ä k 8 8 I s 8 8 X ä 8 8 588 XI88 8 0 i< 8 ^ 5 8 I /f I ! 0 8 iif- läL: ^^VISo^Lk? 00 L^ «O^Lk^ s.Ls^.s rOkricii ^ ^v»sottc^Z-oeeE «o^w r. es >^.s. runien /> dl o »PPIN/i -;^SL MMN >«L!.Ltt 0 ! ^>ioi 5 e«ck?^ o^ .^M 8 cN! «onLk, ^ es ^.«s. rüK»e« Lcs^.s.rümett >cx sr k- I X n !/Xk^ kr > ^ WD ZUM ZMs U2S--7 Die Entwicklung des Weltkriegsgebiets. In anschaulicher Form zeigen diese 4 Kärtchen das Umsichgreifen des Weltbrandes. Zunächst das Ausflackern des Kriegsfeuers zwischen Oster- reich-Ungarn und Serbien, dann nur wenige Tage darauf die Ausbreitung des Brandes über den größten Teil Europas, Afrikas, Australiens und des nordamerikantschen Kontinental- und Jnselgebiets. Sogar Südamerika bekam sein Teil davon ab. Und nun seit November 1914 und Mai 1915 noch die Türkei und Italien in den Krieg herein gezogen worden sind, dürste nicht mehr viel daran fehlen, daß V-> der bewohnten Erdoberfläche vom Krieg berührt sind. . »«s L > 7 L n X z X X e n fU«r xiex ooxuxexiziiox I^688?OSI (61-32) Wünsche. Aus Gegenwart und Zukunft. Umbraust vom Jubel der Wiener Bevölkerung ist gestern der Kaiser nach seinem Sommersitz in Ischl abgereist. Dort in den mächtigen, füllen Bergen, umrauscht von tiefen Wäldern, liegt die Kaiservilla, zu der den Monarchen Ischls Jugend mit silberhellem Jubelruf geleitet. Dorthin richtet sich nun einer der sehnsüchtigsten Wünsche ganz Österreichs: daß der Kaiser völlig genese und auch die letzten Spuren jener schweren Krankheit verschwinden, die lange die größte und schwerste Sorge der Völker dieses Reiches war. Nun ist sie gewichen und hat der frohen Hoffnung Platz gemacht, daß der alkverehrte Herrscher im Herbste wieder neu gestärkt und mit frohem Sinne nach Schönbrunn heimkehren werde. Das Gefühl, das allüberall in Österreichs Gauen lebt, liegt weitab vom Begriff des Byzantinismus. Nicht um äußerer Gunstbezeigungen willen hängen Österreichs Völker an ihrem Herrscher; es ist eine innige, tiefe Lebensgemeinschaft, die sich in Jahrzehnten entwickelt hat, es ist die Folge vieler fröhlicher und noch mehr ernster Stunden, die. der Monarch mit seinen VMern und diese mit ihm geteilt haben. Eine Lebensgemeinschaft, die sich persönlich und sachlich äußert und die in diesen Tagen fester denn je ist. Tenn wer wollte zweifeln, daß auch der I Lebensabend des greifen Kaisers Vor schweren Sorgen nicht Lcloahrt bleibt? Ter Kampf, der ! das ganze Reich im Innern in Atem hält, der das Parlament erstickt und die Vertretungskörper gjelLHMt hat, er bildet den steten Kummer des einsamen Mannes in Schönbrunn, eine Sorge, die ihm nun auch nach Ischl folgt. Tie scheinbare Rühe, die über Men innerpolitischen Wassern ruht, ist nicht der Friede, nicht die Erfüllung des Wunsches nach Stetigkeit, sie ist vielmehr der stpmme, aber deshalb nicht minder starke Ausdruck einer Krise, die überwunden und durch- ^ gekämpft werden Muß. Den sonnigen Tagen in Ischl werden sehr stürmische Herbsttage folgen, die alle heute niedergehaltenen Kräfte frei machen Und wieder auf düs innerpolitische Kampfesfeld führen werden. Das Parlament ist nicht tot, es lebt und muß leben, um seiner selbst und um des Staates willen, der heute mehr gierige Feinde als wahre Freunde zählt. Das ist das Ziel, dem zugestrebt werden muß: es muß ein Parlament geben und dieses Parlament Muß arbeiten, muß schaffen, muß sorgen für die Völker, wie es der Monarch in langen Jahrzehnten in unermüdlicher Fürsorge und turnter vielem Leid getan hat. Wer würde nicht wünschen, daß es dem Kaiser noch gegönnt sein möge, den inneren Frieden, den Bau jener großen Brücke zu erleben, die Von Volk zu Volk führt und alle in dem einen Streben nach dem Wähle des Staates eint? Und wer würde nicht wünschen, daß es ihm gegönnt sei, den Arm des Reiches frei zu sehen, der heute durch die Balkanwirren gefesselt ist? Man verkennt die Bedeutung der Kämpfe in Albanien, wenn man sie nicht mit den LebcnsnotwendWeiten der Monarchie in Beziehung bringt. Die Straße von Otranto' ist kein leerer Wahn. Und das in den russischen Blättern immer stärker betonte Verlangen nach! > Aufteilung Albaniens Unter Serbien, Griechenland und Montenegro zeigt klar ans, daß es sich Um nichts Anderes handelt, als die Monarchie dom Orient, vom Mittelmeer abzubinden, sie also an' einem ihrer empfindlichsten Lebensnerven zu treffen. Ja, wenn cs die Diplomatie Verstanden ! hätte, damals, als der große Brand auf dem Balkan begann, die Bedeutung der Monarchie als ersten BalLanstaat nicht nur zu betonen, sondern auch zu erweisen, dann gäbe es keine albanische Sorge, dann drohte nicht der Bruch des Bund- ' nisses mit Italien wegen der karstigen Berge und. klippenreichen Küsten Albaniens; da stände viel-' leicht Griechenland als unser Freund Und Verbündeter aus der Wacht; da gäbe es kein Konstanza und keine bulgarische Frage. So aber sind Kriege verloren worden, die nie geführt wurden, Freund und Feind sind unsicher und die Zu- ^ kunst hüllt sich in dunkles, nebliges Grau. ' Das sind die drückenden Sorgen der nächsten Zeit. Und davon möchte alles befreit sein, um' in freudiger, friedenssicherer Arbeit sich ausleben zu können. Mag die Erfüllung dieses Wunsches auch noch weit sein, mag sie vielleicht niemals kommen, Wünsche hegen darf man und. schöne Märchenschlösser bauen, Von einem starken Reich, von einem sicheren Frieden, von einem glücklichen Kaiser, von seinen einigen Völkern. »«s c l 7 e n X1X »< c n fU« 00XU«5»i7ä7l0«i I^6LS?03I (6raa) >d-" ^LL'^SQS. GrOGßkrrcilh — GrohZrrbim. Ursachen des Sarajevoer Attentates. Ohne dem Ergebnis der Untersuchung vorzugreifen, kann heute schon als feststehend betrachtet werden, daß der Anschlag aus den Thronfolger Und seine Gemahlin in Sarajevo von langer Hand vorbereitet und bis in die Einzelheiten hinein festgesetzt war. ^ Noch mehr: von dem Plan müssen lange vorher schon sehr viele gewußt haben. Nicht nur in denjenigen Kreisen, die mit den Verhältnissen vertraut sind, und in steter Berührung mit Bosnien stehen, auch im Auslande hat man davon gesprochen und erzählt, daß in Sarajevo sich etwas Drohendes vorbereite. Selbst aus London, wo kurz vorher der sattsam bekannte Ex- krvnprinz Georg Von Serbien weilte- kommt die Nachricht, daß sein Benehmen dort ausgefallen sei. Der Verstand wehrt sich dagegen, aber es ist nicht zu leugnen, daß viele Indizien für den Verdacht eines weithin verlaufenden Komplottes sprechen, an dem nicht gerade nur die unteren! Schichten der serbischen oder genauer der Belgrader Bevölkerung beteiligt sind. Der König tritt Plötzlich eine Badereise an und übergibt die Regierungsgewalt dem Kronprinzen. Dieser erbringt sein Alibi durch eine Reise nach München. König Nikolaus von Montenegro ist trotz der schwierigen Lage an der albanischen Grenze fern von seinen schwarzen Bergen in — Österreich. Das muß selbst dem simpelsten Beobachter auffallen, das Vvlks- gefühl sucht begreiflicherweise nach einer Erklärung, die seine Empörung und Erbitterung begründe. Verstand Und Gerechtigkeit aber verbieten, dem Gefühle nachzugeben und die Reihe von Verdachtsmomenten zur Beschuldigung werden zu lassen. So fernab ein bestimmter Verdacht auch'liegt, so ist doch eine Richtung des Verdachtes nicht zu leugnen: es ist nicht zu verkennen, daß der Thronfolger der Großstaat-Jdee zum Opfer fiel, deren mutigster Und furchtlosester Vertreter er war, derselben Großstaat-Jdee, deren Widerspiel der Größenwahn ist, den man in Serbien hegt und der seine Tendenz gegen die Monarchie Und ganz besonders gegen die Reichslande richtes.'-Erzherzog Ferdinand ist nicht nur zu dem Zwceck nach Bosnien gekommen, nur den Manövern anzuwohnen, sondern vornehmlich, um die Zugehörigkeit des Landes zum Reiche und zur Krone in besonders starker Weise zu manifestieren. Das hat die großserbische Propaganda gewußt und zu dem entsetzlichen Schlage ausgeholt, in der Meinung, eine Idee vernichten zu können, indem sie ihren vor- 'neh-Msten Träger tötet. Die Flucht des Serbenführers Jestanovic — wie zum Hohne verfügt er über eine Birilstimme im Landtage, also über ein ganz besonderes Vorrecht — zeigt/ wie weit di? Mden des Netzes gesponnen sein mußten, das über das Haupt des Thronfolgers gezogen war. Tie Attentäter kommen von Belgrad, die Bomben und Waffen erhalten sie dort um> Geld dazu, um ihr scheußliches Verbrechen verüben zu können. Ta hilft keine offizielle Entrüstung, kein Beileidstelegramm, der Verdacht weist mit dem Finger nur allzu deutlich nach jener Richtung. Tiefen Augenblicksgefühlen hat die kroatische und moslimische Bevölkerung Ausdruck gegeben, als sie in Agram und Sarajevo auf die Straße zog, die serbischen Läden und Kaffeehäuser stürmte und das Haus des geflohenen Ssrbenführers Jeftano- vic demolierte. Das erklärt wenigstens Exzesse, die gewiß niemand verteidigen kann, nicht einmal dann, wenn sie' wirklich Schuldigen gegolten haben. Durch Ausschreitungen wird das Unglück nicht ungeschehen gemacht, die hochverräterische Propaganda nicht unterdrückt, nicht einmal Vergeltung geübt. Das ist nur der elementare Ausbruch des aufflammenden Hasses und der Empörung, der zerstören kann, aber nicht bessern, nicht bauen, nicht halten. Und darum handelt es sich. Die Idee des großen starken Staates an der Donau, die soll nicht mit dem Morde in Sarajevo fallen, sondern gefestigt werden. Sie muß mit Zähigkeit Und Ausdauer, aber auch mit eiserner Konsequenz verfolgt werden, aus Gründen der staatlichen Notwendigkeit und der Pietät für den, der dafür sein Leben zum Opfer geben mußte. _—- X i «8 c 17 c n x > »< u e n f u n v i cx o o X u 1 L X 7/l 7 ! o X I^6L8?O8U (6r-32) > 5 .: 7 ^ 8 : ^ 7 - ^ Enthüllungen. ^Man sieht immer tiefer, immer deutlicher das Wohlvorbereitete der Bluttat von Sarajevo. Wir wissen zwar schon, daß es nicht die Tat einzelner Fanatiker ist und nicht sein kann. Dafür gibt es genug Indizien. Besonders bezeichnend aber ist ein Satz aus einem Belgrader Blatt, das zur unfreiwilligen Schuldbekennerin dadurch wurde, daß es nicht schweigen konnte: „Der österreichischungarische Thronfolger möge sich Bosnien und die Herzegowina diesmal gut ansehen, denn es ist das letzte Mal, daß er dazu Gelegenheit findet." Diese verräterischen und liebevollen Worte standen, wie das „Berliner Tageblatt" mitteilt, in der Tonnerstagnummer der in Belgrad erscheinenden Zeitung „Nowosti". Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß das Spinnennetz der Verschwörung seinen Mittelpunkt in Serbien hatte, so ist der Beweis damit erbracht. Man hat das Attentat also angekündigt, hat aus der Schule geschwatzt, Und wenn wir ein weiteres Beweisstück an das erste reihen wollen, so brauchen wir nur die vorangehende Nummer des gut informierten „Berliner Tageblatt" zu zitieren, worin ganz trocken gesagt wird, daß die von Cabrinovic verwendeten Bomben nach seinem eigenen Geständnis aus der serbischen Geschützfabrik in Kragujevatz stammten, daß bei ihm der „Narod", das Blatt der serbischen Opposition in Bosnien, gefunden wurde, dessen H'etzartikel an diesem Tage von der serbischen Trikolore umrahmt war und daß endlich auch drei Montenegriner mitverhaftet wurden, über die vorläufig Stillschweigen herrscht. Nun? Wir denken, das Anklagematerial -häuft sich bereits in einem Grade, daß es auch ruhig Denkenden schwer wird, die Anklage nicht zu erheben.- Ter Traum eines allserbischen Reiches soll mit allen Mitteln Wirklichkeit werden, und so mußte nach serbischer Logik derjenige fallen, in dem sich die hindernde „imperialistische Idee", has ist nichts anderes als Österreich, verkörperte^ Was der Erzherzog gewollt haben mag — „die Versöhnung der Südslawen mit Österreich Unter Wahrung des Bestandes der Monarchie" — das eben wollen sie nicht: die Zerstörung Österreichs ist ihr ostorum nsnsso und bei diesem Streben wissen sie starke Mächte hinter M.j Es ist nur die Frage, ob sich die grvßserbischen Träumer dabei nicht verrechnen werden; denn die Geschichte aller Attentate hat bisher noch gelehrt, daß das Gegenteil davon eintrat, was man zu erreichen strebte, daß man Entwickelungen eher ausgehalten als befördert hatte, und im vorliegenden Falle hat die Monarchie, an deren Repräsentanten man sich vergriff, die Sympathien Europas in einer Fülle gewonnen, die wohl außerhalb der Belgrader Absichten lag. Und dann — es ist fast banal, davon zu sprechen — mögen sich die Balkan- Verschwörer zu ihrem eigenen Vorteil vor einer Unterschätzung Österreichs Wien. Man hat einen Mann beseitigt, nicht seine Ideen, nicht die Macht, die deren Verwirklichung dient: die österreichisch- ungarische Armee. Möge -unser Österreich noch'so unterwühlt sein —- die Ideen des Thronfolgers werden wie ein Vermächtnis, und nicht bloß aus Pietätsgründen, übernommen: die Armee ist die Einheit, Und wo Einheit ist, da ist auch Stärke. z k ö I I I L k X ä !- 6 si 0 k k ! 5 X' ^65I7MI70!^ Me Leichenfeier mit New K 14 . < Wien, 80. Juni. Der Präsident der italienischen Kammer hat „der Schwesterkammer in Wien den tiefempfundenen Ausdruck herzlicher Solidarität in ihrem Schmerze entboten". Herr Carcano hat einen Irrtum begangen: er hätte sich an den Z 14 wenden müssen, denn der „repräsentiert" zurzeit die österreichische „Kammer" ... Er sollte morgen das Reichsgesetzblatt lesen und da würde er schon erkennen, in welchem Zustande sich das verfassungsmäßige Leben in Oesterreich befindet! Der Reichsrat wird also nicht einberusen und weder im österreichischen Abgeordnetenhaus noch im Herrenhause wird man der Trauer über die Ermordung des Thronfolgers noch dem Schmerz über den Verlust, den die Monarchie dadurch erlitten, wovon allem die Nekrologe voll sind, Ausdruck geben. Wir Sozialdemokraten sind bei derlei Kundgebungen nicht gerade die Beteiligten, können also den Skandal sozusagen ästhetisch genießen. Betrachten wir also, wie die Sachlage für den Patrioten steht. Der Mann, der einstmals in Oesterreich herrschen sollte, der die Zuversicht bot, daß das Reich auch in der Zukunft gut geborgen sein werde, der wird ermordet, wird aus der Erwartung getötet, daß sein Heimgang das Reich in Schwierigkeiten und Gefahren stürzen werde, die den Feinden der Monarchie erwünscht und willkommen wären. Müßte sich bei den Patrioten nicht das Bedürfnis regen, den Gegnern zu zeigen, daß sie falsch spekulieren, wenn sie auf die Zerwürfnisse im Innern Oesterreichs ihre Hoffnung aufbauen; müßten die Patrioten nicht wünschen, der Welt draußen zu offenbaren, daß es wirklich so sei, wie es die offizielle Hymne beteuert: daß sich „die Völker heute enger denn ;e um den erhabenen Thron scharen"? Müßten die Patrioten nicht das Bedürfnis nach der Kundgebung haben, die sozusagen symbolisch die Erneuerung des „Gelübdes" wäre, „immerdar mit Gut und Blut einzustehen für den Glanz der Krone"? Es scheint, daß sie . es haben müßten; aber sie haben es nicht. Der wackere Stürgkh trägt nach dem „Scharen" keinen Wunsch, und die loyalen Männer im Abgeordneten- und im Herrenhause halten es aus, daß ihnen die Gelegenheit, ihre Anhänglichkeit und Treue zur Dynastie zu bekräftigen, vorenthalten wird. Man könnte meinen, daß es insbesondere die Herrenhäusler, die doch sozusagen die Quintessenz der Loyalität darstellen, als unerträgliche Benachteiligung empfinden würden, daß ihnen die Möglichkeit zu der solennen Kundgebung, die ganz Europa sieht und wertet, nicht gegeben wird. Aber da müßten sich die Herren vielleicht gar aus den Bädern und Sommerfrischen nach Wien bemühen, und dazu haben sie offenbar keine Neigung. Also kein Aufsehen gemacht und sich damit zufriedengeben, was Stürgkhs Allmacht zu verfügen für gut-befindet! Der Reichsrat soll ja, „wie zu erwarten ist", Mitte Oktober Zusammenkommen, und da können die Sylvester und Windischgrätz ihr „schmerzerfülltes Herz" noch immer ausleeren. Es wird zwar ein recht wunderliches Schauspiel sein, dieser Schmerz, der auf Eis gelegt worden ist und sich sozusagen terminmäßig entladet; aber die Leute haben sich in Oesterreich das Schämen so gründlich abgewöhnt, daß sie es gar nicht mehr fühlen, wie seltsam sie dastehen, wenn sie im eigenen Parlament mit der Kundgebung der Trauer zu allerletzt anrücken! Und wie kommt es, daß sich die Patrioten nicht fragen, wer danach den Beteuerungen ihres Schmerzes glauben werde? Darf es sich mit echter Trauer denn derart verhalten, daß man sie kundgibt oder unausgesprochen läßt, je nach den Umständen? Also seufzt und wehklagt, wenn gerade Saison ist, aber mit derAeußerung der Betrübnis zurückhält, wenn die Saison vorüber? Die angebliche parlamentarische Krise kann doch für Loyalitätskundgebungen kein Hindernis sein. Also wird im Grund auf die Feierlichkeit im Parlament verzichtet, weil der Reichsrat nicht tagt, weil Sommer ist! Es müßte, um in diesem Gedankengang zu bleiben, der offensichtlich der unserer Patrioten ist, jedermann mit der Zeit seines Todes vorsichtig sein, und er hätte sich die Folgen selbst zuMchreiben, wenn er im Hochsommer stirbt! Der alte Kaiser ist zwar von Ischl nach Wien zurückgekehrt und hat, kaum von schwerer Krankheit genesen, die Mühseligkeiten nicht gescheut, die der Erfüllung seiner Pflichten entgegenstanden. Aber daß sich der wackere Stürgkh den Mühseligkeiten unterziehen soll, die die Zusammenberufung des Reichsrates inmitten seiner glorreichen Z 14-Wirtschaft bedeutet, das wäre doch zu viel verlangt! Ist es nicht gleichfalls ein Bild dieser Staatlichkeit: daß alle europäischen Minister reden, nur der österreichische Ministerpräsident nicht! Es mag in vielem, was man in diesen Tagen vernimmt, nur die konventionelle Uebung sich ausdrücken Immerhin, überall hält man vor dem toten Thronfolger auf Etiquette, überall beobachtet man den Anstand, nur in den von Stürgkh regierten Landen nicht! Der § 14 ist wichtiger als die Rücksicht, die man dem Toten schuldet! Wir sind sicherlich nicht die ersten, die gerade hier darauf zu drängen haben, daß die Würde des Augenblicks gewahrt werde; aber wie wir wahrnehmen, findet es die gesamte Patriotenschar durchaus in Ordnung, daß die Vertretung der österreichischen Völker schweigt, während die Totenklage um ihren künftigen Kaiser durch ganz Europa laut wird. Seltsame Patrioten! Und hätten es die Patrioten nicht auch bedenken sollen, daß sie gerade jetzt alle Ursache hätten, die Schande zuzudecken, die das gegenwärtige Regieren ' über das ganze Reich bringt? Aber sie machen Europa auf sie erst recht aufmerksam! In dem hochmütigen Nullifizieren der österreichischen Volksvertretung wird doch vor allem auch sichtbar, wie ernst, wie' gewissenhaft die rechtsgiltige Verfassung hierzulande beobachtet wird; gewinnen dadurch aber nicht auch jene Stimmen an Nachdruck, die die letzte Ursache der grausigen Mordtat, des blutigen Verbrechens in Bedrückungen suchen, denen die Nationen in Oesterreich ausgeliefert sind? Und muß nicht die Meinung entstehen, daß hier slle Lehren und Mahnungen der Geschichte wirkungslos sind, wenn der elende Schlendrian, den das 8 14-Regime in so aufreizender Weise verkörpert, selbst von dem schrecklichen Ereignis nicht durchbrochen wird, das einem Thronfolger das Leben gekostet hat? Wenn dieser Bluttag nicht aufrüttelnd wirkt, nicht das Bedürfnis erweckt, der Verschlampung und Versumpfung im ganzen Reiche ein Ende Zu machen Und zur fruchtbar-schöpferischen Tat zu schreiten: was kann die Gewissen dann erwecken, was wird sie dann lebendig machen? Denn in Wahrheit ist dieser Graf Stürgkh ein Gleichnis, wie es jetzt in Oesterreich zugeht: im Trott der stumpfen Gleichgiltigkeit für alle Folgen, nur auf Ausreden bedacht, nur an den Tag denkend; dem Niedergang zu. Und daß dieses Regime ertragen wird, vor allem von den Patrioten ertragen, obwohl es den Patriotismus so gröblich kompromittiert; und daß es gehalten wird, obwohl die verwüstenden Wirkungen seiner Unfruchtbarkeit offen zu Tage liegen: das ist wirklich ein Exempel dieser wundersamen Staatlichkeit, in der der Wille zum Leben immer schwächer wird! Die Leichenfeier des ermordeten Thronfolgers in der Gestalt von Z 14-Verordnungen, die Verfassungsbrüche sind: höher geht's nimmer. Und die Patrioten ^ merken nicht, wie das teure Vaterland dasteht! ä si ö ^ ! I L si k ä i, k f 0 k ^ - 5 ff v 0 !( ll« ^ 1 ^ I > v !! 5 fjp.: -/?q ENMeNUW US: ^ Wien, 30. Juni. ? Nun ist sie wieder da, die fröhliche Hetze aus den schönen Tagen des Serbeurummels. Und 'alle unsere lieben Bekannten haben sich wieder eingefunden. Die „Reichspost", das „Neue Wiener Journal", die „Militärische Rundschau" und ihre serbischen Bruder- jorgane, die „Pravda", der „Piemont", der „Odjck" und tutti guauti. Auch die Mittelchen, die hüben und drüben gebraucht werden, sind die - alten und lieboertrauten. Die „Reichspost", der cs schon der Anstand geböte, Trauer, wenn der echte Schmerz fehlt, wenigstens zu heucheln und, soweit die .Mittel reichen, für einige Tage einen.würdigeren Ton 'anzunehmen, läuft natürlich wieder im Lügen und großmäuligen Drohen allen anderen den Rang ab. Ihre Redakteure verkleiden sich bald als erzürnte Krieger, die im Namen der Armee verkünden, ob man chenn noch lange die von Serbien zugefügtc Schmach 'tragen wolle, bald Hetzen sie ohne Maske nicht bloß zum Rüchekrieg, sondern auch zu einer Acnderung des Systems in den Rcichslanden — offenbar eine Aenderung in dem Sinne, daß der ^serbischen Propaganda die Wühlarbeit und die > Erzeugung von Attentaten erleichtert werde! Auch !die „Militärische Rundschau" und die übrigen alle sind schon erzbereit und auf dem Bormarsch nach Belgrad begriffen. Sehr wirksam werden sie unterstützt 'durch die gemütsverwandten Geisieserzeugnisse Belgrader Blatter vom Schlage der „Pravda", des „Piemont", des „Odjek" u. s. f. Diese scheuen sich in ' ihrer Unverschämtheit nicht, das Attentat gewisserlmaßen als Strafe dafür zu bezeichnen, daß die ^Manöver in der Herzegowina abgehalten wurden, an' „der Grenze der serbischen Brüder", oder in anderer ebenso geschmackvoller Fassung, es sei eine Sühne dafür, daß der Einzug des Erzherzogs am /Tage der Feier der Schlacht am Amselfeld statt- sand. Ob die elenden Schmierfinken wohl 'meinen, mit solchen brutalen Dreistigkeiten- vor Europa der serbischen Kultur eine Fürsprache zu halten? Man könnte von Balkansitten sprechen, erinnerte man sich nicht noch rechtzeitig, daß die. Wieners Preßsitten, ! verkörpert durch dis „Reichspost" und ihre Nachahmer, um keinen Grad feiner und daß die einen Gewissesilosen die anderen wert sind. Aber leider wird in diesem Falle nicht „ein Lumpenhund vom anderen abgetan," sondern das Unheil, das ein jeder in seinem Wirkungsfeld stiftet, verschärft und vergrößert sich durch die Hetzereien des anderen. Denn die serbischen Texte dienen in Wien wie die Wiener Texte in Belgrad dazu, das Feuer des Hasses und der Lüge zu nähren. AllerdinK, was in Wien und Belgrad so in Worten geleistet wird, hat in Taten — in Agram und Sarajevo — eine entsprechende Ergänzung erfahren. Ueber die blödsinnigen und rohen Skandale im Agramer Landtag, über die blutige Verunglimpfung der Serben Kroatiens durch die Frank-Partei ist freilich nicht viel zu sagen, eben weil cs die Frank-Partei ist. die einen geschminkten und forcierten Klerikalismus stets in der rohesten Form zur Schau getragen hat, und der die Denunziation als die vorzüglichste Form der der Betätigung patriotischer Gesinnungen seit jeher erscheint. Weit ernster sind die gestrigen Vorgänge in Sarajevo und ihre heutige Wiederholung in kleinerem Maßstabe in Mostar zu nehmen. Berichterstatter melden von den Wirkungen des kroatischen und mohammedanischen Patriotismus, er habe.. der Stadt straßenweise. ein -Aussehen verliehen, als hätte ein Erdbeben gewütet. Man fuhr gestern über einen hohen Straßenbelaz von Glasscherben und über zerrissene und zerschnittene, zertretene und vernichtete Waren hin. Man kennt dieses Bild; hundertmal ist es uns von Schilderen: dargeboten worden, als das Aussehen russischer Städte, in denen ein Pogrom gewütet hat. Der Vergleich ist nicht sehr ehrenvoll - für die Kulturhöhe unserer bosnischen Verwaltung, aber leider sehr zutreffend.' Freilich lautet die Entschuldigung: man habe doch auf die Kroaten und Mohammedaner nicht schießen können, um sie für ihren Patriotismus blutig zu bestrafen. Man soll überhaupt nie schießen und braucht auch nie zu schießen, sofern man rechtzeitig die fünf Sinne beisammen hat. von raschem Verstand und guten Willens ist. Hütte die Polizei zeitgerecht eingegrifsen, als die Demonstration handgreiflich zu werden begann, es wäre überhaupt zu keinen Gewalttaten und.Verwüstungen gekommen; hörten sie doch gestern sofort auf, als abgcpfiffen wurde. Aber die Herrschaften in Sarajevo, die um ihr Pöstchen zittern, weil unzweifelhaft ihre Kopflosigkeit an dem .. . grausen Gelingen des zweiten Attentats die Hauptschuld hat, brauchten eine möglichst eindringliche Demonstration der patriotischen Gesinnungen, um ihre politischen Verwaltungsergebnisse in ein besseres Licht zu setzen. Darum wurden zuerst beide Augen zugekniffen und bald war's dann zu spät. Nun darf man aber wohl fragen, was mit- solchen patriotischen Exerzitien eigentlich erzielt wird? Offenbar doch nichts anderes, als was die großserbischen Fanatiker wollen: ein Gefühl des Vcr- folgtseins 'nämlich bei der serbischen Bevölkerung Bosniens, eine Stimmung, in der sie desto leichter jeder chauvinistischen Agitation an.heimfälltl . Und? doch"entspricht öffenbar die Siedehitze,' in. der die Wiener Hetzblätter sind die Sarajevoer. Regisseure des Patriotismus reden und handeln, gar nicht den Empfindungen an manchen entscheidenden Stellen. An diesen entscheidenden Stellen herrscht nämlich eine beinahe bewunderungswürdige Ruhe der Auffassung. Sie kommt in der ganzen Veranstaltung der Leichenfeier und in manchen anderen Nebenumständen deutlich zum Ausdruck. Man hatte erwartet, daß gerade dieser Fall, wo der Tod seine Schrecken und sein Leid verdoppelt und verdreifacht hat, zu einer besonders feierlichen Form der Trauerkundgebung, zu einem besonders eindrucksvollen Trauergepränge den Anlaß geben werde. Doch im Gegenteil, so weit es nur geht, wird diesmal alles Gepränge gemieden, alles auf die einfachste und kürzeste Form und Art gebracht, die nur möglich ist. Den Fürsten des Auslands, die ihrem Mitgefühl durch Teilnahme an der Trauerfeier Ausdruck geben wollten, " wurde" abgewinkt, nur der deutsche Kaiser ließ sich als persönlicher Freund schließlich doch nicht abweisen. Als Grund für diese Einschränkung des Trauergefolges wird angegeben: die Enge des Raumes der Hofkapelle und die Kürze der Zeit. Es steht also offenbar keine andere Kirche zur Verfügung und auch die Frist der Bestattung ist unmittelbar drängend. Endlich wird die Feierlichkeit des Leichenbegängnisses , schon dadurch auf das geringste Maß gebracht, * daß man die Leiche des Erzherzogs nicht in die Familiengruft aufnimmt. Angeblich soll er einmal eine Aeußerung über den Lärm, den die Elektrische auf dem Neuen Markt macht, getan haben. Das Geräusch lasse die Toten nicht schlafen. Nun dieser Scherz wird wohl nicht gut als letzte Willensmeinung ausgegeben werden können; was aber sein Testament anlangt, so wurde es erst heute eröffnet, die Verfügungen über die Bestattung waren jedoch schon vorher getroffen. Liest man gar die Schilderungen des höchst bescheidenen Mausoleums in Nrtstetten, so wächst das Erstaunen über die Bereitwilligkeit, einen letzten Willen zu erfüllen, che man ihn noch authentisch kannte. Indessen darf nie vergessen werden, was hier immer das große Hindernis bildet: neben der Leiche „Seiner k. und k. Hoheit" liegt die Leiche einer bloßen Herzogin Hohenberg, die nur eine einfache „Hoheit" und gar nicht ebenbürtig war, weshalb denn auch zum Beispiel in dem offiziellen Bericht von dem Morde, der beide mit einem blutigen Schlage traf, der Abstand, der Mann und Frau hier, trennte, nie vergessen wird. Nie heißt es: der Thronfolger und seine Gemahlin, sondern nur Seine k. und k. Hoheit und Ihre Hoheit die Herzogin. Es, gibt eben Dinge, die einfache Menschen nicht sofort begreifen. Als den verwaisten Kindern, die doch die Kinder des Thronfolgers waren und die Kinder eines Kaisers hätten werden sollen, der Tod ihrer Eltern mitgeteilt wurde, kamen die schwere Pflicht zu erfüllen, nicht nur Graf Wuthenau und die Gräfin Chotek, sondern auch Nichtverwandte wie Graf Nostitz und andere. Daß etwa ein Verwandter ihres Vaters, der doch auch ihr Verwandter ist, erschienen wäre, die Verwaisten zu trösten, haben wir nicht gelesen. Sie sind eben doch nur die Kinder der unebenbürtigen Herzogin, die eigentlich eine einfache Gräfin Chotek war. Und das gleicht auch Tod und Leid nicht aus. zn8lI7ckXz«ucn stOn »ILX 8 o X u X L X 7 /l 7 l o X V 0 ^ 88 II« (Lkölmli-) X..: 148 7^6: 1. 7. 1914 Was-Hedeukek die ErMordUNg Man; zu. übernehmen. Um ihn,gruppierten sichaüe Kterrkaisn der Ferdinands für Oesterreich -Mgarn. A^WliLirNLiKW^^ (Von «nseremLlrr--. ^-'vond-KteFf) . -.Wie. sie-ihr.' Erotzosterreieh--gestatten -wollen/-wissen .-sie selbst r— IDie Tat eines neu,., gen '«Mmasiasten ha^nich^reH.^Doch schwebt ihnen etwa vor die Wiederherstellung dis österreichisch-ungarische Monarchie vor einer neueZukunft ge« der Reichsernhert, weshalb die off zur Schau getragene-Abstellt. Nirgends bedeutet die Persönlichkeit des Herrschers so ne,gung^esThronsolgers gegen die Magyaren ihnen besonders viel als in diesem Reiche, wo im Streite beider Reichshälften,-erfreulM,ch,en.;-Allein^ ,n^erffetzten, Ze,t Haben auch die im beständigen Versagen der parlamentarischen Maschine, bei'.ungariichensOppwrt,onellen^Ler dem Thronfolger-Anhalt ge- drm großen Unterschied in der Kulturstufe der einzelnen Na-«suchtLund --.inikihm..eifrig Beziehungen gepflogen.-^ Dagegen waren ihre Kämpfe in sicheren Umrissen vorgszeichnet. Er ver^gegenMMeiBtriEMW'^WrMehrenMbweichech'mutzte; schwindet von der Vabn. ^inen Matz nimmt ein Jüngling von laute LS des^ÜHronfvrgevrMNd diese? 'VeriH k7 Jahren, der von sich selbst wohl noch nicht sagen kann und -?hn ^bald M^ ^I^m^asf der-BaMntti^ ausbrach »wollte die Umgebung Franz Ferdinands in Belgrad „einmcrrschieren" lassen, doch fand der Thronfolger, in Springe bei Kaiser Wilhelm für seine-Pläne keine Gegenliebe. Er war seit vielen Jahren an der Spitze des Heeres, seit Mitte des vorigen Jahres auch an der Spitze der Flotte. .Die gewal- von dem niemand weiß, was er ist, was er will — ob er überhaupt des Wollens Kraft besitzt. Es ist ein tragisches Geschick, das den Thronfolger gefällt hat. Sein Mörder ist ein groszserbischer Chauvinist. Ein groß- serbischer Chauvinist war auch der andere, dessen Attentat miß-... . _- - . . rw'r- ^ ' -c, - - . . lang. Beide haben es offen ausgesprochen, ihr Geständnis stellt Wasstt zum Terle auch fest, daß die Bombe — und eine andere gleicher Art wurde seinem Wrllen aus.MlMientlrch^die Flotte stand semem überdies noch gefunden — aus Belgrad stamme. Sie wollten '-Heyen nahe»..urck .mrt - RuMcht. auf drese. seine Liebhaberei den österreichischen Imperialismus treffen, der sich in der Tat in haben denn auch die bürgerlichen Parteien,n der osterreichi- Franz Ferdinand verkörperte. Sie wollten die großserbischen schen Delegation, hat die Opposition in der ungarischen Dels- Soffnungen an dem mächtigsten Gegner rächen. Sie wollten gatron den Bau der lleberdreadnoughts, so sinnlos unter öster- die Tatbereitschaft der Kämpfer für den Abfall der Serben von reichiscyem Verhältnis, gehorsam geschehen lasten. der Habsburger Monarchie kundtun. In der Tat, wenn in dem ' Zn Franz Ferdinand und seiner Umgebung prägte sich zu- Gegensatz zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien eine der lcht immer deutlicher eine Nebenregierung aus. iSe bedeutete veranlassenden Ursachen des Attentats liegt, so war der Thron- .die nahe Zukunft, und' der Ehrgeiz derer, die hinaufwollten, folger der Mann, unr den sich die Militärs und Politiker . wandte sich der aufgehenden Sonne zu. Auch das Ausland, nascharten, die während der Balkankrise, die schon bei der Los- mentlich der deutsche Kaiser, der so -eifrig seine Gunst und nischen Kriese den großserbischen Plänen durch Vernichtung des die Gunst seine: Frau gesucht hat, rechnete' immer mehr mit Herdes, des Königreichs Serbien, ein Ende setzen wollten. dem kommenden Mann. Je Mer der Kaiser wurde, je mehr Also war Franz Ferdinand ein Feind der Serben? Nur Geschichte und Entscheidungen fielen seinem Erben zu, um so bedingungsweise kann man das Wort gelten lasten. Denn sind schärfer wurde jedoch auch der Gegensatz zwischen „Schönbrunn" alle Habsburger fast ausnahmslos Slawensreunde gewesen, so und dem „Belvedere". Dieser Gegensatz war nicht nur begrün- hat sich die Slaweufreundschaft in dem Thronfolger außer- det in dem Unterschied der Generationen, hier verschärft daordentlich 'gesteigert. Seine heißgeliebte morganatische Frau, durch, daß nicht Vater und Sohn, sondern Oheim und Neffe ihn dis mir ihm dem Mörder zum Opfer fiel, gekörte einer Löh- vertraten, er war begründet auch in der besonderen Natur des miMn 'Feudalfamilis an,>die ausgeprägt tschechische- Ueber- Thronfolgers. Zweifellos eignete diesem ein starker Wille lieferungem und Tendenzen hat.' Sie erschien den Tschechen und Mut, den er noch, sich zum Verderben, am letzten Tage sei- mit der Thronbesteigung Franz Ferdinands die Mitherrschaft ein Franz Ferdinands Wille richtete sich nicht nach der Zu 'anz»tret«k-^'^.-Sla«>e-,Prrneip- Hat die beste Hoffnung der kunft und ihren Gestaltungen, er ruhte Lei den Idealen der österreichrschenßSlawen vernichtet. - Gerade, den Südslawen Vergangenheit, die mit den Machtüberlieferungen seines Gegolten die besonderen Sympathien Franz Ferdinands. Es gab schlechts ihre Wiedererweckung feiern sollte. Der „katholische eine Zeit, da sah man in ihm den künftigen Verwirkliche: Ferdinand" hatte keine Brücke zu den Volksbewegungen der ihrer Träume,, die jungen katholischen Kroaten und Slowenen, neuen Zeit, er glaubte ihrer Herr werden zu können, er glaubte glücken wollen. In dem Streite zwischen Kroaten und Magya- mit kriegerischer Machtentfaltung. Und sein starker Wille ren stand der Thronfolger offensichtlich aus der kroatischen Seite, hatte überdies keine Stetigkeit. Launen, Zorn und Erregung Und wenn' nun freilich' gegen die großserbischen Losreißungs- brausten festellos in ihm auf. Seine Nächsten, seine Umgebung bestrsbungen der Thronfolger eine besondere Schärfe bekundete, zitterten am meisten vor ihm, die öffentliche Meinung Le- wenn aus seinem Kabinett.das Material zu dem berüchtigten-rührte den Selbstherrlichen-nicht. Er hat seine Leute auf- Ssrbenprozetz hervsrgegangen ist, so war seine Gemahlin, als . steigen-lasten, er hat sie stürzen lasten in rascher Folge, seine Slawin, sogar den Serben hold und hat nicht wenig dazu bei- Werkzeuge zerbrach er schnell in der ungeduldig zufahrenden getragen, - daß Oesterreich-Ungarn im Battanttiog schließlich Hand.' Wieiwürde das schwache, bröckelnde Fundament dieses doch vom Aeußersten sich zurückhielt/ - - alten Reiches das Mrmische Wesen eines solchen-Herrschers er» Mit dem Slawen verlieren aber die Klerikalen in Franz tragen haben? Wie aber wird es wiederum das müde Greifen- Ferdinand den Mann ihrer Zukunft. Nichts har der Thron- regiment ertragen, neben dem als Erbe der 27i übrige Karl folger so scharf betont als seine ausgeprägt katholische Esfin- Franz Josef steht, der bisher von allen Staatsgeschäften fern- nung. Er ging so. weit,- das. Protekorat über die Kampf- gehalten war, ihrer völlig unkundig. . -^.1 ' - .i organisätiön der llltramontanen, den katholischen Schulverein, ? - --------—- ' .^ . .. . „V - 888e>7r88«88r8 788 8>78 80888c8787!08 V0lX887!« (Lbsnmltr) 148 788: 1. 7. 1814 / Das Weltgericht. In dem furchtbaren Schicksal des Erzherzogs Franz Ferdinand liegt eine in ihrer Art großartige geschichtliche Vergeltung. Er ist als Opfer gefallen nicht nur der verfehlten Nationalitätenpolitik Oesterreichs, sondern auch der internationalen imperialistischen Raubpolitik. Am 7. Oktober 1908, als Oesterreich-Ungarn unter dem Bruch feierlich beschworener völkerrechtlicher Verträge, insbesondere der Berliner Konfe- renzdeschlüsse von 1878, die türkischen Provinzen Bosnien und die Herzegowina sich einverleibte, die es seit 30 Jahren in tnternatronalem Aufträge besetzt hielt und verwaltete, hat sich Franz Ferdinand — geschichtlich gesprochen — selbst se n Todesurteil gcfällr. Dis Annexion Bosniens und der Herzegowina war der erste schwere Schlag gegen das neue jungtürkische Reich, das sich am 4. Juni 1908 mit der jungtürkischen Reoolur'on gegen Abdul Hamid gegründet hatte. Aus Türkenfreundschaft beruhte bis zu jenem Tage die wichtigste Bewegung der imperialistischen Politik in Deutschland und Oesterreich-Ungarn. Ueöer die Türkei, über Saloniki hinweg wollte Oesterreich-Ungarn, durch seinen Einfluß bei der Goldenen Pforte in Konstantinopel Deutschland den entscheidenden Einfluß auf die Valkanhalb- insel und Kleinaisten gewinnen. Mit den anatolischen Bahnen und der Bagdadbahn verbanden sich alle Träume der deutschen Weltpolitiker: die Türkei und das türkische Heer sollten durch sie in den Stand gesetzt werden, bei der großen deutsch-englischen Auseinandersetzung Aegypten und wohl auch Indien mit genügender Truppenzahl anzugreifen. Die Erhaltung und Stärkung der Türkei mußte also das A und O aller deutschen Weltpolitik sein, seit sie ums Jahr 1900 die englandfeindliche Richtung eingeschlagen hatte. Aus dieser Linie brach plötzlich Franz Ferdinand mit der Annexion Bosniens und der Herzegowina aus. Nur durch die äußerste Unterstützung Deutschlands, nur durch die bestimmte Erklärung, die Fürst Vülow in Petersburg abgeben ließ, daß das ganze deutsche Heer marschbereit sei, sobald irgendeine Großmacht gegen das österreichische Vorgehen mobil mache, konnte damals der Ausbruch eines Krieges oder eine schwere Demütigung des Habsburger Reiches vermieden werden. Bii- low hat damals kaum anders handeln können; aber die zu jener Zeit über den Sieg der Nibelungentreue gegen den Dreiverband jubelten, haben nicht sehr weit gedacht. In unmittelbarem Zusammenhang mit Oesterreichs Annexion der beiden Provinzen erklärte sich Bulgarien für ein selbständiges Königreich und demütigt« und schwächte dadurch zum zweitenmal das neue jungtürkische Regiment, das am 13. April 1909 nur gerade mit knapper Not den Reaktionsversuch Abdul Hamids vereitelte. Was der eine Dreibundgenosse an der Türkei verbrochen hatte, übertrumpfte der andere Drsibundgenosse, Italien, durch seinen Ueberfall auf Tripolis. Die endgültige Ueberlassung Marokkos an Frankreich nach dem verrückten Panthersprung nach Agadir, die Liquidation der ziellos schwankenden deutschen Marokkopolitik, ließen es Italien geraten erscheinen, sich schleunigst der türkischen Provinz Tripolis zu versichern, ehe etwa Frankreich auch darauf die Hand legte. Sobald die Umrisse des deutsch-französischen Marokko-Kongo-Vertrages klar hervor- traten, stellte am 28. September 1911 Italien an die Türkei das Ultimatum wegen Tripolis und zwang den in der inneren Neformarbeit beschäftigten Türkenstaat zu einem aussichtslosen Kampfe, der ihn sin neues Stück Kraft und Ansehen kostete. Am 15. Oktober 1912 trat die Türkei im Frieden von Ouchy- Beaurivage am Genfer See ihr letztes afrikanisches Besitztum an das siegreiche Italien ab. Aber während des türkisch-italienischen Krieges war unter Vermittlung Rußlands der Bund der vier sozusagen christlichen Balkanstaaten Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro abgeschlossen worden und schon am 9. Oktober 1912 der Balkankrieg ausgebrochen. Sein Endergebnis war der Zusammenbruch erst der Türkei und dann Bulgariens und eine ungeheure Steigerung des serbischen und griechischen Natio- nalitätsbswußtseins. Bis dahin hatte Oesterreich-Ungarn die Südslawen absichtlich gefördert, um die italienischen Teile des Landes, insbesondere Triest, allmählich zu slawisieren und dadurch, wie die Staatslenker meinten, für das Habsburger Reich zu sichern. Jetzt wurde die südslawische Jrredenta gefährlicher als die italienische, das heißt das Streben der Südslawen nach Vereinigung mit Serbien und Montenegro zu einem großen Südslawenreich die ernsteste Gefahr für den Fortbestand der Habsburger Doppelmonarchie. Die krampfhaften Bemühungen Oesterreich-Ungarns, die Folgen des Valkankrieges von sich abzuwenden, waren nur ein unbewußtes Eingeständnis der schweren Schuld, die es mit der Entfesselung der nationalen Leidenschaften auf dem Balkan durch die Annexion Bosniens auf sich geladen hatte. Aus der nervösen Angst vor den Folgen der eigenen imperialistischen Gewalttaten entsprang die jahrelange Mobilisation der österreichischen Truppen und die llnglücksfchöpfung der albanischen Mißgeburt unter dem preußischen Wilhelm zu Wied. Statt zu erkennen, wie notwendig alle Ereignisse bis zum Balkankrieg und im Balkankrieg aus Oesterreichs erstem Angriff auf die Türkei folgten, suchte Franz Ferdinand mit Gewalt dem Lauf der Geschichte Einhalt zu gebieten. Die Absperrung Serbiens vom Adriatischen Meere und die gewaltsame Unterdrückung der österreichischen Südslawen durch Verhängung des Belagerungszustandes über Bosnien und Slawonien-Kroatien waren die augenfälligsten Ereignisse dieser Gewaltpolitik. So geht eine ununterbrochene Kette von Fehlern von der Annexion Bosniens bis zur Schöpfung des noch immer ungeschaffenen Albanien und zur Auspeitschung der seröisch-natio- / / - k nalen Leidenschaften auf die Höhe, wo Politik ^unL Wahnsinns Zusammenstößen. Oesterreichs Gewaltpolitik von 1908 mit ihren ^ Folgen, das ureigenste Werk Franz Ferdinands, hat nicht nur die deutsch-österreichische Weltpolitik in ihrer stärksten Hoffnung, der Türkei, ruiniert, sondern auch wie jede Gewalt Gewalt erzeugt. Die Nichtachtung des Willens der Völker, das völlige Sichverlasssn auf Kanonen, Maschinengewehre und Dreadnoughts hat auf der anderen Seite den Gedanken an Revolver und Bombe Hervorrufen müssen. Wenn ein deutsches Gericht verkünden konnte, dis Armee sei der Grundpfeiler des herrschenden Staatssystems, so muß notwendigerweise auf der Gegenseite hie Vorstellung erzeugt werden, daß der Browning und der Dolch dis kräftigsten Waffen seien, welche die Volksfreiheit führen könnte. Verhängnisvolle Jrrtümer hüben und drüben! Nutzloses Blutvergießen, unsinniges Zerstören von ! Menschenglück und Kulturwsrt! Gewaltsam verschließen Herrschende und brutalisierte Beherrschte ihr Auge vor der Tatsache, daß schon seit 10 Jahren die Gewalt der Waffen an Bedeutung ständig verliert gegenüber der Macht der Aufklärung und der planmäßigen Organisierung. Mit Trauer und Mitleid sehen wir sinnlos dis Gewalt wüten. Die ewige Staatsstreia)- und Kriegsdrohung von oben, das Attentat des Fanatikers von unten. Wir können nicht verhindern, daß die Herrschenden sich auf die Bajonette setzen und dann natürlich die Erfahrung machen müssen, der jetzt wieder Franz Ferdinand' zum Opfer gefallen ist. Wir können nur warnen vor dem Glauben, daß brutale Gewalt heute noch zum Ziele der Herrschaft über die Völker führen kann. Wir nähern uns der Zeit, wo von den alten Bibelworten auch das weltgeschichtlich zur Wahrheit wird, daß. wer das Schwert erhebt, durch das Schwert umkommen soll. Mögen die Herrschenden, Kaiser, Könige und Kronprinzen bedenken, daß in diesem Sinne die Weltgeschichte heute ein Weltgericht geworden ist. das keine Justizverschleppung und Justizverweigerung mehr kennt. 1 «X o e > 7 r X X«X X e X 7ÜX XIXX oi>xiixcx7X71 ox V01X887!« (Lksxinltr) 148 M: i. 7 . igi 4 Oesterreichs wankender SWM Franz Ferdinands letzte Fahrt. Metkowitsch. Der Hofzug mit den Leichen des Erzherzogs Franz Ferdinand und der Herzogin von Hohenberg ist aus Serajewo gestern früh 6 Uhr hier eingetroffen, wo die Särge an Bord der Kriegsjacht „Dalmat" gebracht wurden. Alle Häuser der Stadt waren schwarz beflaggt, und die Fahrzeuge und Dampfer führen die Flaggen auf Halbmast. Auf dem Bahnhof stand eine Chrenkompagnie und eine Abteilung Kriegsmarinemannschaft. Der Statthalter von Dalmatien, Graf Attens, sämtliche Beamte der Stadtbehörden, Offiziere, Geistliche beider Konfessionen, höhere Staatsbeamte, der italienische Konsularbeamte, Vertreter der Gemeinden, die Schuljugend und die gesamte Bevölkerung von Metkowitsch bildeten Spalier. Die beiden Särge wurden von Matrosen der Kriegsmarine aufgehoben und von dem katholischen Geistlichen von Metkowitsch unter dem Geläute aller Kirchenglocken eingesegnet und sodann unter gedämpftem Trommelwirbel auf dis Kriegsjacht getragen. Der Sarg des Erzherzogs und der der Herzogin wurden mit der Kriegsflagge bedeckt. Unter Abfeuerung einer Eeneralsalve der Chrenkompagnie setzte sich das Schiff langsam in Bewegung. An Bord der Jacht hatte sich außer dem erzherzoglichen Hofstaat, der mit dem Sonderzuge eingetroffen war, der Statthalter begeben, der als Landeschef, die Leichen während der Fahrt auf dalmatinischem Gebiet begleitet. Dem Schiffe fuhr ein Torpedoboot voran, die Statthalterjacht folgte. In allen Gemeinden und Ortschaften längs des Narenta-Ufers hatte die ganze Bevölkerung mit den Gemeindevertretungen und der Schuljugend Aufstellung genommen. Männer und Frauen hielten brennende Kerzen. Als das Schiff nahte, knieten alle nieder. Unter dem Geläute der Kirchenglocken segnete die Geistlichkeit den vorbeifahrenden Leichenzug. Als die Kriegsjacht vor der Narenta- mündung anlangte, leistete der dort verankterte Dreadnought „Viribus unites" einen Salut von 19 Schüssen. Die „Dalmat" legte an der Seite des Schlachtschiffes an, worauf die beiden Särge an dessen Bord gebracht wurden. Das Achterdeck des Schiffes war in eine Kapelle umgewandelt worden und mit Kriegsflaggen und Fahnen geschmückt. Der Schiffsgeistliche nahm in Anwesenheit des ganzen Hofstaates, des Statthalters, der Offiziere und Mannschaften die feierliche Einsegnung der Leichen vor. Nach 9 Uhr früh lichtete der „Viribus unites" die Anker und steuerte, die Kriegsflagge und die erzherzogliche Standarte aus Halbmast, dem Norden zu. Das Leichenbegängnis. Wien. Das Leichenbegängnis des Thronfolgerpaares wird Sonnabend in Artstetten erfolgen. Die Beisetzung in der Familiengruft erfolgt auf wiederholt geäußerten Wunsch des Erzherzogs. An dem Leichenbegängnis werden von Souveränen, wie bis jetzt bekannt ist, nur Kaiser Wilhelm und König Ludwig von Bayern teilnehmen. Die übrigen Fürstlichkeiten werden durchweg durch Botschafter oder Gesandten vertreten werden. Dies geschieht mit Rücksicht aus den greisen Monarchen, der durch die Anwesenheit so vieler Souveräne zu sehr in Anspruch genommen würde und Schaden an seiner Gesundheit erleiden könnte. Es heißt auch, daß der militärische Kondukt beim Leichenbegängnis aussallen wird. Bei der feierlichen Einsegnung in der Hofburgkirche werden die gesamte Generalität und alle dienstfreien Offiziere, die Admiralität und Seeoffiziere, die gesamte Garnison und ein Detachement der Kriegsmarine zugegen sein. Die verwaisten Kinder des Thronfolgerpaares. Prag. „Hlas Naroda" meldet aus Chlumetz: Die Schreckensbotschaft aus Sarajewo traf hier am Sonntag nnttag ein und wurde den Kindern des Erzherzogs Ferdinand bis zum Abend verheimlicht. Nachdem die Kinder von der Gräfin Henriette Chotek schonend vorbereitet waren, übernahm der ErzieherStanowski das schwere Amt, ihnen den Tod der Eltern mitzuteilen. Als die Kinder die Nachricht erschien, brachen sie in einen Weinkrampf aus. Die Szene ergriff alle Umstehenden auf das tiefste. Graf Wuthenau und seine Gemahlin, Fürst von Schönburg und Graf Nostiz bemühten sich, den verwaisten Kindern Trost zuzu sprechen. Der wütende RationaMälenhaß noch am Grabe. Agram. Gestern begann um 11 Uhr vormittags eine Trauersitzung des kroatischen Landtages, an der auch der Banns Baron Skerlecz und der Erzbischof Dr. Bauer teilnahmen. Die feierliche Sitzung begann mit ungeheuren Skandalszenen. Als die Sitzung eröffnet wurde, stellte sich ein serbischer Abgeordneter vor die Bänke der kroatischen Rechtspartei, welche sofort mit Rufen begann: „Abzug Serben, Abzug Meuchelmörder!" Es entstand ein ungeheurer Lärm. Der Präsident vermochte keine Ruhe zu schaffen. Der Abgeordnete Franck rief: „Valeria Pribic evrc war in Belgrad und hat dort das Attentat verabredet. Hinaus mit den Serben aus dem kroatischen Landtage!" Die Demonstration richtete sich auch gegen den Präsidenten Dr. Medakowicz, der ein Serbe ist. Der Präsident versuchte das Wort zu ergreifen, und die Mitglieder der Regierung und der Mehrheit erhoben sich von ihren Bänken. Die oppositionelle Franck-Partei setzte jedoch den Lärm fort, weshalb die Sitzung unterbrochen wurde. Endlich verließen die Mitglieder der Regierung den Sitzungssaal. Die Franck- Leute blieben zurück und beschmutzten die Tribünen. Das Präsidium kehrte nach kurzer Zeit wieder in den Saal zurück und nahm die Sitzung wieder auf, aber erst nach einer Rerhe weiterer heftiger Lärmszenen gelang es endlich dem Präsidenten, die Trauerrede zu halten und die Sitzung zu schließen. Slraßenkämpfe in ganz Bosnien. Budapest. In ganz Bosnien und der Herzegowina, in Se- rajewo, Mostar, Banjaluka, Nevesinje usw. sind nach einem Telegramm der „L. N. N." starke srrbenseindiiche Demonstrationen veranstaltet worden. In Nevesinje ist der Präsident der serbisch-radikalen oppositionellen Narodpartei, Athanasie Sola, verhaftet worden, als er aufreizende Reden hielt und die Bevölkerung zu Kundgebungen für die Attentäter aufforderte. Im Augenblick der Festnahme brachte er ein Hoch ans König Peter aus. Serajewo gleicht einem Militärlager. Ueberall sind die Bekanntmachungen des Standrechts angeschlagen. Ansammlungen, hauptsächlich von Jugendlichen, sind verboten. Die Kaffeehäuser und Gasthäuser werden früh geschlossen. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Frau des verhafteten Juweliers Mitrievics warf drei Bomben unter die serbenfeindlichen Demonstranten und verübte dann Selbstmord. Eine Haussuchung förderte viel belastendes Material zutage. Die Verwüstungen in Serajewo. Wien. Ueber die antiserbischen Demonstrationen in Serajewo schreibt die „Reichspost": Serajewo gleicht heute dem Schauplatz eines Pogroms- Den ganzen Tag hindurch machte die kroatische und moslemitische Bevölkerung förmlich Jagd auf die Serben. Auch als am Nachmittag das Standrecht proklamiert war, wurden serbische Kaufläden demoliert. Die „Neue Freie Presse" schreibt: „Bei einer Wagenfahrt in das Innere der Stadt empfängt man einen grauenhaften Eindruck. Die Wagenräder knirschen über die Glasscherben, die fußhoch auf der Straße liegen. Man sieht 10 bis 20 Häuser hintereinander, die von der wütenden Bevölkerung demoliert worden sind. An ihnen ragen buchstäblich nur mehr die Mauern in die Luft, während das Innere zertrümmert wurde. Hier liegt das ganze Warenlager eines Geschäfts zerschlagen und zertrümmert auf der X Straße. Am ärgsten, so schreibt das „Wiener Tageblatt", wurde das Lass del'Europe heimgesucht, das fashionabelste Cafä Sera-, jewos. Es gehörte dem serbischen Führer Jestanowitsch, der schon seit langer Zeit in der ersten Reihe der serbischen Hetzer steht und nun schwer geschädigt wurde. Vis auf die letzte Kaffeeschale ist alles zertrümmert. Zuerst gingen die 15 kolossalen Fensterscheiben des Cafes in Scherben, dann drangen die Demonstranten in das Innere ein, hoben die Marmorplatten von den Tischen, zertrümmerten sie, zerbrachen Stühle und die sonstige Einrichtung des Lokals, sodatz das große Lokal ein Vild vollständiger Verwüstung bildet. Auch das Hotel und Restaurant waren stark bedroht. Noch jetzt wagen sich die Gäste nicht in die Zimmer der Gassenfront. Demonstrationen vor der serbischen Gesandtschaft. Wien. Gestern abend 9 Uhr fanden vor der serbischen Gesandtschaft in der Paulanagasse große Demonstrationen statt, an der etwa 300 deutschnationale und katholische Studenten teilnahmen. Die Studenten zogen in großen Trupps nach der serbischen Gesandtschaft. Es ertönten stürmische Rufe: Nieder mit den Hochverrätern! Nieder mit Serbien! Hoch Habsburg! Hoch Oesterreich! Dann sangen die Demonstranten die Volkshymne. Als die letzten Töne verklungen waren, wurde plötzlich eine große serbische Trikolore emporgehoben und verbrannt. Jetzt schritt die Polizei ein und nahm einige Verhaftungen vor. Die Bewohner aller umliegenden Häuser beteiligten sich durch Zurufe an den Demonstrationen. In der serbischen Gesandtschaft blieb alles still. Die Demonstranten versammelten sich hierauf am Schwarzenberg-Denkmal. Hier hielt ein Student eine Ansprache, die in den Ruf ausklang: Rache für den Mord! Krieg mit Serbien! Fortsetzung der Ankersuchusg gegen Re Urheber des MeuW. Wien. Im Ministerium des Aeußern fand gestern, wie die „Neue Freie Presse" meldet, eine Beratung statt, an der Graf Berchtold, der Chef des Generalstabes, Baron v. Hötzendorff und der Kriegsminister v. Krobatin teilnahmen. Wie verlautet, soll die österreichisch-ungarische Regierung die Absicht haben, an die serbische Regierung mit dem Ersuchen heranzutreten, die gegen die Urheber des Attentates geführte Untersuchung in Serbien sort- zusetzen, da alle Spuren der Verschwörung nach Serbien führen. Serbien lehnt jede Schuld ab. Die serbische Gesandtschaft in Berlin läßt folgende Kund- > gebung veröffentlichen: „Dis Gesandtschaften und Konsulate Serbiens sind von ihrer Regierung angewiesen worden, die Erklärung abzugeben, daß Serbien das verabscheuungswürdige Verbrechen in Serajewo ebenso aus das schärfste verurteilt» wie dies in Oesterreich-Ungarn und auf der ganzen Welt geschieht. Man kann doch nicht ein ganzes Volk verantwortlich machen für die Tat eines unreifen, wir een jungen Menschen. Wenn aus dem traurigen Anlasse durch nicht begründete Verdächtigungen gegen Serbien verschiedentlich erhoben werden, so muß dagegen auf das entschiedenste protestiert werden. Jeder denkende Mensch wird begreifen, daß Serbien dem verwerflichen Verbrechen völlig fern steh t," Verschmelzung Serbiens mit Montenegro. Ein neuer Schlag gegen Oesterreich. Paris. Der „Figaro" veröffentlicht heute früh eine Information von höchster politischer Bedeutung. Das Blatt schreibt u. a. Wie sind in der Lage, melden zu können, daß Serbien und Montenegro den. Entschluß gefaßt haben, ihre Vereinigung zu proklamieren. Dieser Beschluß sollte am Jahrestage der Schlacht von Kossowo, also vorgestern, bekanntge- gsben werden. Durch die Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin ist das Datum der Bekanntgabe jedoch hinausgeschoben worden. Es handelt sich aber nur um eine Verzögerung. Serbien und Montenegro werden von Völkern derselben Nasse, derselben Sprache und derselben Religion bewahnt. Die Dynastien beider Länder unterhalten s hr enge Beziehungen, da König Peter mit einer montenegrinischen Prinzessin verheiratet ist. Die serbischen und montenegrinischen Armeen haben Seite an Seite im letzten Valkankrieg gekämpft. und beide Regierungen haben zusammen den Friedens- Vertrag unterzeichnet. Es ist also sehr natürlich, daß diese beiden Völker den Wunsch haben, sich miteinander zu vereinigen, um durch diese Verschmelzung eine kräfte Vermehrung zu erzielen. Mit diesem Entschluß will man etappenweise bis zur vollkommenen Verschmelzung Vorgehen. Man plant nun, zunächt die Zolleinheit zu proklamieren und die Finanzministerien und die Ministerien des Aeußeren zusammenzutun. Es ist. dies ein äußerst wichtiger Schritt. Die Angelegenheit ist bis I in die kleinsten Details geregelt. Die Verhandlungen werden j unter Beobachtung des tiefsten Stillschweigens zwischen den! beiden Kabinetten in Belgrad und Cetinje geführt unter der! Aegide Rußlands, das von Anfang an diese Bestrebungen un- ^ terstützte. Was die Situation der Dynastien anbelangt, so wird bei Lebzeiten des Königs Peter und Königs Nikitas nichts i geändert werden, sobald diese Herrscher jedoch die Augen geschlossen haben, werden Leide Länder vollkommen zusammengetan unter der Herrschaft des Kronprinzen Alexander von Serbien. Selbstverständlich soll die Anziehungskraft des geeinigten ^Reiches auf die, österreichischen Südflawen durch diesen 'Zufam- f menschlich verstärkt werden. ^ /s k ö ^ ! l st st li st Ü I 0 0 X U I - I I 0 ^ -ststdl^st^IML ^ 1^6:/f.^ ^9^ -- Heute gegen ^10 Uhr abends hat ein Trupp Studenten vor der serbischen Gesandtschaft in der Gutz- hausstratze eine Demonstration veranstaltet, die aber irn , Keime von der Behörde unterdrückt morden ist. In den rings um die Gesandtschaft gelegenen Gast- und Kaffee- ! Häusern hatten sich offenbar auf Verabredung , und ganz uumcrllrch eine größere Anzahl Studenten ' versammelt, die gleichfalls auf Verabredung zur gleichen Zeit , herauskamen und Len Weg zur Gesandtschaft einschlugen. Die schon vorher zum Schutze der Gesandschaft ausgebotene SichcrhertZwache sperrte gleich den Zugang ab und konnte die Manifestanten hindern, in .die.unmittelbare . Nähe der Gesandtschaft zu gelangenft .Dis Studenten -stimmten das „Gott erhalte"! an und brächen auch in »Rufe „Nieder mit Serbien s aus. Ungefähr hundertfünszig bis zweihundert Studenten hatten die Mhe des Gebäudes erreicht und ihr Zug hatte zur Folge, daß,sich in der, Umgebung auch eine große Nnz a h'l' 'N e u g i e r i g e rversammelte. Inzwischen war die bereit -gehaltene , Verstärkung an . Wache vargekommen-'und - zerstreute j durch gütliches Abmahmen die Studenten. Sie zogen - Über- die Wiedener 7 Hauptstraße auf die Lästenstraße < und sangen auf dem Wege auch die Volkshymne und brachten Rufe: „Nieder mit Serbien!'' aus. Dann wurden sie auf der Lastenstratze zerstreut. Ern. Teil wollte über den .Ring weiter ziehen und. hatte die Absicht, eine Kund- g e bung - p o r de mKr.iegs m i n i st e r r u m zu vera n st alten. Sie zerstreuten sich aber, von der Wach» abgemahnt. Ein Teil wurde auf dem Schillerplatz veranlaßt, auseinanderzugehen. Dieser Trupp hatte vor dem Ministerium für Landesverteidigung eine Kundgebung zu veranstalten. Bei den Demonstrationen wurde am GesanAfchaftsgebäude gar kern Schaden ungerichtet. Es ist auch keine Arretierung vorgerwmmen worden, da die Manifestanten den Anordnungen der Wachs Folge .leisteten^ LrL. ^ ^ t: t- , .-7^ ä n g L > IL k X z u L n f 0 n ^ I o o x u« ^ 7 -i 7 , o ^ ^8L>7^rL!M6 ^.:/!76 7 ^ 6 : UsMdliche MMlMW der klerikalen Kroaten im Landtag. - ^ Trauer in Skandalen. s Agram, 30. Juni. Der kroatische Landtag hielt heute eine Sitzung, um der Trauer über die Mordtat in Sarajevo Ausdruck zu geben. Die sogenannte Rechtspartei benützte die ftLrauersitzung zu einem gemeinen Skandal, dessen politischer Zweck so dick ausgetragen ist, dass eZ einfach Abscheu erregt. Die Rechtspartei ist jener Rest der ,Partei des.David Starcevid, die die Verbindung mit Ungarn verwirft und die von dem Dr. Frank geleitet wird. Offensichtlich will sie das Attentat zu einer» Sturmlauf wider die serbisch-kroatische Koalition, die heute im Lande herrschend ist, auSnützen. In dieser Koalition ist der alte Gegensatz zwischen Kroaten und Serben — die bekanntlich eine Nation sind und sich nur darin unterscheiden- ^haß die Kroaten Katholiken und die Serben Orthodoxe sind — aüsgelöjcht; die beiden Nationen, die sich einstmals in Kroatien heftig befehdet haben, sind in der Koalition zu einer Partei geworden. Liese Koalition ist nun denklerikalenKroaten ein Dorn im Auge und die meinen nun, in dem Attentat des Serben die Gelegenheit zu einem großen politischen Jischzug gewonnen zu haben. Die Sitzung wurde um 11 Uhr eröffnet; die Abgeordneten - und die Mitglieder der Negierung sind in Trauerkleidern er» > schienen. Als der Präsident Medakovic, ein Serbe, den , Präsidentenstuhl besteigt, geht der Skandal loS. Sofort fangen die Mitglieder der Frank-Gruppe ein tzöllengeschrei an: Hinaus mit euchl Ihr seid Mörder lft Meuchelmörder i Wir lassen einen Serben hier nicht mehr präsidieren! Ihr steht im Dienste der serbischen Regierung! Dr. Frank schreit den Abgeordneten Pribicevic an: Valerian Pribicevic war in Belgrad und hat dort den Aitentatsplan vorbereitet! Vergeblich läutet der Präsident mit der Glocke, eS ist ihm unmöglich, sich Gehör zu verschaffen. Fortgesetzt schreien die Mitglieder der Frank-Gruppe: Hinaus, Mörder! Hoch der König! Es ist , eine Schande, daß Hier Serben sind! Ruhm dem Erzherzog Franz Ferdinand ! Hinaus mit den Serben aus dem Landtag l Gegen den Schriftführer Wilder, der das Protokoll der letzten Sitzung verlesen soll, werden Bücher, Aktenstücke ec. geschleudert. Unter fortgesetztem Lärm wird das Protokoll verlese». Als Medakovic nunmehr das Wort zu der Trauerkundgebung ergreifen will, erheben die Mitglieder . der Frank-Gruppe neuerlich einen ungeheuren Lärm, strampeln mit den Füßen, beschimpscn den Vorsitzenden: Wir lassen ihn nicht reden! Er ist ein Serbe! Da der Lärm ungeschwächt fortdauert, muß die Sitzung unterbrochen werden. Die Mitglieder - der Regierung und der Majorität verlassen den Saal. .Während ^ der Pause dauern die Beschimpfungen fort; dse. Frank-Leiit? verunreinigen die Präsidentenestrade. Nach Wiederaufnahme der Sitzung,dauern die Lärmszenen weiter.. Dis Abgeordneten Zatluka und Horvath eilen auf den Präsidenten Dr. Medakovic zu und schreien: Ihr seid Hochverräter l .Ihr i seid an dem Meuchelmord von Sarajevo mitschuldig! (Hinaus mit euch! Dr. Frank ruft: Die Geheimen Räte müssen''aü? der Koalition hinaus! Dr. Horvath ruft de»? Banus'zu: .W zellenz» teilen Sie Seiner Majestät mit,, daß das kroatische Volk immer loyal spar! Dr. Frank ruft', dem, Präsidenten..'?-«)' Sie sind hier Präsident, aber nur Präsident der Partei > des Pribicevic. Als solcher haben Sie kein.Recht, hier im Namen: des kroatischen Landtrages zu sprechen. Sind wir jetzt Denunk zianten? Dr. Horvath ruft: Die serbische Politik heißt, die - Monarchie zerreißen, Wix lassen einen serbischen Präsidenten nicht sprechen! Zatluka: Die kroatisch-serbische Koalition ist ^ nicht würdig, das Mitleid auszudrücken. Suchen Sie die Bomben aus Kragujevac bet diesen Herren l Dr. Horowitz liest eine serbische Zeitung vor, bleibt jedoch im Lärm unverständlich und beschließt dann die Vorlesung , mit der? laute» Worten: Nieder mit allen Hochverrätern! s . i sls Die Mitglieder der Mehrheit und auch die Anhänger des (jungen) Starcevic, die sich von der Frank-Partei getrennt haben, lassen .den Komödiantensturm ruhig an sich vorüberziehen. Endlich entschließt sich der Präsident (die Mehrheitsabgeordneten, die RcgierungSmstglieder. und die Galeriebesucher haben sich von den Sitzen erhoben), die Trauerkundgebung vorzulesen; er teilt auch mit, daß er sich zu der Leichenfeier nach Wien ' begeben werde. Weder im - Sitzungssaal noch im Auditorium' werden diese Worte verstanden) da sie in dem furchtbaren Lärm untergingen. Der Präsident schließt rasch die Sitzung, nachdem er noch kurz mitgeteilt hatte, daß die nächst? Sitzung auf schriftlichem Wege einberusen werde. Die Abgeordneten bleiben im Sitzungssaal und dis Lärmszenen dauern noch geraume Zeit weiter. Die Krawalle pflanzten sich aus die St raße fort, wo sich inzwischen ein zahl- ' reiches Publikum angesammelt hatte und in Schmühruse gegen die Serben ausbrach. Als die serbischen Abgeordneten den Landtag verließen, wurden sie von öer Menge beschimpft und tätlich bedroht. Polizei mußte zum Schutze der Abgeordneten einschreiten. Die Menge schlug im Nachhausegehen , b ei s e rb i s ch e n G es ch ä f t S l e u t e n d! e F e n st e r u n d d i.e A u'K l a g e n s ch e i S e n e in. > ^ jffsiP'hs. Exzesse ans der Straße.- ' >-- UM - 'Gestern abend kam eS in der Stadt neuerlich zu serbenfeindlichen Demonstrationen. Eine große Menschenmenge bewegte sich unter Vorantragung einer schwarzumflorten kroatischen Trikolore durch die Straßen, wobei fortwährend Rufe wie: .Ehre dem Andenken der Toten!",(.Nieder mit den Mördern!" aus gebracht wurden. Die .Manifestanten" zogen zum Starcevic-Dom, wo Abgeordneter Ivan Z a t l u k a und der Student Mastric Reden hielten, in welchen ft sie ^ hestige Angriffe gegen die Serben richteten. Die Menge sang hierauf die kroatische Hymne und zog unter abermaligen Rufen: .Nieder mit den Mördern!", „Nieder mit den Serben!" durch die Straßen. Die Straßenkundgebungen dauerten bis nach 10 Uhr abends an. Dann begannen sich die Manifestanten in kleiner?'Gruppen zu zerstreuen. Einige junge Leute -zertrümmerten an einem dem Landtagspräsidenten Dr. Meda- kovic gehörigen Hause aus dem Zrinyiplatz und - an, einem Hause in der Jlica, welches Eigentum der serbischen.-Kirchen- gemeinde ist, durch Steinwürfe einige Fensterscheiben, ftft! -- - Lessen Ursache noch nicht völlig aufgeklärt ist. Es sollen aus dem Kaffeehause Stein egew o r s e n worden sind, von denen einerdasBild des Erzherzogs durchlöcherte. Nach einer anderen Version sollen aus dem Kaffeehause Revolverschüffe ab- geseuert worden sein. Die Demonstranten zertrümmerten die Fensterscheiben des Kaffeehauses und demolierten einen Teil der Eineichtungsgegenstände. Die Gäste verließen fluchtartig das Cafö. Inzwischen herbeigeeilte Polizei zu Pferde und zu Fuß trieb die Manifestanten auseinander, wobei einige Personen Verletzungen davontrugen. Eine größere Gruppe von Demonstranten zog vor Las serbische Gebäude, aus dem Flaschen und Gläser heraügeworfen worden sein sollen. Die Demon st rauten bombardierten sämtliche Fenster mit Steinen. Eine andere Gruppe der Demonstranten bombardierte den Geschästsladen des Gemischtwarenhändlers Ducic. Inzwischen war eine Gruppe nationalistischer Stndentech die Gegner Her Rechtspartei sind, vor den Starceoic-- Dom gezogen, um ein S t e i n b o mb a r d e ment gegen dessen F e n st e r zu eröffnen, doch war eine Gruppe von Anhängern der Rechtspartei auf/dem Platze erschienen, dis dre Studenten vertrieb. Um lO Uhr abends begaben sich die Demonstranten gleichfalls unter Vorantragung des Blldes des Erzherzogs Franz'Ferdinand und kroatischer Fahnen auf den Zrinyl» platz vor das Haus des Landtagsavgeordneten Dr. Meda- ? ovic, wo sie S t e i n e g e g e n die Fenster- cheiben schleudern wollten. ES waren edoch'dort einige Polizisten postiert, sowie Gendarmerie. ,y daß die: Demonstranten zerstreut werden konnten. Es wurden im ganzen zehn Verhaftungen vorgenommen. Die Verhafteten -: würden nach erfolgter Legitimierung wieder srergelässen. Von Seite der Behörden wurden entsprechende Vorkehrungen getroffen, um weiteren größeren Ausschreitungen vorzubeugen. M kamen zwe, leichte Verletzungen vor. Die sozia- üstische Schriftstellerin Krieg e r und der Redakteur der sozmüstischen Blätter Dimrtrijevic wurde von der/demonstrierenden Menge leicht verletzt. . Anttserbische Kundgebungen in Djakova. - ^.,.^^kg, 80. Juni. In Djakov a, der Residenz des serbGen. Bischofs, kam . es gestern abend zu großen a n t, s e rbischen Demonstrat i o n e n. - Eine große Menschenmenge zog lärmend und unter Abzugrufen gegen die Serben vor die Wohnung des Abgeordneten Na bar. der zur kroatisch-serbischen Koalition gehört, und schlug/die Fenster der Wohnung ein. Die Gendarmerie schritt ein und nach wiederholten Zusammenstößen gelang es, die Menschenmenge zu zerstreuen. W Heute nacht wurde aus einem Hause ein Zettel asfichiert des Inhalts,' man möge die Aufschrift der Straße, die den Namen des serbischen Dichters Zmaj Iovan führt, so rasch als möglich entfernen, da sie sonst mit Gewalt entfernt würde. Die Straße wurde erst kürzlich auf den Namen des Dichters umgetaust. Patriotische Knudgcvnugen und Messerstechereien i« c/.'>/ - / Mvstar. - ; ' r- - Mostar, 30. Juni. Hier kam eS gestern wieder zu patriotischen Kundgebungen der Muselmanen und K a thol ? ken und zu a n t i s e r b i s ch e n Demonstrationen wobei in einigen serbischen Häusern die Fenster eipgeschlagen wurden. Heute vormittag kam ein Kroate in das Geschäft eines Serben, um etwas ein-> zukausen. Der Kaufmann machte gegenüber dem Kroaten eine den ermordeten E r z h e r z o g / v e r u ritt limp sende Bemerkung, worauf der Kroate m - seiner Wut dem serbischen Kaufmann e inen Messersti ch versetzte. Der Kroate wurde verhaftet. Mich.aus Doboj Schamae und Bricko sowie aus anderen Orten werden Demonstrationen und kleinere Ausschreitungen gemeldet.. Die gestrige Mättermeldung von der Verhaftung des Abgeordneten Atanazie Schola in N e v e s i n j e bestätigt sich nicht. ' - 7 / ° // ^ . Die gestrigen Exzesse in Sarajevo. - i: Sarajevo, G.- -, - Juni., -. Bei/Len g e st r ig e n Dem o n st r a t i o n e n/ wurden 'auch- im M e t r'o«- , p o l i t e n p a l a i Sd i e Fenster ein g es chla g e n.-' ! Der serbische Metropolit Letica, welcher hinter einem ! geschloffenen Fenster stand, erlitt durch Glassplitter an der ! linken Hand leichte Verletzungen. ' - /«:;'Heute früh erschienen mehrere der durch die gestrigen; Demonstrationen geschädiaten Kaufleute im Bureau der Handelskammer und ersuchten um . Inter»; v e n t i o n/ bei d e n, B e h ö r d e n, damit ihnen gestattet werde, die vor ihren Laden noch liegenden Waren zu bergen.' Im Lause des Vormittags begab / sich der' Präsident der Handels« und Gewerbekammer Berkovi:s ! zum Landeschefstellvertreter Dr. M a n d i c, um in diesem Sinne zu intervenieren. Dr. Mandic verfügte sofort, oaß die geschädigten Kaufleute ihre Waren bergen können. ; Im Laufe des gestrigen und vorgestrigen Tages' wurden noch noch zahlreich e P e rsone n v e r» haftet und zur Polizei, beziehungsweise vpr den Untersuchungsrichter geführt. Viele von . ihnen wurden nach dem Verhörwieder freigelassen. Offizielle Rechtfertigung der Sarajevos Krawalle. '-'Sarajevo,' SO. Juni. An kompetenter Stelle wird' zu'den gestrigen Vorfällen folgendes bemerkt: Die gestrigen antiserblschen Demonstrationen sind aus der ungeheuren sittlichen und menschlichen Entrüstung der erdrückenden Majorität der katholischen und muselmanischen Bevölkerung heryorgegangen und leider in arge Exzesse ausgeartet. An den Demonstrationen beteiligten sich a l l e S ch i ch ten der Bevölkerung, sogar vornehme Dame n.' Charakteristisch ist es aber, daß kein, einziger Gerbe getötet, hingegen ein K a t h o l i k / u n d ein Moslem von serbischer Seite erschlag e n wurde n; weiterhin, daß nicht geplündert wurde L i s auf vereinzelte Fäll e, wo der', Mob die Situation sich zunutze machte; doch wurden die Münderer sofort von den Demonstranten selbst vertrieben.- Das Militär, die Gendarmerie und die Polizei, die im' ersten Moment vorhanden waren, befanden sich in der denkbar schwierig st en Situation. Die durch den Dienst des vorigen Tages ermüdete, in geringer Hahl verfügbare Polizei und Gendarmerie konnten die Exzesse nicht -sofort eindämmen, es wurde' daher Militär requiriert, das aber nicht sofort an' allen Punkten der Stadt sein konnte, weil es erst aus" dem ziemlich'weit entfernten Lager geholt werden muhte.' Das Militär muhte außerdem angesichtsder Beweg g r ü n d e des Vorgehens der Demonstranten und ihrer patriotischen Kundgebungen, ferner weil auch die Jugend mit dabei war, äußerst vorsichtig , Vorgehen. Bon der Waffe wurde kein Gebrauch gemacht, weil die Demonstranten stets, wo Militär erschien und sie zum Auseinandergehen ausforderte, sich zerstreuten. Hervorzuheben ist, daß sich die Volkswirt vor allem gegen das gro ß- s erb i s ch e n Tendenzenzuneigende E l c-' ment richtete, während das loyale s e r b i s ch e E l e m e n t v e r s ch o n t b l i e b. . Falsche Gerüchte von einem Anschlag ans die ' Belgrader österreichische Gesandtschaft. ' > ' Belgrad, 30. Juni. Das serbische Preßbureau erklärt die Ger ü chte über einen Anschlag aus d i e ö st e r r e i ch k s ch - u n g a r i s ch e Gesand t< s ch a fft in Belgrad für vollkommen erfunden. ^ -i -V -.. z n 8 L I 7 8 n X z tt L n fun ^ I Lk ll ll X U ^ L k 7 L 7 I 0 k ^8LI7L»^!7M Kn.: ^>v) 7^6:^. Wie Ne PMkistey ly Arsktzg geMM' ^ HMy. Anch „herzbewegende Szenen". Sarajevo, 80. Juni. Die offizielle Berichter,latlung über die „patriotischen" Demonstrationen der Kroaten und MoStcnnn , >peiß nur von „herzbewegenden Szenen" zu erzählen und ^ zerfließt in Rührung über das höchstpairioüsche Gehaben der kroatischen und mosleminischen Jugend' (da heißt es natürlich nicht» die Jugend habe nicht zu politisieren). Ein Privatbcricht der „N. Kr. Pr." liefert von den .herzbewegenden" Treiben dieser. Patrioten , ein anderes Bilde Dem Blqtte wird von Sarajevo heute gemeldet: Wenn man sich Sarajevo nähert, gewinnt man den Eindruck,, daß ' man zum Schauplatz eines ungewöhnlichen Ereignisses gelangt. Der Exerzierplatz, der vor dem Bahnhof liegt, ist in ein Feldlager verwandelt. In Leinwandzelten kampieren Truppen und längs des BahngelctscS stehen Posten mit aufgepflänztem Bajonett. Auf dem Bahnhof herrscht ungeheure Aufregung. Militär hält den Bahnhof besetzt und niemand darf den Zug verlassen, der sich nicht legitimieren kann. Den Ankömmlingen wird von allen Seiten zugerufen,! ' das, über die Stadt d«s Standrecht veMsat wurSc. Bei der Wagenfahrt in das Innere der Stadt empfängt § man einen grauenhaften Eindruck. Die Wagenriider knirsche» über Glasscherben, die oft fußhoch auf der, Straße liege». Man passiert zehn bis zwanzig Hiiusep - ^hintereinander, die von dev wütende» Bevölkerung; nahezu demoliert wurden. Da ragen buchstäblich'nur noch f Mauern in die Luft, während d a S" ganz r Inn ere zerschmettert wurde. Hier liegt das 'ganze Warenlager eines G e f ch ä f t e S >z e rschl a gen un d't zertrümmert auf derStraße, dort patrouilliert vor einem serbischen Warenhause, dessen eiserne Rollbalken herabgelassen sind, Polizei auf und ab. Würde man nicht von dem mohammedanischen Kutscher erfahren ' haben, was geschehen ist, so müßte man an ein Erdbeben denken, das die Verwüstungen angerichtet hat. l ! Nach den Berichten von Augenzeugen waren ; die gestrigen Szenen der Ausfluß des Volksfurors,' der , sich von Minute zu Minute bis zur Raserei ' steigerte. Um Uhr rottete sich zuerst eine Schar' jünger kroatischer und muselmanischer Schüler zusammen, und man zögerte, ihnen entgegenzutreten, weil sie unter Absingung der Volkshymne einherzogen. Bevor aber die Holizek, in Sarajevo numerisch sehr schwach ist, die Situation überblickt hatte, zogen schon mohammedanische Männer und Burschen zu Hunderte»' aus dem türkischen Teile heran. Sie schlossen sich den Schülern an und nun begann ein Sturmzug durchdie Stadt. Wo man einen Serben wußte, wo irgend' ein Schild einen serbischen Kaufmann verriet, begann zuerst ein Steinhagel und dann ei» Sturm auf de» 'Laden. Fenster und Türen wurden eingeschlagen und durch t>!e eingeschlagenen Schaufenster, durch die Türen 'und Wohnungssenster flogen die Einrichtungsgegenstände ' und Waren aus die Straße. Hier liegen Massen von Wäsche zersetzt auf der Straße, dort sieht man verwüstete Lederlachen oder Lebensmittel, und einen schauerlichen Anblick bietet ein Sarggeschäft, das direkt in Trümmer gelegt wurde, während die Särge zerbeult und zerschmettert auf der Straße liegen; < ^ Vielleicht hätte das Militär, das um die Mittagsstunde vom Manövcrgelände in die Stadt zurückgekommen war. etwas energischer auftreten können, man muß aber schließlich mit den menschlichen Empfindungen der Offiziere und Soldaten rechnen und berücksichtigen, daß inmitten des wüstesten TnmnltS immer wieder Hochrufe auf den Kaiser und Töne der Vokkshymue erklangen, so daß es psychologisch sehr begreiflich ist, wenn die Willenskraft des Militärs ge- ' lähmt und geschwächt wird. - Im Laute der zwei Tage wurden auch zahlreiche Personen verletzt. Die Polizei und das Stadtphysikat, die während der'ganzen Zeit im permanenten Sanitätsdienst standen; ^leisteten einer großen Anzahl Personen Hilfe. Die Verletzungen ! sind zumeist leichter Natur, nur wenige Personen/! die »schwer . 4 : verletzt wurden, wurden in das LandeSspital übergesührt/Im ganzen wurden mehr als fünfzig Personen ärztlich behandelt. Steinwürfe, Fenstereinfchlagen, Plünderungen, unter dem Singen der Volkshymne verübt: das ist doch einmal was Neues. . . Aehnliche „patriotische Kundgebungen" finden auch in Mostar, Travnik und Zibanja statt; es scheint, daß sie planmäßig organisiert werden. In Neoesinje wurde der serbische Führer Manasie Sola (Präsident der serbischradikalen Narodgruppe) verhaftet; er »soll die dortige Bevölkerung .aufgereizt" haben. Inzwischen werden immer neue „Kundmachungen" herausgegeben. Der NcgierungSkommissär hat gestern die Sperrung der Gast- und Kaffeehäuser für 8 Uhr, der Haustore für 10 Uhr abends angeordnet; mehr als drei Personen dürfen auf der Gasse nicht zusammenstehen; nach 7 Uhr dürfen junge Leute (unter 15 Jahren) nicht auf der Straße sein; alles „Zuwiderhandeln" wird mit Arrest bis zu zwei Monaten bestraft; Erst haben sie aber die „herzbewegenden Szenen" abwickeln lassen! Nach Verkündigung des Standrechtes ist übrigens Ruhe eingetreten. Iirö5«l5nx>«>i5k f ij n tiie« ooxuxexixiiox r^6L3?08r ( 61732 ) _ L.^ - /<- Uarodrra Obrana. ^ " Die grotzserbische Agitation. ' ' Sarajevo, 1. Juli. Die Katastrophe, deren Schauplatz Sarajevo geworden ist, mußte kommen, wenn man all das berücksichtigt, was sich im Laufe der letzten Jahre hier und in Belgrad ereignet hat. Seit der Annexion wird Bosnien und ganz besonders die Herzegowina von einem Heer von serbischen Fanatikern überschwemmt, die den blutigsten Haß gegen die Monarchie und die Habsburger predigten. Die Behörden waren nur in den wenigsten Fällen in der Lage,, dieser gewissenlosen Agitation in den Weg zu treten, aus dem einfachen Grunde, weil diese Lobsinger serbischer Größe in den verschiedensten Formen austauchten, wie zum Beispiel als gewöhnliche Hausierer oder als serbische Popen, denen man nicht nahekommen konnte. Doch so lange es sich bloß um eine Propaganda mit Worten handelte, schien die Sache nicht so gefährlich. Die Gefahr kam erst nach der Beendigung der Balkankriegc, namentlich zu der Zeit der höchsten Spannung zwischen der Monarchie und Serbien im vorigen, Jahre. Da begannen die Serben Bomben in Massen nach Bosnien einzuschmuggeln und es entwickelte sich eine Agitation, die an die rohesten Instinkte der Einzelnen appellierte und den Leuten die Bomben in die Hand drückte. Die ganze Agitation ging von der revolutionären Organisation Narodna Obrana aus, die geschaffen wurde, um den ganzen slawischen Süden zu revoltieren, zuerst die Ge- j biete des früheren Altsexbien und dann Bosniens, ' das Serbien bekanntlich für sich beanspruchte. Die Attentate in Altserbien wurden von dieser Organisation verübt und gerade die terroristischen Attentate in Berane, die bekanntlich den Ausgangspunkt der großen Balkankrise waren, sind ihre Werke. Durch den Sieg der serbischen Waffen im Balkankriege war die Ausgabe der Narodna Obrana in Altserbien erfüllt und nun begann die Organisation ihr ganzes Augenmerk aus Bosnien zu richten. Der moralische Führer der Narodna Obrana, der vielgenannte serbische Offizier Milan Pribicevic, leitete eine große Aktion ein, deren Zweck es war, Bosnien zu revoltieren und eventuell auch Kroatien, i wovon übrigens in dem Agramer Hochverrats- > Prozeß die Rede war. Bei feinen Verbindungen mit den politischen serbischen Führern sowohl in Kroatien als auch in Bosnien wußte er seine Aktion so anzulegen, daß die Behörden auf sein Treiben nicht aufmerksam werden konnten. Langsam wurden die aus dem serbisch-türkischen Krieg zurück- gekehrten Komitadschi nach Bosnien hinübergeleitet, mm dort ihre revolutionäre Tätigkeit fortzusetzen. Die serbische Regierung ist natürlich über das Treiben der Narodna Obrana ganz gut unterrichtet ^ 'Und wenn es auch eine private Organisation ist, hvurden die Leute dennoch vom Arsenal in Kra- Mjevac mit Bomben und anderen Waffen versehen. !Es ist ja möglich, daß die serbische Regierung mit dem terroristischen Shstem nicht einverstanden war, jedenfalls tat sie alles, um jeden Verdacht abzulenken, als würde sie irgend einen Einfluß auf die Narodna Obrana ausüben. Sie tat so, als würde 'sie dem Drucke der Offizierskreise, die hinter der Marod na Obrana standen, nicht widerstehen können und es ist nicht ausgeschlossen, daß die Regierung den terroristischen Drohungen nachgab, um nicht selbst ihr zum Opfer zu fallen. Das eine ist gewiß, daß es der serbischen Regierung nach der Beendigung des Krieges sehr daran gelegen war, die !Komitadschis aus Belgrad los zu werden und sie sah es daher gewiß nicht ungern, daß sie nach Bosnien dirigiert wurden. Darauf wurde gerade in diesem Blatte bereits im vorigen Jahre aufmerksam gemacht und. vor dem Treiben der serbischen Freischärler in Bosnien getoarut. Eine der Hauptaufgaben der Narodna Obrana gegenüber der Monarchie war, vor allem alle dem serbischen Elemente nicht geneigten Elemente aus !dem Weg zu räumen. In erster Reihe galt das für die hohen Funktionäre in Bosnien und dann auch für die Mitglieder des Herrscherhauses, ganz besonders aber für den verblichenen Erzherzog-Thronfolger, der als der größte Feind der Serben verschrien wurde. Die Agitation gegen den Thronfolger begann damit, daß die serbischen Blätter Wer die politischen Pläne des Thronfolgers die sonderbarsten Märchen veröffentlichten und eine ganze Kampagne eingeleitet haben, dis ebenso in 'Belgrad und in Sarajevo als auch in Agram betrieben wurde. Gerade in letzter Zeit nahm diese > - - Kampagne einen großen Umfang an, besonders von jenem Zeitpunkte an, als es bekannt geworden war, daß der Thronfolger zu den Manövern nach Sarajevo kommen werde. Die Narodna Obrana setzte die ganze Schar ihrer Terroristen in Bewegung und Bosnien wurde trotz des strengen Wachdienstes, der an her Grenze durchgeführt wurde, von Komitadschis überschwemmt, die zu Dutzenden Bomben bei sich führten, wie die eben geführte Untersuchung' erwiesen hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Attentat auf das Thronfolgerpaar von derselben Organisation durchgeführt wurde, die früher jahrelang in Altserbien terroristische Attentate verübte. Auch der Zweck ist derselbe und die Untersuchung wird zweifellos ergeben, daß das Attentat von Belgrad ausgegangen ist, mit Wissen der Narodna Obrana und gewiß nicht ohne Kenntnis der serbischen Regierung, womit die serbische Regierung keineswegs verdächtigt werden soll, daß sie das Attentat selbst organisiert hat. Die Katastrophe ' in Sarajevo wird so manches Geheimnis lüften und ! das Geschwür öffnen, mit dem die Belgrader Narodna Obrana die Monarchie infiziert hat, besonders die Südslawen. Daß hiebei die Fehler der Wiener Politik dieser Propaganda der Tat zu Hilfe kamen, das braucht Wohl nicht erst gesagt zu werden. 1N k c 17 L k X1X«c k f ü ir xicx ooxuxexixiiox V0l.X381IM (Lksnmiir) 14g 7^e-. 2. 7. 1314 Die Hetze gegen Serbien. Aussagen des Mörders Princip. Wien. Vorgestern abend legte Princip ein Geständnis ab und erklärte, daß er in Belgrad mit einem Komitatschi namens Iiga, den er durch Eabrinovic kennen gelernt hatte, bekannt geworden sei. Von diesem Komitatschi hatten sie erfahren, daß der Erzherzog nach Bosnien reisen werde. Schon damals wurde das Attentat beschlossen. Iiga übergab jedem eine Bombe, die sie nach Serajewo brachten und dort vergruben. Bei der Haussuchung in der Wohnung des Mörders Prin- , cip wurden in seinem Lager 2 7 0 0 Kronen versteckt aufgefunden, weitere 1000 Kronen in dem Rahmen eines Heiligenbildes, ungerechnet der 2009 Kronen, die bereits gefunden worden sind. , Die Personalien des Bombenwerfers. Wien. Der Urheber des ersten Attentats heißt, wie amtlich : festgestellt wurde, richtig Dedelco Caprina, recte Vucko. Er z ist im März 1894 in Trebinje als Zweitältester Sohn des Gastwirts ? Vasa Caprina geboren und hat noch vier Schwestern. Er war vor längerer Zeit in einer Druckerei in Triest tätig, blieb aber nur * kurze Zeit dort, da er ein schlechter Arbeiter war, und kam ohne alle Geldmittel nach Fiume, wo er sich 10 Kronen bettelte, dann zog er zu Fuß nach Belgrad. Er trat dort in die nationalistische Partei ein. Er ist ein junger Mann von mittlerer Statur, stark gebaut und macht einen eraltierien Eindruck. Ueber Princip wurde festgestellt, daß er nicht 19, sondern am Tage des Attentats schon 20 Jahre alt war. Daher bildet sein Alter kein Hindernis, ihn zum Tode zu verurteilen. Ein entkommener Attentäter? Wien. Erzbischof Stadler bestätigte einem Interviewer, es sei heute schon ganz gewiß, daß zwei Täter auf einmal geschossen haben. Der eine stand rechts, der andere links. Der erste Schutz traf die Herzogin, erst dann erhielt der Thronfolger die tödliche Kugel. Man konnte nur einen Täter fassen, der andere entkam. Kriegerische Stimmung in Wien und Budapest. Budapest. Die Erbitterung gegen die Serben in den beiden Hauptstädten Wien und Budapest äußert sich darin, daß man vielfach das Einmarschieren nach Belgrad verlangt. Die Stimmung der Bevölkerung ist genau so kriegerisch wie zur Zeit des gespanntesten Verhältnisses zwischen Serbien und der Monarchie anläßlich des Balkankrieges. Mit Serbien muß abgerechnet werden, heißt es überall an den Biertischen, da man sonst iin ständigen Kriegszustände lebe. Serbiens korrekte Erklärung» Das serbische Preßbureau veröffentlicht mit Ermächtigung der Regierung folgende Erklärung: „Serbien ist, gleich wie die ganze übrige Kulturwelt, von Abscheu erfüllt gegen das Attentat und die Täter. Wie wundern uns, wie es möglich ist, daß deutsche und österreichisch-ungarische Blätter diese un- qualifizierünre Tat eines verworrenen, gei st es kranken Menschen zum Anlaß nehmen konnten, um Serbien zu beschuldigen und anzugreifen, das in jüngster Zeit nichts unterlassen hat, um die Beziehungen zur Nachbarmonarchie besser und freundschaftlicher zu gestalten. Die serbische Regierung ist der Ansicht, Laß das traurige Ereignis von Serajewo es ihr zürn Gebot Macht» ihr ganzes Augenmerk auf die Umtriebe verdächtiger Elements zu richten^ wenn diese sich auf serbischem Gebiet befinden, und strengste! Maßregeln zu ergreifen» UM ihr Treiben zu vereiteln, insofern ^ dies Lei anormalen und exaltierten Menschen Möglich ist. Der serbischen Regierung, die alles tut, um die Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien auf eine freundschaftliche Grundlage zu stellen, sind Ereignisse wie das jüngste in Serajewo ebenso unangenehm wie der österreichisch-ungarischen, und sie wird nichts unterlassen, soweit es in ihrer Macht steht, damit die Geister sich beruhigen und die Beziehungen normal werden. Die serbische Regierung müßte es daher Lief bedauern, wenn die weitere Entwicklung guter politischer und ökonomischer Beziehungen zwischen Oesterreich- Ungarn und Serbien eine Unterbrechung erfahren würde wegen Geschehnissen, für die man Serbien und die serbische Regierung nicht verantwortlich machen darf." Das Standrecht über die Städte Bosniens und der Herzegowina. Das Standrecht über die Städte Bosniens und der Herzegowina. Budapest. Infolge großer Ausschreitungen, die sich trotz des Einschreitens der Polizei und des Militärs in allem Städten Bosniens und der Herzegowina täglich wiederholen, wurde gestern das Standrecht über ganz Bosnien und die Herzegowina verhängt. Keine Stadt mit Ausnahme von Banja- luka, wo alle Nationalitäten und Konfessionen sich in einer Kundgebung für Vas ermordete Thronsolgerpaar beteiligten, blieb von Ausschreitungen gegen dis Serben verschont. Besonders stürmisch ging es im TuZla zu. »k s e 1 1L k X z X X e ir fll« xiex v0XllXLXI/lI>0X V0I.X88IIM (Lkslimltr) 143 ?. 7. 1314 DipMitschuldigen der Mörder. / Wer am Sonntag nachmittag schon von der Nachricht erreicht wurde, Franz Ferdinand, der österreichische Thronfolger und seine Frau, die Herzogin von Hohenberg, seien einem Bombenattentat glücklich entgangen, aber dann wohlgezielten Revolverschüssen zum Opfer gefallen, der tat gut, sich von der Gesellschaft der Parteigenossen loszulösen und sich allein mitten in eine bürgerliche Gesellschaft zu setzen; dann konnte er tiefe Blicke in die Seele der deutschen Bourgeoisie tun. Noch war wenig mehr von dem Attentat bekannt, als daß die Leiden Attentäter Serben namens Princip und Cabrinovic seien, ein Buchdrucker und ein junger Student, und daß sie aller Wahrscheinlichkeit nach auf Grund eines gemeinsamen Planes nach einer sorgfältigen Verabredung gehandelt hatten. Das genügte den Bürgerlichen an allen Biertischen, um ihren Leiden politischen Hauptempfindungen, der Roheit und dem Sozi a l i st e n h a ß, alle Zügel schießen zu lassen. Der Blutdurst der Spießbürgerbestie tobte sich am Sonntag in der Schenke und am Montag in den Kontoren, Verwaltungsstuben und Gerichtssälen in jeder Unterhaltung aus. „Acht Tage hindurch langsam zu Tode prügeln sollte man diese Kerle," brüllte der Sanfteste. „Und dann überhaupt 'mal eine gründliche Razzia unter den verfluchten Sozialdemokraten vornehmen," übertrumpfte ihn sein Nachbar. „Die sozialdemokratischen Kerle sollten im Zuchthaus erst 'mal ordentlich arbeiten und hungern lernen, dann würden sie wohl kuriert werden," stimmte der Politiker ein. „Wir sind viel zu weichlich geworden; Rußland hat die richtige Methode; mit dem Gesindel wird man nur durch die Knute und den Galgen, eine recht derbe Knute und recht viele Galgen, fertig; sonst ist an ihnen doch nichts zu bessern," schloß dann der prinzipiell durchgebildete Bürgerliche, Alldeutscher und Rassentheoretiker, die erhebende Unterhaltung. Und alle vier feuchteten die entrüstungstrockenen Kehlen mit reichlich viel Bier und fühlten sich sehr patriotisch. Am nächsten Tage hatten die Herren freilich vergessen, was sie da geredet hatten. Aber nicht alle Zuhörer haben ein so kurzes Gedächtnis. Wir könnten eine ganze Reihe von Chemnitzer Richtern, Rechtsanwälten, Fabrikanten und leider auch noch Angestellten hier mit Namen nennen, die sich am Sonntag und Montag in ähnlicher Weise ausgetobt haben. Aber wir wollen hoffen, daß es die Scham ist, die ihnen die Erinnerung an die eigene peinliche Uebereilung geraubt hat. Beim nächsten Attentat der englischen bürgerlichen Frauenrechtlerinnen oder der kulturell rückständigen Glieder südländischer Nationen werden sie allerdings in genau derselben unverantwortlichen Brutalität ihre geheimsten Seelenregungen verraten. Sollte man es für möglich halten, daß sich selbst zwei Deutsche Zeitungen finden, welche die Greueltat von Sera- jewo zu solcher Scharsmacherei gegen die Arbeiterbewegung auszunutzen versucht haben? Es ist allerdings der letzte Abhub der deutschen Zeitungswelt, das Blatt der agrarischen Großgrundbesitzer, die „Deutsche Tageszeitung", und das Organ der fortwährend nach Ausnahmegesetzen schreienden industriellen Scharfmacher, die „Post", welche so aus der hohlen Hand ins Blaue hinein schreien und toben. Die „Deutsche Tageszeitung" sucht die Katastrophe des österreichischen Thronfolgerpaares in folgender Weise zu fruktifizieren: „Eine Mahnung, den bürgerlichen, monarchistischen Staat so gut zu rüsten und so stark zu machen, daß niemand hoffen kann, ihn durch einzelne Verbrechen oder überhaupt durch revolutionäre Mittel zu zerstören; eine Mahnung, allen destruktiven und revolutionären Tendenzen überall, wo sie sich zeigen, mit der ganzen Macht desStaates entgegen zu treten und nicht mit ihrer Bekämpfung zu warten, bis sie stark genug sind, die „trockene" Revolution durch die offene Gewalt zu ersetzen; eine Mahnung endlich, mit mehr Wachsamkeit und Entschiedenheit als bisher den Kampf gegen die ganze moralische Erkrankung zu führen, die in der systematischen, hetzerischen Untergrabung aller Zucht und Autorittät auf Erden gegeben ist, und die doch der letzte Grund für Greueltaten wie die von Serajewo ist und bleibt." Und das scharfmacherischs Schwesterorgan von der industriellen Seite, die „Post", die sich in Schmutz und Gemeinheit ja stets mit den Agrariern findet, hetzt mit ganz ähnlichen Worten; „In Reichsdeutschland haben wir nicht einmal das Recht, auf diese traurigen Zustände in Entrüstung hinzuweisen. Geschieht denn bei uns irgendetwas Ernsthaftes, um die antimonarchischen, umstürzlerischen Bestrebungen der Sozialdemokratie zu bekämpfen? Wird nicht in Deutschland täglich in Wort und Schrift Hunderttaussnden der Geist des Aufruhrs und des Umsturzes üeigebracht? Ist es nicht dieselbe Ruheseligkeit und Schwäche, die uns verhindert, tatkräftig jenen Feinden von Kaisertum und Gesellschaft, Religion und Sitte entgegenzutreten? Wer bürgt uns dafür, daß nicht auch eines Tages ein verführter, zuchtloser Bursche die Mordwaffe gegen die Männer bei uns richtet, in denen er das größte Hindernis seiner umstürzlerischen Bestrebungen erblickt? So kann auch für uns die fürchterliche. Tat im Nachbarstaate ein warnendes Zeichen sein, rechtzeitig den Feind niederzuringen und-micht M warten, bis es zu spät ist." ' Die Scharfmacherei ist diesmal nicht ernst. Aber es hat schon Fälle genug gegeben, wie die Wahnsinnstaten der Luccheni und Laserio an der Kaiserin Elisabeth und dem Präsidenten Carnot, bei denen fast die ganze bürgerliche Presse die Arbeiterbewegung und besonders die Sozialdemokratie für die furchtbaren und törichten Gewalttaten verantwortlich zu machen suchte, und unvergessen ist in der deutschen Arbeiterschaft das Umsturzgesetz, mit dem die Regierung die Arbeiterklasse knebeln wollte, weil ein paar geistig minderwertige und erzieherisch /- verwahrloste Verbrechernaturen im Ausland ihre Waffe gegen Angehörige von Herrscherhäusern erhoben hatten. Die Sozialdemokratie kann mit dem besten Gewissen von der Welt diese An würfe zurückweisen. Sie predigt den Arbeitern unaufhörlich, daß nur die Organisation sie befreien kann, daß große gesellschaftliche Entwicklungen von einzelnen Menschen weder gemacht noch aufgehalte nw erden können. KeineLehre vermag so wenig wie die sozialdemokratische individuelle Mordtaten hervorzurufen oder a l s v e r n ü n f t i g e r s ch e i n e n z u l a s s e n. Die Bluttat von Serajewo ist für jeden Menschen, der nicht absichtlich wider besseres Wissen lügt und entstellt, das Werk serbisch-nationalistischer Fanatiker, die in Franz Ferdinand den Feind ihrer großserbischen Staatsideen zu töten vermeinten. Aus einem überreizten Nationalitätsgefühl, aus wildem Nationalitätenhaß ist diese unselige Tat entsprungen. Wir denken nicht daran, den wirklichen vaterländischen Gedanken, den wir empfinden und schätzen, wie nur irgendein anderer, für ein solches Verbrechen einzelner verantwortlich zu machen. Wir legen die Tat nicht einmal dem Serbentum an sich und seiner wilden Eroberungssucht zur Last. Die serbische Regierung sagt in ihrer offiziellen Erklärung, daß Serbien das verabschsuungsrvürdrge Verbrechen in Serajewo ebenso auf das schärfste Verurteilt, wie dies in Oesterreich-Ungarn und auf der ganzen Welt geschieht. „Man kann dochnichtein ganzes Volk verantwortlich machen für die Tat eines unreifen, wirren jungen Menschen. Wenn aus dem traurigen Anläße durch nichts begründete Verdächtigungen gegen Serbien verschiedentlich erhoben werden, so muß dagegen auf das entschiedenste protestiert werden. Jeder denkende Mensch wird begreifen, daß Serbien dem verwerflichen Verbrechen völlig fern steht." Trotzdem toben die nationalistischen Lärmmacher in Buda-, pest und Wien, man müsse die serbische Gifthöhle ausräuchern, nach Belgrad Dinrücken und im Kriege Genugtuung für die Tat eines einzelnen oder einer Verschwörungsgesellschaft suchen. Dieser Geist der Kriegshetze ist genau derselbe Geist, der die Mörder beseelt hat, der Geist der Geringschätzung des Menschenlebens. Wie ist denn Prin'ip zu seiner Tat gekommen? Ein 26jähriger Bursche von der Exaltiertheit, die man bei Lungenschwindsüchtigen häufig findet, meldete er sich als Freiwilliger zum Balkankrieg und wurde zurückgewiesen. Je mehr Blut aber in diesem Kriege vergossen wurde, desto fester setzte sich in seinem Hirn der Gedanke fest, daß auch er zur höheren Ehre Serbiens Blut vergießen müsse, und er hat nicht eher geruht. üls bis er fern Ziel erreicht hatte. Jetzt erst in der Zelle ist er aus seinem -omtrausch erwacht. Aber wer darf über Prinzip richten, der fortwährend den Grundsatz verficht, ri^bt or — ob gut, ob schlecht, mein Land hat recht. Wenn die Vaterlandsliebe auch die schlechtesten Handlungen entschuldigt, was hat dann Prinzip Unrechtes getan? Er wollte Serbiens Macht- erweiterung fördern, indem er den stärksten Mann aus dem gegnerischen Lager, den Führer der k. k. Armee in einem etwaigen Kriege, niederstreckte. Er hat nur nach den Grundsätzen gehandelt, welche die Nationalisten aller Länder predigen. Und so braucht man denn nach dem Mitschuldigen des Mörders nicht lange zu suchen. Alle Fanatiker der nationalen Idee, alle Chauvinisten und Hetzapostel, die für eine Bertha von Suttner nur ein verächtliches Lächeln haben, denen die Moral im Völkerleben als durchaus „unbismärckisch" erscheint, sind mit schuld an der Tat, alle, die im Namen der alleinseligmachenden nationalen Phrase die Sozialdemokratie ächten, weil sie die nationalistische Mordpolitik verabscheut, haben CaLrinovic die Bombe gereicht und Prinzip die Patronen in den Lauf gesteckt. Alls, dis fetzt nach Krieg mit Serbien schreien, die jetzt lügen, die österreichische Regierung habe bereits eine Drohnote nach Bel- Grad geschickt, alle, die leichthin vom grausigen Völkermord des Krieges sprechen, verhindern, Latz wir Kulturmenschen den Mordgedanken in der Menschheit ausrotten. Die Kriegsbereitschaft des satten Spießbürgers, der für die Mörder von Serajewo einen Martertod fordert, ist Geist vom Geiste dieser Mörder selbst. JhrHerrenChemnitzerRichter, Nechtsanwälte^ndustrielle und Käuflsute, die ihr am Sonntag nach Knute und Galgen gefchrien Habt, die ihr nicht einfehen wollt, daß der' Krieg verroht, sondern ihn als Erwecket der edelsten Eigenschaften preist, seht auf die Leiche Franz Ferdinands und der Herzogin won Hohenberg! Eure Lehren habew dem Mörder ^entflammt, ihr seid, wie die Klassenjustiz es ausdrückt, die intellektuellen Anstifter des! jüngsten Monarchenmordes^ Jede Gemeinheit und Roheit im Wölkerleben ist e u e r Werk', weil ihr vergessen habt, daß dir Moral auch im internationalen Verkehr das höchste Gesetz sein fall. Die Mörder von Serajewo hängen an euren Rockfchößen, ihr guten Bürger, und ihr werdet sie nicht abfchütteln.. ,.D e r ChLUVrnismuSUder Zu.mgd e u L schl a ndbündler, - er Alld eutsch en, d er Ostmarkenverernler, d er Dän e n fressender W e h r- und Flottenvereinler d arf die Mordt at v .0 m§. er af ew o a l s,s ei n W er k p r e i sie ir. .... '.s ^ ^ . -' . x X 8 g e > 7 e n X X«e n 7 un »> ex ll o X u « e X 7 X 7 > 0 X ^87I77»rk!7« >!--.: 7zo 7X8: ^ ' X'" ZchMs in ZMm., - > Wie die „Nt Fr..Pr." meldet — sonst weiß aller, dmgs niemand davon .—^ habe gestern eine Besprechung zwischen dem Grafen,-Berchtold, dem , Kriegsmmlster Krobatin und dem.Generalstabschef Conrad stattgefundeu, bü ckr der Minister des Aeußern die Mitteilmm machte, daß er „die ALsi ch t habe, an die serbische Negierung mit dem E r s ü ch e n heranzutreten, die in Bosniim gegen die Urheber der Attentate geführte Untersuchung im K § nigr e ich Serb ien for tzus e tz e n, da alle Spuren der Verschwörung unzweifelhaft nach Serbien führen". Inzwischen ist von Belgrad eine Untersuchung zugesichert worden. Das serbische Preßbureau ist nämlich, wie aus Belgrad gemeldet wird, von der Negierung ermächtigt, folgende Erklärung übzugeben:' ^ > . K.- Serbien ist gleichrvie die ganze übrige Kulturwelt'v 0 n '> Abscheu erfüllt gegend a S A t t e n L a ^ U n d die Attentäter. Wir wundern unS.zwieeS möglich ist, Laß deutsche, österreichische und ungarische Journaled i.e s e u n g u a l i s i z i e r b a r e Tat v e r m y r' r ' e ' m e r) geisteskranker Mensch e n zum Anlaß' nehmen ' konnten, um Serbien zu beschuldigen und anzugreisen/ das in jüngster Zeit nichts unterlassen hat, um die Beziehungen zur Nachbarmonarchie besser und Dsrcundlicher zu gestalten. Die serbische Negierung ist der, Ansicht, daß das ltraürige ! . Ereignis von Sarajevo i hr es z u m G e b o L m a ch t. a u f ^ die Umtriebe verdächtiger Ele m e ntihr ganzes Au genmerkzu richt e n und," wenn,sie sich^ auf serbischem Terriloriuyr ..besinnen, st r e n g st ss 7 W a ß? 'r egeln zu e r g r e i f e n, u m d e r e n Drei b e n zu vereiteln, so f'e r n djes bei ano r m a l e n/ "exaltierten Menschen m ö glich i st. - Der/serbischen Negierung, die alles tut, um die Beziehungen zwischen :-Oesterreich-Ungarn und Serbien auf eine freundschaftliche Grundlage zu . stellen, sind Ereignisse ,wie-das jüngste in, Sarajevo ebenso unangene h m-wie der österreichisch-, 'ungarischen, und sie wird, soweit es in ihrer Macht steht, ! nichts unterlasse n, damit sich die Geister beruhigen ! und die ökonomischen Beziehungen zwischen Oestexkeich-Ungnrn und Serbien keine Unterbrechung erfahren wegen Geschehnisse, für die man Serbien und deren Regierung nicht verantwortlich machen darf. . . n l. ? - Angesichts der „Urteile", die wir gestern vernahmen, Macht diese „Erklärung" gerade keinen überzeugenden Ein- ! druck. Gut „gewundert* ! ' ! - ? - :>>. . . Das PrvLestmeeLmg gegen die Sarajevoerstrawasie ..verboten.- - 7 . Belgrad, 1. Jul. (Aus amtlicher serbischer» Quelle.) Las für morgen angesagte P rötest m e e't,'L n g der U n r v e r s,i t ä t s j u ae n d gegen die von den Kroaten in Sarajevo, Agram und anderen Arten veranstalteten Demonstrationen wurde- behördlich -v e r? j ü.o L e n. .... ...' ^ ^ " '' / k k 8 L ! 7 8 k k ä l_ k 7 Ö k ! 7. ^ ^ ll 0 l( U 7 ^ 7 ^ 7 I 0 M7I7M7I7M ^HmrisKsche Zemonftmtionen. ^-^Vor dem Hause Paulanergasse Nr. 4, in dem die serbische Gesandtschaft eingemieiet ist, wurden an den letzten beiden Abenden patriotische Demonstrationen veranstaltet. Volkshyme! Rufe gegen Serbien! Viel Geschrei und dann ruhiges Abziehen der einigen hundert meist jungen Leute. Heute war der Schauplatz ein anderer. Das enge Paulanergüßchen war schon den.Nachmittag über durch Polizei abgesperrt und auf dem benachbarten Mozartplatz hatten berittene Polizisten ein förmliches Feldlager aufgeschlngen. Dies darum, weil sich schon nachmittags einige überhitzte Patrioten über dre Form aufgeregt hatten, in der der serbische Gesandte Jowanowitsch seiner Trauer über den Tod des Erzherzogs Ausdruck gegeben hat. Während auf dem Hause der Gesandtschaft eine schwarze Fahne wehte, hatte der Gesandte auf dem Balkon seiner an der Ecke der Favoritenstraße und Taubstummengasse befindlichen Wohnung die serbische Fahne ausgesteckt, und zwar der herkömmlichen Sitte entsprechend, um Halbmast zu mar-! kieren, bis zur Hälfte zusammengerollt und dort mn einem schwarzen Bande von der Breite eines Hutbandes zusammengehalten. Dieses schwarze Band sollte die Trauer- bezeigung darstellen. Dieses Trauerband war aber den vorbeikommenden Patrioten zu wenig breit, und aus ihren Bemerkungen war leicht zu schließen, daß es wegen dieser Fahne abends vor dem Hause zu Demonstrationen kommen werde. Darum die Vorbereitungen der Polizei, die sich denn auch nicht als unnütz erwiesen. Auch die benachbarten Geschäftsleute und die anderen Mieter dieses Hauses sahen Demonstrationen voraus und suchten schon nachmittags auf den Gesandten einzuwirken. > Der Hausbesitzer begab sich zu ihm und machte ihn auf-, merksam, daß dies«» Norm dn Ehrenbezeigung Unwillen! 'errege. Der Gesandte ließ nun an der Fahne einen etwa halbmeterbreiten Trauerflor anbringen, dessen lange Schleifen von der halbzusammengerollten Fahne herunterwehten. Aber auch das genügte den Patrioten nicht, es war die Losung ausgegeben: „Der Fahn muaß weg!" Uno mit dieser Losung zog gegen ^9 Uhr abends ein Häuflein junger Leute gegen das bezeichnet Haus. Die Polizei war zur Stelle und sperrte die Straße ihrer ganzen Breite nach ab. Das erregte sehr den Unwillen der Patrioten und sie machten sich nun in verschiedenen Rufen Luft. Bunt durcheinander schrie der in zwei Trupps geteilte Haufen „Hoch der Kaiser!", „Nieder mit Serbien!", „Der Fahn muaß weg!", „Hoch Habsburg!", „Nieder mit die serbischen Mörder!", „Net amal der Königsmord war so !", „Nieder mit Frankreich!" und so fort, mcht immer gerade begründet. Die Polizei hatte eine doppelte Aufgabe. Erstlich mußte sie das Haus des Gesandten schützen; dann aber liegt auf diesem Stück der Favoritenstraße, Zwischen den Paulanern und der Taubstummengasse, auch das Haus der Erzherzogin Maria Theresia, in dem heute Nacht der künftige Thronfolger Quartier nehmen soll. Sollte der Erzherzog in seine Wohnung gelangen können, so mutzte der Platz geräumt werden. Diese Aufgabe war keine leichte, da die Patrioten in Uniform diesmal ja nicht Arbeitern gegenüberstanden, die etwa gegen einen übermütigen Fabriksherrn demonstrierten. Man konnte also die Polizei von einer ganz, ganz neuen Seite kennen lernen. Wir wollen gleich gestehen: sie hat außerordentlich unseren Beifall gefunden. Am besten tun wir wohl, wenn wir die Art mit liebevoller Breite schildern. Also: In der Favoritenstraße stockt aller Verkehr. Die von der Stadt kommenden Straßenbahnwagen stehen weit über dis Wiedener Hauptstraße hinunter bis knapp vor die Taubstummengasse, wo die erste Polizeifperre ist. Gegen Favoriten zu ist die zweite und auch dort stehen die Wagen die Favoritenstratze hinauf. Der Verkehr ist unterbunden. Vor jeder Polizeisperre natürlich Berittene, ein wildschreiender Haufen von meist jungen Leuten, ab und zu sind auch Volts- und Bürgerfchüler unter ihnen. Im großen und ganzen sind es Leute zwischen siebzehn und fünfundzwanzig. Der Haufen tobt: „Weil mir die serbische Fahn* herunten haben wollen. Es is ja gar ka Fahn', das is ja a Fetzen." Die Polizeirosfe trippeln einen Schritt vor. Die Demonstranten weichen einen Schritt zurück und stimmen sofort die Volkshywne an. Um Gottes willen nur keinen Reiterangriff! Wieder stehen die beiden feindlichen Parteien. „Nieder mit die serbischen Bluathund!" „Herr Kommissär, wann der Fahn' herunt' is, gehn m'r!" „Nieder mit die feigen Mörder!" „Hoch der Kaiser, hoch, hoch!" „Heil Oesterreich!" „Hoch Habsburg!" Wieder ein Trippeln der Polizeipferde und wieder dre Volkshymne. Bei der anderm Polizeiabsperrung dieselbe Geschichte. Dort hat ein Polizeioffizier den Oberbefehl der Berittenen, der es in feiner Jugend einmal zuwege brachte, sieben sozialdemokratische Abgeordnete und einen Redakteur der Arbeiter-Zeitung auf einen Sitz darum zu verhaften, weil sie sich ansehen wollten, wie er mit den ausgesperrten Arbeitern umsprang, die vor der Alpha-Separator-Fabrik in Meidling demonstrierten. Kurz entschlossen ließ damals Herr Stille bacher alle die unbequemen Zuschauer verhaften und dann hatte er mit den Arbeitern leichtes Spiel. Dieser Mann ist nun hier der Kommandant der Berittenen. Wir gestehen, er hat sich außerordentlich zu seinem Vorteil verändert. Zu feiner alten Schuldigkeit kommt noch, daß er seither seine Rednerbegabung entdeckt hat. Er hält wirklich Reden. Zuerst freilich sucht er sich die Volksgunst durch einen besonderen Befehl zu erwerben. Er gibt den Berittenen Auftrag, die Säbel zu versorgen. Bravo aus der Menge. Ein dicker, glattrasierter Zukunftsgeistlicher, heutL.wahrscheinlich noch Student, drängt sich durch den Haufen hin zn Herrn Stillebacher und spricht ihn also an: „Herr Kommissär: Voxpopuli, voxckei (Volkes Stimme, Gottes Stimme). Die Fahne muß herunter, das ist eine Provokation, haben wir denn keine Minister, die solches sehen? Herr S t i l l e b a ch e r: Ja, lieber Freund, wir können nichts machen, wir haben den Auftrag, hier die Absperrung aufrecht zu erhalten, aber man könnte ja wirklich telephonieren; ich bitte, beruhigen Sie doch die Menge. Ist denn kein Beamter da, der telephonieren könnte? Ich werde selbst telephonieren. Der Dicke gibt sich zufrieden und schiebt sich wieder in die Masse hinein, der er Mitteilung macht von dem Versprechen des Polizeireiters. Die Menge antwortet: „Die Fahne herunter, die Fahne weg, oba mit ihr!" Da richtet sich Stillebacher im Sattel auf und mit weithin schallender Stimme spricht er also: „Meine Herren! Darüber können wir ja morgen reden. In den Zeüungm w'lrd ja gewch darüber geschrieben. Ich habe Ihnen ja schon gesagt, wir können die Fahne nicht herunternehmen. Meine Herren! Gehen Sie doch nach Haufe, es hat ja keinen Zweck, hier zu sein." Dumpf antwortet die Menge: „Der Fahn' muatz abi!" „Die Fahne weg!" „Herunter mit der Fahne!" Aber Stillebacher läßt sich nicht so leicht unterkriegen. Wenn er sich einmal in den Kops gesetzt hat, eine demonstrierende Volksmenge mit liebevoller Güte vom Platze zu bringen, so hat er geradezu reizende Einfälle. Richtig langt er in seine Hosentasche und im nächsten Augenblick blitzt in seiner Hand (nur nicht erschrecken, kein Browning etwa), nein, seine silberne Uhr. Hoch schwingt er sie mit der Rechten und also lautet seine Rede: „Meine Herren, es ist halb zehn Uhr, es wird besser sein. Sie empfangen den toten Erzherzog, als daß Sie hier stehen. Beweisen Sie ihm doch Ihre Liebe, gehen Sie auf die Ringstraße!"-—„D er Fahn' muatz 'r unter!" schreit es aus der Menge. „Meine Herren, Ihre patriotische Gesinnung haben Sie ja gezeigt, wir können nichts machen, das muß vom Ministerium ausgehen!" Ein Ruf aus der Menge: Zu was hab'n m'r denn die Minister! Stillebacher (freundschaftlich mit dem Finger hvmkend): Sie Herr, kommen S' einmal her zu mir, bitt' .Zckön. kommen S' nur. Ich werde Ihnen das erklären. Rickitia drängt sich der Aelteste aus der Menge, so ein Mann Anfang der Vierzig, vor und geht zu dem ^ ^ „Brck Sie! Sagen Sie doch der Menge: Morgen ist dochauch noch ein 'Trauertag. Morgen kommt ja die ganze Sache in die Zeitung und da werden wir ja sehen, ob die Fahne noch bleibt. Sagen Six doch den Leuten, es ist gescheiter, sie gehen aus die Ringstraße, wir dürfen sie hier nicht durchlassen. Und wegen der Fahne wird morgen sicher etwas geschehen." Der Zwischenruser zieht sich befriedigt zurück und sucht dieses Versprechen vom Pferde herab in der Menge weiterzuverbreiten. Aber da ist schon wieder neuer Zündstoff da. Vom Südbahnhos her über die Favoritenstraße herunter Pferdegetrappel, polizeilicher Sukkurs. Mit großen weißen Manchetten über den Aermeln sprengen die Paradereiter der Polizei herein. Das regt natürlich auf. Wieder erneuerte Rufe, in denen immer von neuem die Entfernung der Fahne begehrt wird. Stillebachers Geduld macht schon gelinder Verzweiflung Platz. Ein letztes Auskünftsmittel hat er noch. Er wird ganz gemütlich. Er greift zum Volkston. „Aber meine Herren, san m'r do g'scheit, das hat do gar kein' Zweck. Schaun S', morgen kommt's do eh in die Zeitung, i Hab' Ihnen ja schon alles g'sagt. Durch- lass'n können wir Jhna net, da hab'n m'r zu strengen Befehl, da kann man nix machen." Fünf Minuten später müssen die Polizeirosse dennoch gegen die Patrioten vorrücken. Diesmal hört man keine Volkshymne mehr, nur Pfuirufe und schrille Pfiffe, die einem durch Mark und Bein gehen. Die Menge ist nun tatsächlich empört, auch gegen die Polizei. „Greifen Sie mich nicht an mit Ihren schmutzigen Händen!" ruft ein Student einem Wachmann zu. „Ich Hab' keine schmutzigen Hände!" ist die Abwehr des Amtsehrenbeleidigten. Sie können so sanft sein, wenn sie wollen. Auf die Bürgersteige reiten sie auch, aber sachte, sachte, Schritt vor Schritt, und die pfeifende und pfuirufende Menge wird in die Seitengassen gedrängt, in die Floragaffe, in die Mozartgaffe, Schritt vor Schritt weicht sie zurück, aber sie weicht, und fünf Minuten später ist der Platz „gesäubert". Ohne Aufregung, ohne Säbelhiebe, ohne Huftritte. Es ist ein wahres Vergnügen, zu sehen, wie sehr sich seit den letzten Arbeiterdemonstrationen die Polizei ihre Vorschrift zu Herzen genommen hat, daß sie im Dienste tatkräftig, aber unter allen Umständen taktvoll einzugreifen habe. Wir freuen uns, daß sich dieser Wandel bei der Wiener Polizei unter dem neuen Präsidenten vollzogen hat, der ja in den schlimmen Zeiten der Höchstkommandierende der Polizeimannschaft war und dem manches von dem zur Last gelegt wurde, was sich bei solchen Anlässen die Polizei an Uebergriffen erlaubt hat. Wir sind mit dem System Gorup-Stillebacher vollkommen einverstanden, so sehr, daß wir künftighin eifersüchtig darüber wachen werden, daß es beibehalten werde. Es war wirklich sehr schön, und umso verdienstlicher, als sich vorher ein Vorfall ereignet hat, der bisher geeignet war, die Polizei in höchste Aufregung zu versetzen. Es wurde nämlich im Angesicht der Polizei vor dem Hause Favoritenstraße Nr. 13 mitten in einem Volkshaufen eine serbische Fahne öffentlich verbrannt. Die Flammen schlugen auf und nicht einmal das konnte die Polizei aus der Fassung bringen. Zusammenstöße. r/gL2 Uhr nachts: Die scheinbare Ruhe, die gegen 10 Uhr dadurch eingetreten war, daß die Polizei die Demonstranten in die Nebengassen abgedrückt hatte, war nur die Ruhe vor weit ernsteren Zusammenstößen, die sich nach der Leichenfeier ereigneten. Die Demonstranten hatten Stillebachers Rat befolgt, waren zu den Spalieren geeilt, die den ganzen Weg, den der Leichenzug nahm, in vier- und fünffacher Reihe einsäumten und hatten dort neue Streiter gegen die serbische Fahne geworben. Aus dem Häuflein vom Abend war um ffgll Uhr plötzlich ein mächtiger Haufe geworden, der, in mehrere Abteilungen getrennt, gegen alle Seitengassen, die zur Favoritenstraße von der Prinz Eugengasse her einmünden, heranzog. Fast gleichzeitig versuchten durch die Taubstummengasse, durch die Gußhausstraße und über die Wiedener Hauptstraße Menschenmassen gegen das Haus des Gesandten vorzudringen und die Polizei hatte nun die allergrößte Mühe, den Platz sreizuhalten. Sie versuchte, die Demonstranten zum Cafä Makart zu drängen, was ihr auch nach etwa einer Viertelstunde gelang. Sehr kritisch sahen die Dinge bei der Paulaner- kirche aus. Dort wurde die Kette der Wachleute m i t Steinen beworsen und die vor der st en Patrioten, schlugen auf die Wachleute mit Stöcken ein. Dem Pferde eines P o l i z e i r e i t e r s wurde durch einen Steinwurf ein Auge ausgeschlagen. Die Wache versuchte sich wohl .dieser Angriffe zu erwehren, aber so oft sie etwas tatkräftiger vorstieß, stimmte die Menge die Volkshymne an, was die Tatkraft der eben angegriffenen Polizisten immer wieder lähmte. Wenn Steinwerfer und Leute, die mit Stöcken auf die Hüter der Ordnung einschlagen, die Volkshymne singen, dann sind die armen Hüter der Ordnung entwaffnet. So ging der Rummel fort bis etwa ^12 Uhr nachts. Zur Abwechslung wurden nur hie und da auch andere patriotische Lieder gesungen. Zur Stunde stehen die Demonstranten noch immer vor der Paulanerkirche und noch immer gilt ihr Schreien der Fahne mit dem halbmeterbreiten Flor und noch immer hat die Polizei ihre erfreuliche Geduld. Auch einige Knallfrösche, die gegen die Polizeipferde geworfen wurden, haben sie nicht aus der Fassung bringen können. Im Gegenteil, die Wachorgane selbst waren es, die sofort an Ort und Stelle den Gerüchten entgegentraten, daß etwa geschossen worden sei. Eine Schlacht. Uhr nachts. Genau um Mitternacht kam es an der Einmündung der Gußhausstraße in die Favoritenstraße zu einem ersten Zusammenstoß. Die Polizei ging gegen die Demonstranten, die einen Angriff auf die Postenkette der Berittenen machten, mit einer Attacke vor. Diese war so ernst, daß eine ganze Reihe von Personen zu Boden geworfen und verletzt wurden. Auch Wachorgane zu Fuß stürmten gegen die Menge an und an vielen Stellen Eam es zu förmlichen Einzelkämpfen zwischen den beiden Parteien. Die Wachleute hatten auch die Säbel gezogen. Mitten im größten Tumult, der den Platz umtobte, und in dem Geheul und Lärm, durch den nun nickt mebr 1«s e l 7 L n X1«u e n fiik viex o o x u k x I ä 7 ! o« lt5.: 718: L- die Volkshymne klang, stürzte ein junger Mensch in daL Cafs Makart mit blutüberströmtem Gesicht. Er erzählte in höchster Erregung, daß er entweder von dem Hufschlag eines Pferdes oder von einem Säbelhieb ins Gesicht getroffen worden sei. Die Ursache zu diesem schärferen Vorgehen der Polizei soll darin gelegen sein, daß in der Gußhausstraße ein Schuß abgeseuert wurde. Die zweite Abteilung der Polizeimannschaften mutzte den Zugang gegen die Wiedener Hauptstraße verteidigen. Auch sie machte eine Attacke und trieb die Menge der Demonstranten bis gegen den Naschmarkt zu, dort sammelten sich die Flrehenden von neuem und stürmten wieder gegen die Paulanerkirche hinaus. Zur Stunde tobt das Geheul weiter, sowohl in der Gußhausstraße als auch in der Favoritenstraße und Wiedener Hauptstraße. Bonden Fenstern vieler Wohnungen werden die Demonstranten ermuntert, indem ihnen einzelne Bewohner mit Tüchern zuwinken. Die Aufregung wächst allmählich ins Große. Die Ruhe kehrt ein. b/^1 Uhr nachts. Es ist etwas ruhiger geworden, die Polizei hat große Verstärkungen erhalten und dichte Polizeizüge sperren jetzt die Wiedener Hauptstraße und die Favoritenstraße sowie die Zugänge zur Favoriienstrahe ab. Das Gerücht, daß geschossen wurde, erhält sich hartnäckig. Augenblicklich ist mehr Polizei auf dem Platze als demonstrierende Jugend. Ab und zu kommt durch irgend eine Gaffe ein Trupp junger Leute angerückt, singt und schreit, aber im allgemeinen verlaus sich schon die Menge. -- z n 8 c 1 7 k N x z »i u e n 7 üir «ir« 80XUXL87X7I08 V 0 l.l( 887 IM (Ltwnmit?) ISO "e-. 3 . 7 . 1914 ^ Die LLMerfeisr Me §«Nz AerbiNSNtz. Die S«che Nsch MUchMUgsn» — Keue RrZzwÄle^ In Triest. Triest. Die Ueberführung der Leichen des Erzherzog-Thronfolgers ranz Ferdinand und seiner Gemahlin vom Schlachtschiffe „Viri- us Unitis" ans Land vereinigte gestern alle Schichten.der Bevölkerung zu einer imposanten Trauerku'ndgebung für die unglücklichen Opfer des veraöscheuungsWÜrdigen Attentats. Schon in den frühen Morgenstunden besetzte ein vieltausendköpfiges Publikum das Ufer sowie sämtliche Fahrzeuge im Hafen. Auf der Riva San Carlo wurde ein großer Platz freigehalten, in dessen Mitte zwei in Gold und Schwarz drapierte Katafalke errichtet worden waren. Links von den Katafalken stellten sich die Generalität, die Admiralität und das« Offizierkorps mit Marinekommandant Haus an der Spitze auf, rechts Statthalter Prinz Hohenlohe und die Spitzen her staatlichen und sonstigen Zivilbehörden. Um 8 Uhr früh wurden die in dieKriegsflaggeein gehüllten Särge von dem Schlachtschiff auf einen fchwarzverhangten Kahn gebracht, der, von einem Schlepper gezogen, sich gegen die Riva in Bewegung setzte. Unter dem Geschützsalut der Kriegsschiffe, dein Geläute der Kirchenglocken und sein tiefen Schweigen der Trauergäste brachten Marineoffiziere die Leiden Särge ans Land, wo sie auf die Katafalke gehoben wurden. Die Gefolge der Verblichenen traten an die Katafalke heran und die Ehrenkompagnie sowie die übrigen Truppen präsentierten. Dann wurde unter erneutem Geschützsalut von Bischof Karlin unter großer Assistenz die Einsegnung vorgenommen. Darauf formierte sich der lange Zug. Die Särge wurden aus zwei sechsspännige Galaleichenwagen gehoben, voran schritt hinter sieben schwerbeladenen Blumenwagen die gesamte Geistlichkeit. Es folgte der Leichenwagen mit dem Sargs der Herzogin, dann der Leichenwagen des Erzherzogs, dahinter schritten die Mitglieder des Gefolges der Verblichenen, der Statthalter, der Marinekommandant, der Podesta, die Admirale und Generale, die übrigen Trauergäste, die Korporationen und zwei Militärkompagnien. Der Zug bewegte sich durch ein dichtes Menschenspalier, das sich hinter dem Spalier der Infanterie- und Marinemannschaften, der Finanz-, Sicherheit^ und Munizipalwache und der Feuerwehren in allen Straßen drängte und in lautloser Ergriffenheit entblößten Hauptes den imposanten Zug passieren lieh. In den Straßen brannten die trauerumflorten Laternen und die ebenfalls umflorten Beleuchtungskörper der geschlossenen Geschäfte. Um 9 Uhr traf de; Zug vor dem schwarzdrapierten Südbahnhofe ein. Die Särge wurden von Marineunteroffizieren auf den Bahnsteig getragen, während die Ehrenkompagnie des Vosnisch-Herzegowinischsn Regiments die Ehrenbezeigungen leistete. Darauf wurden die Särge in den zu einer Kapelle umgewandelten Waggon gehoben und auf Katafalke gestellt, worauf der "Bischof Pederzolli die Leichen neuerlich einsegnete. Dann wurden die Verschlußtüren des Waggons plombiert, das Gefolge der Verblichenen bestieg den Zug, der sich um 9 Uhr 46 Minuten in Bewegung setzte, während eine große Menschenmenge ehrfurchtsvoll grüßte. Der Zug trifft abends in Wien ein. Anwufi -er Leichen des ThrsusslgerinMes U Dien. Wien. Viele Tausende hatten sich gestern abend in den Straßen angesammelt, die der Leichenzug des ermordeten Thronfolgers und seiner Gemahlin passieren mußte. Auf dem Südbahnhof hatten sich sämtliche dienstfreien Offiziere, an der Spitze der nunmehrige Thronfolger, Erzherzog Karl Franz Josef, eingefunden. Punkt zehn Uhr rollte der Zug in die Halle. Die Leichen wurden aus dem Waggon gehoben und von neuem eingesegnet. Dann wurden die Särge auf die Wagen gehoben. Der Zug bewegte sich unter lautlosem Schweigen der Menge über den weiten Platz des Südbahnhofes, an dem Belvedere, der Wiener Residenz des verstorbenen Thronfolgers vorbei, durch die Prinz-Eugen-Straße, den Ring, nach der Hofburg, wo der Trauerzug halt machte. Nach der nochmaligen Einsegnung in der Halle wurden dann die Särge nach der ganz mit Schwarz ausgeschlagenen Hofburg-Kirche getragen und auf das Schaubett gehoben. Während die Sänger der Hofkapelle das Miserere sangen, übergab Baron Runerskirch dem Oberhofmarschal! die beiden Sargschlüssel, worauf die Kirche geschlossen wurde. Heute früh 8 Uhr erfolgt die Zulassung des Publikums zur Besichtigung, die bis mittags 12 Uhr dauert. Die Beisehimgsfsierlichkeiterr. - Wien. Die Beisetzungsfeierlrchkeiten des Erzherzogs Franz Ferdinand und der Herzogin von Hohenberg erfolgt in Artstettsn am Sonnabend vormittag 10 Uhr 80 Min. Außer den Kindern des Thronfolgerpaares soll, wie verlautet, niemand außer dem Erzherzog Karl Franz Joses mit der Erzherzogin Zita,'den Erzherzoginnen Maria Annunziata, Maria Theresia und dem Erzherzog Äar und den Angehörigen der Herzogin von Hohenberg anwesend sein. Die Absage der SkaaßSoberhäupker. Gestern mittag wurde plötzlich bekannt, daß Kaiser Wilhelm ebensowenig wie ein anderer Monarch zur Beisetzung des ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand nach Wien fahren würde. Aus welchem Grund die Reise unterblieben ist, ist nicht bekannt. Vielleicht hegt Oesterreich Furcht, in diesen aufgeregten Zeiten nicht für die körperliche Sicherheit der auswärtigen Monarchengästs garantieren zu können, vielleicht wünscht man mit Rücksicht aus den alten Kaiser die Trauerfeierlichkeiten so einzuschränken, daß er nicht übermäßig davon angegriffen wird, vielleicht besorgte man Kampfreden eines ausländischen Fürsten gegen eine österreichische Nationalität oder einen Nachbarstaat. Die Erklärung der deutschen Offiziösen, daß WilheluE ittrpäßlich gsWIrdensti, ist jedenfalls unzutreffend. Es muß ein allgemeiner Grund vorliegen; denn, wie uns ein Eigentelegramm aus Berlin meldet, hat auch Prinz Heinrich, der zusammen mit dem Großadmiral von Tirpitz von Kiel nach Berlin kam. zu den Beisetzungsfeierlichkeiten zu fahren, d i e Reise nach Rücksprache mit dem Kaiser plötzlich aufgegeben. Auf der anderen Seite wird aus Wien gemeldet, daß Kaiser Wilhelm auf Anfrage bei Franz Joseph die Zusage erhalten hat, daß sein Besuch im Laufe der nächsten Woche angenommen werden würde. Der Kaiser wird sich also in einer Woche nach Ischl begeben, um Franz Joseph persönlich zu kondolieren. Eine Proklamation Franz Josefs. Wien. Nach Nachrichten aus gutunterrichteten Hofkreisen wird der Kaiser nach den Veisetzungsfeierlichksiten eine Proklamation an die Völker seines Reiches erlassen, in welcher der Kaiser die großen Verdienste und die Aufopferung des durch Mörderhand dahingerafften Erzherzogs hervorhebt. In einem besonderen Abschnitt der Proklamation wird die neue Stellung des Erzherzogs Kar! Franz Joseph als des nächsten Thronmagnaten hervorgehoben. G« serbWer GeuewWNer Ausklster des MeMks. Ofen-Pest. Dem hiesigen Mitiagsblatt „Esti Ujsag" zufolge hat der in Serajewo als dritter Attentäter verhaftete Gymnasiast Rifko Grades den serbischen Major Milln Pribitschsevitschs der Bruder des kroatischen Landtagsabgeordneten Valerian Pribitschsevitschs, welcher im Agramer Hochverratsprozeß zu Kerkerstrafe verurteilt, vom Kaiser aber begnadigt wurde, als Urheber des Attentats bezeichnet. Milan Pribitschsevitschs war früher Oberleutnant im österreichisch-ungarischen Heer, wurde im Hoch- verratsprozeß ebenfalls verurteilt und trat nach Niederschlagung des Prozesses in die serbische Armee als Major. In dieser Stellung wendete er alles auf, um die bosnischen Serben im monarchenfeindlichen Sinne zu bearbeiten. Neue serbeufemdllche Kundgebungen. (Vergl. den Artikel an der Spitze der Beilage.) Ofen-Pest. Am Bischofssitz Djakovo erneuerten sich gestern, die serbenfeindlichen Kundgebungen. In der Franz- / ' I Ferdinand-Straße wurden m e h r e r e ft^r vNs H e Y a u s e r zerstört. Dem Bischof Krapaz bereitete die Menge Huldigungen. Auch inBrod fanden große Ausschreitungen statt. Die serbische Schule und viele Häuser wurden verwüstet. Sowohl in Djakovo, wie in Brod wurden die polizeilichen Maßnahmen verschärft. Die a^ den Ausschreitungen Beteiligten wurden verhaftet. Kindereien in Men. An der Wohnung des serbischen Gesandten, der in der Nähe der Gesandtschaft wohnt, war gestern eine serbische Trikolore mit einem ganz kleinen Trauerflor angesteckt. Dies erregte unter den Bewohnern des Hauses große Erregung. Auf Intervention wurde ein längerer Trauerflor an der Trikolore befestigt. An dem Abend versammelte sich wieder eine große Menschenmenge vor dem Gebäude der serbischen Gesandtschaft, ebenso vor der Wohnung des Gesandten. Die Straßen waren von einem Polizeiaufgebot besetzt. Es gelang aber der Menge, den Polizeikordon zu durchbrechen. Der kommandierendm'Polizei offizie r kieß sofort von den zur Spalierbildung angerückten Mannschaften 66 Mann herbeirufen, und die Ruhestörer wurden zerstreut. Nachdem der Leichsnzug die Ringstraße passiert hatte, vermehrten sich die Lärmszenen. Es wurden aus der Menge gegen die Wache Steine geworfen, und Polizeimannschaften mußten mit blanker Waffe gegen die Ruhestörer Vorgehen. Erst später trat dann wieder Ruhe ein. Die bevorstehende Vereinigung Serbiens mit Montenegro bestätigt. Wien. Der „Reichspost" wird aus diplomatischen Kreisen zu dem zwischen Montenegro und Serbien beabsichtigten, von uns bereits gemeldeten Abkommen über eine Verschmelzung dieser beiden Staaten zu einem serbischen Bundesstaate mitgeteilt: Es soll ein serbischer Bundesstaat aus den beiden serbischen Einzelstaaten gebildet werden, ohne daß jedoch die Souveränität des montenegrinischen Herrscherhauses im montenegrinischen Gebiete berührt würde. Die praktische Durchführung dieses bereits abgeschlossenen Vertrages wird nicht lange mehr auf sich warten lassen. Es besteht kein Zweifel darüber, daß diese Vereinigung Montenegros und Serbiens zu einem Bundesstaate ein Werk der russischen Diplomatie ist. Serbien gelangt dadurch über Montenegro unmittelbar an die adriatische Küste. Die Gerüchte von einer Abdankung des Königs Nikolaus sind ebenso unbegründet, wie die der Errichtung einer Personalunion zwischen Montenegro und Serbien. ! ^ i n g l > 7 L n x t u u x n f ü k ^ > c x 0 o X u « 7 »i 7 » I > o X //. M>7ML!7« - - Vor dem Hause Paulanergasse Nr. 4, in dem die serbische Gesandtschaft eingemretet ist. wurden an den letzten beiden Abenden patriotische Deinynstrationen veranstaltet. Volkshyme! Ruse gegen Serbien! Viel Geschrei und dann ruhiges Abziehen der einigen hundert meist jungen Leute. Heute war der Schauplatz ein anderer. Das' enge Paulanergätzchen war schon den Nachmittag über durch Polizei abgesperrt und auf dem benachbarten Mozartplatz hatten berittene Polizisten ein förmliches Feldlager aufgeschlagen. Dies darum, weil sich schon nachmittag? einige überhitzte Patrioten über die Form aufgeregt hatten, in der der serbische Gesandte Jowanowitsch seiner Trauer über den Tod des Erzherzogs Ausdruck gegeben hat. Während auf dem Hause der Gesandtschaft eine schwarze Fahne wehte, hatte der Gesandte auf dem Balkon seiner an der Ecke der Favoritenstraße und Taubstummengasse befindlichen Wohnung die serbische Fahne ausgesteckt, und zwar der herkömmlichen Sitte entsprechend, um Halbmast zu markieren, bis zur Hälfte zusammengerollt und dort mtt einem schwarzen Bande von der Breite eines Hutbandes zu- sammengehalten. Dieses schwarze Band sollte die Trauer- bezeigung darstellen. Dieses Trauerband war aber den vorbeikpmmenden Patrioten zu wenig breit, und aus ihren Bemerkungen' war leicht zu schließen, daß es wegen dieser Fahne abends vor dem Hause zu Demonstrationen kommen werde. Darum die Vorbereitungen der Polizei, die sich denn auch nicht als unnütz erwiesen. Auch die benachbarten Geschäftsleute und die anderen' Mieter dieses Hauses sahen Demonstrationen voraus und suchten schon nachmittags auf den Gesandten einzuwirken. Der-Hausbesitzer begab sich zu ihm und machte ihn auf- rucrlsam. das; diese Torm der EbrenbeLeiauna Unwillen errege. Der Gesandte ließ nun an der Fahne einen etwa halbmeterbreiten Trauerflor rmbrimzen, dessen lange Schleifen von der halbzusammengerollten Fahne herunterwehten. i Aber auch das genügte den Patrioten nicht, es war die Losung ausgegebcn: „Der Fahn muaß weg!* Und mit dieser Losung zog gegen ^9 Uhr abends ein Häuflein junger Leute gegen das bezeichnete Haus. Die Polizei war zur Stelle und sperrte die Straße ihrer ganzen Breite nach ab. Das erregte sehr den Unwillen der Patrioten und sie machten sich nun in verschiedenen Rufen Luft. Bunt durcheinander schrie der in zwei Trupps geteilte Haufen „Hoch der Kaiser!", „Nieder mit Serbien!", „Der Fahn muaß weg!", „Hoch Habsburg!",? „Nieder mit die serbischen Mörder!", „Net amal der Königsmord war so !*, „Nieder mit Frankreich!" und so fort, nicht immer gerade begründet. Die Polizei hatte eine doppelte Ausgabe. Erstlich, muhte sie daS HauS des Gesandten schützen; dann aber liegt auf diesem Stück der Fayoritenstraße, zwischen den Paulanern und der Taübstummengasse, auch, das HauS der Erzherzogin Maria Theresia, in dem heute Nacht der künftige Thronfolger Quartier nehmen soll. Sollte der Erzherzog in seine Wohnung gelangen können, so mutzte der Platz geräumt werden. Diese Aufgabe war keine leichtes da die Patrioten in Uniform diesmal ja nicht , Arbeitern gegenüberstanden, die etwa gegen einen übermütigen Fabriksherrn demonstrierten. Man konnte also die Polizei von einer ganz, ganz .neuen Seite kennen lernen. Wir wollen gleich gestehen: sie hat außerordentlich unseren Beifall gefunden. Am besten tun wir wohl, wenn wir die Art mit liebevoller Breite schildern. ' ? Also: In der Favoritenstraße -stockt aller Verkehr Die von der Stadt kommenden Straßenbahnwagen stehen weit Über die Wiedener Hauptstraße hinunter hrs knapp vor die Taubstummengasse, wo die erste Posizetsperre ist, Gegen Favoriten zu ist die zweite und auch dort stehen die Wagen die Favoritenstraße hinauf. Der Verkehr ist unterbunden. Vor jeder Polizeisperrs natürlich Berittene, ein wildschreiender Haufen von meist jungen Leuten, ab und zu sind auch Volks- und Bürgerschüler unter ihnen. Im großen und ganzen sind es Leute zwischen .siebzehn und fünfundzwanzig. Der Haufen tobtt „Well mir die serbische Fahn' herunten haben wollen. Es is ja gar ka Fahn', das is ja a Fetzen." Die Polizeirosse trippeln einen Schritt vor. Die Demonstranten weichen einen Schritt zurück und stimmen sofort die Volkshnmne an. Um Gottes-willen nur keinen Neitercmgriff l Wieder stehen die beiden feindlichen Parteien. „Nieder mit die serbischen Vluathund l" „Herr Kommissar, wann der Fahn' herunt' is, gehn - nrr !" „Nieder mit die feigen Mörder!" „Hoch der Kaiser, hoch, hoch!" „Heil Oesterreich!" „Hoch Habsburg!* Wieder ein Trippeln der Polizeipferde und wieder die Volkshymne. Bei der andern: Polizeiabsperrung dieselbe Geschichte. Dort hat ein Polizeioffizier den Oberbefehl der Berittenen, der es in seiner Jugend einmal zuwege brachte, sieben sozialdemokratische Abgeordnete und einen Redakteur der Arbeiter-Zeitung auf einen Sitz darum zu verhaften, weil sie sich cmsehen wollten, wie er mit den allsgesperrten Arbeitern umsprang, die vor der Alpha-Separator-Fabrik in Meidling demonstrierten. Kurz entschlossen ließ damals Herr Stillebacher alle dre unbequemen Zuschauer verhaften und dann hatte er mit den Arbeitern leichtes Spiel. Dieser Mann ist nun hier der Kommandant "der Berittenen. Wir gestehen, er hat sich außerordentlich zu seinem Vorteil verändert. Zu seiner alten Schneidmkeit kommt noch, daß er seither seine Redttetbegabung entdeckt hat. Er hält wirklich Neben. Zuerst freilich sucht er sich die Volksgunst : durch einen besonderen Befehl zu erwerben. Er gibt den Berittenen Auftrag, die Säbel zu versorgen. Bravo aus der Menge. Ein dicker, glattrasierter Zukunftsgeistlicherheute wahrscheinlich noch Student- drängt sich durch den Haufen hin zu Herrn Stillebacher und spricht ihn also an: „Herr Kommissär: Vox populi, vox äoi (Volkes Stimme, Gottes Stimme). Die Fahne muß herunter, dE ist eine Provokation, haben wir denn > keine Minister, die solches schm? ^ Herr S t i l l e b a ch e v: Ja, lieber Freund, wir können nichts machen, wir haben den Auftrag, hier die Absperrung ausrecht zu erhalten, aber malt könnte ja wirklich telephonieren; ich bitte, beruhigen Sie doch die Menge. Ist denn kein Beamter da, - der! telephonieren könnte? Ich werde selbst telephonieren. . ' Der Dicke gibt sich zufrieden Und schiebt sich wieder in die Masse himin, der er Mitteilung macht von dem Versprechen des Polizeireiters. Die Menge antwortet: „D i e F a h n e herunter, die Fahne weg, o b a m i t i h r l* - . weithin schallender Stimme spricht, ^r also: "'Meine zerren! Darüber können wir ja morgen reden. In den Zeitungen wird ja gewiß darüber geschrieben. Ich habe Ihnen ja schon gesagt, wir können die Fahne nicht herunlernchmen. Meine Herren l - Gehe» Sie doch nach Hause, es hat ja keinen Zweck, hier zu sein." -.^..-^Dmnpf antwortet.-itz Monge: - „Der Fahn* muaß ob'! -Dw Fnhne weg!" ,Herunter mit der Fahne!* Aber Stillebacher läßt sich nicht so leicht unterkriegen. Wem: er sich rmmal in den Kopf gesetzt.hat,- eine demonstrierende Volksmenge mit liebevoller Güte vom bringe», ^ so hat ^ ep geradezu reizende Einfalle. Nichtig Zcmgt er in seine . Hosentasche und nn nächsten Augenblick blitzt in seiner Hand (nur mch^ crichrccken, kein. Browning etwa). Nein, seine fit b e r n e Uhr. Hoch schwingt er sie mit der Rechten und,al,o lautet seine siede: „Meine Herren, es ist halb zehn Uhr,' es wrrd besser.sem, Sie empfangen den Loten Errhcrzog, doch.Zhve F a h n rn „Meine als daß Sie hier stehen. Beweisen.Sie ihm Liebe, gehen Sie ans oje Ringstraße!"-—.Der n naß 'r u n t er!" schreit es auS der Menge. .. nne Herren, Ihre patriotische Gesinnung haben Sie ja gezeigt, wir können nichts machen, das muß vom Minlsterunn ausgehen!" <- , Eiir Ruf aus der Menget Zu was hab'n m^r denn die Minister! .... Stillebacher (freundschastttch mit dem Finger nninend): Sie Herr, kommen S' einmal her zu mir, bitt' schön, kommen S' nur. Ich werde Ihnen das erklären. N ichtig drän gt sich der Äelteste aus der Me nge, so ein Mann Anfang der Vierzig, vor und geht zudem Polizeiofsizier. , „Vitt Siel Sagen Sie doch der Menge: Morgen ist dochauch noch ein Trauertag, Morgen kommt ja dis z ganze Sache in die Zeitung und da werden wir ja sehen, ! ob die Fahne noch bleibt. Sagen Sie doch den Leuten, i es ist gescheiter, sie gehen aus drs Ringstraße, wir dürfen sie hier nicht durchlassen. Und wegen der Fahne wird j morgen sicher etwas geschehen." . . ' ' Der Zwischenruser zieht sich befriedigt zurück und sucht dieses Versprechen vom Pferde herab in der Menge weiterzuverbreiten. Aber da ist schon wieder neuer Zündstoff da, Vom Südbahnhos her über die Fcworitensttatzs herunter Pserdegeirappel, polizeilicher Sukkurs. Mit großen weißen Manchetten über den Aermeln sprengen die Paradereiter der Polizei herein. Das regt natürlich auf, Wieder erneuerte Ruse, in denen immer von neuem die Entfernung der Fahne begehrt wird. Stillebachers Geduld macht schon gelinder Verzweiflung Platz. Ein letztes Auskunftsmittel hat er noch. Er wird ganz gemütlich. Er greift zum Volkston. , . ^ ^ ^ „Aber meine Herren, san m'r do g'schech das hat do gar kein' Zweck. Scharm S', morgen kommt's do eh in die Zeitung, i Hab' Ihnen ja schon alles g'sagt. Durch- lass'n können wir Jhna net, da hab'n m r zu strengen Befehl, da kann man nix wachen." , ^ ^ Fünf Minuten später müssen dre Polrzerrosse dennoch gegen die Patrioten vorrücken. Diesmal hört man keine Volkshnnme mehr, nur Pfuirufe und schrille PMe, die einem durch Mark und Bein gehen. Die Menge ist nun tatsächlich empört, auch gegen die Polizei. „Greifen Sie mich nicht an mit Ihren schmutz,gen Händen!" ruft ein Student einem Wachmann zu. „Ich Hab' keine schmutzigen Hände!" ist die Abwehr des Amts- ehreUbeleidigten. 'Sis können so sanft sein,'wenn sie wollen. Auf die Bürgersteige reiten sie auch, aber sachte,, sachte, Schritt vor Schritt, und die pfeifende und psuirusende Menge wird in die Seitengassen gedrängt, in die Floragasse, in . die Mozartgasse, Schritt. vor Schritt weicht sie zurück, aber sie wercht, und fünf Mmuten späte? ist der Platz „gesäubert". Ohne Aufregung, ohne Säbelhiebe, ohne Huftritte. Etz ist ein wahres Vergnügen, zu sehen, wie sehr sich seit den letzten Arbeiter- demonstrationen die Polizei ihre Vorschrift zu Herzen genommen hat, daß sie im Dienste tatkräftig, aber unter allen Umständen taktvoll einzugreisen habe, Ww, freuen uns, daß sich dieser Wandel bei der Wiener Polizei unter dem neuen Präsidenten vollzogen hat, der ja in den schlimmen Zeiten der Höchstkommandierende der Polizeimannschaft war und dem manches von dem zur Last gelegt wurde, was sich bei solchen Anlässen die Polizei an Uebergriffeü erlaubt hat. Wir sind mit dem System Gorup-Stillebacher vollkommen einverstanden, so sehr, daß wir künftighin eifersüchtig darüber wachen werden, daß es beibehalten werde. Es war wirklich sebr schön, und umso verdienstlicher, als sich vorher ein ^rsall ereignet hat, der bisher geeignet war, die Polizei in höchste Aufregung zu versetzen. Es wurde nämlich im Angesicht der Polizei vor dem Hause Fcworitenstraße Nr. 16 mitten in einem Volkshausen eine f'e r b i s ch e F a h n e ö f f e n t l i ch o e r b r a n n t. Die Flammen schlugen aus und nicht einmal das konnte die Polizei aus der Fassung bringen. Zusammenstöße. ' » *^12 Ahr nachts; Die scheinbare Ruhe, die gegen 10 Uhr dadurch eingetreten war, daß dis Polizei die Demonstranten in die Nebengassen abgedrückt hatte, war nur die Ruhe vor weit ernsteren Zusammenstößen, die sich nach der Leichenfeier ereigneten. Die Demonstranten' hatten Stillebachers Rat befolgt, waren zu den Spalieren geeilt, die den ganzen Weg, den der Leichenzug nahm, in vier- und fünffacher Reihe einsäumten uns hatten dort neue Streiter gegen die serbische Fahne geworben. Aus dem Häuflein vom Abend war um ^11 Uhr plötzlich ein mächtiger Haufe geworden, der, in mehrere Abteilungen getrennt, gegen alle Seitengassen, die zur Favoritenstraße von der Prinz Eugengasse her einmünden, heranzog. Fast gleichzeitig versuchten durch die Taubstummengasse, durch die Gußhausstratze,. und über die Wiedener Hauptstraße Menschenmassen gegen das Haus des Gesandten vorzudringen und die Polizei hatte nun die allergrößte Mühe, den Platz sreizuhalten. Sie versuchte, die Demonstranten zum Casö Makart zu drängen,, was ihr auch nach etwa einer Viertelstunde gelang, - > Sehr kritisch sahen die Dinge bei der Paula ner- k i r ch e aus. Dort wurde die Kette der Wachleute m i t Steinen beworfen und die vorder st en Patrioten schlugen auf die' Wachleute mit Stöcken ein. Dem Pferde ejnes Polizei r eiters wurde durch einen Stein wurf ein Auge ausgeschlagen. Die Wache versuchte sich wohl dieser Angriffe zü erwehren, aber so oft sie etwas tatkräftiger vorstieß, stimmte die Menge die VolkZhymne an, was die Tatkraft der eben angegriffenen Polizisten immer wieder lähmte. Wenn Steinwerser und Leute, die mit Stöcken Uns die Hüter der Ordnung einschlagen.« die Volkshymne singen, dann sind die armen Hüter der Ordnung entwaffnet. So ging der Rummel fort bis etwa ^13 Uhr nachts. Zur Abwechslung wurden nur hie und da auch andere patriotische Lieder gesungen. Zur Stunde stehen die Demonstranten noch immer vor der Paulanerkirche und noch immer gilt ihr Schreien der Fahne mit dem halbmeter- breiten Flor und noch immer hat die Polizei ihre erfreuliche Geduld. Auch einige Knallfrösche, die gegen die Polizeipserde geworfett wurden, haben sie'nicht aus der Fassung bringen können.' Im Gegenteil, die Wachorgane selbst waren es, die sofort an Ort und Stelle den Gerüchten entgegentraten, daß etwa geschossen worden sei. . . .. . ,, ' Eine SchlM. V v V 1 . */«1 tlhr nachts. Genau um Mitternacht kam es an der Einmündung der Gutzhausstraße in die Favoritenstraße zn einem ersten Zusammenstoß. Die Polizei ging gegen die Demonstranten, die einen Angriff aus dje Postenkette der Berittenen machten, mit einer Attacke vor. Diese war so ernst, daß eine ganze Reihe von Personen A up d o n gsworfe n und verletzt wurden. Auch - Wachorgane zu Fuß stürmten gegen die Menge an und an vielen Stellen kam es zu förmlichen Emzelkämpsen zwischen den Leiden Parteien. Die Wachleute hatten auch dje Säbel gezogen. Mitten im größten Tumult, der den Platz umtoote, und in dem Geheul und Lärm, durch den nun nicht mehr die VoMhymne klang, stürzte ein junger Mensch in das Cafs Makart mit blutüberströmtem Gesicht. Er erzählte in höchster Erregung, daß er entweder von dem Hufschlag ! eines Pferdes oder von einem Säbelhieb inZ Gesicht getroffen worden sei. Die Ursache zu diesem schärferen Vorgehen der Polizei soll darin gelegen sein, daß in der Gußhausstraße ein Schutz abgeseuert wurde. Die zweite Abteilung der Polizeimannschaften mußte den Zugang gegen die Wiedener Hauptstraße " verteidigen. Buch sie machte eine Attacke und trieb die Menge der Demonstranten bis gegen den Naschmarkt zu. dort sammelten sich die Wehenden von neuem und stürmten wieder gegen die Paulanerkirche hinaus. Zur Stunde tobt das Geheul weiter, sowohl in der Gußhausstraße als auch in der Favoritenstraße und Wedener Hauptstraße. Bonden Fenstern vieler Wohnungen werden die Demonstranten ermuntert, indem ihnen einzelne Bewohner mit Tüchern zuwinken. Die Aufregung wächst allmählich ins Große. si. Die Ruhe kehrt ein. l tthr nachts. Es ist etwas ruhiger geworden, I die Pouzei hat große Verstärkungen < erhalten und dichte ! Polizeizüge sperren jetzt die Wiedener Hauptstraße und die Favoritenstraße sowie die Zugänge zur Favoritenstraße ab. Das Gerücht, daß geschossen wurde, erhält 'sich Hartnäckig. Augenblicklich ist mehr Polizei auf dem Platze als demonstrierende Jugend. Ab und zu kommt durch irgend eine Gasse ein Trupp junger Leute yngerückt, singt und schreit, aber im allgememen verläuft sich schon die Menge. z n ö 5 > 15 n X z L 8 5 0 8 V! 5 u 0 o X 0 ^ 5 8 I -i I ! 0 8 ^65!IL8rL!M6 k^.: 1^6: ^ ! ^>ie Patrioten aus der Straße. ^ Zusammenstöße mit dev Polizei. ^ Die patriotischen Straßendemonstrationen haben gestern ihre Fortsetzung gefunden, obgleich der Gegenstand der Aufregung, die umflorte serbische Fahne, nicht mehr zu sehen war. Sie wurde nachmittags eingezogen, und zwar, wre es hieß, auf die Bitte des Ministers des Aeußern. Da offiziell über die Sache nichts gemeldet wird, wissen wir mcht/ ob es sich wirklich so verhält, aber Tatsache ist, daß die Jahne nachmittags vom Balkon der Gesandtenwohnung verschwand. Die Polizei hatte durch ein weit größeres Aufgebot als an den Lagen vorher schomtagsüber für das nötige Aufsehen in der Umgebung der Wohnung des Gesandten gesorgt und so wurde auch durch die vielen Neugierigen allgemein bekannt, daß die Fahne verschwunden sei.-Diese Vorbereitungen hatten zunächst für die zu erwartenden abendlichen Demonstrationen günstig gewirkt.;-Es hatten schon viele der jungen Leute die Freude daran verloren und so waren es etwa vier- bis fünfhundert vorwiegend ganz junge Leute, die sich um 8. Uhr abends herum in der Gegend des Naschmarktes zu sammeln begannen. Bis dorthin reichte das polizeiliche Schutzgebiet für die Gesandtschaftswohnung, und alle Versuche der jungen Leute, gegen die Wiedener Hauptstraße und durch diese gegen die Favoritenstraße vor- züdringen, scheiterten an dem Massenaufgebot. Polizeireiter ritten zwischen Naschmarkt und Paulanerkirche im Trab auf und ab und dort, wo ihnen vorkam, daß Ansammlungen gebildet werden, ritten sie auch auf die Bürgersteige. Das rief Erbitterung hervor und gegen 9 Uhr abends kam es aus diesem Anlaß auch zu einem ziemlich heftigen Zusammenstoß zwischen den Patrioten mit und ohne Uniform. Ein Trupp junger . Leute wollte im Sturmschritt durch die Paniglgasse gegen die Frankenberggasse zu Vordringen, um durch sie die Karlsgasse und Gußhausstraße zu gewinnen. Da verstand aber die Polizei keinen Spaß mehr. Sie machte einem ziemlich heftigen Neiterausfall auf die Menge, die nun auseinanderstob, aber sich doch auch zur Wehr setzte. Es wurden Holzstücke und Steine gegen die Wache geworfen, was erhöhte Schnerdigkeit der durch den Dienst auch schon > übermüdeten Polizisten zur Folge hatte. Die beliebten Scberze vom Tag vorher mit dem Singen der Volksyhmne und dem Prinz Eugen-Lied verfingen in.diesem Augenblick nicht. Bald wandelte sich denn auch der patriotische Sang in heftige Pfuirufe, ,die diesmal der Polizei galten. Auch die Pfiffe waren weniger den Serben als der unbequemen bewaffneten Macht zugedacht, die nicht mehp'so mit sich umspringen ließ wie am Donnerstag. > ' Dkr kleine Haufen war bald zersprengt, für die größer?, noch auf dem Naschmarkt versammelte Masse wurde < wieder zur Stillebachschen Taktik gegriffen: aus gute Weise loskriegen die Demonstranten. Das Werkzeug war ein junger Mann, der sich als Schulternreiter und als patriotischer Redner zu üben hatte. Von den Schultern einiger Begeisterten getragen, hielt er eine Rede und schwang dabei ein aus einer Zeitung gerissenes Vild des Erzherzogs Franz Ferdinand. Er forderte die Menge auf, rhm aus die Ringstraße zu folgen., Das war sichtlich mit der Polizel abgemacht. Tatsächlich zog der Menschenhaufen, und es waren vorwiegend junge Leute, die ganze Breite der Wiedener Hauptstraße füllend, durch die Kärntnerstraße zum Ring. Auf dem Wege fühlten sie sich ganz als die Herren und belästigten die Entgegenkommenden mit Kommandorufen: Hut a b! Auf dem Ring angekommen, marschierten sie geradeaus. Dies schien gegen die Verabredung mit der Polizei zu sein, denn eilig lief ihnen ein Polizeiosfizier nach und stellte den Schulternreiter. Der hielt nun wieder eine Ansprache und die Wirkung war, daß der Zug seine Front änderte. Nicht mehr gegen die Stadt, sondern gegen die Ringstraße zu, und zwar Richtung Kolowratring formierte sich.nun der Zug, dem der junge Mann mit weit ausgeschnittenem weißen Halskragen, den er über den Nock gestülpt hatte,' „voranritt". Unbehütet von der Polizei ging er weiter,und nurvordem HotelJmperialbracherinhestigePfui- rufe aus. Von dem Balkan wehte eine rotschwarzrote Fahne rnit j weißem Stern in der Mitte, die die konfus gewordenen Patrioten wohl auch für die serbische' Flagge gehalten . haben mutzten. In Wirklichkeit war es die > Flagge jenes Staates, bei dessen Namensnennung jedem Patrioten von der „Neichspost"-Färbung das Herz höher schlagen muß. Es war die Flagge Albaniens, das gegenwärtig wieder einen bevollmächtigten Mann im Hotel Imperial sitzen hat. Da man als echter Patriot im Zweifel immer „Pfui!" ruft, wenn man eine fremde Fahne sieht, begrüßten sie denn die Flagge des einzigen befreundeten Staates, der uns noch auf dem Balkan geblieben ist, auch mit Pfuirufen. Sicher ist eben sicher. Sechs Wachleute standen vor dem Hotel Imperial für alle Fälle bereit. Johlend und singend zogen die Demonstranten/ die ganze Fahrbahn> der 'Ringstraße füllend, gegen die Landstraße zu. Weitere Polizeiangrisfe. — Frösche. — Dev abgekühlte v Patriot. Sie entfernten sich dadurch immer mehr vom eigentlichen Kriegsschauplatz, der ja^ doch der Platz beider Paulanerkirche blieb. Wenn sie gewußt hätten, was es dort für eine Hetze gab, wären sie gewiß nicht dem Schulternreiter mit dem weißen Kragen -so willig gefolgt. Kaum war der Leichenzug auf dem Wege zum Westbahnhof aus der Ringstraße.worüber, als eine Menge Leute, deren Schaulust noch ' nicht völlig auf die Kosten gekommen war, nachschauen kam, was es denn bei der Wohnung d?s serbischen Gesandten gebe. Sie zogen in mehreren Trupps heran. Einer kam die Wiedener Hauptstraße heraus, ein anderer durch die Schlersmühlaasse. Beiden warf sich die Nolirei iebr tat- kräftig entgegen. Ms die singende Menge herankam, sprengten sofort Polrzeireiter in sie hinein und drängten sie gegen den NaschmarLt zu. Die durch die Schleifmühlgaffe Kommenden stießen auf eine Polizistenkette und so suchten sie auch durch dis Margaretenstraße und über den Erzherzog Rainerplatz aus die Wiedener Hauptstraße zu kommen. Nun folgte Stoß uns Gegenstoß. Die Demonstranten bildeten fest- geschlossene Ketten und zogen, das Kaiserlied singend, gegen die Polizei und diese sprengte unbekümmert um Las Lied in die Menge. Schließlich war die Menge gegen den Naschmarkt zurückgedrängt und wurde -dort in Schach . gehalten. Aber es war in den Patrioten nicht wenig Erbitterung gegen die Polizei angehäuft. Diese kam zum Ausbruch, als sich der Anführer der reitenden Polizisten allein an die Demonstranten heranmachts, vielleicht um ihnen durch gütliches Zureden ernstere Unannehmlichkeiten zu ersparen. Kaum war er in der Nähe der Demonstranten als sich eine Menge Leute mitStöcken a «f den P o l i z ei o f sizie r st ü rz t e n und a u s i h n mn d s ein P f er d ^ ei n h isL e n. Im nächsten Augenblick kamen ? dem bedrängten Polizeiosfizier zwei .. Berittene zu Hilfe, die mit flacher Klinge auf die Demonstranten emhieben, sie so in die Flucht treibend. Zw handgreiflichen Zusammenstößen kam es. auch an anderen Stellen.. In-der Schleifmühlgasse, wo sich das Cass Paulanerhof befindet, wurde bei einem Reiterangriff ein etwa sünfunddreißigjähriger Mann niedergeritten. Aus der Flucht. vor Len . Polizeirossen rlahm die fliehende Menge den Vorgarten des Cafes arg mit. Jeden,, den sie erreichen konnte, faßte die Polizei hart an und wies ihn seiner Wege.; Eine Dame, die auch in die Menge geraten war — ob mit Absicht oder unabsichtlich/ wissen wir nicht , wurde von einem Polizisten sehr unsanft in das Kaffeehaus gestoßen. - .. Um 11 Uhr kamen einige hundert Leute durch die Gntzhausstraße angestürrnt. Sie konnten bis Zum Johann -Straußtheater auf der Favoritenstraße Vordringen. Dort warf sich ihnen Polizei entgegen und drängte sie wieder in- die Gußhausstraße ab. Dabei kam es an vielen Stellen Zu einem förmlichen Handgemenge, und gegen die Pferde der Wachen wurden so wie am Donnerstag fleißig Frösch e*g eworfen, um die Pferde unruhig zu machen. An derselben Stelle gelang es eine halbe Stunde später einer größeren Gruppe, die Kette der .Wachleute zu durchbrechen. Sie stürmte' gegen die Neu- m'anngasse zu, aber hier warf sich ihr wieder Polizei "entgegen und drängte sie gegen die Wiedener Hauptstraße ab. Auf dieser Flucht siel ein Mann indasWasser- b ecken vor der Paulanerkirche, allwelche Abkühlung eines Patrioten einige Heiterkeit in die Aufregung dieser Augenblicke brachte. l " . . Beruhigung. Uhr uachts. Die Beruhigung seht allmählich ein, Dre älteren Leute, die Zunächst auch unter den von den Bestattungsfeierlichkeiten "gekommenen Demonstranten waren, haben sich^ schon zumeist entfernt und nur jüngere Leute blieben übrig, unter ihnen recht zweifelhafte, denen man es ansieht, daß es ihnen nur um die „Hetz" Zu tun ist. Mit diesen jungen Leuten macht die Polizei keine besonderen Geschichten und drangt sie immer weiter vom eigentlichen Schauplatz ab. Erst jetzt wird bekannt, daß bei einer der Attacken auch ein Wachmann vom Pferde gestürzt ist, daß. er sich aber nicht verletzt hat.' Er konnte weiter Dienst machen. Das Gejohle und Pfeifen hält an. 12 Uhr nachts. Es ist Ruhe. Die Polizei ist wieder abgesefsen. Eine Verwahrung der DetttschuaLionalen. Die Deutschnationale Korrespondenz verwahrt sich gegen die Meldung einer Zeitung, daß bei den Demonstrationen am Donnerstag Mitglieder des deutschen Wehr- ausfchusses beteiligt gewesen seien und erklärte, sie würden morgen mit ihren Abgeordneten wiederkommen, um zu verhindern, daß die Polizei gegen die patriotischen Kundgebungen einschreitA Deutschnationale Abgeordnete teilen der Korrespondenz mit, daß niemand berechtigt gewesen sei, eine derartige Erklärung abzugeben, da die oeutsch- > nationalen Abgeordneten Leinen Anlaß haben, sich an. den Straßenkundgebungen in irgend einer Form zu beteiligen. »«sciiLlixtXKc« fil« xiex ooxuxexstiiox r^eeskosr (srs?) _ US: ^ Von zwei revolutionären Mittelpunkten ans wird seit Jahren der Kampf gegen Österreich-Ungarn geführt: von Moskau und von Belgrad. In der nordischen Hauptstadt sind die Bobrinskis am Werke, welche Galizien, die Bukowina und Nordungarn mit einem Berschwörernetz übersponnen haben und in ihren Vereinsversammlungen offen den Satz aussprechen: auf den Karpathen müsse einmal die russische Flagge wehen. In Belgrad war früher der Slowenski jup und ist fetzt die Narodna obrana an der Wühlarbeit, deren Programm im Jahre 1906 von dem ehemaligen österreichischen und damals serbischen Offizier Milan Pri- Litschewitsch in einer ausführlichen Denkschrift entwickelt wurde, welche Bomben und Dynamit als Mittel gegen die österreichische Herrschaft in Bosnien und in Kroatien empfahl. Dieser Pribitsche- witsch ist jetzt an leitender Stelle in Belgrad tätig, da Männer mit Verbindungen in Südungarn der serbischen Regierung überaus nützlich erscheinen. Die Bobrinski wie die Pribitschewitsch behaupten, der großen slawischen Sache zu dienen, aber sie tun es ebenso wie die serbischen Offiziere, welche 1963 den König Alexander und seine Gemahlin zu Belgrad ermordeten und die Leichname vom Fenster des Konaks hinabgeworfen haben. Dort in Moskau die Anhänger des Absolutismus und der strengen Rechtgläubigkeit, in Belgrad die Bekenner der Revolution. Innerlich aber sind sie enge verwandt, wenn auch vielleicht Leine persönlichen Beziehungen zwischen ihnen bestehen. In Hinblick aus diese Sachlage ist der russische Hof und Zar Nikolaus II. ein Rätsel. Im Kaiserpalast zu Petersburg, wo man sich niemals vor Attentaten sicher fühlt und wo nur durch die strengsten Sicherheitsmaßregeln eine wenig feste Bürgschaft für das Leben der Zarensamilie zu gewinnen ist, sollte man doch! wissen, daß die revolutionären Kräfte sW eines Tages Wieder gegen den Zaren wenden können, wie damals- als Alexander II. von den Bomben der Verschwörer zu Petersburg in Stücke gerissen wurde. Das Königspaar aus dem Hause Obrenowitsch und das unglückliche österreichische Thronfolgerpaar vmren die Opfer desselben anarchistischen Geistes, welcher sich vermißt, durch Mordtaten in die Weltgeschicke regelnd und herrschend einzugreifen. Weiß man in Petersburg nicht, daß die Ermordung des Zaren Alexander eine unmittelbare Folge des aus nationalistischen Gesichtspunkten geführten Krieges Rußlands gegen die Türkei war? Im Jahre 1877 ließ sich der später ermordete Zar von der panslawistischen Strömung und um ihr zu huldigen, bestimmen, die Waffen gegen die Türkei zu ergreifen; aber der Feldzug brachte Rußland nicht den geringsten Gewinn, da die russischen Heere durch den Beschluß des Berliner Kongresses zum Abzug aus der Bal- kcmhalbinsel genötigt wurden. Der Nationalismus war keine Deckung mehr für den absoluten Herrscher Rußlands. Vielmehr brach infolge der elenden Verwaltung und Verpflegung der russischen Heere, infolge der diplomatischen Mederlagen der Regierung die Erbitterung noch stärker hervor und 1879 wurde Alexander II. in einer feierlichen Versammlung der revolutionären Partei in aller Form zum Dode verurteilt. Diese schreckliche Lehre ging aber an seinen Nachfolgern spurlos vorüber. Auch der jetzige Zar läßt die NaLiormlisten gewähren, bedient sich ihrer zur Erregung der Unzufriedenheit gegen das benachbarte Österreich-Ungarn, und seine Ratgeber sind offenbar der Ansicht, daß, solange sie die Revolution nach Österreich-Ungarn und der Türkei wegzulenken imstande sind, der Thron und das Leben des russischen Kaisers geschützt sind. Das aber ist ein Irrtum. Der Rückschlag kann fürchterlich sein. Von den politischen Erfolgen Rußlands kann nach dem Ansgange des letzten Balkankrieges nicht die Rede sein; schon die Lossprengung Bulgariens vom Balkanbund' war eine Niederlage 8er panslawistifchen Idee. Dringt aber der Pan- russisnms nicht durch, so wird sich die Erbitterung Wider den Zaren und seine Regierung kehren und es Sann Wohl geschehen, daß die Welt eines schönen Tages mit demselben Entsetzen den Sieg eines Komplottes gegen den Zaren aller Reußen gewahren muß.-Das tolldreiste Spiel mit der Revolution und mit der Erregung von Unzufriedenheit und Erbitterung gegen das Nachbarreich kann ein blutiges Ende nehmen. Ist niemand am Hofe des Aaren, der ihm diese schreckliche Möglichkeit eröffnet und ihn dazu bringt, dem frevelhaften Treiben der Panslawisten ein Ende zu machen? Ist niemand, der ihn an der Bahre des österreichischen Thronfolgers und seiner Gemahlin an den Untergang seines Großvaters und an die Gefahren erinnert, die er selbst bei solchem Gang der Politik gegen sich heraufbeschwört? Der preußische Abgeordnete Jakobi sagte einmal zu König Friedrich Wilhelm IV.: „Es ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen." Daran wird man erinnert, wenn man die russische Politik mit ihren revolutionären Verzweigungen und die furchtbaren Folgen ins Auge faßt, zu denen die pan- slawistifchen Agitationen in - Sarajevo geführt haben. " ««s c I 7 e l> X t X X e k f ii» xiex 00XUXcX7X7!0X rL6L8?0SI (Sr---) ^ ' ^s?O _ 7äS: ^ ^ exklusive Bewegung serbischer Kreise, die unter dem serbischen Namen alle Südslawen vereinigen wollte, so daß man fast sagen könnte, ihr Ziel habe einen pattserbischen Charakter. In dieser Richtung lvurde die Agitation in Mtserbien und Mazedonien durchgeführt, wo die panserbischen Agitatoren den heftigsten Kampf gegen die bulgarischen Nationalisten eröffneten. Diese Bewegung scheint in dem serbischen Offizierskorps den stärksten Anhang zu haben und auf ihren Einfluß ist es wahrscheinlich auch zurückzuführen, daß es zu dem serbisch-bulgarischen Krieg kam. Ihre Organisation besitzt die groß- serbische Bewegung in der Narodna obrana in Belgrad. In den letzten Jahren hat die Narodna obrana ihre Tätigkeit auch auf die südslawischen Länder der Monarchie erstreckt, in erster Linie auf Bosnien-Herzegowina, welche Länder die großserbische Bewegung stets für das Königreich Serbien beansprucht hat. Es ist möglich — die bisherigen Berichte über die Aussagen der Attentäter bedürfen noch der offiziellen Bestätigung — daß auch das Attentat in Sarajevo das Werk dieser großserbischen oder besser gesagt panserbischen Bewegung ist, ober es ist auch nicht ausgeschlossen, daß es das Werk der nationalistifch-revolutionärerr Propaganda ist, die keinen exklusiven serbischen Charakter trägt, sondern vielmehr mit der großserbischen Bewegung im Gegensatz steht, sofern sie die Vereinigung aller Südslawen, unter Beibehaltung ihrer historischen Namen, in einem südslawischen Föderativstaat mit republikanischer Verfassung anstrebt. Die Untersuchung in Sarajevo wird jedenfalls die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und auch der Maßgebenden Kreise auf diese Strömungen unter den Südslawen innerhalb und außerhalb der Monarchie lenken und es ist nur zu wünschen, daß alle interessierten Kreise über den wahren Charakter dieser Bewegungen, die alle für sich l zahlreiche Anhänger unter der Heranwachsenden > Intelligenz der Kroaten, Serben und Slowenen haben, unterrichtet werden, damit jene Strömungen, die gegen die Interessen der Monarchie sind, vvn jenen unterschieden werden können, die eine entsprechende Lösung des südslawischen Problems in der Monarchie anstreben. Dies ist im Interesse der Monarchie und muß gerade jetzt vor Augen gehalten tverden, wo als Folge der Sarajevoer Bluttat sowohl die Öffentlichkeit als auch die maßgebenden Faktoren der Monarchie in die Lage gedrängt werden, sich mit dem südslawischen Problem intensiver zu befassen. Es wäre ein großer und kaum Gutzumachender Fehler, wenn man alle Strömungen unter den Südslawen generalisieren und als revolutionär und wonarchiefeindlich behandeln würde. Auf diese Weise würde man das südslawische Problem, das nun einmal besteht und gelöst werden muß, nicht lösen, sondern nur noch mehr verwirren und vielleicht gerade das Gegenteil von dem erreichen, was man im Interesse der Monarchie erreichen muß, um die Monarchie vor einer schweren ^ ^ südslawischen Krise zu bewahren. _ ^ Dwümellektuellen Urheber. ^^Die Bewegungen unter den Südslawen. ^ Die Meldung, daß das schreckliche Attentat in Sarajevo in Belgrad angestiftet wurde, gibt der breiten europäischen Öffentlichkeit wieder Gelegenheit, sich mit den verschiedene Strömungen, die bei den Südflawen bestehen, zu beschäftigen. Es ist daher gut, um jeder Verwirrung der Begriffe vorzubeugen, diese Strömungen zu kennzeichnen, denn es hat sich schon bisher herausgestellt, daß sie von jenen, die die Verhältnisse nicht genau kennen, verwechselt werden. Hier soll nur von jenen Strömungen die Rede sein, bei denen auch Belgrad in Betracht kommt, denn die sogenannte großkroatische Bewegung verhält sich gegenüber den Serben exklusiv und strebt die staatsrechtliche Vereinigung aller kroatischen Länder in der Monarchie unter der Dynastie Habsburgs an. Die großkroatische Idee wird von den beiden Flügeln der kroatischen Rechtspartei vertreten und hat, wie nochmals betont werden muß, mit den übrigen Bewegungen nichts gemein, da sie rein exklusiv- kroatisch ist. Bei dem Sarajevoer Attentat kommen zwei Bewegungen im Betracht: die großserbische! und die nationalistische, während es so ziemlich! feststeht, daß die Attentäter mit dem Anarchismus nichts zu tun haben. Die großserbische Bewegung hat besonders nach der Annexion von Bosnien einen großen Umfang angenommen und geht von Belgrad aus. Ihre Urheber und eigentlichen Führer sind in den Reihen der serbischen Armee zu suchen. Anfangs trug die Bewegung keinen dynastischen Charakter, vielleicht eher einen republikanischen, indem sie die Bereinigung aller Südslawen unter der Führung Serbiens anstrebte. In Wirklichkeit handelt es sich da um eine national- ««scimnxtxxcnfiiir xicx ooxllxcxrtilox I^LLLkOLI (62722) Belgrader Stimmungen. 'Bon unserem Korrespondenten.^ ^ ---^ Belgrad, 6. Mi. Niedergeschlagenheit in den Verantwortlichen Kreisen, schlecht verhehlte Genugtuung in den nichtverantwortlichen, das ist in kurzen Worten die Stimmung in Belgrad seit dem Sarajevoer Attentat. Beide Stimmungen sind recht Wohl begreiflich. Das Verantwortliche Serbien sieht sich von der ganzen Welt wegen des Attentats zur moralischen Verantwortung gezogen und überdies vor der Gefahr, auch noch von der Nachbarmonarchie besonders zur Verantwortung gezogen zu werden. Cs fehlt der serbischen Regierung allem Anscheine auch nicht an gutem Willen, die in Serbien weilenden Urheber oder Mitschuldigen an dem Sarajevoer Mordanschlag der Strafe zuzu- sühren, aber sie fürchtet, daß ein solches Vorgehen von ihren Gegnern weidlich ausgenützt werden könnte, was ihr jetzt, wo die Skupschtina- wahlen sozusagen vor der Tür stehen, verhängnisvoll werden könnte. Die Opposition entfaltet bereits seit den ersten Nachrichten von einer Untersuchung österreichisch-ungarischer Organe auf serbischem Territorium eine sieberhafte Agitation, um es der Regierung unmöglich zu machen, einem derartigen Ansuchen der österreichisch-ungarischen Diplomatie nachzukommen. Tatsächlich wird das Kabinett Pasic, falls von österreichisch-ungarischer Seite die Ausdehnung der Untersuchung auf Serbien verlangt werden sollte, vor dem Dilemma stehen, einen Konflikt mit der Monarchie heraufzubeschwören oder sich für alle Zukunft in Serbien als „Söldling Wiens" (dies ist der beliebteste Ausdruck in Belgrad für alle, die mit der Nachbar- monarchie in Frieden leben wollen) in Verruf zu bringen und unmöglich zu machen. Wer die Stimmung der nichtverantwortlichen Kreise hat die jüngste Versarmnlung der „Omla- dina" reichlichen Aufschluß gegeben. Wenn auch in / dieser Versammlung das Attentat nicht gerade verherrlicht wurde, so ist es auch mit keinem Worte verurteilt worden. Dagegen fand man nicht genug scharfe Worte der Verurteilung für die Unterdrückung und Verfolgung, denen die Südslawen Österreich-Ungarns nunmehr noch viel schlimmer ausgesetzt seien als bisher. So wie die Omladinai> denken ungefähr neunundneunzig Prozent aller Serben, und dieser Stimmung zu trotzen dürfte sich selbst Pasic nicht stark genug dünken. Das ist der Grund, iveshalb man trotz aller Friedensliebe Österreich-Ungarns unter der serbischen Regierung Mit der Möglichkeit einer ernsten Komplikation rechnen muß. Einer der wenigen Monarchiefreundlichen serbischen Politiker sagte mir dieser Tage: Wenn es z infolge des Sarajevoer Attentates zu einer neuerlichen ernsten Spannung — an die Möglichkeit eines ernsten Konfliktes kann ich vorläufig nicht glauben — zwischen uns und Österreich-Ungarn kommt, so wird daran einzig unsere Presse, oder richtiger gesagt unser Preßgesetz schuld sein. Jetzt zeigt es sich, welch schwerer Fehler es war, daß seinerzeit die vom Minister des Innern, Protitsch, geplante Preßreform nicht durchgeführt wurde. Für ein Land, in dem unreife junge Leute ohne Verantwortlichkeit die öffentliche Meinung machen, taugen keine liberalen modernen Gesetze. Wenn die Regierung Pasic aus ihrer heutigen peinlichen Lage mit heiler Haut herauskommt, wird es ihre erste Aufgabe sein, den Mißbrauch unmöglich zu wachen," den heute unsere schulpflichtigen Jünglinge mit der öffentlichen Meinung treiben. Erst gilt es unser Land zu modernisieren, dann erst werden wir ohne Gefahr zu dem heutigen modernen Preßgesetz zu- ^ rückkehren dürfen. ^ I « k ö L ! I c k X z X u L n f ii k »> eX o o x»«^ x i x i > o x xkMacxuims X?.: >/5> U8: g ^ ZcdMe in §§men uns MsWsdme« / ^- M 8sEn., - „ ^ - Wien.8. Zulk. Graf Berchtvld. Hai sich heute nach Ischl begeben und wird vom Kaiser morgen empfangen werden, um über die Beschlüsse des gemeinsamen Ministerrates zu berichten und sie der Genehmigung vorzulegen. Alles Interesse wendet sich dabei der Frage Zu, welche Schritte unser Auswärtiges Amt in Belgrad zu tun gedenkt, wohin, wie es im offiziösen Sprachgebrauch heißt, die von der Untersuchung aufgedeckten Zusammenhänge des Sarajevoer Attentats weisen. An sich, sollte / man denken, wäre das eine recht einfache Sache. Gibt / es Mitschuldige des Mordes in Serbien, so sollen sie der Strafe zugesührt werden wie alle Helfershelfer einer Mordtat. Und wenn bei ihrer Verfolgung die Hilfe der serbischen Behörden in Anspruch genommen wird, ist das bloß selbstverständlich, so selbstverständlich, daß es des Aufsehens und des Apparats, der diesmal aufgewendet wird, nicht bedarf. Nicht der gemeinsame Ministerrat, die Justizverwaltung von Bosnien wäre die zuständige Stelle, die Unterstützung Serbiens bei dem gerichtlichen Akt Zu.verlangen. Will man-aber.mehr, will man anderes, was kann man .denn wohl zu fordern beabsichtigen? Bevor noch,voll-einer Untersuchung und Ergebnissen. ^ der Untersuchlmg so recht die Rede sein konnte, wußten diejenigen, die mit der Schreiöfeder alle fingerlang in Belgrad einmarschieren, ' haargenau, daß die leitendem Männer, sei es des serbischen Staates, sei es des serbischen Heeres, an den Vorbereitungen des Mordes mitbeteiligt, ja geradezu die geistigen Urheber des Attentats wären. Und andererseits wird wieder in offiziösen Kundgebungen in Zweifel gezogen, ob die Ergebnisse der Untersuchung schon zur vollen Klarheit gelangt seien. Und doch wird eines nicht bestritten werden können: wer eine Anklage so schwerer Art gegen einen Nachbarstaat! erhebt, muß stichhaltige Beweise in der Land haben. Was ist es jedoch für eine Manier, inzwischen in Blättern, die den Regierungen von Wien oder Budapest uahestehen, die Möglichkeit erörtern zu lassen, es wären leitende amtliche Stellen in Belgrad in das Verbrechen mitverwickelt? Solche Auseinandersetzungen wiegen das Freche und Herausforderndste. das die- Rpl/ii---rdu--v Zeitungen gegen Oesterreich-Ungarn vorgebracht haben, reichlich auf. Die Untersuchung hat entweder.-unzweifelhafte Schuldbeweise geliefert, dann wrrd ihre Veröffentlichung zerschmetternd auf die Entlarvten niederfüllen und die moralische Vernichtung der Belgrader Schürer und Urheber der Mordtaten herbeiführen, Oesterreich-Ungarn eine Genugtuung gewähren, die durch herausfordernde und den Frieden gefährdende „Aktionen" nie zu gewinnen wäre. Oder aber diese Ergebnisse fehlen oder sind unklar und vieldeutig, dann wird jedes Verlängern das über die Forderung, Lei der-Untersuchung Hilfe zu leisten, hinausgeht, dem Wiener Kabinett nur den /Ruf. verschaffen, daß : es Händel'suche, und Serbien bei seinen Gönnern den Rückhalt sichern. . 7 Nun gibt- es bei uns Schreier und .Kriegshetzer genug, die den Nus des Händelsuchens nicht scheuen, die in allen möglichen Ereignissen der Vergangenheit Gelegenheiten erblicken; die man versäumt habe, über Serbien herzufallen. In der Phraseologie dieser Armseligen, die aus den Schultern statt des Kopfes ein ausgesperrtes Maul tragen, fügt sich alles äußerst leicht und gefahrlos Zusammen. Man muß: in das Wespennest hineingreifen, man muß das Rattennest zerstören, man muß ausräuchern — und eine Reihe ähnlicher schöner Bilder. Die Herrschaften kommen sich sehr mutig vor, wenn sie Ausdrücke gebrauchen, mit denen man gern Wirtshauskeilereien emleitet. Aber hiev liegen die Dinge doch- wohl ein wenig, anders und komplinerter. Als wir unter Aehrenthal und dann.' wieder im Balkankrieg in Konflikt mit Serbien gerieten, stand sichtbar und fühlbar Zu unserem Gegner Rußland, und da Deutschland nicht den Berus fühlt, wegen unserer Balkanstreitigkeiten die Hauptlast eines Weltkrieges aus sich zu nehmen, so hat es in beiden Fällen, wenn auch mit verschiedenen Mitteln und Methoden, den Frieden errettet, ja erzwungen. Wird heute von einigen Wiener und Budapester-Blättern dem russischen Zaren Zugeredet, er möge sich auf die Berufssolidarität der Monarchen erinnern und den Urhebern des Fürstenmordes die Hilfe entziehen, so ist darauf zu erwidern, daß Peter selbst, dem „Fürstenmord" seinen Thron verdankt —und doch waren die Beziehungen Rußlands zu Serbien nie so innig, als seitdem dort ein Geschlecht regiert, dem durch. Blut der Weg zur Herrschaft gebahnt wurde. Es handelt sich also nicht um das kleine Serbien, mit' dem der große Nachbar einmal kräftig ins Gebet gehen wird;- sondern es handelt sich um Gefahren, die herauszubeschwören Wahnwitz wäre, und wenn in einem Hetzerblaft dem Wiener Kabinett geraten wird, kühn und stark den entscheidenden Schritt Zu tun, weil.dann Deutschland mitzugehen' gezwungen wäre; so können doch? wohl nuv Verantwortungslose so -viel Frivolität mit so viel Torheit verbinden. , 7-/I t ' Indes, die Beschlüsse des-gemeinsawen Minister- rates beziehen sich auch auf eine Neuordnung der inneren Verhältnisse Bosniens. Da soll vor allem das Schulwesen völlig ümgestaltet werden. Die serbische Kirchenautonömie in Bosnien habe die Schulen zu Pslegestätten des wütendsten Nationalismus gemacht, statt Kirchengeschichte werde die serbische Nationalgeschichte gelehrt und anderes mehr. An die Stelle der bisherigen Anstalten hätten reine Staatsschulen zu' treten. Nun, wir haben wenig übrig für die konfessionelle Organisation des Schulwesens, und noch- weniger für nationalistische Geschichtsfälschungen., Allein wenn man die Staatsschule einrichtet, so meine man nicht, durch dynastische Geschichtsfälschungen, über die schon in Oesterreich die Volksschüler witzeln, Patrioten erziehen zu können. Und will man die Volnei. die es allerdings sehr nötig zu haben scheint, reorganisieren. Und ist erschreckt, daß so viele Großserben in den verschiedensten Staatsstellungen sich befinden, so ist die Frage wohl gestattet, in welchem Sinne die Reorganisation der Polizei gedacht ist und wer es bestimmt und feststellt, ob ein serbischer Beamter ein Großserbe ist. Denn da nun einmal zwei Fünftel der Bevölkerung aus Serben besteht, würde ihre . Ausschließung von allen Beamtenstellungen das Gefühl nur verstärken, unter einer Fremdherrschaft zu stehen. Soll etwa der neue antiserbische Kurs. in dem Sinne fortgesetzt werden, wie ihn die patriotischen Pogromisten in Sarajevo eingeleitet haben?. . In deutschen Blättern findet sich abgedruckt das Telegramm, das der Serbenführer und Besitzer desA zerstörten Hotels de ck'Europe Jestanowitsch an seinen sin Berlin wohnenden Sohn gerichtet hat. Darin heißt es: Gott sei Dank sind wi? alle am Leben. Am Wohnhause ist nur das Dach und. die Mauern geblieben, im Znnern ist alles vernichtet. Das Silberzeug und alle Schmucksachen sind gestohlen. Die Stallungen sind samt dem. Wagenpark, Pferdegeschirren und allen anderen Gebrauchsgegenständen total vernichtet, nur die Pferde sind geblieben. Das ganze „Hotel Europa* ist von außen und im Innern beschädigt und auSgeplündert. . . ... , ° . ^ ^ ft Was meint man wohl, was mit diesen Plünderungen und Zerstörungen mit zerstört worden ist und ob diese Taten mohammedanischer und katholischer Patrioten- des Augenblicks und der Gelegenheit nicht die beste Arbeit für die großferbischen Zwecke geleistet haben? Außerdem stellen sie die bosnische Verwaltung vor Europa bloß und erleichtern es der serbischen Presse, für ihre Behauptung, als lebten die Serben in Bosmen unter hartem, empörendem Drucke, Glauben zu gewinnen. Eine künftige „reformierte" Verwaltung, die nur noch von der Spionenangst der Offiziere mnd den Eingebungen der Polizei beherrscht wurde, wäre am besten geeignet, es demjenigeruTe.il der Serben, der sich von der großserbischen Propaganda bisher noch nicht hat ergreifen lassen, unmöglich zu i machen, seinen Platz innerhalb der Ordnung der bosnischen Dinge zu finden. Sie wäre das beste Mittel dazu, alle Serben Bosniens in das großserbische Lager zu treiben. - ' - ' - »xsciiexxxxxexfux xicx o o x u x c x 7 x 71 o x rL6L8?0Sr (SrLL) Bon besonderer Seite. 'Von Rechts wegen sollte eine Aufforderung der österreichisch-ungarischen Regierung an die serbische, die Spuren des in Belgrad gegen das Leben des Erzherzogs Franz Ferdinand angezettelten Komplotts zu verfolgen, nicht notwendig sein. Ein Staat, in dem Ordnung und Gesetz gehandhabt wird, müßte von Entsetzen ergriffen sein, daß eine solche Tatsache sich unabweisbar einstellt und nur seiner eigenen Ehre willen müßte die Regierung dieses Landes die Spuren des Verbrechens bis in seine feinsten Adern bloßlegen. Die Herren in Belgrad wissen heute mit vollster Bestimmtheit, daß sich die Mörder Princip und Cobrinovic vor dem Anschlag in Serbien aufgehalten haben und hier mit den Werkzeugen des Attentats ausgerüstet worden sind. Diese Tatsache müßte ihnen nicht erst durch eine Anzeige der Sarajevoer Polizei zu Ge- müte geführt werden. Es ist Sache der Regierungsbehörden in Belgrad, selbst aus die Suche zu gehen und die Urheber des verabscheuungswürdigen Verbrechens mit der Strenge des Gesetzes zu treffen. Wenn also aus Belgrad keine Nachricht von dem Beginn und dem Fortgang einer Untersuchung eintrifft, so genügt dies, um den Standpunkt der serbischen Regierung zu kennzeichnen und zu beweisen, daß sie der Erforschung der Hintermänner des Attentats ablehnend gegenüberstehh. Die Behörden in Bosnien befinden sich bei der Untersuchung in einer eigentümlichen Lage. Sollten die Fäden des Verbrechens bis zu den serbischen Behörden oder zu Offizieren der serbischen Armee reichen, so muß man es sich doppelt überlegen, ob Mitteilung hierüber an die Regierung in Belgrad gewacht werden soll. Es liegt im Interesse Serbiens, in diesem Falle die Spuren zu Verwischen, weil es vor aller Welt doppelt bloßgestellt wäre, Wenn Persönlichkeiten in amtlicher Stellung als Anstifter und Mitschuldige am Morde enthüllt werden. Es ist daher vorauszusehen, daß die österreichisch-ungarische Regierung sich erst dann an Serbien wenden wird, wenn sie bestimmte und unverwischbare Anhaltspunkte besitzt und mit ganz positiven Tatsachen an die serbische Regierung herantreten kann. Liegt wirklich eine Aussage der verhafteten Mörder vor, daß sie von bestimmten Personen in Belgrad gedungen und mit Waffen und Geld ausgerüstet wurden, dann, aber auch nur in diesem Falle, muß die sofortige Verhaftung dieser Mitwisser verlangt werden. Aber, wie gesagt, nicht leere Zeitungsgerüchte, nicht die zumal in Budapest schwungvoll betriebene Fabrikation von Schauernachrichten sollen die Grundlage und die Anhaltspunkte für das Vorgehen Österreich-Ungarns sein. Es ist ganz in der Ordnu-rg, daß aus dein Verhör nichts veröffentlicht wird und die Zeitungsleser werden gut daran tun, alle Nachrichten, die nicht in amtlicher Form darüber veröffentlicht werden, mit äußerstem Skeptizismus aufzunehmen. Es handelt sich also darum, ob eine bestimmte Aussage der verhafteten Personen vorliegt. Ist dies der Fall, so sollte unverzüglich die Verhaftung der Angeschul- : digten von der serbischen Regierung verlangt werden, ^ eine Forderung, der sich! Belgrad schlechterdings nicht entziehen kann. Erst wenn Ausflüchte gemacht werden und die Beschuldigten durch das Zögern der serbischen Regierung Gelegenheit zur Flucht bekommen, dann erst wäre es an der Zeit, mit jener Energie vorzugehen, die Österreich-Ungarn im Verlaufe der ganzen letzten Balkankrise fast in jedem' Stadium vermissen ließ. Schon jetzt sind die guten Freunde der Serben, in England die „Times", in Rußland die nationalistischen Blätter, eifrig an der Arbeit, um Österreich-Ungarn von jedem energischen ^ Schritt abzuhalten und ihm vor Augen zu führen, daß es den Frieden in Europa nicht durch ein eigenmächtiges Vorgehen gefährden dürfe. Wenn solche Warnungen im Ministerium des Äußern zu: Wien Gehör finden, wenn die Monarchie sich verblüffen läßt, so wäre dies ein weiterer Schritt zum' Niedergang der Macht Österreich-Ungarns. Keine Übereilung also, ruhige Erwägung aller von derft Verhafteten gemachten Aussagen, dann aber kraftvolles Auftreten, welches von allen unbefangenen- Beurteilern außerhalb der Monarchie gebilligt werden wird. -— «i»sci7cirKt»<»c« f u« xic« ooxlixeiir^iioii LL6L8?osr cersr) GkM-M grsfferbische KewegNg. ^^Die Maßnahmen des Ministerrates. AuS informierter Quelle. An die Monarchie rückt nunmehr die Frage heran, welche Konsequenzen sie aus dem Attentate irr Sarajevo zieht. Der gemeinsame Ministerrat hat dazu Stellung genommen, eine Anzahl Von Maßnahmen beschlossen, Graf Berchtold hat diese Beschlüsse dem Kaiser mitgeteilt und die Genehmigung der Krone zu ihrer Durchführung eingeholt. Auf die einfache Formel gebracht, handelt es sich darum, in welcher Weise die großserbische Jrredenta, die in den südlichen Teilen der Monarchie insbesondere seit dem Balkankriege so bedenkliche Formen angenommen hat lund aus der auch das Attentat in Sarajevo hervorgegangen ist, eingedämmt werden kann. Es ist selbstverständlich, daß sich eine Großmacht die fortwährende Beunruhigung nicht nur an ihren Grenzen, sondern auf ihrem eigenen Territorium auf die Dauer nicht gefallen lassen kann. Das hat nichts mehr mit einer friedliebenden jauswärtigen Politik zu tun, das betrifft einfach schon die eigene Existenz. ^ Der Herd der großserbischen Agitation in Bosnien liegt jetzt offen da. Der von Belgrad ausgehende Jnfektionsstoff hat sich in Bosnien in die Schulen und in die serbischen Jntelligenzkreise verpflanzt und die großserbische Jrredenta ist nunmehr so weit gekommen, daß sie nur mehr mit gewalttätigen Mitteln arbeitet. Das beräbscheuungswür- dige Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand ist nicht mehr ein Einzelfall fanatisierter Mordbuben, es ist Vielmehr die Teilerscheinung eines Systems, das sich dort bereits eingenistet hat. Das greift an den Lebensnerv des Staates und schreit nach Rewe- dur nach Urnen und nach außen. Die dom gemeinsamen Mmsterrate beschlossenen Maßnahmen für die innere Verwaltung in Bosnien und teilweise auch in den übrigen, der großserbifchen Propaganda ausgesetzten Ländern der Monarchie sind nur gegen diese Propaganda, nicht aber gegen die in der Monarchie lebenden Serben selbst gerichtet. Sie enthalten zunächst eine strengere Überwachung der Agitatoren selbst. Es hat sich nunmehr herausgestellt, daß in Bosnien, wahrscheinlich aber auch in Kroatien Tausende von Exemplaren von Flugschriften aufreizenden Inhaltes verbreitet waren, die alle von Serbien ausgingen, daß selbst der Polizei verdächtige Individuen ungehindert zwischen Belgrad und einzelnen bosnischen oder kroatischen Orten Verkehren konnten, daß die Verbreitung großserbischer Ideen auch von Persönlichkeiten geschehen konnte, die im öffentlichen Leben eine Rolle spielen. Diese Laxheit wird jetzt aushören, der Grenzverkehr und der Überwachungsdienst wird strenger gehand- habt werden, die Agitation wird sich nicht mehr, wie bisher, in aller Öffentlichkeit abspielen können. Weitere eingreifende Maßnahmen stehen im Schulwesen bevor. Etwas spät wurde jetzt die geradezu unglaubliche Tatsache entdeckt, daß speziell die Mittelschulen in Bosnien geradezu Zentren für die großserbische Propaganda dargestellt Haben, daß die Fanrtisierung der serbischen Jugend sozusagen sx eutlisära unter den Augen der Behörden betrieben wurde. Auch hier soll nunmehr einbegriffen werden durch Verstaatlichung sämtlicher Mittelschulen und durch eine strengere Schulaufsicht. Außerdem dürfte auch der Besuch der Belgrader Universität für bosnische und kroatische Staatsangehörige verboten werden. Der > bisherige Regierungskurs in Bosnien selbst wird nicht geändert. Der Versuch, die in Bosnien lebenden Serben zur Staats treue heranzuziehen, dessen Anhang die sogenannte Diwovicgruppe bildet, wird auch jetzt nicht aufgegeben werden. Allerdings erweist es sich angesichts der Vorgänge irn kroatischen Landtage und bei der in der bosnisch-kroatischen und mohammedanischen Bevölkerung Herrschenden Er-» regnng als unmöglich, die TribüNe des bosnischen Landtages im gegenwärtigen Momente offen Zu lassen. Der bosnische Landtag wird daher schon in den nächsten Tagen vertagt werden und dürfte vor dem Frühjahre 1915 kawn wieder einberufen werden, j Von weit größerer Bedeutung" ist jedoch die bevorstehende Aktion, die gegen die Unterstützung der großserbischen Jrredenta durch die serbische Regierung gerichtet ist. Die Untersuchung in Sarajevo ist noch nicht abgeschlossen, aber schon ist mit Sicherheit zu konstatieren, daß die Wurzel des Komplotts in Belgrad zu suchen ist und daß daran hochstehende Persönlichkeiten der serbischen Armee beteiligt sind. Nach den Beschlüssen des gemeinsamen Ministerrates erscheint es zweifellos, daß, sobald dis Untersuchung abgeschlossen und das gesamte Material gesammelt ist, in Belgrad eine Demarche erfolgen wird. Die serbische Regierung wird, soweit es sich um die ihr nahestehenden oder ihrem Einflüsse unterworfenen Personen handelt, von dem > Ergebnisse der Untersuchung in Kenntnis gesetzt werden mit der Aufforderung, auch ihrerseits gegen ^die Mitschuldigen einzuschreiten. Es mehren sich die Anzeichen, daß die Hauptquelle der großserbischen Propaganda im serbischen Offizierskorps zu suchen' ist und die serbische Regierung wird Gelegenheit erhalten, offen dazu Stellung zu nehmen. Es wird , sich sehr bald zeigen, ob die serbische Regierung den ! Willen und die Kraft besitzt, auch ihrerseits zur ! Aufrechterhaltung friedlicher Beziehungen zur'Mon- j archie beizutragen oder nicht. Auf keinen. Fall kann ! die von Belgrad aus betriebene Aufhetzung der serbischen Bevölkerung der Monarchie weiter geduldet _ werden, und soweit die Ansichten der maßgebenden Kreise bisher bekannt sind, ist man hier entschlossen, ' die Angelegenheit bis in die äußersten Konsequenzen zu verfolgen. Hoffentlich! bleibt man dann nicht auf halbem Wege wieder stehen. ^ ^ -- --- x ^ »xsciiexxtxxe« fit« xlcx o o x v x e x 7 x 7 i o x IL6L8?0Sr (6rs2) X5.: ^Iüm Attentat in Sarajevo. ^^Budapesi, 10. Juli. Graf Tißa äußerte gestern in den Wandelgängen des Abgeordnetenhauses über die Folgen des Sarajevoer Attentates: Er meinte, was die politischen Folgen betreffe >so müsse man mit der grüßten Vorsicht bei der Beurteilung der ganzen Sache Vorgehen. Stimmungen und Gefühle können nicht die Basis der Politik bilden. Mir müssen uns sernhalten von der Reaktion und von Illusionen. Wir gehen selbstbewußt weiter und verfolgen mit viel wachsamerer Sorge unsere bisherige Politik. Schließlich sei es Tatsache, daß zwei Tage vor der Abreise des ThronsolgerpaareZ sämtliche kompetenten Faktoren von der Reise nach Sarajevo benachrichtigt waren, mit Ausnahme des gemeinsamen Finanzministeriums. s r. Sarajevo, 10. Juli. Beim Landeschef Feldzeugmeister Potivrek fand eine vertrauliche Konferenz statt, an der der Landesches-Stellver- treter Dr. Mandre und für die serbische Partei Doktor Jojkic teilnahmen. Dr. Jojkic erklärte im Namen der Dimovic-Partei, daß die Serben nach den letzten Ereignissen die Regierungspolitik nicht unterstützen können und daß sie die Schließung der jetzigen Landtagsses- sion fordern. Auch die Mohammedaner und Kroaten stellten diese Forderung auf. Auf die Frage des Landeschefs, ob die Dimovic-Partei im Falle der Einberufung des Landtages in die Opposition treten würde, antwortete Dr. Jojkic mit einem entschiedenen Ja. r. Sarajevo, 10. IM. Das Organ der Serben in Bosnien veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: Wir haben beschlossen, unser Blatt trotz der bestehenden Schwierigkeiten auch weiterhin erscheinen zu lassen. Unser Volk, das das Attentat verdammt, hat unschuldig erweise viel gelitten, dadurch, daß das Schicksal es gefügt hat, daß die zwei Attentäter zufällig Serben sind. Wir dürfen aber nicht gestatten, daß das gesamte serbische Volk in Österreich- Ungarn, das wiederholt bewiesen hat, daß es der ' Dynastie treu !und ergeben ist!und für diese wiederholt sein Blut vergossen Hat, für das Attentat verantwortlich gemacht werde. K.-B. Sarajevo, 10. Juli. Die „Jstinckß das Organ der serbischen Nationakpartei, führt in Betrachtung der politischen Folgen der letzten Ereignisse aus: Die direkte Folge ist nun, daß unser Landtag nicht funktioniert und infolgedessen die Lösung der Agrarfrage aus unbestimmte Zeit hinausgeschoben ist. Zwischen den Serben einerseits, Moslims und Kroaten anderseits wurde eine große Kluft geschaffen. Der gemeinsame Finanzminister hat bei seinem Antritt das Axiom ausgestellt, daß er nur mit allen drei Konfessionen gemeinsam arbeiten wolle. Man weiß, daß diesen Grundsatz auch der Monarch billigt. Werden die letzten Katastrophen imstande sein, diesen Grundsatz umzustoßen? Wir hoffen und vertrauen, daß dies nicht der Fall sein wird. Wird man dies aber versuchen wollen, so wird man sich überzeugen, daß sich ohne die Serben nicht regieren läßt, noch weniger aber gegen die D erben. K.-B. Köln, 10. Juli. Die Kölnische Zeitung nimmt in einem Berliner Brief, überschrieben Nachwehen Sarajevos, zu den Forderungen Österreich-Ungarns an Serbien Stellung und sagt: Es ist die politische Kultur Europas, die aus Wien heute ihre Stimme erhebt. Nie war man in Deutschland inniger von der Bedeutung der historischen Aufgabe Österreich- Ungarns überzeugt, nie einmütiger in dem Gedanken, daß Deutschland unerschütterlich hinter seinem Bundesgenossen zu stehen habe. Eine Rechtfertigung der bosnischen Verwaltung. K.-B. Sarajevo, 10. Juli. Zu einer von einem Wiener Blatte veröffentlichten Korrespondenz aus Budapest, worin von Vernachlässigungen des politischen Dienstes in Sarajevo gesprochen wird, wird von kompetenter Stelle folgendes sestgestellt: Die in der Korrespondenz aufgestellte Behauptung, daß Sek- Lionsches Dr. Zurmic als Hauptschuldiger au den Versäumnissen der .bosnischen Polizsiverwaltnng angesehen werde, ist absolut unwahr und durch nichts gerechtfertigt. Dr. Zurmic hatte aus dem Gebiete des Verwaltungsapparates schon während der kurzen Zeit, seit er die administrative Abteilung leitet, mehrere Erfolge erzielt und es ist bezeichnend, daß einzelne bezügliche Maßnahmen gerade in der serbisch-oppositionellen ! Presse zu vehementen Angriffen gegen Sektionschef Dr. Zurmic Anlaß gegeben haben. Er widmete namentlich der Gendarmerie und ihrer Entwicklung seine vollste Aufmerksamkeit und^ traf Anstalten, um die schon seit langer Zeit in Aussicht genommene Reform der Polizeiverwaltung sofort nach Verabschiedung der Sarajevoer Gemeindestatuten durch den Landtag durchzusühren. Was weiter die in der erwähnten Korrespondenz enthaltene Behauptung anbelangt, der zufolge ein Anbot des Kommandanten des Gendarmeriekorps Generalmajors Snjaric betreffend die Heranziehung der Gcndgrmerie zum Sicherheitsdienst in Sarajevo von der Zivilbehörde abgelehnt worden wäre, so ist diese ebenfalls unwahr, nachdem tatsächlich die verfügbare Mannschaft des Gendarmeriekorps zur Ergänzung des Sicherheitsdienstes in Sarajevo zur kritischen Zeit herangezogen worden war. Ebenso unwahr ist, daß die Attentäter Cabrinovic und Princip durch die zur Ergänzung des Sicherheitsdienstes herangezogenen Budapester Detektivs als schwer verdächtige Personen bezeichnet worden wären. Der Attentäter Cabrinovic war als Streikhetzer vor Jahren einmal vorübergehend aus Sarajevo abgeschoben worden. Dieses Faktum und sein sonstiges Verhalten konnten jedoch keine Grundlage dafür bieten, daß Cabrinovic aus Anlaß des Besuches des Erzherzogs Franz Ferdinand als „gefährliche Person" interniert oder neuerlich hätte abgeschoben werden sollen. Der Attentäter Princip endlich war früher überhaupt nie verhaftet oder ab geschoben worden und war der Polizei nur als einer jener vielen Jünglinge bekannt, die in den letzten ereignisreichen Jahren ihrer serbischnationalen Gesinnung gelegentlich Ausdruck gaben. Untersuchungen und Verhaftungen. S. Wien, 10. Juli. Auf Grund des Materials, das in den Wohnungen der südslawischen Studenten in Berlin vorgesunden würde, wurde heute die Untersuchung bei den Wiener südslawischen Studenten wieder ausgenommen. 'Der Führer der slowenischnationalist'ischen Studenten in Wien, stud. Phil. Josef Kosak, wurde verhaftet. Auch die Untersuchung in Laibach wird fortgesetzt. r. Laibach, 10. Juli. Die Polizei verhaftete in den letzten Tagen zahlreiche Mittelschüler wegen Zugehörigkeit zur südslawischen Omladina. Unter den Verhafteten befinden sich auch zwei Maturanten, die vorgestern die Matura hätten oblegen sollen. Über Bitten der Eltern wurde den Maturanten gestat'et, die Prüfung im Gerichtsgebäude ablegen zu dürfen. Im letzten Augenblicke hat jedoch der Landesschulrat die Prüfung mit der Mitteilung sistiert, daß die Ablegung der Prüfung im Gefängnisse unzulässig sei. W. Lussingvarrde, 10. Juli. Wegen Gutheißung der Sarajevocr Mordtat wurde hier der 33 Jahre alte Michael Slepcovich aus Karlstadt in Kroatien verhaftet. Er war als Wächter beim hiesigen Skro- phulosenheim des Landes Niederösterreich angestellt. r- Budapest, 10. Juli. „Az Eft" erhält aus Sarajevo folgende Meldung: In einem kroatischen, hier erscheinenden Blatte wird heute folgendes geschrieben: Am Tage, an dem das Attentat erfolgte, wurde hier ein Telegramm aufgegeben, das an den Major Pribicevic gerichtet war und lautete: Beide Pferde gut verkauft. Das Telegramm trägt keine Unterschrift. Die Untersuchung wird auch nach diesi< Richtung hin geführt. r. Sarajevo, 10. Juli. Der Untersuchungsrichter b-t einen Haftbefehl gegen den Mohammedaner Mehemed Bagics, einen Tischlergesellen, erlassender an dem Attentat beteiligt gewesen sein soll. Heute wurde in Mostar der Hofphotograph Marianvvic verhaftet, der verdächtig ist, dem Bagics Geld gegeben zu haben, damit er nach Montenegro flüchten könne. , Serbenfeiudliche Demonstrationen. 4 W. Zara, 10. Juli. In der ganzen Provinz Dauern die antiserbischen Demonstrationen fort. Der Fanatismus der Massen auf dem Lande wird durch Priester und Anhänger der kroatischen Rechtspartei aufgestachelt. In Om bla bei Ragnsa haben die Demonstranten eine serbische Fahne, die auf einer Badeanstalt gehißt war, niedergerissen; sie demonstrierten und steckten das Hans des Serben Percovich in Brand. In Sign, Castelnuovo und Trau kam es ebenfalls zu serbenfeindlichen Demonstrationen, wobei auch serbische Fahnen verbrannt wurden. In Met- kovic wurden die serbischen Aufschrifts- täsieln entfernt. In manchen Dörfern halten die Priester und serbische Bauern bewaffnet Wache bei ihren Kirchen. Eure Erklärung der serbischen Regierung. r. Belgrad, 10. Juli. Tie Regierung hat ihren Vertretern im Auslande eine Zirkularnote mit dem Auftrag überreicht, sie den Regierungen, bei denen sie akkreditiert find, zur Kenntnis zu bringen. Darm wird erklärt, daß sowohl die offiziellen, wie die inoffiziellen Serben das Sarajevver Attentat auf das entschiedenste verurteilen, aber daß sie es zugleich als ihre Pflicht betrachten, folgende Erklärung abzugeben: Die serbische Regierung duldet auf ihrem Territorium keine Konzentration von anarchistischen Elementen und wird sie auch nicht dulden. Das Gesetz gegen die Anarchisten sei bereits fertiggestellt und werde noch in diesem Jahrs m Kraft treten; außerdem werden Maßnahmen getroffen, um die exaltierten Elemente Serbiens ist Schranken zu halten. ,—« »i>scilLi>>rtXxe«f>t« x i ex o o x v x e x 7 x 7 > o x 1 ^ 6 LLk 08 I (67732) Atleiüat in Sarajevo. Die Schließung des bosnischen Landtages. A. Sarajevo, 10. IM. Di e Se ssion d es' Landtages wurde he!ute geschlossen. Die irr Sarajevo anwesenden inuselmanisch e n!und k r v a- tischenAbgeordneten hielten eine Konferenz Wer die weitere Haltung gegenüber den dev Arbeitsmehrheit angehörenden Serben und dem gemeinsamen Finanzminister v. Bil!inski ab, gegen den sich eine große Mißsti mmung geltend macht, da er ' die Serben zu sehr begünstigt hätte. Much die serbische Dimö- vicgruppe hielt eine Konferenz ab, Lu der sie die DereitwMgkeit zur weiteren Arbeit im Landtage iund das Festhalten der Treue !und Anhänglichkeit der Serben am Kaiserhaus besonders stark betonte, Und gegen jede UmstmrzbetveMng sowie gegen dasAttenLat in Sara-» jevo in entschiedener Weise Stellung nahm. A. Wien, 10. Juli. Von maßgebender Seite wird betont, daß die Schließung des bosnischen Landtages keineswegs als eine Etappe zur gänzlichen Entziehung der parlamentarischen Tribüne in Bosnien anzusehen sei. Die Schließung erfolgte erstens angesichts der Erregung in allen Schichten der bosnischen Bevölkerung, um nicht neue Gelegenheit zu erregten Debatten zu schaffen, und zweitens wegen der in den nächsten Tagen beginnenden fünf Wochen dauernden mohammedanischen Feiertage. Der bosnische Landtag wird aller Voraussicht nach in der zweiten Halste des August wieder einberusen werden, um das Budget zu erledigen. ^ .l . - Die AntersuHuttg. A. Sarajevo, 10. Juli. Die Untersuchung in der Attentatsaffäre nähert sich bereits dem Abschlüsse. Heute schon läßt sich sagen, daß sie insofern« einen i vollen Erfolg ergeben hat, als sie alle Fäden der Verschwörung bloßlvgt. Von den im Zusammenhang mit dem Attentat verhafteten Personen kann die S ch uld oder Mitschuld an dem Verbrechen bei a ch t - zehn als erwiesen betrachtet werden. Von diesen achtzehn sind neun als an der Ausführung des Attentats direkt beteiligt in Haft, ein zehnter Beteiligter, und zwar ein Muselman«, namens Mohammed Basits, konnte bisher nicht festgenommen werden und man nimmt an, daß es ihm gelungen sei, nach Montenegro zu flüchten. Wie die Untersuchung ergab, hat anfangs bei den Verschwörern die Absicht bestanden, den Thronfolger in Mostar zu ermorden. Da jedoch dort kein längerer Aufenthalt des Thronfolgers geplant war, sondern nur eine einstündige Rundfahrt durch die Stadt, wurde davon Abstand genommen. Dann dachte man daran, die Tat während der Manöver in Tarcis zu verüben; dies war jedoch angesichts der strengen M-- sperrungsmaßregeln nicht möglich. Eine günstige Gelegenheit glaubten die Verschwör er auch in Jllidze zu finden, und zwar nach der tzostafel am Vorabend des Attentats. Auch dort konnte jedoch der Plan nicht zur Ausführung gebracht werden und so wurde schließlich der Sonntag, an welchem der Thronfolger mit seiner Gemahlin die Fahrt nach Sarajevo unternahm, für die Ausführung des Attentats bestimmt. Außer den Teilnehmern und den Mitwissern an der Verschwörung, gibt es auch noch Leute, die nach Ausführung des Attentats einigen der Mitverschworenen bei ihren Fluchtversuchen oder Leim Verstecken der Bomben behilflich waren, von denen nunmehr auch die letzte, die sechste gefunden worden ist. Alle dies« Leute werden natürlich mitangeklagt werden. Im ganzen rechnet man, daß achtzehn bis zwanzig Personen wegen des Attentats vor^Gericht gestellt werden. Sine Vorstellung der Tripelentente? U. Wien, 10. Juli. Wie das Neue Wiener Tag- blatt von unterrichteter Seite erfährt, bestätigt sich die Nachricht, daß die Tripelentente einen freundschaftlichen S ch r i t t i n Belgr a d unternehmen werde, um Maßnahmen gegen die anarchistischen Elemente anKuempfehlsn. Der Schritt der Trchelcntcnte dürste unmittelbar bevorstehen. Man hat Grund zur Annahme, daß die Gesandten der Tripel- cntcnte ihren freundschaftlichen Rat auch in dem Sirene abgeben werden, daß Serbien durch solche Maßregeln Zur Beruhigung Österreich-Ungarns beitragen möge. U. Wien, 10. Juli. Dem Londoner Korrespondenten des „Neuere Wiener Tagblattes" wurde auf seine Anfrage erklärt, daß über einen englischen. Schritt in Be 1 grad nichts bekanntst!. Wenn ein solcher Schritt erfolgt sei, wäre er spontan unternommen worden und würde erst später zur Kenntnis anderer Kreise gelangen. !. Paris, 10. Juli. An hiesigen kompetenten Stellen wird erklärt, daß von einer Demarche irr Belgrad oder von einem sonstigen Schritte Frankreichs in Belgrad nichts bekannt sei. Doch sei cs möglich, daß vom hier nach Serbien diskrete Ratschläge gegeben iv-orden seien. . . ; , ch , ">. 5.-,— -f-1 ' K.-B. Budapest, 10. Juli. In der Generalversammlung des Torontaler Komitates, in tvelcher die Serben die relative Mehrheit besitzen, erklärte der Führer der Serben, Giorgjcvic, er fühle sich verpflichtet, immens der Serben der tiefsten Entrüstung über das Attentat in Sarajevo Ausdruck zu geben. Er fühle sich bcnwgen, namens der Serben zu erklären, daß sie dein Herrscherhaus in treuer Anhänglichkeit ergeben seien und darin keinem anderen Volke nach stehen. Die Serben Weisen mit Entrüstung den Gedanken zurück, daß sic nach außen gravitieren und sich sehnen, einem fremden Staate anzugehören. Die Generalversammlung nahm eine Resolution einstimmig an mit dem Hinzufügen, daß die Regierung ersucht werde, nur in Ungarn erzogene patriotische Geistliche und Lehrer anzustelten und die Paßkontrolle mit größter Sorgfalt auszuüben. Auch in anderen, von Serben bewohnten Städten und Komi- taten ergreifen die Serben die Gelegenheit, ihren Gefühlen patriotischer Anhänglichkeit an die Dynastie und der Entrüstung über die von zwei ihrer Stammesver- tv-andten verübten Attentate demonstrativ Ausdruck zu verleihen. K.-B. Sarajevo, 10. Juli. Heute fand in der hiesigen Kaisermoschee eine Divva (Gebet) statt, die vom Reis ul' Ulema verrichtet wurde. Das Gebet für den Kaiser wurde vorn Reis nt Ulema mit einer Ansprache cingeleitet, worin er anssührte: Wir Mos- luns, die wir nach den Vorschriften des erhabenen Islam verpflichtet sind, sowohl die Freuden, wie den Schmerz des Herrschers und seines erlauchten Häuses zu teilen, müssen stets zum großen Allah innigst beten für allerhöchst feine Gesundheit und sein Wohlergehen. Hierauf flehte der Reis nl Ulema den Segen Gottes auf den Kaiser Und das Kaiserhaus herab und schloß mit den: Wunsche, daß sich die Herzen aller Untertanen in Eintracht finden mögen, zur Liebe zu ihrem .Herrscher. A. Sarajevo, 10. Juli. Wie verlautet, ist man in den Mittelschulen verschiedenen revolutionären Verbindungen ans die Spur gekommen, . j. , /ärrsciienxäUKkkflj« nien / ooxu»it der boäverrätLrisckuur Agitation in Bosnien ablehnt, auch denjenigen Serben ein Licht aufgehen wird, die sich jetzt von der Zweideutigkeit der serbischen Politik irreführen ließen. Das Schicksal des bosnischen Landtages S. Wien, 9. Juli. Wie die „Neue Freie Presse" erfährt, entbehren die Gerüchte von einer bevorstehenden Auslösung des bosnischen Landtages jeder Grundlage. F. Sarajevo, 9. .Juli. Das Präsidium des Landtages ist aus Wien zurückgekehrt. Über die Ergebnisse der 'Wiener Reise und Pie Beratungen mit dem RKchssinanzmmisier R. v. Bilinski wird strengstes Geheimnis gewahrt, umsomehr, als auch hier noch Konferenzen stattfinden. Heute fand beim Landeschef FZM. Potiore? eine Konferenz mit dem Präsidium des Landtages statt. Morgen halten der kroatische und der moslimische, sowie der Klub der serbischen Nationalpartei Sitzungen ab. Sicher ist, daß das Präsidium des Landtages selbst den Antrag § auf Schließung der Session unterbreiten wird. Zur Rede des Grafen Ditza. K.-V. Köln, 9. Juli. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Die Ausführungen, mit denen Ministerpräsident Gras Tißa im ungarischen Abgeordnetenhause die Interpellation des Grasen Anti rassy über das Attentat in Sarajevo beantwortet hat, werden in hiesigen politischen Kreisen mit Zu- st immung begrüßt. Ministerpräsident Gras Tißa betonte das große Interesse an der Erhaltung des Friedens, wies aber auch in ernster Weise aus die Wahrung der Lebensinteressen und des Prestiges der österreichisch-ungarischen Monarchie hin. Die Ruhe, wie die Entschlossenheit, die aus dieser Erklärung sprechen, begegnet hier vollem Verständnis. Europas Solidarität gegen die großserbische Propaganda. K.-B. Berlin, 9. Juli. Der „Lokalanzeiger" veröffentlicht unter der Überschrift „Europas SoWarität gegen die großserbische Propaganda" einen Artikel, worin zunächst darauf hingewiesen wird, daß von der österreichisch -ungarischen Regierung keinerlei diplomatische Schritte gegen Serbien in Aussicht genommen werden und daß man sich in Wien und Budapest einstweilen aus Maßnahmen gegen die großserbische Agitation im Bereiche der bosnisch - h er zog owini sch en Reichs laude beschränken werde. Das Blatt fährt dann fort: Diese maßvolle Haltung der Donaumonarchie ist um so verständlicher, als zurzeit noch kein abschließendes Ergebnis der Untersuchung über den Zusammenhang der Mordtat von Sarajevo vorliegen dürste. Solange diese nicht beendet und keine Beweise für die Schuld privater oder gar 'offizieller Persönlichkeiten im Königreiche Serbien auf amtlichen Wege erbracht sind, müssen alle Gerüchte von angeblich erwiesenen Tatsachen mit Vorsicht ausgenommen werden. Für die weitere Gestaltung der Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und Serbien wird der Ausgang dieser amtlichen Untersuchung allerdings von einschneidender Bedeutung sein und wir glauben, daß man in Wien fest entschlossen sein würde, in Belgrad energisch vorzusprechen, falls sich dazu eine ausreichende Veranlassung bieten würde. Ist zwar der Königsmord in Serbien kein unmögliches Ereignis, so hat man es dort bisher nicht gewagt, Spießgesellen zu dingen, um so in einer benachbarten Monarchie blutige Arbeit für großserbische Zwecke verrichten zu lassen. Gegen eine solche Schamlosigkeit eines Nachbarstaates, vorausgesetzt immer, daß sie erwiesen wich, wird sich nicht nur die von ihr unmittelbar betroffene Donaumonarchie mit Entrüstung auslehnen und mit vollem Rechte Sühne heischen, auch die ganze gesittete Welt wird sich in diesem Falle mit Abscheu gegen die serbische Nation wenden. In Deutschland aber, das in Sarajevo einen Freund und Bundesgenossen verloren, würde dann jeder Schritt, denn man von Wien auS gegen die Schuldigen unternimmt, volle moralische Unterstützung finden, und auch das amtliche Deutschland würde hiebei nicht nach stehen. Hier müßte sich unsere Nibelungentreue aufs neue bestätigen, und nun kann es nur gutgeheißen werden, daß die Regierung des Kaisers Franz Joses offensichtlich entschlossen ist, die Ergcb - nisse der Untersuchung mit Ruhe ab Kurv arten, um ihr weiteres Verhalten danach einzurichten. Wir irren wohl nicht, wenn wir die Annahme aussprcchen, daß auch in andern Staaten, in denen gesittete Auffassungen vorherrschen, diese Haltung der Donaumonarchie als unanfechtbar angesehen wird. Denn nicht nur Österreich-Ungarn, nicht nur Deutschland, sondern das gesamte Europa, sei es monarchisch oder republikanisch gesinnt, sei es germanisch, romanisch oder slawisch, muß ein berechtigtes Interesse daran haben, rii wissen, ob sich in seinem berüchtigten politischen Wetterwinkel wirklich ein StaalsleSen findet, das nicht nur den Mord seiner Staatsoberhäupter betreibt, sondern die Mordwaffen auch gegen die Fürstlichkeiten anderer Staaten richten läßt. , ^ Dis Untersuchung. U. Wien, 9. Juli. Von besonderer Seite erhält das „N. Wr. Tagül." eine Zuschrift, die aussührt, daß jdie Monarchie die Forderung an Serbien, die österreichischen behördlichen Organe auf serbischem Boden die Untersuchun g führen zu lassen, selbsterständlich nicht stellen werde, denn man werde von Serbien nichts verlangen, was gegen die Souveränität eines Staates verstößt. Hingegen werde man wenigstens die Konfrontation der in Sarajevo Verhafteten mit den in Serbien befindlichen Personen verlangen, gegen die sich der Verdacht der Urheberschaft richtet. Für ein solches Verlangen gebe es gerade in der Geschichte der österreichisch-serbischen Beziehungen einen Präzedenzfall. Als im Jahre 1868 der Fürst Michael Obrenovic in Topschider ermordet wurde, verlangte die Belgrader Regentschaft die Auslieferung des wegen Verdachtes der Anstiftung zum Morde in Ungarn verhafteten Fürsten Alexander Karageorgievic. Die Auslieferung wurde von den ungarischen Behörden verweigert. Daraus verlangte Ristic namens der Regentschaft die Konfrontation des Fürsten mit dem Attentäter. Dies wurde von der ungarischen Regierung bewilligt und in der Weise durchgesührt, daß ein österreichisch-ungarisches Schiff den Fürsten und ein serbisches Schiff die dort verhafteten Attentäter in die Mitte der Donau brachte. Dort legten die beiden Schisse Bord an Bord an und die Konfrontation wurde vorgenommen. Was Österreich-Ungarn damals ans Verlangen der serbischen Justiz bewilligte, das müsse wohl oder übel auch Serbien der österreichischen Justiz gewähren. i. j Die Exzesse der serbischen Presse. K.-B. Belgrad, 9. Juli. Anknüpsend an die Äußerung des Premierministers AZqNith bei der Mitteilung der Todesnachricht im Parlament, daß er für das Schicksal der Menschheit besorgt sei, sagt „Balkan", daß das serbische Volk stets in diesem Zeiträume den furchtbaren Qualen der jesuitischen Politik Österreich-Ungarns ausgescht war. Schließlich mußte Erzherzog Franz Ferdinand, wie alle Söhne Loyolas, die nur im Mute der Menschen arbeiten und dem Prinzips „Der Zweck heiligt die Mittel" huldigen, vom Schicksal ereilt werden, wie es auch das ganze Österreich-Ungarn werden wird. Tie „Triüuna" schreibt: Am besten sei es, a n s Österreich-Ungarn nichts zu beziehen, auch die österreichischen !uud Ungarischen Bäder nicht zu besuchen ?und keine Ärzte aus Österreich- Ungarn zu berufen. Die Privatinitiative könne in der angedeuteten Richtung viel Ausrichten. Ter Staat und die Behörden haben sich darein nicht einzumischen. „Piemont" veröffentlicht eine angeblich von einem fortschrittlichen Kroaten aus Agram stammende Zuschrift anläßlich der Demonstrationen der Franchartei, worin ausgeführt wird, daß Serben sind Kroaten ein Volk seien. Für dessen Zukunft sei es notwendig geworden, nicht mehr bei Worten zu verbleiben, sondern zu nationalen gemeinsamen Werken überzugehen. Es sei die Vereinigung zN einem Staate notwerchig geworden. 0 0 X 0^ ^ I ^ I ! 0 X Nr-.: UL: „Politika" fährt aus': Die zwischen den Serben und Kroaten. bHehen.de Eintracht sei bereits derart stärk, daß sie durch keine Macht mehr zerstört Werbern könne. „Stampa" behauptet, daß die Savajevoer Polizei die verhafteten Attentäter der unmenschlichsten Und schamlosesten Tortur äussetze (?), Um von ihnen unwahre Geständnisse zu erpressen, auf Grund welcher dann Anklagen gegen das serbische Volk erhoben werden können. Eine offizielle österreichische MZ Erwiderung. ^ H S. Wien, 9. Juli. Die „Wiener Allst. ZLg." schreibt: In unterrichteten Kreisen wrd darauf hinge- wiefen, daß die jetzt vorliegenden Belgrader Zeitungsstimmen das Ergebnis oder, richtiger gesagt, den Mißerfolg der Einflußnahme darzustellen scheinen, die im Aufträge des Ministerpräsidenten Pasi; der Chef des serbischen Preßbureaus aus die sührenoen Journalisten der serbischen Hauptstadt zu üben versucht hat. Die Blätter leisten ihm lieber keine Folge und fahren mit ihrer hetzerischen Sprache nicht nur fort, sondern haben sie nur noch gesteigert. Wenn man vorher nicht vor der Alternative stand, anzunehmen, daß Herr Pasic nicht imstande oder nicht gewillt sei, den Ausschreitungen der Presse zu begegnen, so ist man heute bereits geneigt, als sicher anzunehmen, daß Herrn Pasic keine Mittel zur Verfügung stehen, um die auch gemäß seiner Überzeugung den Interessen Serbiens und dem serbischen Rufe so sehr widersprechenden Exzesse der Belgrader Presse einzudämmen.. /Daraus ergeben sich aber zwei wichtige Folgerungen: Erstens daß die serbischen Publizisten die haßerfüllte Propaganda sortsetzen, weil sie, offenbar in genauer Kenntnis der wahren Stimmung des Landes, überzeugt sind, ihrem Lesepubliknm zu Gefallen zu schreiben. Wenn dem aber so ist, so ist die ! weitere unvermeidliche Folgerung, daß die fast all- . jgemein erhobene Anklage, die von vornherein den Ur- / lsprung der Sarajevoer Bluttat ans serbischem Boden . gesucht hat, nachträglich durch die Haltung der serbischen ^Presse und der von ihr mit leider nur zu genauer Treue >zum Ausdrucke gebrachten öffentlichen Meinung des serbischen Königreiches vollauf gerechtfertigt wird. Die jahrelang ausgestreute Saat des Hasses und' der moralischen Verwilderung ist eben aufgegangen, und heute 'stehen die Dinge bereits so, daß das verführte Volk die gewohnte Tonart in der Presse nicht mehr missen möchte. , Heute schon ist es nicht nur unserer, sondern auch der Weiteren europäischen -Öffentlichkeit klar geworden, daß die Monarchie den weiteren zu gewärti- Igenden Folgewirkungen des an ihrer 'Gr enze lauernden und, wie das Attentat gezeigt 'hat, zu allem fähigen Hasses unmöglich mit verschränkten Armenentge gensehen 'kan n und daß sie fortan zu einer Politik äußerster Vorsichtigkeit und Wachsamkeit gezwungen sein wird. - 1 «ö c! 7 c n X1X X e« fun xiex ooxuxexi^iiox 1 ^ 6 k!L? 0 LI (61722) " -. . -' - " 7 ZieStimme der Neue. ^ Die Sprache der russischen Presse. Mit Ausnahme eines oder Meier wilder nationalistischer Blätter befleißigt sich die russische Presse in der gegenwärtigen Krise einer ruhigen, Serbien zur Selbstbeherrschung und' Einlenkung mahnenden Sprache. Sowohl die konservative wie die liberale Presse des Zarenreiches ist monarchisch gesinnt und hört in der auswärtigen Politik auf die Stimme der Regierung, welche es in der Hand hat, Stürme zu entfesseln oder die Geister zu beruhigen. Offenbar erweckte das Verbrechen von Sarajevo am Petersburger Hof und in den Regierungskreisen tiefes Entsetzen und 'brachte den Machthabern zum Bewußtsein, welche Gefahren ihnen erstehen, wenn der Terror, der in Rußland bereits zahlreiche Opfer gefordert Hat, den Weg aus Belgrad wieder in die russische Heimat zurücknimmt. Auch! diesmal gehen die russischen Blätter im ganzen maßvoller vor als die französischen, welche anläßlich der letzten serbischen Anleihe politische Verpflichtungen gegenüber der Belgrader Regierung eingegangen sind und! sich für die empfangenen Zuwendungen jetzt dankbar zeigen. Die Höfe von Wien und von Petersburg sind Zudem durch die Solidarität der monarchischen Interessen verbunden, von denen sich! das demokratische .Frankreich demonstrativ frei erklärt. Wenn also Österreich-Ungarn dis angekündigten Schritte in Belgrad machen und die Eindämmung der Ber- schwörertaten fordern sollte, so ist von Rußland her ein Einspruch nicht zu erwarten. Im Gegenteil. Die Mahnungen der Presse des Zarenreiches an Serbien lassen darauf schließen, daß zwischen Wien und Petersburg eine Aussprache stattgefunden hat und man bis zu einem gewissen Grade über die Notwendigkeit einig geworden ist, den Mord- exzesseu der großserbischien Agitation Einhalt zu gebieten. Bei diesem Anlasse zeigt es sich! wieder, daß die beiden großen Parteien Rußlands, die Liberalen wie die Konservativen, im Hinblick auf das Friedensbedürfnis der Nation zu einer ruhigen Erörterung des österreichisch--russischen Verhältnisses bereit find und! daß nur die in der Mitte zwischen ihnen stehenden Nationalisten eine direkte und unbedingt österreichseindliche Haltung einnehmen. Die „Mwoje Wremja" und ähnliche Organe werden unter allen Umständen im Lager des Gvoßserben- tums zu finden sein, selbst die Verbrechen beschönigend, die ans diesem Lager hervorgegangen sind. Die russischen Konservativen haben niemals für die französische Allianz geschwärmt, schon im Hinblick daraus, daß aus dem republikanischen Frankreich die demokratischen und sozialistischen Ideen in das Zarenreich Eingang gefunden und die Fundaments des.Staatswesens zur Erschütterung gebracht haben. Der alte Fürst Meschtscherski, der selbst mährend der Aufregungen des Balkankrieges Von 1912/13 für eine ruhig« Aussprache mit Österreich-Ungarn eingetreten ist, findet sich! jetzt nicht mehr allein, und der Chefredakteur des Organes der äußersten Rechten, der „Semstschina", Herr Glinka, erklärte dieser Tage in seinem Blatte, daß er gleich! Meschtscherski ein Feind des russisch-französischen Bündnisses sei. Run Hst ss ausgeschlossen, daß die russische Politik einen anderen Kurs einschlagen und die durch das Bündnis Von 1891 mit Frankreich angebahnten Beziehungen lösen werde. Stimmen wie die Glinkas beweisen nur, daß auch in kernrussischen Kreisen eine Gegenströmung besteht, die einem Einvernehmen, mindestens mit Deutschland, günstig gestirnt ist. Einer der angesehensten russischen Pu- > blizisten, Iwan Golowin, der für die Aufrechterhaltung der Regiernngsautorität, aber auch! für! freie Staatseinrichtungen das Wort ergriffen hat, : gibt in seinen interessanten, auch ins Deutsche über-' setzten Erinnerungen, die Ansichten jener verständigen Russen wieder, welche ihr Vaterland von > einer abenteuerlichen äußeren Politik abhalten und ^ die Aufmerksamkeit aus innere Reformen hinlenken möchten. Gvlowin setzt auseinander, daß, wenn Rußland das sogenannte panslawistische Ideal zunr Ziele seiner Politik machen und nach! der Herrschaft über die Balkanhalbinsel und über Konstantinopel streben sollte, es in eine Reihe furchtbarer Kriegs: verwickelt würde, in denen ganz Europa Parteid nehmen müßte. Es sei nicht ausgemacht, so führt Gvlowin aus, daß sich der größere und stärkere: Teil von Europa aus Seite Rußlands stellen werde, um es zur ersten Macht des Erdenrundes zu er-! heben. Jetzt aber nach! dem Fall der tiefbeklagten ^ Opfer des Sarajevoer Attentates regt sich etwas" wie Reue bei ihnen und.äußert sich in den Stimmen des größeren Teiles der russischen Presse. Das sollte ^ für Serbien eine Warnung sein, sich! den nicht unbilligen Forderungen der Monarchie zu verschließen, welche überall dort Zustimmung erhalten ! werden, wo die Gerechtigkeit oder doch wenigstens i die konservativen Interessen Gehör finde n. V insciiLNKiuxen fu n v ! c « oo«(u»«e»i7z7lo«« r^6L3?0LI (Lrsa) Zum Attentat in Sarajevo. Die Frage einer Demarche in Belgrad. S. Wien, 11. Juli. Der Petersburger Korrespondent des „Neuen Wiener.Tagblattes" erhielt heute an berufener russischer Stelle folgende Mitteilungen: Eine amtliche Einflußnahme von russischer Seite in Belgrad zur Herbeiführung des notwendigen Entgegenkommens Serbiens gegenüber der österreichisch- ungarischen Monarchie müsse angesichts des eng begrenz en Charakter» der vorliegenden Fragen als eine Angelegenheit der beiden Kabinette untereinander unterbleiben. Sollte die Petersburger Diplomatie um einen Rat angegangen werden, was ja immerhin wahrscheinlich sei, dann werde für die hiesige Politik eine friedfertige, jedoch würdevolle Haltung die einzig mögliche Richtschnur sein. An berufener Stelle ist man übrigens überzeugt, daß die direkten Verhandlungen zwischen Wien und Belgrad einen durchaus ruhigen und befriedigenden Verlauf nehmen werden. r. Belgrad, 11. Juli. Auf eine Anfrage des Berichterstatters der »Neuen Freien Presse" beim öster- reichisch-ungarischdu Gesandten Freiherrn von Giesl, ob die Nachricht von einer bevorstehenden Demarche Österreich-Ungarns richtig fei, erklärte Baron Giesl- daß eine Demarche vorläufig nicht erfolgen werde, da ja- wie bekannt, die Untersuchung noch nicht ^ abgeschlossen ist und man erst ihren Abschluß abwarten werde. Schärfere Grenzüberwachung in Bosnien. S. Wien, 11. Juli. Wie die Ml. Rundschau von informierter Seite erfahrt, ist eine beträchtliche Vermehrung und Ausgestaltung der bos- nisch-herzego winischen Grenzjägertruppe sowie derGendarmerie in den Reichslanden beschlossen worden. Auch eine einheitliche Organisation der Finanzwache für Bosnien und Herzegowina wird weiter ausgebaut werden. Überdies finden gegenwärtig im Kriegsministerium und im gemeinsamen Finanzministerium Besprechungen statt, über die ein Elaborat schon in wenigen Tagen der Militäir- kanzlei des Kaisers vorgelegt werden wird. Die Vorkehrungen stehen im engsten Zusammenhang mit der vom letzten Ministerrat beschlossenen schärferen Grenzüberwachung. Die finanziellen Mittel werden zum Teil aus dem gemeinsamen Heeresbudget, zum Teil aus dem Budget für Bosnien und Herzegowina bestritten werden. Fortdauernde Hetze der serbischen Presse. K.-B. Belgrad, 11. Juli. Tie --Politika" richtet ^ nicht wiederzugebend« Beleidigungen gegen Mitglieder des > Habsburger Kaiserhauses. i »Balkan" greift die Sarajevo«: Polizei an und sagt, ihr System.sei dasselbe, Pas immer bei staatlichem Niedergang benüD wird. Die letzten Tdge Roms, Byzanz? Venedigs und der Türkei erinnern an die gegenwärtige Situation in Österreich-Ungarn. Europa, das noch vor kurzer Zeit sich mit dem kranken Mann am Bosporus beschäftigte, wird bald mit dem kranken Mann an der Donau ^ zu tun bekommen. Das Handelsblatt »Trgovinski Glasnrk" spricht von der Verderbtheit und Skrupellosigkeit der österreichischungarischen Politik, die sie jesuitisch-- rücksichtslos und unehrenhaft nennt. Die Verfolgung der Serben in Bosnien und der Herzegowina beweise der ganzen Welt- daß diese Politik barbarisch und räuberisch fei und das volle Glas Überläufe. Sie werde dem serbischen Volke in Österreich-Ungarn eine Mahnung sein- daß es nicht in einem Kulturstaat lebt,- welcher Leben und Eigentum garantiert- sondern- daß es stets bereit und bewaffnet sein müsse- sich vor der Räuberei der Behörden und der Regierung W verteidigen. Nach den letzten Ereignissen dürfe das serbische Volk jnW mehr wie ein Lamm warten- das jeden Tag abgeschlachtet werden könne- sondern wie ein Löwe, der bereit ist zur blutigen Abwehr. Dasselbe Blatt schreibt: Während die sogleich nach dem Attentate beschlossene Trauerkundgebungg des Landtagspräsidinms klug war- sei durch die Trauerknndgebnng des Gemeinderates die Gasse zur Säuberung der Bevölkerung auf- gesordert worden. Aus dem Ausruf sei als Vizepräsident der Serbe Risto Damjanovic unterzeichnet. K.-B. Belgrad, 10. Juli. Die „Stampa" veröffentlicht ein offenes Schreiben des Petar Heb hi Kocevic an den Bürgermeister Fehim Curcic in Sarajevo, worin dem Letzteren zur Last gelegt wird, daß er durch seinen Ausruf an die Bevölkerung den Unterdrückern Bosniens und der Herzegowina einen Dienst erwiesen habe, indem er das mohammÄmnische und das katholische Gesindel Sarajevos zum Plündern und Morden der Serben aufgesordert habe. Er habe sich dadurch zu eurem Handling erniedrigt. Alles, was aus der Welt serbokroatisch spreche und denke, verurteile und verfluche ihn. Sein Verbrechen gegen die wehrlosen Serben werde sich an ihm furchtbar rächen. Nichts sei ewig, auch Österreich-Ungarn werde nicht ewig in Bosnien und der. Herzegowina bleiben. Die Zeit sei nicht ferne, wo die Serben, welche die Macht der Türken brachen und die Bulgaren straften, um die Jvan- Vlanina und am Trebevic kreisen werden; dann würde Curcie und je« Gesindel, das ihm gehorchte, Rechnung legen müssen. Nichts »Und niemand, selbst nicht die Flucht, werden ihn vor dpr verdienten Strafe retten können. „Piemont" veröffentlicht einett Agramer Brief, worin dargelegt wird, daß an den Demonstrationen kein , Kroate, sondern nur eine Part ei teilgenommen habe, welche sich aus streberischen Geistlichen, t. k. Beamten und Spionen, Juden, Magyaren, Deutschen und Italienern zufammensetzte und welcher die kroatische Firma auf- gedrückt worden sei. Di« Zeiten des Bruderkampfes seien unwiderruflich vorbei. Das Kroatentum sei identisch mit dem Serbentum. Die österreichischen Kleriker, die Streber und die Spione seien keine Kroaten. „Pravda" fordert unter dem Titel „Gegen die Nichtsnutzigen" zum Boykott der österreichischen Firmen in Belgrad sowie d«r österreichischen Waren auf und sagt, es sei Pflicht der Narodna Obrana, die strengste Durchführung des Boykotts zu überwachen. „Novosti" kündigen für morgen die Veröffentlichung einer der Redaktion am Vidostan, dem Attentatstage, von einem Mädchen zugegangenen schriftlichen Prophezeiung des bevorstehenden Unterganges Österreich-Ungarns an. K.-B. Belgrad, 11. Juli. „Samouprava" druckt wörtlich einen Artikel der „Frankfurter Zeitung" ab, betitelt „Nach dem Sarajevoer Attentat", und bemerkt zu dem Passus, worin die herausfordernde Haltung ein- , zelner serbischer Blätter verurteilt wird, daß auch die ! „Samouprava" die Haltung einzelner serbischer Blätter verurteilt habe. Es müsse aber anerkannt werden, daß in dieser Hinsicht die österreichische und die ungarische Presse nicht nur den Rekord erreicht habe, sondern daß auch ein Teil dieser Presse die Verantwortung für die ; Haltung eines Teiles der serbischen Presse gegenüber dem traurigen Ereignisse von Sarajevo trage. Es sei selbstverständlich, daß sich die serbische Presse durch die Schreibweise der österreichischen und der bulgarischen Presse nicht verleiten lassen und ihren Herausforderungen, zum Schaden der serbischen Staatsintevessen nicht a:n die Hand gehen dürfe. > j »«seiiLnxzxien f un v«ex o o X u », L X 7 ^ 7 l o X I^OLLkOSI (67722) M^Mlersburger Politik. Nach dem Tode Hartwigs. Serbien ist von einem schweren Schlag getroffen worden, von einem Schlage, der fast einer Niederlage gleichkommt. Die Natur, das unerbittliche Naturgesetz des Todes, hat in die Räder des Schicksals des aufwärts strebenden Serbien einbegriffen und sie in einem für Serbien äußerst wichtigen Moment zum Stillstand gebracht. In einem solchen historischen Moment ist auch Ministerpräsident Dr. Milovanovic, der Vollstrecker der .Pläne der russischen Diplomatie, gestorben und jetzt ist auch Hartwig tot, jener Diplomat, der mit dem Feuer auf dem Balkan gespielt hat, der eigentlich alle Fäden der vom orientalischen Geiste beseelten Balkanpolitik in seinen Händen vereinigte. Was Hartwig in Belgrad war, daß weiß Wohl die Monarchie am besten, und nirgends wird sein Schwinden aus dem Leben richtiger gewertet werden, als gerade in der Monarchie. Aber auch nirgends wird die Trauer nach ihm größer sein als in Serbien, nirgends wird man die Lücke, die er jzurückgelassen hat, inehr enrpftnden, als auf den Terazije in 'Belgrad, wo alle Pläne geschmiedet wurden, die gegen die Monarchie gerichtet waren und wo die Aufteilung Österreich-Ungarns das wichtigste Gespräch bildete, das Osterum eenseo einer ^Politik, die die Folge der Annexionskrise war. ^ Man muß dem Toten Gerechtigkeit widerfahren lassen: er hat die Stelle, die er eingenommen hat, als ganzer Mann ausgefüllt und alle seine Kräfte in den Dienst einer Idee gestellt, die in Petersburg ihren Ursprung hat, deren Ausführung aber Belgrad übertragen wurde. Hartwig war der Vollstrecker jener Pläne, die nach dem Wasfengang Graf Aehren- thal—Jswolski in Petersburg ausgeheckt wurden, um für die Annexion Bosniens an Österreich- Ungarn Rache zu nehmen. Es mag dahingestellt bleiben, ob diese Pläne von Jswolski selbst oder von dessem Mitarbeiter Tscharhkow, dem Vorgänger Hartwigs in Belgrad, stammen. Tatsache ist, daß die russische Diplomatie nach der Annexion ihre besten Männer in den Dienst dieser Pläne stellte. Jswolski wurde mit der Aufgabe betraut, die Verbündeten Rußlands mit Rußlands Wünschen bekannt zu machen und Hartwig fiel die Aufgabe zu, aus dein Balkan zur Propaganda der Tat xu schreiten. Denn vom Vllkau aus sollte der Schlag gege- Österreich-Ungarn geführt werden, und zu diesem Zwecke mußte zuerst der Balkanbund geschaffen werden. Der Balkanbund war aber das ureigen,.e Werk Hartwigs: er hat Serbien und Bulgarien einander näher gebracht, er hat Griechenland mit in das Netz gezogen, ex hat die Geschäfte des Balkanbundes g^rgt „nd europäische orientalischer Schlauheit der Balkan- mpLomaten verbunden. Es braucht wohl nicht wiederholt zu werden daß die Spitze des Balkanbuudes gegen ÖsterreiK- gerichtet war. Das wurde durch die Veröffentlichung des Bündnisvertrages zwischen Bul- außer jedem Zweifel fest- gestellt. Die Vertrage zwischen den Balkakstaaten trugen die Unterschriften der Minister der Balkan- staaren, aber eigentlich hätten sie die Unterschrift Hartwigs tragen sollen, denn er hat sie zustande Balkonsw-v?^ dalranbniw war natürlich nicht den Balkanstaatcn zu Liebe geschaffen, er war das Mittel war ein Glied in der Kette der Plane, d,e Rußland entworfen hat, um ÖsterreiÄ- auf dem Balkan niederzuwerfen, um Ruß- land den Weg durch die Dardanellen frei zn machen, serbren mußte das tun, was man in Petersburg drrert nicht zu tun wagte, Belgrad war die Expo,nur des Palais an der Petersburger Sänger- p rücke und alles, was zwischen Belgrad und Men geschah, war Petersburger Provenienz. Darin liegt Die Bedeutung Hartwigs für die russische Politik, darin liegt auch die Schwere des Verlustes, den Rußland erlitten hat. , Es wäre aber unvernünftig und naiv, wenn man sich dem Glauben hingeben wollte, daß mit dem Tode Hartwigs auch seine Politik gestorben ist. Hartwig war nur ein einzelner in dem Kampf gegen Österreich-Ungarn, er war nur ein ausgezeichneter Schüler jener Schule, die Jswolski herangezogen hat, um seine Politik durchzuführen. Die russische Diplomatie verfügt über eine ganze Reihe von solchen Männern, die Hartwigs Politik in Belgrad fortsetzen werden. Es ist bloß eine Frage, ob sie auch die Fähigkeit besitzen, Hartwigs Agilität zu entwickeln, ihn ganz zu ersetzen. Der Nachfolger Hartio-igs in Belgrad wird erst zeigen, !oas Rußland in Hartwig verloren hat, und von ihm hängt es auch ab, ob er imstande sein wird, den Weg, den Hartwig erfolgreich gegangen ist, auch fortzusetzen. Man darf sich daher in der Monarchie keinen übertriebenen Erwartungen hingeben, daß nach Hartwigs Tod in Belgrad ein neuer Kurs eingeschlagen werden wird. Im Gegenteil, man muß damit rechnen, daß jetzt in Belgrad eine noch größere Agilität entfaltet werden wird, daß der neue Mann sich mit noch größerem Eifer dem Wecke hingeben wird, dessen Endziel die Abrechnung Rußlands mit Österreich-Ungarn ist. Dazu wird anch die Sarajevoer Tragödie beitragen, die natürlich für die Politik Serbiens von entscheidendem Einfluß ist. Der Tod Erzherzog Franz Ferdinands und der Tod Hartwigs sind zwei Ereignisse, deren Wirkung für die Zukunft nicht nur der serbischösterreichisch-ungarischen Beziehungen, sondern auch der internationalen Politik von ausschlaggebender Bedeutung ist. In Hartwig verliert Jswolski seinen besten Mitarbeiter, Serbien seinen größten Staatsmann und die Monarchie einen ihrer gefährlichsten Gegner. In Belgrad wird aber die Petersburger Politik fortgesetzt werden. --- 1 «l 8 k I 7 L k «c z X X e k f ij n XILX o o x u x e x 7 z 7«o x I^eLLkOLI (6r22) ^ ' ^/<5O?.>//(/ Die Hetze. Flucht der Österreicher aus Serbien. Vs wird immer schöner: Der österreichisch- ungarische Gesandte in Belgrad, Freiherr von Giesst muß jede Minute mit der Möglichkeit rechnen, samt dem Gesandtschaftsgebäude in die Luft zu fliegen, Das ist nicht etwa ein Hirngespinst, ein Gerücht, das überspannte Nerven erzeugt haben oder die Sonnenglut, die auf phantasiebegabte Schädel brennt, sondern eine offizielle Mitteilung und Warnung des serbischen Ministerpräsidenten, der die bestimmte Nachricht von einem Attentatsplane auf die österreichisch-ungarische Gesandtschaft in Belgrad erhielt. Freiherr von Giesl muß natürlich auf seinem Platze ausharren, aber er hat seine Familie über die Donau nach Semlin gesendet und auch den Mitgliedern der österreichisch-ungarischen Kolonie den Rat gegeben, sofern sie in Ruhe und Sicherheit schlafen wollen, Belgrad zu verlassen und die Nächte in Semlin zu verbringen. Diejenigen, die diesem Rate nicht folgen können, müssen in dem schwer bedrohten Gesandtschaftsgebäude nächtigen, aus die Gefahr hin, den Morgen nicht mehr zu erleben. Das alles ereignet sich auf Büchsenschußweite von der österreichisch-ungarischen Grenze, ereignet sich in einem Staate, der der Donaumonarchie alles verdankt, »der auf sie angewiesen ist, der ein Zwerg gegen ihre Riesenmacht ist. Die Ursachen dieser geradezu skandalösen Zustände sind bekannt. Alan hat ertvarten können, daß der plötzliche Tod des russischen Gesandten Hartwig in der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft zu einer neuerlichen Hetze gegen die Monarchie ausgenützt werden wird. Gleich nach der ersten Nachricht von dem Vorfall haben wir auch an dieser Stelle dieser Befürchtung, Ausdruck gegeben. Es ist aber noch viel ärger gekommen; nicht nur, daß man den österreichisch- ungarischen Gesandten des gemeinen Giftmordes an Hartwig ganz öffentlich unter den Augen der serbischen Regierung zeiht, ohne daß diese auch nur eine Hand rühren würde, den niederträchtigen Verdacht abzuwehren, ergeht man sich noch in den schärfsten Drohungen gegen die Monarchie. Der serbische Gesandte in Konstantinopel, Herr v. Gjorgjevic, kündigt ganz ruhig den Krieg gegen Österreich-Ungarn als geradezu selbstverständlich an und niemand weist ihn an Leib und Leben bedroht. Man befürchtet ein Blutbad, das die großserbische Propaganda unter den Angehörigen der österreichisch-ungarischen Kolonie in Belgrad und Wohl auch sonst wo in Serbien anrichten will. Das ist offenbar der Dank dafür, daß das Österreichische Rote Kreuz im Balkankrieg die serbischen Verwundeten pflegte, daß die Monarchie eine wohlwollende Neutralität bewahrte und daß sie selbst nach der grauenhaften Tat von Sarajevo den ruhigen Gang der Gerechtigkeit nicht störte, sondern nur die verfolgte, die sich mit der Blutschuld belastet haben. Ob sich unter solchen Verhältnissen die maßgebenden Kreist in Wien nicht doch entschließen werden müssen, den alten Kurs aufzugeben und etwas für den Schutz des Lebens und Eigentums der Angehörigen der Monarchie M unternehmen, ist jetzt die Frage. Schließlich läuft auch dem Geduldigsten und Ruhigsten die Galle über, wenn er fortgesetzt zusehen muß, wie man der Monarchie eine Rolle zumutet, die der des Watschenmannes im Prater aus ein Haar gleicht. Im Auslande beginnt man über unser Vaterland schon zu lachen. Viel von dem einstigen Prestige Österreich-Ungarns ist ohnehin nicht mehr vorhanden, ein Verdienst der vom Ballplatze dirigierten Diplomatie. Soll auch der letzte Fetzen an Ansehen flöten gehen, weil man sich in Wien nicht zu dem Entschlüsse aufraffen kann, einmal kräftig mit der Faust auf den Tisch zu hauen und den serbischen Größenwahnsinn vor das: Aut-aut zu stellen? Sechs Jahre dauert jetzt schon diese unerhörte Hetze- gegen die Monarchie. Unermeßlicher Wirtschaftlicher Schaden ist dadurch den Völkern ohne Unterschied durch die fortgesetzten Krisen entstanden. Einmal muß die Sache ein Ende nehmen, sei es auch ein solches mit Schrecken. _^ deshalb zurecht. > Trotzdem könnte man das Geschmeiße dieser serbischen Aasfliegen mit derselben verächtlichen Handbewegung abtun, wie hierzulande das ihrer sozialdemokratischen Pressegenossen, die den traurigen Mut — sofern dieses Wort überhaupt hier am Platze ist — aufbringen, der großserbischen Propaganda und allem, was gegen die Heimat gerichtet ist, die Stange zu halten. Nun werden aber ehrsame Arbeiter, fleißige Gewerbetreibende und Kaufleute, die sich mühsam und sauer ihr Brot in dem Lande der Unkultur verdienen müssen, an Hab und Gut, »ngeiiLnxzxxen fun v l e n o o x u »i e »t i/l i > o K I^ 6 L 8 ? 08 I (61-22) --,5 ? >/ Die Brise. ^/Politische und wirtschaftliche Erschütterungen. Kein Zweifel mehr; sie ist wieder da die Krise, die man schon zweimal in kaum sechs Jahren durchgemacht und die so ungeheure Verheerungen angerichtet hat. Die Börse zeigt sie an mit ihren Kursstürzen, die den kleinen Sparern die paar Notpfennige rauben, die ge- geschaftliche Lage der Industrie und des Harrdels beweist sie, die Panik an der Grenze illustriert sie und die Sprache der serbischen Presse benimmt die letzten Zweifel. Wilde Gerüchte von Attentaten flattern auf, man spricht von Truppenbewegungen und stellt sie wieder in Abrede, kurz der ganze Hexentanz wie anno 1908 und anno 1912 beginnt von neuem. Von offizieller Seite geschieht nichts, um die erregten Gemüter zu beruhigen. Das Auswärtige Amt hüllt sich in tiefes Schweigen und läßt allen Vermutungen und Befürchtungen ihren Lauf. Man könnte sich damit abfinden, toenn nicht so bedeutende wirtschaftliche Werte, wenn nicht das ganze erwerbende und nährende Geschäftsleben dadurch schwer getroffen würde. Den Zeiten einer übertriebenen Hochkonjunktur vor 1912 ist eine Depression nach der anderen gefolgt, die genau genommen ebenso unberechtigt waren oder zumindest rechtzeitig hatten eingedämmt werden können, wie die überspannten Erwartungen der guten Zeit. Der Rückschlag in den Kursen der überwerteten Papiere war zu erwarten; deshalb Hätte es aber nicht zu De routen kommen müssen, wie sie gerade jetzt wieder der Wirtschaftsmarkt zu verzeichnen hat. Eine kribbelnde Angst und Sorge belastet alle Kreise, unterbindet jeden Unternehmungsgeist und schlägt so dem Wirtschaftsleben schwere Wunden, die erst in jahrelanger harter Arbeit werden heilen können. Und doch ist diese Angst ganz unberechtigt und unbegründet.^ Die Monarchie verfolgt seit Jahren eine rein destnsjde Politik und hat auch in' der Tat nicht das geringste Interesse, diese mit einer offensiven Richtung zu vertauschen. Selbstverständlich können im Leben der Völker wie in dem jedes Einzelnen Katastrophen eintreten; aber diese Gefahr besteht immer, wenn sie mich nicht immer gleich stark in Erscheirrung tritt. Abgesehen davon hat die Monarchie nicht die geringste Ursache, eine begehrliche Politik zu machen, zumal der Traum vom Weg nach Salonichi der Vergangenheit angehört. Nach Osten kann das Begehren der Monarchie nicht gehen, denn cs liegt nicht in ihrem Interesse, sich durch Gebiete zu vergrößern, die ihre nationalen Schwierigkeiten nur erhöhen würden. Dasselbe gilt noch viel mehr gegenüber den serbischen Grenzen, wo höchstens die Lovzen-Frage gegenüber Montenegro in Betracht käme. An einen Waffengang loegen des Eattavo beherrschenden Höhenzuges ist aber nicht ernstlich zu denken. Alle Gerüchte von einer Kriegspartei, von Annexionsgelüsten der Monarchie, sind also Ammenmärchen, au die kein Mensch glaubt; denn niemand kann Vernünftigertveise daran denken, Serbien oder Montenegro der Donaumonarchie einzuverleiben, sich! also eine — sit venia, vsrbo — neue Laus in den Pelz zu setzen. Anders nimmt sich die Sache allerdings vom defensiven Standpunkte aus. Daß Serbien die südslawischen Länder der Monarchie begehrt, daß Petersburg Rumänien auf Kosten Österreich-Ungarns von seinem berechtigten Verlangen in Bessarabien abbringen und. seine Westgrenze durch staatliche Verschiebungen stärken, daß es endlich einen Stein beseitigen möchte, der seinem Begehren nach der freien Dardänellen-Duvchsahrt und nach Beherrschung des Balkans und des Orients im Wege steht, das ist nicht zu bezweifeln. Wohl aber kann man sehr berechtigte Zweifel darein setzen, ob man im Palais an der Sängerbrücke zu Petersburg für dieses Unternehmen den Zeitpunkt gekommen sieht. Wiederholt hat Serbien die Rolle des wütenden Kläffers übernommen, der aber von seinem Herrn und Gebieter immer rechtzeitig an die - Keimte gelegt wurde, wenn er sich zu weit vorwagte. Das scheint auch jetzt die Sachlage zu sein, sofern nicht außerordentliche Ereignisse eintreten, die alle menschliche Voraussicht umstoßen und daher in die Kategorie der jederzeit möglichen M Katastvophenpvlitik eingereiht werden können. Umso leichter wäre es den Verantwortlichen Stellen, durch / ^ - umfassende Aufklärungen und durch energisches j.. Handeln sowohl die breite Öffentlichkeit über die 4^'- " bestehenden und nicht bestehenden Ge- fahren aufzuklären, als auch der serbi- Hn- ' scheu Regierung klar zu machen, daß sie es K" l mit einem starken und auf seine innere Ruhe M t vollbedachten Gegner zu tun hat, der sich nötigen- E" > falls zwangsweise Genugtuung für erlittene Un- ! Lill und Schütz vor fortgesetzten Beunruhigungen / ! zu verschaffen vermag. Und das verlangt die ge- A-' samte Bevölkerung des Staates, nicht aber den ! Krieg, der schließlich selbst im besten Falle nur i. ein gefühlsmäßiges Aktivum erstellen könnte. Aus ^ demselben Grunde fordert man auch ein ent- ^ ^ sprechendes Verhalten der Verwaltung Bosniens und der Herzegowina, damit die loyale Bevölke- ^ rung geschützt und die staatliche Sicherheit garan- ! tiert werde. Mit dem Schweigen und mit der Phrase vom alten Kurs -ist niemandem gedient, denn ^ dadurch wird die Verwirrung und der damit verbundene Schaden stets größer. Es wäre daher Pflicht der Verantwortlichen Stellen, unverweilt dafür Sorge zu tragen, daß die Krise, die eben wieder eingesetzt har, so rasch! als möglich beseitigt ' werde und allseits Beruhigung eintrete vd'er, wenn das nicht möglich ist, durch völlige Aufklärung die Öffentlichkeit auf die kommende Gefahr aufmerksam zu nrachen. Diese verliert jeden schreckhaften Charakter, wenn man sie kennt und wenn man weiß, ^ wie ihr begegnet werden wird. Dann wird auch in ! das Wirtschaftsleben die notwendige Ruhe und Sicherheit wieder einkehren, selbst dann, wenn man sich mit dem Gedanken vertraut machen müßte, die Werkzeuge friedlicher Arbeit mit jenen des. Kriegshandwerkes zu vertauschen. --—^ i«8 c i i e n «c i »i x e n fu« »! e« 00XU»«esis^7I0»i 1^6L8?03I (6002) Wckwärts, Don Rodrigo! Dis Beruhigungsversuche Serbiens. Das serbische Preßbureau hat auf einmal seine Sprache wiedergefunden, die es schon verloren zu haben schien. Natürlich ist alles nicht wahr, die serbischen Pressestimmen nicht, die Bedrohung der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft nicht, die angedrohten Attentate nicht, kurz, wenn es ginge, würde auch der Meuchelmord von Sarajevo geleugnet werden. Das sind Mätzchen, die für den dummen Kerl der sozialdemokratischen und serbophilen Presse genügen, nicht aber für den anständig und ruhig denkenden Teil der Bevölkerung. Mit dem glatten Leugnen ist nichts getan, da muß sich die serbische Negierung schon bequemen, ihrer Hetzpresse den Mund zu stopfen und wenigstens den Versuch loyalen Vorgehens zu machen. Sie muß vor.allem aber durch eine einwandfreie Darstellung den Verdacht, am Meuchelmord in Sarajevo beteiligt gewesen zu sein, entkräften und von der großserbischen Bewegung sichtbar und aufrichtig abrücken. Das ist das Mindestmaß dessen, was man von einem Staate verlangen kann, der Anspruch auf Achtung erhebt. Endlich müssen Garantien für ein ruhiges und anständiges Verhalten in der Zukunft gegeben werden; denn die Monarchie kann sich nicht fortwährend schweren Erschütterungen aussetzen, wenn es ein paar größenwahnsinnigen Hetzern in Belgrad gefällt. Aus freien Stücken wird die serbische Regierung kaum bereit sein, loyale Beziehungen zu pflegen und ihre Wühlarbeit in der Monarchie aufzugeben. Man wird sie dazu zwingen müssen, genau so wie damals, als der famose Exkronprinz Georg die Kampagne gegen die Monarchie führte. Im Laufe des heutigen Tages wird man aus dem Munde des ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tißa — dem einzigen Sprachrohr des Auswärtigen Amtes — hoffentlich einiges darüber erfahren, was an maßgebender Stelle geplant und unternommen wird. Alan kann darauf begierig sein, wie sich die Zukunft in der Optik deA Grafen Bercht old darstel lt. äköciieniouxe« fun tilcn o o x u »< e »i 7 ^ 7 1 o»« I^6L3?08I (6rs-) .! ^ckrS»^» 7^6t ^^Die Einkreisung. Di^-Monarchis und die serbisch-montenegrinische Verschmelzung. Von einem k. u. k. General. Es ist gewiß nur ein Zufall, daß das Gerücht von einer Verschmelzrmg Serbiens und Monte- i negros, das seit Abschluß des Bukarester Friedens ! trotz aller Dementis immer wieder anftaucht, gerade ! in dem Augenblicke den Gegenstand einer neuerlichen ! öffentlichen Diskussion bildete, als ganz Europa - durch das tragische Ereignis von Sarajevo auf die Gefahren der südslawischen Fmae und die groß- serbischen Umtriebe aufmerksam wurde. Die Verschmelzung der beiden serbischen Königreiche bildet zweifellos einen Herzenswunsch sowohl der großserbischen als auch der russischen Politiker, wobei es weniger von Belang ist, in welcher Form diese Bereinigung durchgeführt werden soll und wie weit die diesbezüglichen Verhandlungen bisher bereits gediehen sind. Österreich-Ungarn interessiert vor allem das Wesen der Angelegenheit, daß eine derartige Absicht im Bereiche der Möglichkeit liegt und daß es sich jeden Dag vor eine vollendete Tatsache gestellt sehen kann. Um von den Ereignissen nicht überrascht zu werden, muß man sich jederzeit klar sein, welche Bedeutung eine derartige politische Veränderung für die Donaumonarchie besitzen würde, in welchem Sinne sie also gegebenenfalls hiezu Stellung nehmen muß. Ein von der Save-Donau bis an die Adria Und von der Drina bis tief nach Mazedonien hinein reichendes Serbien würde neben der politischen Anziehungskraft, die es auf die serbische Bevölkerung der Monarchie als Kern eines zukünftigen Großserbien ausüben könnte, auch einen respektablen militärischen Machtfaktor darstellen. Die Monarchie müßte fortan mit einer unter einem einheitlichen Oberbefehl stehenden Armee von über einer halben Million Streiter rechnen. Es ist kaum anzunehmen, daß diese Armee jemals aus eigener Initiative selbständig oder nur im Vereine mit anderen Balkanstaaten gegen die Monarchie auftreten würde — und wenn auch: für diesen Fall sind keine besonderen Vorkehrungen nötig.' Umso entscheidender wäre dagegen im wahrscheinlicheren Fall einer Kooperation der russischen und serbischen Streitkräfte das Eingreifen der verstärkten serbischen Armee. Sie würde große Teile dar österreichisch- ungarischen Armee vom nordöstlichen Hmipt- kriegsschauplatz abziehen, mithin die Hanptent- scheidung wesentlich beeinflussen. Die militärische Umzinglung der Monarchie hätte nach den russischen Plänen ursprünglich der Balkanbund zu besorgen gehabt. Nachdem dieser in die Brüche gegangen war, setzten die lebhaften, durch die Zusammenkunft in Constanza gekrönten russischen Liebeswerbnngen um die Gunst Rumäniens als des neuen Führers auf dem Balkan und die Bemühungen um die Verschmelzung der beiden serbischen Königreiche ein. Es unterliegt somit keinem Zweifel, daß die Spitze des Berschmelznngsplanes gegen die Monarchie gerichtet ist und den Zweck verfolgt, das Gefüge des eisernen Ringes, der die Monarchie bereits vom Nordwesten vis an die Adria umschließt, noch fester zu gestalten. ° Aus dieser Erkenntnis sowie aus dem Umstande, daß eine weitete Steigerung der Heeres- stärke Österreich-Ungarns firr den Augenblick nicht durchführbar ist, ergibt sich zunächst als Folgerung, ! daß es dis Aufgabe der Diplomatie wäre, die Verschmelzung Serbiens, und Montenegros, da sie eine Bedrohung der Monarchie, somit eine Störung des Gleichgewichtes bezweckt, zu verhindern. Würde diese Folgerung zur Forderung erhoben werden, müßte sie allerdings urit aller Energie und bis in die letzten Konsequenzen vertreten werden. Es entsteht nun die Frage, ob der mögliche Einsatz mit dem möglichen Gewinn im Einklänge stünde. Die Ver- schmelzung wäre Wohl mit einer bedeutenden Festigung des Gefüges der Gegner gleichbedeutend, würde! speziell Serbien und seinen Hintermännern einen > Stützpunkt an der Adria bringen, eine effektivem Stärkung des Feindes an Kopfzahl der Streiter! würde sie aber nicht mit sich bringen, denn ob mit! oder ohne Verschmelzung, es besteht all« Wahr- ^ fcheinlichkeit, daß sich im Falle eines Konfliktes! Serbien und Montenegro im Lager unserer Feind«! finden würden. Der Einsatz stünde also mit dem zu erreichenden Ziele in einem argen Mißverhältnis.! Hat man das erkannt, muß der Gedanke eines von Haus aus zu erhebenden Einspruches gegen dien Verschmelzung von der Hand gewiesen werden, da es niemand verantworten könnte, diesen Protest mit allen Konsequenzen zu vertreten. Ein formaler , Einspruch aber, der nicht von einem ganzen Ent-! schlich getragen wird, wäre ein verhängnisvoller! Fehler, ähnlich dem unhaltbaren Status quo-s Standpunkt bei Ausbruch des Balkankrieges oder! dem Revifionsverlangen anläßlich des bekannte«! Friedensabschlusses. Die Erfahrungen der Balkan-1 krise lassen es übrigens nicht befürchten, daß sich die Diplomatie inzwischen so verändert haben sollte, um zu einem unbedingten Protest das Herz zu finden. Die Gefahr, daß sich die Monarchie neuerdings blindlings der Entwicklung eines durchaus! natürlichen Prozesses in den Weg stellen sollte/ besteht also nicht. - , Wenn mau sich einerseits ans Grund dieser- Erwägungen entschlossen hat, der Verschmelzung a«, sich von Hans aus keine Hindernisse in den Weg! zu legen, müssen anderseits aus der Tatsache, daA! dis Verschmelzung eine Bedrohung der Monarchie»» bedeutet, die Konsequenzen in der Form gezogen werden, daß man die Zustimmung von der Erfüllung jener militärischen Forderungen abhängig/ macht, die geeignet sind, die Verbesserung der gegne- ! rischen Situation auszugleichen. Als solche For- E derungen müssen ausgestellt und bis zu den letzten! Konsequenzen vertreten werden: Serbien darf keine wie immer gearteten Befestigungen der österreichisch- ungarischen Grenze gegenüber oder an der adriatischen Küste aufführen und ebenso niemals weder eigene noch fremde Kriegs sah rzeuge an der Donau- Save-Drina oder in der Adria unterhalten; die Grenze, speziell jene gegen Montenegro muß dem Militärischen Interesse entsprechend reguliert, hiemit der Lovcen mit dem ganzen die Bocche von Cattaro beherrschenden Höhenzug an die Monarchie abgetreten werden, letzteres selbst dann, wenn man dem italienischen Bundesgenossen die durch die Ermöglichung eines Kriegshafens Cattaro erreichte Stärkung unserer, somit auch seiner Position im Mittelmeere auch gegen seinen Willen auszwingeu müßte. Ohne Erfüllung dieser Bedingungen darf die Verschmelzung der serbischen Königreiche — ob der Zeitpunkt vor oder nach dem Tode König Nikitas »gewählt wird, ist einerlei — nicht vor sich gehen, denn sie betreffen Lebensinteressen der Monarchie. Befindet sie sich im Besitze einer günstigen, entsprechend befestigten und, wenn man den neuesten Machrichten glauben darf, nach altbewährtem Muster ^militärisch organisierten Grenze, kann die am südöstlichen Nebenkriegsschauplatze verwendete De- isensivarrnee entsprechend schwach, die Hauptarmee also um so stärker gehalten werden. Hiedurch wäre erst die durch den Balkaukrieg verschobene Kräste- tzruppierung einigermaßen wieder ausgeglichen. Diese Minimalforderungen müssen also durchgesetzt werden. Gelingt es der Diplomatie überdies, der -PassivPost der russisch-serbisch-montenegrinischen Feindschaft die Aktivpost einer bulgarisch-türkischen And womöglich auch rumänischen und griechischen Freundschaft entgegenzusetzen, was mit Rücksicht aus die gleiche Gefährdung all dieser Staaten durch Rußland durchaus nicht unmöglich ist, wird das Gleichgewicht und mit ihm auch der europäische Friede um so besser gewährleistet. _ in8c!iLktci«»i5kfij« viel« o o K u v e »t i z 7 l o it r^eLZkosr (ers^) ^/§3 _ US : ^- 7 . Mch^dem Attentat von Sarajevo. Ein-^undgebung der serbrschnatronalen Partei Bosniens. r. Sarajevo, 16. Juli. Gegenüber den Meldungen, daß sich die serbisch-nationale Partei (Dimovicgruppe) gegen den Landeschef Potiorek ausgesprochen und dessen Abberufung verlangt habe, wird folgende parteioffiziöse Kundgebung Verlautbart: Die Lösung der Frage, ob der Landeschef auf seinem Posten verbleibt oder nicht, fällt nach unserer Überzeugung in die ausschließliche Kompetenz der Krone. Es kann daher als ausgeschlossen gelten, daß politische Persönlichkeiten oder Parteien sich in solche Fragen einmengen, so lange sie nicht um ihre Meinung befragt werden. An diesem Grundsätze des Berfassungs- lebens, in dem in gleicher Weise die Rechte der Krone als auch die Rechte des bosnischen Landtages gewahrt werden müssen, haben wir immer festgehalten und werden es auch in Zukunft tun. Beschlagnahme eines serbischen Denkmalfonds. r. Budapest, 16. Juli. „Pesti Naplo" meldet aus Karlowitz: Die Polizei hat beim Präsidenten der serbischradikalen Partei, Dr. Kratojevic, die Gelder des Miletic-Denkmalfonds in der Höhe von 17.000 Kronen beschlagnah mt. Miletic wurde bekanntlich im Jahre 1876, obwohl er Abgeordneter war, unter dem Verdachte verhaftet, daß er eine Freiwilligentruppe ungarlandischer Serben anläßlich des türkisch-serbischen Krieges organisiere. Er wurde damals zu einer Kerkerstrafe von 18 Jahren verurteilt. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß die Beschlagnahme des Fonds im Zusammenhänge mit dem Särajevver Attentate steht. Dr. Kratojevic hat gegen die Beschlagnahme beim Banus Baron Skerlecz und beim kroatischen Landtag Protest eingelegt. Die grotzserbische Propaganda, r. Berlin, 16. Juli. Die Erhebungen der hiesigen Polizei im Anschlüsse an die Hausdurchsuchungen bei den serbischen Studenten ergaben, daß diese Mitglieder einer über den ganzen Kontinent verbreiteten Vereinigung sind, deren Mittelpunkt anscheinend Belgrad ist. Zu einem Einschreiten gegen die Vereinsmitglicker hat die Polizei keinen Anlaß gesunden, doch wurde die Universitätsbehörde von dem Bestehen des Vereines verständigt und ihr anheimgestcllt, ob die Mitgliedschaft bei diesem Vereine nicht gegen die Universitätsgesetze verstößt. *- r. Laibach, 16. Juli. Gestern fand die erste Verhandlung wegen Gutheißung des Sarajevoer Attentates statt. Der Arbeiter Franz Rupar wurde zwar von der Gutheißung einer gesetzlich verpönten Handlung frei- gesprochen, dagegen wegen Beleidigung eines Mitgliedes des kaiserlichen Hauses zu einem Jahre schweren Kerkers verurteilt. r. Budapest, 16. Juli. Der Banns von Kroatien, Baron Skerlecz, hatte heute vormittag mit dem Ministerpräsidenten Grafen Tißa eine längere Beratung über Angelegenheiten, die mit dem Sarajevoer Attentat im Zusammenhang stehen. r. Sarajevo, 16. Juli. Im Lande herrscht v 0 llstLndig e Ruhe. Im ganzen sind nur drei Fälle standrechtlicher Justifizierung in Bosnien und der Herzegowina notwendig gÄvvrden. Unsere Beziehungen zu Serbien. Dis Haltung Deutschlands. A. Berlin, 16. Juli. Der bevorstehende Schritt Österreich-Ungarns in Belgrad, der sich, wie man hier annimmt, vielleicht uin einige Zeit verzögern wird, wird in Deutschland mit größter Sympathie begleitet. l. Berlin, 16. Juli. Während alle Blätter die Rede des Grafen Tißa ohne Kommentar wiedcrgeben, begleitet die KrenMitung die Ausführungen des ungarischen Ministerpräsidenten mit stark betonten Bemerkungen: Das leitende konservative Blatt schreibt: Die Rede bedeutet, daß Österreich-Ungarn entschlossen ist, den ganzen Fragckömplex der österreichisch-serbischen Beziehungen einer gründlichen Klärung entgegenzu- führen und daß man dabei wohl auf einen friedlichen Verlauf der Aktion hoffe,. jedoch vor kriegerischen Möglichkeiten keineswegs znrückznweichen gewillt sei. Das Blatt fährt fort: Wir können die österreichischungarische Regierung, vorausgesetzt, daß das ihr unabänderlicher Standpunkt ist, zu einer solchen Beurteilung der gegebenen Notwendigkeiten nur be- glückwün schen. Man hat in Wien die Frage der endgültigen Zukunft der österreichisch-serbischen Beziehungen allzulange dilatorisch behandelt und nicht genügend in Betracht gezogen, daß cs sich bei dieser Frage um die vitalsten Interessen der Donaumonarchie handelt. In Deutschland ist man dagegen feit langem von der Notwendigkeit einer gründlichen Klärung der österreichisch-serbischen Beziehungen überzeugt und demgemäß auch entschlossen, die sich für Österreich-Ungarn ergebenden Konsequenzen unter dem Gesichtspunkte de» bestehenden Bündnisvertrages zu behandeln. , i. 1«8 c I 7 L n X1X X e n f ij «r XIcX o o x u x e x 7/l 7 l o x I^ 6 LLk 03 I (61-22) Dkr Schritt in Belgrad. DW/Ergebniffe der Untersuchung über das Sarajevoer Attentat. Für den Lauf der nächsten Woche erwartet man das Ergebnis der Untersuchung über das Attentat in Sarajevo. Da das ganze Material der Öffentlichkeit übergeben werden soll, macht sich in gewissen Kreisen des dlMandes eine nervöse Stimmung bemerkbar. In Wiener e ingeweihten Kreisen bringt man den Besuch des russischen Botschafters beim Grafen Berchtvld damit in Zusammenhang. Wenn dem so ist, dann handelt es sich jedenfalls um den Versuch, die schwer kompromittierten Belgrader Kreise, zu denen auch der verstorbene russische Gesandte v. Hartwig zählen soll, zu retten. Darüber soll nun die Entscheidung des Monarchen eingeholt werden und zu diesem Zwecke begibt sich Graf Berchtvld demnächst wieder nach Bad Ischl. Die Veröffentlichung des gesamten Unter- süchungsmaterials ist eine Maßnahme, die schon deshalb geboten erscheint, weil erst dadurch ein vollständig richtiges und einwandfreies Urteil über den Umfang der großserbischen Bewegung innerhalb der Grenzen der Monarchie möglich ist. Ferner ist davon die Beurteilung der Schuld abhängig, welche die einzelnen Behörden und Organe durch Unterlassung rechtzeitiger Sicherheitsmaßregeln anläßlich ! des Besuches des Thronfolgerpaares in Sarajevo - trifft. Endlich wirs erst durch das Material der! Untersuchung klar werden, welche Schritte die Mon- i archie in Serbien unternehmen kann und welche Sühne sie fordern muß. Darüber soll sich die ganze Bevölkerung ein klares Urteil bilden können. Aus allen diesen Gründen darf man Wohl erwarten, daß die regierenden Kreise fest bleiben und ihren Entschluß durchführen werden. Dadurch würde auch Die herrschende Mißstimmung in der Bevölkerung einigermaßen beseitigt und eine gewisse Beruhigung geschaffen werden. Die- Fmge, ob die österreichisch-ungarische Regierung in Belgrad Schritte unternehmen werde oder nicht, ist dadurch endlich gelöst. Es ist selbstverständlich, daß die serbische Regierung in sehr ruhiger, aber nachdrücklicher Form ausgesordert werden muß, auch ihrerseits die notwendigen Folgerungen aus dem Ergebnisse der Untersuchung zu ziehen und jene Pflichten zu erfüllen, die einem Staate obliegen, der Anspruch erhebt, in den Reihen der Kulturstaaten genannt zu werden. Die serbische Regierung hat sich ohnehin einer schweren Pflichtverletzung schuldig gemacht, daß sie nicht aus eigenem Antriebe und ohne dazu aufgefordert zu sein, eine objektive Untersuchung über die Schuld anstellte, die ihre Staatsangehörigen an der Mordtat von Sarajevo trifft. Zrrm drittenmal innerhalb kürzester Frist muß Belgrad von der ganzen gesitteten Welt an die primitivsten Begriffe des staatlichen Kulturlebens erinnert werden; hoffentlich zum letztenmal, denn auch die Geduld der Monarchie, die wahrlich die härtesten Proben zu bestehen hat, muß einmal erschöpft werd en. l lksciiLkxixuenfUk vielt 00XU»iel1717!0l1 I^ 6 k!L? 03 I (61-22) MlÄ entschleierte Bild. Arrsder Mappe der südösterrelchlschen Politik. Im Laufe Vieser, längstens aber der nächsten Woche soll das Ergebnis der Untersuchung über das Sarajedoer Attentat veröffentlicht werden. Begreiflicherweise ist man allgemein darauf gespannt, was die bosnischen Gerichtsbehörden zutage gefördert haben und was die Folgen dieser Entdeckungen sein werden. Noch ruht ein dichter Schleier auf dem, was im Mllttärgesängnis zu Sarajevo in den letzten Tagen dvrgegangen und zu Protokoll gegeben wurde. Nur so viel ist bekannt, daß unwiderleglich festgestellt wurde, woher die Bomben stammen, die die Attentäter Legen das Thronfolgerpaar schleuderten und wo der Plan zu der Tat auSgeheckt wurde. Diese amtliche Mitteilung wird kaum sonderliche Überraschungen bringen, Venn darin hat sich die öffentliche Meinung nie getäuscht, wenn sie die ^Urheber aller Umtriebe im Süden des Reiches und auf dem Balkan in Belgrad suchte. Biel interessanter, weil die Triebkräfte der serbischen Politik darlegend, dürften die Aussagen Princips und seiner Genossen über die Motive der Tat sein. Darüber nun erzählt eine eingeweihte Persönlichkeit aus Sarajevo, daß Princip ganz offen und unumwunden eingestanden Habs, die Tat sei gerade deshalb verübt worden, weil man dem Erzherzog-Thronfolger Sympathie für die Südslawen nachrühmte und weil man befürchtete, daß durch seine Politik der Monarchie eine Anziehungskraft erwachsen würde, gegen die alle Ideale des großserbischen Gedankens verblassen müßten. Daraus geht klar hervor, daß man es nicht mit der Tat einzelner Desperados zu tun hat, sondern mit einer zielbewußten Politik, die zwar allen sittlichen Grundsätzen Hohn spricht, die aber anderseits nichts gemein hat mit dem über die ganze Erve verbreiteten Bunde der Terronrsten nihilistischen Charakters. Die Großserben haben zwar von dieser Pestbeule der Menschheit das System, die Propaganda der Tat übernommen, ihre Ziele sind, aber grundverschieden von denen eines Bakunin und Krapotkin. Die Anarchisten leugnen jede nationalistische Idee, die Großserben haben sie zum höchsten Ideal erhoben. Stoch ein Ergebnis der Untersuchung ist bezeichnend. Man hat nicht nur die Fäden des Komplottes aufgedeckt, sondern auch die ganze Organisation kennen gelernt. Danach haben verschiedene Gruppen, die miteinander in gar keinem Zusammenhänge standen, die sich nicht einmal kannten, demselben Ziele zugestrebt. Diese Organisation ist über dem ganzen Süden des Reiches, sowohl in der ungarischen als auch in der österreichischen ReichShälfte, hauptsächlich aber in den Reichslanden verbreitet. Es ist eine weit ausgc- breitete Organisation, die, einheitlich geleitet, nach bestimmten Plänen geführt wurde, deren Einzelheiten jedoch e-c itglstoeru der verschiedenen Gruppen nur insofern« bekannt waren, als ihre Aufgabe reichte. Aus diese Weise hat man sich gegen Verrat zu schützen gesucht, und dem Bunde den Nimbus des geheimnisvollen gegeben, das auf die Gemüter besondere Anziehungskraft übte. Endlich ist ein Ergebnis der-Untersuchung, wertvo-h - das gezc^r hat, wie lange, wie sorglos und wie ruhig stmn gearbeitet hat. So wurde ein Bombenlager ausgedeät, das noch aus den Tagen der Krisen 1908 und 1912 rührte und dessen iZweck mit dem Plane zusammenhing, im Falle Wims Angriffes aus Serbien durch die Monarchie dine Revolution in ihren südslawischen Ländern hervorzurufen. Seit volle» sechs Jahren also, waG> scheinlich aber schon langer wird! planmäßig von der gwßserbischen Propaganda gearbeitet, nnd ab« Wohl manches davon bekannt war, Mben dis maß« . gebenden Faktoren bis heute keinen Grund gefunden, den alten Kurs aufzngeben. Sie haben alle warnenden Rufe überhört und selbst dann nicht geglaubt, als der LandeRchef Potiorek auf alle dis Gefahren eindringlich aufmerksam machte. Damit ist man beim schloierigsten Kapitel des Unter- suchungsergebnisses angelangt. Es ist begreiflich^ daß die maßgebenden Faktoren, das sind die Der« treter des alten Kurses, alle Ursache haben, sich gegen die Empörung der öffentlichen Meinung zu schützen, die mit elementarer Gewalt Hervorbrechen müßte, wenn auch die politischen Seiten der Sache schonungslos dargelegt würden. Man wird daher! manches nicht erfahren, ivas heute in Sarajevo! von Mund zu Mund geht. 9wch mehr; wenn heuts in ganz Bosnien unter den loyalen Elementen- tiefe Niedergeschlagenheit herrscht, so hat das seines Ursache in der Befürchtung, daß man in Wien! auch diesmal auf halbem Wege stehen bleiben urÄ dem Lande nicht den notwendigen inneren Frieden durch eine strenge, aber objektive Verwaltung geben wird. > , . , Das ist ein Stimmungsbild, das uns aus Bosnien zugeht. Ihm etwas beizufügen scheint überflüssig; es spricht für sich. Vielleicht sehen dis braven Leute da drunten, die unter den schwierigsten Verhältnissen ausgeharrt und unter einer ganz verfehlten Politik schwer gelitten haben, zu schwarz. Wir wollen abwarten, was die offiziellen Kreise zu sagen haben und dann urteilen. ingciiLnxzxxen fun o o x u», e r ^ 7 i o« I^OLLkOL'r (61732) Zur Nutzlandreise Poincarss. Die Zeit der hochsommerlichen Monarchen- entrevuen Wird Heuer durch die Fahrt des französischen Präsidenten an den russischen Kaiserhof eingeleitet. Sang- und klanglos geht dieses Ereignis in Szene und nur der Telegraph wird ausführlich zu berichten wissen, wenn Herr Poincarä heute russischen Boden betritt. Die Stimmung der beteiligten Völker ist sehr zurückhaltend — zunächst deshalb, weil der Ernst der internationalen Situation auch auf Frankreich und Rußland drückt und frohe Allianzstimmung nicht aufkommen läßt; dann aber auch deshalb, weil da wie dort die Äer- brüderungsgefühle durch die Ereignisse der letzten Zeit stark irritiert wurden. Der fortgesetzte Kampf gegen die Dreijahrdienstzeit in Frankreich wirkt auf den französischen Chauvinismus niederdrückend und hat in Rußland naturgemäß eine Abkühlung für die französische Freundschaft zur Folge, wovon Herr Potncarö nach seiner Rückkehr seinen Vertrauten manches wird erzählen können. Gilt es doch schon als sicher, daß in Frankreich die dreijährige Dienstzeit im Prinzip wieder fallen gelassen ist und dafür nur eine dreißigmo-natige Dienstzeit eingeführt wird. Es ist begreiflich, daß das autokratische Rußland für die demokratischen Allüren der französischen Kammermehrheit kein Verständnis besitzt und mit Mißgefühl die Rückständigkeit des französischen Heereswesen betrachtet, von der erst kürzlich! der Kriegsminister ein anschaulichles Bild im Senat entworfen hat. Der Allianzwert Frankreichs hat somit tatsächlich gelitten und der Zar kann seinen westlichen Helfer nicht mehr als vollwertig ansehen. Das britische Reich hat zudem im letzten Jahre so deutliche Absagen auf die Liebeswerbungen der Franzosen gegeben, daß auch dort die Rechnung nicht stimmen will. Alles in allem: Mit der Tripelentente steht es heute nicht mehr so- gut, wie unter König Eduard: sie hat an innerer Festigkeit verloren, und in militärischer Hinsicht wurde sie durch die Dreibundstaaten, besonders durch das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn erreicht, wenn nicht überholt. Für die Sache des Friedens ist diese Entwicklung nur zu begrüßen. Die französische Republik verfolgt heute allerdings keine aggressive Politik, Wohl aber Rußland, das nicht müde wird, seinen westlichen Anrainern die enorme Fülle seiner Machtmittel durch- fortgesetzte Probemobilisierungen vor Augen zu führen und Angst um sich her zu verbreiten. Die Buldogge, mit der es seine Widersacher hetzt, ist das kl ^e Serbien, und vom Balkan aus beunruhigt das Zarenreich! Österreich- Ungarn, gefährdet es nach wie vor den Frieden Europas. Frankreich mit seinen finanziellen Engagements im nahen und im fernen Orient ist auf diese Politik so wenig eingestellt wie England, das sich- aus dem engeren Bunde vielleicht eben deshalb schon zurückgezogen hat, und -es wäre zumindest denkbar, daß bei den Aussprachen in Zarskoje-Selo die Wunden Stellen der russischen wie der französischen Politik zur Sprache kommen werden. Der Zar hat aus Gründen der Allianz das Recht, von Frankreich eine Forcierung seiner Machtmittel zu fordern, aber ebenso würde Herr Poin- care im Interesse Frankreichs handeln, wenn er den Fricdenszaren an die selbst gestellte Mission gemahnen würde. Gerade in der Perspektive des Attentates von Sarajewo wäre eine Freundeswarnung auch in Petersburg am Platze; viel Unheil Wäre unterblieben, wenn der Zar ein Friedensfürst in der Tat wäre, und diese seine selbstgestellte Sendung vor allem auf dem Balkan und im besonderen durch! energische Einflußnahme auf die serbische Politik betätigte. Eine baldige Änderung des russischen Kurses ist aber kaum zu erwarten; die heute bekannt werdenden Belgrader Preßstimmen überbieten sich wieder an frechen Ausfällen gegen die Monarchie, Herr Poincars kommt gewiß mit friedlichen Tendenzen nach Petersburg, aber eine Kursänderung der destruktiven russisch-serbischen Politik wird auch er nicht anbahnen. -->— ä«se11L««ci««en fun ule« 00XU» 7 c n «c i x x e n fUk v! ex o o x u »< L k i ^ 7 > o li 1^6L8kOLI (6r3L) ll^.: 7^8: Klärung. österreich-Ungar» und Serbien. Die gestrige Börse hat eine neue De wüte auf dem Wiener Markte gebracht. Die Ursache fall in den Auslassungen der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" und in der Berstimnmng der Berliner und Pariser Märkte gelegen sein. Diese Verstimmung hat wieder ihre Ursache in dem kriegerischen Done der Auslandspreise, die der Ansicht zuneigt, daß eine Klärung zwischen Österreich- Ungarn und Serbien auf friedlichem Wege kaum möglich sei. So schreibt die „Frankfurter Zeitung": Man muß sich auf eine endgültige Auseinandersetzung zwischen Österreich-Ungarn und Serbien gefaßt machen, die sich friedlich vollziehen wird, wenn die Serben rückhaltlos auf ihre „piemon- tesischen" Ambitionen verzichten und der österreichungarischen Monarchie Garantien ihres freund- nachbarlichen Verhaltens geben, nrit hohem Grade von Wahrscheinlichkeit aber zum kriegerischen Konflikt führt, wenn die serbische Regierung entweder Zu schwach ist, von ihrer nationalistisch erregten Bevölkerung einen solchen Verzicht zu erzwingen, vder sich stark genug fühlt, in der Hoffnung auf mächtige Unterstützung das österreichische Begehren zurückweisen zu dürfen. Vor einem Jahre noch hätte Graf Berchtold! mit einem solchen Ansinnen an den Nachbarstaat die größten Schwierigkeiten nach 'innen wie nach, außen gehabt. Eine Rückwirkung des innerösterreichischen Natiionalitätenstreites zwischen Deutschen und Slawen war die unverhohlene Sympathie eines Teiles der österreichischen Slawen für die südlichen Vettern; eine Folge des allgemein anerkannten nationalen Gedankens war die Anerkennung des Rechtes auch an das serbische Volk, sich national zu sammeln und unter eigener staatlicher Leitung kulturell zu entfalten. Selbst unter den deutschen Intellektuellen war ein nicht geringer Bruchteil geneigt, den nationalen Wünschen der Serben einen Vorrang vor den Existenzbedürfnissen des österreichischen Staates einzuräumen. Das hat sich radikal geändert. Selbst im keineswegs österreichfveundlichen England werden die serbischen Wühlereien gegen den europäischen Frieden heute mit der äußersten Härte besprochen. In Österreich-Ungarn selbst wagt noch ein Häuflein unverbesserlicher Tschechisch-Radikaler, sich für die serbischen Ansprüche einzusetzen und Verständnis für die serbische Volksseele zu fordern. Das ist in der Tat die Stimmung, dis heute in Österreich-Ungarn herrscht. Dje Verhältnisse der Staaten untereinander können aber durch Stimmungen beeinflußt, jedoch nicht geregelt werden. Maßgebend ist innerhalb der schwarz-gelben Grenzpfähle der Wille der Krone; in Serbien mag das anders fein. Darüber nun erfährt man aus eingeweihten Kreisen, daß die Frage sehr rasch! ins Rollen kommen wird. Wenn auch aw Sonntag kein offizieller Ministerrat stettgesunden hat, so kam es doch zu einer Aussprache der maßgebenden Faktoren, die zu einem Ergebnisse führte. Der Minister des Äußern Gras Berchtold wird sich heute nach Bad Ischl an das Hoflager begeben und die Zustimmung d?s Monarchen M den Beschlüssen. der Ministerkonferenz einholen. Selbst- verftätthllcherweise wird darüber strengstes Stillschweigen bewahrt. Man kann sich! also nur mit den Gerüchten befassen, die gestern in den Kreisen des Ballplatzes austauchten. Danach! soll die an die serbische Regierung zwischen Mittwoch und Freitag zu richtende Note in äußerst kurzer und knapper Form gehalten sein und die Aufforderung enthalten, binnen einer nach« Stunden zu bemessenden Frist — man spricht von 48 Stunden — sich zu äußern, ob Serbien geneigt ist, den Wünschen der Monarchie zu entprechen oder nicht. Der serbische Ministerpräsident scheint von dem! scharfen Wink, der von Men her weht, Witterung erhalten zu haben, denn er verreist in Wahlangelegenheiten in einem Augenblicke, wo der leitende Staatsmann Serbiens eigentlich in Belgrads unentbehrlich wäre. Man erinnert sich bei dieser , Gelegenheit, daß ähnliche Manöver in Belgrad ! stets ausgeführt wurden, wenn es aus Spitz und ^ Knopf ging. ! Wenn also die Gerüchte — von denen wir! vorderhand mit allem Vorbehalte Akt nehmen — den Tatsachen entsprechen, dann würden die Würfel ' noch in dieser Woche fallen. Und das wäre jeden- ^ falls zu begrüßen. Mag die Entscheidung ausfallen wie immer; die Monarchie bedarf der Klärung dringend im Interesse ihrer finanziellen Kriegs-; Lercitschäft, die durch! die fortgesetzten Krisen und Devouten beeinträchtigt wird. Die ganze öffentliche Meinung der Monarchie wird aufatmen, wenn es einmal heißt: IIW Riwäus, dis salta. Serbien mag es sich dann überlegen, vb es die Rolle Piemonts weiterspielen' will Der picht. Es trifft sich jedenfalls sehr günstig, Paß gerade der Präsident der französischen'Republik Vör dem Zaren den Kotau macht. Bei dieser Gelegenheit kann dann auch das Verhältnis zwischen Dreibund^i'Nd rijwlentente geklärt werden, was ^jedenfalls leichter ist, wenn die Monarchie mit Serbien reinen Tisch! gemacht hat. Auch in Petersburg steht man am Scheidewege, wenn die Beschlüsse des Ministerrates heute in Ischl die Genehmigung erhalten. Dahin nun richten sich alle Blicke im Reiche und darüber hinaus, ^ äkgeiiLkXtiien fU« vikx o o X u »< 5 X 7 ä 7 ! o li I^66Lk08I (6r-L2) ^Jum Attentat in Sarajevo. Sarajevo, 20. Juli. Die Untersuchung ^egen die Attentäter wird noch etwa zehn Tage in Anspruch nehmen. Die Verhandlungen sollen igi Dezember statt.finden und zwei W y ch e n d a u e r n. r. Budapest, 20. IM Aus Sarajevo wird dem „Az Est" gemeldet: Samstag abends wurden sechzehn verhaftete Serben in das Gesangs Nis von Travnik gebracht. Unter den Ver- hafteten befinden sich zwei Popen, ein Lehrer und ein Kaufmann. r. Agram, 20. Juli. Der „Obzor" meldet guss - Sarajevo; Vor zwei Tagen explodierte unter einer Brücke eine Bombe. Tie Brücke wurde beschäs digt und der Bombenschleuderer selbst leicht verletzt. Es liegt kein Attentat vor, der Mann wollte sich nur der Bombe entledigen, Warf sie statt ins Wasser durch seine Ungeschicklichkeit, gegen eine Brückenstütze, wo sie explodierte, Der Mann wurde verhaftet. Die Monarchie und Serbien. Dementi des letzten Paste-Interviews. K.--B. Belgrad, 20. Juli. Das serbische Preß- bureau meldet: Das von den „Leipziger Mnesten Nachrichten" veröffentlichte Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Pa sic ist weder dem Worte noch dem Sinne nach richtig wiedergegehen; ja, einige Stellen sind sogar ganz willkürlich verunstaltet Worden, besonders ist die Phrase, daß die Zeit für uns arbeitet, in einem falschen Zusammenhänge ge- ' bracht worden. Diese Phrase bezieht sich auf das Thema von der Gerechtigkeit, die Serbien nach Aufhellung aller Tatsachen später einmal zugestandcn werden wirb, und keineswegs auf den Vordersatz über Verschwörungen. Ebenso unrichtig wiedergegeben sind jene Stellen, die von der Umöglichkeit einer Überwachung jenseits der Grenzen und von der Unterdrückung unserer Landsleute sprechen, denn der Ministerpräsident wollte ausdrücken, daß man im eigenen Lande genug zu tun und keine Zeit habe, sich mit Dingen zu befassen, die außerhalb der serbischen Grenze liegen. Dadurch erhält das Gespräch einen ganz anderen Sinn als derjenige ist, den man dem Ministerpräsidenten in tendenziöser Weise unterschieben möchte. Der Ministerpräsident bedauert, daß überhaupt seinen Worten ein Sinn unterlegt wurde, der so gar nicht seinen Anschauungen entspricht. Bemerkenswerte Erklärungen des serbischen Pretzchefs. r. Budapest, 20. Juli. Im Auftrag des Ministerpräsidenten Pasic gab der Chef des serbischen Preßbureans, Stefanovic, dem Spezialkorresponden- tcn des „Esti Ujßag" folgende wichtige Erklärungen. Er sagte unter anderem: Wir stehen vor den Skupschtina- wahlen. Heute früh reist Paste zur Leitung der Wahlen nach Ostserbien ab. Wir denken augenblicklich gar nicht an die Ergebnisse de« Sarajevo e r U n t e r s u ch u n g. Von einer Dcmarcheist bisher nicht die Rede. Die serbische Regierung erwartet eine solche nicht. Sollte sie erfolgen, dann wird sich die Regierung gewissenhaft mit der diplomatischen Note befassen. Ich erkläre im Namen her Regierung: Wenn es sich um das Verhör verdächtiger serbischer Untertanen als Beschuldige' oder Zeugen handeln wich, werden wir unsere Pflicht erfüllen. Das wird nur geschehen, wenn das Ansuchen in diplomatischer Form erfolgt, die die Souveränität Serbiens nicht in Zwei- ! fel zieht Ich kann nicht glauben, daß die Bomben aus dem Arsenal von Kragujevae stammen. Pribicevic steht dem Attentat ganz bestimmt fern. Princip glaubte, er werde Serbien einen Dienst leisten und hat viele kompromittiert. Nicht Serbien ist schuldig. Der Sündenbock muß in der bosnischen Administration gesucht werden. Für die Sicherung des Thronfolgers hätte eine bessere Polizei sorgen müssen. Cabrinovie war uns verdächtig. Hätte uns nicht die bosnische Landesregierung gesagt/ daß Cabrinovie ein anständiger Mensch sei, dann hätten wir ihn eingesperrt. Wir werden uns verteidigen, weil wir keinen Krieg wollen, und ich hoffe, daß der Konflikt sich friedlich beilegenlassen wird. Auch Graf Tißa will dies. Niemand will hier einen Krieg, aber Be- leidigungenkönnenwiruns nichtgefallen lassen. Einen Boykott in Serbien gibt es nicht und auch keine Mobilisierung. Es wird sich doch der Frieden aufrecht erhalten lassen. * S. Wien, 20. Juli. Die hiesige serbische Gesandtschaft hat den in Wim studierenden reichste r b i s ch e n Studenten, die im Genüsse von Stipendien sind — und das ist die Mehrzahl ---- unter Androhung des Verlustes der Stipendien untersagt, Wien ohne Erlaubnis zu verlassen, auch wenn sie nur einen Tag außerhalb Wiens verweilen, müssen sie die Einwilligung der Gesandtschaft einholen und den Aufenthaltsort bekanntgehen. Diese Melde- ! Pflicht bestand zwar früher auch schon, dach wurde ihre Nichtbefolgung stillschweigend geduldet. Die jetzige strenge Handhabung dieser Bestimmung wird auf das Bestreben her Gesandtschaft zurückgesührt, eventuelle Verhaftungen serbischer Studenten und die daraus sich ergebenden Beschuldigungen, die serbische Regierung unterstütze und erhalte in der Monarchie österreichfeindliche Elemente, zu verhindern. r. Belgrad, 20. Juli. Zer Autor der Artikel in der „Samonprava" ist der Minister des Innern Prvtic. Die Ausführungen sollen in einer Minister- besprechung zur Veröffentlichung bestimmt worden feiste . insciickKiuxknfUn vien o o X u e »i 7/l 7 > o «i I/c6L8?0LI (6ra^) ^-- U^LL.-?. » ß Zwischenakt. ^7 Erlauschtes und Erlebtes. Das Volk hat keine politische Einsicht, aber ein dunkles politisches Gefühl. Das Wort La- martines kommt jedem in Erinnerung, der nun auf des Volkes Stimme zu hören versteht. Nicht auf die Stimme jenes Volkes, von dem Bismarck mit Recht sagt: Es ist kein Ausdruck im letzten Jahre mehr mißbraucht worden als das Wort Volk. Jeder Lat das darunter verstanden, was gerade in seinen Kram paßte, gewöhnlich einen beliebigen Haufen von Individuen, die er für seine Ansicht gewoünen hatte; indes — das Volk muß man hören, dem nicht gefräßige Agitatoren eine vbstruse Meinung vorkäuen, die Volkcsstimme, dix sich ^frei und ungezwungen im vertraulichen Gespräche äußert, da draußen in der Vorstadt, in den engen kleinen Gaststuben, da muß man sie hören, wie sie sprechen, wie sie Pläne schmieden und Schlachten liefern, wie sie über die leitenden Staatsmänner sprechen und wie sich in ihren Köpfen die Zukunft malt. Im Tenor wird das Gespräch kaum anders sein wie in den eleganten Cafes, wo die Herten mit und ohne Uniform nur ein Thema kennen: den Krieg. Das ist nicht politische Kannegießerei, nicht Bierbankpolitik, sondern heiße warmblütige Vaterlandsliebe, der Natürlich das radikalste Mittel Ordnung-, und Ruhe zu schaffen gerade gut genug ist. i Für die leitenden Staatsmänner regelt sich die Sache nicht so einfach. Graf Tißa hat mit dem Worte von der traurigen ultima ratio angedeutet, daß man in den maßgebenden Kreisen i nicht gerne den Waffengang versucht, er hat aber auch angedeutet, daß man ihn, wenn unausweichlich, nicht scheuen wird. An dieser Station halten wir soeben. Der Monarch hat gestern den Vortrag des Außenministers Grafen Berchbold entgegengenommen und — wie verlautet — seine Unterschrift auf jenes Schriftstück gesetzt, das zum Instrumente der nächsten Zukunft werden soll. Die serbische Regierung wird in befristeter Note auf- gesotdert werden, ihre durch ihre Teilnahme an dem Sarajevoer Morde bloßgestellten Untertanen ohne Rücksicht auf Stand und Klasse durch eine objektive, gerichtliche Verfolgung der verdienten Strafe zuzuführen; die serbische Regierung wird aufgesordert werden, mit jenen Organisationen, die den Frieden der Monarchie beeinträchtigen, zu brechen und sie abzuschüfsen; sie wird endlich aufgesordert werden, durch loyale Erklärungen und ebensolche Maßnahmen die Sicherheit der Grenze zu garantieren und eine Politik friedlicher Nachbarschlaft zu beginnen-'Diese selstverftändlichen Forderungen der Monarchie würden von einem Kulturstaate mit ebenso vielen selbstverständlichen Bejahungen beantwortet werden können, das heißt, es könnte zu einer solchen Fragestellung gar nicht kommen, da das geschriebene und ungeschriebene Völkerrecht ein Verhälten, wie es Serbien bisher an den Tag legte, geradezu verbietet. Es ist also schon an und für sich traurig, daß es zu einer solchen Demarche kommen muß, noch trauriger, daß «das schon zum drittenmal innerhalb von sechs Jahren sich als notwendig erweist. Zweimal hat die serbische Regierung sich' mit papierenen Zugeständnissen herausgewunden, die sich hinterher > als wertlos erwiesen. In dieselbe Kategorie ge- 'X hört auch die Abdankung des Exkvonprinzen Georg, dessen unerfreuliche Gestalt zwar von der Bildfläche verschwunden, dessen verhetzende und zersetzende Politik aber geblieben ist. Man kann Hundert gegen eins wetten, daß auch diesmal der gleiche Versuch mit den gleichen Mitteln gemacht werden wird. Die,serbische Regierung trstrd ein« papierene Niederlage einer solchen durch die Waffen vvrziehen und alsbald Gas alte Spiel beginnen. Und davor bangt man im Volke, und deshalb meint man, daß nur die Spruche der Kanonen die Bedingungen für den künftigen loyalen Frieden verkünden könne. Die leitenden Staatsmänner sind' anderer Ansicht, und deshalb sieht man in maßgebenden Kreisen die heutige Lage zwar als sehr ernst an, meint aber doch, daß auch- der ereignisreiche Hochsommer 1914 nicht den Krieg bringen werde, der heute in aller Mund ist. Es liegt keine Ursache vor, dieser Meinung nicht beizupflichtcn, umso weniger, als niemand ernstlich an den im Hintergründe lauernden Weltkrieg glaubt, ohne den Serbien kaum die Partie wagen dürfte. ^ , , > — äklsciiLnxixxe« ? lln x«cx o o X u X e X 7 z 7 l o X I-16U8U03D (6r-L2) ^ ' ckss _ ÄA.?.-1<^8 M-cdelch-Nnyklrn und Serbien. Die Demarche in Belgrad. Wien, 21. Juli. Wie aus I s ch l gemeldet wird, "verlautet dort, daß der Schritt der österreichisch-ungarischen Regierung in Belgrad noch im Laufe dieser Woche erfolgen werde. Ms Demarche soll in der Form sehr höflich, im Inhalte jedoch sehr entschieden sein. Die Demarche wird voraussichtlich befristet sein und die österreichisch-ungarische Regierung wird!wn Serbien verlangen, die Antwort innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, der noch nicht feststeht, vermutlich jedoch 48 Stunden kaum überschreiten wird, zu geben. Die Forderungen dürsten sich auf folgende Angelegenheiten erstrecken: Soso rtig e Einleitung der Untersuchung gegen die durch das Attentat bloßgestellten serbischen Staatsbürger und Organe unter der Bürgschaft, daß digse Untersuchung zu einer wirklichen und gründlichen Ergänzung der Untersuchungsergebnisse, die in Sarajevo sestgestellt worden sind, werde. Die österreichisch-ungarische Regierung dürfte ferner verlangen, daß die serbische Regierung gegen jene Organisationen und Jugend vereine, die die Agitationen gegen unsere Grenzen führen und dis Stimmungen, aus denen die Attentate hervorgehen, erzeugen, mit der größten Entschiedenheit cinschreite, solche Vereine nicht mehr dulde und ebenso die Agitationen, wie sie bisher stattfanden und eine Gefahr des Friedens geworden sind, einschränke. Die österreichisch-ungarische Regierung dürste weiter den Wunsch aussprechen, daß die Überwachung der Grenzen besser eingerichtet werde. Der Schritt hat aber nicht bloß den Zweck, offenkundige Mißbräuche zu beseitigen, sondern die serbische Regierung überhaupt zu einer Politik in der Richtung eines dauernden und bleibenden Friedens zu bewegen. Berichte des Gesandten Baron Giesl. ! S. Wien, 21. Juli. Gestern ist der Belgrader Ge- i sandtschastssekretär R. v. Storck in Wien eingetrofsen. Er brachte eine Reihe wichtiger Berichte des Gesandten Barons Giesl an den Minister des Äußern Grafen Berchtold, der die Schriftstücke noch vorgestern erledigte. Vermutlich ha! Graf Berchtold in seiner heutigen Audienz beim Kaiser auch die neuesten Berichte des Gesandten Barons Giesl dem Monarchen unterbreitet. Serbische Rüstungen. S. Wien, 21. Juli- Tie „Militärische Rundschau" erfährt: Die serbischen Rüstungen werden weiter betrieben. Eine Mobilisierung serbischer Truppen wurde amtlich nicht verlant- bart/ findet aber in aller Stille statt. Tie Einberufung von Reservisten geht ebenfalls vor sich. Truppentransporte sind auS den neuerworbenen Gebieten nach Norden im Abgänge. Die Truppenmärsche abseits der Bahnen werden größtenteils bei Nacht znrückgslegt. In den Räumen bei Valjevo und Uzice werden Strcitkräfte zusammcngezogen. Die Vorbereitungen zur Formierung von Freiwilligenbanden an der Drina werden beschleunigt, die Zensur militärischer Nachrichten und die Grenzbewachung schärfer gchandhM. Aus dem Arsenal von Kragujevac gehen große Transporte von Kriegsmaterial in die Grenzgebiete ab. Auch Montenegro rüstet eifrig. AmLovcenfindenTruPpenzusammenzie-- h ung en statt, ebenso im Grenzraume nördlich von Kosmac. Tie alten Forts von Nozdre, Zlostnp und Presiek am Dugapäß werden zum Teile hergestellt und armiert. Alle n ussenfähigen Männer sind durch die Zivilbchörden vertraulich verständigt worden, sich für eine jederzeitige Einberufung bereit zu halten. In den letzten Tagen haben sich mehrere Überfälle auf Munitionsdepots, Pulverdepots und andere wichtige militärische Anstalten im Gebiete der Monarchie ereignet. Es wiederholt sich das alte Spiel. Militärischer- seits sind nun im Einvernehmen mit den ZivilbehSrden ^ alle Maßnahmen getroffen worden, um die Sicherheit der militärischen Etablissements, wie die von militärisch wichtigen Objekten, Brücken-- Tunnels usw., unter allen Umständen zu gewährleisten. Ein Grenzzwischenfall. l. Semlin, 21. Juli. Baron Giesl übergab der serbischen Regierung eine Note, in der Beschwerde darüber erhoben wird, daß vor einigen Tagen serbische Gendarmen auf österreichische Untertanen, die auf einem Kahn aus. der Donau fuhren, geschossen haben. Wie die Note ausführt, wurden zehn Schüsse gegen die österreichische Grenze abgegeben. Tie serbische Regierung hat eine Untersuchung zur Bestrafung der Täter eingeleitet. Serbische Blätterstimmen. Belgrad, 21. Juli. „Politika" behauptet, daß Österreich-Ungarn bestrebt ist, durch Intrigen Deutschland gegen Serbien zu stimmen. Es scheine, daß Österreich-Ungarn daran gelogen sei, um jeden Preis die starken serbisch-deutschen Handelsbeziehungen zu lockern. In Wirklichkeit werden jedoch Kaiser Wilhelm vom serbischen Volke nur Sympathien entgegcn- gebracht. „Balkan" bringt in Form eines mit „Alter Bos- niak" gezeichneten offenen Schreibens eine Darlegung der politischen Situation in Österreich-Ungarn. Es sei! heute klar, daß die Sarajevoer Polizei den Attentätern ! an die Hand ging. Das amtliche Österreich-Ungarn ! habe den Thronfolger förmlich in den Tod getrieben. ! Die Sarajevoer Untersuchung biete keinerlei Garantie'der^/^ Objektivität. Serbien sei von solchen hinterlistigen ^ Täten weit entsernt. Die Ermordung deS Königs Alexander, schreibt das Blatt, war kein Attentat, sondern eine Zum Wähle des ganzen Volkes-^ .stattgefundene Revolution. Öfterreich-Ungarn darf nicht durch eine diplomatische Note die Unterdrückung der großserbischen Idee und Propaganda von Serbien fordern, da dies bedeuten würde, von Serbien verlangen, daß es im eigenen Lande der österreichisch-ungarische Gendarm der österreichisch-ungarischen Finsternis sei- Die grofzserbische Propaganda ist eine Folge der serbischen Freiheit. Wir gewannen indessen die Überzeugung, daß die Türkei zusammenbrach, weil sie ihre Kraft nicht organisierte und daß Österreich-Ungarn das gleiche Schicksal wegen ! seiner geordneten Fäulnis erreichen werde. t c'' ä 3 8 5 I 7 5 3 X ä I>1 5 3 533 ! 5 3 30X3^537^7103 ^3651753^517333 L O^-2Z >km ^larbeit lcdattenr Wien, 2S. Juli. Man muß die Beendigung der Untersuchung in Sarajevo abwarten, denn aus Grundlage ihrer Ergebnisse werden die Forderungen an die serbische Regierung gestellt werden! So wird es versichert und so lst es eigentlich selbstverständlich: denn Oesterreich- Ungarn kann die Mordtat zum Anlaß von Forderungen an Serbien nur dann nehmen, wenn aus der Untersuchung irgend ein Beweis sür die Mitschuld serbischer Kreise hervorgekommen ist; nur insofern nehmen, als diese Mitschuld durch die Untersuchung bewiesen worden ist. Nun möchten wir fragen, wie eigentlich dargetan werden soll, was in der Untersuchung herausgekommen und durch die Untersuchung bewiesen worden sei! Denn das müssen wir erstens Serbien beweisen und zweitens auch dem übrigen Europa beweisen: weil nur dann, wenn wir dem zivilisierten Europa für die Schuld Serbiens einen schlüssigen B e w e i s vorlegen, unsere Forderungen an die serbische Regierung Europas Zustimmung und Beglaubigung finden werden. Diese Anerkennung, daß wir im Rechte sind, wenn wir uns über Serbien beklagen, ist unerläßlich, wenn die österreichisch-ungarische Forderung durch Europa die moralische Rechtfertigung erhalten soll. Worauf beruht denn die Hoffnung, daß sich das übrige Europa, Rußland voran, in den österreichisch-serbischen Händel nicht einmischen werde, daß der Konflikt, in der Sprache des Berliner Kanzlerblattes zu reden, „lokalisiert" bleiben wird? Auf unserem moralischen Recht! Also darauf, daß in der Untersuchung entweder eine förmliche Mitschuld der serbischen Reaierungskreise oder doch wenigstens ihre sträfliche Duldung der Umtriebe wider den schwarz-gelben Staatenverband unzweideutig herausgekommen sei, durch die Untersuchung in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise bewiesen worden ist. Wir rufen Europa gleichsam zu Zeugen dafür aus, daß der kleine Nachbar uns nicht Ruhe geben will, uns ohne Unterlaß und in gewissenloser Weise beunruhigt; und indem wir es Europa beweisen, klar und deutlich beweisen, verlangen wir von ihm, daß es unsere Forderungen als notwendig und berechtigt anerkenne und Serbien klarmache, Laß sein hinterlistiges Treiben durchschaut sei und seine aus die Beunruhigung Oesterreichs gerichtete Politik von ganz Europa verurteilt wird. Wenn wir, um es so zu sagen, in der Lage sind, Serbien vor Europa an den Pranger zu stellen, so wird Serbien vereinsamt bleiben und außerstande sein, den sachlich berechtigten Forderungen Oesterreichs Widerstand zu leisten. Aber ganz selbstverständlich: wir müssen Serbien und müssen Europa die serbische Schuld beweisen. Wie will nun Graf Berchtold diesen Beweis eigentlich führen — diesen Beweis, der seinen Forderungen allein den moralischen Rückhalt verschaffen kann! Wie stellt sich der Ballplatz diese unerläßliche Beweisführung eigentlich vor? Daß Berchtold behaupten und erzählen wird, in der Untersuchung sei dies und jenes hervorgekommen? Wer wird das glauben, wer muß das glauben? Angaben, zumal von Angeklagten, in einer Untersuchung sind noch lange kein Beweis; auf die Aussagen der Attentäter, die man überdies gar nicht vernimmt, auf ihre plötzlich hereinbrechenden Bekenntnisse wird sich Europa wahrscheinlich nicht verlassen. Sehr richtig formuliert ein hervorragendes englisches Blatt die Sachlage folgendermaßen: „Hat auch jeder Staat das in seiner Souveränität liegende Recht, einen Aufruhr in seinem eigenen Gebiet zu unterdrücken und von anderen Staaten die Nichtduldung von gegen ihn gerichteten Verschwörungen zu verlangen, und mag auch die Nichtanerkennung dieser Rechte gerechten Grund zu äußersten Schritten, ja selbst zum Kriege geben, so ist die Macht, die diese Rechte ausüben will, gerechterweise dochgehalten, zu zeigen, daß eine Verschwörung wirklich existiert und sie eine wirkliche Gefahr für ihren inneren Frieden sei. Diese Macht kann nicht von einem Nachbarstaat verlangen, daß er auf bloßen V e r d a ch t hin einschreite, bloße Behauptungen als notwendig wahr annehme und Beweisen ohne Prüfung glaube; die Wacht muß ihre Anklage z u r ÄVf r i e d i g u n g der Meinung Europas b,eweisen oder sich den Vorwurf zuziehen, daß sie aggressiv und eine Gefahr für den allgemeinen Frieden sei." Durchaus richtig; um so nötiger für den Grasen Berchtold, es sich doch zu überlegen, wie er Europa diesen Beweis zu liefern gedenkt. Denn allem Anschein nach hat er sich diese Frage bisher noch gar nicht gestellt, obwohl sie die allerwichtiaste ist. Das Papier seiner offiziösen Presse ist allerdings geduldig ; da kann man Tag um Tag mit dem Anschein unbezweifelbarer Gewißheit hinschmieren, die Untersuchung habe für die Schuld Serbiens „untrügliche Beweise" geliefert. Aber auf bloße Behauptungen wird man sich, wie schon die englische Stimme zeigt, in Europa nicht einlassen; schon deshalb nicht, weil man über die Be- j schaffenheit der Wahrheitsliebe unseres Auswärtigen Amtes nach den Erfahrungen des Balkankrieges in Europa sattsam unterrichtet ist. Wie aber will Berchtold sonst den Beweis führen, den Beweis, daß das, was er Serbien vorhält, in den Ergebnissen der strafgerichtlichen Untersuchung b e- gründet ist? Will er vielleicht die Untersuchungsprotokolle veröffentlichen? Das geht wohl nicht; aber auch die Protokolle wären kein Beweis: weil das, was auf die Mitschuld Serbiens zielt, in der Hauptsache nur die Aussagen der Attentäter selbst sein werden. Und denen zu trauen, wird man sich ohne Ueberprüfung nicht leicht entschließen. Der Beweis der Schuld und Mit s chuldder serbischen Regierungskreise ist aber unerläßlich, wenn die Forderungen Oesterreichs vor Europa moralisch gerechtfertigt da stehen sollen! Das möge Berchtold genau bedenken! Es gibt nur eine Beweisführung, gegen die kein Einwand erhoben werden kann, der der durchschlagende Charakter sicher ist, deren Eindruck sich niemand entziehen können und auch nicht entziehen wollen wird: das ist die öffentliche Gerichtsverhandlung gegen die Attentäter! In der öffentlichen Verhandlung wird die Wahrheit kund, da sieht gleichsam das ganze Europa die Mitschuld Serbiens, und dann kann keiner mehr die Forderungen, die wir an Serbien zum Schutze unserer Sicherheit erheben, unberechtigt oder unbillig schelten! Wenn es wahr ist, daß die Untersuchung gegen die Attentäter für die Mitschuld -Serbiens „untrügliche Beweises., geliefert habe,' wenn so" wahr ist, als es bestimmt behauptet wird: dann heraus mit den Beweisen! Dann würde ja der Prozeß gegen die Attentäter zu dem Prozeß gegen die serbische Regierung! Deshalb gibt es nur eine vernünftige und logischd Politik: ohne Verzug an die öffentliche Gerichtsverhandlung heranzutreten, ohne weiteres Lärmen sie vor Europa aufzurollen! Wird das unterlassen, wird der „Schritt" in Belgrad, statt mit Beweisen ausgerüstet zu fein, nur mit unbewiesenen Behauptungen sich rechtfertigen wollen, so wird eine große und verhängnisvolle Dummheit getan werden! Er st Klarheit über Grad und Umfang der Mitschuld Serbiens schaffen und danach die aus der bewiesenen Schuld sich ergebenden Forderungen stellen: das allein ist das richtige Vorgehen! Bevor Graf Berchtold seinen Schritt unternimmt, denke er daran, wohin er führt! ä k 6 7 I 7 7 k K ä 1. 6 7 0 6 ti ! 7 11 ll 0 K 0 « 7 H 7 7 I 0 11 /t6671776^7170116 c2Q<2^/. vMMtimatum an Serbien. Wien, 23. Juli. ' Der Schritt ist getan; und über die furchtbaren folgen, die aus ihm entspringen können, ist keine Täuschung mehr möglich, Graf Berchtold hat heute der serbischen Regierung die Forderungen Oesterreich- Ungarns unterbreitet, und wenn auch die wörtliche Bezeichnung in der Note vermieden ist, so spricht es aus jeder einzelnen dieser vielen, allzuvielen Forderungen mit fürchterlicher Klarheit: es ist ein Ul t i m a tu man Serbie n, jenes letzte Wort, das immer blutig-schwere Dinge ankündigt. Am Samstag um sechs Uhr soll, die serbische Regierung ihre Antwort geben, die Antwort geben, daß sie alles tun und erfüllen will, was in dieser Note, die in der Geschichte unserer Zeit kein Beispiel findet, von ihr geheischt wird. Und wenn. sich Serbien der Erfüllung wtzigert, wenn es sich auflehnt, die Unterwerfung auszusprechen und zu vollziehen? Dann nimmt, das Verhängnis seinen Lauf und das blutige Ringen hebt an! Der Tag, da Oesterreich-UNgarn dieses Ultimatum stellt, wird ein Tag sein, der der österreichischen Menschheit in ewigschmerzlicher Erinnerung bleiben wird. Es ist wahr: die serbischen Regierungskreise haben schwer gefrevelt an menschlicher Gesittung, haben Menschen- und Völkerrecht arg verletzt. Sie haben nach der Annexion Urfehde geschworen und sich verpflichtest Ruhe und Frieden zu halten, und sie haben mit. dem.. heimlichen und. offenen Wühlen gegen die Monarchie nicht innegehalten. Wenn alles wahr ist,- was die Note als Feststellungen der Untersuchung gegen die Attentäter angibt, so hat die Sarajevoer Mordtat ihren Ursprung in Belgrad und für die Mitschuld serbischer Regierungsorgane besteht wenigstens, ein starker Verdacht. Oesterreich-Ungarn ist also befugt und ist im Rechst die strafgerichtliche Verfolgung der Mitschuldigen zu begehren, und es ist wohl auch berechtigt, von der serbischen Regierung eine gewisse Bürgschaft dafür zu verlangen, daß es mit der Duldung der Bestrebungen, deren letztes Ziel die Sprengung des österreichischen Staatenverbandes ist, ein Ende mache, daß es sich zur Respektierung der österreichischen Grenzen verpachte. Hätte Oesterreich-Ungarn auf diese Forderungen, zu denen es das Recht hat und die im Interesse seiner staatlichen Ruhe auch notwendig sein mögen, sich beschränkt, so wäre ihm die Zustimmung des ganzen zivilisierten Europa sicher und Serbien könnte es nicht wagen, seinen moralisch begründeten Forderungen Widerstand entgegenzusetzen. Dann wäre der Konflikt friedlich geschlichtet worden, ohne Einbuße an Ehre für Oesterreich-Ungarn, und mit der Sicherheit, daß nichts unterlassen worden isst was dem gekränkten Rechte dis erforderliche Sühne, was den gefährdeten Interessen des Reiches den notwendigen Schutz verschafft. Aber bleiben die Forderungen Oesterreich-Ungarns in dem Rahmen des Berechtigten und Notwendigen? Eu.ropa wird darauf die Antwort geben. Derartige Forderungen hat ein Staat an den anderen noch niemals gestellt. Wir.sind überzeugst daß kein Bewohner dieses Reiches fähig gewesen wäre, all dgs nur auszudenken, was Gras Berchtold in dieser Note von Serbien, das doch noch immer ein selbstständiges Staatswesen ist, zu fordern für notig und angemessen findet. Und jede dieser Forderungen ist mit äußerster Härte formulierst wird in einer W'eise geheischt, die das Selbstgefühl des serbischen Staates aufs äußerste aufzureizen nur allzusehr geeignet ist; jede dieser Forderungen ist eine Verneinung der Unabhängigkeit Serbiens! Die serbische Regierung soll am Nächsten Samstag eine feierliche Erklärung abgeben, mit der sie sich selbst richtest um nicht zu sagen, .hinrichtet; für die Erklärung wird nicht nur der'Tag des Erscheinens, sondern auch der Platz in dein amtlichen Blatt bestimmt; fehlt nur noch, daß auch die Schrift angeordnet werde, in der die Erklärung zu veröffentlichen sei! Die Erklärung soll auch der König in einem Tagesbefehl an die Armee abgeben und kundmachen! Dann wird das ganze Arsenal der Unterdrückungen, das etwa in dein österreichischen Gesetz enthalten isst wonach die staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Freiheiten suspendiert werden können, auf Serbien ausgedehnt; sozusagen über Serbien der österreichische Ausnahmszustand verhängst Also Suspension der Preßfreiheit und VereinskreiLeit in den Beziehungen zuOesterreich- Ungarn! Nun folgt die österreichische Ueberwachung des Schulunterrichtes in Serbien, die Maßregelung von Beamten und Offizieren, und dafür, wohl zum Ersatz, die Bekleidung österreichisch-ungarischer Beamten mit obrigkeitlicher Gewalt in Serbien! Wohlgemerkt, Graf Berchtold begnügt sich nicht mit der Forderung, daß bei der gerichtlichen Untersuchung gegen die Mitschuldigen an dem Attentat österreichisch-ungarische Beamte mitturr, obwohl auch das schon keine Kleinigkeit wäre, sondern österreichisch-ungarische „Organe" sollen. „bei der Unterdrückung der gegen die Monarchie gerichteten unterwühlenden Bestrebungen Mitwirken", also soll wohl - Serbien dauernd - unter österreichischer Kontrolle gehalten bleiben! Die Völker in Oesterreich werden nicht gefragt, da ein Schritt unternommen wird, dessen Einsatz ihr Gut und Blut werden kann; aber wir möchten den Grafen Berchtold und all die Verantwortlichen für diese, Note doch fragen, ob sie wirklich meinen, daß Serbien diese Forderungen anerkennen kann, ob sie wirklich erwarten, daß Serbien sie erfüllen wird ! Denn wenn sie dieser Meinung Nicht sind, so haben sie die Forderungen nicht gestellt, weil sie auf ihre Erfüllung rechnen, so haben sie sie, derart gestaltet, sie deshalb in dieser beispiellosen Härte verfaßt,' d a m it sie nicht angenommen werde n! In jedem „Punkte" dieser Note des Grafen Berchtold schimmert es wie von Blut, von dein Blute, Pas vergossen werden soll in einer Sache, für die alle ' Möglichkeiten einer zuverläfsMN und ehrenvoll -L-friedlichen Erfüllung gegeben-wMßl, Es wird niemandem leicht fallen, diesen Schritt zu verantworten, und keinem wird die Verantwortung erspart bleiben! An dem dünnen Faden, daß sich Serbien diesen Forderungen unterwirft, hängt heute allein der Friede. Es steht in dem Konflikt nicht wenig auf dein Spiele auch für die Serben, deren innere und äußere Lage für , das Königreich die schwersten Gefahren enthält. Vielleicht ist auch die Hoffnung noch nicht zur Gänze abzuweisen, daß ein vernünftiger und rückhaltloser Schritt der serbischen Machthaber den Weg zu einer gewissen Verständigung, zu einem Verhandeln über die einzelnen Punkte eröffnen könnte, obwohl der ganze Ton der Note, in seiner ausgesuchten Schroffheit, in der Wahl der bitteren Worte die Hoffnung, daß . die österreichischen Machthaber den Weg zum Frieden in ihrem inneren Bewußtsein noch nicht verlassen haben, sehr gering erscheinen läßt. Vielleicht auch, daß sich das übrige Europa, über das der: österreichisch-serbische Konflikt die schwersten Bedrohnisse breitet, zu irgend Girier Vermittlung ausraffen werde. Aber all das ist unsicher und zerfließt vor dem entsetzten Blick im Nebel. Was gewiß ist, was schreckliche Wahrheit, ist dieses Dokument, das einen Krieg in eine Nähe rückt, die wir nur schauernd empfinden. Drohend erhebt sich die Gefahr vor unserem Blicke und eine . Zukunft eröffnet sich, in der Gut und Blut der Völker im Abgrund versinken. Im Namen dieser, die leidewund darben, schieben wir die Verant- wortung ' für das UHeil, das MlJuge-iss, denen zu. die' diesen Schritt untebNmmeisi der uns Hs schrecklich Bodenlose führt. ff k k ö ^ I 7 L K X ä !- k 5 Uk ^ ! 7. ^ ll 0 X U « 7 st 7 s) 7 I 0 /s7871777^717M ^''' Los- _I^LüLrlLL9/^si Rote Sesterreich Mar Die Note ist heute überreicht worden. H Der k. und !. Gesandte in Belgrad hat hente nachmittag der königlich serbischen Regierung nachfolgende Rote überreicht: Am 31. März 1909 hat der königlich serbische Gesandte am Wiener Hofe im Auftrag seiner Regierung der kaiserlichen und königlichen Regierung folgende Erklärung abgegeben: Serbien erkennt an, daß es durch die in Bosnien geschaffene Tatsache, in seinen Rechten n i ch t berührt w urde und daß es sich demgemäß den Entschließungen anpassen wird, welche die'Mächte in Bezug auf den Artikel 25 des Berliner Vertrages treffen werden. Indem Serbien den Ratschlägen der Groß-: machte Folge leistet, verpflichtet es srch, die Haltung des Protestes und des Widerstandes, die es hinsichtlich' der Annexion seit dem vergangenen Oktober eingenommen hat, aufzugeben, und es verpflichtet sich ferner, die Richtung seiner gegenwärtigen Politik gegenüber Oesterreich-Ungarn Zu ändern und künftighin mit diesem letzteren auf dem Fuße f r e u n d n ach- bar l i ch e r Beziehungen zu leben. Die Geschichte der letzten Jahre nun und insbesondere die schmerzlichen Ereignisse des 28. Juni haben das Vorhandensein einer subversiven (unterwühlenden) Bewegung in Serbien erwiesen, deren Ziel es ist, von der österreichischungarischen-Monarchie gewisseTeile ihres Gebietesloszu t r e n n e n. Diese Bewegung, die unter den Angeu der serbischen Regierung entstand/ hat in der Folge jenseits des Gebietes des Königreiches durch Akte des Terrorismus, durch eine Reihe von Attentaten und durch Morde Ausdruck gefunden. Weit entfernt, die in der Erklärung vom 31. März 1909 enthaltenen formellen Verpflichtungen zu erfüllen, hat. die königlich serbische Regierung nichts getan, um diese Bewegung z u nnterdr ü ck e n. Sie duldcie das verbrecherische Treiben der verschiedenen g e g,c n d i e M o n a r ch ie g e r i ch,t et e n V er e in e . u n d Vereinig u n g e n, d'i e Zü gell o s e Spr n ch e d e r P r e s s e, d i e B e r h e r r l i ch ll n g der U rheber vo n Ä t t e n t a t e n, di e T ei l- nähme v v n O f f i z i e r e n nnd Beamten an s u b v e r s i v e n U m t r i e b e u, sie duldete eine ungesunde Propaganda im öffentlichen Unterricht und duldete schließlich alle Manifestationen, welche die serbische Bevölkerung zum Hasse gegen die Monarchie und zm Verachtung ihrer Einrichtungen verleiten konnten Diese Duldung, der sich die königlich serbische Regierung schuldig machte, hat noch in jenem Moment angedausrt- in dein die Ereignisse des 28. Juni der ganzen Welt die grauenhaften Folgen solcher Duldung zeigten. Es erhellt aus den Aussagen und Geständnissen der verbrecherischen. Urheber des Attentats vom 28. Juni, dasz der Mord von Sarajevo in Belgrad arrsgeheSt wnrde, daß die Mörder die Waffen und Bomben, mit denen sie ausgestattet waren, von s er b is ch e n Offizieren und Beamten erhielten, die der Narodna Obrana angehörten, und daß schließlich die Beförderung der Verbrecher und deren Waffen nach Bosnien von leitenden serbischen Grenzorganen veranstaltet und durchgesührt wurde. Die angeführten Ergebnisse der Untersuchung gestatten es der k. und k. Regierung nicht, noch länger die Haltung zuwartender Langmut zu beobachten, die sie durch Jahre jenen Treibereien gegenüber eingenommen hatte, die ihren Mittelpunkt in Belgrad haben und von da auf die Gebiete der Monarchie übertragen werden. Diese Ergebnisse legen der k. und k. Regierung vielmehr die Pflicht auf, Umtrieben ein Ende zu bereiten, die eine ständige Bedrohung für die Ruhe der Monarchie bilden. Um, diesen Zweck zu erreichen,, sieht sich die k, und k, Negierung gezwungen, von. der serbischen Regierung , ,. eine offizielle Versicherung zu verlangen, daß sie die gegen Oesterreich-Ungarn'gerichtete Propaganda verurteilt) das heißt die Gesamtheit der Bestrebungen,, deren Endziel es. ist, von der Monarchie Gebiete loszulösen, die ihr angehören, und daß sie sich verpflichtet, diese verbrecherische und terroristische Propaganda mit a l l e n Mit teln zu unterdrücken. Um diesen Verpflichtungen einen feierlichen Charakter zu. geben,) wird die königlich serbische Regierung auf der erste« Seite ihres offizielle« Organs vom 26./13. Jnli «achfolgeirde Erklärung veröffentlichen: Die königlich serbische Regierung verurteilt die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda, das heißt die Gesamtheit jener Bestrebungen, deren letztes Ziel es ist, von der österreichisch-ungarischen Monarchie Gebiete loszutrennen, die ihr angehörcn, und sie bedauert aufrichtig st die grauenhaften folgen dieser verbrecherischen Handlungen. Die königlich serbische Regierung, bedauert, daß serbische Offiziere und Beamte an der vorgenannten Propaganda tcilgenonnnen und damit die freundnachbarlichen Beziehungen gefährdet haben, die zu pflegen sich die königliche Regierung durch ihre Erklärung vom 31. März 1909 feierlichst verpflichtet hatte. Die königliche Regierung, die jeden Gedanken oder jeden Versuch einer Einmischung in die Geschicke der Bewohner was immer eines Teiles Oesterreich-Ungarns, m ißbilligt und z u r ü ck- . weist, erachtet es für ihre Pflicht, die Offiziere, Beamten und die gesamte Bevölkerung des Königreiches ganz ausdrtt ck l ich aus m e r k- s a tn zm machen, daß sie künftighin mit äußerster Strenge gegen jene Personen Vorgehen wird, die sich derartiger Handlungen schuldig machen sollten, Handlungen, denen vorzubeugen und die zu unterbrächen sie alle Anstrengungen machen wird. > Diese Erklärung wird gleichzeitig zur Kenntnis der königlichen Armee durch einen Tagesbefehl Seiner Majestät desKönigs gebracht und in dem offiziellen Organ der Armee veröffentlicht werden. Die königlich serbische Regierung verpflichtet sich überdies: 1. Jede P u b I i k a t i o n z u unterdrücken, die zum Hasse und zur Verachtung der Monarchie aufreizt und deren allgemeine Tendenz gegen die territoriale Integrität der letzteren gerichtet ist; 2. sofort mit der A u f l ö s u n g d e s V e r- e in es Na r o d n o Odbrana vorz u gehe n, dessen gesamte Propagandamittel z n ko nfiszieren und in derselben Weise gegen die anderen Vereine und Vereinigungen in Serbien einznschreiten, die sich mit der Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn beschäftigen; die königliche Regierung wird die nötigen Maßregeln treffen, damit die aufgelösten Vereine nicht etwa ihre Tätigkeit unter anderen Namen öder in anderer Form fortsetzen; 3. ohne Verzug aus dein öffent l i ch e n Unterricht in Serbien, sowohl was den Lehrkörper als auch die Lehrmittel betrifft, alles zu' beseitigen, was dazu dient oder dienen könnte, die Progaganda gegen Oesterreich-Ungarn zu nähren 4. aus dein M i l i t ä r d i e n st und der Verwaltung im allgemeinen alle Offiziere und Beamten zue nt f erne n,! die der Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn schuldig sind, und deren Namen unter Mitteilung des gegen sie vorliegenden Materials der königlichen Regierung bekanntzugeben sich die k. und k. Regierung vorbehält, 5. einzuwilligen, daß in Serbien Organe d e r k. u n d k. R e g i e r u n g b ei d e r Unterdrückung der gegendie t e rritoriale Integrität der Monarchie gerichteten s u b v e r s i v e n B e w e g u n g m i t- zuwirken, 6. eine g e r i ch t l i ch e U n t e r s ü ch u n g gegen sene Teilnehmer des Komplotts vom 28. Juni einzuleiten, die sich auf serbischem Territorium befinden. Von der k. und k. Regierung hiezu d e l cgi er t e O r g a n e wer dett an de n b e z ü g l i ch e n (k r Hebungen t e i l- . n e h m e n, 7. mit aller Beschleunigung die V e r h a f t ung des Majors Voja T a n k o s i.t sch und eines gewissen Milan Ciga n o rv i t s ch, serbischen Staatsbeamten, vorzunehmen,' welche durch die Ergebnisse der Untersuchung kompromittiert sino; 8 . durch wirksame Maßnahmen die Teilnahme der serbischen Behörden an dem Einschmuggeln v o n 'W a f f e n u n d E x p l v s i v kÜ r p e r n über die Grenze zu verhindern; jene Organe des G r e n z dien fi e s von Schabatz und L o z n i c a, die den Urhebern des Verbrechens von Sarajevo bei dein Uebcrkritt über die Grenze behilflich wären,' aus de m Di e n st e zu entlas f e n und streng zu bestrafen; 9. der k. und k, Regierung Aufklärungen zu geben über- die n i ch t zur echtfertigend e-n Aeuße- run ge n h o her s e rbischer Funktionäre i n Ser b i e n - und i m A usla n d, die, ihrer offiziellen Stellung ungeachtet, nicht gezögert haben,-« sich üäch dem Attentat vom 28. Juni in Interviews in feindlicher Weise gegen Oesterreich-Ungarn auszusprechen; 10. die k. und k. Regierung ohne Verzug von der Durchführung der in den v o r i gen P u n k t e n zu s a m m e ngefaßten W aßna h nt e ar zu v e r st ä tt d i g e n. Die k. und k. Negierung erwartet die Antwort der königlichen Regierung spätestens bis Samstag de» 25. d. nm V Uhr nachmittags. ' ' ' - ^ Eine Memoire über die Ergebnisse der Untersuchung von Sarajevo, soweit sie sich auf die in Punk 7 und 8 genannten Funktionäre beziehen, ist dieser Note beigeschlossen. Bas Mebms der Untersuchung. Beilage der Note. Die bei dem Gericht in Sarajevo gegen Gavrilo Princip upd Genossen ivegeir des am 28. Jutzi begangenen . Meuchelmordes, beziehungsweise wegen Mitschuld , hieran anhängige Strafuntersuchung hat bisher , zu '/folg ende n F e st st e l l u n g e n geführt: . 1. Der Plan, Len Erzherzog Franz Ferdinand während feines Aufenthalts in Sarajevo zu ermorden, wurde in - Belgrad - von Gavrilo P r i n c i p, Nedeljko Ea b ri n o v i t s ch, einem gewissen Milan C i g ano v i t s ch und Trifko G r a b e z unter Beihilfe' des Majors Voija Ta nk os i t sch gefaßt. 2. Die s e ch s - P o mbe n und vier B r o >v n i n g p i st o len samt Munition, deren sich die Verbrecher als Werkzeuge bedienten, wurden dem Princip, Eabrinowitsch und Grabez in B e lgrad von' eine m g ewissen Milan Cr g a tt o w it s ch u n d de m M a j orVo i j a T ankvsi t s ch' verschafft u n d ü b e r- geb e N. 3. Die Bontben sind Handgranaten, die dem Waffendepot der serbischen A r m e e i n K r a g u j e w a tz e n t st a m m e n. 4. Um das Gelingen des Attentats zu sichern, unterwies Ciganowitsch den Prinzip, Eabrinowitsch und Grabez in der Handhabung der Granaten und gab in einem Walde neben dem Schießfelde von Topfchider dem Princip und Grabez U n t e r r i cht im Schießen mit B r o w n i n g p r st o l e n. o. UM dem Princip, Cabrinowisch und Gabrez den U e b erg a n g über die bosuisch-herzegowinische 1 « s c « 7 L « X t » » k n f»j« V!kX o o X u X k X 7 ä 7 « 0 X Xr.: US: Grenze und die Ein s ch m u ggelu n g ihrer Waffen zu ermöglichen, wurde ein ganz e s g e- h ei m e s T r a n s p o r t s y st e m durch Ciga- n ö w i t sch o r g a n.i s i e r t. Der. Eintritt der Verbrecher samt ihrer Waffen, nach Bosnien und der Herzegowina wurde von den G r e n z h a u p t l e u t e n von S ch a b a tz (Rade Popowit s ch) und Loznica sowie von dem Zollorgan Rudioos Grbic von Loznica mit Beihilfe mehrerer ande re r P e r s o n e n durch geführt. o o X u e X 7 ä 7 l o X I^eLLkOLI (6rs2> Die letzte Irist. ^sas Wiener Kabinett an die Mächte. — Die Lage in Belgrad. Österreich-Ungarn hat sich endlich aus seine Kraft besonnen. Das ist der allgemeine Eindruck, den die energische Note der Wiener Regierung in den weitesten Kreisen der Bevölkerung hervorgerufen hat, und wenn sich auch niemand über den hohen Ernst der Situation hinwegtäuscht, so geht es heute doch wie ein frischer Wind durch dieses Reich, da nun endlich mit einer schmählichen Vergangenheit gebrochen wurde. Die Enthüllungen über die zerstörende Tätigkeit der serbischen Politik auf unserem vaterländischen Boden müssen auch den letzten Skeptikern die Augen öffnen. Nun ist die Marschroute für die Monarchie festgelegt, es gibt kein Zurück mehr. Hm Laufe des heutigen Tages ergeht an sämtliche Mächte eine Zirkularnote der Wiener Regierung, in der diese ihr Verhalten für den Ernstfall skizziert. Österreich-Ungarn legt darin dar, welche Absichten es mit dem Ultimatum verfolgt und wie sich die Situation gestalten würde, wenn Serbien aus Gründen der Staatsraison die «geforderte Genugtuung ablehnen sollte. Wie wir von informierter Seite erfahren, denkt Österreich- Ungarn im Falle kriegerischer Verwicklungen absolut nicht daran, Serbien zu annektieren, Wohl aber besteht es darauf, eine Schwächung der Position Serbiens in dem Sinne vorzunehmcn, daß jede großscrbische Aktion auf weite Zeiten hinaus ausgeschlossen ist und daß künftig hin eine gewisse Kontrolle über die serbische Politik cintritt. Außerdem steht die Wiener Regierung auf dem Standpunkte, daß jedes Zurückweichen der Monarchie, sei es in Form von Verhandlungen, sei es im Wege einer Intervention, vollständig ausgeschlossen ist. Es gibt weder eine Erstreckung des Termins, noch würde die Intervention einer dritten Macht irgendwelchen Erfolg haben. Die Wiener Regierung müßte jeden derartigen Versuch von vornherein zurückweisen. Im übrigen — und das ist der allgemeine Eindruck — ist man in Wiener Kreisen, solveit die Friedensmöglichkeit in Frage fsteht, pessimistisch gestimmt: Man hält den kriegerischen Zusammenstoß mit Serbien für unvermeidlich. Das ist in kurzen Strichen die Situation, wie sie sich bis heute mittag darstellte. Aller Augen richten sich nun nach Belgrad, wo jetzt die Entscheidung über Krieg und Frieden liegt. Ministerpräsident Pasic ist merkwürdigerweise aus Belgrad abwesend, denn für ihn würbe heute Minister Patschu als Vertreter bestellt. Die serbische Presse führt nach wie vor eine Sprache, die von Jnvektiven und gehässigen Ausfällen gegen die Monarchie strotzt und droht für den Kriegsfall mit dem Eingreifen guter Freunde Serbiens. Nun, die österreichisch-ungarische Politik Wird sich durch nichts abhalten lassen, auf dem Weg restloser Bereinigung der bestehenden Konflikte fortzuschreiten. Es ist nicht zu leugnen, daß die Bedingungen, die die Wiener Regierung an das Kabinett in Belgrad gestellt hat, sehr hart sind, aber nach den unerhörten Ergebnissen der Untersuchung des Sarajevoer Attentates und der ganzen langen Vorgeschichte aus den letzten Konfliktsjahren konnten sie um kein Jota milder gestellt werden: es ist nicht zu leugnen, daß die serbische Regierung, wenn sie jetzt der Not gehorchend den guten Willen haben sollte, Unrund Einkehr zu halten, vor eine fürchterliche Situation gestellt ist, denn Herr Pasic, sein Kabinett und das Geschlecht von Verschwörergnaden, die armselige Dynastie der Karageorge wären den letzten Tag aus der Höhe ihrer Macht und ihres Lebens, wollten sie heute, nachdem sie durch Jahre das Werk der großserbischen Propaganda in jeder Form betrieben und gefördert haben, diesem Werk vor aller Welt de- und wehmütig abschwören. Es ist nicht zu leugnen, daß Serbien vor einer entsetzlichen Krise steht, daß es um seine Existenz, kämpft, aber einzig und allein die serbische Politik selbst ist an allem Unglück schuld, von dem das Land jetzt bedroht wird. Die rächende Stunde ist! angebrochen und sie findet ein starkes, im Wollen! einiges Österreich-Ungarn. —- lksetiLkiduuenfU« viel o o x u«e«r 1 1»o« I^6LL?0LI (6rL2) ^Mfjland - nicht indifferent. Die „Petersburger Zeitung", das amtliche Organ der russischen Regierung, erklärt heute, daß Rußland in dem Konflikte Österreich-Ungarns mit Serbien nicht indifferent bleiben könne. Was damit gesagt sein soll, ist noch nicht klar. Die Tätigkeit der russischen Regierung kann ebenso gut eins diplomatische als kriegerische sein. Bisher war die diplomatische Tätigkeit Rußlands zu verspüren, und sie hat der Monarchie mehr gekostet als ein Krieg. Sie trägt auch die Schuld daran, daß Serbien sich so weit vorwagte, sie ist mitschuldig, an der Schreckenstat von Sarajevo. Die Zusammenhänge zwischen der Petersburger und der Belgrader Politik sind so klar, daß eine Trennung unmöglich ist. Das mußten auch die maßgebenden Faktoren der Monarchie wissen, da sie das Ultimatum an Serbien richteten. Und sie haben es gewußt und haben damit gerechnet; und nicht nur sie, sondern auch die Verbündeten des Reiches: .Berlin und Rom. Wenn man also mit dem Com- Snuniquo in der „Petersburger Zeitung" eine Drohung ausstoßen und einen Druck ausüben wollte, so hat man sich verrechnet. Die Aktion gegen Serbien kann dadurch nicht im geringsten beeinflußt werden. Man weiß im Dreibund zu genau, wie es um Rußland und Frankreich steht, und man weiß auch ganz genau, was sich dort für die nächsten drei oder vier Jahre vorbereitet. Wenn also Rußland derzeit den Frieden unbedingt aufrecht erhalten will, weil es ihn notwendig braucht, dann gibt es nur eine Art der Betätigung: Serbien zur Unterwerfung unter den Willen der Monarchie zu zwingen. Andernfalls nimmt das Schicksal seinen -Lauf. - Die Petersburger Politik hat sich also an die falsche Adresse gewendet. Nicht nach Wien soll sie ihre Drohungen und Ermahnungen richten, sondern nach Belgrad. Nur durch eine vollständige Wendung in dem politischen Verhalten wäre noch der Frieden zu retten. Die Note in der „Petersburger Zeitb ra^ d wt aber an, daß man auch dort die Partie verloren gibt. Es ist ein letzter, ganz verfehlter Versuch, Österreich-Ungarn einschüchtern zu wollen. Ein Versuch, der schon mit Rücksicht auf die herrscherwe Stimmung ganz aussichtslos ist. Wenn Rußland den Weltkrieg, den es längst vorbereitet, heranfbefchwören will, dann kann es das tun. Jedenfalls ist es für die Monarchie und den Dreibund viel günstiger, die Krise, die ja doch unabwendbar ist, bricht jetzt aus, so lange die Gegner noch nicht vollständig gerüstet sind, als später, wenn die Rüstungen Rußlands vollendet, sind und das wäre in drei bis vier Jahren. Das s alles ist in Men, in Berlin und Rom Wohl er- ^ wogen worden, bevor der Schritt in Belgrad unternommen wurde. Gerade deshalb hat das Wiener Auswärtige Amt an alle Mächte die Zirkulardepesche ergehen lassen, daß mit dem Vorgehen ^ gegen Serbien zunächst an keinen Landerwerb gedacht wird. So lange der Krieg auf die Monarchie j und Serbien beschränkt bliebe, handelt es sich nur um die Korrektur eines unleidlich gewordenen Nachbarverhältnisses. Wenn aber das große Ringen der Völker beginnt, dann sind die Folgen einer kriegerischen Auseinandersetzung ganz andere. Dann wird die Karte Europas eine andere Gestalt erhalten, die den Frieden auf längere Dauer sichert. In Petersburg scheint man mit dieser Entschlossenheit der Monarchie nicht zu rechnen. Man will in letzter Stunde eine Aufforderung an sie richten, die Frist des Ultimatums zu verlängern. Auch das ist aber in Rechnung gezogen worden und deshalb hat das Auswärtige Amt über Beschluß des Ministerrates erklärt, daß es keinerlei Intervention von dritter Seite, zu deutsch am allerwenigsten von Rußland, annehmen kann. Man bemüht sich also in Petersburg ganz vergeblich, in die Haltung der Monarchie Bresche zu schießen. Auch die Mobilisierung von sechs Armeekorps in Rußland, die heute gemeldet wird, ist ein Schreckschuß, der seine Wirkung verfehlt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Unterwerfung oder Krieg. Belgrad, beziehungsweise Petersburg erklären, daß die Unterwerfung unmöglich ist, gut, dann bleibt eben nur die zweite Möglichkeit. Nur noch wenige Stunden trennen uns von der Entscheidung. Der heutige Tag zeigt bereits deutlich an, wie sie aus- fallen wird. Es mühte ein Wunder geschehen, an das niemand glauben kann, wenn nicht schon heute abend Baron Giesl, der österreichisch-ungarische Gesandte, Belgrad verläßt. , ä«8kIfLnX1 »< „ck fu« 11 c 1 o o x u »< c x s ^ 7 ! o« I^ 6 LL? 0 L^ (67732) Mr^Tag der Entscheidung. ->-^Wenn heute die Sonne zur Ruhe geht, ist die Entscheidung darüber gefallen, ob die nächste Zukunft Krieg oder Frieden bringt. Heute um sechs Uhr abends läuft die Frist des Ultimatums, das Österreich-Ungarn an Serbien gerichtet hat, ab. Die Entscheidung wird formell in Belgrad fallen, tatsächlich aber in Petersburg. Wenn die Politik des Zarenreiches den Krieg, mit dem sie so lange gespielt hat, nicht verträgt, wenn er ihr zu früh jauszubrechen droht, dann wird der russische Geschäftsträger, der Nachfolger Hartwigs heute im serbischen Ministerium erscheinen und den Befehl zum vollen Rückzug, zum Gang durchs kaudinische Doch erteilen. Serbien mag dann sehen, wie es sich mit der Sachlage abfindet, ob es sich in den Abgrund stürzen will, der sich gähnend vor ihm aufgetan hat und die Pose nationalen Heldentums bis zum Untergange spielen will oder ob es sich dem Zwange der Verhältnisse fügt und die Recht« und die Wacht des benachbarten Großstaates anerkennen will. Fast scheint es ausgeschlossen, daß der serbische Chauvinismus eine so tiefe Demütigung ertragen könnte. König Peter steht vor der Wahl, Thron und Krone aufs Spiel zu setzen in einem aussichtslosen Kampfs, sein Land den Verheerungen eines Krieges pveiszugeben, dessen Aus- sgang nicht zweifelhaft sein kann, oder aber als Opfer einer inneren Revolution zu fallen, die unausbleiblich ist, wenn Serbien den jahrelang aufgepeitschten und großgezogenen Stolz und Übermut ablegen und im Büßergewande durch das Joch gehen muß. Das sind Dis Früchte der verhetzenden sund zersetzenden Politik Serbiens, die seit dem grausen Königsmorde im Belgrader Konak die wüstesten Orgien gefeiert hat. Die so oft totgesagte, angeblich von innerer Fäulnis zerfressene Monarchie hat sich mit einem Schlage erhoben. Me aus Erz gegossen stehen die Reihen der Völker. Herzerfreuend ist die glühende Vaterlandsliebe, herzerfreuend die Haltung der Bevölkerung, dis sich! gerade jetzt in diesem ernsten Augenblicks im schönsten Lichte zeigt. Ein Aufatmen ging durch die Laude, als das Ultimatum bekannt wurde, eine ruhige Entschlossenheit und Sicherheit macht sich überall bemerkbar, die prächtig absticht von dem markschreierischen Bramarbasieren serbischer Gernegroße. Es ist, als ob nichts geschehen wäre. Jeder geht seinem Tagetverk nach, jeder erfüllt nach wi« vor seine Pflicht. Und doch hat alle eine glühende Begeisterung erfaßt. Das ist die Monarchie, dis man totgefagt, der man den sicheren Zerfall verkündet hat, aus deren Leib sich jeder herauszuschneiden hoffte, was er gerade brauchte. Und mit dieser Monarchie, deren Armee auf den Augenblick brennt, wo sie die große Prüfung bestehen kann, will Serbien die Waffen kreuzen? Ein zweiter Fall ist denkbar. Rußland hat eine Million Soldaten unter Waffen, angeblich zur Probemohilisierung. Ein Handzug des Aaren genügt, die Zahl zu verdoppeln und zu verdreifachen. Ein Handzug genügt, die Welt in Brand zu setzen. Österreich-Ungarn hat den schicksalsschweren Schritt in Belgrad nicht mit dem Übermüde des tollen Jünglings unternommen, der sich kopfüber in Gefahren stürzt, die er gar nicht kennt, nicht aus Lust znm Abenteuer, aus Wagemut und über- schäumender Lebenskraft, sondern aus wohlüberlegten Gründen, aus Gründen der Selbsterhaltung, zur Wahrung seiner Lebensinteressen. Dabei haben die Verantwortlichen Faktoren an dem mächtigen Protektor Serbiens, an dem Zarenreiche nicht vorübergehen können. Auch für den Fall, daß Ruß- ! land mit seinem Riesenheere in den Kamps gegen dis serbische Unmoral, fiir diese Partei eingreist, ist vorgesorgt. Die Monarchie hat treue Bundes- ^ ^ genossen: das Deutsche Reich und Italien. Der - Schritt in Belgrad ist im Einvernehmen mit Rom ^ Und Berlin erfolgt; das heißt, wenn das Heer 'der Russen zur Grenze eilt und wenn sich der in- 'time Freund und Bundesgenosse, der Franzmann jenseits der Vogesen, erhebt, stehen die Heers des ' Dreibundes geschlossen im Kampfs gegen Ost mid West. Dann erheben sich auch die Balkattstaaten, aber nicht mehr in einem Brmde, nicht Mehr gemeinsam die Spitze gegen das Donanreich kehrend. Auch da wird die Welt Überraschungen erleben, wie jene, die sie gestern den Atem anhalten ließen. So ist alles vorgekehrt, falls die ehernen Würfel des Schicksals heute fallen und das B-W des Kriegsgottes Mars nach oben zu liegen kommt. Heute um 6 Uhr abends wird der österreichisch-' ungarische Gesandte in Belgrad, Baron Giesl, die' ^ Antwort Serbiens erwarten. Kommt sie bis zu dieser Stunde nicht oder hält sie sich nicht an den Bibelspruch : Deine Rede sei ja, ja, oder nein, nein! dann hat er den gemessenen Befehl, Hie Stadt !der Attentäter, des Treubruches und der Hinter- slistigkeit sofort mit seinem gesamten Personale zu verlassen. Dann find die diplomatischen Beziehun- ,gen noch in derselben Stunde abgebrochen und eins .andere Sprache tritt in ihre Rechte. Dann ist die große Schicksalswende gekommen, auf die man seit -Jahren sich vorzubereiten hatte, dis das Donau- reich mit unendlicher Geduld immer wieder hrmrns-- schob, dann ist der Zahltag angebrochen. Noch herrscht der Friede; aber sein Leben hängt an. einem dünnen Faden, so dünn, daß niemand mehr daran glaubt, daß er diese Last noch länger zu tragen vermag. . /^nscisLkxiuucnfijn viex I^6LL?0LI (6022) "-4^-4 _L K^ ZÄs Ultimatum an Serbien. Die befristete Rote. K.-B. Wien, 24. IM. Die feste Entschlossenheit, die die österreichische Regierung bei der gestrigen Demarche in Belgrad bekundet, wird, wie. aus Berichten der Abendblätter hervorgcht, hier und in der ganzen Monarchie mit größter Befriedigung und einmütiger Zustimmung ausgenommen. Aus der Provinz lausen Meldungen ein und konstatieren übereinstimmend, daß der gestrige .Schritt allenthalben als Erlösung aus der geradezu lähmenden Stimmung, die sich seit dem Sarajevoer Attentate der Bevölkerung bemächtigt hat, gewirkt hat. R. Wie«, 24. Juli. Mit Rücksicht auf die Meldung eines ungarischen Blattes, daß das Ultimatum an Serbien von dem ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tißa verfaßt wurde, ist Ihr Korrespondent ermächtigt sestzustellen, daß diese Nachricht unrichtig ist. Die Note ist auf Grund des Materials, das das Auswärtige Amt vorbereitet und in einem Entwurf gesammelt hat, vom' gemeinsamen Ministerrat unter Wahrung der Einflüsse der beiderseitigen Ministerpräsidenten zustandegekommen. K.-V. Rom, 24. Juli. Der Inhalt der von der österreichisch-ungarischen Regierung an die serbische Regierung gerichteten Note sowie das diese Note begleitende Zirkular der österreichisch-ungarischen Regierung an die Mächte sind heute vormittag dem Generalsekretär des Ministeriums des Äußern überreicht worden. A. Rom, 24. Juli. Der Inhalt der österreichisch-ungarischen Note an Serbien hat hier die höchste Verblüffung hervorgerufen. Die voraussichtliche Entwicklung der Krise. S. Wien, 24. Juli. Für den Fall, als Serbien die Frist nicht einhalt oder die Forderungen aülehnen !sollte, wird die österreichisch-ungarisch: Regierung den Ausbrüch des Krieges am Samstag Um 6 Uhr abends auch formell ankündigen. Ein förmliches Ultimatum ist dagegen sehr unwahrscheinlich, da die Note ohnehin die letzten, nicht mehr abänderungsfähigen Bedingungen enthält. Dagegen dürste die serbische Regierung auch formell vom AusbaUch des Krieges" verständigt werden. In diesem Fall wird voraussichtlich der Kaiser, wie dies bei früheren Kriegen der Fall war, ein Kriegs'manifest an die Bevölkerung der Mona r ch i e erlassen. R. Wien, 21. Juli. Wie Ihr Korrespondent erfährt, sind auf innerpolitischem Gebiete alle Maßnahmen für den'Ernstfall schon seit Jah- ! ren vorbereitet. Selbstverständlich werden gewisse in Friedenszeiten bestehende Freiheiten im Ernstfalls" ausgehoben werden. Diese Maßnahmen sind jedoch nicht früher zu erwarten^ bevor nicht die Entscheidung ^ gefallen ist. Man erwartet diese noch für Samstag nachts. S. Wien, 24. Juli. Im Zusammenhang mit der Überreichung der Note an Serbien legt man sich die Frage vor, welches die nächsten Schritte unserer Regierung" sein werden, falls die serbische Regierung bis morgen 6 Uhr abends keine oder nur eine unbefriedigende Er-" klärung abgeben würde. An unterrichteter Stelle wird erklärt, daß im Falle als bis 6 Uhr abends der österreichisch-ungarische Gesandte v. Giesl nicht im Besitze der bedingungslosen Annahmeerklärung Serbiens sei, Baron Giesl mit dem Gesandtschaftsper- sonal Belgrad zu verlassen habe. Den inter- ^ nationalen Gepslogncheiten zufolge, würde der Schutz' der österreichisch-ungarischen Staats-' an gehörigen in Serbien einer befreundeten Macht, in diesem Falle dem d e nt sch en Gesandten Ba ron Griesinger übertragen werden. Eine Erklärung des serbischen Gesandten Jovanovic in Wien wird hier" nicht erwartet, sondern es ist, um einen Zeitverlust zu vermeiden, die oben angeführte Form der Entgegen-'! nähme der Erklärung Serbiens gewählt worden. Gras" Berchtvld wird sich im kritischen Momente nicht in " Wien, sondern in Bad Ischl befinden, wohin er morgen früh abreist' um beim Eintreffen der Nachricht! aus Belgrad, die ihm telephonisch nach Bad Ischl übermittelt werden wird, sofort dem Monarchen Bericht erstatten zu können. . > ^ ! / Zur Abreise bereit! st. Wien, 24. Juli. Der österreichisch- ungarische Gesandte in Belgrad, Freiherr von Giesl, hat den Befehl erhalten, für den Fall, daß entweder keine Antwort von der serbischen Regierung erfolgt oder diese Antwort nicht vallst än-" big befriedigend aussällt, nach Ablauf der Frist mit seinem Gesandtschafts- Personal die serbische Hauptstadt zu verlassen. > ! i ' i getan und sich solchergestalt in Widerspruch gesetzt mi> dem Willen Europas und Österreich-Ungarn gegenüber eingegangenen Verpflichtungen. Die Langmut, welche die k. Und k. Regierung der herausfordernden Haltung Serbiens gegenüber beobachtete, war darauf zurückzuführen, daß sie sich frei von territorialem Eigennutz wußte und dit Hoffnung nicht aufgab, daß hie -serbische Regierung dit Freundschaft Österreich-Ungarns schließlich richtig bewerten werde. Die k. und k. Regierung hatte gelaubt, daß eine wohlwollende Haltung gegenüber den politischen Interessen Serbiens das Königreich am Ende doch veranlassen werde, eine gleiche Haltung zu beobachten. Österreich-Ungarn erwartete eine solche Evolution der politischen Ideen in Serbien, insbesondere iw dem Momente, als nach den Ereignissen des Jahres 1912 die k. und k. Regierung durch ihre desinteressierte, von jedem übelwollen freie Haltung die so bedeutende Vergrößerung Serbiens möglich machte. Das dem Nachbarstaate seitens Österreich-Ungarns bekundete Wohlwollen hat jedoch die Bo rg ang sweise des K önigSreiches nicht geändert, das sort-> fuhr, auf seinem Territorium eine Propaganda zu dulden, deren traurige Folgen am 28. Juni l. I.' der ganzen Welt offenbar wurden an jenem Tage, da der Thronfolger der Monarchie und seine erlauchte Gemahlin einer in Belgrad entstandenen Verschwörung zum Opfer sielen. Bei dieser Lage der Dinge hat sich die k. und k. Regierung genötigt gesehen, einen neuen dringenden Schritt in Belgrad zu unternehmen, um solcherart die serbische Regierung dazu zu bringen, einer Bewegung Einhalt zu gebieten, welche die Sicherheit und Integrität Österreich-Ungarns bedroht. Die k. und k. Regierung ist überzeugt, sich, indem sie diesen Schritt unternimmt, in vollem Einklänge mit den Gefühlen aller zivilisierten Nationen zu befinden, die es nicht zugcb e n könnten, daß der Königsmord zur Waffe wird, der man sich ungestraft im politischen Kampfe bedienen dürfe und daß der Friede Europas unausgesetzt durch Umtriebe gestört wird, die von Belgrad ausgehen. Zur Unterstützung des Gesagten hält die k. und k. Regierung zur Verfügung der .... Regierung ein Dossier bereit, das über die serbische Propaganda und deren Zusammenhang mit dem Morde vom 28. Juni Aufklärung gibt. Eine gleiche Mitteilung ergeht an die k. und k. Vertreter bei den übrigen Signatarmächten. .Eure Exzellenz sind ermächtigt, dem Herrn Minister des Äußern eine Kopie dieser Depesche zu hinterlassen. ^ !>-!!, Bcrchtold m. p. Kein Iurückweichen der Monarchie. ! R. Wien, 24. Jüli. Wie Ihr Korrespondent aus einem Gespräche mit einem leitenden aktiven Staatsmann entnommen hat, ist jedes Zurück- weichen Österreich- Ungarns inForm von Verhandlungen mit der serbischen Regierung über das Ultimatum vollständig ausgeschlossen. Es gibt aber auch keine Erstreckung des Termins, und es gibt vor allem, anderen — und das ist wesentlich festzuhalten — keine Intervention einer dritten Macht bei Österreich -- Ungarn. Wenn eine Intervention seitens irgend einer Macht in Serbien erfolgen sollte, so berührt das die Aktionen der österreichisch-ungarischen Regierung! absolut nicht. Die österreichisch-üugarische Regierung würde jeden Versuch einer anderen Macht auf sie in irgend einer Weise einzuwirken, von vornherein zurückweisen. In cingeweihtcn Kreisen ist man der Ansicht, daß der Konflikt mit Serbien, der nun durch das österreichisch-ungarische Ultimatum in ein entscheidendes' Stadium getreten ist, nicht mehr aus friedlichem Wege werde bei^clegt werden können. , Nachrichten aus Ungarn. Die heutige Sitzung des Abgeordnetenhauses. K.-B. Budapest, 24. Juli. Zu Beginn der Sitzung teilte Ministerpräsident Graf Tißa dem Hause mit, daß die Demarche in Belgrad gestern erfolgt sei, und hielt eine kurze Rede, in der er hervorhob, daß niemand uns beschuldigen könne, daß wir den Krieg suchen, aber im Bewußtsein dessen, daß wir unser gutes Recht vertreten und daß das Existenzinteresse der Monarchie muf dem Spiele steht, werden wir alle Konsequenzen zu -tragen wissen. (Stürmischer Beifall.) ^ r, , Hierauf spricht im Namen der gesamten Opposition Graf. Andrafsy, der gleichfalls in einer kurzen Rede das Vorgehen der Monarchie billigte und erklärte, daß trotz der großen Gegensätze, die die Opposition von der Regierung trennen, jeder Ungar seine Pflicht erfüllen werde. (Stürmischer Beifall.) Gleichzeitig ersucht er, mit . Rücksicht auf den Ernst der Lage, die Sitzungen des Hauses zu vertagen. Ministerpräsident Graf Tißa spricht dem Grafen Andrassy seine wärmste Anerkennung aus und erklärt, daß er von ihm nichts anderes erwartet habe. (Stürmischer Beifall.) Was die Vertagung betreffe, so bemerke er, baß diese vorläufig seiner Ansicht nach nicht notwendig sei, da es sich nicht um eine solche Vorlage handle, die große Gegensätze Hervorrufe. Dagegen sei er nicht abgeneigt, zuzustimmen, daß nach Erledigung dieser Vorlage das Haus vertagt werden soll. Graf Andrassy ersucht um eine Pause von zehn Minuten, damit die oppositionellen Abgeordneten zu einer Besprechung zusammentreten können. Der Präsident ordnet eine Pause au. Während der Pause versammeln sich die oppositionellen Abgeordneten zu einer Besprechung. Die Abgeordneten Justh, Sag hi und Johann Z o t h sprechen sich gegen die Vereinbarung aus, doch dringt Graf Andrassy mit seiner Ansicht durch. Nach einer Pause von zwanzig Minuten wird die Sitzung wieder eröffnet. Graf Andrassy erklärt, die Opposition werde der normalen Verhandlung der Gebührennovelle kein Hindernis in den Weg legen. Sollte aber vor Erledigung der außenpolitischen Angelegenheiten ein anderer Gesetzentwurf zur Beratung kommen, so werde dies die Opposition als Provokation betrachten. Der Präsident erklärt, daß er es, da am SamStag und Montag keine Sitzungen stattsinden, nicht für opportun halte, einen anderen Gesetzentwurf auf die Tagesordnung zu setzen. Hierauf wird die Sstezmldebatte für die Gebührennovelle fortgesetzt. » . 8 8 I I 8 8 X ä 8 ff 808 I 8 8 8 ll 8 8 I ^ I ! 08 kilv: ILL: r. Budapest, 24. Juli. Dem Abgcordnetenhause wird schon in allernächster Zeit eine Vorlage zugehen, nach der die Regierung die Ausnahmsversügnn- gen des Gesetzartikels 13 vom Juli 1912 im Falle eines Krieges oder einer Kriegsgefahr in Anspruch nimmt. Nach diesem Gesetzartikel über den Ausnahmszustand kann daS Ministerium alle Beschlüsse der Munizipal-' oder Gemeindevertretungen, die den Interessen der Kriegsführung zuwiderlaufen, annullieren, das Halten, die Benützung oder in Verkehrbringung von Gegenständen, die den Interessen der Kriegsführung schaden, verbieten, die Preise von Konsumartikeln vorschreiben, eine strenge Post-, Telegraphen- und Telephon- ^ kontrolle ausüben, das Vereins- und Versammlungsrecht suspendieren und eine Präpentivzensur der Zei- ! tungen auSüben. ^.-B. Budapest, 23. Jüli. Finanzministet Dr. von — eleszky hat heute nachmittag den Vertretern der großen Geldinstitute Mitteilung von der Demarche des österreichisch-ungarischen Gesandten in Belgrad gemacht. Ter Zweck dieser Mitteilung war, daß die Nachricht von dieser Demarche den Geldmarkt nicht unvorbereitet treffe. Im Zusammenhänge mit dieser Mitteilung des Finanzministers gaben die anwesenden Vertreter der Geldinstitute ihrer Anschauung Ausdruck, daß die ungarische Volkswirtschaft entsprechenden Widerstand werde entfalten können, was immer auch die Folgen dieser Demarche sein mögen. Auch sehen sie keine Ursache dafür,- daß eine Störung des ungarischen volkswirtschaftlichen Lebens zu befürchten sei und daß Erregung und Kleinmütigkeit in den Kreisen des Publikums entstehen. Gleichzeitig erklärten die Vertreter > der Geldinstitute, daß sie vollkommen das Bewußtsein! der ihrer Harrenden Ausgabe haben, die in erster Reihe darin besteht, das Publikum zu beruhigen und vor grundloser Schädigung zu bewahren. Auch erachten sie es als ihre Ausgabe, durch Aufrechterhaltung der gewährten Kredite und falls es notwendig Ware, durch erhöhte Unterstützung der sonstigen kreditfähigen kleinen Institute und Privaten eventuellen Wirren zuvorzukommen. Zugleich wurde ein Übereinkommen getroffen,- daß die Institute, falls sich die Notwendigkeit ergeben sollte, mit Intervention der österreichisch-ungarischen Bank und der Regierung eine entsprechende Organisation ins Leben rufen. r. Budapest, 24. Juli. Im Laufe des gestrigen Abends fanden zahlreiche wichtige Beratungen statt. Der Präsident der Staatsbahnen, von Tolnay, und der Oberstadthauptmann Bo da sind telegraphisch von ihren Urlauben zurückberufen worden und in Budapest eingetrosfen. Sowohl im Handelsministerium als im Ministerium des Innern fanden Beratungen statt, die den.ganzen Abend in Anspruch nahmen. Man rechnet in ungarischen politischen Kreisen mit einem raschen Verlauf der Dinge und glaubt, daß dem Schritt der Monarchie in Belgrad in rascher Reihenfolge alle jene Maßregeln folgen werden, die im Rahmen des vom Monarchen genehmigten Aktionsprogramms noch .zu führen sind, ^ - Blätterstimmen. K.-B. Wien, 24. Juli. Die Blätter konstatieren übereinstimmend, daß die an Serbien gerichtete Note der Anbeginn einerVerteidigung, nicht eines Angriffes ist, daß sie die Willens festig! eit der Monarchie zeigt und nichts von Serbien verlangt, als dasjenige, was es längst aus eigenen Stücken zur Wahrung seines Ansehens vor Europa hätte tun sollen. Tie gesamte Presse spricht die Hoffnung aus, daß Serbien durch rasche Annahme der Forderungen Österreich- Ungarns jeden Verdacht der Gemeinschaft mit den Mördern abweisen und einsichtsvoll genug sein wird, nicht einen Krieg, sondern den Frieden zu tvollen.- Die Situation in Belgrad. K.-B. Belgrad, 23. Juli. (Aufgegeben um 7 Uhr abends, eingelangt in Wien am 24. Juli UM 11 Uhr vormittags.) Das serbische Preßbureau meldet: Da Ministerpräsident Paste sich auf einer Reise im ! Innern des Landes befindet und unverzüglich ins Ausland «Kreisen soll, wird Finanzmini st er Patsch u interimistisch den Vor-, sitz im Ministerrate und die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten übernehmen. Ein bezüglicher Ukas ist heute im Amtsblatt erschienen. ^ ! j Serbische Preßstimmen. K.-B. Belgrad, 23. Juli. Die,,Politika"führt aus, daß Serbien in der Frage der gerichtlichen Untersuchung bezüglich des Sarajevoer Attentates etwaigen bezüglichen strikten Wünschen betreffend die Unterstützung der Behörden bei der Aufhellung aller Umstände entgegenkomm en werde. Alle anderen Forderungen Österreich-Ungarns, die politischen Charakters wären, werde Serbien trotz aller Kriegsdrohungen en ts ch i eden a b leh n e n. Übrigens werde jetzt nur ein Federkrieg geführt. Wirr an einen ernsten Krieg denke, der schweige und drohe nicht. Serbien sei nicht mehr das Serbien vor der Annexion Bosniens und der tzerzegovina. Das heutige Serbien habe zwei blutige erfolgreiche Kriege-hinter sich. Wenn aber Österreich-Ungarn vom Zeitungskriog zum Wrffenkrieg übergehen sollte, wird es sich überzeugen, daß die letzten Kriege Serbien außer der Erfahrung und dem Selbstvertrauen' auch freundschaftliche Verbindungen gebracht haben, welche bewirken werden, daß Serbien nicht allein sein wird. ,,Mali Jo urnal" gibt der Ansicht Ausdruck, daß der Kriegslärm der österreichisch-ungarischen Presse nur auf Börsenspekulation znrückzuführen sei. Öster- ' reich-Ungarn dürfe mit Serbien keinen Krieg führen, da es seine ganze Existenz aufs Spiel setzen müßte. Serbien sei nicht mehr allein, sondern besitze Verbündete. Die österreichisch-ungarische Presse möge lärmen, so viel es ihr beliebe, Serbien werde sich nicht einschücbtern lassen. ,,Nowvsti" besprechen die Nachrichten, daß Österreich-Ungarn Serbien kurz befristete Forderungen zu stellen beabsichtige. Ter Zweck der kurzen Befristung, soll die Isolierung Serbiens sein. Wenn alle Großmächte sich neutral erklären sollten, würde Österreich-Ungarn Serbien bekriegen. Ties wird jedoch nicht der Fall sein, deshalb lassen alle Drohungen die Serben gleichgültig. Tie Partie gewinnt der kühle und tapfere Spieler; das seien jedoch jene in Wien jedenfalls nicht. x,Tribun a" legt dar, daß Bosnien und die Herzegowina von der Außenwelt hermetisch abgeschlossen seien. Man wisse nur,- daß dort das Standrecht herrsche und daß die Galgen aufgerichtet wurden. Das seien die erprobten Kulturmittel der sogenannten Kulturträger. Das Blatt fragt/ warum diejenigen, welche sich über die Brutalität der Balkanvölker erregten,- nicht ihre Stimme gegen die Bedrückung eines ganzen Volksstam- ! mes erheben und wo die fremden Konsuln seien,- vor. deren Augen die Organe der österreichisch-ungarischen Behörden vandalische Massaker,- unerhörte Verfolgungen, sowie räuberische Plünderungen,- Verwüstungen und Zerstörung verüben? Aus Bosnien steigt ein Schrei des Entsetzens bis zum Himmel auf. Tausende von Familien seien ohne Dach und ohne Brot geblieben und Hunderte schmachten in finsteren. Gesängnissen. Ihr Hab und Gut sei die Beute des Mobs und fremder Eindringlinge geworden. So hätten einst nur die Türken und Tataren gehandelt. Jetzt erlebe man es von sogenannten Kulturträgern. Das sei das grauenhafte, furchtbare Bild des einst so stolzen Bosnien und der Herzegowina. Das sei die Gesetzlichkeit und Ordnung; welche Österreich in den serbischen Ländern nach einer nahezu vierzigjährigen Regierung eingeführt habe. * . S. Wien, 24. Juli. Wie verlautet, .enthielten die früheren Entwürfe für die in Belgrad zu überreichende Note auch die Forderung nach der Verhaftung des Generals Jankovic. Erst in der endgültigjen Fassung wurde diese Forderung eliminiert. f. Sebenieo, 24. Juli. Es heißt, daß 100.000 Dinars aus Belgrad z!u Agitations-' zwecken hierher geschickt worden sind. Das Lokal des Sokolvereines, das als Agitativns- lokal dient, wurde behördlich geschlossen Und die darin befindlichen Wahllisten beschlagnahmt. r. Berlin, 24. Juli. Tie x,Tägliche Rundschau" veröffentlicht ein Schreiben des serbischen Majors Milan Pribicevic, worin dieser erklärt, er habe stets die Absicht gehabt, nach Vollendung seiner Militär- dienstzeit in Österreich in serbische Dienste zu treten. Er sei nicht außertourlich zum Hauptmann befördert worden^ habe im Gegenteil durch seinen Übertritt von der österreichischen in die serbische Armee zftei Jahre und sieben Monate im Range verloren. Tie ,,Narodna Obrana" sei keine geheime Organisation, er sei Sekretär der Obrana, weil er sich persönlich und schriftstellerisch betätige. Tie Narodna Obrana sei sechs Jahre nach dem Slowenski Jug gegründet worden, der seit dem Jahre 1812 überhaupt nicht mehr besteht. > , , ._— 1 n 8 c iLnxtxxcn fll« V! e k I^6L8?0LI (61-22) 7^L-^L / Das^Miimatum an Serbien. ^Gre Zirkularnote an die Mächte. Wien. 24. IM, Im Laufe des heutigen Eages wird an sämtliche Mächte eine Zirkular no te der äste rreichÜsch -ungarischlen Regierung ergehen, in der sie ihr Verhalten für den Ernstfall skizzieren wird. Es wird sich in dieser Frage hauptsächlich datum handeln, welche Absichten Lsterreijch-Ungarn verfolgt, wenn Serbien erklären sollte, aus Gründen der Staats raison auf die Forderungen Österreichs- Ungarns nicht cingehen zu können. Eine Absicht Österreich-Ungarns, im Falle kriegerischer Verwicklungen Serbien z!u annektieren, besteht absolut nicht, sondern es wird sich lediglich darum handeln, eine Schwächung der Position Serbiens in dem Sinne vorzunehmen, daß unbedingt jede großserbische Aktion auf weite Zeiten hinaus ausgeschlossen ist und daß eine gewisse Kontrolle über die serbische Politik eintritt. Der Wortlaut der Note. K.-B. Wien, 24. Juli. Den kaiserlichen und königlichen Botschaften im Deutschen Rci ch e, Frankreich, Großbritannien, Italien, Rußland und der Türkei ist nachstehende Zirkularweisung erteilt worden, die sie im Laufe des heutigen Vormittags auszuführen haben: Die k. und k. Regierung hat sich gezwungen gesehen, durch ihren k. und k. Gesandten in Belgrad am Donnerstag den 23. d. folgende Note an die königlich serbische Regierung zu richten. (Folgt die bereits bekanntgegebene Note.) Ich beehre mich, Eure Exzellenz zu ersuchen, den Inhalt dieser Note zur Kenntnis der Regierung zu bringen, bei der Sie beglaubigt find und diese Mitteilung mit folgenden Ausführungen zu begleiten: Am 31. März 1909 hat die königlich serbische Regierung an Österreich-Ungarn eine Erklärung gerichtet, deren Wortlaut oben wiedergegeben ist. Fast am Tage nach dieser Erklärung hat die Politik Serbiens in Wege eingelenkt, die dazu führten, bei den serbischen Staatsangehörigen der österreichisch-ungarischen i Monarchie subversive Ideen zu erwecken und dadurch die - Loslösung jener Gebiete Österreich-Ungarns vorzu- . bereiten. Die an Serbien angrenzenden Serben wurden der Hort einer verbrecherischen Agitation. Es bildeten sich Vereine und Bereinigungen, die, sek es vor aller Welt, sei es im Geheimen, dazu bestimmt waren, ans ' österreichisch-ungarischem Territorium Unruhen hervorzurufen. Diese Vereine und Bereinigungen zählen zu ihren Mitgliedern G e n e r a l e und Diplomaten, Staatsbeamte und Richter, mit einem Worte führende Persönlichkeiten der offiziellen und nichtofsiziellen Welt des Königreiches. Die serbische Presse steht fast zur Gänze im Dienste dieser gegen Österreich-Ungarn gerichteten Propaganda und kein Tag vergeht, ohne daß die Organe der serbischen Presse ihre Leser zum Haß und zur Verachtung gegen die N a ch b a r m 0 n a r ch i e oder zu Attentaten aufreizen, die mehr oder minder offen gegen die Sicherheit und Integrität der . letzteren gerichtet sind. Eine große Anzahl von Agenten ist damit beschäftigt, die Agitation gegen Österreich-Ungarn mit allen Mitteln zu fördern und die Jugend der an Serbien angrenzenden österreichisch-ungarischen Gebiete zu verführen. Der Geist der Verschwörung, der die politisierenden Kreise Serbiens beherrscht und der seine blutige Spur in den Annalen der serbischen Geschichte hinterläßt, ist seit der letzten Balkankrise im Wachsen begriffen. Mitglieder von Banden, die bisher in Mazedonien Beschäftigung fanden, haben sich der terroristischen Propaganda gegen Österreich-Ungarn zur Verfügung gestellt. Die serbische Regierung hat sich nicht bemüßigt gesehen, gegen diese Umtriebe, den Österreich- Ungarn seit Jahren ausgefetzt ist, in irgendeiner Weise einzuschreiten. Die königliche Regierung hat sohin der > feierlichen Erklärung vom 31. März 1909 nicht Genüge j Dis Situation in Belgrad. K.-B. Belgrad, 24. Juli. Das serbische Preß- bureau meldet: Ministerpräsident Pasic hat seine Jn- la:ü>srcise unterbrochen und ist heute um 5 Uhr früh nach Belgrad zurückgekehrt. r. Belgrad, 24. Juli. Maßgebende Persönlichkeiten der serbischen Regierung erklärten gestern nacht, für den Augenblick nichts sagen zu können, gaben aber die Hoffnung nicht auf, daß der Krieg vermieden werden könne. In-^ ' dessen weiß man vorläufig noch nicht, wie man sich ' zur Note stellen soll. Der Eindruck der Note war ^ jedenfalls deprimierend. Selbst Leute, die immer ' eine sehr radikale Sprache führen, wurden plötzlich voll- ^ ständig kleinlaut. Weiter heißt eS, überall seien l Truppenbewegungen festzustcllcn. Sämtliche Eisenbahnzüge seien mit einrückenden Reservisten überfüllt. Maßgebendenorts stellt man die umfangreichen militärischen Vorbereitungen nicht mehr in Abrede. r. Budapest, 24. Juli. Dem „Az Eff" wird aus Belgrad gemeldet: Die Nachricht von dem Schritt Österreich-Ungarns wurde in Belgrad gestern um 8 Uhr abends bekannt. Der Text der Note wurde jedoch heute vormittag noch nicht veröffentlicht. Die Nachricht von dem Schritt der Monarchie hat überall große Erregung hervorgernfen, die allmählich in einen Freudentaumel überging, als das Gerücht austanchte, daß in 'Petersburg angeblich zwei Stunden vor der österreichisch-ungarischen Demarche in Belgrad von der russischen und französischen Regierung ein Rundschreiben an die in 'Petersburg beglaubigten Botschafter ergangen sei, in dem dem Wunsche Ausdruck gegeben wist>, daß von Österreich-Ungarn keinerlei Aufforderung an Serbien, gerichtet werden möge, die die Unabhängigkeit das Sclbstbewußtsein der serbischen Nation verletzen ! könnte. Die Menschen rotteten sich in den Straßen ! zusammen und riefen: „Väterchen verläßt ^ seine Serben nicht." Gegen die Monarchie - wurden höhnische Äußerungen laut. Gegen i 11 Uhr nachts wurden von 'Patrouillen sämtliche Ossi- ^ ziere des in Belgrad garnisonierenden 7 . Vardarresi- ^ meuies verständigt, sich sofort in die Kaserne zu begeben. Nach Mitternacht wurden den Kavallerie- und Artillerieoffizieren in geschlossenen Briefumschlägen Wei- 'smreen ein'gchLndit. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß die Belgrad er Garnison mobilisiert worden ist. Unkomrolliecbare Gerüchten zufolge sind bereits heute nacht zwei Divisionen mobilisiert worden. A. Belgrad, 24. Juli. M- serbischen Blätter konstatieren die Erregtheit der österreichisch - ungarischen Presse anläßlich der Demarche rnü> viele Blätter heben hervor, daß Serbien nach den letzten zwei Kriegen gewohnt ist, kaltes Blut zu bewahren. Serbien will keinen Krieg. Wenn Österreich- Ungarn ihn haben will, wird Serbien ihn annchmen, da Rußland keinesfalls Serbien im Stiche lassen wird. . Die Machte. - r. Berlin, 24. Juli. Wie verlachtet, dürfte Kaiser Wilhelm seine Nvrdlandsreise, aus der er ohnehin schlechtes Wetter hat, ab kü rzen und dieser Tage, jedenfalls früher als beabsichtigt war, nach Berlin znrückkehren. Da auch die Urlaube des EhefS des GenrralstabeS und des KriegS- ministers ablausen, so ist auch deren Eintreffen in Berlin zu erwarten. Man hält hier zurzeit an der Hvsfnum fest, daß der Streitfall zwischen Österreich- Ungarn und Serbien, selbst wenn es zu kriegerischen Konflikten kommt, lokalisiert bleibt, zumal die Großmächte davon überzeugt sind, daß ihre Einmischung sofort dir mrdern Großmächte ans den Plan rufen würde. Daß deutscherseits jedes Eintreten einer Großmacht für Serbien als oasus kosäsris betrachtet wird, weiß man in allen Kabinetten. A. Köln, 24. Juli. Die „Köln. Zeitg," schreibt: Mau müsse hoffen, daß die Großmächte die Berechtigung der österreichisch-ungarischen Forderungen anerkennen werden und daß darum keine von ihnen die Unterstützung dazu hergcben wird, um diesen berechtigten Forderumgen cntgcgenzuwirken. r.Londou, 24. Juli. Der Berliner Korrespondent der Daily Mail bestätigt, daß Deutschland und Italien die österreichisch-ungarische Note vollständig billigen. Die deutschen Offiziere hätten in den letzten Tagen nur unter der Bedingung Urlaub erhalten, daß sie auf das erste Telegramm sofort in ihre Garnison zurückkehren. r. London, 24. Juli. Die Rede, mit der der König die Ulster-Konferenz erössncte, enthielt ursprünglich auch einen Passus über die österreichisch- serbische Krise. Der Passus erklärte die inneren ^ Zwistigkeiten in England für doppelt gcsährlich in einem Augenblick, wo die österreichisch-serbische Krise die gespannte europäische Situation beherrsch^ Der Satz wurde aber auf Verlangen Usquiths vom Konzept der Rede gestrichen, . . Die Auffassung in Sofia. A. Sofia, 24. Juli. Tic österreichisch-ungarische Note hat hier allenthalben Befriedigung hervorgerufen. Die hervorragendsten Politiker der verschiedenen Parteien nennen die Note einer Großmacht lvürdig. Man ist überzeugt, daß die Forderungen nicht .angenommen werden nnd erblickt deshalb in der Note geradezu eine Kriegserklärung. "In der Stadt zirkulieren die verschiedenste:: Gerüchte. So heißt es, Paste sei vorgestern nach Petersburg abgereist und werde nach erfolgtem Einvernehmen mit Rußland durch Patschn die Antwort erteilen lassen. Genaue Kenner der serbischen Verhältnisse meinen, Pasic sei heute überhaupt nicht ausschlaggebend, da die Militärliga in ihrer Verblendung und in der Hoffnung ans Rußland, selbst wenn die Negierung annehmen würde, sie sofort stürzen und ihren Willen diktieren werde. Ein der Regierung nahestehender Deputierter sagte: Ich glaube nicht, daß Serbien Ja und Amen sagen wird. Denn dann wäre seine Würde als selbständiger Staat endgültig verschwunden. Die Aushebung der Narodna Obraua und die Konfiszierung ihres Vermögens wird die Militärliga mit allen Mitteln zu vereiteln trachten. Allgemein spricht man von nichts anderem, als von der bevorstehenden Antwort und überwiegend ist die Ansicht, daß ein bewaffneter Konflikt unvermeidlich sei. Man freut sich über die erfolgte Demütigung Serbiens und würde nichts lieber sehen, als ein bewaffnetes Einschreiten der Monarchie, wobei man annimmt, daß dann zunächst der Sandschak otknpicrt würde, wodurch der Traum einer Union mit Montenegro sofort verschwände. Im Kriegsfälle würde Bulgarien ohne Rücksicht auf Rumänien ruhig z u s c h e n. , Zum Attentat in Sarajevo. ' ' S. Wien, 24. Juli. Der im Punkt 7 der österreichisch-ungarischen Note genannte serbische Staatsbahn- K k 8 ^ I I L 6 X ä 8 si fsisi > 5 s» ll 0 ^ U ^ I ^ I I 0 >i 7LL: beamte Milan Ciga noble wurde, wie aus VeEtad mitgeteilt wird, sofort nach Bekanntwcrden einzelner Mitteilungur aus der Untersuchung von der serbischen Negierung in das Innere des Landes versetzt und soll sich derzeit unter fremdem Namen in Serbien aushaltcn. . Zeitungsstinnnen. r. Lemberg, 24. Juli. Die polnische Presse gibt in Besprechung der auswärtigen Lage einmütig der Anschauung Ansdruck, daß sich das polnische Volk, falls cs zum Äußersten kommen wird, treu nur Dynastie und Reich scharen werde. Die „Gazctta Vicczornä" schreibt unter anderem: Wenn cs dazu kommen sollte, daß Österreich-Ungarn aus dem -gestrigen Ultimatum die äußersten Konsequenzen zieht, so werden die Polen in Österreich, wo sie so viel zu verteidigen, wo sie so viele zivilisatorische Güter und so viel nationales Eigentum haben, ihre Pflicht in voller Disziplin bis in die äußersten Konsequenzen erfüllen. K.-V. Berlin, 24. Juli. Da die Ssterreichifch- nngarische Note erst in den späten Nachtstunden den hiesigen Blättern zugestellt wurde, besprechen nur einzelne von ihnen dieselbe. Der „Lokalanzeiger" schreibt: In Wien weiß man, was man will; es gibt kein Zurück. Das deutsche Volk atmet erleichtert ans, daß endlich ans dem Balkan Klarheit geschaffen werden soll. Es beglückwünscht den Verbündeten zu dem mannhaften Entschlüsse und wirb cs an Beweisen seiner Treue und Hilfsbereitschaft in den schweren Tagen, denen er vielleicht entgegcngeht, nicht fehlen lassen. Das „Berliner Tageblatt" betont die uneingeschränkte Billigung, die die Forderungen Österreich- Ungarns finden und erÄZstt, so sehr jeder fühlende Mensch die Erhaltung des Friedens wünschen muß, wird man doch anerkennen müssen, daß Österreich-Ungarn nicht anders handeln konnte und zum mindesten bei seinen Verbündeten wird cs auf vollste moralische und tatkräftige Unterstützung zählen dürfen. Die „Bossische Zeitung" betont, jede Rücksicht gegenüber Serbien fehlt, da cs Österreich-Ungarns erste Pflicht ist, sich selbst zu schützen. r. Paris, 24. Juli. Ein Teil dersranzüs!- schen Presse wendet sich gegen Österreich- Ungarn, das beschuldigt wird, den Frieden durch die Stellung unannehmbarer Forderungen an Serbien zu gefährden. Die Blätter machen der österreichischungarischen Politik den Vorwurf der Überstürzung in der Absicht, die Dinge auf die Spitze zu treiben. r. London, 24. Juli. Die österreichisch-ungarische Note wird hier von den meisten Blättern in Leitartikeln besprochen. Daily Chronicle spricht in pessimistischer Weise, als ob außer der ultima ratio andere Entwicklungen nicht mehr möglich wäxen. Der hier laut werdende Grundton der Betrachtungen kommt vielleicht am besten in den Worten der Morning- post zum Ausdruck, die sagt, die serbische Negierung wäre wobl beraten, wenn sie den Wünschen Österreich- Ungarns so weit als möglich entgegenkäme, allen und jedweden raisonablen Forderungen entspräche und so allen Vorwand für einen Angriff zu beseitigen suchen würde. Ähnlich äußern sich alle anderen Blätter und stimmen darüber überein, daß die Mächte der Tripcl- entente in Belgrad Ratschläge der Mäßigung und der Nachgiebigkeit erteilen werden. A. London, 24. Juli. Die ,-Westmirrster Gazette" schreibt: Die österreichrsch^ungarische Note ist, kme zu erwarten war, ein steifgehaltenes Dokument. DaS Matt zitiert die in der Note enthaltenen Beschuldigungen !nnd sagt weiter: Wir wissen nicht, wie viel Wahrheit in diesen Beschuldigungen steckt, aber sie läuten bestimmt 'und wenn sie bewiesen Werden, würde cs sich um eine Angelegenheit handeln, wo nicht bloß die Frage des Asylrechtcs in Betracht käme. Die serbische Note muß notwendigerweise eine ernstä Erwiderung äuf eine Reihe schwerer Beschuldigungen sein. Wenn die Behauptungen der Note aüfrecht erhalten werden können, so können wir nicht glauben, daß die russische Negievung irgend welche große Einwendungen dagegen erheben dürfte, daß man in Serbien Österreich-Ungarn Genugtuung gebe. A. London, 24. Juli. PallMallGazette schreibt, die österreichisch-ungarische Note zeichnet sich durch die Vereinigung von Heftigkeit mit Zurückhaltung ans. Österreich hat das Recht, die strikte Erfüllung seiner Forderungen zu verlangen, und wir hoffen, daß die serbische Note aufrichtige Bereitwilligkeit dep serbischen Machthaber hiezu zeigen wird. R-. Wien, 24. Juli. Sämtliche Minister, die ans Urlaub weilten, sind im Lause des gestrigen und heutigen Tages in Wien ei n g e t r o ff c n. Auch alle Ministerialreserenten wurden auf telegraphischem Wege zurückbernfen. An die E i sen b a h n v c rw a l Lunge n ist d ie Order ergangen, fernerhin keHnellckLstbo mehr zu erteilen. r. Bade« bei Wien 24. Juli. Beim Trabsahren kam es nach dem ztveitcn Rennen zu großen patriotischen Kundgebungen. Die Musikkapelle spielte den Prinz Eugen-Marsch und die VvlkShymne, die vom Publikum begeistert mitgesungen wurden. r. Paris, 24. Juli. Der „Matin" veröffentlicht ohne Kommentar folgerte Erklärung einer! hochstehenden österreichischen Persönlichkeit: Mit Schwächeren anznbinden ist gewiß nicht angenehm, aber noch schlimmer wäre zu inert getriebene Langmut. Serbien muß klein beigebcn oder es muß die Folgen seines Widerstandes tragen. An dieser Anschauung iv-ollen wir nicht rütteln mld uns auch nicht durch die Gefahr eines Krieges beirren lassen. r. Sernlin, 24. Juli. Mit dem heutigen Belgrader Dampfer sind zahlreiche österreichische und ungarische Staatsbürger, meist Frauen und Kinder, hier eingetrosfen. ^ / - ä n 8 8 I 7 L X X ä tt!. X fOk ^ ! 5. ^ ll 0 X 8 « ^ ki 7 7 I 0 kl EI7MLI7Ukl8 -203 _ -2L ?. ^ A, IieMmeilmg an Ne Großmächte. Eine Zirlularweisuug. ^ Amtlich wird gemeldet: Den k. und k. Botschaftern im Deutschen Reiche Frankreich, Großbritannien, I t a lien, Ruß- land und der Türkei ist nachstehende Zirkularweisung erteilt worden, die sie im Laufe des heutigen Vormittags auszuiühren haben: Die k. und k. Regierung hät sich gezwungen gesehen, durch den k. und k. Gesandten in Belgrad am Donnerstag den 23. d, die folgende Note an dis königlich serbische Regierung zu richten: (Folgt die bereits bekanntgegebene Note.) Ich beehre mich. Eure Exzellenz zu ersuchen, den Inhalt dieser Note zur Kenntnis der Regierung -zu bringen, bei der Sie beglaubigt sind, und diese Mitteilung mit folgenden Ausführungen zu begleiten: Am 31. März 1909 hat die königlich serbische Regierung an Oesterreich-Ungarn eine Erklärung gerichtet, deren Wortlaut ! oben wiedcrgegeben ist. Fast am Lage nach dieser Erklärung hat die Politik Serbiens in Wege eingelenkt, die dazu führten, bet Len serbischen Staatsangehörigen der österreichischungarischen Monarchie subversive Ideen zu erweck e n und dadurch die Loslösung jener Gebiete Oester-, rsich-UngarnS vorzubereiten, die an Serbien angrenzen Serbien wurde der Hort einer verbrecherischen Agitation. ES bildeten sich Vereine und Vereinigungen die, sei es vor aller Welt, sei es im geheimen, dazu bestimmt waren, auf österreichisch-ungarischem Territorium Unruhen hervorzurufen. Diese Vereine und Vereinigungen zählen zu ihren Mitgliedern Generale und Diplomaten, Staatsbeamte und Richter, mit einem Worte führende Persönlichkeiten deroffiziellen und nichtoffiziellen Welt! des Königreiches. Die serbische Press e steht fast zur Gänze im Dienste dieser gegen Oesterreich-Ungarn gerichteten Propaganda und kein Tag vergeht, ohne daß die Organe der serbischen Presse ihre Leser zum Hasse und zur Verachtung der Nachbarmonarchie oder zu Attentaten aufreizen, die mehr oder minder offen gegen die Sicherheit und Integrität der letzteren gerichtet sind. Eine große Anzahl von Agenten ist damit beschäftigt, die Agitation gegen Oesterreich-Ungarn mit allen Mitteln zu fördern und die Jugend der an Serbien angrenzenden österreichisch-ungarischen Gebiete zu verführen. Der Geist dev Verschwörung, der die politisierenden Kreise Serbiens beherrscht und der seine blutigen Spuren in den Annalen der serbischen Geschichte hinterlassen hat, ist seit der letzten Balkankrise im Wachsen begriffen. Mitglieder von Banden, die bisher in Mazedonien Beschäftigung fanden, haben sich der terroristischen Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn zur Verfügung gestellt. Die serbische Regierung hat sich nicht bemüßigt gesehen, gegen diese Umtriebe, denen Oesterreich-Ungarn seit Jahren ausgefetzt ist, in irgend einer Weise einzuschreiten. Die königliche Regierung hat sohin der feierlichen Erklärung vom 31. März 1909 nicht Genüge getan und sich solchergestalt in Widerspruch gesetzt mit dem Willen Europas und der Oesterreich-Ungarn gegenüber eingegangenen Verpflichtung. Die Langmut, welche die k. und k. Regierung der herausfordernden Haltung Serbiens gegenüber beobachtete, war darauf zurückzusühren, daß sie sich frei von territorialem Eigennutz wußte und die Hoffnung nicht aufgab, daß die serbische Regierung die Freundschaft Oesterreich-Ungarns' schließlich richtig bewerten werde. Die k. und k. Regierung hatte geglaubt, daß eine wohlwollende Haltung gegenüber den politischen Interessen Serbiens bas Königreich am Ende doch veranlassen werde, eine gleiche Haltung zu beobachten. Oesterreich-Ungarn erwartete eine solche Evolution der politischen Ideen in Serbien insbesondere in dem Moment, als nach den Ereignissen im Jahre 1918 die k. und k. Regierung durch ihre desinteressierte, von jedem Uebelwoklen freie Haltung die so bedeutende Vergrößerung Serbiens möglich machte. Das dem Nachbarstaat von Oesterreich-Ungarn bekundete Wohlwollen hat jedoch die VorgangSweife des Königreiches nicht geändert, das fortfuhr, auf. seinem Territorium eine Propaganda zu dulden, deren traurige Folgen am 28. Juni der ganzen Welt offenbar wurden, an jenem Tage,, da der Thronfolger der Monarchie und feine erlauchte Gemahlin einer in Belgrad entstandenen Verschwörung zum Opfer fielen. Bei dieser Lage der Dinge hat sich dis k. und k. Regierung genötigt gesehen, einen neuen »nd dringende» Schritt in Belgrad zu unternehmen, um solcherart die serbische Regierung dazu zu bringen, einer Bewegung Einhalt zu gebieten, welche die Sicherheit und Integrität Oesterreich-Ungarns bedroht. Die k. und k. Regierung ist überzeugt, sich, indem sie diesen Schritt unternimmt, im vollen Einklang mit den Gefühlen aller zivilisierten Nationen zu befinden, die es nicht zugeben könnten, daß der Königsmorb zur Waffe werde, der man sich ungestraft im politischen Kampfe bedienen dürfe, und daß der Friede Europas unausgesetzt durch Umtriebe gestört werde, die von Belgrad ausgehen. Zur Unterstützung des Gesagten hält die k. und k. Regierung zur Verfügung der Regierung ein Dossier bereit, daS über die serbische Propaganda und deren Zusammenhang mit dem Morde vom 23. Juni Aufklärung gibt. Eine gleiche Mitteilung ergeht an die k. und k. Vertreter bei den übrigen Signatarmttchten. Eure Exzellenz sind ermächtigt, dem Herrn Minister des Acußern eine Kopie dieser Depesche zu hinterlassen. Berchtoldw. p. s ä 8 8 5 I 7 5 8 X ä k-1 !. 8 588 ! 5. 8 0 X 8 « 5 8 7 ^ 7 I 0 8 /i8651758^517888 ^''' -20Z _ ^ L LMchen llinmslum «na Weg. Am Tage vor dev Entscheidung. Der Druck einer ernsten, düsteren Erwartung lag über dem heutigen Tage und er wächst mit jeder Stunde, die uns der Entscheidung nähert. Wenn die sechste Stunde morgen nachmittag htrangerückt ist, wird die furchtbare Frage, ob Krieg oder Frieden, beantwortet sein. Aus dem Munde des Grafen Tisza haben wir noch einmal einen amtlichen Kommentar zu der Note vernommen. Schamröte treibt es ins Antlitz, wenn man betrachtet, wie das ungarische Parlament, und sei es auch nur der Form nach, seinen Willen in der dunklen Schicksalsstunde verkündigt, wie vor den Vertretern Ungarns die Regierung den Schritt verteidigt und begründet, während die achtundzwanzig MillionenOesterreicher als bloße Untertanen, nur Objekte, nicht Subjekte des staatlichen Handelns und Geschehens, einen amtlichen Befehl stumm hinzunehmen haben. Doch was Tisza vor dem Abgeordnetenhause ausführte, war wenig überzeugend und machte nicht einmal den Eindruck, als sei es ernst gemeint. Denn er sagte, der Schritt Oesterreich-Ungarns sei nicht kriegerisch, es bestehe kein kriegerischer Zustand, noch ein solcher, der notwendigerweise die Gefahr eines Krieges heraufbeschwören müsse. Doch wer glaubt dies ernsthaft, wer wagt es zu hoffen? Die Meinung ist fast allgemein und ausnahmslos, daß kaum noch eine Hoffnung besteht, Serbien werde einlenken und sich unterwerfen. Und es müßte sich bedingunglos unterwerfen. Die österreichisch-ungarische Note erscheint in dem Tone und in der Art, in der sie gehalten ist, als ein letzter Vorschlag, sie läßt weiter keine Unterhandlungen über ihren Inhalt zu. Tatsächlich verhandelt auch, so wird berichtet, die österreichischungarische Gesandtschaft in Belgrad nicht mehr, sie wartet die Antwort der serbischen Regierung oder den Eintritt der sechsten Stunde morgen nachmittag ab. 'Wird Serbien die vorgeschriebene Erklärung an der vorgeschriebenen Stelle des Amtsblattes veröffentlichen, wird es dem in zwei Kriegen siegreichen Heere eine,n in Wien diktierten Armeebefehl vorlesen lassen und das übrige alles, das nicht anders und nicht leichter ist als dieses? Wenn aber nicht, so sind die Verhandlungsmittel erschöpft und nach der Logik, die in unserem gestrigen Einschreiten liegt, muß unweigerlich der Kriegszustand eintreten. Schon hat ja auch der österreichisch-ungarische Gesandte Giesl den Auftrag erhalten, falls bis Samstag abend sechs Uhr die serbische Regierung die vorbehaltlose Annahme der gestern gestellten Forderungen nicht mitgeteilt haben sollte, mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft Serbien zu verlassen. Es wird angenommen, das Eintreten des Kriegszustandes werde im Falle der ablehnenden Antwort Serbiens in Form einer feierlichen Kriegs- erkläruna. eines kaiserlichen Manifests ..An Meine Völker" geschehen. Denn der Haager Vertrag erheische dies, falls nicht ein Ultimatum mit der bedingten Kriegserklärung übergeben wurde. Die gestrige Note war aber wohl in der Sache ein Ultimatum, ein letztes Wort, bevor die Geschütze reden; doch fehlt ihm die Form eines Ultimatums, das heißt ihm fehlt der ausdrückliche Beisatz, daß bei Ablehnung der Bedingungen der Kriegszustand gegeben sei. So hängt alles nur an dem Faden, an dem/ morschen Faden der Hoffnung, daß Serbien zurück- weichen und die ihm auferlegten harten Bedingungen widerspruchslos annehmen werde. Gewiß, moralisch! ist die Lage Serbiens nicht gut und heil. Mit Recht hebt die englische „Westminister Gazette" hervor, Serbien werde die erhobenen Anklacun sehr ernst nehmen müssen, es werde über die Pflicht, sich zu reinigen, mit trotzigen Redensarten nicht herumkommen. Noch nie m neueren Zeiten sind so schwere Beschuldigungen gegen einen Staat und gegen seine Negierung amtlich erhoben worden. Aber auf der anderen Seite darf nicht übersehen werden: es sind Beschuldigungen, sie mögen glaubwürdig wie immer sein, sie sind durch zweiselfreie Beweise nicht erhärtet. Doch wenn nur selbst hievon absehen und zugeben, daß Serbien auch, abgesehen von der Vorbereitung des Attentats, für Oesterreich-Ungarn stets eine Quelle der Beunruhigung war: ist es so leicht denkbar, daß cs die Rolle des reuigen Sünders annimmt? Wer soll im Namen des Staates diesen folgenschweren Entschluß fassen? Der König ist ein Greis und kränk, der regierenoe Thronfolger ein Jüngling, das Parlament aufgelöst, das Land von den wilden Leidenschaften des Wahlkampfes erfüllt. Und nun soll' es P a s ch i t s ch s e i n> der die ganze Verantwortung auf seine Schultern nimmt? Ihm droht eine sehr heftig und erfolgreich kämpfende Opposition, die im Bunde steht mit denselben Offizieren, denen ein zweifacher Sieg unbegrenzten Dünkel eingegeben hat, und dis schon wiederholt dargetan haben, daß sie es verstehen, mit gewaltsamer Faust ihren Willen im Staate durchzusetzen. Die Stimmungsbilder, die wir aus Belgrad erhalten, machen freiuch den Eindruck, als habe die Note erschreckend, verblüffend, niederdrückcnd gewirkt mrd der Ton des Trotzes sei umgeschlagen. Aber diese Stimmungsbilder sind gefärbt und die Farbe der Wahrheit können wir nicht sehen. Doch nun erhebt sich die Frage, in der der ganze grauenhafte Ernst des Augenblicks eingeschlossen ist: 88 i wd Serbienallein o l e i b e n? Wird Oesterreich-Ungarn die Auseinandersetzung M Zweit ungestört pflegen können? Das / Wiener Kabinett hat an seine bei den Signatarmächten > beglaubigten Botschafter eine Zirkularanweisung ab- gessndet, die zugleich mit der Note zu überreichen ist und deren Inhalt in der Form einer lebhaften, in starken und tönenden Ausdrücken sich bewegenden Anklageschrift zusammenfaßt. Hier werden Serbien und Serbiens Taten vor den Richterstuhl Europas geladen, wiewohl dieses Europa nach dem Wunsche unseres Kabinetts keine Rolle sonst als die des Zusehers zu spielen hat. Die moralische Seite des Verhältnisses wird entfaltet. Und selbst das englische Regierungsblatt hält Rußland vor, es könnte, falls die Anklagen begründet seien, nichts dawider einwenden, daß Serbien Genugtuung gebe. Auch die mon- i archische Solidarität, die Rußland mit Hinblick auf das Attentat zur Zurückhaltung verpflichtet, wird vielfach hervorgehoben. Allein Moral und monarchische Solidarität, wir haben es so oft erlebt, haben eine begrenzte Wirkungskraft. Für Rußland wird sich die Sachs, fürchten wir, weit lebhafter vom Standpunkt 'feines Ansehens auf dem Balkan, seines Prestiges als slavische Schutzmacht vor Augen stellen und zu Gefühl bringen. h Serbien ist Rußlands stärkster Vorposten auf dem Balkan, sein besonderer Schützling, die Waffe, die es im Süden gegen Oesterreich-Ungarn kehrt. Nehmen wir an, es übe zu Beginn des Konflikts Zurückhaltung: wird die panslavistische Agitation in der .Presse, in der Gesellschaft und am Hofe nickst mit aller Macht einsetzen? Wir haben es nicht emmal mitangesehen, wie die panslavistische Strömung, wenn sie mächtig anschwoll, schließlich die offizielle Politik des Zaren abzulenken vermochte. Auch wenn Oesterreich-Ungarn allein gegen Serbien steht, mag es wohl bei der gegebenen Uebermacht ein niit Sicherheit siegreicher Krieg sein; aber nicht im Handumdrehen würde er gewonnen werden, und die Gefahr, daß Rußland endlich doch eingreift, würde keinen Tag geringer sein als am ersten Tage. Wohl kann man sagen, die Streikbewegung in Rußland, die von Humbert aufgedeckten Mängel der französischen Rüstung müßten auf die Ententemächte einen mäßigenden Einfluß ausüben. Aber wir hören schon heute, wo die Pariser und Petersburger Presse noch führerlos schwankt, heftige Stimmen des .Angriffs laut werden, und innere Unruhen können auch den Gedanken nahelsgen, durch Entflammung der pan- slavistischen Ideen und durch Entfachen des Kriegsfeuers die Erregung der Gemüter nach außen zu kehren. Dis Gefahr eines Krieges, die ganz Europa in. einen Strudel von Blut und Grauen herabzieht, ist, täuschen wir uns nicht, mit der gestrigen Note gegeben. Und aus den Stimmen der Presse des deutschen Bundesgenossen, wie zuftimmend sie auch klingen, hört man die tiefe Besorgms nur zu deutlich heraus, nicht minder aus dem eifrigen Suchen der. italienischen Blätter nach den Möglichkeiten der Vermittlung. In Oesterreich-Ungarn ist freilich große Einmütigkeit der Stimmen und der Stimmung in der Presse. Man nennt sie imponierend. Sie ist es nicht so ganz. Allerdings sind alle Serbenfreunde stumm geworden. Das Wiener Blatt, das bisher ihr Fürsprecher war, hat sich dem österreichischen Patriotismus zugewendet, und die tschechischen Blätter, von den „Narodni Lisch" abwärts biszurn„Pravo Lidu", enthalten sich der Kritik der Note, die sie abdrucken, mit der Bemerkung, sie könnten nicht sprechen. Jedem Schreibenden sieht eben der Staatsanwalt über die Schulter. Die Staatsanwälte haben als erste in dieser schweren Stunde mobilisiert. So ist die Einmütigkeit der Presse nicht ohneweiters beweiskräftig und kein sicherer Ausdruck der herrschenden Stimmung. urscifLkxiuie» ssun «ie«i 00XU»«LX7^7l0X I^6L3k08I (6rL2) V-k^Äer Entscheidung. Dj-^emeinsamen Minister in Ischl. Ik^Wie«, 25. Juli. Graf B erchtold hat sich « sich Paste zu einer Zusammenkunft mit dem griechischen Ministerpräsidenten Veniselos begeben. Es verlautet, daß an dieser Besprechung, die in Nisch stattgefunücn hat, auch ein Vertreter Rumäniens und ein Vertreter der russischen Regierung teilgenommen hätte. In Belgrad ist das äußere BLd der Stadt fast Unverändert, Die Haltung Rußlands. K.-B. Petersburg, 24. Juli. Das amtliche Organ veröffentlicht folgendes Cvmmuniqus: DiekaiserlicheRegierung, lebhaftbesvrgt durch die überraschenden Ereignisse und durch das an Serbien durch Österreich-Ungarn gerichtete Ultimatum verfolgt mit Aufmerksam leit die Entwicklung des österreichisch-ungarisch- s e rbis ch e u K o nf li k t es, in welche m R ußla nd nicht indifferent bleiben kann. "" A. London, 2-',. Juli. Das Reutersche Bureau meldet aus Petersburg vom 21- d.: Der heutige Ministe rrat dauerte säst vier Stunden. Man versichert, daß Rußland unverzüglich intervenieren und von Österreich - Ungarn verlangen werde, die Frist des Ultimatums hin a nszusch ieb e n, um d er europäischen Diplomatie Zeit zu geben, ihren Einfluß geltend zu machen. A. Petersburg, 25. Juli. Das österreichisch-ungarische Ultimatum hat hier wie etu Bitz iauSj heiterem Himmel gewirkt, zumal die maßgebenden Kreise noch Donnerstag davon überzeugt waren, daß eine Entspannung zu erwarten sei. Im Ministerium des Äußern äußert man sich sehr erbittert über Österreich-Ungarn und verschiedentlich wird erklärt, daß Rußland dabei unmöglich teilnahmslos bleiben könne. Es verlautet, daß Rußland sechs weitere Armeekorps an die österreichische Grenze werfen wolle. Dieser Beschluß soll noch Während der Anwesenheit PoincarAs gefaßt worden sein. A. Petersburg, 25. Juli. „Wetscherna Wrenchr" behauptet, im Ministerium des Äußern folgende Erklärung erhalten zu haben: Das Ultimatum überraschte in der bedauerlichsten Weise. Die Gefahr ist dadurch aus das äußerste gestiegen. Rußland kann Serbiens Schicksal nicht teilnahmslos mitansehen, um so mehr, als die Beschuldigungen des Ultimatums gänzlich unbegründet (?) sind und das Bestreben offensichtlich ist, die Tatsachen tendenziös zu färben. Vollständige Äbersinstimnmng Rußlands und Frankreichs. K.-B. Petersburg, 26. Juli. Die Petersburger Telegraphenagentur veröffentlicht folgendes Com- muniq^rs: Der Besuch, den der Präsident der fr anzi., Ischen Republik dem Kaiser von Ruß'la^ ^ abgestattet hat, hat den beiden befreundeten un' "Verbündeten Regierungen Gelegenheit gegeben, die vollkommene Übereinftimmu ng ihrer Anschauung enüberverschiedene Probt eure zu konstatieren, vor die die Sorge um den allgemeinen Frieden und das europäische Gleichgewicht, namentlich im Orient, die Mächte stellt. . , , > 's ö k ö ^ I 7 5 X X ä tt!, X X si X ^ ! X. sj ll 0 X U « X 7 ^ 7 l 0 li /lX8XI7XX^I7UW Lv^/ _ "^-Le>. ^ ZM MegSMSbmch. W i e n. 24. JuN. Immer naher umkreist uns der Krieg, und wenn man dem ganzen furchtbaren Ernst ins Auge sieht, so muß man sagen, der Krieg ist schon da. Nur daß noch die formelle Beglaubigung fehlt, daß er noch vielleicht nicht in aller Form erklärt ist, das ist das einzige, woran sich die Hoffnung klammert, die letzte Hoffnung, die niemand fahren lassen will, so lange sich der eherne Schlund der Kanonen nicht geöffnet hat. Aber wie gering ist diese Hoffnung, da doch schon alles eingetreten ist, was einem Kriege vorangeht ! Die diplomatischen Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien sind abgebrochen» der Gesandte Oesterreich-Ungarns hat mit dem gesamten Gesandtschaftspersonal heute abend Belgrad verlassen. Serbien hat seine Armee schon mobilisiert, hat die Hauptstadt geräumt. Der Hof, die Regierung, die Truppen sind vyn Belgrad bereits fort: diese Flucht ist gleichsam die erste Kriegshandlung, die uns Mit nicht bczweiselbarer Furchtbarkeit mitten in den Krieg stellt. Es ist'den. Menschen angeboren,. bis. zum letzten Augenblick zu hoffen; und wie nahe schien die Wendung den heutigen ganzen Tag hindurch, da die Meldungen von der Unterwerfung ^s«Mens immer bestimmter auftraten und manffchan glaubte, das Allerschwerste überwunden zu haben! Aber nun rückt das Schicksal immer näher, der letzte Schimmer verblaßt und verlöscht, und vorüber Gewalt der Dinge, die wir nicht meistern können, versinken die letzten Hoffnungen in den Abgrund. Der Krieg umklammert uns alle mit seiner furchtbare!: Macht. Wenige Minuten vor Ablauf jener sechsten Abendstunde, die in dem österreichisch-ungarischen Ultimatum Serbien gesetzt worden ist, erschien der serbische Ministerpräsident bei dem österreichischungarischen Gesandten, um ihm Serbiens Antwort zu übergeben. Die Zeit hatte also Serbien eingehalten. Die amtliche Meldung bezeichnet die Antwort als „ungenügend". Daraus kann wohl zweierlei gefolgert werden: daß Serbien einem beträchtlichen Teil der österreichisch-ungarischen Forderungen zu entsprechen zwar bereit war, die Forderungen aber nicht in ihrer Gänze angenommen hat; diese unteilbare Gesamtheit ist jedoch, wie man weiß, von Oesterreich- Ungarn als unerbittliche Bedingung gestellt worden. Die Brücke, die durch Verhandlung zur Verständigung hätte führen können, hatte Graf Berchtold vorweg abgebrochen; nun führt leine mehr nach Belgrad, auf der nicht kriegsbereite Soldaten stehen. Aber daß Serbien, das doch wahrscheinlich manches und mancherlei angenommen hat, den letzten Schritt, der nicht der größte gewesen wäre, dennoch weigerte; den Schritt, der es von der^Gcfahr des Krieges mit dem großen Militnrstaat befreit Hütte, nicht tun wollte, nicht getan hat: das müssen wir wohl als einen Beweis dafür ansehen, daß Serbien glaubt, in dem Kriege mit Oesterreich-Ungarn nicht allein Zu bleiben. Denn wenn Serbien glauben müßte, zu fürchten hätte, daß es den Krieg allein auszusechten haben wird, daß ihm in dem Strauß mit einer der größten unter den europäischen Militärmächten niemand Zu Hilfe kommen werde, so hätte es in seinem Widerstand nicht beharren können, so hätte es sich unterworfen und den Krieg gescheut, in dem die militärischen Machtmittel so ungleiche sind. Das ist es nun, was der Entscheidung des heutigen Tages ein so furchtbar-ernstes Gepräge gibt: daß niemand weiß, ob es bei dem Kriege mit Serbien bleibt, niemand sagen kann, ob aus der „lokalisierten" Kriegsoperation nicht der Funke entspringen wird, der die ganze europäische Welt in Brand setzt, das ganze Europa in einen Feuerherd verwandelt. Ist es doch schon heute, als ob die Flamrnenzeichen rauchten und der Horizont der europäischen Zivilisation blutigrot umsäumt wäre: eine Ahnung des Furchtbaren, das aus dem Streit mit dem serbischen Unruhestifter dem gesamten Europa entstehen kann. Es wäre freilich wider das Gewissen der Menschheit selbst, wider alle menschliche Vernunft, daß wegen der dreiste» Machtansprüche der Balkanserben ganz Europa in einen Krieg verwickelt werden könnte, daß sich Europas Kulturvölker zerfleischen sollen, weil Serbien die Luft nach fremdem Gute antreibt. So drohend auch die Sprache Rußlands klingt: es ist jedem, dem die Wohlfahrt der Menschen heilig, fast unmöglich, zu glauben, daß ' der. Zarismus fähig sein könnte, um seines elenden Prestiges willen auf Europa die Heimsuchung eines Weltkrieges zu wälzen. Wie immer: ernste und bittere Tage stehen vor uns, und sich in der Zeit voll ernster Anspannung zu behaupten, wird bei uns allen männliche Kraft und ernstes Bewußtsein erheischen. Der gewöhnliche Lauf, der Dinge ist aufgehoben, die staatsgrundgesetzlichen Rechte sind im ganzen Reiche sistiert; der Krieg breitet seine Schatten über den ganzen Staat. Und so rufen V. mir allen Genossen zu: Die Kerzen hoch und tapfere Ausdauer bei allem! Nun heißt die Losung: Es bewähre sich der Mann und erweise seine Kraft! Der Mbmcb qer diplsmatilcben Seriedmzen ^ » - Amtliche Meldlmg. Ansgcgeben M ^8 Uhr Mcnhs. , Wien, 25. Juli.Mttttster-räsidcn^Pa schits ch erschien tv e n i ge M i » n t eor v o r 6 U h r U der k. und k. Gesandtschaft in Belgrad und erteilte eine n » g e u ü g c n tz e A ntwort ans unsere Mote."- -/ : » t ' - Baron Gics 1 notifizierte ihm hierauf den Abb r u ch der d i p l o in a t ifche n B ezieh nngen nnd verlies; mit dem Gcsandt- schastSpcrfvnal nm 6 Uhr 36 Minuten Belgrad. Tie serbische Regierung hatte schon früher, um 3 Uhr nachmittags, die M o b t l m a ch n u g Ser gesamten Arm c e a n g e o r d « e t. Der H o f, die Regie r u n g sowie Sic Tr » p - en riiuineu Belgrad. Die Regierung soll nach K r agnje v a L; verlegt werden. z k 8 7 I 7 7 k X ä tt!_ k 70 k ! 7 ll0X0«7^7^7I0« äk871778^7170!^ ^ 20", _ "°'2L.?. L st>Msdmrr«Ns«a i« veltekreicd. Ter Reichsrat geschloffen. Amtlich wird gemeldet: Die auswärtige Lage hat nunmehr eine Gestaltung' angenommen, welche die Bedachtnahme auf die militärischen Erfordernisse zum obersten Gebot macht. In dieser Erwägung wurde eine Reihe von Verfügungen im Innern der Monarchie getroffen, welche einerseits dazu dienen sollen, freolerischen Unternehmungen gegen die Sicherheit und die Verteidigung des Staates entgegenzutreten, andererseits aber bestimmt sind, auch unbeabsichtigte Gefährdungen und Beeinträchtigungen der öffentlichen Interessen hintanzuhalten. Die Geheimhaltung und Sicherung aller militärischen Vorkehrungen gegen Auskundschaftung, «Störung und unbefugte Veröffentlichung im eigenen Lande soll verbürgt, alle Vorbereitungen der bewaffneten Macht sollen gefördert und ihr die Hilfsquellen des eigenen Landes im weitesten Maße erschlossen werden, Wenngleich diese schon seit Jahren als wohlerwogene Vorsorge vorbereiteten M aßna h m c n in mancher Richtung einschneidende Wirkung auf das normale bürgerliche Leben haben, so darf im Hinblick auf den Ernst der Stunde doch mit Sicherheit erwartet werden, daß die schwere Verantwortung, welche zu diesen Schritten bestimmen mußte, von allen Bewohnern des gemeinsamen Vaterlandes gewürdigt werden wird. Die Regierung ist sich dcr große n O v f e r, welche allen Krciseu der Bcvölker ü n g aufcrlegt si n d, wohl bewußt; verständnisvolle, bereitwillige Befolgung der Ausnahmsvcrfügungen wird di c s e O p f e r mildern u n d j e n e B e- schränkungcn leichter tragen lassen, die, nur unter dem Zwange der Notwendigkeit verfügst sobald als möglich wieder "normalen Verhältnissen Platz k a i-s e r l i ch c V e r o r d- ss !4 des Staatsgrundgesetzes, Mini st e rialve r o r d- sogleich in Kraft treten, s machen sollen. Es wurden f ü n f n unge n auf Grund des ferner eine Reihe von n unge n erlassen, welche Die kaiserlichen Verordnungen beziehen sich auf: I. die Uebertragung vou B cfugnissen d e r p' o l i tischen D e r w a l t u n g a ii d e n H ö ch st- k o »i in and irrenden der Streitkrüfte i n B o 8 n i e n, d e rH e r z e g o w i n a u n d D a lmatien; « die Mitwirkung der Gemeinde n und öffentlichen Beamte n an den A u f g a ü e n der L a n d e s- verteidig u n g und die Bestrafung der Verletzung einer Amtsosticht,; R die B c st r a f u n g , d e r Störung„ des öffentlichen Dienstes oder eines öffentlichen Betriebes und der Verletzung e i n er L l e f c r u n g s p f l i ch t; 4. die zeitweilige Unterstellung von Zivilpersonen unter die Militärgerichtsbarkeit. Die gleichzeitig erlassenen betreffen- Miuistcriawerordnmlgen r; ^ « sion staatsgrundg sicherte ft i m m u n g e n bezüglich der f v n I1chen Freiheit, des H a usre des Vereins- und des B riefgehe beschränkende polizeilich nung e n über das Pa ß wese n; beschrankende polizeiliche Anordnungen in auf den Besttz von Waffen. Munitronsa L ersammlungsre im nasses und derPreßfre e! c tz- p e r- ch t es, ch t es, ihei t; n ord- Bezug eaen- ständen undSpr eng st offen und den Verkehr mit denselben; die Einstellung der Wirksamkeit der (Hc- schwornengerichte; die Unterstellung v o n Z ivilpers o n en, die sich strafbarer Handlungen wider die Kriegsmacht des Staates schuldig machen, unter die Militärstraf- gerichtsbarkeit; die Einschränkung und Ueb erwach ung des Telegraphen- "und Telephon Verkehrs; ein ausdrückliches Verbot der Veröffentlichung militärischer Nachr ich ten in Druckschriften; die Anordnung des Verbotes der in S e r b i e n erscheinenden periodischen Druckschriften und der Revision der von dort einlangenden nichtperiodischen Drückschriften; die Behandlung der Po st sen düngen; ein Verbot der Einfuhr mehrerer Artikel; ein Verbot der Ausfuhr und Du r ch- fuhr mehrerer Artikel; die Verhütung von W e h r p f l i ch t v e r- lctzungen durch Grenzüberschreitung; das Inkrafttreten d e r B e st i m münzende sKricgslei st ungsgesetz es; die Festsetzung der Vergütungen für die auf Grund des Knegsleistimgsgesetzes geleisteten persönliche n Dienste, beigestellten F u h r w e r k e, Tic r e, raftfahrzeuge und Verpflegsartikel; die Hintanhaltung des Mißbrauchs vo n Brieftauben. In welchem Umfang die Suspension der staats- grundgcsetzlichen Rechte in Kraft tritt, wird in dieser Mitteilung nicht dargelegt. Man muß, um sich über das Maß des Ausnahmszustandes klarzuwerden, erst die amt I i ch e Kundmachung abwarten. / Auf Grund kaiserlicher Ermächtigung wurdc; die XXI. «sessio» : des Reichsrates mit 25. Juli d. I. für g e s ch l o s s e n erklärt. Die Sitzungen des P c r m a n e n z a u s s ch u s s e s ides Abgeordnetenhauses des Reichsrates zur Beratung 'der Regierungsvorlage über Sozialversicherung wurden mit Vorbehalt der Wiederembernsung der Miigiieder einst- > weilen e i n g e st e l l t. ch ch j Die Landtage geschloffen. Die Landtage in Dalmatien, Kram, Görz-Gradiska, Mähren, Niederösterreich, Oberösterreich, Schlesien und Steiermark wurden über kaiserlichen Auftrag ges chlo ssen. Gleichzeitig erfolgte die Vertagung der auf Grund z besonderer Landesgesetze von einigen Landtagen eiügesetzten P e r m ans n z a u s sch «1 s e/ und zwar des Permanenzausschusses in Kärnten zur Beratung derDolks- und -VÜrgerfchulgefKzech deS> Permanenzausschusses in Schlesiien zur Beratung der Gesetze über die Landes-und ^ Gemeindevertretungen, des Permanenzausschusses in Währen zur Beratung nationalpolitischer Angelegenheiten und des Permanenzausschusses in Oberösterreich zur Beratung der Reform der Gemeindewahlordnung und der Gemeindeordnung. -k- * * Aehnliche Ausnahmsverfügungen sind auch in Ungarn und in Bosnien erlassen, worden. ' s / 1 «ise17 Ln »c 1»,», kn fij 8 X1 eX o o x u x e x 7 x 7 l o x I^6LS?OLI (6rL2) DieMrordnungen für den Kriegsfall. ^ Wie schon telegraphisch mitgeteilt, veröffentlichte die gestrige „Wiener Zeitung" eine Anzahl von kaiserlichen Verordnungen und Verordnungen des Gesamtministeriums, von denen einzelne für die Bevölkerung von besonderer Wichtigkeit sind. Die Behandlung der Postsendungen zu Kriegszeiten. Eine Verordnung der Ministerien des Handels und des Innern vom 25. Juli 1914, R.-G.-Bl. Nr. 162, bestimmt: 8 1. Die zuständigen landesfürsillichen Sicherheitsbehörden sind ermächtigt, alle Postsendungen jeder Art bei den Postanstalten jederzeit durch hierzu gehörig legitimierte Beamte der Durchsicht unterziehen Und Sendungen ohne Angabe der Gründe mit Beschlag belegen oder eröffnen zu lassen. Diese Durchsicht der Sendungen durch den abgeorbneten Beamten der landesfürstlichen Sicherheitsbehörde darf nur in ununterbrochener Gegenwart des Postamtsvorstandes oder eines zu dieser Amtshandlung von der Post- Und Telcgraphen- dircktion besonders beauftragten Beamten geschehen. K 2. Über besonderes Verlangen der landcsfürst- lichen Sicherheitsbehörde müssen die bei einzelnen, bestimmt bezeichnten Postämtern mit geringerem Verkehr ausgegebenen oder zur Abgabe einlangenden Postsendungen an ein anderes Postamt, zur allfälligen Durchsicht seitens des Abgeordneten der landesfürstlichen Sicherheitsbehörde, überwiesen werden. Der Tag des Beginnes und der Einstellung jeder einzelnen derartigen Maßnahme wird von der landesfürfllichen Sicherheitsbehörde, der zuständigen Post- und Tclegraphendirektion, die den in Betracht kommenden Postanstlälten die notwendigen Weisungen erteilt, rechtzeitig bekanntgegeben. 8 3. Alle Postanstalten sind verpflichtet, von den Vorgesetzten Behörden, sowie von den landesfürstlichen Sicherheitsbehörden bestimmt bezeichnte Postsendungen von der Weiterbeförderung und Bestellung vorläufig auszuschließen und sie zur Verfügung der zuständigen landesfürstlichen Sicherheitsbehörden bereitzuhalten. 8 4. Alle Postanstalten sind verpflichtet, alle Postsendungen, von denen mit Grund anzunehmen ist, daß sie militärische Interessen zu schädigen geeignet sind, der Post- und Telegraphendirektion vorzulegen, welche unverzüglich die Verfügung der zuständigen landessürst- lichen Sicherheitsbehörden einzuholen hat. 8 5. Briese mit Wert und Pakte mit Wertangabe über 100 Kronen verbleiben bis zur Entscheidung über die Beschlagnahme im Gewahrsam der Postanstalt und werden an die landesfürstlichen Sicherheitsbehörden erst dann ausgesolgt, wenn sie mit Beschlag belegt worden sind. Die Eröffnung der Briefe mit Wert und der Pakete mit Wertangabe über 100 Kronen darf nur in Gegenwart eines hiezu beauftragten Beamten des Postamtes, unter den für die Eröffnung solcher Sendungen im Postverkehre vorgeschriebenen Vorsichten, stattfinden. - ^8 6. Postsendungen jeder Art, welche an die landesfürstlichen Sicherheitsbehörden zur Beschlagnahme oder Eröffnung übergeben werden, sind vom Postamte nach ihren Merkmalen in ein doppelt auszufertigendes Verzeichnis aufzunehmen. Zn dem beim Postamte verbleibenden Original wird von der landesfürstlichen Sicherheitsbehörde die Übernahme bestätigt,- die Kopie tvird der übernehmenden Behörde übergebe», Postsendungen jeder Art, welche nach erfolgter Besichtigung oder Eröffnung von der Landesfürstlichen Sicherheitsbehörde an das Postamt zurückgcstellt werden, sind vom Postamte gegen Bestätigung in der Verzeichniskopie zurückzuübernehmen. Derlei Sendungen, welche eröffnet worden waren, müssen Von der landesfürstlichen Sicherheitsbehörde amtlich geschlossen und mit dem Vermerke: „Staatspolizeilich eröffnet" versehen sein.. Die von der landesfürstlichen Sicherheitsbehörde an das Postamt zurückgelangten Sendungen werden in der gewöhnlichen Weise behandelt. 8 7. In jenen Städten mit eigenem Statute, in welchen sich keine eigene landesfürstliche Polizeibehörde befindet, sind die in dieser Verordnung der zuständigen kandesfürstlichen Sicherheitsbehörde übertragenen Befugnisse von jener Bezirkshauptmannschaft auszuüben, welche in der betreffenden Stadt ihren Amtssitz hat, oder welche vom Landeschef mit der Ausübung dieser Befugnisse betraut wird. 8 8. Die Verordnung tritt mit dem! Tage der Kundmachung in Wirksamkeit. Schutz der für deu Staat wichtigen Unternehmungen. Von großer Bedeutung in diesen Tagen sind die Bestimmungen für die staatlich besonders geschützten Unternehmungen. So wird verfügt: Der öffentliche Beamte, der Bedienstete eines Staatsbetriebes, der Bedienstete einer Eisenbahn, eines Schiffahrtsunternehmens oder einer staatlich geschützten Unternehmung!, der im Vereine mit anderen in der Absicht, den Dienst oder Betrieb zu stören, die Erfüllung seiner Pflichten ganz, oder zum Teile verweigert oder unterläßt, oder seine Arbeit in einer Weise verrichtet, die geeignet ist, den Dienst oder Betrieb zu erschweren, wird wegen Vergehens mit strengem Arreste vonj 6 Wochen bis zu einem Jahre bestraft. Wer gegen einen anderen ein Mittel der Einschüchterung oder Gewalt anwendet, um eine Verabredung zustande zu bringen, zu verbreiten oder zwangsweise durchznführen, die darauf gerichtet ist, durch ein pflichtwidriges Verhalten den öffentlichen Dienst, den Dienst in einem staatlichen Betriebe oder den Betrieb einer Eisenbahn, eines Schissahrtunternehmens oder einer staatlich geschützten Unternehmung zu stören; wer in der Absicht, einen solchen Dienst oder Betrieb zu stören, Betriebsmittel oder Vetriebseinrichtungen beschädigt oder der Benützung entzieht, wird wegen Vergehens mit strengem Arrest von 6 Wochen bis zu einem Jahre bestrast. ' Wer vorsätzlich seine durch Vertrag oder Vvr- -Pflicht verletzt, für die bewasfNÄe Macht der Monarchie oder eines Bundesgenossen Gegenstände des Kriegsbedarfes zu liefern, solche Gegenstände oder Truppen zu befördern oder Arbeiten auszuführen; der Unterlieferant, Vermittler oder Bedienstete bei einer solchen Lieferung, Beförderung oder Arbeit, der vorsätzlich durch Verletzen seiner Pflichten die Leistung gefährdet oder vereitelt, wird wegen Vergehens mit strengem Arrest von einem Monat bis zu einem Jahre bestraft. Neben der Freiheitsstrafe kann in beiden Fällen Geldstrafe bis zu zwanzigtausend Kronen verhängt werden. Unabhängig von der strafgerichtlichen Verfolgung kann die Generalinspektion der österreichischen Eisenbahnen durch ihre Organe die sofortige Entlassung des schuldigen Bediensteten, sowohl der Staats- als Privatbahnen ohne weiteres Verfahren verfügen und den Vollzug anordnen. * Von Wesenheit für das Publikum sind auch die Bestimmungen über die EinschrL, nkun g und stb c r- wachung des Telegraphen- und Telephon- betriebes. Es heißt da: Alle Telegramme können einer besonderen amtlichen Zensur unterworfen werden. Der Absender eines im Inlands zur Aufgabe gelangenden Privattelegrammes ist verpflichtet, auf der Originalniederschrift seinen Namen und seine Wohnung anzugeben. Privattelegramme, welche teilweise oder zur Gänze in geheimer, das ist verabredeter oder chiffrierter Sprache abgefaßt sind, sowie Privattelegramme in offener Sprache, welche abgekürzte Ausdrücke der Harrdelssprache oder Handelsmarken enthalten, dann Privattelegramme ohne Text, endlich Privattelegramme, in welchen Daten militärischer Natur Vorkommen, dürfen von den Telegraphen- Lmtern weder befördert noch im Falle des Einlangens dem Adressaten zugestellt werden. Privattelegramme mit militärischen Nachrichten sind nur dann zuzulassen, wenn sie den vom Kriegsprcssequartier des k. u. k. Armeeoberkommandos oder vom Preßbureau des k. u. k. Kriegsministeriums beigesügten Vermerk „Vom Kriegs- pressequarticr genehmigt" oder „Vom Preßbureau des KM. genehmigt" tragen. Solche Telegramme dürfen nur beim Haupttelegraphenamt am Sitze des Kriegspressequartiers oder bei der Telegraphenzentralstation in Wien eingeliefert werden. Soweit es im militärischen Interesse notwendig ist, können Telegraphenämter für den Privattelegraphenverkehr zeitweilig gesperrt werden. Öffentliche Signalstationen und Radiostationen sind für den Privatverkehr — Fälle von Seenot ausgenommen — vollkommen gesperrt. Die telephonische Telegrammvermittlung sowie die Ausgabe von Telegrammen mittels Post ist vollkommen eingestellt. Der interurbane Telephonverkehr ist, insolange nicht hinsichtlich einzelner Relationen Ausnahmen zugelafsen werden, für Privatgespräche gänzlich eingestellt. Auch! in lokalen Staatstelephonanlagen kann nach Bedarf eine Einschränkung oder Einstellung des Privatverkehres platzgreifen. Die über die Grenzen der österreichisch-ungarischen Monarchie führenden Prtvattelegraphen- und Telephonleitungen werden gänzlich unterbrochen. Entschädigung sür Dienste und BerpflegSartikel. Durch eine Verordnung des Ministeriums für Landesverteidigung vom 25. Juli wird verfügt: 1. Die Vergütung für die persönlichen Leistungen besteht in einem täglichen Geldlohn und im Ersätze allfälliger mit der Dienstleistung verbundener Reiseauslagen. Bei Gewährung der Verpflegung in natura ist vom Geldlohne die in dieser Verordnung für die Natural- verpflegung festgesetzte Vergütung abzuziehen. Der tägliche Geldlohn für Personen, die zu Leistungen herangezogen werden, die beim Militär von Offizieren oder Gleichgestellten versehen werden, wie Ärzte, Ingenieure, Tierärzte, wird auf Grund der den Gagisten der zehnten Rangsklasse niederster Gehaltsstufe zustehenden Geldgebühren bemessen. Der Reifeauslagenersatz gebührt ihnen wie Gagisten der zehnten Rangs- klasse. Für die Dienstleistung als Krankenpfleger beträgt der Geldlohn täglich 8 K., für die als sonstiger Sanitätshilfsarbeiter, als Führer, beziehungsweise Betriebs- Wärter bei Kraftfahrzeugen, Mechaniker, Maschinist, als Kondukteur oder Schmied bei Transportmitteln, dann als Partieführer bei Schlachtviehtneben täglich 6 K., endlich für jene als Fuhrmann, Tragiierführer, Treiber, Koppelknccht oder Taglöhner täglich 3 K., wobei jedoch, solange die betreffenden Personen in ihren Aufenthaltsorten verwendet werden, nicht über die ortsübliche Entlohnung hinauszugehen ist. 2. Personen, die in einer von der Militärverwaltung übernommenen ^Mustrie- Md MdLven Betriebsames»- - verwendet werden, sind in der bei dieser Anlage bisheM üblichen Weise zu entlohnen. Mehrleistungen sind angemessen zu vergüten. 3. Die Höhe der sür die Abnützung und Beschädigung der Werkzeugs zu leistenden Entschädigung ist von den Behörden (Organen), Welchen die Arbeiter zur Dienstleistung zugewiesen sind, einvernehmlich mit einem Vertreter der Gemeinde, in der die Entlassung des Arbeiters erfolgt, nach dem gemeinen Werte festzustellen; die Entschädigung ist am Tage der Entlassmrg auszuzahlen. ä k 8 8 ! 1 8 8 X 8 k 508 N I 8 8 8 0 K 8 ^ 8 8 1 ^ 1 I 0 8 8r-.'. 1K8: 4. Die Behandlung der in den Krankenstand einer militärischen Sanitätsanstalt Aufgenomwenen umfaßt auch die unentgeltliche Verpflegung und unentgeltlichi: Verabreichung der Medikamente, dagegen gebührt für diese Zeit nur die Hälfte des täglichen Geldlohnes. Unter militärischen Sanitätsanstalten sind auch die von der Militärverwaltung in Anspruch genommenen Spitäler und Notspitäler der Gemeinden zu verstehen. Bei Beurteilung der Voraussetzungen eines etwaigen Ber- sorgungsanspruches sowie bei Anerkennung und Flüssigmachung der Versorgungsgenüsse haben die gesetzlichen Bestimmungen über die Versorgung der Militärpersonen und ihrer Hinterbliebenen Anwendung zu finden. Die notwendigen Erhebungen sind, falls die von der Partei beigebrachten Beweismittel (ärztliches Zeugnis) nicht ausreichen, von Amts ivegen zu pflegen. Hinsichtlich des Ausmaßes der Vcrsorgungsgenüsse sind gleichzuhalten: u) Personen, die zu Leistungen herangezogen wurden, die beim Militär von Offizieren und Gleichgestellten versehen werden, wie Ärzte, Ingenieure, Tierärzte, den Gagisten der zehnten Rangsklassc niederster Gehaltsstufe; b) Krankenpfleger den Gagisten ohne Rangsklasse niedersten Gagesatzes; e) sonstige Sanitäts-Hilfsarbeiter, Führer, beziehungsweise Betriebswärter bei Kraftfahrzeugen, Mechaniker, Maschinisten, Kondukteure bei Transportmitteln und Particführer bei Schlachtviehbetrieben den Zugsführern; ä) Schmiede bei Transportmitteln und Prosessionisten jeder Art den Korporalen; o) Fuhrleute oder Tragtierführer, Treiber, Koppelknechte und Tag- löhner den Soldaten ohne Chargengrad. Sollten Versorgungsansprüche für andere Personen, die in die vorerwähnte Kategorie nicht eingerciht sind, beziehungsweise für deren Hinterbliebene i.n Betracht kommen, so wird das Ausmaß der Versorgungsgenüsse fallweife durch dis Ministerialkommission festgesetzt. Für die zum Fuhrcn(Tragiier)dienste überlassenen Fuhrwerke und Tiere werden pro Tag nachstehende Vergütungen geleistet: für cul ZwnspunmgeZ, M Pferden bespanntes Fuhrwerk 6 K.; für ein einspänniges, mit .Pferden bespanntes Fuhrwerk 4 K.; für cm zweispän- niges, mit Ochsen bespanntes Fuhrwerk 5 K.; für zwei beschirrte Zugpferde 4 K.; für ein Tragtier 2 K,; für tzin Reitpferd 3 K. Überdies gebührt für die Tiere das Futter. Desgleichen trägt die Militärverwaltung die Kosten für die Instandhaltung der Fuhrwerke, Be- schirruug und Reitzeuge sowie sür den Husbeschtag. Dem zugehörigen Personal gebühren die Entlohnungen nach den Durchführungsbestimmungen. Tie Vergütungen und Entlohnungen gebühren vom Tage der Übernahme bis zur Entlassung und nach derselben noch für so viele Tage, als für die Rückkehr in den Ort, in dem die Übernahme erfolgte (Abgabsort), aus dem kürzesten Wege notwendig wären, wobei je 40 Kilometer gleich einem über 29 Kilometer hinausgehendcn Rest als Tagesleistung zu rechnen sind. Zur vorübergehenden Benützung für lokale militärische Zwecke benötigte Fuhrwerke und Tiere. (Lokofuhren) werden im Bedarfsorte oder dessen nächster Umgebung tagweise angefordert und derart in Anspruch genommen, daß sic bei einer ganztägigen Verwendung binnen 16 Stunden, bei einer halbtägige!'. Verwendung binnen acht Stunden vom Zeitpunkte der Abfahrt aus ihrem Standorte dahin wieder zurückkehren Wimen. Für die ganztägige Verwendung dieser Lokofuhren gebühren die in. den Durchführungsbestimmungen. festgesetzten Vergütungen und Entlohnungen, für die halbtägige die Hälfte, in keinem Falle aber eine ärarischc Verpflegung für Mann oder Tier. Für die überlassenen Kraftfahrzeuge werden pro Tag nachstehende Vergütungen geleistet: für ein Motorrad ahne Beiwagen 4 K., für ein Motorrad mit Beiwagen 5 Ach für ein, inklusive Führersitz, zweisitziges Personen-Autvmobil 15 K., sür ein mehrsitziges Per- soncn-Automobil 20 K., für einen Autobus 30 ,K., für cm Lastantomobil, und zwar mit einer Nutzlast bis 1500 Kilogramm 25 K., niit einer Nutzlast von 1500 bis. 3000 Kilogramm 30 K., mit einer Nutzlast über 3000 Kilogramm 35 K., für eine Straßen- oder Psluglokomv- tive oder sonstige Zugmaschine 40 K., für einen An- hängekarren 5 K., für einen Anhängewagen 10 K. Tie Instandhaltung der Kraftfahrzeuge und die Beistellnng der Betriebserfordernisse sür sich obliegt der Militärverwaltung. Die Vergütungen und Entlohnungen gebühren vom Tage der Übernahme bis zur Entlassung und nach derselben noch so viele.Tage, als für die Rückkehr notwendig wären, w.'ovei für Personenautomobllc und Motorräder je 200 Wometer,, für Autobusse and Last- automobile je 100 Kilometer und für Straßen- und Pfluglokomotiven sowie sonstige Zugmaschinen je 30 Wometer gleich einem über die Hälfte der betreffenden Kilometerzahl hinansgehendcu Rest als eine Tagesleistung zu rechne» sind. Zur vorübergehenden Benützung für lokale militärische Zwecke benötigte Kraftfahrzeuge (Lokofuhren) werden ini Bedarfsort oder d-sscn nächster Umgebung tagweise angefordert und derart in Anspruch genominen, daß sie Bei einer ganztägigen Verwendung binnen 16 Stunden, bei einer halbtägigen Verwendung binnen acht Stunden vom Zeitpunkte der Abfahrt aus ihrem Standorte wieder dahin zurückkehren können. Für die ganztägige Verwendung dieser Lokofuhren gebührt dem Besitzei: des Kraftfahrzeuges die in den Durchführungsbestimmungen zu diesem Paragraphen festgesetzte Vergütung, dem Führer (BetriebswLrter) die in den Durchführungsbestimmungen vorgeschriebene Entlohnung, sür die halbtägige Verwendung aber die Halste dieser Beträge, in keinem Falle die ärarische Verpflegung. Die Betriebsersvrdernisse sind — ohne Anspruch auf eine Vergütung hicsiir — vom Besitzer beizustellen. Für eingezogene Tauben ist.eine einmalige Vergütung von 1 K. 50 H. pro Stück zu leisten. Für die Unterbringung eines Rindes in einer Stallung oder Scheune, in einem Schuppen oder unter einem Flugdache werden täglich 2 H., für die Unterbringung eines Schafes oder Stechviehes 1 H. bezahlt. Bei der N at n ra l v e rPf lc g u n g (Quartierver- Megung) beträgt die dem Manne gebührende.ganze Tagesportion: 700 Gramm Brot, 2 Portionen Kaffee aus je 20 Gramm gebrannten Kaffeebohnen 'und je aus je 20 Gramm gebrannten Kaffeebohnen und je 25 Gr. Zucker, 400 Gramm frisches Rindfleisch, 140 Gramm Gemüse (Reis, Graupen, Weizengrieß, Hülsensrüchte, Hirse, Heidegrütze, getrocknete Mehlspeisen), Znbcrei- tungserfordernisse (30 Gramm Salz, 0,5 Gramm Pfeffer oder Paprika, 20 Gramm frisches Suppengrün, 2 Zentiliter Essig, 20 Gramm Fett, 5 Gramm Zwiebel oder Knoblauch) und 50 Zentiliter Wein od.er -fft Liter Bier. Die einzelnen Mahlzeiten sollen bestehen: ,"s»as Frühstück ans einer Portion - Kaffee, dre Mittagskost aus der zubcrciteten ganzen Fleisch- und halben Gcmüseportion, dann aus der halben Getränke, Portion, die Abend kost aus der zuü.ereiteten halben Ge- . mstsc-, dann der halben Gelränkeportion. Die Brot- Portion d'ttteilt sich auf Frühstück, Mittags- und Merid- kost, die zweite Kaffeeportion kann zur Mittags- oder Abendkost angefordert werden, ebenso kann die Fleische Portion je znr Halste für die Mittags- und für die Abendkost beansprucht werden. Die Vergütung für die Natnralber- ^pflegung betragt, und zwar: für eine ganze Tagcs- portion I K. 79 H., für eip Frühstück 25 H., für eine Mittagskost mit ganzer Neischportion 1 K. 15 H., für eine Mittagskost mit halber Fleischportion 85 H., für eine Abendkost mit halber Fleischportion 69 H., für eine Abendkosi ohne Fleischportion 39 H. Vergüt un gssätzc für die Verpflcgs- artikel, einschließlich des lebenden Schlacht- und Stechbiehes, dann für Brenn-, Beleuchtungs- und Bc- triebsmaterial: Weizen 29 K., Korn 21 K. 50 H., Halbfrucht 21 K. 90 H., Gerste 20 K., Hafer 20'K-, Wicken 27 K., Weizen-Brotbackmehl 39 K-> Roggen- Brotbackmehl 35 K-, Weizen-Zwiebackmehl 42 K. 50 H., Weizen-Kochmehl - 43' K., Mais-Kochniehl 34 K-, Mehl aus Hülscnsrüchten 35 K., alles für 100 Kilogramm; Weizenbrot 69 H., Roggenbrot 40 H., gemischtes Brot 44 H., Reis 70 H., Graupecr 60 H., Grieß 60 H., Bohnen (Fisolen) 55 H., Linsen 75 tz., Erbsen 70 H., geschalte Erbsen 80 H., Hirse 52 H., Buchweizen 50 H., Tarhonha 1 K. 35 H., sonstige getrocknete Mehlspeisen 1 K. >5 H., Makkaroni 1 K, 20 H., Kartoffeln >3 H., sonstige frische Gemüse (Kraut, Kohlgattungen, Rüben usw.) 40 H., Sauerkraut und saure Rüben 31 H., Kaffee 4 K. 50 H., Tee 12 K. 50 H., Kakao 7 K- 50 H., Zucker 1 K. 15 H., Salz 26 H., Pfeffer 3 K-, Paprika 4 K. 50 H,, Kümmel 1 M. 50 H., Suppengrün (getrocknet) 3 K., ZwicbÄ 24 H., Knoblauch 65 H., alles für ein Kilogramm; Wein 1 K. 40 H., Mer 50 H., Branntwein 1 K. 90 H., Rum 3 K. 60 H., Kognak 8 K., Essig 30 H.. Speiseöle 2 K. 90 H., alles für ein Liier; Ochsen, Kühe 108 K.> Schafe 110 K-, Schweine 160 K., Ziegen 105 K-, Kälber 180 K-, alles für 100 Kilogramm Lebendgewicht; Rindfleisch 200 K., Schaf- sleisch 180 K., Schweinefleisch 250 K., Ziegenfleisch 150 K., Kalbfleisch 275 K-, Rauchfleisch 265 K., Salami 550 K., sonstige Dauerwürste 340 K., Speck 250 K-, Schweineschmalz 260 K, alles für 109 Kilogramm; Butter 4 K. 10 H., Käse 2 K- 50 Hi, für ein Kilogramm; Heu 12 K. 30 H., Haserschrot 25 K., Gerstenschrot 24 K. 50 H., Kukumzschrot 27 K. 50 H., Kleie 15 K., Stroh 6 K. 30 H., alles für 100 Kilogramm; ^hartes Brennholz 12 K- 50' H.,,weiches,Brennholz 11 K> für ein Kubikmeter; Steinkohle 4 Kl"HolzkoM ra ^, Köks 5 K., für 100 Kilogramm; Petroleum 40 H., Brennöl 1 K. 20 H., Benzin 1 K-, Spiritus 80 H., Motorenöl 95 H., Konsistcnzfeltt 1 K- 20 H., Maschinen-, öl 70 H., Karbid 60 H., alles fiir ein Kilogramm?, «»sc > ru» x,c> ° o » v «c« r « i > o« iLcesrosi >5.: - 1^3 L?. MMfierung und Cisenbahn- ^ verkehr. Infolge der angeordneten teikweisen Mobilisierung der bewaffneten Macht wird bis auf weiteres auf einzelnen, in einer besonderen Kundmachung verlautbarten Bahnlinien der Zivilpersonen- und Gepäcksverkehr sowie der Zivil-Eil-- und Frachtgutverkehr teils eingestellt, teils beschränkt oder der Gesamtverkehr eingestellt. Der Zivilpersonen- und Gepäcksverkehr sowie der Zivil-Eil- und Frachtgutverkehr wird eingestellt auf den in den Plakaten aus den Bwhnhofen angegebenen Linien. Am besonderen wird folgendes bekanntgegeben: Für Linien, auf welchen der Zivilpersonen- und Gepäcksverkehr sowie der Zivileil- und Frachtgutverk ehr eingestellt sind- treten nachstehende Bestimmungen in Kraft: u) Für den Zivilpersonen- und Gepäcks per kehr: 1. Der Zivilpersonen- und Gepäcksverkehr aus und nach den, sowie über diese Linien hinaus, wird vom dritten Mvb-ilisicrungstag angefangen, gänzlich eingestellt. 2. Am ersten und zweiten Mobilisierungstage werden Zivilreisende und Reisegepäck zu allen in Verkehr kommenden Personen befördernden Zügen der Friedensfahrordnung, insoweit es die militärischen Interessen gestatten und nur nach jenen Stationen ausgenommen, welche von den Reisenden vor dem dritten Mobilisie- rungstage erreicht werden können. 3. Vom dritten Moöilisierungstage an werden Zivilreisende mit Postzügen der Kriegsfahrordnung, soweit es die militärische Beanspruchung derselben erlaubt und nur dann befördert, wenn sie die Reise im militärischen oder öffentlichen Interesse unternehmen und sich diesbezüglich an der Personenkassa mit einer seitens der politischen Behörde ausgestellten, zur einmaligen Fahrt berechtigenden, mit dem Amtssiegel versehenen Legitimation ausweiscn, welche nach Beendigung der Reise abzugeben ist. Diese Reisenden haben, insofern sie mit gültigen Fahrtausweisen nicht versehen sind, für die Fahrt Zivilsahrkarten der betreffenden Klaffe nach dem Personentarise zu lösen. 4. Die bereits vor Verlautbarung der Mobili-! sierung gelösten Fahrtausweise jeder Art, deren völlige Ausnützung wegen Sistierung des Zivilverkehres nicht ^ mehr möglich war, können bei Wiederaufnahme des > Zivilverkehresi n den picht durchfahrenen Strecken, event. ' unter Verlängerung der Gültigkeit um die Dauer der Verkehrseinstellung weiter benützt werden. Für die Benützung solcher Karten ist die Bestätigung des. Stations- Vorstandes einzuholen. b) Für den Ziviler!- und Frachtgut-^ perkehr: Der Zivileil- und Frachtgutverkehr auf und nach. solchen Linien, sowie über solche Linien hinaus, wird sofort gänzlich eingestellt. Alle Zivilgüter, ohne Rücksicht darauf, ob sie noch in der Versandstation lagern oder unterwegs angehalten wurden, werden dem Absender sofort schriftlich zur Verfügung gestellt. Weiters wird für diese Linien selbst nachstehendcL bestimmt: 1. In der Versand-, beziehmrgsweise Bestimmungs- . station sind die tarifmäßig von den Parteien auszuladenden Güter unverzüglich von den Absendern, beziehungsweise Empfängern auszuladen. Wenn die Ausladung nicht sofort bewirkt wird, erfolgt dieselbe auf Kosten und Gefahr der Partei, durch die Eisenbahn. 2. Die Absender, beziehungsweise die Empfänger haben die unverzügliche Abfuhr ihrer Sendungen zu veranlassen, widrigenfalls mit den Gütern im Sinne der zur Anwendung kommenden gesetzlichen, beziehungs-' weise reglementarischen Bestimmungen Verfahren wird. 3. Eine Rück- oder Weitersendung von Gütern auf Grund einer erteilten Verfügung findet nicht statt. 4. Sofern die bahnäUttlichen Lagerräume nicht ausreichen oder für sonstige Zwecke benötigt werden, werden die nicht abgeführten Zivilgüter auf Kosten und Gefahr der Verfügungsberechtigten entweder anderweitig auf > Lager gegeben oder bahuseits im Freien gelagert oder ^ eventuell bahnämtlich verkauft. 5. Für die Lagerung der Sendungen auf Bahngrund wird das tarifmäßige, beziehungsweise beson- ^ dcrs kundgemachte Lagergeld eingehoben. ! L. Fü r Linien, a uf welch en d e r G esam t- verkehr überhaupt eingestellt wird, gelten die unter L angeführten Bestimmungen mit Ausnahme des Punktes, 3 iM Absatz u). Für Pinien, auf welchen einzelne Züge in Verkehr belassen werden, findet die Beförderung von Zivilpersonen !und Sachen nur nach Tunlichkeit statt. Die Abfertigung von Reisenden mit direkten Fahrkarten und die Aufnahme von Frachtgütern mit direkten Frachtbriefen nach Stationen dieser Linien und darüber hinaus ist ausgeschlossen. ! Für Linien, aus welchen der Per-' sonen- und Gepäcksverkehr für die ganze, Dauer des Kriegsverkehrs einer teilweisen Mobilisierung voll aufrecht bleibt,, gelten bezüglich dep Zivileil- und Frachtgutverkehrs die Bestimmungen Unter ü, b), Die teilweise, beziehungsweise vollständige Wiederaufnahme des Zivilpersonen-, Gepäcks-- EU- Und Fracht- ^ gutverkehrs, sowie etwaige Ausnahmen von den Bestimmungen dieser Kundmachung werden rechtzeitig bekanntgemacht werden. Die Stationen erteilen darüber Auskunft, vb Und unter welchen Bedingungen Astprovisionievungsgnter auf und nach den, sowie scher die sub Punkt ^ 'und O ein- ! zubeziehenden Linien hinaus ausnahmsweise schon Wählend der Einstellung des allgemeinen Verkehrs z'nr Beförderung angenommen werden. Die Linien, für welche die vorstehenden Beschränkungen in Anwendung kommen, werden mit besonderer Kundmachung verlalutbart. Erster Mobilisierungstag ist der 28. Juli., »nseiiLnxzxienfU« v > e«« o o X u »I 5 »i 7 7 ! o X r^ 6 LL? 08 r (61722) ^2 _ "Sl 2?, 7.^-^-, 2 Iiöbillstkrimgskundmachiing. In der im gestrigen Abendblatte veröffentlichten „Mobilisierungskvndm-achung" stylen einige wichtige Bestimmungen, weshalb wir nachstehend diese richtiggestellt verlautbarm: Der Punkt 1 des Absatzes I (Einrückung der erforderlichen nichtaktiven Personen) lautet nunmehr richtig: 1. Alle zum Stande der Infanterieregimente! Nr. 7, 17, 27, 47, 87 und 97, der Feldjägerbataillone Nr. 7, 8, 9 und 20, des Dragonerregiments Nr. 5, der Feldkanonenregimenter Nr. 7, 8. und 9, des Feldhaubitzregiments Nr. 8, des Gebirgsartillürieregimcnts Nr. 3, der Schweren Haubitzdivision Nr. 3, des Festungsartil- lerieregiments Nr. 4, des Sappeurbataillons Nr. 3, des Pionierbataillons Nr. 3, der Traindivision Nr. 3, der Sanitätsabteilungen Nr. 7, 8 und 9, des Evidcnz- Artilleriezeugsdepots Graz, des Evidenzverpflegsmagazins Graz, der k- k-, Landwehrinfanterieregimenter Nr. 3, 4, 5, 26 und 27, endlich der k. k. Landwehr-Feldhaubitz- division Nr. 22 und der k. k. Landwehr-Feldkanonendivision Nr. 22 gehörenden nichtaktiven Personen haben längstens binnen 24 Stunden nach Verlautbarung dieser Kundmachung in ihrer AustnthaltSgemeinde aus derselben abzngehen und so schnell als möglich einzurücken, und zwar: die Gagisten, Gagistenaspiranten und die mit Widmungskarte beteilte Mannschaft nach dm Angaben ihrer Widmungskarte, alle übrige Mannschaft in die in ihrem Militär- oder Landwehrpasse eingetragene Aus- rüstungsstation. Nun lassen wir folgen, richtiggestellt, die s j Kundmachung einer teilweisen Aufbietung Und Einberuf u n g d e s k. k. L a n d st u r m e s. Seine k- u. k. Apostolische Majestät haben die Aufbietung und Einberufung des k. k. Landsturmes in den Landsturmbezirken Graz Nr. 3, Mrgenfurt Nr. 4, Mitterburg (Pisino) Nr. 5, Marburg Nr. 26 und Laibach Nr. 27 Allerhöchst anzubefehlen geruht. I. Aufbietung: Tie Aufbietung umfaßt alle landsturmpflichtigen Personen, das gesamte aktive Personal der Gendarmerie, Finanzwache und Staatsforste sowie alle landstu rmp fli ch Ligen Körperschaften der oben-' genannten Landstnrmbezirke. II. Einberufung: Zum Landsturmdienste werden einberufen: 1. die mit Landsturmwidmungskarten beteilten landsturmpflichtigen Pers 0 nen, deren Bestimmungs(Einrückungs)ort sich in einem der obengenannten Landsturmbezirke befindet; dieselben haben! nach Angabe ihrer Widmungskarte einzurücken; 2. die nachstehend bezeichneten L-andsturmpslichtigen; dieselben haben längstens binnen 24 Stunden ^ nach Verlautbarung dieser Kundmachung! in ihrer Ans- ! enth altsgemeinde aus dieser abzngehen und so schnell als möglich wie folgt einzurücken, und zwar: s) alle 37jährigen und jüngeren, welche laut ihres Landsturmpasses im lausenden Jahre: z'u den Jnfanterieregimentern Nr. 7, 17, 27, 47, 87, 97, zu den FeldjLgerbataillonen Nr. 7, 8, 9, 29> zum Dra- gonerregimcnte Nr. ö, zu den Feldkanonenregimentern Nr. 7, 8, 9, zum Feldhaubitzregimente Nr. 3, zum Ge- birgsartillerieregimente Nr. 3, zur Schweren Haubitzdivision Nr. 3, zum Festungsartillerieregimente Nr. 4, zum Sapyeurbataillon Nr. 3, zum Pionierbataillon Nr. 3, zur Traindivision Nr. 3, zu den Sanitätsabteilungen Nr. 7, 8, 9, zum Evidenz-Artilleriezeugs- depot in Graz, zu den Militärverpflegsmagazinen in Graz, Görz, Klagmsurt, Laibach, Marburg, Pola oder Triest, zu den k. k. Landwehrinsanteriemgimentern Nr. 3, 4, S, 26, 27, endlich zur k. k. Landw-ehr-Feldhaubitz- division Nr. 22 und k. k. Landwehr-Feldkanonendivision Nr. 22 einzurücken haben, direkt in die betreffende, in ihrem Landsturmstasse auf Seite 3 eingetragene Ausrüstungsstation; b) alle übrigen 42jährigen und jüngeren, welche im Heere, in der Kriegsmarine, Landwehr (Landesschützen) oder Gendarmerie gedient haben, wenn dieselben sich ständig in einem Landstnrmbezirke aufhalteu (wohnen) und laut ihres Laudsturmpasses im laufenden Jahre zum Landsturmbezirkskommando (Expositur) des Aufenthaltsortes einzurücken haben, direkt zum betreffenden Landsturm be zirks- kommando; . - ! die unter s) und b) bezeichneten Personen, welche laut ihres Landsturmpasses „waffenunfähig" klassifiziert sind, sind von der Einrückung zum Waffendienst befreit; 3. die zu Arbeitszwecken erforderlichen, vom Gemeindevorsteher zu bestimmenden Landsturmpflichtigen; dieselben erhalten die Weisungen für das Abgehen in die Verwendungsorte vom Gemeindevorsteher ihres Aufenthaltsortes ; 4 . die in dm Kohlenwerken zu . —... bediensteten landsturmpflichtigen Arbeiter, welche nach den vorstehenden Bestimmungen zum Waffendienste nicht einberufen find, sowie alle landsturmpflichtigen Arbeiter der EisenbahnwerkstLtten zu. sind zur Dienstleistung in ihrer gewöhnlichen Eigenschaft am bisherigen ständigen Verwcndungs-- orte bestimmt. Alle nach der vorstehenden Unordnung nicht einbcrufenen landsturmpflichtigen Personen und Körperschaften werden nach Bedarf mittels Kundmachung oder Einberufungskarten oder mittels speziellen Befehles ein- berufm. III. Allgemeine Bestimmungen: 1. Die einrückendrn Landsturmpflichtigen haben auf den Eisenbahnen und Dampfschiffen gegen Vorweisung des militärischen Legitimationsdokuments (Landsturm- sxch, Widmungs- oder Einberufungskarte) freie Fahrt; diejenigen, welche ein solches Dokument nicht in Händen haben und zur Einrückung die Eisenbahn oder das Dampffchisf benützen müssen, haben sich vor ihrem Abgehen beim Gemeindevorsteher des Aufenthaltsortes zu melden, bei welchem sie zur freien Fahrt mit einem Beglaubigungsscheine Leteilt werden. 3. Die einrückenden Landsturmpflichtigen sollen eigene, gut passende Schuhe, für die ersten zwei Tage Lebensmittel, dann in kalter Jahreszeit auch warme Unterkleidung (Wäsche) mitbringen. 3. Im Auslande ständig angesiedelte oder vorübergehend sich aufhaltende Landsturmpflichtige sind von der Aufbietung und Einberufung des Landsturmes sogleich durch ihre Angehörigen oder Mittelspersonen zu verständigen. 4. Den nach Maßgabe des Gesetzes vom 26. Dezember 1912, R.-G.-Bl. Nr. 231, anspruchsberechtigten Angehörigen eingerückter Landsturmpflichtiger gebührt ein Unterhaltsbeitrag aus Staatsmitteln. , " — - —- 5. Die Nichtbefolgung der Einberufung zum Landsturmdienst« wird nach den bestehenden Gesetzen strenge bestraft. » « sl 1 ILnX 1 >1 »1 kn fu « o o X u »< e XI11 o X I^6b!L?08I (6r32) _ UL- L7. ?. ^ -^M As jene mittellosen Reservistensamilien, die einer Unterstützung aus Staatsmitteln teilhaftig werden, die erste Unterstützungsrate erhalten haben. Wer zur Gänze oder doch z!um größten Teile MS dem Einkommen eines Einberufenen Unterstützt würde, hat Anspruch aüf staatliche Unterstützung. Als solche < Angehörige kommen zunächst die Ehefrau Und die ehelichen Kinder des Einberufenen in Betracht, dann aber auch eheliche Vorfahren (Eltern !und Großeltern),, Geschwister mrd Schwiegereltern, die Uneheliche Mutter und Uneheliche Kinder, wenn sie in Österreich ihren ordentlichen Wohnsitz haben oder wenn sie die österreichische oder die ungarische Staatsbürgerschaft oder die bosUifche Landesangehürigkeit besitzen. In Graz erhält jeder Angehörige, der über 8 Jahre alt ist, einen täglichen Unterstützungsbeitrag von 1 K. 15 H., für jedes Kind unter 8 Jahren die Hälfte. In den übrigen Steiermark 1 K. 11 H. oder die Hälfte. Überdies erhalten alle Angehörigen, die in Mietwohnungen leben, die Hälfte des Unterstützungsbeitrages Erwachsener. Der Gesamtbetrag der Unterstützung für eine Familie darf die Höhe des durchschnittlichen Tagesverdienstes des Einberufenen nicht übersteigen. Fällt der Einberufene im Kriege, dann Wust die Unterstützung noch durch sechs Monate vom Todestage an gerechnet. Der Anspruch ist beim Gemeindeamte anziunelden. ! Der Unterstützungsbetrag ist in halbmonatlichen RatH». u am 1. und 16, jeden Monats im vorhinein auszubL-^ zahlen. , Aus Leoben wird unterm 27. d- berichtet: Das Stadtgemeindeamt Leoben hat angeordnet, daß bis auf weiters alle Gasthausschwemmen schon um 7 Uhr abends geschlossen werden. In Judendorf wurden Sonntag abend um acht Uhr sämtliche Gasthäuser geschlossen. In Leoben kam es Samstag abend wiederholt in den Straßen und in den Gasthäusern zu begeisterten Kundgebungen. Infolge der Mobilisierung mußte der Betrieb des Donawitzer Hütteiüverkes be- ! deutend eingeschränkt werden. Von den Samstag noch im ! Betriebe gestandenen 12 Martin-Öfen wurde Montag bei ^ acht der Betrieb eingestellt. In der Puddelhütte wurde ^ der Betrieb eingestellt. Die Hochöfen stehen derzeit - noch im Betriebe. «- Aus Mürzzuschlag wird Uns unterm 27. d. berichtet: Der heutige Tag brachte schon am Morgen ^ reges Leben in die Straßen. Um 11 Uhr mittags zogen unter den Klängen der Mnfikvevemskapelle die Einberufenen mit ihren Angehörigen zUm Bahnhofe. Die Bevölkerung sendete den Abziehend-en herzliche Abschieds!-- grüße zu. Die Arbeit Pulst häute größtenteils. Der i Bahnhof gleicht einem Lager. Die Züge verkehren durch- gehends mit Vortrains. Eine bedeutende PersonalUer- minderung hat die Post erlitten. Von sechs Briefträgern sind heute nUr mehr zwei in Tätigkeit. Die Frühpost konnte zum großen Teste erst mittags bestellt werden. Beim Konzert im Cafs Semmering verlangte das zahlreiche Publikum geistern abend von der konzertierenden Wiener Kapelle stürmisch den Prinz Eugenmarsch, die Volkshymne und den Radstzkymarsch,^-. ^ / ä k ö 5 ! I 5 k X ä !, k ss 0 k i i ! 7. ss ' VOXij»7^7^7I0ki ttl'.: LQ 6 ^67177X^170^ - 2 <§. ?. S-.-L/ M HK ss^F F SKVS'E' «s'^- . 8 ^ dy^ §HF MM^S Die Antwort Serbiens ans das Utinmtnm. Der serbische Text «ud die österreichisch- ungarischen Glossen. Das Auswärtige Amt legt heute der Oeffentlich- reit die Antwort vor, die Serbien am Samstag auf das Ultimatum erteilt hat. Und sie begleitet Punkt für Punkt diese Antwort mit Anmerkungen, die darlegen sollen, warum Oesterreich-Ungarn sich für unbefriedigt erklären mußte. Es ist ein historisches Dokument, denn aus ihm entspringt, wenigstens dem äußerlichen Zusammenhang nach, ein Konflikt, der in seinen Verflechtungen und Folgen ganz Europa ergreifen kann. Aber es ist ein historisches Dokument auch in einem anderen Sinne noch. Je sorgfältiger man nämlich den Text Serbiens und die dazu gehörigen Glossen des Wiener Kabinetts vergleicht, umsoweniger kann man weder den einen noch die anderen begreifen. Man versteht nicht, weshalb Serbien, wenn es so viel, wenn es den Hauptteil der Forderungen angenommen hat, nun nicht auch den Rest annehmen konnte. Und man begreift ebensowenig, warum die weitgehenden Zugeständnisse Serbiens für unser auswärtiges Kabinett nicht die Grundlage zu weiteren Unterhandlungen bieten konnten, sondern unbedingt zu einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen führen mußten. Das Ganze bietet die täuschende Ähnlichkeit mit einem in Satzschriften geführten Rechtsstreit. Aber der eingeleitete und scheinbar dem Ausgleich sich nähernde Prozeß wird abgebrochen und die Waffen kommen zu Wort. In dem einen Falle bildet das Wörtchen „sollte" den Gegensatz, in dem anderen eine verschiedene Auffassung' darüber, was eine Regierung ohne parlamentarische Zustimmung verfügen kann. Bemerkenswert ist, daß der beschuldigte Major von der serbischen Regierung sofort in Verhaft genommen wurde; das ist bisher nicht mitgeteilt worden. Durchaus ist der Eindruck, daß Serbien schon wirklich bereit war, die Forderungen Oesterreich-Ungarns glatt anzunehmen, daß es aber plötzlich seinen Entschluß geändert hat; offenbar infolge Einwirkung einer anderen Macht, infolge Einwirkung Rußlands. Und das ist es nun, was den Krieg, in dem wir stehen, so ungemein ernst macht. Der Text der serbischen Antwort und die Anmerkungen des Wiener Auswärtigen Amtes lauteten: Rote der serbischen Negierung vom ZI. FM. Die königlich serbische Regiemng hat die Mitteilung der k. und k. Regierung vom 10. d. erhalten und ist überzeugt, daß ihre Antwort jedes Mißverständnis zerstreuen wird, welches die freundnachbarlichen Beziehungen zwischen der österreichisch-ungarischen Monarchie und dem Königreich Serbien zu stören droht. Pimkt 1. Die königliche Regierung ist sich bewußt, daß der großen Nachbarmonarchie gegenüber bei keinem Anlaß ;ene Proteste erneuert wurden, die seinerzeit sowohl in der Skupschtina als auch in Erklärungen und Handlungen der verantwortlichen Vertreter des Staates zumAusdruck gebracht wurden und die durch die Erklärung der serbischen Regierung vom 18. März 1909 ihren Abschluß gefunden haben, sowie weiter, daß seit jener Zeit weder von den verschiedenen einander folgenden Regierungen des Königreiches noch von deren Organen der Versuch unternommen wurde, den in Bosnien und der Herzegowina geschaffenen politischen und rechtlichen Zustand zu ändern. Die königliche Regierung stellt fest, daß die k. und k. Regierung m dieser Richtung keinerlei Vorstellungen erhoben hat, ^ abgesehen von dem Falle eines Lehrbuches, hinsichtlich dessen die k. und k. Regierung eine vollkommen befriedigende Aufklärung erhalten hat. Serbien hat während der Dauer der Balkankrise in zahlreichen Fällen Beweise für seine pazifistische und gemäßigte Politik eliefert und es ist nur Serbien und den Opfern, ie es ausschließlich im Interesse des europäischen Friedens gebracht hat, zu danken, wenn dieser Friede erhalten geblieben ist. Punkt 2. Die königliche Regierung kann nicht für Aeutzerungen privaten Charakters verantwortlich gemacht werden, wie es Zeitungsartikel und die friedliche Arbeit von Gesellschaften ist, Aeußerungen, die fast in allen Ländern ganz gewöhnliche Erscheinungen sind und die sich im allgemeinen der staatlichen Kontrolle entziehen. Dies umsoweniger, als die königliche Regierung bei der Lösung einer ganzen Reihe von Fragen, die zwischen Serbien und Oesterreich-Ungarn aufgetaucht waren, großes Entgegenkommen bewiese nhat, wodurch es ihr gelungen ist, deren größeren Teil zu Gunsten des Fortschritts der beiden Nachbarländer zu lösen. Punkt 3. Die königliche Regierung war deshalb durch die Behauptungen, daß Angehörige Serbiens an dev Vorbereitung des in Sarajevo verübte« Attentats teilgenommen hätte», schmerzlich überrascht. Sie hatte erwartet, zur Mitwirkung bei den Nachforschungen über dieses Verbrechen e i n- geladen zu werden, und war bereit, um ihre volle Korrektheit durch Taten zu beweisen, gegen alle Personen vorzugehen, hinsichtlich welcher ihr Mitteilungen zugekommen wären. Den Wünschen der k. und k. Regierung entsprechend, ist die königliche Regierung somit bereit, dem Gericht ohne Rücksicht ans Stellung nnd Rang jeden serbischen Staatsangehörigen zu «bergeben, für dessen Teilnahme an dem Sarajevoer Verbrechen ihr Beweise geliefert werden sollten; sie verpflichtet sich insbesondere, auf der ersten Seite des Amtsblattes vom 13./26. Juli folgende Enunziation zu veröffentlichen: Punkt 4. „Die königlich serbische Regierung verurteilt jede Propaganda, die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtet sein sollte, das heißt die Gesamtheit der Bestrebungen, die in letzter Linie auf die Losreißung einzelner Gebiete von der österreichisch-ungarischen Monarchie abzielen, und sie bedauert aufrichtig die trau- rigenFolgen d i e s e r v e r b r e ch e r i s ch e n Machenschaften. Die königliche Regierung bedauert, daß laut d e r M it t ei ln n g d er k. u n d k. Regierung gewisse serbische Offiziere und Funktionäre an der eben genannten Propaganda mitgewirkt und daß diese damit die freundnachbarlichen Beziehungen gefährdet hätten, zu deren Beobachtung sich die königliche Regierung durch die Erklärung vom 31. März 1909 feierlich verpflichtet hatte. Die Regierung . . . ." gleichlautend mit dem geforderten Texte. Punkt 5. Die königliche Regierung verpflichtet sich weiter: 1. Anläßlich des nächsten ordnungsmäßigen Zusammentrittes der Skupschtina in das Prestgesetz eine Bestimmung einznfchalte«, wonach die Aufreizung zum Hasse und zur Verachtung gegen die Bonarchie sowie jede Publikation strengstens be st rast würde, deren allgemeine Tendenz gegen die territoriale Integrität Oesterreich-Ungarns gerichtet ist. Sie verpflichtet sich, anläßlich der demnäch st erfolgenden Revision der Verfassung in den Artikel XXII Anmerkungen der österreichischen Regierung dar». Punkt 1. Die königlich serbische Regierung beschränkt sich darauf, festzustellen, daß seit Abgabe der Erklärung vom 18. März 1909 von der serbischen Regierung und ihren Organen kein Versuch zur Aenderung der StellungBoSniens und derHerzegowina unternommen wurde. Damit verschiebt sie in bewußt willkürlicher Weise die Grundlagen unserer Demarche, da wir nicht die Behauptung aufgestellt haben, daß sie und ihre Organe in dieser Richtung offiziell irgend etwas unternommen hätten. Unser Gravamen geht vielmehr dahin, daß sie es trotz der in der zitierten Note übernommenen Verpflichtungen unterlasse« hat» die gegen die territoriale Integrität der Monarchie gerichtete Bewegung zu unterdrücken. Ihre Verpflichtung bestand also darin, die ganze Richtung ihrer Politik zu ändern und zur österreichisch-ungarischen Monarchie in ein freund- nachbarlrches Verhältnis zu treten, nicht bloß die Zugehörigkeit Bosniens zur Monarchie offiziell nicht anzutasten. r«s e 11L n X1 X X e n fun x>cx ooxuxexsxiiox Puutt 2. Die Behauptung der königlich serbischen Regierung, daß die Aeuherungen derPresse und die Tätigkeit von , Vereinen privaten Charakter haben und sich der staatlichen Kontrolle entziehen, steht im vollen Widerspruch zu den Einrichtungen moderner Staaten, selbst der freiheitlichsten Richtung auf dem Gebiet des Preß- und Vereinsrechtes, das einen öffentlich- rechtlichen Charakter hat und Presse sorvieVereine der staatlichen Aufsicht unter st ellt. Uebrigens sehen auch die serbischen Einrichtungen eine solche Aufsicht vor. Der gegen die serbische Regierung erhobene Vorwurf geht eben dahin, daß sie es gänzlich unterlassen hat, ihre Presse und ihre Vereine zu beaufsichtigen, deren Wirken im monarchiefeindlichen Sinne sie kannte. Punkt 3. Diese Behauptung ist unrichtig; die serbisch- Regierung war über den gegen ganz bestimmte Personen bestehenden Verdacht genau unterrichtet und nicht nur in der Lage, sondern auch nach ihren internen Gesetzen verpflichtet, ganz fpontan Erhebungen e i nzuleiten. Sie hat in dieser Richtung gar nichts unternommen. Punkt 4. Unsere Forderung lautete: „Die königlich serbische Regierung verurteilt die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda Die von der königlich serbischen Regierung vorgenommene Aenderung der von uns geforderten Erklärung will sagen, daß eine solche gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda nicht besteht oder daß ihr eine solche nicht bekannt ist. Diese Formel ist unaufrichtig und hinterhältig, da sich die serbische Regierung damit für später die Ausflucht reserviert, sie hätte die derzeit bestehende Propaganda durch diese Erklärung nicht desavouiert und nicht als monarchiefeindlich anerkannt, woraus sie weiter ab leiten könnte, daß sie zur Unterdrückung einer der jetzigen Propaganda gleichen nicht verpflichtet sei. Die von uns geforderte Formulierung lautete: Die königliche Regierung bedauert, daß serbische Offiziere und Funktionäre . . . mitgewirkt haben. . . Auch mit dieser Formulierung und dem weiteren Beisatz „laut der Mitteilung der k. und k. Regierung" verfolgt die serbische Regierung den bereits oben angedeuteten Zweck, sich für die Zukunft freie Hand zu wahren. Punkt 5. Wir hatten gefordert: 1. Jede Publikation zu unterdrücken, die zum Hatz und zur Verachtung gegen die Monarchie aufreizt und deren allgemeine Tendenz gegen die territoriale Integrität der Monarchie gerichtet ist. Wir wollten also die Verpflichtung Serbiens herbeiführen, dafür zu sorgen, daß derartige Preßangriffe in Hinkunft unterbleiben; wir wünschtn also einen b estimmten Erfolg auf diesem Gebiet sichergestellt zu wissen. Statt dessen bietet uns Serbien die Erlassung gewisser Gesetze an, welche als Mittel zu diesem Erfolg dienen sollen, und zwar: a) ein Gesetz, womit die fraglichen monarchiefeindlichen Preßäußerungen subjektiv bestraft werden sollen, was uns ganz gleichgiltig ist, umsomehr, als bekanntermaßen die subjektive Verfolgung von Preßdelikten äußerst selten möglich ist und bei einer entsprechend laxen Behandlung eines solchen Gesetzes auch die wenigen Fälle dieser Art nicht zur Bestrafung kommen würden; also ei »Vorschlag, der unsererForderung ink einer Weise entgegenkommt, da er uns nicht die geringste Garantie für den von uns gewünschten Erfolg bietet: des Derfassungsgesetzes einen Zusatz aufzunehmen, der die Konfiskation derartiger Publikationen gestattet, was nach den klaren Bestimmungen des Artikels XXII der Konstitution derzeit unmöglich ist. Punkt 6. 2. Die Negierung besitzt keinerlei Beweise dafür und auch die Note der k. und k. Regierung liefert ihr keine solchen, daß der Verein Narodna Odbrana und andere ähnliche Gesellschaften bis zum heutigen Tage durch eines ihrer Mitglieder irgend welche verbrecherischen Handlungen dieser Art begangen hätten. Nichtsdestoweniger wird die königliche Regierung die Forderung der k. und k. Regierung annehmen und die Gesellschaft Narodna Odbrana sowie jede Gesellschaft, die gegen Oesterreich- Ungarn wirken sollte, a u f l ö s e n. Punkt 7. 3. Die königlich serbische Regierung verpflichtet sich, ohne Verzug. ans dem öffentlichen Unterricht in Serbien alles auszuscheiden, was die gegen Oesterreich-Ungarn gerichtete Propaganda fördern könnte, falls ihr die k. und k. Negierung tatsächliche Nachweise für diese Propaganda liefert. Punkt 8. 4. Die königliche Negierung ist auch bereit, jene Offiziere und Beamten aus dem Militär- und Zivildienst zu entlassen, hinsichtlich welcher durch gerichtliche Untersuchung festgestellt wird, daß sie sich Handlungen gegen die territoriale Integrität der Monarchie haben zu Schulden kommen lassen; sie erwartet, daß ihr die k. und k. Regierung zwecks Einleitung des Verfahrens die Namen dieser Offiziere und Beamten und die Tatsachen mitteilt, welche denselben zur Last gelegt werden. Punkt 9. 6. Die königliche Regierung muß bekennen, daß sie sich über den Sinn und die Tragweite jenes Begehrens der k. und k. Regierung nicht volle Rechenschaft geben kann, welches dahin geht, daß die königlich serbische Regierung sich verpflichten soll, auf ihrem Gebiet die Mitwirkung von Organen der k. und k. Regierung zuzulassen, doch erklärt sie, daß sie jene Mitwirkung anzunehmen bereit wäre, welche den Grundsätzen des Völkerrechtes und des Strafprozesses sowie den freundnachbar- lichen Beziehungen entsprechen würde. Punkt 1«. 6. Die königliche Regierung hält es selbstverständlich für ihre Pflicht, gegen alle jene Personen eine Untersuchung einzuleiten, die an dem Komplott vom 18./28. Juni beteiligt waren oder beteiligt gewesen sein sollen und die sich auf ihrem Gebiet befinden. Was die Mitwirkung von hiezu speziell delegierten Organen der k. und k. Regierung an dieser Untersuchung anlangt, so kann sie eine solche nicht entnehmen, da dies eine Verletzung der Verfassung und des Strafprozeßgesetzes wäre. Doch könnten den österreichisch- ungarischen Organen in einzelnen Fällen Mitteilung von dem Ergebnis der Untersuchung gemacht werden. Punkt 11. 7. Die königliche Regierung hat noch am Abend des Tages, an dem ihr die Note zukam. die Verhaftung des Majors Voislav Tankosic verfügt. Was aber den Milan Ciganovic anlangt, der ein Angehöriger der österreichisch-ungarischen Monarchie ist, und der bis zum 18. Juni (als Aspirant) bei der Eisenbahndircktion bedienstet war, so konnte dieser bisher nicht ausgeforscht werden, weshalb ein Steckbrief gegen ihn erlassen wurde. Die k. und k. Regierung wird gebeten, zwecks Durchführung der Untersuchung so bald als möglich die bestehenden Verdachtsgründe und die bei der Untersuchung in Sarajevo gesammelten Schuldbeweise in der üblichen Form bekanntzugeben. Punkt 12. 8. Die serbische Regierung wird die bestehenden Maßnahmen wegen Unterdrückung des Schmuggels von Waffen und Explosivstoffen verschärfen und erweitern. Es ist selbstverständlich, daß sie sofort eine Untersuchung einleiten und jene Beamten des Grenzdienstes in der'Linie Sabac—Loznica streng bestrafen wird, die ihre Pflicht verletzt und die Urheber des Verbrechens die Grenze haben überschreiten lassen. Punkt 13. 9. Die königliche Regierung ist gern bereit, Aufklärung über die Aeußerunge» z« geben, welche ihre Beamten in Serbien und im Ausland nach dem Attentat in Interviews gemacht haben und die nach der Behauptung der k. und k. Regierung der Monarchie feindselig waren, sobald die k. und k. Regierung die Stellen dieser Ausführungen bezeichnet und bewiesen haben wird, daß diese Aeußerungen von den betreffenden Funktionären tatsächlich gemacht worden sind. Die königliche Regierung wird selbst Sorge tragen, die nötigen Beweise und Üeberführungsmittel hiefür zu sammeln. 10. Die königliche Regierung wird, insofern dies nicht schon in dieser Note geschehen ist, die k. und k. Regierung von der Durchführung der in den vorstehenden Punkten enthaltenen Maßnahmen in Kenntnis setzen, sobald eine dieser Maßregeln angeordnet und durch- gesührt wird. Die königlich serbische Regierung glaubt, daß es un gemeinsamen Interesse liegt, die Lösung dieser Angelegenheit nicht zu überstürzen und ist daher, falls sich die k. und k. Regierung durch diese Antwort nicht für befriedigt erachten sollte, wie immer bereit, eine friedliche Lösung anzunehmen, sei es durch Uebertragung d e r E n t s ch e i d u n g dieserFrage andas internatronaleGericht irnHaag, sei es durch Ueberlassung der Entscheidung an die Großmächte, welche an der Ausarbeitung der von der serbischen Regierung am 18./31. März 1909 abgegebenen Erklärung Mitgewirkt haben. d) ein Nachtragsgesetz zu Artikel XXII der Konstitution. das die K o'n f i s k a t i o n gestatten würde —- ein Vorschlag, der uns gleichfalls nicht befriedigen kann, da der Bestand eines solchen Gesetzes in Serbien uns nichts nützt, sondern nurdieVerpflichtungderRegierung, es auch anzuwenden, was uns aber nicht versprochen wird. Diese Vorschläge sind also vollkommen unbefriedigend — dies umsomehr, als sie auch in der Richtung evasiv sind, daß uns nicht gesagt wird, innerhalb welcher Frist diese Gesetze erlassen würden, und daß im Falle der Ablehnung durch die Skupschtina — von der evemtuellen Demission der Regierung abgesehen — alles beim alten bliebe. Punkt 6. Die monarchiefeindliche Propaganda der Narodna Odbrana und der rhr affilierten Vereine erfüllt in Serbien das ganze öffentliche Leben; es ist daher eine ganz unzulässige Reserve, wenn die serbische Regietung behauptet, daß ihr darüber nichts bekannt ist. Ganz abgesehen davon, ist die von uns ausgestellte Forderung nicht zur Gänze erfüllt, da wir überdies verlangt haben: Die Propagandamittel dieser Gesellschaften zu konfiszieren; die Neubildung der aufgelösten Gesellschaften unter anderem Namen und in anderer Gestalt zu verhindern. In diesen beiden Richtungen schweigt das Belgrader Kabinett vollkommen, so daß uns auch durch die gegebene halbe Zusage keine Garantie dafür geboten ist, daß dem Treiben der monarchiefeindlichen Assoziationen, insbesondere der Narodna Odbrana, durch deren Auslösung definitiv ein Ende bereitet wäre. Punkt 7. Auch in diesem Falle verlangt die serbische Negierung erst Nachweise dafür, daß im öffentlichen Unterricht Serbiens eine mvnarchicfeindliche Propaganda getrieben wird, während sie doch wissen muß, daß die bei den serbischen Schulei: eingeführten Lehrbücher in dieser Richtung zu beanstandenden Stoff enthalten und daß ein großer Teil der serbischen Lehrer im Lager der Narodna Odbrana und der ihr affilierten Vereine steht. Uebrigens hat die serbische Regierung auch hier einen Teil unserer Forderung nicht so erfüllt, wie wir es verlangt haben, indem sie in ihrem Texte den von uns gewünschten Beisatz „sowohl was den Lehrkörper als auch was die Lehrmittel anlangt", wegließ — ein Beisatz. welcher ganz klar zeigt, wo monarchiefeindlichc Propaganda in der serbischen Schule zu suchen ist. Punkt 8 . Indem die königlich serbische Regierung die Zusage der Entlassung der fraglichen Offiziere'und Beamten aus dem Militär- und Zivildienst an den Umstand knüpft, daß diese Personen durch ein Gerichtsverfahren schuldig befunden werden, schränkt sic ihre Zusage auf jene Fälle ein, in denen diesen Personen ein strafgesetzlich zu ahndendes Delikt zur Last liegt. Da wir aber die Entfernung jener Offiziere und Beamten verlangen, die monarchiefeindliche Propaganda betreiben, was ja im allgemeinen in Serbien kein gerichtlich strafbarer Tatbestand ist, erscheint unsere Forderung auch in diesem Punkte nicht erfüllt. Punkt 9. Mit dieser Frage hat das allgemeine Völkerrecht ebensowenig etwas zu tun wie das Strafprozeßrecht; es handelt sich um eine Angelegenheit rein st a a ts- polizeilicher Natur, die im Wege einer besonderen Vereinbarung zu lösen ist. Die Reserve Serbiens rst daher u n v e r st ä n d l i ch und wäre bei ihrer vagen, allgemeinen Form geeignet, zu unüberbrückbaren Schwierigkeiten bei Abschluß des zu treffenden Abkommens zu führen. Punkt 19. Unser Verlangen war ganz klar und nicht mißzu- verstehen. Wir begehrten: 1. Einleitung einer gerichtlichen Untersuchung gegen die Teilnehmer am Komplott. 2. Die Mitwirkung von k. und k. Organen an den hierauf bezüglichen Erhebungen („rsoborebss" im Gegensatz zu „sugusts jaäieiairs"). Es ist uns nicht beigefallen, k. und k. Organe an dem serbischen Gerichtsverfahren teilnehmen zu lassen; sie sollten nur an den polizeilichen Vorerhebungen Mitwirken, welche das Material für die Untersuchung herbeizuschasfen und sicherzustellen hatten. Da sie sich jeder Kontrolle des einzuleitenden Verfahrens zu entziehen wünscht, das bei korrekter Durchführung höchst unerwünschte Ergebnisse für sie liefern würde, und da sie keine Handhabe besitzt, in plausibler Weise die Mitwirkung unserer Organe am polizeilichen Verfahren abzulehnen (Analogien für solche polizeiliche Interventionen bestehen in großer Menge), hat sie sich auf einen Standpunkt begeben, der ihrer Ablehnung den Schein der Berechtigung geben und unserem Verlangen den Stempel der Unerfüllbarkeit aufdrücken soll. Punkt 11. Diese Antwort ist hinterhältig. Ciganooic ging lau^ den von uns veranlaßten Nachforschungen drei Tage nach dem Attentat, als bekannt wurde, daß Ciganovic an dem Komplott beteiligt sei, auf Urlaub und begab sich überAuftrag der Polizeipräfektur in Belgrad nach Ribari. Es ist also zunächst unrichtig, daß Ciganovic schon am 16./28. Juni aus dem serbischen Staatsdienst schied. Hiezu kommt, daß der Polizeipräfekt von Belgrad, der die Abreise des Ciganovic selbst veranlaßt hat und der wußte, wo dieser sich aufhalte, in einem Interview erklärte, ein Mann namens Milan Ciganovic existiere in Belgrad nicht. 1«8 e > I c k X1««e k fun o o x u x e«i z I l o x US: Punkt 13. Der königlich serbischen Regierung müssen die bezüglichen Interviews ganz genau bekannt sein. Wenn sie von der k. und k. Regierung verlangt, dah diese ihr allerlei Details über diese Interviews liefere und sich eine förmliche Untersuchung hierüber vorbehält, zeigt sie, daß sie auch die Forderung nicht ernstlich erfüllen will. «»ö c > 7 c«««X >« c« ru« o o«v c «i«7 1 o« I^6LL?081? (6rs^) ^ _ US: L, GerechlfertigL! V:'M Nbg. Z. W. Dobcrnig. ' Eine ungeheure Erregung, die alle Gemüter dufpeitscht, geht durch die Monarchie. Die jetzige !Generation hat derartiges noch nicht erlebt, ein Erbeben der ganzen allen Well. So ähnlich mich es im Jahre 1870 gewesen sein, als König Wilhelm sein Volk unter die Waffen rief. Wir wollen inicht sagen eine solche Kriegsbegeisterung, Wohl «aber eine solche Entschlossenheit, eine Urkraft der Unnachgicbigkeit, ein Tausende und Tausende erfüllendes Begehren nach Genugtuung für jahrelange Unbill, imerhörten Schimpf und sL den grausamen Mord, der unseren Staat einer seiner stärksten Stützen beraubt hat. So vieles haben wir knirschend über uns ergehen lassen, wir haben den Krieg nicht gefürchtet, aber auch nicht gewollt; wir «mußten hinnehmen, daß man im gesamten Auslande über uns zu spotten begann, daß unser Ansehen zusammenschrumpftc und daß ungescheut vom bevorstehenden Zerfall dieses Staatsgefüges gesprochen wurde als von einem unaufhaltsamen Prozeß, gegen den kein Heilmittel vorhanden sei. Ja noch mehr: das Gift, das aus der Versumpfung Unseres öffentlichen Lebens aufstieg, übte schon seine verwüstende Wirkung — — die Staatsverdrossenheit, die allgemeine Freudlosigkeit waren bedeutungsvolle Kennzeichen; cs lag wie ein Alp auf Ken braven Bürgern, sie fügten sich mit dumpfer Ergebung in das 'unbekannte Schicksal, das diesem Staate bestimmt zu sein, vor dem es keine Rettung tzu geben schien. Nun ist dies alles anders geworden, fast über Nacht. Der Österreicher hat «noch ein Vaterland, für das er einstehen, Gut und Blut lassen kann. Und der Batcrlandsgedanke ist groß und überwältigend wieder erstanden in Uns. Der Krieg, von dem man nicht Ende und Ausgang weiß, hat begonnen; denkwürdige Wochen, vielleicht Monate, deren Spuren aus den Blättern der Weltgeschichte einst bis in die fernsten Jahrhundert verzeichnet sein werden, brechen an. Auf unseren Soldaten beruht die Hoffnung der Kölker! Was uns Men ohne Unterschied des Standes den Schmerz des Abschiedes von den Teuren, den Brüdern, Söhnen, Vätern, die hinausziehen, um die Ehre des Vaterlandes wieder herzustellen, etwas erleichtert, Ivas die Kräfte der Krieger stärkt, die Zuversicht in ihnen und in uns hebt, ist das Bewußtsein, daß wir für den Ausbau der Armee die größten Opfer auf uns genommen haben, damit sie im Ernstfälle gerüstet dastehe. In diesem für ewig historischen Augenblicke kann das österreichische Parlament nicht reden so wie es das ungarische getan hat, ernst und würdig. Aber in den Herzen der deutschen Abgeordneten, und auch jenen der andern Völker, welche insgesamt für die Sicherung der Armee vorgesorgt hatten, regt sich heute ein Gefühl des Trostes: Denn wir haben unsere Pflicht gegen die Armee erfüllt, so lange es noch Zeit war! Im Jahre 1911 lovr von den Delegationen der erste große Heereskredit von einer halben Milliarde angesprochen worden. Kriegsminister v. Schönaich enthüllte die schwersten Schäden des Heeres und appellierte an die Opferwilligkeit der Delegationen, damit durch die verlangten Mittel das Heer wenigstens soweit ausgebaut und konsolidiert werden würde, um eventuellen Ereignissen mit einiger Ruhe entgegensetzen zu können. Der Schreiber dieser Zeilen begründete seine und seiner deutschen Kollegen Stellung mit den Worten: „Unsere Monarchie liegt zentral, sie hat deshalb mehr Reibungsslächen als andere Staaten und kann daher viel leichter in einen Konflikt kommen. Auch der Wetterwinkel Europas, der Balkan, ist uns nahe und schon deshalb muß unsere Armee stark und leistungsfähig sein!" Damit hatte es nicht sein Bewenden. Das neue Wehrgesetz, das Kriegs- leistungsgesetz und die mit der Bewilligung verbundene große Verantwortung — wir haben Alles auf uns genommen trotz Schimpf und Hohn, dabei vielfach verkannt auch von unseren eigenen Leuten. Die Ereignisse des Tages rechtfertigen mit eherner Stimme die Haltung der deutschen Abgeordneten. Ihr Treubckenntnis zum Staate, zur Dynastie, zum ehrwürdigen Kaiser, jetzt findet es eine vieltausendfällige Bestätigung im Reiche. Die heißesten Segens- Wünsche geleiten unsere Truppen aus den rauhen Weg, ob nach dem Südosten, ob nach dem Norden. Möge der Erfolg bei ihren Waffen sein und möge aus den blutigen Denkmälern dieses Krieges, der vielleicht den Boden Europas erschüttern und das gewaltigste Ringen werden wird, das die Geschichte kennt, eine neue, bessere Zukunft für unser Vaterland erstehen. äirselrLnxzuienfU« vielt o o x u«e »i r 1 7 i o lt I^6Ü3?08I (61732) » 5 .: M: 28. ?. -7t. KtSrnng. Dis Lokalisierung des Krieges. Nach den bisher vorliegenden Nachrichten haben die Bemühungen, den Konflikt der Monarchie mit Serbien zu lokalisieren, Erfolg. England soll in Petersburg sehr deutlich und entschieden abgewunken haben, Griechenland scheint keineswegs die Absicht zu haben, au der Seite seines ehemaligen Verbündeten: Serbien, zu kämpfen, Bulgarien und die Türkei harren nur des Augenblickes, um Revanche zu nehmen, und Rumänien bleibt angesichts dieser Sachlage völlig still. Der Dreibund beherrscht vollständig das diplomatische Feld. Wenn auch die bisherigen Nachrichten eine offizielle Bestätigung noch nicht gefunden haben, so ist doch daraus ein gewisser Schluß auf die herrschende Stimmung gestattet. Bezeichnend ist, daß niemand die Stimme für Serbien erhebt und daß nur hie und da Zweifel über die Form des Vorgehens der Monarchie in den Blättern der Tripelentente laut werden. Auch diese weiden nun verstummen, da die kategorisch« Aufklärung des Ministeriums des Äußern gekommen ist, die ausdrücklich feststellt, daß die Antwort Serbiens gerade in den wichtigsten Belangen vollständig ablehnend und daher ungenügend war. Wenn aber die Schuld Serbiens und die bisher nicht erfüllte Verpflichtung, dolle Genugtuung zu geben, feststeht, dann ist für die Mächte aller Änlaß vorhanden, der russischen- Politik klar zu machen, daß ein Eingreifen in den Konflikt der Monarchie mit Serbien allen Grundsätzen menschlichen und gerechten Fuhlens widerspricht. Die Überzeugung davor: ist so allgemein, daß man fast an den Ausbruch des Weltkrieges nicht glauben kann. Bisher hat denn auch Rußland nach keine Tatsache geschaffen, die darauf schließen läßt, daß cs unbedingt eingrerfen werde. Die Äußerung des russischen Botschafters in Rom: Wir sind in eine Sackgasse geraten, scheint den Nagel aus den Kopf zu treffen. Wenn sie nicht wahr ist, so ist sie doch treffend erfunden. Die russische Politik ist tatsächlich in eine Sackgasse geraten. Sie hat offenbar nicht damit gerechnet, daß dis Monarchie sich eines Tages so machtvoll erheben und ihr Recht mit dem Schwert in der Hand begehren werde. Sie hat offenbar nicht Hamit gerechnet, daß durch das entschiedene Zugreifen Österreich-Ungarns die Risse und Sprünge der Tripelentente so schnell zutage treten werden. Das unionistische englische Sonntagsblatt „Observer" schreibt sehr richteg: Die Tripelentente darf nicht zum Werkzeug großserbischer Agitationen dienen. Es ist auch richtig, daß England und Frankreich in einen bösen moralischen Konflikt geraten würden, wenn sie sich unter solchen Verhältnissen in einen Weltkrieg einließen. Rußland allein aber kann die Waffen nicht erheben. Ohne Zustimmung seiner Bundesgenossen ist sein Arm gelähmt, seine Sympathie für Serbien machtlos. Außerdem droht die gelbe Gefahr von Osten. Es ist nicht wahrscheinlich, daß sich Japan und selbst China eine so günstige Gelegenheit entgehen lassen werden, ihren großen Feind und Bedränger in dem Augenblicke zu fassen, da er nahezu wehrlos ist. Und um bei dem fernen Osten zu bleiben: Müßte nicht auch England für seinen wertvollsten Kolonialbesitz zittern, wenn einmal der Okzident "sich im nrölM derischen Kampfs befindet und wenn dadurch der Orient in Bewegung gerät? Das sind die Fragen, die die Mächte, vornehmlich die Großmächte bewegen und bestimmen. Das gibt den Ausschlag in London und Paris unH damit in Petersburg — und nicht das kleine Serbien, dessen verbrecherisches Treiben allgemein verurteilt wird. Je länger die Besprechungen der Mächte dauern, desto sicherer scheint es zu Wecken, daß Serbien seinem wohlverdienten Schicksals Werlaffen wird und daß Rußland aus der Sackgaffe, in die es sich durch den vorschnellen Mobilisie- rungsbesehl verrannt hat, nicht mehr heraus kann. Das lange Zögern jener, die fortgesetzt mit dem! Säbel rasselten und die Monarchie als Quarrtitä nsgligeable behandelten, ist gewiß noch kein doller Erfolg, aber es ist ein Erfolg, der klar zeigt, wie recht die Monarchie hatte, jetzt die Schlinge zu zerreißen, die man schon um sie gelegt glaubte. Aus Serbien selbst kommen eigentümliche Nachrichten. Viel dringt nicht durch; aber so viel scheint festzustehen, daß in Kragujevac eine keines-? Wegs begeisterte Stimmung herrscht. Schon das? Manifest an das Volk, das Serbenland zu verteidigen, so weit cs möglich ist, verrat alles änderet? denn Selbstvertrauen. Das lange Zögern Väterchens wird gerade auch nicht beitragen, die Stünmurrg zu erhöhen. Wenn es aber tatsächlich gelingen sollte, Serbien ganz zu isolieren, dann ist Wohl dev Kampf entschieden, bevor er begonnen hat. Trotz aller günstigen Anzeichen wollen wir uns aber; nicht in trügerischen Hoffnungen wiegen, die heut« noch nicht berechtigt erscheinen. Es ist wahrscheinlich, daß England seine Teilnahme an einem gemeinsamen Vorgehen der Tripelentente Versagern; ist aber nicht sicher. Die Beschlüsse Londons aber sind von ausschlaggebender Bedeutung^ An die Bevölkerung Wecken jetzt Harts Geduldsproben gestellt. Wir sind aber überzeugt, daß die glänzende Haltung der Bevölkerung, die sia - bisher an den Tag gelegt hat, auch weiterhin an- jdanern wird, bis die Entscheidung darüber gefallen ist, ob die Welt in Brand gesetzt werden wird öder ob nur die Schuld Serbiens der verdienten Strafe zugeführt wird. ^ z n 8 c > i l n x z x«L n f u n » ! L»« 0 0 X u »i L fi 7/i 7 I 0 ft ^U58 tt!M ^ s ^6: L <7 ^ ^ > KaiserworLe. Das Manifest Kaiser Franz Josefs I. an seine Völker, Las unmittelbar der KriegserÄärung an Serbien gestern folgte, dieses Manifest des nahezu ' vierundachtzigjährigen .Herrschers ist sozusagen ein historisches Porträt des Kaisers selbst. Mit der Kraft höchster Männlichkeit und mit der Weisheit eines alten, ehrwürdigen, aber nicht gealterten Mannes wendet sich der Kaiser an sein Heer und an seine Völker. Mit schlichten Worten sagt er — es ist wie ein Seufzer —, daß ihn die Vorsehung auch noch dazu! ausersehen habe, die Jahre seines hohen Alters j nicht, wie er selbst vom Herzen gewünscht hat, mit Werken! des Friedens auszufüllen, sondern noch einmal nach so langen Friedeusjahren seinen Völkern die Lasten und Opfer ^ eines Krieges aufzubürden. Aber der Kaiser läßt diesen Worten eine Art Rechtfertigung folgen, in pragmatischer Darstellung, in einer ehernen Diktion wird das ganze Sündenregister Serbiens aufgezählt. Das ist eine Anklage von einer Wucht, die unvergleichlich ist, und das Pathos dieser Anklage ebenso echt als erschütternd. Wie mit Flammenschrift geschrieben sind Worte wie die vom „rasch vergessenden Undank", der Serbien, das dem Habsburgerhause seine Existenz zu verdanken hat und nunmehr dessen bitterster Feind geworden ist, brandmarkt. Und erschütternd klingt es, wenn alle Missetaten Serbiens vom Kaiser aufgezählt werden bis zn jener Schreckenstat in Sarajevo, die — wie das Manifest sich ausdrückt — den Monarchen ins Herz getroffen hat. Zur höchsten Höhe der Schlichtheit, zu einem ergreifenden Bekenntnis der Seele des Kaisers erhebt sich dsv Schluß des Manifestes, in dem der Kaiser sagt, sein Gewissen sei ruhig Lei dieser Kriegserklärung, er habe alles geprüft und erwogen, bevor er dazu schritt, mit Waffengewalt Bürgschaften für den inneren und äußeren Frieden der Monarchie zu schaffen. Es liegt nichts von einer Pose, nichts von einer heroischen Gebärde in den Kaiserworten: „Mit ruhigem Gewissen betrete ich den Weg, den die Pflicht mir weist." Das find Worte, die dsk Kaiser Franz Joses, unseren geliebten Monarchen, den Kaiser, der durch ein halbes Jahrhundert mit Recht als Friedenshort Europas gepriesen worden ist, voll und ganz kennzeichnen. Sein ganzes langes Leben hindurch, bei allen Schicksalsschlägen, auf allen Dornenpfaden, die dieser seltene und einzige Mann beschreiten mußte, in tiefstem menschWen Leid»- hat er immer nur eitlen Leitstern gekannt, ^ den der Pflicht, und ist ihm gefolgt. Und darum hängen seine Völker mit so glühender und verehrender Liebe an ihm, dem hehren Friedens fürsten, den Mord und Tücke dazu zwingen, zum Schwert zu greifen. Diesem Leitstern der Pflicht wird auf diesen Aufruf des Kaisers die ganze Monarchie folgen, ihm wird hochgemut die stolze Armee folgen, um dem Vertrauen des Kaisers zum Allmächtigen, daß sich cr Äeg an ihre Fahnen knüpfe, gerecht zu werden. Dieses Manifest Kaiser Franz Josefs wird aber auch wie mit einem Schlage den seltsamen Spuk verscheuchen, der sich an die Monarchie heranzudrängen versucht. Sir Edward Grey war es, der der Monarchie — allerdings nach der zwölften Stunde — noch mit dem Vorschläge einer Konferenz der Botschafter Frankreichs, Deutschlands und Italiens in den Arm zu fallen versuchte, indem er vor allem einen Stillstand der kriegerischen Operationen bis zu einem Erfolge dieser Konferenz verlangte. Man merkt die Absicht Sir Edward wollte einen Druck auf Oesterreich- Ungarn im Wege über Deutschland ausüben und gleichzeitig Rußland aus einem Dilemma helfen. Englands und Frankreichs Interessen liegen in der Linie einer Lokalisierung des Krieges, wogegen ja weder Oesterreich-Ungarn noch Deutschland das mindeste einzuwenden haben. Rußlands Haltung aber bedeutet die Gefahr eines Weltkrieges. Denn Rußland hat sich schon so sehr mit der Mordpolitik Serbiens identifiziert, daß es für den Zaren schwer geworden, ist, wieder einmal im letzten Moment seine gehätschelten Serben im Stiche zu lassen. Mit einem Wort, Sir Grey hatte den für einen englischen Politiker gewiß nicht üblen Einfall,. eine Verschleppung der Affäre herbeizuführen, vor allem auch einen Zusammenstoß Rußlands und Frankreichs mit Deutschland zu verhindern, zumal Frankreichs Armee- Verhältnisse nicht die glänzendsten sind und in Rußland eine Bewegung sich kundgibt, die sich nur sehr schwer von einer einfach revolutionären unterscheiden läßt. Das beweisen Warschauer Nachrichten von dem Aufstiegen von Pulvermagazinen und den Explosionen zahlreicher Bomben. Der feine Plan Sir Edwards kann heute schon als gescheitert und begraben behandelt werden. Mit feiner Ironie hat Deutschland es abgelshnt, irgendeinen Schritt zu tun, der nicht genehm ist. Dieselbe Haltung zeigt Italien. Die Ironie Deutschlands ist, ss ernst die Zeiten sind, eine politische Pikanterie. Denn wie auf eine Knuts orärs schreibt die deutsche Presse an die Adresse Sir Edward Greys: Bitte, wenden Sie sich an Rußland. Dort sitzt ja der berühmte Friedens- LÄ«. der Initiator der Haager Friedenskongresse. Än Kentschlands Bundestreue Ist He englische ^ Intrige abgeprallt, und selbst Sir Edward Grey wird sich! keiner Täuschung über die Erfolglosigkeit seiner „selbstlosen" Vorschläge hingeben, nach der Kriegserklärung und nach dem Manifest unseres Kaisers, dessen Sprache über, den ganzen Kontinent und über die Meere hinaus verkündet: Sein Recht holt sich Oesterreich-Ungarn mit gutem Gewissen und mit seinem eigenen Schwert! Kaiser Franz Josef geht -den Weg seiner Pflicht, und wehe dem, der ihm auf diesem Wege entgegentritt! . .. * - » « Dis heutige „Wiener Zeitung" schreibt: Das flammende Wort des Allerhöchsten Manifest? wird die patriotischen Herzen höher schlagen lassen. Es weist mit erhebender Deutlichkeit den Weg. den zu beschretten Ehre und Recht gebieten, es weist aber nicht minder klar das Ziel! dieses uns aufgezwungeneu Kampfes: die dauernde und gewährleistete Erhaltung eines ehrenvollen Friedens. Das kaiserliche Manifest wird seinen jubelnden Widerhall finden in einem einzigen gewaltigen, weithinhallenden Ruf: „Gott erhalte den geliebten Kaiser, Kott beschütze das teure Vaterland!" ^ z n ö l i i L n x ä L n f iin l) 0 X ii^t 5 it 7 ti 7 l 0 st I Lst ^VLI7^r5!7M str.: ^L: 29.^./lNtz ! ? Mittelst einer Extraausgabe der ^.Wiener Zeitung" Sipird die Kriegserklärung kundgemacht. Sie lautete ^ ; ! ^ Auf Grund Allerhöchster Entschließung Seiner , k. und k. Apostolischen Majestät vorn 28. Juli Idlfs wurde Heute an die königl. serbische Regierung „ ein?, >in französischer Sprache'abgefaßte Kriegserklärung 'gerichtet/welche im-U r t e x t, und in d e uch sch e r l.l e b e r s e tz u n g folgendermaßen lautet; ! In deutscher Ilebersehung: "" i ^ die königl. serbische Negiernng die Note, ! welche ihr vom österreichisch-uiigarischeu Gesaudteu in Belgrad am 23. Juli 1914 übergeden worden war, n i ch t indes r i e d t g e n d e r W e i s e Üea n t w o r t e t h a t, so sieht sich die k. und k. Negierung in die Notwendigkeit versetzt, selbst für .die Wahrung ihrer Rechte und Interessen Sorge !zu tragen und zu diesem Ende an die Gewalt der -Waffen zu appellieren. Oesterreich-Ungarn lhetrachtet sich daher von diesem jfk n g c n b l i ck a n a l s i ;n Kriegszu stirnd ^u it ,S,e r d i e u b esi y dl i ^ Der österretchisch-nngarischei Minister hes Äenszern: s . - ..Graf B er ch L o l d. .Z. / ^ z k 8 5 I 7 5 k X ä 5 k 58k tt!5» 8 8 X 8 ^ 5 » 7 ^ 7 I 8 » /lk65I75k^517888 Lo? _I^LULIÄ^ Der Krieg ist erklärt. Obwohl noch überall von Vermittlungen geredet wird, so stand es schon lange fest, daß es zum Kriege kommen wird, stand es schon fest, als Oesterreich-Ungarn seine Note nach Belgrad schickte. Dennoch wirkt die Kriegserklärung als eins Tatsache von unerhörter Wucht. Durch fünf Jahre stand die Möglichkeit dieses Krieges der Monarchie mit Serbien vor uns, bald mit unmittelbarer Gefährlichkeit, bald wieder in nebelhafte Ferne gerückt. Aber obwohl wir dem Kriege schon zweimal sehr nahe waren, sich ihm gleichsam auf Schußweite genähert hatten, so erschien das den Menschen doch immer nur als eine theoretische Möglichkeit, so blieb der schroffe Gegensatz zu Serbien doch immer nur eine Frage für die Politiker und Diplomaten; so möglich auch der Krieg schon immer war, so dachte und glaubte doch niemand, daß wir seinen furchtbaren Ernst erleben werden. Deshalb wirkt die Kriegserklärung, die doch nur ausspricht, was wir seit ernstschweren Tagen schon als unwiderrufliche Gewißheit empfanden, mit dieser bedrückenden Macht, mit der Gewalt eines geschichtlichen Ereignisses, das alles überragt und weit zurücklüßt, was sonst der Inhalt der Sorgen im Staate Oesterreich ist. Nun der Krieg ausgebrochen, nun das ganze Leben der Gesamtheit und jedes einzelnen von uns von ihm erfaßt ist, nun wäre alles Nachdenken, ob es so kommen mußte, > ohne Wirkung. Nun kann man nur den heißen Wunsch aussprechen, daß Las kriegerische Unternehmen mit der möglichst geringsten Zahl von Opfern abschließe, haß sein Ausgang der Sache der Entwicklung der Völker in diesem Reiche fromme, daß die Umwälzungen, die das blutige Ringen in den Geschicken des Volkes mit Naturgewalt herbeiführt, wohltätige werden und der Aufstieg der Menschheit zur reicheren Kultur, zur erhöhten Wohlfahrt durch den Krieg nicht gehemmt werden möge, aus ihm vielmehr neue Antriebe erfahre. Krieg und Kriegszustand sind harte Zeiten; wir wollen sie als freie und aufrechte Männer überstehcn. Der Ernst des Krieges breitet sich über die Lande; und in jede Familie, in alle Beziehungen der Staatsbürger greift er mit seiner Eisenfaust hinein. Dennoch hat man das Gefühl, daß der Krieg mit Serbien, der lokalisierte Kampf mit dem kleinen Balkanstaat, im Geflecht unserer Sorgen zurücktritt, daß die eigentliche und Hauptsorge darin besteht, ob das Ringen auf diesen Krieg beschränkt bleiben wird. Was wir da sehen, ist folgendes: Alle Großmächte sind darum bemüht, Rußland zur Ruhe zu mahnen, Rußland von der Einmischung in den Krieg, den wir mit Serbien führen. Zurückzuhalten. Darüber besteht keine Meinungsverschiedenheit zwischen den Mächten des Dreibundes und denen des Dreiverbands; man kann sagen, daß Frankreich vor dem Weltkrieg ebenso graut wie Deutschland, daß England der Begrenzung des Krieges ebenso leidenschaftlich das Wort redet wie Italien. Daß das Zarenreich den Druck von allen Seiten spüren wird, ist unzweifelhaft; daß der ausnahmslose Wunsch aller Großmächte, dem Ueber- springen des Funkens vom Balkan auf Europa zu wehren, ohne Wirkung bleiben könnte', ist nicht ^ anzunehmen. Die große Frage bleibt aber, ob Rußland dauernd, bis zum Abschluß der „Auseinandersetzung" mit Serbien, zur Seite stehen wird, und diese' Frage kann heute niemand beantworten, niemand bejahen. Und sie ist es nun, die wie eine schwere Gewitterwolke über uns hängt und weiter hängen wird. Möge es gelingen, den Krieg wenigstens zu begrenzen, möge auch die österreichisch-ungarische Politik alles,' was die Lokalisierung fördern kann, dazu in ehrlichem Wollen beigetragen, alles auch unterlassen, was den Brand weiter und weiter trägt! Das ist der zweite' Wunsch, der sich heute jedem auf die Lippen drängt, der sich des furchtbaren Ernstes eines Krieges bewußt ist und seine Schwere nicht in leerem Klang vertändeln lassen will! Nun sind die Würfel gefallen und kein bängliches Zagen soll sich uns nahen. Eingedenk der Pflichten gegen die Arbeiterklasse, die wir alle freudig erfüllen, werden wir die ernsten Tage, die nun nahen, tapfer durchschreiten und die Zuversicht nicht verlieren, daß die Zeit fruchtbarer schöpferischer und weithin wirkender Arbeit wieder kommen wird. , ««rsciiLnxzxxen fun Vien ooxu»«e»i7z7io«i I^6L8?O8r (6022) 7LS: JeZ Kaisers Wort. Die Proklamation an das Volk. Nur mit tiefer Rührung und mit innigem Mitgefühl kann man die Proklamation lesen, die der Monarch an seine treuen Völker erlassen hat, als er die Kriegserklärung an Serbien unterfertigte. Es ist ein historisches Dokument für alle Zeiten; es ist eine furchtbare Anklage gegen den Staat, der sich durch Jahre hindurch vermessen hat, den Frieden Europas zu gefährden, der Undank aus Undank häufte und der schließlich nicht davor zurückschreckte, zum niedrigen Verbrechen zu greisen, um seinen Wünschen zu dienen. Solche Anklagen und mit solchem Rechte sind Wohl noch nie gegen einen Staat erhoben worden. Man kann die Weltgeschichte von Anfang bis zu Ende durchblättern, man wird kein Beispiel dafür finden, wie Serbien die letzten sechs Jahre gehandelt hat. So lange es gegen seine eigenen Fürsten den Mordstahl zückte, konnte menschliche Empfindung allein die Korrektur finden: die Verachtung. Serbien hat sich aber damit nicht begnügt. Es hat seine Mordbuben und Hochverräter, es hat seine Spione und Attentäter in die Nachbarmonarchie gesendet, es hat sie mit Geld und Waffen, mit Bomben und Gift ausgerüstet, nur den zu meucheln, dem es das ganze Sein verdankte. Was wäre Serbien, wenn Österreich-Ungarn, wenn ganz besonders der gütige Kaiser Franz Joses seine schützende Hand über diesen Staat-mcht gehalten hätte? Vom Joche der Türkenherrschaft hat die Monarchie Serbien befreit, von der Gefahr der Vernichtung hat das Machtwort Wiens Serbien gerettet, als der Held von Slivnitza den serbischen Übermut zu Boden warf, vor den Folgen der Verachtung der Welt hat Österreich-Ungarn Serbien geschützt, als der grausame OMigsmord an Alexander und Draga im Konak verübt wurde, dem neuen Herrscher Peter Karageorg hat es die Wege geebnet, hat seinen Thron aus den Schlachtfeldern von Mazedonien gefestigt und sein Reich vermehrt. Die Monarchie hat mit einem Worte an Serbien gehandelt, wie nur ein Vater an seinem Sohne handeln kann. Und dafür hat dieses Scheusal eines Staates keinen anderen Dank gewußt, als das unaufhörliche, verbrecherische Streben, seinen väterlichen Freund, seinem Lebensretter ans Leben zu gehen. Wahrlich, man kann die Weltgeschichte von Anfang bis zu Ende duvchblättern, man wird kein Beispiel dafür finden, das dem gleicht, das rmser guter Kaiser in seiner Proklamation au sein Volk vor aller Welt brandmarkte. Man sollte nun meinen, daß alle Kulturstaaten der Welt sich zu einem Areopag Versammeln und' das Verdmnmungsurteil über Serbien sprechen müßten. Man sollte meinen, daß angesichts der grauenvollen Einzelheiten, die das Dossier der österreichisch-ungarischen Regierung aller Welt bekannt gab, keine Hand sich rühren könne, das Verbrechen ohne Ende vor der Sühne zu bewahren. Es widerspricht so sehr allem menschlichen Empfinden, daß Unsittlichkeit und Unmoral auch nur einen Augenblick Verteidigung finden können. Und doch: die Kultur der Welt steht nicht auf der hohen sittlichen Stufe, auf der jeder Einzelne steht; denn sonst wäre es nicht möglich, daß alle Kabinette des Westens sich bemühen müssen, in Petersburg beruhigend einzuwirken und der Stimme der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen. Es wäre nicht möglich, daß Europa vor der Gefahr des Weltkrieges steht, die jetzt alle Gemüter beherrscht. Längst-schon-hätte seine-Hand voW'Seröieil abzichen und es seinem wohlverdienten Schicksale überlassen müssen, damit endlich diese Pestbeule Menschlichen, staatlichen Lebens verschwinde. Die Moral ist für alle Menschen nur eine; für alle Staaten aber scheint das Gesetz nicht zu gelten. Aber es gibt noch eine Gerechtigkeit, dis über alles siegt. Und diese Gerechtigkeit hängt nicht von Menschen ab; sie ist das Schicksal, das Menschenlos bestimmt. Unsere braven Soldaten werden im Zeichen dieser Gerechtigkeit die Sühne dem Staate anserlegen, der sich gegen alle Moral, gegen jedes Recht vergangen hat. Sie werden aber ' auch das Reich schützen gegen jeden, der sich diesem Schicksal widersetzt und der den natürlichen Gang der Gerechtigkeit aufzuhalten sich erkühnt. , Das walte Gott! —— ! - 2 -^ »«sciiLkiciliuen ssun Vien o o x u »i e »i I 1 7 i o n I^6L8?OLI (6^22) U8: Ar. Josef Straßer. Der,-Pester Lloyd" hatte um 5 Uhr nachmittags in einer Sonderausgabe die Friedenskundgebung der ,>Samonprava" bekanntgegeben. Eine Stunde später wurde die Friedenskundgebung durch Extrablätter, die die Abreise des Gesandten der Monarchie von Belgrad Meldeten, dementiert. Der Krieg trat in Sicht. In einer kurzen Stunde hat sich das Bild der abendlichen Stadt wunderbar verändert. Die Entscheidung in Belgrad wirkte wie eine Erlösung von drückender Demütigung und Ungewißheit. IN wenigen Minuten hatten sich Demonstrationszüge gebildet, die vorerst die im Glanze des Sommerabends erstrahlende Andrassystraße besetzt hielten. Plötzlich schallte der Klang der Trommelwirbel durch die Straße. Am südlichen Straßenende, dort wo der Enget Gabriel auf hoher Schule das Doppelkreuz über die ungarische Hauptstadt halt, zog eine MilitärmusiKapelle mit klingendem Spiel heran. Plötzlich packte jauchzende Begeisterung die Masse. Vor dem Cass Abbazia, dem Treffpunkt der gegnerischen Politiker, brausten Rufe empor- die dort früher niemals gehört wurden. Der Ruf „Hoch Graf Stephan Tißa!" kennzeichnet die Stimmung der Stadt. Ihm wird die Entscheidung zugeschrieben. Seiner eisernen Faust wird in diesen Stunden des Eisens unbedingtes Vertrauen entgegengebracht. Die Demonstrationszüge aus der Andrassystraße setzen sich langsam in Bewegung, Universitchtshörer führen den Zug. Hochragend wird die Trikolore an der Spitze des Zuges getragen. Die AKorde des „Szozat" und der ungarischen Hymne klingen schwellend zum Nachthimmel empor. Ruse ,-Nieder mit Serbien!", „Es lebe der König!", „Es lebe Kaiser Wilhelm!" werden laut. Ein junger, schlanker schwarzer Herr führt den ersten Zug. Ein ungarischer Landwehroffizier tritt vor den Zug hin und wird von der Masse begeistert umjnbelt. Einige Männer heben ihn auf die Schultern und der junge Offizier hält eine Ansprache, die mit den Worten schließt, daß Belgrad bald den guten alten ungarischen Namen Nandor-Fehervar, den cs als Stück der Länder der heiligen Stephanskron« einst getragen hat, wieder führen werde. Stürmische Beifallskundgebungen folgen diesen Worten. Der Führer des Zuges, der schlanke- schwarze Herr, antwortet auf die Rede des Offiziers: ,-Ich begrüße mit euch," so ruft er, -,die tapferen Soldaten unseres Heeres. Heute noch hier, werde ich morgen im Kampfgebiete als Soldat und Offizier für unser Vaterland kämpfen. Ich werde unseren braven Truppen melden, daß die ungarische Heimat segnend auf ihre Schützer blickt." Der Redner wird herzlich begrüßt. Es ist der Graf Moritz Eßterhazy, einer der begabtesten und reichsten ungarischen Magnaten, ein Führer der hochadeligen Opposition, die den Grafen Stephan Tißa bekämpft. Und diese tiefe Einigkeit, die Opposition und Regierung in diesem Augenblicke verbündet, offenbart sich auch an einer anderen Stelle der Stadt. Vor dem Nationalkasino, dem Kasino des Hochadels, fordert eine demonstrierende Trappe die Hissung der Trikolore. In der ersten Etage werden die Fenster eines glänzenden Saales geöffnet und eine mächtige, rot-weiß-grüne Fahne ansgesteckt. Gras Äladar Zichy, desgleichen ein Führer der Opposition, ein persönlicher Freund des verblichenen. Thronfolgers Erzherzogs Franz Ferdinand, erscheint Vor den Demonstranten. Eine Rednertribüne, wird rasch improvisiert. D-er Gras besteigt die Tribüne und friert die Budapester Arbeiterschaft, die- ohne zu zaudern, für dis hohen Interessen der Monarchie begeistert ein«, getreten ist. -Möge," so schließt er seine Rede, „der Träger der Stephanskrone wissen, daß die Ungarn den heißen Wunsch hegen, in der ersten Mähe zu kämpfen- ! um die Beleidigung Kr sühnen, die ruchlose Hände dem Hause des.Herrschers zngesügt haben." Nun besteigt ein blonder Herr die Tribüne. Es ist ein reichsdeutscher Fabrikant, eine der Gestalten- wie sie in dem von Reichsdeutschen bewohnten vierten Bezirk der Hauptstadt vielfach zu treffen sind. Er feiert die Bündnisireue, die Österreich-Ungarn und Deutschland Vereint. Wieder antwortet Graf Aladar Zichy. Ar deutscher Sprache preist auch er die Festigkeit des deutsch- österreichisch-ungarisch en Bündnisses. Sein Hurra-Rvf, der dem Kaiser Wilhelm gilt, wird von der Masse tausendstimmig wiederholt. In den Worten, die dem deutschen Kaiser den Dank der ungarischen Nation Anden, zittert tiefe Rührung. Die Demonstrationszüge bewegen sich weiter. Ein Taumel der Begeisterung ersalßt die Masse, als die Kunde- daß der serbische Gencralstabschef General Putnik im militärwissenschaftlichen Kasino interniert sei, zu ihr dringt. Ein Zug bewegt sich Vor das Korpskommando, > wo stürmische Kundgebungen der Kriegsbegei'stevung erfolgen. Ein anderer Zug zieht vor das militärwissenschaftliche Kasino, vor dessen Fenstern Militärpatrouillen stumm Posten Hallen. In langen Intervallen zeigt sich ein bleiches, von ergrauendem Bart umrahmtes Ärl- datengesicht am Fenster. Schließlich ersucht ein Offizier den General Putnik, vom Fenster zurückzutreten,- worauf sich die Menge zerstreut. Inzwischen graut der Morgen. Noch sind die Kaffeehäuser, die Restaurants hell erleuchtet und überfüllt, die Straßen belebt. An den Straßenecken werden riesige rote und grüne Plakate afsichiert. Tausende umlagern diese Plakate, die die partielle Mobilisierung und die Aufbietung des Landsturmes proklamieren. Eine Stunde sMcr ist alles in den Dienst der Rüstung gestellt. Soldaten in voller nagelneuer Ausrüstung rennen durch die Straßen, Lastenautos führen die Einrichtungen des SanitätS- und VerpflegsdicnsieZ in rasender Fahrt zum Wrstl>«hnhvf, wo große Truppenkörper des Abtransportes Herren. Der Tag bricht an, herrlich erhebt sich die Sonne hinter den Ofner Bergen, in Gold und Feuer die heilige Stephanskrone tauchend, welche dn der Spitze der Königsburg ragend aufgerichtct ist. iDer neue Tag fließt mit dem verflossenen zusammen. Die Menschen gehen nicht zur Ruhe. Der Sonntag findet keine Rast. Weiße Maiieranschläge künden, daß die Sonntagsruhe im Gebiete der Ncichshauptfiadt suspendiert ist. Der frühe Vormittag findet alles in vollem Betriebe, Straßen, Restaurants, die Wagen der Elektrischen sind von Menschen überfüllt, die das neue Lied des TageS singen, ein Lied, das zwar aus den Tagen der Revolution stammt, in das jedoch die gefestigte Loyalität nun statt den Namen Ludwig Kossuths den Namen des Königs ausgenommen hat: „Hört, Franz Josef läßt uns sagen, Regimenter muß er haben; - 'Läßt er es noch einmal sagen, Müssen wir uns alle schlagen." i«öc,iLNlcz«>ienfijk nie»« 00XU»1L»iiz710Ii I^6LL?0LI (61-22) Schwere Tage. Nach authentischen Informationen. Die Ungeduld der Bevölkerung ist begreiflich. Mau möchte von großen Taten, man möchte bereits von Schlachtenberrchten und Siegen hören. Das ist natürlich unmöglich, denn der moderne Krieg erfordert einen ungeheuren technischen Aufwand, den man nicht in wenigen Stunden bewältigen kann, wozu Tage notwendig sind. Die Ereignisse werden nolch früh genug in Nuß kommen, früh genug wird das mörderisch« Ringen beginnen, das nicht mehr aufzuhalten ist. Indessen hat die Diplomatie eine ungeheure Aufgabe KN bewältigen. Es gilt immer wieder den Versuch zu machen, den Weltkrieg auszuhalten. Bisher hat Rußland noch Leine entschiedene Haltung bekundet, der russische Botschafter in Wien, Schebeko hat dem Grafen Berchtold erklärt, daß er bisher nicht in dem Besitz bestimmter Aufträge seiner Regierung sei, daß seine Regierung aber ernste Bedenken hege und sich die Entscheidung Vorbehalten müsse. Dunkel ist der Rede Sinn, wie die Politik Rußlands es immer war. Die Meinungen gehen daher sehr auseinander. Während die einen mit Rücksicht auf die Sachlage mit Frankreich-, mit Rücksicht darauf, daß voraussichtlich! England auf keinen Fall sich in kriegerische Verwicklungen einlassen will, der bestimmten Erwartung Ausdruck geben, daß der Krieg zwischen Vsterreich-Ungarn und Serbien lokalisiert bleibe, sind die anderen, die maßgebenderen Faktoren der Ansicht, daß alle Bemühungen vergeblich sind und daß der Tag der großen Abrechnung gekommen sei. Nicht mit Unrecht wird gesagt, daß diese Abrechnung ja doch kommen müsse, und daß es daher keinen Zweck habe, etwas aufzuschieben, was man doch immer wieder erwarten müsse und was die Welt nimmermehr zur Ruhe kommen ließe. Millionen und Millionen werden jetzt schon auch in jenen Staaten aufgewendet, die sich nicht im Kriegszustand befinden, um für alle kommenden Ereignisse so schnell als möglich gerüstet zu sein. Das sind Opfer, die auf die Dauer unerträglich werden, wenn sie für einen ungewissen Zustand, für ein „Vorläufig" gebracht werden. Und nun sind wir beim Kern der Frage über die Lokalisierung des Krieges: Mit aufrichtiger Genugtuung ist festKustellen, daß die Blind nis- rrrue, sowohl Deutschlands wie Italiens über jeden Zweifel erhaben ist. Nicht nur die Reiche, sondern auch ihre Armeen empfinden wie Brüder, die einer gemeinsamen großen Gefahr gegenüberstehen, und die selbst dann, wenn sie allein blieben, jedem Gegner gegenüber gerüstet iv-ären, wiewohl heute schon feststeht, daß sie nicht allein bleiben, sondern manchen Freund und Mitinteressenten finden würden. Angesichts dieser Sachlage wird man es begreiflich finden, daß die Politik des Dreibundes sich nicht damit begnügt, eine Lokalisierung für den Augenblick durchzusetzen, sondern daß sie einen dauernden Zustand schaffen will, der der Welt die Ruhe und den Frieden wiedergibt. Die Kabinette von Wien, Berlin und Rom sind über«n- stimmeud der Anschauung, daß mit einem Schein- züstand nicht das Auslangen gefunden werden kann, und daß endlich einmal auch in die große Politik Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und vor allem andern Stetigkeit kommen muß. Diese Politik des Dreibundes ist ebenso mannhaft, als klug und folge- richtig, und d«§ diese, Forderung zum kategorischen Imperativ erhoben und jede Intervention, die einem anderen Ziel zustrebt, ebenso höflich^ wie entschieden abgelehnt wird, kann nur «ruf allseitige Zustimmung rechnen. Jeder ehrlich Denkende wird in diesen schweren Zeiten der Meinung recht geben, daß das kostbare Blut unserer tapferen Armee nicht für eine Chimäre, nicht für ephemere Werte vergossen werden darf; nicht aus Übermut, nicht einer Laune gehorchend, sondern in der vollen Erkenntnis, daß es sich um Sein oder Nichtsein handelt, hat Österreichs-Ungarn zu den Waffen gegriffen, und aus diesem Grunde verfolgt es auch im innigen Einvernehmen mit seinen treuen Bundesgenossen die Politik der Geradheit und Offenheit und nimmt den Kampf auf gegen die Hinterhältigkeit und gegen jeden Trug. Im Bewußtsein dieser klaren, von jedermann als richtig anerkannten Politischen Führung sehen denn auch die Verbündeten mit voller Ruhe den kommenden Ereignissen entgegen. Rußland ist bisher ausgewichen; möglich, daß es seine Haltung schon in den nächsten Tagen präzisieren wird. Wahrscheinlich aber kommt die schwerste Etappe der internationalen Verwicklung erst dann, wenn die Liquidierung des Krieges mit Serbien eintritt. Dann wird Rußland mit Einwendungen und Forderungen kommen, und dann käme es neuerlich zum Biegen oder Brechen. Zur Stunde ist nicht -sicher, M die jetzige Etäppe nder erst die künftige die Entscheidung darüber bringt, welchen Ereignissen wir entgegengehen. Sollten aber die Würfel des Schicksals im Sinne des Unfaßbaren fallen, dann soll uns dieser geschichtliche Moment, der seinesgleichen noch nicht Hat, gefaßt und ruhig —ir — finden im Vertrauen auf unsere Kraft, aus unsere Armee, im Vertrauen auf unsere Bundesgenossen und im Vertrauen auf unser gutes Recht, ,i ,r, --——- —— —'