Wisnhf 8tsljt-KiK!iut»,vI(. 67559 /V > « » Kleingartenbau und Siedlungsuiesen Eine Folge praktischer Anleitungen für Gartenfreunde Herausgegeben mit Unterstützung der Landwirtschaftlichen Warenverkehrsstelle des Staatsamtes für Volksernährung von der Oesterreichischen Gartenbaugesellschaft Band I Wiens Schrebergärten Unter Mitwirkung von Direktor A. Knofel, Gartenarchitekt F. Lebisch, Professor L. Linsbauer, Garteninspektor P.Vogt, sowie des Verbandes der Schrebergärtnervereine Deutschösterreichs und der Freien Vereinigung der Kleingärtnervereine bearbeitet von Franz Siller und Camillo Schneider Inspektor des Landwirtschaftsamtes Generalsekretär der Oesterreichischen der Stadt Wien Gartenbaugesellschaft Mit 30 Abbildungen auf 16 Tafeln und 10 Figuren im Text Wien 1920 Verlag der Oesterretchtschen Gartenbaugesellschaft Wien,«,, Kaiser Wilhelm-Ring 12 'Alle Rechte vorbehalten. Vorwort. Die österreichische Gartenbaugesellschaft unternimmt die verausgabe dieser Bücherfolge in dem vollen Bewußtsein, daß es eine ihrer Äauptpflichten ist, denKleingarten- bau und das Siedlungswesen mit allen Kräften zu fördern. Gibt es doch in diesen Tagen politiicher Llnrast und wirtschaftlicher Bedrängnisse kaum eine brennendere Frage, als die der Beschaffung der notwendigen Lebensmittel. In unserem kleinen Deutschösterreich heißt es jetzt, jeden Quadratmeter Bodenfläche nutzbar zu machen. Dies bedeutet einen auf das Höchste gesteigerten Gemüse- und Obstbau. Wohl wird auch die Landwirtschaft im Getreide-, Kartoffel- und Rübenbau ihre Ertragsfähigkeit ständig zu steigern trachten müssen, doch diese Nahrungsmittel sind leichter einzuführen und in anderen Ländern besser und billiger zu erzeugen, als Gemüse und Obst. Vor allem das Gemüse gestattet bei richtiger Pflege und Kultur eine weitgehende Ausnützung auf der kleinsten Fläche. So sind im Kriege die sogenannten Kriegsgemüsegärten entstanden, die auch heute noch vermehrt und praktisch ausgebaut werden müssen. Allein die Aufgabe des Schrebergärtners ist eine weiterreichende, wie in der Einleitung eingehend dargelegt wird. Der Schrebergärtner ist der Vorläufer der Siedlung und der Gartenstadt, deshalb soll das erste Büchlein dieser Folge dem Schrebergarten oder richtiger dem Schrebergärtner gewidmet sein. Erst wenn sich dieser letzte der Bedeutung und Eigenart seiner Aufgabe voll bewußt ist, kann er wirklich Schrebergärten schaffen. Dazu in allen Einzelheiten ihn anzuleiten, werden wir in' weiteren Büchern versuchen, welche die Pfianzen- und Tierzucht im Schrebergarten behandeln sollen. Dieser erste Band wendet sich vor allem an den Wiener Schrebergärtner. In knappen Amrissen werden die Wiener Verhältnisse geschildert. Ist doch Wiens Versorgung mit Lebensmitteln die bedeutungsvollste Aufgabe für Deutjch- österreich. Inwieweit durch die Schrebergärtner an ihrer Lösung mitgewirkt wird, soll unser Buch veranschaulichen. Es joll die Mannigfaltigkeit der Aufgaben zeigen, die das Wiener Gelände dem Schrebergärtner bietet, und es soll die Mittel und Wege andeuten, wie diese Aufgaben sich zum Nutzen der Allgemeinheit lösen lassen. Gelingt es uns, ein lebendiges Bild der arbeitsfrohen Tätigkeit, die sich in den Schrebergärten des Wiener Weichbildes abspielt, vor dem Auge des Lesers vorüberziehen zu lassen, so hoffen wir dadurch eine immer regere Teilnahme in allen Kreisen zu erwecken. Außer den auf dem Titelblatte genannten Mitarbeitern haben unsere Bemühungen in freundlichster Weise durch Beschaffung von Bildvorlagen und für das Buch wichtigen Daten gefördert die Herren I. Buchmann, Obmann des Schrebergartenvereines Wasserwiese, Franz Eitler, Obmann des Schrebergarten- und Kleintierzuchtvereines „ Esparsette", RobertGoldbacher, Leiter der Schrebergartenaktion der Steg, XI. Bezirk, Franz Knotze, Obmann des Schrebergartenvereines am Ameisbach, Johann Kozel, Obmann des Schrebergartenvereines der Gartenfreunde im XII. Bezirk, Johann Krist, Obmann des Vereines der Schrebergärtner Favoriten und Iul. Straußhittel, Obmann des Schrebergartenvereines Rosental. Nicht zuletzt sind wir der Landwirtschaftlichen Warenverkehrsstelle des Staatsamtes sür Volksernährung und insbesondere ihrem Präsidenten, Dr. Kurt Schechner, für die überaus wichtige Linterstützung zu Dank verpflichtet, ohne welche dieses Buch nicht hätte herausgegeben werden können. Wir bitten um eine verständnisvolle, aber strenge Kritik seitens aller derer, die sich mit den Fragen des Schrebergartenwesens beschäftigen. Es ist, wie jedermann weiß, heute in Österreich nicht leicht, ein billiges und doch hübsch ausgestattetes Buch herauszugeben. Diese erste Schrift ist in vieler Hinsicht ein Versuch; sie in einer späteren Auflage zu einem unentbehrlichen Handbüchlein aus zugestalten, dazu brauchen wir die Kritik und Hilfe aller Freunde aus den Kreisen der Schrebergärtner. Nur eine innige Zusammenarbeit von Theorie und Praxis kann zu vollem Erfolge führen. Wien, im April 1920. Die Herausgeber. Verzeichnis der Abbildungen auf den Tafeln. Tafel I. Abb. 1. Bearbeitung der Wasserwiese im Prater mit dem Motorpflug. Abb. 2. Schrebergärten aus der Wasserwiese im Prater. Tafel II. Abb. 3. Ein Kinderbad in einer Anlage im II. Bezirk. Abb. 4. Ehemalige „Mistg'stetten" am Laaerberge vor der Bearbeitung durch die Schrebergärtner (vergleiche Tafel V, Abb. 8). Tafel III. Abb. 5. Schrebergartenkolonie der „Steg" im XI. Bezirk. Tafel IV. Abb. 6. Muttergarten in der Kolonie der „Steg". Tafel V. Abb. 7. Blick auf Anlagen im XII. Bezirk. Abb. 8 Schrebergartcnanlagen des Vereines der Schrebergärtner Favoritens am Laaerberge (vergleiche Tafel II, Abb. 4). Tafel VI. Abb. 9. Blick auf die Kolonie „Ameisbach". Abb. 10. Blick auf die Kolonie „Ameisbach". Tafel VII. Abb. II. Bewässerung der Anlagen auf dem Predigtstuhl durch die Feuerwehr. Abb. 12. Junge Schrebergärten auf dem Schafberge. Tafel VIII. Abb. 13. Eifrige Schrebergärtner in der Brigittenau. Abb. 14. Ein Schrebergärtner und sein Garten im II. Bezirk. Tafel IX. Abb. 15. Beim Wassertragen in den Sillergärten im XVI. Bezirk. Abb. 16. Eine andere Art der Wasserversorgung in den Sillergärten des XVI. Bezirkes. Tafel X. Abb. 17. Eine ertragreiche Anlage auf der Wasserwiese im Prater. Abb. 18. Eine andere blühende Anlage auf der Wasserwiese im Prater. Tafel XI. Abb. 19. Vorarbeiten zur Schrebergartenanlage „Lieb- hartstal" im XVI. Bezirk. Abb. 20. Ein erfolgreicher Kleingarten-Obstzüchter. Tafel XII. Abb. 21. Auland im XXI. Bezirk vor Anlage der Kolonie „Schwarzelackenau". Abb. 22. Erfolgreiche Obstzucht im Kleingarten. Tafel XIII. Abb. 23. Schulgartenunterricht im XVII. Bezirk. Abb. 24. Ein Imker vor seinem Bienenstand im Kleingarten. Tafel XIV. Abb. 25. Schulgartenunterricht auf der Wasserwiefe im Prater. Abb. 26. Lustiges Treiben auf einem Kinderspielplay im X. Bezirk. Tafel XV. Abb. 27. Blühende Schrebergärten der Kolonie „Ameisbach". Abb. 28. Praktische einfache Kürte in der Kolonie „Ameisbach". Tafel XVI. Abb 29. Schrebergartenanlage im XII. Bezirk. Abb. 30. Stabile Kütte in der Kolonie „Ameisbach". Inhalt. Seite Einleitung....................... 3 I. Die Schrebergarten-Anlagen rings um Wien..... 10 II. Wiener Schrebergärten, ihre Anlage und Unterhaltung 28 1. Lage und Bodenbeschaffenheit........... 30 2. Einzäunung ................... 32 3. Bewässerung................... 34 4. Kütten...................... 3b 5. Gemüsebau im Schrebergarten........... 38 6. Obstbau im Schrebergarten............ 48 7. Kleintierzucht im Schrebergarten.......... 59 z) Kaninchenzucht................. 63 b) Kühnerzucht . . ................ 68 c) Bienenzucht.................. 72 III. Die Anlag? einer Schreber.gartenkolonie und ihrer Einzelgärten ...................... 78 IV. Organisationsfragen der Schrebergartenbewegung ... 94 V. Die Zukunft der Wiener Schrebergartenbewegung ... 99 Anhang: Verzeichnis der bis 1919 gegründeten bekannten Schrebergartenvereine in Wien und Umgebung 105 ö. Bedingnisse für Vergebung von Kleingärten durch das städtische Landwirtschaftsamt, Wien 108 Alphabetisches Sachregister ............... 110 Wiens Schrebergärten Einleitung. Während der letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts konnte man in Deutschland beobachten, wie innerhalb der Bannmeilen größerer Städte da und dort kleine Gärten sich ansammelten. Angleich den alten Patrizier-Gärten vor den Toren mit ihren behaglichen Landhäusern. Nein, kleinste Gärten mit einsachen Lauben, schmucklosen Gemüsebeeten und ein paar Obstbäumen und Sträuchern. Man nannte sie daher Laubenkolonien, doch der bekannteste Name für sie ist wohl „Schrebergärten". In ihnen arbeitete der kleine Mann mit seiner Familie und suchte Erholung von seiner aufreibenden Tätigkeit in der Stadt. Solche Gärten gab es schon vor hundert Jahren. Wurde doch in Kiel bereits im Jahre 1820 „städtischer Grund in Abschnitten verpachtet, um Handwerkern, kleinen Beamten und Arbeitern Gelegenheit zu geben, den Sausbedarf an Obst, Gemüse u>w. selbst zu ziehen"/) Diese Gärten haben sich in Kiel behauptet und eingelebt, so daß dort 1912/1913 auf 163.772 Bewohner l tt.082 Pachtgärten kamen. Rechnet man die Familie zu vier Köpfen, so entfällt auf jede vierte Familie ein solcher Pachtgarten. Der Pachtertrag betrug im Jahre 1912/1913 Siehe Dr. Alois Sagmeister, Magistratsbericht- Regelung des Schrebergartenwesens, Juli 1914. Dieser Bericht stellt die erste offizielle Schrift über das Schrebergartenwesen dar, die in Wien erschien. Wir werden noch des öfteren auf diese wertvolle Unterlage zurückgreifen müssen. i* 3 die Summe von 91.794 N. Eine Großstadt wie Berlin besaß um diese Zeit rund 40.000 Laubengärten. Das Beispiel der Stadt Kiel zeigt, daß die Kleingärten keineswegs eine Einrichtung der Neuzeit sind. Ihre Verbreitung wurde jehr gefördert durch die Ideen, welche der Leipziger Arzt, Daniel Gottlieb Moritz Sch reber vertrat, der- am 15. Oktober 1808 geboren wurde und am 10. November 1861 in Leipzig starb. Dr. Schreber hat freilich Schrebergärten im engeren Sinne weder angelegt noch gesehen. Sein Lebensziel war die naturgemäße Erziehung der Kinder. Er hinterließ eine Reihe guter Schriften über Erziehung, worin er besonders den Wert des Spielens und des Turnens für die körperliche Erziehung der Kinder zu gesunden und brauchbaren Menschen betonte.*) Dr. Schreber starb, „ohne daß es ihm vergönnt war, die Früchte seiner Lehren zu ernten. Daß aber der Samen auf fruchtbaren Boden gefallen war und später tausendfältige herrliche Früchte tragen sollte, ist das Verdienst seines Zeitgenossen, des Dr. Äauschild, der Schrebers Ideen verwirklichte und drei Jahre jVäter für den ersten neu gegründeten Eltern- und Erziehungsverein den Namen Schreberverein in Vorschlag brachte." Von dieser Zeit an, so berichtet Kronfeld, wuchsen die Kolonien in Leipzig ohne Unterlaß und Rast, und Leipzig kann sich rühmen, in dieser Beziehung den ersten Play gewonnen zu haben. Ursprünglich waren nach der Absicht Dr. Schrebers nur Spiel Plätze ins Auge gefaßt; die kleinen Gärtchen, welche diese Plätze umrahmen und sie von der Außenwelt vollständig abschließen, entstanden erst später. Auf Anregung des bedeutenden Erziehers und Pädagogen Karl Gesell sollten Kinderbeete angelegt werden. Diese zwar wohlgemeinte Anregung war jedoch nicht ausführbar. ') Vergleiche auch den Artikel von Dr. E. M. Kronfeld „Zur Geschickte der Schrebergärten" in der „österreichischen Gartenzeitung", Band 13, Äeft Nr. 4 (1918). 4 weil die Kinder damals noch zu wenig Verständnis und Ausdauer besaßen, in der selbst auszuführenden Gartenarbeit befriedigende Beschäftigung zu erblicken. Mit Äilfe der Eltern entstanden dann kleine Gärtchen, in denen die Familie mit Eifer ihre bescheidenen Erfordernisse für die Küche in Obst und Gemüse selbst heranziehen konnten. Den Eltern war dadurch Gelegenheit geboten, die Spiele ihrer Kinder zu beobachten und die Kinder zeigten durch die Anwesenheit der Eltern mehr Lust zum Spiel. Am nun gegen plötzlich hereinbrechendes Unwetter geschützt zu sein, wurden die Gärtchen mit kleinen Lauben und Gartenhäuschen versehen, wodurch die 'Anlage ein völlig verändertes freundliches Aussehen erhielt. Manche Familie, deren Zeit es irgend erlaubt, hält sich während des Sommers und bis spät in den Äerbst hinein oft den ganzen 5ag im Freien auf. sie bereitet sich, da Kochgelegenheit vorgesehen ift, ihr Mittaqmahl und führt in dieser Weise ein gesundes zweckmäßiges Leben. Je mehr die Industrie sich entwickelte und je mehr der Arbeiter in die Fabrik getrieben und einer gesunden, natürlichen Lebensweise entzogen wurde, desto mehr machte sich das Bedürfnis nach solchen Stätten geltend, wo durch selbstschaffende Tätigkeit im Freien Körper und Geist sich erholen konnten. Das ständig wachsende Wohnungselend in den Großstädten trug ebenfalls nicht wenig dazu bei, die in die Mietskasernen Eingepferchten nach Luft und Licht lechzen zu lassen. Verständige staatliche und städtische Behörden erkannten die hygienische und volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Arbeit im Schreber garten, und suchten sie zu fördern. Doch erst der Krieg hat in entscheidender Weise den Wert des Kleingartenbaues dargetan. Der Schrebergarten ist nicht nur die erweiterte Wohnung, der Ort für heilsame, körperliche Betätigung, er ist vor allem auch die Stätte, welche die unentbehrlichen Zubußen zur gesunden Ernährung spendet. Aus der Ääuser drückenden Enge entflieht der Schrebergärtner ins Freie. Nicht zum beschaulichen Naturgenuß, sondern zu ernster, aber Freude bringender Tätigkeit auf seinem Grund und Boden. Ist doch, wenigstens für eine 5 bestimmte Zeit, dies Fleckchen sein eigen, auf dem er schalten und walten kann nach Äerzenslust. Äier ist er Äerr und Schöpfer, hier arbeitet er für sich selbst und doch auch in dem Bewußtsein, daß von seiner Tätigkeit das Wohl und Wehe der Allgemeinheit beeinflußt wird. Je mehr er für sich selbst erzeugt, desto mehr Nahrungsmittel macht er frei für andere, die es ihm noch nicht gleich tun können. War der Schrebergarten einst nur als Spielplatz für Kinder gedacht, so hat er sich heute herausgewachsen zu einer volkswirtschaftlichen Notwendigkeit. Eine solche bedeutet er ganz besonders für Österreich, und hier in erster Linie für Wien. Keine Großstadt kann solcher Gärten, solcher Kolonien mehr entbehren. Sie braucht sie so dringend, wie Schulen oder Krankenhäuser, nein, dringender. Sind doch die Schrebergärten ihrem Wesen nach beides: Stätten der Schulung für Jung und Alt und Stätten der Gesundung. Je mehr sie sich in rechter Weise ausgestalten, ihren besonderen Bedürfnissen nach gliedern und die einzelnen Schrebergärtner zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenführen, desto mehr werden sie zu jener Schulung beitragen, die der Bürger einer Republik bedarf. Über das erzieherische Moment des Schrebergartentums hat Professor L. Linsbauer, der Leiter der Schrebergartenstelle der Landwirtschaftlichen Warenverkehrsstelle des österreichischen Staatsamtes für Volksernährung, in der „Zeitschrift für Garten- und Obstbau", 1. Folge, Band I, Seite 10 (1920) folgendes gesagt: „Die Erziehung zum Staatsbürger muß bei Her Jugend beginnen. ?e klarere Begriffe man ihr vom Wesen und den Einrichtungen des Staates beibringen kann, desto besser ist es für den Staat selbst. And am besten, wenn man sie anschaulich lehrt, sich selbst als Glied des Gemeinwesens zu erkennen und zu fühlen und den Unterschied zwischen Staat und Negierung zu begreifen. Diese Erkenntnis lebendig zu gestalten, gibt es kaum ein geeigneteres Mittel, als auf das Beispiel der Schrebergärtnervereinigungen 6 hinzuweisen, das vielen Tausenden von Kindern der Großstadt aus eigener Erfahrung bekannt ist. Und da viele Lehrer selbst einem Schrebervereine angehören, kann es keine Schwierigkeit bilden, eine solche Organisation als Beispiel einer demokratischen Ver- fassung im kleinen den Kindern verständlich zu machen. Der Schritt zum Staatsbegriffe ist dann Nicht mehr groß. Alle Funktionen des Staates sind leicht auch im Schrebergartenvereine nachzuweisen; die Einrichtungen der Demokratie sind hier verwirklicht. Es gibt hier keine Stände und keinen Kastengeist, keine sozialen Unterschiede mehr. Nur Wissen und Können zeichnet den einen vor dem anderen aus, und alle sind gleichberechtigt. Die Stellung, der Erfolg hängt nur von der eigenen produktiven Arbeit ab. And Arbeit wird hier als Freude und Erholung empfunden. Daß die leitenden Funktionäre Ehrenstellen bekleiden, lehrt eindringlich, daß nicht jede Arbeit bar bezahlt werden muß, daß es auch frei- willig übernommene, gerne getane, wenn auch oft schwere Arbeit gibt, die Befriedigung schafft. Die Funktionäre des Vereines sind nur die »primi inter pare8', von Ihresgleichen freigewählte und wieder absetzbare Vertreter mit hoher Verantwortung Das „souveräne Volk" der Schrebergärtner wählt sie zu seiner Regierung und gibt sich selbst Gesetze, die es darum auch gern befolgt, weil es ihren Wert anerkannt hat. Es besteuert sich durch seine „Nationalversammlung" selbst und weiß, wozu die Steuern und Abgaben dienen. Grund und Boden und dessen Erzeugnisse lehren den Wert rechtmäßig erworbenen oder geschaffenen Eigentums erkennen, und wer sich an den Früchten der redlichen Arbeit anderer vergreift, wird als Verbrecher betrachtet. Es ist leicht zu erkennen, wieviel moralische Elemente in einem solchen Unterrichte erläutert und erfaßt werden können. Es läßt sich auch auf die Bodenproduktion und ihre Förderung, auf die Bedeutung von Kandel und Gewerbe, Siedlungsformen, Wohnungswesen und Hygiene hinweisen und eingehen Ja selbst die Fürsorge für das Bildungswesen, die Bedeutung der Kunst für die Verschönerung des Lebens sind ohne Schwierigkeit zu besprechen und werden auf volles Verständnis treffen^ Wie man sieht, sind von der sozialpolitischen Seite Verbindungsfäden zu kulturpolitischen Problemen gezogen, und einem denkenden Lehrer kann es keine Schwierigkeit bieten, spielend die Jugend mit allen diesen Seiten und Aufgaben des Staates bekanntzumachen. Welchen Nutzen der Staat, also das Volk, daraus schöpfen kann, liegt auf der Äand. Äier liegt eine schöne Aufgabe für die Schule vor. Äoffen wir, daß sie sie ergreift und löst." 7 Noch viel klarer springt die ökonomische Bedeutung des Schrebergartens ins Auge. Seit wir durch den Krieg und noch mehr durch den Frieden gezwungen worden sind, uns den Fleischgenuß fast ganz zu versagen, haben wir den Wert der „vegetarischen" Ernährungsweise, ohne es zu wollen, recht schätzen gelernt. Obst und Gemüse, die früher allzusehr Genußmittel oder Nebenkost waren, sind zu Nahrungsmitteln geworden. Wie einer der eifrigsten Verfechter, des Kleingartenbaues und der Nückkehr zum Land in Deutschland, Leberecht Migge, sich drastisch ausdrückt*), muß es künftig heißen statt: „Beafsteck mit Kartoffeln und Gemüse ,garniert', lieber: Bohnen und Äpfel mit Speck, oder auch nur Backobst und Klöße". Wie wir noch sehen werden, braucht aber der Schrebergärtner kein strenger Vegetarier zu sein. Im Gegenteil, die Kleintierzucht verspricht ein immer bedeutenderes Element im Schrebergarten zu werden. Worauf es in einer Schrebergartenanlage — der einzelne Schrebergarten ist ja nur ein Teil eines vielgliedrigen Gesamtwesens — vor allem ankommt, ist: nach einer sachgemäßen Vorbereitung des Bodens dessen intensivste Ausnützung bei größtmöglicher Vereinfachung und Ver- billigung der Arbeit zu erreichen. Wie dies geschieht, wird ausführlich in dem geplanten, zweiten Bande der Buchfolge besprochen werden, soweit es den einzelnen Schrebergarten betrifft. Keute beschränken wir uns nur auf kurze Hinweise nach dieser Richtung, wollen dafür aber umso deutlicher die Notwendigkeit der Zusammenarbeit Aller in der gesamten Anlage hervortreten lassen. Die Kenntnisse der lokalen Verhältnisse und Bedingungen sind von ausschlaggebender Bedeutung. Es liegt In seiner bekannten Schrift „Jedermann Selbstversorger. Eine Lösung der Siedlungsfrage durch neuen Gartenbau", die trotz mancher Übertreibungen als sehr lesenswert und zeitgemäß empfohlen werden kann. 8 uns nichts ferner, als sogenannte allgemein gültige Regeln aufzustellen. Darf mcm auch allgemeine Grundsätze nicht außer acht lassen, so soll sich doch jede Anlage den örtlichen Bedingungen anpassen und aus ihnen heraus sich gestalten. Man arbeitet anders auf den Hängen des Wienerwaldes als im Gebiete der Donau-Auen, anders auf der Wasserwiese im Prater als draußen am Rosen- Hügel. Nicht nur jeder Landstrich mit seinen klimatischen Eigenheiten hat seine besonderen „Sorten", nein, jede oft engbegrenzte Drtlichkeit hat sie. Dies wird sich im einzelnen noch zur Genüge zeigen. Gerade Wiens Alw gebung ist voll wechselnder Bedingungen und stellt den Schrebergärtner stets vor neue Aufgaben, wie wir im Laufe unserer Darlegungen dartun wollen. Sollten wir diese Wiener Verhältnisse in der ersten Auflage unseres Buches noch nicht zum klaren Ausdruck gebracht haben, so wollen uns alle Lejer und Freunde helfen, es in einer späteren zu erreichen. Jeder, der das Buch prüft, ist unser Mitarbeiter. Hilft er uns, so hilft er all denen, die sich bei uns Rat holen wollen. I. Die Schrebergarten-Anlagen rings um Wien. Die erste Schrebergarten-Anlage Wiens lag räumlich — außerhalb des Wiener Weichbildes. Der Wiener Natur Heilverein war auf dem Gebiete der Schrebergärtnerei der eigentliche Pionier Österreichs. Der damalige Obmann dieses Vereines, August Bronold, stellte im Jahre !903 den Antrag auf Errichtung von Schrebergärten und fand unter den Mitgliedern des Vereines sofort verständnisvolle Zustimmung. Es war jedoch im Stadtgebiete Wiens kein passender Grund hiefttr erhältlich; deshalb wurde von den ersten Anhängern dieser Idee an der Westbahn strecke — in Deutsch-Wald, (zwischen Purkersdorf und Paunzen) ein zweieinhalb Joch großer Grund gekauft bezw. gepachtet. Die Bewirtschafte? dieser ersten Schreber garten-Anlage waren durchwegs Wiener, denn zu jener Zeit gestatteten die günstigen Verkehrsverbindungen leicht, in Wien zu leben, dem Berufe nachzugehen und nach dem Berufe sich im Schrebergarten zu erholen. So entstanden im Jahre 1904 die ersten Hutten da draußen, denen bald kleine Siedlungshäuser folgten, welche den Bewohnern den Aufenthalt im Sommer, wie im Winter gestatteten. Ein Mitglied dieser Kolonie hat geholfen, in Wien selbst die erste Schrebergarten-Anlage zu gründen,- die des Schrebergartenvereines „Nosental". In einem wilden, ziemlich steinigen Tale in der Nähe des Steinhofs erwarben eine Anzahl von wagemutigen Männern Pachtgründe, und machten im wahrsten Sinne des Wortes „im Schweiße 10 ihres Angesichtes" den Boden urbar. Dies geschah im Jahre 1911. Die ersten Bearbeiter ließen sich, obwohl viel verspöttelt und gehindert, nicht irre machen; ja nicht einmal die von Ausflüglern spöttisch geäußerte Vermutung, daß es die „.harmlosen vom Steinhof" wären, die man hier umgraben lasse, ließ diese Schrebergärtner in ihrem Vorhaben wankend werden. Sie errichteten die erste Kolonie in Wien, der dann, nachdem einmal das Beispiel gegeben war, rasch einige andere Kolonien folgten. Bis zum Jahre 1914 entwickelte sich indes die Kleingartenbewegung vollkommen im stillen. Aür die All gemeinheit hatte sie keinerlei Bedeutung, und sie fand sehr wenig Beachtung. Ganz anders wurde die Sache bei Kriegsbeginn. Bereits im Äerbste des Lahres 1914 riefen vorsichtige Männer der Bevölkerung zu, selbst den Spaten in die Äand zu nehmen und den Boden urbar zu machen. Eine Anzahl Leute folgten diesem Rufe, übernahmen Teilsiächen und begannen, sich mit der Llrbarmachung sterilen Bodens abzumühen. Not und Mangel an Lebensmitteln stiegen rasch, und als zum ersten Male im Herbste 1915 ein Kartoffelmangel eintrat, da schwoll die Zahl der Bewerber um Kleingärten mächtig an. Zu diesem Zeitpunkte rief auch die Gemeinde Wien eine Anbauaktion ins Leben, welche mit dazu beigetragen hat, der ganzen Bewegung die gewisse Eigenart zu verleihen, die sie heute hat und die sie von der eigentlichen Schrebergartenbewegung unterscheidet. Es wurden nämlich sogenannte Kri e g s g e mü se- gärten, gewissermaßen Äilfsschrebergärten, angelegt. Alle in Betracht kommenden Anbauflächen im Stadtgebiete wurden in Teillosen an Bewerber aufgeteilt, hauptsächlich bestimmt zum Anbau von Kartoffeln. Diese kleinen Gärten etwas hübscher einzurichten, sie gut abzuzäunen, Wasser zuzuleiten usw. kam Niemandem in den Sinn, da ja jedermann vollkommen überzeugt war, die u Kriegsverhältnisse müßten sich noch in Jahresfrist vollkommen ändern. Leider ist es ganz anders gekommen; und bereits im Äerbste des Jahres 1916 war die Anzahl der Gesuchsteller um Anbaugrund so groß, daß nicht mehr alle mit Anbauland beteilt werden konnten. Am deutlichsten ist das Anwachsen der Bewegung aus den Zahlen zu ersehen, die, wenn auch etwas spärlich, zur Verfügung stehen. Im Herbste des Jahres 1915 dürfte es rund 2000 Schrebergärten und 1200 Äilfsschreber- gärten (Kriegsgemüsegärten) gegeben haben. Die Zahl der Schrebergärten stieg im Jahre 1916 auf etwa 3000, die der Kriegsgemüsegärten auf rund 2800. Von diesem Zeitpunkte an beginnen sich die Trennungslinien zwischen den beiden Formen zu verwischen. Der Schrebergarten, der dem Besitzer früher zum großen Teil auch Lustgarten war, wird immer mehr lediglich Nutzgarten, das Anbaulandlzur Beschaffung von Kartoffeln und Gemüsen. Der Kriegsgemüsegärtner jedoch gewann durch die Beschäftigung mit Grund und Boden wieder Zusammenhang mit Mutter Erde, die Liebe zum Boden wurde neu in ihm geboren und er begann, sich auf seinem Grunde häuslicher einzurichten. Er umfriedete ihn mit Zäunen, baute sich ein kleines Gartenhaus und trachtete, zur möglichst weitgehenden Ausnützung des Gartens auch die Wasserleitung zu erhalten. Beide Gartenformen verschmolzen also immer mehr in eine; und da sie nicht mehr dem glichen, was man allgemein unter einem „Schrebergarten" verstand, wurde für diese typische Wiener Form der Name „Kleingarten" geprägt. Solcher Kleingärten zählen wir nun bis zum Äerbst 1919 schon eine recht stattliche Anzahl. In diesem Jahre gab es bereits insgesamt etwa 40.000 Familien mit mehr als 200.000 Köpfen, welche Kleingarten-Flächen mit einem Gesamtausmaße von über 12 Millionen bewirtschafteten. Die Ernteergebnisse waren entsprechend große. Im Jahre 12 1919 wurde« allein über 259(1 Waggons Gemüse und Kartoffel geerntet, die, sehr gering gerechnet, einen Wert von etwa 25 Millionen Kronen darstellten. Schon aus dieser Erntezahl allein ergibt sich, daß es die Kleingärtner trefflich verstanden haben und verstehen, sich die Kunst der ^Bodenwirtschaft, der Bodenbearbeitung zu eigen zu machen. Nicht zufrieden mit der Bodenbebauung allein, begannen sie auch, um alle Abfälle ausnützen zu können, bereits in den ersten Kriegsjahren mit der Kleintier zucht. Welche stattliche Ergebnisse sie damit erzielten, lassen die Ertragsziffern des Jahres 1919 erkennen. Nach vorsichtiger genauer Schätzung und Zählung haben nämlich die Kleingärtner und Kleintierzüchter Wiens im Jahre 1919 folgende Mengen an Kleintieren gezüchtet und aufgezogen: 150.000 5)asen (Kaninchen), 120.000 Stück Geflügel (Eierproduttion etwa 9 Millionen Stück) und etwa 1500 bis '2000 Stück Ziegen mit einer Milchproduktion von mindestens 600.000 Literm Diese leerte ergeben in Geld umgerechnet, eine Summe von etwa 25 Millionen Kronen, so daß der Gesamtertrag der Wiener Kleingartenwirtschaft in dem ei« en Jahre 1919 mit rund 50 Millionen Kronen bewertet werden kann. Gewiß ein Erfolg, der rein materiell genommen, alle in Betracht kommenden Stellen anspornen muß, die mächtige Bewegung im Interesse des Wiederaufbaues unseres zerrütteten Staates mit allen Mitteln zu fördern. Interessant ist dabei Folgendes: Diese Riesenmengen von Nahrungsmitteln wurden nicht etwa auf Gründen gewonnen, die für Bewirtschaftung vorzüglich geeigne't sind. Der Bauer und der Äandelsgärtner beanspruchen für ihre Betriebe möglichst flaches Land mit gutem, ertragreichem Boden. Nicht so wählerisch ist der Kleingärtner. Alle jene Gründe, die bisher schlecht oder gar nicht bewirtschaftet wurden, hat er mit Beschlag belegt, dort arbeitet er und dort erzielt er Früchte, die an Güte und Menge mit solchen aus den gewerbsmäßigen Betrieben einen Vergleich sehr wohl aushalten können. l.i Wien hat, abgesehen vom XXI. und XI. Bezirk, wo von jeher die großen Gärtnereibetriebe waren, wenig flaches Anbauland. Am die Stadt ziehen sich zumeist Äügel mit oft recht steilen Köngen, und da eben diese Hänge das einzige freie Anbauland waren, wurden sie von den Kleingärtnern besiedelt. Es gibt nahezu keinen Bezirk, ausgenommen den I., der nicht Kleingärten hätte, und jede größere Anlage hat ihre eigene recht interessante Geschichte. Wenn man die einzelnen Bezirke betrachtet, so findet man zunächst im II. Bezirk an der alten Donau seit längerer Zeit eine Anlage, die bezeichnend „Neubrasilien" heißt. Mitten im Augelände wurden Teil- flächen für Anbauzwecke beansprucht, und im Schatten der Aubäume wurden Kütten errichtet und Gärten geschaffen. Das nahe Waffer der alten Donau bietet Gelegenheit zum Baden und Kahnfahren, wie auch zum Fischfang. Die ausgedehnteste Kleingarten-Anlage des II. Bezirkes ist jedoch auf der sogenannten „Wasserwiese" im Prater entstanden. Noch während des Krieges gelang es der Gemeinde Wien, eine Teilfläche der genannten Wiese im Ausmaße von etwa 200.000 für Klein gartenzwecke vom Kofärar frei zu bekommen. Die Wiese lag von jeher vollständig brach und diente durch Lahr- zehnte nur Exerzierzwecken. Die Grasnarbe war daher so verfilzt und verwachsen, daß die Flächen vor der Aufteilung an die Kleingärtner mit dem Motorpflug umgeackert werden mußten. (Siehe Abbild. 1 auf Tafel I). Rund 1000 Familien haben hier ihre Gärten, und da der Boden bei fleißiger Arbeit reiche Ernte gibt, ist ein Kleingarten auf der Wasserwiese einer der begehrtesten „Artikel". Wie ein solcher jetzt ausschaut, zeigen Abb. 2 auf Tafel I und Abb. 18 auf Tafel X. Wie die Wasserwiese wurde auch die rund 400.000 rn- große Simmeringer Keide, die seit Menschengedenken !4 nur als Exerzierfläche benützt worden ist, noch während des Krieges, nach langem Hin und Wider mit den Militär beHorden, für Kleingartenzwecke in Beschlag genommen. Die anrainenden Gärtner in Simmering und Kaiser Ebersdorf betrachteten das Beginnen, auf der Heide Kleingärten anlegen zu wollen, mit größter Belustigung. Sie erklärten, daß ja dort nichts wachsen könne, der Boden sei zu heiß, zu sehr voll Schotteradern durchzogen, und übrigens sei die Heide so abgelegen, daß sich wohl Niemand die Mühe nehmen werde, dorthin zu gehen und etwas anzubauen. Heute jedoch liegen die Verhältnisse schon ganz anders. Über tausend Kleingärtner sind auf der Heide bereits untergebracht, und die kleinen noch vorhandenen Restflächen genügen weitaus nicht, auch nur einen Teil der Ansuchen zu befriedigen. 3a, sogar die Gärtner selbst, die früher doch einen Anbau auf der Heide als eine „Augenauswischerei" bezeichneten, sie kommen nun und verlangen, daß ihnen auf der Heide Gründe überlassen werden. Im XI. Bezirk hat ferner die „Steg" eine große Kolonie, in der fast 700 Familien ihre Kleingärten haben. Diese Anlage ist, da die Bebauer von ihrer Leitung unterstützt wurden, sehr gut eingezäunt, mit Wasser versehen und besitzt vor allem schon einen Muttergarten, (siehe Tafel III und IV, Abb. 5 und 6) in dem die für die Anlage benötigten Setzlinge herangezogen werden. In jüngster Zeit sind auch einige weitere Schrebergartenanlagen in diesem Bezirk, so die Anlage „Simmering" an derBraun- hubergasse und die „Kaiser Ä>ersdorfer", entstanden. Beide Bereine haben gut 500 Mitglieder und bewirtschaften eine Fläche von mehr als 100.000 m^. Kulturarbeit, wie kaum sonst irgendwo und wann, haben die Kleingärtner des X. Bezirkes geleistet. In der Gegend des Laaerberges — einem Bezirksteil, dessen Nachbarschaft im Boltsmunde den bezeichnenden Spitznamen „Kubainsel" !5 (Sträflingsinsel) führt — war die große Mistablagerungs statte des X. und der angrenzenden Bezirke untergebracht. Man konnte sich kaum etwas vorstellen, was mehr den einfachsten Forderungen der Gesundheitspflege widersprach, als diese „Mistg'stetten". (Tafel II, Abb. 4). Ununterbrochen kamen die vollbeladenen Kehrichtwagen an und entleerten ihren Inhalt ohne Rücksicht darauf, daß der Wind Milliarden von Krankheitserregern fortwirbelte und die anliegenden dicht bevölkerten Bezirksteile verseuchte. Von diesen Flächen — die kein Mensch je für ein Anbauland hätte gelten lassen, haben die Kleingärtner Besitz ergriffen. Ünd heute — nach kaum zwei bis drei Iahren möge man nur einmal die An lagen des „Vereines der Schrebergärtner Favoriten" und des „Arbeiter-Schrebergartenvereines Favoriten" betrachten und man wird diesen emsigen Kulturträgern die höchste Bewunderung zollen müssen. (Vergl. Abb. 8 auf Tafel V.) Aus einer solchen Wüste haben sie ein Land aej chaffen, welches nicht nur prachtvoll anzusehen ist und die Luft verbessert und reinigt, sondern auch den Bedauern reichste Ernten abwirft. Diese beiden Anlagen haben zusammen fast 1000 Kleingarten-Parzellen, und mehr als 5000 Perionen genießen die Wohltat, ihre mehr als knapp bemessene Wohnung durch ein Stück Garten zu erweitern und eine Anbaufläche zu besitzen, wo sie sich erholen und die zur Nahrung notwendigen Lebensmittel ziehen können. Jüngere Kleingartenanlagen im X. Bezirke sind die Kolonie „Wasserturm", die „Bernhardstaler" und die Gruppe „Friesenplatz", die zusammen auch über 600 Parzellen mit mehr als 1 Z0.000 m- Grund fläche haben. Eine ganze Anzahl wohl angebauter großer Kleingarten tolonien besitzt der XII. Bezirk. Da haben vor allem die „Gartenfreunde", so ziemlich der größte Schreber gartenverein Wiens, mit mehr als 1000 Familien als Mitglieder, ihre Anlage. Diese liegt zun: größten Teil im Gebiete Altmannsdorf, ist wohl ausgebaut, umzäunt und w mit ausreichender Wasserzuleitung versehen. Da es sich um eine bereits seit Iahren bestehende Anlage handelt, findet man schon viele Obstbäume in den Gärten. Auch die Kütten sind meistens schon sehr nett und stabil gebaut und eingerichtet, ja mehr als eine wird sogar schon Sommer und Winter hindurch bewohnt. Als zweitgrößter Verein des Bezirkes schließt sich die „Esparsette" mit ihren Zweigkolonien an. Sie umfaßt heute fast 8l)l) Parzellen und wird den „Tausender" bald erreicht haben. Längs der Südbahn haben ferner die Eisenbahner (Kolonie Mahle i n s d o r f) und gegen die Stadtgrenze zu die „Altmanns- dorfer" ihre Anlage, die wohl eingerichtete Betriebe darstellen. > Schon aus der Lage des XIII. Bezirkes ergibt sich, daß sich dort die Kleingärtner in größerer Zahl angesiedelt haben. Vor allem sind es die bereits eingangs erwähnten „Rosentale r", welche im Nosenbachtale Teile der Berglehne, gegen die Keilanstalt Steinhof zu, besiedelt haben. Es handelt sich um eine ziemlich steile Böschung, und die Gärten mußten fast durchgehends in Terrassen angelegt werden. Die Rosentalkolonie zeichnet sich dadurch aus, daß sie, als älteste Wiener Schrebergartenanlage, bereits Einrichtungen hat, die andere Anlagen noch vermissen lassen. Vor allem haben die Nosentaler schon reiche Obstbaumkulturen. Die Anlage besitzt heute ungefähr 5000 Obstbäume und mehr als 12.000 Beerenobststräucher, die gering gerechnet einen Durchschnittsjahreserlrag von mindestens 100.000 an Kern- und Steinobst und etwa 60.000 bis 70.000 an Beerenobst abwerfen. Dabei handelt es sich zumeist um wirkliches Edelobst. Rechnet man zu diesem Ertrage aus den Obstbäumen und Sträuchern noch den an Gemüse und Kartoffeln und der Kleintierzucht, so kann man sich eine uugefähre Vorstellung von dem außer ordentlichen Wert der Kleingärten in wirtschaftlicher Hinsicht machen. „Nosental" besitzt eine ganze Au^abl 2 17 stabiler, fester „Kürten", die eigentlich zum Teil kleine, recht gut bewohnbare Kauschen darstellen. Eine andere Kleingartenanlage des XIII, Bezirkes, die auch schon nahezu 1000 Mitglieder zählt, hat der Verein „Ameisbach" angelegt. (Siehe Tafel VI, Abb. 9 und 10.) Die Kolonie liegt mehr gegen das verbaute Gebiet zu, zwischen dem Nainerspital und der Heilanstalt Steinhof. Die Anlage hat nicht einmal 1000 ebenes Anbau- land, sondern durchgehends nur Kügelhänge, was die Anlage der Gärten oft recht schwierig macht. Die „Ameisbacher" ließen sichs jedoch nicht verdrießen. Sie haben ihre Kolonie zum Teil bereits entsprechend ausgebaut, auch ein. großes Schutzhaus (aus einigen alten Baracken) errichtet und so für alle gemeinsamen Angelegenheiten, wie Llnterricht, Versammlungen, Sitzungen und Unterhaltungen, ein eigenes Keim geschaffen. Dieses haben sie, so recht nach Schrebergärtner Art, auch für Iugendfürsorgezwecke freigegeben.' Ein wirkliches Kunststück war es, den „Ober-St. Veiter" Familiengärten, die an Berghängen gegen den Lainzer Tiergarten zu angelegt sind, das Wasser zuzuleiten. Jahrelang mußten sich die wackeren Bebauer ohne Wasser mit der Bodenbewirtschastung abmühen. Wenn je etwas als Beweis dafür gelten kann, daß die Kleingärtnerei nicht eine bloße „Mode" darstellt, so ist es die Anermüdlichkeit dieser Leute, die nicht vor einer sast aussichtslosen Mühe zurückschreckten. Nach langen Kämpfen haben sie sür ihre Anlage die Wasserzuleitung erhalten, und wenn sie diese wegen zu geringen Druckes auch nur zu bestimmten Stunden des Tages benützen dürfen, so sind sie doch hoch befriedigt. Die wunderhübsch gelegene Kolonie umfaßt trotz der entfernten Lage weit über 400 Mitglieder. Kart an der Grenze der Stadt — anschließend an den Waldfriedhof in Hütteldorf — liegt die Kolonie des Vereines „Weidlingau- ^ Sadersdorf". Ihre Lage am Südabhange des Wolfers- berges ist sehr günstig; sie ist wohl eingerichtet und will sich, obwohl sie schon mehr als 300 Parzellen umfaßt, ständig ausbreiten. Mit den genannten Vereinen ist nun die Zahl der Schrebergartenkolonien im XIII. Bezirk noch nicht erschöpft. Da sind die junggegründeten Vereine der eifrigen Organisationen „Pietzing und Umgebung" und „Zacking und Umgebung", da sind die Straßenbahnerkolonien (Hauptwerkstätte) und an der Grenze gegen den XVI. Bezirk zu die Gründe des Vereines „Selbsthilfe"; Vereinigungen, die mehr als Z000 Mitglieder haben und Flächen von ungefähr 500.000 rn^ bewirtschaften. Was die Schrebergärtner im XV. und XVI. Bezirk geleistet haben, sollte eigentlich im Ruhmesbuche der Wiener verzeichnet werden. Im Ruhmesbuche, weil die Kleingärtner dort Fleiß, Ausdauer, Arbeitskraft und Arbeitswillen, Llnermüdlichkeit und ein Verständnis gezeigt haben, wie man es von einfachen Leuten wohl nie und nimmer erwarten konnte. Diese Schrebergärtner haben große Teile des Exerzierplatzes Schmelz urbar gemacht. Für Exerzierzwecke wurde seinerzeit der Platz befandet, d. h. mit einer 15 bis 20 cm dicken Schichte Schotter überzogen. Jahrzehntelang wurde dieser Sand und Schotter dann niedergestampft, von den Kanonen und Wagen gewalzt und der Boden so zu einer wahren Wüste gemacht. And was haben die Schrebergärtner aus diesem Boden gemacht! Durch unglaubliche Leistungen — die Schuttschichte mußte abgeiragen und das Material durch das Wurfgitter geworfen werden — haben sie die Wüste in fruchtbares Land umgewandelt. Die Ernte, welche diese 1300 Schrebergärtner auf der Schmelz im letzten Jahre erzielten, dürfte, dem Wert nach gemessen, fast 1 Million Kronen erreichen. Abgesehen von dem wirtschaftlichen und moralischen Wert hat die Anlage noch etwas anderes 19 bewirkt. Sie liegt als breiter, grüner Riegel vor stark verbautem Gebiete und hält dies von der früher so bös gefühlten Staubplage frei. Außer diesen „Schmelzern" gibt es im XVI. Bezirk auch noch eine ganze Anzahl von Kolonien; z. B. öie der „Sicherheitswachleute" (etwa 150), der „Kulturfreunde" (100), die Siller gärten am Ameisbach mit über 100 Familien, die Vereinigung „Weidäcker" am Flötzersteig mit über 200 Mitgliedern, und eine schön gelegene Anlage der Steinhofstraße außerhalb der Kuffnerschen Sternwarte, die den seltsamen Namen „Starch a nts aigen" führt (über 100 Mitglieder). Ferner hat das Lehrerhilfskomitee 200 Gärten in der Steinhofstraße in der Nähe der Lupus- Heilanstalt, der Verein „Liebhartstal" über 200 Gärten an der Galizinstraße im lokalberühmten Liebhartstal, und noch eine ganze Anzahl größerer und kleinerer Vereine haben im XVI. Bezirk ihre Anlagen, die insgesamt weit über 1500 Kleingärtnerfamilien in sich vereinen. Im XVII. Bezirk hat der Verein „Marienkolonie" am .hange des Schafberges gegen die Alszeile zu seine Anlage. Die Gründe sind für den Anbau infolge ihrer Lage am ziemlich steilen Äang nur mit schwerer Mühe ausnutzbar, jedoch wegen ihrer geradezu idealen Lage gegen Süden eine Heilstätte für kranke Großstadtlungen zu nennen. Größer ist die am Äange des Äeu- berges gelegene Anlage des Vereines „P ointengasse", die über 300 Mitglieder umfaßt und der es trotz der abgeschiedenen Lage möglich war, das so notwendige Wasser zuzuleiten. Die größte Vereinigung des XVII. Bezirkes ist die des Schrebergarten- und Kleintierzüchtervereines „Sand- leiten", der mit seinen Sektionen insgesamt über 1700 Mitglieder umfaßt und somit selbst schon einem kleinen Schrebergartenverbande gleichkommt. Seine Kolonie liegt zum größten Teile auf jenen Gründen, die während 2" des Krieges zur Anlage des sogenannten Äeldenhaines in Aussicht genommen waren (Sandleitengasse, Durauergasse, Kongreßplatz). Da aus dem Heldenhaine wohl schwerlich etwas werden wird, dürften die Gründe der Schrebergärtners noch so manches Jahr erhalten bleiben, obwohl sie sich nahe dem verbauten Stadtgebiete befinden. Eine Anlage, von der aus man die schönste Aussicht Wiens genießen kann, hat der Verein „Predigtstuhl", wie der Vereinsname schon sagt auf dem „Predigtstuhl" genannten Bergrücken angelegt. Ln der nächsten Nähe des ehemals dem Erzherzog Salvator gehörigen Schlosses bietet sie ihren Bearbeitern ein geradezu entzückendes Bild gegen das Dornbachtal, die Hänge des Kahlen- berges einerseits und gegen das Häusermeer der Stadt zu anderseits. An schönen Tagen reicht der Blick weit hinunter bis in das „Ausland" (ungarische Karpathen) und gegen Süden zu bis zum Anninger, ja an ganz klaren Tagen bis zum Schneeberg. Es ist ein herrliches Stück Land, was die Aussicht betrifft. Denn sonst haben die Schrebergärtner dort nichts zu lachen. Zur Anlage des erzherzoglichen Parkes war von den Wiejenflächen der ganze Humus abgetragen worden und mit geradezu unsäglicher Mühe mußten die Bearbeiter Berge von Steinen aus dem Boden entfernen, um nur eine dünne Ackerkrumme zu bekommen. And dann die Wasserfrage. Es war ein Glück nur, daß dort auf der Höhe oben das erzherzogliche Schloß stand, so daß das Wasser über Haupt in die Gegend geleitet worden war. Aber das Schleppen des Wassers vom Auslaufbrunnen bis in die Gärten verursachte solche Mühe, wie sie nur von Leuten auf sich genommen wird, die von ihrer Sache heilig begeistert sind. Im Jahre 1917 hatten wir jedoch einen so heißen und trockenen Sommer, daß das Wasserzutragen allein nicht mehr ausreichte, um auch nur die Pflanzenkeime aus 21 der Erde zu locken. Die Kartoffeln lagen noch Wochen nach dem Legen eingetrocknet ohne jeden Keim im Boden. Da haben wir durch 3 Monate hindurch morgens und abends jene Anlagen, die zu weit vom Waffer weg lagen, so wiederholt die Predigtstuhlanlage, durch die Feuerwehr bespritzen lassen. (Siehe Abb. 11 auf Tafel VII.) Im XVIII. Bezirk wurde von den Schrebergärtnern der ganze Schafberg mit Beschlag belegt. Dort haben die Vereine „Brunnstube", „Klampfelberg" und „An der Buchleiten" ihre Anlagen. Die Kolonien (vergleiche Abbildung 12 auf Tafel VII) liegen am Berghange und jeder Schrebergärtner hat von seinem Garten aus einen reizenden Rundblick vom Kahlengebirge bis über die Stadt hinaus in die blaue Dämmerung des Marchfeldes. Diese Anlagen haben zusammen über 1500 Mitglieder und ihre Kolonien umfassen eine Fläche von rund ' .> Million m-. Der XIX. Bezirk hat verhältnismäßig wenig Kleingärten. Die erbeingesessenen Großwirtschaftler, Milchmeier und Weinhauer gaben das Anbauland nicht frei, und nur Flächen, die jene nicht brauchen können, standen den Schrebergärtnern zur Verfügung. Eine größere solche Anlage besteht in dem ehemaligen Krottenbachtale, kleinere Kolonien liegen an der Agnesgaffe auf der Baderwiese, schließlich sind die „höchsten" Kleingärten auf der Anhöhe des Kobenzlberges untergebracht. Rechnet man noch die kleineren Anlagen im ^ildgrub^ tale am „Kreilplatz" und im aufgelassenen Ziegelwerk an der Grinzingerstraße, so kommt man insgesamt auf eine Zahl von 1200 Gärten, die eine Fläche von 450.000 m- haben. Interessant sind die Kleingärten, die im Kahle n bergerdorf am Fuße des Leopoldsberges angelegt wurden. Zwischen der Franz Iosefsbahn und dem Strom sind solche längs des Kuchelauerhafens auf einer Schotterwüste geschaffen worden. Es wurde nämlich der Straßenkehricht der von vielen Fuhrwerken befahrenen Kahlenbergerstraße 22 statt auf die Ablagerungsstätten auf diese Schottergründe geführt. Linter dem Gespött der 'Ausflügler schufen nun die Kleingärtner aus diesem Straßenkehricht und dem Schlamm, den sie aus den Anschwemmungen der Donau gewannen, ein Anbauland, das überraschend gute Ernteergebnisse abgab. Unendliche Mühe hatten die Schrebergärtner des XX. Bezirkes. Es ist dies einer unserer meistverbauten Bezirke, und das Ääusermeer gibt nicht einmal Raum für eine größere Parkanlage. Auf den Schotterwüsten des Bezirkes, die sich vom Kaiservlatz bis Nußdorfer Schleuße ausdehnen — den einzigen freien Gründen des Bezirkes — haben nun Straßenbahner die Kolonie „Gartensiedlung der Straßenbahner Brigittenau" angelegt. Anter der umsichtigen Führung leisten diese 120 Schrebergärtner wirklich Außerordentliches. Große Anlagen gibt es im XXI. Bezirk. (Siehe Tafel Vitt, Abb. 13). Wie überall haben sich auch dort die Schrebergärtner als Träger gewisser lokalhistorischer Überlieferungen bewährt. Alle Kleingartenanlagen dieses Bezirkes führen Namen, die von über hundert Jahre alten, zum Teil schon verschollenen Ortsbezeichnungen herrühren. Da ist die Kolonie „Schwarzelackenau", die an denkwürdige Stätten aus Napoleons Zeiten erinnert. Der volkstümliche Name „Im Aigl" wurde von dem Schrebergartenverein, der diesen Namen sührt, vor dem Vergessenwerden gerettet. Die „Leopold auer", die fast 900 Kleingärten umfassen, haben ihre Bezeichnung nach der Lage der Gründe im Bezirksteile Leopolds u, ebenso die Kagraner. Einen hübschen bodenständigen Namen führt die Anlage „Im Mühlhäufel" in Stadlau. Auf den Gründen einer abgeholzten Au breitet sich diese Anlage aus und die zahlreichen Wasserläufe und Tümpel des Geländes, ermöglichen den Bedauern wie kaum irgendwo Geflügelzucht, vor allem von Wassergeflügel. Bis hinunter nach Aspern hinein, bis zu den 2? Grenzen der Lobau gibt es Schrebergärtner. Lind im Verlauf des Frühjahres 1920 werden im Gebiet des XXl. Bezirkes zu den bestehenden 2000 Gärten mindestens noch 1500 angelegt werden. In diesem Bezirk wird zuerst die räumliche Scheidung und der Ausgleich zwischen Groß- und Kleinwirtschaft erreicht fem. Die Kleingärtner nehmen die Flächen, die an das verbaute Gebiet des Bezirkes anschließen, immer mehr in Beschlag und überlassen den Bauern die Flächen, die einsamer, weiter abseits liegen und sich für die Großwirtschaft besser eignen. Es gibt also, wie man aus diesen kurzen Schilderungen entnehmen kann, rund um Wien einen Gürtel von Klein gärten, der nur noch an wenigen Stellen Lücken zeigt und sich vielleicht schon binnen Jahresfrist zu einem festen Ring geschlossen haben wird. Ganz in aller Stille ist dann ein Ereignis geschehen, das von der größten Bedeutung für Wien sein wird: rund um die große Stadt der Gartengürtel, der Erholungsort der geplagten Wiener. — die Grundlage und der Beweis der Notwendigkeit und Möglichkeit der Schrebergartenkolonie und Gartensiedlung. Daß dieser Ring tatsächlich schon besteht, das zeigt die Zahl der Kleinwirtschaften. Nach den letzten Feststellungen aus dem Äerbste des Jahres 1919 gibt es in Wien rund 40.000 Kleingärtnerfamilicn, mit einer Anzahl von über 200.000 Köpfen. Die von ihnen bewirtschaftete Fläche beträgt über 12 Millionen m - (1200 Ks). Die Ernte- ziffern zeigen, daß dieser Boden wirklich ausgezeichnet bebaut wird. Es wurden im Jahre 1919 insgesamt 2500 Waggons Gemüse und Kartoffeln geerntet, die einen Geldwert von mindestens 25 Millionen Kronen darstellen, 1 Ware zum Preise von einer Krone gerechnet. Die gewonnene Obsternte betrug mindestens 25 Waggons mit einem Kaufwert von rund einer halben Million Kronen. Auch die Kleintierzucht und deren Ergebnis war im genannten Jahre außerordentlich bedeutend. Nach genauen Schätzungen 24 und Aufzeichnungen wurden von den Kleingärtnern und Kleintierzüchtern Wiens in dem einen Jahr gezogen: 150.000 Hasen, 120.000 Äühner, mit einer Eierproduktion von über 9 Millionen Stück, und etwa 2000 Ziegen, die in dem einen Jahre über 600.000 I Milchertrag gaben. Gering gerechnet kann man für diese Produktion auch einen Betrag von 25 Millionen Kronen einsetzen, sodaß die gesamte Ernte nach ihrem Geldwerte gemessen, über 50 Millionen Kronen ausmacht. Diese Zahl allein zeigt schon klar und deutlich, welch ungemessene Werte in der Kleingartenwirtschaft für die Volkswirtschaft und den Wiederaufbau liegen. Es ist amtlich erwiesen, daß beispielsweise die Versorgung der Wiener Bevölkerung mit Gemüse nur gelungen ist, weit eine so große Zahl von Kleingärtnern sich selbst versorgt hat und somit das Gleichgewicht auf dem Markte annähernd herstellte. So wäre es schon aus wirtschaftlichen Gründen allein unbedingt notwendig, die Aktion, die soviel zur Versorgung der Wiener Bevölkerung mit Lebensmitteln^ beigetragen hat, mit allen Mitteln zu unterstützen. Welch ungeheure andere Werte sie in sich schließt, darüber soll später das Notwendige gesagt werden. Hier sei im Anschluß an die Darftellungen der Erträg nisse noch kurz von einem Zweig dieser Kleingartenaklion erzählt, von der Tätigkeit der Schüler im Kleingarten. Im Jahre 1915, zu einer Zeit, als Arbeitskräfte schon rar zu werden begannen, hat die Gemeinde Wien eine Kleingartenaktion der Schulkinder: die Schulkriegs gemüsegärte n, ins Leben gerufen. Es galt, die schwachen Kräfte der Kinder für die Allgemeinheit nutzbar zu machen, es galt, die Kinder, die daheim vielfach nicht mehr so recht beaufsichtigt werden konnten, unter richtiger Anleitung zu beschäftigen. Bezirksweise wurden nun die Kinder, die sich an einer Anbauaktion beteiligen 25 wollten, gesammelt, und unter Leitung von opferwilligen Lehrkräften wurde auf von der Gemeinde zugewiesenen Plätzen der Anbaubetrieb begonnen. Daß in diesen Schulkleingärten ganz bedeutende materielle Erfolge erzielt wurden, zeigen die Zahlen über den Ernteertrag. Die Schulkinder Wiens haben in den Schulklein gärten in den Iahren 1916 bis 1919 — bei einer Fläche von 250.000 m- und bei einer Anteilnahme von rund 6000 bis 8000 Kindern — insgesamt geerntet rund 400.000 Kartoffeln, rund 700.000 Stück oder rund «5.000 Gemüse. Der Kaufwert dieser Menge jeweils nach dem Markt preise berechnet, würde zweieinhalb Millionen Kronen weit übersteigen. Daß gerade bei dieser Schülergarten aktion nicht das Materielle die Hauptrolle spielt, ist wohl einleuchtend. Die Werte, welche durch diese Arbeit gewonnen werden, liegen besonders auf dem Gebiete der Zugendfürsorge. Diese Tätigkeit ist vor allem berufen, eine fühlbare Lücke in unserem Schulprogramm auszufüllen. Die Kinder sollen lernen mit Grund und Boden umzugehen, Boden zu bebauen, sollen Pflanzen gedeihen sehen, sollen lernen, das Keimen und Wachsen jedes Pflänzleins zu beobachten und sollen so von Anbeginn an in richtiger Fühlung mit der Natur aufwachsen. Sie sind auch unter der Anleitung verständiger Lehrkräfte gar gern bei der Arbeit. Geschickt lernen sie mit den verschiedenen Werkzeugen umzugehen; Krampen, Schaufel und Rechen, die Gießkanne und alles, was man an Werkzeugen zur Bodenbewirtichaftung braucht, zu handhaben. So sammeln sie in ihrer Jugend bereits wert volle Grundlagen für das spätere praktische Leben. Vom Boden weg, wo die Kinder die Pflanzen haben wachsen sehen, erklärt sie der Lehrer, (vgl. Tafel X!Il, Abb. 2?, ,. und Tafel XIV, Abb. 25) zeigt ihre Eigenart ihre Vorzüge und das was an der Pflanze den Menschen nicht oder 26 weniger nützlich ist. An der 5>and der Praxis lehrt er die Kinder die Pflanzen behandeln, vom Samenkorn an gefangen, bis zur fertigen erntereifen Frucht. Daß ein solcher Anterricht naturgemäß ganz anders wirkt, als ein theoretischer in der Schule allein, wo den Kindern im besten Falle ein dürres, trockenes, totes Stück zur Verfügung steht, ist selbstverständlich. Der Schrebergarten oder Kleingarten bietet also für die Jugendfürsorge eine ungeahnte Förderun g ja eine wirkliche Jugendfürsorge ist ohne Anbau und ohne Bodenarbeit durch die Kinder selbst überhaupt ausgeschlossen. Die Erfolge der Schulkleingärten, die bisher schon erzielt wurden, zeigen, welch wertvolle Hilfsmittel für jedes Iugendhilfs und Er ziehungswerk damit gewonnen wurde. Es muß nur richtig und entsprechend ausgenützt werden. II. Wiener Schrebergärten, ihre Anlage und Unterhaltung. Das vielleicht auffallendste Merkmal der Wiener Schrebergärten ist, daß sie den Namen, den sie führen, eigentlich gar nicht verdienen. .Besteht doch ein gewaltiger Linterschied zwischen dem, was Dr. Schreber gewollt und geschaffen hat, und den Gärten, die hier in Wien so heißen. Wie bereits in der Einleitung dargelegt wurde, dachte Dr. Schreber vor allem an die Erziehung der Kinder und deren Aufenthalt und Betätigung im Freien. Drum schuf er Spielplätze und ließ um diese die Eltern der Kinder Gärten anlegen. Diese Gärten, die damals eine Nebensache waren, sind heute bei uns zur Hauptsache geworden. Dies ergab sich vor allem aus dem furchtbaren Mangel an Nahrungsmitteln und der wirr- schaftlichen Not; mitbestimmend aber war auf jeden Fall die Eigenart des Wieners. Seine Liebe geht bekanntermaßen durch den Magen; so auch hier. Solange er andere Dinge in Äülle und Fülle hatte, kümmerte er sich wenig um das, was in einem solchen Schrebergarten wachsen könnte. Anders wurde die Sache während des Krieges. Da gings dem Wiener auf einmal an den Magen, und nun hatte er es mit seiner angeborenen Pfiffigkeit bald heraus, daß sich mit der „Schreber- garte.ng'schicht" was machen ließe. Mit der Gründ- lichkeit und mit dem Eifer, den er immer zeigt, wenn ihn eine Sache interessiert, machte er sich sofort an die 2» Arbeit. Ehe er's selber recht wußte, wie es kam, hatte er den bereits verlorenen Zusammenhang mit Mutter Erde wieder gefunden. Nun, da er weiß, was ihm sein „Schrebergarten" Köstliches an leiblichen und seelischen Genüssen bietet, gibt es wohl nichts mehr, was ihn von seiner Arbeit und Erkenntnis wieder abbringen könnte. Der Wiener Schrebergarten oder wie er zumeist schon richtiger genannt wird, der Wiener Kleingarten, dient — wenigstens vorläufig und wohl noch auf eine Reihe von Iahren — vor allem der Äeranzucht möglichst vielen Gemüses und anderer Lebensmittel. Wenn auch nach dem namenlosen Jammer der langen Kriegsjahre das Erholungsbedürfnis ein recht großes ist, so zwingt doch der gerade jetzt herrschende ^ebensmittelmangel zunächst noch dazu, möglichst viel anzubauen. Freilich hat der Wiener und das war ja vorauszusehen — bei seiner sprichwörtlichen Gemütlich keit und seinem Sinn für das Gesellige — dem „Platzerl", das ihm sicher meist viel mehr ist, als seine Wohnung, schon einen gewissen „Anstrich" gegeben, der es anheimelnd und gemütvoll macht. Auch dem Garten hat er die wienerische Note gegeben. In ihm baut er sich seine Welt auf, in ihn verpflanzt er sein Gemüt und bringt wohl auch etwas von seiner Eigenbrötelei zum Ausdruck. Das Gebilde, welches so entsteht, kann nimmer so recht den Titel „Schrebergarten" sühren. Wir nennen es daher zutreffender „Kleingarten", wollen aber damit beileibe nicht sagen, daß es in seiner Eigenart irgendwie schlechter sei, als sein Vorbild. Immerhin leidet ein ganz beträchtlicher Teil der Wiener Kleingärtner an dem Fehler einer allzu- starken Eigenbrötelei. Nicht, daß etwa ein Garten wie der andere aussehen soll, das wäre scheußlich und würde die 'ganze Bewegung bald unmöglich ^machen; aber an gewisse Richtlinien muß sich der Kleingärtner doch halten, um seinen Garten erst wirklich wertvoll ausgestalten 29 und ihn in vollster Weise ausnützen zu können. Bei der Anlage eines solchen Kleingartens müssen vor allem der praktische Sinn und die Erfahrung neben der „Gemütlichkeit" mitsprechen. Aus den Erfahrungen heraus, die am Wiener Boden bei zahlreichen Neuanlagen von Kleingärten gewonnen wurden, sollen im folgenden einige praktische Winke gegeben werden. Wir wollen dem Kleingärtner keineswegs die Möglichkeit nehmen, sich seinen Garten so einzurichten, wie es ihm behagt. Es soll ihm nur in kurzen Zügen veranschaulicht werden, wie er, ohne seine persönlichen Wünsche wesentlich zu beschränken, seinen Garten auch so anlegen kann, daß er dem Bedürfnisse voll entspricht und die höchste Ausnützungsmöglichkeit bietet. Bei der richtigen Anlage eines Kleingartens sind vor allem folgende Punkte zu beachten: 1. Seine Lage und die Beschaffenheit des Bodens. 2. Die Einzäunung. 3. Die Bewässerung. 4. Die Glitte. 1. Lage und Bodenbeschaffenheit. Es ist selbstverständlich ein großer Unterschied, ob der Klein garten in den Auen des XXI. Bezirkes, im Gebiete der ebenen humusreichen Simmeringer Heide im XI. Bezirk, in der schotte rigen Gegend desLaaerberges, auf den lehmigen Hängen und Wiesen des Wienerwaldes oder auf Flächen angelegt wird, die als Ablagerungsstätten von Schutt und Abfallmaterial dienen. Vor allem gilt es, sich die richtige Ausnützungsmöglichkeit immer schon vor der Anlage des Gartens klar vor Augen zu führen. In den Augebieten, die vielfach von Wasserläufen durchzogen sind, muß man sofort darauf achten, von irgend einer Stelle des Gartens Zutritt zum Wasser zu erlangen. Denn da Auen weiter vom Stadtgebiete entfernt sind, ist eine künstliche Bewässerung durch Zuleiten des Wassers in den meisten Fällen überhaupt unmöglich. Ein Tümpel oder gar ein fließendes Wasser bietet aber gleichzeitig außer der Bewässerungsmöglichkeit des Gartengrundes W auch noch die schönste Gelegenheit, Wassergeflügel zu halten. Da der Boden meist sehr sandig ist, kann man zur Verbesserung sogleich den Schlamm nehmen, den man bei Aushebung und etwa notwendigen Vergrößerungen des Wassertümpels oder -laufes gewinnt. Der Boden muß in der ersten Zeit zum Anbau von Pflanzen verwendet werden, die in ihren Ansprüchen sehr bescheiden sind. Recht gute Erfahrungen hat man für das Jahr der Urbarmachung mit dem Anbau von Kartoffeln, Mais, Bohnen und ähnlichen harten genügsamen Gemüsen gemacht. Sofort aber trachte der Kleingärtner, der einen solchen „Augarten" besitzt, sich nach Möglichkeit Dünger zu beschaffen, der im Äerbst fest in den Boden eingearbeitet werden soll. In anderen Gebieten, die reines Gemüseanbauland dar stellen, wie etwa auf der Simmeringer Äeide, oder auf Flächen in Kaiser-Ebersdorf und einigen Teilen des XXI. Bezirkes soll von vornherein auf Gemüseanbau das Hauptaugenmerk gelegt werden. Schwarzer ertragreicher Boden, echtes „Gärtnerland" liefert bei richtiger Bewirtschaftung mindestens die dreifache Ernte. Solche Kleingärten, die in ganz ebener Gegend liegen, sind hauptsächlich Nutz gärten für die Gemüseversorgung, hier Kartoffeln zu bauen, wäre eine Bodenverschwendung. Dagegen kommen fast nur für Kartoffeln und bestimmtes Gemüse Gegenden mit stark schotlerigem Boden in Betracht, wie etwa die Gebiete des Laaerberges. Erst nach fleißiger Arbeit wird solcher Boden, der vielfach durch das Wurf- gitter geworfen werden muß, auch für edleres Gemüse anbaureif. Auf den meist gegen Süden und Osten geneigten Äängen des Wienerwaldgebietes können wieder andere Kulturen gepflegt werden. Nirgends gedeiht so wie hier der Obstbaum und bei richtiger Behandlung gibt er ganz erstaunliche Ernten. In solcher Gegend muß sich der Kleingärtner in erster ^inie auf Obst- und Beerenobstkultur einrichten und ZI alles andere Nebensache sein lassen. Das Vorgesagte ist allerdings nicht etwa so gemeint, daß der Kleingärtner nur immer einzig und allein das ziehen soll oder kann, was als besonders geeignet sür seinen Grund angegeben ist. Der „Aukleingärtner" wird genau so gut etwas Gemüse und Obstbäume bauen können, wie der Gärtner der „Äeide" oder der Inhaber von Kleingärten an den Hängen des Waldgürtels. Nur soll sich eben der Kleingärtner schon vor der Anlage seines Gartens klar sein, wofür seine Anlage sich in erster Linie eignet und soll sie danach einrichten. Wird doch durch die Art der Äauvtkultur die Anlage des Gartens selbst bestimmt. Das Wichtigste über die einzelnen Kulturen wird im Nachstehenden noch gesagt werden. Äier sei nur betont, daß der Bebauungsplan schon vor und nicht erst nach der Einrichtung des Gartens gemacht werden soll. 2. Einzäunung. Eine wichtige Frage bei der Anlage des .Kleingartens bildet die Art der Einzäunung. Es gibt leider heutzutage gar viele, die sehr gerne ernten, auch wenn sie nicht gesät haben. Mithin trachtet jeder Kleingärtner, sich durch einen Zaun nach Möglichkeit vor fremden Eingriffen zu schützen. Es ist ja übrigens eine Wiener Eigenart, den Garten vom Nachbar möglichst scharf abzugrenzen, um dann mit diesem über den Zaun weg zu plaudern und freundschaftlich zu verkehren. Ein solcher Grenzwall läßt sich auch ohne Stacheldraht herstellen, der gegen die erstgenannten „Besucher" wohl unerläßlich ist. Bei der Abzäunung machen nun unsere lieben Kleingärtner gar viele Fehler, die sich wieder an ihnen selbst rächen. Bei keiner Sache, ausgenommen der Wasserzuleitung, ist sür den Kleingärner der rechte Gemeinsamkeitssinn so wichtig, wie bei der Zaunfrage. Zaunmaterialien sind heute nahezu nicht erhältlich oder nur zu Preisen, die ins Aschgraue gehen. Wenn nun in einer Anlage von etwa 400 bis 500 Kleingärtnern jeder einzelne einen festen Zaun machen wollte, so würde naturgemäß sehr viel mehr Material verbraucht werden, als wenn sich die Mitglieder zusammenschließen und gemeinsam den Außenzaun errichten. Dieser soll sest und möglichst diebssicher sein, er soll aber auch ein gefälliges Aussehen haben und unschuldigen Spaziergängern nicht zum Schaden gereichen. Am besten ist die Herstellung eines Drahtgitters, wie es in guter Ausführung von verschiedenen Wiener Firmen geliefert wird. An dem Drahtgitter können sich Harm- lose Spaziergänger nicht verletzen, und Diebe werden durch den Stacheldraht über dem Gitter abgewehrt. Wo die Mittel für eine solche Einzäunung nicht sofort erschwing bar sind, kann ja auch ein Stacheldrahtzaun gemacht werden. Doch muß dann getrachtet werden, daß Passanten damit nicht in Berührung kommen können. Der Draht ist so zu spannen, daß er nicht an die Außenseite des Zaunes, gegen einen Weg zu, kommt. Eine Abzäunung, an der andere sich verletzen können, ist übrigens verboten und Kleingärtner, die darauf nicht achten, setzen sich der Gefahr aus, nach Fertigstellung eines solchen Zaunes, ihn wieder umbauen zu müssen, was natürlich weit mehr kostet, als die sofortige Herstellung eines Gitters. - In den Anlagen selbst sollen die Kleingärtner nach Möglichkeit keine Zäune errichten. Sind Diebe in der Anlage, so müssen sie ohnehin entfernt werden, und sich gegen den rechtlichen Nachbar mißtrauisch abzuzäunen, ist nicht nur beleidigend, sondern auch unschön. Durch kluge Befolgung dieses Rates wird der Kleingärtner sehr an Material sparen. Er braucht bei einer gemeinsamen Einzäunung nicht einmal ein Viertel von dem zu zahlen, was ihm ein fester Zaun um seinen eigenen Garten kosten würde. 3 3. Bewässerung. Kochst wichtig für den Kleingärtner ist die günstige Lösung der Bewässerungsfrage für seinen Garten. Ganz ohne Wasser ist eine Gartenkultur naturgemäß überhaupt ausgeschlossen. In solchen Fällen bleibt nur die feldmäßige Bewirtschaftung des Kleingartens übrig, die dem Wesen dieser Betätigung widerspricht. Zur rationellen feldmäßigen Bebauung gehört vor allem ein großes Feld und nicht einKlein garten, und Feld Wirtschaft hat mit dem gartenmäßigen Anbau im Kleingarten kaum etwas gemein. Wir Wiener sind wenigstens so glücklich, über eine außerordentlich ergiebige Wasserversorgung zu verfügen. Ohne diese wäre der ganze Aufschwung der Kleingartenbewegung überhaupt nicht möglich gewesen. Außerdem muß festgestellt werden, daß die Gemeinde Wien in der Frage der Wasser- Zuleitung jederzeit das größtmöglichste Entgegenkommen gezeigt hat. Nicht nur, daß sie den Wasseranschluß für die Gärten überhaupt gestattet, sie liefert bereits seit mehreren Zahren den Kleingärtnern das Wasser kostenlos, ja sie hat viele größere und kleinere Anlagen bei der Legung der Wasserzuleitung entweder materiell unterstützt, oder den Kleingärtnern lange unverzinsliche Kredite zur Bezahlung der Zuleitungskosten eingeräumt. Wasser braucht der Kleingärtner unbedingt, und daher heißt es gleich bei der Anlage des Gartens und der ganzen Kolonie auf eine ausreichende Beschaffungsmöglichkeit Rücksicht zu nehmen. Äiebei gilt noch mehr als bei der Frage der Ämzäunung der Leitsatz: Nur Einigkeit und gemeinsames Sandeln führt zum Ziele. In den meisten Fällen wird es sicher ganz ausgeschlossen sein, daß Einzelne selbst ihre Gärten ausreichend mit Wasser versorgen. Es wäre übrigens auch höchst unökonomisch, da jede Wasserzuleitungs- oder Gewinnungsmöglichkeit sich für 34 mehr als einen Garten ausnützen läßt, wodurch an Geld und Material gespart wird. Die Kleingärtner einer Anlage müssen die Wasserversorgung für ihre Gärten gemeinsam durchführen. Mo es geht, werden sie die Zuleitung des Wassers von der öffentlichen Wasserleitung zu erhalten trachten. Dies ist nur durch die Gemeinde erreichbar. Der Schrebergarten- verein stellt daher entweder an das Stadtbauamt (Wasser- abteilung) der Gemeinde Wien oder noch besser an die Kleingartenstelle, Wien, I. Neues Rathaus, das Ersuchen um Zuleitung des Wassers in die Anlage. Am dem Amt Arbeit zu ersparen und die Angelegenheit zu beschleunigen, ist es notwendig, in diesem Ansuchen genau anzugeben, wo die Gartenanlage liegt; wenn möglich, ist eine Planskizze (wenigstens eine einfache Äandskizze) mit genauen Angaben über die Lage anzuschließen und das genaue Flächenmaß und die Mitgliederanzahl der Kolonie bekanntzugeben. Durch Ortsaugenschein wird sodann von den Ämtern festgelegt, wie in jedem einzelnen Fall die Wasserversorgung erfolgen kann, welche Bedingungen hiejür zu gelten haben, welche Kosten auflaufen usw. Der Anschluß an die Äauvtwasserleitung wird unter allen Umständen durch das Stadtbauamt veranlaßt. Die Verteilungsleitung in der Anlage selbst ist zunächst Sache des Vereines oder der Organisation. Die Durchführung dieser Arbeiten durch die Gemeinde Wien erfolgt nur in besonderen Fällen. Äat man dieKolonie von vornherein unter Bedachtnahme auf eine Wasserleitung angelegt, so wird man sehr viel an Röhren sparen können. Verschwendung ist es, wenn für jeden Garten gesondert von der Koloniehauptleitung eine Abzweigung gemacht wird. Die Gärten sollen so liegen, daß womöglich immer vier Gärten an dem Punkt, an dem sie zusammenstoßen, einen Auslaufständer erhalten, von welchem vier Arme in je einen Garten abzweigen. Auf diese Weise brauchen vier Gärten nur eine Zuleitung und jeder Gärtner 3" 35 hat doch Wasser in seinem Garten. Wo dieses nichtmöglich ist, müssen drei oder doch mindestens zwei Gärten „zusammengespannt" werden. Nur in Fällen, wo es eben nicht anders geht, darf eine Wasserleitung für einen Einzelnen gebaut werden. Ist eine Zuleitung vom öffentlichen Wasserstrang unmög lich, so kann die Wasserversorgung von Kleingärtenanlagen in vielen Fällen mittels Schlag-(Namm)brunnen erfolgen. Dies wird vor allem in den tiefer gelegenen Stadtteilen, wie im XXI. Bezirk und in Simmering durchführbar sein. Auch hier spart man durch gemeinsames Vorgehen. Der Schlagbrunnen, der leicht für sechs bis acht Gärten ausreicht, wird in der Mitte des Weges zwischen den Gärten geschlagen. Durch einfache Äolz- oder Blechrinnen kann sodann das Wasser vom Brunnen nach beiden Wegseiten in Tonnen geleitet werden, so daß die Gärtner das Wassertragen ersparen. Für größere Anlagen wird es sich in einiger Zeit, wenn erst die Preise etwas gesunken sein werden und wenn eine Zuleitung des Wassers von der öffentlichen Wasserleitung nicht möglich sein sollte, empfehlen, mittels kleinerer Motoren entweder das Wasser zu schöpfen oder aus natürlichen Wasserläufen herbeizupumpen. Äier wäre gemeinsames Vorgehen selbstverständlich unumgänglich notwendig. Jene Kolonien, die bereits auf Flächen an den Äängen und in den Tälern der Wienerwaldberge angelegt sind oder errichtet werden, dürften in manchen Fällen bedeutende Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung haben. Da gilts vor allem, schon die Kultur darnach einzurichten, wie z. B. vorwiegend Obstbaubetrieb. Anderseits aber ist gerade das Gebiet des Wienerwaldes äußerst quellenreich und es werden sich in den meisten Fällen solche natürliche Wasserversorgungen gut ausnützen lassen. 4. Hütten. Einzäunung und Wasserzuleitung sind also von den Mitgliedern einer Kleingartenanlage gemeinsam herzu- 36 stellen. Notwendig ist es jedoch auch, daß bei der Aufstellung von Lusthäuschen und Kütten von der ganzen Kolonie einheitlich vorgegangen wird, wenn auch der Einzelne bei der Errichtung des kleinen Bauwerks größte Freiheit behalten kann. Welchen Einfluß die Aufstellung eines einheitlichen Planes für den Hüttenbau in einer Kolonie für den Anblick und für den Bestand der Anlage hat, wird später noch gezeigt werden. Für jeden einzelnen Schrebergärtner gilt aber bei Errichtung eines Bauwerkes der Leitsatz, daß der Garten die Hauptsache ist und daß jede Baulichkeit so eingeordnet werden muß, daß sie nicht stört, sondern „hinein paßt". Vor allem darf die Hütte nicht mehr Raum einnehmen als höchstens fünf Prozent (also von einem 2(10 m'-' großen Garten etwa 8 bis 10 m-) der Gartenfläche. Nichts ist häßlicher, als wenn in einem kleinen Garten eine zu große Baulichkeit steht, die einen beträchtlichen Teil der Bodenfläche beansprucht. Dies sieht dann aus, wie etwa ein schmächtiger kleiner Mensch nnt einem Wasserkopf. Der Kleingärtner muß, auch um selbst Freude daran haben zu können, die Hütte möglichst hübsch bauen. Natürlich werden die wenigsten Kleingärtner in der Lage sein, sich neues Material zum Bauen kaufe« zu können. Aber bei Aufwendung von Fleiß und Geschick lichkeir läßt sich auch nnt den ältesten Pfosten und Brettern Hübsches errichten, wie ja manches Bild dieses Buches schon erkennen läßt. (Man vergleiche z.B. Tafel XV, Abb. 2.^ und Tafel XVI, Abb. 30.) Die Hütten sollen einfach und praktisch, dabei aber nach außen gefällig sein, iiberflüfsiger Zierat ist zu vermeiden, er macht die Hütte unschön und paßt in den Nahmen des Landschaftsbildes nicht hinein. Ebenso unschön freilich ist aber ein Häuschen, das gar keine Sorgfalt in seinem äußeren Aufbau erkennen läßt. Sieht man eine solche Hütte, so schließt man unwillkürlich von ihrem 'Aussehen auf den Charakter des Besitzers. Eine festgebaute Hütte ist für den Kleingärtner sehr wertvoll. 37 Sie soll ihm nicht nur bei wenig schönem Wetter, oder nachts bei der Wache zum Aufenthalt dienen, sie wird auch als Gerätekammer und Aufbewahrungsort für Samen, Materialien und anderes benützt. Linter dem Boden des Häuschens läßt sich meist eine Grube ausheben, die vorzüglich als Aufbewahrungsort von geerntetem Gemüse dienen kann. Anschließend an die Hütte, jedoch auf der dem Beschauer möglichst abgewendeten Seite, ist sodann am besten der Kleintierstall anzubringen. Über diese Einrichtung wird später noch einiges an der Hand von Abbildungen gesagt werden. Die Aufstellung der Hütte wird in den meisten Fällen schon durch die für die ganze Anlage geltenden Bestimmungen geregelt sein. Wie sich die Hütten von vier Nach- bargärten praktisch an einander schließen sollen, wird in Fig. 6 gezeigt und weitherhin noch besprochen. So wie vor der Anlage der Kolonie die Schrebergärtner gemeinsam den Plan der Anlage festlegen müssen, so muß jeder einzelne sich selbst auch seinen entsprechenden Plan für die Anlage seines Gartens machen. Wie bereits gesagt wurde, muß er sich klar werden, was er in seinem Garten als Hauptkultur betreiben will und muß ihn danach einrichten. Der Garten soll unbedingt praktisch, dabei aber auch nett und schön angelegt werden. !lber eine solche den praktischen Bedürfnissen und den: Schönheitsgefühl Rechnung tragende Aufteilung des Grundes werden wir noch sprechen. Zunächst seien einige Winke über die Kulturen im Kleingarten und die Kleintierzucht gegeben. 5. Gemüsebau*) im Schrebergarten. Im Schrebergarten gilt es, eine verhältnismäßig recht kleine Bodenfläche, etwa 200 bis 400 m- in bester Weise > Die Bearbeitung des größten Teiles des Abschnittes über Gemüsebau verdanken wir Äerrn Direktor A. Knofel. 15 auszunützen. Auch die Beschaffung von Dünger ist eine schwierige, da im Handel überhaupt noch erhältliche Kunstdünger sehr teuer sind. Der Schrebergärtner ist mithin auf Äühner-, Kaninchen- und Abortdünger, sowie auf Kompost und Wiener Straßenkehricht angewiesen. Er muß daher Wechselwirtschast mit Z w i s ch e n k u l t u r e n betreiben, also die Gartenfläche nach den Ansprüchen der einzelnen Gemüsearten einteilen. Eine ständige Kompostbereitung darf das ganze Jahr über nicht aus dem Auge gelassen werden. Nach ihren Ansprüchen an den Boden unterscheiden wir: g) stark zehrende Gemüsearten, b) mäßig zehrende, jedoch tief wurzelnde Gemüse, c) schwach zehrende Gemüse. Zu a) gehören alle stark und viel Blätter treibenden, wie Blumenkohl, Kohlrüben, Kraut, Kohl, Wirsing, Mais, Spinat, Paradeis, Gurken, Melonen; zu d) sind zu zählen: Karotten, Kopssalat, Neuseeländer Spinat, Pastinaken, Petersilie, gelbe Rüben, rote Rüben, Radieschen, Rettiche, Schwarzwurzeln, Sellerie. Zu c) rechnen wir: Bohnen, Erbsen, Linsen, Puffbohnen, Römersalat und die Zwiebeln. Die starkzehrenden Gemüse entnehmen ihre Nahrung dein Obergrunde, somit muß dieser mit frischem Dünger (Stalldünger) oder gut verrottetem Kompost, eventuell mit flüssigem Dünger (Jauche) behandelt werden. Durch Regen und Gießen werden die noch in dem vor jährig gedüngten Boden unverbraucht vorhandenen Nähr stoffe in den tieferen Obergrund, beziehungsweise in den Llntergrund geschwemmt, wo sie den mäßig zehrenden Gemüsen mit ihren tiefgehenden Wurzeln zugänglich sind, die man auch als bodenlockernde bezeichnet. Diese lieben kräftigen, in guter Dungkraft stehenden Boden, aber keinen frischen Dünger. Die schwach zehrenden Gemüse (Magergewächse) nehmen mit jedem ungedüngten, jedoch gut bearbeiteten Boden vorlieb. Sie würden in 39 gedüngtem Boden zu stark Stengel und Blätter treiben, wie man sagt ins Kraut schießen, hingegen wellig Fruchte bringen. Andererseits würden starkzehrende Arten in un- gedüngtem Lande nur kümmerlich gedeihen. Wurzelgemüse neigen in frijchgedüngtem Boden zur Wurzelteilung. Wir gliedern daher die Gejamtgrundfläche, welche für Gemüsekultur bestimmt ist, in drei Abteilungen: H., ö, d (Dreifelderwirtschaft). Im ersten Jahre wird Abt. ^ frisch gedüngt; Abt. K wird in alter Bodenkraft gelassen oder mit gut verrottetem Dünger oder Kompost versehen; Abt. L bleibt ungedüngt. Im zweiten Jahre wird Abt. L gedüngt; Abt. ^ bleibt in alter Dungkraft und Abt. ö ungedüngt. Im dritten Jahre düngen wir Abt. V, lassen Abt.' L in alter Dungkraft und Mt- ^ v ungedüngt. Im vierten Jahre beginnt der Turnus von neuem, indem ^ gedüngt wird, ö in alter Dungkraft und L ungedüngt bleibt. Diese Wechselwirtschaft ermöglicht es uns, alljährlich unseren Gemüsepflanzen jene Abteilung anzuweisen, die sie nach ihren Bodenansprüchen benötigen. Wir brauchen ferner nur ein Drittel der Grundfläche alljährlich frisch zu düngen, was in Anbetracht der uns so spärlich zur Verfügung stehenden Düngerquellen von Bedeutung ist. Für Dauer- und Sonderkulturen, wie für Rhabarber, Spargel, Küchenkräuter," Gurken, Melonen, wird ein ständiger Platz ausgewählt, der nicht alljährlich gewechselt zu werden braucht. Ehe wir auf die einzelnen Gemüse näher eingehen, sei die Kompostbereitung kurz besprochen, da der Kompost der wichtigste Dünger im Schrebergarten ist. Ein Schrebergarten ohne Komposthaufen ist nicht denkbar. Zur Kompostbereitung werden außer dem Stalldünger von der Kleintierzucht und dem Abortdünger sämtliche Abfälle des Gemüsegartens verwendet, wie Blätter, Strünke, Erbsen- und Bohnenstroh, ausgejätetes Llnkraut -<0 (dieses nur in der Zeit vor oder während der Blüte, da samenreifes Llnkraut den Boden nur noch mehr verunreinigen würde), ferner alle Küchen- und Hausabfälle (Holzasche, Leder-, Tuch-, Hornreste, Knochen) sowie Baumlaub, Kehricht und Spülwasser. Regelmäßiges Aufschichten, wiederholtes Umstechen oder Umsetzen und Zusatz von ungelöschtem Kalk befördern die Zersetzung der zur Kompostbereitung verwendeten Mittel. Des weiteren ist eine richtige Bodenvorbereitung für die Gemüsekultur von höchster Wichtigkeit. Das Notwendigste ist hierbei ein Amftechen (Llmgraben) des Bodens in gehöriger Tiefe. Wir stechen ihn im Herbste nach der Ernte und vor Eintritt stärkeren Frostes 30 bis 40 cm tief um, wobei die ausgehobene Erde durch das Wenden der Stichschaufel (Spaten, Grabgabel) gemischt wird. Im Herbst umgegrabener Boden bleibt rauh in Schollen liegen, ohne mit dem Rechen planiert zu werden. Die Niederschläge des Herbstes und Winters können dann leichter eindringen, und es kann ein Ausfrieren des Bodens stattfinden. Hierdurch und durch den Zutritt der Luft werden die im Boden enthaltenen Nährstoffe aufgeschlossen und wird das Wirken der Bodenbakterien unter^ stützt. Es ist auch vorteilhaft, den Dünger im Herbst auf den Boden zu breiten und beim Llmstechen mit ein zubringen. Dieses Herbstumstechen soll auf keinen Fall unterlassen werden, wird jedoch leider von den meisten Schrebergärtnern noch nicht durchgeführt. Das Frühjahrsumstechen erfolgt kurz vor der Aussaat oder der Bepflanzung der Beete. Hierbei achte man auf recht schmale Spatenstiche, um Schollenbildung zu vermeiden. Etwa sich bildende Schollen werden möglichst klein zerteilt, und der umgegrabene Boden wird mit dem Rechen sorgfältig planiert. Schwere Lehm- oder Tonböden dürfen im Herbste und im Frühjahre erst dann umgestochen werden, wenn die 41 Erde nicht mehr allzufeucht ist und nicht mehr am Spaten kleben bleibt. Beim Llmgraben sind Quecken wurzeln, Engerlinge und dergleichen auszulesen. Ist der Boden gegraben und geebnet, so beginnt die Anlegung der einzelnen Beete. Sowohl zu breite, wie zu schmale sind zu vermeiden, denn bei zu breiten wird die Arbeit des Äarkens, Gießens und Jätens erschwert, während bei zu schmalen Beeten die größere Anzahl der Wege zu viel Bodenfläche wegnimmt. Mit Ausnahme des Äauvtweges, der vom Eingang zur Anterkunftsstelle führt, und als fester Weg mit Schotter oder Schlacke gebaut werden soll, werden die übrigen Wege zwischen den einzelnen Beeten nicht ausgehoben, sondern nach bekannter Gärtnerart getreten. Ist die Beeteinteilung getroffen, so erfolgt die Aussaat oder Pflanzung. Die Aussaat muß mit größter Sorgfalt durchgeführt werden, sie darf nur in frisch gegrabenen Boden erfolgen, da nur solcher über genügend Feuchtigkeit und Lockerheit verfügt. Zu tiefes Unterbringen und zu dichte Saat sind gleicherweise schädlich. Als Grundregel gilt, daß jedes Samenkorn nur doppelt so lief untergebracht wird, wie es stark ist. Der ausgestreute Samen wird mit einem Äolzrechen leicht eingehackt, feine Samenkörner werden aber nur mit leicht darüber gestreuter Erde (Sand) bedeckt. Wir unterscheiden breitwürsige Saat oder Reihen- und Nestersaat. Reihen- und Nestersaat wird angewendet bei solchen Pflanzen, welche an Ort und Stelle verbleiben, damit die Bodenbearbeitung (Behacken, Anhäufeln, Jäten) bequem ausgeführt werden kann, wie etwa bei Erbsen, Bohnen, gelben Rüben, Küchenkräutern. Breitwürsige Saat ist bei jenen Pflanzen angebracht, die erst später an Ort und Stelle versetzt werden, wie bei Salat, Kohl, Kraut, Kohlrüben ?c Ein Bestreuen der Saatbeete mit einer 5 bis 8 mm starken Schicht von feiner Mistbeet- erde ist vorteilhaft, um das rasche Austrocknen zu ver- 4^ hindern. Wiederholtes tägliches Gießen oder besser Überbrausen der Saatbeete darf nicht unterlassen werden. Für solche Gemüse, die nicht an Ort und Stelle gesät werden, ist zur Erzielung starker, gut bewurzelte? Setzlinge ein Pikieren (Vereinzeln) notwendig. Man entnimmt die Samenpflänzchen den Saatbeeten, wenn sie vier gut entwickelte Blättchen besitzen und setzt sie in Reihen von 20 bis 25 cm Abstand mit einer Entfernung unter sich in der Reihe von 3 bis 5 cm auf mit gut verrottetem Dünger versehene Pikierbeete. Beim Ausheben aus den Saatbeeten vermeide man das Abreißen der Wurzeln. Man trage daher Sorge, daß die Saatbeete genügend feucht sind, so daß beim Herausheben der Sämlinge ein wenig Erdballen an den Wurzeln haften bleibt. Für den Schrebergärtner empfiehlt es sich, solche Gemüse selbst aus Samen heranzuziehen, die an Ort und Stelle gesät werden, und solche Spätgemüsesorten, die im Freilande ohne Äilfe eines Warm- oder Mistbeetes herangezogen werden können. Pflanzen für Frühgemüse (Kraut, Kohl, Kohlrabi und dgl.) werden vorteilhafter aus Gärtnereien bezogen, oder im Anzuchtgarten der Schrebergartenkolonie herangezogen, wo dies unter Glas in warmen oder lauwarmen Mistbeeten geschehen kann. Ein solcher Anzuchtgarten, dessen Einrichtung wir im zweiten Bande ausführlich schildern werden ist in Fig. 2 im Grundriß und auf Tafel IV, Abb. 6, dargestellt; er läßt sich natürlich nur in größeren Kolonien einrichten, da er größere Mittel und eine geschulte Persönlichkeit als Leiter erfordert. Andernfalls ist es rentabler, die Pflanzet: aus verläßlichen Quellen zu beziehen, wo für Echtheit der Sorten Bürgschaft geleistet wird. Daß der einzelne Schrebergärtner sich selbst ein kleines Frühbeet anlegt, ist nicht immer ratsam, sei es aus Platzmangel, sei es der Kosten für Äolz, Glas, Dünger ze. halber, nnd schließlich auch, weil der Erfolg 4Z von einer gewissen Erfahrung und großen Sorgfalt und Mühewaltung bei der Heranzucht abhängt. Der Bezug von Saatgut war in den letzten Iahren und ist noch jetzt nicht nur kostspielig, sondern auch ziem- lich fragwürdig. Den österreichischen Samenhandlungen ist zum großen Teile der Bezug guten ausländischen Saatgutes nur schwer möglich, und im Inlande wird nur Samen gewisser Sorten erzeugt. Jedenfalls muß man beim Samenkauf sehr vorsichtig sein, will man nicht den ganzen Erfolg der Kultur in Frage stellen. Wir weisen an anderer Stelle darauf hin, wie und wo die Schrebergärtner sich in dieser Beziehung Rat holen können. Sollte im Samenbezug nicht baldigst gründliche Abhilse geschassen werden können, so müßten die Schrebergärtner zur Selbsthilfe greifen, indem einzelne Kolonien Samen bestimmter bewährter Sorten selbst heranziehen. Eine derartige Einrichtung ließe sich sogar zu einer Einnahmequelle für die Schrebergärtner ausgestalten. Immerhin liegt es im Interesse der Gesamtheit, wenn sich bei uns Samenzuchtstationen entwickeln, welche alle für den Schrebergärtner wichtigen Sorten in gutem Saatgut züchten. Haben die pikierten Pflanzen aus den Anzuchtbeeten die erforderliche Stärke erreicht, so beginnen wir mit dem Versetzen aufden durch die Wechselwirtschaft den einzelnen Sorten zugewiesenen Platz. Hierbei werden die aus dem Pikierbeete ausgehobenen Pflanzen möglichst mit anhaftenden Wurzelballen versetzt, oder es werden die Wurzeln vor dem Auspflanzen in Lehmbrei getaucht. Das Pflanz loch wird mit einem entsprechend starken Setzholz ziemlich tief gestochen, die Setzlinge, werden unter Vermeidung des Ambiegens der Wurzeln in das Loch versenkt und mit dem Setzholze unter leichtem Andrücken der Erde zur Vermeidung von Hohlstellen sorgsam gepflanzt. Der Abstand der einzelnen Pflanzen unter sich in den Reihen, wie die Entfernung der Reihen wechseln je nach den ^ Sorten, worauf wir im zweiten Buche genau eingehen werden. Eine zu weite Pflanzweise ist immer einer zu engen vorzuziehen, da bei zu dichtem Stande eine gedeihliche Entwicklung der Pflanze ausgeschlossen ist. Frischgesetzte Pflanzen werden mit der Gießkanne ohne Rose (Brause) angegossen und dann erst überbraust. Da die Entwicklungsdauer der einzelnen Gemüsesorten von der Pflanzung bis zur Reife verschieden ist, so setzen wir erst spät zur Ernte gelangende Arten, wie Sellerie, Zwiebeln, Spätkraut, Spätkohl u. dgl. in größeren Entfernungen von einander aus, um den Boden dazwischen durch Einschaltung früher und schneller reifender Arten auszunützen, was wir als Zwischenkultuv bezeichnen. Zur Zwischenkultur eignen sich Salat, Rettich, Spinat, Frühkohl, Kohlrabi und dgl. Auf diese Weise nützen wir die Grundfläche doppelt aus, das spätere Gemüse gewinnt Zeit, und wir vermeiden leere Beete. Die Pflege der Pflanzen besteht im lockern (Behacken) des Bodens, im Begießen und im Entfernen des Unkrautes (Jäten). Wiederholtes Bodenlockern befördert das leichte Eindringen von Luft und Feuchtigkeit zu den Wurzeln. Genügendes Gießen bringt die im Boden enthaltenen Nährsalze zur Lösung und ermöglicht den Pflanzen deren leichte Aufnahme. Das Ankraut entzieht dem Boden Nährstoffe und verhindert eine gedeihliche Entwicklung der Nutzpflanzen. Während des Wachstums sind die Blätter der Pflanzen tunlichst vor jeder Verletzung durch Mensch oder Tier zu schützen. Es erscheint fehlerhaft, einzelne Blätter, wie Sellerie, gelbe Rüben und dgl. teilweise zu entblättern, da die grünen Blätter zur Ernährung der Pflanze beitragen und als Atmungsorgane wirken. Nach der Aberntung der Beete im Spätsommer und Äerbst sorgt der strebsame Schrebergärner für die Nachzucht und Auspflanzung jener Gemüse, die uns im zeitigen Frühjahre oder selbst noch im Winter Frischgemüse für die Küche liefern. -t5 Solche Gemüse, welche die Winterkälte unseres Klimas, zum Teil bei etwas Frostschutz vertragen, sind: Spinat, Winterkohl, Krauskohl und Wintersalat. Die übrigen nicht mit Winter gemüse bestandenenBeete werden nach denRegeln derWechsel- Wirtschaft gedüngt, tief umgestochen und in rauher Scholle liegen gelassen, um die notwendige Ackergare zu gewinnen. Für das Wiener Klima kommen alle gebräuchlichen Gemüsearten in Betracht. Wir beschränken uns heute auf folgende Auswahl*): Kohlarten. Weißkraut: „Wiener Frühkraut" (zur Frühkultur in der Ebene und in guten Lagen). „Erfurter frühes", „Maispitz", „Johannistag" (für Gebirgsgegenden und rauhere Lagen); „Braunschweiger", „Magdeburger", „Wagramer" (für Äerbsternte und zur Einwinterung in der Ebene); „Kopenhagener Markt", „Holländisches", „Amager", „Ruhm von Enkhuizen" (für rauhere Lagen). Rotkraut: „Allerfrühestes", „Schwarzrotes Original", „Mittelfrühes festes Neger", „Spätes Zenit". Kohl (Wirsing): „Wiener Treib", „Münchner Treib", „Eisen- kopf" (für Frühkultur), „Erfurter großer Winter-Dauer- köpf", „Später großer gelber Vertus" (für Spätkultur). Sprossenkohl (Kohlsprossen, Rosenkohl): „halbhoher fester Wiener Original", „Kalbhoher Herkules". Karfiol (Blumenkohl): „Erfurter früher Zwerg" (für Frühkultur), „Zwerg Viktoria" (für Spätkultur). Grünkohl (Blatt- kohl, Krauskohl, Braunkohl): „Niedriger fein gekrauster blauer", „Niedriger fein gekrauster grüner", „Schwarz- brauner Winterkohl". Kohlrabi (Oberkohlrabi): „Wiener weiße Treib", „Prager Treib", „Dreienbrunnen" (für Frühkultur in gut durchgearbeitetem Boden), „Wiener frühe blaue", „Englische blaue" (mittelfrüh), „Goliath", *) Die Auswahl der Sorten ist zumeist der „Anleitung zum Gemüsebau" entnommen, die Direktor Frolik für die Gartenbau- Gesellschaft bearbeitet hat, Sie erschien als Merkblatt zur Förderung der Volksernährung im Kriege. 4«. „Weiße und Blaue Riesen" (Sommerverbrauch). Kohlrüben (Wrucken, Erdkohlrabi, Dorschen, Duschen): „Gelbe Schmalz", „Waldviertler Riesen". Auch „Mairübe" (kleine, sehr zarte Sorte). Wurzelgemüse: Karotten (Gelbe Rüben): „Amsterdamer", „Nanteser", „Verbesserte Duwicker". Von langen Karotten oder Möhren: „Braunschweiger lange", „Grünköpfige Riesen". Rote Rüben (Salatrüben, Note Beete): „Erfurter lange schwarzrote", „Ägyptische dunkelrote". Sellerie (Zeller): „Wiener frühe Niesen", „Prager Niesen", „Delikatesse". Pastinake. Schwarzwurzel: „Einjährige Riesen". Rettich: „Wiener halblange Mairettich", „Münchener Bierrettich", „Genetzter Sedan", „Chinesischer rosenroter" und als Winterrettiche „Wiener feiner runder schwarzer", „Wiener langer weißer großer". Radieschen (Monatsrettich): „Wiener runde feine", „Non plus ultra", „Würzburger Riesen Treib", „Eiszapfen". Salatgemüse: Kopfsalat (.Häuptelsalat): „Mai könig", „Deutscher Unvergleichlicher" (frühe), „Laurenzianer", „Wiener gelber Dauer", „Donaufelder Äitzhäuptel" und von Winterkopfsalat: „Wiener großer gelber", „Dauerkopf", „Nansen". Winterendivi en: „Wiener Escariol", „Moosartige feingekrauste". Kochsalat (Sommerendivien, Bindesalat): „Wiener selbstschließender", „Universal". Spinat: man ziehe Sorten mit eckigem Samen vor. Neuseeländerspinat. Hülsenfrüchte: Erbsen: gute, niedrige Sorten von Auslöserbsen (Kneifelerbsen, Läufelerbsen, Pahlerbsen) sind „De Grace", „Frühe Mai", „Späte große Viktoria". Als gute Markerbsen gelten: „Wunder von Amerika", „Triumph". Von Zuckererbsen seien genannt „Fürst Bismarck", „Frühe niedrige volltraaende". Bohnen (Buschbohnen): Sorten für Grüngemüse (Brech-, BUtterode? Zuckerbohnen) sind „ Kinrichs Niesen", „Frühe lang- 47 schotige Neger", „Flageolet", „Chevriers grünbleibende" und „Unerschöpfliche". Als Trockenbohnen dienen „Äinrichs weiße Niesen", „Flageolet", „Frühe weiße", „Weiße Perlbohne", „Nieren weiße". Als sogenannte Spargelbohnen werden empfohlen: „Neger-Wachs", „Wachs- Dattel", „Flageolet-Wachs verbesserte". Stangenbohnen: „Feuerbohne" (rauhe Lagen), für mildere Lagen sind gute Sorten mit grünen Schoten: „Phaenomen", „Korbfüller", „Rheinische Prinzeß" und mit gelben Schoten: „Wachs-Mont d'or", „Viktoria-Wachs", „Flageolet- Wachs". Puffbohnen: „Erfurter Riesen". Zwiebelgewächse: Zwiebeln: „Wiener große", „Gelbe runde", „Note runde"', „Zittauer Riesen", „Mährische feste blaßrote". Porree (Lauch): „Französischer dicker Sommer", „Erfurter Winter". Paradeis (Tomaten): „Roter Mikado", „Präsident Garfield", „Dänischer Export", „Wunder der Märkte", „Lukullus", „Rotkäppchen". Die Kultur der Gurken und der Speisekürbis empfiehlt sich nur für warme, sonnige, windstille Lagen. Von Gurken weisen wir hin auf „Wiener frühe Markt", „Mährische halblange" und „Dänische Senf". Gute Kürbissorten sind „Gelber Spargel" und für kleinen Raum namentlich „Kokozelle von Tripolis". Spargelkultur ist ratsam in reinem Sand und Schwemmboden. Wir werden darüber in Band 2 berichten. Winke über bis- herige Erfahrungen im Gemüsebau in den verschiedenen Schreberkolonien rings um Wien sind uns aufs höchste willkommen. 6. Obstbau*) im Schrebergarten. Wie es dem Bienenfleiß des Schrebergärtners gelungen ist, sich in der Gemüseversorgung unabhängig zu machen, so *) 5>err Gartenbauinspektor P. Vogt war so freundlich, das Kapitel Obstbau für unser Buch zu bearbeiten. -4» ist das auch beim Obst zu erreichen. Diese Möglichkeiten wollen wir in kurzen Llmrissen feststellen. Wie beim Gemüsebau kommen als Grundfragen: Klima, Lage und Bodenverhältnisse in Betracht. Diesen drei Richtlinien muß die Obstart und Obstsorte angepaßt werden, alles übrige macht die Pflege. Klima und Lage sind zwei Begriffe, sie dürfen nicht verwechselt werden. Linter Klima verstehen wir im allgemeinen die im Laufe der Jahreszeiten mit mehr oder weniger Regelmäßigkeit stets wiederkehrenden Witterungserscheinungen, kurz gejagt, somit die Niederschläge, also Regen und Schnee, dann die Temperaturverhältnisse: Kältegrade im Winter, Wärme des Sommers, Stärke und Häufigkeit der Winde usw. Im Jahresdurchschnitt dieses Witterungsverlaufes messen wir das Klima einer Gegend, in diesem Sinne wird von einem mehr warmen oder kalten, von einem milden oder rauhen, von einem feuchten oder trockenen Klima gesprochen. Für den Obstbau ist nun das Klima insoferne wichtig, als nicht nur die verschiedenen Obstarten, sondern auch die vielen Obstsorten ihre bestimmten klimatischen Ansprüche stellen, die Kirsche zum Beispiel oder die Pflaume kommt selbst noch in einem Höhenklima mit kurzem Sommer gut fort, der Pfirsich oder die Aprikose aber verlangt schon viel Wärme im Sommer und einen nicht zu strengen Winter. Gerade so ist es bei den einzelnen Sorten, ein frühreifender Sommerapfel oder eine Iulibirne kann selbst noch in hohen Gebirgslagen ein fruchtbarer, gesunder Baum sein, eine Wintertafelbirne oder ein Winterapfel aber würde nicht mehr reif werden oder der Baum zu empfindlich für die Winterkälte sein. Mit dem Ausdruck Lage bezeichnen wir nicht nur die Richtung eines Grundstückes oder eines Geländes zur Sonnenbestrahlung, sondern auch den natürlichen Schntz, welcher diesem Grundstück, sei es durch Äöhen 4 ^> züge, durch Baumpflanzungen, Wälder usw. in seiner nächsten Umgebung geboten wird. Je besser die Sonne einwirken kann, desto wärmer ist die Lage, die südliche Lage ist somit die wärmste, die nördliche dagegen die am wenigsten günstige; ist nun außerdem die Lage noch durch Wald oder Höhenzüge gegen scharfe Nord- und Ostwinde geschützt, so ist sie für den Obstbau um so wertvoller. Gerade so verschieden wie das Verhalten der Obstarten zum Klima ist, so verschiedenartig sind auch ihre Ansprüche an die Lage. Die Weichsel zum Beispiel oder die Haselnuß, auch manche Apfel- und Birnensorten beanspruchen wenig Wärme und kommen auch in rauhen, ungeschützten Lagen gut fort, wogegen andere Obstarten oder Sorten nur in ganz geschützten und der vollen Sonnenbestrahlung zugänglichen Lagen freudig gedeihen. Wie nicht jede Gemüseart auf jedem Boden gut wächst, so ist auch nicht jede Bodenart für den Obstbau tauglich. Viele Gemüse können wir, wenn es an Dünger und Wasser nicht fehlt, selbst noch auf einem wenig tiefgründigen Boden mit Erfolg bauen; der Obstbaum aber geht mit seinen Wurzeln tiefer in den Boden und verlangt eine gewisse Mindestbodentiefe, bis zu welcher die Wurzeln vordringen können; ebenso wie ihn undurchlässige Bodenschichten in geringer Bodentiefe hieran hindern, so ist auch ein zu hoher Grundwasserstand von Lbel, die Wurzeln dürfen nicht im Wasser stehen. Viel weniger wichtig als die Tiefgründigkeit des Bodens ist für den Obstbaum die sonstige Bejchaffenheit, er kann leichter oder schwerer, mehr feucht oder mehr trocken sein; da wissen wir uns durch passende Sortenauswahl, durch Düngung und Bodenpflege zu helfen. Die Ansprüche an die Tiefgründigkeit des Bodens sind bei den einzelnen Obstsorten verschieden; für die Erdbeere genügen 30 bis 40 cm Bodentiefe, für Beeren obst 50 bis 60 cm, für Steinobst 70 bis 80 cm, für 50 Quitten und Apfel 80 bis 90 cm, für Birnen 120 bis 130 cm. Da nur wenige Obstsorten die Eigenschaften haben, sich aus Samen sortenecht fortzupflanzen und zum Beispiel aus dem Kern eines feinen Apfels nicht ein gleichwertiger Apfel entsteht, müssen wir, um die Sorteneigenschaften treu zu erhalten, diese auf Obstsämlingspflanzen veredeln, welche in der Gärntnersprache mit dem Namen „Veredlungsunterlagen" bezeichnet werden. Sowohl die Wachstumeigenschaften der verschiedenen Veredlungsunterlagen, als auch ihr Verhalten zu den einzelnen Obstsorten sind sehr verschieden, wir unterscheiden die starkwachsenden Obstwildlingsunterlagen mit tief in den Boden eindringenden Wurzeln und schwachwachsende Linterlagen. Für den Schrebergarten- obstbau interessieren uns insbesondere die letzten, weil die auf ihnen veredelten Obstsorten früher Früchte tragen und die Bäume oder Baumformen, welche wir auf ihnen heranziehen, weniger Bodenraum beanspruchen. Darauf kommt es ja im Schrebergarten in erster Linie an: bei beschränktem Räume soll der Baum viel leisten. Da diese schwachwachsenden Veredlungsunterlagen mit ihrem vielverzweigten Faserwurzelsystem nicht so tief in den Boden eindringen und ihre Nahrung mehr der oberen Bodenschichte entnehmen, braucht der Boden auch nicht so tiefgründig zu sein, allerdings müssen wir aber dann durch gute Bearbeitung und Düngung dafür sorgen, daß dem Baum genügende Nahrung zugeführt wird. Als schwach- wachsende Veredlungsunterlagen benützen wir für den Schrebergartenobstbau für Äpfel den Paradiesapfel und den etwas kräftiger wachsenden Splittapfel. Je nach der Baumform, welche wir ziehen wollen, ebenso aber nach der betreffenden Sorte wählen wir die eine oder andere dieser beiden Unterlagen. Auch nach der Bodenbeschaffen heit richtet sich die Unterlage. Für die Birnen ist die öl Quitte eine geeignete Veredlungsunterlage mit reichem Faserwurzelsystem, da aber nicht alle Birnensorten auf der Quittenunterlage gut gedeihen, müssen wir bei vielen Sorten trotzdem den Birnwildling nehmen oder die „Zwischenveredlung" anwenden. Viele gute Birnensorten haben die Eigenschaft, auch auf der Wildlingsunterlage nicht übermäßig stark zu wachsen und bald tragbar zu werden. Für die Kirschen- und Weichselsorten ist die Weichselkirsche und der Sauerkirschenwildling die geeignetste Unterlage für den Schrebergarten, für die Pflaumen, Zwetschen, Reineclauden, Mirabellen, Aprikosen nehmen wir die St. Julien-Pflaume, für Pfirsiche ebenfalls diese oder den Pfirsichsämling als Unterlage. Es handelt sich nun noch um die Bestimmung der zweckmäßig st enBaumformen, hier müssen wir uns an diejenigen halten, welche am wenigsten Raum beanspruchen, leicht heranzuziehen und zu behandeln sind, bald und reichliche Früchte tragen. Nicht jede Obstsorte und jede Obstart ist für jede beliebige Baumform gleich gut geeignet, hie Wachstumeigenschaften sind eben sehr verschieden und nach ihnen müssen wir uns richten. Von einem gutgezogenen Äochstamm werden wir zwar die meisten Früchte ernten, aber er beansprucht viel Platz und Zeit zu seiner Entwicklung, auch durch seine stärkere Beschattung kommt er für den Schrebergarten nicht oder nur ausnahmsweise als Einzelbaum in Frage. Früher tragbar wird der Äalbstamm, auch benötigt er weniger Raum, und wo es sich darum handelt, gleichzeitig im Schrebergarten auch Gemüse oder Beerenobst zu bauen, ist er für unsere Zwecke tauglich. Wir müssen eben ganz genau wissen, was wir erreichen wollen, danach richtet sich die Wahl der Baumsorm, die Einteilung in der Be- pflanzung oder Ausnützung des Raumes. Als sehr geeignete Baumformen für den Schreberobstgarten sind der Pyranndenbaum und der Buschobstbaum zu empfehlen. 52 Auf derselben Raumfläche, wo neun Äalbhochstämme Platz finden, können schon 16 Pyramiden oder 20 Bujchbäume stehen, unter den neun Äalbhochstämmen können wir noch Beerenobst oder Gemüse bauen. Bei den 16 Pyramiden ist das nur so lange möglich, bis die Bäume herangewachsen sind. Am leichtesten ist der Busch Obstbaum zu behandeln, er verlangt nur wenig Kenntnisse im Schnitt und wird früh tragbar, wenn die geeigneten Unterlagen genommen werden; diese Baumform ist somit dem Schrebergärtner in erster Linie zu empfehlen. Schon etwas schwieriger ist die Behandlung einer gut gezogenen Pyramide oder einer Spalierform, wie auch die eines ein- oder zweiarmigen Kordons, der als wagrechter Schnurbaum für Einfassungen oder als senkrechter für die verschiedensten Plätze in Betracht kommt. Um hier nicht Mißerfolgen ausgesetzt zu sein, muß der Schrebergärtner sich die notwendigen Kenntnisse anzueignen suchen. Wir werden darüber im zweiten Bande eingehend sprechen. Beim Äalbhochstamm und beim Buschbaum beschränkt sich der ganze Baumschnitt auf die Erhaltung des Gleichgewichtes des Astgerüstes, bei der Formobstzucht dagegen muß der Baumschnitt als Mittel zur Unterdrückung der natürlichen Wachstumeigenschaften zugunsten der kunstgerechten Baumform und zur Regelung des Fruchtertrages dienen. Lieber die Sortenauswahl können nur einige allgemeine Anhaltspunkte gegeben werden. Wie wir aus vorstehenden Richtlinien ersehen, kommen dafür Lage, Klima, Boden Verhältnisse und Baumform in Betracht. Wir weisen heute kurz auf folgende Sorten hin: I. Kernobst. Aepfel. Besonders für kleine Baumformen und vorzugsweise für die Buschobstkultur sind geeignet: Sommeräpfel: „Weißer Klarapfel", auf Splittapfelunterlage; Reife Mitte bis Ende Juli bis Anfang August; ist anspruchslos an den Boden und sehr früh- und reichtragend. „Charlamowsky", auf Splittapfel, reift August 55 bis September, prachtvolle, große Früchte, sehr reichtragend. Für Kordon und Spindel. „Noter Astrachan", auf Paradiesunterlage, reift Ende Juli bis Anfang August, recht fruchtbar und genügsam. Äerbstä'pfel: „Winter- goldparmäne", nur für guten, nährstoffreichen und nicht zu trockenen Boden, auf Splittapfel oder als Äalbhochstamm auf Wildling, reift Oktober bis November, sehr reich- tragend. Auch für Kordon und Spindel. „Gelber Edel- avfel", auf Paradeis- und Splittapfel gut wachsend, reift Oktober und hält bis Februar. Winteräpfel: „Baumanns Reinette", auf Splittapfel, reift November und hält bis April, reichtragend und anspruchslos an Boden und Lage. Auch für Kordon und Spindel. „Schöner von Boskoov", auf Paradeis- und Splittapfelunterlage, in etwas geschützter Lage sehr fruchtbar, reift November und ist haltbar bis April. „Goldreinette von Blenheim", auf Paradiesunterlage, reift November und ist bis März haltbar, verlangt besseren Boden und etwas geschützte Lage, ist aber unter diesen Verhältnissen sehr fruchtbar. „Königlicher Kurzstiel", auf Splittapfel, spätreifend, hält bis April, auch für Lagen mit Spätfrösten zu empfehlen, da der Baum sehr spät blüht; willig und reichtragend. Birnen. Sommerbirnen: „William's Christbirne", gedeiht auf Quitten- und Wildlingsunterlage gleich gut, reift August bis September, anspruchslos, reich- und frühtragend. „Clapps Liebling", auf Wildlings- und Quittenunterlage, reift im August, vorzügliche Frucht, verlangt etwas schweren Boden, ist in solchem sehr reichtragend. „Triumph von Vienne", reift im September, auf Wildlingsunterlage, sehr große Frucht, reichtragend. Kerbstbirnen: „Gellerts Butterbirne", auf Quitten- und Wildlingsunterlage, reift September bis Oktober, trägt sehr dankbar. „Gute Louise v. Avranches", besser auf Wildling als auf Quitte, reift September bis Oktober, bildet sehr schöne Pyramiden, auch für Kordons. Jahr für Jahr 54 fruchtbar. „Boscs Flaschenbirne" auf Wildlingsunterlage, reift Mitte bis Ende Oktober, anspruchslos an den Boden, reich und regelmäßig tragend. Winterbirnen: „Diels Butterbirne", auf Quittenunterlage, reift November und hält bis Jänner, auch für Kordons, in etwas geschützter Lage sehr fruchtbar. „Pastorenbirne", auf Quittenunterlage, reift im November und hält bis Februar, auch für Kordons, ungemein fruchtbar. „Olivierde Serres", auf Quittenunterlage, reift sehr spät und ist haltbar bis April, verlangt etwas geschützte Lage und guten Bodens sehr reichtragende feine Tafelbirne, auch ein guter Baum für Pyramiden auf Wildlingsunterlage. II. Steinobst. Süßkirschen: sür niedrige Baumformen ist die Süßkirsche weniger geeignet, als Äalb- stämme dagegen sind nachstehende Sorten auf Kirschenunterlage zu empfehlen; sie eignen sich auch noch für die Buschform auf Weichselkirsche veredelt: „Maiherzkirsche", reift im Juni; „Große Prinzessin", reift Ende Juni bis Anfang Juli; „Große schwarze Knorpelkirsche", reift Mitte Juli. Sehr gut eignen sich dagegen die Weichsel« für die Buschbaumformen, und es sind als besonders reich- und sichertragend zu empfehlen: „Schatten- morelle", im Juli bis anfangs August auf Weichselunterlage reifend, „Schöne von Chatenay" und „Königin Hortensia". Pflaumen und Zwetschen: „Große grüne Reineclaude", auf St. Iulienunterlage oder von Wurzelausläufern zu erziehen, ungemein reichtragenv bei etwas feuchtem Boden; „Königin Victoria", reift im August auf St. Iulienunterlage, sehr reichtragend; „Anna Späth", eine erst im September reifende vorzügliche Pflaume für mehr leichten Boden. Aprikosen (Marillen) verlangen einen guten warmen Boden und geschützte Lage, für niedrige Baumformen sind geeignet, insbesondere als Buschsorm: „Wahre große Frühaprikose", auf St. Iulienunterlage, sehr frucht- 55 bar; „Aprikose von Nancy" und „Ungarische Beste", beide auf St. Iulienunterlage, im August reifend. Pfirsiche. In etwas geschützter Lage und nicht zu schwerem Boden ist der Pfirsich ein vorzüglicher Baum für die Buschform; sehr wichtig ist beim Pfirsich die Unterlage. Ohne Anforderungen an einen regelmäßigen Baumschnitt tragen besonders reich die Sorten: „Amsden", auf St. Iulienunterlage, reift im Juli; „Alexander" auf Pfirsichwildling, reift im August; „Rote Magdalena", auf Pfirsichwildling, reift Ende August; „Proskauer Pfirsich", diese Sorte kommt auch als Sämling gezogen früh in Ertrag, der Baum ist völlig winterhart und reichtragend. Eine besondere Beachtung ist dem Beeren ob st im Schrebergarten zuzuwenden; baldiger und lohnender Fruchtertrag, leichte Behandlung bei geringen Ansprüchen an Klima und Boden sind Eigenschaften, welche vielseitig im Schrebergarten ausgenützt werden können. Auch die Beerenobststräucher dürfen aber nicht als Stiefkinder behandelt werden, sie verlangen eine entsprechende Pflege, wenn sie dankbar tragen sollen. Für Johannis- und Stachelbeeren genügt eine Bodentiefe von 50 cm, 5>im beeren sind zwar in besserem Boden sehr ertragreich, aber sie beanspruchen viel Platz und sollten im Schreber garten nur ausnahmsweise, am besten als Abgrenzungspflanze, verwendet werden, da sie sehr wuchern. Sowohl Johannis- ,als auch Stachelbeeren vertragen leichten Schatten, sie können daher auch noch zwischen Kalbstämmen oder Buschobstbäumen stehen, wenn diese genügend weit gepflanzt sind. Ebensogut lassen sich zwischen Beerenobststräuchern, welche weit gesetzt sind, auch Gemüse oder Erdbeeren anbauen. . Johannis- und Stachelbeeren lassen sich in Strauchform und als kleine Äochstämmchen ziehen, besonders dankbar sind Stachelbeerhochstämmchen; zur Einfassung 56 der Gartenwege auf Rabatten gepflanzt, kann der Boden unter ihnen sehr gut mit Gemüse, Erdbeeren und Blumen ausgenützt werden. Johannisbeeren eignen sich besser als Strauchform. Bei einem Abstände von 2 m von Pflanze zu Pflanze lassen sich in den ersten Iahren noch Erdbeeren oder Gemüse zwischen Beerenobftsträuchen ziehen, sonst aber müssen die Sträucher einen Mindestabstand von 1 50 m haben. Wenn der Boden nicht rigolt wurde, so müssen 50 bis 75 cm tiefe und 50 cm breite Pflanz löcher gemacht werden. Die beste Pflanzzeit für Beerenobststräucher ist der Spätherbst, auch im zeitigen Frühjahr kann man setzen; hat man etwas Komposterde zur Verfügung, so sind Beerensträucher für eine solche Zugabe beim Setzen sehr dankbar; frischen Dünger in die Pflanzlöcher zu geben ist unrichtig. Johannis- und Stachelbeeren lassen sich sehr leicht durch Stecklinge und Ableger vermehren, der Schrebergärtner ist also in der Lage, von wenigen Mutterpflanzen sich das Pflanzmaterial zu beschaffen. Im dritten Jahre hat man von jungen Vermehrungspflanzen schon einen Ertrag. Ausgewachsene Sträucher bleiben bei guter Pflege 15 bis 20 Jahre ertragsfähig, man muß aber durch zeitweises Auslichten der älteren Zweige, welche man dicht über dem Boden abschneidet, dafür sorgen, daß man dem kräftigen jungen Nachwuchs Raum schafft. Die übrige Pflege besteht in guter Bodenlockerung und zeitweiser Düngung, hierzu eignet sich am besten guter Kompost oder gut verrotteter Dünger. Bei großer Trockenheit ist auch das Begießen nicht zu unterlassen, auch für zeitweise flüssige Düngungsgaben sind Beeren sträucher sehr dankbar. Besonders reichtragend und weniger empfindliche Iohannisbeer- (Ribisel)- Sorten sind: Die „Rote und Weiße Holländische", die „Rote Kirschjohannisbeere" und die „Weiße Versailles. Schwarze Johannisbeeren 57 geben ein sehr gutes Kompott, die besten Sorten sind: „Schwarze langtraubige" und „Bang up". Bei den Stachelbeeren unterscheidet man weiß-, rot-, grün- und gelbfrüchtige; für Schrebergärten sind besonders zu empfehlen: „Rote Triumphbeere", „Rote Eibeere", „Grüne Flaschenbeere", „Weiße Triumphbeere", „Riesenzitronenbeere", „Gelbe Niesenbeere" usw. Erdbeeren brauchen zum guten Gedeihen kräftig gedüngten und sorgfältig vorbereiteten Boden. Zum Pflanzen benützt man die kräftigsten, gut bewurzelte« Ausläufer von tragbaren Erdbeerpflanzen, und setzt ent weder im August oder im zeitigen Frühjahr. Das Setzen der Erdbeeren muß sehr sorgfältig geschehen, man darf weder zu hoch, noch zu tief pflanzen; nach dem Setzen müssen die Pflanzen sehr- gut angegossen werden. Pflanzt man Erdbeeren auf Beete, so gibt man diesen eine Breite von 125 cm und setzt vier Reihen, so daß jede Reihe etwa 30 cm Abstand hat, in den Reihen gebe man den Pflanzen 35 bis 40 cm Abstand. Wenn Erdbeeren gut tragen sollen, darf man mit Wasser nicht sparen, mit Jauche aber sei man vorsichtig. Die Pflege der Erdbeeren erstreckt sich auf fleißige Boden- lockerung und das zeitweise Entfernen der Ranken. Sehr gute Erfolge werden durch das Bedecken der Beete im Äerbst mit kurzem, verrottetem Dünger erzielt. Nach drei bis vier Iahren läßt der Ertrag der Erdbeeren nach; um ständig gut tragende Beete zu haben, sorgt man durch rechtzeitige Neuanpflanzung mit jungen Pflanzen für einen Ersatz, und sticht die abgetragenen Beete um. Als vorzügliche Erdbeerensorten können empfohlen werden: „Laxtons Noble", sehr reich und früh tragend, für alle Bodenarten passend; „König Albert", eine groß- früchtige, reichtragende Sorte für leichte Bodenarten; „Sieger", eine sehr frühreifende, sehr ertragreiche Sorte für mittelschweren und kräftigen Boden; „Louis Gauthier", 58 eine Sorte, bei welcher sich an den jungen Ausläuferpflanzen noch im Äerbst Früchte bilden; sehr große Frucht und reichtragend. Außerdem sind noch als sehr gute, reichtragende Sorten zu nennen: „Königin Luise", „Garteninspektor Koch", „Späte von Leopoldshall", „Royal Sovereign" usw. Eine besondere Beachtung verdienen auch die immertragenden Monatserdbeeren, sie eignen sich vorzüglich zur Einfassung von Beeten und Rabatten; als beste können die sogenannten rankenlosen Sorten: „Note und weiße Rankenlose" empfohlen werden. 7. Kleintierzucht*) im Schrebergarten. Zum Wirtschaftsbetriebe des Kleingartens gehört unbedingt die Kleintierzucht, denn sie ermöglicht es dem Kleingärtner erst, seinen Garten.richtig auszunützen. Groß ist das Gärtchen ohnedies nicht, es bleibt daher dem praktischen Sinne des Schrebergärtners vorbehalten, alle Abfälle in Haushalt und Garten fo zu verwenden, daß tatsächlich nichts verloren geht. Solange wir nicht ständig in unserem Garten wohnen können, wird sich die Kleintierzucht den jeweiligen Verhältnissen des einzelnen anschmiegen müssen. Sie wird oft keine vollkommene, den Möglichkeiten Rechnung tragende sein können, immerhin aber wird es möglich sein, ein oder mehrere Tiere zu halten. Eine Schwierigkeit bildet zumeist der Platz für den Stall. Zn unseren Zinskasernen der Stadt fehlt es fast stets an einem Fleckchen, wo ein kleiner Stall errichtet *> Die folgenden Ausführungen verdanken wir Äerrn Josef Reißberge r, dem bekannten Fachberater für Bienen- und Kleintierzucht der Schrebergartenstelle der Landwirtschaftlichen Warenverkehrsstelle des österreichischen Staatsamtes für Volks ernahrung. Sie enthatten nur das Allerwichtigfte, und wir werden in einem anderen Bande dieser Buchfolge das so wichtige Thema eingehend behandeln. 59 werden könnte. Im Garten werden nur jene den Stall anbringen können, die in nächster Nähe wohnen oder deren Garten vor Langfingern geschützt ist. Man merke eines: Jedes Tier gedeiht nur dann, wenn es Licht und Luft hat. Es verkümmert, wenn es ständig in einem licht- losen, dumpfen Kellerloch sein muß. Immerhin wird es im Garten möglich sein, ein Plätzchen ausfindig zu machen, das zur Aufstellung des Stalles geeignet erscheint. Können nicht mehrere Tiere gehalten werden, dann halte der Kleingärtner ein einziges Stück. Dieses kann allenfalls ohne besondere Schwierigkeit täglich in den Garten mitgenommen werden. Wer über diesen Rat lächelt, bedenke, daß z. B. eine Kenne leicht mit den Abfällen der Küche und des Gartens gefüttert werden kann. And lohnt es sich denn, eine einzige Kenne zu halten? Ja, Freund, denn sie lohnt die Futterkosten, wenn von solchen gesprochen werden kann, jährlich mit etwa 120 Eiern. Es gibt aber auch Kühner, die mehr Eier im Jahr legen. Für den Haushalt sind aber 120 Eier nicht zu verachten. Oder ein Kaninchen, welches jährlich vier Würfe bringt, angenommen jeden Wurf nur drei Junge. Wer wird monatlich auf einen Kaninchenbraten verzichten, wenn er sonst nichts kostete, als Abfälle aus dem Haushalte? Eine Gartenecke wird jeder finden oder einen Streifen beim Gartenhäuschen, den er einzäunt und wo er seine Kenne umherlaufen läßt. Das eine Tier ist ja mit wenigen Quadratmetern zufrieden. Regenwürmer und Engerlinge, beim Amgraben gefunden, geben eine ausgezeichnete Kühnerkost, ebenso die Maikäfer, die man zeitig früh von den Bäumen schüttelt. Im Kerbst und Frühling aber läßt man die Kenne im Garten frei herumstreichen, sie wird den Boden von manchem Ankraut- samenkorn und manchem schädlichen Insekt befreien, das uns sicher mehr Schaden zugefügt hätte, als wenn die Kenne wirklich einmal ein Salatblatt abzupft. Kann das 60 Tier aber frei herumstreichen, dann sucht es sich einen Großteil seiner Nahrung selbst. Es verbilligen sich daher die Futterkosten. Das Gras verwende man zur Fütterung des Kaninchens, ebenso die Gemüseblätter, die im Garten sonst immer als Abfall auf den Dunghausen wandern. Aeberschüsse an Gras und Gemüseblättern trockne man als ^>eu für den Winter. Kein Blättchen darf mehr weggeworfen werden. Am Rande des Gärtchens kann jeder bestimmt Maiskörner legen. Die Ernte hilft dann wieder über den Winter. Man rechne einmal aus, wie viele Maiskolben man ernten kann, ohne daß die Maispflanzen den Ertrag an Gemüse kürzen und ohne daß das Gärtchen verunziert wird. Maßgebend sei in der Kleintierzucht einzig und allein dieLeistung der Tiere. Nutzzucht muß jeder treiben. Die Raffezucht ist vollauf berechtigt, erfordert aber tüchtige Kenntnisse und lange Erfahrungen. Für uns ist maßgebend, daß die Äenne recht viele Eier legt, ob das Tier schwarz oder weiß ist, kann uns gleich sein. Die Kaninchenzuchtmutter muß ein gutes Zuchttier sein, denn mit dem besten Rassetier ist uns nicht geholfen, wenn es seine Jungen nicht aufbringt. Die Nasse eines Tieres ist nicht unbedingt die Gewähr, daß das Tier erstklassige Nutzleistungen besitzt, denn auch unter den Rassetieren gibt es oft solche, die gänzlich unbefriedigende Leistungen aufweisen. Die berühmten Schweizer Saanenziegen sind nicht immer großartige Milchlieferer, es gibt auch hier Ausnahmen, so daß sie von unserer einheimischen Ziege oft übertroffen werden. Das Rassemerkmal ist nur das Zeichen, daß gewisse grundlegende Vorzüge anzunehmen sind, daß sie also im Rassetier eher zu erhoffen sind, als in einem Tiere unbekannter Abstammung. Auf die Leistung muß aber jedes Tier erst erprobt werden und da kann es vorkommen, daß das Tier unbekannter Abstammung das Rassetier in der Nutzleistung weit übertrifft. 61 » Eine nicht unwichtige Frage ist: Wie verschaffe ich mir Tiere? Wohl wenige von uns sind in der glücklichen Lage jeden Preis bezahlen zu können- Ein jeder ziehe also einige Kücken auf, sie sind erschwinglich im Preis und werden durch die Auszucht sehr anhänglich und zahm. Die Aufzucht der Kücken schafft Freude, macht uns stolz auf das Ergebnis unserer Mühe und lehrt uns die Tiere höher zu schätzen, als wenn wir ausgewachsene Kühner kaufen. Ebenso ist es bei den Kaninchen. Langt die Kassa des Einzelnen nicht, ein Zuchttier zu erwerben, jo suche er sich einen oder zwei Teilnehmer. Das gekaufte Tier übernimmt einer von ihnen in Pflege, es verbleibt sein Eigentum als Entschädigung für die Futterkosten und Wartung. Der Besitzer des Zuchttieres muß aber dann eine Anzahl Jungtiere der ersten Würfe den Mitkäufern überlassen. Für die Mitkäufer werden diese Jungtiere dann den Zuchtstamm liefern. Wem dies zu langweilig erscheint, der bedenke, wie lange er an seinem Gärtchen arbeiten mußte, bis es ihm einen vollen Ertrag lieferte. » Gerade jener Kleingärtner, der seine Kleintierzucht unter Entbehrungen mühsam aufbaute, der nur kleine Beträge immer zur Seite legen konnte, bis es ihm endlich möglich war, ein Tier zu erwerben, gerade dieser wird der richtige Kleintierzüchter werden. Er sieht in seiner Kleintierzucht ein Ergebnis seines Fleißes, er betreut seine unter Opfern erworbenen Freunde, er pflegt und hegt sie und wird immer bessere Erfolge erzielen. Dem Kleingärtner aber soll die Kleintierzucht ein wichtiger Behelf sein; sie soll ihm helfen, den Haushalt zu verbessern, und die Produkte seiner Zuchterfolge werden ihm die Lebensführung erleichtern. Die Kleintierzucht wird aber immer dort die besten Erfolge zeitigen, wo der Kleingärtner liebevoll seinen Freunden Sorgfalt und Reinlichkeit augedeihen läßt. ^2 Der knappe Raum, der zur Verfügung steht, gestattet es natürlich nicht, ausführlich das ganze Gebiet der Bienenzucht und der Kleintierzucht zu beschreiben. Wir können daher dem Kleingärtner nur das Wichtigste sagen, was er wissen muß. Es soll aber immerhin soviel sein, daß er seine Tiere erfolgreich halten kann. Das vorliegende Buch soll ihm ein Freund und Ratgeber sein, das ihm Anregungen bietet, seine Zucht auszubauen und zu verbessern. Das Beobachten seiner Tiere und das Äber denken des Beobachteten wird dem Kleingärtner, der liebevoll seine Tiere pflegt, der beste Lehrmeister sein. Äierzu ist es notwendig, daß der Kleintierzüchter gewisse theoretische Kenntnisse besitzt, weil er sonst niemals ein Praktiker werden kann. And die n otwendigsten theoretischen und praktischen Kenntnisse sollen im folgenden mitgeteilt werden, soweit sie sich auf Kaninchen-, Äühner- und Bienenzucht beziehen. Ganz ausführlich wird dieses Gebiet in einem weiteren Bande dieser Anleitungssolge in Wort und Bild bearbeitet werden. a) Kaninchenzucht. Am leichtesten zu betreiben ist Kaninchenzucht. Der Stall ist an einer lichten, luftigen, doch zugfreien Stelle unterzubringen. Das Futter liefert der Garten und gewiß gern auch Nachbarn, die keine Kleintiere halten. Solche Nachbarn sollte es allerdings nicht geben. Das Kaninchenfleisch hat einen hohen Nährwert, ist leicht verdaulich und dem Hühnerfleisch ähnlich. Die Kaninchen sollen mit 6 bis 8 Monaten geschlachtet werden. In diesem Alter ist das Tier meist ausgewachsen und das Fleisch ist noch zart. Das Kaninchen länger zu füttern ist meist Futterverschwendung, denn das Tier nimmt nicht mehr soviel zu, daß das Wachstum die Futterkosten lohnt. Die Zucht beginnt im Februar, sie kann bis Oktober fortgesetzt werden, ist aber während der 6Z Haarung, dem Haarwechsel der Tiere, einzustellen. Äber den Winter halte man eine oder mehrere Zibben (Häsinnen), je nachdem Futter vorhanden ist. Verwertbar ist auch das Fell der Tiere. Es ist am dichtesten im Winter und dadurch am wertvollsten. Damit es aber dichthaarig ist, dürfen die Tiere nicht in verschlossenen Räumen gehalten werden, sondern der Stall, dessen Türseite nicht Glasfenster sondern Gitter haben muß, hat im Freien zu stehen. Das Fell der Tiere muß reingehalten werden. Dies ist durch reinen Stall und durch Haarpflege zu erreichen. Zuchttiere Müssen wenigstens 8 Monate alt sein. Sind sie jünger, wird der Nachwuchs schwächlich. Zur Zucht als Fleischerzeuger eignen sich auch Kreuzungstiere, wenn sie nur gute Mütter sind. Da aber das Fell der Rassekaninchen wertvoller ist, weil es naturfarbig verwendet werden kann, während das Fell des Kreuzungstieres meist erst gefärbt werden muß, ist die Zucht mit Rassetieren empfehlenswerter, denn der Futterverbrauch ist ja bei Kreuzungs- und Rassetieren gleich. Die Zuchttiere müssen gesund und kräftig, dürfen aber nicht fett sein. Die Zibbe wird zum Decken immer in den Stall des Rammlers gegeben. Die Häsin hat „aufgenommen", d. h. wurde erfolgreich gedeckt, wenn der Rammler unter Knurren von der Zibbe herabfällt. Ist dies geschehen, kommt die Häsin sofort in ihren Stall zurück. Während der 30- bis Zltägigen Trächtigkeit ist die Zibbe gut zu füttern. Das Tier stellt dann vor dem Wurf aus kurzgebissenem Stroh oder Heu ein Nest her. Dieses wird mit Haaren, die sich die Zibbe vom Bauch zupft, um die Saugwarzen bloßzulegen, gepolstert. In das Nest setzt die Häsin dann den Wurf, den sie mit den Haaren des Nestes verdeckt. Das Nest baut die Zibbe erst knapp vor dem Werfen. Baut sie 8 bis !4 Tage nach dem Deckakt das Nest, dann wurde sie nicht erfolgreich gedeckt. Die Jungen sind 6-l blind und nackt geboren, werden am 10. Tage sehend und im Alter von 14 Tagen bis 3 Wochen verlassen sie das Nest. Man belasse die Jungen im Stalle der Zibbe, bis sie mindestens sechs (besser acht) Wochen alt wurden. Erst dann gebe man sie in einen anderen Stall. Man nehme aber dem Muttertier nicht alle Zungen auf einmal fort. Sie kommen in einem eigenen Stall zusammen, man trenne aber die Geschlechter, wenn sie drei Monate alt wurden. Acht Tage nach Entfernung der Jungen kann man die Zibbe wieder decken lassen. Für die Zucht folgende wichtige Hinweise. Inzucht ist unbedingt zu vermeiden. Wer einen eigenen Rammler hält, tausche oder wechsle ihn, damit nach einiger Zeit wieder frisches Blut in die Zucht kommt. Dies lohnt nur, wenn man mehr als zwei Zibben hat, sonst lasse man die Tiere bei einem anderen Züchter decken und bezahle dafür die Deckgebühr. Vor dem Werfen gibt man der Häsin ein Gefäß mit Wasser oder wenn möglich mit Milch. Kann sie den Durst nicht löschen, dann frißt sie die eben geworfenen Jungen. Man stochere nach dem Wurf nicht viel im Nest herum. Tote Junge entfernt das Tier selbst aus dem Nest und legt sie zur Stalltüre. Die Zibbe säugt sehr regelmäßig ihre Zungen, gar manche Mutter könnte sich daran ein Beispiel nehmen. Man gebe der Zibbe ein kleines Kistchen in den Stall, den Boden nach oben. Hier hinauf flüchtet sie sich vor der Schar der Jungen, wenn diese zu sehr quälen. Kommt die Zeit des Trinkens, dann spendet „Mama" schon ihren Nachkommen die Milch. Das Nest entferne man nicht aus dem Stall, wenn es die Jungen verlassen, sie suchen das warme Plätzchen immer wieder auf. An gutem Futter darf es der säugenden Häsin nicht fehlen. Die^Frage, ob das Kaninchen Wasser braucht, ist zu bejahen. Der Wasserbedarf wird durch Grünfutter zum Teil gedeckt, aber bei Trockenfütterung muß doch das Tier seinen 5 65 Durst löschen können. Futtergeschirre sind vor jeder Mahlzeit zu reinigen, solche aus glasiertem Ton sind am besten. Im Winter ist nur soviel Weichfutter zu geben, wie die Tiere sogleich fressen, weil es sonst gefriert. Die Heuraufe bringe man innen an der Stalltüre an, da ist sie am leichtesten zu füllen und hindert nicht bei der Stallreinigung. Heu, Gras, Klee, Grünfutter usw. ist immer in die Raufe zu geben. Jungen Klee darf man nur wenig geben. Nasses Gras und Grünfutter ist zu vermeide,:. Im Frühjahr ist zunächst mit Heu zu füttern und erst wenn der Hunger schon teilweise gestillt ist, Grünfutter zu geben. Man hebe Kaninchen nie an den Ohren auf. Der Ohrknorpel reißt und das Tier hat dadurch Hängeohren. Man fasse es herzhaft mit der ganzen Hand am Rücken, die Haut ergreifend. Zum Schlachten setze man es vor sich auf eine Kiste oder Tisch, nehme die Ohren mit der linken Hand, den Handballen auf den Kopf des Tieres gestützt, spanne leicht die Ohren an und gebe dem Tier mit einem in der rechten Hand gehaltenen flachen Holz einen kräftigen Hieb hinter die Ohren. Die Wirbelsäule zerreißt dadurch und das Tier ist sogleich tot. Hebt man es aber an den Hinterläufen hoch, so wirft sich das Tier mit dem Körper, wird durch den Hieb meist schlecht getroffen, schreit, der Züchter wird nervös und es bedarf mehrerer Schläge ehe es getötet wird. Dem getöteten Tier wird sogleich das Fell abgezogen. Im Sommer erübrigtes Gras, Gemüse und Baumblätter trockne man für den Winter. 3m Winter ersetze man fehlendes Grünfutter durch Burgunderrüben, gelbe Rüben und die uns in seliger Erinnerung verbliebenen Wrucken. Man kann Kartoffeln gekocht reichen, rohe Kartoffelschalen kochen oder braten. Wer Kleie geben kann, brenne sie mit heißem Wasser ab, es darf aber kein flüssiges Futter daraus werden. Kartoffel, Kleie und Körner sind Mastfuttermittel. Man füttere höchstens dreimal täglich. Körner 5ö futter ist bei größeren Rassen erforderlich. „Silber" können Körner fast ganz entbehren. Entsprechend den zur Verfügung stehenden Futtermitteln richte man den Llmfang der Zucht ein. Jedenfalls ist es zu empfehlen, klein anzufangen. Als empfehlenswerte Rasse seien genannt „Silber", wovon es helle, dunkle und mittelgefärbte gibt. Die mittel- färbigen sind am gesuchtesten. Es ist keine große, aber eine widerstandsfähige, lebhafte Rasse, die wenig oder gar kein Körnerfutter braucht. Das Tier wird etwa Z schwer. Das „Iapanerkaninchen" ist dreifarbig : rot, schwarz und weiß, welche Farben unregelmäßig über den ganzen Körper verteilt sind. Die Tiere erreichen ein Gewicht von 4 bis 5 KZ. Es sind lebhafte, raschwüchsige Tiere. Von „Belgischen Riesen" nehme man mittelschwere Tiere zur Zucht. Die „weißen Riesenkaninchen" geben ein Pelzwerk, welches ebenfalls naturfarbig getragen werden kann. „Äavannakaninchen" haben ein sehr schönes und gesuchtes Fell, welches rein braun ist, während die Anterwolle lichtblaue Färbung hat. Das Kaninchen braucht einigermaßen Bewegung. Gut ist es, wenn man die Tiere täglich im Äofe wenigstens eine kurze Zeit austollen lassen kann. Natürlich nicht Rammler und Zibben zugleich, sondern jede für sich allein. Die Bewegung ist für das Tier gesund. Den Stall mache man aus Kistenbrettern. Er muß leicht zu reinigen, luftig und trocken sein. Der Stallboden ist abschüssig zu machen, damit der Lirin abfließt. Der Stall soll etwa 120 cm lang, 90 cm tief und 70 cm hoch sein. Er soll nicht direkt auf dem Erdboden aufsitzen, sondern etwa 20 cm erhöht stehen. An der Vorderseite des Zuchtstalles mache man zwei Türen, eine aus Äolz, die andere aus Gittergeflecht. Die Zibbe wirft lieber in einem etwas verdunkelten Raum und benützt daher den Teil, wo die Brettertüre ist, als Wurfraum. Im Sommer reinige man die Ställe wöchentlich. enne. Man löse den Kücken die Eierschale nicht ab, weil sie dadurch jchwer verletzt werden. Gekaufte Kücken sind erst 36 Stunden nach den: Schlüpfen zu füttern, zuerst mit feinem Sand, dann mit 5>irse oder Maisgries, bis sie anderes Futter nehmen. Die Äenne brütet die Eier in 2! Tagen aus. Das Legenest soll an ruhiger, dunkler Stelle liegen und muß ungezieferfrei sein. Als Nestei benütze man ein Porzellanei. Wird Stall und Legenest mit Kalk gestrichen, dann wird Angeziefer nicht aufkommen. Sitzstangen mache man nicht aus rundem Äolz, sondern aus vierkantigen, etwa 5 cm breiten Latten, darauf sitzt der ganze Fuß des Äuhnes auf und das Tier kommt zur Ruhe. Sie sollen abnehmbar sein, damit sie öfter gereinigt werden können. Äühnerdünger ist wertvoll für den Garten. Als Trink geschirr eignet sich ein altes Reindl (Kasserol) oder sonst ein passendes Gefäß. Futter- und Trinkgeschirr sind stets rein zu halten. Der Stall sei luftig, er ist auch reinzuhalten und zeitweilig mit Kalk auszuweißen. Man schließe den Stall nicht dicht nach allen Seiten ab und bringe keine Glasfenster an. Glasfenster sind im Sommer zu heiß und im Winter werden die Tiere im völlig abgeschlossenen Stall verweichlicht, sie sollen aber abgehärtet sein, dann 70 legen sie früher und die Kücken sind gesunder, raschwüchsiger und unempfindlicher. Es gibt schwere, leichte und zwischen diesen beiden liegende Mittelrassen. Schwere Rassen sind Fleischhühner, benötigen nicht zu großen Auslauf, legen aber wenig Eier. Sie sind Brüter. Leichte Nassen erfordern größeren Aus lauf, da sie beweglicher sind, legen mehr Eier, brüten aber meist nicht. Für uns ist maßgebend, daß die 5>enne viele Eier legt und doch auch Fleisch liefert. Ob es ein Rassetier ist oder ein Tier unbekannter Abstammung, kann uns einerlei sein. Geeignete Nassen für uns sind Tiere, die sowohl im Eierertrag, als auch im Fleisch gut entsprechen, sie erfordern auch keinen so großen Auslaus. Wir nennen in erster Linie „Wyandottes". Diese sind auch gute verläßliche Brüter, ebenso „Plymouth Rocks", „Orpington", „Sulmtaler", „Brahma", „Siebenbürger Nackthälse" und „Faverolles". Für den Winter trockne man Klee, Gemüseabfälle, Brennesseln, Ankräuter usw., die gehäckselt und mit heißem Wasser abgebrüht ein ausgezeichnetes Futter geben und unter die Küchenabfälle gemengt werden. Im Winter, Frühling und derbst, besonders beim Amgraben, lasse man die Äühner im Garten herumstreichen. Sie befreien den Garten von Llngeziefer und Llnkrautsamen. Den Hühnerstall stelle man an einem Ort auf, wo er trocken und zuggeschützt ist. Er soll etwa 1 m tief und 150 bis 200 cm hoch sein, so daß man zur Reinigung usw. hinein kann. Die Breite richtet sich nach der Zahl der Äühner. Bei 1 m Breite haben sechs kühner auf der Sitzstange Platz. Die 5 bis 7 cm breite Sitzstange bringe man 50 bis 70 cm hoch leicht abnehmbar in der Längsrichtung des Stalles an. Bei mehr Hühnern zwei Sitzstangen. Den Stallboden bestreue man mit Sand oder Torf. Noch besser ist es, unterhalb der Sitzstangen ein Brett anzubringen und dieses mit Torf zu bestreuen. Auf diesem Brett 7l sammelt sich der für den Garten wertvolle Dünger jede Nacht an und der Stallboden bleibt reinlicher. Vom Düngerbrett ist der Dung leicht abzukratzen. Das Legenest ist ein Äolzkiftchen ohne Rückwand, denn diese bildet die Stallwand. Es soll 30 bis 40 cm tief und breit sein. Für drei Hühner genügt ein Legenest. Der Scharraum soll wenigstens 2 bis 5 Bodenfläche haben, je nach Anzahl der Äühner. Ein Dach soll ihn auch bei Regen trocken halten. In einer Ecke bringe man das Staubbad an. Es besteht aus feinem Sand und gesiebter Asche. Im Winter ist der Stallboden, wenn er aus Sand besteht, mit Laub zu bedecken, weil Sand zu kalt ist. Reinlichkeit und Zweckmäßigkeit in Pflege, Futter und Stall verhindert Krankheiten. Kranke Tiere sondere man von den gesunden ab. Stall und Geschirre sind zu reinigen und mit Lysol zu waschen Die meist auftretenden Krankheiten sind Geflügelpest und Tuberkulose. Geflügelpest oder Cholera erkennt man an dem struppigen, gesträubten Gefieder, blassen Kamm und den schleimigen, wässerigen und stinkenden Entleerungen. Die Tuberkulose an der allgemeinen Abmagerung und Schwäche. In beiden Fällen ist Heilung ziemlich aussichtslos. Die Tiere sind zu töten, nicht zu essen, sondern zu vergraben. Meist sind Erkrankungen die Folge von Erkältungen. v) Bienenzucht. Diese sollte in den Kleingärten mehr betrieben werden. Zum gedeihlichen Obstbau und Gartenbetrieb gehört Bienenzucht*). Die Biene besorgt wie kein anderes Insekt die Befruchtung der Blüten. Ohne Blütenbefruchtung gibt es aber keine Frucht. Es gab Gegenden, wo Obstbäume und Samenfrüchte im herr- *) Wir empfehlen jedem Kleingärtner, der die Absicht hat, einen Bienenstand zu erbauen, vorher das Buch Der Bau des Bienenhauses" zu lesen. Es ist bei Lehrer Th. Weippl, Zeisel- mauer, N.-ö>., zu haben. 72 lichsten Blütenschmuck prangten, jedoch nur wenig Fruchtansatz hatten. Es zeigte sich, daß im Umkreis keine Bienen gehalten wurden. Als Bienenstöcke aufgestellt wurden, war der Fruchtansatz ein guter geworden. Biene und Blüte wurden im Haushalte der Natur für einander geschaffen, sie gehören daher zusammen. Viel Reiz liegt in der Bienenzucht, Ruhe und Frieden strömt von dem Plätzchen aus, wo die Bienen summen, und es sind Stunden der Erbauung, wenn der Imker dem Wirken seiner Lieblinge zusieht. Die Bienenstöcke müssen wenigstens 7 m vom Nachbar und der Straße entfernt stehen. Die Richtung, nach welcher die Bienenstöcke stehen, d. h. die Bienen aus dem Stock fliegen, ist gleichgültig. Jede Flugrichtung hat Vor- und Nachteile. Für den Bienenstand wähle man ein windstilles Fleckchen im Garten. Jetzt bei den teueren Holzpreisen wird ein Bienenhaus ziemlich hoch zu stehen kommen. Vielleicht läßt sich ein Zubau zum Gartenhaüse herstellen, wo man die Bienenstöcke aufstellen kann. Als Notbehelf dient eine größere Kiste, die auf vier Pflöcke wagrecht gestellt wird. Der Deckel der Kiste bildet die Vorderseite und wird mit Scharnieren an der Kiste befestigt, so daß er aufgeklappt werden kann. Die Kiste deckt man mit Dachpappe. Dieser Notbienenstand schützt die Bienen vor Anwetter und kommt am billigsten. Der Kistendeckel muß unten kürzer sein, damit die Bienen fliegen können, wenn er geschlossen ist. Etwa 3 m vor dem Bienenstand setzt man Schnurobst- bäume. Dadurch müssen die Bienen vom und zum Bienenstock hoch fliegen, sie überfliegen dadurch das Grundstück und jenes des Nachbars in größerer Höhe. Für den Kleingärtner, der die Bienenzucht und sein Gärtchen nebenberuflich betreut, ist sie lohnend und bildet eine wertvolle Zubuße durch ihre Produkte. Der Ertrag an Honig und Wachs richtet sich nach der Stärke des 7Z Bienenvolkes, nach der Ergiebigkeit der örtlichen Trachtverhältnisse, d. h. der Ergiebigkeit der Blüten an Nektar im Flugkreis der Bienen und nach der Witterung, die zur Trachtzeit der Blüten herrscht. Kennen muß man also die herrschende Volltrachtzeit, die natürlich an jedem Orte eine andere Zeitspanne umfaßt, um dann die Stöcke volkreich zu haben. Man beginne die Bienenzucht in bescheidenem Llm- fang. Am handlich arbeiten zu können, soll das Bodenbrett, d. h. der Teil, auf dem der Bienenstock steht, etwa 50 cm ober dem Fußboden liegen. Vor der Äusflugseite lasse man einen 1 m breiten Streifen grasfrei. Es gibt Bienenstöcke mit beweglichem und solche mit unbeweglichem Wabenbau. Der bewegliche Bau bietet viele Vorteile, erfordert aber schon eingehende Kenntnisse der Bienenzucht. Es gibt viele Stockformen mit beweglichem Bau, jede hat andere Wabengrößen und jede wird von ihrem Erfinder als beste angepriesen.. Geeignet ist schließlich jede, nur muß sich die Betriebsweise darin den Trachtverhältnissen der Gegend anpassen. Ist der Stock mehr hoch als tief, dann nennt man ihn Ständer, im entgegengesetzten Falle Lagerbeute. Ist er breiter als hoch, nennt man ihn Breitwabenstock. Breitwabenstöcke ermöglichen es, die Waben von oben zu bearbeiten. Oberbehandlung ist vorzuziehen, weil jede Wabe ent nommen werden kann. Ständer haben die Behandlung von rückwärts. Es ist empfehlenswert, die Bienenzucht mit unbeweglichem Bau zu beginnen, dann erst zum gemischten Betrieb überzugehen, wenn man hinreichende Erfahrungen und Kenntnisse erworben hat.*) Strohkorbbetrieb kommt billiger, weil man nicht soviele Werkzeuge und Gerätschaften benötigt, wie beim Mobilbetrieb, er In der österreichischen Imkerschule im ^Pniter, nächst dem Nordportal der Rotunde kann man die verschiedenen Stockformen und Geräte studieren, 74 erfordert aber auch nicht soviel Zeitaufwand. Da er seine Bienen nur in der kurzen freien Zeit betreuen kann, paßt für den Kleingärtner der Strohkorb besser, überdies ist ein Bienenvolk im Strohkorb eher erschwinglich, denn es kostet etwa soviel, wie ein leerer Mobilstock. Kann man kein Muttervolk bekommen, dann kaufe man im Mai oder Juni einen Schwärm. Muttervölker lassen sich im Garten nur aufstellen, wenn ihr bisheriger Standort einige Kilometer davon entfernt liegt, weil sonst die Flugbienen dem alten.Platz zufliegen. Der Schwärm kann auch vom Nachbar bezogen werden, er fliegt, wenn er weiselrichtig ist, sich nach dem Einfangen am neuen Standort ein. Schwärme können in kleiner Kiste mit vergitterten Luftöffnungen befördert werden. Als Geräte für den Anfang genügen: Bienenschleier, Wabenspiegel, Gansflügel zum Abkehren der Bienen, Pfeife und Wabenmesser, sowie für Nichtraucher ein Rauchapparat. Einen oder zwei leere Strohkörbe benötigt man zum Schwarmeinfangen und auch als Wohnungen für diese. Das Bienenvolk setzt sich aus dreierlei Wesen zusammen: einer Königin (Weisel), den Arbeitsbienen und den Drohnen. Die Königin legt vom Jänner bis Mitte Oktober jährlich etwa 150.009 Eier. Sie und die Arbeitsbienen sind Weibchen, die Drohnen Männchen. Arbeitsbienen sind unvollkommene Weibchen. Eier legt im normalen Volk nur die Königin, sie braucht zur Entwicklung vom Ei bis zum fertigen Insekt 15, die Arbeitsbiene 21 und die Drohne 24 Tage. Drohnen sind stachellos, sammeln weder ^>onig, noch sind sie sonst tätig. Feinde der Bienen sind die Wachsmotte, die sich Gänge durch die Waben bohrt. Reinhalten der Bodenbretterund des Korbrandes verhindert ihr Aufkommen. Besonders befällt sie leeren Wabenbau, diesen schwefle man daher zeitweilig ein. Spinnen dulde man nicht am Bienenstand, denn in ihren Geweben verenden zahlreiche Bienen. 7Z Bienenwolf, Wespen und Äornifsen überfallen Bienen, beißen ihnen den Brustschild auf, um zur Äonigblase zu gelangen, sie sind daher samt ihrem Neste zu vernichten. Wespengläser sind aufzustellen. Bienenläuse belästigen und schwächen die Bienen. Mäuse dringen nicht selten in den Stock ein und zerbeißen die Waben, deshalb heißt es Mausfallen aufstellen. Die schwersten Krankheiten der Biene sind Faulbrut und Ruhr. Ruhr entsteht, wenn im Frühjahr die Bienen ihre Exkremente, die sie im Sommer außerhalb des Stockes absetzen, im Winter aber bei sich behalten, im Stocke von sich geben. Meist ist ungeeignetes Futter die Arsache der Ruhr. Am besten überwintern die Bienen auf Zucker, der im Herbst gefüttert wird. Faul- brütige Stücke stecken die anderen an, sie sind daher zu verbrennen. Schleuderhonig gewinnt der Korbimker durch ein Aufsatzkästchen, das mit Nähmchen versehen und dem Korbvolk zur Trachtzeit auf das geöffnete Spundloch aufgesetzt wird. Am Bienen in den Aufsatz zu locken, lege man in das Spundloch auf dem Korbbau ein Stück ausgeschnittene Arbeiterbrut, sodaß dieses Wabenstückchen den Steg vom Korbbau zum Aufsatzkasten bildet. Der Aufsatz ist durch Amhüllen warm zu halten. Man ernte den Äonig, wenn die Bienen anfangen, die Zellen zu verdeckeln. Der Schwärm ist der Ausdruck des Vermehrungstriebes des Bienenvolkes. Ein starkes Volk enthält zur Schwarmzeit etwa 50.090 Bienen und ungefähr 60.000 Zellen mit Brut. Mit dem Schwärm zieht die alte Königin aus, nachdem sie vorher Weiselzellen bestiftete und dadurch für Nachwuchs sorgte. Ist das Volk stark, dann kommt 9 bis 11 Tage nach dem Erstschwarm noch ein Nachschwarm. Man nehme nur Schwärme an, die wenigstens 1 Bienengewicht haben, weil aus Schwächlingen sich selten ein gutes Volk entwickeln kann. Schwarmreif ist das Volk, wenn es verdeckelte Weiselzellen hat. Der Schwärm 76 nimmt sich Nahrung mit, weil jede Biene vor dem Auszug sich mit Konig vollsaugt. Tritt schlechtes Wetter ein, so muß der Schwärm gefüttert werden, damit er den Bau fortsetzt. Wachsbau wird regelmäßig, wenn der Korb mit Wachsstreifen als Vorbau versehen wurde, am besten durch einen Rost aus Nähmchenholz, der im Kopfe des Korbes befestigt wurde. Abgeschwärmte Völker und Nachschwärme haben eine unbefruchtete Königin. Diese fliegt bei günstigem Wetter zur Begattung aus, wobei sie verloren gehen kann und das Volk weisellos wird. Weisel- losigkeit ist durch schwachen Flug und daran erkenntlich, daß die Bienen fast keinen Blütenstaub (Pollen) eintragen. Aelter als drei Jahre sollte die Königin nicht sein, man erneuert also rechtzeitig den alten Weisel, der im Weisel- käsig nach Entfernung der alten Königin zugesetzt wird. Beim Strohkorb ist die Einwinterung leicht, weil er warmhältiger ist. Man überwintere nur volksstarke Körbe mit junger Königin, gutem Wabenbau und genügendem Futtervorrat. Das Volk soll etwa 12 KZ Futtervorrat besitzen. Schwache Völker vereinige man im August, weil im Frühling ein starkes Volk mehr leistet, als drei Schwächlinge. Ein Volk mit 20.000 Bienen sammelt zur Volltracht täglich ^ Honig, verbraucht ihn aber selbst, liefert am Ende des Sommers keinen Konig und hat auch keinen Schwärm gegeben. Ein Volk mit 50.000 Bienen hingegen sammelt in der Volltracht täglich etwa 3 Konig, gibt 2 bis 3 Schwärme und man erntet von ihm ungefähr 25 KZ Konig. Das schwache Volk verbraucht im Winter etwa 8 KA, das starke N Konig. Während des Winters müssen die Völker Ruhe haben. Den Winter benütze der Züchter zum Studium eines Bienenbuches und der Bienenzeitung, die im Sommer nur flüchtig gelesen werden konnte. Den Bienenstand besuche er öfter und sehe zu, ob alles in Ordnung ist. III. Die Anlage einer Schrebergarten-Kolonie und ihrer Einzelgärten. Im vorhergehenden Abschnitte haben wir bereits einige Winke über die Anlage von Schrebergärten und über die darin gepflegten Pflanzen und Tiere gegeben. Dieses Kapitel sei einigen allgemeinen Hinweisen über die wichtigsten Punkte gewidmet, die wir in einer zeitgemäß angelegten Kolonie bei der Gesamtanlage und bei der Ausgestaltung der Einzelgärten im Auge zu behalten haben. Wir werden all das eingehender an der Sand von Musterbeispielen im zweiten Bande dieser Folge besprechen und beschränken uns heute auf knapp gehaltene Anregungen. Der Kauvtvorwurf, der den Wiener Schrebergärtnern gemacht wird, ist der, daß sie mit ihren unregelmäßigen, manchmal widersinnigen und ohne Rücksicht auf die Umgebung angelegten Kolonien das reizvolle landschaftliche Bild der nächsten Umgebung Wiens sehr beeinträchtigen. Dieser Vorwurf ist zumindest teilweise nur allzu berechtigt. Man kann noch nicht sagen, daß hier etwas wirklich Schönes und Dauerndes geschaffen wurde. Dies ist vor allem deshalb bedauerlich, weil es den Feinden der Klein- gartenbewegung, die leider noch allzu zahlreich sind, berechtigten Anlaß und gute Gelegenheit gibt, der ganzen Sache zu schaden. Schon aus diesem Grunde allein wäre es unbedingt notwendig, daß alle Schrebergartenkolonien nach wirklich wohl durchdachten Plänen angelegt würden. Stellt doch auch eine regel- und ziellos gebaute Anlage 75 für die Kleingärtner selbst einen bedeutenden Nachteil dar, der vielen Schrebergärtnern sogar den Garten und die Bodenarbeit verleiten kann. Unglücklicherweise besitzen wir in Deutschösterreich so gut wie gar keine Vorbilder. Ansere Bau- und Garten künstler haben sich bisher noch kaum mit der Schaffung von Musterplänen für Schrebergartenkolonien befaßt. Dies soll nun anders werden. Im Mai dieses Jahres wird die österreichische Gartenbaugesellschaft im Vereine mit der Schrebergartenstelle der Landwirtschaftlichen Warenverkehrsstelle und unter Teilnahme der Gemeinde Wien einen großen Wettbewerb ausschreiben zur Erlangung von Musterentwürfen für eine im Weichbilde der Stadl Wien zu errichtende große Schrebergartenkolonie und für die Ausgestaltung verschiedener Typen von Schrebergärten. Wir werden die mit den ersten Preisen ausgezeichneten Entwürfe im zweiten Bande dieser Folge veröffentlichen und an der Äand dieser Beispiele den Lesern genaue Anweisungen darüber geben, wie eine Muster-Schreber- gartenkolonie als Ganzes und in den Einzelheiten aus sehen soll. Wir brauchen solche Beispiele umsomehr, da ja der Schrebergarten berufen ist, denjenigen Kreisen, die bisher die Wohltat eines Äausgartens „sich nicht leisten konnten", den Garten zu geben, den sie haben müssen. Ohne Garten ist in unserer Zeit eine menschenwürdige gesunde Lebensführung so gut wie unmöglich. Wir betonen immer wieder die wirtschaftliche Bedeutung der Kleingärten, aber jeder Weitblickende muß sich sagen, daß die erzieherischen und gesundheitlichen Werte, die eine Schreber gartenanlage in sich schließt, noch bedeutungsvoller sind. Gewiß muß und wird beispielsweise die Obstkultur im Wiener Weichbilde durch die Schrebergärtner zu einer Äöhe ausgebaut werden, die wir heute 79 » nur ahnen können. Sie wird auch bei richtigem Betriebe zur Verschönerung der Anlagen beitragen. Sie wird die auf den abgeholzten Teilen des Wienerwaldes wieder notwendige Aufforstung in vielen Fällen ersetzen. Sie wird kahle Lehnen und Ebenen in idyllische Landschaften umwandeln, die im Mai zur Zeit der Baumblüte und im Äerbste, wenn die reifen Äpfel vom Baume lachen, Fig. 2. Plan des Muttergartens in der in Fig. 1 gezeigten Kolonie. jedermann hinaus locken. Äeute öde und wilde Äänge zu reizenden, fruchtbaren Gelcinden umzuzaubern, ist die Aufgabe der Kleingärtner. Bisher entstanden die Schrebergartenkolonien sozusagen schematisch. Der den Schrebergärtnern «verlassene Grund wurde so regelmäßig aufgeteilt, wie etwa der Plan der Kolonie der „Steg" in Figur 1 es veranschaulicht. Hier handelt es sich um Kriegsgemüsegärten, die fast durchwegs nicht über 20V m- groß sind. Das Bild bedarf keiner » 8l weiteren Erläuterung, es zeigt das Schema einer heute um Wien bestehenden Anlage. And doch ist hier schon etwas vorhanden, was in den meisten Kolonien noch fehlt: ein Muttergarten, dessen Grundriß in Figur 2 gesondert dargestellt ist. Auch Abbildung 6 auf Tafel IV gibt ein gutes Bild dieses Anzuchtgartens. Eine gut geplante Schrebergarten-Kolonie stellt jeden- falls außer der Llmzäunung und der Wasserzuführung noch eine ganze Anzahl gemeinsamer Aufgaben. Die Schaffung eines Muttergartens, einer Stätte, wo für alle Mitglieder der Gemeinschaft die notwendigen Gemüsesetzlinge herangezogen werden können, ist eine solche wichtige Aufgabe. Mag beim Bezüge von Gemüsepflanzen aus Gärtnereien oder von anderer Seite auch noch so große Sorgfalt angewendet werden, so leiden diePflänzchen doch, und es vergehen oft Wochen, bis sie sich wieder erholt haben. Anders ist es, wenn im eigenen Muttergarten Pflanzen herangezogen werden. Dann ist es auch möglich, genau den Bedarf zu berechnen und alle Setzlinge zur rechten Pflanzzeit an die Schrebergärtner abzugeben. Sie frisch aus dem Mistbeete zu nehmen und sofort wieder in die Erde zu pflanzen ist das einzig Richtige, will man gute Erfolge erzielen. Der Muttergarten soll also, je nach.der Größe der Anlage, eine Anzahl Mistbeete haben. Wenn möglich, ist auch ein kleines Glashaus einzurichten, das besonders bei Äeranzucht von Obstunterlagen und deren Veredelung gute Dienste leisten wird. Für die Anzucht von Obstbäumen und -Sträuchern ist eine kleine Baumschule erwünscht.. Abgesehen davon, daß eine solche Baumschule die Mitglieder der Kolonie unabhängig von der mehr als zweifelhaften Belieferung vieler Baumschulen machen würde, wäre es möglich, in solchen eigenen Anlagen nur Sorten zu ziehen, die für L.^age und Bodenart der Kolonie besonders geeignet sind. Ein nicht gering zu schätzender Vorteil ist auch, daß der Baum 52 bei Verpflanzung in die Gärten nicht aus einem fremden Klima in fremde Erde kommt. Er ist bereits in der An- '"-..(-)..-'' . L i^IW ^ N 5" ',. i .» , , ^ ' r —, —5—>- - ^s^LC? Fig. 4. Grundplan eines einfachen Schrebergartens. läge erwachsen, an Boden und Witterung gewöhnt und wird bei richtigem Llmsetzen leicht gedeihen. Weder der Muttergarten, noch die Obstbaumschule wird für die 84 Kolonie eine Belastung darstellen, wenn sie praktisch angelegt und von sachverständiger Seite geleitet werden. Sie werden im Gegenteil allen Mitgliedern bedeutende materielle Vorteile bieten und Ersparnisse zur Folge haben. Doch es bleiben noch weitere gemeinsame Aufgaben zu erfüllen. sIn einer Schrebergarten-Kolonie gibt es hunderte, Fig. 5. Schaubild zu dem Plan in Fig. 4. ja tausende von Kindern. Sie sollen aus dem Aufenthalte im Freien den größten Nutzen ziehen. Sie sollen aber auch gleichzeitig durch Spiel und Belehrung in richtiger Weise beschäftigt werden. Hierzu ist es notwendig, Spiel- Plätze, Spielwiesen, Luft-, Sonnen- und Wasserbäder und Schutzhäuser einzurichten, sowie eine gesonderte Abteilung für Kinderbeete, wo sie zur Pflanzenpflege angeleitet werden. Ihre Anlage muß also bei der Plattung einer Kolonie in Rücksicht gezogen werden. Aber auch ein Platz für die körperliche Betätigung der älteren Jugend und für die Erwachsenen darf nicht fehlen. Diese wollen schließlich auch ein Versammlungshaus haben, wo Vorträge und Besprechungen abgehalten werden können, und manches andere kann sich einer solchen, genügend großen Kolonie eingliedern zum Wohle der Gesamtheit. Erst dann wird sie eine wirkliche Einheit und erfüllt die Aufgaben zum Nutzen der Volkswirtschaft, der Gesundheit und der Erziehung. Ist eine Kolonie nicht groß genug, um alles das einzubeziehen, so können mehrere nahe bei einander liegende Kolonien solche Einrichtungen auch gemeinsam ins Leben rufen. Dieses alles soll, wie gesagt, im zweiten Bande in Wort^und Bild behandelt werden und wir bitten hiermit alle Leser, uns weitere Anregungen zu geben und ihre Wünsche und Ansichten zu äußern. Die heute gegebenen Beispiele über die Ausgestaltung von Kleingärten stellen ebenfalls nur Hinweise dar. Fig. 3, Seite 83, zeigt uns drei Grundpläne von bestehenden Anlagen einer Wiener Kolonie. Die Pläne 1 und 2 sind vor allem deshalb typisch, weil sich die Hütte in der Längsachse des Gartens befindet und der Hauptweg, auf sie zuführend, den Garten halbiert. Dies verleiht allen Gärten etwas Schematisches und erschwert eine geschmackvolle Einteilung. Die Stellung der Hütte ist auch, wie ein Vergleich mit den weiter gegebenen Beispielen lehrt, nicht praktisch. Der Plan 1 in Fig. 3 deutet in dieser Hinsicht bereits einen Fortschritt an. Die Hütte und der Hauptweg fallen nicht in die Mittelachse des Gartens. Die weitere Einteilung und Ausnützung dieser drei Gartenflächen ist aus den Inschriften ersichtlich, und bei einem Vergleich dieser Gärten mit den in Fig. 4, 7 und 9 gegebenen Vorbildern springen die wichtigsten Unterschiede ganz von selbst in die Augen. Wir wollen diese Beispiele, die wir Herrn Garten 86 architekt Lebisch verdanken, kurz besprechen. Sie sollen zum Nachdenken anregen und nicht zu schematischer Nachahmung. In Fig. 4, Seite 84, ist vor allem die Stellung der Hütte beachtenswert. Sie ist in eine Ecke verschoben und mit dem Stall und Äühnerauslauf so verbunden, daß kein wertvoller Grund verloren geht. Äeute stellt man in benachbarten Anlagen die Äütten meist so auf, wie es Fig. 6 s veranschaulicht, wenn man überhaupt auf eine sinngemäße Anordnung der Hütten in Nachbaranlagen Rücksicht s d Fig. 6. a zeigt vier Gartenparzellen mit der üblichen Anordnung der Kürten; d zeigt vier andere mit einer praktischeren Aufstellung. nimmt, was ja in Wiener Kolonien noch recht selten der Fall ist. Bei der in Fig. 4 getroffenen Einteilung ergibt sich die aus Fig. 6 b ersichtliche Zusammenlegung der Äütten in vier aneinanderstoßenden Parzellen. Der Gartenplan in Fig. 4 ist unter besonderer Rücksichtnahme auf „Gemüsekultur" ausgearbeitet worden. Auch durch Gemüsepflanzen und Beerenobst läßt sich eine schmuckvolle Belebung des Gartens erzielen, wie das Schaubild in Fig. 5 deutlich erkennen läßt. Wir wollen ihn an der Äand dieser Bilder im Geiste durchwandern. 87 Fig. 7. Grundplan eines Schrebergartens mit besonderer Berücksichtigung der Ovstkultur. Beim Eintritt durch das Tor im Osten grüßen uns rechts und links Fliederbüsche, die in einer Rabatte mit Beerenobstbüschen stehen. Der Weg, welcher zum 5>ause 88 leitet, ist von Rabatten gerahmt, die in wechselnder Folge mit Stangenbohnen und Beerenobsthochstä'mmchen besetzt ist. Die Stangenbohnen bilden eine Art Spalier und Laubengang und geben ein hübsches Beispiel malerischer Anordnung und praktischer Ausnützung. Der Grund da runter ist mit Erdbeeren und verschiedenen Gemüsen Fig. 8. Schaubild zu dem Plan in Fig. 7. bebaut. Die übrige Gartenfläche rechts und links ist in regelmäßige Beete gegliedert. Vor der Äütte haben wir links ein Blumenbeet aus winterharten Stauden, die vom Frühling bis Äerbst Schnittblumen liefern, wenn man sie richtig auswählt. Eine Reihe von Rosenhoch- stämmchen stellt sich duftend vor die Äütte selbst, die von Schlingrosen, Weinreben, Clematis oder anderen Pflanzen 89 übersponnen sein kann. Sie besteht aus einer Vernada, einem Wohnraum und einem Kochraum. An sie schließt Fig. 9. Grundplan für einen terrassierten Schrebergarten. sich der Stall für Äasen und Kühner mit dem Auslauf für die letzten. Zwischen Stall und Bienenhaus ist ein 9V schattiqer Arbeitsplatz, und vor dem Bienenstand steht eine Reihe Beerenobst. In der rechten, nordwestlichen Ecke ist der so wichtige Kompostplatz hinter einer Wand Fig. 10. Schaubild und Längsschnitt zu dem Plan in Fig. 9. aus Ziergebüsch und einem. Aprikosen- oder Pfirsich- Kalostamm verborgen. Vor der Veranda liegt ein kleiner „Naschgarten" aus Beerenobstbüschen und Stämmchen mit entsprechender Llnterpflanzung. 9! An ihn schließt sich gegen die Nordgrenze, der durch eine Spalierwand gerahmte, nach Süden offene Platz für die Frühbeete. Rechts auf dem Plane haben wir ferner einige Obstpyramiden und vor diesen ein Spalier aus Tomaten mit einer Erdbeereinfassung. In der Mitte dieser Längsseite ist noch das Wasserbassm passend eingegliedert. Die Südgrenze ist durch ein Spalier aus Formobstkordons gegen den Nachbar abgeschlossen. Hiermit wird sicherlich eine reiche und praktische Ausgestaltung des Gartens erzielt. Fig. 7 und 8, Seite 88 und 89, veranschaulichen wieder eine ziemlich abweichende Einteilung einer gleich großen Parzelle. Hier ist mehr Rücksicht auf Obstzucht genommen. Bei der Hütte ist außerdem ein kleiner Rosen- und Staudengarten vorgesehen, der aber ebensogut für rein „nützliche" Kulturen verwendet werden kann. Die Inschriften geben den notwendigen Aufschluß über die Einzelheiten dieser Anlage, so daß eine besondere Besprechung sich erübrigt. Wir weisen nur auf solche Motive hin, wie den von Formobst beschatteten Sitzplatz rechts vom Nosengartel (siehe Fig. 8) und das Himbeerspalier vor dem Kompostplatz in der rechten, unteren Ecke. In Fig. 9, Seite 90, haben wir einen Grundplan für einen terrassierten Schrebergarten, wie ja solche an Hängen oft genug angelegt werden müssen. Hier ergeben sich bei einer wohldurchdachten Aufteilung des Terrains mannigfache, schöne Lösungen. Die in Fig. 9 gewählte wird durch die Inschriften und das Schaubild in Fig. 10 so klar veranschaulicht, daß es keiner eingehenden Beschreibung bedarf. Der Längsschnitt zeigt das an tiefster Stelle liegende von umrankter Veranda gegen den Garten abgeschlossene Häuschen, das ebenfalls zum Stall mit Auslauf in enger Beziehung steht. Sonst gemahnt die Einteilung der Fläche an die des in Fig. 7 gebotenen Gartens, doch finden wir in den Einzelheiten gar manche Abweichung, die uns lehrt. 92 wie vielseitig sich auch ein kleiner Schrebergarten gliedern läßt. Wir betonen nochmals mit Nachdruck, daß diese wenigen Vorbilder in erster i^inie zum selbständigen Nachdenken anregen sollen. Der Reiz einer Schrebergartenkolonie wird unendlich erhöht werden, wenn jeder Gartenbescher sich bemüht, seinem Garten eine persönliche Note zu verleihen, trotzdem er sich in hohem Grade den Richtlinien anpaßt, die unbedingt für die Ausgestaltung der gesamten Kolonie gelten müssen. IV. Organisationsfragen der Schrebergartenbewegung. Die großen Erfolge, welche die Kleingartenbewegung in den letzten Jahren errungen haben, dankt sie neben dem immer mehr um sich greifenden Verständnis für ihre Bedeutung vor allem dem Llmstande, daß ihre Anhänger endlich daran gingen sich in Gruppen zusammenzuschließen und für sich eine Wirtschaftsorganisation zu finden. Gerade zur rechten Zeit ist den Wiener Kleingärtnern die richtige Erkenntnis gekommen, daß gemeinsame Angelegenheiten gemeinsam ausgetragen werden müssen, wenn sie mit Erfolg ins Werk gesetzt werden sollen. Die ganze große Bewegung war nahe daran, an ihrem ungestümen, regellosen Wachstum zu scheitern, doch die Wiener Kleingärtner haben am Ende doch bewiesen, daß sie praktisch zu denken und zu handeln verstehen. Den wenigen Schrebergartenvereinen, die Wien zu Beginn des Krieges zählte, hat sich bis heute eine große Zahl neuer Organisationen angeschlossen. Was an dieser Organisationsarbeit besonders wohltuend anmutet, ist, daß sie nicht in öde Vereinsmeierei ausartete. Diese Kleingärtner-Organisationen zeigen sichtlich das Bestreben sich einander anzupassen, kleinere Vereine gehen wo nur irgend möglich in großen Organisationen auf, und die großen Vereine selbst schließen sich nach Möglichkeit zu Verbänden zusammen. Auf dem Gebiete dieser Organisationsarbeit, welche für die gesamte Bewegung von ganz ungeahnter Bedeutung ist, wurde in 94 den Iahren 1918 und 1919 ungeheuere Arbeit geleistet. So kommt es, daß heute bereits der allergrößte Teil der Wiener Kleingärtner wirtschaftlich organisiert ist, und daß sich die einzelnen Vereine zu großen Verbänden verschmolzen haben. Die größte dieser Schrebergartenorganisationen ist wohl der „Verband der Schrebergartenvereine Österreichs" (Sitz: XV. Sorbaitgasse 3). Die im Verbände zusammengeschlossenen Vereine haben heute eine Mitgliederzahl von über 17.000 Schrebergärtnern. Die zweitgrößte Organisation ist die „Freie Vereinigung der Kleingärtner-, Siedlungs- und Kleintierzucht- Vereine" (Sitz: XII. Kriechbaumgasse 9), die zur Zeit an die 5000 Mitglieder zählt. Dem Zusammenwirken dieser Schrebergarten-Organisationen in allen wirtschaftlichen Fragen ist es vor allem zuzuschreiben, daß die Kleingarten bewegung heute in Wien die Stellung einnimmt, die sie hat. Es ist überall so, daß der einzelne mit seinen noch so sehr berechtigten Wünschen ungehört bleibt. Anders ist es jedoch, wenn machtvolle Gruppen die Wünsche ihrer Mitglieder vertreten. Nur mit Äilfe der Schreber- organisationen wird es gelingen, dieser so bedeutsamen Bewegung zum Siege zu verhelfen, für sie das Verständnis aller Kreise zu gewinnen. Dürfen wir uns doch nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Kleingartenbewegung sehr viele gute Freunde, aber auch leider noch eine große Anzahl erbitterter und — zum Teile wenigstens — sehr einflußreicher Gegner hat. Vor allem wird es nur mit Äilfe der großen Organisationen möglich sein, die brennendste Frage für die Wiener Kleingärtner günstig zu lösen, nämlich die Frage der Beschaffung des für die weitere Entwicklung so nötigen Grund und Bodens. s Für die Wiener den benötigten Grund für Kleingärten zu beschaffen, ist heute wohl die schwierigste Aufgabe, nicht zu reden von der Bereitstellung von Gründen für Gartensiedlungen. Die 95 Gemeinde Wien hat im letzten Jahre viel Verständnis für die Bewegung gezeigt und nach Möglichkeit Gründe freigegeben. Allerdings zum Teile noch unter Pacht bedingungen, die, namentlich hinsichtlich der Pachtdauer, nicht immer die freudige Billigung der Kleingärtner finden. Ganz anders aber verhalten sich leider die übrigen Behörden, weder das Land, noch der Staat haben in dieser Einsicht getan, was sie konnten; ja man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß vor allem von Seiten der Staatsbehörden dieser so wichtigen Sache keineswegs die nötige Beachtung geschenkt und in der Frage der Bodenfreigabe das richtige Entgegenkommen bewiesen wird.! Daß sich sogar offene Widerstände bemerkbar machen, ist wohl nur auf die Stimmung einzelner Verwaltungsorgane zurückzuführen, da die offiziellen Staatsbehörden selbst schon wiederholt die Zusicherung gaben, daß sie der Bewegung freundlich gegenüber stehen. Ünser Büchlein selbst ist ja auch ein Beweis, daß seitens des Staatsamtes für Volksernährung der Schrebergarten- - bewegung das regste Interesse entgegengebracht wird. Daß ein Entgegenkommen staatlicherBehörden sich für die Wiener Kleingartenbewegung auch wirklich fördernd erweise, dafür haben eben die großen Organisationen Sorge zu tragen. Die Fortsetzung und der Ausbau der Kleingartenbewegung zur Gartensiedlung ist nur möglich, wenn alle, die an der Bewegung Interesse haben und daran teilnehmen wollen, zu einer Art wirtschaftlicher Kampftruppe sich vereinigen. Nur dann können die Führer bei allen in Betracht kommenden Stellen für die Bewegung mit vollstem Nachdruck eintreten. Somit obliegt einer solchen Wirtschaftsorganisation der Wiener Kleingärtner eine große 'Aufgabe. Abgesehen davon, daß jeder Ausbau nur mit ihrer Llnterstühung möglich sein wird, muß sie in abseh barer Zeit auch die berufliche Vertretung aller Wiener Kleingärtner übernehmen. 9^ Bei dem ungeheueren Umfang der Bewegung ist es heute bereits nahezu unmöglich, die Kleingartenangelegenheiten von einem Amte aus zu führen. Die Kleingärtner haben sozusagen den Befähigungsnachweis für die Ernährung Wiens erbracht, und so ergibt sich ganz von selbst, daß sie es den anderen Gewerben nachmachen und sich in eine einheitliche Berufsorganisation, in eine Berufsgenossenschaft, zusammenschließen müssen. Einer solchen Berufsgenossenschaft, der natürlich jeder Klein- und Schrebergärtner angehören muß, bieten sich ungeahnte Möglichkeiten einer weitreichenden Betätigung. Erst mit Hilfe einer solchen Berufsgenossenschaft der Wiener Kleingärtner wird es gelingen, der Idee der Gartensiedlung zum Durchbruch zu verhelfen. Ausgebaut zur Berufsorganisation haben die Wiener Kleingärtnerverbände dann volle Möglichkeit, ihre Mitglieder in höchstem Maße wirtschaftlich zu unterstützen; dies ist um so nötiger, als bei dem immer mehr anwachsenden Umfang der Bewegung bald, wie gesagt, keine Amtsstelle mehr imstande sein dürfte, die wirtschaftlich-organisatorischen Aufgaben der Kleingartenbewegung zu erfüllen. Eine Berufsgenossenschaft mit entsprechenden wirtschaftlichen Einrichtungen für die Grund-, Waren- und Kreditbeschaffung kann selbstverständlich weitgehenden Wünschen nachkommen. Je größer die Zahl der Wünsche wird, desto größer wird ja auch die Zahl der Mitglieder; die Stärke der Genossenschaft wächst mit ihrem Umfange, und je mächtiger sie wird, desto leistungsfähiger wird sie in wirtschaftlicher Hinsicht. Für alle Kleingärtner und solche, die es werden wollen, gibt es nur den Rat: im eigenen Interesse wirtschaftliche Organisationen zu bilden/ oder sich solchen bestehenden anzuschließen; die einzelnen Vereine nun wiederum haben sich zur Stärkung ihres Rückhaltes mit größeren Organisationen und Verbänden zu vereinen. Nur so ist den Kleingärtnern und ihren Bestrebungen wirksam zu helfen. 97 Wenn eine Gruppe von Kleingärtnern einen Verein bilden will, so geht sie am besten in folgender Weise vor: Die Mitglieder kommen zusammen und wählen aus ihrer Mitte, je nach der Zahl der Gärtner, ein Proponenten komitee, welches mit der Ausarbeitung der Statuten beauftragt wird. Bei der Ausarbeitung der Statuten nimmt man am besten die eines bereits bestehenden Vereines zu Äilfe und läßt sich von einer der obengenannten großen Vereinigungen Musterbeispiele geben. Die Statuten werden sich im allgemeinen nicht viel ändern, bis auf einige Zusätze oder Kürzungen, die sich jeweils aus der örtlichen Lage des neu zu gründenden Vereines ergeben. Falls dieser darauf Wert legt, städtische Gründe zu pachten, tut er gut, sich durch die Kleingartenstelle, I. Neues Rathaus, die vom gemeinderätlichen Kleingartenausschuß genehmigten Bedingungen für Verpachtung von Gründen an Kleingärtner (siehe Anhang V, Seite 108) zu beschaffen, um von vornherein die Statuten mit diesen Bedingungen in Einklang zu bringen. Die oben genannte Kleingartenstelle gibt sachliche Auskünfte und Unterstützungen bei Gründung neuer Vereine und Wirtschaftsorganisationen. Die Statuten sind sodann den Mitgliedern zur Beschlußfassung vorzulegen, worauf sie der österreichischen Landesregierung in vierfacher Ausfertigung überreicht werden. In der Regel kommen die Satzungen nach kurzer Zeit ohne oder mit nur belanglosen Änderungen an den Einreicher zurück, womit der neue Verein amtlich genehmigt ist. Wie früher dargelegt wurde, ist es gut sich sogleich einem der großen bestehenden Verbände anzuschließen, die, abgesehen von der moralischen Unterstützung, den Mitgliedern des jungen Vereines auch viele wirtschaftliche Vorteile bieten. V. Die Zukunft der Wiener Schrebergartenbewegung. Schon aus den Riesenzahlen über Beteiligung und Kulturerträgnisse kann man erkennen, daß sich die Schreber- oder Kleingartenbewegung in Wien fest eingebürgert hat. Der hohe ökonomische Wert der Sache führt ihr immer wieder neue Scharen zu, und da sich die Bodenarbeit in den meisten Fällen wirklich lohnt, so bleibt ihr ein großer Teil der Anhänger für immer treu. Durch seine Eigenart, eine Sache, die einmal sein Interesse und seine Zuneigung gewonnen hat, mit allem Eifer weiter zu verfolgen, wurde der Wiener innig mit dieser gesunden Bewegung verbunden. Freilich braucht er zunächst mehr als alles andere die Früchte, welche der Kleingarten ihm spendet. Auf lange Zeit werden wir noch recht, recht notwendig dieser Nahrungsmittel bedürfen. Eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse wird und kann nur dann eintreten, wenn wir uns selbst helfen. Dann werden wir auch die rechte Hilfe von anderer Seite gewinnen. Daneben bietet aber die Schrebergärtners noch manches Wertvolle und Angenehme. Vor kaum einem halben Jahrhundert noch hat es in Wien wenig Häuser gegeben, die nicht ihren Garten gehabt hätten. Der Äausgarten, der große Kof, oft nur ein Rasenfleck mit Bäumen, sie haben den Wienern in ihren Feierstunden angenehmen Aufenthalt geboten, den sie um so notwendiger brauchten, als sie ja meist in unzulänglichen, zu kleinen Wohnungen hausten. Diese Äaus 7. ^»9 gärten sind nun Ende des XIX. und mit Beginn des XX. Jahrhunderts, zu einer Zeit, als Wien eine erhebliche Umwandlung durchmachte, fast restlos verschwunden. Verschwunden, wie fast all die lieben Däuser und Bauten, zu denen sie gehörten. Immer mehr mußten sich die Wiener auf ihre kleinen Wohnungen beschränken, in denen der Aufenthalt infolge des jetzt von der Straße her verzehnfacht eindringenden Lärmes und Staubes immer unleidlicher wird. Wie eine Erlösung muß es also die gequälten Stadtmenschen anmuten, wenn sie endlich eine Stätte erhalten, wo sie frei in der Natur, auf einem Stück der lieben Mutter Erde sein können, das ihnen, wenn auch oft nur für vorübergehende Zeit, zu eigen ist. Schon das allein ist Grund genug dafür, daß sich diese Bewegung unter der Wiener Bevölkerung so rasch und umfassend eingebürgert hat. Ein Landhunger hat die breiten Massen der Bevölkerung erfaßt. Jeder trachtet ein Stück Land für sich und die Seinen zu erhalten^ Ein überaus bedeutsames Zeichen für uns und unser Wirtschaftsleben, das von allen maß gebenden Stellen richtig verstanden, gefördert und verwertet werden muß, soll es sich nicht der Bevölkerung schädlich statt heilsam erweisen. Daß sich die Wiener Kleingartenbewegung binnen erstaunlich kurzer Zeit ganz unglaublich entwickelt hat, wird auch dem mit der Sache nicht besonders Vertrauten klar sein. Ebenso deutlich ist, daß sür die Bewegung noch lange nicht die Zeit des Stillstandes gekommen ist; ja es ist sicher, daß die künftigen Erfolge der Wiener Kleingärtner noch bedeutend größer sein werden, da sie heute nicht mehr einzeln getrennt marschieren, sondern sich bereits zu großen Organisationen verbunden haben und sich noch immer fester zusammenschließen. Nur so wird es ihnen möglich sein, ihren größeren wichtigen Forderungen, die allein den Weiterbestand und den Ausbau der Bewegung wn «wü» . . , gewährleisten, Nachdruck zu verleihen und Erfüllung zu verschaffen. Vor allem müssen für die Kleingärtner Wiens zweck entsprechende Pachtverhältnisse geschaffen werden. Es ist äußerst bedauerlich, daß der größte Teil der Schrebergärtner für ihre Anlagen nur ganz kurzfristige Pacht vertrüge abschließen können. Man ist gegen die Bewegung, die gewiß viel Neues mit sich bringt, noch immer etwas mißtrauisch. Sache der Behörden, vor allem der Gemeinde Wien und der Kleingärtner selbst, wird es nun sein, alles zu tun, um dieses Mißtrauen zu zerstreuen. Die Gemeinde Wien sollte mit dem Beispiele vorangehen, den Klein gärtnern möglich st lange Pachtverträge zu gewähren, undderKleingärtner selbst sollte alles daransetzen, daß das Vertrauen, welches durch Gewährung einer langen Pachtdauer ihm entgegen gebracht wird, nicht getäuscht werde. Bei der Grundzuweisung an Kleingärtner muß man zwischen solchen Gründen, die eigentlich für andere Zwecke bestimmt sind, unterscheiden, und Geländen, auf denen eine dauernde gärtnerische Besiedlung möglich ist. Im ersten Falle handelt es sich um Kleingärten, die nach Art der „Kriegsgemüsegärten" nur für die ärgste Zeit der Not zu Anbauzwecken verwendet werden. Hierfür können Grundflächen dienen, die bereits in kurzer Zeit wieder anderen Zwecken zugeführt werden sollen, (wie etwa Bauplätze im verbauten Stadtgebiete, Material-Lagerplätze usw.) Diese Art von Kleingärten können, nicht zum Schaden der Bewegung, mit der Besserung der wirtschaftlichen Notlage wieder verschwinden. Ihnen fallen nachweisbar viele Sünden, die den Schrebergärtnern zugeschrieben werden, zur Last. Die Kriegsgemüsegärten behalten immer den Charakter des Anfertigen, Provisorischen und wirken meist störend im Stadtbilde. Die Einrichtung von wirklichen Klein- oder Schreber gärten ist jedoch nur dann möglich, wenn der Grund den 101 Pächtern wenigstens auf eine Reihe von Iahren zur Verfügung gestellt wird. Kann sich der Kleingärtner seinen Grund auf mindestens zehn bis fünfzehn Jahre sichern, dann wird er erst die richtige Luft und Möglichkeit zur guten Bewirt schaftung bekommen. Dann erst kann man von ihm auch fordern, daß er in den Garten etwas „hineinsteckt". Ein solcher Kleingarten wird dem verlorenen Ideal Dr. Schrebers wieder näherkommen, wird nicht mehr allein Nutzgarten sein, sondern der Familie vor allem Erholung bieten und den Kindern den Aufenthalt im Freien ermöglichen. Anlagen, die den Pächtern auf eine Reihe von Iahren verpachtet sind, könnten und würden von den Bedauern sehr schön und zweckmäßig ausgestaltet werden. Aus solchen Anlagen ließe sich alles Unordentliche, Anschöne entfernen. Ihre Einteilung ließe sich schön und zweckmäßig gestalten, und man könnte darin auf alles für eine richtige Kleingarten- und Schrebergartenanlage notwendige Bedacht nehmen, wovon bereits früher die Rede war. Selbstverständlich ist es das heißeste' Streben aller Kleingärtner, für ihre Anlage solche langlaufende Pachtkontrakte zu erhalten, es wäre aber nicht nur für die Bewegung, sondern auch für die Grundeigentümer von Vorteil, derartige gute Pachtverträge zu gewähren. Dann ist der Grundeigentümer sicher, nur solide anständige Parteien als Pächter zu bekommen, die aus dem Pachtgrunde wirklich etwas Nutzbringendes schaffen, was bei kurzfristigen Pachtverhältnissen naturgemäß nicht zu erwarten ist. Dem Kleingärtner wäre es möglich, seinen Garten durch Errichtung provisorischer, aber dabei praktischer und geschmackvoller Baulichkeiten zu einem Sommeraufenthaltsorte für sich und seine Familie auszugestalten, eine Wohltat, die heute um so mehr ins Gewicht fällt, als nur noch sehr Begüterte sich den Luxus eines Landaufenthaltes während der Sommermonate leisten können. ^ Der letzte Schritt in der Kleingartenbewegung, das End- i ziel ist dies jedoch auch noch nicht. M)as unsere Schreber- 102 gärtner und Kleingärtner und mit ihnen zahllose Tausende anstreben, ist die G artensi ed lung. Darüber ausführlich zu sprechen, würde weit über den'Rahmen dieses Büchleins hinausführen. Es sei einem gesonderten Bändchen vorbehalten, in dem die ganze Gartensiedlungsidee, ihre Zukunft, und die Möglichkeit ihrer Verwirklichung näher beleuchtet werden soll. Mur so viel sei hier gesagt, daß die große Mehrzahl der Wiener Kleingärtner die Überlassung von Grund und Boden im Erbbaurechte anstrebt. Das Baurecht soll ihnen den Grund auf die Dauer von mindestens 70 Iahren sichern und ihnen auf diese Weise Gewähr bieten, daß sich eine Investition auch amortisiert. Die Wiener Kleingärtner gehen hierbei bei aller Begeisterung nüchtern zu Werke. Sie wollen keineswegs, wie es bei den meisten Bau- und Wohnungsgenossenschaften der Fall ist, sich Bauten errichten, die halb Siedlungshaus, halb Villa sind; was sie wollen sind einfache, zweckentsprechende Wohngelegenheiten, die ihnen ein menschenwürdiges Hausen möglich machen. Ist auch mit Rücksicht auf die wirtschaftlichen und industriellen Verhältnisse zur Zeit an ein Bauen nicht zu denken, so muß doch die Angelegenheit inzwischen wenigstens prinzipiell zum Austrag. gebracht werden. Noch gibt es zahlreiche Stellen, welche die Gartensiedlung für ein Lln- ding erklären. Diese Zweifler werden zu überzeugen und die Widerstände zu beseitigen sein. Hauptaufgabe wird es für die Zwischenzeit sein, den notwendigen Grund und Boden für die Gartensiedlung zu beschaffen. Ist einmal die Bodenfrage gelöst, so ist es wohl nur noch eine Frage der kürzesten Zeit, daß von den Kleingärtner-Organisationen auch gebaut wird. Deren Aufgabe, sowie die aller in Betracht kommenden staatlichen Stellen wird es auch sein, alle in letzter Zeit vorgeschlagenen Ersatzbaumittel, wie Betonhohlstein, Schlackenbeton, Gußbeton, Lehmdrahtbau 103 weise und andere eingehend zu prüfen, um uns zu rüsten, die volkswirtschaftlichste aller Ideen, die Gartensiedlungsidee, ihrer Vollendung entgegen zu führen. Selbstverständlich gehört dazu als Vorbedingung auch die Schaffung 1^ elektrischer Schnellbahnen. Für die Zwischenzeit^aber wäre den Wiener Kleingärtnern zu raten, daß sie leisten, was sie nur zu leisten imstande sind. Sie müssen zeigen, daß sie es mehr als alle anderen verstehen, sich aus eigener Kraft zu helfen, daß sie dem Boden mehr Schätze abringen können, als jeder andere Bewirtschafte?. Die Wiener Kleingärtner müssen trachten, daß ihre Anlagen zu Schmuckkästchen werden, die man als Zierde Wiens ansehen kann. Sie müssen ihren Boden bebauen und ihm entlocken, was er nur zu geben in der Lage ist; sie müssen Sorge tragen, daß die Familien und vor allem die Kinder in den Schrebergärten wieder das finden, was sie zu einem Gedeihen wirklich brauchen: Licht, Luft, Sonne, Freiheit, Beschäftigung in froher Natur. Jeder Wiener Kleingärtner wird sich mit seinem Nachbarn, und dieser wieder mit dem seinen und so fort zusammenschließen müssen, er wird mit den Gleichgesinnten immer größere Organisationen bilden müssen, in denen er das Ziel nicht nur erarbeitet, sondern nötigenfalls auch erkämpfen kann. Gemeinsamkeitssinn, Fleiß, unermüdliche Ausdauer, Sparsamkeit und festes Ausharren, das wäre dem Wiener Kleingärtner zu wünschen. Die bisherigen Ergebnisse der Kleingartenbewegung zeigen schon deutlich, daß den Wiener Kleingärtnern diese Eigenschaften in hohem Maße zu eigen sind. Somit besteht die begründetste Aussicht, daß es nicht so viele Jahre mehr dauern wird, wie die Entwicklung der Kleingartenbewegung in Wien bisher gekostet hat, um den Traum der Wiener Kleinwirtschafter zu verwirklichen: ein Stückchen Boden auf möglichst lange Zeit zu besitzen, ja sich wohnlich darauf ansässig zu machen. Anhang, z Verzeichnis der bis 1919 gegründeten bekannten Schrebergartenvereine in Wien und Umgebung. » Bedeutet Mitglied der Verbandes der Schrebergartenvereine. '* Bedeuten Mitglied der Freien Vereinigung der Kleingärtnervereine. Bezirk Name des Vereines Mitgliedszahl II. Alte Donau"........... 100 Gartenbau- und Wirtschaftsverein Franz Iosefsland*....... 80 Kaisermühlen*.......... 250 Kolonie Liftschütz*......... 39 Lust- und Nutzgarten....... 220 Wasserwiese*........... 1000 V. Dorbnerwiese........... 100 Margaretengürtel*........ 120 X. Arbeiterschrebergärten Favoriten ' . . 800 Bernhardstal*.......... 100 Fortuna*............ 20 Invalidengarten Wien X...... 150 X. Rotneusiedel*........... 50 Verein Schrebergärten Favoriten . . 250 XI. 1. Simmeringer Schrebergärtner und Kleintierzüchter-Verein**...... 300 Kaiser-Ebersdorf*. . . .....' 250 Simmering a. d. Lorystraße* .... 320 Simmeringer Seide........ 500 XII. Altmannsdorf*.......... 700 Die lustigen Pottendorfer** .... 16 Gartenfreunde**......... 1000 Esparsette**........... 800 Gaudenzdorf* .......... 150 Matzleinsdorf**.......... 300 Oesterreichischer Kleintierzuchtverein . . 80 Wienerbergstraße**........ 100 Bezirk Name des Vereines Mitgliedszahl XIII. Ameisbach*........... !000 An der Rosen*.......... 30 Eisenbahner West*........ 30 Fasangartenmauer*........ 50 Äietzinger Gemüsebau und Kleintierzucht* ............. U0 Pietzing und Umgebung*...... 900 Ober-St. Veiter Familiengärten* . . 200 Rosental*............ 400 Straßenbahnkolonie Hauptwerkstätte* - ^0 XIV. Fenzlgasse*............ 20 Frohe Zukunft*.......... W0 Vogelwaide*........... !00 XVI. Galitzinbergstraße*......... 30 Gartenfreunde auf der Schmelz ... 50 Iubiläumshäuser*......... 200 Kulturfreunde*.......... 170 Liebhartstal*........... 150 Polizeihäuser........... 70 XVI. Probieranstalt*.......... 25 Sandleiten............ 1000- Selbsthilfe* . . i........ 300 Sillergärten am Ameisbach* .... 60 Starchantsaigen*......... Ü0 Waidäcker*........... 230 Waidäckergasse*.......... 20 Zukunft*............ !300 XVII. Alsegg*............. 30 Kreuzbau*............ 40 Marienkolonie*.......... 200 Ob der Als* .......... 50 Pointengasse*.......... 260 Predigtstuhl*........... 200 106 Bezirk Name des Vereines XVIII. Brunnstube*........ Buchleiten*........ Klampfelberg-Kolonie .... XIX. Krottenbachtal*....... Schrebergarten Straßenbahnhof Grinzing......... Gartensiedlung Bngittenau* . Kapellenau XX. Mitgliedszahl 450 80 150 150 30 50 50 XXI. Neubrasilien........... 200 Schwarzelackenau......... 400 XXI. Verein Schrebergärten Wien XXI mit den Sektionen: Groß-Iedlersdorf.......... Zm Aigl............. Leopoldau............. o500 Schwarzelackenau.......... Sradlau..............1 Vorwärts*............ 60 Schrebergärten der „Rohö": XIII. Bezirk........... 50 XVII. „ ........... 150 XIX. ,............ 450 XXI. ,............ 150 Schrebergärten der Bahnen: Steg.............. 1200 Nordwestbahn.......... 700 Leopoldau-Nordbahn........ 700 In der Umgebung Wiens: Atzgersdorf*........... 330 Kadersdorf-Weidlingau*...... 250 Äeimgarten Purkersdorf*..... 30 Mauer*............. 160 Naturheilverein Purkersdorf ' .... 20 Perchtoldsdorf*.......... 350 107 v. Bedingnisse für Vergebung von Kleingärten durch das städtische Landwirtschaftsamt, Wien. Bei der Vergebung von Kleingärten haben außer den derzeit geltenden allgemeinen Bestandbedingnissen für Verpachtung städtischer Gründe noch nachfolgend genannte Bedingungen sallweise Anwendung zu finden, 1. Ein Kleingarten darf nur zur Selbstversorgung mit Obst, Gemüse und Kartoffeln verwendet werden. Ausschließlicher Feldbau ist verboten; jeder gewerbemäßige Verkauf der gewonnenen Produkte ist unbedingt untersagt. 2. Eine SubVerpachtung oder Weitergabe von Kleingärten vom Einzelpächter selbst ist nicht gestattet. 3. Die Errichtung jedweder Baulichkeit, ausgenommen einfache Lusthäuschen, ist, abgesehen von der Zustimmung der Baubehörde, an die Genehmigung durch das Landwirtschaftsamt (Kleingartenreferat) gebunden. 4. Zeder Kleingärtner ist zur vollen Ausnützung der überwiesenen Grundfläche (Punkt 1) verpflichtet. Kommt er dieser Verpflichtung aus eigenem Verschulden nicht nach, so kann mit der sofortigen Entziehung des Gartens vorgegangen werden. 5. Falls der Kleingärtner mehr als einen Kleingarten im Ausmaße von insgesamt 400 m'- besitzt, kann eine Zuweisung von weiteren Gärten nur ausnahmsweise und unter besonderen Am- ständen erfolgen. Wird der Besitz weiterer Anbaugründe bei der Vergebung verheimlicht, so kann der Garten umgehend eingezogen werden. 6. Die von amtswegen festgelegten Grundgrenzen und Gemarkungen sind vom Kleingärtner unbedingt einzuhalten. 7. Zwecks Vereinfachung der Verwaltung können Gruppen von Kleingärtnern verpflichtet werden, sich Wirtschaftsvereinigungen anzuschließen, bezw. solche zu bilden. 8. Als Pachtdauer wird, je nachdem die Fläche für andere Zwecke in Aussicht genommen ist, eine Dauer von drei bis fünfzehn Iahren festgelegt. In Fällen wo eine Verwendung der Gründe für andere Zwecke voraussichtlich ist, sind die Pachtübereinkommen „bis auf weiteres" abzuschließen. Die Kündigung hat halbjährig zu erfolgen. Sie ist jedoch nur so auszusprechen, daß ihr Ablauftermin, mit dem Ende des Kalenderjahres zusammenfällt. 9. Sowohl Einzelpächter als auch Vereinigungen haben sich einer vom gemeinderätlichen Ausschuß beschlossenen Kleingartenordnung zu fügen. 108 Iö, In Fällen, wo Kleingärtner oder ihre Angehörigen durch erwiesene Nachlässigkeit oder Böswilligkeit zum Schaden ihrer Mitpächter handeln, kann nach vorhergegangener Verwarnung im Wiederholungsfalle, bei strafgerichtlich zu ahndenden Delikten sofort mit der Entziehung des Kleingartens ohne Rücksicht auf die Kündigungsfrist vorgegangen werden. 11. Als Pachtbetrag wird ein Minimalbetrag von sechs bis zehn Äellern pro in^ und Jahr festgelegt. 12. Die vorstehenden Bedingungen finden ihre sinngemäße Anwendung auch für Verpachtungen an Vereinigungen, Vereine und Verbände. Diese sind verpflichtet, die vorstehenden Bedingnisse in ihre Pacht- und Gartenordnung aufzunehmen. Wenn eine Vereinigung, ein Verein oder ein Verband gegen die Bestimmungen der Punkte I bis II sich beharrlich vergeht, so ist darüber zur Beschlußfassung dem gemeinderätlichen Klein- gartenausschufse zu berichten. Diese Bedingnisse treten mit dem Tage des Beschlusses in Kraft. Genehmigt in der Sitzung des gemeinderätlichen Ausschusses am 20. März 1920. Alphabetisches Sachregister. Seite Abzäunung........32 Ameisbach, Verein .... 18 Anlage einer Schrebergarten- Kolonie ........78 Anlage der Wiener Schreber gärten.........28 Anzuchtgarten .... 43, 82 Apfel-Sorten.......53 Aprikosen-Sorten.....55 Aspern..........23 Ausgestaltung von Schrebergärten .........86 Aussaat.........42 Baderwiese........22 Baumformen für Obst . . 52 Beerenobst........56 Beetanlage........42 Beispiele für Schrebergärten 86 Bewässerung.......34 Bienenzucht.......72 Bindesalat-Sorten .... 47 Birnen-Sorten......54 Blattkohl-Sorten.....46 Blumenkohl-Sorten .... 46 Bodenbeschaffenheit .... 30 Bodenbearbeitung.....46 Bohnen-Sorten......47 Braunkohl-Sorten.....46 Buschobstbaum......53 Dorschen-Sorten.....47 Dreifelderwirtschaft .... 46 Duschen-Sorten......47 Einteilung von Schrebergärten, Beispiele der . . 86 Einzäunung........32 Erbsen-Sorten ...... 47 Erdbeer-S orten......58 Erdkohlrabi-Sorten .... 47 Esparsette, Berein .... 17 Seite Gartenfreunde, Schrebergartenverein die .... 16 Gartenhäuschen......34 Gartenpläne.......86 Gartensiedlung.....163 Gelbe Rüben-Sorten ... 47 Gemüse-Arten und -Sorten 46 Gemüsebau........38 Grünkohl-Sorten.....46 Gurken..........48 Äacking und Umgebung, Verein.........19 Ääuptelsalat-Sorten .... 47 Äasenzucht....... . 63 Äauschild, Dr.......4 Kietzing und Umgebung, Verein.........19 Kühnerrassen.......71 Hühnerzucht .......68 Hülsenfrüchte.......47 Äütten..........34 Im Aigl, Verein.....23 Im Müllhäufel, Verein . . 23 Iohannisbeer-Sorten ... 57 Jugendfürsorge, Wert des Schrebergartens für die . 26 Kagran.........23 Kahlenbergerdorf.....22 Kaninchenrassen......67 Kaninchenzucht......63 Karfiol-Sorten......46 Karotten-Sorten.....47 Kernobst-Sorten.....53 Kiel, Pachtgärten in ... 3 Kirschen-Sorten......55 Kleingarten........>Z Kleintierzucht.......59 110 Seite Kleintierzucht-Ergebnisse in Wiener Kleingärten... 13 Kobenzlberg.......22 Kochsalat-Sorten.....47 Kohl-Arten und -Sorten . . 46 Kohlrabi-Sorten.....46 Kohlrüben-Sorten.....47 Kohlsprossen-Sorten .... 46 Kompoftbereitung.....40 Kopfsalat-Sorten.....47 Kordon.........53 Krauskohl-Sorten.....46 Kriegsgemüsegärten . ... 11 Krottenbachtal......22 Kulturfreunde, Verein der . 20 ^aaerberg ........ 15 Lage und Bodenbeschaffen heit..........30 Lauben..........34 Lauch-Sorten.......48 Lehrerhilfskomitee-Gärlen . 20 Leopoldau........23 Aebhartstal.......20 Marienkolonie......30 Marillen-Sorten.....55 Matzleinsdorf, Kolonie . . 17 Möhren-Sorten......47 Monatskohlrabi-Sorten . . 47 Muttergarten.......82 Neubrasilien, Kolonie . . .14 Oberkohlrabi-Sorten ... 46 Ober-St. Veiter Verein . .18 Obstbau.........48 Obst-Arten und -Sorten . . 53 Organisationsfragen der Schrebergartenbewegung . 94 Paradeis-Sorten.....48 Pastinake ........47 Seite Pfirsich-Sorten......56 Pflaumen-Sorten.....55 Pflege der Pflanzen ... 45 Pikieren.........43 Pointengasse, Verein ... 20 Porree-Sorten......48 Predigtstuhl, Verein ... 21 Pyramide........5Z Radieschen-Sorten .... 47 Rettich-Sorten......47 Ribisl-Sorten......57 Rosenkohl-Sorten.....46 Rosental, Verein.....17 Rote Beete-Sorten .... 47 Rote Rüben-Sorten .... 47 Rotkraut-Sorten.....46 Saatgut.........44 Salatgemüse-Sorten.... 47 Salatrüben-Sorten .... 47 Sandleiten, Verein .... 20 Schafberg, Kolonien am . . 22 Schmelz.........19 Schreber, Dr. D. G. M. .4 S chrebergarten-Anlagen rings um Wien.....10 II. Bezirk.......14 X. „.......15 XI. ,........15 XII. „ .......16 XIII. „ .......17 XV.......... 19 XVI. „ .......19 XVII. .. .......20 XVIII..........22 XIX. „ .......22 XX. „ .......2? XXI. „ ,.......23 Schrebergärten, Beispiele von..... U6 Schrebergärten, Ethische Bc deutung........6 III Seite Schrebergärten, Geschichtliches . . -.......4 Schrebergarten, Ökonomische Bedeutung.......4 Schulkriegsgemüsegärten . . 25 Schwarzelackenau, Verein . 19 Schwarzwurzel-Sorten ... 47 Selbsthilfe, Verein .... 19 Sellerie-Sorten......47 Sicherheitswachleute, Verein der.......20 Sillergärten.......20 Simmeringer Äeide .... 14 Sommerendivien-Sorten . . 47 Spargel.........48 Speisekürbis.......48 Spinat-Sorten......47 Sprossenkohl-Sorten .... 46 Stachelbeer-Sorten . . . . 58 Stadlau.........23 Stangenbohnen-Sorten . . 48 Starchantsaigen, Anlage . . 20 Steg, Kolonie der.....15 Steinobst-Sorten.....55 Straßenbahnerkoionien... 19 Tomaten-Sorten.....48 Unterhaltung der Wiener Schrebergärten.....28 Veredlungsunterlagen ... 51 Seite Vereine, Verzeichnis der' Schrebergarten-.... 105 Vereinzeln der Gemüsepflanzen '........43 Versetzen der Gemüsepflanzen ........44 Verzeichnis der Schrebergartenvereine Wiens und Umgebung.......105 Vorbilder für Schrebergärten .........86 Wasserwiese im Prater . ,14 Wasserzuleitung......34 Wechselwirtschaft.....39 Weidäcker, Verein .... 20 Weidlingau-Kadersdorf, Verein.........18 Weißkraut-Sorten.....46 Wildgrubtal.......22 Winterendivien......47 Wirsingkohl-Sorten .... 46 Wrucken-Sorten .....47 Wurzelgemüse-Sorten ... 47 Zeller-Sorten.......47 Zukunft derWiener Schrebergartenbewegung .....99 Zwetschen-Sorten.....55 Zwiebelgewächse.....48 Zwiebel-Sorten......48 Zwischenkultur .... 39, 45 Zwischenveredlung.....52 /, ^ ^c/k^eöe/'Fck/'/en au/ ,,o ^ // ^-^ - 7a/e, /Ibö. 76. au/ ck'e />^. /X, ^öö. /6. anc/^s cke^ U^755e^e^50^FllNF 6en 5///e/'FS^6n im X^'/. Se^/>^. 7Ä/e/ X /?bi>. /A. ^/'»e ansehe /In/aF6 au/ t/s/- U7a55e^e-k>Le ^a/e^. 7a/e/ X/. /?55. ^0. ^/n ^/o/^e/cke, ^/e/,!Za^/en-0^^üc/i^^. X//. /?bi>. ^/o/F^eic/le os^llah? //n X/e/^a^/en. 7Ä,e/ X///. /4öS. ^. F/n ./mke^" vo^ seinem öienen^^anc/ /m /<7e/nsn^6^ X/V. SS. ^.lls^Fe»' 7>e/Sen all/ el>!6m ^'nt/s^/s/^/a/^ 7a/t/ XV 7a/e/ Xl-V.