der Vater ist sein Vorbild, sein Ideal. Kurz das Kind hat im Vater Dasselbe, was es als reifer Mensch besitzt, nur daß es im Vater Das außer sich hat, was es als reifer Mensch in sich hat, nur daß im Vater als ein vom Kinde unter- schiedneö Wesen dargestellt ist, was später, was an sich des Kindes eignes Wesen ist. Der Vater ist, sagt, was das Kind sein soll, sein kann, sein wird. Der Vater ist der natürliche Wahrsager des Kindes; er ist die an ihm bereits erfüllte Verheißung der dem Kinde bevorstehenden und in der Hoffnung und Vorstellung bereits vorschwebenden Zukunft. ') Das religiöse Abhängigkeitsgefühl bezieht sich nur auf Gott, inwiefern er nichts andres ausdrückt als das Wesen der Natur im Unterschiede vom menschlichen Wesen. Aber von Gott als dem Wesen der Natur abstrahire ich hier, wie im Wesen des Christenthums, seine Darstellung einer besondern Abhandlung vorbehaltend. Gott ist der Gegenstand des Menschen, der ihm sein eignes Wesen vorhält, der dem Menschen nur zuruft, was er selbst ist, zwar nicht den Sinnen, dem Leibe, der Wirklichkeit, aber seineil Wünschen, seinem Verlangen nach, nämlich ein über alle Schranken der Natur erhabnes, allmächtiges, unsterbliches, göttliches, d. i. seliges Wesen; denn alle göttlichen Eigenschaften, alle Glaubensartikel lösen sich zuletzt in der Seligkeit auf. Das, was den Menschen von allen Übeln erlöst, was ihn selig macht, Das nur ist Gott. Christus heißt ausdrücklich der Seligmacher. Was heißt aber: er macht selig? Es heißt: er macht wahr, was wir wünschen, er erfüllt, er verwirklicht unsre Wünsche. Was ist also Gott? — die Seligkeit des Menschen als erfülltes, wirkliches, d. i. gegenständliches Wesen. Gott ist die Zusage, die Verheißung und zwar die bereits be- stätigte, nicht mehr bezweifelbare Verheißung Deiner Seligkeit. Sinnlos, in den Wind geredet, wesenloser Schall ist daher dieses Wort, wenn Du es nicht glaubst, denn es gilt nur Dir, hat daher nur Verstand, wenn Du cs verstehst, wenn Du es auf Dich deutest, auf Dich beziehst. Nichts anders also ist Gott oder das göttliche Wesen als das die menschlichen oder vielmehr christlichen Wünsche, deren Brennpunkt der Wunsch der Seligkeit ist, aussprechende, zusagende, verwirklichende Wesen — nichts andres also, als das sich als höchstes, wahrstes, wirklichstes Wesen, gegenständliche Wesen des menschlichen Herzens oder vielmehr Ge- müthes. „Nimm Dir für alles was Du gern hättest, so wirst Du nichts bessers noch liebers finden zu wünschen, denn Gott selbst zu haben, welcher ist das Leben und ein unausschöpf- licher Abgrund alles Guten und ewiger Freuden. Nun ist kein edler Ding auf Erden, denn das Leben und alle Welt kein Ding mehr fürchtet, denn den Tod und nichts höher begehret, denn das Leben. Den Schatz sollen wir über alle Maaß und ohne Aufhören in ihm haben." (Th. x, S. 381.) „Was begehren alle Menschen hitziger, denn daß sie des Todes los werden? Nun ist dieser Gott uns zu einem solchen Herrn und Gott worden, aus dem Tode zu gehen und selig zu werden, wie alle Menschen begehren und sein Regiment nichts andres ist, denn selig zu machen und ein Herr Gott zu sein vom Tode auszugehen." (Th. vi, S. 264.) „Alle Gewalt, spricht er Matth. 28, 18, im Himmel und auf Erden ist mir gegeben. Also werden wir erlangen, was wir begehren und unser Herz wird nicht zweifeln, wie derer Türken und Jüden Herze müssen zweifeln. "(Ebend. S. 31.) „Was könnten oder wollten wir, so wir selbst wünschen sollten, größerö und bessers begehren, denn einen solchen Mittler und Fürbitter gegen Gott zu haben? — Denn wie kann oder sollte er diesen Priester, seinen einigen, lieben Sohn nicht hören? Wie kann er ihm versagen oder fehlen lassen, was er bittet? Nun bittet er ja nichts andres, denn für uns u. s. w." (Ebend. S. 447.) „Gott— gibt uns mehr denn wir können verstehen, noch bitten und begehren. — Derohalben übertrifft die große und überschwengliche Erlösung weit unser Bitten und Begehren. Von deswegen hat uns auch der Herr Christus selbst die Weise zu bitten und beten fürgestellt, welcher so er sie selbst nicht gestellet hätte, wer wollte so große und treffliche Dinge von Gott zu bitten so kühne sein?" (Th. v, S. 573.) „Darum ist es ja ein tröstlicher, freundlicher, lieblicher Herr, als wir immer wünschen sollten," d. h. wie wir ihn nur immer wünschen können, ganz entsprechend unfern Wünschen. (Th. xxn, S. 127.) „Christus für Dich gethan hat und gegeben alles, was Du für Dich suchen oder begehren magst, hie und dort, es sei Vergebung der Sünde, Verdienst der Seligkeit oder wie es mag genennt werden. — Frei von ihm selber aus lauter Liebe kommt er, daß er nur gut thue, nützlich und hülflich sei. — Da siehe nun, ob er nicht das Gesetz halte: was ihr wollt daß euch die Leute thun sollen, das thut ihr auch ihnen. (Fortsetzung folgt.) Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Nenouard. L'Operrrmarcbe,1e8 ^eux bande8, dan8 1» voie cle 4» decadence. Le8 ellort8 de Ouprex pour arracber d«8 80 H 8 LU8868 et percant8 5ont de la peine. klaroiiliet a une N88N2 Hol>6 voix, M3I8 il I» 8acri6e trop 3 In mime. I)an8 l«8 rol?8 le8 plua c3lme8 et le mieux PO 868 , ii 3 l'air d'un Don O^wbotte combattant avec It>3 moulin-. stlarie 38pire au Premier rang. Zuger de I» penurie d«8 teno, 8. Ln journrden ti ouve rpiatre c»li cin<( ä l'L>/-e'rw. Xou8 n'^ vo^on8 plu8 un seul cpii vaille stlario ile8 /trdr'e-rL , ou Hoger de LS/isra-Oorrrr'^rre; Octave e.8t lroid et 8an8 metboäe. 8erda 5ait evidemment 8on 8tage. stieme negligence, incapacite ou in8u6r8»nce dan8 te8 bar^ton8 et Iv8 Ü 38868 . Lev3886ur 3 ete aclmirakle il ^ 3 vingt 3N8. Oeux qu'on lle8tine 3 lui 8ucceder donnent peil ä'e8per3N668. Il n')s 3 que stlme8 8toltr et Oorua- 6r38 c>ui cbantevt ; mnis elle3 ne peuvent p38 cban- ter pnur tont le moncle. Lucoreun 3n et l3 direetiou 3 ctuell 6 8er3 obligee de mettre 1e8 clela 8 OU 3 In porle. On comptait beaucoup 8ur /ir>L»rd err /^rte§tr'rre. On 3 5ait p38 M 3 I de 5rai3 eu 3illcbe8, reclame8 et »nnoncea. Oe devait etre une mine de proaperile pour l'O/ierrr. Oe n '3 et« maibeureusement, la 86- eonlle repre86Nt3tion l'a prouve, c>u'un de8appointe- ineut de pln8. stlme Ooru8-6ra8 e8t admirable cle eourage, mui8 nou8 clonton8 csu'elle' parvienne 3 388 urer 3 eette piece plu8 üe dix repre8entation8. Voila Lordinaire. <)u3nt 3 l'extraordinaire, c'«8t- 3-ckire 3ux repri863 dout l'^e^derrrre remplit 868 3 56- eÜ68 le dimancbe, le meilleur conaeil que noua poni rion8 donner au public de ce jour, e'e8t stiller 3 In eulenäre ebunter 0i3ri88e et k'reäeric Oemaitre. Ln nltenclnnt In rentree cle3 noble3 c1l3tel3ine8 et cle wüte In baute k^bion 5r3N63i8e, le f/a- /re/r 63t rempli de tout ee que >3 eapitale p0886cke de plu8 di8tin^ue et de plu8 eleA3n t en 5ait d'etr3Nger8. // dr ce ebek-d'oeuvre de I 3 verve eomi^ue de Hc>88ini, 3 5ait 83 reappm-itiou le mardi de la 86M3ine deruiere. Nme. Lersiani 3 ete udmi- rable dan3 le role de Iloaine; stl3i io 3 ete viveinent 3pplaudi dan3 eelui du comte ^.Im3viv3 ; Lablaclie 68t un trdent comme il n'^ eo 3 p38 d3»8 ee bg8 monde. ()uel ebanteur et quel comedien ! iVIaia le voilä -^u'il 8 ' 3 vi 86 dejä d'etre malade. 0'e8t une inauvaiae plai- 83 nterie, n'k3t-ce P38 ? s^ouala pardonnons d'ailleurs d'autant plu8 volonlier8 csu'elle nou8 a permia de revoir /.rnd« de le 8ucee8 de cette jolie partiiion et Ie8 triompbe8 de lVlme?er8i3ui vout en eroi88k>nt. L.pre8 le LurLr'ere, le Ibeälre Italien donnera Ie3 et la Le/nrrtt/nrde, pui8 (l/arr'a dr et Oorr On parle beaucoup 3U8si d'un de8 »neilleur8 oper38 de Lreutrer, la (Votts dr 6rerr«d«. Oetle aetivite kait bonneur a N. Vatel et 3 8on admi- ni8tration. b'O/ierrr-OoTnr^rre V3 reprenlre au Premier four la «8r>erre. Oe 8era une banne sortune pour le public et pour le tbeatre.Hoger et Illlle bavoier688ai8iront avee cette piece leur aceptre. On annonce 3U88i la repriae du ^rrr'lar/'ero ob stlme. 0a8>mir aura le Principal role. Ln atlendant 6rdr§larr et Lfe-Öe- er/e attirent la 5oule. Le L«rrdsvr/^e 68t au grand complet; r^rnal et Nme Oocb« ont reparu dana l'/fonrrns et 86 5ont sppIaudir tou8le8 8oir8 3vec lureur. iVlme.Oocbe 68t revenue de 868 excur8ion8, plu8 jolie, plua kraicbe et plu8 86miIIant6 csue jamais. llrnal a l'air de pren- dre 8 ON ö/uLS tout-3-5ait au 8erieux; il ^ met une verite et un abandon dildcileaa decrire.^/ar^rre- rr'le et de d?nrrnLmrr//el, deux cbarinantea eo- medie8 de stlme. ^.ncelot, aouliennent et )u3ti6ent la predilection de plua en plu8 marquee du public pour ce tbecktre. Lovelle, joli petit Vaudeville^ jou« il ^ 3 c>uelgu68 moia pour la Premiere 5oi8, promet de r«8- ter long-temp8 8url'»f6cbe. stille. Kr388inne, gui 3 debule dan8 eette piece, joue bien et re83emble beaucoup a stille Lage. ^1vi8 aux amateur8 l Le8 Lur/eH ont deux piece8 nouvellea : i/orrLer- A-rerrr, et ^Lprorer do La Premiere 68t trea apirituelle et tr«8 amuaante. Le 8u;et de la 8econde n'e.8t pa8 neu5; inai8 il 3 le merite de toucber a une de8 plua vivsntea originalites de notre aiecle. On eu aurait pu 5aire un tztpe complet : stl. Lontaine n'en 3 tait qu'une ebaucbe. On n'en rit P38 >noin8. LeL Ln- /«,rL de ^rorrpe 5ont toujour8 de I'argent; /e /rer drr 3 reparu a vec 868 anciena avanlagea. Le 6^»r7re Freiwilligen, aber sie verstanden noch nichts vom Waffenhandwerk, und war das Gefecht vorbei, so wußten sie nicht wohin. Ein Beispiel genüge. Ich besuchte den höchst wichtigen Grenzort Douai. Von Lille bis dorthin war ein Bataillon in Abtheilungen aufgestellt. Beim ersten seiner Wachthäuser angelangt, sah ich eine Schildwache auf der 'Bank an der Wand draußen sitzen. Wir näherten uns ihr, ich und meine zwei Ordonnanzen. Sie rief uns immer noch nicht an. Da sprang ich vom Pferde und setzte mich neben den Mann. — Ihr seid noch nicht lange im Dienste? — Noch nicht lange. Ich ergr'ff sein Gewehr, stellte das Bajonett auf seine Brust und rief: Ein Wort und du bist des Todes. Dann stürzte ich in das Gezelt und schrie. Die Soldaten fuhren aus dem Schlaf; sie erkannten meine Kleidung und wurden betreten.—So also haltet Ihr Wache? sagte ich, und erzählte ihnen was vorgefallen. Sie bestätigten, daß die Schildwache ein Nekrute war. — Auf dem zweiten Posten erkannte man uns eben so schlecht. Und doch, zwanzig Schritte von dort, sah man deutlich die Reiterwachen des Feindes. Ich hatte genug gesehen und eilte zum General in Douai. Levasseur wollte das Bataillon für unfähig erklären und in's Innere Frankreichs schicken lassen. Jndeß stellte der gut republikanisch gesinnte, ehemals adelige Generalkommandant ihm vor, solche Strenge sei in diesem Augenblicke wohl nicht angebracht; man hätte das Bataillon vielleicht sammt und sonders bingerichtet. Allerdings war es voll von Rekruten; alle Tage machten sie ungeheure Märsche ober lieferten Gefechte; auf diese Weise blieb wirklich keine Zeit sie einzuüben. Der Commissär Levasseur mußte also als ein gerechter Mann den Fehler höher, oben unter den Generalen des Stabes, suchen. Er fährt fort: Nachsicht mit den Schwachen, aber furchtbare Strafe den Hochverräthern; so verstand ich die mir zu Theil gewordene Macht. Eines Tages war ich bei Houchard in Gegenwart des Stabes. Da bekam er einen Lriefaus Paris, der ihm die Hinrichtung des Generals Custines, seines Vorgängers, ankündigte. Entsetztriefrr: ,,Cu^inesguillv- tinirt! Ist es möglich ! Man will also alle Generale guil- lotinir en!" Ja wohl! dich auch, schrie ich ihm zu, dich auch, wenn du Verrath treibst. Nicht ein einziger Verräther soll uns entwischen. Aber wie darfst du solche Worte in Gegenwart aller dieser Offiziere fallen lassen? Du möchtest sie wohl glauben machen, daß die Guillotine alle Vertheidi- ger des Landes erwaptet ? Hierauf kehrte ich mich zu den Offizieren und sagte: ,,Jm Gegentheil, Ihr Mitbürger! der Nativnalkonvent hat Belohnungen für die Helden und Züchtigungen für die Verräther." Die junge Republik hatte lest der verlornen Schlacht bei Ncerwinden und dem Hochverrathe des zu den Öst- reichern übergelaufenen General Dümouriez in der Nord- Armee, überall einen schweren Stand. Es war vergeblich daß die Dergpartbei im Nationalkonvent großartige Maaßregeln der Vertbeidigung anvrd- nen li ß. Die Mittel zur Ausführung mangelten! Die ,,gemäßigte" Girondinerparthei wich zwar, aber ganze Departemente wurden durch sie aufgewiegelt; sie wollten Frankreich's Eme und Urtbeilbare Republik in einen Haufen kleiner Bundesrepubliken verwandeln. Dazu kam daß die Beamten der verschiedenen Ortschaften den Beschlüssen der Nationalversammlung zu Paris entgegen wirkten; die bedeutendsten Städte des Landes waren mehr als zweideutig. Lyon und Toulon ließen sogar die Maske fallen, trennten sich öffentlich von dem übrigen Frankreich und es schien als wäre schon die letzte Stunde des Freistaats da. — Dennoch, sagt Levasseur, habe ich damals nicht an der Republik verzweifelt; ich traute unerschüttert meinen Kollegen, die ja Alle durch eine und dieselbe Meinung fest verbunden waren. Der Wohlfahrts-Ausschuß berief zum i". August, dem Jahrestage der großen Befreiung, alle Deputaten nach Paris. Vor dieser Ehrfurcht erweckenden Vereinigung der französischen Nation in Masse zerstoben die Umtriebe und Zwistigkeiten : die neue Verfassung war angenommen. Sechsbunderttausend Mann traten unter Waffen; .die reichen Franzosen wurden gezwungen, Geld in die Staatskassen zu liefern. Und trotz dem gebrach die 4 lichen Barbarei, und kein Hahn kräht danach. Diese Begünstigung des Reichen ist aber auch im Gesetze ausdrücklich ausgesprochen. Während alle schweren Verbrechen mit den schwersten Strafen belegt sind, stehen Geldstrafen auf fast allen unterdrückenderen Vergehen, Geldstrafen, die natürlich für Arme und Reiche dieselben sind, aber dem Reichen wenig oder nichts anheben können, während der Arme sie in neun Fällen aus zehnen nicht bezahlen kann und dann ohne weiteres in » äe- lault ob priemend» ein paar Monate auf die Tretmühle geschickt wird. Mau lese nur die Polizeiberichte im ersten besten englischen Tagblatte, um sich von der Wahrheit dieser Behauptung zu überzeugen. Die Mißhandlung der Armen und die Begünstigung der Reichen in allen Gerichtshöfen ist so allgemein, wird so offen, so unverschämt betrieben, und so schamlos von den Zeitungen berichtet, daß man selten eine Zeitung ohne innere Empörung lesen kann. So ein Reicher wird immer mit einer ungemeinen Höflichkeit behandelt, und so brutal sei» Vergehen auch gewesen sein mag, so „thut es den Richtern doch stets sehr leid," daß sie ihn in eine gewöhnlich höchst lumpige Geldstrafe zu ver- urtheilen haben. Die Verwaltung des Gesetzes ist in dieser Hichsicht noch viel unmenschlicher als das Gesetz selbst; « Arind8 tsto poor, und riest men rule tste la^v ; » und - liiere m one iarv kor Istepoor, und anotster kor Iste riest, » sind vollkommen wahre und längst sprüchwörtlich gewordene Ausdrücke. Aber wie kann das anders sein? Die Friedensrichter, wie die Geschwornen, sind selbst reich, sind aus der Mittelklasse genommen und daher parteilich für ihres Gleichen und geborne Feinde der Armen. Und wenn der sociale Einfluß des Besitzes, der jetzt nicht .erörtert werden kann, in Betracht genommen wird, so kann sich wahrlich kein Mensch übrr einen so barbarischen Stand der Dinge wundern. Von der direkt socialen Gesetzgebung, in der die Niederträchtigkeit kulnünirt, wird später die Rede sein. An dieser Stelle könnte sie ohnehin nicht in ihrer vollen Pedeutung dargestellt Wersen. Fassen wir das Resultat dieser Kritik des englischen Rechtszustandes zusammen. Was vom Standpunkte des „Rechtsstaats" aus dagegen gesagt werden kann, ist höchst gleichgültig. Daß England keine offizielle Demokratie ist, kann uns nicht gegen seine Institutionen einnehmen. Für uns hat nur das Eine Wichtigkeit, das sich uns überall gezeigt hat: daß Theorie und Praris im schreiendsten Widerspruch stehen. Alle Mächte der Verfassung, Krone, Oberhaus und Unterhaus, haben sich vor unfern Augen aufgelöst; wir haben gesehen, daß die Staatskirchen und alle sogenannten angebornen Rechte der Engländer leere Namen sind, daß selbst das Geschwornengericht in der Wirklichkeit nur ein Schein ist; daß das Gesetz selbst keine Existenz hat, kurz daß ein Staat, der sich auf eine genau bestimmte, gesetzliche Basis gestellt hat, diese seine Basis verläugnet und mißhandelt. Der Engländer ist nicht frei durch das Gesetz, sondern trotz dem Gesetze, wenn er überhaupt frei sein soll. Wir haben ferner gesehen, welch eine Wust von Lügen und Unsittlichkeit aus diesem Zustande folgt; man fällt vor leeren Namen nieder und verläugnet die Wirklichkeit, man will von ihr nichts wissen, sträubt sich gegen die Anmerkung dessen was wirklich eristirt, was man selbst geschaffen hat; man belügt sich selbst und führt eine conventionnelle Sprache mit künstlichen Kategorien ein, deren jede ein Pasquill auf die Wirklichkeit ist, und klammert sich ängstlich an diese hohlen Abstraktionen an, um sich nur ja nicht gestehen zu müssen, daß es im Leben, in der Praris sich um ganz andre Dinge handelt. Die ganze englische Verfassung und die ganze kon- stitutionnelle öffentliche Meinung ist nichts als eine große Lüge, die durch eine Anzahl kleiner Lügen immer wieder unterstützt nnd verdeckt wird, wenn sie hier oder da in ihrem wahren Wesen etwas zu offen an den Tag kommt. Und selbst wenn man zur Einsicht kommt, daß all dies Gemächte eitel Unwahrheit und Fiction ist, selbst dann hält mau noch fest daran, ja fester als je, damit nur ja die leeren Worte, die paar sinnlos zusammengestellten Buchstaben nicht auseinander fallen, denn diese Worte sind ja eben die Angeln der Welt, und mit ihnen müßte die Welt und die Menschheit in die Nacht der Verwirrung stürzen! Man kann sich von diesem Gewebe von offener und versteckter Lüge, von Heuchelei und Selbstbetrug, nur mit einem gründlichen Ekel abwenden. Kann ein solcher Zustand von Dauer sein? Kein Gedanke daran. Der Kampf der Praris gegen die Theorie, der Wirklichkeit gegen die Abstraktion, des Lebens gegen hohle Worte ohne Bedeutung, mit einem Wort, des Menschen gegen die Menschlichkeit muß sich entscheiden, und auf welcher Seite der Sieg sein wird, unterliegt keiner Frage. Der Kampf ist bereits da. Die Konstitution ist in ihren Grundfesten erschüttert. Wie die nächste Zukunft sich^gestalten wird, geht aus dem Gesagten hervor. Die neuen, fremdartigen Elemente in der Verfassung sind demokratischer Natur; auch die öffentliche Meinung, wie sich zeigen wird, entwickelt sich nach der demokratischen Seite hin; die nächste Zukunft Englands wird die Demokratie sein. Aber was für eine Demokratie! Nicht die der französischen Revolution, deren Gegensatz die Monarchie und der Feudalismus war, sondern die Demokratie, deren Gegensatz die Mittelklasse und der Besitz ist. Ties zeigt die ganze vorhergehende Entwicklung. Die Mittelklasse und der Besitz herrschen; der Arme ist rechtlos, wird gedrückt und geschunden, die Konstitution verläugnet, das Gesetz mißhandelt ihn; der Kampf der Demokratie gegen die Aristokratie in England ist der Kampf der Armen gegen die Reichen. Die Demokratie, der England entgegen geht, ist eine sociale Demokratie. Aber die bloße Demokratie ist nicht fähig, sociale Übel zu heilen. Die demokratische Gleichheit ist eine Chimäre, der Kampf der Armen gegen die Reichen kann nicht auf dem Boden der Demokratie oder der Politik überhaupt uusgekämpft werden. Auch diese Stufe ist also nur ein Übergang, das letzte rein politische Mittel, das noch zu versuchen ist, und aus dem sich sogleich ein neues Element, ein über alles politische Wesen hinausgehendes Princip entwickeln muß. Dies Princip ist das des Socialismus. In der vorletzten Nummer ist ein sinnentstellender Druckfehler stehen geblieben« Auf der dritten Seite, statt: germanischen Hi m'mels, lies: germanischen Stammes. A Redacteur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von PaulRenouard. Einheit. Das sab auch Danton ein. Dieser Depntirte und Volksrednee rief« „Das Staatsschiff muß endlich ein Steuerruder haben; wir werden nicht eher Erfolge sehen als bis der Konvent dem Wohlfahrtsausschuß die größtmögliche Energie verleiht... Die nämlichen Umstände die uns voriges Jahr bedrohten, sie sind auch heute wieder da... Nun, wohlan! Drauf und dran! furchtbar laßt uns sein, wie Löwen laßt uns den Kampf führen... Nichts, gar nichts geschieht bis jetzt; die Regierung besitzt kein einziges, politisches Mittel. Macht den Ausschuß vorläufig zur Regierung, gebt ihm die Gewalt und befehlt den Staatsministern dem Ausschuß zu gehorchen wie Agenten gehorchen; stellt fünfzig Millionen Franken zur alleinigen Verfügung dieses Ausschusses. Möge er Euch Rechnung nach dem Schluß der Sitzung ablegen, aber erlaubt ihm, die fünfzig Millionen in einem einzigen Tage, wenn's sein muß, auszugeben.... In jeder Stadt soll der Ambos gehämmert werden, aber nur der Ambos des Waf- fenschmied's.... Nun drauf und dran, das Volk hat Vertrauen in Euch, Deputate; seid jetzt seiner würdig, seid groß." Und als man einwarf: ein Comitg dem so ungeheuere Geldsummen in die Hand gelegt würden, sei stets dem Mißtrauen und der Verleumdung preisgegeben, da rief Danton: „Verleumdung fürchtet kein Staatsmann. Voriges Jahr saß ich im Vvllziehungsrathe und habe allein, ich ganz allein, es verantwortet, als ich die Mittel herbeischaffte die den großen Schwung gaben, wodurch die Nation gegen die Grenzen marschirte; voriges Jahr sprach ich zu mir selber: sie werden mich verleumden, das ist klar vorherzusehen; was thut's? meinen Namen gäbe ich der Schande Preis, könnte ich nur die Freiheit erretten. So dachte ich damals. Heute heißt die Frage: Soll das Negierungs-Comitö Finanzmittel und Agenten haben? soll das große Rad eine Handhabe bekommen um der großen politischen Maschine den Anstoß zu geben oder nicht? Mach einigem Zögern ward der Vorschlag angenommen. Zuerst erhielt der Ausschuß die Verfügung der Gelder und die Erlaubnis', eigene Beamten anzuftelle«. Aber niemals bekam er den Titel „Vorläufige Regierung," obschon seine Mitglieder sich in die verschiedenen Fächer des Staatswesens theilten. Carnot leitete den Krieg; er war ein geschickter General und ein tiefschauender Politiker. Cambon entdeckte ungemeine Finanz- hülfsquellen in dem Assignatpapiergelde und in den Nationalgütern. Die übrigen Mitglieder nahmen jeder einen Theil der innern Angelegenheiten zu verwalten über sich. Die Einheit wurde auf diese Weise, mühsam genug, aber vollständigst gewonnen. Das Comitä war aus den Reihen der Bergparthei hervorgegangen; ihm ward daher unbeschränktes Zutrauen im Konvent, wojetzt die Berg- deputirten herrschten. Die Pariser Gemeinde gehorchte ihm ohne Weiteres. Der Jakobinerclub bot seine ganze gewaltige Macht auf ihm zu helfen; Europa, die Menschheit erstaunte ob Frankreichs Wundern. Der Berichterstatter Barräre, dem Comit« als Mitglied beigegeben, verlas alsbald eine aufs tiefste ergreifende Abhandlung in einer ergreifenden schön zu nennenden Sprache, worin er entwickelte, daß zwar ein allgemeines Aufgeb ot in Masse noch nicht nöthig, daß aber sonst das schärfste Verfahren völlig an der Zeit sei. Der Aufruf schloß mit den Worten : ,.Die Freiheit ist die große Gläubigerin und alle, alle Bürger sind ihre Schuldner geworden; ihr verdanken die einen ihre Industrie, die andern ihr Hab und Gut; alle aber verdanken ihr das Blut in den eigenen Adern. Und so denn auf! die Gesammtheit der Franzosen, beiderlei Geschlechts, jeglichen Alters, wird hiemit ermahnt für das Vaterland die Freiheit zu vertheidigen. Alle Kräfte des Körpers und des Geistes, alle staatlichen und industriellen Mittel sind durch die Freiheit und für die Freiheit; ihr sind alle Elemente und alle Metalle zinsbar; darum eile Jeder zu seinem Posten und nehme seine Stellung in der militärischen Bewegung der Nation, um das Ende des Krieges heranzuführen; und alle werden bald genug sich freuen ihr Schär st: in zur Rettung des Landes beigetragen zu haben." Mit diesem Donnerwort der Freiheit einer Nation, ausgesprochen durch den beredten Mund eines ihrer Beamten, möge der Leser Spaßes halber die lügenhafte, läppische, gespreitzte Proklamation im Jahr > 813 , 25 . März zu Kalisch erlassen, vergleichen. Unterzeichnet vom russischen Fürsten Kutusow und verfaßt vom schlesischen Baron Nebdiger, enthält sie unter andern Gemeinheiten auch folgende: „Indem Rußlands' siegreiche Krieger, begleitest von denen Sr. Majestät des Königs von Preußen, Ihres Bundesgenossen, in Deutschland auftreten, kündigen Se. Majestät der Kaiser von Rußland und Se. Majestät der König von Preußen den F ü rsten und Völke r n Deutschlands die Rückkehr (? !) der Freiheit und Unabhängigkeit an*). Sie kommen nur in dev Absicht, ihnen diese entwendeten aber unveräußerlichen Stammgüter der Völker wieder erringen zu helfen und der Wiedergeburt eines ehrwürdigen Reiches (! !) mächtigen Schutz und dauernde Gewähr zu leisten. Nur dieser große, über lede Selbstsucht erhabene, und deßhalb Ihrer Majestäten allein würdige Zweck ist es der das Vordringen Ihrer Heere gebietet und leitet. Diese unter den Augen beider Monarchen von ihren Feldherren geführten Heere vertrauen auf einen waltenden gerechten Gott, und hoffen vollenden zu dürfen für die ganze Welt (!!) und unwide r ruflich für Deutschland, was sich für sich selbst zur Abwendung des schmachvollsten Joches so rühmlich begonnen. Voll von dieser Begeisterung rücken sie heran. Ihre Loosung ist Ehre und Freiheit" u. s. w. *) Als wenn das deutsche Volk vorher diese Güter gehabt hatte. Paris, 1844 Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 8S Abonnements - Preise r s in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 1» „ > Drei Monate. ... 9 „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. ysrw ar/ Man abonnirt: sür Paris: im Dureau oe»trsl xour I HIernsgne, lu« cir>8 Nouliiis, 32; im Comptoir des Buchdruckerverems in der Mendel'schen Buchbandlung» iliv ciu Nu» de I-> ^I»i!e, Z; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schwei;, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. (Mittwoch.) Pariser Deutsche Zeitschrist. (ss. Oktober.) Zustande aus dem Kanton Waadt. (Schlup.) Daß der Athen: Gottes, der jetzt wieder mächtig durch die Welt bläs't, auch das germanische Element bestrichen und einzelne mystische Samenkörner von dem großen deutschen Mistbeet an die Gestade des zauberischen Lemansees getrieben, versteht sich. Von der interessanten Predigt des deutschen Kandidaten „über die Geschenke, die der Vater dem verlornen Sohn gab," Ring, Kleid, Mastkalb und Schuhe (wonach das Mastkalb den Glauben und die Schuhe die Gnade bedeuten) habe ich seiner Zeit in der „Mannheimer Abend- Zeitung" berichtet. Daher aä alias. Neben der deutsch-protestantischen Kirche, die sich in Genf noch steif in lutherische und calvini- ftische unterscheidet, — und die bei der bedeutenden Abnahme ihrer Zuhörerschaft sich durchaus nicht mit dem Mastkalb vergleichen läßt, auch weder gehauen noch gestochen, überhaupt der Erwähnung unwerth ist, besteht hier in Waadt eine deutsche Mommerei, dirigirt von einem Lomite central Pour 1'ävanAelisation cles ^llemanäs äans le can- ton äe Vauä. Dieser Einbalsamirungs-Ausschuß, der von dem hiesigen Professor I. I. Herzog auö Basel*) präsidirt wird, hat angesangen, *) Die übrigen Ausschussmitglieder sind: Burnicr, Advokat Jahresberichte über den Stand der deutschen Muckerei im Waadtland auszugeben, und sich bei Überreichung derselben ein Almosen auszubitten. Auf diese Weife hauptsächlich hat er sich voriges Jahr eine Summe vou mehr als 3000 Franken zu- sammengefochten. Diese Muckergesellschaft theilt sich in zwei Posten, den xoste äe la eote und den xoLte äu norä. Der Rapport derselben kann das freundliche Entgegenkommen der waadtländischen Geistlichkeit nicht genug rühmen; hier eine Stelle daraus: „In unserm vorigen Bericht haben wir des Einfalls des Kommunismus in den Küstenposten gedacht. Wir sind glücklich, verkündigen zu können, daß der Kommunismus dieses Jahr in Abnahme gerathen ist," u. s. w. — doch ich will Sie mit der Salbadereiverschonen. Es ist gewöhnliches Pietistengeschwätz. Aber doch sind, unsere muckerischen Landsleute im Ausland ehrlicher, als unsere studirten und privilegirten Mitchristen im deutschen Vaterland. Sie gestehen ihre Unpopularität und ihre Schande ein, während die deutschen Pfaffen inmitten des Kinderspottö von dem sie umgeben sind, ihre feierlichen Amtsgesichter beibehalten, den Stock der Polizei zu Hilfe rufen, und doch dabei von Würde und Hevven van Müydcn, Advokat, Kassier der Muckerei; ferner die Proprietärs! Nud. Wittenbach und Max v. Wirsing. der Religion faseln, u. s. w. Übrigens irren sich unsere näselnden Germanen in Welschland in Einem Punkt. Der Kommunismus ist unter den gottlosen Arbeitern nicht im Ab-, sondern im Zunehmen. Ein wenig Hambach, ein wenig Stcin- hölzli, ein wenig unverdaute Hegelei, dazu eine Portion Corpögeist, Furcht, Rechthaberei, Eitelkeit und Unverstand hatte die Arbeiter einzelner Vereine allerdings verleitet, die kommmunistischen Bücher aus ihren Vereinen zu werfen, ja zu verbrennen. Diese Einflüsse sind aber während des letzten Sommers bedeutend verdunstet, und würden schon verschwunden sein, wenn nicht eine sehr unzeitige Scham und eine sehr verzeihliche Eigenliebe die Arbeiter noch zur Zeit abhielte, diese Krähwinklerstreiche, die ja jedem Deutschen begegnen können, in den Wind zu schlagen. Die meisten Arbeiter beschäftigen sich gegenwärtig mit Kommunismus. Selbst die mehr oder weniger philosophischen Führer der sogenannten „jung-deutschen" Vereine (diese Benennung wird jetzt von einzelnen Führern 'desavouirt) lesen mit lobenöwerther Selbstverläug- nung das Buch Weitlings znm zweitenmal, nachdem sie gemerkt, daß Weitling am Ende doch eine wichtigere Personnage sei, als sie anfangs gedacht hatten. Für die Andern, die mit ihrem virulenten Atheismus allein durch die Welt stolziren zu können glauben, ist auch gesorgt. Tie liebe Noth, Feuilleton -es vorwärts Bruchstücke aus Deutschland, Ein Wintermährchcn, Von H. Hein e. Caput I. Im traurigen Monat November war's, Die Tage wurden trüber, Der Wind riß von den Baumen das Laub, Da reist' ich nach Deutschland hinüber. Und als ich an die Grenze kam, Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen In meiner Brust, ich glaube sogar Die Augen begunnen zu tropfen. Und als ich die deutsche Sprache vernahm, Da ward mir seltsam zu Muthe Ich meinte nicht anders, als ob das -Herz Recht angenehm verblute. Ein kleines.Harfenmädchen sang. Sie sang mit wahrem Gefühle Und falscher Stimme, doch ward ich sehr Gcrührer von ihrem Spiele. Sic sang von Liebe und Liebesgram, Aufopfrung und Wiederfinden Dort oben, in jener besseren Welt, Wo alle Leiden schwinden. Sie sang vom irdischen Jammerthal, Von Freuden die bald zerronnen, Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt Verklärt in ew'gen Wonnen. Sie sang das alte Entsagungslied, Das Eypopaya vom -Himmel, Womit man einlullt, wenn es greint, Das Volk, den großen Lümmel. Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, Ich kenn' auch die Herren Verfasser; Ich weiß, sie tranken heimlich Wein Und predigten öffentlich Wasser. Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich Euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon Das -Himmelreich errichten. Wir wollen auf Erden glücklich sein, Und wollen nicht mehr darben; Verschlemmen soll nicht der faule Bauch Was fleißige Hände erwarben. Es wächst hieniedcn Brod genug Für alle Menschenkinder, Auch Rosen und Myrthen, Schönheit und Lust, Und Zuckererbsen nicht minder. Ja, Zuckercrbsen für Jedermann, Sobald die Schooten platzen! Den -Himmel überlassen wir Den Engeln und den Spatzen. Und wachsen uns Flügel nach dem Tod, So wollen wir Euch besuchen Dort oben, und wir essen mit Euch Die seligsten Torten und Kuchen. Ein neues Lied, ein besseres Lied, Es klingt wie Flöten und Geigen! Das Miserere ist vorbei, Die Sterbeglocken schweigen. Die Jungfer Europa ist verlobt Mit dein schönen Geniusse Der Freiheit, sie liegen einander im Arm, Sie schwelgen im ersten Kusse. Und fehlt der Pfaffenseegen dabei, Die Ehe wird gültig nicht minder — Es lebe Bräutigam und Braut, Und ihre zukünftigen Kinder! Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied, Das bessere, das neue! In meiner Seele gehen auf Die Stenre der höchsten Weihe — Begeisterte Sterne, sie lodern wild, Zerfließen in Flammenbächen — Ich fühle mich wunderbar erstarkt, Ich könnte Eichen zerbrechen Seit ich auf deutsche Erde trat Durchströmen mich Zaubersäfte — : s diese Schulmeisterm der Weisheit und der Dummheit, — je nachdem die Schüler sind ! — wird schon dafür sorgen, daß sie entweder Jesum Christum, oder den Kommunismus erkennen lernen. Amen. So viel von dem religiösen Jammer. Soll ich Glossen darüber machen, so muß ich sagen, daß ich das Alles irr der Ordnung finde. Ein Staat, dessen Bestimmung im Grund nur darin besteht seinen Mitgliedern das Siebenfache ihres Privateigentums zu garantiren, eine Gesellschaft, die bei der Familie aufhört und also auch nur die gemeinsten Familien-Jnteressen verfolgt, eine Demokratie, die von der Majorität eines Bolks ausgeübt werden soll, das, auf den materiellen Erwerb, das „liebe Brödchen" angewiesen, sich zwischen unvernünftigen Thiereu, abrutirender Arbeit und schlechtem Krätzer Herumtreiben muß, ein ungebildetes, halb abrutirtes, den höheren Bestrebungen, selbst des Ehrgeizes und der Herrschsucht unfähiges Volk, das seinen Blick, vor lauter Sorgen, Wer- kelbänkeu und Misthaufen nirgends hin als auf den Staub des Bodens oder den blauen Dunst des Himmels und kaum in das eigne verkümmerte Herz hinein richten kann: — muß, möchte ich sra- gen, eine aus so armen, unwahren, trübseligen Elementen zusammengesetzte Wirtschaft nicht notwendig die Mommerie erzeugen, d. h. die Geistesarmut, den geistigen Bettelswlz, die Auszehrung, die Drsperat-ion, den Bankerutt der Seele. Die Mommerie ist das gestörte Geistesleben des Jahrhunderts, das stockende Blut der Zeit, das in Eiterbeulen durchbricht, ist die Grinrasse, der Krampf des au sich selbst verzweifelnden Menschenherzenö. Das Leben ist so öde und wüst, so kalt und«verzweifelt uninteressant, so aller edlen, das Herz ansprechenden Anregungen leer — und da wendet sich nun das arme kranke, halb verhungerte, halb verwelkte Herz zum Himmel, als wenn u. s. w. Ihr seht, ich verstehe mich noch schlecht auf die Erklärung der Mommerie ; aber Item : Es liegt auf flacher Hand, daß eine Gesellschaft, die in ihren Gliedern nur den Bürger, Eigentümer, Eheherrn, Erblasser, Christen — aber nirgends den Menschen anerkennen, erzeugenu. erziehen will, notwendig solche halb-Thier-halb-Engel-Geschöpfe erzeugen muß. Daß diese Geschöpfe in Republiken und sogenannten freien Staaten häufiger als in unfreien Ländern Vorkommen, ist wieder leicht zu-erklären. In England, Amerika und der Schwei; sind weit mehr der natürlichen Bande zerschnitten, die das Herzvor Krankheit bewahren, alöz. B. in Deutschland. Freundschaft und Liebe, Wohlwollen, Gastlichkeit, Kunstsinn und Poesie — Tugenden, die ja auch unter Sclaven Vorkommen, sind z. B. hier noch weit häufiger als dort. Das gemeinschaftliche Joch, das auf dem Nacken unfreier Völker ruht, scheint — es ist schändlich es zu sagen — ein weit besserer Erhalter dieser natürlichen und noihwen-- digen Speisen des menschlichen Herzens gewesen zu sein, als die gemeinschaftliche Freiheit, die die Bürger der modernen Republik verbunden hat. Wenn Nächstenliebe, Uneigennützigkeit, Gastfreiheit u. s. w. Bestandtheile der republikanischen Tugend sind, daun verdienten doch wahrhaftig die deutschen Bauern in dieser Beziehung weit eher den Namen Republikaner als die schweizerischen. Der Name Republikaner ist überhaupt für die Staaten, die sich heut zu Tag mit diesem Titel schmücken, ganz unpassend. Man sollte sie ganz einfach Privateigentums-Versicherungsanstalten neunen; denn als solche werden sie von ihren Bewohnern nur behandelt. Das Privatinteresse, das sich, in sofern es ein egoistisches ist, überall gleich ist, sich aber gerade deshalb überall bekämpft, ist das einzige Band, durch das die Bürger mit der Republik Zusammenhängen. Der Amerikaner geht zur Wahl und macht Parthei, um einen Präsidenten oder Deputaten durchzusetzen, der sein Privatinteresse vertheidige; das öffentliche- und Parthetleben, weit entfernt die Liebe zum Staat und den Mitbürgern zu fördern, nährt nur den Egoismus des Privatmanns. Der Egoismus aber beutelt das Hei^ aus. Die natürliche Nahrung des Herzens ist das Gegenrheil des Egoismus, ist die Liebe. Statt der Liebe har man ihm Dollars zur Speise gegeben; diese aber kann es auf die Dauer nicht vertragen; es will was Weiches haben und löffelt den Pietismus, die einzige Suppe, die es, ab- geschwäch.t wie es ist, jetzt noch vertragen kann. So, glaube ich, kann man sich den Pietismus einer nordamerikanischen Krämerseele ziemlich natürlich erklären. Nun" hat aber unser Herrgott natürlich unter den Pietisten wie unter allen andern Völkern die verschiedenartigsten Kostgänger. Bei vielen ist die Mommerei keine Herzenssache, sondern eine Kopfsache; keine Krankheit, sondern eine Berechnung. Hier in der welschen Schweiz wenigstens gilt's für eine ausgemachte Sache, daß ein guter Theil dieser Mommiers aus solchen Leuten bestehe, die entweder aus Armuth (um von den reichen Brüdern unterstützt zu werden), oder aus Furcht, die Demokratie möge einmal eine Wahrheit werden, oder aus Herrschsucht in das Heer der Frommen eingetreten seien. Ja, ja, es soll ganz gescheidte Bursche darunter geben, die sich nur so dumm stellen, um die andern, wirklich Dummen, desto sicherer berücken zu können. Scheltet mir diese Leute nicht; vielleicht sind auch sie zu entschuldigen. Denn — wenn z. B. die deutschen Radikalen, was ich gern glaube, das Volk mit all seiner Bor- nirtheil und seinem Schmutz enthusiastisch lieben, so ist das weiter kein Verdienst. Sie lieben es am Ende doch nur in der Hoffnung, daß cs einst ein gebildetes, freies und edles Volk werde. Wäre die ersehnte Herrlichkeit aber einmal da, sähen sie die Volksfreiheit, die Volkssouverainität in der Nähe, gewännen sie die Überzeugung, daß allgemeine Volksbildung u. dgl. in'S Reich der Chimären gehöre, wer weiß, ob auch nicht sie, wenigstens die Schwächer» unter ihnen, das unwissende und rohe Volk endlich dick bekämen und sich, nach dem Grundsatz : « munäus vult cleeipi« ans dem Weg der Verstellung und Sophisterei eine Herrschaft über dasselbe anzueignen suchten, zu der es selbst, wie die tägliche Erfahrung lehrt, den demokratischen Verfassungsurkunden zum Spott, total unfähig ist. „Besser ein frommes, folgsames, einfältiges,, unfreies Volk, als ein rohes, halbgebildetes und deßhalb nur dem Scheine nach freies Volk." So mögen Viele derjenigen denken, die zu feig, den Gedanken einer umfassenden Socialreform zu fassen, an der menschlichen Zukunft der Massen verzweifeln. Wenn sich diese Feiglinge und Kleingläubigen Der Niese Hot wieder die Mutter berührt, Und eö wuchsen ihm neu die Kräfte. Caput II. Während die Kleine von Himmelslust GelrilUrt und musiciret, Ward von den preußischen Douaniers Mein Koffer visttiret. Beschnüffelten Alles, kramten herum In Hemden, Hosen, Schnupftüchern; Sie suchten nach Spitzen, nach Bijouterien, Auch nach verbotenen Büchern. Ihr Thoren, die Ihr im Koffer sucht! Hier werdet Ihr nichts entdecken! Die Contrebande, die mit mir reist, Die Hab' ich im Kopfe stecken. Hier Hab' ich Spitzen, die feiner sind Als die von Brüssel und Mecheln, Und pack' ich einst meine Spitzen aus, Sie werden Euch sticheln und hecheln. Im Kopfe trage ich Bijouterien, Der Zukunft Krondiamanten, Die Tempelkleinodien des neuen Gottes, Des großen Unbekannten. Und viele Bücher trag' ich im Kopf! Ich darf es Euch versichern, Mein Kopf ist ein zwiticherndes Vogelnest Von konsiszirlichen Büchern. Glaubt mir, in Satans Bibliothek Kann es nicht schlimmere geben; Sie sind gefährlicher noch als die Von Hoffmann von Fallersleben! — Ein Passagier, der neben mir stand, Bemerkte mir, ich hätte Jetzt vor mir den preußischen Zollverein, Die große Douanenkette. ,,Der Zollverein" — bemerkte er — ,,Wird unser Volksthum begründen, Cr wird das zersplitterte Vaterland Zu einem Ganzen verbinden. ,, Er gibt die äußere Einheit uns Die sogenannt materielle; Die geistige Einheit gibt uns die Censur, Die wahrhaft ideelle — ,,Sie gibt die innere Einheit uns, Die Einheit im Denken und Sinnen; Ein einiges Deutschland thut uns Noth, Einig nach Außen und Innen." Caput III. Zu Aachen, im alten Dome, liegt Carolus Magnus begraben. (Man muß ihn nicht verwechseln mit Carl Mayer, der lebt in Schwaben.) Ich möchte nicht todt und begraben sein Als Kaiser zu Aachen im Dome; Weit lieber lebt' ich als kleinster Poet Zu Stuckert am Neckarstrome. Zu Aachen langweilen sich auf der Straß' Die Hunde, sie stehn untertbäm'g: Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird Vielleicht uns zerstreuen ein wenig. Ich bin in diesem langweiligen Nest Ein Stündchen herumgeschlendert. Sah wieder preußisches Militär, ^ Hat sich nicht sehr verändert. Es sind die grauen Mäntel noch, Mit dem hohen, rochen Kragen — (Das Roth bedeutet Franzosenblut, Sang Körner in früheren Tagen.) Noch immer das hölzern pedantische Volk Noch immer ein rechter Winkel In jeder Bewegung, und im Gesicht Der eingefrorene Dünkel. Sie stelzen noch immer so steif herum, So kerzengrade geschniegelt, Als hätten sie verschluckt den Stock Womit man sie einst geprügelt. Ja, ganz verschwand die Fuchtel nie, Sie tragen sie jetzt im Innern; Das trauliche Du wird immer noch An das alte Er erinnern. Der lange Schnurrbart ist eigentlich nur Des Zopfthums neuere Phase: z ^ -k aber unter die Frommen im Land aufnehmen lassen, um die niedern Klassen durch ihr dummes Beispiel wieder zum alten Aberglauben und Gehorsam zurückzuführen, so könnten ihre Berechnungen schmählich zu Schanden werden. Selbst den Frommen scheint der Kommunismus einen Bestich abgestattet zu haben. Es scheint, als sängen die Ärmern unter ihnen an, die Namen Brüder und Schwester, die unter den Sectirern eingeführt sind, mehr an pieck cke ln lettre zu nehmen und von ihren reichen Geschwistern zu verlangen, sich nicht durch Worte, sondern auch durch Thaten als solche zu bewähren. Seit einiger Zeit halten die „NuSerwählten" in der Fechtschule zu Lausanne sogenannte Liebes- mahle, die von den reicheren Brüdern und Schwestern bestritten werden. Vorder Hand bestehen diese Liebesmahle nur noch in Kafä und Butterbrod. Ob sich die Armen auf die Dauer mit dieser mageren Brühe werden abspeisen, ob sie nicht den Küchenzettel, den Weitling in seinem Armensünderevangelium vorschlägt und welcher auf Milch, Braten, Fische, Kartoffeln, Äpfel, Nüsse u. dgl. lautet, verlangen werden, steht zu erwarten. Ein böses Omen bleibt es immer, daß zu den beiden ersten neumodischen Liebesmahlen, die nach 1800 Jahren wieder einmal hier in Lausanne, der Hauptstadt der „Heiligen, die das Erdreich besitzen werden," stattfanden, der große Kafekessel aus dem Kommunistenverein entlehnt werden mußte! Wenn die Vorsehung — denn die thut ja doch Alles — mit dcr Mommerie keine soeialistische Diversion macht, so ist es aus mit dem waadtländischen, ja mit dem schweizerischen Republikanismus. Daß ein ehemaliger Fechtboden in eine Betstube umgewandelt worden, sagt genug. Diese Betbrüder werden die Republik nicht retten, sondern sie in Gottes Namen zum Teufel fahren lassen. Sie haben andere Sachen zu thun, als sich um die Angelegenheiten dieser Welt zu kümmern, sie sind eine Gemeinschaft von Heiligen, die mit der Gemeinschaft der Staatsbürger nichts zu thun hat. Aber diese Heiligen nehmen zu, weil das Volumendes Elements, in dem sie gedeihen, ebenfalls zunimmt. Daher tröste man sich doch nicht mit dem Trost, daß die Nace, weil von England hierher verpflanzt, als Der Zopf, der ehemals hinten hing, Der hängt jetzt unter der Nase. Nicht übel gefiel mir das neue Costum Der Reuter, das muß ich loben, Besoders die Pickelhaube, den Helm, Mit der stählernen Spitze nach oben. Das ist so ritterthümlich und mahnt An der Vorzeit holde Romantik, An die Burgfrau Johanna von Montfaucon, An den Freiherrn Fouque, Uhland, Tieck. Das mahnt an das Mittelalter so schön, An Edelknechte und Knappen , Die in dem Herzen getragen die Treu Und auf dem Hintern ein Wappen. Das mahnt an Kreuzzug und Turney, An Minne und frommes Dienen, An die ungedruckte Glaubenszeit, Wo noch keine Zeitung erschienen. Ja, ja, der Helm gefällt mir, er zeugt Vom allerhöchsten Witze! Ein königlicher Einfall war's! Es fehlt nicht die Pointe, die Spitze! Nur furcht' ich, wenn ein Gewitter entsteht, Zieht leicht so eine Spitze Herab auf Euer romantisches Haupt Des Himmels modernste Blitze!- Zu Aachen, auf dem Posthausschild, Sah ich den Vogel wieder, eine ausländische anSsterden werde. Sie wird sich fortpflanzen, wenn auch nicht immer in directer Linie vom Vater auf Sohn — sie hat sich herrlich aeclimatisirt. Sind die Wanzen nicht auch ein amerikanisches Geschöpf, und wäre jetzt der Teufel selbst im Stand sie auszurotten? Eine Schmeißfliege, die ihre Eier auf einen Kieselstein legt, hat wenig Hoffnung auf Nachkommenschaft — aber die englischen Methodisten rochen die Käse. König!. Preußische Volksaufklärung. Neunundzwanzig Jahre, ein Mcnschenalter durch, ist Trier preußisch. Die Regierung hat bis zum Ubervrusfe erzählt und erzählen lassen: die Volksbildung Preußens sei „musterhaft; nichts gehe darüber;" ingleichen die Post und die Verwaltung. Was von den zwei letzten Gegenständen des Preußenstolzes zu halten, hat sich si'it 1840 bereits erwiesen. Daß aber auch der erstgenannte nicht weit her sei, zog mancher annoch in Zweifel. Da kam unglücklicherweise die Kunstausstellung des heiligen Röckleins und mit ihr flössen zwar etliche fünfziglausend Thaler in die Kaffen der Trierer, aber es hat sich zugleich das Gerede der Regie- rungsknechte betreffs der „musterhaften Volksaufklärung" als Prahlerei und Lüge ergeben. Wie? schier dreißig Jahre bist du — schwarzer Kleevogel — Volkölehrer im Rheinlande, und Haft es noch nicht zu den Anfangs gründen in der Vermenschlichung deiner Schüler gebracht? Was hast du denn gethan in der „langen glückseligen Frie- denöepoche" in der du von Wissenschaft und Kunst und Humanität uns so viel vorschwatztest, daß wir wirklich einmal meinten, der alte wahnwitzige Aberglauben sei durch deine Krallen erstickt, und wir schon auf dem Wege waren, dir wenigstens dieses Eine als gute Thal anzuschreiben. Jetzt sieht man, wozu du die Millionen, die für den Volkesunterricht bestimmt sind, verwendest: du bezahlst die untern Lehrer so gering, daß sie, stets halbhungrig, dir immerdar gehorchen, in der Hoffnung aus Solderhöhung ; du bezahlst die Oberen so gut, daß sie dir Leibund Seele verkaufen; und wenn die Untern zusammentreten, um sich über ihre jam- Der mir so tief verhaßt! Voll Gift Schaute er auf mich nieder. Du häßlicher Vogel, wirst du einst Mir in die Hände fallen, So rupfe ich dir die Federn aus Und hacke dir ab die Krallen. Du sollst mir dann, in luft'ger Höh, Auf einer Stange fltz-.n, Und ich rufe zum lustigen Schießen herbei Die Rheinischen Vogelschützen. Wer mir den Vogel herunterschießt, Mit Zepter und Krone belehn' ich Den wackern Mann! Wir blasen Tusch Und rufen: es lebe der König! (Fortsetzung folgt.) Obrigkeitliche Fürsorge (Wie man in Deutschland die Arbeit organisirt.) Heidelberg, 15 . Oktober. Das Heidelberger Journal enthält eine oberamtliche Bekanntmachung, wonach, um den bei den Handwerksgesellen einreißendenjUnordnün- gen vorzubeugen, diesen der Wirthshausbesuch an Werktagen (in und außer der Stadt) außer den freien Stunden bei einer Strafe von l fl. so kr. untersagt wird; wornach ferner diejenigen Handwerksgesellen, welche an einem Montag, die Feierstunden ausgenommen, in irgend mervolle Lage zu besprechen; wenn sie noch nicht verrottet genug sind, sich auf Gnad' und Ungnade zu ergeben, dann befiehlst du, in der Person eines Minister Eichhorn: „auf die Bücher scharf aufzumerken, die unter den niederen Volksschnllehrern etwa gelesen werden, und sie genau zu beobachten." Tie Regierung wäre vielleicht dreist genug, zu entgegnen: „Ich befolge nur den weisen Spruch des Großen Friedrich : „Laßt sie glauben was sie wollen, „Wenn sie zahlen was sie sollen." und sich mit seiner religiösen Toleranz zu brüsten. Man lasse Friedrichs Gleichgültigkeit in Religionssachen doch endlich ruhen am Sarge des Helden in der Garnisonskirche zu Potsdam. Sie war für seine unmenschliche Zeit ein schöner menschlicher Fortschritt, aber weil sein gesummter Staat auf Bezahlen und Dienen gestellt war, trug auch diese Friedrich'sche Duldung etwas barbarisches, feindselig-hartes, kalt-abstoßendeS in sich, verglichen mit der allgemeinen wahrhaften Bildung, deren unsre Nachkommen theilhaftig werden können und müssen. Es wäre übrigens possierlich, Preußens jetzige Lenker plötzlich sich auf den Philosophcnkönig von Sanssouci berufen zu hören, von dem sie leider! nichts abbekommen haben, nicht einmal das, was er, wie man sagt, oft mit seinem spanischen Rohre auötheilte. Laßt den harten wunderbaren alteu Herrn schlummern; citirt ihn nicht.... Ihr zitternden Pietisten mit Stern und Kreuzen; Ihr wäret ohnehin nicht ganz „fest" wenn es zu Erscheinungen, „die vom Jenseits.... in... das Diesseits... hineinragen u. s.w."käme; insonderheit zur Erscheinung des alten Fritz, den Ihr niemals begreifen werdet, da ja nur der Kommunismus das Verständniß zu ihm gibt und mithin die Befugniß ihn zu krilisiren. Doch zurück zum Thema. Die königl. prenß. Volksausklärung in Reli- *) Ost wiederholte Worte aus den Vorlesung?» des Professors Steffens, des liebenswürdigen, perstandesschwankend ca Schwärmers. einem Wirthshause betreten werden, ohn- nachsichtlich mit dreitägigem Gefängniß, die Wirthe aber, die einen Handwerks,esellen zu diesen verbotenen Zeiten auch nur in ihrem Wirthshause dulden, und zwar wie es M ontags geschieht, mit 15 fl., an andern Wochentagen aber mit 7 fl. so kr. und ebenso die Meister, welche eine Anzeige des sogenannten Blauma- chcns unterlassen, mit 3 Thalern bestraft werden sollen. Man fragt: hat die Polizei wohl das Recht, eine bestimmte Classe von Bürgern zur Arbeit zu nörhigen, wer einmal der Einzelne nicht arbeiten will? — Ebensowenig als von der Statthaftigkeit und Berechtigung dieser Verordnung kann ich mich von der Ausführbarkeit dur den Wirthen gemachten Auflage und von dem richtigen Ver- hältaiß zwischen Strafe und Strafobject überzeugen. Wie kann man einem Wirthe anmuthen, er solle unter den vielen Hunderten junger Leute, die theils Arbeitshalber sich hier aufhalten, diejenigen herausfinden, die dem Handwerkerstande angehören und in ihrem Äußern oft so wenig vom Studenten sich unterscheiden. Und die hohen, enormen Strafen, die auf das geringe Vergehen gesetzt sind — betragen is fl.!- (M. Abdz.) gionösachen hat in den Rheinlanden von 1815 bis 1844 unter Andern: Folgendes zn Tage gefördert: (Wörtlicher Auszug.) Inhaber dieses ist mein Unterthan und Knecht (Jos. 65, 13, 14) und habe demselben ans sein Bitten zu seiner Reise durch's Jammerthal (Ps. 84, 7) mit diesem Reisepaß zu gutem Durchkommen versehn. (Matth. 7, 7. 8.) Friede sei mit Euch Allen. (Joh. 20, 19.) Rame. Sein Neun' ist unbekannt *) (2. Kor. 6, 9) und übel ungeschrieben (Luk. 6, 22), doch denen wohl bekannt (2' Kor. 6, 91 die meinen Namen lieben. Sein Nam' ist wie die That: er ist und heißt ein Christ (Apost. Ge sch. 1l, 26), ein Mensch, den ich gesalbt (2. Kor. 1,21, 22) und der mein Jünger ist. (Joh. 8, 3l.) Charakter. Er ist mein Unterthan und Knecht (Jos. 65, 13, 14), mein Kind (Gal. 3, 26), mein eigener Prinz auS göttlichem Geschlecht (Apost. Gesch. 17,29), mein theureö Ebenbild (Röm. 8, 29), mein Königshut und Krone (Jos. 62, 3), mein Erbtheil (Ps. 47, 5), Ei ge nt hum (Tit. 2,14) und Haus dar- > in ich wohne (Hebr. 3, 6), mein Gast(1. Chron. 30,15), mein Schaf (Joh. 10, 27), mein Schatz (5. Mos. 32, 9), mein theuer erkauftes Gut(1. Kor. 6, 20; 1. Petr. 1, 18, 19), mein Liebling (Röm. 9, 25), ja die Braut (Hohelied 4, 9), die mir im Schooße ruht; mein Glied (Eph. 5, 30), mein' Neb' an mir (Joh. 15, 5), mein Küchlein, meine Taube (Hohelied 6, 8), u. s. w. Stator. Die Temuth macht ihn klein (Matth. *) Wir bitten den Leser, den vielleicht hier schon ein Lach- -krampf befällt, weiter zu lesen; seine Heiterkeit wird bald .genug einer andern Stimmung Raum geben. 11, 29), nach seinem Augenmaaße (Eph. 4, 2; 2. Sam. 6, 22), er nennt sich einen Wu rm(Ps. 22, 7), ein Stäblein aus der Straße (1. Mos. 18, 27) und wenn die Welt ihn mißt, so heißt es der gilt nichts (Weish. 2, 11), doch nehmt nur meinen Stab, den Maaßstab meines Lichts (Ps. 36, 10) und thut die Augen auf, so wird er größer werden als Og und Goliath und alles Volk auf Erden (Jos. 43, 4). Angesicht. Sein Angesicht ist schön (Hohelied 4, 7), ganz heiter (2. Kor. 6, 10), roth und weiß und meiner Unschuld Bild (Eph. 5, 27), sein Haupt trägt Ehr' und Preis (Röm. 2, 7) u. s. w. Scheint aber sein Gesicht nicht lieblich anzusehen, wie kann ein Reisender drr Sonnen Brand entgehen? (Hohe Lied 1, 6), drum ist mein liebes Kind so schwarz, wie Kedar's Hütten (V. 5), das ist sein Ordensband Ps. 116, 10) geglaubt uud drum gestritten; die Sonne dieser Welt (Joh. 17, 14) steht seinem Sinn nicht an, drum sticht und brennt sie ihn und rächt sich wo sie kann ; doch meine schöne Braut wird darum nicht crröthen, von innen (Ps. 45, 14; Hohe Lied l, 5) sieht sie aus wie SalomonS Tapeten. Kleidung. Ihr Kleid ist weiß und hell (Offenb. 7, 14) im Blute rein gemacht, u. s. w. Rüstung. Mein Knecht trägt überall mein ganzes Ebenbild, drum führt er, wie ihr seht, Schwert, Panzer, Helm und Schild (Eph. 6, 13,16, 17), u. s. w. Tie Augen sind ihm klar (Mark. 13, 37; 1. Petr. 5, 8), er pflegt herumzublicken, ob Satan, Fleisch und Welt nicht ihre Boten schicken; bei wem und wo er ist, was um ihn her geschieht (1. Thess. 5, 21); drum laßt es nur geschehn, daß er euch scharf besieht (1. Joh. 4, 1). Reisehabit. — Gesellschaft wird dort beschrieben. Brief und Siegel. Sorgt Jemand für Betrug und meint: eS sei Gefahr, dem legt mein echtes Kind auch Brief und Siegel dar (2. Joh. LLVVL vrs 6'est UNK belle cre-tion que kl c'etait UNK veritsble feie au , que ss reprise. Oeux qui ont vu daps cette piece Dille Disrs ont re- trouve, svec bonbeur, quelques-unes des prtncipales qualiies de cette gZ'gnde comedienne, 80»8 (k8 trsits cliarmant« de DIadsme Volnz-x : keux qui vo^sient Manr'e pour 1» premiere fois, admiraient dans ce nouvel intei'piete un tslenta Ir» iois souple kl energi- qpe, elegaptetgracieux, tailles cbausser lk cotburne, el cspable »1k biep csmprendie el de Kien rendre l»ulk8 >68 6n«8868 de l» liautk comedik. Disis Ir, plus jsrge Part dsns KK3 spplsudissemens flkuetiques donl rktentissait la sslie, dans ces larines qui s'ecbappsient dk8)6UX >68 moins fsils pour pleuikl', dsns L6S fre- ini886M6N8 electriques kl KN queique Sorte couta- gieux, donl on 86 sentsitsaisi malgre soll, reveoait s Mrrr'e elle-meme. d'est qu'en edel, tont ce que t'es- prit dk inadsine Vocelol, cet esprit s» 6n, si pe »»etisntet 8» prokond, s pu decouvrir de plus int.ine etde plus sekret d3N8 ee grand srcape qu'on sppetl« >e coeur de femme, tont ee que 83 bell« intelligeuce, son 1»el exquis, kl 83 counsissance du inondk ont pu creer de plus tendre, d« plus gracieux et de plus tou- kl»3Nl pour embellirls »ealite ou pour I 3 rendre plus s^inpatbique et plus pslpitsnte, tout ee>3 se lrouve dsns Lenlsmens nobles et eleves, pensees jusles et siinables, situations neuves et drsmatiques, sl^lesiinple quoique coquet, el pur quoique riebe, n'est-ce p3s plus qu'jl ne faut pour ie plus grand et je plus legitirne des succes? Morte restera long--temps sur l'aslicbe et elle fei 3 toujours les delices du publik bonnele eteclsire. 1.« 3 fait preuve d'babiletv et de bon ^oi'it en la retirsnt de la modeste relrsite dans > laquelle eile 3 veeu depuis Ie depart de Dille Disrs. ilrindeau dsns le »ole de Ebartes, lerier dans celn» de Lorestier, el Dille Oore drnis celui de Lecile out rnerite de Dustes et sinceres eloges. ^vee /l/arre, l'//srr/r'ere, le F/arr » 7a e«/n/ia^/re, lk d'eaa et quelques tru^edies, le ^anear'^ est sür de son pubbe el de «es reeeltes. Lemr>a/nrde el r7 LarLr'err dr LevrA/ra, ont kuil I«s fr 3 »s de I 3 senisine nu 7'^6alre-/(a7r'e/r. L^esl un lbeä- lre pi ivilezie. Il enregistrs ses succes les uns 3 pres les uutres, uvec une uclivile toul-3-fgil rnmsble; les frondeurs disent qu'il n'^ r» 1 ü rien dk nouvesu, il sullit duller pour voir que cbuque ^our loul est NOUV63U lunt celle sulle est belle, tunt celle foule est coquetle, psree el seduissnte. Il en est de nieine dks neleurs. IVIesdgines Cris» et kersiani, MDI. 63 - blzcbk, Murio el llonconi cbuntknt toujours s inki- veille et joue»»l uvec perlection, et cependsnl cb 3 que fois on leur lrouve quelque cbose de plus purfrnt, de plus (ini, de plus eutrrnuent encore. bil qu^on dise spres que ce n'est pss du nouve3u. loutelois, l'udininistration si bubile el si intelligente de ce tbeätre se inet en »nesure pour 83l!sf3ire les plus difticiles. 1,3 83 ison produiru, dil-on, deux ou trois opel38 qu'on n's pa» encore enlendu 3 ?3i is. On p3rle surlout be3ucoup de (Votte dr Grenada, une des ineilleurespurlilions delvreutrer, connnedevsul elre »epi esentee lres procbuiuelnent. ^ l'l)/)e>a on p3i'3il decide de gsrder ce inslbeu- reux Krc^ard en />a7c§7r,re le plus long-teinps qu'on pourra. bes el la Tierae de lui sonl venus en side 1s seinaine dernieie. 1,6 debul dans la Ker'ae de <7^M-re de M. Iialour, bar^tou, s ete salis- faisant. On dit que les eludes de Tl/arr'e Llnart se conliuuenl »vec sctivile. On annonce sussi un nouveau ballet sous ce lilre : ie Dr'aLio a -aaire. On veut 10) U. s. W. Lebensart. Doch thut die Augen auf, ja seht auch ob ihr hört; denn seine Sprache klingt den Fremden ganz verkehrt (l. Joh. 4, 6); er sieht was unsichtbar (2, Kor. 4, 18); er sieht nicht wie man sieht, er sieht gerad hinauf (Matth. 6. 21) dahin sein Schatz ihn zieht; er geht nicht wie man gehtu. s. w. Instruction. So ist nun mein Befehl: laß meinen Diener geh'n, es halt' ihn Niemand auf, es muß ihm nichts geschehn (Ps. 105, 15) u. s. w.; ich kenne seinen Weg und werd' ihn ewig kennen (Ps. 1,6); wer mich und ihn nicht liebt, hört's, der soll ewig brennen (1. Joh. 3, 15). Namensunterschrift. Ter Herr kennt die Seinen (Christus am Kreuz). Mein Vater und mein Geist beschließen eben das (Joh. lN, 30 ). Und ich versiegle selbst mit Blut und Tod den Paß. Ich aller Herren -Herr und aller König König, Deß Erd' und Himmel ist. dem aller Ruhm zu wenig, Der ohne Titeldunst, Allmächtig ist und heißt Und was man von ihm sagt, im Werke selbst be- ^ weist u. s. w. (Fortsetzung folgt.) (MkLIbWIb Die Hutfabrik von G. Hund, i-ue Hauteville, 38 , empfiehlt sich mit den schönsten, dauerhaftesten und fein, ften Hüten nach der neuesten Mode und zu den billigsten Preisen, als Filz-, mechanische oder Klapphüte zu i« Franken, seidene Hüte zu 14 Franken. Die Herren Käufer finden die vollständigste Auswahl mit der schriftlichen Garantie, daß die Hüte während der ersten sechs Monate keine Flecken durch die Kopfausdünstung erhalten, und andern Falls gegen, einen neuen um den halben Kaufpreis zurückgenommen werden. NeLactcur: Heinrich Börustei n. Druck init Schnellvreffen von Paul Reno ua r d. decisteinent mettre le Oiable psrtout et ä toutes les sauces. Ileul-eusement le titre du nouveau ballet n'est que plovisoike. a re lrouve svec la L,>e/rcses plus beaux jours. Hogeret Dille, bavo^ejoueutet cbantent ä ravir. DI. Linon a rernplace une fois Dl. Dloreau- 8ainli dsns le 67/7r'§ta7rsvec distinction. Ls Lle.-t7eer/e et le /-o/nr/ri ^Vv7> ont altire l» foule dirnsncbe der- nier. O'ailleuis le diinancbe, connne les gulresjours, Isjolie sslle de l'0/7e7'a-t,'o77rr^77e est toujours coinble. Dlsis en adininistrateur intelligent DI. Orosnie»- ne se » epose pas sur ces succes. Oe nouvslles pieces et de nouveaux acteuis se succedent sous sa bsguette ma- gique. be Mo77L^77e est s peine instslle qu'on pre- paie dezs la place aux deux operas nouveaux de DIDl. Ilslev^ et^uber. DI. darein et Dille, lluval ont debule svautageusement. 1,3 tl'oupe de l'6/7e^a-t7o- mr'^776 sera auss» bientot coinplete et auss» bien con»- posee qu'on pourrsit le desirer. 1 „es bei dieser Kälte, Verachtung, ja Erbitterung „gegen die wesentlichen Bemühungen des Staates „heißen, daß der Pietist das Bibelwort: Seid un- „terthan der Obrigkeit u. s. f. im Munde führt? „Er wird es nur so lange auch in der That bewähren, als der Staat ihm in denjenigen Gebieten, „die ihm zunächst am Herzen liegen, in Kirche und „Schule, so furchtsam wie bis jetzt meistens nach- „gibt. Wo der Staat dies einmal außer Acht läßt, „da erinnert sich der Pietismus alsbald, daß in der „Bibel auch steht, man müsse Gott mehr gehorchen „als den Menschen, und es kommt ihm nicht darauf „an, eine Regierung über den Haufen zu „werfen, wenn sich diese nicht vorher durch Groß-' „ziehung des vernünftigen Denkens unter ihren „Bürgern gehörig stark gemacht hat" u. s. w. Was Strauß vom protestantischen Pietistensa- natiömus sagt, gilt insofern vom katholischen Volksfanatismus ebenfalls, als letzterer immerdar unter der väterlichen Obhut eines, mit Politik von je wohlbetrauten, Revolutionen nicht scheuenden, Klerus wuchert. Wie zerrissen aber das einst mit sich so einige System der preußischen Regierung seit 1840 geworden ist, und mit wie mächtigem Schritte es der Zeitforderung, nämlich der Auflösung von Staat sowohl als Kirche, ohne Wissen und Willen zueilt: erhellt abermals aus dem Umstande, daß die Regierung dort den Pietismus einerseits und die Industrie, d. h. das Weltliche, andererseits, hätschelt. An die Jungdentschen. (Ein S endschreiben znr Verständigung.) Allmälig muß auch einem oberflächlichen Beobachter einleuchten, daß die socialistische Schule, die Parthel der Kommunisten, tiefe Wurzeln getrieben hat und wissenschaftlich wie materiell täglich erstarkt. Noch vor vier Jahren standet Ihr als die einzige deutsche Fort- schrittsparthei auf den viclbelobten Boden der sogenannten freien Schweiz. Ihr machtet damals ein gewaltiges Aufheben von ihrer politischen, bürgerlichen Freiheit, und gar mancher unter Euch rief:,, O wäre Deutschland nur ein Helvetien ! " Sonderbar genug war allerdings dieser Euer Jrrthum. Im Jahre 1840 waren doch schon alle jene diplomatischen Ränke gegen verbannte Patrioten Mit den heil'gen drei Kön'gen, die da ruhn Im Tabernakel da drmnen?" So höre ich fragen. Doch brauchen wir uns In unserer Zeit zu genircn ? Die heil'gen drei Kön'ge aus Morgenland, «Lie können wo anders logircn. Folst meinem Nath und steckt sie hinein In jene drei Körbe von Eisen, Die hoch zu Münster hängen am Thurm, Der Sankt Lamberti geheißen. Fehlt etwa einer vom Triumvirat, So nehmt einen anderen Menschen, Ersetzt den König des Morgenlands Durch einen abendländschen. Caput V Und als ich an die Rheinbrück kam, Wohl an die Hafenschanze, Da sah ich fließen den Vater Rhein Im stillen Mondenglanze. Sei mir gegrüßt, mein Vater Rhein, Wie ist es dir ergangen? Ich habe oft an dich gedacht, Mit Sehnsucht und Verlangen. So sprach ich, da hört ich im Wasser tief Gar seltsam grämliche Töne, Wie Hüsteln eines alten Manns, Ein Brümmeln und weiches Gestöhne: ,.Willkommen, mein Junge, das ist mir lieh, Daß du mich nicht vergessen; verschiedener Nationen in der Schweiz ausgeübt worden. Ihr wolltet immer noch keinen Schluß ziehen aus dem gehässigen Verfahren welches die gefügigen republikanischen Behörden und die Tagsatzung selber, den Verstoßenen gegenüber befolgt hatten, die gleich „Heimathlosen" hin und her gehetzt wurden. Mancher Putsch, manche Kantonsrevvlution war seit 1830 vor Euren Augen vor- übergegangen; Ihr hattet volle Gelegenheit in der Nähe gehabt, das Emporlodern der Freiheitsflammen und das baldige, unverhoffte, schmähliche Erlöschen derselben zu sehen. Ja, Ihr hattet selbst dort mitgekämpft, wenn auch nicht stets mit der Faust, so mit dem Herzen und dem Worte; Polnische und italienische Flüchtlinge hattet Ihr zu stündlichen Gefährten gehabt und wußtet genau um ihre vereitelten Erwartungen, um ihre getauschten Pläne, um ihre gebrochenen Herzen. Längst aber blühte in England der Socialismus Owens; längst diskutirte in Frankreich der Fourierismus in Zeitungen und Büchern mit dem Kommunismus, seinem moralisch überlegenen Bruder, dem der einstige Sieg gehört. Und trotz alledem gingen Eure Augen nicht auf. Andere von Euch priesen Nordamerika's scheinbare Freiheit und Gleichheit; die weite Entfernung und der entzückende Klang „Amerika" täuschte sie. „Da drüben „ist Raum — dort wirkten einst Washington und Frankolin , die großen Republikaner" — so täuschtet Ihr Euch selbst nach ächt deutscher Weise, indem Ihr die überseeische Staatsform lobtet. Und doch waren schon damals gewichtige Stimmen des Bedenken's und des Tadels in Betreffjenes Landes laut geworden. Ihr beschloßt indessen taub zu sein. Da kam Wilhelm Weitling, der Schneider, aus Paris nach Genf, Eurem damaligen Hauptstapel'platze, und begann im Kreise des Vereins seine Euch gewiß unvergeßlichen kommunistischen Diskussionen. Ihr lachtet freilich über diese „französischen Träumereien". Nachdem später sich einige in Eurer Mitte besonnen, daß bereits vor drei Jahrhunderten Deutsche Bürger und Bauern im großen Bauernkriege sociale Verbesserungen und keineswegs blos politische angeftrebt und mit ihrem Blut dafür gelitten hatten, hieß es : „der moderne Schneider-Kommunismus" sei im Grunde „nur eine uralte aufgewärmte Geschichte;" glücklicher Weise sei die Menschheit darüber hinaus und man thuc sehr unrecht, sie an ihre ehemaligen „abgeschmackten, verunglückten" Wünsche zu erinnern. In diesem Blatte, wollen wir übrigens nicht näher von jenen tbeils kleinlichen, Schwäche verrathenden, theils rohen Mitteln sprechen; von den zahlreichen Jntriguen, Verleumdungen und Sinnverdrehungen, die Ihr gegen die entstehende kommunistische Schule anzuwenden für- nützlich hieltet. Ihr handeltet und handelt ja niemals selbstständig; Eure geehrten, allerdings ganz wohlmeinenden Wortführer, Dr. Wirth, Dr. Hochdörffer, Dr. Nauschenplatt, Dr. Fein und andere wiesen Euch den Weg, und sparten nichts, um dem für diese abgestorbenen Männer neuen und unbegreiflichen Weltprinzipe die Ringbahn zu versperren. Heute, nach vierjährigem Widersträuben in verschiedenen Kantonen der Schweiz, in England" und in Frankreich, findet sich jedoch daß Eure Parthei nicht nur keine moralischen, wissenschaftlichen und materiellen Fortschritte gemacht hat, sondern bereits zu dem geheimen Selbstbekenntniß getrieben worden ist: der einseitige politische Standpunkt sei nicht auf die Dauer zu behaupten. Aber laut dieses auszusprcchen, davon hält Euch verkehrte Schaam zurück. Arbeiter! Ihr, die Ihr ein Jungdeutschland im Gegensatz zu dem alten, dem Tode anheimfallenden Vaterlande wollt; befragt Euer eignes innerstes Herz, forscht nach, im Sinne und im Herzen der Volksklasse aus der Ihr hervorgegangen; erweitert Euren Blick zur schärfern Betrachtung der übrigen Gesellschaftskreise sammt und sonders — und Ihr werdet aufhören zu glauben, dem Drangsale der Welt könne abgeholfen werden durch eine amerikanische oder sonst eine democratische Verfassung! Seit langen Jahren hat man Euch mit gelehrter Miene vorgeplaudert : des Menschen höchste Güter seien Preß- und Redefreiheit, Geschwornengericht, Wahlrecht und republikanische Verfassung; hätte er diese erreicht, so wäre er glücklich, und was wohl sonst noch außerdem gewünscht würde, das wäre ein Hirngespinnst. Man hat Euch Reden darüber halten und Lieder singen lassen : Deutschland müsse ein einiger Freistaat werden, mit Seemacht und Landmacht gut versehen, und vor Allem sollten Elsaß und Lothringen, Holland und Belgien, die Schweiz und Böhmen wieder deutsche Provinzen sein; dann wäre Alles am Ende und das Ende wäre gut. Jede dieser weis- heitvollen Predigten schließt mit einem : „Wehe dem Kommunismus!" / Eure Führer hatten stets die armseligen Studentenbegriffe; sie haben seitdem nichts vergessen und nichts gelernt; sie sind dürres Reisig, womit Ihr nur das Feuer schüren könnt um Eure langweilige Nacht endlich etwas zu erhellen. Wie? sie nennen sich Jungdeutsche und haben nicht einmal jenen jungen Schriftsteller der ersten dreißiger Jahre, der auch ein Iungdeutscher war, Wienbarg, verstanden, wenn er an vielen Stellen ausdrücklich darlegte: „Nicht ein Umsturz, sondern eine Verjüngung thut uns Noth." Sie vermochten nicht sich zu dem Gedanken einer Weltreformation zu erheben ; sie sehen nicht und wollen noch immer nicht, daß d i e M e n sch h e i t an die Stelle der Nationalitäten tritt; sie, welche wie ein Schriftsteller jener Zeit so bezeichnend es aussprach, mit dem Glanze ihres neuen Gewandes nur das ermattete Auge des Alters blendet, welches nicht gewohnt ist anders als durch gefärbte Gläser in den ewiger Seit dreizehn Jahren sah ich dich nicht, Mir ging es schlecht unterdessen. „Zu Bibcrich Hab' ich Steine verschluckt, Wahrhaftig sie schmeckten nicht lecker! Doch schwerer liegen im Magen mir Die Verse von Niklas Becker. „Er hat mich besungen als ob ich noch Die reinste Jungfer wäre, Die sich von niemand rauben läßt Das Kränzlein ihrer Ehre. „Wenn ich es höre, das dumme Lied, Dann möcht ich mir zerraufen Den weißen Bart, ich möchte fürwahr Mich in mir selbst ersaufen! „Daß ich keine reine Jungfer bin, Die Franzosen wissen es besser, Sie haben mit meinem Wasser so oft Vermischt ihr Siegerwässer. „Das dumme Lied und der dumme Kerl! Er hat mich schmählich blamiret, Gewissermaßen hat er mich auch Politisch kompromittiret. „Denn kehren jetzt die Franzosen zurück, So muß ich vor ihnen crröthen, Ich, der um ihre Rückkehr so oft Mit Thränen zum Himmel gebeten. „Ich habe sie immer so lieb gehabt, Die lieben kleinen Französchen — Singen und springen sie noch w'e sonst? Tragen noch weiße Höschen? „Ich möchte sie gerne Wiedersehn, Doch fürcht' ich die Persifflage, Von wegen des verwünschten Lieds, Von wegen der Blamage. „Der Alfred de Müsset, der Gassenbub, Der kommt an ihrer Spitze Vielleicht als Tambour, und trommelt mir vor All seine schlechten Witze." So klagte der arme Vater Rhein, Könnt sich nicht zufrieden geben. Ich sprach zu ihch manch tröstendes Wort, Um ihm das Herz zu heben: O fürchte nicht, mein Vater Rhein, Den spöttelnden Scherz der Franzosen; Sie sind die alten Franzosen nicht mehr, Auch tragen sie andere Hosen. Die Hosen sind roth und nicht mehr weiß, Sie haben auch andere Knöpfe, Sie singen nicht mehr, sie springen nicht mehr, Sie senken nachdenklich die Köpfe. Sie philosophircn und sprechen jetzt Von Kant, von Fischte und Hegel, Six rauchen Tabak, sie trinken Bier, Und manche schieben auch Kegel. Sie werden Philister ganz wie wir Und treiben es endlich noch ärger; 3 Brand der Lebenssonne zu schauen. Eure Führer waren frühe innerlich gealtert , wie es scheint; und wenn noch sonst kein Beweis für die Unzulänglichkeit, für die Erbärmlichkeit des deutschen Universttätstreibens, das die Jünglinge entweder zu halb hölzernen halb beinernen Karikaturen oder zu Gespenstern macht, vorhanden wäre: so müßte dieses allein ausreichend sein. Ihr solltet endlich jetzt anfangen selber zu denken; schwatzt nicht immer jenen Männern nach. Des Menschen höchstes Gut ist das volle thatenkräftige freie und gleiche Lebendes Körpers und des Geistes; des Menschen höch ste s Gut ist der Mensch selbst. Findet Ihr es etwa innerhalb der oben aUfgezählren Formen verwirklicht? Erblickt Ihr in der Republik Nordamerika nicht einen allesbefleckendcn Eigennutz, eine fieberhafte Jagd nach Geld und Gut, auf der die Jäger oft einander ermorden, unter dem ehrbaren Deckmantel der demokratischen Selbstständigkeit und der unbeschränkten Handelsfreiheit? Seht Ihr dort nicht rinp seltsame Verhöhnung der Menschenwürde im Sklaventhum? Und im Hintergründe könntet Ihr leicht noch das aufschießende Proletariat mit dem Bürgerkriege entdecken. Dennoch ist die Nordamerikanische Union die ausgebildetste aller Demokratien, und, wahrhaftig! Ihr hättet Mühe genug um unser Deutschland auf jenen Punkt politischer und religiöser Freiheit zu bringen. „Das wollen wir gleichwohl!" entgegnet Ihr in Eurer unwissenden Verkehrtheit, die nicht geringer als die gelehrte oder halbgelehrte Verblendung Eurer Führer ist. Ihr wollt die Deutschen für Verfassung und Preßfreiheit begeistern, unablässig jetzt diese Losung wiederholen und wenn? — Was dann? Das wißt Ihr selber nicht. Ich will es Euch sagen : wenn Ihr einst mit fliegenden Fahnen, worauf jene Namen geschrieben, über die deutsche Grenze, im Fall eines allgemeinen Krieges zieht, so kann zweierlei entstehen: das deutsche gedrückte, verdummte, arbeitende, nvthleidende Volk erhebt sich, hilft mit seinem Blute eine neue Staatsform einsetzen, und hmtenher bleibt Alles beim Alten. Das Volk empört sich, wird von Par- theichefs benutzt und endlich der Sache so überdrüßig, daß es sich wieder an das Schlafen begibt. Öderes rührt sich gar nicht auf die schönklingenden aber leeren Worte die Ihr ihm spendet, und das wäre das Gescheiteste. Aufregen kann man freilich die Menschen, aber wo kein kernhafter Inhalt in der Bewegung gewesen, da ist das Ganze ein lieblicher Traum. Ihr seid die Träumer, die hohlen Theoretiker, nicht aber die Kommunisten. Und die Arbeitslosen, die Gepfändeten, die Verschuldeten, die Vaukerutirten, die Nichtbefitzendcn, die Hülfsbedürftigen alle,und die, welche „ihr Leben verfeh lt haben," wie man es sehr richtig mit einem fürchterlichen Namen nennt, wenn diese Unglücklichen aus allen, selbst den reichsten Gesellschaftsklassen kommen würden und rufen: „Nein, „schafft mir zuerst die marternde Sorge des kümmerlichen zerrissenen Daseins vom Halse, diese Schlange, „die mich zu würgen droht; gewährleistet mir und den „Meinigen die unbedingte Bildung und Anwendung unserer leiblichen und geistigen Wesenskräfte; bevor ich „dazu keine Aussicht habe, lege ich nicht Hand an." Was wolltet Ihr wohl hierauf erwiedern? Doch nicht etwa: „GeduH, lieben Leute;" oder: „Auf Erden gibt es keine Vollkommenheit." Solche abgebrauchte Religionssprüche und Sätzlein einer vertrockneten Schulweisheit gelten dann nicht mehr; das zwanzigste Jahrhundert und hoffentlich auch schon unser neunzehntes, verlangt die wirk- l i che Gleichheit und Freiheit, denn es ist ihrer Schattenbilder herzlich satt und matt. Gedenkt mit Rührung der Schlachtopfer, die fast jährlich die revolutionären Trauerspiele in Italien kosten; erinnert Euch, wenn Ihr noch einen Funken gesunden Sinnes besitzt, an die jungen Helden, die seit Polen's Sturze von Zeit zu Zeit dorthin eilten um das Volk zu empören, und plaudert nicht fürder nach, was Eure Führer Euch vvrleiern, die weder in die unteren Vvlksklassen, noch in die Menschheit Einsicht haben. Heute könnt Ihr Euch aber nicht mehr damit entschuldigen, es gäbe keine kommunistischen Bücher; denn eine ganze neue Literatur ist im Aufgehen begriffen, eine wahre Menschheitsliteratur : ste ist Euch zugänglich. Deutsches, englisches und sonstiges Proletariat wird zu seiner Zeit wegschwinden, aber nur nachdem in diesen unbefangenen Boden der „Blitz der modernen deutschen Philosophie eingeschlagen hat." Das wird die neue Weltmacht werden, vor der Altdeutschland dahinschmilzt, aber vor der auch jeder an- derwärtige politischeStaat, auch Eure jungdeutsche Republik, vergehen muß. Nationalitäten vermögen nichts gegen die Menschheit. Deutschlands Genius ist aber im Innersten weltbürgerlich. Zu einem starken Staate vermochte er's nie zu bringen. Er wird Größeres thun: er wird die freie gleiche Gesellschaft einrichten helfen. Goethe, auf den Ihr freilich als patriotische Deutsch- thümler nichts haltet, hat an seinem 75sten Geburtstage (1824, 28. August) schon gesagt: Sie wollten in das Treibhaus uns verpflanzen — Allein die deutsche Eich' erwuchs zuin Ganzen; Ein Sturm des Wachsthums ist ihr angekommen, Sie hat das Glas vom Treibhaus mitge- nom m e n. Nun wachs', o Eich', erwachs' zum Weltvergnügen , Schon seh' ich neue Sonnenaare fliegen; Und wenn sich meine graue Wimpern schließen, So wird sich noch ein mildes Licht ergießen , Bei dessen Wiederschein von jenen Sternen Die späten Enkel werden sehen lernen, Sie sind keine Voltairianer mehr, Sie werden Hengstenberger. Der Alfred de Müsset, das ist wahr, Ist noch ein Gassenjunge; Doch fürchte nichts, wir fesseln ihm Die schändliche Spötterzunge. Und trommelt er dir einen schlechten Witz, So pfeifen wir ihm einen schlimmern, Wir pfeifen ihm vor was ihm paffirt Bei schönen Frauenzimmern. Gib dich zufrieden, Vater Rhein, Denk' nicht an schlechte Lieder, Ein besseres Lied vernimmst du bald — Leb wohl, wir sehen uns wieder. Eaput VI. Den Paganini begleitete stets Ein Spiritus Familiaris, Manchmal als Hund, manchmal in Gestalt Des seligen Georg Harris. Napoleon sah einen rothen Mann, Vor jedem wicht'gen Ereigniß. Sokrates hatte seinen Dämon, Das war kein Hirnerzeugniß. Ich selbst, wenn ich am Schreibtisch saß Des Nachts, Hab ich gesehen Zuweilen einen vermummten Gast Unheimlich hinter mir stehen. Unter dem Mantel hielt ev etwas Verborgen, das seltsam blinkte Wenn es zum Vorschein kam, und ein Veil, Ein Richtbeil, zu sein mir dünkte. Er schien von untersetzter Statur, Die Augen wie zwei Sterne; Er störte mich im Schreiben nie, Blieb ruhig stehn in der Ferne. Seit Jahren halte ich nicht gesehn Den sonderbaren Gesellen, Da fand ich ihn plötzlich wieder hier In der stillen Mondnacht zu Collen. Ich schleuderte sinnend die Straßen entlang, Da sah ich ihn hinter mir gehen, Als ob er mein Schatten wäre, und stand Ich still, so blieb er stehen. Blieb stehen, als wartete er auf was, Und förderte ich die Schritte, Dann folgte er wieder. So kamen wir Bis auf des Domplatzes Mitte. Es ward mir unleidlich, ich drehte mich um Und sprach: Jetzt steh' mir Rede, Was folgst du mir auf Weg und Steg, Hier in der nächtlichen Öde? Ich treffe dich immer in der Stund,' Wo Weltgesühle sprießen In meiner Brust und durch das Hirn Die Geistesblitze schießen. Du siehst mich an so stier und fest — Steh'Rede : was verhüllst du Hier unter dem Mantel, das heimlich blinkt? Wer bist du und was willst du? Und in prophetisch höheren Gesichten Von Gott und Menschheit Höheres berichten. So schrieb Goethe vor zwanzig Jahren. Die greise mit Ordensbändern von allen Fürsten bedeckte Ercellenz w a r mehr Mensch, war dem Kommunismus näher als Ihr oder vielmehr Eure Sprecher, diese ge- spreitzten Nationalen. Kommt endlich zu Euch, jung- deutsche Arbeiter, discutirt die socialen Lebensfragen. Zeit habt Ihr zu diesem friedlichen Geschäft mitten im allgemeinen Frieden, Gelegenheit desgleichen. Paris, 1844, is. Okt. Neuestes deutsches Musterstyl- briefchen. Deutschlands heilige 3« sind bekanntlich nur dazu da, das deutsche Königthum lächerlich zu machen. Sie haben sich seit Mehrern hundert Jahren hierzu hergegeben; schon längst vor 1618 waren ste der gerechte Spott des Auslandes. Der Wittelsbachcr Dichterling hat zu diesem komischen Behufe folgendes so eben in die Münchener Zeitung rücken lassen: Königliches Handschreiben an den Staatsrath S. „Vorstehendes(soll heißen nachstehendes) schreibe ich Ihnen, dem zeitlichen Präsidenten der gegenwärtig dahier (!) befindlichen Versammlung der Land- und Forst- wirthe als Einladung zu dem von mir den befrag- lichen (!) Versammelten Sonnabends den 5. d. dahier (!) in meiner Residenz gegeben werdenden (!) Gastmahle, Sie hierüber (!) beauftragend (!), die gedachte (!) Versammlung von Solchen (!) mit (!) dem Bemerken (!) in Kenntniß zu setzen, daß bei diesem Mahle mein fun k- tionnirendcr (!) Hofmarschall statt meiner, der ich (!) am mehrberegten (!) Gastmahle wegen erst jüngst (!) gehabter (!) katarrhalischer Affection, ärztlichem Nathe gemäß, nicht theilnehmen kann, meinem Befehle zufolge die Honneurs (!) machen wird. Der Anfang besagten (!) im Herculessaale meiner Residenz stattfindenden (!) Essens ist um'2Uhr Mittags (soll heißen Nachmittags), und beginnt demnach zu solcher Zeit, daß die Versammlung dem ihr von der Gesellschaft des Frohsinns am Abende desselben Tages fürgeblich (!) bereitet werdenden (!) Feste beizuwohnen nicht gehindert ist. „Mit gnädigen Gesinnungen Ihr wohlgeneigter „König Ludwig." Der gekrönte Eichelheld und Franzosenfresser, der Parisverbrenner, der noch vor einem Jahre aus Pa- Doch jener erwiederte trockenen Tons, Sogar ein bischen phlegmatisch: „Ich bitte dich, ervrzire mich nicht, Und werde nur nicht emphatisch! „Ich bin kein Gespenst der Vergangenheit, Kein grabentstiegener Strohwisch, Und von Rhetorik bin ich kein Freund, Din auch nicht sehr philosophisch. „Ich bin von praktischer Natur, Und immer schweigsam und ruhig. Doch wisse: was du ersonnen im Geist', Das führ' ich aus, das thu' ich. „Und gehn auch Jahre drüber hin, Ich raste nicht, bis ich verwandle In Wirklichkeit was du gedacht; Du denkst, und ich, ich handle. „Du bist der' Richter, der Büttel bin ich. Und mit dem Gehorsam des Knechtes Vollstreck'ich das Urtheil, das du gefällt, Und sei es ein ungerechtes. , ,Dem Consul trug man ein Beil vomn, Zu Rom, in alten Tagen. Auch du Haft deinen Liktor, doch wird Das Beil dir nachgetragen. „Ich bin dein Liktvr. und ich geh' Beständig mit dem blanken Richtbeile hinter dir — ich bin Die That von deinem Gedanken." (Fortsetzung folgt.) t riotismus den Münchener Gastwirthen untersagt hat/ französische Kellner in Dienst zu nehmen, spricht doch von Honneurs. — Der große Naturforscher Büffon sagte immer: man könne eines Menschen Charakter aus seinem Style be- urtheilen. Armer Ludwig! — Übrigens ist es wirklich merkwürdig, daß Baierns König, der seit Jahren klassische Studien getrieben hat, noch immer nicht seine Muttersprache versteht. Nur einem deutschen Fürsten kann solch Unglück begegnen. Die seltsame Sache har vielleicht*in der geheimen Gewissensangst einen Grund; in dein düstern stillen Mißbehagen, welche dies königliche Herz beschleicht bei der widrigen Erinnerung an das eigene gräßlich verfehlte Leben, an die Thörheitcn und Grausamkeiten in die es sich verwickelt hat. Einst, im Napoleonskampfe, ein lebensfroher, thatcndurstiger, wissenschaftlich gebildeter Jüngling, eine Krone und eine weite Zukunft vor sich — und heute —!—! — ! Von den innern Furien gepeitscht, stürzt er sich in die religiöseste Nacht und betet zitternd, und grübelt über Hofceremoniell und Rcdeschnörkeln. — O armer, armer Ludwig! nicht wahr? du gäbest deine Krone um deine verlorene Jugend hin? — Vermischtes. Nichts, gar nichts geht über die himmlische Naivität, mit der die bezahlten Zeitungen immer und immer wieder versichern, die Aufstände in Laiern, in Sachsen, in Böhmen, in Schlesien seien durchaus nicht politischen, sondern rein materiellen Ursprungs. Das ist es ja eben. Wir wissen recht wohl, daß die Weber, die Taglöhner nicht durch die Lektüre von Payne oder Rousseau zum Widerstand gereizt wurden: aber Hunger haben sie und Hunger werden sie haben, so lange ihre Machthaber sol- chenHvf-, Staats- und Militärlurus treiben, so lange das ungeheure Mißverhältniß in der Vesteurung, so lange die E ecution und das Monopol, so lange die Gleichgültigkeit gegen Bedürfnisse und Interessen des Volkes bestehen bleiben. Noch einmal, nicht die,,hohle Theorie," wie sie jeden freien Gedanken schelten, nein, der Magen hat sich empört gegen diejenigen, die immerdar mit dem Sprüchelchen angestochen kamen:,,Das Volk will Brod, keine Dvktrine." Schön, schön, nun schreit, das Volk nach dem versprochenen Brode — und wird todtgeschossen. Tschech soll (muß?) wahnsinnig sein; die preußischen Blätter berichten hierüber die wunderlichen Geschichten. Leider ist auch diese königlich prerrßische Erfindung nicht originell, sie kopirt nur den höchstsekigen König Friedrich von Würtemberg, der unterm 9. August 18,-9 folgendes Edikt ergehen ließ: ,,Da Sc. Königl. Majestät aus Veranlassung eines Allerhöchstdenselben vorgetragenen Spezialfallcs zu verordnen geruht haben, daß Jeder, der sich öffentlich injuriöse Äußerungen über die Allerhöchste Person des Königs zu Schulden kommen läßt, als sinnlos betrachtet und somit straflos gelassen werden, jedoch aber, um ihn für die Gesellschaft unschädlich zu machen, zu Bekleidung.jedes öffentlichen Amtes unfähig erklärt werden solle, so wird solches hiemit allgemein bekannt gemacht. Dekretum Stuttgart im K. Staatsministerium." So sollte damals', so soll jeyt in Preußen wieder die öffentliche Meinung vor verfänglichem Nachdenken über die Handlungsweise der Fürsten, über die moralische Verantwortlichkeit u. s. w. zurückgeschreckt werden durch den Ruf: ,.Nehmt euch in Acht, der, dessen That euch zu diesen Gedanken verleiten will, ist ein Wahnsinniger." Da wird nun Mancher vom großen Haufen irre an seiner eigenen Ansicht, weil ihre Cvnsequenzen zum Wahnwitze führen sollen. Es ist keineswegs zu erwarten, daß die Deutschen an einem schönen Morgen ihre Schlafkappen in die Höhe werfen, mit dem Fidibus erst ihre Tabackspfeife dann das Kriegsfeuer anzünden und, statt nach der Ministerpfeife, die Carmagnole tanzen werden. Und gleichwohl reift Deutschland für dje Revolution. Ein tiefer Denker, Jochmann, sagte schon vor zwanzig Jahren: ,.Die Zeit, da es in den Kopsen einer Nation durch öffentlichen Unterricht, Handel und Gewerbfleiß lichter wird, tst weit revolutionärer, als diejenige, in welcher die sich mit Legitimität brüstenden Mißbräuche fallen. Ihr Fall ist nur Folge von jenem Lichlwerden." In dieser Umwälzungsperiode stehen wir bis an die Schultern. Nicht Menschen sind die heftigsten Feinde der Privilegien, sondern Aufklärung und Gemeingeist. Je mehr sich die Völker ihrer Bedürfnisse und Rechte bewußt werden, desto mehr verliert der Mißbrauch an Autorität und Boden. Jnsvstrne ist die materielle Richtung unserer Zeit ein ganz vortrefflicher Bundesgenosse der Freiheit; denn den Massen fallen, indem sie sich für ihr materielles Wohlbefinden interessiren, eben dadurch einleuchtend die Hemmnisse ins Auge, welche noch zu überwinden sind; die schädlichen, tiefeingreifenden Verzweigungen des Privilegiums kommen dadurch an den Tag und machen sich unerträglich — Trivial zu sagen : das Volk, schon längst sich unbequem fühlend, merkt endlich, wo es der Schuh drückt. Rührendes Beispiel väterlicher Regierung. Vor einigen Jahren erließ das preußische Gouvernement ein Reseript, wonach in den Schulen der Provinz Posen Abtritte eingerichtet werden sollten. Bisher war dieses Bedürfnis' von den polnischen Naturkindern nicht gefühlt worden, und wirklich remonftrirten auch mehrere Gemeinden gegen die Neuerung, sich auf die herkömmliche Freiheit berufend: allein die Negierung beharrte, die gute Sache siegte, die Abtritte wurden eingerichtet, und jene Remonstranten sind vielleicht auch wegen ,,frechen, un- ehrbietigen Tadels der Landesgesetze" bestraft worden. Neuerdings nun wurden die Schulen von einem Negie- rungskommiffär untersucht; er kommt auch nach ...ke. Der schulmeisterliche Abtritt findet sich in ordnungsmäßigem Gebrauch, dagegen diejenig n der männlichen und weiblichen Schuljugend noch in dem Zustande, wie sie der Zimmermann verlassen. Der Regierungskommis- sär fragt erstaunt nach der Ursache, und erfährt vom Schulmeister, daß die liebe Jugend sich eben durchaus an das Herkommen halte und den Gebrauch der preußischen Abtritte gar n'cht verstehe. Ein paar Wochen später langt ein Negicrungserlaß an, worin dem Schulmeister strengstens aufgegeben wird, die Jugend zum Besuch der Abtritte anzuhalten und sie über deren richtigen Gebrauchs praktisch zu verständigen. Preußische Preßfreiheit. Vom Nicderrhein, 15. Septbr. Es gibt noch eine Stätte in Deutschland, wo Preßfreiheit herrscht, vollständige Preßfreiheit. Diese Stätte ist die Kanzel. In der Schützenwoche (im Juli) hatte sich in Cleve ein Theil der Schützenmitglieder bei einem Glase Bier versammelt, um luftig und guter Dinge zu sein. Wie es der Deutsche nun einmal macht, bein^Trinken wird er politisch, seine Freibeitsgedanken ziehen,geradew ebeidenJralienern,das Kleid der Musik an, er singt — Freiheitslieder. Auch die Clevischen Schützen haben das unschuldige Verbrechen begangen, Freibeitslieder zu singen. Bald nachher ereignete sich das Verbrechen des Tschech. Die Geistlichen nahmen die Gelegenheit wahr, — von der Kanzel herab für die wunderbare Rettung des königlichen Hauptes dem Höchsten zu danken. Was thut der protestantische Pfarrer W. zu Cleve? Er verflicht den harmlosen Vorfall der Schützcngesellschaft in seine Dankespredigt, behaupte», in Cleve, ja sogar in seiner eigenen Gemeinde seien Leute, die sich gefreut haben würden, hätte die Kugel getroffen; ja Mancher hätte selbst eine Kugel für den Monarchen bereit, wenn er nicht für sein eigenes Leben fürchtete. Dabei nun die fürchterlichsten Animositäten wider den Unglauben und Atheismus seiner Gemeinde, die Mitglieder zähle, welche an ihrem eigenen Geiste einen noch weit fürchterlicheren Mord ausübten als der Königs- mvrd sei, welche denjenigen nicht niehr verehrten, ohne dessen Anerkennung auch die königlichen Gebote gar keine Kraft mehr hätten, sintemal auf dem lebendigen, persönlichen Gotte alle Ordnung und Obrigkeit beruhte. Ich übertreibe nichts, die Predigt ist gedruckt und zwar — zum Besten des Ahrthales! Nedactcur: Heinrich Börnstein. Druck mit Schnellpressen von Paul Ren » uard. «-r EOälstlOIU VL8 1k1?k1NLDIi8-IE8, 1)^18, lü. eoiklMW MSIIlllM8-MI8 >.ä 8ISI.c fLMH.l.88 ov LL DL LL. D1DI.L NLVIDN ä.00L88IDI.L Ad LX DLL DLNX LLXLS. llri volume cle iooo orne cle 120 su^6t8 Piaves. — ?rix : IO lr. ... ' ^ ^ i) ^ ' !-» l-Z ^ 8 ' »ß - -L 2) ^ ^ > -1 2 ^ " ^ ^ - cm) s K ^ . DL8 ILlkNILlLVNS 1UAI8, vl° 15. MMLIIökUM kkMkk ,s«i.i°.z: 7 5«IVL yiMM, : 7.so I— ' p-t .__ L o« . , V K § L ^ 1 - lÄ D, - ^^ ^ f-, , Ä 0/) L L ^ Z hl ^ v dL ^ 8 ^ Z ^ fz K- O ^ « f--j °Z ^ 5 ^ Oom/)ior> c/es/m/ErMsul's-k/ms, ouar 13. V— — 0 ^ ^ ß? L ---r^ !2 .s: m ei», IM UI L II. MIM m WU O«, VAR N° LU E" URLNA DZ 2 Volums» LQ-So. — Prix : 12 to 70M8 I «k tt. HI8I0IKK VL8 PKLMLK8 LM»MLM8 >—-'S ^ L >-—l -2. ^ « 8 ^^ ^—> K v 8 Z tD ^ VZ cXi § S s 81 ÄVMVIIsaö 'ML 81 ---—— . - _ __ Die Schweizerische Basel unter dem Schutze der Preßfreiheit seit 3 Jahren (dreimal wöchentlich, zum Preise von I-r. 1t 12.1e pr. Jahr) erscheinend, bringt, in Folge der außerordentlich günstigen geographischen Lage des Verlags-Ortes, die Tags-Ereignisse von Heimath und Fremde auf's Schnellste zur öffentlichen Kenntniß. Ein Organ des entschiedenen Fortschritts, widmet dies, der unabhängigsten Stellung sich erfreuende Blatt den freisinnigen Bestrebungen aller Volker die anfmcrksainste Betrachtung; indem cs dann aber in möglichster Befestigung und Fortentwickelung der durch die schweizerischen Versah Rational- Zeitung sungen gewährleisteten Freiheit seine nächste Aufgabe erkennt, wird es allen von ihrem Vatcrlande fern lebenden Schweizern der ^.reueste Spiegel heimathlichcr Zustände sein. — Die Verbreitung des Blattes über die ganze Schweiz, Baven und das Elsaß macht die von ihm aufgenommencn llV 8 l-li IIOIVLA (Preist- Sons für den Raum cuicr Petit-Zeile» vorzugsweise wirksam. Für Paris vermittelt Abonnements wie Insertionen das I! ItNIVIl , 32 , rue Hl oulink. - Paris, 1844. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 87 1 H Abonnements - Preise r z. in Paris : ^ Ein Jahr. .... 24 Francs. ^ Sechs Monate. ... 43 „ Drei Monate. ... 8 „ HS r « «r Man abonnirt: für Paris: IM Duresu central pour l'^IIemaßue, ru« cke8 Uoulins, 82; im Comptoir des Buchdruckervereins c>usi IVlglaquais , i5; in der Mendel'schen Buchhandlung, rue clu kss lle la klule, 3; s> , Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 48 „ Drei Monate. ... S „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. (Mittwoch.) ariter Deuttche Zeitschrikt. in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. (3V. Oktober.) Auszuge aus: Die Bewegung des Soeialiömus und Communismus, Von Theodor Olckers. Je leichter es sein mochte, den Ursprung und die Ursachen der Bewegung, welche der Gegenstand der vorliegenden Schrift ist, darzustellen, um so schwieriger ist es, die Bewegung an sich ihrem ganzen Wesen nach und in allen Beziehungen zu begreifen. Es ist der Kampf eines Nenen noch keineswegs klar Erkannten gegen das Alte, Bestehende, und je länger dieser Kampf nun schon währt, je weiter er sich auöbreitet, um so größer ist die Verwirrung, um so ferner scheint sich Entscheidung und Sieg hinauszurücken. Der Unbefangene gesteht sich bald, daß die Massen zwar wohl mehr oder minder klar wissen, was sie wollen, aber durchaus nicht im Klaren sind über das Wie. Alles ist da im Grunde nur noch Ahnung, nur erst eilt dämmerndes Bewußtsein, wie sich freilich nicht jeder gestehen mag. Ein ziemlich genügendes Bild dieses Zustandes können folgende Worte eines Publicisten geben : „Es regen sich Erscheinungen um uns her, welche uns verkünden, daß der Geist, dieser alte Maulwurf, sein unterirdisches Werk bereits vollbracht hat, und daß er bald wieder erscheinen wird, um sein Gericht zu halten; es bilden sich überall und besonders in Frankreich und England, sogenannte socialistische Vereine, welche, der gegenwärtigen politischen Welt ganz fremd, aus ganz neuen und unbekannten Quellen ihr Leben schöpfen und sich im Stillen entwickeln und verbreiten. Das Volk — die arme Klasse, welche ja ohne Zweifel die größte Mehrzahl der Menschheit bildet, — die Klasse, deren Rechte man schon theoretisch anerkannt hat, die aber bis jetzt noch durch ihre Geburt, durch ihre Verhältnisse zur Besitzlosigkeit und zur Unwissenheit, somit zur faktischen Sklaverei verurtheilt ist, diese Klasse, welche das eigentliche Volk bildet, nimmt überall eine drohende Stellung an und beginnt die im Verhältniß zu ihr schwache Reihe ihrer Feinde zu zählen und die wirkliche Vollführuug ihrer, von Allen schon zugestandenen Rechte zu fordern. — Alle Völker und alle Menschen sind von einer gewissen Ahnung erfüllt, und Jeder, dessen Lebensorgane nur nicht gelähmt sind, sieht mit einer schauerlichen Erwartung der nächsten Zukunft entgegen, welche das erlösende Wort aussprechen wird."- Allerdings gehört die gesammte Bewegung, von welcher wir reden wollen, ihrem Ursprünge nach der neuern Zeit an, sobald wir uns darauf beschränken, nur die näherliegenden Verhältnisse und Ursachen zu betrachten. Faßt man dagegen die neuere Zeit im weitesten Umfange, also mit Einschluß der letzten Vierthalbhundert Jahre, so finden wir zugleich mit den religiösen und politischen Revolutionen, welche den Beginn dieses Zeitraums bezeichnen, auch schon ähnliche „sociale" Bestrebungen und Ansprüche vor, mit denjenigen auffallend verwandt, welche in Folge der französischen Revolution entstanden und geltend gemacht wurden. Es ist daher hinsichtlich unsres Gegenstandes von Belang, auch jener frühem Erscheinungen zu gedenken. Wir haben hier die Bestrebungen des Volkes in Deutschland und angränzenden Ländern im Sinne, deren bedeutsamste Kundgebung unter dem Namen des deutschen Bauernkrieges bekannt ist. Sehen wir ganz von der nur politischen Tendenz jener Aufstände ab. Beiden meisten, die vordem Jahre 1525 stattfanden, galt es allerdings weniger Gleichheit als Freiheit, d. h. letztere auch nur im Gegensätze zu übermäßiger Bedrückung von Seiten Derer, welche die Macht in Händen hatten; allmä- lig aber traten die damaligen Aufrührer (noch vor der luther'schen Reformation!) mit bestimmter ausgesprochenen Tendenzen hervor. Wir erinnern z. B. an die im Jahre 1505 im Bisthum Speier unter dem Namen Bundschuh (nämlich Bauernschuh, das Zeichen der Aufrührer, im Gegensatz zum Ritterstiefel) ausgebrochene Verschwörung. Klöster und geistliche Stifter sollten vernichtet, Fischen, Jagen, Vogelfang, Wald und Weide sollten Gemeingut, Feuilleton des Uorwärts. D c u t s eh l n ri d, Ein Wintermährchen, Von H. Hein e. Caput VIl. Ich ging nach -Haus und schlief als ob Die Engel gewiegt mich hätten. Man ruht in deutschen Betten so weich, Denn das sind Federbetten. Wie sehnt' ich mich so oft nach der Süßigkeit Des vaterländischen Pfühles, Wenn ich auf harten Matratzen lag, In der schlaflosen Nacht des Erstes! Man schläft sehr gut und träumt auch gut In unseren Federbetten. Hier fühlt die deutsche Seele sich frei Von allen Erdenketten. Sie fühlt sich frei und schwingt sich empor Zu den höchsten Himmelsräumen. O deutsche Seele, wie stolz ist dein Flug. In deinen nächtlichen Träumen! Die Götter erbleichen wenn du nah st! Du Haft auf deinen Wegen Gar manches Sternlein ausgeputzt Mit deinen Flügelschlägen! Franzosen und Russen gehört das Land, Das Meer gehört den Britten, Wir aber besitzen im Luftreich' des Traums Die Herrschaft unbestritten. Hier üben wir die Hegemonie, Hier sind wir unzerstückelt; Die andern Völker haben sich Auf platter Erde entwickelt.- Und als ich cinschlief, da träumte mir, Ich schleuderte wieder im Hellen Mondschein die hallenden Straßen entlang, In dem alterthümlichen Cöllen. Und hinter mir ging wieder einher Mein schwarzer, vermummter Begleiter. Ich war so müde, mir brachen die Knie, Doch immer gingen wir weiter. Wir gingen weiter. Mein Herz in der Brust War klaffend ausgeschnitten, Und aus der Herzenswunde hervor Die rochen Tropfen glitten. Ich tauchte manchmal die Finger hinein, Und manchmal ist es geschehen, Daß ich die Hausthürpfosten bestrich Mit dem Blut im Vorübergehen. Und jedesmal wenn ich ein Haus Bezeichnet in solcher Weise, Ein Sterbeglöckchen erscholl fern her, Wehmüthig wimmernd und leise. Am Himmel aber erblich der Mond, Er wurde immer trüber; Gleich schwarzen Rossen jagten an ihm Die wilden Wolken vorüber. Und immer ging hinter mir einher Mit seinem verborgenen Beile Die dunkle Gestalt — so wanderten wir Wohl eine gute Weile. Wir gehen und gehen, bis wir zuletzt Wieder zum Domplatz gelangen; Weit offen standen die Pforten dort, Wir sind hineingegangen. Es herrschte im ungeheuren Raum Nur Tod und Nacht und Schweigen; Es brannten Ampeln hie und da, Um die Dunkelheit recht zu zeigen. Ich wandelte lange den Pfeilern entlang Und hörte nur die Tritte Von meinem Begleiter, er folgte mir Auch hier bei jedem Schritte. Wir kamen endlich zu einem Ort, Wo funkelnde Kerzenhelle Und blitzendes Gold und Edelstein; Das war die Drei-Ktznigs-Kapelle. Die heil'gen drei Könige jedoch, Die sonst so still dort lagen, 2 alle Obrigkeit aber aufgehoben werden. Über 10000 Personen gehörten diesem Bunde an, dessen Losung lautete: „Was ist es jetzt für ein Wesen?" mit der Antwort: „Wir können vor Pfaffen und Adel nicht genesen. "Kaiser und Papst allein, außerdem aber keine Obergewalt, wollte man noch gelten lassen. Ein Artikel einer bald nachher (1513, im Breisgau) gestifteten Verschwörung lautete: „Einen beständigen Frieden in der ganzen Christenheit zu bewirken, und Alle, welche sich darwider setzen, zu erschlagen, Dem aber, der ja zu kriegen Lust hätte, Geld zu geben und ihn an die Türken und Ungläubigen zu schicken." Die Losung dieses Bundes war, ähnlich der erwähnten: ,,Gott grüß Dich, Gesell, was hast Du für ein Wesen?" — „Der arm Mann in der Welt mag nicht mehr genesen"— Bemerkenswerth ist hier auch eine Brüderschaft armer Landleute im Würtembergischen (1514), der arme K onrad genannt. Sie hatten ursprünglich, wenigstens angeblich, nur harmlose Zwecke, und suchten sich durch Scherz und Verspottung der eigenen Armuth diese zu erleichtern. So stand an der Spitze der Verbindung ein Vogt, welcher dem Neu- aufgenommenen „einige Stücke Feldes am Hungerberg, in der Fehlhalde oder am Bettelrain" an- wieS. Die ernste Bedeutung der scherzhaften Maske trat indeß auch hier bald zu Tage. — Die Mißverhältnisse der Gesellschaft fand man bereits zu drückend und zahlreiche Bestrebungen zu einer völligen Umgestaltung der Dinge traten hervor. Die kirchliche Reformation gab der ganzen längst schon im Stillen gährenden Bewegung den rechten An-- stoß, und wir finden schon damals — wenn wir die gesummten Bestrebungen der Zeit im Ganzen ins Auge fassen — wenn auch noch nicht klar ausgesprochen oder zum vollen Bewußtsein gekommen, das Verlangen nach Freiheit im weitesten Sinne, d. h. nicht nur kirchlichen, nicht nur politischen, sondern auch gesellschaftlichen — das Verlangen nach der einen, der ganzen Freiheit. Die hervorragendsten Erscheinungen als Folgen jenes StrebenS waren im sechszehnten Jahrhundert das Reich der Wiedertäufer in Münster (dieses freilich nur als ein niederschlagendes Spottbild des ersehnten Zustandes); vor Allem aber der große deutsche Bauernkrieg vom Jahre 1525. Bekannt sind die „Zwölf Artikel" der Bauern, in denen sie, wenn auch noch (im Vergleich mit den bald folgenden Thatsachen) sehr glimpflich und mäßig, dennoch schon ernstlich genug auf Abstellung lästiger Mißbräuche dringen. Luther sprach sich damals in seiner Vermahnung an Fürsten, Herren und Bauern gegen die erstem sehr nachdrücklich bei dieser Gelegenheit aus*). — Merkwürdig sind einige Artikel der damals (von dem bekannten Bauernführer Wendel Hipler und seinen Genossen) entworfenen Verfassung für das deutsche Reich, dessen Einheit in jeder Beziehung dringend gefordert wurde. Ein Recht, ein Maaß, ein Gewicht, Abschaffung unnützer und drückender Zölle u. s. w., wurden in diesem mit vieler Umsicht ab» gefaßten BerfaffungSenrwnrfe verlangt. Im letzten Artikel desselben heißt es: „Die großen Handelsgesellschaften sollen ausgehoben werden; denn Arme und Reiche werden dadurch, daß sie alle Maaren nach ihrem Gefallen tariren, übervortheilt. — „Wenn eine Gesellschaft Zusammenlegen oder einer *) Unter anderm so: ,,Erstlich mögen wir niemand auf Erden danken solche- UnrathS und Aufruhrs, denn euch Fürsten und Herrn, sonderlich euch blinden Bischoffen, tollen Pfaffen und Mönchen, die ihr noch heutiges Tages verstockt nicht aufhört zu lo!:en und wüthen gegen das heilige Evangelium, ob ihr gleich wisset, daß es recht ist, und auch nicht widerlegen könntet. Dazu in weltlich Regiment ihr nicht mehr thut, denn daß ihr schindet und schätzt, euern Pracht undHoch- muth zu führen, bis der arme gemeine Mann nicht kann noch mag länger ertragen. Das Schwert ist euch auf dem Halse." — Ferner: ,,Jhr müsset anders werden und Gottes Wort weichen; thut ihrs nicht durch freundliche willige Weise, so müsset ihr es thun, durch gewaltige verderbliche Unweife. Thun's die Bauern nicht, so müssen's Andre thun. Und ob ihr sie alle schlügt, so sind sie doch ungeschlagen, Gott wird Andre erwecken." - „Ihr wisset nicht, wo das Ende bleiben wird, sucht's zuvor gütlich, auf daß nicht ein Funken angehe und ganz Deutschland anzünde, das Niemand löschen könnte." — ,,Sie haben zwölf Artikel gestellt, unter welchen etliche so billig und recht sind, daß fie euch für Gott und der Welt den Glimpf nehmen." — ,,Nun ist's ja die Länge nicht träglich, so zu schätzen und zu schinden. Was hilf's, wenn eines Bauers Acker so viel Gulden als Halme und Körner trüge, so die Obrigkeit nur desto mehr nähme, und ihren Pracht damit immer größer machte, und das Gut so hinschleudert mit Kleidern, Fressen, Saufen, Bauen und dergleichen, als wär' es Spreu. Man müßte ja den Pracht einziehen und das Ausgeben stopfen, daß ein armer Mann auch etwas behalten könnte?" — „allein handeln wollte,, so soll das Betriebskapital „nicht über 10000 Gulden betragen (eine höchst „bedeutende Summe für jene Zeit); wenn bekannt „wird, daß einer mehr im Handel stecken habe, so „soll das Hauptgut und die Hälfte dessen, was er „über die bestimmte Summe umtreikt, sürpie Reichs- Kammer eingezogen werden. — Wenn ein Kaufmann überfeinen Handelsfonds Überschuß an Gelde „hat, so kann er es bei dem Magistrate hinterlegen „und jährlich vier vom Hundert nehmen. Die „Rathsherren sollen das Geld dann armen Män- „nern gegen Versicherung leihen und fünf vom „Hundert nehmen. Dadurch würden arme Männer „zu besserer Betreibung ihres Gewerbes unterstützt*)." — Alle Geldwechslergeschäfte sollen bei schwerer Strafe verboten werden. — Eö soll eine Ordnung unter den großen Hansen, die im Großen handeln, gemacht werden, damit die kleinern Kauflente auch bleiben und ihre Nahrung bekommen möchten. — Den Krämern in Städten, die mancherlei Maaren feil haben, soll nur eine Waare zugelassen werden. — Alle im Reich, auch Fremde aus andern Königreichen, sollen frei und sicher wandeln können zu Roß, Wagen, Wasser oder zu Fuß, und zu keinem Geleit, oder andern Abgaben weder von ihrem Leib noch Gut gezwungen werden, damit der arme Mann und der gemeine Nutzen seinen Fortgang. Amen!" (Fortsetzung folgt.) Friedrich Wilhelm IV. und Morelli. Endlich wird Se. Majestät, kraft des königlichen Willens, das ,,Ehegesetz," mit einer kleinen Abänderung freilich, in Wirksamkeit bringen; jenes grausamste aller Gesetze, welches die Trennung derer hindert oder erschwert, die sich nicht mehr lieben können. In den alten Chroniken wird von den menschenfeindlichsten Tyrannen berichtet, daß ste zur Strafe oder in teuflischem Spaße einen Unglücklichen mit unauflöslichen Ketten auf einen Leichnam befestigen ließen; der todte Menschenkörper verwesete und marterte den lebendigen langsam hin. Einer hochgeschraubten Kultur, die alles Akte wieder hervorzieht weil ste nichts Neuselbftständiges *) Die Verfasser dieses Entwurfs waren wenigstens ebenso weit für ihre Zeit, als manche Soeialisten der jüngsten Tage. O Wunder! sie faßen aufrecht jetzt Auf ihren Sarkophagen. Drei Todtengerippe, phantastisch geputzt, Mit Kronen auf den elenden Vergilbten Schädeln, sie trugen auch Das Zepter in knöchernen Händen. Wie Hampelmänner bewegten ste Die längftverstorbenen Knochen; Die haben nach Moder und zugleich Nach Weihrauchduft gerochen. Der Eine bewegte sogar den Mund Und hielt eine Rede, sehr lange; Er setzte mir auseinander warum Er meinen Respekt verlange. Zuerst weil er ein Todter sei, Und zweitens weil er ein König, Und drittens weil er ein Heik'ger fei, — Das alles rührte mich wenig. Ich gab ihm zur Antwort lachenden Muths : Vergebens ist deine Bemühung! Ich sehe, daß Ln der Vergangenheit Gehörst in jeder Beziehung. Fort! fort von hier! im tiefen Grab, Ist Eure natürliche Stelle. Das Leben nimmt jetzt in Beschlag Die Schätze dieser Capelle. Der Zukunft fröhliche Cavallerie Sott hier im Dome Hausen. Und weicht ihr nicht willig, so brauch ich Gewalt, Und laß' Euch mit Kolben lausen! So sprach ich und ich drehte mich um, Da sah ich furchtbar blinken Des stummen Begleiters furchtbares Beil — Und er verstand mein Winken. Er nahte sich, und mit dem Beil Zerschmetterte er die armen Skelette des Aberglaubens, er schlug Sie nieder ohn' Erbarmen. Es dröhnte der Hiebe Wiederhall Aus allen Gewölben entsetzlich, — Blutströme schossen aus meiner Brust, Und ich erwachte plötzlich. Caput VIII. Von Cöllen bis Hagen kostet die Post Fünf Thaler sechs Groschen Preußisch. Die Diligence war leider besetzt Und ich kam in die offene Beischais'. Ein Spätherbstmorgen, feucht und grau, Im Schlamme keuchte der Wagen; Doch trotz des schlechten Wetters und Wegs Durchströmte mich süßes Behagen. Das ist ja meine Heimatsluft! Die glühende Wange empfand es! Und dieser Landstraßen Koch, er ist Der Dreck meines Vaterlandes! Die Pferde wedelten mit dem Schwanz So traulich wie alte Bekannte, Und ihre Miftküchkein dünkten mir schön Wie die Äpfel der Atalante! Wir fuhren durch Mühlheim. Die Stadt ist nett Die Menschen still und fleißig. ' War dort zuletzt im Monat Mai Des Jahres Ein und dreißig. Damals stand alles in Blüthenschmuck Und die Sonnenlichter lachten, Die Vögel sangen sehnsuchtvoll, Und die Menschen hofften und dachten — Sie dachten : ,,Die magere Ritterschaft Wird bald von hinnen reifen, Und der Abschiedstrunk wird ihnen kredenzt Aus langen Flaschen von Eisen! „Und die Freiheit kommt mit Spiel und Tanz, Mit der Fahne, der weiß-bkau-rotben; Vielleicht holt ste sogar aus dem Grab Den Bonaparte, den Todten! " Ach Gott! die Ritter sind immer noch hier, Und manche dieser Gäuche, Die spindeldürre gekommen in's Land, Die haben jetzt dicke Bäuche. Die blassen Canaillen, die ausgesehn Wie Liebe, Glauben und Hoffen, ^ Sie haben seitdem in unserm Wein Sich rothe Nasen gesoffen- 4 3 entdecken kann, war es also Vorbehalten, das längst vergessene Höllenspiel der Tyrannen der Vorzeit zur königl. Verordnung in Preußens Gesetzsammlung zu erheben. Wir bedauern das preußische Volk, insonderheit das ärmere, auf welches die neue Verordnung mit ihrer ganzen Unmenschlichkeit fällt; auch noch diese herbe Prok^ seiner unendlichen Langmuch hat es zu bestehen ! Und wie stch's gebührt, kommt der Hohn obendrein: Minister- Eichhorn rief, beim Abschiede aus der östlichen Provinz, das Juftizpersonal zusammen und gratulirte ihnen zu der vortrefflichen Gelegenheit die ste nun bekämen, vermöge des Ehegesetzes die Sittlichkeit der Bürger zu vermehren. Der große Kommunist Morelli hat aber schon lange vor dem Ausbruche der Revolution in Frankreich in feinem „Gesetzbuche der Natur" gesagt: -„Vernichtet zuerst das persönliche Interesse, „und derKrieg wird verschwinden. Dann wird die Liebe ,,in ihre heiligen Rechte eintreten; dann wird ste nicht „mehr flatterhaft sein, keine Untreue mehr und keine Verführung der Unschuld ist dann möglich. Unbekannt wird „dann sogar das Wort, das entsetzliche Wort Prostitu- „tion werden; das schöne Weib wird dann nicht sich der „Mutterfreuden schämen; niemals wird sie Verbrecherin „werden um ihre Mutterschaft zu verheimlichen. „Durch das ausschließliche Privatinteresse entartet das „Herz. Sanfte Liebesbande werden vergiftet, werden „schwere erdrückende Ketten. Eine Ehe ist das feierliche „Versprechen sich immerdar zu lieben. Ha! selbst wenn „diese unkluge Zusage gebrochen ist, auch dann noch „für immer zusammen gebunden bleiben: — das ist „wahrlich ein seltsames arges Unheil! „Die mehrsten und die weisesten Gesetzgeber haben keineswegs die Ehe für unauflöslich erklärt; sie begriffen „wie empörend grausam ein Gesetz wäre, das Unmögli- „ches befiehlt. Unmöglich aber sind die Bedingungen eines Vertrages zu erfüllen, wenn dasjenige verschwunden „ist, was seine ehemalige Grundlage ausmachte. Die „Ehe, eine nur auf gegenseitige Liebe beider Theile benutzende Übereinkunft, wird durch Tod oder physisches „Unvermögen gelöst : — weshalb nicht auch durch Gleich- „gültigkeit und Haß? Als die Moral und die Gesetze, „den Menschen gegen den Willen der Natur zu leiten „strebend, die Liebe zum Verbrechen stempelten ; als die „Moral und die Gesetze allen jenen Vorurtheilen das „Wort redeten, wodurch die Liebe entehrt werden „konnte: da ist diese allerdings gefallen. Sie wurde unbeständig, frech, ausgelassen. Und wie hätte es anders „sein können ? Unsere Seele sehnt sich ja nach allem was „sanft und leicht zur Freude und zum Genuß führt. „Beraubt man sie indessen dieses milden erquickenden „Labetrunks immerfort, dann freilich wird sie durstig l „und immer durstiger, und in Verzweiflung ihn zu lö- ,,sehen, erstickt ste. „Wenn das Gesetz dann Lärm schlägt, so achtet man es „nicht mehr. Es verstand nicht der Ausschweifung vor- „zubeugen, nun muß es sie dulden. „Es ist gerade als hätten die Sittenregler, sie, die un- „sere Gesetze dictiren, sich vorgenommen, die Grundlage „aller Moral zu untergraben. Zu diesem Ende hätten „sie in der That nichts wirkenderes erfinden können, als „die meisten ihrer tiefsinnigen Verordnungen." Die deutschen Arbeiter Ln London sammeln für die schlesischen Weber. (Aus dem Hamburger „Telegraph."^ Das folgende Schreiben ist der Redaction des „Telegraphen" eingesandt, die zur Vertheilung der unten erwähnten Geldbeiträge die erforderlichen Maaßregeln treffen wird. G. S. Geehrter Herr Nedacteur! Überzeugt von Ihren freisinnigen und gerechten Grundsätzen, und aufgemuntert durch Ihre Theilnahme an dem traurigen Loose der arbeitenden Classen, nehmen wir uns die Freiheit, Sie mit nachfolgender Bitte zu belästigen und hoffen, daß sie uns die Erfüllung derselben nicht versagen werden. Als uns nämlich durch die deutschen Zeitungen die Nachricht von dem Arbeiter-Aufstande in Schlesien zukam und wir zu gleicher Zeit das furchtbare Elend kennen lernten, welches denselben hervorgerufen, konnten wir nicht anders, als den tiefsten und innigsten Aytheil an dem Schicksale unserer unglücklichen Mitbrüder nehmen. — Wir konnten und mußten mit ihnen und für sie fühlen, denn auch wir stehen in ähnlichen Verhältnissen wie sie; auch unsere und unserer Familien Existenz hängt von der Laune eines Meisters ab; auch wir leben morgen von dem, was wir heute verdient haben; auch wir haben Hunger gelitten, ja wir leiden ihn oft noch ! Ja! wir fühlten und fühlen tief, wir erkennen aber auch, daß bloßes Gefühl ohne That unfruchtbar und unnütz ist; denn das Gefühl ist nur schätzenswerth, wenn es uns zum Handeln treibt. — Deswegen haben wir, eine Anzahl deutscher Arbeiter, eine Sammlung für die schlesischen Weber veranstaltet, deren Betrag von sechs Pfund Sterling wir Ihnen hierbei mit der inständigen Bitte übersenden, denselben wo möglich an die Familien derjenigen gelangen zu lassen, welche entweder während der Unruhen geblieben sind, oder jetzt in Folge derselben im Gefängnisse schmachten. — Unser Schärflein ist klein, aber wir haben gethan was in unseren Kräften stand. Muß doch heut zu Tage der Arbeiter, wenn er seinen unglücklichen Mitbrüdern helfen will, es an seinen nothwendigsten Bedürfnissen ersparen. Der Grund aber, warum wir unseren Beitrag blos für die Familien der Gebliebenen und im Gefängniß schmachtenden bestimmen, ist: weil wir dieselben als die Märtyrer der heutigen schlechten Organisation der Gesellschaft betrachten (Von der Censur wurde hier folgendes gestrichen: denn durch diese schlechte Organisation wurden sie zum Verbrechen getrieben, — wenn anders der Trieb seinen Hunger zu stillen, Verbrechen genannt werden kann, — und nichts destoweniger bestraft sie nun die Gesellschaft mit unerbittlicher Strenge, wenig oder gar nicht auf den Grund des Übels blickend oder denselben zu entfernen suchend). Freilich können wir Unruhen, wie die schlesischen und böhmischen nur beklagen, weil wir wohl einsehen, daß solche theilweise Aufstände nicht geeignet sind, unserm Stande diejenigen Rechte zu verschaffen, welche ihm gehören und welche er zu erlangen strebt; aber ferne sei es auch von uns, unsere unglücklichen Brüder anzuklagen, selbst wenn sie Schaden bringen sollten. — Nein! Wir klagen die Gesellschaft an, die uns als Parias behände lt, die uns alle Lasten a u fer l egt, die uns keine Rechte gewährt, die uns dem Elend und dem Hunger Preis gibt (Von der Censur gestrichen: und die, wenn zur Verzweiflung getrieben, wir uns erheben, uns mit Bajonetten und Kanonen zur Ruhe bringt und dann in ihren Staatszeitungen erklärt: die Ruhe und Ordnung seien wieder hergestellt). Ja, wir müssen und wollen, unter allen Verhältnissen, mit unseren Leidensgenossen sympathisiren, aber auch mit den Männern, deren Bestreben es ist, eine bessere sociale Organisation der Gesellschaft, und ins besondere eine Organisation der Arbeit herbeizuführen. Mit Vertrauen blicken wie auf sie, welcher politischen Meinung, welchem Stande sie auch immer angehören mögen, und wünschen und hoffen, daß es ihrem Streben gelingen werde, die große Aufgabe des neunzehnten Jahrhunderts zu lösen: — die Emancipation der arbeitenden Classen, — des Proletariats. — Wir von unserer Seite werden Nichts fehlen lassen, um uns in den Augen der öffentlichen Meinung einer Emancipation würdig zu zeigen. Wir haben bereits einzesehen, daß die bloß politische Umgestaltung eines Staates uns zu Nichts dienen würde, als etwa um von andern als unseren jetzigen Meistern ausgebeutet zu werden, und aus diesem Grunde sind uns auch alle Männer fremd, deren Streben rein politischer Tendenz ist. — Uns ist es gleich, ob der Staat monarchisch, konstitutionnel Und die Freiheit hat sich den Fuß verrenkt, Kann nicht mehr springen und stürmen; Die Trikolore in Paris Schaut traurig herab von den Thürmen. Der Kaiser ist aukerftanden seitdem, Doch die englischen Würmer Haben Aus ihm einen stillen Mann gemacht, Und er ließ sich wieder begraben. Hab' selber sein Leichenbegängniß gesehen, Ich sah den goldenen Wagen Und die goldenen Siegesgöttinnen drauf, Die den goldenen Sarg getragen. Den Elisäischen Feldern entlang, Durch des Triumphes Bogen, Wohl durch den Nebel, wohl über den Schnee, Kam langsam der Zug gezogen. Mißtönend schauerlich war die Musik. Die Musikanten starrten Vor Kälte. Wehmüthig grüßten mrch Die Adler der Standarten. Die Menschen schauten so geisterhaft In alter Erinn'rung verloren — Der imperiale Mährchenteaum War wieder herauf beschworen. Ich weinte an jenem Tag. Mir sind Die Thränen in's Auge gekommen, Als ich den verschollenen Liebesruf, Das Viv« l'Lmpereur! vernommen. Caput IX. Von Cöllen war ich drei Viertel auf Acht Des Morgens fortgereiset; Wir kamen nach Hagen schon gegen Drei, Da wird zu Mittag gespeiset. Der Tisch war gedeckt. Hier fand ich ganz Die altgermanische Küche. Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut, Holdselig sind deine Gerüche! Geftofte Kastanien im grünen Kohl! So aß ich sie einst bei der Mutter! Jhr.heimischen Stockfische seid mir gegrüßt! Wie schwimmt Ihr so klug in der Butter! Jedwedem fühlenden Herzen bleibt Das Vaterland ewig theuer — Ich liebe auch recht braun geschmort Die Bücklinge und Eier. Wie jauchzten die Würste im spritzelnden Fett! Die Krammetsvögel, die frommen Gebratenen Englein mit Apfelmuß, Sie zwitscherten mir: Willkommen! Willkommen, Landsmann, — zwitscherten sie — Bist lange ausgeblieben, Hast dich mit fremdem Gevögel so lang In der Fremde herum getrieben! Es stand auf dem Tische eine Gans, Ein stilles, gemüthliches Wesen. Sie hat vielleicht mich einst geliebt, Als wir beide noch jung gewesen. Sie blickte mich an so bedeutungsvoll, So innig, so treu, so wehe! Besaß eine schöne Seele gewiß, Doch war das Fleisch sehr zähe. Auch einen Schweinskopf trug man auf In einer zinnernen Schüssel; Noch immer schmückt man den Schweinen bei uns Mit Lorbeerblättern den Rüffel. (Fortsetzung folgt.) Abbe Constant und der deutsche Kommunismus. Vor einiger Zeit ist ein Werk in Karlsruhe ohne Nennung des Verfassers erschienen, welches unter anderm behauptet: „Die deutschen Kommunisten verehren des Abbe Constant Schriften wie „ein Evangelium." Diese Angabe ist vollkommen unrichtig. Sie ist noch mehr : sie ist eine gehässige Ver- läumdung, die mit aller Kraft zurückgewiesen werden muß. Der unglückliche junge Franzose, ein katholischer Geistlicher, besaß allerdings poetisches Talent, aber nicht die mindeste Anlage zum Philosophiren: daher sind feine Gedanken, in einer schönen Sprache, doch armselig und meist schief. Das Schlimmste war eine blinde fieberhafte Hast, mit der er die jetzigen Zustände umgeworfen wissen wollte. Diejenigen deutschen Kommunisten, die seine „Bibel der Freiheit" gelesen (und ihrer sind gewiß sehr- wenige), erinnern sich, daß er darin den Mord der Blutsverwandten und Ehegenossen billigt und anräth, wenn dieselben der persönlichen Freiheit im Wege stehen. Cs wäre also übel, wenn der Karlsruher Denunciant Recht hätte; glücklicherweise irrt er; künftig denuncire er wenigstens Wahres. 4 oder republikanisch ist, so lange er sich nur auf Gerechtigkeit gründet*). Wir wollen uns endlich einmal aus dem Schlamm erheben, in welchem unser Stand schon seit so langer Zeit versunken ist: — nicht durch Gewalt, sondern durch Bildung unserer selbst, durch gute Erziehung unserer Kinder. Hierzu aber haben wir vor Allem eine gesicherte Existenz nvthig. — Nur wenn der fleißige Arbeiter immer Arbeit und eine seiner Arbeit angemessene Vergütung findet ; nur wenn unsere heute uns zu Boden drückenden materiellen Sorgen erleichtert werden, können wir uns zur geistigen Freiheit erheben und uns einer völligen Eman- cipation würdig machen. Dieses, Herr Redakteur, sind die Gefühle, welche uns bewogen, für unsere leidenden Brüder in Schlesien eine Sammlung zu veranstalten ; möge unser Thun noch viele Nachahmer finden. Dieses der Zweck, welchen wir uns vorgesteckt und welchen wir ohne Furcht, frei und offen bekennen, in der festen Überzeugung, daß er gerecht ist und daß er uns der Mitwirkung und des Beifalls aller rechtlichen Männer versichern muß. Indem wir, geehrter Herr Redakteur, die Veröffentlichung dieses Briefes in Ihrem geschätzten Blatte Ihrem Gutachten anheimstellen, bleiben wir mit größter Hochachtung Ihre ergebensten: (Im Namen und Auftrag des „deutschen wissenschaftlichen Arbeiter-Vereins" in London) Karl Schapper. — Joseph Moll. Adolph Landmann. —Ant. Müller. A. Lehmann. London, den 21 . September i«44. Auszüge aus dem „lvctm des Glaubens im Sinne Luthers ete." (Schluß.) Isis nicht wahr, ein jeglicher wollte aus Herzensgrund, daß ein anderer für seine Sünde trete, nehme sie auf sich und vertilget sie, daß sie das Gewissen nicht mehr beiße, dazu hülfe ihm von dem Tod und erlöset ihn von der Hölle? Was begehrt jedermann tiefer, denn daß er des Todes und der Hölle *) Dieser letzte Satz enthält eine Unmöglichkeit. Erft in der freie n gl eiche n Gesellschaft kann von Gcrchtig- keit im höher» Wortsinn die Rede sein. möchte los sein? Wer wollte nicht gerne ohne Sünde sein und ein gut fröhlich Gewissen haben zu Gott? Sehen wir nicht, wie alle Menschen mit Beten, Fasten, Wallen, Stiften, Möncherei und Pfafferei darnach streben? Was dringet sie? nämlich die Sünde, der Todwund die Hölle, dafür wären sie gerne sicher. Und wenn ein Arzt wäre am Ende der Welt, der dazu helfen könnte, alle Länder würden wüst werden und jedermann würde zu den Arzt laufen, Gut, Leib und Seel an die Reise wagen. Und wenn Christus selbst mit Tod, Sünde und Hölle wie wir umfangen wäre, so würde er auch wollen, daß ihm Jemand herauöhülse, seine Sünde von ihm nähme und ihm ein gut Gewissen machte. Darum weil er Dasselbige wollte von andern ihm gethan haben, so fahret er zu und thut auch dasselbige den andern, wie das Gesetz sagt, und tritt in unsre Sünde, gehet in den Tod und überwindet für uns beide, Sünde, Tod und Hölle, daß hinfort alle, die an ihn glauben und seinen Namen anrufen, sollen gerecht und selig sein, ohne Sünde und Tod." (Th. xm, S. 20.) Aber frei von der Sünde und vom 'Tode — selig kann Jeder nur für sich selbst sein. Wie Keiner für den Andern glauben, so kann auch Keiner für den Andern selig sein. Zur Sünde gehört Etwas außer mir, ein Gegenstand; aber zur Seligkeit gehört nichts Weiler als Ich selbst. Sündigen kann man nur in der menschlichen Gesellschaft, aber selig kann man mutterseligallein sein. Sünde knüpft Bande, aber Seligkeit löst alle Bande ans — Seligkeit nimmt alle Bedürfnisse hinweg. Die Sünde ist Noth — und „die Noth hält alle Dinge zusammen" — aber die Seligkeit Überfluß. Die Sünde zeugt Menschen — alle Menschen verdanken dem Christenthum zufolge der Sünde ihren Ursprung, „wir haben von Natur eine unflätige, sündliche Empfängniß und Geburt" — die Sünde gibt also andern Wesen das Glück -der Existenz, aber die Seligkeit ist unfruchtbar, bringt nichts aus sich heraus und hervor. Die Seligen bilden zwar auch einen Verein, aber es fehlt die Notwendigkeit, das Bedürfniß eines Vereins. Seligkeit wünsche ich zwar auch Andern, aber nur, weil sie für mich selbst das Höchste ist, und ich in Andern dieselbe Gesinnung voraussetze. Kurz in der Seligkeit beziehe ich mich nicht auf andere Wesen, sondern auf mich selbst; die Seligkeit ist unablösbar, ununterscheidbar von mir selbst, denn sie ist ja nichts andres als mein von aller Abhängigkeit, aller Notwendigkeit, allen Verbindlichkeiten und Lasten erlöstes, mein vergöttertes Ich selbst. Seligkeit ist der höchste Wunsch, das höchste Wesen der — christlichen, d. i. übernatürlichen Selbstliebe; aber Seligkeit ist der Endzweck, der wesentliche Gegenstand oder vielmehr das höchste Wesen des christlichen Glaubens — also ist das Wesen des Glaubens, in seinem Unterschiede von der Liebe und nach seiner Endabsicht betrachtet, nichts andres als das Wesen der Selbstliebe. Allerdings opfert der^ Glaube Gut und Blut, Leib und Leben mit Freuden auf. Aber er opfert das zeitliche Wohl und Leben, nur dem ewigen Wohl und Leben, nur vergängliche Güter unvergänglichen Gütern, nur beschränkte, endliche Freuden unendlichen, maaß- und ziellosen Freuden auf. ,,Wie köstlich und edel ist allein dies leibliche Leben; undüver wollte dasselbe geben für alle Königreiche, Geld und Gut auf Erden? Nun ist aber das gegen dem ewigen Leben und Gütern viel weniger denn ein Augenblick." (Th. xm, S. 725.) ,,Jch wollte nicht einen Augenblick im Himmel für aller Welt Gut und Freude geben, ob es gleich tausend und aber tausend Jahre währte." (Th. x. S. 380.) Der wahrhaft^Gläubige hat daher auch — natürlich, wenn er nur den Inspirationen des Glaubens allein Gehör gibt—keinen andern Wunsch, als zu sterben (s. z. B. Th. xiv, S. 373; Th. xi. S. 484), d. h. keinen andern Wunsch, als alle weltlichen und socialen Bande, alle Bande der Menschheit und Liebe, deren Gegenstand nur das zeitliche, aber nicht ewige Leben ist (Th. xv, S. 425; Th. xvr, S. 459), leiblich abzustreifen, gleichwie er sie schon geistig abgestreifthat, denn,,der Geist ist schon im Himmel durch den Glauben." (Th. xr. S. 484.) --KL-_. Redakteur : Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. mvm: vrs / ont reparu au /'Leck/re-Zka/rerr avec presque autant cke succes que le jour oll nous les avons vn montes pour In Premiers lois. lle talent cke I» Orisi n muri : il est plus noble , plus cllaleureux , plus puissant encore qu'il n'a et« ä son (leimt. Oiulia est uue cantatrice ackmirable, une aclrice ple n ck'äme et cke ckistinction. Lille a e e ckignement secon- ckee ckans eette piece par stisti. stiario et bablacbe. Honconi a eu quelques beaux mouvemens, mais ee u'est pas uu ssamburini. 8 a voix ue inanque pas ce- penckant cke lorce ui cke kraicbeur, mais il a Irr ra^e cke se tenir presque constamment au-ckessous cku tou. L,e Lserrnttr'e, comeckie eu trois »ctes cle sti. OuAue, n reussi meckiocrement rru LLeatre : Orr ns les ckeux ckerniers actes ln kauiaisie va jusqu's l'ab- surcke : le Premier est prosaique, mais inieux com- pris et plus interessant. stimes. Vaptal e> Lrollan sunt sijolies quelle» out ckesarme plus ck'une kois le public. stisti. Ile^nier et krovost out joue convena- blement. Lbr Er/r-errL stZelltt^e s'est place la setnaine cker- niere ckans le repertoire si riclle et si varie ckejä clu kauckenrV/eau milieu cles applauckissemens unanimes. Lie titre est bon, et ln piece vaut encore mieux que son titre. I/esprit et le coeur zs trouvent cke quoi etre satislaits. kerville est excellent ckans le role cke Helle. stiunie n'est pas trop mal pour un ban- quier. stille 8 t.-stiarc se ckeveloppe et se tortilie, llelas ! comme talent seulement. k^uant a mackame ssbenarck elle tieut entre sou pll^sique et son moral un equi- lillre ckes plus satislsisans, et joue ckans cette piece avec sü ckistinction llabituelle. 1,6 » ckeux mines ck'or: l'Ltorrr»earr et Z'rorr'rra. kaire comprenckre combien Havel est amüsant ckans la Premiere cke ces piece» serait plus ckilflcile encore que peinckre la ^räce snAelique que ckeploie stille Ouverj-er ckans 1a seconcke. Il laut aller les voir. Illeces et aeteurs, l'Liorrrnean et keront lonZ-temps kureur. cke vont cecker aux L'arrH leur place s une nouvelle piece intitulee : Los vre„a7 ^-e- eLes. slaitune excellente semaine avec la Lr>e?re, le L'ra-Drar'o/o et le /)eserke«r. L est ckeci- ckement, apres les/k»^r'o/rs, notre Premier tlleatre l vrique. Ilne tempete ^roncke sur la tete cke l'0/,e>tt. stl. killet clrerclie a la conjurer. Il vient ck'ackresser ä ses sujets une circulaire que vous connaisser. On nous prie cke publier en reponse ä ce ckocument la lettre suivante: ^ .1/. /e Dr>eekerrr cke ^^eackemre r-o^a/e cke ^rrrsr'K«e. «stlonsieur, ^ « Votre lettre par laquelle vous ckelencker aux ar- tistes cke l'Opera cke cllanter ckans les concerts pulllics et autres reuniovs, m'a kalt cke la peine; pour les artistes ck'allorck, pour vous ensuite, et enfln pour l'eta- lllissement que vous ckirizeL; car eile prouve , ro que vos artistes sollt latiAues, et 2 " que. le pulllic vous ckeserte. « 6es ckeux laits etant acquis, je n'irais point ä la recllerclre ckes causes qui les ont prockuits ; je ue par- lerai ckouc ui cke votre orcllestre, ni cke vos composi- teurs Sur lesquels ou a ckejä tallt ckisserte, et qu'aucun reproclle ue pourrait corriAer ; je me bornerai seu- lemellt ä ckire que le remecke auquel vous voule^ recourirue me psrait ni ratiovnel lli sustissut. «^.ckmetter, monsieur, en esset, uu instant, que l'O- pera soit encore ce qu'il a ete il zs a cinq ans; qu'il a non-seulement ckes talells remarquables, reels, in- , cootestsllles, mais ckes voix pures, lraiclles, puissan- tes; qu'on ^ cllante, en un mot, comme ont cirsute dlourrit, stille kalcon, ckans leurs mauvais, ouDupre^ et 8tolr ckans leurs lleaux jours, et vous convienckres avec moi,que Lapparitionmomentgllnee et wilive cke pareils talens ckans quelques concerts, ioin cke repous- ser le public cke I'Opera, II attirerait au conlraire, ä'autant plus qu'on vouckrait revoir ces meines talens enloures cke tout l'eclat et'cke lout le Prestige que vous possecker: sous le rapport ckes ckecors et cke la mise en scene. Vo^er plulot, monsieur, les Italiens: ils n'ont ui vos ckecors, ni vos ballets, ni vos costumes; ils cllsnteut ckans ckes concerts, et ils rckeu sont pas fati- Aues, et la salle cke Ventackour est toujours comble. « dlon, monsieur, le mal äont vous vous plaiAner: ne vient pas cke ce que vos artistes cllantent quelque- lois en ville, mais cke ce qullls cllantent mal s lorce ck'avoir trop cllante a l'Opera. Vous vouler remeckier ä cet etat cke clloses : rien cke plusjuste: c'est meine in- ckispensable; mais je crois que vous nJ reussirieL ä moins ck'une relo, me rackicale et complete. Lit pour cela il failckrkiit, monsieur, que vos Premiers sujels, ceux-Iä preciseinent qui sont les plus /akrAr/e^, et que vos enga^emens lorcent ä ^a> cker, cousentissent eux- memes ä pai aitre moins souvent sur la scene, et ä consacrer une Partie cke leurs appointemens pour se ckonner ckes supsckeans convenables. 6e Systeme est pratiqne ä la 8orbonne et au colle^e cke llrance; pour- quoi l Vcackemie royale cke musique ne l'ackopterait- elle pas aussi? « Le mo^en, monsieur, joint ä vos propres res- sources et aux 600,000 Irancs cku Gouvernement, vous permettrait cke renouveler votre personnel artistique, et alors, sover-en sür, l'Opera reprenant la place qur lui convient, relrouverait aussi son public. « .^Areer, etc. I/rr «rtr'L/e-«-?rtt!kettr. Paris, 1844 Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 87 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 43 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 4 3 „ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. ysrw ar, E'i Man abonnirt: für Paris: im Duresu osniral pour l'^UIeiosß^ns, cue Illoulins, 3s; im Comptoir des Buchdruckcrvereins gusi Llsiiigii.iis , i5 ; in der Mendel'schen Buchbandlung, i ue6u kas lle lu IVIuI«, 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. (So„iial>«>tt>.r Pariser Deutsche Zeitschrikt. Iisee inwr bonoo »initülis, intec rnkilos stictio K8t. Wäre das ganze Buch in allen seinen Theilen, wie wir gleich sehen werden, nicht ein wahrer Kehrichthaufen von Dummheit, Unwissenheit und Arroganz, wie man diese drei Eigenschaften nur immer bei unseres Herrn Verfassers College« antreffen kann, so würde ich dessen Herausgabe ohne Weiteres Buchhändlerprellcrei nennen. Die innere Natur desselben aber zeigt mir, daß der Verfasser wirklich den Abdruck jener Aktenstücke hinter seinem politisch-poetischliberalen Trödel durch den Titel bezeichnen wollte, und daß die impertinente Lüge, als habe er für sein Buch 9000 Subscribenten, nur eine unschuldige Ncnomage ist, so ein flacher Schwadronhieb auf den Hintern der armen badischen Minister und Hofschranzen, die dann auch gleich schrien als wären sie schon todtgeschlagen. Wie mit dem Haupttitel des Buches, so ist cs mit den besondern Abtheilungen. Keine einzige Aufschrift zeigt das an, was das Kapitel enthält, und die Kapitel, welche das Jnhaltsverzeichniß angibt, kommen alle im Buch nicht vor — so etwas ist nie gemacht worden; ein Ein Volk so fest, so sicher, so treu, Ganz ohne Gleißen und Prahlen. Wie standen sie prächtig auf der Mensur, Mit ihren Löwenherzen! Es fielen so grade, so ehrlich gemeint, Die Quarten und die Terzen. Sie fechten gut, sie trinken gut, Und wenn sie die Hand dir reichen, Zum Freundschaftsbündniß, dann weinen sie; Sind sentimentale Eichen. Der Himmel erhalte dich, wackres Volk, Er segne deine Saaten, Bewahre dich vor Krieg und Ruhm, Vor Helden und Heldenthaten. Er schenke deinen Söhnen stets Ein sehr gelindes Eramen, Und deine Töchter bringe er hübsch Unter die Haube — Amen! Eaput XI. Das ist der Teutoburger Wald, Den Tacitus beschrieben, Das ist der klassische Morast, Wo Varus stecken geblieben. Hier schlug ihn der Cheruskerfürst, Der Hermann, der edle Recke; Die deutsche Nationalität, Die siegte in diesem Drecke. Schweinemetzger, der eineganzcSau zu Wnrftfüllselzer- hackt, hat mehr Begriffe von Systematik: er hat feststehende Rubriken, als Schwartemagen, Blut-, Leberund Bratwürste, in die er sein Gebäck verwandelt, dann kann man auf Belieben nur darnach greifen. Ein Beispiel. Das Jnhaltsverzeichniß gibt an: ,,Resultate der badischen Landtage von 1841 und 1844 bei aller Verfassungstreue der Majorität der Kammer." Dieser Titel kommt im Buche nicht vor. An dessen Stelle aber ein anderer: ,,Rück blick auf den langen und resul tat losen Landtag im Großherzogthum Baden von 1843 und 1844. Was steht in diesem Titel? Der Abgeordnete Fauth habe die wackern Abgeordneten Bassermann und Mathy Lügner genannt, der Deputirte Schaaf ist Regierungsdirektor in Mannheim geworden, dann folgt unmittelbar folgende Strophe: Nun ist der Borzeit Hobe Kraft zerronnen, Man wagt es, sie der Barbarei zu zeihen, Sie haben enge Weisheit sich ersonnen, Was Ohnmacht nicht begreift, sind Träumereien. Unmittelbar darauf kommt ein Satz mit der Prophezeihung, daß das v erabschcuungswürdige Attentat Tschech seine guten Folgen haben wird, da der milde König von Preußen geäußert habe, den Webern soll und muß geholfen werden; dann kommt der Zollverein als Ursache des Elendes, dann die nicht angegebene Ursache des Zollvereins, dann die nicht angegebene Ursache, warum Hannover nicht beitritt, und endlich ein Brief des Herrn Hauptmanns Möller an das preuß. Armeekommando zu Karlsruhe, worin er erklärt seine Orden niederzulegen; doch nicht endlich — so geht es fort bis Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann, Mit seinen blonden Horden, So gäb' es deutsche Freiheit nicht mehr, Wir wären römisch geworden! In unserem Vaterland herrschten jetzt Nur römische Sprache und Sitten, Vestalen gäb' es in München sogar, Die Schwaben hießen Quinten! Der Hengstenberg wär' ein Haruspcr Und grübelte in den Gedärmen Von Ochsen. Neander wär' ein Augur, Und schaute nach Vögelschwärmen. Birch-Pfeifer söffe Terpentin, Wie einst die römischen Damen. (Man sagt, daß sie dadurch den Urin Besonders wohlriechend bekamen.) Der Raumer wäre kein deutscher Lump, Er wäre ein röm'scher Lumpazius. Der Freiligrath dichtete ohne Reim, Wie weiland Flaccus Horazius. Der grobe Bettler, Vater Jahn, Der hieße jetzt Grobianus. N« Iiki-eul«! Maßmann spräche Latein, Der Marcus Tullius Maßmanus! Die Wahrheitsfreunde würden jetzt Mit Löwen, Hyänen, Schakalen, Sich raufen in der Arena, anstatt Mit Hunden in kleinen Journalen. das Buch voll ist. Unter dem Titel ,,Beftechung Bena- zcts," eine Strophe aus Hoffmanns Gedicht: Alles mit hoher obrigkeitlicher Erlaubniß, die ein paar Mannheimer Bürger auf die Demolirung des Haberschen Hauses fabrizirt hatten; unter dem Titel: „Die Frage des Pauperismus, die gleich einer Wetterwolke über ganz Europa schwebt, ist als keine müßige zu betrachten," ist das ganze Trostlied eines abgesetzten Professors abgedruckt;' unmittelbar darunter ein Brief des -Herrn Möller an das Oberamt, worin er um seine Entlassung aus dem Staatsoerband mit den Worten bittet: ,,Jch bitte den Staatsverband aufzulösen, und mir rc." So geht es immer fort; nicht einmal Scandal steht in dem Buch; cs ist weiter nichts als eine Mistgrube, in die ein versimpelter liberaler alter Offizier all den Quark kunter - bunter geworfen, den er ^während 36 treuer Dienstjahre (Herr Hauptmann^Mötter wiederhol^ das 36Mal) in den Kasernen, auf Bierbänken und Wachpa- raden aufgeschnappt hat. Wie es mit den Titeln ist, so auch mit den einzelnen Sähen, mit den Sahtheilen, mit den Worten und Buchstaben — jeder Satz bis in seine kleinsten Theile so eonfus als das Ganze. Am Ende überwältigte mich der Verdacht, daß der originelle Verfasser der ,,Klänge aus der Gegenwart und einen Blick in die Zukunft" die Correctur des Satzes und die Umarbeitung des Styls und der orthographischen Parthie des Werkes besorgt habe. Die grammatikalischen, orthographischen und stylistischen Diffonnanzen in jenen ,,K längen," so wie die revolutionäre Kühnheit, mir welcher Setzer und.Autor darin die engherzigen Regeln des Alphabets, der Buchstabierkunst, des.Decli- nations- und Conjugalionswesens über den Haufen warfen, was Alles ich in unserm Möllerischen Werke wiederfinde, machen meinen Verdacht fast zur Überzeugung. Auch die ,,Klänge" sind in Deutschland verboten worden, gewiß aus sanitätspolizeilichen Gründen, damit nicht etwa ein deutscher Schulmeister aus Schrecken darüber eine lÄU8r>6-LoewIw macht. Machen wir Jagd auf ein Dutzend der schönsten Böcke — sie find nicht schwer zu fangen, bei jedem Schritt läuft mir einer zwischen den Beinen durch: Seite io. Die so folgenreiche französische Staatsumwälzung, begonnen im Jahr 1789, wo 26 Millionen die vollständigste Revolution bewirkten, wie nur England ein Beispiel aufzuweisen hat rc. Seite 12. Ein deutscher Volksstamm sollte sich erheben -dieser Frciheitshauch würde gleich einer Epidemie und wie eine Lawine von Ort zu Ort gewälzt werden rc. Seite 24. Daß die Fürsten den ihnen nöthigen Nimbus durch ein so grausames und unedles Verfahren an — .. .--- - . .. . . einem gekrönten und durch den Papst gesalbten Hauptes selbst hcruntergcrissen haben, war dessen Gefangenhaltung für die Ruhe der Völker nöthig rc. (der Satz fängt wirklich mit ,,daß" an). Seite 61. Wenn man in Betracht zieht, welcher Geist sich im Lande am 26jährigen Verfassungsfefte zeigte rc. (Stelle sich einer so ein Unglück vor!) Seite 76. Das Eon sti tu ti ons fest, gefeiert am 22. August >843, wodurch der höchstselige Carl sich unsterblich machte rc. (er ist aber schon seit dem Jahr 18>8 maust todt). Seite 63. Die Föderativ-Republik ist Deutschlands Zukunft mit nordamerikanischer Verfassung (Gemüse mit Be,läge). Seite 79. Ob nun die Nichtigkeit hiervon (daß Kaspar- Hauser ein Sohn des Großherzogs Carl war) bis zur Evidenz erwiesen oder nicht, so bleibt es stets eine empfindliche Verletzung und Verwundung, welche der jetzigen gräflich hochbergischen Dynastie in der öffentlichen Meinung geschlagen worden, welche immer mehr erstarkt, und zuletzt als eine wahre Macht anerkannt werden dürfte. Seite 86. Die Delina, ein geistreiches Buch, welches dem König von Preußen gewidmet worden, scheint von ihm theilweise gewürdigt worden zu sein; und gleich darauf, Seite 87 : Die Errichtung des Schwanenordens, im Gefolge eine gewisse Wohlthätigkeit für die Armen damit verbunden, scheint die Belina mit hervorgebracht zu haben rc. Seite 9i. (Ein selbstständiger Satz.) Man hat aus unsrem Schatz diese kostbare Freiheit genommen, diese Nationalität, letzter Diamant welcher unsere Stirne zierte, sie hat uns ihn genommen, glücklich ärmer gemacht, ohne sich selber zu bereichern. Seite 94. Das Hoch, das die Studenten Herwegh in Berlin ausbrachten, mußte um so höher ausgenommen werden, da seinen zwei Bänden Gedichten und seiner Person der Eingang in Preußen verboten ist; denn der 2te Band dieser Gedichte enthält scharfe Anzüglichkeiten für seine preußische Majestät; mittlerweile wurde dem talentvollen Dichter Georg Herwegh das Bürgerrecht in der Schweiz crtheilt. Seite i oo. (Im vollen Ernst fängt er ein Gelobhudel des von ihm und allen Badenern sehr geachteten verstorbenen Winter so an: Nach einer gehaltenen schönen Eisenbahn Rede rührte den Minister Winrer den Schlag rc. Seite 129. Bald darauf folgte ein Craval zu Heidelberg. -Der Stadtdirektor wollte die Wohnung der badischen Prinzen, die dort ftudieen, mit Wache besetzen lassen; die Prinzen zeigten einen gesünderen Sinn und wiesen die Bewachung zurück, indem sie sich unter dem Schutz der akademischen Ehre wußten. Seite 1 09. Professor Mittermaier, eine Stimme erster Größe rc. Seite 180. Der jetzt regierende Großherzoz Leopold wurde 1790 geboren, und ist der Sohn seines Vaters, des unvergeßlichen Carl Friedrich (dieser revolutionäre Ausspruch allein verdient das Verbot!). Seite 183. Seit jener so höchst bedauerlichen Haberschen Geschichte (über welche übrigens nichts im ganzen Buche steht) theilte sich im Lande gleichsam die Meinung hierüber in zwei feindliche Lag er. Das eine suchte so viel thunlich die hohe Dame in Schutz zu nehmen, das war die Damenwelt, die im Gefühl ihrer Liebhaber gerne naschen rc. Daß auf solche Beispiele hin Niemand mehr nach irgend einem Prinzip, einem Plan, einem Gedanken fragt, versteht sich von selbst. Die liberalen Pointen sind auf allen Seiten in ihrer plattesten, ordinärsten Fassung ausgetischt, sogar das hohle Trommelpathos, mit dem Welker, Mythp und Consorten auftreten, fehlt, und in dem Teig sind überall die angeborenen Hündischkeiten eines deutschen Offiziers eingebrockt. So heißt es Seite 36 : Schweden, dessen tüchtiger König Vcrnadvtte; sechs Zeilen darunter: Dernadotte, der größte Verrät her an seinem Wvhlthäter Napoleon und an seinem Vaterlande, Seite 51 nennt er Friedrich Wilhelm IV. einen Komödianten, und gleich darauf zweimal hintereinander sein Regiment das des erlciuchteten Despotismus. Die Großherzöge Ludwig und Carl Friedrich sind ihm nach Napoleon die größten Menschen der Geschichte. Seite 208 spricht er, wie die ,,Preuß. allg. Zeitung," von dem so wunderbar durch die Allmacht Gottes für das Wohl Deutschlands erretteten König von Preußen, und zwar bei Gelegenheit des Vertrags vom 15. Juli 1840. Seite 98 sagt er von Ludwig meinem Daiernkönig: Es ist zwa r nicht zu verkennen, daß er Geist und manche Negententugenden besitzt; er hat großen Fleiß rc., ein ,,ab er" folgt nicht. Alles das,nebst Gedichten auf Hudson Lowe, abgeschmackten Anekdoten über Napoleon, einem Gesalbader über zu geringe Strafen in Baden, einem Gebassermann, Gemathy, Gehoffmann bis Zum Erbrechen, bilden aber nur den Rahmen zu der tragischen Geschichte des Verfassers Herrn Hauptmanns Möller selbst. Der Justizmord!!! Unter diesem Haupttitel erscheinen, um den Galimathias vollständig durchzuführen, i) Genealogie der großherzoglichen Familie; 2) Biographie des Hauptmanns Möller, 3) nähere Beleuchtung des Krisis von 1840, wo, durch den Ausschluß-Vertrag vom 15. Juli, der gallische Hahn zu krähen drohte; 4) die Frage des Pauperismus mit Hoffmanns Professor Lied; 5) zwei Briefe an den Markgrafen Wilhelm und den Großhcrzog Leopold; endlich die Aktenstücke eines Prozesses wegen Versuchs desLand- verraths, in Folge dessen der deutsche Patriot, Herr Wir hätten Einen Nero jetzt Statt Landesväter drei Dutzend. Wir schnitten uns die Adern aus, Den Schergen der Knechtschaft trutzend. Der Schelling wär' ganz ein Seneka, Und käme in solchem Conflikt um. Zu unserem Cornelius sagten wir: Escslum non esl pielum. Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht, Die Römer wurden vertrieben, Varus mit seinen Legionen erlag, Und wir find Deutsche geblieben! Wir blieben deutsch, wir sprechen deutsch, Wie wir es gesprochen haben; Der Esel heißt Esel, nicht usiriu», Die Schwaben blieben Schwaben. Der Raumer blieb ein deutscher Lump In unserm deutschen Norden. In Reimen dichtet Freiligrath, Ist kein Horaz geworden. Gottlob, der Maßmann spricht kein Latein, Birch-Pfeifer schreibt nur Dramen, Und säuft nicht schnöden Terpentin, Wie Roms galante Damen. O Hermann, dir verdanken wir das! Drum wird dir, wie sich gebühret, Zu Detmold ein Monument gesetzt;^ Hab' selber subskribiret. s Caput XII. Im nächtlichen Walde humpelt dahin Die Chaise. Da kracht es plötzlich — Ein Rad ging los. Wir halten still. Das ist nicht sehr ergötzlich. Der Postillon steigt ab und eilt Jn's Dorf, und ich verweile Um Mitternacht allein im Wald. Ringsum ertönt ein Geheule. Das sind die Wölfe, die heulen so wild, Mit ausgehungerten Stimmen. Wie Lichter in der Dunkelheit Die feurigen Augen glimmen. Sie hörten von meiner Ankunft gewiß, Die Bestien, und mir zu Ehre Jlluminirten sie den Wald, Und singen sie ihre Chöre. Das ist ein Ständchen, ich merke es jetzt, Ich soll gefeiert werden! Ich warf mich gleich in Positur Und sprach mit gerührten Gebehrden: ,,Mitwölfe! Ich bin glücklich heut In Eurer Mitte zu weilen, Wo so viel edle Gemüther mir Mit Liebe entgegenheulen. ,,WaS ich in diesem Augenblick Empfinde, ist unermeßlich; Ach! diese schöne Stunde bleibt I Mir ewig unvergeßlich. „Ich danke Euch für das Vertraun, Womit Ihr mich beehrt, Und das Ihr in jeder Prüfungszeit Durch treue Beweise bewähret. ,,Mitwölfe! Ihr zweifelt nie an mir, Ihr ließet Euch nicht fangen Von Schelmen, die Euch gesagt, ich sei Zu den Hunden übergegangen, ,,Jch sti abtrünnig und werde bald Hofrath in der Lämmcrhürde — Dergleichen zu widersprechen war Ganz unter meiner Würde. „Der Schaafpelz, den ich umhängt Zuweilen, um mich zu wärmen, Glaubt mir's, er brachte mich nie dahin Für das Glück der Schaafe zu schwärmen „Ich bin kein Schaaf, ich bin kein Hund, Kein Hofrath und kein Schellfisch — Ich bin ein Wolf geblieben, mein Herz Und meine Zähne sind wölfisch. „Ich bin ein Wolf und werde stets Auch heulen mit den Wölfen — Ja, zählt auf mich und helft Euch selbst, Dann wird auch Gott Euch helfen!" Das war die Rede, die ich hielt, Ganz ohne Vorbereitung; Verstümmelt hat Kolb sie abgedruckt In der „Allgemeinen Zeitung." (Fortsetzung folgt.) Möller, zu einjähriger Zuchthausstrafe verurtheilt wurde. Aus einer Correspondenz dieses deutschen Patrioten, -es Herrn Hauptmann Möller mit dem französischen General und Kriegsminifter Cubiöres im Jahr 1840, die der Autor selbst mittheilt, und welche auch die badische Negierung veröffentlicht hat, ergibt sich, daß der deutsche Patriot am 17. September I84«i dem französischen Kriegsminister schrieb, er könne im Fall eines Krieges über ihn disponiren, und er, Möller, habe die Absicht Frankreich nützlich zu sein; so wie daß Cubiöres dieses Anerbieten durch eine freundliche Antwort aus dem Ministerium de dato Paris, 24. September i8in, nicht abwies. Auf einen zweiten Brief, in welchem er von demselben französischen Minister ein Bittet von einigen tausend Franken verlangt, um eine deutsche Freiheitslegion zu bilden und den französischen Spion zu machen, wurde im Prozeß keine Rücksicht genommen, weil man annahm, er sei nicht abgeschickt worden. Und der deutsche Patriot hat den Muth zu erklären ihm sei U n recht geschehen und auf das Mitgefühl irgend eines honnctten Menschen Anspruch zu machen? Nennte er sich nicht einen deutschen Patri oten, dann war sein Unternehmen nur ein einfältiger Streich; als deutscher Patriot hat er aber eine Schlechtigkeit begangen, wegen deren die deutschpatriotische Negierung ihn vollkommen rechtmäßig in's Zuchthaus sperrte. Der Teufel weiß, wo die Theorie hcr- gekommen ist; — erst verrathen sie ihre Regierung und thun dann, wenn sie gestraft werden, wie Märtyrer! Was hat der deutsche Patriot, der badische Hauptmann mit dem französischen Kriegsminifterium zu schaffen? Zum Glück liest hier in Frankreich kein Mensch deutsch. Unter Franzosen wenigstens könnte sich der deutsche Patriot nicht mehr sehen lassen, wenn sie seine Manövers kennen. Der deutsche Liberale ist seiner Natur nach ein Feind Frankreichs. Ist Herr Möller ein Liberaler gewesen, dann hat er seine Parthei verrathen, und begeht jetzt die elendste Heuchelei, wenn er sich in deren Nimbus hüllt, und seinen Verrath bemänteln will; ist Herr Möller, wie das scheint, ein wirklicher Franzosenfreund, so war es unverzeihlich, daß er so lange in der badischen Armee blieb , und eine Pension von der Negierung bezog, die er verrathen wollte. In allen Fällen ist die badische Regierung, so erbärmlich sie auch sein mag, ihm gegenüber in ihrem Rechte, — denn auch ein Mörder hat Recht wenn er einen verhindert ihn zu verrathen. Ich liebe die Franzosen gewiß so sehr als Herr Möller; mein Geschäft ist es auch, Deutschland befreien zu helfen, und könnte ich's mit französischen Bajonetten, ich würde es morgen thun; — ich bin aber auch kein deutscher Patriot, kein badischer Hauptmann oder Staatspensionnär. Die Liberalen aber haben seit einiger Zeit viel Glück mit ihren Schriftstellern : —Ich gratulire ihnen dazu ! Paris, 28sten Oktober 1844. Ferd. Coelest. Bernays. Aus meinem Leben. Wahre Geschichten, erzählt von Ferd. Cöl- Bernays. I. Im Jahr 1835 war ich in Speier auf dem Gymnasium. Da meine Eltern nicht in dieser Stadt wohnten, miethete ich mich im Hause eines Schmiedes, Namens Dens, ein. Der alte Cyelop war ein kurzer, untersetzter, aber dabei doch schlotteriger Mann. Seine triefenden Augen, sein platschiges, verschwiegenes Gesicht, der Kopf mit der Zwiebelnase, seine Gliedmaaßen, die alle in den Rumpf eingeschraubt schienen, ließen mir keinen Zweifel, daß er zu jener Nace der sogenannten alldahiestgen erbeingesessenen speierer Bürgerschaft gehört, die ihren Ursprung bis hinauf zu den Nemetern datirt, und durch ausschließliche nahe Fämilienheirathen vollständig ausgeartet ist. Bei meinem ersten Eintritt in sein Haus war ich schon mit mir im Reinen, daß der Alte unmöglich die Schönheit seiner vier Töchter zu verantworten habe, und heute nach zehn Jahren bin ich meiner Sache so gewiß, daß ich dem damals achtzehnjährigen Jungen mein Compliment über seine richtige Auffassung mache. Außer mir wohnten in dem Hause noch zwei ältere Gymnasiasten, auch Söhne von wohlhabenden Eltern, so daß unser Kostgeld eine anständige Revenue für den alten Geizhals abwarf. Diese Reflexion war es gewiß, welche den Alten ein Aug' über unsern häuslichen Unfug zudrücken ließ. Am Tage hämmerte er darauf los, und sobald die Arbeitstunde vorbei war, schleppte er sich in ein nahes Wirths- haus und discurirte mit einigen eben so ercentrischen Menschen als er über ein Baumstück, in dem die Dickrüben dieses Jahr nicht gerathen wollten. Unsere vier schönen Kinder hießen Kätchen, Lenchen, Gretchen und Settchen. Die drei ersten waren erwachsen, Settchen hatte kaum dreizehn Jahre. Die Mädchen standen alle im beßten Rufe, wenigstens konnte man ihnen keinen besondern bürgerlichen Vorwurf machen; das Haus war jeden Abend voll von andern Mädchen aus der Stadt, von jungen Beamten und Gymnasiasten, und der Heiterkeit und Freude war kein Ende. Wir drei Jungen hatten keine besondere Vorliebe zu je einem der Mädchen; — ganz ohne Unterschied liebten wir sie all? zusammen, und noch einen Haufen fremder Mädchen dazu; wir küßten Eine wie die Andere je nach Gelegenheit, rauften uns mit ihnen herum, und freuten uns besonders von einer Menge junger Leute beneidet zu sein. Daher machte es uns auch nicht die geringste Sorge, daß die älteste bereits seit vier Jahren mit einem Dvctor versprochen war, daß die dritte nebenher eine besondere Bekanntschaft mit einem grobknochigen Bierbrauer hatte, und ich selber begleitete öfters die zweite in ein nahes Dorf zu der Schwester eines mir sehr befreundeten katholischen Pfarrers und kränkte mich kein Bischen darüber, daß der junge Coelibatär mir dankbarer für die Besuche meiner Begleiterin als für meine eigenen war; ich regressirte mich ohne Weiteres an seiner liebenswürdigen Schwester , und war auf dem Heimwege wieder charmant mit meiner Hausjungfer Lenchen. Nach einem Jahre, im Herbste 1834, verließ ich Speier, nahm unter Thränen und Küssen Abschied von meinen vier jungen Freundinnen, im Glauben daß ich sie in ein paar Jahren wieder eben so lustig antreffcn würde, als ich sie verlassen. Darin hatte ich mich aber erschrecklich geirrt. Nach vier Jahren kam ich von der Universität zurück, und eilte nach Speier um mich als Nechtskandidat den Behörden vorzu- ftellen. Ich war zwei und zwanzig Jahre alt; mein Herz klopfte, als ich durch die Wormser Straße fuhr, und mich dem Schmiedehause näherte. Ich dachte, wie werden sie jubeln, wenn sie dich aussteigen sehen! Mein Wagen hält an, kein Fenster öffnet sich, die Vorhänge sind zugezogen, ich höre kein Schreien, kein Lachen, nur den alten Schmiedehammer ohne sein gewohntes heiteres Accompagnement -ich wußte nicht was denken. Ich öffne die Hausthür : ,,Wo sind denn die Mädeln?" rufe ich der Mutter zu. ,,Alle fort." Ich ging ganz verwirrt und taumelig mit der Alten in die Stube, und ließ sie reden : ,,„Der Doctor ist der Kätchen untreu geworden, sie hatte darauf einen Schiffmann geheirathet und ist in den ersten vierzehn Tagen ihrer Ehe gestorben. Die Lene ist auch todt; sie war von dem verfluchten Pfaffen schwanger, und starb mit ihrem Kind in den Wochen. Die Gretel ist mit dem Bierbrauer ver- heirathet; sie haben schon drei Kinder, und leben sehr unglücklich mit einander; er ist beständig betrunken und schlägt sie; und die Settchen" " — Sie schlug die Augen nieder, und schluchzte, die unglückliche Mutter; — „Und wo ist die Settchen?" ,, ,,Sie ist verreist!" " Ich fragte nicht weiter, aber den nächsten Tag hörte ich, sie sei vor Kurzem nach Aschaffenburg gereist, um dort heimlich niederzukommen: ein Postbeamter hatte sie verführt. Der alte Cyelop aber lachte herzlich und dumm mit mir, als sei nichts geschehen; zog seinen blauen Rock an und schleppte sich in das nahe Wirthshaus um über das nämliche Baumstück zu diskurircn, in das er dieses Jahr Kartoffeln gepflanzt hatte. Mir wollte das Herz zerspringen. — Lü"- Eines Morgens kurz nach acht Uhr kam der Bürgermeister von Mautersheim auf das Büreau eines Advokaten bei dem ich arbeitete. Der ehrsame Advokat war noch nicht vom Bette aufgestanden, und ich erbot mich dem Herrn Bürgermeister alle Auskunft über sein Anliegen zu geben. Er sträubte sich Anfangs weil er mich für zu jung hielt, um ihm in einer so kitzlichen Sache dienen zu können. Ich beruhigte ihn darüber indem ich ihm sagte, daß es ja doch nur erlogene Scham sei, wenn sich die Damen gegen junge Ärzte wehrten; — die jungen Ärzte seien allemal die beßten. Da ich ihn nicht sehr drängte, ergab ersieh um so schneller, und ich will so gut ich es im Gedächtnis' behalten habe, das Gespräch mittheilen das wir miteinander führten. ,,,,Jch bin Wittmann und will wieder heirathen."" ,,Wenn es weiter nichts ist, dann stehen Ihre Sachen gut; Sie sind noch jung , ein reicher Mann, — der Teufel, Sie finden hier unter den Stadtmamsellen ein halb Dutzend Weiber! " ,,,,Wenn mir eine Jede recht wäre, dann braucht' ich Sic nicht." " ,,Mein Bester, ich kann Ihnen aber doch keine Frau suchen, die Ihnen ansteht!" ,,„Das sotten Sie auch nicht. Sie sollen mir nur dazu verhelfen, daß ich die bekomme, die ich gern möchte." " ,,Wenn das Mädchen Sie will, und es blos an dem Widerspruch der Eltern liegt, so haben wir Auskünfte, die deren Zustimmung ersetzen. Wie altist dasMädchcn?" Der Bürgermeister machte nach dieser Frage einige höchst komische Grimassen, und schüttelte ein paar Mal mit dem Kopf als verzweifelte er selbst an seiner Sache. „ „Ich sehe, ich muß mit der Farbe heraus, sonst kommen wir an kein End. Ich bin in mei'm Nachbar Philipp Bctsch seine Frau total verliebt, und ich laß nicht nach bis wir einander haben. Wenn Sie mir dazu verhelfen können , laß ich mir's ein Stück Geld kosten. Sie will mich, ich will sie, ihren Mann kann sie nicht ausftehen, dabei ist nicksts Unrechtes! " " Ich stand da, wie aus den Wolken gefallen; doch suchte ich mich schnell zu fassen : ,, Als Advokat oder Nechtsbci- stand kann ich Ihnen in dieser Sache nicht dienen, aber — Er ließ mich nicht ausreden, nahm seine Mütze und seinen Stock und sagte: ., „Das hätte ich mir vorher einbilden können, daß mit Ihnen in einer graden Sache nichts anzufangen ist. Wenn ich schlechte Prozesse dutzendweise bringe, da sind Sie gleich bei der Hand — wenn es aber darauf ankommt einem ehrlichen Mann in einer rechten Noch beizustehen , da sind Sie zu nichts zu brauchen." " „Aber beruhigen Sie sich, lassen Sie mich doch erst zu Ende reden. Mein Stand erlaubt mir nicht, als Advokat und gegen ein Honorar Ihnen zu einer gesetzwidrigen Handlung behilflich zu sein. Sie wollen eine verheira- thete Frau noch einmal heirathen, Sie wissen selbst, mein Beßter, das geht nicht. Wir sind aber auch sonst gute Freunde zusammen; wenn Sie ein anständiges Mittel wissen, und ich kann schon als Freund dabei dienen, dann bin ich bereit. Wenn z. B. die Frau Betsch es bei ihrem Manne nicht aushalten kann, und sie will ihm davon laufen und mit Ihnen leben, und ich kann sie dazu etwa durch ein verständiges Zurathen bereden — so bin ich auf der Stelle bereit. Ist die Frau so klug, sich aus einer solchen Desertion nichts zu machen, — ich versichere Sie, ich sehe darin nur was höchst Natürliches." Der Bürgermeister ward wieder vernünftig : „ „Das ließe sich eher hören, sagte er. Es ist mir zwar unbegreiflich, wie Sie das mit sich in's Reine bringen , daß Sie mir als F reund einen Rath geben, den Sie mir als Advokat nicht geben können, aber das geht mich nichts an, das ist Ihre Sache. Jedoch läßt sich die Christiane daraufnicht ein; de n Vorschlag habe ich ihr auch gemacht, und sie hat ihn rund abgewiesen. Wenn sie mit mir nicht ill ehrlicher Ehe leben kann, dann will sie lieber ihr Lebtag das Unglück tragen. Können Sie mir als Freund, wie Sie es wollen, nicht aus dem Eesey - buch helfen, so nützen mir alle Ihre andern freundschaftlichen Rathschläge nichts." Jetzt verstund ich den wackern Mann. Die Betsch sollen erst geschieden werden, und nach Jahr und Tag heirathe ick) die geschiedene Frau, — das war sein Plan. Ich war in der größten Verlegenheit. Der Mann meinte cs so ehrlich; aber die Betsch lebten anscheinend in der beßten Ehe, und von Betsch wußte ich, daß er seine Frau so außerordentlich lieb hat. Ich begriff aber auch das furchtbare Un- 4 glück der jungen Frau, die bei jeder Umarmung ihres Mannes Höllenqualen aussteht; ich sah die Liebe des Bürgermeisters und fühlte seine Herzensangst, die Geliebte so unglücklich zu wissen. Einen Augenblick kämpfte ich mit mir — dann war's Überstunden. „Verflucht sollst du sein, Sycophanterei, wenn du mich hindern willst Glückliche zu machen. Sehen Sie sich zu mir, Bürgermeister, wir wollen das Gesetzbuch mit einander ansehen; ich denke ich kann Ihnen helfen. Da ist der Art. 229 im Code Napoleon : „Der Mann kann die Ehescheidung verlangen wegen Ehebruchs seiner Frau." „„Den Artikel Hab* ich gelesen, unterbrach mich der Bürgermeister; das thut die Christiane nicht; mit Schanden, sagt sie, will sie mich nicht haben." " „Ja, wenn die Frau gar nichts dazu thun will, wir beide allein bringen's nicht fertig. Denn mit gegenseitiger Einwilligung lassen sich die Leute nicht scheiden, der Detsch hat seine Frau zu gern; und dann dauert Ihnen auch die' Geschichte viel zu lang, weil sich die Frau erst drei Jahre nach einer solchen Scheidung wieder verheirathen darf, und mit dem Prozeß auch anderthalb Jahre hingchcn?" Ich sah ihn fragend an. Der gute Mann saß trostlos da. „ „Ich habe, sprach er gebrochen, das Gesetzbuch auch angesehen; ich wußte daß ich ein verlorener Mann bin, aber ich uwllte doch ein Übriges thun. Drum kam ich zu Ihnen." " „Mein Freund, verzweifeln Sie nicht, es giebt da noch einen Artikel, vielleicht gelingt's uns mit dem! Der Artikel 231 sagt: Die Eheleute können gegenseitig auf Scheidung klagen , wegen Gewaltthärigkeiten und schweren Injurien, die einer am andern verübte." „„Dahin, rief er hastig aus, wollte es die Christiane schon bringen, daß ihr Mann sie schlägt und mißhandelt; aber das leide ich nicht. Ihr Mann wäre ja in seinem Recht, wenn er sie dann zu arg schlüge?" " Ich beruhigte ihn darüber : ich versicherte ihn daß die Gerichtspraris keine so argen Gewaltthaten zur Scheidung verlange; ich sagte ihm er könne es ja so einrichten, daß einer von seinen oder ihren Freunden zugegen sei, der zur rechten Zeit abwehren könne; daß dann ein guter/ Advokat aus einer Ohrfeige schon einen lebensgefährlichen Hieb zu machen wisse, .'c., re. Der Mann strahlte vor Freude; die Jntrigue wurde vorzüglich ausgespielt; ein anderer Advokat als der meinige führte die Sache der Frau; Betsch machte es ihm nicht allzuschwer: was sollte er mit einer Frau, die auf Scheidung gegen ihn geklagt hatte? Heute ist der Bürgermeister der glücklichste Mann auf der Welt, und Christiane das glücklichste Weib. — Ich aber habe das Advokatenhandwerk aufgegeben — es kommt dabei so selten vor, daß man mit dem Gesetzbuch in der Hand ein Mensch bleiben kann. Die Erinnerung an das gute Werk, daß ich eben erzählte, muß mich entschädigen für so vieles Unglück, das ich mit ansah und nicht hindern konnte, — ja was hilft's es zu leugnen? zu dem ich so manchmal mit beitragen mußte. Bald noch mehre von meinen Geschichten. Der Mensch, das jüngste Geschöpf der Erde. (Nach Dr. Hermann Burmeister „Geschichte der Schöpfung," 1843.) Gab es denn wirklich vor der jetzigen Organisations- Periode unsres Erdballs kei ne Menschen auf ihm ? Diese wichtige Frage ist entschieden mit Nein zu beantworten. Zwischen all den zahlreichen Thiergebeinen, wovon die letzten, die tertiären Erdschichten voll sind, hat man noch niemals menschliche Gebeine angetroffen, niemals Spuren menschlicher Kunsterzeugnisse, die doch sicher damals wie heute auch die rohesten Völkerstämme hcrvorzubrin- gen fähig gewesen wären. Es fehlt zwar nicht an Berichten über fossile Menschenknochen; noch vor vierzehn Tagen will man am Abhange der französischen Pyrenäen dergleichen gefunden haben, und es sind sofort deshalb Sachverständige von der Pariser Akademie hinbeordert worden. Aber bisher hat sich immer gezeigt, daß diese vermeintlichen Menschenrefte entweder Thierknochen waren, oder daß sie weit später, in neuerer oder gar neuester Zeit an ihre Lagerstätte zwischen die uralten oder präadami- tischen Thiergebeine durch Wasserfluth oder Erdbeben hingeschoben wurden. So verhielt es sich namentlich mit den angeblich fossilen, urweltlichen Mcnschenknochen, die bei Köstritz mitten unter den Überresten von Elephanten und Nashörnern der Vorwclt entdeckt wurden; sie lagen nämlich deutlich genug in Spalten eines Gypsbruches die mit Lehm gefüllt waren, und wurden ohne Zweifel, wie jene fossilen Thierknochcn, auf ihren früheren, ursprünglichen Lagerstätten losgespült und an ihren jetzigen Fundort durch Strömungen nach heftigen Regengüssen versetzt. Großes Aufsehen erregte das neuerdings auf der französischen Insel Guadeloupe gefundene Menschengerippe, welches wir im Brittischen Museum in London gesehen haben. Man hielt dies für den sichersten Beweis eines vor der jesigen Erdorganisation gelebt habenden Menschengeschlechts, eines Präadamitenvolks, bis genaue Untersuchung ergab, daß jenes Kalksteinlagcr, l^orin es sich befand, ganz späten Ursprungs ist. Am Meerufcr pflegt sich nämlich sehr oft der in den Wellen zertbeilt umherschwebende Kalk niederzuschlagen und so entsteht aus diesem Kalke und dem Ufersande eine Verkittung, die bald eine förmliche Sandsteinbank bildet und das Ufer weit in's Meer hinein ausdchnt. Liegt nun im Bereiche solcher Neubildung ein Grab, so zieht sich der frische weiche Kitt um und in dasselbe, erhärtet, und wenn später zufällig die Arbeiter daraul stoßen, so erhebt sich sofort der Ruf: ein Leichnam der Vorwclt sei entdeckt. Die amerikanische Insel, von der hier die Rede ist, ward bekanntlich bei Ankunft der Spanier noch vor 300 Jahren von dem Stamme der wilden Kärahiben bewohnt, und somit ist dieser Fall erklärt. -- Auch täuschte sich der Entdecker zuweilen arg; ein vermeintliches Menschengerippe erwies sich bei schärferer Betrachtung als das eines cidechsen- artigcn Thieres. Aus neuester Zeit ist der Fund bei Lüttich zu erwähnen, wo man zwischen urweltlichen Knochen einen menschlichen Schädel zu sehen bekam. Bückland untersuchte ihn sorgsam und hält ihn für jünger als die Umgebungen. In den Knochenhöhlen der Auvergne in Frankreich liegen übrigens nicht nur fossile Thierreste, sondern auch Thonscherben; man ersieht hier bald, daß die unter- gcgangenen Völkerschaften Galliens, noch vor der römischen Eroberung vielleicht, die Gewohnheit hatten, fvs- ^stle Thicrknochen auszugraben und mit denen ihrer Vor- Ö fahren zu Mischen. Ähnlich verhält es sich mit dem was an der schwäbischen Alp bei Erpfingen sich fand. Was es aber für eine Bewandtniß mit dem Funde in Georgia (Nordamerikanische Freistaaten) habe, steht zur Zeit noch dahin. Es sind dort auf ehemals weiche Steinschichten einige Fußstapfen abgedruckt, um einiges größer als die der jetzigen Indianer und mit sperrig gestellten Zehen: wahrscheinlich sind es künstliche Fabricate aus späterer Epoche. Jedenfalls mußten, wofern ein Menschengeschlecht, von dem jetzigen verschieden, vor ihm gelebt hätte, seine Knochen in fast eben so großer Menge als die der Thiere gefunden werden, die erwiesener Maaßen vor dem Entstehen der gegenwärtigen Thierwelt eristirt haben. Der Erdforscher hat deshalb Ursachen die obige Frage ganz zu verneinen. Es versteht sich daß diese, wie so viele andere Bedenklichkeiten, von dorther eingeschleppt sind, wo noch manches Widersinnige zu holen ist, aus der Bibel nämlich. Die hebräische Sage von der Weltschöpfung behauptet, alle Menschen der Erde stainmten von einem einzigen Elternpaare ab, obschon es in einem der nächsten Kapitel heißt: Kain sei in bewohntes Land gezogen und die Adamiten hätten sich mit den Göttersöhnen oder Niesen vermischt. Abgesehen von diesem echt biblischen Widerspruche, kann man die Ansicht der Herkunft des Menschengeschlechts aus einem Paare die religiöse nennen. Die Naturkunde, und zwar die Zoologie, vermag nur eine einzige sichere Thatsache für dieselbe beizubringen; wir werden aber bald sehen, daß auch hierin eine Täuschung zu Grunde liegt. Man kann allerdings sagen: die Menschen sammt und sonders gehören in naturhistorischem Sinne des Worts zu einer und derselben Art und ihre Unterschiede, so grell sie sind, gelten nur als Varietätencharactere, die lediglich eine Folge der sehr verschiedenen klimatischen Verhältnisse seien. Hausthier- racen, die einem besondern Klima und Boden eigenthüm- lich sind, entarten schnell wenn man ihnen neue Heimathen anweist; der schöne Stier der Alpen bewahrt nur auf seinen Bergen die eigenthümliche Gestalt; das großhornige Rind Ungarns verändert steh sobald es die grasreichen Weiden seines Geburtslandes verlassen hat; auch kehren die vorzüglichen feinwolligen Schaafe Spaniens allmälig in die gröbere Stammart fast ganz zurück, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit durch neue Ankömmlinge wieder aufgefrischt werden. Gegen diesen Einwuif ist zunächst zu erwiedern, daß selbst eine ausartende Thierrace immer eine gewisse Besonderheit auch auf dem neuen Boden bewahrt und keineswegs ganz in die hiesige Stammrace umschlägt. Allein in noch höherm Grade gilt dies vom Menschen, und um so mehr, je markirter, je schärfer sein nationaler Charakter ist. In Deutschland, überhaupt in Europa, ist noch nie eine verpflanzte Negerfamilie endlich in ihren Nachkömmlingen zu Europäern geworden; wohl bleicht ihre Farbe ein wenig, aber das Kraushaar, die Schädel und Gcstchtsform u. s. w. bleiben afrikanisch. Die jetzigen Portugiesen und Spanier, unter der glühendsten Sonne auf Afrika's Küsten, diese Nachkommen der vor drei Jahrhunderten dorthin ausgewanderten Europäer, sind, mit den Eingebornen unvermischt, zwar ctivas dunkeler Färbung geworden, aber sonst durchaus nicht negcrähnlich geworden, geschweige zu Negern selbst. Es ist folglich nicht möglich, daß die etwaigen Enkel Adam's sich in Afrika zu Negern, in Amerika zu rothen und gelben Indianern, in Asten zu waizenfarbigen Mongolen, zu Malaien und Papus umwandeln gekonnt, mit bald struppigem, bald schlichtem, bald wolligem Haupthaar, mit bald schiefgcschlitzten, bald runden Augen, mit bald langer gerader, bald kurzer platter Nase, kurz, mit allen so bedeutenden Verschiedenheiten dieser mannigfachen Menschenracen. Wollte man behaupten: was im Anfänge der Menschheit, im „ehrwürdigsten Alterthum," oder in der „heiligen Kindheit" derselben geschah, das könne jetzt nicht mehr eintrcten, so spräche man hiemit unbewußt den größten Unsinn aus; man müßte nämlich sagen: der Mensch von beute und der Mensch von damals sind zwei ihrem innersten Wesen nach verschiedene und' doch sollen die Völker alle Kinder, Blutsverwandte jener Urmenschen, jener Adamsfamilie sein. Aus diesem alt- testamentlichen, oder richtiger allgemein religiösen Widerspruche kommt man nur heraus, wenn man die „fromme Sage" bei Seite schiebt und annimmt, daß in den verschiedenen Thcilen des Festlandes und auf einigen Inselgruppen, nachdem die Erdoberfläche im Großen und Ganzen ihre heutige Form gewonnen, verschiedene Menschcncntstebungen statt hatten, welchen allerdings ein gleiches Bildungsprinzip, das der allgemein menschlichen Natur als Typus zu Grunde lag und noch liegt. Die verschiedenen Racen sind also in ihrem Lande entstanden : Au t 0 chth 0 nen. 1762 und 18M. Als die Jesuiten aus den katholischen Königreichen Europa's auf Antrieb der Kabinette, die für ihre eigene Herrschaft fürchteten, und der öffentlichen Meinung, die durch die Aufklärungs-Philosophie bearbeitet 'worden war, vertrieben wurden, war der Jubel groß und d'Alembert schrieb fröhlich an seinen Freund Voltaire: „Ich sehe jetzt Alles im rosenfarbigften Licht! Die „religiöse Duldsamkeit wird aufkommen, die vertriebenen Protestanten werden zurückgerufen werden, der „Priester wird heirathen, das Glaubensbekenntniß wird „abgeschafft, der Fanatismus zerschmettert werden." Und Voltaire schrieb an Helvetius: „Noch kennen die „Verehrer der Vernunft die eigenen Kräfte nicht recht, „um den Priesterbüchern „christlicher Schulmei- „ster" und „Denke dran" entgegenzuwirken, verbreitet man geschickt überall kleine philosophische Schrif- „ten; mit reißender Schnette folgen sie einander. Man „verkauft sie nicht mehr, man schenkt sie zuverlässigen „Leuten zur Austheilung an die Jugend und an die „Frauen." Anderswo sagt er: „Eine Revolution kün- „digt steh schon allerorten an; die Philosophie erstarkt „selbst im nördlichsten Deutschland, und dringt bis in „das abergläubige Böhmen und Österreich; dieselbe Umwälzung geschieht in Polen, Italien, Spanien." Friedrich 1l. von Preußen schrieb 1767,14. April, an Voltaire: es müsse ein Wunder kommen, wenn die Kirche Nom's sich retten solle; Voltaire werde das Vergnügen haben ihre Grabschrift zu verfassen. — In Deutschland sind die Jesuiten heute wieder m voller Blüthe, die Kirche ist auch noch nicht todt, in unserm Deutschland so wenig als anderswo; Riesenwerke sind seit diesen 77 Jahren entstanden und vergangen... aber nur nicht verzweifelt ! rastlos weiter gearbeitet! Redakteur: -Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Rcnouard. _. Paris, 1844. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 8« Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Franc-. Sechs Monate. ... IS „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 18 „ Drei Monate. . . . v „ Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. »sr«">r, Man abonnirt: für Paris: im Duresu ventrsl po«r t'^IIeu»sß»v, ru« ües Noulins, 3s; im Comptoir des Buchdruckervereins quai Llslsquais , l5 ; in der WendeI'schen Buchhandlung, rue äu kss äe Is IVIuIe, 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagenen; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagenen; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhar«, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Bork. (Mittwoch.) Mariter Deutsche Aeittchrist. («. November.) Die Augsburger ^Allgemeines gibt noch keine Nuhe*). „Die „A l l g cme in e" zu heißen, brauchts nicht mehr „Als die Gemeine sein sür Alle. Schiller. Die gute Augsburgerin ereifert sich in Nr. 300 ihrer Weltgeschichte-Verballhornung wieder schreck- *) Das politische Kommandoblatt der deutschen Philister und Regierungsknechte, die Augsburger Zeitung, wird von einer Mengeder Leser des,,Vorwärts" gar nicht, oder nur sehr selten zur Hand genommen. Hieraus entsprang, wie die Redaktion mehrmalen vernehmen mußte, der Übel- stand, daß unsre Vertheidigungen vielen unsrer Leser zu hart, zu scharf, ja zu roh erschienen sind. Um ein Mal für alle diejenigen die das „Vorwärts", und nicht die Augsburger Zeitung lesen, die Art und Weise der Angriffe die jenes offizielle Blatt sich gegen uns erlaubt, vor Augen zu stellen, schreiben wir wörtlich die Anmerkung der Nr. »00 ab. Wohl mancher wird uns tadeln, daß wir der tiefen Entsittlichung des Herzens und der ärmlichen Beschränktheit des Verstandes, die sich in jeder politischen , Nummer der Augsburger Zeitung seit langen Jahren ausgesprochen hat, noch ferner Aufmerksamkeit schenken; aber es möge noch ein ernstes , humanes Wort mit der unmenschlichen Ehrlosigkeit gesprochen werden; sei es auch nur, um dieselbe zu weiteren und immer weiteren Enthüllungen ihres Wesens in der getreuen Presse zu veranlassen. Man höre: „Rüge hat sich von der seiner offenbar unwürdigen Gesellschaft des Pariser Vorwärts rasch wieder losgesagt und dieses verwahrlosete Blatt unter Börnsteiws und Bernays Fahne gelassen — einer schamlosen Wetterfahne, die aber doch bi Amerika hin verkündet, sic sei erlesen für Deutschland die Flagge des Heils zu bilden. Heinrich Börnstein hatte noch vor ein paar Wochen in demselben Blatte jene Partei als eine kopfüber, gegen die Mauer rennende bezeichnet; es war ihm darüber von Rüge und Marx der Kopf gewaschen und die Redaktion, die er bisher geführt, für erledigt erklärt worden. Für ihn wurde Bernays auf den Stuhl gehoben, derselbe der noch vor ein paar Jahren (Mannheim 1839) gegen die deutschen Repräsentativ-Verfassungen geschrieben, die nur dazu da schienen , die trefflichen Anordnungen der deutschen Großmächte zu hindern; jetzt nennt er die Deutschen in Paris,' die in den dortigen Journalen gegen das Panier protestiren, das der neue Knipperdolling, Schneider Weitling, aufgesteckt, pl»8 Kasse cnnnille. Der andere, Schauspieler von Profession, hatte sich Mittlerweile schnell in das neue Stichwort gesunden, und schreit nun unter den vordersten knlnns p6,flu8 mit, während Rüge zurückgeblieben ist. „Übrigens ist Rüge (so schreibt die Parthei wörtlich), weder bei dem Vorwärts noch bei der humanistischen Schule (!) mehr betheiligt; er so wie Bruno Bauer blieben auf dem schwierigen Wege stecken und konnten nicht nach." Wir wünschen Rüge zu diesem Absagebrief herzlich Glück. Wenn ein leidenschaftlicher, alle Conse- quenzen bis zur äußersten Spitze treibender, und so ungeduldig ! sich überstürzender, aber im Grund der Seele durchaus ehren- werther Charakter sich einen Augenblick bis zu solchem Gesindel *) verirren konnte, so geschah es wohl nur, um wenigstens nie mehr zu diesem Socialismus zurückzukehren." Hienach schickt die Augsburger Zeitung eine nutzlose Verleumdung der junadeutschen nach Nordamerika gewanderten Handwerker und unterzeichnet schließlich : „Anmerkung der Redaktion." *) Mit diesem Namen beehrt die Augsburger Zeitungsredaklion die > ^ Schreiber des Vorwärts sammt und sonders, und demnach auch > da- abonnirte Lese-Publikum dieses Blattes. lich;—sie Wird grob, die Holde, was ftl einer alten, abgelebten Person gar komisch ansteht. Sie wirf mit „Gesindel" und -> enians xeräa8-> herum und zeigt eben dadurch, daß sie, die Sanfte, die Polizeisittsame, so gotteslästerlich schimpft, daß sie sich gewaltig ärgert. „Wer zuerst hitzig wird, sagte Müllner, hat die Parthie verloren; wer aber zuerst schimpft, ist doppelt dets." Wir sind der Augsburgerin für ihre unschädlichen Zornausbrüche sehr dankbar, denn nach jedem solchen Artikel kommen uns neue Abonnements-Bestellungen in Masse. Natürlich, das Publikum hat Logik, — es denkt, was die Allgemeine so angreift, kann nur etwas Gutes sein. — Wir bitten daher die „Allgemeine" fortzufahren wie bisher und uns ja nie zu loben (wir werden darnach thun), wir müßten uns sonst wahrhaftig schämen. Sie lobe den Kaiser Nikolaus und den Minister Eichhorn, die Jesuiten und Herrn Dunker, die Preußen-Majestät und den gekrönten Tory von Hannover, den Dombau und die Hinrichtungen in Calabrien, sie lobe Dingelstedt und den „Rheinischen Beobachter;" — aber uns fahre sie fort zu schmähen und anzubellen, — wir sind stolz darauf. Was den mir persönlich gemachten Vorwurf betrifft, daß ich Schauspieler gewesen sei, so tröste ich mich damit, daß Shakespeare und Moliere (si liest nmAim eomponers xnrvm) auch Schauspieler waren, daß ich ehe und nach dem und während ich Schauspieler war, doch auch Mensch und (mit Erröthen sei es gesagt) langem Zeit sogar Cor- respondent derselben „Augsburger Allgemeinen Zeitung" war, die mich jetzt ängeifert. Vom 27. Juli 1842 bis Ende Februar 1844 druckte sie unter dem Zeichen zwei hundert und vier und dreißig Aufsätze und Berichte von mir ab, und ich war es selbst der dieses Verhältniß abbrach, wobei ein ziemlich bedeutender Honorar-Rückstand bis auf den heutigen Tag noch unberichtigt geblieben ist. Die „Allgemeine Zeitung" hat ohne alle Ursache den Streit mit dem „Vorwärts" ange fangen, sie sehe zu, wie sie daraus kömmt. Heinrich Börnstein. Sr. Hochwohlgeb. Herrn Baron von Cotta in Augsburg. (SieheN. 30 0 der Allgem. Augsb. Zeitung.) Es giebt wenige Menschen, die so gerne wie ich Anderer Verdienste anerkennen. Meine Gefühle bei Betrachtung der Werke und Bestrebungen von FreundenJmd Feinden, sind nie mit Neid und Verkleinerungssucht versetzt. Auch Ihr Verdienst, Herr Baron, erkenne ich in seinem vollen Umfange an, und bedauere nur unser Verhältniß kn der letzten Zeit durch mein brüskes Wesen so gestellt zu haben, daß Sw, als Mann von Politik, allerdings nur mit großer Reserve meine Theilnahme an Ihren patriotischen Bemühungen für ungeheuchelt aufnehmen dürfen. Jedoch sollen Sie stch bald von meiner Aufrichtigkeit überzeugen. Ihre Augsb. Allg. Zeitung haben Sie zum Faulometer der offiziellen deutschen Zustände gemacht, an dem stch im Kleinen, im Niedlichen, auf zartem Papier, all die Pestbeulen geruchlos reproduciren, mit denen der große deutsche Cadaver übersäet ist. Das Vaterland ist Ihnen den wärmsten Dank für dies Fantom schuldig : so ein löschpapierenes Deutschland jeden Morgen, um damit die für dessen schnellere Verwesung nothwendigen Manipulationen sinnbildlich und praktisch vornehmen zu können, ist eine unübertreffliche Erfindung.—Kein irgend bemittelter Mann sollte sich für 18 Gulden per Jahr ein so köstliches Vergnügen versagen. Sie sehen, ich mache Propaganda für Sie, — das versöhnt uns vielleicht miteinander, um so eher, hoffe ich, als ich für meine Rathschläge. die ich Ihnen geben will, keinen Kreutzer Honorar verlange; — ich gebe sie Ihnen wahrhaftig aus rein patriotischen uneigennützigen Gründen ! Sie schmunzeln, — va pour 1« ^»886! wir sind Freunde! Ich muß Ihren Herrn Ncdacteur bei Ihnen denunzircn. Sie geben Ihr schweres Geld aus, und sind für den theu- ren Preis nicht gut genug bedient. Das geht nicht an. Für die vier tausend Gulden die Sie jährlich z. B. dem Herrn Kolb bezahlen, ist der Mensch lange nicht niederträchtig genug, dafür könnten Sie wahrhaftig fast den Polizeirath Dunker in Berlin cngagiren, ja mein Freund Luft in Augsburg thut es wohlfeiler. Für viertausend Gulden müßte mir mein Zeitungsknecht anders dienen, oder ich jagte ihn den zweiten Tag zum Teufel. Betrachten Sie, z. B., die Nummer 300, und sagen Sie selbst ob durch dies Blatt allein Ihr Renommee nicht den bedeutendsten Schaden leidet, wenn Sie den Fehler nicht schnell wieder gut machen. In einer ungeheuer langen Anmerkung von fünfzig Zeilen nur ein Dutzend Infamien ? Zu was sind denn die andern 38 Zeilen? Ihr Herr Redacteur wird sagen, die sind nach Vorschrift mit Abgeschmacktheiten ausgefüllt! Diese Entschuldigung können Sie als aufgeklärter Handelsmann in Ihrem wohlverstandenen Interesse nicht gelten lassen : das ist einMißvcr- haltniß; auf is Zeilen mußten wenigstens 38 Niederträchtigkeiten und 12 Dummheiten stehen , und wenn Sie streng nach dem Maaßstabe Ihrer Bezahlung bedient sein wollten, mußte sogar jedes Wort zug leich eine Dummheit und eine Schlechtigkeit,— was man so zusammen Brutalität nennt—enthalten. Ich weiß wohl wie stch Herr Kolb aus dieser Patsche heraushelfen wird. „Ich habe, wird er sagen, allerdings der Quantität nach meine Pflicht nicht gethan, aber das Dutzend Schurkereien das ich begangen wiegt, seiner Intensität, seinem innern Werth nach, ein ganzes Schock gewöhnlicher Alltagsgemeinheiten auf. Ich habez.B. Herrn Dr. Rüge einen ehrenhaften Character genannt. Genügt das nicht um ihn vor ganz Deutschland verächtlich zu machen ? Weiß ich doch daß jeder wirkliche Ehrenmann die anspeit, welche in unserer Zeitung als solche proclamirt werden — wie konnte ich also Rüge gründlicher vernichten? Von den deutschen Negierungen und unseres Gleichen wird er nach Verdienst gehaßt; die U l traradikalen, oder wie das,, G c si n- b c l" in Paris heißt, wollen nichts mehr mit ihm zu thun haben, — nun gilt es also nur noch ihn bei der deutschen Bourgeoisie, den sächsischen und andern Liberalen zu verdächtigen, habe ich das nicht auf eine meisterhafte Weise durch meine Ehrenerklärung dahingebracht? Rüge soll zusehen, wie er sich da heraus beißt! Habe ich nicht auf oie imvertinenteste, brutalste Weise, wie mir's das „Vorwärts" voraus gesagt hatte und trotz dem wirklich, alle Ehrenerklärungen der französischen Journale und seine eigenen Angriffe auf uns übersehen? Habe ich nicht die Pariser Denunzianten auf die perfideste Weise in Schutz genommen ? Und wie bin ich erst mit diesem Vcr- nays umgegangen ? Habe ich ihn nicht im nämlichen Blatte, wo ich Franz Dingelstedts (des vom politischen Nachtwächter zum wmtembergischcn Hofrath avancirten Sub-. jckts - Briefe über das Göthefest abdruckte, mit-diestm Individuum auf eine Rangstufe gesetzt, indem ich ihn eine Wetterfahne nannte, weil er im Jahr 1839 noch ein Aristokrat war, und jetzt den Radikalen spielt? Habe ich ihn nicht als einen Jungdeutschcn dargestellt?" Erlauben Sie, Herr Baron, daß ich Ihren Kolb, ihren Knecht, in der leidenschaftlichen Aufzählung seiner Schand- thaten unterbreche. Nein, Herr Kolb, Sie sind ein schlechter Knecht, Sie haben für Ihre 4«M0 Gulden bei weitem nicht genug gethan. Hier war Gelegenheit sich in seiner ganzen Große zu zeigen , und Sie haben es versäumt. Bedachten Sie nicht, daß Sie mich bei allen offiziellen Partheien ganz vernichten konnten, wenn Sie sich die Mühe gaben die ganze Wahrheit zu sagen? Nicht im Jahre 1839, — wie Sie erzählen, da war ich erst 23 Jahr alt, und konnte mich mit meiner Jugend entschuldigen , — nein, Mitte >842, als fünfundzwanzigjähriger Mann, schrieb ich jene Broschüre „Deutschland und seine fränkischen Nepräsentativ-Verfassun- gen," voll dynastischer Schnörkel und germanischer Zufriedenheit, welche die Negierung mit Recht zu ihren Gunsten auslegte*). (Warum haben Sie aus dieser Broschüre die am wenigsten alberne, am wenigsten romantische, germanische und absolutistische Stelle herausgehoben, die nicht einmal so darin steht?) Ein Jahr darauf, mußten Sie sagen, denn Sie wissen es, war derselbe Mensch ein abgesagter Feind der Regierung. Er schrieb die boshaftesten Corresponden- zen über die baierische Ständekammer in die rheinische Zeitung; er machte für die pfälzischen Wahlmänner eine furchtbare Petition gegen das Wirthshausgesetz, das auch darauf hin richtig vom Minister zurückgezogen werden mußte. Noch ein halbes Jahr, und er verließ seine Stellung im bäurischen Staatsdienst, ging nach Mannheim , redigirte die dort erscheinende Abendzeitung, und war der Hauptanbläser der großen badischen Eulenspiege- liade, Verfassungs-Jubiläum genannt. Zwei Monate darauf hatte er durch allerlei Lügen die er verbreitete, durch die gröbsten Satyren auf alle regierenden Häupter seine Stellung so compromittirt, daß er flüchtig gehen mußte. In Straßburg angekommen , wo er vor einem Jahr noch auf dem Congresse germanisch-romantischen Kohl über die deutschen Universitäten plauderte, den wir nach seinen eigenen Berichten im „Nürnberger Correspondenten" optim» lick« abdruckten, schreibt er augenblicklich eine Broschüre gegen Alles , was in Deutschland Großes .und Schönes cxistirt, gegen Censur, Ariftvkratismus, Liberalismus und uns Zeitungsredaktoren, und erzählt darin alle seine schlechten Streiche selbst. Darauf kommt er nach Paris, verräth die ganze Liberalen-Suppe, — und was dort geschehen ist haben wir bereits kritisirt. — Dagegen konnte ich nichts Vorbringen. Herr Baron, Sie sehen ein, wie schlecht Sie bedient sind ; konnte Herr Kolb, dem es auf eine Lüge nie ankommt, nicht bei dieser Gelegenheit einfließen lassen, ich hätte eine reiche Jüdin *) So charakterisirte ich am dreißigsten Juni dieses Jahres in Nummer 62 des,, Vorwärts," ehe nur ein Mensch daran dachte mir daraus einen Vorwurf zu machen, diese einfältige Broschüre, die mir einen Liebesbrief des preußischen Ministeriums und ein äußerst schmeichelhaftes Schrei- b en des alten Professors Zachariä aus Heidelberg zuzog. Bs. geheirathet, uud ich wäre überhaupt durch diese Manövers ein steinreicher Mann geworden, dieweil ich doch mein bischen Erbe und eine einträgliche Stellung dabei einge- büßt habe, und noch ledig bin ? Konnte er mich nicht jetzt moch einen aristokratischen Spion heißen, vor dem sich die Radikalen nur in Acht nehmen sollten ? Den Mann müssen Sie nothn endig von der Redaction Ihres Blattes entfernen. Er arbeitet mit einer unverantwortlichen Leichtfertigkeit, und bringt Sie um Ihr wohlverdientes Renommee; für das halbe Geld redigirte Ihnen etwa Herr Geibel oder der verschollene Hermes, oder sonst ein beliebiger Liberaler Ihre Zeitung zehntausendmal energischer. Sie sehen, ich verschone sogar mich nicht, wenn cs gilt für das deutsche Vaterland und dessen schönste Tochter, die „Allgemeine" ein Opfer zu bringen. Von jetzt an, hoff' ich, werden Sie von der Reinheit meiner Gesinnungen überzeugt sein, mit der ich bin . .Euerer Hochwohlgehoren ' ' dienstfertigster Fcrd. Cvelestin Bernays. Paris, 2 . November 1844. Der Mensch, das jüngste Geschöpf der Erde. (Nach Dr. Hermann Burmeistcr „Geschichte der Schöpfung," 1843.) (Fortsetzung.) Nehmen wir an, daß eine jegliche der scharfvon einander sich unterscheidenden Menschenracen in ihrem Erdtheil Au- tochthon oder urthümlich entsprungen ist; so urthümlich wie die characteriftisch en Thiere, Pflanzen und Mineralien dieses ihres Landes in selbigem sich bildeten und nicht von außen herein geführt wurden; dann, sagten wir, lösen wir die Schwierigkeiten der Frage leicht und ganz genügend auf. Die Wesenheit aller Nacen ist überall die nämliches weil der Vau des Menschen auf eine so hohe Stufe der Ausbildung gestellt ist, daß er keine begriffsmäßige, aus ihm selbst als ecwa unumgänglich noth- wendig sich folgernde Abweichung in der Hauptgestaltung mehr gestattet. Die Natur erreichte in dem Menschen die höchste Spitze; der Gipfelpunkt dessen sie auf unseren Planeten fähig ist. Nicht fv die Pflanze; bei ihr konnte die Zeugungskraft des Erdkörpers sich keinesweges beruhigen, sondern mußte sich zur Hervorbringung des Thierreichcs fortbewegen. Und nachdem sie die ganze ungeheure Stufenleiter der Thierwelt, vom Mollusken bis zum Affen, durchgemacht, hatte sie auch mit letzterm sich noch nicht erschöpft, und sie mußte den Menschen schaffe n. Allerdings unterscheiden sich die Menschenracen bedeutend in manchen Nebenbestimmungen: in Haut und Haaren, Große, Form des Gesichts und Schädels, der Arme und Beine, des Beckens u. s. w.; aber dennoch stimmen sie auf's genaueste überein in der nothwendigen Anordnung, Stellung, Zahl und Beschaffenheit der Haupttheile des Knochengerüstes: z. B. in den Zähnen, Wirbeln, Zehen und den Hauptorganen des Nerven-, Blut- und Muskelsystems. Bei den Hausthieren übrigens sind es dieselben Theile, an denen die Natur sich Änderungen erlaubt uud wodurch die Grundform oft auffallend genug umgestaltet erscheint. Wie gesetzlos diese Änderungen auch sich darstellen, dennoch unterliegen sie gewissen Bestimmungen und können bei einiger Umsicht leicht aus den einfachsten Grundursachen hergeleitet werden. Sehr klar läßt sich dies an der Farbe zeigen. Sie ist nämlich in ihrem mannigfachen Wechsel bei den Hausthieren nichts als eine Auflösung der Mischung mehrerer einfacher Grundtöne; aus denen die Farben fast sämmtlicher, im wilden Zustande lebender Thiere bestehen. Bei den Säugethieren ist z. B. jedes einzelne .Haar in der Regel an verschiedenen Stellen mit den verschiedenen Farben gezeichnet, erscheint daher absatzweise bald hell, bald dunkel; weiß und schwarz wenn der Pelz des Geschöpfes ein grauer ist, braun und gelb wenn er eine grauliche Olivenfärbung besitzt, ja selbst schwarz, weiß, gelb oder noch mehrfarbiger. Diese Mischung ist besonders die Grundfarbe der wilden Katze, und kommt eben so noch jetzt bei denjenigen gezähmten Katzen, welche geibgrän^iGrtMH'^nkt-'WvarM'aunen Streifen haben, vor. Allein.sehr viele.Hauskatzen sind nunmehr theils ganz schwarz' geworden, theils ganz weiß, theils ganz gelb; noch andere wieder sind gefleckt, bald zweifarbig, bald dreifarbig. Beiläufig sei bemerkt, daß die Dreifarbigkeit mehr bei Kätzinnen als. bei Katern sich findet; denn überall artet das weibliche Geschlecht früher und leichter aus als das männliche, deshalb müssen weibliche Katzen in der ausgeartetsten.Färbung häufiger Vorkommen als männliche. Es zerlegt sich mithin die Ur- farbe, mit der ein und dieselbe wilde, im Urzustände lebende Katze angethan ist, durch die Zähmung in die zwei, drei und mehr Theilfarben und vertheilt sich auf die ganze große Menge der Hauskatzen, jede Ttzeilk'arbe aufeine besondere Katze. Nie aber tritt ein Hausthier mit einer andern Farbe auf als einer solchen, die bereits in der Mischung seines wilden Farbenkleides lag, und je vorherrschender der eine und der andere von diesen Mi- schungstheilen ist, desto rascher macht er sich als Haup t- färbung der Spielarten geltend. Hat er einmal bei diesem oder jenem Individuum sich festgesetzt, so behauptet er sich auch ferner, und so geschieht cs, daß manche Varietäten nur diese, andere dagegen jene Grundfarbe als herrschende Pelzfärbung tragen. Nach solchen Thatsachen ist man berechtigt, die Möglichkeit, daß alle Menschen von einem einzigen Urstamme oder gar von einem einzigen Urpaare Herkommen, zu bestreiten, und istgedrungen abermals die ursprüngliche Entstehung mehrerer Urftämme oder, wenn man will, Ur- familicn und Urpaare zu behaupten. Wir sprechen von der Färbung des Thierreichcs; machen wir die Anwendung auf die Menschheit. Wenn alle verschieden gefärbte Nationen von einem Urstamme herrührten, so müßten offenbar ihre sämmtlichen Schattirungen und Farben sich aus einem einzigen Farbcngrunde ab leiten lassen, was aber unmöglich ist. Gesetzt, das Schwarz des Negers gälte als ein durch die Sonne verbranntes Weiß des Ew- ropäers; gesetzt auch, das Weizengelb des Chinesen läge zwischenein in der Mitte, wo bliebe dann das Kupferroth des Amerikaners? Man müßte desgleichen fragen, weshalb die Menschen auf Neuholland, die Papus, so schwarz geworden, während die wegen der größern Nachbarschaft des Äquators einer noch größern Strahleneinwirkung ausgesetzten Bewohner der Frcundschaftsinseln nur gelbbraun blieben. Man hätte außerdem zu beantworten, warum sämmtliche Stämme der beiden Amerikas, vom Feuerland bis zur Baffinsbay, rothbraun sind, während auf der östlichen Halbkugel bald weiße, bald gelbe, bald - braune, bald schwarze Nationen oft dicht nebeneinander stehen. Die nämlichen endlosen Fragen würden sich hin- stchts der eiförmigen und der elliptischen und der viereckigen Schädelformen des Kaukasiers, des Negers und Papus und des Mongolen, hinsichts der festen Abweichungen des Antlitzes, der Haarbeschaffcnheit u. s. w., wiederholen. Solchergestalt stößt man auf immer neue Unbegreiflichkeiten, wenn man von einem in sich unhaltbaren, unbegreiflichen Grundsätze ausgeht. Ein vorurtheilsfreier Forscher darf getrost behaupten, man würde niemals auf den verkehrten Gedanken, die Menschheit aus einem einzigen Urpaare herzuleiten gerathen sein, wenn man nicht die religiösen Sagen, namentlich die der sogenannten mosaischen Bücher, in eine Wissenschaft hineingezogen hätte, wo sie am allerwenigsten hingehören. Witt man indessen schlechterdings glauben, so hüte man sich nur mit dem Namen eines wissenschaftlichen Naturkundigen zu prunken. Die Ungereimtheit erweist sich noch greller, wenn wir bedenken, daß die Milliarde jetzt die Erdkugel bewohnender Menschen von einem Paare binnen 4000 Jahren ausgegangen sei. Ein tausend Millionen in 4 00 t> Jahren würde eine Million Menschenzuwachs in.vier Jahren ergeben. Wie gelangten diese Wanderer über den Ocean? Warum rückten sie in die Eisländer und ließen die köstlichsten Tropengegenden unbesetzt? Warum suchten sie ! die Glutkänder auf? Weil es so in der Bibel steht ? Konsequenterweise mußte man sagen, es seien auch die Thiere und Pflanzen und Steine aus dem Urlande Adams mitgenommen worden; selbige hätten sich also dermaaßen verwandelt, daß z> B. der asiatische und afrikanische Elephant und das Nasehorn nach Amerika verpflanzt, auf-- gehörtem Elephant und Nhinocrros zu sein und zum Tapir wie das Kameel und Dromedar daselbst zum Lama sich verkleinert haben. Wie diese Thierkolonien über die Wasser gedrungen, wird nicht gesagt. Zudem ist klar, daß ein Elephant, der je die Fähigkeit besessen, in Brasilien ein schweineähnlicher Tapir zu werden, niemals ein wirklicher Elephant, sondern, um uns so auszudrücken, schon vorher ein vermummter Tapir, ein scheinbarer Elephant gewesen wäre. An diesem Falle ist wieder recht deutlich, wie die religiöse widersinnige Weltanschauung sogar das Thierreich, dies Positivste alles Positiven, verphantasirt und vergespenftigt. Aber bis zu solcher Konsequenz erhebt sich jene irrige Ansicht nicht einmal. Sie zieht es vor, das Gethier au- tochthon sein zu lassen; lediglich der Mensch, ,,das Ebenbild u. s. w.," meint sie, sei durch urfrühe Wanderungen „im heiligen Dunkel der Vorzeit" überall hingezogen und habe sich „nach Gottes Rathschluß" so verschiedentlich gestaltet. Es ist bekanntlich die Manier der Religion, für den Menschen immer dort etwas ganz Besonderes in Anspruch zu nehmen, wo es eine Unmöglichkeit ist; und umgekehrt, daß er sein sociales Elend tilgen könne und solle, daß er sich im Fortschritt veredeln könne und solle, diesen Vorzug des Menschen vor dem Thicre läugnet sie wohlbedächtig, wenn sie nämlich noch wirklich eine vollständige Religion ist. Dagegen schiebt sie ihm unter andern das obige unnatürliche Privilegium zu. (Fortsetzung folgt.) Herwegh geht nicht nach Schwaben! Um dem infamirenden niederträchtigen Geschwätze gewisser deutsche Zeitungen seine rechte Stelle unter den gewohnten Journalgemeinheiten anzuweisen, bemerken wir hier unser» Lesern, daß Herwegh seit dem Jahr 1839 den würtembergischcn Boden nicht betreten hat, daß er ohne Anstand, wenn er Luft hat, dahin reisen kann, und also nicht einen einzigen Schritt zu thun hatte, um sich etwa ungestört dort aufhalten zu dürfen. Übrigens fällt es Herwegh, so viel wir wissen, gar nicht ein in s Schwabenland zu reisen. Auszüge aus: Die Bewegung des Soeialisnms und CommunLsmus, Von Theodor Ölckers. (Fortsetzung.) Am meisten zum Bewußtsein gekommen in dem, was er wollte, war der Agitator der thüringischen Bauern, Thomas Münzer. Er wandte sich von dem ihm früher befreundeten Luther ab, weil dieser nur kirchlich reformiren wollte. Münzer wollte dagegen die eine ganze Freiheit erringen, er wollte, nachdem er Adel und Geistlichkeit gestürzt haben würde, ein Reich der völligen Gleichheit stiften. Schon an und für sich Schwärmer, war er überdies einsichtig genug, und kannte das Volk so wohl, daß er bei seinem Streben vor Allem auch das religiöse Element berücksichtigte. So gründete er sein bekanntes Reich in Mühlhausen* und erhob sich bald auf eine Höhe der Macht, von welcher er hauptsächlich nur deßhalb so schnell' wieder gestürzt wurde,, weil ihm Lei all feinem gleichsam innern Genie, doch das äußere, das der That, abging. Seine Beredtsam- . kelt, seine meist biblische Redeweise, that Wundep. So sagte er in einem Briefe an die Mansfelder Bergknappen: „Laßt Euer Schwert nicht kalt werden von Blut. Schmiedet pinkepank auf dem Ambos Nimrods, werft ihnen den Thurm zu Boden. Es ist nicht möglich, weil sie leben, daß Ihr der menschlichen Fuecht sollt los werden. Man kann Euch von Gott nicht sagen, dieweil sie über Euch regieren, dran, dran, dran, dieweil Ihr Tage habt, Gott gehet Euch voran, folgt! Es ist nicht Euer, sondern des Herrn Streit, Ihr seid's nicht, die Ihr streitet. Stellet Euch fürwahr männlich, Ihr werdet sehen die Hülfe des Herrn über Euch. Da Josaphat diese Worte hörte, da fiel er nieder. Also thut auch durch Gott, der Euch stärke ohne Furcht der Menschen im rechten Glauben. Amen. — Thomas Münzer, ein Knecht Gottes wider die Gottlosen." — Das hier Angedeutete zeigt, daß schon damals der Grundgedanke dessen, was die neueste Zeit bewegt und vielleicht Stürme für die nächste Zukunft bereitet, das Volk in Zwiespalt mit dem Bestehenden brachte. Und wenn auch mehr als zwei Jahrhunderte vergehen mußten, ehe von neuem derartige Anforderungen laut wurden, und wenn wir daher auch keine einzelnen tatsächlichen Umstände anführen können, welche jene Bestrebungen des sechzehnten Jahrhunderts mit denen der neuesten Zeit verknüpfen, so sind doch beide Erscheinungen der Geschichte aus ein und derselben Wurzel erwachsen, beide gehören dem großen Bildungs- und Umgestaltungsprozesse an, welcher aus dem Anfang des sechzehnten Jahrhunderts datirt und seine Endschaft noch nicht erreicht hat. — Man hat sich viel Mühe gegeben, die Klasse der Nichtbesitzenden, die Proletarier, wie sie heutigen Tages erscheinen, d. h. eben als bestimmte Klasse, als etwas Neues darzustelleu; aber schon ein flüchtiger Blick, wie wir ihn auf jene Bauernkriege im sechzehnten Jahrhundert warfen, genügt, um zu finden, daß halb unbewußt der Begriff des Proletariats schon damals nicht allein vorhanden, sondern daß sich auch bereits mehr oder minder bestimmte und bewußte Bestrebungen darauf gründeten. Diese wurden jedoch bald zurückgedrängt, unterdrückt und mußten, wenigstens scheinbar, fruchtlos bleiben. Die europäischen Völker hatten noch andere Kämpfe zu bestehen, die Zeit war noch nicht erfüllt, wo jene Anforderungen ihr Recht finden sollten, und es mußten Jahrhunderte vergehen, ehe die „Proletarier" als Klasse austreten und ihre Ansprüche geltend machen konnten. Diesmal war es dem französischen Volke Vorbehalten, die große Bewegung zu beginnen und, da nun die Geschichte mit dem Rechte der Nationen der Vollendung nahe kommt, die zweite Stufe auf der Leiter der Civilifation zu bezeichnen : — die Regelung der Gesellschaft. Über den allgemeinen Begriff der Freiheit konnte man bald im Klaren sein, ebenso über das Wie der Verwirklichung dieses Begriffes; bald mußte man aber auch fühlen, daß es mit dem, was man unter „Freiheit" verstand, allein nicht gethan sei. Es blieben noch bedeutende Lücken übrig, deren Ausgleichung bald genug die Geister beschäftigen sollte, welche einsahen, wie wenig sie ohne diese Ausgleichung gewonnen hatten. Das Proletariat erhob sich in immer bestimmtem Formen als drohende Masse, und sprach seine Berechtigung am Mitbesitz des Gutes aus. Gleichheit wurde das Losungswort, und eine Reihe von Mißgriffen, Jrrthümern und Hcklbverstandenen Lehren bezeichnen während eines Zeitraums von mehr als vierzig Jahren die Geschichte der Entwicklung jenes — nicht neuen, aber neu erweckten und mit vollerem Bewußtsein ausgesprochenen -- Begriffs der Gleichheit. Aber die Gleichheit- kann am Ende die tvahre Freiheit nicht bedingen, sie hebt dieselbe, imGegentheile, gewisser- maaßen wieder, auf, insofern von gleichem Besitz die Rede ist. Die Gleichheit beraubt da Alle, indem sie für Alle sorgen will, und daher muß auch dieser Begriff einem neuen Platz machen; er bezeichnet nur das Übergangsmoment im Prozesse der Civili- sation von dem Anfänglichen zum vollkommneren Zustande, welcher Freiheit und Einheit sein wird. Damit bezeichnen wir etwas organisches, also lebendiges, während die Gleichheit nur noch eine mechanische Ordnung gibt, die gleichwohl als Übergangszustand nöthig sein mochte, aus dessen Gährungsprozesse sich die organische Einheit der Gesellschaft allmälig entwickeln muß. Dieser Zustand wird ebenso wenig von roher Gleichmacherei wissen, als von Zurücksetzung der einen Persönlichkeit zu Gunsten der andern — der Besitz wird allen gemein sein, ohne daß dadurch eine Zerstückelung des Gutes bedingt würde — Alle werden gleiche Berechtigung haben, Alle werden gleichen Theil am geistigen wie am materiellen Gut haben, ohne daß der Staat einem einseitigen Arbeitshause gleicht. „Es muß eine Form des gesellschaftlichen Lebens sich dem Denkenden ergeben, in der der persönliche Besitz erhalten, und dennoch der vollkommenen Entwickelung der Persönlichkeit durch ihn kein absolutes Hinderniß gegeben wird." Wir führen diese Worte Stein's hier an, weil sie allerdings das Ziel bezeichnen, auf welches die Aufmerksamkeit zu richten ist. Um indeß auf den Punkt zu gelangen, von welchem aus es möglich wird, die zeitherigen Bestrebungen zu würdigen, ist es nöthig, jene Bestrebungen selbst erst in ihrer Aufeinanderfolge zu betrachten. Wir nehmen dieselben als schwanke, erst halb bewußte Versuche, lassen das, was die letzten Jahre umfassen, als Übergangsperiode gelten, deren nahes Ende wir hoffen, um ihr die dritte Periode, die der Freiheit und Einheit, folgen zu sehen. 2 . Wenn wir bei unserer nachfolgenden historischen Übersicht keine strenge Scheidung des Socialismus und Kommunismus im Auge halten, so geschieht dies hauptsächlich, weil uns mehr daran gelegen ist, die Bewegung, welche beide Erscheinungen in sich begreift, im Ganzen zu überschauen, als einzelne Resultate oder Produkte dieser Bewegung, welche uns wohl interessant sind, indem wir durch sie allein das Wesen der Zeitbestimmung zu begreifen vermögen, die wir aber anderseits insofern für unwesentlicher halten müssen, als sie fast durchgängig nur als verfehlte Versuche dastehen, welche dasjenige zu erreichen, zu verwirklichen streben, was in der Zeit nur immer noch kaum zu halbem Bewußtsein erwacht ist. Ob wir nun das ächte Ziel jenes Strebenö Socialismuö oder Kommunismus nennen, ändert nichts an der Sache, und nur insofern der Sprachgebrauch bereits bestimmte Begriffe mit den Namen verknüpft hat, wird es allerdings nöthig, die letztem mit Unterscheidung anzuwenden. Insofern nun haben wir den Kommunismus als dem Socialismuö untergeordnet zu betrachten,, jener ist in letztem: mitbegriffen, der Kommunismus bezeichnet das Wesen einer besondern Parthei. Unter Socialismus begreift man nun aber nicht allein im Allgemeinen das Streben nach einem verbesserten Zustande der Gesellschaft, nach einer Organisation der Industrie im weitesten Sinne, und somit nach einer Verbesserung des Looses der Proletarier; sondern jenes Wort bezeichnet überhaupt die Wissenschaft der Gesellschaft, indem der Socialismus seine Lehre philosophisch begründet und systematisch darstellt. Socialismus ist demnach der Inbegriff aller Bestrebungen, welche einen neuen, vollkommnern Zustand der Gesellschaft durch Organisation der Industrie im weitesten Umfange erzielen, oder noch allgemeiner: der Bestrebungen, welche den Zweck haben, den Menschen seine Bestimmung vollkommen erreichen zu lassen. Und die Bestimmung des Menschen wird hier sein: möglichst vollkommene Entwickelung seiner geistigen und sinnlichen Kräfte und Fähigkeiten und freie Anwendung derselben — Befriedigung,-Genuß — in gleichem Maaße für Alle. Der Kommunismus, als einzelne Erscheinung betrachtet, ist nur die bis zum Ertrem verfolgte Idee der absoluten Gleichheit. Wie sich aber die Ertreme berühren, dürste es nicht schwer sein, auf diesem Punkte den Kommunismus wieder mit dem Egoismus zusammenfallen zu lassen. Die unbeschränkte Berechtigung des Ich, die, wenn derselbe consequent durchgeführt wird, seine Forderung für Alle ist, wird in der Wirklichkeit eben für Alle unmöglich und somit wird es eine neue Conse- quenz des Kommunismus, daß derselbe, wie er überhaupt seinem Princip nach aufhebend und verneinend austritt, am Ende sich selbst verneint und aushebt. Man hat noch immer keine rechte Definition vom Begriffe des Kommunismus zu geben vermocht, was natürlich ist, da derselbe ein ganz Gestaltloses, Unbestimmtes ist. Man könnte ihn eine Verneinung alles Bestehenden, ohne Rücksicht auf ein Neuaufzubauendeö, nennen, und im Allgemeinen dürfte diese Bezeichnung allerdings genügen. Was die Kommunisten im engeren Sinne sind, wird sich von selbst aus dem ergeben, was wir weiter unten von dieser Partei mittheilen. Merkwürdig ist, daß, während die Religion natürlich jener kommunistischen Verneinung gleichfalls unterliegen muß, viele kommunistischen Schriften in einer biblischen, schwärmerischen, religiös fanatischen Sprache abgefaßt sind. Übrigens dürfte es nur sehr wenige „Kommunisten" geben, die auch I nur mit einiger genügenden Bestimmtheit wüßten, worauf sie hinausgehen: — sie sind sämmtlich mehr oder minder blinde Werkzeuge für die Sache der großen Bewegung; — und jene, die, sich als Kommunisten bekennend, ein klareres Bewußtsein haben, täuschen sich selbst, wenn sie dies Bewußtsein auf den Kommunismus beziehen, sie sind So - cialisten. Mögen nun die Kommunisten aus den angedeuteten Gründen unmöglich zu einem bestimmten Resultate gelangen können, so glauben wir doch aus eben so naheliegenden Gründen behaupten zu dürfen, daß der Kommunismus gerade in seiner bis aufs Äußerste getriebenen Gestalt als Mittel wesentlich förderlich für eine zu wünschende neue Gestaltung der Gesellschaft sein muß. Er wird ein Probierstein sein, welcher das Ächte und Unächte in vielfacher Rücksicht erkennen lehrt; er wird dazu beitragen, daß man im Guten nicht auf halbem Wege stehen bleibt; er wird lehren, was ganz ge- than oder ganz unterlassen werden muß. 3. Die völlige Gleichheit vor dem Gesetze, welche die französische Revolution allen Staatsbürgern gegeben hatte, verlor nur zu schnell ihre Geltung wieder und mit der Verfassung von 1795 erstanden auch alle die Standeönnterschiede aufs Neue, welche durch die Schreckensherrschaft entfernt worden waren. Den Proletariern, welche sich jetzt erst ihres Zustandes und des Unterschiedes, welcher sie von den besitzenden Klassen trennte, recht bewußt wurden, mußte das Mißliche ihrer Lage um so auffälliger und lästiger werden, je schärfer der Gegensatz derselben zu den letztverflossenen Jahren war. Die Herrschaft war der Masse des Volkes wieder entrissen und immer mehr schwand die Hoffnung, die verlorene Gewalt von Neuem zu erlangen. Zahlreiche geheime Verbindungen bestrebten sich fruchtlos, weil durchaus vereinzelt, das Verlorene herzustellen, d. h. die Verfassung von 1793. Endlich trat ein Mann auf, der, reich ausgestattet mit allen Eigenschaften eines Volksführers, den Entschluß faßte, die neue Regierung zu stürzen und die Gleichheit in ihrer Vollkommenheit herzustellen, nicht allein die rein politische Gleichheit, sondern und zwar vor Allem die des Besitzes, durch Aufhebung alles persönlichen Eigenthums. Dieser Mann war Baboeuf, von welchem der Kommunismus überhaupt datirt. Er hatte schon früher sich aufs thätigste für die Sache der Revolution bewiesen, hatte sich in Folge seiner Heftigkeit Verfolgung und Gefahr zugezogen und mit Danton und Robespierre in enger Verbindung gestanden. Seine bedeutsamste Wirksamkeit beginnt jedoch mit der eintretenden Reaction, welche er zu bekämpfen suchte. Er verband sich mit den jetzt mehr oder minder vereinzelten Anhängern des absolut demokratischen Prinzips, mit den ächten Republikanern, und hoffte, indem er seine Grundsätze einer unbedingten Gleichheit geltend zu machen suchte, die neue Verfassung zu stürzen. Die Proletarier bildeten seine natürliche und starke Parthei. Gegen Ende des Jahres 1795 verband er sich mit einer kleinen Anzahl yon Theilnehmern seiner Ansichten und übernahm in dieser Verbindung die Leitung von Vorträgen und Besprechungen der Grundsätze der Gesellschaft. Sein Anhang wuchs rasch und bald bildete man eine Verbindung unter dem Namen Loeiöts du kuntbson (die Sitzungen wurden in der Nähe des Pantheon gehalten), welche gegen zweitausend Mitglieder zählte. Baboeuf legte sich den Namen Gracchus bei und gab eine Zeitschrift, Iridun du keuple, heraus. (Fortsetzung folgt.) (MkLULIM Die Hutfabrik von G. Hund, rue Hguteville, 38, empfiehlt sich mit den schönsten, dauerhaftesten und fein- sten Hüten nach der neuesten Mode und zu den billigsten Preisen, als Filz-, mechanische oder Klapphüte zu »«Frauken, seidene Hüte zu »4 Franken. Die Herren Käufer finden die vollständiafte Auswabl mit der schriftlichen Garantie, daß die Hüte wäb- rend der ersten sechs Monate keine Flecken durch die Kvpfausdünstung erhalten, und andern Falls gegen einen neuen um den halben Kaufpreis zurückgenommen werden. Redakteur : Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. rukrvvL DLL Ln 6 n, 1 'Oper» g eu »ussi son zour de sete .(l'ktgit vendredi dernier : tu veille du^'or/rde§ tl/orlr. (Quelle »llusion s Is gloirepsssee de ce tsteütre! quel rgppro- cstement entre ce qu'il » ete et ce qu'ilestmgiulengnt! La Oeatrorr dir morrde, de Ila^dn »est une ceu vre trop ^energlementeonnueetd'unecelestrite trop populgi, e pour c^ue nous »^ons stesoin d'en pgrler. Lxecutee pour lg premiere sois g Paris devsnt le Premier con- 8 ui, le jour meine de l'explosion de Is macstine in- sernsle, cette colossgle musique s conquis, dans cette secoude epreuve, des titres en quelque Sorte nou- vesux g l'iinmortalite. Linc; cenls musiciens 6 t cstsn- teurs, rsssemstles pour cette solennite, ont repondu dignement s l'sttente Aknerale. L'ellet produit pgrles cstoeurs g ete immense; lg 8 gll 6 tremstlsit 8 ou 8 le poids eerasgnt d'gppiaudissemens. La magnisiczue ouverture et le de§ MacHtt-ee» ont ete reclemsndes: l'insatigsstle ügstenecL g recu uns ovstion meritee. Ouprer, Hoger, Laroilstet, Levssseuret Leon Hermann; mesdgmes Lamoreau, Oorus-Orgs, et Nlles Dostree et Dlequillet ont ete cstar^es des 8 oIo 8 . 6 'etaient l'S/iera et l'SLera-t'omr-ne mi 8 en presence. zllutte strill»nle et qui, nous n'stesilons pgs de le dire, s tourne coinpletement s I'svsolgge de ce dernier tsteätre. Ouprer s et 6 plus rnalsteureux qu's l'ordi- nsire, tsndis rpre koger, s'iuspirsnt du genie du grund msestro, s'est surpssse lui-möme. IVlme Lorus- Öras et IVllle Oostree ont seules, dsns cette 8oiree ü zginuis meenorglrle, 8outenu l'sneienne reuomniee de l'^leackemre de Honneur g eiles! ls,e snrlendeingin de eette kete, tout reprensit s I'O^erg son trsin ordingire. I^g /kor,re de g ete elisnte inedioerelnent, en presence d un pudlie peu nonilrreux el peu elioisi. N. l^gtour » de lg peiue ü reuliser les steiles espersnees qu'il g donnees s son destut. (l'est uue voix pure et »sser lurge, msis ssns rnetstocle; le trsvgil suppleera peut-elre g ee delstut. st.e ^ealre /l,r^'e,r vit d ovgtions et de lrioinpstes. ^pres //>rrrr'/n,rr, dont le succes s rnurcste pendsnt ces lrois soirees en eroisssnt, est venue /.rrer'a dr /^errnrrrermoor', et lg sslle g ete, si c est possistle, plus cuknstle encore, et les gpplaudisselnens plus estgleu- reux et plus kröneüiues. Msdgme kersigni estsnte dsns cette piece s rsvir; N»rio g ete, duns ces deux dernieres representations, »dmirastle; Hunconi se- rsit s lg stsuleur de son räle, s'il s'gstgndonngit un peu plus g ses inspirstions. ^/'0/,e>«-6'omrxrre, meine gctivile et merne succes : l'gdininistrgüon de ce tsteätre a prls s cosur d'en sgire un Premier tsteätre l^rique, et elle n'a pres^ue plus de cstemin g sgire pour reussir. st.g troupe est su tzrgnd complet;1e repertoire ess ricste et vgrie. I7n peu plus d'entente dgns la distristution des röles, et le pustlie le plus dilkede n'sura rien ü exiger. Ln stten- d»nt lg salle est toujours comstle; lg Lrrene, l'^-rr- L«sradrr'ee, le -vererterrr, le /*re »tt» et ont tour g tour sgit l'stouneur des grtistes et le ston- steur des spectgteurs. ^ux LarrH, lg reprise des Lr'erra? et celle des ^nK/,rr'L en ont s»it fureur. l)gns lg Premiere, Lousle et dgns lg seconde llossmunn se sunt gpplgudir g cstgque instgnt. O'est «noins qu'ils ne meritent. stg Merr/,r'ere de et lg arra? §orr/- ^el^ont complete l'gslicste de cette semgine. Le LarrdevrV/e g plusieurs pieces en voAue. On pgrle stegucoup d'une nouvelle comedie cle mg- dgme ^tncelot, qui ne tsiderg pgs g etre representee. L-rrrna, comedik-vgudeville de N. Lg^»,g reussi »u 6^r/rrr«§o. L intri^ue est simple et toucstgnle. Les cgrgcleres ne mgn^uent ni de verile ni de dignite, et ils sont stgstilement trsces. lissergnt est de ston Foüt dsvs le i ole du colunel , et lXumg joue celui de Lrgncisque g sgire pämer de rire. IVIesdemoiselles i^»- tstglie et Hose Lsteri presentent un contrsste c;ui ne deplgkt pgs »u pustlie. l'^rnörA7r-c7orrrr^i bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Berncharv, Spruce-Street, Nr. 3, in Ncw-Pork. (Sonnabend.) Pariser Aeutlehe Zeitlrhrikt. (N. November.) Robert Owen in Nordamerika. (Aus der New-Pork Daily-Tribune, 24. Sept.) Robert Owen, der ausgezeichnete Apostel des SocialiSmuö oder der Gütergemeinschaft, ist dieser Tage hier angekommen um Beobachtungen zu machen und sein ihm theures System zu verbreiten. Er verläßt so eben unsre Stadt und begibt sich in den Staat Indiana, wo sein Sohn ansässig ist, ein Mitglied des Kongresses von der Locofoco-Par- thei*), ein Mann von entschiedenem Talent und ^Charakter. Herr Owen, der Vater, ist ein schlanker siebenzigjähriger Greis, von gefälligen Äußern: seine Aussprache ist etwas schottisch. Wer sollte in ihm die unbezwingliche Energie und Selbst- verläugnung verkennen, die er in einer Sache bewiesen, welche ihm die des Menschheitswohles zu sein dünkt? Wir dürfen wohl einige Jrrthümer der Allsicht und des Betragens — wenn es anders solche bei ihm gibt — einem Manne verzeihen, der seit *) So heißt die radikal-demokratische Parthei daselbst nach einem sehr geringfügigen kaum der Rede werthen Umstande: Als einst auf einer Versammlung, so sagt man, die Beleuchtung ausging, zog ein demokratischer Radikaler ein Laschen- feuerzeug, Locofoco genannt, hervor, und zündete die Lampen wieder an. langen Jahren der Verläumdung und dem Neide trotzt und der ein ganzes Dasein für jenes Werk darbringt, aus welchem ihm persönlich kein anderer Vortheil erwächst, als das Bewußtsein, dem Menschengeschlecht zu nützen*)? Ohne Zweifel irrt Herr Owen bedeutend. Seine Aufhebung des persönlichen, des Privateigenthums ist ein arger Mißgriff. Er rührt von einer spitzfindigen Auffassungsweise der Übel her, denen unser Geschlecht durch die übermäßigen Ungleichheiten in Vertheilung der Lebensgüter, wie auch durch die mangelnde Gewährung der Erwerbsmittel, überall unterworfen ist. Nicht eine Theilung des Besitzes der Reichen**) thut dem ärmern Nachbarn Noth, sondern ein gesellschaftliches Auskunftmittel soll einem Jeglichen eine durchaus praktische Erziehung sichern und somit eine angenehme Gemächlichkeit, worin er die schönen Früchte seiner Arbeiten ge*) Uns aber scheint dies stolze Bewußtsein schon persönlicher „Lohn" genug zu sein. Wie lange wollen die Amerikanischen „Republikaner" noch außerdem „entschuldigt" werden für das was sie als Menschen thun, oder richtiger, thun sollten? *') Der Verfasser dieses Zeitungsaussatzes stellt sich plötzlich als ziehe er dem Socialismus eine „Theilung des Reichthums" vor. Weiter laßt sich die republikanische Großsprecherei kaum treiben, denn er würde nicht wenig stutzen, wenn die Pennilets, d. h- die, welche in Amerika keinen Pfennig besitzen, die auf den Landstraßen Steine klopfenden Einwanderer, etwa „Theilung" verlangten! nießen kann. Möge Niemand glauben, wir hielten ' Herrn Owen für einen Vertheidiger irgendeiner Art von Beraubung der Eigenthümer; er ist und war dies niemals, aber seine Grundprinzipien stoßen gegen das Recht des Privatbesitzes*). In Betreff der Religion befindet sich Herr Owen nicht minder auf einem Irrwege. Die Menschen streiten über Neligionssachen, sie predigen widersprechende Doktrinen, ja selbst zuweilen abgeschmackte und verderbliche; daraus schließt er, man solle alle Religion für eine Träumerei der Phantasie ansehen. Wir jedoch sagen: mit Nichten. Wir rathen lieber die wahre zu finden, und ihrem Gebote zu folgen**). Alles was Herr Owen zu Gunsten der Menschenliebe und der gegenseitigen Achtung der Meinungen sagt, ist herrlich, und lvas noch besser ist, er lehrt nicht nur, sondern übt auch die Bruderliebe. Was die Ehe anbelangt, sieht Herr Owen leider *) Allerdings läuft die Aufhebung des Privatbesitzes gegen den Privatbesitz; diese Entdeckung spricht stark für die amerikanische Logik. **) Die sogenannte wahre Religion braucht der Amerikaner nicht lange zu suchen oder durch seine vom Kirchsprengel dafür besoldeten Seelensorger suchen zu lassen : sie ist in der Brust aller guten Menschen, wie schon ein altes europäisches Sprüchlein sagt, denn sie heißt Liebe und Menschlichkeit, wovon er ja selbst meint, daß Owen sie lehre und übe. Die New-Uorker Logik...... Feuilleton des Vorwärts. D e u t s ch l a n V, Ein Wiutcrmnhrchen. V o n H. H e i n e. Caput Xlll. Die Sonne ging auf bei Paderborn, Mit sehr verdrossener Gebehrde. Sie treibt in der That ein verdrießlich Geschäft — Beleuchten die dumme Erde! Hat sie die eine Seite erhellt, Und bringt sie mit strahlender Eile Der andern ihr Licht, so verdunkelt schon Sich jene mittlerweile. Der Stein entrollt dem Syfiphus, Der Danaiden Tonne Wird nie gefüllt, und den Erdenball Beleuchtet vergeblich die Sonne!- Und als der Morgennebel zerrann, Da sah ich am Wege ragen, Im Frührothschein, das Bild des Manu's, Der an das Kreuz geschlagen. Mit Wehmuch erfüllt mich jedesmal Dein Anblick, mein armer Vetter, Der du die Welt erlösen gewollt, Du Narr, du Menschheitsretter! Sie haben dir übel mitgespielt, Die Herren vom hohen Rache. Wer hieß dich auch reden so rücksichtslos Von der Kirche und vom Staate! Zu deinem Malheur war die Buchdruckerei Noch nicht in jenen Tagen Erfunden; Du hättest geschrieben ein Buch Über die Himmelsfragen. Der Censor hätte gestrichen darin Was etwa anzüglich auf Erden, ' Und liebend bewahrte dich die Censur Vor dem Gekreuzigtwerden. Ach! hättest du nur einen andern Text - " Zu deiner Bergpredigt genommen, ^ - Besaßest ja Geist und Talent genug, Und konntest schonen die Frommen! Geldwechsler, Banquiers hast du sogar Mit der Peitsche gejagt aus hem Tempel Unglücklicher Schwärmer, letzt hängst du am Kreuz Als warnendes Erempel! Caput XIV. Ein feuchter Wind, ein kahles Land. Die Chaise wackelt im Schlamme, Doch singt es und klingt es in meinem Gemüth : Sonne, du klagende Flamme! Das ist der Schlußreim des alten Liehs, Das oft meine AMMe gesungen — „Sonne, du klagende Flamme!" das hat Wie Waldhornruf geklungen. Es kommt im Lied ein Mörder vor, Er lebt'in Lust und Freude; Man findet ihn endlich im Walde gehenkt, An einer grauen Weide. Des Mörders Todesurtheil war Genagelt am Weidenstamme; Das haben die Rächer der Vehme gethan — Sonne, du klagende Flamme! Die Sonne war Kläger, sie hatte bewirkt, Daß man den Mörder verdamme. Ottilie hatte sterbend geschrien: Sonne, du klagende Flamme! Und denk ich des Liedes, so denk' ich auch Der Amme, der lieben Alten; Ich sehe wieder ihr braunes Gesicht, Mit allen Runzeln und Fakten. Sie war geboren im Münfterland, Und wußte, in großer Menge, Gespenstergeschichten, graufenhaft, Und Mährchen und Volksgesänge. Wie pochte mein Herz, wenn die alte Frau Von der Königstochter erzählte, Die einsam auf der Heide saß ' Und die goldnen Haare strählte. 2 Ic > mehr aus individuelle als auf allgemeine Ergebnisse*). Er findet daß aus übel geschlossenen Verbindungen Elend entsteht und sagt darum: Mögen die Liebenden sich vermählen um sich unter gewissen Bedingungen wieder zu scheiden. Aber hiedurch würde das Übel noch schlimmer werden. Es liegt darin, daß die Ehe nur zu oft aus niedrig sinnlicher, schmutziger Absicht geschlossen wird, statt mit Übereinstimmung, Zuneigung, Nachdenken und Sicherheit. Würde diesem Unheil durch leichtere Trennung der Ehe abgeholfen? Würden dann nicht vielmehr Tausende auf ein Jahr heirathen, da sie wüßten, daß durch Ehescheidung keine Unehre ans sie fällt**)? Dann käme noch viel größeres Elend. In einigen Fällen würde sie nützen, aber gegen einen Vortheil fünfzig Nachtheile bringen. Wir reden natürlich vom Menschen wie er heute beschaffen ist***). Die Geschichte aller Jahrhunderte *) Freilich will Owen daß alle, d. h. jeder Einzelne, in der Ehe glücklich werde; er begnügt sich nicht mit dem allgemeinem Geschwätz von „allgemeinem Wohl, Wohl der Gesammtheit u. s. w.," was weiter nichts ist, als ein Wohl so im Allgemeinen und in Bausch und Bogen, wobei cs manchem Individuum sehr schlecht gehen kann; danach fragt die republikanische Majoritätslehre allerdings nicht, denn sie weiß nicht, daß die Allheit aus lauter Einzelnen zusammengesetzt ist, deren jeder glücklich sein will und soll. ") Ginge es nach dem Willen des wahrscheinlich theologischen Verfassers dieses Artikels, so würde Amerika sich das königl. prcuß. Ehegcsetz ausbitten. *'*) Die aus „niedrig sinnlicher, schmutziger" Absicht entstandenen Ehen, wozu der gcldliebende Republikaner doch hoffentlich auch die Geldhcirathen rechnet, sollen also unauflöslich bleiben, trotz der „schmutzigen" Absicht. Die Menschenwürde wird dadurch sehr gefördert werden. — Die heilsame Abschreckung durch die Aussicht einer Unauflöslichkeit ist übrigens nur scheinbar; Liebe ist blind, zumal im jetzigen verschrobenen Anstande, und wenn Leute mit „niedrig sinnlicher schmutziger" j Absicht sich dadurch vom Heirathen ab- haltcn lassen, so bewahren sie bekanntlich diese schmutzige Ab- - sicht im Herzen und leben demgemäß außer h a lb der Ehe; Beweise findet unser amerikanischer Philosoph in den Verhältnissen des Weibe-s der nieder» Stände und der Neger- racc, obgleich in Ncw-Pork auch diese „freie Menschen" sind. Ja wohl, Washington hat die Menschenrechte prokla- mirt; wachte er auf und sähe wie Eure Schwarzen stehen, er legte sich wohl schnell wieder in's Grab. — Rom ist nicht gefallen weil die Ehe siel; sondern die Ehe daselbst löste sich auf, weil alle sonstige Bande der Sittlichkeit sich lockerten, d. h. weil der damalige Staat sein Ziel erreicht hatte. Die (Zivilisation, im Zustande des Privatbesitzcs, macht Reiche und Arme, Gebildete und Rohe, und zerstört die Menschlichkeit einer zeigt den traurigen Einfluß der leichten Scheidungen auf die Sittlichkeit, so in Rom zur Zeit seines Verfalls, während es rühmlich da stand als die Ehe fest war. Wie es sich indessen in Herrn Owen's Gesellschaft dereinst damit verhalten wird, werden wir sehen wenn das Glück uns wohl will. Heute aber hütet sich mancher vor übereilter Hei- rath, weil er die schwierige Trennung im Auge hat. „Übrigens hoffen wir, unser Volk werde Herrn Owen überall mit Hochachtung und Güte empfangen, insonderheit erwarten wir dies von den Freunden des menschlichen Fortschrittes. Wir verwerfen gänzlich seine speciellen Mittel, aber er hat richtig den Sitz der Gebrechen und Plagen entdeckt, nämlich in der Gesellschaft, und schon hat er die Untersuchung vielfältig dorthin gelenkt. Immer thut er ein gutes Werk, freilich nicht von der Art als er sich einbildet. Längst nachdem man seine Verirrungen in Religions-, Ehe- und Eigenthumssachen vergessen, wird man noch seiner als einer der unerschrockenen Arbeiter gedenken, die der Menschheit die wahrhafte Brüderlichkeit lehrten, und rastlos entschärften, daß die Wohlfahrt deö Einen nicht durch Mittel gefördert werden kann, welche mit dem Wohl Atter unverträglich sind. Wenn alle jene Würgehelden, die auf Blutgefilden nach hohem Ruhm gejagt haben, ein Abscheu und ein Ekel für die Menschheit geworden sind, wird man Owen's Namen mit Dankbarkeit auösprechen und eine Thräne des Mitleids über seine Jrrthümer weinen." (Fortsetzung folgt.) Urtheil eines katholischen Priesters über den heiligen Rock zu Trier. (Aus den Sachs. Vaterlandsblättern.) Was eine Zeitlang wie Fabel, wie Mähre, an unser Ohr geklungen : daß der Bischof Arnoldi von Trier ein früheren Epoche, die sich durch Armuth und Einfachheit, d. h. ! Unbildung lange Zeit moralisch gehalten hatte. Weshalb schlägt der New-Porker nicht vor, zum „Naturzustände" zurückzugehen ? eine Rothhaut in den Urwäldern zu werden? — Die kaiserlichen Ehegesche, dies möge er schließlich lernen, nützten» zur Widerhcrstellung der Ehe im alten Rom grade so viel, als die Predigten der amerikanischen Kanzclredner gegen Eigennutz und Luxus in der Union der Sterne Wir aber hoffen, daß der Verfasser des Aufsatzes sich ein wenig mehr mit dem Studium des menschlichen Fortschritts abgeben werde. Kleidungsstück, genannt der Rock Christi, zur Verehrung der religiösen Schau ausgestellt, Ihr habt es gehört, Christen des isten Jahrhunderts, Ihr wißt es, deutsche Männer, Ihr wißt es, deutsche Volksund Neligionslehrer, es ist nicht Fabel und Mähre, es ist Wirklichkeit und Wahrheit. Denn schon sind nach den letzten Berichten, fünfmalhunderttausend Menschen zu dieser Reliquie gewallfahret, und täglich strömen andere Tausende herbei, zudem, seitdem erwähntes Kleidungsstück Kranke geheilt, Wunder gewirkt hat. Die Kunde davon dringt durch die Lande aller Völker, und in Frankreich haben Geistliche behauptet : „Sie hätten den wahren Nock Christi; der zu Trier sei unecht." Wahrlich, hier finden die Worte Anwendung : „Wer über gewisse Dinge den Verstand nicht verlieren kann, hat keinen zu verlieren? < FünfmalhunderttausendMenschen, fünfmalhundert- tausendc verständige (?) Deutsche sind schon zu einem Kleidungsstücke nach Trier geeilt, um dasselbe zu verehren oder zu sehen! Die Meisten dieser Tausende sind aus den niederen Volksklassen, ohnehin in großer Armuth, gedrückt, unwissend, stumpf, abergläubisch und zum Theil entartet, und nun cntschlagen sie sich der Bebauung ihrer Felder, entziehen sich ihrem Gewerbe, der Sorge für ihr Hauswesen, der Erziehung ihrer Kinder, um nach Trier zu reisen zu einem Götzenfcste, zu einem unwürdigen Schauspiele, das die römische Hierarchie aufführen läßt. Ja, ein Götzenfeft ist cs, denn viele Tausende der leichtgläubigen Menge werden verleitet, die Gefühle, die Ehrfurcht, die wir nur Gott schuldig sind, einem Kleidungsstücke zuzuwenden, einem Werke, das Menschenhände gemacht haben. Und welche Nachtheile haben diese Wallfahrten? Tausende der Wallfahrer darben sich das Geld ab für die Reise und für das Opfer, das sie dem heiligen Nock, d. h. der Geistlichkeit spenden, sie bringen es mit Verlusten zusammen, oder erbetteln es, um nach der Rückkehr zu hungern, zu darben oder von den Anstrengungen der Reise zu erkranken. Sind diese äußere Nachtheile schon» groß, sehr groß, so sind die moralischen noch weit größer. Werden nicht Manche, die durch die Reisekosten in Noth gerathen sind, auf unrechtmäßige Weise sich zu entschädigen suchen? Viele Frauen und Jungfrauen verlieren die Reinheit ihres -Herzens, die Keuschheit, den guten Ruf, zerstören dadurch den Frieden, das Glück, den Wohlstand ihrer Familien. Endlich wird durch dieses ganz unchristliche Schauspiel dem Aberglauben, der Scheinheiligkeit, dem Fanatismus und-was damit verbunden ist, der Lasterhaftigkeit, Thor und Thür geöffnet. Dies der Segen, den die Ausstellung des heiligen Rockes verbreitet, von dem es im Übrigen ganz gleich ist, ob er echt oder unecht. Und der Mann, der dieses Kleidungsstück, ein Werk, das Menschenhände gemacht! zur Verehrung und Schau öffentlich ausgestellt hat, der die religiösen Gefühle der leichtgläubigen, unwissenden oder der leidenden Menge Die Gänse mußte sie hüten dort Als Gänsemagd, und trieb sie Am Abend die Gänse wieder durch's Thor, Gar traurig stehen blieb sie. Denn angenagelt über dem Thor Sah sie ein Roßhaupt ragen, Das war der Kopf des armen Pferds, Das sie in die Fremde getragen. Die Königstochter seufzte tief: O, Falada, daß du hangest! Der Pferdekopf herunter rief: O wehe! daß du ganzest! Die Königstochter seufzte tief: > Wenn das meine Mutter wüßte! ' Der Pferdekopf herunter rief: Ihr Herze brechen müßte! Mit stockendem Athen, horchte ich hin/' Wenn die Alte ernster und leiser Zu sprechen begann und vom Rothbart sprach, Von unserem heimlichen Kaiser. Sie hat mir versichert, er sei nicht todt, Wie da glauben die Gelehrten, Er Hause versteckt in einem Berg Mit seinen Waffengefährten. Kiffhäuser ist der Berg genannt,. Und drinnen ist eine Höhle; Die Ampeln erhellen so geisterhaft Die hochgewölbten Säle. Ein Marstatt ist der erste Saal, Und dorten kann man sehen Viel tausend Pferde, blankgeschirrt, Die an den Krippen stehen. Sie sind gesattelt und gezäumt, Jedoch von diesen Nossen Kein einziges wiehert, kein einziges stampft, Sind still, wie aus Eisen gegossen. Im zweiten Saale, auf der Streu, Sieht man Soldaten liegen, Viel tausend Soldaten, bärtiges Volk, Mit kriegerisch trotzigen Zügen. Sie sind gerüstet von Kopf bis Fuß, Doch alle diese Braven, Sie rühren sich nicht, bewegen sich nicht, Sie liegen fest und schlafen. Hochaufgeftapelt im dritten Saal Sind Schwerter, Streitäxte, Speere, Harnische, Helme, von Silber und Stahl, Altfränkische Feuergewehre. Sehr wenig Kanonen, jedoch genug Um eine Trophee zu bilden. Hoch ragt daraus eine Fahne hervor, Die Farbe ist schwarz-roth-gülden. Der Kaiser bewohnt den vierten Saal. Schon seit Jahrhunderten sitzt er Auf steinernem Stuhl am steinernem Tisch, Das Haupt aus den Armen stützt er. Sein Bart, der bis zur Erde wuchs, Ist rvth wie Feuerflammen, Zuweilen zwinkert er mit dem Aug', Zieht manchmal die Braunen zusammen. Schläft er oder denkt er nach? Alan kann's nicht genau ermitteln; Doch wenn die rechte Stunde kommt, Wird er gewaltig sich rütteln. Die gute Fahne ergreift er dann Und ruft: zu Pferd'! zu Pferde! Sein reisiges Volk erwacht und springt Lautrasselnd empor von der Erde. Ein jeder schwingt sich auf sein Roß, Das wiehert und stampft mit den Hufen! Sie reiten hinaus in die klirrende Welt, Und die Trompeten rufen. Sic reiten gut, sie schlagen gut, Sie haben ausgeschlafen. Der Kaiser hält ein strenges Gericht - , .j : Er will die Mörder bestrafen— , »- Die Mörder, die gemeuchelt einst . ,, - Die theure, wundersame, Goldlockigte Jungfrau Germania — Sonne, du klagende Flamme! Wohl mancher, der sich geborgen geglaubt, . , Und lachend auf seinem Schloß saß, Er wird nicht entgehen dem rächenden Strang, Dem Zorne Barbarossas!-' " , - Wie klingen sie lieblich, wie klingen sie süß, Die Mährchen der alten Amme! Mein abergläubisches Herze jauchzt: Sonne, du klagende Flamme,!. . < - 3 irre leitet, der dem Aberglauben, der Lasterhaftigkeit dadurch Vorschub leistet, der dem armen hungernden Volke Gut und Geld entlockt, der die deutsche Nation dem Spott der übrigen Nationen Preis gibt, und der die Wetterwolken, die ohnehin sehr schwer und düster über unfern Häuptern schweben, noch stärker zusammenzieht, dieser Mann ist ein Bischof, ein deutscher Bischof, es ist der Bischof Ar- noldi von Trier. Bischof Arnoldi von Trier, ich wende mich darum an Sie und fordere Sie kraft meines Amtes und Berufes als Priester, als deutscher Vvlkslehrer und im Namen der Christenheit, im Namen der deutschen Nation, im Na- ^ men der Volkslehrer auf, das unchristliche Schauspiel der Ausstellung des heiligen Nockes aufzuheben, das erwähnte Kleidungsstück der Öffentlichkeit zu entziehen und das Ärgerniß nicht noch größer zu machen, als es schon ist! Denn wissen Sie nicht, — als Bischof müssen Sie es wissen — daß der Stifter der christlichen Religion seinen Jüngern und Nachfolgern nicht seinen Nock sondern seinen Geist hinterließ ? Sein Nock, Bischof Arnoldi von Trier ! gehört seinen Henkern! Wissen Sie nicht — als Bischof müssen Sie es wissen — daß Christus gelehrt: „Gott ist ein Geist, und wer ihn anbetet, soll ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten ?" Und überall kann er verehrt werden, nicht bloß zu Jerusalem im Tempel, auf dem Berge Garizim oder zu Trier beim heiligen Rocke. Wissen Sie nicht — als Bischof müssen Sk es wissen — daß das Evangelium die Verehrung jedes Bildnisses , jeder Reliquie ausdrücklich verbietet? daß die Christen der Apostelzeit und der ersten drei Jahrhunderte weder ein Bild noch eine Reliquie (sie konnten deren doch viele haben) in ihren Kirchen duldeten? daß die Verehrung der Bilder und Reliquien heidnisch ist, und daß die Väter der ersten drei Jahrhunderten die Heiden deßhalb verspotteten? Z. B. heißt es (Uiv.in8t.ll. o. 2) : die Bildnisse sollten doch eher, wenn sie Leben hätten, die Menschen verehren, von denen sie gemacht sind; nicht umgekehrt. (Ree iutelli^unt llo- mine8 inepüssiini, quock si sentire siinulsers et noveri possent, ackorsturs Uoininern luissent s yao 8unt ex- poliis.) Endlich, wissen Sie nicht — als Bischof müssen Sie auch dies wissen — daß der gesunde kräftige Geist der deutschen Völker sich erst im isten und I4ten Jahrhundert durch die Kreuzzüge zu Reliquienverehrung erniedrigen ließ, nachdem man in ihm die hohe Idee, welche die christliche Religion von der Gottheit giebt, durch allerlei Fabeln und Wundergeschichten , aus dem Morgenlande gebracht, verdunkelt hatte? Sehen Sie, Bischof Arnoldi von Trier, dies wissen Sie und wahrscheinlich besser, als ich es Ihnen sagen kann j Sie kennen auch die Folgen, welche die götzenhafte Verehrung der Reliquien und der Aberglaube überhaupt für uns gehabt hat, nämlich Deutschlands geistige und äußere Knechtschaft, und den- Caput XV. Ein feiner Regen pickelt herab, * Eiskalt, wie Nähnadelspitzen. Die Pferde bewegen traurig den Schwanz, Sie waten im Koth und schwitzen. Der Postillon stößt in sein Horn, Ich kenne das alte Getute — ,,Es reiten drei Reiter zum Thore hinaus!" — Es wird mir so dämmrig zu Muthc. Mich dämmerte und ich entschlief, Und stehe! mir träumte am Ende, Daß ich mich in dem Wunderbcrg Beim Kaiser Rothbart befände. Er saß nicht mehr auf steinernem Stuhl, Am steinernem Tisch, wie ein Steinbild; Auch sah er nicht so ehrwürdig aus, Wie man sich gewöhnlich cinbild't. Er watschelte durch die Säle herum Mit mir im trauten Geschwätze. Er zeigte wie ein Antiquar Mir seine Curiosa und Schätze. Im Saale der Waffen erklärte er mir Wie man sich der Kolben bediene, Von einigen Schwertern rieb er den Rost Mit seinem Hermeline. Er nahm einen Pfauenwedel zur Hand, Und reinigte vom Staube Gar manchen Harnisch, gar manchen Helm, Auch manche Pickelhaube. noch stellen Sie Ihre Reliquie aus zur öffentlichen Verehrung ! Doch, wenn Sie vielleicht dies Alles nicht wüßten , wenn Sic nur das Heil der Christenheit durch die Ausstellung der Trier'schen Reliquie erzielten, so haben Sie doch eine doppelte Schuld dabei auf Ihr Gewissen geladen, von der Sie sich nicht reinigen können. Einmal ist es unverzeihlich von Ihnen, daß Sie, wenn dem bewußten Kleidungsstücke wirklich eine Heilkraft beiwohnt, der leidenden Menschheit dieselbe bis zum Jahre 1844 vorenthalten haben. Zum Andern ist es unverzeihlich, daß Sie Opfergeld von den Hunderttausenden der Pilger nehmen. Oder ist es nicht unverzeihlich, daß Sie als Bischof Geld von der hungernden Armuth unseres Volkes annehmen ? Zumal Sie erst vor einigen Wochen gesehen haben, daß die Noch Hunderte zu Aufruhr und zu verzweifeltem Tode getrieben hat ? Lassen Sie sich im Übrigen nicht täuschen durch den Zulauf von Hunderttausenden,"und glauben Sie mir, daß, während Hunderttausende der Deutschen voll Inbrunst (?) nach Trier eilen, Millionen gleich mir von tiefem Grauen und bitterer Entrüstung über Ihr unwürdiges Schauspiel erfüllt sind. Diese Entrüstung findet sich nicht etwa bloß bei einem oder dem anderen Stande, bei dieser oder jener Parthei; sondern bei allen Ständen, ja selbst bei dem katholischen Priefterstande. Daher wird Sie das Gericht eher ereilen, als Sie vermachen. Schon ergreift der Geschichtsschreiber den Griffel und übergiebt Ihren Namen, Arnoldi, der Verachtung bei Mit: und Nachwelt, und bezeichnet Sie als den Tezel des iltten Jahrhunderts. Sie aber, meine deutschen Mitbürger, ob Sie nahe oder fern von Trier wohnen, wenden Sie Alles an, daß dem deutschen Namen nicht länger eine solche Schmach angethan werde. Sie haben Stadtverordnete, Gemeindevorsteher, Kreis-und Landstände, wohlan, wirken Sie durch dieselben. Suchen Sie ein Jeder nach Kräften und endlich einmal entschieden der tyrannischen Macht der römischen Hierarchie zu begegnen und Einhalt zu thun. Denn nicht blos zu Trier wird der moderne Ablaßkram getrieben, Sie wissen es ja, im Ost und West, im Nord und »Süd werden Rosenkranz-, Meß-, Ablaß-, > und Begräbnißgelder und dgl. eingesammelt und die Geistesnacht nimmt immer mehr überhand. Gehen Sie alle, ob Katholiken oder Protestanten, an's Werk, es gilt unsere Freiheit, unser Glück. Erzürnen Sie nicht die Manen Ihrer Värer, welche das Capitol zerbrachen, indem Sie die Engelsburg in Deutschland dulden. Lassen Sie nicht die Lorbeerkränze eines Huß, Hutten, Luther beschimpfen. Endlich Sie, meine Amtsgenossen, die Sie das Wohl Ihrer Gemeinden, die Ehre, die Freiheit, das Glück Ihrer deutschen Nation wollen und anstreben, schweigen Sie nicht länger, denn Sie versündigen sich an der Religion , an dem Vaterlande, an Ihrem Beruf, wenn Sie länger schweigen und wenn Sie länger zögern, Ihre bes- Die Fahne stäubte er gleichfalls ab, Und er sprach : „Mein größter Stolz ist, Daß noch keine Motte die Seide zerfraß, Und auch kein Wurm im Holz ist." Und als wir kamen in den Saal, Wo schlafend am Boden liegen Viel tausend Krieger, kampfbereit, Der Alte sprach mit Vergnügen: „Hier müssen wir leiser reden und gehn, . Damit wir nicht wecken die Leute; Wieder verflossen sind hundert Jahr Und Löhnungstag ist heute." Und siehe! der Kaiser nahte sich sacht Den schlafenden Soldaten, Und steckte heimlich in die Tasch' Jedwedem einen Dukaten. Er sprach mit schmunzelndem Gesicht, Als ich ihn ansah verwundert: „Ich zahle einen Dukaten per Mann, Als Sold, nach jedem Jahrhundert." Im Saale wo die Pferde stebn In langen, schweigenden Reihen, Da rieb der Kaiser sich die Händ', Selsten sonderbar sich zu freuen. Er zählte die Gäule, Stück vor Stück, Und klätschelte ihnen die Rippen; Er zählte und zählte, mit ängstlicher Hast Bewegten sich seine Lippen. sere Überzeugung zu bethätigcn. Schon habe ich ein anderes Wort an Sie gerichtet, darum für jetzt nur diese wenigen Zeilen. Zeigen.Sie sich als wahre Jünger dessen, der Alles für die Wahrheit, das Licht und die Freiheit geopfert; zeigen Sie, daß Sie seinen Geist, nicht seinen Nock geerbt haben. Johannes Rvnge, kath. Priester. Abermals ist also diese „aufgeklärte und aufklärende" königl. preuß. Negierung in deren Reiche jener Gräuel vorfiel, und find die andern weisen deutschen „väterlichen" Negierungen, die so emsig für das „geistige" Wohl der Landskinder sorgen, sämmtlich von einem Privatmanne, und gar einem katholischen Geistlichen, beschämt worden. — Zu bemerken ist hier noch, daß Herr Nonge schon früher sk» oslicio sscercloti» entbunden und jetzt Hauslehrer bei einem Protest. Pastor in Laurahütte ist. Mysterien aus dem Redaktionöbüreau der „Augsburger Allgemeinen Zeitung." Motto: Auf einen Schauspieler gebört eine Schauspielerin. Es passiven so eine Menge kleiner Schuftereien über die man schweigt, weil sie wirklich zu klein und zu schuftig find, und weil es an sich kein Vergnügen ist, sich mit Erbärmlichkeiten und erbärmlichen Menschen herumzubalgen. Wenn solche Subjekte einen aber durch Zudringlichkeiten zwingen von ihnen Rücksicht zu nehmen, dann genügtauch die bloße Erzählung einer beliebigen Mise- rabilität aus ihrem Leben — man kann sich dann den Mund ausspülen, und sie werden vergessen. Zu dieser Sorte gehört Herr Kolb, der jetzige Redakteur der „Augsburger allgemeinen Zeitung," und das folgende Histörchen, dessen Wahrheit wir verbürgen, ist die obligate Miserabilität dazu. Das öffentliche Treiben der Nohmer-Vluntschli'schen Parthei in der Schweiz und die Schriften dieser sauberen Herrn, sind in Deutschland bekannt. Die „Allgemeine Zeitung" war lange Zeit als deren Panegyriker aufgetreten, konnte jedoch nicht verhindern, daß in Gestalt von Reklamationen und Erklärungen allerlei bedeutende Hiebe auf ihre Schützlinge in ihren eigenen Spalten fielen. Ohne Zweifel kamen solche Schläge Herrn Kolb sogar sehr willkommen, denn in einer Menge von Prr'vatbriefen hatte er sich aufs energischste gegen diese Elenden ausgesprochen. Die Brüder Nohmer waren darüber außer sich, und beschlossen Herrn Kolb moralisch zu zwingen, daß er in den Spalten seiner Zeitung auch nicht die leisesten Angriffe mehr gegen sie aufnähme. Dieselben Menschen, die seit Lebens mit nichts Anderem als mit Polizei und Bordellen zu thun hatten, drohten ihm nämlich unausgesetzt „Das ist noch nicht die rechte Zahl" — Sprach er zuletzt verdrossen — „Soldaten und Waffen Hab' ich genug, Doch fehlt es noch an Rossen. „Noßkämme Hab'ich ausgeschickt In alle Welt, die kaufen Für mich die besten Pferde ein, Hab' schon einen guten Haufen. „Ich warte bis die Zahl komplet, Dann schlag' ich los und befreie Mein Vaterland, mein deutsches Volk, Das meiner harret mit Treue." So sprach der Kaiser, ich aber rief: Schlag' los, du alter Geselle, Schlag' los, und Haft du nicht Pferde genug, Nimm Esel an ihrer Stelle. Der Rothbart erwiederte lächelnd : „Es hat Mit dem Schlagen gar keiye Eile, Man baute nicht Nom in einem Tag, Gut Ding will haben Weile. „Wer heute nicht kommt, kommt morgen gewiß, Nur langsam wächst die Eiche, Und elri VS piano VS 8SNO, so heißt Das Sprüchwort im römischen Reiche." „ , Caput XVI. - Das Stoßen des Wagens weckte mich auf,^ Doch sanken die Augenlieder Bald wieder zu, und ich entschlief Und träumte von Rothbart wieder. ein gewiß recht unschuldiges Verhältniß, in welchem Kolb vor seiner Verheirathung zu einer Augsburger- Schauspielerin stund, zu veröffentlichen, sobald nicht lauter ihnen günstige Artikel in der „Allgemeinen" erscheinen würden. Und so geschah es denn von nun an. Trotz seiner stillen Wuth mußte Herr Kolb Theodor Rohmcrs abgeschmacktes Buch lobhudeln und alle mißliebigen Stellen in einer Kritik desselben von seinem Freunde Dingelstedt beim Abdruck ausmerzen. Daß sich Herr Kolb von allen deutschen Potentaten einschüchtern und knieriemen läßt, ist nichts Apartes, das hat er mit andern deutschen Zeitungshudlern gemein; aber daß ihn auch solche Buben knechten konnten, macht seine Besonderheit aus. Denn Buben sind diese Nvhmer, und wer uns auf s Wort nicht glauben will, dem empfehlen wir die in der Rvhmer'schen Angelegenheit in Zürich massenweise erschienenen Broschüren, die nur den Zweifel zulassen, ob die Gemeinheit oder die Lächerlichkeit ihres Treibens größer war. Man stelle sich die beiden Kämpfer etwas lebhaft vor: dergroße Herr Baron von Cotta, die große „Allgemeine," der große Herr Kolb, geknebelt von zwei abgeschmackten Buben, wegen einer albernen Liebesgeschichte ! Versteht sich von selbst, daß es uns vollständig gleichgültig ist, in welchem Verhältniß Herr Kolb zu gewöhnlichen oder gekrönten Schauspielern und Schauspielerinnen steht. Seine Jugcndbeziehungen zu einer beliebigen Aktrice, vorausgesetzt daß sie schön und liebenswürdig war, und er sich seitdem sehr zu seinem Nachthcil gebessert hat, sind jedenfalls viel humaner und menschlicher gewesen, als seine heutigen zu jenem prallen preußischen Schauspielerkönig, der alle Tage dreimal aus der Nolle fällt und in einer vernünftigen Weltordnung sogar zum Souffleur zu schlecht wäre. Die Sonne und die vier schwedischen Reichsstände. (Aus dem Stockholmer Aftonbladet.) Ist das Streben nach Veränderung jedem Geschöpf eigen? 3a. — Ist kein Wesen hievon ausgenommen? Doch: cs gibt zwei Ausnahmen. — Welche? Die Sonne und die schwedische Ständerepräsentation. — Was brku- gen diese zwei Dinge hervor? Die Sonne erzeugt Kraut und Gras, die Stände aber Spreu. — Wie alt ist die Sonne? Viele tausend Jahre. — Wie alt die Ständc- repräscntation ? Noch viel älter. — Hören sie denn niemals auf? Niemals. — Ist die Sonne sehr hell? Ja. —Ist die Representation sehr hell? Ei, freilich!— Ha- Ging wieder schwatzend mit ihm herum Durch alle die hallenden Säle, Er frug mich dies, er frug mich das, Verlangte, daß ich erzähle. Er hatte aus der Oberwelt Seit vielen, vielen Jahren, Wohl seit dem siebenjährigen Krieg, Kein Sterbenswort erfahren. Er frug nach Moses Mendelssohn, Nach der Karschin, mit Interesse Frug er nach der Gräfin Dübarry, Des fünfzehnten Ludwigs Maitresse. O Kaiser, rief ich, wie bist du zurück? Der Moses ist längst gestorben, Nebst seiner Ncbecka, auch Abraham, Der Sohn, ist gestorben, verdorben-. Der Abraham hatte mit Lea erzeugt Ein Bübchen, Felix heißt er, Der brachte es weit im Christenthum, Ist schon Capellenmeifter. Die alte Karschin ist gleichfalls todt, Auch die Tochter ist todt, die Klenke; Helmine Chezy, die Enkelin, Ist noch am Leben, ich denke. Die Dübarry lebte lustig und flott, So lange Ludwig regierte, Der fünfzehnte nämlich, sie war schon alt Als man sie guillotinirte. » Der König Ludwig der fünfzehnte starb Ganz ruhig in seinem Bette, Der sechszehnte aber ward guillotinirt Mit der ^Königin Antoinette. ben sie sonst nicht Ähnlichkeit? Beide haben große Finsternisse. — Wie so? Der Himmel weint zuweilen, und Schwedens Volk auch. — Haben sie keinen Unterschied ? Die eine ist rund, und die andere ist viereckig. — Woher der Name Stand e? Kommt von Stillstehen, Stillstand. — Was freut die Sonne am mchrften ? Wenn die Leute wachen.,-?-Und die Stände? Wenn sie schlafen. — Ist Schlafen gut? Ja. — Ist die Repräsentation gut? Auch gut!? — Wem nützt die Sonne am meisten? Bürgern und Bauern. — Wem die Ständerepräsentation ? Adel und Pfaffen. — Wann hört die Sonne auf zu leuchten ? Sobald Gott will. — Wann hört die Ständerepräsentation auf? Sobald Schwedens Volk will. Der Mensch, das jüngste Geschöpf der Erde. (Nach Dr. Hermann Burmeistcr „Geschichte der Schöpfung," 1843.) (Fortsetzung.) Die großen Völkerwanderungen in historischer Zeit, oder diejenigen, von welchen die Nationen als von halb- verschollnen Ereignissen in ihrem Stammsagen erzählten oder noch erzählen, können natürlich unserer Ansicht nicht den mindesten Eintrag thun. Ausdrücklich wird dabei erwähnt, die Ankömmlinge hätten den spätern eigenthümlichen Nationaltypus, die äußere körperliche Besonderheit, die Sprache u. s. w. mitgebracht; das waren also schon hienach keine Urwanderungen, vermöge welcher eine Nacenverschiedenheit im strengen Sinne des Worts entstehen konnte. Wenn es z. B. heißt, die Stämme des Odin seien aus den Gebirgsebenen Nord- Indiens bis nach dem jetzigen Schweden gepilgert, so gehören erstens die Skandinaven wie die Indier beide zu derselben Rare; ferner wird nicht vergessen zu sagen, sie Hütten in Norwegen bereits Bewohner angetroffen. Wenn die Peruaner ihren spanischen Eroberern erzählten , einst seien weißfarbige Menschen von Osten her über das Meer gekommen, so bezieht sich diese damalige, übrigens mehrern amerikanischen Völkerschaften eigene religiöse Sage., wofern sie Halt hat, ganz einfach auf Kultureinführungen, und keineswegs auf racenbildende Menschheitswanderungen. Daß endlich die Civilisation seit Jahrtausenden meist von der östlichen Erdhälfte nach der westlichen, mit der Umdrehung des.Erdballs um seine Achse zusammenfallend, sich ausgebreitct hat, ist ebensowenig ein vernünftiger Gegeugrund; zumal ja jetzt die Bildung auch rückwärts von Europa auf das veraltete Morgenland einzuwirken begonnen; solches Hin- und Herziehen der Kulturverhältnisse fand auch in frühester Zeit statt und hat Völker verschmolzen, Spielarten erDie Königin zeigte großen Muth, Ganz wie es sich gebührte, Die Dübarry aber weinte und schrie Als man sie guillotinirte. — Der Kaiser blieb plötzlich stille stehn, Und sah mich an mit den stieren Augen und sprach: ,,Um Gotteswill'n, Was ist das, guillotiniren?" Das Guillotiniren — erklärte ich ihm — Ist eine neue Methode, Womit man die Leute jeglichen Stands Vom Leben bringt zu Tode. - ^ Bei dieser Methode bedient man sich Auch einer neuen Maschine, Die hat erfunden Herr Guillotin, ' . - Drum nennt man sie Guillotine. Du wirst hier an ein Brett geschnallt; — Das senkt sich; — du wirst geschoben Geschwinde zwischen zwei Posten; —es hängt Ein dreieckig Beil ganz oben; — Man zieht eine Schnur, dann schießt herab Das Beil, ganz lustig und munter; — Bei dieser Gelegenheit fällt dein Kopf In einen Sack hinunter. Der Kaiser fiel mir in die Red' : „Schweig still, von deiner Maschine Will ich nichts wissen, Gott bewahr', Daß ich mich ihrer bediene! „Der König und die Königin ? Geschnallt! an einem Brette! zeugt; aber eine Raccnentstehung daraus ableiten wollen , wäre eine nutzlose Spielerei. Betrachtet man die Sprachen der Racen , so zeigt sich desgleichen eine so tiefgreifende Verschiedenheit in ihrer Begriffsweise und in ihrem sinnlichen Elemente, daß auch sie als Naturgaben der ursprünglichen, verschiedenen, obzwar den Wesen nach gleichen Racen sich geltend machen. Was die körperlichen Abweichungen belangt, so ergibt sich zunächst, daß die Größe des ganzen Leibes nicht die ungemeinen Verschiedenheiten aufweist, die von alten Fabeln berichtet wird. Die Mehrzahl der Nordbewohner ist freilich im Ganzen kleiner als die der Menschen auM> gemäßigter und warmer Zone, allein Zwergvölker existi- ren eben so wenig als Niesenstämme. Theilweise abhängig von der Körperlänge scheint die Hagerkeit zu sein; Nationen von kleiner Statur sind fester, fettreicher gebaut, während bei den größer» die Muskulatur über- wicgt. Die kalte Zone scheint bei reichlicher Nahrung das Fettwerden zu begünstigen, die heiße durch Ausdünstung zu hemmen. In der kalten dient das Fett dem Körper als schlechter Wärmeleiter, schützt also gegen den Frost ; daher reiben die hochnvrdischen Stämme sich mit Fett ein und baden nie, genießen auch Thran; umgekehrt im Süden. Auch hier wiederum spielt eine urthümliche, nationale Anlage ihre Nolle, und die Unterschiede rühren nicht blos vom Klima und von der Lebensweise; der robuste, fleischige Körperbau des Negers ist nicht minder- naturwüchsige Racennationalität als die schlanke, zierliche, schöne Gliederung des Südsce-Jnsulaners, der mit jenem unter demselben Himmelsstriche wohnt. — Die Farbe hat ihren Sitz in der oberflächlichsten Zellenschichte unter dem Oberhäutchen; sie besteht aus einer Lage sternförmiger Zcllchen, die mit dem wässerigen Färbcftoff gefüllt sind, so daß von der Zahl dieser Pigmentzellen und ihrer Gedrängtheit, die Stärke im Farbenton abhängt. Bei den weißen Nationen fehlen diese Zellen zwar nicht, doch ist ihr Pigment nur an wenigen Hauptstellen wirklich farbig. Uebrigens ist es unabhängig von dem Himmelstriche, wenn sich gleich seine Stärke durch die senkrecht auffallenden Sonnenstrahlen mehrt. Die Schädelform macht eine dreifache Eintheilung möglich, und sie ist es, welche am schärfsten den bisherigen intellektuellen Verschiedenheiten der HaUptracen , wie sie sich in ihren geschichtlichen Entwicklungen erwiesen haben, entspricht. (Schluß folgt.) Redakteur: Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard., Das ist ja gegen allen Respekt Und alle Etiquejte! „Und du, wer bist du, daß du es wagst Mich so vertraulich zu dutzen? Warte, du Bürschchen, ich werde dir schon > Die kecken Flügel stutzen! „Es regt mir die innerste Galle auf, Wenn ich dich höre sprechen, Dein Odem ist schon Hochverrath Und Majestätsverbrechen!" Als solchermaaßen in Eifer gerieth ' , Der Alte und sonder Schranken Und Schonung mich anschnob, da platzten heraus Auch mir die geheimsten Gedanken. Herr Rothbart — rief ich laut — du bist Ein altes Fabelwesen, . , Geh', leg dich schlafen, wir werden uns - Auch ohne dich erlösen. Die Republikaner lachen uns aus, Sehn sie an unserer Spitze - So ein Gespenst mit Zepter und Krön'; . Sie rissen schlechte Witze. - - Auch deine Fahne gefällt mir nicht mehr, Die altdeutschen Narren verdarben Mir schon in der Burschenschaft die Lust An den schwarz-roth-göldnen Farben. Das Veste wäre du bliebest zu Haus, Hier in dem alten Kiffhäuser — Bedenk' ich die Sache ganz genau, So brauchen wir gar keinen Kaiser. (Fortsetzung folgt.) l 1 Paris, 1844 Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 91 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. . . . 18 „ Drei Monate. ... 9 „ Insertionen: die Zeile L 50 Centimes. (Mittwoch.) tt-r« «r. WAU Man abonnirt: sür Paris: IM Nuresu central pour I'^IIerna^ne, ru« ries lUoulins, 32; im Comptoir des Duchdruckervereins gusi Llslarjuais , i5; in der Mendel'schen Buchhandlung, rue tlu kss 6e lg klule, 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerken; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhar«, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. ariter Deutsche Aeittrhrikt. Ü6 diew IVloosI Worlä), des Organs der englischen Socialisten. Umsonst sagt man diesen, auf dem Festsande Europas, weder in Deutschland noch sonst wo, gebe es keine Führer, keine Chefs des Kommunismus; umsonst schärft man ihnen ein, die Sache selbst dulde ja keine Oberhäupter. Die Engländer sind einmal an diese Vorstellung gewöhnt, und so möge es der Leser nicht für Weitlings Schuld halten, wenn ihm solch ein Ehrentitel drüben von den englischen Brüdern gegeben wird. Nur ist zu bemerken, daß es den dortigen deutschen Kommunisten niemals eingefallen ist noch einfallen wird, den talentvollen, jungen Mann, der allerdings sehr viel geleistet hat, mit diesem Namen zu belegen. Wir entnehmen dem Socialblatte folgendes: Das Neetiug (die Versammlung) hatte zum Zweck die Mitglieder der bei den fremden Kommunisten Londons einzuführen. Dort sind zwei Gesellschaften mit regelmäßigen Sitzungen, die eine aus gebor- nen Franzosen, die andere aus Deutschen bestehend. Von beiden waren viele Mitglieder, nebst zahlreichen Freunden vom Festlande, anwesend. Die Menge war außerordentlich groß und erst um halb acht Uhr Abends hatte man den Thee eingenommen. Herr Clarke, der Präsident dieser Abtheilung der englischen Socialisten, eröff- nete hienach die Sitzung und der Chor trug die Marseillaise unter großem Enthusiasmus der Zuhörer vor. Der Vorsitzer stand nunmehr auf und mit Anspielung auf den geendigten Gesang, sagte er, er glaube daß alle Anwesenden bereit seien, entschloßnen Herzens zu ziehen, mit dem Wahrheitsschwerte in Händen und unter dem Schilde der Gerechtigkeit; die Socialisten brauchten keine andere Wehr und Waffe. Friedliche, vernünftige Propaganda sei ihre Waffe; sittliche Kraft erfechte allein ihre Siege. Nur noch vor >venigen Wochen hätten sie in dieser Halle dem großen edeln Robert Owen ein Abschiedsfest gegeben, als er nach America ging; heute Abend seien sie beisammen, um die kommunistischen Principien in der Person eines der Wortführer derselben zu ehren; in der Person Weitlings, dessen Verfolgungen und Leiden im Auslande für die gemeinsame gute Sache die schönste aller Empfehlungen bei ihnen wären; und so wollten sie denn nicht zögern, sondern ihren Freund und Bruder, Herrn Weitling, einführen. Das Socialblatt erzählt nun, Weitling stand unter stürmischen Beifallsklatschen auf und las, nach einer Entschuldigung seiner Ungewandtheit in der Sprache, die vorher ausgearbeitete und ins Englische übersetzte Rede vor, welche das „Vorwärts" neulich mitgetheilt hat. Als er unter allgemeinen Beifall geendet, rief der Vorsitzer Herrn Fleming, Herausgeber der biew kloi-rU Woi-Iä, auf. Er sagte : ,,Heute Abend erfüllt sich einer der Lieblingsträume des Socialismus. Ehe ich mit den großartigen, allgemein gültigen Grundsätzen desselben bekannt war, hatte auch ich, wie die andern, den Kopf voll der alltäglichen engen Begriffe von Nationalgröße, Lan- desrnhm, abgeschlossener Vaterlandsliebe; die natürliche Folge davon waren Nationalvorurtheile, wie sie sich in dem thörichten Geschwätz von natürlichen Feinden aussprechen. Aber von dem Augenblicke an, daß ich Robert Owens Vcrnunftsystem der menschlichen Gesellschaft verstand, verschwanden alle diese unwürdigen Ansichten. Ein neues Licht ging auf in den Blättern der Geschichte; neue Hoffnungen entstanden für eine zukünftige Zeit. Da erst sah ich überall Brüder im Menschengeschlechte; da begriff ich, daß die höchsten Interessen des Menschthums am besten befördert werden, indem die Brüderlichkeit zwischen denBcwvhnern aller Erdgegcnden genährt wird. Was will es denn Großes bedeuten, wenn ein Gebirge, oder ein Strom, oder ein Meer ihre verschiedentlich«.'» Geburtstätten scheidet ? Sind sie doch alle sämmtlich aus den nämlichen Grundmächten gebildet und geformt! haben sie doch alle das nämliche Streben nach Glück ! und die große Erdkugel, ist sie nicht wahrlich groß genug um ihnen allen Genüge zu geben ? Sollte wirklich der bloße Zufall der Geburt, der Zufall, durch den man auf dieser oder auf jener Seite eines Wassers zur Welt kam, eine Ursache sein zum Hasse zwischen Wesen die ja offenbar da sind um das gegenseitige Wohlergehen zu fördern? Aus diesem Beweggründe und noch einigen andern freue ich mich über diese große, begeisterte Versammlung zu der ich rede, und danke dem Vorsitzer, daß er mich erkoren, im Namen der Socialisten Großbritanniens zu sprechen und ihrerseits dem Führer des deutschen Kommunismus, dem muthvollen und talentreichen Wilhelm Weitling ein herzlich frohes Willkommen zu entbieten. (Stürmischer Beifall.) Wir grüßen ihn als einen Mitbruder im besten Sinne dieses Wortes. In der edelsten Sache verknüpfte uns ja das Band gemeinsamer Prinzipien, und wenn wir ihm jetzt laut unsre Hochachtung bezeugen , so bekennen wir nur die nämlichen hehren Grundlehren der Gesellschaftsverbesserung ; diese Lehren, welche zum Weltbürgerthum führen und zu allgemein sich ausbreitender Wirksamkeit, denn auf sich beruhend sind dieselben und unerschütterlich in ihrer Wesenheit. Diese Versammlung allerdings beabsichtigt zunächst die Begrüßung eines der Märtyrer des Kommunismus im Auslande; aber sie hat auch noch den Zweck, den Kommunisten allerwärts die Hand entgegen zu strecken. Gar zu lange sind sie sich fremd geblieben in Arbeit und Schaffen ; eine natürliche Folge davon war ihre bisherige Unwirksamkeit. Ich hege die Hoffnung, mit diesem kleming beginne eine neue Epoche. Icherwarte, daß die moralische, friedliche Umänderung, nach der jetzt die Führer in den civilisirten Ländern trachten, immer rüstiger und rascher vorwärts schreiten wird, je mehr Verkehr und Bekanntschaft zwischen den Anhängern des Prinzips herrscht. Groß, ungemein herrlich werden die Ergebnisse solches wachsenden Freundschaftsverkehrs sein ! Man möge nur bedenken, l daß noch ganz kürzlich höchst gehässige Gefühle zwischen Englands und Frankreichs kriegslustigen Partheien durch die Journale aufgeregt worden sind. Alten Hader und alte Eifersucht hatten diese Zeitungen wieder hervorgestöbert ; die bösen Vorurtheile waren wieder aufgeweckt und der alte Ingrimm stand aufs neu in lichten Flammen. Abermals erscholl in den Kriegsjournalen das ebenso wahnwitzige als unsittliche Wort „Natürliche Feinde." Wahrlich, ich ward traurig, als ich sah, daß gerade die demokratischen Vvlksmassen beider Reiche jenen Zeitungöblättern am mehrsten Beifall zollten. Auch in den Vereinsstaaten Nordamericas zeigt sich der nämliche Heißhunger nach Krieg, vorzüglich unter der dortigen demokratischen Parthci. Innig leid ist mir dies. Wohl heißt es, wären die Nationen weise, dann hätte kein Fürst die Erlaubniß das Kriegsspiel zu spielen. Was soll man Nun aber von Nationen Gutes melden, die durch Könige .vom Kampfe abgehalten werden müssen? Der einzige Weg den Frieden zu bewahren, ist gewiß nur die Ausbreitung der zur Menschlichkeit führenden Grundsätze des Socialismus; dieser erhabenen Grundsätze, die allein im Stande sind, Neid und Haß zwischen Personen wie Nationen zu vertilgen und dem > Mcnschengeschlechte endlich die Möglichkeit eines wahren Familienverkehrs zu verschaffen. In diesem Lichte betrachtet, gewinnt unsere Versammlung dieses Mal einen hochwichtigen Anblick. Ich wünsche sehnlichft, sie möge ein Mittel werden, um unter die verschiedenen Völker Europas jene Prinzipien verbreiten zu helfen, welche deren glühendste Hoffnungen am ehesten erfüllen und den Frieden allgemein und ewig machen können." (Fortsetzung folgt.) Aus meinem Leben. Wahre Geschichten, erzählt von Ferd. Cöl. Bernays. III. Der Zufall hat gewollt, daß ich grade Diderot's i»c- ques Ik ^utslislk unter die Hände bekam, als ich bereits die zwei ersten von meinen Geschichten geschrieben hatte. Jacques hat mich wahrhaft (erbaut. Er ist ein keuscher, naiver, unschuldiger Junge, und doch hatte er's mit einer Menge schöner Weiber zu thun, ließ sich von ihnen belehren in der Kunst zu lieben und zu genießen; und doch erzählte er seine kitzlichen Abentheuer, wie er seine Jungferschaft verlor, und sie hinterher zum zweiten und dritten Male an zwei andere glühende Weiber verschenkte, und viel andere liebreiche Historien, die das Blut in den Adern kochen machen! Und doch — sagte ich ? Nein, grade dar um ist er keusch, und naiv, und,unschuldig. Schuldig sind nur die Heuchler allein : Man müßte sie so leben lassen, wie sie vorgeben zu leben , das wäre die beßteKur für sie. Unke usch sind Nur die Pfaffen, und die pfäf- fisch thun. Wie für uns Andere ist auch für sie ein warmer, voller, wogender Busen die lockendste Fluth auf der man schwimmen kann; wie für uns Andere sind auch ihnen die weichen Arme eines liebenden Weibes die süßesten Ketten die unsern Leib umspannen; aber ich gönn'ö ihnen, den Heuchlern, das ist ihr Fluch, — sie dürfen's nicht gestehen! Ohne Jacques, glaube ich, hätte ich geschwiegen — aber Jacques hat mich gereizt weiter zu erzählen. Ich Hab' so ein Irrwisch-Temperament, das mich von Zeit zu Zeit aus dem Sumpf des stillen Lebens in die Höhe treibt, und mich dann wieder wie eine Schlacke hecunterpurzeln läßt, grade wenn ich am lustigsten herumzuschwirren beginne; da kömmt denn eine neue Portion leichtes Gas ganzerwünscht, und wirbelt mich wieder hinauf in die heitere Luft! — Genug Preambula! Als fünfzehnjähriger Junge war ich so übel nicht anzusehen, wenigstens fanden das die Mädchen. Die orientalischen Züge, die ich von meiner Mutter geerbt, hatten noch nicht die Härte angenommen, die jetzt meine Phy- sionomie vielen Leuten widerwärtig macht. Ich hatte von meinen beiden schwarzen, begehrlichen Augen noch keines eingebüßt, und meine für einen Mann etwas sehr kleine Natur, war damals bei gleicher Größe wie heute, im richtigen Verhältniß zu meinen Jahren und zu meinem ganzen Äußern. Ich hatte eine weiße Haut, den Kopf voll dunkelbrauner Locken und kleine zarte Frauenhände, die seit dem durch mancherlei rauhe Hanbthiernng, namentlich den häufigen Umgang mit Steinkohlen, meiner angeborenen Eitelkeit vielen Verdruß machten. Damals war ich die verliebteste Katze von der Welt, und hatte dreimal so viel Liebesglück, alS ich zu benutzen verstand. In der Zeit, (in der die Geschichte spielt, die ich heute erzählen will, war ich als Gymnasiast in Speier, bei einer französischen, ehemals sehr reichen, durch den Sturz Napoleons aber Mit ruinirten Familie in Pension. Neben unserm Hause an kannte ich ein blasses aufgeschossenes Mädchen, Constance.. dessen Vater, wie ich später- unter ganz andern Constellationen erfuhr, der grausamste unter den vielen Wucherern war, welche in der Pfalz ihr empörendes Handwerk treiben. Welch ein guter Man n muß das sein, da er so ein goldiges Töchterchen hat, dachte ich, denn ich liebte das Kind; — welch' ein Sch.u rkeist dieser Kerl, sprach ich zehn Jahre darauf, obgleich ich ihn vor Gericht vertheidigen half, — er muß ein goldiges Herz in seiner verfluchten Brust haben. Aber ich sprach von Liebe zu Constancen : dummes Zeug dächt' ich! Ich brach manchmal fast den Hals, schälte mir wie ofr die Haut an den Beinen ab, als ich des Abends im Dunkeln von unserer Galerie auf die ihrige hinüberkletterte, um mit ihr zu plaudern , um sie zu küssen oder stundenlang auf meinen Schooß zu schaukeln; aber ich zweifle ob ich sie liebte! So viel weiß ich, daß sie mehr Courage hatte als ich, obgleich sie nicht so gut klettern konnte; ich war bei aller Begehrlichkeit zu feige, zu albern, zu tugendhaft — alles im Grunde eins und dasselbe — und dagegen half ihre ganze Courage nichts. Auf der andern Seite unseres Hauses wohnte ein Huis- sier, mit zwei erwachsenen Töchtern, von denen die jüngste einundzwanzig Jahre alt war. Einer großen Reparatur wegen lag die Gartenmauer die uns trennte den ganzen Winter bis zum Mai cingerissen. Über den andern Abend wandelte ich in unseres Nachbars Garten herum, und des Huissiers Luise erschien jedesmal ohne Mahnung. Ich hing mich an den Arm des stattlichen Weibes; sie sagte mir, wie gerne sie tanzte, und wie sehr gerne sie mit mir tanzte; sie pflückte mir einen Strauß aus den spätesten Herbstblumen, den ich jedesmal Nachts bei mir schlafen ließ; sie küßte mich, ging mit mir in s Gartenhaus, schaukelte mich auf ihren Knien, legte ihre glühende Wange an die meinige, wühlte in meinen Locken — dann stahl ich mich schweigend und zitternd zurück. Ob ich sie liebte? Sagt mir's doch, ich bitte Euch. Alleres ist sicher, daß sie viel mehr Muth besaß als ich; ich war so albern, und glaubte, sie wollte weiter nichts mit mir, als was sie that. Oder log ich mir nur aus Feigheit vor, ich glaubte das? Mit dieser Hab'ich also auch den vollen Liebesbecher nicht ausgetrunken, so sehnsüchtig auch wir beide, sie und ich, nach dem letzten Tropfen lechzten. Und welche liebte ich denn wirklich, welche liebte mich? Ich will Euch noch eine Geschichte erzählen; dann sollt Ihr mir's sagen. „Diese, oderKeine von Allen," haltet das ganz wie Ihr wollt, nur seid ehrlich in Eurem Urtheil! Eine gewisse Wittwe Heiter, Eigenthümerin einer einträglichen Dorfapotheke in der Nähe von Worms, hatte ihre Zweitälteste Tochter Natalie auf einige Jahre zu ihrer Freundin geschickt, um sie dort ein bischen städtisch erziehen und nach erhaltenem Religionsunterrichte auch confirmi- ren zu lassen. Diese Freundin war meine Hausfrau, Madame Claude. Bei meiner Ankunft in Speyer war Nata- lia bereits anderthalb Jahre im Hause, und nach sechs Monaten sollte sie wieder in ihr Dorf zurückkehren. Ich beschreibe Natalien nicht; ich mache aus allen Mädchen, dazu wenn sie jung und ein bischen lebhaft sind, lauter Engel; ich bin ihnen gegenüber ganz blind; aber auch ein Sehender mußte sagen : „das ist ein Staat" und wie viel Hunderte haben's gesagt. Der erste Eindruck, den meine junge Hausgenossin auf mich machte, war einer der fürchterlichsten die ich in meinem Leben hatte — und es ist an solchen wahrlich nicht arm. Durch einen Zufall nannte Frau Claude den Familiennamen Nataliens in demselben Augenblicke als diese in die Thüre trat und wir uns zum ersten Male sahen. Ihr Name war der einer Familie, zu welcher ich, ich persönlichin der grausamsten Beziehung stand, die man sich denken kann. Guter Leser, verzeihe mir, daß ich Dich für heute hierüber im Ungewissen lasse; ich schreibe ja keinen Roman; vielleicht, ich hoffe es, bin ich so stark, Dir später einmal auch die geheimste Geschichte meiner Leiden mitzutheilen. Bis dahin glaube mir aber auf's Wort, daß ein fünfzehnjähriger Junge schon fürchterlich unglücklich sein kann. Ich wurde blaß wie eine Leiche, — die volle üppige Jugend stund mir gegenüber, eine große, schwarzäugige, blühende Jungfrau; und ich war ein Jammer anzusehen, ein elender, gebrochener Knabe; i ch erschrack vor ihr, und seufzte tief; sie sah mich mitleidig, ich glaube sogar verächtlich an, weit ihre Träume gelogen hatten; denn davon bin ich überzeugt, sie hatte sich auf mich gefreut: Wenn er ein schöner, muthiger Bursche ist, der sein Glück zu nützen weiß, — so dachte sie ohne Weiteres — dann bin ich sein: denn sie war das feurigste, lebenslustigste Weib, dasich bis heute auf meinen Wegen getroffen habe; — und statt des ersehnten Genossen ihrer Freuden — findet siemich ! — Ich stürzteaus dem Zimmer, fiel über eine Schwelle auf den Hausgang, und that mir sehr wehe. Sie waren alle im Hause ganz verstört, sie trugen mich in's Bett; ich blutete stark aus der Nase. — Als ich wieder zu mir gekommen war, verlangteich gleich aufzustehcn, denn das Wesen, das sie aus der Sache machten, war mir unerträglich ! Mein Vater hätte mir zu Hause noch ein paar Ohrfeigen dazu gegeben, und das wäre mir viel lieber gewesen, als diese Weitläufigkeiten. Ich stand auf, schrieb meinem Vater, daß ich um keinen Preis der Welt in diesem Hause bliebe; wenn er am Mittwoch Abends nicht in Speier sei um mich zu holen, so würde ich auf und davon laufen. Es war Abends neun Uhr; den Brief konnte ich des andern Tages erst abschicken. Ich legte mich wieder in's Bett, und schlief trotz dem fest bis Morgens 8 Uhr — ich war ja rin gesunder Bube. Dieweil der Brief geschrieben war, und ich wußte daß ich doch nur noch zwei Tage im Hause bleiben würde, gedachte ich mich vernünftig zu betragen. Ich ging in das gemeinschaftliche Zimmer und begrüßte alle mit einem lauten „Guten Morgen." Ich sagte, ich wisse selber nicht was ich gestern gehabt hätte, ich sei wieder ganz gesund. Aber meine Blässe strafte mich Lügen. Ich betrachtete Natalien von der Seite, und da ich sah daß sie jener unglücklichen Hannchen Heiter gar nicht glich, besann ich mich : Vielleicht heißt sie nur so, und ist gar nicht verwandt mit ihr, drehte mich auf dem Absätze um : Fräulein Natalie, sind Sie etwa mit einer Familie Heiter aus Alzei verwandt? Ich hatte Gelegenheit diese kennen zu lernen! „Nein, antwortete sie, unsere Familie stammt aus Holland, und wir haben meines Wissens in ganz Deutschland keine Verwandte." Es fiel mir wie ein Stein vom Herzen. Ein leidenschaftlicher Mensch wie ich mein Lebtag einer war, ohne die geringste Anlage zu Rückhaltung, Vorsicht und feinen Sitten, sagte ich : „Das ist sehr schön von Ihnen," nahm meinen Brief aus der Tasche, zerriß ihn in vier Stücke, öffnete das Fenster uud warf ihn hinaus. Kaum flatterten die Fetzen in der Luft, so fiel mir ein daß die Weiber neugierig find — ich lief also die Treppe hinunter, und Frau Claude, die am Fenster mir nach schaute, sah mich die Stücke sorgsam in den Koth treten. — Frau Claude glaubte, ich sei ein bischen geschuppt, und Natalien bat ich später von der dummen Geschichte nie zu reden. Das ließ sich leicht besorgen, da wir andere uns interessantere Sachen zu besprechen hatten! In den nächsten acht Tagen ging eine vollständige Revolution in mir vor. Bisher hatte ich immer Jacken getragen ; Jedermann sagte Du zu mir, von allen Bekannten wurde ich mit meinem kindischen Namen Lilli gerufen, und als bloßer Pro gymnasiaft hielt ich mich selbst noch für einen Knaben — was ich auch war. Das hörte Alles auf! — Ich hatte vom Frankfurter Gymnasium eine solche Masse von Latein und Griechisch mitgebracht, daß ich in Speier, damals ohne Widerrede der schlechtesten lateinischen Schule in Deutschland, gleich eine Classe übersprang. Auf einmal, so über Nacht, fand ich mich unter den großem jungen Leuten; meine Hausleute, die Professoren, ja selbst die Gymnasiasten redeten mich mit Sie an; Frau Claude verwandelte den Lilli in einen Louis; ich ging dem Schneider nicht vom Halse bis mein erster Rock, es war ein polnischer Schnürrock, fertig war; mein Vater schickte mir eine goldene Uhr, weil ich die Classe übersprungen hatte; — und im Hintergrund Nata- lia, der gegenüber ich mit Teufelsgewalt ein Mann sein wollte, und von der ich in meiner ungemessenen Einbildung überzeugt war, sie wünsche diese Metamorphose so sehnlich als ich. Ihre wahren Dispositionen übertrafen aber bei weitem die Hoffnungen die meine Eitelkeit auf sie gebaut hatte, — und ein Gefühl ganz neuer Art nahm dieser meiner größten Schwäche zum größten Theil ihren knabenhaften Charakter. Ich blieb immer noch eitel, ich war es aber wegen ihr. Hätten wir beide auf vollständig freiem Fuße mit einander leben können, unser Verhältniß entwickelte sich dann gewiß schneller und vernünftiger. Frau Claude hatte aber die alte einfältige Gouvernanten-Methode. Eine moralische engherzige Matrone bewachte sie uns gleichzeitig mit den beiden Augen so strenge, daß sie nothwendig scheel werden mußten. Mit dem einen Auge sah sie nach der Rechten auf Natalie, mit dem andern nach der Linken auf mich, und verdarb ihre Sehorgane und uns zugleich. An mir war wenigstens nichts aufzupassen, ich wollte Natalien nur ansehen — und das Ansehen macht bekanntlich nicht fett. Aber das duldete sie auch nicht. Drum fingen wir zu naschen an; ohne Nataliens erfinderischen Geist wäre uns aber auch das schwer gelungen — so sehr paßte die Alte auf. Während furchtbarer sechs Wochen aller möglichen Entbehrungen im Hause, hatte ich außerhalb schon die Bekanntschaft meiner zwei Nachbarinnen gemacht, aber mit Natalie noch keine Silbe allein gesprochen. In der Classe schrieb ich ihr Briefe, legte sie in ihr Gebetbuch, und nahm ihre Antworten heraus; ich kaufte ein rothseidenes Band, schrieb unsere Namen verschlungen darauf, — ich war glücklich als ich's den nächsten Tag an ihrem Halse sah, aber doch besuchte ich des Abends so' bald es möglich war eine meiner beiden Nachbarinnen : da war ich gewiß mehr zu genießen, wenn auch ihr alle meine Gedanken gehörten. Zudem kam noch ein anderes auch erwachsenes Mädchen, die Tochter eines Nechnungseommissärs, ein blonder, adlernastger, Heller Spitzbube, sehr häufig in unser Haus, und half mir die Sinne verdrehen. So erinnere ich mich, daß ich die Mädel eines Tages , in Gegenwart des Rech- nungscommissärs, in unserer Gallerie auf einer Strick- schleuder schaukelte. Henriette, rief der liebenswürdige Mann seiner Tochter zu, siehst du denn nicht, daß der Louis dir beständig nach den Waden gafft? „Er kann ja sonst nichts sehen," erwiederte sie ungenirt stu- genu») und ließ sich ruhig weiter schaukeln; ich war roth wie ein Krebs, die Natalie stumm vor Zorn, und der alte Nechnungscommissär, auch ein Franzose, wollte vor Lachen über die ganze Situation fast bersten. Aber die Conftance sah auch von der Rechten , die Louise von der Linken nach uns, — meine Last war um so unausstehlicher, als ich bemerkte, daß Nataliens glühender, eifersüchtiger Blick alles entdeckt hatte. Welche Rache gab ihr die Eifersucht ein? Keine. Nach jedem Anfall von Eifersucht war sie doppelt gut gegen mich. Wenige Tage darauf versäumte sie sich des Morgens um 7 Uhr in die Schule zu gehen — ging erst gegen 8 Uhr, und als ich kurz nachher mich auch auf den Weg machte, fand ich sie in einer Nische auf der Treppe stehend micherwarten. „Ich habe auf Sie gewartet," lispelte sie mir zu, „Sie müssen mir jetzt sagen, ob sie mich nicht lieber haben, als alle die andern Mädchen. Ich sterbe sonst vor Bosheit." Ich gab ihr keine Antwort, drückte sie aber an mein Herz, wir weinten alle zwei; ich küßte ihr die Thränen aus den Augen, ohne Furcht gab ich ihr den Arm, führte sie bis an ihre Schulthür, und ging dann glücklich nach dem Gymnasium — der beneidetfte Mensch in der Stadt. Von nun an wars mit meinen Nachbarinnen und mit Henriettens Waden aus; mein Frankfurter Vorrath von Gelehrsamkeit reichte vollständig für meine Classe hin, ich lernte nichts, gar nichts — wenn lieben nichts ist. Und Natalie machte es grade so. Zu Ostern sollte sie zum Abendmahl gehen — es waren noch 4 Monate hin; aber sie lernte keine Zeile mehr im Catechismus. Und darnn hat sie wohl gethan. Stricken und nähen konnte sie, leserramch — lieben allein mußte sie noch lernen, und dann war sie ein vollständiges Weib, — denn das Kochen ist überflüssig, wenn man lieben kann. Und wie geschwind sich das lernt, wenn mans so ernstlich nimmt wie wir zwei, kann ich Euch nicht sagen. Samstag Nachmittags ging sie jedesmal neben die Schule, um mich hinter dem Dom im Domgarten zu treffen. Kein Mensch ging im Schnee spazieren, als wir zwei. Wir liefen einander nach, machten Kränze aus Eppich und rothen Hahnbutten, sahen uns wie oft stumm einander an, fielen uns um den Hals, sagten uns, daß wir uns so lieb hätten, daß wir so.schön, so zuckerig, so goldig wären, — ach, ich sehe sie noch, die schwarze Here, wie sie dann mit den Augen blinzelte, den rothen Mund spitzte, und nachdem ich sie zwanzig Mal darauf geküßt — nur noch einen Kuß verlangte. Dann erzählte sie mir, daß sie der Herr Pfarrer manchmal zanken wolle, weil sie ihren Catechismus nicht wisse — aber wenn sie ihn dann ansehe —so schweige er dann auf einmal still; das, glaube sie, käme daher, weil sie schon so groß, und — weil du so schön bist, half ich ihr iveiter. Der Herr Pfarrer hat so gut seine Augen im Kopfe wie ich, mein Schatz; vom Ansehen wirst du aber nicht garstiger , sonst riß ich sie ihm aus. — So ging das eine lange Weile fort. Wir machten unserer Spaziergänge im Schnee — ja! wenn es Frühling gewesen wäre, dann konnten wir unbemerkt nicht mehr mit einander herumlaufen, oder das lockende Grün in den Gebüschen hätte uns zu lockendem Freuden verführt. Zu Hause saßen wir des Abends an einem kleinen Tische beisammen: sie mir gegenüber, der alte Claude machte französische Verse, die alte Claude saß zwischen uns beiden mit ihrem Strickstrumpf und hütete uns. Aber zum Glücke hatte sie unter dem Tische keine Augen. Unsere Fußspitzen und dann unsere Knie berührten sich sanft, während wir die Köpfe in unsere Bücher steckten und zum Schein die Blätter wendeten, — denn es war uns, als hinge ein Flor um unsere Augen, wir konnten keinen Buchstaben sehen. Dann rutschte meine Hand unter den Tisch, ich legte die Fingerspitzen auf ihr Knie — weiter reichte ich nicht. So weit waren wir ungefähr 3 Wochen vor der Con- firmation. Ich wünschte damals manchmal, daß die Zeit schon da sei, denn wir verzehrten uns in Begehrlichkeit, und brachten es zu nichts. Denke dich, ehrlicher Leser, in meine Lage, und sag' mir auch ehrlich, wie dirs gewesen wäre ? Aber cs sollte Alles noch gut werden. Ein Zufall förderte unsere Wünsche. Wir gingen Anfangs April noch einmal hinter den Dom spazieren. Ich wühlte im Gebüsche herum und holte, wie gewöhnlich, meist Haselnußblüthen, Hahnbutten und Eppichblätter zusammen, und will sie grade Natalien, die auf einer Bank saß, in den Schoß werfen, — da springt Jemand hinter mir her, reißt mir das Laub aus der Hand und wirft es mir und Natalien ins Gesicht! — Es war Constance, welche die Eifersucht auf unsere Spur geführt hatte. Was thaten wir? Wir lachten alle beide sie herzhaft aus, als sie weggesprungen war , und klatschten vor Freude in die Hände, denn Natalia wußte ja Alles. „Siehe, zuckerner Engel, sagte Natalia zu mir, wenn du mich mehr wie sie lieb hast, dann will ich ja Alles thun, was Du nur verlangst." „„Ich verlange ja nichts von Dir, mein goldenes Kind, als Dich zu küssen und Dich zu lieben so lang Du lebst."" Damit war ihr aber nicht gedient! „Weißt Du," sagte sie, „daß Du mich heirathen mußt? Wie meine Mutter kommt, um mich abzuholen, dann sagen wirs ihr. Du küssest mich und ich Dich in ihrer Gegenwart, dann muß sie's leiden." Ich schämte mich, ich Pinsel, vor so viel Muth, aber ich versprach es unter Thränen. Ich will Dich schon dazu zwingen, sprach sie, Du mußt mein Mann werden, und drückte mich krampfhaft in ihre Arme. Wir gingen einzeln nach Hause. Des Abends saßen wir wieder alle vier an unserm Tischchen, ich rutschte mit meiner Hand wieder unter den Tisch, und sie lag auf dem — nackten runden Knie Nataliens. Meine Fingerspitzen verlängerten sich, — wir hielten den Athem an; zum Glück aßen wir bald zu Abend, sonst wäre ich toll geworden. Von da ging uns die Zeit wie im Fluge vorbei, ich gewöhnte mich an mein Glück, ich ergab mich mit Freuden und Zittern in alle Wünsche meiner Freundin; wir stahlen den Gartenschlüssel zu Herrn Notars R...... Garten , den der alte Claude geliehen hatte um dort Würmer zum Fischfängen zu graben. — Ja meine Freunde, zwei Tage vor ihrer Confirmation stahlen wir den Himmelschlüssel , und sie zwang mich wahrhaftig ihr Mann zu werden. Ihre Mutter kam, die verabredete Scene ging vor sich, sie gab uns ihre Zustimmung. — Wenn Ihr jetzt wissen wollt, ob wir uns wirklich geliebt haben, ich kann es Euch nicht sagen. Aber so viel ist gewiß, zwei Jahre darauf war sie mit einem alten Apotheker in Frankfurt am Main verheirathet. — Ich zog hernach aus, Ihr wißt ja, zu den Schmiedstöchtern ? — Corresponderrz. Morges bei Lausanne, Ende Oktober. Ihr habt irr Eurer gestern hier angekommenen Nummer ein Wort zur Verständigung an die Jung- deutschen geschickt. Wir senden Euch hier einen Brief, aus dem Ihr entnehmen könnt, was gerade in diesem Augenblick hier zu Lande zwischen Kommunisten und Jungdeutschen vorgeht. Derselbe ist vvn einem Kommunisten an einen Jungdeutschen gerichtet, demselben aber hierorts nicht eingehän- digt worden, weil sich die Gemnther der Jungdeut- schen im Augenblick in großer Aufregung befinden, — zur Benrtheilung der Lebensfragen der Zukunft aber ein kaltes Blut von Nöthen ist. So mag denn dieser Brief zuerst eine Reise nach Paris machen und gedruckt 'hierher zurückkehren; vielleicht daß er bis dahin die Leute, aus die er gemünzt ist, in einer ruhigem Gemütsverfassung findeil wird. Nach allem Gilten, was ich gestern an Dir habe ken- lwn lernen, darf ich hoffen, daß Du die Beweggründe, die mich zu diesem Schreiben veranlassen, nicht mißkennen wirst. Ich mochte unserer gestrigen so lebhaften Diskussion noch ein Wort der Verständigung beifügen. Die Stimmung der Mehrheit Eures Vereins scheint mir eine vernünftige und versöhnliche zu sein; Du mußt das selber am besten wissen ; sollte äch mich irren, so bitte ich Dich dm Brief ganz für Dich zu behalten und nur gelegentlich vvn seinem Inhalt Gebrauch zu machen. Denn ich mochte um Alles in der Welt in diesem Augenblick Eure Leute mcht unnöthiger Weise in die Wolle bringen. Nichts ist ekelhafter und verderblicher und mir verhaßter, als blin*) Wir haben mittlerweile ein Schreiben von einem der sogenannten ,,Jungdeutschen" erhalten, über dessen Inhalt wir uns im nächsten Blatte aussprechen werden. D. R. LLWL DLL ki« THe'dtre -/ta/ren pour»uit sa carriers »vec bontieur et »ucce». kete» cliozse, entoure stk Wut es »sUk k»ri» p 088 kde de plu» kleg»nt kt dk plu» di»tin- ^ue, il pi,88k d'un Iriompbk » l'sutre »vec unk scti- vite czui prouve plu» eucore gue 8«3 enorme» rscette» ku lavkur clu tskt kt de. l'intelligenck dk stl. Vatkl, 80 N bnlllle et inkntigoblk directkur. Lrnllcr dr Cücr- Tnoreur', Lnor'cr dr LanEer-noor, Lenrr'ranrr'de, rV Lar- kt enkm Ie/)o/r^aL-r/crto, cinc^ cliek»- d'eeuvre reprk8entk8 3vec uue perkection irreprocil3- blk d»n» UN moi» de temp8, n'k8t-ck point 1k Mkilleur temoign»ge c;uk pourrnit reclumerl'bonneur stk cette 1i3Utk et belle 866U6 lz^rigue? I^'k8t-ek point »u»8i In meillkurerepon»« 3 068 b»8868j3loU8ik3, 3 668 6»b»l68 ILcbe» kt mesquinks qui »'»gitent dsn» I'ombre? 1,3 kortuneet 1a gloire du IbeLtre-Itnlien 80 ut » l'ubri de toutk stteinte; c»r kllk8 repo8ent 8ur Ik8 tnlen» »uperieur» kt incont68t3bIk8, 8»r un repertoire ricbk et cboi»i, »ur uuk direction relee kt intelligente. be public d'elite czui remplet d'bubitude 1a belle »»lle Vent»dour 83 it apprecierce» »V3nt3g63 : »on entbou- 8is8ine 1k prouve 38862. Ilien N6 »»ursit rendre stellet qrstout produit » cet eg»rd sur uou8 le3 cleux pre- miere8 repre86ul3tiou8 dk I,63 3ppl3U- <1i886M6N8 couvruient 1u voix de» cb3nteur8. stlnrio, b,»bl 3 cbk et 6ri»i out ete r3ppkie3 3 plu8ieur3 re- pri8e8; konconi a montre, d»n» le role du docteur, ^u'iletrllt, quauci il Ik voulnit, »cteur etcbnnteur ac- compli. 8on cluo aveo modnmeOri»! 3 ete /reo^t«L reitr» äe Kne886, d'e3prit et de bou goüt. k .3 86 Msine u 6t3ltP38 trop M3UV3186 pourstt>/ie>a. lVIercredi dernier, il 5 av-üt presesue foule, k .68 bou- tl 6 66 llmi'ÄOlS 6 H 6 U 1 I 6 I' 3 1 ^ 13 ^ äame klora-kabri, gui se proäui83it oe 8 oir llarw der Fanatismus und Sektengeist ; hüten wir uns wohl, diese ungewaschenen Mächte unter uns aufkommen zu lassen. Doch ich hoffe, ich täusche mich nicht. Unsere Überzeugungen und unsere Herzen stehen sich, trotz der Kriegserklärung, die uns gestern M***aus den Falten seines Paletots vor die Füße geschüttet hat, viel näher als es Manchen lieb sein möchte. Hat doch dieser M*" gestern selbst eine durchaus kommunistische Rede gehalten — bis auf den Punkt, wo er von unserer sogenannten ,,Systemsucht" sprach, die jedoch nur in seiner Einbildung besteht, wie ich Euch gestern gezeigt habe. Keiner von Euch wird die Meinung M*"S theilen, daß wir nur einreißen müssen, ohne uns darum zu kümmern, was dann kommen möge. Das hieße ja sich dem rohen Zufall überlassen, sich zum blinden Werkzeug machen. Und wo finden sich die Leute, die einreißen wollen, ohne sich um das,,Nachher" zu kümmern? Nein, Freunde, wir wollen wissen das Was ? das Wie? und das Wohinaus ? Lobte es doch gestern selbst F"' an uns, daß wir die socialen Systeme studircn.Daß wir auf kein einzelnes System schwören.habe ich Euch gesagt; daß wir uns nicht an den Glauben und die Phantasie, sondern an die Vernunft und Überzeugung der Menschen wenden, hat Euch K"**"* auseinander gesetzt. Also kein Wort mehr über diesen Haken, den der M'" an uns entdeckt haben will. Aber auch in anderer Beziehung stehen »vir uns, glaube ich, näher, als es nach unserer gestrigen heftigen Diskussion den Anschein hatte. Betrachten wir die Sachen einmal ganz hübsch ruhig. F'" will, wir sollen vor allen Dingen Preßfreiheit, Recht der Volksversammlung, Einheit Deutschlands erringen helfen. Gut; wir geben das zu. Aber ,,wie?" sotten wir das erringen? F"" will, wir sollten uns der konstitutionnellen Parthei anschließen, „denn wenn Itzstein erst Millionen hinter sich stehen habe, dann erst könne er ein anderes Wort reden." Ja, „wenn !!" wo sollen dann die Millionen Menschen Herkommen, wenn wir Kommunisten sie nicht herbeischaffen? Seht, wir Kommunisten sind die Leute dazu; wir berühren die wirklichen Inte r e ssen des Volks, deshalb werden wir auch die Millionen auf unserer Seite haben. Wir zeigen dem Volk: ij Daß heut zu Tag die Arbeiter von den Müßiggängern und Spekulanten ausgebeutet werden; 2) Wie das zugeht, und 3) Wie das abgeschafft werden kann; wie alles Volk wohlhabend, frei und glücklich werden kann — um den Preis der Arbeit! Zugleich aber zeigen wir, 4) Daß das materielle Wohl nur das Fundament und das unumgänglich notwendige Mittel der geistigen Freiheit und Wohlfahrt sei; wir zeigen, wie es K**"*" k ,3 repulgiion stk cette jolie et Al- 3 cieu 86 tl3v86U86 K8t lle8orni3i3 killte. ka-6'o/nr^rcc', rien 06 86 I'illkntit; ol»3csU6 soir, 83lle cointrle; oli3c;u6 8oir, 8eicok8 eoinplkl; oli3- csus 8oir, reoetle blronclante. ^li ! c^uel plsillr czoe cl'etrk.... clirecteur cl'un tel tlikätre ! ke8 3otku>'8 et le pulllio zs tronvkllt Illkn leur oompte 3U88l ; o'k8t, il »ou8 56>nl)le, t» meilleeue cle tootee lk3 8ooiet68 e:i oomin3nclite cjue IVI- 6ro8iller pourrait trouver, et il »uralt lort cle penaer 3 uns »utre. k.» repri8e llu Mcr- eo?r » pleiuement reusai. Le cliarmant ouvragk de 1» Premiere epocjue de lVl. Kuller » eie joue d»N8 l» perkection. N. Noolcer, ineadeinoiaellea Oarcier et 1^revo8t cliantent dan8 celte piece » ravir; madame ^.nn» Hiillon zc drille de tout son eolat, et 8i 80 u »moureux, le deau oolonel, »vait l» voix delkogkr, rien ne man^uerait, nou8 g»geou8, ni 3 80 n triom- plie, ni au donlieur du pudlie. n'a encore rien perdu de 8on pre8tige. kis e/r >8eAor>r'e, oomedie de N. 8. Imo38, 3 pri8 une donne place d»ns le repertoire du ^>cr7rear'§. 8'intrigue, creee p»r un auteur eapagnol,» ete reinaniee par N. k,uk38 aveo oe t»lent c^u'on lui connarl. Il zs » mi 3 de grands elfet8 et de dkaux ver8. ^.vec 068 dkux rknkort8, la pieee devait »voir et s eu un 8ucoe3 eomplet. 8igier, dan8 le rolk de üon Ferdinand Hamirer, 68t magnillc^ue. Alademo^elie Capval zoue aveo keaucoup de grace et de distinction. 1,6 eet d»N 3 loutk 8 » 8 plkndkur. II Zs a d'excellell 3 acteura et le 8 p 1»3 jolik 8 aotriok 3 qu^on pui 88 e voir. Lliütaink 8 , drunk 8 , dlondea, ellea eont toutes 3 ecompIie 3 dan 8 leur gknre. 6 'e 8 l a ne p »3 8 »voir a lac^uelle donner la palme. ^iu 88 i elle 8 ont clracune leur parti. 1,68 ne jurent que ausdrückt und aus dem Wesen des Menschen beweiset, daß die Bestimmung aller Menschen auf Erde sei: „auf dem Wege der Weisheit und Tugend nach Glückseligkeit zu streben." Eine solche Lehre muß uns die niederen Vvlksklassen und die besseren Menschen aus den sogenannten höheren Klassen gewinnen. Oder gehört die großartige neuere Philosophie nicht etwa den höhern Ständen an^sie die uns ihre stolze Fahne vorträgt? Die haben wir freilich nicht gewonnen, sondern sie hat selbstständig durch die Labyrinthe des menschlichen Bewußtseins den Ochsen des Vorurtheils, des Aberglaubens und der Denkfaulheit verfolgt; sie hat ihn (theoretisch) getödtet und ist endlich an einem Ausgang angelangt, vor dem das sonnige Gefilde der „freien Gemeinschaft" vor ihr lag. Dies Gefilde zu erobern ist die Aufgabe der Zukunft. Diese Zukunft gehört uns, gehört Euch! Wollt Ihr nicht den Ruhm mit uns theilen, Ihr wackern jungen Deutschen, sie zu erober n? Wollt Ihr sie Euch von uns schenken lassen, wie der Großherzog von Baden seinen Spießbürgern eine Constitution geschenkt hat? Wird aber auch die konstitutionnelle Parthei, die nichts bietet und nichts zu bieten weiß, als Phrasen und unbestimmte Versprechungen, die Masse des Volks für sich gewinnen können? Nein! die letzten vierzehn Jahre haben es bewiesen. Der deutsche Spießbürger läßt sich zwar gern von Welker, Sander und Andern alle Jahre einmal die Ohren voll donnern, aber dabei bleibts. Der Großherzog von Baden könnte heute die Konstitution seines Länd- chens aufheben — die Badenser würden sich's gefallen lassen, wie sich's die Hannoveraner haben gefallen lassen. Der ehrsame Mittelstand würde protestiren, die unteren Klassen und die Soldaten würden lachen und sich freuen, daß den Phrasenmachern endlich das Handwerk gelegt worden. Aber der Großherzog ist ein gescheidter Mann. Er läßt sie schwatzen, wissend daß davon seine Unterthanen eben so wenig Republikaner werden, als die Bauern durch die Predigt der Geistlichen gute Christen. „Der kanns" — „hat's ihnen wieder 'n Mol gesteckt, das is a Nedd- ner!" sagt der deutsche Bürgersmann und zündet in Frieden seine Pfeife an. Er glaubt etwas Rechts gethan und seinen bürgerlichen Muth bewährt zu haben, wenn er den „deutschen Mann" das nächste Mal wieder in die Kammer wählt (vorausgesetzt, daß er dadurch seine Kunden nicht verliert). Vielen Arbeitern gehts nicht besser; sie singen ein patriotisches Lied und meinen dann, das wäre was Rechts! (Schluß folgt.) Redakteur: Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. ' ^ P3K Ik lkinl 1083 et lk8 8UP6I'I)K8 ciieveux dk Z3i8 de leur diviillte. 8k8 LrHsnrLteL l evendic^uent le8mem63 fnveu^ poui' l» leur. 1,68 oppo8ent 3 lcmt oeln l» AN306 et I» di8tincticm dk leur idole. 1,68 li 3 n- i,ie> 68 de modnme Hieimrd et de mndnme Lnint-iVInlo oill leurs defen 86 U 08 . Ill3i3 celle csui donlloe, cpmi csu'on KN d>86 ,loutk8 lk8 »Uti'k8, o'68t enootk Oklle de modome Ooolik, »NX m»Anilicplk8 riviel'63 en di»- i«3nt »vec unk nizsik moscovite en croisieoe« ?onr nou8 nou8 donnon8 noti'k voix» I» lrelle äuliktte kt 3 oe Ai'c>3 llon llomme, ^.rn»! c;ni, d»»8 l» nouvelle piece de I'^nAS , e8t d^un comicsuktout-3-s3it 8edni- 83Nt. ^.u l'Ltore^ccree et le8 7>srL /)r-/rcr-r- »ttirent l» foule. ^.ux Loulle »vec 863 f»it commettoe tou8 le» »oir» p»8 m»l de uou ve»ux. ()u6 de femme» csui, »pre» »voio vu cette piece en com- pn^nie de leur» m»ri8, »ont revenue» I» i kvoir » l'in 3 u de leur» muri» et vree t)ue de rencontres et de Peripetie»! I'3nt pi», 3Ü62 toujour», c»r le temp» v» »i vite, et Loulle joue »i Irien, gue vo» peclle», »0UVK3UX »ujourd'llui, ne8eront gue vieux demrun ; et »ux il z^ s pour tou» peclie», »t>8olution et mi8ericorde. 6'e8t peul-ctre »U88i, une de» r»i8ons Hui »mkuknt 3 co temple I» celelne stille I)ej32et. kour terminer cette revue, nou» »nnoncon» »ux »muteur» de I» belle mu»ique un m 3 Anillc;u 6 concert c^ui 8613 donne le 2^, p»r U. OeoiAe» X». 8 tner, dsns l» »»lle de» 1 VIenu 8 -I'l 3 i 8 ir 8 . On ^ entendr» un oper» biblicsue de ce compo 8 iteur, intitule : Le De/vrro^'on^ c/e b-k» principsux role» »eront cli 3 nt 68 pnr stlstl. Hoger, lVl 38 »ot et 8 erm 3 nn , Leon, et stle 8 d»mes I)oru 8 - 6 r 3 », 8 uk 1 ot-stl 3 ill 3 rd kt stlondulaign^. 8 'or- clle 3 tre »er» dirige p»r lVI. Ilnbeneck. I,» 83 lle 8 er» oomble. Paris, 1844 Erscheint Mittwoch und Sonnabends. r. 82 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. . . . N „ Insertionen: die Zeile a 50 Centimes (Tonnabend.) ysrrv ar/ -WM Man abonnirt: für Paris: ru« cies lUoulins, 3s; im Comptoir des Buchdruckervereins c>nsi Ltglgtiuais , l5 ; in der Mendel'schen Buchhandlung, i-ue clu kss cle la lUuIe, 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruee-Street, Nr. 3, in New-Bork. ariter Deutsche Zeitschrift. memoire ckeU. killet, leprös s'etre eniin reucku n I'eviclence ckes t'nils et nvoir re- conuu nvec tnut I« moncke gue i'Opers tombe en cke- cnckence, IVI. Lillet cbercbe n exposer cknns cet ecrit Iss cnuses cku mul et n ckecouvrir un remecke. I^s rni- sonnement cke ee mnlbeureux nckministrnteur est ckes plus curieux: il nccuse tout le moncke, excepte lui. Ilippockromeencore enberbe, Eirgue-OI^mpiguenux Ebnmps-Hll^sees, fei me ckepuis ckeux mois, troisieme tbentre lzu'iguc-, gui ue sei n peut-eire ouvert jnmnis; ^.n^inis, Italiens, ssrnncnis, tuet', tous les speclncles presens et n veein, r'/rk/n et voiln, sui- vnnt !VI killet, !;, cause cke ln ruine cke l'^ca^e'mrc r-o^cr/e cke — I e public vn nilleurs ; ckonc it nevientpns cbe^ moi. Il en sernit nutrenient si, snute ck'enckroits pour s'nmuser, il etnit concknmne n clmi- sir entre s'ennu^er uu coin cke son seu, ou s'ennu^er ü ln tumieie pale cle mou ^ 3 L; il vienckrnit nlors s l'Opern. — E'estpnrler eu propbete; et encore, gui snit? IXon, ül. killet; ln cause cle In ruine cke l'Opern est cknns l'insutllsnuce ckes nilistes, cknns les lnveurs uou justiiiees clout jouisseut guelgues-uus cl'entre eux; cknns les etnoluiuens exorbitnus gue posse- üeut presque tous. 8 ept Premiers sujets, ce eompte 3 ete fnlt l'sutre juur, coüteut nujourci'liui 3 l'Opern plus cke 600 milte lrnncs. 8epl Premiers, cku lemps cle klourrit et cle In I'slco«, u'ont jumsis coüie plus cle 200 mille. Lt, clsns ee temps-lü, ou clinntsit 3 l'Opern! Li 3u moius nujourcl'lrui, puis gu'ou n'zt elrnute plus, ou zf clnnsnit eueore. lVlnis gue clire clu ltnllet, eoulle presgue exclusivemeut 3ux jnmUes ellllees cle mnclemoiselle Lopliie Oumilätre! E'est impnrclou- unUIe, en verite; et surlout gusucl ou 3 le üoulieur cle posseclertrois clnnseuses nclmirnliles : Orisi, lLlorn- kntzri et Nnrin. L,e ne se plnint, lui, cle personue. I^Inrio, Linlrlnclie, Orisi, U.ouccmi, eoüteut eepeu- clnut clcer 3 l>1. Vnlel! Finis nussi, gunncl ees uoms sont sur l'nfilelie, tout Lnris sernit nux Loull'es, si ln snlle pouvsit eouteuir tout Lsris. Il eu est presgue cle meme nvee !'Opercr-k7o-nr^-uo. üs Wc/eo/r, et /w z- sttireut eltngue soir ln loule; les neleurs sout npplnuclis, le pulilie s'eu vn coutent, et le clireeteur se couclie snus erninte et snus souei. ^pres ees rleux tlientres, celui gui nttire le plus cle moucle est le Lalle commocle, pieees jo- lies, Iious neteurs et netriees rnvissnntes, voiln ee gut en expligue la raison- l/nclministrntiou netive et in- telliAkute cle eetlientre loncle cle Zrnnckes espernuces sur uns nouvelle eomeclie cle mnclame ^.ueelot, gui sein jouee eette semnine. I,« pulrlic, gui pnrnit re- ^retter^eL sklttroearueL, oü msclemoiselle ckuliettezoue si bien, prencl pntience en spplnuclissnni eette excel- lente »etriee clnns b/ 6 rr'§ 6 tte. b-e sucees cke trcte/crr >6 vn en eroissnnt. /.e a pinee clnns son repertoire si vn- rie et si sinusnnt ciejn , uue jolie piece cke plus, be /iomcrrr cte ponLr'ou restern lon^temps sur l'aillebe. b/intriAue cle ee petit vnucleville est simple et tou- ebnnte. bn gnite ne lui knit pns äeknut; et les aeteurs l'executent n merveille. ^uLorctcko comeclie-vnuclevilleeuun acte, n reussi su c/ruurcrkr'tz'ire. L'est un benu ren- fort pour L-nmcr et Lcrör'o/e, gui sont toujours piai- sir, stlesclsmes lXntbnlie, k'nrZeuil et Oesiree ont eu eette semsiue un triompbe cke plus clnns les Neer cös Oelinns n ete ebnuckement npplnucki jeucki cker- nier ckansl'/Ir/-nssurer. On presse les repetions ck'/^a,r L'Lre/are^ cke lUIVI. OoFusrck, oü ^.ebnrck remplira le Premier role. ^.ux Na/'re/er, H^neintbe n knit rire cknns le nouveau vccuckeviller Nc-ru/cbcckour. ^lescknmes LoisAOutier et Volet ont leur pnrt cku sueees; mnis les bonueurs cke ebsgue soiree sont n Loulke et n lünsont. b,e Premier, cknns les pr'euoo Nec/csr, le seeonck, cknns ll/orr- serA^reur, sout ck'une verve inepuisnble. 1,'enANAe- ment cke Nesckemoiselles Oejnret est ckellnitivement nrrete. c/örar cke SaLa-r n snit plsee n ln l?orte-8nint- Unrlin n un ckrnme nouveau, cknns leguel se retrou- vent guelgues souvenirs äu terrible evenement cku Olsnäier. Ou sttevä toujours le retnblissement cke lllncksme Oorvnl pour mettre sur l'sNcbe Ncrckz, Lozc- monr. Oo croit nussi que ln retraite cke Do/r Ee'r«/' cke L«Lcr,r n'est pss ckeknitive. ^.vis nux retnrckn- tnires: lüe sucees ckes Lept t7^ckkear/a7 ck,c Drcrö/e semble prometlre encoc e plusieurs bonnes soirees 3 In Onite. l'^-»Lr§r/ , les S^püe^rE ck'^Kve^r nttirent cku moncke- lXous terminerons eette revue en nnnoncnnt un ^rnnck coneert gui sern ckonne, le 8 cku m ois procbnin, cknns In snlle cku Onrcke-Neuble , pnr N. Nelieieu Onvick. bn ckeuxieme Partie , cknns laguelle on enlen« ckrn ln Arnnäe musigue orientale, representnnt le ckesert et toutes ses merveiiles, prowet cke prockuire un puissnnt esset. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. S4 SS» Paris, 1844. Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. . Sechs Monate. Drei Monate. 28 Francs. 13 „ S .. Insertionen: die Zeile» 50 Centimes. r w ii Man abonnirt: für Paris: im Duresu oentral pour l'^NemsAne, cu« lt«8 fflciulins, 3s; im Comptoir des Buchdruckervercins g»si iVlglsgimi.-; . l5 ; in der Mendel'schen Buchbandlung, i-ue clu cle lu ^tule, 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Meffagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Meffagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. (Sonnabend.) aritcr Deutsche Zeitschrift. (23. November.) Berliner Humanität. Erst heute kommen mir,, einige Worte" des Berliner Centra lcomites der Vereine für das Wohl der arbeitenden Classen, über deren Zweck und künftige Wirksamkeit" zu Gesicht. Ich thcile das Wesentliche (?!) daraus hier mit: ,,Die Verbesserung des sittlichen und wirthschafllichen Zustandes der arbeitenden Classen ist unbestritten eine dringende und hochwichtige Aufgabe unsrer Zeit. Der Centralverein für das Wohl der arbeitenden Classen hat sich die besondere Aufgabe gestellt, dahin zu wirken, daß durch die Kraft des moralischen Einflusses und die zur Förderung desselben zu treffenden Einrichtungen, unter thatiger Mitwirkung der arbeitenden Classen selbst, der sittliche und wirthschaftliche Zustand derselben allmalig gehoben, und ein auf Wohlwollen gegründeter unzerstörbarer Bund zwischen ihnen und den andern Classen der Gesellschaft mehr und mehr befestigt werde. Eine befriedigende Lösung dieser Aufgabe' ist nur möglich, wenn recht viele Kräfte in demselben Geiste zusammenwirken, wenn insbesondere für jede Provinz oder jeden Regierungsbezirk ein Provinzial- oder Bezirksvercin sich bildet und sodann überall Localvcreine entstehen, welche in unmittelbarem Verkehr mit den arbeitenden Classen für das Wohl derselben thätig sind. Der Centralverein hat daher dahin zu wirken, daß die Provinzial- oder Bezirks- und Localvereine erstens sich rasch und lebenskräftig bilden, zweitens in einem die Kraft des moralischen Einflusses und das Wohl der arbeitenden Classen wahrhaft fördernden Geiste an das Werk gehen, und drittens in diesem Geiste überall die zweckdienlichsten Einrichtungen treffen. Die Selbstständigkeit der Provinzial- oder Bezirks - und Localvereine soll dabei in keiner Hinsicht beeinträchtigt werden. Von dem entgegenkommenden Vertrauen derselben ist daher die Wirksamkeit des Centralvereins wesentlich abhängig. Das Vertrauen wird ihm aber nicht fehlen, wenn aus allen Classen der Gesellschaft recht viele Mitglieder gewonnen werden , jedes Mitglied mit lebendigen: Eifer für den Verein wirkt und die Geldmittel desselben dergestalt anwachsen, daß er die einer Beihülfe bedürfenden Localvercine bei den für nützlich zu achtenden Einrichtungen aufdas Kräftigste unterstützen kann." Ich muß sagen, ich habe meine Helle Freude daran, wenn ich einen literarischen Mops wie den hier producir- ten unter die Schcere bekomme. Brächte die berliner Truppe mit sammt Herrn von Bodelschwingh nur einen einzigen frischen gesunden Buben zur Welt — dann hätte ich ja unrecht — und das ist unangenehm; so lange sie alle zusammen nur mit literarischen Möpsen niedcrkom- men — will ich diese schceren und ein Bischen tanzen lassen — Hab' meine Freude dran ! Das offizielle deutsche Wesen ist auf der Höhe des Komik und der Verächtlichkeit angclangt. Es ist der wohlhabenden Bürgerschaft in Berlin zu Ohren gekommen, daß in Schlesien die Menschen zu Tausenden am Verhungern sind; sie bemerkt daß sich hinter jedem Geldhauptmann, den eine neue Maschine, eine neue Industrie ernennt, die volle Compagnie von Bettlern und Verzweifelnden wie durch ein Zauberwort aufstellt; sie weiß daß der Hunger und die Liebe und alle andern gewaltsam zurückgedrängten und verkehrten Leidenschaften die Gefängnisse füllen; sie hat wie jeder Mensch in Deutschland die Überzeugung oder die fixe Idee, daß demnächst eine allgemeine Revolution diesem Zustand ein Ende machen wird — und was thut sie zu ihrer Erhaltung bei diesen erschreckenden Aussichten? Sie erzeugt einen literarischen Mops, und läßt ihn die armen Leute anbellen! Seit achtzehn Jahrhunderten arbeitet das Christenthum an der Erziehung des Menschengeschlechts, verkündet sich unausgesetzt als die Trösterin und Helferin der Armen : da bemerkt der Berliner nach so langer Zeit heute auf einmal, ,,daß die Verbesserung des sittlichen und wirthschaftlichen Zustandes der arbeitenden Classen unbestritten eine dringende und hochwichtige Aufgabe unserer Zeit ist." Der Berliner Bürgersmann ist also jetzt an die Stelle des Christenthums getreten; er ist gebessert, er ist sittlich , er ist ein guter Mrthschastcr, — jetzt drängt es ihn in seinem Gemüthe, daß Ihr's auch werdet, Ihr Arbeiter ! Der Berliner Bürgersmann ist sittlich : er stiehlt nie auf eine so hundsgemeine Art, daß er darüber ertappt und in's Gefängniß geworfen werde, er hat so viel Geld, daß er den Sonntag nicht durch Arbeit zu entweihen braucht, und in die Kirche gehen und beten kann; er hat sich eine reiche Frau gekauft, die er in der Zucht hält, und er richtet sich so ein, daß sein außergewöhnlicher weiblicher Umgang nie seiner Frau und seinen Mitbürgern ein Ärgerniß erregt; er macht hübsche Complimentc, fährt nicht in den gemeinsten Kneipen herum, kleidet sich anständig; er kann lesen und schreiben und literarische Möpse erzeugen, rc. rc. — Die arbeitenden Classen können das Alles nicht, ihrsittlicher Zustand muß also verbessert werden. Der Berliner Bürgersmann ist auch w irth- schaftlich : er hat ein eigenes Haus und braucht keine Miethe zu bezahlen; er legt sein Geld hübsch auf Zinsen, lieber zu 8 als zu 5 Prozent an, und lebt nie vom Kapital; zur rechten Zeit macht er, da er Geld hat, seine Einkäufe im Großen, und erspart dadurch außerordentlich; für seine Kinder benutzt er alle öffentliche Anstalten, die er nicht zu bezahlen braucht, denn er weiß recht gut, daß zu allen Entbehrungen, die Arbeiter auch noch die meisten Steuern bezahlen; er vermiethet an Leute aus den arbei- Feuilleton des vorwärts. Geschichten. Von Heinrich Börnstein. I. Lieber Leser, wenn du nicht zu den Prüden oder versteckten Heuchlern gehörst, die bei jedem freien, ungeschminkten Worte das Schnupftuch vors Gesicht halten und sich mit einem : ti ckone abwenden, dann aber das Büchlein in ihr Kämmerlein nehmen, die Thüre zuriegeln und voll Heißhunger darüber herfallen; wenn du dich daran gewöhnen kannst, natürliche Dinge bei ihrem natürlichen Namen zu nennen, und was du denkst auch auszusprechen oder anzuhören, so will ich dir einige einfache Geschichten erzählen, die in mein Leben hineingreifen. Ich lege kein Gewicht daraus, ich will weder Memoiren, noch Romane machen, sondern einfache, wahre Begebenheiten einfach erzählen; — ich erkläre dir auch ausdrücklich im Vorhinein, daß du keine Tendenz darin zu suchen, keine Moral daraus zu ziehen brauchst, — es sind eben nur Geschichten, wie sie jedem Alltagsmenschen passiven; — wenn ich so aufrichtig bin, ,ie offen zu erzählen, so hat das auch nicht viel auf sich. Die schöne, sorgen- und kummerlose Zeit meiner Kindheit schwebt mir noch immer so klar, so bewußt vor, daß die bewegte, stürmische Epoche desJünglings davor merklich erblassend zurücktritt. Die Mutter war sehr fromm, ohne darum gerade bigvt zu sein, und mit drei Jahren lehrte man mich schon beten, d. h. gedankenlos und mechanisch das Vaterunser lallen; —als ich vom Kinde zum Knaben avancirte, da machte ich mir zu dem mechanisch zur Gewohnheit gewordenen Vaterunser noch ein eigenes Nacht- undNachtragsqebet, das ungefähr folgendermaaßen lautete : ,,Lieber Gott! ich danke dir, daß du mich heute Haft leben lassen, laß meine Eltern nicht sterben, beschütze mich vor Hungers-, Feuer- und Wassernoth, und ich danke dir, lieber Gott! daß du mich hast kein Frauenzimmer werden lassen." — Lächle nicht über den Nachsatz, lieber Leser, und glaube ja nicht, ich habe dieses Dankgebet jetzt erst erfunden, um irgend einen Spaß daran zu knüpfen oder abgedroschene Witze über die Weiber zu reißen, über jene armen Geschöpfe, über die wir so oft herzlos spotten und ohne die wir uns ohne Gnade aufhängen oder erschießen müßten. Nein, ich habe dieses Gebet wirklich so und zwar bis in mein vierzehntes Jahr gebetet, wie ich es dann verlernt, und wie ich später überhaupt das Beten verlernt habe, weiß ich nicht mit Klarheit zu bestimmen. Wie ich aber dazu gekommen mir dieses echt egoistische Gebet zu erdenken , das ist mir klar erinnerlich. So kurz das Gebet war, so war es doch in meinem Kopfe nicht auf ein Mal, sondern stückweise entstanden und irgend ein in mein Kinderleben hcr- einbrechendcs besonderes Ereigniß, die Erzählung irgend einer Begebenheit, die besonder» Eindruck auf mich machte, fügten dem Gebete stets einen neuen Satz bei; — manche Sätze entstanden geringfügiger Ursachen halber nur vorübergehend, wie ich z. B. eine ganze Woche um schönes Wetter betete, wenn am nächsten Sonntage «ine Landpartie stattfinden sollte, oder wenn ich meine Aufgabe nicht gemacht hatte, Abends in wahrer Herzensangst betete: Lieber Gott! mach' daß mein Lehrer Morgen nicht böse wird und mich bestraft! — der Hauptinhalt des Gebetes, denn das mechanisch abgehaspelte Vaterunser war kein Gebet, blieb jedoch immer so, wie ich ihn oben angegeben. — Der Tod eines kleinen Schul- und Spielkameraden, mit dem ich mich am Abende vorher noch herumgetummelt hatte, und den ich am andern Morgen schon zwischen Blumen und Lichtern im Sarge sah, hatte den ersten Satz des Gebens erzeugt, eine Feuersbrunst in der Nahe des Zuchthauses, wo wir wohnten, eine Überschwemmung der niedern «L-tadttheile durch Austreten der Elbe zur Fluthzcit, wodurch viele Menschen Nachts durch die Fluch überrascht in den Kellerwohnungen ertranken, die Beschreibung einer Hungersnot!) im Plauenschen, die uns mein Onkel in schrecklicher Schilderung aus der Zeitung vorlas; und der Anblick der Waisenkinder, deren Definition:,,allein in der- Welt, ohneVater und Mutter" mir von der Mutter gegeben ward, ihre grauen Röcke und bleichen Gesichter, ihr trübes paarweises Daber- schleichen, alle diese verschiedenen Eindrücke prägten sich in den obenerwähnten Gebete aus. Ich komme nun zu dem Schlußsätze des Gebetes, der manchem Leser komisch, mancher Leserin sogar unartig Vorkommen wird. Auch er hatte seinen Grund, seine Entstehung. — Ich halte eine Cousine, ein blasses , hochaufgeschossenes Mädchen, sie hieß Anna und hatte mich unendlich gerne; Stundenlang saß ich auf ihrem Schvoße, spielte mit ihren blonden Locken und ließ mich von ihr küssen und drücken. Endlich heirathete Cousine Anna einen jungen Kaufmann, und der Tag der Hochzeit steht noch immer wie ein heller- glänzender Stern vor meiner Erinnerung. Alan gab uns Knaben Blumenbouquets mit weißen Atlasbändern, zog uns unsere schönsten Kleider an, wir fuhren in die Kirche, Abends war große Tafel, Kuchen, Eis, Lichter, Blumen, man tanzte und lachte, — endlich wurde die Braut zu Bette gebracht, und — ich lief ins Vorzimmer, meine Freude war aus , ich setzte mich in einen Winkel und weinte bitterlich. Warum ich weinte? —ich weiß es jetzt nicht, meine Mutter erzählte mir später, ich hätte gesagt, ich weine, weil mich Cousine Anna nicht wie gewöhnlich vor dem Schlafengehen geküßt hätte. — Allein ich ,i i tenden Classen seine Dachkammern um unverhältnißmä- ßige Preise; kurzum er hält „se in Bischen" vortrefflich zusammen ! Altes das thut der Arbeiter auch nicht — er ist nicht sittlich und ist nicht wirthschaftlich. Der größte Theil der schlesischen Arbeiter und der Proletarier im berliner Vogtlande ist so unsittlich Kartoffelschalen zu essen, eine Speise die sonstnur Schweine verschlingen — allerdings thut er das, weil er sonst nichts hat — aber zum Schwein sollte er sich doch nicht erniedrigen; fehlen ihm auch die Kartoffelschalen, und die Bissen, welche ihm die öffentliche Wohlthätigkeit zuwirft, haben seinen Hunger auf's Neue gereizt, dann stiehlt er auf höchst ordinäre Weise, und läßt sich einsperren; er kennt keine Schamhaftigkeit : in einem elenden Loch schläft er und seine Frau auf dem nämlichen Boden mit seinen erwachsenen Söhnen und Töchtern; die meisten heirathen nicht einmal, sie scheuen die Kosten der ehelichen Hauseinrichtung; sie geben sich offen mit öffentlichen Weibern ab; sie arbeiten des Sonntags wenn sie nur immer Arbeit haben, und sind dabei so ruchlos zu raisonniren : Wenn ich Sonntags durch die Gnade Gottes leben könnte ohne zu arbeiten, so würde ich Werktags, wie die reichen Leute, auch nichts schaffen. Sie trinken das gemeinste Gesöffe, besaufen sich in Schnaps wenn sie das Unglück ihrer Frauen und Kinder auf einen Augenblick vergessen wollen; sie sparen nichts für schlechte Zeiten auf, — es ist wahr, die Zeiten sind für sie immer schlecht, und sie haben nichts zu sparen, aber sie könnten's doch; sie leben von einem Tage zum andern; sie kaufen immer die schlechtesten Maaren in den kleinsten Quantitäten und zu allen Jahreszeiten ein, und wissen nicht einmal die erste Regel einer guten Haushälterin, daß die thcuerften Sachen immer die wohlfeilsten sind; sie lassen sich in Qualität und Quantität Jahr aus Jahr ein betrügen; sie zwingen ihre Kinder schon im Sten Jahre zu Handarbeiter, statt ihnen eine gute Erziehung zu geben — und trotz ihrem Elende haben sie immernoch Freude an Tanz, Theater und Spatzicrgängen in freier Luft! Ihr seht, der Berliner hat Recht, es ist die höchste Zeit, daß der sittliche und wirthschaft liehe Zustand der Arbeiter verbessert werde. — Man muß die Arbeiter in die Möglichkeit versetzen sittlich und wirthschaftlich sein zu können! — Wo denkt Ihr hin, Ihr Arbeiter, so ist das nicht gemeint! Ihr sollt' in der Unmöglichkeit bleiben, und doch sittlich und wirthschaftlich werden, das ist die Meinung der Berliner. Der Berliner will Euch das Devouement einimpfen, sich so anständig und gehorsam aufzuführen wie er mit seinem vollen Deutel und Magen , obgleich Euch der Hunger in den Eingeweide» wühlt; Ihr sollt das Gefühl eines schwarzen Fracks, eines guten Mantels und eines warmen Bettes haben, wenn Euch auch das Hemd zu den Löchern Eurer Hosen heraushängt, und Ihr auf Eurem faulen Stroh vor Kälte zähneklappert. Ihr sollt das gleich sehen! ,,Der Centralverein für das Wohl der arbeitenden Classen hat sich die besondere Aufgabe gestellt, dahin zu wirken, daß durch Kraft des moralischen Einflusses und die zur Forderung desselben zu treffenden Einrichtungen, unter thätiger Mitwirkung der arbeitenden Classen selbst, der sittliche und wirthschaftliche Zustand derselben allmälig gehoben und ein auf Wohlwollen gegründeter unzerstörbarer Bund zwischen ihnen und den andern Classen der Gellschaft m e h r und mehr befestigt werde." So, Ihr arbeitenden Classen, jetzt wißt Ihr auf welche Weise Ihr sittlich und wirtschaftlich gemacht werdet. O wie freut mich dieser meisterhaft gelungene Mops, wie bellt er die armen Leute so vortrefflich an ! Ich setze ihn hiermit für die Nachwelt in Spiritus, und Herrn von Bodelschwingh, seinen Vater, dazu — sonst glaubt nach 30 Jahren kein Mensch mehr an das Wunder ! Dein Arbeitslohn ist zu gering, du kannst deine Familie und dich nicht mehr davon ernähren ? Dic Kraft des moralischen Einflusses wird deinen Magen dermaaßen kräftigen, daß du nach dem Genüsse eines Stückes Schwarzbrod meinst von der herrlichsten Tafel aufgestanden zu sein; du wirst dadurch Sohlenleder mit sammt den Schuhnägeln verdauen lernen; sogar deine kleinen Kinder, die von Moral keine Ahnung haben, werden am Ende still werden, wenn sie mit lautenr Milch der frommen Denkungsart genährt werden. Das ist die Wirkung ,,des moralischen Einflusses" — aber erst die ,,Ein ri ch tun gen zur Förderung desselben?" Lesekabinette mit Bibeln und Büchern in denen geschrieben steht, wie schlecht du bist und welch' eine herrliche Einrichtung der moralische Einfluß sei, und Betstunden, — dann bekommst du gar keinen Hnnger mehr, denn im Winter ist Feuer in den Sitzungen wo dich der Mops anbellt. Da wird dein Zustand ,,allmälig" gehoben sein, du wirst ,,wohlwollend" gegen die Classen der Gesellschaft werden, die dich würdigen Sklavendienfte zu thnn, und vom Geruch und den Abfällen ihrer Küchen zu leben; du wirst ein Hund werden, der den Absatz des Fußes beleckt mit dem er getreten wird, und die dich treten, werden deine Ergebenheit den ,, unzerstörbaren Bund nennen, der mehr und mehr befestigt wurde." — Ja, elende Heuchler, Euere Karten sind zu schlecht gemischt, Ihr seid zu dumme, zu geizige Intriganten — ich errathe und verrathe Euer Spiel. Als eine Gnade von Euch soll cs der arme Arbeiter ansehen, daß er nur noch arbeiten und leben darf, er soll ein ergebener Bettler werden — so bellt der Hund! ,,Eine befriedigende Lösung dieser Aufgabe ist nur möglich, wenn recht viele Kräfte in demselben Geiste Zusammenwirken, wenn insbesondere für jede Provinz oder jeden Regierungsbezirk ein Provinzial- oder Bezirksverein sich bildet und sodann überall Localvereine entstehen, welche in unmittelbarem Verkehre mit den arbeitenden Classen für das Wohl derselben thätig sind." Im Genre dieses Paragraphen erfand ich im verflossenen Jahr einen baierischen Mäßigkeitsverein, der so dumm cvnstituirt war, daß ihn richtig alle baierischen Beamten für ächt und vom König Ludwig selbst versaßt ansahen. Heute glaub' ich fast, ich hätte diesen Berliner Verein auch gestiftet. Ein Abklatsch der Berliner Farce soll im ganzen Lande nach der Staatseintheilung des Territoriums ausgeführt werden — die allgemeine Zersplitterung in Localvereine soll das Mittel der Cen- tralisation, des Zusammenwirkens in demselben Geiste sein. Und wie sich das alles selber bildet, wie das alles entstehen soll? O, Eure Sertilität ist zu heiter, Eure Möpse bekommen keine Jungen ! „Der Centralverein hat daher dahin zu wirken,, daß die Provinzial- oder Bezirks- oder Local-Mäßig- keits-Vereine erstens sich rasch und lebenskräftig bilden; zweitens in einem die Kraft des moralischen Einflusses (Warnung: hier muß Athem geschöpft werden, sonst könnte ein Arbeiter ersticken bevor ihm das Heil des sittlich und wirthschaftlich verbesserten Zustandes zu Theil wurde!) und das Wohl der arbeitenden Classen wahrhaft fördernden Geiste an das Werk gehen, und drittens in diesem Geiste überall die zweckdienlichsten Einrichtungen treffen." Vor drei Jahren fragtet Ihr „Woher und Wohin," und wußtet cs nicht, und jetzt sagt Ihr daher und dahin und wißt's ebensowenig. ,,Daher"hat der Centralverein zu wirken? Wo her? Woher wirken alle Eure Vereine, oder vielmehr wirken sie alle nicht? Eure Dombau-, Gustav-Adolph- und Schwanen- Vereine? Woher kömmt cs, daß all' Eure Pläne schon gescheitert sind, ehe sie noch an die Klippen kommen? Woher, daß wenn Ihr albern seid, man geneigt ist Euch für schlecht, wenn Ihr gutmüthig seid, Euch für verrückt zu halten? Dies Woher erforscht einmal, und legt Euch dann platt auf die Erde, damit Ihr lauschen könnt woher der Sturm weht, und er Euch nicht zusammenwirft, wenn er kömmt. Und nun, meine Freunde, leset das Erstens, Zweitens und Drittens; denn auf's Lesen ist das Zeug allein berechnet! Erstens: 8p>oIi»lu3 »nt« omniaest resümencku», auf deutsch: dem Nothleidenden muß prompt geholfen werden, damit ihm nicht vorher das Lebenslämpchen ausgeht, ehe der neue Verein Zeit hat ihn* zu einem sittlichen und wirthschaftlichen Wesen zu machen! Also legen wir einige Millionen — statt in der See- Handlung — in Schlesien für Kleider, Vrod und Fleisch glaube die Scherze der Hochzeitsgäste, die Gespräche der Dienstboten, ja die Liebkosungen und Vertraulichkeiten, die sich die Brautleute schon früher, meine Anwesenheit nicht achtend, erlaubt hatten, alles dieses erweckte in mir, dem zehnjährigen Knaben, die ersten dunkeln verworrenen Begriffe von geschlechtlichen Verhältnissen, von Eifersucht, — von — was weiß ich. „Warum heirathet denn Cousine Anna?" fragte ich dumm naiv die kleine Emilie, auch eine Cousine von zehn Jahren, — „Damit sie Mutter wird und Kinder bekömmt," sagte Emilie altklug. Ich schlief die ganze Nacht nicht. Heirathen, — Mutter werden, — Kinder bekommen, — das ging mir alles im Kopfe herum, meine Neugier war gereizt, ich wollte mehr wissen. — Ich las die Bibel nach, — ich fand die Geburt Abels und Kains, die Geburt Jacobs und Esaus.—Das Geborenwerden des Menschen ward mir zum Räthsel, das ich nicht begriff, das mich Tag und Nacht plagte. Eines Abends saß ich bei der Mutter auf dem Sopha, sie strickte, ich hatte lange herumgedacht, der Vater war ausgegangen, plötzlich brach ich ganz unvorbereitet mit der Frage hervor: „Mutcer, kann ich auch Kinder bekommen?" Die Mutter sah mich mit großen Augen an, sie wußte nicht, was sie mir antworten sollte, endlich sagte sie: Dummer Junge! stand auf und ging in die Küche und ich hörte, wie sie sich draußen herzlich auslachte. — Ich hatte also etwas Dummes gefragt; das hatte ich weg; Große zu fragen, traute ich mich nicht mehr, ich wendete mich also an die kleine Emilie, die mir in diesem Punkte viel klüger schien als ich: „Höre Milchen," sagte ich, „kann ich auch Kinder bekommen? "—„Nein," sagte sie mit ihrem gewöhnlichen altklugen Wesen, „nur wir Frauen können Kinder hekommen, — aber es schickt sich nicht davon zu sprechen."—An ihren Worten zu zweifeln fiel mir nicht ein;'eines wußte ich also, nur die Frauen bekämen Kinder; einer meiner Spielkameraden, den ich fragte, sagte mir, sein Vater habe ein Buch, worin das Alles stehe, er habe ein Mal bineingeguckt, aber tüchtige Schläge dafür bekommen. Mir kam das sonderbar vor, die Menschen zu bestrafen, weil sie über ihren Ursprung nachforschten ; mir fielen die Antwort und das Lachen meiner Mutter, Emiliens Bemerkung : „es schickt sich nicht davon zu sprechen," wieder ein, — ich wurde ganz verwirrt. Der Gedanke: wie werden die Menschen geboren ? quälte und verfolgte mich beständig. In einem Buche sollte es stehen, ich fing an in den Büchern meines Vaters herumzufuchen und zu lesen, — das erste Buch, das ich las, war Spieß: Biographieen der Selbstmörder. Ob ich verstand, was ich las, weiß ich nicht, aber das Buch machte einen Ungeheuern Eindruck auf mich; man kann sich also selbst das Leben nehmen, dachte ich, und man kann es sich nicht geben; — dieser Widerspruch machte mir aufs Neue zu schaffen. Ich las nun die Biographie der Wahnsinnigen, den Rinaldo Rinaldini, viele andere Bücher, — mein Kopf wurde verwirrt, übernatürlich nicht klüger. Endlich besuchte ich eines Tages den Spielkameraden, der mir von dem Buche erzählt hatte; — seine Altern waren ausgegangen , wir spielten auf der Hausflur, wo ein großer Bücherschrank stand, und unseres Gespräches sich erinnernd zeigte mir mein Freund durch die Glasthüre das verhängnißvolle Buch, das ihm die Tracht Schläge zngezogen. Ich konnte kein Auge mehr davon verwenden, der Schlüssel steckte am Schranke, ich schickte Eduard in den Garten um etwas zu holen, — wie ich allein war, machte ich den Schrank auf, nahm das bezeichnte Buch heraus, schob die andern Bücher etwas auseinander, damit man keine Lücke sähe und versteckte meinen Raub unter der Treppe. Abends ging ich mein Buch hervorholend nach Hause. Auch hier versteckte ich das Buch, und nahm es endlich als alles schlafen ging unbemerkt mit zu Bette. Ich schlief allein in einer Schlafkammer, deren Fenster auf den Garten ging, — die Ungeduld und Neugier verzehrten mich uud ich durfte kein Licht machen. Zum Glück trat, während ich aufrecht im Bett kauerte und das Buch mit beiden Händen vor mir hielt, der Vollmond aus den Wolken und warf sein volles Licht auf mein Bett; — ich schlug das Buchaus, — eswaren Kupfer darein, — schreckliche Kupfer. Frauen mit ausgeschnittenem Bauche, in dem ein Kind mit großem Kopfe bald in dieser, bald in jener Stellung lag, Zangen und andere räthselhafte Werkzeuge, — mir standen die Haare zu Berge. Zitternd, mit verhaltenem Athem fing ich an zu lesen — ich verstand das Wenigste, das Buch war eine Entbindungslehre und handelte hauptsächlich vom Kaiserschnitte; die vielen lateinischen und griechischen Citate, die unverständlichen technischen Ausdrücke, meine gänzliche Unwissenheit, Alles dieses ließ mich nicht viel klüger werden, als ich gewesen war. So viel brachte ich heraus, das Kind entstehe im Leibe der Mutter; das Wie? ward mir nicht klar, und ich ließ es getrost von Gott darein erschaffen; — was das Geborenwerden aber anbetrifft, so war ich durch die verwünschten Bilder der festen Überzeugung, der Bauch werde aufgeschnitten und das Kind berausgenommen. Ich hatte keine andern Gedanken, keine Idee von der Liebe und ihren Geheimnissen mischte sich in meine schrecklichen Vorstellungen von der Entstehung des Menschen, — mein Kopf ward verwirrt, meine Augen von der Anstrengung des Lesens bei Mondlichte trübe, meine Sinne schwanden, ich fiel betäubt auf mein Kopfpolster zurück, das Buch auf die Erde, ich entschlief um wahnsinnig fürchterliches Zeug zu träumen. Als ich am andern Morgen erwachte, war mir Alles, was ich gesehen und gelesen, wie ein wüster Traum; ein Blick auf das Buch zeigte mir die Wirklichkeit, aber um keinen Preis hätte ich das schreckliche Buch mehr geöffnet; — ich eilte in die Schule, — auf dem Wege holte ich Eduard ab, warf, während er seine Sachen zusammenpackte, das Buch unter den Schrank und floh dann, wie vom bösen 3 an! Leset doch — Ihr erwartetet das von so wohlthäti- gen Leuten — leset doch— Erstens: Es sott daher, dahin gewirkt werden, daß die jungen Möpse in der Provinz sich rasch und lebenskräftig bilden. Zweitens (Ich mache keine neue Wohlthätigkeits- Vorschlägemehr, ich könnte ja, da meine Phantasten nichts kosten, blind in den Beutel der wohlhabenden Preußen hineinlangcn!): — Der Centralverein soll dafür sorgen, daß die Möpse in der Provinz aus dem nämlichen Tone betten wie in Berlin gebellt wird; und, drittens: — daß sie die armen Leute auch beißen, wenn es Noth thut!*) Und von was hängt die Wirksamkeit dieses herrlichen Vereines ab? Ihr meint von den Mitteln, weil Ihr z. B. wißt, daß man vom Essen satt wird? Ihr Thoren! Leset doch: „Von dem entgegenkommenden Vertrauen der Localvereine und des Centralvereins ist daher dessen Wirksamkeit wesentlich abhängig! — Das haben die Berliner in München gelernt: wenn Herr von Abel dreißig Millionen stiehlt, so erklärter der Kammer, so lange sie das Vertrauen auf den König noch hätten, schadete das Alles nichts! Die Baiern haben zwar kein Vertrauen, sie thun aber als hätten ste's, und die Preußen erwarten dieselbe Heuchelei von sich selber. — Also Alles hilft nichts, moralischer Einfluß, die Einrichtungen zur Förderung des moralischen Einflusses, der Central-Mäßigkeits-Vcrein mit sammt den Filialen — Alles umsonst ohne- ^Vertrauen." ,,Das Vertrauen (lest doch zu Ende, es ist aus) wird ihm aber nicht fehlen — wenn es da ist." Was die arbeitenden Classen von dem Mops also zu erwarten haben? Grade nicht mehr als von allen andern Möpsen: Davon angebellt und etwa in die Waden gebissen zu werden! I>. 8. So eben bringt die Pr. Allg. Zeitung die Nachricht, daß seine Majestät der König von Preußen den Mops durch Cabinetsordre vom 25. Oktober adoptirt hat. Er hat ihm zugleich i5voo Thaler geschenkt, wofür ein schwarz und weißes Halsband und eine Leine zum führen gekauft wird. Der Schwan soll über seinen neuen Bruder nicht sehr erfreut sein: wärs noch eine bürgerliche Möpsin, s la banne beure ! — sie mustcircn jetzt zusammen; der eine singt seinen Schwanengesang und der andere bellt sein Mopsrequiem: 'Luba inirnrn 8j)S!-ß6N8 SONUIN rc. rc. F. C. Bernays. Bis die „lebenskräftigen" Vereine fertig sind, laßt der König einstweilen die aufrührerischen Arbeiter in Schlesien mit 30 Peitschenhieben und zehnjähriger Zuchthausstrafe abspeisen. Er begnadigt sie vielleicht in ein Paar Jahren, um sie „sittäch und wirthschaftlich" werden zu lassen ! Corresporrdenz aus Morges. (Schluß.) Ich komme zu einem andern Punkt. M'" hat gesagt, die englischen, französischen und schweizerischen Arbeiter wollten aus Nationalstolz nichts von uns Deutschen wissen. Wäre dies wirklich wahr, so bewiese das nur, daß diese nicht-deutsche Arbeiter-Nationalnarren sind, die sich einbilden, es gebe eine französische und englische u. s. w. Wahrheit, und die ihre natürlichsten Freunde und Feinde nicht kennen. Aber dem ist nicht so. Sind in dem Kommunistenverein nicht viele Schweizer? Und habt Ihr nicht in der „Mannheimer Zeitung" gelesen, wie anti national es bei den Banketten herging, die vor einigen Wochen in London von englischen, französischen und deutschen Arbeitern gefeiert worden sind — und wie hoch dabei der Nationalzopf zum Gelächter aller in die Luft geschleudert wurde ? Habt Ihr nicht gelesen, daß diese Arbeiter eine Commission ernannt haben, die darüber bera- then und berichten soll, auf welche Weise eine Vereinigung aller europäischen Partheien des Fortschritts bewerkstelligt werden könne? Also glaubt nicht, daß alle Arbeiter Frankreichs und Englands und der Schweiz vom Nationalstolz geblendet sind. O nein! die Schuppen fallen den Leuten von den Augen, und sie sehen wo ihre eigentlichen Feinde, und daß diese Feinde im Grund keine Menschen von Fleisch und Blut, sondern nur Einrichtungen und Gesetze sind. Dort kommt also der Nationalzvpf aus der Mode, und hier will man ihn einführen. Sollen wir Deutsche denn immer um 200 Jahren hinter der Mode Zurückbleiben? Oh! oh! Ich habe Euch doch schon gesagt, daß die französischen Republikaner zu jener verfluchten nationalstolzen Erobc- rungsparthci gehören, die Euch den deutschen Rhein nehmen will und die, um Frankreich zu einem Soldatenstaat zu machen, in den Kammern für die Befestigung von Paris mitgestimmt hat; — Ferner daß die französischen Socialisten und Kommunisten die Einzigen sind, welche die Gleichheit der Völker predigen, welche uns die Hand reichen und uns Brüder nennen — und nun kommt F*" und verweiset Euch auf die „Eroberung der Donauländer!" Wahrhaftig, Freunde, es kostet mich Mühe gelassen über solche Vorschläge zu sprechen, durch deren Ausführung F*" die socialen Gebrechen Deutschlands heilen zu können glaubt. Weiß F"* nicht, daß durch Kolonien und Eroberungen die Gesellschaft nicht geheilt werden kann , daß unsere materiell» Noth nicht in der Uebervöl- kerung, sondern im Eigenthumsrecht zu suchen ist? fühlt er nicht, daß jede Eroberung unmoralisch ist? daß die Erde, oder ein Stück davon, nach den Gesetzen der Vernunft ebensowenig von einem Einzelnen als von einem Volk angeeignet werden kann, sondern daß dieselbe allen darauf wohnenden Geschöpfen gemeinschaftlich gehört? was helfen denn den englischen Arbeitern die Ungeheuern Kolonien, die Großbrittanien besitzt? Was helfen die Auswanderungen im Großen, die England veranstaltet hat ? Aber es handelt sich ja um Das nicht allein ; es handelt sich nicht allein darum , die Menschen materiell besser zu stellen; cs handelt sich ja um der Menschheit geistige Emancipation und Befreiung, welche nur durch eine totale Reform der heutigen Wucher- und Schacherwirthschaft bewerkstelligt werdenkann. Ach, wie oft muß man das wiederholen! Wie wenig F'" begriffen hat, was die Zukunft im Schilde führt, geht daraus hervor, daß er sagt, die Noth sei ja noch gar nicht so groß, ein guter und fleißiger Arbeiter finde immer noch sein Brod. Warum sagt er nicht „Drödchen," wie die armen Leute in Deutschland ? Meint man nicht, man höre die kluge preußische Staatszeitung ? O du mein Gott! — Es handelt sich ja nicht allein darum, ob und daß der Arbeiter sein Brod finde — sondern es handelt sich darum, aus diesem Gesellen, aus diesem Meister, aus diesem Nechnungsführer, aus diesem Spekulanten, aus diesem Kuh-, Ochsen- und Pferdcbauer, aus diesem Bedienten, aus diesem Pfaffen, aus diesem Advokaten, aus diesem Ladenschwengel u.s.w., es handelt sich darum, aus all' diesen traurigen Menschcn- karrikaturen, die alle bis auf den heutigen Tag geglaubt haben, sie seien nur dazu da, Geld zu verdienen oder zu gewinnen, freie und glückliche Menschen zu machen; es handelt sich darum, sie von dem Kothe zu reinigen, die trübe Nahrungssorge, schmutziges Geld, Vereinzelung und Philisterei aller Art in ihrer Seele zurüffgclassen haben u. s. w. Dazu brauchen wir aber nicht zu warten, bis die deutschen Arbeiter so elend und geistig abgestumpft sind, wie die Sclaven der englischen Fabriken. O nein ! die industrielle Noth wird in Deutschland nicht aus sich warten lassen ; aber cs ist von Wichtigkeit, daß unsere Köpfe vorher schon ein wenig aufgeklärt werden. Wir sollen nicht warten, bis uns die Noth das Messer an die schwindsüchtige Kehle setzt, sondern ihr als tapfre und gescheidte Kerle, und so lang wir noch Kräfte haben, cntgegcngehen und ihr den Schädel einsch lagen. F*" will Euch vom Kommunismus auch dadurch abhalten, daß er sagt, ein englischer, lumpichter Arbeiter mit dem stolzen Bewußtsein einem freien Volk anzugehören, sei glücklicher als ein mit Gold bedeckter russischer Staatsrath ; cs komme nicht auf die materiellen Genüsse an; es sei gemein, den Werth des Lebens nach dem besseren Essen und dem feineren Nock bestimmen zu wollen u. s. w., u. s. w., u. s. w. O es ist zum toll werden ! Wer bestreitet denn das ? Aber da machen sie sich aus ihrem eignen Mißverstand ein Männchen zu recht, Gewissen gepeitscht auf die Straße hinaus, wo ich ihn erwartete. Monate waren über dem. was ich so eben erzählte, vergangen, und Cousine Anna, die mit uns in einem Hause wohnte, ward plötzlich zu meinem Schrecken auffallend dick; sie werde ein Kind bekommen, sagten die Dienstboten. Ich hatte vom Apfel der Erkenntniß gegessen, ich traute mich nicht mehr zu fragen; aber mit unendlichem Schmerze betrachtete ich die Cousine, und wenn ich mich dann an das entsetzliche Buch und die fürchterlichen Bilder erinnerte, fing ich bitterlich zu weinen an, ohne daß man mit Fragen und Liebkosungen aus mir ein» andere Antwort hcrausgebracht hätte, als: „Ich weiß schon, warum ich weine." Eines Tages war große Bewegung in unserm Hause, der Doktor kam, nach ihm eine dicke widerwärtige Frau mit einem langen Päckchen unter dem Arme, in der Küche wurde Thee gekocht, — uns Kinder brachte man früh zu Bette. Annens Schlafzimmer war unter dem meinigen; — ich war kaum eingeschlafen, da weckte mich ein durchdringender Schrei, — cs war der Cousine Stimme, ein Wimmern und Stöhnen, auf Augenblicke Todtenstille, dann wieder neue und immer schauerlichere Klagetöne; — im kalten Schweiß gebadet, sprang ich aus dem Bette: „Jetzt wird sie ausgeschnitten'" war mein erster Gedanke, ich fiel mitten im Zimmer auf die Knie und betete in unsäglicher Herzensangst. Es war Winter, das Zimmer ungeheitzt, ich ,m Hemde, jch schlotterte vor Schreck und Frost, meine Zähne schlugen klappernd an einander, — es war eine Höllennacht; — wie lange ich diese Qualen erduldet, weiß lch mcht; — man fand mich am Morgen kalt und starr auf den Fußboden liegend. Als ich zu mir kam, lag ich im Bette, der Doktor saß neben demselben, die Mutter mit rorhge- weinten Augen reichte mir eine Tasse Thee. „Was macht Cousine Anna?" schrie ich voll Angst. — Man gab mir keine Antwort, der Doktor eraminirte mich, konnte aber nur unzusammenhängend- Antworten aus mir heraus- bringen; er verschrieb etwas und empfahl Pflege und Warmhalten. — Man ließ mich allein, die schrecklichen Bilder dieser Nacht schwirrten mir wüst im Kopfe herum, Niemand kam, — tiefe Stille im ganzen Haust; — ich hielt es nicht länger aus, ich stieg aus dem Bette, zog mich an und stieg die Treppe hinab; — unten auf der letzten Stufe saß unsere alte Magd und weinte. Die Thüre des untern Zimmers war nur angelehnt, ich sah hinein, Cousine Anna lag in der Mitte des Zimmers, blaß, starr, — todt auf einem weißüberdeckten Gerüste, ein kleines Kind in ihren Armen; — zwei Weiber ordneten die Leiche. „Arme Frau! man hat ihr das Kind mit der Zange nehmen müssen, und doch keine Rettung!" sagte die Eine; — es war das Letzte was ich hörte, ich fiel ohnmächtig zur Erde. Man trug mich in mein Bett, — drei Wochen lag ich im hitzigen Fieber und nur langsam kehrten Kräfte und Gesundheit wieder. Aber der Eindruck war ein bleibender, — und unter seiner Einwirkung entstand jener Schlußsatz : „Ich danke Dir, lieber Gott! daß Du mich hast kein Frauenzimmer werden lassen," den ich stets mit großer Inbrunst betete. Wie ich Vier- Jahre darauf erst über diesen Punkt aufgeklärt ward, wie ich die Weiber auch von einer andern Seite kennen lernte und von den schrecklichen Kupfern des Buches zu den rosigsten und lachendsten Lebensbildern überging, davon vielleicht ein ander Mal; —immer aber bleiben mir die Frauen die wahren Märtyrerinnen dieser Welt, und in meine Liebe für sie mischte sich immer ein tiefes Gefühl von Mitleid. Noch immer betrachte ich die Frau als das geschmückte Opferlamm der Gesellschaft, das man zur Sklaverei erzieht, zum Opfer vorbereitet, dessen Loos Dulden, Leiden und Ertragen ist, zu dessen höchster Tugend man Heuchelei gemacht hat und das unsere verkehrte gesellschaftliche Einrichtung mit Nichts entschädigt für die schweren Plagen, für die herben Leiden, die seiner auf dem Lebenspfade harren. Der flüchtige Lenz der Liebe rauscht ihnen pfeilschnell vorüber, — viele lernen ihn nie kennen, — die Galanterie und Schmeichelei der Männer ist nur das sammtne Futter im drückenden Halsbande der Abhängigkeit, die Sklaverei der Ehe folgt auf die Skla- verei^der Mädchenerziehung; — in sich zurückgedrängt, von Jugend auf gezwungen zu heucheln, werden die Weiber das, was die meisten von ihnen jetzt sind: unnatürliche Wesen, Tugend heuchelnde Sünderinnen, oder sündhafte verderbte Keuschheitsspiegel. Die Negersklaverei und die Leibeigenschaft hat man aufgehoben, — dir sklavische Mädchenerziehung ist geblieben und die Ehe ist ein heiliges Institut. Arme, verwahrloste, verdorbene, geknechtete Wesen, wann wird die Zeit kommen, wo man euch Menschenrechte einräumt? wo man euch erlauben wird selbstständig zu sein, selbst zu denken, selbst zu wählen, selbst zu handeln ? Erzieht das Weib menschlich,^stellt es mit dem Manne auf gleiche Stufe, gebt ihm Selbstständigkeit, ohne ihm seine Weiblichkeit zu nehmen, und ihr werdet keine Priesterehe, kein Ehescheidungsgesetz, keine Zuchthäuser für Ehebrecherinnen und Kindesmörderinnen mehr brauchen; ihr werdet keine schlechten Weiber mehr haben, — und ein neues besseres Geschlecht wird aus den edleren Umarmungen freier Paare hervorgehen. 4 heißen es Kommunismus und hacken dann darauf los. Freilich ist der englische Arbeiter glücklicherals der russische Staatsrach, gerade so ungefähr, wie eine Stu- bcnhure glücklicher ist als eine Straßcnhure, ein Neger- sclave glücklicher als ein Galeercnselave; der englische Arbeiter ist in keiner so verächtlichen Position , wie der russische Große; er darr doch brüllen und schimpfen, er darf Zeitungen lesen wenn er kann, er darf Volksversammlungen besuchen und die Arbeit einstellen, wenn er Zeit hat und verhungern will. Beweiset aber das Alles, daß er kein armer unglücklicher Hund ist ! Freilich kommt es auf die materiellen Genüsse allein nicht an. Aber die materielle Freiheit ist die nothwendige Grundlage, das unerläßliche Mittel der geistigen ! Wie oft sollen wir das noch sagen? Wir legen auf den materiellen Wohlstand und die materielle Unabhängigkeit nur darum einen so hohen Werth, weil sie die nothwendige Bedingung dieser Güter in geistiger Hinsicht sind. Man merke sich das, und komme uns nicht wieder mit solchen verkehrten Anklagen. Wenn übrigens der englische Arbeiter wirklich stolz wäre einer freien Nation anzugehören, so bewiese das nur, daß er ein eingebildetes Kalb ist, denn er gehört ja keiner freien Nation an. Geht mir doch mit eurem stolzen Bewußtsein ! Die Chinesen und Russen sind auch stolz auf ihr himmlisches Reich und die kleine rothe Sonne, den Kaiser. In Genf lauft ein Nan- herum in einem blau e n Hut, und in dem stolzen Bewußtsein , Johannes der Täufer zu sein I Aber ich sage Euch, solche Narren der Einbildung werden unter den englischen und französischen Arbeitern, ja selbst unter den schweizerischen immer seltener. Ja, ja, Freunde, verlaßt Euch darauf, der Nationalzopf kommt aus der Mode; man wird Euch auslachen, wenn Ihr ihn Euch anheften laßt. Doch mein Brief wird lang — und ich muß ihn leider kurz fassen, gerade über das, was das wichtigste ist. F"* und M"* werden Euch zu bereden suchen, alle Diskussion und allen Verkehr mit uns abzubrechen. -Hört nicht auf sie; ihre Rathschläge führen zum Übel. Nichts erzeugt mehr die Einseitigkeit, die Geistesarmseligkeit und den Scctengeist als — die Absonderung. Geht überall hin wo zwei streng gesonderte Partheien bestehen. Welches elende Gewäsch sie gegeneinander vorzubringen wissen, wie sie blind sind in ihrem Haß und ihren Vor- urtheilen, wie sie ihre Freude haben an ihren erbärmlichen Fraubasereien und Klopffechterftückchen, wie sie den Sinn für alles Ernste und für die Wahrheit verlieren ! Unter allen jungdeutschen Vereinen ist vielleicht der von Morsee der vernünftigste; er hat keinen Maulkorbartikel, der die Diskussion über Kommunismus verböte, er pflegt Umgang mit den Kommunisten, spricht und disku- tirt mit ihnen. Beharret, liebe Freunde, bei dieser löblichen Gewohnheit — und macht es nicht wie die hiesigen Jungdeutschen l die unsere Anträge, hier in Lausanne Ähnliches einzuführen — der Henker weiß warum? — zurückgewiesen haben —und zwar, wie man sagt, auf Anrathen ihrer Führer. Hiermit lebt wohl; auf ein andermal mehr. *«. Wir haben, wahrend der obige Brief unter der Presse war, ein Schreiben vom H.rrn Wilh. Marr erhalten, welches eine heftige Polemik gegen das zur Verständigung an die ^Jung- deutschen" gerichtete Sendschreiben eröffnet. So sehr unser Blatt nun auch, schon seiner innersten Natur nach, polemisch ist, so können wir -och unmöglich auf solche mehr die Persönlichkeiten als die Prinzipien berührende Localstreitigkeiten ein- gehen. Wir vertreten im ,,Vorwärts" die neue sociale Philosophie und ihre praktische Anwendung, und müssen mit dem uns, bei einem nur zwei Mal wöchentlich erscheinenden Blatte schmal zugemessenen Raume geizen; der jungdeutschen Parthei stehen dagegen in der Schweiz eine Menge liberaler Blätter offen, in denen sie ihre Ansichten und Meinungen verfechten kann, wenn sie diesen nutz- und zwecklosen Streit fortzuführen wünscht, — wozu wir keine Lust haben. Zur Ehre des Einsenders und seiner Meinungsfreunde müssen wir jedoch bemerken, daß er gegen den Namen und das Wesen des ,,Jungdeutschthums" als gegen ein längst dem Lode verfallenes Wesen protestirt und das Meinungsprogramm seiner Parthei in folgende Erklärung zusammenfaßt: ,,Die Aufgabe unserer Zeit ist dem Prinzipe einer vernünftigen Gesellschaft volle Anerkennung zu verschaffen. „Das Prinzip einer vernünftigen Gesellschaft ist der Men sch , — was diüber oder drunter, ist vom Übel. „Folglich ist die Aufgabe unserer Zeit ein Kampf auf Tod und Leben gegen veraltete inhumane Begriffe und Vorurtheilc, — die Tendenz unserer Zeit ist wesentlich eine kritische, negative." Wir sind aus diese Art nicht so weit auseinander, als Herr Marr selbst glauben mag; — die fernere Verständigung wird sich finden, — die Wahrheit hat sich noch stets Bahn gebrochen, während der Wahn zu Grunde ging. Die Zeit und die Ereignisse werden auch dieses Mal unpartheiisch richten. H. B. Auszügc aus: Die Bewegung des Socialismus und Communismus, Von Theodor Ölckcrs. (Fortsetzung.) Insgeheim und um sich zu bezeichnen nannte sich die Gesellschaft Loeieto des Ü^uux, und schon diese Namen deuten die Tendenzan. Gleichheit sollte in allen Verhältnissen des Staats und der Gesellschaft eingeführt werden und mansuchte ei- frigst auf das Volk zu wirken, indem man es an seine Verluste mahnte und ihm dasjenige vorstellte, was zu gewinnen war — Gemeinschaft aller Güter, Genuß,^völlige Gleichheit. Das Volk zeigte sich empfänglich für die neue Lehre. Das Direktorium mußte bald aufmerksam werden, doch wußte sich Ba- boeuf allen Verfolgungen zu entziehen und blieb trotz derselben an der Spitze der Gesellschaft. Jndeß konnte er seine Grundsätze hier doch nicht unbedingt und in vollkommener Ausdehnung geltend machen, und daher sah er es nicht ungern, als von Seiten des Direktoriums die Versammlungen geschlossen und die Theilnahme an denselben verboten wurde. Er war überzeugt, ohne diese Gesellschaft eher der Leiter und Mittelpunkt der Gleichheitsparthei werden zu können, und strebte nun mit allen Kräften nach diesem Ziele. Den Iribun du Deuxle, welcher noch immer erschien, konnte er nun als ausschließliches Organ seiner Grundsätze benutzen. Mit einigen seiner entschiedensten Anhänger vereinigte er sich, um vor allem einen Mittelpunkt der Partei festzu- stellen, zu einem geheimen und beständigen Direktorium, welches die neue Bewegung leiten und organisiren sollte. Außer ihm selbst waren die hervorragendsten Mitglieder: Darthe, ein ernster, engherziger, aber starr an seiner Überzeugung Hangender Mann. Ferner Buonarotti, auf den wir noch später zurückkommen werden. (Zwanzig Jahre nachher, unter der Restauration, schrieb er das Buch : Da Oorsiuration de Ladoeuf, Brüssel 1821.) Sodann Silvain Marechal, ein Mann, „ohne Rücksichten, Glauben und Anstand, ohne Achtung vor Sitte und Recht." — Die Massen waren schnell und leicht gewonnen und das Direktorium erklärte sich für die Lnsur- rektionelle Gewalt deö Volkes. Der Parthei der eigentlichen Republikaner verband man sich ebenfalls leicht, indem man hauptsächlich die Constitution von 1793 wiederherzustellen vorgab. DaS geheime Direktorium erwählte endlich auch eine geheime Nationalversammlung, bestehend aus neunzig Mitgliedern als Vertretern der Departements. Mit einiger Schwierigkeit gelang es endlich die Verbindung mit jener der Republikaner in eine zu verschmelzen. — Der Kommunismus in seiner ersten rohen Gestalt war jetzt dem Princip nach vollendet. Alles Alte, alles Historische wurde verneint. Negierung, Kirche, Staat, Wissenschaften, Künste, Eigenthnm sollten nicht mehr eristiren, die Städte zerstört werden, alle Güter gemeinsam sein. Alle Kinder sollten eine gleiche Erziehung erhalten, in welcher Keiner mehr lernen sollte, als Lesen, Schreiben, Rechnen, die Geschichte und Gesetze der Republik, sowie, insoweit eS dienlich, die Geographie und Statistik derselben. Die Vervollkommnung der Wissenschaften und Künste stellte man als ein Übel dar. Die Presse sollte sich, bei härtester Strafe, innerhalb der Grundsätze der Republik halten. Ein vollkommenes Nivellirungs- system — die Gesellschaft sollte ohne alle Unterschiede bestehen, nichts Hervorragendes, nichts Untergeordnetes durfte eS geben! DieeinzigeObrigkeit, welche dieser Kommunismus anerkannte, war diejenige, welche für die stete gleiche Gütervertheilnng sorgen sollte. Sie sollte die allgemeinen Produkte der Nation sammeln, ihre Anwendung und den Handel leiten. Man wollte den Naturzustand, und daher konnte es außer der Landwirthschaft keine Industrie geben. Nachdem sich das Comite, das geheime Direktorium über all' diese-Grundsätze gehörig verständigt hatte, schickte man sich an, zur That zu schreiten. Ein für das Volk ausgearbeitetes Manifest fand nicht allgemeine Zustimmung und wurde nicht veröffentlicht. Statt dessen erließ nun Baboeuf folgendes Manifest, welches seine und seiner Parthei Grundsätze darlegte: (Fortsetzung folgt.) Weitlings Kerkerpoefien sind bei Hoffmann und Campe in Hamburg erschienen. In unserm nächsten Blatte geben wir eine Beurtheilung und Proben derselben. Druckfehler Inder N. des lll.Nov., Anmerk, aufder letzten Seite, lies „DenMenschheitsmenchsen" st.atr „DenMenschheitswesen." In der N. des 20. Nov., Seite 3, Zeile 29, Spalte 1, lies „Der Einzelmensch" statt „letzter";, und Zeile 37, Sp. 3, lies „Die Anerkennung der Nothwendigkeit" statt „die Nothwendigkeit". Redakteur : Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. - -«MN MMMUMM Nlslllock« «ninuo pcTrir» i'ocklor'N'öT' Io» cksritL 8 MUD LzUIiUDL. 0MKNMMI7M l.c o'KVM5 PNQUM -7 8kNI_ MVLNHW HLdil-8 OLKdlOkKZ, D'e Hutfabrik von G. Hund, i-ue Uauikville, 38, empfiehlt sich mit den schönsten, dauerhaftesten und feinsten Hüten nach der neuesten Mode und zu den billigsten Preisen, als Filz-, mechanische oder Klapphüte zu l o Franken, seidene Hüte zu 14 Franken. Die Herrn Käufer finden die vollständigste Auswahl mit der schriftlichen Garantie, daß die Hüte während der ersten sechs Monate keine Flecken durch die Kopfausdünstung erhalten, und andern Falls gegen einen neuen um den halben Kaufpreis zurückgenommen werden. ,,10',I Unterzeichneter macht dem verehelichen Publikum bekannt, daß er Unter- lvllullilll, richt für Vi o line, Flöte, Guitarre und Gesang zu dem billigsten Preise ertheilt. Näheres im Bureau des Vorwärts zu erfahre». August Steiner. Paris, Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. YÄ Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... IS „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ...!-> „ Drei Monate. . . . S ,, Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. (Mittwoch.) Hsrw ar/ Man abonnirt: für Paris: rue ü«8 IUl)uIii>8, im Comptoir des Buchdruckervereins gugi IUr»!ac>u!ii!i . l5 : in der Mendel'schen Buchhandlung, i-ueclu k»8 «le I-, lciule, 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhar-», Spruce-Street, Nr. 3, in New-Psrk. ariter Deutsche Zeitschrift. <27. November.» Kerkerpoesien von Wilhelm Weitling. Hamburg, bei Hoffmann und Campe, 184t. (Angezeigt von Ferdinand Cölestin Bernays.) Ein mittelmäßiges Buch ist ein Unglück für einen Menschen, der wesentlich Schriftsteller ist, und je Größeres man von einem Literaten erwartet, desto schwerer lastet auf ihm die Schuld der Mittelmäßigkeit. Die eingestrenten geistreichen Stellen, die man in einer durchaus gelungenen Schrift bewundert hätte, findet man indem schwachen Werke eines bedeutenden Schriftstellers nur natürlich; — denn etwas absolut Schlechtes konnte er nicht machen, und die Schwäche zieht man von der Summe seines erlangten Ruhmes ab. Das Publikum, das Herrn Weitling als den Verfasser der „Harmonien" bewunderte, das Publikum, das von vorn herein den Menschen der schreibt, nur nls einen Schriftsteller betrachtet, dessen Werke bloS auf der Welt sind, um von ihm kritisirt und vergessen zu werden; kurzum, die alte bücherhungrige, bücherfressende speoies llomo wird ein einfaches Abzich- erempel machen, wird den Dichter Weitling vom Prosaiker Weitling subtrahiren, und den Rest seines Schriftstellerruhms bis auf weiteres in seinen Literaturhauptbüchern vermerken. So werthschätzt man seit langen Zeiten alle Menschen, am Schriftsteller wie am Banquier ist der Mensch nur die Handhabe; todt oder lebendig gibt in jedem Augenblicke die Handelsbilanz den Ausschlag, und den Menschen kennt man nur als Firma seiues Geschäftes. So kann ich Herrn Weitling und seine Bücher nicht beurtheilen. Ich freue mich meiner beiden Kanarienvögel wenn sie singen; — aber wenn der Winter in ihrer Heimath entzieht, und sie beginnen auch bei uns zu schweigen, dann spiele ich doch mit ihnen, und liebkose sie, ich helfe ihnen dann ihre Nestchen bauen und ihre Jungen füttern. Wie elend wäre ich, thät' ich's nicht; ich wäre ja ihres Gesanges nicht werth! So ist mir Herr Weitling mehr als ein Schriftsteller, wie mir der unglückliche Züchtling mehr als ein solcher ist. Nur die Menschen, die freiwillig ihre Menschennatur gegen ein Adelsdiplom, gegen eine Bürgerkrone, gegen ein Apothekerpatent und Schriftstellerruhm enttäuschen, denen der Titel und die Bedeutung eines Liberalen, eines tüchtigen Metzgers und Advokaten, eines Freisinnigen, eines Märtyrers, eines Biedermanns, den Menschen aus der Brust gejagt hat, die muß man mit der Geißel züchtigen, die sie selbst gedreht haben. Herr Weitling gehört zu diesen nicht;er ist nicht vom Schneider zum Schriftsteller und Kommunisten avancirt — den ^ Unterschied kaufte ich nicht theuer; er hat sich nicht erst in Prosa und dann auch in Versen versucht — nein, er ist ein Mensch, der, als er noch die Nadel und Scheere führte, über das Unglück seiner Mitmenschen nachdachte, und als er seine herrlichen Gedanken zu sammeln und darzustellen verstund, sie darstellte und mittheilte. So beurtheilen wir den Verfasser der „Harmon i en," so finden wir ihn heute im Züricher Zuchthaus als armen Gefangenen wieder. ,,Um sich zu trösten und um sich zu beschäftigen," macht er Gedichte, und weil er aus der Gefangenschaft erlöst, Geld zum Leben braucht, schreibt er sie zusammen und verkauft sie einem Buchhändler. Au Herrn Weitlings Buch habe ich also nichts zu kritisiren; es ist dazu nicht auf der Welt. Daß er von sich wie von einem Literaten spricht, ist mir lieber als wenn er's wäre und spräche nicht davon ; daß er immer noch nachher Bibel und dem Christenthum langt, um sich zu beweisen daß er recht habe, wenn und wie er denkt, thut mir leid, denn er macht sich damit eine unnöthige Mühe. Ich wollte unser» lieben Freund der großen Schaar seiner treuen Leidensgenossen nur in die Arme führen, dann mager, wenn denn einmal kritisirt sein muß, sich selber vor Euch kritisiren. Zu diesem Zwecke theile ich das Wesentliche aus seiner Vorrede und in dem Feuilleton auch einige seiner Gedichte mit: Feuilleton des Uorwärts. Bruchstücke aus Weitlings ,,Kerkerpoesien". 48 Stunden im Dunkeln. (Ende Januar 1844.) Da sieb' ich wieder in dem finstern Loch Und stoße an die unsichtbaren Wände Bald mit der Nase, bald mit Fuß und Hände. — Gott Lob! nun kenn ich diese Strafe doch! Siebt man dort oben in der dunk'len Zelle Dm Herren draußen immer noch zu Helle, Sv wird man hier auf Tage oder Stunden An diese schwarze Finsternis gebunden. Jbr blinden Blindenleiter! es ward Licht Einst ohne Richter, Polizei und Pfaffen. Die Übel, die ein blinder Geist geschaffen, Die heilet man durch Augenblindheit nicht. Mit Blindheit ist das arme Volk geschlagen, Drum steht es nicht, weß Bürden es muß tragen, Doch die es sehn, läßt man nach falschem Richten Durch Blindheit, Frost und Hunger hier vernichten. Ihr gebt uns täglich nur ein halb' Pfund Brvd. Im Dunkeln weiter nichts; so aufgerieben Durch Hunger zur Verzweiflung fast getrieben, Fand oder gab sich Mancher hier den Tod. — Wem nur des Hauses schmale Kost gewähret, Deß Körperkraft wird früber auch verzehret, Am frühesten dahier in diesen Mauern, Wo Tod und Krankbeit auf den Schwachen lauern. Mit der Bewegung geht es herzlich schlecht, Man taumelt hin und her auf Krug und Scherben, Und könnte schier vor langer Weile sterben : Denn stehn und sitzen kann man auch nicht recht. Das Liegen auf dem Boden ist noch schlimmer. Und liegen kann man wahrlich doch nicht immer : Man muß ja ohnehin auf harten Weiden, Die Nacht hindurch hier Schlaf und Ruhe meiden. — Es müssen Kranke in der Nähe sein; Man hört sonst nichts als husten durch die Wände: Das ist der armen Sünder traurig Ende Nach einem Leben voller Schmerz und Pein. Doch jene, die von Andrer Arbeit prassen, Die stehlen, doch sich nicht erwischen lassen, Die mit Betrug Gesetz und Recht umgehen, Sieht man oft hoch in Rang und Würden stehen. Schon sechs und dreißig Stunden zugebracht l Von Hunger weiß ich noch nicht viel zu sagen, Doch fangt der Puls an heftiger zu schlagen, Und länger wird mir diese zweite Nacht. Als Knabe konnte ich noch Geister sehen, Säh' ich nur jetzt hier einen vor mir stehen, Von Einem, der in's Dunkle einst gekommen, Und aus Verzweiflung drin das Leben sich genommen. Ein Flammchen schlug jetzt über mir empor, Von meinem Kopfe bis hinauf zur Decke. Jetzt wieder, da den Kopf ich darnach strecke: Das ist gewiß das Gas im Feuerrohr. Doch nein! dann hätt' es einen Schein gegeben. So täuscht der Mensch sich oft in diesem Leben : ^ch blickte scharf, damit ich etwas sähe, Und dabei stieg das Blut mir in die Höbe. Was hör ich ? Eine Lliinme auf dem Gang, Sie kommt von einer offnen Zellenrhüre. Das ist der Pfaffe, so viel ich hier spüre. Dort liegt vielleicht ein Sünder sterbend krank Auf sein m Bettein den letzten Zügen, Den will der Pfaffe noch einmal belügen; Zur guten Letzt ihm für das and're Leben Noch eine Lüge auf die Reise geben. Man hört ihn laut ; doch akur scheint mir nicht Daß er am Bette drinnen in der Zelle, Sondern von draußen von der Thüre Schwelle Das Wor: des Trostes zu dem Krauten spricht. Jetzt hat er ihn in Gottes Hand empfohlen, Doch so geschwind als stände er auf Kohlen. Was kann man auch für fünf und sechzig Batzen Des Tages viel mit einem Kranken schwatzen! Ein alter Zellenbruder sagte mir: Das die, mit welchem cs wird streng genommen, Acht Tage lang in solche Löcher kommen; Ja, vierzehn Tage war schon Einer hier: Daß wer in Wort und That sich grob vergangen, Dein legt man an die Arme schwere Stangen Von Eisen, die oft dreißig Pfunde wiegen; .Mit diesen muß er an der Kette liegen. Er sagte, daß fünf Tage lang gestrippt Schon Mancher lag an Füßen und an Händen, Und konnte weder Glied noch Hofe wenden. — Das ist die Nächstenliebe, die man übt! Wer mit den Brüdern gleichen Theil will haben Und gleiches Recht, den läßt mau hier begraben, Und läßt ihn durch Direktor, Wärter, Pfaffen Sv bald als möglich in den Himmel schaffen. Denke Dir einen Mann, sagt Herr Weitling, der im Strudel seltener Schicksale immer wie Andere die Verbesserung seiner Lebenslage im Auge hatte, aber zu dem "Schluß kam, daß dieselbe ohne die Verbesserung der Lebenslage aller Übrigen nicht dauerhaft möglich sei; der, nachdem er sich durch eigene Studien von der Möglichkeit eines solchen Zustandes überzeugt hatte, sich ohne die Hoffnung der Verwirklichung desselben und ohne thätige Mitwirkung für die Erreichung eines solchen Zustandes nicht glücklich fühlen konnte. Denke Dir diesen Mann von einigen seiner Freunde * falsch beurtheilt und somit in die Nothwendigkeit verseht, diesen seine Aufopferung und Uneigennühigkeit durch Nichtachtung der Gefahren auf's Neue zu beweisen. Denke Dir denselben in der Gewalt seiner bittersten Feinde, ein Opfer seiner Überzeugung, in die Unmöglichkeit verseht, den über ihn und sein Wirken ausgesprengten Verläumdungen, Lügen, Jntriguen und Irrthü- mern kräftig zu begegnen; denke ihn Dir mit dem Bewußtsein, einen wichtigen, die Erkenntniß der Wahrheit bezweckenden Gedanken, zum Wohle der Menschheit noch veröffentlichen zu müssen, und in halber Verzweiflung befürchtend, daß ihn dazu von seinen Feinden nun jede Gelegenheit abgeschnitten werden würde. Denke Dir denselben in dem Glauben nach dem Maaß- stabe des Züricher Rcchts(?)-Verfahrens in Preußen, seinem Vaterlande, auf den Inhalt seiner Schriften hin, eine nochmalige Untersuchung, so geist- und lebentödtend wie die frühere, bestehen zu müssen, und mit der Überzeugung, daß dadurch seine moralische und physische Kraft zu Grunde gehe; denke Dir dies Bild mit allen erdenkbaren, raffinirten geistigen Martern schatrirt, so wirst Du Dir das Bedürfnis; erklären, das mich treibt, seht wieder anstatt zur Nadel und Scheere, zur Feder zu greifen. Es war nicht Widerwille gegen mein Handwerk, was mich veranlaßte, schriftstellerische Versuche zu machen, es war weder Ehrgeiz noch persönliches Interesse. Nein, das ' war es nicht! — Ich fand in der Literatur eine ungeheuere Lücke noch nicht ausgefüllt, hielt die Ausfüllung derselben für das dem Wohle der Gesellschaft Allernothwcndigste, und Mächte mich nur an die Arbeit, weil ich sah, daß sie, so viel mir bekannt war, kein anderer deutscher Schriftsteller unternahm. Diese Thatsache steht unwiderlegbar fest, eben so meine Überzeugung, daß durch die Eigenheiten . des Schneider-Handwerks meine Studien in dem Fache der Literatur, welches ich bearbeite, möglicher waren als in vielen andern Geschäftsfächern. Ich glaube, ich mußte ein Handwerker sein, um für meine Prinzipien ein Schriftsteller zu werden; auf Universitäten wäre ich - - dies schwerlich geworden. Wenn ich jcht nun wieder schriftstcllere, so hänge ich die Schneiderei darum nicht an den Nagel, sondern an Es schafft der Mensch sich selbst die größte Pein; Gerechtigkeit muß er an Feinden üben, Und dennoch soll der Christ die Feinde lieben, Nicht Richter, nicht Verfolger sein. — Was ist Gerechtigkeit? Es sind Sentenzen, Sind Phrasen, die von fern wie Wahrheit glänzen. Doch würde uns Pilatus heute fragen Was Wahrheit sei, was würden wir ihm sagen? Hoffnung. (Ende Dezember 184 S.) Draußen in der freien Luft, In dem Frucht- und Kräuterduft, Draußen in dem weiten Feld, Im Gewühl der regen Welt, Draußen in dem lichten Raum, Pflanzt ich einen schönen Baum. Hoffnung hieß der schöne Baum, Freiheit hieß der lichte Raum; Schweizerland die rege Welt, Freies Wort das weite Feld; Freundschaft hieß der Kräuterduft, Froher Muth die frische Lust. Krankheit barg den frohen Much, Kerkernacht der Freundschaft Gluth; Freies Wort — im Schweizerland Ward's verfolget und verkannt; Meine Freiheit sah ich fliehn, Nur die Hoffnung blieb mir grün. den Drodkorb, damit die undankbare Literatur mir in § meinem Fache denselben nicht noch höher hängen kann. Ob ich in meinem Wirken vom Ehrgeiz geleitet werde oder nicht, darüber will ich Andern das Urthcil ohne Opposition überlassen, um so mehr, als jenes Wort in seiner Bedeutung meist falsch angewandt wird. Ehrgeitz ist nach meinen Begriffen der, welcher Andern je nach verschiedenen Beweggründen nicht gern Ehre crweis't; wer gerne in Allem seine eigene, ausschließliche Ehre sucht, den nenneich ehrsüchtig, und ehrlich den, welcher in seiner Lebensweise nicht gegen die Begriffe verstößt, welche sich Andre von der Ehre machen. Daß ich in meinem Wirken nicht ausschließlich vom persönlichen Interesse geleitet werde, darüber wird wohl unter Freunden und Feinden nur eine Meinung sein. Ich schreibe nicht ausschließlich um zu leben, sondern lebe um zu schreiben und somit durch Verbreitung meiner Schriften der Gesellschaft zu nützen. Vorliegendes Heft halte ich aber nur insofern nützlich für die Lehre, als es mir möglichen Falls die Mittel verschafft, andere wichtigere Arbeiten zu unternehmen; ich suche also Geld! Geld ist in unserer heutigen gesellschaftlichen Ordnung der Hebel, welcher dieselbe in Bewegung setzt; deshalb darf cs nicht verwundern, daß auch der Kommunist, welcher auf die Abschaffung des Geldes hinarbeitet, nach Geld schreit, und dadurch gleichsam beweis't, daß für ihn das erstere ohne das letztere nicht möglich ist. Das Gelb, als etwas unpoetisches, soll in diesem Vorwort nur dazu dienen, das Urtheil des Lesers zwischen dem Titel dieses Heftes und den nachfolgenden Versen, die ich ,,Poesien" nenne, in der richtigen Mitte zu halten. Nach meinen Begriffen sind Poesien angenehme, oft täuschende Bilder im fließenden Nedestyl, wohllautend zusammengesetzt; es sind Bilder, welche der innere, geistige Mensch sich macht, um durch ihre Betrachtung die unangenehmen Eindrücke der Wirklichkeit zu mildern und zu verwischen, oder den angenehmen eine längere Dauer und mehr Genuß abzugewinnen; folglich kann die Poesie besonders auf das Loos eines Gefangenen einen sehr wohlthätigen Einfluß üben; damit sie dies aber kann, muß sie den verschiedenen Lebenslagen und Gemüths- sti'mmungen angepaßl werden. Falls nun nach dem Urtheile der Leser einige der nachfolgenden Gedichte diesem entsprechen, so wäre dadurch auch zugleich der allgemeine Nutzen derselben bewiesen, waö meine Gewissensserupel in Betreff des Brodkorbes bedeutend vermindern würde. Die sociale Bewegung in Deutschland. Köln, den I3ten Nov. Ihr Blatt läßt keine Gelegenheit Vorbeigehen, uns Deutsche hier zu Lande bei dem alten nationalen konftikutiönnellen Zöpfe zu fassen, und uns nach Gebühr lächerlich zu machen. Wir geben Ihnen gerne zu, daß Sie, der Majorität unserer öffentlichen Organe gegenüber, hierbei in Ihrem vollkommenen Rechte sind, können Ihnen aber zugleich die Versicherung geben, daß die deutschen Organe ordinären Schlages weniger als jemals der Ausdruck der Volksmeinung sind; daß es namentlich nur der geringsten Aufklärung und Anregung bedarf, um die große Masse des Volks, die sich ihr Lebenlang nicht für Politik interessirt hat, auf das Feld der socialen Frage, auf das eigentliche Feld der Zukunft der Menschheit zu führen. Einen tatsächlichen Beweis für diese meine Behauptung liefert die am vorigen Sonntage in unserer Stadt gehaltene Versammlung behufs der Stiftung eines Vereins zum Wohle der arbeitenden Klassen. Sie wissen wie sich die Errichtung dieser Vereine an die Berliner allgemeine Industrieausstellung anschließt, wie seltsamer und vielleicht für Frankreich unbegreiflicher Meise die industrielle deutsche Bourgeoisie, grade als sie sich zum ersten Male als solche zeigte, unmittelbar einen Gedanken faßte, der bestimmt zu sein scheint, dem Mo- nopoledesKapitals, also der Herrschaft der Bour- geoisie selbst ein Ende zu machen. Der König hat in eigener Person die Errichtung dieser Vereine sanktionirt, grade während er damit umgeht, die Industrie, d. h. das Kapital, auf den Prvvinziallandtagen besser vertreten zu lassen — so wunderbar geht die Entwicklung hier vor sich! Um Ihren Lesern begreiflich zu machen, von welcher Wichtigkeit diese erste Kölner Versammlung gewesen; wie sie in der ganzen Hauptstadt der Rheinprovinz, und in allen sogenannten Klassen des Volks die mächtigste Sensation Hervorrufen konnte, will ich den Verlauf der Debatte kurz berichten, und um ganz sicher zu gehen, nur diejenigen Fakten erzählen, für diemein Gedächtniß mir Bürgschaft leistet. Der Vorsitzende zeigte zunächst an, daß die Einladung zur Versammlung von ihm ausgegangen sei. Er bitte die Versammlung darüber zu entscheiden, ob die Bildung des in Rede stehenden Vereins gebilligt werde. Da hierüber jedoch nach der großen Anzahl der Versammelten kein Zweifel herrschen könne, so möge man sich näher über die Tendenz - des Vereins aussprechen. H. *) Herr U., wer hat Sie ermächtigt, in Ihren öffentlichen Aufforderungen den Ausdruck „Wohl", den der Berliner Aufruf gewählt hatte, in „Aufhülfe" umzuwandeln? (Diese Verwechslung war einereine Zu- fä lligke it.) L. Ich finde keine Veranlassung, mich darüber zu ver- *) Ich bezeichne die Redner, deren Namen ich unterdrücke, mit bloßen Buchstaben, nach der Folge des Alphabets. Hoffnung! o wie blüthenreich Hing dir draußen jeder Zweig; Blüth' an Blüthe, Blatt an Blatt Strotzest du, doch plötzlich hat Wilder Sturm zur Frühlingszeit Mir damit den Weg bestreut. Traurig schritt ich drüber hin Bis zum Kerker, wo ich bin ; Doch es hat mich seit der Zeit Diese Reise nicht gereut; Mit zufried'nem, rub'gem Blick Denk ich jetzt daran zurück. — Hoffnung! schöner Lebensbaum! Brauchst so wenig Licht und Raum; Deine Wurzel, zart und fein, Senkt sich tief in's Herz hinein, Wo kein Himmel sie begießt, Keine Thräne auf sie fließt. Deine Blüthen welken hin, Aber And're seh ich blühn, Die kein wilder Sturm erreicht, Und kein gift'ger Sturm beschleicht, Volle Knospen, frisch und grün, Die im Leben nie verblühn. . . W. Weitling. Deutsche Borkämpfer drüben. Die „Mannheimer Abendzeitung" und die „Triersche Zeitung" sind, nachdem der „Sprecher" in Wesel durch preuß. Censurdruck in seiner höchst wacker begonnenen Laufbahn gar bedeutend gehindert worden, die einzigen Blätter, welche rüstig und talentvoll den Kampf für das neue Weltprinzip in Deutschland führen. Die Schwierigkeiten die sie zu bekämpfen haben, sind fast unermeßlich; bald streicht der Censor ganze Seiten, und die Redaktion muß in der Eile einige inhaltslose Sähe und Redewendungen in die leeren Stellen einschieben; bald erlaubt der Censor eigenhändig sich Correcturen, und der Gedanke erscheint in einer Mißgestalt die mit der ursprünglichen wenig mehr als die Druckerschwärze gemein hat. Die Censur selbst, dies Institut der sich selbst üderschlagenden Willkür, hat keineswegs so fest bestimmte Regeln, daß der mit ihr beauftragte Beamte in jedem vorliegenden Falle wüßte was er stehen lassen oder verwerfen soll; daher es häufig kommt, daß er die Gunst höhern Orts verliert und von einem andern ersetzt wird, der die Vorschriften oder vielmehr die geheimen Wünsche seines Landesherrn richtiger zu errathen vermag. Die „Triersche Zeitung" hat aber, neben den allgemeinen Hindernissen, ein besonderes zu besiegen; in der Gegend des widerlichsten Fanatismus, in der Stadt wo so eben eins der empörendsten und leider zugleich komischesten Schauspiele vor den erstaunten Augen des aufgeklärten Deutschlands mit Regierungsbewilligung und unter dem Jubel der geistig Verdumpften aus allen deutschen Klassen aufgeführt wurde; in dieser unreinen Umgebung, sagen wir, hat sie die heldenmäßige Arbeit übernommen, den Socialismus zu studiren, die Scheu des Publikums vor ihm zu heben und rastlos nicht blos dieMöglichkeit, sondern auch die Unerläßlichkeit socialer Verbesserungen zu erweisen. Wir wissen auch, daß ihre Redaktion während der Nockwallfahrt manchem „kindlich frommgläubigen" Artikel den Eintritt in die Spalten des Blattes versagte und hiemit sich den Verlust einiger hundert Abonnenten im katholisch-christlichen Publikum zuzog. Möge sie getrost in ihrem harten Ringen trotz und mit Censur und Aberglauben fortfahren; sie hat für jene Schmälerung der Einnahme einen schönen Zuwachs an Achtung und Ruhm gewonnen. antworten, da ich von Niemanden ein Mandat hatte. 6. wünscht, daß sogleich über die Tendenz des Vereins gesprochen werde, da es zweifelhaft sei, ob die des Berliner Vereins der Versammlung zusage. k. Dies wird am Besten dadurch geschehen, daß wir gleich über den Namen des Vereines, der mit der Tendenz eng verknüpft ist, dcbattiren. 1). Herr v. möge seine Ansichten entwickeln. v. Die Aufgabe muß in jeder Beziehung allgemein gefaßt werden, der Verein muß seinen Kreis möglichst weit ziehen. Alles was für das Wohl der arbeitenden Klassen zu thun ist, muß sich im Mittelputtkte.dieses Kreises eoncentriren, damit von hier aus nach allen Seiten zu wirken wäre. Die Noth ist eine materi elle und eine geistige, und hallt in allen Klassen der Gesellschaft wieder, die Hülfe muß daher eine gegenseitige sein. Ich beantrage daher die Definition des Vereins dahin : „Verein, der sich den Zweck gesetzt hat, den gesellschaftlichen Zustand durch alle Mittel zu verbessern, die sich bereits bewährt haben oder noch bewähren werden." wünscht den Namen des Berliner Vereins beizubehalten, besonders da die Anregung dazu von Berlin ausgegangen sei. 6. Das ist nicht richtig; es sind grade Männer des Nheinlandes, die die Sache in Berlin angeregt haben (Commerzienrath Di er gar dt aus Viersen, z. B.); außerdem beabsichtigt der Berliner Verein nichts Anderes , als was in Aachen längst ausgeführt ist. Das schlafsüchtige Rheinland (ungeheurer Lärm).... Auch in Kommunalangclegenheiten har sich das gezeigt.... Der Sprecher muß unter ungeheuren Lärmen und Klopfen aufhören. Mehrere Stimmen : Hinaus Hinaus! x. Ein Hauptzweck des Vereins muß sein, die Kluft zwischen den verschiedenen Volksklassen auszusüllen. (ein hoher Offizier) verliest eine Denkschrift, die er über den Gegenstand bis in's kleinste Detail ausgearbeitet hat. Er wird in der Mitte vom Vorsitzenden unterbrochen und gebeten, die Denkschrift zu den Akten zu geben. Was auch geschieht. 6. Der Verein muß vor Allem die gegenseitige Hülfe aller Klassen feststellen, sowohl in materieller als in geistiger Beziehung; er muß darauf hinwirken, die menschliche Entwicklung zu einer allgemeinen zu machen. Was für einen Theil geschieht , kommt Alle n zu Gute. Wie kann man sich z. B. einen Fortschritt in politischer Beziehung denken, Vernicht auf dieser socialen Basis beruht. Wie die Sache jetzt steht, wird sich ein großer Theil des Volkes nicht um Preßfreiheit bekümmern, deren Erlangung nicht zu seinem Augenmerk machen, weil er ja ihre Vorzüge nicht zu würdigen im Stande ist. Ich schlage den Namen „Gegen- seitiger Hülfs- und Bildungs-Verein" vor. H. Wenn man überhaupt noch von Klassen reden will, so muß man zwei annehmen: eine schaffende, nützliche, wohin Alle gehören, welche mit der Hand und dem Kopfe arbeiten, und eine müßige, schädliche, welche von derArbeit der erstern zehrt und ihr nur lästig fällt. Wenn keine verzehrende Klasse da ist, wozu dann eine arbeitende? (Allgemeine Heiterkeit.) Ich beantrage noch einmal die Beibehaltung des Berliner- Namens. L. Ich bemerke, daß selbst der Berliner Centralverein in seinen Statuten die größte Selbstständigkeit für seinen Lokalverein festgesetzt hat. l. und L. unterstützen den Antrag : „Gegenseitiger Hülfs- und Bildungsverein." K. macht starke politische Anspielungen. I, . Der Verein muß vor Allem den Grundsatz der gegenseitigen Verbindlichkeit aller Mitglieder der menschlichen Gesellschaft aussprechen; denn die ganze Gesellschaft, mithin doch zum Theil auch jeder Einzelne, trägt die Schuld an den bestehenden gesellschaftlichen Mißständen. Jeder hat das Recht, Arbeit zu verlangen und die Gesellschaft mithin die Pflicht, Arbeit zu geben, und zwar Arbeit, welche die Menschen nicht^körper- ich und geistig erdrückt. Fürchten wir uns nicht, Grundsätze aufzuftellen, welche Manchen zu weit zu gehen scheinen , damit wir uns nicht in der Wahl der Mittel vergreifen. L. Sv wollen wir über den Namen : „Gegenseitiger Hülfs- und Bildungsverein" abstimmen. iVl. verwehrt sich dagegen, daß der Verein bezwecke, politische Verbesserungen herbeizuführen, was der Antragsteller angedeutet habe. O. Ich habe nur bezeichnen wollen^, daß alle Klassen einander bedürfen, um eine wahre menschliche Bildung zu erlangen. Der Verein muß auf dem Prinzip der Hülfe der Menschen untereinander beruhen. lU. Damit bin ich einverstanden. N. Ich beantrage den Namen „Gegenseitiger Hülfs- und Dildungsverein zunächst für das Wohl Verarbeitenden K lassen." O. Ich: „Bürgerverein." b.. Das Wort „Bürger/' bourgeois, hat in einem Nachbarlande eine so sonderbare Bedeutung grade in diesen Angelegenheiten erhalten! Unter allgemeinem Gelächter schrcitHerr k.: Ltto^en! 1. Erklärt sich gegen den „Bürgerverein." <). Wollen wir nicht zur Wahl des Comites schreiten, statt uns über den Namen zu streiten? >1. und?. desgleichen. 6. Ich bestehe auf der Abstimmung über meinen Vorschlag. li. morivirt seine Ansicht gegen die heutige Festsetzung des Namens. 8. Die Diskussion hat ergeben, daß zwei Grundanstch- ten obwalten; die eine trennt die Gesellschaft in zwei Klassen und spricht von einer Erhebung der niedern; die andere nimmt nur eine Gesellschaft an, deren Mitglieder gegenseitig verantwortlich seien. Das Wirken des Vereins beruht nach der letztern Ansicht auf Gegenseitigkeit. Man muß wissen, welches die Ansicht der Majorität ist, mithin die Namen firircn. Meine Ansicht ist die des zweiten Prinzips, zumal alle Einrichtungen der Rhein- prvvinz auf dem Prinzip der Gleichheit beruhen, mithin auch die gesellschaftliche Gleichstellung ausgesprochen werden muß. L. Es waltet keineVerschiedenheit der Grundsätze ob; es handelt sich nur um die Zweckmäßigkeit, welcher Name vortheilhafter sei. L. bringt zur Abstimmung, ob heute der Name firirt werden solle. ES ergeben sich 170 für, Ivo gegen die Firi- rung. Hierauf wird Zur Wahl eines Comites aus 12 Personen geschritten, welches die Statuten binnen 14 Tagen vorlegen soll, und zugleich Vorschläge, über die Benennung machen wird. Die Wahl selbst fiel fast gänzlich auf die Vertheidiger der gegenseitigen Verbindlichkeit. Compes, Advokat-Anwalt . . Jung, Assessor ...... D'Ester, Di-, ineü. . . . . Schützendorf, Schuhmacher . . Kramer, Medailleur . . . . Fr. Raveaur. Fr. Heuser, Kaufmann . . . G. Mevissen, Kaufmann . . . Meyer, Advokat . . . . . Albrecht, Schlosser . . . . Lölgen, Bierbrauer . . . . Camphausen, Landtagsdeputirter rs3 Stimmen, 184 16V 161 ,, 105 „ 104 ,, 100 V6 84 " 80 73 72 „ Man sieht, wie schlagend richtig die ganze Frage von vielen der Sprecher gestellt worden ist, und begreift, wie mächtig afficirt das zahlreiche Publikum den Saal verlassen mußte, nachdem vor den Ohren der ungeheuren Majorität die menschliche Frage zum ersten Male berührt worden war. Auch scheint diese öffentliche Debatte in der ganzen Stadt zu tieferem Nachdenken herausgefordert zu haben, als die Mahl- und Schlachtsteuer, die Petitionen ym Judenemancipation, oder dergleichen, was das Volk hier zu Lande bisher als das Höchste kannte. In allen Wirthshausern ist die Rede von der Einheit der Gesellschaft, von der gegenseitigen Verbindlichkeit aller Klassen, vom Rechte zur Arbeit und der Pflicht der Gesellschaft. Die Theorien, mit denen früher der Bürger in's Bockshorn gejagt wurde, weil er sie nicht kannte, nur weil sie ihm von den Geld- und Gewissenswächtern als Erfindungen des Teufels vorgemalt wurden, gewinnen jetzt an Kredit, und der gemeine Mann sagt : „Es ist-doch so unsinnig nicht." Er wird schon noch weiter kommen, und diese erste Kölnische Versammlung ist in der That so glücklich ausgefallen, daß sie als eine neue Epoche im rheinischen Leben betrachtet werden kann. Zwar schreien die Philister schon wieder gewaltig, sie Hecken tausenderlei Verleumdungen aus, sie möchten das Volk um Alles in der Welt gern mißtrauisch machen. Aber diesmal, Ihr Herrn, kommt Ihr zu kurz; Diesmal geht des Volkes unmittelbares Interesse mit der Theorie Eurer Gegner Hand in Hand. Diesmal könnet Ihr dem Volke nichts versprechen, was ihm andere Leute nicht geben könnten. Von der zweiten Generalversammlung berichte ich Ihnen bald. Vierundzwanzig Peitschenhiebe und zehn Jahre Schanzarbeit. So lautet das bekannte Urtheil deszkönigl. Criminal- gerichts zu Breslau gegen die Rebellen von Peterswaldau. Wenn eine Epoche dem Grabe zueilt, sammt allen ihren Einrichtungen und Gesetzen, sammt ihrer Religion und ihrer Moral, dann bäumt sie sich noch mehrmals wild empor in ganzer Scheußlichkeit; dann schleudert sie wüthiger als je ihre Strafverordnungen auf die Personen, welche als Vorläufer der neuen Zeit Bahn brechen wollen. Es hat wieder einmal sich aufgerichtet, das blutbespritzte preußische Landrccht, das greise sündige Ungeheuer, und har sich an Menschen und Menschenblut gelabt. Vierundzwanzig Peitschenhiebe und zehn Jahre Schanzarbeit.... Wißt Ihr, was das heißt? Seht Ihr in oder bei den konigl. preuß. Festungen ersten Ranges ein Rudel menschenähnlicher Gestalten auf brennender staubiger Chaussee, im Wassergraben, im Stra- ßenkoth, auf den Wällen die härteste, widerlichste Arbeit verrichten, die man nur Maschinen übergeben sollte; tragen sie eine schändlich doppelfarbige Kleidung, grün die eine, gelb die andre Hälfte von oben bis unten; ist ihr Hals in einen Ring geschlossen mit zwei weit hinragenden Eisenhörnern; schleppen sie Kette und Kugel am Fuß und marschiren Liniensoldaten mit geladenen Flinten nebenher : dann habt Ihr die preuß. Schanzverdammten vor Euch. Vi erundzwanzig Peitschenhieb e und zehn Jahre Schanzar beit. — Wiedas die tückischen Herzen der Regierungsknechte und der Kirchenbuben kitzeln muß! Sie reiben sich froh die Hände und blinzeln gen Himmel und sprechen mit Salbung: also geschehe allen die Gott, König und Geld lästern. Vierundzwanzig Peitschenhiebe und zehn Jahre Schanzarbeit! —Warum nicht lieber erschossen oder gehangen? Das wäre „zu radical;" das wäre „nicht christlich;" das wäre „aufregend;" das wäre vor allen Dingen dreist. Aber Deutschlands Tyrannen sind feige Despoten, eben so feige und eben so christlich wie ihre Unterthanen. Und wofür diese Strafe? Dafür, daß sie durch die Fabrikfürsten in tiefste Verzweiflung gestürzt worden. Dafür, daß ihnen endlich der Blick hell geworden, indem sie eingesehen, daß alle Menschen Brüder sind und gleich und gleiches Lebensrecht besitzen. Dafür, daß sie den absoluten König höhnten, ihn der fünfzehn Millionen für Theater und Kirchen verausgabt hat und sich einen Landesvat er nennt. Dafür, daß sie Eigennutz und Geld aufgehoben wünschten, indem ihr einfacher Sinn richtiger sah als die aberwitzige Weisheit der Professoren und Priester. Dafür, daß sie endlich selber Hand an's Werk legten und niederschmetterten was ihnen als verworfen erschienen. Dafür vierundzwanzig Peitschenhiebe und zehn Jahre Schanzarbeit! Die Proletarier Deutschlands haben hier eine Niederlage, aber nur zum Scheine, erlitten; jene schlesischen Weber sind die verlornen Posten einer siegreichen Zukunft. Wie jedoch dieselbe sich bewerkstelligen möge, ob friedlich oder blutig? dieses wird von der Energie der friedlichen Propaganda abbängcn und von dem Grade der Bereitwilligkeit, mit der die deutschen Privilegir- ten die Ohren öffnen. Bricht aber das Schlimmste herein*), dann könnte eine neue Frage entstehen, nämlich : ob der kleine deutsche König das ganze große deutsche Proletariat, oder ob umgekehrt das deutsche Proletariat den deutschen König zu Peitschenhieben und Schanzarbeit verurthcilen wird? Die Lösung dieses letztem Dilemma's bleibt der Geschichte überlassen. Der Mensch, das jüngste Geschöpf der Erde. (Nach Dr. Hermann Burmeister „Geschichte der Schöpfung," 1843.) (Schluß.) Unbestreitbar ist unter den Schädelformen : i) Die elliptische denjenigen Nationen eigen, in welchen sich die Menschheit, der echte Menschentyvus, am unvollkommensten darstcllt. Es kann hiebei, wie sich wohl von selbst versteht, nur von dem die Rede sein, was diese Nationen im bisherigen Zustande waren § es darf forthin nicht mehr der unmenschliche Schluß gefolgert werden, es seien dieselben auch des allgemeinen Fortschritts unfähig. Wie sollten sie das? sie alle sind doch Mitglieder des Menschengeschlechts. Aber die Geschichte zeigt, daß diese Race, allein, sich selbst überlassen, es zu nichts in Kultur und Gesittung bringt; während kaum einzelne Individuen, aus ihrer hinderlichen Nationalumgebung herausgezogen und in höhere, geistig reichere Verhältnisse unter die europäische Race verpflanzt, allerdings, wenn der Versuch im hinreichend frühen Lebensalter geschah, ziemlich sich entfalteten. Immer aber gelungen ist es keineswegs. Dagegen ist in der Vermischung, in der einfachen Racen- kreuzung, das große, allgemein gültige Mittel der Zukunft gegeben, diese verwahrlosten Sprösslinge der Natur zu veredeln, wenn nämlkh —und das ist unerläßliche Bedingung — die europäische Race geistig und somit auch materiell vollständig bis zu dem Grade von Menschheits- dewußtsein emancipirt worden sein wird, daß sie, mit einem genialen Überblicke den ganzen Erdball umfassend, human und selbstgewiß das Glück den entfernten Brüdern zuführen kann. Dann, aber nur dann wird man Nacenkolonien und Nacenverschmelzungen in ein Ganzes, wird man Auflösungen der gehässigen National- und NaturunNrschiede in die Eine und Untheilbare Menschheit sich ereignen sehen; das werden die wahren Kolonieen sein. Dann erst ist auch eine wirkliche Civilisirung ') Wir Hessen es nicht. Les semaines ckramatiques se solvent et ne se i es- semLlent pas. Xutsnt l'avant-ckeruiere n et« steiile , »utant celle qui vient cke s'ecouler s ete ricLeen pro- ckuctions remarquaLIes. Voicick'aLorck «ne /-ernnee cke-«crrcrrriecrnL,comeckik t»nt atlenckue et tsnt ckesiree. lout le rnonäe eu par- lsit svaut qn'el!« n'ait PSI u : tout le inoncke vouckra la voir msinlenant : c'est eie rigueur. Le n'est meine que cke cette maniere qu'on saurs ckestnilivement » quoi »en tenir sur le merile st« I» piece. Lsrjusqu'ici les »vis »ont parta^es. Le pulckic eu ckit un Leen inlini. Il acconrt eLaque soir en foule au tLeätre, applauckit peuckant plus ck'une lieure, sans ckesernpsrer, r>t eoinme un fou, pleure eonnne nn enfant, et s'en vs eu ciisnl : « e^crrman/, cert cke/rcrettu?, etc., etc.;» tanckis que les sristsrques ^rss et insi^ies, Larl»us et ssus LirLe, fsisant ckes feuilletons ou eies Lulle- tius seulement, se mcnfouckent, groAnentel ckecLirent leur ickole cle lg veille, cetle meine /-'rnrnre cls guccr- qu'il» gvgieol presque actoree tautot. (^ui a lort etqui g raison? Le temps seul le ckecickera. Ln at- teniiant, voici le »ujel cke la piece : Ln jenne coint« ruine est sur le poinl ele se Li nler lg cerveile;cour ecLa;>perauxcreaucier8. Lue lennne se presenie : elle a quaranle mill« livres ele reute, et quarante uns doones. Lille «8t belle eucore. 1,ecointe l'siine, et I'es-ouse. Le voilä inari et meine ^>er6 ; car ls jolie veuve a iine kille cle ckix-si-pt ans, qu'cgle g e« »oin cke ne pas laue liz-ure, sur le contrat cle ins- risße. Do« uniou sussi ckisproportionuee sera-t-elle Leureuse? L'est ce gue l'auteui n'a pas piouve. sslais tauten voulant conciure pour,il n'a pn que pi edier noutre. 8'il eüt lait sulrement, c'eüt ele peut-etre plus morel, mei« g coup sür moin» vrgiseinLlgLIe, et ) gewisser Stämme möglich, die zwar zu derselben Rate wie die Europäer gehören, doch geistig sehr tief stehen bleiben, so lange sie nur ihre eigene Kultur behalten. Der elliptische Schädel ist seitlich zusammengedrückt, das Gesicht ist schmal, dessen größter Durchmesser in den Backenknochen; schmale, niedrige, geneigte Stirn, vorspringendes Gebiß , zurückgezogenes Kinn ; Scheitel fast scharfkantig, Hinterhaupt weit hinterwärts ragend. Denkt nran zwei Linien, die eine bei seitlicher Vorlage des Kopfes, durch Ohröffnung und Nasengrund , die andere Linie durch eben diesen als Berührungslinie an die Stirn gezogen, so ist der durch ihr Zusammentreffen entstehende Gesichtswinkel nur etwas über 75 Grade groß bei den Nationen dieser Schädelform ; Blödsinnige und namentlich die Kretins erreichen selbst dies Minimum nicht; bei 7N Graden beginnt der Affenschädel und so geht es fort durch alle möglichen Grade bis zum Minimum der Größe überhaupt, welches der Wallfischkopf darbietet. Wenige Grade also über das Gesicht- und Schädelmaaß des Affen besitzen die Neger, die Kaffcrn, Hottentotten, die Papus und ein ziemlicher Theil der Uramericaner. Nach der Hautfarbe kann man die elliptischen in die schwarzen kraushaar igen, in die braunen kraushaar igen und in die braunrothen schlichthaarigen sondern. Der ersten Gruppe gehören sämmtliche Negerstämme Africas an und die Papus von Neuholland; letztere sind die widerlichste, häßlichste Race, die bekannt ist; Geschöpfe die auf der niedrigsten Stufe der Menschheit stehen und vom Affen körperlich kaum weiter entfernt bleiben, als die Africanischen Neger von den Indo-Germanen. Ihre dünnen Gliedmaaßen, ihr dürrer Bau), ihre gleichsam hängenden Nasen sind analog mit dem Affentypus. Der Neger ist körperlich weit stärker, gewandt, aber der Gesichtsausdruck bleibt noch viel hinter den Mongolen zurück.— Die braunen kraushaarigen sind die Hottentotten, von den Negern nicht sehr verschieden; mit langen schmalen Händen, flachen langzehigen Plattfüßen und aufgeworfenen Affenlippen. Die Beckengestaltung des weiblichen Geschlechts fast wie bei dem Affen. Zierlicher, ebenmäßiger sind die rothfarbi gen, schlichthaarigen Ureinwohner America's; die Ka- rahiben, oder ersten Einwohner der Westindischen Eilande, und ein Theil der östlichen Bewohner Nord- wie Südamerika's scheinen auch hiehcr zu rechnen; sie stehen oder standen (denn die Mehrzahl ist bereits ausgestorbengeistig am höchsten unter allen Stämmen mit elliptischem Schädel. 2) Nationen mit quadratischem oder kubisch e m Schädel. Durch die übrigen amerikanischen Stämme geht die vorige Form allmälig in diese über. Scharfe Abgrenzungen finden hier nicht statt; während die rohen Bewohner des hohen Nordens und tiefen Südens in beiden I» picc« flkviknflrsN » soo tour veuvc cl« ccs cLai- inkentcs ^etiles pei'Pktics, qui l» rcnckkot r>i interessant«, et cjue I'inquietuüe et. la Jalousie ci'uae letnme SA 66 loutjuste »8862 piour reckouter l'inlickelite, 1'in- const-nwe, l'sbunflon s»eut-e>re cl'un inari cle vinj-t- cioq »ns ont seules j>u f»iien»itre. 1>e sujet, cliseut les. ci iticpues, u'est z>ss veuk. L» piece » quelcjues pioints cle 1 68seinLI»uce »vec le^e««« «rar/, »vec l'Lco/e ,/es l^rer/^arckr et avec r/ne /a/o«»e.iXous p>ouvc)l,8 Vous sssurerqu'» I» cieuxieine reprresentatio», cl> ux messieues^ cl'une min« fort res- peclaLIe, nos voisins, ne s*en sout p)»s »per^us le ino,ns cla inoncle, et cjue le puLlic nous » p>»ru faire cointne eux. Il est ^roLaLIv c^u'il en ser» cle ineine tous les soirs. Les Premiers cleux »ctes, clisent encore les criti- ^ues, so>>t peu comi^ne» Or, Ü8 tont rire aux eclats. Le troisieine, ajoutenl-ils, est cl'un clrainatique troj> sentimental. Bant mieux ! et nous sommes suis c^ue ceux ou celles ,jni pleurent un peu n'en sont nulle- ment facstes. Leseul reproZie »n s>eu fonclequ'on pourrait fijre » Is comecliecle N.Oaloppe cl'Oncpiierre, c'estcle n'a- voir pas lait cle son lieros un clievalier un peu plus parisien, üe 8» Lei oine uue feinine un peu rnoins pro- vinciale. 8'il »v»ii mieux coinpi is ces cleux c»r.>cteres, lll. le ccnnte »urait s»us cloute pari« inoins Lott. II ^ » »u-si un peu cl'atke- terie clans le ianga^e cle certams personna^es lVIa- clame Volnz-s joue ä r»v>r; N Naillarcl a renipii son rüle svec Leaucouj) cle teilen! ; maclemoisi lle Oo?.»-u America's meist würielartige Schädel zeigm, verwandelt- sich die Form unmerklich bei den gebildetern Völkern iw Peru, Quito, Meriko in die ovale. Der kubische bat einen fast viereckigen Gesichtsnmriß, breite niedrige Stirn, starke Backenknochen, breites senkrechtes Gebiß und eben solches Kinn, flach gewölbter Scheitel, stumpfes Hinterhaupt. Diese Gestaltung erscheint bei den Samojeden im Nvrdin Asiens, bei den Mongolen und Chinesen; ein sehr schwacher Bart, breite dicke Nase, schief geschlitzte nach außen und oben gezogene schmale Augen, sihr dicke Lippen, kurzes breites Kinn, weizcngelbe Farbe und schwarzbrauu glänzendes hängendes Haupthaar; Gesichtswinkel, 80 Grad. 3) Die ovale Schädetform ist keineswegs bei den Kaukasiern, wieder große Blumenbach sie nannte, sondern auch bei den Menschen der Südsee, bei den Merikanc r n, den zwei Abtheilungen Malaien und den Ureinwohnern Nordafrika's; Völkern die durch sprachliche Unterschiede und Lage ungemein getrennt sind. Von diesen abgesehen, zeigen sich vier Hauptgruppen : die Semiten (Araber, Juden, Syrier); die Indo-Germanen (Inder, Perser, Germanen, Romanen); die Slaven; und die Ke lten, als ursprüngliche Einwohner am Mittelmeer und in den Nachbarlanden desselben, jetzt nach Irland und Hochschottland zurückgedrängt. Nurdie eurvpiöschen Stämme mit ovalen Schädeln haben sich inhaltsvoll menschlich entwickelt; die Ta r ta rc n Asiens z. B., diese wilden, mordenden und sengenden Horden , die nur am Zerstören Freude haben und mit ausschweifenden Begierden versehen sind, gehören unleugbar in diese Klasse, und zeichnen sich sogar durch Schönheit aus. Der Gesichtswinkel ist 83 bis 8S , also sehr groß; doch über SO Grade gesteigert ist er in der Krankheit des Wasserkopfes; kommt er bei Gesunden zu dieser Höhe, so ist von Schönheit keine Rede mehr. Seit mehren Wochen bereits ist Herr Tsch ech in Berlin von zwei Gerichten verurtheilt. Wir stellen hiermit die direkte Anfrage an seine preußische Majestät oder an deren Ministerium, was man hoher und höchster Seils mit Herrn Tschech vorzunehmen gesonnen ist. Wir erwarten und verlangen, daß sich das preußische Gouvernement endlich definitiv entscheidet, auf welche Weise es sich b l a- mir en will; ob es Herrn Tschech hinzur chten oder zu begnadigen, oder L benslänglich einzusperren, oder an England auszuliefern gedenkt. Redakteur: Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. eo flu succes. I^ous vouckrions voic inacieinoiselle biaptal oioins pieteoliense : eile est »sser jolie pouc eice plus siinple et plus naturelle. /««« /e s'est place conveoaLIement »u liai'ck joue et clraoie claus Is peifectio»; inaclaioe bsi'^uell a ele appLicuiie. c^ux Lucreter, une oouvelle piece, ^cr fei» lüreur. L» clause « st jolie et Lien execu.ee. iüesckeiiioiselles Org? et Volet sontravissaotes. ^u les /^cr/icrL et 1 setireot eiu cooucke. stlais les Loooeui's cle I» seioaioe sppai tieuueut e>> tout ckroit »u Luuckevrt/e. k/u ckorer cke Orderte, coioeckie luelee cle clisnis, » oLtenu un succes ecl»t»ot. Litua- tious pleines Winteret, actiou LaLilement cuuckuite, sceues paltietiques, souveot touclianles j uscpu'a ux iar- >nes, ooservÄtions justes, pensees noLIes et eievees, stz le pur, elegant, seine cle »rails pic;u»ns el cle saillie« coinme ou eu f»is»it»u lecnps cle Loues XlV, epocpce » iacjuelie remoute l'inli i^ue lell. s sont les jirinci- pales c;uiilites cle cet ouvi a^e. XjouteL la Leaute cles »ctrices(le Vscicleville Lrille par ls),I» splenckeurlies toilettes, I» fraiclieur clu clecor, le partum cles tleurs, l'eclat cles Lou^ies, et enkin tous ccs petils riens c^ui llatteut aussl Lien l'esprit que les sens, et vous com- prenclrer le pi esiige svec lequel cette jolie comeckie s'est presentes au pulitic. ^.ussi, nous le repetons encore, le succes qu'elle » oLtenu a ele Lrillant, com- plet, leb>t>me, et le noni cle l^lackaine ^uceloi, s qui. nous clevons clej» tant cke cliels-cl'ceuvre, s e>e pro- ciaine au milieu cles appl iuciisssnieus les plus spon- tsnes et les plus unaninies. L'6>/-6rn-('oms-«6 est presque inaLorclaLle. La foule s'zc presse pour voir /cr §r>e,re, ck/aco« et ck« On annonce Ire» procLairiemenl I-r> reprise cke fBcr//c,ce. Paris, 1844 Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. Ntt Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr.24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen : die Zeile s 50 Centimes. ysrw ar, . , 1 - Man abonnirt: für Paris: NU« li«8 IUc>ulin8, ; im Comptoir des Buchdruckervereins gusi ütslagmiix . i5 ; in der Mendel'schen Buchhandlung, lueciu kss cle In IVUiIe, 3; Ln den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. Vorwort und Ankündigung zudem 2. Jahrgange 1845 des „Vorwärts." Nur wenige Nummern noch und der erste Jahrgang unseres Blattes ist geschlossen. Trotz aller demselben entgegenstehenden Hindernisse, trotz aller Prophezeihungen seines baldigen Erlöschens wird es sortbestehen; der Kreis seiner Schriftsteller wie seiner Leser hat sich sestgestellt, das Vertrauen der Besserenist ihm geworden und unerschrocken verfolgt esseine fernere Bahn. Dem mit Isten Januar 1815 beginnenden zweiten Jahr gange glauben wir einige Worte an unsere Leser und an Alle Diejenigen, die das Blatt nur vom ,Hörensagen oder ans Verläumdungen seiner Gegner kennen, voranschicken zu müssen. In unseren Tagen, wo die Arbeit des Geistes sich mit immer wachsender Energie vollzieht, und in rastloser, feuriger Schnelligkeit bald tief unten im Grunde, bald dicht oben, aber stets noch unterhalb der kalten, verbergenden Decke des Bestehenden, ihr ernstes Spiel treibt : hat vor Allem die Tagesliteratur ein von dem frühem gar^sehr abweichendes Aussehen bekommen. Überall entstehen große und kleine Zeitungen; jede Meinung, jede beginnende Parthei, sobald sie das Bedürfniß nach Ausprägung und fester Gestaltung fühlt, sieht sich gedrungen ein Organ zur Herausarbeitnng ihres Inhalts und hiemit auch zur Propaganda zu schaffen. Es ist ein hartes Ringen auf den Wahlplätzen der Discussion. und je mehr sie vorrückt in Entwicklung der Lebensfragen, desto gewaltiger wird der Gedankenkrieg/desto lichter und glühender lodert die Hoffnnngsslamme im begeisterten Herzen; denn es gilt die Zukunft der Welt. Die Literatur ist einerseits ein Widerschein der gesummten menschlichen Verhältnisse, anderseits wird sie zu einer alleserleuchtenden Flamme, wodurch jene in ihrer Verkehrtheit erscheinen und der Weg zur Wahrheit entdeckt wird. Was in den Herzen lebt und sprudelt, was in den gegenseitigen Beziehungen der Einzelpersonen und der Staaten, der Einrichtungen und Gesetze, der Religionen und Wissenschaften einer gegebenen Epoche mit materieller Wehr und Waffe sich entgegentritt : das spiegelt sich ab in der Literatur und besonders in der des Tages. Unter den mannigfachen Richtungen derselben giebt es eine, wo die großen Fragen der Gesellschaft in ihrer vollen entscheidenden Schärfe gefaßt werden; in diese ist das ,,Vorwärts" seit dem Juli 1844 getreten. Es ist diejenige Richtung der literarischen Thätigkeit, welche stets auf die allumfassende Menschenliebe hindrängt und sich gegen jeden Egoismus erhebt, erscheine er als geistlicher und weltlicher Absolutismus, oder in der Form des romantischen Patriotismus, oder als politischer Radicaliömus, oder endlich unter der Gestalt der spekulativen Philosophie. Das Ziel dieser literarischen Richtung ist die freie, gleiche Gesellschaft, in der das entäußerte, sich selbst entfremdete Wesen der Menschheit, wie es in Religion, Staat und bürgerlicher Gesellschaft sich bisher zum Ausdruck gebracht, dem freien Organismus des selbstbewußten Menschenthums Platz gemacht hat. Das ,,Vorwärts" ist auf dem Felde erschienen, wo die Anerkennung der Humanität, die vollständige Verwirklichung des Menschenthums schlechthin, wo ,,der Mensch" selber als Schlachtruf erschallt. Es beabsichtigt zu zeigen was der Mensch in jeglichem Verhältnisse jetzt ist und was er sein sollte, und es hebt daher keineswegs eine Seite der bestehenden Gesellschaftslosigkeit vorzugsweise hervor. Sein ursprünglicher Standpunkt war, wie bekannt, der einer lauen Opposition im konstitutionellen Sinne; es war anfänglich ein Organ des „gemäßigten Fortschritts." Durch die natürliche Entwicklungsnothwendigkeitjedoch und unter preßfreien Verhältnissen wurde allmälig sein Gesichtskreis weiter und Heller, und es gehorchte nur seinem Naturgesetz, wenn es jener untergeordneten Stufe, worauf es sich ein halbes Jahr bewegt hatte, für immer Lebewohl sagte. Somit ergiebt sich, im Vorbeigehen sei's bemerkt, was von den verleumderischen Vorwürfen einer „wetterwendischen Abtrünnigkeit," eines „buhlerischen Fahnentausches" u. s. w. zu halten sei, die ihm von gewissen Seiten her geworden sind. Die Bestimmung des Blattes ist, sowohl kritisch-polemisch, als auch didaktisch zu verfahren, in möglichst geregelter Weise und unter steter Anknüpfung an die Tagesereignisse; mit andern Worten : es hat eines Theitö eben so sehr bestehende Erscheinungen der Unwahrheit und Unfreiheit mit dem forschenden Gedanken zu zergliedern, als andern Theilö durch Vorschläge und Betrachtungen zur Heraufführung der bessern Zukunft, in der der Mensch zu sich selbst kommt, das Seinige beizutragen. Hieraus folgt aber auch, daß sein tiefeinschneidender Ton, den man ihm so oft verargte, vollkommen gerechtfertigt ist. Insonderheit gilt dies von der Heftigkeit, mit der es wider den Liberalismus, der. immer gedankensanl und thatenarm ist, gekämpft hat und kämpfen wird. Das Vorwärts schreibt — noch einmal sei es gesagt — für mehrere Bildungsstufen; cs wendet sich weder einem Gegenstände allein, noch einer besondern Abtheilung der Gesellschaft ausschließlich zu. Daher ist es keineswegs nur eine Zeitung, noch auch ein bloß wissenschaftliches Periodisches Blatt. Welcher Art indessen die Umstände sein mögen, in die es — denn wer weiß das Kommende vorherzusagen? — gerathen kann, niemals wird es aufhören sich seines Namens würdig zu beweisen und in seiner jetzigen Gesinnung treu auszuharren. Unser Blatt besitzt übrigens die Eigentümlichkeit, daß die einzelnen Mitarbeiter ganz unter ihrer eigenen Autorität arbeiten. Keiner vertritt den Andern, oder verantwortet das Ganze. Keine Parthei — aber auch keine Klique. Wer sich als Verfasser eines Artikels nennt, steht auch nur für diesen Artikel ein. Alle Buchhandlungen Deutschlands und der Schweiz nehmen Abonnementsbestellungen auf das „Vorwärts" an. — In Belgien, Holland, England Luden französischen Departemens beliebe man sich an die Postämter, Meffagerien, Buchhandlungen, oder auch direkt (in frankirten Briefen) mit Einsendung des Abonnements-Betrages, an die Redaction des „Vorwärts" zu wenden. — Die Abonnements-Preise sind : Zu Paris: Im Auslande und in den Departements: ' Ein Jahr.24 Franken. Ein Jahr . ..30 Franken. Sechs Monate.13 ,, Sechs Monate.16 „ Drei Monate.8 ,, Drei Monate ..o ,, Unsere Commissionäre sind fürMnerika : die Herrn Eichthal und Bernhard, Spruce-Street, N. 3, in New-Nork; und für Deutschland Herr Alerandre, Brandgasse, N. 28, in Straßburg. Paris, im Dezember 1 844. Die Redaktion. Wichtige Urkunden für den Rechtszustand der deutschen Nation; mit eigenhändigen Anmerkungen von Zoh. Ludw. Klüber; aus dessen Papieren mitgetheilt und erläutert von F. Welker. Mannheim, Verlag von Bassermann, 1844*). Enthielte das obige Buch weiter nichts als „w ichtige Urkunden" für den Rechtszustand der deutschen Nation, so konnte man sich bescheiden über deren Wichtigkeit zu sprechen, und die,,Nation" etwa auf eine Zeit vertrösten/ wo es keinen Nechtszustand, also auch keine denselben betreffenden Urkunden mehr gibt. Den Vortheil zum allerwenigsten hätte ein rechtszustandloser (um in der Sprache unseres Herrn Verfassers zu reden) Zustand, daß Herrn Welker dann der Stoff zum Schreiben ausginge. Das Fluidum in dem sich die deutschen Politiker sammt und sonders jetzt bewegen, von dem preußischen Dilcttanten- Ministerium und dem geistesschwachen breitspurigen Metternich bis herab oder hinauf zu den ausgetretenen badischen Liberalen, hat sich so verdichtet und ver- schlemmt, daß sie alle zusammen am Ersticken sind. Justiz und Verwaltung sind durch alle möglichen Versuche und Experimente vom Alten zum Neuen, vom Neuen zum Alten ein wahres Labyrinth geworden: falsche Extase, falscher Patriotismus, Heuchelei und Schwäche auf allen Seiten, hier mit vornehmer Romantik, dort mit bürgerlicher romantischer Biederkeit versetzt, und ein durch die Furcht der Frösche vor den Störchen erzeugter Par- ticularismus haben den von jeher träge fließenden Strom des sogenannten öffentlichen Lebens in Deutschland in einen Sumpf verwandelt, in dem die liberalen und illiberalen Weichthiere ihre literarische Laichzeit halten. Es ist wahrhaftig weiter nichts als ein schwammiger Laich, den die deutschen Schriftgelehrten aller Rangstufen absetzen, und wenn sich ein Welker über den Literaten Ludwig von Baiern lustig macht, so hat dieser nicht weniger Grund sich auf Melkers Kosten auszulachen. Ich wollte schon jüngst einmal, als ich einiges untergeordnete Ungeziefer von dem Blechschädel des offiziellen Deutschland herabgekämmt, als ich von den Herrn Möller und Biedermann sprach, Betrachtungen darüber anstellen, wie der fade, sterile Liberalismus die schöne deutsche Sprache entstellt, verkrüppelt und verdummt; ich that aber wohl daran zu warten, bis mir ein sogenannter großer Mann aus dem Regiment in die Hände fiel. Ich hole also heute das Versäumte nach. Zuerst die Worte : Jn^der liberalen Sprache gibt es keine einfachen Worte mehr, weil es keine einfachen Begriffe mehr gibt; sie sind alle vorn und hinten angeschuht, zerquetscht, breitgetreten', mit einem Worte : liberalisirt. Herr Welker spricht von der Bundesakte und von der Constitution, aber er nennt sie Bundesgrundvertrag, Landesgrundvertrag — man meint einen Tambour zu hören der einen Wirbel schlägt: NrrrrrrrrrrrBundesgrundvertragGrundesbundvertrag, u. s> w. Aus diesem Wirbel werden nun die ellenlangen Adjective landesgrundverfassungsmäßig und widrig (ja wohl widrig und ekelhaft!) gemacht. Aus den Worten Recht, Pflicht, Verfassung entstehen die Ungeheuer: ,,Ein freier öffentlicher Rechtszustand" (ein wahrer Unsinn!), „Verfassungslosigkeit," die ,,Rechtsunterdrückung der Feudalmonarchie,",,verfassungsmäßiger Rechtszustand," ,,würdiger Rechtszustand," ,,Rechtsverbindlichkeiten;" *) über den Titel oder die Übereinstimmung des Titels mit dem Buche nur soviel, daß der Titel ein impertinenter Buchhändlerpuff ist, und daß, wenn er zum Buche paßte, es ein Glück für die Leser wäre. Das Buch ist 444 Seiten stark; von Seite 1 bis 104 steht ein welkerischer zäher „landesgrundvertragsmäßiger, verfassungstreuer" Teig, den Herr- Welker : „Geschichtliche und staatsrechtliche Einleitung" zu nennen beliebt; dann kommen von Seite 105 bis 314 die Carlsbader Protokolle nebst Beilagen mit einer sechs Seiten langen Einleitung und etwa zehn unbedeutenden kleinen Notizen vom alten Klüber. Das ist alles was Klüber mit dem Buche zu schaffen hat. Es werden dann einige bereits bekannte , aber immerhin sehr bedeutende diplomatische Aktenstücke aus den Jahren 1819, 1820 und 1824 zugegeben, und den Schluß macht der Wiederabdruck der berüchtigten Protokolle von 1834, nebst einer Beurtheilung derselben von dem biedern Welker. Bs aus der Combination dieser Ungeheuer mit den Worten frei, Nation, Christenthum und Fürst werden die scheußlichsten Sprachmißgeburten die man nur erfinden kann: „Volksfreie Reichstage," „volksmäßigere Fürsten," die „rechtsstehendste Nation," „die außerordentlichsten Beschlüsse" (Unsinn im Fortschritt, vom Positiv durch Comparativ und Superlativ!), „unerloschene, unentbehrliche National- und Freiheitsrechte," „Nationaleri- ftenz," „der überfromme Ludwig" (es ist von Ludwig dem Frommen die Rede), „der Belagerungszustand der Nation," „die deutsche Nationalehre," „urdeutsche Freiheit und Rechtshandlungen," und „deutsche Rechtsund Freiheitsgrundsätze," „Umkehrung der Grundbe- ftimmungen des ganzen Rechtszustandes einer achtbaren Nation," (ja wohl drehen sich einem die Eingeweide im Leibe herum über eine solche Abgeschmacktheit), „die hannovrischen Traucrgeschichten," „politisch freie Verfassung" (man kann meinethalben von einer guten, zweckmäßigen, die Freiheit und daS Wohlergehen der Menschen befördernden Verfassung.reden, aber was ist eine „politisch freie Verfassung?") „die Rechtsgleichheit aller Christen," „die unvaterländische Beamtenkasse," „die deutsche Nationaleinheit!" Ich meine Ihr habt genug von diesem Futter. Denkt Euch nun je nach Umständen eine Handvoll von diesen Worten in einen Stoßtrog geworfen, und denkt Euch Herrn Welker wie er eine dicke Brühe darüber gießt, und das Gebräu mit einer langen Stange hcrumdreht, dann wißt ihr wie man liberale Literatur macht. Als Beispiel nehme ich einen Satz heraus, und lasse vollständig den Zufall entscheiden. Ich steche mit dem Messer in das Buch und lese auf Seite 16 den letzten Satz : „So sollen also nun für immer souveraine Fürsten und Negierungen in die ewig bedauerliche, und in ihren Folgen höchst gefährliche Lage versetzt werden, daß sie, so wie z. B. einst die badische, die wichtigsten Landesgesetze, welche sie nach i h r er eigene n und des Landes und aller- namhaften Rechtsgelehrten stets ausgesprochenen vollen Überzeugung, völlig gemäß den Bundes- und Landes- vertragsmäßlgen fürstlichen Zusagen zum Wohle ihrer Unterthanen verließen aus Furcht vor angedrohter Bun- desexecution wieder zurücknchmen müssen ! !(Die drei ! sind vom Herrn Welker, denn ich verwundere mich keine dreimal mehr über seinen Unsinn.) Wie einfach kann man den Sinn dieses verworrenen mit liberalen Redensarten unten und oben wattirten Satzes geben: Demnach kann also der Bund jeden einzelnen Bundesstaat zwingen ein erlassenes Landesgesetz zurückzunehmen *). Da ich ohnehin in einem bald erscheinenden Buche den deutschen absoluten und konstitutionellen Unfug auf meine Weise ins Deutsche übersetzen werde, so will ich meine Leser nicht länger mit Äußerlichkeiten aufhalten. Kommen wir daher zum Inhalt dieses Buches. Wir sind Herrn Welker zum aufrichtigen Danke verpflichtet, daß er die Karlsbader Beschlüsse und viele andere geheim gehaltene diplomatische Aktenstücke von höchster Bedeutung in ein em Buche hat zusammendrucken lassen. Jedem Menschen von klarem Verstände und von Aufrichtigkeit kann nach deren Durchlesung kein Zweifel übrig bleiben, daß den deutschen Souverainen und deren Schergen gegenüber sogar der Liberalismus vollständig berechtigt ist. Zwischen Liberalismus und Absolutismus besteht allerdings nur die Frage: Wir oder Ihr! denn herrschen wollen sie alle beide, und man braucht und soll von Niemand beherrscht sein; — aber die Liberalen glauben wenigstens**) gut herrschen zu können, während die Absolu*) Was den Inhalt dieses Satzes angeht, so sei nur beiläu, fig benicrkt, daß er grundfalsch ist. Der einzelne Souverain stimmt ja bei allen Bundesbeschlüssen mit, und nur wenn er zustimmt, ist er an sein Votum gehalten. Er zwingt sich also selber, aber die Bundesversammlung zwingt ihn nicht. Laßt er sich, wie das allerdings immer geschieht, von den andern großen Bundesgliedern Preußen und Österreich einschüchtern , und zu seinem Votum bereden, so ist er allerdings ein schwacher Charakter, aber ohne sein Votum geschieht nichts in seinem Staat. Der wenn auch erzwungene Wille des Großherzogs von Baden ist für Baden die Bundesversammlung. Das ist die klare Wahrheit in der Sache. Bs. ") Erst jüngst hat mir ein bekannter Freund die Ansicht bei- gcbracht, daß man ein heuchlerisches Prinzip haben könne, ohne selbst ein Heuchler zu sein. Um allen Weitläufigkeiten ten wissentlich ein lüedex-trächtiges Regiment führen ; di Liberalen sind kurzsichtige, thatlose Idealisten; die Absoluten schlechte, heuchlerische, pathlose Realisten; die Liberalen sind die Betrogenen, die Fürsten die Betrüger. Das macht einen Unterschied für die moralische und rechtliche Stellung der Partheien oder Gegner unter sich, für die Sache ist es aber gleichgültig. Alle Beide stehen sie auf dem Boden des Rechts. Die Souverains kommen in allem Ernste mit den Liberalen über Verfassung und Gesetze ins Reine; kaum ist das geschehen, so reut jene aber auch in allem Ernste die Übereinkunft, und weil sie den wahren Ernst, die Gewalt in der Hand haben, verabreden sie sich mit einander trotz der gegebenen Versprechungen, ohne lange zu fragen, den ganzen Kram wieder umzuwerfen, und thun es mich ohne Umstände. Das ist der Sinn aller von Herrn Welker mitgetheilten Akten, ja noch mehr das sagen die ausdrücklichen Worte, und diesen Worten entsprechend haben die Regierungen gleich vom nächsten Momente an nach Erlaß der Bundesakte gehandelt. Also die Gewalt entschied über das Recht, oder richtiger, die Gewalt ist das Recht, denn ein machtloses Recht ist kein Recht — die Liberalen sind also rechtlos gestellt, so lange sie ohnmächtig sind —oder ihre einzige Hülfe, ihr einziges Recht ist die Revolution, d. h. die Wahrung ihres Rechts durch Gewalt. Um diesen einzig richtigen Satz nicht zu beweisen, ja noch mehr, um die aufregende Wirkung die jene infamen Aktenstücke nvthwendig Hervorrufen mußten, wieder in der bekannten deutschen Indifferenz und Thatlosigkeit untergeben zu lassen, sucht der thörichte Mann die Überzeugung zu begründen, es sei auf gesetzlichem Wege dagegen aufzukommen. Einem reichen Banquier, der ihm eine Ohrfeige gegeben, droht er etwa mit einer Jnjurien-Klage, — und läßt ihn zu drei Gulden Strafe verurtheilen — nein, nicht ein Mal so einfach albern — noch viel alberner, droht er den Bundestag bei der badischen Ständekammer zu verklagen; die längst vernichtete, rechtlos gestellte Parthei will er zum Richter ihres siegreichen, gewaltigen Unterdrückers machen. Ich kenne die gute Absicht dabei : das Volk soll in Aufregung gehalten werden. — Aber wo giebt es ruhigere Bürger als in Baden? Wo giebt es ein calmi- rendes, niederschlagendes Mittel in der Welk, das so prompt wirkte als eine Welkerische Motion ? Und welchen furchtbaren Umweg durch ein haushohes endloses Gestrüppe von Fadheit, Langweile und Schläfrigkeit macht Herr Welker um nur zu der unschädlichen Überzeugung zu kommen, daß ein gesetzmäßiges Aufkommen möglich sei? Das was man endlich einmal, nachdem es tausendfach bewiesen ist, als wahr annehmen könnte, daß die Karlsbader Beschlüsse rc. gegen den Sinn und Willen der Vun- desakte laufen, das beweist Herr Welker nun noch einmal. Er kommt dabei auf die sublime Unterscheidung von Bundesstaat und Staatenbund, und verweilt mit unverhohlener Liebe bei dieser absurden, zwecklosen, unfruchtbaren, juristischen Distinktion. Er beweist daß Deutschland ein Staatenbund ist — und daß seine Parthei also von einem Staatenbund und nicht von einem Bundesstaat ruiniet worden ist. Statt einen Dieb, der ihm die Uhr aus der Tasche stiehlt, bei den Ohren zu packen, und ihm die Uhr wieder abzunehmen; oder wenn es denn der Stärke des Diebes wegen rathsam ist sich ruhig zu verhalten und zu schweigen, deduzirt er dem Dieb daß er eigentlich ein Straßenräuber sei, und beruft sich auf das Urtheil anderer Diebe die er bereits kennen lernte. Natürlich, wenn die Umgebung Herrn Welker so freundlich mit dem Diebe plaudern sieht, hört sie dem Gespräche zu, denn warum sollte sie eine thätigere Theilnahme beweisen, als der unmittelbar Verletzte? Warum sollte das Volk wüthender sein, als der schwer gekränkte, zunächst getroffene liberale Deputirte? Betrachten wir, zur Erläuterung, das Verfahren Herrn Melkers den Wiener Beschlüssen gegenüber. Die Verfasser der deutsch-französischen Jahrbücher hatten es für gut gehalten ein geheimes, durch einen bis jetzt noch unbekannten Menschen zuerst publicirtes Aktenstück vorzubeugen erkläre ich hiermit auch, daß ich Herrn Welker für einen Biedermann halte. Demnach war ich selber also früher ein Heuchler? Dieser Frage kannich nicht aus weichen — ich überlasse es aber auch Jedem, sie so zu beantworten wie er will. Bs. mitzutheilen, aus dem hervorgeht, daß die konstitutionellen Grundsätze, welche die deutsche Bundesakte aufgestellt hatte, durch einstimmigen Beschluß sämmtli- cher Bundesglieder aufgehoben worden sind, in so weit dies überhaupt nach den bekannten Dispositionen aller deutschen Gewaltinhaber, und nach den Karlsbader Beschlüssen noch nöthig war. Zu diesem Aktenstücke hatte ich eine erklärende Nachrede geschrieben, in der jene Aufhebung constatirt, und noch außerdem nachgewiesen wird wie seit dem Jahr 1834 alle Bundes-Regierungen streng nach den Worten und Vorschriften jener Akte das Zer- ftörungswerk begonnen und bereits durchgeführt hatten. Es versteht sich von selbst, daß die Minister in den Kammern sich nie auf den neuen Bundesbeschluß berufen konnten, da er nicht publicirt war, und also auch formell nirgends Gesetzeskraft hatte. Er enthielt nur das gegenseitige Versprechen der Bundesglieder, gewisse Stipulationen auszuführen; — das Wie mußte ihrer Klugheit und Schlechtigkeit überlassen bleiben. Der König von Hannover, z. B., machte die wenigsten Umstände: er erklärte an die Handlungen seines Erblassers nicht gehalten zu sein, und warf mit einem Schlage die Constitution über den Haufen. Der König von Baiern versammelte ein -Haus voll Minoritäts-De- putirten um sich, die schon durch ihr bloßes Erscheinen in der Kammer der Verfassung -Hohn sprachen, denen er dann das Steuerbewilligungsrecht als Beweis ihres Vertrauens, als Freundschaftsstück abforderte, und die so liebreichen Worten keinen Augenblick Widerstand leisteten. Im Großherzogthum Baden unterminirte man langsam das Aerfassungswesen, ließ die Deputaten reden wie sie wollten, administrirte dem Schein nach das kleine Land mit Rechtlichkeit und stieß dabei dem Bürgerthum bei allen Gelegenheiten mit dem Gewehrkolben auf den Leib u. s. w. Aber nirgends gestand man die eingegangene Verpflichtung. Wenn nun in jenem gegenseitigen Versprechen der Grund der Aufhebung und Verletzung aller Constitutionen lag, und wenn sie seitdem wirklich aufgehoben sind, dann sind allerdings seit zehn Jahren die Kammern abscheulich an der Nase herumgeführt worden, und es bleibt den Deputaten weiter nichts übrig, als nach -Hause zu gehen, oder eine Revolution zu machen. Eine Revolution zu Gunsten des.constitutionnetten Prinzips ist aber eine solche Abgeschmacktheit, daß sich in Deutschland dazu keine Leute finden, und ein Conftitutionnetter darf sie sogar nach seinen Ansichten vom gesetzmäßigen Fortschritt gar nicht wünschen. Aber nach Hause gehen? Keine Motionen mehr stellen können, nicht mehr von Öffentlichkeit und Mündlichkeit, von Preßfreiheit schwätzen, keinen hohen Minister mehr ärgern, keine Wahlumtriebe mehr machen, nicht mehr für Volk, Fürst und Vaterland kämpfen dürfen, das geht noch weniger. Was also mußte in dieser traurigen Lage geschehen ? Ich will Euch einfachen, verständigen Menschen das einzige Mittel sagen, das die Kammern ergreifen konnten; versteht sich, ich stelle mich auf ihren Standpunkt, denn mir ist jene Zerstörungsakte ganz erwünscht gekommen. Die Deputaten mußten als Leute der Gesetzmäßigkeit sagen: Das Wiener Protokoll ist nicht publicirt, wir betrachten es als nicht exi- stirend, schweigen also davon und berücksichtigen es nicht. So konnten sie weiter Deputirten spielen. Wer streng auf dem gesetzlichen Standpunkt stehen bleibt, mußte diesen Weg als den einzig richtigen ein- schlagen. Allein in Deutschland eristirt kein Prinzip in seiner Reinheit. Begriffe, Sprache, Institutionen, — alles liegt so faulig und chaotisch durcheinander, daß man seine ursprüngliche Natur nicht mehr erkennen kann. Jeder thut was er gar nicht will, alle Mittel führen zu entgegengesetzten Zwecke; die alten Künste schlagen nicht mehr an, und dienerten Experimente zerstören die Maschinisten. Was erwartet Ihr also von Herrn Welker? Er gräbt sich sein eigenes Grab. Er beweist erst die Echtheit jener Wiener Zerstörungsakte, beweist dann daß sie ungesetzlich und unverbindlich sei, und wird sie im Laufe dieser Sitzung zum Gegenstand einer Motion in der badischen Deputirtenkammer machen. K-isum w- N63tl8 amici. — Lacht ihn nicht aus, meine Freunde! so ein armer Mensch ist unglücklich genug, er hat den Topf zerbrochen mit dem er so lange Wasser holen ging, und merkte nicht daß von jeher unten ein Loch dein war und jetzt — hat er nur noch den Henkel in der Hand. Daß die Bundesakte Herrn Welker jede Auslegung derselben ausdrücklich verbietet, daß er rathlos dasteht, wenn einer der badischen Minister nach Abhaltung seiner Motion ihn um eine authentische gesetzlich publicirte, also allein gültige Abschrift jenes Wiener Beschlusses fragt, daß ihn also das Recht selbst, auf das er sich beruft, überall im Stiche läßt, das hält Herrn Welker von seinem verfassungstreuen Vorhaben nicht ab. —Schade, daß Herr von Blittersdorf der Komödie nicht beiwohnt, er kann so schalkhaft lachen! ,,Hoffentlich, schließt Herr Welker sein hoffnungsloses Unternehmen, wird die Ansicht der ^deutsch-französischen Jahrhücher" zu Schande werden, daß am 12 . Juli 1834 (dem Tage des Abschlusses jener Wiener Akte) alle deutschen Staatsgrundgesetze für immer vernichtet seien." Hierüber kann ich Herrn Welker beruhigen. Seitdem ich jene Worte schrieb, bin ich sogar zu der Überzeugung gekommen, daß es jenes Todesstoßes gar nicht bedurfte, um dem deutschen Constitutionalismus den Hals zu brechen. Ich sprach damals davon, Ihre gestrengen Herrn hätten einem Krüppel den Garaus gemacht; — ich thue ihnen Abbitte, Sie haben ein todtgebornes Kind noch einmal erwürgt. F. C. Bernays. Schlesische Zustände. Man muß hier in Paris erfahren, was in Deutsch- land vor sich geht. So fest und dicht ist das Regierungs- undPolizeinetzder christlich-germanischen Despotie. Man lese den folgenden Bericht aus Schlesien, der uns von sehr guter Hand zukommt, in welchem übrigens jede Zeile den Ortskundigen verräth; man lese und staune! So sieht es in Schlesien aus, so furchtbar weit ist der Kampf im Herzen der deutschen Gesellschaft gediehen. WelcheZukunft steht bevor, wenn eine der größten Provinzen des preußischen Staates so beschaffen ist! Wir veröffentlichen diese Thatsachen, die schreiend genannt werden müssen, und fordern Jeden auf, der das Herz dazu im Leibe hat, sie zu berichtigen, zu beweisen, daß cs anders sei. Es wird Keiner hervortreten können; denn es ist so. Ja, macht nur Vereine zum Wohle der arbeitenden Klassen , gießt nur eure armseligen Tropfen auf diesen festen Stein ! Bessert, helft, rathet, macht was ihr wollt: ihr seid verloren! Aus Schlesien, im November. —Nur ein halbes Jahr lang Ihr „Vorwärts" in unserer Provinz an der Stelle unserer an sich schlechten und durch die Censur noch mehr verdorbenen Zeitungen, und es würde sich eine Menge Unraths aus den Köpfen ausgemistet finden , der ohne einen solchen Hebel nur sehr langsam und einzeln fortgeschafft zu werden beginnt. Eine Lichtausgießung thäte besonders den finstern Gehirnkammcrn unseres sogenannten Bürgerthunrs noch; denn die untersten, die besitzlosen und am meisten niedergedrückten Klassen treibt allmälig das Elend theils zum Nachdenken über ihre Lage, theils zur Verzweiflung. Das Bürgerth u m, geistesbeschränkt wie es ist, läßt sich von den politischen Harlekins, von den gutmüthig-bornirten oder heuchlerischen liberalen Stimmführern Vorreden, die gegenwärtige Unbehaglichkeit, die drohenden Aussichten in die Zukunft würden gehoben und verscheucht werden, wenn nur erst eine Verfassung und mit ihr eine Volksvertretung gegeben sei. Diese sind es, welche schreien und nachbeten : „Der König trinkt, die Königin hinkt, das Land sinkt und die C onftitu ti on winkt." Ihnen sch ließen sich jene Beamten an, die um nichts als ihre Stellen, ihr Einkommen, sich bekümmernd, doch mit liberalen Blähungen geplagt sind und grade in einer Constitution nicht nur keine Gefahr^ sondern eine Befestigung und Sicherheit für ihre Privat-Jnteressen erblicken. In den liberalen Chorus stimmen endlich Alle überein, welche als Ca- pitaliften, Rentiers, reiche Fabrikherren und Kaufleute, adliche und bürgerliche Gutsbesitzer, theils aus wirklicher Einsicht, theils aus dunklem Gefühl durch eine V er fas- sung alle weitergehenden Forderungen für unterdrückbar halten, während eben durch solche Verb riefung i hr Einfluß auf die Gesetzgebung, ihre Macht im Staats erhöht, ihre unbeschränkte Herrschaft gesichert^und aue lange Zeit fest gegründet werden würde. Der kleine Bürgersmann horcht gläubig auf, und zwar um so mehr, als aus den Verheißungen eines neu aufgeputzten Zunftwesens ihm der Dampf der Fleischtöpfe Ägyptens in die Nase brodelt; er ahnt nicht, daß er trotz aller möglichen Gewerbe-Polizeiordnungen, trotz Verfassung und constitu- tioneller (censirter oder uncensirler) Presse immer tiefer in die Abhängigkeit von den Geld Menschen hineingerathen muß, je mehr die letztem alle Räder der Staatsmaschine beliebig aufziehen lind bewegen können. Der Bürger-Philister kehrt sich übrigens wenig daran, was aus den sogenannten „armen Teufeln" wird, wenn er's nur für sich einigermaaßen bequem hat. Aber grade die „armen Teufel" wollen und können an den Luftschlössern unserer Liberalen, an den Vorspiegelungen des ungeheuren Glückes, iin Fall der Reiche als Gesetzgeber, Richter und Verwalter sich des Gemeinwesens anzunehmen berufen würde, keinen Geschmack finden. Weit mehr Instinkt als schon erlangte - Einsicht läßt unsere Proletarier auf ganz andere Ret- kungswege denken, als eine B.unsensche Constitution sein würde. Ich habe kürzlich mit einigen Eisenbahn-Arbeitern gesprochen und bin wahrlich erstaunt über die klare Auffassung unserer gesellschaftlichen Zustände, ihres Grundes und des Prinzips einer neuen Ordnung der Dinge. Wenn ich den Provinzial-Dialekt unserer Arbeiter in die Schriftsprache übertrage, so drückte sich der Hauptredner unter jenen Eisenbahnern sinngetreu so aus : ,,Sv lange wir hier arbeiten, verdienen wir uns zwar den Unterhalt, wir wissen aber sehr gut, daß wir doch hauptsächlich nur für die Gelbleute uns abschinden. Die stehen in der Stadt auf dem Markte und machen gute Geschäfte mit unserm säuern Schweiße, und wenn die Bahnen fertig sind, können wir gehen woher wir gekommen. Werden wir krank und schwach, da mögen wir uns hinlegen und Kartoffeln kauen, wenn wir sie haben, oder auf dem Miste krepiren — was scheert sich der Reiche drum? Die von uns gebauten Bahnen werden wir am wenigsten benutzen können; die Geldleute aber werden sich eine Kuh daraus machen, die sie melken bis auf den letzten Tropfen — das Publikum muß das Futter geben. Einen Vortheil hat's für uns. Wir sind zu Lausenden zusammengeströmt, haben einander kennen gelernt und in dem gegenseitigen langen Verkehr sind die Meisten von uns gescheidter geworden. Es sind nur noch Wenige unter uns, die an die alten Faxen 'glauben. Wir haben jetzt verteufelt wenig Respekt mehr vor den vornehmen und reichen Leuten. Was Einer zu Hause kaum im Stillen gedacht, das sprechen wir jetzt unter uns laut aus, daß w i r die eigentlichen Erhalter der Reichen sind und daß wir nur zu wollen brauchen, so müssen sie von uns ihr Stück Brod betteln oder verhungern, wenn sie nicht arbeiten wollen. Sie konnen's glauben, wenn die „Weber" nur länger ausgehalten hätten, es wäre bald sehr unruhig unter uns geworden. Der Weber Sache ist im Grunde auch unsere Sache. Und da wir an 20 ooo Mann auf den Bahnen Schlesiens arbeiten, so hätten wir wohl auch ein Wort mitgesprochen. Freilich hätten wir dazu noch einige kluge Köpfegebraucht, die uns Anschläge gegeben; wir wären der Arm gewesen." So und noch viel mehr redete der Eisenbahner. In der That, wenn die Eisenbahnen in der Hauptrichtung vollendet und die Arbeiter in ihre Heimathen zurückgekehrt sein werden, so läßt sich voraussehen, daß die dem jetzigen Regime wie jedem cvnstitutionetten Gelüst feindlichen Ansichten und Wünsche eine ungemein schnelle Verbreitung finden müssen. Bedenkt man, daß einzelne Schullehrer seit Jahren in die Herzen ihrer Zöglinge einen wahren Ingrimm gegen alle Vornehmen und Neichen, gegen König, Adel, Pfaffen und Kapitalisten ausstreuen und ihnen einstweilen Stillschweigen, Verschlossenheit und die Heuchelei größter Loyalität bis zum Tage der Erlösung einschärfen, so werden die künftigen Früchte Niemanden überraschen. Dem würhenden Hasse der Armen, der aus dem Gegensatz der üppigen Verschwendung Jener und der bittersten Noth dieser, aus der Verachtung gegen das „Gesindel" auf der einen und der unwilligen aber gezwungenen Ertragung und Unterwürfigkeit auf der andern Seite täglich neu geboren oder gesteigert wird, diesem Hasse tritt keine freundliche Belehrung entgegen. Niemand kann öffentlich die Wahrheit aussprechen : daß die Reichen eben so sehr- unter unsern jetzigen gesellschaftlichen Zuständen leiden, als die Armen; daß weder die Einen noch die Andern ein menschliches, ein menschlich-freies Leben führen; daß erst die gesellschaftliche Reform, die Anerkennung und Durchführung des Prinzips der Gerechtigkeit, und ihrer Consequenzen, der Freiheit und Gleichheit in einer auf vollständigster Gegenseitigkeit errichteten Vereinigung ebenso die materielle Noth und geistigeVerwahrlosung der jetzt besitzlosen Masse, wie den unvernünftigen Müßiggang, die Schwelgerei, Herzens-und Geistesverdrehtheit der Besitzenden heben und vernichten, und Allen ohne Ausnahme die Möglichkeit eines Daseins verschaffen können, dessen Würde, Glück, Befriedigung und Seligkeit wir vorläufig nur theilweise ahnen mögen. Aber auf diese wild wogenden empörten Leidenschaften das sänftigende Ol der Vernunft zu gießen, in der gleichen Berechtigung Aller, in den gleichen Zuständen für Alle, in der brüderlichen Gemeinschaft Aller das wahre und einzig menschliche Interesse Aller nachzuweisen, Alle ohne Unterschied für das Niederreißen des alten und Errichtung eines neuen Gebäudes durch überzeugende Gründe zu gewinnen, ist nicht gestattet. „Gleiche Berechtigung" ist in den Augen der Censur das größte Verbrechen und muß es sein; von der „Noth der Armen" darf man nur sprechen, wenn man sie nicht als Naturnvthwendigkeit hinftellt; „besitzlos" ist ein zu gefährliches Wort; „sociale Reform" gilt als verderbliches Gift; ja so viel als möglich muß schon der Ausdruck „Armuth" vermieden werden, besonders als Gegensatz von „Reichthum." Untcrdeß geht die mündliche.Propaganda der Erbitterung- und Wuth Seitens der arbeitenden und dienenden Klassen gegen die Vornehmen und Reichen ihren Gang unaufhaltsam fort; jede Maaßrcgel der Negierung, jedes neue angebliche Auskunftsmittel des Bürgerthums stärkt und beschleunigt sie. Hier werden die im Juni aufgestandenen Weber nach den Zuchthäusern abgeführt, nach Jauer besonders, es find ihrer 8l; man versorgt sie, daß sie nicht zu verhungern brauchen, und werden sie auch grausam geprügelt in den Zuchthäusern, sie haben's doch unendlich besser als in der sogenannten Freiheit. Aber ihre Weiber und Kinder? — Die sind auch zum Thcil bestraft worden — durch Hiebe oder Gefängniß, weil sie bei der Zerstörung der Fabriken für ihre Blöße ein Stück Kattun fortgetragen, an dem ihre Thränen, ihr Blut, ihr wahres Eigenthum klebten. Zum Theil fallen sie den Gemeinden zur Last, die vermehrten Auflagen schaffen neue Bettler. Das Elend wächst. Die noch Etwas Besitzenden zeigen sich schwierig und meinen : es möchten doch die reichen Kaufleute und Fabrikanten zahlen, welche an der Armuth reich geworden seien. Dort bildet man Vereine allerlei Art; in Berlin fassen die industriellen Großherren nebst vielen Staatsmännern den Gedanken : die Lage der Fabrik- und -Hand-Arbeiter zu verbessern. Die Leute, die sich noch lange nicht so viel erwerben, um einigermaaßen menschlich zu leben, sollen Ersparnisse machen und das Erübrigte in Sparkassen anlegen! Ob die Vercinsftifter nicht merken, wie sie die Armen gegen ihren Willen zum Nachdenken bringen? Der Arbeiter mit einem täglichen Verdienst von 1 i,2, 2, 3 , 4, s bis etwa 8 Sgl. soll die Sparkassen füllen! — Wie, wenn er dagegen glaubt, die Vermögenden, die z. B. in einer einzigen Nacht bei einer Orgie in einem Breslauer Gasthofe jeder Prostituirten einen so Thaler- Schein großmüthig hinreichen, die für ein Frühstück 10 Thaler ausgeben, die auf Pferde, Wagen, Hunde, Kleider und sonstigen Lurus ungeheure Gelder verwenden, könnten weit eher bei ihrem Nichtsthun etwas ersparen, als sie, die Arbeiter, die ihres schmalen Lohnes zu andern Dingen als zur Sparkasse benöthigt sind !? Die Arbeiter werden durch die Vereine ihrem Elende nicht entrissen werden und das ist gut, weil sie sonst der Gnade und der Wvhlthätigkeit verdanken müßten, was sie nur von der Gerechtigkeit annehmen können; allein jene Bemühungen zeigen ihnen einerseits, daß der Reiche schon in arger Besorgniß lebt wegen der Zukunft, anderntheils daß aus alten Fetzen kein neues Kleid zu machen ist. Durch All'dieses wird das Vergleichen, das Nachdenken, herausgefordert und begünstigt, sind welche Folgerungen macht bereits der Proletar i e r! Auf den großen Gütern C a m enz und Seitenberg der Prinzessin Albrecht, die mit ihrem treuen Gemahl in treuer Liebe ein auf etwa «Millionen Thaler veranschlagtes Schloß erbauen läßt und zur Abwechselung im ehelichen Glücke zuweilen einen viele Monate langen Aufenthalt in Italien nimmt, durch sie nebst ihrem Herren Gemahl, Herren Alb recht, allein im Stande ist, die von ihren „Unterthanern" gezahlten Grundzinsen, Spinn-, Hühner-, Besen-, Wächter-, Schutz- und andere Gelder in Fluß zu bringen, auf ihren Gütern, sag' ich, haben die Leute schon ungemein bedeutsame Vergleichungen angestelltund Folgerungen gezogen. So hörte ich einige schlichte Landleute, Männer und Weiber, mit denen ich eine Strecke ging, die Frage auswerfen: „ob cs einen Gott im Himmel geben könne, wenn der Prinz und die Prinzessin, ohne zu arbeiten, sich aus Millionen wälzten, während sie mit aller Anstrengung sich nicht einmal an Kartoffeln, geschweige denn an Brod, satt essen könnten?" Sie meinten, das könnte nicht lange mehr dauern, und der Eine aus der Gesellschaft hob sogar drohend den Arm gegen das Schloß zu Camenz: „Die Schurken svllen's bald erfahren, wie den Armen zu Muthe ist! " Man wird nicht verlangen, daß der geistig und materiell so verwahrloste Helot eine höhere, eine gerechtere Idee, als die: den Reichen auch einmal arm, und den Armen reich zu machen, in sich trage; daß er einsehen solle, wie dadurch allein noch sehr wenig gewonnen, sondern daß eben die Schaffung von Zuständen auf der Grundlage gleicher Gerechtigkeit für Alle das einzig Nothwendige und Unumgängliche sei, wofern der Unterschied von Reich und Arm, von Vornehm und Gering, von Herr und Diener .'c. re. auf immer verschwinden soll. Auf denselben Gütern dürfen Kinder und Erwachsene aus den Forsten weder Erd- noch Blau-, noch Himbeeren holen, wofern sic nicht erst eine Abgabe entrichten oder Hofdicnste dafür thun. Sie nenncn's dort „Blutgeld." Ein Mädchen von fünfzehn Jahren, die eben Erdbeeren gesammelt hatte, sagte mir: „wir dürfen sie nicht unentgeltlich sammeln, aber auf meines Vaters kleinen Ackerstücken da mag das Wild die Saaten und Alles was wir anbauen wegfressen und zertreten, das braucht uns erst keine Steuer zu zahlen und Entschädigung wird uns auch nicht, selbst wenn wir klagen könnten. Der Arme kann ja nicht klagen und es hälfe auch nichts! " Am Schnee- berge traf ich einen alten Mann, der Gott um Verzeihung bat, „daß er 1813 für die Vornehmen mitsammt dem Könige, seine Haut zu Markte getragen, damit diese sich wieder ruhig mästen könnten." Er sammelte an den steilen Abhängen des Gebirges, nach dem Klessengrunde und Morathale hin, Farrenkräuter (die sonst von Niemanden benutzt werden) um Pottasche daraus zu sieden. Für die Erlaubniß, diese Farrenkräuter sich unter Anstrengung und Mühseligkeiten aller Art abzureißen, muß er der Prinzessin Al brecht jährlich 8 Thaler zahlen. Er nannte dies ein „Sündengeld" und setzte hinzu: „mein tägliches Gebet ist, daß es bald gegen die „Blutegel" losgehen möge, ich werde nicht der letzte sein, und sollte ich mich blos mit der Art wehren." (Schluß folgt.) Ndur ein Mord! Spät, aber leider immer noch viel zu frühe, um die Sinne der deutschen Sklaven zu rühren, theilen wir den wahren Verhalt einer offiziellen Mordthat mit, die wir durch die lügnerischen Organe der deutschen Presse als ein gewöhnliches Duell darstellen hörten. Unser Correspon- dent in Königsberg kennt den Hergang aufs genaueste, — wir begnügen uns für heute blos seine Erzählung zu geben , und behalten uns die nöthigen Betrachtungen vor. Der bei der Intendantur angestellte Neferendarius Schade aus Schlesien sitzt eines Abends , während des Universitäts-Jubiläums, im Saal des Börsengartens, mit einigen Bekannten sich unterhaltend. Das Gespräch kommt zunächst auf den commandirenden General. „Was ist der für ein Mann ?" fragt Einer. „Ich habe neulich im llolel clk Le, lin von Jemanden den Witz gehört, der Commandirende ist m i l i t ä r fr om m, " antwortet Schade. — Die Unterhaltung geht auf die Jubiläumsfeierlichkeiten über. „Der König sah bei seinem Einzuge sehr übel aus." — „Hatte wahrscheinlich zu viel getrunken," replicirt abermals S. — Das Gespräch wurde nur in einer kleinen, vertrauten Gruppe, keineswegs überlaut und gewissermaaßen die übrigen Gäste zum Zuhörcn zwingend, geführt. — Ein beim Festungsbau angestellter Jngenieurlieutenant v. Leithold aber, durch den Raum mehrerer leeren Stühle von den Sprechenden getrennt, hatte jedoch diese Äußerungen, gewissermaaßen als Horcher vernommen, und forderte auf Grund derselben den Schade auf Pistolen. Dieser findet, wie natürlich, Anfangs keine Veranlassung auf dieses Duell einzugehen, da er durch nichts, weder durch eine persönliche noch sonstige Beleidigung dasselbe provocirt zu haben glaubt. Jndeß nöthigen ihn die herrschenden Dvrurtheile von Ehre re., so wie die Äußerung, die v. Leithold durch den Secundanten dem S. mittheilen läßt, daß cr(L.), falls Schade auf das Duell nicht einginge, wegen Majestäts-Beleidigung gegen ihn denunciren werde, das Duell anzunehmen. — Der Studiosus Wittert versucht als Secundant Schades noch eine Ausgleichung mittelst einer schriftlichen Erklärung Schades, daß dieser den v. L. keineswegs persönlich zu beleidigen die Absicht gehabt hätte und die Äußerungen hinsichtlich des Commandirenden und des Königs für- übereilt und unbedacht erkläre. — Leitholds Secundant, der Lieutenant v. Wittig, geht auf diesen Sühnevcrsuch ein. — Allein das Ofsiciercorps hintertreibt eine solche Ausgleichung. V. Wittig muß sein Secundantenamt dem Lieutenant Baron v. Schrötter (Ultra-Aristocrat bis zur Dummheit) übertragen. Dieser weigert sich aufs Entschiedenste irgend eine andere Satisfaction als eine blutige anzunehmen, und zwar will er, daß so lange Kugeln gewechselt werden sollen, bis ein ernstes Resultat erfolgt wäre. Schades Secundant erklärt ein solches Duell für einen M ord und bemerkt, daß er nur drei Kugeln (viel zu viel) wechseln lassen und dann die Angelegenheit für beendigt erklären werde. — Das Duett findet dem gemäß auf dem Ererckerplatze vor dem Königsthore statt, auf 3 Schritt Barriere. Die beiden ersten Kugeln treffen nicht (Schade wollte überhaupt nicht treffen), beim zweiten Gange blitzt das Pulver von Leitholds Pistole ab. Schade bietet nochmals Satisfaction, wird nicht angenommen. Beim dritten Gange trifft Leitholds Kugel Schade unter die linken Rippen und fährt durch die ed- lern Eingeweide hindurch bis ins Rückgrat!). — Mit den Worten : „Mein armer Vater!" sinkt er zusammen, und wendet sich dann an den Leithold: „Ich gratulire zum Hauptmann." Unter unsäglichen Schmerzen stirbt der Verwundete nach io Stunden. Die brutale Aristocratenanmaaßung, d,'e in der Göler-Habcrschen Geschichte die Hauptrolle spielte, zeigte sich auch hier eclatant. Es war stadtkundig, daß das Duell ftattfinden werde, und vorzüglich die Militärbehörden förderten dasselbe eher, als daß ste's hinderten. General Esebeck wartete zu Pferde während des Duells ganz in der Nähe den Ausgang ab. Der commandirende General nahms dem Polizeipräsidenten sehr übel, daß dieser später die Sache polizeilich anhängig gemacht. Der Mörder empfing Gratulationsbesuche von Offici- ren und adeligen Landständen; an öffentlichen Orten (im deutschen Hause) wurden in großen Gesellschaften dem Sieger Toaste ausgebracht. Der Gefallene sollte in aller Stille verscharrt werden, da man von bürgerlicher Seite bcim Begräbniß eine Theil- nahme fürchtete, die zu sehr den Charakter einer Demonstration tragen könnte. Eine solche Theilnahme konnte indeß nicht ganz verhindert werden. Über 300 Personen folgten von der Anatomie aus dem Sarge, und nöthigten die Leichenträger, welche Instruction hatten , auf dem kürzesten Wege nach dem Kirchhofe zu gehen, den längsten über den Steindamm zu nehmen. Die Beamten, welche sich dem Leichenzuge angeschlos- sen, wurden zur Rechenschaft gezogen; Assessor Maurach deshalb aus dem Büreau des Obxrprästdenten entlassen, andern die Aussicht auf Beförderung deshalb genommen. Der Prozeß ist eingeleitet. An der Prophetengabe des Gefallenen ist nicht zu zweifeln. Redakteur: Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. , Paris, 18LL Nr. 88 Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... IS „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. ... S „ » Insertionen: die Zeile a 50 Centimes. (Sonnabend.) Hsrw ar/ Man abonnirt: für Paris: IM Nuresu ventrsl pour I'^Nerna^ne, rue ckes I^loulins, 3s; im Comptoir des Buchdruckervereins qusi Ltglscinrn', , l5 ; in der Mendel'schen Buchbandlung, rue llu lle !<> 3 ; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Sichtha l und Bernhar«, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. ariter Deutsche Zeitschrist. (7.December.) Knute und Kirche. „Unsere Leute werden zwar geprügelt," sagte im vollsten Ernst ein in Frankreich reisender russischer Maler, ein gar feiner junger Herr ; „das Prügeln „ist aber doch besser als Todtschießcn, denn die „Schlage bleiben ja auswendig und schaden der „Ehre nichts." — Der Kaiser von Rußland scheint indessen dieselben nicht blos äußerlich wirken lassen zu wollen; seit einigen Monaten erzählen die deutschen Zeitungen, namentlich die preußische», sehr viele Fälle von „Hinrichtungen durch die Knute." Eintausend Hiebe sind mehr als hinreichend , um den stärksten Menschen zu tödten; die Leiche empfängt den Rest, und auch nicht ein Streich wird erlassen, wie die Verwandten des Märtyrers, die von den Gendarmen zum Zuschauen herbeigeschleppt werden, sich überzeugen können. „Das ist ein scheußliches Erzeugniß der mongolischen Herzenstücke," rufen die deutschen Zeitungen, die immer sehr weise und gelehrt sind, und sie erließen sich in beredten Verwünschungen über die „namenlosen Gräuel" des russischen verhaßten Knutensystems. Die Censur vergönnt ihnen an diesem Gegenstand ihre ganze Galle auszuschütten und die faden Spalten ihrer ausgemergelten Blätter damit rin wenig zu würzen. Wie freut sich der Journalist, wenn er ein Menschenfresserfest auf der Elfenbeinküste, oder die Spießung eines Verurtheilten in Syrien, oder die Selbstverbrennung einer Wittwe in Hindostan seinem Publikum anfzutischen Gelegenheit hat! Da hat mein Censor doch einmal nichts zu streichen, das ist unschädlich, das zieht die unruhigen Gemüther weit ab in die Ferne, sagt er zufrieden und malt die Schreckensseene möglichst aus. Auch fügt er wohl die fromme Betrachtung hinzu : in Deutschland sei man glücklich, da passire dcrerler nicht. Eintausend Hiebe! das ist ein ergiebiger Stoff für die „Augsb. Zeitung" und ihr Gesinde, die kleinen und kleinsten deutschen Blättlein; Michel liest das und schauert, und denkt: bei uns ist es doch tausendmal besser. O, wer sollte jetzt die alte List noch nicht kennen! Signor Macchiavelli ist nicht umsonst der Lehrer der deutschen Diplomaten und ihrer Bedienten, die als Zeitungsschreiber verkappt sind. Mit dem edeln Schmerze des mitfühlenden Herzens, mit dem gerechten Unwillen über schwarze Thaten, die im Ausland geschehn, treibt man ein romantisches Spiel, damit der Leser darüber vergesse, was im Inlands vorgeht oder unterlassen wird. Wir erwarten von den wenigen überrheinischen Zeitungen, insonderheit aber von denjenigen preußischen, welche ein Bewußtsein von Menschenwürde so wie von dem Zwecke eines öffentlichen Organs besitzen, daß sie die geeigneten Maaßrcgeln im vorliegenden Falle ergreifen. Es handelt sich nicht um Deklamationen, sondern einfach darum, durch die mit nächstem zusammentretenden preußischen Landstände den absoluten König auf die Barbarei, die jenseit der östlichen Grenzen ansgeübt wird, hinzu- weiseu, und zu fordern, dem moskowitischen Despoten möge das „Hiurichten durch die Kuute" untersagt werden. Wenn die stolzen Gesandten in Konstan- tinopel dem Sultan die Säckung türkischer Frauen, die mit einem Christen in Liebesverhältniß gestanden, verboten und ihm schon manche andere Unart abgewöhnt haben : warum sollte nicht ein Glei- cheögegen den Czar versucht werden! Der „heilige,, .Czar würde zwar diesmal,noch lachen; aber die preußischen Landstände hätten doch endlich eine Gelegenheit, die vielgelobte deutsche Humanität gegenüber dem Throne ihres religiösen Theaterkönigs, der zu ernstern Reflexionen keine Zeit hat, vor den Augen der Welt darzulegen. Doch nein; die Landstände sind von zu knechtischer Gesinnung, als daß ihnen der Muth dazu kommen sollte, und geschähe gar, was in Berlins höheren Kreisen für ziemlich gewiß vorhergesagt wird, gäbe Friedrich Wilhelm in der That die vom Ritter und v. Bunsen aus England mitgebrachte Konstitution^ *) Das „Vorwärts^ sprach hievon fthon im Sommer. Feuilleton des llorwärts. Die beiden Frösche. Eine Fabel. " Ein junger und ein alter Frosch hüpften zusammen am Ufer eines kleinen Baches hemm und freuten sich der warmen Sonne. — Warum machen wir keine weiten 'Spaziergänge mehr auf die Wiese! fragte der jungr Frosch seinen Vater. —Wir dürfen es nicht mehr wagen; die Menschen fangen uns, wenn wir uns zu nah an sie wagen, und bringen uns dann um , erwiederte der Alte. — Das sollte uns nicht abhalten, Vater. Verfolgen uns doch auch hier in unfern Sümpfen die Störche und die Raben, und wenn die uns verschonen, dann sterben und verfaulen wir an Altersschwäche, oder sonst an einem Zufall, einen langsamen und eklen Tod. Und doch denken wir hier auch nicht ans Sterben. Komms laß uns also auf der schönen Wiese im Grünen herumhüpfen, und heiter leben, so lange wir leben. — So weit Haft du recht, mein Sohn. Wenn uns nur ein anderer schneller oder zufälliger Tod erwartete, dann wäre ich bereit mit dir zu gehen — ich stürbe noch lieber auf jener Wiese, als hier auf dem grauen Schlamm. Aber die raffinirten Qualen, die uns bei Lebzeiten erwarten, wenn uns die Menschen fangen, die erschrecken mich. — Raffinirte Qualen? Ich weiß wohl, daß di? Barbaren unsere Schenkel ausreißen, daß ein einziger Mensch ein halbes hundert von uns armen Thieren vermißt, um seinem Gaumen auf eine aparte Weise zu kitzeln — aber wenigstens tödten sie uns doch vorher, und unsere Qualen sind so schnell vorüber, als wenn ein Storch uns verschlingt. — So war es noch in meiner Jugend, mein Sohn. Die Zeiten haben sich aber erschrecklich verändert. Die Civilisati on hat die Menschen zu dem Gräuel gebracht, uns zu tödten und dann zu braten und zu fressen; jetzt bringt sie die -Humanität dazu, uns lebendig zu schinden und zu martern. Sie machen Experimente mit uns; der Wissenschaft zu Liebe schneiden sie uns bei lebendigun Leibe den Bauch auf, untersuchen wie unser Blut fließt, und wie unser Herz schlägt. Sie öffnen unser Rückenmark, durch- schneiden und zerren an unfern Nerven, und quälen uns mit Schceren und Zangen und Galvanismus, — und weil wir schwach sind und wehrlos, sagen sie wir fühlen die Schmerzen weniger als andere Geschöpfe, die sie zu verschonen gezwungen sind. Der junge lebenslustige Frosch schauderte zusammen bei der Erzählung seines Vaters. Da hörten sie auf einmal Menschenftimmen, und sprangen in einem Satz zurück, in den Bach unter das schützende Schilf. Die Menschen, vor denen sie erschrocken waren, zwei alte Leute, die des Weges kamen, und das Gespräch der beiden Frösche mit angehört hatten: — Die Frösche haben ja unsere Geschichte erzählt, sprach der Eine zu dem Andern. Bernays. Erinnerungen. Als die Gefahr der jungen Republik ^Frankreich am höchsten stand, erließ, nachdem der öffentliche Geist durch eine erschütternde Proklamation (von Barrere verfaßt) vorbereitet worden war, der Wohlfahrtsausschuß folgendes weltberühmte Decret, welchem alleDepu- tirte ohne Ausnahme ihre Stimmen gegeben: Artikel i. ,,Von heute ab bis zu jener Stunde, wo die „Feinde vom Boden der Republik vertrieben sind, müssen „die Franzosen sämmtlich unablässig für den Heeresdienst in Bereitschaft stehen; die jungen ledigen Männer „werden in den Kampf ziehen, die Verheiratheten werden „daheim Waffen schmieden und den Proviant verführen; „die Frauen müssenGezelke und Kleidungsstücke verferti- „gen undin den Spitälern aufwarten; die Kinder werden ,,Charpie aus abgenützter Wäsche zupfen, und die Greise „sollen sich auf die Marktplätze tragen lassen, um dort den „Muth des Kriegers zu entflammen und zum Hasse ge- ,,gen Tyrannei und zur republikanischen Einheit zu ermähnen; Art. 2. Die der Nation gehörigen Gebäude, „Kirchen und Palläste werden in Kasernen verwandelt, dem treuen Volke zum Neujcchrsgeschent, wie hätte dann ein andres Gefühl und ein andrer Gedanke noch Platz neben der überschwänglichen Dankbarkeit , mit der man dies Angebinde entgegennehmen würde! Die lederne Knute deö Mongolen knallt rings um die preußische Grenze, und in Preußen selbst wird eine andere, die geistige und geistliche Peitsche geschwungen. Habt Ihr noch nicht gehört, wie der Minister Eichhorn, der stille demüthige Tyran , ein abermaliges Religionsedikt verordnet? Wer nicht fleißig Kirche und Abendmahl besucht, wird vor Gericht nicht mehr zum Eide zugelassen. Wenn die Braut in früherer Zeit ein Liebesverhältniß gehabt, dann wird sie vor dem Traualtar vom Priester öffentlich getadelt und zur Buße ermahnt. Aus den Volksschulen soll der Unterricht in Erdkunde, Geschichte und Naturwissenschaft verschwinden und der kindische, blödsinnige Katechismus tritt an seine Stelle. So möge denn der Kelch der Entmenschung voll werden; sie schenken ihn ein, sie füllen ihn mit hunderttausendfachen Giften, und ihre uralten höllischen Zauberformeln murmelnd, kommen sie geschlichen, die „liebeathmenden" Heiligen von Sanssouci, und sprechen zum unglücklichen Volke : Trinke, damit du selig werdest. Eichhorn, und Thiele der General , sind nichts anders als Wöllner und General Bischofföwcrder die aus dem Schattenreich aufgestie- gen sind; die Gespensterschcinungen aber die sie dem zweiten Friedrich Wilhelm vorgaukelten im Marmorpalais, die weiß der vierte sich selber zu bereiten. Wenn er den mussirenden Champagner geschlürft, dann — so heißt es — sieht er'ö flimmern wie ein wälsches Fallbeil auf karmesinrothem Sammetgerüst, und hört dumpfe Stimmen ringsum : Wehe Hohen'zollern! Aber das Volk wird nicht den Todestrunk thun. Sie werden nicht die nöthige Zeit haben, um die junge Generation zu verderben; Kirche und Knute sind eitel Tand gegen die Bedürfnisse der ringenden zum Selbstbewußtsein kommenden Menschheit. Der Czar wird sammt seinen eintausend Knutenhieben enden und — Eichhorn? s. Schlesische Zustände. (Schluß.) Da ist eben keine sonderliche Zufriedenheit mit dem Bestehenden! Die Gutsbesitzer auf dem Lande, Adliche wie Bürgerliche, mit ihrer Brutalität, ihrem Haß gegen die Canaille, ihrer Pvlizeigewalt, ihrer Patrimonialgerichtsbarkeit tragen auch nichts zur Freude an der Gegenwart bei. Was der Fabrikant hier dem Arbeiter durch niedrigen Lohn aussaugt, das gewinnt der Gutsherr aus den Robothdiensten, Strafgeldern, Silberzinsen, Na- tural-Leiftungen und Schutzgeldern seiner „Untertha- nen." Im Angesicht der hungernden Massen stiften die Geburts- und Geldaristokraten „Neitjagd-Vereinc," um, wie die Herren zu sagen belieben, „den Mu th der wohlhabenden Jugend des Landes zu stählen und sie vor Verweichlichung zu schützen. " Der Beitrag eines wirklichen Mitgliedes ist jährlich 60 Louisd'or, und der Proletarier fragt wiederum : woher anders haben die Herren all das Geld, als aus unfern Händen ? Der Proletarier hat ohne Zweifel Recht. Denn Geld, als Repräsentant nützlicher Thätig- keit, kann durch Nichtsthun unmöglich beschafft werden. Dem Verein ,,für Thierschau und Pferderennen" in Breslau hat der König 3oooo Thaler geschenkt; die Herren leihen einen Theil auf Zinsen aus und machen sonst gute Geschäfte damit, während der Arbeiter, wenn er dem Staat oder dem Gutsherrn seine Abgaben oder der Dienstbote, wenn er 6 Slbrgr.-Stempel für ein Abzugs- Attest nicht bezahlen kann, bis aufs Letzte gepfändet, resp. eingcsperrt wird. Dergleichen Contrafte wecken im Kopfe des Armen schlummernde Gedanken. Und womit sucht man das wankende Gebäude zu stützen, es neu aufzuputzen und die gottlosen Gedanken an ein ganz neues, ganz anderes zurückdrängen ? Da ist zuerst die Censur, die neuerdings in Folge der geheimen Cabinetsordre vom 14. Juni ärger und mordbegieriger geworden ist, als je seit I8l9. Unter ihrem Fallbeil haucht jeder Gedanke sein Leben aus, der auch nur im Entferntesten die wahre Quelle unseres Leidens anzudeuten, den gegenseitigen Haß durch Hinweisung auf ein Leben der Gemeinschaft und des Wohlseins Atter zu beschwichtigen und den einzigen Weg aus diesem Jrrgange der Noth, aus dieser Folterkammer halb entmenschter Wesen nachzuweisen bestimmt ist. Die nichtperiodischen Schriften, die der Vernunft das Wort reden, werden verboten und ihre Verfasser läßt mau in den Zeitungen von bezahlten Necensenten mit Koth bewerfen und als Ausgeburten der Hölle schildern. Und doch findeu grade Broschüren, die das sociale Thema ohne Rückhalt behandeln, eine noch nie gekannte Verbreitung. Wie würde die Negierung erschrecken, wie unsere Geldmänner zusammenfahren, wenn sie die Anzahl der Exemplare erführen , die z. B. Pon dem Merkchen „das Eigenthum in Gefahr" (bei Jenni in Bern) in den Händen von Handwerkern und Fabrikarbeitern sich befinden. Da man Angst hat, so ist es kein Wunder, daß an alle Polizeibehörden des Landes die Signalements von Bvrn- ftein aus Paris, Weitling aus Magdeburg, von Herwegh und vielen Andern mit der Aufforderung geschickt worden sind, die gedachten Personen im Betretungsfall zu verhaften. Offiziell erklärt man, es gäbe bei uns weiter keine Noth , als wie sie überall stattfindc— und darin mögen die Herren mehr Recht haben, als sie ahnen —. Unser Ober-Präsident wird cs nie zu geben, daß in seiner Provinz solche Armuth herrsche, wie sie erst neulich Herr Alexander Schneer in seinem Bericht an das Hilfs- Comitä für die Weber und Spinner aus eigener Anschauung geschildert. Trotzdem daß selbst Herr Schneer, ein Mann, der sich noch nicht aus dem Moraste des Lorur» theils, des Reichthums, des Privat-Egoismus zu befreien vermochte, gar laut schreit, daß die Presse noch lange nicht stark genug den Umfang des Übels bezeichnet habe, daß sie weit hinter der Wahrheit und Wirklichkeit geblieben sei — unsere Beamten hier, wie in Berlin glauben fest, es sei doch nicht wahr. Die es nicht glauben, stellen sich wenigsten so. Dagegen war jetzt der Polizei-Director Dunckcr aus Berlin seit Monaten in unserm Gebirge beschäftigt, eine geheime Polizei zu organisiren. Es muß ihm gelingen. Denn die Spionerie bringt den Leuten mehr ein, als ihr Spinnen und Weben. Die Fabrikanten und Kaufleute haben ihn überall fetirt und glänzend bewirthet, und sein Bericht sagt: „Die Leute hätten gar keine Noth, außer das faule und liederliche Gesindel." Nach ihm und den übrigen weisen Staatsmännern hat der Aufstand vom Juni nicht in dem materiellen Elende der Weber, Spinner u. s. w. seinen Grund, sondern eben in dem schlechten Gesindel und dessen Aufhetzung durch Übelwollende. Die Letzter» mußte man nun ausfindig machen ; Duncker war der glückliche EUdecker — Pelz (Treumund Welp) der Entdeckte. Pelz, der selbst Eigenthümer ist, nur die Adels- und Beamtenwirthschaft und die Schranken haßt, welche dem behäbigen Bürger thu me zu dessen freier Enfaltung noch im Wege stehen, Pelz, dessen höchstes Ziel eine Constitution, Gleichheit vor dem Gesetz, öffentliches Gerichtsverfahren und dergleichen ist, und der nebenbei auch die Armen ein bischen getröstet sehen, aber keineswegs mit sich, dem Bürger, dem Eigenthümer, auf den nämlichen Boden wahrer Gerechtigkeit und Gleichheit gestellt wissen möchte, mußte nun der Sündenbock sein. Er wurde eingespcrrt gegen Caution mtlassen und wartet, bis sein Jugend- und Schulfreund D u ncker, den er kurz vor seiner Verhaftung in seinem Hause arglos bewirthete, bald hinreichende Beweise für seine Schult» zusammen- ,,die öffentlichen Plätze in Waffenwerkstätten und der „Kellerboden selbst ist auszulaugen, um Salpeter her- ,,auszuziehen; Art. 3. Die Kanonen find fortan nur für „die Grenztruppen; der Dienst im Innern des Reiches „muß mit der Jagdflinte und mit dem Säbel geschehen; Art. 4. Die Reitpferde find bestimmt die Ka- „vallerie vollzählig zu machen ; die Zugpferde --ausgenommen jedoch die für den Ackerbau — sind in der Artillerie und im Proviant zu verwenden; Art. 5. Der „Wohlfahrtsausschuß hat den Auftrag, alles zu thun, „um unverzüglich die neue Anfertigung von Waffen jeder „Art so anzuordnen, daß selbe den Zuständen wie der „Kraft des französischen Volkes entspreche. Der Wohlfahrtsausschuß ist demgemäß berechtigt, Manufacturen, „Werkstätten und Fabriken zu eröffnen, die er zur Ausführung obiger Arbeiten als nöthig betrachtet; inglei- „chen ist er ermächtigt zu jenem Entzweck innerhalb des „ganzen Gebiets der Republik, sämmtliche Künstler und „Handwerker aufzufordern. Die Summe von so Miktionen Franken, zu nehmen von den 498 Millionen As- „signatpapier in der Kaffe unter dreifachem Schlüssel, „ist hiemit dem Kriegsminifterium zur Verfügung ge- „ftellt. In Paris ist der Mittelpunkt der außerordent- „lichen Waffenfabrikation; Art. s. Die Volksrepräsentanten, die zur Ausführung dieses gegenwärtigen Gc- „setzes gesendet werden, besitzen dieselbe Macht in ihren „Bezirken, und wirke von dort aus mit dem Wohlfahrtsausschuß in Eintracht; sie erhalten die näm- „liche unbegrenzte Gewalt wie die Volksrepräsencanten, „die an die Heere abgeschickt find; Art. 7. Kein Beamter „darf sich hinfort ersetzen lassen: er bleibt auf seinem „Posten; Art. 8. Die Aushebung ist allgemein : die nicht „verheiratheten und die verwittweten und kinderlosen „Bürger zwischen >8 und 25 Jahren marschiren zuerst; „ohne Zaudern stellen sie sich im Distriktshauptort und „üben sich da täglich im Handhaben der Waffe, bis der „Befehl zum Aufbruch kommt; Art. 9. Die Volksre- „Präsentanten bestimmen Aufruf und Märsche in der „Weise, daß die bewaffneten Bürger erst dann im Ver- „sammlungspunkt cintreffen, wenn Nahrung, Munition und Alles, was zum materiellen Bestände des „Heeres gehört, in hinreichender Menge vorhanden; „Art. i«>. Die Versammlungspunkte find nach den Um- „ftänden zu wählen. Sie werden ausgesucht durch die- „jenigen Volksrepräsentanten, die der Vollstreckung die- „ses gegenwärtigen Gesetzes beizuwohnen haben, wie auch „auf Gutachten der Generäle, in Einverftändniß mit „dem Wohlfahrtsausschuß und dem vorläufigen Voll- „ziehungsrath;Art. ii. Das Bataillon jeglichen Bezirks „sammelt sich unter einer Standarte ausder geschrieben „ist: Das französische Volk steht auf gegen die Tyrannen; „Art. 12. Diese Bataillonewerdennach Gesehen organi- „sirt und ihr Sold ist der nämliche wie der für die Grenz- „Bataillone; Art. 13. Um die Lebensmittel hinreichend „zu schaffen, haben Pächter und Verwalter der Natio- „nalgüter die Einkünfte dieser Grundstücke in Getreide „nach dem Diftriktshauptorte zu bringen; Art. 14. Ei- „genthümer, Pächter und Kornbesitzer müssen ihre rück- „ständigen Abgaben in Lebensmitteln, statt in Gelbe, „bezahlen; Art. 15. Das Ministerium des Kriegs ist beauftragt sämmtliche Maaßregeln zu ergreifen, und dies „Decret pünktlich in Kraft zu setzen. Zu seiner Verfügung „ftellr die Nationalschatzkammer die Summe von 50 „Millionen Assignatpapier aus der Kasse unter dreifachem „Schlüssel. — Vorstehendes Dekret wird durch außergewöhnliche Eilboten in die 86 Departements ge- „bracht." Auch verkündigte der Konvent: Alles Material um Waffen und Salpeter zu machen, sei der Regierung zu überlassen. „Art. i. Alle Erde, alle Stoffe, alle „Gegenstände, worin Salpeter, sind auf dem ganzen „Gebier der Republik zur Verfügung des einstweiligen „Vollziehungsraths; Art. 2. Die Arbeiter und Aufseher „in den Salpeter- und Pulverfabriken stehen fortbin für „den Dienst der Republik bereit; Art. 5. Der Salpeter „ist vorläufig auf 24 Sous das Pfund tarirt; Art. 6. „Das Salpeteramt ist beauftragt für die Dauer des jetzigen Krieges, sogar in Privathäusern diejenige Nachsu- „chung, Nachgrabung und Arbeit zu veranstalten, die „gegenwärtig Noth thut. Es werden daher die Behörden, „welchen die Handhabung der Gleichheit obliegt, keine „Ausnah me irgend einer Art dulden; Art.7. Das Sal- 3 gebracht haben wird. Gelingts nicht, so wird man ihn auch ohnedem verurtheilen. Der Minister darf nur wollen, unsere Richter sind nicht so unartig, einem hohen und höchsten Winke entgegen zu handeln. Ein Jurist, der da nicht hinreichende Gründe fände, verdiente gar nicht die Ehre preußischer Richter zu sein und unter dem Disciplinar- gesetz vom 29. März zu stehen. Jndeß da man dem armen „Gepöbel" doch nicht ganz traut, so läßt man das Militär in Reichen bach liegen und wird Kasernen bauen, um für stden Fall gerüstet zu sein. Insgeheim mag man sich wohl gestehen, daß die Empörung von Peterswaldau und Langenbic- lau nur der Anfang eines Vorspieles gewesen, dem über kurz oder lang das Ende folgen muß, worauf dann die Tragödie selbst erst beginnen kann. Unterdeß sucht man die Leute durch Schrecken im Zaume zu halten, vrqanisirt die Orts-Polizeien besser, vermehrt die Gendarmen und nimmt zuweilen eine Hausuntersuchung vor, wie kürzlich beim Kaufmann und Landtagsdeputirten Herrn H a i n in Waldenburg, um Leute, die für regierungsfeindlich gelten, einzuschüchtern. Freilich mehren sich trotz aller Polizei die Verbrechen gegen das Eigenthum von Monat zu Monat. Doch man braucht nur hie und da eine halbe Million, um ein neues Zuchthaus zu bauen, wie jetzt in Natibor, und es kann bald eine hübsche Menge ihr Unterkommen finden. Wüßte und bestrafte die Negierung alle in Folge des Tschech' schen Attentat's ge- thanen böswilligen Äußerungen, die sich im Gegensatz zu den offiziellen Glückwünschen, ekelhaften und hündischen Adressen, Luft machten, das halbe Budget ginge auf Zuchthäuser darauf, und die andere Hälfte auf's Militär zur Bewachung derselben. Selbst in dem Militär find hie und da illegitime Gedanken aufgestiegen. In Breslau steht ein Offizier wegen Äußerung eines solchen vor dem Kriegsgericht. Hätte man gar bei dem Weberaufftande Alle, die ihm heimlich oder offen Beifall schenkten, die sich ihm anzuschließen bereit waren, falls er sich weiter ausgedehnt, rinstecken wollen, Schlesicn's Bewohner wären der Majorität nach nur noch im Gefängnisse aufzufinden. — Schon das inwendige Raisonni- ren ist gefährlich, weit mehr aber, wenn es sich laut macht und ansteckend weiter greift — das führt allmälig zum Handeln. Diesem Geiste der Unzufriedenheit, diesen Ansprüchen auf gleiche Bethciligung an den Gütern der Erde, an den Segnungen der Civilisation, auf materiellen Genuß und geistige Entwickelung, kann die irdische Polizei allein keinen genügenden Damm entgegensetzen. Da man dies weiß, so ist'smur zu loben, daß der ,,durch und durch christliche" wie auch ,,ganz Gnade" seiende König, sein Tuthvrn, der Eichhorn, und die übrigen frommen und gottseligen Gemüther, der Thiele, Arnim , Vo ß, Uhden u. s. w., u. s. w., das Nadicalmittel in ! Anwendung bringen und die himmlische Polizei zu verstärken suchen. Die Religion ist dieses Heilmittel. Drum sollen wir religiös werden. In der Gottlosigkeit hat das Mißvergnügen der untern Klassen, ihre Wuth gegen die Reichen, die eigentliche Wurzel. Gehen wir erst Alle wieder fleißig in die Kirche, dann hat's keine Noth um das Wohlbefinden — der Reichen. Ein Tschech wird drei Tage lang betteln und dann mit hungrigem Herzen zu Gott beten und ihm danken, daß er ihn hier prüft, um ihm dort die Krone des ewigen Lehens aufzu- seyen. Singen wir nur recht gläubig -Das alte Entsagungslied, Das Eyapopaya vom Himmel, Womit man cinlullr, wenn es greinr, Das Volk, den großen Lümmel; dann wird sich der zerlumpte, frierende und hungernde Arbeiter nicht an die himmlischen Gendarmen stoßen und ihnen mißtrauen, wenn sie ihm auf der Kanzel Demuth, Gehorsam und Entbehrung als erste Christenpflicht an's Herz legen und wenn er zehnmal weiß: -Sie trinken heimlich Wem Und predigen öffentlich Wasser. Die Schule, die schon zu viel Licht in die Köpfe zu bringen anfing, wird konsequent als Filiale der himmlischen Sicherheitsgardc eingerichtet. Die Lehrer dürfen sich nicht zu Festen vereinigen, ihre Lektüre wird der schärfsten Controle unterworfen. In den Seminarien wird der Nachwuchs unter bigotten Direktoren und Lehrern binnen zwei Jahren mit Gehorsam, Demuth und königlichpreußischer Christlichkeit dermaaßen aufgefüttert, daß man die Jugend vor aller Gefahr sicher glaubt. Harnisch's Catechismus ist von nun an das,Hauptbuch in unsern Schulen. Der Sonnrag wird immer heiliger; d. h. die Geistlichen donnern gegen die Verächter, und die Polizei schließt die Läden und zieht die Contravenicnten in Geldstrafe. Die heiligen Theologen find wacker und thä- tig auf ihrem Posten. Die Geistlichkeit begreift, daß sie mit dem Staate steht und fällt; daß wenn der Mensch erst das religiöse Trugnetz, in welchem die Diener der Kirche ihn festhalten, zerrissen hat, er als freies Vernunftwesen dasteht, das nur die Trümmer des einstürzenden Himmels wegzuräumen braucht, um ihn mit seinen Brüdern hier auf Erden zu errichten. Einstweilen geht man aber noch, wenn auch nicht andächtig, so doch maschinenmäßig, wie ins Theater, so ins Gotteshaus. Viele möchten lieber nicht. Allein die Beamten wären schlechte Diener ihres „durch und durch christlichen" Königs, wollten sie Sonntags gar nicht einmal das Gesang- und Gebetbuch unter den Arm nehmen. Denn so wie vor etwa 6 Wochen ein geheimer Befehl von Berlin ausging, wornach von jetzt an in den Cond uiten listen eine besondere Rubrik betitelt „politische Gesinnung" bei jedem königlichen Diener auszufüllen ist, so dürfte in Kurzem auch die ,,religiöse Gesinnung" in den geheimen Bericht ausgenommen werden, wofern dies nicht bereits verfügt ist. Katholische, wie evangelische Theologen, wie sehr sie sich auch jetzt gleich bissigen Kötern anfallen, verfolgen dieselbe Aufgabe der Gefangenhaltung des Geistes oder seiner Zurückführung, falls er einen Abstecher gemacht. Nur daß der katholische Klerus nicht die Kirche im Staate, sondern den Staat unter der Kirche, den geistlichen Staat und zwar den römisch-katholischen will. In Ober-Schlesien entfaltet der Klerus in der Enthaltsamkeitssache seine volle Macht. Er hat die fast im Soff untergegangene Bevölkerung zur Entsagung vom Schnapse gebracht und sie in den Stand gesetzt, über ihre Lage zu einiger Besinnung zu kommen, statt, wie bisher, ihr Elend im Fusel momentan hinwegzuspülen. Die Aufreizung gegen die Juden, als seien diese die Urheber aller Noch des darbenden Volkes, kann am Ende nur dahin ausschlagen, die G.danken zur wahren Quelle unseres Jammers hinzuleiten, sobald es sich zeigt — was nicht ausbleiben kann — daß das Volk nicht glücklicher wird, seitdem cs die jüdischen Schenken nicht mehr besucht. Der hungernde Magen ist auf die Dauer ein zu ungläubiger Protestant, als daß er das himmlische Manna der Religion für ausreichend zur Sättigung ansehen sollte. Die arbeitende und duldende Masse hält sich zwar noch zu einem großen Theile an diesen letzten Anker, den ihr die Geistlichkeit und die Religion bieten; da aber die mit innerer Nvthwendig- keit täglich wachsende Macht des Geldes, die Herrschaft des Privategoismus, die besitzlosen Massen immer näher an den Abgrund hindrängt, den Menschen immer mehr zum Thiere hcrabwürdigt, so muß jener Anker endlich reißen, und der religiöse Mensch für alle Zukunft zu Grunde gehen. Deshalb gibt es Laien unter uns, die zu andern Wegen rächen. Sie wittern den nahenden Sturm und möchten sich retten. Einige werden wohlthätig, „damit," wie mir ein reicher Mann seine Spenden für die Armen erklärte, „damit die Proletarier mir oder meinen Kindern nicht Haus und Hof wegnehmen/ darum schaffe ich ihnen lieber freiwillig ein Hemde oder ein Paar Schuhe." Andere wissen andere Auskunft. Voriges Frühjahr erklärte der Graf Avrk von Wartenberg in Betreff der Weber undSpinner: „Laßt einige 6o —«oooo verhungern; hier ist nicht anders zu helfen; die übrigen werden dann Arbeit haben im Gebirge, oder sie müssen in Gegenden verpflanzt werden, wo wir noch Hände brauchen." Noch Andere endlich schlagen stracks die Auswanderung im Großen vor, bald nach Ungarn und den Süddvnauländern, bald nach Oberschlesien, Posen , Ostpreußen. Diese ärgert nichts so sehr, als daß die Weber und Spinner unseres Gebirges so gar wenig Lust zur Auswanderung bezeugen; die Weber glauben an keine Übervölkerung ; denn sie berufen „peteramt ist gehalten, die aufgegrabenen Orte wieder zu „ebenen und die Eigenthümer für den etwaigen Nachtheil ,,zu entschädigen u. s. w." „So groß war die Liebe zur Freiheit, setzt Levasseur, der ehemalige Volksrepräsentant hinzu, die Liebe zur „Gleichheit und zur Menschheit in uns zu damaliger „Zeit." — Wir Deutschen aber wollen dies Heldenbei- spiel einer großherzigen Nachbarnation nicht vergessen; denn kommen dürfte die schwere Stunde, wo wir die Nolle der Franzosen der Neunziger Epoche unsrerseits an der Weichsel und der Oder spielen müssen gegen die moskovitische Aristokratie und den Czaren , wenn auch wir die Menschheit bei uns zum Feldgeschrei erhoben haben. Dann, ja dann werden auch aus unsrer heute so „ruhigen" Mitte die gewaltigen Geister emporwachsen wie Niesenbäume über Nacht, und Germanien wird ein Bollwerk der guten Sache geworden sein. Ohne die Jrr- thümer der französischen Umwälzung nachzuahmen, werden wir ihr begonnenes Werk weiter zu führen uns im Standesehen. „Alles für und durch die Menschheit!" Der Konvent erklärte: „Im Namen der beleidigten „Menschheit zeigen wir bei allen Völkern und bei dem „England s selber, das hinterlistige, feige und grausame Treiben der brittischen Staatsregierung an, die „sich nicht schämt Meuchelmord und Gift und Brandstiftung undalle sonstige Greuel gut zu bezahlen, ledig- ' „lieh den Triumph der Tyrannei zu sichern und die Menschenrechte zu vernichten." Der Konvent ließ die tapfere Garnison, welche Mainz gegen Preußen lange genug vertheidigt hatte, in die durch Priester, Adel und englisches Gold am'rührisch gemachte Vend>'e rücken; die Frauen, Kinder und Greise der fana- tisirten Bauern befahl er in's Innere Frankreich's abzuführen und menschlich zu behandeln und vor allen Dingen zu ernähren; die Häuser und Hütten, die Schlupfwinkel der Rebellen zu zerstören, die Waldungen der ganzen Provinz umzuhauen, und die noch auf dem Felde stehende Ernte ohne Umstände abzumähen, um sie für die republikanischen Soldaten zu verwenden. Zu diesem Behuf wurden Kompagnien von Pioniren und Arbeitsleuten aus den patriotischesten Gemeinden formirt. Der zehnte Artikel des bezüglichen Dekrets lautet: „Sobald die „Verproviantirung geschehen, das Heer neu eingerichtet „und zum Marsch gegen die Vendeer fertig ist, haben die „Volksrepräfentanten sich mit den Verwaltugsbehörden ,,dcr Nachbardepartemente,die da dem guten Prinzip treu „verblieben sind, zu verständigen, und werden sie alsdann „die Sturmglocken in sämmtlichen umliegenden Gemeinden läuten und alle Bürger vom löten bis soften „Lebensjahre werden auf Befehl wider die Empörer zu „Feld ziehen." Der Konvenr that noch mehr. Der schon erwähnte Berichterstatter Barröre sprach: „Ein System, ein wah- ,,res System hat sich mittlerweile gebildet, welches darin „besteht, das Assignatenpapiergeld nicht nehmen zu „wollen oder mitVerlust dessen, der Assignaten gibt; und „sie markten und feilschen schamlos eheste EurenGeld- . „werth in Assignatscheinen sich gefallen lassen, als wenn „die Assignaten ohne Unterpfand gegeben wären ! Dieses „Getreide rüht von Pitt, vom ersten Minister Eng „lands, der in Eurer Mitte seine Agenten bezahlt; von ,,diesem Pitt, der so eben von seiner Negierung fünf „Millionen Pfund Sterling in Gold zur Verfügung er- „hielt. Das englische Volk, an dessen Ehrlichkeit ich - „keinen Augenblick zweifle, würde zürnen, wenn es „wüßte, was man mit den Früchten seiner Arbeit macht, „wenn es erführe, daß seine Reichthümer nur dazu die- „nen, um uns Brand und Dolch und Gift zu bringen. „Zornig würde es werden, meine ich; denn billigte es das „alles, so wäre es kein Menschenvolk, es wäre ein „Schwarm von Ungeheuern, von welchen Europa den „Erdball rein machen müßte. Im Innern der Republik „müßt Ihr die Helfershelfer solcher Umtriebe einschüch- „tern und strafen. Nach Außen müßt Ihr alle und jede „Wechselgeschäfte mit den fremden Nationen abbrechen, „sobald diese unsre Assignaten nicht zu dem in unsern „Gesetzen festgestellten Preise annehmen wollen." (Fortsetzung folgt.) ' sich auf die ausgedehnten Besitzungen einzelner Standesherren, Grafen, Barone re. Über rooovo Quadratmorgen gehören ja oft einem Einzelnen und es sollte nicht Land genug da sein für die Bewohner, nicht hinreichende Lebensmittel erzeugt werden können, um Alle zu ernähren, sobald nur nicht Einer verschlingt, was zum Unterhalt von Tausenden dienen könnte! Nein, sagen sie, unsere Provinz ist reich genug an Gütern aller Art, Tausende von Scheffeln Getreides und andere Erzeugnisse werden jährlich ausgeführt, und wir sollten uns sortjagen lassen, damit man noch mehr ausführcn oder — aufspeichern könne ? Mit dem Überfluß der Einen kann der Mangel der Andern vollkommen gedeckt werden. Die „gute, alte Zeit," das patriarchalische Lcrhältniß ist nun einmal unwiderbringlich dahin ; die Gottes- und darum auch die Menschenfurcht naht ihrem Ende; der Geist der Verneinung, der Auflehnung gegen das Bestehende will sich nicht bannen, das von einem Schimmer erwachenden Bewußtseins erfüllte Schlesierland nicht mehr verfinstern lassen. Ruhe und Friede wird nicht eher einziehcn, als bis der Landrath des Martenberger Kreises, der jetzt den Dauern durch den Schullehrer zu wissen rhut, erwürbe sie durch hauen lassest, wenn sie nicht die Mütze im Vorbeigehen vor ihm abnähmen, zu ihnen kommt und sie zuerst grüßt. Wenn der reiche Fabrikant Al- berti in Waldenburg seine Arbeiter, statt, wie jetzt, nur mit dem Namen „diese Hundes zu bezeichnen, als seine Brüder umarmen und keine andere Arbeiter, als seine Hände, haben wird; wenn Krams ta s Millionen als Werkzeuge zu neuen Productionen für die Gesammt- heit und nicht mehr für ein Individuum zur Anwendung kommen ; wenn der Sohn des Grafen Magni dem Sohne seines jetzigen Bedienten aus Gefälligkeit die Stiefeln putzen und eine Tochter des Prinzen Al brecht dem Sohne des Schaffers in Camenz, als ihrem Geliebten, einen Knopf annähen ; kurz wenn der Mensch alle Vorrechte der Geburt, des Standes, Vermögens re. vernichtet haben wird, dann erst kann von Glück und Harmonie die Rede sein. Damit es aber dahin komme, daß die Gegensätze von Eigenthümern und Eigenthumslosen, von Neichen und Armen, von Bildung und Unwissenheit bei uns verschwinden, wird vielleicht erst das Drama, dessen vorausgeworfene lange Schatten wir im Sommer an den Bergen der Eule erblickten, von der arbeitenden Masse zu Ende geführt werden müssen, weil die Verblendung der Besitzenden überhaupt, und die ihrer Würdenträger insbesondere, fast zu groß ist, alsjdaß auf eine friedliche Lösung des. gesellschaftlichen Problems zu hoffen wäre. Auszüge aus: Die Bewegung des Soeialisrnus und Corrrmurrismus, Von Theodor ölckers. (Fortsetzung.) „Darlegung der Lehre Baboeufs. Art. 1. Die Natur hat jedem Menschen ein gleiches Recht auf den Genuß aller Güter gegeben. Art. 2. Der Zweck der Gesellschaft ist, diese, im Naturzustände so oft durch die Starken und die Schlechten angegriffene Gleichheit zu vertheidigen und alle gemeinschaftlichen Genüsse durch die gemeinsame Arbeit zu vermehren. Art. 3. Die Natur hat jedem die Verpflichtung auferlegt, zu arbeiten; Niemand kann sich, ohne ein Verbrechen zu begehen, der Arbeit entziehen. Art. 4. Die Arbeiten und die Genüsse müssen gemeinsam sein. - i Art'.' 5. Die Unterdrückung ist da, wo der Eine sich durch Arbeit erschöpft und Alles entbehren muß, während der Andere im Überflüsse schwelgt, ohne etwas zu thun. Art. 6. Niemand hat ohne Verbrechen sich ausschließlich die Güter des Bodens oder der Industrie aneignen können. Art. 7. In einer wahren Gesellschaft darf es weder Reiche noch Arme geben. Art. 8. Die Reichen, die dem Überfluß nicht zu Gunsten der Bedürftigen entsagen wollen, sind Feinde des Volks. Art. 9. Niemand kann durch Anhäufung aller Mittel den Andern des für sein Glück nothwendigen Unterrichts berauben ; der Unterricht muß gemeinsam sein. Art. 10. Der Zweck der Revolution ist der, die Ungleichheit zu vernichten und das gemeinsame Glück herzustellen. Art. 11. Die Revolution ist nicht geendet, weil die Reichen alle Güter verschlingen und ausschließlich herrschen, während die Armen wie wahre Scla- ven arbeiten, im Elende schmachten und im Staate nichts bedeuten. Art. 12. Tie Constitution von 1793 ist das wahre Gesetz der Franzosen, weil das Volk sie feierlich angenommen hat; weil die Convention nicht das Recht hatte, sie zu ändern; weil sie, um dazu zu gelangen, das Volk hat niederschießen lassen, das ihre Ausübung forderte; weil sie die Deputaten, die sie ihrer Pflicht gemäß vertheidigten, verjagt und ermordet hat; weil der Schrecken vor dem Volke und der Einfluß der Emigrirten den Vorsitz gehabt haben bei der Abfassung und der vorgeblichen Annahme der Constitution von 1795, die nicht einmal den vierten Theil der Stimmen für sich hatte, welche die von 1793 erhielt; weil die Constitution voll 1793 die unveräußerlichen Rechte jedes Bürgers geheiligt hatte, zu dem Gesetze seine Zustimmung zu geben, staatliche Rechte auszuüben, sich zu versammeln, das, was er für nützlich hält, zu fordern, sich zu unterrichten und nicht Hungers zu sterben; Rechte, welche der contrerevolutionäre Akt des Gouvernements von 1795 öffentlich und vollständig verletzt hat. Art. 13. Jeder Bürger ist gehalten, in der Constitution von 1793 den Willen und das Glück des Volkes wiederherzustellen und zu vertheidigen. Art. 14. Alle Gewalten, die von der vorgeblichen Constitution von 1795 ausgehen, sind ungesetzlich und contrerevolutionnär. Art. 15. Diejenigen, die an die Constitution von 1793 Hand gelegt haben, sind des Verbrechens der beleidigten Volks-Majestät schuldig." — Dieses Manifest wurde im April 1796 in Paris verbreitet, erregte großes Aufsehen und lenkte vor allem die Aufmerksamkeit des Direktoriums auf sich. Während die ganze Stadt in Unruhe gerieth und Furcht auf der einen, Hoffnung auf der andern Seite von neuem erregt wurde, rastete die Verbindung nicht in ihren eifrigen Bemühungen, immer unter der Oberleitung Baboeufs, der sich indeß an einem sichern Orte verborgen hielt. Unentdeckt und ungestört hielt man die Versammlungen in den Straßen der Faubourgs St.-Antoine und St.- Marceau. Die Verbindung soll bereits 16000 Mitglieder gezählt haben ; die Artillerie des Forts von Vincennes, die Invaliden, das Sicherheitscorps, die Grenadiere des gesetzgebenden Körpers hatte man gewonnen und die Theilnähme der Arbeiterklasse verstand sich von selbst. Immer drohender wurden die Symptome des Aufstandes. Man hatte die Empörer nach den zwölf Vierteln von Paris ab- getheilt und in drei Hauptcorps geordnet. Die einzelnen Abtheilungen hatten ihre bestimmten Weisungen erhalten und einige Polizeioffiziere hatten sich anheischig gemacht, die Direktoren niederzustechen. Am 4. Mai jedoch hatte bereits ein Agent der Verbindung unter den Truppen den ganzen Plan an das Directorium verrcuhen, welches den Verräther reichlich bezahlte und seine Maaßregeln ergriff. Das Eomite der Partei der reinen Republikaner, der „Bergpartei," erneuerte am 8. Mai in einer allgemeinen Versammlung feierlich den Akt der Vereinigung mit der Kommunistenpartei; — nur durch ein Mißverständniß entgingen beide vereinigte Comitos einem Anschläge des Direktoriums, welches dieselben gefangen nehmen wollte. Am folgenden Tage erbot sich Barras heimlich zur Theilnähme, die ihm gewährt wurde. Man ver- muthete den Verrälher nicht. Am Morgen des 10. Mai versammelten sich die bedeutendsten Parteihäupter, um den Tag der Revolution zu berathen, während Baboeuf und Buonarotti noch in ihrer Wohnung mit Vollendung der Manifeste beschäftigt waren. Mit leichter Mühe nahm man, da die Verschworenen keine Vorsichtsmaaßregeln weiter angc- wender hatten, fünf und sechzig der Hauptführer gefangen und bemächtigte sich der wichtigsten Papiere. (Schluß folgt.) Druckfehler in N. 96. l. Seite, 2. Spalte statt: Die Vernunft ist Gottes, lies: die Vernunft ist gottlos. 3. Spalte lies: Das Privilegium des Glaubens d. h. der Unvernunft, und: so lange als diese Unvernunft; statt: verwirft die Vernunft, lies: verweist die Vernunft; statt: Owen hat n i ch t anerkannt, lies: Owen hat wohl anerkannt. 4. Spalte statt : von der Hartnäckigkeit, lies: an der Hartnäckigkeit; statt : seinem Errathen lies : seinem Erachten; statt: Hauptpunkt, lies : Standpunkt. <2 « .<2 er- 8 ,22 «-» -T *22 6 - T e.l'W <2 ^2 H WA H s «? 8 8 N « Redakteur: Heinrich Börnste in.. Druck mit Schnellpressen von Paul Rcnouard. Paris, 18LL Erscheint Mittwoch und iLonnabendö. Nr. 89 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs» Sechs Monate. ... 48 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. . . . . 28 Francs. Sechs Monate. ... 48 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile ä 50 Centimes. ysrw ar-/ i.Ek Man abonnirt: für Paris: im 2uresu oentrsl pour I , PU« lies I^loulin«, 32; im Comptoir des Buchdruckerverems guai Ltg!3qu!»i5 . i5 ; in der Mendel'schen Buchbandlung, luellu pss 6e la Kluis, 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schwei;, Englandr in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhar», Spruce-Street, Nr. 3, in New-Pork. (Mittwoch.) Pariser Deutsche Zeit schritt. Neuigkeiten aus dem himmlischen Reiche. i. Wie. vorauszusehen war, hat der König von Preußen dem „Vorwärts" auf die Frage wie er sich in Bezug auf Herrn Tschech zu blamiren gedenke, aufsschleunigste geantwortet. Der König hat erklärt, er würde es seinem Nachfolger über lassen, das ausgesprochene Todesurtheil erequiren zu lassen, d. h. nicht dem Nachfolger des Herrn Tschech, um es dem Könige, sonderndem Nachfolger des Königs, um es an Herrn Tschech zu erequiren. Wir gratuli- ren zu der Erbschaft! Aber was sagt Ihr zu dem Raffinement der Blamage? Nicht hinrichten, und auch nicht begnadigen; zu feige zur Grausamkeit, und zu feige zur Gnade; das Beil bleibt aufgehängt über dem Haupte des Unglücklichen, als warnendes Zeichen für Jeden, der den Thron — des Herrn Tschech ufurpiren wollte! Doch das hat keine Noth — wer so von seinem ganzen Volke geliebt ist wie Friedrich Wilhelm IV. — der hat alle Aussicht in seinem Bett zu sterben; — und das ist ein königlicher Tod. II. In Luxemburg begab es sich vor wenig Tagen, daß ein preußischer Offizier, ein gewisser Herr von Magerer, mit zwei andern Offizieren in Noth und Schulden gerieth. Die Noth muß dringend gewesen sein, denn die drei Offiziere entschlossen sich ein halb Dutzend silberne Löffel in ihrer Menage zu stehlen, die zu einem Service gehörten, welches der König der Anstalt geschenkt hatte. Ter ärmste elendeste Mensch stiehlt nicht, wenn er es irgend vermeiden kann; der Respekt vor anderer Leute Ei- genthum lebt noch so tief im alten Geschlecht, daß selbst das Treiben der privilcgirten gesetzmäßigen Accaparenrs ihn nicht erschüttert hat;daß es ein Eugene Süe an einem Mörder noch als Beweis seiner Unverdorbenheit rühmen kann, er sei kein Dieb gewesen. Und trotz dem stehlen drei Offiziere, Leute denen von Jugend auf der Aberglaube eingeimpft werden muß, sie haben als uniformirte Krontrabanten noch eine aparte Ehre, weil die Schande es zu sein sie sonst zu laut anschreien würde. Die That wurde entdeckt, zwei der Offiziere sind so glücklich sich durch die Flucht der Schande zu entziehen: der dritte aber kann nicht fort; das Offizier-Corps versammelt sich um zu berathen, wie der Schande, die durch die gerichtliche Untersuchung auf das Ganze falle, zu entgehen sei. Mancherlei Vorschläge werden gemacht; endlich schlägt ein Graf und Lieutenant vor : der Dieb solle sich selbst erschießen, so habe die ganze Geschichte ein Ende. Zwei Offiziere begeben sich zu ihm, bringen ihm zwei geladene Pistolen und das Urtheil des Offiziers-Corps; sie geben ihm eine Viertelstunde zur Vollstreckung Zeit, während der sie sich entfernen werden. Kaum sind sie die Treppe hinab, so fällt der Schuß, — sie steigen ganz ruhig wieder hinauf, der unglückliche Magerer liegt mit zerschmettertem Hirnschädel da, Blut und Gehirn kleben an allen Wänden des Zimmers —aber die Ehre des Offiziers-Corps ist gerettet!!! Oh es ist etwas schönes um wohlgeordnete Staaten, um ein Offizier-Corps das aus Ehre hält, um eine gesellschaftliche Ordnung in der das Glück, die Ehre, ja das Leben dreier Menschen von sechs silbernen Löffeln zerstört wird! Arbeiten wir, meine Freunde, daß dieser Zustand aushöre, —aber stehlen wir nicht, denn sonst thun wir grade, was wir den andern vorwerfen, und sind erst hinterher noch so schwach uns gegenseitig zu verachten — ich kenne das! HI. Der dreizehnjährige Knabe des Kaufmanns Wen- delstädt, aus Cöln, war in der Kadettenanstalt in Benzenberg. Ohne Zweifel wegen eines geringen Vergehens (und wenn auch wegen eines Großen, das ist gleichgültig), sperrte man den Knaben bei Wasser und Brod ein. Als man ihn aus der Haft befreien wollte — fand man ihn an seinem Taschentuch erhängt! Feuilleton des llorwürts. Vorwär ts! Es drängt die Zeit, ihr Männer eilt Zu euern Fahnen hin; Ein Jüngling, der noch länger weilt Mit furchterfülltem Sinn. Wollt ihr für Alles schlagen, Müßt ihr auch Alles wagen! Vorwärts! Gar Mancher hinterm Ofen sitzt Bei feinem schönen Kind, Jndeß es draußen stürmt und blitzt, Und furchtbar braus't der Wind. Laßt euer Mädchen laufen, Eu'r Kind mit Feuer taufen! Vorwärts? Zum Teufel mit der Langsamkeit, Mit dem Paradeschritt! Schnett! schnell ihr Herrn, das Ziel ist weit, Nehmt eure Pferde mit! Die Freiheit zu erbetteln, Geziemt nur alten Vetteln! Vorwärts! Habt' lang' genug petitionirt. Gehoffet und geharrt; Ihr habt euch oft genug blamirt Und wäret stets genarrt. Frisch auf! jetzt gilr's Courage, Den Andern die Blamage! Vorwärts! Wir gehen nicht nach Geld und Brod, Wir pilgern nicht nach Rom; Wir wollen Sieg nur oder Tod, Kein Kreuzchen noch Diplom: Und wenn wir auch verderben Wir können frei doch sterben. Vorwä rts! So lange wir das blanke Schwert Nicht aus der Scheide sehn, Ist nur das freie Wort was werth — Zu weit kann man nicht gehn! Und brummt auch Preußens König, Das kümmert uns blutwenig! Vorwärts! Bis unser Kreuz zu Grunde geht, Mit Knechtschaft Rang und Zunft, Bis felsenfest auf Erden steht Die Herrschaft der Vernunft! Hinweg mit allen Träumen, Hinweg mit Furcht und Säumen' Vorwärts? Wilh. Marx. Erinnerungen. (Fortsetzung.) In Folge dieses Vortrags erließ der Konvent ein Dekret wie folgt; i) „Jeder Franzose, der die Auszahlung in Assignat- ,,papier weigert oder der sie mit Verlust ausgibt oder „einnimmt, wird das erste Malmit 3 000 Franken Geldbuße und einem halben Jahre Gefängniß; zum zweiten „Male mit 6 ooo Franken Geldbuße und zwanzig Jahre „Ketten bestraft; 2) Die Franzosen, welche Geld au „Einzelpersonen schulden, die in Ländern, mit denen „Frankreich Krieg führt, wohnen, sind der Schulden „ledig, wenn ihre Gläubiger die Bezahlung in Assignaten „von der Hand weisen; 3) Jeder Franzose, der auf den „Werth der Assignaten Handels- und Börsenspekulationen baut, wird verbannt, seine Güter werden ein- ,/gezogen und der Republik zuertheilt." „So kam es, sagt Levasseur, der ehemalige Konvents- „kommissär, daß Frankreich ein einziges ungeheures Later wurde, von einem einzigen Gedanken belebt, wel- „cher hieß: Siegen und retten!" Nach einem einzigen Maaßstabe behandelt man rottenweise die heutige Jugend; ohne Rücksicht auf ihren Willen, ihren Charakter, ihre natürlichen Anlagen macht man aus Menschen, oder macht die gesellschaftliche Noth und Verkehrtheit aus ihnen : Offiziere, Gelehrte, Schneider, Advokaten und Pfaffen; ohne Rücksicht auf sein individuelles Wesen wird der znm Gelehrten bestimmte, nach altem Brauch, mit einer Menge Genossen viele Jahre lang wie die Gänse mit Welschkorn, mit den hergebrachten Requisiten der Gelehrsamkeit ansgestopft; ein Anderer muß ein Schneider werden, ein Anderer ein Offizier, und wenn er sich nicht vorgeschriebener Maaßen nach den Tabellen und Lehrplänen entwickelt, so wird er auch nach Vorschrift gestraft. Trifft nun eine solche vorgeschriebene Strafe z. B. einen Knaben dessen Charakter außer dem Kreise der Berechnung lag, auf den die Strafqnalität, oder das Strafmaaß gründet, so rcvollirt er entweder dagegen, oder erliegt ihr. Ein Opfer despotischer Schullehrer-Abgeschmacktheit und Schnldisciplin war ohne Zweifel das arme Kind, dessen Sensibilität mit der brutalen Strafe in einen solchen Widerspruch gerieth, daß es lieber seinem Leben ein Ende machte, als sie überstand. Leuchtet hin wohin Ihr wollt, Ihr erhellt eine Kammer des Elendes — zum Zeichen aber daß Ihr dort wart, macht ein Kreuz an die Thüre — am Kreuze kennt man die Noth! Der Minister Eichhorn und die Naturwissenschast. Aus Westphalen. — „In der Naturwissenschaft gestatten wir vollkommen freie Forschung," sagte mit poetischer Emphase der Minister Eichhorn in Königsberg. Wir nehmen hier Gelegenheit, gestützt auf die Äußerung eines Theologen, ihm zu zeigen, daß er entweder eine Dummheit oder eine Lüge gesagt hat. Ein Correspondent der „Weserzeitung" hatte die Frechheitgehabt, zu behaupten, die Naturwissenschaft vertrage sich nicht mit der Bibel, und man müsse entweder dieser oder jener folgen. Dabei hatte er sich in allerlei müßige Detailkrämerei eingelassen, die nun einem nickt scholastischen Confusius zur Handhabe dienen mußten, seines Theils zu beweisen, daß die Bibel der Naturwissenschaft nicht widerspreche. Ja, er ist so überzeugt von der Wahrheit seines Glaubens, daß er in dem rührendsten Pathos ausruft : „Bliebe wirklich nichts über als das traurige Dilemma entweder Vernunft und Wissenschaft zu verachten, und wenn's möglich wäre zu vernichten, oder die Religion und den Glauben fahren zu lassen : — denn hinweg mit Bibel und Christenthum und mit aller Religion überhaupt!"-Herr Minister, ich bitte Sie, hören Sie doch den revolutionären Hitzkopf, denken sie sich ganz hinein in sein freventliches Räsonnement, und denn bedenken Sie Ihre Worte in Königsberg und gehen Sie in sich ob Ihrer Unbesonnenheit. Wir bekümmern uns hier gar nicht um die ängstlichen Erpectorationen des armseligen Theologen, es konnte ihm nicht schwer werden, Newton, Kepplcr, Copernikus und namentlich viele Geologen zu seinen College» zu, machen, namentlich da sie es oft waren oder doch zu scheinen suchten, um vor den Pfaffen Ruhe zu haben, wir wollen nur dem armen Minister Eichhorn seinen Unverstand Nachweisen und ihn wo möglich zum Widerruf bewegen. Liebster -Herr Minister, wissen Sie auch, was Naturwissenschaft ist, oder glauben Sie, bloß Wanzen, Läuse, Esel und Eichhörnchen gehörten hinein ; glauben Sie der Mensch könne so mir nichts daraus ausgestoßen werden, wie weiland aus dem Paradiese? Wissen Sie nicht, daß durch den höllischen Feuerbach die ganze Philosophie in die Naturwissenschaft eingemündet ist? O Sie Ärmster, in welche Kluft sind Sie gerarhen? oder verkennen wir Sie Alle und Sie sind der Unfern Einer, verhalten sich blos praktisch in Ihrer Propaganda des Antitheismus? denn Antitheismus, Antireligion, das müssen Sie wissen, ist völlig gleichbedeutend mit Naturwissenschaft! Nun öffnen Sie doch den Antichristen die Kanzeln und Katheder, Sie sollen sich wundern, wie überflüssig da mit Ei- nemmal Ihre Licblingsideen, Kirchen- und Schulzwang werden, Sie sollen sich wundern, wie sich das Alles von selbst machen wird. Sie schweigen weil — Sie mich nicht einstecken können; nun, dann sagen Sie wenigstens frei heraus, daß Sie in Königsberg gelogen haben, daß freie Forschung in der Naturwissenschaft im Munde eines christlich-germanischen Cultministers ein bodenloser Unsinn ist; sagen Sie es frei heraus, daß wir nichts dürfen, als glauben was Seine christliche Majestät befohlen, und wir wissen unserer Seils, was wir z.u thrm haben. Natur und Gott, Wissen und Glauben, sind Dinge, die sich gerade ebenso verhalten, wie Geist und Gespenst, Sinn und Unsinn. Was du für die Natur eroberst, raubst du Gott, und umgekehrt. Und mochte Newton sich noch so fromm stellen, mit seiner Lehre von der Gravitation gab er dem lieben Gott den empfindlichsten Stoß, den er ihm geben konnte: wer hieß ihm Gott Gesetze dietiren, da er dach reiner Wille, complete Allmacht ist, und also vollständige Freiheit haben muß, jeden Augenblick fünf grade zu machen, wenn cs ihm grade beliebt, warum band er den „reinen Geist" an die Schwere, grade wie uns crrme Sünder auch? Wahrhaftig, wenn ich der liebe Gott gewesen wäre, ich hätte dem Newton die Sonne an den Kopf geworfen, um ihm zu zeigen, daß er es nicht wagen dürfe, dem Meister der Welt solche grämliche Schranken zu setzen, und wenn er hundertmal bei Nennung meines Namens die Mütze abgezogen hätte! . Wo Gott ist, da ist keine Natur, und wo die Natur ist, da ist kein Gott, Ihr wißt es selbst, eben wo die Natur aufhört, da fängt Gott an, und wo Gott aufhört zu wirken, da beginnt die Natur ihr Werk. Wenn also die Natur Alles ist, dann ist Gatt Nichts, und wenn Gott Alles ist, dann ist die Natur ein Nichts, das darum auch aus dem Nichts kommt — ja so, jetzt verstehe ich den Minister, wir wissen es ja lange, daß ihm Gott sein A und O, daß ihm Gott sein Alles ist, nun ja, — da ist die Natur ihm eben Nichts! Gewiß er hat den Feuerbach gelesen, er hat als guter Christ Natur und Nichts identisch gesetzt, sagt er also: Wir erlauben freie Forschung in der Natur, so hat er von seinem Standpunkt aus nicht gelogen, sondern die reine Wahrheit gesagt, denn er gewährt freie Forschung in — Nichts. Alt- und Neu-London. Wie bodenlos die Dummheit und,Nachlässigkeft'war mit der die nur um das ewige Leben besorgten mittelalterlichen Christen ihre Städte gebaut, ergibt sich unter anderm anS der Betrachtung der Hauptstadt Englands in wahrhaft grauenhafter Gewißheit. Fast jeder unserer jetzigen größern Wohnpläye trägt übrigens noch in sich irgend ein ehrwürdiges Quartier, am liebsten in der Nähe eines alten „Gottes-" oder „Richthauses; " eine Hölle von schmutzigen, dunkeln, Ingen Gassen und ge- penftigen Todtenhäufern oft rings um die Kirche herum. Das Christenthum predigte die Gegensätze; uNdAnan muß gestehen, es hat auch demgemäß organisirt oder vielmehr desorganisirt. Auf den luftigen Burgen der Könige und Prälaten und selbst der ärmern unter den Rittern war gut wohnen; in den Städten aber, am Fuße der Herrenschlösser, und in den Dörfern, quälte sich die Arbeitsamkeit mitten im Kothe ab um die Umsonstesser da droben zu füttern. Als sich der Bürgerftand, die „Ehrbarkeit," auf Kosten eines Theiles vom Adel und vom Klerus bereichert hatte, machte sie sich ihrerseits ans Herrschen, und wie sie einst getreten worden von den Männern im Harnisch, so stellte sie den Fuß auf den Nacken des gemeinen Volkes, über welches sie jetzt die Geißel der Industrie schwingt, wir vordem die der Hörigkeit. Wer nur drei Tage in London verweilt, .sieht genug davon. Lehrreich ist es inzwischen einen Blick auf die Vergangenheit dieser zwei Millionen Einwohner in sich fas- Die großartigen Nationalbefehle, die der Konvent erließ, hinderten ihn gleichwohl nicht, sich mit den Privatinteressen der Bürger abzugeben. Wissenschaft und Kunst, freilich nicht die des Luxus, erhoben sich auf die Höhe der Freiheitsbegeifterung. Ein Ausschuß des Konvents, bestimmt zur Prüfung der nützlichen Entdeckungen in den Wissenschaften, wandte den eben erfundenen Luftbatt und den Telegraphen an. Orden, Lobreden und sonstige Alfanzereien galten damals nichts; der Erfinder ward mit dem Spruche: „Er hat sich um das Vaterland verdient, gemacht!" hinlänglich belohnt. In dem nämlichen merkwürdigen Augustmonat, in welchem so Großes und Vieles vollbracht wurde, nahm der Konvent das bequemere Decimalsystem in Münz, Maaß und Gewickt, auch im Kalender an. Ohne Bonapartes schwachköpfige Nachgiebigkeit gegen den Papst, meint Levasseur, hätte jetzt ganz Europa den republikanischen Kalender. Der Konvent sprach ferner Todesstrafe aus gegen jeden Versuch die Volksversammlungen zu sprengen, und erklärte: die Sektionen von Paris (Arrondissements- hätten sich um das Vaterland vLvdient.gemacht. Aber verständigerweise beschränkte er die Wirkungskreise der städtischen Bürgerversammlungen und wies ihnen die besonder» Angelegenheiten der Örtlichkeit zum Feld ihrer Thätigkeit an. Zu Anfang September 1793 griff der österreichische Feldmarschall (Fürst von Koburg) unsre Nordarmee an, fährt Levasseur in seinen Memoiren fort, während der Herzog von Aork mit holländisch-englischen Truppen Dünkirchen zu belagern begann. Hätte England diese Gränz- und Meerfestung bekommen, so wäre cs um die Republik schlecht bestellt gewesen. Darum riefCarnot, der das Kriegswesen im Wohlfahrtskomitä unter sich hatte, einige Regimenter unter Houchard's Kommando schleunig zusammen. Zwischein sielen längs der belgischen Linie eine Menge edler Waffeuthaten im Dienste der Freiheit vor; die Konventskvmmissäre achteten übrigens insonderheit auf den sonst meist unbekannt bleibenden Heldenmuth des gemeinen Soldaten ; sie waren es, die unaufhörlich das Hohe und Schöne in den Reihen des armen Volks aufsuchten rmd ans Licht zogen, wohl wissend, daß die obern Schichten der Bevölkerung schon sich selbst berühmt zu machen verstehen. Es war aber hohe Zeit ; unsere Niederlage bei Neerwinden mußte ohne Verzug gerächt werden. Anfangs lächelte uns das Glück ; im Sturmschritt nahmen wir Ondersell, Hersell und Bambeecken; die Engländer gingen überall rückwärts. Dreizehn Grenadiere der Republik drangen mit aufgepflanztem Bajon- net in ein mit vieründzwanzig Österreichern besetztes Wachthaus, stießen siebzehn nieder und nahmen sechs gefangen ; dergleichen geschah oft auf Ausfällen die die Dünkirchner Garnison machte, wobei die Engländer von den befestigten Dünen am Meer hinabgetrieben wurden. Ein gemeiner Reiter, Regnier, verlor sein Pferd durch eine Kugel; er focht immerfort den Säbel in der Faust, bis er das Pferd eines Kameraden vom nämlichen Regiment in Feiudesgewalt erblickte; er hieb dasselbe heraus und kam beritten zurück. Da sah er einen seiner Offiziere, auf den zehn Mann geschossen und den jetzt ihre Bajon- nette bedrohten; er ergab sich nicht; er hatte schon den Chef zu Boden gelegt und parirte so gut es ging. Regnier trieb diese zehn Mann auseinander und rettete sich nebst jenem. „Dieser Tapfere kann nicht lesen noch schreiben; aber ist arm; die Nation könnte wohl ihm ein hohes Gehalt sichern," schließt ein Tagesbericht Levasseurs und seines Kollegen. Die Vorposten der Republik erschienen mittlerweile endlich vor dem Dorfe Hondschooten; General Houchard hatte sich persönlich wacker geschlagen, und man konnte wieder Hoffnung zu ihm fassen. Da sagt er plötzlichen Levasseur: Ich fürchte man überrumpelt mich heute Nacht in dieser Position; — worauf der Kommissär erstaunt er- wiedert: Sv mußten Sie uns nicht hieher führen ! Gegen Morgen befiehlt der General den Rückzug auf dem gestern genommenen Ort Bambeecken. Ich? fragte weshalb, doch er wußte keinen Bescheid zu geben und schien sehr ängstlich. Auf dem Marsche bemerkte ich:: Diese Hügelreihe, sollt' ich meinen, gibt eine treffliche militärische Stellung ; führen Sie Kanonen drauf um unfern Rückweg zu schützen aber wir wollen doch endlich erfahren, mit wem wir zu thun haben; ein kleiner Haufe senden Weltstadt zu thun; dann begreift auch der Verstockteste, daß nur sociale mit Bewußtsein vorzunehmende Grundverbesserungen, die bis in's Mark der verkehrten Zustände des heutigen Tages eindringen, dasjenige wirklich geben werden, wohin die Natur des Menschen ihn bisher gleichsam wider seinen Willen und trotz seiner- wahnsinnigen Vorurtheile zu treiben, oft aber mit geringem und nur absatzweisem Erfolge versucht hat. Der Arzt ist es, der endlich ein gescheidtes Wort darein sprechen sollte; denn der phantastische Seelenhcil- künftler, d. h. der Theo log, deucht uns, ist seines tausendjährigen Amtes jetzt zu entlassen, der Diplomat nicht minder, der ja ohnehin nichts weiter als der weltliche Zwillingsbruder jenes gewesen. Der Hippokrates, der ,,unsterbliche Greis," sagte vor dreiundzwanzig Jahrhunderten, ,,die Mediziner müßten aus der Beschaffenheit der Örtlichkeiten ein Studium machen." In diesem Gedanken schrieb er oder seine Schule die,,Abhandlung über Luft, Wasser und Örter." Und nicht allein die Naturumgebung sollte man kennen, sondern auch die ihr eigenthümlichen Krankheiten; man könne schlechterdings nicht die gegenwärtigen Körperleiden verstehen, ohne eine genaue Kcnntniß der ehemaligen : so erst werde man den später« Krankheiten Vorbeugen. Die Krankheiten in der Gegenwart, fügt er hinzu, hängen ab von denen der Vergangenheit, aber sie tragen ein besonderes Gepräge, welches ihnen die Jetztzeit gibt. Die Erfahrung hat seitdem diese Aussprüche bestätigt. Man weiß hinlänglich, daß der Ort die Macht besitzt, die Krankheiten zu modificiren; in den Hochalpen sind die Kröpfe zu-Hause, am Morast die Wechselfieber, z. B. in Nom. In den amerikanischen Tropenländern ist das gelbe Fieber; auf den afrikanischen Küsten, unfern der Linie, und auf den Barbados-Inseln gegenüber, in Ostamerika, grassirt der Hautaussatz, während in Konstantinopel und Kairo selten ein Jahr ohne Pest vergeht. Die Hauptstädte haben so zu sagen zwei Klima's aufzuweisen: ein nur noch der Geschichte angehörendes, ur- prüngliches, und ein gegenwärtiges. Das erstere ergibt sich, auch ohne besondere Beschreibungen, lediglich aus dem Verzeichniß der großen Krankhcitsausbrüche, von welchen die Berichterstatter melden. So ist gewiß, daß Ägypten erst dann von der Bubonenpest heimgesucht wurde, als die altheidnischen Sicherheitsmaaßregeln, die dort selbst mit Religion und Sitten sich innig verbunden hatten, aufgegeben worden waren; seitdem die fahrlässigen Mu- hamcdaner herrschen, sind die Dämme und Canäle als Nebensache behandelt. Die Leichname der Menschen und Thiere werden nicht mehr einbalsamirt, und die Begräb- nißplätze nicht einmal in Ordnung gehalten, und die verfaulenden Stoffe bleiben in den Straßen kür Hunde und Geier liegen; die Felder sind schlecht bebaut. Durch alle diese Umstände wird die Seuche stets auf's neue dort wagt oft einen Angriff des Nachts, aber hütet sich des Tags ihn zu wiederholen. — Der General wollte immer und immer weiter fliehen ; zuletzt wollte er stehen bleiben und sich vertheidigen. Kurz ich wurde argwöhnisch gegen ihn; und in der That, kaum waren wir wieder in Bambeecken, so erscholl von der Seite, woher wir kamen, heftiges Kanonieren : Ich frage welche von unfern Leuten dort handgemein sind? — er will mir einreden, der Feind suche über die Lys zu gehen und sich die Passage zu bahnen. Alsbald kommt eine Stabsordonnanz und meldet : unser Hedouvitte sei aufs neue in den Ort gerückt den wir verlassen, und habe ihn trotz des Widerstandes genommen. Woraus sich ergab, daß dieser General 24 Stunden lang von Houchard keine Befehle erhalten hatte! — Ich wohnte jetzt dem Kriegsrathe bei; alle Offiziere riethen zum Weitergehen ; Houchard allein wollte zurück^gehen und sich vertheioigen ! Endlich ergriff ich die Landkarte auf dem Rathstische, und auf Dünkirchen weisend rief ich: Hieher, hieher müssen wir rasch Entsatz bringen ; heute schon könnten wir in oder bei Hondschooten -stehn, hätten wir nicht geflüchtet; nur das Dorf Killem war zu fürchten, aber ein Sturm hätte es uns überliefert; General Hedouville hat die Kanonade gehört und gedacht wir wären überfallen. Seine Abtheilung hat Nachts unter Waffen gestanden und ist früh Morgens auf Nekspoede mnd hat den Feind verjagt. — Wer sagt Ihnen das? mnterbrach Houchard mich. —Ihr Ton, mit dem Sic ausgebrütet. London hatte zu einer Zeit Wechselfieber, als es von Mooren umgeben war; cs litt oft an der Pest zu einer andern Zeit, als eine zu zahlreiche Einwohnerschaft in seinen engen schmutzigen Gassen und Häusern sich aufhäufte; der Scharbock wüthete zwischen ein, und er sowohl als das Skrofelleiden in seiner scheußlichsten Form minderten sich erst als die Bauart dem Lichte und der Luft mehr Zutritt gestattete, und als man anfing sich gewisser schädlicher Nahrungsmittel zu enthalten. Die halbwilden Urbewohner Brittaniens hatten eine seltsame Vorliebe für Hügel und dabei liegendes Haidemoor ; am Nordufer der Themse siedelten sie sich an, und umgaben sich und ihre Heerden mit einem Walle von Lehm und Baumstämmen; jenseit dieser Schanzen dienten Gehölze und Sümpfe als fernere Abwehrmittel. Die römischen Heere fanden, bald nach Christi Geburt, Lon- dinium auf dem Hügel der vom Sankt-Paulsdom bis zum Tower läuft; im Norden war es durch Waldung, im Westen durch das Fleetwasser gegen Angriffe geschützt; im Osten durch Moräste und im Süden durch die Themse; auf dem rechten Ufer des häufig übertretenden Flusses dehnte sich ein bedeutender Sumpf bis an den Fuß der Camberwell-Höhc aus. Die kaiserlichen Soldaten blieben im Schlamm stecken und konnten erst später ihren Sieg benutzen. Die römische Festung ward da gebaut, wo jetzt der Weiße Thurm steht, und wo Sankt-Paul, erhob sich ein Tempel der Diana. Vom Krankheitszustande dieser Epoche ist nichts bekannt; erst im Jahr öoo geschieht Erwähnung von einer pestartigen Seuche unter der Sachsenherrschaft. Die Bevölkerung war noch dünn. Die normannischen Eroberer pferchten London in eine Zwingmauer, aber um Eindämmung des Stromes kümmerten sie sich nicht; die Hütten des Sklavenviertels wurden oft unter Wasser gesetzt. Dann, im Gefolge der Kreuz- züge, kam der morgenländische Aussatz in die Stadt und Königin M rude stiftete im Dorf Sankt-Giles (jetzt der Stadttheil des irländischen Proletariats) ein Hospital für diese Krankheit, die noch im löten Jahrhundert vorhanden war. Die Lordmajors der Stadt ließen zu Zeiten die Aussätzigen zu den Thoren hinausjagen; aber das half wenig. Im Jahr 1190 waren die Wohnungen meist all von Holz und mit Binsenstroh gedeckt. Bald darnach fand die Bürgerschaft für gut, ungeheure Gräben, wahre Feuchtigkeitsbehältcr von 200 Fuß Breite, rings um die Residenz zu ziehen. Und so verblendet war man, daß trotz der unablässigen Feuersbrünste und trotz der Ermahnungen des Bürgermeisters, dennoch die Schieferdächer bis ins i-lte Jahrhundert fast unbekannt blieben. Das Volk zu Land und Stadt lag in schauderhaften Löchern, ohne Nauchfang, auf Stroh und einen Holzblock -als Kopfkissen. Die Klosterherrn, freilich, und die Großen verstanden sich gut auf Bauten. Noch zu Elisabeth's Zeit erstaunten die ältern Bauern über die Einführung der ragen, schickt sich nicht, rief ich; Ihnen brauche ich keine Rechenschaft zu geben, und wenn ich die Vollmacht habe -einen General abzusetzen, dann habe ich auch wohl das Recht Bemerkungen zu machen. Ich befehle Ihnen -ja gar nichts ; im Gegentheil, ich lasse Sie handeln, auf Ihre Verantwortlichkeit hin. — Aber ich schlug Ihnen vor, che wir Bambeecken erreichten, Halt zu machen; Sie wollten nicht ; bald darnach fragte ich Sie nach der Kanonade; Sie meinten der Feind gehe über den Fluß; Sie irrten sich.. Mit Hedouville vereint, 10000 Mann stark, konnten wir einen großen Schlag thun... Ich wiederhole Ihnen, wir müssen sofort Dünkirchen zu Hülfe eilen; nehmen Sie die geeigneten Maaßrcgeln. Hierauf entfernte ich mich. Freilich hatte ich die Befug- niß zugegen zu sein, allein Houchard war höchst verschlossen., und ich war kein Militär und wollte ihn nicht hindern; ohnedies klagte man schon viel über uns Kommissäre, als kommandirten wir die Generale zur Schlacht nach unfern eigenen Plänen. Dies war eine grobe Lüge; aber man wollte das Unglück der Waffen uns zuwälzen.. Endlich marschirte Houchard am 8. September früh mit allen Korps auf Hondschooten ; er führte das Centrum, General Jourdan den linken Flügel, und Collaud den rechten. Letzterer nahm sofort die Dörfer Killem undBeve- ren weg. Vandamme schlug mit der Vorhut die englischen Vorposten vor Hondschooten in die Flucht : das Treffen brach los. — Der Herzog von Jork hatte dies Dorf mit ihnen ganz neuen Backsteinhäuser. Im I2ten, irrten und i4ten Jahrhundert brach fast alle 20 Jahre eine Hungersnot!) in London aus, und wenn sie zu Ende, kam die Pest oder wenigstens das Lazarethfieber über die elenden Klassen des Volkes in und um London; dann flüchteten die Adligen und der Hof in die Burgen, und die Geistlichen schlossen sich in die reinlichen, gesund gelegenen Kloster ein. Es war daher unausbleiblich, daß endlich die morgen- ländische Pest in diesem Elende aufrrar. Sie erschien zuerst 1348, und zwar in fürchterlicher Stärke. Die Kirchhöfe, damals durch die christliche Frömmigkeit meist alle in der Stadt ringsum die Kirchen angelegt*), vermochten nicht mehr die Opfer der Seuche zu fassen; man machte ungeheure Grüfte und versenkte fünfzigtausend Leichen darin. Der religiöse Aberglaube war rasend genug, die Vornehmem der Pesttodten in den Kirchen selbst, unter die Altäre und sonstwo beizuseyen; und die Leute wunderten sich allen Ernstes, ,,daß Gott trotz dem die Geißel kein Ende nehmen lasse." Das konnte aber nicht füglich geschehen, da die Metzger das Vieh innerhalb der Stadtmauern tödteten und sein Blut und Eingeweide in den pflasterlosen Straßen sich anhäufte, wie denn auch ziemlich starke Schweinezucht mitten in London getrieben wurde. In dem westlichen Graben lagen die Unreinigkeiten zu dicht, als daß ein Boot durchfahren gekonnt. Das Trinkwaffer war zudem unzulänglich. — Dieser Zustand währte Jahrhunderte, und war noch unter dem berüchtigten Heinrich Vlll. der Art, daß Erasmus um keinen Preis das reinliche Holland mit London vertauschen wollte, obgleich der Minister Kardinal Wolsey ihm im Namen seines -Herrn die glänzendsten Anerbietungen machte. Erasmus beschreibt in seinen Briefen die Wohnungen im Allgemeinen so wie sie jetzt sich in den Armenquartieren finden. Tritt man zur Hausthür hinein, sagt er, dann steht man auf einem mit Binsen bedeckten Lehmstrich, wo Knochen, Fett, Kehricht u. s. w. sich gesammelt hat, ohne daß die Einwohner es zu bemerken scheinen; die obern Stockwerke ragen über die untern und versperren dem Sonnenschein und der Luft den Zutritt in die Gassen. Ja, im Beginn des >7ten Jahrhunderts war die Umgegend des königl. Schlosses so vernachlässigt, daß die Hofdamen sich bitterlich beklagten; der überstudirte Bücherwurm Jakob I. scheint in der That wenig auf Straßenverbesserung gehalten zu haben. Die Regierung triebt die Verblendung bis zu dem Grade, die Ansiedlungen der *) Seit dem 8ten Jahrhundert war dieser Gebrauch in England auch eingerissen, und der philosophische Erzbischof Lanfrank war der erste der für hohe Kirchensteuern Leichname der Reichen in den heiligen Gewölben beerdigen ließ; seitdem war dies ein ziemlicher Zweig des Einkommens für die Geist- ^ lichkeit geworden. elf Kanonen gedeckt, und zwar spielten diese zugleich aut den Weg nach Bergen und auf die drei Straßen nach Blanheim ; eine andere Nedoute bestrich den Weg von Wäreen. Die Ebene war einerseits unter Wasser; um anzugreifen mußten wir also den Feuerschlünden zweier Redouten trotzen, und obenein fast eine halbe Meile im Wasser bis an den Gürtel marschiren. Ungeachtet all dieser Schwierigkeiten stürzten unsere Leute mit äußerstem Muthe zum Angriff herbei; das Feuer auf beiden Seiten ward furchtbar. Ich war mitten im Korps Jour- dans, auf dem linken Flügel; ich zerriß die Kartuschen mit den Zähnen wie die Krieger ringsum ; ich war voll Hoffnung. Ich gab sogar einige Anordnungen; Oberst Vivion sagte mir, wir hätten nichts gegen die vor Hond- schvoten liegende Batterie zu stellen; sofort ließ ich einige Geschütze in das Gebüsch fahren, welches jener feindlichen Batterie gegenüber lag ; sie wurde auch durch uns bald zum Schweigen gebracht. Unser Feuer wüthete; das englische hörte allmälig auf und dennoch standen wir still. (Fortsetzung folgt.) LLVVL VL8 1^6 g reprig r/ O'est uns uouvello PI-6UV6HU6 öl. Vstsl kntonclpkii'lUtemerir se« uklsil'68. musigus cko öellini. plsirs tougours publie ä'ölilo. II ^ u äsns cetle musi^us u» koruls inc- puissbl« cke lenciresZe, clo clouceur el cke s^mpatlü^rre 4 Städter außerhalb des Weichbildes zu untersagen; sie fürchtete London möchte zu groß werden. Sogar Elisabeth, sogar Cromwell verfiel in diesen Jrrthum, welcher eine immer dichtere Anhäufung der Menschenmassen im Innern zur Folge hatte, da die Hauptstadt fortwährend Zuwuchs der Bevölkerung von Außen her erhielt. Das Klima ist in und um London fast immer feuch und trübe; in noch höherm Maaße mußte es dies aber damals sein, wo die Sümpfe im Süden und Osten noch nicht ausgetrocknet waren. Namentlich ward es im Sommer und im Herbste verderblich; nur der Winter bot einige Erleichterung, so feindselig er sonst auch für die ärmere Klasse ist. Durch die geschickte Behandlung des Bodens vermag der Mensch aber allerdings auch die Atmosphäre zu reinigen und feucht oder trocken zu macken; ja er wird im socialen Zustande selbst Einfluß auf die Luftströmung, auf die Winde, ihre Richtung und Stärke gewinnen. Jene sogenannte schwarze Pest von 1348 hatte übrigens zugleich das englische Heer vor Calais in dem Feldlager befallen, und die Annahme der damaligen Geschichtschreiber : sie sei aus Indien cingeschleppt, ist ganz un- nöthig zur Erklärung ihrer Heftigkeit, die von zehn Personen nur eine in der City am Leben ließ. Zwanzig Jahre darnach erschien sie wieder, und, wie gewöhnlich, nebst einer Hungersnoth. Pestähnliche Fieber hatten übrigens schon früher gcwüthet; I3l5, wo Frauen ihre Kinder verzehrten und die Lebenden zur Einscharrung der Tobten nicht hinreichten; 11V8 war -Hungersnoth gewesen, wie sie in Folge mehrerer kalter Sommer in jener Zeit bei mangelnder Verwaltung natürlich genug war. So geht es weiter im langen Leidensverzeichniß dieser unglückseligen Stadt: 1404, Pest; der Hof entweicht; Zoooa Einwohner sterbe»; I4?s, isoo, 1S2S, 1444 mit einem Viehsterben und mit Theurung verbunden; kurz, binnen drei und einem halben Jahrhundert ward London stebenzehn mal heimgesucht, und ein Sprichwort sagte: Alle 20 Jahre gibt's einmal Pest. Im Jahr 1664 und 66 »var eine der heftigsten^ es war gleichsam eine Einweihung der baldigen großen Staatsumänderung, die dem Reiche seine jeyige Gestalt verleihen sollte. (Schluß folgt.) WMM Auszüge aus: Die Bewegung des Socialismus und Communismns, Von Theodor Ölckers. (Schluß.) Dieser entscheidende Schlag vernichtete für den Augenblick die Sache der Kommunisten, und die geringe Theilnahme, welche ihr Schicksal erregte, war Beweis genug, daß sie im Gründe wenig Sympathien für sich gehabt hatten. Drouet, einer der Hauptführer, war Deputirter und konnte verfassungsmäßig nur von einem durch die Wahl« Versammlungen der Departements gewählten Ge- schwornengericht verurtheilt werden. Auch die übrigen Gefangenen stellte man vor diesen Gerichtshof, den man jedoch, aus Furcht vor dem Volke, nach dem stark besetzten Vendome verlegte. Es waren fünf und sechzig Angeklagte. Von diesen wurden Baboeuf und Darthä zum Tode, Buonarotti und sechs andere zur Deportation verurtheilt, die übrigen aber entlassen. Als die beiden zum Tode Ver- urtheiltenden Spruch vernahmen, zogen sie vordem Geschwornengericht ihre Dolche und durchbohrten sich gegenseitig mit wiederholten Stößen, bevor man eS hindern konnte; doch gelang eS ihnen nicht, sich zu tödten. Am nächsten Morgen wurden beide, schon durch ihre Wunden dem Tode nah, aufs Schaffst geführt; eS war der 26. Mai 1796. Darthä hatte während des Prozesses dem Gerichte die tiefste Verachtung bewiesen, er würdigte eS keiner Verteidigung. Baboeuf gab unverholen seinen Abscheu zu erkennen und ließ sich schwer von der offenen Erklärung zurückhalten, daß die Regierung eine tyrannische sei, au deren Sturz er mit aller Macht arbeiten werde. — Mit dem Tode der Häupter schien die Sache der Kommunisten verloren, ja der Vergessenheit übergeben, und erst spätem Jahren war eS Vorbehalten, die damals aufgestellten Lehren aufs Neue zu erwecken. „Ba- boeufs Verbindung ist der Versuch, den das Proletariat bedurfte, um zu einem Grundsätze zu gelangen, der dem spätem Kommunismus erst seine Eigentümlichkeit gegeben hat."- Aber bis auf die neueste Zeit ist eben Alles nur Versuch gewesen, was Kommunisten oder Sociali- sten durch Lehre oder That unternahmen. Als das Wahre hat sich nur die Überzeugung bestätigt, daß Etwas geschehen solle und müsse, der Trieb nach einer Umgestaltung. Aber zwischen dieser Überzeugung und der klaren Erkenntniß dessen, was jenes Etwas sei, dehnt sich eine weite Kluft, die schwerlich der gute Wille eines Einzelnen zu füllen vermag. Betrachtet man nun, was Einzelne thaten, um dem Drange, welcher die ganze Zeit erfaßt hat, genug zu thun, so hüte man sich vor kurzsichtigem Urtheil und verwechsele nicht die Resultate einzelner mehr oder minder irriger Lehren mit dem Resultate der ganzen Bewegung, welches noch nicht erfolgt ist und welches noch keiner zu übersehen vermag. Gleichwohl dürfen wir nicht unterlassen, die Bestrebungen Einzelner auf diesem Felde an uns vorübergehen zu lassen. Wir führen dabei, wie gesagt, nicht Socia- listen und Kommunisten besonders auf, sondern lassen beide in bunter Reihe stehen, weil cs uns vorzüglich auf allgemeine Übersicht der ganzen Bewegung ankommt, und weil es sich bei jeder der aufzuführenden Persönlichkeiten und Lehren leicht von selbst erkennen lassen wird, welcher jener Kategorien sie angehören. — Der Kommunismus, wie ihn Baboeuf angeregt hatte, sollte erst in der neuesten Zeit nach der Julirevolution wieder zahlreiche Bekenner und Vertreter finden. Schon unter dem Konsulat war Baboeuf und seine Lehre so gut wie verschollen; alle derartige Bestrebungen mußten tief in den Hintergrund treten: denn während ein Theil des Volkes in Frankreich Gelegenheit fand, sich Besitz und Wohlstand zu erwerben, wurde ein anderer in den Kriegen nach außen vollauf beschäftigt. Trotz dem entwickelten sich im Stillen, zwar unbeachtet, aber um so umfangreicher, sociale Ideen, denen für die Folgezeit eine bedeutende Ausbreitung Vorbehalten war. Unter den Männern, an welche sich die Geschichte der neuern socialen Wissenschaft knüpft, haben wir hier zunächst St.-Simon zu nennen. Redakteur: Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. melsncolie. LIsce «ntre Rossini, c>ui s rsvi s Irr melo- clie spirituell« «t s l'instrumentstion bsrmonieuse tous leurs secrels, «t Loniretli, cet stabile «l intelli- Aenteresteur cl« l'eeleetisme musiesl, öestini n'svsit pour etre neust cpi's rester lui-meme/cju's suivr« son etoileet ses inspirstions. Lette etoiie, c>ui n'etsitczue son Arsncl Aenie, brille encore cle toul son seist rru- llessus cl'une tombe lermee, stelss! cle trop boune beure, et ses inspirstions, sutsnt cl« cstels-ck'ceuvre pssseront s ls prosperitö spres svoir lsit I«s clestees cle tous e«ux clont l'sme «st seeessible rrux sensrrtions clouces et tenclres, etclontl'esprit «st cspsble 6 « s'ele- ver vers l'intini. 6 « gu« nnus venons cl« clire, nous n« l'svons Ismsis sussi bien eompris qu's ls reprise clÄ/'rr/rL«, et nous Sommes convsincus csue inrrintes cl« nos bestes LrVek- /a-rke, csusnclelles sont bestes surtout, eommels «n lsce cle lsquelle nous nnus trouvions pls- ees ce soir, nous seeusersient, en lisrrnt ees li^nes, cl'etre eneore reste su-clessous cle ls verite. t^uoicpi'il ev soit, l« sucees ck'r^r>«/cr rr ete eomplet, eelstsnt. itlsrio , clont ls voix clevient tous l«s jours plus pur«, plus susve et plus elenäue, s estsnte le role cle Lueltiero clsns ls perleetion. Il s clit l«s cleux cs- vstines svee un Zoüt, une 6 nesse «l un« cleliestesse irreprocstsbles. lllsckame Orisi, c;ui sborclsit le role cl'ImoAkne pour 1 s Premiers lois, s ete presque ksible äsns le Premier scle, msis eile a pris une revsnebe complete llsns le seeoncl, oll eile s'est montree ee «^u'elle esttoujour», setrice consommeeet csntstrice sclnrirsble. Lornsssri s eu plusieurs besux mouve- mens. Il s soutenu cliznemenl IVIsrio et Orisi clsns le ins^nilic^ue trio clu seeoncl sete, et s estsnlö l sir clu SreA« c/e inleresle expres pour lui svee ssser: üe Foüt. Les eboeurs, c>ui out clsns eelle piece unepsrt importante, ont ete eouverts cl'spplsuclis- semend. ^a^cree s repsru s l'S/,6>«-6'c,^r/-?,e. l^e vous ef- lrs^er point! 6'est toujours, si vons vouter, le /»ee cle Este!, ee eoinpositeur si metboclicsue, si severe et si estime 6e son temps; insis ee n'est plus le tel qu'il s ete clonne eu c 3 l 7 .b,'sneien c^ui otsit s eette pieee tout son interel, se lrouve su- jourci'bui remplsee psr rin lies plus jolis petits clrsiiies csui soit sorti cle l» säume cle IV1. cle 8sint- OeorAes. bs musique s lsit cle son eote plusieurs em- prunts beureux. L'est presc;u'un opers noüvesu ; et en tout ess, un Opera cl'un merite reel et cl'un sttrsit puisssnt. ^.ussi, eostumes et cleeors, l'sclministrstion n's rien neAÜAk pour csu'il lüt represente svee eelst. Cbollet, clont ls voix ne eonnsitpss cl'sZe, s cleplo^e clsns le role cle toutes ees bestes cjuslites clont il brillsit il^ a un clemi-sieele bientot, clsns ses cle- buts.Uermsnn-beon.jeunebssse, s'est montre cksnsle role clu eommsnclsnt clu ebstesu, seteur plein cl'sms et cl'enerZie. 8s voix est pure, lsrge et vibrsnte. l>1es- clsmes ^nns Ibillon et vsreier ont ebsnte svee eette llnesse et eette zrsce c^ui les esrseterisent. Ln un mot, le succes cle ee petit eliek ck'cLUvre cle notre sncien repertoire s ete brillsnt, et l'sflluence äu public sux representstions suivsntes, s prouve qu'rl ser» clu- rsble. b't/per« s soue son vs-tout. il/crE Lknanst stteu- clue clepuis si 1on<;lemps, et snnoncee svee tsnt cle bruil, s ete represente« venclrecli clernier. b-es svi» sunt tres psrls-;«-« , les eritic-ues ne sont point cl'se- corcl. Le publie sttencl pour prononcer, et nous lsi- sons eomme le publie. Ln revsncbe, nous n >us empressons cl'snuoneer un veritsble evenement musiesl, et cleeonstster un lies plus bi illsnts sueees sucprel nous s^ons prmsis sssiste : nous voulons parier clu coneert cle N. Leli- eien Osvicl. sseune et ineonnujnc^u's ee jour, N. Os- vicl s'est plsee cl'un seul coup psrmi nos Premiers eompositeurs. 8ou e'est le nom gue nous clonnons ä eette belle et puisssnte erestion clsns la- c>uklle il s esss^e cle peiucire l'Orient et ses merveilles, est un ebel-ä'oeuvre cksns son Aenre. Les smateurs et les eonnsisseurs c;ui remplisssient 1s sslle clu Lon- servstoire ont ete unsnimes sur ee point. ^74 UN NOUV6SU vsucleville intitule : üe^eeecr, lsit kureur. On psrle besueoup cle ls reprise cle /^a7cvre ^ 7 8 ^I8, 32; im Comptoir des Buchdruckervereins gu»l , l5 : in der Mendel'schen Buchkandlung, i lie ctu Ns» 6e I^i 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagericn; Deutschland, Schweiz, England-, in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhar», Spruce-Street, Nr. 3, in New-Bork. (Donnabend.) Pariser Deutsche Zeitschrist. (i^.Dcccmbcr.) Preßprozeß des ^Vorwärts.< Gestern (13. d.) stand Herr BernayS vor der 8ten Kammer des ZnchthanSpolizeigerichtes, cmgc- klagt, während seiner Redactionsfuhrung das Vorwärts als politisches Journal redigirt zu haben, ohne daß von ih m die gesetzliche Eantion erlegt worden sei. Der Advocat des Königs führte die Anklage mit großer Heftigkeit und verlangte die volle Strenge des Gesetzes ; — Herr Cremienr cnt- gegnete in einem äußerst geistreichen Plaidoyer, das seiner Anspielungen auf den gegenwärtigen politischen Zustand Deutschlands halber, oft die allgemeinste Heiterkeit erregte;—das Gericht verurtheilte nach einer einstündigen Berathung Herrn Bernayö zu zwei Monaten Gefängniß, 300 Francs Geldstrafe und in die Kosten. Herr Bernays hat die Appellation an die Lour ro^uls ergriffen. Nicht zu übersehen! Diejenigen p. t. Abonnenten, deren Abonnement mit 31. d. zu Ende geht, werden ersucht ihre Bestellungen bei Zeiten zu erneuern, um keine Unterbrechung in der Zusendung zu erfahren. — Auswärtige wollen sich in frankirten Briefen an das Central - Bureau für Deutschland, 32, rue des Moulins, wenden und ein Mandat auf Paris im Belaufe des Abonnements-Betrages beilegen. Cordialer Brief an die Leser des „Vorwärts." . . . . Oisvo nv leNii-el Liveulum , uciv.i ; t)m»6 c-um Nittleus j,ecnl8 tgi( .illos Visc-io moiUes, I'isciom et snmmä geaiiz iiresit ulmos. Willkommen, Herr Proteus! Als gutes Erempcl Treibt schnell mir die Ochsen hinweg aus dem Tempel; Und Sie, Frau Pyrrha, oor allen BUrakeln Laß' an Ulmen die Stockfische wiederum zappeln! 'Aus des kaiserl. römischen Hofpocten Horatii Gedichten. 1. Buch, 2. Ode. Tie „Augsburger Allgemeine Zeitung" hat sich um das „Vorwärts" ein so großes Verdienst erworben, daß ich selbst aufdie Gefahr hin Euch mit dieser Kost zu oft zu kommen, sie doch noch einmal auftische. Sie war, wie Ihr wißt, Herrn Börnstein noch etwa tausend Francs schuldig, und hat um diesen Spottpreis eine vier Spalten lange Annonce unter ihre drei bis vier tausend Abonnenten gebracht. Eine wahrhaft christliche Aufopferung das, meine Freunde, und zugleich welche gelungene Travestie der französischen Presse? Der „National" strafte jüngst den Herrn von Lamartine für seinen Abfall dadurch, daß er von dessen vier Ellen langem Gä- chis auch nicht eine Sylbe sprach, — und mich straft sie, indem sie einen vier Ellen langen Gächis über meinen Abfall in die Welt schickt. Doch es ist äugen- Feuilleton des vorwärts. Gott, König, Vaterland. Es stehen im Walde dort über dem Rhein Drei alte verwitterte Eichen; Vergebens fuhren die Blitze hinein, Auch könnt' sie die Art nicht erreichen. Die eine umwehet ein Leichenqeruch, Ein morsches Kreuz steht zur Seite; Aus dem hohlen Stamme klingrs wie ei» Fluch Und wie fernes Glockengeläute: Gott. f Mit Flittergold und mit Schellen geziert, — Ein Popanz, um Hasen zu schrecken, — Sieht man die Andere, purpurn beschmiert, Sich hinter den ersten verstecken : Köuig. Im tiefen Morast, drin schier sie versank. Zerbrochen, verdorben die Aste; Am innern Marke so wund und so krank — Ist die dritte fürwahr nicht die beste. ' Vaterland. Soll einstens mit kräftigem Jugendstolz Ein Baum auferstehen, ein neuer, — So werft die drei alten, das dürre Holz, Werft eure drei Eichen in's Feuer! Gott, König, Vaterland. W. Marr. Erinnerungen. (Fortsetzung.) Die Soldaten und Offiziere rings um mich murrten; seit 6 Stunden hätten sie keine Ordre erhalten ; sie wollten nicht länger stehen und sich niederschießen lassen. Da kam der General des rechten Flügels schwer verwundet heran und rief: Wir haben gesiegt und doch wird der Tag verloren sein ; wo ist denn Houchard? — Auch der General des linken blutete stark, er schleppte sich nach den Spitalzelten und klagte über des Obergeneralö unglaubliche Trägheit und über gänzlichen Mangel an Ordren. Auf einmal sahen wir Houchard nebst mehreren Offizieren h'nter einer Hecke; er schien ganz unfähig zu seinem hohen Amte; Jourdan aber rief: Was sollen wir anfangen , so lange wir den zum Chef haben ? unser find halb so viel als da drinnen in Hondschooten; wir find verloren ! — Ich: Dies Wort ist nicht französisch; nur nicht die Anzahl der Feinde gezählt; aber sagt mir was zu thun sei. — Lassen Sie das Feuer ' aufhören, hieß cs, Sturm schlagen, Bajonnett fällen; scheinlich, sie steckt mit uns unter einer Decke! Sie wollte Propaganda für uns machen, ohne sich selber dadurch zu schaden. Und weil ich nun die Uubchol- fenheit und das kurze Gedärm ihrer Redakteure längst kenne (das ist ja nur ein Übelstand und keine Schande), so habe ich ihr in meinem letzten Briese (Nr. 86) allerlei Anhaltspunkte gegeben, vermittelst derer sie auch bei dem geringsten Maaße von Verstand und der uns so oft bewiesenen Gewogenheit, eine wirksame Reclame zu Stande bringen konnte. Und sie hat alle meine Erwartungen gerechtfertigt ! Nicht etwa so, als wäre das nicht wahr gewesen, was ich sie zu verbreiten stachelte, und ich wollte mich heute über ihre Treuherzigkeit belustigen — nein, das ist ein altes Kunststück, das ich einmal früher für Anfänger in der plebeischen Diplomatie erfunden hatte — sondern indem ich grade die sail- lanten Wahrheiten aus meiner öffentlichen Laufbahn zusammenstellte, die selbst auf eine in romantischen Träumen und Portiers-Phantasien regungslos versunkene, zu ewiger Sterilität und Finsterniß verdammte Zeitungsmunüe, eine elektrische Wirkung Hervorbringen mußten. Ein Mensch der früher Monarchist, dann Constitutioneller, beides nicht einmal aus Überzeugung, sondern als ganz äußerliche Folge seiner Stellung in der Gesellschaft, als Folge eines Dranges nach irgend einer seinem lebhaften Wesen entsprechenden Thätig- ftellen Sie sich vor die Kolonnen , Ihnen traut der Soldat; so können wir noch den Sieg gewinnen. — Im Nu ließ ich Stnrmmarsch trommeln. Da sehe ich meinen Kollegen Dclbret, ich eile zu ihm : Freund, rufe ich, sind wir geschlagen, so ist Dünkirchen über, dann sei hier mein Grab; nun schnell zum rechten Flügel, laß Sturm schlagen und los auf Hondschvoten ! —Ich stehe für die Division da. — Glaubs gern; Du bist ein braver Mensch: drauf und dran! Ich aber flog an die Spitze meiner Kolonnen und vers suchte durch eine Anrede den Muth der Leute zu beleben. Ein Bataillon hielt unbeweglich hinter einer -Hecke; ich stürze hinzu : Was macht Ihr da hinter der Hecke ? donnere ich sie an. Hört Ihr nicht den Angriff trommeln? geht mit wie die Kolonne geht; nun, vorwärts, marsch! Kaum hatte ich das letzte Wort gesprochen, so kam eine Kanonenkugel und zerschmetterte meinem Thiere den Rücken: ich fiel zu Boden. Da hörte ich einige lachen und sagen: Geh nur voran, wirft bald sehen ob's gut thut. Die Kolonne marschirte immer noch in einem Hohlwege und ich auf dem hohen Rande. Wie ich niedcrsank, standen die Soldaten still; ich aber sprang auf und schrie: Marschirt weiter, ich suche mir ein neues Pferd. Mein Diener, ein höchst tapferer Mensch und immer dicht neben mir, gab ein anderes. Jetzt erdröhnte der Sturm ans allen Seiten; das Feuer war mörderisch, besonders bei der rechten Division, wo mein Kollege, Kommissär Del- keit war*), der sich endlich selbst gefunden hat, der jetzt zu keiner, zu gar keiner Parthei gehört, und sie alle bekämpft, wo sie sich in ihrer Ausschließlichkeit und Unnatur seinem einfachen menschlichen Wesen gegenüberstellen — ein solcher Mensch, der noch dazu stolz ist auf seinen Abfall, war für die „Allgemeine" eine Neuigkeit, ein Monstrum, das sie nothwendi- ger Weise in ihrem Käfig in ganz Europa Herumschleppen mußte. Dock war ihr das Ungeheuer immer noch nicht monströs genug, — sie mußte ihm noch Hörner aufsetzen und einen Schwanz ankleben, so daß schon der bloßen Kuriosität wegen die Leute gelaufen kommen, um es zu sehen. Sie läßt mich meine Geschichten mitthcilen, um (das sollen nun mein eigener Grund und meine eigenen Worte sein) ,,meine schlechten Streiche erzählen zu können," sie sagt ich sei so indiScret die wirklichen Namen rc., rc. zu nennen, was ich zwar alles nicht entschuldigen würde, wenn es wahr wäre, was aber eben von ihr erlogen ist; sie läßt errathen, daß ich von den Schmiedetöchtern die obseönsten Geschichten erzähle, und sagt gradezu, daß ich mich rühmte damals in Speyer zu gleicher Zeit bei vier Mädchen mich „jeden Genusses" erfreut zu haben; zum Kuckuck, wie leid ist mir'ö, daß ich ihr hierin widersprechen muß, die Mädchen waren alle so schön, ich würde noch in der Erinnerung schwelgen! — Aber ich glaube, weder die tausend Francs, noch die liebenswürdige Comödiantin, noch der Speck den ich in der Mäusefalle aufhängte, würde die alte Puritanerin bewegt haben, sich nochmals an unserem Blatt die Finger zu verbrennen, wenn sie sich nicht darüber geärgert hätte, daß ihm ein preußischer Minister, Graf Arnim, die Ehre der Erwähnung schenkte. Um eine geistreiche Pointe zu erhaschen hatte der Berliner Pinsel das königl. prenß. *) Ich habe schon zu verschiedenen Malen davon gesprochen, in welcher tiefen Versunkenheit und Indolenz die Pfalz liegt. Die Pfalz würde sich unter russisches und unter türkisches Regiment bequemen, sie würde aber auch, wenn cs mit Saufen und Johlen abgemacht wäre, wenn es kein Blut und Gut und keinen Verstand kostete, die rothe Mütze aufzusetzen. Um wie viel tüchtigere Menschen sind die Badener, die sich doch wenigstens bemühen, wenn sie sich auch für nichts bemühen! U d wie glücklich preise ich wich, ihnen beiden entlaufen zu sein! bret, voranging. Links von uns rückte die Bürger-Garnison vor; unsere Vordergarde bestand in 309 Gens- darmcn zu Fuß; so verließen wir den Hohlweg. Ha! tapfere Männer Frankreichs! in einem Augenblick war die Nedoute im Anlauf genommen ; wir stürzten in die Stadt über die Leichname und Lebendigen — das Bajonett gefällt immer hinter dem Feinde drein: wir waren unwiderstehlich. — Die Division des General Lollaud vollbrachte Wunder des Heldenthums; ihr hatte der Feind mehr Widerstand als dem Centrum, wo ich war, entgegengesetzt. Ich eilte jetzt mit den ersten in den Flecken, um so viel als möglich dasjenige zu verhüten, was fast jedesmal geschieht, wenn die Leute im Sturmschritt in einen Ort dringen. Endlich, spät genug, entdeckte ich Houchard. Der Oberfeldherr stand ganz allein bei der Schanze am Eingang in das Städtchen. Nun, da sind wir ja doch Meister geworden! sagte er. Ja wohl, General, ich bin schon eine halbe Stunde hier; aber jetzt weiter, das Tagewerk ist noch nicht vollendet; wir müssen auf die Landstraße nach Furnes zu, und dort nehmen wir 40000 Engländer und den Herzog von Port gefangen.— Wie wollen Sie, entgegnete er, die Armee wieder zusammen bekommen? Jetzt, nach einer blutigen Schlacht, geht das nicht. — Durch Trommelsignal: jeder wird zu seiner Fahne eilen; ich nehme das auf mich, General. — Aber die Wege sind zu schlecht für die Artillerie. — So? wenn die Wege schlecht für uns sind, dann sind sie's auch für Vorwärts für Gott, König und Vaterland mit dem pariser, gottlosen, königsmörderischen Vorwärts in einem Toast zusammengestellt, und dabei gejammert, die Presse würde ihm noch viele schlaflose Nächte machen. An einem preußischen Minister sind wir die Ridiculs schon so gewöhnt, daß es uns wundern sollte, wenn sich je einer einmal nicht compromittirte. Doch diese Unannehmlichkeit erleben wir nicht. Statt ein Blatt ganz zu ignoriren, welches in Preußen zu verbieten seine Feigheit ihn gezwungen hatte, kann er seine ohnmächtige Wuth darüber nicht verbergen, und läßt die glänzende Schlange der Neugierde für seine ärgsten Feinde Proselyten werben. Sobald aber einmal ein Minister gesprochen hat, ist die „Allgemeine" ihrer nicht mehr mächtig; da springt sie blind mit allen Vieren ins Feuer hinein, und da sie cs anstreten will, jagt sie eS in allen Himmelsgegenden. Sie wollte uns ungefährlich machen, sie wollte Herrn von Arnim die Ruhe seiner Nächte wiedergeben — wie sollte der Mann bei der Nacht auch noch schlafen, da er alle Tage verschläft? — und nun trommelt sie einen solchen Spektakel zusammen, macht uns zu so berühmten Leuten, daß den Andern Siebenschläfern bald auch der Schlaf vergeht! Und sie versteht das Trommeln, meine Freunde! Der deutschen Abgötterei und Pie- tisterei gegenüber stellt sie uns als lebelustige Menschen und als Atheisten dar, die für irdische Seligkeit auf den Himmel verzichten; dem Egoismus, der b utalen Herrschaft des Geldes gegenüber sind wir Brüder und Freunde, dem Absolutismus und der konstitutionellen Eulenspiegelei gegenüber sind wir Spötter und Radikale und Königsmörder. Juchhe, meine Lieben, es geht gut, sie verstehen uns nur halb, und ärgern sich schon zu Tode; wie wird es erst gehen, wenn sie uns ganz verstanden Haben? Aber Freund Arnim, daß dumich einen Königsmörder schiltst, — darüber schäme ich mich fast. Dein König macht mir keine Sorge! Ich erinnere mich der Zeit, als ich in Göttingen zum ersten Mal einen Jenenser Burschenschafter sah. Der dumme Junge mit seinem Milchgesicht hatte einen altdeutschen Rock an, weite Pumphosen, ein rothes Hemd, und einen Ziegenhainer mit dem ein dazu in Verhältnis; stehendst Engländer: desto eher holen wir sie ein. — Repräsentant! rief er, Sie sind kein Militär; wie kann ich 40000 mit 15060 aufhalten? — Und wenn Sie soooo hätten, Sie wüßten doch nichts anzufangen; gebrauchen Sie dic Kanonen: wir wollen sechs Geschütze aufpflanzen in Absätzen auf der -Heerstraße und neben ihr einige Batterien ; so fassen wir den Feind in die Seiten; unsere zerschossenen Feldstücke ersetzen wir durch unsre Artillerie; wir schicken einen Offizier an den Platzkommandanten, damit er kräftig aushält sobald er merkt daß wir handgemein geworden. — Nicht doch, Repräsentant; so führt man keinen Krieg. — Ich schwieg; ich war nicht Soldat, und dennoch hatte ich die innige Überzeugung, daß es hätte gelingen müssen. Zuerst wollte ich Houchard ab- setzen und einen andern General mit der Ausführung beauftragen. Allein ich bedachte mich; einem Feldherrn im Augenblicke des Sieges seine Stelle nehmen, das heißt die Soldaten und die Offiziere empören. Zudem, wo war sein Nachfolger? Die zwei Generäle, denen ich traute, waren verwundet. Die Zeit verstrich; cs schlug 2 Uhr; ich verließ Houchard und war tief bekümmert. In diesem weltberühmten Treffen bei Hvndschooten verloren die Murten viele Leute. Der englische General Wallmoden bemühte sich umsonst die Truppen zu sammeln,-die nach allen Richtungen geflohen waren. Wir wußten ganz genau, übrigens, wohin die geschlagenen Flügel zurückwichen, und mit ein wenig Gewandtheit > der Mann auf einen Schlag den stärksten Ochsen umbringen konnte! Das ist ein Königsmörder! schrieen eine Menge Gymnasiasten , und verfolgten und verhöhnten den armen Teufel bis er sich in ein Wirthshaus geflüchtet hatte. Und nun auch gar ein deutscher Königsmörder in Paris — es ist zum Todtlachen! Also kurz und gut, — die „Allgemeine" hat unS vortreffliche Dienste geleistet, und vielleicht auch sich. Sie bettelt nur um einen Tropfen Preßfreiheit, um uns ganz vernichten zu können; wir wünschen sie ihr vollständig, dann lohnt es noch weniger der Mühe mit ihr zu verhandeln, und wir versprechen in einem Tone fortzufahren, der vielleicht die deutschen Zuchtkncchte bestimmt, der Presse den Maulkorb ein bischen zu lüften, damit sie gegen uns jap- pen kann! Sie warnt meine hiesigen Freunde vor mir — dazu hatte ich sie auch verführt; aber es kommt mir doch sehr gelegen, denn jetzt brauche ich selber sie nicht mehr vor mir zu warnen. Wir hängen hier nicht, wie so ein deutscher ZeitnngSratten- könig oder ein Offizierscasino zusammen : wir sind herzliche Freunde, so lange wir uns gefallen; wenn wir uns in Wort und That und Umgang einmal nicht mehr behagen, so reden, handeln und schreiben wir gegen einander: das thnt die ganze Welt, nur sind die Meisten so abgeschmackt und gestehen'S nicht. Aber zu verrathen ist dabei nichts, aus dem einfachen Grunde, weil keine Geheimnisse da sind. Nun noch eins. Die „Allgemeine" hat entdeckt, daß ich eigentlich nicht Ferdinand Cölestin, sondern Carl Ludwig heiße. Nun will ich Euch entdecken, daß ich weder Carl Ludwig noch Ferdinand Cölestin, sondern Lazarus heiße. (Mutter und Geschwister rufen mich Lilli.) Von Zeit zu Zeit fangen meine Vornamen an mich zu langweilen, und da nehme ich mir denn einen andern. So hieß ich mich früher einmal ein ganzes Jahr lang Luzian, und obgleich ich als Ferdinand Cölestin die Redaktion dieses Blattes eine Zeitlang geführt habe, stand ich doch gestern grade dieser Redaktion wegen als Carl Ludwig vor dem Correctionellge- richt. Das ist ein altes Amüsement von mir; und dieweil mich der Name Ferdinand Cölestin auch schon seit einiger Zeit bedeutend ennüyirt, so em- hätte Houchard überall ihnen den Weg abgeschnitten; zwischen Dünkirchen und unserm Heer eingeklemmt, hätten sie kapitulirt: Z)ork selber wäre Gefangener geworden. Die Vertheidiger Houchards's gestehen dies sogar. Und man will uns Gesetzgebern und Deputirten, die wir nicht das Kriegeshandwerk und die Kriegeswissenschaft kannten, wohl noch gar vorwerfen, daß wir Verrath ahndeten! — Ich bezog eine Wohnung in dem Schlosse wo der englische Generalstab lange gehaust. Der Graf Bouillo, ein verbannter französischer Aristokrat, hatte gesagt: wir wollen sie eine Karmagnole tanzen lassen, wie noch nie eine. Die englischen Offiziere waren desgleichen sehr fröhlich gewesen. Als indessen gegen Mittag mehrere Adjuvanten hastig und verwirrt gemeldet, die Republikaner rückten allenthalben im Sturmschritt vor und könnten den linken Flügel umzügeln: da befahl ein Offizier vor allem die Papiere in Sicherheit zu bringen; ein englisches Korps ward uns entgegengeschickt und schlug sich wüthend in den Gärten des Schlosses, während die hohen Offiziere, die Lords, aufsaßen und die Papiere retteten, in welchen die diplomatischen Ver- räthereien verzeichnet waren. — Die Engländer konnren sich vor Dünkirchen nicht mehr halten; sie ließen daher über fünfzig Kanonen im Stich und flüchteten; eine starke französische Besatzung nahm von dem verlassenen Lager Besitz. (Fortsetzung folgt.) preußischer Sozialismus sein, daß wir euch die pfehle ich mich Euch von nun an unter einer andern Firma und werde fortan zeichnen Euer Ergebenster Franz Laver Bernays. Paris, i 4 . Dez. 1844. 1.6 6011« Loormeree. Die Kunstgriffe der großen Handelsleute in Paris um sich eine Clicntel zu verschaffen, sind bekannt. Der eine verkauft während eines Monates 20 Prozent unter dem Fabrikpreise; der andere gibt viele Wochen lang alle Waaren um niederere Preise, als man sie sonst irgendwo bekommt, und nimmt sie noch dazu gegen den Kaufpreis oder im Tausch gegen andere Gegenstände zurück, wenn sie zu Hause nicht mehr gefallen; er miethet Wagen, die unausgesetzt an den Magazinen auffahren, Leute die zum Schein am Tage einkaufen, und des Nachts die Waaren wiederbringen; er beschenkt vornehme Lumpen und Koketten, die bei Gelegenheit in großen Gesellschaften von der Güte und Wohlfeilheit der Waaren sprechen, mit Foulardsund Handschuhen; er macht an alle Mauern Niesenanschläge; er erklärt durch den Vankerut anderer Kaufleute um wahre Spottpreise in den Besitz von Ungeheuern Lorräthen gekommen zu sein; er verkauft nur um fire, in Zahlen, nicht in unverständlichen Buchstaben bezeichnete Preist; er ist gegen Jedermann der ihn besucht, gleichviel ob man etwas kauft oder nicht, äußerst zuvorkommend und freundlich; von feinen Waaren spricht er wie ein Künstler mit einer Art von Liebe und Wärme; er weiß die Gegenstände die man kaufen Witt in eine solche Umgebung von andern Sachen, die er zugleich auskramt, zu bringen, daß sie mehr hervortreten, u. s. w. u. st w. Das geschieht von Seiten der Verkäufer. Die Käufer verstehen aberauch ihre Sachen. Die oft wiederholten Man- növer haben sie gelehrt aus der zum Betrug und Fallstrick gewordenen Ehrlichkeit und Leutseligkeit ihren Nutzen zu ziehen. Wer nicht der Bequemlichkeit der Lage, der Nähe, des Credits, oder eines dringenden Bedürfnisses wegen, oder wie die alten aristokratischen Familien aus Zähigkeit und aus Lust von der Bürgercanaille betrogen zu werden, einem solchen neuen Magazine treu zu bleiben gezwungen ist oder sich gerne dazu zwingt, der besucht nur acht Tage lang ein solches Magazin, und kauft nicht eher wieder ein, bis ein neuer großer Bazar sich eröffnet. Ich selber helfe namentlich den Restaurants, die sich neu aufthun, Bankerut machen. Sobald ich höre daß sich ein neuer Restaurant etablirt hat, besuche ich ihn vier Wochen lang: ich esse bei ihm so lange bis er anfängt theurer*) und schlechter zu werden — dann suche ich wieder einen neuen. Ich habe leider keine andere Gelegenheit dem Bourgeois seine Freundlichkeit zu vergelten — außer dem Essen, .dem Trinken, der Liebe und dem Schreiben verstehe ich kein Metier durch das ich ihm meine Erkenntlichkeit beweisen könnte. Das Mannöver von beiden Seiten ist also leicht zu verstehen: der Kaufmann stimmt die Maske der com- pletesten Ehrlichkeit an — und der Käufer findet seinen Vorthsil dabei, auf kurze Zeit an, diese Ehrlichkeit zu glauben. Das sch eint also nur der umgekehrte Fall wie bei den gewöhnlichen Händeln zu sein, wo gegenseitig Spitzbüberei die Basis der Handelspolitik bildet. Die Betrügerei nimmt nur hier das Kleid einer etwas außergewöh n- li ch en Tugend, des Devouements, an, und das Publikum, das düpirt werden soll, heuchelt dafür Erkenntlichkeit. Der Spaß geht gut, so lange nicht ein Theil die Tugendhaftigkeit des andern für Ernst nimmt — wie aber das geschieht, dann liegen sie gleich einander in den Haaren. *) Ich kenne in der 4-us kst'oli einen Restaurant, bei dem man vor 6 Monaten um 1 Fr 30 Cent, dinirte; die Speise- Zarte und die Zahl der Schüsseln ist seitdem ganz dieselbe ge- chlieben, aber die 30 Cent, sind nach und nach auf 33, 40, -So, 60, 70, und jetzt auf 90 gestiegen. Die Ziffer 30 wurde von Monat zu Monat herausgeschnitten, und unter das viereckte "Loch sehr künstlich ein anderes Stückchen Papier mit der Höher» Ziffer geklebt. Das ist kein Betrug — das ist nur Handelspfiffigkeit. Ein solcher Fall kam jüngst hier vor. Ein ungeheures Magazin in der i-us äu Lao debütirte ganz in oben beschriebener Weise. Es hatte unter andern Stoffen auch Sammet ausgestellt, den es um ohngefähr 2/3 der gewöhnlichen Preise ausbot. Ein portugiesischer Kaufmann sah im Vorbeigehen den Sammet, und da ihm die Preise äußerst niedrig für die Güte der Waare schienen, so nahm er den Kaufmann beim Wort, und erklärte allen Sammet den er vorräthig habe, um die fixen Preise kaufen zu wollen. Denkt Euch nun einen andern Kaufmann, der das Devouement nicht als Prinzip aufstellte, und dem nun Einer auf einen Schlag alle seine Waaren abkaufen wollte, — mit sieben Händen würde er einschlagen; — was kann ein Kaufmann sich besseres wünschen, als solche Käufer ? Für einen solchen gewöhnlichen Kaufmann nahm der Portugiese den unsrigen. Er mochte sich wohl über die Wohlfeilheit der Preise gewundert haben, aber doch dachte er, es ist Handelsbrauch : wenn ich gebe, was der Verkäufer will, dann ist der Handel abgemacht; kurz er nahm die geheuchelte Ehrlichkeit unseres Großhändlers für ungeheuchelt. Unser Großhändler konnte ihm aber seinen ganzen Sammetvorrath nicht um die bezeichnten geringen Preise verkaufen. Er hatte nur darauf gerechnet einige Stücke wohlfeil zu verkaufen, und wenn die Elientel da ist, würde er sich an ihr für die absichtlichen Verluste durch viel höhere Preise schon entschädigen; — gibt er nun all' seinen Sammet weg, so kann er das Manüöver nicht ausführen — der gute Mann ist also über seine eigene Ehrlichkeit gestolpert. Er verweigerte daher dem Portugiesen seine Waare, und heute liegt den Gerichten der lehrreiche Fall zur Ent scheidung vor. Der „gegenseitige Hülfs - und Bil- dungsverein" zu Köln. Köln , Anfang Dezember. — Ich bin Ihnen noch die Hiobspost von der wahrscheinlichen Unterdrückung des vortrefflichen Vereins schuldig, der sich in unserer Stadt bilden wollte, und dessen Geist so schön in den Debatten der ersten konstituirenden Versammlung hervortrat, welche ich Ihnen ausführlich mittheilte. Polizei, Negierung und Ministerium sind zum Tode erschrocken, als das „liberale" Köln plötzlich von einer Solidarität der Menschen untereinander sprach, als die „französischen Ideen," >vje die Dummköpfe Alles nennen, was sie nicht begreifen und nicht wollen, ein so furchtbares Hauptquartier in unserer Stadt aufschlugen. Die zweite Versammlung, worin die Statuten des provisorischen Comites vorgelegt und diskutirt werden sollten, wurde polizeilich untersagt, und die Zwischenträger der Negierung mußten ausbreiten, jene zwölf Männer „böten keine hinreichenden Garantien." Wenn Einem das ein Privatmann sagt, derhöchstens über die Zahlungsfähigkeit eines Menschen ein Urtheil hat, schlechterdings aber keins über dessen Moralität — ein Urtheil nämlich , das. öffentliche Folgen nach sich zieht, — so schlägt man ihn hinter die Ohren, dafern man ein rasches Temperament hat, oder man verklagt ihn bei Gerichte, um den Armen die Geldbuße zukommen zu lassen. Wenn es aber die Ansicht einer- väterlichen deutschen Regierung ist, so muß man das Maul halten. Die Statuten des provisorischen Comites, welche in ihren Grundrissen in Nr. 334 der „Trierschen Zeitung" abgedruckt stehen, sind so vortrefflich in ihrer Einfachheit; so klug bei allem Radikalismus, daß ich Sie fa't bitten möchte, dieselben Ihren Lesern nicht vorzuenthalten. Die hochwvhlwcise preußische Regierung wird sich sehr hüten, auf eine Kritik dieser Statuten einzugehen, zu sagen, was stehen bleiben kann, was gestrichen werden muß, falls das Ganze die Bestätigung erhalten sollte; sie wird sich gewaltig hüten; sie würde ihre ganze Erbärmlichkeit vcr- rathen, sie müßte mit der Sprache heraus: „Wir wollen keine Ab hülfe der Armuth, das ist uns niemals eingefallen ; wir wollen ein paar Almosen aus euern bürgerlichen Taschen ziehen, die wir der Staatskasse ersparen; wir wollen euch von politischen Träumereien abziehen, und da doch die ganze Welt jetzt einmal den Narren am Sozialismus gefressen hat, so soll das unser königlich Almosen aus der Tasche holen und euch politisch unschädlich machen. Aber Aufhebung der Armuth, Vernichtung des Unterschiedes der Klassen, die nach christlich-germanisch-historischer Entwicklung vorhanden und noth- wendig vorhanden sind! — „seid ihr verrückt?" Die preußische Regierung wird den wackern kölnischen Verein unter dem Miste des Stillschweigens begraben, sie wird das Wasser der Zeit darüber hinleiten. Und im Mist wie im Wasser ist sie bekanntlich gleich groß. Das Volk von Köln aber hat mittlerweile Lunte gerochen, und spürt dem Pulver nach. In den Wirthshäu- sern, ja in den Kneipen ist die Rede sehr stark vom Recht zur Arbeit und Bildung, von der Gegenseitigkeit, von der Vermischung der Klassen und anderm gotteslästerlichen Zeuge. Der heilige Rock, den die Pfaffen gegen die Aufklärung losgelassen hatten, ist vergessen, verwischt; der profane Nock, der von Rechtswegen auf jedes Menschen Leib gehört, der Nock, den sich Jeder nus den allgemeinen Magazinen holen kann, interessirt die Leute unendlich mehr. Gestern sagte mir ein Proletarier, der Sasse in der Hochstraße sollte bald mit seinem Ausverkauf fertig sein, der nun schon seit 4 Jahren dauert, wenn cs sicher wäre, daß Jeder das Recht hätte, sich seine Blößen anständig zu bedecken. Ich versicherte ihm, das sei ganz sicher. Anstatt der Bestätigung des gegenseitigen Hülisvercins hat uns der Allergnädigste in Berlin kürzlich einen seiner Commis gesandt, die bekanntlich in allen Handlungshäu- fern um so schneller wechseln, je wankender der Kredit wird, und je näher der Bankerott kommt. Dieser Commis, der die Finanzregister im preußischen Haushalte führt, heißt Fl 0 ttwell. Die Bourgeoisie von Köln gab ihm ein Essen mit obligater Devotion, und der Flottwell sprach lauter fidele Sachen. Er brachte sogar ein Lebe» hoch auf die Stadt Köln aus. Da war es nun sehr merk: würdig, den Deputaten Camphausen, Mitglied bei fürchterlichen Zwölfzahl des Comites, reden zu hören. Nachdem er den Hafen und den freien Handel und die Gesetze zur Förderung der Industrie in Sicherheit gebracht hatte, lenkte er auf den Verein zur Hebung der „niedern" Volksklassen über, und sprach die geflügelten Worte: Es sei die Zeit gekommen, wo jeder Flügelschlag der menschlichen Seele seine Berechtigung verlange! — Ist das nicht wahrhaft großartig? Hafen und Flügelschlag! Freier- Handel und menschliche Seele > So ist aber der deutsche Bourgeois, sentimental, phantastisch, einsichtsvoll bei Fragen, denen man entweder bejahend ins Gesicht schauen oder verachtungsvoll den Rücken wenden muß. Es ist gar kein Vergleich anzuftellen zwischen dem deutschen und dem französischen Bourgeois. Die Sentimentalität unseres Bourgeois ist das Surrogat für die politische Bildung des französischen Volkes. Ich werde ihnen das nächstens einmal auseinandcrsetzen. Der Verein also ist tvdt, unter dem Mist; aber Mist düngt, und ich glaube wahrhaftig, der königlich preußische Mist ist ein unvergleichlicher Dünger für den Sozialismus. Da Sie einen so großen Schandpfahl für große Hallun- ken über 20 Bogen angelegt haben, so werden Sie wohl irgend ein kleinesKrummhölzchen haben, an dem man die beiden deutschen Zeitungen aufhängen kann, welche durch die niederträchtigsten und dümmsten Verleumdungen der Sache desKölner Vereins zu schaden suchten. Diese beiden Lumpen —das heißt eigentlich doppelte Lumpen, da ein Kölner Lump auf einem gewalkten Lumpen in Münster oder Frankfurt doch eigentlich zwei Lumpen ausmachen—heißen: Der „Weftphälische Merkur" und die,,Oberp 0 sta mtszeitun g." Karl Heinzen Mer die deutsche Censur. *) Wahrlich, wenn es ein Gericht der Geschichte gibt, welches denjenigen Völkern einen Preis zuerkennt, die sich —7———- — - *) Aus dessen Buche „die preußische Büreaukra- t ie," das wir in einer der nächsten Nummern ausführlich be- zuerst ein Gut angeeignet, so wird es auch eins geben, welches denen Schimpf und Schande zucrkennt, die sich zuletzt von einem Krebsübel befreit haben. Daß in dem teutfchen Volke trotz seiner herrlichen Eigenschaften viel Hündisches steckt, ist schon oft gesagt worden. Unter den hündischen Eigenschaften und Bevorzugungen hat es auch die vor andern Völkern voraus, daß es einen Maulkorb trägt. Für das teutsche Volk, das ungefährlichste von allen, währen die Hundstage das ganze Jahr hindurch. Ihr teutfchen Nationalen, es gibt ein Factum, vordem all euer Lob zerstiebt ustd zu Schanden wird : von allen g.'bildeten Nationen ist es die teutsche allein, die noch den Maulkorb der Censur trägt. Beim Urtheil über sie ist vielleicht nur dies zur Compensation zu bringen, daß sie einen unverwüstlichen Kern haben müsse, weil sie unter dem Einfluß der Censur nicht die schlechteste aller Nationen geworden ist. Es gibt kein Lob , das ein Volk sich in censirter Sprache sagen dürfte. Ein Volk, das unter Censur steht, schlage die Augen nieder, wenn man es tadelt, und verkrieche sich, wenn man cs lobt. Ein censirtes Volk ist kein Volk, wie ein censirter Mensch kein Mensch ist. Was ist ein Thier? Ein Thier ist ein censirter Mensch. Sind wir wirklich Menschen? Sind wir, was wir sind? Die Knechtung des Wortes ersireckt sich bei uns nicht bloß auf dasjenige, was Ändere angeht, was der Gewalt in ihrem Besitz unangenehm, was ihr in ihren Bestrebungen hinderlich ist, sie erstreckt sich auch auf unsere eigene besondere Person. Sie.streicht uns nicht bloß als Glieder der Staatsgemeinschaft, sie streicht uns auch als Individuen. Sie hindert mich nicht bloß zu sagen, was Andere thun, sie hindert mich auch zu sagen, was ich selbst b i n. Ihr zu Gefallen gebe, ich ein Anderer durch die Welt, als die Natur in mir geschaffen hat. Kein Mensch ist in Teutschland er selbst, wir sind alle nur Lügner unserer selbst. Wir selbst mit unserm eigensten Ich sind für die Welt getödtet, nur als Lügner sind wir lebendig. Nicht bloß die sind Lügner, die aus Speculation ein anderes Glaubensbekenntniß zur Schau tragen, als in ihrer Natur steckt; auch die Andern müssen nothgedrungen mitlügen , weil sie ihr Glaubensbekenntniß nicht aussprechcn dürfen oder können. Stumm, wie wir sind, müssen wir uns gefallen lassen, daß man uns eine Sprache zuschreibt, die uns ganz fremd ist; wir müssen , ob wir wollen oder nicht, den allgemeinen Negierungsstempel tragen, der uns äußerlich etwa als schwarz bezeichnet, während wir innerlich vielleicht roth sind. Das Wort Ueber Zeugung hat in Teutschland gar keinen Sinn, denn wir dürfen keine eigene Ucberzeugung haben, wir müssen sie uns aus dem Uniformvorrath der Negierung anziehen lassen. In Frankreich z. B. ist man doch so weit, daß man sagen darf und kann : ich bin ein Republikaner. In Teutschland wird man als Republikaner gestrichen und figurirt als Royalist nach wie vor. Als Heuchler, entweder freiwilliger oder gezwungener, lebt man, als Heuchler wird man begraben. Man ist gestorben, ohne wirklich gelebt zu haben ; man ist vernichtet, ohne wirklich gewesen zu sein, und die Leute gehen am Kirchhof vorbei und sagen : da liegt der und der, während sie nur eine Lüge sagen und ein ganz Anderer da liegt. Glücklich der, welcher vor seinem Ende die Gelegenheit einer Zwanzigbogenschrift benutzen kann, um ehrlich und offen sein wahres Gesicht zu zeigen, so daß er, wenn es eine Auferstehung der Seelen geben sollte, doch erwarten kann, in der andern Welt von seinen irdischen Bekannten wiedererkannt zu werden. Daß die Censur uns die Schwingen lähmt, wo umfliegen wollen, daß sie uns den Weg vertritt, wo wir nach dem Ziele unserer Bestimmung streben, daß sie uns durch das Gefühl persönlicher Erniedrigung empört, wo sie uns durch ihre Bevormundung Intelligenz und Sittlichkeit abspricht — das Alles sind wir bereit zu vergessen und nach dem Wunsch der Schutzredner der Censur auf die Rechnung des persönlichen Egoismus zu schreiben, wenn man Eins zu beseitigen vermag, wodurch die Censur ein nagender Wurm an dem gesunden Herzen der Einzelnen wie des ganzen Volkes wird; wenn man im Stande ist, die verschlechternde Wirkung dieses Instituts auf die sprechen werden, theilen wir hier absichtlich die schönste Stelle mit: eine einsame Blüthe an den verdorrten Ästen des politischen Radikalismus. Sittlichkeit und den Volkscharakter aufzuheben. Wen sie > nicht zum Patienten machen kann, den macht sie zum Giftmischer; wen sie nicht zum Sklaven machen kann, den macht sie zum Jesuiten; wen sie nicht zur Niedertracht herabziehen kann, den verschlechtert sie durch den Haß. Der Krebs der Censur frißt alle Wurzeln des Charakters an und sie ist auf die Dauer im Stande, den besten Menschen zum Verbrecher zu qualificiren. Man glaube aber nicht, daß diese Wirkungen ihre Grenzen bei denen finden, die persönlich mit der Censur zu verkehren haben. Wenn das Volk auch nicht unmittelbar Zeuge der tausend kleinlichen, verbitternden Kämpfe ist, welche täglich Schriftsteller und Zeitungsredactionen mit der Censur zu bestehen haben, wenn es auch nicht die Feder oer Schreibenden auf all den Schleichpfaden verfolgt, worauf sie durch den geistigen Kosakcncordon in die Öffentlichkeit zu dringen sucht, wenn es auch nicht jedem Wort und jedem Satz die Spuren der geistigen Cloaken ansieht, durch welche sie hindurchgekrochen, um an die freie Luft zu kommen, wenn es auch nicht die Zuckung jeder Seele mitzumachen hat, die sich unter dem Messer der Censoren windet: mittelbar theilt sich das Ergcbniß dieser Kämpfe und Proceduren dem ganzen Volke mit und sein Charakter conformirt sich der widernatürlichen Eunuchensprache, die täglich zu ihm redet, sowie er durch den Mangel der Einwirkungen einer andern Sprache siech wird, die nicht zu ihm reden kann und doch seine Luft, sein tägliches Drod sein sollte. Könnt ihr Freunde der Censur dem Institut diesen Fluch nehmen, könnt ihr die Sittlichkeit und den Volkscharakter vor ihr in Sicherheit bringen, so wollen wir unsere Worte in ein Loblied umwandeln; könnt ihr es nicht, so laßt euch den Vorwurf gefallen, daß ihr die Schlechtigkeit zu euerer Bundesgenossin macht. Alt- und Neu-London. (Fortsetzung.) Im Winter 1664 — 05 waren drei ungemein trockne Frostmonate; der Herbst hatte ein starkes Viehsterben und somit eine große Wohlfeilheit des Fleisches der gefallenen Thierc gebracht. Zudem wimmelte London von verabschiedeten Soldaten, in Folge der so eben gemachten Staatsumwälzung. Dennoch konnte die Unwissenheit das Wiederaufleben der Pest nicht anders als durch die Annahme der Einschleppung erklären; zwei Fremde, hieß es, wären in Long-Acre (damals noch außerhalb der Ringmauer) im Viertel der irländischen Proletarier, an der Seuche zuerst gestorben. Plötzlich hörte Ende März die Kälte auf und die gewöhnlichen Lungenentzündungen Huben an, und zwar mit meist tödtlichem Ausgange. Ein bösartiges Fieber dauert den Frühling durch - und im Juni, bei steigender Hitze, brach eine der wüthendstcn Posten aus. Eine sonderbare Windstille herrschte; Regen fiel nicht mehr; das Küchenfeuer wollte nicht recht brennen; keine Wetterfahne, keine Windmühle drehte sich. Abermals that die erstaunliche Fahrlässigkeit und Verkehrtheit alles mögliche um das Übel zu erhöhen; 40 ooo Hunde, 80 000 Katzen ließ der Magistrat tödten, in der unrichtigen Meinung, diese Vierfüßer würden die Ansteckung vermehren; ihre Kadaver bewirkten aber gerade was man zu verhüten gesucht. Die Dienstboten und Handarbeiter wurden zu 40 000 an der Zahl verabschiedet; keine Maaßregel sorgte für sie. Die Thüren waren verschlossen; die verdächtigen Häuser trugen ein rothes Kreuz, keiner durfte sie verlassen. Die Verstoßenen wollten auf die Dörfer gehen, allein dort trieb man sie in die Stadt zurück; viele stürzten unterwegs auf den Feldern und die Bauern schleppten die Leichname an langen Haken in die Gruben. Da die Gräber um die Kirchen herum bald voll waren, machte man Löcher zu je hundert Leichen. Bald reichten sie nicht mehr hin und man eröffnete ein Riesengrab von 40 Fuß Länge, 20 Fuß tief und 15 breit. Vom 4. bis zum 20. September kamen 1114 Stück hi nein; man warf — fast unglaublich! — nicht eher Erde drauf als bis es ganz gefüllt war. Die Leichenwägen rollten unablässig mit einer Glocke durch die Straßen und die Führer riefen : Bringt Eure Todten. In manchen Wohnungen, wo die Dienstboten entlassen worden, blieben die Gestorbenen wochenlang liegen. Tvdtengräber starben 116 allein im Kirchensprengel Stepney binnen zwölf Monaten. So waren im Februar, wo die Pest abbrach, 75 000, nach andern Berichten l00 000 Menschen durch den Mangel vernünftiger Einrichtungen in der Epidemie umgekommen. Der Hof verstand übrigens immer gut sich zu schützen; er ließ sich durch die Sterberegistcr allemal zuerst vom Eintritt der Seuche in Kenntniß setzen; dann empfahl er den Untertbanen , .Ortsveränderung" und reiste schleunig auf seine Landschlösser. Damit glaubte er genug für das Volk gethan zu haben. Wie sorgsam die Großen sich in Acht zu nehmen wußten, zeigte der Kardinal Wolsey, welcher stets bei seinen Fahrten durch London eine mit einem Essigschwamm gefüllte Orange sich vor die Nase hielt. Keineswegs wüthetc nur die Pest in London. Die Ruhr erschien öfters sowohl in der Hauptstadt als in den übrigen Theilen des Königreichs. ,,Diese ganze Insel scheint ihre Deute zu sein," schrieb ein ausgezeichneter Arzt des siebzehnten Jahrhunderts. Aber eine ganz eigenthümliche Krankheit, der ,,englische Schweiß" *)genannt, graffirte sechsmal während oo Jahren, im I5ten und i6(en Jahrhundert. Sie erzeugte sich, als nach der Schlacht bei Bosworth (in den einheimischen Adelskriegen) die siegreichen Truppen zu London ihre wilden Feftgelage feierten. Später ging sie auch aut das Festland über, doch ohne ihre ursprüngliche Heftigkeit. Umsonst übrigens drangen zwei Mediziner in ihren Schriften auf verständigere Bauart Londons. Umsonst! Die Thorheit und der planloseste Egoismus gingen den Schlendrian fort, bis eine vieltägige Feuersbrunst endlich die eine Quelle der Seuchen, nämlich die schlechte Architektur der Stadt, vernichtete. Die Denksäule dieses Ereignisses steht noch in der Londoner Cily, mit frommen Sprüchen und Namen verziert, als eine klägliche Erinnerung mittelalterlicher Verkehrtheit; denn wer weiß wie lange letztere und somit die ältere Krankheitsepoche dort noch gedauert hätte, wenn die Flamme nicht die Rotte des Zerstörers übernommen. London ward seit den letzten 3 Jahrzehnden des I7ten Jahrhunderts im Durchschnitt mit Rücksicht auf die Gesundheit wieder aufgebaut. (Fortsetzung folgt.) *) Die Befallenen, meist Personen in der Mitte des Lebens, schwitzten buchstäblich binnen 24 Stunden zu Tode. Ausländer blieben gewöhnlich unangegriffen; Engländer dagegen unterlagen der Krankheit selbst wenn sie Hunderte von Meilen in fremden Ländern auf Reisen waren. Redakteur: Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. Paris, 1844 Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 101 Abonnements-Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Scchs Monate. ... 13 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen : die Zeile» 50 Centimes. »»rw ch * * Man abonnirt: für Paris: IM Vuresu oentrsl pour I'^Ilerns^ii«, i n« cil>8 Illoulins, 3^; im Comptoir des Buchdruckervereins guai , i5 ; in der Mendel'schen Buchhandlung, i'UL ilu ?gs cle Ii> lviiile, 3; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Eichthal und Bernhar-s, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. (Mittwoch.) Pariser Deutsche Zeitschrift. ( 18 . December.) Philisterthnm der A. Augsb. Zeitung. In Nummer 337 verkündigt die Augsburger Zeitung folgendes: Am Feste der Jahresfeier der preußischen Städteord-- nung *) habe Se. Ercellcnz der Minister des Innern, Herr Graf von Arnim, in Berlin einen ,,höchst beziehungsreichen Toast", mit dem Wahlspruch Vorwärts ausgcbracht und gesagt, dieser sei ein echt preußischer. Aber dies preußische Vorwärts sei unendlich verschieden von jenem andern ,,Vorwärts" welches ,,an der Seine „Strand erscheine und die Fürsten schmäht, die Vorsehung verlästert und den Königsmord preist." Diesem „zweideutigen Journaltitel gegenüber stellte der Minister „den Begriff des wahren preußischen Vorwärts: mit „Gott, für König und Vaterland auf." Hiezu fügt die Korrespondenz, in der sich obiger Satz befindet : „In „welcher Zeit leben wir nicht heute! Die Presse wird uns „noch schlaflose Nächte machen." Die Augsburger Zeitung erlaube uns zuerst die Bemerkung, daß in jenem viel belobten Kriegsruf vom Jahre t8>3, der allgemach zum Paraderuf herabgesunken ist, eine Unchristlichkeit verborgen liegt. Mit Gott, das heißt Gott als Mittel gebrauchen; für König und Vaterland, das heißt diese zwei zum Zwecke erheben, also über Gott setzen. Die echten Christen der Urzeit hätten über Blasphemie ge- schrien. Marschall Blücher hat freilich diese Reflexion nicht gemacht, aber heute muß an den Vertheidiger des christ- *) Ist wohl richtiger Städteunordnung zu nennen; man wäre wirklich in Verlegenheit zu sagen, worin die organische Ordnung und Zweckmäßigkeit, worin die Würde und Macht tcr preuß. Gemeindeverwaltungen bestehe. Seufzer eines Armer;. Ach, tausendmal und stets vergebens Hab' ich mein herbes Loos beklagt! Die Armuth, dieser Krebs des Lebens, Hat meine Wiege schon benagt. Mit salzigen Thränen hat die Mutter Als nackten Säugling mich getauft; Dem Fürstenkind, als üppig Futter, Ward meiner Mutter Milch verkauft. An ihrer Brust hat er gelogen Die frische Kraft, den Ubermuth, Womit er mich, den er betrogen, Zum Trosse seiner Knechte thut. Im Wasser daß ich trank zum Tausche, Ward mir vielleicht der Muth ersäuft, Der jetzt, gleich einem seligen Rausche, Durch des Beglückten Adern läuft; Der frische Muth, den ich wohl brauchte, Wenn mich der Armuth Geißel plagt, Der frische Muth, den der Erlauchte Vergeudet auf der Hasenjagd. Am Platz der Jugendideale Fand ich den bittern Schabernack : Der Kirchhof stritt mit dem Spitale Um meines Vaters Bettelsack. Und von dem weqgerissenen Erbe Jst's nur ein Fetzen, der mir blieb : Es ist des Bettlers Gut, der herbe Und nie gestillte Freiheitstrieb. Es bohrt die Knechtschaft ihre Spitze Mir all« wegen in das Herz, — lichen Preußenthums die Forderung gestellt werden , daß er die Losungsworte vergangner Tage in angemeßnere umwandle, und somit hätte Se. Ercell. sagen sollen : Für Gott mit König und Vaterland. So und nicht anders, dünkt uns unmaaßgeblich, muß die Devise des „durch und durch christlichen" absoluten Gebieters lauten. Der Minister behauptet, unser Journal schmähe die Fürsten. Warum sollte es aber wohl blind sein gegen die zahllosen Thorheiten die von Deutschlands absoluten und constitutionellen Thronen und Thrönchen ausgehen? Warum sollte es nicht mit spitzig stechender Feder Hinweisen auf die grenzenlosen Verirrungen, deren die germanisch'« Staatsoberhäupter sich schuldig machen? Es ist so weit bereits drüben gekommen, daß diese deutschen Fürsten nicht einmal mehr dem hergebrachten Begriff von königlicher Würde und Hoheit entsprechen, geschweige denn gegen das neue wahrhaft menschliche Prinzip des freien Bewußtseins aufrecht gehalten werden können. Aber so groß ist ihre Verblendung, daß sie immer inniger sich an den absolutesten der Absoluten, an ihren Oberanfseher Nikolaus, anschließen , je mehr das Licht im Kopf ihrer Un- terthanen aufgeht. Und für solch' ein wahnwitziges Thun, für solchen Hohn gegen die Menschheit und die ringende Entwicklung der germanischen Stämme insbesondre, sollte unser Journal unempfindlich sein? — Was indessen die Schmähungen betrifft, die wir gegen Euch geschleudert haben sollen : kommt, laßt sie-uns wiegen mit denen , die Ihr gegen die Männer des Fortschritts gebraucht; laßt sie uns wiegen mit den Verfolgungen durch brutale Gewalt, deren Ihr Euch bedient; der Ausschlag der Wagschalen wird nicht zweifelhaft sein. Der Minister behauptet, unser Journal verlästere Die Freiheit blüht nur im Besitze, Unheilbar ist der Armuth Schmerz! Doch weh! es liegt unausgebrütet Der Freiheit goldner Keim im Ei, In Schränken ruhet wohlgehütet, Was tausend Seelen machte frei! — Horch wie der Holzwurm knarrt am Schranke, Die Flamme stirbt am Lampcndocht: — Jst's des Verhungernden Gedanke, Der Nachts am Schrank des Reichen pocht? F. Erinnerungen. (Fortsetzung.) Houchard schrieb einen Brief an das Kriegsministerium, um ihm die großen Erfolge anzukündigen; des Tags drauf ereignete sich ein Vorfall der ihn wieder verdächtig machen mußte. Heute Abend, sagte er zum Vvlksrepräsentautcn, als sie Hondschooten verließen, heute Abend wird es bei Werwick scharf hergehen; wir werden dort vvoo Holländer abfangen. — Ich erwie- derte heitern Sinnes, er hätte mir das Vorhersagen sotten, da ich gar zu gern den Gefechten beiwohnte. Da ward der Obergeneral finster und ärgerlich, und rief: Repräsentant, Sie müssen im Hauptquartier bleiben. — So ? ich muß ? wer befiehlt mir das? ich will sofort die Truppen in's Feuer begleiten. Levasseur erzählt wieder eine Menge schädlicher Ränke, die Vorsehung. Aber damit ich etwas verlästern kann, muß ich seine Existenz anerkennen. Diejenige Vorsehung freilich, die über dem Erdbälle oder außerhalb der Welt sitzen und sich von Zeit zu Zeit Eingriffe in den Lauf der von ihr ursprünglich ungeordneten Dinge heraus nehmen soll, ist für uns nicht vorhanden. Niemals jedoch wird es uns einfallen, die soeiale Vorsehung und Vorsicht, welche im einstigen Organismus der Gesellschaft sich offenbaren wird, die wahre menschliche Vorsehung, mit der das Ganze für jedes Mitglied zu sorgen Hut, zu verlästern. Der Minister behauptet endlich, unser Journal p r e i se den Königsmord. Leicht spricht sich solche Anklage aus, schwerer dürfte sie sich beweisen lassen. Unser Blatt, scheint uns, hat schon öfter ausgesprochen, daß es sich um Kö- nigslcben und Königsmord nicht mehr handelt, sondern um die Auflösung der unsocialcn und die Ausarbeitung und Verbreitung der socialen Ideen und Überzeugungen. Wenn das „Vorwärts" sich mehrmals mit dem Attentat des Bürgermeister Tschech beschäftigte, so geschah das, um die Bedeutung dieses Ereignisses für die deutschen Negierungstheorien hervorzuheben, so wie für die gesammte deutsche Unterthancnschaft. Wann aber Lvbpreisun- g e n des Königsmordes in unserm Blatt zu lesen gewesen, wissen wir selber nicht. *) Die Augsburger Zeitung läßt bekanntlich keine Gelegenheit vorbei, das „Vorwärts" anzukläffen; die jetzige ist daher auch nicht unbenutzt geblieben. Unmittelbar hin- Jedenfalls sind wir weit entfernt dem Grafen und Minister zu zürnen; er hat nur gechan was er als Adliger und Großwürdenträger des absoluten Staats thun mußte. Wir freuen uns übrigens, daß er öffentlich die Preußen auf unser Blatt aufmerksam gemacht hat. die Houchard sich erlaubt hatte, um den Marsch auf Werwick zu hemmen ; er wußte z. B. sehr wohl, daß das Terrain voll Büsche, Gräben und Steingeröll läge, trotz dem hatte er keine Pionnire und Sapeure beigegeben. Eine Kolonne quälte sich auf diese Art entsetzlich ab, um der Abtheilung des General Dumesnil zu Hülfe zu kommen, wie der Kriegsplan bestimmt hatte. Dumesnil's Leute hatten frisch angegriffen; die Holländer wehrten sich hart; da die Hülss-Kolonne aber noch nicht handgemein geworden war, wurden jene muthlos. Schon ging das letzte Bataillon rückwärts. Da stürzte ich herbei und rief: Kameraden, Ihr seid betrogen ; der Feind steht nicht wohin Ihr marschirt; folgt mir, ich zeige Euch die Bahn der Ehre! Ich predigte tauben Ohren. Da schrie ich dem Cavallcrie-Chef, der die Colonne begleitete, zu: Oberst, da unten im Grunde fliehen die Leute; fallen Sie drüber her, hauen Sie die da nieder. — Aber, Repräsentant, es sind ja Franzosen. — Nein, keineswegs! es find Memme«; Oberst, gehorchen Sie auf der Stelle. — Ich ritt dicht an ihn heran und sprach leise: Sein Sie klug, Oberst. — Da kommandirte er das Einhauen glücklicherweise und zu meiner Freude nur mit flachem Säbel. Es wirkte genug; die Flüchtlinge, deren mehrere einige Wunden erhielten, eilten zu ihrem Bataillon und dachten nicht mehr ans Ausreißen.—Ich begab mich sogleich zu Hedouville's Korps; der aber gab keine Ordres ! Da kommandire ich unsre Infanterie ans einem Dickicht heraus um sie auf 2 ter dem famösen obenerwähnten Berlinischen Correspon- denzartikel, der mit der kläglichen Prophezeiung großer Beschwerde und schwerer Noch , die die Presse bereiten würde, geschlossen hatte, macht die Augsburger Zeitung einen Stern und ergeht sich wieder einmal in gewohnter Weise. Sie sagt, schlaflose Nächte brauche sich ja Niemand um unser Journal zu machen. Sie zeigt jedoch eine so starke Gereiztheit in dem heutigen Angriffe, daß doch wohl auf Abkürzung ihres Schlummers in Folgeder Lectürc des ,,Vorwärts" zu schließen sein dürfte. Sic ist als Schildhalterin und Sprecherin des urdeutschen Philisteriumszu solcher Aufpasserei verpflichtet. Sie muß in das Lärmhorn stoßen sobald sie Gefahr wittert, denn dafür wird sie von der ,,Ehrsamkeit" besoldet, d. h. abonnirt. In den Dreißigern predigte sie gegen das literarische Iungdeutschland. Die Wünsche für Erleichterung des Eongreßdrucks und des Bundestagsjoches erschienen ibr lächerlich, mitunter frevelhaft. Dann inachte sie sich aufgegen die Hall i sch e n Jahrbücher; vom Jahr 1840 ab gegen die Deutschen Jahrbücher, gegen die Rheinische Zeitung, gegen den Kommunismus in der Schweiz, gegen die Deutsche allgemeine Zeitung, gegen die Deutsch - fra n zösisch en Jahrbücher, u. s. w. Überall, wo nur irgend ein Fortschritt in dcr Selbstentwicklung geschehen sollte, trat sie zornig entgegen, denunzirce und deklamirte salbungsreich, oft mit seltsamen Unrichtigkeiten, immer mit weisheicsvollem, allwissendem Anstrich. Jetzt weiß sie wieder Dinge, die kein Anderer außer ihr erfahren hat: sie versichert, Nuge, Marr, Herwcgh u. s. w. hätten sich gänzlich vom ./Vorwärts" zurückgezogen. *) Mer hat ihr das gesagt? Jetzt aber izu Michtigerm. Sie ist empört über die ,.Schamlosigkeit" mir dcr die Krebsschaden der Gesellschaft im Vor war t s aufgezeigt und beschrieben werden. Weshalb diese über die Maaßen tugendhafte, prüde, ultra- sittsame Entrüstung? Darum, weil sie einem heuchlerischen Prinzip huldigt, weil sie eine Heuchlerin ist, ohne zu wissen daß sie es ist. Denn das Prinzip des Philisterthums ist das des Menschen, welcher in einem engen und allereng- stcn Lebenskreise eingefroren., oder richtiger: verknöchert ist; cs besteht darin eben den Dingen nichtauf den Grund zu schauen und schauen zu mögen; die Erscheinungen nur bis zu einer gewissen Tiefe und Weite zu verfolgen und dann mit dem moralischen Spruch : ,,es sei nun einmal so und nicht anders" sich des Restes zu begeben. Fassen wir den vorliegenden Fall in's Auge, der der Augsburger Zeitung viel zu schaffen macht, so finden wir daß der Philister wohl dahin gelangt die Möglichkeit und die innere Nvthwendigkeit des einstigen Verschwindens einer Ver- ') Komisch ist, daß sie sagt, auch Marr habe sich abgc- wcndet. dieser Herr ist ihr doch gewiß unbekannt; trotz dem lhut sie als sei sie von seiner Wichtigkeit so überzeugt, daß sie ihn in gleiche Reihe mit obigen Namen stellt. die Landstraße zu werken; sie zögern aber, und ein ganzer Regen von Haubitzen platzt auf uns nieder. In der Ferne sprengt ein Adjudant einher, ich auf ihn zu: Was wollen Sie? — Repräsentant, der General Dumesnil will wissen was Sie machen, man hört Ihr Feuer nicht. — Sagen Sie ihm wir seien hier und bereit für ihn, aber er muß stark angreifeu. Jetzt wollte ich meine Kolonnen vorwärts schicken, aber es war zu spät. Die Holländer gingen schon zurück und ihre zahlreiche Reiterei deckte ihnen den Rücken. Abermals hatten unsre Tapfer» von Houchard sich täuschen lassen; Dumesnil hatte den Feind zum Weichen gebracht, aber der Obergeneral undHedou- ville hatten nicht attaquirt und ihm der Art gleichsam einen bequemen Abmarsch gesichert. Ich geriet!) fast außer mir vor Zorn. Wenigstens wollte ich die Holländer nicht ungehindert ziehen lassen, und befahl dem Oberst von Hautpoul seine Jäger zu Pferde hintendrein zu schicken. Ich kam vor dies Kavallerieregiment geritten, nahm den Hut in die Hand') und sprach: Ihr tapfern Jäger! ich bitte Euch um die Ehre an der Spitze Eurer Schwadrone den Angriff zu machen. — Ein mehrmaliges Bravo erscholl. Hautpoul ersuchte mich jedoch die Infanterie mitzunehmen; ich eilte nochmals zu ihr; abermals wären *) Die Volksrepräsentanten oder Konventskommiffäi'e hatten eine schöne majestätische Uniform; sie trugen einen dreieckigen Hut mit ungeheuren Straußsedern in den drei Farben; desgleichen tricolore Schärpen. käuflichkeit des lebendigen weiblichen Leibes einzusehen, aber über die ,,kleinen Unordnungen", über die ,.Unarten" des Kindesalters in geschlechtlicher Beziehung, deckt er den Schleier einer absichtlichen Vergessenheit. Er achtet sie nicht für würdig seiner Betrachtung, die sich nur den großen Ungeheuern zukehrt, welche in jenen unscheinbaren Anfängen im Keime gelegen hatten. Erst dann wird von Humanität die Rede sein können, wenn die Erziehung von der Artist, daß die geschlechtlichen Krankhaftigkeiten der Knabenzeit und Mädchenzeit, jene Geringfügigkeiten und Kinderstreiche, wie der Erwachsene sie leider benennt, nicht mehr möglich sind. Herr Bernays hatte jedoch Vorschläge zur Erre chung dieses Zwecks, in jenem Aufsätze zu machen, sich nicht zur Aufgabe gestellt. Er hat nur einfach, naturgetreu Bericht abgestattet über das was er an sich und an seiner Umgebung als Knabe erfahren, denn er wollte durch seine Erzählung die lügnerisch verdeckte Wunde berühren, um Schreck und Schmerz zu erregen , und somit die Aufmerksamkeit auf dieselbe zu lenken . Sehr viele wissen in Gedankenlosigkeit allerdings nicht, daß diese böse Wunde in unsrer Gesellschaft vorhanden ist. Noch mehrere haben es gewußt, und wüßten es noch wenn sie wollten, aber sie haben sich überredet, das sei,,alles ganz natürlich und habe nichts auf sich" , und wie die Entschuldigungen sonst lauten mögen. Allein man bedenke endlich, wohin solche Bemäntelung führen soll ? Doch nur nicht etwa zur Heilung? Wollte man einwerfen: das „Vorwärts" gnife in das Bereich der Medizinalliteratur hinüber, indem es Dinge besprechen zu wollen Miene mache, dze nur vor das ärztliche Publicum gehörten : so ist dagegen zu sagen, daß einestheilö die Ärzte keineswegs schon vom Socialrefvrmirungsstreben, was sage ich? noch nicht einmal vom socialistischen Bewußtsein durchdrungen sind und ihnen deshalb durchaus nicht die Sache allein zu überlassen ist; daß anderntheils aber die lesenden und hörenden Menschen unter den Nichtärzten aufgefordert werden müssen, überall zu sehen : was der Mensch heute ist und was er sein sollte. Oder habt Ihr Euch wirklich den Vogel Strauß zum Muster genommen, von dem die unschuldige Fibel Euch erzählt haben wird, daß er ruhig stehen bleibt wenn-der Jäger ihn verfolgt, und die Augen schließt und den Kopf in den Sand steckt, um sich unsichtbar zu machen, wie er meint, und um deu Feind nicht mehr zu sehen? Besprochen, erörtert aber muß das sociale Kreuz werden, weil wir allesammt Krcuzträger sind; und wer glücklich genug durch Naturmitgift und Erziehung war, die obige Entartung nicht an sich oder an den Seinigen zu beobachten — der möge scharf zusehen, daß er nicht blind dagegen werde und thöricht unempfindlich von sich auf andere schließe. (Herr Bernays sollte nicht — wie die Augsb. Zeitung meint — renommiren !) Er belustigt weder sich noch andere durch Darstellungen der Schattenseite der Gesellschaft. Er will weder sich noch ihre Generäle verschwunden. Die Holländer hatten so vollkommen Zeit zu fliehen und ließen uns keine Gefangenen. Mein Kollege Chales ward durch eine springende Haubitze schwer am Bein verwundet; von diesen Heldcnzügen der Volksrepräsentanten spricht man heute nicht mehr! Viel Blut war unnütz geflossen. Wir hatten nichts erreicht. Beim Abendessen sprach ich sehr heftig gegen Houchard und Hedouville, und lobte Dumesnil. Letzterer gestand, ich hätte die Niederlage abgewandt und zwar durch das Einhauen auf die Flüchtlinge. Ja wohl, sagte ein Schwadronchef; aber hätte das Einer von uns gethan, er käme bald unter die Guillotine. — Alle schwiegen ; ich aber dachte nach und schrieb sofort nach Paris. Der Wohlfahrtsausschuß belobte mich, obschon ich bereits längst verleumdet worden war, denn trotz unserer Vollmacht hatten wir auch stets mit Bosheit und Verschwar- zung zu kämpfen. — Übrigens ward ich mit meinem Kollegen einig, den General Hedouville abzusetzen; »ur um nicht noch mehr Unordnung zu machen, duldeten wir noch Houchard's Kommando. Am l5. Sept. erfuhren wir, ich und mein Kollege, daß Menia's Besatzung durch Übermacht vertrieben worden, und rückten sogleich dahin.Wirwaren schon vor dem Thore, als eine Muskete auf die Schulter eines Grenadiers losging. Im Nu erscholl in den Reihen der schmähliche Ruf : Nette sich wer kann! Eine Menge gedungener Verräther den Leser kitzeln mit Erzählungen wie die sociale Pest im vorigen Jahrhundert sie hervorgebracht; Erzählungen und Schilderungen, in denen nichts weiter als das Wohlgefallen am Verworfenen oder die taumelnde Verzweiflung der Autoren selbst zum Vorschein kam. Damals wurde die Zerstörung des Gefchlechtsverhältnisses entweder als ein noth wendig es Übel hingenommen, oder sogar als ein Fortschritt in dcr Civilisation gepriesen. Die in französischer Romanliteratur sehr bewanderte ,,Augsb. Zeitung" wird finden, daß dem wirklich so ist. — Wo aber will sie den Beweis auftreiben, daß Bernays in die nämliche Classe von Romantikern gehöre? Woraus will sie erweisen, daß er sich jener Dinge rühme? Allerdings gibt cs unter den Lesern der „Augsb. Zeitung" wohl manche die sich derselben im Stillen freuen, oder unter vier Augen beim Glase damit prablen; doch wie kam es, daß diese Herren noch nie die tief-ernste, die erschütternde Sturmsaite haben erklingen hören, die gleich- wobl darin auch an ihr Ohr tönte? Nun eben, weil sie Philister sind. Die „Augsb. Zeitung" ruft, unser Journal siebe jetzt „in der Blüthe seiner Sünden." Ist das der Dank dafür, daß es die romantischen poetischen Sündenblüthen unsrer heutigen Gesellschaft von den Dornsträuchen herunter reißt und Euch vor das blöde Auge hält, damit Ihr schauet, was Ihr nicht gern schauen möchtet, weil Ihr kein Mittel zu seiner Vernichtung wißt? Ihr sollt schauen. Ihr sollt hören. Das „Vorwärts" wird noch ganz andre Pestbeulen aufdecken und noch ganz andre Formeln aussprechen. — Schon entsetzt Ihr Euch ob der Lieder, die aus Handwerkersfeder fließen. Das Entsetzen ist das Merkmal der Beschränktheit. Was sagt Ihr dazu, daß Heinrich Heine's Weberlied vierstimmig von einem deutschen Handwerker componirt ist und oft in Paris gesungen wird ? Aber Ihr irrt auf eine unendlich komische Weise, wenn Ihr meint, „die armen Handwerker," denen man solche gräßliche Dinge lehre als Atheismus und Cvmmunismus würden einst den Fluch über ihre Lehrer aussprechen. Eine Verfluchung wäre nur als Ausdruck der Verzweiflung, der getäuschten Hoffnung denkbar. Diese Verzweiflung wäre nur möglich als Resultat des Mißlingens des Socialismus. Deutschlands Arbeiter werden jedoch nicht eher rasten, bis sie ihr Schärflein zur Umgestaltung der Socialverhältnisse beigetragen haben werden. Weshalb sollten sie wohl diejenigen Männer verfluchen, die ihnen zuerst mit Brudersinn und Bruderwort entgegen traten, und die ihr Bewußtsein weiter, Heller und reicher gemacht zu haben, sich zur höchsten Ehre anrechnen? Wenn dir Jemand eine Idee gibt, an der du dich erlabest und veredelst, wirst *) Das Gedicht „Ohne Gott" von einem Handwerker, wird angeführt. steckten in unserer Mitte und so kam ein panischer Schrecken über unsre Leute. Kaum sahen die Bewohner Menia's uns in Unordnung, so schickten sie uns ein furchtbares Hur- rah entgegen und aus den Fenstern krachte es auf unsre Kolonnen. Ich aber zog ohne Umstände den Säbel und sprengte in den Weg: Halt! wer sich rührt, dem spalte ich den Schädel; die Sieger von Hondschooten fliehen nicht vor einer Handvvll Knechte! — Die Leute stutzten und standen still. Da bat mich ein Grenadier- Oberst, ich möchte kommandiren; augenblicklich eilte ich von Bataillon zu Bataillon und befahl sich vor mir in Schlachtreihe zu stellen. Ich ritt auf eine Anhöhe und siehe! diese ungeheure bewaffnete Masse, kurz vorher in Auflösung, marschirte in bester Haltung vorüber. — Dieser Repräsentant ist ein eigener Kerl, sagte ein Offizier; wir können auch gar nichts, und er kann Alles. Meine Sendung an der belgischen Grenze war zu Ende; ich reifte nach Hause. In Paris hörte ich, daß mittlerweile drei meiner Kollegen, mit welchen ich nie gesprochen, den Obergeneral abgesetzt und feftgenommm hatten; er kam bald vor das Nevolutionstribunal. Seine Papiere erwiesen, daß der englische Minister Pitt ihm drei Millionen geben wollte, wofern Dünkirchen überginge: bei Hondschooten hatte er absichtlich nicht kommandirt. 3 H du ihm einst deswegen fluchen? — Und doch ist die ,,Augsb. Zeitung" gescheidt genug, solche Unmöglichkeit zu glauben. — Aber Ihr da, ehrenwerthe Herrschaften, die ihr eine eiserne Hand auf dem materiellen Produzenten bisher liegen ließet, Ihr Halter es wohl für eine baare Unmöglichkeit, daß er Euch fluche? Ihr drechselt mildthätige Phrasen; geht! — Das Bild zu dem die gute „Augsb. Zeitung," die gern mit Gelehrsamkeit prunkt, sich in ihrer verkehrten Shakspearomanie fortreißen läßt, ist übrigens ergötzlich genug : sie prophezeit, der deutsche Arbeiter werde den Fluch einst aussprcchen, wie der Kaliban, das Ungeheuer, halb Thier halb Teufel, welches im ,,Sturme" auf die Bühne kommt. Die Augsburgerin stellt mit diesem Ungethüm die kommunistischen -Handwerker zusammen, die ihr allerdings für diesen tiefsinnigen Vergleich danken müssen. Nicht genug, das ,/Vorwärts" der Sittenlosigkeit anzuklagen (weil es nämlich das Sittenlose enthüllt), schleudert die,,Augsb- Zeitung" wieder einmal zur Abwechselung die höhnische Anklage der Abtrünnigkeit in politischer Beziehung auf Bernays. Wir sprechen bei dieser Gelegenheit abermals aus, daß in unsrer blitzschnell sich entwickelnden Zeit diejenige Menschen welche sich mit und in der Zeit entwickeln, desgleichen wechselnde Ansichten erzeugen werden, und zwar desto schärfer und hastiger wird dieses Wechseln sich ereignen, je empfänglicher und wärmer das Temperament und je begünstigender die Umstände. Und wenn man wirklich alle sechs Wochen (wie die ,,Augsb. Zeitung" sagt), zu einer neuen Fabne schwört, aber stets die Sache selbst und sich in der Sache sucbt, und immer einen Jrrthum gegen eine Wahrheit fallen läßt : was schadet dann das Wechseln? Überhaupt gewöhne man sich doch endlich die Marotte ab, es sei „männlich" immer dieselbe Ansicht zu bewahren, abgesehen von allem Inhalte und nur den abstrakten festklammernden Eigensinn in Betracht ziehend, den man für Gediegenheit des Charakters auszugeben sich erkühnt. Wir machen den redlich gemeinten, aus echt menschlicher, treuer Gesinnung hervorgehenden Abfall selbst einem Görres, einem Steffens, einem Schlegel u. s. w. nicht zum Vorwurf, diesen Todfeinden unsrer Richtung; wir bekämpfen jene Männer und ihre Ideen, aber wir schmähen sie nicht mit dem un ede ln Grolle, den die,,Augsb' Zeitung" gegen unser Blatt speit. Schändlich erscheint uns nur ein Abfall mit Heuchelei. — Bernays ist innerhalb zweier Jahre als wahres Musterbild allen deutschen Konservativen und Repräsentativen oder Konstitutionellen vorangegangen; ahmt ihn nach, wenn Ihr könnt, und schmähet ihn auf keinen Fall. Oder wär's Euch lieber, wenn er trotz seines Abscheu's gegen Eenen Konservatismus, noch jetzr Konservationssinn heuchelte? Geh'schlafen, alte Augsburger Philisterin, gegen uns predigtst du vergebens. Geh schlafen!!! Noch ein Wort über die preußische Offiziere. Ganz Luxemburg spricht von dem schauderhaften Ereignis', welches sich so eben dort zugetragen. Ein preußischer Garnisonsoffizier hatte einen Diebstahl von Silberzeug begangen. Die Kameraden berathschlagen was mit ihm zu thun sei; einige wollen ihn der Polizei überliefern; andere ihm die Mittel zur Flucht bereiten; doch eine drite Meinung dringt durch, und mit Stimmenmehrheit beschließt das Offizier-Corps: den Unglücklichen, dessen Ehre rettungslos verloren, zum Selbstmorde aufzufordern und nöthigenfalls dazu zu zwingen. Eine Deputation bringt ihm ein geladnes Pistol mit den Bemerken, sobald der Schuß gefallen, werde sie in das Zimmer zn- rückkehren und den Tod zu Protokoll nehmen. Das Gräßliche geschieht; der Verurtheilte jagt sich die Kugel durch's Gehirn, die Offiziere kommen wieder, konstatiren die Sache und entfernen sich. Die Presse hat aber ihrerseits dies zu konstatiren als ein ernstes Merkmal des Fanatismus der die preuß. adligen Offiziere gegenwärtig beherrscht. Die besondere Ehre einer Korporation, eines Korps ist immer, auch in der besten Gestaltung, eine pri- vilegirende Absonderlichkeit, eine Ablösung dieser vereinzelten Gesellschaftsgruppe von dem großen Ganzen; rin feindseliges Entgegentreten gegen das Allgemeine. Eine besondere Ehre, eine besondere Tugend, durch die ein Stand sich unterscheidet von den übrigen und von dem Menschlichen schlechthin, dieser Korps-Geist, auf den unsere deutsche Erziehung gerichtet und worauf der deutsche Kastenstaat gebaut ist, hat der König seit vier Jahren unaufhörlich als etwas Erhabenes dargestettt; so möge ersieh an diesem gezwungnen Selbstmorde erfreuen, dernichts mehr und nichts weniger ist als eine ehrliche Consequenz, die eine Schaar gutköniglicher Junker aus dem unablässig ihnen eingeschärften Prinzip der Ritterlichkeit zu ziehen wußte. Ein Friedrich Wilhelm ist unfähig, die Menschen im Verein des Gesellschaftorganismus zu begreifen; für ihn gibt es nur Stände, die in gegenseitiger Spannung und Abstoßung verharren, und die nur durch den äußern Druck des Gesetzes, der Gendarmerie und der Kirche, oder durch den innern Gewissenszwang einer knechtischen der jungen Generation einzuimpfenden Gesinnung, zusammen gehalten werden können. Wie die alterthümliche, neu aufgcwärmte Militär- und Adelsehre nichts weiter als ein Majestätsverbrechen ist, begangen an der allgemeinen, reinen d. h. menschlichen Ehre; ein frevelhafter Angriff auf die lautere, ungetrübte, in sich durchaus einige Gleichheit der Menschen; ein Götzendienst, in dem Gut und Blut und Leben für eine Chimäre geopfert werden : so verhält es sich mit den andern großen Privilegien, der Gesittung und Bildung, und dem Privatbesitze desgleichen. Die Klasse, welche heute allein über Bildung und Gesittung gebietet, welche diese höchsten Güter allein für sich mit Beschlag belegt hat, die gebildete Klasse, was hat sie damit erreicht als die Entmenschung der andern Klaffen und ihre eigene? Die ungeheure Masse von Kenntnissen und das Bewußtsein des Menschseins, unter einer kleinen, abgesonderten, ausschließlichen Anzahl aufgespcichert, trägt nicht nur keine erquicklichen Früchte für diese wenigen, sondern noth- wendig giftige. Der Gebildete fühlt, sobald er aufrichtig in sein Herz greift, daß seine Bildung eine Treibhauspflanze ist; daß er in den Netzen zahlloser Vorurtheile befangen bleibt, die er selbst mit all' seiner Erkenntniß nicht zu sprengen im Stande ist, und er mithin in einem Widerspruche, in einer qualvollen Zerrissenheit sich befindet. Diese hohe Civilisation, der man thöricht genug Loblieder singt, ist abermals nichts andxrs als ein Moloch, der die eignen Verehrer zum Opfertode zwingt; oder habt ihr noch nirgend die Conflikte, die Zusammenstöße, die Verwicklungen, die sinnraubenden Verschlingungen gesehn, die in den „gebildeten Klassen" sich alle Tage schürzen und das Dasein zum langweiligen Philisterleben oder zum rasenden Kampfplatz der verdorbenen Leidenschaften machen? Jede Ausschließlichkeit, in der der Mensch sein wahres Wesen zu finden wähnt, ist eine Unmenschlichkeit; so die priesterliche Tugend, die ritterliche Ehre, die feine Bildung der Reichen. Daß aber der Wahnwitz des Offizierkastengeistes bis zu solchem Grade gestiegen, bekundet, wie heiß das Treffen geworden zwischen ihm und seinem Gegentheil, dem allgemeinen auflösenden Geiste, den sie den Revolutionsschwindel nennen. Die Luxemburger Mordgeschichte ist eins der vielen Zeichen der deutschen Adelsreaction, die in krampfiger Todeswuth noch zu gutexletzt alle Gräuel der in's Schattenreich hinabsinkcnden Privilegismusepoche zusammcnraffend, der Welt das barbarische Schauspiel des Fanatismus der Ehre zum Besten gibt. Wir werden seiner Zeit den Lesern des „Vorwärts" ein Document vor Augen legen aus welchem sich der unglaubliche Eifer ergiebt, womit Deutschlands Adelsfürsten den Adel aufhetzen durch Wort, Prosa, Poesie, Feste, Orden gegen alles was nicht adlig ist. Eine merkwürdige Thatsache ist indessen der Diebstahl den der Offizier trotz seines Gottes, trotz der Ehre des Korps, vollzogen hat. Gewiß hatte der Mann seine Gründe zu stehlen; das sogenannte fremde Gut war ihm lockender als die eigene Offizierehre, die ihn vielleicht verhungern ließ. Die näheren Umstände sind nicht bekannt; nur das ist sicher, daß auch ein preußischer Offizier an der Heiligkeit des Privateigenthums auf eine freilich sehr rohe . handgreifliche Weise zweifelte, wie seine tapferen Kameraden selbige bisher nur auf Kriegszügen für erlaubt gehalten.—Luxemburg sah im Jahr 1826 , ii. October, ein > andres Beispiel preußischer Offiziersehre: die Herren von Poppe und von Lobenthal waren im Garten eines Gasthauses im Wortwechsel bis zu einer Ohrfeige gekommen, doch legten die anwesenden Offiziere den Streit gütlich bei. Ein Handlungsreisender, H. Weissert, hatte jedoch den Vorfall gesehn und war allerdings plauderhaft genug, ihn in der Stadt zu erzählen; aber die beiden Helden drangen in das Hotel des Reisenden, geben dem ängstlichen Wirth ihr Ehr cnwort,' dem jungen Manne kein Leid zuzufügen, und schossen den die Treppe Hinabsteigenden nieder. Die Leiche ward auf des Kommandanten Befehl des Nachts begraben; die Thäter bekamen Arrest und wurden bald darauf der Eine zum Premier-Lieutenant, der Andre zum Kapitän befördert. Die „Kölnische Zeitung" erzählt folgende ergreifende Historie: Ein junger Mann jüdischer Konfession war, um seiner Militärpflicht zu genügen, vor zwölf Jahren Hierselbst in das Ute Husaren-Negiment getreten. Im Besitze einer guten Handschrift, wurde er im Bureau des Drigadekom- mandeurs verwendet, blieb über die dreijährige Frist im Dienst, rückte zum Unteroffizier auf, und wurde nach zwölfjähriger Dienstzeit entlassen. Wer, wie bekannt, nach zwölf Militärdienstjahren als Unteroffizier austritt, hat Aussicht auf Civilvcrsorgung. Im vorliegenden Falle war dies, da der Austretende sich nicht zu einem der drei christlichen Glaubensbekenntnisse bekannte, zweifelhaft. Seitens des Generalkommando's wurde befürwortend berichtet, und die darauf erfolgte Kabinetsordre „spricht dem zwölfjährigen jüdi sehen Unteroffiziere die Civi l verso rgungsb er echt igung gleich jeder anderen zum Christenthume sich bekennenden Militärperson zu." Die durchschossenen Zeilen führt unsere Autorin mit „ " an, zum Zeichen daß dies die Tertes- Worte der königl. Kabinetsftylübung sind. Beweist der Gegenstand für die Tiefe und den Umfang des Gemüths des frommen Königs, für die christliche Allgüte mit der er einen Diener Jehovas behandelt, der mit zwölfjähriger Knechtschaft noch nicht genug hat, während sein voller alttesta- mentlicher Grimm auf die christlichen Dulder in Schlesien fiel, — so zeugt dagegen die Form für dessen unbändigen, freien, neuerungssüchtigen Geist. Ein König sollte wie ein gewöhnlicher Mensch sagen: „ein jüdischer Unteroffizier der 12 Jahre gedient hat, oder von 12 Dienstjahren?" Zeitverschwendung! Seine Majestät werden ihn einen „zwölfjährigen jüdischen Unteroffizier" nennen. Ein König sollte platt weg schreiben: „Wir sprechen dem jüdischen Unteroffizier dieselbe Civilversorgungsberechtigung ( dieses neun- süßige Ungeheuer hat er nicht zu verantworten) zu, wie den christlichen Militärpersouen?" Noch schöner, dann mejnten am Ende die Unterthaneu er könnte es nicht besser. Nein, der jüdische Unteroffizier muß „wie jeder andere Christ" belohnt werden; man muß meinen der Jude sei auch ein Christ, wie die andern Christen, dann hat das Ganze einen königlichen Anstrich! Ich aber habe die Sache weg. Bis Quarta muß einer wenigstens studirt haben, um einen Thron mit Ehren einzunehmen; versteht einer außer der Orthographie auch noch die Anfangsgründe der Syntar, dann kann er Minister werden. — Wer gar noch Prosodie weiß, der kann Progymnastal- lehrer sein — und wer etwa sonst noch was gelernt hat, kann Hungers sterben! Alt- und Neu-London. (Fortsetzung.) Wie gesagt, waren es keineswegs allein das Wechselfie- bcr, die Pest und die englische Schwitzkrankheit, welche in London durch Lebensart und Clinia ausgebrütet, und gleichsam gehegt und gepflegt wurden. Andere Krankheiten, weniger in das Auge des oberflächlichen Zuschauers fallend, haben ste überdauert. Die Pest, dies populärste aller Schreckbildcr, ward in Folge des ungeheuren Brandes, der drei Viertel der verkehrt gebauten Stadt in Asche legte, vertilgt; die Schweißkrankheit verlor sich desgleichen oder ging in andere Krankheiten über, und die Fieber minderten sich allmälig, als man endlich nach Jahrhunderte langem Zaudern die Moräste ringsum austrockncte. Wie träge dabei zu Werke gegangen ward, zeigt z. V. der stnnlose Widerstand König Karl's des Ersten, der den Herzog Bedford an diesem heilsamen Unternehmen gradezu verhinderte. Oliver Cromwell, damals noch ein Pächter, bewies hiebei zum erstenmal öffentlich seine Energie, indem er auf's heftigste dem königlichen Aberwitz entgegen trat, so daß er den Namen ,,dcr Herrder Moräste" von seinen dankbaren Nachbarn bekam. Cromwell hatte viele und traurige Erfahrungen in diesem Punkte gemacht. In einer lateinischen Schrift sagt er : „Meine sehr fromme Mutter und meine Brüder, meine Schwestern , die Knechte und Mägde, und fast alle Bewohner unsres Ortes habe ich am Fieber sterben gesehn." Was von Hunsingdon, seinem damaligen Provmzial-Aufcnthalte, das galt auch von der Umgegend der Residenz. Eine andre verwüstende, doch mehr schleichende Krankheit, die, welcher England leider seinen Namen hat geben müssen, die,,englische" Krankheit oder Rachitis, hat aber keineswegs sich verbannen lassen. Sie ist es, die lediglich durch radikale Svcialreformirung ausgcrottet werden könnte. Wir nebmen dies Leiden als eine mit der Skrofelkrankheit verwandte Erscheinungsform der im verkehrten Gcsellschcmszustande stets neu steh erzeugenden Ernährungsstörung, als einen Ausdruck der allgemein eingerissenen Verwirrung im körperlichen Bildungspro- zeß, und wir fürchten nicht die Beschuldigung, als würfen wir verschiedenartiges zusammen und begriffen unter einem bequemen dehnbaren Namen Krankheiten, die der Arzt zu trennen habe. Weshalb, in der That, auseinander reißen , was aus demselben Grundübel emporwächst? Bunte, mannigfache Benennungen mögen wir nur dazu den Erscheinungen beilegen, um mit jeder auch sogleich ein entsprechendes, bestimmtes Bild vor Augen zu rufen; aber nie dürfen sie uns verführen die ursprüngliche, gemeinsame Wurzel aus- dem Blicke zu verlieren, wie das bei dem pedantischen Gelehrsamkeitskram und bei mechanischer — oder, wenn es stattlicher klingt — bei,praktisch er" Wisserei und Thuerei jedesmal geschieht. ILLVVL DLL T'LLLH.I'L.rS. L/nacd s trsvcrse uns semsine s l'0^,ercr. 8on existence lbeslrsle sers t-elle plus beur.useet plus brillante cpre n's ele «on existence polilik;ue? itzlous ne le pensons pss. /ltccueillie kroidement pur Irr ciitüjue eclsiree et iudependsnte, eile n'est pss encore condsmcee psr le public; insis !e jour du zuAernent sppioeb'-, et ls condsinnstion «8t inevi- tsble. Kt inslbeui ecxement il s rien 8 spplsudisssient s tort et s tisvers. Oetre msladresse » el^ redressee plus d'une tois psr un inurinure tres signiliestil du vrsi public, gui, ssuk eet sve, tissenrent indispenssble, est reste csline, ünpsssible, lrsncbons le mot.resigne ju8«gu's, irr kio. ölsis il ksllsct I'entendre psrler s l» sort e cie irr srrile- llels's! nous I'svons entendu; et nou 3 svons pitre eie ls psuvre , sppeler- ir» Ltuar t on 8toit:-, eomine vous voudreL. i^ous reeonnrri 880 U 8 s öl. Pbeodore -lcnne ssser d'esprit et s öl. iXiedei nieder 388er cie trrlent pour eroire qu'ils sient leelleiiien t ksit, l'un le örLrvkta et i'suti e ls musique. Las un molik, un seul sir, et ii>ik8 ,ie inei ile gue no»8 venou3 cke nonnner en pussent etre sei ieuseinent responsables Kes per- sonnes csui rntribnenr le Bretts ä öl. Listet et la inusiqne ä no certain prinee ainalenr, ne sont pss peul-etre toul-ä-kait loin cke I» verite! Nout eela n'er>t p»s bien rassur.int pour notre Premiere scene I^rigue. kleureusement cpie 1s se- eoncie s^snt trouve, eoinme ctsns nn vsucleville, le ino^en cke ckeveiiir 1s preinier«, tonten restsnt 1s seeonüe, les elioses se eoinpensent. est, en eilet, leseut relu^'6 cie ceux c;ui siinent Is inusigue et le cbsnt krsn^sis. ^.ussi les trsite-t-elle lous les s >irs svee eelst et clistinction. eole de monie svec un soin exquis et zoue psr l'e- lito cle 1s troupe, msrelrent Is ctrc 0,'aö^s, oü Ko^ei est 8i psrksit ; lu Irrens, oü niscleinoiselle Ks- vo)-e jone et eüsnle si I>ien; oü tont le inonclelsit eonseienoieuseinent «on clevoir; et en- lin le psrlition pleine cke ßoül, ci'es- ^>ril,cl6 tines>e, et cls»8 lsqnelle msclsine össimir se surpssse ellc-nieine, en se ksissnt/-r'cse-', rsppeler et convrir cl'gpplsnciisseinens. be /Heatre-Krtt-recrrs voit sgrsudir tous les joui's le sueees de Is/'emme c/e kl ns nisin- lensnt qu'une opinion sui eette ebsrinsnte eoinedie. Ke pulrliü l's sdoplee, et ss plsce »u repertoiie est insrquees cote du Le/vs d enn et de /a pn tont vs su nrienx : l'Ktonr?renn ksit lonzoui s rire; le seeondent sd- mirsbleinent. Ene nonvelle pieee, 7e/e d« Lr/tAe, s spporte ssinedi dernier, s ee repertoire de solle gsiie, un exeellklit renidi t. E'est decideinent le spee- tsele oü I'on s'sinuse. Ke Kcrndevr/te ksit de lionnes e>t»inl>rees svec t/,r do-c/'de /r/-erte. II s tsnt de ^«nis s Lsris czui n ont Individuum entartet,' cs gehöre dasselbe .einem Stande, einer Beschäftigung an welcher es wolle. Bei den Reichen wirft man die Schuld auf ihre »erkünstelnden, unnatürlichen Gewohnheiten; bei den Armen auf das Elend; bei den Mittelkreisen auf irgend eine sonstige, leicht aufzufindende Ursache. Bietet sich keine handgreifliche Erklärung , nun, so hilft man sichmit der Erblichkeit dieser und jener Krankheitsanlagcn, die bisweilen von den Großeltern mit Übergehung einer Gcschlechtsreihe auf die Enkel springe, und was dergleichen oberflächliche Betrachtungen mehr sind. Es geht aber den Ärzten wie den Theologen, den Nationalökonomen und den Juristen. Der Theolog erkennt die Zerrissenheit an, aber er deutet sie aus der Erbsünde, aus der angeborenen, vorher durch Gottes Rathschluß festgesetzten Sündhaftigkeit, aus der kein Weg hinausführt, cs sei denn die Gnade eben jenes Gottes; daher fällt cs ihm nicht ein, durch radikale Umformung der Verhältnisse auf das Bewußtsein reinigend und belebend zurück zu wirken; er begnügt sich zu predigen und zu beschwören. Was thut der Arzt anders ? Er sagt: Kranksein gehört zum Begriff des organischen Leibes; so hat cs die Natur eingerichtet; nur durch eben jene Natur vermag ich die Gesundheit zuweilen wieder herzustellen, und wo ich cs nicht kann , da gewinnt der Zerstörungsprozeß die Oberhand, und die Heilkunst ist am Ende. Der Nationalökonom studirt auf's Sorgfältigste die Gesetze nach welchen die Produktion und Consumtion der Güter sich gegenwärtig vollzieht; er weis't nach, woher der Ncichthum der Einen und die Armuth der Andern entstehe, und indem er dies sehr einfache Faktum nach weist, bildet er sich ein, dessen innere unumstößliche Nothwcndigkeit zu beweisen. Der Jurist endlich schließt sich am nächsten dem Theologen an; er hält die eiserne Hand über die Beobachtung des menschlich-unmenschlichen Gesetzbuches, gerade so wie der lctztre über die des göttlichen wacht. Die Jurisprudenz dckretirt die Verordnungen, wonach der Mensch innerhalb seiner verdrehten Verhältnisse sich richten soll, aber diese Verhältnisse zurechtzu setzen, daran denkt sie nicht. So treiben sich alle in dem nämlichen schwindelnden Kreise, und was ein altes Witzwort vom Mediziner sagt: „er mache krank um hinterher zu kuriren" gilt von jenen drei übrigen parallelen Richtungen der Thätigkeit in gleichem Grade. Dieselbe Verblendung bei allen; dieselbe Verkehrtheit des Ausgehens von einer grundfalschen Voraussetzung, und daher dasselbe Anlangcn bei einem durch und durch irrigen Resultat. Hier findet der platte Spruch : „Du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht" seine betrübende Anwendung. Es ist hohe Zeit, daß der Arzt Socialist werde. (Schluß folgt.) Redakteur : Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. ' . c;u'un zour de liüei te psi' senisine ! Le jour sppsi'- lient insiotensnt de droit sn Vsudevdle, on plutot s ls jolie eomedie de msdsine t^ncelot. Ke public ksslüonslrle et oisik ksit les clioses plus^rsn lement. Il lui donne Is majeure psrtie de ses soirees. On re- pete uue gründe piece pour insdsme Koclie, cp>i de- jlnitivement s reuouce su projet de pssser su nouvesu vsudeville, est venu tres s-propos se plscer sur Lskliclie desKardete'L. üoukke est mslsde, svec lui le /o 6«nrr',r de Kreres? Vec^e'§, et enkln toutes ces jolies pieces yui lsissieut tsnt rire. ü^scintlie n'est pss un Loulke, il s'en ksut; msis il s son pelil ßenre, czui ne deplsit pss quelczuekois, et il n'est pss dsns ss msuvsise veine dsns ü«/?crer'. On psrle de plusieurs nouvesutes su Kn sltendsnt, üeLececr poursuit tzlorieu- sement ss msrclie triomplisle ; c'esl uue jolie piece : c'est nouvesu. .ö.vis s ceux qui sont en rc tsrcl. Ka doit s Is de >5ar',rd- T'-o/-c- 2 -d'svoir ss sslle cornble tous les soirs. On dit que de Laran, repsrsilrs b>enlüt. Il sei s le bien-venu, s moins que Krederic l^emsitie n'sit cree c^uelgue role plus psrksit encore. Billiger französischer und englischer Unterricht für Deutsche im Schreiben und Rechnen wird ertheilt, Hotel cle 8trssbourß, rue des Kosses-kü.-Ok-rin.iiu-l'^uxei- rois, n° ii, im zweiten Stock N. 3 von Herrn Simon. Für einen Schüler allein per Monat i c> Francs. — Von zwei und Mehreren per Person 6 Francs. — Sonn- tags-Cursus, jeder von zwei Stunden, prr Monat 4 Fr. Paris, 1814. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 11)2 Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... IS „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr. .... 28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile L SO Centimes. 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Der junge Graf, der sich in seinem siebenten Jahre mit den Worten wecken ließ : „Stehen Sie ans, Herr Gras, denn Sie haben Großes zu vollbringen,"— war Erbe eines bedeutenden Vermögens. Bestimmt war ihm der Titel eines Herzogs, eines Pairs von Frankreich und Granden von Spanien, und ein jährliches Einkommen von sünfhunderttan- send Francs. Unter seinen auserwählten Lehrern befand sich d'Alembert, welcher besonders in dem Knaben die Liebe zu höherer Wissenschaft erweckte; an seiner Erziehung und Bildung wurde nichts versäumt und im 17. Jahre trat er in das öffentliche Leben, entschlossen, allen Erwartungen zu entsprechen. Zuerst betrat er die militärische Laufbahn, ging mit BonM nach Amerika und focht unter Washington. Aber der Krieg war nicht sein Element. „Vervollkommnung der Civilisation" schwebte ihm als Feuilleton des llorwiirts. Meyerbeers neue Oper. Berlin, 8. Dezember. Gestern Abend fand die feierliche Eröffnung des restaurirten Opernhauses stark. Schon um 3 Uhr drängten sich die Volksmassen zu demselben heran, um 4 Uhr wurde die Kasse eröffnet und um s Uhr waren alle die Glücklichen, denen das Schicksal oder Herr von Küftner ein Bittet beschieden hatte, versammelt; die Damen in Ballkvstüm, größtentheils in weißen Kleidern, die Herren in Gallauniformen. Die königliche Loge strotzte von Gold und Silber, im Hintergründe hielten die Offiziere der Krongardiften mit gezogenen Säbeln Wache. Dann trat der Oberzeremonienmeister, Graf Pourtales, in seiner goldbordirten Kam- merherrnnniform vor, stieß mit seinem Stabe dreimal auf den Boden und die Musik begann. Darauf sah man den König mit der Königin und hinter ihnen die Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses eintreten. Das Publikum brachte dem Herrscherpaare ein Hoch, der König verbeugte sich rechts und links und stellte sich h'nter die Königin. Jetzt wurde die,,Nationalhymne" verlangt und gespielt, und von Einigen auch gesungen; der Hof hörte dieselbe stehend an, und setzte sich, als sie beendet war, nach der Etikette nieder. Die Hofdamen blieben stehen.— Nun begann die Oper : ,,ein Feldlager in Schlesien, Oper in 3 Aufzügen, in Lebensbildern, aus der Zeit Friedrich des Großen, von sein Zweck vor. Er verließ daher 1779 den Dienst wieder und kehrte 1783 nach Frankreich zurück. Vergebens hatte er sich bemüht, den Vizekönig von Mejiko für einen großen Kanalbau zur Verbindung beider Weltmeere zu interessiren. — Im 23. Jahre sah er sich zum Oberst befördert. Rastlos strebte er jedoch nach Höherem. 1785 reiste er nach Holland, um eine vereinigte holländisch-französische Expedition gegen die englischen Colonien in Indien zu entwerfen. Auch dieser, anfangs mit Beifall aufgenommene Plan scheiterte am Ende. Bald nachher war er mit dem Entwurf eines Plans zu einem Canal von Madrid nach dem Meere beschäftigt, ein Unternehmen, welches durch den Ausbruch der französischen Revolution unterblieb. Die Revolution beraubte ihn dagegen seines Vermögens, seines Titels und seiner Stellung. Er legte sich jetzt, übrigens bei der Revolution auf keine Weise bethätigt, auf finanzielle Spekulationen und beschäftigte sich von 1790 bis 97 bei dem Verkaufe der Nationalgüter. Er wollte „als Mittel" wieder Vermögen erwerben, „um ein großes industrielles Etablissement zu organisiren, eine wissenschaftliche Schule für die Bildung zu gründen, überhaupt beizutragen zum Fortschritt der Wissenschaft und zur Verbesserung des Looses der Menschheit." Er war mit dem Grafen von Redern in dem erwähnten Geschäfte afsociirt gewesen, trennte sich aber von diesem, als L. Rellftab, Musik von Meyerbeer"— ein sehr mittelmäßiges Werk! Ich begreife nicht, wie Meyerbeer sich dazu hergeben konnte, diesen Text zu componiren. Er ist nicht Opera seri-i, nicht Opera llutss,, sondern ein unerquickliches Zwitterding beider, eben so arm in der Erfindung, als ungeschickt in der Ausführung. Der Hauptinhalt desselben bildet die bekannte schon von Töpfer dramatisch behandelte Anekdote, daß ein Offizier Friedrich des Großen gegen den Befehl im Lager Licht gebrannt, durch das Kriegsgericht zum Tode verurtheilt, von dem Könige aber begnadigt wird. Diese Geschichte ist mit einer andern, der Rettung Friedrich d. G. verbunden. Jener Offizier ist nämlich ein Neffe des Hauprmanns von Saldorf, in dessen Haus sich Friedrich führen läßt, als er von den Panduren verfolgt wird, und Saldorf rettet ihn, indem er den König für seinen Pflegesohn ausgibt, einen Flötenspieler, der eben nach Berlin gehen will, während er diesen den Panduren als vermeintlichen König aus liefert. Der König entkommt, der Flötenspieler soll gehängt werden, als die Sache kund wird, wird aber auch gerettet, weil Friedrich plötzlich die Hstreicher angreift, und kommt im dritten Akt gerade zur rechten Zeit nach Sanssouci, um seinen Milchbruder, den verurtheilten Offizier, vom Tode zu retten, da Friedrich, als er ihn hat Flöte blasen hören und seine Geschichte vernommen hat, ihm dies als Gnade bewilligt. So erzählt nimmt sich der Inhalt der Oper indessen noch bei weitem reicher aus, als auf der Bühne. Hiernach könnte man noch glauben, Friedrich griffe selbst in die Handlung ein oder erschiene wohl gar selbst; bewahre, das hat Herr Rellstab nicht gewagt. Er läßt Friedrich d. G. in seinem Stücke mitspielen, ohne daß er wirklich erscheint. Man hört ihn nur zweimal Flöte blasen, bekommt ihn aber nicht zu sehen. Einmal, als er als angeblicher Flötenspieler flüchten will, zurückgebracht wird und zu seiner Legitimirung den Panduren etwas vorblasen muß, die so dumm sind, daß ihnen derselbe auf seine weitaussehenden Pläne nicht entgehen wollte, und das gemeinsame Vermögen ward getheilt. Saint-Simon erhielt 144000 Francs. Er entsagte nunmehr völlig den merkantilen Geschäften, um ganz seinen wissenschaftlichen Zwecken zu leben; er wollte der menschlichen Erkenntniß eine neue Bahn, die der „physiko-politischen" Wissenschaft brechen. Saint-Simon, schon nicht mehr jung, fühlte, daß es sich um ein schwer zu erreichendes Ziel handele, aber er vertraute seiner reichen Erfahrung, seiner Kenntniß und seiner Kraft, obwohl er sein Ziel selbst noch nicht klar anzugeben wußte. Er begann mit dem Studium der physischen Wissenschaften, um sie bis zu ihrem derzeitigen Standpunkte kennen zu lernen, setzte sich in Verbindung mit den Lehrern der polytechnischen Schule, und später mit den Physiologen. Er mußte zunächst seine Kenntniß der mathematischen und Naturwissenschaften vervollkommnen. Immer in der Absicht wissenschaftlicher Ausbildung besuchte er dann nacheinander England, die Schweiz, Deutschland, und zwar vorzüglich auch, um sich zu überzeugen, ob und wie in diesen Ländern die „allgemeine Wissenschaft" bereits vorhanden sei oder gesucht werde. Nach Frankreich znrückgekehrt, sah er sich nun allerdings im Besitz einer reichen Erfahrung, wie sie das bewegteste Leben, verbunden mit unablässigem Studium, nur geben konnte. Aber er hatte noch nicht dieser Umstand, der ihnen gerade verdächtig erscheinen mußte, durchaus nicht auffällt; und das zweite Mal, als er blos zu seinem Vergnügen, ohne daß die Handlung es erfordert, in Sanssouci bläst. Die Erscheinung Friedrichs würde die Dichtung wenigstens einigermaaßen belebt haben, jetzt ist diese völlig trostlos und unendlich langweilig. Der erste Akt enthüllt nichts als die Rettung des Königs durch jene Verwechselung, der zweite Akt zeigt uns das Feldlager, d. h. Abtheilungen von allen Truppengattungen Friedrich d. G., die tanzen und Lieder singen, aber durchaus nichts thun; und der dritte Akt bringt uns dann den dürftigen Verlauf der Befreiung des Offiziers, den wir aber auch nicht sehen; das ganze Personal der Handlung besteht somit aus dem alten Saldorf, seiner Nichte, die ihren Vetter, den Verurtheilten, liebt; dem Flötenspieler Conrad, der wieder von einer fabelhaften Person Vielka, einem Zigeunerkinde, das der alte Saldorf auch so wie ihn adoptirt hat, geliebt wird. Je weniger diese Personen zu thun haben, je mehr lassen sie .s sich angelegen sein, ihrem Patriotismus Raum zu geben, die Oper strotzt ordentlich von Ergießung desselben und zwar meistentheils in der Form von Gebeten. Im ersten Akte wird nicht weniger als sechsmal gebetet. Dies wiederholt sich sodann in dem zweiten Akte ebenfalls, wo die Soldaten, nachdem sie ihre luftigen Lieder gesungen, ebenfalls beten und schwören, für König und Vaterland zu sterben. Im dritt.n Akt, wo gar keine Veranlassung dazu da ist, sorgt dann die halb visionäre Vielka dafür, daß auch gebetet werden kann. Man muß gestehen, dies ist eine merkwürdige Auffassung der Zeit Friedrich d. G.! Die Kerle, die Friedrich d. G. mit den Worten ,,ihr Hunde, wollt ihr denn ewig leben?" in die Schlacht trieb, sind hier mit einemmale zu frommen Gottesstreitern, zu wahren Kreuzrittern geworden. So unhistorisch dies ist, so ungeschickt nahm sich dies natürlich auf der Bühne aus. Die fortwährende Anbetung der Person ve^ 2 alle Phasen des Lebens erprobt. Zunächst wollte er die Ehe und das einzig nach Vergnügen trachtende Leben der großen Welt kennen lernen. Im I. 1801 verheiratheie er sich mit einem Fräulein von Champ-' grand. Er, „benutzte die Ehe, um die Gelehrten, die er bei sich sah^ zu stndiren, was ihm für die Ausführung seiner Unternehmung nothwendig schien." Während dieser Ehe ergab er sich zugleich allen Vergnügungen, gab Bälle, Gesellschaften, Gastmahle. „Ruhig inmitten dieses Geräusches, indem er Andere benrtheilte, ohne beurtheilt zu werden, Gastronom, Weltmann, Verschwender, mehrtudeß durch System als Neigung, leiste Saint- Simon in zwölf Monaten fünfzig Jahre. Er stürzte sich in das Leben, statt hineinzuschreiten, um vor der Zeit die Weisheit des Greises zu erwerben. Er gebrauchte und mißbrauchte Alles, um einst Alles in seine Berechnungen aufnehmen zu können. Er impfte sich die Krankheiten des Jahrhunderts ein, um später ihre ganze Physiologie bestimmen zu können. Es war ein vollkommen erperimentaleö Leben; Thorheit wäre gewesen, es von dem gewöhnlichen Gesichtspunkt aus beurtheilen zu wollen." Nach Verlauf eines Jahres mußte er diesem Leben ein Ziel setzen; sein Vermögen war ruinirt. Im Jahre 1802 gab er nun seine erste Schrift heraus: »I^cst- tres cl'un llullitunt äe Oeneve a ses eoutempo- ruin8. .. Tie Idee einer Wissenschaft der Gesellschaft tritt in diesen Briefen zuerst deutlich hervor. Er theilt darin die menschliche Gesellschaft in drei große Klassen: „Tie geistige Gewalt in den Händen der Weisen (Gelehrten); die zeitliche Gewalt in den Händen der Besitzer; die Gewalt, diejenigen zu ernennen, welche die Obliegenheiten der großen Leiter der Menschheit zu erfüllen berufen sind, in den Händen Aller (der Masse des Volkes); als Belohnung den Regierenden die Achtung." Nächstdem stellt er die Idee einer neuen Religion auf und sich als Propheten derselben. Er sah nun doch, wenn auch noch in dunkeln und höchst unbestimmten Umrissen, vor sich, was er suchte und was er wollte. Als Napoleon dem Institut äe kranos die Frage vorlegte, welches die Fortschritte der Wissenschaft seit 1798 gewesen, welches ihr dermaliger Zustand Königs machte einen durchaus lästigen Effekt, und wir müssen Herrn NeUftab den ernstlichen Vorwurf machen, daß er seine Aufgabe vollständig vergriffen hat. Auch Meyerbeer's Musik konnte die Oper nicht halten. Der Text veranlaßte vielmehr auch diesen, sich in ein Pathos hineinzustudiren, welches dem Stoffe durchaus unangemessen mar; man glaubte nicht selten Stellen aus den ,,Hugenotten" zu hören. Nun denke man sich: die Hugenotten in der Perücke und mit dem steifen Militärzopf, dies gab einen unerträglichen Widerspruch. — Weit besser sind ihm die wenigen komischen Momente, welche die Oper darbietet, die Scene der Verwechselung und des gezwungenen Flötenspiels gelungen; hierin ist Charakter, aber die Personen werden darum doch lange noch nicht zu Charakteren, sie bleiben schwache Umrisse, denen die wahre Seele fehlt. Die Soldatenlieder des zweiten Aktes sprechen ferner ebenfalls an, doch laßt sich ihr tieferer musikalischer Werth nach einmaligem Hören noch nicht beurtheilen. So viel ist indessen gewiß, daß auch diese Wirkung durch das nachher folgende religiöse Pathos wieder verschüttet wurde, daß auch dieser Akt die Oper nicht vordem — Fall rettet. Bei dem urtheilendm Publikum galt dieselbe in der That für durchgefallen, und es ist wohl mit Sicherheit vorauözusagen, daß sie nirgends anders wird gegeben werden. Das ist das schlimmste Urtheil, welches sie treffen kann. — Nach der Oper wurden noch lebende Bilder dargestellt, welche Mad. Crelinger als Borussia einleitete und erklärte. In diesen Bildern sah man nun Friedrich d. G. zweimal wirklich, einmal gemalt in einem Schlachtbilde und dann als Wachsfigur in dem Opernhause, wo ihm die Marr eine Arie vvrsang. Also als Bild und als Puppe durfte ihn uns der Dichter zeigen, aber nicht als Person, nicht in seiner Menschenwürde und Kraft! — Dann wurden noch Scenen aus der neuesten Geschichte hinzugefügt, eine Fahnenweihe aus den Freiheitskriegen, wo wieder gebetet wurde, der Einsei und durch welche Mittel weiterer Fortschritt erzielt werden könne, — schrieb Saint-Simon als Antwort seine «Introäueiwtt wikx travLbx seisisti- ÜHckSL äu möole, » deren Inhalt e^öald Kaittkuf in seinen I^ettres au 6ureau äes bestimmter zu fassen suchte. Aber statt das Gewesene zu behandeln, suchte er darin mehr das Künftige zu bestimmen. Die Schrift blieb unbeachtet, weil man sie unklar fand. Mehrere andere Schriften, die er in den folgenden Jahren verfaßte, fanden keinen Verleger. Es gewann den Anschein, als sei sein ganzes Leben und Streben ein verfehltes. Dazu gesellte sich noch die äußere Noch. Er sah sich endlich genöthigt, um eine Stelle beim Grafen von Segnr anzuhalten, und er erhielt sie, nachdem er sechs Monate gewartet — eine Stelle als CopK im Lombard mit 1006 Franken Gehalt, wobei er täglich 9 Stunden anhaltend und ermüdend beschäftigt wurde! Ter Arbeit für seine Pläne und Ideen blieb nun nur die Nacht übrig; seine Gesundheit ward untergraben. Da ward ihm, nachdem er sechs Monate in diesem peinlichen Zustande ausgeharrt und seine Kräfte erschöpft hatte, unerwartete Hilfe. Er traf einen gewissen Tiard, der in den Jahren 1790 bis 1797 in seinen Diensten gestanden hatte, und der den vormaligen Herrn nun aufs edelmüthigste unterstützte, all seinen Bedürfnissen abhals und die Kosten der Herausgabe des Werkes Introäuetion rc. trug. Mit neuer Kraft gab er sich nun seinen Studien hin. Jndeß sah er sich in seinem fünfzigsten Jahre noch immer ohne ein Resultat seiner Bestrebungen nach Außen. Alles blieb erfolglos, aber er ließ sich nie entmuthigen. Tiard starb und Saint- Simon sah sich wieder in tiefes Elend versetzt. „Seit vierzehn Tagen"— schrieb er damals — „esse ich Brod und trinke Wasser. Ich arbeite ohne Feuer und habe sogar meine Kleider verkauft, um die Kosten der Abschrift meiner Werke zu decken. Es ist die Begeisterung für die Wissenschaft und das allgemeine Wohl, es ist der Wunsch ein Mittel zu finden, um aus eine sanfte Weise die furchtbare Krisis zu lösen, in die sich die ganze europäische Gesellschaft verwickelt findet, die mich in diesen verzweifelten Zustand gestürzt haben. So kann ich ohne zu errö- then das Geständniß meines Elends ablegen, und zng der AÜ'irten in Berlin durch's Brandenburger Thor, wo aber blos das Volk sichtbar war, das sie begrüßte, und zuletzt der Brand des Opernhauses und seine Wiederherstellung. Diese ist aber nicht ohne Verdienst. Das Haus ist inwendig geräumiger und bequemer geworden. Im Parket wie in den Logen stehen Sessel, die mit ro- rhem Plüsch überzogen sind, und die Cvrridore sind zu Foyers eingerichtet, in denen man sich bequem ergehen kann. Über den Geschmack, in welchem es wiederbergestellt ist, ist man indessen noch nicht recht einig. Die um einen vermehrten Ränge sehen zu gedrückt aus, und die dunkelrothen Tapeten der Logen geben keinen guten Hintergrund. Die Brüstungen derselben so wie die breiter gewordenen Prosceniumslogen sind von weißem Stuck mit reicher Goldverzierung im Nenaissanceftyl. Diese Partie ist äußerst geschmackvoll. Sehr schön ist auch der ungemein reiche Kronleuchter von Steinpappe laus der Fabrik von Lehmann und Mohr), an dem es aber wieder nicht gut aussteht, daß die Gasstammen in Form von Lichtern brennen, deren kleine Flammen das Haus nicht genug erhellen. Die Deckengemälde, sowie die Marmor» ftatuen von Wichmann habe ich, da ich in einer Proiee- niumsloge faß, noch nicht gehörig betrachten können. Der Vorhang ist ebenfalls gemalt. Sehr komisch kam mir der Apollo vor, welcher den Giebel des Hauses zieren soll, und dessen Gypsabguß auf dem unteren Corridor steht. Welch' ein weibischer, weichlicher Musengott, mit langen flatternden Kleidern, und einem verschwommenen, charakterlosen Ausdruck, der keine Thaten im Sinne unserer Zeit verheißt! Unser Musengott sollte nackt, straff und männlich gebildet sein, ein Bild der Geisteskraft, die in unsrer Poesie nach Freiheit ringt. Dieser Apollo scheint mir aber völlig dem Neronischen Zeitalter anzugehören! — Zum Schluffe der lebenden Bilder wurden der Baumeister Langhans und Meyerbeer gerufen. Der Erstere bedankte sich unter rauschendem Beifall sehr tief, Meyerdie nothwendige Unterstützung fordern, um mich in den Stand zu feßkst)'Enk NVeUH;k!fetze^'zu können." Die Unterstützung fiel imhr als karg aus. Die Zeitereignisse, der Sturz Napoleons u. f. drängten vössends alle Ideell einer neuen Organisation der Gesellschaft in den Hintergrund zurück; erst während der Restauration beginnt sich das Feld für dieselbe zu eröffnen und äuch Säink-Simon sollte sich nun dem Ziele seines Strebens näher sehen. Es gelang ihm von jetzt all, seine schriftstellerische Thä- tigkeit zu entwickeln und sich eine Schule zu gründen. Mehrere seiner Anhänger und Schüler erlangten in der Folgez/ridptsdenfesspeN Ruf. Seine äußere Lage besserte sich indessen nur wenig; im Gegentheil nahm die Bedrängniß endlich wieder mehr und mehr zu, seine Kraft begann ihn zu verlassen, die Last der Jahre lleugte ihn, und momentan überwältigte ihn der niederschlagende Gedanke, daß sein Leben doch ein verfehltes sei. Im März 1823 führte er den Entschluß aus, sich zu erschießen. Durch die herzliche Theilnahme und Sorge seiner Schüler, die sich sofort thätig bewies, sah er sich jedoch hier belohnt. Er hatte sich nur schwer verletzt und sein Leben ward noch einmal erhalten. Wunderbar ist es, daß er selbst von jetzt an, trotz einer unheilbaren Verstümmelung, wieder thätiger wurde und in den zwei Jahren, die er noch lebte, eine zehnfache Wirksamkeit entwickelte. Seine beiden Hauptwerke erhielten noch ihre Vollendung : der Lntäotiisme äes Inäustriels und der Nouveau OllristimnZme. In ersterm führt er aus: eine Charakteristik der Industrie, die geschichtliche Gestaltung derselben in Frankreich und die Berechtigungen der industriellen Classe, welche sich wieder in eine arbeitende (unterworfene) und nur besitzende (herrschende) stheilt. „Die Rechtskundigen (Advokaten) und die Kapitalisten bilden (die Mittelklasse) die eigentlichen Liberalen, welchen die Industriellen gegenüberstehen, ihnen keineswegs identisch sind; denn jener Liberalismus ist weiter nichts, als ein versteckter Egoismus, dessen Wahlspruch der Regierung gegenüber heißt: „Geh weg da, damit ich mich hinstelle." Aber die Industriellen sind die nützlichsten und besten Glieder des Staats, und es muß sich daher aus der alten feudalen Ordnung des Staats eine durchaus industrielle, als beer trat nur einen Schritt ans der Coulisse und dann gleich zurück. Das alte Opernhaus ftand 100 Jahre i t Monate und 8 Tage, wurde an einem Freitage eröffnet und brannte an einem Freitage (in der Nacht vom 18. zum 19. August 1843) nieder. Am 1. Sept. schritt man zur Untersuchung der Baustelle, woraus sich ergab, daß die stärkeren Umfassungsmauern noch anwendbar seien, dagegen sämmtliche innern Mauern neu aufgeführt werden müßten. Der König übertrug nun die Leitung des Baues dem Baurath Langhans unter der Oberaufsicht des General-Intendanten der Hofmusik, Grafen von Redern. In 68 Werktagen war der Neubau so weit fortgerückt, daß schon am is. Oktober 1843, als am Namenstage des Königs, die Richtung des Opernhauses stattfinden konnte; vollendet war das ganze Bauwerk in is Monaten. Es waren bei dem Bau beschäftigt iso Maurer, 130 Zimmerleute und iio Handlanger. 3 Vollendung der Civilisation, entwickeln." Die Industriellen müssen zur ersten Stuse der Achtung und Macht erhoben werden. „Denn die industrielle Herrschaft ist diejenige, welche den Menschen die größte Summe der allgemeinen, wie der industriellen Freiheit zu geben vermag und welche allein unier den Menschen der Moral die größte Gewalt sichert. Tie Gesellschaft kann aber von der seudalen Herrschaft zu der industriellen nicht durch das bloße Geschäfts- leben der Verwaltung hinübergeführt werden, da sich beide diametral gegenüberstehen: denn die erste will unter den Menschen die möglichste Ungleich - heit entführen, indem sie das Herrscherrecht erblich macht; die zweite, das industrielle System, ist aus das Prinzip der vollkommnen Gleichheit gegründet, und steht jedem Recht der Geburt und jedem Privilegium entgegen. Es mußte deshalb das Reich der Industrie a priori begriffen werden, und dieser Katechismus liefert den Beweis, daß der menschliche Geist sich zu dieser Höhe erhoben hat. Was aber bildet die Kraft eines gemeinsamen Unternehmens anders, als die Einheit? darum muß nun die göttliche wie die menschliche Moral die ausgezeichnetsten Geister berufen, das industrielle System in seinen Einzelheiten darzulegen, und die Industriellen selbst auffordern, sich zur Verwirklichung desselben zu vereinigen." — Das „Neue Christenthum," eine Schrift welche bedeutendes Aufsehen erregt hat, gibt eine Kritik der christlichen Glaubenspartheien, der katholischen und protestantischen, deren Unterarten wieder die reformirte und anglikanische sind. Hinsichtlich der katholischen Kirche, die hauptsächlich seit Leo X. eine mehr staatliche als religiöse Einheit geworden, klagt er den Papst der Ketzerei an, „weil die Unterweisung, welche die katholische Geistlichkeit den Laien gibt, falsch ist und nicht zum wahren Christenthum führt, und sodann, weil Papst und Geistlichkeit selber weder die nothwendigen Kenntnisse besitzen noch darnach streben, um die Gläubigen ihrem wahren Ziel entgegen führen zu können. Drittens klagt er den Papst an, weil derselbe in seinem eignen Kirchenstaat eine Verwaltung aufrecht erhält, die den sittlichen und physischen Interessen der dürftigen Klasse direkt widerspricht und weil er daher unfähig ist, die Verwaltung der Christenheit zu führen. Viertens verklagt er Papst, Kardinäle und Geistlichkeit, weil sie ihre Einwilligung zur Einführung der Inquisition uud der Jesuiten, beides Institute, die dem Geiste des Christenthums geradezu entgegen, gegeben haben. — Bei aller Anerkennung, die er der protestantischen Religion im übrigen angedeihen läßt, rügt er, „daß die Protestanten (weil Luther das Christenthum in seinem Ursprünge für vollkommen hielt, und glaubte, dasselbe habe sich nur verschlechtert seit seiner Gründung) eine Moral angenommen haben, die derjenigen weit nachsteht, welche den Christen im gegenwärtigen Zustande ihrer Civilisation angemessen ist." Er wirft dem protestantischen Kultus seinen prosaischen, unschönen, kalten Charakter vor und daß er an ein mangelhaftes Dogma glauben lehre. — „In dem neuen Christenthum wird alle Moral unmittelbar von folgendem Princip abgeleitet sein: Die Menschen sollen sich gegenseitig als Brüder betrachten. Dies Princip, dem ursprünglichen Chri- stenthum angehörig, wird eine Verklärung erhalten, und in seiner Wiedergeburt sich als den Grundsatz darstellen: die Religion muß die Gesellschaft dem großen Zwecke der schnellsten Verbesserung des Looses der Ärmsten Klasse entgegensühren" — eine sociale Religion! Das „Neue Christenthum" war Saint-Simons letztes Werk. Noch vor seinem Ende beschäftigte er sich mit der Gründung eines Journals zur Verbreitung seiner Ideen. Erst nach seinem Tode erschien dasselbe (Do kroäueteur). Er starb am 19. Mai 1825, im Kreiseseiner Schüler. „Ihr geht," sagte er kurz vor seiner Auflösung zu denselben, „einer Zeit entgegen, wo gut combinirte Anstrengungen zu einem ungemessenen Resultate führen müssen; die Frucht ist reif, ihr werdet sie pflücken. Der letzte Theil meiner Arbeiten, das „Neue Christenthum," wird nicht sogleich begriffen werden. Man muß begeistert sein, um große Dinge zu vollbringen. Mein ganzes Leben faßt sich in Einem Gedanken zusammen: „Allen M enschen die freieste Entwickelung ihrer Anlagen zu versichern." Schon im Todeskampfe, setzte er nach einigen Minuten hinzu: „Acht uud vierzig Stunden nach der zweiten Publikation wird sich die Part hei der Arbeiter bilden. Die Zukunft ist rmser." Dies waren seine letzten Worte. Statuten des Kölner Hülfsvereins. Köln, 10. Dezember. Das Counts für den „allgemeinen Hülfs- und Bildungs-Verein" veröffentlicht heute den Entwurf eines Statuts, der sobald als thunlich in der Versammlung berathen werden soll. Wir theilen Folgendes daraus mit: § 1. Unter dem Namen: „Allgemeiner Hülfs- und Bildungs-Verein," wird zu Köln ein Verein gegründet, der den Zweck hat, im Wege des gemeinsamen Wirkens im Allgemeinen Wohlstand und Bildung in einem höhern Grade zu befördern, als dies dem Einzelnen möglich ist und besonders der geistigen und leiblichen Noth Derjenigen Abhülfe zu verschaffen, die von ihrer Hände-Arbeit leben. 8 2.Derselbe wird sich mit Vereinen ähnlichen Zweckes, namentlich mit dem in Berlin unter dem Namen „Central-Verein für das Wohl der arbeitenden Classen" gestifteten, in geeignete Verbindung setzen. § 3.8 4. Als zweckdienliche Mittel stellen sich unter andern folgende dar : I. Zur Verbesserung des materiellen Zustandes, a. Einrichtungen, durchweiche die Wirkungen vorkommender Unglücksfälle durch gegenseitige Unterstützung gemildert werden, z. B. die verschiedenen Arten gegenseitiger Unterstützungs-Cassen, Kranken- und Sterbeladen rc.; d. Einrichtungen zur Vorschußweisen Gewährung von Kost und Obdach für augenblicklich Arbeitslose; e. Einrichtung zur Auskunft für solche, die Arbeit suchen und Arbeit geben, und zur Vermittelung zwischen beiden; ä. Einrichtungen, wodurch der Einzelne durch den Erwerb von Eigenthum Selbstständigkeit erlangt, z. B. Sparkassen, Erwerbung von Ländereien und Gebäuden zur billigen Überlassung an die Arbeiter rc.; 6. Einrichtungen welche zu einer wohlseilen und behaglichen Führung des Lebens dienen, z. B. gemeinschaftliche Speiseanstalten, Anlage geräumiger und gesunder Wohngebäude, Ankauf von Lebensbedürfnissen im Großen und Verkauf im Kleinen, besonders für den Winter u. s. w.;U Einrichtungen um den Arbeitserzeugnissen unmittelbaren Absatz an Diejenigen zu verschaffen, die derselben bedürfen, z. B. permanente Jndustriehallen, in denen die Arbeitserzeugnisse wie die Lebensmittel auf den Märkten verkauft werden u. s. w.; §. Einrichtungen, welche dem besitzlosen Arbeiter möglich machenden Kampfder Concurrenz ntttderMacht des Kapitals zu bestehen, z. B. Creditcassen, welche sowohl auf zu fertigende wie gefertigte Arbeit Vorschüsse leisten, Anstalten zur Beschaffung des Materials und der Werkzeuge-zur Arbeit, Vereinigung einzelner Arbeiter zu einem Geschäfte u. s. w. II. Zur Ausbildung, n. Einrichtungen, wodurch der wohlthätige Einfluß des unmittelbaren Verkehrs von Menschen aller gesellschaftlichen Stellungen und Berufsgeschäfte sich wirksam zeigen kann; d. Einrichtungen, welche unmittelbar zur Ausübung dienen, z. B. Handwerksschulen und sogenannte mittlere Gewerbschulen zum Unterricht über das Alter hinaus, in welchem man das Handwerk zu ergreifen pflegt; überhaupt Schulen zur Entwickelung der individuellen Anlagen und zur Ausbildung in den einzelnen Fächern und Gewerben; Besprechungen und Vorträge über gemeinnützige Gegenstände; Sammlungen von Büchern, Modellen, Werkzeugen; Lesezimmer, Verbreitung gemeinnütziger Schriften rc. 8 5. Mitglied ist Jeder, welcher jährlich einen Beitrag von mindestens zehn Sgr. an die Vereinökasse entrichtet. — Derjenige, welcher 20 Thlr. auf einmal einzahlt, ist permanentes Mitglied des Vereins. Alle Mitglieder haben gleiche Rechte, vorbehaltlich der in 8 8 festgesetzten Ausnahmen. Frage und Antwort. Von der Arbeit und dem Genuß. 1. Was heißt arbeiten? Ein jedes Umwandeln der Stoffe für das Leben der Menschheit heißt arbeiten oder wirken, schaffen, Hervorbringen, erzeugen, produziren, handeln, thä- tig sein, kurz: leben; denn in Wahrheit arbeitet Alles, was da lebt, wie denn auch in Betreff des menschlichen Lebens nicht nur Kopf und Hände, sondern auch alle andern Glieder und Organe des menschlichen Körpers die Stoffe, welche sie von Außen empfangen, für das Menschenleben umwandeln, z. B. der Mund, indem er den empfangenen Stoff für den Magen, dieser wiederum, indem er das Empfangene für das Blut verarbeitet, m s. w., d. h. jedes Organ des menschlichen Körpers, wie jedes Glied der menschlichen Gesellschaft/ produzirt für das Ganze oder arbeitet, schafft, indem es nur zu consumiren, zu genießen scheint, und genießt wiederum sein eigenes Leben, indem es nur für das Ganze zu arbeiten oder zu produciren scheint. Diese Harmonie von Arbeit und Genuß findet aber nur im organisch eingerichteten, im organi- sirten Leben statt, nicht im unorgamsirten, wie wir sogleich sehen werden. 2. Welche Arten von Arbeit gibt es? Organisirte und unorganisirte. Mit andern Worten: es gibt freie Thätigkeit und gezwungene Arbeit; oder freie Arbeit und Zwangsarbeit. 3. Was ist freie Thätigkeit und was ist gezwungene Arbeit? Freie Thätigkeit ist Alles, was aus innerm Antriebe, Zwangsarbeit dagegen Alles, was aus äu- ßerm Antriebe oder Noth geschieht. Erfolgt die Arbeit aus innerm Antriebe, so ist sie eine Lust, die den Lebensgenuß fördert, eine Tugend, die ihren Lohn in sich selbst trägt. Erfolgt sie dagegen aus äußerm Antriebe, so ist sie eine Last, welche die Menschennatur'erniedrigt und erdrückt, ein Laster, welches nur um schnöden Sündenlohn auSgeübt wird, so ist sie Lohn- und Sklavenarbeit. Der Mensch, welcher den Lohn für seine Arbeit außerhalb seiner selbst sucht, ist ein Sklave, der für fremde Zwecke thätig ist, eine leblose Maschine, welche getrieben wird. 4. Welche von beiden Acren versteht man heut- zntag unter Arbeit? Die gezwungene Arbeit. 5. Wie heißt gegenwärtig die freie Thä- tigkeit? Sie heißt entweder Genuß oder Tugend. 6. Was versteht man heutzutage unter Ge nuß? DaS Leben nach gewissen sinnlichen Neigungen, ohne Rücksicht auf die ganze Menschennatur. . 7. Was versteht man heutzutage unter Tugend? Das Leben nach gewissen geistige n Neigungen, ohne Rücksicht auf die ganze Menschen - ii atur. 8. Können wir heutzutage unserer ganzen Menschennatur gemäß thätig sein oder unser menschliches Leben wahrhaft genießen? In keiner Weise. — Fast jede Thätigkeit wird in unsrer Gesellschaft nicht aus dem inuern Antriebe unsrer Menschenuatur, nicht aus Lust und Liebe zur Arbeit, sondern aus einem äußern Antriebe, in der Regel aus Noth oder des Geldes wegen verrichtet. — Andrerseits sind jene Lebenö- thätigkeiten, welche wir aus innerm Antriebe verrichten, jene, die wir Genuß oder Tugend nennen, so beschaffen, daß sie dem wahren Lebensgenuß der Menschenuatur fast noch mehr schaden, als dies durch die Zwangsarbeit geschieht. Tie Unmäßigkeit in der Befriedigung gewisser sinnlicher und geistiger Lebensthätigkeiten, diese Unmäßigkeit, welche nicht der Mcnschennatur entspricht und zu welcher der Menschlich jetzt nur hingezogen fühlt, weil seine Natur nicht ganz entwickelt, sondern unterdrückt wird, sie verursacht, daß alle freie Lebensthätigkeit der jetzigen Menschen einen unmenschlichen oder thierischen Charakter annimmt. So wird das Trinken zum Saufen, der 'Gattungsakt oder die Geschlechtsliebe zur ausschweifenden Wollust, das Ausruhen von anstrengenden Arbeiten zur Trägheit, die Gelehrsamkeit zur Pedanterie, die Religion zur Frömmelei, die Tugend zur Selbstpeinigung u. s. w. — Alle die sinnlichen sowohl, wie die geistigen Neigungen, arten nur deshalb in Unmäßigkeit aus und werden zur Sucht, weil nicht die ganze menschliche Natur entwickelt, vielmehr unterdrückt und ausgeartet ist. — Die Sucht aber macht sich auf Kosten aller andern Neigungen der menschlichen Natur geltend und würdigt den Menschen zum Thier herab, das auch nur einseitige Triebe hat. 9. Ist es möglich, daß alle Menschen ihrer Natur gemäß leben und wirken? Es ist nicht nur möglich, sondern das Gegentheil wäre unmöglich, wenn die menschliche Natur in allen Menschen entwickelt und nicht durch die gesellschaftlichen Verhältnisse gewaltsam unterdrückt würde. 10. Welche Arten von Arbeit sind in einer Gesellschaft möglich, wo die menschliche Natur in allen Menschen entwickelt wird und wo jeder Mensch alle seine Fähigkeiten anwenden kann? In eine^solchen Gesellschaft ist keine andere, als die freie Thätigkeit möglich. 11. Welche Arten von Arbeit sind in einer Gesellschaft möglich, wo weder die Menschen vollständig entwickelt noch auch die entwickelten menschlichen Kräfte angewendet werden können? In einer solchen Gesellschaft ist nichts Anderes, als Zwangsarbeit, Müßiggang, Genußsucht und falsche Tugend möglich. 12. Können in unsrer heutigen Gesellschaft alle menschlichen Kräfte entwickelt, und die entwickelten Kräfte angewendet werden? In keiner Weise. Wir sind gehemmt sowohl in unsrer Entwicklung, wie in der Anwendung unsrer Fähigkeiten und Kräfte. Eine allgemeine Erziehung und Bildung, so wie der Austausch und Gebrauch unsrer Kräfte, ist in unsrer Gesellschaft unmöglich. Die meisten Kräfte des Menschen bleiben unentwickelt unedle entwickelten werden in der Regel unterdrückt. Das Leben der Menschen in der heutigen Gesellschaft ist daher meistens in gezwungene Arbeit, Entsagung und Genußsucht getheilt. Hier schwelgt man, dort darbt man; bald drückt der Mangel, bald der Überfluß den Menschen zum Thier herab. 13. Warum ist in der heutigen Gesellschaft die Entwickelung und die Anwendung unsrer menschlichen Kräfte unmöglich? - Weil wir uns gegenseitig zu Sklaven machen, indem wir uns, oder, was dasselbe ist, alle unsre menschlichen Kräfte kaufen und verkaufen. An dem deutschen Michel. Wir lasen neulich in der „Trier'schen Zeitung" eine Quasivertheidigung des deutschen Michels, der allerdings zu etwas zu gebrauchen wäre, obgleich er nicht für Charten und Constitutionen schwärmte. Das ist auch unsere Meinung, auch wir wissen, daß die Bestimmung Deutschlands keine abstrakt politische, sondern eine-socia le ist; wir könnten diese Wahrheit aus dem Entwicklungsgänge Deutschlands wissenschaftlich beweisen, wozu nur in einer Zeitung der Ort nicht ist. Aber wir müssen auch die andere Hälfte der Wahrheit hinzufügen, die verwarnende und anfeuernde Hälfte. Der deutsche Michel soll eirGolches Lob keineswegs als eine lebenslängliche Rente quittiren, und sich mit der Pfeife hinter dem warmen Ofen behaglich ausdehnen: „Ich habe eine sociale Bestimmung, ich bin das größte und merkwürdigste Volk der Erde." Nein, lieber Michel, es heißt jetzt arbeiten, schaffen, sich bewähren. Deine hohe sociale Bestimmung ist noch blos in deinem Wesen, in deiner Naturanlage , keineswegs Wirklichkeit, vorhandenes Leben. Du mußt nicht gleich : Extravaganz! schreien, dich polizeilich erschrocken stellen, wenn edle und einsichtsvolle Menschen anfangen, mit deiner Bestimmung Ernst zu machen, den Socialismus selbst unter den bestehenden Verhältnissen allmälig Wurzel fassen zu lassen, und dir sagen, wie man das Ding ungefähr anzusangen Habe. Wenn du dich so philisterhaft geberdest, lieber Michel, so müssen wir deinen neulichen.Vertheidiger bitten, andere Saiten aufzuziehen, und dir den Text zu leseu. Will Erdas nicht, so thun wir es. In der That, als die Männer von Köln ihre Statuten entwarfen, über welche man discutiren kann, die man aber im Ganzen eben so erleuchtet, als weise und klug nennen muß, hat dir da der Zopf nicht wieder im Nacken gehüpft, mein Freund Michel? Hat es dir nicht in den Ohren gegellt: großer Communismus, kleiner Communismus, Communismus von mittlerer Statur? Hast du das Ohr nicht wieder bereitwillig jenen Intriganten und Schreiern geliehen, die niemals ihren Beifall einem edlen menschlichen Plane schenken, die nichts für schön und groß halten, als die kleinen Embryone ihres sehr kleinen Gehirns? Haben wir nicht auch in einer Zeitung gelesen, wie räthlich eS sei, daß man warte und warte, um erst die Erfahrungen Anderer zu benutzen, daß es thöricht wäre, schon jetzt Pläne zur Hebung der duldenden Elasten zu entwerfen? Nimm es mir nicht übel, lieber Michel, aber das warst du wieder selbst in Lebensgröße, du unverkennbarer, allbekannter deutscher Michel! Was, du hast die Noth unter deinen Augen, die Noth in ganz bestimmten, gegebenen Verhältnissen , und du bist in loeo, und willst die Schablonen anderswoher erwarten, um an's Werk zu gehen? Man soll dir erst anderswo ausrcchnen, was möglich und thunlich sei, und zwar möglich und thunlich bei dir zu Hause? In New- Aork werden die Pläne und Nothwendigkeiten andere sein, als in Paris, in Dublin andere als in Köln; in Madrid andere als in Berlin. Sieh dich also nach deinen Nothwendigkeiten und Plänen um, lieber Michel. Dann will ich dich auch nicht mehr Michel heißen. Lebwohl! Billiger französischer und englischer Unterricht für Deutsche im Schreiben und Sprechen wird ertheilt, ir»wl ck« Ltinslsonr^, I'UK llü8 lssf>88<'>8-8l.-Ooi'ina>n-d^uxei'- I-E, N" ll, im zweiten Stock N. 3 von Herrn Simon. Für einen Schüler allein per Monat io Francs. — Von zwei und Mehreren per Person 6 Francs. — Sonn- tags-Cursus, jeder von zwei Stunden, per Monat 4 Fr. ^ ^ ^ R- L U vr ^ cv 2 v> v- cv — cv 2 ! O U2 L Cv «> -S L 2 2 »x! V) cv cv' 2 cv' § - v Q vs cv' 2 . x — cr> ZZ v- 2 2 Z 2^ vs cv 2 cv xz w" cc- 2 v 2 - O cv cv T 2 . — cv cv 2 -s vr vr ^ , , ^.2 2 kL I I AZ L cv- ^ sv «> cv 2. .. cv cv Ä _Redakteur: Heinrich Börnste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Renouard. " Paris, 1844. Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 1MZ Abonnements - Preise r in Paris: Ein Jahr. .... 24 Francs. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen : die Zeile a 50 Centimes. (Mittwoch.) yorw Man abonnirt: für Paris: im Nuresu oenträl pour rue ckes 32; im Comptoir des Buchdruckervereins in der Mendel'schen Buchkandlung, r ue clu äe I:i IVIuIe, 3 ; in den Departements: bei allen Postämtern und Messagerien; Deutschland, Schweiz, England: in allen Buchhandlungen; Belgien: bei den Messagerien; Nord-Amerika: bei den Herren Sichtha l und Bernhard, Spruce-Street, Nr. 3, in New-Uork. «MM LV.' >- ariter Deutsche Aeittchrikt. <2z.Decc,»ber.> Die Masken herunter! Wenn der Rechtskundige sich gezwungen sieht, bei Gefahr des Verlustes seiner Stelle, d. h. des Brodes, schmähliche Luge und Heuchelei zu treiben seinem bessern Selbst gegenüber, so wird diese Sache, obschon sie jeden Tag vorkommt, entweder ganz und gar vertuscht und geleugnet, oder als eine traurige Nothwendigkeit anerkannt/ Das ist nun einmal so und nicht anders, heißt die Entschuldigung , mit der die Juristen, stehen sie Euch überhaupt über diesen fatalen Punkt Rede, sich und Euch abspeisen. Es verhält sich mit dem Arzte und mit dem Theologen eben so schlimm im Grunde, und der Doktor Faust hat so lange unerschütterlich Recht, bis der SveialiömnS in's Leben getreten. Dann erst, aber nicht eine Sekunde früher, wird von praktischer Überwindung des Fanft'schen Weltbcwußt- seins die Rede sein können. Herr Bernayö hat das Mißfallen der Mg. Augsb. Zeitung sich zuznziehen das Unglück gehabt, nachdem er aus seinem Advokatenleben einige scharfbezeichnende Fälle angeführt, aus denen sich ergiebt, daß der Jurist, um Mensch zu bleiben, zu Zeiten das Gesetz durch das Gesetz umstoßen muß. Dem ehrlichen Bürgermeister und seiner edeln Geliebten war allerdings nicht anders zu helfen, als durch Befolgung des Artikels, in welchem die Scheidung wegen körperlicher Mißhand- Feuilleton des llonvnrts. Politisch - sociale Gedichte von Heinz und Kunz. Der thätigste Monarch. (Nachder „A-^l.-Zeltung.") Mit Ehrfurcht und Bewunderung Muß jedes Herz erfüllen Des Königs große Thätigkeit, Die Kraft von seinem Willen. Um 6 Uhr Morgens steht er auf, Das thut er regelmäßig Sein Lever dauert bis um 8; Dann dejeunirt er mäßig. Von 9 bis n beschäftigt ihn Das Wohl des Militäres, Da gibt unendlich viel zu thun " Die Einrichtung des Heeres. ). Es heißt was viele Tausend Mann Ganz anders zu formiren! Und bei der neuen Eintheilung Den Kopf nicht zu verlieren! Von li bis 4 arbeitet er Mit seinen Herrn Ministern lang erlaubt ist. Tie Hülfe desjenigen Artikels, der die Ehe in Folge von Untreue sür auslöslich erklärt, in Anspruch zu nehmen, vermochten die sich Liebenden nicht über sich zu bringen. Tie Gattin veranlaßte also ihren von ihr nie geliebten Mann sie zu schlagen, klagte, und erhielt sie Scheidung, worauf eine Heirath geschlossen wurde, welcher die Moral der Augsb. Zeitung nicht ihre allerhöchste Zustimmung geben kann. Sie setzt am Schluß ihrer Note hinzu : hoffentlich habe BernavS nicht getreu erzählt. Sie bedauert heimlich, daß das neue Paar glücklich geworden; viel lieber wäre es ihr gewesen , wenn das Unheil jetzt erst recht angesangeu hätte. Welch'ehrlose, bübische Gesinnung liegt in diesem versteckt ansgedrückten Bedauern verborgen! Sie empört sich gegen den Advokaten von Frankeu- thal, daß er den Gesetzartikel selbst hervorgesucht und als einziges Rettungsmittel dem schon Verzweifelnden an die Hand gegeben habe; sie empört sich, daß der Advokat eine gute That vollbracht. Indessen, wer weiß, ob sie nicht im Stillen über seine Dummheit die Achseln zuckt, solche Dienste Leuten ohne Bedeutung, will sagen Leuten ohne Geld, erwiesen, sich selbige nicht wacker bezahlt gemacht zu haben. Aber ein Verbrechen hat Bernayö begangen, ein himmelschreiendes in ihren Augen : er hat seine Advokatenstreiche ausgeplaudert; er hat die Maske uiedergelegt und die Zerrissenheit Und Zweimal gibt er Audienz Den bittenden Philistern. Es trifft sich oft, daß Jahre lang Die Guten warten müssen, Daß dies nicht anders möglich ist Wird aber jeder wissen. — Um 3 Uhr steht man täglich ihn Spazieren reiten munter, And zwar nur immer im Galopp Es ist ein wahres Wunder! Um ü Uhr gehet er zu Tisch Und ißt und trinket mäßig Dann spielt er eine Parthie Whist Um s Uhr regelmäßig. Nach der Parthie begibt er sich Jur Königin zum The'e Und lies't die Zeitung und bespricht Des Landes Wohl und Wehe,. Gewöhnlich nie vor Mitternacht Hört ihn die Hauptstadt schnarchen : Es sei ein donnernd H och gebracht Dem thätigstem Monarchen! Bairische Franz ose n fre sse r. Die Franzosen, die Franzosen Soll der Kukuck alle holen. König Ludewig von Baiern Haßt ste, und hat anbefohlen offen bekannt. Dafür wird ihm jeder Mensch Dank wissen; doch die Augsburger Zeitung verzeiht es nimmer, sie die ja selber, so zu sagen, nichts weiter ist als eine leere, schallende Maske, ohne ein menschliches Antlitz dahinter. Das deutsche und das ausländische Philisterthum, das kosmopolitische Philisterthum, dessen Ausdruck die Allgem. Augsb. Zeitung zu sein die Ehre hat, ist das Treiben des vor sich selbst verhüllten, geblendeten, stumpfsinnig gewordenen Menschen, der zugleich auch kein Mensch ist. Ter Thiermensch, das ist der Philister, der Mann des bürgerlichen Verkehrs. Gleichviel ob er, wofern er politisirt, auf die deutsche Bnndesakte schwöre, oder den Czar anbete, oder humanistische Redensarten drechsle und die Marseillaise brülle. Dieser Scheinmensch ist der, welcher uns heute überall in den Weg läuft; eine menschliche Maske, die für sich selber schwatzt und Geberden macht, kalkulirt und Ränke schmiedet, Bücher schreibt und Fabriken errichtet, ein bald lächerliches, bald langweiliges, und bald unheimliches Gespenst, eine Menschenfratze, eine Larve. „Siehe, das ist der Mensch," nämlich so wie er uothwendig unter der Herrschaft der Religion und des Privatbesitzes geworden ist. Jeder aber, ^derZein Bewußtsein hat von diesem Greuel, sollte sichkvcr- pflichten, unablässig die Widersprüche zwischen dem Menschen und der „Stellung" des Menschen auf- Jn den Töchterschulen ferner Kein französisch mehr zu treiben Daß die künftigen Geschlechter. Aller Baiern bairisch bleiben. Deutschland dankt dir, großer König ! Jetzo steht s um vieles besser Denn die Bockbiertrinker werden Jetzt auch noch Franzosenfresser! Weh dir Frankreich, wenn ein solcher Landsturm einstens ausmarschiret, Alles was französisch redet, Wird gewiß dann massacriret! Lessing als Soctalisi. Es ist ein alter Kunstgriff der Absoluten und Philister jede mit Kraft sich rasch und unaufhaltsam entwickelnde Idee, jede sich durch günstige Zeitverhältnisse und Fortschritt der Menschheitsbildung zum theoretischen und praktischen Leben entfaltende Lehre für dieErfindung und das Werk einzelner unruhiger Köpfe, neuerungs- süchtiger Ideologen, oder überspannter Revolutionäre auszugeben, und mittelst der bekannten Künste der Ver- läumdung, Verdrehung, Denunciation u. s. w. das Volk davon zurückzuschrecken. Dieser Kniff ist uralt, — hat meist seine Wirkung verfehlt, wie die Reformation und die französische Revolution zeigten, wird aber doch immer wieder hervorgesucht, wo es gilt sogenannte „gefähr liche" Wahrheiten zu bekämpfen. Ganz besonders hat man ihn ..... zudeckeu; hinter dieser bürgerlichen „Stellung" versteckt sich und verkümmert der wahre Mensch. Dies muß enden; die Masken herunter! Und wie in Alt-Rom irgend zwei Priester des Vogelflugs zuletzt sich nicht mehr begegnen konnten, ohne einander in's Gesicht zu lachen, so spreche heute endlich der Arzt zum Arzte, der Jurist zum Juristen : „Maöke weg." Die Augsb. Zeitung würde freilich schlecht dabei stehen, die arme Maske! — Es wäre zu wünschen, daß Bernays noch mehrere der Kollisionen, die er in seiner juristischen Laufbahn erlebt, dem Publikum mittheiltc. Nur durch möglichst viele Beispiele kann man dem Alltagsmrnschen, der gedankenlos dahintrabt, darthnn, daß der Begriff des Rechts ein schiefer ist, und der Dichter befugt war, durch den weisen Mund des Mephisto zu sprechen : Es erben sich Gesetz und Rechte ' * Wie eine ewige Krankbeit kort, Sie schleppen von Geschlecht sich zum Geschlechtc Und rücken sanft von Ort zu Ort; Vernunft wird Unsinn; Woblthat Plage; Weh dir, daß du ein Enkel bist! Vom Rechte, das mit uns geboren — Von dem ist leider nie die Rede! Die AugSb. Zeitung kann ihren Anssatz in Nummer 337 indessen nicht schließen, ohne auf eine höchst sinnvolle Weise ihren geheimen Wunsch „nach deutscher Preßfreiheit" auszusprechen. Man muß hierüber sich aber nicht zu sehr wundern , da man weiß daß ja auch das deutsche Spießbürgerthum mit der Zeit mitgehcnd, gegen Censur- zwang bis zu einem gewissen Grade aufgebracht ist. Sie meinen da drüben , durch Preßfreiheit würden Blätter wie das „Vorwärts" ganz unmöglich; die öffentliche Meinung würde sich mit Verachtung davon ab, und den wahrhast-freisinnigen Organen des gemäßigten Fortschritts zukehrcn. Wer sähe nicht in diesen Worten der Augsb. Zeitung die verhehlte Hoffnung auf eine ganze Batterie schützender „Preß- gesetze," von der deutschen Bürgerschaft dermaleinst zu geben und mit konstitutioneller Nachdrücklichkeit durch Polizei und Justiz zu handhaben? eine ganze Batterie, um jeden söcialistischen Journalangriff ohne Weiteres abznschlagen? Gut denn: Masken herunter! gegen die socialistische Lehre in Anwendung gebracht und die ganze Frage der Heilung des Pauperismus, der Emancipation des Proletariats durch die Organisation der Arbeit, durch die volle Anwendung des echt socialen Gleichheitsprinzips, kurzweg für die Erfindung einiger müßigen Schriftsteller und arbeitssaulen Schneidergesellen ausgegeben. — Wir haben in diesen Blättern bereits den Ursprung der großen socialen Bewegung mit historischer Gewißheit auf die Zeit dcs großen Bauernkrieges zurückgeführt, wir haben Bruchstücke aus Morelli gegeben, der mit seinem Lyslemk cle li, N31UI-6 lange vor I. I. Rousseau und den Encyclopädisten auftrat, wir wollen heute einen deutschen Schriftsteller citiren und zwar den ersten, klassischsten von Allen: Lessing, den Vater der neuen deutschen Literatur. Im Jahre 1778 gab er in Wolfenbüttel ein Büchlein heraus:jErnst und Falk, Gespräche für Freimaurer, das im Buchhandel fast gänzlich vergriffen, wenig bekannt ist und aus dem wir hier Auszüge mittheilcn. Wie richtig Lessing und wie so ganz vom Standpunkte der söcialistischen Schule aus er die sck-reienden Gebrechen und Übelstände unserer heutigen Gesellschaft betrachtete, wie er in dem echten socialen Gleichheitsprr'nzipe das Heilmittel suchte, werden unsere Leser finden; — daß er das Streben nach diesem Ziele zur speciellen Aufgabe der Freimaurerei machen wollte, während jetzt das ganze Menschengeschlecht berufen ist, zur Lösung dieser Aufgabe mitzuwirkcn, hat seinen Grund 2 Die Soeialiften der Neuzeit ii. Eine mindestens ebenso einflußreiche Bedeutung, als Saint-Simon und Fourier für Frankreich, gewann jenseit des Kanals Owen als socialer Reformator. Wenn aber auch die söcialistischen und damit verwandten Bewegungen Großbrittaniens von nicht geringerer Bedeutung für dieses Land sind, als die französischen für Frankreich, so beschränken sich jene doch eben nur auf Großbrittanien selbst und die übrige Welt bleibt davon unberührt. Deshalb dürfen wir uns hier weit kürzer fassen. Die derartigen Bewegungen in Frankreich dagegen, mochten sie rein politisch oder socialistisch sein, übten ihren .Einfluß auch auf das übrige Europa uud fanden in den meisten Ländern mehr oder minder ihren Wiederhall. Es kommt uns hier nicht daraus an, hinsichtlich unsers Gegenstandes zwischen Frankreich und England eine Parallele zu ziehen; zu berücksichtigen ist nur, daß die Erscheinungen indem einen wie dem andern Lande jedenfalls insofern verwandt sind, als beide ihren Grund in demselben Geiste der neuen Zeit haben, welcher den Zustand der civilisirten Nationen umgestaltet, indem Drange nach einer neuen Civilisation. Übrigens ist Owcn ebenso wenig als die französischen Socialisten der Schöpfer der Bewegungen der Zeit; die einzelnen Personen sind nur die Beförderer uud Pfleger dessen, was zu Folge des organischen Gesammtle- bens der Menschheit oder wenigstens der Völker nothwendig sich entwickelt. Tie englischen Socialisten, welche sich besonders bestrebten, das große geschlossene Grundeigenthum des Adels durch Abschaffung des Majorats theilbar zu machen, fanden in neuerer Zeit eifrige Verbündete an den Chartisten, einer Parthei, welche noch immer berufen scheint, einen mächtigen Einfluß auf die Gestaltung des Sociallebens in England zu üben. Die englischen Proletarier bilden eine bei weitem trübere Erscheinung, als jene des Kontinents. Dort steht — wie es zum Theil die äußern Verhältnisse bedingen — das Streben nach Verbesserung der ma- teriellen Lage im Vordergründe. Adels- und in dem Unterschiede der damaligen Zeit zu unserer jetzigen, die bereits durch mehrfache Feuer- und Blutproben gehärtet und geläutert worden ist. Erstes Gespräch. Ernst. Woran denkst du, Freund? Falk. An nichts. Ernst. Aber du bist so still. Falk. Eben darum. Wer denkt, wenn er genießt ? Und ich genieße des erquickenden Morgens. Ernst. Du Haft Recht; und du hättest mir meine Frage nur zurückgeben dürfen. Falk. Wenn ich an etwas dachte, würde ich darüber sprechen. Nichts geht über das laut denken mit einem Freunde. Ernst. Gewiß. Falk. Hast du des schönen Morgens schon genug genossen; fällt dir etwas ein : so sprich du. Mir fällt nichts ein. E r n ft. Gut das! — Mir fällt ein, daß ich dich schon längst um etwas fragen wollen. Falk. So frage doch. Ernst. Ist es wahr, Freund, daß du ein Freimäurer bist? Falk. Die Frage ist eines der keiner ist. Ernst. Freilich! — Aber antworte mir gerade zu. — Bist du ein Freimäurer? Geldaristokratie und Geistlichkeit sind die Gegner und zugleich.die Herrscher der Proletarier, deren geistiges wie materielles Wohl von dem Willen jener abhängig ist. Dieses Verhältniß hätte bereits nach dem nordamerikanischen Freiheitskriege unter den Mittelständen eine demokratische Reaction zurFolge, welche eine Menge liberaler Verbindungen veran- laßte. Der demokratische Liberalismus mußte während der französischen Revolution in den Hintergrund treten, regte sich aber während der französischen Kriege um so kräftiger, verbreitete sich von den gebildeten Mittelständen über das eigentliche Proletariat, wo er sich auf eigentliche Weise gestaltete. Die industrielle Bevölkerung, die zahlreichen Fabrikarbeiter, sahen sich auf vielfache Weise bedrängt und beschwert und in die drückendste physische Lage versetzt. In Folge der auswärtigen Verhältnisse mußten sie Lasten tragen, die um so drückender waren, als durch Handelskrisen und Concnrren; das Elend ohnehin schon den Gipfel zu erreichen schien, während die Gesetzgebung das Volk geradezu vernachlässigte. In Vernichtung der aristokratischen Staatssorm und Herstellung der Volksherrschast erblickte man daher das einzige Mittel zur Rettung aus diesem Nothstande und die Volkscharte, welche alle Wünsche der Proletarier verwirklichen sollte, wurde das Losungswort der Letzten:. Nach einer langen Reihe von Verbindungen und Aufständen bildeten sich endlich im Jahr 1838 die sogenannten Chartisten-Verbindungen, deren Hauptzweck Einführung der Volkscharte ist. Im Jahre 1817 war unter der Leitung eines Majors Cart- wright eine Nationalpetition zu Stande gekommen, welche allgemeines Stimmrecht verlangte und 17 000000 Unterschriften zählte. 1819 fand unter der Anführung Hunts auf dem Peterloofelde zu Manchester eine große Versammlung der industriellen Bevölkerung statt, wo man sich über Abschaffung der Getreidegesetze und die Lage des Landes berathen wollte. Ehe es jedoch dazu kam, wurde die Versammlung durch das Militär auseinandergesprengt und die sogenannten sechs Acts, welche Castlercagh damals durchsetzte, unterdrückten auf lange Zeit jede ähnliche politische Demonstration des Volkes. Von dieser Zeit an wurde der Charakter der Falk. Ich glaube cs zu sein, Ernst. Die Antwort ist eines, der seiner Sache eben nicht gewiß ist. Falk. O doch! Ich bin meiner Sache so ziemlich gewiß. Ernst. Denn du wirft ja wohl wissen, ob und wann und wo und von wem du ausgenommen worden. , Falk. Das weiß ich allerdings; aber das würde so viel nicht sagen wollen. Ernst. Nicht? Falk. Wer nimmt nicht auf, und wer wird nicht ausgenommen ! Ernst. Erkläre dich. Falk. Ich glaube ein Freimäurer zu sein; nicht so wohl, weil ich von älteren Maurern in einer gesetzlichen Loge ausgenommen worden . sondern weil ich einsehe und erkenne, was und warum die Freimäurerei ist, wann und wo sie gewesen, wie und wodurch sie befördert oder gehindert wird. Ern ft. Und drückst dich gleichwohl so zweifelhaft aus? — Ich glaube einer zu sein! Falk. Dieses Ausdrucks bin ich nun so gewohnt. Nicht zwar, als ob ich Mangel an eigner Überzeugung hätte: sondern weil ich nicht gern mich jemanden gerade in den Weg stellen -mag. Ernst. Du antwortest mir als einem Fremden. Falk. Fremder oder Freund! AErnst. Du bist ausgenommen, du weist alles-> Bewegung socialistisch und Owen zeigte sich als Führer der Massen. Robert Owen ist 1771 zu Newton in Montgomeryshire geboren und widmete sich anfangs dem Handelsstande. Aber aus dem frühern Haudelslehrling wurde in der Folge einer der eifrigsten Bekämpfe: der Principien des modernen Handelsgeistes. Owen heirathete die Tochter eines reichen Mauufacturisten in Manchester, Dale, welcher im Jahre 1784 an dem romantischen Ufer des Clyde in Schottland das Ma- nufacturdorf New-Lanark gegründet hatte, und der Schwiegersohn übernahm später die ausschließliche Leituug dieser Austalt, deren Einrichtung durch ihn bald allgemeine Bewnndernng erregte. Unter den Schriften Owens ist besonders zu nennen: I^evv vie:v8 ob 8oeiot^, or upon Isis tormntion ob llnmnn ellnrneter (1812); am ausführlichsten über sein System ist das Buch : Outline ok tlle national Latein. In Nordamerika gründete er die Kolonie New-Harmony, welche bald zahlreiche Nachahmungen in den Vereinigten Staaten hervorrief, denn im Jahre 1827 gab es bereits dreißig solcher nach socialen Grundsätzen eingerichteter Vereine. In der Folge bewies sich Owen wieder in Europa äußerst thätig für die Verbreituug uud Verwirklichung seiner Ansichten, hielt öffentliche Vorlesungen (1887 zu Paris) u. s. w. Die Hauptmomente der Owenischen Lehre sind: Völlige Unfreiheit des Individuums. Die Verkennung dieses Grundsatzes ist die Quelle alles Unheils, weil sie die Lehre von Unterscheidung des Guten und Bösen veranlaßt, so wie Auszeichnung und Herabwürdigung u. s. s. Das irdische Leben muß sich geltend machen. Unbedingte Gewissensfreiheit uud Unverantwortlichkeit des Individuums. Kein Privateigenthum. Statt der Familie sollen Gemeinden von 2 bis 3000 Menschen gebildet werden, welche in Altersklassen getheilt sind und sich demgemäß in die Geschäfte theilen.-Als Owen als Führer der erwähnten Bewegung auftrat, errichtete man nach dem Principe des Arbeitsaustausches einen großen Bazar, in welchem der Arbeiter seine Erzeugnisse abgab, um dafür seine Bedürfnisse zu entnehmen. Dieser Bazar mußte im Jahre 1832 geschloffen- werden, weil eine gewissenhafte Verwaltung mangelte. Schon früher hatte sich auf Anregung von Seiten der Oweniten eine politische Verbindung der Arbeiterklassen gebildet: National-Union o5 Ille rvorkinA elaZses, deren Zweck war: Reform der Wahlgesetze, und die ihren Mittelpunkt in Birmingham hatte, von wo sie sich über das Land verbreitete. Der Stifter des Bundes war Benbow, ein ehemaliger Schuhmacher, dann Kaffeew'irth, und mehrere der späten: bedeutendsten Chartisten sichrer bildeten sich darin. Zu letzten: gehörte der an Kenntnissen und Sonderbarkeiten mehr noch als an Glücksgütern reiche Hibbet, welcher durch sein Vermögen Hetherington in Stand setzte, das ungestempelte Pfennigblatt, ?oor mnn'8 Onurckinn, heranszugeben; somit begann die wohlfeile Volkspresse, durch welche in der Folge eine Herabsetzung des Zeitungsftempels veranlaßt wurde. — Sir Francis Burdett, Duncombe und andere stifteten 1831 durch die Vereinigung der Arbeiter mit der Mittelklasse eine neue Union, die sich wieder auflöste,nach dem sie ihren nächsten Zweck, Durchsetzung der Neformbill, erreicht hatte. Ten Proletariern war damit freilich nicht geholfen, ihre Noth blieb dieselbe, und an die Stelle der politischen Bewegung traten nunmehr auf Owen's Anregung die zahlreichen Arbeitervereine gegen die Willkür der Fabrikherrn und die Herabsetzung des Arbeitslohnes. In: Jahre 1834 beschlossen diese Vereine eine allgemeine Arbeiteinstellung. Die Schneider gaben das Beispiel. Die Meister zogen jedoch fremde Gesellen heran und eine größere Abhängigkeit war die Folge des Ausstandes. Im folgenden Jahre entstand (in Folge der Unzufriedenheit mit den: neuen Armengesetz) eine politische Verbindung zu London: Unäicml 388oeintion, bei welcher die Mittelklasse besonders betheiligt war; mit Ausschließung der letzten: stifteten daher 1836 die arbeitenden Klassen eine politische Verbindung, working men8 u88o- eintion, welche bis 1838 nicht stark an Theilneh- mern war, doch aber die Grundlage des eigentlichen Chartismus bildete. Lovett (früher Tischler, dann Kaffeewirth) setzte die sechs Punkte der künftigen Volkscharte auf, welche sodann durch eine .Deputation O'Connell, Hume, Warburton und andern Radikalen in einem Kaffeehause zu London vorgelegt wurden. Zugleich beschloß man, einengroßen Meeting der Arbeiterklassen zu Birmingham zu halten, welcher auch am 6. August 1838 stattfand. Es wurde darin beschlossen, auf Grund der sechs Punkte eine Petition um die Volkscharte an das Unterhaus zu richten. Die sechs Punkte waren : Einführung der Ballotage bei den Wahlen; allgemeine jährliche Parlamente; Aufhebung des Wahlcensus; Eintheilung des Landes in Wahlbezirke nach Kopfzahl und Besoldung der Deputaten. Die Verbindung faßte bald darauf den Beschluß, zur Verwirklichung der Nationalpetition einen Chartistenausschuß unter den: Namen der Nationalconvention nach London zu berufen. Dieser Ausschuß, welcher Anfangs des Jahres 1839 zusammentrat, blieb sechs Monate laug beisammen. Bald zerfiel der Convent in Physical Force- und Moral Force-Männer; indes verständigte man sich über die Abfassung der Volkscharte, welche in der Petition enthalten sein sollte, und über Absendung von Agitatoren nach den Provinzen. Die Volks- charte umfaßte 39 Artikel, uud außer jenen sechs Punkten z. B. noch: Abschaffung der neuen Armengesetze, Verminderung der Lasten, Einführung der Einkommensteuer. Die „Physischen" bildeten zugleich einen geheimen Ausschuß, Committee ot 8nt6t^, um völligen Aufstand zu organisiren. Frost sollte Wales, Bussey Aorkshire uud Lancashire, Cardo die Stadt London, Taylor Northumber- land und Schottland in Aufstand setzen. Die „Moralischen" begannen ebenso nach Übergabe der Petition im Juli 1839 ihre friedlicheLlgitation in den Provinzen. Bald nachher gerieth die gestimmte Arbeiterbevölkerung des Landes in gewaltige Aufregung, in Folge der Ablehnung der Petition in: Unterhause (mit 235 gegen 46 Stimmen), der Verhaftung mehrerer Chartisten (Lovetts u. a.), und der Zerstreuung der Versammlungen durch die Polizei. Manhielt nun nächtliche Zusammenkünfte und die Oommittee ok ^ket/ faßte am 12. August 1839 den Beschluß, daß die Arbeiter die Arbeit einstellen und eine heilige Woche feiern sollten. Die Arbeiterbevölkerung wollte sich indeß dazu nicht verstehen. Am 4. November desselben Jahres brach endlich in Südwales der Aufstand aus und unter Falk. Andere sind auch ausgenommen, und glauben zu wissen. Ernst. Könntest du denn ausgenommen sein, ohne zu wissen, was du weißt? Falk. Leider! Ernst. Wieso? Falk. Weil viele, welche aufnehmen, es selbst nicht wissen; die wenigen aber, die es wissen, es nicht sagen können. Ernst. Und könntest du denn wissen, was du weißt, ohne ausgenommen zu sein? Falk. Warum nicht? — Die Freimaurerei ist nichts willkürliches, nichts entbehrliches: sondern etwas noth- wendiges, das in dem Wesen des Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft gegründet ist. Folglich muß man auch durch eignes Nachdenken eben so wohl darauf verfallen können, als man durch Anleitung darauf geführet wird. Nur so viel kann und darf ich dir sagen : die wahren Thaten der Freimaurer sind so groß, so weit aussehend, daß ganze Jahrhunderte vergehen können, ehe man sagen kann : das haben sie getban! Gleichwohl haben sie alles Gute gethan, was noch in der Welt ist, — merke wohl: in der Welt! — Und fahren fort, an alle dem Guten zu arbeiten, was noch in der Welt werden wird, — merke wohl, in der Weit. Ernst. O geh! Du hast mich zum besten. Lalk. Wahrlich nicht. — Ernst. Laß dich nur hier bei mir nieder, und sieh! Falk. Was denn? Ernst. Das Leben und Weben auf und in und um diesen Ameisenhaufen. Welche Geschäftigkeit, und doch welche Ordnung! Alles trägt und schleppt und schiebt; und keines ist dem andern hinderlich. Sieh nur! Sie helfen einander sogar. Falk. Die Ameisen leben in Gesellschaft, wie die Bienen. E r n st. Und in einer noch wunderbarer:: Gesellschaft als die Bienen. Denn sie haben niemand unter sich, der sie zusammen hält und regiert. Falk. Ordnung muß also.doch auch ohne Negierung bestehen können? Ernst. Wenn jedes Einzelne sich selbst zu regieren weiß: warum nicht? Falk. Ob es wohl auch einmal mit den Menschen dahin kommen wird? Ernst. Wohl schwerlich! Falk. Schade! E rn st. Ja wohl! Falk. Steh auf, und laß uns gehen. Denn sie werden dich bekriechen die Ameisen; und eben fällt auch mir etwas bei, was ich bei dieser Gelegenheit dich doch fragen muß. — Ich kenne deine Gesinnungen darüber noch gar nicht. Ernst. Worüber? Falk. Über die bürgerliche Gesellschaft des Menschen überhaupt. — Wofür hältst du sie? E r n ft. Für etwas sehr Gutes. Falk. Ohnstreitig. — Aber hältst du sie für Zweck oder für Mittel? E r n ft. Ich verstehe dich nicht. Falk. Glaubst du, daß die Menschen für die Staaten erschaffen werden? Oder daß die Staaten für die Menschen sind? Ernst. Jenes scheinen einige behaupten zu wollen. Dieses aber mag wohl das Wahrere sein. Falk. So denke ich auch. — Die Staaten vereinigen die Menschen, damit durch diese und in dieser Vereinigung jeder einzelne Mensch seinen Theil von Glückseligkeit desto besser und sichrer genießen könne. — Das Totale der einzelnen Glückseligkeiten aller Glieder, ist die Glückseligkeit des Staats. Außer dieser gibt es gar keine. Jede andere Glückseligkeit des Staats, bei welcher auch noch so wenig einzelne Glieder leiden, und leiden müssen, ist Bemäntelung der Tyrannei. Anders nichts! Ernst. Ich möchte das nicht so laut sagen. ' Falk. Warum nicht? Ernst. Eine Wahrheit, die jeder nach seiner eignen Lage beurtheilet, kann leicht gemißbraucht werden. Falk. Weißt du Freund, daß du schon ein halber Frei- mäurer bist? vev Leitung Frofts, Williams und Johns traten 8000 Chartisten zusammen, welche die Stadt Newport überfielen, aber bald durch militärische Macht anSeinandergesprengt wurden. Tie Anführer wurden gefangen, vor Gericht gestellt und zum Tode verurtheilt; die Königin verwandelte die Strafe in Deportation. Tie bedeutendsten. Chartisteuführer wurden, mit Ausnahme Busseys, der nach Amerika entwich, bald nachher ebenfalls verhaftet, und so endete die Bewegung, deren übrige Teilnehmer ! inzwischen nur noch nur Unterstützungen für die Opfer ihrer Sache und deren Angehörige bemüht waren. — Im folgenden Jahre aber traten Abgeordnete aus den verschiedenen Provinzen England's zu Manchester zusammen, welche eine neue Assoeia- tiou für die Nationalcharte beschlossen und 1841 bildete sich die förmliche Verbindung, deren Mitglied jeder ist, der^für einen Penny eine Karte löst und wöchentlich einen Penny Beitrag bezahlt. Tie Mitglieder wählen einen Ausschuß General-Council, daS Council eine Erecutive von fünf Personen. Der Sekretär der letzlern ist das Haupt und der Geschäftsführer der Gesellschaft. (Schluß folgt ) Über Handiverksrillterricht. Schon viele Jahrtausende lang hat der Mensch die Naturgegenstände bearbeitet; aber noch ist er nicht dahin gelangt, selbiges ohne Schaden für sein körperliches, gei» ftiges und moralisches Wohl zu thun. Nicht nur daß der mit Aufsuchung und Zurechtmachung der Stoffe beauftragte Theil der Menschheit durch diese Beschäftigungen verkümmert und Entartet; auch die übrige kleinere Anzahl, die sogenannten ,,Nichtarbeicer," gerathen noth- wendigerweise in Verfall. Dieser Ausdruck bedeutet bekanntlich zweierlei ganz verschiedene Klassen; einmal die Nichthandwerter, welche auf eine der vielen sonstigen Weisen ihre Lebensthätigkeit in einem Geschäfte oder in einer Kunst darlegen; das andere Mal versteht man darunter die Umsonstesser. Es ist die Schuld dieser letzter»*), daß der Begriff ,,Arbeit" verfälscht und das Wort häufig nur auf die harte körperliche Frohn , die das Individuum im Schweiße des Angesichts ableistet und worüber es zu Grunde geht,.bezogen wird. Die Beschäftigung mit-Hervorbringung des zum Dasein Allernothwendigsten, wodurch es sich gegen die feindlichen Einflüsse der Naturumgebung schützt, oder mit Erzeugung der unerschütter- *) Wenn überhaupt von Schuld zu sprechen wäre. lieh (sein sollenden, Grundlagen, worauf das Menschthum erst steh in seiner Herrlichkeit entfalten kann ; dieses unmenschliche Verwenden der Muskelkräfte an die Bezwingung der Elemente, hat den Namen Arbeit bekommen, und somit ist das Wort selbst entweiht und große Verwirrung eingeschleppt worden. Die Umsonstesser ihrerseits (eine Bezeichnung, gegen die wohl kein Vernünftiger etwas einwerfen wird, da das Ding selber in der Wirklichkeit besteht) sind das sich natürlich ergebende Gegenstück zu denjenigen, die von den Lebensgütern entblößt, j nurdurchHiuleitungihrerThätigkeitaufeinenGegenstand der bezahlt wird, sich des Hungertodes erwehren können. DortZaulheit, hier theilweise Überanstrengung. Will man jedoch alle die, welche nicht vom Werk ihrer Hände leben, schlechthin Nichtarbeiter nennen, so darf niemals außer Aehr gelassen werden, daß man hiebei den Begriff nur nach seinem bisherigen rohen Inhalte und daher in wüster Form nimmt. Es ist fast keiner ausdrücklichen Erinnerung werth, daß eine unabsehbare Reihe von Nichthandwerkern an gewisse Beschäftigungen und Arbeiten , vermöge derer sie Leibesnahrung und Nvtbdurfr verdienen, gebunden ist. Das was die Arbeit zur gezwungenen tbicrischen macht; wodurch die Menschenkraft, sei es geistige, sei es körperliche, in Bewegung gesetzt wird um nur das nackte Dasein zu fristen, liegt wie ein drückendes Gespenst auch auf den Dürftigen und Besitzlosen des Kaufmannstandes, des Gelehrtenstandes u. s. w. Es ist der völlige Mangel der Gesellschaftlichkeit; die starre, todesöde, eisige Vereinzelung des Menschen, diese Gestllschaftslo sigke i t ist es, gegen die unser Bewußtsein jetzt endlich die mächtige Stimme erhebt. Der ungeheure Fehler ist erkannt worden, mithin besteht er nur noch rhatlächlich, aber theoretisch ist er bereits ins Nichts verschwunden. ,,Erkannte Gebrechen sind keine mehr," läßt Livius den Feldherrn von Karthago lägen.— Der heutige Pietismus so wie das alrkatbvlische, uraltmor- genländischeEinstedlerwesen sind nur verschiedene Formen der scheinbaren Abhülfe gegen die Qualen, die der Mensch durch dieUnbekanntschaft mit seiner Wesenheit sich zuzieht. Der protestantische Frömmling und der Mönch sind Brüder; beste flüchten; der eine gar sichtbar, aus dem zerrissenen Menschengewirr, welches sie auf den Höhepunkt einer organischen Gesellschaft zu erheben verzweifeln sie ziehen sich daher in die Beschaulichkeit eines abstrakten -Hirnbildes zurück, einer innern Sonne, die sie Religion nennen. Um aber dem grausamen Spiele, worin die Menschheit sich dreht, ein Ende zu machen, muß jede einzige Seite der Lebensthätigkeit kritisch beurtheilt, der Plan zu ihrer Verbesserung gefolgert und ausgeführt werden. So erst wird das Dasein ein einiges, welches keinen Himmel drüben mehr nölbig hat. Die Erziehung des Handwerkers ist einer der Haupt- gegenstände. Damit sie in der Übergangsepoche zweckErnst. Ich? Falk. Du. Denn du erkennst a schon Wahrheiten, die man besser verschweigt. Ernst. Aber doch sagen könnte. Falk. Der Weise kann nicht sagen, was er besser verschweigt. Ernst. Nun, wie du willst ! — Laß uns aufdieFrei- mäurer nicht wieder zurück kommen. Ich mag ja von ihnen weiter nichts wissen. Falk. Verzeih! — Du siehst wenigstens meine Bereitwilligkeit, dir mehr von ihnen zu sagen. (Fortsetzung folgt.) rLLVVL DLL ULLLILLS 468 6> los L§(-(,6/-6L konp ein loit ootaiist aox tliäatros. 46.jou6toot staiiscst sui- piod. 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IVl3is il )s6N 3 aossi lsui domio6Nt 66tl6 koolo INOU- V 3 NI 6 , k6IVol6 6t vola^o, go'oo appollo Io Utlblie 6t tjui lui ooioinaodont 6N 11131,663. Vo^62 ls /tn/rä,,, tOU8 l68 80i68 83ll6 60m4>6 6 OMNI 6 s>3 6 >6 (13886 : 60II>4l6 60 MM 6 d'ftaftitodo. V 0 O 8 016(46(2 ((06 Io8 A6II8 goi VONt 6N 6guip>3s(6 N ONt 6I6N 3 (166(166. 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LoMP363,80N Ü68 V01X 3 (136t, N10Nt6 868 (116668 3V66 eins 36t6Ul8 6t NON 3V66 Ü68 8t3tN68. Horz66 6ll3Nt6 ()6Ut- 6l66 moins 4l6N. c(U6 Oueckoni, IN318 il joN6 3 63106; Knckamo. UNillon N6 V3 (,38 jU8gest3U §r 3IAU Ü6 ,Vl3- ä3N,6 8tolr..M3i8 6,U6ll6 tzlüoo 6t quollo gentillosso! Unllomoisolle 43VO(-6 3 Ü3N8 IVIuüoinoisollo I^3U UN6 öinulo (li^N6 (1'6ll6. ()u3iit 3 ^lutlomoisollo IMrrioi, mäßig geschehe, muß sie unter die Aufsicht einer Kommist sion gestellt werden, die sich in so viele Zweige theilt, als cs Geschäfte gibt. Diese Oberbehörde ist aus den gebildetsten -Handwerkern undNichthandwerkern zusammengesetzt. Sie hat völlige Macht die entsprechenden Anordnungen zu treffen, welche bestehen: t) in Errichtung von Erziehungsund Schulpaltästen, wohin die Arbeiter ihre darbenden Kinder bringen, weil dies der einzige Weg ist, um sich der guä li nden Sorge für sie zu entsetz lagen. Zwang wird unnütz sein; der eigene Vorthcil wird die Eltern anspornen es zu thun. Dort e> hält die junge Generation den Unterricht aufStaatskosftn, die wiederum durch Beiträge der großen Kapitalisten zum Tbeil gedeckt werden, den Unterri Z t in den Pflichten und Rechten des Menschen, in den Hauptwissenschasten im Auszuge und wählt sich jeder das Geschäft in dem er rhätig zu sein gedenkt. 2) mit den Erziehungspallästen stehen die National- oder Svcial- werkstätte der Übergangsperiode in Verbindung, in welchen die Maichinerie die gröber» Dienste verrichtet; die Zöglinge gehen täglich aus den Schulpallästen in die Werkstätte und lernen allmälig mehrere Geschälte kennen ; nach kürzerer oder längerer Zeit treten sie in die Lehre, aber nur in den Soeialarbcitshäusern. Dies kann in den metzrsten Fällen, dünkt uns, im in. Jahr geschehen. Die Arbeitszeit und Arbeirsmühc selbst wird durch Maschinen abgekürzt und erleichtert; dadurch entsteht der Vortheil, daß 3) die Jünglinge und Mädchen unausgesetzt neben ihren Gewerben, die Fähigkeit und die Lust zu geistigen, oder minder roh körperlichen Ttzä- tigkeiten bewahren. Sie begeben sich in die Schulpalläste zurück, und genießen einen weitern Unterricht in Künsten und Wissenschaften wie in allerhand Fertigkeiten. -Hauptsache ist aber, daß die Gemüther durchaus mit dem Bewußtsein menschlicher Würde genährt und gestählt werden. 4) Nach beendigter Lehrzeit treten sie in den Staatsdienst als Nationalarbeiter. Sie bekommen einen abermaligen Kursus in Kunst und Wissenschaft; sie üben sich in Reden ; sie übernehmen Geschäftsreisen. Auch lernen s^in einigen Wochen die Führung der Waffen aller Art. 6)Die Gewerbvorsteher, die Geschäftslehrer, die Meister, die Untermeister werden nach abgelegter Prüfung durch die Oberkommission ernannt; die einfachen Arbeiter haben das Recht die Kandidaten vorzuschlagen. Ein Handwerker. Redakteur: Heinrich Bö rüste in. Druck mit Schnellpressen von Paul Reuouard. o'u i'ioii 3 lui opposor-: o'ost u«6 36lri66 36- 60INjsti6 cl303 800 A6N66. V 0 H 3 16 86666t cko i3 s>608- P66it6 Ü6 I'U06 6t Ü6 1.3 ck663Ü6066 ckk 1'3Ut66 (16 668 Ü6UX 866068. 4,6 si di-illuntjuscso'ä P66860t, V3 von- 8308 clooto P3Ü6 300 6loi>6 3U88I. Oo ckil l(U6 äl. .M,- 66lot >6 l(uitt6. E'oüt 006 P66t6 t(U6 lk- l 1 l 63 ll '6 Ü6 13 ö0O686 I6P36663 ckiisi6ii6M60l, 6t qU6 st36t N6 66- (136663 13M3I8. 1,68 cki666>6UI8 du Zoot 6t llo l'es^nit Ü6 F4 ,4.066lot sont 63,68 ; 6t Io 60 3 P 60 t- 6 t 66 (llus ftosoio ((06 tou t 3 oll 6 tfteäl66. uoi qu',1 60 soit , IV1. ^N66>Ot c(0lti6,3 006 83 Ü 6 Lso'il 3 OON-86ol6IN60t 66!ev66, Mais (jo'il 3 (>13666 30881 Il3Ut (jo'rl 6t3it siossilllo (1308 1'68tilN6 du PU- 41i6 liooriötL 6t 66130-6. 6, 7/kote/cke7itt^,t- r,,r de soot uutuot do iiooox li6iiroo8 ckoot 800 3dioioi8t63lioo iul6l1iA6o>6 3 6 N6i6lli 13 600 - 60006 ckl 3M3tics06 clo Ll ((030 t 3 I 3 1600 ( 16 . Iiool'sö 68t touzoois IN3l3cl6 ; Od6)( 6t V66N6t 00 t 4630 käii-o, i>3 n'3rrtV6Nt ((issä 13166 66A66tt66 d3V3I1- t3F6 l'3ll86066 Ü6 66l 3(1,0163416 60IO6di6N. 41» 100 t 806 168 6011666,8 : il ^ 60 3063 oo Io 29 3UX Ildi 608 ; 66loi do N. holioioi, David. 7-o,,r6 />(r,,6L do 6666tt6 6N63i88ös da?,re^'(,7,6.s 3V3Nt Io 600- 666t!... La dit toot. 46 600666 t do loadolooisollo Di 6 t 2 , pi3oist6 d6 1» 66106 d6 U3vi666, PO OM6t d'6l66 t668 Ill illaot 30881. iVIadoinoisotlo Di6>2 3 006 66(>utatioo 6 O 6 OP 66 OO 6 . 4a 01311066 oiusioalo deiVI. Hi686VV6tt6i , violoo du 601 do Daoovik, 3 60 lioo >6 2,8 daos 168 Salons ds Llo^ol. N. Li68VV6ll66 3lu8till6 plkftlimooot 1a 46116 66- poitatioo (>ui 3 P6666dö 800 361-iV66 ä ?36is. L'ost 110 36li8t6pil6io do s;o>it6td6 distinotioo. Longoo 6ll36M6 6t 60160 t. I 6 p>o4Ü6 6'i6A3Nt 6t oltoisi igoi I 6 N 1 plIis 83 it la 8all6 l'a viv6i060t 3pipil3odi. *** Paris, 1844 . Erscheint Mittwoch und Sonnabends. Nr. 104 § Abonnements - Preise r Ln Paris: . Ein Jahr. . ... 24 Franc-. Sechs Monate. ... 13 „ Drei Monate. ... 8 „ Auswärts: Ein Jahr.28 Francs. Sechs Monate. ... 18 „ Drei Monate. . . . S „ Insertionen: die Zeile L 50 Centimes. (Sonnabend.) §r w ii ariter Deutsche Zeitschrift. Man abonnirt: für Paris: IM Nuresu ventrsi pour I -^NemsAne, ru« 4 1 Das Elend, die Unwissenheit und viehische oder listiger unmenschliche Versunkenheit derer, die in Müßiggang schwelgen, und derer,Z die erwerben, strügen und Sklavenarbeit verrichten, geben Hierif die Antwort. 10. Wird demnach in unsrer Gesellschaft Jedem kas Seinige verbürgt? In keiner Weise. 11. Kann denn aber ohne verbürgtes Eigentum von Freiheit die Rede sein? Ohne verbürgtes Eigenthum kann nur Willkür herrschen. 12. Was ist Freiheit? Frei ist dasjenige Wesen, welches seiner eignen ^Katur keinen Zwang anzuthun braucht, sondern seiner Naturgemäß leben und wirken, sein Wesen ungehemmt bethätigen kann. 13. Kann der Mensch in unsrer Gesellschaft seiner Naturgemäß leben und wirken? Er muß seiner Natur stets Zwang anthun. köald kann er seinen Wissenstrieb, bald seinen Kunst- ltrieb, bald seinen Trieb zu mechanischer Arbeit, bald seinen Appetit, ja, seinen Hunger und Durst und seine ersten körperlichen Lebensbedürfnisse nicht befriedigen. 14. Wodurch wird den Menschen ihre Freiheit und ihr wahres Eigenthum oder ihr Vermögen wirklich verbürgt? Dies geschieht zunächst durch die Erziehung. 15. Was ist unter Erziehung zn verstehen? Erstens die körperliche Ausbildung, welche die Grundlage zu jeder weitern Ausbildung ist. Sie fängt schon im Mutterleibe an. — Zweitens die allgemein menschliche Bildung in öffentlichen Erziehungsanstalten, wo die Keime zu jeder menschlichen Tugend und Fähigkeit gepflanzt und gepflegt werden. — Aus dieser Pflanzschule werden die Zöglinge in diejenigen Wirkungskreise eingesührt, zu welchen sie besondere Lust und vorherrschendes Talent zeigen. Hier wirddie gesellschaftliche Erziehung des Menschen vollendet. 16. Was muß ferner geschehen, um allen Menschen ihr wahres Eigenthum und ihre Freiheit zu verbürgen? Das gesellschaftliche Vermögen darf nicht von Einzeluen erworben und dem Zusalle überlassen, es muß von der Ge- sammtheit verwaltet und Jedem das Seinige zuertheilt werden. 17. Nach welchen Gesetzen muß das gesellschaftliche Vermögen verwaltet, der Produktenaustausch geleitet werden? Nach den Gesetzen der menschlichen Natur und ihrer Bedürfnisse. 18. Ist es der menschlichen Natur gemäß, daß ein Mensch gerade wie der andere, und daß Jeder stets in derselben Weise thätia sei? Es ist im Gegentheillder menschlichen Natur gemäß, daß die freie Thätigkeit oder der Lebensgenuß bei dem Einen nicht wie bei dem Andern, auch bei einer und derselben Person nicht stets einerlei, sondern sehr verschieden ist. 19. Ist es der menschlichen Natur gemäß, daß alles Vermögen vertheilt werde, so daß Alle dieselben Mittel zu ihrer Thätigkeit, zu ihrem Leben erhalten? Es ist im Gegentheil der menschlichen Natur gemäß, daß die Mittel zum Leben oder zur Thätigkeit verschieden vertheilt werden, so daß Jeder stets diejenigen Mittel erhält, deren er zu seiner jedesmaligen Lebensthätigke it bedarf. *) 20. Werden keine Uebelstände daraus erfolgen, daß die Freiheit allein die Thätigkeit bestimmt? Wenn alle Menschen menschlich erzogen, wenn ferner in Jedem die besondern Fähigkeiten ausgebildet sind, und wenn endlich auch Jedem die Mittel geboten werden, um seine Fähigkeiten anzuwenden, dann hat sich die menschliche Gesellschaft nach den Gesetzen ihrer Natur organisirt, dann ist sie ein einziger lebendiger Körper, in welchem jeder Theil allseitig ausgebildet und mit dem Ganzen organisch verwachsen ist, und daher ohne Noch und Zwang seine Funktionen aus innerm Lebenstriebe verrichtet. *) Solcherweise stehen alsdann Alle auf einem und dem nam-- lichen unerschütterlichen Lebensboden, auf dem Boden der verhältnißmaßigen Gleichheit. Daher Arbeit nach der Fähigkeit und Genuß nach dem Bedürfniß, die Formel des vernünftigen Vereines ist. st- Falk. Recht sehr zu wünschen, daß es in jedem Staate sRänner geben möchte, die dem Vorurtheile ihrer ange- wrnen Religion nicht unterlägen; nicht glaubten, daß Falles nothwendig gut und wahr sein müsse, was sie für ;ut und wahr erkenne. Ernst. Recht sehr zu wünschen! Falk. Recht sehr zu wünschen, daß es in jedem Staate ^Männer geben möchte, welche bürgerliche Hoheit nicht l blendet und bürgerliche Geringfügigkeit nicht ekelt; in deren Gesellschaft der Hohe sich gern herabläßt, und der Geringe sich dreist erhebet. Ernst. Recht sehr zu wünschen! Falk. Und wenn er erfüllt wäre, dieser Wunsch? Ernst. Erfüllt? — Es wird freilich hier und da, dann und wann, einen solchen Mann geben. Falk. Nicht blos hier und da, nicht blos dann und jwann. E Ernst. Zu gewissen Zeiten, in gewissen Ländern auch ^mehrere. Falk. Wie, wenn es dergleichen Männer itzt überall sgäbe? zu allen Zeiten nun ferner geben müßte? Ernst. Wollte Gott! Falk. Und diese Männer nicht in einer unwirksamen ^Zerstreuung leMn? nicht immer in einer unsichtbaren ^Kirche? E r n ft. Schöner Traum! Falk. Daß ich es kurz mache. — Und diese Männer die Freimaurer wären? Ernst. Was sagst du? » Falk. Wie, wenn es die Freimäurer wären , die sich mit zu ihrem Geschäfte gemacht hätten, jene Trennungen, wodurch die Menschen einander so fremd werden, so eng als möglich wieder zusammen zu ziehen ? Ernst. Die Freimäurer? Falk. Ich sage: mit zu ihrem Geschäfte. Ernst. Die Freimäurer? Falk. Ah! verzeih! — Ich hatt' es schon wieder vergessen , daß du von den Freimäurer» weiter nichts hören willst — Dort winkt man uns eben zum Frühstücke. Komm! Ernst. Nicht doch! — Noch einen Augenblick! — Die Freimäurer, sagst du — Falk. Das Gespräch brachte mich wider Willen Ä -E- /, > '.i - /;^-> -.-F «.- > - M ^rZ'< ""'4' «" -- ' / A. ^ < E- / WD B.-^^>E ^ ^ -. -. ,P ^ ^ ^,- / >. ^ "-W .^- Li, ' . ' L.^? - L"? -'v^ Lv5 , ^ 't E?>< V? ^ M '-tz L' V.F.L^. ^ L ^'! ^ ^ ^--"L. /^, ^ ^ ^ ' XL^^<> ^7^Mr r>27 »< ^ ^