Wislisl' Ltscit- uncl . l.sricjssdid>ic)t>isk 1 A <^ >7 -i ^ 2/d iL/ . ^ ^g- SV SS - 04S00S - s» Die österreichische Schweiz; «der wählerische Schilderung de« Salzkammergutes in Oesterreich ob der Ens. Mit einer Beschreibung des steyrischen Salzbergwerkes zu Aussee, und der österreichischen Stifte Kremsmünstcr und St. Florian. Ein Taschenbuch auf Reisen in diesen Gegenden. Bon Dr. Franz Sartori. Mit einer Ansicht »on Evsazwanz. Im Wien, 1813. Verlage bey Anton Doll. 5^^^. ^/F^ jj^ ^5-/^^ / D e in wohlgebornen Herrn Joseph Edlen von Hammer, Sr. Majestät wirklichem Rache und Hofdollmclsch bcy der k. k. geheimen Hof - und Staatskaiizlcy zum öffentliche» Dcnkmahl seiner Verehrung geweiht vom Verfasser. / Verehrungswürdigster! f>! ^)ch weiß Niemand, dem ich diese Ve» schreibung des Salzkammergutes mit größerem Rechte widmen könnte als Ihnen, der mit so empfänglichem Gefühle für Na, tursch'önheiten fo wettumfassende Ücmder, kenntniß und so blühende Darstellungsga, be besitzt. Sie haben den attischen Himmel, die Ufer des Bosphorus und Aegypten gese, hen, sie schwelgten in Italien an den Na, turschönheiten der Brenta und genossen die eigenen Reize Tnrols. Engsand und Frankreich wavd ihren Blicken bekannt, und das schöne Salzburg darf sich freuen sich einem so feinen Kenner des Pittoresken gezeigt zu haben. Ihre Zeichnungen *) sind der spre- *) Zeichnungen auf einer Reise von Wien über Trieft und Venedig nach Txrol und Salzburg. chcndste Beweis hicvon, und ich schätze mich glücklich, wenn Sie in diesem Ge- mählde auch nur einige Aüge finden, die Ihrer Aufmerksamkeit nicht ganz unwerth find. Von London bis Konstantinopel, vcw Wien bis Paris wird Ihr Nähme al5 der eines der ersten Orientalisten Europas gefeyert; erlauben Sic einem Ihrer Landsleute seine Verehrung und seinen Dank für die viele Güte, die Sie ihm ^ - G ' in Wien erwiesen, öffentlich beurkunden und sich ewig nennen;u dürfen Ihren Verehrer F. Sartori. Das Salzkammergut in Oesterreich ob der Ens. Ein leitung. as Salzkammergut ist einer der interessantesten Striche Landes, welche die österreichische Monarchie aufzuweisen hat. Es liegt im Traunviertel des Landes ob der Ens und ist eine mit Gebirgen und überaus mahlcri.- schen Seen bedeckte Gegend, in der sich die allgemein bekannten reichhaltigen Salzbcrge befinden. Die Salzberge sind bey Ischl und Hallstatt gelegen. Die Zschler - Salzbergwerke nahmen, im zwölften Jahrhundert ihren An- A fang und im Jahr« »i wurden zu Hallsiatr neue Salzsuden erbaut. T«s ganze Gebiech besteht aus den Marktflecken Ischl, Hallstatt und Laufen, dann aus den Dörfern Ebensee, Langwies, Gosa, Goisern und Lambath. Salzpfannen sind in der Lahn bey Hallstatt, zu Ischl »nd zu Ebensee. Zu den Flüssen, welche unmittelbar in diesem Gebiethc ihren Lauf haben, gehören.- die Traun , die Ischl und die Gosa; von den Seen sind der Hallstätter und Gosa- see zu nennen , und der Atter - und Traunsce, i f^,' ni,^->'!/> r> -i Ä c» c> l« »s s> — co co ^ co c» « ^> >>s co >s s cn lll ^ ^ s ^ co cr> ^ 1^ ^ s >^> » ^ c^ c^ s> ^> l s> c» s> ^> 4^ Oi ^ ^> c-. ^ s> ^ »» ^> o> co co s c» » ^ »i s ^> c» S ^ c> , I s l 'S a.- / o> I» 'S c» Q >^ ^ -i.- ^co s ^ ''S s » ^ c» » s » > s s ^» o- l» » ? ^ t» c?^ » ^ ^> ^ s ^ c^ ^> » --- ^ co c„ c-, co cn ll, s> ^> so s> <^ ^> ^ c^ ^ cn ^ ^ s ^ s v, s r>« ^ » ?s ? D s s »S ? ?F ? » c» »- S> „S> c^ ^ ^ Z^v ^ ' «^' ^ v- s> ? ^ c^ A « ? ^. »» c^i >» s >s ^ ^> s » ^ « ^ c?> ^ A 2 i«? ? <^ «>. G r> 3 S ^> s o- s Ich habe meine Nachricht«« über das Salzkammergut aus fünf Schriften gezogen, die ich hier zum Nachschlagen und Vergleichen anführe. 1. Aus des Freyherrn von Hormayr Archiv für Geographie, Historie, Staats - und Kriegskunst (zweyter Jahrgang. Monäth März ig".) 2. I. A. SchulteS Reisen durch Oberösterreich in den Jahren 1794, '795, '802, i8»Z, -804 und -803. 2 Theilc. Tübingen in der Cotta'schen Buchhandlung 1L09. z. Aus Dr. Z. E. Mader's Reise von böhmisch Krumau durch das Oberenfischc Salzkammergut nach Salzburg und Berchtesgaden. Im Hnbstc 18N3. Prag 1309 in Commis- ston bei) Caspar Widtmann. 4. Aus einem freundschaftlichen Schreiben des ^errn Anton Dicklbcrger k. k. Berg, meisierS am Jsch!cr Salzbcrgc. g. Aus meiner eigenen neuesten Reise durch Oesterreich ob und unter der Ens, Salzburg , Berchtesgaden, Kärnten und Steiermark in statistischer, geographischer, naturhistorischer, ökonomischer, geschichtlicher und pittoresker Hinsicht unternommen, Wien i?n im Verlage ben Anton Doll. Die Geschichte der Salinen ist wohl das erste, was unsere Aufmerksamkeit verdient. Indessen ist sie noch wenig beleuchtet und dieBruch- stiicke, die wir davon besitzen, sind wir einzig dem um die Geschichte Oesterreichs ob der Ens hechverdienten Floriane? Shvrherrn, Herrn Franz Kurz, Pfarrer zu St. Florian, schuldig. Viel zu lange ist Oesterreich ob der Ens ein stist unbekanntes wenig geachtetes Land geblieben , und doch war es immer in jeder Nucksicht einer grösseren Aufmerksamkeit würdig. Nicht der Mangel des inneren Werthes der Bewohner imd des Landes war die Ursache davon: es ist Niemand vorhanden gewesen» der sich die Muhe genommen hqtte, das Merknür- dige gehörig zu betrachten und es der Mit - und Nachwelt bekannt zu machen. Man suchte lieber im Auslande, und bewunderte Mcmcbes, was man im Lande ob der Ens leichter und oft auch besser hätte finden können. Das närm- liche Loos hat auch unsere vaterländische Geschichte getroffen.' Wir wußten gewöhnlich besser, was sich einstens im Auslande, als was fich in unserem Oesterreich zugetragen hat. Die Vorarbeiten, die in diesem Fache bisher sind geliefert worden, betrafen wieder höchst sparsam und äußerst selten das Land ob der Ens: die Residenzstadt Wien und ihre Umgebungen rissen gewöhnlich die ganze Aufmerksamkeit aus sich, und Äberösterreich ward darüber vergessen. Erst den neuesten Zeiten ward es vorbehalten , daß man unserem Lande» seinen Na^ turschönheiten und Schätzen, so wie auch seiner Geschichte ein« größere Achtung bewies. Es ist aber bloß nur der erste Ansang gemacht. Mehrere Reiscbeschreiber, unter denen sch leider kein einheimischer Schriftsteller Oberöstcr- reichs befindet, haben ihre Leser auf das Salzkammergut aufmerksam gemacht, haben ihnen Seltenheiten der Natur geschildert, die man zuvor nicht geachtet hat.Dcß fteueten sich die Oestcr- rcicher ob der Ens. Aber eines bleibt noch immer zu wünschen übrig: die Geschichte der Salinen zu kennen. Wissen wir von Salzbergwerken in Oester? reich ob der Ens zur Zeit der Römer nichts Bestimmtes vorzubringen, so können wir von der Zeit der großen Völkerwanderung noch weniger gewisse Nachrichten haben, denn der größte Theil unseres Landes lag verödet da, »nd wurde aus Mangel der Bewohner zu einer Wüste, mit undurchdringlichen Wäldern bedeckt. Erst nachdem sich die Fluth wilder Barbaren etwas gelegt hatte, fanden sich in dieser Gegend wieder Menschen ein, die das Feld bebauten, und da geschieht in einer Urkunde des achte» Jahrhunders auch schonMeldung von Salinen im heutigen Oesterreich. Der Herzog THassilo von Bayern stiftete um das Jahr 777 das Kloster Kremsmünstcr, und schenkte demselben die schon bestehende Salzpfanne nahe bey dem sogenannten Sambach sammt drey Arbeitern, die dortrrohn? tcn, und Salz sotten. Die bisher ausgefundenen Urkunden machen zwar von Salinen an der steyermärki- schen Gränze in der Gegend von Spitall, und von Salinen bey Admont in der Stey- ermark selbst Erwähnung; von unserem Salzkammergut schweigen sie gänzlich. Aber plötzlich erscheinet in einer Urkunde des Herzogs Leopold des Tugendhaften, welcher vom Jahre 1177 bis ny4 Oesterreich, und späterhin auch Steyermark beherrschte, das Salzbergwerk zu Zschl und Aussce. Der gelehrte Jesuit Fröhlich machte diese Urkunde zuerst bekannt; nach der Abschrift, die er davon erhalten hatte, wurde sie im Jahre 1192 dem Kloster Garsten ertheilet. Eine Bestätigung dieser Urkunde vom Jahre izc>4 fand er» in welcher letztere wörtlich eingerückt erscheinet, doch mit der ganz falschen Jahreszahl 1177, in welchem Jahre sich Leopold der Tugendhafte unmöglich einen Herzog von Steyermark nennen konnte, welches Land ihm erst nach dem Tode OttocarS 1192 als Vermächtniß zufiel. 9 ^ Zugegeben, Leopolds angeführte Urkunde sei, echt, so wissen wir, daß die Salinen bey dem Markte Ischl und in Aussee am Ende des zwölften Jahrhunderts schon wirklich bestanden haben; wann sie entdecket wurden, wer ihren Bau befördert habe, bleibt uns unbekannt. Was Albrecht zwar angefangen, aber nicht fortdauernd zu Stande gebracht hatte, das vollführte nach seinem und des Erzbischofts Conrad Tode die Kaiserin» Wittwc Elisabeth. Aber im Jahre iziz, kurz vor ihrem Tode, machte Elisabeth fast an alle Klöster und Spitäler des Landes sehr beträchtliche Schenkungen von dem Sal;e, welches zu Hallstatt aus dem Berge genommen wurde, zu dessen Bearbeitung sie die nöthigen Summen hcrschoß. Ob Elisabeth die Salzarbcit an dem nähm- lichen Platze, welchen zuvor ihr Gemahl Albrecht schon auscrsehcn hatte, wieder vornehmen ließ, oder ob ein anderer Samberg in der Nähe des crstercn auf ihren Befehl eröffnet wurde , sagen die angeführte» Documente nicht aus. —. I>> — Von dieser Zeit angefangen, geschieht sowohl in Urkunden als auch in Chroniken von den Salinen in Oesterreich Meldung; das Salz» das aus ihnen genommen wurde, heißt aber fast immer das Salz von Gmunden, und äusserst selten das Salz von Ischl oder Hallstatt, sehr wahrscheinlich aus keiner andern Ursache, als weil das Salz von diesen beydcn Bergwerken in das Hauptmagazin von Gmunden gebracht und von dort erst in verschiedenen Richtungen verfuhrt wurde, wie es noch hcut zu Tage üblich ist. Schon aus den bisher angeführten Urkunden erhellet genugsam, daß die alten Regenten von Oesterreich aus den Salinen unseres Landes noch lange nicht den Vorthcil zogen, der sich ihnen darboth. Noch auffallender muß eS seyn, daß man bis zum Ende des fünfzehnten Jahrhunderts Auslandern erlaubte, ihr Salz nach Oesterreich, Mahren und Böhmen, zu. bringen, und so das Geld aus unseren Provinzen mit sich fortzunehmen, während doch die Salinen im Salzkammergute einen unerschöpflichen Reichthum ganz unläugbar versprachen. Frcnlich gehörten Böhmen und Mahren damahlS noch nicht zur österreichischen Monarchie: aber hatte man denn das Salz nicht um eben den Preis, oder noch um einen geringeren nach Mahren und nach einem Thcilc Böhmens bringen können, als die weiter entfernteren Bayern ? Gab man denn nicht offenbar einem schädlichen Schleichhandel Gelegenheit, da man bayerisches Salz durch Oesterreich nach Böhmen und Mahren zn führen gestattete? der Kaiser Friedrich erließ hierüber zwar mehrere Befehle, aber sie wurden nur wenig befolgt. Endlich im Jahre 1487 trug er dem Landeshauptmann in Oberösterrcich, Gottharden von Starhembcrg, ernstlich auf, den fremden Salz- Handel zu verhindern. In dem an ihn erlassenen Schreiben sagt der Kaiser: „Wir werden berichtet, wie das fremde und verbothme Salz in Unserem Fürstenthume Oesterreich ob der Ens sast (sehr viel) geführt und darin verkauft werde, das Uns, nachdem Unser Gmun- disches Salz dadurch nicht verführt werdcn mag, und Wir an Unserem Kammergut Abgang haben, nicht gefällt. Wir begehren an dich mit Fleiß, empfehlen dir auch ernstlich, daß du dasselbe fremde Salz in das benieldte Unser Land zu führen, von »nserttreZtn verbiete st. Wenn du aber, oder Unsere Amtleute zu Gmun- den so ein Salz antreffen würdet, so lasset e§ in das Wasser werfen; die Nossc, die es tragen , laß wegnehmen , und die Säumer in das Gcfängniß werfen, und bcfrcve sie nicht ohne Unseren ausdrücklichen Befehl. Im folgenden 1468 Jahre befahl der Kaiser neuerdings, daß Starhemhcrg auf den Pfleger zu Wvlsseck und zu Falkcnstein im Mühlviertel vorzüglich ein wachsames Auge haben sollte, damit durch das Gebieth dieser zwcy Herrschasten kein fremdes Salz mehr nach Oesterreich gebracht werde; würden die Pfleger den Schleichhandel nicht abstellen, so sollen sie ihres Dienstes verlustig AW» .-». '»K»>5 «5 IkiilN« i> Ganz dem kaiserlichen Befehle gewäß ließ Starhembcrg die bayerischen Salzsaumcr im Lande zusammen fangen, nahm ihnen die Pferde und das Salz weg und ließ sie nicht eher los, als bis sie ihm eidlich versprochen hatten, nie mehr ein ausländisches Salz nach Oesterreich zu bringen. Darüber beklagte sich der Herzog von Bayern, dem durch Starhembergs strenge Vorkehrungen ei» Nachtheil air seinem bisherigen Soljhandel erwuchs, beym Kaiser l Friedrich, der im Jahre 1489 folgendes an feinen Landeshauptmann in Oesterreich ob der- EnS, Gotthard rcn Starhcmtcrg, schrieb: „Uns hat der hochgeborne Georg Pfalzgraf am Rhein und Herzog in Bayern , Unser lieber Oheim, Rath und Fürst, angebracht, wie du seinen Leuten, die mit Salz von Schä'rding aus arbeiten , an demselben ihren Handel, den sie von Alters her geübt haben, Irrung thust; etliche aus ihnen zunächst gefangen, ihnen ihre Rosse und Safz genommen, und ihnen ans das Gelü'bd, daß sie hinfür kein Salz daselbst zu Schärding mehr aufladen, sondern wenn sie dasselbe führen, es allein zu Passau, z» Hofkirchen, oder zu Hasbach heben sollen, wi- dergcben habest, dessen er sich, nachdem seine Leute solchen Handel mit Salz immer gehabt, und die Strassen nach Böhmen und Mähren immer gebraucht haben, beschweret Hedunkt, und Uns demülhiglich gedeihen hat, die Sei» nigen dabey bleiben zu lassen. Wir befehlen dir ern'Aich und wollen, daß du des benannten Unser«! lieben Oheims Leute daselbst zu Schä'rding mit Salz wie sie das vormahls zu thun gehabt h-ibcn, handeln, sie dekhalben bcn dem alten Herkommen bleiben lassest, und dm wider nicht dringest, noch ih««n derqn eiiugcr- lcy Jrrnng thucst. Wäre aber etwas anderes dahinter, so bericht es Uns schriftlich, damit Wir Uns gegen denselben Unseren Oheim zu verhalten wissen." —- Das weitere Verhalten des Kaiser Friedrich gegen den bayerischen Salz- Kandel ist uns unbekannt. Friedrichs Nachfolger wußten sich der Salinen in Oesterreich besser zu ihrem Vo.rthcil zu bedienen : aller Handel mit auswärtigem Salz wurde streng vcrbothen. Da mit der Regierung des Kaisers Maximilians I. eine ganz neue bessere Ordnung der Dinge begann, und Wissenschaften, Künste, Handel, und auch unsere Salinen gleichsam ein neues Leben erhielten ; so scy mit Friedrichs Regierung auch diese kurze Anzeige der früheren Schicksale daS Sslzkammergutes geendet. Man hat zwey Arten das Salzkammcr- gut zu bereisen, nähmlich von Steyermark und von Oesterrrich cb der Ens aus. Tie erste ist die vorzüglichere, denn man sieht da die Natur »md die merkwürdigen montanistischen An- — ,5 — stalten gleichsam sd ovo usyus »6 mala. Von Aussee dem fteyrischen Salzkammergute kommt man über den Kopiberg zu dem Hall- stättersee, diesen iiberschifft man und gelangt so nach Hallstatt, wo man im Angesichte deS herrlichen Sees sein Mittagsmahl einnimmt. Nachmittags besucht man die nahen Sudpfannen in der Lahn und geht dann weiter in die Echem, wo man die prächtigen Wasserfälle und besonders den Waldbachstrub bewundert. Am andern Tage fahrt man die Hallstatt hinab zur Gosamühle, wo die Küffchen für das Salz mit ungemeiner Fertigkeit bereitet werden, und erstaunt über den mächtigen Gosazwang, die durch ihre kühne Bauart berühmten kirchthurm- hohen Säulen, auf denen die vom Hallstät- ter - Salzberge nach Ischl laufenden Salzstren- nen das Gosathal übersetzen. Don hier reiset man nach dem Psarrdorfe Goisern, bey dem das sogenannte Höllenloch einige Rücksicht verdient. Unsern von taufen ist in der Gegend von Weißenbach ein schöner Wasserfall zu sehen. Ischl ist besonders seiner Salzbergiverke und Salzsudpfannen, so wie seines CalvaricnbergeS halber sehcnSwerth. Für weniger Furchtsame ist die Fahrt auf der Traun bis »ach der tlam- 16 — bath kein unangenehmer Wechsel der rerschie- dcnsten Natursccnen. In dem letzteren Pfarr- dorfe sieht man mehrere Sudhäuser, die besonders ihrer Einrichtung wegen gesehen zu werden verdienen. Die höchstangenehme Fahrt von hier über den Traunsee oder Gmundnerfce ist ein Genuß der höchsten Naturschönhcitcn in Deutschland. Gmunden ist eine ganz artige Stadt in tiner paradiesischen Gegend, ober noch sckwncr ist der zwischen Gmunden und dem Stifte Lambach gelegene Traunfall, den man so oft mit dem Rheinsalle bey Schaffhausen verglichen hat. Don Lambach kommt man auf der Traun in die Zizelau bey Linz, wo dasSalzfuhrwerk in die Donau ubergeht. Wenn man durch das göttliche Ensthal, dessen Pralatur Admont durch ihren hochverehrten Prälaten Sc. Excellenz den Herrn Gotthard von Kugel mayer, einen um den Staat und um die Wissenschaften hochverdienten Maren anzieht, nach Aussee gekommen ist, so ist das erste, was ein wißbegieriger Rei» sende zu thun hat, das Haus des Herrn Ober- amtmanns und Hofrathes Lenoble von Ed« lersberg zu besuchen. Anssee ist mit einigen Cammeralherrschaf- ten in'Steyermark das, was Hallstatt und Ischl für Oesterreich ob der Ens find. Es ist ein Marktflecken, der aber ziemlich unordentlich ge, baut ist, und in einem Kessel liegt, welcher von hohen Bergen umgeben ist. Dieser Ott liegt gerade an dem Zusammenfluß« dreyerFlüß- chen, wovon das eine aus dem Ebenste, das zweyte aus dem Gründels« und das dritte aus dem Altaussee kommt, die hier die Traun bilden. Wir kamen von Ausser einige Gehege und Waldvarthien vorüber, zu dem Alt - Aussee See, der von hohen Bergen umschlossen, und in Nebel gehüllt sich längs dem Gebirge hinab zog in die dunkelblaue Ferne, und di« Kolossen, die sich ihm zu Heyden Seiten hinan thürmten, bald hervorblicken ließ aus den mannigfaltigen Windungen des Gewölkes bald wieder hinter dieselben verbarg. Wir hatten hier ein Secnebelsiück im Grossen, so wie sie uns Vernet mit magischer Wirkung im Kleinen gab. Oft hatte ich schon den Wunsch ge- B n^') . N!i6t »ck»::,' äußert, wenn ich die englischen Kalkfelsen und die Steppen des nördlichen Teutschlands in «lenden Kupfern bey uns für theures Geld verkaufen sah, daß ein Kunstler es unternehme» möchte, unsere Nalurschonheiten in Oesterreich und Steyermark bekannter zu machen, als sie es bisher gewesen sind. Von Salzburg besitzen wir bereits eine Vo^aze pitlores-zus die einer der vorzüglichsten Künstler Wiens Hr. Schlotterbcck für die Kunsthandlung des Herrn Mollo in Wien in der bekannten Abcrl'- schen Manier bearbeitet hat, und die dem Kenner und Schätzer alles Guten und Schöne» dem allverehrten Erzherzoge Johann dcdicirt ist; dagegen sind uns die schönsten Partien von Oesterreich ob und unter der Ens und von Steyermark noch unbekannt, und wenn nicht der alte Matthaus Bischer mit seinen Abbildungen der Schlösser und Städte und der Kunsthändler Stöckl niit den Prospekten einiger interessanten Gegenden ins Publicum gekommen wärm, so würde von den artistischen Arbeitt», dieser Art nichts vorhanden seyn, als'die Schätze, welche der hohe Kunstfreund Erzherzog Johann, der mit den Naturschönheiten dieser Länder so innig vertraut ist, durch seinen Landschaftszeich» — iy — ner sammeln ließ , und der auch den Altaus- seer See für diese Sammlung zeichnete. Eine vorzügliche Eigenheit dieses Sees ist, daß er die nur in Gcbirgsländern einheimischen, ungemein schmackhaften Saiblinge (8slmo Salvelinus l^..) beherbergt, die eine Leckersveise für diese Gegenden sind, und oft weit umher verschickt werden. Wir eilten dann über die Hügel hinauf, die Aussee in einem engen Kessel schlössen, und waren in einem Stündchen schon an dem göttlichen Grundelsee. Durch liebliche Anger und Lauben von Laubholz und Nadelholz, im Geräusche von Bächen; die herbeveilen, um die ncugcborne Traun zu grüssen, an ihrer Geburtsstättc, wo sie dem See cntströmmt, schlängelt unser Weg sich über Hügel hinan, und durch Thäler hinab zum See der schönen Najaden. Berühmt ist er, der magische Grün, delsee ob den schönen Mädchen, die seine User bewohnen, und die Fürsten der Srever- mark fanden ihn Werth, an ihm ihre Ruhesitze zu suchen. Qttocar VI. von Slcyermart wohnte an seinen Usern. Von Abend gegen Morgen hin zieht er in einem sanften Ovale, anderthalb Stunden würden wir brauchen, um ihn hinabzufahrcn in seiner ganzen Länge, und mehr als eine halbe Stunde. wenn wir ihn in seiner Breite überschiffcn wollten, Amphi- »heatralisch öffnet sich das Thal vor uns, das dieses weiten krystallnen Spiegel umschließt. An der cmcn Seite im Vordergründe ein weis» ser Kalkscls an den zwey dunkle Nadelwaldhü- gcl sich anschließen; an der andern eine leichte Waldhohle, umgürtet am Fuße mit schwarzem Nadelgebirge, das Buchten in den See hinaustreibt. Nun reihen Berge auf Berge sich hinan im luftigen Grau an den Heyden Usern den See zu umfassen, und in ihn; sich zu spiegeln , und im Hintergrunde hängt schweigend in der Ferne ein Wasserfall herab über die Fel- senwände, und über schwarze Waldrücken blicken beschncyte Alpengipscl herein (die Hitzközcl. der Schachen und der Geiswinkel). .... ' ,5fi>.d«"n< .-»,"!',: Ein Dörfchen liegt einsam hinten am See. Die Wogen eines zweiten Sees um- -.'ÜUjL i7:Zk«i-!zt!Ä . mäoÄ ') Dieser See ist der SLpplitzsee, und da »>»i!» *) Man scheint in Oesterreich diesen See gar nicht zu kennen, denn man bat nicht einmal)! eine anck nur erträgliche ZUchnmig von demselben; man scheint ihn n«r in so ferne zn achten, als er die Gcbotbe der Kirche z» halten Hilst, »nd kostbare Fische für dieFainage liefern Salbliuge, Lachssorel« len Aalranpen ». dgl. Die Bauern, die in den Hüttengrnppen an seinen User, qm Bräuhosc, Gssperlhofe, Hopfgarten, Spcr». stchel, Steinwändel, Rollern wohnen; uird bey welchen man überall gute Aufnahme und ein herrliche« ForelKnmahl finde» kann, leben großemhcilS vom Fischfänge, vom Waldbctriebe und von der Viehzucht. Die ticssten Stellen an diesem See hatten„n- gefähr So Klafter. Er ist wenig stürmisch, da er sast ganz von Bergen eingeschlossen ist. Nur dann, wann die Einwohner, um drnWcg zu ihren Hütten sich zu kürzen, über seine betrügerische Eisdecke gehen. ist er gefährlich, und ward schon oft das Grab von man- 5 chem wackern Steyerer- der Traun. Wild, wie ein leichtfertiges Madchen , entflieht sie den Armen der Tritonen, und gaukelt in hundert und hundert Sähe» hinab über Felsen, um ihren Schwestern zuzueilen , die sie im freyen Thale erwarten. Einen herrlichen Spaziergang wird man an den Ufern der neugebornen Traun in das Thal hinab finden, den man mir gewiß danken wird. S a » d l i n g. Dieser mächtige Salzbcrg, welcher an der Grenze -Oesterreichs ob der EnS liegt, und mit dem Zschler Salzberg zusammenhängen soll, wird schon gegen i ovo Jahre bearbeitet. Er versieht die ganze Steyermark (bis auf den südlichen an Illyrien grenzenden Theil des Cil- lierkreises) auch ganz Kärnten mit diesem unentbehrlichen Lebensbedürfnisse. Ter ganze Sandling besteht aus einein Salzstocke, der in der Form einer Glocke erscheint, indem er sich -in die Teufe immer mehr ausdehnt. Er ist theils in Gyvs und Thonerde eingesprengt, theils kommt er aber auch als reiner Kern (reines Steinsalz) ror. Der hin- tere Thcil dcs Berges, der eigentliche Sendling (denn der vordere heißt hier Stcinberg) ist Kalkcrde, in Welchem sich das Salz ausscheidet. Tie Bergarbeiter, sind hier zrceyerley. Tie Erzeugung dcs rohen Kerns, wie es in Wie- liczka geschieht, nur daß hier nicht so grosse Stücke, wie dort ausgchauen werden ; und dann die Erzeugung dcs Salzes mittelst der Wehren. Sudpfannen gibteszwey im Mark- t e Russee nach alter Art und zwey in der Konisch, wclchc durch Herrn Lenvble von Edlcrsberg nach neuer verbesserter Art erbauet sind. Tie alten Pfannen bestehen aus ungemein vielen kleinen Eiscnblättchcn, die mit mchrcrcn tausend Nageln verbunden sind, einen Umkreis von Klaftern und eine viereckig längliche Form haben. Tiefe Pfannen ruhen auf steinernen Säulen , welche Steine sehr scu- erhällig sind. Das Salzbergwerk zu Aussee soll jährlich über 150,000 Zentner Salz liefern. — 26 — Ueber einen gut bewaldeten Berg, der hier in der Nähe der Holzbedürftigen Salzpfannen ein wahrer Schatz ist, wanderte ich, den hohen Aarstein im Rücken,, dem n.chcn Salzkammergute und der Grenze von Oesterreich zu, die hier ein großer viereckiger Fels bezeichnet, der unweit der Strasse liegt. So einförmig die Gegend bisher war, so wird sie nun abwechselnder und rcmantischer, wenn man den Berg hinab schlendert, und die Neugierde den Wanderer mit dem Vorgefühle vorwärts treibt, den Hallstättcr See zu erreichen. Es währt nicht lange, so sieht man zwischen den neidischen Gebüsche bald die blaßgrüne Fläche hervorglänzcn, wie sie, sanft vom Winde bewegt, sich in kleinen Mellen schaukelt, und das Ohr durch das Säuseln des sanft brandenden Gewässers ergötzet. Unmittelbar vor dem Hallstälter See liegt das Dorf Traundorf, das von dem Trounflusse seinen Nahmen hat, der hier in den Hallstätter See fließt. Dieser Fluß gibt dem Traunvicrtel seinen Nahmen, das einen Flächenraum von 92 s^j Meilen Hat. Das Kreisamt dieses Viertels hat zu Eterer seinen Sitz. Zu den vorzüglichsten Kunstrroducten dieses Viertels gehören die Ei- scnwaaren, welche jährlich in grosser Menge von allen Gattungen fabricirt werden, und womit nicht nur in den Erbländcrn, sondern auch ins Ausland beträchtlicher Absatz gemacht wird. Nach einem massigen Anschlag beläuft sich die Zahl der Eisenarbeitcr ^egen ZN00 Köpft. Das Traundorf liegt über die Höhe des Meeres 246 Toisen erhaben. An dieses Dorf stößt der Hallst ätter See mit dem östlichen Theile seines Users an. Er enthält sehr schmackhafte Fische und bekommt in Westen von der GosaH im Ostsüden von der Traun, und im Nordosten von dem F l u- derbache seine Zuflüsse. Wir mietheten im Traundorft Fahrzeuge, auf denen wir nach Hallstatt übersetzen konm ten; aber merkwürdiger als alles, was wir in — -8 — der Gegend umher sahen, waren uns die drey Gondolieri, die unser Fahrzeug lenkten. Mitteldinge zwischen einem Orang - Outang und einem Menschen, mit triefenden Augen und struppigen Haaren, drey bis vier Kröpfe am Halse, sprachlos und kreischend ruderten mich drey weibliche Wesen über den See, die mich öfters als einmahl an den Ausspruch t!inne's erinnerten: Himi» czusm sirnilis turpissims be»ti» oobi5 ! Sie grinzten mich von Zeit zu Zeit an, und wenn mich meine Phantasie im Genüsse der Schönheit dieser Gegend der wirklichen Welt entrückte, und mir die schönsten Zdeale vorschweben ließ , so verbitterte mir nur ein einziger Blick auf die Affcngesellschaft, die mich eseortirte, die süssen Träume, die um mich gaukellen. Der Gesang unserer Gondolieri war das Röcheln und Schluchzen ihrer Kröpfe, und ihren Frohsinn «äußerten sie durch mancher- ley komische Gestikulationen, durch welche sie sich einander verstandlich machten. Wie wir treiter in den See hinein kamen, so schlüpfte ein Haus nach dem andern hinter dem Berge hervor, hinter welchem Hallstalt am jenseitigen Ufer gelagert war. Die Häuser schienen aus einander ju sitzen, so wie sie an das schräge und schmale Ufer hingebaut sind, an welchem sie wie Schwalbennester kleben, und sich im grünen EMail des Sees spiegeln. Noch che wir nach Hallstatt fuhren, mußten wir zwen Merkwürdigkeiten in Augenschein nehmen, die besonders dann sehenswürdig sind, wenn kurz vorher ein starker Regen oder der schmelzende Schnee das Gewässer geschwellt hatte. Die erste dieser Merkwürdigkeiten, die an demHall- fiatt entgegenstehenden-'Ufer gelegen find, ist der Kessel, eine Hohle oder vielmehr ein Trichter, wie es, deren in Kram am sri5sae percu5sit csmxus orn- MÄ« ^uam 6ornus ^IKuriese re«oo-»ll«is, Lt praeceps ^rüo et l'iburvi lucus, et ucla Vlobilibu5 pomsris rivi5. Eine Stunde saß ich vor diesem Falle, und ließ mich einnässen von dem alles benetzenden Thaue, der die ganze Gegend umher befeuchtet. Und als ich aufstand", um dieses herrliche Thal zu verlassen, wars ich einen dankbaren Blick aus diesen schonen Wasserfall, und rief den Felsengehängen, den Blumen und Kräutern und Moosen das letzte Lebewohl zu, Noch cinmahl, lebet wohl, schöne Gewässer, rief ich; ihr seyd es, euer Schaum, euer Murmeln, eure Kühle, die Verwirrung, und der Friede, mit denen ihr zugleich meine Sinnen durchdringt, was ich bey euch sehe, höre und empfinde, das ist es, wornach ich mich auch entfernt von euch mitten in dem Taumel der grossen Kaiserstadt manchmahl sehnen werde. So sonderbar, wie H al l st at r gelegen ist, hatte ich bisher noch keinen Ort gesehen. Die Hauser scheinen nur an dem steilen und schmalen Ufer zu kleben , und ein kleiner Erdstoß scheint allein hinlänglich zn seyn, den ganzen Markt in den Fluthen des Sees zu begraben. Man geht hier von der Strasse? nicht in die Häuser hinein, sondem hin- a b, weil bey der schiefen Fläche des Ufers der näber am See gelegene Theil des Marktes auch weiter unten zu liegen kommt. Nicht bald wird irgend ein Ort mehr abgeschieden von der gan,cn übrigen Welt seyn, als Hallstatt. Ter Wmter mag hier mit allen seinen Schrecknis» 40 — sen eintreten, und ich hätte nicht Lust mich in Hallstatt anzusiedeln, obwohl ich nicht läugne, daß ein Aufenthalt von einem Jahre, um die Anomalien der Natur hier am See zu beobachten , für mich Interesse genug hatte. Doch die Bewohner von Hallstatt scheint die Natur wenig zu kümmern; sie sehen die Wasserfälle, die um sie her sprudeln , den Salzberg, der sie leben macht, und die magische Gegend, die um sie gelagert ist, mit gleichgültigen Augen an, und wenige von ihnen wissen es, daß eine kleine Stunde von ihrem Markte ein Wasser- fall brauset, der zu den schönsten von Europa gehöret. Wer ist mehr zu beneiden, als die Bewohner eines Ortes, in dessen Bezirk die Natur selbst ihre Schönheiten ausstellte; denn unweit der Pfarrkirche von Hallstatt schäumt ein schöner Wasserfall in mebrercn Fällen den Berg herab. Von dem im Rücken des Marktes gelegenen Salzberce gehen die NöhrensStren- nen) einige Stunden »reit am Berge bis nach Ischl, wobin die Sülze von Hallstatt geleitet wird. Im Jahre ,750 hatte dieser Markt das Unglück ein Raub der flammen zu werden; die Kirche verbrannte, die Glcckcn felen herab, und die Pfannhäuser wurden eingeäschert. Crst nach diesem Brande wurde das Verw'eehaus und die Pfannhauscr in der Lahn erbauet, um den Markt vor Fcuersgefahr zu sichern. Excursion auf den Glätscher am Dachsteine. Noch lag der Moroennebel über dem prächtigen Waldbachstrub. Wir zogen nahe an ihm vorüber, und hörten nur sein Donnern in den Wolken, die ihn uns verhüllten ; wir sahen ihn nicht. Wir mußten links durch die Wa l d- bachleiten einen Alpenwald hinan, dessen Eintönigkeit nur die Grösse der Waldseenen, die sich uns hier darbothen , interessant mache» konnte. Wir ruhten, um unser Frühmahl zu halten, nachdem wir beynahe anderthalb Stunden bergan gestiegen waren, bey der Holzknccht- hiitte. Eine traurigere Lage sür eine Men- schcnwohnung, als diese Hütte hat, läft sich nicht so leicht denken. Wir eilten über den düsteren Wald, um bald in's Frcye zu gelangen. Da mußten wir' aber erst noch an der schmierlichen Tropf wand hin, die ewig kalte Lüfte umweben, welche die Nebel an ihr in Tropfen gerinnen machen. Sie bildet die Schot- — 4- — tenfeit« einer hohen ?elsenmasse, unt ist einer der großen ätherischen Wassererzeugungsoppa- »ate, deren sich die Natur zur Bildung der Quellen und Bache bedient. Ucber dieser kalten Tropfwand, die, wenn man in sie hinabsieht, einige herrliche Felsen- scenen gewährt, kamen wir in den gmbiqen Thiergarten, in dessen Felsenwänden man ei>,e Höhle findet. Die Führer erzählten uns viel von Bären und Drachen, die hier Hausen. Bergbewohner haben eine lebendige Phantasie, und ich verzeihe diesen guten Leuten gern das Spiel, das pe mit ihr vorhaben. oder vielmehr das diese mit ihnen treibt. Bären gibt es alle z bis 4 Jahre hier. Sie kommen aus der Gösau herüber, und finden hier ein Ideal einer Bärenwelt. Auch um >?bcnsee unten kommen zuweilen aus den Wäldern der Grünau Bären Hertin. Wölfe streifen auch hier, Lämmergerer stehlen hier Kälber und wohl auch Kinder, und Schlangen von seltener Grösse, und Eidechsen, die kleine Alligators sind, giebt es auch in diesen unwirthbarcn Zelsengrimden. Unter Erzählungen von diestn Lindwürmern und Drachen kaincn wir hinauf in die sogenannte Herrengasse, wo das Gespräche bald ein Ende nahm. Jeder mu^tc hier für seine Beine sorgen, und zusehen, daß er sie so sehe, daß sie ihm nicht unter jedem Schritte brechen. Zum Glucke fing hier schon die Alpenflora an, und wir fanden uns entschädigt für jeden Fehltritt durch die Schätze, die wir sammelten. Unvermerkt kamen wir auf die Alpenwicse, wo wir in den Sennerhütten uns zur ireitercn Reise nach dem Glätscher rüsteten. Tie Lage dieser Sennerey ist bey weitem nicht so angenehm , wie jene auf dem Kranabitsattel. Ein vdcs Thal umschließt sie, und niedrige kahle Wände hindern die Ausficht in die Ferne, die auf anderen Alpen so herzerhebend ist. Wir eilten hinauf in die obere Qchsenwiese, stiegen bald aufwärts bald abwärts durch öde Thäler und Gerolle von verwitterten Kalkfelsen, und hatten auch dann dem Horizonte noch nichts abgewonnen, als wir bereits bey der traurigen oberen Ochsenhütte nach , 1/2 Stunde Etelsens anlangten. Erst dann, als wir in das — 44 — Taubenkar hinauf stiegen, öffnete sich uns der Himmel, und die Erde entfaltete sich unter unseren Blicken. Da stieg aus blauer Ferne der Grimmina, empor, und mehr gen Norden der Priel, und der Pirn oder Pirglas, und der Stoder bey Steyer. Feyerlich erhoben sich in weiterer Ferne die Kalkenfelsengip- fel von Admont und jene der wilden Alpen, und in der grauen Dämerung glaubt' ich den mächtigen Rucken des Schneebergs »6 Stunden von Wien, noch zu entdecken. Ein herrlicher Anblick! Dunkelblauer als irgendwo auf den Alpen war das Gezelt des Himmels über uns ausgespannt. Scharf schnitten sich in dem dunklen Blau die eisigen kalk- rveissen Gipfel des Dachsteins aus, und das blaßgriine Eis des Glätschers schattirte das ätherische Gemählde. Ein dumpfes Murmeln der trüben Bäche, die aus den Rissen des Eises hervorsprudelten, weckte die himmlische Stib le. Wir wollten neben den Klüften hinan, die die Eismasse von den Felswänden trennten, als Nebel an Nebel aus den Tiefen heraufstieg. Ter Thorstcin verschwand vor uns, und der Ochsenkosel und die kahlen Wände des — 45 — Hinteren Gestades und des vorderen. Dann rauchten die Nebel hinauf zum kleinen Kreuze und bald verlor ich auch das große in ihnen vor unfern Augen. Wir konnten nun nicht mehr. Drty Stunden würden wir wohl noch gebraucht haben zum großen Kreuze; wenn jemand glücklicher ist, als wir es waren, so denke er an uns: vergesse aber unfern Rath nicht, auf Alpen nichts zu wagen, und Nebel zu scheuen auf den Alpengipfeln, wie am Katheder. Das eigene Licht, das Ätherische Licht, das die Augen blenden wird aus Alvengipfeln, wird die weite Ferne nie ahnden lassen» die man noch hat bis zum erwünschten Puncte. Abstände von 100 Klaftern glaubt man beyna- he mit der Hand erreichen zu können, und man traue mir: multa tulit, kecityue puer, su6avil st slsit, bis er auf Alpen von einem Felscngipfel zum andern komme, wenn beyde kaum eine Schußweite entfernt zu senn schcimn — 46 — Groß ist dieser Glätscher hier am Dach, stein ; 5 Stunden kann man immerhin an ihm aufwärts steigen über seine Klüfte, und 7 Stunden abwärts hin gegen Schladming. Ich hatte diese Reise damahls im Sinne; ich wollte zu den Teufclslöchern unter diesem Glätscher, allein die allmächtigen Nebel »erstatteten es nicht, und wir srvren mit unserem Plane am Glät scher ein. Zährlich wächst diese Schnee - und Eismasse : vor einigen drevßig Jahren, sagen die Leute, war hier noch ein Schnee, der endlich nicht mehr aufthcmte. Noch sieht man das jüngere Alter dem Glätscher an; er hat nicht das alte Grün des ewigen Eises. Die Leute träumen viel über die Verbindungen dieser Eisfelder mit dem grünen See in der Gösau, vielleicht ist aber dieses Eisgebirge mit dem grünen See, wie mit dem Hirschbrunnen und dem Kessel am Hallstätter See, wirklich durch unterirdische Höhlen und Kanäle verbunden. Man kann sich vielleicht überzeugen davon, wenn man von der Gösau herauf über den Kamin den Dachstein besteigt. Zch bin nie diesen Weg gekommen, so wie ich ni« in der Gösau war; ^- 47 - man wird leicht Führer dort fnden. Der Weg ist, wie ich höre. beschwerlicher, aber kürzer. Wir stiegen 7 Stunden von Hallstalt bis zum Glätscher. Kaum wird diese Skiz«e eine Zdee gewähren von der FciMpracht, in der die Natur in den Höhen von mehr als 1200 Klaftern über den, Meere prangt; wo die Lust so rem, so leicht auf die Zungen der athmenden Wesen drückt; wo die Brust so frey athmet; wo die Augen so weit hin tragen auf 20 Meilen weit rund um in die Ferne; wo das Ohr so scharf hört in der ätherischen Stille. Man komme hinauf auf unsere Glätscher. Wer nicht i?00 Klafter über dem Meere war, hat das Glück nicht ganz genossen, ein Mensch zu seyn! Wir waren hier unglücklich ; wir sahen unsere Wünsche und unsere Plane in Nebelwolken zerrinnen ; und doch war es uns so wohl hier am Glätscher. Hätten die kalten Lüste, die schaurig über die .Eisfelder herabwehtcn, und die Eismassen in luftiges Grün hüllten, nicht unS erinnert, daß es um 4 Uhr Abend wird auf den Glätschcrn, wir würden hier angezaubert gewesen seyn bis in die Tämmerung; wir wiir, x 43 — den vergessen haben, daß wir noch 2 Stunde» hinab hatten in unsere Hütten an der Alpcn- wiese. Wir kehrten heim und nahmen Abschied von den Gipfeln in der Ferne, die nur mehr halb so rein, als wir sie sahen, über den Wolken dastanden, die an ihnen emporstiegen. Mit jedem Schritte abwärts versank einer um den anderen rechts und links in dem Felsenge- rölle, das wir hinab kletterten, und schwer? muthsvoll und traurig kehrten wir heim, begleitet von den melancholisch hallenden Glocken der Rinder und Ziegen, die uns in der immer nächtlicher werdenden Dämmerung, als suchten sie Schuh und Gesellschaft bey uns, zur Alpenhütte im öden Thale folgten. Die Sennerin hatte ein Alpenabendmahl bereitet für unsere Führer: von allen Sennergriinden umher versammelten sich die Dirnen den uns , um Kunde zu haben, durch unsere Begleiter von ihren Buben. Die Liesel hatte es ausgeplaudert , daß sie Leute haben wird von Hallstatt diesen Abend, als sie das Abendfutter heimtrug für ihre Kühe. - 49 — Die Grü'sse waren bald bestellt, und die Bestellungen für den nächsten Sonntag zu dieser oder jener Hütte, auf diesen oder jenen Kogel , eben so bald in Ordnung gebracht. Unsere Führer, zu müde, um den muthwilligen Neckereyen der Dirnen Gehör zu geben, legten sich, und bathcn die Heldinnen, daß sie sie einludeln *) möchten. Aber die Schalken wirbelten so gä'llend und das Echo warf ihre schneidenden Gurgeltöne so prall zurück in die Ähren von den benachbarten Wänden, daß der Schlaf gar bald verscheucht war von den müden Augen. Und nun ward sortgeludelt und fortgcscherzt, und am Nachtfcuer beym Schottenkessel in der Alpenhütte fortgeschwätzt, bis männiglich und weibiglich die Zunge nicht mehr heben konnte, und.alles schlafen ging in ') Lübeln heißt man hier unarticulirtr Töne ans der Kehle wirbeln, zu welchen die Harmonie von dem nahen Echo erwartet wird. Wer das Echo am lautesten zu wecken versteht , der lubelt am besten. Die Melodie ist immer von einem der bekanntesten Alpenliedrr genommen. D — so — die benachbarten Hütten. Die Sennerinn unserer Hütte (wir lagen in einem Verschlage de» selben) blieb allein und wachte beym Feuer. Wir hofften am folgende» Morgen den Gipfel des Dachsteines zu bezwingen: allein der Nebel blieb zu lange auf ihm liegen, und wir mußten uns entschließen, über den HierlatS nach Hause zu kehren. Während wir über denselben hinabstiegen, hatten wir noch eimnahl Gelegenheit, die mannigfaltigen Formen, in die der Zahn der Zeit die nackten Kalkfclsen hier zernagte, zu bewundern. Wir fanden hier überall grauen Kalkstein, und nichts als grauen Alpenkalkstein. So wenig erfreulich dieses Einerlcy für den Mineralogen ist, wenn er auch hier und da in den Klüften der Kalkfelsen, oben z. B. am Glatscher, Mondmilch oder hier und da ein Eisenoryd findet, das das todte Grau färbt, oder zuweilen den Abdruck eines SeethiereS oder sein Gehäuse; so interessant sind doch die dmannigfaltigen nahmenlosen Formen, iL die die Natur hier diese eintönigen Massen bildete. Stellenweise würde man glauben, ihre plastische Hand' habe alle diese Massen aus weichem Wachse geformt, so rund und sanft gebogen und gewölbt ist alles: die Eindrücke und Höhlen so weich, als hätte man mit der Fingerspitze oder mit dem Ballen der Hand sie in Wachs gedrückt. Und dann ist wieder eine weite Strecke hin alles so scharf, so kantig, so seingeblättert, wie keTe Kunst den Kalkstein zu spalten und zu arbeiten vermag. Wie auf allen Kalkgebirgen, so ist auch hier die Vegetation ungemein reich und üppig. In ungefähr zwcy Stunden hatten wir den Hinteren höheren Gipfel des Hierlats *) erstiegen. Im Süden lag er vor uns, dieser eisige Gipfel, er heiterte sich jetzt aus, die Nebel flogen nun weg von ihm, aber sie kam zu spät D 2 *) HirrlatS ist im oberöstcrreichischenPa, ioiS so viel als hier liegt es. Die Goldjäger suchten hier Gold, und die Leute riefen ihnen zu, hier latit-»» iD^»-i Ni!» ^>«v 7 Das Auge wird sich verlieren in dem Reihentanze, in dem die Felsenwandc und dieAl- pcngipftl alle um den Spiegel des Sees den Abschied scyern, um in ihm ihr Bild noch ein- mahl vor den Augen zu verdoppeln. Man wird hinschwimmen über die schwarzen Tiefen, ohne es zu ahnden, daß man mehr als anderthalb Stunden lang hin geschifft ist. Da wird plötzlich unter dem Nachen das nachtlich schwarz« Wasser zur meergrünen Fluth, ein Heer von Wasserpflanzen beugt seine Gipfel unter dem Schiffchen zum Gruße; jedes Steinchen blickt herauf aus dem krustallnen Wasser, und der Nachen stößt an das schilfige Ufer. Alles ist hier offen und eben und lachend; die Felsenwande sind zurückgetreten , uud sanfte Hügel ziehen sich am Fuße der Berge hinan; meergrün plätschert der See hier am Ufer; man athmet leichter; man glaubt in eine andere Welt gekommen zu seyn, wenn man in Hallstatt wochenlang« lebte, und dann mit einem Mahle hier am Stege landet. Mit scheuen Blicken sieht man zurück hinein in den schwarM Kessel des SeeS, den der Sarstein, und der Krippcnstein hinter ihm zur Linkender Zwölferkogel, der Hierlats, der Salzbcrg und der Gosahals umschließen. Nur der Gosazwang , der hier am Klappstein über eine mehr als 80 Klafter breite Schlucht gespannt ist, und auf 7 steinernen Pfeilern ruht, wovon der höchste 2z Klafter hoch ist, bringt hier noch etwas Schauerliches in das Milde dieser Gegend. Dieser Zwang, der im Jahre 1757 von einem Hallstätter Bergmanne, Nahmens Johann Spillbüch- ler gebaut wurde, ist nichts anderes , als eine Wasserleitung, mittels welcher die Salzsohle von Hallstatt nach Zschl geleitet wird. Wie in ihrem Zimmer laufen die Arbeiter über diese Röhren, 2z Klafter über dem schäumenden Waldstrome. Man lasse sich nicht verführen, diese Seiltänjerkünste ihnen nachzuthun, wenn man nicht will, daß man mitten auf dem Gestänge vom Schwindel ergriffen werde, daß man nicht rückwärts mehr könne, und nicht mehr vorwärts, und auf den Bauch hingestreckt — 59 — über die Rohren man dann um Hülfe schreien müsse. ...^ .z,>- . 5>!?'< .' Ter Wildbach, der hier aus dem Gesa tbale hervorströmt, hat eine Ebene von Schutt umher aufgethiirmct. Allmählig würde er den See hier verdammen, wenn nicht das prächtige Klauscngebäudc ihn offen hielte zur Schifffahrt. Diesen herrlichen Damm, den der alte Seeauer baute, wird man hier gewiß bewundern, und auch in die Gos a- mühle oben, in die merkwürdige Fässelmühle wird man gehen, wo Tauben und Boden zu den Fassern geschnitten werden, in welchen das Salz verpackt wird. Bon dieser Mühle kann man, wenn man dem Bache folgen will, in das herrliche Go- sathal. Man wird nicht 4 Stunden brauchen, und man ist bcy dem Wirthe in der Hinteren Gosa. Von dort hat man noch 2 Stunden bis zu den Seen, die zwar klein sind, wovon aber der Hintere obere, meergrüne See, durch die ungeheuren Wände, die ihn umschließen, ein prachtiges Tobleau gewähren soll. Hier muß man sich ganz selbst überlassen seyn. — 6s — Von Osten herüber, wo das Thal gegen Leichtling und über die Pötschen hin sich auf- lhut, blickt uns der Sandling nach, der gekrönte Loser und der bewaldete Rosenkogel. Die evangelische Kirche, die einsam in einer lichten Aue vor uns steht, und der alle Thurm von Goisern beleben die liebliche Landschaft, durch die wir, als streiften wir in einem englischen Garten, unvermerkt nach Goisern kamen , das ich in einem gut bebauten Thale von der Traun mit seinem braunen Kirchthur- me liegen sah , der mir traulich entgegen winkte. In den meisten Geographien, die von Oesterreich ob der Ens handeln , erscheint Goisern als ein Markt , und selbst der Verfasser - des Erzherzogthums Oest. ob der Ens (Wien, bey Binz und Linz in der akademischen Buchhandlung , 7y6) ist in diesen Zrrthum gefallen, und schätzt die hiesige Pfarrgemeinde evangelischer Religion auf 500g Stelen; in beyden Stücken ist der Verfasser jener soi 6isaot Geographie, die überhaupt nur eine der gemeinsten Buchhändler - Spekulationen zu seyn — 61 — scheint, sehr irrig daran; denn fiir's erste ist, Goiscrn nur ein Dorf, obschon es tausend Mahl eher den Titel eines Marktes verdiente, als viele Märkte Untewstcrrcichs mit ihren indolenten und faulen Halbbürgern. Dann besteht die lutherische Gemeinde nicht aus zooo Seelen, sondern aus 2000, wie ich es von sehr guter Quelle weiß. Ter Pastor derselben, der zugleich Senior ist, Herr Overbeck, ein Bruder des ruhmlich bekannten Dichters und Liibeckischen Rathsherrn , hat hier ein Bethhaus und eine Schule. Nebst dieser lutherischen Gemeinde besteht hier auch eine ka^ tholische Pfarre, mit einer Gemeindevon 1500 Seelen. Gegenwärtig ist hier Herr Paur Pfarrer, und zugleich Consistorialrath, ein Mann, bey dem man die besten Zeitschriften des In - und Auslandes findet, und der fich bereits durch mehrere Erbauungs - und Erzie- bungsschriften der literarischen Welt vortheil» hast bekannt gemacht hat. Vcyde Seelsorger sind kluge und verständige Männer, sie leben im besten Einverständnisse, und flössen diesen liberalen Geist der gegenseitigen Duldung durch ihr Beyspiel auch ihren Psarrkindern ein. Eine löblich« Folge dieses guten Einverständnisses ist, daß sie sich gegenseitig unter einander vermählen. ES geht in der Gegend eine in Ehroni- kcnart «tbgefaßte Schrift herum, von der ich mehrere gleichlautende Exemplare zu Gesichte bekam, und deren ich eines gegenwärtig selbst besitze; diese faselt dann gewaltig viel von der alten Stadt Goisernburg, von den Wildsrauen bey Hallstatt, und sie beginnt mit der bekannten Fabel vom Untersberge im Salzburgischen. Daß die Erzählungen nichts anders als Erdichtungen eines muffigen Kopses scvcn, darf ich wohl nicht erst beweisen, aber daß Goisern in srühern Zeiten ein Markt gewesen sey, scheint mir sehr wahrscheinlich ; denn es finden sich unter den Bewohnern dieses Dorfes viele, welche Privilegien zu Handlungszweigcn besitzen, die für ein Dorf nichts weniger als passend sind. Auch ist daS Dorf gegenwärtig so ansehnlich als mancher Marktflecken; denn es enthalt sehr viele gemauerte Hänser mit einer Etage. Gegenwärtig hebt sich dieses niedliche Oertchen immer mehr. Die Einwohner desselben leben theilS von Arbeiten bey den k. k. Werken, theilS von dem Ertrage ihrer Landwirthschaften, theilS von der Verfertigung von Messerbestccken und «Heils vom Handel. Einige Bewohner ziehen aus der hiesigen Gegend vielerlei) Wurzeln und Kräuter, die durch mehrere Hönde in die Apotheken nach Wien wandern. Hier h»t auch das Psieggcricht der Herrschaft Wildenstein seinen Sitz, von der ich oben beym Salzkam- mcrgute gesprochen habe. Von Wien bis in'S Ensthal hatte ich nicht das Glück unter den weiblichen Bauersleuten nur eine einzige Wohl- gebildete Visage zu sehen, und selbst von den Hochgcpriesenen steyermärkischen Brentlerinnen kann ich nichts anders sagen, als was Blu- moucr von dm Salzburgischen sagte: „Die Sennerin» die von der Welt geschieden , Den ganzen Sommer durch auf ihrer Alp« bleibt, Ist von der Ziege, die fie melkt und treibt, Nur höchstens darin unterschieden, Daß ihre Brust ein bischen schwärzer ist. Auch liegt auf ihren schönen Händen, Die ihr Damölas, wenn sein Herz zerfließt« Mit schmalzbeträuften Lippen küßt. Von so viel Jahren Schmutz und Mist, AlS Schnee hier auf den höchsten Felsenivan» den." Aber die Scene änderte sich, so wie ich durch das Ensthal hin gegen Ausser, und von da dutch das Salzkammergut kam. Ich fand da nicht allein der mittelmäßig hübschen Gesichter eine große Zahl, sondern ich sah in diesen Gegenden selbst schöne Physiognomien mit zriechischem Umrisse, deren vortheilhafte Bildung mit dem manchmahl, aber selten vorkommenden etwas bräunen Teint, und mit der nichts weniger als geschmackvollen Kleidung sonderbar contrastirte. Man kann sich also denken, daß ich hier, wo die Natur klassisch ist, und wo selbst Physiognomien mich einen attischen Himmel träumen liessen, nicht wenig über die ganz unvermuthete Erscheinung der drey weiblichen Paviane erstaunen mußte, die mir die Ehre der Ueberfahrt auf dem Hallstät- ter - See anthaten. Dafür sah ich nun in Hallstatt und in Goiscrn manches niedliche Gesichtchen, dessen Anblick mich siir die eben nicht sehr erfreuliche Vision entschädigte, die mir dort wie ein veus ex macliin» in den Weg gekommen war. Nur siel mir hier in dem oberlaiidischen Gebirge, wo ich nur an den Anblick der sogenannten Bodenhauben gewohn» war, die sonderbare Art des Kopfputzes der 6s Weiber und Mädchen, der hier anfängt, und durch Oberösterrcich fortwährt, auf, die wie das schwarzbraune Weibsvolk der Wenden in der Untcrswiermark die Köpfe statt der Haube i» t ciuem Tuche bedeckt haben, übrigens sich aber dem oberstcyerschcn, oder oberenserische» Landvolk? gleich trugen. Diese' sonderbare Tracht verbreitete sich von der Gegend um Wels, wo sie schen lange herrschend ist, bis in diese Gegenden, und auch schon in Hallstalt sah ich einige Mädchen , die ihren Kopf in ein Tuch gehüllt hatten. Che ich von Geisern scheide, muß ich meinen Lesern eine Probe von der Orthographie des Kureau ci'inscriptiyri vo» Goiscrn mitthcilen, die ich an einem Wirthss Hause hier angeschrieben fand: sie heißt - „Der Peer der duct der Schild hier sein. Der Wird ausschenkht gut Pier und Wein." Nachdem ich in Goiscrn die Nacht zuge, bracht hatte, wallsahrtcte ich am folgenden Morgen zu dem für alle Schatzgräber dieser Gegend berühmten E — 66 — H ö h l e n l o ch e. - chiM »ick»,?'»» 'xvzöjiH«^ ^^sMl^'>^'>l das alte Laufe n hervor'auf seinen Felsen, Was hätt' es auch anderes, das es uns zeigen könnte, als diese Felsen, die es, wie alle seine Nahmenbrüdcr, den Schiffern und den Schiffenden gleich verhaßt macht? Es ist hier nichts zu zeigen in diesen öden steinigen Markte, als der sogenannte wilde Laufen, den wir von der Brücke, die hier über die Traun führt, am besten sehen können. Dieser wilde Bergstrom stürzt hier über Felsen herab, zwischen welchen das Schiff mit Pfeilcsschnclle durch eine Spalte durchgerissen wird, die rechts und links kaum einige Fuß Spielraum läßt. Um nun in diese Spalte glücklich einzufahren, muß es erst einen Polster , oder wie wir in Teutschland c5 nenne!!, eine Wehre herabstürzen, daß die Wogen in Schnabel und Hintersteren schlagen. Kaum ist es aus diesen Gefahren; so muß es durch die Brücke, die eben nicht die leichteste Durchfahrt gewahrt, und dann soll es noch, wenn das Salz, das es führt, .für die Fertiger zu kaufen bestimmt ist, mitten im Schwalle des schäumenden Flusses umkehrest und anlanden. Wahrlich man wird den guten Schiffern, sy sehr man ihre kühne Geschicklichkeit bWundcrn muß, es verzeihen, wenn sie hier zum Kreuhe bethen, das auf dem Felsen im Strome steht- Ich bin diese Passage selbst herabgefahren; ge- bethet Hab' ich nicht» denn 7e oe suis oe pour ce-lebrer les sairUs; aber ich habe gezittert, und das wird man nur auch verzeihen,, wem: man hier am Ufer steht, ein Schiff durchfliegen sieht durch diese grau-, stilvollen Kataracten, und wenn man für die Schiffenden zittern wird. Loch wir wollen hier nicht warten bis ein Schiff kommt, und uns das 8usvs T terra ms-znum slterius spectare Isbo- rem suhlen und erklären Hilst. Wir wollen forteile!» iil'cr den Hügel hinan » und durch die schönen Partien vom Tannenwäldchcn hinab. Dort links wird das Thal sich öffnen, dort wo der abgebissene Gipfel des SchafbergcS herblickt vom Wolsgan-j - See. Unter jenen zwey Gipfeln, unter dem zweyspitzigcn Sperber dort liegt Ischl. Siehe da, wie dort die Doppelreihe der schönen Häuser aus dem Thale hervor steigt ? Wie der grüne bewaldete Hügel, der «,'alva« rieuberg, auf dem eine Kircbe steht, so schön «bsticht von den kahlen grauen Felsenwanden der machtigen Alpen! Wir kommen von schönen Gegenden her, wir haben in der üppigen Pracht der Seen geschwelgt, und doch müssen wir uns es gestchen, daß die Gegend um Ischl sehr schön ist. Es ist etwas so frisches, munteres in der Ansicht, die dieser artige Markt gewährt, daß man es nicht ehe bemerkt, daß der Kirchhof im Vordergrunde dieser schönen Vista liegt, bis man näher zu den bekreuzten Mauern hinkommt, und der ganze Zauber sich in die gewöhnlichen Formen eines gutgebauten, Wohlstand verkündenden, Marktes aufiöset, durch dessen Mitte ein schiffbarer Fluß strömt, der hier einen scbissharen Dach aufnimmt Wenn man auch das hiesige Salzbergwerk nicht befahren wollte. das mit so vieler Mühe und so vieler Gefahr gcbauct wird; so lohnt es sich doch der Mühe, wenn man in Ischl eine kleine Pause machen will, das schmale herrliche Thal, in welchem dieser Salzberg gelegen ist, zu besuchen. Ich bi» gewiß, daß man mit Vergnügen von dieser Promenade zurückkehren wird, die höchstens ^ Stunden. Zeit kostet. Mit einem Möhler muß man aber nicht dahin gehen, wenn man sobald zurückkehren wisl: der wird Tage lang dort fl-cn bleiben, und zeichnen an den Wasserfallcn, die- cntgcgcnspriidcln; an den Fclsenparticn, die diesem Parke den erhabensten Styl leihen; an den Hüllcngruppcn und Mühlen, die diese pic- torcLren Ansichten beleben. Und wenn er erst das weisse BurghauS oben am grauen Felsen erblickt, zu dessen Seiten in zwcy Cascadcn die unterirdischen Wasser aus dem Salzbcrge herabstürzen! Da wird er nicht mehr von der Stelle gebracht. Auch Mineralogen dars mnu nicht in diese Gegend mitführen, wenn man bald zurückzukehren wünscht. Tie nackt hlrrcrstchendcn Zel- sei?, in welchem mit dem grauen Kalke Thon lind Gyps wechselt, wo der Salzsrock sehr nahe am Tage anzustehen scheint, und wo man auch wirklich schon anfing, einzuschlagen, alles dieß wird die Aufmerksamkeit dieser Herren zu sehr sesscln, als daß'sie so leicht davon wegzubringen waren. Man wird auch Schleifsteine hier finden, und dann wird weiter nachgespurt, und der Tag geht zu Ende, ehe man nach St. Wolf- gang kommt. Und dort muß man bcy Sonnenuntergang seyn, wenn man die Kostbarkeit dieses Sees ganz genießen will. Ich rathe jeden daher so? bald als möglich Nachmittags von Ischl wegzufahren , um vor dem Untergänge der Sonne noch das Ufer dieses Sees zu erreichen. Der Weg von Ischl nach St. Wolfgang ist ein eintöniger ebener Weg, der längs des schiffbaren Jschlerbaches durch Auen hin sich schlängelt , welche höchst wahrscheinlich bis gegen die Hiigel um Ischl hin einst Seegrund waren. Ucberall ist hier Schottcrgnmd bis z>- mächtigen Tiefen. — 75 — So wie man aus den Tanrlcnaucn hervorbricht, ist man am Stro.bel und an der östlichen Bucht des gottlichen ^ Wolfgang - See. Ein Laulholzhngel zur rechten bildet im Vordergründe ein kleines Vorgebirge, und links läuft am Ufer des Sees die Strasse nach Salzburg hin, die waldige Höhen beschatten. Hier bcftci.it man nun einen Kahn und man lasse die Wogen sich sorlspiele», wo sie einen immer hiutreiben mögen.- überall ist es hier schön, überall kann man hier landen an el>)sischcn Ufern. Ich habe versucht, einige Bilder von d.'in Gmundncr - See und von dem See zu Halt- statt zu entwerfen. Von diesem See, auf dcu man jcl-,t schifft, vermag ich es nicht. Neinc, sanfte und doch erhabene Schönheit ist über ihn ausgegossen, uud Anmuth nnd hchre W a- de sind an seinen stillen Ufern vermählt. Ich habe noch keinen See gesehen unter den vielen cen , die ich sah, der so viel Zarte? und so viel ^rofe'» m einer so glücklichen, so wahr» Haft ästhetischen Harmonie in sich vereinte; und mehrere Künstler, die ich dach, diesen See zu studieren, gestanden mir die Richtigkeit meincr Wahrnehmung. Es sind ganz eigene Empfindungen , die sich der Seele bemächtigen, wenn man reine Schönheit anschaut. Das Große, das Erhabene, das Schauerliche, das Wilde ergreift, begeistert, reißt hin und bringt die Seele in Aufruhr.» das Schöne bezaubert und gießt ihm sanftes, wärmendes Licht durch alle Nerven. Ich kann nicht mehr sagen vom Wolfgang - See, als daß er schön ist, daß er der gehaltreichste Vorwurf zu einem Studium über das Schöne in der Landschaftmahlerey ist. Um dieses Studium aber hier zu vollenden , muß man diesen See in seiner schönsten Beleuchtung sehen , in der sinkenden Abendsonne, oder in dem ausschwebenden Morgenstrah- lc; wann die Gipfel der Alpen, die die be- bauten und bewachsenen Hügel krönen» welche den See umsäumen, im Purpur glühen; wann die Spitzen der Wogen, in welche das Abend- lüftchcn oder das Wehen des Morgens den Spiegel des Sees kräuselt, vergoldet sind von dem Abendzlanze jenes Purpurs, und noch lange — 77 Echattennmssen von den Bergen in den See hereinziehen. Man muß ^umhcrschissen an seinem nördlichen Ufer, und die Partien, die der Rinnkogel und der Rcttcnkogcl, der zweygipse, lige Sperber und dieHofcrwand und das Wie- senhörnl und das Ahornfcld an seinem südlichen Gestade aus dem Gewiihlc bebauter Hügel und bewaldeter Berge, stiller Thaler und sanfter Buchten bilden. Laufe man nur indessen im Hafen von St. Wolsgang glücklich ein; und wenn «6 dann stürmt und windet, so lege man sich auf das felsige Vorgebirge hinaus, auf dem die Andacht einen Colvaricnbcrg baute, und sehe hinab in den Scesturm, dem man glücklich entronnen ist. St. Wolfgang ist ein angenehmes Äertchen, ein Markt von einigen 90 Häusern. Es scheint einst noch glücklicher gewesen zu scyn, als es jetzt ist; seine schönen und großen steinernen Gebäude verkünden wenigstens mehr Wohlstand, als die Einwohner jetzt besitzen. Der heilige Vater Wolfgangus sorgt noch jetzt siir dieses Hertchm, das, verglichen mit de», — 73 — annlichen St. Gilgcn am westlichen, und mit i?cm einsamen Strobcl am östlichen Ufer, allerdings noch jetzt die Früchte seines Segens 5» genießen scheint. Jährlich kommen noch jetzt gläubige Wallfahrter aus der Gegend umher , und kmifcn s'ck bei) dem Einsiedler, der obtn am Falkenstein hauset, ^gnu» und Heiligen Bilder, das Stück für z kr., und kleine Aerte von Eisenblech um i kr. Dieser Falkenstein liegt schon in dem ehe» mahligen Salzburgischen. Der Einsiedler, den ich hier fand , war der Sohn eines Schreibers aus Werfen. Er hatte einige Knaben hier bey sich, die ihm, wie er sagte, zur Erziehung anvertraut waren. Ich vermuthe nichts Arges hier von diesem heiligen Manne, denn er erhielt fast täglich Besuche von Weibern, die in der heiligen Quelle an der Einsiedlerey ein sehr gerühmtes Mittel gegen Unfruchtbarkeit finden. Man besuche diese Eremitage; der Weg zu derselben ist einer der angenehmsten Spaziergänge, die ich kenne. Doch weit interessanter ist eine Ercursion auf de» S ch essaub e rg oder Sch a fberg. — 79 — »der den T e n fe lsa b b iß, wie die Aelplec >n Unterösterreich diesen Berg seines sonderbaren Gipfels wegen nennen. Man sieht diesen Berg, dessen Umriß nicht zu verkennen ist, sehr deutlich vom Gipfel des Schneebcrgcs bey Wien, und folglich sieht man von ihm auch den Schnecberg wieder, uud natürlich den größten Thcil von Obcrösterreich, »nd eine weite Strecke von Salzburg und Bayern. Er ist nicht sehr hoch: in 2 Stunden hat man ihn erstiegen, und genießt von ihm die Aussicht auf y Seen, von wclckcn der Wols^ang - See der Fuscher-Sce, der Mondsce und der At- trrsee, die vorzüglichsten sind. Vom Wolsgang fahren >v!r hinauf zur Glashütte,- m der nordwestlichen Bucht des Sees. Bald werden die SclMcr uns hinauf- gcrudert habe» zu jener kleinen Felsenwaud, die so prachtig in den See hinaus vorspringt. i't emc Kapelle darauf gebaut; es ist der Halkenstein, wo der heilige Wolfgaugus hauste. ^ incn schöneren Echo, als man hier auf dieser Wand auf dem See findet, hat man wohl nie gehört. Die «hcn Schiffer, die hundert Mahl nud tausend Mahl ihn hörten, wenn sie vor» — 30 'xr fuhren, ziehen hier, wenn ih^^ahn dem Felsen gegenüber steht, die Ruder ein, und lassen den Nachen schweben, um sich s;'tt 5» hören an diesem schalkhasten Echo. Mehr als 6 Sylben spricht es rmt de? täuschendsten Deutlichkeit nach; und je nachdem man naher oder serner zu der Wand hinsteuert, wiederhohlt es einzelne 7 — 8 Mahle, jeder desto öfter, je ferner man ist. Wenn die Schiffer gerade auf St. Gilgcn mitten durch den See hinauffahren, und mit ihrem Nachen dem Felsen, wohl eine Viertelstunde weit, gegenüber kommen , da rufen sie hin - „heiliger Vater Wolfgangus , komm' ich zurück? Sag Ja!" Ja? ja! ja! ja! ja! ja! ja! ruft ihnen das Echo nach, und die guten Leute halten dieß für die Vorbedeutung einer glücklichen Fahrt, die insofern allerdings gegründet ist, als dann kei» Wind geht, so lange man das Echo hört. Hier könnte ein Physiker schöne Versuche über das nachsprechende Ccho anstellen, das von dem harmonisch nachhallenden, das man am Lau- dacher See kennen lernt, ganz verschieden ist. So wie wir dieses Vorgebirge, dessen kahl« Kalkwände schroff in dem See hinab. — Li — fahren, umrudern, steuern wir vor einer In, sel vorüber, die ein herabgerollter Felsenklumpen gebildet zu haben scheint. Auch diesen Fel» sen hat die Andacht nicht mit einem ^«llv^e'vo?, sondern einem Christus in der Ruhe geziert. Wir steuern noch an einer kleinen Insel vorüber, wo ein Ochse einst mit seinem Metzger Jupiter und Europen spielte *) , und rudern in die sanfte Bucht hinaus, in welcher wir unfern der Glashütte landen. Ein kleines liebliches Thal führt uns vom Ilfcr des Sees durch Wiesengründe und prachtvolle Laubholzparticu. Es ist so heimlich hier in diesem Thale; so sanft- ist alles, so rein in seinen lieblichen Formen. War denn kein reicher Mann noch hier, der diesen Park, den die Natur so hold hier baute, mit einer Hand voll Gold in ein Eden umzaubern konnte? ') Es ist «in Wahrzeichen dieser Geschichle an dieser Insel Ein scheu gewordener Ochse sprang in den See; der Metzger, der ihn hielt, warb mitgerissen, und schwamm mit ihm die ganze Breite des SceS durch bis j» dieser J.isel. Ä Wahrlich der Arm-, der hier sei» Patzenhau- sel sich baute, mußte mehr Gefühl haben für die Reitze dieser Gegend, als der Reiche, der hier durchzieht ohne Vorgeschmack von allem, was sein Säckel hier vermochte. Man sehe- hier den niedlichen kleinen See, umschattet von Hänkclbirkcn, die ihre Aeste in seinen Wellen spiegeln.' Hat man einen artiger,, Bassin in irgend einem Parke gesehen? Und dort die herrliche kleine Felscnpartie, durch die unser Psad sich hinauSwindet über den taubwaldhii- gel! Ist eS nicht allerliebst hier? Kommt es einem nicht vor, als hatte die Natur hier gespielt , als sie die grossen Seen alle umher, und die mächtigen Felsenwände bildete? Kommt «s einem nicht vor, als hätte sie hier, in dieser rerlucts rsllis, ihren Modellen Saal ausgeschlagen, um das, was sie draußen schuf im Grossen , hier erst in niedlichen kleinen Modellen zu formen? So wie wir den Gipfel des Laubwaldhu- gels erreicht haben, öffnet eine weite Aussicht vor uns sich gegen Norden. Der Mondsee, der luv»? lscuz, liegt vor uns halbmondförmig ausgegossen. Seine bcxden Hörner um- — 3Z — fange« eine Kette von Hügeln. Am westlichen Hörne liegt das alte vom Thassilo gestiftete Mondsee. Der edle Bischof Gall, dem Lberösierrcich soviel zu danken hat, brachte hier einige Sommermonate des Jahres in philosophischer Müsse hin. Von Schcrfling aus muß man den Mondsee sehen, wenn man ihn ganz überschauen will: von dem Markte Mondsee selbst sieht man nur das westliche Horn desselben. Es ist ein freundlicher grüner offener See, der nur im Süden, wo wir stehen, durch den Gipfel des Schas- berges, durch die Felsenwände des Drachen? sieines und durch den dreyaipfeligen Schober einige große Parricen erhält. Am schönsten wird man ihn finden, wenn man an dem nördlichen Hügelleichen Ufer hinab von Mondsce bis an sein östliches Ende gen Undrach, wohl 5 Stunden lang auf ihm hinschifft. Da steigen alle diese Bergwände im Süden empor, und die fade Nuselcn von Hügelrücken, die daS Thalgcy im Westen um den See her bildet, verschwindet. Man fährt mit Segeln am Wolfgangsee; ain Mondsee kann man aber nicht, wohl segeln, weil nie der Wind an einen» F 2 — 84 — Horm, wie an dem anderen blast. Desto ge? schickte? und schneller können auch die Schiffer hier rudern: am Mondsee allein wird man Streitfahrer (Schiffer, die in die Wette rudern) finden. Unter dem Schalle der alles belebenden Musik fahren die Sieger hier von idcr Mitte des Sees in einer Viertelstunde nach Mondsee: wohl drey Mahl schneller, als wir ben gutem Trinkgclde fahren. Man versicherte mich, daß der Mondsee die größte Tiefe unter allen Seen umher habe, und laß es Stellen gebe, wo man erst bey 200 Klaftern Grund Hat, im Wolfgang - See sind die tiefsten Stellen kaum »00 Klafter. Ucbrigcns halt er dieselben Fische mit diesem - Rheinanken , Saiblinge, Lachsforellen, ^ ellen, Hechte, Schraster, und Atteln. tifcs Kornfeld oder ein neues Saatfeld mit den Spitzen seiner Halme den Wellen des Sees harmonisch imchwallt; es ist schön eine Reihe von ländlichen Sitzen vorbcyzurudern, die eben so viele niedliche See - Landschaftchen dem lüsternen Auge gewähren; es ist so schön, eine weite grüne offene Wasserfiäche um sich fiuthen zu sehen, aber auch das Schöne verliert an Neitz, wenn es zu oft wiederkehrt, und wenn es zu groß wird, um die gefällige leichte Uebersicht, zu erhalten, die es gewähren muß. Würde die Natur der Venus des Praritelec. uns gefallen, wenn der Künstler sie sc> groß gebildet hätte, als Chares Lyndius den Coloß zu Rhodus? Das Colossalische an einem See kann nur dann gefallen, wenn der See zum Meere wird. Da gilt aber dann '.'vu unseren Attersec eben das, was von dem c hin. Endlich steigt der purpurne Rette! stein empor in der nördlichen Ferne aus den Tiefen des Gmiindncr - Sees; ihm folgt dcr hohe Spitz, und der brcitköpsige Traunstein. Diese Riesen kommen und gehen, wie Berge in Meeresbuchten, wenn das Schiff sich wendet, und wie hier die Traun sich windet., und mit ihr der Pfad. Schön ist die Langewiese hinab, und die Aue an der Traun, und der hohe gedoppelte Gipfel des K ra n a b i t s a t t e l, der über die Waldbergrückcn im Westen hercinblickt. Wenn hier die Abendsonne die östlichen Wände der Schrammwand beleuchtet, und den Nettel- stein, und den Gipfel des Traunsteins; weiche Landschaft gewahrt den Effect i« dieser Be. leuchtung? Wie heimlich ist es am mosigen Miesenbach« dort bcy der Mühle, wenn wir die thurmhohen Schorsteine der Pfannhau ser dampfen sehen in der Fern«; wenn die Abendsonne den Rauch vergoldet, der wirbelnd aus- steigt in die Lüste; nenn auf dem schwarzen See in der Ferne die rudernden Kähne goldeu- Zurchen ziehen.' Ein langer gerader Damm, der an dem Holzrechen hingebaut ist, bringt un6 dem düsteren Ebcnsec naher. Gm unden und der Gmundner- See. Am Gmundner - See hat die Natur eine Epopöe geschaffen: ich muß hier in me6iss res hinreissen, wenn ich erwarten soll, daß man auch nur eine halbe Idee erlange von der Grosse dieses Sees. Wir schwimmen niittcn aus dem schonen ovalen Spiegel, den dieser dunkelschwarzgriine weilenlange See in einer der feierlichsten Gegenden der Erde bildet. Man sehe zurück hinab gen Süden. Ein Halbkreis von mehr als fünfhundert und sechshundert klasterhohcn Wanden , die grau und kahl, und senkrecht in seine schwarzen Fluthen Herabsahren, umfängt ihn dort. Im Osten strebt die nackte Felsenwand des Traunsteins 660 Klafter hoch vor uns cm- — 9ö — per aus seinen Tiefen. Im Wcsieu zieht sich eine weite Bucht hinein in Waldgebirge, aus denen die gothischen Thiirme zwcyer Dörfchen »ms entgegen winken. Im Norden steigt ein Amphitheater von lichten lachenden, bebauten Hügeln an seinen Ufern aus, und eine freund» liche Stadl verdoppelt ihre Reitze in seinem kla» ren Spiegel, Hier in der Mitte des Sees, dessen weite Wasserfläche ruhig, wie Qchl, vor uns hin ausgegossen da liegt, hier wollen wir unseren Nachen spielen lassen mit den Wcllchcn, die unser Schiff umtanzen, nach dem Schlage des Ruders, bis die Abendsonne sinkt; bis die fahlen Wände des Traunsteins, und des Rcttel- steines, und des Samcnsieines, und die Fel- senplMmide des Traunstcines im Abendpurvur glühen, und ihr Abglanz die zarten Spitzen der Wellen in der das Abcndliistchen jetzt den Spiegel des Sees kräuselt, mit feurigem Violette vergoldet. Immer wird es dunkler und näckr» lichcr an den fahlgraucn Wänden in Süden; das Schwarzgriin des Sees sinkt immer hinab in tieferes Schwarz; neck glüht der Gipfel des Traunsteins, und weiter strahlet er jetzt bereit» — <)4 — in den ounlluen See; lichte Abendieolkchen, schwiimlicn um ihn, und schwimmen in Doppelgestalt in den Ticftn des Sees. Schcn iü es Nacht in der südlichen Bucht dort Himer den Felsenklippen, und noch ruht das sterbende Licht der Dämmerung auf den offenen Hügeln in der Ferne. Wenn dann an einem Vollmondabende die Silberscheibc am Himmel sich heraufschwingt über den Traunstein, und jedes Wellchen im See, das unseren Nachen umfiuthet; wenn ihr sanfter Feuerblick im See hinausschwimmt an unserem Kahne, und ihr Strahlenschweif, als kam' er von einem Luftmetcore, weit hinschimmert, meilenweit über den zitternden See; wenn die Schiffer, die eilig vor uns vorübcrrudcrn zum nächtlichen Mahle, lange Silberfurchen ziehen mit ihren rhythmischen Rudcrschlägen in den schwärzen Spiegel des SceS: in dem alles vcrgrössernden Mondenlichte stehen die fahlen Wände dräuend um uns da, und scharf ausgeschnittene Schatten zerreissen noch mehr ihre Wände; die Hiigcl liegen verklärt vor uns über der schimmernden Fläche des Sees, und freundlich strahlen die tveissen Mauer herein von der Stadt und dem Schlößchen: v csen«s noctesqus Deum? Zur eine Mondennacht am Gmundnc. - See gab' ich gern ein Jahr aus meinem tcren. Ich habe sie xcnosscn, d>ese ??^te, »nd ich weiß, wcs sc mir r aren, nenn ich hin- obruderte zum Traunstein; das Ruder einzog, wenn ich mitten im See rrar, und in mich schaukeln ließ -wischen dem Himmel und der Erde. Da saß ich oft verloren in Empfindungen und Gefühlen und süssen Träumen, und sah den Mond seine halbe Bahn vollenden iiber den Tee hin. Die Muhle, die man dort klappern hört unten an der östlichen ^elsenwand be»M Rettcl- strine, wo ein Wildbach hervorsprudelt aus dem schauriacn TKale der Eisen au, und kaum eine Spanne Landes angeschwemmt sitzt an den Klippen, um eine Hütte zu tragen; die Mühle dort ist die Corbachmühle. Und das schöne Dörfchen dort, der Mühle gegenüber, mit der Rotlinda am Pyramidalischen Sonnenspitz wo das goldene Kreuz so hell her schimmert vom Thurme, ist Traunkirchen. Da war ein Nonnenkloster einst, das Ottocar vor neun Jahrhunderten stiftete. Eine schöne Nonne - 96 - war dort eingesperrt auf ewig, und ihr Bräutigam sollte sie nie wieder sehen. In dem Angesichte der Mauern, die sein Alles ihm verbargen , wollt' er leben und sterben, und er rergrub sich in einem Schlößchen, daß er an der Corbachmiihlc baute. Nachts, wenn kein Wesen mehr wachte, als sie und er, schwamm er hinüber zu ihr über den stundenbreiten See; er schwamm so oft so glücklich; aber einmahl kehrte er heim, und kam nicht wieder. Noch hat kein Dichter Oesterreichs diesen deutschen Leander besungen? Ich sah oft seinen Schatten , wenn mein Nachen um Mitternacht zwischen der Corbachmiihlc und Traunkirchcn stand. Schön ist er und groß der Ginuudncr - See in einer heitern Sommernacht; schön ist «r, wenn seine schwarzen Flulhen ruhig, wie fließendes Erz, hinausgcgosscn sind um den Nachen : aber erhaben wird er, und schauerlich und wild, wenn westliche Stürme, wenn der gefürchtete Fichtauer - Wind , die Fehn dieses Sees, und der Nordwind seine Tiefen empören. Da ist seine schwarze Spiegelfläche zerrissen in hoch ausschämncnden Furchen; da brauset und zischt ein tausendköpsiges Heer von weissen klafterhohen Wogenspitzen; da wird eS dunkel in der Ferne, und die Luft vermischt sich mit den wasserstäubenden Wogen; da schlagen die Wellen zerstäubt in Schaum hinan an den Felsenwänden des Traunsteins haushoch und hö- ßer, und von dem Donner des Schlages hallen im Sturmgeheule die Wände wieder. Wen da die Fehn ergreift an den Wänden des Traunsteins, an den Wänden des Rettelsteines und in den Klippen des Sonnenspitzes, in diesem Himmelsgemä'ucr, das mehr als 6ov Klafter hoch senkrecht herabfuhrt in dm See: da ist kein Strauch, kein Kahn, an dem man sich halten kann, keine Felsenspitze, die man vermöchte zu erklettern; wen hier der Sturm ergreist , dem zerschellt er den Nachen in taufend Stucke an den Felsen, und den verschlingend!« Wogen, nachdem sie ihn vorerst erschlagen haben an den Klippen. Man lasse nie, wenn ein Gewitter im Westen hängt, wenn ein Sturm sich naht von der Fichtau her, und herab vom Gmundnerbcr- ze, wenn man schon weisse Furchen sieht quer über den See von Traunkirchen herziehen auS der Feme, ma» lasse nie dann sich zu eine» G - 96 - Fahrt verführen auf dem See. Die kleine Fahrt von Gmunden nach Ost , hat vielen schon Todesangst , manchen d«S Leben gekostet, und jährlich fast frißt der See seine Todesopfer. Doch man fürchte nichts, wenn ein frischer Passatwind den Segel schwellt, und der Nachen von einem 5air A«Ie, schief an die Wogen angeschmiegt, hingetragen wird mit Windesschnelle über die schaukelnden Wasserberge; man fürchte nichts, wenn die Wogen anschlagen , an den Kiel des Schiffes, so hart, als wollten sie ihn durchbrechen. So lange man noch hinaussieht über die Woge, über die der Kahn hinauf Muß, so lange man noch hinaussieht, ouS der Tiefe, in die er hinabfährt von ihr, so lange darf man nicht bangen. Lächelnd spießt der Steuermann die Woge, die gegen ihn herrollt, und ihn zu verschlingen droht, mit der Spitze seines Nachens, und besiegt beugt sie dann ihren schäumenden Rii' cken unter dem Kahne. Sanft hebt sie ihn empor aus demselben; aber schnell, und oft tückisch, wirft sie ihn der größeren Woge entgegen, di» ihr folgt, und die die Ehre der Schwester zu rächen droht. Nur wenn die Wogen schief her — Y9 " stürmen, »renn man nicht mehr vermag, ihnen gerade eittgc^en zu steuern; nur dann »st Gefahr, und dann denkt der Steuermann friche genug aus ''ci e mooliche Nettung. Be») einem frischen Wmcc har ma» hier alle Freuden e>n«r Seesahiuno ucnn man be? einem Sturme am Traui'i^ l, s.c5t: und die Wogen haushoch heraufschiagen sieht aus der btüllenden Tieft, so Hot inan einen Seesturm gesehen, wie Peters ihn malte, in allen seinen Gräßlichkeiten. Man kennt nun meinen Gmundner - See u» a!'.cn seine» Gestalten: man wird ihn eben so lieb gewinnen, wie ich, wenn man an sei» «en Usern einige Tage wohnt. Man muß aber an seinen Ufern wohnen, draußen in einer Fi- schcrhiittc i» der Vorstadt, >ro man seine Wogen des Nachts hört das Gestade peitschen; Ivo, wenn alles nniher auf der weiten Erde in Ruhe und Schlaf versenkt liegt, Niemand mehr wacht, als der See. O mare ! 0 !üu5 ! Wir »rollen jctt seine Ufer befahren, «nd die Qertchen, die s>e beleben, nabcr kenn«»» lernen. Diauß.n v^r Gmunden am See, am westliche», Ufer, am Fuße de^ f.eiindlichcn^nmnd- G 2 Ivo — nerberges litgl auf einer Halbinsel, kühn in den See hineingebaut, ein freundliches Schlößchen. Zwey Grafen, geht die Sage, Haber» daran sich arm gebaut, bis sie lernten, daß es leichter am Lande bauen ist, als im Wasser. Da bauten sie dann noch ein zweyles Schlößchen an's Ufer hin. Die beyden Schlößchen waren der Sitz der Grasen von Ort, die schon in der ersten Halste des vierzehnten Jahrhunderts vorkommen. Früher noch saß Gisla » on Ärt und Veldsberg im Altmünster im Jahre 1269. Reinprecht von Wallsee war Herr von Ort im Jahre 1446; dann kam es an die Herren von Sch e rffen be rg, und im Zahre ,584 an Georg Achatz, Fürsten von Starhemberg, der es aber bald an Weinhart, Frey Herrn .vo n Pollheim «nd Wartenburg auf Puchheim, im Zahre 1533 abtrat. Frey- Herr von P 0 llheim verkaufte es im Jahr« iZys an Rudolph II., und im Jahre ,625 schenkte Ferdinand es dem großen Bekehrer, der mit seinen Dragonern die Bauern katholisch machte, dem Grasen von Herbersdorf, und dieser baute das Schlößchen am Ufer im Jahr» 1626. Nach seinem Tod« «bergab «s »—> !yl seine Gemahlinn ihrem Bruder, dem Grafen Wahr m und von Prcysing, und dessen Sohne, Johann Albrecht, diese? »erkaufte es im Jahre ,6gy an Georg, Grafen von Salbur g. Die jungen Salbur- ge verkauften eS endlich an Leopold I., und von dieser Zeit an ist es ein kaiserliches Kammergut geblieben. Diese Herrschast ist also das Eigenthum mehrerer der merkwürdigsten älteren Familien in der österreichischen Geschichte gewesen. Gegenwärtig hat es nichts von alter Größe, nichts, als eine unbeschreiblich schöne Aussicht hinüber »ach Gmunden, an die Felsenwände des Traunsteins hin, und hinab nach Traunkirchen. Wir wollen sie ganz genießen; am westlichen Ufer hinab gegen Süden steuern, wo der Traunstein in Osten, und die Felsenwände in Süden uns stets vorüberschwimmcn, und dann einlaufen in die westliche Bucht am Entenwin- kel, wo Wassergeflügel ohne Zahl im Herbste sich im Schilfe birgt. Es ist eine freundliche Bucht, die wir hineinfahren, ihre sanft emporsteigenden Ufer sind bebaut, und jwey niedliche Dörfchen, Altmünster mit seiner alten Kirche am nördlichen Gestade, und Ebenzweyher ihm gegenüber mit seinem Schlichen am südlichen, beleben die einsame Stille, in der dieser unbekannte Winkel der Erde begraben liegt. Wir wollen bey Altenmünstcr landen, denn hier ist die Aussicht göttlich hinaus iiber den schwarz- grünen See nach dem sohlen Wänden des Traunsteins. Hier ist der See am breitesten, wohl mehr als i ,/: Stunde. Wenn wir aber auch dort landen, so wollen wir uns nicht weit vom Ufer entfernen. Einen Spaziergang wollen wir dort um die Kirche von Altmünsicr thun, die schon im Jahre' i-z6 »n.tihuix.-um-l paro. ctiia >Ior,i,5terieriSi8 hieß. In dicftr Kirche liegt der Wutherich Herpersdorf begraben. Gern schricb ich ihm die Grabschrift auf seinen Eichenstem : ^Id, »01 X,«?« >^di? xoviq, oiXT'j'e ^Vra^e / ^P^!«»? jli^lZio^ «^!j>v«'!»«'t xvnx;. Es liegen noch viele Leichensttine umher ans dem Boden der Kirche; ihre Inschriften sind ober durch die Kniee und Fersen der Glaubigen ganz unleserlich aeworten. Wer sein Ax- — 10z — denken nur durch eine Kirche oder in einer Kir» che verewigen konnte, der ist wohl nicht werth, dasselbe zu erhalten. Mit dieser Betrachtung allein kann ich mich trösten, wenn ich in den alten Kirchen so viele unleserlich gewordene tei- chensteine aus dem lz. bis i?. Jahrhunderte treffe. Die Pfarrer zu Altmunster scheinen fich wenig um die altere Geschichte ihrer »n- tiquiZsimÄ k^roeki» gekümmert zu haben, wir müßten sonst schätzbare Verträge zur Geschichte des Mittelalters daher erhalten haben. Nur von einem Becher hört' ich einen Herrn Pfarrer von Altmünste.r sprechen, der noch vor den Zeiten des Cölibates das Eigenthum eines dortigen Pfarrers gewesen senn soll, und aus dem der Pfarrer sammt seiner theuercn Halste sich abgebildet befindet. Wahrscheinlich ist dieses Kleinod , das auch nur einen Pfarrer, wie jenem, der mir mit lechzender Zunge von diesem Becher und von der schönen Pfarrerinn sprach, ein Kleinod sepn kann, aus früheren Zeiten, aus den Zeiten der Reformation. Ich bath ihn, mir zu erklären, wie es kam, daß diese Äntiyuirsims ?ssoctiia ihr Präsent«- tiens - Recht an ei» Nonnenkloster, Kloster — i»4 — Ambach in Niederösterreich, verlor: aber «r wußte mir nicht dieses Raths«! zu erklären. Für einen Mann von Geschmack wüßt' ich wohl keine schönere Pfarre in Oesterreich, als die zu Altenmünster. Am Ufer eines mei- lenweiten göttlichen Sees, den Alpengipfeln gegenüber; mitten in fruchtbaren Ackcrgriinden und prachtvollen Auen; kaum ein Stündchen entfernt von einen» angenehmen Städtchen, zu dem ein göttlicher Spazierweg , längs dem Gmundncrberge hinführt, wenn man nicht will sich hinrudern lassen, auf dem See; imSchoc- ße einer Gemeinde, die gröfttcntheils aus guten und schönen Menschen besteht, die offen sind, und empfänglich für alles Gute: wie glücklich könnte hier ein Pfarrer leben. Von hier aus mag man , wenn man Lust hat, eine Excursion nach der Fichtau thun, wo die gefürchtere Fehn, der Fichtauerwind, über den Gmundncr - See herausstürmt. Diese Fichtau war für Oesterreich, was Berchtesgaden siir Deutschland war. Hier wohnt in niedlichen Hütten zerstreut, ein Heer von Drechslern und Losseimachern, und Schnitzern, und Böttichern, — 105 die ihre Waaren und ihr Spielzeug nach Ungern, Böhmen und Steyermark, und selbst bis an den Rhein verkaufen. Nach Etenzweyher wollen wir nicht hin, über über die Bucht. Es sieht sich besser von fernhin an, als cs in der Nähe aussieht. Es ist ein unglückliches Oertchen, und hat bisher oft seine Herren gewechselt. Die Gründe leiden hier sehr vom Hagel. Man kann annehmen , daß jede vierte Ernte hier eine Beute der Schloßen wird. Meteorologen sollten hier der Ursache dieses Phänomens und der Richtigkeit der Volta'schcn Ideen über den Hagel nachspüren. Dort an der nördlichen Küste tcs waldigen Vorgebirges, das in den See hineinspringt, sieht man eine kleine Rolonde, und einen prächtigen Icsuitenthurm. Die Hauser scheinen aus Felsen hinangebaut. Das ist Traunkirchen. Hier war c-n Nonnenkloster, das Ottokar der II. von Stcncrmark zum Andenken eines Sieges über die Hunnen, um das Jahr 900 stiftete. iy6 — Der Weg von Traunkirchcn an dem Fcl- sennfer des Sees hinab, so weit man fortzu- klcttern vermag durch Strauchwerk und Klippen , gewährt eini e prachtvolle Partien an die Wände des Rettclst eines binüber, und gegen die Korbachmühle. Und wenn man ,u klettern »ersteht, so. klettere man hier hinauf auf die Spitze dcS SonnensicincS, der wie eine Pyramide in den Ebenen von Thebais hier mit seinem Fusse in dem Acquor des Sees dasteht. Don seiner Spitze sieht man hinauf bis an das nördliche Ufer nach Gmunden, und hinab bis «ach Ebensee. Dorthin wollm wir jetzt steuern. Wir muffen das Cap doubliren, das der Sonnen- spitz hier am westlichen Ufer bildet, um zwischen die Felsenmauern zu kommen, die hier den See umschliessen. Schwarz rollen die Wogen hier h-n über die nächtlichen Tiefen. Senkrecht fahren die Wände herab vom schroffen Felsen 500 Klafter hoch, und wohl auch 600. Da schwebt unser Kahn zwischen diesen Himmelsmauern hin länger als eine bald: Stunde - wenn hier ein Windstoß uns überrascht in die- ser fürchterlichen Felsenbucht, da wird keine — 10? Rettung möglich. Ter Nack en zerschellt an den Klippen, an denen auch keine Maus sich zu halten vermag. Ich zweifle, ob irgendwo der Occan eine schauerlichere Fclsenbucht verbirgt. Fclsenwände von dieser Höhe hat er nicht leicht irgendwo. Man sehe dort den prächtigen Wasserfall bey dem Nettclsteine herabstürzen in den See. Sein Rauschen verstummt in der Todesstille , die hier auf den schwarzen Wogen ruht. Das Dörfchen dort, das in wirbelnden Rauch gehüllt ist, istEbensee. Die Lam- bath nennen es die Schiffer. Dort müssen wir über den Vogen hinüber, der im See schwimmt, ehe wir einlaufen können. Er sängt das Holz hier zusammen, das die Traun herabschwemmt. Man sehe nur das Leben unter den fiottendcn Scheitern, wie sie mit den Wogen spielen im See, und kämpfen mit dem sie umfangenden Bogen, den sie durchbrechen wollen. Wir wol- lcn hier unseren Kahn umhertreibcn lassen bis es Abend wird » bis die Sonne hinunter ist hinter der westlichen Felscnwand, und der Abend- Purpur verschwindet von den sahlgraucn Felsen- wänden im Osten. In dieser Beleuchtung muß m-m die Felsenbucht hier sehen, und dann sage man mir, ob man ein größeres Bild je gesehen Habe. Wir wollen noch eine Alpe, wenn es heiter bleibt und einen schönen Morgen verspricht, Heute noch eine Alpe besteigen, den Krana- bitsattel, und nehmen uns Führer mit und Erfrischungen beym Koller. Von Ebenste kann man hinaufreiten bis nahe an ihren Gipfel? in finsterer Nacht können wir hinauf steigen; die Pfade find ficher, sicherer, als wenn beym Tage Holz herabgerieset wird. Wir verlieren nichts, wenn wir bey der Nacht hier hinansteigen. Die Alpe gewährt nicht früher eine Aussicht, als an ihrem Gipfel. In drey bis vier Stunden längstens haben wir ihn erreicht, und wecken die Sennerinnen oben aus dem Morgenschlafe, damit sie uns Kaffee kochen, mit ihrer köstlichen Alpen - Sahne. Erwärmt von diesem arabischen Nectar erwarten wir hier am Gipfel der Alpe den Sonnenaufgang. Noch ist es Nacht um uns her; da schwimmt, ehe die Dämmerung graut, eine Luftgestalt im Süden. Sie verschwindet oft auf Augenblicke, wenn das Auge sie zu fassen it>9 denkt. Allmählich tritt'ihr fahles Licht mehr in ein weisseres über, das sanft erröthet» und schon im Morgenpurpur glüht, wenn noch die Dämmerung auf unserer Alpe ruht, und grane Nebel noch die Köpft der niedrigen Berge umher bedecken. Wie eine Pyramide von rosen- farbcnen Quarze steht er jetzt da vor uns im Süden der Gipfel des Thorsteines. Jetzt erkennt man seinen Glätscher wieder, und seine Schneefelder, die das Rosenlicht der?->5<,- s«>ti-l»>o« i,«« so rein in unser Auge strahlen. Nun röchet der Saum der Morgennebcl sich, die an den Gipfel der niedrigere» Berge schwimmen , und ehe sein Purpur in Morgmgold sich wandelt, strahlt der Gipscl des Glätschers im mildesten Sonnenlichte. Die Sonne ist noch tief unter den Bergen im Osten, bis sie herauf sich schwingt, über sie ist es Tag, und die Morgenfcyer ist hier verschwunden. Nur au den Spitzen der Berge sieht man aufAlpen die Pracht eines Sonnenaufganges; die Thäler ha» ben nur zwey Tageszeiten - Tag und Nacht. Aber wir wenden uns um acaen Norden, wenn der Gipfel des Dachsteins erleuchtet dasteht vom Morgenlichte, wir treten hinaus an — 1,0 — de» N«nd des Abgrundes, der hier 500 Klafter tief senkrecht hinabsährt in schroffen Wänden. Da sirht man Bayerns Ebenen vor sich ausgebreitet im rechlichen Morgcnsdäinmerungs- lichte, und das ganze Hügelmeer Oesterreichs ob der Ens von Passau und vom dunklen Vöh- menwal^e her bis hinab an die B«rge bei) Marbach an der Donau. Immer taucht sich die nordliche Welt uni einen her in frischeres Morgenrot!) ; mit jedem Augenblicke sieht man deutlicher die Hügelrucken hinziehen, und Ketten von Beracn, und Flüsse schimmern, und Städte, Schlösser, Markte und Dörfer mit ihren Thür- men der Dämmerung entsteigen. Und wenn die Schatten der Alpen sich kürzen, auf denen wir stehen, und die weit noch hinausfahren in die Ebenen, wenn der Tag auch über die Tiefen hereinstrahlt, die zu unseren Füssen nmher gelagert sind; da sieht man den weiten Atters« unter sich , und den Gmundncr - See, und die beyden Lambathscen. In dem Vogelpcrspeclive, in dem man hier diese ungeheuer» Seen aus» gegossen unter sich überblickt, bilden die Berge und Wände, die einen umschließen, weile Vorgebirge in sie hinein, und mächtige Vorsprünge, die ihren Spiegel in viele kleinere thcilen. So erscheint der Gmi'ndner See i» drey verschiedene Seen oetheilt, und der Attersee in vier bis fünf, je nachdem man den Stand- punct wechselt. So glaubt man hier über cilf verschiedene Seen hinzublickcn, nenn man den Offensee jenseits der Traun und die bcvden Seen der Lambach noch zu Spiegeln der beiden großen Seen zählet. Das ist ein magisches Bild, ein Zauber- gemählde, das man hier entfaltet sieht vor seinen Blicken. Diesen Ungeheuern Horizont von den Hügeln an der Jser bis hinab an die Berge bcy Marbach und Mölk an der Donau, dieses Gewiihle von Städten und Märkten und Schlöss-rn, und dieses Heer von Seen im Vordergründe mit einem Blicke überschauen können! Hier nur, am Kranabitsattel, und an denAl- xenköpfen , die sich von ihm hinaufgehen bis zu dnn Tcuftlsabbisse, bis zum Schafberge, hiev nur und nirgendwo genießt man dieses grossen, dieses erhabenen Anblickes. Cin Morgen auf diesen Alpenköpfen, und ein Abend und eine Mondnacht auf dem Gmundner - See, und man ist glücklich auf Jahre in süßen Erinner, ungen genossener Freuden. IIS Zch weilte immer hier bis gegen Abend, um in jeder Beleuchtung das Zaubergemahlde zu sehen. Stunden verschwinden hier wie Au» genblicke und Tage werden hier zu Stunden, zumahl, wenn die reiche Alpenflora, die hier die Regionen des Krummholzes verherrlicht, einem den Freudengenuß auf diesen Alpen er» höhet. Einwahl war ich im Spätjahre hier, als das Vieh eben abgetrieben wurde von den Alpen. Alpenfahrten sind auch in Oesterreich, wie in Tyrol und in der Schweiz, Feste für die Gegend umher. Mit grossen weit hinschallenden Glocken behangen, die Horner vergoldet und geschmücket mit seidenen Bändern, umwunden mit Kränzen der schönsten Alpcnblülhen, mit den azurnen Enzianen, den glühenden Alpenröschen und den duftenden Spcike folgten die Rinder und Kühe der stattlich geputzten Sennerinn, Ihren grossen runden Hut zierte ein prächtiger Strauß von Eisenhüttlein, und eine Guirlande von sammtenen Lowenpfötchen. Am braunen hochgewölbten Busen flimmerte ein Strauß von Flittergold, den der Hansel verehrt hatte am letzten Sonntage, nach der letz- - "Z — ten Nacht auf der Alpe. Muthwillig sprang ein Heer von Ziegen um sie, die steinten wie die Gemsen. Sang und Jubel und Klang der Viehglocken und freudiges Gebrüll der Rinder, die heimkehren zum wärmeren Stalle, schallte wieder von den Alpen herab, und herauf ouS den Thalern. Und wenn die Bauern im Thale das ferne Geläute vernehmen der wiederkehrenden Rinder, und vordem Hauschore dastehend harren mit ihren Kindern aus ihre Kühe und Ziegen; wie sie da freudig dem Viche entgegen rufen und laufen ! Doch das kommt ja gesprungen in frohen Gebrumm' und Geblöcke, wenn »6 die lange bekannte Hausthüre wieder ge» wahr wird. Da streichelt die Bäuerin die Kuh, und freut sich ihres vollen Euters und ihrer runden Feiste: der Wirth betrachtet die Ochsen mit gefälligem Lächeln, und wiegt ihre Schwere im Geiste.- indessen hat der Bock den kleinen Hansel niedergerannt, der ihn abfing bey den vergoldeten Hörnern, und wieder rci» te» wollte aus ihm, und seine Schwestern lachen des unglückseligen Ritters. Ich habe diese Scenen so oft gesehen, und immer waren wir alle gerührt von der! Mimik, in der die Freu, . ' L*t ,-4 — de des Wiedirschens zwischen lange! bekannte,, Menschen und T Hieren so naiv ausspricht: Asturam expellss 5urcs, tswen uiczue recurret. perruwpet furtlm La5ticlis vic» »rix. Ich weiß einen in keiner schöneren Gesellschaft herabzubringen vom Kranabitsattel als in der einer Alpensahrt. An der Ecite einer Scnneriun, die so eicht homerisch ß«ßv>l0X1-05 ist, steigt man leichter herab, als an der meinigen. Die wird die Leiden und Freuden dieser Alpe mit mehr dramatischer Kunst darstellen können, als ich; die wird die Abgrunde zeigen und die Löcher in dein Krummholz« (Lc- ekerstauden nennt man das Krummholz hier) wo Menschen und Vieh hinabgestürzt sind; die wird die Schncegruben zeigen, wo sie auf Leitern hinabsteigen mußte, um Schnee zu hohlen , den sie im 5 cssel zerlaßt zur Tranke fürs Vieh, und um dasselbe täglich zu waschenden» die Alpe hier ist wasserarm; die-wird die Holzriesen zeigen, wo Baum« herabgerollt werden ins Thal; di» wird jeden Winkel des Wal- des zu nennen wissen, durch den man mit ihr herabsteigt, und der weiter nichts ist als ein Wald; überall hat ihr ein Rind, eine Kuh, eine Ziege, oder ihr Hiescl, sich ewig unvergeßlich gemacht für sie. Und so kommt man an der Seite der Schwätzerinn unvermerkt von der Alpe herab nach dem freundlichen Ebensee. Es ist ein niedliches Dörfchen, dessen Häuser, worunter einige sehr artig sind, in einer lieblichen Zhalebene am User des Gmund- ncr - Sees, und am Einstürze der Traun in denselben in Z Reihen hingebaut sind. Die Pfannhäuser und die Holzrechen beleben das Oertchcn, aus dem ich nichts wegwünschte als die vielen Bettler, von denen man hier von allen Seiten angefallen wird. Wir wollen wieder hinauf über den See nach Gmundcn. Jetzt halten wir uns am rechten östlichen Ufer, sobald wir hinausgekommen sind über den schimmernden Bogen. Man sehe oben am röthlichen Rcttelsteine das Loch? DaS führt zu einer Höhle, und in dieser Höhle ist ein kleiner See. Dritchalb Stunden wird mon brauchen, wenn man hin.-.ufw,ll durch die Ric- H 5 »»6 ^ sen, und gut muß man klettern, um von der Felsenwand sich hincinzuschwingen in den Eingang der Hohle. Und das Herabsteigen erst, wenn der Schutt unter ihren Tritten hinabrollt in den See, in den man mit jedem Schritte hinabzustürzen droht! Wenn man nicht wohl sich auf seine Beine verlassen, kann, und auf seinen Kopf, daß er vom Schwindel nicht ergriffen wird, so wage man ja nicht dieses Abentheuer , und lasse man ruhig sich hinauf rudern die östlichen Felsenwände vorüber zur Kor- bachmuhlc. Tort mag man landen, und hineinsteigen in daS Felsenthal, aus dem der Bach, der die Mühle treibt , hervorstnrzt. Man wird eine»» prachtvollen Wassersall dort finden in diesem Thale: eine Strub findet man aber nicht wieder. Wenn man näher hinaufgcrudert hat ge. gen den Traunstein, da offnen die Wände sich etwas am östlichen Ufer, und die Schlucht, die sich hier aufthut» sührt in die Eisenau, eine schauerliche Wildniß. Von hier aus kann man den Traunstein ersteigen, wenn man Mu- thes genug hat, an Felsenwänden, die senkrecht hinabfahrcn in den schwarze» See, drev hundert, vierhundert und- auch sechshundert Klafter hoch oheu, auf kaum fünf Zolle breiten , schief über den See hinaus hinhängenden Pfaden aufznklcttern , und, was noch mehr ist, wieder herabzuklettern. Ich kann es mir sehr gut erklären, wie ein Herr, der einst in Gesellschaft geübter Steiger den Gipfel des Traun- steineS glücklich erklimmte, als er von obcn herab den schmahlen gefährlichen Pfad über die Tiefen des Sees hinaus hängen sah , verzweifelte , da je wieder hcrabzukommen, und sich in seiner verzweifelnden Angst erschießen wollte. Nur mit verbundenen Augen konnten die Führer halbtodt ihn herabziehen. Wenn einen der Nebel ergreift am Gipfel des Traunsteins, da heißt es oben bleiben auf ihm. bis er sichwie- der wegzieht: und das kann oft vierzig Stundcn dauern» und länger. Der Herr Overstlicutcnanc von Fallen hatte das Unglück auf seiner Rückkehr vom glücklich erreichten Gipfel gerade, an jener schmahlen gefahrvollen Stelle ergriffen zu werden vom Nebel. .Den ganzen Nachmittag und die ganze Nacht und den folgenden Morgen mußte er da sitzen bleiben auf der schmahlen Felsenkantc, die über den See hin-, aushangt, und sich durchpeitschen lassen vom — ,18 — »äffen Nebel und von den Winden die ganze fange Herbstnacht. Die Aussicht, die man vom Gipfel hat, soll nicht schöner seyn, als die von Kranabitsattel: sie kann es auch nicht seyn, und ich fände es nicht der Mühe wcrth, das Abentheuer der Traunsteinbesteigung Reisenden zu empfehlen. Es muß vom Laudach-See, über den Katzensteig hin, ein minder gefahrlicher Weg auf den Traunstein fuhren, doch die Führer, die klettern können, wie Gemsen, wählen nur immer den kürzeren. Wenn der Nachen den Wänden des Traun- stcines gegenüber im See hinschaukelt, da thue man einige Pistolenschüsse. Man wird glauben, den schrecklichsten Gewitterdonner rollen zuhören, so sehr wird der Knall von Fclscnwand zu Fclscnwand hin und zurückgeworfen, bis endlich nach länger als z Minuten der letzte rollende Donner verhallt. Es ist ein prachtvolles seyerlichcs Schauspiel, das hier zwischen diesen Wänden ein Pistolenschuß gewahrt: hier kann man mit einem Quentchen Pulver den furchtbarsten Tonner wecken, den je ein Ohr gehört hat. Da springen die Gemsen hervor aus den Klüften. in denen sie sich verbargen zwischen den Wanden, und sehen, woher die Gefahr kommt , und pfeifen, und steinen herab in den Eee, wahrend sie in mächtigen Sprüngen die höheren Gipfel der Wän- de erklimmen. Es ist so herrlich diese Springer zu sehen auf Felsenwändcn Sähe thun, wo auch kaum eine Kalzc sich zu halten vermöchte. ... Dort ober den Wänden des Traunstein« «m llfcr ist die Ansah. Torthin steuern die großen Salzschiffe, um sich von hier am Taue durch Rosse hineinschleppen zu lassen nach Gmun- den. Nachen und Kähne kehren nicht zu hier; die halten mitten im See: aber es freut, sich der Schiffer doch und der Schiffende, trenn er der Ansatz gegenüber hinrudcrt; beim er ist jcht den Felsenwändcn entronnen, und kann nun bey Gefahr am Ufer landen. , Uebcr der Ansatz dort sieht man einen Erdbruch vom Hügel herab. ES ist das Geschlief. Ein Mergelschiescrlager, das hier mit Brausethon liegt, rückt immer weiter hinein in den See, und fällt von Zeit zu Zeit in mächtigen Lagern biimb in ihn. Es soll «in I-V — Schlößchen hiereinst gestanden haben, sc gehe die Sage, das in de» See hinabrollte. Das Häuschen, das noch dort sieht, soll immer dem Ufer naher rücken. Die Fischer verliere« hier öfters die Netze. Man sehe dort die Himmelreichwicse oben rechts am Hügel, am Ausgange des Waldes. Da wird man noch hinauf gehen, wenn man zum ^audachsce will. Der freundliche mit einem lichten Waldchen gekrönte Vcrg dort über dem Schloßchen von Ort ist der Gmündner Berg, und der Hügel, der dort emporsteigt über das schöne Gmunden, geradö ül Graf von Harsch, war hier im Jahre 1770 Salz- oberamtmann. Di« interessanteste Bekanntschast, die man zu Gmunden machen kann, ist unstreitig die des Herrn Oberamtsrathes App 0 ld. Cr ist ein sehr hellsehender , humaner und heiterer Mann, der einem den Aufenthalt daselbst gewiß sehr angenehm und nützlich machen wird. Gmunden ist noch dadurch merkwürdig, daß es der Geburtsort zweyer verdienstvollen österreichischen Gelehrten ist - des Herrn Landschafts - PHMus Doclors Duftschmid in Linz und des Herrn RegierungSrathes und Prc» fessors Egger in Wien. Wenn man sich entschließen kann, aus der Traun hinabzufahren, so hat man gewiß die interessanteste Wassersahrt gethan, die man auf dem schönsten- und kleinsten, und auf dem prachtvollsten und größten Flusse thun kann. In 4 Tagen oder eigentlich in ? 1/2 Tagen ist man in Wien, wenn man nicht einige Abstecher nach Lambach und KremSmünster, oder — t2Z — in das herrliche Stift St. Florian mache» will. Und auch von diesen Oettern kommt man sehr leicht wieder zur Traun und zur Donau zurück. Wenn man auf einen kaiserlichen Salzschiffe fahren »rill, so muß man sich besondere Erlaubnis! dazu bcym Saszoberamte bewirken. Und dann sehe man ja zu, daß man nicht allenfalls eine schöne Oberöfterreicherinn zu dieser Wasscrsahrt einlade. Es ist den Schiffern, die Salz führen, bei) schwerer Ahnung vcrbo- then , Zrauenvolk an Bord d«s Salzschiffes zu nehmen. Man sagt, es' geschehe, damit die Schiffer sich nicht verplaudern, «nd bey Gefahren über dem Geheule die Geistesgegenwart Verlieren. ' Wenn der See zu Gmundcn durch die geöffneten Clausen des Grundelsecs und Aussen - Sees, und durch die Clausen am Hall- stättcr - See geschwcllet wurde; wenn dann die Llauscnthorc am Gmundncr- See' gehoben wurden , und die Trann zur fahrbaren Höhe anläuft durch die hinabstürzenden Fluthen? da rüsten die Schiffer sich zur Abfahrt, und wir - I2j - müssen am Bord bleiben. Schwer und langsam dreht. sich das tief beladene Schiff vom Ufer de-, ruhigen Sees. Wie es naher hinkommt zum Clausenthore, da zieht es das Wasser, und ergriffen von der Strömung, die durch das Thor hinabbrauset, fliegt es mit Pfeilesschnelle hinab über die Wehren, das die Wogen vorne in den Schnabel schlagen, während es hinabstürzt, und rückwärts in den Hinter? steren, wenn es hinabgeflogen ist. Man wird blaß werden über dieser Ueber- raschung; doch man tröste sich; in nicht gar 4 Stunden kehrt sie wohl über 14 Mahl wieder, und bald wird man mit diese» Polstern »md mit den Wehren vertraut genug werden, um sich nicht mehr zu fürchten, wenn Man den Tra unfall hinabfahren muß. „Den Traunsall hinabfahren? Einen Wasserfall hinabfahre»?" Ja! man wird einen Wasserfall hinab- fahren, in d IZ» wilden Falles, um Braut und Bräutigam aus twig am Altare des Pluton zu vermählen. Der stete Wechsel von Felsenwä'nden und Föhrcnwäldern , und Hüttengruppen, und Gärten und Fluren, die bald das meergrüne klare Wasser beschatten, in deren größten Tiefen man jedes Steinchen liegen ficht, bald die schroffen Ufer, von denen fie herabzuhängen scheinen, mit allen Reihen des ländlichen Fleisscs zieren; das Leben, das durch lue Bewegung des Schiffes, welches bald ruhig hinfchwcbt über die schwarzgrü'nen Tiefen, als schwankte es auf einem See fort/ bald ergriffen von dem Unge- stümme der Wogen, die schäumend durch Felsenblöcke und über die Wehren hinabrauschen, fortgerissen wird mit Pfeilesschnelle und angc-° »vorfen an die Schleidern die es zurückschnellen in den Fluß; das Leben, das durch alle diese mannigfaltigen Bewegungen in die wilden und freundlichen und immer wechselnden Sceneu gebracht wird, durch die man hinschifft ; die gottlichen Ausfichten zurück in das Hochgebirge, wenn hier und da die Schluchten fich öffnen, durch die die Traun hinabrauscht, und die beschneiten Alpengipfel hereinblicken bald über — IZ, — Felsen, bald über eine freundliche Hütte, und bald durch das Dunkel des Föhrcnwaldcs; der Wechsel selbst von scheinbaren Gefahren , in die man hier, fast möchte ich sagen, von Minute zu Minute gcrath, Und die Seele spannen zur Ausnahme hoher Eindrücke — olles dicß macht die kleine Fahrt von Gmundcn bis an den Stadel zu, einer der romantischsien Reisen durch das Leben. Wir zahlen Stürme von Peters und Vernet so theuer; ich würde eben so viel für gleich gut gearbeitete Scenen aus dieser Traunsahrt geben. Wir haben so viele Stiche vom Rheinfälle: kein österreichischer Künstler hat sich noch durch den Traunsall verewigt ; am wenigsten jener, der in Stöckl's Sammlung uns 5 Blatter davon lieferte, die jenen, die Merion uns im vorigen Jahrhunderte schenkte, wenig nachgeben. Ich ging vom Stadel/ wo wir sür heute anlanden und warten müssenbis die Schisse umgcfrachtet, und für die seichtere, Minder reissende äußere Traun leichter geworden sind, ich ging vom Stadel zurück die 2 Stunden Weges, um dort den Abettd in stiller Beschauung einer der feierlichsten Naturschönhei- 2 - — IZ2 — ten hinzubringen. Wer meinem Beyspiele auch nur einmahl gefolgt ist, der fährt gewiß nie den Fall hinab, ohne wieder zu demselben zurückzukehren. Da kann man Tage lang sitzen, und hinabschauen in die Finthen, die den Strom verschlingen und man wird des Sehens nicht müde. Ter Geist wird hingerissen von den stürzenden Wogen, wie diese von dem Abgrunde,' und Bilder aus Bilder drängen sich «mpor und verschwinden, wie Welle aus Welle aufschlägt, und verschwindet. Ich fand mehrere Freunde , auf die der Traunfall eben so wirkte, wie auf mich, und die ihn dem Rheinfälle vorgezogen haben. Vielleicht weil man den Rheinfall, nach den Bildern und Beschreibungen, die man davon hat, sich größer denkt, als er ist, vom Traunfalle aber Niemand etwas wußte. Warum soll ich alle die Nahmen der gefahrvollen brausenden Orte hier nennen, die man von Gmunden, bis zum Stadel durchgefahren ist? Warum soll ich die schönen Bilder, mit denen die Phantasie die Erinnerungen an diese Fahrt ausschmückt, durch einen Kram' von barbarischen Nahmen, die daS Gedächtnis belasten, verdunkeln? — IZZ — Das Dörfchen Stadl hat keine Re» sourcen für Reisende. Der Nähme Klein- Venedig, den man ihm wohl eben so unschicklich gab, als man das elende Dorschen unten auf der Welserhaide, wo man Pferde wechselt, Klein» München heißt, hat aus» ser den bedeckten Bassins, in welchen die Schis» fe umgefrachtet werden, nichts Merkwürdiges; und ich kann nicht begreifen, wie man 2 Platten mit diesen Schuppen füllen konnte. Immer war ich herzlich froh, wenn ich dicß Dörfchen im Rücken hatte, und hinter ihm und seinem Hafenthurme den Traunstein aufsteigen sah in der Ferne, und den Kranabitsattel. Das kleine Kirchelchen mit der runden Kuppel am Hügel Hiebt einen niedlichen Vordergrund zu diesem Gcmahlde. Ausgeschwemmte, flache, fade Ufer mit ausgewaschenen Höhlen sind alles, was mar» nun am rechten Ufer der Traun vom Stadel weg bis zum Einflüsse des schiffbaren Albenbaches, wohl eine halbe Stunde unter Lambach findet. Dieser schöne kleine Fluß stürzt aus dem Albensce herab, der oben am südlichen AbHange der Alpen um Aussee liegt. Das linke Ufer ist mannigfaltiger; Laubwälder beschatten die Brccciafelder, durch die, die Arme der Ager, ans dem Atters« herab, sich durchwinden. Ich rathc jeden die ganze Strecke von Stadel bis unter Wels hinab rücklings zu sitzen, das heißt, niit dem Gesichte gegen den Traunstein hin. Das Gesicht gegen Mekka, bethcn die gläubigen Moslemim, wenn sie von ihrer Wallfahrt heimkehren, und so müssen auch wir heimfahren von den schonen Salzkammcrgutc. Zuweilen blickt uns noch cinmahl der majestätische Traunstein nach : und er und seine Brüder sind doch das Einzige, was wir hier Schönes sehen können. Man sehe, wie dort links die Berge alle ans grüßen von Aussce bis zum Attersee hin? Die ganze Kette hat man vor sich in blauer Ferne. Der kleinere Gipfel dort ist der Hallstätter-Schnceberg, auf dem wie waren: so lange er westlich vom Traunstein ist, scheint er uns kleiner. Man höre die Traun da hinabrauschen! Wir fahren hier Wasserbcrge hinab, und Bcr. ge von Schutt hinan. Die Ufer werden fader, je näher man ge» gen Wels kommt; nur hier und da erhebt eine Taunenau das matte Grün der Weiden und Silberpappeln, und Ein Mahl noch blickt der Traunstein über einen waldigen Hügel herein «om rechten Ufer. Der gothische Thurm, den man dort mitten im Wald sieht, ist der Schloßberg. Das Städtchen hier am linken Ufer ist Wels, ein nahrhaftes artiges Oertchen, das innen nicht so sinfter ist, als seine vielthürmigen Mauern es glauben machen. Es verdiente eine bessere Lage, als es in der unfruchtbaren, furchtbar langweiligen Welserhaide hat. Zwey Po, sten fährt man hier von Wels bis Linz, und nur ein einziges Haus findet man an der Strasse um seine Pferde zu tränken^ Welcher schreckliche Kontrast, wenn man aus dem Reichthume von Mannigfaltigkeit im Gebirge in die Eintönigkeit dieser Ebene kommt.' Einige Hügel und Büsche am rechten Ufer der Traun, Wels gegen über, beleben, so gut sie vermögen, die eintönige Ebene. Das Dörfchen A i g e n mit der Egidius - Kirche, ober — ,z6 - den der Atterbach die Traun fallt, gehört zu dem Städtchen Wels. Da möge man sich nun getrost umwenden » und die Augen wegkehren aus der lang« weiligen Ebene. Die Granithügel dort an der Donau unten bey Linz sind das einzige Tröstliche , das das Auge zu erspähen vermag. Der Tannenwaldhügel am rechten Ufer der Traun oder Abensberg, die ärmlichen Dörfchen Weißkirchen'und Pupping sind «in trauriges Staffage, zu einer noch traurigeren Landschaft. Das Haselufer mit seinem Hüttenwerke gibt ein eintöniges Fischergemähldc. Erst aus der Höhe von Traun, das mit seinem rothen Zhurme aus den Auen hervorsticht am linken Ufer, wird die Gegend um her wieder lebhaft. Da kommt der Hallstät- ter Schneeberg wieder hervor in seiner ganzen feyerlichen Größe im Südwesten, und der Traunstein und die Aspengipfel, und im Nordosten entwickeln sich die Köpfe des Granitgebirges an der Donau, die Berge um Steycreck, »is bald aus der Ferne über die Donau her. strahlt, und der bunte Pöstlingbcr^ mit seinen Doppelthiirmcn. Endlich tritt Edersberg*) heraus, das Kng erwartete, ans scinen Auen mit seinem alten Schlosse und seiner unendlichen Brücke über die Traun. Es ist ein merkwürdiger Ort in der österreichische'., Geschichte, der wenig mehr von seiner alten Größe hat. Eversberg gegenüber liegt die Postsiation Klein - München. wo man Pferde wechselt, wenn man von Wien nach München fahrt, ohne n-ch Li::; hinein zn wollen. Hier kann man nun landen lassen, und das Stündchen Weges von Ebersberg nach St. Florian zu Fussc gehen; oder man kann sich. ') So heißt es schon seit der» ältesten Zeiten, schon unter Ludwig dem Kinde 906 nicht Abensberg, wie Schuttes schrieb, und sogar jenes berühmte Grafengeschlecht von Abensberg, ohne weiteres aus dem Herzen vo„Ba!ern hicrlier uber^cde.'tc. - 15» — wcim man nach Linz hinab will, um von dort in den schönen Umgebungen dieser traurigen Stadt mich crzustreifen. noch ein halbes Stund« chen in den Auen nach Zieselau hinabrinncn lassen, wo Stcycreck allein ihr Auge fesseln wird. Zieselau ist der Stapelplatz der Salzschis- fe am linken Ufer der Traun, die hier ihre reinen meergrünen Fluthen in die trübe lehmige Donau walzt. Und hier wird man sich mit mir freuen, das Ende einer langweiligen fünf» stündigen Wasscrfcchrt erreicht zu haben, die, außer einigen Rückblicken in die schönen Berge, die wir verließen, und außer dem Verdienste, daß man mit Pseilesschnelle durch diese eintönigen Auen auf der Traun hcrabrauscht, nichts Interessantes gewährt. Abstecher von G munden nach Kremsmünstcr und St. Florian. Durch eines der lachendsten Gefilde, das ich bisher sah, suhr ich von Gmundcn nordöstlich gegen Kremsmiinster, und kam auf die- fem Wege über den nicht sehr beträchtliche» Fluß Alben, der hier bereits schissbar ist. Diese Gegend hin bisKrcmsmünster, und hinab bis Steyer und hinüber bis St. Florian und Linz ist das Campanicn der österreichischen Monarchie, daß man so oft und nie mit Unrecht zum vaterländischen Paradiese erhoben hat. Hier gießt die Natur, unterstützt von der Hand des Fleißes , ihre Gaben i» üppiger Fülle auS. Jeder Fußtritt trieft vou Segen. Jeder Bauin, den man pflanzet, wächst schwelgerisch breit und hoch empor. Dicht behängen und unterstützet, sieht man die Bäume strotzen von Zwetschgen, und Aepscln, von Birnen, die alle die reichlichste Ernte versprechen. Die Kleefelder bedecken dickbnschig den schwarzen Boden, auf den Getreidefeldern sind unzählige Hände beschäftigt , die wogenden Aeckcr zu lichten, und auf den ncugesurchtcn Feldern egget der fleißige Landmann wieder sür die künftige Saat. Obstbäume aller Gattung stehen mit bescheidener Schönheit am Abhänge der schützenden Hügel, die Pflaume schwillt üppig am gesegneten Aste; gegenüber im Thale glühen die Kürbisse, und «nter dem Obstwalde wallt der Weihen, nickt die Bohne, in reicher lieblicher. Mischung. — ,-jo — Mitlcn in diesem Eldorado stehen die reinig chcn und wohlgebauten Baucrshäuser von Wirth« schastsgcbäudcn, von Küchen «und Obstgärten, von Acckern und Wiesen umgeben. Wer keines dieser obcrensischen Baucrshäuser gesehen hat, kann sich keine Vorstellung machen von dem Ncichthume, von der Reinlichkeit, von -der Ordnungsliebe eines Landmannes aus Oesterreich ob der Ens. Man sieht kein Dorf, und ist doch immer zwischen Häusern, die man hier Hofe nennt, und von denen die ganze Gegend umher gleichsam besäet ist. Jeder Bauer hat seinen Hof in der Mitte seiner Grunde, er hat nicht mehr, als er gehörig bestellen kann; er verliert keine Zeit mit Dünger - Fahren auf meilenweit entlegene Aecker; seine Rosse und seine Knechte kommen nicht ermüdet mit dem Pfluge auf das Feld; sie haben ja kaum eine Viertelstunde weit. Wenn seines Nachbars Hof brennt, so kann er unbesorgt um den sci- nigcn, zu Hülse cilcn; nie brennt ein ganzes Dorf, das oft auf einer Ouadratmeilc und weiter noch zerstreut ist, in diesen Gegenden ab. Keine unzcitige Gesellschaft stört hier den Fleiß, z„ dem die Lästigkeit der langen Weile selbst schon Spornes genug ist; die müssi- — I^! — gen Stunden werden zur angenehmeren Befriedigung kleiner Bedürfnisse verwendet, oder in nützlichen Spekulationen, wohl auch in Lettin re besserer 'ökonomischer Werke hingebracht. Sich selbst in seinem Hofe mit seinem Gesinde überlassen, lernt der Landmann sich selbst al« lcS seyn , und fremder Hülfe, die oft mehr aufgedrungen als nothwendig ist, entbehren. Allgemeiner Wohlstand, Segen bringende Kultur des Bodens , dem keine Hände unnütz hier entzogen werden, ist das Resultat dieser, nach meinen Ideen, vollkommensten Art von Land- wirthschaft. Wie schön sind hier die Accker gepflügt .' Wie sie geschützt sind gegen das Vieh, nicht gegen die Menschen! Wie die Raine bepflanzt sind mit Aepfclbäumcn und Birnbäume« zum Cyder! Wie die Wiesen hier grasreich dastehen , und wie das Vieh, das hier nur zur' Tränke geht, herrlich aussieht.' Und diese Bauern hier sind noch die Aermeren in der Gegend. Weiter hinab gegen St. Florian wird man Bauern fnden, die ihren Töchtern, auch wenn sie ihrer z und 4 hätten, »o — 12000 Gulden Ausstattung geben, die einen Biberhut tragen , der wenn er auch so groß ist, als der Hollmond am Horizonte. doch rwthigcn Falls — Ijs — leicht von scincm Herrn in den Sack gesteckt wird, die 10 bis 12 Pferde im Stalle haben, mit denen kein Fürst sich schämen dürfte zu fahren, und von denen ein Stück 300 bis 1000 fl. gilt, die ihren Baucrrock vom feinsten 24 fl. Tuche (1807) mit massiven silbernen Knöpfen verziert tragen, und die in der Feycrstunde zu Hause im seidenen Schlafrocke sihen mit gelben Pantoffeln, und sich vom Sohne oder von der Tochter etwas aus einem guten Buche vorlesen lassen. Aber eine andere Bemcrkmig, die viel- leicht Naturhisioriker und Physiologen intercssi- ren wird, habe ich in diesen Gegenden gemacht. Ich fand nahmlich vom obern Ensthale an durch daS Salzkammcrgut das dunkelbraune Vieh mit weissen Flecken vorherrschend. Zch wußte wohl, daß der verstorbene Gras Saurau in Gräh auf einer seiner Herrschaften im obern Ensthale immer eine Zucht von sogenannten Schäcken, wie man die gefleckten Thicre nennt, unterhielt, die er als Wagcnpscrde liebte; allein mir war es auffallend, diese Färbung vom Ensthale über Aussee durch das ganze Salzkammergut bis gegen die Stadt Steyer ausgedehnt zu fnden. »>»d sie nicht allein bcn Pferden, sondern auch bei) Ochsen, Kühen, Schweinen, Gänsen, Enten und sogar den Huiidcn anzutreffen. Nie hat mich eine Gegend heiterer gemacht, nie fröhlicher gestimmt, als die herrlichen Gefilde, durch die mich hier mein Weg führte. Ich wünschte diesen Genuß, der die reinste Freude und den lautesten Frohsinn erzeugt, mit alle» meinen Freunden thcilcn zu können. Hierher möchte ich alle Misanthropen schicken, alle jene, die Spleen und Melancholie plagt — hier würde die Natur selbst dort heilen , wo die Kunst nichts mehr vermag. Wahr ist es, daß die romantische» Seen des Salzkammergutes, die Wasserfalle und Cascade» dieses zauberischen Landes ungemein reihender find, als diese Gegend; aber der Melancholiker findet in den großen, zun, Theil düstern und schauerlichen Sccneu neuen' Stoff sür seine Krankheit; hier allein, in den fruchtbaren, freundlichen, schwelgerischen Regionen heitert sich «sein Geist auf, und wird wieder brauchbar und thatig sür das gesellschaftliche Leben. Ticß sind die hcsperischcn Garten, wo goldene Acpscl dem Wanderer entgegen blinken, ticß dos Ccm. — — panicn, s-:r oas die römischen kegio neu ihr?a- pitol vergessen »rollten. Im Genüsse dieser Gegend fühlte ich doppelt die Wahrheit jener Vergleichungen, die Seume einst zwischen Deutschland und Italien anstellte: Mich locken nicht Oliven, Mandeln, Feigen An halb versengten blätterlosen Zweigen, Zl» denen drohend rings die Natter zischt; Ich lobe mir die deutsche Purplirpfiaume, Und Borstorfs Aepfel am belaubten Baume, Ter mich mit Frucht und Schatten gleich erquickt. Was kümmern mich des BergeS Lavawunder/ Dersunkne Städte mit gelehrtem Plunder, Den eitle Kunst aus runden Kohlen bricht? Ich Deutscher lobe mir vor allen Dingen Die Berge, welche Thä'ler nicht verschlingen , Des Traunstcin's sichre Feste wanket nicht. Auf dem ganzen sechs Stunden langen Wege von Gmunden bis Kremsmunsicr traf ich allein die bcxden Dörfer Kirch ham und Nied an, wovon das crsicrc in Schmidts grosser Karte von Oesterreich wieder nicht zn finden ist. Kirchhain wird noch dadurch ciniqcrmasscn interessant , daß es einen Pfarrer hat, der sich durch eine Schrift über die Volkssprache in Oesterreich ob der (' »s dem philologischen Publicum begannt gemacht hat. Er sucht darin zu beweisen, daß der Hauptstamm des Volkes einen bayrischen Ursprung hat, und daß die herrschende Mundart die alemannische sey, ob- schon die Lange der Zeit eine große Verschiedenheit der Aussprache hervorgebracht habe. Zwischen zerstreuten Bauernhöfen, mitten durch Wiesen und Accker und Garten, die mit Obstbäumen eingefaßt waren, lief die Straße über Hügel und Thälcr Berg auf, Berg ab, bis ich endlich den letzten Hügel hinauf kam, und von der Höht desselben die glänzenden Thürme der prächtigen Brncdietiner Präla M . »m -n,^, - -> !Aitz»?WDtlP>M,, — ,46 — Krem'smünster *) zu mir herüber blicken sah, die im Kremsthale auf einem kleinen Berge gelagert, die Gegend umher mit Majestät beherrscht. Man denke sich ein angenehmes fruchtbares Thal, an das sich von beyden Seiten eben so fruchtbare grünende Hügel schließen — durch die Mitte dieses Thales lasse man zwischen reichen Saatfeldern und Obstgärten in sanfter Bewegung einen kleinen Fluß schleichen — und man hat die Gegend um Krsmsmllnstcr. Der Marktflecken ist an dem Hügel herum zerstreut, auf welchem die Abtey steht, und zählt mehrere nette und wohlgebaute Häuser. Durch die Saatfelder und Obstgärten der Bürger fließt die Krems hin, von der das schöne Krems- thal, der Markt, das Stift, und das gegenüber stehende Schloß Kremseck ihren Nahmen haben. ») Münster birß in alten Zeiten so viel als Kloster ,t-riuiii)! denn man hieß den Mönch damahls Münch. Kremsmunster heißt also soviel, als das Kloster an der Kremsi dir hier vorüberflirßl. ^- 147 — Mitten an dem Hügel über dem Marktflecken erhebt sich die Abtcy, sie liegt hoch genug , um außer der mahlcrischen Landschaft umher noch einen guten Theil der Gegenden um Stcycr und Ens sehen zu lassen. Das Stiftgcbäude ist in jeder Hinsicht mit Pracht aufgeführt, aber was bcy den österreichischen Stiften Meistens der Fall ist, nicht regulär gebaut. Es hat aber einen ungemein großen Umfang. Die Einfahrt geschieht von der Abcndscitc; nur einige Schritte davon läuft die Poststrasse von Wels nach Stener vorüber. Durch ein ansehnliches Thor kommt man in einen geräumigen, viereckigen Platz, an den sich zivey Flügel der bcydcn großen Mcverhöfe anschließen. Aus diesem Plahe führt eine steinerne Brücke über den Teich, der an bcyden Seiten zwischen dem Stifte und den Wirth- schastsgebäuden liegt, in den innern Hos des Stiftes, wo auch die Stiftskirche mit dem mächtigen Portale den eintretenden Wanderer überrascht. An der Ostseitc erhebt sich die prächtige Sternwarte, u»d südlich liegen die Sommerabtey , der große Saal, und die Zimmer der Convcntuale». Die herrliche Aussicht, welche diese genießen, ist von einer Seite durch K 2 — ,43 — die Gebirgsreihe der Steyermark, vcn der andern durch die kaum sehbaren böhmischen Ge- birgc bcgränö. Von ökonom-scheu Gebäude» sind hier vorzüglich merkwürdig die zwei, ins Viereck gebauten großen Meycrhöse, und der vortreffliche schöne Fischbehälter, der wohl besser ein Pa- lais der Zische genannt werden kann. In dem ersten sieht eine große Menge Hornviehes, und Pferde zum Dienste der Abtcp, die außerdem auch auf dem drei) Stunden von hier entlegenen Gute Biberbach eine eigene Stutercy angelegt hat. Ter Fischbehälter ist sehenswürdig ; er besieht aus fünf mit Statüen gezierten Bassins; um biesc gehen geraumige bedeckte Säulengange, in denen eine Menge Hirsch -Reh - und Steinbockgeweihe aufgestellt smd. In den Bassins befinden sich Hechten, Karpfen, Forellen :c. von besonderer Größe. An die Mellerhöfe schließt sich von einer Seite ein großer Garten, der so halb in englischer Manier angelegt ist. Man bildet hier einen Teich, dort eine Wiese, durch die sich ei» silberner Bach zwischen Feldern und Wändenge- firäuchen hinschlängclt; an diese schließt sich — l^Y ^ «in Hügel, auf dem ein schönes Lindenwäldchen den Freund der Natur einladet, im kühlen Schatten, unter dem stillen Gelispel sanfter Zcphyre, die herrliche Aussicht auf die Krems, und auf die östliche Gegend um die Abtei? zu genießen. Wie man das Wäldchen verlaßt, sieht man an der rechten Seite die goldene Saat in wogender Bewegung daherströmen; zur Linken den Abhang eines Berges, auf dem eine schattige Aue den Hirschen und Rehen Schutz beut. Oder frommt es einem besser; zwischen hohen Alleen im dämmernden Schatten hinzuwandcln, oder hier im Garten sich am Dufte der Blumen zu weiden, oder zwischen steinernen Bildsäulen aus Athen's und Roms Götterlchre sich durchzuschleichen, und am sanf« ten süßen Klange der griechischen Dichter sich zu ergötzen, oder von einem am AbHange des Berges gelegenen Pavillon im Kremsthale die Schönheit des fruchtbringenden Herbstes ju be» trachten? Die Abtey hat eine Orangerie, >v» alle Bäume im kalten Grunde stehen. Im Winter kann man die ganze Orangerie eindecken; seitwärts wird sie rcn außen durch große hol- — >50 — zcrne Balken, von innen durch Oese» vor der Kälte geschiiht. Im May, oder so wie die Witterung früher oder spater sich mildert, wird das Dach weggenommen. Tie Gegend um Kremsmünster ist eben so fruchtbar als mahlcrisch. Der Boden ist, besonders gegen Wels zu, meistens thonartig. Der Ackerbau wird vorzüglich gut betrieben. Der Gebrauch des Mergels für Dünger auf Wiesen und Saatfelder ist hier ziemlich gemein. Von Gemüse gedeihen alle Arten reichlich , und auch von Obst, und es werden in der Gegend von Wartbcrg südwärts der Abtei) jährlich einige tausend Eimer Cydcr gemacht, der ein Lieblingsgctränk des osterreichi« scher, Bauers ist. Man hat G)dcr oder Most, wie man ihn da nennt, der sich an Güte manch- mahl einem guten Weine nähert. Ehe ich zur Schilderung des gegenwärtigen Zustandes dieses Stiftes übergehe, muß ich meine Leser vor allem aus zwey Gcmählde aufmerksam machen, die sich in der Kirche nicht weit von dem Hauptthore aus zwey Pfeilern tinander gegenüber hängend, befinden, und welche die Entstehungsgeschichte des StistcS darstellen. Tic Tradition sagt.- Thassilo, König der Bayern habe in diesen Gegenden gejagt. Sein Sohn Günther habe einen Eber verfolgt, und denselben erlegt, sey aber von ihm noch am Fuße verletzt worden, und habe sich da verblutet. Seine Leute fanden ihn tobt bey dem Eber liegen. Als sie dem Thassilo den Tod seines geliebten Sohnes berichteten, gelobte er ein Kloster zu errichten; nur war er über die Lage des Ortes im Zweifel. Aber er sah mm an der Anhöhe des Waldes einen Hirschen, der auf jedem Ende seines Geweihes ein Licht'chcn hatte; welche Erscheinung dem er» staunten Könige den Ort der Erbauung deck Stiftes andeutete. — Wenn wir auch diese Erscheinung als ein Mährchen der frühem Bewohner dieses Stiftes ansehen wollten, welche die Entstehung ihres Stiftes mit einem Wunder verketten wollten, so bleibt dessen unge» achtet diese ganze übrige Geschichte noch immer eine Fabel. Denn für's erste hatte Thassilo kei« ucn Sohn , der Günther hieß, und dann kam diese Tradition erst im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts im Gang. Zudem steht die- — ,Z2 — ftr Erzählung Thassilo's Stiftsbrief ^) entgegen , in welchem von dieser Begebenheit keine Sylbc zu finden ist, und endlich rühmen sich mehrere Stifte dieses Ursprungs, z. B. Wes- sobrnn in Bayern, Thicrhauxten in Bayern, und die Dotation des Klosters Wilkenburg in Bayern, was Ursache genug gibt, die gauke Erzählung für eine Erfindung miissigcr Mönche zu halten. So viel ist indessen gewiß, dag es im Jahre 777 von ?hass,'lo, Herzog von Bayern gestiftet, im Jahre 1789 in eine Ab- bckommairderic verändert worden ist, seitdem aber wieder seinen eigenen Abtcn erhalten hat. Herr 6e l^>ica ") gibt zur Summe der Besitzungen dieses Stiftes an Geld und Gcldes- werth 6 Millionen (t?. M.) an. Zu Oesterreich ob der Ens besitzt es die ansehnlichen Herrschaften Pcrnsiein, Scharnstcin, Wrissenberg, - ') Die Heyden Seschichtschreiber von Kremsmünster Rcttenbachcr und Pachmayr haben diesen Stiftbrief in ihren Schriften in ex- teoio geliefert. ") Bcylräge zur Topographie des Lances ob der Ens in dem ^. Band der Bernouilli- slyen Sammlung S. -6^. Bibcrbach, Egxcnbcrg, Lerbach, Krcmseck, Weyer »nd Neubau: in Oesterreich unter der (?ns, große Weingüter in den Gegenden von Nußdorf, Gumpoldskirchen, und Kloftcrneu- burg; in Ungarn, Weingüter um Osen, in denen auch vorzuglich guter weißer Wcin wächst; endlich ansehnliche Häuser in Wien, Ofen, Linz, Wels, Kirchdorf u. s. w. Im Zahre 1785 haben zu dem Stifte 17 Pfarren, welche 157 Dörfer in sich begriffen, gehört. Es wird also in den deutschen Crbstaatcn unserer Monarchie, wo nicht das reichste, doch gewiß eines der reichern Stifte seyn. Wenn die Abgeschiedenheit des Ortes uni. die einsame Ruhe in den Klöstern zur Betreibung der Wissenschaften vorzüglich geeignet ist, so war Krcmsmünstcr, besonders in frühcrn Zeiten, keines der letzten, welches die Wissenschaften eultivirte. Sowohl die Anstalten zur Erziehung der Jugend, als auch andere Sub- sidicn für gelehrte Bildung, die vorzüglich dem reiferen Alter nöthig sind, werden hierüber zu Bcirciscn dienen. Nicht nur, daß in dem Stifte eine Hauptschule, ein Gymnasium und ein Ly- eäum cristiien, so wird auch in demselben ein —- '64 " Convict unterhalten, in das sowohl zahlende Individuen aufgenommen wcrdcn, als in welchem auch Kinder unbemittelter Acltcrn freye Pläl.c'finden. Tie jungen L/eute lernen da alle Gegenstände, die auf den Lncacn der Haupt- städtc in den k. k. Staaten vorgetragen werden (die Neckte ausgenommen), und werden noch übcrdicß durch einen Musik - Sprach - und Zcichcnmeisicr in diesen Künsten unterrichtet. Dircctor des stonvicls ist Thaddäus Derf- lingcr, von dem ich weiter unten zu sprechen Gelegenheit haben werde, und Subregcns des Conviclcs -pcrr Nuppcrth Lanthal- lcr, ein Mann voll guten Willens, und mit einer Pcpularität und triebe zu allem Guten , die ihm bcy Jedermann Achtung erwirbt. Der Bibliothekar dieses Stiftes Gabriel Straße r gab ein Buch heraus: KrcmsmiiIlster aus seinen Jahrbüchern, und eiferte dadurch dem berühmten Florianer Chor- Herr Zranz Kurz mit vielem Flcisjc nach. Ehemahls war in diesem Stifte auch eine Ritterschule, di- von dem berühmten AbtcFixl- millncr, einem Oheim des gelehrten Professors F irlmill!::r eingerichtet, aber späterhin wieder -55 " ausgehoben werde» ist. Zn dieser sogcnanutcn Ritteracadcmic wurden viele Eccllcutc erzoZen, die in der Folge große Acmtcr bekleideten. Ich nenne hier nur den um die Naturkunde und Montanisiik hochrcrdicntcn Ritter Ehrcnbcrt von Moll, der ebenfalls ein Zögling der Aka- icmic ist. llntcr die Subsidicn zur gelehrten Bildung ist vorzüglich die Stiftsbibliothek zu zählen. Sic ist in einem Saale, der an daSCon- vcnt stößt; er halt in der Länge z4 Klafter, in der Breite 4 1/2 und in der Höhe 5 i/t Klafter. Er ist von einem Salzburgischcn Mahler, Christoph Lederwasch ausgemahlt. An Cod. Mscvt. zählt sie über 400. Tie Bibliothek ist nicht allein der Fond, aus dem man hier schöpfen kann; das Gebäude der Sternwarte beherbergt noch einen Schal; von scicntislschcm Apparate. Die Ste rnwa rte steht ganz frcy an dem Hintergründe eines Ziergartens , „nd hat eine Höhe von 29 Ruthen. — IZ6 — Oer Abt Firlmillncr hat nach dem Entwürfe des berühmten Abtes Desing im Jahre 1747 den Anfang >,u dem schönen Gebäude gemacht. Der verdienstvolle Eugen Dobier, ein Bcnc dictincr von Irrsce der viele Kenntnisse in der Mathematik und Naturgeschichte besaß, ward im Jahre ,746 hierher berufen, um die Ma- thcsss an der Akademie zu lehren. Unter der Aussicht dieses Mannes, zu dessen Empfehlung ich statt eines Lobes nur seinen nahen Umgang mit I.i dsills und Rcaumnr während eines ziemlich langen Aufenthaltes anfuhren darf, ward der Bau geführt. Durch verschiedene Unfälle ward der Bau verzögert, und die Sternwarte kam erst im Jahre ,75.!! .m Stande. An der Ostscitc derselben lieft man über dem Haupteingange die Inschrift: el.0KIä!U ^^1581VII LOX^Kl^lyvK Dl5KIk>l.l^KV51 okx^xA-rv.v.' «^nc 5?kcvl.ä!vi rosvi-r .4r,kx^Okk lli. äkL48 cp.LMi^- ^KÜ»8I8 ^ vwcc^viil. OV0VILV. — -57 Ueber dem Eingänge an der Abendscitt liest man: LOl. ^ VOM!»». bCACvic^ K ^e^t..^ <^0t^i.i VOIvU^V. Von dem Erdgeschosse dieses Gebäudes f,chen noch zwei, Etagen hinab in die Erde. Äuf dem Mittclabsatze vom Erdgeschosse zum ersten Stockwerke steht die Statue des Ptolo- mäuS, des Vaters der ältesten Astronomie. Erster Stock. Das erste Zimmer links ist der Entomologie gewidmet. Die Exemplare sind von der Gegend um Krcmsmunster meistens schön, durch- gchends gut conscrvirt, und werden, wenn sie zu Grunde gehen, immer neu ersetzet. Die Sammlung der Inseetcn ist nach Fabricius geordnet. Sie ist die Frncht zehnjähriger Arbeit , die den Geistlichen des Stiftes um so mehr erschwert wurde, und daher um so verdienstlicher ist, da sie hier ohne alle Verbind dung keine Gelegenheit haben, sich durch Tausch oder Ankauf etwas zu erwerben. Unter den Inscctcn waren merkwürdig hier zu finden: dsrsbus cs!-si. Eine Rothschnepse. 8colops rukus I>. Ferner bewahrte man hier im Spiritus einen cinmiin- digen Bandwurm, l'-.snia 5vlium, der eine Länge von 5 Ellen hatte, und aus 296 Glic- dern bestand. Dann ficht man hier das Horn des Einhorns, monoton moyoceroz 1^., die Säge des Sägefisches, s^usl!»« prigtig I.. und Zähne dcS Nilpferdes 5iippopot-,mus> In den übrigen Zimmern der ersten Etage wohnt der Maschinist. Auf dem Absätze der Stiege in den zweyten Stock steht die Statue dcS Kopernikus. Zwcyter Stock. Das erste Zimmer rechts enthält Gemahl» dc. Von besonderem Interesse siir mich waren die Porträte des Albrccht Dürer von ihm selbst gemacht, des Kremser Schmidtcsron ihm selbst, von dem in Oesterreich so viele Arbeiten in den Kirchen zn sehen sind, dann die Portrate der Möhler Brand und dc Ncvc. Das zweyte Zimmer enthält physikalische Instrumente und Maschinen, Hohl - und Brcnnspicqcl:e. Im dritten Zimmer fndet man mechanische Modelle der im Salzkammcrgute bestechenden Maschinen, eine Maschine zum Ausreisten der Bäume, doppelte Feuerleitern, hydrostatische Maschinen ic. Ferner ein Tctrakord, Chladni's Klangfiguren. eine Aeolsharfe, drey Luftpumpen :c. Im ersten Zimmer gibt es Feldmeßinsiru- mcnte, und zwcy Uhren, wovon bcn einer der Zeiger durch einen Magnet bewegt wird, die andere hingegen den Lauf der Sonne, des Mondes und der Planeten anzeigt. Das zweyte Zimmer besitzt ebenfalls mathematische Inüru- >— — , mente, dann einen große:: Bücherschrank mn sehr vorzüglichen astronomischen Werken. Man findet da die MemoireS der Pariser und Pe^ tersburger Zlkadcmien, die Evhemcriden von Berlin, Paris, Wien und Bologna, die Bo- de'schcn Himmelskarten w. In diesem Zimmer steht auch ein Tisch von Marmor, auf welchem ein immerwährender Kalender cingeätzt ist, den Andre Plcningcr, Organist zu Gmunden, im Jahre 1656 verfertiget hat. Als Seltenheiten muß ich einiger in diesem Zimmer vorfindigcn Zeichnungen von Figuren erwähnen, wo die Konturen und die Schatten von einer Schrift gebildet werden, die ganze Psalmen enthalt und so klein ist, daß sie nur mit dem Mikroscop gesehen wird. Das zweytc Zimmer ist zur Wohnung des Astronomen bestimmt. Man findet da die Porträte Hcll's, LalandcS, Fixl- millcrs:c. Im dritten Zimmer steht ein Kasten voll sehenswcrrher Kunststücke aus Elfenbein , die besonders durch ihre Feinheit merkwürdig werden. Auf diese folgen die Schränke der Mineralen - Sammlung. Bemerkenswcrrh find die schönen blauen Salze, die im Salzkammergute schon selten zu werden beginnen, die prächtigen eiftnbliithcn, den schonen Fle- — ,6- — rentiner Marmor, die ausgewaschenen Gyps- krusten wie Eisenblüthe, die Berg - Krystallv? so rein, wie ich sie nie sah, schone Dendriten, Papier aus cyprischem Asbest, einen versteinerter Tanzapftn, in Kies verwandelt, der sich hier schon über z0 Jahre erhielt, und ei» Gegenstück zu dem Fohrenzavsen ist, von dem Herr R. Stütz in seinem mineralogischen Taschenbuche S. 69 schreibt» daß er ihm so schnell verwittert sey. Noch fand ich hier 6 Kopfe (Skelette) von den bekannten Höhlenbären , die in einem Steinbruche in der Gegend von Kremsmünsier gesunden wurden. Auf dem Absätze der vierten Stiege befindet sich die Statue Kepplers. Vierter Stock. Diese Etage hat die ganze Weite des Thurms, ohne wie die andern Stockwerke, durch Zwischenmauern in Zimmer abgetheilt zu seyn. Hier ist die Gemahlde - Gallerie. Ein Verzeichnis der Gemahlde würde die Leser ermüden, ohne für sie instruktiv zu sevn. L - l62 —» Auf die Gemählde-Gallerie folgt, wen» man weiter hinan steigt, ein niedriges gewölbtes Zimmer, welches dem Beobachtungszimmer, mittels eines Gewölbes zu einer festen Grundlage dient. Nun kommt der eigentliche astronomische Saal, mit zwey offenen Altanen, eine gegen Mittag, die andere gegen Mitternacht, und ein Zimmer, welches dem Beobachter statt eines Zufluchtsortes, um sich zu wärmen dient, ebenfalls mit zwey offenen Altanen, eine gc- gen Ost, die andere gegen West, und endlich eine Gallerie mir Pavillons. Die innere Einrichtung dieser Sternwarte entspricht den Forderungen, die man an dieselbe macht. Tie astronomischen Beobachtungen besorgte Anfangs E u g en D o b l er; .im Jahre 1762 übernahm sie der vielfaltig verdiente Professor Firl- millncr. Das Oeceonium sstroriomicum Oemilaaense, das feine Beobachtungen vom Jahre 1765 bis 1775 enthalt, ist der herrlichste Beweis, was Firlmillucr an diesem Platze geleistet habe. Sein würdiger Nachfolger ist der P. Thadddä'uS Dcrflinger, der die Beobachtungen an der Sernwarte fort- — -6z — setzt. Für die Naturkunde fand ich in Krems- münstcr einen Mann, der für die Naturgeschichte seiner Gegend mehr gethan hat, als manche Professoren der Naturgeschichte auf gewissen Universitäten. Es ist tcr Professor der Physik am hiesigen Lycäum Herr Benno Walter, ein geborner Salzburgcr. Seine Sammlung von Skeletten einheimischer Thiere, noch mehr aber sein Herbarium, das vielleicht das schönste und vollständigste in Oesterreich ob der Ens ist, sind Hierron der gültigste Zeuge. Es wäre nur zu wünschen, daß die, verdienstvollen Männern eigene Bescheidenheit, diesem eben so kenntnißrcichen als anspruchslosen Manne crlanbtc, seine Schätze der Welt be- « kannt zu machen. Die Flora des Oberenser Landes würde hierdurch einen eben so vortrefflichen Beytrag erhalten, als die Fauna dieses Landes durch die Entomologie des würdigen Herrn Dr. Duftschmid in Linz erhalten hat. Die Kirchengeschichle lehrt hier ein junger Mann von aufgeklärter und unpartheyischcr Dcnkungs- ort, Herr Ulrich Hartenscheider, von dem sich in diesem Zache viel erwarten läßt. L- - ,64 — Noch muß ich des Sommerspeisesaales erwähnen, der in der Thor gesehen zu werden verdient. Abt Alexander Strasser ließ ihn im Jahre 17 ic> bauen. Der schone Plafond ist von dem Münchner Mahler Steuerl, die Porträte der Kaiser aus dem Habsburgischen Hause von Martin Altomontc. Zch glaube meine Leser mit den Vorzügen dieses schönen und reichen Stiftes nun hinlänglich bekannt gemacht zu haben, und ich glaube überzeugt seyn zu dürfen, daß sie mit mir stets den Wunsch hegen, Kremsmiiiistcr werde noch für die Wissenschaften und für die ' allgemeine Cultur Oesterreichs ob der Ens das thun, was ein Stift zu thun vermag, das so reiche scientifische Schätze, und solche Männer, wie Walter, Hartensch neider, Derflinger, Lanthaller u. s. w. befitzt, und das jedes Unternehmen mit einem Hülssmittel unterstützen kann, das am sichersten wirkt — mit Gclde. Die Gegend, durch die ich gegen S t. Florian hin suHr, ist eine der vorzüglichsten des Traunviertels. Jeder der zerstreuten schönen und großen Bauernhöfe, mit seinen Umgebungen, gewahrt ein eigenes Tablcau, und von den Hügeln, über die man hin muß, hat man eine himmlische Aussicht in die para, diesische Gegend. Als ich einen Hügel hinauf kam, standen die schimmernden Thürme des Stiftes St. Florian. im vollen Glänze der goldenen Mittagssonne vor mir. Noch ehe ich über den Hügel hinauf fuhr, auf welchem dieses schöne Stift ge, legen ist, kam ich das dem Stifte St. Florian gehörige Schloß Hohenbrunn vorüber , von dem das Wasser durch ein Maschi- venwerk und durch unterirdische Röhren bis in das Stift geleitet wird, das auf dem Hügel Mangel am Wasser hat, und das in dieser Hinsicht gerade das Widerspiel von Kremsmün- sicr ist, das auf allen Seiten Wassers genug besitzt, und wo sogar aus der Tafel des dortigen Prälaten das Wasser aus den Zähnen zwey- cr kleinen Wallsische immerfort in ein Reservoir rinnt, und durch einige verdeckt angebrachte Oeffnungen wieder abfließt. ,66 ^ Das Stift St. Florian liegt nicht allein in einer sehr angenehmen, sondern auch in einer sehr fruchtbaren Gegend. Tie Lage des StiftcS ist ungemein reißend — reihender selbst, als die Lage von Krcmsmünstcr, von Lambach und von manchen andern schon gelegenen österreichischen Stifte. Es liegt, wie ich schon früher sagte, aus einem ziemlich beträchtlichen Hügel, gleichsam den Markt, der zu seinen Füfen gelagert ist, beherrschend. Im Hintergründe des Stiftes zieht sich ein romantisches Wäldchen den Berg hinauf, das nur da zu seyn scheint, nm den Kontrast mit der übrigen Gegend zu erhöhen. Der Ausblick auf fruchtbare Thäler und auf bebaute Hügel, auf reiche Fruchtftlder und reinliche Bauernhäuser gewährt eben so viel Vergnügen, als der Prosper in die dunstblaue Ferne, in der man die Stadt Ens, in den Schleyer des Acthers gehüllt , erblickt. Das Stift St. Florian wurde ursprünglich von Mönchen bewohnet, deren Kloster der Grabstein des heiligen Florian sein Dasei)» verdankte. Bei) dem Einfalle der Avarcn im Jahre 757 wurde das Kloster sammt der Stadt — 167 — Lorch zerstöret. Dieses erzählt der Bischof Altmann von Passau, welcher ausdrücklich versichert , daß er die Urkunden des alten Klosters selbst eingesehen habe. Tie Mönche hatten sich wahrscheinlich in Gesellschaft des Bischofcs Vi- vilo von Lorch geflüchtet, und sind wieder in die hiesige Gegend zurückgekehrt, nachdem sich die Avaren mit ihrer Beute hinweg begeben hatten; denn man fndet bald darauf wieder Spuren von einem bestehend n Kloster. Im neunten und im zehnten Jahrhunderte mache» Urkunden ausdrücklich Meldung vom Kloster St. Florian, welches aber durch die Einfälle der Ungarn zu verschiedenen Mahlen so sehr gelitten hat, daß zu Ende des eilften Jahrhunderts größten Thcils nur Mauern ohne Dach da standen. Ter Bischof Altmaun erbarmte sich dieses elenden Zustandes, stellte 1U71 das Gebäude wieder her, und sührtc an die Stelleder Kleriker, denen seit einigen Ialn ren die Mönche hatten weichen müssen, rcgu- lirte tz'horhcircn ein, welche nach der Regel leben sollen, die der heilige Augustin cntwcr fcn, der bekannte Chrodcgang vermehret, und in einigen Stücken abgeändert hat. Der Wohlthäter von St. Florian Altmann fand bald mehrere Nachfolger, die in seine Fußtapsen traten, und sich bemühten, dem neu hergestellten Stifte eine sichere Fortdauer zu verschaffen. Die Bischöfe von Passau , und auch mehrere Edle des Landes schenkten den Kanonikern Pfarren, Zchende und Un- terthancn; die Kaiser und Herzoge von Oesterreich ertheilten ihnen verschiedene Privilegien, und sicherten denselben ihre Besitzungen Das dreyzehnte Jahrhundert hätte dem Enste bald den gänzlichen Untergang herbeygefübrt. Feuersbrünste , Kriege, und mehrere andere' Unglücksfälle folgten so schnell auf einander, daß die Kanoniker gezwungen wurden, sich in andere Klöster zu verfügen, weil sie hier an dem nöthigen Lebensunterhalte und ai gehörigen Wohnungen Mangel litten. Erst unter Albrecht I. wurde die Kirche und das Kloster wieder hergestcllet, und die Aussicht auf eine bessere Zukunft ließ das vorige Elend vergessen. Späterhin hat das Stift srcylich wieder zu verschiedenen Mahlen durch Kriege und durch die Fehden der Edlen im Lande viel Ungemach erdulden müssen; vorzüglich bat es im fünfzehnten Jahrhunderte durch die Ungarn Vieles gelitten, als Mathias Eorvinus wider den K. Friedrich mehrere Jahre hindurch Krieg führte; aber zerstöret oder angezündet wurde es nicht, desto leichter konnte es sich in ruhigen Zw,! schenräumcn wieder erhohlen. Der alte Mährchenkrämcr Fuhrmann erzählt (in seinem alt und neuen Oesterreich, zweyten Theile von S. 20 bis 25) verschiedene Wunder von dem heiligen Florian, auf dessen Grabstätte das Stift erbauet^ift, die sich bey seinem Tode ergeben haben. Htm den Grund dieser Wunder darzuthun, kKn ich nichts besseres thun, als wenn ich ein- Stelle aus den vortrefflichen Bcnirägen zur Geschichte des Landes Oesterreich ob der Ens von dem Uberherrn Franz Kurz, von dem ich weiter unten zu sprechen Gelegenheit haben werde, hie- her setze, welche diese Legende, die auch im Volke ziemlich im Gange ist, zurecht weiset. Er sagt im z. Theile S. 4z: «Die erste kurze Biographie unter denjenigen, welche Pcz liefert , ist ohne allen Zweifel die älteste, aus der die bcyden andern entstanden sind. Die zwcnte ist eben so gewiß die jüngste, und eigentlich nur eine Ucbcrsehung der dritten aus heroischen Versen in eine schwülstige Prosa. Die erste ist wahrscheinlich schon vorhanden gewesen , als Rhabanus Maurus, der im Jahre «47 Erzbischof zu Maynz geworden ist, sein Mortyrologium verfertigte; denn das Wenige, was er von dem heiligen Florian dort angemerkt hat, ist fast wortlich aus dieser Biographie genommen. Noch viel früher ist Florians Martnrcrthum, in dem Martyrologium des Hieronymus angezeigt, wie dieses bey den Bolandisten zu lesen ist. Aber selbst diese alte und kurze Lebensbeschreibung bey Pez ist wohl nicht «tchr ganz rein, wie sie ursprünglich gewesen ist, ans uns gekommen, sondern durch einige Zusätze entstellt worden. Das Erblinden des Jünglings, der den heiligen Florian über die Brücke hinab stieß; der Adler der den entseelten Körper beschützt; die Erscheinung Florians, welcher einer Matrone befehlt, den Leichnahm zur Erde zu bestatten; die Quelle, die entspringen mußte, um die matten Zugthicre zn erquicken, die doch nur einen sehr kurzen Weg von dem Fluße Ens bis hierher, wo jetzt das Stift St. Florian steht, zurückgelegt hatten; alles dieses sind Dinge, die gewöhnlichen legenden n»r gar zu sehr gleichen, und auch — -7- — dm gelehrten Tillcmonr vermocht haben, zu bekennen, daß er alle die Umstände des Todes , und was aus denselben folgte, sür spätere Zusätze halte. Bleiben wir bcn der Wahrheit stehen, die uns nicbts anders sagt, als: der heilige Florian kam nach Lorch, und wurde dort zur Zeit der Tioclctianischcn Verfolgung des christlicbcn GlaubcuS wegen in der ^ns ersäuft, welches entweder im Jahre -><^ oder 50/,, oder vielleicht noch um einige Jahre früher geschehen ist; denn man findet auch, daß noch vor dem Jahre zoo einige Soldaten der christlichen Religion wegen entlassen, einige sogar mit dem Tode bestraft worden sind." St. Florian ist noch unter allen Stiften, die ich bisher in der österreichischen Monarchie zu sehen Gelegenheit hatte, am rcgcl- mä'ssigsten gebaut. Noch che man in den ungemein geräumigen Dorhof des Stiftes kommt, fährt man den schönen Mevcrhos des Stiftes vorbei', der an der Siidwcstscitc desselben gelegen ist. Hat man den Vorhof des Stiftes zurückgelegt, so empfängt den neugierigen Wanderer das prächtige Portal einer geschmackvoll gebauten Prälatnr, die sogar mehrere Par- - l?2 - ticn aufzuweisen vermag, welche von Künstlern zeugen, die ihren Geschmack in einem Lande bildeten, „Wo tausend Säulen prangen, wo Gebilde Von Raphael und Angelo hervor Aus Wand und Decke schreiten, wo im Stein Die alten Gotter leben, wo der Ton Der Rede, wie ein herrlich Lied erklingt." j Aber merkwürdiger als das präcbtigste Gebäude , merkwürdiger selbst als die reihende Gegend umher waren mir die Bewohner des Stiftes selbst. Die Chorherren von St. Florian stehe» schon lange in dem Ruft, daß es unter ihnen viele aufgeklärte Männer gebe, und ich muß zur Bestätigung dieses Rufes erklären, daß ich unter ihnen eine Kultur und Bildung » vereint mit der Entfernung alles pfus- fschen Wesens gefunden habe, wie ich sie in keinem Stifte von Oesterreich ob und unter der Ens fand, die ich bisher kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Es ist ganz gewiß, daß St. Florian schon früher viele bellden- kcndc Männer besessen habe, aber jenen Geist der universellen (Zullur, jener allgemeinen Bil- — i?Z ^- dung dankt es sicher nur seinem dermahligen Pröpsten dem hochwürdigen Herrn Michael Zieglcr. Er ist «in Mann von hoher Bildung und Lebensklugheit, und hat die schönsten Tage seines Lebens unter Italiens klassischem Himmel zugebracht. Cr behandelt seine untergebenen Geistlichen nicht als Gebiether; es ist das Verhältnis; des Freundes zu Freunden , des Vaters zu seinen Söhnen. Dieser Mann widerlegt die Meinung der meisten Mönche , als ob ein wissenschaftlicher Mann nicht zum Prälaten tauge, sondern nur ein Pfarrer, welcher die Wirthschaft zu handhaben versteht. Steht Florian nicht im besten ökonomischen Stande? Thut es für die allgemeine ökonomische und spirituelle Eultur Oesterreichs ob der Ens nicht ungemein vieles? Der wissenschaftlich gebildete Mann umfaßt bald die Theile seines Wirkungskreises; er ist richtig zu urtheilcn gewohnt, und wird deßhalb auch die ökonomische Leitung der Herrschaften seines Stiftes mit Klugheit führen. Ein Prälat soll auch nicht selbst Schasser und Obcrknecht seyn, dazu hat er seine Leute; man macht an ihn ganz andere Forderungen, besonders in »nstrn Zeiten, wo die Menschenbildnng wie- — 174 der aus Klöstern hervor gehen soll, nnd die Jugend wieder den Coelibateurs zur Erziehung übergeben wird. Ich glaube kaum, daß einer der österreichischen Prälaten diese Inten, tion unscrS Monarchen so zu erfüllen strebt, als der Prälat von St. Florian. Nicht nur daß keine Jünglinge in das Stift ausgenommen werden, die nicht in den Schulen den besten Fortgang gemacht haben, sondern sie genießen nicht nur in Linz, sondern selbst in Wien jeden möglichen Unterricht, der dem Fache, wozu sie bestimmt sind, nützlich scyn kann, und bereiten sich so auf die beste Art zu den Lehrstühlen vor, wozu sie das Vertrauen des Monarchen von Zeit zu Zeit beruft. Man kann sich denken, daß die gelehrte Bildung mit beträchtlichen Kosten vcrbrmdcn seyn müsse ; aber der Prälat scheut sie nicht, wenn er nur brauchbare Individuen crMt, die dem Stifte Ehre machen, und den Forderungen des Monarchen entsprechen. Nicht nur, daß St. Florian ausser dem Stifte mehrere vortreffliche Mitglieder hat, z. B. den würdigen Zreindallcr in Vöklabruck, den liebenswürdigen Arncch in Linz, so findet man auch in dem Stifte selbst mehrere Männer, die den .Oer?- Nomen, den Künstler, den Geschichtforscher, den Literator u. s. w. gewiß befriedigen werden. Ich nenne unter diesen einmahl den schon früher genannten öhorherrn Franz Kurz, der, noch kaum z? Jahre alt, sich unter den österreichischen Ecschichtforschcrn einen bedeutenden Nahmen gemacht hat. Cr schrieb drey Sheile Beiträge zur Geschichte des Landes Oesterreich ob der Ens, nebst einigen anderen historischen Werken, und ich kann, um den Werth dieser Schriften zu zeigen, nichts besseres thun, als meine Leser bitten, die Recen- fion über dieselben zu lesen, die im Märzhefte der Annale« der österreichischen Literatur vom Jahre iL03 Seite 117 abgedruckt ist. Kurz machte nicht nur neue noch unbekannte Quellen der vaterländischen Geschichte bekannt, sondern prüfte mit historischer Kritik die alten, und kleidete seine Werke in einen reinen einfachen Styl, ganz der Würde der Geschichte angemessen. Nebst dem, daß Kurz, Pfarrer an der Stistsvfarre, und durch das daiiiit verbundene Amt eines Katecheten beschäftigt genug ist, nebst dem, daß dieser Mann seine Ncbenstunden so fruchtbringend für die rarer.- - ,76 - lä'lidische Geschichte verwendet, so ist ihm noch iiberdieß die Besorgung der Münzsammlung des Stiftes übertragen, die zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit macht, aber manches Seltene aufzuweisen vermag, das selbst Kenner der Münzkunde interessiren wird. Die Sammlung der Münzen des Mittelalters und der neueren Zeiten ist von geringer Bedeutung, und obschon unsere Zeiten nicht sonderlich geeignet sind, seltene Münzen in großer Anzahl zu kaufen, so wird hier dennoch reine Gelegenheit versäumet, einzelne interessante Stücke anzuschaffen » wenn sich dergleichen irgendwo vorfinden. Von größeren» Belange ist die Sammlung der antiken griechischen und römischen Münzen, die der Propst Johann Georg von dem bekannten Hofpoeten Apostolo Zeno gekauft hat. Nach damahügcr Sitte machte msn vorzüglich Jagd auf die Münzen der rö mischen Kaiser und Kaiserinnen, welches auch die Ursache ist, daß die Sammlung in diesem Fache vorzüglich stark ist. Ungeachtet dessen befinden sich in derselben auch viele und mitunter ganz vortreffliche Münzen von den griechischen Rcpublicken und romischen Kolonien. Da — 177 der Chorherr Kurz die Numismatick unter der Leitung des Herrn Direktors des kaiscrl. königl. Münzkabinettes, des verdienstvollen Abb<- Franz Ncumonn studiert hatte, so ward es diesem den der Liberalität des Herrn Pröpsten von St. Florian um desto leichter, aus dieser Münzsammlung viele Anccdota zu erhalten, welche er nebst andern bisher noch unbekannten Münzen vielleicht in kurzer Zeit der gelehrten Welt mitthcilcn wird. Ein zwcyter der Cooperatorcn der Pftrre zu St. Florian, der Chorherr Herr Mai)rhofer beschäftigt sich in seinen Nebenstunden mit der Mineralogie, und hat die Aussicht über hie Mineraliensammlung des Stiftes, die unter seiner Leitung ansehnlich gewinnt. So reichhaltig und so gut be, setzt, selbst mit Schriften neuerer Zeiten, wie die B i b l i o the k zu St. Florian, ist keine Bibliothek der österreichischen Stifte. Bibliothekar ist Herr Carl Ed. Klein. Das Lorale ist der Einrichtung entsprechend. Ein braver Orientalist der Florianer ist der Professor Zaver Tanzwohl in Linz. M — ,7« — Die Gemählde - Gallerie des Stiftes, die in zwey oder drey Zimmern aufgestellt ist, ist gut conscrvirt und gehörig geordnet. Ter Herr Propst hotte die Güte mir ein Gemählde von unserem vaterländischen Wutky zu zeigen, daß in einem seiner Zimmer hing,, und das mich vor allem intcressirtc. (5s war ein stammender Vulkan mit der Beleuchtung des Mondes. Es ist bekannt» daß Wutky in der Darstellung dieser Sccncn eine vorzügliche Stärke besitze; aber die Wirkung, welche das doppelte Licht in der finsteren Nacht hervorbringt, der öontrast, der durch das braun- rothc Licht der Explosion des Vulkans, und durch die Silberhelle derMondbclcuchtung entsteht, macht einen frappanten Eindruck auf den Beobachter, und zaubert ihn stundenlang hin vor das schöne Bild in Staunen und in Entzücken versunken. Einer der ersten und vorzüglichsten Oekonomcn Oesterreichs ob der Ens ist der Chorherr Zgnaz M a y r^*). Rent- *) Dieser würdige Mann ist seitdem geikor- dln. Er war einer der ibäiig>tcn Oekono- — I7Y — Meister 4>nd Oekonom des Stiftes, der, indem er die große Landwirtschaft des Stiftes besorgt , zugleich mit den theoretischen Fortschritten der Oekonomie gleichen Schritt hält. Die Landwirthschast, welche dieser Mann leitet, ist der vollgültige Beweis für seine Kenntnisse, sür^eine Thätigkcit. Er geht den Bauern in der Gegend umher mit der Einführung neuer Erfindungen und Verbesserungen als Muster vor; er hat die Stallfütterung eingeführt, und die Brache abgestellt. In den Ställen herrscht die netteste Reinlichkeit, das schönste stcycr- märkische Vieh aus dem Mürzthale steht hier in zncy Reihen, und die Ochsen find von einer ungemeinen Schwere. Gleiche Ställe von der Große eines ansehnlichen Saales, mit Säulen unterstützt, trifft man bcy den größer» Bauern in der Gegend um St. Florian. Aber nicht allein die Kühställe, auch die Schwein- M ^ --^»-- wen Oesterreichs; seine Biographic befin< ort sich Nro. -Z den 25. Marz -8>2 der vaterlandischen Blätter für den Oesterrci. chische« Kaiserstaat- iL«) —^ und Hühnerställe, und alle übrigen Maucrge- bände zeichnen sich dnrch gleiche Ordnung und Sauberkeit aus. Ich bin überMgt, daß es in der österreichischen Monarchie kein Land gibt (einige Gegenden in der obcrn Steyermark ausgenommen), wo ei» so allgemeiner Wohlstand unter den Landleuten herrscht, wie hier; ober man glaube ja nicht, daß dieser Wohlstand in allen Gegenden von Oesterreich ob der Ens gleich sey; viele Strecken, und darunter mehrere des Mühlviertels sind eben so wenig fruchtbar, als der Landmann dort wenig bemittelt ist. Die Häuser der Landleute in der Gegend von St. Florian gleichen kleinen Schlössern , und alle ökonomischen Vorräthc haben darin ihren bestimmten Platz. Ich habe mehrere Bauernhäuser um St. Florian mit dem Herrn Rcntmeister deS Stiftes in dem Umkreise von einigen Stunden besucht, und bin jedes Mahl mit Staunen und Bewunderung der -Ordnung der Solidität und der ZwcMnässig- keit solcher Gebäude zurückgekommen. Ehe ich von St. Florian scheide, muß ich meine Leser noch aus einen Gegenstand s- merksam machen, der allerdings ihrer Aufmerksamkeit wcrth ist, es ist die unterirdisch- Kirche, in der, wie de Luca glaubt, die ersten Christen in diesen Gegenden die Zusammenkünfte gehalten haben. Mit Schaudern steigt man in ein Gewölbe hinab, das dicht mit Todtcn- knochcn und Todtcnschcdcln angefüllt ist, zwischen denen man hinwandelt, wie ein Geist, der sich hier ei» Ruhcpl.ihchcn sucht. Hier genießt man die Nacht und die Einsamkeit, hier ahndet man die Kälte des Todes. Hier genießt die Seele, von allen Sinnen gleichsam gesondert , und mit sich selbst allein, ihrer ganzen Empfänglichkeit, und erhebt sich zu einer unerkannten Höhe. Hier fühlte ich mehr als je, was Düvaty sagte, daß der Weg zum Himmel unter der Erde fortläuft. Ueber das Daser)« der vielen Todtcnschedel weiß man nichts Bestimmtes anzugeben. Toctor Gall fand, als er hier war, unter diesen viele Kretinsköpfe. Als ic^aber, wie einst Orpheus, aus den Wohnungen der Götter der Unterwelt, aus dem Orkus wieder heraufstieg, tönten mir die himmlischen Klänge von Chrismanni's Zauber« orgel entgegen, und hielten mich in der Stifts- — I«2 — kirchc fest, dieser Musik der Seraphim horchend, die ich nie zu verlassen wünschte. So mächtig wirken die Töne, die aus dem Orgel- daue eines ChriSmanni hervorgehen! — H> » ^ <^._ DUWW