-Krksilsrkommsi' st)t Wien Doicumsnlotion 25.Ls- /s2/ Oesterreichs Swassslase im 8uli 1814. Sin bingestSudnis des serbischen Gesandten. Die im Dezember letzte« Jahres erschienenen britischer« Dokumente zum Kriegsausbxuch, über die die Berliner Monatshefts für internationale Aufklärung „Dis Kriegs- schuldfrage" fortlaufend wertvolle Aufschlüsse geben, enthalten ein Schriftstück, dessen Inhalt für die Verteidigung des österreichischen Vorgehens gegen Serbien im Juli 1914 von größter Tragweite ist. Es handelt sich um einen Bericht des britischen Botschafters in Wien, Sir M. de Bunsen, an Sir E. Grey vom 29. Juli 191-1. Der Botschafter teilt dem Staatssekretär des Reicheren vertraulich mit: „Französischer Botschafter berichtet seiner Regierung, daß ihn Geständnisse des serbischen Gesandten, mit dom er bis zu dessen Abreise am 23. Juli in enger Fühlung war, überzeugt haben, Zustand wachsender Gärung in südslawisch» Provinzen der Doppelmonarchie sei derart, daß österreichisch« ungarische Regierung genötigt gewesen wäre, sich entwei er in Lostrennung dies« Provinzen zu fügen oder eine verzweifelte Anstrengung zu machen, um sich dis Provinzen dadurch zu erhalte», daß sie Serbien als 'Machtsaktor ausschaltete. Serbischer Gesandter äußerte immer, die Zeit arbeite für Serbien, und er sagte französischem Botschafter, südslawische Provinzen wären innerhalb drei Jahren bereit, sich gegen Oesterreich-Ungarn zu erhebe», ohne daß Serbien auch nur den kleinen Finger zu rühren brauche. Oesterreich- Ungarn merkte, daß es nicht länger warten konnte und entschloß sich Zum Kriegs, von dem sS jetzt anscheinend nichts mehr abzuhalten vermag. Rach Ansicht französischen Botschafters geht daraus hervor, daß Konflikt nicht Folge deutscher Anstiftung ist; auch gehe nicht unbedingt daraus hervor, daß Deutschland europäischen Krieg wünscht, wie Viels in Frankreich glaube«-" In diesem Dokument finden sich alle Dokumente wieder, dir bei Kriegsausbruch von deutscher Seite gegenüber von fremden Mächten geltend gemacht worden sind. Bon ganz besonderer Bedeutung aber ist, daß dieses Eingeständnis von der maßgeblichsten Persönlichkeit, dein serbischen Gesandten in Men hrrrührt, der am ehesten in der LaA war, die österreichisch-serbische Spannung zu beurteilen. i«sei7L«Kix» einstigen k. u. k. Ministeriums des Aenßern in dankenswertester Weise unterstützt. Am Borgeschichte. Zum Verständnisse der Haltung des deutschen Bundesgenossen in den Balkanfragen, muß auf die Zeit des ersten großen Konflikts nach dem Berliner Kongreß znrückgegriffen werden. Im Herbst 1887 nahm der Gegensatz zwischen Rußland und der Donaumonarchie ernste Formen an, weil Graf Kalnoky nicht zugeben wollte, daß Bulgarien unter russischen Einfluß gerate. Die Spannung verschärfte sich derart, daß jedermann den Kriegsausbruch erwartete. Nach dem deutsch-österreichisch-ungqrischen Bündnisse von 1879 war Deutschland nur dann verpflichtet, seinem Bundesgenossen Waffenhilfe zu leisten, wenn dieser von Rußland angegriffen wurde. Nach dem deutsch- russischen Geheimabkommen — dem am 18. Juni 1887 Unterzeichneten und in Wien unbekannten Rückversiche- rungsvertrage — hatte Deutschland, wenn der Angriff von Oesterreich-Ungarn ausging, wohlwollende Neutralität zu bewahren; in einem ganz geheimen Zusatzartikel erklärte sich Deutschland noch überdies bereit, den Einfluß Rußlands in Bulgarien M-Mtzen. Nach Bismarcks Ansicht gehörte dieser Balkanstaat zur russischen und nicht zur österreich-ungarischen Interessensphäre. Um nun den Ausbruch des Krieges zwischen seinen beiden Freunden zu verhindern, ließ der Fürst in Wien wiederholt erklären, daß die Donaumonarchie bei einem von ihr provozierten Waffengange wegen Bulgarien nicht auf deutsche Unterstützung zählen dürfe. Alle, sowohl von österreichisch-ungarischen als auch von deutschen Militärs, ausgehenden Vorstellungen, politische Deffensive sei mit offensiver Kriegführung nicht nur durchaus vereinbar, sondern im konkreten Falle sogar! unbedingt geboten, fanden bei ihm kein Gehör. Er beharrte darauf, die Unterstützung durch deutsche Truppen käme erst dann in Betracht, wenn die Russen in Galizien einfielen. Dadurch, daß der Fürst eine von Kaiser Franz Joses angeregte Besprechung der beiderseitigen KeneraWbe vereitelte, übernahm er ein hohes Risiko. Die Folgen einer in seinen! Sinne stattfindenden Eröffnung der Operationen gegen Rußland, wären unabsehbar gewesen. In Wim war man ernstlich verstimmt; in erster Linie der Monarch- aber auch Erzherzog Albrecht als präsumtiver Heerführer und FML. Freiherr v. Beck, der als Ehef des Generalstabes mit Entsetzen das ganze System seiner Kriegsvorbereitungen ins Wanken geraten sah. Aber Bismarcks gewagtes Spiel gelang... der Friede blieb erhalten. Nach dem Scheiden des Fürsten aus dem Amte im März 1890 wurde das Geheimabkommen mit Rußland nicht mehr erneuert; Deutschland konnte nunmehr dem Bundesgenossen auch dann beispringen, wenn sich dieser genötigt sah, selbst zum Angriffe zu schreiten- Zur Zeit der Annexionsrrise 1908/09 stellte Reichskanzler r Fürst Bülow der politischen Leitung der Doppelmonarchie ! eine Blankovollmacht aus, und 'Wilhelm II. trat mit ; Nibelungentreue und in „schimmernder Wehr" an die -Seite des Partners. Kleinere Weiterungen zwischen ! den Bundesgenossen sind allerdings auch damals nicht ' ausgeblieben/ Als aber im Jahre 1912 der Balkan chn Aufruhr geriet und die Interessen Oesterreich-Un- garM schwer gefährdet waren, bekam in Berlin die j Bismarck-Tradition wieder vorübergehend die Oberhand, ' ohne sich jedoch konsequent durchzusetzen. In den folgenden, auf Grund der deutschen Akten dargestellten Episoden, die lediglich von Trübungen in der glücklichen Ehe der Mittelmächte, sowie von Gegensätzlichkeiten und Mißverständnissen handeln, tritt auch der Zwiespalt zwischen Wilhelm Ü. und seinen Beratern i über die einzunehmende Haltung scharf hervor. Als l eigentlichen Leiter der deutschen Politik muß der Staatssekretär im Auswärtigen Amte v. Kiderlen-Wächter angesehen werden; dieser streitbare Schwabe drückte dem Reichskanzler Bethmann Hollweg, den er in verschiedenen Briefen einen „hilflosen Regenwurm" nannte, in den Hintergrund. Daß aber auch der Kaiser Einfluß nahm, davon legen seine vielangefochtenen Randbemerkungen auf den Aktenstücken Zeugnis ab. Wenn diese temperamentvollen Willensäußerungen auch häufig bloß den Eingebungen des Augenblicks entsprangen und vorn Auswärtigen Amte nicht immer als Richtlinien angesehen wurden, so soll hier doch nicht an ihnen vorbeigegangen werden, weil sie durch ihre Unmittelbarkeit bedeutungsvollen Einblick in die herrschend«! Auffassungen gewähren. Bei den einzelnen Phasen dieser Geschichtsperiode wird daraus zu achten sein, ob der Streit um Zubilligung einer bloß diplomatischen Unterstützung oder -um Gewährung der Waffenhilfe geht. Einzelne Einschaltungen des Bearbeiters werden es dem Leser erleichtern, im Bilde zu bleiben t ein „mehr" erlaub!, der zugestandene Raum nicht, ß z n s c i i L n x z tt u c n foft l e »i ll 0 X jj ft ^ ft I - I I 0 ft 0 L 8 IM 1 M. UMLI 7 UW ^k. ö. IM Zer Prozeß von Saloniki M7. In Ports ist soeben von dem bekannten Vorkämpfer für die Wahrheit in der Kriegsschuldfrage Dr. Milan Bogiöeviö ein 183 Seiten starkes Werk erschienen?) das nicht verfehlen wird, in interessierten politischen Kreisen Europas und noch mehr vielleicht Amerikas, — da man sich dort jsür die Kriegsschuldfrage besonders interessiert — großen Eindruck zu Machen. Das Werk, in französischer Sprache gedruckt, besteht aus einem Vorworte und zwei Abschnitten. Jni ersten, nach Kapiteln gegliederten Abschnitt wird der Prozeß vom politischen, juridischen und vom Standpunkte der Kriegsschuld beleuchtet. Er enthält auch die Organisation, das Statut und das Spezialregleürent der Organisation „Vereinigung oder Tod" („Schwarze Hand"), die Liste der Teilnehmer dieser Geheimorganifation und die Biographie des serbischen Generalstabsobersten Dragutin Dimitrijevie, des Chefs dieser vorgenannten Organisation. Im zweiten Abschnitt sind wichtige Dokumente und die auf die Kriegsschuldfrage Bezug habenden Aufsätze des Verfassers und! xin Artikel über versuchte Friedensverhandlnngen zwischen Deutschland und Serbien im Jahre 1915 enthalten. TeM Prozesse liegt das angeblich am 11. September 1916 bei Saloniki versuchte Attentat auf den serbischen Thronfolger und Regenten zugrunde. Die serbische Regierung hat alle Verlautbarungen über diesen europäische Bedeutung besitzenden Prozeß verboten und das offizielle Verhandlungsprotokoll gesperrt, damit, wie sich der verstorbene Pasie ausdrückte: „Europa hievon nichts erfährt". Ter Verfasser des Buches^ vor dem Weltkriege evarZS ä'süairss Serbiens bei der Gesandtschaft in Berlin, ist ein vornehm denkender und fühlender Mann, der alle balkanischen und byzantinischen Methoden in der Politik verurteilt und sein Volk und Land in den Kreis der Mten europäischem Denkungsart überführen möchte. Ein Fanatiker der Wahrheit, äußert sich Bogwevis im Vorworte wörtlich: „Die Tatsachen, die mir über diesen Prozeß zur Kenntnis gekommen sind, sind vom politischen, juridischen und Vom Standpunkte der Kriegsschnldsrags von so schwerwiegender Art, daß man im Interesse der Wahrheit, des Rechtes, der Moral und der Justiz um jeden Preis dessen Revision fordern muß, unbekümmert um alle OportnnitätS- nnd Augenblicksgründe, unbekümmert um alle politischen Konsequenzen und um die in dieser Angelegenheit verwickelten Pjersonen. In diesem Prozeß hat sich die serbische Regierung einen Pfeil ins eigene Fleisch geschossen, den zn entfernen ihr nie gelingen wird." , Offenbar ist es dem Verfasser gelungen,, einiges von: versperrten Verhandlungsprotokolle zu erfahren, denn er sagt darüber: ' „Dieses Protokoll müßte in alle wichtigeren Sprachen übersetzt werden, >veil die ganze Diskussion über die >) Loxkitebövitek, s pro«es äs Lalouiguo üuiu 1917, 1927, ltuärS vslxeueb, Läiteur. Ursachen und die Folgen des Attentates von Sarajevo eine gründliche Bekanntschaft mit dem Prozesse von Saloniki erfordert." Ta die serbischen Autoritäten eine Berichterstattung über diesen Prozeß verhindern, hat es der Verfasser, als unabhängiger Mann und begeisterter Serbe, — der aber seinen Fuß auf vaterländischen Boden nicht setzen will, insolange das jetzige Regime andauert — unternommen, alles, was er über diesen Prozeß weiß, zn ^veröffentlichen, in der Hoffnung, damit nach Möglichkeit dem serbischen Volke zu dienen,' dessen Tapferkeit und gute Eigenschaften der Welt bekannt sind. Man muß in der Tat den Mut und Eüe WahrheM-, liebe des Verfassers bewundern, der durch die Aufdeckung der nackten Wahrheit dem Auslande und dem eigenen Volke die Augen öffnen will. > Schließlich fordert der Verfasser im Vorworte die beiden Engländer Seaton Watson und Wickham Steed sowie die beiden Deutschen Wendel und Kantorovicz auf, ihre Meinungen aus Grund der im Werke vcrlautbarten Daten zn berichtigen. Sollten sie dies nicht tun, weil ^sie annehmen, im guten Glauben gehandelt zu haben, so wird man berechtigt sein, ihre Qualitäten als Experten in dieser Angelegenheit zu bezweifeln; sollten sie aber schlechten Glaubens sein, so wäre der Beweis für ihre Parteilichkeit und für die Wertung erbracht, den ihre Arbeiten verdienen. I. Abschnitt. 1. Der Prozeß vom politischen Standpunkt. Es würde zu weit führen, den Inhalt dieses Abschnittes erschöpfend zu skizzieren; es soll nur der Konflikt zwischen den serbischen Zivil- und Militärautoritäten berührt werden, aus dein sich das Drama von Saloniki entwickelte: ' Tie Siege im Baltäiikrtege, die durch die Tüchtigkeit der Arme« errungen wurden, hielt die serbisch-radikale Partei, die seit ihrem Bestehen immer durch die Erfolge der anderen groß geworden war, für ihren Triumph und nützte ihn für ihre Zwecke aus. Sir entsendete als Ztvilfunktionäre in die neucroberten Gebiete Mazedoniens und ÄltseMeins lauter: Partisane des radikalen Kabinetts, größtenteils unfähige und unwürdige Elemente, die nur ihren persönlichen Vorteil suchten und durch Plünderungen und Grausamkeiten das Volk zur Verzweiflung, zur Emigration lind zur Auflehnung führten. Alle Offiziere in den neugewonnenen Gebieten, ob sie nun Mitglieder der Organisation „Vereinigung oder Tod" waren oder nicht, erhoben sich nun mit Entrüstung gegen ein Regime, tvelches die Parteiinteressen über das Staatsinteresse stellte und alles verdarb, was das von den besten Patrioten geführte Schwert gewonnen und gut gemacht hatte. Hiev liegt der Beginn und die wahre Ursache des Konflikts Mischen den Zivilautoritäten und den Militärs, welche nichts anderes als das Wohl des Staates anstrebteu. Tie radikale Regierung schrieb aber diesem Konflikte einen rein sozialen Charakter zu und definierte ihn „als den Kamps um den Vorrang zwischen den Zivil- und Militär- autoritäten". Alle Oppositionsparteien stellten sich auf die Seite der Offiziere und forderten den Rücktritt der radikalen Regierung sowie die Ausdehnung der Verfassung des Königreiches auf die neuen Gebiete, welchem Antrag aber die Regierung aus egoistischen Gründen nicht zustimmen wollte. Tie Entscheidung siel in der Zeit zwischen dem 20. November und 3. Dezember 1913. Als nämlich König Peter erfuhr, was alles in den neugewonnenen Gebieten vorgefallen, gab er in einem Momente großer Erregung dem Chef des serbischen Generalstabes Bojvoden Putnik, der beim König persönlich und energisch interveniert hatte, sein Ehrenwort, daß er die Demission des radikalen Kabinetts veranlassen werde. Aber die russische Regierung mischte sich ein mnd forderte vom König die Beibehaltung des Kabinetts PlaZu, weil dieser für die Zusammenarbeit für die Alliiertem unentbehrlich wäre- Ter König beugte sich dieser russischen Forderung, da er aber sein Wort dem Bojvoden PUtnik verpfändet hatte, zog er sich unter dem Vorwände der Erkrankung von den Regierungsgeschäften zurück und ernannte den Thronfolger Prinzen Alexander zum Regenten?) Tie Situation wurde hiedurch nur noch mehr erschwert. Bon diesem Momente au hatten die Chefs der Opposition und ein großer Teil der Offiziere die Ueberzeugung, daß ein solches Regime das Gedeihen des Staates nicht sichern könne und daß unter diesen Verhältnissen die nationalen Ideale nicht zu verwirklichen seien. Tie Situation spitzte sich in so hohem Grade zu, daß ein ^Bürgerkrieg unauD, weichlich schien. Da platzte die Nachricht vom Attentate in Sarajevo ins Land, dessen Haupturheber Oberst Dimitri- jeviä war. Man erkannte die Gefahr, die ein Bürgerkrieg zur Folge haben müßte, und alle Serben einigten sich zum Kampfe gegen den Feind. Ter Krieg gegen Oesterreichs- Ungarn brach aus. Tie serbische Regierung zog sich Nach Nisch zurück und das große Hauptquartier etablierte sich in Kragujevac. Tie Beziehungeil zwischen den beiden Lagern! blieben jedoch gespannt. Ter Verfasser verweist hier ans die damaligen Artikel des Auslandes, speziell des „Teinps", und ist auch persönlich der Ueberzeugung, daß, wenn Timitri- jeviö tatsächlich ein Streber geweM wäre, wie es seine Feinde Vorgaben, er schon damals die Dynastie nird die Regierung hätte stürzen können; aber sein großer Patriotismus hielt ihn davor zurück. Bemerkt muß werden, daß Oberst Dimitrijevi« ein besonderer Liebling des Voj- voden Putnik war. Pütnik, alle Mitglieder des Hauptquartiers, vor allein Dimitrijcviü und seine Freunde,^ weihten nur: ihre ganze Krast der Verteidigung des Vaterlandes, mrd hatten nichts anderes in: Sinne als den Enderfolg. Aber die radikale Partei, voll Besorgnis um ihre Existenz nach dem Kriege, sing schon voni Jahre 1915 an, gewisse Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dimitrijeviö, als der Gefährlichste, der einen höchst wichtigeil Posten im Großen Hauptquartier bekleidete, wurde zum Geueralstabschef der kleinen Armeegruppe ULice ernannt, hierauf erfolgte die Gruppierung der persönlic^n Feinde des Obersten Dimitrijeviü zu einer neuen Geheim- organisation, der „Weißen Hand",die eine oppositionelle Stellung gegenüber der Organisation „Bereinigung »der Tod" bezog. An der Spitze der „Weißen Hand" stand ein General und mehrere Stabsoffiziere. Nach der Okkupation Serbiens durch die Zentralmächte und dem Rückzüge derj serbischen Armee durch Albanien, erfolgte deren Einschiffung nach Korfu (Dezember 1915 und Jänner 1916), wo sie mit Hilfe der Entente reorganisiert wurde. Unter dem Schutze der Kanonen der Alliierten und Ausnützung dieser seltenen Situation, konnte nun die radikale Partei weitere Maßnahmen zum eigenen Schutzs gegen alle jene Offiziere ergreifen, bei welchen feindliche Gesinnung befürchtet wurde. Man enthob zunächst alle Offiziere, welche Mitglieder oder Freunde der „Schwarzen Hand" waren, von ihrer Funktion und schickte, einen großen Teil Nach Rußland zur Aufstellung.von Verbänden aus österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen; desgleichen den Chef des Generalstabes Bojvoden Putnik, seinen Souschef, den General Livko Pavlo- vm und viele Tivisions-, Brigade- und Regimentskomman- ^danten. Sie 'alle wurden durch Anhänger der radikalen ' Partei, also durch Offiziere der „Weißen Zand" ersetzt, die als^tützen)gegen die „«schwarze Hand" dienen konnten) Nach der Reorganisation in Korfu wurde die serbische ArrkeS nach Saloniki transportiert und unter das Kommando des französischen Generals Sarrail gestellt. Um Dimitrijeviö zu entfernen, wollte man ihn zum Militärbevollmächtigten bei der belgischen Armee ernennen, PMü gab auch schon der belgischen Regierung diese Absicht bekannt, doch lehnte Dimitreje- viö den zugedachten Posten ab, und so glaubte man sich sicher, wenn man ihn zum Souschef des. Generalstabes der dritten Armee ernannte, deren Kommandant General Milos Basis ein eingefleischter Gegner des Obersten war. Hiedurch wurden der „Weißen Hand" und der radikalen Partei dis Vorbedingungen zur gänzlichen Beseitigung Dimitrijeviü' und seiner Freunde geschaffen. Ihre militärischen und moralischen Qualitäten, ihr beträchtlicher Einfluß ans, alle Kreise der Gesellschaft, ihre terroristische Aktion und vor allem ihre gründliche Kenntnis der von der serbischen Regierung stets unterstützten großserbischen Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn waren in der Tat für die Machthaber sehr gefährlich. Im übrigen war die militärische und politische Situation damals sehr Prekär und mit gutem Grunde konnte man glauben, daß die Vernichtung des Dimitrijieviü und seiner Gruppe Oesterreich-Ungarn für den Fall von Separatfrkedensverhandlungen sehr nachgiebig stimmen werde. Revisor., (Schluß folgt.) . .. ! ft)r ^/i«n Dotcumankokion llbü 7W /is, Nn dmtscher Ml ANS dm GeheimMm Äes WelMeges Nicht nur Oeskrreich konnte für sich das Meinrecht beanspruchen, einen Weltspion großzüftgster Art besessen zu haben, denn auch Deutschland hatte seinen Oberst Red! in der Person des Kapitäns des ArmiralstaöeZ Müller, der dem ersteren, was den Umfang der von ihm begangenen Verrntereien anbstrifst, nicht im mindesten mrchstünd. Bei Kapitän Müller scheint der ungerichtete Schaden jedoch beiweitem größer gewesen zu seiill da er sein schändliches Gewerbe bis in den Krieg hinein fortsetzen konnte und erst Ende des Jahres 1916 unschädlich gernacht wurde. Auch dem Kapitän Müller wurde, als dis Sache aufkam, der Revolver in die Hand gedrückt; der Unterschied zwischen diesen beiden Fällen bestand nur darin, daß die Deutschen es offiziell niemals zugegeben haben, und es auch nie zugeben werden, in ihrem Admiralstabe einen Verräter besessen zu haben, während Conrad v. Hohendorf in seiner unvergleichlichen Aufrichtigkeit cs ohneweiters gestattete, daß die Wahrheit offen eiugestanden werde, obwohl dies im Folle Redl gewiß nicht unbedingt nötig gewesen Ware. Als nämlich Redl als Spion entlarvt worden ist, kam gleichzeitig dessen Betätigung auf homosexuellem Gebiet auf Grund genug, um den Selbstmord vor der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Kapitän Müller hatte eine ähnliche Laufbahn wie Oberst Redl hinter sich. Hi^u kam noch, daß er als ausgesprochener Hofmann — er war Erzieher mehrerer deutscher Prinzen gewesen — Zutritt zu den höchsten militärischen Kreisen hatte und auf diesem Wege sehr vieles erfahren konnte, was weit über sein eigentliches Tätigkeitsfeld hinausging. Wie Oberst Redl, stand er schon als lunger Offizier in Diensten des englischen ' Marine-Spionagebureaus, welches durch ihn die besten Informationen erhielt. Auch in seiner äußeren Erscheinung und in feinem Auftreten hatte er mit Oberst Redl viele Aehnlichkeiten, vor allem eine maßlose Arroganz den Kameraden und schwachen Vorgesetzten gegenüber, denen er durch seine hohen Beziehungen eine gewisse Furcht vor seiner Person einzuslößen verstand. Besonders abstoßend wirkte bei ihm wie bei Oberst Redl ein gewisser Hang für ausgesprochen weibische Eigenschaften, die in der übertriebenen Putzsucht, im Tragen von Seiden- rväsche und im Gebrauch der feinsten Parfüms usw. zum Ausdruck kam. Unmittelbar vor dem Kriege stand Kapitän Müller bei der deutschen Gesandschaft in Bukarest als MarineattachS in Verwendung. Daß die Engländer gleichzeitig auch einen Marineattachs nach Bukarest entsandten, siel weiter nicht auf. In diese Zeit fällt die Haupttätigkeit Müllers, denn da konnte er mit seinem englischen Kollegen ohneweiteirH unbehindert verkehren. Und gerade Bukarest sollte Müller zum Verhängnis iverden. Dem deutschen Generalstabe ist es im Verlaufe des Krieges Wohl ausgefallen, daß manche Unternehmungen durch rechtzeitige Gegenmaßnahmen feindlicherseits durchkreuzt wurden und man witterte bei der Obersten Heeresleitung, daß da Verrat Äm Spiele sein könnte. Wie getvöhnlich itt solchen Fällen, blieb es aber bei Vermutungen und ein etwaiger ^Verdacht traf den Richtigen nicht. Erst eine augenfällige Begebenheit führte auf die richtige Spur. Als der Krieg gegen Runmnien im Jahre 1916 zum Stillstände kam, nmrde Kapitän Müller dem deutschen Kommando in der Dvbrudscha ztvecks Organisierung des Küstenschutzes gegen dis russische Schwarze-Meer-Flotte zn- geteilt. Dieser' Küstenschutz war äußerst wichtig, den» im Hafen von Konstanza befanden sich gegen 100 Tanks mit Naphtaproduktcn, je 3800 bis 4200 Tonnen enthaltend, die die Deutschen für den gerade in Szene gesetzten verschärften U-Boot-Krieg dringend benötigten. Gegen den Mllen des deutschen Befehlshabers verstand es Kapitän Müller durchzusetzen, daß eine Uebnng mit Rauchmasken vor diesen Tanks abgehalten tverde. Diese Rauchmaske hatte den Ziveck, die Tanks gegebenenfalls in dichten Nebel zu hüllen und sie so vor einer Beschießmüg von See aus zu schützen. Man konnte ja diese Uebnng vhnc-- weiters auch aus einein anderen Punkt der Küste vornehnren und es war höchst sonderbar, daß gerade, als die Rauch- nebel vor den Tanks aufsticgen, ein englisches Patrouillenboot erWen, offenbar um die Peilung, das heißt die Richtung, in der sich die Tanks befinden, aufzunehmen. Zsvci Tage später waren zwölf volle Tanks in Brand geschossen? und gingen in Flammen auf. Jetzt erst schöpfte man Verdacht. Eine in der ehemaligen Wohnung des Kapitäns Müller in Bukarest vorgenommene genaue Durchsuchung förderte belastendes Material zutage, ebenso kam heraus, daß Müller durch die ihm unterstellte Radiostation in Constanza den Engländern chiffrierte Mitteilungen machte. Es war am Weihnachtsabend des Jahres 1916, die deutschen Offiziere vergnügten sich im königlichen Schloß, in welchem das Kasino untergebracht war. Eine heitere, man kann fast sagen ausgelassene Stimmung machte der anfänglichen Gedrücktheit Raum, nachdem der Wein die Gedanken an daheim zu vertreiben begonnen hatte. Auch Kapitän Müller schien ausnahmsweise seine sonstige Gespreiztheit vergessen zu haben und machte die Scherze, wenn auch etwas herablassend, so doch ganz gerne mit. Nur der Kommandant und der Stabschef schienen nervös auf irgend eine Nachricht zu warten. Gegen 1 Uhr nachts traf ein ganz kurzes chiffriertes Telegramm ein. Zwei Offiziere wurden herausgerusen und erhielten eine „besondere Instruktion": dem Kapitän Müller bei seinem Heimkommen in der Wohnung den Revolver zu übrreichen. Nicht ahnend, daß ihn die kalte Hand des Todes schon beim Nacken erfaßt hielt, vergnügte sich Müller noch durch eine Stunde, die letzte seines Lebens. Er mcchte dis Sache kurz. Kaum waren die beiden -Offiziere aus seinem Hause getreten, krachte schon der Schuß. Er Hat sich selbst gerichtet. i «seriL« x ä »<«en fuir vie« I^6L8?0S1 (6rL2) LL^, MwMiinfm Mwr Mr Warnp- Die Kriegsgeschichte richtet jetzt mehr und mehr ihr Augenmerk auf die psychologischen Momente, und da'hat der Arzt ein Wort mitzureden. Eine bedeutsame Veröffentlichung unter diesem Gesichtspunkt ist das Werk des Schweizer Chirurgen und Oberstleutnants Eugen Bircher: „Die Krisis in der Marneschlacht", das von Generalarzt Rochs in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" gewürdigt wird. Bircher, der zehn Jahre lang Offizier im schweizerischen Generalstab war, hat zugleich durch seine ärztliche Ausbildung einen scharfen Mick für die körperlichen Mängel, und so kommt er zu dem Ergebnis, das; die vier Führer, die di« Hauptschuld an der verlorenen Marneschlacht nnd damit letzten Endes an dem Verlust des Krieges tragen, Moltke, Bülow, Lauenstcin und Hentsch, schwer- kranke Menschen waren. s Was zunächst den Generalstabschef von Moltke anbetrifft, der die Hauptverantwortung trägt, so ist er mit einer weit fortgeschrittenen Arterienverkalkung, deren Folgen eine Herzmnskeldegene- ration und Herzklappenentzündung waren, ins Feld' gezogen Tie Arterienverkalkung macht den Menschen körperlich und geistig weniger leistungsfähig, entschlußloser, und nicht selten treten Depressions- uno körperliche Erschöpfungszustände auf. Moltkes untätige Haltung wurde also gewiß vielfach durch seine schwere Krankheit bestimmt, aber RochS, der der Arzt Schlieffenz und sein langjähriger Freund war, behauptet, Moltke sei überhaupt als Nach- "fölger Schlieffens ganz ungeeignet gewesen: dieser hätte ihn nie vorgeschlagen, wenn man ihn gefragt hätte. Als Moltke ohne Wissen und gegen den Willen Schliessens als Oberquartiermeister in den Generalstab kam, da pflegte Schliesfen im vertrauten Kreise zu sagen: „Was soll ich mit dem Manns an fangen, d er keine Ahnung von operativem Denken hat?" Und bis an sein Ende hat ihm die Ernennung Moltkes zum Generalstabschef die schwersten Sorgen über den Ausgang des Krieges bereitet, dessen baldiges Kommen er mit Sicherheit voraussah. Bircher charakterisiert Moltke als einen Stimmungen und poetischen Träumereien hingegebenen Menschen, der zu mystischen Ideen neigte Auch von Bülow, dem Führer der zweiten deutschen Armee, schreibt der Schweizer, er habe bei Kriegsausbruch an den Erscheinungen der Arterienverkalkung gelitten und sei ein kranker Mann gewesen, wenn auch noch nicht so gebrochen wie Moltke. Daneben bestand bei ihm eine hochgradige Schwerhörigkeit, 'die an Taubheit grenzte und wohl sicher auf arteriosklerotischer Grundlage beruhte. Da der Feldherr seine Sinnesempfindungen besitzen muß, so war diese Taubheit, die mißtrauisch und verschlossen macht, für den verdienten General eine schwere Hemmung. Ney, der MarschaU Napoleons z. B. hatte die Nase eines Spürhundes, mit der er bei dem russischen Feldzug merkte, daß er auf dem Eise der Wolga marschiere, und rechtzeitig abbog. Diese Sinnes- empfindungen leiden außerordentlich früh unter krankhaften Einflüssen, wie denen der Arterienverkalkung. Bülvw war eigensinnig, hörte ans niemanden, neigte als vorgeschrittener Arterio- sllerotikcr zu einem ungerechtfertigten Pessimismus und beschloß den verhängnisvollen Rückzug am Morgen des 9. September aus der Zwangsvorstellung von der „bedrohlichen Lücke" in seiner rechten Flanke. Schliesfen hat übrigens auch schon, wie Rochs mitteilt, Zweifel in die Führerfähigkeiten Bülows gesetzt. Ein tragisches Geschick hat es gefügt, daß Bülows Stabschef, Generalleutnant Lauenstein, gleichfalls ein schwerkranker Mann war, der bereits seit seinen Hauptmannsjahren an Basedowscher Krankheit litt. Es ist daher begreiflich, daß seine Krankheit ein sorgfältiges Erfüllen feiner verantwortlichen Pflichten ganz ausschloß. Aber auch der so viel genannte Oberstleutnant Hentsch. dein man die eigentliche Schuld an dem verhängnisvollen Ausgang der Schlacht gegeben' hat, war krank. Ein fleißiger, redegewandter und fein gebildeter Offizier, litt er seit langem an Gallen- Md MagenkMM. Wir Bircher «llkrllt, gab er schon ihm FrWahc 1914 seinem diensttuenden Offizier die Weisung, niemanden jum Bortrag vorzulassen, da er, von Leibschmerzrn geklagt. sich in seinem Arbeitszimmer niedDeM» müsst. Auch war bekannt, daß er oft mit VA- schränkten Armen in den Leib gepreßt da saß,- uH .'die bekannten Abwehrbewegungen gegen GÄ1«»». , und MagenkslikeN. machte. Nicht umsonst lciteM! ^die alte» Grieche» die Melancholie VM? W -„schioarzen Galle" ab. Seinem schweren GüllM leiden ist iHentsch 1917 in tiefster seelischer AD trüttung-aus dem Balkan erlegen. „So bietet M ein Bild von gewaltig erschütternder TraziD sagt RochS, „wenn, man sieht, chatz an Len eW ^scheidenden Stellen , Leuts- wie die BezeichnetK standen.".. Aber kann ihnen .die -Geschllhte, ,y.M Verantwortlichkeit "für die Folgen aufbüroen? Bircher verneint dies Ind meiH.Wj SchÜM..tzceW in- vollem Ausmaße diejenigen, „die sie in diese! Stellungen gebracht Heiden, 'NrmlU dgs Miliräik- kabinett.. ... ' - . » Aus dem Tagebuch Falkenhatzns. stamiMM folgende Notiz vom 10. August 1914: „Lyniked glaubt Veranlassung zu haben, mich zil fraHM ob ich beim Versage» Moltkes seine Funktionen übernehmen würde." Der Ches des Militärkabi-i nctts hatte also anscheinend die Unfähigkeit, dÄ Eene^alstabschess längst erkannt. 6. ^ ^ > » « « Sv-«---—- > li s c! r c ii !< t X»c« slili »>c» i> o»» c «1 1 7 > o» (Lear) L?L _ q,^o, ^qs ,7, MIckkMjl W WM. Im Oktober 1915. ^-Äiele der schönsten Waffentaten unserer steirischen Stammesbrüder sind in ihrer Größe leider nur wenig bekannt, so auch die Eroberung von Belgrad im Oktober 1915. Mit folgendem will ich versuchen, diesen Mangel zu beheben und auszugsweise die Großtat dem Vergessen zu entreißen. Belgrad und seine sich westlich anschließende Festung, an der Mündung der Save in die Donau, war schon dreimal, im 17. und 18. Jahrhundert, von uns im Kampf gegen die Türken erobert worden; das einemal durch Prinz Eugen, und zwar immer von der Land feite aus. Auch im Dezember 1914 wurde Belgrad nach schweren, siegreichen Kämpfen südwestlich davon besetzt, nach einigen Tagen aber wieder infolge der mißglückten Offensive (von West nach Ost) ohne Kampf geräumt. Zehn Monate später, im Oktober 1915, schien wieder der Zeitpunkt gekommen, Serbien niederzuringen. Damals standen wir, nach Gorlice usw-, weit in Rußland; auch unsere Front gegen Italien stand, trotz des Mißverhältnisses 1:4,. siegreich in .der Abtvehr. Der Niederringung Serbiens lag ^ diesmal der Plan zugrunde, mit den Haupt- krästen von Nord nach Süd, über die Donau also, und zwar bei Semendria und Belgrad, in Serbien einzudringen. Belgrad samt Festung ist so groß wie Graz; die Festung selbst wie der Schloßberg samt Stadtpark; beide liegen auf einem das nördliche (unser) Ufer vollkommen beherrschenden Höhenrücken (Schlvßberghöhe beim Uhrturm). Die Donau ist dort zwölfmal, die Save achtmal breiter als di« Mur. Tie Festung mit ihrem fast senkrechten Steilabsall war auf das schwerste armiert; auch sonstige Stützpunkte, vielreihige Drahthindernisse bis unter das Wasser, Mußmineu, versenkte Schiffe usw. ließen Stadt und Festung von der Wasferseite aus unangreifbar erscheinen; eine ideale Abwehrstellung gegen rin Landen und Eindringen war auch ein etwa 150 Schritte vom Ufer entfernter etwa 2 Meter hoher Eifenbahndamm längs der Donau. Ein Erfolg war überhaupt nur dann denkbar, wenn der Gegner überrascht und die Festung schon vor dem Sturm lahmgelegt war. Ter Plan im großen war folgender: Links (östlich) der bereits lahmgelegten Festung sollten zwei österreichisch-ungarische Divisionen über die Donau, rechts von der Festung die gleichstarken Deutschen über di« dort in die Donau mündmide Save ein- dringen. Kommandant des Ganzen war General von Köveß. Die Stadt sollte möglichst geschont werden. Ter weitere, auf Grund unserer damaligen Kriegsersahrung und vorhandenen Mittel (z. B. keine Gasbomben) bis ins kleinste ausgearbeitete und bis zur letzten Stunde geheim gehaltene Turchführungsplan für unsere Truppen — ähnlich für die Deutschen — war folgender: Am 6. Oktober Bombardement (160 Geschütze, darunter auch schwerste Kaliber, z. B- zwei 42er). In der Nacht vom 6. auf 7. Oktober Minen- iischen. Von 2 Uhr 30 bis 3 Uhr nachts neuerliches Bombardement (Trommelfeuer). Sodann, möglichst 3 Uhr, Landen der ersten 5 Baone mittels Pontons: anschließend 5 weitere Baone. Hierauf Üöerschissen frischer Truppen so, daß am nächsten Tag (7.) mit den Deutschen vier Divisionen am anveren Ufer stünden. Tie Durchführung selbst ging folgendermaßen vor sich: Am 6. fand tagsüber das Bombardement statt, auf das aber, gegen unsere Erwartung, die Serben leider nicht antworteten, weshalb trotz großer Vorbereitungen (Kriegzmappierungsabteilung, Flieger usw.) ihre Geschützstellungen nicht erkannt werden konnten. In der folgenden Nacht (6. auf 7. Oktober) wurden Minen gefischt; von 2 Uhr 30 bis 3 Uhr donnerten neuerdings unsere 160 Geschütze gegen die Festung und gegen sonstige als Stützpunkte erkannte oder vermutet« Räume — ein Anblick ebenso schauerlich als gewaltig in der bisher stillen, nun tosenden und dröhnenden Nacht! — Abermals leider keine Gegenwirkung. 3 Uhr! Jetzt sollte an vier Punkten gelandet werden! Wir sehen aber nichts auf der durch zwei feindliche Scheinwerfer und einige brennende Häuser stellenweise fast taghell beleuchteten Donau. 3 Uhr 15 Minuten! 3 Uhr 30! Noch immer nichts! Auf die Frage, ob wir Artilleristen nicht nochmals feuern sollten? „Nein. Sie müssen gleich kommen!" Wir durchlebten furchtbar bange Minuten, denn der Feind konnte sich jetzt physisch und moralisch erholen. 3 Uhr 45! Nichts! 4 Uhr! Jetzt endlich sehen wir — hell beleuchtet — eine lange Kette Pontons, bei der Festung vorbei, die Donau herunterschwimmen. Sie sind nur mehr 200, nur mehr 100 Meter vom Ufer entfernt. Bisher Totenstille. Nun aber empfängt sie ein furchtbares Feuer. Ein Drittel der Pontons mit 74ern und 84ern versinkt getroffen in den Muten oder treibt führerlos, voll mit Toten und Verwundeten, die Donau abwärts. Was war geschehen? Woher die verhängnisvolle Verspätung um eine Stunde? Me Infanterie war programmgemäß vor Mitternacht von kveitab zunächst nach Semlin (etwa 5 Kilometer tmMch Belgrad) mittels Dampf» fahren gebracht worden. Während dieser Fahrt strandete eine Whre mir 2 Bavaeuau Bokk^auf einer Sandbank; an ihre Stelle traten zwar sogleich zwei andere Baone. Eine kleine Verspätung war aber dennoch entstanden. Fnsbesonders aber wurde die spätere Fahrt mit den Pontons hauptsächlich dadurch sehr stark verzögert, daß die Pioniere durch zwei feindliche Scheinwerfer derart beirrt worden waren, daß sie ein- oder zweimal zwischenlanden mußten. Ties den höheren Komin anden am Land durch Lichtsignale — dies wäre die einzige Verbindungsmöglichkeit gewesen — bekanntzugeben, war untunlich, weil sie dadurch ihre geheim zu haltende Fahrt auch dem Feind verraten hätten; das eigene Artilleriefeuer konnte und durfte daher wegen eventueller Gefährdung der Eigenen beim Landen nicht wiederholt werden. Tie sehr geschwächten zwei Baone 74er und 84er (Kommandant Oberstleutnant Mettel et, ein Cillier) mußten vor ihrem Landen vielfach noch Drahthindernisse unter dem Wasser durchschneiden. Trotz der hiebei neuerlich erlittenen Verluste erstürmten sie den nahen Bahndamm: dort aber wären sie aufgerieben worden, wenn ihnen nicht unsere Untcrsteirer, die 87er (ErgLnzungsbezirt CM), darunter viele unserer Stammesbrüder, eben noch rechtzeitig mit ihrem Flankenseuer bei- grsprungen wären; diese hatten nämlich kurz vorher und links, der 74er ebenfalls den Bahndamm erstürmt, nachdem es ihnen geglückt war, unbe- 1 merkt zu landen. Links (östlich) des Baons IV/87 ! hatten bald darauf unter schweren Verlusten auch die Jäger 15 und ein Baon 60 (Kommandant Major Christian) den Bahndamm erreicht: mußten ihn aber wegen Flankenfeuer teilweise wieder räumen und «inen Haken links bis zur Donau bilden; dort gruben sie sich ein, kamen aber gleich aus Grundwasser, wo sie nun liegen bleiben mußten, ebenso ihre zahlreichen Verwundeten. Tie Gesamtsituation war geradezu trostlos: auf etwa 4000 Schritte waren, statt wie geplant etiva 10.000, nur etwa 2500 Mann; hinter ihnen kein Mann Reserve, nur die hochgeheude Donau. Es konnte ihnen in dieser Nacht aber auch weder durch die Artillerie, wegen Gefährdung ^ der Eigenen, noch durch frische Truppen geholfen werden, denn di« total erschöpften Pioniere mußten vorerst ihr Material — sie hatten fast zwei Drittel davon verloren — sammeln. Nach Morgengrauen (am 7.) wurden die Unseren, besonders auch die Untersteirer, durch zwei oder drei sehr gut gedeckte feindliche Batterien heftig beschossen. Gegen diese und auch gegen alle sonstigen als Geschützstellungen vermuteten Räume richtete sich unser neuerliches Bombardement. Weil die serbische Artillerie aber, mit Ausnahme obiger, noch immer schwieg — sie lauerte offenbar auf günstige Momente, denn alle waren sicherlich nicht schon vernichtet — kreuzte unsere Donauflottille, um das feindliche Feuer hcrauszulocken — sich als Zielscheibe darbietend — vor Belgrad. Ties hatte nun endlich Erfolg. Die serbische Artillerie feuerte, wurde größtenteils erkannt und unter unser Vernich- tungsseuer genommen. Leider waren einige Monitore schwer havariert worden. Eine bedeutende Erleichterung war bis zum Abeich eingetreten. Tie nächste Nacht verlief aber trotzdem ähnlich schwer wie die erste, weil die Serben mit ihren herbeigeeilten Reserven nun selbst zum Angriff übergingen. Cs wurden bis zu zehn Bajonettangriffe gezählt. Das ganze groß angelegte Unternehmen hing trotz größter Tapferkeit abermals nur an einem Haar; glücklicherweise überschifften, eben noch rechtzeitig, unsere braven Pioniere nach und nach weitere fünf Baone, sonst wären die Unseren der Übermacht erlegen und in die Donau geworfen worden. Am nächsten Tag (8.) neuerliches Bombardement auch durch die abermals vor Belgrad kreuzenden Monitor«. Tie Festung besonders glich vielfach nur mehr einem rauchenden Trümmerhaufen: sie war vollkommen lahmgelegt. Auch die sonstige serbisch« Artillerie schoß nur mehr vereinzelt. Um 3 Uhr nachmittags trat nun folgendes ein: Aus einer HäufergWppe vor unseren 87ern flüchteten zufolge erst. Di« Untersteirer, durch ihren Kommandanten Oberstleutnant Peter selbst geführt, stürmten ihnen nach und drangen — die rechten und linken Nachbarn mit sich reißend — nach heftigem Straßenkamps in Belgrad ein. Tie Krisis war damit überwunden. Von jetzt ab ging es rasch vorwärts. Neue Truppen landeten. Um 7 Uhr früh des 9. Oktober flattert« unsere schwarzgelbe Kaiserfahne, von den 87«rn gehißt, auf dem königlichen Schloß Tie Festung war schon in der Nacht zum 9. Oktober von den Serben kampstos geräumt! worden. Mittags trat unser rechter Flügel mit dem linken der Teutschen in Verbindung; letztere hatten ähnlich schwer wie die Unseren, übrigens durch Flußmiuen, gelitten. Ms am nächsten Tag (10.) nach siegreichen Kämpfen mit weiteren serbischen Reserven bereits vier Tivisionen südlich Belgrad standen, waren nicht nur Stadt und Festung gesichert erobert» es war der ganze Feldzug schon halb gewonnen. Tie Überlegenheit unserer Artillerie, vor allem aber der Heldenmut unserer unvergleichlichen Truppen, hatte, trotz vieler unglücklicher Zufälle (hier sind nicht alle aufgezählt) gesiegt. Diese Heldentat ist umso höher einzuschätzen, als hier die Serben, die tapfersten unserer vielen Feinde, ihr Letztes eiu- sexten für die Verteidigung ihrer Hauptstadt. Kriegshistoriker von Rus bezeichnen diese Eroberung geradezu als die größte Waffentat des ganze» Weltkrieges an allen Fronte». Bewunderung und Ehre jenen Männern — es sind so viel« Stamme»- Lrüder aus unserer lieben Steiermark darunter --- die dort unten ihr Blut, ihr Leben in treuester Pflichterfüllung geopfert. Haus Zimuiak Oberst d. R. ,«s c > 7 c x X» X X c X 5tzx x>cx i> o«x e x 7 «7 l o > I/i8l8?08I (Lear) " ' -L^L M IMDMW dkl MW. ' Zum GcdeMa^am 22. und 23. Oktober 1927. Von L. Kalcher, Major des Alpenjägerrvgimentes Nr. 9. Am 24. Oktober find e§ zehn Jahre, daß sich deutsche und österreichisch-ungarische Truppen und deren Führer in d er Durchbruchsschlacht bei Flitsch unsterblichen Ruhm erworben haben. Da sich an diesem Durchbruche in hervorragendem Maße die steirischen Schützenregiment-er 3 und 26 und das Kärntner Infanterieregiment 7 beteiligt haben, feiern das Alpenjägerregiment Nr. 9 ÄS Trabi-- tionsregiment der beiden -ersten Truppenkörper und das Alpenjägerregiment 11 als Traditions- regiment des Jnf.-Reg. 7 am 22. und 23. Oktober dieses gewaltige geschichtliche Ereignis. Der 24. Oktober ist ein Ehrentag, geweiht dem Andenken jener mutigen Streiter, die an dieser außergewöhnlichen Heldentat bei Flitsch teilgenommen haben. Er soll den Geist der Treue und Tapferkeit in unserer Wehrmacht beleben und ausrecht erholten und ein festes Band zwischen den Helden der alten Armee und dem jungen Nachwuchs knüpfen. So lange es ein Alpenjägerregi« ment 9 gibt, wird dieser herrliche Kriegererfolg von unseren jungen Soldaten in würdevoller Weise gefeiert werden. Der Umstand, daß sich am Wischer Durchbruch besonders unsere Alpendeutschen in ganz hervorragender Weise ausgezeichnet ^ haben, macht uns den 24. Oktober (Beginn der ! Offensive) umso unvergeßlicher. Gleichzeitig ge- ' denken wir an diesem Tage unserer Brüder im Deutschen Reich, die uns zur Sekts standen und mit uns den Sieg errangen. Damals, als wir Alpen! - rische Schulter -an Schulter mit unseren deutschen Waffenbrüdern den herrlichen Sieg -erfochten, haben wir der Welt gezeigt, welch unbezwingbare Macht in dem vereinten deutschen Volk? liegt. Durch die Offensive gegen Italien ln den Oktobertagen 1917 haben wir die in uns gesetzten Hoffnungen, die Heimat vor einem feindlichen Einfall zu schützen, auf das glänzendste gerechtfertigt- Vom Juni 1915 bis September 1917 .hatte unsere Heldenhast- Jsonzoarmee in 11 Ber- teidigungsschlachten einem an Zahl und Kamps- i Mitteln weit überlegenen Feind ein« kaum zu überbietende Widerstandskraft entgegengesetzt. In diesen schweren Jsonzoschlachten hatten die Italiener vergebens versucht, unS 8« werfen. Um nach Triest zu gelangen. In der 11. Jsonzoschlacht gestaltete sich unsere Lag« an einigen Stellen der Jsonzosvont schon sehr ernst. Unter anderem k mußte der wichtige Monte Santo preksgegeben werden. Nur der Heldenhaftigkeit und dem überaus großen Opfermut, unserer herrlichen Truppen war es zu verdanken, daß größeres Unheil verhütet wurde. Man muß bedenken, daß die Italiener auf dem südlichen Kriegsschauplatz über weit größere Reserven an Menschen und Kriegsmaterial verfügten. Durch einen 12. Angriff hätten die Italiener doch die Oberhand gewinnen können und schweres, unsagbares Elend wäre über unser Heimatland hereingebrochen. Dieser großer, Gefahr mußte durch einen kühnen Angriff unsererseits begegnet werden. Bon dieser Erwägung ausgehend, faßte man den Entschluß, durch eine Offensive den Feind um feine bisherigen und noch zu gewärtigenden Erfolge zu bringen. Im September 1917 standen am Jsonzo 40 italienisch« Divisionen 20 österreichisch-ungarischen gegenüber. Um annähernd das Verhältnis 1:1 zu erzielen, waren mindestens noch 20 Divisionen und etwa tausend Geschütze erforderlich. Man war daher auf die Mitwirkung deutscher Kräfte angewiesen, die auch beigestellt wurden. Der beabsichtigten Offensive lag folgender Plan zugrunde: Bei!' gleichzeitiger Demonstration der vereinigten Truppen an der Tiroler und Kärntner Front den Hauptstoß am Jsonzo zu führen und ein Aufrollen der feindlichen Front im Raume Tolmein—Flitsch in der allgemeinen Richtung aus Cividale zu bewerkstelligen. Da ein Angriff auf den beiderseitigen Begleit-- höhen des Wischer Beckens nicht viel Aussicht auf Erfolg versprach, entschloß sich der Kommandant des 1. Korps, General der Infanterie Alfred Krauß, den Entscheidungsstoß im Dalbecken zu führen. Dieser Stoß sollte mit einer solchen Wucht geführt werden, daß unsere Truppen in einem Zug durch alle drei italienischen Talstellungen hindurch aus den AS zu 1700 Meter Höhe 'aufsteigenden Stol gelangen sollten. Durch polnische, tschechische und rumänische Deserteure war das italienische Oberkommando über unsere Absicht sehr genau orientiert- Es wunderte unS daher, daß die Italiener trotzdem durch diesen kühnen Plan vollkommen überrascht wurden. Bon eisernem Willen erfüllt, das vorgesteckte Ziel ehestens zu erreichen, traten unsere tapferen Truppen am 24. Oktober in den Kampf. Die Aktion begann mit einem kräftigen Artillerie- feuer, bei dem auch ein preußisches Gaswerfer- bataillon mit sehr gutem Erfolge teilnahm. Um 7 Uhr begann das Wirkungsschießen der Artillerie und Minenwerfer, während dem sich die Sturmpatrouillen und die nachfolgenden Jnsanteriewellen der 22. Schützendivision unter ihrem Führer, dem allseits verehrten Generalmajor Therefrenritter Rudolf Müller, an die feindlichen Hindernisse heranarbeiteten. Die Stoßgruppe (General von Merten) mit Schützenregiment 26 (Oberst Fveih. von P-asetti), nördlich davon ein Bataillon Kaiserschützen II (Major Freiherr von Buol), süd- lich von Schützen 26 ein Bataillon Kaiser-. schützen II (Hauptmann Steffin) drangen im kühnen Anlauf in die erste italienische Stellung ein, ^ die nach heftigem Handgemenge um 19 Uhr vor- ^ ' mittags vollends in unserem Besitze war. Kurz darauf wurde das dahinterliegende Flitsch in hartnäckigem Straßenkamps vom Bataillon III/26 genommen. Dem Angriff schlossen sich im weiteren Verlaufe das Grazer Schützcnregiment 3 (Kommandant Oders! von Tenner) an. Um 1 Uhr nachmittags fiel den Angreifern die zweite und gegen 5 Uhr nachmittags die dritte italienische Stellung in die Hände. In hervorragender Weise haben sich damals Major Hackl (späterer Bataillonskommandant beim MpenjSgerregiment 1/9 und Oberleutnant Trister des Schützenvegunents Nr. 26 ausgezeichnet. Gegen 9 Uhr abends besetzte Hauptmann Robert .Siegel (späterer Regimentskommackant des Mpen- jägcrregimentes 1V) mit dem zweiten und drei Viertel des ersten Baons vom Schützenregiment 3 die wichtige Talsperre von Podzelom. Südlich anschließend an die 22. Schützern division kämpfte das Kärntner Infanterieregiment Nr. 7, dessen rechtes Mügelbaon (Hauptmann Barger, derzeit Oberstleutnant beim Alpenjäger- regiment 10) trotz schwierigster Verhältnisse tm Handgranatenkampf die feindlichen Stellungen am Polounik erstürmte und dadurch znm Gesamterfolg wesentlich beitrug. In der Nacht vom 24. auf den 25. wurde über Aufforderung des Kommandanten der 98. Schützenbrigade (Oberst von Sloninka) ein halbes Baon Schützenregiment 3 unter Kommando deS Oberleutnants Egon Wurst gegen Serpsniza vorbefohlen, das» schneidig vergehend, beim Feinde eine derartige Panik hervorrief, daß er zahlreiche Geschütze und ein gewaltiges Kriegsmaterial im Stiche ließ. Was nicht sein Heil in der Flucht fand, wurde von den Schützen 3 gefangen genommen. Im weiteren Verlauf der Aktion begann am 25. um zirka 4 Uhr nachmittags der Vormarsch der 4A Schützenbrigade .aus die Stolhöhe, die durch General Sloninka mit dem Kaiserschützenregiment I nach Mitternacht erstürmt wurde. Der Durchbruch war damit gelungen und der Sieg erfochten. Eins große Zahl von Gefangenen, Geschützen und Kriegsmaterial fiel in die Hände der Sieger. Unter Jubelrufen wurde am 26. abends bei Übersetzung des Natisone die Reichsgrenze von der 22. Schützendivision überschritten. s Die Heldenleistung unserer Truppen kennzeichnet wohl am besten das Urteil der italienischen Untersuchungskommission, welches lautet: „Der Durchbruch erfolgte in ungeahnter Schnelligkeit und unvorhergesehener Ausdehnung mit einer Sicherheit, welche nur blindem Vertrauen zur Tüchtigkeit der Truppen und ihren Führern entspringen kann. Das pfeilschnelle mirakelhafts Vordringen wirkte überwältigend und beweist eins genial« Verwegenheit." Der Durchbruch . bei Wisch gehört zu den unvergänglichen Großtaten unserer ruhmreichen, Men Armee. Die Helden bei Flitsch haben sich ^ durch ihre unvergleichliche Pflichterfüllung und selbstlose Aufopferung unsterblichen Ruhm erworben. Möge diese Tat Mt nur Venmudenrn, und Nachahmung bei unseren juinMk Trupp« Hervorrufen, möge dieser Geist treuer Pflicht erfüllung und Opferftnus Gemeingut des gefam ten deutschen Volkes werden. Der Heldengeist voi Flitsch möge unser von Parteitzaß erfülltes Wol einigen zum Siegen und zur WoMchrt aller. -»-«Ä»-» — - .- -_r , « 3 5 ! I L « X 1 X X l N fu« XlkX ll 0 X U X L X I t I I 0 »t (6^i) ^O. OO Kr H« Willmr. 4.8. London, 8. Oktober. Zm Verlag Lassell, London, er- scheint heute ein zweibändiges Work: „Fsldmarschall Sir Henry Wilson: Sein Leben und seine Tagebücher." Von Generalmajor Sir C. E. Tallwell, mit einem Vorwort von Marschall Foch. Sir Henry Wilson galt als einer der fähigsten englischen Generale. Er begannseine militärische Laufbahn im Indien, zeichnete sich im südafrikanischen Krieg aus und war von 1907—1910 Kommandant der Kriegsschule, von 1910—1914 „Direktor der militärischen Operationen". Bei Kriegsausbruch 1914 ging er als stellvertretender Chef des Generalstabs unter Sir John French „gch Frankreich. Später wurde er als Vertreter der britischen Armee dem französischen Hauptquartier zugeteilt und übte in dieser Eigenschaft großen Einfluß auf die Entscheidungen des interalliierten Obersten Kriegsrates aus. Nach Beendigung des Krieges bewilligte ihm das Parlament 10.000 Pfund für seine Kriegsdienste. Im Juni 1922 wurde Wilson in London vor seinem Hause von zwei Sinnfeinern ermordet. Cr fand seine letzte Ruhestätte in der St. Pauls-Kathedrale zwischen den Feldmarschallen Lord Wolsely und Lord Roberts. Das Tagebuch Sir Henry Wilsons ist eine vernichtende Kritik an der englischen Kriegsführung von Anfang bis Ende. Keine Reputation wird geschont. Die ganze Galerie großer Männer aus großer Zeit wird an den Pranger gestellt. Sogar der Retter des Vaterlandes, Lloyd George, muß sich sagen lassen, daß der Krieg schließlich nicht wegen, sondern trotz seines Eingreifens gewonnen wurde. Ein treffender Titel für das Werk wäre: „Wie ein Krieg nicht geführt werden soll". Es ist die Aufzählung einer ununterbrochenen Reihe von Streitereien zwischen Militärs und Politikern, zwischen Führern und Untergebenen, zwischen den Machthabern in London und den ausführenden Organen im Feld, zwischen Engländern und Franzosen; eine Schilderung von Fehlern, Jrrtümern, Zweifeln, Unfähigkeit, Mißtrauen und Intrigenwirtschaft. Dabei ist zu berücksichtigen, daß Wilson dauernd mitten im Getümmel der aufeinanderprallenden Gegensätze stand und vielleicht in seinem Kampfeseifer die nötige Distanz nicht finden konnte, um eine objektive Darstellung der von ihm geschilderten Ereignisse zu geben. Wenn er rücksichtslos rechts und links seine Hiebe niedersausen läßt und gegen die andern wettert, so vergißt er ganz, daß er selbst in mancher Hinsicht den Krieg völlig falsch beurteilt hat. Im August 1914 spottet er über Kitchener, der einen langen Krieg voraussagt, und im September 1918 macht er sich lustig über die, die von einem baldigen Kriegsende reden. Sehr interessant ist im Hinblick auf die Krregsschuldfrage die aus dem Tagebuch sich ergebende Tatsache, daß der Krieg schon jahrelang vor Ausbruch in Paris und London vorbereitet wurde. Am 9. August 1911 schreibt Wilson: „Von Lord Haldane zum Lunch eingeladen, um mit Sir Edward Grey zusammenzutresfen. Nach einem langen Gespräch stellte ich drei Forderungen: erstens, wir müssen mit den Franzosen gemeinsame Sache machen; zweitens, wir müssen am selben Tage mobilmachen, wie die Franzosen; drittens, wir müssen alle sechs Divisionen senden. Diesen drei Punkten wurde zugestimmt, wenn auch nicht grade mit Begeisterung. Ich war sehr enttäuscht über den von Grey und Haldane an den Tag gelegten Mangel an Verständnis für die Lage." Wilson und Foch standen schon lange vor Kriegsausbruch in Verbindung und arbeiteten die Pläne für die Koordination der englischen und französischen Armes im Kriegsfälle aus. Wilson erzählt in seinem Tagebuch, daß er als „Privatmann" 17mal mit dem Fahrrad von der Nordsee bis zur Schweiz gefahren sei und das Terrain studiert habe, auf dem der kommende Krieg ausgefochten werden würde. Durchaus im Einklang mit der Tätigkeit Wilsons in den Vorkriegsjahren stand die Rolle, die er in den Tagen kurz vor der englischen Kriegserklärung spielte. Eintragung vom 1. August 1914: „Ich hatte eine Zusammenkunft'mit Panouse (damals Militärattache bei der französischen Botschaft in London) und riet ihm, Cambon (französischer Botschafter) zu veranlassen, heute abend zu Grey zu gehen und ihm zu sagen, daß er die Beziehungen abbrechen und nach Paris zurückkehren werde, wenn wir nicht mitmachen wi irden."_ Am Tage vor seiner Abreise auf den Kriegsschauplatz machte Wilson Abschieds- besuche bei Winston Churchill und Lord Kitchener. „Winston war so überwältigt, daß er in Weinen ausbrach und seine Wünsche für einen siegreichen Feldzug nicht zu Ende formulieren konnte." Die Unterredung mit Kitchener verlief stürmisch. „Er schlug einen schroffen Ton an, und ich antwortete ihm in demselben Tone. Ich habe nicht die Absicht, mich von ihm schulmeistern zu lassen." Ausfälle gegen Kitchener ziehen sich durch das ganze Tagebuch. Wilson wünscht, daß sämtliche verfügbaren Offiziere und Unteroffiziere sofort an die Front geschickt werden. Kitchener hält einen großen Prozentsatz für die Ausbildung von Rekruten in England zurück. Wilson glaubt, der Krieg werde nur ein paar Monate dauern. Kitchener trifft' Vorbereitungen auf drei Jahre hinaus. Wilson vermerkt in seinem Tagebuch: „Kitcheners Schattenarmeen für Schattenkampagnen in ferner Zukunft sind ein Skandal und ein Hohn. Unter keinen Umständen kann dieser Mob sich zwei Jahre lang im Felde halten." Im Juli 1915 kommt Wilson auf einige Tage von der Front nach London zurück. Er faßt den hier gewonnenen Eindruck dahin zusammen: „Das Kabinett hat Angst. Kitchener hat Angst. Das Kabinett weiß nicht, was los ist. Kitchener weiß nicht, was los ist. Niemand weiß, was er zu tun hat." 21. Oktober 1915: «Kitchener weiß nicht, ob er in den Dardanellen weitermachen oder sich aus den Dardanellen zurückztthen soll, ob er nach Saloniki gehen soll oder nicht. Er hat keinerlei Plan. Im Kabinett herrscht absolutes Chaos und Unentschlossenheit. Dafür können wir Asquith danken. Er hat sich schlafen gelegt, um Zeit zu gewinnen." Uber einen Kriegsrat der Alliierten im September 1915 in Paris heißt es: „Erstens: Ioffre, guter Soldat, großer P^riot, aber nur von einer Idee besessen: Frankreichs Sicherheit. Mit dieser Idee im Kopfe kämpft er gegen die Ideen der andern. Ein falscher Schritt, und Frankreich ist, glaubt er, verloren. Zweitens: Lord Kitchener, hauptsächlich bestrebt, aus dem elenden Loch (Galli- poli) herauszukommen, in das Winston ihn hineingebrach' hat. Drittens: Millerand und Sarrail, lediglich Politiker. Ein merkwürdiger Salat." Kurz nach Eröffnung der deutschen Verdun-Offensive kommt Wilson wieder nach London. Lloyd George läßt ihn rufen und fragt ihn, ob er noch immer glaube, daß die Alliierten die Deutschen schlagen könnten. „Ich erwiderte, ich hätte nick den geringsten Zweifel daran, vorausgesetzt, daß er uns die nötigen Soldaten schicke, um zwei i große O ffensiven gleichzeitig einzul citen. Zu meinem Entsetzen antwortete er: Wir werden' die Boches nie schlagen." Einige Tage später: „Lord Milner ist soeben von einem zehntägigen Besuch der Front zurückgekehrt. Er ist voller Bewunderung für unsere Luftwaffe und für die Wirksamkeit der militärischen Maschine als Ganzes. Aber er glaubt nicht, daß wir die Boche-Armee schlagen können. — Nach dem Frühstück hatte ich eine längere Unterredung mit Lloyd George. Ich sagte ihm, ich Hütte seit meiner Rückkehr von der Front keine einzige Persönlichkeit in leitender Stellung getroffen, die noch damit rechnete, daß wir die Boches schlagen würden, und daß er allein uns vor der Niederlage bewahren könne, die bei solchen Anschauungen unausbleiblich sei. Ich sagte ihm, daß die gegenwärtige Regierung der ganzen Armee in die Nasenlöcher stinke (,tlurt tl>g prossnt Olovorn- mvnt Muirlc in tim uostrils ok tim v/bolo /lrm;-°), und daß, wenn er sich von der Regierung trennen und die Standarte des Sieges Hochhalten wolle, die Armee sich einmütig hinter ihn stellen würde." Wenn Wilson damals noch eine hohe Meinung von Lloyd George hatte, so hat er sie später jedenfalls nicht aufrechterhnlten. Das Tagebuch wimmelt von Seitenhieben auf Lloyd George wegen seiner Einmischung in militärische Angelegenheiten, seiner Ideen von Strategie und wegen des gefährlichen Spiels, das er mit der Unterordnung des britischen Oberkommandos unter das französische Oberkommando triebe. Bei Beginn der großen deutschen Frühjahrsoffensive 1918 ist Wilson wieder in London. Lloyd George läßt ihn zu sich kommen und fordert ihn auf, noch am selben Abend mit ihm an die Front zu reisen. Wilsons Lagebuch berichtet: „Ich erklärte dem Premierminister in gemessenem und nachdrücklichem Tonfall, daß es Augenblicke gebe, in denen die Anwesenheit eines Premierministers nichts anderes sei als eine infernalische Belästigung." Lloyd George ging nicht an die Front. Mai 1918: „Ich sprach in Nr. 10, Downing Streetz, vor. Dort traf ich den Premierminister, Sir Eric Geddes (damals Generaldirektor der Militäroisenbahnen) und Bottomley (I)" Das Ausrufungszeichen hinter dem Namen des damals noch florierenden, seitdem wegen Betruges und Unterschlagung zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilten und kürzlich nach Verbüßung vou fünf Jahren wieder freigelassenen politischen Ebarlatans und berüchtigten Deutschen- fresscrs rührt von Wilson her. Man kann es verstehen. Wilson bemerkt: „Bottomley redete viel großmäuligen Unsinn." Zweifellos. Das Tagebuch strotzt von guten Dingen sür alle, die den oft heiteren Gegensatz zwischen dem Heldenspiel auf der Bühne und dem Theaterrummel hinter den Kulissen der Weltgeschichte würdigen. Reizend ist zum Beispiel auch die Eintragung vom 30. Mai 1917: „Churchill erzählte mir, Lloyd George sei erpicht auf die Eroberung von Jerusalem, weil das den Walisern Freude machen würde." Lloyd George ist bekanntlich ein Waliser. Pikant ist auch dies h ttober 1919): „Nach der Kabinettssitzung wünschte Lloyd George eine Unterredung mit mir. Wir erörterten mehreres bei einer Tasse Tee. Lloyd George wird keine Reden zu- grinsten des Völkerbundes halten, denn er hat endlich eingesehen, welch ein Unsinn das alles ist." Zuin Schluß, ohne Kommentar, noch eine Eintragung voin 11. November 1918: „Hatte Dinner mit Lloyd George in Nr. 10, Downin" Street. Nur Winston und F. E. Smith (Lord Birkenhead) anwesend. Wir erörterten eine Reihe von Angelegenheiten, hauptsächlich die bevorstehenden Neuwahlen. Lroyd George ist dafür, den Kaiser zu erließen. F. C. ist derselben Meinung. Winston M_d.agLaeL^-_ H e s e > 7 e n x t X X l« ee« x>e» e o»e x c x:»7 > o > 7/lL8MI (kk-sr) 2^o _ LSxo. ^ italienischen „87er", zu viel mußten sie über stch ! ergehen lassen. Gelbkreuzgas, 42-gentimeter-Minen ^ stundenlang, das halten nur österreichische Krieger aus. Steirisches Heldentum hat einen den die Weltgeschichte vermerken wird für eMgg ^ Zeiten, und im innigen, stillen Gebet denken an unsere Braven, die in Flitsch geblieben sind, imd danken hem Herrgott für seinen Schutz. Lang- sam *ommt wieder die Nacht, das - freie Feld ist unser Nachtlager. Mit Minengranaten bestreicht uns der Gegner, doch auch dies verstummt mit der Dunkelheit. Eng aneiandergedrückt, liegen wir in einer Steinrachel, das Zeltblatt über Kopf und Körper gespannt, die Beine im Regen, der milde weiter niedergeht. Bald kommt der Schlaf. Trotz Steinbett und Stahlhelmpolster träume ich von den dunklen Forsten des Bachern, von ruhigen Friedenstagen. Kein schreckliches Kriegsbild stört d-n erauickendsn Schlaf, bis uns die Stimme un- ' fers« Siegel „Dritte» Bataillon Alarm!" in die s rauhe Wirklichkeit ruft und wir untersteirischen Sechsundzwanziger losgehen, um weiter zu siege«. Unaufhaltsam rennen wir weiter, mit uns stets unser verehrter Baonskommandant, Hauptmann Hermann Siegel, kühn und unerschrocken an der s Spitze eines gesammelten Haufens Versprengter von ! allen Kompagnien. Eine Stunde währte der s Straßenkampf, bis wir durch sind, eine Stunde un- ! beschreiblichsten Schreckens in diesem brodelnden Krater, die sekundenweise an unserem Lebensfadon s zerrte. Doch durch sind wir, Flitsch gehört dem 3. Bataillon. Weiter, immer weiter kämpfen wir uns durch, langsam zu einem Häuflein geschmolzen, in diesem furchtbaren Stahlgewitter. Die Ar- tilleristen arbeiten großartig. Immer weiter vor legen sie das Sperrst;' r, um den Anmarsch italienischer Reserven zu vereiteln. Überraschend überwältigen wir paar Leute den italienischen Regimentsstab. Die Verbindung mit links und rechts hat vollkowm-"' aufgehört, keine Ahnung haben wir, wie's bei den andern Baonen zugeht. Allein stehen wir im Nebel und Regen, doch unverzagt geht es vorwärts. Schwächer wird das Ar- tilleriefeuer, nur die weittragenden Geschütze be- arbeiten die Anmarschräume. Stellung um Stellung erstürmen wir, rasten und laben uns an er- beuteten Lebensmitteln. Langsam klärt stch das ganze Durcheinander, der Widerstand wird schwächer und rechts oben bei Pluschne kämpfen unsere Sechsundzwanziger noch hart gegen einen gut kavernierten Gegner, doch untersteirische ^ Tapferkeit und Handgranaten bahnen stch auch hier den Weg unter der Füührung von Major Hakl !und Oberleutnant Trister. Nochmals, bei der dritten Hauptstellung, heißt'» wacker zugreifen, denn hier ist alles heil, hier gab es nur wenig Artilleriewirkung. Doch wir „müssen"! Es ge- lingt, und in Doppelreihen führen zwei Schützen den Gegner ab ins ruhige Hinterland, während l wir Halt machen, da unsere Aufgabe gelöst ist: ! Flitsch unser, der Feind erledigt. Da und dort tauchen versprengte oder verlaufene Teile auf, freudig erregt begrüßen wir uns und können es nicht glauben, daß wir dieser Hölle entronnen sind. „An Ort und Stelle bleiben", ! lautet der Befehl. „Jetzt kommen die andern I dran", sagt unser RegiHientsvater, Oberstleutno»«.! -Freiherr von Paselli. Stolz und dankbare Freude s leuchtet au« seinen Au«n. >1« s c! r c»X t X X c X 5»» Xlk» s o«v x c»i»i! o« IML? 08 I (Krsr) ' ^qo X^zeW Urs mL MM Tis glänzendsten Schlachten der vier Siegesjahve waren die von Tannenberg, von Gorlicr, von Hermannstadt und von Kar- freit. An ihnen konnte sich die Vorstellung, die man aus den Jahrtausenden der Geschichte von glänzenden Siegen geschöpft hatte, fest- halten und erneuern. In dem tage- und wochenlangen Ringen im Westen, im Karst und zuletzt auch im Nord'osten war nichts als der Greuel und Schrecken des neuzeitlichen Krieges zu erblicken, jene vier Schlachten aber, die 1914, 1915, 1916 und 1917 geschlagen wurden, zeigten noch Feldherrn- Und Männertaten alten Stils, über ihnen waltete nicht bloß der blutrünstige Mars, sie waren auch überstrahlt dom goldenen Flügel der Nike. Hundertfach hört man immer wieder, daß der Rückzug aus der schon gewonnenen Schlacht an der Marne den Weltkrieg schon im Anfang entschieden habe. In Wirklichkeit schwankte die Waage des Sieges bis zum Frühjahr 1918? wie Winston Churchill schrieb, war es „ein gleiches Wettrennen bis zum Ende". Churchill sagt weiter: „Schließlich sind wir durchgekommen, weil die ganze Nation unerschütterlich zusammenarbeitete, weil unser Volk kerngesund war. Seien wir dankbar!" Vor allem hat die Uneinigkeit in der Führung der Mittelmächte im Frühjahr 1916, als man zugleich vor Verdun . Und in Welschtirol angriff, mehr zum Endgeschick beigetragen, als das Ereignis an der Marne, und vollends verhängnisvoll war es, daß der Sieg nicht dort geholt wurde, wo er mit Sicherheit zu gewinnen war, in Benetien. Tie in ihren Ausmaßen ungeheure Katastrophe, die Italien getroffen hätte, wenn gleichzeitig mit dem Durchbrach von Tolmein der Vorstoß aus Tirol au dis Piave erfolgt wäre, hätte dis Entscheidung des Krieges ge-j bracht. General Hosfmann, der jüngst ver -1 storbene seinerzeitige Generalstabsches der Ostfront, der anerkannte Sachverständige,! bemerkt in feinem Buch, das den bezeichnenden ^ Titel führt „Ter Krieg der Versäumten Gelegenheiten": „Tie Ostfront hätte um diese Zeit ohne weiteres stärkere Kräfte hergeben können .. . Ter Erfolg läßt sich kaum auS- malen, den man mit der großen Operation hätte erringen können." Zn der Tat, der > sichere Erfolg wäre die Gefangennahme von drei oder mehr Millionen Mann mit etwa 5000 Geschützen und mit Vorräten gewesen, die auf lange Zeit dis siegreichen Heere ernährt hätten. An der strategischen Auswirkung eines solchen Sieges wäre kein Zweifel möglich gewesen: die Verbündeten Heere konnten sich durch Oberitalien gegen die Meeralpen zuwälzen und das von Südosten her bedrohte Frankreich wäre zusammengebrochen. Noch waren die Nachwirkungen der Meuterei, die fast die ganze französische Armee im Frühjahr 1917 ergriffen hatte (und die ihrerseits auch die Möglichkeit eines entscheidenden deutschen Sieges geboten hätte) trotz ihrer schonungslos blutigen Unterdrückung durch Nivelle keineswegs behoben, noch war Amerika fern, die Gefahr für den Süden hätte die Widerstandskraft des Landes aufs neue gebrochen. Kriegsgefangene, die dort unten waren, haben den Eindruck mit nach Hause gebracht, daß die Furcht vor dem Einbruch aus Italien keine Grenzen kannte und gleichbedeutend war mit einer völligen Ergebung in die Niederlage. Im Osten standen nach dem Mißerfolge der bolschewikischen Offensive noch anderthalb Millionen Mann der Verbündeten, ein Drittel davon hätte im Herbst 1917 in Oberitalien den Krieg für hie Mittelmächte gewonnen. Warum kam es anders? General Krafft von Delmensingen, der die ganze Front bis an die Etsch bereiste, um die Möglichkeiten des Durchbruchs zu untersuchen, urteilte im Spätsommer 1917, daß die Vorbereitungen in Tirol drei Monate, die bei Flitsch sechs Wochen in Anspruch nehmen würden. Ta entschied man sich für Flitsch — warum nicht für beide Stellen? Ter Angriff brauchte nicht viel später, nur die Vorbereitung früher ange- >setzt zu werden. Wenn man» gewollt hätte, /wäre es natürlich gegangen. Aber man wollte ' nicht. Ludendorff hat offenbar die Sachlage niemals gewürdigt, sein Blick blieb starr auf die Westfront geheftet, an der er später den ' Sieg holen Wollte. Aber, wer die Tinge im österreichischen Lager beobachten konnte, weiß auch nach der anderen Seite Bescheid. Tie ?. u. k. Führung hat im ganzen Krieg nichts drückender empfunden, als die Notwendigkeit, im Südwesten deutsche Kräfte zu Hilfe zu nehmen. Als die acht Divisionen gekommen waren und bis an die Piave mitgesiegt hatten, war der Erfolg nach innen eine Feindschaft zwischen den Verbündeten Truppen, die sich in den widerwärtigsten Formen äußerte. Tie Kunst und der Erfolg der Wühlarbeit waren grenzenlos. Ter Eindruck aber der: hier hatte selbstmörderische Verblendung gewaltet und den Ausgang des Krieges, das Schicksal der Monarchie entschieden. . ,1 > X s c! I c«X»X X c X XÜX X!IX e o x e x c x r»i > o x I^L8?087 (Sk-sr) _ ^LL.^/z Jahren unter gleichem Kommando stehenden Division (Kindt- FML. v. Jesser, Glstbschef Oüstlt. von Raabl) immer wieder verständnisvoll gestützt, am 11. März die Hauptkrast der Bolschewiken bei Razdjelnaja in wohl- vorLeoei'.eiem Angriff zertrümmert. Die von General Mura- miew geleitete Verteidigung Odessas — er verfügte dort über 10.000 Matrosen und zahlreiche Schifssgeschütze und wollte etwa 50.000 Arbeiter zum Kampfe zwingen — hatte durch die Niederlage von Razdjelnaja allen Halt verloren. Am gleichen Tage nahm Obst. Vogel Dasisii genommen und stand vom 12. nachmittags an südwestlich 'Odessa in leichtem Gefechte. Gm, v- Zerdler hatte um 12., durch ivrederholte Bghnunterbrechungen immer wieder aufgehalten, sich Odessa halbwegs' von Razdjelnaja her, genähert. Am 13. früh knüpfte Obst. Vogel, der ohne jede Artillerie den Angriff aus Odessa mit seinen zwei Baonen naturgemäß nicht wagen konnte, mit den Machthabern der Stadt Verhandlungen an, um enpveder die freiwillige Uebergabe zu erreichen, oder doch Zeit zu gewinnen. Gleichzeitig sendete er einen Offizier nach Razdjelnaja, um von,den österreichisch-ungarischen Truppen Verstärkung — speziell Artillerie — anzusprechew Um die Mittagsstunde' schoß Lt. Peschke unserer Fliegerkompagnie 18 ein Bolschewikenslugzeug ober der Stadt Odessa ab. Um einerseits die Verbindung mit den deutschen Truppe» herzustellen, anderseits sich seinen Abschuß bestätigen zu laßen, ging Lt. .PeMc" beim Det. Vogel nieder. Obst- Vogel beglückwü»W Zeit rückte Obst. Vogel in die Stadt ein und bezog den ! ihm von FML. v. Jesser zugewkessenen Ortsteil. Ein ! Berbindungsofsizier meldete sich beim KorpSgeneralstabSchef ! und avisierte auch das baldige Eintreffen des Korpskmdten. >G. d- I. Ko sch, der mit engstem Stabe ebenfalls per Auto im Anfahren sek, um das Kommando über alle verbündeten Truppe« zu übernehmen. Um 9 Uhr 30 Min. vormittags traf General Ko sch tatsächlich beim Korpskommandozuge ein. FZM. v. Braun (bedeutend rangiünger wie G. d. I. Kosch) meldete sich beim deutschen Korpskommandrnten, lehnte aber vorerst die . Unterstellung bis zum Einlangen von Befehlen ab, mit der ! Motivierung, die verbündeten Truppen unterständen zwei .verschiedenen Heeressronten, und der momentane Stand — 2k. u. k. Divisionen, 2 deutsche Baone — ließe ein ^ deutsches Oberkommando nicht notwendig erscheinen. Alle weiteren Vereinbarungen wurden von den beiden Korps- GlstbSchesS in vollkonimenstem Einvernehmen getroffen. Das XII. KK. bezog um 1.0 Uhr vormittags das russische Gouvernementsgebäude, de» prachtvollen, von Katharina der Großen erbauten Zarenpalast, am Hafen. Um 2 Uhr nachmittags nahm FZM. v- Bramr über einen Teil der eingerückten Truppen eins Parade ab. Der Anblick der bedeutenden Macht übte auf den unruhigen Teil der Bevölkerung — der ordnungsliebende Teil jubelte den verbündeten Truppen ob der Befreiung vom Bolschewikenjoche" zu —- eine sehr heilsame Wirkung aus, so daß sie sich in der Folge den Anordnungen des Stadtkomdte« FML. v. Jesser, der in den nächsten Tagen mit stimm bewährten Glstbschef Obstlt. v. Raabl schwerste Arbeit hatte, um in das Chaos — es gab drei Regierungen und NÄT berschstdenr Milizen und Legionen — halbwegs Ordnung zu bringen, willig fügte. Draußen aus der Reede lag — eigentlich recht unheimlich — der große russische .Kreuzer. Gm. v. Zeidler brachte Batterien in Stellung und wollte ihn am 15. unter deren Feuer, durch Kampfflieger, dann — unter der Devise „eins Sturmkompagnie kann alles" — durch eins solche des ausgezeichnete» Baons. Maresch in Motorbooten (dis gedeckt durch Hst- großen Molen-chätten-nahe-chsraukEMLU- angreifen lassen. Zum Glück war nur eine Havarie die Ursache seines Zurückbleibens gewesen, am 15. früh war er verschwunden; er hätte uns mit seinen schvereit Geschützen die Hasenanlagen zertrümmern Hünen. Es ivar ein erhebende»- Moment, als der Separatzug .. . . KriegSjahre . ... Schwarzen-Mecr-Kapitale begrüßen dursten. Der Generaloberst brachte Lob und Dank unseres Armeeoberkommandos für Truppe und Führung des XII. Korps. Nach dem Empfange nahm Gf. Kirchbach am Hafen eine Parade über Truppen der bei den bisherigen Operationen so glänzend bewährten Bgde. Gm. v. Zeidler ab. Hier meldete sich auch G. d. I. Kosch. Schon am nächsten Tage verließen dieser mit seinem engsten Stabe wieder per Auto, das, XII. KK. wieder in seinem Operationszug Odessa in nordöstlicher Richtung, zur Fortführung der schon eiugeleiteten weiteren Operationen, die nach vielen, oft recht harten Kämpfen, in Monatsfrist das GLK. Kosch nach Seüastopol, das XII. KK. ins Donez- Kohlengebiet und nahe ans Ostende des Asowschen Meeres gelangen lassen sollten. An 2000 Kilometer — gleich Luftlinie Wien—Madrid — waren von der alten Reichsgrenze her zurückgelegt worden. Nur die 59. Div- FML. v. Pichler und die schost genannte Fliegerkompagnie 18, Rttm. Mayer, hatten den ganzen Vormarsch mitgemacht, sonst hatte das Korps in den weiten Gebieten immer wieder Divisionen zurückgelassen (traten unter nachkommende Kpskmdos), die ihm durch neu nach- und durchrollende ersetzt wurden. So haben schließlich alle 11V» Divisionen der Ostarmee den XII. Korpsverband passiert. Damit war die verläßliche Besitzergreifung Odessas beendet, die dank der hervorragenden Führung der Jäger- brigade und der 30. Division, wie der glänzenden Leistungen unserer Truppen als schöner Erfolg unserer alten Armee dasteht. Aus die weiteren Begebenheiten wich hier nicht «ingegangen. Es sei nur noch erwähnt, daß am 80. März, über noch anr 14. gestellte Bitte des XII. KK. uni Delegierung eines ranghöheren Kommandanten, der zum Kom- mandaten der „Gruppe Cherson" ernannte GO. Gf. Kirch-° ! bach (bisher 4. AK.) in Odessa eintraf. /^i'ksitsi'Irammsi' fllk V/isn Ooieumentation ck/? Zer Feldzug gegen Rumänien. Me bereits hier erwähnt wurde, hatte die militärwffsen- schaftliche Sektion die Absicht, den Besuchern der Vorträge der diesjährigen Bortragssaison wenigstens einen in sich geschlossenen Al schnitt des Weltkrieges, welcher gleichzeitig möglichst alle Arten von Operationen von Kriegsbeginn an enthält, in übersichtlicher und authentischer Weise vorzusühren und durch einen solchen Vortrag zugleich den Rahmen zu schaffen, innerhalb welchem dann die Besprechung besonders intere smter und lehrreicher Details ermöglicht werden kann. Ter Feldzug gegen Rumänien von der rumänischen Kriegserklärung an bis zum Erreichen der Dauerstellung zwischen dem Schwarzen Meers und dem Gebirge am Ostrande Siebenbürgens ist ein solcher Abschnitt. Er enthält alles, was es nur geben kann: überraschende Kriegserklärung und Grenzsichcrung, Kampf um Zeitgewinn, großangelegte Offensivoperationen, Kämpfe um mächtige Gebirgswälle und um nicht minder mächtige Flußlinien, Zusammenwirken von Land- und Flußstreitkcästen, weitans- greifende Kavallerieverwendung, rücksichtslose Verfolgung, Handstreich auf eine große Festung und dergleichen mehr. Der erste Teil dieser Absicht wurde durch die beiden Vorträge des Oberstleutnants a. D- und Staatsarchivdirektors II. Kl- Rudolf Kiszling am 1. und 8. März voll erreicht dank seiner Verwendung während dieses Feldzuges als Generalstabschef einer im Brennpunkte der Ereignisse gestandenen Division und seiner seitherigen Arbeiten. Völlig über dem Stoffe stehend und ihn ganz beherrschend, gelang es dem Vortragenden in kräftigen, knappen, wohlerwogenen Strichen, in welche» kein Satz zu viel und keiner zu wenig war, ein anschauliches und fesselndes Bild dieses ebensi interessanten als lehrreichen Feldzuges zu geben. Durch Zurückgreifen auf die militärpolitische Vorgeschichte- des Krieges, die beiderseitigen Vorsorgen und Operationspläne wurde das Verständnis für die Schilderung der Ereignisse selbst wesentlich erleichtert. Trotz erdrückender Uebermacht — anfänglich ein Verhältnis wie 1:10 — und trotz des Umstandes, daß dis schwer ringenden Mittelmächte, von denen sich außerdem die deutsche Heeresleitung durch die rumänische Kriegserklärung einigermaßen überraschen ließ, die zur Abwehr bestimmten Kräfte erst möglichst spät von den anderen Fronten abzogen und der Abtransport durch das rückständige ungarische und siebenbürgische Bahnnetz wesentlich verlangsamt wurde, gelang es den vorsichtig vorgehenden, größeren Opfern anfänglich ängstlich ausweichenden Rumänen, die sich außerdem in politischer Verblendung aus das heische gehrte Siebenbürgen verbissen, nicht, auch nur entscheidend Raum zu gewinnen, geschweige die Südflanke der österreichisch-ungarischen Ostfront, auf welche es die Entente doch hauptsächlich abgesehen hatte, oder die Verbindung der Mittelmächte mit dem Balkan ernstlich zu bedrohen. Als das beiderseitige Kräfteverhältnis noch kaum das Verhältnis von 1:2 erreicht hatte, schritten die Verbündeten in Siebenbürgen schon zum Gegenangriff, nachdem zuvor Mackensen durch eine kraftvolle Offensive der bulgarischen 3. Armee in der Dobrutscha und Wegnahme der rumänischen Brückenköpfe von Tutrakan und Silistria sich für die (von GO. v. Conrad von Anfang an geforderte und vorbedachte und auch vorbereitete) Offensive verbündeter Kräfte über die Donau entsprechend Ellbogenfreiheit geschaffen hatte. Rasch brach nun die rumänische Offensive in Siebenbürgen zusammen. Die Schlachten bei Hermannstadt, am Geisterwalde und bei Kronstadt befreien das Land und sind zum Teil vernichtende Schläge für den Eindringling, dessen Versuch einer Entlastungs- ofsensive in die Dobrutscha dank des schneidigen Eingreifens unserer Donauflottille bei Rahowo in des Wortes vollster Bedeutung kläglich Schiffbruch leidet, Trotzdem reichen die Kräfte der Verbündeten der noch immer gewaltigen feindlichen Uebermacht gegenüber nicht aus, sich in der Fortsetzung der bisherigen Stoßrichtung im frontalen Nachdrängen den Ueber- gang über den dort breiten und besonders mächtigen Wall der frühzeitig verschneiten transshlvanischen Alpen zu erzwingen. Aber sie fesseln hier und am Ortsrande von Siebenbürgen — hier auch schon gegen zur Rettung des rumänischen Retters herbe teilende Russen — doch so ansehnliche Kräfte des Feindes, daß der auf Rat des GM. Goldbach, des genauen Kenners seiner Heimat, unternommene Stoß GL. v. Kühnes über die schmälste Stelle des Gebirgswalles bei Petroszeny gelingt und hier den Eintritt in die Ebene erzwingt, der in weiterer Folge auch der eineinhalb Divisionen starken rumänischen Orsovagruppe den Rückzug verlegt. Der gleichzeitig durch- eführte Donauübergang der aus Streitkräften aller vier Wer« ündeten gebildeten Donauarmee bei Sistow — ohne der vordrnkenden Arbeit Conrads und ohne seinen Wagemut, der die österreichische Pioniergruppe GM. Gaugl und die Donauflottille bei Preisgabe des Eisernen Tores im Kanal von Belene auswärts Sistows stationierte, in dieser großzügigsn Art unmöglich — bringt den Feldzug auf seinen Höhepunkt. Wohl versuchen es die Rumänen infolge eines Rates des französischen Generals Berthelot, das Schicksal durch ein rumänisches Marnewunder zu wenden und die isoliert erscheinende Donauarmee durch einen umfassend angesetzlen überrcshenden Eegenfloß. nahezu doppelt überlegener Kräfte vernichtend zu schlagen, aber das blitzartige Erfassen der Lage durch den Führer der nördlich stehenden deutschen d. Armee, GL. Fallenhayn, der sich in diesem Feldzuge als. Armecführer voll auf der Höhe zeigt, macht den Umfassenden innerhalb 24 Stunden selbst zum Umfaßten, der nun vernichtend geschlagen wird und seine Rachbarn mit Ln den Strudel der Niederlage hinabzieht. Vergebens suchen starke russ s he Kräfte das Schicksal des Geschlagenen, dessen Hauptstadt nach einem glücklichen Handstreich des Kavalleriekorps Schmettow gegen die Forts ihrer Nordfront verloren geht, zu wenden. Fast ebenso starke russshe Kräfte, als ursprünglich die rumänische Armee betrug, mü.ftn eingreifen, um im Vereine mit den Trümmern der rumänischen Armee in einer Reihe blutiger Nachhutschlachten den Rumänen das Abfließen in die Moldau, nach Bessarabisn zu ermögliche», wo sie unter der Leitung des Generals Berthelot retavliert und mit Hilfe von 180DOO geretteter Rekruten wieder leidlich aufgesüllt wurden. Innerhalb knapper vier Monate hatten die Verbündeten hier ihr Kriegsziel, dis Abwehr offensiv burchzuführen und bis zur kürzesten Verbindung des Schwarzen Meeres mit dem Ostrande Siebenbürgens vorzudringen und hier zur Dauerstellung überzugehen, erreicht. Reiche, für die Fortsetzung des Krieges notwendige Gebiete waren erobert, ein Viertel der rumänischen Divisionen war vernichtet, zwei weitere Viertel derart gelichtet, daft-isis süe lange nicht mehr verwendungsfähig waren und nur ein einziges Viertel vermochte als „rumänische Armee" in der Front. zu bleiben. Der Entente hat der Eintritt der Rumänen in den Krieg statt des erhofften Sieges nur einen anspruchsvollen Verbündeten gebracht, der nun von Rußland ausgiebig gestützt werden mußte, bis dieses nicht zuletzt wegen des rumänischen Mißerfolges selbst zusammenbrach. Das Urteil des russischen Chefs des Generalstabes GL. Alexejew über den Verbündeten, seine Ahnung, daß derselbe Rußland nur neue Schwierigkeiten bringen und damit den Frieden erschweren werde, hatten sich als voll gerechtfertigt erwiesen. Der Feldzug gegen Rumänien nach zwei schweren Kriegs- jahrcn, nach welchen sich auf verschiedenen Gebieten schon schwere Krisen zeigten, nach den unglücklichen Kämpsen an der Ostfront gegen einen zwar nicht kriegserfahrenen, aber frischen, wohlgerüstesen und doppelt überlegenen Gegner war für die verbündeten Kaisermächte eine Glanzleistung allerersten Ranges, vielleicht die glänzendste in diesem Kriege auf dem europäischen Kontinents. Dennoch ist Obstlt. Kiszling der Ansicht, daß der Eintritt Rumäniens in den Krieg als ein Glücksfall für die Mittelmächte zu betrachten sei. Nur dieses Eintreten eines neuen Gegners gab die nötige Operationsfreiheit zu raschen, vernichtenden Operationen, wie sie der Stellungskrieg gegen den übermächtigen Gegner nicht geboten Hütte, der, des moralischen Impulses entbehrend, zu einem langsamen Zerreiben gegen die feindliche Uebermacht geführt hätte. Daß trotz dieser vollkommenen Niederlage das besiegte Rumänim alle Kriegsziele erreicht hat, während seine Uebecwinder zusammen« brachen, gehört nicht in den Rahmen der Schilderung dieses Feldzuges, der in dem Vortragenden einen ebenso beredten wie glänzenden Schilder» gefunden hatte, der sich de» Dank der zahlreichen Zuhörer voll verdient hatte. Kerchnawe. sOr V/ivn votcumsntotion ^Ui8 itltW l^Li^ll Nadle' und Pribreevie' SppsWMZr. Die Ursache -es Weltkrieges. Telegramm des Neuen Wiener Tagblatts. Belgrad, 19. März. Gestern fand in Laibach eine Kundgebung der bäuerlich-demokratischen Koalition statt, in der .Stephan Ra die und Pribicevic sprachen. Radic behauptete, daß die Auslandanleihe die größte Belastung des Staatsschatzes bedeuten würde und datz Jugoslawien durch die Anleihebedingungen unter die Stellung der Türkei unter Abd ul Hamid herabsinke. Schließlich erklärte er, datz die bäuerlich-demokratische Koalition unter der Ministerpräsidentschaft Vukicevic' auf keinen Fall in die Regierung eintreten könnte. Pribicevic kam unter anderm auf die Erklärung Radic' in der Skupschtina zu sprechen, daß Serbien den Krieg hervorgerufen habe. Daraus habe man Radic unberechtigterweise einen Vorwurf gemacht. Ohne Weltkrieg wäre es nicht zur Vereinigung der Serben, Kroaten und Slowenen gekommen. Falls die Serben sich fürchten, sagte Pribicevic, einzubekennen, daß ihr Problem den Krieg verursacht hat, scheue ich mich nicht, vor der ganzen Welt zu erklären, daß die Frage der Südslawen in Oesterreich den Anlatz zum Kriege bildete. ^rb«i»sri«ammsr fOr ^«sn Oolcvmsnkotion 'LL^ / /. ^ /// -/fÄ' Neue Beiträge zur Kriegsschuldfrag Das Buch des Geueralmajors N. V.Steiuitz „Rings um Easauow". Sergei Dmitriijewitsch Sasanow, Rußlands Außen- inister in den entscheidungsschweren Jahren 1910 bis 1916, hat kurz vor seinem Tode unter dem Titel „S echs schwere Jahre" seine Erinnerungen aus der Ministerzeit in deutscher Sprache erscheinen lassen. (385 Seiten. Verlag für Kulturpolitik, Berlin 1927.) Das Buch gewährte einen interessanten Einblick in das Gefühlsleben dieses für das Geschick Europas so wichtig gewordenen Mannes, zeigte ihn aber auch als Politiker von einer Unbelehrbarkeit, die durch die dem Buche vorangestellte Erklärung, keine Geschichte schreiben zu wollen, in nichts entschuldigt werden kann. Denn wer 15 Jahre nach dem Ausbruch, zehn Jahre nach dem Ende des Weltkrieges über dessen Entstehung schreiben will und dabei die schwersten Anklagen gegen den früheren Gegner vorzubringen gesonnen ist, dem ersteht die Verpflichtung, wenigstens einen Blick in die reiche Literatur zu tun, die sich mit dem durchlebten, so bedeutsamen Kapitel geschichtlicher Entwicklung beschäftigt. Wie sehr der inzwischen verstorbene russische Staatsmann gegen diese primitive Pflicht verstoßen hat, ist ihm knapp vor seinein Tode von zwei so gründlichen Kennern des Stoffes wie dem deutschen Geheimrat Friedrich Stieve und dem General der Infanterie Grafen Max Montgelas in ihrem Buche „Ruß- hqnd Md d;ew.Meltkonflikt" (177 Seiten, gleich- fiM Mrkä'F' fachlich vorgehalten worden. Stieve behandelt die weitere Vorgeschichte des Weltkrieges, Montgelas die kritischen Juliwochen 1914. Beide Abschnitte bilden eine zwar knappe, deshalb aber nicht weniger gründliche Abrechnung mit vielen unhaltbaren und auch schon längst widerlegten Behauptungen Sasonows. Dessenungeachtet war es als besonders glücklicher Gedanke zu begrüßen, in einem zweiten Buche „Rings um Sasanow" (186 Seiten, derselbe Verlag, Berlin 1928) noch eine Reihe von Akteuren, von Kronzeugen aus der Zeit der heraufziehenden Katastrophe zu Wort kommen zu lassen. Die Herausgabe dieser überaus aufschlußreichen, quellenkritisch besonders wertvollen Sammlung persönlicher Dokumente wurde — der Leser der „Wehrzeitung" wird es mit besonderer Freude vermerken — dem GM. Pitter v. Steinitz übertragen, der längst — gleich seinen reichsdeutschen Kameraden Montgelas und Schwertfeger — als unübertrefflicher Kenner der diplomatischen Akten der Vorkriegszeit angesprochen werden darf und die profunde Beherrschung des Stoffes auch in dem der Dokumentensammlung vorausgeschickten Geleitwort aufs neue erwiesen hat. Im Einzelnen auf den trotz der Sparsamkeit im Raum sehr reichen Inhalt dieses Geleitwortes einzugehen, ist int Rahmen eines Zeitungsaufsatzes nicht möglich. Zumal die österreichisch-ungarische Politik in den Wochen vor dem Weltkrieg ist in so klarer, übersichtlicher Weise gezeichnet, dah einem die Lektüre dieser paar Seiten das Studium umfangreicher Editionen ersparen kann. Als erster Kronzeuge tritt Graf Berchtold auf. Man greift nach dessen Aufzeichnung umsomehr mit Spannung, als es meiner Erinnerung nach seit dein Kriege das erstemal ist, dah dieser Staatsmann in breiterer Form vor der Oeffentlichkeit das Wort ergreift. Berch- told kannte Sasanow aus der Botschafterzeit in Petersburg persönlich sehr gut und vermag gewisse Sympathien nicht zu verbergen, die ihm der zwar leicht erregbare, aber auch gewinnender Eigenschaften gewiß, nicht entbehrende Mann eingeflößt hat. Dessenungeachtet kann Berchtold nicht umhin, in seinen leider nur 14 Seiten umfassenden Ausführungen die völlig unrichtige und ungerechte Einstellung Sasonows zum österreichischen Problem aufzuzeigen. Sehr glücklich ist die Formel, mit welcher der Autor Sasonows Schiffbruch kennzeichnet: „Hochkonservative Politik im Innern und r.volutionäres Handeln nach Außen: an diesen beiden Extremen und deren unüberbrückbarem Gegensätze ist das alte heilige Rußland mit unerbittlicher Logik zugrundegegangen und hat in fürchterlichem Ringen auch uns mit ins Grab kinetisches Berchtotds, ergänzt durch den fesselnd geschriebenen Aufsatz „Zusammenhänge" die Erörterungen seines Ministers, indem er zugleich auf die Wurzel allen Nebels zurückkommt: „Der Weltkrieg war die Folge des gegen die deutsche Politik gerichteten englischen Bündnissystems, das durch ein weitverzweigtes Netz von geheimen Verabredungen und Bindungen politischer und militärischer Natur immer mehr den Charakter eines Defensivbündnisses verlor und damit zum Werkzeug jener wurde, deren Politik darauf abzielte, die Konjunktur auszunützen und im günstigen Augenblick zum Schlage auszuholen. . ." Sehr wertvoll war es, daß diesen beiden Aufsätzen Botschafter Baron Macchios Gegenüberstellung der österreichisch-ungarischen und russischen Balkanpolitik angeschlossen ist. Allerdings zeigt sich Habei wieder, daß auch in der Politik der Angreifer sehr oft dem Verteidiger von Haus aus überlegen ist. Von Friedrich Graf ^zäpLry, der „Das Verhältnis Oesterreich-Ungarns zu Rußland" beleuchtet, hätten wir vielleicht etwas mehr über seine persönlichen Erlebnisse in der kritischen Juliwoche erwartet. Aus-- sührungen von überzeugender Kraft, reich mit persönlicher Erinnerungen belegt, glänzend geschrieben, bringt Minister Baron Spitzmüller, indem er die Frage „War Oesterreich-Ungarn aggressiv?" in selbstverständlich verneinendem Sinne beantwortet. Weitere Aeußerungen gegen Sasonows Auffassungen haben Jagow, Lucius und den Bulgaren Jotzow zu Verfassern. Äm Schlüsse desBuches kommt Gesandter v. Mesner^ in einem neuestens wieder vielumstrittenen Thema zu- Wort, in der Frage des sogenannten „Wiesner-Dvku-^ mentes", das ist jenes Berichtes, den Mesner, vom' Außen amt nach Sarajevo entsendet, am 13. Juli 1914, nach Wien geschickt hat. Dieser Bericht, der während! des Krieges oder — wahrscheinlicher -- unmittelbar? nachher in die Hände der Entente gekommen ist, wurde von ihr nebst den Eisner-Dokumenten als HauptanKage- material gegen die Mittelmächte verwendet. Man tat es, indem man aus dem mehrere Seiten langen ReferM zwei Sätze herausriß: „Mitwisserschaft serbischer Regierung, Leitung am Attentat oder dessen Vorbereitung und Lieferung der Waffen durch nichts erwiesen oder tauch nur zu vermuten. Es bestehen vielmehr Anhaltspunkte, dies als ausgeschlossen anzusehen?" Dieser Mel--' nung stand vom Anbeginn die Auffassung des FZM. Potiorek gegenüber, der es für unmöglich hielt, „daß nicht zum mindesten eine oder die andere Person der demokratischen Regierung eines so Keinen Landes wie Serbien Kenntnis von der Vorbereitung des Attentates .. . hatte". Die Tatsachen haben Potiorek im weitesten Ausmaße Recht gegeben. Me dessenungeachtet Mesner damals als Jurist, auf Grund der ge- richtsmäUg erhobenen Zusammenhänge zur entgegengesetzten Anschauung kommen konnte, schildert der Gesandte eingehend in seinem Beitrage, der sicherlich als wertvolle Zugabe zur Kriegsfchuldliteratur zu betrachten ist. Alles in allem dürfen wir uns des Buches „Rings um Sasonow", das von einer Reihe österreichischer Autoren bestritten wird und dessen Herausgabe ein hochverdienter Generalstabsoffizier der alten Armee besorgt hat, aufrichtig freuen. . Edmund v. Glaise-Horstenau« ss ^ X s c > m«X t X X c X X!)« Xlk> o o x x c x r»i > o« (Lese) z§sq.A.^q-rä' M M Me». I. In der Schlacht vor Amiens, die am 21. März 1918 begann und am 4. April endete, ist Deutschland zum letztenmal nahe daran gewesen, der Sieger im Weltkrieg zu werden. Captain Wright hat in seiner Broschüre „Wie es wirklich war!", die 1922 erschien, es ausgesprochen und gezeigt, daß Ludendorffs große Offensive damals wirklich dicht vor dem vollen Erfolge, die Entente vor dem militärischen und moralischen Zusammenbruche stand. Haig hatte zu erwägen, wie er seine an die Küste gedrängten Truppen würde retten können und Marschall Petain am andern Flügel wollte schon die Befehle zum Rückzug nach dem Süden ausgeben, wo es die Hauptstadt zu schirmen galt, in die deutsche Geschosse schlugen. Da blieb 14 Kilometer vor dem entscheidenden Punkte, vor Amiens, der deutsche Anlauf liegen und kam nicht mehr vorwärts, Marschall Foch, der in letzter Stunde das Oberkommando über die alliierten Streitkräfte erhielt, vermochte den Stoß durch Truppen, die er auf dem dichten Netz der Verschiebungsbahnen von den andern Frontab- ! schnitten heransührte, aufzufangen. Mehr als seine Kunst tat aber der Mangel an Reserven auf deutscher Seite, die nach der ungeheuren Leistung der Sturmtruppen den Ermüdeten die Arbeit abgenommen hätten. Sechzig Kilometer weit kämvften D sich gegen dis Engländer durch, die zuletzt jede Scholle verzweifelt verteidigten, dann ging es nicht mehr. Hier hat der Fehler Ludendorffs gelegen, der schon vor dem Sturm gegen Amiens auch an einen zweiten Durchbruch bei Armentidres und am Kemmelbsrge gedacht hatte. Dis vierte Armee, die dann am 9. April dort losbrach, um nach 20 Kilometer Raumgewinn ebenfalls zu ermüden, hätte früher als Reserve beim ersten Durchbruch den Sieg entschieden. Aber die Kritik tadelt deswegen die Strategie Ludendorffs keineswegs, denn er konnte den Erfolg des ersten Stoßes nicht so groß berechnen, als er eintrat, und mußte einen zweiten auf ein anderes Ziel vorbereitet halten. Jetzt läßt es sich freilich leicht sagen, daß er besser getan hätte, alles auf die erste Karte zu setzen. Die Kräfte, die im Nordosten Frankreichs für den Entscheidungskampf angesammelt wurden, überstiegen nach dem Ausspruche des Amerikaners Pershing bei weitem dis größte militärische Machtentfaltung, die die Welt bis dahin gesehen hatte. Das deutsche Heer im Westen war damals 140.000 Offiziere und 3,590-000 Mann stark. In der Schlacht vom Ende März standen sich ungefähr gleiche Kräfte, 1,300.000 Gewehre auf jeder Seite, gegenüber. Das Zerstörungsschießen am 21. März begann mit 5200! deutschen Geschützen, in deren Reihen auch eine Anzahl schwerster österreichischer Batterien standen. Die Beute betrug am 30. März 600 englische Geschütze und 50.000 Gefangene. Der Südflügel hielt 85 Kilometer vor Paris. Haig jammerte: „Wenn sie Amiens erreichen, sind wir zur Einschiffung gezwungen, Paris ist bedroht! Der Krieg geht zu Ende, die Niederlage ist da, der Zusammenbruch naht!" Winston Churchill ist ebenfalls Zeuge dafür, daß Deutschland bereits auf Handbreite dem Siege nahegekommen war. Die militärische Leistung jener Tage, insbesondere das Heldentum des deutschen Kriegers, übersteigt jedes Maß der Bewertung. Was durch vier Jahre den Ententeheeren mit den Hilfsmitteln der ganzen Welt nicht gelungen war, ein vollständiger Durchbruch bis nahe zur Zerreißung der gegnerischen Front, das vermochte das Feldheer des blockierten Deutschlands zu vollbringen, nachdem es vier Feinde im Osten und Süden zu Boden geschlagen hatte. Bekanntlich gibt es nicht wenige, von Sachkenntnis nicht beschwerte Kritiker des Weltkrieges, die anders urteilen, als die! militärischen Sachverständigen, die oben schon erwähnt sind, und anders auch als die auf-j richtigen Kriegsgegner, die gewiß um die Sachlage Bescheid wissen. , Etwa im Stile K. F. Novaks wird immer wieder so geschrieben, als wäre die ganze deutsche Kriegführung seit der Marneschlacht nichts als ein langer „Weg zur Katastrophe" gewesen, der durch lauter Meilensteine von Unfähigkeit und Versäumnissen bezeichnet sei. Mit einer derartigen hämischen Kleinlichkeit kann man der Erhabenheit der deutschen Tragödie wirklich nicht gerecht werden. Über alles Maß ungeheuer waren die Leistungen, auch die an strategischer Kunst, die vollbracht wurden, und ungeheuer waren auf der anderen Seite auch die Zrrtümer, die am Ende das Gewicht der Leistungen überwogen, wie sie auch zuletzt in der Laufbahn Napoleons überwogen hat- ten. Nur daß diesem sich keine hämischen Kritiker zu nahen wagen. Wenn man ein Urteil über die tragischen Fehler und Versäumnisse in würdiger Form vernehmen will, dann muß man etwa General Hoffmanns Buch! „Der Krieg der versäumten Gelegenheiten"! befragen, um dann allerdings eine innere Erschütterung zu erfahren, die so aufwüh- ^ lend von keiner anderen Tragödie der Ge-! schichte ausgehsn kann. Dr. U, R.^ ^ ^«z e! 7 c»»»«»e« 7V« v>c> s o « v «e« 7 «i > o« I/lLLMLI (6rsr) §q_U°E ZV. A^gAF ^ MM Me». ' ll. General Max Hoffmann stand nach dem Friedensschluß von Brest-Litowsk uno der auf ihn folgenden Überführung der meisten kampffähigen deutschen Truppen an die Westfront, wo sie Ludendorff zu seiner großen Offensive zusammenballte, noch weiterhin an der Spitze des „Oberkommandos Ost", das jetzt im wesentlichen noch die Aufgabe erfüllen sollte, Zufuhren aller Art nach Deutschland zu bewirken. Während im Westen die erhoffte Entscheidung vorbereitet wurde, mit Zustimmung der politischen Führung des Reiches und des Reichstages, die sich zur Überzeugung genötigt sahen, daß von der Entente und Amerika ein Verständigungsfriede unter erträglichen Bedingungen nicht zu erreichen sei, gelangte der Führer im Osten, der die Entwicklung der bolschewiki- schen Herrschaft mit angesehen hatte, zu folgender Stellungnahme: „Ich vertrat vom Frühjahr 1818 an den Standpunkt, daß es richtig sei, klare Verhältnisse im Osten zu schaffen, d. h. den Frieden aufzusagen, nach Moskau zu gehen, eine andere russische Regierung einzusetzen, ihr bessere Bedingungen, als der Friede von Brest-Litowsk gab, zu. gewähren — man konnte ihr z. B. in erster Linie Polen zurückgeben — um mit dieser neuen russischen Regierung ein Bündnis zu schließen. Irgendwelcher Verstärkungen an Truppen hätte der Osten dazu nicht bedurft... die wenigen Divisionen, die noch zur Verfügung standen, hätten zur Durchführung genügt. Eine rote Armee hatten Lenin und Trotzki damals noch nicht zur Berfüguug. Rückte man also z. B. in die Linie Smolensk—Petersburg vor, bildete man, hier angekommen, eine russische Regierung, die einfach die Fiktion aussprach, daß der Zarewitsch noch lebe, setzte man sür diesen Zarewitsch einen Reichsverweser ein — ich dachte dabei an den Großfürsten Paul, mit dem der Oberbefehlshaber Ost durch den Oberst Durnowo, des Großfürsten Schwiegersohn, Verbindung ausgenommen hatte — brachte man dann die provisorische Regierung nach Moskau, so wäre es meines Erachtens eine Kleinigkeit gewesen, die bolschewikische Regierung hinwegzufegen... Wie weit solche Ereignisse ihren Schatten nach Deutschland und dem Westen geworfen hätten, muß der Phantasie jedes Einzelnen überlassen bleiben. Unzweifelhaft wäre er riesengroß gewesen... Es wäre wohl denkbar aswessn, mit einem friedlichen Rußland im Rücken, aus dem die ausgehungerten Mittelmächte Lebensmittel und Rohstoffe beziehen konnten, aus die Lösung zu verfallen, im Westen nicht anzugreifen, sondern den En- tent»angriff abzumarten... General Ludendorff hat unzweifelhaft die Möglichkeit — Schaffung geordneter Verhältnisse im Osten, Abschluß eines Bündnisses mit einer neuen russischen Reaierung und Abwarten im Westen — nicht in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen ..." Wenn man solche Belehrungen über die deutschen Versäumnisse, die unabsehbare weltgeschichtliche Folgen in sich trugen, mit fieberndem Herzen auf sich niedergehen fühlt, dann kann man sich des Gedankens nicht erwehren, daß es ein übermächtiges Verhängnis war, das Deutschlands Unheil wollte und es grausam durch tausend Siege immer Näher an den Abgrund schleppte. Mit zwei dbutschsn Taten wäre der sichere Sieg verknüpft gewesen, mit dem Heersturm durch OberitaÜen gegen Frankreich und mit der Wiederaufrichtung Rußlands, die General Hossmann durchführen wollte. Bei der Besprechung der beiden Möglichkeiten sagt Hoffmann, daß Ludendorff weder die eine, noch die andere in den Bereich seiner Überlegung gezogen habe. Von der italienischen Gegebenheit wissen wir jetzt, daß sie im deutschen Hauptquartier wohl erwogen wurde, da auck brasst von Delmensingen sie lebhaft em^ahl — aber die Politiker fügten dazu, die italienische Front s.I die einzige, an der das Bündnis mit Kaiser Karl noch hänge, wäre seine Monarchie auch dort des Feindes l'dig, so bekäme Deutschland nur mehr seine kalte Schulter zu sehen, wenn nicht noch Ärgeres. Das konnte im Jahre 1917 wohl stimmen, aber im Frühjahr 1918 war die Monarchie bereits so zerrüttet, daß ihre' Führung angesichts der vier Millionen kampffähiger Truppen, die Deutschland zur Verfügung hatte, die Gefolgschaft nicht hätte aufsagen können. Und eben im Frühjahr 1918 hätte ein von der Gunst des Schicksals geleiteter deutscher Feldherr die Truppen aus dem Osten nicht nach Flandern, sondern an die Brenta und Piave geführt und weiter nach Turin und Genua. Und Amerika wäre zu spät gekommen, um die Verbündeten in Frankreich zu retten. Niemals vorher war der Krieg für Deutschland verloren — am allerwenigsten schon an der Marne, wo der Stillstand ein Glück war, da nur er die Möglichkeit schuf, rechtzeitig Rußland abzuwehren — vielmehr hatte Deutschland trotz allen Kleinmutes seiner politischen Führung den Sieg immer in der Hand bis zu den letzten Märztagen 1918, als Ludendorff, ohne den russischen Glücksfall ausgenützt zu haben, an der falschen Stelle die Entscheidung suchte — und, so nahe er auch dank der Wunderkraft seines Heeres dem Siege kam, ihn eben doch für immer entschwinden sah. Dr. A. R. Hkb«« »«strammer fUr ^Visn Ootrumen»o»ion ^ ^ ^ 7 ? Der IonalMergMg der Verbündeten bei Swistow am 23. und 24. November 181k. Es war eine gar bunt zusammengesetzte Armee, welche am 23. und 24. November des Jahres 1916 den uraltem Völkerweg am südlichsten Punkte der Donau benützte, um unter dem Kommando des deutschen G. d. I. v. Kosch hier über den an 1200 Meter breiten Strom zu setzen, die Rumänen in ihrem eigenen Lande anzugreifen und wenige Tage später ihre vom großen Ktiegsbamneister Brialmont befestigte Hauptstadt in kühnem Handstreich zu nehmen; aber sie hätte dies nie unternehmen können ohne der aufopsernden und vielseitigen Tätigkeit der hier ihren alten Rus neu ergreifenden österreichischen Pioniere und niemals ohne der weit- auÄMmcnden Kühnheit unseres verewigten großen Führers FM. Conrad. Um diesen von ihm von Haus aus propagierten Stoß ins Herz möglich zu machen, waren ausreichende technische Kräfte, der Größe des Hindernisses entsprechendes Material und in Anbetracht der starken rumänischen Donauslotille starke Flußstreitkräfte nötig, und das sonst so arme Ungar» war der einzige Staat der Verbündeten, d. . . alles zur Verfügung stellen konnte. Conrad wagte es, das altes sozusagen auf eine Karte zu setzen. Sechs Wochen vor der Kriegserklärung Rumäniens wurden die sechs SU.-PionierkomPagnien, 1ö SU.-KriegsequiPagen, das Herbert- Brücken material, einige Uußminenzüge, das Brückenbaon und das Gros der Donauslotille samt dem Material für mehrere Dampsfähren sowie eine deutsche Motorbootslotille und ein bulgarisches Pionierbaon im Donauarme südlich der große» Donauinsel Belene, dem sogenannten „Kanal von Belene", versammelt und damit eigentlich ausgespielt. Hätte sich die rumänische Donauslottille bei Turn-Severin gesammelt, um das Eiserne Tor zu sperren, und hätte sie die Feuerübersälle und Fliegerangriffe auf das hier angesammelte Material unter anderem auch durch Treibminenangriffe unterstützt, so hätte dieses vernichtet oder doch ernstlich geschädigt, jedenfalls aber die Gruppe GM. Gaugl von der Heimat abschneiden können. Aber wie immer, so hals auch hier dem Kühnen das Glück. Die rumänische Flottille verkroch sich hinter den 'Donau- barrikaden von Braita und steckte während des ganzen Feldzuges nur einmal ans kurze Zeit und vollkommen erfolglos die Nase heraus. Um den Uebergang durchführen zu können, mußte sich die „Donauarmee" — 2 bulg., 1 deutsche, 1 türk. Ins.-, 1 komb. Kav.-Dion und etliche österreichische Dionen und Batterien, die in vielen Einheiten verteilt waren — erst in der Dobrudscha Ellbogenfreiheit verschaffen. Aber auch unsere Pioniere mußten im Vereine mit einer deutschen Landsturm- kompagnie als Infanterie auftretend die nördlich Swistow gelegene Insel Cingharele nehmen, damit die Minensperre veiMgt werden konnte, welche die Rumänen hinter der gegen Rahowoo zur Zerstörung der dortigen rumänischen Krirgs- brücken ausgefahrenen Donauslottille gelegt hatten. Das Unternehmen gelang. Es war die 2. Kompagnie unseres 5. Pion.-Baons unter Oblt. (heute Major im Bundesheere) Oskar Regele, welche es vollbrachte, zwei schtvere und vier leichte Feldgeschütze eroberte und zwei Offiziere und IM Mann gefangen nahm und so wieder einmal den Beweis erbrachte, was unsere Pioniere auch mit Stutzen und Bajonett leisten können.*) Am 23. morgens soll der Uebergang stattfinden. Dichter Nebel gestattet auf kaum zehn Meter Sicht. Es scheint — außer unseren Pionieren — allen unmöglich, unter solchen Verhältnissen den Strom zu überqueren. Es wird befohlen, den Uebergang zu unterlassen und sichtigeres Wetter abzuwarten. Aber der Befehl erreicht den ersten Staffel nicht mehr. Befehlsgemäß ist er Schlag 6 Uhr morgens abgestoßen und trotz Nebel erreicht er — es ist unter anderen wieder die Kompagnie Regele, die um Cingharele nun schon ganz zu Hause ist — präzise den anbesohlenen Landungspunkt. Bei der Rückkehr ereilt die Pioniere der Einstellungsbefehl, den ihnen der Monitor „Inn" zuruft. Weiter überschiffen oder die Ueberschifften im Stiche lassen oder gar den Versuch zu machen, sie zurückzuholen? Nach kurzer Ueber- legung entschließen sich die Kompagniekommandanten zur Fortsetzung der Ueberschifsung und lassen dementsprechend Meldung erstatten. Das Armeekommando stimmt nach einiger Ueberwindung zu und bald treten unter dem Schutze des Nebels auch die gewaltigen Dampsfähren, die jede vier Baone auf einmal aufnehmen können, in Tätigkeit. Es war freilich nicht leicht, sie bei dem Nebel aus dem Kanal heraus ins freie Wasser zu bringen, aber mit Hilfe der Flottille geht auch dies. Die rumänischen llfersicherungen werden bald geworfen, auch eine dominierende, gute Artilleriebeobachtung sür die Rumänen gewährende Höhe erstürmt, unser Brückenbaon beginnt den Brückenschlag mit den großen Herbert-Schiffen, 22 Stunden später trägt der gewaltige Strom die auch sür schwerste Geschütze fahrbare Herbert-Brücke auf seinem Rücken^ weitere 24 Stunden später ist die ganze Donauarmee, vier Infanterie- und eine Kavalleriedivision mit zahlreicher schwerer Artillerie und den notwendigen TrainS, am nördlichen Ufer und auf dem Vormarsche gegen Bukarest. Es war eine taktische und technische Glanzleistung allerersten Ranges — vielleicht der bestgelungene Donauübergang aller Zeiten. Und unsere Moniere dürfen sich das Verdienst zumessen, ihn durchgeführt, unsere Heeresleitung ihn möglich gemacht und vorbereitet zu haben. Dies ist in großen Zügen der Inhalt des lehrreichen Vortrages, welchen Hauptmann Schübel des Bundesherres im Rahmen der Vortragsreihe „Der Feldzug gegen Rumänien" am 28. März im Blauen Saale des Militärkasinos vor einer alle Plätze füllend«! Zuhörerschaft hielt. Von anschaulichen Skizzen unterstützt, vermochte der Vortragende in freier Rede ein anschauliches Bild dieser militärtechnischen und operativen Großtat zu geben, aus welche stolz zu sein unsere Pioniere allen Grund haben. Und man darf es dem jungen Vortragenden aufs Wort glauben, wenn er versicherte, daß die Pioniere unseres Bundesheeres versuchen werden, sich ihrer Vorfahren würdig zu zeigen. Manches Ereignis hatte ihnen bereits Gelegenheit gegeben, zu zeigen, daß sie von gleichem Holze sind »sie die Pioniere von Swistow und Belgrad. GM. Kerchnawe. *) Details s. Regele „Kriegstagebuch einer österr.-ung. Pionierkvmpagnie" im II. Bande des Werkes „Im Felde unbesiegt" (deutscher Teil) von G. d. I. v. Dickhut-Harrach. >«s c > r e»»»X!«c« fit« »ie» o o « >t ««e«:»: > o« 7 EM 8 I (Lese) f M »ei in, »MU' MMchaW Sz»et Maschas GntMVr»«ge» S«r Kriegaschaldsrage. Man nennt die Literatur über die Vorgänge, die znm Weltkrieg geführt haben, überreich. Kein Zweifel, sie ist so umfangreich, daß sie selbst von dem eifrigsten Forscher Wohl kaum mehr beherrscht werden kann. Wenn man aber unter „überreich" verstanden ! wissen will, daß alles Wesentliche bereits zu- ltage gefördert sei, dann wird man die Welt- kriegsliteratur noch immer nicht „überreich" nennen dürfen. Tie beiden Mittelmachte haben wohl d as wertvollste, weil vielseitigste Material geliefert. In England und Frankreich sind vorwiegend die „Akteure" in dem großen Trama zu Worte gekommen. In Italien hat der Fascismus den ersten Ansah zu Enthüllungen erstickt. In den Bereinigten Staaten ist die „persönliche Darstellung" der „Verantwortlichen" gar bald von einer wissenschaftlichen Betrachtung der Ursachen und Wirkungen abgelöst worden. Manche kleinere Kriegführenden haben über die welt- erschütternden Vorgänge so gut wie gar nichts oder nur wenig gesagt, wie Portugal und Belgien, oder aus naheliegenden Gründen nichts sagen wollen wie Serbien. Noch zwei Staaten, und zwar solche, die ungemein wertvolle Beiträge zur Kriegsschuldfrage liefern könnten, sind im Rückstand geblieben: Bulgarien und die Türkei. Tie einschlägige bulgarische Literatur verzeichnet die Erinnerungen Radoslawows, die türkische Literatur die Denkwürdigkeiten Kemal Paschas als wertvollste, aber ziemlich vereinzelte Veröffentlichungen. Tie türkische Literatur ist nun vor wenigen Tagen um die aus der türkischen Handschrift übersetzten, also zuerst in deutscher Ausgabe (bei K. F. Koehler in Berlin) erscheinenden Denkwürdigkeiten des Marschal-ls Jzzet Pascha — ehedem Chef des Generalstabes, Kriegsminister, Oberbefehlshaber, Großwesir, Außenminister, Innenminister und gelegentlich auch albanischer Thronprätendent — bereichert worden. Dieser abgeklärte Mann hat zur Feder gegriffen, um den Übergang von 'einer autokratisch regierten Türkei unter -Abdul Hamid über einen oligarchisch be- .herrschten Staat unter den Jüugtürken zum modernen Staatswesen Kemal Paschas aufzu- Heigen, zu erklären und zu rechtfertigen. Tie eigenen Erinnerungen unterstützen eine kritische Betrachtung der Ereignisse, die sich während seines bewegten Lebens vor seinen Augen — oft unter seiner Mitwirkung — abgespielt haben. Fällt denn — so lassen uns die Zeitungsnachrichten aus Angora oftmals fragen — das moderne Türkentum vom Himmel, etwa gar vom Himmel Moskaus mit seiner blutigen Morgenröte; scheint nicht der Modernismus im türkischen Volkskörper eine Art chemisches Elixier zu sein, dessen Infusion vielleicht mehr schadet als nützt, das dank der bohrenden Tiefe der Einspritzung zwar Zuckungen auslösk, aber keine Zuckungen, die einer wirklichen Gesundungskrise eigen sind? Jzzet Pascha, ein Repräsentant des albanischen Hochadels, dessen Aufstieg und gelegentlicher Sturz in die hamidische Ära fällt, gibt uns die Antwort. Was schwingt nicht alles in Haupt und Herzen dieses Mannes! Prachtvolles Empfinden für Würde der Person und des Amtes — charakteristisch für die Zeiten patriarchalischer Staatsfügung, deren letzte Reste heute, zum Schmerz vieler Deutscher und der Romantiker der ganzen Welt, in der Türkei wie anderwärts zu Grabe getragen werden! Dazu echter Tiplomatea- geift, hohe ethische Empflndungsweise und eine tiefe, ach so tiefe Vaterlandsliebe! Und dieser Mann, den wir mit vollem Recht, aber mehr im geschichtlichen als im politischen Sinn einen Alttürken nennen dürfen, zollt einer Entwicklung Beifall, die in der Geschichte der Völker nur ein Beispiel — Japan — kennt! Einer Entwicklung, die nicht organisch, evolutionär, aus dem Gewesenen und Gewordenen formend ist, sondern revolutionär die ureigenste und -eigentümlichste Vergangenheit preisgibt und mit einem Ruck zum Nachahmer abendländischer Lebens- und Denkensformen wird. Um das zu können, muß man viel und tief über sich und die Seinen nachgedacht haben. Kemal Pascha hat es getan, Jzzet Pascha tat das gleiche. Dieses Nachdenken führte sie dazu, einen Strich unter die Vergangenheit zu machen, für die Gegenwart und die Zukunft eine neue Seite im Lebensbuch des Volkes und Staates zu eröffnen. Welche Erkenntnisse ihnen aus einer kritischen Betrachtung der Vergangenheit geworden sind? Uns interessiert — wen wollte eS Wunder nehmen? — hauptsächlich: Zu welchem Urteil sind sie über die Teilnahme der Türkei am Kriege und über die Verantwortlichkeit am Weltkriege gelangt? Das Urteil Jzzet Paschas ist ein durchaus selbständiges und deshalb eigenartiges. — Jzzet Pascha hat glückliche militärische Lehrjahre in Deutschland verlebt, ist in Albanien auf Österreich gestoßen, hat mit Talaat der besonderen Bot- schaft angehört, die, vom Sultan knapp vor dem Weltkrieg nach der Krim entsandt, Saso- noff durch den Mund Talaats ein Bündnis anbot, hat in längst vergangenen Zeiten für Großbritannien geschwärmt... Man verzeichnet mit Befriedigung und künstlerischem Genuß den Kampf Jzzet Paschas gegen seine natürlichen Voreingenommenheiten, sein Streben nach unparteiischer Gerechtigkeit. Tiefer Türke nun ist zu dem Schluß gelangt, daß die Entente den Krieg gewollt, Österreich die Gelegenheit hiezu geschaffen hat. Tie politischen Morde, hinter denen Rußland in den letzten Jahrzehnten stand, seine Rüstungen, die Handlungen, Unterlassungen und Reden seiner Verantwortlichen Staatsmänner in der Vorkriegszeit stützen jene Annahme bis zur Beweiskraft. „Tie einzige Großmacht, der es ernstlich darauf ankam, den Krieg zu vermeiden, ist nach meiner Ansicht Deutschland." Es hat viele günstige Kriegsanlässe dorübergehen lassen, sogar die beste Gelegenheit nach Rußlands Niederlage gegen Japan. Es hat vor dem Attentat von Sarajevo eine Verständigung sowohl mit Frankreich als auch mit England angestrebt. Ten Eintritt seines eigenen Vaterlandes ! in den Krieg sieht er als schweren politischen Fehler an. Interessant sind da des Marschalls Enthüllungen über die Vorgänge, die sich in Konstantinopel an den das Schicksal der Türkei bestimmenden Tagen abgespielt haben. Am 2. August wurde das Bündnis zwischen Deutschland und der Türkei geschloffen. Das Abkommen sah vor, daß weder Deutschland noch die Türkei einzugreifen hätten, so lange der Krieg auf Österreich und Serbien beschränkt bliebe. Wenn aber Rußland den Kampf aufnähme, dann waren beide Teile gehalten, in die Vertragspflicht einzutreten. Von dem bewaffneten Eingreifen Rußlands wurde als von einem erwarteten Ereignis gesprochen. Am 2. August war es aber bereits Tatsache geworden. Diese „geschichtliche Untreue" im Vertvagstext läßt sich wahrscheinlich damit erklären, daß das Dokument schon einige Tage früher entworfen worden, aber gewissen Widerständen begegnet ist. Diese Widerstände erklären aber auch, warum die Türkei vorerst eigentlich „vertragsuntreu" wurde. Sie trat nach dem Losschlagen Rußlands gegen Österreich und Deutschland nicht sofort in den Krieg ein. Drei gewichtige Personen waren gegen den Krieg: Said Halim, der Großwesir und zugleich Außenminister, Talaat Pascha, der Innenminister, und Jzzet Mascha, der Marschall. Ten Krieg überstürzten Enver und Kemal Pascha. Es würde hier zu weit führen, den von Jzzet interessant dargestellten Kampf der beiden Parteien zu schildern. Die Friedenspartei wurde nicht in regelrechtem Ministervate, sondern anders besiegt. Das Losschlagen der „Goeben" und „Breslau" im Schwarzen Meere, für das Enver und Kemal die Verantwortung tragen, und der Wunsch Rußlands, die Türkei in den Krieg zu verwickeln, entschieden die Frage. Das Auslaufen der Flotte ins Schwarze Meer ist seinerzeit gegenüber den gemäßigten Mitgliedern des Kabinettes mit „harter Notwendigkeit" begründet worden: „Durch!d>ie Dardanellen kann unsere Flotte nicht auslaufen .. . und das Marmarameer reicht nicht aus, weder für Übungsfahrten und Gefechtsbewegungen, noch um die Jung- mannschaft an den Dienst auf hoher See zu gewöhnen." Wegen des Zwischenfalles, zu dem es im Zusammenhang mit diesen wiederholten Exkursionen ins Schwarze Meer gekommen ist — kommen mußte— fand gerade bei der Zeremonie des Kurban-Bairam-Festes eine erregte Erörterung statt. Einige Minister mißbilligten denVorfall ganz offen und wünschten noch immer, den Frieden zu erhalten. Andere schienen nicht einverstanden zu sein, nahmen aber nicht so offen Stellung. Enver Pascha verschmähte es, zu den Einwendungen Stellung zu nehmen, „aber fein Gesichtsaus-- druck und sein ironisches Lächeln ließen keinen Zweifel über das, was er dachte. Kemal Pascha verhielt sich schweigend und nachdenklich. Nachdem indessen das Gerücht nicht verstummen wollte, er hätte den Kommandanten der Schiffe versiegelt den schriftlichen Befehl mitgegeben, wortwörtlich alle Weisungen des Admirals Souchon auszuführen, mutz man, besonders auch nach seinen Bekenntnissen in den ,Denkwürdigkeiten', glauben, daü er eingeweiht war." Eingeweiht in das, was Enver wollte. . . Nach dem Zwischenfall schnitt jedenfalls die Entente der Friedenspartei die Möglichkeit ab, die Türkei aus dem Kriege herauszuhalten. Tie Gegner stellten Forderungen, die die Pforte ohne Preisgabe der Ehre und der Sicherheit des Reiches nicht erfüllen konnte. Rußland hatte doch auch wegen Konstantinopel den Krieg angezettelt! Said Halim und seine Gesinnungsgenossen hätten also der Türkei auf die Dauer — auch ohne die Aktion im Schwarzen Meere — den Frieden nicht erhalten können. Jzzet Pascha sucht also die Schuldigen an dem Unglück, das der Weltkrieg für die Türkei bedeutete, in den eigenen Reihen. Es gibt natürlich auch in der Türkei Leute, die Deutschland anklagen. An ihre Adresse richtet Zzzet Pascha die noble und so wahre Lehre: „Wenn ein Minister Vaterland und Volk in Gefahr sieht, dann kann er unmöglich aus fremde Unterstützung verzichten. Nur dann verdient ein Staatsmann Vorwürfe. wenn er die beim Abschluß eines solchen Bündnisses gegebenen Versprechen nicht hält. Hat man aber jemals etwas davon gehört, daß die Deutschen ihr uns gegebenes s Wort nicht einzelnst hätten. . .?" _ ^rtrsitsrkammss kOr V^isn Oolcumenlotkon // 7 ? Rußlands Ansmarschttast gegen Äefterreich-llngärn. Bon General Emil Ratzenhofer. Die ersten Eindrücke sind meist die bleibenden. Die ersten Kriegserlebnisse wirken noch heute mächtig nach, regen die Phantasie am stärksten an; ein Umstand, der durch die nachhaltige Wirkung der Ereignisse der ersten Wochen im Westen, Süden und Osten auch vom wissenschaftlichen Standpunkt berechtigt ist. In Kameradenkreise spielen daher Gespräche über die Anfangsoperationen in Galizien, Sommer 1914, eine unverändert große Rolle. Trotz aller in der Literatur gebrachten Aufklärungen über die Beweggründe für die großen Entschlüsse bei den ersten Aufmärschen und bei Operations- beginn ist die Anschauung vieler — mir will scheinen beMders jüngerer Truppenoffiziere — unerschüttert, daß! und Versammlung nur nach einem sorgfältigen Plan gewährleistet, daß nur durch ein bis ins Detail vorbereitetes System höchste Schlagkraft und Ausnützung jedes möglichen Zuges erreicht, gleichzeitig jede zu Stockungen, damit zu Verzögerungen führende Ueberlastung vermieden werden kann. Jahr für Jahr wurde bei Herstellung der Mobilisierungsund Aufmarschelaborate um jede Stunde früher erreichter Marschbereitschaft der Truppen, um jeden Tag früher erreichter Operationsbereitschaft der Armeen gerungen. Bis gegen Ende des 19. Jährhunderts nahm man mit Recht an, das Oesterreich-Ungarn dem 33mal so großen, 3mal so volkreichen Rußland n Mobilisierung und Aufmarsch überlegen sei. Und obrvohl 1914 ein Belriebsiilometer Bahn «NsÄL/si: 7 - S.oao.ooo , o c> /E" ein verteidigungsweises Verhalten in Galizien besser entsprochen hätte, als die Offensive gegen die Uebermacht. Wir ioollen auf Grund amtlicher Daten dieses Problem von einem Gesichtspunkt aus betrachten, der bisher noch nicht genügend gewürdigt wurde. Vorausgeschickt sei: Bei allen kontinentalen Großmächten herrschte, nur wenig widersprochen, die Ucberzeugung von der Kürze moderner Kriege und der Wichtigkeit der Anfangsentscheidungen. Demgemäß strebte man mit gesetzlichen und organisatorischen Vorsorgen unter Ausnützung aller technischen Mittel überall nach rascher Mobilisierung und überraschendem Aufmarsch. Bei den aufgebotenen großen Massen und den zu bewältigenden großen Distanzen kam nur selten der Fußmarsch, in der Regel der Bahntransport in Betracht. Dabei führt die Fülle der verschiedenartigsten Transporte, wechselnder Marschbereitschaft aus allen Teilen des Reiches bei einfachster Ueberlegung zur Erkenntnis, daß rasche Aufbietung in Oesterreich-Ungarn auf 15 Quadratkilometer und 1138 Bewohner, in Rußland dagegen auf 320 Quadratkilometer und 2280 Bewohner entfiel, hier ein Bahnwagen für 174, dor! für 338 Menschen Dienste leisten mußte, hatte sich do Verhältnis in den letzten Jahrzehnten vor dem Weltkri durch großzügige Ausgestaltung der russischen Aufmarsch bahnen gegen die Donaumonarchie, vollständig und zu unseren Ungunsten verändert. Für den ersten Aufmarsch der k. u. k. Stveitkräfte gegen Rußland wurden rund 200.090 Wagen, in 4000 Militärzügen formiert, benötigt. Das große Rußland konnte bei gleicher Ausnützung der Volkskraft die 3fache inobile Macht aufbieten und bei Sicherung bedrohter Grenzen in Asien und Aufstellung, starker Kräfte gegen Deutschland, noch immer 8000 Militärzüge voll mobiler Formationen gegen die Monarchie aufmarschieren lassen. Diese Zahlen führen zur weiteren wichtigen Erkenntnis, daß weder die Entfernung, der Mobilisierungsstationen vom Aufmarschraum, noch die Grundgeschwindigkeit der Kriegsfahrordnungszüge, oder die Reisezeit der Einzeltransporte, sondern a u s- schließlich die maximale Durchfluß menge von Bedeutung war, die man in 24 Stunden aus der Summe aller Ausmarschlinien gegen den bedrohten Grenzraum in Bewegung setzen und andauernd in gleicher Stärke aufrechterhalten konnte. Auf diesen Punkt waren daher auch die Bemühungen der Eisenbahnabteilungen der Großmächte gerichtet, allerdings mit sehr verschiedenem Erfolg. Wo die Wehrmachts- intercssen bei den anderen staatlichen Faktoren auf Verständnis stießen, fehlten die Mittel nicht, durch Neubau von Linien, Legung zweiter Geleise nsw., die Anfmarsch» kraft zu steigern. Wo die Militärs die Rufer in der Wüste Waren, wie bei uns, blieb der Ende des 19. Jahrhunderts > erreichte Zustand durch mehr als ein Jahrzehnt vor dem Weltkrieg unverändert. ! Und so war man sich in den Wiener Generakstabsbüros seit langem bewußt, daß die Zeit der rascheren Mobilisierung und Versammlung vorbei, Rußland uns trotz seiner ungeheuren Entfernungen, seiner dünnen Besiedelung und seines im allgemeinen schütteren Bahnnetzes, in dieser Hinsicht weit überflügelt hatte. Mit diesen konkreten Verhältnissen mußte gerechnet werden. Aus dem Sektor Petersburg, Moskau, Kiew, Odessa konnten die Russen, wie die Skizze zeigt, auf fünf zweigeleisigen Linien zu je 40 und weiteren vier eingeleisigen zu je 15 Zügen, zusammen täglich 269 Züge in der Linie. Jvangorod, Lublin, Cholm, Kowel, Rowno, Woloczhsk, Larga vereinen. Das mächtig auSgestaltete Ausladenetz gestattete mannigfaltige Kombinationen der Kräfteverteilung entlang der genannten Linie, die noch durch Fußmarschrokaden nach der Ausladung ergänzt werden konnten. Der russischen Aufmarschkrast konnte, wie bekannt, auf österreichisch-ungarischer Seite nur auf zwei zweigeleisigen und fünf eingeleisigen Bahnen entgegengetreten werden, mit denen im Raume Przemysl, Lemberg, Stanislaw im Maximum nur 153 Züge täglich, vereint werden konnten. Auch hier gestattete die Ausgestaltung des Netzes genügeiche Freiheit in der Gruppierung der Kräfte, aber keine weitere Steigerung der Aufmarschintensität. Aus diesen seit Jahren vor Kriegsbeginn bekannten Zahlen über die beiderseitige Aufmarschkraft, konnte man aber auch noch weiter schließen, daß die Russen bei gleichzeitiger Mobilisierung und gleich langer Vorbereitungszeit zur Aufnahme des vollen Militärverkehrs auf den Bahnen bis 20. Mobilisierungstag bereits 4160 Züge ans Ziel brachten, also bereits so viele Kräfte gegen uns aufmarschieren lassen konnten, als wir überhaupt m der ersten Zeit aufboten. Unser Aufmarsch konnte nicht vor dem 30. Tag beendet sein, zu welcher Zeit die Russen bereits 7020, also um 3020 Züge mehr, (fast das doppelte Quantum), im Anf- marschplan versammelt haben konnten. Während in der Folge eine weitere Steigerung der österreichisch-ungarischen Kräfte unmöglich war, mußte damit gerechnet werden, daß die Russenmacht täglich um 3 bis 4 weitere Divisionen (dem Inhalt von 260 Zügen) zunehmen mußte. Aus dem Grenzverlauf und dem konzentrischen Heran- führen der russischen Aufmarschlinien ergab sich die Gruppierung der überlegenen Russenkräfte im weiten Bogen um die k. u. k. Armeen. Ern vertsidigmmswsifsS-. B o rhatte nr-E- Rücken den 600 Kilometer langen straßen- und ressonrcearmen Karpathenwall, konnte zu beiderseitiger Umfassung der Kräfte . damit zur Gefahr führen, in oder über die Karpathen gedrückt zu werden. Damit wäre ein Raumverlnst verbunden gewesen, in dem ein Sechstel der Wehrkraft wurzelte, in de m si ch die unersetzlichen Napht ha guelle n , der Getreide- und Biehreichtum der Karpathenvvrlande befurchen hätten. Man mußte befürchten, daß bei der Preisgabe dieser Gebiete, die Reichstreue der den Feinden glaubens- und stammverwairdten Polen und Rnthenen einen argen Stoß erleiden müßte. Die säst doppelt- Ueberlegenheit der russischen Aupnaych- kraft in jahrzehntelanger, opfervoller Arbeit irr minder- kultiviertem, räumlich ausgedehntem, dünn besiedeltem Gebiet, ohne intensivem Frievensverkehr erzielt, ist ein unwiderleglicher Beweis des russischen Angriff- Willens, der sich unabhängig von wechselnden Ministerien und Persönlichkeiten elementar Geltung verschafft hätte. Aus dieser Situation ergab sich der Zwang zur offensiven Kriegführung im Nordosten, obwohl Oesterreich-Ungarn dort keine Positiven politischen Ziele, anstrebte und der ällfgezwungenL große Krieg ein Verteidigungskrieg war. Nur rascher Angriff konnte zur Befreiung aus drohender Umklammerung führen. Auf die bekannten Vereinbarungen Marschall 'Conrads mit Generalobersten von. Moltke, soll hier nicht weiter eingegangen werden. —— »srtcammsf sOr VVisn Ooleumsn kotion / unmittelbar vor dem Hause. Auch eine schrille, abscheulich« Zieh- Harmonika klang dazwischen, die für mich Len Eindruck des entfesselten Wahnsinns vervoll- iommnete. In die aufmuntecndcn Ruse mischte sich schon Wehgeschrei, wahrscheinlich von Verwundeten, die Schüsse fielen dichter und dichter, die Kugeln pfiffen fein und dünn, und da klirrten auch schon Glasscheiben. Nun Knall, Scheibcnllirren und ganz finster war'S, noch finsterer al» zuvor..Di« Schüsse waren in die Laternen gegangen. Mir gegenüber hatten dtp Leute die Fenster geschlossen, und nun wurde auch mir- in meinem erleuchteten Fenster unbtz. haglich. Ich löschte das Licht aus, konnte mich aber nicht entschlichen, das Fenster zu schlichen. sondern lehnte mich noch immer zum Fenster I hinaus, stand sogar, um mich Weiler hniaus- ! beugen »nd doch irgend etwa« unterscheiden zu können, fortwährend auf den Zehen. ! Da ging eiligen Schrilles ein Soldat durch! meine Gasse, er lies nicht, aber er machte doch j den Eindruck eines Fliehenden oder eines Geschlagenen auf dem Rückzug. Er schrie lanl: »Au, au!" und »Oj, ti clelclo mosal" (Oh, du mein Mädel!) Immer mehr Scheiben zcrklirrten nuf dem Pflaster, immer mehr Scherben trachten unter den Füsien, das Geschrei hielt an, eS wurde unaufhörlich geschossen und auch die Ziehharmonika tönte weiter, aufpeitschend, vom Wahnsinn getragen. Wahnsinn erregend. „Maschinengrtvskre!" Plötzlich vernahm man Los berüchtigte Knüllern. „Maschinengewehre", sagte ich entsetzt halblaut vor mich hin. lind uns einem Fenster neben mir, du» ich gar nicht sah. klang derselbe gedämpfte SchreckcnSruf: „Maschinengewehre." Ich glaubte nun, daß die Maschinengewehre von der „Ordnung" gegen den „Aufruhr" aus- gefahren worden seien, und diese' Meinung bestätigte sich mir nun noch dadurch, datz jetzt der Lärm nachlieb. Die ganze Masse von schreienden, singenden, schiebenden, heulenden, tobenden Menschen schien sich im Dunkel weiter und weiter zu wälzen und entfernte sich allmählich wie ein Gewitter. Vom Schlafe überwältigt, legte ich mich nieder, cS mag etwa 1 Uhr oder 142 Uhr ge- wesen sein. 8n Sie Wäl-vr zurückgezogen. Am andern Morgen hörte ich zuerst, das; der Bahnhof zerstört, die Schienen aufgerisscn seien, daß kein Zug verkehre. Ich wollte mich aber selbst überzeugen und ging aus. In der Stadt waren alle Geschäfte gesperrt. Dar Pflaster war mit Glasscherben und Splittern bedeckt. Die Stadt Halle ein traucrfeierlicheS Gepräge. Man sah wenig Menschen aus den Straße»; nur Bürger standen in Gruppen beieinander vor dem AmtshauS und vor den andern Häusern. DaS Kaffeehaus an der Ecke war mit Brettern zugcnagelt, nur eine Oeff- nung — fensterlos — war offen; da waren nur zwei Querbalken vorgenagelt. Dort, drängten sich Menschen, um den Leichnam der in der Nacht erschossenen Zahlkellnecin zu sehen, der arg entstellt noch auf dem Fußboden gelegen sein soll — ich habe eS geglaubt, ohne selbst hinciuzuschaue». Man erzählte nun, das Marschbataillon dcS sicHsstznIsu Regiments , .(Krainer^ HSM a» Tage vorher verminderte Brotration bekommen, hätte sich abends geweigert, abznmarschicren, die Offiziere hätten die Revolver gezogen und so sei der Kampf entstanden. Der Schuh — die einen sagen, cs sei ein Explosivgeschoß gewesen, die andern eine Handgranate, die dritten, es seien viele Kugeln aus einem Maschinengewehr gewesen —, der die arme Kellnerin hingcstreckl hat, soll einem Oberstleutnant gegolten haben. Am Vormittag hörte man von sechs Toten, später von acht. Im grohe» und ganze» horte man Aeuße- rniigen der Sympathie mit den Meuterern, die überall die Zivilbevölkerung aiifgcfordcrt haben sollen, iiiltzugehen — und diese« „Milgehen" wurde crustlich genug erwogen. Nur die Plünderungen bei Arme», das sinnlose, blindwütige Zerstöre» von EiiirichtungSgcgcnständcn, daS Vernichten — nicht das Wcgtragcn — von Lebensmitteln, das Berauben des Uhrniachcr- ladcn» wurde allgemein bedauert und mih- billigt. Die Soldaten sollen sich in den Morgenstunden in die Wälder zurückgezogen haben mit dem Versprechen — das andern wieder als Drohung klang —. in der Nacht wiederzu- kommeu. ES lag cige atcmbeklcmmende Stimmung über der Stadt. ML ich mich zu Mittag mit zwei Vertrauensmännern aus den Weg machte, entschlossen. wenn wirtlich kein Zug Verkehren sollte, von Zeltweg über die Stubalm zu Fritz nach Graz zu gehen, da trafen wir aus der Straße vor dem Bahnhof schon eine „bereite Sturmtruppe", etwa achtzig oder hundert Mann mit Blcchhclmen. Der Bahnschaden war bald behoben, und um ein Uhr fuhren schon die Frühzüge durch. Als wir nach Zeltweg kamen, -fand da gerade eine erregte Versammlung statt. Dort gelang er, lokale Forderungen in. den Vorder- grund zu stellen und durch Konzessionen der BetriebSdircktion des dortigen Werkes ! momentan — kaum äußerlich — Ruhe zu schassen. Martha TauSk. s L ! s L » X 1 X »« l k XlLX 2 0 X U X L X s t I I 0 X IE8M8I (Lose) E -IS^"^/>QL»qL^ s^ WWW Ml> Mklg. MAj»-Gr. Albert Ritter. X Dvk^iüngst erfolgte Hingang des Generals Freiherr von Auffenberg-Komarow hat eine Debatte zu kurzem Leben erweckt, deren längere Dauer bis zum richtigen Abschluß dringend zu wünschen wäre. Der Verstorbene, den Oberst Emil Seeliger mit vollem Rechte den größten Heerführer Altösterreichs im Weltkriege kennt (man darf ihm wohl nur den General Krauß zur Seite stellen), hat bei Lebzeiten nicht gewollt, daß sein Name in eine Auseinandersetzung hineingezogen werde, von der die ganze ehemalige Armee berührt werden mußte. Nun aber ist sein Widerspruch überlebt, und es kann auch gesagt werden, daß seine Befürchtung unzutreffend war, die möglichen „Enthüllungen" könnten der Armee in ihrer Gesamtheit schaden. Das Gegenteil ist der Fall, je klarer das ans Licht tritt, was von der Tragödie Aes Heerführers Auffenberg gesagt werden Dann, desto mehr Gewinn hat die historische ^lrmss davon und mit ikr alle einr Änep . ditz. kni letzten Kriege der Habsburger Monarchie) den Rock des Kaisers getragen haben. , - Welches ist die schwerste Belastung für die Erinnerung der österreichischen und ungarischen Krieger der vier Jahre des Todesringens der Monarchie? Auch bei den Deutschen unter ihnen, trotz aller Brudergefühle für den großen Verbündeten, und vervielfacht bei den andern, die überhaupt mit Überzeugung die Waffen trugen und die Erinnerung an die Heldenzeit noch pflegen, war und ist es die Tatsache, daß die habsburgische Armee schon vom Oktober des Jahres 1914 an in sich selbst keinen genügenden Halt mehr hatte, sondern im Osten immer und überall, gegen die drei Feinde im Süden aber in allen Entscheidungen vom Verbündeten unterstützt werden mußte. Mit dieser Belastung ist die k. u. k. Armee sozusagen in die Bergangen- , heit eingetreten, unter diesem Gesichtspunkte schreiben die ehemaligen Gegner über sie, und wenn die meisten reichsdeutschen Historiker und Kritiker des Weltkrieges über den heiklen Punkt schonend hinweggehen, so liegt darin fühlbar eine Art Mitleid, die nicht weniger kränkt, als die offene Anklage der Minderwertigkeit. Es ist eine Ehrensache für alle, die sich noch mit jener alten Armee verbunden fühlen, deren Ruhm im Glanze unsterblicher Führer und zahlloser Siege Jahrhunderte erfüllte, daß die Frage vollständig - geklärt werde, warum es so kam, daß das letzte Heer der Habsburger in hilfsbedürftiger Geschwächtheit seinen Endkampf kämpfen mußte. In der Erklärung wird die Wiederherstellung seines unverdunkelten Ruhmes liegen. In Deutschland häuft sich die Kriegsliteratur zu Bergen, und kein Feldzug und kein Führer, bis zu den berühmtesten Namen, entgeht der unnachsichtlichsten Kritik. Wer sich mit dem Gegenstände einläßlich befaßt, ist daher um so mehr erstaunt, daß eines der wichtigsten Ereignisse der vier Jahre, die Schlacht von Lemberg im September 1914, von den Kritikern geradezu übersehen oder übergangen wird. Es scheint da eine taktvolle Rücksicht gegen den Verbündeten obzuwalten, die allerdings einigen Persönlichkeiten zugute kommt, in ihrer Auswirkung aber eben die Folge hat, daß die ganze k. u. k. Armee , mit dem Makel der Unzulänglichkeit behaftet bleibt. Denn einzig und allein in der Schlacht von Lemberg liegt die Ursache jener Schwäche, die Östererichs ganze weitere Kriegführung begleitete und immer wieder die Gefahr des allgemeinen Zusammenbruches mit sich brachte. * Als die Armee im August 1914 ins Feld rückte, konnte man mit vollem Rechte sagen: schönere Truppen, bessere Soldaten sind auch nicht über den Rhein marschiert! Hätten sie auch in den folgenden Jahren den Kern der habsburgischen Macht bilden können, so hätte immer ein starker Bundesgenosse an Deutschlands Seite gestanden und dann hätten die Ereignisse wohl auch einen andern Verlauf nehmen können, denn wir wissen, daß bis zum Frühjahr 1918 unser Sieg wiederholt in greifbarer Nähe lag. Ganz sinnlos ist es, die Schlacht an der Marne in irgendeinem Sinne als eine Entscheidung anzusehen, denn einmal hätte sie, wäre sie von den Deutschen durchgekämpft und gewonnen worden, den Krieg im Westen auf keinen Fall beendet, und zweitens war der Rückzug für Deutschland keine Schwächung, denn erst auf ihn folgte die ganze Entfaltung der unermeßlichen Kräfte. des-RsrcheL. Wohl aber war Lembera eine nacbwirkende Entscheidung,^ denn die Macht Österreichs hat damals im den ersten Septembertagen eben jenen Stoß! erlitten, von dem sie sich nicht mehr erholen konnte. Generaloberst von Arz sagt es in seinem Buche, daß die Verluste jener Tage unersetzlich geblieben sind. Mit 750.000 Gewehren war man in den Kampf gegangen, mit etwa 350.000 führte man den Rückzug durch und konnte auf ihm in dem engen Raume zwischen der Wisloka und der oberen Weichsel Platz finden. Über 400.000 Gefangene, Tote und Verwundete waren die Opfer eines verkehrten Feldzugsplanes geworden. Faßt man diesen Feldzugsplan ins Auge, so muß man an den Spruch denken: tzusm äsus xarä^rs vult, clsmcmtut! braucht ihn aber nicht mildernd zu übersetzen: Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Blindheit!, sondern darf den Ausdruck „Dementat" im vollen Sinne einer Dementia verstehen. Durch sechs Wochen sollte Österreich-Ungarn, so hatte es Freiherr Conrad von Hötzendorf durch Jahre immer wieder mit Herrn von Moltke besprochen und vereinbart, sich gegen Rußland in der Hauptsache allein halten, nur geringe deutsche Kräfte sollten in dieser Zeit im Nordosten die Grenze decken: dann erst werde, da indessen die Entscheidung im Westen gefallen sein müsse, Deutschland mit ausgiebiger Macht im Osten eingreifen können. Rasch überblickt, hieß das also, daß Conrad vom 10. oder 12. September an auf die volle Mitwirkung des Verbündeten rechnen konnte, wenn dieser bis dahin Frankreich schon niedergerungen haben würde. Die Sache kam aber so: statt daß Conrad überhaupt abwartete, ob der überkühne Schlag gegen Frankreich gelinge, nahm er selbst den Kampf im Osten derart auf, daß dort die Entscheidung schon vor dem 10. September gefallen war. Aber gegen ihn. Österreichs Heer hätte nicht mehr gerettet werden können, auch wenn Deutschland an der Marne den ungeheuersten Sieg erfochten und Frankreich auf dem Schlachtfeld kapituliert hätte! Das deutsche Heer hätte mit Flugzeugen nach dem Osten kommen müssen und Hütte doch das österreichische nicht mehr kampffähig vorgefu.,den. Wie läßt es sich nur verstehen, daß' auch der Feldmarschall Conrad noch in seinen Büchern die Anklage, mit der er schon im September 1914 begann, beständig wiederholte und damit Gehör finden konnte, daß Deutschland ihn gewissermaßen an der Marne verraten, daß es ihn im Stiche gelassen, daß es sein Wort nickt eingelöst und ihn dadurch in die Katastrophe getrieben habe! Man braucht doch nur zu fragen: wo war Conrads Heer an dem Tage, an dem Deutschlands Zusage fällig wurde? Wie ist nun aber der k. u. k. Generalstabschef und allmächtige Führer der kaiserlichen Armee dazugekommen, den Kampf in vollem Umfang und mit aller Macht aufzunehmen, ehe von einem deutschen Eingreifen auch nur im geringsten die Rede sein konnte? Die Antwort heißt: „Dementia!" Es läßt sich keine andere zutreffende Bezeichnung anwenden auf das Unterfangen, mit der k. u. k. I Armee allein und den deutschen Kräften in Ostpreußen, die gesamte russische Macht, die bereits in Polen sich versammelt haben konnte, von Osten her einzvschließen und in die Tasche zu stecken. Und das wollte Conrad in der Tat. Sein Ehrgeiz trieb ihn so hemmungslos, daß er keinen anderen Gedanke-- 'mehr-k an nt e? z tun, ehe die Deutschen kämest, damit er alleiid, als der gewaltige Russenbezwinger dapehe. Sein Plan war demgemäß sehr klar und einfach. Er selbst stößt mit zwei Armeen, der ersten Dankls und der vierten Auffenbergs, insgesamt mit 350 Bataillonen, über Lublin östlich von Iwangorod gegen Siedlce vor und die deutschen Ostkräfte (11 Divisionen waren vereinbart) kommen ihm nach Siedlce entgegen. Dann ist der Sack zugebunden und man treibt alles, was an Russen darin ist, mit Stück und Wagen westwärts in die österreichische Gefangenschaft. Am 28. August drahtete Conrad an Moltke: „Es ist dringend erwünscht, daß ehestens deutsche Kräfte die Gegend von Siedlce und Lukow erreichen, worauf ich immer gerechnet habe, damit wir den Erfolg von Lublin festhalten und unfern östlich von Lemberg kämpfenden Armeen Unterstützung bringen können." Wer das heute liest und dazu die Karte ansieht, den dreht es im Wirbel um die eigene Achse. Selbst der loyalste Kritiker des Septemberfeldzugs muß zugeben: da hat pathologischer Ehrgeiz eine Dementia erzeugt, die in aller Kriegsgeschichte beispiellos ist. Im Norden: gegen Ostpreußen gingen, wie schon aus den Ereignissen zu Mitte August feststand, zwei russische Armeen mit zusammen 27 Infanteriedivisionen und zahlloser Kavallerie vor, denen zuerst 11, dann bis Ende August 18 deutsche Divisionen gegenüberstanden. Diese 11 Divisionen sollten nun, ohne sich um die zwei feindlichen Armen zu kümmern, in deren Rücken südosi- wärts bis 100 Kilometer hinter Warschau marschieren, wohin niemals ein Nachschub, eine Bahnverbindung gereicht hätte! Nen- nenkampf und Samsonow mochten indessen flott nach Berlin weiterrücken! Im Süden: da hatte Conrad allerdings am 13. August auf die Meldung des Obersten Fischer, daß die Armeen Rußki und Iwanow und die Gruppe Brussilow von Osten her im Anmarsch seien, dis Antwort gegeben: „Wie er nur solchen Unsinn melden könne!" Denn die russischen Armeen durften nicht dort stehen, wo sie sich in Wirklichkeit befanden, sie mußten dort sein, wo Conrad sie brauchte, um seinen übernapoleonischen Sieg zu erfechten! Aber am 28. August wußte er es doch schon besser, da war die Aufrollung der Armee Brudermann von Südosten her schon in vollem Zuge — und doch hielt Conrad noch an seiner Wahnidee fest, den Russenfang in Polen durchzusühren. Und er sollte so rasch gelingen, daß man nachher den Kämpfern bei Lemberg noch rechtzeitig zu Hilfe kommen konnte! 4 - i cnxz«i en v i c x o o x u »< L x r L i i o x 7L8: Nun aber erfüllte sich das Schicksal rasch und der Sieger von Komarow wurde das Opfer. Freiherr von Auffenberg hatte am 35. August die Schlacht eröffnst, die nach Anlage und Durchführung die größte Tat war, die Habsburgs Armee im Weltkrieg mit eigener Kraft vollbrachte. Mit der Heranziehung des 14. Korps gewann der Feldherr die Möglichkeit, eine großartige Umfassung anzulegen, die mit jener von Tannenberg vergleichbar ist. Am 1. September war es allerdings nur ein Teilsieg geworden, mit ^ einer Beute von 15.000 Gefangenen und 150 Geschützen, aber die Operation konnte noch ausgreifender weitergehen, wenn nicht die ganze 4. Armee sich auf einmal, statt der weichenden 5. russischen Armee Ewerth gegenüber, im Scheitel eines Einschließungswinkels befunden hätte, den die 3. russische , ArMech-RuM-vM- Osten- W imstürm>isch?m ^Andringen rasch verengte. Da bewährte Auffenberg wiederum seine taktische Meisterschaft; er warf die Front seiner Armee angesichts des Feindes um einen ganzen Halbkreis herum, gegen Norden nur mehr durch das 14. Korps gedeckt, das sich in wahren Heldenkämpfen verblutete. Aber gerade in seinem Winkel war der Druck des Feindes naturgemäß am stärksten angesetzt, ihm war die Umfassung zugedacht, die vom Oberkommando durch seine Wahnstrategie heraufbeschworen worden war. Ehe es zur allgemeinen Katastrophe kam, gelang noch die Einleitung des Rückzuges de* sinnlos ins Verderben geführten Gesamtarmee. Nehmen wir an, daß Conrad sich dem gemeinsamen Kriegsplane sinngemäß angepaßt hätte: Österreich hält durch sechs Wochen die Russen nach Möglichkeit fest, dann kommt die deutsche Hauptmacht und hilft den Krieg gegen Rußland durchführen. Dann hätte die Aufgabe so gelegen: Rußland schickte vier Armeen mit zusammen 45 Divisionen gegen Österreich, dem es den ersten Schlag zugedacht hatte. Plehwe und Ewerth kamen non Norden, Rußki und Iwanow von Osten, später dann auch die Gruppe Brussi- low vom Pruth her. Dieser Macht hatte Conrad mit 34 Divisionen zu begegnen. Unabhängig davon hatte Deutschland sein Ostpreußen zu verteidigen, mit 18 Divisionen 27 abzuwehren. Wie diese Aufgabe gelöst wurde, weiß man. Am 7. September waren beide Armeen, Samsonow und Rennenkampf aus dem Felde geräumt, so gut wie nicht mehr vorhanden. Wäre Conrads Arbeit schwerer gewesen? 34 Divisionen gegen 45 sind doch ein günstigeres Verhältnis, als 18 gegen 27! Und die vier galizischen Armeen kamen in bedeutend größeren: Abstande von- einander «ngerückt, als die Njemen- und die Narew-Armee! Der Sieger von Komarow mußte auf dem Platze stehen, von dem aus der Feldzug geleitet wurde, das beweist sein Sieg: dann hätte nicht ein Lemberg den furchtbarsten Gegensatz zu Tannenberg und Masuren abgegeben. Das Oberkommando fühlte, daß dem so war, darum wühlte es den Mann, dessen Persönlichkeit allein eine unerträgliche Anklage war, zum Sündenbock, zum Träger der Schuld an der Niederlage. Der Generalstabschef aber verbiß sich in eine Phantasievorstellung von versäumten Möglichkeiten, die durchaus pathologisch anmutct. Am 1. Februar 1915 schrieb er an den Grasen Volfras über die Verbündeten: „Daß diese Leute durch ihre große Niederlage in Frankreich die ganze Grundlage des gemeinsamen Krieges zuschanden machten, daß sie durch ihre exzentrischen, offenbar nur die Deckung Ostpreußens in: Auge habenden Operationen (gemeint sind Tannenberg und die Masurenschlacht!) den Erfolg unserer Siege bei Kras- nik, Tomaszow, Komarow zunichte inachten ..., das scheinen sie vergessen zu haben!" Also nicht nur die Marneschlacht, die erst am 9. September entschieden war, sondern sogar Hindenburgs Vernichtungsschläge gegen zwei Fünftel der russischen Gesamtmacht waren schuld daran, daß Conrads Niederlage vom 26. August, dem Tage von Zloezow, durch den Einbruch der russischen Ostarmeen unausweichlich wurde! Man glaubt zu träumen, wenn man solche Sätze aus der Hand ^deS^Mannes liest, dem Österreichs letztes-Ger schMaWertzragt war. K - ' N > .. ttzde'Wltscheidend für die Haltung der Tschechen gegenüber der Man archie, der der Arrriie? rr- j chven .den Pragetz MWiksrn, als - die Gewähr Mr den ZusamiMMuch des ganzen Reiches, und. M-^ZM^EFtelbarHiach ihch SHlaMUHHeilich verfrüht — mit den ge- DetmerWorbereitungen für den Empfang der siegreichen Russen. Diese konnten dann zwar nicht kommen —> aber das Slawentum kehrte auch nicht mehr zu Habsburg zurück. Bei Lemberg blieb die Kraft und die Blüte des aktiven Heeres liegen und konnte nie mehr erseht werden. Das ist die völlig zureichende Rechtfertigung für alle Mangel, die in den folgenden vier Jahren an der k. u. k. Wehrmacht zutage traten. Der Gensralstabschef aber konnte von seiner Idee, in einem großen Schlage das russische MMonenhcer abfungen zu wollen, nicht loskommen. So schrieb'er im gleichen Sinne am 7. April 1915 an den General von Falkenhayn, den deutschen Generalstabschef: „... Ich erlaube mir daher, der Erwägung Eurer Exzellenz nahezulegen, die nächsten deutschen Neuformationen einheitlich gegen Rußland zu verwenden, um hier die schon oft angestrebte und bisher noch nicht erreichte endgültige Überlegenheit zu erlangen und dann auözn- niitzen, den Feind hinter die Weichsel- San-Dnjestr-Linie znrückzuzwingen. Für diesen Zweck hielte ich den Einsatz des Gros der Neuformationen beim deutschen Ostheer für geboten, um durch einen kräftigen Stoß die Bahnlinien Warschau—Bialystok und Warschau—Siedler—Wolkowysk im Rücken von Warschau zu sperren, während, das Festhalten der Karpathenfrönt vorausgesetzt, ein anderer namhafter Teil durch das südliche Ostgalizien im Verein mit der Südarmee und der Armeegruppe Pflanzer-Baltin die linke Flanke des über die Karpathen vordringenden Feindes anzugreifen hätte. Nur durch gleichzeitiges Vorgehen von beiden Seiten der Riesenfront ist dies Ziel zu erreichen, und zwar mit dem geringsten Zeit- aufwande. Dann hätten wir beide freie Hand für andere Ziele und vielleicht auch die Möglichkeit, mit Rußland zu einem Arrangement zu kommen." Also auch im Frühjahr 191b wollte Eonrad die ungeheure Umfassung der noch zahllosen russischen Divisionen ganz von hintenher durchführen — gestützt ganz allein auf die eingeleisige Bahn über den Tatarenpaß nach Kolomca. Am 13. April schrieb Falkenhayn an Eonrad: „Euer Exzellenz wissen, daß ich eine Wiederholung des Versuches, die äußersten russischen Flügel zu umfassen, nicht für angezeigt halte. Ebensowenig vorteilhaft scheint mir eine weitere Verteilung deutscher Truppen auf die Karpathenfront, lediglich um diese zu stützen. Dagegen möchte ich folgenden Operationsgedmcken zu Ihrer Erwägung stellen, bemerke aber, daß ich ihn mit Rücksicht auf die dringend nötige Geheimhaltung selbst in meinem Stabe noch nicht Habs bearbeiten lassen. Eine Armee von mindestens acht deutschen Divisionen wird mit starker Artillerie hier im Westen verfügbar gemacksk" und auf Macsyn—Boch- um dann auf sW-WKsayren ^jnie Gorlice—Gromnik in der allgemeinen Üinie Sanok vorzustoßen ... i Vorbedingung für die Operation bleibt natürlich strengste Meheimhaltung... Ich -setze voraüs^d^^L^^hrw.ÜLN . O pl ' .ra-- .. tionsplan preiszugeben, mit Ihrem ganzen Einflüsse in Wien wirken werden..." Conrad wollte also eine große Umfassung von Nadworna aus, Fälkenhayn wollte (erst am 13. April offenbarte er den Plan!) den Stoß bei Gorlice! Wir haben auf österreichischer Seite die gleiche Tragik vor uns, daß der Generalstabschef durch die Jahre der Vorbereitung hindurch mit einem vermeintlichen Geniegedanken vollständig verwuchs — wie es in Deutschland der Fall war, wo Moltke, statt den 1896 beiseitegeschobenen Plan seines Großoheims wieder hervorzuholen, bei dem an dessen Stelle geschaffenen „Schlieffen- plan" verblieb. Dieser Plan aber wurde Deutschlands Untergang. Mag er militärisch großartig aussehen — er wird ja immer noch bewundert —> er war dennoch ein ungeheuerlicher Wahngedanke, den das leiseste politische Verständnis der Regierung Hütte zuriickweifen müssen. 1870 hatte Frankreich, als es allein stand, nicht kapituliert, obwohl seine ganze Feldarmee und sein Kaiser gefangen waren, der Schlieffenplan aber nahm als sicher an, daß ein Frankreich, das mit dem für unüberwindlich gehaltenen Rußland verbündet war, nach einem Cannae feines ersten Aufgebotes sofort Frieden schließen würde, damit Deutschland ohne Verzug nach Osten marschieren könne! Und der Plan zwang zum Angriff auf Frankreich, das sogar als Angreifender 1870 die Sympathien der ganzen Welt gefunden hatte! Er zwang Deutschland zum Überfall auf Belgien, obwohl kein Staat der Welt mehr Ursache hatte, Völkerrechtsbrüche zu vermeiden, um nicht die Empörung aller Nationen gegen die Barbaren zu entflammen. Als Kaiser Wilhelm am 3. August den Angriff gegen Osten und die Grenzverteidigung im Westen befahl, da fiel Moltke in einen Weinkrampf, um seinen Willen durchzusetzen. An der Marne aber zerfiel sein Plan: wäre er geglückt, so hätte Frankreich sicher nicht kapituliert, denn am 5. September schon hatte es im Londoner Vertrag dem Sonderfrieden abgeschworen, die deutschen Heere hätten also das weite Frankreich erobern müssen, und nie wäre es dann möglich geworden, auch im Osten Krieg zu führen! Die Folgen des Planes aber blieben: der Fluch der ganzen Welt, die Macht der Propaganda, die zuletzt! siegte, der tz 231 von Versailles und der Ver- ^ lust des ganzen Westgermanentums, der LIsl«XzXXek fu« XILX 3llXUXLXstI«0X If.: US: Schweiz, Elsaß-Lothringens, Luxemburgs, der Vlamen und der Holländer für den deutschen Einfluß, dem sie gewonnen gewesen wären, wenn Frankreich angegriffen hätte! Man frage sich nur, wie länge Frankreich imstande gewesen wäre, seine Armee zu vergeblichen Stürmen über die Grenze zu treiben! Die Waage steht also gleich — die von den Generalstabschefs vorbereiteten Pläne brachten über beide Verbündeten das Verhängnis, über die Donaumonarchie schon im Anfänge des Krieges bei Lemberg, über das Deutsche Reich durch das bittere Ende des vierjährigen Heldenkampfes. Der Österreicher soll den Gang der Ereignisse erkennen und verstehen, ohne sick durch falsche Vorstellungen von Felvherrngenie und Führungsprestige blenden zu lassen: dann steht seine Sache im großen und im kleinen gerechtfertigt und er vor der gemeinsamen deutschen Zukunft nicht als der Geringere da. j ii 8 LI I c n X t X X e k fun xiex ll o X u X L X 7 t 7 « o X 7^8MI ( 6 ^ 2 ) ^7A 6. -7<-L<5 ANMM M LMbW. !Edle Erwiderung an Dr. Albert Ritter- ^Der in der „Tagespost" vom 10. Juni 1928 erschienene Artikel ist geeignet, die österr.- nng. Armee des Weltkrieges sowie de'len heldenmütigen Führer Conrad-Hötzendorf in ungerechter Weise herabzusetzen und darf deshalb nicht unwidersprochen bleiben. Daß in jedem Kriege Fehler gemacht werden, ist bekannt und hat seinen Grund darin, daß beide Teile gleichsam Kämpfer mit verbundenen Augen sind. Ebensowenig läßt sich bestreiten, daß im Welt- krieg in der Führung sowohl auf deutscher wie österreichischer Seite und natürlich auch bei den Gegnern Fehler gemacht wurden, deren Besprechung in sachlicher Weise nur von Nutzen sein kann. Wer die Seelenvorgänge eines Truppenkommandanten kennt, der ohne ausreichende Kenntnis der Situation beim Feind unter dem Drange des Augenblicks schwerwiegende Entschlüsse fassen mutz, wird sich aber nur zu einer vorsichtigen und maßvollen Kritik herbeilassen. Ob der Operationsplan des großen Moltke, sich mit der Hauptkraft zuerst gegen die russische Armee zu wenden, besser gewesen wäre, als der wirklich durchgeführte Schliefsensche Plan, läßt sich schwer entscheiden. Für den ersteren spricht die Nähe der russischen Grenze! von Berlin, welche «ine baldige Bedrohung ! der Hauptstadt befürchten ließ, dagegen spricht, daß infolge der großen Räume eine rasche Besiegung der russischen Armee nicht anzunehmen war, so daß die englisch-französischen Armeen die Möglichkeit gehabt hätten, tief in Deutschland einzudringen, bevor ihnen die deutsche HMptkraft - psttgegengestellt werden konnte. Welchem Plan man wählt, ist nicht so wichtig, wie, daß der gewählte Plan gut durchgeführt werde. Und da mutz gesagt werden, daß der Schliefsensche Plan bei der Durchführung verwässert wurde. Der rechte westliche Flügel Wurde zu schwach gehalten und noch mehr geschwächt durch die Entnahme jener Kräfte, welche im September 1914 zum Schutze Ostpreußens dahin entsendet wurden. Der zwischen Österreich-Ungarn und Deutschland vereinbarte Operationsplan zur Bekämpfung der russischen Armee zu Beginn des Krieges war auf einer Voraussetzung aufgebaut, die im Ernstfälle nicht «intraf, nämlich der Annahme, daß die russische Hauptkraft über Warschau gegen Berlin Vordringen werde. Hiernach sollte die deutsche Armee von Ostpreußen gegen den rechten (nördlichen) Flügel der Russen, die österreichische Armee gegen den linken (südlichen) Flügel Vorstoßen, beide in der Direktion gegen Siedler, östlich von Warschau. Dieser schon in den Friedenselaboraten festgelegte Plan wurde im Ernstfall deshalb undurchführbar, weil dis schwache deutsche Armee in Ostpreußen die beiden gegenüberstehenden russischen Armeen nicht ignorieren konnte und weil die russische Hauptkraft aus dem Raum Lublin—Brody-Tarno- pol gegen die österr.-ung. Armeen bei Lemberg Vvrging. Hierüber war man im österr. Hauptquartier ebensowenig orientiert wie darüber, daß die russischen Armeen sich schon seit Monaten gegen Westen verschoben hatten und bei Kriegsausbruch fast kriegsbereit an den Grenzen standen. Es war dies ein großes Versäumnis des militärischen und diplomatischen Kundschaftsdienstes. Bei dieser irrigen Auffassung der Sachlage, in der Hoffnung, auf den noch in der Mobilisierung begriffenen Gegner zu treffen, nach dem Grundsatz, daß die beste Verteidigung der Angriff sei, faßte Conrad den heroischen Entschluß, am vorgefaßten Plan sestzuhalten und gegen Lublin vorzustotzen, bet Deckung gegen den Raum Brody—Tarnopol. Dieser Plan konnte angesichts der Situation und bei der großen Überlegenheit der Russen nicht gelingen, aber wer wollte Conrad tadeln, daß er den Lehren folgte» welche die großen Feldherren aller Zeiten uns gegeben haben? Hiedurch und durch die errungenen Siege bei Krasnik und Komarow steigerte Conrad den kriegerischen Geist und das Selbstvertrauen der österr.-ung. Truppen auf das höchste, imponierte dem Gegner und legte den Grund zu den späteren Siegen wie zum Zusammenbruch der russischen Armeen. Er erfüllte die ihm gestellte Aufgabe, Zeit zu gewinnen bis der Sieg im Westen errungen wäre, zog die russische Hauptkraft aus sich und deckt« dadurch auch Berlin. Daß dabei die österr.-ung. Armee die Hälfte ihres Standes einbüßte, ist richtig, aber ohne Opfer kann man keinen Erfolg erringen. Nach alledem fällt es dem unparteiischen Kritiker schwer, Conrads Entschluß unbedingt zu verwerfen. Ein vorsichtigerer Feldherr hätte sich auf die Defensive verlegt, etwa in den Karpathen und am San; ob dies zu größeren und namentlich zu den moralischen Erfolgen geführt hätte, ist fraglich. Von einer Dementia, Verrücktheit zu reden, ist nur jemandem möglich, der hinterher nach dem Erfolge urteilt und der die Verhältnisse des Krieges, namentlich die moralischen Potenzen nicht kennt. Daß bei der Durchführung dieses Ent-! schlusses Fehler gemacht wurden, soll nicht abgeleugnet werden, und wer Conrads edlen Charakter kennt, wird wissen, daß er eine sachliche Kritik nicht zurückgewiesen hätte. So muß es als ein Fehler betrachtet werden, daß Conrad, nachdem er die Nachricht von dem Vormarsch einer feindlichen Armee über Tarnopol gegen seine rechte Flanke erhalten ^hättet daraus nicht die richtigen Konsequenzen^ zog, daß er der dritten Armee BrudermanN das 14. Korps wegnahm und zur vierten Armee Auffenberg dirigierte, daß er Brudermann anwies, offensiv vorzugehen, und Auffenberg, den geschlagenen Gegner zu verfolgen. Es war dies ein fehlerhafter Kalkül und eine Überschätzung der eigenen Kraft, die sich bitter rächte. Der Geist der Offensive kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, aber den Angriffs als ein Arcanum für alle Fälle hinzustellen,! ist nicht richtig. Diese Lehre war in den letz-z ten Jahren vor dem Krieg der Armee bei»! gebracht worden, hob ihren Geist und ihr Selbstvertrauen, führte aber zu Beginn des Krieges stellenweise zu großen unnötigen Verlusten. Die großen Verluste der österr.-ung. Armee in den Einleitungskämpfen des Weltkrieges hatten zum Teil in diesen Verhältnissen, wie in der Unkenntnis der Kampfweise des Gegners und dessen überlegener Artillerieausrüstung ihren Grund. Es ist aber ganz unrichtig und muß auf das schärfste zurückgewiesen werden, deshalb von einer Unzulänglichkeit der österr.- ung. Armee während des ganzen weiteren Krieges zu sprechen. Daß die österr.-ung. Armee an manchen Stellen durch deutsche Truppen gest ü tzt werden mußte, war in der Übermacht der Feind« begründet. Es war di« höchste Kunst der Kriegführung, di« Reserven bald da, bald dort einzusetzen und so seine Kräfte zu vervielfältigen. Nur dadurch war es möglich, durch vier Jahre auf fünf Kriegsschauplätzen den Krieg mit Erfolg zu führen. Wenn sich im Verlauf des Krieges bei der österr.-ung. Armee hie und da Mängel zeigten, so hatte dies seinen Grund in den ungünstigen Verhältnissen der Friedensorgani- sation wie in den unglücklichen nationalen und sozialen Verhältnissen, Verhältnisse, dis schließlich — wie auch in der deutschen Armee — zum Zusammenbruch führten. Trotzdem hat die österr.-ung. Armee alle ihre Aufgaben erfüllt und durch ihren heldenmütigen Kampf aus fünf Kriegsschauplätzen das Vaterland vor der Invasion des Feindes gerettet! Ob Ausfenberg an Conrads Stelle den Krieg besser geführt hätte, darf bei aller Wertschätzung AuffenbergS bezweifelt werden. Conrad war, was den Charakter anbelangt, der größere und tüchtigere. Die leichtsinnige Unterstellung aber, er hätte die Entfernung AuffenbergS aus egoistischen, neidischen Rücksichten veranlaßt, muß auf das schärfste zurückgewiesen werden. Die Enthebung Aussen- bergs vom Urmeekommando erfolgte auf Antrag des Armeeoberkommandanten Erzherzogs Friedrich, trotz der Einsprache Conrads, aus privaten, dynastischen Gründen. Der Weltkrieg hat Deutschland und Österreich vor eine so schwierige Aufgabe gestellt, daß nur ein großer, genialer Feldherr, betraut mit dem einheitlichen Oberbefehl, imstande gewesen wäre, den entscheidenden Sieg zu erringen. Fehler sind aus beiden Seiten gemacht worden. Lernen wir aus ihnen durch sachliche Kritik, aber vermeiden wir es, diejenigen zu verunglimpfen, die in schwerer ^ Zeit ihr Bestes «insetzten, dem Vaterland zu dienen. Reichen wir uns die Hände, um unser geeintes Volk «rnporzuführen zu jener Höhe, die es verdient. Rud. Chavanne, Gen. d. Jpf. d. R. Ootevmsntotion ^UL8 MIM I/ILKl.^7 Ei« Generalstabswerk über de» Weltkrieg. s Darstellung auf Grund der amtlichen Aktenbestände. Nachdem bereits fast alle kriegführenden Staaten offizielle Darstellungen auf Grund des amtlichen Aktenmaterials über den Verlauf der einzelnen militärischen Operationen während des Weltkrieges herausgegeben haben, wird nunmehr auch Las österreichische Kriegsarchiv ein ähnliches Werk fertigstellen. In einer gestern unter dem Vorsitz des Sektionschefs General Schiebe! im HeeresminisEerium. abgehaltenen Pressekonferenz gab der Direktor des Kriegsarchivs Hofrat Glaise-Horstenau einen Ueberblick über den Inhalt des Werkes. Zunächst betonte er, daß die ganze Darstellung durchaus wissenschaftlich fundiert sein Werde, jedoch die Absicht vestche, das Thema trotzdem so populär wie möglich auszuführen, damit das Werk auch für den nicht militärisch geschulten Leser klar verständlich bleibe. Wie Hofrat Glaisetz orsten au bemerkte, wurde anfangs der Plan in Erwägung gezogen, bloß die Geschichte der deutschösterreichischen Heeresteile zu'schreiben, ein solcher Vorschlag mußte aber aus wissenschaftlichen Gründen abgelehnt werden, da nur eine geschlossene Darstellung der Kampfhandlungen der gesamten österreichisch-ungarischen Armee ein objektiv klares und verständliches Bild von den militärischen Vorkommnissen geben kann. Als Äktenmaterial für den Aufbau des Werkes stehen 50,000 bis 60,000 Faszikel der Armee im Felde zur Verfügung. Schon in den letzten Tagen des Weltkrieges beschäftigte man sich in amtlichen Kreisen mit der Frage der Herausgabe' eines derartigen Generalstabswerkes. Der äußere Umfang wurde damals auf ungefähr 8 0 Bände avgeschätzt. Für eine derartig breite Darstellung sind natürlich heute nicht die Voraussetzungen gegeben, übrigens mutz auch bemerkt werden, daß bei der Natur des Krieges, der auf vielen Schauplätzen in einem langewährenden Stellungskamps versandete, sich öfter Wiederholungen . und Gleichartigkeiten ergaben, die die Lebendigkeit der Darstellung beeinträchtigen müßten. Eine zweite Frage, mit der sich das Kriegsarchiv beschäftigte, war das Problem, bis zu welchem Truppenverband hinabgegangen werden solle. In dieser Hinsicht muß man auch auf die bereits erschienenen Generalstabswerke der ehemaligen Kriegsgegner Rücksicht nehmen, die in der Regel nur bis'zu den Operationen der Divisionsverbände hinabgehen. Durch diese Art der Darstellung wird viel Raum gewonnen, und das ganze Werk wird lebendiger, zumal man auch dank den Veröffentlichungen der italienischen, serbischen und russischen Kriegsakten Zug um Zug die kriegsmäßigen Operationen verfolgen kann. Außer der. geistigen Arbeit der Führung sollen aber auch die psychischen Erlebnisse und die physischen Opfer des einfachen Soldaten wahrheitsgetreu und ohne jede Schönfärberei geschildert werden. Wie Oberst Schubert, der mit dem Verlage des Werkes vom Heeresministerium betraut wurde, ausführte, soll der erste Band, der ungefähr 800 Seiten enthalten wird, in Bälde erscheinen, weshalb die Frist zur Subskription mit Ende September beendigt werden muß. Bei Vorausbestellung beträgt der Preis 25 S, der auch in kleineren Teilbeträgen erstattet werden kann, um den'Ankauf des Werkes Möglichst vielen Kriegsteilnehmern und andern Interessenten z« ermöglichen. ^ MINIMLII'Lr L l i k»x ^ kk; f ii ir voXUttLNsäslä« ^ ie« ^ ? f 511 Krieg und Kriminalität. Franz Exner. „Krieg und Kriminalität in Österreich." Carnegie-Stiftung. Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Weltkrieges. Holder—Pichler—Tempsky, Wien 1927. Im Rahmen der Carnegie-Stiftung ..für den Weltfrieden", dieser Institution des bekannten Dollarmillionärs, wurden in den einzelnen kriegführenden Ländern die Wirkungen erforscht, die der Weltkrieg auf die Kriminalität de: Bevölkerung während deS Krieges und in der Nachkriegszeit gehabt hat. Wenn der Generalherausgeber Shotwell in seinem Vorwort erklärt, dag für die Monographien die einzelnen Verfasser volle Freiheit haben, während sich der Herausgeber nur für den wissenschaftlichen Wert des Werkes verbürgt, so nrug man nach dem Studium des Buches, das der Strafrechtslehrer der Leipziger Universität Franz Ern er hier geschrieben hat, sagen, daß der Verfasser wohl von dem Rechte der „vollen Freiheit" Gebrauch gemacht hat, das; aber der wissenschaftliche Wert zuweilen recht strittig ist. Exner untersucht die Wir- kurigen, die der Weltkrieg aus die Kriminalität der österreichischen Bevölkerung in den Kriegsjahren . und in den unmitielbaren Nachkriegsjahren bis zum Jahre 1923 gehabt hat. Einen großen Teil des Buches- nehmen Zeitungsartikel und willkürliche Schlußfolgerungen ein, die der Verfasser aus diesen Artikeln zieht. Wenn erklärt wird, daß die Zeitungsfälle „der Presse zweier entgegengesetzter politischer Richtungen entnommen seien", so scheint es dem aufmerksamen Leser doch, daß hier alle dummen Schauergeschichten der Nachkriegsjahre aus der bürgerlichen Presse zusammengetragen wurden und der wissenschaftliche Wert des Buches verflüchtigt sich in dem Maße, als man die Absicht und die Gesinnung des- VerfafferS merkt. Für Exner sind die Verbrechen zum größten Teil eine rein ethische Angelegenheit; er ist sich der sozialen Zusammenhänge des Verbrechens nur oberflächlich bewußt. ^>o führt er die Verminderung der Verbrechen in den ersten Monaten nach Kriegsausbruch darauf zuxück, daß diese Zeit „nicht eine Zeit des Verbrechens, sondern eine Zeit der sittlichen Erhebung war". Er muß aber gleichzeitig zugeben, daß „der Beweis für diese Tatsache freilich schwer zu erbringen" ist. Nun findet der Rückgang der Verurteilungen vor den ordentlichen Strafgerichten wegen Verbrechens, die im Jahre 1913 aus ein Drittel des Jahres 1918 zurückgegangen sind, seine Erklärung hauptsächlich darin, daß. die für die Kriminalität wichtigsten Altersklassen der Männer zu Kriegsdiensten eingezogen waren und in der Überweisung gewisser Straftaten an die Militärgerichte. Es beginnt in den nachfolgenden Kriegsjahren ein Anwachsen der Kriminalität in dem Maße, als die wirtschaftliche Not, die Teuerung der Lebensmittel und die Warenknappheit immer mehr zunehmen. Dafür spricht einwandfrei die Tatsache, daß die Verbrechen der Frauen, deren Zahl nicht durch Einrückung verfälscht ist, enorm gestiegen sind. Das ungeheure Elend und der ganze Jammer der Kriegsjahrs und der Nachkriegszeit sprechen aus diesen Ziffern. In den drei Borkriegsjahren (1919 bis 1913) haben Verbrechen begangen durchschnittlich im Jahre: Männer.- 8924 Frauen .1961 Im Jahre 1918 finden wir verurteilte Männer. 6352 Frauen .4245 Am erschütterndsten ist die Tatsache, daß von diesen 4215 verurteilten Fronen 8375 Bücher. 512 das Verbrechen des Diebst« hls begangen haben. Die Zahl der wegen Verbrechen des Diebstahls verurteilten Frauen steigt in den Jahren 1920 und 1921 auf zirka 5000 im Jahre. Die Zahl der Verurteilungen wegen Fruchtabtreibung steigt vom Jahre 1919 von 50 allmählich bis zum Jahre 1923 auf 480. Dazu kommt, datz die Steigerung dieser weiblichen Kriegskriminalität ausschließlich die jungen Jahrgänge der Frauen bis zum 30. Lebensjahr erfaßt. Vernichtend sind die Zahlen, die uns die Wirkungen des Krieges auf die Jugend zeigen. Die Kriminalisten Höpler und KadeLka wissen als reine Formaljuristen nicht genug von der Verwahrlosung der Jugend zu erzählen. Die Statistik dieses Buches aber zeigt deutlich, dah nahezu alle Delikte, , insbesondere die Verurteilungen wegen aller Art Gewalttätigkeiten trotz dem verrohenden Beispiel des Krieges bei den Jugendlichen in den Kriegs jahren sogar im Verhältnis zu den Friedensjahren zurückgegangen sind. NurderDieb- stahl, dieses Verbrechen der Not, hat in den Kriegsjahren und insbesondere in den Nachkriegsjahren eine ungeahnte, erschreckende Hohe erreicht. Die Verurteilungen Jugendlicher wegen Verbrechen des Diebstahls betrügen für das Gebiet von Nen- Osterreich im Jahrs 1913. . . . 1009 1915 . ' . . . 71275 Sie steigen im Jahre 1916. . . . 1971 1917. . . . 2664 1918. . . .3692 1919. 1920 ... . . . .7809 Von 1921 an fallen die Zahlen, im Jahre 1923 sind es 8070 Verurteilungen wegen Diebstahls. Hier gibt Exner ein anschauliches Bild der Ursachen dieser traurigen Erscheinungen. Die Veränderungen im Hause: der Vater eingerückt, die Mutter erwerbstätig, die Kinder aufsichtslos. Er bespricht ausführlich den Antrag, den Glückst im Jahre 1918 im Unterausschuß des Abgeordnetenhauses über die Kriegsschüden in den Volksund Bürgerschulen eingebracht hat und den mit dem Antrag zusammenhängenden Bericht über den Verfall des Schulwesens: die militärische Einberufung der Lehrer, die Verwendung vieler Schulgebäude zu Militärzwecken usw. Drei Vierteln der Schulkinder fehlte die allernotwendigste Nahrung, die Anhaltung der Schulkinder zu den Metall-, Woll- und Kautschutsammlungen, die Prämien, welche die Kinder erhielten, wenn sie Mitglieder zum Roten Kreuz und zur Zeichnung von Kriegsanleihe anwarben, die Verwendung von Kindern zur Fabrikarbeit und von jungen Mädchen zur Nachtarbeit — alle diese verheerenden, demoralisierenden Wirkungen des Krieges werden in Erinnerung gebracht. Berichte über Gerichtsverhandlungen gegen Jugendliche ergänzen das traurige Bild. Gerade die zahllosen Lebensmitteldiebstähle der Jugendlichen beweisen, daß der junge Mensch, der eben mehr Hunger hat, begreiflicherweise seinen Trieb, sich satt zu essen, weniger beherrschen kann. Für die österreichischen Rschtsgelehrten sprechen nur die nackten Ziffern der Verurteilungen; sie betreiben ihre Wissenschaft unbekümmert um die sozialen Bedingungen der Verbrechen. Leider endet die Statistik mit dem Jahre 1923; schon in diesem Jahre zeigt sich eine starke Abwärtsbewegung. Die Kurve fällt zweifellos, trotz der wirtschaftlichen Not der österreichischen Arbeiterbevölkerung, bis zum Jahre 1928 weiter. Die Statistik für diese Jahre, dis schon zum Teil erschienen ist, wird sehr lehrreich sein. Dis Erziehungsarbeit der sozialdemokratischen Jugendbewegung, die auch den Kamps gegen den Alkohol erfaßt, das soziale Werk der Gemeinde Wien und die neue Schule, müssen letzten Endes auch darin zum Ausdruck kommen» datz die jungen, Heranwachsenden Arbeiter der drohenden Gefahr des Verbrechens weniger unterliegen. In einem dankenswerten Kapitel bespricht der ehemalige Oberstauditor Professor Lelsver die Verbrechen der Militär- Personen im Kriege. Die Greuel der Feldjustiz kommen in Erinnerung. Im Feldverfahren konnte bekanntlich das Standrecht und somit die Todesstrafe auf alle Verbrechen gesetzt werden. Todesstrafe wurde beispielsweise wegen' Majestätsbeleidigung, wegen Diebstahl und Veruntreuung über 1000 Kronen verhängt. Standrechtlich verurteilt wurden während des Krieges 754 Militärpersonen der österreichischen Armee. Bon diesen 754 Verurteilten wurden 13 wegen des Alters von nicht über 20 Jahren statt zum Tode zu Freiheitsstrafen verurteilt und vier zu Freiheitsstrafen begnadigt, so daß die Todesstrafe an 7 37 Menschen vollzogen wurde. Aus dem vorliegenden Zahlenmaterial der übrigen Militärgerichtsbarkeit ergibt sich, datz auch bei den Soldaten 50 Prozent aller Verurteilungen wegen Diebstahl und ungefähr 80 Prozent wegen Desertion erfolgten. Interessant ist die Tatsache, daß auf je 100 nichtmilitärische Verbrechen von Militär- Personen 26'9 Prozent auf Vorbestrafte entfielen, während gleichzeitig über ein Drittel der im Felde Ausgezeichneten ebenfalls vorbestraft war. Lelever bespricht auch die Streiks in den militärischen Betrieben und die dadurch begangenen Verbrechen der »Meuterei". Der Streik :m Braunkohlenwerk Seegraben endete mir der Bestrafung von 19 Arbeitern mit Kerkerstrafen bis zu dreieinhalb Jahren. ^Wir erfahren weiter von der Revolte der Häftlinge im Garnisonsarrest Wien wegen Verkürzung der Brotration. 105 Häftlinge wurden angeklagt; die Verhandlung war auf den 6. November 1918 angeordnet und — entfiel. ksLl I e k X z u k k ll o X ^ Lsi I » I I 0 »i »ist.: I^L: Bücher. 513 die Justiz der k. k. Monarchie war bereits zu Ende. Auch dis Tätigkeit der nach dem Umsturz eingesetzten Kommission zur Verfolgung von Pflichtverletzungen, militärischer Organe im Kriege wird geschildert und es ist schon gut, wenn man Fälle in Erinnerung bringt wie zum Beispiel den, daß ein Feld- marschall-Leutnant aus Grund einer kurzen schriftlichen Meldung, daß drei Soldaten in Feindesnähe in betrunkenem Zustand mutwillig herumgeschossen hatten, diese ohne jedes Verfahren niederstechen ließ, obwohl das Militärgericht unmittelbar verfügbar tvar. Der Teil des Buches jedoch, in welchem der Verfasser die „Delikte gegen den Staat" bespricht, ist kaum mehr als ein schlechtes Feuilleton. Hier verliert die Arbeit vollständig ihren wissenschaftlichen Charakter; man gewinnt vor allem den Eindruck, daß der Verfasser während dieser Zeit gar nicht in Österreich gelebt hat, sondern aus schlecht zusammengestoppelten Zeitungsartikeln feuilletonistische Wissenschaft betreibt. Was soll man dazu sagen, wenn Exner über den Prozeß gegen Friedrich Adler nichts Klügeres zu sagen weiß, als daß der sozialdemokratische „Abgeordnete" (Friedrich Adler war nebenbei bemerkt damals gar nicht Abgeordneter) in der Gerichtsverhandlung von den Sachverständigen „für geistig minderwertig aber verantwortlich erklärt ivurde". s In voller Unkenntnis bezeichnet der Verfasser die Schüsse gegen das Parlament am 12. November 1918 als den „ersten, von einer kleinen Gruppe unternommenen schwachen Versuch, die proletarische Diktatur nach russischem Muster für Österreich durchzu-- setzen". Überhaupt wirkt die Beurteilung einer Revolution vom Standpunkt der Strafgesetz- Paragraphen, des Hochverrates, des Aufruhrs und der Störung der öffentlichen Ruhe nur komisch. Dann aber bekommt man vom Verfasser auch neuartige Informationen. Man hört hier ganz neue Dinge. „Volksaufläufe, Hungerkrawalle, Plünderungen von Lebensmittelmagazinen, Hausfriedensbruch und Raub in privaten Häusern sind geradezu an der Tagesordnung" ... „so kam es immer wieder zu Kämpfen mit der Volkswehr, Gendarmerie und Polizei, vorausgesetzt, daß diese Schutzorgane überhaupt, stark genug waren, mit Energie einzugreifen"... „Bürgermeister und Richter werden mißhandelt." ... „Österreich hat sich in den Jahren des Zusammenbruches den Ruf erworben, Eldorado des internationalen. Verbrechertums zu sein." Das ist so eine Blütenlese „der Wissenschaft", in der sich grobe Unwissenheit mit reaktionärer Gesinnung paart. Solange der Verfasser Statistiken darstellt und sachlich erörtert, ist das Buch interessant und wichtig. Aber dort, wo die Wiener bürgerliche Presse das Material und der Herr Professor seine politische Gesinnung beistellen, ist das Werk lediglich ein Beitrag zur Geschickte der bürgerlichen Wissenschaft. " LtwZ-isl. -j« s L I 7 5 « X X X X L « f lj « / 0 0 X U X L X 7 ä 7 ! 0 X ^- 7E8?0LI (krsr) /)er Mwete Mg. ^--^Von Dr. Albert Ritter« Die 26 am Ende des Weltkrieges „Alliierten und Associierten" Staaten begehen nun die Zehnjahrfeier ihres Sieges. Wir werden vernehmen, auf welche Art sie dabei des Gegners gedenken, der schließlich vorhanden sein mußte, damit sie die großen Sieger werden konnten. Vielleicht kündet sich doch eine Wendung der Geister, die nun seit vierzehn Jahren in einer schmachvollen Verirrung liegen, der führenden Geister namentlich, die für die Haltung der Nationen vor der Geschichte verantwortlich sind, zumindest in einem Wandel der Auffassung an, die bisher über den vierjährigen Krieg das Dunkel häßlicher Verkennung breitet. Schicken wir voraus, daß der Weltkrieg in wirksamstem Ausmaß zur Belehrung der Menschheit diente, in dem Sinne, daß er zeigte, wie schlecht es sich lohnt, einen Krieg zu führen. Der Sieger trägt an den Folgen ebenso schwer wie der Besiegte, und am Ende haben beide sich zum Vorteil eines Dritten verblutet. Der Krieg hat so viel Schlamm aus den Tiefen der Menschheit aufgewühlt, daß es langer. Zeit bedurfte, bis einigermaßen Gesetz und Recht und Sitte wieder als notwendige Normen zu Ehren kamen. Von Zufällen in den Entschließungen der Führer hing es ab, ob diese oder jene Partei die Oberhand behielt und wenigstens äußerlich als der Gewinner daständ. Erwägungen solcher Art könnten in aller Zukunft für die Lenker der Völker und Staaten schwerwiegend genug sein, daß sie den Krieg als Mittel der Politik außer Berechnung stellen. Einen Betrug aber begeht die Menschheit an sich selbst, wenn sie den Weltkrieg an sich zu einem abstoßenden Schandmal ihrer Geschichte macht. Er hat uns seine furchtbaren Lehren und Warnungen erteilt, gut, aber er war nicht an sich lediglich ein Greuel, er war vielmehr der wuchtige Abschluß einer vieltausendjährigen Vergangenheit, aus deren Größe wir geistigen Gewinn ziehen, wenn wir auch ihre Denkart nicht mehr teilen wollen. In dieser Vergangenheit war der Krieg nicht geächtet und nicht verachtet, er! hatte im Bewußtsein aller Völker seinen Ruhm und seine Ehre, er war anerkannt als ein mächtiger Hebel der allgemeinen Entwicklung, sa als der Vater aller Dinge. Wenn wir ihn heute in den Pfuhl der Verbrechen schleudern, so ist es doch ein Gebot, daß wir ihm seiner Würde in der Vergangenheit nicht berauben. Der Weltkrieg zumal muß vom Standpunkte eines ruhigen historischen Urteils aus als einer der, nach dem Maßstabe der bis zu seiner Zeit geltenden Anschauung, gerechtesten Kriege anerkannt werden, die jemals geführt wurden. In dem prachtvollen Zweikampf, den 1870—71 die zwei kriegstüchtigsten Völker der Welt gegeneinander schlugen, mußte die Gerechtigkeit es verurteilen, daß der französische Machthaber aus Nuhmgier und Vorherrschaftswahn sein Volk auf das Schlachtfeld trieb, er konnte den Krieg nicht als eine geschichtliche Notwendigkeit verantworten. Im Weltkrieg aber stießen in Wirklichkeit geschichtliche Notwendigkeiten aufeinander, die jede der beteiligten Führungen und der Nationen selbst als gerecht empfanden und ' anerkannten. Rußland war nach den An- ^ schaumigen der Vergangenheit berechtigt, im Namen des Panslawismus zur Befreiung der blutsverwandten Völker, die sich als unterdrückt erklärten, einen Kampf aufzunehmen, ! und nicht weniger erfüllte es ein Gebot seiner ! Geschichte, wenn es den Eroberungszug nach Konstantinopel antreten wollte. Serbien ! hatte alles natürliche Recht für sich, wenn es stach dem Vorbild Piemonts, und Preußens die staatliche Einigung des Südslawentums erstrebte und bereit war, sie mit allen Mitteln zu erkämpfen. Frankreich durfte sich jeder Möglichkeit bedienen, um seine Departements am Rhein, die ihm nach der tiefsten Überzeugung seines ganzen Volkes Wider alles Recht geraubt worden waren, zurückzuholen, Elsaß-Lochringen selbst ließ ihm keinen Zweifel, daß die Wiedervereinigung mit dem Mutterland sein höchster Wunsch wäre, England endlich stand unter dem Gesetz seiner Überlieferung, aus dem seine Größe erwachsen war: daß es jeden emporstrebenden Rivalen, der seine See- und Handelsvorherrschaft gefährden konnte, mit Hilfe einer sicheren Koalition niederringen mußte. Jeder dieser Kriegsgründe war nach der allgemeinen Auffassung, die im ganzen Laufe der Geschichte bis 1914 Geltung hatte, gerecht und konnte vor dem Richterstuhle der Menschheit verantwortet werden. Auf der Seite der von dem vereinten Kriegswillen der genannten vier Mächte ein- LI RNLÄ LL* L rft, wirkliches Recht zu schaffen, Werl seine verderblichen Wirkungen vielfach überwiegen, muß man es doch als eine Schmach kennzeichnen, daß der Weltkrieg im ganzen seiner Ehre und Größe durch die wüste Herrschaft der Lüge entkleidet wurde, die vom ersten Tag an erst erkannte die Welt, welche unermeßliche VoWkraft, einer Naturgewalt vergleichbar, da herausgefordert worden war. Jetzt begann das Schauspiel eines Heldentums auf beiden Seiten, vor dem alle Epopöen der Weltgeschichte zu Nichtigkeiten wurden, das Schauspiel eines Ringkampfes, der die größten Nationen zu den wunderbarsten Leistungen der Tapferkeit, des Todesmutes, der Ausdauer, der Kraftentfaltung emportrieb. Im letzten Krieg, der noch als gerechtes Mitte! der Politik eine ganze Menschheitsperiode abschloß, haben die kämpfenden Nationen die schönsten Tugenden männlichen Kriegertmns, die Jahrtausenden als das Höchsts galten, im erhabensten Glanze geoffenbart. Mag hinter den ringenden Fronten ein noch so endloses Meer von Niedertracht aus den Tiefen der Völker hervorgequollen sein, der Heldenkampf selbst wurde zu einer unvergleichlichen Offenbarung menschlicher Größe. Einig mit allen Wünschen, daß der Krieg uatürlich noch klarer: sie st^^cht z^^eikSm standen m der Verteidigung ,n der Notwehr, ^dlüben Mirkunaen vielkaw überwü An Österreich-Ungarn trat die Frage heran, ob es seinen vierhundertjährigen Bestand ein- . fach den Gewalten preisgeben wolle, die ihren Spielraum für neugestaltende Kräfte for- ^ M behaupte« W.E- noch gar nicht durch die unerwarteten Deu Mand stand nach Westen einerseits der Schwierigkeiten des Siegeslaufes auf Seite L» L'LKELALÄS N« ÄVL L ein Land als Besitz zu verteidigen, das ihm nach seiner Überzeugung rechtmäßig, als altes deutsches Volksgut zu eigen war. Es hätte 1914 nur wenige Stimmen im Reiche gegeben, die nicht den Kampf bis znm letzter für Elsaß-Lothringen als gerecht anerkanni hätten. Nach Osten aber kämpfte Deutschland nach dem Gebote Bismarcks, das ihm die Er Haltung der Donaumonarchie im eigener Lebensinteresse zur Pflicht gemacht hatte. ^ Jedenfalls: der Weltkrieg, der letzte Krieg dem noch keine Verfehmung des Kriegsgedankens an sich vorausgegangen war, ist vom rechter Krieg gewesen, wie kaum ein anderer vor ihm durch den ganzen Lauf der Geschichte. Lüge, die jetzt durch Lord Morley endgültig entlarvt wurde, begann England den Krieg zu schänden, mit der noch frecheren Lüge, daß sie, die Unterjocher der Buren, Ägyptens, Marokkos, an der Seite des Zaren der Welt die Freiheit bringen müßten, fuhren die Westmächte fort» alle Überlieferungen kriegerischer Ehre in den Kot zu treten. Und zuletzt war das große Ringen nur mehr ein Trauerspiel, in dein Helden ohne Zahl und Völker nach .Dutzenden das Schicksal erlitten, durch die /Lüge besiegt zu werden oder nicht durch ihr Heldentum, sondern durch die Macht der Lüge "> ^ siegen. Mit dem schandvollsten Betrug „ c„ . > ... . schloß der Kampf der Waffen ab, in dem zehn Millionen Männer in ehrlicher Überzeugung gesck/chtlrche Notwendigkeit. Er mußte nach ^ Leben geopfert hatten, man entrang einem ??b°Wlich-n B-I!° di- W-M un.« dn archie lange in Empörung geratenen Kräfte unaufschiebbar wurde. Der Weltkrieg war von der Seite der Angreifer her so geplant, daß er nach menschlichem Ermessen ein rascher, sozusagen fast schmerzloser Krieg hätte werden müssen. Die ungeheure Überlegenheit der Massen, über die die Entente gebot, und dazu die englische Blockade, die Mitteleuropa von aller Zufuhr absperren sollte, ließ, wie Grey noch bei der Kriegserklärung glaubte, das bevorstehende Ringen wie einen kurzen Waffengang erscheinen, in dem der rasch Besiegte alsbald die vermittelnde Hand Englands werde ergreifen müssen. Vierzehn Tage nach Kriegsausbruch . . ' , -- .. feierlichen Zusage, daß es damit einen «7LLLÄSL. BÄÄLW?. SSL '-r»«. L dann, sich Wider das eigene Wissen aus die greulichste Lüge stützend, ein Joch der Schande und der Sklaverei aus. Nicht daß sie den Weltkrieg führte, gereicht der Menschheit und ihrer Kultur zur Schande, ebensowenig als jemand in einem früheren Krieg eine Selbschändung der Zeitepoche erblickt hatte. In diesem Kampfe hat unser Geschlecht eine Periode der Geschichte in so erhabener Größe abgeschlossen, daß es auch darin über aller Vergangenheit steht: eine Schande ist es nur, daß dieses Geschlecht zugleich die eigene Größe in einem Meere von Lügen bearub. .! I c n X z«1 e 8 f u 8 VIeX 2 ll X u X L X I z I I o X izs: Die Ehre der zehn Millionen Toten, die ^ nach den Geboten altercrbter heldischst Ge- ^ danken für ihre höchsten Güter ihr Leben ge- ^ opfert haben, erfordert es, daß man allen ^ Erniedrigungen des großen Völkerringens ! Halt gebiete, daß man, gerade wenn es „der letzte Krieg" gewesen sein soll, ihm Ehrfurcht zolle. Es wird zwar nicht der letzte Krieg gewesen sein, aber sicher der letzte, der Ehrf urcht- verdient. __ : 8 s e I I L 8 X 1 X X L 8 ?U8 XILX l) 0 X U X L X s ^ I I 0 X I^8MI (6^2) _ -1«?L ä> MAKO« slVZ Ktk WM. Da» »Neue Wiener Journal'" brachte aus der Feber Viktor von Koerbers unlängst einen Artikel, der den Sturz Falkenhayns von einer Seite beleuchtet, dis der Öffentlichkeit bisher unbekannt war, wozu das interessante Archiv Arnold Rechberg« die Unterlagen bietet. Aus diesen Darstellungen geht mit Deutlichkeit hervor, welche machtvollen Faktoren am Werke waren, um den bisherigen Chef des Generalstabes des deutschen Feldheeres zu stürzen, der solange das Vertrauen seine» Obersten Kriegsherrn genoffen hatte. Freilich in der Armee scheint dieses Vertrauen nie sehr groß gewesen zu sein und ging so ziemlich gänzlich verloren, als dis mit enormen Mitteln an Menschen und Kriegsmaterial angelegte „Hauptaktion" auf Verdun ihr erfolgloses Ende gefunden, eine Aktion, von der sich Falkenhayn nicht weniger versprochen hat als einen Durchbruch des starren Befestigungsgürtel» an Frankreichs Ostfront, ein Erfolg, der, wäre er ihm beschieden gewesen, ihn in die Lage versetzt hätte, den Strom der bei Verdun angesammelten deutschen Kräfte durch das geschlagene Loch gegen Pari» zu leiten und damit die ganze französische Front aufzurollen. Wäre der Coup geglückt, wäre Verdun gefallen, so hätte es wohl keine Macht gegeben, die Falkenhayn den »Leichtsinn" nicht verliehen hätte, mit dem er nach dem so ziemlich allgemeinen Urteil in der Armes seine Hauptaktion auf Verdun unternommen haben soll. Wer Falkenhayn gekannt hat, muß allerdings zugeben, daß er ein gewisses Quantum von leichtem Sinn besaß, vielleicht tatsächlich zu viel, um eine Aktion wie jene von Verdun mit der nötigen Gründlichkeit vorzubereiten, jedenfalls aber gerade genug, um in der Folge als Armeekommandant, z.B. bei Hermannstadt, so ziemlich seinen ganzen Einsatz auf eine Karte zu setzen und damit große Erfolg» zu erziele». Für dt» Beurteilung eine» Feldherrn ist der Erfolg in erster Linie maßgebend, und so kam e», daß der Mißerfolg von Verdun ebenso der eigentlich« Grund für Falken- hayn, Sturz wurde «et« di» spätere» Erfolg» de» Armeefilhrer» Falkenhayn für seinen nochmaligen Aufstieg und seine welthistorische Bewertung. Verdun hatte eben für Falkenhayn nicht sollen sein, was ihn aber keinesweg» hinderte, von der Logik seines Gedankengange» bezüglich Verdun nach wie vor überzeugt zu sein, wa» ich selbst Gelegenheit hatte, im Herbst 191S zu konstatieren, al» er mir über Verdun die Bemerkung macht«: »Und sehen Ei«, Verdun war doch da» Richtige." Ich glaube allerdings kaum, daß sich in der deutschen Armee viele Vertreter dieser Ansicht gefunden hätten. Für die Allgemeinheit trugen die Vorbereitungen hiezu doch den Stempel de» Leichtsinnes. Schon die Idee galt al» wenig erfolgversprechend. Aber selbst sein damaliger k. und k. Amtskollege, der zahlreiche Gründe hatte, Falkenhayn gram zu sein und gewiß nicht zu seinen Freunden zählte, selbst Conrad von Hötzcndorf hätte ihm den Leichtsinn von Verdun verziehen, falls ihm Erfolg beschieden gewesen wäre, denn ein solcher wäre von so entscheidender Rückwirkung auch auf die anderen Fronten geworden, daß wohl kaum an der erfolgreichen Durchführung der Lieblingsidee Conrads zu zweifeln gewesen wäre, durch die Offensive aus Sttdtirol die italienische Armee i in Bsnetien zu vernichten, und zwar ohne direkte Hilfe deutscher Truppen. Tatsache ist nun, daß Falkenhayn — wie aus Rechbergs Dokumenten erwiesen — trotz Verdun nicht so leicht zu stürzen war und daß es hiezu geradezu der Einflußnahme der Kontingentsherren bedurfte. Im September 1916 war Falkenhayn als Chef des Stabes des Feldheeres erledigt, sein Glücksstern schien zu erbleichen, erloschen aber ist er nicht. Ter Eintritt Rumäniens in den Krieg aus Seiten der Entente nötigte zur Ausstellung einer vorwiegend deutschen Armes in Siebenbürgen, bas Kommando erhält der eben erledigte Falkenhayn. In dieser Situation war es mir beschieden, mit Falkenhayn in dienstliche Berührung zu treten, als ich ihm als k. und k. Verbindungsoffizier zugewiesen wurde. Was Falkenhayn in der Folgezeit zu leisten berufen war, was für enorme Erfolge seine neunte Armee erzielt hat, ist zu sehr bekannt, als daß ich die Absicht hätte, mich hier darüber zu verbreiten. Das letzte Viertel des Jahres 1916 hallte zu gründlich vom Waffenruhme der neunten Armee, deren Siegeszug bis an den Sereth führte, Falkenhayns Taten haben ihren Ehrenplatz in der Weltgeschichte gefunden, und wenn Kaiser Franz Josef, bevor er seine müden Augen am 21. November 1916 für immer schloß, noch einen gewissen Trost erleben durfte, so war dies in erster Linie den Erfolgen Falkenhayns zu danken, die ihm wenigstens die Sorge um die Sicherheit Siebenbürgen» nahmen. Als mich die Berufung in Falkenhayns Hauptquartier traf, glaubte ich umsomehr einer recht schwierigen Aufgabe entgegenzugehen, al» ich annehmen konnte, daß Falkenhayn, nach seinem Sturze nicht eben in gehobener Stimmung und das erstemal in persönlichem Kontakt mit k. und k. Truppen, die seiner Armee unterstanden, mir meinen Dienst nicht gerade erleichtern werde, zumal es mir hinlänglich bekannt war, daß seine damalige Einstellung auf Grund seiner zahlreichen Differenzen mit den leitenden k. und k. Organen keineswegs auf Anerkennung unserer Leistungen gestimmt war. Schon V7 meine erste Begegnung mit Falkenhayn jedoch gab mir den Eindruck, daß sich meine persönlichen Beziehungen zu ihm sympathischer gestalten dürften, als ich dachte, und so war es denn auch in der Folge. Falkenhayn unterschied sich von manchen deutschen Generalen sehr vorteilhaft durch Mangel aller Kanten im persönlichen und dienstlichen Verkehr, verstaub es auch sehr, den Charme seiner Persönlichkeit gelegentlich in Liebenswürdigkeit spielen zu lasten, und gewann dadurch unsere Leute leicht für sich. Meritorisch fand er ja manches zu tadeln und anfänglich besorgte er dies auch gerne in einer Art, die erkennen ließ, wie wenig er in die Eigenart unserer Armee und deren komplizierte nationale Zusammensetzung eingedrungen war. Je länger er aber mit k. und k. Verbänden zu tun hatte und je länger er sich auf dem Boden der Donaumonarchie aufhielt, desto mehr konnte ich sein Bestreben sehen, uns Gerechtigkeit widerführen zu lasten und die enormen Schwierigkeiten zu würdigen, mit denen wir im Vergleiche zu den Deutschen zu kämpfen hatten. Das trat ihm einmal sehr deutlich vor Augen, als er eine auf dem Durchmarsch befindliche Marschabteilung besichtigte, die aus öOO Mann fast aller Nationalitäten bestand und von einem ungarischen Reserveoffizier kommandiert wurde, der mit den meisten Leuten nicht reden konnte. Meine beiläufigen Kenntnisse der polnischen Sprache mußten da aushelfen, um den Slawen Falkenhayns Fragen zu übersetzen. 'Cr hat seit damals sein Urteil über Österreich- ^ Ungarn sehr zu unseren Gunsten rektifiziert, jedenfalls läßt das kurz vor seinem Tode erschienene Brich über den Krieg in Siebenbürgen-Rumänien einigermaßen darauf schließen, daß er die Lage bei uns in der Folge richtiger einschätzte. Die bekannten Erfolge der Falkenhaynschen Strategie habe ihm das vielfach verlorene Vertrauen der Armee und ihres Obersten Kriegsherrn wiedergewonnen. Wenn er trotz dieser Erfolge die Charge eines Generalobersten nicht erreichte, so war dies nur darin begründet, daß Falkenhayn, der infolge einer für deutsche Verhältnisse ganz ausnahmsweise raschen Karriere schon mit S4 Jahren General der Infanterie und einer der jüngsten Armeekommandanten war, noch längere Zeit für eine Beförderung nicht in Betracht kommen konnte. Wie sehr Falkenhayn das Vertrauen an höchster Stelle wieder errungen hat, beweist der Umstand, daß er im April 1917, zu einer Zeit, wo man mit einem Vorwärtstragen der Front in Rumänien nicht mehr rechnete, nach Berlin berufen wurde, wo ihn ganz gegen Erwarten und gewiß gegen seinen Wunsch das Oberkommando über dir Bagdad-Front übertragen wurde, die damals aktuellen Wert bekam und infolge der besonders schwierigen Verhältnisse einen Kommandanten von hervorragenden und mannigfaltigen Qualitäten erforderte. Wie sehr sich Falkenhayn der Verantwortung bei Übernahme de» Kommandos bewußt war und wie wenig leichtsinnig er diese Sache .behandelte, wenn ihm jemals Leichtsinn zum Vorwurf gemacht werden konnte, scheint mir au» einem Schreiben hervorzugehen, das Falkenhayn am 3. Juli 1917 aus dem Orient (datiert Heeresgruppe an mich richtete. Darin heißt es „.... wohin der abenteuerliche Weg führt, auf den man mich mit sanfter Gewalt gezwungen hat, weiß ich nicht und weiß wohl auch niemand sonst. Trotzdem soll er ohne Wanken und Zaudern beschritten werden, im übrigen Jnschollah!" .... Falkenhayn hat sich mit orientalischem Fatalismus in das Schicksal gesunden, das ihm allerdings hier nicht mehr günstig war. Oberst a. D. Egon (Baron) BoIfra ^ ä n ö l I I L k X L u k fllk k/ I k ki 0 0 X ^ 7 -s 7 « 0 fjp.: UlX8 ^!M DM8^II 1. 19 A ^7 -k> ^" !" > > AwülMsLrHlo§s. r Das unerhörte Erlebnis des Weltkrieges hat zwangsläufig eine stattliche Zahl von Historikern mobilisiert. .Dis Tragödie! Oesterreichs - übt natürlich einen besonders starken Reiz aus/ Kenn menschliche Tragödien, spielen da in Haupt- und Staatsaktionen hinein; lebte, noch, ein Shakespeare und, hätte unsre Zeit noch Sinn für politische Dramen — welch eine Fülle von, Anregungen, Vorwürfen und Fabeln gäbe das Ende des Habs»! Lurgergsschlechtesl, Mit ! epischer Meisterschaft tritt nur Edmund Glai s e -- HsrstenaU an das Problem der Zertrümmerung Oesterreich-Ungarns heran. *) Der Autor wist keine abschließende Darstellung bieten. Er empfindet selbst, daß das Skalpell des Kritikers in der Hand eines altöfterrerchische» Patrioten Hie und da nicht nötigen radikalen Schnitt ausführen kann. Aber er watzbt in /' ^ GlaiselHorstenau ist innerlich so eng mit seinsm-Merk verbunden, daß selbst die Partien, dis chronologischen Charakter haben, von heißem Miterleberr durchblutet sind. Von der ersten > Seite an wirkt ein immer kräftiger Werdendes Spannungs--! element. Das Werk ist in einem Guß> geformt, so daß es fast ! unmöglich,,ist, irgendein Kapitel herauszuschälen, irgendeine! '«Zpisdds^des^ unerhörten ,Kinaens.., um . ,d-n,,Siea,. -und d-S.j nervengermürbenden Bemühens, die Katastrophe Oesterreichs- -zu verhüten. Auch jene in Oesterreich, die sich-dem Gebote der Geschichte gebeugt haben, werden nicht ohne tiefe Bewegung in dem Buche lesen, mit welch unerbittlicher Wucht, um ein» banales Wort zu gebrauchen, alles schief ging. Wie die! Friedensbemühungen immer wieder scheitern, mit welch un- tauglichen, zumindest unzulänglichen und leider auch unaufrichtigen Mitteln die Angebote und dis, Appells an die Ententemächte und an Amerika angebahnt und durchgeführt Wurden. Mit dem rückhaltlosen Freimut des Wahrheits- suchens wird die Unaufrichtigkeit gegeißelt, mit der die alle» Eingeweihten bald deutlich gewordene Aussichtslosigkeit der militärischen Aktionen verhüllt wurde. Der militärische Fachmann steigert seine Darstellung zu dramatischer Kraft, da er das Debakel der Armee in den letzten Katastrophcntagen mit historischer Treue, zugleich voll tiefsten Mitempfindens mit der Auflösung eines ruhmreichen tapferen Heeres schildert. Das jedem Abschnitte seines großästgelegten Werkes das Bemühens ist "des Inhaltes würdig ausgestattet. Ausgezeichnete um strenge Objektivität, unterdrückt in der Zeichnung SeH Bildnisse ergänzen die schriftstellerischen Zeichnungen der historischen Persönlichkeiten die natürlichen Sympathien und!! führenden Persönlichkeiten. Antipathien, legt den Maßstab ausschließlich an die Leistungen^ Fast zu gleicher Zeit ist ein andrer Nekrolog in Buch- im guten und im verhängnisvollen Sinne derer, die Wildform erschienen. Hält Glaise-Horstenau der alten Monarchie, wirkende oder aktive Zeugen der Katastrophe waren. Das, den Nachruf, so bietet Artur (Graf) Polzer-Hoditz**) hindert nicht, vielleicht trägt es sogar dazu bei, daß die geistigen! den Versuch, das Charakterbild des letzten Habsburger Kaisers Profile aller Gestalten, dis in den Wirbel des Zusammen-, zu umreißen. Die Umfangreiche Leistung ist durchwegs üruchss geraten sind, lsuchtkräftig vor die Augen des Lesers subjektiv; die Einstellung zu Kaiser Karl ist die eines ManneS) treten. Die Ereignisse seit Ausbruch des Weltkrieges sind so der aus Zuneigung und Verehrung bemüht ist, den im Exil! unheimlich rasch auf uns niedergrstürmt, daß wir Glaise- verstorbenen Monarchen als das beklagenswerte Opfer der! Horstenau schon deshalb zu Dank verpflichtet sind, weil er uns Erschöpfung eines Staates, der unüberwindbaren Ungunst! mit sicherer Hand, mit sorgsamer Ausscheidung alles Neben- der Verhältnisse einzustellen. Mit emsigem Eifer trägt Polzec-! sächlichen Und aller Arabesken, Lurch die Schrecken und durch Loditz alles zusammen, was den ehrlichen, gute« Willen, den! die leisen Hoffnungen auf halbwegs gedeihlichen Ausgang des rest- und rastlosen Eifer Kaiser Karls, des unerbittlichen' blutigen Krieges zum tragischen Ende führt. Es ist leider ein Fatums,Herr zu werden, sein seelisches Mitgefühl mir den- alter Erfahrungssatz, daß die Menschen aüS t-"" Geschichte fast Leiden der Bevölkerung in scharfe Belichtung stellt. Kann und nichts lernen. Den Völkern aber und dem Staats gereicht eS muß man der Treue Polzer-HMtz' zu dem Monarchen, dessen bei der Lektüre den befreienden Eindruck: Wäre damals das Antipathie aufscheint, daß er keine Gelegenheit Vorbeigehen oder das geschehen, das zermalmende Rad hätte ausgehalten läßt, ein Plädoyer für seine ureigenen politischen Anschauungen Werden können. Tausendfach verstrickt waren die Fäden, zu Zu halten. Vielleicht stehen wir heute noch zu nahe der weit gediehen dis innere Zersetzung, zu übermäßig kräftig Katastrophenevoche, um Licht und Schatten genau Verteilen' neben dem Kampsmut auf allen Seiten der Reiz zum zu können. Glaye-Sorstenau^ Werk darf aber historischen l Vabanquespiel, als daß ein Rettungsgedanke Mw erstehen Wert beanspruchen. Polzer-Hoditz' Mrmoirenschrist mag! können. Wohl schwankte wiederholt das Glück der Waffen, späteren Historikern als Behelf zur gedeihlichen Sonderung wohl gab es eins Zeit im Spätfrühjahr 1917, da Painlevk, von Grschichtsfakten und Legendenbildung dienen. g. f. konstatierte, daß zwischen Soisions und Paris nur zwei ver- ^ ^ , ,, ' ' lönlicbe Divisionen standen. Wer wäre damals auch dis-,. -,-7 , a i se - H or ste na m »Die Katastrophe. .sdeere wuLiia vor-Die,Krtrummerung Oesterre,ch-N,-oarns. Das Werden der Osfensivkrast der mitteleuropäischen Heere wucht^ .. "^'Nachfolgestaaten. (AmaIthea-Verlag,'"Wien) hätte darum das schauerliche Cndergsbms deS ^ ^ gedrungen " ^ Weltkrieges mit seinen politischen und staatlichen Aus-. ^ l^^ur (Gras) P o szer«Hoditz: „Kaiser Kart." Aus wirkunaen vermieden werden können? ..//'. . . , ^ Ä ! . ver ^seyennmappe seines Kabinettschefs. (Amaltheg-Verla^ Wien.) ärbsilsrkammsr sich ^isn Ostcumsntotion M- KLIMM! /5 Z' M Wie Lemberg verloren ging. DaS erste kriegswissrnschastlichr Werk über die Kämpfe bei Lemberg. Dis gewaltigen Schlachten bei Lemberg und die Operationen, die ihnen vorangingen, waren bis jetzt mehr Gegenstand polemischer Auseinandersetzungen als objektiver kriegswissenscl>aftlicher Darstellung. Dieses Versäumnis der zeitgenössischen Kriegslireratur wird Lurch Las soeben erschienene Buch des Obersten M a ; Freiherrn v. Pitreich: „Lemberg 1014" in gediegenster Weise gutgemacht' Der Verfasser hat an den Ereignissen als Generalstabsofsizier des 11. Korps teilgenommen und er zeigt sich in ihrer Schilderung als gründlicher und verständnisvoller Beobachter ihres Verlaufes und als mustergültig objektiver Beurteiler der Gründe und Ursachen, die zu unseren Mißerfolgen geführt haben. Besonders sympathisch berührt es, daß der Verfasser nicht in der üblichen leichtfertigen Weise die Führer, die dos Schicksal an die Spitze der Heereskörper gestellt hat und die alle bemüht waren, ihr Bestes zu leisten, für diese Mißerfolge verantwortlich macht, sondern die Gründe dort sucht, wo sie in Wirklichkeit waren: bei unserer unzulänglichen Kriegsvorbereitung, der der gewaltigen zahlenmäßigen, namentlich aber artilleristischen Ueder- legenheit der Russen und vor allem bei unserer im Frieden geübten und fest eingelebten ofjenstven Kampfart. Roch niemals, seit es Kriege mit organisierten Heeren gibt, sind die Truppen mit einem Kampf- Verfahren in den Krieg gezogen, das den durch die Natur des Gegners und des Kriegsschauplatzes und die Fortschritte der Waffentechnik und der Kriegstechnik überhaupt diktierten Bedingungen ganz entsprochen hätte. Immer mußte die blutige Erfahrung am Schlachtfeld das Kampfverfahren berichtigen, das oft mehr Las Resultat theoretischer Spekulation geistreicher Militärs als der praktischen Lehren früherer Kriege war. Der Verfasser zeigt, daß es auch bei uns so war: „Uebera l l, wo unsere Truppen das erstemal an den Feind h^ be-u_1 i_ck dieselben E r- scheinungen gezeigt: große F r o ausdehnungen und, dadurch bedingt, ein Mangel an Einheitlichkeit im Kampf', ein zeitliches Annehmen der Gefecht S- formation; ein scharfes Losdrängen auf den Feind, ohne auch nur im geringsten auf die Mitwirkung der eigenen Artillerie Bedacht zu nehmen: ebenso auf gleiche Gesichtspunkte für das anfängliche Zurückhalten und spätere Einsetzen der Reserven." Der Schreiber dieser Zeilen, der in den beiden großen Lemberger Schlachten das 87. Infanterieregiment (CM, Steiermark), eines der schönsten und bravsten der alten Armee, befehligte, muß alle Ausführungen des Verfassers, so weit sie sich auf den Jnfanteriekampf beziehen, ihrem vollen Inhalt nach bestätigen. Auch die 87er und alle die Regimenter rechts und links von ihnen traten am 26. August in die Schlacht, als ob es wie bei Friedensübungen gegen einen „markierten" Gegner ginge. Das mörderische Feuer der Nullen schien für sie keinen Schrecken zu haben, und obwohl der schwarze polnische Acker bald mit Toten und Verwundeten bedeckt war, kamen sie in einem Zuge bis auf 200 bis 800 Schritte an die gut eingograbenen Russen heran. Die Opfer waren umsonst gebracht, denn der Mangel cm Reserven machte die Ausnützung des Erfolges unmöglich und auch da und dort versuchte Umfassungen scheiterten, da die russische Front nicht nur dichter und tiefer als dis unsrige, sondern auch breiter und lückenlos war. Schon in der zweiten Lemberger Schlacht war das Kampfverfahren rationeller, namentlich was die Mitwirkung der Artillerie anbelangts. Das 87. Infanterieregiment kämpfte am 7. September mit dem Rücken gegen den großen Grodsker Teich und hatte den östlich gegenüberliegenden Powitenskilas (Wald) zu nehmen. Mehrere Stürme waren mißlungen und das Regiment litt auf der kahlen Höhe trotz hergestellter Erddeckungen schwer unter dem Artilleriefeuer der Russen. Da fuhren am späten Nachmittag, ganz unerwartet, aus der Richtung von Grodek mehrere Batterien mit dem Obersten Michael Gärtner an der Spitze in rasendem Galopp an unserer Feuerlinie vorbei, protzten kaum 400 Schritte vor der russischen Front ab und kartätschten, von hem aufs Höchsts gesteigerten Infanterie- und Maschinen, gewehrfeuer unterstützt, den Feind aus dem Wald heraus, der von uns in Besitz genommen wurde. Es war ein Bild, das in seiner heroischen Kühnheit an die Batterie der Toten bei Königgrätz-Chlum erinnerte, mit dem Unterschiede daß unserer braven Artillerie diesmal nicht die Vernichmng, sondern ein schöner Erfolg beschieden war. Sehr lehrreich sind auch die Betrachtungen Pitreichs über die strategische Aufklärung vor der Front unserer Armeen, die vom Armeeoberkommando geleitet wurde. Auch hier war es der stürmische Reitergeist, der auf den „besseren Teil der Tapferkeit", auf die namentlich bei der Aufklärung so nötige Vorsicht, vergaß und die attackierenden Kavalleriedivisionen dem vernichtenden Feuer der russischen Maschinengewehre und verdeck'en Batterien auslieferte. Als dann der Zusammenhang der Aufklärung verloren ging, stieß die 3. Armee, und namentlich ihr 3. Korps, unvermutet auf weit überlegene russische Kräfte. Dieser Umstand und der ungezügelte Angriffsgeist der ohne genügende Gefechtsaufklärung vorstoßenden Infanterie war die Hauptursache des Mißerfolges in der ersten Lemberger Schlacht und nicht die Dispositionen des 3. Armeekommandos, dis ganz im Sinne des erhaltenen Auftrages waren. Sehr eindrucksvoll schildert der Verfasser auch den Rückzug in dis Karpathen und die Friktionen, die bei dem anhaltenden Rsgenwetter zu überwinden waren. Den Schluß des Buches bildet eine auf ein reiches kriegsgefchichtliches Wissen und auf dis Erfahrungen des Weltkrieges gegründete Abhandlung über die Grundprobleme des Krieges, dis ewig und unveränderlich sind. GM. I. v. Beran. -Ariosi tvstMmmsf sllr V/ien votcumsntotion ML8 IMl-M Die Hungersnot im Weltkriege. ^ Von Generalmajor Steinitz. Als sich Fürst Windischgrätz vor achtzig Jahren zur Selagerung der Haupt- und Residenzstadt anschickte und die Lebensmittelzufuhren bereits abgeschnitten waren, meinte er: .Wenn die Wiener keine frischen Kipfel mehr bekommen, werden sie kapitulieren." Sieben Dezennien später wurden den Bewohnern der Donaumonarchie ganz andre Entbehrungen auferlegt und trotzdem dachten sie während der viereinhalb Jahre der Einschließung nicht in erster Linie wegen der Nahrungsnot ans Kapitulieren. Niemals aber wäre das furchtbare Hungergespenst zu bannen gewesen, wenn nicht kriegerische Erfolge neue Hilfsquellen durch Eroberung mehr oder weniger fruchtbarer Landstriche erschlaffen hätten. Das Wirken der „Militärverwaltung in den von den österreichischungarischen Truppen besetzten Gebieten" beleuchtet nunmehr Ser kürzlich erschienene und mit diesem Untertitel versehene Band des großen Carnegie-Serienwerkes.*) Die Aufgabe dieser Militärverwaltung war nicht leicht. Auf der einen Seite gebot die Not des eigenen Landes, die wirtschaftliche Ausnützung der okkupierten Territorien aufs äußerste zu steigern, auf der andern waren selbstverständliche Rücksichten gegenüber der dortigen Bevölkerung zu beobachten. Nach den statistisch erhärteten Angaben des vorliegenden Buches ist es dem Militärgouvernement in Belgrad am besten gelungen, seine Aufgabe zu lösen. Obgleich der von Lublin aus verwaltete Teil von Russisch-Polen dreimal so Lrüß^Mrr als die in Betracht kommenden serbischen Kreise westlich der Morawa, entstanden durch die territoriale Zweiteilung der ehemaligen russischen Weichselprovinz zwischM Deutschland und Oesterreich-Ungarn mannigfache Hemmnisse für die Aufbringung, zumal da die Polen ihre Befreier mit zwiespältigen Empfindungen schalten sahen. In der eroberten Walachei, die eine viermal größere Area und zehnmal mehr urbare Fläche besaß als das österreichisch-ungarische Berwaltungsgebiet südlich der Save, hatten die Deutschen den Vorrang, und nur 10 Proz. der rumänischen Produkte fiele» , der Donaumonarchie zu. In OLerita lien mimte außer der Bevölkerung noch ein sehr starkes Heer erhalten werden, und in der Ukraine war es neben der Schwäche der neugebildeten Regierung gegenüber der bolschewistischen Bedrohung eine ganz unzulängliche und widerspruchsvolle Organisation, die den „Brotfrieden" illusorisch machte. In Montenegro und Albanien endlich deckten die Ressourcen kaum den eigenen Bedarf, wobei im Lande der Schwarzen Berge überdies eine mehr als doppelt so starke Besatzung wie in Serbien den immer wieder aufslammenden Trotz des stolzen Gebirgsvolkes niederzuhalten hatte. Sicherlich war der Boden Serbiens außerordentlich fruchtbar und das Land überhaupt reich an Naturschätzen. Daß aber der Verwaltung von berufener Stelle das Zeugnis ausgestellt werden konnte, ihre Erfolge kämen einer von den Mittelmächten gewonnenen Entscheidungsschlacht gleich und ohne diese hätte Oesterreich- Ungarn den Krieg nicht über der, Herbst 1916 hinaus führen vura» qaoen aucy oie irralfe Organisation und die ausgezeichneten Qualitäten der hier tätig gewesenen Personen mnen überragenden Anteil. Durch Schaffung von Kommuni- katwnen, Vermehrung der anbaufähigen Flächen, Einführung neuer Kulturarten, Hebung der Forstwirtschaft und des Bergbaues sowie Förderung des Handels trachtete die Ver- walkung, ihre Mission zu erfüllen. Generalmajor Kerchnatve, der alles dies in dem vorliegenden Buche schildert, erzählt auch, daß einzelne nach dem Kriege zurückkehrende Gutsbesitzer ihre Anerkennung über das Vorgefundene schriftlich zum Ausdruck gebracht haben. Die österreichisch-ungarischen Militärverwaltungen waren vom Geiste der Versöhnung beseelt; sie haben — nicht nur in Serbien — auf den Gebieten der Seuchenbekämpfung, Förderung des Schulwesens, Unterstützung der Bewohner, Erhaltung von Kunstdenkmälern und vielen andern Großes vollbracht. Vor dem Urteil unparteiischer Geschichtsschreiber braucht ihnen nicht zu bangen. Freilich, die Härten des Kri eges ganz abzuwenden, konnte nicht gelingen. """" ... .... . ' . >> '-- *) Wien. Hölder-Pichler-Tempskh A. G., Yale Urriverstür HE New-Hape» 1S2S. ' > ««i ö c 17 c «ü»»n c« re» 0l>re>»e«7»7>0« tlüULL MM MIMl. /Ne MstWhe. Kritik an Glaise-Horstenaus Werk. Von Artur (Graf) Polzer-Hoditz. Selten habe ich ein Buch mit solcher Spannung zur Hand genommen und mit so steigendem Interesse gelesen als das kürzlich iin Amalthea-Verlag erschienene Werk „Die Katastrophe" von Edmund v. Glaise-Horstenau. Es behandelt den Niederbruch der östsrreichisch-ungarischen Monarchie, beschränkt sich aber nicht auf die letzten Monate ihres Bestandes, auf den Schlußakt, die eigentliche „Katastrophe", sondern schildert den verzweifelten Existenzkampf während der ganzen Dauer des Krieges. In richtiger Erkenntnis, daß das Niedergehcn eines Reiches nur aus dessen Werden richtig verstanden werden kann, bringt Glaise einleitend — wenn auch nur in großen Umrißlinien — einen Ueberblick über die Entwicklung der Donaumonarchie aus einer Hausmacht zum Völkerreich. Auch beschränkt sich das Buch nicht auf die Schilderung der Begebenheiten in Wien, Budapest, Prag und Agram. Es fügt das erschütternde Ereignis des Zusammenbruchs „in das große, vom Flammenmeer des Krieges versengte Weltbild" ein. So werden zugleich mit den Fäden des historischen Werdens des Habsburgerreiches jene der nationalen Bestrebungen und der feindlichen Zerstörungskräfte, die von außen einwirkten, an ihren Ausgangspunkten angesponuen und durch ihr Jneinander- greifen bei Fortschritt der Ereignisse zu einem ebenso überzeugenden als erschütternden Bild der „Katastrophe" verwoben. Wir sehen, daß Oesterreich-Ungarn zu Beginn des Krieges, ja auch in den ersten zwei Kriegsjahren weder von innen noch von außen her aufgegcben war. Die Nationen standen damals noch zum größten Teil fest zum Reiche. Auch die Staatsmänner und maßgebenden Politiker in der Entente wiesen den Gedanken einer Zertrümmerung der Monarchie weit von sich. Die Emigrantenpolitik, deren verschlungene und seinerzeit verborgen gehaltene Fäden in dem Werke freigelegt werden, gibt hierüber klaren Aufschluß. Erst mit dem Beginn der Regierung Kaiser Karls tritt eine Wandlung ein. Ein tragisches Moment steigt auf, das, immer wiederkehrend, das Reich von Stufe' zu Stufe dem Absturz entgegensührt. Es ist eine eigenartige Schicksalsantithese: Jeder Erfolg aus den Kriegsschauplätzen schlägt zuungunsten der Monarchie aus. Immer mehr wird das Geschick des Habsburgerreiches auf die Spitzen " der deutschen Bajonette gestellt und jeder Sieg der Waffen baut Stützpunkte Oesterreichs im Ausland ab. Nur einzelne, besonders auffallende Beispiele hiefür seien angeführt. Der Sturz des Zarentums und der Ausbruch der russischen Revolution waren zweifellos ein großer strategischer Erfolg. Doch für Oesterreich schlug dieses den Mittelmächten so günstig scheinende Ereignis in mehrfacher Hinsicht zum Nachteilaus. Die Polen hatten bis dahin unentwegt an der austro- polnischen Lösung festgehalten. Nun aber sahen sie ihren größeren Vorteil in einem Sieg der Entente, welche ihnen die Verwirklichung ihres nationalen Traums, die Wiedervereinigung aller drei Teilgebiete, also mehr bieten konnte, als die Mittelmächte es vermocht hätten. Aber noch in anderer Hinsicht hatte der Ausbruch der russischen Revolution nachteilige, ja verhängnisvolle Folgen für die Monarchie. Er ermöglichte Masaryk die Einreise in Rußland und die Aufstellung der tschechoslowakischen Legionen, die schließlich in fortschreitender Schicksalsverkettung für die Anerkennung der Tschechoslowaken als Ententeverbiindete von entscheidender Bedeutung wurden. Nicht anders war es nach dem Sieg im Herbst 1917 über das italienische Heer. Und noch einmal, im Frühjahr 1918 zeigte sich an einem klaren Beispiel die immer wiederkehrende tragische Schicksals- Verkettung eines deutschen Sieges mit einer verhängnisvollen Rück- Wirkung auf den Bestand der Doppelmonarchie. Bei Amiens hatten die Deutschen emen glänzenden Sieg davongetragen. Die Ententcfront war zerrissen. Da eilte Steed nach Italien, welches eine Offensive befürchtete. Marschall Diäz war der Meinung, es gebe für Italien keine andere Rettung als die Propaganda für die Zertrümmenmg Oesterreichs. Steed depeschierte an Northcliffe, Balfour müsse entgegen seinem bisherigen Verbot den Wünschen der italienischen Heeresleitung nachgeben. Die englische Armee war eben erst vor Amiens in einer wenige Tage währenden Schlacht vernichtet worden. Die Gefahr für die Entente war zu atembeklemmender Spannung gestiegen. Da warf Balfour, der bis dahin an der Erhaltung Oesterreichs festgchalten hatte, die letzten Bedenken gegen eine österreichseindliche Politik über Bord. Der Verkündigung der Unabhängigkeit der habsburgischen Nationen als eines Kriegsziels der Entente stand nichts mehr im Wege. Damit hatte die offizielle Feindespolitik den an ihrem Vaterland Verrat übenden Emigranten die Hand gereicht und über Habsburg das Verdikt gesprochen. Der Northcliffe- Propaganda war Tür und Tor geöffnet, allgemein der Schlachtruf „l)6trui863 I'Lutriaks!" Stein auf Stein bröckelt nun aus dem stolzen Habsburgerbau. — Bald folgt der letzte, unglückliche Waffengang. Die Fahnen sinken. Es stürzt die Dynastie. „Am Sonntag den 10. November wurde Karl im Hoforatorium der Schönbrunner Schloßkapelle, hinter dem Betschemel, auf dem durch sieben Jahrzehnte Kaiser Franz Josef gekniet war, zum letztenmal in der Oeffentltchkett gesehen. Er war bleich, ergraut, sichtlich ergriffen. Durch die Andächtigen ging, als die Orgel das - „Gott erhalte" anstimmte, ein schwer unterdrücktes Schluchzen. Tagsdaraus. spät am Abend, hielten in dem kaum beleuchteten Hofe des Schlosses, der in den vergangenen Zeiten so oft der Schauplatz prächtiger Auffahrten gewesen war, ein paar Kraftwagen. Der Kaiser verließ, in Zivil gekleidet, mit Gemahlin und Kindern und dem nötigsten Hausrat das Schloß seiner Ahnen. Die Fahrt ging, kaum von jemand beachtet, quer durch Wien. Die Straßen der einst , so lichtfrohen Kaiserstadt waren von trübseliger Dunkelheit umhüllt. Dunkel lag auch die Zukunft vor ihr." , , : , . Diese wenigen aus dem von Glaise kunstvoll gewobenen Bild herausgelösten Maschen können natürlich den Eindruck nicht wiedergeben, den daS Werk in seiner abgerundeten Geschlossenheit Hervorrust. Das Buch bietet eine Fülle von vielfach bisher unbekannt, zumindest unbeachtet gebliebener, bemerkenswerter Daten und Episoden und hintcrläßt ein klares historisches Bild des Zusammenbruchs der Monarchie. Der Verfasser hat vieles im Verband des Armeeoberkommandos selbst miterlebt, als nachmaliger Leiter des Kriegsarchivs ein reiches Aktenmaterial zur Verfügung gehabt und gegen. 200 Werke der NachkriegSliteratür durch den reinigenden Filter des skeptisch-kritischen Historikers gezogen. Die Sichtung und Einordnung dieses ebenso gigantischen als spröden Materials war eine Ausgabe, die nur eine kundige Hand zu leisten vermochte. Die Verwertung und Darstellung des Stoffes ist eine meisterhafte. Wohl hat sich die ^Literatur mit der von Glaise-Horstenau behandelten Materie viel und zum Teil auch eingehend befaßt. Doch, was bisher darüber geschrieben wurde, sind entweder nur Erörterungen von Teilproblemen oder subjektiv eingestellte Darstellungen von Geschehnissen,. gesehen aus persönlichem, einseitig sachlichem oder einseitig politischem Gesichtspunkt. Eine zusammenhängende, objektive, also streng historische Behandlung des Gesamtproblems wird zum erstenmal in diesem Buch geboten, welches daher auch zweifellos als unverrückbare Grundlage jeder späteren wissenschaftlichen Bearbeitung dieser hochdedcutsamrn Zeüepoche bauernden Wert behalten wird. . , . , , Nur mit breiten flüchtigen Strichen schildert Glaise-Hoisienau in einem letzten Kapitel die „Formung und Festigung der neuen Welt in den Donaulanden". Diese Abgrenzung des Stoffes, wgr sehr richtig gedacht, denn die Schilderung des Werdens der Nachfolgestaaten liegt außerhalb des Rahmens eines Buches, welches die „Katastrophe" des Habsburgerreiches zum Gegenstand hat. Das Werden der Nachfolgestaaten in den Gemarkungen der alten österreichisch.ungarischen Monarchie bleibe der Einleitung zu einem Werke Vorbehalten, das sich einst mit der „Katastrophe Europas" befassen mag. ' ." - Ariosi »«rteeimmsr kur Oolcvmsntotion ^UtL MM lMtkll 5 ^ 7^5 ^Ms^die Alliierte« GeLtschland zertrLmmerrr wollten. ^ Erinnerungen Churchills aus Sen Kriegsjahren. ^ Telegramm des Neuen Wiener Tagblatts. London, 7. März. In seinen als Buch erschienenen „Erinnerungen aus den Jahren 1919—1922" erzählt 'Churchill, daß Deutschland, wenn es den Waffenstillstand 'abgelehnt hätte, im Sommer 1919 von starken Kräften der ^Alliierten angegriffen worden wäre. Churchill sagt: Dausende von Flugzeugen hätten Deutschlands Städte zertrümmert. Zehntausende von Kanonen 'hätten die Front zerschmettert. Es waren Vorbereitungen ge- sWvffen, um 250,000 Mann in Autos, Panzerwagen und dergleichen 30 Kilometer täglich Vordringen Zu lassen. Stick- Aase von unerhörter Gefährlichkeit, gegen die nur eine gut 'geheimgehaltene Maske, welche die Deutschen nicht besaßen, ^Schutz verlieh, hätten jeden Widerstand und jede 'Lebensfähigkeit auf der Front, die für den Angriff ^ausgesuHt war, unmöglich gemacht. — ^rbsitorlcommse st)r >Vi«n Volumen Motion /' ^ //?< Der AfmbchMUftnarsch bei Gorlire April ISIS. Von General E. Ratzenhvfe r. Die Flügeloperationen der Zentralmächte hatten in den Schlachten von Lodz-Lowiez nnd Limanoiva-Lapanow die Vorbewegung der russischen Massen von der mittleren Weichsel gegen Preußisch-Schlesien endgültig zum Stehen, zum teilweisen Znrückgehen gebracht, nnd nördlich der Karpathen und in Polen waren nach Schwankungen in den Karpathenvorlagen die Fronten der hier gleichwertigen Gegner Beginn Jänner 1915 zum -erstenmal zum Stellungskanipfe übergegangen. Beide Gegner strebten die Entscheidung in anderen Richtungen an. Die Oesterreicher-Ungarn, hart bedrückt von der Sorge um die Festung Przemyfl, wollten durch Offensiven in der kürzesten Richtung aus den Waldkarpathen die Festung befreien, während bei den Russen jene Anschauungen die Oberhand gewannen, die das Ziel der Niederwerfung Deutschlands über den Boden der Donaumonarchie, vor allem Ungarns, erreichen wollten. Eigene Angriffspläne und verzweifelte Zlbwehr feindlicher Anstürme führten Beginn 1915 zu einer der größten Bahnbewegungen des Krieges, die man mit der Bezeichnung „Aufmarsch hinter den Karpathen" umfassen könnte. In mehrmonatigen Bemühungen, in den. eigenen Angriffsabsichten durch den Gegner oft gestört, in der Zielsetzung der Heereskörper seinem Diktate unterworfen, brachte das k. u. k. Armeeoberkommando zum größten Teil aus der Front nördlich der Karpathen, zum kleineren vom Balkan nebst wertvoller Hilfe des Bundesgenossen, die Hauptmasse seiner Kräfte in die Karpathenfront. Die großen Truppenverlegnngen umfaßten 1 Armee-, 10 Korpskommanden mit den zugehörigen arm«- und korpsunmittelbaren Formationen und 41 Divisionen. Bei einer Gesamtdauer von 115 Tagen wurde eine Durchschnittsleistung von 22 Zügen, eine Maximalleistung von 54 erreicht, und rund 120.000 Wagenladungen in 2506 operativen Truppentransporten ans Ziel gebracht. Hatte diese Anstrengung auch das Ziel erreicht, das Eindringen der Russen in Ungarn zu verwehren, so erwiesen sich doch alle Hoffnungen als trügerisch, den Angriff über das winterliche Gebirge bis zur Befreiung Przemysls vorzutragen, und das Bittere ging am 23. März in Erfüllung. Gleichwohl wissen wir heute, daß die Gewaltleistnngen der Heeresleitung, ums Hundertfache überboten von den heroischen Leistungen und Leiden der Truppen, den Weg bereiteten, um die Maioffensive 1915 möglich zu machen. Die Aufmerksamkeit der russischen 81V-Front war nach den Karpathen gelenkt und blickte, auch zu einer Zeit, als sich das drohende Ungewitter im Raume von Gorlice, Tarnüw bereits zusammenzog, gespannt dorthin, so daß man mit Recht die vergeblichen Anstrengungen der Russen im Winterfeldzug 1915 als den Anfang vom russischen Ende bezeichnen kann. Viel geringer an Umfang, Zeitdauer und Transport- nwsse waren die Bahnleistüngen beim Gorlice-Anfmarsch, nnd trotzdem wendet sich diesem letzteren das allgemeine Interesse in höherem Maße zu, weil die Menge dem Erfolge zujubelt. Waren Planung und Durchführung des „Aufmarsches hinter den Karpathen" schrittweise, unter dem Einfluß des Gegners mit bescheidenen Mitteln auf vielfach kümmerlichen Bahnen zu leisten gewesen, die zur Verschiebung gelangenden Heereskörper mit Mühe bedrohten Fronten entnommen worden, sv ist das Bild für den Gorlice-Aufmarsch ein völlig anderes. Fußend auf dem gewaltigen Netz der deutschen Bahnen, im kurzen Endauslauf im besten Teil unseres galizischen Netzes, nach einheitlichem, vom Gegner nicht gestörten Plan, mit neu formierten, seit längerer Zeit im Reserveverhältnis stehenden Hsereskärpern in ruhiger Sicherheit durchgeführt, erweckte schon die Bereitstellung der Stoßgruppen jenes ^Vertrauen, das mit zu den Quellen großer Erfolge zählt- Es soll nun im folgenden versucht werden, den Werdegang der Entschlüsse und die Durchführung des Bahn- aufmarsches darzulegen und dabei Beiträge zu der viel- umstrittenen Frage der „Priorität der Idee" zu diesem Auftakt zum weitreichendsten Feldzug des Weltkrieges geliefert werden.*) 3ur Vorgeschichte des Gorlire-Ausmarsches. Feldmarschall Conrad und der deutsche Bevollmächtigte Gen. Cramon besprachen am 1. April 1915 die äußerst gespannte Lage in den Karpathen und wußten, daß die DOHL. nicht geeignet war, weitere Kräfte zur Stützung der k. u. k. Front zu geben, „etwas anderes aber wäre es, wenn die Lage durch eine Offensive geändert würde". Conrad sprach von seinem oft gehegten Plan, durch eine Offensive aus dem Raume von Gorlice in die Beckenreihe Jaslo, Krosno, Sanok in den Rücken der russischen Karpathenfront zu kommen, wozu er deutsche Mithilfe benötige. Cramon meldete dies am Abend an den deutschen Generalstabschef Falken Hayn in Mezieres, erfuhr aber eine Ablehnung, die über neuerliche Bitte Conrads um Unterstützung in einem Telegramm Falkenhayns vom 7. April eine Wiederholung fand. Unterdessen hatte sich aber in Teschen ein immerhin ungewöhnlicher Vorgang abgespielt. Gen. v. Cramon hatte am Ostermontag, den 6. Marz, den k. u. k. Feldeisenbahnchef Gen. Johann Straub gebeten, ihn in seiner Wohnung im Bürgermeisteramt aufzu suchen, um eine operative Angelegenheit zu besprechen. Bei dieser Besprechung erkundigte sich Cramon über Auftrag Falkenhayns über die Bahnleistüngen entlang der k. u. k. Front und verlangte vom österreichischen Fc'ldeisen- bahnchef Daten über die Durchführung eines Aufmarsches östlich Neu-Sandec. Gen.-M. Straub erklärte schon damals, daß es möglich sei, mit täglich 40 Zügen auf der Linie Oderberg über Krakau, mit weiteren 20 Zügen von Oderberg nach Teschen und dann geteilt 10 über die Städtebahn Sucha gegen Neu-Sandez und 10 über den Jablunka- Paß, Sillein, Abos dann nordwärts gegen Neu-Sandez zu bringen, und daß diese Bewegung jederzeit ausgenommen und in längerer Dauer verläßlich aufrecht erhalten werden könne. Die Kraft des Aufmarsches erlaubte also je eins Division zu 60 Zügen pro Tag heranzubringen,' » « s L I I L « X 1 X X l n fllk XlkX l) 0 X U X L X I t I I 0 X I^8?08I (6^32) /Milien mm SrweiS. Im Verlag der jugoslawischen Legionäre in Marburg erschien eine >. Broschürenfolge von dem bekannten ^ Dr. Pivko, die sich betitelt „Rams ob Ramenu" (Schulter an Schulter). In dieser Schriftenfolge schildert er das Werden und die Tätigkeit der jugoslawischen Legionen . nach dem mißglückten bekannten Dukchbruchsversuch bei Carzano im Sugrmatal am 17. September 1917. Aach dem mißglückten Durchbruch bei Carzano. Dumps grollten noch die Donnerschläge der schwere« österreichischen Geschütze über den Maso- bach herüber und allenthalben war noch da» rasende Geklopfe der Maschinengewehre hörbar, die mit den letzten Resten der durch Verrat ringedrungensn Italiener aufMrmten. Pivko und seine Mitverschwörer waren in Telve eingelangt und an ihnen vorbei fluteten dicht« Scharen italienischen Militär» aller Waffengattungen, die durch die von Pivko und seinen Mitverschwörern den Italienern geöffnet« Stellung im Suganatal ins Herz Tirols, «ach Trient und Bozen hätten vorstoßen sollen. Aber da» Schicksal wollte es anders. Die schlechte Organisation und besonders das Mißtrauen höherer italienischer Kommandanten den Verschwörern gegenüber, die im Verrat eine ihnen gestellte Falle vermuteten, brachte da» so schön ausgehegte Unternehmen unter schweren Verlusten der Italiener zum Scheitern. Einige Tage «ach dem gescheiterten Unternehmen, am 20. September 1917, langten die Ver- schwöveroffiziere und die Mannschaft, hauptsächlich Tschechen, im Fort Procolo bei Verona ein und wurde« dort zunächst als Gefangene behandelt. Di» schwere Niederlage, die die Italiener erlitten hatten, veranlaßt» den General Cadorna in Bellum» «in Kriegsgericht zusammenzurufen, um sich über dt» Ursachen der Niederlage Klarheit zu verschaffen und di« Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen. Da da» Kriegsgericht nichts Nachteiliges für di» Verschwörer feststellen konnte, wurde diesen die Freiheit gegeben und diese beschlossen zunächst, an di« Salonikifront und nach Frankreich zu gehen, um dort in den Reihen der bestehenden Legionen, die zum größten Teil aus Kriegsgefangenen und späteren Überläufern gebildet wurden, gegen Deutschland und Österreich zu kämpfen. Diese Absicht wurde aber aufgegeben, als nach einigen Tagen der tschechische Fähnrich Mottl als Deserteur vom 102. östereichischen Infanterieregiment, das im Suganatal in Dal Piano stand, eintraf und sich auch dir Fahl der Deserteure aus dem Mannschaftsstand häuft«. Mottl brachte Pivko und seine Anhänger auf ein« neue Idee. Er erklärte sich nämlich sofort «ach seinem Eintreffen bereit, mit einer Patrouille an sein Etammregiment heranzuschleichen und mit der hauptsächlich tschechischen Mannschaft in Verbindung zu treten, um sie zur Maflendesertation zu veranlassen. Am S. Oktober 1917 verließ er tatsächlich Verona ! und traf am ö. beim Alpinibaon „Monte Paviane* j «in, da» seinem Stammregimrnt gegenüber lag. Mit einer Bedeckung von öS Alpini stieg er an und traf um 10 Uhr aus »ine Abteilung von Leuten de» Regiment««, die vor der Stellung Gras mähte. Er setzte sich mit ihnen in Verbindung und der Leutnant Fasten» willigte zu einer Besprechung am Nachmittag im Wäldchen vor der Stellung ein. Alle» wäre glatt gegangen, wenn nicht im nächsten Augenblick zwei österreichisch« Patrouillen aufgetaucht wären, angesichts welcher die Alpini Reißaus nahmen und Mottl allein ließen, dem es mit Müh« und Not gelang» ohne Schaden durchzukommen. Dieser Versuch des Fähnrichs Mottl regte nun Pivko an. Ähnliches zu versuchen, waren doch viele slawische Regimmter auf den Sieben Gemeinden in Stellung. Das Abenteuer von Carzano soll wiederholt werde». Das mißglückte Abenteuer von Carzano brannte den Italienern wie eine Wunde am Fleisch, hatten sie sich dort doch mit Hilfe der Verräter billige Lorbeeren zu holen gehofft und der Gedanke daran wollte ihnen nicht aus dem Sinn. Der Vertraute Pivko», der Generalstabsmajor Finzi, besuchte deshalb diesen in Verona auf dem Fort Procolo, das General Radetzky im Jahre 1841 erbaut hatte, um die aufrührerischen Venezianer einzuschüchtern und legte ihm nah«. Plane für eine Wiederholung des Unternehmens auszuarbeiten. Alles ging glatt von- statten und es hätte Anfang Oktober losgehen sollen. Al» aber Patrouillen der Überläufer festgestellt hatten, daß dort nicht mehr das stark mit Tschechen vermischt, Bosniakenbaon, sondern an seiner Stelle Truppen au» Oberösterreich standen, wurde das Unternehmen aufgegeben. An dieser Aktion nahmen auch Italiener teil, di« slowenisch sprachen und aus dem julischen Denetien stammten. Der österreichische Verräter I« Franzensfeste. Die Italiener hatten einen sehr gut organisierten Spionagedienst und legten viel Wert auf Gefangenenaussagen. Deshalb sandte auch Pivko über Auftrag der Spionageabteilung in Vicenza immer wieder Patrouillen aus, um Überläufer zu locken. Tatsächlich wußtm die Italiener in vielen Fällen mehr, als es dem gefangenen Offizier selbst bekannt war. Als Pivko einmal in der Kundschaftsabteilung zu tun hatte, teilte ihm der dierrsthabende italienische Offizier mit, daß etwas im Anzuge sei, da viele Transporte nach Südtirol abgehrn. Auf die Frage, wieso er das wisse, erzählte ihm der Offizier folgendes im Vertrauen: Jeder Transport nach den Sieben Gemeinden muß Frauzenssefir passieren. Dort haben wir einen Bahnbeamten, der jeden Transport in Evidenz führt und alle Daten auf einen acht Millimeter breiten Papierstreifen aufschreibt. Dieser Beamte wohnt aber in Innsbruck und befördert diese Pa» pierstreifen sauber zu Röllchen gerollt dahin zu einem Apotheker, der Hustenpillen fabriziert und diese nach allen Ländern, auch nach der Schweiz, exportiert. Diese Röllchen werden nun in eine solche Packung hineingesteckt, die ein unschuldiges Kennzeichen trägt. Diese Pillen kommen nun meist mit Eisenbahnern bis nach Zürich an den Ver- trauten, der sie dann nach Italien schickt. So kommt es, daß wir spätestens in zehn Tagen von jedem österreichischen Transport Kenntnis haben. Gerade jetzt warte ich, bis sich eine 16-Zentimeter-Batterie melden wird, die vorige Woche Franzensfeste passierte. Dazu sei noch bemerkt, daß die Italiener im Jahrs 1918 genau wußten, daß das österreichische Trommelfeuer in der Zuniosfenstve morgen», den 15. Juni, um S Uhr 5 Minuten, beginnen wird und deshalb schon um Mitternacht und dann noch einmal um 2 Uhr 85 Minuten einen Feuerüberfall auf die österreichi schen Stellungen machten. Di« Segks» der Jugoslawe« «Kd gegrSndet. De« Geburtstag der jugoslawischen Legion stillt auf den 16. Oktober 1917. Wie schon oben angedeutet, begegneten die höheren italienischen Kommanden dem Legionärswesen anfangs mit großem Mißtrauen und wollten von einer Einstellung ehemaliger Kriegsgefangener in den Frontdienst nicht« wissen, einerlei, ob sie im Kampfe gefangen wurden oder Lbergelaufen waren. Die erste Gruppe der Legionäre bildete sich aus den Verschwörern von Earzano, für die Pivko den italienischen Behörden gegenüber, bezüglich Verläßlichkeit, vollständig« Garantie übernahm. Die erste Aktion war di« Erkundung der Stellung am Masobach zur Vorbereitung für die zweite Carzanoaktion. Die Mann- schast und die Offiziere bekamen italienische Uniformen. Als Abzeichen am Blusenkragen an Stelle des Savoyensternes und der italienischen Drigade- litzen rotblaue Litzen. Als Kappenemblem ein gesticktes „I". Dis Chargenbezeichnung erfolgte wie bei den Franzosen durch Litzen. Als die ersten Uniformen in Verona auftauchten, wurden sie von den Leuten bestaunt. Als nun aber einig« Mannschaften auf die Frage, was da» »I" auf der Kappe bedeute, antworteten „Jugoslawe", da» sin- Kroaten und Slowenen, gab es erregte Austritte, denn die Italiener hatten die Kroaten noch aus den Zeiten, als Venetien noch österreichisch war, wegen ihre» kriegerischen und mitunter auch grausamen Verhaltens im Kampfe, in schlechter Erinnerung, wes- chalb die Legionäre oft die Ausrede gebrauchen mußten, daß das „I" Japan bedeute und daß die Legionäre ans Japan und Amerika gekommen feien, um Italien gegen Österreich zu helfen. Dabei muß fcstgestellt werden, daß die breite italienische Sffent- lichkeit bis zu den höchsten Stellen im Staate über t dieDrgoslawische Bewegung so gut wie gar nicht informiert war. Das einzige Buch, das über die Verhältnisse etwas zu sagen wußte, war das Buch de» Dr. Benesch über den Kampf der Tschechen gegen Österreich. Für die Italiener war der einzige Name „Austriacco" Österreicher bekannten Inhaltes, während sie von den anderen Nationen, außer den Deutschen, meist überhaupt keine Begriffe hatten. Deshalb wunderten sie sich auch, als sie erfuhren, daß Österreicher als Legionäre wieder gegen Österreich kämpfen wollten. So etwas war ihrem patriotischen Denken widersinnig und daher stammte auch das ablehnende und mißtrauische Verhalten. Verstärkt wurde dieses noch dadurch, daß im Hinter- lande, bis auf die Tschechen, die Slawen immer Loyalitätskundgebungen veranstalteten. Der Generalstabsmajor Finzi sagte einmal zu Pivko, als er ihn fragte, warum denn in Italien kein jugoslawisches Komitee für die Einigung der Iugo-i -slaw!>u und gegen-Österreich arbeite, chaß die bi-, treffenden Herren gut daran tun, außerhalb Italiens für ihre Idee zu arbeiten. Wenn sie aber glauben, daß sie dort Fürsprecher für ihre Idee finden werden, die gegenüber Italien auftreten und dieses zur Änderung seiner Politik veranlassen werden, dann befinden sich die Herren auf dem Holz, weg. Frankreich und England werden wegen eines eventuell neuen problematischen jugoslawischen Staates nie die Freundschaft eines starken Italiens opfern. England wird sich sehr hüten, die Frage der unterdrückten Völker aufs Tapett zu bringen. Einzig und allein Italien kann den Jugoslawen helfen, denn dieses allein kämpft für den Zusammenbruch und die Zerstückelung Österreichs. „Aber wer soll euch glauben, daß ihr es ehrlich mit uns meint. Wir wollen Taten setzen, wie Earzano, von dem man aber heute nicht sprechen darf, denn es war eine Blamage für uns. Schaffen sie Taten und ganz Italien wird ihnen zugetan sein, wie Marschall Cadorna und ich." Damals reiste in Pivko der Gedanke zur Schaffung einer eigenen Truppe. V ^ H« s e m e » X t X X c X cux x>cx iu>«u x c x i»r > o x IE 8 M 81 (Lrsr) » L§. L.^L? U vk« WMW knWelM? Er hieß Alexander Szek. Man merkt der Schreibart des Namens sofort an, daß es sich um einen Ungarn handeln muß, der auf seinem heimatlichen Boden Szök Sändor geheißen haben würde, und „szek" wiederum bedeutet „Stuhl", so daß an ihm alles echt magyarisch wäre. Aber es war doch kein richtiger Ungar mehr, denn sein Vater hatte sich in Brüssel niedergelassen und eine Belgierin, ob Wallonin oder Flämin wird nicht berichtet, geheiratet. Und der Sohn war das Werkzeug des Schicksals, der um des Landes der Mutter willen das Land des Vaters in das tiefste Unglück stürzen mußte. Die Sache trug sich, kurz zusammengefaßt, so zu, daß Alexander Szek den Engländern das allergeheimste deutsche Chiffrenbuch verraten konnte, und daß es mit Hilfe der dadurch möglichen Enträtselung der deutschen politischen Depeschen den Engländern und ihrer Partei in Amerika gelang, die Vereinigten Staaten in den Krieg hineinzuziehen, womit die Niederlage der Mittelmächte entschieden war. Der junge Szek war ein geschickter Techniker, der zur Zeit der Besetzung von Brüssel eben einen neuartigen Funkapparat konstruiert hatte. Von den Deutschen ausgeforscht und wegen des Besitzes der verbotenen Funkanlage eigentlich des Todes schuldig, wurde er begnadigt, da man seine Fertigkeiten zu benützen gedachte. Er beherrschte auch fünf Sprachen, muß also tatsächlich ein vortrefflicher Kopf gewesen sein. Im deutschen Funkdienste sollte er nun die aufgesangenen Radiogramme der Entente entziffern, und er bewies dabei eine so wunderbare Kombinationsgabe, daß er sehr! bald eine unentbehrliche Hilfskraft des! deutschen Kommandos wurde und durch verläßliche Dienstleistung sein volles Vertrauen gewann. Durch die Agenten des englischen Intelligence Service, das von Sir Reginald Hall geleitet wurde, in weibliche Netze gelockt, ließ sich Szek bereden, daß er verpflichtet sei, die Feinde an sein Adoptivvaterland und seine Verbündeten zu verraten. Zur Entzifferung der Depeschen wurde ihm jeweils das deutsche Chiffrenbuch in die Hand gegeben, das sonst, in Blei gebunden, in einem Stahlschrank ruhte. Der junge Mann lernte bei diesen zusammenhanglosen Gelegenheiten die einzelnen Partien des Schlüsselbuches auswendig und war nachher imstande, sie wieder zusammenzukombinieren, gewiß ein Wunder einer Gedächtnisleistung und von Scharfsinn und zudem das Werk von etwa sieben Monaten. Und gerade hatte er es vollendet, als er in der Gesellschaft verdächtiger Belgier gesehen und sofort aus dem Dienste entlassen wurde. Es war ihm bei Todesstrafe verboten, das Weichbild Brüssels zu verlassen, aber mit Hilfe eines der englischen Agenten bereitete er gleichwohl seine Flucht vor und war imstande, im Besitze eines falschen deutschen Passes die holländische Grenze zu erreichen und mit Benützung eines eigens konstruierten Sicherheitsrahmens am 15. August 1915 nächtlicherweise durch den mit Starkstrom geladenen Drahtzaun, der die Grenze absperrte, hindurchzukommen. Seitdem war er verschollen. Alles spricht, nach den jetzt durch die Blätter gehenden Berichten, dafür, daß die Engländer den Mann, nachdem er ihnen das Geheimnis überantwortet hatte, das nur er allein verraten konnte, verschwinden ließen. Alle Nachforschungen des Vaters nach dem Kriege blieben erfolglos, das Intelligence Service gab auf die Anfrage den Bescheid, daß ihm der Name völlig unbekannt sei. Es gilt nun als ausgemacht, daß den wesentlichen Anstoß zum Eintritt Amerikas in den Krieg jene Depesche des Staatssekretärs Zimmermann gab, in der er den deutschen Gesandten in Mexiko beauftragte, Mexiko als Verbündeten für Deutschland zu gewinnen durch die Zusicherung, daß die spanischen Staaten der Union, Neumexiko, Arizona und Texas, die seinerzeit Mexiko abgenommen wurden, ihm nach dem Siege wieder zufallen sollten. Überdies war die Herüberziehung Japans in den Bund angeregt. In den Memoiren des amerikanischen Botschafters in London, Page, steht zu lesen: „Weder die Versenkung der „Sussex", der „California" und der „Lusitania", noch die Drohung mit dem uneingeschränkten Tauchbootkrieg haben die Vereinigten Staaten bewogen, den Krieg an Deutschland zu erklären. Die Entscheidung erfolgte nur durch die Enthüllungen des Lord Balfour." Und diese Enthüllungen betrafen die Entzifferung der deutschen Mexiko-Depesche durch den englischen Geheimdienst mit Hilfe des von Alexander Szek gelieferten Schlüssels. Die Untersuchungskommission des Reichstages hat im Jahre 1921 entschieden, daß der Schritt des Unterstaatssekretärs Zimmermann als der allgemein geübten diplomatischen Art, Verbündete zu suchen und sie durch Versprechungen gemeinsamen Gewinns zu ködern, entsprechend, kein Verschulden darstelle und patriotischem Denken entsprungen sei, wodurch die Episode für die deutsche Politik erledigt war. In der Tat war sie infolge des Verrats Alexander Szeks das endgültige Verhängnis für die Mittelmächte geworden. Dieser Mann des Schicksals hatte der Finanz in Amerika j und der englischen Propaganda das Mitteln geliefert, durch das sich die lange widerstrebende öffentliche Meinung und der' schwankende Wilson selbst in den Wirbel der Kriegshetze hineinziehen ließen, so daß binnen ' wenigen Monaten die Stimmung eines heili-^ gen Kreuzzugs durch das riesige Land bran-' dete. In diesem Kreuzzug verlor der End-' sieger, der dem verbluteten Deutschland den Stoß versetzen konnte, 125.000 Soldaten,! 30 v. H. davon waren Neger und 18 v. H.! Söhne von Deutschamerikanern, die sich an-! werben lassen mußten, um nicht samt den! Eltem ausgewiesen zu werden. I j z 8 8 5 7 5 8 X ^ l-1 5 8 508 8 0X01-1507^7100 tt - 5 8 ^8851758^517008 7/18: K' E F Srinnrm. Erinnem? O ja, ich erinnere mich, daß wir auf der Fahrt an den Jsonzo irgendwo im vicbirge um 11 Uhr nachtS aurwaggauiert wurden, zur Menage. Wir waren lauter junge Leute, zum erstenmal an die Front, mit Packeln und Blumen noch beladen. Wir batten inneren Spaß an allein, woran mir vorübcr- kamcii, und da wir Musik — a Klamps'n, a Fiedel — im Waggon hatten, waren wir herrlich aufgelegt und guter Dinge. Da hielt also der Zug, em Rätselraten begann, was cd da geben wiirde, ob nur an Schwarzen oder nietleicht sogar dürre Wurst. Auf einmal wurde die ganze Aesellschaft mäuschenstill: Au, südwestlichen Himmel znckte e» grellgelb und rot und dumpfes Rollen drang zu uns herüber: der erste Kanonendonners Wie Gespenster schlichen wir zu der Baracke, wo mau uns wirklich Wurst, Brot und Kasfee verabfolgte, wir schlichen zurück, keiner rührte den Frost an, jeder legte ihn zur Seite uird starrte hinaus in den zuckenden Himmel. Erinnern? Da» war schon »ach dem Durchbruch, »och der Einnahme von Görz. an der Lwenza. Der Vormarsch war zum Stehen ge- kommen, die Italiener hatten sich erholt. Wir waren in einem schlostariige», drei Stock hohen Gebäude eiuquartiert. Eine Helle Mondnacht — wie lernten wir die Mond- nächte hassen I Die Front war ruhig, alles schlics schon. Auf einmal Surren und Brummen, gleich darauf Heulen, ein furchtbarer Einschlag. Als ich die Zlugen aufreiste, Feucrgarden an meinem Fenster vorbei. Gleich darauf Rufe: „Bomben, Fliegerl" und alles rennt in wilder Hast aus den Stockwerken ins Freie. Ich lag da und starrte. Ein Kamerad reifst mich auf: „Hinaus, Bomben I" und stürmt davon. Ich kann kein Glied rübren. da- Hans biegt sich nach links und recht?, Fenster, Türen springen auf, bersten, fallen aus den Angeln, und immer diese furchtbaren roten Feuergarben, vermischt mit der schtvarzen, spritzenden Erde. Ich lag gelahmt aus meiner Matratze, dachte an nichts. ES war der erste Vombenangrin. den ich erlebte. Dann wurde es still und die Kameraden kamen zurück. In Hemden und Unterhosen, wie sie aufgesprungen waren, und — jeder den am Nachmittag gefassten Brotlaib unter dem Arm. Len „AimS" hatten sie in der Todesangst nicht vergessen. Erinnern? Oberleutnant K. war Beobachter bei uns. Seine Flicgerphotos waren berühmt. Ec konnte meterlange Streife» zurückbringen von der Front, die aneinander- passten, als wäre es ein Filmhand. Da liest er iich eine- Morgens, al» er wieder zu einem Fluge startete, an« meinen! Apparat dis Gummibänder, die er sich für seine Kamera angescrtigt haste, hcranSgebcn, weil er mit einem andern Flugzeug nnd einem andern Waten startete. Dann slon er davon. Am Abend brachte man mir die Gummibänder wieder — er nnd der Pitot. ein Wiener Kellner, der den ersten Feindssflug unternommen haste, ivaren abgeschlossen worden. Die Gummibänder aber waren vollkommen intakt geblieben. Erinnern? An daS Felddordell in Ulnae? In langen Nethen standen die Männer in Feldgrau da, stundenlang angestellt, so wie ibre Frauen, ihre Bräute um Brot. Zehn Prostituierte waren »n Hause. In Trupps zu zehn Mann wurde man eingelassen. Ein SanitätLunterossizicc stand gleich hinter dem HauStor mit einer Injektionsspritze; der Ein- tccteiide bekam sofort eine Ladung Proiagol. Daun ging cs die Stiegen binans. die Türen zu den Zimmern waren osten, man konnte zn- iÄancn. Unteroffiziere standen ans den, (Lang herum und riesen da nnd dort zur Tür, auf den dreckigen Strohjack zu: „Gehn ma, gehn ma!" Und einer nach dem andern der WarUmden kroch hin ... Erinnern? An Lustkämpje und brennend abstürzendc Flugzeuge, an die erste Verwundung. da ich aus cinmal. wahrend des He au! luge k schon. Blut über den Rücken n«ieln sichst« und nickt mutzte, ist et» ernst oder nur eine Kleinigkeit, dring« ich mick und me Liste noch heim oder wird mir im mickist'ii rulgenblick schwarz vor den Augen und alles M derbe,. Bordet? Ick war zweamdzwanzig Fat»r st,. j - ^actzt jn SchSnsaS- ! Ichonvatz im Nofenkak. stakurnischer O?t ^ " ' s>m d-uk'k ea 'M a m«,m N,St jetzt i Tagsüber furchtbares Trommelfeuer auf die Gräben und Sperrfeuer auf olle Zufahrtsstraßen. In der Nacht richteten die Italiener e i n schweres Geschütz ans Schönpatz. Es schoß genau alle fünfzehn Minuten. Liefe Nacht saß ich mit der Ubr in der Hand, schrieb einen Brief und wartete auf den nächsten Einschlag. Cr konnte hundert Schritte pon meinem Hauö Niederachen oder zwanzig oder... Wisst ihr, was das heißt, fünfzehn Minuten auf eine Granate warten, wehrlos warten? Diese Nacht werde ich nicht vergessen. Im Morgengrauen verließen wir den Ort. Ein paar Tragtiere - Munition und Essen mutzten ja hinauLgesckxistt iverdcn — waren nicht zurückgekommen. Ein Koch war tot. Wir duckten uns zunächst irgendwo an der Straße: aber da war ein Kommando in der Nabe und die Herren fürchteten, der Rauch unserer Fahrküchen könnte sie verraten. Wir mnssten weg nnd verkrochen uns in den Wald. Dort hauste» wir in Zelten. Eine zufällige Granate fand unser Lager, fuhr misten hinein, riß einem Tragtier den Kops ab und — explodierte nickst. Am drittel, Tage ging ich nach vorn. Kaum war ick, beim Reg»»entskommanda, ging ein tolles Trommelfeuer los: hageldicht auf die dinieren Gräben. Vorn begann der Anglist. Italienische Flieger, wenige Meter hoch, schossen am, Majckstnengewebren. Telepbon- drähte zerschossen, jede Verbindung unmöglich. Nur ein Meldeläufer vom Nackibar- regiment. ein Bosniak. kam dnrck. Grauenvoll. wie weiß dieses braune Gesicht war: tvenn alles verjagte, zwang der Befehl den Menschen, durch die Granaten zu lausen. Dann lief ancki ich. Lies um mein Leben. Tras die ersten Gefangenen, die von der Front nach binten gebracht wurden. Euren italienische!, Korporal aus Tunis, mit dem ich — da? einzige Mal während des Krieges — französisch sprach. Als ich ans der Fener- zone war, wart ich mich inS GraS: dre gerettete Kreatur atmete Lust und Leben. A!ä ich ins Lager kam. berichtete mein Ste>!»er!retcr: italienische Flieger lvaren über na- gewesen, hatten Bomben geworfen. Untere Landstürmer, polnische, ruthemsche und niederösterreichische Bauern, hasten sich au> d,e Knie geworfen und laut gebetet. Was seMen sie. die Wehrlosen, andres tun? Nie wieder Krieg. das heißt für mich: nie wieder wehrlos gegenüber der Gewalt! 0 . ?. Eine proletarische Mutter schreibt: der: era«»rnar. den Krieg anszuhalten. Schwer enttäuscht war ick, über die deutsche Brnderpartoi. die nutz von der Arbeiter-Zeitung immer ab» Vorbild hin- gestellt wurde. Hingegen erwarben sich die italienische» Genossen meine heißen Sympathien, weil sie sich als entschiedene Kriegsgegner bekannten. Das waren die Eindrücke, die ich Hatto, und schwer bedrückte mich unser« Machtlosigkeit. Nur sehr schwer fügte ich mich in das Unvermeidliche. Meine Ä»gen waren nur aus die politische» Ereignisse gerichtet, an die wirtschaftlichen Folgen dachte ich nicht. Verständnislos sah ich auf die andern Frauen, oie allerhand Lebensmittel korbwsise nach Hanse trugen. Ich sckplt diese Vorsorgenden Egoisten, die mit ihren Angstkäufen die Warenpreise binaustreiben. Später empfand ich es bitter, daß ich'S nicht mit den Gescholtenen dielt. Durch mein Verholten waren meine Kinder viel früher dem Hunger preis- gcgcbcii als viele andre. Mein Mann N>ac Dreher: sein Betrieb stellte fick, sofort ans Kriegsarbeit um. Hatte der Betrieb vor dem Kriege wenig zu tun, so gab's jetzt Ueberstunden bis N Uhr abends; bald reichte das nicht an«, eg wurde Dopvcl- sckicht cingcführt, also Tag- und Nachtbetrieb. Also mehr Arbeit, durch den Tod von Mit- Menschen mein Verdienst Möglichkeit. Vor dein Kriege betrug das Wochencinkommen meine« ManneS 26 Krone», jetzt durch die Ueberstunden ttst Kronen. Als ich das erstemal soviel Geld auf die .Hand bekam, sagte ich. Blut klebt daran und wir dürfen uns darüber nickt freuen. Obwohl e« „ahe- Itcgend gewesen u^re. weil wir sonst immer mtt groger Na! zu kämme» halten. Mein Man» wurde in trüberen Jahren w»-derbe!! gemakregel!, des öfteren war er krank, oie.'. Kinder basten wir auch. Tie Freud« über mekr Gelb wäre schon berechtig« gewesen. D«r Gedanke an dad lrek« fließende Bl»! bat sie .'»trüb!, de, mir persönlich unma-sti-N gemacht. Aber eS dauerte ja nicht lange, so wurden diese Einnahmen zu wenig; dadurch, daß wir zu Kriegbbeginn gar nichts an Lebensmitteln vorkauften, waren wir viel früher gezwungen, teure oder solche Waren zu taufen, die sonst für unsere Lebenshaltung gar nicht in Betracht kamen. Oft und oft hatten wir überhaupt nichts zu essen, die Kinder weinten vor Hunger und bekamen allerlei Zustände, wie weiche Knocken, dauernde Kopfschmerzen, Bettnässen nnd dergleichen mehr. Hänstg schliefen sie vor Ermüdung ein. Es war mir trotz aller Mühe nick» möglich, die körperlicheil Schäden von den Kindern abzubalten. wohl aber die moralischen. Ich hütete die seelische Gesundheit meiner Kinder wie kostbare Kunsuverke oder Edelsteine. Um der Not zu begegnen, versuchten wir unser Glück mit einem Schrebergarten. Ein Stück Grund war bald erworben, also was niibanr»? Kartosseln, natürlich Kartostctn. Vater, der stets mißmutige, lebte wieder aus, seine freie Zeit gebürte dem Garte», und hoffend sahen wir der Ernte entgegen. Nur noch ein paar Tage wollten wir die Kartoffeln in der Erde lassen, damit sie besser auSreifen, sonst sind sie wässerig und ungesund. Wer beschreibt unser Entsetzen, als wir eines Tages ernten wollten und die Ernte war schon weg. Diebe, gestohlen, waren unsere ersten Gedanken. Es traf uns schwer. Mit den kulturellen LebcnSa nford« runaen war e.^ ebenso schlimm bestellt. Der Seifenmangel war so kraß, daß ich nicht im- stände ,var. regelmässig Wäsche zu ivaschcn und Fußböden zu reinigen, diese Arbeiten hingen immer vom Erhalt einer Seife ab. A» ein Bad ivar nicht zu denke,. Wir ivaren froh, wenn wir uns lvascheu konnten. Seife ivar trotz den Karten schwer erhältlich. häufig auch sehr schleckst und mit Ton versetzt, dieser batte die Eigenschaft, die Haut zu verschmieren. Mit reiner »nd ganzer Wäsche ivar e« ebenso bestellt, e« fehlte der Zwirn zum Flicken nnd die Zeit dazu auch, man verbrachte dieselbe mit dem Anstelle» und junstigen, Hcrumlauien. um da« Nötigste gisammenzutrommeln. Ich will noch i>«4 Licht- und Heizmaterial« ge. denken. Lu» 2kucken von Fugdodenwachö und alter Strickwolle machten mir Kerzen. Vater horte eine Form dazu aemackt. Auch i mit Karnidtampei' baHeri wir un» weiter.; > Da dre Hol»- und Kshknguokr nicht aus- l ozM MlM reichte und oft mangelt an Zufuhren auch nicht aiiegegeben wurde, so mutzte auch da Nat gesäxlfsen werden. Zuerst kam der Bodenkrcun daran, als Zuschutz alte Schube und Melder, kaputte Spielsachen, ausgeschriebene Schulhefte usw. Irgendwo erhielten wir abgerebelte Maiskolben, getrocknet waren sie ein vorzügliches Heizmaterial. Hatte man in der ersten Kriegszeit eifrig die Zeitungsberichte gelesen und kalkuliert. Mann wohl das Morden ein Ende haben wird, so wurde man später immer hosj- »»naSloser. Die LZmausgabenverkänfev wurden kam» mehr beachtet und ihr R»l „Extraansgabeee" wurde recht häufig mit dem Spottrns „Mageusanger" bear..wartet. Die Sonnenseite in dieser schweren Zeit war die Parteiarbeit. Wein Mann war SektiouSleiter, durch seine Diensten'- teiinng im Betrieb konnte er kaum noch etlvaS machen. Seine Vertrauensmänner , und Mitarbeiter waren cingerückt oder sonstwie behindert. Ein ganz alter Genosse war noch da und die Fron eines Eisenbahners. der in der Feuerzone Bahndienst machte. Wir drei hatten von Woche zu Woche die „VolkStribiine" ansgetragcn. manchmal sogar noch wo ein Mitglied g vorbei', bis zum Zusammenbruch. Schrecklich lvar das alles, und nach dieser Welt soll es noch eine Hölle geben? Und honte wohne ich in einem Bau der roteu Gemeinde. verfüge über Gas und sonstige Hilfsmittel, daher Habs ich Zeit, diese Betrachtungen zu schreiben. Lb. 8 .- 1 . Unterirdische Arbeit. Der Krieg war lang — und wir jung, im Kriege zu Sozialisten geworden, entschlossen, mit allen Mitteln an seiner Beendigung zu arbeiten. Wenn wir überhaupt noch an die verödete Universität gingen, lasen wir mircr der Bank die Auseinandersetzungen nn „Kampf" und die Resolutionen von Zimmer- Wald und Kiental. Weit öfter sahen wir bei geschlossenen Fenstern, einen Auspasser im HauStac, im Stndentcnlokal in der Schlösset- nasse oder bei den Jugendlichen und schmiedeten Pläne. Der Versuch, am l. Dtat 1b!7 vor Las Parlament zu ziehen und dort jür den Frieden zu demonstrieren, war durch die Polizei vereitelt worden. Der Adler-Prozst; hatte uns unerhört aufgewühlt. Und so v>- Moisen wir -- einige Jugendliche und Studentinnen: Friedrich Adler m» >; des reit werde». Und eifrig wurden Fingzrltel anSgetragen. in denen wir sur einen Iniiiiiachmiüng zu einer Massendemonstration vor dein Parlament aufriesc». Parole: Befreiung Friedrich Adlers! Di» unterirdische Arbeit wollte ans Licht. N-r werde ich vergessen, mit welch ungeheurer Spannung, mit welchem Hochgefühl wir hinzogen. Und richtig, schon herrschte reget Leben vor dem Parlament, die. Bänke in Le» Alleen besetzt, lose Gruppen, die auf und ob gingen. Aber kaum war einer von und erschienen, als ec mit grösster Treffsicherheit von einem der ersehnten „Demonstranten" unter den! Arm gefaßt und — aügeführt wurde. Es waren fast durchweg Spitzel, die unserem Rufe gefolgt waren. Kaum eine Enttäuschung habe ich später so schwer per- wunden wie diese. Nur eine vielleicht noch: den Jänner- streik. Nicht nur die grotzen Betriebe, alles, was damals jung und sozialistisch war, war in Bewegung. Wir stellten »ns den meist illegalen Aktionskomitees der Streikenden zur Verfügung, arbeiteten an ihren Flug- blättern mit. trugen sie aus, träumten von Frieden und Revolution, und konnten cs nicht fassen, als der Fännerstreik abge- brachen, viele Iugendgenossen verhaftet waren — und der Krieg weiterging. Ein Iuacnvgenolse. der, obwohl nur auf Urlaub. so unvorsichtig gewesen war, im Kriegsministerium Flugzettci zu verteilen und strafweise an die Front geschickt wurde, konnte den Zusammenbruch oer Hoffnungen nicht überwinde» und verübte Selbstmord. Ich erhielt den ehrenvollen Auftrag, das von der Polizei in ganz Wien gesuchte Klischee, des Äinrnser der Linksradikalen, „Verkauft und verraten!", schleunigst zu vernichten. Aber wie? Ich erinnere mich. Latz ick, einen ganze» Tag lang, die schwere Bleiplatte sorgsam an m'.ch gepreßt, u, Wien herumirric. Sin- « LreLr» s-itsLe--. Es »rr r»Z Mr s»rp«N» rnr strrLrr. Ick? des» «Lr» Lrr»s dun Kstoxrovr» f W». ki-g» W-L -» »S H-c» xr-r-ürs, ««L. KL. «L» Ä» E rÄk» dekr«»»» kstr» § »k«kr n»sr« DE «A erWust «ch- dre.' i A«»«. «»» E» r-nA ' Mi»; L»«e» »r --ark-.r »o- t «KUMM S--« fchrselzea? Da» ging zu lang'am. Per- s Vvabw? Las war zu suställiz. Alls blieb i «er der Loaaukanal übrig. Ater schon sammelten sich Menschen, die der vermutet rn Aindelwegleaung intereweri .zu- laben. Es wirk« sie Platte schließlich doch ! r-unwn. de» Flammen übergeben und nur ibr oer-' ' King ei« Kratze Hsffnung im Rauch... Di« Kriegt zeit mar schwer und hart — aber f» ftenq. !« kühn und gläubig mar man «««»l» wieder ... KLib« L. st-7 Ubr krüb er« balde Stunde lang in einen . anstelle», weil : ü'.-rrb.'.up! nich! oekam. Wir näb-rten uns von Matt-brot. Wrukcn, Halmrüben und bunkerten. In der Schule wurde Flieger- ein Viertelliter Much sie in unserem Bestrk alarm geübt: wenn die Glocke schrillte, wurde» H«he»«W tSS«. Llt der Weltkrieg auLbrach. rrvwcn wir Kch» Jahre alt. V>: kamen eben -n die täiH« DolkZichlllkl-'/st. Wir rsarrn überall! begechtrtt dabei: Llt dir Beteraneir'eroL mtt ihre» Muflkkapellen Tag iür Tag über d:r KmsÄrstze zagen und der HsrrvsatrietiSraue bswch d;e Stadt raste: alt dieselben e-ttcranea wenig« Wochen später mrt ihren KeLEzLvedrrn ihre lächerludr Lack« au- dr» Brscke» de» Wnurflusie» bezogen: als Lrr erstrs Nrgiamnter »u dm Babnbeien mmrickserLr» und sl« die ersten erbeuteten rsWöben und lerchFLen Geschütze vor dcm LrsglvmMdertt» und vor der Hofburg curfzestrLt wurde». Lm l5. August — drk- Llt» Krtters Gebsttsrag — vcranstalr.-ten wer Buden m de» engen H?°cn der Drole- trr»rbL»?rr KrZmstiern. Wir lwßen Frösche knallen und Raketen singen. Lrnrr unter uu», der Sobn nneS kleinen DerMsmeistrr*. drehte ein kleines Holz. moL-3 «mr» L«Aerirg:kLo»7z-. im FrearcheZkrer» wurde er mi: Tat" ^-er- «ssrL» — rin Nsgrl «ine» «ag«L. ll» den Erlös kaust, n - rrÄr' und „Drama' ar.L r>:nc-.: dersusdrte L^Latrn. Viclr ur/-." . Ware» rurgrrückr «ar-ck« o:'all:n. wurde» v« rang» Buttchen von Fr... v-a» tranken und «ütrn Männern richtet. T«r Unterricht wLhrre zwei b:5 or-:-. TLmrde» tt» Tag! RanLe unter den Lobrem «H0K« »»» ran Soff» eines dysterischerr Zkattr ar a krsm a - s. Nach redes S.ro östrrrc:chi- scher Trappe» «mrde dir Schülemchast im Tsranarl »rriaararselr. der Herr Direktor ldsrü «ä» ^U»de»de Rede', wr: ja»er» pAser erüal»:' »nd hatten einen sckiulstrie» LuÄ r ät L i i. Er»mal erzäblre er uns — WO ZsKf- und VirrzobnfäLriern —. „dir IS« des Varrüavikrrair ffr für errir tot!" Wir kr«»»» nichts dorm: :mannen, aber wir d»Qc» scttsar^zelbe Fähnchen au» Sttck- sadS» i» dir Karte» anirres S-chuuttlas. Ls» tachs er-ngcrack:«! Berwoneren waren di» WS Ach» lstlS drei «»'allen: drr «chrä-e» tchiLir» u»t Ländern Fttdpcstkarie:! «r» LttAesrchd« sur v-ele» Gratzrn und der M-chsAW. wch« dras r-r sei». Aber wir t«rgeLkm. »Herr EL«n d.mortten. Wir MN» von stchr» Uhr aLendL bis zum «M» Tag »» «kt Ubr osranurag! vor de» HrLmsrmrtchsrichä'ttu a««-rr.l.t. W» »öchttK» «wj de: S::rtzr vor der. ZLtr». wsr» »w um Lstto?'ela s «NpLE. T» K-Mwear» lrrsi a» brr: A^r d»r S-llsgr-nn» S-.nr lck» de-' «ch wcr «nchevr» Ldterttsang drr' nnr in den Keller pttübtt- Wir kannte» olle ° Truppengattunsen. Chargen und Auszech-! Wie einst die Sch-iilfugrnL Brr«'- > marken, so sammelten wir Patrone».! Kokarden. Krieg-ostder. j Wir litten fürchterlich Hunger: immer! mehr ernüchtert und verbittert ickl-.ch bald- f vcrdungett da« Volk durch di- Straßen. , Tann «in ungeheure« Erlebnis: L-r? Iännentreik tst!^. Arbeiter ziehen durch die Straßen. Gerüchte schwirren durch di« Stadt, in der Schule warnen Lehrer die Buben unter Androhung schwerster Strafen, an den Kund- kwbuirycn leilzunelimen. Wir merkten zum! erstenmal: cs all: noch eine andre Welt, von > der wir bisher nichts wußten. , Bon nun ab lasen wir täglich beim Nachbarn erst beirnlich. dann offen die Ardeiter- Zrrtung. Sommer I9l5: Die «chuke ist zu Lade, de: Kriegsraulch auch — bei jung und alt. Em paar Woche» danach komme ich in die Lehre, in einen Betrieb mittlerer Größe. Der kleine Lehrling wird dem Herrn Major, dem militärischen Leiter des Betriebes, oorge- stellp Ter Kleine wittert: Ter ist der Feind! Ein vaar Wochen später kommen Telegramme, f wandern durch alle .Hände: der Lehrling be- i komme ste zum Wegen: „Militärmagazin . Hostavier und Graz — Storniert alle Anf- ! trage!' Ter Krieg war zu Ende. In den I Straßen standen die Arbiter, die Soldaten trugen rote Kokarden, dergleichen viele Lst'stziere, den übrigen ritz man die kaiserlichen Abzeichen herunter. Am tll. November llllö standen wir hungrig u:rd geschwächt vor dem Parlament, aber wir glaubten an Len n;ben Sieg LeS Sszialismue-. Wir wollten Sozialisten werden und wurden eS. Li. 1 8 8 L I IL«X1X X e 8 fllk xiex ll o X u X e X s ^ 11 o X I^ 8 ? 08 I (6^32) ^ - L^/O 15 Jahre sind es her, da der Weltkrieg seinen Anfang nahm. Viereinhalb Jahre dauerte die Zeit, in der Opfermut und Heldentum sich mit Grauen und Elend paarten, den größten, die die Menschheit je erlebt hat. 70 Millionen Mann standen in Uniformen gegeneinander an den Kampffronten — 70 Millionen, also mehr als die Gesamtbevölkerung Deutschlands. An 2000 Deutsche fielen täglich an der Front. Alle am Kriege beteiligten Staaten verzeichneten gegen 11 Millionen Tote. Und 25 Millionen Verletzte; davon blieben rund 10 Millionen verstümmelt. Es gab Heere wie etwa das! rumänische, die 34 Prozent Tote hatten. Der Durchschnittsverlust der Entente (Kriegsgefangene und Kriegsverletzte mitgerechnet) betrug 52.3 Prozent, der der Mittelmächte 67.4 Prozent. Eine Newyorker Zeitung hat vor Jahren zu versinnbildlichen gesucht, was 11 Millionen Tote bedeuten; sie schrieb folgendes: „Stellen wir uns einmal vor, daß die dritten Toten die Straße hinabmarschieren. Im orgengrauen brechen sie auf, in Reihen zu 'zwanzig. Bis Sonnenuntergang marschieren sie und am nächsten Tag ebenso und am nächsten, nächsten. , . zehn Tage lang. Noch 11 Tage mehr marschieren die toten Franzosen. Die Russen brauchen das Tageslicht weiterer fünf Wochen. Zweieinhalb Monate würden die Toten der Alliierten brauchen, die Toten der Feinde etwa sechs Wochen. Vier Monate lang Menschen, die im Kriege getötet wurden, vorbeimarschierend..»- immerzu... in Reihen zu zwanzig." Die Mutopfer des Krieges werden vermehrt um die Riesenarmee aller derjenigen, die indirekt, körperlich und moralisch unter dem Krieg zu leiden hatten und heute noch zu leiden haben. Die ungeheure Erschütterung, die das Drama 1914 —1918 für die ganze Welt bedeutete, — ist sie spurlos und endgültig verschwunden? Das werden nur diejenigen behaupten, die nicht sehen und nicht hören wollen, was um sie herum geschieht. Freilich, es ist vielleicht ein Glück für die Menschen, daß sie über das Vermögen des Vergessens verfügen — aber so weit reicht dieses Vermögen doch nicht aus, um die Auswirkung der tragischen Ereignisse, die vor 15 Jahren ihren Anfang nahmen, aus dem heutigen Leben zu streichen. Vieles, allzu vieles hat sich seitdem geändert, und wir alle sind nicht mehr die von Anno 1914. Die Zeiten, die hinter uns liegen, werden noch auf Generationen ihre Schatten werfen. Viel hat sich seit dem 1. August 1914 geändert — viel ist beim alten geblieben. Man hat gelitten und hat die größten und heiligsten Opfer gebracht — und man hat weniger daraus gelernt, als gelernt werden mußte. Der Krieg, der allgemein als der „letzte" empfunden wurde, wird nicht der letzte sein — das weiß man heute wieder mit völliger! Sicherheit. Fast jeder Tag lehrt diese Wahrheit. Keine schönen Worte können darüber hiuwegtäuschen, daß hinter den Sicherheitsund Nichtangriffspakten und hinter den Freundschaftsverträgen und Friedensbekundungen alle Arten tiefer Geg sätze stecken, die> von Rüstungen unterstützt und genährt, früher oder später an irgend einem Ort zum Ausbruch kommen und einen neuen Welt- brai.d auslösen werden. Eben hat man am mandsch irischen Konflikt erlebt, wie leicht es zu einem solchen Brand kommen kann und wie wenig dazu fehlt, um ein neues erschreckendes Datum neben dem 1. August 1914 str die Weltgeschichte einzuprägen. ( Diese drohende Unsicherheit, die durch keine Beteuerungen aus der Welt geschafft werden kann, benützen die Kreise, die von Moskau aus den Anbruch einer neuen Ara erhoffen, u: "ine Demonstration zu veranstalten, Heren offizielles Ziel der Kampf gegen den ! Krieg und gegen die Kriegsgefahr ist, deren tatsächliches Ziel aber die Mobilmachung der Geiste, für einen anderen Krieg bedeutet, den l Krieg gegen die bestehende soziale und staatliche Ordkung. Der 1. Al urst 1914 war rot vom Blute der 11 Millionen, die 'durch ihn den Tod 'anden. Der 1. August 1929 soll rot werden seiner Gesinnung nach, ! vielleicht auch blutifftot wie der Gedenk^g, j dem er gewidmet ist... l Es wurde viel in der letzten Zeit darüber ! gesprochen, daß die Stimmung in Rußland 'in diesen Tagen eine allzu große Ähnlichleit mit d:r Stimmung Europas vor 15 Jahren habe. Die Kriegslust, die Bereitschaft zur Verteidigung des Landes und seiner Ehre, kampflustige Kundgebungen, Haß gegen den Feind und Siegesgewißheit, ja ein Rausch, der sich der Menschen am 1. August 1914 vielerorts bemächtigte — alles das findet sich nunmehr in Sowjetrußland oder wird jedenfalls von der Presse und den Verfassern der Resolution als existierend dargestellt. Man pflegt in Moskau und in den Moskau befreundeten Kreisen mit allem Nachdruck zu ! betonen, daß ein Krieg, den Sowjetrußland zu führen gezwungen würde, ein ganz besonderer Krieg wäre, ein Krieg, her Leine Analogie mit dem Weltkrieg hätte. >° Das ist Sachs der Ansicht' und Überzeugung. Tatsache bleibt, daß ein solcher Krieg, wie die Idee auch sein mag, unter deren Namen er geführt wird, unwiderruflich zu einer allgemeinen Katastrophe führen müßte, von der kaum irgend ein Land verschont bleiben würde. Darüber ist man sich in Moskau im klaren. Darüber ist man sich im klaren auch überall außerhalb Moskaus^ Im Kreml wird Weltrevolution gemacht; sie wird nicht heute ausbrechen, aber eine Probemobilisierung ist im Gange, und sie soll die Kraftreserven des Bolschewismus, die Stärke der kommunistischen Parteien in allen Ländern,'der Welt zeigen. Die Parole ist in Wahrheit nicht Demonstration gegen Imperialismus und Krieg, sondern nach wie- vor wird die Fahne Lenins enthüllt, auf der die vier Kriegsziele stehen: Auffindung oder Schaffung gesellschaftlicher Widersprüche, bewußte Verschärfung der Gegensätze, beschleunigte Angriffstaktik ,und Zerstörung aller bestehenden Formen. ^ V > ii s c 11 c«»t»1 c l! fu« tz>c» li o « ü «c n i»i > o» 7z618?08I (Kl-sr) AS'L_UL.q.xlHLH MMmkiMM MM« M de« ^ P«MVd M. ^ Von Dr. Albert Ritter. I. Das deutsche Volk hat durch den Hingang des Historikers Hans Delbrück einen gar nicht zu ersetzenden Verlust erlitten. Dieses Urteil, das der Erfahrung, daß kein Mensch unersetzlich sei, so ganz widerspricht, wird eine betrübliche Bestätigung finden, wenn einmal die Forderung der Nation, daß die Kriegsschuldfrage aufgerollt Werde, von der Regierung nicht mehr durch bloße Erklärungen umgangen werden kann. Delbrück war der Mann, der als Kämpfer für Deutschlands Recht in der ganzen Welt angehört werden mußte, weil ihm eine völlig unanfechtbare Autorität zu Gebote stand, er war der Mann, der auch in dem Lager der deutschen Ankläger Deutschlands und von den Leisetretern nicht als Wortführer des ihnen verhaßten Nationalismus oder der Vorkriegsherrenklasse abgelehnt werden konnte, weil er in der Kaiserzeit und während des Krieges stets der geltenden Strömung entgegengewirkt und dann nach der Umwälzung den Anschluß an die Republik als eine nationale Pflicht erklärt hatte. Sein Standpunkt, den er zuletzt noch in der vom Minister Becker verhinderten Rede bei der Kundgebung der Universität Berlin vertreten wollte — die Rede erschien dann in den „Preußischen Jahrbüchern" — war der: Deutschland ist nicht nur nicht allein schuldig, wie der Paragraph 231 und die Mantelnote zum Diktat es behaupten, sondern es ist ganz und gar unschuldig an der Entstehung des Weltkrieges! Mit Delbrück ist nun der wertvollste Zeuge dieser Wahrheit aus der Welt geschieden, und so hoch die Arbeit etwa eines Alfred von Wegerer und anderer Fachmänner aus dem Kreise der „Berliner Monatshefte" einzuschätzen ist: die internationale Geltung, die Delbrück besaß, steht keinem deutschen Kämpfer gegen die Schuldlüge mehr zur Seite. Dafür wird sich umsomehr die seichte und dabei gefährliche Art eines Emil Ludwig öreitmachen können, der Deutschland mit dem Opiat seiner Phrase, daß es nicht schuldiger sei als die anderen, und mit der Verschiebung der Anklage aus Österreich einlullen möchte, damit der von so vielen Linkspolitikern gefürchtete rücksichtslose Kampf um das Recht za nicht ausbreche und der Irrwahn der Pazifisten, daß aus einer Lüge ein wahrer Frieden erwachsen könne, nicht gestört werde. Im Sinne Hans Delbrücks muß der Kampf gegen die Kriegsschuldlüge auf die Art geführt werden, daß die Antwort auf vier Fragen gefordert wird: 1. Ist der Regierung Wilhelms II. nachzuweisen, daß sie jemals einen Krieg gegen Rußland, Frankreich oder England gewünscht oder für den Fall eines Krieges gegen eine dieser Mächte bestimmte Gewinnpläne gehegt hat? Die Antwort auf diese Frage kann nach allen vorliegenden Beweisen nur lauten: Nein! 2. Ist einer der drei Ententemächte nachzuweisen, daß sie in den Jahren seit 1890 einen Allianzkrieg gegen Deutschland gewünscht und für den Fall eines solchen Krieges im voraus bestimmte Gewinnpläne gehegt hat? Die Beweise liegen vor, daß diese Frage mit einem Ja zu beantworten ist. Solche Pläne wurden in Rußland und in Frankreich zwei Jahrzehnte lang gehegt und in England öffentlich erwogen. 3. War es möglich, daß die Politik Serbiens gegenüber Österreich-Ungarn nicht in einen Krieg auslief, wenn Österreich nicht freiwillig auf seine Balkangebiete verzichtete? Die Antwort lautet: dies war ausgeschlossen; wenn Österreich seine Gebietshoheit wahren Wollte, mukte es den Kampf, den Serbien unbedingt Huben wollte, aufnehmen. 4. Wer trägt die Schuld, daß Österreichs Abwehrkampf gegen Serbien trotz seiner feierlichen Versicherung, daß es keinen Gewinn davontragen wolle, zu einem europäischen Krieg anwuchs? Die Entente; Rußland ließ Österreichs Kampf um seinen ruhigen Bestand nicht zu und Frankreich weigerte sich, seine Neutralität auszusprechen. Beide wollten, daß entweder die serbische Gefahr für Österreich bestehen bleibe oder ein allgemeiner Krieg entstehe. Aus diese Art ist der Faden des Weltdramas bloßzulegen, und man gelangt zu dem Urteil, daß ein durch die geschichtliche Entwicklung unausweichlich gewordener Prozeß ablies, daß die Anwendung moralischer Wahrsprüche in diesem Fall überhaupt fehl am Orte, ;a geradezu kindisch ist, daß aber, wenn solche Bewertungen aufgestellt werden, alles sittliche Recht auf der Seite der Mittelmächte und alle Raublust, aller Haß, aller Neid und alle Tücke auf der Seite der Entente zu finden sind. Nichts kann Deutschland mit Recht vorgehalten werden, als eine ungeschickt polternde Politik, die aber nichts bedeutete neben dem Besitz von Elsaß-Lothringen, der zweitgrößten Welthandelsziffer und der Freundschaft mit Wien, die den Panslawismus gegen Berlin in Marsch setzte. Der Tag wird kommen, an dem die deutsche Sache in diesem Sinne, wie Delbrück sie verfechten wollte, siegreich sein wird. Nun aber haben zunächst wieder innere Widersacher das große Wort: Emil Ludwig,, der mit seinem Büchlein'„Mit 14" Meder' einen Fischzug unternahm, der Mann, der das Weltkriegsproblem aus die Frage vereinfacht, welcher böse Bube in k^m friedlichen Europa in jenem Monat nach Sarajevo unvermutet eine wüste Rauferei hervorgerusen habe, und dann ferner ein Fanatiker in Wien, Herr Professor Heinrich Kanner, der seinerzeitige Herausgeber der „Zeit", der seit bald zehn Jahren durch Aussätze in international gerichteten Blättern, in Broschüren und sogar in einer eigenen Monatsschrift, „Der Krieg", mit eintöniger Unermüdlichkeit die Anklage wiederholt: Deutschland trägt die Schuld am Weltkrieg, weil es der Wiener Regierung die Vollmacht erteilte zu einer Politik, von der beide wußten, daß sie zum Krieg mit Rußland und mit Frankreich führen müsse. Selbstverständlich bleibt die Tätigkeit des Wiener Professors nicht ohne Wirkung, sie ist, wenn auch nicht im gleichen Grade, als ebenso verhängnisvoll zu bezeichnen, wie die F. W. Försters, der mit aller Gewalt Deutschland auf die Armesünderbank zwingen will. Ja Kanners Gedankengänge scheinen den Försterschen sehr nahe verwandt, in der „Prager Presse" berichtete er ganz zustimmend über den Vortrag eines amerikanischen Professors Turner, der die Behauptung aufstellte, Deutschland schade sich in Amerika umsomehr, je größeren Erfolg seine Propaganda gegen den Paragravh 231 anscheinend habe, denn die Mehrhert der Amerikaner bleibe aus dem Standpunkt, daß sich das deutsche Volk nur durch die stärkste Verdammung des kaiserlichen Militarismus allmählich rehabilitieren könne, sich aber durch seine Propaganda wiederum zu Wilhelms Thrannenplänen bekenne. Herr Kanner wird mit solchen Mahnreden ebensowenig Glück haben wie sein Kollege Förster, der es mit seiner Morallehre vereinbar findet, daß der Unschuldige das Urteil auf sich nehmen müsse, damit ihm der wahre Übeltäter verzeihen könne! l> s c! r c»»1K«, c« fü» >i o»«c ü i»i l o» 7it688?087 (ki-sr) _ - 72 . - 7 . / emWW MM» U bk» MUMN1. , , Don Dr. Albert Ritter. ^ L Indessen ist zu sagen, daß Kanners monomane Anklägern nicht uninteressante Zusammenhänge aufhellt. Seine Beweisführung für die Grundbehauptung, daß Deutschland durch die von den Generalstabs- chess Moltke und Conrad von Hohendorf im Jahre 1909 vereinbarte Übereinkunft über j das gemeinsame Vorgehen gegen Rußland l gezwungen gewesen sei, am 1. August an 'Rußland den Krieg zu erklären und damit die formelle Verantwortung für den Ausbruch der Weltkatastrophe zu übernehmen, erscheint durch die Zusammenstellung aller Dokumente und zeitlichen Daten so Wohl gestützt und so einleuchtend, daß man sich ihr kaum entziehen kann. Dies umsoweniger, al- man ohnehin geneigt ist, dem Wunsche i nachzugeben, daß man wenigstens einen verständlichen Grund für die größte Verrücktheit, die in allen Jahrtausenden begangen wurde, kennenlerne, für die Aussendung der Kriegserklärungen aus Berlin, das nie di« Absicht gehabt hatte, jemanden anzu- greifenl Heinrich Kanner hat seinen Horizont nicht weiter gespannt als Emil Ludwig und Zahlreiche deutsche Linkspolitiker, als die Mehrheit der Amerikaner und als die schwindende Anzahl der Europäer, die den Trug- rÄ>en ihrer Führer noch Glauben schenken, daß der Krieg eine vermeidbare Freveltat gewesen sei. Daß die große Frage zur Lösung stand, ob Österreich-Ungarn sich dem Schicksal des Zerfalles freiwillig unterwerfen oder feinen vierhundertjährigen Bestand mit dem Notrechte jedes Organismus verteidigen wolle, das einzusehen liegt dem Herrn Professor meilenfern. Sein Standpunkt hätte eine Begründung, Wenn man nachträglich behaupten wollte, im Juli 19^4 wäre die Frage an die Völker Österreich-Ungarns, ob sie den Zerfall der Monarchie wünschten, von ihnen mit Mehrheit bejaht worden. Diese Behauptung kann wohl nicht aufgestellt werden, sie erscheint vielmehr durch die Tatsachen, durch die Art, wie der Ruf zum Kampf ausgenommen wurde vollständig widerlegt. Wer nun heute, und das ist allerdings der volkstümlich gewordene Standpunkt, den letzten Daseinskampf der Habsburger-Monarchie als einen von diplomatischen und militärischen Abenteurern und Idioten in verbrecherischem Leichtsinn eingefädelten Massenmord an einem harmlos unwissenden Volk zu einem verächtlichen Abscheu stempeln will, — der begeht selbst eins Schandtat an aller objektiven Wahrheit, an der Majestät der Geschichte, an der Heldengröße der letzten Kämpfer für die Idee des Donau-Völkerstaates, die wahrlich nicht schlechter war als das Wilson-Evangelium, das im heutigen friedlosen Wirrwarr zwischen Ostsee und Ägäis sich verwirklichte. Von deutscher Seite ist dem streitbaren Wiener Professor wiederholt entgegengetreten worden. Der Kriegsschuldforscher General Graf Max Möntgelas hat sich mit ihm in der pazifistischen „Weltbühne" auseinandergesetzt, an der Universität Bonn hat das Historische Seminar unter der Leitung von Professor Fritz Kern eine sachliche Nachprüfung der Kannerschen Thesen vorgenommen und darüber in der „Kölnischen Volkszeitung" (28. April 1929, Nr. 297) Bericht erstattet. In der Polemik Möntgelas— Kanner sehen wir immer wieder Behauptungen und Beweise gegeneinandergestellt und die Entscheidung schließlich mehr dem Parteistandpunkt'des Lesers anheimgegeben, die Untersuchung des Bonner Seminars aber widerlegt den Standpunkt Kanners vollständig. Und zwar durch den Nachweis, daß Suchomlinow und' Grey das von Men auf-! gestellte Kriegsziel ausdrücklich billigten und in seiner Durchführung keine Provokation der andern Mächte erblickten: bis in ihrem, Kreise selbst der Wille, den Krieg zu entfesseln zum Durchbruch kam. Daneben gelangt das Seminar auch zu dem Schluß, daß die Abmachungen Conrads und Moltkes keinen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der Dinge zu Ende Juli gehabt hätten, da auch in den Jahren vorher ähnliche Lagen bestanden hatten, Deutschland aber stets hindernd eingreifen konnte, ohne daß Wien sich auf vertragliche Verpflichtungen berief. Diese Beweisführung erscheint mir indessen weniger zwingend als jene in der andern Frage, die durch die Aussprüche der beiden Ententelenker unwiderleglich geklärt ist. In der Sache Kanner liegt eine ernste Pflicht für Österreich vor. Kanners Anklagesystem läuft darauf hinaus, daß die Wiener Politik den Weltkrieg verschuldet hat und das Deutsche Reich in ihn hineinzwang, das- seinerseits die Missetat zu verantworten habe, daß es sich der Willkür Wiens mit gebundenen Händen auslieferte und unter diesem Druck als Angreifer auftreten mußte. In Wien war das eigentliche Verbrechen, in Deutschland die verbrecherische Dummheit zu Hause, sein Schicksal Bankrotteuren überantwortet zu haben. Mit einer solchen Anklage belastet, könnte Österreich wahrlich nii ' guten Gewissens die Vereinigung mit dem Reiche suchen, das ihm noch in ferner Zukunft Vorhalten könnte. eL fei^ W MsM» der Katastrophe der Nation gewütdem aus der es einen Aufstieg nie mehr geben kann,, wie er von 1870 an gesichert schien. Also' müssen österreichische Fachmänner auftreten, die zur'Ehre der alten Monarchie und zur Ehre und Rechtfertigung des Reiches Doktor Kanner entgegentreten. Seine Anklage fällt mit seiner Grundthese, daß die Auseinandersetzung mit Serbien auf der Willkür der Monarchie beruht habe, und was könnte! leichter geleistet werden als der Beweis dafür,, daß jene Behauptung ein Unsinn ist, daß! vielmehr Österreich zum Appell an die! Waffen gezwungen war, wenn es seinen! Weiterbestand sichern wollte. Es ist aber unerläßlich, daß die Klärung erfolge, datz Heinrich Kanner in Österreich selbst durch! eine unausweichliche Widerlegung zur Ein-! stellung seines fanatischen Kampfes gegen! Deutschlands Recht und Ehre gezwungen wird. Das deutsche Volk wird immer stür-j Mischer fordern, daß seine Regierung dies Frage der Kriegsschuld einer Entscheidung! zuführe, und es geht nicht an, daß ihmchabei^ von Österreich aus fortwährenden den Kücken; gefallen wird " ^ i I z n g c i i L n x z««e n ?" n > e »i 0' o X 0 X l f< s /i I I o »i Hs/? ^ ^ ri^Mk r^sLiiLLI ^.: 2S7 M: z. 11. 1929, 8. IV -E^-^-./.- ^ . . , , , der Atnwnach des Berlags S. Fischer für 1S3SV "entlXiit Auszüge aus Txrtzkis Memoiren, die an«r 14. ausgegeben werden. '' Das nachfolgende StM^ daraus wird gewiß unsere Leser, als vcsterreichev» von ehedei», interessieren. "" , -)/ Aus den t Wiener Zäunen erschienen Aus< schriften: «Alle Serben müssen sterben." 'Das wurde der Ruf der Straßenjungen. Unser , jüngster Knabe, Serjoscha, wie iuuner vom Geiste des Widerspruchs rersMt, proklamier^ auf der Sieweringer Wisse:-«Hoch Serbiens - Er kehrte heim mit blauen Flecken und einer -Lohre der internationalen Politik. Buchanan, der frühere englische Gesandte in' Petersburg, erzählt in seinen Memoiren mit' Begeisterung voll den »ersten wundervollen' Attgufttage'n", als »Rußland wie völlig ver- wandelt erschien". Achnliche Aussprüche bet Begeisterung kann man auch-in den Memoiren anderer Staatsmänner stlwen, wenn sie auch nicht so vollkommen die selbstzufriedene Ee» schrSnktlheit der regierendes Klassen pevsonisi-. zieren wie Buchanan. In 'allen 'europäischen Hauptstädten waren die ersten. Augusttage' in gleicher Weise »wundervoll", alle Länder gingen wie »verwandelt" an die Arbeit ihrer gegM seitigen Vernichtung. ' h ^ h Besonders unerwartet kam die patriotische . Erhebung der Massen in Oesterreich-Ungarn, Was trieb den Wiener Schuhmachergesellen» den Halbdeutschen Ha Ms checken PofprschU oder; unser« Grünkramhändlerin Frau Maresch oder' den Droschkenkutscher FraM üus den Platz vo« dem KriegsminiMrium? 'Der nationale Gedanke? Welcher? Oesterreich-Ungarn- war dis Verneinung der nationalen Idee. Nein, die bL- wegende Kraft war eine anderes - - Solcher Menschen, deren ganzes Leben, tag-' aus, tagein, in monotoner Hoffnungslosigkeit verläuft, gibt es viele auf der Welt. Auf ihnen- ! beruht Die heutige Gesellschaft. Die Alarmglocke der Mobilisierung dringt in ihr Leben wie eine: Verheißung. Alles Gewohnte, das matt tausend-! mal zum Teufel gewünscht lzat, wird umge worscn, es tritt ' ein. Und in der ^_ M"M^Nllb«MerenHeit die Gepgcktrciger,s Waschfrauen, Schuhmacher, Gehilfen und di« -Halbwüchsigen der Vorstadt auf der Ringstraße! Ms Herren.der Lage fühlen können? Der Kriegs ersaßt all«, und folglich Ahlen sich die Unter-: hOckten, " vom LMrrr Betrogenen mit dem Deichen und Mächtiger: auf gleichem Fuße. Das! <'chhejpen,h daß ich in derf Mimmuttgb.der ' Wiener Menschenmenge, dich Um -RHme' der Habsburger Waffen demon--; Rvlerte» ;ene Merkmale wiederfand, die ich von den i>Oktob«rtag«n - 1SV5 her im damaligen) Petersburg kannte. W doch der Krieg in der) Beschichte häufig der Vater der Revolution ge-) wesen, ?>-?' ' - ' ? Welche Stellung zum Kriege fand ich bei den) -leitenden) Kreisen der österreichischen Sozial»! demokratie? Die einen frMockten offen, be-s Uudelten di« Serben und Russen, ohne viel, »Unterschied Wischen Regierung und Volk zu ^Machen: das waren" die organischen Nationa- Nisten,, vom Lack der sozialistischen Kultur nur Lwenig bedeckt, und auch der bröckelte ihnen jetzt ^stündlich mehr und mehr ab. Ich erinnere mich, r wie Deutsch, später so etwas wie ein Kriegs- ^Minsster, ifffeniyerzig von der. Unvermeidlichkeit kund Heilsamkeit dieses Krieges sprach, der rOesterrgich endlich vom serbischen «Alpdruck" fbefreien wird. Die anderen — an deren Spitze s Victor Adler stand — verhielten sich zum Krieg swie zu einer Naturkatastrophe, die man über, s stehen NM sie. Diese abwartende Passivität dient » dech aktiv.nationalistischen Flügel als Deckung. s'Der eine oder der andere erinnerte sich tief- ' finnig an den deutschen Sieg von 1871, der der Ldeutschen Industrie einen mächtigen Stotz Nordwärts gegeben hatte, und damit auch der! ^Sozialdemokratie. l Am 2. August erklärte Deutschland Rußland den Krieg. Schon vorher begann die Abreise der! ; Russen aus Wien. Am 3. August, morgens, bergab ich, mich in Sie Wienzeile, um mit den s sozialistischen Deputierten zu beraten, was wir ^__ _^ ß s russischen Emigranten machen sollten. Friedrich etwas Neues, Ungewöhnliches; t-8ldl?r kramte m seinem Arbeitszimmer mecha- Ferne müssen mach umi'bc.rsehV putsch weiter in Büchern, Papieren und Marken 'bare VexänderllllMn gesckMen.i- Zum BesseMj L für den internationalen sozialistischen Kongreß, oder züm Schlimtneren? SelbsWerstündlich züNU ? der demnächst in Wien stattsinden sollte. Aber . Besseren: kann es denn Pospischil schlimmer ßr«- der Kongreß war bereits in die Vergangenheit gehen als zu .«normalen" .ZeiteL? ' Ich wandert«'durch die Hauptstraßen des miÜ so gut bekannten Wien und beobachtete die fürs den prunkvollen Ring so ungewöhnliche Men»! schenmenge, in der Hoffnungen lebendig wur« den. Und hatte sich ein Teilchen dieser Hosf-r nungen nicht schon heute verwirklicht? Hätten? MW f versunken. In die Arena waren andere Kräfte * getreten . . . Der alte Adler schlug mir vor. Mit Hm zusammen gleich an die Urquelle, das / heißt zu dem Chef der politischen Polizei, Gel z» gei)en. Im Auto/MNterwegS-zur Präfekt inachte ich Adler daräuff aufmerksam, daß de Krieg äußerlich eine Milche. Stiüunung ,her vorgerufen habe. »ES freuen sich alle'jene^, che! nicht in den Krieg.-u.^.Psh«s^6«MiMn', l.a»r§ Ivortete er mir. »Außerdem strömen jetzt.'.alles Ueberspannten, alle Bervückten aüfdiF Straße das ist ihr« Zeit. DieErmordupg JaurLtz isl »ur der Anfang. Der Krieg < entfesselt all! Instinkte, alle Arten des Wahnsinns . . Psychiater seinem alten medizinischen Kat nach, ging Adler an polWche EtUiMW »besy«? ders an österreichische*'^ wig ep ironisch-zu! bemerken pflegte —, oft vom pfychopathvlqgi-s schen Standpunkte heran.- Wie «M Mr er^tni jenem Augenblick von'dem Gedanken entfernt/ daß sein eigener Sohn!! einen poWschen Mords begehen würde. In der Zeitschrrst:*»MMpf*/diei vom Adler-Sohn' redigiert wurde.? hatte sich gerade am Borabend des DriegeS einen Artikel über die Uichalibarkeit SeS -individuellen Terrors veröffentlicht.. ES ist bemerkenswert, daß der Redakteur diesen Artikel/fehr-gelobt hatte. Der terroristische Md Friedrich Adlers >var ein Ausbäumen des verMveifelken Opportunismus. nichts weiter. Nachdem er seiner Verzweiflung einen AuNveg gegeben hatte, kehrte Adler aus sein altes Geleise zurück. Geher sprach vorsichtig die Vermutung aus,, das; schon am andern Morgen früh «in Befehl ! zur Verhaftung der Russen und Serben heraus- gegeben werden würde. - ' !/-s „Also, Sie enrpfehlen ahzureffen?* ? . »Je schneller, um so besser.* »Schon, ich fahre morgen mit der Familie in die Schweiz/ »Hm ... ich würde «8 vorziehen. Sie täten es heute.* Dieses Gespräch fand um 8 Uhr mittags statt, und um 6.10 saß ich schon mit meiner Familie im Zug. der nach Zürich fuhr. Hinter Mir blieben siebenjährige Verbindungen^ Micher. Archive, angesangen« Arbeiten» darunter eine Polemik gegen Professor MasarU über die schicksale ber ruNche.st.,KültZr.^/^ ' Das Telegramm von oer^Kapitulation deutschen SoziaPdsmrckrati^' erschütterte " mehr als -»«" Arie^sMSrmN^-HWKkE einer narvrn JdöattfiMng'kWKWWen lismus weit. ents.ertzt''tvar.^ ZmjsJlchU l dstZ > auch später schrieb ich-wledeohostp .Die,pieurvch; päischen. soziallsttschen ^Parteien! haben-reinen eigenen Kochervatismus ausgearbeitet. der uch so stärker ist, je größere Mästen der Sozialismus, erfaßt ... Infolgedessen kann die Sozialdemo»' kratie im gegebenen Augenblick «in unmittel bares Hindernis auf dem Weg« des offenen Zu* sammenstoßeS der Arbeiter mit der bürgerlichen, Reaktion werden. Mit anderen Worten, der propagandistisch-sozialistische Konservatismus der proletarischen Partei kann in einem bestimmten Augenblick den direkten Kamps des Proletariats um die Macht auHalten. Ich habe nicht erwartet, daß die offiziellen Führer der Internationale im Falle eines Krieges sich als fähig erweisen würden zur revolutionären Initiative/ Aber gleichzeitig ließ ich den Glauben nicht zup daß die Sozialdemokratie einfach auf de ml Bauche vor dem nationalen Militarismus! ? kriechen werde. »derkgroUn'Tag'der deutschen Krtron* proklamiert. Das war der Höhepunkt des Austerlitz! - Sein «rAusteplitz!* ... Ich glaubte nicht, daß der i »Vorwärts* geMcht war^ di« ersten unmittel- Mrrtt-Hndrücke tN.Wien hatten mich bereits :üuWdS.Mchlimmiste vorbereitet. Und doch,,blieb die AMiMMNg' vom 4, August eines meiner it«l ErlÄmiste./ Wa»/i-Würde Engels fagenS/sbagte ich Mich. Die Antwort war mir klar. .Wer ' Me ^ hätte Bebel gHaüdelt? Da konnte'! ich keine volle Klarheit- finden. Doch Bebel gcch .es nicht Mehr. Es gab nur Haase. den ehrlrMü' - kleinstädtischen Demokraten, ohne theoretisches Horizont und ohne revolutionäres TempstüM«tA.^tzv' jeder kritischen Lage neigte er dazu« stch von unabänderlichen Entschlüssen zürüchühalte» und - Zuflucht zu nehmen' zu! halben Maßnahmen und zum Abwarten. Die Ereigniste waren für ihn zu groß. Und dann folgten: die Sch^idemann. Ebert. Wels ... Die Schweiz war eine Widerspiegelung von Deutschland und Frankreich, nur m neutralem, das' heißt- gemildertem und . auch kleinerem Matzftab. ^ Zur vollständigen" Anschaulichkeit saßenAm Säzwsizer Parlament! zwei sozial;- > stische Deputie rte M it Hleich^«. Mmen und Vor^ Johann Sigg aus Zürich und JeaN Digg autz Gens. Jol)ann, ein wütender Germa-, Nophile« und Jean, ein noch wütenderer Frankophile. Das war der Schweizer Spiegel Kr Internationale. - s ? Ungefähr rm-werten Kriegsmonat traf ich in- Züxich -auf oer Straße den alten Molkenbuhr.j tzer zur Bearbeitung der öffentlichen Meinung- Hierher gekommen war. Aus meine Frage, wie- Ach seine Partei den Verlauf des Weltkrieges! .Lenke, antwortete mir das alte Vorstandsmit-, ied: »Im Lause der nächsten zwei Monate' Werden!wrr mit Frankreich fertig werden, dann MMHswiß unS dem.Osten zuwenden. um-mit, WW GapenhkÜWxn fertig zu werden, und in dre.is ^4Wens vier Monaten werden wir Europas NW'hKUtzrhasten Frieden gehen.* Die Antwort? Daasbuch'wörtlich notiert.. MüHMMr sprach selbstverständlich nicht seme- ZiswM Meinung aus. Das war einfach die offi-i WÄtziAnstcht hpr Sozialdemokratie. Zur gleichen- Zeitging der französische Gesandte in Peters-! nMmit Buchanän eine Wette um fünf Pfund FeMffg «in«,daß der Krieg bis zu Weihnachten- Endet sein würde. Da - haben doch wir' MtLpisten* so manches bester vorausgesehen als. MSse,^realistischen* Herrschaften — von der MzisAstMokratiH und von der Diplomatie. ADA - Dchiweiz, wo ich gezwungen war, den /rieg° «Muwarten, erinnerte mich an die «MchePension Rauha, wo mich im Herbst Wl> düs Nachricht von der revolutionären Er- ttng erreicht^ hatte. Gewiß, auch in der Weh War dre Armee mobilisiert, und in felIkonnte man sogar den Kanonendonner -rertt Und ,doch erinnerte hie helvetische Pen- KnH deren, Hauptsorge in dem Ueberfluß an Mse yrch dem Nlangel an Kartoffeln bestand. M- silte. ruihige Oase, die von einem Feuerung! des Krieges umgeben war. Vielleicht ist die stunde doch gar nicht fo fern, fragte ich mich. Po man die Schweizer Oase Rauha (Ruhe) wird lasten können, uck im Saal des Technologi . ^Mn Instituts mit den Petersburger Arbeitern Als die Nummer des »Vorwärts* mit demj *>i^e Stunde Bericht über die Reichstagssitzung vom? Erst nach dreiunddreiß^g Monaten. 4. Anglist in die Schweiz kam, "war Lenin de«; W^."* festen Ueberzeugung. eS sei eine gefälschte- " ^ - ' Nummer, die der deutsche Generalstab zum- Betrug und zur Einschüchterung, der Feinde! herausgevracht. habe. So groß war noch, trotz- allen; Kritizismus, Lenins Glaube an d;e, deutsche Sozialdemokratie. Zur gleichen Zeih hat die Wiener »Arbeiter-Zeitung* den Tag der Kapitulation des deutscknm Sozialismus als «s L ! s c«X z X X e k fu« XILX 7/L8MI (üs-sr) 3^1-1 M: ^ 2- 1 >!^ M'Sie Me w!Me Arme x IjrSMeiM... ANterbliekeuo Absporrvng des Brenners« Aus den Geheimprotokallen des Deutschoster- reichischen Staatsrates. In diesen Tagen jährt sich wieder die eigentliche Tragödie der alten österreichisch-ungarischen Armeei Die Gefangennahme von fast einer halben Million Soldaten in der knappen Zeitspanne von 24 Stunden, die sich aus der mißverständlichen Auslegung der WasfenstillstLndsbedingungen ergab. Kaiser Karl hatte gleichzeitig mit der Depesche, die General v. Weber in Padua am 3. November zur Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrages bevollmächtigte, durch seinen Generalstabschef Artur Baron Arz-Straußenburg die Erfüllung de« ersten Punktes der gestellten Bedingungen, die sofortige Einstellung aller Feindseligkeiten an der Front verfügt. Die Italiener legten den Vertrag dann anders aus. Nach seiner Unterzeichnung erklärten sie, daß er erst 24 Stunden später, also erst um 3 Uhr nachmittags des 4. November in Kraft trete und daß alle Kampfhandlungen bis dahin weitergingen. Die österreichisch-ungarischen Truppen hatten längst ihren letzten Schuß abgefeuert und kämpften nicht mehr. Ihnen hatte man ja den Frieden schon verkündet. Die Italiener aber eilten ihnen, ohne auch nur den geringsten Widerstand zu finden, voraus und sperrten der nachfolgenden kaiserlichen Armee dann den Weg ab. So erfocht Italien seinen ersten und einzigen „Sieg" im Weltkrieg ohne Gegner und es konnte Südtirol „erobern", gegen besten eisern« Front es fast dreieinhalb Jahre lang vergebens angerannt war. In ^ diesen 24 Stunden waren — nach dem italienischen Heeresbericht — 10.688 Offiziere, unter ihnen 24 Generale, und 416.116 Mann kampflos „gefangen"g«nommen und 6818 Geschütze „erbeutet" worden. Es ist später oft die Schuldfrage an diesem furchtbaren Ereignis erörtert worden, und im Zusammenhang damit kam auch die Meinung zum Ausdruck, es hätte eigentlich aus österreichischer Seite selbst die Absicht bestanden, nach dem Zusammenbruch der Südtiroler Front die Bvenner- grenze gegen die zurückflutenden Truppen abzuriegeln. Die Italiener hätten also nur in einem stillschweigenden Übereinkommen mit der österreichisch-ungarischen Heeresleitung und der neuen deutschösterreichischen Regierung gehandelt. Generaloberst Arz schreibt hiezu: „Die Gerüchte, die wissen wollten, die deutschösterveichische Regierung hätte das Fernhalten der kaiserlichen Truppen von der Heimat gewünscht, weil ihre Rückkehr eine Gefahr für das Land bedeutet hätte, sind ebenso frei erfunden wie das Gerücht, das Armeeoberkommando hätte wegen Ernährungsschwierigkeiten und wegen Gefährdung der Ruhe und Ordnung durch undisziplinierte, bewaffnete Soldatenmasten die Gefangennahme möglichst vieler Soldaten gewünscht." Generaloberst Arz hat nur zum Teil recht. Die Dinge lagen damals wesentlich anders. Vielleicht ist heute, elf Jahre nach dieser erschütternden Tragödie, die Zeit gekommen, eins ira st stuckio die Ereignisse so darzustellen, wie sie wirklich waren. Als Quelle dienen mir die in meinem Besitz befind- lichen Geheimprotokoll» de» Drutschösterreichischen Staatsrate», au» dem» — zum erstenmal — all« jene Stellen der Öffentlichkeit mitgeteilt seien, die sich mit den damaligen Vorgängen in Tirol befassen. Es erübrigt sich die Bemerkung, daß die nachstehenden Ausführungen auf jede Kritik verzichten und nur der Feststellung der historischen Wahrheit dienen wollen. Vorausgeschickt sei, daß sich schon der Vollzugsausschuß der Deutschösterreichischen Nationalver- sammlung wiederholt mit der Frage beschäftigt hatte, zum Schutze Deutschösterreichs die Entsendung reichsdeutscher Truppen zu erbitten. In der ersten Sitzung des neugewählten Staatsrates am 30. Oktober ISIS urgierte nun Staatsrat Teufel einen früher gestellten Antrag und verlangte, man möge sich doch endlich darüber entscheiden, ob man die Hilfe des Deutschen Reiches in Anspruch nehmen wolle oder nicht; selbst die Sicherheit des deutsch- österreichischen Staatsgebietes und die Aufrecht- crhaltung der Ruhe und Ordnung zu gewährleisten, sei man doch außerstande. In der Debatte verlangte Staatsrat Abram den Übergang zur Tagesord- nung. Erstens könne uns Deutschland kein Militär geben, und zweitens sei eine solche Abwehr gegen di« zurückflutenöen Truppen nichts anderes als der Beginn zu neuen Schlachten. Staatsrat Doktor Schöpfer verwies schon damals auf die völlig besonderen Verhältnisse in Tirol. Dort sei ein Hauptpunkt, und es müsse einerseits das Zurückfluten der Lsterreichisch-ungarischen Armee, anderseits das Nachdrängen der Italiener verhindert werden. Wir wollen die Verwüstung nicht auch nach Nordtirol tragen lassen, wollen aber auch, daß unsere starken und wichtigen Pässe gehalten werden. Ob unsere Soldaten hiezu noch die Kraft besitzen, ist zweifelhaft. Staatsrat Teufel stellte schließlich folgenden Antrag: „Zn Erwägung, daß alles versucht werden müsse, um das deutschösterreichische Staatsgebiet vor Zerstörung durch disziplinlose Kampftruppen oder durch den Einfall des Feindes zu bewahren, die eigenen militärischen Kräfte hiefür aber nicht mehr ausreichen, richtet der Deutschösterreichische Etaatsrat an die deutsche Reichsregierung das dringende Ersuchen um militärische Hilfe und Durchführung sonstiger Maßnahmen, die zur Erreichung des Gebietsschutzes Deutschösterreich« notwendig sind." Diesem Antrag wurde ein Gegenantrag de» Staatsrates. Iro gegenübergestellt, in dem es hieß: „Das Staatsamt für Heerwesen hat sich sofort mit dem Armeeoberkommando und dem k. u. k. Kriegsministerium in Verbindung zu setzen, X ob diese Stellen imstande sind, die Sicherheit des Gebietes des deutschösterreichischen Staates wegen Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung innerhalb desselben zu gewährleisten." Dazu kam noch ein Zusatzantrag Dr. Schöpfers: »Der Staatsrat hat sich ferner unverzüglich mit dem Landesrat rttld' Landesaurschuß von Tirol ins Einvernehmen zu setzen, desgleichen mit dem Heeresgruppenkommando Köveß, um betreffs der Sicherheit von Tirol gegen das regellos« Zurückfluten der österreichisch-ungarischen Armee entsprechende Vorkehrungen zu treffen." Bei der Abstimmung ergaben sich für den Antrag Iw acht, für den Antrag Teufel sechs Stimmen. Der Zusatzantrag Dr. Schöpfers wurde einstimmig angenommen. Zn formaler Beziehung'wurde noch beschlossen, daß über die Verhandlungen mit dem Armeeoberkommando und dem k. u. k. Kriegsmini, steriüm innerhalb 48 Stunden vom Staatsamte für Heerwesen neuerlich Bericht zu erstatten sei. * Dis Sitzung de» Staatsrates war damals wiederholt unterbrochen worden, und in den späten Abend- stunden gab es dann, noch einmal eine Debatte über den bereits abgelehnten Antrag Teufel. Man einigte sich schließlich auf einen Dermittlungsantrag de» Staatsrates Dr. Freißler: Wenn durch die Berichte des Staatsamtes für Heerwesen die Befürchtung begründet sein sollt«, daß das Armeeoberkommando keine Garantie bieten kann, das deutschösterreichische Staatsgebiet vor feindlichen Einfällen und rückflutenden disziplinlosen Truppen zu sichern, so tritt d«r Antrag Teufel, da. Deutsch« Reich um Hilf« zu ersuchen, sofort in Kraft, und das Präsidium wird ermächtigt, die entsprechenden Schritte zu unternehmen. Die Berichte über die Lage an der Südtiroler Front. In der Sitzung des Staatsrates vom 2. November lagen nun die verlangten Berichte der Staatsämter für Außeres und für Heerwesen vor. Den ersteren erstattete in Vertretung des Staatssekretärs Dr. Adler sein Präsidialvorstand Dr. Otto Bauer: Nach einer heute nacht eingetroffenen Meldung des Landeshauptmannes Schraffl ist der feindliche Durchbruch bei den entsprechenden Heeresgruppen bereits gelungen und große Teile der Truppen, deutsch« Soldaten wie alle anderen, fluten zurück und wollen nicht mehr kämpfen. Da der südslawische Skaat ebenso wie der tschechische die Kohle sperre, der Abtransport daher sehr schwierig wäre, so könne nur ein ehester Waffenstillstand die Katastrophe beheben. Da Parlamentäre nichts erreichen, so ersucht der Tiroler Nationalrat, man möge sich radiotelegraphisch an den Präsidenten Mlson wenden und die anderen Nationalräte zu einem gleichen Schritt einladen. Die Ansicht Dr. Adlers gehe nun dahin, daß ein Ersuchen an den Prä- sidenten Wilson nicht zweckmäßig sei, da einerseits General Weber bereits konkrete Verhandlungen mit den Italienern pflege, wir daher uns durch eine anderweitige Verhandlungsbasis nicht mit einem etwaigen Abbruch dieser Beziehungen belasten dürfen; anderseits dürfte es für den General des Armeeoberkommandos leichter sein, einen Waffenstillstand abzuschließen als für unsere Unterhändler, denn dar Armeeoberkommando wird um jeden Preis abschließen, was wir nicht tun könnten. Wir müssen somit die schwebenden Verhandlungen und deren Ergebnis abwarten. Was man zum Schutz Tirols tun könnte, ist schwer zu sagen, denn reichsdeutsch« Hilfe dürste zu spät kommen, um noch einen geordneten Aufmarsch vollziehen zu können. Unsere Lage wird noch dadurch verschärft, daß die ungarische Regierung an ihre Truppen den Aufruf zur Waffenstreckung erlassen hat, eigene Kräfte im Hinterland nicht zur Verfügung stehen, Front und Etappe aber bereits in Unordnung geraten sind. ^Bezüglich einer reichsdeutfchen Hilfe habe er, Doktor ^ Bau er, übrigens mit dem deutschen Botschafter in Wien, Grafen von Wedel, gesprochen, doch brächte dieser Hilferuf Deutschland selbst in ein« schwer« Lage, da er als Okkupation ausgelegt würde und dann im Stand« des Waffenstillstandes die reichs- deutschen Truppen doch wieder hinausziehen müßten. Die einzige Hoffnung ist die, daß die deutschösterreichischen Truppen noch zum Ausharren zu bewegen sind und es den militärischen Unterhändlern der Monarchie gelingt, rasch einen Waffenstillstand zu erhalten. In dem Bericht des Staatssekretärs für Heerwesen, Mayer, hieß es: Er, Mayer, wäre bemüht gewesen, über den Stand der Lage an der Süd- Westfront verläßliche Nachrichten zu erhalten. Der Eindruck sei kein guter. Es sollen wohl zwei Kordons das Zurückfluten der Truppen aufhalten und verlangsamen und der erste soll sich ungefähr mit der Draulinie decken, während hinter dieser Linie der zweite Kordon gezogen sei. Da jedoch zu wenig reichsdeutsche Truppen in der Etappe stehen, müßte man sich auf ungarische Truppen verlassen, und es liegen noch keine Meldungen vor, ob die getroffenen Maßnahmen durchführbar waren oder nicht. Um die Frage der reichsdeutfchen Truppenhilfe anzuschneiden, müsse er betonen, daß an der Südwestfront noch disziplinierte reichsdeutsche Truppen in voller Ordnung stehen und daß die Klagenfurter bereits gebeten haben, diese Truppen zu ihrem Schutze unten zu lassen. Die Schwierigkeit liegt darin, ob uns die Entente gestatten wird, diese Truppen zu Sicherheitsdiensten zu verwenden. Wir könnten immerhin vorfchützen, daß wir nicht in der Lage sind, diese Truppen ab- I zutransportieren. Di« Front an der Kärntner ^ Streck« ist in voller Auflösung begriffen, während dis Berichte von der Tiroler Front verhältnismäßig noch günstig lauten. Die deutsche Reichsregierung würde eine Verfügung nach Aussage des Generals Cramon (des Bevollmächtigten der deutschen obersten Heeresleitung beim Armeeoberkommando. Anm.) nur dann treffen, wenn der Staatsrat ausdrücklich den Wunsch ausspricht. Dr. Bauer ergänzte seinen Bericht noch durch die Erklärung, daß für den Fall, als Deutschösterreich direkte Waffenstillstandsverhandlungen führen würde, wir, wenn die Entente die Besetzung deutschösterreichischen Gebietes als Basis der Bedrohung de» Deutschen Reiches verlangen sollte, einen solchen Waffenstillstand nicht unterschreiben könnten. Sieht sich die österreichisch-ungarische Regierung gezwungen, einen solchen Waffenstillstand zu schließen, so müßten wir dagegen protestieren, da uns kein Mittel, dies zu verhindern, zur Verfügung steht. Aber unsere Unterschrift unter einen solchen Waffenstillstandsvertrag dürfen wir nicht setzen. Zn der Debatte stellte der Staatsrat v. Guggen- berg aus Brixen den Antrag, den Kommandant«« von Südtirol die Weisung zukommen zu lassen, die Front möglichst zu halten; der Staatsrat werde sich an die deutsche Reichsregierung wenden, um möglichst viel Verpflegsmaterial auf der Brennerlinie für die zurückströmenden Truppen aufzustapeln. Dr. Bauer bemerkte in seinem Schlußwort, der Bericht Schraffls fuße sicher auf militärischen Berichten und klinge ungünstig genug, er halte es für ausgeschlossen, daß unsere Truppen imstande seien, > f L n x t»i e n fu« ^ i e ü o o x u »« L »i i ä i«o« US: di« Front weiter zu halten. Was die Beschaffung von Nahrungsmitteln betrifft, so wurde diese Frage bei den Verhandlungen mit der deutschen Reichs, regierung immer wieder angeschnitten, doch könnten derartige Bereitstellungen nur für das Verpfleg», büro in Innsbruck von wesentlicher Bedeutung sein. Der Antrag Guggenberg, den man als einen Gegenantrag zu den Berichten der beiden Staatsämter auffaßte, wurde schließlich abgelehnt, der Bericht der Staatsämter für Außeres und für Heerwesen genehmigend zur Kenntnis genommen. DieWaffen still st andsverhandlungen. Die Sitzung des Staatsrates am 3. November fand mittags eine Unterbrechung, da Ministerpräsident Lammasch die Präsidenten und alle Staatssekretäre im Auftrag des Kaisers Karl nach Schönbrunn gebeten hatte. Sie wurde erst um 9 Uhr abends wieder ausgenommen und Präsident Seitz berichtete nun, daß der Kaiser den Herren eröffnet habe, man sei bei dem schlimmen Stand der Front gezwungen gewesen, einen Waffenstillstand anzubieten. Nach dreitägigen Beratungen habe nun General Weber die äußerst harten Bedingungen bekanntgegeben, und der Kaiser teilte st« mit der Bemerkung mit, ihre Annahme sei unmöglich. Der Kaiser zog sich hierauf zurück und die Mitglieder des Staatsrates haben sich untereinander besprochen und den Vertreter der deutschen Obersten Heeresleitung, General Eramon, der zu, fälllgerweife vorbeikam, ihrer Beratung beigezogen« Sie haben ihm vor allem die Fragen vorgelegt, erstens, ob er glaube, daß die deutschen Truppen in der Lage wären, einzumarschieren, südwärts vom Brenner eine Verteidigungsstellung einzunehmen und unsere zurückflutenden deutsch österreichischen Tw'ppen aufzuhalten, zweitens, ob wir dem Deutschen Reiche durch die Herbeiführung einer Verzögerung nützen könnten. Eramon äußerte sich dahin, daß er sich vorerst mit der deutschen Heeresleitung in Verbindung setzen müsse und dann dem Staatsrat berichten werde. Die Lage steht für'uns so, fuhr Präsident Seitz fort, daß wir eigentlich nur die Wahl haben zwischen dem Einmarsch reichsdeutscher oder italienischer Truppen. Zn beiden Fällen wird unser Land zum Kriegsschauplatz. Dabei' handelt es sich auch um dao Deutsche Reich, denn die Entente würde den Einmarsch reichsdeutscher Truppen sicher »I, Annexionsabflcht Deutschlands auslegen und mit der Auferlegung äußerst harter Waffenstillstands, bedingungen beantworten. Es ist zu bedenken, daß die deutsche Front im Osten vollkommen frei ist, da dem Durchzug der Enteilte durch das südslawisch«, ungarische und tschechoslovakische Gebiet kein Widerstand entgegengesetzt wird und wir auch nicht imstande sind, hindernd einzugreifen. Anderseits ist es selbstverständlich, daß di« Reichsdeutschen nicht in der bayrischen Ebene, sondern in den Bergen Tirols zu kämpfen trachten werden. Erschwerend zu den erwähnten Wasfenstillstands- bedingungen kommt noch hinzu, daß die Ententetruppen weiter kämpfen, und wir zur Waffenstreckung gezwungen werden. An ein Halten der Front durch deutschösterreichische Truppen ist nicht zu denken, da diese Fronteinteilung nach dem alten österreichischen k. k. Rezept so geschickt gemacht ist, daß österreichische, dann ungarische, dann österreichische, dann wieder ungarische Truppen und Verbände abwechseln und nun durch die Niederlegung der Waffen seitens der ungarischen Truppen diese Front durchlöchert ist wie ein Sieb. Auch General- stabschef Arz meint, daß ein Auffangen nicht mehr möglich sei, während das Kriegsministerium noch der optimistischen Anschauung ist, daß es bei so- fortigem Waffenstillstand gelingen könnte, di« nationalen Truppenteile einzuteilen und deren Ent- maffrmng und Demobilisierung getrennt durchzuführen. Was die Reichsdeutschen sagen werden, ist noch nicht zu ersehen. Jedenfalls ist es eine furchtbare Situation und man hätte von seiten des Armeeoberkommandos jetzt nicht nachgcben, sondern die Verhandlungen zögernd führen sollen, bis das Deutsche Reich inzwischen selbst den Waffenstillstand geschloffen hätte. In dieser Situation sollten nun di« Präsidenten und Staatssekretäre nach dem Wunsche des Kaisers dis Entscheidung treffen. Sie standen jedoch auf dem Standpunkt, der Kaiser solle den Waffenstillstand ab- schließen, die Entscheidung selbst treffen und die Verantwortung hiefür vor dem Volk und der Geschichte selbst tragen. Es gehe nicht an, daß wir, die man immer unrichtig informiert hatte, denen das ganze Tatsachenmaterial bis zum letzten Augenblick vorenthalten wurde, nunmehr die Verant- Wartung mitübernehmen sollen. Im äußersten Falle können wir unsere Meinung erklären, mehr nicht. Dr. Otto Bauer bemerkte namens des Staatsamtes für Außeres, daß ihm anläßlich eines Besuches beim deutschen Botschafter dieser ein Tele- gramm des Staatssekretärs Sols folgenden Inhaltes mitgetcilt habe: „Die deutsche Regierung erwägt heute die Frage eines Einmarsches in Deutschvsterreich zum Zwecke der Grenzsicherung. / Ihre Anfrage geht dahin, ob der deutschöstep- »rsichischen Nationalversammlung «in« solch« Inter- . vention genehm wäre." Schon jetzt eine entscheidende Antwort darauf zu geben, sei noch nicht möglich gewesen. Nun ist aus Berlin ein weiteres Telegramm eingelangt, das den Staatsrat ersucht, bei der neuen ungarischen Regierung zu intervenieren, daß die Rücksendung der deutschen Truppen aus Rumänien und Serbien (Armee Mackensen) be- schleunigt werde. Was nun die durch die Waffenstillstandsverhandlungen geschaffen« Lage betrifft, so wäre vom Standpunkt des Staatsamtes für Außeres folgendes zu bemerken: Bezüglich Tirol wird das Deutsche Reich aus di« am Brenner gegebene leichter« Verteidigung gegenüber der schwereren in der Ebene reicht verzichten. Eine zweite Frage ist, ob nicht durch die Besetzung durch die Entente die reichs- deutschen Truppen in Rumänien und Serbien gefährdet werden, und es ist daher äußerst dringend notwendig, den Abtransport dieser Truppen möglichst zu beschleunigen. Wenn wir di« Deutschen Hereinrufen, haben wir keinen Waffenstillstand. Weiters werden die Ententetruppen und die öster- reichijch-ungarischen Truppen die ganzen deutschen Alpenlünder überfluten und zerstören. Drittens ist di« Möglichkeit, eine Kampffront in Steiermark und Kärnten aufzürichten, äußerst gering, da dieselbe von Ungarn aus umgangen werden kann und wenn wir deutsche Truppen Hereinrufen, die anderen Nationalstaaten uns als Feinde betrachten und uns keine Lebensmittel und keine Kohle geben werden. Aber auch di« außenpolitische Lage des Deutschen Reiches müßten wir durch einen solchen Schritt ungeheuer erschweren. Vom rein nationalen Standpunkt ist das eine ein so großes Unglück wie da» andere. Man könne überzeugt sein, daß di« Dynastie schließlich dieses Waffenstillstandsangebot annehmen wird und er, Dr. Bauer, habe die Meinung, daß wir sie nicht hindern können, daß wir aber nicht mittun dürfen. Auch dürfen wir nicht an die Deutschen das Ersuchen stellen, ein- zumarschieren, sondern wir haben zu sagen: wenn die Reichsdeutschen einmarschieren, wo sie es für notwendig halten, so wird Deutschösterreich dies nicht als feindlichen Akt betrachten. Wird der Waffenstillstand angenommen, so haben wir kein Mittel, ihn zu verhindern, aber wir werden betonen müssen, daß wir uns nicht vom Deutschen Reich trennen und keinen Sonderfrieden schließen werden. Selbstverständlich, daß wir auch die Antwort der deutschen Generäle hören müssen. Der deutsche Botschafter wäre somit zu verständigen, daß wir uns noch nicht entschließen könnten, das in dem Telegramm Dr. Solfs erwähnte Ansuchen an das Deutsche Reich zu steilem Di« Debatte führt» ex ^ 5 .: U8: sichtigt noch möglich. So weit es sich schließlich um die Sicherung der Westbahnstrecke Wien—Innsbruck handle, so sei dies jene Frage, welche von den Deutschen einzig und allein aufgerollt worden sei. Jeder Hilferuf an Deutschland mache Deutschster- reich wieder zu einer kriegführenden Macht und der Einmarsch von Bayern aus nach Osten zu wäre das Umstoßen des Waffenstillstandes. Etwas anderes sei es, wenn die aus Rumänien zurückkommenden reichsdeutschen Truppen sich auf der Rückfahrt hier aufhielten und die Sicherung der Eisenbahnstrecke übernehmen. Man müsse daher dem Botschafter sagen, daß man dagegen nichts cinzuwenden habe, jedoch einer Einrückung von Westen her aus Bayern nicht zustimmen könne. Am k. November erstattet« Staatssekretär für Äußeres Dr. Viktor Adler selbst im Ätaatsrat einen Bericht über die Vorgänge in Deutschböhmen und Tirol und machte die Mitteilung, daß bayrische Truppen in Tirol einmarschieren und sich in drei Kolonnen gegen den Brenner bewegen. Die Lage sei insofern sehr unangenehm gewesen, als weder der retchsdeutsche Botschafter noch der bayrische Gesandt« in Wien davon etwas gewußt haben, während die Nachricht auch vom Armeeoberkommando bestätigt, später allerdings wieder für unwahr er- klärt wurde. Es wäre zu befürchten, daß unser« rückflutenden Truppen mit den Bayern zusammenstoßen und daß es zu einem Blutvergießen Deutscher gegen Deutsche komme. Nach einer langen Debatte, die sich hauptsächlich wieder mit der Frage einer Berufung reichs- deutscher Truppen zum Schutz« Deutschböhmens be- schäftigte, meldete sich Staatsrat Dr. Schöpfer zum Wort, um die letzten aus Tirol «ingetroffenen Nachrichten mitzuteilen. Nach Aussagen der mili- tärischen Referenten sollen ungefähr 700.000 Mann durch Tirol zurückströmen. Es seien nun Ausschreitungen zu befürchten, obwohl der Chef der Ouartiermeisterabteilung die Hoffnung ausgesprochen habe, daß die Möglichkeit, den Truppentransport in einiger Ordnung durchzuführen, bestehe. Dort, wo di« Offiziere noch ein wenig Ansehen haben, seien die Schwierigkeiten nicht so groß. Notwendig wäre es, Löhnung und Verpflegung bereitzustellen und es sei dringende Pflicht !des Staatsrates in dieser Hinsicht etwas vorzukehren. Dis Versorgung Tirols mit Lebensmitteln !sei deshalb ungeheuer wichtig und es könnt« auch viele» gerettmt werden, wenn von seltrn der Offiziere eine größer« Tatkraft aufgewend«t würd«. Der Wunsch der Tiroler ginge deshalb dahin, den- allgemein beliebten Oberst von Eccher zum Kommandanten von Tirol zu ernennen. Auch über den Einmarsch der bayrischen Truppen nach Tirol waren neue Nachrichten eingetrofsen, di« wieder zu einer langen Debatte führten. Staatsrat Teufel bedauerte, daß man nicht im Sinne seiner oftmaligen Anträge die Deutschen zu Hilfe gerufen habe. Hätte man dies getan, so wären sie jetzt nicht als ungebeten« Gäste, sondern als Freunde gekommen. Auch Staatsrat K. H. Wolf betonte, daß das Verhältnis zwischen Bayern und Deutschösterreich ein ganz anderes wäre, wenn die deutschen Truppen auf unsere Bitten gekommen wären als unsere Helfer. Wenn sie sich jetzt mit Drohungen gegen uns wenden, so sei dies für uns beschämend. Staatskanzler Dr. Renner verwies darauf, daß Deutschösterreich auf den Einmarsch der Bayern mit einer Kuirdgebung werde antworten müssen, doch wünsche er nicht, daß schon heute darüber Beschluß gefaßt werde. Es gehe nicht an, daß solche Ent- scheidungen, die für den ganzen Staat und für die ganze auswärtige Politik von höchster Bedeutung seien, bei Anwesenheit so weniger Mitglieder des Staatsrates verhandelt werden... Da« Verlangen nach einer Absperrung des Brenner. Zn der Sitzung des Staatsrates vom 7. November erklärt« Staatssekretär für Heerwesen Mayer, General Lramon habe ihm nun die offizielle Mitteilung gemacht, daß die bayrischen Truppen in Tirol einmarschiert sind. Gleichzeitig ist vom Tiroler Nationalrat die Bitte gekommen, daß wir mit unseren Truppen sofort den Brenner besetzen sollen, um es zu verhüten, daß unsere eigenen Truppen, die noch südlich des Brenner stehen, weiter zurückfluten. Die Herren befürchten eine solche Überschwemmung Tirols mit Truppen, daß sie das ganze Land für gefährdet erachten. Cie meinen, die Bahnen würden wegen Kohlenmangels in den nächsten Tagen nicht mehr in der Lage sein, die Transporte abzuschieben und wollen haben, daß wir weitere Truppen nicht mehr hereinlassen. Das Aufhalten dieser Truppen südlich des Brenner käme einer Kapitulation vor den Italienern gleich. Die Herren stellen sich zwar vor, daß wir es im Einvernehmen mit den Italienern machen sollen. Ich habe mich heute vormittag nicht entschließen können, einen Beschluß hierüber voA Staatsamt aus zu fassen und halte es für notwendig, die Frage dem Staatsrat vorzulegen. Staatskanzler Dr. Renner: Ich habe mich heute vormittag mit dem Staatsamt für Außeres ins Einvernehmen-gefetzh^bse».notwendig-sein.,wi.rd,s daß der Staatsrat zu der Tiroler und der deutsch- böhmischen Okkupation Beschluß faßt, bzw. eine Kundgebung nach außen richtet. Der Herr Staatssekretär hatte die Auffassung, daß jede Art des Beschlusses von unserer Seite nur ein Einbekennt- nis der Verlegenheit und zwecklos wäre. Wir können den Einmarsch weder gutheißen noch recht verdammen. Wir würden besser tun, jede Beschlußfassung in diesem Stadium zu unterlassen. Der Staatskanzler erklärte weiter: Die Landesversammlung von Tirol und die eingesetzte Landesverwaltung haben sich außerordentlich zwiespältig benommen. Sie haben Hilf« von Bayern angesucht. Als dann die Hilfe kam, haben sie eigenmächtig pro- testiert, zugleich aber auf dem Wege über die Schweiz an die Ententeregierungen die Aufforderung gerichtet, die anderen Gebiete rasch zu besetzen und die zurückflutenden Truppen zu entwaffnen. Die Note wurde von der Schweizer Negierung zur Einsichtnahme der österreichisch-ungarischen Botschaft übermittelt und diese hat sie zurückgeschickt. Der Herr Staatskanzler des Äußeren beantragt durch mich, die Landesregierungen zu belehren, daß ihnen Agenden der auswärtigen Politik nicht zukommen. Staatsrat Dr. Schöpfer: Zur Aufklärung: Diese Zwiespältigkeit beruht eigentlich auf der raschen Aufeinanderfolge der Ereignisse. Bevor ich nach Innsbruck kam, zu einer Zeit, da der Waffenstillstand noch nicht abgeschlossen, aber der Durchbruch der Italiener durch die Tiroler Front schon be- kannt war und von dem Zurückfluten der österreichischen und der nachfolgenden italienischen Truppen di« größte Gefahr für Tirol zu erwarten war, wurden die Bayern um Hilfe gebeten. Sie waren ja damals noch unsere Bundesgenossen. Dann ist der Waffenstillstand bekannt geworden. Da hat man nicht mehr mit dieser Form des Unglücks zu rechnen gehabt. Wohl aber ist in Innsbruck bekannt geworden, daß groß« Truppenmassen ganz ungeordnet zurückströmen und er war damals gar kein Mittel vorhanden, diese irgendwie bewältigen zu können. Man hat sich gesagt, das Land werde einfach zerstampft werden. Jede militärische Disziplin hatte aufgehört. Dann hat man, den neuen Verhältnissen Rechnung tragend, beschlossen, sich an die Schweiz zunächst um Lebensmittel zu wendeir. Man hat gesehen, daß man sie von den Zentralen nicht rechtzeitig bekommt, abgesehen von dem Bedarf für di« zurückflutenden Truppen. Wie ich fort war, sind die Bayern eingerückt. Das war wieder eine neue Situation. Ich bin ganz für den Antrag, aber man muß dem armen Land helfen. Wenn man es sich selbst überläßt, muß man es eben auch selbst handeln lassen. Staatsrat Teufel: Ich begreif« den Standpunkt des Landes Tirol. Ich hätte dem Staatsrat «in Ultimatum gestellt: Wenn wir innerhalb fünf, sechs Tagen den nötigen Schutz nicht bekommen, werden wir unsere eigenen Wege gehen. Nun hat aber Tirol die bayrische Hilfe angesprochen. Nachträglich ist ein Protest dagegen veröffentlicht worden. Das ist sicher- lich eine Zwiespältigkeit. Man kann nicht die Deutschen zu Hilfe rufen und sich gleichzeitig an die Entente wenden. Dem Lande soll Hilfe zuteil werden. Wenn der Staatsrat sich als ohnmächtig erweist, ist es selbstverständlich das Recht jede« Landes und Landesteiles, sich selbst zu helfen. Wir würden ebenso tun. Wenn bei uns die Tschechen einmarschieren und der Staotsrat nicht die nötigen Kräfte zur Verfügung stellt, sie zurückzuschlagen, werden wir unser Land auf eigene Faust verteidigen. Aber der Protest des Landes Tirol ist unverständlich. Staatsrat Dr. Friedmann: Das Maßgebende ist die Frage des Staatssekretärs für Heerwesen wegen der Besetzung des Brenner. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wir können nicht die ganzen zurück- flutenden Massen aufhalten, es würden Zusammenstöße mit den Bayern erfolgen. Der Gedanke ist von der Hand zu weisen. Staatssekretär Mayer: Der Innsbrucker Nationalrat hat verlangt, daß wir den Brenner besehen und die eigenen Truppen, die noch südlich de» Brenners stehen, nicht mehr herllberlassen, daß wir den Italienern sagen: Nehmt sie gefangen! Staatsrat Abram: Wenn dem Land Tirol ein« Weisung gegeben wird, muß sie dem Landeshauptmann gegeben werden. Er hat mir telephoniert, daß er die Bayern ins Land gerufen hat. Ich Hab« gesagt, das ist ein Unsinn. Man muß Schräffl sagen, daß er nicht allein selbstherrlich handeln darf. Und den Tirolern, daß sie den hochtrabenden Titel „Nationalrat" in „Landesrat" umwandeln und wissen sollen, daß sie als Land der Vertretung der gesamten Deutschen untergestellt sind. Staatssekretär Mayer: Von unserer Seite isk alles, vorgekehrt, um den Abfluß der Truppen in geordnete Dahnen zu leiten. Der gestrige Bericht, gerade von Tirol, ist äußerst günstig. Die Truppen haben sich wieder gesammelt und gehen in Ordnung zurück. Eine Gefahr besteht allerdings, daß man vielleicht mit der Kohle in Schwierigkeiten kommen könnte. Ich habe veranlaßt, daß aus den ohnehin stillstehenden Kriegsbetrieben Kohlenvorräte für die Bahnen herangczogen werden. Auch von der Laibacher Strecke sind die Berichte günstig. Noch den Zahlen der in zwei Tagen abgeschobenen Truppen ist anzunehmen, daß sich die ganze Bewegung in zehn bis zwölf Tagen vollzogen haben wird. Was die Verpflegung betrifft, sind Zusagen da aus Polen, Ungarn und dem tschechoslovakischen Gebiet. Schwierigkeiten ergeben sich nur daran». ^ i i c«xz«xen f 2 kr v > cx 2 ll X u L X s z I l o X U8: daß Ms Her einzelnen'Wtiynen verlangt, daß die Lebensmittel nur zur Verpflegung ihrer Truppen verwendet werden dürfen. Das ist natürlich praktisch nicht durchführbar. Die Tschechen haben jetzt den Einmarsch der Bayern benützt, um zu sagen: Wir werden unsere Verpflegsartikel nicht für di« bayrischen Truppen verwenden laßen. Ich konnte antworten, daß wir Aussicht haben, di« schon früher versprochenen Zuschübe aus Bayern nach Tirol hereinzubekommen und daß gar keine Gefahr besteht, daß die Bayern etwas von den tschechischen Vorräten an sich nehmen. Die Verhandlungen werden fortgesetzt. Eine Schwierigkeit besteht schließlich noch darin, die Derpflegszüge mit der nötigen Bedeckung zu versorgen. Es ist Gefahr, daß di« Züg« ausgeplündert werden, ehe sie den Standort erreichen. Staatsrat Teufel: Der Herr Staatssekretär für Heerwesen möge uns Mitteilen, wieviel Menschen beiläufig noch zurücksluten werden. Es muß festgestellt werden, ob Lebensmittel in Tirol zur Verfügung stehen, und es müssen sofort Lebensmittel für die Truppen sichergestellt werden, die den Brenner überquert haben. Wenn die Kohlenfrag« so ernst ist, so muß sofort Vorsorge getroffen wer- den, daß die Mannschaften durch Organe, die man hinuterschickt, formiert werden und daß der normal« Abtransport zu Fuß in die Weg« geleitet wird. Es wird schließlich beschlossen: Das Begehren der Tiroler Landesregierung, den Brenner zu sperren, so daß ein weiteres gurückfluten der, Truppen unmöglich gemacht wird, wird abgelehnt. ^ R. W. Polifka.