^i-lsaitsrkammsi' sUr Ootcumsntotion U>W I^ktUI Heldendenkmal Von Dr. Gaston Bodart. // 4. / V / // ^ Unser Held^ndenkmal wird errichtet, uni diejenigen, die für ihre Heimat ihr Leben Hingaben, zu ehren und womöglich ihre Namen unverdienter Vergessenheit zu entreißen. Bei dieser Betrachtung drängt sich uns die bange Frage auf, wie viele es Wohl sein mögen, deren wir zu gedenken haben. Es sei gleich vorweg gesagt, daß weder für die Kriege von 1526 bis 1914 noch für den Weltkrieg selbst einwandfreie, bestimmte Ziffern genannt werden können, da für die weit zurückliegenden Kriege des 16. und 17. Jahrhunderts, der Zeiten ungeregelter Kriegführung, die Archive keine oder nur mangelhafte Angaben enthalten und anderseits beim Weltkrieg die große Zahl der noch Vermißten, über deren Schicksal noch Dunkelheit herrscht, die Aufstellung einer absolut richtigen Zahl verhindert. Bei Kriegsschluß hatten unsre Armeen 332,950 Vermißte, über deren Schicksal man im unklaren war. In Deutsch- schland betrug ihre Zahl 373,770, in Frankreich 245,000, in Großbritannien 102,284. In allen Staaten hat nian einen gewissen Prozentsatz der Vermißten, sei es 33 oder 50 Prozent, zu den Toten gerechnet. Und so müssen wir es auch machen. Wenn wir 50 Prozent unsrer Vermißten zu den Kriegstoten zählen, ergibt sich für Oesterreich-Ungarn die Zahl von 1,2 0 0,0 0 0 Toten, die der Weltkrieg gekostet hat. Mit dieser Ziffer steht es unter den kriegführenden Staaten als Verlustträger an vierter Stelle, nämlich nach Deutschland (1,800,000), Rußland (1,700,000), Frankreich (1,363,000). Außer diesen vier Staaten hat noch Großbritannien über eine Million (1,010,000) an Toten verloren. Ebenso sind wir Lei unfern Kriegstoten aus früheren Kriegen auf Schätzungen angewiesen. Ueber den Siebenjährigen Krieg, 1756 bis 1763, wurde eine genaue Statistik geführt, in der die Totenverluste Oesterreichs mit rund 150,000 angegeben werden. Der spanische Erbfolgekrieg, in dem aus vier Kriegsschauplätzen gekämpft wurde und der doppelt so lange gedauert hat, 1700 bis 1740, der Türkenkrieg von 1682 bis 1699 dürften eher mehr als weniger Tote gekostet haben, die Aera der Revolutionskriege und der Napoleonischen Kriege hat mindestens 200,000 Kriegern das Leben gekostet, von den Kriegen Oesterreichs unter der Regierung Franz Josefs I. von 1848 bis 1914 wissen wir, daß sie rund 100,000 Todesopfer erforderten. Man wird also nicht fehlgehen, wenn man die Kriegstoten Oesterreichs-Ungarns von 1526 bis 1914 auf 800,000 einschätzt, so daß unser Heldendenkmal den Manen von ungefähr zwei Millionen gefallenen Kriegern errichtet wird. Die Relation: Tote — Verwundete. Von unfern Toten des Weltkrieges sind 60 Prozent im Gefecht gefallen, 18 Prozent an Wunden gestorben, 13 Prozent vermißt, 7 Prozent an Krankheit gestorben, 2 Prozent aus andern Ursachen, vorwiegend infolge Unfalls, gestorben. Im Weltkrieg ist bezüglich der Verhältniszähl zwischen Toten und Verwundeten gegen frühere Kriege ein bedauerlicher Rückschritt zu verzeichnen. Dis Relation, welche in den Kriegen des 19. Jahrhunderts konstant 100 Tote auf 400 Verwundete und im Russisch- Japanischen Krieg noch 100 Tote aus 350 Verwundete betrug, weist im Weltkrieg eine Proportion von 100 zu 250 auf, und zwar als Durchschnitt für sämtliche Waffengattungen; für die Infanterie allein stellt sie sich noch ungünstiger, nämlich auf 100 :210. In diesen Ziffern sind allerdings die an Wunden Gestorbenen inbegriffen. Da die ärztliche Kunst, insbesondere die Kriegschirurgie, speziell im Weltkrieg sich über jedes Lob erhaben gezeigt und ihre ungeheuren Fortschritte in glänzendster Weise dokumentiert hat, bleibt für die bedenkliche Wendung zum Schlechteren nur eine Erklärung: im modernen Krieg sind mindestens 50 Pro- v6n tsglic-ksn "' Qps! !a -jis ZM W k-N W WzM zent aller Verwundungen durch Artilleriegeschosse verursacht. In früheren Kriegen des 19. Jahrhunderts war dies in weit geringerem Maß der Fall, so in den Napoleonischen Kriegen kaum 5 Prozent, 1866 und 1870 zirka 10 Prozent, im Russisch-Japanischen, 1904/05,! aber schon 25 Prozent. Diese Verletzungen wirken nachgewiesenermaßen viel häufiger tödlich, als die von Jnsanteriegeschossen herrührenüen oder durch die blanke Waffe verursachten. . Die, größere Sterblichkeit im Weltkrieg. ist aber auch noch auf andre Faktoren zurückzuführen. War schon die Gefährdung durch die ungeahnte Zahl und die außerordentliche Fernwirkung der Geschütze eine weitaus größere, als in früheren Zeiten, so traten jetzt neu hinzu die vernichtende Wirkung der Maschinengewehre, die Bombenwürfe der Flieger, die giftigen Gase, ferner die neuen Waffen des Stellungskrieges, wie Minen- und Flammenwerfer, Handgranaten, Flatterminen, mit hochgespanntem Strom geladene Drahthindernisse und so weiter. Weit häufiger als in früheren Kriegen waren die infolge Unfalls eingetretenen Todesfälle, hervorgerufen durch die ins ungeheure angewachsene Anhäufung von Explosivstoffen und die Gefährdung durch die in den Dienst der modernen Kriegführung gestellten neuen technischen Erfindungen. Hieher gehören die zahlreichen Todesopfer der Explosionen in Munitionsfabriken und auf Munitionstransporten, die nicht minder zahlreichen Hekatomben der durch Explosion oder durch Minen vernichteten Schiffe, ferner die zahllosen Automobil- und Eisenbahnunfälle, schließlich die auf Maschinendefekte, klinmtische Verhältnisse und sonstige Ursachen zurückzuführenden Abstürze von Luftschiffen und Flugzeugen. Wirksame Bekämpfung der Epidemien. Was die Todesfälle infolge Krankheit anlangt, so ist zu bemerken, daß ihre Zahl im Weltkrieg relativ weit kleiner war als in früheren Kriegen. In manchen Kriegen des 19. Jahrhunderts gab es mehr an Krankheit Gestorbene als im Kampf Gefallene. Während des Ungarischen Jnsurrektionskrieges 1848 bis 1849 erlagen 4000 Mann den feindlichen Waffen, aber 41,000 den Krankheiten im Felde. Es ist der ärztlichen Wissenschaft, deren schnelles und wirksames Eingreifen durch immer sorgfältigeren Ausbau der Organisation des Sanitätswesens erleichtert und gesichert wird, gelungen, in diesem größten aller Kriege durch zweckentsprechende, rechtzeitige hygienische Maßnahmen Kriegsseuchen von den Heeren fernzuhalten. Ein ähnlich günstiges Verhältnis wie hinsichtlich der ! Erkrankten ist auch bei den Verwundeten zu beobachten. Die Zahl der an Wunden Gestorbenen ist relativ viel kleiner geworden. Der Fortschritt gegen frühere Kriege ist auch hier augenscheinlich. Die Sterblichkeit unter den Verwundeten betrug in Prozenten von der Gesamtzahl der Verwundeten im Krimkrieg 1854 bis 1856 noch 39 Prozent, im Deutsch-Französi-, schen Krieg 1870/71 25 Prozent, im Russisch-Japanischen Krieg 1904/05 19 Prozent nud im Weltkrieg 10 Prozent. Anderseits ist nicht zu verkennen, daß die blutigen Verluste nicht nur absolut, sondern auch relativ viel höhere waren als in früheren Zeiten und hierin alles bisher Dagewesene weit hinter sich lassen. Die relativ blutigsten Verluste der friderizianischen und napoleonischen Schlachten mit Verlusten von 30 bis 40 Prozent der Kombattantenzahl wurden im Weltkrieg wiederholt übertroffen. Es gehörte nicht, gerade zu den Seltenheiten, daß Divisionen 70 bis 80 Prozent ihres Bestandes liegen ließen. Die frühere Annahme, daß sich künftighin die Verluste durch feindliches Feuer grundsätzlich in absteigender Skala bewegen würden, hat sich leider nicht bewahrheitet. Hand in Hand mit der Verbesserung der Waffen hat auch die Feuergeschwindigkeit und Treffgenauigkeit große Fortschritte gemacht, so daß einzelne in humanem Sinne wirkende Eigenschaften der modernen Waffen wieder ausgeglichen wurden. Zudem wurde der Weltkrieg zum größten Teil als Stellungskrieg durch- gefochten, der perzentuell höhere Opfer fordert als der Bewegungskrieg. Außerdem machten die wandelbaren Formen des Weltkrieges immer neue Kriegsmittel notwendig. Die Heere haben daher zum Teil neue Waffen geschaffen, wobei die Gegner sich gegenseitig an Erfindungsgabe zu übertreffen suchten. Unter den Verwundeten gab es durchschnittlich 25 Prozent Schwerverwundete, 75 Prozent Leicht- LdrwunLetö; von ersteren starben durchschni ttlich tL6 Prozent, von letzteren 4 Prozent. Hinsichtlich der verletzten Körperteile wurde errechnet, daß 16'6 Prozent der Verwundungen auf den Kopf, 4'8 Prozent auf die Brust, 0'9 Prozent auf die Lungen, 1'4 Prozent auf den Bauch, 73'1 Prozent auf die Gliedmaßen und 3'2 Prozent auf sonstige Körperteile entfielen. 65'5 Prozent aller Verwundungen kamen auf Konto der Artilleriegeschosse, 34°3 Prozent auf Konto der Handfeuerwaffen und 0'2 Prozent auf Konto der blanken Waffen. Wie bereits in sämtlichen früheren Kriegen seit dem 18. Jahrhundert, hat auch im Weltkrieg die Infanterie die überragende Rolle gesnielt, und trotz der ungeheuer vermehrten Art jllerie so ziemlich dasselbe VerlustProzent zu tragen geh Abt wie ehedem (1866: 79.1 Prozent; 187o: 83.3 Prozent; Wettkrieg: 81.5 Prozent), während die Artilleriewaffe ungeachtet ihren unverhältnismässig hohen Standesvermehrung kein höheres Verlustprozent aufweist (187o: 7.7 Prozent; Weltkrieg: 7.7 Prozent), wogegen das Verlustprozent der Kavallerie stark abnahm (1866: 13.6 Prozent; 187o: 5.2 Prozent; Weltkrieg: 2.7 Prozent), das der technischen Truppen stark zunahm ( 1866: 0.4 Prozent; 187o: o.9 Pro-r zent; Weltkrieg: 7.1 Prozent). 65 Millionen Mann... Das gesamte vön sämtlichen krieg- führenden Staaten im Weltkriege mobilisierte Menschenmaterial hat die erschreckend hohe Zahl von 65 Millionen Mann ergeben, wovon 42 auf die Staaten der Gntente, 23 auf die Vierbundstaäten entfielen. Die Sntenteheere hatten 5,2oo.ooo, die Vierbundarmeen 3,4oo.ooo Tote zu verzeichnen, wovon l, 2 oo,ooo auf unsre Monarchie entfielen. Da der Krieg 1532 Tage gedauert hat, haben unsre Herren durchschnittlich 783 Tote pro Tag verloren. Der Tage säurchchnitt an Toten des Weltkrieges, berechnet von der Gesamttotenzahl per 8 , 600 , 000 , stellt sich auf 5613 Tote pro Tag. Bei uns betrug die Gesamtzahl der zur Dienstleistung bei der k. u. k. Arnee (Armee im Felde und Hinter—- land) herangezogenen Personen, also das Gesamtaufgebot an Männern, 6 ,loo.ooo worunter sich 213,ooo Offiziere gefanden, Sach beendeter Mobilisierung, also Mitte August 1914, hatte unsre Armee im Felde einen Verpflegestand von 56,ooo Offizieren und 2,oo7 ,000 Mann. Hievon waren nach vier Mo- ^iterkommer für Wien Dokumentation NEUES WIENER TAGBLATT naten bei Abschluss des Bewegungskrieges und Beginn des Stellun 's- krieges 19,5o3 Offiziere und 9o5, oo9 Mannsohaftspersonen ausser Gefecht gesetzt (tot, verwundet, vermisst, gefangen). Unser Heer hat sehr oft an Kampfhandlungen teilgenommen, bei denen unserseits 3oo,ooo bis 4oo,ooo Mann zugleich engagiert waren, unsre grösste Kombattanten- zahl im Bewegungskiege war in der zweiten Schlacht bei Lemberg ( 6 . bis 12. September 1914 vereinigt, in der 42 Infanterie und lo Kavallerie divisionen, zirka 512,ooo Mann, in den Kampf geworfen wurden. Unsre grö ste Kraftanstrengung im Stellungskriege mühten wir in der ersten Schlach an der Piave undim Gebirge (15. bis 24. Juni 1918), in der 40V2 Infanterie-- und 7 Kavalleriedivisionen, deren Stärke man auf 53o.ooo Mann schätzen kann, eingesetzt wurden. An den allergrössten Schlachten des Krieges hat jedoch unsre Armee nicht teilgenommen, die wurden in Frankreich an der Westfront geschlagen. Die grösste Schlacht des Bewegungskrieges war die erste Schlacht an der Marne ( 6 . bis lo. September 1914), bei der 76o,ooo Franzosen und 82,Ooo Briten, zusammen 842,ooo Mann, 680,000 Deutschen auf einer Front von 34o Kilometer (Paris=Verdun) gegenüberstanden. In den fünf Tagen verloren die Untentetruppen 24o,ooo Mann oder 28V2 Prozent, die Deutschen 256,ooo oder 37 Prozent ihrer Effektivstärke. Die größte Schlacht des Stellungskrieges und bis^ her die größte Kampfhandlung aller Zeiten war die „Große Schlacht in Frankreich" (21. März bis 6. April 1918), an welcher 127 deutsche Divisionen, das sind 1,500,000 Mann, teilnahmen; die Alliierten waren llni ein Viertel schwächer. Die Verluste waren beiderseits ungeheuer, je 400,000 Mann. Von den 213,000 mobilisierten österreichischungarischen Osfizieren sind 22,500 (10-6 Prozent) mit Tod abgegangen, 4262 (2 Prozent) blieben vermißt, 43,551 (20’6 Prozent) wurden verwundet. Diese Zahlen sprechen Bände, wenn man bedenkt, dass während der Zeitperiode 174o bis 1914, das ist seit dem Regierungsantritt Maria Theresias bis zum Ausbruch des Weltkrieges, in 35 Kriegen.und bewaffneten Interventionen nur ungefähr 6 ooo Offiziere gefallen und zirka 18,ooo Offiziere - von all diesen 24,ooo Offiziere kennt man die Namen - verwundet worden sind. Die Opfer des Seekrieges. Noch weit ungünstiger alsfür das Landheer stellt sich das Gefährdungsmoment für die Marine. Dass im Seekrieg der Prozentsatz der Toten und den der Verwundeten weit übersteigt, wissen wir schon aus früheren Kriegen (Trafalgar: 5ooo Tote gegen 3ooo Verwundte, die Italiener bei Lissa: 62o Tote gegen 8 o Verwundete), und das hat sich auch im Weltkrieg nicht geändert (in der Skagerak=Schlacht verloren die Engländer 61oo Tote, 52o Verwundte), eher verschlechtert, da in früheren Kriegen ein zusammengeschossenes Schiff in der Regel die Plagge strich und die Beute des Siegers wurde, während heute die Vernichtung zur Regel geworden ist. Das Streichen der. Flagge vilt heute mehr als je als schimpflich. Früher eröffne- te die Schiffsartillerie das Ariilleriedücll auf Pistolenschußweite, Heute geschieht dies bei einer Entfernung von 10 bis 15 Kilometer. Die Besatzungen der aus solcher Entfernung vernichteten Schiffe können nur mehr sehr schwer gerettet werden. Untersuchungen in betreff der Bernichtungs- ursache von Kriegsschiffen im Weltkrieg haben ergeben, daß in 35 Prozent der Fälle Artilleriefeuer den Untergang verursachte, in 22 Prozent der Fälle war es Torpedierung durch U-Boote, in 20 Prozent das Auslaufen auf Seeminen, in 14 Prozent waren es Unfälle (Zusammenstoß, Explosionen, Strandung), in 6 Prozent der I Fälle Torpedierung durch Torpedofährzeuge, in 3 Prozent der Fälle Selb*Vernichtung. Im Weltkrieg sind 4 englische, 2 deutsche und 1 französischer Admiral mit ihren Schiffen untergegangen. Unsre Kriegsmarine hatte im Weltkrieg folgende Verluste zu verzeichnen: So Offiziere, 571 Mann tot, 32 Offiziere, 474 Mann vermisst (die Vermissten der Marine müssen ganz zu den Toten gerechnet werden) und 19 Offiziere, 3o2 Mann verwundet. Aus all den Betrachtungen über unsre Menschenverluste während der Kriege Oesterreich=Ungarns im Laufe der letzten vier Jahrhunderte erhellt, dass unsre Kriegsheere ungheure Opfer auf dem Altar des Vaterlandes gebracht haben, dass zwei Millionen unsrer Besten, unsrer Tapfei sten ihre Trend durch die Hingabe ihres Lebens besiegelten. Es gilt nuh, durch Errichtung des Heldendenkmals das Andenken an diese Helden ihrer Pflicht in würdiger Weise zu ehren. Unsre alte ehrwürdige k. u. k. Armee besteht nicht mehr. Sie wird aber wenigstens in unserem G-eist fortleben, wenn das ihren*'gefallenen Helden geweihte Denkmal uns täglich an sie erinnert. t ö ^ ! r e n K z«e n 5 un k l e »i !) 0 X L 7 ^ 7 I 0 sj ^ I L8 ? 0 8 7 tt,.: 7^6: // ?, I Die Mitschuld Belgrads. i Aus einem Brief eines in Belgrah l e b e nden Oesterreichers an seine Ang ehö rigen in Wien entnehmen wir folgende Stellen: Oll irgend jemand in Belgrad direkt schuld an den Attentaten von Sarajevo ist, wird, wenn überhaupt, nur durch die gerichtliche Untersuchung festzustellen sein. An der indirekten Schuld kann aber für den Kenner der Verhältnisse kein Zweifel 'bestehen. Die Anstifter sind nicht nur unter dem ungebildeten Volk, sondern vor allem in der Propaganda- und Preßabteilung des Belgrader Auswärtigen Amtes und bei der serbischen Pro- fesforenschast zu suchen, die jahrelang Haß gesät und jetzt Mord und Todschlag geerntet Hallen. Wenn auch die Mörder nicht serbische Untertanen sind, ihre poljttsche Erziehung Hallen sie in Belgrad erhalten, und zwar Prinzip ander Belgrader Hochschule und C ab r i nov i c als Schriftsetzer in einer Belgrader Druckerei. Die serbische Regierung hat auf die um zirka 5 Uhr nachmittags bekanntgewordene Nachricht die Vidovdanfeier erst um 10 Uhr abends offiziell allsagen lassen! Inoffiziell und in der Dunkelheit hatfieaber w e t t e r g e d a n e r t. Es ist ganz unwahr und jeder Augenzeuge kann es bestätigen, daß es eine Falschmeldung war, wenn die -serbische Regierung durch ihr Pretzllureau melden ließ, in der Stadt Halle Entsetzen und Trauer geherrscht — die Nachricht flog wie ein Lauffeuer durch die Stadt und überall sah man in den Straßen Gruppen, in denen man das. Ereignis mit triumphierenden Mienen wieeinen Erfolg besprach. Ja, es sind sich bei dem Vidovdanfeste Leute vor Freude in die Arme gefallen und man hörte Bemerkungen, wix: „Recht ist ihnen geschehen!" oder „Das ist 'erst ditz kleine Rache für die Annex ton!" oder „Die Tat wurde heroisch vollbracht. Wir werden ihnen zeigen!" — Kurz, der gelungene Doppelmord wurde als nationaler Erfolg gefeiert. Daß dies keine Uebertreibung ist, werden alle ehrlichen Serben und alle in Belgrad lebenden Ausländer bezeugen. (Es ist uns ein fast wörtlich dasselbe feststellender Brief von anderer Seite aus Belgrad zugegangen. D. R.) znöL«ILkXzuuLk fön VOXU«^7/i7!0li ^^8 «IM 7^6^77 : Lv§ ID: Vor zwanzig Am 28. Juli 1911 um 11 Uhr vormittags wurde von Wien aus über Bukarest jenes Telegramm äb- gesendet, mit dem Graf Bsrchtold namens der österreichisch ungarischen Negierung an Serbien den Krieg erklärte. Das war, mit Uhr und Kalender genau fixiert, der Beginn des Weltkrieges. T ' Der Tastendruck des Wiener Telegraphisten, der jene Depesche abklopfte, hätte also sozusagen den Funken ausgelöst, der die gewaltigste Explosion der Weltgeschichte entzündete? Aber die Hand des Beamten war nur ein willenloses Werkzeug, wie auch die Kriegserklärung selbst das zwangsläufige Endergebnis einer verhängnisvollen Entwicklung war, einer Entwicklung, die die Menschheit ans der Bahn des friedlichen Zusammenlebens und der Zusammenarbeit zu Streit, Kampf und gewaltsamen Entscheidungen drängte. Der Kriegszustand kam nicht erst dadurch in die Welt, daß ihn Oesterreich-Ungarn konstatierte; das war nur ein Akt seiner völkerrechtlichen Korrektheit. Ohne sich vorerst in militärischen Aktionen zu,entladen, gloste seit Jahren der Kämpf zerstörend Unter der Oberfläche, fraß sich seine Glut in Herzen und Gemüter, verqualmte die Hirne, T.T hie Leidenschaften von Fanatikern, Narren, Verbrechern und Meuchelmördern- Die Völker selbst haben Talent und Neigung genug, sich mit den Nachbarn zu vertragen; sie haben äber auch Kraft und Lust, sich mit ihnen zu raufen. Es hängt nur von den Führern ab, was sie aus destVölkern machen. Natürlich gibt es auch im Leben der Völker Jnter- esscnkonflikte. Was aber ans ihnen wird, das hängt wieder nur von den leitenden Staatsmännern ab. Es war das große Unglück der Menschheit, daß die Staatsmänner der .kritischen . Vorkriegsepoche, selbst den einfachen Problemen jenex, Zeit sittlich rüchtrgelpachst^ waren« ja in satanischer MMenheit immer neue PM bleme schufen, weil sie in den Problemen nicht die Notwendigkeit ihrer Lösung,'sondern dje Möglichkeit ihrer Ausnützung zu weiteren Kampfzwecken in Betracht zogen. So trieben sib wissend nstd sehend die Menschheit in die Katastrophe. In immer kürzeren Zwischenräumen kam cs zu Krisen des Weltfriedens, ohne daß die Staatsmänner zu einem großen Entschluß sich aufgerafft hätten, die ungeheure Gefahr des Weltbrandes endgültig zu bannen. Schon schossen die mächtigen Flammen der Kriege im Südosten Europas empor; aber noch immer geschah nichts Aufrichtiges und Wirksames zur Rettung des Friedens. Und wenn man auch durch Protokolle und Noten mühselig einen Aufschub erzielte, so war es nur, um Zeit zur Vollendung der Kriegsrüstung zu. gewinnen. Die Wahrscheinlichkeit der Vermeidung eines allgemeinen Zusammenstoßes war zwar auf ein Mindestmaß heraLgesunken, aber die Möglichkeit der Erhaltung des Friedens bestand doch noch. Man wird es dem ernsten Pflichtbewußtsein und dem hohen Verantwortungsgefühl der Herrscher Oesterreich- Ungarns und Deutschlands zugute halten müssen, daß sie, an dieser.Möglichkeit festhielten und selbst die gerin ge, immer kleiner werdende Chance nicht preisgeben wollten. Sie haben sich freilich damit verhängnisvoll getäuscht. Oesterreich-Ungarn, zufolge seiner zentralen geographischen Lage allen europäischen Krisenherden nahe, von den Jnteressenkreisen zahlreicher Nachbarn überschnitten, wär seit jeher von allen politischen Ereignissen und Bewegungen Europas unmittelbar berührt gewesen, deshalb mußte umgekehrt auch der Kampf um die Existenz dieses Staates zu einem allgemeinen europäischen Krieg werden. Diesen Kampf hatte vor allem Rußland von langer Hand vorbereitet. Vom Balkan her, an seiner Südostgrenze, sollte Oesterreich-Ungarn beschäftigt, beunruhigt, gefährdet werden, um dann an der Nordostfront, beim Kampfe mit Rußland selbst, nicht mit voller Kraft anftreten zu können. So wurde Belgrad zur „Pforte des Krieges", wie es die alten Osmanen genannt hatten. Es setzte die großserbischc Propaganda ein, die öffentlich die Selbständigkeit von Bosnien-Herzegowina, im geheimen aber die Los- reißung aller von Südslawen bewohnten Teile 3er Ocsterreichisch-Ungarischen Monarchie betrieb. Im März 1909, während der Annexionskrise, hing der Friede nur mehr an einem Haar: Da bewog Rußland, Vas noch nicht gerüstet war und die Annexion anerkannte, in letzter Stunde Serbien zum Frieden. Aber die Agitation lebte wieder ans, bis sie ihren graucn- .vollen Höhepunkt am 28. Juni 1914 in der Ermordung Franz Ferdinands und seiner Gemahlin erreichte. Wenn wirklich die Staatsmänner von der Notwendig- keit der Erhaltung des Friedens für die Menschheit überzeugt waren, so mußte jetzt in allen Staats- kanzleien mit leidenschaftlicher Hingabe Tag und Nacht, mit rücksichtslosem Aufwand stärkster Druckmittel an der Rettung des Friedens gearbeitet, mutzte wenigstens eine Lokalisierung des Konfliktes erstrebt werden. Zeit war noch vorhanden, denn Oesterreich- Ungarn führte zuerst eingehende Untersuchungen über die Mordtat, ehe es mit seinen fundierten Anklagen hervortrat. Und noch immer gab es trotz den Erfahrungen von 1909 einen Weg zum Frieden frei, als es am 23. Juli eine befristete Note an Serbien richtete, in der es verlangte, daß die serbische Regierung die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda verurteile und sich verpflichte, die verbrecherische terroristische Propaganda mit allen Mitteln zu unterdrücken. Wieder war eine Frist gegeben, diesmal eine achtundvierzigstündige. Einige Stunden vor Ablauf der Frist mobilisierte Serbien, dann übermittelte es am 25. Juli um 6 Uhr abends eine ausweichende Antwort: Damit hatte faktisch der Krieg begonnen, Serbiens Entschluß, gestützt auf Rußlands Ratschlag, war die Entscheidung über Krieg oder Frieden. Aber erst am 28. Juli erfolgte die Kriegserklärung Oesterreich-Ungarns, das neuerlich den diplomatischen Verhandlungen Zeit eingeräumt hatte. Es war zwar eine beträchtliche Menge von Papier und Worten verbraucht worden im Verkehr zwischen den Regierungen, aber es war doch nur die knifflige Rabulistik, Verantwortung abschiebender, die wahren Absichten ver- schleiernderDiplomatenPhrasen, es fehlte die schöpferische Größe der Erkenntnis und des Entschlusses. Ein Jswolsky durfte die Entfachung des Weltkrieges wie eine amüsante Kartenpartie als persönliche Revanche für seinen Hereinfall in der Dardanellenfrage spielen, durste, kokettierend mit seinem frivolen Zynismus, von „ma. getitk guerro", von „meinem kleinen Krieg", reden; Sassonow, der verantwortliche Außenminister, konnte in diesen ernsten Schicksalsstunden durch seine Vertreter im Ausland faseln lassen, „Rußland sei in seiner Ehre als Großmacht gekränkt" — offenbar weil Oesterreich- Ungarn verlangte, daß die Ermordung seines Thronfolgers geahndet werde. Mochte sich auch der Zar an, Kaiser Wilhelm um Vermittlung wenden, er war nicht mehr Herr im Hause, seine Minister hatten den Krieg angezettelt, seine Militärs durch voreiliges Mobilisieren ihm das Prävenire gespielt. So nahm das Verhängnis seinen Lauf. Mit einem mehr als vier Jahre langen Blutbad mußte die Menschheit die Sünden der Staatsmänner büßen. Und als es dann endlich zum Frieden kommen sollte, waren es wieder die den Frieden diktierenden Staatsmänner, die sich ihrer Aufgabe geistig und moralisch nicht gewachsen zeigten. In ihre Hand war es gegeben, die Welt so zu formen, daß der Weltkrieg wirklich der letzte Waffengang der Menschheit bleiben müßte. Aber sie zerstörten nach Herzenslust und trachteten nur, Beute wegzutragen. Heute gibt es zahlreichere und schwierigere Probleme als vor dem Weltkriege. Sieger und Besiegte spüren es in allen Knochen. __ zirskilenxzttucn f ij« vre» 0 0 X k X I s I o K 5!rklk M88L V^- Lt eHMVßUSmssg See ErvME ves KViegeS. Bon Benito Nom, 28 . Juli. Noch heute, zwanzig Jahre nach Ausbruch des größten Krieges, den die Menschheit erlebt hat, wird das ÄMs^l Europas von diesem Krieg und den Friedensverträgen, die ihn beendeter!, bestimmt. Dreierlei politische Kräfte, dreierlei geistige Strömungen, dreierlei Ansichten über die Verträge von 1919/20 beherrschen heute Europa. Sie werden etwa durch folgende Gruppen repräsentiert: Da sind erstens jene, die aus den Friedensverträgen Nutzen und in einigen Fällen sogar übergroßen Nutzen gezogen haben; die zweite Gruppe sind diejeinigen, die durch die Niederlage territoriale und politische Einbußen erlitten und die Friedensverträge entschieden bekämpfen; die dritte jene, die, obgleich sie zu den Siegern gehören, der Ansicht sind, es müsse sich aus . dem Sta tus von 1919 ein e Politik des Wiederaufbaues Europas entwickeln. Schließlich gibt es noch die Neutralen, die. besonders in Genf ihren Einfluß in der Richtung der dritten Gruppe ausübend Die Sieger, die die Dlentalität von Versailles beibehalten haben,, verkünden„Versailles bildet die letzte Seite in dem Buche der Mmschheitsgeschichte. Der Friedensvertrag von Versailles ist ein Misteriverk, an dem niemand rühren darf." Das Losungswort dieser Gruppe ist : Erhaltün g d es Best e h e nden. Die Besiegten erklären, die, Friedensverträge seien Schuld an den wirtschaftlichen und moralischen Mißständen, an denen die Welt leidet, Das Losungswort dieser Gruppe ist:, Die Revision der .Friedensverträge. Das Losungswort der dritten Gruppe ist: Ueberprüsung in der Weise, daß alles erhalten bleibt, was in deck Friedensverträgen den Forderungen der Gerechti g.L e.i t entspricht, daß aber, vor allem der Weltsriede gewahrt wird und man vor jedem neuen Krieg zurücks-cheut, der die Gefahr des Unterganges der europäischen Zivilisation in sich birgt. Gnglrmd und Italien als Vermittler. Die Gruppe >der Sieger, die von den Verträgen profitiert haben, wird von Frankreich angeführt, das — durch die Donaureise, Barthous mit besonderem Nachdruck — betont hat, welche Rolle es als „Wächter" der Friedensverträge zu spielen gedenkt. Die Gruppe der Besiegten findet .ihre Hauptstütze in Deutschland. Dis dritte wird durch England und Italien repräsentiert, die, bedingt durch geographische Lage und historische Entwicklung, aus Gründen des Gleichgewichtes zu See und Land in dieser, großen Frage gemeinsam Vorgehen. Es liegt aber kein Grund vor,''anzunehmen, daß die genannten Gruppen in der skizzierten starren Entwicklung verharren müssen und keine Abänderung erfahren ! können, wie sie die Dynamik der Geschichte verlangt. Frankreich betrachtet sich als Schutzherr der Friedensverträge. In Wirklichkeit gelingtcsihmnur, dieRevisionzu verzögern und ihre friedlichen Phase,: durch Verhandeln mehr oder weniger in die Länge zu ziehen. Es wäre inter- Mussvlini. essant, festzustellen, wie viele A r t iKelde sMö n st r u m s der Friedensverträge tatsächlich ausgeführt worden und wie viele in Fortfall gekommen oder abgeändevt worden sind. Selbst das offizielle Frankreich und die französische Regierung werden sich überzeugen müssen, daß Friedensverträge nicht unwandelbar sind, daß sie Entwertungen erleiden, und daß die beste Taktik, um sie zu retten, ihre allmähliche Anpassung an die neu- geschaffenen Tatbestände darstellt. Ich glaube, daß Frankreich den Weg einer allmählichen durch Verhandlungen erzielten Anpassung an die Gegebenheiten schon beschritten hätte, wäre es nicht durch seine Verpflichtungen gegenüber der kleinen Entente gehemmt, deren Staaten teils ihre Existenz dem Krieg verdanken, teils ihr Gebiet verdoppelt oder verdreifacht haben und den Statusquo unter allen Umständen aufrecht-xrhalten wollen. Aber auch innerhalb der kleinen Entente ist die Lage nicht einheitlich und starr. Außenminister Bene s ch zum Beispiel scheint weniger hartnäckig zu sein als Ti tut escu. Der tschechoslowakische Außenminister macht sich von Zeit zu Zeit das Vergnügen, dem frischen Luftzug der Revisionsmöglichkeit die sonst so hermetisch verschlossenen Türen zu öffnen. Auch die besiegten Staaten haben keine ganz einheitliche Haltung. Ms zur Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland schien die Frage, des Korridors die Grundforderung der deutschen Politik zu sein. Das deutsch-polnische Abkommen verschiebt die Lösung dieses Problems für zehn Jahre. Damit ist dieser gefährliche Konflikt beseitigt. In Bezug auf Elsaß-Lothringen sind von Hitlers Seite mehrfache eindeutige Verzichte ausgesprochen worden. Das Prob lem de r Saa r ist der jm Januar 1935 stattsmdenden Wstimnnmg anvertraut. Die Frage Oesterreichs ist nicht nur ein österreichisches, sie ist ein europäisches Problem. Oesterreich ist unabhängig und soll weiter ein unabhängiger Staat bleiben. Der Plan der Expansion nach Osten, den gewisse Kreise in Deutschland gehegt haben sollen, gerät mehr und- mehr in Vergessenheit. Das Hugeuberg- Memorandum wurde dementiert. Rußland wird immer mächtiger; es entwickelt sich zu einem Militärstaat, den inan nicht außer acht lassen kann. Der Staat, der mit gutem Grund noch am stärksten nach Revision trachtet, ist Ungarn. Nicht aus bloß nationalen Gründen nimmt Italien die Haltung ein, die es iune hat; es wird durch den Grundsatz der Gerechtigkeit geleitet, die zum Frieden führt. Der Friedensvertrag von Trianon hat Ungarn buchstäblich erdrosselt. Das erdrosselte Ungarn kann nicht leben ; es kann den Friedensvertrag von Trianon nicht anerkennen. Auch viele Franzose. daß diese Lage nicht zn rechtfertigen ist und daß sie zu einem Krieg oder zu der Anw end un g des A r ti k el s 19 des V ölke rb undpak te s führen muß. Die Anwendung dieses Artikels erscheint mir indes sehr problema- tisch. Es ist Meine Ueberzeugung, daß es ohneRevision des Vertrages von Trianonwohl einen mehr oder weniger langen Waffenstillstand imDonaubecken,aber Leine nFrieden geben kann. Von den anderen Besiegten hat die Türkei das Problem der Revision des Vertrages durch Waffengewalt für sich entschieden. Bulgariens Haltung in der Frage der Revision jst stets sehr vorsichtig gavesen. Düs PeoAsM Der Befr!ed««K i ES ist das gwtze Problem der emopäischen Politik, die Forderung nach Aufrechterhaltung der Verträge mit der Forderung nach ihrer Revision in Einklang zu bringen. Seit 1918 sind alle Sorgen und Mühen der europäischen Politik hierauf gerichtet. Ohne Annäherung dieser beiden Prinzipien wird Europa keine Ruhe finden und das Frohlocken der Sieger wird die Proteste der Besiegten nicht zu übertönen vermögen. London und Rom verfolgen, wie gesagt, die gleiche Politik des europäischen Gleichgewichtes. Nur aus den B e r- sch i ed en hei ten der Temperamente ergeben sich Abweichungen. Die Politik des Ausgleiches ist schwierig, da mächtige Interessen miteinander in Konflikt liegen und die widerstrebenden Geister bitter und unnachgiebig sind. Aber es ist die einzige Politi k, die den Frieden bis seht gewährleistet hat und ihn weiter gewährleisten wird. Vergessen wir nicht, daß die Staaten Europas heute stärLer l>.e w a f f n e t sind als 1914, und daß nyr oie Diagonale London-Rom den Auseinanderprall un de ine neue Katastrophe verhindern kann. , ' >«s c! m««»X X c X xux Xik> »o»>i x e x i«i > o» MLM7 (Leer) Svq§. SHAsrimasse der Veilkrieses. >< Don Baro« Erich von Fersen» ^ e>h«m. Prokurator der Reichsdumm. Dumpfe Hitze brütet über St. Petersburg in den Julitagen des Jahres 1914. Schweißtriefende Kuriere liefen aufgeregt mit ihren Aktentaschen von Zimmer zu Zimmer des Auswärtigen Amtes und verteilten die einlaufenden Sendungen. Auf den Schreibtischen der Beamten wuchsen die Depeschenhaufen zu Bergen, und müde und abgespannte Männer bemühten sich, diese Berge zu meistern. Im Amte hatten alle den Kopf verloren, angefangen vom Minister Sasonow bis zum rangjüngsten Beamten, und als die Kriegserklärung erfolgte, atmeten alle erleichtert auf „Endlich!" — Um dieselbe Zeit erklärte voller Genugtuung Herr Jswolski, der russische Botschafter in Paris im französischen Auswärtigen Amt: „Das ist mein Krieg!" — „Er wird mein Sieg!" frohlockte ein schlitzäugiges, unscheinbares Männchen in seinem Emigrantenwinkel und setzte sich an seinen Schreibtisch, um die ersten Befehle an seine Armee zu erteilen. Nur fünf Mann zählte diese Armee, die Lenin aufbot, um in den Weltkrieg einzugreifen. Diese fünf Mann Waren die fünf Abgeordneten der Reichs- duma, die ersten Bolschewiken, die nach der Berufung der Volksvertreter ihre Mandate in die vierte und letzte Reichsduma erhalten hatten. Es waren finstere und mürrische Gesellen, diese ersten Bolschewiken, die nach ihrer Wahl in derDuma erschi enen und sich als Fraktion der russischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei eintrugen und auf der äußerten Linken des Hauses ihre Plätze einnahmen. Me Duma war auf Sommerferien, als der Krieg ausbrach, und man berief die Abgeordneten auf telegraphischem Wege zu einer Sondersitzung. Der Zar empfing die Duma im Winterpalais, und in der nachfolgenden Sitzung des Hauses gaben die Vertreter der Parteien ihre Evgebenheitserklärunaen ab. Nur die Bolschewiken schwiegen, Lenins Armeebefehl war noch nicht eingetroffen. Erst im Herbst, der Kanonendonner bei Tannenberg war kaum verstummt, brachte ein Sendling die Botschaft des Meisters: „Vom Standpunkt der Arbeiterklasse", hieß es in dem Schriftstück, „und der werktätigen Massen aller Völker Rußlands erscheint als das kleinste Mel die Niederlage der zaristischen Monarchie und ihrer Truppen. Die Aufgabe der Sozialdemokratie besteht in der allseitigen Propaganda der sozialistischen Revolution und in der Notwendigkeit, die Waffen nicht gegen die eigenen Brüder, die gemieteten Sklaven der anderen Staaten, sondern gegen die Reaktion der bürgerlichen Regierungen und Parteien aller Länder zu erheben." * Mit der Revolution trat in der Geschichte Rußlands und des Krieges die entscheidende Schicksalswende ein, das kriegsmüde Heer wollte nicht mehr kämpfen, das Volk sagte der führenden Oberschicht den Gehorsam auf und zeigte nicht übel Lust, die ganze Intelligenz entweder davonzujagen oder in das Jenseits zu befördern. Es fehlte nur noch der Mann, der diesen Wunsch in die Tat umsetzte. Mit einiger Verspätung traf er auch ein. — Die Provisorische Regierung hatte eine allgemeine Amnestie erlassen und eine Verordnung, die allen politischen Verbrechern und Emigranten die „ehrenvolle Rückkehr auf Staatskosten" zusicherte. Auf Grund dieser Bestimmung konnten Lenin und sein Stab ans der Schweiz nach Rußland zurückkehren. Die deutsche Regierung gestattete dieser Gruppe von 30 Personen die Durchreise durch Deutschland in einem plombierten Waggon, auf der schwedischen Grenze wurden die Plomben entfernt, und im Triumphzug kehrten die Emigranten nach Petersburg zurück, wo ihnen ein festlicher Empfang mit Militärischen Ehrenwachen. Reden und son- Dgs, Festlichkeiten bereitet wurde. Die Verbündeten in London und Paris schüttelten die Köpfe, man fing an, an dom gesunden Menschenverstand der Provisorischen Regierung und ihrer Minister zu zweifeln urtd hielt sie für vollends verrückt, als sie das Londoner Kabinett ersuchten, auf Grund der Amnestie die in Halifax internierten 200 Emigranten mit Trotzki-Braunftein an der Spitze freizulafsen und ihnen die „ehrenvolle Rückkehr" zu ermöglichen. Wohl hatte man sich in London und Paris keine übertriebene Vorstellung von der Weisheit der Provisorischen Regierung gemacht, aber die „ehrenvolle Rückbeförderung der Bolschewiken auf Staatskosten" und dazu noch waggonweise überstieg doch das Maß, das eine gütige Nachsicht zulassen konnte. Die Verbündeten Staatsmänner kamen zu der Überzeugung, daß der russische Verbündete auf die Verlustliste zu setzen sei. In Petersburg konnten sich nun die Ereignisse programmäßig abwickeln. Lenin entfesselte die niedrigsten Instinkte des Pöbels und leitete den Aufstand der Unterwelt ein. Von Zeit zu Zeit probte er mit seinen ständig wachsenden roten Garden in den Straßen der Residenz. Plötzlich erschienen auf sein Kommando schwerbewaffnete unheimliche Gestalten, schossen ihre Gewehre auf die Klassenfeinde ab und verschwanden wieder in ihre Schlupfwinkel. Kein Mensch wußte, von wo ^ sie kamen und wohin sie verschwanden. Dann LO es im Juli eine größere Generalprobe, . Lenin hielt Heerschau. Drei Tage knallten die ! Gewehre, ratterten die Maschinengewehre, dann flüchtigte sich der Spuk gespensterhaft in. die Unterwelt. Im Nowember machte Lenin Ernst, ein Kanonenschuß vom Kreuzer „Aurora" gab das Zeichen zum Endkampf, und in vierundzwanzig Stunden war Lenin Herr der Residenz und Oberhaupt des Staates. Für seinen Teil hatte er den Weltkrieg gewonnen. Jetzt fühlte Lenin sich stark genug, sein Ziel bekanntzugeben — die Weltrevolution. Das Weltgesicht verzog die Miene zu einer abscheulichen Grimasse... Dem anbrechenden Zeitalter gab Lenin den Inhalt; Vernichtungskampf der Weltanschauungen, Auseinandersetzung auf Sein oder Nichtsein der verneinenden und bejahenden, der aufbauenden und zerstörenden Geisteskräfte. Diesen Weltkrieg kann die brutale physische Gewalt nicht entscheiden. Entscheiden wird diesen Kampf die Macht der Idee. — t«8 e I s c«X t X X e k f u « xiex 2 o x u x L x I t r i o x M8M7 (L^i) sechste Isonroschlachl. ^ / 4. bis 17. August ISIS. Österreich-Ungarns letzter Krieg 1S14—1918. Herausgegeben vom österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung und vom Kriegsarchiv. Wien 1834. Verlag 6er Militärwissenschaftlichen Mitteilungen. Die eben erschienen« Doppellieferung -es fünften Bandes dieses groß angelegten Werkes enthält auf 240 Seiten mit 12 Beilagen vorerst als Einleitung eine vom Generalstaatsarchivar Hofrat Glaise-Horstenau verfaßt« Übersicht über die Weltlage im Sommer 1916, woran sich die Schilderung der Geschehnisse an der Südwestfvont in der ersten Hälft« August 1916, geschrieben von Oberst Brauner, und jene der Ereignisse in Tirol aus der Feder des Majors i. R. Heydendorff anschließen. Der zweite Teil der Doppelliefevung „Das Ringen im Osten von Ende Juli bis Ende August 1916' hat den Major Dr. Czega und Hauptmann Wiß- haupt zu Verfassern, während die Ginleitungkapitel dazu, „Die Bildung der Hindenburg-Front', wieder vom Generalstaatsarchivar Dr. h. c. Glaise- Horstenau stammt. Di« letzten Seiten der Doppellieferung haben zum Inhalt den Eintritt Rumäniens in den Weltkrieg und den Beginn des Feldzuges in Siebenbürgen, dessen Bearbeitung Hofrat Oberst a. D. Kiszling übernahm, ck Der Hochsommer 1916 bracht« den Mittelmächten eine recht schwere Zeit. Der deutsch« Angriff bei Verdun hatte sich festgelaufen, den Franzosen kaum mehr Verluste als den Angreifern gebracht. Di« glänzend begonnen« Offensive aus Südtirol heraus,, di« zwei Wochen nach ihrem Beginn schon in der Eroberung von Arsiero und Asiago gipfelte und 30.000 gefangene Italiener einbrachte, mußte wegen der Hilferufe an der Nordostfront eingestellt werden. Am 4. Juni war Brussilow zum Angriff geschritten, am 8. Juni Luck verlorengegangen, bald darauf di« Katastrophe von Okna gefolgt, die politisch schwer ins Gewicht fiel. In kürzester Zeit hatten die österreichisch- ungarischen Truppen an der Ostfront 300.000 Mann eingöbüßt. So mußten di« Streitkräfte bei Arsiero und Asiago vom Feinde losgelöst werden, um Divisionen für den Nordosten freizumachen. Aber nicht viel« konnten dorthin abgeseudet werden, denn Tadorna ging schon Mitte Juni daran, die Offensiv« im Karstgebiet wieder aufzunehmen. Durch den Abtransport dieser Truppen von der Südtirolerfront war der Druck, der von den Hochflächen der Dicentinischen Alpen her auf den Italienern lastete, behoben worden. Tadorna konnte also hoffen, mit seinen 350 dorthin geworfenen Bataillonen wieder Herr der Lag« zu werden. Doch nicht in aussichtslosen Gebirgskämpfen, sondern an der Straße nach Triest „wollte er den starken seelischen Aufschwung, den Heer und Volk Italiens durch die glückliche Abwehr feindlichen Einbruches gewonnen hatten, sich zunutze machen'. Schon Ende Juni verschob er verfügbare Divisionen dorthin; ihnen folgten andere und anfangs August standen an der Isonzofront 270 italienische Bataillone, 48 Schwadronen und 1670 Geschütze. Als das Armeeoberkommando das wiederbeginnend« Interesse der Italiener für den Kampfraum der Armee Doraevic wahrnahm, sandte sie dieser anfangs Juli zwei Divisionen aus Tirol, von welchen aber bald ! darauf «ine Brigade nach Kärnten und deren zwei nach dem Osten wieder abgegeben werden mußten. Die dann der 5. Armee als Notbehelf Angewiesenen 41 Marschkompanien reichten aber kaum aus, die auf dem Karst eingesetzten Kräfte kampfbefähigt zu erhalten. So standen anfangs August den obangeführten italienischen Massen nur 106 Bataillon«, 584 Geschütze und 383 Minenwerfer gegenüber und der mit 203 Bataillonen und 1250 Ge- schützen angreifenden italienischen 3. Armee sollten im gleichen Frontabschnitt 73 Bataillon« und 384 Geschütze Widerstand leisten. Am 4. August, 10 Uhr vormittags, hatte di« italienisch« Artillerie vorerst ein lebhaftes Feuer gegen die Hochfläche von Doberdo eröffnet, dem um 2 Uhr nachmittags ein erfolgloser Jnfanterie- angriff folgt«. Am Sonntagmorgen des 6. August aber setzt« mit einem Schlag das Artillerie- und Minenfeuer des Feindes mit äußerster Heftigkeit von Tolmsin bis an di« Adria ein. Das viel- stündig« schwere Feuer hatte bereits di« Kamps- grüben der ersten und zweiten Linie der Verteidiger eingsebnet, als die italienische Artillerie mittags gegen die Einbruchsstellen auf dem Monte Sabo- tino und auf der Podgora zu trommeln begann und um 4 Uhr nachmittags die Sturmsäulen des 6. italienischen Korps gegen den Görzer Brückenkopf zum Angriff ansetzten. Dieser gewaltigen Kraft stand nur die 58. Infanteriedivision mit l8l4 Bataillonen und 87 Geschützen gegenüber, wovon 9 Bataillone die Drückenkopfbesatzung bildeten. „Auf sie warf sich die ganze Wucht des ersten Angriffes der 48 im vordersten Treffen eingesetzten italienischen Bataillone. Das verheerende Feuer hatte die Kampfanlagen zerstört, einen großen Teil der Verteidiger getötet. Die aus den verschütteten Kavernen sich mühsam herausarbeitenden Streiter und die schwache Artillerie konnten gegen die Übermacht nicht aufkommen. Alle Aufopferung war vergeblich." Am Abend hatten die Divisionen Eapellos die Befestigungen des Brückenkopfes an drei Stellen durchbrochen. Nun wurde di« Räumung der Stadt Görz von den Zivilbehörden, Etappenstellen und Verpflegsvorräten angeordnet, gleichzeitig aber auch der Gegenangriff eingeleitet« Die im Südteil des Brückenkopfes nachts durch- geführten Gegenstöße konnten die Lay« auch tatsächlich dort wieder Herstellen, nicht aber jener auf dem Monte Sabotino, der in die Morgenstunden fiel. Am Nachmittag des 7. August setzte ein neuer Maflenstoß des italienischen 6. Korps ein. Der erste Sturm brach vor den Linien des ungarischen Land- sturminfanterieregiments Nr. 2 zusammen. Aber ein Angriff folgte dem andern; di« schwache Besatzung auf den Hügeln von Peuma hatte allein zwölf Stürm« bis Mitternacht abzuwehren. Ohne Möglichkeit, Verstärkungen zu erlangen, mußte die 121. Landsturminfanteriebrigade bis zum äußersten sich aufopfern; auch di« 5. Gebirgsbrigade hielt stand, und Oberst v. Noe, der Verteidiger der Podgora, harrte mit seinen Dalmatinern und dem Landsturminfanteriebataillon Nr. 75 in der Brückenkopfschanz« tapfer aus. Sein Gegenstoß am 7. August abends hatte auch anfänglich Erfolg; da der Italiener aber immer neue Kräfte in den Kampf warf, war jeder weiter« Widerstand vergeblich und hätte nur die Verluste bedenklich erhöht, ja sogar ein« Katastrophe auslösen können. Daher entschloß sich das 5. Armeekommando, den über ein Jahr heldenmütig verteidigten Brückenkopf zu räumen und di« weiter« Verteidigung auf das Ostnfer des Isonzo zu verlegen. „Während die Kämpfe bei Görz sich zur dramatischen Höhe entwickelten, war auch an der Karstfront di« Schlacht entbrannt." Das italienische 11. Korps griff am 6. August den Mont« San Michele an. „Aus den undurchdringlichen Rauch- und Staubwolken, di« den ganzen Karst umhüllten, brach nachmittags die italienisch« Armee in dichten Massen gegen den ganzen Frontabschnitt der 20. Honvedinfanteriedivision und der 17. Infanteriedivision vor." Es gelang ihr, auf dem Gipfel des Monte San Michele in die Kampfyräben einzudringen. Zur Medergewinnung de» Berges setzte Erzherzog Josef die ganz« Korpsreserv« «in. Der in der Nacht zum 7. August angesetzte Gegenangriff gelang zwar nicht, doch bannte er die Gefahr des Durchbruches, da der Gegner es nicht wagte, den Kamm des Berge» zu überschreiten. Auch der feindliche Versuch, bei San Martins durchzubrechen, scheitert«. Zn den 8. August fiel di« Kris« der Schlacht. Das weitere Ausharren der 58. Infanteriedivision im feindlichen Feuer am Ostufer des Isonzo war unmöglich. Ilm Mittag durchwatete «in italienisches Bataillon den Isonzo; weitere folgten nnd bildeten einen kleinen Brückenkopf. Wohl versuchte die 6. Gebirgsbrigade, di« Italiener über den Fluß zurückzuwerfen, nachdem sie Oberst v. Noe schon gegen die Übergangsstelle zurückgedrängt hatte; aber bald war es klar, daß di« erschöpften Truppen nicht mehr lange standhalten können. So kam denn um 11 Uhr nachts der Befehl zum Rückzug in di« zweite Stellung. „Den Verteidigern des Görzer ! Brückenkopfes, die sich in dem dreitägigen Ringen mit unvergänglichem Ruhm bedeckt und durch di« höchsten Soldatentugenden bewährt hatten» wurde in diesen bitteren Stunden die bewundernde Anerkennung ihrer höchsten Führer zuteil." Di« bestimmte Erwartung, daß di« Italiener nun in Massen über Görz hinaus stürmen wür- den, veranlaßt« den Generalobersten v. Doroevic j am 8. August abends auch den Monte San Michel« und die Stellungen auf der Hochfläche von Doberdo räumen zu lassen und die Derieidigung auf den Ostrand des Dallonetales zu verlegen. Die Italiener aber zögerten. Noch am 9. August standen die Hauptkräfde der Gruppe Eapello westlich des Isonzo. Nun aber gab Eadorna den Befehl, di« Höhen östlich von Görz in raschem Vormarsch zu gewinnen. Doch alle Angriff«, sowohl jene gegen den Panowitzer Wald und gegen die Höh« 171, als di« gegen den Hang des Monte San Gabriele und bei Plava endeten mit Mißerfolgen für die Italiener. Auch all« am 12. August östlich von Görz unternommenen italienischen Vorstöße brachen entweder schon im Feuer der Verteidiger zusammen oder ste wurden in heißem, blutigem Nahkampf zum Stehen gebracht. Der 14. und 15. August waren wieder Großkampftage; erst am Nachmittag des 16. August war die Angriffskraft des Feindes endgültig gebrochen. Das letzte Ringen an diesem Tag endete nach zwölfstündiger Dauer mit einem ruhmvollen Abwehrsieg des k. u. k. 7. Korps. Die 5. Armee hatte in der sechsten Zsonzoschlacht 41.009 Streiter, darunter 800 Offiziere, das italienische Heer 52.000, darunter 1750 Offiziere, verloren. Dr. A. M. M. .. . ^ » » - .. z«rsk»icnxz«»kn ? u« ooxu»<^szsio l< «Eue M>e MM A«8«ft 1S14. Von Generalmajor Karl Korzer. Wien, 12. August. August 1914! Wer damals Europa aus der Bsgel- ! Perspektive betrachtet hätte, würde einen einzigartigen Anblick genossen haben. Fast alle Nationen, selbst die direkt nicht beteiligten Staaten unseres Erdteiles, waren aufgescheucht und taumelten, von einer seltsamen Psychose erfaßt, einem ungewissen Schicksal entgegen. Seit Jahrzehnten hatten die Kriegsmaschinerien aller für diesen Augenblick gearbeitet, in dem sie schlagartig mit unheimlicher Pünktlichkeit und Sicherheit in Aktion treten sollten. Auch rn Oesterreich- Ungarn, wo man wegen des Nationalitätenhaders für Mobilisierung und Aufmarsch Bedenken hegte, wickelten sich beide Massenbewegungen klaglos ab. Reservisten und Landstürmer ließen Familien und Heim in Stich und eilten vielfach noch vor dem Einrückungstage in die Kasernen. Das geschah sogar in den gefährdeten Grenzgebieten, wo die ausländische Propaganda seit vielen Jahren ihr Unwesen trieb. Mancher mit Pferd und Wagen erschienene Bauer aus den entlegensten Karpathendörfern zog enttäuscht wieder ab, wenn man ihm bedeutete, daß der Kaiser ihn noch nicht benönge. In der Erinnerung an den Mord von Sarajevo löste die Mobilisierung gegen Serbien (25. Juli) in allen Teilen des großen Reiches eine Welle von Begeisterung ans. Die nationalen Streitigkeiten schienen plötzlich verstummt. Mit Recht konnte der alte Kaiser in seinem Manifest behaupten: „Ich kenne keinen Streit meiner Völker mehr, ich kenne nur ein geschlossenes Volk von Oesterreich-Ungarn." In diesen entscheidenden Tagen lastete auf dam Chef des Generalstabes Conrad-Hötzendorf ein übergroßes Maß von Verantwortung. Wohl klappte Mobilisierung und Aufmarsch zur Zufriedenheit, auch die Armee, die zum Waffengang antrat, war trotz einiger Rückständigkeiten in der Bewaffnung und Ausrüstung die stärkste und beste, die O esterrei ch je besaß. Aber sonst war die Lage der österreichisch-ungarischen Monarchie noch voller Unklarheiten, was für die Versammlung der Streitkräfte verhängnisvoll werden konnte. Ein Mißgriff im Aufmarsch ist im ganzen Kriege kaum mehr gutzumachen. In Voraussicht eines Zweifrontenkrieges hatte der Generalstab die Aufmarschanordnungen sehr elastisch getroffen. Für den Kriegsfall Balkan war eine Minimalgruppe (fünfte und sechste Armee) vorgesehen, die durch eine L-Staffel (zweite Armee) verstärkt werden sollte, wenn der Krieg gegen Serbien isoliert bliebe. Alles übrige bildete die J-Staffel. In der Hoffnung, mit den Serben bald fertig zu werden, hatte man auch die zweite Armee, im ganzen zwei Fünftel der österreichisch-ungarischen Streitkräfte, gegen Süden in Bewegung gesetzt. Das war viel zu viel, wenn auch Rußland sich in den Konflikt emmischte. Am 31. Juli konnte darüber kein Zweifel mehr sein, worauf die allgemeine Mobilisierung und der Aufmarsch in Galizien anbefohlen wurde. Da man jedoch die L-Stasfel cmslaufen ließ, um die Massenbewegung nicht zu stören, gelangte die zweite Armee auf oen Balkan, der zum Nebenkriegsschauplatz geworden war. Trotz strikter Befehle zum Abtransport nach Norden wurde diese Armee Mitte August bei Schabac in die Kämpfe der Balkanstreitkräfte verwickelt, die mit einem Mißerfolg endeten und dem Prestige der Monarchie empfindlichen Abbruch zufügten. SohattedieTäuschung über Absichten und Kriegsbereitschaft der Russen zu einem planwidrigen Aufmarsch verleitet. Hinsichtlich der Haltung sowohl Italiens wie Rumäniens herrschte aber noch weiterhin Unklarheit und auch betreffs Bulgariens gab man sich unnützen Illusionen hin, die nicht wenig zu dem überhasteten Einfall in Serbien beitrugen. . Es»rads Aufgabe zu Kriegsbegiurr. Mit Deutschland waren schon frühzeitig Vereinbarungen über die gemeinsame Kriegführung im Osten getroffen worden, die dann allerdings durch die Gewalt der Tatsachen abgeändert wurden. Der deutsche Generalstab hoffte binnen sechs Wochen die Entscheidung im Westen herbeizuführen. Bis dahin sollten die Oesterreicher-Ungarn d i e russische Uebermacht fest halten und den Deutschen Rückenfreiheit sichern. Conrad hat diese Verpflichtung sehr ernst genommen und im vollen Umfange mit Einsatz aller verfügbaren Kräfte restlos erfüllt. Die linke Flanke der k. u. k. Armee sollte von O'berschlesien aus das deutsche Landwehrkorps Woyrsch decken, in Ostpreußen die deutsche achte Armee aufmarschieren. Die Aufgabe Conrads war eine defensive; er wollte sie offensiv lösen, um die russischen Massen auf sich zu ziehen und von einem Vorstoß gegen Berlin abzuhalten. Der Conradsche Offensivplan war für den Kriegsbeginn von entscheidender Bedeutung und hat erst in jüngster Zeit in der Literatur eine gründliche Untersuchung erfahren. Da die Rumänen, die den rechten Flügel in der Bukowina decken sollten, ausgesprungen waren, ordnete Conrad die Rückverlegung des Aufmarsches an die befestigte San-Dnjestr-Linie an, und zwar dritte Armee Lemberg, vierte Jaroslau, erste am unteren San, je eine kleine Gruppe bei Stanislau und Krakau. Der viel umstrittene Plan Conrads schlug die durch die geopraphi- schen Lineaments gegebenen Richtungen ein. Da Galizien im Norden und Osten vom russischen Gebiet umsaßt war, konnte ein Angrifs aus diesen beiden, durch das bewaldete und versumpfte Bug-Styr-Bassin getrennten Richtungen erfolgen. Conrad rechnete vornehmlich mit starken Kräften in Polen östlich der Weichsel, an eine größere russische Offensive aus Osten glaubte er nicht. Nach seinem Plane sollte die erste und vierte Armee nach Norden zwischen Weichsel und Bug gegen Lublin und Eholm vorstoßen, die dritte Armee sich zunächst östlich Lemberg abwartend verhalten und die zweite Armee am Südflügel der dritten anschließcn. Da es sich nur um eine Offensive mit beschränkten Zielen handeln konnte, hätte es kaum zu dem oft erörterten Zusammenwirken mit dem deutschen Ostheer Hindenburgs (Siedlce) kommen können. Der Plan Conrads verrät außerordentliche Kühnheit und fußt aus der größeren taktischen Geschicklichkeit und höheren Moral oer eigenen Truppen. Die Russen wollten unter Ausnützung der umfassenden Grenzlage mit je zwei Armeen von Norden und Osten gegen Lemberg Vordringen, um den Oesterreichern-Ungarn ein Kanuä zu bereiten. In Folge dieser Absichten mußte es nach dem, 22. August zu großen Kämpfen kommen, die manals die galizische Schlacht bezeichnen kann. Galizien zur Folge. Diese strategischen Unzukömmlichkeiten trugen mehr zum Rückzug hinter den San bei als die Waffen des gleichfalls erschöpften Feindes. Die Erziehung zum Angrifs unter allen Verhältnissen stand nicht im Einklang mit oer abstoßenden Kraft der modernen Waffen. Führung und Tru ppe übersahen die Vorteile, die sich in > Ostgalizien an den zahlreichen Flußabschnitten für eine Defensive gegenüber dem aus Osten vordringenden Feind ! boten. Das Verhalten der Truppen in !diesen blutigen Schlachten ist über alles Lob erhaben. Die Opferbereitschaft und Tapferkeit des österreichisch-ungarischen Soldaten — ahne Unterschied der Nation — hat die Welt überrascht. Wie aus dem Exerzierplatz, wie sie es im Frieden gelernt, ging die brave Infanterie, nur unvollkommen von der eigenen schwachen Artillerie unterstützt, im freien Gelände die gut gedeckten Linien des kriegserfahrenen Feindes an. Allen voran die Offiziere, jede Deckung verachtend. Es war ein unverdientes Schicksal, ein Verhängnis, daß solchen Truppen der endgültige Erfolg versagt blieb. Die galizische Schlacht. Die erste Armee Dan kl am Westflügel schlug am 25. August dm russische vierte Armee und verfolgte sie bis nahe an Lublin. Die vierte Armee A u ffenberg erfocht in den Tagen vom 26. bis 31. August bei Komarow einen Sieg über die russische fünfte Armee, die dabei knapp einer vollständigen Einkreisung entging. Es war eine glänzende Wasfcntat, in der die noch kriegsunerfahrenen Truppen hervorragende Proben von Tapferkeit und Opfevbereitschaft ablegtcn. D e r N o r d st o ß hatte f a st z u einer vollen Entscheidun g .g e f ü h r t. Leider sollte auch diesen beiden glänzend geführten Armeen die Siegespalme versagt bleiben. Indessen hatte sich in Ostgalizien Unvorhergesehenes ereignet. Die russische Uebermacht hatte die dritte Armee nach Lemberg zurückgeworfen (erste Schlacht bei Lemberg), worauf sie Conrad in die starke Stellung im Grodekcr Abschnitt westlich Lembergs beorderte. Nun sollte ^ der Feind auch im Osten geschlagen rverden, wozu sich der Feldherr zu einem neuen, nicht weniger kühnen Unternehmen entschloß, das von dem hohen Vertrauen zu Truppen und Führern Zeugnis legt. Aufsenberg sollte die Verfolgung der geschlagenen Russen einstellen, kehrtmachen und dem Feind bei Lemberg in die Flanke fallen. Den Schutz gegen Norden hatten eine Gruppe Erzherzog Josef F e r d : n and s, die erste Armee Dan K I und die Gruppen Kummer und Woyrsch zu übernehmen. Das kühne und schneidige Manöver der Armee Aufsenberg gelang, doch scheiterte der Angriff, da sie selbst in der linken Wanke angefaßt wurde (zweite Schlacht bei Lemberg). Zum Unglück mußte auch Dank! aus dem Angriff in die Verteidigung übergehen und dann vor der lseberzahl des Feindes hinter den San weichen, worauf am 11. September auch die übrigen Armeen dahin zirrückgenommen wurden. Die Ursachen des unglücklichen Ansganges der großen g-alizischen Schlacht, die die Blüte der österreichisch-ungarischen Armee dahinrafste, sind in verschiedenen Umständen zu suchen. Die numerische Ueberlsgenheit der Russen, insbesondere an Geschützen, und die Kriegsunerfahrenheit der Truppen, die außerordentliche Verluste verursachte, tragen nur zum Teile Schuld daran. Die Ausgabe Conrads war außerordentlich schwierig. Die geographischen Verhältnisse bedingten, daß alle Offensivstöße aus Mittelgalizien exzentrisch geführt werden mußten, was zu Trennungen und anderen Schwierigkeiten Anlaß gab. Die Planwidrigkeit des Aufmarsches hatte ferner eine Kette von Mißverständnissen und eine Schwächung der Streitkräfte in j 8 s L I 7 L 8 X > u X r 8 5 ij 8 V I 5 8 ü 0 X u ^5 X 7 ^ 7 I o X I L 3 5 ? 0 3 I (Orsr:) ^ ' -,9L8 LieSchiachlen bei kowel «nb / Skanislo«. Ende Juli bis Ende August 1916. »Lsterreich-Ungarns letzter Krieg. 1914 —1918." 1. Doppellieferung zum V. Band. Verlag derMili- tärwissenschaftlichen Mitteilungen. 1934. Di« schweren Rückschläge von Luck und Okna hatten im Innern der Donaumonarchie tiefen Eindruck hervorgernfen und die Stellung des AOK., wie namentlich jene des Chefs des Generalstabes erschüttert. Schon wurden Namen genannt, deren Träger berufen schienen, das Erbe Conrads anzutreten. Der Erzherzog-Thronfolger, vom Kaiser zu Rate gezogen, widerriet aber schließlich einen Wechsel vorzunehmen, dies umsomehr, als auch Erzherzog Friedrich sich warm für Conrad einsetzte. Die reichsdeutschen Bestrebungen wieder gingen dahin, im Osten «ine einheitlich« ,Hindenburg- Front" zu schaffen und eine Oberste Kriegsleitung, an deren Spitze der Deutsche Kaiser treten sollte. Dabei war wohl auch daran gedacht, den Einfluß Falkenhayns auf die Kriegführung einzuschrünken. Bei den Besprechungen in Berlin am 18. Juli aber wies Conrad den Plan einer einheitlichen Front von der Ostsee bis an die rumänische Grenze und deren Unterstellung unter die deutsche OHL. ent- schieden zurück und Kaiser Franz Joseph, wie auch Durian waren mit dieser Haltung Conrads einverstanden. Aber es sollte doch ermöglicht werden, „von einer Zentralstelle aus über die gesamten Truppen der Abwehrfront ohne zeitraubende Zwischenverhandlungen zu disponieren". Hiefür wurden verschiedene Lösungen in Vorschlag g«-' bracht und am 23. Juli gab Kaiser Wilhelm seine Absicht kund, in Pleß mündliche Besprechungen über diese Frage abzuführen. Als Falkenhayn am 26. Juli in Teschen nochmals auf den Vorschlag zurückkam, dis ganze Ostfront Hindenburg zu unterstellen, lehnte Conrad dies wieder nachdrücklich ab. Der Kaiser in Schönbrunn durch Erzherzog Friedrich über die Sachlage am 27. Juli unterrichtet, ließ durch eine Depesche des GO. Freiherrn v. Bolfras an di« Heeresleitung seinen Wunsch dahin ausdrücken, daß bei der Konferenz in Pleß nach eingehender Erörterung der beiderseitigen Meinungen doch «ine Vereinbarung erzielt werde. An diesen Besprechungen nahmen Kaiser Wilhelm, Erzherzog Friedrich, Bethmann-Hollweg und Jagow sowie Hindenburg, Conrad und Ludendorff teil. Falkenhayn der unwohl gemeldet wurde, erhielt in seiner Wohnung den Besuch Conrads, um eine mögliche Lösung zu verabreden. Schließlich einigte man sich dahin, daß Hindenburg zwar nicht den Befehl über die ganze Ostfront, wohl aber über deren größten Teil erhielt und seine Weisungen von der DOHL. empfangen sollt«, di« sich ihrerseits wieder verpflichtete, für die Abschnitte südlich des Pripiatj für ihre Befehle die Zustimmung des k. u. k. AOK. einzuholen, und bei ihren Verfügungen auf die Heeresgruppe Erz- > Herzog Karl Franz Joseph stets möglichste Rücksicht zu nehmen, die auch weiterhin dem AOK. unterstellt blieb. Kaiser Franz Joseph genehmigte unterm 27. Juli diese Abmachungen. In die Zeit vom 28. Juli bis 3. August fiel die Schlacht von Kowel. Etwa die Hälfte der russischen Wehrmacht warf sich planmäßig auf die weniger widerstaudskräftige Front südlich von Pinsk, wo, vom Norden nach Süden gereiht, das österreichisch- ungarische Kavaleriekorps Hauer, die AGrp. Bernhard!, das Korps Lüttwitz, die k. u. k. 4. Armee und die AGrpn. Litzmann und Marwitz in der Verteidigung standen. Der Ansturm der russischen Armsen Dezobrazow und Kaledin erzwang das Zurückweichen der Verbündeten aus dem Stochod- knie östlich von Mielnica auf ein« verkürzte, gerade verlaufende Sehnenstellung, wobei di« Tiefe des Raumverlustss 10 Kilometer betrug. Diese neuen Stellungen wurden am 20. Juli ungestört bezogen. Gegen das Korps Lüttwitz, dessen Mitte das II. russische Gardekorps bei Tryften eingedrückt hatte, richtete sich nun der feindliche Maffensturm bei Kisielin und Semerynki, um sich hier durch die sperrenden deutschen Linien den Weg noch Kowel zu bahnen. GLt. Lüttwitz aber vereitelte mit den ihm von der Heeresgruppe beigestellten Kräften das Vorhaben der Russen, die nur bei Witoniec auf dem linken Stochodufer ein« klein« Brückenkopfstellung errangen. Nun erfolgte aber wieder ein Rückschlag bei der Arme« Tersztyanskys, deren Kampfkraft seit Olyka—Luck sehr herabgemindert war. Die Russen brachen bei Szel-ow ein und bereiteten ihr, ohne zahlenmäßig überlegen zu sein, eine schwere Niederlage. Binnen weniger Stunden war die Front in ganzer Breite auf zwei bis fünf Kilometer zurückgedrängt worden. „Trotzdem konnte bei allem diesen Mißgeschick von einer tiefgreifenden Verschlechterung der Lag« am Stochod und südlich davon nicht gesprochen nächsten Morgen Lallten sich die russischen Divisionen zu abermaligen Sturm zusammen, der .immer wieder erneut, mittags unwiderstehlich wurde. Hnidava und Falosee fielen in die Hände der Angreifer; auch die auf den Höhen von Troscianice zur Abwehr in das Getümmel geworfenen Reserven erlagen dem Ansturm und die Derbindungen rissen. In diesen kritischen Stunden kamen die ersten deutschen Verstärkungen. Bevor sie aber noch gesammelt waren, gelang es den Russen auch iu Zpyzyn und später auch in Troscianice einzudringen, Lks ihnen allerdings später zeitweise wieder genommen wurde. Ein verzweifelter Kampf entspann sich; deutsche und ungarische Regimenter fochten wirr durcheinander. Erst am Spätnachmittag flaute das Ringen ab. Ilm einen'Durchbruch bei gborow zu verhindern, wurde die deutsche 195. ID. dorthin verlegt und G. d. I. Eben mit dem Befehl über alle Truppen im Abschnitt von Nosowce bis Zwyzin betraut. , Früh morgens am 7. August eröffnet« die .Artillerie Letschitzkis eine neue schwere Kanonade auf tie ganze Front vom Pruth bis zum Dnjestr; mittags setzte die Infanterie zum An- / griff an, mit . dem Hauptstoß gegen den Nord- , slügel Köveß. Sie drang bei Korolowka in die iStellunyen des IR. IS und auch in jene der 8.' HKD. ein. Bald war auch der linke Flügel Kraewels hart bedroht. Die Front der deutschen 168. ID. wurde durchstoßen, die fechtend vom Dnjestr gegen Nordwest auswich. Schon waren sämtliche Reserven der 3. Armee eingesetzt, ohne daß es möglich gewesen wäre die Lage Lei Werden", während di« Russen an diese ihre Offen« sive große Hoffnungen geknüpft hatten. Der Durch« bruch auf Kowel war nicht geglückt. Alexejsw hielt denn auch mit seinem Tadel nicht zurück. Deshalb beschloß Brussilow den Angriff am 7. August mit einem neugebildeten Stoßkeil zu wiederholen; doch auch der russischen „besonderen" Armee mißglückte der Durchbruchsversuch. Die Heeresgruppe Linsin« gen hatte die Abwehr bei Kowel auch in dev zweiten Phase siegreich behauptet. Anders aber gestaltete sich die Lage bei der Heeresfront Erzherzog Karl Franz Joseph in Ost« galizien. Hier stand westlich von Brody und galosce die 2. Arme«, westlich von Tarnopol und Buczacz Li« deutsche Südarmee und westlich von Kolomea die 3. Arme«, an die sich südlich das Karpathenkorps Conta anschloß. Als am 28. Juli die Schlacht bei Kowel entbrannte, schritten auch die Generale Schtscherbatschew und Letschitzki in Südostgalizien wieder zum Angriff. Ersterer er« rang wohl auch Erfolge gegen Dothmer, doch war es ihm bis zur Monatswende trotz aller hart« nackiger Stürme und großer Opfer nicht geglückt» dessen rechten Flügel an die Zlota Lipa zurückzu« drängen. Letschitzki aber warf di« Gruppen FML. v. Hadfy und GLt. v. Kraewel in neue Stellungen bei Tlumacz und bis in di« Linie Tarnowica Polna zurück. Am 4. August griffen die Russen die 2. Armee in ihrer neuen Stellung am Sereth und an der Grab erst« an, wo sich schwer« Kämpfe entwickelten. Um 5 Uhr früh stieß eine russische Division über den Se-reth; Czistopady ging verloren. Erst gegen Abend gelang es den russischen Angriff zum Stehen zu bringen. Zeitlich am Tlumarz wieder herzustellen. So gingen die Gruppen Hadfy und Kraewel in die flüchtig ange- legten Reserve stellungen zurück und als am 8. August abermals ein gewaltiger russischer Massenstoß knapp südlich des Dnjestr erfolgte, ordnete GO. v. Köveß den Rückzug seiner Armee auf Nadworna und Stanislau an. Am S. und 10. August erneuten die Russen ihre Angriffe; sie drangen bis Uzin vor und umzingelten den linken Flügel Kraewels, der, um durch di« feindliche Übermacht nicht erdrückt zu werden, seine Gruppe hinter di« Vystryca führte. Dann mußte auch Hadfy zurückgehen und Stanislau preisgeLen. Bevor noch Lies geschah, hatte bereits GM. v. Seeckt bei Erzherzog Karl den allgemeinen Rück- zng beantragt, um in geeigneteren Positionen bessere Abwehr zu leisten. Er wurde hinter die Linie Zielona—Erraff—Zezupol angeordnet. Auch Dothmer mußt« in die Linie Wodniki—Horozanka —Zborow zurückgehen. „Die Russen hatten in dieser Kampspeviode große Ziele ansestrebt und entscheidende Erfolge erwartet. Sie waren ausgeblieben. Wohl hatten sie di« Verbündeten beiderseits des Dnjestr um fast 80 Kilometer, zurückgedrängt, aber das heißersehnte Operationsziel Kowel wurde, nicht er- reicht." Das österreichisch-ungarische Heer verlor in der Zeit vom 1. Juni bis 31. August 613.587 Mann; davon OM Offiziere und 20.286 Mann tot, 3669 Offiziere und 140.944 Mann verwundet, 4177 Offiziere und 08.164 Mann krank, der Rest gefangen und vermißt. Dr. A. M. M. . . - < » » » -.— - ^,-trs«»sst«6mms5 sjUt Wisri Ooleumsntcition K/. bin vergessener I Von General d. Inf. d. R. Alfred v- Schenk. Im Hofe der Wiener Stiftskaserne nennt eine schlichte Tafel jene ehemaligen Wiener Jnfanterie-Kadettenschüler, die im Weltkrieg den Tod fanden, nach Ausmusteruntzs- jahven geordnet und in ihnen alphabetisch- Letzteres wohl das Richtigste, weil ja im Tode doch alle gleich. Und doch wird jeder Objektive dem jungen Offizier, der vor 20 Jahren beim Untergang des Lloyddampsers „Baron Gautsch" den Tod^fand,.d,ie- Palma,vejchpn,„nicht weil, er das xrtze Kriegs«- opfer der Armee war, sondern weil er — nur an andere denkend — „bewußt" in den sicheren Tod ging. Er erbrach die versperrte Kammer mit den Rettungsgürteln und versah 30 Frauen und Kinder mit solchen, und zwar so langq, bis er mit dem Schiff unterging. Diese heroische Tat kennzeichnet am besten das P. V.-Blatt vom 2. März 1916: „Se. Apost. Majestät geruhte Allergnädigst zu verleihen den Orden der E. Kr. III. Kl. dem Oblt. Robert Schenk des b.-h. IR. Nr. 4, der am 13. August 1914 beim Untergang des Lloyddampfers ,Baron Gautsch' nach heldenmütiger, mit äußerster Selbstlosigkeit durchgeführter Rettung zahlreicher Menschenleben den Tod fand, dessen bewunderungswürdiges Handeln aber erst jetzt durch Zeugen klargestellt wurde." — Der wenig bekannte Held des „Gautsch" ist der einzige Sohn des hier im Ruhestände lebenden Hofrates Moriz Schenk und der Bruder der Gattin des Reg-°- Rates im Finanzministerium Völk. —— t 8 3 3 ! I 3 » X 1 U » 3 8 f (I 8 V I L ü 0 X 3 »i I ^ I I o j< I.-V6L8?0S1 ( 61 - 22 ) "-- ?. q, re WZ Vor zwanzig Jahren. ; 1 In diesen Tagen sind die Gedanken ! ganz Österreichs auf das Geschehen ^ vor zwanzig Jahren gerichtet. Ein ! merkwürdiger Aufall will es, daß die ersten Septembertage 1914 durch die gewaltige Peripetie im Osten und Westen gekennzeichnet sind. Wenn die tieferen Ursachen sowohl hier wie dort - auch schon erkannt sind, so ist in der Literatur doch nie auf das eigenartige Zusammentreffen gleichartiger oder doch ähnlicher Erscheinungen aus den beiden Kriegsschauplätzen hin- gewiefen worden. Das geschieht in interessanter und, mit Rücksicht auf die Wiedersehensfeiern, höchst zeitgemäßer Weise in dem nachstehenden Aufsatz. Wie weit entfernt waren wir doch im September 1914 vom Höhepunkt des Weltkrieges! Wie wenig wußten wir damals von aussichtslosem Ringen um den militärischen Sieg und verzweifelten Bemühungen um den Frieden, die spätere Abschnitte des Großen Krieges kennzeichneten! Und dennoch. Schon vor genau zwanzig Jahren kündigte sich die Peripetie in dem großen Drama an. Merkwürdig genug hat nämlich der ewige Schlachtenlenker den Wendepunkt, der die Katastrophe einleitet, an den Anfang und nicht ans Ende der Handlung gesetzt. In den allerersten Septembertagen 1914 War wohl schon eine unserer Hoffnungen geknickt worden. Eine andere hielt uns aber ausrecht, obgleich auch sie am 7. September eitel geworden war. Wir verzweifelten bereits am Osten, doch wir bauten noch auf den Westen. ! Auf den polnischen und galizischen Schlachtfeldern erwarteten wir nur bis zum 2. September den Erfolg, der uns aus der geographisch bedingten russischen Umklammerung befreien sollte. Dem herrlichen Vorstoß Dankls, der die Russen bei Krasnik zum Rückzug zwang, war der Sieg Auffenbergs bei Komarow gefolgt. Glanzleistungen der Führer und Truppen, die verdientermaßen unvergessen sind! Die Russen in Polen waren aber doch nicht so entscheidend geschlagen worden, daß sie nicht schon etliche Tage später im Verein mit ihren in Ostgalizien glücklicheren Kameraden die gesamte, im Norden eingesetzte österreichisch-ungarische Wehrmacht, anpacken konnten. Von diesen neuen Kämpfen drang die Kunde nach Wien. Noch am 1. September wurden zwei Meldungen des Kriegspressequartiers bekannt, die uns an unseren Stern glauben ließen. Die eine — zurückhaltendere ^— lautete: „Auf dem nördlichen Kriegsschauplatz stehen unsere Truppen auch weiterhin in hartem Kampfe südlich der Linie Lublin — Krasnostow— Grubieszow. Die Hauptentscheidung ist in der nächsten Zeit zu gewärtigen." Die andere — ermutigendere — besagte: „Die Schlacht dauert mit unverminderter Heftigkeit fort. Uber die einzelnen Phasen können aus begreiflichen militärischen Gründen vorderhand keine Nachrichten übermittelt werden, doch ist soviel gewiß, daß sich der Kampf sehr günstig für uns entwickelt." Dazu stärkten Meldungen über den Umfang des deutschen Sieges bei Tannenberg unsere Zuversicht. Bis am 3. September einer der Psychologisch verfehltesten Kriegsberichte uns aus allen Himmeln riß. Am Morgen dieses Tages wurde der Öffentlichkeit der folgende, zu einer traurigen Berühmtheit gelangte Höfer-Bericht vom 2. September, 9 Uhr vormittags, übergeben: „Einwöchige erbitterte Schlacht im Raume Zamosc—Tyszowcze führte gestern zum vollständigen Siege der Armee Auffen- berg. Russen im Rückzug über den Bug. Auch bei der Armee Dankl, die nun Lublin angreift, ununterbrochene Erfolge. In Ostgalizien Lemberg noch in unserem Besitz. Gleichwohl dort Lage gegenüber stark überlegenem russischen Vorstoß sehr schwierig." Am 7. September wurde zugegeben, daß Lemberg schon am 3. geräumt worden sei. (Tatsächlich hatte die letzte k. u. k. Truppe der Stadt am 2. nachmittags den Rücken gekehrt.) Im Hinterlande ahnte man das nach dem ominösen „Lemberg noch in unserem Besitz" schon am dritten! An diesem Tage breitete sich über Österreich der schwarze Mantel der Mutlosigkeit und des Mißtrauens. Die Heeresleitung hatte bis zum 3. September den Glauben an einen vielleicht feldzugentscheidenden Sieg erweckt; sie hatte sogar das „Lemberg noch in unserem Besitz" in eine Meldung von eigenem Sieg und feindlichem Rückzug „eingewickelt". Das war zu viel des Spiels mit den Nerven des Hinterlandes! Wenn etwas am 7. September trotz des „Lemberg dem Feinde überlassen" das österreichische Gemüt aufhellte, so waren es die deutschen Meldungen: Die französische Regierung hat die Hauptstadt verlassen; zwei Forts von Maubeuge sind gefallen; deutsche Kanonen donnern vor Paris! War dem wirklich so? Ja, deutsche Kanonen donnerten vor Paris, die Pariser aber vernahmen — verhallenden Kanonendonner. Im Großen Hauptquartier zu Luxemburg waren an demselben 7. September Meldungen der 1. und 2. Armee eingelangt, die die> Gefahr eines Durchbruchs an der Marne, beiderseits Chateau-Thierry, erkennen, ließen. Moltke erwog bereits die Entsendung eines bevollmächtigten Generalstabsoffiziers an die Front. Sie wurde zur Tatsache, als am 8. früh die Meldung des 2. Armeeoberkommandos eintraf: „Bis jetzt in Stellungen gegen Übermacht behauptet; am 8. erneuter Angriff auf linkem Flügel, unterstützt von zwei sächsischen Divisionen; infolge schwerster Verluste hat 2. Armee nur noch Gefechtskrast von drei Korps" und ein Funkspruch der Station der Gardekavalleriedivision mitgelesen wurde: „Petit Morin-Stellung Bierch—Orly—Vil- leneuve durchbrochen; Höherer Kavallerie- Kommandeur 1 geht langsam hinter Dollau zurück." Hier soll nicht versucht werden, das Dunkel der Mission des Oberstleutnants Hentsch zu erhellen, die zum Rückzug der deutschen Armeen führte — die das Marne-Wunder vollendete. Jedenfalls bereitete sich am 7. September 1914 die eigentliche Tragödie des Weltkrieges vor, denn mit dem Scheitern der aussichtsreichen Offensive auf dem Hauptkriegsschauplatze wurde der Weltkrieg zu einem Materialkriege, in dem die Festung Mitteleuropa einmal fallen mußte. Was erfuhr die Weltöffentlichkeit aus deutschen Quellen von dem Ereignis, von dem die spätere amtliche deutsche Kriegsgeschichtsschreibung feststellte, daß von da an der „Gang des Weltkrieges sich mehr und mehr gegen Deutschland wandte?" — Zunächst gar nichts. Zur Stunde, da Oberstleutnant Hentsch an der Front den Rückzug der deutschen Armeen in die Wege leitete, verkündete man die Kapitulation der Festung Maubeuge. Man ließ daheim Viktoria schießen. Am 10. September, als der rechte Flügel schon weit zurückgebogen war, ließ man an eigene Fortschritte nach siegreicher Abwehr an und über die Marne vorgedrungener feindlicher Heeresteile glauben. Dann finden sich in den deutschen Heeresberichten tagelang keine Ortsangaben mehr. Wenn am 13. verlautbart wurde, daß eine neue Schlacht im Gange sei, die günstig stehe, so konnten die Bürger der Mittelmächte glauben, daß nun vor den Toren von Paris um den Fall der Stadt gerungen werde. Dabei war längst die ernsteste Entscheidung im ganzen Weltkrieg gefallen —, gefallen Wider Deutschland und damit auch gegen uns! Bier Winter im Schützengraben klärten uns in jährlich zunehmendem Maße aus, daß die — wahrscheinlich — einzige Gelegenheit zur Erzwingung eines billigen Friedens in den ersten Septembertagen des ersten Krisgsjahres unwiederbringlich vorübergegangen war. Karl Freiherr von Werkmann. ^ t 8 s c ! I c 8 X 1 u u L 8 f^8 V I L >t o 0 X L 8 I X s I o X I. 46 LS? 0 SI (67722) Jersel-Mg in SiebenMgen. >< End« August bis Mitte Oktober 1916. ^ Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914— 1918. Herausgegeben vom österreichischen Bundesministerium für Landesverteidigung und vom Kriegsarchiv. Wien, 1934. Verlag der Militärwiffenschaftlichen Mitteilungen. — Die eingehende und bildsame Schilderung dieses Feldzuges in der zweiten Doppellieferung zum 5. Band« stammt aus der Feder des Hofrates Kiszling. Oberst a. D., der als Major und Generalstabschef der 71. Infanteriedivision in Siebenbürgen wirkte und so mitten in den Ereignissen jener an Sorgen und Kämpfen, aber auch an Siegen und Erfolgen reichen Zeit stand. I. Einbruch der Rumänen. Anders als Italien, gehörte Rumänien wohl nicht dem Dreibund an, doch hatte es 1883 einen Geheimvertrag und Ende 1912 nähere Vereinbarung mit Österreich-Ungarn geschloffen, die ein gemeinsames Operieren gegen Rußland zum Inhalt hatten. Allerdings trat dann sin« Abkühlung der Beziehungen im Jahr« 1913 dadurch «in, daß Nach dem zweiten Balkankrieg das Wiener Außenamt die rumänischen Wünsche auf Erwerbung eines bulgarischen Grenzstreifens nicht unterstützte und selbst der dreibundfreundlich« König Cavol konnte gegen den Einfluß Bratianus, den es zur Entente hinzog, im Kronrat von Sinaia am 8. August 1914 nicht öurchdringen.. Rußland hatte schon vorher Rumänien die Erwerbung Siebenbürgens in Aussicht gestellt, wenn es an seiner Seite an dem Krieg teilnehmen würde. Engere Bindungen erfolgten im Oktober 1914, neun Tag« nach dem Ableben Earols. Gleichwohl bezog Bratianu, der maßgebenden Einfluß auf König Ferdinand hatte, vorerst einen Beobachtungsposten, indem er die Verbindung mit Rußland nicht aufgab, aber auch mit Wien verhandelte. Da eine Abtretung auch nur eines Teiles Siebenbürgens wegen des Widerstandes Tiszas nicht in Frag« kam, konnte es sich hiebei nur um die Bukowina handeln. Als aber die großen Erfolg« der Brussilow-Offensive eine Schwächung der Mittel- Mächte mit sich brachte, kam der Stein ins Rollen. Am 17. Juni 1916 schloß Rumänien mit der Entente einen Bündnisvertrag und eine Militär- konvention ab. Es sollt« am 28. August losschlagen. Selbstverständlich blieben die Verhandlungen nicht verborgen. Schon am 18. Juli erörterte Conrad mit Falkenhayn in Berlin die Kriegsgefahr; bei einer neuerlichen Besprechung in Pleß, der auch der bulgarische Generalstabschef beiwohnte, wurde der Kriegsplan erwogen. Dabei ergaben sich insofern Meinungsverschiedenheiten, als Falkenhayn für einen Vorstoß der bulgarischen 3. Armee weit in die Dobrudscha hinein sich er- klärte, während Conrad einer kräftigen Offensive in der Richtung auf Bukarest, unterstützt durch einen Angriff über die Südgrenze Siebenbürgens, das Wort redete. Auch schlug er Falkenhayn am 10. August vor, ohne weitere Verhandlungen und Kriegserklärung sofort in Rumänien einzubrechen, sobald der Vertragsabschluß der Gegner auf dem Radioweg bekannt würde. Doch fehlte es hiezu vorläufig noch an einer schlagkräftigen Armee; auch schenkt« Falkenhayn den Mitteilungen aus Teschen über den Abschluß einer Militärkonvention zwischen Rumänien und Üer Entente umso weniger X- Glauben, als der 14. August, der Stichtag für die Kriegserklärung ohne eine solche vorbeiging. Und doch erfolgte sie tatsächlich am 14. August, aber alten Stils, nämlich am 27. August; und zur selben Stunde, 9 Uhr abends, als die Kriegserklärung in Wien übergeben wurde, brachen auch schon die rumänischen Vorhuten in Siebenbürgen ein. Die österreichisch-ungarische Heeresleitung hatte für diesen Fall schon zislbewußt vorgesorgt. Da Siebenbürgen dem Schutz der Grenzgendarmeri« und der Ersatzkörper allein überlassen war, wur- den eiligst 10 Etappen- und 2 Landsturm- Infanteriebataillone abgesendet und Anfang August noch drei abgekämpft« Divisionen zur Retablierung dorthin verlegt. Später konnten noch 10 einzelne Bataillone an verschiedenen Frontabschnitten herausgeholt und bei Eisenbahnstationen bereitgestellt und aus den Marschformationen 23 neue Bataillone gebildet werden. Das Kommando über diese Truppen, aus denen dann die 1. Arme« erwuchs, erhielt G. d. I. von Arz. Vom 27. bis 30. August drang die rumänisch« Nordarme« unter General Presan über die Grenzpässe in Siebenbürgen ein und erreicht«, von der 61. Infanteriedivision im raschen Vordringen behindert, die Linie Delbor—Putna—Bereczk, wo sie zur Vorbereitung der weiteren Offensiv« stehen blieb und erst am 5. September den Vormarsch wieder antrat. An der Südgrenze Siebenbürgens drang General Averescu mit der rumänischen 2. Armee vor, um in den Besitz der Haromszek und des Burzenlandes zu gelangen, welche die 71. Infanteriedivision verteidigte. Langsam zog sich diese hinter den Alt zurück, während die Rumänen in der^,,Kronstädter Ebene sich ausbreiteten und bis zum 2. September die Linie Zagon—Marienburg—- Vledeny erreichten. Die von General Euloer befehligte rumänische 1. Armee hatte zunächst den Roten-Turm-Paß zu besetzen und dann auf die Höhen von Hermannstadt vorzurücken. Ihr gegenüber stand die 143. Jnfanteriebrigade, deren Abwehrfeuer zu Beginn eine Panik bei der rumänischen Talkolonn« auslöste, die sie über sieben Kilometer zurückfluten ließ. Die Brigade wurde dann auf die Höhen von Schellenberg und westlich von Hermannstadt zurückgenommen und ihr die erst 5)4 Bataillone zählende 51. Honveüinfanterie- diviston zur Unterstützung zugeschoben. Den Grenzraum bei Petroseny mit den wichtigen Kohlenbergwerken hatte di« 144. Jnfanteriebrigade (6 Bataillone) gegen das rumänische 1. Korps zu verteidigen. Sie wurde bis an die Quellflüsse des Schyl zurückgedrängt. Die 145. Jnfanteriebrigade wieder, die anfänglich nur aus 4 Bataillonen be- stand, hatte den Donauweg und die von Orsova nördlich führenden Straßen zu sperren. Auch dort brach in der Nacht des 28. August bei den Rumänen ein« Panik aus; doch durchstießen sie am 1. September di« schwache Vorstellung des Verteidigers, der bis Ogradina zurückwich und dort 4 Bataillone Verstärkung erhielt. Mithin standen in den ersten Septembertagen die Bortruppen der drei rumänischen Armeen zwischen der Dreiländerecke und der Donau überall auf ungarischem Boden zur weiteren Offensive bereit. Vereinbarungen über einen einheit, lichen Oberbefehl. Wenige Tage bevor die Kriegserklärung Rumäniens erfolgte, hatte sich im Lager der Mittelmächte ein Ereignis zugetra-gen, das leicht zu ernsten Zerwürfnissen hätte Anlaß geben können. Am 22. August überraschte der deutsche Bevollmächtigte Generalmajor v. Cramon den Erzherzog Friedrich und Lonvad mit einer Notiz Falken- hayns, die mit dem Satz« begann: „S. M. der Deutsche Kaiser übernimmt vom 25. August 1916, 12 Uhr mittags, an die einheitliche Leitung der gemeinsamen Angelegenheiten der bulgarisch- ' deutschen-österreich^rngarischL».türkischen Krieg- führung." Als sein ausfllhrenöes Organ sollt« der Chef des deutschen Generalstabes fungieren. Conrad erstattete darüber Meldung an die Militär- kanzlei des-Kaisers mit dem Beifügen, daß er sich für diesen Vorschlag nur dann aussprechen würde, wenn -Hadurch eine Förderung des Gesamterfolges im Weltkrieg und die Wahrung der Militärischen Interessen der Monarchie zu erhoffen wäre." Da aber keines von beiden zutreffe, könnte das Armeeoberkommando bei Annahme des . Vor- schlages unmöglich die Verantwortung für die Führung im Kriege tragen. Tags darauf begab sich Erzherzog Friedrich nach Schönbrunn. Auch der Kaiser bezeichnet« den Entwurf Falkenhayns als unannehmbar, wünschte jedoch, ,Haß der An- regung des deutschen Kaisers bezüglich einer einheitlichen obersten Führung womöglich Rechnung getragen werde". In einem Schreiben vom nächsten Tag teilte Conrad die Gründe seiner ablehnenden Haltung Falkenhayn nochmals mit. Be-, vor jedoch dieser noch antworten konnte, traf die rumänische Kriegserklärung ein. Der deutsche Kaiser, auf den sie „wie «in Blitz aus heiterem "Himmel wirkte", rief durch den Draht ^ Hinden- burg und Luöendorff herbei, was Falkenhayn als Zurücksetzung auffaßte und seine Demission gab. Der deutsche Kaiser nahm sie an und ernannte Hindenburg zum 'Chef des Generalstabes uNd Lüdendorff zum ersten Generalquartiermeister. „Conrad sah Falkenhayn ohne tieferes Bedauern scheiden." Ein weiterer Schriftwechsel in Sachen des Oberbefehles schien ihm« „nicht mehr unbedingt nötig". Nun war es aber Kaiser Franz Josef, der das Armeeoberkommando wissen ließ, daß er die Erzielung vollen Einvernehmens im Sinn« einer entscheidenden obersten Befehlsgebung als nötig erachte". Gleichzeitig trafen neu« Dorschläge Ludendorffs ein. Conrad überreichte sie am 3. September persönlich dem Kaiser und dem Außenminister in Wien und beantragte Zusätze, mit denen der « Schutz und die Integrität «der Donaumonarchie jenen des Deutschen .Reiches gleichgestellt und gewisse Entscheidungen der Abstimmung des Kaisers -Franz Josef Vorbehalten werden sollten. Mit diesen Zusätzen würde' damr auch die Vereinbarung über den einheitlichen Oberbefehl am 6. September im Schlosse PM unterzeichnet. ^ - -U . - — l , - . ' ' ''Ä Kriegserklarung Bulgariens. Die Ententemächte hatten dem rumänischen Verbündeten für den Fall seines Eintrittes den Krieg eine Offensiv« der Orientarmee in Ansicht gestellt. Die Bulgaren aber kamen ihr zuvyr, indem sie schon am 18. August Florina eroberten und bis zum Tahinosee vorrückten. Das griechische Korps ließ sich am 10. September in Dracho kampflos entwaffnen. Allerdings fehlte es auch Bulgarien gegenüber nicht , an russisch-rumänischqn Lockungen, die nicht. ganz ohne Wirkung bliebA- Schließlich aber entschied sich Zar Ferdinand diH zur Erfüllung der Bündnispflicht und erklärt« ach 1. September Rumänien den Krieg. - .',K . M v 1 5 l, 30l(llXL»isäsI0li stk: Am^ 29. August hatte Generalfeldmarschall von Mackensen den Befehl erhalten, unter' Sicherung der Donaulinie in die Dobrudscha einzudringen, di« feindlichen Kräfte auf sich zu ziehen und sie zu schlagen. Es stand ihm die bulgarische 3. Arme«, das deutsch« Detachement Oberst von Kaufmann, die k.: u. k. Donauflottill« und di« bulgarische 12. Division zur Verfügung. Er beschloß vorerst di« ^Wegnahme der Festung Turtukai; sie wurde vom 1. bis 4. September umschlossen, am 5. September angegriffen und am 7. September genommen. Es war der erst« schwere Schlag, der die Rumänen traf. Noch während des Kampfes zogen sie die .als strategische Reserve für Siebenbürgen bestimmten zwei Divisionen in diesen Kampf hip- ein und drei weitere Divisionen von der 1. und 2. Armee dorthin u u L n 5 08 Vien o o X 0 XL 8 I X I I 0 »i i^e^skosi (61722) ^Dep^eldzug in Siebenbürgen. End« August bis Mitte Oktober ISIS. Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914—1918. Herausgegeben vom österreichischen Bundesministsrmm ^ für Landesverteidigung und vom Kriegsarchiv. Wien, 1934. Verlag der Militärwiffenschaftlichen Mitteilungen. 5. Band. 2. Doppellieferung. II. Rumänischer Kriegsrat. — Die Schlachten bei Hermann st a dt und Kronstadt. Das rumänische Hauptquartier in Buftea konnte über den Erfolg des Feldzuges bis Mitte September keineswegs befriedigt sein. Ganz katastrophal hatte sich die Lage in der Dobrudscha gestaltet; fiel noch die Dahn Eernivoda—Gonstanza in die Hände des Feindes, so war Rumänien seiner einzigen Landverbinduug zum Schwarzen Meer beraubt, die Hauptstadt konnte auch von Osten her bedroht werden. In dieser Notlage berief König Ferdinand für den 15. September einen Kriegsrat in sein Hauptquartier ein, der zu neuen Beschlüssen führte. Gegen die bulgarische 3. Armee sollte ein Zangenangriiff geführt werden, während die durch zwei weiter- Divisionen der 2. Armee verstärkte 3. Armee stidlich von Bukarest über die Donau vorzugehen hatte. Zn Siebenbürgen sollte der Kampf inzwischen stehen. Mit dem Kommando der Heeresgruppe Süd wurde General Averescu betraut, mit jenem der 3. Armee General Valcanu. Au dieser Zeit führten auch die Mittelmächte eine Neuregelung der Befehlsverhältnisse in Siebenbürgen durch. Es wurde dort unter dem Befehl des früheren Chefs des Generalstabes G. d. I. von Falkenhagn «in neues, das S. Armee- kommanöo gebildet, das die im Südteil von Siebenbürgen kämpfenden Truppen in sich schloß, mährend das 1. Armeekommanöo unter G. d. I. von Arz für den Nordteil bestehen blieb. Aufgabe der 9. Armee war es, i-m Verein mit der 1. Armee, die noch immer vorder Maros-Kokel-Stellung hielt, den Feind aus Siebenbürgen zu verdrängen. Am 22. September begann der Aufmarsch zur Schlacht bei Hermannstad-t. Es wurden bereitgestellt: Di« 187. Infanteriedivision westlich, di« 51. Honved- Infanteriedivistvn nordwestlich und die 78. Reserve- division nordöstlich der Stadt. Das Alpenkorps sollte sich an den Roten-Turm-Paß heranarbeiten, das Rssevvekorps Schmettow auf dem nördlichen Altufer zähe halten. Da der Sieg am 27. September des Abends noch keineswegs erfochten war, zumal das Alpenkorps sich Anstürmen von drei Seiten erwehren mußte, wurde dem Korps Staabs für den nächsten Tug die Armeereserve zugewiesen, mit dem Befehl, dem Feind noch schärfer an den Leib zu rücken. Auch stellte die Heeresleitung der 9. Armee noch die Masse der 89. Infanteriedivision zur Verfügung. Die rumänische 2. Arme« war angewiesen worden, dem bei Hermannstadt schwer ringenden 1. Korps des Generals Popovioi zu Hilfe zu eilen. So kam es zu wechselvollen Gefechten auf dem Windmühlenberg. Der Korpskommandant beunruhigt, weil seine 23. Division schon in die Lim« Michelsberg—Westen zurückgegangen war und die Unterstützung der 2. Armee ausblieb, nahm nun auch die 13. Infanteriedivision in den Raum Wpsten—Ravovitia zurück. Der deutsche Angriff am 28. September traf auf einen schon zermürbten Feind. In den Abendstunden wurde das Korps des Generals Popovici dicht um den Nordausgang des Roten-Turm-Paffes zusammengedrängt. Immer enger schloß sich der Feuerkreis der gegnerischen Batterien, die in den wirren Haufen hineinschossen. Da nun keine Hilfe von der 2. Armee mehr zu erwarten war, entschloß sich Popowci zum Rückzug über das Gebirge. Es begann eine regellose Flucht aller Fahrzeuge durch den Paß. Die Rumänen mußten 3MO Gefangene, 13 Geschütze und viel Kriegsgerät in den Händen der Neger zurücklaffen. Das Hermannstädber Becken, war vom Feinde frei. Um nun den zweiten Teil ihrer Aufgabe zu lösen, den vorwärts Fogaras befindlichen Südflügel der rumänischen Hauptkraft umfassend anzugreifen und zu schlagen, mußte die 9. Armee nach Osten aufschwenken und die 1. Armee diese Bewegung decken. Die Armee Arz , wurde aber am 29. September neuerlich von den Divisionen Presans angegriffen, wobei die inneren Flügel des 6. Korps und und des 1. Reservekorps nahe bis an die Maros-Kokel-Stellung zurück-' fielen. Zwei weiter« Gebirgsbrigaden wurden ihr zugewiesen und zum Zweck einheitlichen Handelns Verfügungen getroffen, nach denen die 1. Armee vom Beginn des Oktober an den Weisungen Falkenhayns nachzukommen hatte. An diesem Tage eröffnet« das rumänische Oberkommando dem Führer der Nordarmee, daß di« zur Entlastung des 1. Korps angeordnete Offensive gegenstandslos geworden sei und daher die 2. Armee in die Linie Hsvic—Sarkany—Peri- sani zurückgenommen wurde. Demgemäß sei es zweckentsprechend, auch die Nordarmee in die früheren Stellungen zurückfallen zu lassen. Die , Divisionen des Generals Presan und jene der 2. Armee bezogen sohin die ihnen zugewiesenen Positionen. Bei dem am 2. Oktober begoauienen Vormarsch der Alliierten kam es beim 39. Referve- korps zu keinen Zusammenstößen mit dem Feind; bei der Angriffsgruppe des Generalleutnants Morgen stieß di« 89. Infanteriedivision am Vormittag allein gegen die Höhen von Dekokten vor, wobei die deutschen Regimenter, von zwei rumänischen Divisionen angegriffen, zurückgeworfen wurden und erheblich« Verluste erlitten. Als jedoch dann di« rumänische 2. Armee den Befehl zum Rückmarsch hinter den Alt erhielt, um dort die Paßstraßen zu sperren, gelangten auf der Gegenseite die öl. Honvvdinfanteriedivision und die 76. Reserve- diviston kampflos nach Fogaras und die 89. und die 71. konnten die am Vortag verlorenen Höhen ! wieder besetzen. G. d. I. von Arz wollte am 3. Oktober gleichfalls die Verfolgung antreten; da aber traf ein Angriff der rumänischen 8. Jnfanterie- , diviston die Mitte seiner Arme«, die ihn daran behinderte. Auch am 4. Oktober wiederholte diese , Diviston ihre allerdings vergeblichen Angriffe; als dann aber die rückgängigen Bewegungen der Rumänien sich bemerkbar machten, wies Arz seine Divisionen an, dem Feind scharf an der Klinge !zu bleiben. Falksnhayn, der die rumänische L.« Arm« im Rückzug gegen Süd ost en sah, trachtete vor allem das Kronstädter Becken zu erreichen. Hiebei kam es am 8. Oktober zu einer Schlacht am Geisterwald. Generalleutnant Staabs ließ die 76. Reservedivision und die 51. Honvedinfanterie- division zum Angriff Vorgehen, der rasch Raum gewann; auch glückte es der 187. Reservedivision in die Nordflanke des Feindes einzubrechen. Die rumänische Infanterie räumte um 2 Uhr nachmittags di« Stellung; die Angreifer drangen weiter vor und nahmen 43 Geschütze. Nun hastete das ganz« rumänische 2. Korps gegen Osten zurück, von den Divisionen des Generalleutnants Staabs verfolgt. Der Do nau üb e rg a ng bei Flamanda. In den Tagen, an denen die Armee Falkenhayn von Hermannstadt siegreich gegen Kronstadt vordrang, erfüllte sich das Schicksal des im Kronrat vom 18. September beschlossenen Donauunternehmens. Just an dem Tag, an dem die Meldung von der Niederlage des 1. Korps eintraf, konnte Averescu berichten, daß alles für den Donauübergang bereit sei; und da General Joffre, entgegen seiner früheren Meinung, jetzt einen entscheidenden Schlag gegen die Armee Loschest forderte, befahl der König — ohne Rücksicht auf die Lage in Siebenbürgen — der Heeresgruppe Süd, d>e Offensive zu beginnen. Die 3. Armee sollte am 1. Oktober bei Flamanda die Donau überschreiten, um die Rückzugslinie des Gegners zu bedrohen, die Dobrudscha-Armee zunächst den Feind fesseln und nach gelungenem Flußübevgang der 3. Armee Zajontschkowskij die bulgarischen Bataillone in di« Donau werfen. Ais di« rumänischen Truppenbewegungen gemeldet wurden, warf General Loschest eiligst 13 Bataillone und 4 Batterien gegen Turtukai, während Mackensen, trotz Bedrohung des Rückens der bulgarischen 3. Armee, ehesten Angriff auf die Bahnlinie Lernavoda— Constanza einleitets. Diesem aber kamen die Rumänen mit einem Doppelangriff zuvor; 195 Bataillone und 169 Batterien gingen gegen di« 119 Bataillone und 72 Batterien Mackensens los. Ihr« wuchtigen Stöße hatten wohl ursprünglich Erfolg und wechselten mit starken Gegenangriffen der Bulgaren ab. Aber schon am 4. Oktober mußte Zajontschkowskij sein« letzten Reserven einseßen. Nun erwartete di« Dobrudscha-Armee Hilfe von der rumänischen 3. Armee. Dies« hatte am 1. Ok- tober bei Flamanda di« Lberschiffung der 19. Infanteriedivision und den Bau einer Kriegsbrücke begonnen, die aber durch deutsche Flieger empfindlich gestört wurden. Nachdem noch zwei Regimenter der 21. Infanteriedivision das jenseitige Ufer erreicht hatten, besetzten di« Rumänen eine brückenkopfavtige Stellung und setzten am 2. Oktober zum Angriff an. Da aber tauchten Boote der k. u. k. Donauiflottille irn Rücken der ans bulgarischem Bcüen kämpfenden Rumänen auf und verfeuerten ihre Munition gegen die Brücke und die dort befindlichen Drücken. Averescu begann an einer glücklichen Fortsetzung des Unternehmens zu zweifeln und beantragte im Hauptquartier einen zweitägigen Aufschub der Aktion zur Herbeischaffung von schwerer Artillerie. Unterdessen aber schloß sich immer enger der Ring der nun angreifenöen Bulgaren, drei breite, durch Treibminen geschaffene Lücken in der Drücke hinderten durch Stunden jeden Verkehr. Da empfing Averescu am 3. Oktober nachmittag, wegen der in Siebenbürgen täglich sich verschlechternden Lage, die Weisung, das Donauunternehmen ganz aufzugeben und zwei Divisionen dorthin zu «nt- senden. Dies war das Ende der mit so großen Hoffnungen unternommenen rumänischen Donauoffensive. Am 7. Oktober erhielt auch Zajontfch- kowskij den Auftrag, in die Abwehr zu fallen uüd zwei Divisionen an die 2. Armes abzugeben, wofür als Ersaß zwei russische Divisionen eintrafen. So waren zuerst sieben Divisionen von Bukarest und Siebenbürgen nach dem Süden gefahren und wurden Mitte Oktober wieder sechs Divisionen an dis Nordfront zurückbefördert. sL! I c»X z X X e n p ll ir XIeX 2 o X 2 X k X I t f I o X US: Die Befreruung Siebenbürg««,... Nun faßte das rumänische Oberkommando den Entschluß, znm ursprünglichen Kriegsplan wieder zurückzukehren. Di« Wiederaufnahme der rumä- nischen Offensiv« in Siebenbürgen wurde aber durch das rasche Vorgehen der Verbündeten durchkreuzt. Falkenhayn erkannte klar die eingetretene Trennung der beiden in Ostsiebenbüvgen kämpfen- den rumänischen Armeen; während die 2. Armee den Kroustädter Pässen zu strebt«, stand die Nord- arme« noch ziemlich weit im Land. Er befahl der S. Armee am 6. Oktober di« Fortsetzung der Verfolgung; die Masse des Korps Stands stieß auf die rumänische 4. Infanteriedivision und erzwang sich den Ausgang in die Eben« des Durzenlandes, worauf sich diese in einem Zug bis zum Nordaus- gang des Predealpaffes zurückzog. Vom 1. Reservekorps gelangte die 89. Infanteriedivision bis zum Bogatsattel, die 71. bis Reps, Schmettow bis Katzendorf und Königsdorf. Nun begann auch die rumänische Nordarmee ihre rückgängige ^Bewegung. Während General Erainicianu beauftragt war, die Linie Szent György—Kronstadt—Törzburg unbedingt zu halten, hatte Falkenhayn das Korps Staabs angewiesen, Kronstadt zu erobern. So kam es dort zur Schlacht. Als Generalleutnant Sunkel am 7. Oktober morgens geradewegs auf die Stadt losging, traten ihm starke feindliche Kräfte em gegen, so daß es ihm in dem bis zur Nacht dauernden Kampf nur gelang, mit dem Infanterieregiment 189 in den Nordteil von Kronstadt einzudringen. Am 8. Oktober erneute di« 187. Infanteriedivision den Angriff und nahm mit Hilfe der 51. Honvedinfanteriedivision die Höhen westlich der Stadt, während das deutsch« 199. Infanterieregiment die Rumänen von Haus zn Haus gegen Süden abdrängte. Da aber traf die Angreifer ein Flankenstoß von Szenpster her. Er wurde durch das 189. Infanterieregiment abgewehrt, worauf dieses nach Kronstadt zurückkehrte, um gegen den Tömöserpaß vorzustoßsn. Me Beute war reich; 299 mit Verpflegung beladene Eisenbahnwagen fielen in Kronstadt in die Hände der Sieger, die auch 25 Geschütze erbeuteten. Am gleichen Tag gelang es der 76. Reservedivision mit Unterstützung des Honvedinfanterieregiments Nr. 392 den Feind auf die Höhe des Törzburger- pafles gegen die Reichsgrenz« zurückzndrängen. Nun wurde General Erainicianu abberufen und dem General Averescu das Kommando über die 2. Arme« übertragen. Er griff am 9. Oktober entscheidend ein. Während der Schlacht bei Kronstadt kam auch di« Vorrückung der Armee Arz in Schwung. Am 8. Oktober standen die Rumänen wieder in den Stellungen, aus denen sie vor einem Monat den Vormarsch augetreten hatten. Ihre Kerfolgung ging flott von statten. Am 9. Oktober stießen die Kolonnen Arz auf die neue Verteidigungslinie der Armee Presan. Sie wurde am Tol- vajasattel durchbrochen, worauf die rumänische 7. Infanteriedivision die Stellung räumte. Mittlerweile war es bei der 9. Armee der Gruppe Generalmajor Busse gelungen, den Feind bei Petrossny über die Grenze zu werfen. Nun plante Falksnhayn, zugleich mit den Rumänen in der Richtung auf Bukarest das Gebirge zu überschreiten, während die 1. Armee den Rücken der 9. Armee decken sollte. Diese strebte nun vom 19. Oktober an der Grenze zu. Das 1. Reservekorps erzwang mit Hilfe der 8. Gebirgsbrigade, die in Flanke und Rücken der rumänischen 22. Infanteriedivision kam, die Preisgabe des Törz- burgerpasses. Vom Korps Morgen drang die Brigade Rath am 13. Oktober bis zum Ort Rucaru vor. Die 51. Honvedinfanteriedioiston des 39. Reservekorps stieg den Predealpaß hinan, die Masse der 187. Infanteriedivision bezwang den Schanzpaß und die 89. Infanteriedivision erreichte den Tatarhavaspaß. Die Division Goldbach erstürmte di« Höhe des Ojtozpasses und überschritt am 14. Oktober die Reichsgrenz«. Auch die Armee Arz setzte schon am 19. Oktober die Vorrückung fort, während General Presan sich an die Grenze zurückzog. Die Vorhut Fabinis erreicht« am 11. Oktober Szepvic; vor ihr wich die rumänische 7. Infanteriedivision samt der Kavallerie auf die Höhe des Gyimespasses. So vermochten beide Divisionen Fabinis am 14. Oktober nahezu kampflos die Grenze zu erreichen. Nur die Gruppe Generalmajor Haber hatte zum Teil starken Widerstand zu überwinden; aber am 11. Oktober vermochte die Honved doch bei Marosheviz aus dem Engpaß herauszutreten. Nun gewann auch der Südflügel des 11. Korps im Kelemengebirge gegen Osten Raum; doch gebot am 14. Oktober starke rumänische Gegenwehr dem Nordflügel der Armes Arz Einhalt. Nach knapp siebenwöchiger Dauer des Feldzuges in Siebenbürgen stand die Hauptkraft des rumänischen Heeres wieder an den Grenzen, von wo sie am 27. August iu der Hoffnung nach raschem, leichten Vormarsch ihre Fahnen auf der Königsburg zu Budapest aufzupflanzsn, in Ungarn eingefallen war. Enttäuscht, geschlagen und von ihren Verbündeten mit Vorwürfen bedacht, hielten die Rumänen Mitte Oktober wieder am Aus- ganggspunkt ihres Kriegszuges, den sie unter so günstigen Verhältnissen, wie sie in der Kriegsgeschichte wohl einzig dastehen, unternommen hatten. Dr. A. M. M. X zask«icnK»u»bj.ektiver,/elnsichts- und nmßvoller Kritiker, auch bei der Beurteilung des Einsatzes der vierten Armee. In seinem Nachmert hetont Pitreich, daß es sich bei unserem Krieg gegen Rußland anfänglich nicht nr» ein OffmWX Problem, sondern um ein Abwehrprablem gehandelt hacke. Das gediegene Werk Pltreichs, webches, wie feine früheren Arbeiten „Lemberg" und „Die -Schlacht vor OLnal, eine Fülle neuer Gesichtspunkte zur Beurteilung des .Herbstfeldzuges der Monarchie enthält, zeigt »ns den Verfasser als einen vorurteilsfreien, wohlüberlegten Denker und wort- und feder-gewandten Schriftsteller, dessen Buch die höchste Beachtung verdient und jedermann, der sich sttr große Wo° bleme interessiert, besonders empfohlen werden kann. s ä 8 g L ! I L 8 X 1 U U L 8 f jj 8 VILX 0 o X u X e XI t 11 o r< I.^63L?037 (6-722) ^^ 27 _ 2?.--. --gss ; -,^6 „VaWndeM." Die'schärsste Kritik Lloyd Georges an der milktä-, rischen Kriegfühvrtng England». Bon FML. d. R. August v. UrbanSki. Lloyd George war bei Ausbruch des Krieges Schatzkanzler. Das völlige Versagen des Munitionsnachschubes drohte zu einem Zusammenbruch der englischen Front zu führen. Die militärischen Stellen hatten sich unfähig erwiesen, die englische Industrie auf den plötzlich enorm gesteigerten Bedarf an Kampfmitteln umzustellen. Zn dieser bedrohlichen Lage wurde Lloyd George an die Spitz« des neugeschaffenen Munitkonsministerium» berufen. Er hat die englische Front widerstandsfähig -gom«cht/-dte Katastw^e -akgemendeL Al» sich die militärische Üage der Verbündeten immer kritischer gestaltete und allgemein der Ruf nach einer starken, nationalen Regierung erscholl, wurde Lloyd George, Ende ISIS, mit tvr Bildung des Kabinetts betraut. Er hat die Geschicke Englands bis zum Friedensschluß mit starker Hand geleitet. Kaum jemand ist mehr berechtigt, Kritik an den Ereignissen zu üben, die das britische Reich durch Jahre in banger Spannung hielten. Lloyd George hat hievon reichlich Gebrauch gemacht. Die scharfe Verurteilung der militärischen Führung, die rücksichtslose Offenheit, mit der er auch Persönlichkeiten nicht verschont, denen das dankbar« Vaterland bereits Denkmäler gesetzt hat, bot wiederholt Anlaß zu nicht minder scharfen Erwiderungen seitens der Betroffenen. Lloyd George hat den Standpunkt vertreten, daß in erster Linie die Regierung der Nation für die Führung des Krieges verantwortlich sei. Don diesem Verantwortlichkeitsgefühl geleitet, hat er als Ministerpräsident gefordert, Eber die beabsichtigten militärischen Operationen unterrichtet zu sein. Er ist in dieser Richtung auf einen nicht zu überwindenden Widerstand gestoßen, der Anlaß zu den schwersten Konflikten gab. Die wesentlichsten Gegensätze ergaben sich aus der Frage, auf welchem Kriegsschauplatz die Entscheidung gesucht werden sollte. Die Erfahrungen der ersten Kriegsjahre hatte Lloyd George belehrt, daß die deutsche Front im Westen nicht zu durchbrechen sei. Er dachte daher an einen anderen Kriegsschauplatz, wo entscheidende Erfolge erreicht werden konnten. Im Gegensatz hiezu waren sowohl die englischen wie di« französischen Führer nicht von der Ansicht abznbringen, daß die Entscheidung des Krieges nur im Westen fallen könne. Vergebens verwies Lloyd George auf den primitiven Grundsatz des Kampfes, den Gegner nicht an seiner stärksten, sondern an seiner schwächsten Stelle anzufallen. Er konnte die Militärs nicht überzeugen und mußte mit ansehen, wie an der Westfront die Blüte der englischen Nation in aussichtslosen Kämpfen verblutete. Besonders schwer litt Lloyd George während der durch viele Monate mit Hartnäckigkeit fortgesetzten Angriffe in Flandern, die unter den allerschwersten Verlusten mit einem völligen Mißerfolg endeten — eine Operation, vor der Lloyd George mit allem Nachdruck gewarnt hatte und die fortgesetzt wurde, nachdem die ungeheuren Verluste längst schon erwiesen hatten, daß ein entscheidender Erfolg iu diesem Raum nicht zu erreichen sei. Lloyd George nennt dieses monate- lange Anrennen gegen die deutschen Stellungen die Schlacht von ^Paffhendaeke" — ein Name, der heute noch in England die Erinnerung an Tod und Vernichtung auslvst. „Es waren die größten Hindernisse, die ich auf meinem dornenvollen Weg zum endgültigen Sieg zu durchschreiten hatte" schreibt Lloyd George, — „Hinderiffe, die aus falschem Glauben und hartnäckigem Festhalten an Irr- tümern resultierten." „Es ist eine bittere Ironie, daß ich, der in Wort und Schrift ununterbrochen angegriffen wurde, weil ich zu viel in die Kom- petenz -er Soldaten eingegriffen habe, gerade in diesem Falle den gegen mich erhobenen Vorwürfen nicht gerecht geworden bin. Die entsetzlichen Opfer dieses unverantwortlich in die Länge gezogenen Hinsterbens der britischen Jugend in den Morasten Flanderns, mit seiner Rückwirkung auf die Moral der Truppen und auf die Stimmung im Reich, hätte mich veranlassen sollen, früher und energischer einzugreifen." Lloyd George nennt es ein tragisches Verhängnis, daß der Regierungschef nicht in der Lage war, diese „selbstmörderische Strategie" gänzlich zu ver- ' bieten. Die suggestiv beeinflußte Bevölkerung knüpfte an diese Offensive die größten Hoffnungen; sie hatte keine Vorstellung von den wahren Zuständen an der Front und selbst das Kabinett wußte infolge der Geheimnistuerei des Oberkommandos nicht die volle Wahrheit. „Wir wurden wohl eingeladen, Sir Douglas Haigs Plan für die Offensive im Führe 1917 zu besprechen, wir waren aber nicht über die Grundlagen dieser Operation orientiert." Wäre die Regierung Wer die Bedingungen der geplanten Offensive so weit orten-i tiert worden, als sie die militärischen Stellen zu i jener Zeit kannten» daun wäre die Flandern-Offensive nie zugelassen worden." Lloyd George weist dokumentarisch nach, wie das Kabinett getäuscht wurde. Die Idee der großen Offensive in Flandern ist Ende 1916 in den Köpfen von Haig (Oberkommandant) und Robertson (Chef des Generalstabes) entstanden. Sie wurde in das Programm pro 1917 eingefügt, eben als Lloyd George die Ministerpräsidsntschaft übernahm, wobei den Franzosen diese Offensive als Wunsch der britischen Regierung hingestellt wurde. Mitte Juni kam der Oberkommandant Haig nach London, um sich die Unterstützung der Regierung für seinen Plan zu sichern. Bei diesem Anlässe wurde der Regierung eröffnet, daß die Offensive von den Franzosen gewünscht werde und daß sie eine kräftige Unterstützung zugesagt hätten. Es wurde verschwiegen, daß in Wirklichkeit sowohl Petain wie Fach dos Projekt als Militärisch fehlerhaft ver- urteilten und es vorgezogen Hütten, wenn die Engländer den Franzosen dadurch geholfen hätten, daß sie einen größeren Frontabschnitt übernahmen. Ebenso wurde der mindere Zustand der französischen Armee sowie Haigs persönlicher Zweifel an einer ernsteren Offensive der Franzosen der Re- gievung vorenthalten. Als Lloyd George in einem Memorandum Zweifel an dem Gelingen der Offenlernen — soll nicht Hegels Ausspruch zur Wahrheit werden: „Wir lernen aus der Geschichte nur, daß wir aus ihr nichts lernen!* ^ «. .. -5 sive aussprach und an Stelle dieser Aktion eine kombinierte Unternehmung an der italienischen Front Vorschlag, wurde ihm — der Wahrheit widersprechend — erwidert, daß es hiezu zu spät sei.' Der Regierung wurde weiters verschwiegen, daß der französische Oberkommandant eine gemeinsame Aktion gegen Österreich in Italien vorziehe. Haig hatte die Regierung versichert, daß die Verbündeten mit doppelter Überlegenheit an Infanterie angreifen würden, daß die Deutschen über keine hinreichenden Reserven mehr verfügen, daß ihre Moral sehr gelitten habe, daß sie minderwertige Geschütze und unzureichende Munition hätten und bei Fortführung der Kämpfe binnen sechs Monaten erschöpft sein müßten. Hingegen wurde verschwiegen, daß die Umgebung von Npern nach einem schweren Bombardement in einen weiten Morast verwandelt werden würde, in dem Tanks nicht verwendet werden könnten. Schließlich wurde der Regierung verschwiegen, daß beide Armeekommandanten Bedenken ob der Durchführbarkeit des Angriffes ausgesprochen hatten. Im Verlaufe der immer verlustreicher sich gestaltenden Kämpfe wurden alle Einwände der Unterführer mit dem Befehl erwidert: „Der Angriff ist fortzusetzen!" „Zum Schluß sah es an der Front jeder — außer der Oberkommandant — ein, daß ein weiterer Kampf nutzlos sei." Der Ministerpräsident entschloß sich endlich ^ persönlich an die Front zu gehen, um sich über die Lage zu orientieren. Dort wurde ihm von dem elenden Zustand der deutschen Gefangenen berichtet. Lloyd Georg« wünschte sie zu sehen, worauf ihm Gefangene „in einem Käfig" gezeigt wurden, nach deren Anblick er tatsächlich zugeben mußte, daß di« Deutschen am Ende ihrer Kräfte seien. Einige Jahre nach dem Kriege mußte Lloyd George erfahren, wie er auch da getäuscht wurde. Das große Hauptquartier hatte das S. Armeekommando telephonisch verständigt, daß der Ministerpräsident an die Front käme, es seien ihm nur schwächliche Gefangene zu zeigen. „Das war die Krönung der Irreführungen!" schreibt Lloyd George. „Der Gebrauch solcher Methoden, wo es sich um das Leben von Tausenden, eventuell um das Schicksal Englands handelte, bedeutete einen Kriminalfall. Niemand wird in Frage stellen, daß Haig und sein Stab taten, was sie im Interesse des Vaterlandes zu tun für rwtwendig fanden, es handelt sich heute auch nicht mehr um Vorwürfe, kommende Generationen aber sollen aus begangenen Fehlen! o 0 X u » 7 - 7 I 0 u g^8IM^!Ll1. MLII9W 93. 3. 1935 Heute vor Jahren eilte eine Hiobsbotschaft durch alle Gaue des altehrwürdigen Habsburgerreiches: Przemhsl war gefallen! . ..... - Die große mittelgalizische Lagerfeste am San hatte sich zum erstenmal von Mitte September bis zum 10. Oktober 1914 von den Russen eingeschlossen gesehen. Die kaiserlichen Armeen waren damals nach den blutigen Schlachten von Krasnik, Komarow und Lemberg nach Westgalizien gewichen/ hatten aber nach kurzer Atempause den Vormarsch wieder 'angetreten und damit Przemhsl, das inzwischen unser seinem ruhmreichen Kommandanten Kusmanek gewaltigen Russenstürmen getrotzt, hatte, wieder befreit. Aber schon nach Allerseelen 1914 muhte Oesterreich-Ungarns Heer unter dem Druckender russischen Dampfwalze neuerlich das Feld räumen, und-es- begann nun Przemysls zweite,. unvergleichlich größere !L-eidenszLit.'tDce'-..Hoffuung,'.daß es- der-.k.i.u. k. -'Wehrmacht- Mach der Schlacht bei Lapanow-Liiüanolva gelingen tverde/ die . Feste Zu entsetzen, erfüllte sich nicht. Vergeblich waren' ruhmvolle Ausfälle der Besatzung, die die Verbindung mit! der Feldarmee Herstellen sollten. Auch in der furchtbaren? Karpathenoffensivo/tz die ^schließlich zn > einem einzigen»großem Entsatzversuche wurde/ glückte* es dem Feldheers nicht/näher als auf drei oder vier Tagmärsche an die Festung * herau- zukommen. Zwischen sie .und die österreichisch-ungarische Front zwängte sich aber die Uebermacht der Russen, der gegenüber die opfervollsten Anstürme der k. u. k. 3. Armee ergebnislos blieben.- Unterdessen hatte'es .der Feind längst aufgegeben, die zum Palladium.Oesterreichs gewordene Sanseste mit den Waffen zu bezwingen. Er wußte in den Reihen der Besatzung verläßliche Bundesgenossenschaft? den Hunger. Dieser bösartige Gast, begleitet von Krankheiten aller Art, zwang schließe lich — eben hilute Hör Zwanzig Mähren-—Ldie'tapfere ^ satzung in die Knie. Es war eine wahrhaft' ruhmreiche Kapi? tulation, zu der sich FML. Kusmanek entschließen mußte? Viele gewaltige, große Festungen waren im Weltkriege belagert worden. Keine hatte nur einen Bruchteil der Zeit standgehalten, in der sich die' Saufeste behauptet hatte. Unsere Erinnerung gilt den tapferen Verteidigen! und ihrem Führer, denen nach dem Falle des Platzes das Los langjähriger bitterer Gefangenschaft beschieden war. Sie gilt den vielen Toten, die die heldenhafte Schar während der! Belagerung selbst und nachher in Rußland und Sibirien! zu beklagen hatte. Ehre ihnen und ihrem Andenken! s E. G, -H. o o»( ^ i r, o 5Nk l5 i'krWk Itot-Meitz-Rot »«r Gee. An allen Fronten des Weltkrieges' standen die Mittelmächte zahlenmäßig überlegenen Streitkräften gegenüber. Nirgends war aber dieses Mißverhältnis so groß wie im Mittslmeer und in der Adria, wenn man vom Kreuzerkrieg absieht, dem ja ganz andere Aufgaben gestellt »raren als den Heimatflotten. Wenn es der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine dennoch gelungen ist, bis zum letzten Augenblick fechtend, die eigene Küste erfolgreich zu. schützen, und den Gedanken an Truppenlandung überhaupt nicht auskommen zu lassen, so stellt dies eine Leistung dar, auf die ihre ehemaligen Angehörigen ein Recht haben, stolz zu sein. Ihnen ist denn auch vor allem das auf Anregung des Marineverbandes vom Kriegsarchiv (Marinearchiv) herausgegebene Seekriegswerk „Oesterreich-Ungarns Seekrieg 1914 bis 1918" (Amalthoa-Verlag Zürich, Leipzig, Wien) gewidmet. Die ungemein lebendig geschriebene Geschichte der Taten der L. u. k. Kriegsmarine im Laufe des großen Völkerringens hat Lmienfchisssleutnant a. D- Ing. Hans Soll»! »um Verfasser. Die umfangreichen avchivarischen Arbeiten und die zahlreichen Kartenentwürf« wurden vom Fregatten- Kapitän a. D. Hofrat i. R. Theodor Braun besorgt. Beide hatten sich bei ihren Arbeiten der weitestgehenden Förderung ' des Direktors des Kriegsarchivs, Generalavchivar, Oberstleutnant des Generalstabskorps a. D- Staatsrat vr. pllü. ll. e. Edmund G l a i s e v. H o r st e n au, des Vorstandes des Marinearchivs Fregattenkapitäns a. D. Wirklichen Amtsrat Max Raubal, s«vie anderer Helfer zu erfreuen. Nur so war es überhaupt möglich, aus dem ge. wattigen, dabei aber Keineswegs lückenlosen Aktenmaterial und den mitunter etwas subjektiven Aufzeichnungen und Erinnerungen von Mitkänrpsem eine geschichtliche Darstellung der Ereignisse zu formen. Dankenswerterweise wurde dieser Schilderung ein Kapitel über Oesterreich-Ungarns Seemachtstellung vorangeschlckt. das auch Schiffahrt und Seehandel sowie die Mittelmeerpolitik der Donaumonarchie umfaßt. Es gibt jenen, die sich mit den einschlägigen Fragen früher nicht befaßt haben, erst den nötigen Einblick m ge- schichtlich gewordene Verhältnisse, di« ursächlich, mitbestimmend waren auf den Gang der kriegerischen Ereignisse. Aus den im anschließenden Kapitel geschilderten maritimen Kriegsvorbereitungen heraus erklärt sich auch, weshalb d« deutschen Kreuzer „Gäben" und „Breslau" zu Anfang August Messina aufsuchten. Der Seeraum Neapel-Au-gusta-Mei sina war nämlich für den Kriegsfall als Sammelpunkt der im Mittel- meer befindlichen Seestreitkräfte der Dreibundmächte bestimmt gewesen. Infolge der Neutralitätserklärung Italiens und der Abdetachierung der deutschen Schiffe nach dem Schwarzen Meer, wo sie während des ganzen Krieges die Russen sin Schach hielten, war die k. u. k. Kriegsflotte aus sich allein angewiesen. Das legte dem Flotteickommandankn Großadmiral v. Haus eine weitgehende Beschränkung auf. Die ungeheure Überlegenheit der französischen Flotte, die auch noch durch englische Mittelmeerstreitkräfte jederzeit verstärkt werden kennte, zwang zu einer strengen defensiven Strategie. Den übermächtigen Feind angreisen zu wolle«, hätte nur zu zwecklosen Opfern geführt, die. selbst bei Anfangserfolgen. schließlich zur Ausreibuna der eigenen Flotte und zur Aufrollung der Seefront hätten führen müssen. Dann aber wäre das langgestreckte Küstengebiet Landungsversuchen offen gestanden, und sogar seine Verpflegung erschwert worden, die in Wirklichkeit aber, von geringen Störungen abgesehen, während des ganzen Kricgsverlaufes ziemlich klaglos auf dem Seewege vor sich gehen konnte. Eint Tatsache, die nur dem Vorhandensein einer gesammelt im geschützten Hafen liegenden stets kampfbereiten Flotts zu danken war. Die dem Gros durch die Verhältnisse ausgezwungene und von den Besatzungen seiner Schisse schwer und schmerzlichst empfundene Untätigkeit hinderte nicht die Ausübung eines energischen Kleinkrieges der Torpedosahrzeuge. Unterseeboote und Flugzeuge, der besonders im weiteren Kriegsverlauf durch kühne Kreuzertaten kräftigst unterstützt wurde. Das Drama des Krieges in der Adria läßt sich in mehrere scharf voneinander geschiedene Akte unterteilen. Der erste, gewissermaßen ein Vorspiel, umfaßt die Aktionen gegen die Lovcenbatterien und die montenegrinische Küste, denen das Erscheinen der Franzosen, verknüpft mit dem Heldenmütigen Untergang der „Zenta", ein Ende machte. Die französischen Vorstöße wurden unter dem Eindruck schwerer, durch k. u. k. Unterseeboote verursachter Schiffsverluste und der Einbuße französischer Unterseeboote verhältnismäßig bald eingestellt, ohne irgendwelche mit den aufgewendeten' Mitteln auch nur halbwegs im Einklang stehende Erfolge gezeitigt zu haben. Eine völlige Wandlung trat dann mit dem .Kriegseintritt Italiens ein. In raschem Vorstoß griff die k. u. k. Flotts dis italienische Ostküste an, und vermochte durch Zerstörung von Eisenbahnlinien und Brücken die nordwärts gehenden Truppentransports empfindlich zu stören. Italienische Angriffe aus die eigene Küste wurden, hauptsächlich dank der Erfolgs glänzend geführten Unterseeboote, mit schweren Verlusten abgewlesen. Ein Ruhmesblatt bildet in dieser Periode die Mitwirkung der k. u. L. Flotte an der Bezwingung des Lovcen. Die Entfaltung einer regen Untersccboottätigkeit im Mittelmeer, die den Handel der Berbandstaaten empfindlich beeinträchtigte, veranlaßte die „Verkorkung" der Adria durch Anlegung von Sperren in der Otrantostraße. Aufopfernde Kttuzervorstöße, deren einer, geleitet vom damaligen Linienschiffskapitän Nikolaus Horthy de Nagybanha, zum Seegefecht in der Otrantostraße führte, bei dem sich alle Teilnehmer mit Ruhm bedeckten, vermochten den Unterseebooten immer wieder den Weg zu ihrer erfolgreichen Tätigkeit frei zu, machen. Der Tod des Großadmirals Haus hatte keine tvesentliche Veränderung der maritimen Strategie mit sich gebracht- Sein Nachfolger, Admiral v. Njcgovan, folgte den von seinem Vorgänger gezeichneten Bahnen. Die Last des Kampfes ruhte nach wie vor in erster Linie auf den kleineren Einheiten der Flotte und auf der Luftwaffe, die im Angriff wie in der Verteidigung unermüdlich war und ganz Außerordentliches leistete. Als dann Admiral v. Keil das Marinekommando und Horthy -das Flottenkomwando übernahmen, neigte «sich das Drama bereits seinem Ende zu. Die Uebermacht der Gegner, denen die Hilfsmittel der ganzen Welt offmstanden, war noch größer geworden. Aus den Erfahrungen des Krieges heraus hätten sie neue Kampfmittel entwickelt, die schwerste Opfer forderten. Innerhalb der Kriegsmarine machten sich unter dom Eindruck der bolschewikischen Revolution in Rußland und der Fata Morgan« eines Friedens „ohne Sieger und ohne Besiegte", die aus den Botschaften Wilsons herausgelesen wurde, Zersetzungserscheinungen geltend, von denen nur die Donauslotille verschont blieb. Sie hatte in zahllosen Kämpfen dis Herrschaft auf dem Strom behauptet, m« rot» weiß-rote Flagge bis ins Schwarze Meer und in die süd- russischen Flüsse getragen, schließlich noch am 31. Oktober M8 aufopferungsvoll den Rückzug der verbündeten Trupps« bei Belgrad gedeckt. Die letzten OLtobertage hatten schicksalschwsre Ent- scheidungen gebracht. Am 31. wurde die b. u- k. Flotte den - Delegierten des Nationalrates der Slowenen, Kroaten und Serben übergeben. Welche Gefühle den letzten Flottenkommandanten Konteradmiral Horthy, der seinen Kameraden stets, das Borbild des pflichttreuen, chevaleresken, Seeoffiziers gewesen tvar, da§ Herz zerrissen Hafen mögen, als »er, dis Ehrenflagge unterm Arm, sein Flaggschiff, die „Viribus Unitis" verließ, weiß nur er. Die glorreiche L.-u. k. Kriegsmarine hotte aufgehört zu sein. Die „Viribus UnitiS" aber, deren Name nunmehr sinnlos geworden war, fiel am nächsten Morgen einem, in Unkenntnis der bereits erfolgten Uebergabe ausgesührten, überaus schneidigen An-,, griff zweier italienischer Stabspersonen, die Minen am . SchlsMönper zur Explosion brachten, zum Opfer, Emo Dsscovich. ! ^rtxritsrlcammsl' fvr ^lsn Oo! U U L 8 8 ^ I L 8 ll 0 X 0 X L 8 I ^ I I ll 8 I .4 6 p S ? 0 S I (6rL2) ^ ' ^/z. ^ ^ «7AZf HisLiebenle, sckte un6 neunte lAIMSllllgllll Die ausführliche Schilderung der drei Hevbst- schlachten am Isonzo bringt die dritte und letzte Doppellieferung zum S. Band des Werkes Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914—ISIS", geschrieben vom Major d. R. Heydendorff. Fünf Schlachten am Isonzo hatten trotz der Masse der angre'ifenden Italiener nicht vermocht, die Verteidige^ aus jenen Stellungen zu vertreiben, di« De seit Kriegsbeginn im zahllosM Kämpfen behaupteten; erst in der sechsten war der Brückenkopf von Görz und das Plateau von Doberdo verloren gegangen. Am oberen und mittleren Isonzo ober stand die 5. Armee noch dort, wo sie früher war und auch die Raumeinbuße am unteren Isonzo war nicht bHondrrs groß; doch mußte die weitere Abwehr völliAmeu aufgsbant und die Widerstandskraft der Armee auf die frühere Höhe gebracht werden, um dem Stoß gegen Osten, den die Italiener, aller Voraussicht nach in Bälde fortsetzsn würden, wirksame Abwehr entgegenbringen zu können. Durch Einreihung von Marschsovmationen wurde die Armee Boroemc Ende August 1916 wieder auf 148.006 Fsnergewchre gebracht, welchen sich 240.000 italienische gegenüber befanden. Auch trafen bis dahin 88 Batterien als artilleristische Verstärkung auf dem Hochplateau ein. Die am 27. August erfolgte Kriegserklärung Rumäniens brachte wohl neuerdings eine Erschwerung der Lage, da einerseits nur von der italienischen Front Kräfte an das neue Kampffeld abgegeben werden konnten, anderseits täglich mit dem Beginn einer neuen italienischen Offensive gerechnet werden mußte, die am 14. September auch tatsächlich einsetzt«. Für die bevorstehende Äarstschlacht hatte di« italienische Heeresleitung namhafte Kräfte zufammengezogen. Die 3. Armee des Generalleutnants Herzog von Aofta, die den Angriff durchzuführen hatte, zählt« 186 Bataillone, 24 Fußschwadronen, 954 Geschütz« und 586 Minen- wevfer, während dem Südflügel der 5. Armee, der ihr entgegsnWtreiW. hatte, Wr 5g Bataillone, 284 Geschütze und 255 Minemo'er^r zur Verfügung i-standen. Das 7. Korps des G. d. K. Erzherzog Joseph, das sechs Kilometer Front zu verteidigen hatte, bestand aus öer17.Infaniterietruppendiviston GM. Ströher mit 12 Bataillonen und der 28. In- fanterietruppendiviston FML. Schneider-Manns- Au Mt 13 Bataillonen; der südlich davon anschließende Abschnitt III d >des FML. Schenk mit 8 Kilometer Front war nur von 18 Bataillonen der S. Infanterietruppendiviston und der 24. Land- sturmgebivgsbrigade besetzt. Dahinter standen als Avmeeresevven die 20. Honvedinfanieriedivision des GM. Lukachich, die 81. und die 10. Insanterie- brigad«, zusammen 16 Bataillone, zu welchen später noch die 44. Schützendivision FML. Nemec- , zek trat. Am 13. September nachmittags leitete lebhaftes Feuer der italienischen Artillerie und ein Caproni- angriff auf Triest dis 7. Isonzoschlacht ein, die am 14. September früh mit einem wuchtigen Ariillerie- und Minenwerferfeuer begann. Nach neunstündiger Feu-ervorbevsitung ließ der Herzog von Aosta in den Nachmittagsstunden seine Armee znm Stuvm- lauf antreten. Bald geriet der Südflügel der 17. Infanterietruppendiviston bei Nad lagern in schwere Bedrängnis, wo drei italienische Regimenter ihren Angriff gegen das auf Bataillons- stävke zusammengeschmolzene IR. 61 richteten, das aus dem vorspringenden Stellungsteil weichen mußte. Die meisten anderen Angriffe der Italiener aber scheiterten. Nur ganz wenig«, mit schweren Vlutopfern erkaufte, örtliche Erfolge brachte ihnen der erste Schlachitag. Nachts ging ein heftiger Ge- wittorsturm mit nachfolgender Bora über das " Schlachtfeld, der jede Gefechstätigkeit hemmte. Auch der zweite Schlachttag brachte den Italienern nicht den beabsichtigten Durchbruch. Die 17. Infanterietruppendiviston konnte sich an diesem Tage der verschiedenen feindlichen Anstürme im Zentrum erwehren, mußte jedoch mit ihren Flügeln weichen, was die Räumung des vorspringenden Frontbogens auf dem Nordhang von Nad logem zur Folg« hatte. Die zu yleicher Zeit weiter südlich und im Wippachtal geführten italienischen An- griffe scheiterten an der Widerstandskraft der Verteidiger. Auch an den beiden folgenden Tagen setzten die Italiener ihr« Angriffe fort, jedoch nicht mehr so einheitlich wie bisher. Es gelang , ihnen, einzelne Gräben auf der Tvigonomeier- höhs 208 zu nehmen, von öoo sie nach Osten vor- rückten und den Nordflügel des Abschnittes Ill b in Gefahr brachten. Die Lage der 5. Armee am dritten Schlachttag war ziemlich ernst geworden; doch auch beim Gegner zeigt« sich an diesem Tage schon eine gewisse Erschöpfung. Trotzdem ließ sich auch nach Ablauf des vierten Tages ein Ende der feindlichen Anstürme noch nicht erkennen. Da aber beschloß Cadorna plötzlich, die Offensive einzustellen, um Menschenmaterial zu sparen, so daß weiterhin nur mehr Heinere Unternehmungen durchgeführt wurden. Trotz sorgfältiger Vorbereitung und Einsatzes überwältigend großer Kampfmittel waren die Vorteile, Ne die Armee Aosta in der 7. Zsouzofchlacht errang, recht barg. Lediglich im Nordteil der Karststellung hatten sie einen bescheidenen Raumgewinn erzielt. Die beiderseitigen Verluste aber waren sehr bedeutend. Di« Italiener gaben ihre mit 700 Offizieren und 17.000 Mann an. Die Armee Boroevi« hatte während des ganzen Septembers 800 Offizier« und rund 20.000 Mann verloren. Nach der 7. Isonzoschlacht lagen die Karstverteidiger nur mehr im Südabschnitt zwischen Nova vag und dem Meer in ausgebauten Stellungen. Nördlich davon bis zur Wippach waren di« Gräben volltommen niedergetrommelt worden; die österreichisch-ungarischen Truppen lagen zumeist nur hinter Sandsackwällen oder Steinriegeln, so daß der zur Berichterstattung dorthin entsendete Geuieobevst von Brosch in seiner Relation u. a. schrieb: „Die heldenhaften Verteidiger decken die zu haltenden Linien wirtlich nur mit ihren Leibern." So dachte das Armeekommando bereits daran, eine neue Abwehrstellung außerhalb der feindlichen Geschoßwirkung zu schassen und die Verteidigung dorthin zu verlegen; da sie aber der Stadt Triest zu nahe gekommen wäre und eine Verlängerung der Front mit sich gebracht hätte, wurde davon abgegangen und nur der Ausbau einer zweiten Stellung im nächsten Berteidigungs- abschnitt vom Fajti hrib über >di« Hernrada nach Duino in Angriff genommen, sowie versucht, durch möglichst dünne Besetzung der vorderen Limen di« blutigen Verluste zu verringern. Doch schon am 30. September begann wieder das italienische Geschütz- und Minenfeuer, das sich ab 3. Oktober immer mehr steigert« und am 9. Oktober mit voller Wucht über die Verteidiger niederhagelt«. Am 10. Oktober wurdeesrwu drzbrs"zruN'M«e zum Massenfeuer, worauf die italienische 4S. Zn- fauterietruppendiviston gegen di« Abwehrfront Mischen dem Kamme am Nordrand der Kavsthoch- fläche und Lokvica und südlich von ihr di« 2l. und di« 22. Jnfauterietruppondiviston anliefen. Die Verteidiger aber vermochten längs des von Lok- vica nördlich führenden Karrenweges standzuhalten. Nicht so aber südlich von Oppacchiasella, wo di« Rest« der 20. Honvedinfanteriediviston ihre Stellung den italienischen 47. und 43. Jnfanterie- truppendivlstonen überlassen mußten. Dadurch gelangt« auch der Nordflügel der Grupp« Schenk in Bedrängnis, der von der italienischen 33. Jn- fanterietruppendivision frontal angegriffen wurde; doch gelang es dem Verteidiger, stch auf der heiß umstrittenen Höhe 208 und ln den anschließenden Stellungsteilen zu halten. Hingegen überrarmten die Italiener mit Teilen der 33. und 16. Jn- fanterietvuppendivision «m der Straße beim See Doberdo zwei Bataillon« der k. u. k. 16. In- fawterietruppendivision, die völlig aufgerleben wurden, und drangen von zwei Seiten gegen Iamiano vor. Da aber brachte das Rücken- und Flankenfeuer einer Abteilung des IR. 102 von der Höhe 144 und der Gegenangriff der Reserven derartige Verwirrung in die Reihen der Italiener, daß sie in ihre Ausgangsstellung zurückgingen und zahlreiche Gefangene in den Händen des Verteidigers ließen. Oberleutnant Wände des IR. 102 erhielt für dief« Waffentat das Ritterkreuz des Militär-Maria-Therefien-Ovdens. Am nächsten Tag gewannen zunächst dis Angriffe des k. u. k. 7. Korps Raum und auch die 20. Honvedinfanteriediviston hatte unterstützt vom SchR. 21 ihren Gegenstoß bis nahe an di« früher« Frontlinie vorgetragen, als ein neuerlicher Maffenangriff des Gegners erfolgte, dem erst in der Linie Hudelog—Lukatic Halt geboten werden konnte. Das bracht« neue Gefahr für di« anschließenden Stellungsteile des Abschnittes Schenk; aber das Landftuvmmfanterieregiment 11 und das Gebirgss'Aitzenregiment 1 hielten di« blutgetränkte Trigonometerhöhe 208 fest, und zwischen Oppacchiasella und Konstanjsvica hielten Teil« des IR. 47, des SchR. 2 und des FIB. 9 ungeiachtet schwerster Verlust« unerschütterlich stand; nördlich davon aber mußte das IR. 87 die kaum wiedergewonnenen Stellungen neuerlich verlassen. Land- fturmoberleutnanit Tischer errang sich in diesen Kämpfen das Ritterkreuz des Maria-Dheresien- Ovdens. ,,Gs war ein furchtbares Ringen, das den 11. Oktober zu einem der denkwürdigsten Großkampftage am Isonzo machte." Um di« Kraft der Abwehr zu sparen, entschloß stch Generaloberst v. Doroevic, den .geplanten Gegenangriff zu unterlassen und am 12. Oktober erlahmte auch zusehends die Offensivkraft de« Gegners. Wieder hatte der hartnäckige Widerstand der S. Armee die Hoffnung der Italiener auf den Durchbruch vollständig vereitelt, doch hatten dies« den Verteidiger vom Ostrand des Ballone zwischen Nova vas und der Höhe 208 abgedrängt; und wieder waren die Verluste beiderseits bedeutend. Rach ihren eigenen Angaben hatten die Italiener 657 Offiziere und 19.500 Mann verloren, während die Verluste der 5. Armee im Monat Oktober auf 82.000 Mann anwuchsen; außerdem gaben die Italiener 46 Maschinengewehr« und 31 Minenwerfer als Beute an. Nochmals war es in dieser 8. Schlacht gelungen, den oftmaligen Ansturm der italienischen Massen unter geringen Geländeverlusten aufzufangen; aber es wurde schon fraglich, ob di« Abwehr erfolgreich würde fortgesetzt werden können, denn der Ausland der Stellungen auf der Karsthochfläche bereitete di« größten Sorgen; im Nahbereich der italienischen Minenwerfer konnten nur dürftige Steinriegelmauern und schüttere Reihen spanischer Reiter des Nachts geschaffen werden, die dann bei Dag dem feindlichen Feuer wieder zum Opfer fielen. Auch das Kräfteverhältnis am Isonzo hatte sich sehr zuungunsten der Armee Boroevic verschoben, deren Marschformationen dis normalen Abgänge, keineswegs aber die Schlachtsnve-rluste mehr ersetzen konnten. Inzwischen hatte das italienische Oberkommando sein« 2. und 3. Armes angewiesen, stch für den 24. Oktober zu neuer Offensive vorzubereiten. Das schlechte Wetter verursachte di« Verschiebung des Angriffes bis zum letzten Oktober. Der 1. November ward wi«der zum Großkampftag. Der Vorstoß des Südflügels der italienischen 2. Armee hatte wenig Erfolg; hingegen gelangte die feindliche 4S. Jnfanterietruppendiviflon gleich im ersten Anlauf auf den Kamm der Hochfläche und drang durch die in di« Stellungen der 28. Infanterie- truppendivifion geschlagene Lücke gegen Osten vor, wo nur wenige Kompanien verfügbar waren, da di« Divisionsreserve im Wippichtal sich befand. Das wurde auch der bewährten 44. Schützendivision zum Verhängnis. Gegen die vier Bataillone der 87. Schützenbrigade stieß die italienische 4. In- fanterietruPpewdivifion acht bis zehn Glieder tief vor und Aberkannte die Reste der Schützenrsgi- ^ 8 5 ! I 5 6 !< ä 1-s » 5 k 588 8 0 i( 8 !>! 5 ^ I ^ 5 I 0 8 I^L: > l menter 2 und 21. Wohl warfen sich die ichsten Reserven de-n italienischen Massen mutig entgegen, um deren Vordringen zum Stehen zu bringen; da aber fiel unerwartet die Höhe Pecnika in Feindeshand und damit, war das Schicksal der Roste der beiden Schützenregimenter besiegelt. Nun stürmte auch die 49. Jnfanterietruppendiviston der Hlalietiet heran/um die restlichen SttstuHM der 28. Jnfantsrietruppendivision zu nehmen; dies« aber behauptete sie und es gelang durch Einsatz des IR. 11 nördlich des V. Hribach einen Haben zu bilden. Aber von da bis Kostanjevica Kassie ein« drei Kilometer breite Lücke, durch die der Feind bis in den Artille-rieraum vorz-udringM vermocht«. So mußt« auch di« 44. Schützendivision die Stellungen bis Hudilog räumen, der das italienische 13. Korps langsam folgte. Gegen Abend besserte sich di« kritische Lage des 7. Korps, da die Italiener nicht über die Höhen B. Hribach und Pecinka hinaus vergingen und Reserven die Widerstandslinie festigten. Acht Bataillone der 28. Jnfanterietruppendiviston und der 44. Schützen- division traten zum Gegenangriff an, gewannen auch in der Nacht znm 2. November Raum und brachten 590 Gefangene ein. Aber mittags wurden fünf Bataillone der Stoßgruppe der 26. Infanterietruppendivision von der italienischen 45- Jn- fcmterietruppendivision in Flanke und Rücken gefaßt und nahezu aufgerieben, worauf die feindliche Division im ersten Anlauf den Fwjti hrib nahm. Auch di« 87 .Schützenbrigade wurde von der italienischen 4. Jnfantsrietruppendivision geworfen. Nun setzte das 7. Kovpskommando dis 17. Jnfanterietruppendiviston in die Kostanjevica- stellung ein, um hier dem Gegner Halt zu gebieten. Am Spätnachmittag hatte die Krise ihren Höhepunkt erreicht; das Armeekommando hatte sämtliche Reserven ausgespielt. Nun erhielt Erzherzog Joseph den Befehl, mit 21 Bataillonen im Gegenangriff die Lage wieder herzustellen. Als die italienische 45. Jnsanterietruppen- division am nächsten Dag in die noch unfertigen Stellungen auf der Höh« 464 «indrang, war dort die Gruppierung der 17. Jnfanterietruppendiviston zum Degenstoß eben im Gange und das 4. Bataillon des IR. 61 östlich des Fajti hrib bereitgestellt. Sein Kommandant Hauptmann Roosz, die Gefahr erkennend, zwang durch einen überraschenden Sturm die Italiener zum Rückzug, bei dem sic 11 Offiziere, 500 Mann und 7 Maschinengewehre in den Händen des Siegers ließen. Hauptmann Roosz erhielt dafür das Ritterkreuz des Maria- Therefien-Ovdens. Um mit den vorhandenen Kräften zu sparen und Verstärkungen abzuwarten, befahl das 5. Avmeekomando dm Gegenstoß nicht durchzusühren und in den besetzten Linien äußersten Widerstand zu leisten. Inzwischen gingen di« Italiener daran, die Stellungen des Slldflügels zwischen Hudilog und Iamiano zu erobern. Drei Divisionen liefen an diesem Frontteil Sturm; doch alle ihre Angriffe scheiterten. Zn größerem Umfang als in den vorhergehenden Schlachten halten die Italiener in dieser Raum gewonnen^ aber auch diesmal war ihnen der 'Durchbruch, der zeitweise schon greifbar nahe schien, nicht gelungen. Sie mußten sich mit der Einbuchtung der Abwehrfront begnügen, die aber ' nicht tief genug war, um die Stellungen im Hügelland von Dörz ernstlich zu bedrohen oder den Südflügel der Karstfront zum Weichen zu zwingen. Wieder hatten beide Teil« große Verluste: di« Italiener 825 Offiziere und 28.000 Mann; ebenso viel« der Südflügel der Armee Doroeoic. Insgesamt hatte diese im letzten Vierteljahr 1916 einschließlich der Erkrankten nicht weniger als 2088 Offiziere und 99.587 Mann verloren. Aber noch stand die Front fest. Dr. A. v. M. M, sL!IL«Xtu»ek 0 üXIX 7 I oX I L X I^6LS?03I (6rL2) 2 d die übermächtige Han- Österreich-llngarn und Serbien in den Jahren vor dem Fürstenmorü. Garaschanin, ein führender serbischer Staatsmann, hatte 1844 zum erstenmal ein großserbisches Programm — Vereinigung aller SAdslawen unter serbischer Führung — aufgestellt. Seither rückte der Haß gegen die, einem Großserbien im Wege stehende Nachbarmonarchie immer mehr in den Vordergrund der serbischen Politik, und schließlich wurde der Wille, diese zu vernichten, ihr Leitmotiv. Die radikale Partei stellte sich bedingungslos unter den Schutz Rußlands und schrieb die Vernichtung der Nachbarmonarchie auf ihre Fahne, was auch im russischen Interesse lag, da Rußland Serbien als Sturmbock gegen seinen österreichischungarischen Balkanrivalen nötig hatte. Die Regierung der Könige Milan und Alexander und der Berliner Kongreß, der Serbien auf Österreich-Ungarns Fürsprache einen Gebietszuwachs im Süden brachte, haben daran wenig geändert; wurde doch auf dem Berliner Kongreß Österreich-Ungarn das europäische Mandat zur Okkupation Bosniens und der Herzegowina erteilt, Gebiete, auf die Serbien unbedingten Anspruch erhob. Selbst die so serbenfreundliche Haltung der Monarchie während des bulgarischen Feldzuges 1686 konnte an der feindlichen Grundeinstellung der Serben nichts ändern. Übertüncht wurde die serbische Feindschaft zwar durch den Geheimvertrag vom Jahrs 1881, der Österreich-Ungarns Stellung in Belgrad wohl für eine Weile festigte, aber schon die Abdankung König Milans brachte völligen Umschwung. Ristic, der Chef der im russischen Fahrwasser segelnden radikalen Partei, übernahm die Regentschaft für Milans unmündigen Sohn Alexander, und damit verlor der Geheimvertrag vom Jahre 1681 jede Geltung. Seit der Ermordung des Königspaares Alexander und Draga haben alle politischen Ereignisse, alle Handlungen Österreich-Ungarns Serbiens Haß nur verschärft, ins maßlose gesteigert.! delskonkurrenz — die Frage der Sandschak-Bahn waren nur Marksteine auf dem Weg der Verbitterung, welche dann in der Annexionskrise ihren Höhepunkt erreichte. In den Verhandlungen von Buchlau und der der österreichisch-ungarischen Annexion Bosniens und der Herzegowina (7. Oktober 1608) folgenden, allgemeinen europäischen Krise blieb Aehrenthal gegen Jswolsky Sieger, und Serbien, das gleich Montenegro in vehementer Weise gegen die Annexion protestiert hatte, wurde gezwungen, auf alle Ansprüche und Kompensationen formell zu verzichten (März WVg). Der Hauptgegner Österreich-Ungarns, Rußland, hatte endlich, angesichts der festen Haltung Deutschlands an der Seite Österreich-Ungarns, nachgegeben und so die Lösung der Krise ermöglicht. Aber weder Rußland noch Serbien oder Montenegro konnten die Niederlage vergessen, und so wurde die Annexion Bosniens zu einer gefährlicheren Keimzelle für den Weltkrieg als selbst die Schüsse in Sarajevo! Der türkisch-albanische Feldzug, in dessen Verlauf Österreich-Ungarn Serbien den Zugang zur Adria verwehrte, erweiterte die Kluft. In Serbien entfaltete die großserbische Propaganda fieberhafte Tätigkeit. Die auf Vernichtung der Monarchie eingestellte Vereinigung ,-Slovenski Jug" wurde zwar 1909 über Forderung Österreich-Ungarns aufgelöst, aber an ihre Stelle trat sofort die „Narodna Od- brana", deren Ziele noch radikaler, deren Mitglieder einflußreicher und zahlreicher waren. Unter dem Vorsitz eines Generals war ihr eigentlicher Schützer und Gesinnungsgenosse der Ministerpräsident Nikola Pasic. Da die „Narodna Odbrana" in ihrer Tätigkeit zu sehr von Österreich-Ungarn kontrolliert wurde, entstand, gedeckt durch ihre offizielle Flagge, ein interner, geheimster Verband: „Bereinigung oder Tod", bekannter unter dem Namen „Schwarze Hand" (Erna ruka) mit ausgesprochen terroristischen Statuten und Zielen. In Rußland widmeten ihr der russische Botschafter in Konstantinopel, Tscharykow, der Außenminister Sasonow und viele andere ihr ganzes Interesse und volle Unter- ^ stlltzung. In dem russischen Gesandten in Belgrad Nikolaus von Hartwig fand sie einen energischen Schützer und einflußreichsten Freund. Dagegen ist es aber sehr zweifelhaft, ob das Attentat, ansonsten ganz gut in die politischen Pläne Hartwigs paffend, diesem im Moment der militärischen Schwäche Serbiens gelegen kam. 28. Iuni IM. Die politische,, Lage in den Wochen vor dem Fürstenmord dass als bekannt vorausgesetzt werden. Als am 28. Juni 1914 die Schüsse in Sarajevo fielen, schufen sie keine neue Situation, sie waren nur der Anlaß, daß die Entscheidung sich mit großer Geschwindigkeit entwickelte. Der Schwerpunkt der nun folgenden Ereignisse lag aber nicht mehr in Belgrad. Nach wie vor wurde die Weltgeschichte in den Staatskanzleien der Großmächte gemacht. In Serbien herrschte König Peter Karageorgie- vic, aber nur nominell. Seit dem 21. Juni führte Kronprinz Alexander die Regentschaft und wurde von Pasic, dem leitenden Staatsmann, soweit es dieser für gut fand, in die Regierungsgeschäfte eingeführt. Zugleich Minister des Äußeren, führte Pasic das Ministerpräsidium diktatorisch. Aber auch Paste hatte einen Herrn ober sich: den russischen Gesand ten Nikolaus von Hartw ig, der der eigentliche Regent Serbien« mar. Hartwig, klug, «ner- gisch, ehrgeizig, von glühendem Haß gegen Österreich-Ungarn beseelt, machte sich aus Instruktionen aus Et. Petersburg nicht viel. Das skrupellose Vorgehen der russischen Diplomatie war mir aus Konstantinopel und Bulgarien bekannt; ich war nicht naiv genug, zu hoffen, daß durch persönlichen, vertrauten Verkehr mit Hartwig die politischen Gegensätze gemildert werden könnten, aber ich nützte die Sympathie, die er mir entgegenbrachte, und seinen Geselligkeitstrieb dahin aus, daß ich viel bei Hartwig verkehrte und bei seinen Diners manche interessante Bekanntschaft macht«. Die Stimmung in der serbischen Armee war nach den Balkankriegen eine sehr selbstbewußte geworden; der Gedanke an einen Waffengang mit Österreich-Ungarn wurde nicht mehr als „schreckhaft" empfunden, ja die Auseinandersetzung mit der Monarchie als „unausweichlich" hingestellt und die Befreiung aller Südslawen als oberstes politisches Ziel offen propagiert. Hartwig — ich kann dies gar nicht genug betonen — hielt die serbische Armee nach den Bal- kankriegen an Menschen- und Kriegsmaterial er- schöpft und unfähig, sich mit Österreich-Ungarn zu messen, zumal er dessen Heer hoch einschätzte, und Rußland, das die von Frankreich geliehenen 17 Milliarden noch nicht in strategische Bahnen -umgesetzt hatte, hielt er zurzeit nicht für genügend gerüstet, um Serbien Waffenhilfe zu leisten. Der Mord in Sarajevo kam Hartwig zu sehr ungelegener Zeit; es war thm klar, daß Serbien jede von Österreich-Ungarn verlangte Genugtuung zu leisten und seine Kräfte für die Zeit aufzusparen hatte, wo Rußland selbst zum Cntschei- dungskampf mit dem Rivalen antrat. Und Hartwig war ganz der Mann, um Serbien seinen Willen aufzuzwingen und ihm auch in St. Petersburg Geltung zu verschaffen. Das Attentat in Sarajevo hatte im ersten Moment in Serbien in fast allen Schichten der Bevölkerung eine aus dem Unterbswußtsein kommende freudige Stimmung ausgelöst. In den folgenden Tagen wurde man ruhiger, die mögliche Tragweite und eventuelle katastrophale Folgen des ^Ereignisses legten sich wie ein Alp auf das Gewissen der leitenden Kreise. Erst jetzt wurde man sich langsam der Verantwortlichkeit für die geleistete politische Hetzarbeit bewußt. Die ersten Wochen vergingen in ängstlicher Erwartung, aber als von Österreich-Ungarn kein Schritt erfolgte, erhob die chauvinistische Presse rasch und immer kühner das Haupt, legte das Schweigen in Wien als Schwäche des sterbenden Staatswesens aus, ja -Gezeichnete das Attenttrtals'bie gerechte Sühne - !für die von Österreich-Ungarn in Bosnien geübte 'Gewaltherrschaft. Das Bewußtsein, daß das Recht stuf Seite des Gegners war, schlief ein, auch die Befürchtung, daß sich die Monarchien im Solidari- tätsgefühl an die Seite Österreich-Ungarns stellen würden, schien grundlos, insbesondere machte England nicht Miene, sich wie nach dem Königsmord zu verhalten, d. h. Serbien in Acht und Bann zu erklären. Am 7. Juli war ich in Wien zur Berichterstat- tung. Ein erster Entwurf der österreichisch-ungarischen Forderungen war eben im Minister-rat durchgesprochen worden. In Wien fand ich keine pessimistische Auffassung der Lage, man war sich bewußt, im Rechte zu sein und in gerechter Notwehr gegen eine Jahrzehnte währende, rücksichtslose, den Bestand des Reiches -bedrohende Agitation zu handeln, unterschätzte wohl auch den „Kriegswillen" der Gegner und rechnete ziemlich bestimmt mit der Lokalisierung des Konfliktes. Beim deutschen Botschafter (Freiherrn v. Tschirsky) wurde mir die Versicherung unverbrüchlicher Bündnis- treue; er drückte die Erwartung aus, daß Österreich-Ungarn ,stiesmal" die Energie aufbringen würde, sich eine Genugtuung zu verschaffen, welch« der serbischen Agitation für immer das Handwerk legen würde. Minister des Äußeren Graf Berchtold beauf- tragt« mich, dem in Wien weilenden ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tißa Bericht über die Lage in Belgrad zu erstatten. Graf Tißa sei mit einzelnen Punkten der geplanten österreichischungarischen Note nicht einverstanden, würde sich aber gerne auf Grund der Stimmung in Serbien mit Mir darüber besprechen. Graf Tißa, den ich am nächsten Morgen im Palais in der Bankgaffe aufsuchte, fragte mich, ob ich den Inhalt der an Serbien zu richtenden Note kenne, deren Entwurf er sich weigere gutzuheißen, weil sie nach seiner Ansicht in einigen Punkten di« serbische Souveränität berühr«, und setzte dann hinzu: /Wenn der König den Krieg will, muß er sich einen anderen Minister suchen!" Bekanntlich wurde der Entwurf dann in allen von Graf Tißa beanstandeten Stellen nach dessen Wünschen abgeändert und erst. ä ^ ! I L 6 X ä k ssUtt ll 0 i< U ^ I ^ I I 0 si5.: Iä6: als die Note auch nach der Ansicht Tißas von Serbien angenommen werden mußte, wenn dieses überhaupt den Willen besaß, Genugtuung zu leisten, auch vom ihm mit aller Energie vertreten. Also auch bei Graf Tißa, d. h. in Ungarn, keine Spur von Kriegstreibevei! Am 1V. Juli nach Belgrad zurückgekehrt, spielte sich noch am Abend desselben Tages ein Ereignis ab, welchem in seiner -Wirkung auf die Entwicklung in den nächsten Wochen große Bedeutung zubommt. (Fortsetzung folgt.) /) »83L ! I l8XjL8 fll8 ^ I 3 >l 0 0 X ^ L 8 7 ä 7 I oK I.-X 6 aS? 0 SI (61-22) il5. 7^5: Älilelirsislsse » Von k.ä.X. Wlsliimi«' von Kis8l, österr.-ungsr. Ksssnäten s. ll. 10. Juli 1914. An diesem Tage kaum in meiner Wohnung eingetroffen, rief mich der russische Gesandte von Hartwig telephonisch auf, um mir seinen Besuch für halb 9 Uhr abends — behufs einer dringenden Aussprache — anzusagen. Meine Einladung, bei mir zu speisen, lehnte Hartwig mit Hinweis darauf, daß Kronprinz Alexander bei ihm seine Rückkunft erwarten werde, ab. Hartwig erschien zur festgesetzten Zeit und schnitt meine Trage nach seinem Befinden kurz mit der Bemerkung ab: „Wir haben Wichtigeres zu besprechen als meine Gesundheit!" „Ich fahre übermorgen nach dem Hofdiner (Namenstag König Peters) in mein geliebtes Wien und dann sogleich nach Nauheim." (Hartwig war schwer herzleidend, die Wassersucht hatte bereits die unteren Extremitäten ergriffen. Knapp vor dem Besuche bei mir hatte er einen Asthmaansall und alle Fenster in der Gesandtschaft mußten geöffnet werden.) Hartwig dementierte nun energisch das Gerücht, als habe er nach dem Tode des Erzherzogs die Flagge der Gesandtschaft nicht auf Halbmast gefetzt- — welches Gespräch ich hier als ganz irrelevant übergehe — dann fragte er mich in ernstem, vertrauenheischendem Ton: „Wollen Sie mir setzt als Freund und aufrichtig sagen, was Sie mit Serbien Vorhaben?" Ich war auf diese Frage gefaßt und erwiderte mit ausführlicher Begründung, daß alles von dem Ergebnisse der Untersuchung in Sarajevo abhängen werde, dis wohl einwandfrei erweisen würde, ob und mwieserne die serbische Regierung eine Ver- ankvortung treffe; nur in diesem Falle würden wir. verlangen, daß die Regierung einschreite und Garaßt'-rn für- die-Ankunft -fordern, in keinem Fplle aber würde dse Souveränität Serbiens angetastet werden. Zn diesem Belange erinnerte ich Hattwia daran, daß wir, als Kaiserin Elisabeth in Genf von Luccheni ermordet wurde, weder Italien noch der Schweiz irgendeine Derantwort- lichkeÄ zuschrieben. Hartwig erhob sich schwerfällig, drückte mir die Hand und sagte mit Wärme: „Sie haben -mir eine große 'Sorge genommen, ich danke Ihnen!" — „Jetzt noch eine dritte Sache, aber auch in alter Freundschaft!" — nach diesen Worten glitt- er, bewußtlos, langsam vom Sofa. In zwei Minuten war ein im nächsten Hause wohnender Arzt zur Stelle, der zwar noch ein« Kampferinjektion machte, aber schon im nächsten Augenblicke den eingetretenen Tod konstatierte. Der Arzt sprach seine Verwunderung aus, daß Hartwig bei seinem so vorgeschrittenen Leiden dies« Stunde noch erleben konnte. Ich übergehe das merkwürdige Verhalten der mit Hartwigs Wagen herbeigerufenen Tochter Hartwigs sowie des nunmehrigen russischen Geschäftsträgers ^ Strandmann und das versuchte Eindringen der serbischen Polizei in die österreichisch-ungarische Gesandtschaft. Mein Anerbieten, die Leiche provisorisch im Kaisersaal aufzubahren, wurde schroff abgelehnt und der Verstorbene noch um 11 Uhr nachts auf die ruffische Gesandtschaft gebracht. Die Aufregung, welche der Tod Hartwigs in Belgrad verursachte, war ungeheuer und äußerte sich oft in grotesker, immer aber maßloser Weis«. Die Blätter nannten mich „Mörder", auf der offiziellen Todesanzeige stand in unverhältnismäßig großen Lettern: „Gestorben auf der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft". In einem Friseurladen, in dem ich nächsten Tages eintrat, erzählte ein Offizier dem Friseur: „Der Österreicher hat von Wien einen Sessel mitgebracht, der den ihn Benützenden tötet, ohne eine Spur zu hinter- laffen!" Ein serbischer Arzt sagte mir später: „Wir hätten auch der Leiche yoch Gift injizieren können, doch sind wir zu anständig dazu!" Man warnte mich vor der Teilnahme am Leichenbegängnis, doch verlief dieses ohne Störung.. Nach dem Tode Hartwigs steigerten sich die Angriffe der serbischen Presse-ins Maßlos«. Vorstellungen bei Pasic-.hakten, keimen Erfolg. Wien schwieg noch immer,, di«Stimmung wechselte, aber die Furcht vor einem Strafgericht war doch im Schwinden. Man rechnete mit einer europäischen Konferenz, auf der Man 'der Unterstützung, wenigstens Rußlands und Frankreichs, sicher war. Die serbische Presse, bisher. in Verteidigung einer — schon verloren gege.ben.ep, — Sache, ging zum Angriff« sjHex, und der einzige Manischer imstande gewesen wäre, den Chauvinismus'zu zügeln und es auch mit Erfolg getan hätte, Hartwig, war tot! Hätte Hartwig am 28. Juli gelebt, so wäre es, dies ist meine Ansicht, zu diesem Zeitpunkte noch nicht zum Kriege gekommen! In Belgrad wußte man bis zum 28. Juli nichts über die Absichten Österreich-Ungarns, doch wirkte gerade das Schweigen am Ballhausplatz unheimlich. Nach meinen Informationen waren Pgsic und auch der Kronprinz der Ansicht, daß Serbien nicht imstande sei, Österreich-Ungarn mit Erfolg Widerstand zu leisten, weshalb es sich allen Forderungen der Nachbarmonarchie zu beugen hätte. Hartwig, der auch keine Hoffnung aus militärische Hilf« Rußlands gab, bestärkt« die Regierung in dieser Auffassung. , Gegen diese nachgiebige Stimmung kämpfte ein Teil des Offizierskorps, an der Spitze alle Mit- der Klugzeiten gegen Abend Wer di« Felder. Alle» still ringsum. Da plötzlich steigt in tanzendem Flug eine Bachstelze oder ein Pieper oder eine ,Drossel hoch und stößt bestimmte Lockrufe ans. Mne zweite folgt, eine dritte schließt sich an. Und plötzlich ist ein ganzer großer , Flug oben in der Luft in Bewegung. Das ist der Aufbruch zur Reife. Wer oder was hat nun den Anstoß gegeben? Ganz ähnliche Momente schildert Dr. Rudolf Drost, der Leiter der Vogelwarte auf Helgoland in seiner Studie „Uber den Einfluß des Lichtes auf den Vogelzug, besonders auf di« Tagesanf- bruchzelt" Uber die Zeiten des Ausbruches der Tag- und NachtmaNderer liegen bisher nur wenige und nur allgemeine Angaben vor. Gaetke (um 1SV0) sagt, daß auf Helgoland im Mai eine Stunde nach Sonnenuntergang die kleinen Sänger und Drosseln aufbrechen. Seit geraumer Zeit sucht Dr. Drost all die Momente festzuhalten, die den Aufbruch der Frühjahswanderer auf dem Felseneiland ver- anlassen, wobei er besonders jene Vögel ins Auge faßt, die die Abendstunden zur Weiterreise nützen. Lin sehr dankbares Studienobjekt stellt für den Tsrscher die Amsel dar, mit deren Wzugsgewohn- yeiten er allgemach vertraut wurde. So erzählt er: „Einige Zeit vor Sonnenuntergang, oft stundenlang vorher sammeln sich die Amseln an ihnen zusagenden Stellen. Man sieht sie verhältnismäßig nahe beisammen. Oft beobachtete ich, wie st« längere Zeit ganz still saßen und augenscheinlich ruhtsn,-.wov«i der Kopf geradegeha'lten wurde und di« Augen offen blieben. Gewisse Zeit nach Sonnenuntergang läßt plötzlich ein Vogel den Wunder- ruf hören, und Mar einmal einsilbig. Man übersetzt diesen Ruf am besten mit „sierr" «der „sirrb". Dieser Ruf wiederholt sich nach einiger Zeit, nach Minuten oder früher, öfter oder seltener. Das hängt davon ab, ob der Vogel allein ist oder ob andere Amseln in der Nähe sind. Im Meilen Fall wird der Ruf, der zwar nicht sehr laut, aber doch weit -«r hören ist, von anderen Seiten beantwortet, von ym mogueys — erorev,«. ... brachten mir die Gesandten Deutschlands und Italiens. Als Anzeichen der eingetvetenen Beruhigung mag auch gelten, daß ich in der kritischen Feit — am 16. Juli — in di« Schlußverhandlung über die Überlassung der durch Serbien führenden Strecke der „Orientbahnen" mit der serbischen ^Regierung eintrat. Wir standen knapp vor der - Unterzeichnung des für Serbien sehr günstigen Vertrages, als ich den Auftrag zur Übergabe der : befristeten Note erhielt. Sie platzte wie ein« Bombe und unerwartet in die dem Frieden nicht ganz ungünstige Stimmung — Tenor und Inhalt! aber d och in dem Sinne aus, daß die An nah»., ,der österreichisch-ungarischen, Forderungen ,not- - wendig und ohne tatkräftige Hilfe Rußlands unvermeidlich sei! An Rußland wurde die dringende Bitte um Beistand gerichtet. Da der Erfolg unsicher, wurde die Antwortnote, welche die Annahme der öster- reichisch-ungarischen Forderungen aussprach, vorbereitet. Die vorstehende Beurteilung der Lage am Vormittag des 25. Juli wurde bestätigt durch «ine Mitteilung des Ministerpräsidenten Pasic an die in Belgrad weilenden fremden Journalisten, welchen Pasic um die Mittagsstund« erklärte: „Serbien nähme die österreichisch-ungarischen derungen an" und „die Kriegsgefahr sei nunmehr - beseitigt"! ^ 18 sL! Il8 Xzu»Ln f (i 8 Vle« ll 0 X I ^ I I o I.-X 66 SkOSI ( 61 - 22 ) L^r. ?. Ldilckrslrlsge Im Sommer isu Von 6.6.K. Wiaäimis von Kies!, ösierr.-unggs. Kessnäten g. 0. «. Juli isi4. Bald jagten sich die Nachrichten in rascher Folge, alle wiesen darauf hin, daß in der Haltung der serbischen Regierung «in plötzlicher, aber entscheidender Umschwung eingetveten war. Als erstes Anzeichen die Nachricht, daß alle erreichbaren Offiziere im Militärkasino versammelt wurden und Kronprinz Alexander die Mitteilung von einem vom Zaren «ingelaufenen Telegramm machte, wonach Rußland mit ganzer Kraft hinter Serbien stehe und dieses an-w-eise, die österreichischungarischen Forderungen abzulehnen. Es folgten begeisterte patriotische Kundgebungen des Offiziers- korp«. Das zweite Kennzeichen des Umschwunges war di« Meldung, daß di« Mobilmachung de« serbischen Heeres angeorünet, der Mobilmachungsbefehl in den Straßen angeschlagen sei — bald darauf, daß der Abtransport der Archive des Ministeriums, des Schatzes der Nationalbank und der Abzug der Garnison Belgrad — in feldmäßiger Ausrüstung — begonnen habe. Ich war herzlich froh, ein paar Magen für all« Fälle in der Gesandtschaft kon- signiert zu haben, denn nach Verlautbarung der Mobilmachung hätte ich, zur Abreise gezwungen, kaum ein Verkehrsmittel bis zum Bahnhof gefunden, was bei der erregten Menge, die zu Tausenden meinen Abzug in den Straßen erwartete, zweifellos Anlaß zu vielleicht folgenschweren Zwischenfällen gegeben hätte. Di« Erklärung Paste' an die Journalisten konnte kaum mehr zur Wahrheit werden. Bald erhielt ich den Beweis für diese Vermutung in dem Besuch« de» Handelsminister« Jankovic, der mich ersuchte, seine am selben Abend von Vichy in Eemlin eintreffend«- Gattin von meinem dortigen Kommissär erwarten zu lassen, ihr einen größeren Geldbetrag «inzuhändigen und sie anzuweisen, nicht nach Belgrad zu kommen, sondern nach Vichy zu- vllckzufahren. Nachdem mir der Minister seine Bitte schriftlich gegeben, sagte ich ihre Erfüllung zu. Nun erbat ich mir — als Gegendienst — von Jankovic di« Beantwortung der Frag«, warum er fein« Frau nicht mehr nach Belgrad zurücklehren lass« und -- da er doch au» dem Ministerrat komm« — wie di« Antwort auf unsere Note aus- fallen werde. Jankovic antwortet« auch ohne Zögern:,/Linen Teil Ihrer Forderungen haben wir angenommen, alles ging wohl nicht!" Ich tele- graphiert« nach Wien, daß wir mit integraler Annahme unserer Forderungen nicht mehr rechnen dürfen. - i Di« Nachricht, die Regierung beabsichtig« sofort nach Kragujevac zu übersiedeln, und daß auf der russischen Gesandtschaft „gepackt" werde, setzte jede optimistische Hoffnung noch weiter herab. Sie entschwand völlig mit dem Eintritt de» Ministerpräsidenten Paste in niein Zimmer. E» war fünf Minuten vor 6 Uhr nachmittags. Auf mein« Frage, ob die königlich serbische Regierung unsere Forderungen „vorbehaltlos" angenommen Hecke, gab Paste di« wohl überall bekannt« Antwort: „Was wir annehmen konnten, haben wir angenommen. Im übrigen hoffen wir auf di« Ritterlichkeit des österreichisch.ungarischen Generals! — Wir waren mit Ihnen immer sehr zufrieden." Ich bat, mich zurückziehen zu dürfen, um die beiden Noten zu vergleichen, ich würde die königliche Regierung in kürzester Frist schriftlich verständigen. Di« Unterredung hatte knapp fünf Minuten gedauert. Pflichtgemäß verglich ich beide Noten und konstatierte sofort, -daß von vorbehaltloser Annahme unserer Forderungen kein« Rede sein konnte. Wohl fand ich Ansätze zum Entgegenkommen, di« Überbleibsel der ursprünglichen Fassung, wie die Bereitwilligkeit der serbischen Regierung, den verlangten Armeebefehl zu erlassen, aber schließlich waren fast sämtliche unserer Forderungen verdreht, ihres Sinnes beraubt, deren Erfüllung, wenn nicht direkt abgelehnt, derart verklausuliert, daß sie in praxi wertlos wurde. Der Sachverhalt war klar; Ich braucht« nichts abzuwägen, nicht« zu entscheiden, nur zu konstatieren und eventuell befehlsgemäß abZuweisen. Die Feit drängte — knapp ein« Viertelstunde hatt« ich gelt, zu dem befohlenen Zug« zu kommen. Die. Note-E.»öi« . serbische, Mgierpng, . a» .die deutsch« Gesandtschaft, die Telegramme an die österreichisch-ungarWen Konsulat«, obwohl vorbereitet, mußten abgesandt, dir Chiffreschlüffel verbrannt werden. Schließlich hatte ich mein Personal und deren Familien zu sammeln. Kurz vor halb 7 Uhr verließen wir di« Gesandtschaft. Di« Straßen waren vom einer vielhundertköpfigen Menge besetzt, di« unseven Abzug mit Schmährufen begleitete. Am Bahnhof waren di« Vertreter der uns noch freundlich gesinnten Staaten schon versammelt — Russen, Franzosen und Rumänen fehlten — serbische Offiziere standen in Gruppen umher, einer derselben rief meinem Militärattache zu: ,Au rS- voir ü vuäapest!" Di« Straßen zum Bahnhof waren von Polizei und Gendarmerie, der Bahnhof selbst von Militär besetzt. Die Antwort auf die Frage, wieso die» möglich war, und «i«so da» diplomatische Korps lange vor S Uhr nachmittags verständigt wurde, da di« serbische Regierung meine Note doch nicht vor 147 Uhr erhielt, er- übrigt sich. Die Ablehnung der serbischen Antwort Meinerseits war eben nicht zweifelhaft, und Paste wußte bestimmt, daß mir nicht» übrig blieb als abzureisenl Noch in der Nacht zum 2Ü. Juli wurde die Eisenbahnbrück« Belgrad—Semlin von serbischen Pionieren gesprengt. Von Semlin aus meldete ich telephonisch und telegraphisch nach Budapest, Wien und Ischl den Abbruch der Beziehungen. Grals Tißa war selbst am Telephon: „An' Ihrer Stimme erkenne ich, wie es gekommen'", waren sein« ersten Worte. ,Zch werde Sie morgen am Dahnhof Budapest erwarten und für die versäumte Zn Wien und Ischl hielt man noch immer der Hoffnung fest, der Krieg könne vermieden wer-k dem. Graf Derchbold und Kaiser-König Franz Josef' > sagten mir beide dieselben Worte: „Der Abbruch ' der Beziehungen ist noch nicht der Krieg", und der s Kaiser, als ich von dem russischen Telegramm be-H richtete, welche« den Umschwung herbeigefi „Aber der gar kann doch unmöglich den wollen!" Die österreichisch-ungarisch« Krieg hatte keinerlei Kriegsvorbereitung getroffen.! Mobilmachung wurde nicht angeordnet, «Ms'" ging «in« Denkschrift an di« Großmächte/ Eindruck gleich Null war, selbst die Erklärt Wiener Regierung, keinen Fußbreit sH .Boden« dauernd behalten zu wollen, bk jede Wirkung wie di« bi» zum letzten ! unausgesetzten Bemühungen Kaiser Wilhel«/» ! Zaren vor unheilvollen EntschließungMzu be ' wahren. - ^ Man hatt« di« Kraft der in Rußland, Frank-; reich und wohl auch in England zum Kriege drängenden Erwägungen, der durch Jahrzehnte wirkenden nationalen Wünsche unterschätzt, die Persönlichkeit des Zaren, bei dem das slawisch« Solidaritätsgefühl alle anderen Einflüsse über-^ tönte und ihn zum Werkzeug der Nikolajewitsch/. Sasomow, Suchomlinow machte, di« ihn mit Lügen umstrickten, falsch eingeschätzt. Serbien war nur mehr der Vorwand für den Krieg, den jede' dieser 'Großmächte ^haben Mllte'— habem Zeit einen Sonderzug nach Wien zur Verfügung stellen." In Budapest ließ mich Graf Tißa durch seinen Prästdialisten in da» Ministerium rinholen, prüfte die serbische Antwort eingehend und -gab, mir das Abfolutorium mit den Worten: M ist 7 kein Zweifel, Sie haben nicht anders KMlnt können." L ^ t zirgkisknxzuuen f u« v »k« ^>: -L-S' ^iL^/ _ U6: Z^. <^ /WZS ERSNKRWUU VSN Äwasigorod. ^ l »>i„ »»»„ ' —-- Im AUgUß 1915. Bon Kr. MN. GSza Baro« KAvess v. ASvesshLza. K. und k. Obe Der nachstehende ArtLel wurde auf Grund vsn ossizielleu Darstellungsu sowie persönlichen Aufzeichnungen des »erblichenen Heerführers Baron Kövess von dessen Zahn für die „Neue Freie Presse" versaßt. Äm 24. Juli 1915 einigten sich die beiden General- flabschefs der Verbündeten, die Generale Conrad v. Hohendorf und v. Falkenhayn, in Teschen aus eine mittlere Lösung des Meinungsstreites, an welchen Punkten der Weichfelübergang der verbündeten Truppen zu versuchen sei. Um 20 Uhr erging an Generaloberst von Woyrsch folgender B e- sehl: „Weichselübergang oberhalb Jwangvrod emstellen. Landrvehrkorps König und Division Bredow haben in Gegend RadomkamünSung den Uebcrgang über die Weichsel zu erzwingen. Mitwirkung des rechten Flügels deutscher neunter Armee wird seitens Deutscher Oberster Heeresleitung angestrebt werden. Armeegruppe Kövess mit zwölftem Korps, siebente und neunte Kavalleriedivision hat Weichsel abwärts Chodelmündung bis Kozienice zu sichern, Jwangvrod am Westufer abzuschließen und nach Eintreffen der schweren Artillerie anzugreifen. Die Russen hatten westlich der Festung I Mangorod zu deren Schutz eine befestigte Höhen- uüd Waidstellung eingenommen, deren Durchbruch vom Armeegruppenkommando von Kövess beschlossen wurde. Die Bereitstellung schwerer Artillerie — darunter auch eine 30 5-Zentimeter-Mörser- batterie unter Kommando des Obersten Janecka — und die Gruppierung der Angriffstruppen wurde rechtzeitig vom ÄrmeegruppenLommando veranlaßt. Diese Vorbereitungen waren am 3l. Juli 1915 beendet, und an diesem Tage ergingen auch die Befehle für den Angriff am 1. August. Der Durchbruchsieg bei Slowiki Nowe. .. Der .yauptangriff war gegen die Westfront zu richten. Diese Ausgabe stet der k. u. L. 35. Infanteriedivision, Kommandant Generalmajor v. Podhoranszky zu, der auch sämtliche Eteilfcuerbattenen zugewiesen wurden. Unter Beiziehung der Armeegruppcnreserve bildete Generalmajor v. Podhoranszky eine Stoßgruppe von 8»/z Bataillonen und durchbrach um 9 Uhr vormittags des 1. August, eines Sonntages, - nach vierstündiger Artillerievorbereitung die mit stockrverks- förmigen, teilweise betonierten Stützpunkten stark ausgebaute -Borstellung bei Slowiki Nowe, wobei sich das sicden- bürgische Infanterieregiment Nr. 50 (Karlsburg) besonders „hervortat. E-n Teil der Angreifer schwenkte dann befehls- rleutnant a. D. gemäß Mcy SWosten und zwang die im Rücken angegriffenen .'Muffen zur Waffeustrcckimg. Hierauf wurde auch die feind- slrche Linie im Walde nördlich der Bahn in erbittertem Nah- kampf aufgcrollt. Der Nordslügel der 16. Infanteriedivision, ^Kommandant Feldmarschalleutnant v. Schariczer, Mid später «auch die Mitte dieser Division, schlossen sich dem Angriffe der 35. Division an und entrissen den sich zähe verteidigenden (Russen ebenfalls einige Stützpunkte. Der Einbruch von sechs (Kilometer Breite nötigte den Feind, bis zum 2. August auch vor der 16. Infanteriedivision Raum zu geben und gegen die zweite seemäßige Stellung zurückzmveichen. Der Erfolg des zwölften Korps (Hermannstavt) drückte sich auch in der Gefangennahme von über 2300 Mann, 32 eroberten Geschützen, (darunter 2 Mörser und 22 schwere Geschütze, und zahlreichem Erbeuteten Kriegsgerät aus. Ein herrlicher Sieg war errungen worden und zum erstenmal leuchtete ein Name aufs dessen Glanz bis zum Ende dieses größten Krieges aller Zeiten nicht mehr erlöschen sollte, der Name des siegreichen Armeegruppen- und Korpssührers, General der Infanterie ».Kövess. SMÄNkhme de« rrrMchsrr Armes. Am 3. August faßte General Alexen, den Entschluß, seine Armeen zurückzunehmen, wodurch die zweite .russische Armee das linke Weichseluser samt. Warschau ! in der Nacht vom 4. auf den 5. August preisgab. Dadurch ! wurde auch die vierte russische Armee, welche die Forts von Jwangvrod verteidigen sollte, genötigt, die linksuferigen Forts der Festung zu räumen. In der Nacht vom 3. auf den 4. August hörten die Belagerer von Jwangorod zahlreiche Sprengungen im Festungsbereich; der Horizont war von den aufflammenden Bränden gerötet. Am Morgen des 4. August waren die russischen Stellungen verlassen; die Verteidiger waren auf die rechte Stromseite abgezogen. Die beiden siebenbürgischen Divisionen stießen nach Besetzung der Forts bis ans linke Ufer der Weichsel vor; das rechte hielt der Feind, der alle Brücken zerstört hatte und alle Uebergangsverfuche im Bereiche von Jwangorod auf das schärfste abwies. Nach der Einnahme der linksuferigen Teile der Heftung durch das zwölfte Korps zog Generaloberst v. Woyrsch die sünfunddreißigste Infanteriedivision eiligst nach Kozienice heran, während die sechzehnte die Weichselsicherung zu besorgen hatte. Diese eroberte dann am 8. August auch die aus dem rechten Weicklelufer liegenden Forts von Jwangorod. Den Zlußübergang hatten ine Truppen teils aus rasch geschlagenen Brücken, teils auf von Pionieren geführten Fahrzeugen bewerkstelligt. Der Großteil des zwölften Korps Äber, die fünfundreißigste und Teile der sechzehnten Dwchon mußten einen großen Umweg machen, um eine Brücke über die Weichsel zu benützen. u. Die Berfolgrurg des Usirrdes. General Kövess, der am 6. und 7. August dis wichtigsten Teile der eroberten Stellung, besonders den Embrnchsraum der 35. Division vom 1 . August, besichtigt hatte, überchmte ; mit seinem engsten Stab bei Jwangorod am 9. August. Am ! 12. nächtigte er bereits in Lukow, einem wichtigen Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt im Breiteugr-ao von Brest- Litowfk. Weiter ging's in unaufhaltsamem Siegeszug nach Nmdosten bis Baranowitschi! Armeeoberkommandant Feldmarschall Erzherzog Friedrich hatte am 3. August dem siegreichen Armeegruppenführer General der Infanterie v. Kövess nach Radom folgendes Telegramm gesanA: „Unser Allerhöchster Kriegsherr hat Eurer Exzellenz in huldvollster Anerkennung Ihrer hervorragenden Verdienste um die siegreiche Führung Ihrer Armeegruppe das Großkrenz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdekoration Allergnädigst zu verleihen geruht. Ich beglückwünsche Eure Exzellenz und Ihre braven Truppen wärmstens zu dieser Allerhöchsten Auszeichnung und bin dessen sicher, daß Ihre tapfere Armeegruppe in dieser Allergnädigsten Anerkennung ihrer bisherigen Leistungen die Kraft finden wird, den bereits wankenden Gegner völlig niederzuringen." Zwei Jahre später gedachte Kaiser und König Ka r l der Verdienste eines seiner siegreichsten Heerführer und getreuesten Paladine in folgendem Handschreiben: „Lieber Feldrnarschall von Kövess. Im Verlaufe des gegenwärtigen Feldzuges haben Sie, als Kommandant des zwölften Korps, die Festung Jwangorod ewbert, später an der Spitze einer Armee Serbien und Montenegro besiegt Md Nordalbanien besetzt. Diese glänzenden Waffentaten dankbar anerkennend, verleihe Ich Ihnen das Kommandeurkrenz Meines Militär-Maria- Theresien-Ordens." f ^ftssiksricammsf sUt ^isn Oo!«umsntcition E Erdenken an die Eroberung von Belgrad. Von , Feld-marschalleutnant Theodor Konopicky, seinerzeitigem Generalstabschef der 3. Armee. 20 Jahre reichen Geschehens sind verflossen, seit Belgrad anfangs Oktober 1915 von österr.-ung. Truppen erobert wurde; dennoch will es uns scheinen, als ob dies erst vor wenigen Jahren geschehen wäre, denn die Größe und Be- «utung des Ereignisses wie die Macht der empfangenen Eindrücke ließen die Erinnerung an damals nur wenig Verblassen. „Ende gut, alles gut", sagt ein Sprichwort. „Anfang gut, alles gut" kann man in diesem Falle sagen, denn die Bezwingung der mächtigen Flußläufe der Donau und Save mnd als Teil hievon die Einnahme von Belgrad bildete das schwierigste Unternehmen des ganzen Feldzuges, oessen Erfolg nahezu gesichert war, als ersteres gelang. Einen Monat nachher standen die Armsen der Verbündeten an der westlichen Morava und vor Nis, wieder einen Monat später in der Linie Plevlje—Mitrovica—Prizren; nach einem weiteren Monat war Cetinje, die montenegrinische Hauptstadt, besetzt und das k. u. k. 19. Korps im Begriff, Albanien > zu erobern. Am Anfang dieses Siegeszuges aber stand Belgrad. Der Verlauf der Ereignisse ist schon in verschiedenen Kriegsschriften geschildert worden und daher fast allgemein bekannt. Dennoch glaube ich, ihn hier in Kürze wiedergeben zu sollen. , Das 8. Korps, dem im Rahmen der 3. Armee am linken Flügel derselben die Aufgabe zufiel, Belgrad zu be- zwingen, bestand aus der 57i und 69. Jnfanterietruppen- division, beide je 10 Bataillone zählend. Eine zahlreiche Artillerie, darunter 70 Geschütze mittleren und schweren Kalibers sowie reichliches Ueberschiffungs- und Brückenmaterial, dazu die notwendigen technischen Truppenabteilungen standen zur Verfügung. Die Höhe, welche Belgrad trägt, ragt bastionsartia gegen Nordwest, also Richtung Semlin, vor und beherrscht vollkommen die vorliegenden offenen Niederungen. Ihre größte Stärke wurde der feindlichen Verteidigungsstellung 'durch dio bcheuthnden Wqfserhindernssfe der Dpngu puh Save wer. liehen, die an' ihren schmälsten StelKn eine Breite von 600, beziehungsweise 300 Meter haben. Dem serbischen. Flußufer entlang zogen sich, oft in mehreren Reihe», Schützengräben hin: der Kalimegdan, ein altes türkisches Festungswerk, schob sich hart an den Strom heran; eine Anzahl geschickt angelegter und maskierter Artilleriestellungen war vorhanden; ein anerkannt tapferer und zäher Feind stand zur Abwehr bereit. Der Angriff mußte somit als sehr schwierig eingeschätz^ werden, und er war es auch, wie die folgenden Ereignisse zeigten. Am 5. Oktober geschah das Einschreßen der Artillerie, dem am 6. Aachmittags das Wirkungsschießen folgte; es dauerte bis zur Dunkelheit, dann trat Ruhe ein. Erst um 2 Uhr 30 Minuten nachts, eine halbe Stunde vor der für 3 Uhr früh anberaumten Landung der ersten Jnsanterie- staffel, setzte das Feuer in voller Wucht wieder ein. Doch das Einschiffen in die Pontons und Zillen, das mit 1>/s Bataillonen bei Semlin, mit einem Bataillon am linken Donauufer in den Belgrad gegenüberliegenden Auen vor sich ging, und auch die Fahrt verzögerten sich, so daß sich die Abteilungen erst um 4 Uhr früh dem abwärts des Kalimegdan ausersehenen Landungsplatz näherten. Serbische Scheinwerfer und einige durch das Artilleriefeuer verursachte Brände ermöglichten dem Feind, die von Semlin herankommeude Flottille zu entdecken. Da er reichlich Zeit gesunden hatte, sich wieder am User einzunisten, ergoß sich auf die wehrlosen Angreifer alsbald ein verderbliches Feuer. Viele fanden den Tod in den Fluten, manches Fahrzeug wurde abgetrieben, doch unentwegt strebte der Rest dem feindlichen User zu; es gelang, dieses zu erreichen und den Feind im Handgemenge zurückzutreiben. Die erste landende Truppe war das Bataillon IU/74; ihm folgten alsbald drei Züge des Bataillons IV/84. Die Aufmerksamkeit des Feindes war derart auf diese Abteilungen gerichtet, daß ihn die Landung des Bataillons IV/87, das zur gleichen Zeit vom linken Donauuser aus übersetzte, vollkommen überraschend traf. Bis Tagesanbruch wurden noch Istz Bataillone ans Belgrader Ufer gebracht, dann mußte die Ueberschiffnng wegen des feindlichen Feuers, das besonders vom Kalimegdan her übermächtig war, unterbrochen werden. Unterstützt vom Feuer der Artillerie und der Monitors der Donauflottille, hauptsächlich aber durch den eigenen Heldenmut, gelang es den 14 Kompagnien, während der folgenden 12 Stunden sich der fast ununterbrochenen feindlichen Angriffe zu erwehren. Dann setzte die Ueberschifsung wieder ein. Sie brachte bis zum Morgen des 8. Oktober neue M/s Kompagnien dazu, die teils entlang des Bahndammes die Front nach links verlängerten, teils als Reserve dienten. Damit war die Lage wohl gebessert, aber noch immer genug ernst. Eine neue Gefahr ergab sich durch das Steigen oer Donau. Schon waren die Deckungen am linken Flügel halbmeterhoch mit Wasser gefüllt, als es endlich am Nachmittag gelang, das Feuer des Monitors Körös auf eine Häuserreihe vor dem Bataillon IV/87 zu dirigieren, ans der unsere Infanterie besonders stark bedrängt wurde. Schuß auf Schuß saß. - Solcher Wirkung vermochte der Feind nicht mehr zu widerstehen; fluchtartig stürzte «r zurück, ihm nach nnt erlösendem „Hurra" die braven 87er; die 84er und 74er solchen dem Beispiel und drangen zusammen mit jenen in die Stadt ein. Es kam zu einem kurzen, heftigen Straßengefecht, dann machte die eintretende Dunkelheit dem Kampf'ein Ende. Die Ueberschiffnng nahm ihren Fortgang urd schaffte bis Mitternacht den Rest der Infanterie der 59. Division über die Donau. ^-M^SisDk^Ä^.Mkdr^dieiiBsrWjdlng'.fortgvscht/ mittags die Südostlisiere der Stadt erweicht. Auf dem Kalimegdan, dem Nebojse-Turm und dem Konak wehte die schwarz- gelbe Flagge. ^ Belgrad war erobert. Dm Opfer waren groß, noch größer aber der erreichte Erfolg. In dem Vortrag, den ich am 9. Jänner im Offiziers- kasinö in Wien zu halten die Ehre hatte, sprach ich über Vertrauen der Truppe zum Führer und über Vertrauen des Führers zu seiner Truppe. Der Schlußsatz dazu lautete: „Darum ist es eine begreifliche Tatsache, daß jene Siege, die wir unter allen Siegen besonders bestaunen und bewundern, dort errungen wurden, wo das Vertrauen von Truppe und Führer ein gegenseitiges war." Ein solcher Sieg ist auch die Eroberung von Belgrad, die in erster Linie den braven Truppen, aber auch ihren Führern zu hoher Ehre gereicht. Feldmarschall Baron Kövess, Kommandant der 3. Armee, und die beiden Divisionäre des 8. Korps, di« Feldmarschallentnante Snjariä und Heinrich Goiginger, sind seither gestorben. Feldzeugmeister v. Scheuchenstn e l, Kommandant des 8. Korps, lebt als Generaloberst noch unter uns, ebenso der damalige Artilleriekommandant FML. Haam und FML. v. Hr 0 zny, der nach der Verwundung des Divisionärs die 59. Division während des Ueberganges befehligte. Zwei Bataillonskommandanten wurden mit dem Militär- Maria-Theresien-Orden ausgezeichnet, und zwar die Oberstleutnante Mettelet und Peter. Elfterer starb vor Jahren, letzterer lebt als Generalmajor in Wien. Noch möchte ich zum Schluß das wunderbare Zusammenwirken aller Truppen und der Donauflottille besonders hervorheben. Wieder erwies sich die Wahrheit der Lehre: Im einträchtigen Streben aller, dem gemeinsamen, klar bewußten Ziel zu liegt das Geheimnis jedes großen Erfolges einer Mehrheit von Menschen. So im Kriege, so auch im Frieden. ^i'tssitsrlcammsi' sUr ^isn Oolcumsniotkon ---^/-G5 Bor rkmnzig gahre« — Belgrad! Erinnerung an die Meisterleiftnug der Pioniere im gahre ISIS. » Am 7. Oktober 1935 jährt sich zum zwanzigsten Male der Tag, an dem österreichische Pioniere in einfachen Blpch-- Pontons österreichische Truppen gegen das schier unbezwing- lich erscheinende, tapfer verteidigte Belgrad heranführten, womit die Eroberung dieses Bolltverkes begann. Dieser Tag ist der Gedenktag der Pioniere des österreichischen Bundesheeres geworden und wird Heuer in allen Pioniergarnisonen besonders feierlich begangen werden. In Kürze sei hier jene großartige Leistung geschildert. Die Heeresgruppe Mackensen hatte die Serben entscheidend zu schlagen, die Armee Kövess sollte sich hiezu in den Besitz der Bergstellung südlich Belgrad setzen; dem k. u. k. VIII. Korps Sch euch enstuel — der selbst aus der Pioniertruppe hervorgegangen war — fiel die ehren--. volle Aufgabe zu, mit seinen Pionieren und österreichischer Infanterie den Häuptangriff über den gewaltigen Tonau-- strom gegen die serbische Hauptstadt zu führen. In der Nacht zum 7. Oktober setzten die Pontonsgruppen der Pionierhauptleute Hauser, König und Peroutka, mit niederösterreichischen und steirischen Jnfanteriebataillonen an Bord, von Semlin her und von der gegenüberliegenden Reiherinsel zum ersten, entscheidenden Hauptstoß über den mächtigen Donaustrom an; sie wurden im Lichtschein des -brennenden Belgrad mit, einem- -wütenden--Geschtitzfeuer aus allen Kalibern überschüttet; viele Pontons 'sanken, und die am feindlichen User landeten, wurden mit rasendem Gewehrfeuer und mit Handgranaten empfangen. Altösterr-eichs tapfer e^Fnftmterie aber stürmte die feindlichen GräbM Rnö hielt allen Gegenangriffen stand. Wie es in jener schaurigen Nacht möglich war, daß einzelne überlebende, aber zu Tode erschöpfte Pioniere, allein ihre sinkenden Pontons, gefüllt mit Toten und Verwundeten, ans eigene User zurückbringen konnten, ist ein Geheimnis, das nur die Pioniertruppe zu lüften vermag. Tag und Nacht währte das blutige Ringen um das feindliche Bollwerk, die Pioniere führten trotz schwerster Verluste und aufs äußerste erschöpft, wieder und wieder den tapferen Kämpfern am jenseitigen User frische Kräfte zu, bis es dem Bataillon Oberstleutnant Peters gelang, einzudringen in die feindliche Stellung. Endlich am frühen Morgen des 9. Oktober, flatterten die Fahnen der siegreichen Truppen vom Kastell -der eroberten Hauptstadt. Der Brückenbau über die Save und das unaufhaltsame Vordringen der siegreichen Truppen nach Süden krönte das Werk der Pioniere. An diesem Tage von Belgrad geziemt es sich aber auch, dankbar jenes Mannes zu gedenken, der vor mehr als 100 Jahren den dauernden Bestand der Pioniere. Oesterreichs erwirkt und gesichert hat. Zu Wetzdorf schläft der greise Held Radetzky, der einst als Pionierkorpskommandant jenen Korpsgeist in die Seele dieser Truppe gepflanzt hat, der sich vererbt von Generation zu Generation. Der Kranz, den Oesterreichs Pioniere am 7. Oktober nach altem Schiffmannsbrauche in treuem Gedenken an ihre Kameraden den Wellen der Donau, Mur, Drau und Salzach übergeben, bringe allen toten Kämpfern vor Belgrad unseren achtungsvollen Soldatengruß. GM. d. R. Ing. Felix Heß, ehem. Pioniertruppeninspektor. ^ 508 V ! L >1 0 0 X ^ ^ I ^ I I ll »t I.46LS?0SI (6rL2) _ ^/^A5 Der 86§Lnn ä68 Xri6§8^kr68 1917 Me Entente wie auch die Mittelmächte wollten den Krieg im Jahre 1917 zu Ende bringen, denn die Grenzen der Entfaltungsmöglichkeit waren schon' fast ebenso nahe herangerückt, wie jene der Ausbringung von Menschenreservrn zum Kriegs- dienst. Conrad schrieb in seiner für die Operationskanzlei bestimmten Denkschrift: „Fällt die Entscheidung in den Kämpfen dieses Frühjahres zu unseren Ungunsten, dann ist kaum mehr auf eine Wendung zu rechnen." Er forderte, daß „die letzte Karte" ausgespielt und dem Gegner keine Zeit gelassen werde, ,Hen Angriff in dem ihm günstigsten Moment«, an der ihm günstigsten Stelle und mit der ihm größtmöglichen Macht- cntfaltung zu führen". Hiebei dachte der Feldherr in erster Linie an einen Angriff aus der Südwestfront heraus, und zwar sollten die 29 österreichisch-ungarischen Divisionen, die dort den 69 italienischen gegenüberstanden, durch 13 deutsche vermehrt, von zwei Fronten, aus Tirol und aus dem Küstenland, zum entscheidenden Schlag ausholen. „Bei der Entschlossenheit Englands, den Krieg bis zum äußersten zu führen", war Conrad aber auch dafür, den U-Boot-Krieg mit aller Rücksichtslosigkeit anzuwenden; denn, vereint mit der Aktion zu Lande, sei dies das einzige Mittel, den Krieg günstig zu wenden, bevor er durch die erdrückende Mermacht der Feind« beendet würde. Nach dem Gutachten des Admirals von Holtzendorff wäre England durch die Ver- nichtung von 100.999 Tonnen an Handelsschiffen in jedem Monat binnen eines halben Jahres meöerzuringen. Bethmann-Hollweg war allerdings gegen diesen Vorschlag der Obersten Heeresleitung eingestellt, unterwarf sich aber bei der Konferenz in Pleß am 9. Jänner den Forderungen Hinden- burgs und Ludendorffs. Auch Kaiser Karl und Lzernin besorgten eine gefährliche Auswirkung dieser Maßnahme auf Nordamerika. Deshalb begaben sich Admiral v. Holtzendorff und der Unterstaatssekretär gimmermann am 20. Jänner nach Wien, um den Kaiser umzustimmen. Bei der Sitzung sprachen sich Feldmarschall Conrad und Großadmiral Haus für die deutschen Forderungen aus, während Czernin und nicht anders auch die' beiden Ministerpräsidenten Llam und Tisza dagegen waren. Da aber Zimmermann erklärte, daß ohne das neue Kampfmittel sogar di« Behauptung der Westfront fraglich, werden könnte, wurde Czernin ümgestimmt. A llerdings gab auch der deutsche Botschafter in Washington, Graf Bern- storff, zu bedenken, daß Wilson entschlossen sei, seine Friedensvermittlungen fortzusetzen, doch „war der Rubikon schon überschritten". In Unkenntnis des Frontteiles, gegen den der Feind seinen Frühjahrsangriff richten werde, rang sich die deutsche Oberste Heeresleitung zu dem Entschlüsse durch, die Truppen aus dem gegen Compidgne weit vorspringenden Bogen in die „Siegfriedstellung" zwischen Arras und Soissous zurückzunehmen, um sich vor allem genügend Ver- fügungstruppen sicherzustellen. Deshalb fand Conrads Plan einer ehesten gemeinsamen Offensiv« gegen Italien, als er mit dem Kaiser am 25. Jänner nach Pleß kam, wohl keine unbedingte Ablehnung, aber auch keine Zustimmung. Gleichwohl verständigte er das Hecresgruppenkonrmanüo Tirol, daß „unter gewissen Voraussetzungen" Italien erneut angegriffen werden würde und hiefür die nötigen materiellen Vorbereitungen einzuleiten wären. Kaum war dies geschehen, als die Mittelmächte Ende Jänner die Verständigung erhielten, daß die Entente plane, die Schweiz zu überrumpeln und über sie hinweg nach Deutschland oder nach Westtirol vorzustoßen. Nun waren aber die militärischen Vertreter der feindlichen Mächte, Ioffre, Sir William Robertson und Sir Douglas Haig, Generalleutnant v. Porro, der russische General Paltzyn und je ein Delegierter Belgiens, Rumäniens und Setbiens bereits im November im französischen Hauptquartier in Chantilly zusammengekommen, um den Operationsplan zur Beendigung des Krieges im Jahre 1917 zu vereinbaren. Von einer Verletzung der Neutralität der Schweiz war dabei keine Rede. Wohl aber wurde beschlossen, den Mittelmächten auf alle Fälle im Angriff zuvorzukommen und möglichst schon in der ersten Februarhalftr einen Generalsturm zu beginnen. Keiner der Verbündeten aber war imstande, diesen Termin einzu- halten. Auch Frankreich nicht, weil der Höchstkommandierende General Iossre durch den General, Nivelle ersetzt wurde, der sich höhere Ziele steckte, den zwischen Arras und Reims vorspringenden Bogen der Deutschen umfassend bestürmen und erdrücken wollte und dabei das Schwergewicht an die Aisne verlegen mußte, was eine Verschiebung der Aktion bis zum April bedingte. Das Zarenreich zeigte sich am angriffs- sreudigsten, trotz der bis dahin schon erlittenen Verluste von 41- Millionen Mann. Bei der Besprechung aber, die der Zar und der Stellvertreter des erkrankten Eeneralstabschef Alexejew, General Gurko, Ende Dezember im Hauptquartier zu Mohilew mit den Befehlshabern der drei russischen Fronten hatten, ergaben sich wesentliche Meinungsverschiedenheiten. Deshalb erfolgte im Jänner eine neue Konferenz der Alliierten in Petersburg, an der nebst Frankreich, England und Italien auch Kronprinz Larol von Rumänien mit dem Ministerpräsidenten Bratianu teilnahm. Aber auch diese führte zu keinem Ergebnis. So verfaßte denn General Gurko einen Kompromißvorschlag, der am 9. Februar vom Zaren genehmigt wurde und dahin ging, vorerst das rumänische Heer zu reorganisieren, dann die Dobrudscha zu erobern und einen Hauptangriff gegen Lemberg sowie Nebenangriffe in der Richtung auf Sokal und Marmaros-Sziget zu führen. Aber schon liefen Gerüchte um, daß zwei Millionen fahnenflüchtiger russischer Soldaten in den Dörfern sich versteckt hielten; auch flackerten da und dort Aufstände und Streiks auf, die Vorboten des Umsturzes im Zarenreiche. In Italien war die Stimmung gedrückt; die Sozialisten veranstalteten in verschiedenen Städten der Halbinsel Demonstrationen gegen den Krieg und griffen die Regierung in der Kammer offen an. Gemäß den Beschlüssen von Chantilly sollte auch das italienische Heer im Februar offensiv Vorgehen; doch war man darüber in Italien nicht recht begeisterst Deshalb' kam es im Jänner 1917 zu einer Konferenz der Staatsmänner und Generalstabschefs in Rom, welcher auch der englische Premierminister Lloyd George beiwohnte, der die bisherig« Kriegführung der Entente als „talentlos" bezeichnete und eine gemeinsame Offen- five der Franzosen, Engländer und Italiener durch die Iulischen Alpen auf Laibach und Wien in I Vorschlag brachte. Ladorna arbeitete auch gleich den bezüglichen Operationsplan aus; aber die Generalstabschefs der Westmächt« beharrten darauf, daß die Kriegsentscheidung auf französischem Boden falle. General Nivelle kam Ende Jänner nach Udine und versprach eine etwaige Verschiebung französischer Truppen nach Oberitalien, falls die Befürchtung Cadornas, daß der österreichisch- ungarische Angriff aus Tirol wiederholt werden würde, sich bewahrheiten sollte. Ladorna berichtete darüber an den Ministerpräsidenten nach Rom und schrieb, daß bei der Wichtigkeit aller Kampfhandlungen, die in diesem Jahre voraussichtlich die Entscheidung bringen würden, Italien im Angriff nicht zurückbleiben dürfe. Ein fester Plan hiezu war aber im Februar im italienischen Hauptquartier noch nicht vorhanden. Wegen Verstärkung der Orientarmee tagte Ende Dezember auch eine Konferenz in London. Dort prallten die Gegensätze hart aneinander. Die Franzosen, die zwei Divisionen zur Verstärkung nach Salonichi sandten, forderten das gleiche von England; Lloyd George aber bevorzugte eine Offensive im Irak und an der Palästinafront und befürwortete die Räumung von Monastir und die Zurücknahme der Truppen gegen Salonichi. Da man sich in London nicht einigen konnte, wurde die Frage bei der Jänner-Konferenz in Rom nochmals behandelt. Hier wurde England von Italien, Frankreich von Rußland, Serbien und Rumänien unterstützt. Das Ergebnis der Kon« fsrenz war ein recht dürftiges. Die Franzosen versprachen noch weitere zwei Divisionen auf den Balkan abzusenden, wo sich Sarrail für die allgemeine Offensive vorbereitete, während General Milne schon Weisung aus London erhalten hatte, sich auf die reine Verteidigung zu beschränken. Da der allgemeine Angriff im Februar sich als undurchführbar erwies, wollte die Entente im April an allen Fronten anstürmen. Ein fester Wille dazu bestand aber eigentlich nur bei den Westmächten; und so flatterte dann der geplante Generalangriff noch weiter auseinander. * Ein eingehende Darstellung der Lage und Ereignisse im Winter und Frühjahr 1917 enthält die erste Doppellieferung zum 6. Band des vom österreichischen Bundesministsrium für Landes- Verteidigung und vom Kriegsarchiv herausgegebenen Werkes ,Lsterreich-Ungarns letzter Krieg 1914 bis 1918", erschienen in Wien 1935 im Verlag der Militärwissenschaftlichen Mitteilungen. Dem ersten Kapitel dieser Doppellieferung „Die Kriegspläne für das Kriegsjahr 1917", geschrieben von Hofrat Oberst a. D. Kiszling, sind obige Ausführungen entnommen, Dr. A. v. M, M.. ä n 8 k «s c n X z««e n f ii n v > c»! 0 0 X si « k I s ! o st U U L N VILX 2 2 X U X ^ I > I I 2 !i I^0LS?0SI (Lr-LL) 1lnitecIP1bl!-8oncIercIien8t äer„l'sxesposl". IW l^nneo^re MEn, in Washington» 9. Jänner. In der gestrigen Sitzung des MunitionswuSschufses des Senats wurden neue Enthüllungen über die kritischen Ereig- 'Aisse vor dem Eintritt d er-V e r e i n i g t en Staaten in den Weltkrieg und die Rolle, die die R ü st u n g s fab r i k en und die Bankiers darin spielten, gemacht. Es konnte unter Beweis gestellt werden, daß eine englisch- russischeKommission durch hohe Kapitalseinlagen die Kontrolle in der Eddhstone ritle tactory, einem amerikanischen Rüstungskonzern, erworben hatte zu einer Zeit, als die Vereinigten Maaten noch Neutralität bewahrten. Großbritannien hatte zur Erlangung dieser Kontrolle eine Summe von 10 Millionen Dollar 'gegeben. Die Mitglieder des Munitionsausschufses gaben ihrer Verwunderung über die außerordentlich ungewöhnliche Tatsache Ausdruck, daß die Regierung eines kriegführenden Landes die Munitionsfabrik eines neutralen Staates kontrollierte. Dieser Enthüllung folgte eine längere Vernehmung 3. P. Morgans und Lamonts. Das Ergebnis dieser Vernehmung war die Entdeckung, daß der Bankier Morgan einmal einer Sitzung des englischen Kriegsrates im Zimmer des Premierministers im Unterhaus in London beigewohnt hatten In dieser Konferenz wurde der Kauf von Gewehren in den Vereinigten Staaten besprochen. 3m weiteren Verlauf der Sitzung des Rüstungsausschusses, die bis in die späten Abendstunden dauerte, wurden bishs^ geheimgebliebene Eintragungen in dem Tage»! buch des Obersten Edward House, des Beraters des Präsidenten Wilson in der Kriegszeit, bekannt. Am 7. Oktober 1916 bemerkte der Oberst in seinem Tagebuch, daß England den Vereinigten Staaten eine Note bezüglich einer Schwarzen Liste von Handelsartikeln übermittelt hatte, die ' zu Beginn des Krieges herausgebracht wurde. In der Eintragung heißt es weiter, daß das Staatsdepartement versuchen will, das Bekanntwerden der Note bis nach den Präsidentenwahlen zu unterdrücken. Die Nachforschungen des Munitionsmusschusses führten zur Entdeckung, daß die ! Londoner Note am 27. Oktober in Washington ein- ! traf und tatsächlich erst am 11. November nach s den Wahlen veröffentlicht wurde. 1 8 s L I I c 8 X > X u l n 5Ö8 V l e !l o 0 X 0 X L X I I I o X I^LLSeOSI (61732) » 5 .: US: AEika am WMrieg Washington» 7. Jänner. Vor dem Munitionskomitee des Senats, das sich mit der Untersuchung der Frage beschäftigt, was Amerika in den Weltkrieg > gebracht habe und wie es in FuW»st sich von l Kriegen anderer Staaten fernhaMn könne, gab! der bekannte amerikanische BankieH I. P. Morgan bei seiner Vernehmung folHide Erklärung ab: „Deutschland ha« dfe^PereimM:! Staaten durch eine Serqe vo« B e Ich i S i H-n n g e n und Verletzungen, diezdM Mod FtZIreicher Amerikaner zur Folge jeder Fall allein eine KriegsurMH« hat» sein können, wenn die Vereinigten HWtG.nichLM sehr gewünscht hätten, den Frieden zu" beehren, in den Krieg getrieben!" Bei der Vernehmung Morgans kam es zu einem Zwischenfall, als der Bankier ein vorbereitetes Manuskript aus der Tasche zog und daraus vorzulesen begann. Senator Ney unterbrach den Bankier mit der Bemerkung, daß Morgans Rede wenig mit dem zu tun habe, was der Ausschuß wissen wolle, doch wurde Morgan schließlich erlaubt,, sortzufahren. Aus Kreisen der Ausschußmitglieder war die. Ansicht geäußert worden, daß Amerika in den! Krieg eingetreten sei, weil die privaten Bankiers so „tief hineingeraten* waren, daß ein plötzliches Ende de» Krieges den Zusammenbruch bedeutet hätte, Morgan erklärt« demgegenüber, daß keine einzelne Persönlichkeit aus irgend einer Schicht Amerika in den Krieg getrieben habe. Thomas W. Lamont ergänzte Morgans Ausführungen dahin: „Man habe immer das Gesetz befolgt. Man habe immer gewünscht, daß der Sieg bei den Alliierten sei Untz^ eine Neutralität des Gedankens habe es nie^ gegeben." _ » 8 S L ! I l 8 X z U U L 8 5^8 V ! L X I .4 6 - s ? 0 s 1 (61732) Mas Weg in den Veilkne-. Die Frage, aus welchen Gründen die Vereinigten Staaten von Amerika in den Weltkrieg eingetreten sind, spielt gegenwärtig wieder eine große Rolle. Zwei Meinungen stehen einander gegenüber. Die eine Seite behauptet, es sei allein der uneingeschränkte U-Boot-Krieg gewesen, der U.S.A. zum Eintritt in den Krieg veranlaßt hätte, während die andere Meinung dahingeht, die kapitalistischen Interessen von Wallstreet, dem Banken- Vievtel Newyorks, hätten Woodrow Wilson zur Teilnahme am Krieg gezwungen. Die derzeitigen Verhandlungen eines vom amerikanischen Senat eingesetzten Munitionsausschusses lassen nun keinen Zweifel mehr darüber, daß amerikanische Bankhäuser einen entscheidenden Einfluß auf den Eintritt Amerikas in den Weltkrieg ausgeübt haben, , besonders war es das Bankhaus John Piermont Morgan u. Co., das durch Bewilligung von riesenhaften Krediten nicht nur England die Fortführung des Krieges ge-> stattet hat, sondern auch die Interessen amen-' kanischer Geldgeber auf Gedeih und Verderb mit dem Sieg oder der Niederlage der Ententemächte verbunden hatte. Sicherlich wirb man auch den uneingeschränkten U-Boot- Krieg, der stärk auf die Mentalität der Amerikaner wirkte, als Faktor für die Ursachen des Knegseintritts Amerikas niM gusschalten dürfen, doch darf man auf Grund der vorliegenden Ergebnisse des amerikanischen Ausschusses soviel sagen, daß das Bankhaus Morgan für den Eintritt Amerikas in den Weltkrieg eine schwere Verantwortung zu übernehmen hat. Von Interesse wäre wohl noch festzustellen, in welchem Umsaug Gelder dieses Bankhauses und anderer an dem Kriegsgeschäft beteiligter Firmen für die Propaganda zur Verfügung gestellt worden sind, die es fertig brachten, das frei und unabhängig denkende amerikanische Volk in einen europäischen Krieg hineinzufühven. Über den Einfluß von Wallstreet für den Eintritt Amerikas in den Krieg wurde eine breitere Öffentlichkeit Wohl zuerst durch den amerikanischen Professor Harry Elmer Barnes mit seinem Buch „Die Entstehung des Weltkrieges" unterrichtet. Die Lage der Wallstreet-Bankiers war um den Jänner 1917 herum, wie Barnes sagt, erschöpft, und die einzige-Hoffnung der Bankiers, die Lasten auf den Rücken des Staates abzuwälzon, bestand darin, die Regierung dazu zu bringen, als Kriegsteilnehmer in den Kampf einzutreten. In dieser Beziehung fei die deutsche U-Boot-Note vom 31. Jänner 1917 für die internationalen Bankiers Amerikas „eine wahre Himmelsgabe" gewesen. Zur Zeit des Eintritts von U.S.A. in den Krieg habe Großbritannien, wie Barnes weiter mitteilt, sein Guthaben bei den amerikanischen Bankiers schon um 400 Millionen Dollar überschritten, und nur dadurch, daß die Firma Morgan diese Summe zur Verfügung stellen konnte, wurde England vor dem Zusammenbruch seines Kredits gerettet. Auch konnte Barnes an Hand eines am 27. Jänner 1920 im „Manchester Guardian" erschienenen Artikels von Thomas Lamont, einem Geschäftsfreund des Hauses Morgan, Nachweisen, was heute die amerikanische Öffentlichkeit bewegt. So bekannte Lamont schon damals, daß es die Firma Morgan auf Ersuchen einiger auswärtiger Regierungen unternommen hatte, eine prompte Erfüllung der Anforderungen der Verbündeten in die Wege zu leiten. Um den Unterschied' zu erkennen zwischen der Art und Weise, wie das Bankhaus Morgan den Eintritt Amerikas in den Weltkrieg förderte, wenn nicht vielleicht sogar bewerkstelligte, der dem amerikanischen Volk 360.000 Tote und Verwundete gekostet hat, und den Idealen, mit denen Wilson, der über die Maßnahmen Morgans unterrichtet war, sein ——— Volk für den Krieg zu begeistern verstand, genügt es, sich emige Äußerungen des Präsidenten ins Gedächtnis zurückzurufen. Am 31. Jänner 1917 erfolgte der Abbruch der diplonmtischen Beziehungen Krischen Amerika und Deutschland auf Grund der Mitteilung der deutschen Regierung über den uneingeschränkten I7-Boot-Krieg. In der Prokla- , Mation, die Wilson aus diesem Anlaß am 3. Februar 1917 an den Kongreß richtete, ! sagte erfM"Amerikaner hätten keine „egoistischen Absi chten", sondern sie suchten nur den i uralten Grundsätzen ihres Volkes treu zu z bleiben, ihr Recht auf Freiheit, Gerechtigkeit und ein »»belästigtes Leben zu schützen. Die Feststellungen des Munitionsausschusses beweisen heute, daß die „egoistischen Absichten", wenn auch "nicht beim amerikanischen Volk, so doch in Wallstreet in hohem Maß Vorhanden waren. ' Jir"der' Botschaft, die der Präsident am 6. April an den Kongreß richtete und in der er das Bestehen der .Kriegszustandes proklamierte,- erwähnte Wilson, daß Amerika nun- , die sich im Krieg mit anden, finanzielle Kredite gewähre, um den Kriegsbedarf zu be- schaffen, ohne auch nur mit einer Silbe an^ zudeuten, in welch gewaltigem Umfang dieses finanzielle'Unterstiitzung bereits erfolgt war. - E's^ser erne" Werktätige Pflicht, die Völker, die sich schon im Krieg mit Deutschland und damit mit seinen Verbündeten befinden, mit den Dingen zu versorgen, die sie durch amerikanische Unterstützung erlangen könnten. ' Auch hierbei kein Wort, was alles schon seit Jahren an die Alliierten geliefert worden war und wofür man sein gutes Geld natürlich nur dann bekommen würde, wenn der Belieferte der Sieger werden würde. Von den Verstrickungen, die das Bankhaus I. P, Morgan u. Co. schon eingegangen war und die Amerikas Eintritt in dem Weltkrieg zur Folge hatten, erfuhr das ameri- - kanische Volk damals nichts. Hiezu bedurfte s es erst eines Munitionsausschusses. Der - amerikanische Soldat von anno 1917 aber zog brav und begeistert in den Krieg für die Grundsätze des Friedens und der Berechtig-' keit, die er glaubte, gegen eine selbstsüchtige ^ Macht mit seinem Blut verteidigen zu müssen,: Dr. A. v. W. " .... ' -- Ariosi tvrlrnmmsr K)r V/isn Ovteumsnwtion KM8 illlM l^SktUI Ein Pakt der Alliierten Wer die Kriegsbeute. Telegramm des Neuen Wiener Abendblatts. Washington» 21. Jänner. Ungeheure Erregung ruft in Amerika die Veröffentlichung des bisher auf das strengste geheimgehaltenen Memorandums Balfours vom 18. Mai 1917 hervor, das der Senator Nye trotz der ihm von der Regierung auferlegten Schweigepflicht durch die Hurst- Presse veröffentlicht. In diesem Memorandum berichtet Balfour über die Verträge, durch die die Alliierten die eventuelle Kriegsbeute aus Kosten Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Türkei unter sich zu teilen beabsichtigten. Bekanntlich hatte Lau sing, der dieses Memorandum von Balfour im Jahre 1917 erhielt, noch 1919 vor dem Senatsausschuß erklärt, er habe erst in Versailles 1918 von diesen Verträgen Kenntnis erhalten. Das gleiche hat Wilson erklärt, obwohl heute die Vermutung sehr naheliegt, daß Lansing seinem Vorgesetzten dieses wichtige Memorandum kaum verschwiegen haben dürfte. Das Memorandum zählt ferner die Versprechungen auf, die man Italien machte, um es an diH Entente zu fesseln. Es enthält Pläne zur Zerstücklung der Mittelmeermächte. Die britische Regierung hat früher bereits, als der Munitionsausschutz seine Tätigkeit aufnahm, die Anfrage Hulls. ob dieses Dokument veröffentlicht werden dürfe, mit allem Nachdruck verneint. ^ sUr ^/isn E8 lüM lMi-KU Vokvmsntotion 7 / _-! Cattaro und -ie LoveenaKtton. Zum zwanzigsten Geöenktag. Von General der Infanterie Otto Wiefinger. Ueber dieses Thema hielt der Verfasser, der die Lovcenaktion selbst mitmachte, einen vielbeachteten Radsovortrag. Die Bocche di Cattaro fiel zugleich mit Istrien als Teil des venezianischen Dalmatien auf Grund der Beschlüsse des Wienex Kongresses an Oesterreich, in dessen Staatsverband sie bis zum Umsturz als zweiter Kriegshafen des Reiches blieb. Die Anlagen des Hafens entsprachen modernen Anforderungen zu Kriegsbeginn weder in fortisikatorischer noch in artilleristischer Hinsicht. Die Truppen und die dort dislozierten Flottenabteilungen hatten aber bald Gelegenheit, zu zeigen, dag sie jedem Angriff, komme er von der Landoder Seesront her, gewachsen sind. August, September und Oktober stellten dies bezüglich der Festungsartillerie bereits unter Beweis. Mit 8000 Schuß bedachten die Montenegriner in dieser Zeit allein das kleine Betonwerk Vermac, das dem überwältigenden Feuer standhielt, trotzdem man während der Beschießung den Eindruck hatte, daß das in Staub und Feuer gehüllte Fort jeden Augenblick in die Lust fliegen müsse. Der heldenmütige Kommandant Hauptmann Rubin und die brave Besatzung führten dm Kampf, von eigener Heeres- und Marineartillerie unterstützt, und harrten aus. bis schließlich der Gegner Ende Oktober das Feuer einstellte; die Bocche hatte — wie eine italienische Zeitung schrieb — den Lovcen besiegt. Der Feind konnte aber jederzeit das Feuer wieder eröffnen und damit die militärische Brauchbarkeit des großen Hafens in Frage stellen. Es ist daher verständlich, daß der stets bestandene Wunsch nach Besitznahme der dominierenden Höhen nach den Oktoberbeschießungen neu auf- ^ lebte und schließlich zu vorbereitenden Maßnahmen führte, die vom Kommandierenden General, späteren Genera!-- ^ obersten v. Sarkotic, in vorbildlicher Weise operativ, > personell und materiell eingeleitet wurden. Die Durchführung der geplanten Operation fiel dann dem bewährten Feld- marschalleutnant, nachmaligen Therestenritter Viktor v. Weber zu. Als Kommandant der 47. Infanteriedivision und des Kriegshafens von Cattaro war er berufen, alles zw tun, um diese Operation, die sicher zu den größten Waffen-! taten des Weltkrieges zählte, erfolgreich abzuschließen. Es galt hier nicht nur einen heldenmütigen, seine Scholle liebenden Gegner, sondern auch ein außerordentlich schwieriges, vielfach vollkommen verkarstetes, steil aufragendes Gebirge bei einem ! Höhenunterschied von 1000 bis 1400 Meter und mehr zu ^überwinden; eine ungeheure Anforderung, die nur bei guter ' Vorbereitung zu leisten war. ^ Die Lage am südlichen Kriegsschauplatz gestattete erst gegen Ende des Jahres 1915 der Durchführung des Lopcenproblems i näherzutreten. Am 23. November trafen die ersten konkreten ! Weisungen ein. Danach war die Besitznahme Montenegros chls eine umfassende Operation gedacht, wobei das Schwer« gewicht auf dem Raum Cattaro mit dem Ziele Lovcen lag. Die Führung der Gesamtoperation übernahm gegen Ende Dezember der spätere Feldmarschall und Kommandeur des M.M.T.O. Freiherr V.Köveß, Generalstabschef Feldmarschall-. leUtnant Konopieky, während die gesamte Westfront — wie bisher — Generaloberst Sarkotic Freiherr v. Lovcen führte. Im Kampfraums kommandierte der Führer des 19. Korps M. M.T. R. Feldmarschalleutnant Trollmann. An Truppen standen im Kampfräume: im Küstenabschnitt die Gruppe Feldmarschalleutnant v. Sorsich (neun Bataillone und vier Batterien) in der Angriffsrichtung entlang der Küste; nördlich davon bei und südlich von Cattaro die 47. Infanteriedivision mit der 14. Gebirgsbrigade und der Brigade Oberst Törk, dann nördlich davon mit einer selbständigen Aufgabe die Gruppe Oberst Lottspeich (4V- Bataillone und zwei Batterien), schließlich in der Krivostje die etwas stärkere Gruppe Oberst v. Zhuber mit der Angriffsrichtung gegen Niksic, bei welcher Grupps sich die teilweise aus Wienern und Niederösterrerchern zusammengesetzten Landsturmbataillone Nr. 4/39 und Nr. VI befanden, die die. entscheidende Höhe Bjelos unter nennenswerten Verlusten erstürmten und dadurch den Erfolg in diesem für die Gesamtlage wichtigen Gebiete erstritten. Diese beiden Bataillone zeichneten sich in gleicher Weise in mehreren Jsonzoschlachten, später vereinigt unter dem gleichen hervorragenden Kommandanten (heutigen) Major Gustav Sonnenwend, aus, der für seine Leistungen vor dem Feinde Vielfach, so auch mit dem Ritterkreuz des M. M- T. O. und der goldenen Tapferkeitsmedaille für Offiziere, ausgezeichnet wurde. Am 7. Jänner spätnachmittags wurden die Angriffstruppen aus schon vorher rekognoszierten und bezcichneten Anmarschwegen verdeckt in die Bereitstellungsräume geführt. Mit Ausnahme der schon vom Jsonzo her kriegserprobten Bataillone der 14. Gebirgsbrigade, die dm taktisch entscheidenden Solar zu nehmen hatten, waren fast durchweg Laudsturmmänner vor die große Aufgabe gestellt, die schon van Natur aus ungemein starke feindliche Stellung zu bewältigen. An Reserven standen der Führung drei Brigaden zur Verfügung, wovon die Festungsinfanteriebxigade Oberst v. Colerus auch bald in die erste Linie rückte. Am nächsten Tag, dem 8. Jänner, 6 Uhr früh begann der Aufstieg bei ziemlich dichtem Bodennebel. Mit der Sichtmöglichkeit setzte die feindliche Gegenwirkung ein, die sich durch Maschinengewehrfeuer bemerkbar machte und alsbald zahlreiche Opfer forderte. Der Angriff kam zum Stehen. Doch die Artillerie war bereit, ihre überragende Rolle als schwere Schwesterwaffe neu zu erweisen, und der Infanterie die Erfüllung ihrer Aufgabe zu ermöglichen. 204 Geschütze aller Kaliber, darunter auch zehn 30 5-Mörser sowie zwei 42-Zenti- meter-HauLitzen Und 38 Geschütze der in der Bocche befindlichen Flottenabteilungen bekämpften erfolgreich den Gegner und bahnten der Infanterie den Weg bis zu den befestigten feindlichen Stellungen, di? am zweiten Tag im großen und ganzen erreicht, am dritten Tag früh erstürmt wurden. Außer den bereits angedeuteten Geländeschwierigkeiten, den Kampfverlusten durch feindliches Feuer und Splitterwirkung, behinderten das Unternehmen weiter die Nerven- beanspruchung durch das Getöse der Artillerie, das durch das Echo vervielfältigt wurde, und schließlich der am zuzeiten Angriffstag einsetzende heftige Regen, Schneefall und Kälte mit vielen Abgängen durch Erfrierungen. Doch die Angreifer ertrugen all diese Beanspruchungen, sie erwiesen sich den besten Truppen als ebenbürtig: der Lovcen wurde plangemäß bezwungen! Am 9. Jänner, 148 Uhr früh, kündigten schon Leuchtraketen an, daß die Lovcenspitze von eigenen Truppen erreicht sei; am 13. rückte eine Nachrichtenabteilung rücksichtslos nachdrängend rn Cetinje ein, wohin alsbald die höheren Kommanden folgten. Inzwischen wurden aber bereits Friedensverhandlungen eingeleitet, die das 47. Jnfanterie- divistonskommando führte. Die äußerst sorgfältige Vorbereitung des Angriffes, die einwandfreie, stets im vollsten Einklang mit der Infanterie arbeitende Feuerleitung und nicht zuletzt die genaueste Kenntnis des Geländes, haben die Angriffsartillerie befähigt, der Infanterie die Einnahme der für unangreifbar gehaltenen Felsbastionen der Montenegriner mit einem relativ geringen Gesamtverlust von etwa Prozent und einem minimalen Munitionsaufwand (etwa ein Drittel der bereit- gestellten Menge) in kürzester Zeit zu ermöglichen. Die österreichisch-ungarischen Truppen durften einen neuen großen Sieg in ihren Annalen verzeichnen. Die Lovcenaktion zählte zwar nicht nach der Stärke der eingesetzten Truppen, Wohl aber nach deren Leistungen zu den glänzendsten Waffentaten des Weltkrieges. ^fissitsflcammsi- kUr V/isn Dokumentation M/ Ne Verteidigung der Bukowina 1814." Von Major d. R- Dr. Wnther Probszt. Was einem an diesem Buche von allem Anfang an so gefangen nimmt, ist die schlichte, unpathetische Art der Darstellung, das taktvolle Vermeiden jeglicher Uiebertveibnng, vor allem in der Schilderung der eigenen Leistung, die doch zu dem Größten gehört, was die Geschichte des Weltkrieges aufzuweisen vermag. Nicht sich selbst wollte der vor wenigen Monaten verstorbene heldenmütige Verteidiger der Bukowina Eduard Fischer ein Denkmal seAn, sondern nur seinen Getreuen, deren unerschütterliches Ausharren ihm die erfolgreiche Durchführung einer eigentlich hoffnungslosen Aufgabe ermöglichte. Kaum mehr als ein nackter Tatsachenbericht, gestützt auf sorgsam gesammelte Originaldokumente; aber wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, sich in Zeit,/)rt und Verhältnisse hineinzuversetzen vermag, dem wird dieses Buch znm Erlebnis. Fischer ist selbst ein Sohn des Buchenkandes. Sein Uv- großvater, ein junger Landwirt aus Schwaben, befand sich unter den ersten Einwanderern, die dein Rufe Maria Theresias und Josefs II. folgten und in der 1776 an Oesterreich gekommenen Bukowina eine zweite Heimat fanden. Sein Großvater trat in den Staatsdienst und wurde Finanzkommissär; sein Vater Gustav war Pächter des Gutes Karapcziu am Czer-emosz, seine Mutter Antonia entstammte der Wiener Patriz ier fam ilie Le ibenfrost. Seine militärische Laufbahn hat Eduard Fischer im Czernowitzer Hausregiment Nr. 41 als Freiwilliger begonnen, dann kam er in die Jnfanteriekadettenschule nach Lobzow bei Krakau, von wo er am 18. August 1885 als Kadettoffiziersstellvertreter zur Truppe ausgemustert wurde. Doch schon nach fünf Jahren kam er auf eigenes Ansuchen zur k. k. Gendarmerie, in deren Stand er nach erfolgreicher Probedienstleistung 1891 definitiv übernommen wurde. Mit dieser Uebersetzung schuf sich Fischer die wichtigste Voraussetzung seiner künftigen Erfolge. Bei der Truppe wäre es ihm kaum vergönnt gewesen, Land und Leute so gründlich kennenzulernen wie in seiner neuen Verwendung, die ihn für seine ganze Dienstleistung an das Land fesselte. Er war hiesür ganz besonders befähigt. Verfügte er doch über ein ansehnliches Wissen, das im Lauf der Jahve in mehreren historischen und heimatkundlichen Werken auch seinen literarischen Niederschlag fand. Wie kein zweiter kannte er Land und Leute. Kreuz und quer durchwanderte er das Gebiet, das nicht viel kleiner als Oberösterreich ist; er zeichnete auch Karten davon, die bei Brockhaus in Leipzig gedruckt wurden, und man übertreibt daher sicherlich nicht, wenn man sagt, daß er in der Bukowina buchstMich jeden Weg und Steg kannte. Aber das Entscheidende war doch nicht so sehr sein eiserner Fleiß als vielmehr der Umstand, daß es Fischer dank seinem vornehmen Wesen gelang, sich alsbald bei allen Schichten der national wie nach Ständen recht verschiedenartigen Bevölkerung im besten Sinne des Wortes belebt zu machen. Er war in den Häusern der reichen Bürger ebenso zu Hause wie in der armseligsten Huzülenhütte. Sie alle brachten ihm unbegrenztes Vertrauen, ja sogar Verehrung entgegen. Mau geht nicht fehl, wenn man ihn als den volkstümlichsten Mann der Bukowina bezeichnet. Im April 1914 wurde der junge Major Fischer auf den verantwortungsvollen Posten des Lanbesgendarmeriekomman- danten für die Bukowina berufen. Drei Monate hatte er noch Atempause; aber während man im übrigen Oesterreich nichts davon ahnte, was. der Monarchie bevorstand, Fischer wußte darum schon seit langem. Seit 1906 schön leitete er den Kunbschafterdienst in der Bukowina; er hatte unbedingt verläßliche Helfer an seine Person gefesselt, dis immer wider ihre Freiheit aufs Spiel setzten, niemals, wie Fischer betont, um klingenden Lohn! So wußte er schon im Herbst 1913 aus vollkommen sicherer Quelle, daß Rußland fünf sibirische Korps bereits nach Westen ins europäische Grenzgebiet ver- Krieg ohne Heer; meine Verteidigung der Bukowina gegen die Russen. Von Gendarmeriegeneral Theresienritter vr. k. o. Eduard Fischer. — Mit einem Geleitwort von Obstlt. Emil Seeliger, 1 Kartenskizze, 2 Textskizzen und 13 Kunstdruckbeilagen. — Militärwissenschaftlicher Verlag GM. d. R. Franz! Schubert, Wien 1935. — LLVI .-sr 207 Seiten. Ganzleinene 8.40 S. ! / legt hatte. Aber man glaubte seiner Meldung nicht, hielt sie ebenso für eine Tatavennachricht, wie jene vom 30. Juli 1914, daß Rußland bereits mobilisiert habe, und wie die besonders schwerwiegende vom 16. August, daß zwei russische Armeen von Osten her auf Lemberg im Anmärsche seien. (Man erwartete beim AOK. den Hauptstoß von Norden her und war aus dem Osten auf eineinhalb bis zwei Korps gefaßt.) _ Da die Bukowina zu Kriegsbeginn von Truppen völlig entblößt war, standen für den Grenzschutz nur 14 Genidar- merieposten, denen je 30 bis 40 Landsturmmänner und einige Landsturmreiter zugcteilt waren, zur Verfügung. Mit 56 Gendarmen und 596 Landstürmern mußte also vom Pruth bei Nowosielioa bis zum Dnjestr bei Onuth ein > 48 Kilome^r breiter Grenzabschnitt gesichert werden. „Das ergab, schematisch dargestellt, auf je 100 Schritte einen Mann!" Dieser Grenzschutz war flankiert nördlich des Dnjestr durch Ostgaliizien, wo man auf Anschluß an eigene Truppen hoffte, südlich des Pruth aber durch das noch neutrale Rumänien. Wohl gab es auch im Innern des Buchenlandes noch Gendarmerieposten als Reserve; aber diese (samt Landstürmern und Gvenzsinanzwache 978 Mann) kamen vorerst als Kainpftruppe nicht in Betracht, da sie ja während der all- gemernen Mobilisierung den Ordnungs- und Sicherungsdienst im Lande zu versehen hatten. Gendarmen und Land stürm« waren mit Männlich,er-, die Finanzer mit Wrrnd lg ew ehren bewaffnet. Aber es gab nicht ein einziges Maschinengewehr, von Geschützen ganz zu schweigen, keine Feldküchen. Auch für Munitionsnachschub und Trains war nichts vorgesorgt, alles mußte in größter Eile improvisiert werden, sogar Artillerie- und Maschinengewehrersatz. Doch davon später. Ueber die ihm gegenüSerstehenden Kräfte des Feindes war Fischer natürlich rechtzeitig und verläßlich unterrichtet. Eine erdrückende Uebermacht, mit allem Nötigen versehen; die Gewinnung der Bukowina für sie ein Kinderspiel, wenn dis Russen über die tatsächlichen Verhältnisse informiert gewesen wären. Aber diesmal versagte ihr sonst, dank dem rollenden Rubel, so ausgezeichnet funktionierender Kundschaftsdienst. .In der Bukowina des OLstlt. Fischer fand sich kejn einzige:' Verräter» Diese "Tiroler des Ostens" hielten mit unerschütterlicher Treue zu den schwarz-gelben Farben* Aus seinen 652 Leuten "erster Linie" Bildete Fischer drei ungefähr gleichstarköefechtsgruppen« An militärischem Büchhalt besass er im Lande bloss die in Czernowitz eben in Aufstellung begriffene 55«Landsturmbrigaöe, die gleichfalls weder Artillerie noch Maschinengewehre hatte* Trotzdem entschloss sich Fischer* "der Hieb ist die beste Parade", die Grenzverteidi— gung offensiv zu führen, um das Eindringen des Feindes auf österreichisches Gebiet und dadurch eine Störung der Mobilisierung in der Grenzzone zu verhindern* Im Morgengrauen des 6«August ginge zum ersten Mal hinein in Feindesland: "Wer mochte damals am ersten Tag des Kriegsbeginnes, voraussehen, dass sie (Gendarmen und Landstürmer) und ihre Nachfolger unter meinem Kommando nicht weniger als 351 Gefechte zu bestehen haben würde ! 351 Kämpfe - oft glücklich, immer ruhmvoll! Und darunter nicht ein Kampf Im dem meine Braven gleich gegen gleich gestanden ! Denn in einem jedem, dem kleinsten wie dem grössten G-erechte, war der Feind an Zahl und Waffen uni fünf--, zehn-- bis fünf zigmal überlegen." G-endarmeriewachtmeisoer Eugen G-azda und seine Patrouille waren die ersten Oesterreicher, die im Weltkriege die russische Reichsgrenze überschritten* Ir stürmte an der Spitze seiner Leute die den G-ranzort Bewkaucy beherrschende und von den Bussen verschanz te Höhe Mohila (silberne Tapferkeitsmedaiile 1«Klasse)»Bald darauf war der Kampf an der ganzen Grenze im Gange* Der Feind hielt dem ungestümen Angriff nicht stand und zog sich meist nach kurzem Gefecht zurück* Die Kordonwachhäuser, die beherrschenden Höhen wurden genommen, ansehnliche Beute an waf l'en. Munition, Wäsche gemacht, einige Gefangene eingebracht und die Telegraphen= und Telefonie itungen zerstört» Am 9»August gelang dem Bezikssachtmeister Krzesinski, nachdem der erste Versuch mi slangen, auch die Broberund von Bussisch=Nowosielica, wichtig wegen des Schutzes des Grenzbahnhofes in OesterreichsMowosielica* Die heftigen Gegenangriffe des Feindes in den folgenden Tagen konnten abgeschlagen werden» Mit der in diesen Gefechten gemachten, höchst willkommenen Beute wurden nicht weniger als 85 Vorspannwagen oeladen» (Schluss folgt) ^elsaitsrlcommse kur ^isn Ootcumsntotion ^Ul8 RllM I^kl^II 7 ^ („Oestrrreicher in Sibirien/^ Unter diesem Titel hält der Präsident der Plennh, der Bundesvereinigung der ehemaligen Kriegsgefangenen, Direktor Professor Dr. Hans Weiland, in der Urania drei Vorträge, deren erster dieser Tage unter großem Publikumsinteresse stattfand. Der Vortragende brachte zunächst aufschlußreiche Zahlen über die Kriegsgefangenen aller am Weltkrieg beteiligt gewesenen Länder. Die Gesamtzahl der Gefangenen im Weltkrieg habe etwa neun Millionen betragen, es sei gleichsam eine der gigantischesten Völkerwanderungen gewesen, durch die Millionen Menschen auf Jahre hinaus in fremde Länder verpflanzt worden wären, > und diese, wenn auch zwangsweise und unfreiwillige Durchdringung verschiedenartigsten Volkstums, müsse sich kulturell tausendfältig auswirkeu, wenn man auch die Wirkungen heute üoch kaum überblicken kann. In Rußland seien 54,146 österreichische Offiziere und 2,057,000 Mann, also 2,111,146 Oester- ^ reicher gefangen gewesen, und von ihnen seien mindestens 630,000 in der Gefangenschaft gestorben. Die Sterblichkeit unter Len Gefangenen sei in den Ländern der Mittelmächte, trotz Blokade, und obwohl beispielsweise die russischen Gefangenen bis zu einem sehr hohen Prozentsatz Analphabeten und darum schwer zu behandeln gewesen waren, gering gewesen. Die höchste Sterblichkeitsziffer, nämlich 45 Prozent (gegen 3s/2 Prozent in Deutschland) wäre unter den in Rumänien internierten Gefangenen zu verzeichnen gewesen. Professor Dr. Weiland erzählte dann ausführlich und mit dem überlegenen Humor eines Mannes, der unendlich viel Schweres mitgemacht hat, von seinem Marsch nach Galizien, den er beim 3. Korps, mit den 87ern mitgemacht hat. Das erste wirkliche Feldlager auf einer nassen Wiese, die mörderische Feuertaufe des Regiments, der Kampf gegen einen technisch ungeheuer überlegenen Feind, die Zermürbung des dritten Korps, Lurch die der Weg nach Lemberg für die Russen frei wurde, das alles Wurde vor den gespannten und erschütterten Zuhörern Ungemein lebendig. Einzelne Soldatenfiguren, „unbekannte Soldaten", hoben sich aus der Masse ab: der Kroate, dem- eine Maschinengewehrkugel den Pfeifenkopf wegschoß und der sich beklagte, daß man nicht einmal rauchen könne, wenn Krieg sei, der Mann, der die Russen mit erhobenen Feldflaschen zur vorübergehenden Einstellung des Feuers brachte, damit er jenseits des umkämpften Bahndammes aus einem Brunnen Wasser für die Verwundeten holen könne, dann der Verwundete, der, gefangen und bereits hinter die russische Linie gebracht, einem russischen Offizier das Repetieren eines österreichischen Gewehres zeigte, einfach aus eingedrilltem Respekt vor Offizieren, während ein andrer Verwundeter aufsprang, diesem Lehrmeister des russischen Offiziers eine Ohrfeige gab und sich wieder niederlegte. Dr. Weiland geriet schwer verwundet in Gefangenschaft. Er hatte zehn Schüsse, darunter einen gefährlichen Schutz durch die Kehle, und einen 'ZWonettstich. Gleich hinter der russischen Linie wurde er von einem russischen Arzt „eingewickelt", der in Wien studiert hatte und von Wien schwärmte. Aber trotzdem lag er tagelang, vft bewußtlos, auf dem Boden herum. Ein Arzt mußte ihm das eine Ohr annähen, holte mit einer Pinzette eine Kugel jaus dem Hals und übergab sie dem Verwundeten zur Erinnerung. Narkose oder Schmerzbetäubung gab es natürlich Nicht. Die Kehle mußte geschnitten werden. Drei Tage später: Erster Versuch, Kaffee zu trinken. Dr. Weiland hält sich die Kehle zu, damit dieses erste Frühstük nicht gleich wieder herausrinnt. „Aber es ging. Alles war schon fest verkrustet, es brannte zwar, aber es ging." Die Schuldienerin der Schule, wo Dr. Weiland mit andern Offizieren ein paar Tage lang auf dem Boden lag, übernahm einen Brief des Verwundeten an seine Mutter, und sie gab ihn tatsächlich auf, als lange Zeit später wiedrr die Oesterreicher. eingezogen waren. Die Verwundeten, mit ihnen Dr. Weiland, waren damals bereits längst in Sibirien. lieber das Leben dort wird Dr. Weiland in zwei weiteren Vorträgen sprechen, und zwar hm 1. April über „Die österreichische Volkshochschule in Krasnojarsk", am 22. April über die Revolution. ^i'ksilsr'leammsi' kUr V/isn Oc>I- H L xi ' SrL 'L^ .2 8 T 2 ^ » ^s L k- S '§ ^, s 8 ^ ^ ^ r-> ^ 8 >-. ^ "b 6 Li ^ ^ I4°kMLLL- Ni) <-j p» . v L? dß-rLSds r- ö ^ Z«-ZA p-.L^A L-L L^ o « 3 ar ^r> ^ kj.2 ^ OL ZMHM- -HZrs Z-« Z L -kv> > L L.-LdL L 2^-2 SEÄ^Z'MB ZUZ 8 L^I 8lLL »'L §.« » §—ZG «8^8 L'H'G „ ZLZG^Vx: « ^ xj L^ L8K8^ 8 Z'L ^ .5?L c^,A ^ " -K ^ s -ll 8.2 s ^ r- ' Li Li ^2 'D ^ ^ ^ ZK ^ ^ L.LWs,§-S » ^ ^ Li 2 D 8 s L Z s-V-K 8 » 86 ^ n ^ ^ L> ^ 0^^-> ,/8> . ^ ^ ^ L «- L 8 " UW'^Ks'LZ^^Z k> "S H 's 6 8d^ S " ' " «> ! ZKL-SZ-«, L^K«^Ä4MLKL8 §6- >Q »2-Lt »°L)sÜ> ?-> Li A »-» 30 r- s eDZ d i2> LZ.^3 Z L 8 Lo >.»r> L'L u »S^s ULiZ ! Z -87. 7-L^. '8i «G §>8ZL^ K-L"S " §>« LZ L^^L^IZZKL FZZ L "" ^ 8.>s^> L 8 ^ -r-TZ 'KZi5« " «L U « 8 >«> Ls"' A! ZA 8 "r> ^ ^ rr s 5? ^L§"ZM8«L ^ N! SM« Nd- ^ — n Sr 8 - L-S, L ^^ 'L'd H ri s Q sr --L S^H« LL ssZ-L^8 8KZ8H.^.Z " 8« «»<-o «LLLs sKULZO»- tz Z-K ^ ^L § Z „ ^'L ^ A §8- ^' 8^.8'^'" -2 8 3" s HH-d Ztz-^LV § 8 8 8"Z"T^LZ 8 « 8 s^.Z 8 :« d^-» N ^ Eß^R'L ^ ^ 8^»r,^ ^ E 8-" i«, Ls> ^ ^ ^ .8 -^.«»»->»>»»«^ N 7 «2S^ ^0-^2 V o o? ^§ vQ i^> ^8 « L . S scr ^ -8 L L.S. Lc!7x iLK -^r ^ -.7-- ^ r^- A LZL^'^ ^L^rLL-LV-8 ; «6 Z r-»^ ^ ^ ^ Lr ^r? ^ ^ A LI^^s D I A°L'8 ^D's-K'MS l, 2 8 >S rL.8 -^-Z Z xv --ZV-L s «L8srZ Ä4 ^ ^ ^ ^ <ä M <ü Q -§2- ^L> r:-? -SL. ^ rt «Q ^Z8M s^8 8-L^ »>L, . rr >->»->» L>A » 8 .«KS-L FL. L §^SS - -^G-Z s rs^ A'6 Zr;L6'S s .» ri ^ZZK"'-L^^ " 7^ ^ ^ 8 Z2 HL ^2 'A -j — ^ '-§ Ä' ^ A ^ L LZ <^ ^ r AZZ ^ LZ'^ LZZ .^KZZZ^ß^KD ö L KZ 8^«§L^TZ'-L^ZA-Z -^HZLtzLL .^.LZ v Z ^2 L r^ ^ ^ ^ L> <2 ^L> ^L) ^ ^ Li I'ks)^— ^ L ^ ^ ^ ^ sL'L'Z.Uß^AK Z-sZ^OZIZ ZMZK-Z ZMI§ 8-Z 8 "ZG ßK^F ^ZTLZ L'ZIKs T 8 8 °8 8 ^-r«> ^ o - ZLZ^Sr-^xissZ-« e^rs"' r2Ls»-"" L- ^> ^ '.-» Z8 AK? , --Z Z- v.L s H ^->2 «;Z s Z 8^ VL L-EZU L --L » 'S ^2^ 3 x- «, 8«-L , '"L 8 I rll S -LE 'ZTÄ o Li >-O AL «D ^ 8 «L 8 8 'L! 3. L? >Lx- KK^Z- S8KLHT^^ZZ«8^ . n .6^ 8^x7-L »-»-> 5^ 8'2 2'L >8 8 ^ l«> s ^ ^ .2.2.8 8 ^ .8 -Z.s ^S- L? ^-^8, § L ^ L Z srsK^8Z-L6^ LK L S-K ^-^s.8-.— ^ s> ^d-3 8^! ^.K sr>^ sr^s K ^s SWNr^s §-^-2 -! °öL 8ZZ^^ L -r S 8 '» 2 ^ Z> 5 L LKN6 «r S « Z K.sL^^'S^ LZ-'L 5 ^ Z SÄ - ' <-r ^ ' Etz 8 ' >>-> Ä Li ^ !? ^ L.« ^ 8 L E-r^!. L..L 2 LZ^ L.s^ rr' «>.2 8>SL ZZOL S 8 s tt 2 U-ÄKSZ - ZdK^. -ZU SLZ „ - L DZH * EIZs L^Z 8^Z§ c7 .3 ^.§ -U - L « ^ ^ ^ IL. 8 .3 ^7 nxr r2 s^ >3 ^ >. !-» M '--» ^ ^br^. Pi 8 üp- 77 ^ 8 ^ L 2 n d -ML»-RMS^ZL?A^ß-ßk^SZ L>K -s . !-> kr.« V ^s>2-^>>—s-V ^S- rl? S ^7i Q . . 1 ^ >^ « ^ 8 8^ °8 8 - <2 r- G^ZH LT-A.s-Ä 3 xt o>-- Q ^ ^ L 8 « cu 72 L--r^ ^ r-»-^ ^ >L> L ^ Z i2> 2 « s? § x: ^g- ^ 8 ^ ' ,Z ^ K, - " .^'3 L> .Q d ' 8ZN i k! s L? ^LF .2 ^ 8°-ks;« L -2^8-8 Zs . 8r^,SÄ^T> ^ Li Li_ L Li ^Z ^ NL> ./- ^ ^ L ^ AAi Li 8 Z 8L « §-s 8-S L> x.^3 Z 8 L D t«- r^L Lr ^2 Li .8 8 6^ A, ^ "8 ^8 6 ^8 ^-us 8, ZZ^K^ZffLM.s-^ Z ^ZxWM^s.^ <2 K1-. pr Li ^ ^ ^ ' ^ A ^ -ö ^ ^ '— ^ KZrsZRs N 8 L^ "" i --O ^ 8 8 sZ. SB 8 6 k.^2 tz 2 L -? ^ 8 ^ 8-Z,D «-.'F 8 ^ Tm ^ ill 8 8 8 sr-^^t^r D A s s ^ ^'L s LA . Q . .8 d L «-"§ 8L§^^S>^°L -8.^ sZ « .8L §-5.- K °"N«r. § L-'Z.dKcZKO ^ ^ Z^ V-FM^N — "r'»5>Z^'Z LS? U8 §8« Z^^8 8 .. s « s s »j sB ^ .«'.L-'d L 8 -8 8 §Ss ., s « « x. 2 tz «»» sr «>» »4-» SÄ K , »UZ ^ L -§ x? S^-Q ^ 8 z> 8 « s >2-6 T 8 T ^ Hd^ZA^ .-. SZ LK ^>-2« 3 3 ^ E^)^s. ^ ^ L7 7ÄAA. ^ L «O.^i — 2 Li 2-..P- ^ ^ ü> 'A 8 ^ 4>) Üd. SZZZZ-ZKUM^ c»L> S-i -.^> ^ Ä «? §,« «--- -krtjiQ 8 >-. AZ-S ZA ZAZ ZL^Z Z>Z' ^LG«8 sr'K-L 86; Dreieinhalb Monate geht der Kampf um die Bukowina weiter. Fischer glückt es wirklich am 21.Oktober Czernowitz wieder zu nehmen und bis Anfang Dezember zu halten. Um die Jahreswende aber kahn Fischer nicht mehr weiter,. Diese unerhörten Strapazen waren für den 52jährigen denn doch zu viel. Er brach zusammen und kam mit schwerer Angina pectoris 2 u spezialärztlicher Behandlung nach Wien. Zwei Wochen nach seiner Ankunft befahl ihn der greise Monarch zu einer Sonderaudienz. Lassen wir Fischer nun selbst das Wort: "Ich trat nach der Anmeldung durch die Flügeltür. Der mehr als 84jährige Kaiser erhob sich bei meinem Eintritt. Br gchritt mir durch das Arbeitszimmer entgegen, nahm mich bei der Hand, führte mich zu einem kleinen Tischchen und hiess mich neben sich setzen. Der Kaiser sah mir fest in die Augen:'Ich danke innen lieber Oberst, für das, was sie für mich und den Staat in so schwerer Zeit getan haben. Wie ist das nur möglich gewesen, dass sie mit einer so kleinen Streitkraft derart lange einem an Zahl vielfach stärkeren Feinde wiederstand leisten konnten? Ich erzählte dem Obersten Kriegherrn, dass ich dies in erster Linie dem Heldentum meiner Gendarmen zu verdanken htte, dann aber auch dem Umstande, dass mein unbedingt verlässlicher Kundschaftsdienst mich stets rechtzeitig über die feindlichen Absichten unerrichtet und mir so zweckentsprechende Gegenmassv nahmen ermöglicht hatte. Der alte Kaiser hielt noch immer meine Hand und sagte:'Die Verteidigung der Bukowina hat viel dazu beigetragen, dass Rumänien uns nicht in den Rücken gefallen ist.' Und nun musste ich dem Obersten Kriegsherrn eine ganze Stunde über meine Kriegführung in allen Einzelheiten berichten. Sogar über die Verwendung der Kirchweihböller und Karfreitagratschen An unserem so ernsten Kampfe. Der Kaiser hörte alles mit regster Anteilnahme und fand so warme Worte für die braven Männer aus dem Vokke, dass ich mich in tiefer Rührung Üher -die Hand des Greises beugte. Dann stand der Kaiser auf, legte mir die Hand auf die Schulter und sagte: 'Die Landesverteidigung der Bukowina wird eines der interessantesten Gesc&chtskapitel dieses Krieges sein. Wenn ich das Kapitel meines Militär=Maria=Theresien+Ordens einberufe, werden Sie wohl einer der ersten sein, der um diesen Orden ein- zureiohan hat." Fischer hat ihn erst im November 1927 erhalten. Verdient hätte er ihn schon viel früher, denn wie aus einem Zeugnis des damaligen österreichischen Gesandten in Rumänien Grafen Gzernin hervorgeht, hatten Fischers Erfolge in der auf die Entschlüsse der rumänischen Regierung einen bedeutenden Einfluss ausgeübt. was Fischer im weiteren Verlaufe des Krieges noch geleistet hat, gehört nicht mehr in diesen, der Verteidigung der Bukowina gewidmeten Aufsatz. So sei denn zum SMalusse nur so viel gesagt, dass er von Kaiser Karl im März 1918 zum Generalmajor und Landeskommandanten für Galizien und Bukowina Ernannte dank - seiner hervorragenden Eigenschaften und vor allem seiner Organisationsgabe das darbende Wien des letzten Kriegsjahres buchstäblich vom Hungertode gerettet hat. Nun ruht der Held der Bukowina fern der geliebten Heimat in wiener Erde. Bis zum letzten Atemzuge war der fast erblindete und gelähmte Mann für seine Kameraden tätig gewesen, für die Aermsten der Armen, denen Rumänien die Pension versagt. Daneben arbeitete er auch noch an seinem Buche, ün dem er den unbekannten Helden des Buchenlandes wenigstens ein papierenes Denkmal setzen wollte. "Nun kann ich ruhig sterben - ich habe meine Pflicht erfüllt", das waren die Worte, die er bei Uebergabe des Manuskriptes an seinen Verlgger richtete. Wenige Tage darauf ist er zur grossen Armee eingerückt, wo sich wohl viele seiner Getreuen von Anno 1914 versammelt haben werden, um ihren geliebte n Kom mand anten nun durch die goldene Pforte des Himmels vor dem Herrn der Heerscharen zu geleiten..... voicumsntotion ^Ub8 MlM U881UI nmtsnsmcs ' Przemysl, die große Sarrfeftrmg/ Von Oberstleutnant d. R. Artur Poeffel. Im Rahmen des Wiener Heeresmuseums hat sich ein ArbeitSkomikee für die Abteilung Festung Przemysl gebildet. Dieses Komitee will alles zusammenbringen, was sich auf die Festung bezieht, deren Bedeutung im Weltkriege immer klarer vor Augen tritt. Die Gürtelfestung Przemysl, deren Besatzung im Weltkriege die Anstürme eines zahlenmäßig dreifach überlegenen Gegners mit schweren Verlusten abgewiesen und durch volle fünf Monate in harten Kämpfen buchstäblich bis zum letzten Bissen eines Brotsurrogats standgehalten und sie schließlich, durch Hunger und Strapazen entkräftet, selbst zerstört hat, um sie nicht als billigen Sieg in die Hände des Feindes fallen zu lassen, war nichts weniger als eine moderne Festung. Abgesehen davon, daß die Linienführung der Gürtelwerke noch auf der Tragweite der Belagerungsgeschütze aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts basiert war, lagen einige dieser Werke viel zu nahe der Stadt und den Brücken über den San. Einzelne dieser Werke waren überdies von den südlich und südwestlich vorgelagerten Höhen Pod Mazurami und Mackovica überhöht und mutzten daher bald in die Ver? teidigungslinie mit einbezogen werden. Die Gürtelwerke mit einem Umfang von fünfzig Kilometer waren meist in den Jahren 1875 bis 1880, respektive in den neunziger Jahren erbaut worden und gegen die Wirkung neuartiger Geschütze weder granatsicher noch verläßlich bombensicher. Die Noyau- werke, deren Umfang siebzehn Kilometer betrug, waren durchweg primitive Erdwerke, die Jnfanteriedeckungen oft kaum splittersicher. Die Armierung der Festung bestand aus neunhundertvierundvierzig Geschützen, doch waren von diesen nur vier 30'5-Cm.-Mörser und vierundzwanzig Feldkanonen der Ausfallsdivision als moderne Geschütze zu bezeichnen, wahrend der Rest aus altartigen, sogar teilweise noch aus gußeisernen Kanonen des Jahres 1861 bestand. Die Festung lag an der offenen Reichsgrenze, und doch sollte sie im Kriege gegen Rußland eine bedeutende Hilfsrolle spielen. Leider hat die österreichisch-ungarische Heeresverwaltung, Wohl aus Mangel an Mitteln, nicht die Möglichkeit gehabt, die Festung forti- fikatorisch nach den Anforderungen der modernen Kriegstechnik auszubauen und zu verstärken, so daß sie sich bei Kriegsausbruch in arg vernachlässigtem Zustand befand. Bei Mobilisierungsbeginn wurden acht Sappeurkompagnien. siebzig Militärarbeiterbataillone, sünfundzwanzigtausend Landsturm-Zivilarbeiter und sechstausend landesübliche Fuhrwerke in die Festung geworfen, die noch rasch die forti- fikatorische Verstärkung verbessern sollten. Um 18. September 1914 begann die erste Belagerung. Als die Schlachten Von Lemberg, Przemysl, Rawaruska, Grodek am 11. September abgebrochen und die Armeen nach Westgalizien zurückgeführt wurden, begann die Festung ihre große strategische Hilfsrolle zu spielen; ihr fiel die Aufgabe zu, möglichst starke feindliche Kräfte auf sich zu ziehen, um die Verfolgung der zurückgehenden eigenen Armeen zu verhindern. Dies ist auch dem Festungskommandanten General der Infanterie v. Kusmanek vollkommen gelungen. Nach dem Durchmarsch der dritten und Teilen der vierten Armee blieben auf Befehl des Armeeoberkommandos die 23. Honved- Infanteriedivision, die k. ung. 97., die k. k. 98., 108. und 111. Landsturmürigade zur Verstärkung der Besatzung in Przemysl zurück. Am 16. September langte vom Armeeoberkommando der Befehl ein, daß die Festung vorerst sich selbst überlassen bleibt und auf das äußerste zu halte» ist. Wie bekannt, beschränkte sich General der Infanterie Kusmanek nicht bloß auf eine zähe Verteidigung, sondern faßte seine Aufgabe in aktivem und offensivem Sinne auf, indem er durch Ausfälle und rege Artillerietätigkeit den Vormarsch der Russen verzögerte und den Ausbau des feindlichen Ein- schließungsringes erschwerte. General Iwanow, der Kommandant der russischen Westfront, ließ bald darauf den Vormarsch der russischen Armee am San einstellen. Er schätzte die fortifikatorische Widerstandskraft der Festung nicht hoch ein und legte der möglichst raschen Einnahme derselben große Bedeutung bei. Mm 26. September war der Belagerungsring geschlossen. Am 4. Oktober ließ General Radko Dimitriev, ein ehemaliger bulgarischer General, der bei Kriegsausbruch in russische Dienste getreten war, an General Kusmanek durch einen Parlamentär die Aufforderung zur Uebergabe der Festung ergehen. Der Festungskommandant antwortete, daß er es unter seiner Würde finden würde, auf dieses schimpfliche Ansinnen eine meritorische Antwort zu geben. Von den 65 Bataillonen der Festungsbesatzung gehörten 40^L dem Landsturm an. Mit Ausnahme der 93. Landsturmbrigade waren alle andern Bataillone der Besatzung schon an den früheren Kämpfen der Feldarmeen beteiligt gewesen, waren daher infolge Verlusten fast auf die Hälfte ihres Standes reduziert. Am 5. Oktober setzten die Russen mit rund neun Infanteriedivisionen zum Sturmangriff an. Ungeheure Massen von Sturmkolonnen, wohlausgerüstete, kriegstüchtige, tapfere und junge Kräfte fluteten an die Ost-, Süd- und Nordfront heran. Alte, abgearbeitete Landsturmmänner aller österreichischen Nationen kämpften gegen die Russen mit wahrer Todesverachtung, mit bewunderungswürdiger Tapferkeit. Volle drei Tage und Nächte, ohne Unterbrechung, ohne Ablösung standen alle waffenfähigen Männer, Schreiber, Offiziersdiener, Köche, Pferdewärter mit der Waffe in der Hand an den Brustwehren und Schießscharten. Die Zerstörungen an den Gürtelwerken durch die feindliche Artillerie wurden tags- und nachtsüber immer wieder von den braven Sappeuren notdürftig ausgebessert. Jeder einzelne Mann war ein Held. Da gelang es anr 7. Oktober einem Teil des russischen Infanterieregiments Nr. 73, beim Morgengrauen in einen Graben des Werkes Siedliska, der von einer Abteilung des Festungsartillerieregiments Nr. 1 (Wiener) und vom königlich ungarischen Landsturmregiment Nr. 10 verteidigt wurde, einzudringen. Der Artilleriekommandant Oberleutnant Sverljuga und der Werkskommandant Leutnant Altmann schlossen sich nach einem blutigen Handgemenge in das Werkinnere ein und führten durch die Schartenöffnungen der Kasematten den Kampf heldenmütig bis 9 Uhr vormittags, bis sie endlich von rasch herbeigeeilten Nachbarabteilungen befreit wurden. Zur gleichen Zeit brachen aber auch alle übrigen Anstürme der Russen an den andern Fronten der Festung zusammen. Achtzigtausend tote Feinde bedeckten die Gräben und Hindernisse der Werke und das Vorfeld der Festung. Ueberall wurden die Sturmangriffe der Russen zurückgeschlagen. Nachdem Wrussilow, der Kommandant der russischen Front in Galizien, in der Nacht zum 8. Oktober den Belagerungsring öffnen ließ, machte sich bald die Vorrückung der österreichisch-ungari- ! schen Armeen zum Entsatz der Festung fühlbar. Schon am! 9. Oktober ritt die erste Kavalleriepatrouille der eigenen Armee in die Festung ein und am 11. Oktober unternahm! General Kusmanek mit der 23. Honveddivifion seiner Be-! satzung einen Ausfall in der Richtung der Sanbrücke bei Sosnica und Walawa zur Unterstützung der Vorrückung der dritten Armee. Am 11. Oktober 1914 war der Entsatz der Festung vollzogen. Die Besatzung hatte mehr geleistet als man nach der Stärke der Festung erwarten durfte. Sie hatte nach dem Rückzug des österreichischen Heeres vom San drei russische Armeen festgehalten und damit den durch die verlustreichen Kämpfe bei Lemberg-Przemhslany-Rawaruska-Grodek ermüdeten Truppen die so notwendige Kampfpause zur Heranziehung von Verstärkungen, zur Retaülierung und Umgruppierung erwirkt. Nach drei Wochen Freiheit, während Welcher die Festung in der Front der Feldarmeen mit ihrer Artillerie und ihren Aus- fallstruppen an den Kämpfen teilnahm, waren ihr bis zu ihrem Untergang noch hundertsiebenunddreißig entbehrungsreiche,, leidvolle, von blutigen, verlustreichen Kämpfen durchtobte Tage zugemessen. BE ITERKAKKER FÜR W I E H DOKUMENT ATS OH TAS: leiste der in» Weltkriege mit dem Orden "Pour le Merite” ausgezeiekneten Angehörigen der Luftstreitkräfte (nach amtlichen Quellen) Lfd. Nr. Dienstgrad Name Formation Siege Todestag Gefallen bei bzw.gestorben Io Generalstab der Luftstreitkräfte. 1 .Gen.Ltn. v. Hoeppner Kdr. Gen. d. Luft» 25.9.22 Wo 11 in streitkräfte 2 Obst. Thomsen Chef d.Gen,Stabs d.Luf tstreitkräf te II. Jaedflieaer (Armee) 1 Rittm. Fr.v.Richthofen Kdr» Jagd.Geschw.l 80 21.4.18 Vaux s. So» 2 Obltn. d.R. Udet F. Jasta 4 62 3 Obi tn. Loewenhardt F. Jasta 10 54 10.8.18 Chaulnes 4 Ltn. d.R. Voss F, Jasta 10 48 23.9.17 Freigenbg. 5 Obltn. d.R. Jacobs F. Jasta 7 47 6 Ltn. d.R. Rumey Jasta 5 45 27.9.18 Neuville 7 Hptm. Berthold Kdr.Jagd.Geschw.2 44 15.3.20 Harburg 8 Hptm. Loerzer Kdr.Jagd.Geschv.3 44 „-a 9 Ltn.d.R. Bäumer Jasta Boelcke 43 15.7.27 Oeresund 10 Hptm. Boelcke F, Jasta 2 40 28.10.16 Bapaume 11 Ltn. Büchner F. Jasta 13 40 18.3.20 Leipzig 12 Obltn. Frhr.v.Richthofen F. Jasta 11 40 4.7.22 Hamburg 13 Ltn. d.R. Gontermann F. Jasta 15 39 30.10.17 larle 14 Oblt.d.R, Benckhoff F. Jasta 72 39 15 Rittm. Bolle F. Jasta Boelcke 36 G)<>- 46 Ltn. d.R. Kindisch F. Jasta 66 22 27.5.18 vermisst 47 Ltn. d.R. Frankl Jasta 7 19 8.4.17 Vitry*Sall 48 Obitn. d.R. Kissenberth F. Jasta 23 19 2.8.19 Alpen 49 Ltn. Nintgens Jasta 1 18 25.9.16 Willers-Go. 50 Ltn. d.R. Dossenbach Jasta 10 15 3.7.17 Fresenberg 51 Obi tn. Xmmelmann Fl. Abt. 62 15 18.6.16 Lille 52 Obi tn. Buddecke Jasta 18 13 10.3.18 Harmes 53 Ltn. d.R. Höhndorf Jasta 14 12 5.9.17 Ire le sec 54 Obltn. Berr F. Jasta 5 10 6.4.17 Noyelle 55 Ltn. Ritter v. Huizer Fl.Abt. 292 10 26.9.16 Valenciennes 56 Obltn. Frhr. v. Althaus F. Jasta 10 9 >30000 *- cao oooo (danach O.H.L.) 57 Ltn. d.R. Leffers Jasta 1 9 27.12.16 Cheriy 58 Ltn. Parschau Kampfgesehw. 1 8 21.7.16 Grevillers III. Jagdflieger (Marine) . > C (A IO CO CTn 04 *5 O =r M* < r*f» *o e cr ro 9 VC Ol CTn < iO O 00 o v£> 1 Kpt-Ltn.d.R. Christiansen F.Seeflugstation Flandern I “ 004,a Siege : 19 Flugzeuge abgesehen .Öl 1 Luftschiff fi 1 U-Boot versenkt 3 Schiffe B , »£> 12 Handelsschiffe aufgebraucht : 00 2 Ltn. d. R. Osterkampif Marine-Jagdge- schw .Flandern 31 X- c: 3 Obltn.z.S. Sachsenberg Kdr.Barine-Jagd- •• geschw .Flandern 31 —— o IV. Bombenflieaer. tu. ■< 1 Hptm. Brandenburg Kdr. Bogohl 3 •o C er 2 Maj. Keller Kdr. Bogohl 1 —— «*«*<*> 3 Hptm. Kleine Kdr. Bogohl 3 —— 12.12.17 Vpern ro U-J 4 Hptm. Köhl Kdr. Bogohl 7 «o «»<» \C V. Aufklärunasflioaer. er V-N 1 Hptm, Fricke F.Fl.Abt, 3 (Lb) £ 2 Hptm. v. Grone F.Reihenbildzug 4 i—i 3 3 Ltn, d.R. Griebsch Fl. Abt. 213 2.6.20 Dessau <0 4 Obltn. Möller-Kahle Fl. Abt. 6 3 5 Hptm. Frhr.v.Pechmann Fl.Abt. A 217 >30>=00 H- 6 Obltn, Horn Fl.Afit. A 221 «—9* ■ ? 7 Ltn. d.l. Nielebock Fl.Abt. 250 3> "1 o CTi 8 Hptm. Homburg ~F. Fl .Abt. 260 (Lb) 0**0®=* 3" H* o VD 9 Hptm. «alz F.Fl.Abt. 304 b 7 o BEITERKAHKER FÜR V S E N DOKUMENTATION Np. : TAG: lfd. Nr. Dienstgrad Name Formation Siege Todestag 5ef al len bei bzu.gest.in . .. * .. ' ■ ' < ■ . .."" ..■ ■ ) " ■ "i ' ■ ■ ’ . . . . , . . r VI. Luftschiffer . a) Marineluftschiffer. 1 Kpt-ttn. Frhr, Treusch v. Buttlar-Bran- denfels larine-Luft- schiff«Abt. 2 Freg.Kpt. Strasser F.d.Karine- Luft schiffe 6,8,18 London b) Feldluftschiffer l Obltn. d.R. Kieper F.Ballonzug 19 a 865 25^.1936 _ 26SQ9 d Au« Archiv f.publizistische Arbeit (Intern.Bio gr. Archiv) sUe ^isn Ootcumsnfokion RM 1^8^11 PrzemtzZlsr FefturrgsMUss««. '' /Im Rahmen des Wiener Hesresmuseums »hat sich ein Arbeitskomitee gebildet, welches die Festung in einem großen Relief zur Darstellung bringen und alles Zusammentragen will, was sich auf dis beiden Belagerungen der Festung bezieht, deren Bedeutung im Weltkrieg immer klarer vor Augen tritt. Diejenigen, die seinerzeit der Besatzung von Przemhsl angehörten, werben gebeten, dem Komitee ihre Anschriften bekanntzugebsn, Kameraden, welche Erinnerungszeichen oder Ausschreibungen, Tagebücher usw. haben, mögen sie (wenn auch nur leihweise) dem Heeresmuseum, Abteilung Festung Przemhsl, Wien, 10. Bezirk, Arsenal, einsenden. Die Geldmittel für das Relief usw. sollen durch Spenden und so weiter aufgebracht werden. Geldspenden sind an das Bank- und Wechselhaus Schelhammer u. Schattera, Wien, Postsparkassenkanto Nr. 9211, zu richten. Auch kleinste Spenden weiden dankbar entgegengenommen. Alle ehemaligen Przemysler werden dringend gebeten, diese Aktion zu unterstützen, die jetzt notwendig ist, da ja von Jahr zu Jahr die restlichen Erinnerungen an die größte Belagerung des Weltkrieges immer geringer werden. Das Komitee setzt sich wie folgt zusammen: Eh reu schützt Generaloberst Fürst Schönburg-Hartenstein; General der Infanterie Wilhelm Zehner, Staatssekretär des Bundss- ministeriums für Landesverteidigung; Bürgermeister der Stadt Wien Richard Schmitz, Vizekanzler a. D.; Bischof von St. Pölten Dr. Michael Msmelauer; General der Inf. d. R. Weizendörfer, seinerzeitiger Kommandant des dritten Ver- teidignngsbezirkes Przemysls; Feldmarschalleutnant Ottokar Hubert, seinerzeitiger Festungsgeneralstabschef; Divisionär von St. Pölten und Militärkommandant von Niederösterreich Generalmajor Wilhelm Gebauer; Bürgermeister von Sankt Pölten Professor Dr. Heinrich Raab; Präsident der Börssn- kammer Wien Kommerzialrat Hans Wancura, Rat der Stadt Wien, Chef des Bankhauses Schelhammer u. Schattera; Abteilungsvorstand im Bnndssministerium für Landesverteidigung Generalmajor Johann Friedländer; Direktor des Heeresmuseums General Dr. Alfred Mell, Ehrenpräsident der Bundesvere'inigung der ehemaligen österreichischen Kriegsgefangenen; Direktor Professor Dr. Hans Weiland, Rat der Stadt Wien. — Arbeitskomitee: Aktionsausschuß;, Geschafts-führenöer Präsident Oberstleutnant d. R. Artur Poeffeb des seinerzeitigen Festungsstahes; Stellvertreter Generalmajor d. R. Alfred Luksch des seinerzeitigen Festungsstabes; Stabsarzt a. D. Dr. Hugo Glaser, Ehefrsdakteurstellvertreter, seinerzeit Adjutant des FestungKsanitätschefz; Ministerialrat Ing. Dr. Julius Smslik des BundssministeriumS für Handel unh Verkehr, des seinerzßitigen FsstungsfeldLahnLaons; als Delegierter des HeereSnmseums Oberstleutnant-Kustos Doktor Rudolf Pühringer; Major d. R. des ehemaligen Militär- geographischen Instituts Max Freißler; Oberstleutnant d. R. Gustav Pelz. Beiräte: General d. R. Rudolf Graf Lavaulx-Vrscourt; Delegierte der seinerzeitigen Festungsbesatzung vom ehemaligen Landsturminfanterieregiment Nr. 21 Hauptmann a. D. Karl Petrak, Bankabteilungsvorstand d- R-, Hotelier Franz Schedl aus Neulengbach; Obmann der Bunbes- vereittigung ehemaliger österreichischer Kriegsgefangener Kaiser und Bäumel aus St. Pölten; Direktor Hauptmann a. D. Räschndorfer des seinerzeitigen Festungsfeldbahnbaons; Schuldirektor d. R. Schowanetz der seinerzeitigen Brigadetelephonabteilung. zn öt i icnxz«uen fun v i e x 1 ^ 8 : rzew^sl im Lichte der MelL- ^4Rom den beuiegierigert König Wdasinissa, Karthagos Besitz zst -^plündern. Masinissa tat dies gern und ausgiebig. Nachdem sich - Von Mdnmrschallcutnant Franz Riticr 'Weitz'-TWnh t > b. Maiuprugg., ", ... die verratene Stad! -(wiederholt um . den vertragsmäßigen Schutz vergeblich an Rom gewendet hatte, griff sie: zur Selbst-; Hilfe, kam dadurch in, einen Widerspruch gegen , den Vertrag ?r. Die '-.bevorstehende' Schaffung eines Przemhsl-ßund gab Rom den Vorwand zum Kriege. Die gepeinigte, Wehr- Museums im Rahmen des Wiener HecresmuseUmsMose Stadt verteidigte,.sich Heldenhaft gegen Scipio-Asrikanus! gibt diesem Artikel besondere Aktualität. s;fiel nach kurzer Belagerung und wurde erbarmungslos dem Um einen Maßstab fürsdie weit hervorragende - soldatischej Erdboden gleichgemacht. (146 v. Ehr.) Die Bedeutung der Ber- Großt-at, die die Verteidigung Przemhsls war, zu bekommen^teidigyng Karthagos liegt nur auf politischem und idealem Gemogen einige der berühmtesten Verteidigungen fester Plätze'Liet. Eine das Mittelmeer, beherrschende Macht fällt in Zum Vergleich herangezogen werden: . >.. . , j Trümmer, eine andre tritt— Bahn frei — an ihre Stelle. Eine ! Karthago, seinerzeit die berühmteste Metropole, der! »stärkste Kricgshafen der Welt. Das Herz des mittelmeergebieten-! Pen, reichsten Staates, der ganz Nordafrika, den größten Teil !von SizilieN'UNÜ Spanien umfaßte. Ein absolutes Hinderniss !für den weiteren Aufstieg des Römcrreiches,., deshalb durch! Rom zwei Jahrhünderte lang bekämpft. Der zweite,.sogenannte „Punischc Krieg"; hatte beide Streitteile erschöpft. In «den! Friedensverhandlungen verpflichtete sich Karthago Wehr - und-; Waffen abzulicsern, auf selbständige kriegerische Untcrneh-; mungen für immerwährende «Zeiten, .zu verzichten, dagegen« Rom, die wehrlose Stadt, zu beschützen. Heimlich aber hetzte neue Welknacht gibt dem damaligen Erdenkreis ein andres) neues Gesicht. An sich war die Verteidigung Karthagos als der verzweifelte Heldenkampf eines wehrlosen, verratenen Volkes ^klein und gemessen groß, an den Verhältnissen Przemhsls primitiv. « -- ( n -; Auch die Belagerung Wiens Lurch die-Türken im Jahre 1529 und 1683. kann nur insoweit zum Vergleich mit Przemhsl herangezogsn werden, als Przemhsl den Weltkrieg nicht.entschieden hat, während die Standhaftigkeit Wiens speziell im Jahre 1683 "das christliche Abendland vor dem Untergang gewährte, Dagegen war Przemhsl nur eine Episode. Nur der Heroismus Von Führern'und Kämpfern stelltHhFas'Wiensam 11. .D^ber'M-ork vEMen MiVK-ffe^eWenkten^ gleich , hoch mit Len Verteidigern >2lm 11. Dezember gelang es Len Japanern, . die Nordkikwam und/.am 28. und 31./Dezember z-ivei andre wichtige Fronten! zu erstürmen. Hierauf räumten die Russen die Ostfront. Der! Festungskommandant -Lot am 1. Jänner die Kapitulation an. welche am 2. Jänner 1905 perfekt wurde. Sowohl Russen wie' ^Japaner hatten Heldenmütig gekämpft und größte Verluste- ?erlitten. - .W-/!'? - !-, ' ./. -./?ch.'-??"'--! Przemhsl. Je weiter die Zeit unserm Mick entrückt wird, desto größere wächst in jeder Beziehung aus dem Gew irre des Weltkrieges die zweimalige Verteidigung dieser Festung i hevor. Mit der Glorie des Heldentums herüberstrahlend. grüßt Oesterreich-Ungarns alte/ tapfere Armee aus großer, schwerer i Vergangenheit/die Gegenwart^ und > alle Zukunft- Przemhsl Zwar eine der lautesten Noten des großen Waffenganges. Die , ganze Welt horchte hin. Auch die Verteidigung von.Port Arthur l bleibt an. soldatischen Werten weit hinter der von Przemhsl l zurück. Port Arthur war niemals. ganz eingeschlusssn wie . » , . , . .. Przemhsl. war vollkommen modern ausgestattet und ein- E. Am- 5 September 1835-!. setzte Äe' Beschießung .der Festimg^ E^ü Przemh sl dagegen veraltet - und unzureichend. Die^, durch alle Batterien der Belagerer ein. Der MtungskomMarl-"Besatzung Port Arthurs waren Offiziere und Mannschaften Laut -Fürst..Gortschakow verstärkte die Besatzung .'auWester Ee^"in Przemhsl großteils Landsturmtruppen. Div^ '71,000 Rtann. Nach ' dreitägiger Beschießung wurde ElRikffen' .verloren"bek- Port Arthur'ein' Werk .nach Lerw sichern^ ,Ü2. September gestürmt. Der ganze Kampf dauerte nur dref ^n Przemhsl siel in beiden Belagerungen lein einziges Weich ^Stunden/Alleine dis Franzosen hatten? Erfolg und nahm«! irn-'bie iHände der'Russen, und alle Stürme derselben wurden den Malakowturm. der als Schlüssel der Festun» gaü Sck-ön^°" Len.eingeschlossenen' Bertekdigern heldenmütig aLgewresem dies Lewog den FestrrngskammanLanteu. die Festuna ru raumenKommandant, von. Przemhsl wies alle--Aufforderungen /'zur Uebe-rgave der Festung zurück, der russische Konimandant; teil der Stadt zu üösrsiedelu. Slls die Russen diesen Usch tm Verteidigungszustand setzen ti "" . Sebastopol verblaßt im Licht cheider Belagerungen PrzemyAs. s Sebastopol ist in den Geschichtsbüchern als bemerkens- swerteste Verteidigung einer Festung berühmt, wurde zwar! idon den Verbündeten Engländern. Franzosen und Türken! sdurch fast ein Jahr belagert, aber als es zu schlimm wurde, machten die Verteidiger Schluß und Frieden. Die Verbündeten Lagerten nur Vor dem Südteil der Festung. Diese blieb gegen -das Meer. zu. Lande nach Norden und Nordosten offen. Die Russen waren hiedurch, in der Lage, die Stadt jederzeit mit Verwiegung und sonstigem Kriegsbedarf zu versorgen, die Kommandanten, Offiziere, Mannschaft auszuwechseln, die! -Besatzung'jederzeit durch frische Truppen züwerstärken usw! ^Zweimal und. vergeblich versuchte der Kommandant der^ russischen Feldarmee.General Fürst Menschikoff, dis Ver-^ / Lündeten zw vertreiben, und dieLestuiig.zu entsetzen.- (25. Ok-,. ^tovsr 1854, Schlaft bei Basäklawa,'S. November,-Schlacht bei! /Jnkertnann-.) und in den durch eine» schmalen Meeresarm getrenntem Nnd-i . Arthur bot keine Kapitulation an. , . § » Bei d<- ersten Belagerung von PrzemhÄ? wurde dre VerterdrgungsKustarch setzen wollten, wurde Friede Ucberrnachk der. Angreifer nicht, nur znrückgesch'lagen.! o VrzemhslZ. ' ch /- ? ' sogar eine Strecke weil verfolgt, was über den Rahmenj Metz: Nach der für dis Deutschen-siegreichen Schlachtjg^x bisherigen Verteidigungen fester Platze .einzigartig! von Gravelotte-St.-Privat zog sich 'Marschall Bazaine nnt-meü, hiuauZragt. Bei der zweiten aber machte die österreichische! seiner Armee nach Metz zurück. Nm 19. August 1870 erschienst Besatzung, als sie in der Festung nicht mehr leben konnte, mit die erstem, Deutschen vor der Festung.,.. Bald,: darauf toar siechem verzweifeltM Aufgebot dem lebten. .Kräfte noch den Vereingeschlossen. Nach etwas mehr als zwei Monaten, am 27. Ok-ßsuch?.den- /mächtigen Feuer- und Eisenring der . Russen zu tvber 1870- ühergab sich die Festung auf die. Nachricht üLer!?durchbrechen,. uni. sich durchzuschlagen. Während der russische die Kapitulation der französischen Armee. Metz war eine mitjsGeneral Stößel die Festung Port Arthur mit allen Geschützen-,! allem Kriegsbedarf ausgerüstete.- erstrangige Festung/und mit denselben Geschützgattungeu wie Przemhsl nach 11. Jahren armiert, nur daß diese 1870 modern, in- Przemhsl.bedekts ver- Galtet waren. , . . ... .. .7 ..» ?-'/. K P o r t Arth u r. Die Belagerung. dauer te v om 10. Mai 1904 Ibis 2. Jänner 1S05, also über sieben Monate. ^ Eingeschloffen ^war die moderne Gürtelfestung und zugleich Kriegshafen- nur izn Lande. Zur See war sie frei. General Nogi belagerte, Porr iArthur Mnächst mit vier Divisionen (vor Przemhsl waren- die 'Russen drei- und fünffach stärker). Der 'EritscherVungskamps im Vorgelände begann am 26. JvLl. 'Nachdenr die Russen zurückgodräng! Waren, begann mit dem Falls des Takuschan- hügelS der Angriff auf den Kern der - Festung. Die Haupt- kämpse vorn 25.'Oktober bis 2. November endeten mit dem Rückzug der Russen auf die Hauptverteidigungslinie, Nach blutigen, wiederholten Stürmen nahinen die Japaner den M-Högel, von welchem sie Stadt und Hafen beherrschten und sWaffen und Verteidignn.g-sanlageic übergab, ließ der Ver-- (teidigsr von -Przewi-sl General, tt. Kusinanek die Festung Przemhsl dem Erdboden gleich machen und olle Verteidigungsmittel vernichten, so daß die Belagerer statt in eine Festung irr einen Schutthaufen einzogen. Die Verteidigung Port Arthurs, die nach Bedeutung, Zeit und Raum der Przemhsls am nächsten kommt,! an. technischen - Hilssnütteln, Ausstattung -? und Besatzung aber, der von Przemhsl weit überlegen -ist, gibt den zutreffendsten VergleickMnaßfluh für die überragende Größe sder Festung Przemhsl. . -- Das wäre in Kürze das wesentlichste-aus den berühmtester Verteidigungen der Kriegsgeschichte. Riesenhast nach Froni- igröße, nach operativer wie taktischer Leistung, trotz AnZbluten ?nahe dem Hungertode, mit ungebrochenem Heldenmut und nach Ertragen der entsetzlichsten Entbehrungen ragt über 'alles Da-gewesens die eine Zeit lang den Atem des Weltkrieges, beherrschende. Verteidigung^vomPrzemhA^hervor.,-,,,f ^rdsitorlcommsi- sUi Ootcumsn Motion ^ULL MIM 5^^ /L M Die Seeschlacht vor dem SkagerrM. -Ä.tz^.--- 81 . MM isi«. ^ Don Kapitän Hans Sokol. Großadmiral Tirpitz sah in Großbritannien Deutschlands gefährlichsten Gegner. Er ahnte, daß der kommende Weltkrieg in einem sehr hohen Maße ein wirtschaftliches Ringen zwischen den Mittelmächten und ihren Feinden sein werde und Laß als einziges Abschreckungsmittel England gegenüber entscheidend nur die kaiserliche Kriegsflotte in Betracht käme. Dies war der Grundgedanke der wilhelminischen Politik des Risikogedankens, der sich auch Bülow anschloß. Die deutsche Hochseeflotte wurde für die Seeschlacht gebaut. Ihre Schlachtschiffe waren Musterbeispiele technischer Gewissenhaftigkeit; ihre Bemannungen waren in härtester Friedensarbeit mit ihren Wcssfen vertraut worden. In ihnen lebte der Wille zum Sieg. Reichskanzler Bethmann Hollweg glaubte aber daran, daß eine friedliche Beilegung mit den Engländern möglich sei. Der vorsichtige, in den Notwendigkeiten des Krieges fremde Staatsmann hoffte, daß die Sprache der Diplomaten stärker sei als der Donner der Kanonen. Dieser wenig kraftvollen Politik, die den Feind nicht „reizen" wollte, fiel das Verlangen der deutschen Kriegsmarine nach der seestrategischen Offensive zum Opfer. Der eigenartige Gedanke tauchte auf, die kaiserliche Flotte müsse möglichst unversehrt für das Kriegsende aufbewahrt werden, um die Friedensverhandlungen beeinflussen zu können. Während die leichten Seestreitkräfte und Flottillen in zahlreichen Vorstößen und Kreuzfahrten an den Feind kamen, drehten sich die Großkampfschiffe, die eigentlichen Träger deutscher Flottengeltung, im sicheren Hafen um die Bose. Erst spät, zu spät für entscheidende Möglichkeiten, änderte sich das Bild zugunsten der vergessenen Hochseeflotte. Mit Admiral Scheer war ein Mann an ihre Spitze getreten, der an seine Aufgaben Wohl mit ruhiger Sachlichkeit, aber mit dem festen Glauben an die Ueberlegenheit der ihm anvertrauten Waffen über den Feind getreten war. Er suchte die Seeschlacht und fand sie im Skagerrak, der Seestraße zwischen Norwegen und Dänemark. Diesem Waffengange konnte sich unter dem Druck der öffentlichen Meinung und des besonderen Wunsches Rußlands auch der britische Flottenchef Admiral Jellicoe Nicht entziehen, wenn er sich auch von der Wirtschaftskriegführung durch die Blockade der Mittelmächte ungleich mehr Versprach als von einem Seesieg in offener Schlacht. Am Nachmittag des 31. Mai 1916 stießen die Vorhuten der beiden Flotten, am Abend auch die Schlachtgeschwader aneinander. Es war ein Schauspiel, desgleichen die Welt noch nicht gesehen hatte: 142 britische Einheiten, darunter 45 Groß- kampffchiffe, standen gegen 93 deutsche Einheiten, von denen 27 Großkampfschiffe waren; 69,000 englische Seeleute kämpften gegen 45,000 Deutsche, beide Teile unter vollem Einsatz von Gut und Blut. Da die „Grand Fleet" von Anfang an die taktisch günstigere Stellung einnahm, mußte Admiral Scheer mehrmals durch außerordentlich schwierige aber wohl- gelungene Manöver seine Grußkampfschiffe vom Feinde loslösen Und den Druck der zahlenmäßigen Ueberlegenheit des Gegners durch Angriffe der Torpedoflottillen entlasten. Schon am Beginne der Seeschlacht erwiesen sich nicht nur die deutschen Schiffsartilleristen. sondern auch die kaiserlichen Linienschiffs und Schlachtkreuzer als die besseren. Insbesondere der vorbildlichen deutschen Schießtechnik war es zuzuschreiben, daß die Englanderlrotz ihrer Ueberzahl urr» vergleichlich höhere Schiffsverluste zu beklagen hatten als ihre Gegner. Beim Einbruch der Nacht wurde der Kampf von Leiden Seiten im wesentlichen abgebrochen, ohne daß eine der beiden Parteien einen durchgreifenden Erfolg anfgewiesen hätte. Tatsächlich aber versuchte es die britische Großflotte nicht, bei der Morgendämmerung die deutschen Geschwader nochmals zu stellen. Auch hatten die Engländer insgesamt 3 Graßkampf- schiffe, 8 Panzerkreuzer und 8 Torpedobootzerstörer mit insgesamt 115,00V Tonnen verloren, die Deutschen nur 2 Großkampfschiffe, 4 kleine Kreuzer und 4 Torpedobootzerstörer, zusammen 61,160 Tonnen. 6094 Engländer und W45 deutsche Seeleute waren ans dem Felde der Ehre geblieben. Aus diesen Zahlen erhellt, daß die kaiserliche Kriegsmarine mit Recht die bessere Führung, die zweckmäßigere Bautechnik und die erfolgreichere Artillerieleitung sür sich in Anspruch nehmen und die Seeschlacht am Skagerrak als einen Sieg der deutschen Flotte bezeichnen durste. Eines Erfolges, der das Antlitz des Weltringens völlig verändert hätte, konnte sich das Deutsche Reich allerdings nicht freuen. Es war auch vor dem Skagerrak nicht gelungen, den Mittelmächten die Freiheit der Seewege zu erkämpfen und dadurch die Wirkungen der wirtschaftlichen Erdrosselung auszuhebeu. Erst der bald nach der Seeschlacht am Skagerrak aufgenommene uneingeschränkte Handelskrieg mit Unterseebooten ließ aus eins baldige Wendung der Dinge hoffen. Aber auch für ihn galt, wie für den blutigen Waffengang vom ZI. Mai 1916, das in der Weltgeschichte so häufige tragische Werturteil: Zu spät! ^rtxritsrlMmmsr ft)r V/isn Volumen Motion Ute wahren Grande für Amerikas" Eintritt in den Weltkrieg Der Munitionsausschuß des Senats hat seinen endgültigen Bericht über das Ergebnis der Untersuchungen vorgelegt, die sich mit den Gründen des Eintrittes der Vereinigten Staaten in den Weltkrieg befassen. Es seien di« umfangreichen finanziellen und wirtschaftlichen Verbindungen mit den Alliierten der Grund gewesen, weshalb die Politik der Vereinigten Staaten von der Neutralität zum Kampf auf seiten der Alliierten umgeschlagen hatte. Was die Tätigkeit der I. P. Morgan-Bank betrifft, stellt der Bericht fest, daß noch während der amerikanischen Neutralität dieses Bankhaus 1.9 Milliarden Dollar von insgesamt 2.5 Milliarden der Gesamtfinanzierungsn an die Alliierten aufgebracht habe. Der Bericht empfiehlt, daß in Hinkunft kriegführende Staaten weder Anleihen noch Kredite erhalten sollen. Es müsse ferner eine endgültige Regelung der Handelsberechtigung bewaffneter Handelsschiffe kriegführender Staaten erfolgen, soweit es sich um die Benützung von Häfen der Vereinigten Staaten handelt. Auch die Frage der Benützung von Schiffen kriegführender Staaten durch amerikanische Bürger müsse geklärt werden. . ^rbsitsrkaimm«? kur Oo!