M. W -Ä Wiensk- StM-Libliottiek Rede bei Der Leichenfeier Josephs m Zweiten Römischen Kaisers an Seine Heiligkeit Pins dm Sechsten. V v n Annibal Genghä Sr. Heiligkeit geheimen Kämmerlinge, M Mim, bey Christian Großer, in der ThswMt- simss«, Nr» 76- 'E Pius dem Sechsten Römischen Pabste. Uynibal Geng ha. as ich allein noch wünschte, ist mir, gewiß ^7 nicht durch einen Zufall, sondern durch Deine eigene Auswahl Heiligster Vater! gestattet worden. So viele und große Wol- thaten, die mir von Deiner ausnehmenden Güte gegen mich zugeflossen sind, haben Dir mein Herz so gänzlich verpflichtet, daß ich nichts sehnlicher verlangte, als Dir meinen schuldigen Dank durch ein öfentliches Denkmal abzustatten, und meine Ergebenheit sowol, als meinen Diensteifer gegen Dich, vor allen, so viel mir nur möglich wäre, öfeutlich an den Tag zu legen- Aber wie könnte ich dieser Pflicht mich entledigen, hättest Du mich nicht durch eine neue Wolthat dessen fähig gemacht? Denn Du hast mich nicht nur des glänzenden Auftrags auf Joseph den Zweiten, den grö- A? Tl( H. M sten König und Kaiser, eine Leichenrede zu verfassen, und in Deiner Gegenwart vorzutragen gewürdiget, sondern izt auch, da sie aus Licht tritt, sie mit Deinem Namen aus» Mieren, und Dir sie zuzueignen erlaubet. Ja, wenn etwas in meiner Rede aufzufinden ist, so den Beifall sachverständiger Männer Verdient, so habe ich es Deinen Lehren zu verdanken, und von Dir, als einer reichen Quelle der Weisheit, auf mich übergeleitet. Denn da Du Dir in Beherrschung des römischen Staates des Ruhmes so viel erworben hast, daß keiner Deiner Vorführer, die der Ruf über andere, erhoben hat, eines Vorzuges sich anmaßen kann: Da es mir täglich bor Augen steht, durch welche Künste, die öfentlichen Geschäfte einzuleiten, Du eine so große und allgemeine Hochachtung erhalten hast; war mirs leicht, was an Königen zu rühmen sey, an Dir selbst anzumerken und zu eutwikeln. In der That, wie Du des Deinigen nicht achtest, um ganz für die Wvlfarth Deines Volkes zu wachem wie Du gewohnt bist, alle Zeit gleichsam ununterbrochen den Geschäften des Staates zu widmen, alle Aemter beinah allein zu verrichten, nie von der Arbeit nachzulassen, nie auszuruhn, vielmehr täglich stärkere Kräfte mitzubringen, neue Wege zur öfentlichen Glük- As m. ftlrakeit aufzufinden, und ans Zrel nur einer unglaublichen Behändigkeit hinanzueilen; über Ließ alles durch eine ausnehmende Herablassung, Güte, und den Umständen angemessene Freigebigkeit Dir alle Herzen Deines Volkes zu binden, haben wir alle zu Rom nicht ohne Staunen gesehen, und einander Glük gewünscht, daß uns die Vorsicht des Himmels m dresen bitteren Zeiten mit so einem Fürsten gesegnet hat. Wie sollte ich also in meiner Lobrede den Ruhm Josephs des Zweiten erheben, ohne zugleich vieles vorzubringen, so mit den erhabenen Eigenschaften Pius des Sechsten, das gemeine Wesen zu verwalten, einige Ähnlichkeit zu haben scheint? Von ganz verschiedener Art ist dasjenige, was die Pflichten eines Oberhauptes der Kirche, und die Sorge für die heilige Religion von Dir lodern: Dieß haft Du Dir ganz eigen gemacht, und theilst mit keinem den Ruhm, den Deine Verdienste errungen haben. Es wäre leicht, und es könnte mir an Gelegenheit nicht fehlen, die mannigfaltigen und beschwerlichen Arbeiten, welche Du für die Kirche unternommen, und die heilsamen Verordnungen, welche Du, entweder die Lehren des katholischen A z Ur( i v. M Glaubens zu handhaben, oder die Rechte Deines Apostolischen Stuhles zu schüzen, nur erst neulich gegeben hast, herzuzählen: wenn es mir, wie ich wünschte, wenigstens sie zu berühren, oder nur anzuzeigen gestattet würde: Allem Deine ungemeine Bescheidenheit verbietet mirs: ich gehorche; und freue mich, wenn ich zurükdenke, es sey alles, worüber ich schweigen mus, vom Rufe so weit umher- verbreitet, und mir Zeugen und Schriften aller Nationen so laut gepriesen worden, daß meine Stimme, so sehr sie sich auch erheben wollte, überflüssig seyn würde. Ich füge mich also Deinem Gebote. Dieses nur bitte ich noch, daß Du dieses geringe Zeugniß meines dankbaren Herzens in Gnaden aufnehmen, und mir an Deinen heiligen Füssen zum Unterpfande der väterlichen Gewogenheit Deinen Segen ertheilen wollest. te ltt r- it h, ^r r- n -- r- H lL ß f- rr ls^ I08LM U ^Do gering auch das Vertrauen ist, welches ich entweder auf meine Fähigkeiten, oder auf die Ui- bung in der Beredsamkeit srzen kann; glaubte ich denn doch, mich der aufgelegten Bürde mit frohem Mute, und mit bereitwilligem Herzen unterziehen zu müssen. Denn obgleich alles, was ich um mich her sehe, die erhabene Würde der Zuhörer, an die ich zu reden habe, und die Majestät des Ortes- wohin nichts gebracht werden sollte, dem die Beredsamkeit nicht die Krone der Vollkommenheit aufgedrückt hatte, mich schüchtern zu machen, fähig seyn würde; so giebt mir dennoch zu gleicher Zeit Deine allbekannte Güte, Heiligster Vater, und die menschenfreundliche Nachsicht der Verehrungs- würdigen Vater so viel Starke und Kraft, daß iH A 2 mit 2 mit Zuversicht auf Vergebung rechne, wen» gleich mein Vortrag das Ansehen nicht hat/ Eurer Erwartung gemäß der Erhabenheit des Stofes zu entsprechen. Vor allem aber liegt mir am Herzen, daß ich des Kaisers ruhmvolle Thaten nicht erheben kann, ohne zugleich Dir, Heiligster Vater, die schmerzliche Wunde aufzureißen, welche Dir der be« trübtesie Hintritt eines Fürsten geschlagen hat, mit dem Du durch die wechselseitigen Baude der Liebe und der Freundschaft so enge verbunden warst. Allein ich erkenne wol, es fodere uns, indem wir nach der Sitte unserer heiligen Religion Joseph dem Könige und dem Kaiser das Leichenbegängnis halten, die Zeit selbst zur Betrübniß auf, und Du seyst heute, und wir alle mit Dir zur Trauer und zur Wehmut geladen. Ich will mich also, so gut ich kann, den Umständen fügen, und meine Leichenrede nicht ohne Thränen in das Leichengepräng einrichten, und um alles, was ich zu sagen habe, auf die allgemeine Quelle zusammen zu fassen, in Kürze zeigen: Joseph der Kaiser habe nicht sich, sondern dem Vortheile der Völker, die er beherrschte, und ihrer Wolfarth gelebet. Auf diese Art werde ich «ach Kräften darob seyn, sowol Deinem Willen Folge zu leisten, als auch die ruhmvolle Regierung eitles so erhabenen Fürsten zu empfehlen. Und Und damit meine Rede daher beginne, woher aller Fürsienruhm geleitet wird, so muß man gewiß an einem großen Kaiser vorzüglich dahinschen, ob er auch alle Sorgen seinen VöKern geweiht habe, um sie durch eine weiss Regierung glüklich zu machen. Denn da Gott den Fürsten um des Volks willen eingesezt hat, daß nämlrch Menschen, die in eine Gesellschaft zusammengetreten sind, durch die Kraft, durch die Wolthat der Geseze, und durch die weise, mächtige Leitung ihres Hauptes, ein ruhiges, und so gut es Umstände hienreden gestalten, ein seliges Leben führen; so ziemt es dem, weicher andern vorgesezt ist, nicht nach seiner eigenen, sondern nach der Wolfarth der Völker, denen er vor- gesezt ist, mit Eifer zu streben. Du siehst, heiligster Vater, daß ich hier nicht sowol, wie Fürsten seyn sollen, bestimmt, als, wie Joseph war, geschildert habe: denn er trat die Regierung mir so viel Größe des Geistes an, mit einer so umfassenden Liebe zum allgemeinen Besten, daß er, Seiner beinah uneingedenk, alle seine Gedanken, alle seine Bemühungen, alle feine Kräfte, nur allein zum Heile der Völker, die ihm vertraut waren, und zur weisen Beherrschung derselben verwendet hat. Möchte ich doch alles, was Josephs«»ermüdetes Streben, womit er das allgemeine Wol zu befördern suchte, im vollen Lichte darzustellen fähig ist§ in seinem ganzen Umfange anführen können! Allein A s rs 4 es wrrh uns genügen müssen, nur überhaupt das- p n!ge Zu berühren, was den eigenen und ausgezeichneten Geist des Kaisers richtig entwerfen, und dessen Bild, wie gemalt, vor unsere Augen hinstellen kann. Und vor allem, wer weis es nicht, dass jener Hang nach Weichlichkeit, der oft große Seelen schwächt, die Tugend entnervt, und den ganzen Menschen nicht selten in das schändlichste Joch zwingt, nie zu Josephs Seele den Zutritt gefunden, nie über ihn die Gewalt erholten habe, daß sein ruhmvoller Eifer zu großen Unternehniungen, ein herrlich Geschenk der Natur, je auch nur etwas erkalten konnte. Ja, nicht zufrieden der Weichlichkeit, und den Annehmlichkeiten des Lebens entsagt zu haben, gewöhnte er sich schon vom Knabenalter an, selbst die Bedürfniße d^r Natur, denen wir ohne Tadel etwas williger nachzugeben pflegen, unbefriedigt unter seine Gewalt zu bringen. Sein Lager war gemein, nach Art der Krieger eingerichtet, und kurz sein Schlaf. In den ersten Morgenstunden, da andere noch der tiefen Ruhe gemessen, sann er bereits der Verwaltung des Reiches nach, schrieb Entwürfe nieder, und Verordnungen, rief seine Dienerschaft heran, um sich Schriften oder Bücher, die er einsehen wollte, herbeiholen zu lassen. Mit so einer strengen und thätigen Lebensart ausgerüstet, war er vor allen bedacht, keine Mühe zu sparen, um mit dem Herzen der Menschen, und mit dem Gange der Geschäfte in eine genaue Bekanntschaft zu kommen. Denn gleichwie unwissende Fürsten viel Unheil über ihre Staaten heranziehen, so können diejenigen, welche von allem Wift senschaft haben, sobald sie nur wollen, Segen und Wolfakth auf ihre Völker ausschütten., Darauf beschloß er, sich vorzüglich durch die Ränke derjenigen, die das Fürstenohr zu gewinnen wissen, nicht hintergehen zu lassen. Denn seine tiefe Einsicht sagte ihm gar bald, wie ferne gemeiniglich von Höfen die Warheit verwiesen sey, wie sorgfältig man ihr allen Zutritt verwehre, damit sie sich ja nicht den Augen der Könige uneingehüllt, wie sie ist, zu schauen gebe, und sichs nicht beikommen lasse, mit ihrer unverlöschbaren Fakcl, die sie vor sich hertragt, die krummen Wege des Betruges, die unterirdischen Gänge der Arglistigkeit, die blinden Gefahren, und die heimlichen Fallstrike, welche oft von Männern, die in Würden und in Gnaden stehen, dem Habe, den Rechten, der Wolsarth der Bürger bereitet werden, aufzudeken, und mit einer lohen Flamme zu beleuchten. Daher hat er sich es weise, und ernstlich angelegen seyn lassen, sie nicht sowol zu erwarten, als selbst aufzusuchen, und weil sie aus Schüchternheit flieht, sich verbirgt, zu ergreifen, festzuhalten, und gleichsam mit Gewalt an den Thron zu führen, wo sie ungetrennt an der Seite 6 des Königes sizen, und den öffentlichen Berathschla- gungen beiwohnen soll. In der That glücklich, wenn er von einem falschen Bilde der Warheit hingerissen, die Warheit selbst, wornach er sehn. lichst verlangte- nie auch wider Willen, verlassen hatte! Uibrigens von diesen Betrachtungen eingela- den, und gelokt durch die rühmlichen Fußstapfen^ der berühmtesten Fürsten, kam er auf den Entschluß, so bald er nur konnte, seine Burg zu verlassen, und auf Reisen seine Kenntniße auszubreiten. Was soll ich nun von diesen Reisen sagen, so vicht lange schon ein Gegenstand der allgemeinen Bewunderung war? Zog er etwa nach königlicher Weise, mit einem zahlreichen Gefolge, in glänzender Pracht aus, vom eiteln Pöbel angestaunt zu wer. den? vielmehr neigte er so tief sich zum Bürger herab, baß man beinah nirgends den Kaiser erkennen konnte. Dieß stellte ihn oft großen Unbequemlichkeiten, nicht selten auch Gefahren blos: aber yredurch ließ sich Joseph nicht abschreken, feine Reifen auf eine Art fortzuftzm, die nicht nur den öffentlichen Einkünften keine Wunden schlug, und die Zeit auf nüzljchen Wucher fegte, sondern die ihn es Gewinns, wornach er am meisten verlangte, gänzlich versicherte, daß er nämlich, indem die Ma- Mat gleichsam mit einem Schleier umhüllt war, was er nur wollte, leicht erfahren konnte, und aller Or- 7 Orten Gelegenheit fand, die Warheik ohne Schminke, auch nicht durch Schüchrernhcit verwirrt, gleichsam mit Augen anzusehen, und mit eigenen Handen zu betasten. Er zog nach dem Hauptsiz des russischen Reiches, und selbst Cherson war ihm zu sehr nicht entlegen: zweimal sah ihn Italien, zweimal Frankreich, und zweimal ist er in Rom gewesen: einmal, als er noch mit seiner durchlauchtigsten Mutter zugleich regierte, und dann einige Jahre darauf, unter Deinem Pabsitume, Heiligster Vater, als er allein schon die Regierung übernommen hatte. Und was that er zu Rom? mit welchen Beschäftigungen brachte er die Zeit hin? was für Meinungen flößte er von sich den Römern ein? Andere suchen in derlei Reisen ihre Erholung, ent- schlagen sich, so lange sie von Hause abwesend sind, aller Sorgen, überlassen sich dem Vergnügen, den Gastmälern, den Reizen fremder Gegenden, und bringen die Zeit im Müßiggang um, ohne hierin etwas unrühmliches zu finden. Aber so eine eitle Leere kam in das Herz Josephs nicht: denn er suchte vor allem nichts sehnlicher, als in der überaus schweren Herrscherkunst fortzurükcn. Er bemerkte, mit einem scharfen Auge die verschiedenen Sitten verschiedener Völker, sah in die Geseze und Einrichtungen eines jeglichen, verglich die mannigfaltigen Regierungsformrn, und wog, was zur allgemeinen Wvlfarth glüklich, was unglüklich ausfällt, gt- 8 W gegeneinander ab; dann forschte er den Künsten und Wissenschaften nach, die irgendwo vorzüglich hervorgeblüht haben, wie sie gepflegt, wie sie un- terstüzt werden, wie sie zur Vollkommenheit gedeihen können. Selbst der Akerbau, selbst die Einfuhr und Ausfuhr der Waaren, wodurch dem Staate Kraft und Nachdruck erwachst, konnten feiner Aufmerksamkeit nicht entgehen. Dieß wars, was Joseph seinen Reisen und seinen mühesamen Bemerkungen zum Ziele ausgesiebt hat. Daher sahen wir ihn selbst, zu Rom unverdrossen hieher und dorthin eilen, die Werkstätten der Künstler besuchen, alles mit eigenen Augen besichtigen, mit osenen Ohre», was er hörte, auffangen, die Entgegenkommenden selbst anreden, über die Einrichtung des Staates, über die Besorgung der Lebensmittel, über die Zölle Fragen stellen, und die Schüchternen, daß sie ihm frei reden, aufmuntern: wir haben es mit Augen gesehen, und feine Einsicht, seine Klugheit, seine ausharrende Geduld, seinen unbändigen Eifer, sich stets zu unterrichten, bewundert. Aber dieß kann ich nicht vorüber gehen, daß Joseph in seiner zweite» Römerreise sich vorzüglich zum Zweke genommen hat, Dich, Heiligster Vater, dem er sich mit ungewöhnlichen Banden der Freundschaft in seiner Kaiserstadt verbunden hüt, Dich, sage ich, täglich zu besuchen, mit Dir sich vie? 9-A- viele Stunden zu unterreden, deinen Rathen und Ermahnungen mit vielem Anstande zu horchen- Wie er zu Rom war, eben so verkündigten ihn aller Orten, wo er nur hinkam, die öfentlichen Schriften, welche seinen Ruhm verbreitet haben, so, daß gewiß Niemand war, der nicht, von der Neuheit gewekt, den außerordentlichen Charakter des Kaisers zum Gegenstände seiner Unterredungen ge» macht hatte. Und wem mag es nun fremde scheinen, daß er dieselbe Frucht seiner Bemühungen, die vorhin, und immer sein Ziel war, auch wirklich erreicht hat. Man denke sich nun, mit welchem Eifer mit welcher Aufmerksamkeit er seine eigenen Staaten durchgewandert habe, dem zur Besichtigung fremder Provinzen, wie ich so eben gezeigt habe, keine Sorgfalt, keine Mühe zu groß war. Mit noch mühsamerem Streben, mit noch größerer Spannung des Geistes wandelte er unter den Seinigen, und forschte nach allem, was seiner Wißbegierde würdig schien. Erstens zwar untersuchte er, was sich auf alle rrfirekt, dann auch, was nach der Wolfarth einzelner Bürger zielt, zeigte sich hie und da, gab kommenden ein geneigtes Ohr, und gieng überall mit solcher Eile zu Werke, daß Niemand, wo er nur erschien, die wolthätige Gelegenheit seiner Macht, und seiner Anstrengung vermisste. Da sich also jene Wölke? hei der ungewöhnlichen Gegenwart ihres Fürss IQ)K- Fürsten erholet, da sie an Joseph Liede gegen Unterthanen, und Begierde, sie glücklich zu machen, wahrgenommen, da sie deutlich gesehen haben, sie stehen bei ihm nicht nur im Werthe, und in Achtung, sondern seyn ihm so ganz aus Herz gelegt, daß sie von seiner hellen Einsicht, und von seinem thätigen Willen die seligsten Ahmungen fühlen wüsten, können wir noch zweifeln, ob sie auch seinen Bemühungen mit lautem Bestalle, und mit segnenden Lobeserhebungen gelohnet haben? Eben dieselbe Lebensart behielt er auch zu Hause mit ununterbrochner Beharrlichkeit, und strebte, so lang er am Leben war, mit gleicher Thä- tigkeit nach der allgemeinen Wolfarth, welcher er sich einmal gänzlich geweihet hatte. Allein die Kraft des Menschen reicht so weit nicht, daß Könige alle Geschäfte des Reiches selbst einsehen, durch ihre Thätigkeit, oder durch Verordnungen den ganzen Umfang der Dinge bemessen, und selbst bis zu Einzelheiten Herabsinken könnten. Sie sind gezwungen, auf den Beistand ihrer Gehilfen zu zahlen, aber also zu zählen, daß diese es fühlen, man habe sie zur Aushilfe geladen, ohne jedoch das Wol des Staates in ihre Willkühr zu legen. Hierüber hat sich der Kaiser bei auswärtigen Völkern deutlich belehrt; und wiewol er an der Treue, und an dem Eifer derjenigen, denen er die.vfentlichen Geschäfts an 11 an seinem Hofe und i» den Provinzen aufgetragen hat, keine Ursache zu zweifeln fand, so hat er doch überhaupt Rüksicht auf die wankende Schwachheit des menschlichen Herzen genommen, und alle Theile der Regierung, um die Pflichten eines Fürsten in ihrem Umfange zu erfüllen,, und die Wolfarth seiner Völker um so gewisser zu erreichen, mit einer solchen Größe des Geistes, mit einer so unerschüttcr« ten Beharrlichkeir umfasset, daß es das Ansehen gewann, als ob er 6ch beinah allein alle Sraats- bcdieriungen aufgeladen hatte. Denn wer hat ihn je unthätig gesehen? wann schien auch sein Geist sich von der Anstrengung zu erholen, oder der Sorgen und der Geschäfte überdrüssig zu werden? wem hat er den Zutritt versaget? welches Geschäfte, des Staats oder des Bürgers, wenn gleich geringfügig, ist mit Stillschweigen Übergängen, oder nicht reiflich überdacht worden? Was ist ihm verborgen geblieben? wer hat ihn je un bereiter gefunden? wer etwa hart oder «»biegsam? verdrüßiich oder aufgebracht erfahren? Er dünkte sich nur König zu seyn, um alle seine Bemühungen dem gemeinen Wesen zu widmen, um mit allen Kräften das Heil seiner Völker zu wirken, um ganz zur Glückseligkeit seiner Staaten zu leben- Und damit er desto gcschiktee zur Ausführung, desto rüstiger wäre, vebramtte er B. von l2)^-- von seinem Hofe jene schimmernde Pracht, wodurch die Herzen der Unterthanen mehr abgewendet, als herbcjgelokt werden, und neigte sich durch einen einfachen und massigen Anzug so tief herab, daß es das Ansehen hatte, als ob Bürger mit einem Bürger, nicht mit ihrem Fürsten zu thun hatten. Beinebens, da er selbst so thätig, und in Geschäften so unermudet war, wie sehr muß sich der Fleiß und die Verwendung derjenigen ausgezeichnet haben, deren er sich zur Staatsverwaltung bedienet hat? Jedermann spannte seine Kraft an, um es andern zuvor zu thun, und es wurde unter allen ein edler Wetteifer rege, nicht nach Vorzug und Range, sondern nach Treue und Redlichkeit zu streben. So gieng nichts kaltsinnig, nichts unordentlich, nichts, was nicht zur Wolfarth des Staates gerichtet war. Aber dieß alles siel dem Kaiser heim, der mit seinem Beispiele vorantratt, der allen seinen Eifer einhauchte, der selbst eilenden den Sporn gab, und keinen, welcher ihm nicht ähnlich war, vertragen konnte. Welche Zunge also! o Kaiser, welche Stimme kann Dich würdig erheben? an dem Geisteskraft, Sündhaftigkeit und Ausharrung so auffcrordentlich war, daß der berühmtesten Männer keiner es wagen wird, den Rang vor Dir behaupten zu wollen; und dessen mühesames Leben sich zum Ziele nahm, 13 nicht, was Dir,, sondern was andern gut, heilsam, erwünscht war, hervorzubringen. Und wir sollten nicht von Lobserhcbungen überströmen? Allerdings; und diese Pflicht mit einem süffen Vergnügen zu erfüllen, wird es der Mühe lohnen, wenigstens einige seiner Thaten, womit er das Wo! seiner Staaten gewirkt hat, ins Gedächtniß zu rufen. Was uns hier zuerst aufstosset, ist der Mangel an Getraide, wodurch einige Städte seiner ausgebreitete» Staaten gedrükt wurden. Man konnte keine Mittel auffinden, den Verwüstungen des Hungers Einhalt zu thun. Joseph, sobald der Ruf in seinen Ohren erscholl, eilte auf Flügeln der Liebe dahin, den Unglüklichen mit großem Aufwand die unerwartete Rettung zu bringen: da dieß noch vor Antrettmg seines Reiches geschah, konnte man leicht vorhersehen, mit welchen Gesinnungen er einst die Herrschaft führen würde. Und in der That, sobald er nach dem Hintritte seiner Mutter die Regierung allein übernommen, und die Freiheit, nach seiner Willkühr zu handeln, erhalten hatte, ließ er sich nichts so sehr angelegen seyn, als werkthätig zu zeigen, wie hoch er das Elük der Unterthaney zu schäzen wisse. Es ist eine alte Klage aller Sachverständigen, daß die Weise, in welche die Gmchtshandel, und K y die !4 die Richtsrsprüche eingeleitet sind, aus Schuld der alten Geseze ohne Ende langwierig und überaus verworren ist, so daß der streitende Theil,-wmn er auch obsiegt, dennoch den Nachtheil mit dem Vortheile aufmessen kann. Es sollen aber diese Geseze noch viele andere Mangel an sich haben: denn erstens können deren nicht wol alle, seit sich die Umstände so sehr abgeändert haben, unsern dermaligen Zeiten^ anpassen, dann sind sie auch zu einer so schrrkli- chen Menge angewachsen, daß sie die Freiheit, welche sie in ihren Schuz nehmen sollten, beinah geraubt, und gleichsam erstikt zu haben scheinen; End-^ lich sollen diejenigen, welche zur Züchtigung der Der-- brechen vorgeschrieben sind, einerseits noch heute die rauhe Strenge der alten Jahrhunderte kragen, andererseits wenig geschikt seyn, die Ruchlosen von Verbrechen abzuschreken. Diesen Uibeln ein wirksames Mittel entgegen, zu ftzen, hat er neue Gestzs vorgelegt, die einfacher und billiger waren, und die vorkommenden Streitigkeiten zu einem schnelleren Ende beförderte». Man kann vielleicht seinen Abscheu vor Vergiessung des Menschenbluts übertrieben nennen, indem er alle Todesstrafe abgestellt hat, in der Meinung, daß es menschlicher mit Verbrechern gehalten werde, wenn sie nicht zum Tode geschleppt würden, und daß es zur öfentlichcn Sicherheit zuträglicher sey, wenn das Volk/ von derlei Verbrechen abgrschrekt zu werden, die Missethäter sähe, wie sie unter schweren Arbeiten ermüden, und ihr ^ elendes, kummervolles Leben mühselig hinausziehen^ Kaum waren die neuen Geseze gegeben, als er mit unglaublicher Sorgfalt und Wachsamkeit darob war, daß die Urtheilsprüche gerecht seyn, daß die Rechte nach Billigkeit bestimmt werden, daß weder Ansehn noch Gunst den Weg finde, die Verlassen- helt der Bürger, und deren Dürftigkeit zu un, ^- terdmkm. Ja er gieng so weit, was ihm gewiß unsterblichen Ruhm bringt, daß er selbst denjenigen reichlich unterstüzte, welchem nichts sonst, als Geld gemangelt hat, das seinige auf dem rechtlichen Wege wieder zu fodern; wodurch er die Menschenliebe so enge mit der Gerechtigkeit verbunden hat, daß man unentschliessig ist, ob am Fürsten der Freund oder am Freunde der Fürst mehr Nachahmung und Empfehlung verdiene t Was kann wol vortreflicher, würdiger, und die Herzen der Unterthanen zu gewinnen wirksamer seyn? Nur in dieser Rüksicht allein hat Joseph so viele Merkmale einer recht fürstlichen Menschenliebe und Wolthätigkeit gegeben, daß mir dieser Tag nicht zureichen würde, wenn ich sie alle hier vorbringen und rednerisch behandeln wollte. Aber ich sehe, daß mir die Eile notwendig ist, um auch das übrige berühren zu können. :6 W Denn dieß, wiewol es groß ist, und Königen unsterblichen Ruhm bringt, war dennoch für Josephs umfassenden Geist nicht genug, der, weil er einsah, wie viel Würde, Ansehen, und Vortheil in den Künsten und Wissenschaften liegen, gleich beim Ai"..itt seiner Regierung entschlossen war, dieselben allenthalben zu befördern und zu verbreiten. Um aber dem menschlichen Verstände alle Gelegenheit anzubieten, worinn- er seine Kräfte prüfen könnte, und hicmit der Erfindung sowol als der Ausfeinung des Erfundenen ein weites Feld zu öfncn, hat er nach feiner weisen Einsicht nichts unterlassen, was zur Aneiferung oder Unterstüzung nüzlich wäre. So kaufte er Maschinen oller Art auf, die Natur der Körper auszuforschen: So sammelte er eine ungeheure Menge alter Münzen auf, die Geschichte des Altertums zu beleuchten: So ließ er, was nur in jedem Lande selten und fthenswürdig war, mit großem Aufwande hrrbeibringen, sorgfältig bewahren, und amsigen Naturforschern zur Betrachtung aufstellen-. Hiemir schienen die Provinzen seiner weit- schichtigen Staaten allenthalben eine neue Gestalt anzunehmen; alles blühte und wuchs vortreflich heran: menschliche Hände lieferten in jeder Gattung der Künste ausgesuchte und vollkommene Werke, und die Bewunderung derselben stieg so sehr, daß nun Niemand mehr nach fremden Waaren verlangte» Nachdem der Kaiser den Fleiß und die Arbeitsamkeit 17 keit ftiner Unterthanen so hoch emporgehoben hak, und seinen Ländern hieraus ein so reicher Uiber- stuß und momgfaltiger Segen an Dükern erwachsen ist, hat er sich mit allem Nachdruke auf die Ausdehnung des Handels verwendet. Er sorgte dafür, daß die Seehafen stets mit heimischen Waaren gefüllt wurden, und beförderte die Ausfuhr derselben mit so vieler Klugheit, daß aus allen Gegenden und zu allen Zeiten Frachtschife in großer Menge eingelaufen sind, und beträchtliche Geldsummen zuruft gelassen haben., Aber so groß auch Josephs Anstrengung zur Zeit des Friedens uud der Ruhe war, so hat er sie denn doch zur Zeit des Krieges vermehrt und mitten unter den Drohungen der Waffen für die Erhaltung ftiner Krieger gesorget. Sie liebten ihn, we l er allenthalben kriegerischen Mut und Tapferkeit bezeigte, weil er einen jeglichen mit seinem tarnen nennte, weil er mitten unter ihnen, wie unter einem freundschaftlichen Dache wohnte, und nicht nur an allen Kriegsbeschwerden, sondern auch au den Unglüksfallen Theil nahm, die selbst tapfern Soldaten nicht ausbleiben, so klug auch der Führer? ist, von dem sie geleitet werden« Hier kann ich den Zufall nicht mit Stillschweigen übergehen, welcher sich eben, als der Krieg mit den Ottomanen am Heftigsten glühte, in einer unMlichen Nacht Zuge- kragen hat. Denn zur Zeit, als das österreichische Heer von den Beschwerden des Tages ausruhte, kam ihm eine andere Abtheilung der Oesterreicher von einen gegenüberstehenden Gebirge in die Nahe. Ge- wekt durch ihr Waffcngeräusch, und durch die ploz- liche unvermutete Herankunft der Feinde betäubt, da das nächtliche Dunkel keinem Theile, seine Bruder zu erkennen, gestattete, erhub es sich zum blutigen Kampfe: Man greift nach den Waffen, man trift zusammen, und da sie wähnten, wider ihre Feinde zu wüten, haben sie sich einander selbst mit wechselseitigen Waffen getödtet. Den Irrtum der unglük- seligen Nacht hat der leuchtende Tag aufgebest. Als der Ruf sich über das ganze Kriegsheer verbreitet hatte, ergoß sich auf alle Herzen erne allgemeine Trauer. Joseph selbst fühlte in seiner menschenfreundlichen Seele den bittersten Schmerzen. Denn er sah so viele tapfere und vortrefliche Krieger, die eine Nacht verschlungen hat, und beklagte, daß diese Verwüstung nicht vom Feinde, sondern aus einer blinden, und übereilten Tapferkeit wider die Feinde Von den Seinigen selbst angerichtet wurde. Zugleich gieng die Bestürzung des Heeres, die Schadenfreude der Feinde, die mancherlei Urtheile der Menschen seine Seele vorüber. Dieß alles grub so tief in Josephs gefühlvolles Herz, daß seine Krieger, nachdem sie die große Liebe ihres Fürsten mit Augen gesehen haben, in dem mutigen Emschluße, ihre Feinde !9.-K° Feind- zurÜkzuweisen, nur noch mehr bestärkt wurden. Er aber, gleichwie unbezwingbar sein Mut war, feste nun die Entwürfe des Feldzuges mir ei- m-„°ch.ift.g.-» Lhänzk.tt f°«. Ab.->°°tt g-«°- liaer wuchsen bald darauf die Drangsale dev Lite ges heran. Eine unbändige Seuche, du m den Beschwerden des Feldes, und noch mehr rn den M- vollen Dünsten der Erde Nahrung fand, verbreitete sich so weit umher über das ganze Kriegsherr, daß viele in kurzer Zeit hingerafft wurden; andere, denen das schleichende Uibel alle Kraft verzehrte-elend dabinschmachten musten. Dieses neue Uibel, wiewol es chen Mut des unüberwindlichen Kaisers nicht brechen konnte, hat dennoch sein Herz auf das empfindlichste gekranket. Er sah die siechenden, sah dre sterbenden Krieger, und nahm mit Bitterkeit des Herzens gewahr, daß die wütende Seuche von einem Tage zum andern noch gewaltiger heranwachst. Ein Fürst, der die Seinen, wie Joseph liebt, musst gewiß die bitterste Kränkung empfinden. Allem es kamen dazu noch andere Vorstellungen, namlrch, daß der Krieg hiednrch hinausgeschoben werde, oatz weise Entwürfe unausführbar bleiben, daß neue Aus» schreibungen ohne ein großes Ungemach ftmer Volker nicht geschehen können- So sehr dieß alles m der großen Seele des Kaisers arbeiten musst, beharrte er denn doch, wie es dem männlichen Mitte ziemt, aus seinem Entschluße, gab ftrne Entwürfe 2S nicht auf, und wie kür menschenfreundlicher, wachsamer Feldherr, erschöpfte er, vom thätigen Mitleid gerührt, in Rettung der Kranken alle Pflichten der Menschenliebe. Man sah ihn, von Zelt.zu Zelte eilen, die daniederligenden trösten, die Aerzre aufmuntern, und was nur zur Hebung des Uibels tüchtig schien, ungesäumt herbei schaffen. Allein was war endlich die Wirkung dieser unermüdeten Thätigkeit? Was alle befürchteten, und Niemand es wagte, dem Kaiser vorher zu verkündigen, nämlich, daß er endlich den tödtenden Gift selbst, einsog, und allmählich der auszehrenden Seuche unterlag. Zwar waren ihm Alter und Kräfte noch blühend: aber in kurzer Zeit, was ganz unglaublich schien, war er sich selbst am ganzen Leibe und an den Zügen des Angesichts so ungleich, daß man die äusserste Ent- kräfttmg nicht mehr verkennen konnte. Und Er? Sein Geist immer noch jugendlich, immer, kraftvoll, immer thätig und in Geschäften unermüdet, blieb, was ex war. Er nur, ob ihn gleich Niemand ohne dir innigste Betrübniß ansehen konnte, schien die Größe des Uibels nicht zu fühlen: denn er ließ nicht von feinen gewöhnlichen Arbeiten ab, gestattete sich keine Erholung, und fuhr fort, mit gleichem Mute, und mit gleichem Eifer die Kriegsbeschwerden zu tragen. Endlich aber kam es dahin, daß die Gewalt der Krankheit ungemein stieg, und seine Kräfte von Tag zu Tage tiefer Heruntersanken. Also besiegt durch dir 21 dj- Warnungen und Bitten seiner Freunde, gab er den Gedanken Gehör, das Lager zu verlassen, und von seinem vielgeliebten Heere mit Wehmut losgerissen, begab er sich endlich, o wäre es Nicht schon zu' spät gewesen nach seinem Kaisersize zurük, um daselbst der Wolthat einer reineren Lust, und der schleunigen Hilft erfahrner Aerzte zu gemessen. Aber wie konnte der wiedergemsen, welcher weder die Sorgen des Krieges von sich lassen, noch der Gr- mkdang in Regierungsgeschäften entsagen wollte. Nämlich keine Vorstellungen vermochten es, ftmen unbezwingbaren Geist dahin zu bringen, daß er sich schonen, daß er dem Bedürfniß- nachgeben, daß er den Warnungen der Aerzte Gehör geben möchte: Vielmehr, je tiefer seine körperlichen Kräfte gesunken sind, desto höher hat er die Kraft seines Geistes ßelpannet. Daher, indeß das Uibel wuchs, und endlich unheilbar wurde, kam unaufhaltbar der Tod. Uiber das Jahr trug er seine Krankheit mit der äussersten Gelassenheit, und nie erwies er sich menschenfreundlicher, sanftmütiger, herablassender, als da er seiner Auflösung schon nahe war. Dem he« ranrükenden Tode sah er mit Erschüttertem Auge entgegen: lind nun. gleichsam gerüstet zur^ Ruft, wandte er noch die lezten Stunden an, Druse an seine Freunde zu schreiben, die Unterstehenden zu trösten, der Tugend und dem Verdienste zu lohnen. °Li( 22)K- Immer sich gegenwärtig, war er weniger auf sich bedacht, a!s aufdie Wslfarth und auf die Glükseltgkeit seiner Völker. Bisher habe ich den Fürsten, und wenn ich nicht sehr irre, mit wahren Lobsprüchen erhoben. Aber soll ich denn nichts von dem christlichen Fürsten sagen? Denn gleichwie er begierig nach Neuerungen, und von einer feurigen Gemüthsart war, so hat er, wer kann es laugnen? vieles, was nie gewöhnlich war, in den Kirchen seiner Staaten eingeführt: aber dieß, so gewiß nicht wenig ist, würbe sich besser für eine günstige Deutung, und Vertheidigung, als für eine Lobrede schiken. Unterdessen, da ich auf dasjenige zurüksehe, was uns von der Religion des Kaisers dir deutlichsten Merkmale gegeben hat, erhole ich mich wieder, um so mutiger zur Herzahlung desselben fortzuschreiten. Ich merke also zuerst an, was gewiß Jedermann als ein wichtiger Beweis von Frömmigkeit und Religion gelten wird, es habe Joseph nicht ermangelt, dann auch, wenn er von den schwersten Regierungssorgen gedrükt war, den heiligsten Uibungen derselben obzuliegen. Hieher gehört vorzüglich jene erhabene und eines österreichischen Fürsten so würdige Meinung von dem heiligen Abendmahle, und jene Verehrung, welche der Kaiser dem wahren Gottmensche» unter den Vrodsgestalten erwiesen hat, wovon ich das 2Z das römische Volk selbst als tüchtige Zcug-n aufrufen kann. Denn als er im Jahr- tausend s«. benhundert neun und sechzig eben zur Znt der O- sterfeier in Rom war- hat er sich, um das Gebot der Kirche zu erfüllen, W Fuße, und msi gröjttr Eingezogenheit nach der Pfarrkirche begeben, daselbst mitten unter dem gläubigen Volke dem unblutigen Opfer beigewohnt, und nicht einmal gestattet, daß ihn der Priester bei Darreichung des heiligen A- bendmaks von andern unterscheide. So hat er auch aus gleicher Religionsliebe, als die kathomche Gemeine zu Erlangen in Bayreith eine Kirche errichtete, und am Gelde Mangel litt, das Mangemde zur Vollendung des Baues aus dem seinigcn vorgeschossen. Selbst für die Gläubigen in Koustantt- nopel hat er aus^ frommer Mildthätigkeit eine Summe von zweitausend jährlichen Gulden verordnet, ein Kirchengebäude daselbst von seiner Schuldenlast loszumachen. Beinebens, da er siSst ia dem Bezirke seiner Staaten, hie und da seltene, rmd so weit entlegene Pfarreien sah, daß von dem Landvolk nicht wenige der Hilft manchmal, und des Trostes der Sakramente entbehren musien, hat er die Zahl derselben vermehrt, und reichlich gestiftet» Höchsirühmlich war es, daß er nach Belgrads glük« sicher Eroberung den Tempel der Ottomanen sogleich in eine christliche Kirche umwandeln und einweihen ließ, und^in Bistum daselbst, mit Bewilligung 24)^ gung eines jährlichen Gehaltes von viertausend Gulden errichten wollte. Allein was säume ich noch länger, von seiner äusser-ordentlichen Gewogenheit gegen Dich, Heiligster Vater, und von seiner ununterbrochenen Hochachtung, womit er Dich stets und immer bis «ns Ende seines Lebens beehrt hat, etwas ausführlicher zu reden, als ich es bereits oben berührt hatte. Denn es kann wol kein Beweis, der gründlicher wäre, Hervorgelangt werden, um darzukhun, daß der Kaiser in seiner Liebe zur Religion unveränderlich geblieben ist, als jene enge Verbindung der Freundschaft und der Neigung gegen Dich, den Lehrer des katholischen Glaubens, und das Haupt der allgemeinen Kirche. Dich hat er in Wien, wohin Dich die Verhältniße der Kirche geladen haben, auf das herrlichste und prächtigste bewirthet, und allenthalben, wohin Dich der Weg durch seine blühenden Staaten trug, mit den großen Ehrenbezeigungen einholen lassen. Es war gewiß sehr viel, da Du eben dazumal über Kirchen- rechte gegen Ihn die nachdrücklichsten Klagen führtest, daß er Dir dennoch mit der äussersten Maffi- gung begegnet ist. Wie langwierig und freundschaftlich alsdann Seine Unterredungen mit Dir waren, als Er nochmals Dich zu besuchen nach Rom wiederkehrte, habe ich vor Kurzem angezeigt» 'Ich 2 s Ich sage nun, was wichtiger ist. In einem Schreiben an Dich hat er nur noch zehn Tage, ehe er starb, sich und seine Völker deinen Gebeten bei Gott mit Nachdruk empfohlen. Und was will «uch dieß alles? Sind es nicht die redendstm Beweise einer aufrichtigen Religionsliebe? Nun aber von dem, was anstöffig war, hat er das eine, als das Ende des Lebens heranrükle, zurükgenommen; das andere wieder umzuändern gewünscht, wenn es die Zeit noch gestattet Hatte. In einigen Provinzen gab er nicht nur den Bischöfen ihre Seminarien wieder, sondern auch das Recht zurük, die ^vftntiichen Uibungen der Andacht zu leiten und zu verordnen. Er war entschlossen, den katholischen Gemeinen in Ungarn, die Kirchen, welche er eingezogen hatte, wieder zu geben, und einige Negular- orden, die er abgestellt hatte, in ihre vorige Lage zurükzusezen. So, daß Jedermann einsehen kaun, dieser große Mann, wenn er auch irre geführt worden ist, habe mir, getauscht von dem Scheine des ^ Wahren und des Guten, geirret, in seinem Herzen aber dennoch unverändert die aufrichtige Gesinnung beibehalte». Aber in Duldung der Krankheit selbst ragte Josephs Religion über alles hervor. Denn er suchte nicht, durch eine philosophische Verachtung des Todes die Größe seiner Seele bis zum Stolze zu 26 zu zeigen. Es war die Geduld eines Christen, durch welche er glaubte, den Weg zur Unsterblichkeit antreten zu müssen. Daher verlangte er zweimal mit dem heiligen Abendmahl, als eine Wegzehrung gestärkt zu werden: sprang dem, kommenden Gorre vom Stuhle auf, und grenz ihm das erstemal mit der tiefsten Ehrerbietung entgegen' des Willens, auch das zweitem«! ein gleiches zu thun, wenn es ,die Kräfte des Körpers gestattet hätten. Dieß sind Beweise der Andacht. Ich will auch Beyspiele einer ungemeinen christlichen Glaubhaftigkeit geben. Da schon seine Krankheit, zu Ende eilte, erhielt er noch die traurige Nachricht, Elisabeth, die Erzherzoginn, die er wegen ihrer seltenen Gemütsgaben, und wegen der engen Verbindung mit dem russischen Reiche inniglich liebte, nachdem sie von einer Tochter glüklich entbunden war, sey in der Blüthe der Jugend beinah unversehens ein Raub des Todes geworden. Diese unerwartete, und höchstbe- trübte Begebenheit erschütterte sein großes Herz. Aber mit niedcrgesenkter Stirne brach er in Jobs Worte aus: Der Herr gab es, der Herr nahm es:gepriesen sey der Name des Herrn.' Drei Tage darauf verschied er, und hatte an seiner Seite ungrtrennt bis zum lezten Hauche den Diener der Busse, mit dem Ersuchen, wenn er mit dem Tode ränge, nach der Sitte der Kirche von ihm gesegnet zu werden. Da- ^L( 27 Daher erheben wir unsere Augen auf Gottes Marmungen, und Höfen für das Heil Josephs des Zweiten, Königs und Kaisers. Lindere also lernen Schmerzen, Heiligster Vater, und denke mel- mebr, Joseph hebe zu Dir seine bittenden Hände daß Du ihn Deinen Freund, ihn Demm Sohn durch die Fürbitte der Kirche und durch Deine unaufhörlichen Gebete zu Gott aus dem Orte der Reinigung, wo er etwa noch zurukgehalten wird, ehestens befreien mögest. Zweifle nicht, e^ werde dieser fromme Dienst, wozu Dich Deine. schriebe ruft, Gottes Segen über Dich ausschütten, und der Religion zum wichtigen Vortheile, Dw ober, mitten unter den Ungewittern unserer Aett-m zum Troste gereichen. 88 WMWWW» Mr.MN^L « M» M » . L L'--- l'M.W 8 E-2^M KK» L---. 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