Wienep Naäi-Kiblioiliek ... ».« 7 ^ >- ^q--. -EL? . -!-r L ' < LLZ-?- r-ÄLH^- MK WW- Museum des Witzes und der Laune. Gesammelt und herausZegebeü von 2V * * M * * Vierter Band. Mit einem TitelkupferL Wien, i8iv. In -er Malliehaufferschey Bnchhandlun-. sMM- oreas. Freund Boreas, Dem wilden Jäger Bist du verwandt; Ihr beiden Herrn feyd Schwagers Wie männiglich bekannt. Stürmst du daher ; Die Pappeln neigen Ihr Haupt vor Dir, Lief mäßen sie sich beugen, Die armen brechen schier. Die Eiche selbst, Die starke, zittert Vor Deiner Wuth; Denn ihren Stamm zersplittert Gar oft Dein U bermuth. Nach Fürsten Art Dich zu ergötzen, Pflegst Du im Forst Dar bange Wild zu Hetzen — , Den jungen Aar vom Horst. A - Hast Du genug Durchtobt die Wälder: sollst Du ein Heer Lon Wogen durch die Felder, Wirfst Felsen in das Meer. Baust bann zum Scherz Dir hohe Thürme AuS leicklem Sand —- Wie mit der Pallas Schirme Deckst Du damit das Land. Die Wolken flirhn, Wenn von der Erde Dein Fittig steigt/ Gleich der Gazellen. Heerde Dom Leopard gescheucht. Dianen bläs't Du mit Getümmel )dr Lämpchen aus, Schnellst pfeilgeschwind zum Himmel . Das Schiff mit Mann und Maus. Beliebt es Dir; Wirfst Du mit Schloßen Die Fenster ein. Äerrn wir uns drob erboßeu; Pfeifst Du noch obendrein. * ,3 Zwingst uns zum Lanz Wie die Tarantel, Und — daß uns graust, Erhebst Dn uns im Mantel, Wie einst den Doktor Faust. So kühlst Dn Schalk An uns mit Lachen Den Uibermuth. Ein Kompliment zu machen, Nimmst Du uns gar den Huk. Ha, wie so schnell Dort Mädchen flüchten! Doch Du erhaschst Sie, nach verbotnen Früchten Begierig, ach! und naschst, ^ Denn Dir gesällt's Dtch zn beweiben; Du treibst nur Spott Mit ihrem Fleh:, und Sträuben , Ganz wie ein Sanscülott. . ' Der leichte Shawl Weht in die Lüste — Mit loser Hand Streift Du von blanker Hüfte Das flatternde Tewand. Vergebens schrei« Die armen Dinger; Es weichen bald Die kleinen Rvsensinger .Des Lüsternen Gewalt, Nicht wenig *lschx Der alte Momus Ob dieser Lust; Sern Freund, der junge AomuS, Stimmt ein aus holler Brust; Und DachuS füllt Den grüßten Becher Aus seinem Faß, Und ruft: „Ihr Herren Zecher, Et lebe Bor ras!" K» H. §. Reinhardt, Drolliges Mßverständniß. « Einem Friedensrichter zuLeieestershire wurde angezeigt, daß eine Bayer in einem benachbarten Dorfe Ken König gelästert und verflucht habe, ES wurde also sogleich ein DerhaftSbesehl erlassen und der Denuneirte gefänglich eingezvgen. AIS er vsr dem Richter erschien, redete ihn die« ser folgendermaßen an: Wie konntet Ihr so ruchlos und frevelhaft Han.» beln und die geheiligte Person des Königs, den Beschützer det Glaubens, verfluchen. Der Bauer. Gestrenger Herr! Gewiß und wahrhaftig, ich Hab' eS nicht gewußt, daß der Kae- tenkönig ein Beschützer deS Glauben ist, sonst hält' ich ihn, bei meiner höchsten Treu, nicht verflucht. Der Richter. Kartenkönig? — Ihr verstockter Böseivicht, ihr Rebell. Ihr häuft ja Lästerung auf Lästerung. WaS wollt ihr mit dem Kartenkönig sagen? Der Bauer. WaS ich damit sagen will? gestrenger Herr Friedensrichter. Gie wijsen'S ja, wie spielten unser viere zusammen, Treffel war Trumpf. Ich hatte die Königin in der Hand, aber zu meinem Ung'ück, — denn ich habe nie Glück im Gpiel gehabt, —- hatte Nachbar Trummel, der mir in der Hinterhand saß, den König und stach die Königin ab; da wurd ich ärgerlich, schlug auf den Tisch: hol.' der Teufel den verfluchten König1 DerRichter. So hängt die Sache zusammen? Der Bauer. Ja, daS will ich mit tausend Eiden beschwören, und die Uibrigen, die mitgespielt haben, können eS auch mit gutem Gewissen. Der Richter. Wenn daS ist, so könnt ihr nur wieder nach Hause gehen. Der Bauer. Gott segne euer Gestrengen. Ich würde gewiß nicht einmal den Buben verfluchen, bloß «uS Furcht, den Herrn Friedensrichter zu beleidigen. 8 Der Notenkauf. Ein junger ganz elegant gekleideter Iudf kam jn eine Musikbandluug, und forderte Mehulß Duett aus den Schatzgräbern: Vergebens isi des Herzens Streben. ^ Man gab ihm das Verlangte, und als er nach dem Preis fragte, erhielt er zur Antwort: 8 Groschen. „Aber, mein Gott!" sagte er: „das ist recht fatal, daß der Text darunter sieht. Ich will die Noten für eine Dame kaufen, die blos spielt, aber nicht singt, kann ich sie nicht wohlfeiler bekommen, — unmöglich kann die Dame doch etwas mit bezah, len, was sie nicht gebrauchen kann?' —-- Und als man seinem Wunsche nicht genügen tonnt, verließ er die Handlung, ohne etwas zu kaufen. Charade. Diersi lbig. Nur in Cklogen und Idyllen Blüht noch deS ersten Wunderglück. DaS Zweite — (Nützt den Augenblick, Um recht zu thun mit Kraft und Witten, sUnd, fern von Tändelei'n und Grillen, Den WeiSheitSdurst allein zu stillen!) Kommt immer neu, doch nie zurück. Das Ganze, was mit lockender Magie, Mit Arivstv'S Phantasie Nur Wieland treu gering beschriebe, Ist höchster Lohü der wahren Liebe. 9 Nor mehreren Jahren erschien auf dem Theater Kandis in Paris em Drama" unter dem Titel: !es trois llls. Es fiel und wurde nicht wieder gegeben. Während der Vorstellung hielt sich der Verfasser, Desmvutier in einer Loge des dritten Ranges verborgen, um Zeuge des Glücks oder Unglücks feines Stücke zu scyn. „Ha! das ist elend!" rief jeden Augenblick ein junger Mann, der neben ihm stand; „das ist abscheulich! Hätte ich doch einen holen Schlüße!; wie wollt' ich Pfeifen!" Mein Herr! antwortete ihm Desmoutiers; ich freue mich, Ihren Wunsch erfüllen zu können, hier Ist ein Schlüße!. Der junge Mann nahm ihn und pfiff aus allen Kräften zur großen Belustigung feines Nachbars. Am Schluß des Stücks kam ein Freund des Versaßers hinauf, feine ersten Worte waren: Q mein lieber Desmoutiers, wie leid thut es mir, ^ ihr Werk so mißhandelt zu sehen. „Wie, mein Herr," sagte der Schlüßelmann: „Sie find Herr Desmoutiers ? Q, verzeihen Sie meiner Grobheit!" Hat nichts zu bedeuten, antwortete ihm Des-- moutiers-. erzeigen Sie mir die Freundschaft, morgen bei mir zu frühstücken. Der junge Mann erschien, und wurde sehr liebreich behandelt. Das machte ihm Mukh, wieder zn kommen und stößte ihm so viel Zutrauen gegen Desmvutiers ein, daß er ihm bei seinem nächsten Besuche gestand, auch er sey SchauspieldichLer und wünscht sei« 1 « Uriheil über ein Lustspiel t» hören, da- er mitge- bracht habe. De» montier- bat ihn, eS vvrzu- lesen; der junge Mann las, nun fragte er seinen Znhörer, wie er geendiget hatte: Nun, mein Herr, was sagen Sie dazu? „M e in L i e b e r," antwortete ihm De-montier- lächelnd: „können Sie mir nicht auch einen hohlen Schlüße! leihen?" Der Graf Lemple beschwerte sich gegen eine Hofdame darüber, daß eine ihrer Drrwendtinnen von ihm sehr nachtheilig gesprochen habe. „L>, Herr Graf!" sagte die Dame,,indem sie ihm leise auf die S ch u l t«r klopfte : „glauben Sie mir, da ist nichts dran." Sie und Cr. Wenn auf der Lasel sich die dratumflochtne, rasche Champagner - Flasche Ndt ihrem Bruder aus Burgund vereint; Dann rus' ich jener mit dem Drätchen : „Komm, liebes Mädchen!" Kn diesem sag ich : komm mein lieber Freund! Kretschmann. Liebe zur Tkätigkeis. Okmthus schläft den ganzen Tag, Weil er nicht müßig gehen mag. Hug. Sine Dame schenkte ein ansehnliches Gut einem Kavalier, der ihr viele Jahr über den Hof gemacht harte. Die nächste Erbin der Dame, fing deshalb einen Prozeß mit ihm an. Das Gut ward vom Gerichte dem Letzter« zuze- sprocken, und die Sentenz beiden Parteien persön- l ch publizirt. Ais sie den Gerichtshof verließen, sagte die junge Dame zu ihrem Gegner: Sie haben da ein schönes Gut für einen wohlfeilen Preis erhalten. „Ich will eS Ihnen mit Vergnügen für den nämlichen überlassen, erhielt sie zur Antwort. Rabelais war der Arzt eines sehr hypochondrischen Kranken. Einst war er bei diesem zu Lische, als eine g*«. bratene Lamprete aufgstragen wurde. Rabelais schlug mit der Gabel auf die Schüße! und sagte: unverdaulich? Der Kranke, der sehr für seine Gesundheit besorgt war, winkle sogleich einem Bedienten, die Schüßel fortzutragen. / Dies geschah, doch Rabelais rief ihn zurück, nahm sich sine große Portion davon und verzehrte sie mit vielem Appetit. Aber mein Gott, sagte der Krank«: Sie sagten ja, daß dir Lamprete unverdaulich wäre, und doch essen Sie davon? „Um Vergebungantwortet- Rabelais: „ich Hikinte die Schüßcl, nicht aber di- Lamprete." ir Einer von jenen raffinirken Köpfen, die mit se- dermann so gern die Güter theilen, und welcher eben eine« Hutes bedurfte, stahl in einem Gedränge auS der Kirche einen seinen Aastor. Der Beraubte, welcher merkte, daß ihm der Hut unterm Arm weggerissen wurde, schrie aus vollem Halse: Man stiehlt mir meinen Hut. Alsobald setzt Her-Dieb den ge- stohlntn Kastorhut auf Len Kopf, und indem er selben mit beiden Händen festhält, sagte er: Ich traue nicht, mau könnte mir auch meinen stehlen. Niemand hatte einen Verdacht, daß dieser Ehrenmann brr Dieb seye. Eine Dame, die seit kurzem vermählt war, gähnte öfters in der Gesellschaft ihres Mannes. Dieser fragte: Ob sie lange Weile bei ihm hätte? Nein, antwortete sie; aber wir beide machen nur eins, und mir wird die Zeit lang, wenn ich allein bin. Ein Bauer war damit beschäftigt, Zimmerholz auS einem Walde zu holen. Er fand einen großen l^tamm, der so schwer war, daß er beim Aufladen den Wagen zerbrach. Der Bauer warf ärgerlich den Hut auf die Erde , kratzte sich hinter den Ohren und rief: ,.Hol' der Henker d'e Schweme , die dich nicht gefressen ha n, als du noch eine Eichel warst, dann hätte ich mich heute nicht nnt dir plagen dürfen?; Anselmus. Anselmus ist rin ächler Biedermann; Kein Mensch nimmt sich der Armuth stärker an. Ihr Armen ,(rief er jüngst,) mich jammert eure Noth; Doch seyd getrost: Ich bau' euch ein Spital. Doch leider! fehlt noch viel zum Kapital: Drum fordert ja von mir, biß jch's erspart, kein Brot. Kuh. Auf Segests Bankerott. Bankbrüchig warb Segest. Beklagt ihn nicht, und schweigt? Gebt Acht: sein Fall ist nur ein Ränkchen, And die zerbrvchue Bank wird ibm gar bald rin Bänkchen, Worauf er wieder hoher steigt. Kretschmann. Auf einen.Selbstmörder. Der lebenssatte Tap Unfähig, Blut zu sehen, Schnitt, um der Ohnmacht zu entgehen, Die Kehle sich im Finstern ab. I. A. Wepperi. -x.- -4 Bei der preußischen Huldigung in Hildersheim churde rin dort bri der prruß scheu Organisations- Kommission angrstrliter Offiziant von seinem Barbier um eine Inschrift an feinem Fenster zur Illumination am Huldigimgsabend gebeten. Dieser rieth ihm, ein Barbierbecken mit einem darüber schwebenden*Adler malen, und darunter setzen ,n lassen: Unter deinem Schutz und Schein Seif' ich meine Kunden ein, Und du wirst mir's nicht verwehren, Eie methodice zn scheeren. Ein junger etwas einfältiger Mensch verliebte sich in eine, ihrer Galanterie wegen ziemlich bekannte Schöne; dir, — wie gewöhnlich galante Damen — sich auch stark schminkte, und er Verlobte sich mit ihr. Ein Witzling äußerte sich über diese Hrirath auf folgende Weise: „Nu, das ist eine recht passende Parthie; da wird daß Sprichwort einmal recht wahr werden, eine Hand wäscht die andere. Er wird sie roth schminken, und sie wird ihm dafür wieder etwas weiß machen." Auf einen Geizhals, der sich ersäufte« Das nenn ich Sparsamkeit, er stürzt sich in die Wellen, Um listig Charon selbst um's Fährgeld noch zu prellen«.' Kl. Mächler. Vortheil eines langen Titels. Ein grwißer Spanier, der nicht minder edel, als der König, zu seyn glaubte, ob er gleich so arw gls Hiob war, als ihn der böse Feind ausgepkünderk hatte, kam bei finsterer Nacht in ein französisches Dorf, in welchen, er, ohne Laterne, nur mit äußerster Mühe das einzige Wirthshaus fand, das im Orte befindlich war. Der Wirth, der die Ankunft eines so vornehmen Spaniers nicht vermuthet hatte, lag mit den Semigen schon im Bette und schlief. Nach langem Klopfen erwachte er endlich, und rief zum Fenster hinaus, wer da sey? — Macht auf, an.wvrrete der Spanier es ist ,,Don Juan Pcdr» ^Hernandez, Rodriguez de Diüanvva, Gras von Ma- „lasri, Ritter von St. Jagv und Alcantara." — Es thut nur leid, rrwiederte der Wirth; ich habe i« der That nicht Platz, Sie alle zu beherbergen; und damit schlug er sein Fenster zu , und legte sich wieder schlafen. Di« ausgegrbene Bemühung. Ein Schuldner hatte alles angewandt, um seine Gläubiger zu befriedigen; da eS ihm aber unmöglich war, seinen Endzweck zu erreichen, so sagte er zu ihnen: „Meine Herren, ich habe mir bisher alle nur ,,erfinnliche Mühe gegeben, Sie zu befriedigen; da „ich aber sehe, daß es vergeblich ist, so null ich diese „Sorg, künftig Ihnen überlassen." 1 __ rü Eine Schmeichelei ohne gleich ein. Der König Ludwig XIV. war einst auf einem seiner Lustschlvßer, und fand, daß eine^ gewisse grüße Allee von alten Bäumen keine sonderliche Aussicht wehr mache. Der Herzog d'Antin gab daher äugen- Lltcklich Befehl, sie noch in derselben Nacht im Stillen umzuhauen und bei Seite zu schaffen. Der König erstaunte bei seinem Erwachen nicht wenig über LaS Verschwinden derselben, und fragte den Herzog, wo sie geblieben sry? „Sire antwortete dieser, „wie konnte sie sich unterstehen, sich noch einmal vor „Ihren Augen sehen zu lassen, da sie Ihnen mißfiel?" Die Gelübde der Maltheser. Als die Maltheser, Ritter dem Kaiser Leopold einst sagten, daß sie, so wie andere geistliche Orden, drei Gelübde gethan, nämlich das Gelübde der Keuschheit, der Armuth und des Gehorsams; gab ihnen dsr Kaiser zur Antwort: ,,Und noch ein viertes haltet „Ihr geheim, erfüllet es aber am allerpünktlichsten; „es bestehet, so viel ich weiß, darin, krmS von „jenen dreien zu halten." Definizivn eines Glücklichen» Leatus vir Haber multum Silberg'schir. Pater Abraham- (7ordei1lL clc muriaA«. Bekanntlich machte die vorige Kaiserin Joseph»» Ne in Paris der Madame Geffroy den Auftrag, ei» ne sogenannte LorbeMs 6s niLri-igs einzurichten, welche der Kaiser der Franzosen der Prinzessin von Würtemberg als Geschenk überreichen ließ. Was wae natürlicher, als daß solche Heirathsk-rbe, als Geschenk für Privatpersonen, an Verlobte und Braute in Paris allgemein Mode wurden, und da wir Deutsche uns immer durch einen weltbürgerlichen Eifer auszeichuen, von fremden Nationen das Beste, von Len Franzosen also die Moden, mit edler Resignation auf eigenen Erfindungsgeist, anzunehmen, ss traten auch gleich Patrioten unter uns auf, die unfern» Vaterland mit solchen OaideMes ä» mariags großmüthig aushalfen; und verdienten ynter andern Herr Mitweyda in Leipzig, Herr Lichtenauer in Hannover und Herr Johann Valentin Albert in Frankfurth am Mayn deshalb einer rühmlichen Erwähnung, wofür auch das nützliche Journal det Luxus und der Moden preiswürdig gesorgt hat. Ein solcher Heirathskorb enthalt, nach eben diesem lehrreichen Journal. ' ») Ein Kleid zum Putz. L) Ein Oberkleid zum Ball. 3) Ein Kleid in Batist oder Mousselin pars. 4) Ein Morgenkleid. Museum 4. B. Heft. V 18 z) Tie Halsbekleidung und Chemisetten - bei r'tdem. tz) Kopfputz zum Staat, auch Modehut und Negligshaube. i Arbeitsbeutel oder Deligences, die jedes Näh- und Strickwerkzeug, so wie Nähschattirung in Garn, Seide, Baumwolle und Zwirn enthält. 8 ) Colliers und ErasseletS in Gold und Perlen mit Goldressort. 9 ) Loiset elssiiyue mit gefalteten Halbhemdchen. 10) Ein sehr brillant en jour äs karin brodir- ter Staatsarbeitsbeutel. i l) Handschuh, Fächer, Pariser--Blumen uud Verglelchsn. Der Preis einer solchen OorbeUIv äs mariage ist nur — Zehn Äarvlin. Doch lassen, bei aller Nützlichkeit, die ein solches Geschenk, vach dem Modejournal, in sich schließen soll— die Herrn Verkäufer handeln, und geben weniger für etwas weniger Geld. 5), lieber Onkel, sagte die muntre Henriette, und hüpfte dem alten Geheimen- Rath D * * *, mit dem Modejvurnal in der Hand entgegen, wenn ich -eirathe, müssen Sie mir einen solchen Korb schenken. „Das ist ein theuer Ding, liebes Kind versetzte der Alte: „zu solchen Kindereien Hab' ich kein Geld." O. Onkelchen, das sind keine Kindereien, lesen Sie nur, es ist alles höchst nützlich — Nicht waht, Sie thun es? Und sie sieeicheüe und liebkofete den alten Oheim ft lange, btS er ihr mit einem Handschlage versprach , ihr zu ihrer Verbindung eine Lorbsille 6« rn-triage zum Geschenk zu machen, ,,nun aber," setz? te er hinzu» und kniff sie in die blühende Wange: »,nun schaff' dir auch bald einen hübschen braven Bräutigam an." Jettchen ließ sich dies nicht zweimal sagen, und in kurzem war sie die Verlobte eines biedern und wohlhabenden Mannes. , Der alte Geheime- Rath, ein Mann , von deutschem Schrott und Korn, hatte sein Wort zu einem Geschenk von einer LyrdsiHo äs marchg« gegeben, und am Polterabend überreichte er dies Andenken selbst. > , Welch eine Freude für die reizende Braut, als -er Alte sich mit dem verhütten Korbe näherte. „Hier, mein liebes Jettchen, ist das Versprochene, ich wünsche, daß es dir gefallen möge; du wirst mir aber verzeihen, wenn ich — als ein ehrliche? Deutscher, der eben kein Freund der Franzosen ist, — Das Ding etwas sehr verdeutscht habe," Jettchen nahm den KorhiHegierig aus den Hunden, schlug da- Tuch schnell zurück und fand, zu ihrem nickt geringen Erstaun,^, ganz etwas anders dgrin, als das vorige Verzerchniß sie erwarten ließ. Es enthielt: 20 für Nr i) eins Bibel und Gesangbuch. - - 2) Die Hausmutter in allen ihren Geschäften. - - A das Magdeburger Kochbuch. - - 4) ein Haushaltungsbuch zu den tätlichen Ausgaben. - - 5) ein Pack gedruckter Waschzettel. - - 6) einige Kämme. - - 7) ein Dutzend Hemden. - - 8) einen vollständigen Taufanzug. - - -) einen Haken, um Schlüßel daran zu befestigen. - - r v) ein halbes Dutzend Frauentaschen. - sri) einige Garnituren Stricknadeln, eine Nadelbüchse, ein Paar Fingerhüte, einige Briefe Nah - und Stecknadeln. „Liebes Mädchen," sagte der Alte, nachdem sich die getäuschte Nichte in etwas von ihrem Erstaunen erholt hatte, „dies alles kostet freilich nicht zehn Karolin, aber ich betheure dir, wenn du davon einen weifen Gebrauch machst, so wirst du damit viele Hunderte ersparen können." O über den altmodischen Pedanten! rufen gewiß viele Damen, dk 2 dies lesen, — wer wird ihnen widersprechen. SDas mag aber -er alte Gehei- rne^Rath von ihnen sagen? — das ist eine andere Frage. Kl. Mü'chler. 21 Vachus, Amor und ich. Wer der stärkste sey? entzweiten Bachus und Gott Amor sich: „Diese Frage zu entscheiden „Wahlen wir," sprach Amor, „dich." Volle Flaschen brachte Liber, (Bachus) Und Gott Amor setzte mir Meine Laura gegenüber; Und berauscht vom Wein und ihr Nies ich taumelnd: Gott der Zecher, „Ewig halt' ichs nun mit dir, „Den du zeigst mit iedem Becher , ^„Meine Laura doppelt mir!" Dünger. L o g o g r y p h. Zweisilbig. Eine Menge benennt dieerste der Silben. Bewaffnet Und mit feindlichem Sinn bringt sie Verderben und Tod. Friedlicher ist die Menge, die dir das Ganze bezeichnet; Herrlich schmückt sie das Thal, Herrlich die Hügel umher. Nimmst zwei Zeichenduab von des Wortes Anfang, so bleibt dir Dein ursprünglicher Keim und — dein allendliches Soor. Eine Posse Der alte G*** in P***, letzt in seinem siebzigsten Jahre noch immer ein leidenschaftlicher Verehrer der Damen — und, wenn es nicht anders ist, auch der Dienstmädchen— ging vor kurzem an einem Harten vorüber, worin er eine Köchin allein erblickte. Bei seiner Reizbarkeit konnte er der ein» ladenden Gelegenheit nicht widerstehen; er öffnet die Pforte, schleicht sich leise hinein, erläßt eine mündliche Proklamation an das Mädchen, und of- serirt ihr eine Kleinigkeit baären Geldes als Sub- sidien. Sie schlagt sie aus. Herr G * * * M * * *, welcher glaubt, die Summe sey zu gering, bietet Höher, und zeigt ihr endlich einen ganzen blanken Tbaler. Die Schlaue scheint einzuwilligen, und greift Nach dem Gelde; aber in dem nämlichen Au- genb ick ergreift sie mit dem Thaler die Flucht, und schlägt die Äartenthüre hinter dein Staunenden zu. Da sitzt er, erngesperrt und verlacht; er wüthet und wünschet siÄ die Trompete von Jericho , um die Pmnkr, w-icde den Garren einschlteßt, um ubla- sen, oder das Tdü.schloß zu sprengen. Vergebens. Endlich sieht er einen Nachbar, diesen risst er herbei, und bireet ihn, sein Befreier zu werden, Der gure Mann läßt sich willig finden, doch geht es mit der Erlösung langsam und beschwerlich. Der Nachbar holt eine Leiter herbei, steigt darauf auf die flanke, zieht dir Leiter nun nach sich , und laßt sie §ni Karten nieder. Herr G*** M*** klettert darauf hinan; aber auf die andre Seite Hinunter, und aus dem Garten zu kommen, muß er sich bequemen, so lange auf dem Zaune zu reiten, bis sein Gesellschafter die Leiter herauf gezogen, um sie außerhalb des Gartens anzufetzen. Man denke sich den alten Herrn, dort oben auf der scharfen Spitze des Zaunes, ohne Sattel, mit einer bitterbösen Physiognomie neben seinem lachenden Nachbar sitzend. Eine rentable H o g a r t h sch e Karrikatur! Er kam glücklich herab; aber seit der Zeit lacht man, wenn man ihn sieht, über den bejahrten Apoll, den seine Daphne in solche enorme Verlegenheit setzte. Kl. Stein. Die wandelbare Schone. Wahr ist es, Freündin, ja., wir fühlen gleiche Triebe, Wenn Lu mir deine Gunst hold zu erkennen gibst, Nur daß vor Hunderten ich dich von Herzeu liebe, Da du Nebst Hunderten mich auch noch liebst. Tralles. Guter Rath. O Freunde! wer nicht schlafen kann. Der höre Lindors Predigt an. Es gibt kein bcffccs Opiat Lhr braucht dann keines Doktors Rath. v Rahmeü Die Stud en t en k o m od ie. -4 An einem kleinen Ort mar ein Gimnasium Don frommen Schulen. — ,,Nicht von schlimmen?" Mein Gott! was kümmern sich denn unsre Leser drum! Die Kronik mag das selbst bestimmen. — Aus manchen mtthologischen Geschichten Wurd' oft Komödie hier gespielt. (Komödien zu stiken, nicht zu dichten, War dort schon längst der Brauch;) Del Tragödien selbst schon manchmal hielt Der Rektor sich den Bauch. Nun fehlt' einmal Gott Jupiter — „Wo nehmen wir den Esel her?" Schrie von den Knaben einer: Bon uns spielt ihn wohl keiner! And überdieß sind schon so viel Personen her r e » Trauerspiel! Gott Jupiter ist ern beraater Mann — Potz Blltz! da sind wir si techt daran! Schnarrt dort der Rektor auf: — „ich spiel ihn wahrlich nicht, Ich liefe wohl Gefahr, daß nicht die Wo>ke bricht!^ Zum Glück war hier ein Mann mit Früchten Beim R'ktor angelang, um etwas auszurichten. —- Wie war's, wenn wir dem Bauer etwas gäben Der Tölpel dankt m't Kußhand uns darneben. — Gesagt und auch zugleich gethan! ^ er Bau er nahm den Vorschlag an — 25 Und gab von sich das Ehrenwort: Ganz ruhig sich zu hasten dort. Dem Rektor Feind, mischt einer von den Knaben Dem Dauer unterm Wein, (Man zecht' ihn an um-mehr desMuths zu haben,) Ein Pulverchen hinein- Als kaum die Simphonie begann, Fleht er zu wiederholtenmaleN Um die Detronisi'rung an z Doch niemand war ihm zu Gefallen. — Kaum ward der Vorhang aufgezogen. Saß euch ganz krnm zusammgebogen Ter große Vater Jupiter, tzlrid schrie aus vollem Hals — der grobe Dauernlümmel ! , (Trotz aller Macht könnt' er nicht mehr!) „Jetzt laßt mich bald herab! — sonst sch— ich euch im Himmel!" P-t. Die glückliche Aur. . Als der Herzog von Marlborough zu Anfänge des vorigen Jahrhunderts die allirte Armee kom-> mandirte, sähe er zuweilen aus dem Fenster seines Hauptquartiers auf einen benachbarten Bauernhof, und bemerkte, daß, gewöhnlich bei guter Witte- run r, ein Mann, den er für den Hauswirth hielt, fast den ganzen Tag vor der Thüre saß, Taback rauchte, und einen Krug Vier neben sich stehen hat-. te. Der Herzog konnte nicht begreifen, warum die- «r Mann als Landwirth so gar keine Geschäfte ha-- ke. Er zog darüber Erkundigung ein, und erfuhr dann, daß derselbe zwar dem Scheine nach gesund sey, daß es ihm an guten Appetit nicht fehle, daß ep auch sonst von munterm Gemüth sey, aber wetzen seines gar zu fetten Körpers durchaus nicht viele Arbeit und Bewegung ertragen könne. Der Herzog schwieg, gab aber im Stillen einem Offizier den Auftrag, Liesen Mann in der folgenden Nacht auf- zuhebcn, und durch verschiedene Umwege nach einer etwas entlegenen Festung zu bringen, ihn daselbst dem kömmandirendeu Offizier zu überliefern, und demselben dabei folgende Ordre einzuhändigen: Dem Arrestanten soll« nicht übel begegnet werden, er soll ein reinliches Ouartier, aber außer leicht verdankt- , chem Gemüse, nichts weiter als Brod und Wasser Zur Nahrung bekommen; nach und nach könne man ihn mäßige Arbeiten verrichten lassen, und endlich monatlich dem Herroge Bericht abstatten. Man kann leicht denken, daß dce Angehörigen dieses Mannes den Herzog sehr oft mit Bittschriften überlieffen, um ihn wider los zu machen; allein sie wurden je- deemal zur Geduld verwiesen. Der Gouverneur befolgte also den Befehl des Herzogs auf das genaueste, uns gestattete reinesweges , daß dem Gefangenen, und von wem es auch sey, etwas andres an Speise und Trank, als verordnet war, gereicht werde. Als nun der Herzog nach Verlauf von einigen Monaten, aus den eingegangenen Berichten erfuhr- S7 paß der schwere und fleischige Körper dieses Mannes fast gänzlich verschwunden, er aber dessen ungeachtet gesund und munter sey, ließ er ihn zu sich tommen, und konnte sich bei den demüthigen Bitten desselben, um Endlgung seines Arrests, kaum des Hachens enthalten. „Mein Areu-d, sagte er, ich habe keine aridere Absicht gehabt, als dich aesund zu machen, und dich von deinem Fette zu befreien: kehre rn Frieden nach Hause, und verrichte deine Geschäfte wieder. Die gesündeste Luft. In einer gewissen katholischen Reichsstadt ward einst in einer Gesellschaft der vornehmsten Einwohner die Frage aufgeworfen: wo es wohl am gesündesten zu leben sey? — Ich sollte glauben, antwortete Wilhelm von Bettler, per im Jahre IZ57 dem Bisthum Münster entsagte, werl er lutherisch geworden war: daß an keinem Vrte in der ganzen Welt eine gesündere Luft gesunden werden könne, als hier im adelichen Nonnenkloster: denn es ist ja wohl in hundert Jahren keine Jungfrau darinnen gestorben« An Nitella. Hielt' Amor dich für seine Mutter, Der Zrrthum, Mädchen, wäre klein;' Er würde zehnfach größer seyn, Hielt' Amor dich für keine Mutter. Haug. 28 Ludwig UV. fragte einmal den Marschatt ä'llxeUe.,, warum er sich nicht verheirathe? „Sire," antwortete dieser, „weil ich noch kein Weib gefunden habe, dessen Mann, und noch keinen Menschen, dessen Vater ich seyn möchte. Jünger. An einen Freund. Freund! führe nicht zu früh dein Mädchen heim; Du hoffst davon ein größres Glück vergeben«, Der Brautstand ist die Poesie des Lebens, Der Eh'stand ist — der trockne Reim. Friedrichsen. Grabschrift eines Wucherers. Sprich von den Todten gut! so will'6 die Pflicht Darum - ,o Wandrer ! sollst du nicht Auf diesem Grabstein lesen. Wer einst der Staub gewesen. J-h. Möser. Einem deutschen Fürsten machte einst einer sei- ner Räthe den Vorwurf, daß er bei Besetzung der geistlichen Stetten zu wenig auf Landeskindeo sehe. „Wenn ich Kinder dazu brauchen könnte," antwortete der Fürst, „so würde ich mich nicht nach Männern auswärts Umsehen." -9 Der tüchtige Kapellmeister. Ein KapellmusikuS verließ, etwas voreilig seinen Dienst, vielleicht besonders deßhalb, weil ihm die Hoffnung, dereinst Konzertmeister zu werden, benommen zu seyn schien. Seine Finanzen waren zwar sehr in Unordnung; er hatte aber seine Maßregeln so schlau genommen, daß, nach seinem Abschiede, seine Gläubiger nicht nur leer ausgingen, sondern noch die Gerichtsunkosten tragen mußten. „Es ist doch wirklich Schade," sagte ein Witzling, „daß der Mann nicht an die Spitze des Orchesters gestellt worden; denn, daß er sich auf's Anführer? versteht- hat er bewiesen. Einfall bei einer Leichenpredigt. Ein irländischer Geistlicher hatte bei einer Beerdigung vergessen, von welchem Geschlechts die Leiche war. Als er in seiner Rede an die Worte kam: „unser theurer Bruder over Schwester!" hielt der ehrwürdige Mann inNe, und fragte einen der Leidtragenden, der neben ihm stand: „Ist es ein Bruder oder eine Schwester?" — Äein's von beiden, antwortete der Irländer; es ist bloß eint weitläuftige Verwandtschaft. GraLschrift eines Säufers. Hier liegt Arill; er soff sich todt in Wein. D Wandrer! weck' ihn nicht: er möchte durstig seyn. S. M—k-n. Zo Sie haben Recht. Ein gewisser Herr, der, was die Grobheit betrifft, keinen, Pferdeknecht wich, kam einst nach Wit- teinberg, und ließ den, seiner launigten Einfälle wegen berühmten Professer Täubmann zu Gasie bitten. Dieser erschien. Der Fremde bewillkommte ihn, drückte ihm aber zugleich die Hand so sehr,, daß Taübmann hätte schreien mögen, und sagte endlich : „Aber, lieber Herr Professor, was zum Henker machen Sie denn zu Hause, daß Sie eine so harte und rauhe Haut bekommen? Man sollte meinen, Sie waren ein Drescher." Taubmann druckte nunmehr die Hand des Spaßmachers auch ziemlich derb, und erwiederte lachend: Sie haben nicht so ganz Unrecht, mein Herr, wenn Sie mich für einen Drescher halten; denn ich habe letzt den Flegel in der Hand." Gespräch. Monsieur. Sie weinen ja, Madam? was fehlt? Madame. Mein —>- Mann — ist — rodt! Monsieur. LLird's denn an Männern fehlen? Madame. Ach nein, mein Herr! — Doch, wie ich ihn gequält, So läßt sich wahrhaftig keiner mehr quälen. o , ^ Der Schornsteinfeger. In einer kleinen Stadt setzte man den Schornsteinfeger, wegen eines großen Verbrechens, in das öffentliche Gefängniß, das aber mehr einem Zirn« wer, als einem Gefängniß gleich war. Es war lange kein Verbrecher hineingekommen, und man trug große Sorgfalt, die Schlößer wohl zu verwahren, und ließ bessern, was nicht mehr sicher schien. Den folgenden Tag, da der Kerkermeister den Gefangenen ins Verhör führen wollte, war der Ääflcht zwar zu, aber der Vogel heraus. Er meldete es dem Rath der Stadt, der darauf in Corpore erschien, und eine Besichtigung vornahm. Sie fanden alles im guten Stande, und konnten das Ding nicht begreifen, bis endlich einer von ihnen die Augen auf den Kamin warf, und ausrief: Was der Teufel nicht thut, der Kerl ist durch den Kamin gekrochen! dieß fand sogleich Beifall, und der Rath faßte das Le- «Ltus coniultum ab: daß man künftig nur bei ei» nem Schmid die Schlößer, aber bei einem Schornsteinfeger die Kamme verwahren sollte. An den Todr O du, dem Helden selbst erblaßen! Tod! schäme dich! —- du mußtest doch Der Gräfin X im Sarge noch Hochrothe Wangen lassen! Han^ Wer den meisten Glauben verdient« Ein reicher Müller versprach einem seiner Nachbarn, ihm bei aller Gelegenheit zu dienen, und setzte noch hinzu: Hört, Nachbar Andres, ich versichere euch, es stoße euch zu, was da wolle, so will ich euch helfen; darauf verlaßt euch. Nach etlichen Lagen kam dreser Nachbar zu ihm. und wollte seinen Esel von ihm borgen Der schlaue Müller aber gab zur Antwort: Nachbar, es thnt mir leid, mei.- nen Esel just nicht bei der Hand zu haben, indem er schon verliehen ist; ihr müßt al-'o ein andermal m.e-- der kommen. Allein in demselben L.ugcnblick fu>g der Estrl sin Stalle an überlaut zu schreien. — Er! «i? sagte der Nachbar, wie könnet ihr sagen, ihr hättet euern Esel verliehen, da ich ihn doch im Stalle schreien höre? — „Nun seht, Nachbar erwiederte der Müller, „das verdrießt mich doch ge- „waltig von euch, daß ihr meinem Esel mehr Glau- ,,b«n beimeffet, als mir. Wenn Ihr so wollet, s» „kann unsere Freundschaft nicht lange bestehen." Einer nach dem andern. Als Heinrich der Vierte, König von Frankreich, einst durch eene kleine Stadt zog, kamen ihm die Deputaten derselben entgegen, die ihn bewillkom- men sollten. Einer von ihnen hatte seine Rede kaum angefangen, als er von einem Esel unterbrochen wurde, der ohngefähr zwanzig Schritte davon zn schreien anfing. „Messieurs," sagte der König, „redet einer nach dem andern, sonst bin ich nicht ,,im Stande, euch zu verstehen." SZ C h e sta n d s-.S r fa h r u ng rn. In meinen jüngern Jahren war ich ein eifriger Verehrer der Tugend, und ein geschworner Feind des Lasters; schon daS Wort Geiz machte mich zittern , das Wort Grausamkeit mich zurückschau- dern, und so oft von Unanständigkeit, Härte, Lügen u. s. w. die Rede war, knirschte ich, und ward blaß, wie eine Leiche. Wie man sich mit der Zeit ändern kann! Ich bin jetzt gar nicht mehr derselbe, sondern vielmehr gerade das Gegen- therl von dem, was ich ehemals war; so oft eine Lugend gelebt wird, bekomme ich K.ämpfe; so oft «m Mann von Wohlwollen und Menschenliebe, oder ein Frauenzii, mer von Empfindsam, tert und Anstand redet, läuft mirs eiskalt über die Haut, und ich mache mich so schnell als möglich aus dem Staube. kass-n Sie indessen, mein biedrer Freund, sich durch diese Vorrede nicht zurück- schrecken, sondern lesen Sie nur weiter! Verurthri- len Sie mich nicht, ohne mich zuvor zn hören. Ich wohnte in Paris, wie viele andre Maulaffen, und verheirathete mich, ungefähr eben so wis sie. Besitzer eines ganz artigen Vermögens war ich gesonnen, meine Tage der Seligkeit des Nichtsthuns zu widmen, als es dem Himmel und meiner Frau gefiel, mich mit zwei Kindern zn beschenken. Kaum war auf diese Art meine Familie Vermehrt worden, so erwachte in mir dir edle Begierde, ihr einst ein größeres Erktheil zu hinterlaffen, als ich von meinen Vätern empfangen ha?tr. „Wo wird man leichttik N-ufeum 4. D. j. Hefe. E 34 reich, als in Indien, sagte ich zu mir selbst, empfahl meiner Frau meine Ehre, Kinder und Habe, und schiffte mich, ohne weitere Umstände und Überlegung, nach der neuen Welt ein. Nun renete mich freilich mein Unternehmen, sobald ich den Ocean zwischen mir und den Meinigen sah. Allein der Schritt war gethan, meine Geschäfte nahmen eine glückliche Wendung, und alle meine Spekulationen schlugen so gut ein, daß ich darüber sehr bald allen andern Kummer vergaß. Einigemal war ich beinahe Willens, meine Frau Nachkommen zu lassen; aber die lange Seereise machte mich zu besorgt für sie, und ich zitterte bei dem Gedanken an die Möglichkeit eines Schiffbruchs. Ich Thor! Als ob die Reize einer großen Stadt nicht tausklidmal gefährlicher wären, als alle Klippen des Weltmeers! Meine theure Hälfte schrieb mir regelmäßig jeden Pvsttag; ihre Liebe zu mir schien^ ungeachtet des weiten Raumes, welcher uns trennte, im gering, firn nicht zu erkalten, und ihre Briese, die nichts als Milde, Wohlthätigkeit und Menschenliebe athmr- ten, und mich aufs genaueste mit der Tagesgeschichte der Kirchspiele St. Rochus und St. Eustachius bekannt machten, würden nicht die mindeste Besorgnjß in nur erregt haben, wenn die Verfasserin nicht fast immer mit einer lobrednerischen Versicherung ihrer höchst uneigennützigen Tugend angefangen, und mit einer Bitte um Geld, daS übrigens aufs beste angelegt werden sollte, gr- schloßen hätte. Als ich endlich meinen Mammon genugsam a«i» 35 m- e, reich vi- itt che so u>- ki- ee- er- jen rlle je- tet ng, hts ne» ich« i as este ffe- ler» n- ld, gr- gewachsen sah, und dazu noch die Summen rechnete , welche meine Frau in Paris so gut belegt hatte, faßte ich den Entschluß, den Handel aufzuge- ben, und mich wieder nach Frankreich einzuschiffen. Wir hatten eine abscheuliche Fahrt, litten am Ende gar Schiffbruch, und schätzten uns glücklich, mit Vertust aller unserer Habe nur das Leben zu retten. So kam' ich nebst meinen Reisegefährten nackt und bloß nach Bordeaux, und segnete in meinem Herzen die kluge Vorsicht meiner Frau, die mir nach und nach ein so beträchtliches Kapital abgefvrdert, und dadurch die Halste meines Vermögens gerettet hatte. Doll von diesem Gedanken eilte ich auf den Flügeln der Liebe nach Paris, und fand meine Familie — denken »- Sie sich mein Erstaunen! — in der größten Armuth. Wie vom Blitz gerührt fragte ich Elisen um Hdie Ursache dieser Erscheinung, und erhielt von ihr folgendes Geständniß: „Du ließest mich, stu-g und ohne Erfahrung in Paris allein; ich befolgte den Rath einiger eben so «nersahrnrr Bekanntinmn und — es ist mir ergangen wie ihnen — ich habe mich zn Grunde gerichtet." „Aber wie war das möglich? Wie konnten deine Briese und dein Betragen mit einander im geraden Widerspruche stehen?'^ „Ach, mein bester Freund! das Verbrechen ist schlau genug, uns unter der bezaubendsten Larve und im scheinheiligsten Gewände zu beschleichen. Schlug man mir vor, für zehn Louisd or eine Loge in der -Oper zu miethen, so geschah das nur bei einer Vor- C S stellung zum besten eines unglücklichen Schauspieler«. Ich war es (so sagte man) den schönen Künsten, der Menschenliebe und ich weiß nicht, wem sonst noch mehr, schuldig; ich konnte mir ein Vergnügen machen, und zugleich Jemand eine Wohlthat erzeugen. —. Galt e<, eine neue Mode mitzumachen, so kam ihr Erfinder zu mir gelaufene , Wie, Madame! in einem Kleide, das schon vor vierzehn Tagen gemacht ward! DaS ist ja höchst unanständig! Man wird mit Fingern aus Sir zeigen. Zudem entblößt «S den Hals zu tief, und beleidigt also dir guten Sitten eben so sehr als den guten Geschmack." Wenn von einem neuen Kleide die Rede is^ ist ein Frauenzimmer leicht zu überreden; ich ließ also den Schneider machen," „An einem Morgen schreile^ich ganz behende durch die Straße. Auf einmal ruft mir Madame aus ihrer Kalesche zu: „Wohin denn so eilig, mein Herzchen? Sir steigen ja drauf los?... und das ohne Begleiter!... mitten durch das grobe Gesinde!!... Wissen Sie wohl, daß eine rechtliche Frau in Paris sich «nr im Wagen allein auswagen darf?" — Ich kaufte also einen Wagen, bloß um der Rechtlichkeit willen; und bald darauf einen Schmuck von Diamanten, um mit desto besseren Erfolg in der Kirche St R o ch für die Armen zu sammeln. Mit einem Worte, mein Schatz, ich bn höchst strafbar; denn ich habe dich nnd meine armen Kmder in die traurigsten VermögenSumstände gesetzt. Was aber meine Tugend berr'fft.« Bei dem Worte Tugend hätte Ich meine Tran Seinahe ins Gesicht geschlagen. „Was! (fuhr ich «uf) du unterstehst dich noch, mir von Tugend vorzusprechen? Du, die au.S Anstand so anstößig lebte, ans Demuth Staat machte, aus Menschenliebe mich an den Bettelstab brachte? Zum Teufel mit deiner Tugend!" — Sie werden nunmebr wohl einsehen, wertester Freund, woher es kömmt, daß ich gegen die pomphaftesten Namen, worunter man in Paris nicht selten die schlechtesten Handlungen verbirgt, einen so unüberwindlichen Abscheu hege; und wiewohl mein Brief gegen die Tugend, oder vielmehr gegen alle möglichen Tugenden, gerichtet ist; so bitte ich Sie doch, (zur Belehrung meiner zahlreichen Mitbrüder, der Dummbarte von Ehemännern) denselben bekannt zu machen. ^Hieronymus Widerspruch. In einer der kleinen auf Jahrmärkten ausge« stellten Glücksbuden, w» man für wenige Groschen viel, auch silberne Uhren, Löffel u. dgl. gewinnen kann, wenn der Direkteur und seine Würfel anders wollen, batte ein armer Teufel alles verspielt, was er in seinem Vermögen hatte. Traurig verließ er den Marktplatz, und traf auf einen lustig ihm zuhüpfsnden Haarkräusler. „Woher so traurig?" fragte ihn der Friseur. Ach, ich habe all mein Geld und den Mersen 35 Fingerhut dazu verloren, den mir in dem Spiel dort das Glück schon zugeworfen hatte. „Ich will euch zu Gclde helfen," sagte der Friseur: „was wollt ihr für eure Haare? (das Stiefkind Fortuna's besaß ein sehr langes) Sechs Gulden. „Ich geb' euch fünf." Topp! Der Friseur langte die Schere aus der Tasche und schnitt ihm für fünf Gulden die Haare glatt vom Kopfe weg Der Kahlkopf lief mit seinen fünf Gulden wieder zur Glücksbude. „Viel Glück auf den Weg!" rief ihm der Friseur nach; er aber dachte bei sich selbst: Hab' ich nur einen silbernen Löffel wieder, ich will schon aufhören. Er setzte, und setzte und setzte und gewann mit dem letzten Viergroschenstück seiner fünf Gulden — einen Hörnernen Kamm. Um die Zeit, als der Minister Calonne Ln Ungnade gefallen war, kam der Stabsoffizier von H*** nebst seiner Familie von seinen Gütern in einem Gasthofe an, wo er sehr bekannt war, und wohin er sich seine Briefe hatte adreffiren lassen. — „Große Veränderungen! (rief er, als er sie durchlief ) große Veränderungen! der Erzbischof von Toulouse, Herr vonLvmenie ist zum Minister ernannt. rs „El, das wolle Gott nicht! — versetzte der Wirtb — Sollte das wahr seyn, so wäre eS ein großes Unglück für Frankreich " „Wie so?" „Ich fürchte, er werde sehr bald das unterste zu oberst kehren. Er logirt immer bei mir ein, wenn er nach Paris reiset oder von da zurückkommt- und ich kann iiymer sicher darauf rechnen, daß er kein Ding an seiner rechten Stelle läßt. Dies Bett zum Erempel muß sogleich in ein anderes Zimmer, die Kommoden und Spiegel zwischen den Fenstern werden weggenommen, und dem Kamin über gesetzt; und wenn ich seinem Rathe folgen wollte, so müßte ich mein Haus abreißen lassen, um es an der andern Seite der Straße wieder aufz bauen. Ich denke, er wird sehr bald anfangen, im Großen zu thun^ was er hier im Kleinen vorzunehmen pflegt." Die Prophezeiung des Wirths traf richtig ein; denn Herr von Lomenie, krachte durch seine Neuerungssucht nicht nur ganz Frankreich gegen sich auf, sondern auch sich selbst wieder um seinen Posten. Verhör an der Himmelspforte. Kommst du vom Fegefeuer? — „Nein! „Ich war vrrehlicht." — Nur herein! „Und Hab' unlängst mein viertes Weib verloren.^ Hinaus! das Paradies ist nicht für Thoren. Haug. 40 Unvermuthet. Auf dem letzten Eartholoma'usmarkte zu Smiths steld begab sich folgender drolliger Vorfall. Ein dem Anscheine nach gemeines Frauenzimmer ward von einem Matrosen äußerst unanständig behandelt. Aut ihr Geschrei versammelt sich sogleich eine Menge Volks um sie, und führte beide Theile vor den Friedensrichter. Hier nahm man dem Matrosen e n Pflaster von dem linken Auge, und nun erkannte das Frauenzimmer in dems-lben — ihren lieben Mann. Es waren Personen von Stande aus den» «restlichen Thule Londons, die zu gleicher Zeit und ohne einander etwas davon zu sagen, den narrischen Einfall gehabt hatten, sich zu verkleiden und unter das Volk zu rmschen, um seine Freuden und Genüße einmal recht in der Nähe zu sehen und, «ri« man wenigstens den Herrn im Verdacht haben kann, hier und da selbst ern wenig populär zu scyn Die Erkennunasleene war sehr interessant. Herr und Dsme reichten sich zärtlich und freundschaftlich die Hände, ließen geschwind einen Wagen holen und fuhren eiligst nach Hause, dem Anscheine nach, fest entschlossen, sich dort alles vollends zu vergeben And zu vergessen. An Samuel M*. Heut, Samuel, ist Das Glockengeläut Aiel Lärmen um Nichts! — L« predigest heut! Hang, 4 » Der Abderit. Ern edler und wohlweiser Rath Trug einst den Bürgern vor, den Wallgang um die Stadt Mit jungen Bäumen zu verzieren. Sie nahmen insgesammt den Vorschlag willig an. Ein Gildemeister nur, ein alter finstrer Mann War dreist genug, zu protestiren Ich, bub er an, Wohlweise Herrn, Ich würde zu dem Vorschlag gern Auch mein geringes k'i-u gehen; Nur seh' ich nicht, wozu die Sache nützen kann. Denn würden wohl in unserm Leben Die Baume je so groß, daß sie uns Schatten gä- ben? — Und posito! fiel hier ein Rathsherr ein, muß man Denn immer nur auf sich und seinen Nutzen sehn? Für die Posterität muß auch etwas geschehn. — Hum! brummt der Aldermann, was gehen Uns die xostsriorL an 7 Er wird mich wohl nicht recht verstehen: Die Nachwelt mein' ich Freund: ein wahrer Biedermann Muß auch für die was thun! — Die Nachwelt k nun wohlan. Die Nachwelt, hat denn die für uns schon was ge- than? p. Eine«. 42 Ein Jude in B ** wurde wegen grober Betrügereien zur gerichtlichen Untersuchung gezogen. Nach Maaßgabe der gehörig ausgemittelten Verbrechen verurthetlte man ihn zu zweijähriger Zuchthausstrafe nebst dreißig Peitschenhieben, und daß er demnächst nach überstandener Strafzeit so lange in eine Korrektionsanstalt untergebracht werden solle, bis er seinen künftigen ehrlichen Erwerb gehörig nachge- wiescn habe. Als ihm diese Sentenz publieirt worden, verfügte sich sein Defensor, der Justiz-Kommissarius K*** zu ihm, mit der Frage, ob er das Mittel der Appellation ergreifen wolle, mit dem Bedeuten , daß er jedoch schwerlich dadurch eine Milderung, nach den überwiesenen Vergehungen schon sehr milden Urtheils, bewirken möchte. ,,Mein/ sagte der Jude, ,-rvir können's doch probiren, liebster Herr Justiz«Kommissarius. Die Zuchthausstrafe laß ich mir noch gefallen, auch die Peitschenhiebe will ich gern hisnehmen, machen Sie nur, daß ich von der Besserung loskümme." Herrn Eigenlob. Ja wohl verstummt bei -einen Schmiercrei'n Das Hohngezisch der Aristarchen. Du schläfcrst sie durch deine Schriften ein; Wer zischen wollte, mußte schnarchen. Haug. 43 Dorinde. Dorinde schminket sich, das kann ich ihr bezeugen. Gar nicht aus Eitelkeit, Nein, aus Bescheivenheit! Sie schämt sich, ihr Gesicht uns, wie es ist, zu zeigen. v. Einem. > Drays, der Tyrann, fand einst im Tempel Jupiters ein knieendes Weib, das mit großer Inbrunst für seine Erhaltung betete. Das gefiel ihm wohl, er nahte sich freundlich grinsend, und fragte die Betende, wodurch er ihre Liebe gewonnen? — „Ach Herr!" antwortete sie, „du bist der dritte Tyrann, den ich über Sicilien herrschen sehe. Zur Zeit des Ersten hatte ich vier Kühe; er nahm mir Eine, ich flehte um seinen Tod, und er starb. Sein Sohn nahm mir die zweite Kuh, und auch ihn habe ich zu Tode gebetet. Du hast mir die dritte genommen, und ich flehe Gott Tag und Nacht um dein Leben, um wenigstens meine vierte Kuh zu behalten." Der A^bb T errasson bemerkte in feinem hohen Alter, daß er in der Konversation, -wie sich Montaigne ausdrückt, das Gedächtniß für feine Wiederholungen verlor, und suchte sich auf folgende Art zu helfen. „Ich ertappe wich, sagte er zum Herrn von Monterif, auf Wiederholungen von Kleinigkeiten, die ich Ihnen schon vielleicht kaum 44 in tili-«? Stund? gesagt und wieder gesagt habe. Ich ergreife die Parthie, auf den Gebrauch meine» Gedä'chtnißes Verzicht zu thun. „Nun rief er seine Haushälterin. Kommen Sie, Mademsiselle Lugnet, ich trage Ihnen auf, sich statt meiner zu besinnen, wann ich Gesellschaft habe. Ich denke noch ganz leidlich räsonniren zu können; allein, was Neuigkeiten betrifft, bin ich mit meinem Kopfe nicht zufrieden." Und wirklich verwies er in der Folge auf seine Haushälterin. That Jemand an ihn eine Frage, so sagte er: fragen Sie meine Haushälterin. Der Hauptmattn und-er Dauer. Bauer. Herr Hauptmann, ach! was macht mein armer Sohns Man schrieb mir jüngst, er sey in einer Schlacht geblieben— Hauptmann. Ey, Freund! das hat ein Lügner Euch geschrieben, Cr blieb nicht; denn er — Liefdavon. Pf-ffel. Grabschrift eine» Faulen. Hier dieser Stein bedecket einen Mann, Der gar nichts in der Welt gethan. Ich glaub', am längsten Tag läßt er vor Gott sich gar nicht sehn, ?r ist gewiß zu faul, au» seinem Grabe aufzusteha, Ern französischer Marquis reifete einst mit der srdinairen Postkutsche von Eourgogne nach Paris, und unterhielt sich in der Gesellschaft, die er dar» auf fand, besonders mit einem Dänen, der viel ge» reist war, und Polen, Deutschland, Spanien, und einen Theil von Frankreich gesehen hatte. Er fragte nach allerlei, diese Länder betreffenden Dingen, und kam endlich auch,auf Dänemark zu reden, wo denn von der Autorität des Königs, von den Schiffen, die er in offener See hielt, und von mehreren dergleichen Dingen gesprochen wurde. Ein Gasco- «ier, der auch mit auf dem Postwagen war, hörte mit großer Verwunderung zu, bis er, da sie mit dem Gespräch ziemlich fertig waren, zu dem Danen sagte: «,Aber, mein Herr, hat der König von Dä'- „nemark auch eine Kutsche?" Alle Anwesenden fingen an zu lachen; der Däne aber, der diese Frage als eine Spötterei aufnahm, gerieth in Hitze, so, -aß er den Gasconier umzubringen drohte, und daß man alfe Mühe hatte, ihn einigermaßen wieder zu besänftigen. Der Gasconier konnte gar nicht be» greifen, weswegen der Däne so aufgebracht worden fry, und hatte nicht das geringste Herz, sich zu verantworten. — Als sie nun gegen Abend nach Pari« kamen, wollte der Gasconier nicht aus dem Wagen steigen, und sagte dem Marquis in's Ohr, er fürchte sich vor dem Fremden, dem gar nicht zu trauen *» seyn schiene. Nachdem derselbe aber von -er Ge- ftllschaft Abschied genommen Ukhd sich weit genug entfernt hatte, bekam der Gasconier wieder Muth, und sagte in einem drohenden Tone: „Ich habe nur ,,darauf gewartet, ob mir der Schurke etwas sagen „würde; ich will ihm und feinem Könige von Dänemark wohlmeinend gerathen haben, daß sie mir „niemals unter die Augen kommen." Als Galland dieTausend und eine Nacht aus dem Arabischen übersetzt hatte, worin bekanntlich so oft wiederholt wird: „Schwesterchen, wenn Lu nicht schläfst, erzähl' uns doch Eins von deinen schönen Mährchen," kam einst in einer kalten Wintersnacht ein Trupp junge Wildfänge unter sein Fenster, und rief ihn so lange bei Namen, bis er das Fenster öffnete. Was wollen Sie, meine Herren?-— „Um Verzeihung, sind Sie nicht der Uiberfetzer von Taufend und einer Nacht? — Ja, der bin ich. — „Nun, lieber Herr Gals land, wenn Sie nicht schlafen, erzählen Sie uns doch Eins von Ihren schönen Mahrchen.^ Der Name. Den Menschen hängt gewöhnlich Etwas von ihrem Beruf und Gewerbe an, das sich auch bei fremden Gelegenheiten äußert. Da der^ Sohn eines reichen Kaufmanns getauft werden sollte, und der Geistliche den Vater nach dem Namen fragte, den er ihm geben wollte, rief der Kaufmann laut aus : Robert und Compagnie. 47 Ein Israelit, der sich auf Noten verstand, aber auf solche, die in der Bank gehalten, und viel von Gcneralp acht, nichts vom Generalb a ß gehört haben mochte, — besah den schonen Äonzertsaal im deutschen Schauspielhause in Berlin. Bekanntlich Md die Namen einiger der größten Tonkünstler in der Dekoration angebracht. Hendel und Gluck fielen unserm Mann zuerst in die Augen. „Na," haben sie doch, Gott weiß, mit Einsicht und Geschmack das beigeschrieben: Handel und Glück. Der Kriminalrichter. Henri-Etienne spricht von einem Richter seiner Zeit, der beständig einerlei Formel bei einem peinlichen Prozeß im Munde führte. War -er Verhaft tete schon alt, so rief er: Gehangen, gehangen! er Hat gewiß schon mehr dergleichen verübt. War er jung, so rief er wieder: Gehangen, gehangen! er würde nur noch mehr dergleichen begehen. Der Wittwer. Bedauert, Freunde, doch den armen Polykarp! Sein Weib ging iüngst aus diesem Leben. Noch kann der gute Mann sich nicht zufrieden geben. Daß sie nicht früher stasb. Aschet. l 4Z ' Der Hagestolz. Herr Held, (auf der Straße.) Bis an den Tag! Das war ein königlicher Schmaus! Ich lob« mir das Juggescllen Leben. Der arme Glas ging schon um zehn nach Haus, Um seiner Frau nicht Stoff zum Zank zu geben. Der Sklave! Nern! Ich nehme mir kein Weib; Denn, würde sie in mein Betragen sprechen, Und hätte sie den Teufel selbst im Leib/ Den Hals, den Hals wollt' ich ihr brechen- (Pocht an dos Thor.) S e i n e M a g d, (am Fenster.) Wer pocht? Herr Held« Ich bin's. Dse Magd. So! Kömmt man endlich noch Mein schöner Herr? Pfui, schämen Sie sich doch! Dies tolle Leben ist nicht auszustehen. Ich werde nur noch heut um andre Dienste sehen. Herr Held. Kathrinchen ! Mach nur auf. Cs sott nicht mehr geschehen. Äazner. Die Auflösungen der in diesem Hefte vorkom- , Menden 2 Räthsel sind in alphabetischer Ordnung: Heerde, r. Schäferstunde. 4 - Die Unzertrennliches. Fanny Darky und Charlotte Wilkinson, zwet Töchter aus angesehenen Häusern in London, waren seit ihrer frühesten Kindheit Freundinnen, so sehr es zwei weibliche Wesen immer zu seyn vermögen. Jetzt aber waren sie nicht mehr kleine Kinder , sondern schon schön« Kinder. Ihre Freundschaft war in mancherlei Ursachen begründet. Beide waren, wie schon gesagt, jung, beide schön, beide wußten es, und die Kenntniß dieses herrlichen Vorzuges gab beiden ein gewisses erhebendes Bewußt* seyn, in welchem indessen Fanny den Borrang vo» ihrer Freundin hatte. Daß beide die ersten Gesellschaften der Hauptstadt von England besuchten/ gehe aus dem früher Gesagten hervor. Nirgends sah mar» Fanny ohne Charlotte, und Charlotte ohne Farin-z man nannte sie deshalb die zwei Rosen an einem stocke, Vrest und Pilades, die Unzertrennlichen. Und ihr Freundschaftsbund sollte in diesem Augenblicke noch befestigt werden; denn Charlotten» Bruder, der liebenswürdige Hauptmann Wilkin- fon, war der Verlobte der reizenden Fanny. . So war die Lage der Sachen, als ein Umstand eintrat, der — hier erzählt werden soll. Am morgenden Tage war eine große Affemblee^ woran die Damen und Herren der Rosidenz, welche Vlt,se»«ii4.B.L.H«st. D 50 Geburt, Ekand und Reichthum zum iVesuche derselben qualifizirte, Theil nehmen sollten und wollten. Viele Tage, ja mit unter Wochen vorher, hat- ten die Damen bereits über ihren Anzug gegrübelt und gesonnen. Wie schon im Allgemeinen die Fra, ge: Womit werden wir uns kleiden: immer in Das menangelegenheiten jener: Was werden wir essen oder trinken? vorangeht, so wurde sie hrer bei einer so wichtigen Gelegenheit ausschließlich aufgeworfen; denn diese Sorgen gehören bei Festen der Art nicht den besuchenden Frauen an. Auch Fänny und Charlotte standen schon seit zwei Wochen vor der Assembler, an dieser entscheidenden Frage, wobei jedoch bemerkt wird, daß sie sich einzeln dieselbe vorlegten, daß hier die Unzertrennlichkeit aufhörte. Fanny hatte Erfindungsgeist;'ein neues Kleid von neuem Schnitt, mit einer geschmackvollen neuen Stickerei, sollte ihre Schönheit verherrlichen und ihre Schwestern —» selbst Charlotte — in Schatten setzen. Es wird zu einem berühmten Zeichner, zu einem eben so berühmten Schneider gesandt, und beide erhalten die Weisung, die Ausführung der Erfindung zu übernehmen. Beide, gut bezahlt, arbeiten, der Anweisung gemäß, coo «mors und in sechs Tagen wird das Opus den Händen der Eigen- thümerin Überliefert. Sie lächelt, läßt die Zufriedenen noch einmal das Gelübde des tiefsten Schweigens ablegen, und steht nun, als sie entfernt sind, entzückt im Anschauen vor der gustieusen Körper- Hülle, entzückt wie Pygmaleon an dem belebten Ge- Zl bilde. Wahrlich, dev edelste Geschmack waltet in diesen Blumen , aus denen sich goldene Schmetterlinge wtegen, pnd durch deren Gewinde Genren mit Pfeil und Bogen wandeln, in diesen silbernen Sternen , womit das schneeweiße Gewand bedeckt iss. Vorsichtig und geheimnisvoll legt die glückliche Besitzerin das Köstliche zusammen, daß es dem Auge der neidenden oder nachahmenden Welt verborgen ruhe, und inik-seiner Pracht am großen Lage des Festes blende. Noch lag eine Ewigkeit von acht Tagen zwischen ihm und dem gegenwärtigen Augenblick. .Jetzt fährt sie zu Charlotten.; sie theilt ihr alle kleinen Geheimniße mit, nur nicht das von dem neuen Kleide- ' Die Tage vergehen. Cs ist nur noch ein einziger übrig» am morgenden Tag soll das prächtige Gewand debütiren, da wird Fanny und ihre Charlotte zu einer dritten Freundin gebeten, w» Lame'ngefellschaft ist. Beide erscheinen. ES ist hier von mancherlei Dingen, und endlich auch von dem morgenden Tage, und von den Kleidern die Rede, ,welche die Damen anlegen wollen. Fanny schweigt, ihrem Plane gemäß. Aber auch Charlotte ist stumm. Man dringt in Fanny, sie soll erzählen, welchen Anzug sie gewählt habe, und sie — täuscht die Neugierigen durch die Aeußerung, daß sie in einem, allen bekannten Kleide erscheinen werde. Nun ist die Reihe an Charlotten, auch sie soll gestehen , womit sie sich kleiden werde. Sie weigert sich zu antwvr- «n, aber die Weigerung mehrt die Nrugier, Char- D s ZL lotte ifl zur Antwort gezwungen. „Wohlan," — spricht sie nun — „ich werde ihnen alles sagen; noch mehr, ich will ihnen mein, für morgen gewähltes Gewand zeigen, um zu erfahren, ob es ihren Beifall, den Beifall geschmackvoller Aennerinnen, findet." Und sie ruft den Bedienten und befielt ihm, das Paket, welches vor zwei Stunden der Schneider gesandt habe, sogleich hieher zu bringen. Er geht, kehrt zurück, Charlotte zieht mit selbstzufriedenem Blicke das Gewand hervor, und — Fanny sinkt erbleicht in Ohnmacht, denn ach! die ganze Stickerei auf Charlottens neuem Kleide ist die nämliche, welche sie erfunden hat, und die ihr Gewand, das sie morgen tragen will, schmückt. Eine schreckliche Uiberrafchung! das von ihr erfundene Dessin ist auch hier; sie soll nicht mehr allein in einem solchen Kleide glanzen! Dieser Gedanke spannt ihre Nerven ab; sie sinkt bewußtlos in einen Stuhl. Die Damen erschrocken, oder stellten sich wenigstens erschrocken; denn eine Ohnmacht war in jener Zeit bei dem weiblichen Geschlechts eöeN so an der Tagesordnung, als jetzt eine Erkältung; nur Charlotte erschrack wirklich, da sie und ihr neues Kleid die Veranlassung dieser Ohnmacht schien. Sobald Fanny wieder zur Besinnung kam, erschöpften sich die Schönen in Fragen, und erfuhren dann auch, was die Leser bereits wissen. Charlottens Schreck ward zum Schmerze; denn sie hatte, obgleich ohne Dillen, ihre Freundin in diesen Zustand versetzt, bö kam nun zu ferneren Erklärungen; Fanny schmähte auf den meineidigen Zeichner und Schneider, Charlotte versicherte aber, daß beide schuldlos waren, wenigstens direckt schuldlos, und sie kenne weder einen noch den andern; ein Zufall habe sie auf die Idee gebracht, diese Stickerei zu wählen; ihre Kammer,ungfer habe ihr ein Stück Zeug mit Stickerei gezeigt, deren Sterne, Blumen und Figuren ihren Beifall gefunden, und sie habe sich schnell entschlossen , diese Dessins auf ein Kleid für die nächste Assembler anzuwenden; sie wisse nicht, wie ihre Jungfer den Zeug erhalten habe, aber sie vermuthe setzt, daß sie ihn von ihrem Liebhaber, einem Schnei- drrgesellen, erhalten. „Ein Rest von meinem Kleide!" sprach zörnend Fanny. „Ja, ,'a, so ist's!" Charlotte siel ihr, Verzeihung erbittend, um den Hals. — „Wohlan, ich vergebe" — entgegnete diese — „doch nur unter einer Bedingung. Sie mäßen die Güte haben, mir eine Bitte zu gewahren. Befehlen Sie, theure Freundin, über mich — rief Charlotte — fordern Sie mein Leben. ES sey Ihnen geweiht. Fanny. Ich erbitte mir eine kleine Gefälligkeit. Versprechen Sie mir, das Kleid nicht zur morgenden Assembler anzulegen. Charlotte, (erbleichend und zurücktretend) Wie? — Das fordern Sie. Rein, Fanny. Das ist unmöglich. Ich habe sonst keine Freude, keine Hoffnung. Nein, das können Sie nicht begehren. Ihre Freundschaft gilt mir alles; aber -- 54 Fanny. Und Sie wollten mir ißt Leben weißen? Charlotte. Wenn es nothig war, gewiß; doch ein Gewand hingeben, auf dessen Schönheit, ich mich so lange freüte. Nein, ich gestehe, ich würde sehr unglücklich seyn durch eine so ungeheure Entsagung ; ich — ,,Nun denn" — sagte mit bitterm Tone Fanny so ist es an mir, zu entsagen; ich opfere ihnen das Kleid und die Freuden des Festes; ich werde morgen zu Hause bleiben. — Zch sehe ein — fuhr sie ruhiger nach einer Pause fort — daß ich Unrecht hatte, nnch vom Unwillen überraschen zu lassen, daß Sie, liebe Freundin an dem Handel, der übrigens auch als eine Bagatelle erscheint, unschuldig sind. Vergessen wir den Vorfall, und reden von etwas anderm. Ilmarmen Sie mich. Wie pries man die Mäßigung, die Ruhe, welche sich setzt im ganzen Wesen des Mädchens offenbarte! wie bedauerte man die edle Dulderin, die sich mit einer bewundernswerthen Kalte an den Spieltisch setzte, und mit der höchsten Aufmerksamkeit den Gang des Spieles auch in seinen Details beobachtete. Endlich trennte sich die Gesellschaft, die Freundinnen umarmten sich beim Abschiede. Des Vorfalls ward nicht mehr gedacht. Aber Fanny gedachte seiner nun erst recht, als sie in ihrer Wohnung angekommen, und entfernt von lästigen Zeugen war. Jetzt brach der lang verhaltene Zornstrom gewaltsam aus, die Grazie ward zur Furie. Sie weinte, sie rang die Hände, sie 5Z warf sich verzweifelnd in die Ottomane, lief, eine Ophelia, im stillen Brüten versunken, im Zimmer auf und ab, besah stieren Blickes das verhaßte Kleid, warf es zu Boden, daß der Bologneser laut auf- bellte, jagte diesen hastig fork, rief der Soubrette, schlug die Thüre gewaltsam zu, raffte das Kleid auf, und warf es — in den Kamin. Die Zofe sprang schnell g?nug herbei, um die gestickte Lanassa vom Feuertode zu retten. Was wollen Sie thun, meine gnädige Gebieterin? fragte mit schmeichelndem Tode Laurette, die schlaue Jungfer— Warum das schone Gewand vernichten ? Was versetzte Sie in diese verzweiflungvolle Stimmung? Noch währte es einige Minuten, ehe Fanny Fassung gewann, die Stimme ihrer Dienerin zu vernehmen, und dann vergingen noch einige andere, ehe sie, auf's neue befragt, die Ursache ihres Zorns, ihres Kummers, ihrer Verzweiflung zu nennen, der Betreuen den ganzen Verlauf der Sache mitzutheilen vermogte. Laurette war ganz zur Vertrauten ihrer Gebieterin geschaffen. Sie besaß Scharfsinn genug, auch das zu verstehen, was Fannys Mund nicht aus» sprach, und war belesen genug, um eine gute Rednerin zu heißen, und ihre Gebieterin zu berathen. Und was haben Sie beschloßen? fragte sie, als Fanny die Erzählung des großen Unfalles, und die Schilderung ihres gerechten Kummers geendigt hatte. Weiß ich es? erwiederte Jene. Am liebsten strafte ich die eitle boshafte Tharlotte durch Verachtung , durch Kälte. Ohnehin versteht sich, daß urr- §6 sere Freundschaft in jenem Augenblicke, da sie darauf bestand, das nachgeahmte Gewand morgen zu tragen , für immer endete. Und das wäre es alles ? Sie wollten den Triumph der Hoffärtigen dulden, sich nicht rächen? Rächen? fragte Fanny mit funkelndem Auge. D könnte ich es l Könnte ich Rache üben; ich lechze mach ihr. Laurette, schaffe mir Gelegenheit, und ich belohne dich freigebig. Ersinne Mittel dazu, und ich will dich meine Wohlthäterin nennen. Denke nach. An Verschlagenheit mangelt es dir nicht. Rathe mir. Die Zofe überhörte die Aufforderung nicht nnd ließ sich dieselbe nicht erst wiederholen. Gelegenheit zur Genugrhuung für Sie würde und müßte sich wohl finden, Ihre Feindin könnte gedemüthigt, zum Gegenstände des Spottes, des Gelächters, ja, sie könnte vernichtet werden; das nähme ich im Nothfalle auf mich, und führte es aus; aber — Kein aber Aber, wollte ich sagen, Charlottens Bruder ist Ahr künftiger Gemahl. — Diese Worte schufen eine Pause von wenigen Sekunden. Fanny schien mit sich zu kämpfen. Endlich war dieser Kampf gestritten. Ich habe ihn geliebt—sprach sie mit dumpfem Tone und gesenktem Blicke. — Es ist vorbei, und die Rücksicht auf dieses Verhältniß nun überflüßig. Die Uibermüthi- ge wird gedemüthigt, mein Stslz muß mir Ersatz r? -eben für den Verlust. Wilkknson ist nicht mehr mein Bräutigam. Nimm es so und theile mit, war Du ersonneu. Laurette half, durch Bemerkungen, daß Fanny« Schönheit bald ein Heer von neuen Anbetern herbei« führen müsse, welche des Verlobten Stelle mit Entzücken einnehmen würden, jeden Widerspruch in Fannys Innern meistern, und die Flamme des Hasse« -egen Charlotte zur lodernden Glut anfachen. Und welches Motiv hatte die Zofe für ihre Handlung, welchen Lohn für ihre Redekunstübung? Fanny Hatte ihr das gestickte Kleid , das corpur äelicti» und eine baare Belohnung versprochen. Ein reiche« Kleid und einige Goldstücke! Um solch einen Preis unternimmt ein Geschöpf wie Laurette viel. Alles. Und Fanny? Wenn irgend ein weibliches Wese» » hne Eitelkeit ist, nun so besaß Fanny zur Abrechnung diedo ppelte Quantität. Daher der Uiber- reiz. Sagen Psychologen doch schon im allgemeinen , daß gereizte weibliche Eitelkeit die ungeheuersten Revolutionen herbeiführe. Man erzählt, daß der berufene Roquelaure einstmals ersucht ward, die Aussöhnung zweier Damen, welche sich überworfen, -u bewirken. Das will ich wohl — antwortete er — nur mäßen sie nicht sich einander häßlich genannt haben. Jffland läßt den Anton in den Jägern von den Mädchen sagen: Nimm ihr den Liebhaber, und sie wird weinen, aber zerbrich ihren Spiegel, wirf ihren Putz zu Boden, und sie wird sich die Haare »««raufen. So geschah e«, daß Fanny ihre Liebe ZF und ihre frühere Hoffnung auf Lebensglück der Rache opferte. Doch welche Art hon Rache hatte Laurette ersonnen ? Nur ein wenig Geduld, freundlicher Leser; die Zofe flüsterte so eben im Boudoir der Gebieterin den Plan geheimnißvoll zu. Referent vernahm noch kein Wörtchen davon. Erst im Erfolge offenbart sich, was jetzt noch verschwiegen wird. Und so knüpfen wir die eigentliche Erzählung wieder an den Augenblick an, in welchem Charlotte von der Affem- blre zurückkehrt. > Wie kehrt ste daher zurück ? Bleich, entstellt, furchtbar krank, von schrecklichen Krämpfen gefoltert, bewußtlos, und eine halbe Stunde ist erst vergangen , seit sie ihre Wohnung verließ, um sich zu der Affeinblee zu begeben. Ihr Anstand ist unbeschreiblich gefahrvoll; der herbrigerufene Arzt zweifelt an Wiederherstellung der Leidenden. Doch die Kraft der Jugend rettet sie, und läßt sie bald die Gesundheit wieder gewinnen. Aber sie zieht sich nun von dem großen Leben zurück, aus einer Welt, in welcher sie eine der bittersten Kränkungen erfuhr. Die Zeit heilte den Kummer, aber sie kehrte nie mehr zur Hauptstadt zurück, und weihte ihr Leben den bessern Genüßen der freien Natur; sie brachte es au der Seite eines braven Gatten endlich dahin, Fanny, ihre größte Feindin, nicht mehr zu hassen; aber lieben konnte sie die ehemalige Freundin nimmer; der Herzens- bund war zerrißen, die Unzertrennlichkeit aufgehoben , und Hauptman» Wilkinson, welchex Fanny einen Absagebrief geschrieben, und von ihr keine Notiz S9 mehr nahm, vermählte sich mit einem andern, weniger eiteln nnd durchaus mcht bösartigen Mädchen; und sah die Verlassene nie wieder. Das die Wirkung von der. Erfindung der Aofe Fannys, einer Erfindung, die wir jetzt in der Ausführung näher beleuchten wollen. Nichts ist leichter — hatte die ränkevvlle Aofe am Abende vorher zu Fanny gesagt als Charlotten zu demüthigen Geben Sie mir die Crlaub- niß, daß ich thun darf, waS ich will, und die ganze Stadt soll eine Aeitlang über sie lachen; darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Und gerade das Kleid, tvorin sie zu glänzen besa-loßen, womit sie meine Gebieterin zu kränken entschloßen ist, soll zum Mittel dienen. Fanny versprach noch einmal, alles zu erlauben, und forderte nnn die letzte Erklärung. Wohlan — sprach mit Triumph im Blick und Ton die Listige — Hören Sie mich an. Charlotte will Ihnen nicht erlauben, einzig zu erscheinen mit dem Gewände von Ihrer Erfindung, Sie will mit der Kopie prahlen, und dieser Wille gerade muß Ihr Verderben werden. Wir haben bis zum Asifang der Affemblee noch zwanzig Stunden. Zeit genug, um noch ein solches Kleid anzufertigen. Ich verstehe so viel zu zeichnen, als hier nöthig ist. Stickerinnen schaffe ich; ein Schneider sieht mir zu Gebot. In dieser Nacht wird das Gewanb verfertigt. Noch ein solches Kleid? —— fragte verwundert Fanny — Für wen? Für Ihre Meerkatze Parratta. Bist Du von Ginnen? 6s Das wirb sich zeigen. Wir liehen ber Mamsell Parratta das Kleid an, und der Küchenjunge Tom pellt sich mit 2er Geputzten an die Lhüre des Palla- stes, wo Assembler ist, rufend: eine Meerkatze! Wer kaust! Die Herrschaften steigen aus den Equipagen, und schauen lachend die geputzte Dame an; daß Sonderbare des Aufzuges macht alle Welt aufmerksam. Die Gestalt, das Kleid imprimirt sich; man tritt in den Gaal, und findet hier das nämliche Kleid an Charlotten, oder sie tritt herein, gekleidet wie Pa- ratta. Denken Sie sich die Scene. Zum Uiberfluß suche ich noch zu erfahren, wie Charlotte übrigens gekleidet, coeffirt ist, und staffire Pgrratta so aus, daß sie CharlottenS Ebenbild ist. Sin wunderbarer Einfall. Aber wo bleibt das Thier in dem Augenblicke, wenn Charlotte kömmt? Tom kennt ihre Equipage; sobald er diese die Straße herauskommen sieht, wirft er dem Diehe ein Luch um, und entfernt sich so lange, bis die Wils kinson innerhalb des Pallastes ist. Und wenn Einer oder der Andere die zum Kauf gebotene an sich bringen wollte? So fordert er einen ungeheuren Preis, der Jedermann die Kauflust benimmt. Parratta bleibt uns. Vortrefflich, ganz vortrefflich. Wie viel Verbindlichkeiten bin ich Dir schuldig, kaurette! Nun, ich hoffe, Du sollst mit mir zufrieden seyn. Und Sie mit mix. Aber, soll es gedeihen, so muß ich eilen. Sie erhielt Erlaubnist ans Werk zu gehen , und that es. Ei» Schneider schnitt das Kleid zu, L-urette 6r zeichnete Blumen, Schmetterlinge, Genien und Sterne; sechs Stickerinnen arbeiteten, die gewandte Jungfer half. Am folgenden Mittage war die Kopie fertig, drei Stunden später Parratta gekleidet, so daß sie dem Anzuge nach Charlotten durchaus glich; und ehe noch die erste Equipage zur Assembler rollte, stand Tom, auffallend genug gekleidet, vor der Thüre de» Pallastes mit der geputzten Parratta, und schrie: Ed ne Meerkatze, wer kaust? Das boshafte Geschöpf hatte ganz richtig geschissen. Niemand stieg aus dem Wagen, ohne ein» Augenblick wenigstens die possirliche kleine Dame zu beschauen, welche so angezvgrn war, daß sie die ?ors' derpfoten nicht frei hatte, und aufrecht neben ^oin stehen mußte. Auch Dorüberfahrende lassen hcken, und begaffen die sonderbare Prrsvnnage. Jetz rollt ein Wagen daher. Tom wirft Parratten ei» Tuch über und geht davon. Kaum aber ist Charlok Wil- kinfon, der schon einige aufmerksame Zuscha»r nachlachen, zur Thüre hinein, so steht der Ii«ge wieder aus seinem Platze mit dem Thiere, Nrch sein Rufen ne« Aufmerksamkeit erregend. Auch der Kopsputz, die Farbe -rSVanbeS an Tharlotten war mit dem an Parratten ;anz gleich. Sv wie das arme Mädchen in benSaal tritt, tritt auch ein Lächeln ans jedes Anttz; man gibt sich Mühe, es zu verbergen, aber unwillihrlich kömmt der Krampf wieder, sobald man Eharttten ansieht, dir Meerkatze nach größerm Maaßstabi» Man steckt die Köpfe zusammen; immer mehr Personen trete » rin; jede beschauet staunend und lächlnd die Wilkrn- 6r son. Alles zieht sich von ihr zurück. Eie bleibt allein , von jeden» Neüeintretendm anss neue begafft und belächelt. Man denke sich ihre Verlegenheit. Ein origineller alter Herr, der Lord § * führt endlich die Katastrophe herbei. Er schlägt bei ihrem Anblick ein lautes Gelächter auf, tritt dann zu ihr md spricht: „Um des HimmelSwillrn, wie kommt «, daß Eie und die Meerkatze hier unten sich so Wz gleich sehen ? Eine wunderbare Lärme s" Indig- mt tritt sie zurück, ihr Blick, ihr BenrhirienH läßt ihr. die Wahrheit errathen. „Haben Sie denn nichts' geseen — srägt er — hier unten vor der Thüre?" Es lmmt zu Erklärungen. Dis gebeugte Mädchen ersäht alles; jedes Spotttächelnde GrsM bestätigt des L'ds Aussage. Vernichtet wankt sie aus dem- Saale an dessen Thüre ihre Domestiken sie empfan- gen unlzum Wagen führen. Eine schmerzvolle langwierige 'rankhrit ist die Folge. Dr Hauptstadt sprach einen Monat lang von der Begelnheit, lachte darüber und vergaß sie dann. Anfangs He« man Fannys Handlung, aber später verachtete rin die Urheberin, wie inan die entfernte Lharlottebemitleidete. Das ist Damenfreund- schaft, sprachi mit einigem Rechte die Klugen im Lande. K. Stein. Helden. Lewunbert Solmans Heroen! Der Feind blieb mf dem Platz — sie stohen! H«. ^ 6z Ein Gesetz in Spart a. Damit die Armuth nicht die Ehen mindern, Und Rkichtkmm nicht dieselben stiften kann; So soll, nm dieses Uibel zu verhindern Kein Mädchen mehr, von heute an, Geschmeide, Gold und all dergleichen Gaben, Noch sonst rin Erbtheil je zu hoffen haben, Befahl Lykurg, der weise Mann. Wie traurig würd' es unfern Mädchen gehen, Bestünde dies Gesetz jetzt noch, Gewiß! zu Wunder würden Ehen. Lhomann» Der Tob. Was sollt' ich vor dem Tod erschrecken? Ein gutes Ding ist's um das Grab; Denn sebt nur: Alle, die eS schmecken, Die lassen gar nicht wieder ab» v. Nikolah Der ZeitungSlesrr. Ein gewisser Mann wurde gefragt, was es guts Neues gäbe? Er antwortete: Ich weiß eben nichts. —- Sie halten ja die Zeitungen, wie ich sehe, er- rvirderte der erste, da er einige Zeitungsblätter auf dem Tische liegen sähe. — „Ja, das ist wohl wahr," versetzte der Hausherr; „allein ich hebe fie auf, bis das Jahr zu Ende ist, und dann lese ich sie so »r- drntlich nach einander durch." 64 Amor uni» Minerva. Al« Pallas einst der Waffen Amor« lacht', Sprach dieser.- Wer von un« hat grvßre Macht? Den du mit vieler Mühe durch den Weg der Ohren Zum Weisen machst, mach' ich durchs Auge schnell zum Thoren. Kuh. Denkmünze, die man einem General zu Ehren schlug. > ^ Eine Seite wie« sein Bild Und die finstren Blicke, Ganz nur Heldenmuth erfüllt, Und die StaatSperücke. Unten sah man diese« stehn: Don den Thatrn diese« Helden Wird die andre Seite melden; Umgekehrt — war nicht« ju sehn. Der unzeitige Aufputz. 8* gehet, so lang' ich nur denke, M«t fliegenden Haaren de« Morgen« au«: Den Haarbeutel holt er erst Nacht« au« der Schenke, Und taumelt damit en xslls. nach Hau«. Zoh. Möser. i i r « d d 8 ft S n " di di vl ü! be ve so K-, ne er, gel dal te Kö gei 6t H rir a t h sg e su ch im Kanjlei style. Ochrriben deS Kavzleibothen Tinten macher an Mademoiselle Feuerfest, dermalen Kammer» jnngfer. Laut einer unterm ersten April laufenden Iah» res, wegen unbescheidenen Streben- nach Ew. Wohl» «dein Zuneigung, dr«vi manu an mich abgegebenen Ohrfeige, konzedirten Dieselben mir stillschweigend die erfreuliche Hoffnung, au Dero Äugend zu glauben, und auf sothanen Glauben weitere^ ohnver» greifliche Wünsche bauen zu dürfen. Iu Verfolg bes fagter meiner Wünsche begab ich mich demnächst alle Sonn, und Festtage Morgens dreivierkel auf Neun nach allhiesiger Pfarrkirche, und setzte mich allda auf die dicht hinter der Kanzel befindliche Bank, um jeden »on Ew. Wohledelu gütigen Blicken, der etwa von dem Gesichte des Predigers ab und zu mir Herübergleiten wollte, in meinem Herzen verwahrlich beizulegen, und allen Fleißes darüber zu wachen; verfügte mich auch dann, nach geendigter Predigt sofort an die Kirchthürc, Denenselben annoch mittelst Kompliments, die geziemende Submission zu erkennen zu geben. Maßen nun ermeldete Dero Blicke erwähntes mein Herz dergestalt aufgetrieben und an- gejchwellt hatten, daß sich m meinem Körper für daffelbe ein zulänglicher Raum kaum verfinden wollte , als mußte ich, wenn anders angeregter, mein Körper vor einem jämmerlichen Ruin und Untergänge geschützt werden sollte, allen Ernstes daraus bedacht Museum 4, B. L Heft. E es skyn, Ew. Wohlebeltt dickbesagkes mein Herz ohne weiterer Säumniß zu Füßen zu legen. Obmalen dan- nenhrro nicht unterließ, des Tages zu widerholten Malen unter Dero Fenster vorbei- und auch durch Denenselben auf der Promenade und sonst, öfters uachjuschleichen, um deshalb mit Cw. Wvhledeln zweckdienliche Rücksprache zu halten so war doch der Denenselben gegrnüberipohnende Fahnenjunker, oder der Ew. Wvhledeln bewußte vorlaute Page, oder irgend ein anderer lockerer Zeisig immer sogleich bet der Hand, so, daß ich mich verhindert sah, die gehörige KvmmuniksLion mit Denenselben zu pßlegrn ; zudem wollte es in einigen 'günstiger« Augenblicken meinem Munde an dem behvsigcn Muihe gebrechen, indem ich besorgte, Cm Wvhledeln dürften den Umstand, daß ich mit einem fixen Gehalt noch nicht begnadigt war, der Gewährung meiner zu wagenden Bitte hinderlich achten. Wenn jedoch durch den mn 16. erfolgten, so Gott nicht anders will, seligen Eintritt ^ des hiebevorigen wirklichen Kanzlei- bothen nicht nnr der ekbittersie meiner Feinde ab- mrd zur Ruhe verwiesen ist, sondern ich auch, ein- svlglich der bereits seit Jahresfrist habenden Adjunk- tur, in seine besoldete Stelle, wie der hier angebogene Qriginal-Pflichtschein des mehreren besagt, as- cendiret bin, und forthin auf den, meinem Berufe anklcbenden, zahllosen Gängen die feurige Last mei, ues Herzens mit mir herumzuschleppen billig Bedenken tragen muß; als erkühne mich, Denenselben meinen kalamitvsen Zustantz, wie selbigem einzig und allein durch eine unmaßgeblich eheliche Verbindung nii 6 ? Ctö Wohleblen allenthalben abhelfliche Masse zu treffen seyn würde, in Schriften anrnit zu eröffnen, auch Dieselben um eine der fördersamsten mir zu ers theilende klementeste Antwort, nebst Armissian der Ongmalanfnge, ergebenst zu ersuchen. Uibrigens habe annoch, falls etwa, weil ich Denenselben mit deni verruffenen Kanzleistyl und jetziger Zeit Anstoß gebenden Worten, als sintemalen und alldieweilen Mid dergleichen, nicht beschwerlich fallen mochte, ein Fehler hierunter vorgefallen seyn durfte, pflichtschuldigst um Verzeihung bitten wollen, der ich seit Eingangs gerühmten ersten April dies Jahr init vollkommenes Respekt verharre Ew. Wohledeln ' Dienstwilligster. Michael Tintenmacher. An einen Wittwer, bei Beerdigung seiner Gattin. Wisch alle ThräneN ab, und gönn' ihr nun die Ruh! §> wende deinen Blick auf ihre Grabbegleiter: Studenten, Stußerchen und Fähndrichs und so weiter, Die alle fassen sich, und sprechen Trost Dir zu: Gleichwohl verloren sie an ihr so viel wie Du! v Ky§w« Buffe. 6L Ein Beichtkind trug se'nem Beichtvater seine Vergehungen vor, und unter seinen Sünden erzahl- te er auch, daß er sich eine Untreue gegen seine Geliebte ^rlauht habe, ob er sich gleich in einigen Wochen mit ihr trauen lassen werde. Der Geistliche gab ihm ohne Anstand die Absolution. Der Beichtende gmg^ unterwegs siel ihm aber ein, daß er wohl keine rechte Vergebung erhalten haben könnte, da ihm keine Büßung auferlcgt worden sey. Er kehrte als» zu dem Beichtstuhl zurück und fragte: Ehrwürdiger Herr, wie kommt «S, daß Ihr mir keine Buße auserlegt habt? ,,Wozu da? — Ihr sagtet mir ja, da- Ihr heiZ rathen werdet?* Doppelte Vrrurtheilung. IjlS Dichter ein Phantast, als Mensch noch eins so schlecht So spricht von PontiknS die halbe Welt mit Recht. O daß kein Jauberschlag den theurrn Ehrenmann Iu gleiche Hälften theilen kann! Den Menschen schickten dann ins Zuchthaus flugS die « Richter, Und traun! inS TollhauS fiugS den Dichter. Wrisser. < Dorat, der fruchtbarste und beliebteste Volksdichter seiner Zeit, den besonders der allgemeine Bei« fall deS schönen Geschlechts Nicht wenig aufblieS , hatte von seinen Werken eine mit aller möglichen typographischen Pracht gedruckte und mit den schönsten Kupfern der berühmtesten Künstler auSgestattete neue Ausgabe veranstaltet und dadurch seiner Eitelkeit he» letzten duftendsten Weihrauch gestreut. An einem Morgen befindet er sich im Buchladen seines Verlegers, als ein Fremder, der sich schon durch feinen Accent als «inen Engländer ankündigt, erschein', und nach der Prachtausgabe von DoratS W.er^ ?en f äzk. - ,Mic viel kosten sie ,,Sechs LouiSd'or." „Hier sind sie!" „Ich will Ihnen das Packet nach Ihrer Wohnung schicken." Nicht doch, nicht doch! Das ist Alles so bequem und allerliebst , daß man eS mit Vergnügen selbst trägt. Welch ein Triumph für den Dichter, der mit Entzücken vernimmt, daß sein Ruhm sogar jenseits der Meere erschollen ist! Schon sinnt er im Stillen auf eine Ode an die erhabene Nation, die, frei vom Joche der Knechtschaft, vor allen andern, Wecke de« Geschmacks nach Verdienst zu würdigen versteht Aber man denke sich sein Erstaunen, slS er sich nach dem zu besingenden Käufer umwendend, denselben mit der größten Kaltblütigkeit einen Band nach dem andern vornehmen, di« Kupfer behutsam herauStren- nen,,die Gedichte unter den Tisch werfen und mit dev ArgMkiL in Papier gewickelten Bilder» fortAehen sicchtj 7 ° Der berühmte Dichter Matthiso« hatte auf ?iner Reise einen Lohnbedienten, der bei jeder Gelegenheit viel enthusiastische Vorliebe für schone Ge, genden an den Tag legte. So versicherte er ihn unter andern einmal: Zwischen Meissen und Dr esden besonders habe er die Gegend so schön gesunden , daß ihm «och ganzer acht Tage der Hals la- von weh gethan habe» Als sich Matthison, der nicht wußte, wie die Schönheit und das Halsweh zusammen kämen, deshalb näher bei ihm erkundigte, erwiederte der Bediente: ,,Ia sehn Sie, has kam vom vielen Um gucken!^ Eine Sängerin, die sich, zum Verdruß aller Verständigen, immer in Passagen und Rouladen aus- laufen läßt, von denen sie aber gewöhnlich die Hälfte nicht hörbar herau 14 Gedacht, gethan! — Sie war nicht lange Leanders Frau; La hört' er schon nicht mehr das bange Miau! Miau! Nur einmal sucht' es ihn zu necken. Doch kaum wollt' er sein Gretchen wecken, Da winkte schon der Kobold sehr. Und schwand hinweg und kam nicht mehr. Befreit war er aus diesen Nöthen Kein halbes Jahr: La merkt' er schier, daß auch in Grete» Ein Kobold war. Zwar hatte sie von jener Katze,) Den Zagel nicht auch nicht die Tatze; Sie maute nicht, doch scharf und spitz Gab ihm ihr Zünglein Ritz an Ritz. Gar bald vermißt' auch Franz und Jette, Den Kobold sehr; Denn, ach! vom Morgen bis zum Bette War Gretchen mehr! Leandern selbst befiel ein Grauen: Denn; raubt' ihm jener auch mit Mauen Manch Stündchen Schlaf; die Teufelei War immer doch Gloch Ein- vorbei. > Jetzt aber, (armer Mann!) entledigt Die Nacht ihn nichts Am Tage Zank, Gardinenpredigt Bei Lampenlicht! Don feinem Fifchrverk keine Schuppe, ^ Kein Wild, und keine Hühnerfuppe; Kein Wein, kein Bischof, kaum noch Bier! Doch beten mußt' er täglich zwier *). Verzweifelnd lief er nun zum Pater Mit nassem Blick, Und bot ihm für den Kobold-Kater Sein Weib zurück Der aber wies ihn von der Stelle. „Ich bin, (so sprach er) Junggeselle, Und was noch schlimmer, bin schon alt, Drum mangelt mir es an Gewalt. ,,Cin weiblich eostumirter Teufel Vertreibt sich schwer; Doch umgekehrt; ach! sonder Zweifel Will das weit mehr l Der erstre läßt sich wohl noch bannen; Der andre wanket nie von dannen! Dru« kann — gib dich geduldig drein! — Seibsi Doktor Faust »ich nicht befrein!" *) Zweimal. 86 Das war dem Kobold-Heimgesuchten Ein Donnerwort. Gebeugt von seines Schicksals Wuchten Schlich er sich fort, Ergab sich hilflos dem Pantoffel, Trank Brunnenwasser zur Kartoffel, Ward dürr wie Holz, stumm wie der Stein, Und ward bald — Hahnrei obendrein. Kretschmann. Rath für Prediger. Wenn ein Prediger merkt, daß seine Zuhörer nicht aufmerksam sind, so müßte er es machen, wie «in gewißer Doktor Alymer, Bischof von London. Als dieser merkte, daß der größte Tbeil seiner Versammlung schlief, fing er auf einmal laut an in einer hebräischen Taschenbibel zu lesen, die er bei sich hatte. Als er hierauf sah, das alles aufmerksam wurde, sprach er: was seyd ihr doch für feine Leute! ihr seyd aufmerksam, wenn ich euch etwas verlese, wovon ihr kein Wort versteht, und schlaft, wenn ich mit euch in eurer Muttersprache von Dingen rede, auf denen das Heil eurer Seele beruht." Lichtenberg. Vor mehr als dreißig Jahren stiftete ein Herr Urtau zu Paris eine Lotterie für keusche Jungfrauen (LII-s -sß«s). Jetzt hört ryan nichts mehr davon. Ist die Lotterie eingegangen? oder gibt es keine (Lll«s ssxes) mehr? r? Natürliche Hexerei. Als man der Marschallin d'Ancre den Proceß machte, als eine Here verbrannt zu werden, so ward diese unglückliche Dame unter andern auch im Verhör gefragt, welcher Zaubereien sie sich bedient habe., den Geist der Königin Maria von Medieis nach ihrem Willen zu lenken? — „Ich habe michantwortete sie, ,,der Gewalt bedient, welche starke Geister gewöhnlich über schwache haben." Der unerwartete Vergleich. Ein Schneider ging mit seinem Zungen über Feld, und weil er sich betrunken hatte, so sing er mit verschiedenen Leuten Händel an, bis er endlich von einem recht derb durchgeprügelt ward. Ob er nun gleich ein Paar blaue Augen davon getragen hatte, so redete er es doch mit seinem Zungen ab, daß er zu Haufe erzählen wollte, er habe seinen Gegner überwunden. Nachdem er nun wirklich von seinem Streite eine grausame Erzählung gemacht hatte, rief er seinem Jungen zu: Jakob, wie sähe ich aus,^ als ich mich schlug? — „O! Meister, wie ein Lowe aussieht," antwortete der Zunge. Einer von der Gesellschaft fragte: Weißt du denn aber auch, wie ein Löwe aussihet? — „Warum nicht?" gab er zur Antwort; ,,es waren ja gestern wohl zwanzig vor unserer Thüre." — O! du dummer Junge! rief der Meister, das waren ja Esel. — „Za nun, just wie so einer sähe Er aus. 88 Zwei Freunde -es als Schriftsteller bekannten Herrn Racan wußten, daß er z« einer verabredeten Stunde einen Besuch bei der Demoiselle vvn Gour. nay abzustatten hatte, die, wie er, eine Schriftstellerin war. Sie ryar aus Gaöeogne, sehr lebhaft und etwas auffahrend vom Karakter, übrigens ziemlich witzig, und hatte bei ihrer Ankunft zu Paris ein großes Verlangen bezeigt, den Herrn von Ra- ean, den sie noch nicht von Person kannte, zu sehen und zu sprechen. Da den erwähnten zwei Freunden nichts mehr zurvseder war, als «in gelehrtes Frauenzimmer, so beschloßen sie, ihr bei dieser Gelegenheit einen kleinen Possen zn spielen. An dieser Absicht ging einer von ihnen zu ihr, ließ sich als den Herrn von Racan melden, und ward sehr höflich ausgenommen. Er redete vvn den Schriften mit ihr, die sie hatte drucken lassen, (um die er sich vor. läufig bekümmerte); nach einer Viertelstunde aber empfahl er sich unter einem erdichteten Vorwände, und verließ sie sehr zufrieden, daß sie diese neue Bekanntschaft gemacht hatte. Kaum war er drei Häuser weit weg, als ein anderer Racan bei.ihr gemeldet wurde. Sie glaubte, daß es der erste sey, der vielleicht etwas Nöthiges ihr zu sagen, vergessen, und machte sich bereit, ihm darüber ein Kompliment zu machen: als er aber hereintrat, und ihr Las Seinige mochte, konnte sie sich nicht enthalten, ihm einigemale zu fragen, ob er denn wirklich dev Herrr von Racan sey, wobei sie ihm erzählte, was e-en »orgitig. Her neue Racan stellte sich sehr öe- L» leidigt über den Possen, den man ihm gespielt hatte und schwor, sich zu rächen, wenn er den Thäter finden würde. Die gelehrte Gournay war mit diesem Racan noch zufriedner als mit dem vorigen, weil er sie mehr und feiner zu lohen wußte, und ihn hielt sie nun für den wahren Racan, jenen aber für einen Betrüger. Nach einer halben Stunde ging er, und kaum war er fort, als der wahre Herr von Racan erschien, und sie zu sprechen verlangte. Nun verlor sie alle Geduld. Was? rief sie, noch ern Racan? Sie ließ ihn vor sich kommen, empfing ihn in einem sehr hohen Tone, und fragte ihn, ob er gekommen fey, sie zur Närrin zu haben. Racan, der kein fertiges Mundwerk hatte, ward über diese Frage so bestürzt, daß er nicht anders als stotternd antworten konnte. Die Schöne, die sehr heftig war, und nun fest glaubte, dieser Mann fey abgeschickt, ihrer zu spotten, zog ihren Pantoffel von den Füßen, und gab ihm damit so unbarmherzige Schläge, daß der gute Mann genöthigt war, in der größten Verwirrung und Eile die Flucht zu nehmen. Im siebenjährigen Kriege hüthete einst ein sächsischer Schäfer seine Schafe an den Ufern der Elbe, als kurz zuvor ein Handgemenge zwischen den §)efi- reichern und Preußen gewesen war, und einige Preußische Husaren fragten ihn im Vorüberreiten: Du, Landsmann, sag' an, wer von beiden ist dir lieber, die pestreicher, »der die Preußen? „Hm 92 antwortete der Schäfer, „wenn ich meine Herzens- „Meinung sagen soll, so wollte ich, daß die Oestrei- „cher alle in der Elbe ersöffen, und die Preußen sich „dann alle darüber zu Tode- lachen müßten." Charade. Dreisilbig. Die erste S i l b' als Kunstwort, wenig mehr genannt , Bleibt doch so manchem Freund der Tonkunst wohlbekannt. Fürs zweit* und dritte setzt noch Manche? Jahr für Jahr Den letzten Groschen in Gefahr. Vom Ganzen haben Tausende bei Nacht Ilnd nur ein Sonderling am Tag Gebrauch gemacht. Tambech. Ein Landgeistlicher schärfte einst im Katechis- musexamen die einem Christen würdigen Gedanken beim Aufwachen und Einschlafen, nach Veranlassung der Worte eines gewissen Psalms, ein; und als er sich nun alle mögliche Mühe gegeber hatte, sie dem Gedä'chtnkß seiner Zuhörer tief einzuprägen, fragte er ein junges Dienstmädchen: Run, meine liebe Tochter, woran gedesikst du also zuerst, wenn du erwachest? — „An des Junkers Schreiber," antwortete sie. Da französische Truppen währen des Amerikanischen Krieges in Guernsey gelandet hatten, wurden sie von den Engländern so lebhaft angegriffen, daß sie keinen zweiten Versuch auf diese Insel unternahmen. Sobald das Gefecht vorbei war, schrieb ein Irländischer Offizier folgenden lakonischen Brief an seinen Freund: Theurer Tom! Die Franzosen landeten diesen Morgen um sechs Uhr. In weniger als einer Stunde machten wir sie alle nieder, und die üb eigen zu Gefangenen. Ein Theaterfreund überschickte einem Schaufpkel- unternehmer ein von ihm selbst verfertigtes Stück, ohne ein Honorar dafür zu verlangen. Der Direktor , als er ihn wieder sah, bemerkte, daß er den Werth seines Stückes sehr genau bestimmt habe. Der ernsthafte Crebkllon sann bisweilen in der Einsamkeit bei seiner Pfeife Taback auf Gegenstände zu Romanen, die er niemals schrieb. Einst war er damit sehr beschäftigt, als jemand zu ihm hereintrat. Man störe mich nicht, rief er aus, ich bin eben bei einer interessanten Scene: ich bin im Begriff, einen rhnkevollen Minister aufhänge» und einen schwachen Minister fortjagen zu lassen. 9s Frühlingsgefpvach eines Pächter« mit seinem Freunde. Pächter. Ein warmer Regen nur! dann steigt im schönsten Flor Schnell alles aus der Erd' empor. Fre und. V weh! das wä'r für mich ein trauriger Gewinn! Ich habe, Gott sey Dank! zwei böse Weiber drin. Langbein. Zwei Kavaliere stritten mit einander darüber, ob die eheliche Pflicht eine Lust oder eine Arbeit sey, und erwählten im Vorbeigehen einen Bauer zu ihrem Schiedsrichter. Dieser entschied denn die ^ Frage ungesäumt, und zwar sehr gründlich, also: „Wir Bauern halten sie für eine Lust; denn wenn „es eine Arbeit wäre, würden wir sie schon längst „haben als Hofdienst verrichten müssen." Ein einfältiger Landedelmann war Zfters in Gesellschaft, und Hatte die Gewohnheit alle Augenblick seinen Bedienten zu rufen. Als er ihn einmal vergebens rief, ärgerte er sich und fragte: Wo ist denn wieder mein Dummkvpf? — Aufihren Schultern, antwortete ferne Nachbarin. i 93 Die gerettete Ehre des Kalenders. Ein gewister Fürst hatte einen alten Knecht, der ihm viele Jahre treulich gedient hatte. Als nun einst ein Dienst bei Hof erledigt ward, der sich ungefähr für ihn schickte, sähe der alte Mann in den Kalender, und fand b?i einem gewissen Tage folgende Worte mit rorhen Suchstaben gedruckt: „Heute ist gut bitten von großen Herren." Er wagte es daher, zum Fürsten zu gehen, und um den va- kaüten Dienst zu bitten. Allein der Fürst sagte, er komme zu spat, denn der Dienst sey bereits versag*. „Hm!" brummte der Alte vor sich hin, „an den glaube ich auch nicht wieder; ich habe immer gedacht, er mache keine Flausen; aber ich sehe wohl, er ist so gut ein Lügner und Betrüger, wie andre," Als der Fürst: der es horte, fragte, wen er mit diesen Schmähworten eigentlich meine? antwortete er: „Den Kalendermacher, gnädigster Herr; denn sehen Sie nur, da hat er hineingesetzt, es sey heute gut etwas von Fürsten und Herren zu bitten, nun hat er aber doch offenbar gelogen." — Der Fürst lächelte und sagte: Nun höre, damit der Kalender- schretber bei Ehren bleibe, will ich dir lieber den Dienst geben. In Mons wollten die Stiftsdamen bei der Audienz dem Kaiser Joseh H. die Han- küßen, er zog sie aber zurück und sagte lächelnd: „Nein, nein, meine Hand ist keine Reliquie." -r > Der große Conb<. griff im Jahre -672 Wesel au. Die Damen vereinigten sich, ihn zu bitten, er möchte ihnen erlauben die Festung zu verlassen, um Len traurigen Folgen einer langwierigen und bluti. gen Belagerung nicht ausgesetzt zu seyn. Der Prinz aber, welcher woh! sähe, daß nach Entfernung der Frauenzimmer die Belagerten schwerer zur Utbergabe zu bewegen seyn würderi, antwortete den Damen: Es thut mir leid, daß ich Ihnen diese Bitte nicht bewilligen kann; den» mein Triumph würde bann der größten Schönheit beraubt seyn. Ein einfältiges Weib begegnete am Charfreitage einer Freundin, welche eben aus der Kirche kam. Sie fragte dieselbe, was sie neues gehört habe. Diese antwortete: „Unser Pfarrer sagte, daß heute der Herr Christus gestorben sey, und er hat ihm et» ne schöne Leichenpredigt gehalten." „So?" versetzte die Einfältige: „Gott Hab' ihn selig, ich Hab' ihn nicht gekannt!" Apologie. Q tadelt mich und andre nicht, Die reiche Weiber sich erjagen; > Dann soll man der Freiheit auf immer entsagen, So ist's ja klug gehandelt, sie So hoch als möglich lvSzu schlagen. Hg. 95 Die medizinische Fakultät zu Paris bewies öffentlich in Thesen -ir Schädlichkeit des Rauch- und Schnupstabacks; und der Doktor, der den Vorsitz hotte, hatte eine Dose bei sich stehen, woraus er immer bei jedem wichtigen Arguments das die Schätze Uck keit dieses Krautes beweisen sollte, eine Prise nahm. Ein gratzer, offenherziger Landmann aus Berkshire , der als Zeuge in einer Rechtssache auf dem Rathhause zu London war, wurde folgendermaßen von Wallake, dem Advokaten der Gegenpartei angeredet: Nun, ihr Kerl im ledernen Wams, was habt ihr zu schwören ? Geruhen Ihro Wohlgeboren, sagte der Bauer, wenn Sie durch Schreien und Lügen nicht mehr gewinnen, als ich durchs Schwören, so werden Sie bald auch in einem Lederwams gehen, Wie ich. Die Schminke. Der Bischof von Amiens, ein frommer und zugleich launiger Mann, wurde von einer eiteln Dame um die Erlaubniß gebeten, Ro h aufzulegen Ihr Charakter bestand halb aus Kvquetterie und halb aus Frömmelei. Ich kann rS Ihnen wohl erlauben, Madame, sagte der Bischof, allein nur auf die eine Wange. > -- 96 Der berühmte Bussuet, kn der Folge Bischof von Meaux, dcklamirte schon in einem Alter von sieben bis acht Jahren eine Predigt mit so vielem Anstande und mit solcher Leichtigkeit, daß jedermann, der ihn horte, über die Talente des Knabens erstaunte. Cr hatte auch einmal eine Predigt im Hotel äe ksmbouillet vor einer zahlreichen Gesellschaft hergesagt, welche dort zu Abend gespeist hatte. Es mochte ungefähr Mitternacht seyn. Alle Welt brach in Verwunderung und Lobeserhebungen aus; nur Voiture, der mit von der Gesellschaft war, sagte kein Wort. „Nun? Was sagen Sie davon?" fragte ihn einer. „Ich sage ," antwortete Voiture, „baß ich in meinem Leben weder so gut, noch so spät, noch so zeitig habe predigen gehört." Jünger. Weiber m und. Nach Pater Abraham von St. Klara. CH' heißest du am Himmelsgrund Die Sonne stille stehn, Als einen offnen Weibermund, Ist er einmal im Gehn. F. Maßlieben. Die Auflösungen der in diesem Hefte vorkom- menden 2 Räthsel sind in alphabetischer Ordnung: 1. Fensterscheibe, s. Laterne. 97 Eheliche Unterweisunx. Gainval hatte sich zum großen Erstaunen aller seiner Verwandten und Freunde, so wie aller Frauen, denen er den Hof gemacht hatte, verheira- thet. Seine Gemahlin war reich, jung und schön, drei herrliche Eigenschaften, deren jede allein schon den Frauen das Recht zu geben scheint, ganz Herren ihres Willens zu seyn, und ihren Männern Gesetze vorzuschreiben. Den Tag nach der Hochzeit in einem jener Augenblicke, lvv, wieder Verfasser der neuen Heloise sagt, das Herz allein die EMenz der Liebe beweiset, bat er seine Frau ihm einen Augenblick ihre Aufmerksamkeit zu einer ernsten Unterredung zu schenken, von der, wie er sagte, das Glück ihres gemeinschaftlichen Lebens abhinge. Sie bewilligte das sehr gern, und Gainval äußerte sich nun folgendermaßen. Ich scheine dir noch jung zu seyn, mein Kind, allein ich habe viel gelebt. Ist mein Leben auch für andere nicht sehr erbaulich gewesen, so hoffe ich wenigstens, daß meine Erfahrungen für unsere Verbindung von Nutzen seyn werden, und dieserhalb will ich dir jetzt ein aufrichtiges Grständniß meiner früher» Verirrungen mitthrilen. Meine ersten Huldigungen empfing ein Mädchen von guter Herkunft» lebhaft, leichtsinnig, unbesonnen; ihr zu Gefallen wurde ich auch leichtsinnig und unbesonnen, wie sie. Unser unverbesserliches unkluges Beneh- Museum 4.B.S. Heft. G » 1)8 men zog wichtige Vergehungen nach sich; und meine Unbesonnenheiten wurden von dem schimpflichsten Glück gekrönt. Indem ich dir, mein Kind, diesen ersten Fehltritt gestehe, verlange ich nicht Verzeihung dafür von dir, sondern ich bitte dich nur zu bedenken, wie gefährlich zu große Lebhaftigkeit und Unbesonnenheit ist, und du wirst diese beiden Fehler aiS Klippen vermeiden , woran nur zu oft die Tugend der Weiber und das Glück ihrer Männer scheitert. Die zweite Dame, der ich meine Huldigungen darbrachte, war zärtlich und gefühlvoll; sie seufzte oft, las den danzen Tag Romane, und träumte viel. Ihre Grundsätze und ihre Erziehung schienen ihr zu einer festen Echritzwehre gegen die Verführung zu dienen , allein ich seufzte mit ihr, affektirte viel Empfindungen, und weinte bei der Erzählung einer guten Handlung. Ich hatte den Ävps voll unglücklicher Liebesgeschichten, welche ich ihr in einem so überzeugenden Tone, und mit solcher Lheilnahme erzählte, daß sie mich gar nicht mehr missen konnte. Nicht lange, so erntete ich die Früchte meiner ver- abscheuungswürdigen Heuchelei, ich erhielt von ihr Alles was ich wünschte, und als sie mir nichts mehr zu gewähren hatte, überließ ich sie ihren Gewiffens- bißen. Meine Gemali» wird, hoffe ich weder zu gefühlvoll, noch zu romantisch seyu; sie wirb die Seufzer schmachtender Männer nicht anhvren, es sind Lu" zenbheuchler und hundertmal gefährlicher als die entschiedensten Wüstlinge. Ein eigensinniges Weib war meine dritte Ervbe- rung. Nachdem ich ihren Charakter siudirt hatte, fand ich, das; man ihr Alles hingeben müsse, um Alles von ihr zu erhalten. Ich unterwarf mich daher allen ihren Launen, verehrte blindlinds alle Aeußerungen ihres Willens, und bald darauf hatte sie keinen als — den weinigen. Meine Freundin wird daraus, bei ihrem richtigen Verstände, schliefen, daß eine Frau niemals eigensinnig scyn muß, damit sie nicht das Opfer des Eigensinns und der Launen eines Andern werde. Cie wird auch nicht neugierig feyn, denn durch Neugier gelang es mir meine vierte Geliebte zn verführen. Sie wollte Alles sehen, Alles wissen, und am Ende sah sie nichts mehr, als ihr Elend und meine Untreue. Sie wird nicht auf den Ball gehen'(hier wachte die junge Frau eine Bewegung des Erstaunens, welche ihr Mann aber nicht zn bemerken schien) sie wird nicht auf den Ball gehen; denn an diesem gefährlichen Orte wurde ich in Julien verliebt. Julie liebte den Tanz, ich tanzte gut, und mehr forderte die Liebe nicht. Sie wird niemals ine Schauspiel gehen (wieder eine Bewegung des Staunens von Seiten der Frau, dieselbe Unachtsamkeit von Seiten des Mannes,) sie wird nicht ins Schauspiel gehen; denn hier sieht man nur betrogene Ehemänner, 'ver ührte eifersüchtige, oder rachsüchtige Weiber, Wüstlinge, Etourdis, Zudringliche , welche ein honnettes Weib durch indiskrete Blicke in Verlegenheit setzen, indem sie es durch grobe Schmeicheleien betäuben. G 2 Lie wird keine Freundin unter den Individuen ihres Geschlechtes haben; denn ich habe erfahren, daß die Weiber die schlechteste Gesellschaft für die Weiber sind. Neck weniger wird sie sich einen Freund unter Len Männern suchen, denn auch ich fing damit an, mich für Len Freund aller Frauen zu erklären, deren Gunsibezeuzungen ich zu erhallen wünschte. Du findest weinen Ton vielleicht ein wenig unanständig und lächerlich, du hältst mich für eifersüchtig, und ich sehe »S deinem niedlichen Mündchrn schon an, daß es das Wort Tyrann aussprechen möchte. — — Aber laß mich nur ausreden und du wirst dich überzeugen, daß ich weder tyrannisch, noch eifersüchtig, noch lächerlich bin. Indem ich dich heirathete, wollte ich mir eine Eesährtm für mein Leben wählen, ich suchte mir eine Frau, deren Glück begründet würde durch das, welches sie mir schassen könnte. Wir müssen daher «ins nur glücklich seyn durch das andere. Und wie könntest du glücklich seyn, wenn du bei deiner Jugend und Unrrsahrenhrit ohne Führer in dem Labyrinthe der Gesellschaft umherirrtest, den Verführungen des Lasters und den Nachstellungen der Wollüstlinge Preis gegeben. ? — Ich habe alle Lüsten kennen gelernt, welche mein Geschlecht anwendet, um dos deinige zu verführen, ich mußte dich davon unterrichten, um unS beiderseitig vor dem in der Che so gewöhnlichen Unglücke zu schützen. Du bist vernünftig, ich bin gerecht. Du stehst in dem Alter de« Vergnügens. Ich werbe dir also Vergnügungen verschaffen, welche ohne Gefahr für dich, und ohne unangenehme Folgen für mich finb^ Die Gesellschaft deiner Verwandten im Winter, ländliche Beschäftigungen und Zerstreuungen den Sommer über, das sollen deine Vergnügungen seyn! Leichte Arbeiten, die Möglichkeit Gutes zu thun ohne Verschwendung und Sparsamkeit, dies find deine Geschjf, te. Sorgsame Aufmerksamkeit, Gleichheit der Stimmung, Güte, Zärtlichkeit für den Gemahl, der sein ganzes Leben deiner Zufriedenheit opfern wird, dir« sind deine Pflichten? Meine Verordnungen und deine Pflichten werden uns ein Glück verschaffen, welche« wir im Getümmel der Welt vergeben« suchen würden u. s. f. u. s. f. Selinde, auf der Redoute als Schäferin gekleidet. Ej, seht! Da wandelt ja die schönste Schäferin, Und hinterdrein kommt mit duplirten Tritten Ein Heer von Stutzern nachgeschritten. Dies (doch nur umgekehrt) ist ganz Idyllenfinrr: Die Heerde folgt der Treiberin. ». Kyaw. An Betti. Willst du die Grausame länger noch machen, Betti, so strrb' ich — ich sterbe — vor Lachey» Als Herzog Bernhard von Weimar, mit welchem Frankreich im dreißigjährigen Kriege ein Bünd- niß geschlochen hatte, am Hofe war, ließ man den Herzog einmal rufen, um einen gewissen Plan mit ihm zu verabreden. Bei dieser Unterredung war auch Pater Joseph, Beichtvater Ludwig XIU. vorhanden, welcher sehr viel galt. Der Pater fuhr mit dem Finger auf der Landcharte herum, und sagte zu dem Herzoge: „erst nehmen Sie diese Stadt weg — dann die — dann die — Da unterbrach ihn der Herzog mit den Worten: „Herr Pater, man nimmt die Städte nicht mit dem Finger weg!" Witzige Vergleichung. Welch eine Freude müssen Ihnen Ähre Schriften machen! sagte Jemand zu Voltaire, alle Welt liebt und bewundert sie. ,,Ach," versetzte Voltaire, „mir geht es damit wie einem Mann mit einer koketten Frau, alle Welt liebt und bewundert sie, nur er nicht." Justizuhr zu Die Stundenuhr im Richtersaal Ist sinn-und lehrreich allzumal: Mit i'edem neuen Stundenschlag Trirt Frau Justiz behend' an Tag, Und neigt sich schön beim Glockenschall z Hold war sie immer dem Metall. Martyln Laguna. Drei Reisende kamen in ein Wirthshaus, wo der Wirth nur noch ein l e er e 6 Berte hatte. Die Fremden waren also sehr verlegen, welcher von ihnen dasselbe einNehmen sollte. Endlich sagte der Wirth, der zum Schiedsrichter gewählt wurde: Haben Sie doch die Güte, meine Herren, mir zu sagen, welche Stellen Sie eigentlich begleiten? Der Erste gab vor, daß er ein Edelmann aus der Grafschaft * * sen, wo er seinen Sitz dreißig Jahre gehabt hake, nun aber wegen Kriegsunruhen geflüchtet wäre. Der Zweite erzählte, daß er in der nächsten Festung fünf Jahre als Soldat in Besatzung gelegen hätte. Der dritte endlich sagte: „Ich bin ein Geistlicher, und habe fünfzehn Jahre als Pfarrer in ** gestanden." Weil also, nahm jetzt der Wirth das Wort, der Edelmann schon dreißig Jahre gesessen, und der Soldat fünf Jahre gelegen H'at, so ist es billig, daß der Herr Pfaraer das Bett bekomme, weil er fünfzehn Jahre hat stehen müssen. Ein Geizhals war so gefährlich krank, daß ihm der Geistliche entdeckte, er mäße sich nun ernstlich , zum Tode bereiten, weil er nur noch kurze Zeit zu leben hätte. „Ach, hochwürdiger Herr; antwortete der Kranke, ich bin herzlich froh, daß ich bald aus der Welt gehe; denn die Doktoren und Apotheker hätten mich sonst noch völlig zum Bettler gemacht. 1S4 T rost wider den Tod. Noch hatte sich Herr Hans, der Schulz im Dorfe Schlesien Sein Lebetag nicht satt gegessen: Dies wollte er nun einmal thun Und aß ein Viertel Kalb, ein Ferkel und ein Huhn Mit Putz und Stiel zusammen, ohn' einmal nur zu ruhn. Herr Hans wird todtlich krank; und wenn gleich tausendmal Der Pfarrer im Gebet: „Er mög's zum Besten wenden!" Den Patienten Gottes Händen Auf« rührendste vom Predigtstuhl empfahl; So half es dennoch nichts — Man sprach im Dorfe laut: Der Schulz bezahlt den Schmaus gewiß mit seiner Haut! Er ist sehr schlecht daran! er kann's nicht lang mehr machen. Drum hascht Frau Schulzin schnell auch die gelegne Zeit, Raunt in des Kranken Ohr: Mach dich, mein Schatz bereit, Bestell' im Frieden -eine Sachen! — Nu, lieber Gott, sprach Hans, muß denn das Ding so seyn, So geb ich mich geduldig drein! Mein Sträuben kann mir ja nichts nützen, loz Und hungern werden wir im Himmel, daucht mich, nicht! Wir sollen ja daselbst, so wie Herr Pfarrer spricht, Mit Abraham zu Tische sitzen. Sch— Einem schönen Frauenzimmer, die ihren Busen mit einem Rosensträuße geziert hatte, begegneten einige junge Herren, denen ein Paar Champagner- bouteillen den Kopf erhitzt hatten. Der Dreisteste von ihnen.naht sich der Schönen, und will ihr mit Gewalt den Blumenstrauß rauben. In diesem Augenblicke kommt der weise, achtungswürdige Fonterlelle vorbei, und erklärt sich als Beschützer des Mädchens. „Aber guter Greis, sagte der junge Mensch, sehen Sie nur die Schönheit dieser Rosen ; sie duften so lieblich." — — „ES istwahr — antwortete der Philosoph — allein, mein lieberFreund, dieAchtung hatdie Dornendaran b es festigt." Die leidtragende Wittwe. Lisetten stirbt der Mann — und ach! Ihr Möpschen folgt ihm plötzlich nach. — Der Zufall kommt ihr gut zu Statten: Gerührten Herzens fällt's nunmehr Der armen Wittwe gar nicht schwer 2« wernen an der Gruft -es Gatten. Meister. ry6 An Na-inen. Antworte mündlich mir! schriebst du mir jüngst, und ich Befolgte dein Gebot, und lief und küßte dich. Worüber zörnst du nun? Heißt mündlich denn im 'Grunde Nicht mit dem Munde? 2. V. Iosch. Trost. Was quälst du dich mit Furcht um deine Briefe., Ftaüs? O Phyllis schätzt nach Wunsch dergleichen Liebesgaben ! Ustl sie bei der Hand zu haben, — Macht sie sich Papilloten draus. v. Kyaw» Der Marine-Inspektor Duhamel unterhielt sich mit einem jungen Offizier, der über einen Gegenstand aus der Mathematik eine Menge verworrenes Zeug schwatzte. Duhamel erklärte ihm endlich offenherzig, daß er ihn nicht verstehe. Wozu nütztesdenn, Mitglied der Akademie zu seyn? fragte ihn der Offizier sehr unverschämt. „Dazu," antwortete Duhamel: „daß man lernt nur über Gegenstände zu reden, die man versteht." io? Der leere Beweis. In dem Kriege zwischen Frankreich und Preußen kam ein Kommando von einigen hundert Mann französischer Truppen unter Anführung eines Obristen, nach einer klernen--Stadt in Pommern. Diese Truppen waren um so erbitterter, jemehr das Schil lösche Freikorps, so schwach es auch war, dem Feinde Abbruch that und hauptsächlich die Hilfstruppen des Rheinbundes in beständiger Furcht hielt. Das eingerückte französische Kommando erlaubte sich also alle möglichen Exzesse, plünderte, wo es konnte, während der Anführer die übertriebensten Forderungen machte und den Magistrat mißhandelte. So war ein Tag und eine Nacht unter Schrecken und Angst vergangen. Am folgenden Morgen mußte das Kommando seinen Marsch weiter fortsetzeu, und der Obriste verfügte sich noch auf das Rathhaus, wo der ganze Magistrat versammelt war, um noch die etwaigen Befehle des feindlichen Offiziers zu vernehmen. Als er erschien, näherten sich ihm die Mitglieder des Magistrats, und der Stadtsekretär, äußerst empört über das Benehmen der Feinde, blieb in einer Fensterecke stehen und nahm eine» Bogen Papier, den er dicht vors Gesicht Hielt, als wenn er darin sehr eifrig läse. Endlich bemerkte der Obrist den Stadtsekretär und voll Verdruß, -aß ihm dieser so wenig Auf- l roz merkfamkeit schenkte, wandte er sich nach ihm, und fragte in einem rauhen Tone: „Herr! was lesen Sie da 7^ Eine Nachweisung von dem, was die feindlichen Truppen. der Stadt noch gelassen haben. „Lassen Sie sehen!" schrie der Oberste, rieß ihm das Papier aus der Hand, und fand einen ganz unbeschriebenen Bogen. „Aber da steht fa nichts darauf?" So viel hat man uns auch gelassen: war die Antwort des Sekretärs, ohne aus seiner Fassung zu kommen. Wachsthum verschiedener Hörner. Wen's Wunder nimmt, daß da< Geweih Des Hirsches jährlich wächst, der frage Doch nur die Frau von Dudeldei, Ob das so was besonders sey 7 Bei ihrem Mann wächst's alle Tage. Langbein. Ein Prediger schloß seine, an der Bahre einer verstorbenen Wittwe gehaltene Leichenrede mit folgenden Worten: „Ihr werdet nun auch wissen wollen, meine Andächtigen, woran die Wohlselige gestorben, und ich muß es euch sagen: Sie ist ast Außen gestorben; aber, was waren eS für Nüße? waren es Hasrlnüße 7 Buchnüße? Welsche Nüße? Ach nein, es waren— B e küm m er nüsse. Guter Wein kedarfkeknen Kranz. Bei einem Gastmahle setzte der Wirth seinen Gästen einen köstlichen Wein vor. Alle erschöpften sich in Lobeserhebungen, nur einer davon sagte ksin Wort dazu. Ter Wirth, den dies verdroß, befahl einem Be, dienten, diesem Gaste eine sehr schlechte Sorte zu geben. Kaum hatte er davon gekostet, so rief er aus: „der Wein ist exzellent." Gerade das Gegentheil! versetzte der Wirth; aber der vorige war delikat. „Ich weiß es wohl," gab ihm der Gast zur Antwort: „der lobte sich selbst, darum schwieg ich, aber dieser bedarf der Empfehlung. Bei der Vorstellung der Oper Alceste, die Gluck so schön in Musik gesetzt hat, behauptete ein Feind und Verächter dieses unsterblichen Künstlers, daß die Musik nicht viel werth sey, Mademoiselle Le Wasseur sehr schlecht sänge, und seine Ohben zerreiße. „Eil ei! — sagte d'Alembert. der sich zu den unberufenen Kritiker wandte — mänwür- de Ihnen einen wahren Freundschaftsdienst erweisen, wenn man Ihnen andere Ohren geben könnt e." — Sollte diese witzige Abfertigung nickt auch noch heutzutage gegen vorlaute Schreier gebraucht werden können? r ro Der Räuber und der Prediger. In England überfiel ein Räuber einen reisenden Prediger, und nahm ihm einen Beutel mit Geld. Der Räuber wollte sich eben davon machen, und den Beraubten ruhig seine Straße ziehen lassen^ Allein dieser that sehr kläglich über den erlittenen Verlust, und stellte dem Spitzbuben vor, daß er in der nächsten Stadt höchst nöthig etwas Geld brauche, und nun keinen Pfennig weiter bei sich habe. Der Räu' ber nahm das zu Herzen und hielt ihm die geraub te Geldbörse vor, mit dem Bedeuten, daß er sich so viel nehmen sollte, als er höchst nöthig brauche. Der Prediger that einen starken Griff, und nahm auf diese Art eine Hand voll zurück. „Zum Henker — sagte der Räuber — Sie ha ben auch kein Gewissen. Auf eine ^schlechten Schauspieler, der Helden rollen spielte. So kräftig wüthete und schrie Nicht Roland und nicht König Saul! §) klatscht ^ ihr Hörer, doch mit beider Energie — V klatscht — den Helden doch aufs Maul. An den alten Mann einer jungen Frau. Dein Weib erhitzt sich oft bei Amors losen Spielen, Mit schönen Jünglingen in mancherlei Gefühlen: Du bist der Fächer nur, sie wieder abzukühlen. v. Kyaw. Ht St ä' t h s e L. Einsilbig. Ich kleide mich in Iris *) schönste Farben, Und bin in Schwarz der Traurigkeit Symbol, Ruhmdürstenden ein täuschendes Idol, Der seltne Lohn für ehrenvolle Narben. Die Schäferin auf blumenreichen Triften, Die Fürstin, die des Hofes Pracht erdrückt, Wird oft von mir umschlungen und geschmückt- Auch geb' ich Werth geistlosen Modeschriften. ^ Man webet mich aus Silber, Gold und Seide,- Doch bin ich auch zuweilen unsichtbar, Und Liebenden an Hymens Hochaltar Durch Sympathie ein ew'ger Duell der Freude. Der Nothnagel. Ein i'nnges Mädchen hatte einen Geliebten mit dem höchst unromantischen Namen: Nothnagel. Der Prediger des Dorfes, der um diese Liebschaft wußte, schloß eines Sonntags in Gegenwart des Mädchens seine Rede mit folgenden Worten: — Da» rum, liebe Brüder! vergeßt der Welt eitle Sorgem und lebt für den Himmel. In Jammer und Elend, in den Stunden der Noth gewähret er Hülfe; denn er allein ist der wahre Nothnagel. Amen. W. *) Regenbogen. ; ir Kritische rJamm er. Wir sahen dem Trauerspiel, närrischer Duns, Mit thränenden Augen «Ud seufzendem Munde! Doch weckte dein Stück nicht den Jammer in uns; Wir seufj'ten bloß um die verlohreue Stunde. v. Kyaw. Ein Fürst hatte eine neue Tänzerin verschrieben. Sie mußte in Gegenwart des Aufsehers über die Schauspiele, der ehemals Feldwebel war, zur Probe tanzen. Als der Fürst den Aufseher über die Geschicklichkeit der Tänzerin befragte, antwortete die« fer: „sie hält sehr gut Tritt." König Fran^z nach der Schlacht bei Pavia. Nur Muth! Ich, dem das Schicksal die letzte Stütze bricht, Hab alles hier verloren. — Allein die Ehre nicht! Jungfer Fränzchens Parodie, als ihr Liebhaber ihre Geschenke zurückgegeben, und sie verlassen hate. O weh! Ich, der das Schicksal die letzte Stütze , bricht, Hab alles zwar nun wieder, — allein die Ehre nicht. Kyaw. Eure reiche jüdische Wttllve, die aber noch ganz nach den Sitten der Dorwelt lebte, hatte eine einzige Tochter, der sie mit übertriebener Liebe zugethan war. ''lies, was diese Tochter nur wünschte, wurde t «nd sie ließ es an nichts fehlen, ihr . . smmrne Bildung zu geben. > ward daher in allen weiblichen t n Künsten unterrichtet, und hatte das e.n.n Anstrich von Schöngeisterei und esihetischer Empfindsamkeit angenommen, der oft in lächerliche Affek- tation ausartete. DaS zarte Mädchen von achtzehn Jahren war daher auch beständig kränklich und litt an Nervenzur fällen. Ein verständiger Arzt wurde deßhalb zu Ra: the gezogen, der ihr dann auch mancherlei verordnet» Einst besuchte er die junge Patientin, und sie klagte ihm mit vielen schvnklingenden Tiraden, daß il-ce Nervenzusälle noch gar nicht schwächer würden, und jede Kleinigkeit einen sehr heftigen Eindruck auf ihr Gemüth mache. „Ja," sagte der Arzt: „da helfen keine Medikamente, Mademoiselle, wenn Sie nicht selbst dazu thun wollen." Sie müssen sich nicht so hingehen lassen, und sich bemühen, Ihrer Empfindung Meister zu werden. Ach! seufzte die Empfindsame Jüdin: was kann ich dafür? Das kommt von meinem Temperamente» „Nun seh' einer einmal!" rief die Mutter aus:; „was verlangst du denn? Hast du nicht alles, was, dein Herz begehrt? was willst du denn noch em Tem- parament?" Mnseum 4. B.Z> Hest. 114 Lohn des Erbschleichers. Ein Erbschleicher suchte sich bei einer alten reichen Fran einzuschmeicheln, damit sie ihn einst in ihrem Testamente bedenken sollte. Die Matrone war sehr sromm^ Der Heuchler sang und betete deßha!b recht fleißig mit ihr. Nach einigen Jahren erschien endlich das Sterbesiündlein der Dame Ihr Testament wurde eröffnet, und des Erbschleichers war darin mit folgenden Worten gedacht: ,,Dem gottseligen Herrn N. N. vermache ich auf Lebenszeit eintti Platz in meinem Betstübchen." Der alte Moncrif war eitel und suchte seine Jahre aufs sorgfältigste zu t-erheimlichrn. Ludwi- XV. traf ihn einst bei der Königin und redete ihn mit den Worten: „Wißt Ihr wohl, Moncrif, daß re Leute gibt, die Euch achtzig Jahre geben'" (gui H-0U8 6onnent 80 »NL?) — D ja! Sire, ankwortete der muntere Greis, v! jb; aber ich nehme sie nicht« (Oui, Lire, nr»i« je ne ler xrens xs».) Herr Sassafras. Dor Hunger starb Herrn Sassafras Sein einzig Pferd: wie sehr ihn das Geschmerzet, läßt sich leicht ermessen. Ach: daß gerade zu der Zeit Das Pferd mir sterbe» muß, sprach er voll Bitterkeit, Da sich'- gewöhnte, nicht zu fressen. v. Einet». Der König von Polen August hatte im Alt- Ranstädter Frieden auf die polnisch« Krone auf ewig Verzicht leisten müssen. Als er indeß nachher wieder den Thron bestieg, ließ er ein weitläustiges Manifest bekannt machen, um sein nie verlornes, selbst durch eigene Entsagung nicht aufgegebenes Recht Ar beweisen. Cr fragte einen polnische« Edelmann, was er Von dieser Deduktion halte? „Ich finde sie etwas zu lang," erwiederte dieser: „Sie hätten ganz einfach sagen können: nachdem der König von Schweden bei Pultava geschlagen ist, Hab' ich nunmehr wieder den Thron bestiegen. Brueys, Verfasser verschiedener belletristischer Schriften, hatte ein so schwaches Gesicht, daß er ohne Brille nicht einmal sehen konnte. kudwig fragte ihn eines Tages.- wie es mit feinen Augen stünde? „Sire," antwortete Brueys' „mein Detter, ein Medikus, versichert mich, ich könnt' ein wenig besser sehen." Ein deutscher Prinz wählte zu alks» wichtige» Hof-nnd Kriegshedientev, Franzosen. Als er eines Tages bei Tafel saß «nb seine Gesellschaft nur aus Franzosen bestand, sagte einer zu ihm: „Cs ist doch merkwürdig, daß Cw. Durchlaucht ber einzige Ausländer find." Kontrakt'. n6 In London jaß ein Bürger Schulden wegen im Gesängniß. Er brachte in diesem Zustande schon zwei Jahre zu, ohne Aussicht, seine Gläubiger je zu befriedigen. — Einmal ließ er sie alle zu sich rufen, um, wie er ihnen sagen ließ, einen Kontrakt mit ihnen zu schließen, Leu sie gewiß nicht bereuen sollten. Sie erschienen alle — wenn nicht mit der Hoffnung bezahlt zu werden, doch aus Neugier, seinen Vorschlag zu hören. ,,Meine Herren !" — sing er an — es ist eine dumme Sache mit dem Gesängniß sitzen — Sie können mirs glauben — eine erzdumme Sache. Es kostet Ihnen wöchentlich einen baarcn Thaler, und Gott we,ß am besten, wie viel Thaler es Ihnen noch kosten wird. — Wissen Sie was? — Lassen Sie mich auf freien Fuß, geben Sie mir wöchentlich einen Gulden , und schreiben Sie die übrigen acht Groschen von meinen Schulden ab, so kommen Sie doch endlich zu ihrem Gelte, und ich zu meiner Freiheit," Herr * ** dispunrtr — und seine Dissertation schloß mit den Worten; äeä ksbellÄM -mit. „Wahrlich!" sagte sein Opponent: ,.Cs ist eiu ' schlechtes Lob, seine eigene Disputation eine Fabel zu nennen. — Aber, sagen Sir mir doch unbeschwert, was Sie denn unter Fabel verstehen?" ,.)a, das läßt sich so eigentlich nicht jagen! ^ antwortete Herr ***, Fabel ist Fabel! — So zum Beispiel, wenn der Esel den Fuchs frägt." Die Verwandtschaft. Zitbe nennest du göttlich? und Cifersuche nennest du teuflisch? Ach wie nahe sind Gott nnd cher Teufel vermascht. Aug. Mahlmann. Der Prozeßführer an die Bildsäule der Gerechtigkeit vor d e m Ra th h a u s e zuN**. ' Wohl stand'st du vor der Thür seit manchem Jahr nnd Tags, Und noch läßt man dich nicht ins Haus. Du gute Frau! da Hab' ich eine schlimme Klage. Ich bin schon lange drin, und kann nicht mrhr heraus v. Kyaw. Der Wundermann. Trank sich Lupan erst übersatt, Pflegt er viel Zärtliches den Schönen vorzusagen, Und, ließ er sich das Essen wohl behagen, Mit Witze Freund wie Feind zn schlagen, So, -daß Lupan sein Herz im Kopfe hak, ' Und seinen Kops im Magen. Hg. Ach! ries ein Durstiger, d°r einen Betrunken nen führte, hätte ich die Hälfte seiner Krankheit, so wäre uns beiden geholfen. Zlich, der berühmte kondolier Harlekin, kam eines Abends ans der Komödie, und bestellte einen Zohnkutscher, ihn in das Wirthshaus zur Sonne zu fahr-n. Im Augenblick, als der Kutscher im Begriff war still zu halten, bemerkte Rich ein offenes Fenster, und mit einem Satze war er über die Kut- schenthüre hinweg im Zimmer. Der Kutscher steigt «b, öffnet den Wagen, und erstaunt nicht wenig, Niemanden zu finden. Mit einigen derben Flüchen über diesen Streich steigt er wieder auf und lenkt um. 9! ich lauert den Augenblick ab, da der Wagen umgekehrt und dem Fenster gegenüber ist; mit einem Sprunge ist er wieder drin, und ruft dem Kutscher zu, baß er sich irre, und bei dem Schenkhause vor« teigesahren ist. Zitternd lenkt der Mann wieder um, und hält noch einmal am Thor. Da steigt Mich aß, schilt ihn aus, und zieht den Beutel, um zu bezahlen. Ein Anderer nehme Ihr Geld, Herr Teufel, schreit der Kutscher, ich kenne Sie; ich soll hinters kicht geführt werden; behalten Sie Ihr Gelb. Mit diesen Worten knallt« er mit der Peitsche und jagte ril'g davon. Ein junger Mann, der drei Weiber begraben hatte, wurde gefragt, wie ihm denn dieses Glück zu Lheil geworden. Ich wußte, sprach er, sie konnten »hne Widerspruch nicht leben, da ließ ich sie ihre» eigenen Weg gehen. Ob es schon viele Menschen gibt, die zeitlebens Statuen bleiben, so gibt es doch wenige Statuen, welche Menschen sind. Als der König Ludwig xvr. von Frankreich durch Lisieux reiste, war der bischöfliche Pallast in dieser Stadt mit Triumphbögen .verschönert, unter deren jedem sich ein Fußgestelle von Marmor befand. Der Bischof, Here de hr Ferronaya; hatte nicht Zeit genug, Statuen von Rouen oder Paris kymmen zu lassen; er ging daher in der Stadt herym, suchte kleine Mädchen und Knaben von zehn bis zwölf Jahren aus, die sich sämmtlich durch ihre schöne Gestalt auszeichneten, kleidete sie weiß und stellte sie in verschiedenen Stets lungrn auf daS Fustgestelle. Der König fand die Statuen sehr vortrefflich, und eetheilte den Bildhauern großes Lob. Der Prälat aber, der seinen Souvrrain nicht länger hintergrhen wollte, redete ihn folgendermaßen an: „Sire! Wünsche« Ihre Majestät, daß diese Statuen lebendig werden und Ihnen ihre Ehrfurcht bezeugen sollen, so dürfen Sie nur ein Wort sagen, ynd das Wnnder ist geschehen." Der. König lächelte, gab seine Einwilligung und sah mit angenehme,i Erstaunen, daß sich die Statuen vor ihm brugten. Er befahl, jedem Kinde vier Lvmsd'vr zn geben, und lobte Herrn de la Fer- ; -) naya wegen seiner Erfindung. - rr» - Weizerungsgrund. Ein §oi-6isAnt Theaterdichter Bracht' eine neue Oper mir: ^,Dcin Urtheil, Freund!"— Verzeih mir, Sir! Ich bin kein ägyptischer Todtrnrichter. Buri. Der Baron von Pvllnitz hatte oft sehr hoffende Emsälle. ' ^ Einst stand er an einem kalten Wintertage mit hem Rücken an einein.Kamine, und so nahe am Feuer, kaß sein Rock von den Flammen ergriffen wurde. Ein Baron von Schwerts, der eigentlich aus einer ^ jüdischen Familie abstammte, wollte seiner spotten und tagte drn Vers her: drulu jaclis Lttckome et 6omorie. Pöllnitz versetzte ans dem Stegreife: (^uoi, äu vieux testsment tu t« 50uvi«ns ancore? Au * * trat bei der Einweihung neuer Fahnen bec Kommandeur des Regiments m den Kreis, als eben der SatUer die Nägel einschlagen wollte, und hielt fotzende Rede: ,,Da es die Gewohnheit mit sich bringt, daß bei einer solchen Feierlichkeit eine Rede gehalten; so will ich denn hiemit auch eine gehalten haben. „Meister Sattler! fchläg' er die Nägel e i n.'^ irr Sonderbare Strafe. ' Als um das Jahr ii^Z Kaiser Friedrich I. nach Italien grreiset war, um vom Papste gekrönt zu werden, hatte Herr mann, Pialzgraf am, Rhe in, und Arnold, Erzbischof zu Äda, nz, so wre auch andere benachbarte Grasen und Herren sich entzweit und am Rheine ein großes Blutbad und große Verheerung angerichtet. Sobald der Kaiser nach Deutschland zurück kam, fetzte er zu W v r m S einen Reichstag an und ließ sämmtliche Friedensstörer vor sich laden. Alle glaubten, gerechte Sache zu haben und so erschien ein jeder willig. Der Kaiser ließ die Sache untersuchen und das Cndurtheik fiel dahin aus, daß der Pfalzgraf Herr mann nebst zehn mitschuldigen Grasen jeder einen Hund auf der Schulter eine ganze Meile weit von einer Grenze zur anderm tragen sollte; die andern Adelichen mußten diesen Spazierweg mit einem Stuhle, und die Bauern mit einem Pflugrade machen. Diese Strafe wurde noch zur Warnung durchs ganze Reich bekannt gemacht. Charade. Dreisilbig. Niemand hat mehr Böses und mehr Gutes, Als mein erstes Silbenpaar, gethan; Meine Zweite schwingt, voll Göttermuthes, Sich zu Mavors Günstlingen hinan; Wenig thut mein Ganzes oder nichts: Doch von seinen Wunderthaten spricht'S. . r^s DerSoriderlinz. . > Ln Wren soll im Lanner dieses Lahrs ein Sonderling seltner Art, mit Namen Gerard Metz, im. 78 Tahre seines Alters gestorben seyn. Vor 4? ^ ^Jahren kam er allhier, in dem Gasthofe zum gols U denen Lamme, spat Abends an, nahm Quartier und zankte sich gleich mit dem Wirthe. Dieser hieß ihn ^ ausziehn. Metz aber bestand aus den Rechten eines Gastes im Gasthofe, und blieb um den Wirth zu ärgern, da. Seit jener Zeit wohnte er in diesem Hause, bezahlte jeden Abend, was er den Tag über verzehrt hatte, wollte an jedem andern Morgen aus- zieh», und blieb 42 Jahre da wohnen. Man fand ein Testament, welches den Mirth zum Erben seines Vermögens einsetzte, weil er Vater und Sohn geärgert habe. Seine Hinterlassenschaft bestand aus 7Z,ooo Gulden, theils baarem Gelde, theils Obligationen. Stillschweigen. Dir berühmte Staatsminister Colbert sprach wenig und beobachtete oft in Gesellschaft ein auffallendes Stillschweigen. Madame Eornuel, die Frau eines Schatzmeisters, die durch ihre witzigen Antworten bekannt war, unterhielt einmal den Minister mit ihren Angelegenheiten, und er antwortete nichts. Ihre Exzellenz, sagte sie, so geben Sie nur doch wenigstens einZeichen, -aß Sie mich verstehen. ?on- im 4- gdls und ihn neS zrr sem brr US- Md iss ze, us es n- eS m it e. H Dgs behauptete Recht. Ein Mann voll stolzen Dewußtseyns, der sich darum aber auch wenig um den Ruf der Welt bekümmerte, führte ein Frauenzimmer ins Theater, über deren allzufrechen und freien Anzug sich de» ganze Parterre seandalistrte; der spöttelnde Witz, und das Gerede von ihr wurde so laut, daß der asts-,7 gestellte Kommissar stch gedrungen sah, das Frauenzimmer abzufchaffen. Als dieser sich nun an sie wandte, um sie abführen zu lassen, ermannte sich ihr Begleiter, und sagte: „verzeihen Sie mein Herr! ,,ich habe Sie hereingefährt, ich will Sie auch wie-- ,,der hinausführenund so erhob er sich mit ihr durch die Reihen, durch die ihm eis lautes Gelächter folgte. rulli's Miserere Als die Kapelle Ludwig XIV. zum erstenmal« das schöne Miserere von Lulli aufführte, lag der Monarch auf den Knieen, und der ganze Hof mußte hierin nothgedrungen seinem Beispiel folgen. Als der Psalm beendigt war, sagte Ludwig zu» Grafen von Grammont: „Run? was meinen Sie?" — „Daß die Musik, Sire, für die Dhren sehr süß, aber fürdieKniee erstaunt ich sch w e r i st," gab der Gefragte zyr Antwort. 124 Heirathsantvag einer alten Jungfer. Wenn ich Dein gedenke, Herzensrunge! Du mein Liebling! bin ich hoch entzückt, Und im Leibe springt mein Stückchen Lunge, Wenn durch Brillen Dich mein Aug erblickt. Alles, was ich Köstliches besitze. Gab' ich gern für Dich, mein Theurer hin. Selbst was ich seit sechzig Jahren schütze, Meine Unschuld, die sey Dein Gewinn. Könnt' ich Dich nur brünstiger umfassen, Als ich mit dem Chiragra nun kam! Hatt' mir einen Zahn die Zeit gelassen, Fressen wollt' ich Dich mit diesem Zahn. Doch, Du Fkattrer! achtest meiner Triebe, Meiner Unschuld, meiner Treue nicht, Und verzerrst bei iedem Kuß voll Licbe^ Den mein Mund Dir aufdrückt, das Gesicht. Ha Barbar! ich sehne mich so mager. Daß.durch mich nun bald dis Sonne scheint, Und Du kömmst nicht zu der Trauten Lager, Die die wunden Augen blind sich weint. Was entfernt Dich? schreckt Dich meine Krücke, Ist vielleicht mein Busen Dir zu schlecht? Riecht mein Athem bös, sind meine Blicke Dir zu matt? ist Dir mein Bart nicht recht? IZ. Lieber! allen dem ist abzuhelfen, p für Geld verschönert man sich leicht! Kaufen will ich Zähne mir von Elfen, Denen das Gebiß der Venus gleicht. Würzen soll, um Dich mir zu erhalten, Ambra mich und Bisam und Ziöeth, Daß Dir Nas' und Mund, und meiner Falten Jede dufte wie ein Blumenbeet. Gerne will ich täglich mich barbieren, Daß kein Härchen Dich beim Kuße sticht; Täglich soll ein Maler mir verschmieren Jedes Runzelchen im Angesicht. Meiner Krücke will ich mich begeben. Wenn mein Leib in deinen Armen schwebt; Fester soll mein Mund an Deinem kleben, Als am Blumenblatt die Schnecke klebt. Ist auch nicht mit Marmor zu vergleichen Meine Brust, das find' ich eben gut: Glaube mir, daß man auf butterweichen Busen sanfter als auf Pflaumen ruht. Ach! mein triefend Aug' wird eh versiegen. Eh mein heißer Liebesquett versiegt: Komm denn, mich in Deinem Arm zu wiegen,' Eh der Tod in seinen Arm mich wiegt. Ein junge« Edelmann hatte in Paris so großen Aufwand gemacht, daß er seine Herrschaft (Seigneur! e) endlich verkaufen wußte, um sein« Gläubiger zu befriedigen. Ein Italiener, der mit ibm speiste und ihn sehr zerstreit fand, sagte zu ihm : Vo-SignoriL non mangia, „dion mon cbsr," erwicderte der junge Edelmann treuherzig: „eile est 6äjs mLNKee." Ein Tischler und ein Pastetenbäcker zu Neuvers, waren zugleich Dichter, und — wie konnte es fehlen — daß sie nicht Rivale geworden. Als man die Gedichte des Tischlers Adam Bittaud mit größtem Beifall aufnahm, sagte der Pastetenbäcker: Es ist wahr, Adam arbeitete mit mehrerem Geräusch, aber: ich mit desto mehr Feuer. Lord Chesterfield hatte den berühmten Doktor 2 o h n so n sehr beleidigt, und der letztere sich daher laut erklärt, daß er allen Umgang mit dem Lord aufgehoben habe. Lord D***, ein Freund Chesterfields, suchte eine Aussöhnung zu bewirken und lobte des Lords Witz. Unwillig versetzte Johnson: „unter Lords mag Chesterfield ein Witzling seyn, aber unter witzigen Leuten ist er nur ein Lord.^ i ^7 Der Roßtäuscher. Ein Irländischer Rößtä'ulcher verkaufte ein Pferd als gesund und ohne Fehler. Nachher aber zeigte sich, daß das arme Thier auf dem einen Auge gar nicht seheii konnte, und auf dem andern fast blind war. Da der Käufer dies fand, beschwerte er sich darüber bei dem Roßtäuscher, und sagte, er hake ihm jq «in Pferd ohne Fehler verkaufen wollen. Freilich, antwortete dieser; Hab ich das gethan, lieber Mann; aber die Blindheit des armen Gauls ist auch Nichtsein Fehler, sondern sein Unglück. Der Gtaf von Grammont ward tödtlich krank. Man fragte ihn, ob er nicht beichten wolle? „V ja!" Wen soll man rufen lastend „Ei, meinen Beichtvater, den Pater Zacharias.^ Man sandte hin und erhielt die Nachricht, daß it vor achtzehn Jahren gestorben sey. Die Publik azion. I. Rath. Wir lassens an Kirchen und Thore anschlagen, Knd senden ein Paar Zirkularien durchs Land. ' 2 . Rath. Ich dächte, wir ließens der Plauderbach sagen ; Ev erspart man die Müh', un- 's wird besser be-^ bannt. F 2. D. Steffen sah, wre man den Grund zu einem Hau» so legte. Als er bemerkte, daß die Maurer die schön, sten Werkstücke versenkten, sagte er unwillig: Die Schelme! vergraben da die kostbaren Steine, und wollen einem dann weiß machen, sie hätten sie ver» baut. Auf einen Proviant-Kommissar. Der Krieg macht arm, jedoch nicht unfern Phormiv. Der drosch fürwahr kein leeres Stroh; Und wußte künstlich bei Äommißbrvtbacken Sogar Pasteten abzuzwacken. Kretschmanlu Politik. Sein BSlklein schneller zu bekehren, Sucht, wie politisch ! Pastor Frei Vom Schändlichen der Döllerei Es durch sein Beispiel zu belehren. Hau-.' Mißlungene Aufmunterung. Ein Kopf, wie du, im Kriegsdienst macht. Sein Glück, erklimmt den Tempel hoher Ehre. — Auch wenn ich in der ersten Schlacht Ihn schon verlöre? ..... §. P.' Köstinger. r«9 Bekanntlich ist die Stadt Meferitz im ehemaligen Südpreußen der Wohnsitz einer großen Menge höchst armer Ludenfamilien, die fast alle füg5 lich zur Zahl der Bettler gerechnet werden können- Einer dieser Betteljuden war nach Berlin gewandert, und meldete sich dorther einem der reichsten jüdischen Banquiers, den er um ein Almosen ansprach. Dieser gab ihm einen Groschen. . „Ach, du lieber Himmel!" sagte der Jude, „was soll ich damit anfangen in einer so theuern Stadt?" Sey er Zufrieden, entgegnete der Banguier: wenn ihm jeder von seinen Glaubensgenoßen so viet Liebt, so hat er vollauf. „Main, da soll ich noch bei Allen herumlau- frn, ich bin hier fremd, Und Sie sind ein so reicher Mann, Haben Sie Barmherzigkeit und geben Sit Mir nur so viel, daß ich heute mein Leben friste." Alle Bitten waren umsonst, der reiche Fitz wollte sich zu nichts verstehn. Endlich machte der Bettel/ude Miene- sich zu entfernen. Beim Weggehen wandte er sich abeik noch zu dem jüdischen Krösus, und sagte: „Wenn S:e mir zwölf Groschen geben, so will ich Ihnen auch dafür ein Geheimniß sagen, ein großes Geheimnis, nämlich, wie Sie recht — recht alt werden können." Der Geizhals stutzte. — Langes Leben! Welche Zostliche Sache süc ihn , der nie anders, als mit Museum 4 . B. Z. Heft- 3 IHV Scffauder daran denken konnte, daß bald die Zeit kommen möchte, rvo er sein Geld, seine Juwelen, seine Banknoten, Seehandlungsobligationen, kurz alle irdischen Güter verlassen müßte. — Er war zwar mißtrauisch, aber die Begierde, recht lange zu leben, besiegte alle Zweifel; er öffnete seine Börse, zahlte die verlangten zwölf Groschen auf, und fragte hastig: und das Geheimniß? Der Bekteljude strich das Geld ein und sagte lakonisch: „Ziehen Sie nach Meseritz, da ist noch kein reicher Jude gestoröe n." Der Doktor Romanus Teller in Leipzig zahlte unter seine Gönner auch den chursächsischen Administrator, Prinz Lavier. Einst besuchte -ieser Prinz den Doktor, und fragte ihn unter andern, ob er Kinder habe? „Das müßte eine schlechte Wirthschaft seyn, in der man nicht wenigstens ein halbes Dutzend Tel- lerchen anträfe." Er hatte gerade sechs Kinder; eines davon ward hernach der berühmte Oberkonsistorial- Rath und Probst Teller in Berli n." Adam. Nennt ihn nicht Vater — den Barbaren, Der uns den Tod gab, eh wir waren! Haus, ' Das häßliche Gesicht. Wahre Anekdote. , Das ist wahr, hübsch war der Rittmeister B * nicht. Das ganze Gesicht war eine zerfetzte und zusammen genähte Hautfläche; schreckliche Säbelhiebe hatten es in der Länge und Quere durchkreuzt; von den Blattern war es mit gelbschwarzen Giftnarben so übersäet daß auch nicht ein reiner Fleck darin aufzufinden war. Ein fuchsrother Schnautzbart struppte auf der gespaltenen Lippe, und diente dem Munde gegen die Schnupfrabaks-Wolkenbrüche, die der aufgeschlitzten Nase reichlich entquollen, zum sichern Damme. Augenbraunen und Wimpern fehlten gänzlich , und die Aulzenlieder waren so kurz, daß er das kleine graue Auge, nie völlig schließen konnte; aber dafür hatte er eine schwarze Zahnpallisade im Munde, mit der er, besonders da er immer fletschte, wenn er sprach, alle Kinder zu fürchten machen konnte. Brav war er, schauderhaft brav. War e r an der Spitze seiner Schwadron , so folgte sie, und wenn sein Brandfuchs in die Hölle mit rbm gestürzt wäre. Seine Husaren liebten ihn wie ihren Vater, aber mit seinen Kameraden hatte er oft Händel. Lm letzten Feldzuge ging er in Q*** in das erste Hotel, und setzte sich an die tadle ä'dttt«. Es wimmelte im Orte -on fremden Truppen, die diesen Morgen erst angekommen waren. Die Offiziere spris'trn fast alle in demselben Hotel. L r Der Rittmeister fetzte sich zufällig neben einen jungen Cornet / und rief dem Marqueur, ihm zu essen zu bringen. „Lieber Marqueur," hob der Cornet spitzig lächelnd an, „mach er mir dorr an jenem Tische Platz, ich -werde dort essen." „Ich störe doch nicht?" fragte -er Rittmeister den Flaumenbart, und konnte sich die Ursache nicht deuten, warum der junge Mensch, mitten im Essen, seinen Tischplatz wechseln wollte. „Wenn ich gehe, stören Sie mich nicht!" „Aber, wenn Sie bleiben?" „Ja, ich würde den Appetit verlieren;" antwortete der Treuste, und winkte mit schief gezerrtem Munde seinen jungen Freunden, die mit ihm an der Tafel saßen. Die lachten, er lachte mit. Dem Rittmeister stieg das Blut in das Gesicht. „Erklären Sie sich deutlicher, mern Herr," sagte er mit fester Stimme. Ihr Lachen deutet auf mich. Haben Sie etwas wider mich? „Wider Sie nichts: aber wider ihr Gesicht. Sie sind nicht ganz hübsch. Ihre Nachbarschaft würde mir den Mittag verderben." Die ganze Tischgesellschaft lachte laut. „Junger Herr," erwiederte der Rittmeister ruhig, „meinem Fürsten btn ich hübsch genug. Ihre Impertinenz kann lch nur mit der Klinge beantworten. Ist es Ihnen gefällig, auf einen Augen- blick mit mir hinaus zu kommen?" „Recht gern, recht' gern. Meine Freunde hier rZz werden mir verkünden sein, wenn ich so ein fatales Gesicht von der Welt schaffe." Verde gingen auf den Flur. Die ganze Tischgesellschaft stürzte hinter ihnen drein. „Das ist ein Mordjunge, der Cornet," sagte ein dicker Major, .,der wird ihn gut zudecken." „Der haut auf Ehre, wie der lebendige Teufel," zischelte ein Hauptmann dem andern ins Ohr. ,,Gieb ihm nur einen rechten Jesushieb über die Nase," sagte im Herausgehen halb leise rin Lieutenant zum Cornet. Alles dies und ähnliche Sächelchen hörte der Rittmeister. Aber sie glitten an ihm ab. Er blieb sehr ruhig. Der Cornet zog. „Nicht so rasch, junger Herr, wir haben Zeit," hob der Rittmeister gelassen an. „Haben Sie auf den schlimmsten Fall Dispositionen getroffen ? Hier, mein Herr, (er wendete sich mit einer artigen Verbeugung an den altes sien Offizier im Zirkel der Umstehenden) ist meine Brieftasche. Sie enthält meinen letzten Willen. Sollte ich bleiben; so haben Sie dte Gewogenheit und melden Sie den Vorgang meinem Fürsten. Die Wechsel, die Sie hierinnen finden werden, lassen Sie meinem Bedienten zukommen. Ich bin der Rittmeister B * im ** scheu Husarenregimente, mein Regiment kantonirt jetzt drei Stunden von hier in G *. So, nun bin ich fertig. Sie auch, junger Mann ,/Frisch, frisch," rief der Stürmische, „Sie wollen mich damit außer Faßung bringen. Ziehen Sie." „Ich lege die Hand nicht eher an meinen Säbel, bis Sie mir sagen, daß Sie auf der Welt Nichts mehr zu bestellen haben." „Mein Testament ist bald gemacht," sagte der Cornet lachend. „Meine Equipage gehört meinen Gläubigern, und den Ring hier soll die dicke Christel haben." > Alle lachten. Der Zweikampf begann. Der Cornet war Meister im Hauen. Es war, als ob er tausend Hände und tausend Säbel hätte. Der Rittmeister mußte seine ganze Kunst zusammen nehmen, ^um dem Rasenden auszupariren. Er hatte nur sich zu wehren,-an das Hauen durfte er gar nicht denken. Ter Cornet zielte ewig und immer nach dem Gesichte." < - > ' „Herr, lassen Sie mir mein Gesicht gehen," rief der Rittmeister, „oder Sie machen mich, hol mich der Zeufel böse." . - Der Cornet lachte hämisch, und wollte r'hm eben «inen rechten Cirkumsi-'k über die Nase ziehen. In diesem Augenblicke gab er eine Bloß« und mit einer schrecklichen Quarte überm Arm, saß ihm der Säbel des Rittmeisters zwei Zoll tief im Halse. Er sank in einander. Der Rittmeister zog den Sabel durch die Finger, schleuderre das daran klebende Blut weg, wisckte sich eine Thräne aus dem Auge, und sagte murrend vor sich hin: „das ist der fünfte, den ich um des verfluchten Gesichtes willen liefere." Hierauf offerirte er den Umstehenden eine Prise 1ZZ Laback und fragte: „sehe ich denn wirklich so häßlich aus?" ,.J bewahre," war die allgemeine Antwort. „Man kann das Gesicht nicht schön nennen, aoer recht militärisch, auf Ehre, recht militärisch" H. C. Der fr e u nd sch ä ftlich e Rath. In einer gewissen Stadt der Marca d'Aneonn ist der Brauch, daß, wenn Jemand ein Schwein geschlachtet hat, er mit einigen Stücken davon den Nachbarn ein Geschenk macht. Ein Einwohner, den der aus diesem Herkommen folgende Verlust des Specks nahe ging, berathschlagte sich mit einem Freunde, wie er dem Uibel am besten ausweichen tonnte. Dieser rieth ihm, das Gerücht auszusprengen, sein Schwein fey gestohlen. Sein Rath wurde befolgt. In der folgenden Nacht kam der freundliche Nathgeber in des Freundes Haus und stahl wirklich das Thier. Am frühen Morgen wurde er von dem Eigenthümer geweckt, welcher fluchte und schrie, daß ihm Jemand sein Schwein gestohlen hätte. Brav, fugte der Dieb, fahren Sie so auf diese Manier fort, und Jedermann wird glauben, daß Sie es wirklich verloren haben. An elne Rose. Du Röschen sollst Beatens Busen zieren? Du iammerfi mich: Du wirst erfrieren. K. W. Meyer» Küsters Itzttchen, Eine Ballade. An des Kirchhofs stiller Mauer , ' In dem Dorfe Weichselfähr, Fühlt der Wandrer bange Schauer, Denn dort irrt ein Geist umher. Griechisch ist das Kleid, und drüber Weht von §asche>n:r ein Tuch; So geht's hin , so gehc's herüber, Klagend: Pch, mein rythes Buch? Küsters Iettchen, still und friedlich/ War des Vaters Lieblingskind; Jung war sie und wunderniedlich, Doch für eiteln Schimmer blind. Wenn das Frühroth neu erschienen, War ihr Spiegel nur der Vach; Elternliebe zu verdienen, Mühte sie sich Hag sstr Tag. Ihre Schönheit reizte viele Jünglinge der nahen Stadt, Zu der Schmetterlinge Spiele z Doch bald ward es Jeder satt. Iettchen lächelte der Thoren, Bei der Arbeit leichten Müh'n. So, im Tanz der heitern Horen, Gah sie achtzehn Lenze blühn. » Jetzt spediet der Onkel Flieder, Kaufmann in der Äöriizssiadt, Ein Geschenk dem Küster wieder, Wie er jeden Jahrmarkt that. Für den Aater Knaster, Bücher, Mrerschaumpfeifen, bsendendweiß; Für die Mutter, aber Tücher, > Kaffee, Zucker, Zimmt und Reiß. Für das Nichtchen — Ei, zum Kleide Von der lieben Tante Wahl, Glänzend Zeug von feinster Seide, Und ein feuerroth Journal. Iettchen lächelt im Beschauen, Nennt den AttlaS zehnmal schön, Aber an des Buches Frauen Kann sie nimmer satt sich sehn. Ei, wie himmlisch? Aus und nieder Blättert sie im rothen Buch. Tausendmal und immer wieder, Und noch ist es nicht genug. Sorgsam schmückt sie sich am Morgen, Jenen Bildern gleich zu seyn. All ihr Denken, all ihr Sorgen, Muß sie nun der Mode wrihn. I Und schon ist er ihr gelungen; Jenem Spiegel lächelt sie, Der ihr sagt, was sie errungen, Und sie trennt von ihm sich nie» Jede Arbeit bleibet liegen, Ganz verwandelt sie erscheint. Nur der Putz macht ihr Vergnügen, Nur der Spiegel ist ihr Freund. - Als daraus vom nahen Stäbchen Wieder kommen junge Herrn, ' Bleibt das allzu eitle Mädchen Ihnen nicht, wie ehmals, fern; Wenn sie ihre Schönheit preisen, Fühlet sie sich hoch beglückt. Kann sie Männer von sich weisen, Die ihr Biüchenreiz entzückt? Und ein Incrvjable spendet Gar ein Tuch ihr obendrein; Zu ihm ist ihr Herz gewendet, Und sie liebt nur ihn allein. Graue Eltern sehn und zürnen, Doch sie fühlt nicht die Gewalt Jenes Ärams, der ihre Stirnen Furcht und laut in Seufzern hallt» i Ferdinand, ihr kiebling finget Ihren Preis und leine Qual, Und in jedem Monat bringet Kleider er und ein Journal. Jektchen kann nicht widerstehen, Und sinkt bald in seinen Arm, Hört nicht mehr deS VaterL Flehen, Lieht nicht mehr der Mutter Harm.- Bald soll Jektchen Mutter werden. Hak des DaterS Gciinm erwacht, Und er schilt mit Zorngeberden, U'bet grausam seine Macht. Nimmt ihr die Gewänder, Bücher, Leibst das neueste Journal, Alte Kleider, alle Tücher Soll sie tragen. Welche Qual! Hoffnung und Vernunft verschwindet, Hoher' Lebensüberdruß Treibt sie fort, am Morgen findet Man sie todt im nahen Fluß. Und nun spuckt sie nach dem Tode. Wimmernd schallt es durch die Luft: Bringt mir mein Journal der Mode, Soll ich ruhen in der Gruft. Karl Ltem »4» Lächerlichkeiten. In einer Debate im Jahre 1795 im irländischen Unterhause bemerkte der Kanzler der Schatzkammer (Sir John Parnell) mit großem Nachdruck: daß ln Verfolgung des gegenwärtigen Krieges Jedermann seine letzte Guinee geben sollte, um den Uiberrest sicher zu stellen. Vandelure sagte bei einer andern Gelegenheit, wie dem auch seyn möchte, die Ledertaxe würde von den baarfüßigen Bauern in Irland am Härtesten empfunden werden. Darauf versetzte Sir Roach Bvyle, dem lasse sich leicht abhelfen, wenn man das Sohlenleder von Holz machte. Stumpfe Kopfe. Ein geistesarmer Mann, der dem Gespräche bei seinem Tische, wo Fremde zugegen waren, kein Leben zu geben wußtt, und endlich über die langwei- , lige Srrlle verlegen wurde, unterbrach dieselbe mit dein Ausruf: Ich hätte einen guten Baumeister abgegeben! — Als man ihn nach dem Warum? fragte, gab er zur Autwort: Weil mir nichts e i n f ä llt! — Ein Anderer, dem ein Kind zur Erde bestattet wurde, befahl, daß vom Stadtthurme herab der dritte Vers eines gewissen, ihm besonders wer- then Liedes zur Trauermusik nicht etwa gesungen, sondern geblasen werden sollte. i4r Ein reicher Bauer brachte feinen Sohn, den er weder zur Wirtschaft brauchen Irisch bei einem Handwerke untecbringen konnte, in die Sraot zu einem ihm bekannten Doktor, zahlte diesem dreißig Thaler, und bat ihn, weil sein Sohn doch kein Genie zu irgend etwas habe, denselben zum Doktor zu machen. Der Arzt, um sich zu rächen, giekt d.em Sohn ein Tra'nkchen ein und empfiehlt dem Vater, ihn nun sogleich nach Hause zu fahren, aber ihn zu hüten, daß er nicht eher, als vor seiner Wohnung absteige , weil er sonst für die Wirkung nicht stehen konnte. Der Alte dankt, und da der Sohn schon in der Stadt vom Wagen will, bindet er ihn am Wagen fest. Endlich aber, als sie ins Freie kamen, wird die Wirkung des Trankes s- heftig, daß -er Knabe seine Bande zerreißt, herunter in einen Busch springt, um des bösen Trankes, den er nicht mehr behalten konnte, sich zu entledigen. Der Vater springt ihm nach, bleibt aber sogleich vor Schrecken erstarrt stehen, und schlagt die Hände i'ammernd über den Kopf, als ein hierdurch aufgeschreckter Hase aufsprang und davon floh, indem er kläglich einmal über das andre ausrief: Ach, mein armes Geld! da läuft nun der Doktor davon. Frage an die Mitglieder eines Lt'eb- habertheaters. Liebhaber werdet ihr gepriesen! Vom Schauspiel? oder den Aktristn? ». Kyaw> Die Herzogin von Orleans, gebornr C o n- t i, vergaß zuweilen ihren Rang so sehr, daß sie für ein Freudenmädchen angesehen seyn wollte. In dieser Absicht setzte sie sich einst im Schauspielhaus«! in einen Winkel des vierten Stocks, gewöhnlich das Paradies genannt, und ward daselbst von einem Zungen Menschen angeredet, der, nur leichte Erobern«-- ^ gen suchend, sie sehr nach seinem Geschmacke fand, ^ und nach einigen, in dergleichen Fällen üblichen Aeußerungen erklärte, er wolle bei ihr zu Nacht essen. Die Prinzessin nimmt den Vorsi lag an, reicht ihrem Galan den Arm, und geht mit ihm die Trep- ! pe hinunter. Aber kaum ist sie auf der letzten Scu- ! fe, so schreit man: „den Wagen Ihrer Durchlaucht der Herzogin von Orleans!" und es erschienen zwei Hofkavaliere, die der Dame, welche der Zunge . Mensch führte, ehrfurchtsvoll die Hand reichen. Die- > fer, seinen Jrthum gewahr werdend, will sich da- ' von machen; aber die Herzogin hält ihn zurück und sagt: „Nun, Sie wollten Za bei mir zu Nacht essen ! Sie denken doch wohl nicht Ihr Wort zu brechen „Ich wollte freilich imParadiese, wo wir Alle einander gleich sind; aber hier unten ist es etwas anders!" Und damit machte er sich, nach einem tiefen Reverenze, aus dem Staube. -4L Die Maske. Eine prächtig gekleidete Fürstenmaske trat einst in den Hamburger Redoutensaal, ging auf die Schild» rvache zu, die im innern Eingänge des Saales po- stirt stand, und gab ihr eine Börse: „da, mein Freund, verzehr' er das auf meine Gesundheit." Der Soldat dankte hoch erfreut, fand aber bei näherer Untersuchung, daß die Börse, statt Dukaten, nur mit Zahlpfennigen gefüllt war. Er lauerte,, bis die.Maske wieder an ihn vorüber ging. „Mas« ke," sagte er: „Sie hat mich angeführt. Die Bor» je " „war auch Maske!" fiel ihm der Pseu- dvfürst inS Wort. Ein unfehlbares Mittel. Ein junger Mensch, der nie aus der Stadt gekommen war, besuchte einen Verwandten, der in der Nachbarschaft ein Landgut gepachtet hatte. .Der Pächter führte seinen Freund auf seinem Gebiete überall herum, und unterhielt ihn von ökonomischen Gegenständen, von welchen sein Gast nicht das mindeste verstand. Endlich kamen sie zu einer Wiese. Diese, sagte der Pächter, würde mir sehr große Vortheile bringen, wenn die Maulwürfe sie mir nicht fast ganz ruinirten. „Ei, dafür gibt es ja Rath ," versetzte der Städter: lassen Sie sie doch pflastern." 144 Ein Räuber hielt einen Hsfmann auf der Lands siraße in seiner Kutsche an, da indessen seine Käme» raden sich mit dem Kutscher und Lakaien zu schaffen machten. Der Hofmann, der i'e eher se lieber einer so schlechten Gesellschaft los seyn wollte, zog in aller Eile sein mit Gold gesticktes Kleid aus, riß aber dasselbe darüber entzwei. Der Räuber, der dies sah, rief unmuthig aus: mit welchem Rechte zerreißenSieunferKleid. Ein Spaßmacher sagte einst ztt einigen seiner Freunde: er werde nächstens bei der Obrigkeit um die Erlaubniß, eine Papiermühle errichten zu dürfen, bitten. Man verwunderte sich über diese Idee, und fragte, woher er denn so viele Lumpen aufs treiben wolle, als zu einem solchen Unternehmen «othig waren. „Dafür ist mir gar nicht bange," antwortete der Spaßmacher,— „ich will guten Wein schenken, und bin überzeugt, daß die Lumpen vor» selbst zu mir kommen werden." Die Auflösungen d-r in diesem Hefte vorkommenden 2 Räthfel sind in alphabetische» Ordnung: >. Band. r. Zungenheld. >45 Originalitäten Peter des Großen. So einzig der große Mann, der eigentliche Schöpfer Rußlands, als Herrscher da stand, so groß erschien auch iin Privatleben die Genialität seines Geistes und feine Hinneigung zum Originellen« Bekannt ist eS, daß er sich einstmals bei einent Schilfsbaumeister förmlich als gemeiner Tagelöhner aus einen Tag vermiethete, sechzehn Stunden hindurch bei der unerträglichsten Sonnenhitze und bei gewöhnlicher Tagelöhner-Kost unverdroßen arbeitete, und sich am Abend den verdienten Rubel auSzahlen ließ „Sieh, liebe Frau!" — sprach er dann, al- er nun spät in das Zimmer der Kaiserin trat — „sieh meinen Tagelohn z ich würde meine Familie ernähren können, wenn ich auch nicht Kaiser geworden wäreDieser Zug ist bekannt, aber andere, welche in alten breiten Chroniken, dem Auge des Lesers unsichtbar, modern, sind es nicht. Daher dev Gedanke, hier einige seiner Handlungen darzustellen, welche seine Hinneigung zum Ungewöhnlichen bezeichnen. Einmal befand er sich ins Smdletlsk; tnilitä- tische Geschäfte machten es notwendig, einen Kou- rier von hier nach Kiew zu senden, und er wählte einen Kapitain Namens Uschakof dazu, dem er di6 möglichste Eile dringend empfahl. Uschakof rict die 60 Meilen in 24 Stunden, und kam um Mitternacht vor Kiew an, wo jedoch der Kommandant (an den die Depesche gerichtet war) die strengste Ordre halte, Niemanden, wer Museum 4. B. 4. Hest- K 246 er auch sey und unter welchem Vorwände sich Einer melde, in der Nacht die Thore der Festung zu öffnen. Der Äourirr forderte Einlaß, man we>ger. te sich, er berief sich auf den Befehl dcs Ka,er> , -och der Kommandant, dem man von dem Umstand Meldung machte, entschuldigte sich gle'chsalls mil der kaiserlichen Ordre und luß dem Harrenden znnrsen, er möge bis -um Anbruch des Tages in einem yanse nahe vor dem Thore verweilen; aber Uschakos, heiß vor der Stirne, bestand ans den E'Nl.rß >»ut Heftigkeit und drohte, er werde dem Kaiser die Widersetzlichkeit des Kommandan en melden, und a!S diese Drohung nicht wirkte, wendete er im heftigsten Zorn sein Roß, begab sich ans die Rückre se , und langte nach Ho Stunden wieder in Smolensk bei dem Kaiser an, dem er seinen Unfall und den Trotz des Kommandanten klagte; indem er demselben zugleich die sehr wichtigen Pariere — unertffnet zu« rück gab. Ein Anderer als Peter, hätte den Cus lenspiegel zu einer harten Strafe vrrurtheilt, aber dieser ernannte ihn zum — lustigen Rath und be, hielt ihn bei sich bis zu dessen Lode. Vorzugsweise sprach sich in der Erfindung und Anordnung seiner Lustbarkeiten, der Hang zum Sonderbaren aus, das freilich zuweilen, dei dem Geiste des Zeitalters , die Natur der Karnkatur annahm. Eine der merkwürdigsten Erscheinungen unter allen seinen Vergnügungen von eigner Erfindung war wohl unstreitig: Die Hochzeit der Zwerge, gefeiert am iZ. November 1710. * t ^ nv l )rr nse mt 61- a!S len and bei rvtz r»- zn» Luder de. und ^ vn- ' eiste ! n. ' al- war 147 Im Anfänge des Novembermonats berheirathete der Kaiser seine Nichte die Großfürstin Anna an den Herzog Ferdinand von Kurland und die Zwergenhochzeit war der Epilog des fürstlichen Der.- mählungsfestes. Peter gab ihn zur Ehre und zum Vergnügen de6 Brautpaares. Die Möglichkeit, den Einwohnern von Petersburg ein so seltenes Schauspielzu geben, lag in folgendem Umstande: Schon am Ende des sechzehnten Jahrhunderts hatte allda eine Zwergin zwei Kinder, rin Mädchen und einen Knaben geboren, welche, der Mutter gleich, ihr ganzes Leben hindurch klein und schwach blieben. Die Neugierde, zu sehen, welche Gattung von Menschen das kleine Paar erzeugen würde, veranlaßt« einen Fürsten, die Volljährigen, welche er bereits seit ihrer Jugend zu sich genommen, genau mit einander zu verbinden. Der Erfolg entsprach der Erwartung. Die Descendenz, bald sechs Individuen stark, unterschied sich durchaus nicht von den Eltern. Unter diesen Kindern fanden später wieder Verbindungen statt, und jetzt, im Jahre 17^0, lebte bereits eine bedeutende Anzahl der Miniatur-Menschen in Rußland, welche sich im Hof Personale des Kaisers , der Kaiserin, des Fürsten Menzik 0 f und anderer angesehenen Personen befanden. Es war nämlich zu der Zeit Sitte, baß jeder Große, brr ein elegantes Haus machte, uothwcndig einen Zwerg iN seinem, oder eine Zwergin im Gefolge seiner Genra, lin besitzen mußte. Dies brachte den'genialen Kaiser aus die Idee , K 2 eine Heirakh unter zwei Zwergen zu veranstalten, ihre Hochzeit auszurichten und so dein Hofe und dem Wolke einen ganz neuen Anblick zu gewähren. Flugs requirirte er alle Zwerge aus den Häusern der Grossen, Eilboten flogen durch ganz Rußland hierher und dorthin, zwei- bis dreihunder Meilen weit, die Auswärtigen zur Residenz zu berufen. Man brachte ihrer 72 zusammen. Leicht ward ein Brautpaar auf- gesunden , sobald man vernahm , daß der Kaiser einen solchen Wunsch geäußert habe. Der Tag nach der Vermählung des Herzogs von Kurland wurde znm Hachzeitsseste der perits dommes bestimmt. Am Tage vorher fuhren zwei reich und deutsch gekleidete Zwerge in einer kleinen Chaise herum , die Gäste rinzuladrn. Zwei kaiserliche Stallmeister in ihren Staatslivreen ritten, nach rußischrm Gebrauch, vor der Chaise und das daran gespannte Dferd war mit bunten Bändern behängen. Am Hochzeittage selbst ging man förmlich in Prozession zur Trauung in die rußische Fcstungskirche. Woraus trat ein reich gekleideter Zwerg als Marschall mit seinem Stabe, woran eine Menge Bänder von allen Farben flatterte, in der Hand; hinter diesem folgte das stattlich herausgeputzte Brautpaar. Dann folgte der, von Fürsten, Ministern, Offizieren und Hofleuten umgebene Kaiser selbst; hierauf die 72 Zwerge, sämmtlich in deutschen gallonirten Kleidern; an der Spitze die kleinsten, elwa zwei Fuß hohen, von hier folgten die immer großer« bis zur Mitte, wo vier Fuß lange gingen; von hier fiel es aber wieder zu den zwei Fuß großen herab, wie man di« r4S Orgelpfeifen stellt. Acht Personen von de» vordem hatten die Rollen der Untermarschälle, ihnen folgte» die Brautdiener, welche als Emblem ihrer Würde eine Schleife von Spitzen am rechten Arm trugen. Line unzählbare Menge von Zuschauern schloß den Zug. In der Kirche angekangt, nahmen die Zwerge nach ihrer Orgelpseifen.Symmetrie ausgestellt, in der Mitte Platz, vom Hose und den Zuschauern einge» schlvßen. Der Trau - Akt, wobei der Kaiser selbst, den rußischrn Gebrauch befolgend, den Kranz über die Braut hielt, begann. Der Bräutigam beantwortete mit Heller Stimme die ihm vvrgelegte Frage, ob er seine Braut zur Gattin begehre, aber daS Ja der Braut erklang so leise, als fühle sie die dem Himmel gemachte Svtiise, indem man zwei von der Natur unfreundlich behandelte Wesen ehelich verband, um die Welt mit Krüppeln zu bevölkern. Von der Kirche fuhr man auf dem Neva Fluß zum Pallast des Fürsten Mrnzikos, wo in emem großen Saal die Tafeln für die Hvchzeitgäste bereitet waren. Die Gesellschaft der Zwerge hakte man m die Mitte placirt, umher, mit den Rücken an die Wände, saßen an einer schmalen Tafel die G.oßen mit dem Kaiser an der Spitze, so daß man sie.6 die Zwerge im Auge hatte. Diese hielten sich wacker bei dem Gastmal und Getränk, waren überschwenglich froh, und machten einen gewaltigen Lärm. Der Bräutigam so wie die Braut hatte an zwei verschiedenen kleinen Tischen ihre Plätze; über beider Sitzs waren kleine Baldachin- angebracht, und von demselben hera^ hingen über der Braut und dem Bräutigam Lorberkränze, Nach den rcsten Schüsseln trat der Marschall Äit seinen acht Untennarschällen, große GlaSpokale he i Händen tragend, vor den Kaiser hin, brachten -r Lasst: es lebe der'grosse Kaiser, seine erhabene Familie und wer es gut mit mit ihm meint! aus, worin alle Anwesende laut einstimmten und wobei Trompeten und Posaunen schmetterten und erschallten, während die Marschälle ihre Pokale nach russischer Sitte bis auf den letzten Tropfen leerten. Tanz und Jubel der kompendieusrn Personen währte bis zur Mitternacht fort; endlich gebot der Kaiser ein Ende der Lust, und nahm das Brautpaar mit sich in sem Haus und fein Schlafzimmer, wo das Brausbette für die neuen Eheleute bereitet war. Vorzugsweise waren wunderbare Prozessionen und M-skeraden, wobei jedesmal Musik seyn musste. Fa- voritvergnÜKUngen von ihm, wozu er selbst thätig mitwirkte. So wollte er im Winter des Jahres 1721 , den Einwohnern der Stadt Moskau, welche bis dahin niemals große Seeschiffe gesehen hatten, die Ansicht emer Flotte verschaffen, um ihnen zu verdeutlichen, daß Rußland den erreichten Frieden, das Aufblühen des Handels und die Erweiterung seiner Kränzen vorzüglich der neuen Marine zu danken habe. Zn diesem Zweck arrangirts er die, den in des russischen Geschichte Bewanderten »echt unbekannte I5l große Schlittenfahrt, welche mit einer Maskerade koncertirte. <^ie wurde auf folgende Weise vollzogen: sechzig Schlitten, theils von ungeheurem Umfange ^ thejls von gewöhnlicher Größe, durch Bekleid düng und ausgestellte Masten mit Tauwrrk, Seegefn und Flaggen, in die Form der Schisse gezwungen, b Idetrn die Flotte, von der größten Fregatte an dis zum kleinen Boot hinab. An der Spitze das Schiss des Bachus, das ein Hofnarr, in Bärenhaut vermummt, führte , und welches von sechs Bären gezogen wurde. Dann folgte das Schiff der Musiker, von sechs Schtveliwn gezogen. (Freilich sehr unästhetisch.) Ei» Boot, welches einen Mann in asiatischem Gewände trug, mit sechSzehn vorgespannten großen Hunden. Sechs Schiffe mit Poppen (griechischen Geistlichen) gleichfalls durch Hunde sortgcbracht. E«n großes Schiff, das einen Pseudopapst »er griechischen Kirche führte; Pferde zogen eS. Auf dem folgenden, durch zwei Bären transpvr- tirten Schifie, befand sich eine MaSke als Kaiser mit der rußischen Krone und dem Emblemen des rußi- fchcn Reiches. Neptuu, mit dem Dreizack, dessen muschele förmiges Schiff zwei Tritonen (Masken) schleiften. Eine große Fregatte, Zs Kanonen (worunter jedoch nur 8 metallene waren) führend, dem wirklichen dreimastigen Schiff vollkommen ähnlich, und durch Flaggen uud Wimpel verziert, worauf sich der Kaiser selbst, im Erwaude emrs EchiffhanptmanrrS. befand. '52 Sechzehn Pferde keuchten, Len Koloß schleppend , voraus. Eine Fregatte, woran 24 kleine Böte befestigt waren, worin sich Mitglieder aller unter ruscher Herrschaft stehenden Völker in ihren Nationalkostümes befanden. Don einem großen, ganz vergoldeten Schiff mit Spiegelglassenstern und seidenen Seegeln sah die Kaiserin, zur friesischen Bäurin verwandelt, herab. Auf den Schiffen, welche den Zug schlossen, fuhren der Fürst Menzikvf mit seiner Gemahlin, Familie und beider Gefolge; der Herzog von Hollste in mit zwei al^ H 0 l l st ei n e rn verkleideten Individuen, der Admiral Aprarin, der Chan d^r Moldau, Cantimir, in orientalischer Pracht, die sämmtlichen Minister und Personen aus allen europäischen Nationen. So ging der Zug dahin Lurch die zuschauervvllen Strassen der Stadt. Eur Seitenstück zu dieser Schlittenfahrt war : Die große Maskerade, ausgeführt zu St. Petersburg am 2/. und 2 8. Januar 171^, wozu sich alles, was zum Hose gehörte schon drei Monate früher vorbereiten mußte. Der Kaiser hatte seinen ehemaligen Schreibelehrer, Namens Sotots im 70. Jahr zum lnsti- gen Rath, später scherzweise zum Patriarchen, zum Fürsten und endlich sogar zum Papst ernannt. Bei dieser Würde verheiratete er denselben in feinem 84. Jahre mit einer HHjährigen raschen Witt- we, und dieses Hochzeitsrst gab die Gelegenheit zu der großen Maskerade. Vierhundert Personen von beiden Geschlechtern, in allen bekannten astatischen und europäischen Na« tivnalgewänbecn gekleidet, von denen immer viere einen Dvlksstamm bildeten, vollzogen sie. UibrigenS bearbeitete jede dieser Gruppen ein andres musikalisches Instrument, daS, entweder gar nicht, oder doch verschieden von den andern, gestimmt war. Die vier Leute , welche die Einladung zum Hvchzeikfeste besorgten, waren die größten Stammler, die man in Rußland ausfinden mochte; zu den Marschällen, Schaffnern, Brautdienern und Auswar- tern hatte der Kaiser stemalte Männer, welche weder gehen noch sehen konnten, und zu den Lausern nur solche Fleischmaffen gewählt, die sich ihres Em- bvnpoints wegen, führen lassen mußten, oder solche, die seit Jahren am Podagra laborirten. Bei der Prozession zue Kirche und am andern Tage bei dem Umzuge vom Pallaste zur Wohnung des neuen Ehepaars war der Kaiser als frisischer Bauer gekleidet, und schlug in Gesellschaft dreier Generale — wie mein Gewährsmann, eine alte Chronik sagt geschicklich die Trommel. Zur Trauung ging der Zug unter Glockcnschall von allen Thürmen, feierlich in die Hauptkirrhe, und hier kopulirtr ein hnudertjährigcr Priester, kaum noch im Besitz des Gesichtes, des Gehörs und der Sprache, das ungleiche Brautpaar. ^ Das Auffallendste hei dieser Maskerade war wohl folgender Umstand: Ein Hofnarr stellte einen Harfenspieler dar; §ber statt der Harfe hatte man ihm eine große, mit einer Bärenhaut überzogene Leyer in die Hand ge^ geben, die er scheinbar spielte. Ec s?ß auf der Hö- he eines Gerüstes, bas ein Schlitten trug, zwnche» vier lebendigen, Ungeheuern wilden Bären, welche die vier Ecken der Erhöhung einnabmen. Go oft nun der Harfenspieler di« Walze der Lryer nmdrehte, reizten einige dazu bestellte, ne- benhrrgehende Knechte, welche spitzige Stangen trugen, durch Stiche die Bären zum widerlichen Brummen und in demselben Moment erklangen die ehren- zerreißenden Töne von den 400 kontrastirenden Instrumenten der musikalischen Diletanken. Man imaginire sich das Furchtbare der geräusch- * reichen Disharmonie. Wer gesteht nicht, daß die Ideen «nwidersprechlich den Stempel der Genialität tragen, wenn gleich in der Komposition und Ausführung weder Delikatesse noch der feinste Geschmack waltet? Dafür liefert Peters Zeitalter und die Ee« gend seines Aufenthaltsortes erne sehr geltende Ent§ schuldigung. Wie anders konnte er seinen Hang zum Ungewöhnlichen offenbaren ? Kl Stein. An die Feinde der Liebe. Ihr jubelt, daß ihr frei von Liebesqualen, Und frei von Amors Ketten bleibt Ach, wenn ihr wüßtet, wie man liebt, Ahr würdet nicht mit Freiheit pralen'r Nutzen der Wiederholung. Der Abbe Saint-Pierre glaubte, wichtr« ge Sachen könnten dem Leser nicht oft genug vor Augen gestellt werden. Man findet treffliche Gedanken in ihren Werken, sagte Jemand zu ihm, aber sie sind nur zu oft wiederholt. Er bat ihm ei- nige anzuführen, und dies geschah ohne Schwierigkeit. Sie haben sie also behalten? fuhr er fort. Sehen Sie, das war gerade meine Absicht bei der Wiederholung, und ohne Liese würden Sie sich derselben heute vielleicht nicht erinnern können. Ein Aktuar faßte fein Protokoll über einen Prozeß so ab : „heute v-uo erschien Hans Kraut als Kläger, und David Hansel, als Beklagter, nebst ihren beiderseitigen Advokaten, und nachdem die Herren sehr viel geschwatzt hatten, ging zuletzt alles greulich unter einander/'' D e r S ch u l d n e 5. Als ein Perugianer, der tief in Schulden steckte, einmal mit sehr melancholischer Gebehrde über die Straße ging, fragte ihn ein Bekannter, warum er so traurig wäre? Ach, sagte er, ich bin dem Dankerot nahe. Gut, sagte sein Freund, wenn das ist, so mäßen nicht Sir, sondern Ihre Gläubiger «ine klägliche Miene machen. 156 Unumstößliche Wahrßeiten. Von meiner Reis' hierher Bericht Verlangest du zu lesen; Vernimm zuerst dann: ich bin nicht. Wo ich vorher gewesen. Und daß mit Dint' und Feder dir Jch's schwarz auf weiß erzähle Bcweis't unläugbar, daß es mir An allen drei'n nicht fehle. Von meinen Freuden hier sollst du -Heut eine nur erfahren: Denn fügt' ich dir noch eine zu, Gäb'ö zwei zu offenbaren. Nur eine werde dann erzählt. Die Zeit fehlt, mehr zu schreiben; Und wem die Zeit zum Schreiben fehlt. Muß es auch lassen bleiben. Aufs Amt atthier, nah bei der Stadt, Bat man uns jünst in Gnaden; Und, Freund, wen man gebeten hat, Der kömmt nicht arng elad e n. Die Fahrt dahin beschloßen ward, Zu Wasser, so zu sagen; Da nun zu Wasser ging die Fahrt, So ging fie nicht zu Wagen. , r§7 Der Unfern einer stieß den Kahn Harrt von des Stromes Rande; Als mir nun fern das Ufer sa h'n, Schwam fern der Kahn vom Lande. Es schlugen Ruder dann den Fluß, Die sie zuvor uns gaben; Denn, wer da rudern will, der muß Bekanntlich Ruder haben. Auf einmal machte sich empor Der Wind mit lautem Brausen; La von uns keiner litt' am Ohr, So hörten wir ihn brausen. Er tobt' um unser kleines Schiss, Als wollt' er nie ermatten; Und doch er nicht in's Seegel pfiff, Weil wir kein Seegel hatten. Weit rückt' er von uns unser Ziel, Nichts half uns Kampf und Wille! Das Wasser stieg, das Wasser fiel. Und war drum auch nicht stille. Doch endlich ward, Gott sey gelobt! Zum Säuseln rings das Brausen; Denn hat der Sturm erst ausgetobk. So legt sich auch sein Sausen. Doch nah' am Uf-r stand der Kahn, Wir saßen auf dem Sande; Weil nun gehemmt hier ward die Bahn Kam man auch nicht zum Lande. Ein flachreS Fahrzeug aber stieß, Zur Hilf' uns, ab vom Strande; Da dieß uns nun nicht stecken ließ. So kam's auch bald zum Lande. So war, trotz allem Unglückskram, Die Fahrt gut abgeloffen; ^ Und, da kein Mensch um'S Leben kam, War Niemand auch ersoffen. Daraus ergiebt sich, hell und klar, Die Wahrheit nun, mein Lieber: „Hast du bestanden die Gefahr, Go ist sie auch vorüber. 3. F Schink. Gleiche Gesinnung. Hein. ,,Mein liebes Weib, wir dürfen nicht verschwenden, ,,Das Glück warf uns nur wenig zu." Käthe.) „Mein Kind, ich denke, so wie du, „Und faßte gern das Tuch an allen Enden." Dies merkt sich Hein, und zahlt mit eignen Händen La- täglich ihr die Nadeln zu. P. W. Hensler »5A Die V e rrssa n d lu n g. Ein Gastwirth aus der Gegend von Phalsburg ssel in eine Schlafsucht. Man hielt ihn für todt, und machte zue Beerdigung Anstalt. Seine Frau kam voll Vetrüöniß herbei; da sie aber sah, daß man die Leicht in ein ganz neues und feines Tuch gekleidet hatte, schmerzte dies ihren Geiz, und sie sagte: das Tuch ist zu schön für ernen Todten, ich kann es im Leben noch besser gebrauchen. Sie hatte in ihrem Hause ein Harlekinskleid, das eine Ko» mödiantenbande statt der Bezahlung zurückgelasse» hatte. Da schloß sie sich bei der Leiche ein, öffnete den Sarg, und legte ihr insgeheim die bunte Jacke an, und brachte Alles wieder in Ordnung. Als dte Zeit des Begrabnißes herbeikam, nahmen vier Männer nach Landesgebrauch den Sarg auf die Schultern. Sie waren nicht lange gegangen, so erwachte der vermeinte Todte von seinem Schlaf und setzte die Träger durch seine Bewegung in Bestürzung. Sie ließen den Sarg fallen; er zerbrach, und zur Verwunderung Aller kam ein Harlekin heraus. Ein junger jüdischer Belesprit befahl seinem Bedienten, rhm aus einer Lesegtsellschaft einen Kas talogus zu ho',n. , Was ist denn ein KataloguS? fragte der Be» diente ä KataloguS ist eine Enthaltsamkeit von Büchern, belehrte der junge Schöngeist seinen unwlsienden Bedienten. Der einem Lü-öhaber-. Theater hatte einer davSll die Rolle rines Liebhabers. Als dieser die Liebeserklärung seiner Geliebten vordeklamiren sollte, nahm er einen Stuhl und setzte sich dazu nieder. Der Direktor tadelte ihn, daß er seine Rolle so ungeschickt mache, und sagte: welcher Liebhaber wird denn seine Leidenschaft sitzend erklären? Ja, antwortete der Student, es steht in meiner Rolle. Der Direktor sah verwundenrd in die Rolle, in welcher eingeklammert stand: (männlich und gesetzt.) Der Baron von P * * *, der bei einem wüsten Leben ein hohes Alter erreichte, begegnete mit etlichen guten Freunden auf einem Spaziergänge einem Juden, mit dem er mehr als dreißig Jahre zuvor in einem fremden Lande Verkehr gehabt hatte. Der Baron redete ihn an, und da er allerlei drollige Antworten gab, so mischten sich auch die übrigen in das Gespräch. Unter andern fragte einer den Juden, ob er sich nicht wundere, den Baron noch am Leben zil finden. „Wie sollt' ich mich wundern,^ sagte der Israelit: „da ich weiß, der Herr Baron hat sich me über-« «ilt seine Schulden zu bezahlen. Bemerkung. Hornukus las, was Gott dem Hiob erst genommen, Sey ihm dann zweifach wiederkommen. Wie gut, sprächet, daß Gott sein Weib nicht nahm! Damit er nicht für eine zwei be^am. Ein Testament. i6r Ich Philipp, letzter Graf von Pembroke und von Montgommery, Ritter der Grafschaft Berks, da ich, wie man mir versichert, sehr schwach am Körper, jedoch noch ein vollkommenes Gedacht- niß habe (denn ich erinnere mich, vor fünf Jahren meine Stimme zur Hinrichtung des alten Canter- bury gegeben zu haben, und seit einem Jahre ha-^ be ich nicht vergessen, daß ich meinen Herrn auf dem Schaffst gesehen habe); da mich der Tod verfolgt und mir droht, und ich immer den Drohenden nachgegeben, so mache ich hiermit meinen letzten Willen und mein Testament: Imxrimis. Was meine Seele betrifft, so gestehe ich, daß ich oft von der Seele habe sprechen hören. Db Seelen existiren und was ihre Bestimmung sey, weiß Gott, ich, für meine Person, weiß es kaum. Man sagt mir gegenwärtig von einer andern Welt, wo ich nie gewesen bin, und ich kenne nicht ein Zoll breit Land, das dahin führt. Als der Koni- regierte, ließ ich meinen Sohn einen Priesterrock -tragen, weil ich Lust hatte, einen Bischof aus ihm zu machen, und ich war von der Religion meines Herrn: in der Folge kamen die Schotten, die mich zu einem Presbyterianer machten. Seit Cromwelk bin ich independent geworden. Das sind, glaub' ich, die drei Hauptreligionen des Königreichs. Wenn eine von den dreien eine Seele retten kann, so neh- tne ich sie in Anspruch. Wenn also meine Exekutor Museum 4. B. 4. Heft. L 162 ren mich für eine Seele erkennen, so gebe ich sie dem zurück, der mir sie gegeben hat. Ircni. Ich gebe meinen Körper; denn ich kann ihn nicht behalten. Sie sehen, daß die Cchirurgen mich in Stücken zerreißen. Man laße mich also begraben; ich habe dazu Lander und Kirchen genug. Allein man setze mich ja nicht unter eine Kirchenkapelle; denn ich bin ein Mann von Geburt, und will nicht da begraben seyn, ws der Oberste Pride geboren worden ist. Icern. Ich will kein Monument; denn dazu würde man eine Grabschrift und Verse brauchen; und -ei meinen Lebzeiten hat man mir schon nur zu viel Verse gemacht. Iwm. Ich höre, daß meine Hunde unter alle Glieder des Staatsraths vertheilt werben sollen. Ich habe bald mit den Pairs, bald mit den Gemeinen gearbeitet. Was also auch mit mir Vorgehen mag, ich hoffe, daß sie nicht meine armen Hunde werden vor Hunger sterben lassen. item. Meine zwei besten Pferde gebe ich dem Grafen Dembigh, dem, glaub' ich, die Füße bald ihre Dienste versagen werben. Meine andern Pferde betreffend, so gebe ich sie dem Mylord Fairfax, damit er, wenn Crom well und sein Rath ihm seine Kommission nehmen werden, einige Pferde zu kommandiren habe. Item. Alles mein roth Wildpret geb' ich dem Grasen Salisbury, indem ich gewiß bin, er wird eS gut halten, da er letztlich dem König einen Dammhirsch au< seinen Park abgeschlagen hat item. Ich hmterlaffe meine Kapellane dem Grasen von Stampfort, maaßen er nie von einem Gebrauch gemacht, nnd sonst keinen als seinen Sohn gekannt hat, der, weil er zugleich geistlich und fleischlich ist, mehr als eine Mißgeburt zeugen wird. Item. Ich gebe Nichts dem Mylord Say, und ich mache ihm dies Legat, weil ich weiß, baß er es redlich unter die Armen vertheilen wird. Item. Weil ich dem Herrn Heinrich Mild- mey gedroht, und indeß ihn noch nicht geschlagen habe, so vermache ich Zo Pf. Sterlinge dem Lakai, der ihn abgeprügelt hat. item. Ich vermache dem Thomas May, dem ich auf einer Maskerade die Nase zerbrochen habe, fünf Schillinge. Ich dachte ihm mehr zu geben, allein alle, die seine Geschichte des Parlaments gesehen haben, werden fünf Schillinge noch für zu viel erkennen. Item. Dcm Verfasser des Buchs wider die Weiber (mit dem Titel Nouveliss äss LokÄNZs) will ich drei Sous geben, um eine noch schmnzigere Manier zu schwatzen ausfindig zu machen, als man bisher gesehen hat. Weil er aber, ich weiß nicht wie viele Leute verunglimpft und angeschwärzt, so trage ich seine Bezahlung dem nämlichen Lakai auf, der die rückständigen Schulden von Heinrich Mildmey bezahlt hat: er wird ihm die achtungswerthen Frauen unterscheiden lehren. item. Dem Generallientenant Crom welk geb' ich eins meiner Worte, weil er keines der srinigen gehalten hat. L 2 Item. Den reichen Bürgern v»n Londen, wie auch den Presbyterianern und dem Adel, gebe ich den Rath aus ihrer Hut zu feyn: denn aus Befehl des Staats ist die Garnison vyn Witteball mit Deichen versehen, und statt der Lichter führt man Diebslaternen. Item. Ich gebe meinen Gerst aus. Nathanael Brind. Der Traum. Wie schrecklich war mir diese Nacht! Wie fürchterlich der Traum! Im Schweiße brn ich ausgemacht: Ich led' und athme kaum. Mir war, (mir zittern noch die Glieder!) Alt kam mern Weib, Rantippe wieder, Felner. Charade. Zweisilbig. Nur mein Erstes hat die Natur an den Menschen gebildet; Aber das Zweite schuf künstlich die'' Mode daran. Hängst du das Zweit' an das Erste, so hast du mein Ganzes, o Leser, Das zur Zierde dir oft, oft zur Gesundheit auch dient. "5 In Frankreich waren zwei Brüder Namens Johann und Wilhelm Renold, der eine ein Protestant, und der andere ein Katholik, beide gute Theologen, und durch viele Streitschriften bekannt, worin jeder seine Parthei vertheidigte. Einst trafen sie sich in einer kleinen Stadt und diSputirten so stark und so lange mit einander, daß der Protestant ka- tolisch, und der Katholik protestantisch wurde. Ein Landrath wies einem Bauer ab, der ihm eine Bittschrift überreichte; dieser ließ sich aber nicht abschreckci, und kam zum zweitenmal. Er wurde wieder abgewiesen und vom Landrath bedroht, es zum drittenmal nicht zu wagen. Der Bauer war aber unverschämt genug, selbst zum drittenmal zu kommen, worüber der Landrath, in Zorn gerieth, und ihm einige Stockschläge gab.— „Nun — sagte der Bauer, — „wenn Sie alle Bittschriften so beantworten, gnädiger Herr, so brauchen Sie, mein Seel, keinen Schreiber. Jemand sagte zu dem Andern in Gesellschaft: du bist ein verdammter Schurke. Der Andere wandte sich zu den Umstehenden und sagte: meine Herren, achten Sie nicht auf das, was er sagte, er sprach nur mit sich selbst. ,6t Rousseau wurde im Jahre 1776 auf der Straße von Mesnil-Montant umgeworfen, da ein großer dänischer Hund die Pferde umgeworfen hatte. Der Kutscher sah ihn gleichgültig liegen Bauern hoben ihn auf und brachten ihn nach Haufe. Er hinkte und stand viel aus. Der Besitzer des Hundes erfuhr nachher, wer der Mann gewesen, den das Unglück betroffen, schickte zu Rousseau und ließ fragen, was er für ihn thun könnte. Seinen Hu«d künftig an die Ketten ,legen, gab Rousseau zur Antwort. Der berühmte Anatomiker Düverney verliebe te sich in die geistreiche Demoiselle de Launai. Einst erhob er in einer großen Gesellschaft ihre Verdienste, und um diesen die Krone aufzusetzen, fügte er, seiner Vorliebe für die Anatomie gemäß, mit Wärme hinzu: „Und es gibt in ganz Frankreich kein Frauenzimmer, die den menschlichen Körper genauer kennt."" — Jungfer Dorilis. „Hab' ich einst einen Sohn, der wird ein reicher Mann!" Sagt lachend Dorilis, und. hat recht klug gelacht ; Wenn jeder, der sich ihm als Vater denken kann, Den Pfiichttheil nur vermacht. v. Kyaw. ^„Zn England," sagte ein Spaßmacher, schätzt man die Schriften eines Wieland oder Göthe nicht hoher, als die Geister- und Ritter-Romane eine« P * - * oder G * *. Wie so ? fragte man ihn , das ist nicht möglich! — „D ja, sagte er; denn bei ihrer Ankunft daselbst werden sie alle ohne Unter» schied pfundweis verzollt!" — Ein vornehmer Fremder, der auf einige Zeit nach Paris kam, machte nicht alle herrschenden Moden mit, und trug in den heißesten Sommertagen Wiut^rmanschetten. Eine Marquise, die das bemerkte, sagte ihm einst: „Wahrlich, mein Herr, Sie tragen Manschetten, die einen schwitzen machen." „Verzeihen Sie, Madame," antwortete er, ^ ich habe einen starken Schnupfen, und muß mich warm halten." Ein Dieb, der zum Strange verurtheilt worden, bat sich noch auf der Leiter unter dem Galgen etwas zu trinken aus. Man brachte ihm ein Glas mit Wein. Er leerte es aus, und ließ es fallen, und als es zerbrach, rief er: „Mein Himmel! mir passirt heute gewiß ein Unglück; denn ich habe noch nie ein Glas zerbrochen , wo ich nicht an dem Tage etwas Unangenehmes erlebt hätte." :68 Der Rathgeöer. -rach dem Französischen. Töfsel. Wollt ihr wohl so gütig seyn, Klaus, in einer Herzenssache Mir zu rathen was ich mache? Hört, ich habe Lust zu frei'n. Klaus. Löffel, gut! so magffdu frei'n. Löffel. Fand' ich aber hinterdrein. Laß ich von dem Ehebette Nur Verdruß und Unglück batte, Dann könnt' es mich wohl gereun. Klaus. Fürchtest du*s, so laß es seyn. Löffel. Michels schmuckes Löchterlein Liegt mir immer im Gemüthe, Und in meiner Jahre Blüthe Sterb' ich, soll ich sie nicht frei'n. Klaus. Nun so eile, sie zu fret'n. Löffel. Wenn nun ihrer Reize Schein Mir zu viele Freunde machte! — Wenn ich manchen nicht verachte, Mag ich doch sein Freund nicht seyn. Klaus. Laß es also lieber seyn. Töffe l. Doch ich kann im Bett allein Sft des Winters nicht erwärmen; Hätt' ich Trinchen in den Armen, dann schlief sich's herzlich ein. Klaus. Drum ist nichts so gut, als frei'n. Toffel. Gab' es aber lauter Schrei'n, Schelten, Lärmen, Zanken, Toben, Ach! das wären harte Proben; Und ich müßte Trinchen blä'u'n. Klaus. Lieber bleib daher allein. Toffel. Das Vergnügen war nicht klein. Wenn ich meine Buben küßte. Lieber Vetter, das versüßte Mir des Lebens Müh und Pein. Klaus. Schon deswegen mußt du frei'n. Toffel- Sollt' indeß das Mütterlekn Richtig alle Jahr gcbähren. Alsdann sä'h ich zum Ernähren Jetzt noch nicht das Mittel ein. Klaus. Freilich wahr, drum laß es sey§. Löffel. Doch die Hoffnung spricht mir ein: Daß die Jungen ihren alten Guten Vater einst erhalten; Dankbar werden sie wohl seyn. Klaus. Ja, sie Werdens. Du mußt frei'n. Löffel. Aber, aber, wen» Herr Hein Mir mein gutes Weibchen nähme ? Ach! ich weiß, daß ich mich gräme, Und ich stürbe hinterdrein. Klaus. Ei so laß, so laß das Frei'n. Löffel. Sackerlot, bald Ja, bald Nein! Klaus, Ihr seyd ein dummer Teufel! Uiberleget alle Zweifel, Unterdessen will ich frei'n. Nordmann. Der Sänger. Herr R* brachte einmal einen Abend kn der Stadt in Gesellschaft zu. Man bat ihn zu singen. Er lehnte es aber ab und sagte, sein Singen werde keine Unterhaltung gewähren. Ich habe ihn singen hören, rief ein Anwesender, er hat eine vortreffliche Stimme. Dem sey, wie ihm wolle, erwiederte N*, da ich kein Bürger bin, habe ich in der Stadt kei^ ne Stimme. 171 Der unser rnuthete Gast. Le Pays hatte einen drolligen Vorfall auf einer Reise in Languedoc. Der Prinz.von.Conti, der gewöhnlich in dieser Provinz lebte, verirrte sich einmal auf der Jagd, und kam in einen Gasthof, wo Le Pays war. Er fragte den Wirth, ob Niemand bei ihm wäre. Ein feiner Mann, gab er zur Antwort, der sich auf seinem Zimmer ein Huhn zur Mahlzeit kochen läßt. Der Prinz, der sich gern einen Scherz machte, ging herauf und fand Le Pays mit seinem Manuskripte beschäftigt. Er näherte sich ihm bei dem Kamin vorbei, und sagte, das Huhn ist gar, (gekocht) und must nun gegessen werden. L e P a ys, der den Prinzen nicht kannte, blieb sitzen und antwortete, das Huhn istnichtgar, und istbloßfür mich bestimmt. Der Prinz blieb dabei, es sey gar, und Le Pays behauptete das Gegentheil. Der Streit ward hitzig, bis endlich ein Tßeil vom Gefolge des Prinzen ankam. Da erkannte Le Pays seinen Besuch, legte seine Papiere hin, und warf sich dem Prinzen zu Füßen » indem er wiederholt ausrief: Gnädigster Herr, es ist gar, es ist gar! Der Prinz, der keinen Stolz kannte , belustigte sich sehr mit dieser Scene, und sagte: Nun,wennesgarisi,somüssen wir es mit einander verzehren. Bekanntlich gibt es unter den Juden mehrere, die sich von ihrer ersten Jugend an dem Studium des Talmuds ausschließlich widmen, deren einzige Beschäftigung darin besteht, über alle Thei- le desselben unausgesetzt einsam zu meditiren, und wenn sie zusammen kommen, darüber zu disputiren. Diese Leute, getrennt von der ganzen übrigen Welt, unbekümmert um Alles, was der Menschheit frommt, nach altorientalifcher Art - beständig in ihren Meditationen versenkt, stehen bei der gesammten Judenschaft im größten Ansehen» und werden als halbe Heilige betrachtet. Völlig abgeschieden von der Außenwelt, sind sie in allen Dingen, die nicht den Talmud betreffen, höchst unwissend und zugleich höchst gleichgültig. Ein solcher, in sein Studium ganz versunkener Talmudist in Berlin hatte sich einen Rechtshandel zugezogen. Er hatte sich nämlich einfallen lassen, em christliches Mädchen zu bereden, zum Ju- denthume überzutrete». Da Klage darüber geführt und einem Fiskal die Untersuchung aufgetragen ward , so ließ ihn dieser zur Verantwortung vsr- fordern. Ern Tote krachte die Citation und gab sie an die Frau des Rabbi ; denn dieser, beständig seinem Nachdenken obliegend, war selten sichcbar. Die Frau, welche um alles in der Welt ihren ' Mann nicht in seinen tiefen Meditationen würde gestört haben, und welche, wie er, von allen Dingen außer ihrem gewöhnlichen Gesichtskreise gar kei- >78 nen Begriff hatte, verstand nicht, was der Bote wollte, und legte das Papier in einen Winkel, ohne sich weiter darum zu bekümmern. Auf eben die Art ward der Befehl, im angefetzten Termin zu erscheinen, ein paarmal wiederholt, und endlich kam der Landreiter zur Exekution. Die Jüdin erstaunte nicht wenig üb r seine Geldforderung. Als sie auf die an sie" abgegebenen schriftlichen Befehle verwiesen ward, welche auch noch da lagen, antwortete sie: „Ich habe nicht gewußt, was ich damit wachen sollte." Der Landreiter versetzte: Cie hatte-sie ihrem Manne sollen zu lesen geben, damit er sich verantwortete. „Ach!" rief sie aus: „Mein Mann ist ein Gelehrter, er kann weder lesen noch schreiben!" Mißverstand. Wie viel vor das Schuh, sagt' ein Franzose, der bei Roßbach gewesen, zu einem Schuster im Reiche, bei dem er kurz darauf seine verlorne Equipage rekrurrren wollte. „Der nächste Preis" — fing der Schuster an — „Was?" rief der Franzose — „Preuß nächst?" — und ltef davon. '74 Sonderbares Leichenbegsngniff. Auf einem Dorfe in Kent starb «ine alte Frau, -die eine große Liebhaberin von Tabakrauchen gewesen war, daher der Wittrver ihr Begrabniß auf eine eigene Art beging, Er lud 80 Personen zum Leichenbegräbniß ein, die mit Pfeifen und Tabak reichlich versehen wurden, und so beständig fortrauchend den Lt-chnam zum Grabe begleiteten. Sobald der bei der Beerdigung gebräuchliche gottesdienstliche Mtus geendigt war, warfen sie alle auf Ansuchen des Wittwcrs ihre Pfeifen in die Gruft, wozu er selbst einen großen gefüllten Tabaksbeutel fügte. L n g u i fi te n »Ve r h ö r. Der Richter. !„Vesteh nur frei und unverhohlen, „Wohin verwandest du das Geld, das du gestohlen ?" I n q u i s i t. * Dahin: (erwiederte der Gauch Und wies auf seinen runden Bauch.) Der Richter an die Beisitzer. „Was nun zu thun, ihr Herrn? Schon war er überführet, „Zur. Strafe reif, nach altem Recht und Brauch; „Doch hat, nach ncuerm Recht, er sich bloß arrondiere t." v. Kyarv. Etikette. Der griechische Kaiser B a si l iu s ließ den hin- richten, der ihm auf der Jagd das Leben gerettet, rv e il e r dabei das Schwert in seiner Gegenwart entblößt hatte. Ein König von Mendor ließ dem Sklaven die Hände abhauen, der ihm, da er eben ertrinken wollte, bei din Haaren aus dem Wasser zog, weil §r dieHand an dasHaupt seinesHerrn gelegt. Ein Edelmann sollte sein Leben verlieren, weil er einer Königin vsn Spanien, die im Steigbügel hängen blieb, und Gefahr lief, vom Pferde geschleift zu werden, zu Hilfe kam und befreite; aber dabeiihren schönen Fuß sah und berührte. An den Verfasser eines gewissen Trauerspiels. Bei deinem Trauerspiel, wie sehr beklag ich dich! Entzweiten Schlaf und Tod, die trauten Brüder, sich; Denn wiß', um den erstaunten Blicken Des Publikums die Wunder zu entrücken Die kühn derKnochenmann, der stets dieSense schwingt. Zu seinem höchsten Ruhm im fünften Akt vollbringt, Hat uns der trage Schlaf, dem Brüderchen zum Possen, Beim ersten Akt bereits die Augen zugeschloßen. Unerschrockenheit. Ein Dienstmädchen wettete, daß sie in der Mitternachtsstunde auf einen Kirchhof gehn und einen Lodtenkopf aus dem Beinhause Hollen wolle. Der Knecht, mit dem sie gewettet hatte, schlich sich vorher in das Beinhaus, und da sie einen Kopf aufhub, rief er mit dumpfer Stimme: „Das ist mein Kopf!" Sie nahm nun einen andern und horte gleich wieder: „Laß mir meinen Kopf liegen." Ei was, sagte sie ganz ruhig: du hast nicht zwei, nahm ihn in ihre Schürze und ging davon. Bajazet war über einen großen Theil seiner Offiziere mißvergnügt. Er ließ ein Kriegsgericht über sie halten, und wollte sie alle niedermetzeln lassen. Die Minister waren bestürzt und wußten sich nicht zu helfen. Narr ud in Huzza, der Aesop seiner Zeit, zog sie aus der Verlegenheit. „Sultan!" sagte er, „laß die Verräther nur schnell umbringen, sie verdienen kein beßeres Schicksal: was nützen sie dir? Nimm du die Fahne, ich hänge die Trommel um. Wir beide allein wollen den Tartarn schon genug zu schaffen machen." Dieser Scherz brachte den Sultan zum Nachdenck ken, und er verzieh den Offizieren. i?7 Ein Ztaliäner ward auf der Reise in einem kleinen deutschen Landstädtchen von einer Krankheit überfallen. Der Arzt verordnete ihm warme Bader, und ließ ihm ein Zimmer des Gasthofes dazu einrichten, indem er dem Hausknecht, der das Bad besorgen sollte, die gehörigen Vorschriften gab. Der Kranke ward in das Bad gebracht, und der Hausknecht gab ihm die Anweisung, daß er nur rufen sollte, wenn das Bad vielleicht noch zu kalt sey. Dieser neue Badewärter batte aber so reichlich für die Wärme des Wassers gesorgt, daß der Zta- liäner, indein er sich in das Bad begab, schmerzhaft ausrief: „O c-K« valä»!" — Der Hausknecht hielt diesen Ausruf für eine Klage über die K a l- te des Bades, und ließ sogleich einen neuen Strom heißen WaßerS herein laufen. Der Italiener wiederholte seinen Ausruf, und je mehr er schrie : o cd« c»Iäo! um so mehr ließ jener heißes Waßer über ihn herfirömen. Da der Jtaliäner mit seiner Klage gar nicht aufhören wollte, so rief endlich der Haus- knecht aus: ,,der Kerl muß doch ganz von Eis und Schnee zusammen geknetet seyn, daß er jetzt noch über Kälte schreien kann !"— und mit diesen Worten ließ er eine so ungeheure Kluth kochendes Wasser hereinströmen, daß der Kranke seine ganzen Kräfte zusarnmenraffte, und halb verbrüht, aus der Wanne sprang, indem er versicherte, daß er Zeitlebens in Deutschland nicht wieder eine Badekur vornehmen wolle. Museum 4. B.4. Heft« M Ruht auf brr ersten Silbe der Accent, So findet ihr, was man verwesen nennt. Wenn der Accent aus meiner zweiten ruht, Sa bin ich neu, jedoch nicht unmer gut. Haus. Tin berühmter Schauspieler trat aus einem fremden Theater auf, und nachdem er mehrere Gastrollen mit vielem Beifall gegeben hatte, ward er in einer seiner besten Rallen, durch Kabale ausgepfiffen. Cr versuchte es, fortzuspirlen, da aber der tärm durchaus nicht nachließ, so sagte er zu'einigen seiner Mitspieler, die eben mit ihm auf der Eeene ^ waren, mit vieler Ruhe: „Meine Herren! Wir find hier alle überflüßig, „und können nicht gebraucht werden. Heute „hier Flvtenkonzert. Aus Wiedersehen!" Ein Prvtokollifi schrieb eine sehr unleserliche Hand. Eines Tages sollte er etwas von seinem Gekritzel lesen. Cr konnte eS bei aller angewandten Müde nicht. Mau machte ihm Vorwürfe darüber. Er hörte anfangs geduldig zu, endlich aber sagte er: ,,Ei was ' wollen Sie denn? Ich bin Protokoll-Schreiber, und nicht Protokoll,Leser. Brauche» Sie diesen, so können Sie sich einen halten. R o in g u j«. Der letzte Sonnenstrahl Hing röthlich noch am Haine, Da trieb ich dort am Raine Die Heerde durch das Thal. Da saß ein Mann und fang, Er fang ein Lied so herzlich, Daß mir es süß und schmerzlich, Durch Leib und Leben drang. Ich stand ein Weilchen still, Nun wollt' ich weiter gehen, Doch'immer blieb ich stehen: Man weiß nicht, was man will. Und als die Töne recht Zu mir herüber kamen, Da hört' ich meinen Namen, Und Maris hört nicht schlecht. Der junge Mann war fein, Er bat mich zu verweilen; Allein ich mußte eilen, Die Mutter harrte mein. Nun treib' ich immer fort Sobald die Schatten dämmern, Mit meinen lieben Lämmer» An bsn bewußten Lrt. M H Die Mutter widerspricht.— So ist die Welt verschieden; Die Läuimer sind'6 zusneden, Und Mutter ist es nicht. Mit Feuer im Gesicht Beschwör' ichs dann der Mutter, Dort sey das beste Futter; Allein sie glaubt es nicht. Sie macht mir viel Verdruß, Und sagt mir böse Worte; Doch muß ich zu dem Orte Des Sängers hin-, ich muß! So schluck' ich den Verdruß Mit einem Seufzer nieder. Was kann man denn dawider, Wenn man nun einmal muß? Lirdge» Line Gesellschaft, worunter «in Rathsherr war, besah das Tvllhaus, wo dieser unbermuthet einen seiner Uuiversitätsfreunde gewahr wurde. Ei, wie kommen Sie hieher? redete er ihn an. O, ich bin auf eine eben so rühmliche Art hierher gekommen, erwie- derte der Verrückte, als Sie zu Ihrer Rathsherrrw stelle: durch die meisten Stimmen. i8r Ein Dieb wollte an einem schönen Winterabende eine Laterne stehlen. Als er aber hinauf kletterte um die Laterne abzunehmen, kam der Hausmeister darzn. — WaS will er hier, mein Freund? — was soll das? —fragte der Haus neister. Ich putze mir das Licht, mein lieber Freund, damit ich sehen kann , wenn Ich vorbei gehe. Testament. Der Herr von Rosen, ein lieflänbischer Edelmann, vermachte seinem Reitpferde in seinem Testament, eine jährliche Pension, eine Wiese und die Freiheit. Marivaux war einst mit Lord Bolingbroke in Gesellschaft, welcher seinen Unglauben in manchen Punkten der christlichen Religivnslehre bekannte, wiewohl er viele zweifelhafte Fakta der Geschichte für wahr hielt. Gut, sagte jener, wenn Sie ungläubig sind, so sind Sie es nicht aus Mangel an Glauben. Eine Frau, welche von ihrem Manne über ihre Schönheit gelobt wurde, erwiederte darauf: „Wie wird er mich nicht lieben, wenn iA nun euch noch gut und gefällig bin!" Lord Mvlesworth war einige Jahre englischer Gesandter am dänischen Hofe gewesen. Nach seiner Rückkehr schrieb er ein sehr schätzbares Werk über Dänemark, und ließ sich in solchem über, die Willkühr der Landesregierung mit aller der Freimüthiakeit eines ächten Britten ans. Der König von Dänemark, dem einige Bemerkungen in diesem Werke sehr mißfallen hatten, trug seinem Gesandten in London auf, darüber bei dem König von England, Wilhelm HI- Beschwerde zu führen. „Was soll ich denn in der Sache thun?" frag« te Wilhelm. Wenn Ew. Majestät, entgegnete der Gesandte, bei dem Könige, meinem Herrn, über eine ähnliche Beleidigung Klage geführt hätten, so würde er keinen Augenblick Anstand genommen haben, Ihnen den Kopf des Verfassers zu senden. „Nein, bas darf und werd' ich nicht thun!" versetzte Wilhelm: „aber, wenn Sie es wünschen, so soll der Verfasser das, was Sie mir eben gesagt haben, in der Vorrede der zweiten Auflage seines Werkes mit einrücken:" Ein Bauer begegnete einem andern, als er eben v»m Markte kam. „Sieh da, Bruder," rief er aus: „Hab' mir'« Hut für sieben Gulden gekauft, — kannst rathen, wie viel er kostet?" i8Z „Ir, man sollte nicht glauben, wie unwissend bas Landvolk ist — eS ist zum erstaunen — sagte ein hartherziger Verwalter, den die Bauern ihren Blutigel nannr-n, in Gegenwart eines Bauern: —. „Ich will darguf schwören, suhr er fort; der Bauer dort — (mit dem Finger auf ihn zeigend) weiß nicht einmal, wie viel r« Götter gibt?" Bauer. Wollte Gott? Es wären nicht mehr Verwalter, Ihres Gleichen. Der Marquis Le St. Der Marquis de Saint-Cyr wnrde in der Gans-Culotten Zeit vor einer obrigkeitlichen Behörde um seinen Namen befragt. Seine Antwort war: Marquis von Gaint-Cy r." — „Es gibt keine Marquis mehr," erwiederte man ihm. — Als» bvnSaint Cyr? — Wir kennen keine Von mehr." — „nun denn schlechtweg Saint- Cy r." —- „Die Heiligen (Ssints) sind abgeschafft" — „Also Cyr, (ßihr) " —- „Cs gibt keine Sire (gleichfalls ßihr) mehr" (Titel, mit denen man sonst den König anredete) — „Nun bann, so gebe man mir einen neuen Namen!" Aus dem Pariser Theater wurden die Figuran- tenrvllen durch Friseurs und Schneider, so wie in Berlin durch Bäckerbursche vorgrstellt, — i > Euer dieser Figuranten fristete eine» reisenden Engländer. „Werden Sie heute auch die Komödie besuchen fragte er ihn, indem er sich auf seinen Absatz drehte und einen Chanson pfiff. „Was spielt man?" — „O ein ganz prächtig Trauerspiel!" „So?" — „Ja, und ich habe auch eine recht prächtige Rolle. Der Engländer, ganz erstaunt, in seinem Friseur einen Schauspieler zu sehen, begegnete ihm mit vieler Höflichkeit, und versprach den Abend gewiß nicht zu fehlen. Cr ging wirklich in die Komödie. DaS Stück fing an, und der Reisende fand endlich nach vielem Suchen seinen Friseur unter den Figuranten, unbeweglich wie eine Bildsäule. keKain spielte die Hauptrolle in diesem Trauerspiele, und wie gewöhnlich, sehr schön. Auch der Engländer ward durch sein täuschendes Spiel ganz bezaubert; und kaum fiel der Vorhang, so lief er ins Fayer, umarmte Le Kain, und überhäufte ihn mit Lobsprüchen. „Eie sind ein vortrefflicher Mann, rief er aus, aber der da — ist rin Taugenichts," (indem er auf den Figuranten wies) „der soll künftig keinen Pfennig mehr von mir verdienen. — Gott verdamm mich, Sie sind ein herrlicher Mann, von nun an sollen Sie mich auch immer frisiren." t s r85 Ein junger Mensch sagte zu einem Theaterdichter: daß er den Helden seines neuesten Trauerspiels ein zu langes töte -r t6le halten lasse. „Er hätte hier wichtigere Dortheile für seine Liebe ziehen können. — Wenn ich unter vier 'Augen spreche, da weiß ich die Zeit besser zu benutzen." ,,Das glaub ich gerne, sagte der Dichter: aber Sie gestehen doch auch, daß Sie kein Held sind?" Kriegerischer Eifer. Der Abbe de Marolles erzählt in seinen Memoiren, sein Vater, ein wackerer Edelmann sey sehr betreten gewesen, daß er, der so vielen Kriegsgefahren entgegen gegangen, es nicht weiter gebracht, als in seinem Bette zu sterben. Was? rief er auS: soll ich nicht mit den Waffen aus der Welt gehen? Sogleich ließ er sich eine Lanze bringen, und bediente sich ihrer statt des Stocks. Und allemal, wenn er sich die Ader öffeu ließ, that er das Nämliche; denn, sagte er, nur mit den Waffen in der Hand darf ein Kriegsmann sein Blut verspritzen. Fruchtloses Mitleid. Die häßlichsten drei Jungfrau'n auszusteuern, Beschloß der Magistrat; allein . So sehr eS wimmelte von Freiern, Nicht Crne wollte häßlich sei)n. Oaug. WeikerHaß. Man warf dem griechischen Trauerfpieldichter EuripideS einen Widerwillen gegen las weibliche Geschlecht vor. So sehr hatte ihn die Untreue seiner Gattin verstimmt. Daher versäumte er in feinen Stücken keine Gelegenheit, wider die Frauen seine Antipathie zu zeigen. Al« man seinen erhabenen Lehrer und Äunstgenoßen Sophokles einmal dagegen den Lobsprl^ch machte, daß er nur weibliche Charakter« voll Weisheit und Rechtschaffenheit auf die Bühne brachte , während EnripideS im Ge- gentheil ste mit den häßlichsten Zügen auftreten ließe, gab Sophokles bitter zur Antwort: „EuripideS schildert sie, wie sie sind, ich stelle sie dar, wie sie seyn sollten." Ein Frauenzimmer wollte sich malen lassen, aber schlechterdings mit einem Buche in der Hand, aus welchem sie laut Vvrläse. Der Morgenfegen. Der, der mich Heute mahnt, den hole gleich der Teufel! ^ Mit diesem frommen Wunsche stand Rabuff drs Morgens auf; da fand Der Gläub'ger Schaar sich ein: V tragt nur kei^ ' nen Zweifel! Sprach er, ich war kaum aufgewacht, Als ich auch schon an euch gedacht. V. Einem» De l« Motte, Verfasser des Trauerspiels: Agnes de Castro, war in Paris auf ei« nem Kaffeehause, wo sich mehrere vorlaute junge Leute befanden. Gerade an dem nämlichen Abend wurde dies Trauerspiel wieder aufgeführt, und als man darüber sprach, machten sich einige dieser jungen Leute als sehr unberufene Kritiker über das Stück lustig. De la Motte hörte ihnen geraume Zeit geduldig zu, ohne sich als Verfasser zu erkennen zu geben. Endlich stand er auf, und sagte zu einem Bekannten, den er eben gewahr wurde: Kommen Gie, lieber Freund, lassen Sie uns gehen, um bei der zwei und vierzigsten Aufführung dieses elenden Stückes einzuschlafrn. Sin Sänger in Paris, mit Namen Gaie, hatte von dem Erzbischöfe zu Cambrai, Aufseher der Kapelle, sehr nachtheilig gesprochen. Au« Furcht vor Strafe, that er vor dem König Ludwig XIV. einen Fußfall und erhielt Verzeihung. Der Erzbischof wünschte sich jedoch zu rächen; er sagte daher einige Zeit darauf zu dem Könige: Gare singt lange nicht mehr so gut, wie sonst." !— Sie irren sich, versetzte der König: er singt «och eben so gut, aber er spricht schlecht. -88 Ein Reichsbischof ließ ein Schreiben an den Ma« gkstrat einer kleinen Stadt ergehen, welche- so anfing : ,,W iryon Gottes Gnaden und des heiligenStuhlsBarmherzigkeitu. s. w. Der Magistrat, der dies für sehr bescheiden hielt, und es nachahmen wollte, schrieb in der Antwort: „Wir leider Gott erbarm's, Bürgermeister und Rath." Die gute Auskunft. Ein Geistlicher, der sich nur auf eine einzige Predigt für den Sonntag eingerichtet hatte, wiederholte sie auf den Dörfern seines Kirchspiels. Der Gutsherr des Orts, wo er eben die Kanzel verließ, hatte ihn rühmen hören, und bat ihn daher, auch den nächstfolgenden Tag zu predigen, welches ein Festag war. Ter Pfarrer wußte sich gut aus der Verlegenheit zu ziehen, um nicht durch die Wiederholung seines alten Vortrags aufzufallen. Ev bestieg den Tag darauf die Kanzel, und sagte: Meine Zuhörer, einige Personen haben mich beschuldigt, ich hätte gestern Lehren vorgetragen, die mit unserm heiligen Glauben stritten, und verschiedene Stellen der heiligen Schrift fälschlich auegelegt; um diese Leute ihrer Verläumdung zu überführen, und Euch mit der Reinheit meiner Lehre bekannt zu machen, will ich setzt meinen Vortrag wiederholen. Äch erbitte mir Eure sorgfältige Aufmerksamkeit? um zu sehen, ob ich Unrecht habe. iL9 Ein Kandidat hielt über das Evangelium, worin die Worte Vorkommen: /.Jerusalem! Jerusalem! wenn du es wüßtest," eine vortreffliche Predigt, welche in einer Gesellschaft, in welcher auch der,'unge Redner gegenwärtig war, allgemein gelobt ward. Ein verdienter und sehr belesener Prediger hörte das und sagte: „Besonders sprach er die Worte: „I er u sal em ! Jer u sa tem ! wenn du es wüßtest!" mit großer Bedeutsamkeit und Pathos." — Nur wenige verstanden diese Andeutung, desto besser der Kandidat; denn dieser hatte die allgemein gerühmte Predigt aus des Abts Jerusalem Kanzelvorträgen genommen. Lady Nord, die Häßliche. Ein Fremder sah auf einen, Batte Lady Nord, und fragte seinen Nachöar, den Lord Nord, den er nicht kannte, wer die Dame wäre. „Es ist Lady Nord," bekam er zur Antwort. „Das ist ja eine auffallende Häßlichkeit," erwiedcrte der Fremde. „Ja, sagte Lord Nord, man hält uns durchgehender für das häßlichste Paar tm ganzen Königreiche." Hilfe in Noth. Anselmo ward vor Gerichte Als falscher Münzer verklagt. Er starb, und sein Medrkus sagt: „Ich half ihm aus der Geschichte." Haug. Sonderbares Zusammentreffen. Vor einigen Jahren hatte der Pfarrer Clark zu Hüll in England an einem Morgen vier Ehepaare zu trauen, bei denen sich folgende lächerliche Um- stand? zutrugen: das erste Paar hatte den Trauring vergess n, und mußte sich einen in der Kirche borgen. Bei dem zweiten Paare hatte die Braut den Finger verloren, an den man gewöhnlich den Trauring steckt. Bei der dritten Trauung schrie ein Mann aus vollem Halse, er wolle gerichtlich beweisen , daß die Braut schon einen Mann habe. Bei der vierten sagte eine Freundin der Braut dem Pfarrer, er möchte so viel als möglich eilen, weil" die Braut in Kindesnöthen fey. Eitelkeit. Als Ludwig XIV. der Frau von Sevigne die Ehre erwiesen, mit ihr zu tanzen, setzte sie sich nachher neben Büßy, und sagte: „Man muß gestehen, der König hat große Eigenschaften, er wird gewiß den Ruhm aller seiner Vorfahren verdunkeln." — Büßy lächelte, und gab ihr zur Antwort: ,,Madame, kein Mensch wird daran zweifeln, er hat ja mit Ihnen getanzt. Ein Soldat beklagte sich beim Garnisonspredi-- ger,daß er mit dem Teufel vor ein Paar Jahren ein Bündniß errichtet habe, und daß er von ihm besessen sey. Er »erlangte Hilfe durch Empfang des -9l heiligen Sakraments. Der Prediger glaubte ihn zuvor von der Phantasie heilen zu müßen, und fragte, ob das Bündniß schriftlich geschloßen sey? Soldat. Nein — mündlich. Prediger. Schön, was geht Euch das an. Nach dem Edikt vom §. Februar 1770 sind alle nicht schriftliche Vertrage unverbindlich, wenn der Gegenstand mehr als 50 Thaler betragt. Der Soldat nahm diesen wichtigen Grund zu Herzen, und ging berichtigt nach Hause. > Ein junger Men Heirathen wolle, das ihm begegne, wofern es ihm nur 20/vov Thaler zubrä'chte, weil er kein Gely Hake, und sich wohlfeiler nicht equipiren und die Kosten des Zuges gegen die Ungläubigen bestreiten könne. Zu feinem Glücke oder Unglücke wurde aus l dem Zuge nichts; denn ehe mau noch marschfertig war, lief schon die Nachricht von der Eroberung Konstantinopels durch die Türken und von dem Ende des griechischen Kaiserreiches ein. Der große Punsch. Am LZ. .Oktober 1694 wurd bei Eduard Russe! ein großer Punsch bereitet, als er Generalkapitajy und Kommandeur der königlichen Seemacht im mit- , telläiidischen Weer geworden war. Dieser Punsch wurde in einer Fontaine, in der Mitte von vier !j Alleen, bereitet, die ganz mit Zitronen und Pos ^ w.eranzenbäumen bedeckt waren. In jeder Allee be- ^ fand sich eine lange Tafel mit Erfrischungen u. dgl. ^ besetzt. Zn der Fontaine waren folgende Ingrediens i zien, nämlich vier Ovhost Branntwein, acht Or- ! -oft Wasser, fünf Und zwanzig tausend Zitrone,!^ ! 20 ! zwanzig Gallonen Zitronensaft- dreizehn Zentner feiner lissaboner Zucker, fünf Pfund geriebene Mus- katennüße, dreih»lndert geröstete Zwlbacke, und endlich ein Faß Malaga. Uiber der Fontaine war eine große Decke, den Regen abzuhalten; und in einem kleinen Boot befand sich ein Knabe, der zur Flotte gehörte, und um die Fontaine ruderte, um die Becher der Gaste zu füllen, deren Anzahl sich wahrscheinlich auf mehr als sechs tausend Mann belief. Die bekannte Schauspiel-Direktrice, Madame Neuberin, war einmal zu Hamburg in einer fehr mißlichen Lage, so, daß sie reden Augenblick auf den Punkt stand. Bankerott zu machen. Sie konnte selbst im Unglück ihre scherzhafte Laune, oder vielleicht ihren kleinen Theatersiolz nicht fahren lassen; daher begegnete sie einem reichen Juden, den sie hatte zu sich kommen lassen, ziemlich hoffärtig: Höre, Mayer, sagte sie zu ihm, die große Neuberin will sich so ttef herunter lassen und tausend Thaler von dir borgen. „Horen Sie, Madame!" antwortete der Jude, „der kleine Mayer will sich nicht so hoch erheben, und Ihnen einen Schilling leihen." Verständigung. Bruny wagt's, den Biedermann zu küßen? 8Leil Extreme sich berühren müßen. Hg- Der Dichter Chapelle speiste bei einer gelehrten Dame. Es wurde viel geschwatzt und viel getrunken. Gegen das Ende der Mahlzeit fiel es ihnen ein, daß Pindar, dies große Dichter-Genie, im Zoten Jahre gestorben sey, und diese Erinnerung und der genoßene Wein erregten eine so wehmüthige Stimmung unter ihnen, daß sie beide herzlich weinten. Die Bedienten sahen es, und weinten mit; die Köchin sah die Bedienten weinen, und fing an zu schluchzen; der Kücheni'unge hörte die Köchin schluchzen, und vergoß heiße Zähren. Doch Niemand wagte, die gnädige Herrschaft um die Ursache der tiefen Trauer zu fragen. Endlich trat der alte Thürsteher herein, der sich bisweilen etwas heraus- Nehmen durfte, erzählte, wie Alles im Haufe winsle, und bat um Belehrung, wer denn eigentlich gestorben scy? — Pindar, war die Antwort. — „Und dieser Herr Pindar, war er nahe verwandt mit der gnädigen Herrschaft? War er ein guter Christ?" — Chapellet und die Dame, welchen noch die Thranen in den Augen standen, brachen plötzlich in ein lautes Gelächter aus: „Er war ein Heide und starb vor ZOOO Jahren." Der Schweizer lachte mit, die Bedienten kicherten , die Köchin wieherte, der Kücheni'unge brüllte, das ganze Haus ertönte von lautem Jubel. Kuhn» LOA An eine Dame mit einer Busennadel, deren goldene Buchstaben sich von Zeit zu Zeitveränderten. V! quäle deine Kinder nie Mit A. B C. in einem Buche; Denn leicht und spielend lernen sie Es ganz an deinem — Busentuche. Mercy. Epikurische Bitte. Niemand will von des Gastmahls Freuden Gern zu schleunig, zu frühe scheiden. Tod! nie warst du mir fürchterlich. Sey willkommen! Nur füge dich Meinem einzigen Wunsche: Laß an der Tafel des Lebens mich Noch beim Desert und Punsche. -Saug. Das Gespräch fiel auf das Sträuben vieler Personen, ihr Alter anzugeben. Ich bitte Sie, sagte Lady Wallace zu einem Freund: wenn man mich nach meinem Alter fragte, was soll ich antworten ? Madame, antwortete er, sagen ^ie nur, Sie hätten die^Iahre der Einsicht noch nicht erreicht. ros Zevs und Hera. Eine Ehstandsseene aus der Götterwelt. Zevs und Hera standen bekanntlich nicht immer im besten ehelichen Verhältnisse miteinander. Von Homer an erzählen uns die Alten so manche Auftritte davon, daß wir uns freilich bei der Ansicht einer solchen olympischen Ehe, wo wir nichts als Kühe, Frieden und ungestörten Wonnegenuß denken zu müssen glauben, höchst betroffen finden. Eine Scene solcher Art ist auch nachfolgende: Einst war Hera über ihren Gemahl in so hohem Grade aufgebracht, daß sie sich entschloß, ihn ganz zu verlassxn, aller Gemeinschaft mit ihm zu entsagen, und in einer, wie sie hoffte, yon ihm unersorschlichen Verborgenheit zu leben. Trefflich schien es zu gelingen, was ihre Rache ersonnen hatte. Gleich unbehaglich als unerwartet wurde dem Göfter-Gotte seine Einsamkeit Je länger sie währte, desto höher stieg sein Unmuth, und desto mächtiger kehrte in ihm das Verlangen zurück, sich mit Hera auszuföhnen, und wieder vereinigt zu leben. Allein er wußte keinen Rath, kein Mittel, den Ort ihres Aufenthalts zu erfahren. In düstrer Verlegenheit irrte er umher, die gekränkte Geliebte zu suchen, und fand sie — nicht. Nun traf er auf Alalkomenes, den Ur-Booten. Wer oder was die erste Unterredung zwischen ihnen herbeigeführt^ sagt der Mythus nicht. Genug, Zevs erzählte ihm unverholen, wie es rathloftn Schmerzen eigen ist, seine ehelichen Unfälle mit Hera, und schilderte voll Wehmuth des Widrige der Lage, in dev er, von ihr verlassen, sich nun befände. Wer hätte da den unglücklichen Gemahl nicht bemitleidet, nicht gern Rath zu schaffen gesucht oder gewünscht? In diesem Gefühle sprach Alalkomenes: Zevs, faße Muth! Hera sott nicht von dir ferne bleiben. Heer ist nur Täuschung nöthig, und sie wird gewiß erscheinen. Stelle dich nur — und bring es zur allgemeinen Kunde, — du verlangest Hera nicht mehr, und seyst Willens dich um eine andere Gattin umzusehen! Zevs folgte dem Nathe des Teilnehmenden. Zn Gemeinschaft mit ihm wurde ganz insgeheim eine hohe und gewaltige Eiche gehauen, möglichst ins feine gebildet, und mit aller Zierde erner Braut ausgestattet. Zevs erklärte sie nun für seine neue Braut, und nannte sie D äs dale. Man sang Hymenä'ren; tritonifche Flußr. Nymphen bereiteten Bäder zu; ganz Böotien stimmte zu i'ubelnder Musik, und rüstete Mahle zur neuen Hochzeitleier. Sollte Hera dies alles kaltblütig sehen und hören können? — Nein, sie flieg von Eythäron herab, platä'ische Weiber in ihrem Gefolge. Zorn und Eifersucht ließen 6 ihr nicht zu, langer im -Verborgenen zu bleiben. Dem Ungetreuen trat sie vor die Augen. Zevs hatte nun, was er wollte, seine Hera sich nahe. Nicht länger hielt er zurück; ex erzählte ihr die so gut ausgeführte List. Darübex froh lachend, söhnte sie sich mit Zevs aus, und spielte sogar zur Ehr? der hölzernen Braut/ 2()6 beim Feste, das sie Dävala nannte ^ die Rolle der Brautführerin. Doch verleitete sie noch die Eifersucht zu der weiblichen Schwachheit, sich an dem leblosen Dinge zU rächen, und es zum Feuertode zu verdammen. Mit sich selbst sprechen. Ein Pächter ritt unter einem Maulbeerbaum hin, der seine Zweige voll reifer Beeren über eine Dornenhecke hrrüberstreekte. Dem ehrlichen Manne gelüstete der süßen Früchte, und er trat auf den Sattel seines geduldigen Esels, und langte zu, und freute sich, daß der Esel so still stand. Da fiel ihm ein, was er für einen fatalen Fall in die Dornen thun würde, wenn Jemand dem Thiere zuriefe: Hetz! Hetz! und zum großen Unglück rief er das selbst, und der Esel zog aus, und der gute Pächter ' lag in den Dornen, und ward ein Märtyrer feiner Gewohnheit, laut zu denk en. . Ein Großer war, wie Graf von Oxenstierna erzählt, so geizig, daß er sich des Nachts in den Stall schlich und seinen eigenen Pferden das Futter stahl. Einst aber wurde er von seinen eigenen Stallknechten ertappt, welche mit Knütteln versehen waren, und unter dem Schutze der Finsterniß den Dieb mit unglaublicher Fertigkeit durcharbeiteten. Widerlegung. Pompus. Ich las ihm göttlich- neue Stellen Aus althifpanifchen Novellen, Erzählte meinen Lebenslauf, Trug ihm Sonette vor und Scenen Aus meinem Drama: Die Hellenen. Der Schlingel that den Mund nicht auf — 2 ch. ,,Doch, Herr! Ich sah ihn oftmals gähnen.,, Haug. Die Verwandlung. Was gilt's? Frühmorgens ist Schsm'ungferchen Na- nette Ein altes Weib, so häßlich wie der Tod? Sprach Kartusch und gewann die Wette. Er stahl ihr Nachts von ihrer Toilette Zween Reihen Zähne weg, ihr Haar und Wan- genroth. Haug. Lieferant Hirudo. Daß sichre und schnelle Justiz er empfängt. Hat er sich lieber gleich selber erhängt. F. W. Gubitz. Als König August zum erstenmal nach Poleä kam, wollte eine vornehme Dame der verwr'ttrvetcn Königin, einer Französin, ihre Aufwartung machen. Da sie wußte, daß, man den König Sirs nannte: so ttattNte sie die Königin: MÄä.lniv 1a Sirene! Eine Frau hatte die Gewohnheit zu ihreck Manne, wenn er nies'te, „conrenteineru" zu sagen ; sie sprach eS aber sehr hart aus^ Die MaFd merkte sich diesen Glückwunsch, und als die Frau in ihrer Gegenwart einst nies'te, rief sie: „Kontante Frau denn sie glaubte das andere hieße: Kontante Münn." Ein reichet Mann suchte einst bei Kaiser Joseph H. um ein Stipendium für feinen Sohn an, den er zugleich mitbrachte. Der Sohn aufs prächtigste geputzt, und unter andern mit zwei Uhren, und sangen herabhangendcn Uhrketten geschmückt, spielte mit letzter» , während sein Vater dem Kaiser vorstellte, daß er ihn ohne diese Aushilfe nicht stu- diren lassen könnte. „Das lst gerade nicht riöthig, sagte Joseph, ich sehe, daß ihr Sohn eine Freuve mit Uhren hat, lassen Sie ihn einen Uhrmacher werden. rvD SLativtialstölz. An Oranienbaum, einer kleinen Kreisstadt, unweit Petersburg, lebte noch im Jahr 179A Eine Frau, die aus Hollstein gebürtig, und damals 5)0 Jahr alt war. Ein kleines Häuschen war ihr ganzer Besitz, und der Gewinn dom Besuche einiger Schiffer, die auf dem festen Lande günstigen Wind abwarteten, ihr ganzer Erwerb- Einst, da mehrere holländische Schiffer bei ihr zu Abend gegessen hatten, findet sie beim Aufräumen einen versiegelten Beutel mit Geld unter dem Lisch. Ihre Bestürzung über diesen unerwarteten äund ist natürlich sehr groß, es mußte ihn Jemand aus der so eben abgereisten Gesellschaft vergessen haben, aber die Schiffer waren in See, der Wind gün- stig und an keine Rückkehr der Gäste zs denken. Die gute Frau legt den Beutel in ihren Schrank, wo er so lange ruhen sollte, bis sich sein Besitzer melden würde. Doch dieser meldet sich nicht. Sieben Jahre hindurch bewahrt sie aufs sorgfältigste dieses Unterpfand, oft von Gelegenheiten versucht, noch öfter von Mangel gedrängt, das Geschenk des Zufalls zu benutzen. Doch ihre Ehrlichkeit siegt über jeden Reiz der Gelegenheit, und über jedes Gebot des Mangels. Nach sieben Jahren bewirtbete sie abermals einige Schiffer. Drei unter ihnen waren Engländer, der vierte ein Holländer. Unter andern Gesprächen fragen jene den Holländer, vb er jemals jri Oranienbaum gewesen sey? — „Was svllte ich nicht! ^ ist die Antwort. „Ich kenne das Museum B. 5. Heft. Ä ris verdammte Nest nur zu gut. E« hat mich 700 Rubel (75z Rthlr.) gekostet."— Wie das? — „Ja, ich habe in der Trunkenheit in einer hiesigen Schenke einen Beutel liegen lassen." — War der'Deutel versiegelt? fragte die Wirthin, die in einer Ecke der Stube sab, und durch die Erzählung aufmerksam gemacht wurde. — „Ja wohl! da? ich trage das Pettschaft noch an meiner Uhr, womit er zugksiegelt war."-— Die Frau erkannte das nämliche Siegel. — Nun, sagte sie, so kann sich wohl noch einmal wiedersinden, was er verloren hat. — „Ja, wirdersiudcn, Mutter! da müß'e ich^nicht so alt geworden seyn, wenn ich daS hoffen konnte. N'ein, so ehrlich ist die Welk jetzt nicht mehr! Bedenkt einmal, sieben Jahre ist es her? — Wollte ich doch, daß der verdammte Beutel bei allen Teufeln wäre, er hat Ünr ganz meine gute Laune verdorben. Noch ein Glas Punsch, Mutter! ^ Während die vier Herren beschäftigt waren, das Andenken an diesen verdrießlichen Dorfall zu ertränken, hatte sich da6 Mütterchen hinarrsgeschlichen, und kam jetzt Mit ihrem Beutel mühsam herbeige- rvacschelt. — Sieht Er, daß die Ehrlichkeit nicht so rar ist, als Cr glaubt," sagte sie, und srtzce den Beutel auf den T'sch. Das sprachlose Erstaunen der Gaste, und (bei wiederkehrenden Bewnßtseyn) ihre verschiedenen Ausbrüche von Dankbarkeit und Beifall lassen sich nur empfinden, nicht beschreiben. D.e v»er Herren waren sämmtlicv bei Jahren. hatttN die Welt von )a« Pa« bis Terreneuve und vom Kap brs Archangel eben- Slk mäßig durchkreuzt, hatten mit schwarzen und brau? nen Gesichtern, mit kraushaarigen und frisirten Köpfen zu thun gehabt —- daß ihr Erstaunen desto größer war, ist keine Lobrede auf unsere Zeiten. In keiner Seele gingen indessen so große Veränderungen vor, als in der de« Holländers. Don der höchsten Urberzeugung seine« Verluste« bi« zur höch- freu Gewißheit de« wiederangrlangten Besitze« — der Sprung war zu groß, um nicht alle Fiebern seines phlegmatischen Körper« in Erschütterung zu fetzen. Ein Blick ans die ehrliche Frau, der er diese« Entzücken verdankte, brachte ihn wieder zu sich selbst. Ein plötzlicher Anstoß von Großmuth bemächtigte sich seiner, und alle andere Empfindungen wichen ehrerbietig zurück. Er griff in den Beutel, nahm -- einen Rubel herau«, und legte ihn mit einer zierlichen Danksagung für gehabte Mühe, auf den Lisch. Ein Erstaunen jagte da« andere. Die Zuschauer verstummten. „Eod dam!" sagte der Engländer Einer, und schlug mit der Faust auf den Tisch, ,,den Beutel da, Bruder, wirst du doch nicht ganz für dich behalten wollen? Der gehört, straf mich! —> Der Frau." — Dir beiden andern Engländer, die bisher stumm gesessen hatten, gaben dieser Bill mit dem kräftigsten Ungestüm ihren Beifall. Der Holländer erblaßte, und suchte Trost in den vielfältigen Betheurungen der Wirthin, daß sie gar nicht« verlange, daß sie nur ihre Schuldigkeit gethan zu haben glaube, und daß der Holländer sogar seinen Rubel zm'ücknehmen müße. Doch so leicht wollten die O a Britten dir Seegek nicht streichen- Das Gespräch ward hitziger, die God dams folgten sich schneller, und die Fäuste der Engländer schickren sich an, den Streit via facti ein Ende zu machen. Indessen suchte der Holländer den Beutel, welcher hier das Lor- xu8 äelicii war, in seine Gewahrsam zu bringen. Nach langem Deöattiren, und weil er keine Möglichkeit sah, hier zu entkommen, ließ er sich zu fünfzig Rubeln willig finden. Die Britten bestanden auf h u n de r t. Dieser Vorschlag schien dem Holländer so unbillig, daß er erklärte, sich eher dem ganzen Gewichte ihrer Fäuste Breis geben zu wol'eu« „Halt Kinder!" —rief der Engländer , der Vorhin den ersten Angriff ans die Grvßmuth des Holländers gethan hatte, seinen LandSlditzen zu. ,,Hört Kinder, ein Vorschlag zur Güte. Der Beutel da, ist zwar nicht euer, aber ihr seyd Britten, und die Frau hier hat, bei Gott! brav gehandelt, und muß belohnt werden Hurtig di- Hände in die Tasche! wir legen die hundert Rubel zusammen. Gesagt, gethan. Der Holländer, durch diesen Schlag betäubt, hatte noch nicht Zeit gehabt, sich zu faßen, als schon die hundert Rubel wvhlgezählö auf dem T sch lagen. D rS war eine Nitionalfehde! Wo menschliches Gefühl, Dankbarkeit, Großnuth und englische Fäuste vergebliche Angriffe versucht hatten, da siezte — Nationalstokz! Der Holländer drang darauf, daß dre Britten ,hr Gspött-sch : Ich glaube, Sie haben das Kleid noch von ihrem Urgroßvater. Sv ist es, antwortete ihm der andere, und ich habe auch noch meines Urgroßvaters Grundstücke, waS mehr ist, als Sie sagen können. riZ Ein einfaches Mittel, die Eifersucht zu heilen. Die Indianer, die an den Usern des Orvnvrco- Strvmes wohnen, sind so umviffend, daß sie sich ein«, bilden, daß die Europäer die geheimsten Dinge ohne alle Einschränkung aus ihren Büchern wissen. Einst kam ein betrunkener Indianer zum Abt Philipp Salvator Gilli, und beschuldigte seine Frau einer Untreue. Der Abt sucht ihn zu besänftige« , da er aber sah, daß bei ihm durch vernünftige Vorstellungen nichts auszurichten wäre, so nahm er sein Brevier zur Hand, und las darin mit großer Aufmerksamkeit. Sogleich legte sich das Toben des Wilden, und wie er zweimal vom Pater gehört: daß in dem Buche nichts von dem stände, was er sag- te, so bat er seine Frau um Verzeihung. Der gesunde Schlaf. Ein Edelmann war einmal bei einem schlechten Prediger zur Mittagsmahlzeit S»e hatten kaum ab« gespeist, als jener einschlief, wozu die langweilige Unterhaltung auch das Ihrige beigetragen hatte. Der Geistliche aber weckte seinen Gast bald auf, und lud ihn ein, mit ihm in die Kirche zu gehen, und ihn da predigen zu hören. Ich bitte Sie, entschuldigen. Sie mich, sagte der Edelmann, ich kann recht gut schlafen, wo ich jetzt bin. 5r Doch wie? kein Seufzer? keine Klage? Nein, leichter ashmet seine Brust, Und heiter glänzt sein Blick trotz diesem Todesfalls» ,„§> Schicksal, habe Dank!" so seufzt er, „der Verlust, Vergütet mir die andern alle!" Bürde. Der Zerstreute^ Baron von Rispernont war sehr zur Zerstreutheit geneigt. Man sprach in feiner Gegenwart von Cieeros Beredsamkeit. Er fragte, ob Cicero bei den Jesuiten siudirt hätte? — Eine Dame, die nie Kinder gezeugt hatte, fragte er: ob ihre Mutter Kinder geboren hätte, oder ob sie von Natur aus unfruchtbar wäre? — Einst sprach er von einem Seetreffen, und sags te, daß mehr als Zo Galeeren auf dem Platze geblieben wären. — In einer Gesellschaft erzählte er einst, daß sein Vater in einem so hohen Alter geheirathet habe, daß er unmöglich noch Kinder hätte zeugen können. Bei der Nachricht vom Tode eines seiner Freunde sagte er: „Ich glaube es nicht; denn er hätte mir gewiß davon geschrieben. Mein Gott, sagte er einmal bei einer strengen Kälte, was würden wir anfangen, wenn das Feuer anfinge zu gefrieren! Man antwortete ihm, dann würden wir uns mit Eis wärmen." 7-7 Als er feine Tochter verheirathen wollte, sagte may zu ihm, daß sie noch sehr jung sey. Sie ist nicht so jung, als man glauben sollte, antwortete er, denn sie hat schon ein Kind gehabt. Als er Adam in einem Gemälde sah, fragte er: ob dieses Gemälde nach dem Original gemacht wäre ? Einstmals setzte er sich in die Ästtfche, ehe angespannt war, und sagte: „Wir wollen vorangehen, die Pferde werden wohl Nachkommen. Er hcirathete ein Fräulein, das sehr häßlich war. Am Hochzeittage wollte er seiner Eraut eine recht feine Schmeichelei jagen, indem er sie versicherte, daß, so häßlich sie auch sey, er sie doch so sehr lieben werden, als wenn sie die schönste Person von der Welt wäre. Und ich, antwortete sie ihm, so dumm Sie auch sind, werde Sie doch so sehr lieben, als wenn sie der klügste Mann von der Welt wären. König Karl k- in England befahl, daß seine Un- terthanen an den Sonntagen sich lustig machen sollten Dieser Befehl mußte von den Kanzeln verlesen werden. Der Pfarrer in Salisbury las ihn ab, sagte aber am Ende: ,,So sautet der Befehl der Obrigkeit." Hierauf las er das dritte E.bot ab, und setzte hinzu : „Dies ist Gottes Befehl, nun mögt ihr wählen, was euch das Beste dünkt." 2 KL Gebet eines Trinkers Soll diese Welt, (war eines Trinkes Flehen,) Durch eine Kündffuth untergehen, Go laß, den Tod mir zu versüßen, -kur Wein, kein Wasser sich ergießen» K. Die Wittweund der Nachbar. „Ach mein verstorbner Mann! Wer zeiht ihm eineL Schuld! „Wer hatte, so wie er, für Zeit und Ewigkeit „Der Tugend sich geweiht, „Wer mehr Geschmack und Witz, Verstand und, Zärtlichkeit^ Der Nachbar. Und englische Geduld ! p. Kyaw. Der Präsident de la M* verband mit den ges fälligsten Manieren eine pikante Laune. Er war sehr korpulent. Als er einmal im Parterre war, beklagte sich Jemand, dem er den Platz und die Aussicht verengte , und sagte: wer so gebauet ist, sollte nicht hieher kommen. Mein Herr, erwiederte der Präsident, es ist nicht jedermann gegeben, platt zu sryn. Der Schauspieler Mrzetin wollte ein Werk , Hon seiner Arbeit einem Tue überreichen, der ein eifriger Beschützer des Talents war A^er um zu ihm zu gelangen, mußte er erst die Gunst eines Thürstehers, eines Lakais und eines Kammerdieners zu gewinnen suchen, deren Ohren (nach dem Ausdruck eines neuen Schriftstellers) in den Händen ihren Platz hatten. Mezctin suchte diese Herren zu erbitten, aber umsonst. Für solche Hartherzigkeit wußte er sich sehr sinnreich zu rächen. „Mein Herr," sagte er sehr ehrerbietig zu dem Thürsteher, „für ein Werk, das ich Ihrem Herrn devicirt habe, muß ich eine Belohnung erhalten, lassen Sie mich vor ihn, ich verspreche Ihnen als Mann von Ehre den dritten Lheil davon." Der Thürsteher ward hierauf mit einemmal sehr freundlich und sagte: Sie können pas^ siren, ich glaube ihnen auf ihr Wort. Das nämliche Versprechen that er dem Lakai, und das letzte Drittel verhieß er dem Kammerdiener, der die Thü- re des Kabinets zu öffnen hatte. Nun stand er vor dem Düe und überreichte sein Buch. Dieser war über die Huldigung eines allbeliebten Akteurs höchst erfreut, und versprach ihm, was er nur sich au erbitten würde. Bei dieser Gnade, sagte Mrzetin, Litte ich Ähre Durchlaucht und fünfzig Stockschläge. „Was ist denn das für ein Spaß?" rief d.'r Düe. Mezetin erzählte ihm gleich, um welchen Preis er Hen Thürsteher, dM Lakai und den Kammerdiener -Z4 gewonnen hatte. Sie sehen wohl, Monseigneur, fuhr er fort, daß ich von der Belohnung nichts erhalten , sondern bloß das Vergnügen gehabt Hätte, diese Leute bestrafen zu sehen, die mich in Kontribution setzen wollten. Der Düc lachte herzlich, gab seinen Leuten derbe Verweise, und schickte der Gattin dieses Schauspielers ein Geschenk, damit er den Vortheil genöße, ohne sein Wort brechen zu dürfen. Die Trauung aus dem Stegreife. Ter Dechant Swift war auf einer seiner Fußreisen von London nach Chester genöthigt, gegen rin Gewitter unter einer großen Eiche, nicht werk von Lichtfield, Obdach zu suchen Der nämliche Anlaß trieb auch einen Mann nebst einer schwängern Frau an diesen Zufluchtsort. Der Dechant unterhielt sich mit diesen Leuten, und erfuhr, daß sie riach Lichtfield wollten, um sich trauen zu lassen. Da der Zustand der Frau verrieth, daß keine Zeit zu Verlieren sey, so machte er den Vorschlag, ihnen den Rest der Reise zu ersparen, nnd die Zeremonie auf der Stelle zu verrichten. Das Anerbieten wurde mit Vergnügen angenommen, das Brautpaar wurde getraut, dankte herzlich, und war im Begriff den Heimweg anzutreten, als sich der Bräutigam besann, daß er ein Certifik.it brauche, um die Che LA5 glaubwürdig zu beweisen. Swift schrieb daher deß- halb eins in folgenden Versen: Unter dem Obdach der Eiche, bei Sturmwind und i Negen, Ertheilt' ich dem sauberen Paare den Segen. Nur er, der Lenker des Donners, wird können Die Bande des sauberen Paares zertrennen. Ein Schiff, das eben auf der Fahrt nach Peru begriffen war, ward von einem großen Ungewitter überfallen. Der Schiffskapitain befahl, daß jeder seine schwersten Sachen ins Meer werfen sollte, um hierdurch das Schiff zu erleichtern. Einer davon nahm seine Frau und wollte sie über Bord werfen. Da man es ihm aber nicht zuließ, und ihm um die Ursache davon fragte, antwortete er, er habe unter allen seinen Habseligkeiten nichts, was ihn mehr beschwere, als seine Frau. Fruchtbarkeit im Ehestande. Stumpf sagt zu seiner Frau: Sprich, wie es möglich ist, ' Da ich so schwächlich bin, daß du so fruchtbar bist? An unsrer Macht, sprach,sie, ist freilich nichts gelegen; Vom Himmel kommt der Ehesegen. „Möge kein Mißgeschick Vereiteln mein Eheglück! Matthäus Dvswell in Bvtbwell (in Cumberkand) wünscht sich in der Holm-Kirche am Donnerstag vor Pfingsten trauen zu lassen, und nach Bothwell zun» Hochzeitmahl zurückzukehren, Herr Need gibt einen Truthahn zu braten, Cle- inentson gibt ein fettes Lamm zu braten, Ellivt g,bt eine Henne zu braten, Gibson gibt ein Ferkel zu braten, Hodgson gibt ein fettes Kalb zu braten? Und damit diese Braten gut betröpfelt werden, sehen Sie wobl, gibt Marie Pearson, Patty Hodg^ son, Marie Busöy, Mvlly Fischer, Sarah Briscvn und Betty Pvrthvuse, jedes ein Pfund Butter. Der Anzeiger dieser wird alles besorgen, was zu einer so festlichen Gelegenheit gehört, und meldet hiebei allen jungen Frauenzimmern, welche ihre Lage zu verändern wünschen, daß er gegenwärtig ledig ist; und er räth ihnen, zu bedenken, daß, obgleich in -er Muße Glück seyn mag, doch in diesem Fall Aufschub gefährlich ist ; denn was ihn betrifft, ist bei ibm beschlvßen: wer zuerst kommt, wird zuerst bedient. Herbei ihr Mädchen denn, wenn ihr die Che liebt». Den DoSwrll macht das Säumen nur betrübt. I r! ^n den erste« Tagen des Novembers 1806, als j bi« Franzosen Kassel besetzt hatten, kam eine alte ! dürftige Frau auf den dasigen Markt, um die für j ihre Emquartirung nöthigen Lebensmittel einzukau- ! sen^ Eie trat zu einem Bauer, der mit Butter ' handelte und fragte, was das Pfund koste. Zwölf Aldus, war die Antwort. „Gott!" versetzte die arme Frau, „welche unbarmherzige Forderung! Wir sollte ich bei meiner Armuth im Stande seyn, für ein Pfund Butter zwölf Albus zu bezahlen l" — l „Was kann das alles helfen," erwiederte er ohne i Gefühl und Mitleiden, „jetzt kostet daS Pfund zwölf Aldus. Ss ist Krieg!" ! Ein französischer Offizier, der zufällig vorüber ! ging , und Zeuge dieses Auftrittes war, nahm das Pfuud Butter, das die Frm kleinmüthig wieder hin- > eingelegt hatte, und überreichte es ihr mit den Wors ! ten: l'enss, MLML! is Krieg Uiber Scrptikuß Tvd^ Er zählte Gott, die Welt, und sich zu den Problemen, Und starb, des Zweifelns Müde, neugiervöll, In jener Welt zu sehn, und zu vernehmen Was man in dieser glauben soll. Harpagvn über Abelberk. „Ein braver Mann, ist Adelbert." Sprach Harpagvn. So liebenswerth! Nie hat er was von mir begehrt. Cinsielbig. Da« ungebvrne Kindlein zwar Bedarf noch meiner nicht; Doch kaum erblrckt's das Tageslicht, So braucht's mich immerdar, Ich helf' ihm l,eken und gedeihn; Denn meistens bin ich gut; Ich helf' ihm horchen, helf' ihm schrei'ri, Und laß es nirgends, nie allein, Selbst weun's in Federn ruht. Drum holet mich auch Jedermann, Er sey arm oder reich, Und wer mich nicht mehr holen kann / Den holt der Teufel gleich. A. G. Eberhard'. Gewissenhaftigkeit. Eher sey des Tageslicht Meinem Blick verloren, Eh' dies Herz die Treue bricht, Sieh! ich hab's geschworen, Kloe! sagte Waldemar, Und blieb treu den Schwüren; Dann erst, als es Abend war Schlich er zu Elmiren. B— Ein Reisender kam in eine Provinzialstadt, und stieg vor dem Wirthshause ab. Es war etwas an dem Rare seines Wagens zerbrochen. Cr fragte nach der Schmiede. Der Gastwirth prasentirte sich selbst. Sw sind also auch Schund? "Ja, mein Herr!" In dem Augenblick trat Jemand ins Haus, und ries den Wirth ab, um ein Testament zu machen. Sie sind also auch Notarius, Herr Wirth? frag» te der Reisende. „Ia< mein Herr, und Advokat obendrein!" Der Fremde erstaunte, und sein Erstaunen Vers kiekrte sich nicht wenig, als man nun auch den Wirth zu einem Äranken bestellte. t Auch Arzt ? „Ja, mein Herr, auch das!" Mein Gott, was sind Sie denn alles? „Ach vielerlei," versetzte der Wirth; „Ich bin ein Gastwirth, Schmid, Notar, Arzt, Chirurgns und Apotheker in einer Person. Die Flur ist, wie sie hier sehen, dreifach abgetheilt. Rechls ist meine Apotheke, links meine Studierstube, da hinten habe ich me,ne Kühe angebracht, noch weiter hinten !v- gire ich meine Fremden, und meine Schmiede ist auf dem Hofe " — !, Da mäßen Sie ein reichliches Auskommen haö;n§ „Ach leider Gvtt's, ein sehr knapprS." Hier ruht in einem tiefen Frieden Die gute Frau von Uippigkeit, Sie machte sich zu größrer Sicherheit * Ahr kleines Paradies hiernteden. _ A? A. A An den Prediger Salmius. Diener des göttlichen Worts, ein Bote des Friedens ein Heiland Meinem zermallkreten Geiste, mein Salmius, (ist dir mir immer, Wenn der holdselige Laut: Amen! dir endlich entfährt» W. Köster. -L.° --- > — . . Die Auflösungen der in diesem Hefte vorkoim wenden 2 Rärhs.l sind in alphabetischer - Ordnung : r. Bergknappe. L. Luft. (Äthem.) Äibersichk der Rathse^ Les^ ganzen Bandes. I. Band. s. Bergknappe. Z. Fensterscheibe. 4. Heerde. Z. Laterne 6 Luft. 7. Modern. Z Ohrringe. 9. Schäserstundt. 10. Aungenheld^ Ende des vierten «nd letzten Bande».' ! -L^-7 ^?'- NEU EM«: * E '. »^4