Witznsi' NM-kiblinliiek. .-.-V. r/ /'ZM§bW Ä Der IuZendfreuud und das Muteum-es Mannigfaltigen. Blätter für Erheiterung und Belehrung. R e d i g i r t V 0 N Emanuel Sträube. Merkes Wsnvchen. MWAs-1834. Druck und Verlag von Leop. Grund. -4 ^4'7' ,44 S a r b e n der Ernährn n g. dargestellt in Erzählungen und Bildern z u m Ruhen und Vergnügen der Jugend. Bestehend aus: Erzählungen, Gedichten/ dramatischen Scenen und vermischten Aufsähen. Wien, E4. Gedruckt und im Verlage bei Leopold Grund. Die heilige TMeihnacht (Ein Hirtenlied.) vinsam in blauen Fernen, Won Wölkchen still umruht. Schwimmt unter tausend Sternen Der Mond in stiller Gluth. Und streut des Goldes Feuer In Maienlichtss Pracht: Auf jenes Stallgemäuer In stiller Mitternacht. Der ganze Himmel feiert; Sein Blick ruht auf dem Ort: Denn mild liegt hier entschleiert Des höchsten Vaters Wort, Das, ach. in schwerer Blindheit, Die arge Welt verstieß. Die seine süße Kindheit Zum öden Stall verwies! Wer sieht nicht mit Erbarmen Dieß Kindlein hocherlaucht, Im Froste zu erwärmen. Von Thieren angehaucht? Die Jungfrau liebekrunken. Doch, ob so großer Noth, In stillen Schmerz versunken. Kniet schmeichelnd vor dem Gott. Wo sind nun Deine Schaaren, Du süßes Lämmlein mein! Die Deinen Thron bewahren, Der Engel Lilienreih'n? Doch furchtbar nicht, zu lieben Kamst Du vvm Himmelszelt; Und schon muß Schmerz Dich trüben Auf unsrer Dornenwelt! Herbei zur süßen Krippe, Ihr Völker nah und fern! Kommt, preist mit frommer Lippe Dieß Kindlein, euern Herrn! Ach!— Alles schlaft erstarrend In kalter Winternacht, Indeß hier einsam harrend Die ew'ge Liebe wacht!— Doch still!— Tönt's nicht von weiten Wie Hirten-Melodie? Sieh leise Herwartsgleiten Der Schäfer Wollenvieh; Ihr Lied singt mild und eben Don Vater Abraham, Wie Jsaak er gegeben Als zartes Osterlamm. Und horch, in ihre Lieder Stimmt plötzlich Himmelsklang. Sie horchen auf und nieder. Erstaunt ob dem Gesang. Und steh, am Himmel droben Geht auf ein Svnnenthor, Viel tausend Engel loben Jehova laut im Chor. Auf gold'ncn Wolken fahren Hoch von des Äthers Blau, Im Flügelschwung die Schaaren Herab auf Trift und Au Und nah'n den armen Hirten; Die flieh'n erschrocken fort; Sie trösten die Verwirrten Mit wundersüßem Wort. Nicht Furcht soll Euch durchdringen Ihr Hirten, fromm und gut; Die Bothfchaft, die wir bringen. Macht froh und wohlgemuth: Heut ward für Euch geboren Ein Heiland aus den Höh'n; Der hat Euch auserkoren Vor Allen, ihn zu ssh'u. Nicht ernst, im Donnerschalle Und in der Büße Eluth; Zu Bethlehem im Stalle Das süße Kindlein ruht. Gehüllt in schlechte Binden, Im armen Krippelein; Dort werdet Ihr Ihn finden; Drum geht getrost hinein! * O Volk der grünen Auen, Wem ward, wie Dir, ein Glück Was Könige nicht schauen. Vergönnt ist's Deinem Blick! Die-Seher Alle sahen Von fern nur Seine Spur, Du darfst Ihm freudig nahen. Beglücktes Volk der Flur! Ach, wer Euch folgen könnte Zum lieben Jesulein! Ach, wem Er es vergönnte, Beim armen Krippelein In Andacht Ihn zu herze». Zu weinen dort nach Lust! Wie heilten schnell die Schmerzen Der kläglich wunden Brust! Wie brennt das Herz der Guten! Wie drängt sich Blick an Blick! Ein Strom von Himmelsgluthen Strahlt hell auf sie zurück; Der Äuglein Paradiese Sind ihnen aufgethan. Und feines Athems Süße Weht sie balsamisch an. Des Himmels Rosen prangen. Mit Lilien zart im Bund, Uns seinen holden Wangen Und auf dem Purpurmunö, Ihr Leben wie verschwunden Lebt neu in Ihm verklärt; Was noch kein Herz empfunden. Ist in Ihr He^z gekehrt. L>, wie in Andacht knien Sie rings mns Krippelein! Wie sanft entzückt verglühen Sie für den Hirten klein. Der, selbst ein Lamm, Die Herden Verließ im Skernensaal, Das irre Lamm auf Erden Zu rufen in den Stall! Sie seh'n, betrübt im Herzen, Des Kindleins Dürftigkeit, Es wird in tiefen Schmerzen Die Brust der Hirten weit. In Kluft und Nest geborgen Gethier und Vögel sind; Und schon Dein Lebensmorgen Ist trüb, o göttlich Kind! Und eine fromme Gabe Bringt jeder liebend dar Aus seiner armen Habe; Der bringt ein Taubenpaar, Der Honig, Milch und Feigen, Der eines Lämmleius Vließ, Das er dem Kindlein eigen Mit seinem Herzen ließ. O Seelen, die in Treue Ihr liebt dieß süße Kind, Kommt in der Hirten Reihe, Die hier so selig sind; 6 Als Gaben bringt ihm Liebe, Die ewig sich ergibt. Der Euch mit zartem Triebe Im Kripplein schon geliebt. O Krippe, uns're Wonne, Die jedes Herz erfreut. Wie strahlt aus Dir die Sonne, Die uns re Erd' erneut. Der Quell, das Brot, das Leben, Der Herr der Ewigkeit, Als Knäblein uns gegeben. Geboren in der Zeit.! O laß Dein Licht uns glänzen In dieser heil'gen Nacht! Aus uns'rer Sinne Gränzen, Sei fern die finst're Macht; Es weihen Deine Blitze Die Herzen rein und klar. Zu Deinem Wonnestße Als König immerdar! Und Du, Gebenedeite, Die Du dieß Licht gebarst; Die Alles Du Ihm heute, Magd, Amme, Mutter warst! Hilf heut uns so erneuern. Daß, wenn der Tag einst naht. Wir ew'ge Weihnacht feiern Im süßen Himmels Pfad! I. P. S Das Kirchlein auf ver Md'he. (Eine Legende.) »)Der Segen des Herrn geleite Euch! Nimmer verlasse Euch seine Barmherzigkeit!« Also sprach segnend der Greis Tenophon, Einer der Vornehmsten des kaiserlichen Hofes, zu feinen beiden Söhnen Johannes und Arkadius. Eine Thräne glänzte in den Augen des zitternden Greises, laut schluchzte seine Gattinn Maria. Noch einmal drückte sie die theuern Lieblinge an ihr Mutterherz, und ahnungsvoll sog ihr Blick das Bild der Jünglinge ein, als gälte es einer ewigen Trennung.»Lebet wohl!« rief sie endlich krampfhaft aus.—»Lebet wohl!« hallte es tief in den Herzen der Brüder.- Sprachlos entrissen sie, dem Rufe des Steuermanns folgend, sich den Armen der Ältern. Noch ruhte der wehmüthige Blick dieser letzter» auf den Söhnen, jener der Söhne auf den Ältern, als auf einmal der günstigste Wind'sich erhob, das Schiff mit geschwellten Segeln ConstantinopelS weitem Hafen entglitt und auf der unermeßlichen Meeresfläche sich verlor. 8 Wohl exogen nach adelige Sitte waren die Jünglinge; sorgsam hatte die fromme Mutter sie zu jeder Tugend gebildet; jetzt sollten sie, um ihre Bildung für die Welt zu vollenden, in Phonizien die Gerechtigkeitspflege erlernen, um dann thätigen Antheil an der Verwaltung des Reiches zu nehmen. In tiefes Sinnen verloren, sahen sie dein Spiele der Wellen zu. Wie gebrochenes Silber schillerte das Bild der Morgensonne in den blauen Fluchen. Der heiterste Morgen, ein Bild der Hoffnung, zart und trüglich wie sie, milderte indeß die wehmüthige Stimmung der Jünglinge. Bald löste sich ihrer Zunge Band, und mit jugendlichem Feuer malten sie sich die Zukunft aus, die ihrer harrete; den Glanz, in welchem nach wenig Jahren sie am Hofe erscheinen und in der ganzen Wärme jugendlicher Herzen zum Wohle des Staates wirken sollten. Also steuert auf dem geräumigen Ocean dieser Welt der Mensch dem Eilande seiner Ideale zu. Vsm Ballast reicher Hoffnungen strotzt sein Schiff; freundlich weht der Wind der Erwartungen; leicht und schnell gleitet das Schifflein, lacht ihm die Sonne des Glückes, über die tiefsten Abgründe; Loch, ehe der Arglose dessen sich versieht, ist der Horizont umnachtet; schwarze Wolken hüllen seinen Himmel ein; an Klippen scheitert sein Schiff, und, ach, unsanft verschlagt ihn oft der Sturm an ferne, an fremde Gestade! 9 Noch hatte die Sonne die Mittagshöhe nicht erreicht, sieh da erhoben donnerschwangere Wolken sich über den Horizont; schaurige Winde heulten; Blitz auf Blitz schlangelte sich durch graues Nacht- gewölk, das rings den Himmel bedeckte. Zu des Donners erbebendem Brüllen tanzte das Schiff auf den zerschellten Wogen; immer schrecklicher ward das Concert der Elemente; Schrecken des Todes entfärbte jegliches Angesicht.— Wehe, wehe! rief der Steuermann, wir sind ohne Rettung verloren. Weinend umarmten die Bruder sich zum letzten Male,— Verlassene Ältern, Gott sei mit euch! war ihr letzter Ausruf— noch Einen Blick zum Himmel, und das gescheiterte Schiff war versunken— Mit Blitzesschnelle ergriff Johannes, der altere der Brüder, zwischen Tod und Leben ringend, ein Brett, und überließ, ergeben der Fügung des Herrn über Tod und Leben, sich dem grauenvollen Spiele der Wellen, die ihn am Abende desselben Tages halbentseelt an Phöniziens Gestade auswarfen. »Herr, Gott!« rief er aus,»wo bin ich? Aus welcher Nacht des Todes erwache ich? Durchschauert von den Schrecknissen der Einigkeit harrete ich an ihren furchtbaren Pforten,»»eiche, o theurer Bruder, nun dich bereits einschließen und von welchen die Er« barmung des Ewigen mich allein zursick rief! Das also ist das Ende des Menschen!— Also endet die Glorie dieser Welt!« Händeringend und in ernste 10 Betrachtung versunken, wandelte er an dein wilden Gestade auf und nieder, und sank endlich zu feurigem Gebete auf die Knie. Und jetzt erhob sich der Vollmond und beleuchtete rings die waldige Gegend; und auf den Höhen blinkte im goldenen Lichte der einfache Thurm eineS umwaldeten Kirchleins und es ertönte ein friedliches Glöcklein, das die Vater der Wüste zum heiligen Psalmengesange rief. Wie ein Ruf aus höheren Welten tönte dem Einsamen der heilige Feierton; wunderbare Gedanken regten sich in seinem Herzen; Schauer der Ewigkeit durchrieselten sein Gebein »Herr,« rief er aus,»ich folge deinem Ruf! Kund gabst Du mir deine Gerichte; ganz sah ich das Nichts dieser Welt, an den Pforten des Todes; ganz sei das neue Leben, das deine Huld mir schenkte, deinem Dienste geweiht!«— Und es lenkt- der Engel des Herrn die Schritte besJunglingS; dem Schalle deS Glöckleins wandelte er zu; und siehe, ein Greis,— spärliche Silberhaare deckten sein Haupt und Ehrfurcht gebot sein verklärtes Antlitz,— kam auf halbem Wege ihm entgegen.—»Was führt so spät Euch in diese Wüste?« fragte er mit holdseligem Lächeln den Jüngling.—»Wohl spät, ehrwürdiger Vater! doch dafür will ich auch für immer darin verweilen; denn kund gab der Herr mir seine Erbar- mungen; darum will ich Ihn lobsingen alle Tage meines Lebens!«—»Wer seid Ihr?«—»Ein Pil- lt ger, den der Sturm in den Hafen des Heiles verschlug und Der um des Gekreuzigten willen Euch bittet, ihn zum Jünger anzunehmen!«— Lange ruhte der stille Blick des frommen Abtes auf dem Jünglinge. Feierlicher Ernst, gepaart mit Sittsamkeit und Demuth, leuchtete aus jedem seiner Worte. Endlich führte er, mit süßer Milde den Jünger tröstend, ihn in die fromme Brüdergemeine; denn ersah, wie der Finger Gottes über ihm waltete. Wohl waltete der Finger Gottes über ihm. Seine Weisheit lenkt alle Wesen der Schöpfung; sie lenkt die Wege jedes Einzelnen. Ohne seinen Willen fallt kein Blatt vom Baume, kein Sperling vom Dache; alle Tage des Menschen hat seine Weisheit ihm zugezahlt. Seine Macht gebeut dem Seeungeheuer, den Jonas zu verschlingen; doch seine Milde gebeut auch dem Abgrund, herauszugeben die, so in den Finsternissen, in den Schatten des Todes sitzen. Auch über den jüngern ArkadiuS waltete Gottes Finger. Auch ihn hatte die Fluth verschlungen; auch ihn gab sie heraus auf den Befehl dessen, derben Winden und dem Meere gebeut. Heraus trat er ans Land und, vom nähmlichem Geiste durchdrungen, der das Herz seines Bruders gewendet hatte, rief er aus:»Zurück rufest Du mich, Herr, von den Pforten der Ewigkeit; deß will ich Dich preisen ewiglich! Zu neuem Leben erwecktest Du mich; nicht fürder gehören meine Tage dieser schiffbrüchigen 12 Welt; in Nichts zerfiel sie vor meinen Blicken!— O Bruder, theurer Bruder! nimmermehr, ach, werde ich dein Antlitz schauen; schon stehst du vor dem Throne des ewigen Richters! Um ein Kleines, und auch Mich hätte» die Thore der Ewigkeit eingeschlossen!— Erschütternder Gedanke!«— Und in ernste Betrachtungen vertieft, sank er auf die Knie und opferte mit zerknirschtem Herzen dem H!l Salzburgs hohem Wunderland Schwang einst, wie männiglich bekannt. Der edle Kaiser Friederich In großer Pracht und Würde sich An einem Sonntag auf sein Roß, Und ritt mit seinem edlen Troß Dem grünen Forste schweigend zu. Die Herren folgten still dahin; Denn Keiner wußt' des Herrschers Sinn. Und sieh, da nimmt der Herr im Nu Ein Fingerlein gar wunderbar Mit einem Spruch in seine Hand; Und in dem Augenblick verschwand Mit seinem Troß er unsichtbar. Was mit ihm ward, ist Niemand kund; Doch lebt er bis zu dieser Stund', Und zeigt sich oft, wenn Kriegesnoth Das deutsche Vaterland bedroht. Auch höret man wohl manchen Tag Dann unterird'schen Trommelschlag, Trompetenklang und Feldgeschrei, Bis übermal der Krieg vorbei. Auch sah den hochgebornen Herrn Im Frieden mancher Wandersmann, Kam still er zu dem Berg heran; Holdselig spricht er dann gar gern Von alten Zeiten, wo im Feld Er einst gekampft als tapsrer Held. Und eiusmals trieb zur Sommerszeit Ein junger Hirt die Herde weit Bis an den Berg, wo nach der Sage Der Kaiser haust und sein Gelage. Auf einen Hügel setzt er sich Und blast ein Lied auf der Schalmei Mit wunderschöner Melodei, Zu Ehren dem Herrn Friederich. Und sieh, da tritt mit feiner Art, Bis an das Knie den langen Bart, Aus einem nie geseh'nen Thor Der Kaiser aus dem Berg hervor. Und spricht: Mein Knab', es hat mich heut Dein schönes Lieblein baß erfreut; Drum sag mir kühnlich an, mein Sohn, Was forderst du dafür zum Lohn? Dem Knaben geht's durch Mark und Bein^ Er zittert, bebet und erblaßt; Doch führt der Herr, der ihn erfaßt. Ihn freundlich in den Berg hinein. Und einen Rittersaal erblickt. Nach Art der alten, reichen Zeit, Der Knabe kaiserlich geschmückt Mit großer Pracht und Herrlichkeit. Der Ritter und der Helden Kern Stand dort vereint um ihren Herrn; Und jeglicher verneigt' sich tief. Wenn ihn zum Dienst der Kaiser rief. Seht an, sprach er, den Jungen hier! Er sang zu Ehre heute mir. Sprich frei, mein Hirt, und ford're Lohn, Und wär' es weine Kaiserkron! Eur' Gnaden. spricht der Schäfer bange, ES kommt mir nimmer in den Sinn, Daß für mein Sied ich je Gewinn, Noch irgend Lohn von Euch verlange. Gern blas' ich Euch den ganzen Tag, So Euch mein Lied erfreuen mag. Dem hohen Herrn gefiel der Schwank, Er lächelt mild und führt zum Dank Den Hirten an der Hand fürbaß. Und zeiget ihm ein gülden Faß Voll alter Münzen bis zum Rand, Und spricht: Hier füll' dein Rävzlein an. Und nimm, so viel es fassen kann. Auch führt er noch ihn weit umher Und zeiget ihm, nach altem Brauch, Viel Waffenstücks, Helm' und Speer, Und viele gute Schwerter auch. Womit er einst das heil'ge Land Entreißen wollt' aus Heiden Hand. Zuletzt führt er mit seinem Glück Zur Herd' ihn«dermal zurück. Und saget freundlich ihm Ade. 3st Der Hirt trieb heute heim, noch eh' Die Abendsonne untersank; Noch niemals hatte solchen Dank Ihm eingetragen die Lchalmei. Als heimgekommen nun der Held, Da kommt bald groß bald klein herbei, Sie schauen all das liebe Geld, Und horchen und erstaunen sehr Ob solcher wundersamen Mahr'. Seitdem zogen mit Schalmeien bald Nun Der, nun Jener in den Wald, Sie bliesen, daß die Pfeife sprang. Doch kam kein Kaiser auf den Klang; Es höhnet sie das Echo nur. Und keiner mehr fand seine Spur. Der verlorene Lohn Ein Drama mit Chören. Erster Ac L. (Ein großer Gasthof zu Babylon. Der verlorene schlätt.) Der Diener. ^chon glüht der Sonne heißer Mittagskrand, Und noch währt dieser Todesschlummer fort, O wär' ich fern doch von dem fremden Land, Wo, Herr! ich auf dein königliches Wort Den Buben treu begleitet und bewacht. Wie großes Leid erduld' ich Tag und Nacht! Schamrothe muß hier meine Wangen decken! Noch ist er nicht erwacht!— Ich muß ihn wecken. (Er weckt ihn.) Derverl. Sohn. Nur ein wenig noch, ein wenig Laß des Schlummers mich genießen. 32 Der Diener. Herr, die Stunden, sie verfließen! Schlaft Ihr, bis der Tag sich neige?- Der verl. Sohn. Ungestümer Mahner, schweige! Darf sich Jugend nicht vergnügen? Der Diener. Laßt zum Schlaf die Nacht genügen! Der verl. Sohn. Heysa! die verflog beim Tanze! In der holden Dirnen Kranze, Und beim Safte edler Reben! Der Diener. tiLvlch ein Leben, ist es auch ein Leben Der verl. Sohn. Was soll früh ich auf den Füßen? Soll ich, frei und sung, schon büßen? Du, Geselle, mahnst vergebens. Einmal freut man sich des Lebens! Sah st du Ein Mal nur die Schöne Und die Pracht der gold'nen Reigen, Hörtest du die Zaubertöne All' der Hörner und der Geigen, Du, Geselle, würdest schweigen! Der Wirth stritt ein.) Trefflich gesprochen, Rosen gebrochen, Eh sie verblüh'». 33 Jahre verfließen! Nur zu genießen Soll man sich müh'n? Der verl. Sohn. Ei frohen Morgen, Herr Wirth! Das war einmal ein Bankett, daß Euerm Ersindungsgeist Ehre mächt. Ader höret mich wohl an. Ihr sollt heute Alles aufbiethen, damit das Fest an Glanz und Herrlichkeit Alles verdunkle, was bis jetzt zu Babylon gest. hen worden. Der Wirth. Ei, wären doch der Herren Gäste Viele, wie Ihr, hochedler Herr! das wär'Euch ein Leben in unserer Stadt! Ihr bringet mein Haus zu Ehren; dafür geh' ich Euch aber auch durch's Feuer, und spare meine besten Gedanken, um Euch Tag und Nacht neue Freuden zu kredenzen. Der verl. Sohn. Das ist fein und lobesam von Euch! Laßt se» hen, was habet Ihr mir da für eine Rolle mitgebracht? Gewiß die Anordnung zum großen Ballfeste? Der Wirrh. Wollet mir vergeben, mein hochedler Herr! Ihr wisset die Zeit auf so anmuthige Weise zu kürzen, daß niemand weiß, wo sie hingekommen. Wisset Ihr, daß es heute eben Jahresfrist ist, daß mir der Segen ward, Euch unter meinem Dache verehren zu dürfen? Da bringe ich Euch denn nach hiesiger 34 Sitte so ein kleines Denkmal aller Freudentage, daß sie Euerm Gedächtnisse nicht entfallen mögen. Ihr weidet bei dieser Gelegenheit Euerm guten Geschicke gewißlich danken, daß Ihr einen so billigen Wirth gefunden, zumal, wenn Ihr bedenket, daß wir hier^ in einem Lande leben, wo karge Leute vermeinen wollen, es sei eine große Theuerung ausgebrochen. Der verl. Sohn.^ Haltet ein von ernsten Dingen, 2)aß mir nicht die Ohren klingen; Morgen, Morgen hat das Zeit, Heute ist der Lust geweiht. Baß sollt heut Ihr mir kredenzen Und mein Haupt mit Rosen kränzen. Sendet mir, die Zeit zu kürzen, Und mit Kurzweil sie zu würzen, Eure jungen Mägdlein her. Der Wirthi Das schmeichelnde Glück, es^ckor mich vor Allen, Daß unsere Töchter so wohl Euch gefallen; Auch richten die glüMchen treu sich nach Euch. Mit Li-breitz gewinnet Ihr jegliche Herzen; Wer kam' Euch an Feinheit in Sitten und Scherzen, In Anstand und Würde in Babylon gleich? Der verl. Sohn. Wollt des Lobes Euch bescheiden; Wißt, ich mag es nimmer leiden. 35 Der Wirth. Schweigen, Herr! soll meine Zunge, Da in Babel jede Lunge Sich erschöpfet, Euch zu preisen, Und um glücklich mich zu heißen! Neidern selbst versiegt der Tadel; Alles rühmet Euern Adel, Eure Pracht in Gastgelagen, In den Reffen, die Euch tragen; Eure Großmuth in Geschenken. Was laßt H-rrlich'res sich denken, Als der Glanz, der Euch begleitet, Ob Ihr zechet, tanzet, reitet? Heil dem Land, wo Ihr geboren! Heil der Braut, die Ihr erkoren! Der verl. Sohn. Ei, so schonet meiner Ohren! Und vergesset nicht das Beste; Geht, trefft Anstalt zu dem Feste. Der Wirth. Wie bescheiden konnt Ihr zwingen, Was Ihr wollet, zu vollbringen. (Der Wirth geht ab.) Der verl. Sohn. Nun, das nenne ich mir doch Leute in diesem Lande! Wie fein ist ihre Rede, wie auserlesen jeder Spruch, und wie aufmerksam sind sie für jeglichen Wink! Wenn ich den Abstand zwischen ihnen 38 und unsern rohen Landsleuten betrachte, so schäme ich mich beinahe, daß ich z„ Salem geboren bin. Wre ungebildet sind sie gegen diese! Ja, fa; Nein, nein; dieß ist ihre ganze Sprache; einfältig sind sie wie die Lauben, und dabei giftig wie die Schlangen, wenn man ihrer Sitte im mindesten zu nahe tritt.>» v Der Diener. Seid Ihr denn der einfachen Sitte unseres edlen Vaterlandes so ganz und gar quitt, daß Euch dergleichen abgeschmackte Schmeichelei als feine Sitte gelten mag? Der verl. Sohn. Deine ungesittete Antwort bekräftiget, was ich sagte.— Reiche mir den Kasten und die Schuhe, die Stirnbinde und den Dolch!- Da steh nun und sprich: Wo sind in unserm Vaterlande die Leute, die so zierliche Gewände verfertigen? Gegen diese Kleiderkünste Sind die unsern blaue Dünste! Der Diener. Dagegen ist auch bei uns kein Wirth zu finden, der eine f» zierliche Rechnung verfertiget. Der verl, Svhn. Du bist heute wieder unausstehlich! Der Diener. Warum denn? Habe ich auch nicht so zierlich, so Habs ich doch wahr gesprochen. Seht Euch nur 37 einmal das Denkmal an, das der feine Räuber mit. g«bracht. Der verl. Sohn. Das hat morgen Zeit. Wer wird heute sich mit solchen Grillen langeweilsn. Der Diener. Ihr sprecht immer: Morgen, morgen! Und häuft Sorgen Euch auf Sorgen. Gebt nur Acht, in Angst und Qualen Werdet Jhr's einmal bezahlen'. Der verl. Sohn. Was sprichst du da, Geselle? Laß einmal sehen?(Der Diener überreicht ihm die Stelle und spricht nach einer Minute.) Nun, wie wird Euch auf einmal? — Ihr seid ja s- ernst, wie ich Euch binnen Jahresfrist nicht gesehen? Der verl. Sohn. Das ist himmelschreiend! bei zehn tausend Talenten! der Räuber! Der Diener. Ich hab's Luch oft genug gesagt; aber da hieß es immer: Morgen, morgen!— Und wagt' ich je ein ernstlich Wort, so triebt Ihr mich im Zorns fort! Der verl. Sohn. . Dazu genügt meine ganze noch übrige Habs bei weitem nicht. Was soll ich thun?— Soll ich zum Vater heimkehren? 38 Der Diener. Das war' mir ei» erfreulich Wort! Der verl. Sohn. Ich will es thun; doch jetzt noch nicht; Die Zeit bringt Hilfe, Rath und Licht. Geh, treuer Freund.' zum Vater hin Und sag', in welcher Noth ich bin! Das ist auf einmal allzu hart. Du weißr's, der Vater liebt mich zart; Du bist ein Meister ja im Klagen, Der König wird dir nichts versagen! Der Diener. Ich, Herr!— Soll ich des Vaters Ohren Dualen? Und was kann ich dem König wohl erzählen? Und wird Er's glauben? Muß ich nicht verstummen? Daß Ihr vergeudet all die schönen Summen I" Saus und Braus, und in so wenig Tagen, Bei feilen Dirnen, Festen, Trinkgelagen? Der verl. Sohn. O loser Schwätzer, arger Wicht! Nicht wahr, zu schmähen säumst du nicht? j Sprich, hab'ich nicht durch meine Pracht Des Vaters Reichthum kund gemacht? Der Diener. Je nun, wenn Ihr vermeint, es sei so recht, Verschonet mir der Bothschafr euern Knecht! Soll aber Euch der treue Diener rathen: So klagt Euch an ob Eurer losen Thaten; Vielleicht, daß Eurer Unbesonnenheit, Wenn anders Ihr bereuet, Er verzeiht! Der verl. Sohn. Die Rede gibt fürwahr als Knecht dich kund; Denn solche Feigheit ziemt nur Knechtes-Mund. (Man hört das Stimmen eines Orchesters in der Nähe.) Der verl. Sohn. Fort, in holder Dirnen Reigen Muß des Dieners Stimme schweigen, Der nur rüget, was ich that, Fort, im Wein ist guter Rath. (Sr will abgehen, da tritt der Wirth mit dem Töchtern unreinem Fremdling ein.) Der Wirth. Mit Rosen ist der ganze Saal bekränzt; Versammelt ist die Schaar der Amorinen; Die Speisen und des Weines Gold erglänzt; Nie ist ein Fest in solcher Pracht erschienen; Die Saitenspiele, Flöten, Hörner lauschen, Wie Ihr erscheint, im Jubelklang zu rauschen. Die Töchter. Heysa, wie wollen im Jubel wir schweben; Freuden an Freuden heut wollen wir weben, Kränze an Kränze uns winden mit Lust; Goldener Stunden nur sind wir bewußt. Ihr werdet doch Theil nehmen an unserm Feste, edler Fremdling! 40 Der Fremdling. Ich bin ein Pilger hier in fremdem Land, Und kummre wenig mich um surrn Tand; Ich komme, meinen Auftrag zu vollenden, Und will dann meinen Schritt zur Heimath wenden. Die Töchter. Ei wollet, strenger Mann! nicht also sagen z Bleibt nur bei uns; es wird Euch baß behagen; Lernt kennen erst, dann scheltet unsre Freuden, Ihr werdet sicher dann nicht von uns scheiden. Der verl. Sohn. Wer ist, in dieser heimathlichen Tracht, Der edle Fremdling, den Ihr mitgebracht? Der Wirth. Er kommt den Weg aus Euer», Vaterland, Vom König, Euerm Vater abgesandt. Der verl. Sohn. Wie, Eliezer! Ihr in diesem Land? Eliezer. Seid Ihr es wirklich, Herr? Jst's nicht ein Traum? Ich kannt' in Babylons Gewand Euch kaum! Der verl. Aohn. Je nun, im fremden Lande fremde Sitte, Was bringt Ihr Neues aus der Heimath Mitte? Esiez e r. Vor Allem einen Gruß vom Vaterherzen, Er grämt sich, Herr, um Euch, in bittern Schmerzen. 41 Der verl. Sohn. Der vielgeliebte Vater denkt noch mein? Eliezer. Glaubt Ihr sein Vaterherz von Marmorstein? Der Ruf hat Böses viel von Euch gesagt. Es stiegen Klagen vor des Thrones Stufe. Der verl. Sohn. Und wie, Er liebt mich selbst nach solchem Rufe? Eliezer. Er hofft, man habe fälschlich Euch verklagt; Und glaubt es nicht, so Ihr alsbald erscheint» Sein Harm ist groß; Er hat um Euch geweint! Dar Wirth. Wollet mir Gehör geben, edler Fremdling! Ich, Wirth und Rathsherr, ja Regierer der großen Stadt Babel, kann es bezeugen, daß dieser mein hochedler Herr und Gast weiter nichts gethan als nur stan- desgebuhrlich auf noblem Fuße in meinem Gasthofs gelebt, ritterlich hankettirt und sein jugendliches Leben genossen; und es müssen die Sitten eures Landes aus finstern Zeiten herstammen, um einer blühenden JugeNd ein ansta'ndrges Leben zu mißgönnen und zu vMstßiE''' E li«ze r. d"' Wollet Euch, Herr Wirth, die Mühe eurer Maulbrauchsrei ersparen, Massen mir eueres Rathes mit nichte» bedürfen.^ (3»m»erl. Sohn.) Nun, was sinnt Ihr so verdrossen? Sagt, was habet Ihr beschlossen? Wollt Ihr selbst die Antwort bringen? Der verl. Sohn. Könnt' ich dieß mir je entringen? Zwar mich rührt des Vaters Schmerz; Eliezer. O so eilet an sein Herz! Der verl. Sohn. Nun, ich will'- bedenken; Morgen! E! i e z e r. Kenntet Ihr LeS Vaters Sorgen! Ach, er bangt vor Hungersnorh, Die ganz Babylon bedroht. Bangt, daß die d'rauf folgt, die Pest, Gebe Seinem Kind den Rest! Der Wirth. Deß braucht der König nicht zu jammern Viel Verräth ist in meinen Kammern. Der verl. Sohn. Auch will ich einst zum Vater kehre»; Nur soll Er mir noch Frist gewähren! Die Töchter. Wie, Du wolltest von uns scheiden, Und uns ewig, ewig meiden!— Nie mehr sollen wir Dich seh'n? Ach, wie kannst Du von uns lassen? Kannst uns grausam hier verlassen, Und zum strengen Vater g-h'n?— Sich, wie lieblich wir Dich laben! Sprich, wo kannst Du's besser haben? Wer liebt Dich so innig warm? O verlaß nicht unsre Mauer», Jung Dein Leben ju vertrauern, Wir vergingen ja vor Harm! E l i e z e r. Horchet nicht auf die Syrenen! Die Tochter. Rühren Dich nicht unsre Thränen? Eliezer. Zaudert nicht, und kommt mit nur? Der verl. Sohn. Ich vergeh' vor Ängsten schier'. Die Töchter. Nimmer lassen wir von Dir! Eliejer. Was soll ich dem Vater sagen? Der verl. Sohn. Wollet morgen mich befragen! Die Töchter. Rühren Dich nicht unsre Klagen? E l i e z e r. Reißt Euch los von diesen Schlangen, Die in ihrem Netz Euch fangen! N Die Töchter. Ach so willst Du von uns scheiden, Willst uns ewig, ewig meiden!—> Eliezer. Wollt Ihr, wollt Ihr nicht entscheide»? Der verl. Sohn. Hart bedrängt bin ich von Beiden! E l i e z e r. Wollt Ihr mit zur Heimath kehren? Der verl. Sohn. Morgen sollt Ihr Antwort hören! Die Töchter. Recht so, komm, verlaß den Alten, Denn die Speisen, sie erkalten. D er verl. Sohn. Heute kann ich nicht, verzeiht; Denn schon ist das Fest bereit! (Er geht mit den Töchtern ad.) Eliezer. So irrt der schwer bethorte Jüngling fort! Und immer Morgen ist sein letztes Wort. . Der Diener. Ihm folgen muß ich und sein Zeuge sehn! Wann wird der König endlich mich befrein?(ab.) Der Wirth. Wie ich vermerke, edler Fremdling, seid Ihr im Namen Eures Königs gekommen, um meinen hochedlen Herrn und Gast von bannen zu führen? 45 Eliezer. Zhr habet es gesagt! Und wehe Euch, so Ih» gedenket, Ihn mir vorzuenthalten. Zum unkenntlichen, thierischen Weichling ist er bei Euch verwildert. Der Wirth. Wollet Euch mäßigen in fremdem Hause. Was thut er Arges? Sind wir nicht ganz honette Leute hier in Babylon? Und was findet Ihr zu schmälen, daß Er nach unserer Sitte sich gütlich thut? Eliezer. Noch heute sollt Ihr Ihn auf freien Fuß setzen, wofern Ihr die Ungnade unseres Königs nicht auf Euch laden wollet. Der Wirth. Habe ich Ihn denn gebunden? Wer Hält Ihn auf? Ist er nicht frei? Führet Ihn von bannen, wofern er Euch folgen will; nur wollet bevor seine Schulden bezahlen. Eliezer. Schulden! Hat Er nicht unermeßliche Summen zu Euch gebracht? Der Wirth. Erstlich wird Euch nicht unkund seyn, daß man des un§ alles theuer bezahlt; und der hochedle -cherr ist eben keiner von denen, die man der Knau-^ serei beschulsigen kann. Standesgebührlich bewohnt Er den größten Theil meines Pallastes, des schönsten in ganz Babylon; auch sinne ich bei Tag und 46 Nacht auf neue Ballfeste, prunkende Tafeln und Ergötzungen für Ihn. Wollet nur die Rechnungen sämmtlicher Goldschmiede unserer Stadt anschauen; mit welcher Mnnificenz Er Seine holden Tänzerin- nen und Freundinnen begabt, und wie manches schöne Talent auf Armspangen, Ohrgehänge, Ringe u. s. w. aufging. Doch das ficht mich nicht an; meine sehr mäßige Rechnung kommt kaum der Summe von zehn tausend Talenten gleich. C l i e z e r. Zehn tausend Talente! Seid Ihr von Sinnen?— Ist denn alle Ordnung bei Euch aufgelöst? Wie konntet Ihr dem Jünglinge so ungeheure Summen borgen? Der Wirth. Es ist hier nicht die Rede, was bei uns Sitte, sondern was Er mir schuldig ist. Und— ist Er nicht ein freier Mann? Euer König hat Credit bei uns? E l iezer. Er wird sich gewißlich weigern, eine so ungeheuer übertriebene Forderung zu bezahlen. Der Wirth. Ich habe einen Schuldner im Thurme, der mir genau zehn tausend Talente schuldig ist; und ich sage Euch, er wird von dort nicht herausgehen, bis er den letzten Heller bezahlt hat. Das möget Ihr Euerm Könige vermelden(ab.) 47 Eliezer. All die unermeß'ne Habe, Sie vergeudete der Knabe, Und dieß in so kurzer. Frist, Weil der König gütig ist! Und auch sie genügte nicht! (Der Diener tritt ein.) Nun, laß hören, was er spricht. Der Diener. Also spricht er: Ich bedeute, Nimmer kann ich kommen heute; Geh du selbst an meiner Statt; Wenn der Vater lieb mich hat, Wird Er meine Lust nicht neiden. Ich will mich ja gern bescheiden, Einst zu Ihm zurück zu kehren, Doch soll jetzt Er mir nicht wehren; Bitte, daß Er Hilfe sende, Daß ich nicht mit Schmach hier ende; Und erhöret Er mein Fleh'n, Will alsbald ich zu Ihm geh'n. Eliezer. War das sein letztes Wort? Der Diener. Sein letztes! Eliezer. Armer Jüngling, nun ist's vorbei! Komm, rüste Dich und folge mir. 48 DerDiensr. Wird der Vater Jh» nicht loskaufen r Eliezer. Ich habe den Befehl, wenn Er heute noch freiwillig mit mir zurück kehren will, alle seine Geschäfte zu ordnen und seine, wenn auch noch so ungeheuern Schulden zu tilgen; doch wenn Er sich weigert und gesonnen ist, sein babylonisches Leben fortzuführen, ihn zu verlassen und Dich selbst abzurufen. Der Diener. Ach, erbarme Dich seiner? Eliezer. Wenn Er nicht will?— Der Diener. Bedenke seine Jugend, seine Unerfahrenst und die Schlauheit dieses tückischen Wirthes, eines geübten Räubers, in dessen Schlingen er gerieth. Eliezer. Ich darf die Befehle des Königs nicht überschreiten. Der Diener. Ach, ich kenne diesen schurkischen und grausamen Wirth; ich habe einen Blick in sein Inneres gethan; ihn rührt nicht der Adel, nicht das junge Blut, er schlagt ihn in Fesseln und wirft ihn in den Kerker, wo er ihn nicht zu noch Argerm zwingt; denn unbarmherzig mißhandelt er seine Sclaven. 49 Eliezer. S o mag er durch die Grausamkeit des Mirkhcs weise werden. Du folge mir.(Beide ab.) Zweiter Act. (Ein mit hohen Bergen rings umschlossenes Thal. Der verlorene Sohn, der einen Monat später eine Heerde Schweine füttert- Der Aufseher. Der Aufseher. Was wimmerst du? Willst Mondenlang du klagen Hast nicht von großem Glücke du zu sagen, Daß du nicht mußt im finstern Thurm verzagen Der verl. Sohn. Erbarmen, Freund? Ach, meine Thränen fließen, Daß Vater, Freund und Diener mich verließen. Ich schmachte aller Habe hier beraubt! Ach, hätte doch der Mahnung ich geglaubt! Freund!— Führe mich den Weg zum Vaterland.; Mein Vater lohnt mir königlicher Hand! Der Aufseher. Bist, Schuldner meines Herrn, du so verrucht, Daß du vermeinst, ich helfe dir zur Flucht! Ich rathe, böser Sclave, dir, zu schweigen. Wie willst du auch dich solchem Vater zeigen! Erschienst in Fesseln du, durch eig'ne Schuld: Du wecktest seinen Grimm, nicht seine Huld! LV. S 50 Zu dienen muß nun einzig dir geziemen, Sonst zeichnen deinen Rücken schwere Striemen Der verl. Sohn. So zarte Hände soll zum Dienst ich kehren! Der Aufseher. Was du nicht kannst, wird bitt re Noth dich lehren. Der verl. Sohn. Wohl muß ich hungern hier in bitt'rer Noth, Von, frühen Morgen bis zum Abendroth! Der Aufseher. Du armer Tropf! Du dauerst mich fürwahr! Da nimm der Erbsenschoten dir ein Paar; Magst d>r dazu noch frische Eicheln suchen, Die schmecken trefflich, trotz dem besten Kuchen! Der verl, Sohn. O Unmensch, kannst du mein so grausam spotten! Sogar- die Schweine mästen sich an Schoten. Mein Vater, wie viel Knechten gibst du Brot! Und ich verschmachte hier vor Hungersnoth! Der Aufseher. Geschieht dir Recht, was bist du fortgegangen? Du trügest jetzt nach Schoten kein Verlangen; Doch Überfluß gebar den Übermuth. Der verl. Sohn. Rührt, Unmensch, dich denn nicht mein junges Blut? Nicht, daß ich diene gleich dem ärmsten Knecht? Der Aufseher. Auch lobt' ich dich dem Herrn gewiß mit Recht, 51 Und dientest du dem Vater halb so treu, Du seufztest nun in Knechtschaft nicht und Reu'. Nun treib dw Heerde hin zum Eichenwald, Und hüte sorglich sie; ich folge bald. (Der verlorene Sohn geht mit der Heerde ab. Der MUih erscheint und siehtjsammt dem Aufseher dem Abgehenden lachend nach.) Der Wirth. Der ist nun auch mein« Der Vogel ist mir willig ins Garn gegangen. Die Beute war nicht schlecht. Der hundertste Theil seiner Habs genügte auf sein Leben, und ganz entlockte ich sie ihm und den Schuldbrief von zehn tausend Talenten dazu. Der Aufseher. Hat er ihn endlich doch unterschrieben? Der Wirth. Er wollte nicht daran, bis ich ihm versprach, ihn aus dem Schuldthurme zu entlassen. Der Aufseher. Ha, ha, ha! Um Eure Schweine zu hüten!- Auf die zehn tausend Talente werdet Ihr nun wohl verzichten müssen. Der Wirth. Glaubst du denn, den Sohn eines großen Königs zum Schweinhirten zu haben, wiege nicht zehn tausend Talente auf? Wer kann dessen sich rühmen? 52 Der Aufseher. Schade, daß Ihr nicht früher gekommen; er winselt Euch, daß es eine Freude ich. Der Wirth. Laß mir den Buben ja nicht aus den Augen; ich vernahm, der König von Salem habe einen Hirten ausgesandt, der hier eingedrungen ich und dieß Schaflein entführen will. Der Aufseher. Habet Ihr Euch deßwegen so stark bewaffnet? Der Wirth. Du hast es gesagt; denn der Hirt soll stark seyn, wie ein Löwe. Besetze du den Ausweg zur Rechten, ich will zur Linken wachen. Der Aufseher. Ihr könnt Euch auf mich verlassen. Der Versuch soll dem Hirten übel bekommen. (Beide ab.) D er verl. Sohn (auf dem Wege zum Eichenwalde.) Welche Qual gleicht meinen Qualen.' Ach, wie muß das Wort ich zahlen, Einst gesprochen: Morgen, Morgen.' Das mich tausend Mahl gereute. Nun ist's ewig, ewig heute.' Hungernd muß ich hier verderben Und in schwerer Knechtschaft sterben 2— 53 Wo sind nun die gold'nen Tage, Feste, Reigen- Trinkgelage?— Ach, ihr Bild ist meine Qual, Und mir winkt kein Hoffnungsstrahl! Sieh, wer wandelt dorr im Thal? Jene schönen Huldgestalten! Kann die Liebe je erkalten? Sie ja starben ohne mich. Rettung kommt. Ermanne dich! (DieTochter des Wirthes, von jungen Babyloniern begleitet, lustwandeln gegen den Wald; der verlorene Sohn geht auf sie zu und spricht): Holde Kinder, hört mein Flehen! Könnt Ihr Euern Liebling sehen, Der sein ganzes Herz Euch brachte, Könnt Jhr'S dulden, daß er schmachte? Die Töchter. Der arme Tropf scheint ganz und gar verrückt. Was willst du von uns, guter Freund? Hat sich etwa eines deiner grunzenden Thiere verlaufen? Der verl. Sohn. Wie, Ihr konntet mein vergessen, Der ich all, was ich besessen, Aufgeopfert Eurer Liebe? Ihr beschwort mich, daß ich bliebe! Ausgeraubt in Euerni Lande, Lohnen nun mir diese Bande, Die Töchter. ha/ ha! Was faselst du da, alberner Mensch! Man mag dir auch wag Rechtes geraubt haben. Laß unS zufrieden; wir kannten dich nie. Der verl. Sohn. Hab' ich das von Euch zum Lohn? Solchen Spott und bittern Hohn! . Die Töchter. Er wird immer zudringlicher.—- Befreit uns doch von diesem unreinlichen Sauhirten. Einer der Babylonier. Heda, du! Treib deine Schweine aus dem Wege, daß wir ungenirt lustwandeln können; und sprich kein Wort mehr, wenn du nicht willst, daß wir deinen Rücken blauen. (Sie gehen ab.) Der verl. Sohn(allein.) O HimMel hast du keine Blitze mehr! Gebiethe doch den Stürmen und den Wettern, Dap sie mich Unglückseligen zerschmettern. Was säumst du Tod? Komm, schleudre deinen Speer! Htuchtlose Töne, die im Wind verhallten! Sahst, Vater! du den Sohn bei Schweinen schmachten, Es müßte dir vor Leid das Herz sich spalten!— Nein! mich vergessen müßt' Er und verachten. Und wird Ihm vollends durch des Dieners Mund Und durch Eliezers hier inein Treiben kund: So muß, und riefen für mich tausend Stimmen, Der letzte Liebesfunke muß verglimmen. (Er setzt sich unter einen Baum und weint bitterlich; horcht dann plötzlich auf und hört den suchenden Hirten, welcher singt, wie folgt): ' O mich tief betrübten Hirten l Über Hügel, Berg und Thal, Fern in Fluren, Wäldern, Syrthen, Such' ich, Schäflein! dich zumal. Du hast mir groß Leid gebracht; Ach, ich klage Tag und Nacht! Der verl. Sohn. O was klagst du! Laß Andere klagen. Was fehlt dir? Und wie kommst du über dieß ungeheure Gebirge? Der Hirt. »Ich sprang über die Berge und überhüpfts die Hügel,-; mein Schaflein suchend. Gar sehr bin ich ermüdet. Mich dürstet. Der verl. Sohn. Da nimm dir einen Trunk aus meiner Feldflasche. Der Hirt. Ach, dein trübes Wasser stillt den Durst nicht; es reizt ihn vielmehr. Der verl. Sohn. Alle Bäche dieses Landes sind schlammig und trübe.— Ich wollte dir gern etwas zur Erquickung geben, aber ich habe nichts als diese Eicheln. 56 Der Hirt. Ist das deine Speise? Der vert. Sohn. Ach, Thränen sind seit langer Zeit Tag und Nacht meine Koch. Ach äße gern von den Schoten der Schweine, um meinen Hunger zu stillen, und niemand gibt sie mir. Der Hirt. Du dienest einem grausamen Herrn. Sieh, ich will«nein Brot mit dir Hungrigem brechen. Nimm hin und iß! Der verl. Sohn. O welcher liebliche Wohlgeschmack! Solches Brot aß ich einst in meines Vatets Hause. Wie bann ich diese Gabe dir vergelten? Der Hirt. Willst du mir vergelten, so sag' mir an, ob nicht mein Schäflein sich unter deine unreinen Thiere verirrte? Der verl. Sohn. Ach, nie verirrte sich ein Schaflein in diese^ sumpfigen Thaler.^ Der Hirt. Gleichwohl will mich bedünksn, als harte ich seine Stimme hier gehört. Der verl. Sohn. Habet Zhr denn das Schaflein so hart gehal- 57 ten, daß es lieber unter Schweinen, als in der reinen Heerde leben wollte? Der Hirt. Es war mir vielmehr das liebste aus der Heerde: es aß aus meiner Hand und schlief an meiner Seite. Allein das undankbare kannte die Liebe seines Hirten nicht; es entlief aus Liebe zu falscher Freiheit und walzte sich im Schlamme. Der verl. Sohn. So ist es ja nicht werth, daß du es mit so großer Mühe aufsuchest. Laß es den Unterschied erfahren zwischen dem Tische seines Herrn und der Kost unreiner Thiere. Der Hirt. Ach, ich liebe es zu sehr, und achte keiner Mühen und Gefahren, um es zurück zu fuhren. Was weurest du? Sprachst du etwa dein eigenes Urtheil? Der verl. Sohn. Du hast es gesagt. Ach, ich bin kein geborener Knecht, und das vermehrt meinLeid. Schuld brachte mich in diese Knechtschaft. Es lockte mich die Üppigkeit der Töchter Babylons in dieses Land. Ich kam mit großen Schätzen. Der gleißende und grausame Wirth des Landes und seine Töchter, die mich nun nicht mehr kennen wollen, entlockten mir Alles, beraubten mich, brachten mich in tiefe Schulden und zwangen mich endlich, meinem Vater zum Höhne, Schweine zu hüten. 58 Der Hirt. Willst du nicht zurückkehren zum Vater? Der verl. Sohn. Ach, ich bin es nicht werth, sein Sohn genannt zu werden, und würde es für ein hohes Glück achten, wenn Er mich nur unter seine Taglöhner aufnehmen wollte. Der Hirt. Sei getrost; Reue versöhnt den Vater! Der verl. Sohn. Ach, wie soll ich der grausamen Knechtschaft dieses bösen Wirthes je entkommen? Wehe, wehe.' da kommt der stark bewaffnete Räuber auf uns los. Der Hirt. f Zage nicht, dein Retter ist bei dir. Der Wirth und die Vorigen. Der Wirth. Woher des Landes und was suchet Ihr? Der Hirt. Mein irres Schäflein; es verlor sich hier.' Der Wirth. Es weiden Schafe nur auf Salems Flur. Der Hirt. ^zch fand in Eurem Thäte ferne Spur. Der Wirth. In diesen Gauen hier ist alles mein. 59 Der Hirt. Die Schweine eignen Euch; die Schafs?— Nein! Hier ist das Schäflein, das sich mir verlief. Der Wirth. Was? unterschrieb nicht selbst er Liesen Brief? Mein ist er. Kennt Ihr unsre Sitte nicht? Der Hirt. Ich kenne sie und auch Euch argen Wicht. Der Wirth. Ihr selbst seid arg; ich bin des Landes Wirth. Der Hirr. Nicht arg bin ich; ich bin der gute Hirt. Für meine Schaflein laß' ich selbst mein Blut. Der Wirth. Hebt Euch alsbald, sonst fürchtet meine Wuth Der Hirt. Ich weiß, Ihr seid in Trug und Raub gewandt, AIS Mörder schon von Anbeginn bekannt. Der Wirtb. Zum Kampf! Ihr sollt an mir den Meister finde». Der Hirt. Wohlan, es gelte. Auf! zu überwinden. (Sie ringen, der verlorene Sohn spricht): O schwerer Kampf! Wehe, wehe! Wie blutet der gute Hirt an Füßen, Händen und Seite! O daß meine Fesseln mich hindern, Ihm zu helfen!— Allein kämpft Er den schweren TodeSkampf!— Heil und Sieg! Er hat mächtig überwunden! Schon 60 ist der stark bewaffnete Räuber beraubt und fest gebunden. (Der Hirt bindet den stark Bewaffneten an den Baum.) Der Wirth. Du hast gesiegt: so nimm mir denn das Leben, Willst du zurück mir nicht den Schuldbrief geben. Der Hirt. Nicht sterben wirst du, doch gebunden bleiben. Nicht Spott mit Salems Kindern mehr zu treiben. Der«Schuldbrief auch bleibt in des Baumes Huth. Der Wirth. Weh mir! die Schrift, es tilgte sie sein Blut!^ 2 (Der Hirt schlägt den zerrissenen Schuldbrief an den Baum.) Der verl. Sohn. Dank, mein Erlöser! Schwer hast du gestritten; Wie vieles Leid hast du um mich erlitten! Der Hirt. Auf, eile schnell, der Vater harrt mit Gnade; Hinan zur Rechten, auf dem schmalen Pfade! (Beide gehen ab und wandeln durch eine lange, felsige Wildniß bis zu einer» hohen Berge; der verlorene Sohn keucht ermüdet und spricht): Wie soll ich je den hohen Berg ersteigen! Der Hirt. Ermanne dich und wolle Muth bezeigen. Der verl. Sohn.^ Ein Riese, laufst du kühn den Weg hinan - ck) 6Z Und wandelst wie auf blumenreicher Flur; Wer kann dir folgen auf so schmaler Bahn? Der Hirt. Besiege dich und tritt in meine Spur' Der verl. Sohn. Sieh, wund sind meine Fnße, sonder Schuhs! Mein Hirt, o gönne nur ein wenig Ruhe! Der Hirt. Du denkst an Ruhe hier in Feindes Land? Ermanne dich, bald winkt der Heimath Rand! Der verl. Sohn. Ach, weit ist noch der Weg, ich muß erliegen. Ich kann den schweren Schlummer nicht besiegen! (Der verlorene Sohn bleibt zurück, setzt sich an einem Felsen nieder, schläft bald darauf ein und spricht im Traume): O wie hold gestickt zu schauen Sind von Mümlein diese Auen, Wo der Vöglein muntre Schaar Froh sich auf den Ästen schwingen, Sich ergehen, lieben, singen;— Wehe, weh!— Ein schwarzer Aar! Nieder stürzt er auf die Taube, Würgt und führt sie fort zum Raube. (Er erwacht.) Was war das? Wo ist mein Erlöser?— To- desstill ist plötzlich die furchtbare Wüstenei!— Ich glaube gar, mir träumte. 62 Mein Blick erspäht bis hin zum fernsten Saum Nicht Wald, noch Vogel.— Wunderbarer Traumh Er scheint zu warnen mich vor bösem Raube. Ist jener Aar dee Hirt? Bin ich die Taube?— Er lockt auf diesen Fels durch Hoffnung mich; Und sieh, den Müden laßt er nun im Stich! Was nun? Wohin? Auf halbem Weg verweilen? Soll ich zurück? Soll ich zum Vater eilen? Zum Vater! Wie?— In diesem Aufzug?— Nein!, Mit Recht sperrt' Er mich in den Kerker ein. Wer gibt mir Rath? Ich weiß mich nicht zu fassen!! O guter Hirt, wie hast du mich verlassen! Doch, gabst du mich zu retten, nicht dein Blut? Wohlan denn, auf! Ich schreite fort mit Muth. (Er geht vorwärts; ein Pfeil saust dicht an seinem Haupte vorbei; bald darauf erscheint ein Jager und spricht:) Was suchst in der Wildniß du? Der verl. Sohn. Salems Fluren geh' ich zu; Zeige mir den Ausweg an. Der Jag er. Hier ist weder Steg noch Bahn. Willst du meinen Rath vernehmen, Mußt du dich zurück bequemen; Leichter ist der Weg hinab. Der verl- Sohn. Eher ging ich in das Grab. 63 Der Jager. Armer Tropf, dem wirst du ohnsdieß hier nicht entrinnen. Sag an, was willst du in dieser unwirth- baren Wildniß, die kein Eiide hat? Wer führte dich hierher? Der verl. Sohn. Zieh deines Weges und halte mich nicht mit leeren Worten hin; ich weiß es, es führt ein, ob ün! auch enger und schmaler Pfad über den Berg nach Salems Fluren; ihn will ich suchen und ich werde sen! ihn finden. Ein vielgeliebter, guter Hirt hat mich bis hierher geführt. - Der Jäger. Das mag mir auch ein Hirt für Wölfe seyn. >pte Wie, der Grausame verließ dich mitten in dieser Wildniß, um dem gewissen Hungertods dich Preis zu geben? Der verl. Sohn. Ach, zuerst verließ ich Ihn. Aber ich will Ihn rufen; Er kennt meine Stimme und hört meine» Ruf. Der Jäger. Armer Thor! Du rufest hier vergebens. Hier Hausen nur Bären, Wölfe und andere reißende Thiere, die unter ihren Zahnen dichfzermalmen und entgehest du ihnen auch, so mußt du vor Hunger und Durft umkommen. 64 Der verl. So hu. O guter Hirt, eile mir zu helfen! Der Jäger. Soll ich über dich lachen oder dich bemitleiden? Zwar keines Mitleids scheinst du werth, da du dein Elend liebest und nicht umkehren willst. Du siehst nun einmal, daß du oerlaffen bist!—> Höre mich an; ich will mich deiner erdarmen und dir helfen, wenn du mir folgen willst. Du sollst es gut bei mir haben, und es soll dir an nichts fehlen. Ich habe hier ein prächtiges Jagdschloß in der Nahe, und nach Lust kannst Du hier jagen und als ein freier Mann dein Wesen treiben. Bei den ersten Morgenstrahlen Geht's bergan, feldein, waldaus Über Fels, in Klüfren, Thalen Fangen wir uns Wild zum SchmauS. Heisa, schwärmen froh und frei: Sag, wo solch ein Leben sei! Tag und Nacht in Frost und Hitze, Ist Gefahr uns Spielwerk nur. Decket Schnee der Berge Spitze, Zeigt sich drinn des Hirsches Spur. Wo nur irgend Wild sich regr, Fällt's, von unsrem Pfeil erlegt! 65 Der verl. Sohn. Und ein frohes, freies Leben nennst du es, an umherschweifendem Wilde sich sättigen; über Klüfte, Felsen und Berge klettern, im Sommer vor Hitze keuchen, im Winter vor Frost erstarren, vor Hunger und Durst schmachten, bittere Nächte durchwachen, und oft von fehlgeschlagenen Hoffnungen gequält werden? Der Jäger. Du Narr, der Schuß eines einzigen stattlichen Rehes wiegt alle Mühe und Arbeit des Waidmanns aus. Der verl. Sohn. Nun, das lohnt wahrlich der Mühe, das Leben an ein umherschweifendes Wild zu setzen! Der Jäger. Dummer Thor! nicht das Wild, sondern die Lust lohnt den Jäger. Diese Lust kennst du nicht, bis du sie nicht erfahren hast. Besinne dich nicht lange und komm mit mir. Der verl. Sohn. Ach, schon zu lange hieltest du mit eitlem Geschwätze und mit Vorspiegelungen mich auf. Ich Thor versäumte darüber meinen Weg und entfernte mich noch weiter von meinem Hirten. (Er geht ab-und spricht): Vergeblich hat der Traum mich nicht gewarnt; Bald hätte Mich- des Jägers Netz umgarnt! b 66 Wohin nun?— Ach, bald sinkt der Sonne Rad! Od ist die Wüstenei und sonder Pfad! Doch sieh, da ist sa meines Hirten Spur; Ich folge nach; erreicht ich ihn doch nur! Auf, raschen Schrittes! säume nicht, du Träger! Was du zu thun, das zeigte dir der Zager, Der Tag und Nacht um schnödes Wild sich müht. Nach wahrem Heile ziele dein'Gemüth. Auf denn, ich will, und sollt' ich auch erliegen, Zum Vater fort, mich an sein Knie zu schmiegen. Ei sieh doch, wie plötzlich hier die Wildniß ein Ende nimmt! welche wonnigen Gefilde entfalten sich auf einmal meinen Blicken! So war denn eitel Trug des bösen ZägerS Wort, das mir beinahe den Muth benahm und vom Ziele mich entfernte, dem ich schon so nahe war! Wessen Stimme ertönt zu meinen Ohren? Der gute Hirt. Komm herauf! Der verl. Sohn. Ach, wer gibt mir Flügel der Taube, daß ich auffliege zu dir? Der gute Hirt. Lerne vorerst gehen, ehe du von Flügeln sprichst!' Fasse Muth; ich reiche dir die Hand! Eile schnell empor; schon glänzt die Heimath im Abendsonnen- gold, und sieh, o sieh, von fern schon kommt der Vater Dir entgegen. 67 (Beide gehen schnell ab und von fern ertönt verhallend der Ruf): »Vater! Ich habe gesündiget in dem Himmel und vor Dir; und bin es nicht werth, dein Sohn genannt zu werden!« Sr u t e rr st k i n. (Legende.) *A^och raget noch der Viesting, die grauen Trümmer sieh'». Um die der Windsbraut Schauer, wie Geisterstimmen weh'n. Allein von den drei Brudern, den Herren einst im Schloß, Lebt kaum nur mehr die Sage, der Zeit und That Genoß. So geht der Mensch zu Ende und seine Werke all. Nur morsche Überreste verkünden ihren Fall, Doch seine Thaten bleiben; sie tragt der Sage Wort Durch Generationen viel tausend Jahre sort. Mehr blieb auch von den Brudern, des Schlosses Herren nicht. Kaum lebet noch ihr Name im Stein und rm Gedicht, *) Berg bei Gutenstein. Das Ganze ist dem Berichte des Sakristans aus dem Gedächtnisse nacherzählt. 69 Wohl wär'er beff'ren Säugers und bess'ren Liedes werth, Allein Ihr putzt, daß Großes sich durch sich selber ehrt. Sie waren edlen Stammes, das Herz in bisd'rer Brust Schien einzig bloß ergeben des Waidwerks kräft ger Lust, Doch war weit über alle die Dinge dieser Welt Ihr Sinnen nach den Gütern des Himmels hingestellt. Vor Allem auf Maris, die reine Gotkesmagd, Vertrauten sie wie Söhne, so treu und unverzagt. Und Jedes, was sie dachten, und was sie thaten, war In i h r s heil'ge Obhuth beföhlen immerdar. Drum war ihr Leben ruhig in so gewall'gem Schutz, Sie bothen, aufwärts schauend, dem Dräu'n der Holle Trutz, Und schuldlos, gleich den Kindlein, in klaren Wandels Ruhm, Schien ihre fromme Seele der Tugend Heiligthum. Ein einz'ger Kummer quälte die biedern Kämpen schwer: Daß zu der reinen Jungfrau, der Mutter Gottes Ehr Kein Tempel, kein Altar noch im Gaue war erhöht. An dem der Christ vertrauend in Freud und Leiden fleht. Sie hättens gern geleistet, doch all ihr Hab und Gut War fromme Glaubenseinfall und kräft'ger Wannesmukh, 70 Drum konnten sie zum Schirme der heimathlichen Gau'n, So heiß sie es auch wünschten, kein Gotteshaus erbau'n- Das drückt sie mit so tiefem, so bittrem Herzensgram, Daß in der Treuen Seele nicht Ruh' noch Freude kam. Und nur in Wehmuthsklagen ergossen sie ihr Herz, Und hoben, brünstig flehend, ihr Auge himmelwärts. Und selber im Gewissen bedrängte sie die Last, Daß ihnen schier das Leben, das dürst'ge, ward verhaßt; Und griffen nach dem Stäbe und wanderten gar weit. Und klagten einem Priester ihr schweres Herzeleid, Der aber lächelt milde und sieht sie an und spricht; »Ihr Auserwähiten Gottes, verzaget darum nicht, »Denn prangt auch keine Kirche von Stein der Himmelsbraut, »Sie hat sich eine schö n'r e in eurer Brust erbaut. »Nicht schön'ren Tempel gibt es auf dieser argen Welk, »Als wie das Herz des Menschen, der fest am Glauben hält, »Drum wollet Euch getrosten und ziehet heim und harrt, »Bis sich des Herren Wille Euch selber offenbart.« Deß war ihr Herz gar freudig, sie hofften tiefgerührt; Daß selbst des Herren Wille sich offenbaren wird. Und wieder war ihr Sinnen und Streben jederzeit. Der reinen Heilandsmutter aus frommer Brust geweiht. 7» So schwand im Frieden Gottes der Winter still vorbei. Die Thaler und die Hügel bekleideten sich neu. Die Alpe grünte wieder, der heit're Lenz entsproß. Da nahmen die drei Bruder znr Hand das Jagdgeschoß. Und zogen nach den Bergen und fühlten baß sich leicht. Zumal ein gläubig Ahnen ihr sehnend Herz durchzeucht; Ihr erst Gefühl war Danken, sie sanken bethend hin. Und zu Maria Ehre erglüht' ihr frommer Sinn. Da säuselt wie vom Himmel ein Meer von Harmonie, Wie Klang von Ssraphsliedern so rein und hehr um sie. Wie Wehen sanften Schlummers umgaukelt sie die Lust, Und Träume tauchen nieder so süß, wie Frühlingsvuft. Es öffnen sich die Himmel, die Jungfrau selbst erscheint. Im Glänze, wie er oben sich um sie her vereint, Ihr wunderholdes Antlitz ein rosig Lächeln trägt. Das in der Schäfer Herzen für immerdar sich prägt. Da rauscht es über ihnen, wie wenn ein Vogel schwebt, Darob der jüngste Bruder aufwachend sich erhebt. Und sieht ein zartes Täubchen, wie frischer Schnee so weiß. Das dreimal ihn umflattert in immer engerm Kreis.; Das trifft ihn in die Seele, er weiß es selbst nicht wie. Wohin die Taube flattert, dahin verfolgt er sie. 72 Durch Moor und dichte Sträuche und wüstes Fclsgestein, Bis iu die wilden Schluchten der Öde tief hinein. Und also kreuzt er lange und rastlos hin und her. Es ist, als ob ein Zauber in jenem Vogel wär'. Der dann in einer Buche weitschattendem Geäst Nach weitem Flug ermüdet, zur Ruh' sich niederlaßt« Da faßt der Ritter vlvßlich nach seiner blanken Wehr, Um zürnend zu versenden den sicher» Todesspeer, Doch sieht er sich mit Staunen von Hellem Licht umblinkt. Daß seinen Handen bebend die Waffe gleich entsinkt. Denn sieh, wo sich die Buchs am dichtesten verzweigt. Den Blicken sich ein Wunder, ein herrlich Wunder zeigt. Dort lächelt, mild umleuchtet von güld'nem Morgenstrahl, Ein Enadenbild Maria hernieder in das Thal. In Andacht neigchzur Erde der Paladin sein Haupt, Denn in der Lichterscheinnng, vomBläkterschmuck umlaubt, Erkennt er wonnetrunken, von Hiwmelslust dnrchwällt. Die süßen Züge wieder der heil'gen Traumgestalt,. Und wie er ausgeweinet sein Beten, seinen Dank,, Da denket er der Bruder mit liebevollem Drang, Und sie er sie gefunden und kündete sein Heil, Da.zieh'» sie nach dem Walde in athsmloser Eil'. 73 Und knien an dem Bilde, das Beide kannten gleich, Weil's eben so im Traume entschwebt dem Himmelreich, Und preisen den Allgül'gen in den azurnen Höh'n, Der zum Gefäß der Gnade ihr Herz hatt' ausersel/n. Und jenen Stein, wobei sie das Gnadenbild erkannt, Sie haben ihn zum Danke den guten Stein genannt. Und bauten sich aus Reisern daran der Hütten drei. Auf daß fortan ihr Leben ganz Ihr zu eigen sei. Und als sich nun die Kunde im weiten Land ergoß. Da strömten fromme Waller herbei zu Fuß und Roß, Und brachten reiche Gaben und bauten dann daraus Zum Dienst der Gottesmutter ein trefflich Gotteshaus. So hat des Himmels Gnade der Diener Treu' verklärt. Die sich in frommer Einfalt und im Vertrau'n bewährt. Drum reinet eure Seele, auf daß ihr jederzeit Dem Herrn durch rechten Glauben ein würd'ger Tempel seid! D. Red. Diokletian uns ver Ginsievler. i o c le s oder D i o c l e t i a n hatte sich aus dem niedrigsten Staube bis zum Purpur der Cäsaren empor geschwungen. Ein blutiger Schleier verhüllt die Regierung dieses furchtbaren Christen-Verfolgsrs, der, ob er auch Geistesgröße genug befaß, die Erhabenheit der göttlichen Lehre würdigen zu können, dennoch, vielleicht durch die grausame Gemüthsart seines Mit-Cäsars Galienus, gegen sie aufgebracht, vielleicht auch, weil das vollendete und lebendige Bild vollkommener Tugend ihm unerträglich war,—> mit blutigem Schwerte eine Religion vertilgen wollte, die fünfzig Jahre nach ihm das ganze Reich mit mildem Scepter beherrschte.— Ein großer Mann sprach einst:»Es besteht keine irdische Macht, die nicht, ohne es zu ahnen, umfassenderen Zwecken dienen müßte- als die ihrigen sind;« und dieß war ganz vorzüglich der Fall bei Diocles, der, trotz seiner blutigen Verfolgungen, mehr als irgend einer der grausamsten Cäsaren, zur Verbreitung des 75 Christenthums wirkte; denn nicht ohne höhere Fügung geschah die Wahl, wodurch er nebst dem blutdürstigen Galienus, auch den sanfkmüthigen C o n- stantius Chlorus zu Mit-Cäsaren sich zugesellte, der dem Christenthums mit großer Freundlichkeit begegnete, und Vater des großen Cdnstan- tinus ward. Etwa zwanzig Jahre nach seiner Erhebung zur Kaiserwürde ging eine wunderbare Änderung in Diokletians Herzen vor. Gern und oft reis'te er nach Salona in Dalmatien,— seinem Geburtsorte, wie mehrere Historiker^vermuthen,— wo er große und prächtige Garten angelegt hatte, die er zu vergrößern gesonnen war. Es gefiel ihm aber in dieser Hinsicht vorzüglich ein Baumgarten, der von seinen eigenen Garten bloß durch ein Gehäg« gesondert war; und da er solchen zu erkaufen gedachte und sich um den Eigner desselben erkundigte, erführet', es gehöre solcher einem Einsiedler, der seit fünf und zwanzig Jahren diese Statte nicht verlassen habe und von den Erträgnissen seines Bodens lebe. Diokletian ward neugierig, diesen Mann zu sehen; er besuchte ihn selbst und pochte an dessen Thür. Wer mahlt das Erstaunen des Cäsars, als er in dem Einsiedler seinen treuesten Freund, Landsmann und Waffengefahrten Florus, einen der tapfersten Anführer im Heere erkannte, der unter 76 den Befehlen des Carus mit ihm im Kriege gefochten und von dem man geglaubt hatte, er märe in Mesopotamien auf dem Schlachtfelde geblieben.) —»Mein Florus!« rief der Kaiser, den Freund umarmend:»du hier! Wie, um der Götter Willen, bist du hierher gerathen und hast dich selbst lebendig begraben und Alles aufgeopfert, wa§ deine großen Verdienste und dein glänzender Ruhm dich berechtigten, von der Welt zu fordern? Du weißt nicht einmal, was du Alles verloren hast!«—- Der Einsiedler lächelte und sprach:»Mein Diocles, ich kann es dir nicht bergen; weit ehrsüchtiger bin ich, denn du; denn dir war nur um' eine Stelle im Reiche zu thun; ich aber strebte dahin, ein ganzes, aber ohne Vergleich größeres und auch dauerhafteres Reich zu gewinnen, das freilich auch schwerer zu erringen ist, denn das römische Reich. Du lächelst! Nimmt dich dieß so sehr Wun° der? Hast du etwa deines jugendlichen Aufstrebens und jener edlen Freiheit vergessen, nach der du dich sehntest, und die fürwahr edler ist als der Ehrgeiz nach der Knechtschaft, der du fröhntest. Sieh, der Schatz, dem du nachstrebtest:— ich besitze ihn. und es z steht in keines Menschen Macht, mir ihn je zu entreißen.«—»Aber, mein Florus! eS stand ja nur bei dir, desselben mit mir zu genießen; denn die Zeit ist langst vorüber, wo wir von den Launen eines Herrschers abhingen, und uns die Anmaßung ehrsüchtiger Höflinge gefallen lassen mußten. Die Söhne des Carus sind nicht mehr, und gern hätte meine Freundschaft selbst den Thron mit dir getheilt und du warst dann ganz unabhängig.«» «Freund,« sprach Florus,»auch dann hing ich von allen meinen Umgebungen ab; und was fruchtet es am Ende, Andere zu beherrschen? Sich selbst muß man beherrschen!«—»Allerdings; allein wie magst du der edlen Freiheit dich rühmen, da dein Leben und dein Vermögen von dem istatthal- ter einer Provinz, ja sogar von einem mächtigen Nachbarn abhängt, in dessen Gewalt es steht, dich aus deinen Besitzungen zu verdrängen? Sieh nun, was du Freiheit und Herrschaft nennest.«—»Meine Freiheit, o DiocleS, besteht darin: Nichts zu fürchten! Verdrängte man mich aus dieser Einsamfeit, verjagte man mich aus Dalmatien, vertriebe man mich aus dem Reiche, ja vertilgte man mich von der Erde, ich gelangte dadurch nur zu grösserer Freiheit. Meine Freiheit ist im Innersten meiner Seele, über die kein Mensch Gewalt hat. Dadurch allein nur würde ich unter daS Joch der Knechtschaft gebeugt, wenn man mich zu einer That zwänge, die das heilige Gesetz verwehrt; dieß aber steht in keines Sterblichen Macht. O mein Diocles! wie überaus erfreulich ist die Herrschaft: alle Begierden dergestalt zu ordnen, alle Gedanken dergestalt gerade, alle Absichten dergestalt gerecht zu lenken, daß 76 dein Bewußtsein ohne Tadel vor der allerhöchsten GOttheit besteht! Alles Kampfes fürwahr ist ein solches Reich würdig; und seit mehr denn dreißig Jahren kämpfe ich, dasselbe zu erringen. Dir selbst wird es aus eigener Erfahrung kund seyn, wie weit leichter es ist, eine Welt, als sich selbst zu beherrschen.«— »Ich kann das nicht in Abrede stellen,« sprach Diokletian,»und mein Bewußtsein stimmt vollkommen zu deiner Rede; ich blicke mit Wohlgefallen zu deiner Erhabenheit auf. Sträflich jedoch hast du darin gehandelt, daß du diese erhabenen Ansichten in dir verschlössest und es war Freundespflicht, mich an meinem Hofe zu besuchen und sie mit mir zu theilen.«—»Mein vielgeliebter Diocles! hattest du mich auch angehört? Nicht neu ist diese Lehre; nicht ich ersann dieselbe. Viele Lehrer verbreiten sie auf dem Erdbälle; hast du ihnen je ein williges Ohr geliehen? Hast du ihnen Ehre erwiesen? Sei, ich bitte dich, dein eigener Richter!« Diokletian schwieg, gedachte seiner Verfolgungen und versank in tiefes Nachdenken. Endlich sprach er zu dem Einsiedler:»Du erweckest gewaltige Schlangen in meinem Bewußtsein. Ich muß es dir nur bekennen: ich verfolgte eine Lehre, die ich im Grunde hochachtete; und durfte es nicht wagen, gerecht zu seyn. Lebe wohl, mein Florus! ich beneide dich; möchtest du fortwährend eines Friedens 79 genießen, der mir, leider, nimmermehr blühen Wird; deine Einsamkeit überwiegt den Werth meiner Krone« Nicht lange nach dieser Unterredung legte D i o- cle ti a n die Kaiserwürde nieder, wählte seine Gärten zu Salona zu seinem Aufenthalte und bauet? dieselben mit eigener Hand. Oftmals besuchten ihn Jene, denener das Reich abgetreten halte, erholten in schwierigen Fällen sich Rathes bei ihm und wollten ihn dahin vermögen, den Herrscherstab übermal zu übernehmen. Statt, aller Antwort aber führte Dtocletian sie zu seinen Gartenbeeten, zeigte ihnen, wie schönen Lattich er erzielt habe und beschämte dadurch die eitle Ruhmsucht auf eine eigene und eindringliche Weise. Irrig schloffen einige Geschichtschreiber: Diokletian habe nur Geschmack am Feldbau gehabt; denn nie kam es wohl einem Menschen in den Sinn, eine Krone niederzulegen, um Salat zu pflegen. Museum des MamngklMgen. Vuchhsnvler- Apeculation. Leute, hört: im Fünftelsaft Verkauf- ich Euch die Wissenschaft, Ein ganzes Weisheits- Magazin Geb' ich für einen Pfennig hin. Mit Bildern sattsam ausstaffirt:— Druni Leute, abounirt! Ein Wörkerschaß, an Inhalt reich. Ein Kleinod, dem wohl keines gleich. Ja, Encyclopädien auch Für einen Pfennig zum Verbrauch, Dem Greise lehrreich und dem Kind- O kaufet doch geschwind! Gelehrt zu seyn, braucht vielen Fleiß, Ich schaff's Euch um geringen Preis; 8! Der Kunst und Wissenschaft Erguß Gewähr' ich Euch in einer Nuß Um einen Pfennig alsobald; Kaust hurtig. Jung und Alt! Hier alle Reiche der Natur, Sie kosten einen Pfennig nur. Hier Wolf und Bär und Fuchs und Aar, Hier eine Schachmaschine gar, Spottwohlfeil— für'nen Pappenstiel: Drum kaufet ja recht viel! Zwar saht Ihr Alles das bereits. Als Neuigkeit hat's keinen Reiz; Doch, was Euch mein Verlag beschert. Ist wahrlich— einen P fe nnig werth, Den Kindlein als-in Zeitvertreib;— Kauft schleunigst, Mann und Weib! Aus hundert Büchern compilirt. Wird hier ein neues Euch servirt; Wer Hunderte ersparen kann, Der profitirt doch sicher dr'an, Wenn nicht am Werth, doch am Gewicht; Drum Freunde, zaudert uicht! Das Klassische muß Alles fort, Ihr braucht es nicht, bei meinem Work, Kaust nur mein Werk mit heit'rer Stirn, Es überlädt nicht das Gehirn, Gefällt dem Aug' und amüstrt; Ich rath' Euch, abonnirt! Wer weiß, kömmt's einst nicht noch so weit. Man wird gelehrt um einen Deut, Und gehet Jeder, welcher dumm. Als eine Rarität herum: Dann ruft man wohl aus einem Sinn: »Hoch Pfennig: Magazin!« D. Re Mitgift einer Braut. Jahre 1609 verehelichte die Witwe Tschirikoff in Rußland eine ihrer Tochter an eine» gewissen Scheremetoff. Die Mvrgengabs der Braut bestand in einem Hause zu Moskau, ausgedehnten Lands- reien, mehreren, Hunderten von leibeigenen Familien und den'silbernen Abbildungen des Erlösers, bethest. Jungfrau und ihres Schutzheiligen, mit Edelsteinen glänzend verziert; dann gab sie ihr mehrere Kreuze von großem Werthe, kostbares Geschmeide, Hauben nut Perlen und Juwelen geschmückt, Ohrgehänge, strotzend von Brillanten, goldene Ketten mit diamantenen Schließen, Agraffen u. dergl. nebst vielen ande- deren Preciosen. An Kleidungsstücken gab sie ihr Anzüge von Sammt, Atlaß, Taft und Brokat, mir. köstlichem Pelzwerk verbrämt und übersät mit Kleinodien, Spitzen und anderem Zierrath; Servier von vergoldetem Silber; eine meisterhaft emaillirte Toi- kette; Schuhe und Stiefeletten von goldgestickten Stoffen; ein Himmelbette von rothem, goldbordir- ten Damast, mit Blumen durchwirkt und eine Her- 84 mrlindeckevon Atlaß; ein anderes Lager von gelbem Damast nebst einer Decke von persischem Seidenstoffs; ein Dutzend Hemden von, feinsten Mousseli- ne, drei Dutzend von der theuersten, holländischen Leinwand und dreißig Tücher von der schönsten Qualität.— So reich indessen diese Frau an Glücksgütern war, so arm zeigte sie sich am Wissen; denn alS sie den Heiraths-Contract unterschreiben sollte, fand es sich, daß sie nicht sch-eiben konnte, weßhalb ihr Bruder diese Verrichtung für sie übernehmen mußte. Steinkohlen. Viel zu wenig ist bisher noch der Gebrauch der Steinkohlen als Feuerung gewürdigt worden. Fälschlich nimmt man an, daß dieselben einen Schwefelgeruch von sich geben und dadurch der Gesundheit nachtheilig werden; ihr Dampf ist bloß jener des Eidpeches, auch schadet ein mäßiger Schwefelgeruch dem körperlichen Wohlsein keineswegs. In London herrschte vormals alljährlich ein bösartiges Fieber, welches jederzeit eine große Menge Menschen hin- wegraffte; seit der Anwendung der Steinkohlen hat sich dieß Übel gänzlich verloren; ja, in einigen Gegenden, wo dieses Fossil gebrannt wird, erholen sich engbrüstige und lungenkranke Personen zusehends. Die Arbeiter in den Steinkohlenwerken Schottlands 85 gelangen größtcntheils zu einem ungewöhnlichen Alter, welches bisweilen an ,So bis 170 Jahre be- trägt— lauter Beweise, daß man keineswegs Ursache hat, die Ausdünstung der Steinkohlen in so hohem Grade zu fürchten.— Zu bemerken ist jedoch, daß der Steinkohlen-Dunst, wenn man ihn in großer Menge und in geschlossenen Räumen einath- met, sehr gefährlich, auch wohl tödtlich wirke, wie es durch viele, traurige Beispiele erwiesen ist. Gin schlechtes Kompliment. Man fragte einen alten Gelehrten, wie es komme, daß die Frauenzimmer schneller heranreifen als die Mannspersonen?— lsnia msla Iisrba oito oresoit(Weil Unkraut schnell wächst) war seine Antwort.— Das war doch in der That kein galanter Mann! Größe ver Man hat beobachtet, daß das^Lichr des sogenannten Hundssternes oder Sirius 20,000 Millio- nen Male schwächer als jenes der Sonne, zu uns gelangt. Die Sonne müßte eine ist»,stov mal so große Entfernung von uns haben, als sie wirklich besitzt, um sich uns eben so klein darzustellen als der O° 86 benannte Stern; da aber dieser 200,000 mal ferner von uns ist als die Sonne; so muß sein Glanz wenigstens eben so lebhaft seyn als jener von zwei Sonnen seyn würde. Wenn man nun bedenkt, daß man von dem äußersten Trabanten des Sirius aus, vielleicht wieder andere Gestirne entdecken konnte, die etwa eins ähnliche Entfernung von unserem bekannten Weltsysteme hätten; so wird wohl selbst dem kühnsten Geiste bei der Vorstellung von der Größe der Welt schwindlich zu Muthe werden!— Das Anschauen der Werke Gottes laßt den Glauben an seine Wunder nie in uns untergehen! Nie Aönigirin ver gsNM Welt. In dem Irrenhause der Salpetrsre zu Paris befindet sich eine Person, die gewöhnlich sehr verständig spricht und den Fremden, welche die Anstalt besuchen, als Führerinn dient. Niemand bemerkt, daß es auch in ihrem-Kopfe spucke, bis er zu dem Behältnisse einA Wahnsinnigen kommt, die sehr hschmüthig scheint und ganz phantastisch aufgeputzt ist. Frägt er nun, von welcher fixen Idee oder Einbildung diese Unglückliche besessen sei, dann antwortet die Wegweiscrinn mit mitleidigem Lächeln:»Stellen Sie sich vor: die Arme bildet sich ein, Königinn von Frankreich zu seyn und vergißt dabei ganz, daß ich doch auch Etwas davon wissen wüßte, nachdem 87 ich doch bekanntlich die Königinn der ganzen Welt bin!» G r f i n v u n§ e n. In England hat man kürzlich ein Instrument «funden, mittelst dessen man die Eingeweide förmlich ausräumen und schädliche Dinge, welche stch darin befinden, auf die Seite schaffen kann. Bei Vergiftungen ist dieser'Apparat besonders zweckdienlich und seine Anwendbarkeit wurde bereits durch vielfache Proben außer allen Zweifel gestellt.— Es ist recht Schade, daß es noch keine!» scharfsinnigen Forscher gelungen ist, eine Pumps auszudenken, durch welche man aus verdorbenen Gemüthern den bösen Samen ausreuten könnte oder einen Trichter, welcher im Stande wäre, Talente, Fleiß und Kenntnisse einzugießen, ohne daß manisich mit Lernen zu plagen brauchte. Wie vielen ungerathenen Kindern und bösen Menschen könnte man damit helfen! GmUfehlenswerthes Vuch. Dasselbe ist kürzlich in der Friedrich Beck'schen Universitäts-Buchhandlung, sehr würdig ausgestattet, erschienen und führt, den Titel:(lsj. Lslu- stii bollui» sialiliaarium st^ns stutzurtliinum, wsibus juv. sclcomm, kappsur. Vol. 2.— 88 Die Art, wie Herr Professor Pappaur seinen Klassiker beleuchtet und interpretirt, scheint uns die beste und allein eine solche zu seyn, wie sie der studierenden Jugend Noth thut. Er begnügt sich nicht bloß damit, die^ schwierigen Stellen zu übersetzen; nein, er sucht dem jugendlichen Leser den Geist des Autors ersichtlich zu machen und lehrt ihn, in die Idee und Denkungsweise desselben einzugehen. Dabei ist die Latinitat des Herrn Pappaur eine wahrhaft ausgezeichnete, wie sie in unserer Zeit der Barbarismen und des Küchenlateins leider eine Seltenheit geworden ist. Wir stehen daher, wenn gleich die vorliegende Arbeit für Grammatikalschüler doch wohl etwas zu schwierig und mehr für Humanisten geeignet seyn dürfte, nicht an, der Leistung des Herrn Pappaur eine» Rang neben den Verdiensten eines Döring, Mitscherlich u. A. einzuräumen und dieselbe als ein höchst gelungenes, werthvolles Ergebniß gediegener und klassischer Studien auf das Wärmste anzuempfehlen. Möchte doch Herr Pappaur auch andere Autoren, einen Suetonius, Tacitus u. dergl. einer ähnlichen Bearbeitung unterziehen; sicher würde er damit die studierende Ju-> gend und alle einsichtsvollen Lehrer zu hohem Danks verpflichten! Mumen im Winter. Blumen sind die schönsten Kinder des Lenzes und jedes Herz freut sich ihrer Reize. Jeder saugt mit Vergnügen den Duft ein, welcher ihren Kelchen entströmt. Doch leider welken sie schnell und erfreuen sich nur eines kurzen Daseins; so, daß man selten lange ihrer Blüthe froh werden kann. Wem sollte daher nicht die Mittheilung eines Verfahrens willkommen seyn, durch welches man sich auch während der Winterstrenge den reizenden Anblick von Blumen verschaffen kann, und zwar nicht von künstlichen, sondern von wahren, natürlichen Kindern Florens. Um dieß zu bewerkstelligen, schneidet man einen Zweig von einem beliebigen Blumenstocks ab und läßt ihn durch eine oder zwei Stunden in fließendem Wasser liegen, damit der Rauchreif, womit die Rinde umkleidet ist, aufgelöst und die Knospen erweckt werden. Hierauf trägt man den Zweig in ein warmes Zimmer, stellt ihn in Wasser und schüttet ungelöschten Kalk hinein, den man nach Ablauf von zwölf Stunden wieder beseitigt. Dann mengt man ein wenig Vitriol in das Wasser und verwahrt es so vor Fäulniß. Einige Zeit darauf werden die Blumen zu sproßen und Blätter zu treiben beginnen, welches beschleunigt werden kann, wenn man die Mischung mit Kalk verstärkt. Bedient man sich desselben gar nicht, so kommen frü- 6 W her die Blätter als die Blumen züm Vorschein und der ganze Entwickelungs-Proceß gedeiht etwas langsamer.— Es soll Ref. sehr freuen, wenn seine jungen Freunde das angegebene Verfahren anwenden und ihn von dem erfreulichern Resultate desselben verständigen. Erfüllter Wunsch In einem Theaterstücke, welches eben aufgeführt werden sollte, waren mehrere Bücher in prächtigem Einbande nöthig, die auf einem Tische liegen sollten. Vergebens bemühte sich der Requisiteur, dergleichen Bücher zu finden und wendete sich endlich in seiner Verlegenheit an den Director. Dieser besann sich eine Weile, dann gab er den Bescheid: In meinem Kabinette liegt eine ganze Bibliothek von Manuscripten des Dichterlings Pü***, der mir seine Opera immer in Prachtbänden überreicht; nehmen Sie diese, Herr Requisiten-Meister; der Verfasser wünscht ohnehin Nichts sehnlicher, als daß sie einmal— auf's Theater kommen möchten! r Gstiske n. Wenn die Ostiaksn, eine halbwilde Nation im- nördlichen Asien, Jemanden beweisen wollen, daß sie 91 es recht gut mit ihm meinen; so wünschen sie ihm, daß er der Luft gleich werden möchte, d. h. so leicht, sorglos und schmerzenfrei als diese.— Bei den Ostia- ken muß es wahrscheinlich nicht viele— Windbeutel geben! A t U rr v e n j ä h l u n g. Reisende in Italien, besonders zu Rom, können sich nur selten mit der Berechnung der Zeit abfinden, wie sie dort üblich ist. Eine kleine Belehrung hier- -über dürfte nicht schaden.— Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang zählt der Italiener die erste Stunde; daher ist ungefähr um die Zeit des Solstitiums bei ihnen um halb sieben Ein Uhr und die Mittagsstunde nach unserer Rechnung bei ihnen halb achtzehn. Zu Mittag werden die Thurmuhren, je nachdem der Tag ab- oder zunimmt, vor- oder zurückgestellt; doch richtet man sich hierbei meistens nach der Ave-Maria-Glocke, die eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang gelautet wird und nach welcher übelberüchtigte, verdächtige Personen ihre Wohnung nicht mehr verlassen dürfen; wer dann eine verläßliche Auskunft über die Zeit haben will, richtet den Seiger auf Zwölf, damit er auf die erste Stunde losgehe. Da aber gewöhnlich dieß Reguliern der Uhren erst eine Viertelstunde nach jenem Zeichen geschieht; so herrscht meistens keine geringe Verwirrung rück- 92 sichtlich des Zeitmasses, wozu auch noch der Umstand wesentlich beiträgt, daß die Zifferblätter nicht vier und zwanzig Zahlen haben, sondern nur zwölf; weß- halb man dreizehn Uhr sagt, wenn der Zeiger auf Eins steht. Dessen ungeachtet halten die Italiener ihre Srundenzähmng für die beste und zwar aus dem Grunde, weil man, wie sie behaupten, auf den ersten Blick nach der Uhr sehen kann, wie viele Stunden vom Tage noch übrig sind und dieß— so glauben sie— ist die Hauptsache.— Je nun, länd-- lich, sittlich! Der Spielberg Diese einst so berühmte Beste zu Brünn, der Hauptstadt Mährens, die aber feitder zweiten französischen Invasion bedeutend verloren hat, soll im grauen Alterthume eine Residenz von Königen der Quaden gewesen seyn.— Seltsamer Kontrast!— einst ein Sitz des Glanzes und der Hoheit; jetzt ein Kerker für Verbrecher— ein Schauplatz des Jammers und der Entwürdigung! ^ o r f K 1k. 9 e^ahre schwinden und man altek. Das Gefühl in uns erkaltet, Maltern Laufes rinnt das Blut, Welkend sinkt der Lebensmuth, Und der Jugend rosig Grün Stirbt in fahlem Gelb dahin. Trüb umzieht sich dann der Himmel, Und der Flocken Schneegewimmel Rieselt nieder auf die Au; Alles färbt sich düster-grau. Selbst der Stunden Wechselzug Schleppt sich fort mit Bleiesflug. Dann, mit gar bedächt'ger Miene, Sißk man fröstelnd am Kamine, Harrend, ob der faule Tag Freud, ob Leid uns bringen mag. Lauscht auf Mährchen— gähnet— schmälf— Weil die lange Weile quält. O wie schön ist's dann, wenn Thäte Die uns einstens wvhlgecathen. An dem halberstorb'nen Sinn Zieh'n als frische Bilder hin; Kündend, daß des Lebens Mai Uns nicht nutzlos floh vorbei. O dann will'», wie tausend Leben Um uns, in uns sich erheben; Bild an Bilde tritt hervor. Spricht zum Auge, tönt an's Ohr, Weckt ein Echo.in der Brust, Nachklang junger Lebenslust. Wie der Degen dort sich rühret. Den wir rühmlich sonst gesührek! Wie der Bände Zahl im Schrank UnS verbürgt der Nachwelt Dankt Wie sich Enkel, Schüler, Freund, Segnend um uns her vereint! Und sie seh'n die Silberhaare, Preisen unsre langen Jahre, Streuen Blumen unsrem Pfad, Zittern, wenn der Tod uns naht; Ihre Liebe macht uns jung. Blühend in— Erinnerung« 95 Unsre Worte, unsre Blicke, Scheinen ihnen eine Brücke, Die des Daseins raschen Lauf Führt zu Ruh' und Ruhm hinauf; Denn der Greis im Ehrenkleid Ist ein Denkstein seiner Zeit. Freunde, laßt zu gleichem Streben Uns die Hände ehrlich geben, Würd'gem Ringen sei geweiht Unsres Daseins ganze Zeit! Zeigen soll der Greise Bild, Daß wir unsren Schwur erfüllt! D. Red. Treihhaus-Rultur. einer der letzten Sitzungen der Garten-Kultur- Eesellschaft zu Paris hielt Herr Soulange- Badin einen Vertrag über die sogenannte Treibhaus-Kultur, worin er die Geschichte dieses Zweiges der Kul tur von den ältesten Zeiten bis auf unsere Tage entwickelte und eben so sehr den Gegenstand erschöpfte, als er seinen scharfsinnigen Forschergeist und seine tiefe Gelehrsamkeit erprobte. Wir entlehnen aus der fraglichen Abhandlung Einiges, das von allgemeinem Interesse seyn dürfte und glauben damit unseren Lesern eine abwechselnde und zugleich belehrende Lectüre zu biethen. Nach einigen allgemeinen Andeutungen über den Nutzen dieser Kultur-Gattung, geht der Redner auf die Urzeit Roms über und beweist, daß weder wahrend des Königthumes, noch unter der 97 epublikanischen Verwaltung durch die Einfachheit der Sitten eine andere als eine höchst einfache Einrichtung der Gärten zugelassen worden sei. Erst/ als der Luxus seinen Zauber über die Römer zu üben begann, entwickelte sich eine immer ungemeffenere Vorliebe zu den Blumen, ja, es mußten dießsalls sogar bestimmte Gesetze erlassen werden, indem m an nur ausgezeichneten Personen Blumenkronen bewilligte; doch diese Beschränkung war vergeblich und beinahe täglich fanden Übertretungen derselben Statt. 7— Rom zeigte sich auch hierin als Nebenbuhlerinn Athens, wo Kränze, mit Rosen, Nelken, Narzissen, Violen und anderen Blumen durchflochten, den Häuptern der Schönen als Zierde dienten, wie man -mit dergleichen die Tempel behängte, die Priester schmückte und die Festmahls bestreute. Man schrieb damals den Blumen die Eigenschaft zu, daß sie die Ausdünstungen d?s Weines niederschlügen, den Verstand schärften, die Ideen klarten und der Heiterkeit neuen Aufschwung verliehen.— Griechenland hatte diese Sitte dem Morgenlande abgelauscht und Rom überkam sie von den Griechen. Tausend und tausend Hände waren unabläßig beschäftigt, bald ' KM - W 98 einfache Blumengewinde zu schaffen, bald Kranze oder Sträußchen, mit sinnbildlichen Andeutungen und Allegorien durchzogen— die gewöhnliche Blumenzucht konnte den dießfälligen Anforderungen bald nicht mehr genügen und man flüchtete nun zur zwangsweise« oder Treibhaus-Kultur, um jenen Bedarf zu decken. VerreS, wie ihm Cicero bitter vorwirft/ ruhte als Statthalter von Siciiien auf einem rosenbespreng- ten Bette, die Stirne mit Blumen bekränzt, an den Kleidern mit Guirlanden behängt;—Heliogabalus, ein leidenschaftlicher Freund derMvsen, wollte mit ihnen die Gemächer, die Hallen, die Tische, die Lagerstätten bestreut haben, und wenn die Rosen bei einem Gastmahle der Kleopatra ein Talent kosteten, so ist dieß immer noch Nichts gegen das berüchtigte Festgelage Nero's, wobei die Rosen auf zehn Millionen Sesterzien zu stehen kamen; zu Zeiten Marzi- als war die Leidenschaft für die Rosen so groß, daß man, um ihr Treiben zu beschleunigen, die Stocke mit warmem Wasser benetzte. Doch nicht die Rosen allein wurden damals von den Römern der Qual einer zwangsweise» Kultur unterzogen: es ist bekannt, daß sie auf ihren söge- 93 nannten Spekularien auch den Wachsthum verschiedener Pflanzen in Gläsern beschleunigten und auf solche Art konnte auch Liberius seine Lüsternheit nach Melonen befriedigen, welche das ganze Jahr hindurch auf seinem Tische seyn mußten. Eben so wußten die Römer in jeder Jahreszeit Pfirsiche und Weintrauben zu erzwingen und mehrere Geschichtschreiber versichern/ daß dieß mitte! erwärmter Beete und einer künstlichen Wärme geschehen sei, welche sie durch die Wände der Spaliere durch eigene Röhren zu leiten wußten. Zur Zeit der Völkerwanderung ward die Gartenkultur ein ausschließendes Geschäft der Mönche: sie allein befaßten sich in einigen Gegenden Italiens, Frankreichs und Spaniens mit derselben, wahrend die Einwohner, zufrieden mit dem Ertrage des fruchtbaren Bodens, wenig daran dachten, ihm ein reicheres Ergebniß abzunökhigen. Um so mehr gedieh die Treibhaus-Kultur in Holland, einem Lande, wo die Blumengöttinn ihren Hauptsitz aufzuschlagen begann; die Botaniker zogen allmälig auch das Gartenwesen in ihre Wissenschaft und Boerhave weihte seine^Liebe dem Garten 100 R d'ü- -- zu Leyden, so wie Linus jenem zu Upsala. Zu An« fang des XVH. Jahrhunders verlegte man sich in Holland bereits mit großem Vortheile auf die Erzie- lung doppelter oder gefüllter Blumen und um die Hälfte desselben Säkulums gedieh die sogenannte Florima- nie(Blumenwuth) auf den höchsten Grad. Im Jahre rb33 ließ die Stadt Alkmaar 120 Tulpen im Versteigerungswege hindangeben und sie brachten dem Waisenhause, welchem der Ertrag gewidmet war, an 9000 st. ein.— Eden so wichtig erzeigte sich die Industrie der Holländer in der künstlichen Zeitigung des Obstes, womit sie in jedem Jahreswechsel alle Höfe von Europa versorgten. In den nördlicheren Ländern, welche wegen ihrer Beschaffenheit weniger für die natürliche Produktion geeignet sind, ist begreiflicher Weise das Talent, die industrielle zu erwecken, um so werkthati- gsr. Sicher findet man zwischen den Glasscheiben der Häuser in Berlin, vor dem Beginne des Frühlings, eine größere Menge blühender Gewächse, als bei allen Blumenfreunden in Paris und es ist Thatsache, daß Friedrich der Große auf gleiche Weise die Obstbaume pflegen ließ, die man ihm aus Hol- Ittl land gesendet hatte, wie er sich denn auch noch auf dem Todtenbette um das Reifen feiner Ananas bekümmerte, weil er sich mit der Hoffnung schmeichelte, er werde sie noch genießen können. Peter der Große, Katharina H. und Alexander begünstigten mit Liebs die Garten-Kultur in Rußland, welche auch in der Umgebung von Moskau und St. Petersburg solchen Aufschwung nahm, daß man daselbst noch jetzt während des ganzen Sommers die Straßen voll Blumenhändlern trifft, die mit den, in ihren Treibhäusern erzielten Gewächsen, großen Verkehr üben. Vorzüglich den Bemühungen Knights, eines be- rähNtett Naturforschers und Gartenfreundes, hat es England zu verdanken, daß seine Treibhaus-Kultur beinahe vollendet genannt werden darf: eine angenehme Wärme kreist behaglich durch die Beete und Gewächshäuser, in denen die Gemüse und Bäume gezogen oder verwahrt werden; der Rauch, der Dampf und siedendes Wasser werden durch Maueröffnungen und unterirdische Röhren geleitet und Nichts wird verabsäumt, um eine Beeinträchtigung der Vegetation zu verhüthen. 102 Die ersten Warmhäuser wurde» in England unter Karl H. erbeait und der berühmte Kanzler Bako rieth deren Gebrauch nicht nur bei Bäumen anderer Klimate, sondern auch bei den einheimischen an. Im Jahre>792 bediente man sich zuerst der Dämpfe heißen Wassers, um die Treibhäuser zu erwärmen, und man schreibt diese Methode dem französische» Naturforscher Bonnemain zu— seit>8,5 ist sie ziemlich allgemein geworden. Was endlich Frankreich betrifft, so ward der Pflanzengarten unter Ludwig XIII. beendigt; unter Ludwig XIV. erwarben sich Fagon und O.uintynie wesentliche Verdienste um die Horrikultur, welche gegenwärtig in Legrand, Morcäs, Lasiere, Belleville, Mare, Lvmon und Anderen ihre vorzüglichsten Stützen zählt. Die Deutschen waren auch in Bezug auf ihre Gärten stets die Nachahmer fremder Nationen; indessen besitzen wir in Hirschfeld's Theorie der Gartenkunst^Leipzig 1779) ein Werk, das in diesem Fachs wohl die Leistungen aller andern Völker übertreffen dürfte. A rr h a l t Seite Die heilige Weihnacht 1 Das Kirchlein auf der Höhe 7 Liebesgeschichte eines jungen Flcischhauerknechtes. 23 Kaiser Friedrich der Verschwundene 27 Der verlorene Sohn 31 Gutenstein 63 Diokletian und der Einsiedler......... 74 Museum des Mannigfaltigen. Buchhändler-Speculation.. 86 Mitgift einer Braut. gz Steinkohlen 84 Ein schlechtes Compliment.......... 82 Größe der Welt...............— Die Königinn der ganzen Welt........ 85 Erfindungen................. g? Empfehlensiverthes Buch.. Blumen im Winter gg Erfüllter Wunsch- M Östiaken Stundenzählung. gj Der Spielberg................ g, Borsaß................... gz Treibhaus-Kultur.............. gg s «