Wienei- stam-Limiotnsk. 9461 ' IM»»!«»»»»»»» ^ 2.. -S - 'S HI,»«r 8tn«it-kidli«t!ivk. i. o W M L Eh - L 1» '-- M ///" // /t»/. zweyhundertjährige Jubelfeyer der Kirche und des Klosters der ehrwürdigen PP Kapuziner am neuen Markte in Wien, zu Maria, Königinn der Engel genannt, welche am 8-September 1322 fcyerlich begangen wird. Nebst einer kurzen Geschichte des Klosters und der Kirche und einer zu dieser Feyerlichkeit cigendö verfaßten Andachtsübung. Von einem Weltpriester. >§-- Wien,»822. Zm Verlage bey Franz W-mmer. Buchhändler in der Dvrycheergaffe. An der Mitte des sechzehnten Jahrhundertes hatte der Herr unserer katyolischeu Kirche trübe Tage gesendet. Sehr viele ihrer Glieder wendeten dem Glauben ihrer Vater den Rücken, folgend dem Rufe einer neuen Lehre. Mit Betrübniß sahen die frommen Lbrkhirteü, denen Gott seine Kirche zu weiden anvertrauet hakte, den Abfall ihrer Schaft. Zu Gott stehlen sie im heißen Gebethe um Erleuchtung, wie sie die Seelen retten, die Irrenden zurückführen könnten in den Schooß der Mutterkirche. Damahls hatten sich, von Gott gestärkt, die Söhne des heil. Franciskus aus dem Kapuzincrorden,durch den Eifer, mit dem sie den Samen des heil. Evangeliums ausstreuten, allgemeine Achtung und Liebe erworben. Vorzüglich verkündigte der Ruf den seligen Laurcnkius von Vrundus als einen wackeren Streiter für die gute Sache der Kirche. Zeugen seiner Beredsamkeit waren beynahe alle größere» Städte Italiens; ja Papst C l e- mens VlII. selbst, vor dem er 1L9» zu Ferrära die Fastcnprcdigten hielt. Ermuntert durch den Ruhm der frommen Vater dachte Sbigeus, aus dem gräflichen Hause Berka, Erzbischof von Prag. sie auch in seinem Vaterlands als Herolde für die Wahrheit des katholischen Glaubens zu gebrauchen. Vielleicht, daß die eifrigen Männer als Missionäre dem Abfalle steuerten, die Irrenden zurücknidr- ken, die Wankenden fest, und die Treuen aufrecht hielten. Mit Genehmigung Kaiser Rudo lvhs H- wandte er sich darum an Papst Clemens VI!I., und dieser sandte ihm noch im nähmlichen Jahre eben den sel. L a irren z von Brn nd us, mit noch 12 anderen Kapuzinern, durch Frömmigkeit, Eirer und Kenntnisse bewährt. Willig verließen die ehrwürdigen Vater die heimischen Gegenden, den gewohnten und beguemen Wohnort,> m sich in einem kälteren unbekannten Lande anzusiedeln, wo 4 sie weder Haus noch Unterhalt besaßen. Allein dcsErz< ibischofes Ruf dünkte ihnen Gottes Stimme, der ihren Kräften einen neuen Wirkungskreis, ihrem Unterrichte einen frischen Boden anvertrauen wollte, und das Herz voll frommen Vertrauens auf den Beystand des heiligen Geistes zogen sie aus der Bruder Mitte. Im Sommer des JahrrS ,§99(am 28. August) erreichten sie Wien. Hier mußten sie einige Zeit verweilen, da Böhmens Bewohner von der schrecklichen Pest heimgesucht worden waren. Freundlich nahm die fremden Gäste das Stift zum heil. Kreuze auf, bis der Erzherzog Matthias, Statthalter in Österreich ih. rien ein Haus in der Vorstadt zum heiligen Ulrich anwies. Doch, da einige von ihnen in diesem Hause, we-- gen seiner ungesunden Lage, erkrankten, wurden sie in eine andere Wohnung nächst dem Kloster der heil. Anna übersetzt. Hier wetteiferte der hohe Adel Wiens, um für ihre Erhaltung und Bequemlichkeit zu sorgen. Endlich ließ Gottes Barmherzigkeit die Wuth der Seuche versiegen. Nun reisete Laurentius mit seinen Gefährten, von denen er fünf zu ähnlichen apostolischen Arbeiten in Wien zurücklassen mußte nach Pr ag ab. Dort nahm sie Erzbischof Sbig eus mit gleicher Freundlichkeit auf. Bald gründeten sie auf dem Hrad- schin ein Kloster, und begannen ihr Wirken für das Heil der Menschen. Obgleich groß das Feld der Aussaat und nur wenige der Arbeiter waren, so wußte ihr Eifer i» kurzer Zeit zahlreiche Früchte zu ernten. Ihr stilles frommes Leben, ihre ungeheuchelte Frömmigkeit, verbunden mit ausgebreiteten Kenntnissen, verschaffte ihnen allenthalben Achtung und Beyfall, ja sogar das Zutrauen des düsteren Kaisers Rudolphs ll. Eine Folge dieser Verdienste war, daß Erzherzog Matthias den seligen Laurenz lOnonach Wien rief, um in der Vorstadt St. Ulrich ein Kloster zu errichten. Gleiche Einladung erhielt er von dem Erzherzoge Ferdinand nach Grätz, wo noch im nähmlichen Jahre der Grundstein eines Klosters gelegt wurde.— Diese drey Klöster zu Prag, Wien und Grätz bildeten die Pflanz-- schulen des Kapuzinerordens, aus denen die übrigen., welchem der Folgernden österreichische» Staaten noch entstanden, hervorgingen. Matthias, Rudolphs Nachfolger aufdem Thro- ne, und seine Gattin Anna, erhielten immerwährend den Orden in ihrer Achtung. Vorzüglich erwarb die letztere demselben ein fortdauerndes Verdienst um das öfter- rcichische Fürstenhaus. Seit jener Zeit, wo die deutsche Kaiserkrone bindend an das Erzhaus Österreich kam, gericth die herzogliche Gruft bey St. Stephan in Vergessenheit. Albert lv. war der letzte in dieselbe beygesetzt worden. Die fromme Kaiserin sehnte sich jedoch nach einem Orte, w» ihres Hauses Glieder zur stillen Ruhe vereinigt würden. Vor dieser Gruft wünschte fte ein Kirchlein und Kloster erbauet zu sehen, in dem fromme Männer für das Wohl der Entschlafenen immerwährende Gebethe zu dem Ewigen sendeten. Zu solchen Wächtern erwählte sie den Orden der ehrwürdigen Kapuziner. Sorgsam trug sie diese ihr so angenehme Idee ihrem Gemahle vor, und erinnerte ihn noch daran in ihrem Testamente. Zur schnelleren Ausführung derselben bestimmte sie sogar einen großen Theil ihres Vermöge«,-. Zwölstausend Gulden verordnete ihr letzter Wille zur Erbauung des Kirchleins, wohin die Gemählde und der Altar ihrer Kapelle übertragen werden sollte; ihr Silbergeschirr sollte zu einem herrlichen Altar verarbeitet werden, und wenn der Kai- scr dem Orden einen gewissen Hof abzutreten nicht Willens wäre, bestimmte sie noch andere zehntausend Gulden zur Gründung des Klosters. Kaiser Matthias starb zu bald, und Erzherzog Ferdinand hatte im Anfange seiner Regierung dringendere Angelegenheiten, um den Wunsch der frommen Kaiserin erfüllen zu können. Doch kaum war er von der Krönung zu Frankfurt heimgekehrt, so schritt er zur Ausführung. In einem allgemeinen OrdenSkapitcl, das er im Jahre 1622 zusammenrief, erklärte er den frommen Vatern, daß mit dem Baueder Kirche, des Klosters und der kaiftrl. Gruft alsoglcich begonnen werden sollte. s So brach endlich am 8. September»622 der feierliche Lag au, an welchen das noch bestehende Kloster der ehrwürdigen PP. Kapuziner sammt der Kirche gegründet wurde, deren zweytes Jubiläum wir in diesen Lagen seyen,. Schon am frühesten Morgen versammelten sich die frommen Vater inderHosiirche bey den PP. Augustinern. Pater H y acinth, damahls Quardian, dem Kaiser und dem Papste gleich werth, mch durch mehrere diplomatische Geschäfte vertraut, begann die Feyer- lichkeit mit einer Rede in italienischer Sprache, welcher der allerhöchste Hof beywohnte. Sobald er geendet hatte, trat der Cardinal, Fürst von Dietri chstein, mit seiner Assistenz zum Hochaltar, um das große hölzerne Kreutz zu weiyen. Dieses legten hierauf die ehrwürdigen Kapuziner anfihre Schultern, auch trugen es unter Psalmen und Hymnen an den Ort, wo der Hochallar der Kirche errichtet werden sollt?. Dem Kreuze folgten der Cardinal, der anwesende ClcruK, der allerhöchste Hof und eine große Menge Volles. Bey dem ausgerichlere» Kreuze vergaß der Monarch nicht, um den Staat verdiente. Diener zu belohnen. Zur ewigen Erinnerung an die ftysrliche Handlung beschenkte er den Fürsten Carl vonLichtensteinund dcnStaatsrarh Helferich, Grafen von Meggau mit dem Orden deS goldenen Vließes. Nachdem er so dem Verdienste die Ehre. gegeven, eilte der fromme Fürst zur Ausführung seines Vorhabens. Unter heißen Gebethen weihte der Cardinal den ersten Srein des werdenden Gebäudes, und fügte ihn in die bestimmte Öffnung, wobey der Kaiser sammt seiner erlauchten Familie hilfreiche Hand leistete. Ein ftyerliches Hochamt folgte dieser Handlung, um den» Allmächtigen, der den Sinn zu allem Guten erleuchtet, lauten Lau? zu sagen, und um kräftiges Gedeihen für die Zukunft zu erstehen. Hierauf verfügte sich der Kaiser mit seiner erlauchten Gemahlin in das bereits errichtete Klosterre- ftctorium, und hielten in der Mitte ihrer Angehörigen das Mittagsmahl- Nach demselben beschloß eine solenne Vesper die Fcycrlichkeik, deren Erneuerung wir nach zweyhundert- in den Strom der Zeiten hingeschwundenen Jahren beyzuwohnen gewürdiget werden. Der gütige Gründer dieses Klosters vergaß es auch in der Folge nicht. Am 26. November»626 übergab er demselben unter dem damahligen Quardian Roma- nus eine seltene, ausgezeichnete Sammlung von Reliquien und anderen kostbaren Arbeiten zur Aufbewahrung. Dieser Schatz befindet stch fortdauernd in dem Kloster, und wird von dem humanen Schatzmeister gerne jedem Schaulustigen gezeigt. Immer näher kam der Bau des Klosters seiner Vollendung. Auch der Orden blühte durch die allgemeine Achtung gestärkt, sichtbar empor. In den Jahren rbnz und>629 mehrte sich die Zahl seiner Glieder so sehr, daß die für alles Gute bedachten Vorsteher, Missionäre nach Schlesien abzusenden vermochten, um der neuen Lehre entgegen zu arbeiten. Gott segnete der wackeren Männer frommes Wirken; mehr als tausend Irrende wurden in den Schooß der katholischen Kirche zurückgeführt.,.< Ein besonders Verdienst erwarben sich die Bewohner dieses Klosters durch den Anbau aller lebenden Sprachen, der von ihnen zu jener Zeit getrieben wurde. Es gab beynahe keine Zunge, in der sie nicht Beicht zu hören vermochten. Im Jahre i63i kam mit der Jn- fantin Maria, Braut Ferdinand lll. auch ein Spanier, ihr Beichtvater, P. Didacus und der Mahler Arsenius in das Kloster, dessen Glieder sie lange Zeit blieben. Ihnen zu Liebe erbaute Ferdinand II. einen eigenen Speisesaal, viele Jahre„der spanische" genannt..„ Mit dem Jahrs l b;2 stand Kloster und Kirche vollendet da. Letztere hatte einen einfachen hölzernen, von den PP. Kapuzinern selbst verfertigten Hochaltar und Z Seitenalkärc. Am Feste des heiligen Apostels Jakob erhielt sie von dem Bischöfe zu Wien, Anton Wo lfrath, die Weihe znr Ehre der heiligen Mana, Komgin der Engel; die kaistrl. Capelle aber zur Ehre der Himmelfahrt Mariens. Die ganze kaiserliche Familie wohn- r re der- Feyerlichkeit bey. Die letztere Kapelle, durch ein eisernes siktcr von der Kirche getrennt, zeichnete sich schon damahls durch eine schönere Bauart/ paffende Derzierungen aus, allein der Altar war einstweilen nur aus Holz errichtet morde??. So war der Wunsch erfüllt, mit dem die fromme Kaiserin Anna in ein besseres Leben entschlummert war. Sie stand da, die düstere Halle, der Ruheon für die «rhabekm Glieder des österreichischen Hauses. Ober ibm erhob sich eine Kirche, Capelle, sammt einem Kloster, bewohnt von ehrwürdigen Männern, um dem Höchsten Bittopfer darzubringen für die abgeschiedenen Herrscher. Nichts mangelte, alS daß die Gründer dieser Anstalt hingebracht würden in den Ort ihrer Sehnsucht. Dieß geschah nun im Jahre i6gz. Die Hüllen der beyden erhabenen Verstorbenen, des Kaisers Matthias und seiner Gemahlin Anna wurden aus dem Königsklo- sier, wo sie beygesetzt lagen, mit einem fcyerlichen Trauer- gepränge in die Kirche der PP. Kapuziner übertragen, und in die neue Gruft gebracht. Die gesammtc kaiserliche Familie wohnte in tiefster Trauer der Feyerlichkeit bey, die spät in die Nacht hinein wahrte. Freudig sah Kaiser Ferdinand H. die Wünsche seiner theure» Anverwandten ausgeführt, noch ehe ihn der Tod überraschte. Er selbst aber schlummert nicht an der Seite derselben, sondern ward mit seiner ersten Gemahlin in die Katharina-Capelle nach Grätz überbracht. Kaiser Ferdinand lH. beehrte, wie sein erhabener Vater, oft das Kloster und die Kirche mit feinem Besuche, Trost und Vertrauen im innigen Gebethe suchend bey dem Loben des Krieges, der weichender als je die österreichischen Staaten anfiel. Als endlich der erwünschte Friede geschloffen war, beschenkte sein dankbarer Sinn die kaiserliche Capelle mit zwey Statuen aus Bronze, die ihre fürstlichen Wohlthäter, die Kaiser Matthias und Ferdinand l- darstellen. Die beyde» anderen, ihn selbst und seinen Vater vorstellend, ließ seine große Enkelin verfertigen. Auch unter ihm blühte das Kloster an Kraft und Büschen. Noch besitzen wir einen Brief des Monar- m chen, in denen er den ehrwürdigen PP. Kapuzinern eine ch rühmliche Lobrede hält. Eifrig am Krankenbette und >e im Beichtstühle war ihr einziges Streben, dem Herrn ir Seelen zu gewinnen; als Miffionäre fochten sie für die Wahrheit des katholischen Glaubens, und in den Stun- w den der Gefahr und des Jammers, wo die Pest it»§L r. Wien heimsuchte, erschienen sie als Tröster und Freun- ie de, die willig für die Pflicht ihr Leben opferten, m Auch Kaiser Ferdinands III. dritte Gemahlin, :, Maria Eleonora achtete die PP. Kapuziner hoch. n Sie hatte aus Mankua zwey Gemählde mitgebracht, r. mit denen sie der Kirche ein Geschenk machte. Das lt eine, die göttliche Jungfrau mit dem Kinde, befindet H sich nun auf dem Altare des heiligen Antons von Padua, das andere den von der Geistlung erschöpften Heiland d vorstellend, ist im Kreuzgange angebracht. >s> e» Immer mehr häuften sich im Laufe der Jahre die , Särge in der kaiscrl. Gruft. Als Ferdinand III. an i- dem Feste des heil. Antons von Padua die Kirche besucht it hatte, und nun nach der Sitte jener Zeiten im Spcise- h saale das Mittagsmahl einnahm, fragte er den von Al- - ter gebeugten Luardian, ob denn in der Gruft noch ein Drtche» übrig sey, wo auch er fein Ruhebette haben e könnte; da antwortete ihm der ergraute Vorsteher:„leider n ist sie bereits zu klein geworden." Der Kaiser versprach daher ihre Erweiterung, doch der Tod überraschte ihn >r bald nach jenem Gespräche, und sein Sarg fand nur - auf den platten Särgen seiner Ahnherren noch Platz in d dem dunkeln Gemache. c Sein Nachfolger, Kaiser Leopold und seine Witt- weElconora besorgten nun ihre erste Erweiterung, n Auch diese beyden erlauchten Personen besuchten oft die , Klosterkirche, vorzüglich in jenen Tagen des Schreckens, d wo der Türken verheerende Macht sogar die Hauptstadt st bedrohte. Gewöhnlich verweilten sie dann einige Zeit im n Gespräche mit den ehrwürdigen Vatern, deren Luardian st damahls Emeritus Sinnellius, nachmahliger Bischofzu - Wien war. Die zweyte Erweiterung der Gruft geschah im Jahre 1701, wo sie bereits durch die ganze Länge der Kirche und einen Theil des Chores geführt wurde. Eleonora, Gemahlin Kaiser Leopold I-, die dem Baue oft bethend zusah, verschönerte sie durch einen Altar aus schwarzen Marmor, welcher die Abnahme des Heilandes vom Kreuze vorstellet. Mit gleicher Güte bedachte sie während ihres langen WirtwenstandeZ das Kloster. Sie selbst wurde i/LO nach ihrer Anordnung zu den Füßen ihres Gemahles in einem einfachen Sarge beygesetzt, der die wenigen Worte enthielt:„Eleonora Magdalena, arme Sund er in." Als zwanzig Jahre später ihre Enkelin, die große Kaiserin Maria Theresia, die Gruft besuchend, diese Worte las, rief sie mit thränenden Augen aus:„Nein, theure Großmutter, wenn ich auch jeden deiner Wünsche kindlich ehre, hier muß ich dir ungehorsam werden." Ein kostbarer Sarg aus Bronze verschließt seit jener Zeit die Überreste Eleonoras. Unter Carl Vk. kam das Bild der glorreichen Jungfrau, genannt die Tröstemm der Betrübten, in die Kirche. Ein Kapuziner-Priester, Joseph Antonio von Triviliano, hatte es aus Italien gebracht- Adam, Fürst von Schwarzcuberg ließ es durch einen Rahmen von Silber verschönern, und Papst Bencdict Vl. erklärte es,für gnadenreich. Die vorzüglichste Wohlthäterin des Klosters, die großmüthigste Verschönena der Kirche und der Gruft ist aber die unvergeßliche Kaiserin Maria Theresia. Wie überall, so hak sich auch hier ihr Daseyn und Wirken auf eine interessante Weise^ein- gedräckt. Als der Herr der Heerschaaren ihr den Sieg über ihre zahllosen Feinde verliehen, ließ sie den hölzernen Altar aus der kaiserl. Capelle wegnehmen, und einen andern aus rothen Marmor errichten. Der letztere ward i/Al geweidet. Am 2F. Apriil des nähmlichen Jahres wurde das Bild der seligsten Jungfrauvom Hochaltar der Kirche auf diesen Altar der Capelle übertragen. Die Handlung selbst gesckah mit der ausgesuchtesten Feyerlickkeit. Schon am Morgen erklärte eine vortreffliche Predigt dem versammelten Volke die Absicht des Festes. Nachmittags hielt der Suffagranbischof, Anton März er, dir musikalische Litaney, worauf das Bild von dem erhabenen Orte, auf deur es bisher prangte, genommen, und tm festlichen Umgänge durch die Stadt getragen wurde. Das zahlreich versammelte Volk sendete dabey die heißesten Gebethe zur gnadenvollcn Mutter des Erlösers, um Segen für die Äonarchin und das erhabene, Herrscherhaus. Bald nach diesem Feste wurde die Klosterkirche verschönert. Der Kapuziner, P. Norbert, der lauge in Rom verweilet hatte, langte endlich nach dem Wunsche der Msnarchln in Wien an, und versah den Hochaltar und die Seitenaltäre mit vorzüglichen Gemählden, deren Gegenstand die Himmelfahrt Mariens, der heilige Anton ssn-Padua und der heilige Felix ist. Sein Werk sind gleichfalls jene Blatter, welche in dem Chöre ausgestellt, dir Abnahme des Heilandes vom Kreuze, den seligen Laurenz von Brundus, und die liebreiche Mutter Zesa vorstelle:!. Kenner rühmen die Arbeiten seines Pinsels, dessen Lieblichkeit schon jedem Unerfahrnen in das Auge fallt. Ais seinen vorzüglichsten Schüler kennen wir den Professor Maurer. Jm Jahre 174 g befahl die Kaiserin eine neue, durch ein starkes Gitter von der alten getrennte Gruft für das habsdurgjsch- lothringische Haus zu errichten. Dabin ließ sie den vorn erwähnten Altar aus Marmor überkragen. Balchasar Moll verfertigte auf ihre Anordnung 17-,-Z das große, Mausoleum, welches nun ihre und ihres Gemahles Überreste verschließt- ErzbisLvf Joseph Gras von Traulsohn weihte diese neue Gruft am z^Sep- tember r/A4, von welchem Lage an täglich io heilige Messen für das ewige Wohl der hier Ruhenden gelesen wurden. Kaum verging eine Woche, wo die große Kaiserin nicht das Kloster besuchte, um einige Stunden stiller Einsamkeit zu weihen. Gewöhnlich stieg sie bey dem Klostcrreftktorium aus dem Wagen, von dem sie sich in die für den höchsten Hof bereiteten Zimmer begab, welche dermahlen die Bibliothek enthalten. In dem obere» 12 Oratorium, wo auf ihre Anordnung der noch stehende Altar zum Opfer der h. Messe geweihet wurde, pflegte sie sich dann den Gefühlen heiliger Andacht hinzugeben. Zuweilen besuchte sie auch umgeben von ihren Kindern die Schatzkammer, deren Inhalt ihre Großmuth vermehrte. Am liebsten verweilte sie aber in der kaiserlichen Gruft, wo man sie häufig dem heil. Meßopfer beywohnen und am Sarge ihrer Großmutter Eleonora bethen sah. Als im Jahre auch ihrem geliebten Gemahle die schwarzen Pforten dieser düsteren Halle qeoff. net wurden, kam sie noch häufiger in deren Schatten. Oft erschien sie luden Stunden der Nacht, mehrere derselben dem Gebethe und ernsten Betrachtungen weihend. In den letzteren Jahren ihres Lebens wurde eine Maschine verfertiget, mittelst der sie sich selbst in die Gruft hinablassen und heraufziehen konnte. Am 2ten November ,760 besuchte sie zum letztcn- mahle die Grabesstätte ihrer Ahnherren. Durchdrungen von einem dunkeln Gefühle ihres nahen Todes ließ sie sich von dem Priester die heilige Wegzehrung reichen. Dann bethete sie lange am Sarge ihres Gemahles. Häufige Thränen flößen aus ihren Augen auf das kalke Erz nieder, die letzten Lusserungen der Wehmnth, mit der wir alle von Gottes schöner Erde scheiden. Als sie sich in der Maschine hinaufzog, gerieth diese drey Mahl ins Stocken. Da sprach sie ahndungsvoll:„Die Gruft will mich nicht mehr hinauslasscn." Wohl hatte sie recht geredet. Schon einige Tage hierauf vermochte sie nicht mehr das Zimmer zu verlassen. Am 2y. November verschied sie im Herrn, nachdem sie sich ab Jahre früher ihre Grabesstätte, und>ü Iah. re vorher ihr Todtcnkleid hatte verftrligen lassen. Am ^ Dezember ward sie in die Gruft gebracht, deren dunkle Thore nun die Hülle der größten Fürstin verschlie. ßen, die jemahls Österreich besaß. Unter ihrem Sohne dem Kaiser I 0 sephU. traten einig- Veränderungen für das Kloster ei». Es verlor den Garten und einen Theil des Gebäudes, wodurch eine neue Strasse geöffnet wurde. Die kaiscrl. Gruft 'Z ließ der Monarch verschließen und den marmornen Altar aus derselben in die Kirche schaffen, wo man ihn noch an der Epistelseite in der Seitenhalle erblicken kann. Einer der merkwürdigsten Tage für das Kloster und der Kirche ist jedoch der 2,;. März>782. Papst PiusVI^ fcyerte an demselben während seiner Anwesenheit in Wien das h. Meßopfer, besah hierauf Schatzkammer und Gruft mit vieler Aufmerksamkeit, und ließ in dem Refektorium die Geistlichkeit und mehrere andere Stan- Lcspersoncn zum Fußkuffe. Unter der väterlichen Regierung unsers gegenwärtigen Monarchen genießen die ehrwürdigen PP.Kapuzmer stets einer verdienten Vorsorge. Seine Weisheit erlaubte ihnen wieder Novizen aufzunehmen und empfahl ihnen elbe zum Wohle des Staates und zur Ehre der Kirche auszubilden. Getreu folgten stc bisher dem Wunsche des Monarchen. Ihre stille Thätigkeit streuet am Krankenbette und im Beichtstühle fruchtbare Samenkörner für die Ewigkeit, pflanzet den Keim wahrer Gottesfurcht in der Unmündigen Herzen und erwecket viele unter der Last der Sünde Erliegenden wieder dem Herrn. Ihr Leben selbst biethet stets ein ungetrübtes Bild echter Rechtschaffcnheit und Frömmigkeit dar, wodurch sie sich die allgemeine Achtung erworben haben. Diese sind die Schicksale des Klosters und der Kirche der ehrwürdigen P. P. Kapuziner seit zwey hundert Jahren. Wahrhaft können beyde der Ehre sich erfreuen, immer unter dem besonderen Schutze der erhabenen Fürsten des österreichischen Kaiserhauses gestanden zu haben. Auch den übrigen Bewohnern Wiens bleiben beyde stets interessant. Wie viel des Guten ist unsern Vatern durch die eh,-würdigen P. P. Kapuziner zugeflossen. Dreymahl raffte sie der Tod beynahe alle dahin, ein Opfer schöner Menschenfreundlichkeit und treuer Pflichterfüllung, als die Pest in Wiens Mauern wüthete. Mehrere durch Kenntnisse, Talente und Verdienste hochberühmte Männer gingen aus ihnen hervor. Noch immer erbauet uns der würdigen Vater Frömmigkeit und Eifer. Sie allein liefern für die in unserer Vaterstadt wohnenden '4 Glieder der edlen hungarischen Nation Prediger und Lehrer. Ihre Schatzkammer biethet von Scftenheften und merkwürdigen Kiinstarbeiten manches auserlrftne Stück dar. Und die Gruft verschließt nun 78 Särge mit theuren Überresten des österreichischen Fürstenhausex, von denen mehrere Österreichs Stolz und Ehre, alle aber in mancherley Hinsicht unsere Wohlthäter geworden sind. So wollen wir uns denn, Bewohner Wiens, dankbarer Freude hingeben, daß Gott dieses Kloster und diese Kirche. Mvimmente der Frömmigkeit und Freygebigkeit unserer Fürsten, durch so lange Zeit gnädigst erhalten hat. Erflehen wollen wir dem würdigen Orden des Allerhöchsten Schutz für die ferne Zukunft; vorzüglich aber wollen wir die Bitte zu dem Herrn des Lebens senden, daß er die Pforten der dunkeln Gruft noch viele Jahre für den Vater des Vaterlandes unrrsfftitt lasse. Kurze AndachLsübung. Dankgebeth. Fcycrlich begehe» wir das Andenke» des Tages, s Gott, an dem dieses heil. Haus durch die Gebethe und Segnungen des Bischofes gegründet wurde zu deinem Haufe, zum Orte des Gebethes, zur heil. Stätte, an welcher die Geheimnisse des neuen Bundes begangen werden. Mit gerührten Herzen weihen wir dir Opfer unseres Dankes, denn unzählbar sind die Wohlthaten, die du uns durch die Gründung dieses Tempels erwiesen hast, unübersehbar der Segen deiner Gnade! Wie oft erscholl das Wort des heil. Evangeliums in diesen heil. Hallen, und stärkte die Frommen, bekehrte die Sünder, tröstete die Betrübten!— Wie oft reinigten hier bußfertige Sünder ihr Gewissen durch das heil. Beichtgericht! — Wie unzählige Mahle wurde hier das unblutige Opftr unserer Versöhnung erneuert! Wie oft versammelt«! sich hier deine Gläubigen an deinem heiligen Tische und stärkten ihre Seelen mit dem Brote des Lc- *5 Leris! Wie viele Gebethe deiner Kinder stiegen hier zu dir empor, gleich einem lieblich duftenden Rauchwerke! Ja, lieblich sind deine Wohnungen, Herr der Weit, glückselig die Bewohner deines Hauses. Wohl denen, die gerne zu deinem Hause wallfahrten, denn in deinen Vorhäfen ist ein Tag seliger, als sonst taufende; seliger ist an der Thüre deines Hauses stehen, als in den Paliästen der Sünder wohnen! Ach, Herr, sey nur auch in Zukunft diesem Hause nahe mit der Fülle deiner Gnaden! Wenn Mangel und Lhcurung im Lande ist, Krieg und böse Seuchen wüthen, so höre hier die Stimme deines Volkes! Wenn jemand im Gefühle des Schmerzes, der sein Herz zer. reißt, die Hände gegen diesen Tempel ausstreckt, so wende dich gnädig zu seiner Bitte! Wenn wir geängstigt! von dem Bewußtseyn unserer Sünden reumülhig an unser Herz schlagen, so laß uns gerechtfertiget von hinnen gehen! Wenn wir ermatten im Kampfe gegen die Sünde, so ströme hier Kraft und Muth von oben zu. Laß jeden, der in diesen Tempel eingeht, um Gnade zu erflehen, auch einer gnädigen Erhörung sich erfreuen! Gott der Erbarmung, sende stets deinen Segen auf die ehrwürdigen Vater dieses Hauses! Erfülle sie mir deinem heil. Geiste, daß sie aufunsere Seelen mächtig wirken im Worte und in der That. Laß sie uns uoch langc durch ihren Wandel erbauen, durch ihre Lebre überzeugen. Siehe stets gnädig herab auf das unbefleckte Opfer, das sie dir am Altare entrichten, und erhöre ihr Flehen, wenn sie für die Gläubige» bethen. Fübre sie endlich alle dahin, wo du, der oberste Hirt,— alle deine Schafe und ihre Hirten in deinem Reiche versammelst und mit ewiger Seligkeit belohnest! Laß uns aber, o Gott, nicht vergessen, daß auch wir Tempel des heiligen Geistes sind, und daß du in uns wohnest; daß alle Gerechten undAuserwäblttn eben so viele lebendige Steine sind, die da sollen aufgebauet werden zum lebendigen Tempel Gottes, dessen oberster Schlußstein Jesus Christus ist, aufgebauet zur heftigen, himmlischen Stadt Jerusalems, zur Wohnung Gottes, lü zum Volke Gottes.— Reinige daher unsere Seelen von Allem, was dir mißfällig ist, und was uns hindert zur Vereinigung mit dir zu gelangen. Bereite dir selbst unsere Herzen zu einer würdigen Wohnung vor. Wasche uns mit dem Blute des Lammes, damit wir eingehen können in deine heilige Stadt, in die nichts Unreines eingehen kann. Verleihe, daß wir dich einst mit deinen Heiligen im Himmel ebenso besitzen, wie wir dich mit deinen Gläubigen in der christlichen Kirche auf Erden anrufen. Dieß bitten wir dich himmlischer Vater, durch Jesum Christum deinen Sohn, unsern Herrn. Amen. Gebeth zur heil. Jungfrau, Königin der Engel. (Räch der gewöhnlichen lauret. Litaney zü sprechen.) Erhoben bist du, seligste aller Jungfrauen, erhoben über alle Engel und Geister der unsichtbaren Welt'. Selig bist du, weil du geglaubet hast dem Worte des Herrn! Selig bist du, weil du das Leben und die Tugenden deines göttlichen Sohnes nachgeahmet hast! Wie dein irdisches Leben voll Leiden und Trübsale war, so ist drin Leben im Himmel voll Freuden und S«. ligkcit! Auch wir sind für den Himmel geschaffen, der Himmel ist unser Vaterland!— Bitte chr uns, Hoch- begnadigte, daß wir nach deinem Beyspiele treu und gehorsam den Willen des himmlischen Vaters vollziehen; daß wir uns selbst verlaugnen, und unsere bösen Leidenschaften bezähmen; daß wir rein, demüthig, Gott ergeben werden, aus Liebe zu Gott und um der Gerechtigkeit willen gerne leiden, und treu das uns auferlegte Tagewerk vollbringen. Dann wird auch unser der barmherzige Vater gnädig seyn am Tage unseres Hmscheidens und uns aufncymen in die ewige Herrlichkeit, in welche du, o seligste Jungfrau eingegangen bist—5'* Gnade Jesu Christi, deines Sohnes. Ihm sey Lob, Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen. 2- Lied Zur heiligen Jungfrau, Trösterin der Betrübten. (Deren Gnadsnbild sich in der Kapelle befindet.) i. Bedrängte Christen, zaget ängstlich nicht Wenn euch auch Angst und Roth In diesem Leben droht; Habt Zuversicht! Ein Licht strahlt eurem frommen Glauben vor; Erhebet nur den Sinn Zu eurer Trösterin Mit Lust empor Maria ist betrübten Seelen mild; In ihres Lebens Zeit Hat sie nicht Seligkeit Nur Schmerz gefühlt! Nun ist sie gerne frommen Duldern nah; Da einst ihr Blick Richt Glanz und Glück Nur Leiden sah. 3. Ein ungestiimmes Meer ist diese Welt, Wo sich Gefahr und Noth Im Leben wie im Tod Zu uns gesellt; milde Jungfrau, du nur Trösterin'. Dann blickt in Angst und Weh Zu deines Thrones Höh' Der fromme Sinn. T. Wenn Haß, Verfolgung, Neid die Herzen drückt Ruhn wir doch sorgenlos, In unsrer Mutter-Schooß ^ Mit Trost erquickt; -Denn wer sich deinem Dienste treu ergibt. Der wird von keiner Schmach Und keinem Ungemach Der Zeit betrübt. g. Ja, sollte uns die Macht der Hölle drohn; Wird unserem Vertraun In aller Leiden Graun Der schönste Lohn; Von dir beschützt kann niemand untergehn, Der deinen Sohn bekennt Und seinen Rahmen nennt Im frommen«lehn. Sey. «8 6. Roch wallen wir viel bangen Stunden zu/ Und wissen ängstlich nicht. Wann Gottes Gnaden-Licht Uns führt zur Ruh; O bleibe du der.Schwachen Schutz und Schild, Da uns die Sünde drückt Und unsere Kraft besiegt, O Mutter mild! 7. Erfleh uns allen auch Barmherzigkeit, Wann einst der Schlei-er fällt. Der uns an's Leben hält, Im letzten Streit; Und führe uns zu jenen sel'gen Höh'n; U. Wo näh an Gottes Thron Wir dich zum höchsten Lohn Erhoben sehn! Gebeth. O Mutter unsers göttlichen Heilandes! Wie dü am meisten die Tugenden Jesu deines Sohnes nachgeahmet hast, so bist du ihm auch in seinen Leiden am ähnlichsten geworden. Durch Leiden und Trübsale prüfte Gott deine erhabene, tugendhafte Seele; durch Leiden gingest du ein in die ewige Herrlichkeit. Nun thronest du in der Seligkeit der Himmel, durch Gottes Gnade Trösterin der Betrübten! Lehre uns bedenken, du im Leiden bewahrte Mutier, daß so wie in der Natur Licht und Finsterniß, Tag und Nacht mit einander abwechseln, so auch in unserem Zustande ein Wechsel dunkler und trüber Stunden, trauriger und heiterer Empfindungen eintreten müsse. Lehre uns einsehen, daß dieß nicht von ungefähr, sondern nach GvtteS weisem Rathe zu unserer Prüfung und Veredlung geschieht. Laß uns aus deinem Beyspicle..Meduld, frommes Vertrauen und Ergebung in den Willen des Höchsten lernen, und durch deine Fürbitte gestärkt in trüben Tagen Glaube« und Liebe beweisen. Dann wird uns, ivie dir, seligst^ Jungfrau, Gottes Gnade strahlen in der Finsterniß, und wir werden eingehen an den Ort, wo kein Kummer und' keine Klage mehr ist. Amen. -? ! ' >