ff) // o * * -*>*■ «RS liiSli v/ j ¥1 DIE ABENTEUER DES UIT.TIRS LAUNCELOT GREAVES. AUS DEM ENGLISCHEN DES pOCTOR TOBIAS SMO^IT "'>C /■’- ’■ ERFY ÜBERSETZ*; V f l - , ■ " MUSTER THEfE ' TV i e n , gedruckt und verlegt von Ignaz. Albertk ifgu NACHRICHTEN VOM LEBEN UND DEN SCHRIFTEN DES DOCTOR TOBIAS SMOLLET. T^obias Smollet , Do dar der Arzeneykun.de , ein gehorner Schottländer , ward von Jugend a uf zum Seewundarzte bejiimmt. Nachdem er die Lehrjahre diefes Metiers überfremden , dichte er 'in der Qualität in dem Kriege mit, den der Achnerfriede im Jahre 1748 endete. Da er nun keine weitere Refchäftigung zur See hatte } legt* er Jich auf die Schriftfiellerey. Sein Genie war ungemein lebhaft , und jo half er bald den berühmten Roman Rode rieh Random verfertigt g dorfehr gefiel. Das munterte ihn auf, in diefir Bahn zu bleiben, und er gab im J. 1751 den Peregrine Pichle , in vier Oetav-Bänden heraus $ worin er Jehr glücklich die Gefchichte der berühmten Lady Bane anbrachte . Diefe Epifodr half das Buch fehr abfetzen, das , ohne Rück- ficht auf die unterhaltende Gefchichte der Lady , wozu fie ihm felbfi die Materialien geliefert haben fall , nicht unbeträchtliche Vorzüge hat , Sein dritter Roman war Ferdinand Count Falb onl. Man urtheilte, dajs diefer den beyden arfieren weit nachftehe. Dann verpflichtete 'er fleh * das Publicum durch eine tfberfetzung des Gil Blas, die gut aufgenommen wurde . Auch den Dom Quixote überfetzte er neu, und Voltaire 1 s Werke gemeinfehaftlich mit D. Franklin und anderen. Im J. 1752 warf er fleh in ein ganz entgegen gefetztes Fach der Litt er a- tur, und fchrieb einen Tractat vom Baden, und dem Wafer zu Bath; a tract on bathing and Bath-waters. Um diefe heit erhielt er den Doe • torgrad. Er hielt fleh in Chel-fea auf, wo er einige Praxis hatte, doch war Sehriftjtellcrey 5 feine Hauptbsjbhäftigung. Im Jahre 17$6 gab er zu London inßebcn Octav-Bänden feinet com- pleat hiflory o£ England , die bis 1748 geht 3 heraus. Diefes Werk fchlug bewundernswürdig ein; man fchreibt das aber hauptfachlich den ungewöhnlichen Bekannt machungskünfien. feines Verlegers zu. Deffen ungeachtet iß es fehr verdienfivoll 9 und ficht im Style keinem nach. Zum Unglücke ward er bald nachher Mitarbeiter am critkle review, einer periodifchen Schrift . DieBitterkeit, mit der er darin geißelte , zog ihm viele und grofse Unannehmlichkeiten zu, haupt - fachlich die Verfolgung des VLdmirals Knowies^ der endlich feine Gefangenfchaft in Kingsbcnch bewirkte, Das hätf ihm nun allesKritißren und die Schriftfiellerey felbfi verleiden fallen ; er liefs fich aber doch in die politifche Fehde gegen Lord Bute ein, trat zur Oppoßtionspartey, die fich gegen jenen gebildet hatte » und fchrieb ein pe- riodifiches Blatt , unter dem Titel : the Brilon. Da er aber feine Gefundheit etwas gefchwächt fühlte , gab er diefs Blatt auf, und ging im Junius 1.763 nach Frankreich » wo er vom milderen Klima Linderung hoffte. Er fand feh ge- täiifcht, und ging nach Italien. Sein Aufenthalt in beyden Ländern veranlajste feine zum Sprich- Worte gewordenen Travels through France and Italy (ins Heutfche überfetzt, zu Leipzig bey Junius ij6j). Int Jahre 176g fchrieb er: the prefent Rate of all nations, containing a geogra- phical j natural , commercial , and political hifto« ry ©f all the countries in the known world, 17685 und vermutklich in eben dem Jahre: the hiftory and adventures of an atom ; VoU XI. di$ 176$ heraus kamen. Wahrfcheinlich hat er in den Jahren fechzig the Expedition of Humphrey Klinker gefchrie- len, feinen vorzüglichßen Roman, der, von Bo • Jens Meifierhand verdeutfcht, in aller Händen iß, und im J» 1775 die zweyte Auflage erlebt hat; „die erße ivar von 1771. In liefern Ruche hat er verfchiedenes vonßch eiligefchaltet, was nachgelefen zu werden verdient. S. B. 2, S.21 —- 49, und R. 3. S. —62, Auch von dem berühmten Schauspieler Queen , der im Peregrine (B. 2. Il.Vß.) vorkommt, findet man hier verfchiedenes : (S, B. I. S. 130— 144.) Seine Streitigkeiten mit = ==== 7 Sterne , der ihn unter dem Nahmen Smelfungus geifseite , fnd ohne diefe allbekannt. Smollets Tod erfolgte zu Mofa Carrara , am letzten Ju- nius x 769. Daß er auch eine Jehr angenehme poetifche Ader hatte, erhellt aus einigen kleinen Gelegenheitsgedichten, befonders aus dem: tlxe tears of Scottland , das in einer Sammlung geifireichcr Gedichte , die den Titel f ührt : the Union , abgedruckt worden if. Auch if er der Verfaffer zweyer dramatifchen Stücke : the regi- cide , tragedy , im J. 1 749 gedruckt , die Gar- rik nicht annahm, und die nie aufgeführt worden if i und von: the reprifal , or the tears of ol d England , Farce , auf dem Theater zu Dru- rylane 1757 mit nicht grofsem JßeyfalV aifgeführt. Seine Animoftät gegen Gar rik wegen der Abweifung feiner Stücke' if ebenfalls fehr bekannt. Sein letztes Werk endlich fnd die Abenteuer des Ritters Launcelot Greaves, welche hier in einer freyen tfberfetzung erfcheinen. Einige zweifeln, ob es wirklich von Smollet fey ; aber mein Gefühl müßte mich ungemein täujehen, wenn es das Product irgend eines andern Schriftfiel » hrs 3 als gerade Smollets, wäre. Ich habe nur noch zu erinnern , dafs diefe kleine Biographie aus dem Cömpanioxi to tlie play*houfe » London s 1764. Vol, II, entlehnt ifi„ BIS ABENTEUER DES RITTERS LAUNCELOT GREAFES. ERSTER THEIL. I. KAPITEL. In dem der Lefer verfchiedene Perfanen , die tri diejer Gefchichte handeln werden , kennen lernt. Auf der Landftrafse von London nach York, in der Mitte des Octobers, gegen halb acht Uhr des Abends, jagte ein heftiger Regen'gufs vier Reifende in eine kleine, fchmutzige Schenke, die am We« IO “ ' ge ftand, und irgend eines venvifchten Schild hatte, auf dem ein fchwarzer Löwe gemahlt feyn Tollte, um den fie ficli aber für jetzt nicht bekümmerten, Die Küche, in der fie ficli verfammel» ten, war das einzige Gaßzimmer im ganzen Haufe. Sie war mit rotlien Ziegelfiei- nen* gepflaftert, und befonders reinlich; die zinnenen Teller, und die kupfernen Bratpfannen waren fe fauber gefcheuert, dafs fie das Auge blendeten. Au der Wand ftanden drey oder vier geflochtene Stroh- ftühle, und auf dem Herde brannt’ ein erfreuliches Kohlenfeuer. Drey von den Reifenden waren geritten angekommea, brachten die Pferd’ im Stall’ unter, und befchlofleß,'bis es ficli wieder ausheitern würde, ficli die Zeit mit einer Schale Rurabo zu verkürzen, die denn auch gleich bereitet ward. Der vierte aber, der fi&h mit ihnen durchaus in keine Genaeinfchaft emiaffen wollte, trug feinen Stuhl jenfeit des Herdes, und lief« einen Krug Zweypfennigbier bringen , mit dem er fich auf feine eigene Hand gütlich that. 11 Nach ft an ihm, zur Linken, war eine andere Gruppe. Sie behänd aus der Wir- thinn, einer gar ehrbaren-Wittwe; ihrer Tochter, einem Dirnchen bey fünfzehn' Jahren, und einem Dorfjungen, der den Aufwätrer und den Stallknecht in einer Perfon machte, ^ Die _ dtey gefelligen Herren waren eia Land Wundarzt und Geburtshelfer, Herr Fillet; ein Schiffshauptmann, Herr Cro» we; und fein Neffe, Herr Thomas Clarke, ein Auwald. Der erfte hatte in feiner Jugend manches gelernt, und viel Erfahrung gehabt; dabey war er ein erzfchlauer Kopf, und ein gar luftiger Bruder in Ge* fellfchaft. Crowe hätte viele Jahre ein Kauffahr- deyfchiff in die Levante geführt, und durch Sparfamkeit, und eigene kleine Kaufmannsgefchäfte ein mäfsiges Vermögen gefammeit. Er hatte alle Eigenfchaf- ten eines wackren Seemanns; er war mu- tiiig, unermüdet , auf feine Weife freund- fchaftlich, und hielt auf die allerftrenglie Redlichkeit: dabey kannt’ er aber von der Welt fo wenig, als ein Kind im Mut- 12 , ~ terleibe. Daher war er auch noch fo roh* wie ihn die Mutier Natur zur Welt gebracht hatte; er war mürrifch, ungeduldig,. und hatte befonders den Fehler, Jede Gefellfchaft mit unzeitigem Einreden .zu beläfiigen, und fich ins Gefpräch zu mifchen, es mochte feyn , von was es wollte. Sein Verband war nicht gebildet, und feine Fantafie verwirrt; daher war auch niemand im Vortrage fo fchwer zu verßehen, als er; denn wenn er zu fpre- chen anfing, gerieth er immer, bevor er noch einen Satz ordentlich geendigt hatte, vom Hunderten ins Taufendfie, dafs man nicht klug aus ihm werden konnte. Thomas Clarke, fein Neffe, war ein junger, feiner Mann, deffen gutes Herz lelbß nicht in dem Stande, dem er fich widmete, Schäden gelitten hatte; und vor Fremden könnt’ er nie ohne eine leichte Schamröthe geliehen , dafs er ein Anwald fey. Die Sache eines Clienten , der nicht in gutem Rufe Hand, übernahm er nie- mahls, und nie arbeitete er emfiger, als wenn es Wittwen, Waifen , oder fonft hülflofen Menfchen galt. Er war über- iiaupt lehr beweglich und reitzbar ; er konnte keine rührende Gefchichte erzählen hören, ohne dafs ihm die Augen übergingen , und in der Liebe war er ein Bifs- eben zu frey. Übrigens hatte er aber auch feine Schwachheiten. Er that auf feine Praxis bey den hohen Gerichtshöfen nicht wenig breit, und fu chte ^ wenn er in Ge- fellfchaft war, jede Gelegenheit hervor, um irgend einen Rechtsgegenftand zu erläutern. Von Perfon war er bey nahe klein, und hatte grofse, fprechende Augen. Der unfreundliche Gail , jenfeit des Herdes , hatte etwas Widriges im Geflehte , und fehlen mit gefalteter Stirne immerfort nur auf ein Plätzchen zu feilen. Er hatte kleine rothe Augen, die Ihm dufter aus ihren tiefen Höhlen funkelten, wie eiri ungeputztes Pfenniglicht durch das Horn einer Diebslaterne. Seine Nafenlö- eher waren zurück gezogen, als ob er immer Hinkendes Zeug röche ; mit einem Worte, er fah aus, als ob er lieh aus der menfchlichen Gefellfchäft in fleh felbß ver* kriechen wollte. Seine fchwarze Perrücke fchlofs dicht an , wie Rabenflügel ; auf M mmmmm mimmi in.t fciwum anfie- hen könne , beym Mondenlicht, auf der Landfirafse feehs Meilen zu machen „Was mich betrifft , ” fetzte er hinzu ; „ich reife , es mag kalt, heifs, windig, regnerifch , licht oder finiter feyn ; und diefe Landfirafse kenn’ ich fo genau, dafs- ich mit gefchlofsnen Augen vierzig Meilen ohne Fehlfchritt machen will. Wenn Sie in mich Vertrauen fetzen, will ich Sie wohlbehalten in ein wackres Wirthshaus bringen, wo es an Bedienung nicht fehlen foll.” „Dank , Bruder erwiederte Crowe ,' j,für eure Höflichkeit- Ihr müfst aber wif- fen, dafs mir vor faulem Wetter fo wenig bang’ ift als euch. Ich habe tüchtig hinauf und herunter gearbeitet —• aber heute liaben wir einen langen Tag zugefetz.t. mir ift nicht anders, als hält’ ein Paar von meinen Kielplanken feine Häutung verloren , denn ich bin nicht fo zu fegeln gewohnt.” Der Wundarzt , der in feiner Jugend auch zu Schiffe gedient hatte, und daher die Schiffgfprache gut verband ? fagte ihm ? wenn fein Kiel befchädigt wäre, wollt’ er ihn mit einer köftÜchen Salbe, die er immer bej lieh trage, wieder kalfatern; Tom Clarke beftand aber darauf, dafs fie aus* ruhen follten, indem fie diefen Tag fchon fünfzig Meilen geritten wären* IndefTen war der eigentliche Grund , warum er fo fprach , weil er der Wirthinn alte fie Tochter ins Auge gefafst hatte. ^Aucli,” fuhr er fort, „hat mein Oheim fo viel Ver- druls gehabt, dafs er feiner Pflege noth» wendig bedarf.” Filtet drang nun nicht länger, und vef* licherte mit einem fehr neugierigen Blicke j dafs es ihm leid time, Wenn der Haupt» mann Verdrufs gehabt hätte. Clarke, der* wie wir willen, ungemein gefprächig war , ergriff diefe Gelegenheit mit Freuden, und Tagte: „Ich kann Sie verfichern, dafs diefer Herr , der Hauptmann Crowe , meiner Verftorbnen Mutter leiblicher Bruder, von feinen Verwandten manche Pille zu kauen kriegt. Er ilt auf der Börfe zu London bekannt, wie jeder andere Schiffshauptmann, und weifs was von Sturm und Hagel zu erzählen* Was meinen Sie ? — Er hat eia» es==== “ 1 7 mahl in eigner Ferfoö gearbeitet, däfsihrti die Augen aus dem Kopfe hätten berßen mögen, um das Schilf von einer Klippe Weg zu bogfiren.”—• „Nimm ein, Toto, nimm eia!” fiel ihn! Cröw e ins Wort.; ,,Iafs nicht allen Piundef vom Borde laufen — lafs dein Kabeltau hiebt zu weit fchiefsen, und lichte den Anker. Was haß du da nicht, alles aüfge- pümpt? — Seht ihr, Bruder, —~ diele lahmen Glieder ? Zwey Finger am Steuerborde und drey am Packborde: krumm wie eine hölländifche Schmacke. Hort mich an, Brudet; ich Will euch das Ganze erzählen. — Ihr lebt nuh ein tiefgeladen Schiff— Stiom io die Bucht Land unterm Winde — alles Gelind’ im Boote — hier kracht es — dort bricht es — um und itm alles aus — da ftiirz’ ich hinunter , wie in die Hölle—-da lauft es' — alles um. und um —■ doch das will nichts lägen.—- Ich bin ein Yorkerblut’—-alle meine Tage zur See , Bruder , wegen einer alten Grols- mutter und einer Muhme —vierzig Jahre haben fie mir nun mein grofsväterliches Erbgut vorenthalten. Nun hört 5 ’ ich, , iiä (X. Greaves /. Th) b 1 $ 5 ==^ wären einmahl abgefchurrt, da miethefi ich Poftpferde, fetzt’ alle Segel bey, und Heuerte gegen Nord - Nord, um mein Gut zu — aber es verdient die Erwähnung nicht. — Da hielten die alten Corfaren ein Confilium mit einem Anwalde — Tom , mit einem Anwalde — es war weggekapert , — weiter nichts , Bruder — fünf hundert Pfunde des Jahres weg; weiter nichts, Bruder — obfchon es nicht täglich folche Windfäll’ am Strande gibt_Schenk’ ein, Bruder”!— „Ja, es ift fofagte Clarke; „fie lies- fen das Gut einem Alieno.” Hier konnte Ferret unmöglich länger mehr an lieh halten. ,,Pofien! ” fagte er ; „was fchwatzt ihr da fo ohne Sachkennt- nifs in den Tag hinein ?” —• Das war der Eingang zu einem weitläufigen Gezänk’ über die Erbfolge , die Wefimünfterfchen Statuten , die Subfiitution , das ziemlich lange wahrte, bis Tom auf den Einfall kam , die Sache durch ein Beyfpiel an- fchaulich zu machen. „ Zum Beyfpiele,,” fagte er , „hier ift ein junges Mädchen —- Wie heifst fie, mein Kind?” — . —■-- l 9 ,,Dolly antwortete das Mädchen mit einem Knick fe — „Hier ift Dolly” — fuhr Tom fort. — „Ich fubftituire Dolly.” „Das foll er mir gewifs nicht!” fchrie Dolly, und wollt’ ihm fchon den Rücken zukehren. „Ich liab’ ein Lehn — fuhr Tom immer noch gelaffen fort«—„und fubftituire Dolly.” — „ Proßituiren ?” — fchrie Dolly, und fing beynahe zu weinen an; „mich profti- tuiren ?” Tom war aber in feinen Gegenftand fo vertieft , dafs er den Irrthum, in dem die arme Dolly war, gar nicht bemerkte , und lieh von feinem Erben und Aftererben gar nicht abwendig machen liefs, bis ihn ein Getöfe Hörte, über dem die ganze Gefell- fchaft zu rammen fchrak. Auf den Platzregen war ein Sturmwind, gefolgt, der fürchterlich um das Haus herum heulte, und der ganze Himmel war fo bewölkt, dafs man nicht einen Stern fah, Obichon nun der Wind fo gewaltig häufte t vernahm man doch deutlich b % 20 draufsen auf der Strafse ein wildes Ge« fchrey. Der Hauptmann Crowe rief: „Halt ein da!” — Tom Clarke fafs mit offnem Mund’,, und Harren Augen da; der Wundarzt felbff leliieö betroffen , und Ferrets Miene war offenbar noch verwirrter, als zuvor. Der Stallknecht zog lieh in den Winkel, und die Wirthinn mit ihrer Tochter machten lieh enger an die Gefellfchaft. Nun fchrie Crowe mit einem Mahl’ auf: „Das find Signale, dafs jemand in Gefahr ift; lafst uns alle darauf los fegeln , und ihnen bey flehen,” Die Witthinn bath ihn , lieh nicht hinaus zü wagen ; denn es war’ ein Nachtgeift , der ihn in den Koth oder gar in den Strom warfen würde. Crowe fchien fich über diefe Bemerkung ein wenig zu bedenken ; und da ihm Tom vollends vorftellte, dafs diefes Ge fchrey eine Lift von Strauchdieben feyn konnte , die fie in den Wald kriegen wollten , nahm er feinen Plata ruhig wieder ein. Nun begann Ferret über alle abergläu« bifcheü Tröpfe, die fich von Gefpenftem 21 lind Kobolden fchrecken liefseo, mit aller Bitterkeit loszuziehen. Er behauptete, dafs er mit einem Stückchen Phosphorits für fechs Grofchen eine ganze Pfarrgemeinde vor Furcht in Todesangft bringen wolle: darauf fpottete er über die Feigherzigkeit der Nation, fchalt auf die Miliz, machte lieh über die Regierung luftig, und fprach endlich gar von Veränderung der Minifter. Tom gerieth auf die Vermuthung , dafs Ferret vielleicht ein Spürhund der Minister fejn dürfte , und lifpelte diefes Be- forgnifs dem Hauptmann’ ins Ohr ; Ferret fuhr aber ununterbrochen zu beweifen fort, dafs der Staatsbankerott im Anzuge fej, bis ein gewaltfames Poltern an die Hau'sthür feine Predigt unterbrach. D er Schiffscapitän meinte, er werde nun gleiph ans Entern kopimen , zog vom Leder , und ftellte lieh in Politur. Fillet ergriff einen glühenden Feuerhaken ; der Stallknecht rifs ein roftiges Schiefsgewehr von der Wand, und Ferret kroch auf allen vieren in die Speife- kammer. Tom Iah, dafs die Wirthinnund ihr Töchterchen vor Furcht am ganzes 22 Leibe zitterten, und ging daher mit ihnen in den Keller; kurz, niemand dachte daran , das Thor zu öffnen , indeffen das Gepolter immer ftärker ward. Da aber eine anfehnliehe Perfon, die in diefer Gefchichte eine grofse Rollefpielt, fo lange vor der Thür Geduld tragen mufs , bis ihr aufgethan wird, kann auch der Lefer keinen Anftand nehmen, das zweyte Kapitel abzuwarten. II. K A P I T E L. Der Held diejer Abenteuer erscheint- tum erßen Mahle. Die Hausthür zum fchwarzeu Löwen hatte nun fchon zwey grimmigen Schlägen Widerltand gethan; bey dem dritten aber flog fie auf, und es trat eine Erfcheinung ein, die alle Anwefenden in Todesangft fetzte. Es war ein vom Kopfe bis zum Fufse geharnifchter Mann, der einen gro- fsen, von Waffer triefenden Pack unter ■ ■ dem Arme trug, den man aber hernach für ein menfchliches Wefen erkannte, das vermuthlich im nächften Strom’ ertrunken, und wieder heraus gezogen worden war. Der Gewapnete legte feine Lait forg- fältig ab, und kehrte lieh dann zur Ge- fellfchaft. „Lafst euch über diefe ungewöhnliche Erfcheinung nicht bange fey n, liebe Leute; ich werde fie euch bej Gelegenheit erklären. Vergebt mir nur für jetzt, dafs ich fo ungeftüm Einlafs verlangte , oder vielmehr mich felbft einge- laffen habe; ich war aber nothgedrungen; denn als ich durch den Flufs ritt , fiel mein Waffenträger vom Pferd’, und der Strom rifs ihn fort. Ich könnt’ ihn mit Mühe heraus ziehen v und doch , glaub’ ich, ift es mit der Hülfe fchon zu fpät. Hier unterbrach ihn ein tiefer Seufzer des Waffenträgers, der feinem Herrn eben fo viel Freude , als den Zufchauern Angft machte. Fillet machte fich nun gleich über ihn her, half ihn auf ein Betttuch legen» und rollt’ ihn fo lange hinüber und herüber , bis er lehr viel Waffer von fich g^b, die Augen auffchlug , ftarr herum H •“—^ fah, und ein gräfsliches Gebrüll ausftiefs ; Fillet übernahm feine völlige Heriiellung, und fein Herr ging mit dem Stallknechte fort, die Pferde yom Ufer des Fluffes zu hohlen. Nun wagt’ esFerret, der an der Spei- fekammerthür gelaufcht hatte, wieder hervor zu kommen. „PotzElement,”lagt,er , mit feiner fp'ottenden , und grinfenden Geberde ,das ilt mir einefchöne Rarität! —* Zum Henker! ilt das der Geiß Hamlets?” „Sapperment! ” rief Crowe, „mein Neffe ift hinten ausgeblieben i — Wenn er nur nicht leck, und gefunken ifH” — „Ey behütheTagte der Menfchenfeind; „er fubfiituirt nur die kleine Dolly ein wenig.”— Gerade datbatDolly im Keller einen Schrey, und Clarke, der bald darauf erfchien , Tagte , fie fey über einen Blitz erfchrocken. Dolly beantwortete aber diefe Erklärung mit einem ärgerlichen Blicke, der zwar Mifsvergpügen, aber doch nicht Gleichgültigkeit verrieth. Filiet hatte feinem Kranken unterdeflen eine Ader geöffnet; feine Sinne waren aber doch noch nicht gefammelt , und Ffliet konnte lieh über,.das ganze Ausfehen dieses Menfcben nicht fatt wundem. Er fchien. über fünfzig Jahre alt, und war noch unter der mittlern LeibesgrÖfse; dabey war er fehr leibig und vierfchrö- tig; auf dem- Rücken hatt’ er eine kleine Erhabenheit, und lein dicker Bauch ftrotzte jetzt von dem verfchluckten WafTer noch mehr als gewöhnlich. Sein Vorkopf war ausgezeichnet gewölbt, und fo nieder, dafs feine dichten febwarzen Haare mehr als daumenbreit unter dieNafe herunter hingen. Er hatte kleine funkelnde Äugen, wie ein wildes Schwein ; feine Backen waren runz« licht und weit, wie die Näthe eines neuen Soldatenroeks ; feine Nafe hatte beynahe die Gehalt eines Balls , und die Farbe einer Maulbeere. Aus feinem oberen Kinnbacken ragten zwey Hauer hervor , die ein Zergliederer als eine unnatürliche Verlängerung der Hundszähne befchreiben würde. Dazu war fein Kinn fo lang, fo fpi« tzig und gekrümmt, dafs es mit dem hervor ragenden Vorkopf’ im Profile wieder Mond im erften Viertel ausfah. Auf dem Kopfe hatt’ er, nach Art der Seefoldateo, eine lederne Caputze, vom mit einem geflickten halben Monde. Sela altväterlicher Rock war von weifsem Tu« che, mit fchivarzen Auffchlägen , und anfiatt der Welte liatt’ er ein ledernes Wamms. Seine Fiifse Randen in weiten Halbliiefeln, die ihm zwar bis an die Knie gingen, aber feine fchiefen Beine doch nicht bergen konnten. An einem breiten Riemen, der ihm über die Schulter ging , hing ein kriegerisches Mordgewehr, ein Mittelding von Schwert’ und Hirlchfänger, und im Gürtel trug’ er ein Paar Piltolen. Die ganze Gefellfchaft hatte lieh nun tim diele merkwürdige Geffalt verfammelt, und gaffte fie an. Endlich fehlen er lieh zu erhöhten ; er drehte die Augen, mit dem wilden Blick’eines Wahnfinnigen, auf alle Seiten, und fchrie endlich mit einer Stimme, die eben fo fonderbar war,, als feine Geftalt: ,,Sackerlot! — Wo ift Gilbert?” Filiet bemühte lieh, feine Erhohlung zu befördern,und antwortete ihm:„Seyd gutes Muths, Freund ! —Wie befindet ihr euch?” „Wie ich mich befinde ?” Tagte der Stallmeißer; — „ich befinde mich, wie Ich 28 . dafs ein hungriger 'Floh genug hatte 5 -~* hält’ ich nur einen Advocaten!” — Hier fah er dem fl öfter n Ferret ftarr ins Gefleht. —• „Iß nicht der Herr einer?” — fuhr er fort „aber nein; verzeih’ er mirs; er fielit mehr wie ein Schattenfpiefer oder ein Zauberer aus. 5 ’ „Gutfür ihnTagte Ferret, den das ver-» drofs, „wenn ich es wäre l ieh könnt’ihm dann einBifschen Hirn in den hohlen Schede! zaubern.” „Herr,” erwiederte der Stallmeißer im wahren Bärenbaffe, — diefe Waare ward ich gewifs bey ihm nicht fuchea. Ihr Kerle könnt nur das Geld aus dem Beutel, aber nicht Verftand in den Kopf zaubern !” Es wäre vielleicht zum Handgemenge gekommen, wenn ihm nicht wieder eine Ohnmacht angewandelt wäre, daher er ein Glas Branntewein verlangte, ^uf diefe Ar- zeney ward fein Magen geiafsiier: er fagte dann, man möcht’ ihn zu Bette tragen ? und zum Nachtmahl’ einen guten Speckkuchen backen. Die Wirthinn und ihre Tochter brachten ihn hinaus , und Ferret konnte kaum. -- 29 mehr einige Schimpfworte wider ihn aushofsen, als fein Herr eintrat, der aus dem Stalle zurück kam. Er hatte den Helm abgenommen ,■ und man fall nun feine liebliche Gefichtsbildung. Er fehlen nicht über dreyfsig Jahre; er war lang und hark gewachfen, hatte ein eyrundes Geliebt, und eine fchöne Adlernafe; über diefs zwey Reihen Zähne; wie frifch ge* fallener Schnee. Seine Gefichtsfarbe war fehf blühend , und fein Anhand edel. Sein dunkelbraunes Haar hing in natürlichen Locken herunter, und feine blauen Augen warfen einen fo harren lebhaften Strahl, dafs man die Verwirrung feines Verbandes hinlänglich daraus abnehmen konnte. Die Zufeher waren fogleich alle für ihn eingenommen; er neigte fleh lehr höflich , und fragte nach feinem Waffenträger. Als er hörte, wie viele Mühe lieh Fillet mit ihm gegeben, wollt’ er ihm eitle anfehnliche Belohnung aufdringen. Sofort liefs er lieh überreden , die Ehrenhelle in der Gefellfchaft, nähmlich einen grofsen Lehnliuhl am Feuer , den man, für ihn bereitet hatte, einzunehmen. 3 « Als er bemerkte, dafs man lieh in feiner GegenWart zu reden fcheue, begann er mit einem Lächeln, das ihm in jeder Wange ein Grübchen bildete: „Sie wundern fich ohne Zweifel, meine Herren, einen Mann im Harnifche vor fich zu fehen, da doch diele Mode fchon feit mehr als hundert Jahren veraltet ift: noch mehr aber werden Sie lieh wundern, wenn Sie hören, dafs fich endlich wieder ein liandhafter M.ann findet, der Muth genug hat, fich zu dem Orden zu bekennen, der vormahls in England und in der ganzen übrigen Chrifienheit unter dem Nahmen der fahrenden Ritter bekannt war. Indeflen Hi es nicht anders; ich habe mir diefen Pfad voll Befch werden und Gefahr zur Laufbahn erkiefen. Ich lirebe nach einem ehrlichen, aufrechten Ruhme, und bin mannhaft entfchloflen, wie ich es nur immer vermag, die Gefetze der Tugend zu handhaben, dem Lafter unter jeder Larve Trotz zu biethen, das Unrecht zu vertilgen, die Verleumdung zu befchämen, die Unterdrückung zu rächen, die Verladenen in Schutz zu nehmen, und, -—i—-^ o S mit einem Worte, mein ganzes Leben der Saclie der Unfchuld und der Schönheit zu weihen.** „■So ? 55 — Tagte Ferret mit 'hämifchem Lächeln; „Sie wollen alfo der Dom Quixote unferer Zeit werden? — Schade, dafs der Einfall ein wenig zu abgedrofchen ift, und zu weit aulser dem gemeinen Wege liegt! Was vor zweyhundert Jahren eine gute Satyre auf Spanien war, ift zu unfrer Zeit und in England der albernße Spafs, und die unglücklich fte Affectation . 55 Der Ritter würdigte den Sittenprediger kaum eines Blicks, „Wer einen Dom Quixote nachäfft,” Tagte er voll Edelmuth, „ der ift ein eben fo ruchlofer als verächtlicher Betrüger. Der lieh toll anftelit, erniedrigt lieh lelbft, und beleidigt Gott, indem er das Göttliche verläugnet, das in ihm ift. Ich äffe nichts auf Erden nach, und hoffe zu Gott, dafs mich, fo lang 5 ich lebe, kein Wahnwitz heimfuchen wird. Ich habe weder eine Windmühle für einen Riefen, noch 'fein Wirthshaus für eine Burg gehalten; auch glaub 5 ich nicht, dafs diefer Herr der Ccnnetable, oder Sie 32 ——— der Zauberer Algulfe find , der In der Gefcbichte vorkommt. — Ich betrachte, die Dinge, wie fie in der Natur find: ich urtheile und fchliefse ohne Vorurtheil., und du Id’ es gern, wenn man mir wider- fpricht, und kannlbgar, wie Sie Teilen , imverfchämte-Beleidigungen ertragen,oh« ne mich zu entriHten, ohne felbfi nur ver- driefslich zu werden, Ich habe nur mit den Feinden, der Tugend und Sittfamkeit zu fchun; denn diefen hab ? ich ununterbrochene Fehde angekündigt, und diefe werd’ ich immer verfolgen/’ „Diefer Krieg,” fagte Ferret, der fiel! mit diefer Antwort noch nicht begnügte, „kann bald ein Ende haben, und Sie Ihre Abenteuer in Bridewell befchliefsen, wenn Sie ein entfchloffener ConnetaWe nach der Parlamentsacte als einen Landläufer anhält.” „Himmel und Erde!”— : Schrie der Ritter, indem er die Hand an den Degen legte; „roll ich den unverschämten Verleumder nicht zu Brey zufämmeo hauen?” — Alle Anwefenden fuhren unter einander, und Ferret felbft erfchrak f© fehr j --- 33 dafs fich feine Augen in ihre Köhlen^wie Schnecken zurück zogen , dafs ihm die Zähn’ im Kopfe klapperten, und alle feine Glieder lahm waren. Als es der Ritter bemerkte, nahm er wieder feinen Platz ein. „Ich bin zu tadeln,” Tagte er; „mein Zorn foll für andere Gefchöpfe aufgefpart bleiben. Sey er ruhig! furcht’ er nichts l Ich will mich ihm über feine Anmerkung gelalfen erklären.” Jetzt wagt’ es Ferret wieder, die Au» gen aufzuthun, und fich den kalten Schweifs von der Stirne zu wifchen. „Er fagt,” führ der Ritter fort, „dafs ich als einLandltreicher feit gemacht wer- ’ den konnte; aber auch ich kenne dieVa~ terlandsgefetze. Er mufs denn willen, mein Freund, dafs ich weder ein Bärenführer, noch ein Gaukler, Luftfpringer, Seiltänzer , Tafchenlpieler, Zigeuner, oder Bettler bin. Ich betrüge meine Mitbürger nicht durch folche Alfanzereyen und fchelmifche Fünfte. In welcher Rücklicht könnt’ ich alfo für einen Landläufer gelten? — Antwort’ er mir frey heraus! (L. Greaves I, Th.) c 34 fprech’ er ohne Scheu! ” Ferret zitterte, und wollte nicht reden. „Sprech’ er doch !’ 5 fagte der Ritter noch ein Mahl, und Ferret antwortete: ,,Wenn Sie kein Landßrei- cher find, fo kann man Sie doch ftrafen„ weil Sie als ein Friedensfiörer gewaffnet im Lande herum kreuzen.” ,,Er irrt auch hiererwiederte der Ritter; „denn ich reife gerade zur Erhaltung des Friedens durch mein Vaterland. Dafs ich Waffen trage, kann mir eben fo wenig nachtheilig feyn; denn das Gefetz erlaubt jedem Manne von Stande, Waffen zu tragen. Einige haben Flinten, andere Pifiolen, andere Säbel; kurz, jeder hat, was ihm gefällt; und fo hat es mir beliebt, die Wallen meiner Ahnen hervor zu nehmen; das ift immer einerley. Vielleicht thu’ ich es als Leibesübung, oder, um mich zu bewegen, oder aus, Scherz.” „Wenn Sie lieh aber aus Scherz vermummen,” erwiederte Ferret, „und die Leute auf der Landftrafse mit diefer Mum- merey inTodesangft fetzen, fo wird man Sie dafür im Ernfte züchtigen.” " - ; - - m „Ich Tuche aber, ” Tagte der Ritter» „Toiche Anläffe zu vermeiden, fo gut ich kann.” „So gehen Sie dann unbewaffnet,” Tagte Ferret, „wie andere Leute, die MenTchen- verltand haben.” „Das ilt nicht die Folgeerwiederte der Ritter; „denn ich reife überall hin, und zu jeder Stunde; ich habe daher Waffen nöthig , wenn ich mich gegen Verräther zu Tchützen habe; wenn ich mit einer Menge Volks handgemein werde, oder der Gerechtigkeit Verbrecher einhändigen Toll.” „So wollen Sie denn in die Briider- fchaft der HäTcher treten?” — „Ich will die Landesgefetze ausführen helfen,” Tagte der Jüngling, voll edlen Feuers, und mit aller Verachtung im|Blicke, — „und die Übel zu heben Tuchen, die felbft die Gefetze nicht ausrotten können : ich will den Betrieger ansTageslicht hervor ziehen, die Sitteniofigkeit befchä- men, die Verleumdung an den Pranger Hellen; aber von der Häfcherzunft will ich nichts willen, Von jenen Schurken S 6 . --~~-' will ich nichts wiffen, .die Diebe werden, um andere Diebe defto fieherer an den Galgen bringen zu können, oder die lieh vom Staat 5 eine Belohnung reichen laf- fen , wenn fie weiter nichts , als ihre Schuldigkeit, gethan haben. Nichts defto weniger werd 5 ich aber trachten, das Vaterland von diefem Gefchmeifse, das an feinen Eingeweiden nagt , zu reinigen, ob« fchon ich zu glauben geneigt bin, dafs eine gehörig eingerichtete Gefellfchaft von privilegirten Dieben mit gutem Erfolg 5 im Lande belieben könnte.” Diefe letzte Rede war hinlänglich, um den finfteten Ferret zu überreden , dals des Ritters Aufzug nichts, als eine Mura- merej fej , und feinen Eartejgroll mit aller Wuth ausbrechen zu lallen. „Woraus fonft , 55 fchrie er, „befteht der herr- fchendeTheil der Nazion ?—Was find die flehenden Truppen, die das Land aus« faugen * anders, als Leute, die man noch dafür bezahlt, dafs fie lieh für ihren Leib vertheidigen ? die dem Landvolk 5 aus Müfsiggang Hühner ftehlen, und Lämmer von der Weide treiben , und die fick “~~~ 37 felbft wegftehlen würden, wenn fie dem Feinde Stand halten Tollten? — Wenn Sie unfere ungeheure Schuldenlaft , die unerträglichen Abgaben, die uns zu Boden drücken, erwägen; wenn Sie betrachten, dafs fie mit jedem Jahre vermehrt werden ; ich Tage, wenn Sie diefe Umftande betrachten, und zu derfelben Zeit alle Städte voll Bankerotte, das ganze Land mit Bettlern überfchwemmt fehen, dann müflen Sie der gröfste Thor, oder ganz verblendet feyn , wenn Sie aus alle dem etwas anderes folgern, als dafs unfer Mi- nilterium ärger als toll, unfer Reichthum verfplittert , unfer Credit verloren, das Volk elend, und der ganze Staat nur einen Schritt von feinem Untergang’ entfernt ift. — Diefen widerlichen Eindruck kann nichts mildern, als wenn wir die Äugen auf uns felbft kehren, und geliehen , dafs wir felbft ein Schwarm liederlicher , unnützer und memmenhafter Kerle find, die nichts Befferes verdienen.” „O ich kenne diefe tückifchen, und un* gegründeten Behauptungen,” fagte der Unbekannte mit lauter Stimme, „mit denen 33 man die Herzen der königlichen Unter* . thanen zu empören fucht. Ich behaupte aber j dafs jener den Verftand verloren haben mufs, und keinen Funken von Redlichkeit befitzen kann, der es läugnen wollte, dafs wir einen unvermeidlichen und gerechten Krieg führen, dafs unfere Auflagen nicht gröfser find , als unfer Reichthum; dafs unlere Eroberungen eben fo vortheilhaft als rühmlich find; dafs unfer Handel blüht, unfer Volk vergnügt ift, und unfere Feinde verzweifeln. Leider gibt es indeffen doch Menfchen, die unfre unvermeidlichen ßefchwerden , und unfre Gefahr übertreiben, die Macht unfrer Feinde vergröfsern, die Maßregeln der Regierung lächerlich machen, und im ganzen Lande den Samen der Zwietracht auszufireuen fachen. Diefe einheimifchen Schlangen verdienen nun in doppelter Rückficht den ganzen Hafs der Edelge- linnten; erftens, weil fie Lügner find, und zweytens, weil fie dem Staate, für delfen Bürger fie gelten wollen, durch diefe Lügen den gröfsten Schaden zuziehen. Einer von diefen niederträchtigen Buben ” e? -- 39 gerieth nun immer mehr in Feuer — „ift unter dem Nahmen Ferret bekannt.; ein alter, hämifcher, unverbefferlicher Blafe- balg des Aufruhrs. Sollt’ ich ihn ein Mahl irgendwo treffen, —> bejGott! ungeach« tet meines feiten Entfchluffes, immer gelinde zu verfahren, miifsf ich ihn doch packen, und zertreten, wie eine undankbare Schlange, die den Bufen, in dem fie lieh erwärmte, vergiftet hat.” Diefe Worte begleitete er mit fo fürchterlich wilden Blicken, dafs Ferret zum zweyten Mahl’ in die Speifekammer kroch, und der ganzen übrigen Gefell» fchaft nicht wohl zu Muthe ward. Um nun den bedenklichen Folgen, die diefes heftige Gefpräch haben möchte, vorzubeugen, begann Herr Fillet auf einen anderen Weg einzulenken, und fein Vergnügen über die vortreffliche Antwort des Ritters an Tag zu legen. Er wünfeht® ihm zu dem edlen Vorhaben, das er auszuführen befchloffen hätte, Glück, und äufserte grofse Freude über feineBekannt- fchaft. „Um ein wahrer fahrend er Ritter zu feyn,” letzte er hinzu, „fehlt Ihnen nun 4 ® nichts, als irgend eine berühmte Schöne, die Ihnen im Geifte vorfchweben, und in Gefahr Ihre Bruft beleben, und Ihre Fauft ftärken kann. Ja, Herr Ritter, diefe fehlt Ihnen noch; denn eine Herzensköniginn ift die Seele der Ritterfchaft.” Der Ritter fchwieg, und gerieth licht- bar in Bewegung. Er haftete einen unverwandten Blick auffden Wundarzt, ward blafs, höhlte einen tiefen Seufzer, und liefs den Kopf auf die Bruft finken,., indefs ihm Thränen vom Auge rannen. Sein- Kummer theilte lieh gleichfam der Gefellfchaft mit; aber niemand wagt’ es, ihn um die Urfache zu fragen. Nun kam die Wirthlnn , welche unterdeffen den Stallmeifter verpflegt hatte, und fragte ihn unter vielen Knixen, ob Seine Ge- ftrengen nicht die ganz naffen Kleider ab» zulegen dächten. Sie habe ein vortreffliches Bett bereitet, fagte fie, indem fchon viele vornehme Gälte gefchlafen hätten, und Dolly würd’ es ein. wenig mit einer Glutpfanne durchwärmen. Über diefe rn Antrag’ erhohlte lieh der Ritter aus feinem Schlummer, nahm von der Gefell- -- 4l fchaft fehr freundlichen Abfchied , und begab lieh auf feinen angewiefenen Platz. Crowe, der während all dielen Auffritten vor Erßaunen nicht ein Wort gefpro- chen hatte, brach nun mit einer ganzen Ladung von Zwifch enwörtern los,'—„Zerrei fst mein Bramfegel! — Sapperment! — Ich habe zur See gefahren, Bruder, als ich nicht höher war, als die Gallerie — Olfen, Welten, Süd und Norden, wie man Tagt Neger, Mohren, Indianer, Mulatten — aber fo ein Kriegsfchiff” *— Hier fiel ihm Tom, der lieh feit des Ritters erltem Eintritt’ in die Küche nicht hatte fehen laßen, und nun mit feuchten Augen erfchien, in die Rede. „LieJber Gott! ”—fchrie er, „ich kenne den Narren und feinen Bedient en wie meinen eigenen Vater,— Ich bin feinPathe, Herr Oheim; als ein Knäblein iß er zu mir Gevatter gelianden. — Ja, mein Vater war Amt-? mann auf dem Gute, —» Ich bin in Sir Everhard Greave’s Haufe geboren, und grofs gewachfen. — Npn iß er fchon zw^jr Jahre todt, und diefer Herr iß fein einziger Sohn, Sir Launcelot, der edelße, üe- 42 • - benswürdigfie Jüngling; ich lieb’ ihn, wie meinen leiblichen Bruder.” — Hier fing der weichherzige Tom überlaut zu weinen und zu fchluchzen an; aber der Schiffs- capitän, der nicht von fo reitzbarer Natur war, fchrie : „Was weinft du denn % du grofser Bengel? ” Fillet war aber fchon ungeduldig, die Gefchichte des unbekannten Ritters kennen zu lernen, und erfueilte Tom , lie zu erzählen. Um fo etwas liefs lieh diefer nicht zwej Mahl bitten; er wifchte fich die Thränen aus den Augen, und fchickte fich zur Erzählung an ; mdefs dieWirthinn, Dollj und die übrige Gefell- fchaft voll Neugierde näher rückten, und ihre Aufmerkfarakeit fammelten. 43 III. KAPITEL, Bey welchem der Lefer zvünfchen wird t dafs es das letzte wäre. Tom Clarke begann: „Sie muffen nur wißen, meine Herren, dafs ich eben kei« ne förmliche Rede halten, oder peroriren werde; denn es ift niemahls meine Sache gewefen „etwas mit —doch was ift daran gelegen? Ich kann wohl davon eben fo viel Kenntnifs haben, als’-Facta find Facta, heilst es ein Mahl. Mein Vorfatz ift alfo — die Facta —- verliehen Sie mich? ohne Prunk und Schmuck, ohne Auszierung und Verfchönerung; ohneWie- derhohiungen , Circumlocutionen oder Umfehweife, fondern einfache Begebenheiten , die ich theils durch die Beftäti- gung meines treuen Gedächtniffes, theils durch die glaubwürdigen Zeugniffe unverwerflicher .Zeugen erhärten kann, was auch dagegen vorgebracht werden magj . £ l/ min. Gröfsere Mühe hatte Fillet,- Bolly’s Hände aus dem Halstuche des Capitains, der beynahe fchon den letzten Athem höhlte , los zu machen. „ Dafs dich die Hölle verfchlinge, du Schwefelgaleere !’* fchrie diefer endlich , als er Luft hatte; 9 s feit dem ich eine Karte und einen Com? pafs von einander zu unterfcheiden weifs, bin ich nicht fo getakelt worden. —- Seht doch ein Mahl, — feht doch —- der Nickel hat mir die Wand fo dicht gemacht! — Aber nur Geduld! — Komm 9 ich dir unterm Winde, fo will dir einen Schufs unter Walfer geben, dafs du —* du Höllenbrand! — Das will ich ! ”— Dolly gab keine Antwort, fondern fetzte lieh ruhig in einen Winkel, als fie fah, dafs fich der Anwald zu einer gleichen Gelaffenheit bequemt habe. Filiet erföchte diefen darauf, in der Gefchichte fortzufahren , und Clarke fuhr fort: „Ich hab’ Ihnen erzählt, meine Herren, dafs Launcelot feinen Sciplo ritt. Ohne fich alfo lange zu bedenken, gab er ihm die Sporne, und fprang mit ihm auf einen Sprung über Heck’ und Graben, f® -- ! ~~ und was foult dazwischen' war; ein Sprung von fünf und zwanzig Fufs. Er jagte fort, und wollte die Pferd’ erreichen , und emlenken; da er fie aber fo wild fand, wollt’ er auf das nächfte los reiten, verfehlt’ es, und fplefste denfchö- nen Scipio an der Deichfel. Die Kutfch» pferde flanden itille, fo heftig war der Stofs ; fie waren nur mehr zehn Ellen weit vom Steinbruche gewefen. * Launce- loten warf der Stofs gegen den * Wagen ; er fing lieh aber, fchwang lieh , und war Meifter vom Zügel. Nun kam auch i'chon der Kutfcher gerannt, und machte die Pferde von den Strängen los. Da konnte Greaves den Damen zu Hiilf’ eilen. Er rifs den Wägenfclilag auf, Aurelie fiürzte heraus , ihm an den Hals, und fiel in Ohnmacht. Denken Sie, meine Herren , wie ihm zu Muthe gewefen feyn mag. Die Mutter war mehr in Fällung geblieben, und eilt’ ihrer Tochter zu Hülfe, die noch immer inLauncelots Armen lag. Endlich erhohlte fie fich , und als fie fall, wo fie wäre, flieg ihr das Blut neuerdings in die Wangen, und fie - — 7% erfuclite den Junker, fie ayf den Rafen niederfitzen zu laßen. ” „Ihre Mutter war nicht fo zurückhak tend, und küfste Launceloten unter Thrä* lieh als den Erretter ihres Lebens. Grea- ves war fo durchdrungen, dafs er die Leidenfchaft, die er bisher immer geheim gehalten hatte, nicht länger mehr verbergen konnte. Ich habe nur meine Pflicht getfian, fagte er, und nicht mehr, als jeder feinen Mitmenfchen fchuldig ilt j aber für Mifs Aurelien bin ich immer bereit, mein Leben aufzuopfern. Mutter und Tochtet waren in fichtfcarer Yerle^ genheit, obfchon fie Launcelots Äufse- rung nicht anders , als mit wahrer Rührung hören konnten.” „Launcelot wollte den Kutfcher nach feines Vaters Haufe fchicken, um andere Pferde, auf die fie lieh verlaßen könnten, hohlen zu laßen; aber die Damen verbat hen fich’s, und behänden darauf, dafs fie den Weg, der nicht mehr von Belange fej, zu Fufse machen wollten. Er bath daher um die Erlaubnifs , fie begleiten zu dürfen, reichte jeder einen 5 ^s^smstm Arm, und führte fie fo bis an den Thorweg , wo lieh das ganze Gefind’ über die- fen unvermutheten Auftritt nicht fatt wundem konnte. Miftrefs Darnel nahm ihn hierauf bey der Hand, und führt* ihn in das Haus. Hier bewiilkommte fie ihn nochmahls mit einer dankbaren Umarmung, und geftattete ihm auch ei» pen Rufs von Äureliens Lippen. Wären Sie nicht gewefen fagte fie, fo wären wir ge wifs beyde nicht mehr am Leben. Sie kämmen wahrhaftig , wie vom Himmel gefandt. Sofort erkundigte fie fich, ob er fich nicht etwa feibft verletzt hätte, fetzte ihm einige Erfrifchungen vor, und bedauerte endlich ausdrücklich die Uneinigkeit, die zwifchen ihren Familien herrfche. Launcelot ftimmte ihr mit aller Wärme bey, und äufserte fein lieft 1« ges Verlangen, diefe Mifshäiligkeiten bey- zulegen, und in Gefälligkeit zu verwandeln. Sofort nahm er Abfchied.‘” „Als er vor das äufserfte Thor gekom* men war, und gerade nach Greavesbury» hall zugehen wolltebegegnete ihm Anthony Darnel zu Pferde. Darnel ritt 7S mit ßchtbarer Erbitterung auf ihn zu, und fagte: Ihr Diener, Sir Launcelot! haben Sie mir etwas zu befehlen? „Ganz und gar nichts erwiederte Launcelot ziemlich froftig. ” „Was hat mir alfo die Ehre Ihres Be* fuchs verfchafft? — fuhr Darnel fort. ” „ Greaves konnte dielen fpöttelnden Ton, und feine hämifche Miene nicht ertragen , und antwortete ihm daher mit derfelben Verachtung: Der Befuch war nicht Ihnen zugedacht; wollen Sie aber wiffen, wem er galt, fo fragen Sie Ihre Bedienten darum.” „Ich werd’ es thun; erwiederte Darnel , und vielleicht erfahren Sie, wie ich darüber gefinnt bin.” „ Wie Sie wollen, antwortete Greaves, ging fofort nach Haufe, und erzählte den ganzen Hergang der Gefchichte feinem Vater, der ihm zwar feine unüberlegte trotzige Antwort verwies, aber mit feinem Benehmen gegen Mutter und Tochter fehr zufrieden war.” „Den folgenden Tag fchickte Laun'celot einen Bedienten zu den Damen , und ließ» r 4 ■ ach erkundigen, wie fie lieh befanden. Der Bediente ftiefs aber auf Darnein, und erhielt den Befoheid, dafs die Damen unpafslich wären, und fich künftig folche Bothfchaften verbitten liefsen.” „Die Mutter- hatte auch wirklich ein Fieber befallen, das mit jedem Tage fo ftark zunahm, dafs der Arzt fchon an aller Hülfe verzweifelte. In dem fefien Gedanken, dafs fie fierben miiffe, fchick- te fie einen getreuen Bedienten zu Laun- celoten, und liefs ihn bitten , fo bald als möglich zu ihr zu kommen.” „Greaves machte lieh fogSeich mit dem Bothen auf den Weg, und kam im Finiteren ins Haus. Er fand Mißrefs Dar- nel, ganz erfchopft, im Bette, und Au- relien neben ihrer Mutter fitzend. Sie war ganz verßort, und ihre Augen waren vom Weinen entzündet. Mißrefs Darnel gab ihm ein Zeichen, näher zu ihr zu treten, und nachdem fie alle, außer einem einzigen vertrauten Mädchen, die mir die Gefchiehte öfters erzählte, entfernet hatte, ergriff fie feine Hand, drückte fie warm, und weinte eh idge Thränen. Lieber Sohn, Tagte he endlich, „hält’ ich doch den Tag erleben können, an dem ich Sie würde haben Sohn nennen dürfen! — Sie fehen* ich herbe ” — „Aurelia konnte nun nicht länger mehr an fich halten; lie brach in einen Strohm von Thränen ans, und ihre Mutter bath lie voll Sanftmuth, den Willen des Ewigen mit Ergebung und Andacht zu verehr ren. Ich habe mir gefchmeichelt, fuhr fie zu Launceloten fort, „ Sie mit unterer Familie verbunden zu fehen ; —- jetzt kann ich nicht mehr auf irdifche Dinge denken, -— Aurelia ift ein gutes Kind. —- Sie liebt lie zärtlich. — Bey diefen Worten kniete er vor Aureiien hin, drückte ihre Handinnig fan feine Lippen, und erklärt’ ihr feine heftige Liebe. Ich würde mit Freuden herben , fuhr die Mutter fort, wenn ich mir fchmeicheln könnte, dafs nichts eure Verbindung hindern werde; denn ich bin überzeugt, dafs ihr euch rein und edel liebt; aber Darnel wird euch alle möglichen Hindernifie in den Weg legen 9 die nur fein Groll ausbrüten, und feine Bofslieit ausführen können Sir Greaves, ich habe' Sie fchon lange bewundert, und baue voll Zu verficht auf Ihre Ehre. Ich verlange von Ihnen Ihr Ehrenwort, dafs Sie keinen Schritt ohne Willen und Willen Ihres Vaters thun , und die tiefen Vorurtheile Ihres Oheims auf eine redliche und gerade Art auszu- wurzeln trachten wollen. Für das Übrige wird die Vorficht Sorge tragen.” „Launeelot gelobte ihr fayerlich, ihren Willen immerdar als den Willen einer geliebten Mutter zu verehren und zu befolgen. ” „Sofort gab fie ihm und ihrer Tochter noch manchen Rath über ihr Verhalten, und fchenkte ihm einen Ring zum Ange- denken ihrer aufrichtigen, mütterlichen Liebe. Mun zog auch Launcelot den fei- nigen vom Finger, und gab ihn Aureliep zum, Zeichen feiner Liebe : fie nahm ihn auch mit ihrer Mutter Einwilligung an* Dann nahm er Abfchied, ging nach Haufe. , und erzählte alles feinem Vater wieder.” „Einige Tage nachher verfehlet! Aure- Mens Mutter, und Aurelia ward zu einer Verwandten gebracht, wo fie aus Schwer- muth in eine gefährliche Krankheit fiel. ” „Die Mutter war kaum begraben, fo fann auch Launeelot fchon, feines Ver- fprechens eingedenk, auf Mittel, die Ver- föhnung mit dem Oheime zu bewirken. Er erfuchte verfchiedene Männer von An- fehen, Darnein einen Vergleich anzutragen ; aber fie erhielten immer eine krän* kende Antwort, und mufsten leer abzie* hen. Das währte fo lange, bis fich Anthon j endlich geradezu erklärte, dafs ihm der Hafs gegen die Familie Grea- ves angefiammt, und daher unüberwindlich fey, Er vermafs fich, dafs er den Zwift mit feinem letzten Blutstropfen nähren, und feine Nichte eher mit eigener Hand ermorden, als diefe Verbindung zugeben wolle . 55 „Als er diefe Äufserung oftwiederhohlt hatte, befchlofs Launeelot, nicht ein Wort mehr an ihn zu verlieren, fbndern fich der Liebe des Fräuleins immer mehr und mehr zu verfichern, und fie endlich, Trotz alles Widerfirebens, zu heirathen. Als fie 78 Ihren Schmerz In etwas bekämpft hatte , fand er Gelegenheit, einen geheimen Brief- wechfel mit ihr zu unterhalten, und, als fie wieder ins Haus zurück kam, gelang es ihm gar, fie Öfters in geheim zu fprechen. Aber die Wände haben Ohren; der Vormund hielt feine Spürhunde, die fo gewiflenlos waren, ihm alles zu hinter- bringen. Was gefchah ? — Mit einem Mahle war das Fräulein über alle Berge, und wir haben feit her niemahls erfahren können , wohin fie gekommen ift.” „Nun wars um dem armen Launcelot gefchehen: wir hatten nun allen Grund, zu glauben , dafs es mit feinem Verfiande nicht richtig liehe, fo heftig war feine Lei- denfchaft. Er afs nicht, er trank nicht, er fprach mit niemanden, vernachläffigte jfich in allem, entfagte jedem Vergnügen, ritt im Regen aus, und half oft nicht ein Mahl einen Hut auf dem Kopfe: des Nachts fchlich er einfam über den Kirchhof oder auf dem Felde herum , und niemand von feinen Leuten dürft’ ihn anre- den, wenn er nicht Arm’ und Beine in Gefahr fetzen wollte. Sein armer Vater 79 war innigft betrübt; alle, die ihn kannten, bedauerten ihn. So trieb ers drey volle Wochen; endlich verlief« es ihn; er ward wieder ruhig, und munter.” „Das war aber eine betriegliche Wind- fülle” — „Richtige” fagte Crowe.-■— ^,Die nur bald einen delto heftigem Sturm verurfachte. Er fuchte lang’, einen von Darnels Leuten zu bewegen * dals er ihm Aureliens Aufenthalt entdecke; aber keiner war im Stand’, ihm genug zu thun; denn die Bedienten, die das Fräulein weggebracht hatten, waren bey ihr geblieben, und aufser dielen wulste niemand ein Wott von der Sache/’ „Als alle Mühe vergebens war, gerieth er in einen fo hohen Unwillen gegen Darnein , dafs er eines Tages gerade zu ihm ging , und ihm die bitterften Vorwürfe machte. Ihr Gefpräch endigte lieh mit einer förmlichen Herausforderung. Siebe- fchloffen, die Sache ohne Zeugen auszu- macben, und befchieden lieh vor Sonnenaufgang auf daffelbe Feld, woLauneelot Aurelien das Leben gerettet hatte. Die er- go ' Iten Piltolen brannten beyde ohne Erfolg los : mit dem zweyten Schuffe verwundete Darnel den Junker in der Seite; diefer hatte aber noch eine Piftole bey fich, und hiefs , ungeachtet feiner Wunde, Darnein um fein Leben bitten. Darnel zog dafür vom Leder i Greaves fchofs die Piftole in die Luft, und zog ebenfalls. Darnel war beym erften Anfatz’ entwaffnet, und Laun- celot gab ihm feinen Degen wieder. Diefer war aber fo niederträchtig, Launcelo- tea nochmahls anzugreifen. Launcelot verlor nun alle Mäfsigung, jagte Darnein den Degen bis an den Griff durch den Leib, hafchte zugleich feinen Degen mit der linken Hand, und zerbrach ihn voll Verachtung in Stücke. Als Darnel fiel, . fchwaog fich Launcelot aufs Pferd, flog nach Afhenton, und fchickte feinem Gegner einen Wundarzt, Dann ritt er nach Haufe, und erzählte die Begebenheit feinem Vater. Sir Eberharden ward bange; denn die Wunden wurden todtlich befunden , und Launcelot hätte eines Mords befchuldigt werden können. Er liefs nicht ab, und forderte unaufhörlich, Laimcs* --• gi löt fölltö ßfch aus dem Königreich* entfern nen ; bis der Sturm vorüber wäre. Diefet liebte Aurelien fo fehr, daß et, ungeachtet aller Vorfteüungen, doch nicht abgereift wäre, wenn er nicht erwogen hätte, dafs feinesVaters Ruhe davon abhange. Erging alfo nach Harwich , und mit dem Paketboote nach Holland hinüber; vdnRottef- dam reift’ er nach Brüffel ; von dort nach. Marfeille, «ach Genua; und den erfteo Brief erhielt Sir Everhard aus Florenz.” „Unterdeffen hatte der W undarzt nicht ganz richtig ge weiflagt; dennDarnel ftarb an der Wunde dicht, obfeh-on er immer kränkelt , und es wahrfcheinlich nicht lange mehr machen wird; Wie aber leine Wunden heilten, nahm auch fein Groll gegen Greaves wieder zu, und er ift jetzt unverföhnlicher, als jemahls. Launceloten hatte unterdeffen in Pifa eine äufseror- dentliehe, taube Schwermuth befallen * aus der ihn nichts; als die Nachricht von feinesVaters Tod’, erwecken konnte. Sir Everhard ; — Gott hab’ ihn felig ! hat feit feines lieben Launcelots Abreife das Bett nicht mehr verlaffen; und der ge- (L, Greaves I. Th,} £ ***** 5 ^ fährliche Zuftand des Verwundeten quält 5 ihn unaufhörlich. Dazu kam, dafs Laun- celot nichts von lieh hören liefs, und endlich gar einige Nachrichten von feiner Ver- ftandeszerrüttung, die ihm einige unvor- fichtige Leute gebracht hatten. Er fchlofs in wenigen Tagen vor Herzenskummer die Augen. O meine Herren , er nahm ein erbauliches, rührendes Ende. Alle feine Nachbarn, den verruchten Anthony ausgenommen , bedauerten ihn herzlich. Man kann fagen, dafs ihn die Thränen der Armen balfamirt haben,” „Ais Launcelot zurück kam, war er fo eingefallen, fo blafs, dafs ihn feine Leute beynahe nicht erkannt hatten. Er nahm gleich das Gut in Belitz, und hielt mit dem Verwalter, der unterdeffen an meines Vaters Stelle getreten war, Rechnung. Als das in Ordnung war , wendete er alle Mittel an , um von Aureliens Aufenthalt 5 etwas zu erfahren. Er erfuhr aber bald mehr, als er wohl felbft verlangte; denn es ging nun das Gerücht, dals fie lieh mit dem reichen Junker Sycamore verheira- then werde. Diefe Nachricht muls lie nun -— 83 in einem eigenhändigen Brief’ an Laun- celoten bekräftigt haben. Obfchöa man aber den eigentlichen Inhalt diefes Briefs nie erfahren konnte, fo fah man doch die fchreckiicheVerwüftung, die er in dem Junker anrichtete. Er fprach drey Tage kein Wort, fondern weinte nur von Zeit zu Zeit: zuweilen aber fchlug er wieder ein unmäfsiges Gelächter auf.” „Endlich ichien er fich wieder zu erhoh- leh; er fand mehr Luft am Reiten, und befchaftigte fich mit feinen ehemahligen Wohlthaten wieder. Unter andern erinner’ ich mich auf ein Bey fidel, das in Marmor gehauen werden foDte.” „Der Pfarrer des Kirchfpiels war un* längft geftorben, und Sir Everhard hatte feinen Dienft einem andern Geiftlicben verhehlen. Da ritt Launcelot an einem Sonn* tag’ über einen Kirchweg, und traf ein ge* fatteltes Pferd an, das an der Zaunhecke grafte. Er fah lieh nach dem Reiter um , und nahm endlich auf der andern Seite des Zauns einen Menfchen wahr, der auf dem Rafen lag. Er flieg ab, fprang über die Hecke, und fah, dafs der Mann in ei* f % 84 nen Überrock gewickelt fey , und fielt Vor Schmerzen wand Und krümmte. Er trat näher; es war ein Geiftlicher imKirchen- gewande. Er fragt’ ihn, warum er lieh fo wälze, und der Geiftliche antwortete ihm: Ich diene Ihrer Gemeinde als Kapellan „ Sir, wofür mir der vorige Pfarrer jährlich zwanzig Pfund bezahlt hat. Da ich aber hiermit Weib und Kinder nicht ernähren konnte, fo übernahm ich in einer andern Kirche von hier den Nachmittagsgottes» dienlt, der mir jährlich um zehn Pfunds mehr einträgt. Ich hielt mir ein Pferd, und Ib machte mir diefe Nebenbelchäfti- gung mehr Vergnügen, als Arbeit. Da fjuält mich aber fchon einige Jahr’ ein. unfeliger Bruch, von dem mich niemand befreyen kann. Das Übel befällt mich gerade eine kurze Zeit her öfter als gewöhnlich , und mit foicher Heftigkeit, dafsich mich auf den Boden nieder legen mufs, big ich Erleichterung empfinde.” „Launceiot bedauert ihn nicht nur, fon- dem hiefs ihn auch diefen Nebendienft fahren lallen, den er ihm mit einer Zulage von jährlichen zehn Pfunden Vefgütea 5=5=9 15 wolle. Der Kapellan war fehr gerührt* und antwortete, dafs er von feiner be« fonderen Gnade keinen Gebrauch mehr machen könne, indem ihm der Mann * der dem verftorbenen Pfarrer folgen füllte, fchqn gemeldet habe, dafs er einen feiner Freunde zum Kapellan efwählt hätte.” „Wie? — Tagte Launcelot; keinen andern Grund weifs er anzugeben?” „Ich bin mir wahrhaftig keines anderen Grundes, den er haben könnte, bewufst. Meine Aufführung wird gewifs niemand tadeln; und im Dienfte bin ich ebenfalls nie lau gewefen. Ich darf mich auf meinen ganzen Sprengel, dem*ich nun volle Üebzehn Jahre diene, berufen. Indelfen„ jeder hat feine Freunde, denen er belfer will, als einem Fremden; das Ut ganz natürlich. Ich will nun mein Glück in London verfuchen, und vertrau’ auf Gott; er wird meinen Kindern helfen.” „Launcelot antwortete nichts weiter, ritt nach Haufe, und erkundigte lieh ge« nauura desKapellans — Jenkins hiels er— Lebenswandel. Er erfuhr allenthalben s dafs, er der iiebreiehlte, thatigfte, fromm» 2 ==“=^ fte Mann in der ganzen Gegend fey, an dem alle mit kindlicher Liebe hingen. Stracks iiefs er den Geistlichen, dem die Pfarre verfproehen war, hohlen, und er- fuchte ihn, den allgemein beliebten Kapeh lan im Dienfte zu behalten. Tootle, —■ to hiefs diefer entfchuldigte ficli, und erklärte , dafs er diefen Dienft wirklich fchon einem anderen ' bewährten Manne verfproehen habe. Gut, erwiederte Laun- celot, fo imifs ich dem Mann’ auf eine andere Art zu helfen fuchen. Denfelben Nachmittag ging er zum Kapellan hinüber, und fagf ihm : Ich bin nicht im Stande gewefen, Sie zum Kapellane zu mähen: ich wi|l Ihnen denn die Pfarre felbft geben, Sie follen ße haben.” — Gesagt, gethan; und Jenkins ward Pfarrer zum wahren Troff und Vergnügen der Gemeinde,” „So war’ es immer gut gegangen; ‘aber feine Grofsmuth überßieg bald die Schranken der Klugheit, und er ward aus edlem Triebe beynah’ ein unfinniger Friedens* ftörer.” %ßo zwang er 5 ?um Beyfpiele, den Sofm — sy eines reichen Pächters, der ein gemeines Mädchen zum Falle gebracht hatte, mit Gewalt* fie zu heirathen. Es fchien zwar nach allen Umltänden, dafs ihr jener die Ehe verfprochen habe ; aber nach dem Gefetze wars nicht bewiefen. Ihre Altern nahmen zu Launceloten ihre Zuflucht; er liefs den Thater hohlen , und trug ihm drej hundert Pfund zurAusfteuer an, wenn er das Unheil, das er angerichtet hätte s wieder gut machen wollte. Der Kerl moch« te nun heimliche Abfichten vermuthen, oder auf fein Geld ftolz thun; er fchlug einmahl den Antrag aus , und fagte * die Geldbufse wplF er zahlen, aber kein Squire in der Welt könn’ ihn zwingen* die Kuh mit dem Kalbe Zu nehmen. In- deffen, was half ihm fein Trotz?— Inei= ner Stunde hatte der Pfarrer den Befehl * das Paar abzukanzeln, und in einer Wo« che waren fie verheirathet.” „So trieb es der Junker fort, als ob er allem Unrecht’ auf allen Wegen fteuern wollte. Klagte ein Weib über das Betragen ihres Mannes, fo nahm er die ßreng* lie Untedüchung vor* und hielt dem fchul* dig befundenen eine ftrenge Strafpredigt. Fromte feine Lehre nicht, fo nahm er felbft die Ausübung der Gefetze auf lieh, und prügelte den Thäter weidlich durch. Auf diefe Art gerieth er in taufend Rechtshän* del, die ihm hoch zu flehen kamen.” „Am unerträglichften war ihm auch nur der geringfie Schein von Unterdrückung. Es ift gewifs, dafs er ein Mahl über zwey hundert Meilen gereift ift , weil er wufste, dafs irgend wo eine Perfon durch Rechts* kniffe gekränkt werde.” „So ift er alfo wirklichfiel ihm Eer» ret ins Wort, „w v ie ich gefegt habe, ein Friedensftörer, und mufs nach dem Statute geigen die Landftreicher belangt werden.” Tom antwortete ihm nur mit einem verächtlichen Lächeln, und fpitzte fchon den Mund, um feine Gefchichte fortzu- fetzen. — Da unterbrach ihn ein wieder* hohltes wildes Stöhnen, das aiis. der Kammer gehört wurde, in der des Stalimei« fters Körper beygefezt worden war. Die Wirthinn nahm das Licht, lief hin* <§ip» und der Wundarzt mit der ührigeii Gefellfchaft nach. Was war es ? — Das werden wir hören. V. KAPITEL» V- JBeJchlufs der Erzählung, Sie fanden den Stallmeifter, der auf dem Kücken lag, und den der Alp fo fürchterlich drückte, dafs er nicht nur höhnte und röchelte , fondern dafs ihm fogar der Schweifs vom Geflehte rann. Die Unordnung im Gehirne, die diefer Druck ver.-? urfachte, und die Angft, die er kurz vorher überftanden hatte, veranlafsten einen erfchrecklichen Traum. Es kam ihm vor, er werd’ eines Diebftahls wegen zum Hochgerichte geführt. Als er nun über dem Hereinlaufen erwachte, undfo viele Men- fchen erblickte, meint’ er in dem Taumel des Halbfchlummers , dafs fein Traum wirklich in Erfüllung gehe. Befonders be« ilätigte ihn Ferrets Geftalt, die ihm zu» erft in die Augen fiel, in feinem Wahne.$ 9 © denn Ferret hatte allerdings das Aus Fe- hen eines Handlangers der Gerechtigkeit» Er war daher ganz in Verz weiflung , fprang aus dem Bett’, ergriff ein irdenes Gefafs, das uns der Wohütand nicht näher be- fchreiben läfst, und fchlaudert’ es mit fol- chem Grimme gegen Ferrets Vorderkopf, dafs zwey fo harte Körper gewifs Feuer gegeben haben würden, wenn diefer nicht dem Wurfe durch eine gefchickte Wen» düng zu entkommen gewufst hatte. Der Capitän hielt dem Stallmeifter bey» de Arme'feft, und fchrie: „Verdammt! — Ich will euch gewifs das Kabeltau kürzer machen, wenn ihr fo an einander laufen wollt.” Nun erhohlte Geh der Stallmeißer, rifs feine kleinen .Augen auf, fo weit er konnte , und fagte : „Sapperment! da hab’ ich einen garßigen Traum gehabt; denn es kam mir vor, als würd’ ich nach New- gate gebracht, und der abfcheuliche Kerl wollte mich an den Galgen hängen.” Ferret merkte wohl, dafs er mit diefem kräftigen Ausdrucke gemeint fey, und ffchäumt.e vor Bosheit» „Nichts natürlF- ----, 9 * eher,” Tagte er, „als dafs ein Schelm yom Galgen träumt; aber nur Geduld !' Wir werden den Tag noch erleben, dafs der Traum in Erfüllung gehen foli, und dafs man das Land von folchem Gefindel reinigen wird. Was foll aber aus dem gemeinen Manne werden, wenn die Vornehmen fo ein zügellofes und ehrvergeffenes Leben führen!” Der Waffenträger hätt’ ihm gern geantwortet , aber die Wirthinn beredte ihn, noch ein wenig zu fchlummern, und ver- fpracli ihm , dafs der Speckkuchen bald fertig lejn falle. Darauf gingen die Gäfte wieder in di$ Küche, und Tom Clarke fetzte feine Erzählung fort. „Sie erinnern lieh noch, meine Herren, dafs ich Ihnen einige Beyfpiele von des Junkers närrifcher Grofsmuth erzählt habe ; Ich will ihnen von den unzählbaren, die es gibt, nur noch eines erzählen, das feinem Verßande den letzten Streich verletzte. In einem nahen Städtchen war ein Gerichtsfehreiber , dem die Richter für finen Verbrecher , bey de den Unterfu« 9% —-— clmng Geh mildernde Umftände gefunden* einen Begnadigungsbrief mit unäusgefülb fern -Nahmen gelaffen hatten. Von diefem. Verbrecher forderte der Gerichtsfehreiber nun eine Guinee ; dann wolf er feinen Nahmen hinein fetzen , Tagt’ er , fonlt nicht.,Der arme Schelm konnte die Guinee nicht bezahlen , und ward — obfehon er nur aus dem Fenfter eines Schüllers eine, Sanduhr ge [fohlen hatte — an den lichten Galgen gehangen, Gott im Himmel l —* fchrie Launcelot, als er davon Nachricht bekam, — folche Mepfchen gibt es! So ohne alle Rettung ift die Unfchuld verloren S — Dabey rannt’ er wie «nfirmig das Zimmer auf und nieder. Mit einem Mahle war nun der fonderbarlte Vorfatz in fei« nero Kopff gefafst, den nichts mehr hätte hinaus jagen können. Seine Fantafie war »un, fo verrückt, dafs , wenn ein Statut Sie yerfiehen mich meine Herren — Doch darüber will ich mich nicht naher heraus lallen. Die Bedienten io Greavesburyhall waren nicht wenig beftürzt s als Launcelot in die Familienrüftkammer ging , und $ine vollftändige Rüfiung heraus höhlte s die einer feiner Ahnherrn, Marmaduk© Greaves, der im Kriege fein Leben ein» gebiifst, getragen hatte.” „DieRüftung ward gefegt, aüsgebefFert, uiid auf des Junkers Leib gepafst» Endlich kam ein Ritter, den ich nicht nennen, mag, mit zwey anderen Fremden, ihn zu befuchen. Am Abende des St» Georgtages brachten fie die Rüftung in die Kapelle, und Sir LaunCelot blieb mit un- erfchrocknem Muthe die ganze Nacht, ganz allein und ohne Licht darin , ob- fchon allgemein die Sage ging, dafs es in der Kapelle fpuke ; denn des Squires Uralter - Vaterbruder hat lieh darin —- den Hals —- von einem Ohre zum andern abgefchnitten, — und — auf dem Altar- tifche -— hat man ihn gefunden,” Clarke veränderte bey diefer fchauerlichen Stelle merklich feine Farbe, und die Zähne klapperten ihm ein wenig» Eben fö ward Dolly todtenblafs, und rückte näher an den Camin. Clarke zwang lieh über ihre Furchtfam- keit ein kleines Lächeln ab, und fuhr fort. „Während der Junker in der Kapelle 94 ' betfiete, oder, was er Jfonftgethan haben mag, fchritt der andere fey erlich und langfam, wie ein Geift, von aufsen um die Kapelle herum., und hielt in der rechten Hand ein gezücktes Schwert. Es verrammelten lieh mehrere Leute, die mit Angft und Schrecken zufahen, und nicht begreifen konnten, wo es hinaus wollte. So bald der Tag anbrach , fchlofs er die Kapellenthür auf, ging zu Launceloten hinein» und las ziemlich lang’ in einem Buche, das man nachher für das Gefetzbuch der fahrenden Ritter hielt. Darauf hörten wir einen lauten Schlag, von dem die ganze KapelP erklang, und der Fremde fprach vernehmlich diele Worte dazu: Im Nahmen Gottes, St. Michaels, und St. Georgs fchlag’ ich dich zum Ritter. Sey getreu ; tapfer, und glücklich! — Sie haben keinen Begriff, meine Herren, von dem Eindrücke , den diefes Gepräng’ auf die Zufeh er machte. Sie fahen lieh einander mit heimlichem Entfetzen an, und als lieh Sir Launcelot in voller Rültung zeigte, liefen lie alle davon. Mich feibft warf das Gewimmel zu Boden, und eben fo feinen ■-' 95 jetzigen Waffenträger oder Schildknappen, Diefer war fo erfchrocken, dafs er lieh nicht aufrichten konnte, und fo gewaltig fchrie, dafs Launcelot zu ihm hin- trat ,und ihm mit dem Speer’ einen fo tüchtigen Hau über den Rücken gab, dafs er wie ein Haf’ in die Höhe fprang.” „Ich mufs bekennen, dafs es mich felbft erfchütterte, als ich eine folche Geftalt, da es noch kaum dämmerte , und die Morgenluft fo kalt war, aus der Kapellenthür treten fah; aber ich hatte mich augenblicklich wieder ermannt. Launcelot und der Fremde gingen darauf in den Stall, ynd der Junker liefs fein fchönftes Pferd, einen edlen muthigen Fuchs, mit reichem Ge- fchirre belegen und fatteln. In demfelben Augenblicke waren die beyden Ritter, und die zwey anderen Unbekanntendie der Fremde mitgebracht hatte, und die, wie man nun fah , Trompeter waren , zu Pferde. LauncelotsWaffen waren fchwarz lackirt , und im Schilde führt’ er einen Mond im erltenViertel, mit der Auffchrift: Impleat orbem.” „Nachdem die Trompeter einen Stof« io die Trompete gethan hatten, fchrie der Fremde fehr laut: Gott liehe diefem Ritter in allen feinen ehrenßrersgen, mannhaften Thaten bey, und Itärke die Sehnen feines neu erkiefenen Hengßes , den ich hiermit Btonzomarte nenne, damit er an Muth’ und Schnellkraft weder dem Bayar- do, noch dem Bdgliadoro, noch fonfl einem in der ehemahligen und noch lebenden Ritterfchaft nachftehen möge! .Nun ßiefsen die Trompeter noch ein Mahl ^ und alle vier gaben den Pferden die Sporne. Sir Launcelot legte den Speer ein» und fo gallopirten alle wie unfinnig unter einander herum.” „Übrigens iäfst lieh nicht begreifen $ warum der Junker gerade diefen Kerl zum Schildknappen genommen habe ; denn vom ganzen Gelinde taugte niemand weniger dazu, als er; Er heifst Timothy Crabfhaw, und war Sir Everhards Hunde wärter. Sein Ausfeheh iß drollig genug \ er war aber bey allen Bedienten, feiner Dummheit, und feines lofen Maules wegen, übel gelitten. Er iß von Gliedmafsen fo ßark als ein Bär * und doch dabey fo '. w furchtfam wie ein Hanfe. IndefTen hat., er doch , feit er zur fahrenden Ritterfchaft gehört, nicht nur unglaubliche, fondern wirk* lieh übermenfehliche Thaten ausgeübt.” „Als er von Launceloten den Hau mit dem Speer 5 erhalten hatte, brüllte er wie ein Löwe, dafs jedermann meinte, erhab* Arm* und Beine gebrochen. Sein Weib und feine fünf Kinder liefen heulend zu Launceloten, undLaunceiot befahl ihnen, Ti* mothy zu ihm zu fchicken. Er kam, ftölin* te aber und ächzte den ganzen Weg, und ging krumm wie ein Fiedelbogen.’ 9 „So bald er kam, mufst’ ihm aufgethan werden; Launceiot kam aber mit einer Jagdpeitfche herunter, und fragte, warum er fo jämmerlich ächze.” „Bey mir zu Land’,” antwortete Timothy, „ifts nichts neues, dafs ein Menfch wehklagt, wenn man ihm die Knochen im Leibe zerbricht.” „Wer hätte dir das gethan?” *-* fagte Launceiot« „Wer fonit?” antwortete Timothy, „als Euer Geftrengen, bey ihren gelingen Nar* renkomödie.” (L. Greaves /, Th.) g „Dafür taugt nichts beffer, fagte Laun- celot, als ein guter Schweifs , und ich hab’ ein treffliches Mittel, das dich drein bringen föll.” „Timothy fc hi eite nach derPeitfche, und fagte: Ich will gleich nach Haufe gehen, Ihr Geftrengen, und will ins Bett kriechen ,*Das hats nicht Noth ,* erwiederte Laun- celot; z\i was er ff den weiten Weg? — Hiermit fchwang er die Peitfche fo wacker Um die Ohren des Ächzenden, dafs er augenblicklich feine Lähmung vergafs , und mit aller Behendigkeit herum hüpfte. Nachdem ihn Launcelot einige Minuten fo herumgetummelt hatte, Tagt’ er ihm, er könne nun nach Haufe gehen , follte lieh aber morgen wieder einftellen, damit er die Cur wiederhohlen könne. Kaum war das Hausthor offen , fo fetzte Crabfhaw wie ein Windhund hinaus, und gerbte zu Haufe fein Weib, auf deflen Veranlaffung er zum Junker gegangen war, eben fo tüchtig , als er es erhalten hatte. Niemand hätte fich nun träumen lallen, dafs er Och den näch- ßen Tag wieder in Greavesburyhall fehen laffen würde; indeffen kam er doch in al- —- 99 ler Früh*, und war eine ganze Stunde mit Lannceloten allein im Cabinette. Als er heraus kam , macht' er alierley feltfame Gebercen, fchlug Sich vor den Kopf, und fagte : „ift er ein Narr, l'o will doch ich keiner feyn.” Denselben Tag nahm ihn der Junker mit lieh nach Afhenton, und liefs ihn die Livrey anziehen , die er jetzt trägt. Bis lie fertig war, hätte man meinen ■füllen , der Kerl fey wirklich toll. Immerfort flucht’ und lärmt’ er, lief von Alben* ton nach Greavesbury hall, und von Grea- Vesburyhall nach Afhenton zurück, und zankte mit den Pferden im Stalle. Hierauf brachte man fein Weib und feine Kinder in ein kleines Pachthaus, wo lie verforgt werden füllten.” „Endlich beflieg LaunCelot eines Morgens feinen Bronzomarte, und Crabfhaw kletterte auf einen monchen Karrengaul, der Gilbert hiefs. Auch diele Wahl war ein Beweis (eines Wahnliuns ; denn im ganzen Stalle war kein Pferd , das lo viele Untugenden gehabt hätte , als diele Mähre ; und Crabfhaw feibft war öfter als ein Mahl in Gefahr gewefen j fein Leben mit g 2 lOO - ihm einzubüffen. Es fchlug und bifs oft, als hätt’ es den Satan im Leibe ; es halt’ ihn fchon ein Mahl in eine Dornhecke, ein ander Mahl in eine Mißpfütze, und wieder ein ander Mahl in den Bach "geworfen. Auch wett’ ich , dafs er heute nur um diefer Mähre willen in den Flufis gefallen iß.” „Nun zogen fie auf ihr erftes Abenteuer aus. Sie verliefsen die Landßrafse, und ritten den ganzen Tag, ohne dafs ihnen etwas Merkwürdiges vorgefallen wäre* Dafür waren fie den folgenden Tag glücklicher. Sie ritten über ein Feld^ auf dem man eine Jagd hielt. Die Hunde fetzten mit lautem Gebell’ einem Fuchfe nach, und unfer Stallmeißer war nicht faul , kneipte feinen Karrengaul in die Lenden, und ritt, wider den ausdrücklichen Befehl feines Herrn, nichts ohne feinen Auftrag zu unternehmen, gerad 5 auf die Hunde zu, und über die Spur. Der Jäger war nicht weit von ihm, und gab ihm mit feiner Gert’ eine fo merkliche Erinnerung über den Kopf, dafs ihm alles vor den Augen tanzte. In weniger als einer Minute waren IO! 2*«£VV9 alle Jagenden um ihn her, und arbeiteten mit ihren Jagdpeitfchen auf ihn los. Sir Launcelot ritt auch zu ihnen , aber anttatt feinem armen Schildknappen beyzuftehen, fprach er den Jägern vielmehr zu, den Muthwillen gehörig zu züchtigen , und von diefer Leibesübung nicht fobald ab« zulaffen. Als Crabfhaw fah, dafs man ihn* fo übel mitfpiele, und fein Herr, auf def» fen Tapferkeit erheb einzig und allein verladen hatte, gar keine Miene mache, als ob er ihm beyftehen wolle, fondern fei» nen Feinden vielmehr Muth einfpreche, gerieth er in die äufserße Verzweiflung, ergriff feine Feitfche, fchlug voll Wuth um lieh, und tummelte fleh mit Gilberten tapfer herum, Diefer war auch nicht faum* felig; denn einige Ehrenbezeugungen, die dem Reiter zugedacht gewefen waren , hatten ihn getroffen: er bifs daher, und fchlug hinten und vorn’ aus, und entkam endlich glücklich aus dem Kreife. Zum Abfchiede hatt’ er aber grft dem Jäger ein Bein entzwey gefchlagen, eines von den bellen Jagdpferden gelähmt, und ein hat« bes Duzend treffliche Hunde getödtet,’ 0 102 m „Sobald Crabfhaw den Rücken f rej hatte, liefs er fichs gar nicht ein Fallen, auf feinen Herrn zu warten , fondern trabte gerade nach GreävesburyhalL Bis er ankam, hatt’ er kaum mehr die Geftalt eines Menfchen, fo fürchterlich war er entltellt. Er fluchte über Launceloten, fchalt’ ihn gerade heraus einen feigen Menfchen, einen Hafenfufs, und fchwor, er wolle keinen Tag mehr in feinem Dienfte bleiben. Ob ihn nun fein Weib auf andere Gedanken brachte, oder ob er feibft feine Erbitterung fahren liefs, weifs ich nicht; genug, er fattelte den nächften Morgen bey Tages Anbruch feinen Gaul, und ritt fort, Launceloten aufzufuchen, der eben darauf umging, eines der wiehtigften Abenteuer zu belieben.” „Launcelot ftiefs männlich, mitten auf einem Landweg’ auf einem Trupp neu geworbener Soldaten, beyläufig vierzig Mann ftark, die ein Feldwebel comman- dirte. Überdiefs waren auch ein Corporal und ein Trommelfchlager dabey. Diefer hatte die Trommel über den Rücken hangen , als er aber die fonderbare Geftalt i 10 3 auf einem muth igen H e ng ft’ ankommen fall, wandelt’ihm die Luft an, feiner Gefellfchäft ein Feft zu machen. Er nahm denn feine Trommel herunter, hing fie zurecht’, und begann Lärmen zu fchlagen. Dabey mar- fchirt er fort bis unter Bronzomartens Na- fe. Ey verdammt! — fchrie der Corporal»* was ift euch das für ein närrifcher Kerl ? — Ifts der alte König Steffen aus der Reite- reyrüftkammer in Tower, oder der eiferne Mann, der beym Aufzuge des Lord Mayor erfcheint ?” „Der Hengft fehlen am Trommelwirbel eben fo viel Freude zu finden, als die Neugewonnen, und äufserte fie durch aller- ley Sprünge und Satze, die aber unfern Ritter gar nicht aus der Fällung brachten» Nur ward er über diefe Unhöflichkeit mifs« vergnügt, und redete den Feldwebel an» Mein guter Freund, fagte er, Sie müffen Ihren Trommelfchläger belfere Lebensart lehren. Ich würde den Kerl auf der Stelle züchtigen, wenn ich nicht dqs Königs Soldaten ehrte.” „Ey hohl’ ihn der Henker mit feiner Lebensart»” antwortete diefer ungezogene m i»4 . Commandant; ,,meint er, fein zinnener Kachttopf auf dem Kopf’, und feine lackir- te Schitffel am Arme fallen uns Furcht ein- jagen? Packt euch zu allen taufend Teufeln, oder ich will euch mit meiner Hellebarde eure alte Tartfehe Ib tüchtig durchklopfen, dafs ihrs lebenslang empfinden follt,” Gerade als der Feldwebel diefe fchimpf- liche Antwort ausftiefs, langte auch der Schildknapp auf feinem edlen Gilbert bey den Zankenden an: „So, du Schurke,” fchrie Launcelot, 9 ,fo hall du deinen Herrn iin Stiche gelaffen? —i Komm, fchmettre dem Buben da die Trdmmel entzwey.” Crabffaaw fah am Trommelfchläger kein ander Mordgewehr, als den Säbel, und dachte, dafs er diefen nicht ziehen würde; überdiefs hätt 5 er auch gern eine Probe der Tapferkeit abgelegt, um Laun- celoten über feine fchändliche Flucht von der Fuchsjagd zu befänftigen; er war daher willens , gerad’ auf den verwegenen Trommelfchläger los zü reiten, und ihn über feine That zu züchtigen; aber Gil- 1(J5 bert, der keinen guten Ausgang diefes Lär- mens erwartete, fpitzte die Ohren, Hemmte fich mauerfett an , undbeftand auf dem Vorfatze, nicht einen Schritt von der Stelle zu gehen. Crabfhaw kehrte dem Trom- melfchläger daher den After feines Gilbert zu, und kneipt’ ihn hinter die Ohren. Das konnte Gilbert nicht leiden, feuerte hinten aus, und fchlug nicht nur die Trommel d urch und durch, fondern fchleuderte auch den armen Trommelfchläger, der nicht von befonderer Leibeslänge war, mit einer tüchtigen Quetfchung am Hüftknochen in den Koth. Kaum fahen die Neuangeworbnen die- fen kläglichen Flug ihres Mufikanten, fo bewaffneten fie fich mit Steinen. Der Feldwebel ftelite fich mit feiner Hellebarde zuf Wehre, und im Augenblicke ward ein hitziges Treffen geliefert, Timothy hatte nun vom Leder gezogen, und hieb wie ein leibhafter Teufel um fich her, aber, es währte kaum ein Paar Augenblicke, fo empfing er eine ganze Ladung von Steinen , von denen ihm ein derber zwey Hauer aus dem Mund’, und ihn felbtt zu f so 6 Boden fchlug. Da lag er nun , und alle feine Feinde waren mit gefchwungenen Prügeln über ihn her. Er würde diefs Mahl gewifs feinen Geiß aufgegeben haben, wenn lie nicht fb dicht an einander gedrängt gewefen wären, und einer den andern verhindert hätte, wodurch er manchem tödtlichen Streich’ entkam.” ,,Sir Launcelot konnte diefe niedrige Behandlung feines treuen Crabfhaw nicht anfehen; da er es aber für feiner unwürdig gehalten hätte, feinen Speer mit diefe m unreinen Pöbelblute zu beflecken, ergriff er ihn bej der Mitte , anßatt ihn förmlich einzulegen , und zertrümmert© die Hellebarde, die der ungefchliffne Feldwebel wie eine Brußwehre vor fich^ aufgepflanzt hatte, mit einem Schlag’ in Stücke. Der zweyte Streich, den er führte, traf den Vorderkopf, der aber von einer fo harten Maffe war, dafs er Widerßand lei- Ctete, und keinen Schaden litt; der dritte aber, der den Rippen galt, warf feinen Gegner ohne Weiteres der Länge nach nieder. So bald er nun den Anführer überwunden hatte, eilte er feinem Schildknap« 107 pers zu Hülfe, und gebrauchte fich feines Gewehres fo mannhaft, dafs er die Feinde alle in die Flucht fchlug * bevor de den gefallnen Crabfhaw vollends zermalmen konnten.” . „Der Corporal hatte bey der ganzen Schlacht den Kiügfien gefpielt, und war, fo bald fie angegangen hatte, über den Zaun gefpruogen, um den Conltable des nächften Ortes zu hohlen. Der Friedensrichter kam all6 mit feinen Leuten eher an, als Crabfhaw feinen Gilbert wieder beiteigen konnte, und der Corpora! überantwortete den Ritter und feinen Stall- meifter als zwey Strafsenräuber. Der Com ftable hatte aber über Launcelots iinge- gewöhnlichem, kriegerifchem Ausfehen aL len Muth verloren, und war in einer fol. eben Herzensbangigkeit, dafs er es nicht wagte, näher zu treten, fondern immer in einer Entfernung flehen blieb, und nur fein Amtszeichen wies, durch das er dem Ritter zeigte , dafs er die Perfon Seiner Majeftät, des Königs, leibhaft vorftelle.” „Lau nee Io t, der die Augft des armen Wichtes deutlich bemerkte , verficherie lö$ a===s=25===a» ihn, dafs erlich vielmehr beßrebe , die Lan- desgefetze in Ausübung zu bringen, und dafs fovvohl er als fein Stailmeifter ihm folgen wurden. Zugleich überantwortete er ihm aber den Feldwebel und den Tronic melfchläger, als jene, die ihn zuerlt be» läftigt, und Zank angefangen hätten. Der Friedensrichter war Schmarotzer eines Mannes von grofsem Adel, der am Hofe diente , meinte alfo diefem einen grofsen Gefallen zu erweifen , wenn er der Militz den Vorzug gäbe , und wef gerte lieh denn, den Ritter in fein Haus zu laffen, bis er dem Conftable fein Gewehr abgegeben hatte. Er verlangte, lie follten Bürgen fchaffen oder mit ins Ge« fäognifs gehen, und nur mit aller Mühe war er dahin zu bringen, dafs er dem Con«* ftable, der ein Wirthshaus hielt, und für die zwey Perfonen haften wollte, gehaftete , fie fo lange zu fich zu nehmen, bis der Ritter feinem Verwalter gefchrieben haben würde. Unterdeffen merkte er lie als Friedensftörer vor , und vergafs ja nicht, dem Feldwebel und demTrommel- fchlager ins Ohr zu fliiltern, dafs lie ein «==£======= lOp oahmhaftes Sümmchen erhafchen könnten , wenn fie Launceloten wegen eines ge waltfamen Angriffs auf offner Heerfiraf« fe bey Gerichte belangten. Indeßen waren diefe Herren den Gerichtshändeln nicht fo geneigt, als es der Friedensrichter feyn mochte; denn als fie beym Verhör’ erfuhren, dafs Launcelot wirklich ein anfehnlicher Gutsbefitzer wäre, hatten fie andere Gefinnungen gefafst, und befchloffen, lieh mit dem Ritter in Güte abzufinden. Der Feldwebel ging al- fo in des Conftable Haus, wo der Ritter war, und demiithigte, und bücktefich vor ihm, und vermaß* fich unter taufend Flüchen, dafs er den vertrackten Trommel- fchläger felbft auf den Kopf getroffen haben würde, wenn er gewufst hätte, dafs Seine Gnaden ein Edelmann feyen ; indeffen, mein ’er, habe der Kerl hinlänglich ge« büfst, da er vermuthlich lebenslang Krüppel bleiben werde. Launcelot war nun befänftigt, und von dem Schickfale des Trom melfchlägers gerührt; er nahm es daher über fich, den Kerl zu verforgen. Der Vergleich ward 119 gefchloffen, lind der gerichtliche Verhaft' aufgehoben’; der Corpora! rnufste die Neu- angeworbnen weiter fuhren, und Laun« celot begab fich, vom Feldwebel und dem Trommelfchlager begleitet, nach Graves- buryhall zurück.” „So ftanden denn die Sachen in. Greaves- buryhall ungefähr vor einem IVIonathe „ als ich mich nach Ferrjbridge begab, wo ich auf meinen Herrn Oheim ftiefs. Diefs fcheint mir nun allem Anfehen nach das erfte Abenteuer auf feiner zweyten Fahrt zu feyn; denn diefes Wirthshaus hier iß von Greavesburyhall gewifs nicht über achtzig oder neunzig Meilen entfernt.” VI. KAPITEL. Der Lefer wirdfin [en , dafs auch der Wahnßnn ein erbliches Übel iß . ISfun hatte Tom Clarke feine Erzählung foefchloffen, und der Wundarzt dankte ihm für die gütige Mittheilung derfelben: Ferret aber zuckte mit ftumraera Tadel die Achfeln. Crowe pflegte zwar fonft über ähnliche Auftritte mit einer ganzen Lage von Am merkungen, die wie Kettenkugeln zufam- men hingen, loszubrechen; diefs Mahl fah man aber eine ganz entgegen gefetzte Wirkung. Er Iprach nicht ein einziges Wort, fondern zündete fich eine neue Pfeife an, und trieb fo dichte Wolken Tabackrauch in die Höhe, dafs die ganze Küche im Augenblicke mit Dampf’ erfüllt , und feine Perfon allen übrigen von der Gefellfchaft unfichtbar war. Indeffen, obfchon ihn ihre Augen nicht fahen, bekamen doch ihre Ohren bald etwas von ihm zu hören. Anfangs hörte man ein un- iiarmonifches Getön’, an dem der Wundarzt das Schiffgelächter erkannte; dann vernahm man auch folgende Worte : ,, Schöner Zeitvertreib ! — Edel! —> Grofs! —- Alles Unglück in meine Segel» ßangen und meinen Topmatt 1 ■— Grofse Lutt hätt’ ich! —- Warum auch nicht? — Habe manche Ichlechts Reife ™ Zerlchlagf 112 ' - mein Bogfprief, wenn ich nicht willens bin! — Er hatte nun mit dem Dampffpeyen nachgelaffen, und fo bekam man denn vorerft die Spitze der Nafe zu fehen; da er aber leine Perücke vorne herüber ge* worfen hatte, dafs lie über die Stirne bis an die Augenbraunen herunterhing, fo bildete lieh ejne gräfsliche Geftalt, als fähe inan die leibhafte feuerfpeyende Chimära des Älterthums vor lieh. Ob» fchon er aber fo fürchterlich ausfah, war doch bey weitem keine Erbitterung in fei* nem Herzen, er war vielmehr mit einem geheimen, angenehmen Spiele derFanta- fie befchäftigt. „Hört ein-Mahl, Herr Doctor,” fagt* er zum Wundarzte, „ meint ihr nicht , dafs auch ein anderer Mann, der nicht eben ein Lord oder ein Baron, oder aus fonft irgend einem hohen Stand’ und Range wäre, ein Mahl zum Spafs’ auf die Landßrafse zu, oder querfeldein durchs Land heuern dürfte? — Bruder, ich habe grofse Luft, hört ihr! — Hätt’ auch ein Verlangen, eine Zeit fo anmuthig herum 2ü kreuzen , wie ein fahrender Ritter,” ; — „Das verhüthe der Himmel!” fagteTom Clarke, während ihm abermahl die Äugen inThränen fch warn men; „was kommt Ihnen da wieder in den Kopf, Herr Oheim? —- Lieber wollt’ ich, Sie wären todt! ” — „ Da gab’ es dann fo etwas zu flfchenj nicht wahr Burfche? — Denktt du, ich. folite mich lieber zuf langen Reif in Be* reitlchaft fetzen ? ” —- Tom betheuerte ihm,dafs er mit Poleigennützigen Abfichten nichs zu fch affen habe, dafs es ihm aber Kummer machen würde, wenn er etwas unternehmen föllte, was ihmfelbft oder der Familie Schande brächte. „Und ich erklär’ es noch ein Mahl Tagte er, „dafs ich lieber meinen Geilt aufgeben, als erleben möchte, dafs man Sie für non compos hielte,” *>• „Ey, dafs du denn verdammt wärelt,” fchrie Crowe, der nun Ichon fehr erbofst War; — „du liederlicher, ungetakelter Baftard du! — Willlt du mich Rechnung führen, und den Compals kennen leh* (L, Greavts /. Th.) h ii4 “- - —■" yen? Kerl, du mufst nur wiffeü, dafk ich meine Rechnung verftand, und mei* neu Compafs konnte, bevor du noch an dem Stapel gebraucht warft.” » 5 Aber Heber Gott! bedenken Sie doch* Herr Oheim, was die Weit davon Tagen würde. Die einhällige Stimme würde ja feyn, dafs Sie den Verftand verloren haben. ** ,, Gib dich doch nur zufrieden, Tom !* fagte Crowe, dem feine unter einander gerüttelte Fantaße den ganzen Kopf fchon. fo befangen hatte, dafs er über und über roth war; — ,,ich will ja in diefem Ge« wälfer nur ein Paar Mahl auf und nieder fahren. Siehft du-—den Verftand verloren! — Ey dafs dich! — Die halbe Fiation hat ihn ja verloren 9 und die Hälfte, die noch übrig ift, hat auch nicht großen Troft mehr. *— Wenn fo viele närrifche Streiche fpielen, fb wird es mir doch auch mit unter erlaubt feyn! 55 — Indelfen zog er diele Saiten nur um feines Neffen willen auf; denn im Herzen hatt* er eine wirkliche, warme Ehrfurcht vor dem Zweck* der Ritter, und eine heiße. Liebe zu Junker Launceloten um feiner Thaten willen gefafst. Diefe Empfindung nun, und der Kampf feines rohen Ver- ftandes gegen das dunkle Bewulstfeyn des Lächerlichen einer folchen Unternehmung hatten ihn in einen Taumel geftürzt, aus dem er lieh nicht zu helfen vvufste, und in dem er blind forttappte. Auch mufs man lieh ins Gedächtnis zurück rufen, dafs er von der Welt gar keine Kennt- nifs befals, indem er auf dem Schiff’ erzogen war, und all feine Lebenszeit dar-» auf zugebracht hatte. „ Wie getagt, Herr Doctor,” fuhr er fort, „ich wär 5 Ihnen recht vielen Dank fchuldig , wenn Sie mir ein wenig an die Hand gehen, und lägen wollten, wo man diefes Ta- kelwerk zu kaufen kriegt, das io ein Ritter vonnöthen hat. Was die hob , mit Eilen befchlagene Stange betrifft, aa- Jfiatt diefer mag mir wohl ein tüchiiger Bootshaken hinreichen; für den Schild eine zinnene Leuchterplatte — — ein SchlolFer würde mir allenfalls aus einem alten melfingenenKeffel einen Helm fchnei - 1 den| aber mein Gaul • halt! wie Ibll h 2 der heifsen ? — Richtig, wie mein Schiff heifst — Mufti” Filiet war einer von den gar argen Spafsmachern, die ihr Schnippchen zu fchlagen willen, ohne nur den Mund zum Lächeln zu verziehen. Er fah, dafs ihm die /änderbare Neigung, die den alten Schiffshauptmann befangen habe * eine herrliche Unterhaltung verfchaffen könne; und zugleich fielen ihm auch verfchie- dene gute Mittel ein, ihn von diefem lächerlichen Entfchluff’ abzubringen. Er gab daher mit der einen Hälfte des Ge- fichts Tom Clarke einen Wink, und mit der andern Hälfte wendete er lieh mit aller Sitt/ämkeit gegen den Capitän. „Wie weit ifts denn auch von hier nach Sheffield ?” Tagte er. „Dort können Sie /ich in einem Paar Stunden vollkommen nach Recht und Pflicht herltellen. —Dann lieht es nur bey Ihnen, wie bald Sie Ihren Stand .wollen antreten können. Dafs Sie ihre Rüftung in irgend einer Kirch’ oder Kapelle bewachen, und lieh dann zum Ritter fchlagen lallen muffen , verficht lieh von felbff Diele Ceremonie können Sie ^ lx y Btfö nach Belieben, von wem immer» vornehmen laßen. Man findet in den achtelten Gefchichtefr, dafs viele Ritter die nächfte belle Perfon gezwungen haben, fie durch einen Streich über die Schulter zum Ritter zu fchlagen. Wenn es Ihnen an fleht, fo mach’ ich mir ein Vergnügen daraus, Ihr Pathe zu werden; auch hoff’ ich, dafs es mir gelingen foll, Ihnen die Schlüffel zur nächften Pfarrkirche zu ver- fchaffen. Über diefs ift heute St. Martins Abend.” „Aber,”fagte der Hauptmann, „ifts denn eben nothwendig, dafs ich mir erft eine Riiftung zufammen kalfatern laffe ? ” —■ ,, Was fön ft ?” — antwortete Fillet; „wer würde Sie fonft für einen Ritter erkennen? Dann erft würde man Sie für einen Frie- densftörer oder Landftreicher halten , und Sie könnten in die langwierigften und nachtheiligften Verdriefslichkeiten ge« rathen.” „Recht, Bruder,” Tagte Crowe; „ich mufs meine Flagge haben; dann kanrt ich nach Belieben darauf los fteuern.” —» „ Ohne, auf den Cothpafs des Gerichts. j j g zw felien fagte Fillet. ,,Aber ich den$fe y wir könnten dazu gleich Ritter Launce« lots Rüftungborgen,” -> Diefer Einfall gefiel dem SchifFscapitän; er fprang auf, legte den Finger auf den Mund, damit (ich die übrigen Hille hielten, und tappte ziemlich laut auf den Zehen an des Ritters Kammerthür, und horchte, ob er nochfchfafe, oder fchon erwacht fey. Diefe hutze Zeit benutzte der Wundarzt, um dem Anwald’ ins Ohr zu fagen, dafs es von wenig Erfolge feyn würde, wenn man diefe Fantafie feines Oheims mit ordentlichen Vernunftgründen widerlegen wollte; dafs er aber für das wirk (am de Gegengift halte, wenn man ih n, während er in der Kirche feine Nachtwache hielte, recht beängftigte. Hierzu bath er lieh aber fowohl des Anwaldes als des Menschenfeinds Beyftand aus. Clarke fand den Einfall fehr gut, und bekannte felbft, dafs (ein Oheim zwar allen menfchlichen Gefahren mit uner« fcbrocknem Mutli’ entgegen gehe, aber doch bis über die Ohren im Sumpfe des Aberglaubens decke, worin ihn das 11h* “— 1 -119 smterbrochne Seeleben noch immer mehr befefiigt habe. Ferret, obfchon er gewifs nicht einen Schritt aus dem Wege gemacht haben würde, um dem Schiffscapitän vom Galgentode zu erretten, fand fich doch immer gleich zu allem bereit, wenn einer von feinen Nebenmenfchen gepeinigt werden follte. Er ging fo weit, dafs er gar, die Hauptrolle zu fpielen, über fich nahm. Dazu hätte nun auch keiner fo gut getaugt , als er; denn in dem kleinen Bündel , das er unter dem Überrocke verfieck- te , war unter verfchiedenen geheimen Arzenejmitteln ein Gläschen mit flüfl'igem Phosphorus. Das fchelmifche Kleeblatt verfügte fich nun mit einer Laterne in den Stall, um fich über die nöthigen Mafsre- geln hoch vorläufig ungeftört zu verabreden. Sie hatten kaum den Rücken gekehrt, als der Schiffscapitän mit Launce- lots Rüfiungsßücken herein kam, die er gefchickt aus der Kammer zu entwenden gewufst hatte , ohne den Schläfer zu wecken. Als er hörte, dafs die übrige Gefell f 120 fchaft hinaus gegangen fey, könnt 5 er fern Vergnügen nicht er flicken, fondern mufs*> te der Wirthinn , die mit Crabfhaws Speckkuchen über und über befchäftigt gewelen war, und die vorige Unterredung nicht mit hatte anhören können, fein Vorhaben anvertrauen. So bald er auf den Funct der Pfarrkirche kam, und ihr Tagte, dafs er die ganze Nacht darin ganz allein Wache halten muffe, fuchte fle ihn mit aller Beredtfamkeit von diefem fürchterlichen Entlchluff’ abzubringen. „Das heilst Gott im Himmel trotzenTagte fle , „und fleh felbft muth willig ins Unglück flürzen. Bey meinet armen Seele, die ganze Gegend kreuzt fleh ja , und weifs, dafs es Geifter und Gefpenfter drinnen gibt. Zuweilen hat man fle hell beleuchtet, und wieder ein ander Mahl hat man völlig oben auf derThurmfpitz’ ein Frauenzimmer in fchneeweifsem Gewände gefehen. la einer Ecke der Kirch’ ifl ein ermordeter Menfch begraben; dort hört ma.n oft einGewinfelheraus, fo kläglich, fo fürchterlich, dafs einem die Haare zu Berge ffehn. Ein Mahl bin ich des Nachts gegen 221 zwölf Uhr vorbey geritten; da ift mein Rofs plötzlich am Stege ftill geftanden, und hat gezittert, und gefchwitzt, und ift nicht von der Stelle gegangen, bis ich nicht ein Paar Vater unfer gebethet hatte.” Cr owe gerieth über diele fürchterliche Schilderey fo in Angft und Verwirrung, dafs er die Wirthinn fragte, ob fie das Vater unfer nicht, gedruckt bey Händen habe. Sie gab ihm keine Antwort, fünft er n nahm ihr Gebethbuch aus dem Schranke, fchlug es auf, und gab es ihm hin. Crowe fetzte flugs feine Brille auf, und begann voll Andacht und Eifer zu lefen, oder eigentlich zu buchftabiren. Er hält’ es einige zwanzig Mahl durch« ge lefen, und auswendig herzu fagen ver« fucht, als der Wundarzt mit feinem Gefolge wieder herein kam, und dem See- capitan meldete, dafs er den SchlüffeI. zum Chor’ erhalten hätte, auf dem er die Nachtwache fo gut halten könne, als in der Kirche felbft. Nun war aber Crowe nicht mehr fo ha- ftig, als zuvor. Er nahm der Rüftung wegen einige Anftände; er wollte fleh erft 122 eine Sanne Flip zum Labniffe, und ein, kleines Endchen Licht ausbedingen, und endlich gab er ihnen gar durch ein oder anderes Wort zu verliehen , dafs er von den Gefpenitern wirklich nicht ganz mit heiler Haut abzukommen fürchte. Fillet wendete ein, dafs die Gefetze der fahrenden Ritter die Nachtwache ausdrücklich ohne alle Labung und in völliger Fi nfternifs verordneten, indem er lieh einzig, allein, und ungeftört mit gottfeli- gen Gedanken befchäftigen muffe. Hatt* er aber kein vollkommen reines Gewiffen, und nur im geringlten einige Ahndungen, fo rath’ er ihm mit aufrichtigem Herzen „ alle Gedanken auf diefes Vorhaben fahren zu laffen , da es einem Ritter gar nicht erlaubt fey, auf Furcht zu denken. Grawe fühlte lieh durch diefe Anmerkung befehd mt , und verlor keine Sylbe mehr y fondern lud die ganze Rüftung auf feine Schultern, und begab lieh an den Ort feiner grauenvollen Prüfung, wohin ihm fein treuer Neffe mit einer Laterne leuchtete. Als fie zur Kirche kamen, fperrte Fillet mit dem Schlüffel, den er vom Kälter, • — i'm der fein Patient war» bekommen hatte, die Thür auf, 'führte den Lehrling mitten vor den Chor, und hiefs ihn , da die Rügung niederlegen. Darauf Tagte er , Crowe folle den Hirfehfänger ziehen , lieh ftand- haftund unerfchrockenhalten , und feinen Stand fo wohl, als feine Pflichten immer vor Augen haben. Sofort empfahl er ihn dem Schutze des Himmels, und verficher* te ihn» dafs er mit Tages Anbruch 5 er- Ich einen, und ihn dann, fey es nun todt oder lebendig, finden werde, um die Ce* remonie mit dem Ritterfchlage gehörig zu vollenden. Nun drückte fo wohl er als feine Gefährten den Seemann bey der Hand, und fo nahmen fie den zärtlich flen Abfchied , vorfetzlich mit beforgnifsvol- len und abgebrochnen Worten, von ihm. Der Wundarzt leuchtete ihm noch ein Mahl mit der Laterne unters Gefleht, und —es war todtenblafs. Ehe fie unter einem fchauerliches Geknarre die Thür ganz zugefchlagen hatten, fchrie Crowe : „Holla! —• Dotier, nur nur noch ein Wort/’-— Sie kamen zurück, fragten ihn, was er wol- 124 - le, und fanden ihn fchon in vollem Angft. fchweifse. „Höre, Bruder,” Tagte er, undwifchte |ich die Ströme Schweifs von Stirn’ und Wange ; „ich denke, man dürfte doch wohl zum Zeitvertreib’ irgend ein trauriges Lied fingen.” „Behüthe und bewahre, ” Tagte Fillet; „das hiefse fo wohl den Ort, an dem Sie diefe Nacht zubringen werden, als die YeranlafTung , die eigentlich eine Art von Gottesdienft’ ift, mit Frevel entheiligen. Hoch Rens dürften Sie einen Lateinifchen Pfalm, wenn Sie irgend einen auswendig wißen, herfagen.” „O dafs ich einen wüfste!” — Tagte Crowe, dem nicht anders zu Muthe war, als ob er auf der Folter mit Fackeln gebrannt würde — „aber ich habe diefes Buch nie gelefen! — O halt’ ich mich doch ein andächtiges Stück fingen lehren laßen ! Aber das ift nun ein fruchtiofer Wunfch, Bruder!—• Wenn Wir nicht vor dem Winde fahren können, fo müßen wir den Wind langen. — Wenn man nicht fingen kann, mufs man bethen,” -- 12J Nach diefen fruchtlofen Worten liefs ihn die Gefelifchaft allein, und eilte ins Wirthshaus zurück , um nun das Wich' tigfte zu veranftalten. VII. KAPITEL, Der Ritter erfcheint hold wieder in feiner gan« zen Herrlichkeit. Fillet borgte von der Wirthinn zwey Betttücher , und putzte feine zwey Gefährten wie Gefpenfter heraus. Mit einigen Tropfen von Ferrets flüffigem Phos- phorus befirich er fie an der Stirne, fo dafs es ein grofses brennendes Auge vor- heilte, und bey de wirklich zumEntfetzen ausfahen. In diefem Aufzuge gingen fie nun alle drey in die Kirche zurück , traten leife durch eine Seitenthür ein, und fchlichen in ein Seitengebäude, von jenem, wo der Schiffscapitän Wache hielt, gerade gegen über. Obfchon es fo finfier war, dafs fie ihn nicht fehen konnten 9 fo hörten. bttfi ~ “ * fie doch deutlich, dafs er aufserordentiich. lebhaft auf und ab ging, und nochmahls einen Seufzer aus der Tiefe feiner Bruft höhlte. Als fich die drej Erz fchelme, hinter ei« Den grofsen Kirchenftuhl gelagert hatten, zeigten beyde Gefpenfier ihre Häupter» die durch den Phosphorus eine blaffe, fchwach zitternde Flamme zeigten. Es war wirklich ein gräfslicher, fchauerlicher Anblick. Nun fclirie Ferret mit einer krei« feilenden Weiberßimme : „ Samuel Cro« we! — Samuel Crowe! — Samuel Cro» we! ” — Als lieh Crowe rufen hörte, anwortete er mit einem ziemlich entfchloffenen: „Hoi- la!” und kehrte fich nach der Seite zu, von der er die Stimme hörte: kaum erblickte er aber diefe Erfcheinung, fo (liegen, ihm die Haare darr zu Berge; feine Knie- fehnen brachen; die Zähne klapperten ihm, und er fchrie laut auf: „In Gottes Nahmen! —« Wo fegelt ihr hin?”-— Der Menfchenfeind antwortete mit dexfelben Stimme : .„Wir find dieGeifter deinerGrotV mutter Jane ^ und-deiner Matter Bridget.’ Als Crowe diefe Nahmen horte, ge* wann fein Zorn beynah’ über den Schrecken die Oberhand, und er fchrie ndcii «in Mahl über alle Erwartung lebhaft : „Was wollt ihr? — Was wollt ihr? — Was wollt ihr ? ” — „Wir find gekommen, um dir dein künftiges Schickfal anzukündigen,” erwiderte das Gefpenlf, „ Wober feyd ihr gekommen ? ” — lelirie Crowe, beynahe voller Wuth. „ Aus dem Himmel, ” antwortete di# Itimme. „ Daslügft du, du Höllenbrand! ”fchrie der Capitän. „Ihr feyd verdammt, weil ihr. mir mein gefetzmäfsiges Erbgut nicht habt ausfolgen lallen — hundert Klafter tief fitzt ihr im liedenden Schwefel. Seh' ichs denn nicht, wie euch die blaue Flamm’ aus dem Speygatte fieigt ? — Ihr feyd vielleicht der Teufel felbli ? — Ich trau’ und bau’ aber auf meinen Gott! — Ich habe, fo lang’ ich lebe , keinen meiner Verwandten auf dem Grunde fitzen laßen, feilt ihr — Darum legt mir ja nicht $n Bord! Heuert ab! ihr braucht mehr 128 - viele Segel beyzufetzen; denn ihr werdet ohne diefs bald wieder im Höllenpfuhle herum treiben.” Nun nahm er gefchwinde feine Zuflucht zum Paternofter. Da kamen die Geipen- - fier näher, — und immer naher; er nahm aber allen Muth zufammen, und fchrie mit donnernder Stimme: „Weg vom Bord! — Weg vom Bord ! — Steuert ab, oder ich fchiag’ euch die Latem’ an der Schanze da ein !” —- Er ging auch wirklich voll blinden Grimmes auf fielos, hieb" mit dem Hirfchfänger. rings hemm, und würde die zwey Gefpenfter wirklich in das .Reich der Todten hinab gefchickt haben, wenn er nicht im Finftern über ein Geflühle gefallen, und lieh fo unter den Banken verwickelt hätte, dafs er lieh nicht fo gefchwinde wieder heraus finden konnte. Nun machte lieh auch das Triumvirat fo eilig, als möglich davon, und Ferrefc entfprang mit folcher Übereilung, dafs er mit dem Kopf’ an eine P fofte fuhr, und lieh das rechte Auge ziemlich ftark belchädigte, wefs wegen er leine Gefahr- --—-■ 12 ^ ten, und den ganzen Einfall, fo fehr er ihn unterhalten hatte, verflucht. Fillet hätte feine Luit daran gehabt, wenn Cro- We feinen Gefährten die Brühe ein Bifschen gefalzen hätte, und verfüchte daher lie zu einer Wiederholilung des Befüches zu bewegen; er konnte fie aber durchaus nicht dahin bringen. Filiet glaubte nun feibft, dafs jeder Yerfuch, den Capitän von feiner Raferey abzubringen, vergeblich feyii würde, fetzte lieh daher zu Pferd’, und ritt nach Haufe. Als Ferret zurück kam, und alle Bet* teil im ganzen Haufe befetzt fand, fetzte er lieh in einen Stuhl am Gamin’ , und wollt’ ein wenig zu Schlafe kommen j Clarke aber, der, wie man fich noch erinnern wird , von fehr verliebter Her* zensftimmung war , befehle fs , feinen Angriff auf die Reitze der fchönen Dolly zu wiederhohlen. Er hatte die Kammer in Augenfcheiri genommen, in denen die Körper des Ritters und des Waffenträgers ruhten, und hatte oben an der Treppe eine Art von Kämmerchen entdeckt, ' das eben (L. Groaves X. Tk.J i * 3 © -- Räum genug zu einem Feldbette hatte. Diefes Kämmerchen liatt’ er nun. all© wahrfcheinlichen Gründe für das Schlafgemach feiner lieben kleinen Dolly zu halten, die lieh nun zur Ruhe würde begeben haben. Voll von diefen Gedanken, und eben fo voll Lüllernheit, fchlich er die Treppe leife hinan. Das Herz klopfte ihm laut voll freudigem Verlangen * als er die Klinke der Kammerthür 5 öffnete aber kaum hatt’ er einen Schritt hinein gethan , fo fuhr das vermeinte Mädchen auf , und packte den Anwald mit einer unwider- üehlichen Fault am Halskragen. ,,Umfonlt hab’ ich nicht von Newgate geträumt, „fchrie eine Stimme, wie Crab- fhwas feine. , 5 Du Spitzbube!—— Du mufst nur willen , dafs lieh ein fahrender Sfall- meifter nicht fo leicht von einem lumpigen Dieb’ ausplündern läfst! — Aber du follß mirs richtig hülfen ? — Hülfe! — Mord! — Brand! — Hülfe!” — So wenig Clarke lieh von Crabfhaws grimmiger Fault los zu machen im Stande war, eben fo„ wenig vermocht’er , feine ——-- Ißl Stimme zu gebrauchen, um fieh zu erkennen zu. geben, fo, dafs er,am ganzen Leibe zitternd, und vom Droffeln völlig blau dafland, als die Wirthinn und der Stallknecht über dem Lärmen mit Lichtern hinauf gelaufen waren. Alle {fanden wie verfeinert da, als das Kämmerchen beleuchtet war, und konnten nicht begreifen, wie lieh das habe zutragen können. Crabfhaw war fall ganz von Sinnen, als er Clarken erblickte * den er von Greavesburyhall fo wohl kannte, und liefs ihn im Augenblicke fahren* Sapperment! ” — fchrie er, „ ich glaube, das ganze Haus iß eine Hexenherberge. — Wer hätte lieh einfallen laßen* dafs ich den Herrn Clarke mitten in der Nacht, und fo weit von der Heimath antreffen foilte! —* Die Wirthinn kreuzigte fieh über den unbegreiflichen Zulammenhang dieferBegebenheit nicht wenig; und eben fo wenig konnte fleh Tom erklären, wie Crah- fhaw aus der Kammer unten, in der er ihn ruhig fchlafen gefehen, hinauf gekom- menieyn könne. Indeffen war nichts leleh- agg;■. v ' * \» ~ "w *■ - • > 3 « .' “ ter aufzulöfen, als diefes Rath fei. Die Stube, in der der Stall meifter zuerft gelegen hatte, war eigentlich die Schlaf- kammer der Wirthinn und ihrer Tochter. Nachdem er nun das Abendeflen genoft fen hatte, war ihm diefer Um 11 and bekannt gemacht worden, und er felbft von diefem Gemache gutwillig abgeftandenj worauf man ihn in diefes obere Kämmerchen gebracht hatte, bevor die übrige Gefellfchaft wieder nach Haufe gekommen war. Tom hatte lieh unterdef« fen wieder ziemlich erhohlt, und fchlug lieh ebenfalls zu Crabfhaws Meinung, dafs es im Haufe nicht richtig zugehen könne , indem er felbft ganz und gar nicht begreifen könne , wie er im Finftern in diefe Kammer gerathen fej. Er iiberliefs daher den anderen die Sorge, dem Handel ein Ende zu machen, und fchlich fich wieder hinunter; denn er hoffte, fein Liebchen anzutreffen. Er fand fie auch eben in einem leichten Nachtgewand% in dem fie eben aufgeflanden war, in der Küche. @ Crafcfhaw’s ungeftümes Gefchreyhatt* -- m unterdeffen auch feinen Herrn erweckt, der im Fintiern aus dem Bette fprang, fein Schwert, das er immer gezückt an feiner Seite liegen hatte , ergriff, und in da» Kämmerchen hinauf eilte, wo noch irm Hier alle Umßehenden zugleich fchrien, und nun Seine Gettrengen um Vergebung bathen, dafs lie felbe im Schlafe gehört hätten. Launcelot erwiederte kein Wort, fondern nahm das Licht, und gab dem Stallmeifier ein Zeichen, ihm in feine Kammer hinunter zu folgen; denn er war Willens , lieh an der Stelle rüßen zu laßen , und feine Reife fortzufetzen. Crabfha# errieth es fogleich; er gähnte , warf die Kleider träge über fich, und verfluchte den Anwald, der ihn zu einer fo ungelegenen Zeit befucht , um feinen befien Schlaf, und zu einer fo unbeque-? men Reif in der Nacht und im wilden Wetter gebracht hätte. „Hätt* ich doch,’* brummt’ er voll Unwillen mit fleh felbft —* ? ,hätt’ ich doch mein verdammtes Maul voll Pfiff* * gehabt, fo hätt’ ich doch mein höllifches Zetergefchrey bleiben laßen ! Nun hab® ich fchon zehn Mafs fiskaltes 134 ■ «=== Waller im Leibe, dafs ich zittre , wie Elpenlaub. Gebern bin ich erfbffen — da haben lie mich wie ein verfaultes Schaf aus dem FlufFe gezogen —• und Gott weifs! — ob lie mich nicht heute noch todt aus meiner Kohlengrube heraus ziehen? — Wenns fo fortgeht, wie’s geht, fo fahr’ ich bey meiner armen Seele zum Teufel; denn ich bin an meinem eignen Tode Schuld.” Kaum war er mit diefemSelbftgefpräche fertig, als fein Herr herein trat, und ihn fragte , wohin er wohl feine Rüftung gepackt habe. Als Crabfhaw hörte, dafs lie in der Kammer liegen geblieben fey, nachdem lieh der Ritter ausgekleidet hatte , fuhr er mit bey den Händen zugleich hinter die Ohren , und kratzte lieh. „Ich behebe darauf,” fagte er endlich, „und laffe mein Leben dafür , dafs nur Zauberey Schuld ift , dafs wir fie nicht finden. Zum Behufe feiner Meinung erzählt’ er auch das Abenteuer mit Clarken, und war, mit einem Worte, nicht mehr davon abzubringen.” i: Seiblt Launceloten zwang ffeine EinfäL tigkeit ein flüchtiges Lächeln ab 5 er nahm aber fogleieh wieder feine erntthafte Mie* ne an, und. wiederhohlte feinen Befehl, die Waffen augenblicklich herzufchaffen» und dann unverzüglich die Pferde zu fat- teln , damit fie von dannen ziehen könnten, Timothy ging daher mit laut klopfen» dem Herzen in die Küche, in der er den Menschenfeind antraf, welcher ebenfalls durch den Lärmen aus dem erlten Schlummer aufgeftört worden war, Crabfhaw war noch immer der Meinung , die er beym erften Anblicke von ihm gefafst hat«» te, nähmlich, dafs Ferret ein Hexenmei- fter fey, und verfprach ihm daher einen Schilling, wenn er feine Schwarzen Kün* fie machen, und ihm zeigen wollte, wo feines Herren Waffenzeug hingekommen wäre. Ferret war der Beule wegen , die er an der Pfofte in der Kirche davon getragen hatte, über feine Kameraden erbittert» und hoffte nun auch diefen einen Schabernack zu Spielen. Er antwortete dem Stallmeißer daher ohne Bedenken, dafs einer von der Gefellfchaft die ganze KU» llung in die Kirche getragen habe , wo er fie ohne Zweifel finden würde. Crabfhaw war gar nicht geneigt, mit Gefpenftera Gefpötte zu treiben, und war’ um alles in der Welt nicht allein hingegangen, fondern beredte den Stallknecht, ihn zu begleiten , und ihm zu leuchten. Ferret gab ihm nun auch den Schlüffel, den ihm Fillet in Verwahrung anvertrauet hatte. Crabfhaw und Ferret näherten fleh fofort dem Orte, wo die Waffen auf einem Haufen beyfammen lagen, und Crabfhaw lud fie feinem Gefährten fo auf den Rücken, dafs der Speer über den andern Rültungs- ftücken quer zu liegen kam. Sie wollten eben aus der Kirche gehen, als der Stallknecht raufchen horte, und (ich in folchem Haft’ umdrehte, dafs das eine Ende des Speers Crabfhaw gerad’ auf die Stirne traf, der vor Schrecken zu Boden fiel, und im Falle das Licht in der Latern’ aus- löfchte. Der Stallknecht warf feine Laft nieder, und wollte davon laufen; Crabfhaw fing ihn aber an einem Bein’, und klammerte fich feit an, damit ihn djefer nicht allein faßen konnte. • —:-~ Das Geraffel, weiches der Fall der Waffen verursachte, erweckte' den Seecapi- tän aus der Betäubung, in der er feit der Verlchwindung der Gefpenfter gelegen hatte, und er hob nun ein fürchterliches Ge- fchrej, oder vielmehr Gebrüll’ an, über dem Timothy und Crabfhaw in einen fo!- chen Schrecken geriethen, dafs lie keiner mehr an die Rüftung dachten, fondern voll Verzweiflung , eng’ an einander gelb hl offen , nach Haufe liefen, und in der Küche ankamen. Als nun Launcelot herein trat, und aber- niahls feine Rüftung forderte, Sagte Crab-> fhaw gerade zu, dafs fie der Böfe in Empfang genommen habe. Der Stallknecht, der den Teufel am Brüllen erkannt hatte, betätigte, die Ausjage. Ferret hielt fleh in feinem Lehnftuhie maufeltiiF, und beob* achtete das quälendfte Stillfchweigen 4 indefs er an Launcelots Ungeduld feine Herzensluft fc hatte. Diefer drang vergebens um einen Auf- fchlufs des Räthfels in fie; endlich aber funkelt en feine Augen ftärker: er nahm Crabfhaw an der einen Hand, und den Stall- knecht an der andern, und betheuerte bey Himmel und Erde, dafs er ihnen ihre fchel* yni Teile »SeeP aus dem Leibe jagen, und das ganze Haus von Grund’ aus zerftören ■wolle , wenn lie nicht im Augenblicke be* kennen würden, wie der ganze Handel zu» farnmen hange. Die beftürzte Wirthinn fiel auf die Knie, und fchwor ihm heilig, dafs lie an der ganzen Sache fo unfchuldig war’, als ein Kind im Mutterleibenur habe iie den Schiffscapitän ihr Gebefhbuch geliehen, um das Vater unfer zu lernen, eine Laterne mit einem Endchen Licht, damit lie ihm in die Kirche leuchten konnten, und den zwey andern Herren ein Paar reine Betttücher. Launcelot war über diefe Aufklärung nur in noch gröfserer Verlegenheit; —da trat Herr Tom Clarke in die Küche, und näherte lieh feinem alten Gönner mit einer ehrfurchtsvollen Verbeugung. Laun? celots Zorn fchwand nun in Erftaunen über; er lies den Stallknecht und Crab- fhaw los , und reicht© dem Anwalde di© Hand. ea=====B - m „ Mein alter guter Freund”, fagte er mit feiner gewöhnlichen Leutseligkeit,' „wie kommen Sie hier her? Sind nicht Sie im Stande, das Geheimnifs ins klare zu bringen , das uns allen beynahe die Köpfe verrückt?” Tom liefs lieh nun in eine weitläuftige Lebensgefchichte feines Oheims ein, und belchrieb haarklein, wie er von feiner Mutter und Grofsmutter wäre um fein Erbgut gebracht worden, und wie er Sofort feiner Geftrengen Charakter und Ritterfchaft lieb gewonnen, und den Entfchlufs, in feine Fufsftapfen zu treten , gefafst habe. Daran knüpfte er nun ihren Anfchlag, den Capitän von feinem Einfall’ abzubringen, und fchlofsmit dem Bejfatze, dafs der Capitän zwar ein grundehrlicher Mann, aber ein Büschen verkehrten Verftandes wäre. „Das glaub’ ich gern,” erwiederte Laum celot; „ denn Redlichkeit und Wahnfinn können allerdings beyfammen beftehen.” Clarke bath nun im Nahmen feines Oheims um Vergebung, dafs er lieh die Frey heit herausgenommen habe, des Rit« ters Rüftung zu gebrauchen , und drang auch in ihn, alles mögliche anzuwenden, um feinen Oheim von feiner Neigung zur Ritterfchaft, zu der er ohne diefs ganz und gar keine Anlage hätte , abzubringen, 3 ,Denn er verlieht ganz und gar nichts von denLandesgefetzen, ”fagte er,” und wäre fo in der Gefahr, lieh täglich dagegen zu vergehen, und in nachteilige Verdriefslichkeiten zu gerathen. Man könnt’ ihn allenfalls , wenn er (ich wider* fpänftig zeigte, durch einen freundfehaft- liehen Verhaftsbefehl wegen der Entwendung Ihrer Rüftung zu packen kriegen. Denn, ” — nun begann er, immer fchneller zu fprechen—"eines andern Gut und per- fönliches Eigenthum wider den Willen des Eigentümers nehmen, ift ein Furtum, und eine Felonie, obfehon diefe Handlung von einem Raube verfchigden Ift, als welcher in alta via regia violen« ter et felonice —- Launcelot konnte fich nicht enthalten, über Clarkes gelehrte und weitläuftige Anmerkung zu lächeln. Er wünfehte ihm zu feinen grofsen Vorfchritten in der Rechtsgel ehrfamkeit Glück, bedauerte di# ff==s====Ä 141 fonderbare Grille des Hauptmanns, und verfprach ihm, alles, was bey ihmftan- de, anzuwenden, um ihn von feinemthö- richten Einfall’ abzubringen. Auf diefe Verficherung ging der Änwald fogleich iri die Kirche, und fprach mit feinem Oheim. 'Da diefer hörte, dafs fich Ritter Launcelot in eigener hoher Perfon mit ihm zu befprechen verlange, liefs er die Rüftung gutwillig fort tragen, und ging mit Tom ins Wirthshaus zurück. Launcelot empfing ihn felir freundlich, und da er fall, dafs der"Capitänfo ungemein verhört ausfehe, fagt’ er, dafs er ihn felir bedaure, die ganze lange Nacht um nichts und wieder nichts fo unangenehm zugebracht zu haben. Crowe hatte feine verflognen Lebensgeifter mit einem tüchtigen Schlucke Branntewein wieder herbey gelockt, und dankte dem Ritter für feine Höflichkeit. „Ichmufs es geliehen, ” fagP er,,, in meinem Leben hab’ ich noch keine Nacht fo arg zugebracht; und doch bin ich fchon ein alter Kerl. Aber ich würd* auch keine mehr aasfiehen, und wenn ich Grofs- admiral von England werden könnte.” „Ich habe wohl oft,” fuhr er fort, „Da» tdd Johnes als eine blaue Flamme auf der Bogfprietfegelfiange hin und her hüpfen gefehen , hört ihr! Kobolde * Irrwifche hab’ ich euch zu Waffer und zu Lande gefehen * und viele andere Geißer; aber heute Nacht haben mir alle Teufel und Verdammten an Bord gelegt; gepfiffen haben fie, geheult, und gefunkelt—krik, krak! — fo gings durch die Thür — und wieder vom und hinten durch die Kirchen Hühl’ über und drüber — um und um. — In einem Winkel tanzte das Ru* del gräfslich auf und ab, beym Schein eines Johanniswürmchens — drüben im andern alles fchwarz unter einander! Gott fey uns gnädig und barmherzig! — Belacht haben fie mich, Tom, die Grofs* mutter Jane, und die Bridget—ein Paar vermaledeyte Alte — aber fie brennen lieh* " terloh; das ift noch mein einziger Troft!’* Als er fo feinem Gewiffen einige Erleichterung verfchafft hatte, lenkte def Ritter das Gefpräch wieder auf feinen Entfchlufs, lieh der Ritterfchaft zu wid* men. ein» j,Man hat mir gefagt $ ” fprach er, „dafs Sie Luft hatten, die Bahn der fahrenden Ritter zu betreten. Beller Herr Capitän, glauben Sie mirs auf mein Wort, dafs diefer Weg über und über mit Dornen be- fäet ift, und dafs man ihn nur unter unzählbaren Befchwerlichkeijen warn delt, Indeffen, da Sie eigentlich der Wunfch, Menfchenliebe zu üben, und wohl zu thun , zu diefem Entfchluffe gebracht , fo kann ich Ihre Ehrbegierde freilich nur rühmen. Um aber die Pflichten eines fahrenden Ritters zu erfüllen, wird mehr, als ein unerfchrockener Muth, und edle Gefinnung erfordert. Ein fahrender Ritter mufs beynah’ ein Gelehrter feyn; er mufs die Sittenlehre vollkommen he- fitzen, von der Gottesgelehrtheit Kennt- niffe haben , und endlich die Gefetze des Vaterlandes bis auf den kleinften Fall vergehen. Er mufs nicht nur Hunger, Dürft, Kälte, und jedes andere erfinnliche Ungemach mit Gleichmuth ertragen, und gleichfäm nicht achten können; fondera er mufs auch keufch, mäfsig, fromm, leutselig feyn, mufs alle Leidenschaften am Zaume führen können, nur die Oberherr* fchaft der Liebe über ihn mulis er erken* nen und verehren. Daher hat fich auch' noch niemahls ein Mann dem Ritterftande geweiht , ohne erft fein Herz irgend ei* nem fchönen Frauenzimmer gefchenkt zu haben, auf deren Wink er jeder, felbft der augenfeheinlichften Gefahr, am äus- ferßen Ende der unbewohnten Erde fporn* ftreichs entgegen eilen wollte. Wie Sie die Wache zu verrichten dachten, war 5 es ein Kinderfpiel gewelen. Sie haben fich nicht mit Nüchternheit und Gebethe vor* bereitet: Sie haben keinen rechtmäfsigen Pathen zum Ritterfchlage beßellt; Sie haben nicht Ihre eigenen Waffen bewacht, fondern haben, da* Sie fchon gleichfam an der Schwelle des Ritterordens (landen, der doch die ftrengfie Gerechtigkeit fordert, einem andern Ritter die Rüftung entwendet. Diefes Gefpött, denn anders kann ich es nicht nennen, mufs Sie viel* mehr dem Himmel verhafst machen, dem Sie zu gefallen fuchen. Das haben auch die Teufel und Gefpenfter, von denen Sie geplagt worden find* zur Genüge bewiefern *45 Crowe horte diefe lieilfamen Ermahn Hungen mit aller Ehrfurcht und Ergebenheit an, zuckte die Achteln, und fprach; j,,Ich dank' euch, Bruder , für euren wohl* gemeinden, chri ft liehen Rath. — Mich felbft daucht, dafs ich nicht nach einer ganz richtigen Charte geheuert, habe. — Seht ihr, mit der Geiehrfamkeit hab’ ich mir aufs er meinem Seewefen immer Rath zu fchaffen gewufst; aber meinO Seefachen kenn’ ich euch, Bruder, dafs Be keiner beffer kennt. Von allem übrh gen verlieh’ ich nicht mehr, als der Kerl unterm Bogfpriet. Chriftenthum hab’ ich nicht viel laden können; denn ich hatte .nicht viel Gelegenheit dazu. Was die Keufchheit betrifft, Bruder, fo wird euch doch bej einem alten Seemanne, der eben von einer langen und befchwerlichen Reife zurück kommt, nicht darüber bange werden. Ich hoffe doch,, dafs nicht alle armen Seelen zum Teufel fegeln werden * die ein Mahl in dem Liebesgrunde geam kert haben. Wenns endlich auf eine Lieb - 9 fte ankommt,— hört ihr, da denk’ ich* Betlry .Mitzen in der ■ Catbar inenftrafse (L. Grsaves 1. Th) k 1*0 ---- Würde lieh recht gut zü mir fchicken. — Sie ift alt | ich bin alt. Aber was kümmert mich das, Bruder?—Ich weifsgut, wie weit ich ins Waller gehe. Endlich bin ich doch noch nicht fo alt, dafs ich nicht mehr lernen könnte , was mir noch fehlt, und wenn Ihr mich hinter euchbog- firen wollt, Bruder! fo bleib’ ich bey euch in allem Wind’ und Wetter, und werd’ euch keinen lichten Heller koften. ” Launcelot antwortete: ,,Ich halte mich wirklich für zu geringe, als das ich einen folchenLehrling annehmen follte; dafür er- bieth’ ich mich aber, Ihnen meinen aufrichtigen Rath jedes Mahl, fo oft Sie ihn verlangen, von ganzem Herzen zu erthei- Hen. Dafs ich Sie ernltlich ermahne, alle Umftände genau zu erwägen, und mit kaltem Blute zu überlegen, ehe Sie lieh in einen fo unruhigen Stand einlaflen, das mag Ihnen der erfte Beweis meiner Offenherzig" keit feyn. Beharren Sie noch volle drey Monathe bey demfelben Entfchluffe, dann bin ich bereit, Ihr Lehrmeifter zu werden. Nach diefen Worten, mit denen lieh Crowe, er mochte nun wollen oder nicht,. ‘ ' 1 4f befriedigen mufste, bezahlte der Rittet die Wirthinn für das Nachtlager, legte feine Rüftuog an, beflieg feinen Bronzomar* te, Crabfhaw kletterte wieder auf feinen Gilbert, und fo fetzten fiebeyde, nachdem fie von der übrigen Gefelllchaft Abfchied genommen hatte, ihren Weg nach Süden fort* VIII. KAPITEL. tVelches bey einem Haare fehr wichtig iß, j^itter Launcelot ritt alfo mit feinem Stallmeifler, wie gefagt, gegen Mittag fort, ohne felbft nur zu bemerken, wie fehr der Wind ftürmte , und was -für eine gräfsliehe Finflernifs rings um fie herum wäre. Eine Weile fluchte Crabfhaw bey ficB, felbft ; allmählig gewann es aber doch die Furcht feinem Unwillen ab , und er wufste fleh nicht anders zu behelfen, als dafs er ßch mit feinem Herrn in ein Ge- HB - - fpräch einliefs. Da er ziemlich weit hin- ier ihm war, gab er feinem Gilbert die Sporne, um Bronzomarten an die Seite zu kommen, auf den er mit einem fo tüchtigen Stofse traf, dafs der Ritter beynah# rücklings zur Erde gefallen wäre. Als ihn Launcelot über diefe Ungefchlif- fenheit ziemlich ernftlich zur Rede heilte, antwortete er: „Gott fey bey uns!—<■ Der Satan mufs auch mit Gilberten fein Wefen treiben, fo wahr ich Crabfhaw heifse. — Ja Herr, eine volle Kanne Bier fetz’ ich dran. — Er ift aus dem Seecapi- tän in meinen Gilbert gefahren!” — „Nur Geduld!” fagte der Ritter j „ich will ihn dir mit einer guten Peitfche ge- wifs austreiben!” — „Ey, fo wollt’ ich,” fagte Crabfhaw, „dafs Euer Geftrengen auch meine Mähre abürafen möchten; es ift der unartiglie Gaul, den ich meine Tage zwifchen den Beinen gehabt habe! — Aber, was den allen Seemann betrifft, Was mag er wohl für eine Krankheit haben, Ihr Geftrengen?” „Im Kopf’ ift er nicht richtigantwortet# Launcelot -- - H9 „Sapperment!” fchrie der Waffenträger, und grinfte dazu; „von diefer Art gibt es wohl noch mehrere Patienten» Schickt {ich das aber für einen Menfchen von feinem Stande? —■ Das gehört ja nur den Vornehmen.” „Du fcheinft nur auf mich zielen zu wollen fagte der Ritter. „O Ihr Geftrengen antwortete Timo* thy, „ein fchlechter Kerl will ich feyn, wenn ich Sie nicht durch und durch fo gut kenne, als jedes Stück Vieh im Stalle ZU Greavesbury.” „Wenn du aber fo vollkommen überzeugt bi fl,” fagte der Ritter, „dafs ich nicht bey gefundem Verftande bin; was denkft du denn von dir felbft, da du bey einem Wahnfinnigen inDienften ftehft, und mit ihm durchs Land herum kreuzeft?” „Ich werd’ Euer Geftrengen aber auch gewifs nicht umfontt dienen; das hoff’ ich,” fagte Crabfhaw. „Ich werde wohl felbft einige Kleinigkeiten mit davon tragen. Wenn Ihr Geftrengen ein Narr zu feya belieben, fo verlang’ ich auch nicht, dafs ?nir der Kopf am rechten Blecke fleht, — * 5 ° Timothy Crabfhaw ift kein undankbarer Kerl, Ihr Geftrengen; nein, das ift er nicht* Das foll ihm niemand nachreden, dafs er klüger ift, als fein Herr.” „KerlTagte der Ritter — und würde noch mehr gefagt haben; aber plötzlich liiefs der Waffenträger ein fo fürchterliches Geheul aus, dafs Launeelot felbff zufammen fchrak, obfchon er fonlt immer unerfchrocknen Muthes war. Sein Schrecken verwandelte lieh aber bald in Ingrimm, als er Gilberten ohne Reiter herzu traben , und unaufhörlich hinten aus feuern fah, Er lenkte haltig um, und ritt einige Schritte zurück. — Da raffte Geh , Crabfhaw eben vom Boden zufammen, und fluchte mörderlich. „Wo halt du dein Pferd geiaffen?” —* fuhr ihn der Ritter an. * * „Mein Pferd ?” fchrie Crabfhaw; „ich I wollt’ es wäre längft am Anger. Ich halt’ es aber für einen leibhaften Teufel! —- Ja, das thu’ ich! Und ich hätte den Teufel felblt lieber reiten mögen ! —- Es fägte mir ja die Rippen durch, als ob ich auf einem hölzernen Efei fäfse,” aE==a=a=SB * s 5 l . Diefes Ereignifs begab lieh in einem Hohlwege, über dem anfehnliche Bäume Händen, von welchem der Sturrp einen ausgewurzelt, und in den Weg geworfen hatte, wo er nach quer über lag. Auf eh nen von den Allen, der horizontal hervor ragte, traf der Stallmeißer, wie er im Finftern forttrabte. Er hatte lieh mit feinem langen Kinne daran verfangen, und konnte lieh nicht begleich wieder los machen , fondern blieb daran hangen, wie eine Speckfeite im Schorfieine , in de fa Gilbert unter feinen Beinen durchbrach. Der Ritter felblt mufste lieh bemühen, diefes eigenfinnige Thier zu fangen; denn Timothy wollte feinem Herrn durchaus nicht einen kleinen Schritt von der Seite gehen. Launcelot mufste nun, er mochte wollen oder nicht, vonBronzomarten ab» fieigen, und Gilberten fuchen. Sie fanden ihn bald j er fiand an einem Heckenthore, ßreckte den Kopf über die Balken, und fchnaubte die Morgenluft ein. Während ihn nun Crabfhaw wieder zwifchen die Beine kriegte , fchwor ihm fein Herr, dafs. er ihm gewifs feine lumpige Seele aus J 5 g . — dem Leibe prügeln werde, wenn et ficK bey noch irgend einer Gelegenheit fo feige und niederträchtig beweifen follte. Ohfchon nun Crabfhaw fo viele Gründe hatte , feiner Gefprächigkeit Einhalt zu thun, fo war er doch nicht fo fehr über lieh ivl elfter, fondern mufste feinem Herrn widerfp rechen , und ko ft’ es Haut und Haar. „Er,” brummt’ er in den Bart, s,und ich will es beweifen , dafs es bey Ihr Gefirengen gewaltig gehapert hat!” „Was?” — fchrie Launcelot; „noch nicht kannft du dein ungewafchnes Maul halten ?” — „Haben nicht Ihr Gefirengen felbft ge- fagt,”fuhr Crabfhaw entgegen zu fchreyes fort, „dafs man eine» Mann darum nicht ftrafen kann, dafs es mit feinem Kopfe nicht richtig lieht, weil es eine Krankheit iift? — Wenn man aber furchtfam ift, Ihr Gefirengen, fo ifts eben fo gut eine Krankheit, als wenn der Kopf nicht an feinem Platze lieht. Ja , das behaupt’ ich ; denn es würde gewifs kein Menfchenkindfurcht- {am feyn,wenn ers anders machen könnte.” ijDu Iprichft gründlicher,” erwiederte ______ Jjs Greaves, „als ich von deinem hölzernen Gehirn’ erwartet hätte. Indeflen, mein gu» ter Crabfhaw , ift zwifqhen Furchtfamkeit und Wahnfinn ein grofser Unterfchied, den ich dir erklären will. Furchtfamkeit ift zwar manchmahl die Folge einer an* gebornen Blödigkeit, grölsten Theils aber eine üble Gewohnheit, die von einer irrigen Vorftellung von den Dingen herrührt, und durch Erfahrung lind den Gebrauch der Vernunft gehoben werden kann. Es würde aber vergebens feyn, wenn man diefes Mittel wider den Wahnfinn gebrau« eben wollte, der eigentlich darin befteht, dafs man den Vorfiellungen der Vernunft kein Gehör gibt.” So fprachen fie noch eine Weile fort, bis endlich auf diefe höchlt unangenehme Nacht ein fchöoer , klarer Morgen einbrach, In der Entfernung von drey oder vier Meilen erblickten fie nun einen Marktflecken. Nun wagt’ es Crabfhaw ein Mahl wieder , freyen Athem zu hohlen. Er fing überlaut zu prahlen , und auf alle furcht* famen Hafen zu Ichimpfen an. Während er aber fo allen Gefahren Trotz both, er- 554 gab fick plötzlich eine Gelegenheit, bey der er feine ertt erklärten Grundfätze an der Stelle in Ausübung bringen konnte. In eindn* Öffnung zwifchen zwey Landwegen fahen Ixe, daf's eine Kutfche von Strafsenräubern angehalten ward.. Der eine kam zu Pferde, um die Kitte hinter dem Wagen zu recognofziren , und die Plünderung zu decken, indefs der andere von den Reifenden Brandfehatzung einforderte. So bald der erftere , der hinten ritt, unfern Ritter erblickte, jagte er mit der Piftole in der Hand auf ihn zu, und hiefs ihn bey augenblicklicher Todesftrafe anhalten. Launcelot gab ihm aber auf diefe Drohung keinen anderen Befcheid, als dafs er ihn mit folcher W uth angriff, dafs der Räuber ftracks vom Rolfe fiel, und alle vier von lieh ftreckte; auch fehlen er lieh im Falle befchädigt zu haben. Darauf hiefs Launcelot feinen Timothy ahßeigen, und den Gefangenen fett halten; dann legt’ er feinen Speer ein, und ritt im firengften Galopp auf den andern Räuber los, - - 155- Diefer war nicht wenig betroffen; er löfte aber doch feine Piftole, obfchon es ohne Wirkung war, gab dem Pferde'die Sporn'’,und jagte auf und davon, Laum celot fetzt” ihm Ib haftig nach, als Brom zomarte laufen konnte; der Strafsenräu- ber ritt aber einen flüchtigen Jagdhengft, und behielt denn immer den Vorfprung. Nachdem er ihn fo einige Meilen verfolgt batte, entkam der Räuber in einem Walde, der fo voll Gebrauch war, dafs cs Launcelot für räthlich hielt, den Ritt’ nicht weiter forzufetzen. Er befann fich nun, in was für einem Zuftand’ er den anderen Räuber gefallen' hätte: er erinnerte fich auch einen weiblichen Schrey gehört zu haben, als er die Kutfche vorbey fprengte, und befchlofs denn, fpornfireichs wieder umzukehren, und dem Frauenzimmer feine Dienfie an- zubiethen. Er hatte aber des rechten Weges verfehlt, und nachdem er bey- nahe eine Glockenftunde über WieP und Feld, und Heck’ und Dorn geritten war , befand er fich in dem Marktflecken, defi fen wir erft erwähnet haben. % 5 6 Das erfte, das (ich feinen Augen dar» both , war fein Stalimeifter, der elend zu Fufse daher ging, und von einer Meng© Leute umringt war, fleh mit den Faulten das Haar aus dem Kopfe rifs, mit den Füfsen dampfte, und wie ein Unfinniger lärmte. „Führt mich zum Stadtvogte,** fchrie er! — „Um Gotteswillen, führt mich zum Stadtvogte. G Gilbert, daß* du längft am Anger fäulteft! ” —. Aus diefem Gefchrey’, und feiner alt* vaterifchen Liverey fchlofs das Volk ganz gründlich, dafs es ihm im Hirne fpuken müde ; und eben wollt’ ihn der Büttel packen, als lieh der Ritter ins Mittel legte, der nun rpit einem Mahle die gan* ze Aufmerkfamkeit der Zufehejr t auf fich, zog. Als Crabfhaw feinen Herrn erblickte , fiel er auf die Knie nieder, ftreckte die Arm’ in die Höhe, und fchrie; „Ihr Geftrengen, der Dieb iß mit Gilberten davon gegangen! — Schlagen mich Ihr Geftrengen zu Brey zufammen! Ich bin aber jetzt eben fo unfinnig, als Ihr Geftrengen, und fürchte weder den Teufel noch feine Werke mehr, ” --~ * 157 • Des Ritters Harmfeh hatte dem Büttel zu grofse Ehrfurcht eingeflöfst, als dafs er nicht augenblicklich mit feinen Händen von Crabfhaw hätte ablaffen follen, als er dieferi aufftehen, und ihm ins näch- Ite Wirthshaus folgen hiefs , wo er ab- ßieg. Hier nahm er den Waffenträger mit lieh auf ein befonderes Zimmer, und verlangte eine ausführliche Erzählung des Herganges. Timothy war in folcher Bewegung, dafs Launcelot er ft nach taufend Fragen, Und taufend nicht zur Sache gehörigen Antworten ein wenig Licht erhalten konnte. Der Stallmeifter war denn, wie ihm fein Herr befohlen hatte, abgeftiegen, und hatte, um dem Strafsenräuber ja recht bange zu machen, feinen Hirfch- fänger gezogen. Diefer war aber weder fo kirre, noch fo bdchädigt, als Crabfhaw vermuthet hatte. Er raffte lieh auf, noch immer die Piftole in der Hand, die er dem Waffenträger unter den fchreck- iichften Schwüren vorhieit, dafs er ihm die Kugel mitten durchs Herz jagen würde, wenn er lieh nicht unverzüglich aus dem Staube machte. Timothy lief nun, was er könnte, davon, der Räuber fchwang lieh auf Gilberten, und ritfeh! — damit hinaus ins Land. Gerade da waren auch zwey Bediente j die zur'Kutfche gehörten* und fich im Wirthshaufe verfpätet hatten, mit Gewehren zu Hülfe gekommen. Die Gefellfchaft fetzte denn ihre Reife fort* und Crabfhaw blieb voll Verzweiflung und völlig von Sinnen allein zurück. Er wufste nicht, wohin er lieh nun auf Erden wenden follte, und dürft’, es eben fo wenig wagen, an Ort und Stelle zu bleiben, da die Strafsenräuber allenfalls hatten zurück kommen, und er für alle: die Zeche bezahlen können. 'Was war lalfo'zu thun übrig? —- Er befchlofs, ge* fchwinde nach der Stadt zu laüfen, und die Obrigkeit um feinen Karrengaul zu bitten; ein Einfall, der feiner ganz und gar würdig war. . -Als Crabfhaw fo dem ‘ Fenfter gegen über ftand, und die Fragen feines Herrn beantwortete, fchrie er mit einem Mahle; ,,Sapperment! Da ilt Gilbert! ” und fprang mit unglaublicher Hurtigkeit auf die Stras* , «==-- 159 le .hinunter, Wo er feinen verlornen Fiel» fegefährten wirklich fänd. Einer von den Bedienten, die die jfeutfche begleiteten, hatte ihn zurück gebracht. Er umarmt 5 ihn inbrünftig, küfst’ ihm die Stirn, und weinte vor Freuden helle Thränen, als ob er feinen leiblichen Bruder wieder gefunden hätte. „Nu, fo haVichdichwirk- lich wieder ? ” fchrie er. „Warum halt du deinem alten, guten, aufrichtigen Freunde das Herz brechen wollen, der dich von Jugend auf gekannt hat? Sind es nicht feit Odern volle heben Jahre, dafs ich, dir emfig warte ? Hab’ ich dir nicht immer füfses Heu und fetten Hafer, und frifche Streu gegeben, damit du recht warm und trocken liegen konnteft ? Hab’ ich dich nicht iipmerfauber gehriegelt ? —* Und doch halt du’s über dein undankbares Herz bringen können, mit einem fchelmifchen Strauchdiebe davon zu rennen , und mich der Gefahr auszufetzen „ dais mich der Junker gar bey lebendigem Leibe fchinde? Kannlt du das wohl verantworten?” Unter «liefen Liebkefungen ? gegen- die i6o -— -- Gilbert ganz Unempfindlieh zu fejn fehlen, führt’ er ihn fogleich in den Stall. Indeffen liefs Launcelot den Bedienten hohlen, der das Pferd gebracht hatte s gab ihm eine kleine Belohnung, und fragt* ihn, wie er wohl dazu gekommen fey ? Der Bediente erzählt’ ihm dann, dafs der Räuber das Rofs unabläffig gefpornt Und gefchlagen habe ; darüber fey es er* holst geworden, und durchaus nicht mehr von der Stelle gegangen. Als der Dieb gefehen, dafs alles vergebens fey* hab’ er fich herab gefchwungen, und in den Wald geflüchtet. ■ Der Ritter erkundigte fich nach dem Zuftande des Frauenzimmers in der Kut* fche , und erboth fich, fie zu begleiten* und zu befchützen. Der Bediente mel* dete ihm aber, dafs fie bereits in dem Häuf’ eines Edelmanns, nicht ferne von der Landftrafse , wohlbehalten angelangt wären ; ferner, dafs die Perfon nicht voll* kommen bey Sinnen wäre; dafs fie unter der Aufficht einer verwittweten Bafe flehe, und dafs fie endlich in einigen Tagen ihre 1 Keile wieder nordwärts nach Ä====-===iÄ igl ihrem eigentlichen Aufenthaltsorte fortfetzen würde. ■ Der Bediente war fchon ziemlich lange' fort, als lieh Launcelot erfi befann, dafs er nachdem Nahmen'der Dame zu fragen ver- gefienhabe. Es beunruhigte ihn, und zwar mit gutem Grunde, denn die Unbekannte war wirklich niemand, als — leine Aurelie Darnel. Als diefe ihren Launcelot in feinem fonderbaren Aufzuge, das Haupt ohne Helm, hatte die Kutfche vorbey fprengen gefehen, hatte fie einen lauten Schrey ge- than, und war inOhnmacht gefallen. Indef- fenals he lieh wieder erhohlte, verbarg fie doch den wahren Grund ihres Entfetzens, und von ihren Begleitern hatte keiner Launceloten von Perfon gekannte Indeffen hätte fich diefer doch nichts davon träumen laffen. Er befchlofs * fich von feiner Mattigkeit und den Befchwer- den der vorigen Nacht durch einen labenden Schlaf zu erquicken, und Crabfhaw, der nun den unüberwindlichen Entfchlufs gefafst hatte, in allem getreu feinem Herrn nachzufolgen, war nicht faul, feinen Yor- fatz fogleich ins Werk zu fetzen, (Li Greaves Is Th^J I- IX. KAPITEL. I Wahrer Patriotismus iß von keiner Partejr. Sir Launcelot hatte kaum ein Paar Stun« den geruhet, als er von einem aufs er ordentlichen Lärmen geweckt ward. Ger aß fei von Wagen und Pferden, lautes Jauchzen und Frohlocken* Geigen, Waldhör« aer und Sackpfeifen tönten ihm mit ei~. nem Mahle fo verwirrt in die Ohren, daß er hätte von Sinnen kommen mögen. Vom nachften Kirchthurme klangen alle Glo j cken, und im Wirthshäufe felbft war al* des Gefchrey und Getöfe. Launcelot fprang auf $ eilte änsFenfter und fah einen Aufzug zu Pferde , von wohlberittenen Leuten, mit blauen Hut- fchleifen. Sie waren wie Jöckies angezogen, hatten hirfchlederne Beinkleider und Hüte mit goldenen Treffen. Einer vonih* nen trug eine blaue, feidene Standarte, auf der mit grofsen weifsen Buchftaben ftand: Frey heit und- Wohlfahrt. An ihrer ■ a gg Spitze ritt ein frifcher Kerl, mit einem rothbackigen Gefleht’ und einem ziemlichen Wanfte, nach dem Anfcheine von fünfzig Jahren, und cholerifchemTempe» ramente. ' Als fie auf den Marktplatz kamen * fehwangeil fie die Hüte, und fchrien überlaut: „Alt-England föll leben!” UnterdefTen fo laut diefes Gefchrej war, konnte Launceiot doch deutlich ein Gegenge- fchrej unterfcheiden, welches der Pöbel zu erheben fehlen, und den Herren zii Pferde fo wenig behagte , dafs fie ihre Peitfchen gegen jene zu gebrauchen anfingen , für die fie entgegen eine ganze Lage von Steinen, Koth und todten Katzen erhielten. Launcelot konnte kaum feine Aufmerkfamkeit darauf wenden, als fie wieder auf ein anders Schaufpiel gezogeii ward. Es war ein Einzug von Fufsgehern mit pomeranzenfarbenen Schleifen und einem Haufen Müllkasten. Art ihrer Spitze ging eine fchmale, fchwärzliche Gehalt, mit finftrem Bück’ und grofsen Harren Augen , die pechfchwarze Bogen oder Büröen von Haaren befchatteten. 1 2 s Er war prächtig, abe# öhne Änftand ge* kleidet, und vöm Major, dem Stadtfchrei- ber, und den vornellmften Einwohnern des Orts in ihren Staatsröcken begleitet. Eauncelot begriff fogleich, was diefes Gepränge zu bedeuten habe, und dafs es ein Vorfpiel zur Wahl eines Parlamentsgliedes für die Graffchaft wäre. Er war 'denn atifserff neugierig, die Nahmen und Charakter der Bewerber kennen zu lernen. Er rifs verfchiedene Mahl’ an der Glocke, aber niemand-kam; denn alle Aufwärter waren mit der Feierlichkeit befchäftigt, und fo verwirrt, dafs ße weder iahen, noch hörten. Launcelots Geduld war fchon beynahe ganz erfchöpft, als fein Waffenträger im lächerlichften Aufzuge von der Welt ins- Zimmer gerannt kam. Die eine Hälfte feines Gefichts war völlig barbiert, die andere aber noch voll Seifenfchaum , und zugleich ftrÖmte ihm aus beyden Nafen- löehern das Blut auf ein fchmutziges Bar* biertuch, das ihm noch um den Hals gebunden war.Er fiel vorLaunceloten auf die Knie, und batli ihn, den Schimpf zu rä- nuwwmw .Juwy'.iwi■» S ~ lög giiea, den er von dem neugierigften aller Barbierer erlitten hätte, und ihn auf ei* nenZ weykampf heraus zu fordern.„Wena Ihr Geftrengen an meiner Ehre etwas gelegen iftfchrie er unter Thränen , ,,fo züchtigen Sie ihn für feine fchlechte Aufwartung. Da läßt er mich fitzen, und läuft/ der närrifehen Komödie nach! ”—- „Gut,” Tagte Launcelot; ich werd’ ihn gewifs züchtigen, wenn mich nicht wichtigere Ding’ abhalten ; für jetzt aber wirft du augenblich die Pferde fälteln, und mich begleiten.” Gefegt , gethan; Cräbfhaw gehorchte, fo ungern er es auch thun mochte , und die Pferde ftanden gefältelt da. Sie ritten nun gerade auf den Marktplatz, wo eben die beydeti Candidaten auf entgegen gefetzten Rednerbühnen, von denen die eine mit vieler Klugheit am Pranger angebracht war, und die andere aus einer umgeftürzten Tonne beftand, ihre Anfprüehe und Verdienfte mit vie* ler Beredtfamkeit vortrugen. Es würde zu weit vom ZieP abführen, wenn wir diefe Reden mit anhören wölb ,tea; wir verlangen nur zu, wißen, was, fi© i66 , ^ ■ auf unfern Ritter für einen Eindruck machten. Launeelot, dem unterdeflen die Perfonen der Bewerber näher faefchrie- ben worden waren, liefs fie nicht bis zum Ende fprechen, fondern fchwang feinen Speer zum Zeichen, dafs man ihn hören folite. Alles fchwieg, und er begann denn dem Volk’ in meiner fehr bündigen Vor- ftellung zu fchildern, was für einen nachtheiligen Schritt es zu thim Willens fey: er bewies mit unumftöfslichen Gründen, dafs es ihm gleich fchädlich feyn würde, ob es einen Fuchsjäger oder einen Kornjuden wählte, und allmählig gerieth er in ein fplches Feuer, dafs feine Augen funkelten , und feine Ausdrücke unhöflich zu werden anfirfgen. Da er fleh wider beyde Parteyen erklärte , empfanden fleh auch beyde beleidigt, und es erhob fleh ein Ge- zifch, das ihn beynahe zum Schweigen brachte. Einige aus dem niedrigften Pöbel liefsen fogar'das Wort: JS T arr hören. Hierüber ward er fo entlüftet, dafs er fleh nicht mehr mäfsigen konnte. Er fchrie: ,,Undankbare, niederträchtige Schurken ! *— Ich glaubte mit Chriften zu thuu za haben, aber ihr feyd feile, ehrlofeBu* hen.”—■ Nun war der Lärmen fo ungefiümm, dafs man nichts mehr vernehmen konnte; einige machten das Jagdgefchrey und Gebelle der Hunde nach; andere fchrien wie die Juden; alle aber warfen mit Steinen und Koth auf ihn zu. Er fchwang fei- neu Speer voll Ingrimm, ritt ins dichte- fie Gedräng’, und ßob den PÖbel fo ge- fchwind aus einander, dafs er ganz un- verfehrt abkam. Nicht fo glücklich war Timothy Grab» fliaw. Der Haufen fchlug mit Knütteln auf ihn zu; dabey fpotteten fie über feinen halben Bart, und feinen Aufzug. Einer deckte Gilberten einen Diftelbufch unter den Schwanz, der denn folche Sätze und Sprünge machte, und vorn und hin? ten ausfchlug, dafs Timothy jede Minute in Lebensgefahr war. Zugleich war aber Gilberts Beangftigung fein Glück; denn ohne diefe hätt’ er nicht freye Bahn erhalten „ feinem Herrn nachzureiten, X. KAPITEL, Wer ins Pech greift, kriegt fchmutzige Finger. JLauncelot war kaum eine kleine Strecke vors Thor hinaus geritten, als ihrii ein Schwarm von Leuten ins Auge fiel» unter denen Ferret, mit Säcken um den Hals behängen, in der rechten Hand ein Arzneylläfchchen, auf einem Stuhle Itand und der Menge aus vollem Hälfe zufchrie, Crabl'haw, c? er dem Himmel dankte, dals er aus der Todesangft fo glücklich entkommen fey, hielt nicht Hille; fein Herr aber mengte fich unter den Haufen, und hörte den Redner fprechen. Diefer fuchte feine Qnackfalbereyen durch eine fehr lange, myftifche Rede an Mann zu bringen, die nach feiner Weife» mit po- litifchen Anmerkungen» und den unver- fchämtefien Schmähworten wider die Mi- nifter unterwebt war, und auf die Zuhörer einen folchen Eindruck machte, dals feine Arzeneyen in einigen Minuten alle Abgegangen waren. Indeffen hatten aber doch einige, aus den Zuhörern , die andere politifche Gefinnungen liägten, bald nach dem Eingänge der Rede die Züchtigung feiner Tollkühnheit befchloflen, und dem Conftable des nächften Orts di© Anzeige gemacht. Diefer fand fleh auch mit feinem Stab 31 ein, gerade, als Ferret den Rednerftuhl verlalfen hatte. .Niemand wollt’ ihm Beyfiand leihen ; er kehrte lieh daher zu Launceloten, und hellt’ihm vor» dafs es ihm fein edler Stand-zur Pflicht ma-* che, lieh der gedrückten Unfchuld anzunehmen. Launcelot gab ihm kein Gehör; da er aber gern den Ausgang diefes Abenteuers erfahren hätte, folgte er dem Gefangenen von weitem bis zu einem kleinen Flecken nach., wo er fein Quartier bekam. Launcelot hielt fo eben fein Pferd an, und überlegte, was er nun weiter thun follte, als ihm die Stimme feines Freundes Tom Clarke in die Obren fiel * er fchaute umher, und lieh da!—- es kam aus einem mit eifernen Stangen wohl verwahrten Fenfter. „Um Gottes willen# «Sir Launcelot, fagte Clarkein weinerli* 1 JO chen Tone? „Reigen Sie doch nur einen Augenblick ab, und kommen Sie herauf; es ift eine gar wichtige und dringende Sache. Launcelot wunderte fich nicht wenig » flieg ab, ward ins Gefangnifs eingelaffen @ und fand da nicht nur feinen alten Ge» fpielen Tom, fondern auch den Seecapi- tän, mit einer wollenen Nachtmütz’ auf dem Kopf’, und einer Brüll’ auf der Na» fe, der auf einer Bank fafs, und voll An» dacht in dem Leben und den Abenteuern Valentins und Orjons las. Crowe fall kaum fein grofses Urbild herein treten f fo itand er auf, und Tagte ganz treuherzig*. „Nu, wie gehts, Bruder? — Seht ihr» fo liegt das Land: vier und zwanzig Stunden fitzen wir hier auf dem Grunde, weil wir euj*e Galeer’ aus dem feindlichen. Hafen bogfiren wollten. — Hört ihr; da ging der Bogfpriet — herunter der Yor- dertop — die Todteniichter in alle Höhe —- pumps ! ■—da fiel ich auf mein Hinter» eaftell. ” — , Clarke fuchte die nicht vollkommen deutliche Erzählung feines Oheims in ge* ^ I 7 I. meiner Rede zu verdollmetfchen, und fagte, als fi.e bejde, er, und fein Herr Oheim, den Morgen nach der Nachtwache in der Kirche die Reife fortgefetzt hätten, wären ße auf eine .Kutfclie geltos- fen, in der zwey Frauenzimmer fafsen, von welchen das eine in der lieftigftea Bewegung zu fejn gefchienen hätte; denn, als ße vorbey geritten-wären, habe es lieh gegen feine Gefährtinn geßräubt, und den Kopf zum Schlage heraus ge- fireckt,, und ihnen etwas zugerufen , das iie aber nicht verfianden hätten. Sein Oheim, der auf den Gedanken gerathen fey, dafs fie inNoth wäre, habe fogleich ihre Befreyungfaefchloßfen, feinen Hirfch- fänger gezogen, und dem Kutfcher bey Lebensftrafe die Segel einzunehmen befohlen. Einer von den Bedienten bey der Kutfche hätte aber feinen Oheim für einen Strafsenräuber gehalten , mit dem Gewehre nach ihm gezielt, und würd* ihn gewifs erfchoffen haben, wenn er, Tom Clarke, nicht eilends hinzu geritten, und die Frauenzimmer verliehert hätte, dafs fein Oheim non composw'ä.re. Die Bedien- I ?2 - : -- ten hätten fleh aber nicht zurechte weifen laffen, fondern wären mit ihren Peitfchen über fie hergefallen, und hatten ■fie gewaltfam hierher gefchleppt; hier habe man ihnen endlich über diefs ohne allen Vorwand Geld und Pferde genommen, „Sprechen Sie nun felbft, Sir Launcelot* ifts billig, dafs wir für unferen Eifer fo belohnt werden? — Wie kann man uns für Strafsenräuber halten, da wir gar keine Zeichen, keine Prügel, keine Mordgewehre bej uns tragen? — Retten Sie uns» Sir Launcelot, da wir fo bereit waren, das Frauenzimmer zu befreyen, als' es Ihren Nahmen nannte! ”t— „Was Tagen Sie ? ”—fchrie Launcelot.—» „Meinen Nahmen?” — „Ich bitte um Vergebung,” Tagte Clarke, der über Launcelots Halligkeit erfchrak; „uns fchien es nur fo, dafs fie Ihren Nahmen genannt habe; es war fo in derEile” — „Sprich!” —fchrie Launcelot noch ein Mahl— „oder verftumme auf ewig!—Wer. war das Frauenzimmer?— Wellen Nahmen nannte fie ?—Sprich! —Wer wars !”— „Mifs Aurelie Dämel, ” (lotterte Clarke § 5 ,tlöd midi- dünkte, fie habe den Nah* inen Launeelot Greaves gefprochen.” „Grofser Gott!”—fchrie Launeelot, und ward blafs, wie ein Hemd; — „was für einen Weg nahm die Kutfche?”—- „Sö viel wir fahen , ” antwortete Tom, verlieh? fie die Landftrafse , und jagte rechts fort.”—Da fankLauncelotsHaupt auf feine Bruft, und fall ftarr auf den Boden. So ftand er gegen eine Viertelftunde, ohne dafs ihn jemand zu unterbrechen gewagt hätte, bis Crabfhaw dem Still- fchweigen ein Ende machte. „Seht zu, was ihr thut, ihr Herren , ” fchrie er ; „was ihr in die Schüffel brocket, das müffetihr felbft freften! ” •— Launeelot erwachte nun aus feinem Seelenfchlummer, fchaute umher,, und fah, dafs Crabfhpw unterm Häuf* ordentlich in Haiseifen flehe, und häufiges Volk lieh um ihn verfammle. Er war über diefen Schimpf, den man eigentlich ihm felbft in feinem Stallmeifter zufügte 5 hoch ehtrüftet, und fchrie zum Gitter hinaus, warum man ihn in Verhaft genommen habe. *,Üßi Seiner Majefiat, des Königs willen,” antwortete ihm ein Büttel; ,jum driften, teilten wir fchon auch, euch zu packen kriegen werden,” Laimcelots Augen fingen ihm nun ini Kopfe herum zu gehen an; er rifs eine grofse eichene Bank auf, die foult kaum drey Kerle würden haben in die Höhe bringen können , und hätte gewifs die Thür -zerfchmettert, wenn ihn nicht Clarke demüthig gebethen hatte * fie lieber gehörig alle an dem Friedensrichter zu rächen, der ein armfeliger, einfältiger, boferTropf wäre, der gar nichts im Kopfe hätte, und die graufamften Eigenmächtigkeiten beginge. Lauricelöt fetzte daher die Bank leife wieder nieder, und entdeckte nun erft, dafs Ferret verfchwunden fey. Er fragte den Büttel, was mit ihm gefchehen wäre, und erhielt die Antwort, dafs Ferret ein Ehrenmann fey, den' man mit Gewiffen nicht langer hätte aufhalten können, und dafs gerade er Crabfhaws und auch des Ritters nun bereits fchon protocollirten Verhaft veranlagt habe. XL KAPITEL. Sehilderung einer obrigkeitlichen Perfon. Bevor Launcelöt einen beftimmten Ent- fehluls falben konnte, wollt’ er fich doch erft über den Character des Friedensrich^ ters naher aufklären, und liefs fich denn mit dem Thürfchliefser in ein Gefpräch ein. Diefer erzählte ihm, dafs ihn Ferret kaum am Gitter erblickt habe . als er vor den Friedensrichter gebracht zu werden verlangte; diefem hab’ er nun ausgefagt* dafs der Ritter ein Störer des allgemeinen Friedens wäre; dafs er mit Mordgewehren durchs Land herum kreuze , die Leute mit GeCpenftern fchrecke , die Frey- beit der Parlamentswahlen hindere, und dergleichen mehr. Über diele Auslage jfey er als ein Zeuge für den König auf fteyen Fufs gelaffen, und Cräfofhaw als ein Landfireicher ins Haiseifen gefchla- gen worden. Als Launcelöt diefe unvorteilhafte Auskunft erhalten hatte, fagte er zu ■ der' s y6 ganzen Verfammlung : „Wer wider den Friedensrichter eine Befchwerde vorzu- bringen hat, derbringe fie vor!” Er hätte es kaum aüsgefprochen, als fich eine Menge nackter und eiender Leute um ihn herum drängte, die alle zugleich -wie junge Dohlen den Mund öffneten , und ihre Anklage wider den Friedensrichter Gobble vorbrachten. Einem von ihnen war Gobbles Herkommen ausführlich bekannt; er erzählte denn, dafs fein Vater ein Schneider wäre, und Gobble felbft mehrere Jahre vorher zu London als Strumpfwebergefelle gearbeit habe; dort hätt’ er Gelegenheit gehabt, in den Schenken von den Schreibern und unterften Gerichtsdienern einige rechtliche Ausdrücke zu lernen. Nach feines Herrn Tode hab* er die Wittwe, und mit ihr ein ansehnliches Stück Geld zu erhafchen gewufst. Da er Holz, und fein Weib hochmüthig gewefen, hätten fie befchloffen, das Gewerbe niederzulegen, und auf dem Lande zu leben. Nach feines Vaters Tode hätten fie das hinterlaflene Haus in die- fem Städtchen bezogen. Ein gewifferPeer, ---—' m der ihm noch von derZeit, als er Strumpf* webergefeile war, viel zu bezahlen hatte , habe fich mit ihm gegen die Friedensrichters helle abgefunden. Seit dem fey lein Stolz und feine Ungerechtigkeit unerträglich geworden» „Worüber habt ihr aber ins befonderö 2u klagen ?” — fagte Launcelpt. „Was mich betrifftfuhr einer im Gespräche fort, „ich hatte einen wohl eingerichteten Kramladen, lebte aber haupt- fachlich von zwey Jahrmärkten. Weil ich nun bey der Wahl des Kirchenfehreibers nicht nach feinem Kopfe ßimmte, be* fchlofs er, mich unglücklich zu machen«, Er hob die Jahrmärkte auf, von denen doch fo viele Leute, befbnders die Wir» the, leben mufsten. Ich hatte nun keinen Abfatz mehr, ward kleinmüthig, gerieth ins Saufen , alles ging unter einander; endlich traf fichs ein Mahl, dafs ich ihn in meiner Verzweiflung vor feiner eigenen Thür tüchtig durch prügelte. Ich ward gleich eingezogen ; ipeine Gläubiger fielen über den Reft meines Vermögens her| nun fitz’ ich als ßankerottirer hier 2 und. (L, Greaves /. Th.) in *78 Gott weifs, wie lang’ ich werde zappeln müfFen.” Der nächfte Gefangene war eine hagre Geßalt mit einer grünen Schürze. Diefer erzählte, er habe vor bey läufig zwölf Jahren in diefem Städtchen eine Schenke gehabt, und fein hauptfachlicher , Ver- dienft hab’ in einer Kegelbahn behänden, auf der lieh die anfehnlichften Einwohner zu /unterhalten gepflogen hätten» Er habe damahls einen Wallachen mit vieler Mühe zu feinem eigenen Gebrauche zugeritten ; diefer habe Gobblen gefallen, und er hab’ ihn verlangt. Da er ihn nun verweigerte, habe Gobble dasKegelfpiel eingelteilt, und, als er gefehen, dafs er fein Leben doch noch kümmerlich fort- feringe, hab’ er ihm auch feine Wirths- freyheit unter dem Vorwände, dafs ohne diefs zu viele Schenken im Städtchen Wären, eingeftellt. So fey er nun ohne allen Unterhalt, aufser dem wenigen , was fein Weib erwürbe. Der dritte, den nun die Reihe traf, war ein Wilddieb , dem Gobble durch mehrere Jahre durch die Finger gefeiten '*79 hatte , wofür er aber feine Küche unentgeltlich mit Wildbrete verfallen mulste* So war es gut gegangen, bis Gobble einlt durch ihn in nicht geringe Verlegenheit gerieth. Er hatte mehrere Gafte auf einen, lefonders leckem Hafen, den der Wilddieb zu bringen verfprochen hatte, geladen. Diefer hatte auch feine Hetz’ ausgeliellt; aber der Revierjäger hatte es aufgehoben* Die Gälte fp rachen ein , aber — der Ha- fe kam nicht. Gobble glühte wie eine Feuereffe, und nichts wäre nun im Stande gewefen, ihn und feine Frau zu be* Einfügen. Der Wilddieb ward einzogen s und fein Weib ging mit fünf Kindern zur Stunde noch betteln* Eben hatte lieh ein vierschrötiger Kerl zur Anklage angefchickt, als Launcelot über den aufserft elenden Anblick eines Weibes ftutzte. Sie flürzte vor ihm auf die Knie, ßreckte die Arm’ aus, fchlug die Hände zufammen, und weinte bitterlich. „Was ift ihr, armes Weib ?” Tagte Launcelot gerührt. „Grolsmächtiger Kai- Ser und Herr!” fdirie fie; „ich liehe nicht m 2 I mehr auf, bis du mir nicht wider de» ErzböfewichtG obble Recht verfchafft haß. Er hat mir den Stab meines Alters, mei- nen Sohn, mein einziges Kind von der Brufi geriflen; er hat ihn verrathen; er hat ihn ins Gefängnifs geworfen; er hat ihn ermordet!” — Unter diefen Worten klammerte fie lieh voll Verzweiflung mit beyden Armen Io gewaltfam um feine Knie, dafs fie ihn beynahe umgeworfen hätte« Als die anderen fahen, dafs fich Laum celot über diefen Anblick entfetzte, brach* ten fie das Weib mit Gewalt von ihm los, und in eine andre Stube. Launcelot konnte fich einige Minuten nicht fammeln. Der Krämer, der das Weib kannte , fag- te , fie wäre von hübfehen Leuten , und guter Erziehung. Sie hält’ als Ka* planswittwe einen bemittelten Pächter, Ockley, geheirathet; als auch diefer fiarb, hätte fie befchloffen, mit ihrem Sohn’, einem hoffnungsvollen Menfchen , di« Wirthfchaft allein zu treiben. Sie würde lieh recht gut haben fortbringen können, wenn nicht Frau Gobble wider des jun- iBi- gen Pächters Liebße, Sufanae Sedgemo- re, einen lächerlichen Groll gefafsthatte, weil diefe bej einer Kirmfe vor der Frau Friedensrichterinn zum Tanz’ aufgezogen worden war. Über diefen Schimpf wäre Frau Gobble fo entriiftet gewefen, dafs fie dem Ceremonienmeifter des Balls, dem Todtengräber des Kirchfpiels, die bitter» ften Beleidigungen fagte, und dem Mädchen Rache fchwor. In zwey Tagen fej auch der Todtengräber abgedankt, der Junge Pächter mit Gewalt unter die Wer-» her gegeben, und nach Oftindien gefchickt worden. Die arme Suky habe fich die Schwindfucht an den Hals geweint; die Mutter hab’ aus Schmerz ihr ganzes Haus- wefen vernachläffigt, und mitten in diefe m Trübfale die Nachricht erhalten, dafs ihr Sohn, der junge Greaves, in einem Seetreffen mit den Franzofen geblieben fey. Kaum habe fie’s erfahren, fo fey fie von Sinnen gekommen. Ihr Gut fey nun durch Gobble an die Gläubiger übergeben, und fie feither immer im Verhafte. Als Launceloten der Nähme Greaves ins Ohr fiel, verändert’ er die- Gefichts- £» ^ ^jSBE ^ aiBi yiw w » ,-i <3L-maut*!*te* a5 A färbe, und, fragte nun nachdem Schluffe der Erzählung voll Unruhe, ob des Weibes ertter Mann nicht Wilford geheifsen habe; was der Gefangene bejahete. „Gott im Himmel!” fchrie der Ritter darauf; „fie Tfis, die mich als Kind mit ihrer Milch genährt hat. Arme Doro^ thy!” —- Eine Tnräne fchlich über feine Wange herunter. ,, üt die Wahnfinnige nicht doch manch Mahl bey Verftande ?" fragte er. „Sieiit melfiensganz ftilP,” antwortete ih m einer, „undfcheintmeiftensbey Verftande zu feyn , aufs er wenn fie ein ungewöhnlicher Lärmen' Hört.” Launcelot war von dem allgemeinen Elende des Orts, an dem er fielt befand, ganz durchdrungen, und berathfchlagte lieh mit Tom Clarke, dem Anwaide, wie er fich erft in Ereyheit fetzen , und dann den Richter belangen könne. Nach den verabredten Mafsregeln verlangte Launcelot mit lauter Stimme vom Kerkermeifier eine Abfchrift feines Ver* Jiaftsbefehls. Diefer fagte, fie Tollte gleich dä feyn j er liefs fich aber wiederhohlt 5^™—sa -183 angehen, und doch kam fie nicht. Klar-, ke erinnerte der Kerkermeifter, dafs auf erfte Verweigerung der Abfchrift eine Strafe von zweihundert Pfunden , auf die zweyte die doppelte Summe , und der Verlud des Amts gefetzt fey. Der Kerkermeifter war in nicht geringer Verlegenheit; denn es war gar kein Verhaftsbefehl ausgefertigt, und er könnt* auch keinen mehr verfallen, da Ferret über alle Berge war. Über diefs ftutzt* er über die Ehrfurcht, mit der Clarke und Crowe dem Fremden begegneten. Er klagte dem Friedensrichter fein Noth , und diele? war zwar geneigt, den Ritter und feine zwey Freunde zur Vermeidung alles weitem Verdrufies abziehen zu 1 affen; aber doch wollt’ er fie vorläufig we- nigflens willen laffen, dafs er Seine Wohl- geborn , der Herr Friedensrichter fey» Er liefs fie denn vor feinen Gerichtshof rufen, in dem er, mit einer carmofinro- then , fammtenen Mutz* auf dem gelehrten Haupte, Recht fprach. Neben ihm fals feine Frau, ■Er' begann , ihnen in einer unzufäm- s 84 , "" — menhangenden beleidigenden Rede fein Anfehdh, feine Gewalt, und feine Ein» licht zu fchildern , die Launcelot mit der einzigen Anmerkung beantwortete, dafs ' er nicht Mufse habe, folches Zeug anzu» hören, und lieh alle Anzüglichkeiten verbitte , indem er ihn fonft höheren Orts belangen würde. Die fchnippifche Frau Friedensrichterinn fand lieh durch diefe Anmerkung fo beleidigt, dafs fie auffprang, undLaunce» loten unter die Nafe fchrie: „Kerl, fo raufe er uns nicht kommen!” Gobble ward durch diefen Ausbruch feiner Gemahlinn muthiger, und fagte t „Nur Geduld, ihr lockrer Zeifig ! nunkom» men wir gewifs nicht fo friedlich aus einander !” *— „Das möchte feyn erwiederte Launcelot ganz kaltblütig, „ Was ift alfo eure Hantierung ? ** fuhr Gobble fort, „ Ich bin ein Cavalier!” „Was? ein Cavalier? — Ein Land- ßreicher, ein Taugenichts! — Wovon lebt er denn ?’* = . . iS5 „ Von meinem Vermögen !” — In was befiehl es wohl?” —■ „ In meinem Landgute.” ,, Woher hat er wohl fein Landgut?” „Von meinen Ältern.” „ Euer Landgut heifst Spitzbiiberey; das habt ihr von Natur.” -- Hier ward das Verhör durch Fillets , des Wundarzts , Ankunft unterbrochen „ der eben vorbey geritten, und weil er fo viele Leute an der Thür gefehen , aus Neugierde abgeftiegen, und hinein gegan* gen war. XII. KAPITEL, Man braucht eben keinen Strick , um einen Mund todt zu Jchlagen. Fillet trat ein, und Crowe tappte ihm um die Hand. ,,Ey das Wetter! ” — fagte er;—„Doctor, du komm ft gerade recht, damit wir wieder flott werden. Wir ha* ben einen guten Loötfen gekriegt, der die Küße kennt.” sg6 ~~=r=== Fillet kehrte Geh gegen den Ritter,und fprach: „Sir Launcelot Greaves , ihr ge- horfamfier Diener; es freut mich’ ungemein, Sie hier zu, treffen, und die Ehrfurcht, die ich gegen. Ihre Perfon und Ihren Charakter hege, wiederhohlt bewei- fen zu können. Befehlen Sie mir doch; womit ich Ihnen dienen kann.” ■ Greaves dankte ihm für feine Bereitwilligkeit, und bath ihn denn, fo gefchwinde als möglich für ihn und feine beyden Freunde, die ohne allen gefetzmäfsigen Grund in Verhaft genommen worden waren , Bürgen zu verfchaffen. Während die- fes Gefprachs begann der Friedensrichter, der von unferm Ritter und feinem Vater fehr viel gehört hatte , eine folche Reue und Herzensangß zu empfinden,dafsihm beynahe die Zähne klapperten, und fein Gefleht alle Farben annahm. Mit einem Wort’, er fah aus , wie Hogarths Land- p lieg er Felix. Kaum hatte Fillet das Zimmer verlaufen , als Gobble mit geheuchelter Freundlichkeit und Ehrerbiethung erklärte, es brauche nun fo viele Umftände nicht mehr ; i$7 denn er fej bereit, fie ohne Weiteres auf freyen- Fufs zu Hellen. „Wahrhaftig,” fagte Frau Gobble, „mein Mann hätte lieh, gewifs lieber die Zu hg’ abgebiiTen , als Euer Geftrengen, willentlich eine Grobheit gefagt. Wir wif- fen fchon, wie man Leuten von Difch- dingzjon begegnen mufs.” „Das heifst, ” fagte Launcelot, „Ihr Mann tritt dem Armen auf den Nacken, und