^Visner Ltsätdibliotkek 165357 H- „4 .'H >> ->-' .!» ' , .7 ' ' ^ -«IU^- -». . 7 ^ --.. - -n.' ^ ^ «G^r- E r-> '< . -- 'U - * L » »*«- ^ ^ ^Visnsr Ztsätdidliotkslc 1653S7 "'" .''7>-' -E' .N i < MWx ^ .'V '--.^-7 ^ -, ^ x,^ v^.- ^ ^.i Z? . volktän6jgS8 ksgiebuck. kils unverkäuklickes Manuskript gedruckt. 3in Nanciel nickt erlckiensn. 5Me deckte vordekaltsn. Der Srak von Luxemburg Operette !n 3 Akten von N. M. V?illner unk ködert kokanrki/. Musik von kram kekar. Hämtlictis Verlags-, Üdsrsetzungs-, Arrangements- und Llukkübrungsreckte vordetialten. I'ous ärvits ä'läition, ä'arrangement, äs traäuction et ä'exöcution rSservss. Eigentum äer Verleger kür alle liünäer. — Eingetragen in äas Vereinsarckiv. V?. iiarcrag L C. Latiner — Musikverlag, Lüknsnverlag unci Vertrieb — t0isn VI., Magüalenenstraße Nr. 8. - — lreiprig, llürnbergsrstrahe 3b/38. ——— Ent. 5tat. ltall, lionäon. ^ USposS S Paris. CvMigkt 1Y09 bt/ krsitkopk L ASrtsl, Ne«t Vork. Eigentum kür Nuhlcuirt: P.Nslüner, Niga. llruck von Nuäolk llvrorscbak, Vien, IX. kerirk, Elisabetk-Promsnaäe Nr. 33 volktänclige; ksgiebuck. kils unverkäuklickss llianuskript gedruckt. 3m Nanciel nickt erlckisnen. kille deckte vorbsdaltsn. Der Srak von Luxemburg Operette in Z Akten von N. IN. Vlillnsr un6 ködert koäanrki/. Nlusik von kranr ksdai 56mtlicke Verlags-, Üdersstzungs-, Arrangements- un6 Aukkütirungsreckte vorbstialten. lous clroits ä'öclition, 6'arrangement, 6e traüuction et 6'exScution röservös. Eigentum 6er Verleger kür alle liünäer. — Eingetragen in 6as Vereinsarckiv. V). liorcrog L C. v?allnsr — lliusikverlag, küdnsnverlag un6 Vertrieb — Hjöll VI., Magllaleiisnstratze llr. 8. deiprig, liürnbergerstrahs 3b/38. -s ü Paris. Lnt. Ztat. «all, bor Copl/rigkt 1Y09 bi/ Lreitkopl L ttärtsl, Nero Vork. Cigentum kür kuhlancl: P.llelclnLr, kiga. Druck von Ku6olk Dvorsckak, V^isn, IX. ksrirk, Llisabetli-Promsnaüs llr. 33, Personen: Nenee, Graf von Luxemburg. Fürst Basil Basilowitsch. Gräfin Stafa Kmkozow. Armand Brissard, Maler. Angele Didier, Sängerin in der Großen Oper in Paris. Juliette Vermont. Sergei Mentschikof, Notar. Pawel von Pawlowitsch, russischer Botschaftsrat. Pelegrin, Munizipälbeamter. Anatol Saville i Henry Boulanger ! ^aler Charles Lavigne Robert Marchand ' Aureli e Coralie Modelle. Coralie Amelie 1 Francois, Diener. Marquis Chateauneu s. Baron Sullignac. Der Manager des Grand-Hotel. Jules, Oberkellner. James, Liftboy. Erster und zweiter Lohndiener. Erste Dame. Zweite Dame. 1. Akt spielt im Atelier des Malers Brissard. 2. Akt im Palais der Sängerin Didier. 3. Akt im Vestibüle des Pariser Grand-Hotel. Ort der Handlung: Paris. Zeit: Gegenwart. Lrlter Akt Die Bühne stellt das Atelier des Malers Armand Brissard dar. Dieses Atelier zeigt in seiner keineswegs luxuriösen Einrichtung die BohLmewirtfchaft. Mitte rechts eine Staffelei, vor derselben ein Stuhl. An den Wänden Skizzen, Gipsabgüsse, Gesichtsmasken, einige alte Waffen und verschiedene Kostüme. Stellagen mit Malerrequisiten, Farbtöpsen re. Diverse Möbelstücke, Schrank, Tisch, Stühle, Fauteuils, Kleiderstock, eine lange Holzbank. An der Rückwand steht auf einem niederen Gestelle montiert ein übermanneshoher Holzrahmen, der mit weißer Leinwand überspannt rst, aus welcher skizzenhaft ein großer Kirchenaltar mit Säulen sichtbar ist. Die Stelle der Leinwand, durch welche später der Ringwechsel stattfindet, ist vorgesehen und unmerklich mit leichten: Papier überklebt, das bei jeder Vorstellung erneuert werden muß. Der allgemeine Austritt erfolgt durch die große Mitteltüre im Fond. Links seitlrch eine kleinere Türe. Rechts seitlich ein etwas erhöhtes, sehr großes Fenster, das dem Atelier das Licht gibt, zu welchem drei Stuseu führen. Tageslicht. Beim Aufgehen des Vorhanges sitzt Armand Brissard vor der Staffelei und arbeitet, kurze Pfeife im Mund. Er trägt lichteres Beinkleid und braunes Samtsakko mit großem Schlips. Juliette, in einfachem aber schicken Straßenkleide, steht auf den Stufen am geöffneten Fenster Man hört die Musik des Maskenzuges, der unten auf der Straße vorbeizieht. Links und rechts vom Zuschauer. 6 1. Szene. In Nette, Brissard, dann Chor. Nr. 1. Introduktion, Duettino. Chor hinter der Szene. Karneval, ja du allerschönste Zeit, Tralalalala, tralalalala, tralalalala. Wer der größte Narr, der ist König heut'. Maskenschwarm, mit dem Liebchen Arm in Arm Tralalala rc. Tönt der frohe Sang durch die Stadt entlang, Leichtsinn ist die Parole, Die heute jung und alt regiert. Wer kein Philister ist, mit uns marschiert, Und wer kein Ducker ist, nicht lang sich ziert! Einmal blüht nur die Jugend, Und heute glüht sie doppelt schön, Lass' dir, mein süßes Kind, den Kopf verdreh'nD Dann wirst den Himmel du voll Geigen seh'n. Inliette (lachend zum Fenster hinaus während ein Strauß Papierrosen hereinflregt). M e l o d r a nr. Hahaha, nicht gut gezielt!... (Sie wird von einer Papiertrompete getroffen.) Bravo, das war schon besser! (Wirft die Trompete zurück.) Da — als Revanche... Bums, sitzt! (Eine Menge Düten, Papierschlangen und Sträußchen fliegen herein.) O danke schön — das war zu gut gemeint! (Eine Narrenkappe fliegt herein. Sie fetzt sie auf, hinunterrufend.) So recht! Heut' sind wir alle Narren. (Gelächter und Johlen auf der Straße.) 7 Gesang. Natürlich, Renee ist auch dabei, Ganz mitten drin im Trubel! (Wendet sich zu Brissard.) So lass' doch jetzt die Klexerei, Bei diesem Faschingsjubel! Brissard (etwas ärgerlich): Der Teufel hol' den Karneval! Brächt' ich durch Arbeit nichts ins Haus, Wirft uns der Hausherr noch hinaus! Staffelet Brissard Juliette — O ' Juliette (tritt zu ihm und streichelt ihn): Brummbär — (Zärtlich.) Geh', Armand!... Brissard (Versöhnlich): Na, ist 's nicht wahr? Juliette (kokett): Ei was, ich will mich amüsieren! Und wenn es dir nicht paßt — (Stockt.) Brissard: l Iuliette (trotzig-schelmisch): Mit einem andern es probieren! Brissard (ironisch): Famos, doch mache ihm gleich klar: Er kriegt dich nur am Traualtar. (Juliette bombardiert ihn mit den Farben.) Prosa. Brissard (seufzend): Ach ja! Juliette: Also, das ist mein Karneval! Er seufzt! Brissard: Hab' ich nicht allen Grund dazu? Ich, der geborene Rubens — was, Rubens? Tizian — was Tizian? — Raphael! alle drei in einer Person — Juliette O Brissard /i Juliette (ihn unterbrechend): Diese Litanei kenn' ich schon — Brissard: Ich — der ich ein Venusbild in mir trage noch keiner getragen hat — wie es 9 Juliette (lächelnd): Zu dem ich dir Modell stehen soll! — Nein — mein lieber Freund, erst schön brav heiraten — dann Modell- Brissard: Psui! Du bist mißtrauisch! Juliette (sich schnippisch vor ihn hinstellend): Und du scheinst eine heftige Abneigung gegen platonische Verhältnisse zu haben! Brissard: ^^-WeU sie so gar keinen Sinn haben! Juliette: Mein lieber Armand! Ob ich das richtige Maß für deine Venus habe, das kannst du nicht wissen, aber etwas solltest du schon wissen, daß ich das richtige Maß für eine brave kleine Hausfrau habe. Brissard: Wer stellt täglich die fabelhaftesten Menus für unsere Diners zusammen, du. Erster Gang: Uolape pomme äe karre ; zweiter Gang: Erdäpfelragout; dritter Gang: Braten — nämlich gebratene Kartoffel! Juliette: Ja, der Kartoffelmann ist der einzige, der uns Kredit gibt, er ist der einzige, der an deine und Renees Zukunft glaubt! Brissard sfelei und Stuhl, auf dem er gesesseu, beiseite; gereizt): Bitte, lass' Renee aus dem Spiel — 10 Iuliette: Natürlich! Dein sauberer Freund — der Hochwohlgeboren Herr Graf Renee v. Luxemburg — Besitzer der größten russischen Güter, die aber leider konfisziert sind, sonst hätte er sie ohnehin schon durchgebracht. Was ist er? — Nichts! — Was hat er? — Seine väterlichen Millionen hat er durchgebracht. (Zeigt aus das Bild an der Papierwand.) Und mit seiner Malerei sieht 's auch traurig aus! Brissard (energisch-: Du vergißt, wieviel ich seinem Vater zu danken habe — nur durch seine Unterstützung war es mir möglich, mich der Kunst widmen zu könen! I u l i e t t e: Die dich so weit gebracht hat — daß du mit Müh' und Not 26 Francs per Woche verdienst! Brissard Iu'äetie Brissard (mit unterdrückten Tränen): Du wirfst uns also unsere Armut vor du bist herzlos! Juliette I u l i e t t e: Ah — also herzlos bin ich, bitte, dann bin ich ja -überflüssig — dann kann ich ja geh'n — (macht Anstalten, zu gehen) sofort kann ich gehen — (macht wieder zwei Schritte der Tür zu, bleibt stehen) i ch dränge mich nicht auf! Lächerlich! — Ich gehe schon! (Bleibt an der halbgeössneten Tür stehen, zögernd.) ^ 11 Was ich sagen wollte — ich lasse — alle schön — grüßen — die Freunde und Freundinnen — die ganze heutige Picknickgesellschaft — und — und — und — ich wünsch' euch guten Appetit — Lebwohl — (Geht ab Mitte.) - Tür - Juliette O Brissard O Brissard (bleibt abgewandt ruhig stehen, drückt mimisch Freude aus). Juliette (öffnet die Tür und steckt den Kopf herein; Pause): Hast du noch etwas gesagt? Brissard: (ganz ruhig): " Ich? Nein! — Juliette Brissard O O Juliette Also, mich nennst du herzlos — du, der du mich ruhig auf Nimmerwiedersehen sortgehen läßt? — Egoist — du hast ja nicht einmal die Farbe gewechselt! — (Drohend auf ihn zugehend.) Warum hast du nicht die Farbe gewechselt? Fenster 12 Brissard: Ich Hab' nicht einmal Geld zu wechseln, viel weniger Farbe. Ich Hab' doch ganz genau gewußt, daß du bleibst. (Breitet die Arme aus.) Juliette! Iuliette: So eine Gemeinheit! (Sie küßt ihn; schnippisch): Wer weiß, ob wir überhaupt zu einander passen. Und dann, was können denn Sie mir bieten, mein Herr? Brissard (einfach): Wenig — und doch viel! Ein kleines, trauliches Heim, so recht warm und gemütlich — wie die Tauben könnten wir leben. Juliette (gerührt): Hm, hm — wie die Tauben. Du fliegst hinein — ich flieg' hinaus — Brissard: Dann flieget ich wieder hinein — Juliette: Dann fliegest aber hinaus — das war' wunderschön! Brissard (mit Elan): Zwei solche Bohemenaturen, wie wir — die schlagen sich schon durch. Juliette: Und ob! (Beide setzen sich an den Tisch.) 13 Tisch O O Brissard O Juliette Nr. 2. Boheme-Duett. Brissard, Juliette. 1 . Brissard: Ein Stübchen so klein, Grad zwei geh'n hinein, Just Frau und Mann, Dem Himmel ganz nah, Sechs Stöcke sind 's ja. Was liegt denn dran! Kein Visavis — gestört wird man nie, Wenn man, wie es schon ist — sich küßt! (Küssen sich.) Juliette: Du malst ein Porträt, Ich mahl den Kasfee, Ach das wird fein, Ich lob' dein Porträt, Du lobst den Kaffee, So soll es sein, Glaubst wir sind zwei? Nein, nein, wir sind drei — (Brissard erschrickt.) Denn die Liebe, die ist dabei! Brissard (luftig): Und wieviel Mitgift hast denn du? 14 I u l i e t t e: Ich denk', für alles sorgst doch du! Brissard: Hab' keinen Sous! I u l i e t t e: Hab' keinen Sous! Beide: Hab' g'rad' soviel wie du! Refrain. Brissard Jul kette O O Iuliette und Brissard: Wir bummeln durchs Leben, was schert uns das Ziel, Geht 's auch daneben, wir fragen nicht viel, Bin Bohemien, mir gehört die Welt, Denk nur oll llion, 's geht auch ohne Geld. Wir bummeln durchs Leben, was schert uns das Ziel, Geht 's auch daneben, wir fragen nicht viel, Fliegt auch das Letzte zum Fenster 'raus, Komm, häng' dich ein, Kinderl, mach' dir nichts draus! (Tanz.) 15 2 . Iuliette: Und hast du viel Moos, Dann geht es erst los, Dann kaufst du mir Den mächtigsten Hut, Der paßt mir so gut, Ich schwärm' dafür, Perlenboutons, Ein Seidenjupon, Das gehört ja zum guten Ton! Brissard: Ein Auto dazu, Dann geht es im Nu, Wenn nichts passiert. Ein Äroplan, Der fliegen auch kann, Der wird spendiert. Was gut und was neu, Wir biegen's uns bei, Du mein Gott, man hat Geld wie Heu! Iuliette: Doch ist dies nur ein Kartenhaus! - Brissard: Leicht fällt es um, dann ist es aus! Iuliette: Hab' keinen Sons, Brissard: Hab' keinen Sous, 16 Beide: Hab' grad soviel wie du! Refrain. Wir bummeln rc. rc. (Dann tanzen beide links I ab.) 2. Szene. (Man hart hinter der Szene johlen und lachen.) Saville, Boulanger, Lavig ne, March and, Sidonie, A u r e l i e, C o r a l i e, Amelie, alle mit Paketen beladen. (Alle charakteristisch, aber nicht karikiert kostümiert.) Saville (kommt als Erster herein): Wo ist Brissard und Juliette? (Geht zur Türe links, öffnet sie.) Heraus mit euch! Brissard und Juliette (treten auf). Alle (durcheinander Brissard und Juliette begrüßend): Servus, Kinder! Grüß euch Gott! Saville (ein dicker Kerl, Typus eines verbummelten Künstlers, jovial, immer lachend): Servus, Tiutoretto, grüß Gott, kleine Müsette! ha! ha! Boulanger (mager, Spitzbart, nervös): Was macht die Venus, (Zu Juliette.) Macht die Gnädige noch immer Maßschwierigkeiten? 17 Iuliette (mit Beziehung-: Mein Maß ist voll! Sidonie (flottes, hübsches, lustiges Mädel): Kinder, ein Essen gibt 's für Götter! S a v i l l e:. Auspacken, auspacken, ich habe einen Mordshunger! Lavigne: Wißt ihr, was dieses Packet enthält? (Er hält ein Päckchen in die Höhe.) Aal — geräucherter Aal — meine Lieblingsspeise — pflege dieselbe nie mit einem andern zu teilen. (Inzwischen haben die weiblichen Teilnehmer des Picknicks rasch den Tisch bereitet.) (Zwei Ladendiener reißen die Türe aus, jeder eine große Platte aus den Händen mit allerlei malerisch hergerichteten Delikatessen.) Saville (die beiden Ladendiener erblickend),: Ha, welch Gebild aus Himmelshöhen! Brissard (sich stolz in die Brust werfend): Mein Beitrag! iAlles bildet Spalier und verneigt sich komisch-ehrfurchtsvoll vor _ den beiden gravitätisch vortretenden Ladendienern, die ihre Platten aus den Tisch stellen und mit Grandezza abgehen.) 2 Iuliette: Ja, Mensch! Brissard — gibt es noch solche Leicht gläubiger unter den Pariser Delikatessenhändlern? Brissard: Reg' dich nicht auf — das ist vom Delikatessem händler — ein Modell zu einem Stilleben für ein Aushängeschild! Das soll uns aber im Genuß nicht stören, ich male solche Bilder nach der Phantasie! ' Coralie (etwas spitz): Na, und du Juliette — wie sieht denn dein Beitrag aus? Juliette: Habt keine Angst, ich esse euch nichts weg! Ich teile nur mit Brissard sein Still—leben! Übrigens, ihm Hab' ich etwas besonderes mitgebracht! Alle: Was denn? Juliette: Dasselbe, was klein Fleurettchen ihrem braven Pierre mitgebracht hat! — Ihr kennt doch das Boulevardliedchen von Pierre und Fleurette! Alle: Ja! Ja! Juliette (zu Brissard): Bist du mit diesem Beitrag zufrieden? Brissard: Vollständig! 19 Masken o o o o o o o ooooo ooooo Tisch O Juliette ^ Brissard Bonlanger o Saville O Gesang. Nr. 3. Chanson der Juliette, mit Chorrepe t i o n. I. Juliette (setzt sich aus den Tisch): Pierre, der schreibt an Klein-Fleurette: „Abends heut' um zehn Nimm die lila Samttoilette, Mach' dich wunderschön. Habe Gäste hyperschick, Mimi, Fini, Frederic, Und als höchstmodernen Trick Ein Picknick! Frederic bringt Mandelkuchen, Charles sorgt für Sekt. Kurz, es wird ein jeder suchen, Was dem andern schmeckt. Du, Fleurettchen, bringst, ich wett', Was ich just am liebsten hätt', Am allerliebsten hätt'... ! Refrain: Denn doppelt schmeckt 's dem Bübchen, Wenn selber du kaufst ein, Und was du bringst, mein Liebchen, Wird mir willkommen sein. Fenster Ich Hab' dich gern zum Fressen, Doch bitte ich dich sehr, Du darfst mir nicht vergessen, Ans Beste, ans Dessert." Chor (wiederholt): Denn doppelt schmeckt 's dem Bübchen, II. Lächelnd liest den Brief Fleurette, Schelmisch wird ihr Blick, Und sie macht sofort Toilette, Jetzt für Pierres Picknick... Strümpfchen, äußerst raffiniert, Seidenröckchen, parfümiert, Blondes Haar wird onduliert, De—kolle—tiert. Frederic war da mit Mimi, Tranken Charles' Sekt, Während diesem und der Fini Mandelkuchen schmeckt. Endlich kommt Fleurett' — „O Weh, (mit tiefer Stimme) Bringst ja gar nichts zum Souper, Ja gar nichts zum Souper!?..." Refrain: Juliette (mit natürlicher Stimme): Ich bring' dir, bring' dir, Bübchen, Den süßen, kleinen Mund, Mein Wangenpaar mit Grübchen, Den Arm so weiß und rund. Hast du auch nichts zu essen, Bring' ich dir doch viel mehr: Ich Hab' ja nicht vergessen — Ans Beste, ans Dessert! 21 Chor (wiederholt): Sie bringt dir, bringt dir, Bübchen, zc. Prosa nach dem Lied. Saville (mit vollem Mund): Mein lieber Castor — wo bleibt denn dein Pollux, unser Paradegraf Renee? Brissard: Renee? Auf den können wir heute nicht rechnen. Er hat sich vor zwei Stunden in das tolle Gewühl gestürzt und da ist vor spät abends an kein Entrinnen zu denken. Boulanger: Heut' gibt 's aber auch Masken da unten — herrlich! Saville Jawohl! tbegeistert) Weiber — die Wahl fällt einem schwer! Und eine, die alle in den Schatten stellt — meiner Treu — wenn ich nicht so hungrig gewesen wäre — ich wäre ihr nicht von dem Leibe gewichen! Lavigne: Du sprichst natürlich von Angele Didier, dem Star unserer großen Oper! Saville: Jawohl — und immer dieser verflixte russische Fürst hinter ihr her. Sidoni e: Kunststück! — Sie hat doch ein Verhältnis mit lhm. 22 Inliette: Ein Verhältnis? Angele Didier? Nein, das weiß ich besser. Wir waren am Konservatorium zusammen unzertrennliche Freundinnen, ich kenne ihre Grundsätze. Der Weg zu ihrem Herzen sührt nur über den Standesbeamten. Fürst Basil Basilowitsch hat Angele auf seine Kosten in uneigennützigster Weise ausbilden lassen — Brissard: Und man spricht allgemein, daß er sie in uneigennützigster Weise heiraten wird. Saville: Was — der alte Podagrist will noch heiraten!! Iuliette: Ja, Fürstin zu werden, wird ihr Wohl passen. Sie war immer zu höherem geboren, die gute Angele. (Betonend.) Jawohl, mein lieber Brissard, wir tugendhasten Mädchen wollen geheiratet werden! — Zur gefälligen Darnachachtung. Voim eomprono?. ? (Musik, Lärm. Lachen und Johlen von der Straße.) Alle (die im Atelier Anwesenden, schreien gleichzeitig lebhaft durcheinander): Halloh! — der große Maskenzug! Iuliette: Vielleicht ist Angele Didier dabei! (Lauft zum Fenster.) > 23 Alle (in tollem Durcheinander schwenken die Tücher und rufen zum Fenster hinunter): Es lebe der Karneval! (Sehr bewegtes Bild auf der Bühne. Man hört von der Straße brausende Hurrah-Rufe. Ein Teil von männlichen und weiblichen Masken stürmen übermütig herein.) Nr. 4. Chor und Entree Renees. .Karneval, du allerschönste Zeit! allerschönste Zeit! Tralalalala! Tralalalala! Leichtsinn ist die Parole, Die heute jung und alt regiert! Karneval, ja du allerschönste Zeit! Tralalalala! Tralalalala! Wer der größte Narr, der König ist heut'! Maskenschwarm, Mit dem Liebchen Arni in Arm — Tralalalala! Tralalalala! Tönt der srohe Sang, Durch die Stadt entlang! (Während des Chores lebhafte Bewegung.) Tisch und Stühle werden zurückgestellt.) 3. Szene. Renee (wird von einer Schar weiblicher und männlicher Masken im Triumph auf den Schultern hereingetragen; es folgt ihnen eine Menge ausgelassener Karnevalszügler, maskierte Kinder re). Nenee ist in tadellosem Frack, den Zylinder schief auf dem Kopf, eine große Chrysantheme im Knopfloch, einen kleinen Thyrsusstab mit farbigen Bändern in der einen Hand, in der anderen eine offene Champagnerflasche schwingend. 24 -Fenster Nense O o Herrenchor o o o o o O O R o o 0 0 0 Masken O Brissard 2 Juliette Alle: Hoch, der Graf von Luxemburg, Des Faschings toller König, Hat er nichts, so pumpt er was, Das geniert ihn wenig! Hoch, hoch, hoch Und dreimal höher noch! Renee (übermütig): Volk von Paris, ich danke dir Für die spontane Ovation Und ich begrüße gnädig euch Vor meinem hohen Thron. (Er wird zu Boden gestellt.) oo o o § Brissard ovoo 0° O ° o ° Masken O Juliette 2 Renee o o o » 2 Saville 25 1 . Renee: Mein Ahnherr war der Luxemburg, Von dem die Dichter schrieben, Daß ihm von seinem Hab und Gut Kein Pfennig ist verblieben. Er war derselbe Luftikus, Dem einst in schwachen Stunden, Bei Würfelspiel und Becherklang Sein Erbteil ist verschwunden. Und auf der Stammbaumleiter Da saßen immer heiter Die edlen Sprossen ohne Geld Und Pfiffen aus die ganze Welt. Refrain: So liri, liri, lari. Das ganze Moos ging tschari, Verjuxt, verputzt, verspielt, vertan, Wie 's nur ein Luxemburger kann. Mich Plagen keine Zweifel, Drum ruf' ich: Hol' 's der Teufel, Das Leben liri, lari, lump Ist nur ein Pump! Chor (wiederholt): So liri, liri, lari re. 2 . Renee: Papa, der schlug Wohl aus der Art, Ließ mir ein hübsches Erbe, Da ward mir angst, daß ich am End' Das Renommee verderbe! 26 Schwups, macht' ich alle Fenster auf, Ließ die Dukaten springen, Als adeliger Demokrat Geld unters Volk zu bringen. Und auf der Stammbaumleiter Da sitz' ich wieder heiter Als letzter Sprosse ohne Geld Und Pfeife auf die ganze Welt. Refrain: So liri, liri, lari, Das ganze Maos ging tschari rc. (Dann Chorrepetition.) (Lebhafte Bewegung während des Chores.) Vriffard (erhebt ein Glas Wein): Freunde und Freundinnen! Dieses Glas gilb "dem Märchenprinzen aus Karnevals Reich! Der Graf von Luxemburg, er lebe hoch, hoch, hoch! ' " Alle: Eviva! Renee (mit komischer Rührung): Kinder — ich habe das Bedürfnis, Geld unter das Volk zu verteilen! (Zieht aus der Westentasche ein Zweisousstück, hält es zwischen zwei Fingern hoch.) Hier der Rest eines einst fürstlichen Vermögens! (Er wirst die Münze hoch in die Lust, so daß sie in die Mitte der Gruppe fällt.) Teilt euch! — Die einen nehmen den Kopf, die anderen den Adler! 27 Saville (mit besoffener Stimme): Es lebe der edle Spender! Alle: Hoch! 4. Szene. Vorige, PelLgrin, Mentschikof, Pawlowitsch, in schwarzen Dominos, mit Masken. Pawlowitsch, Mentschikof, Pelegrin (erscheinen an der Türe und rusen unwono): Pardon! Pmvlowiisch O Peleonn O Atenschikof o ^ Iuliette (komisch, erschrocken): Um Gotteswillen! Das Vehmgericht! Brissard (ebenso): Der Rat der Drei! Saville: Die Maffia! Alle drei (ihn in die Ecke treibend): Graf von Luxemburg — wir haben mit Ihnen im Namen des Gesetzes zu sprechen! Renee (schrickt zusammen): Die Pfändungskommission! Ich werde versiegelt! 28 Alledrei (flüstern ihm gleichzeitig zu): Eine wichtige Affäre, wir muffen ungestört fein! R e n e e: Muß das jetzt fein? Alle drei: Unverzüglich. Es steht ein Vermögen für Sie auf dem Spiel! n o o o o o o » o o Masken Pawlowitsch Pelegrin o Renee o Mentschikof Renee: Ah! (Heiter zu den Damen und Herren der Gesellschaft.) Meine Damen und Herren — Sie müssen mich für einen Augenblick entschuldigen, diese Herren wollen mich offenbar anpumpen! Renee: Hochweife Domino — Partie — ich stehe sofort zur Verfügung, will nur meine Gäste hinunterbegleiten! Renee (in den sich Juliette und mehrere Damen eingehängt haben, zu den Damen): » Also gehen wir! 29 A b g a n g s ch a r. So liri, liri, lari, Das ganze Moos ging tschari, Verjuxt, verputzt, verspielt, vertan, Wie 's nur ein Luxemburger kann. Ihn Plagen keine Zweifel, Drum ruft er: Hol' 's Per Teufel, Das Leben liri, lari, lump Ist nur ein Pump! (Renee unter lebhaftem Lachen und Sprechen mit allen ab, bis auf die drei Dominos.) Saville (dreht sich an der Türe um und sagt): Ich bring' sie um! (Ab.) 4. Szene. Pawlo witsch, M e n t f ch i k o f, Peleg rin, dann Basil. Pelegrin: Fürst Basil Basilowitsch wird mit uns zufrieden sein! Graf Luxemburg ist der richtige Mann! Doch wozu die Geheimnistuerei? Warum heiratet Fürst Basil Basilowitsch Fräulein Angele Didier nicht sofort? o o o d 8> Ä L A 8 N- Ment schikos: Das geht nicht so einfach! Fräulein Angele Didier ist eine Bürgerliche und zu einer solchen Mesalliance würde der Zar niemals seine Einwilligung geben. Pa wl o wi tsch: Darum verheiratet er sie jetzt mit dem Grafen von Luxemburg. Dadurch wird Fräulein Angele Gräfin. In drw Monaten wird das junge Paar wieder geschieden und der Zar kann seine Erlaubnis zu dieser nuu standesgemäßen Verbindung nicht versagen. Pelegrin: Und Gräfin Kokozow, mit der er so lange Jahre — Mentschikos: Die kriegt den blauen Bogen. Das ist bei uns in Rußland sehr leicht. ^ . Basil ' stritt durch die Mitte aus): Oh, Wie bin ich verliebt! Ich halt 's nicht mehr aus! Meine Herren, einen Sessel! sMentschikof stellt einen Sessel in die Mitte der Bühne.) Ich muß mich setzen! (Seht sich.) Pslsgrin Pawlowitsch O o Mentschikof Basil Nr. 6. LiedBasil. 1 . Ich bin verliebt, Ich muß es ja gestehen, Weiß selber nicht, Wieso nur das geschehen! Ich bin verliebt Als wäre ich erst zwanzig, Ich bin verliebt Und wie sie Pfeift, so tanz' ich. Ich bin verliebt Bis über beide Ohren, Mein altes Herz, Es fühlt sich neugeboren. Ich bin verliebt, ich bin verliebt, Man sollt' 's nicht glauben, Daß es so etwas bei mir noch gibt! Pawlowitsch: Er ist verliebt, ^^Ver! Basil: Verliebt! Die drei: Er ist verliebt, Basil: Niebt! Mentschikos und Pelegrin: Man sollt' 's nicht glauben, Daß es so etwas noch gibt! Basil: Noch gibt! 2 . Basil: Drin im Herzen rief Eine inn're Stimme, die jahrelang schon schlief, O wache, wache auf! Es naht die Lieb' im Lauf, Du wirst ihr nicht entslieh'n, verlass' dich drauf! Alle: O wache, wache auf! O wache, wache aus Basil: 32 Alle: Es naht die Lieb' im Lauf, Basil: Es naht die Lieb' im Lauf — Pawlowitfch, Mentschikof, Pelegrin: Du wirst ihr nicht entflieh'u, verlass' dich drauf! Basil: Ich bin verliebt, Ich muß es ja gestehen rc. bis Mau sollt' 's nicht glauben, Daß es so was bei mir noch gibt! Pawlowitfch, Mentschikof, Pelegrin: Man sollt' 's nicht glauben, Daß es so etwas noch gibt! Noch gibt! Basil: Prosa. / Basil (zu den dreien): Ah, wenn nur alles glatt geht! Wenn nur die alte Kokozow nichts erfährt, daß ich ihr auskneife! Die will nämlich von mir geheiratet werden. — Wissen Sie, was das heißt, eine so langjährige Freundin heiraten zu müssen? Und noch dazu aus Befehl des Zaren? Oh! Oh! Meine süße Angele, diese keusche unberührte^ KnoMe, wäre untröstlich, wenn ich sie verließe! Ach, liebe sehnsüchtig — tobsüchtig — mondsüchtig aach! Meine lodernden Gefühle kann nur die Msische Sprache so weich — so zart — so duftig wieÄergeben. Uchosssrä^s x>ri alllst sbi Pechs! Na . uäu is chgMstsellno 1 jubits! Naja ssräesellMoja Niliolrcha.— obk^— oh — Wie ich verliebt bin! 33 Pawlowitsch, Pälegrin, Mentschikos ^ Basil: Sie lachen, meine Herren? Wenn man in meinen wahren verliebt ist, da gibt 's nichts zu lachen. 6. Szene. Vorige, Renee (von links auftretend). Renee: Meine Herren, ich stehe zur Verfügung! Basil (zu den dreien): - Der? Er? (Diese bejahen.) (Menftchttoj^und Pawlowitsch stellen für Renee einen Sessel auf oie linke ^erte der Bühne und drücken ryn daraus nieder.) Mentschrkof o Pelegrin o Pawlowitsch Basil o 'ft v Ren6e Renee (setzt sich): Meine Herren, ich bin untröstlich, daß ich momentan nicht bei Kasse bin. Alle vier: Sehr angenehm!, / Basil: Geldmangel ist mir ein Vergnügen! 34 Renee (nicht verstehend): Ha! Basil: Es steht Ihnen für heute noch eine große Überraschung bevor! Sie werden viel — sehr viel Geld haben! neer Ich soll wieder zu Geld kommen? Ist vielleicht die Konfiskation meiner Güter wieder ausgehoben? Keine Jdoe! K enee: Und Wer wird der Esel sein, der mir das Geld gibt? Basil (vergnügt): Der Esel ist auch schon da! (Die anderen drei nicken bestätigend.) Renee (betastet sich, ^sslbt sich die Augen): Ist es ein Traum?j Schlafe ich? Dann, bitte, nicht Wecken! Geld? So etwas pflegt mir nur mehr in Träumen zu erscheinen! Basil: 6t»MMMWMkr! Herr Graf haben sich vorher nur einer kleinen Formalität zu unterziehen! Renee: Von mir aus — der größten! Aber rasch, ehe ich erwache. Basil: Sie müssen heiraten! 35 Renee (aufspringend): ' / . ^Heiraten? A sE. *Nur vorübergehend! Renee: Wozu soll ich denn dann heiraten? Basil: )'amit Sie sich nach drei Monaten scheiden lassen unnen! Renee: ^ A)id wozu d.as alles ^ T as geht das Sie an? Rene e: Na, erlauben Sie! Basil: ? , u « bekommen sür diese Bagatelle 500.000 Francs!/S Rene e: Dann Verzicht' ich auf die Beantwortung dieser Frage! Pawlowitsch o Pelegrin O o Mentschikof Nenee O O Basil Basil: nehmen also an? (Streckt die Rechte aus.) Nc i « tu * Renee (auf): Das Geld auf jeden Fall! (Will einfchlagen, besinnt sich.) Halt — wer garantiert mir, daß ich nach drei Monaten wieder ein freier Mann bin? Es ist nicht immer leicht, einen gesetzlichen Scheidungsgrund aufzubringen! Bafil: Aber — aber — lieber Graf, Sie bringen ja selbst den besten Scheidungsgrund in die Ehe mit. Renee: Ich? Wieso? Ich tu ja gar nichts! Bafil: Wehr braucht es nicht! Fertig — denn ehe die Ehe keine Ehe ist — eher ist die Ehe keine Ehe! Renee: Wie meinen Sie das? Bafil: Ehe die Ehe keine Ehe ist, eher ist öie Ehe keine Ehe! Verstehe! R e n e e: Bafil: Wir haben heute den 18. Januar, nach Ablauf von drei Monaten, so lange brauchen wir yämlich zur /Durchführung der Scheidnna^ireffen Sie ist Paris ein f stund melden sich bei der'^Mchen'BotschaftstDas weitere ' wird ihnen dann bekanntgegeben. / X 3 ? Nr. 6. Quintett. NenLe, Basil, Pawlo witsch, Pelegrin, Ment- s ch i k o s. Gesang. Die Herren (pathetisch): Ein Scheck auf die englische Bank-! Renee (ebenso): Ein Scheck aus die englische Bank! Die Herren: Fünfmalhunderttausend Francs! Rene e: Fünfmalhunderttausend Francs! Die Herren: Da überlegt man Wohl nicht lang! Renee: Da überlegt man Wohl nicht lang! Pardon, meine Herren — zuvor eine Frage... Denn so 'was passiert doch nicht alle Tage. Was ist 's mit der Braut, Wie sicht sie denn aus? Wenn die mir nicht paßt, Dann wird nichts daraus. Die Herren (ironisch, beiseite): Wenn die ihm nicht paßt, Wird nichts daraus! 38 Rene e: Ist sie jung? Die Herren: Aber sehr! Noch viel jünger — N e n e e: Ist sie hübsch? Die Herren: Aber sehr! Noch viel hübscher — Renee (ironisch, verbeugt sich): Freut mach sehr! Hat vielleicht nicht gar die Süße Nebenbei zwei linke Füße? Oder ist sie leichte Ware? Echte Zähne? Eig'ne Haare? Solche Treter! Solche Hände! Ist sie grob und zänkisch, schmissig, Als Lantippe wild und bissig? Ist vielleicht der Herr Papa (Geste des Eingesperrtseins) Gegenwärtig just nicht da? Oder hat am Kops sie Butter, So 'ne Art von „Fräulein Mutter"? Gibt 's dergleichen nette Sachen, Herr, da sag' ich : Nicht zu machen! Ist 's nicht so? Die Herren: Aber nein! Ganz konträr — R e n e e: Wenn's so wär', Dann aU AM! 39 Die Herre Aber sehr! Noch viel mehr Renee (verbeugt sich) Freut mich sehr. Renee: Bare sünfmalhunderttauseLd Francs, Aa, so was gibt mir in de« Tat Elan. Ist noch dazu passabel Frcmlein T, Her das Geld — und das Deschäft ist six. Basil, Pawlowitsch, 'Mentschikos, Pelegri r: Bare fünfmalhunderttaus nd Francs, Ja so was gibt ihm in d n Tat Elan. Renee Solch Geschäftchen mach' ch alle Tag. A l l e: Wenn man mir 's (ihm 's) nur gut bezahlen mag. Basil: Und jetzt wollen Sie so liebenswürdig sein, meine Herren, die Dame hi eher zu geleiten. (Pawlowitsch, Pelegrin, Mentschikof ab Mitte.) 7. Szene. Basil, N e n e e. Renee (überrascht): Ich soll sie also doch sehen? — ' -T'E" >ws M 40 ,"kM5P Basil: O nein — im Gegenteil! (Sich umsehend.) Haben Sie einen Paravent oder sonst etwas Spanisches im Hause? Renee: Leider nein! Basil (bemerkt ein großes, breites Holzgestell, über welches weißes Zeichenpapier gespannt rst, aus dem Zeichenpapier die Kohlenskizze eines „Altars"): Nehmen wir einfach das da! Renee: Um Gotteswillen — das ist ja eine meiner besten Skizzen — stellt den Altar von Notre-Dame vor! Basil: ine alte Dame! Renee: Notre-Dame! l Basil: So? Ich Hab' es für eine Pappelallee gehalten — aber um so besser — ein Altar erhöht die Illusion! ^B a sTI : (stellt das Holzgestell auf. Er schiebt das Holzgestell links vorne der Bühne und placiert es so, daß die Schmalseite gegen den Souffleurkasten steht und somit die Papierfläche eine Scheidewand zwischen rechts und links bildet; nimmt von rechts rückwärts und links rückwärts einen Stuhl und stellt sie zu beiden Seiten des Holzgestells). Renee (lachend): Ich Verstehe — meine Braut soll also durch diese Scheidewand von mir getrennt sein. '.t, 41 o<-—-o Renee -A -o Basil Basil:' z richtig! Wir sind also einig! Noch eines: Bis nach erfolgter Scheidung werden Sie die Güte haben, den Namen eines Grafen von Luxemburg abzulegen. (Streckt ihm tue rechte Hand entgegen.) Ihr Kavaliersehrenwort! Renee (den Handschlag gebend): , Kavaliersehrenwort! ^ i ^ Basil: lnd^jetzt gehen Sie!^^^ Renee (im Abgehen): Die Unsichtbare regt mich sichtbar auf. (Ab links.) Basil: sie Vorbereitungen zur Trauung sind getroffen! (Die linke Seite zeigend.) Hier das Separe für den Bräutigam! (Nach rechts deutend.) f ? / 42 Hier das Sopare für die Braut! Eine wenig"äusfichts- volle . Es gibt dann eine Scheidung von Tisch und Brett! ^ (Spricht inaner zu seinem Herzen, indem er den Rock lüftet.) 8. Szene. B a s i l, Angele. (Kn der Eingangstür erscheint Angele Didier, in blendender Soireetoilette, großem Hut und Theatermantel.) o o Basil Angele Basil (eilt aus Angele zu, küßt ihr galaut beide Hände. Zärtlich, halblaut zu Angele): Es ist alles vorbereitet. Nehmen Sie Platz, Angele! (Im Abgehen.) Angele! Oh! Oh! Oh! Buffi! Und jetzt hole ich unseren Heiratsgrafen! (Ab links.) Angele (allein): Ah... das ist ja ganz apart! Beinahe wie ein Faschingsscherz — aber mir bringt 's eine Fürstenkrone. Nr. 7. Entreelied Angele. 1 . Heut' noch werd' ich Ehefrau! — Doch wer wird mein Mann? (Lachend.) Bis jetzt weiß ich es noch nicht genau, Egal! — Was liegt daran! 48 (Sich umsehend.) Niemand hier — leer das Nest! Mein Gemahl — warten läßt! (Etwas ängstlich.) Bleib' allein ich noch lange, Wird nur gar am End' noch bange! — Unbekannt, Deshalb nicht minder int'ressant Ist mir der heil'ge Ehestand! Je nun, ich nehm' 's nicht gar so schwer, In diesem Fall ist 's kein Malheur, Dies Ehejoch, es drückt nicht sehr! Liebe? — nie kam sie mir noch nah', Liebe? — nie war der Rechte da, Hätt' ihn — das will ich ja gesteh'n, Gern geseh'n! Doch klüger ist 's, man wird geliebt, Statt daß man selber Liebe gibt, Beherrscht die Situation als die Herrin ganz leicht; Man läßt sich stets begehren, Und spart mit dem Gewähren, Und keiner kann dann sagen, er hätt' was erreicht! — Unbekannt, Deshalb nicht minder int'ressant, Ist mir der heil'ge Ehestand — Je nun, ich nehm' 's nicht gar so schwer rc. bis Das will ich ja gesteh'n — Gern geseh'n! (Setzt sich auf den Stuhl rechts.) 44 9. Szene. Angele, B a s i l, Renee. (Basil tritt zuerst von links auf, sieht sich um und winkt Renee einzutreten. Renee bleibt links, Angele rechts, so daß sie sich nicht sehen.) Pelegrin O Pawlowitsch Mentschikof Renee o Basil Angele Basil: "" In fünf Minuten sind Sie sein — in drei Monaten sind Sie mein. Da ist er! ^. (Deutet aus die spanische Wand.) Angele (mehr für sich): Ah! In fünf Minuten Gräfin — in drei Monaten Fürstin! (Mit blitzenden Augen.) Das nenn' ich Karriere! Renee (für sich): Ein angenehmer Sopran! r -x Basil (ängstlich): 'Süßeste, Sie sind doch glücklich ^^SlDwer^en sich 's doch nicht überlegen? — / 45 Angele ^ (ernst und bestimmt): Sie haben mein Wort, Basil — die arme, ehrgeizige Elevin der Schauspielschule hat es Ihnen geschworen, die Ihre zu werden— die^Diva hält ihren Schwur! Basil: Sagen Sie, daß es nicht bloß das Gefühl der Dankbarkeit ist, das Sie bewegt, die Meine zu werden — sagen Sie, daß auch ein wenig Liebe mitspricht, ein kleines Bissei wenig Liebe... Angele: Ich kann 's beschwören, Fürst, daß ich vor Ihnen noch keinen Mann geliebt Hab' — das muß Ihnen genügen. Basil (glücklich^ 4 '--, ^»->Das genügt auch! ^ ^—p (Will sie an sich ziehen.) ' Angele (lächelnd): Pardon, Sie werden doch nicht in Gegenwart meines Bräutigams, (Zeigt ans die Papierwand.) Renee (für sich): Sympathischer Tonfall! Basil: »erÄMM Renee (für sich): Ah! Angele heißt sie... Ein hübscher Name! 46 Vorige, Mentschikof, Paw lo witsch, Pelegrin Basil izu Mentschikof): Haben Sie alles bereit? Mentschikof: Zu dienen! (Stellt ein Tischchen dorne an die Papierwand, ans welchem er Papiere ausbreitet und ein Taschentintenzeng hinstellt.) Basil (zu Pelegrin): Darf ich bitten, Herr Kommissär. Mentschikof (überreicht Pelegrin einen Akt). Pawlo witsch o' Mentschikof o o Basil s Angele Renee O Tisch o Pelegrin Pelegrin (setzt seinen Zylinder aus, liest im Amtston): „Vor den: Unterzeichneten Standesbeamten des 13. Arrondissements erscheinen Renee Gras von Luxemburg, ledig, 28 JahrL alt, derzeit in Paris aufenthaltig, und Fräulein Angeld — 47 (zu Basil) der Familienname wird später ausgefüllt, nicht wahr? (Liest weiter.) ledig, 20 Jahre alt, derzeit ebenfalls in Paris domizilierend, und erklären sich bereit, miteinander eine nach den Gesetzen Frankreichs^gültige Ehe einzugehen. Nachdem keinerlei Hindernissclder Schließung einer legitimen Verbindung im Wege stehen, wird dieser Vertrag von beiden Teilen sowie von den anwesenden zwei Trauzeugen unterschrieben und die Ehe sodann als rechtsgültig erklärt. Paris, den 18. Jänner 1906." (Mit erhobener Stimme.) s Gras Renee von Luxemburg und Fräulein Angele... Basil: nie wird später beigesetzt. Pelegrin: sind Sie bereit, die Ehe miteinander einzugehen? Dann sprechen Sie ein lautes, vernehmliches Ja! Ja! Ja! Renee: A ngele: Basil: ja! ' Pelegrin (fortsetzend): Tauschen Sie die Ringe! Mentschikof reicht ans einem Samtetui Renee den einen und Angele den anderen.Ring): Und reichen Sie sich die Hände. 48 Renee und Angele (haben sich erhoben). Basil (ängstlich aufpassend): Llber vorsichtig — bitte, recht vorsichtig... Renee (berührt die Papierwand): Ja, aber<^^ Angele , (ebenso): Ja, aber^.r' (Schließlich gewinnen ihre beiden Hände Fühlung, Renee streckt di^Hand durchs Papier, streckt den vierten Finger vor.r .Angele 7 ^ (überrascht): Oh! (Sie steckt ihm den Ring an, er zieht seine Hand zurück.) 1//S. ^ /. menee (immer mit abgewandtem Gesicht): Darf ich um Ihren werten Gegenbesuch bitten? An gele (heiter): Mit Vergnügen! (Steckt ihre Hand durch die Öffnung.) Renee (tastet erst nach ihrer Hand, wendet dann den Kopf, steckt den Ring an Angeles Finger, hält ihre Hand einen Moment in der seinen). Basil ^Ut während dieser Prozedur ängstlich von Angele zu Renee und umgekehrt). Entzückend! Sie erlauben doch! Renee (die Hand betrachtend): (Zur Hand sprechend.) O! (Küßt Angeles Hand.). Angele (zusammenzuckend, zieht die Hand zurück): (Für sich.) Bartloses Gesicht! Küßt mit Verständnis! Basil (entrüstet zu Renee): Mein Herr! Was erlauben Sie sich? (Er verstopft die entsta ndene Lück e in der Leinwand mit seiüer Servi ette.) ^ Renee: - Pardon! Aber ich küsse prinzipiell jeder schönen Frau . die Hand und besonders, wenn diese Frau meine Frau ist. Ich muß Sie nur eines sragen. Basil - . 1—"»i- (ihm ins Wort fallend): Renee (resigniert): , -ichmsichtA» Basil (zu, Mentschikos): Rasch die Unterschriften! Mentschikos (reicht erst Renee, dann Angele den Vertrag, beide unterzeichnen rasch). (Basil tritt zu Renee, deckt ihn mit seinem Körper, so daß Renee nur seinen Arm zur Unterschrift vorstrecken kann.k / ^-^-7-- ^-7-^ V 50 Renee - 71 - (für sich): — Ein süßes Händchen, djeses Händchen! " >' ^7^ ' F'r bmoü! Sie scheinen außer der Eitelkeit noch eine zweite Schwäche zu haben! (Steht auf und geht in die Mitte der Bühne.) Nenee: Sie meinen die Neugierde? — Oh — nennen Sie es nicht so, Madame! — Nennen Sie es vielmehr eine törichte Angst, das zu verlieren, was — Angele (einfallend): man gar nicht besitzt — (Bei sich.) Diese Stimme muß ich schon einmal gehört haben. Angele O O Nenee Renee (nachdenklich): Nicht besitzt? Allerdings —! 71 Angele: Sie wollen also, daß ich beichte? — Schön — dann verlange ich auch von Ihnen Offenheit... (Fixiert ihn.) Haben Sie mir diese Veilchen und diesen Schmuck heute in die Garderobe geschickt? Rene e: Ja! Angele (nimmt das Kollier vom Hals): Nehmen Sie den Schmuck zurück!— Die Veilchen behalte ich-ich heirate in allernächster Zeit — (Gibt ihm den Schmuck, Nenee wirft ihn verächtlich auf das Sopha.) Renee (aufbrausend): Ja — ja — eine Liebesheirat! Angele: Sie muten mir also keine Vernunft zu? — Sie sollen nicht schlecht von mir denken, Baron — aber ich — glaube — ich — habe — bis jetzt.. .noch nie — jemanden so — recht — lieb — gehabt! R e n e e: Ach so ...! Schade — daß wir uns nicht früher einmal getroffen haben, (ironisch) früher... als ich noch sehr reich war. Angele (empört): Baron!... Wer gibt Ihnen das Recht zu dieser Sprache! 72 Renee (erregt): Verzeihen Sie... wer mir das Recht gibt... ich selbst... weil auch ich fühle... daß ich bis jetzt noch nie jemanden so recht lieb gehabt — jetzt ist es mit einemmal anders in mir geworden. (Stürzt vor ihr auf die Knie.) Madame — nennen Sie es Tollheit — nennen Sie es Wahnsinn!... nennen Sie es wie Sie wollen! — aber ich liebe Sie, wie ich noch keine geliebt habe. (Er hat ihre Hand erfaßt.) Angele (sichtlich ergriffen): Baron — um Gotteswillen, stehen Sie auf — wenn jemand kommt... Sie kompromitieren mich... Renee (immer kniend): Um so besser!... Die ganze Welt soll es wissen, daß ich Sie liebe — daß ich Sie anbete... daß ich von Ihnen nicht lassen will — nicht lassen kann. Nr. 10. Duett. Angele, Renee. (Orchester fetzt ein.) (Gesang.) O Renee Angele O-> Angele (stammelnd): Sind Sie von Sinnen, Herr Baron? (An ihm vorüber, nach rechts.) Es kann nicht sein... unmöglich! 73 Renee: Ein Wort für feige Herzen, nicht für meines, Unmöglich war' nur eines: Sie nicht zu lieben auf den ersten Blick, Dem holden Reiz zu widersteh'n, Und sich zu sträuben gegen das Geschick, Fortan in Ihnen meinen Stern zu seh'n! Angele liegt ihm sanft beide Hände auf die Schultern und sieht ihn unverwandt an): Lieber Freund, man greift nicht nach den Sternen, Die für uns in nebelhaften Fernen. Fürchte sehr — daß Sie umsonst sich mühen, Sieht man sie auch glüh'n, Sie flieh'n — sie slieh'n ins Weite. Wenn man könnt', so wie man immer wollte, Wenn man wollt — was man doch nimmer sollte, Lieber Freund, man muß sich hübsch bescheiden, Ja, man muß oft meiden, was man liebt! Renee: Nein — trotz allen Fernen, Nein — greif' nach den Sternen, Liebe, sie trägt uns empor. Ja, zehntausend Meilen, Die wollt' ich gerne eilen. Ich frag' darnach nicht viel — nicht viel — Angele: Lieber Freund — so geht 's uns mit den Sternen. Renee: Die für uns in nebelhaften Fernen. 74 Angele: Fürchte sehr, daß Sie umsonst sich mühen. Renee (will sie umfassen): Ach, ich seh' sie glühn. Angele (entzieht sich kokett): Sie slieh'n — sie slieh'n ins Weite. Beide: Wenn man dürft', so wie man immer wollte, Wenn man könnt', was man doch nimmer sollte, Ja, ich seh', man muß sich hübsch bescheiden, Ja, ich seh', lieber Freund, man muß sich hübsch bescheiden, Ja, man muß oft meiden, was man liebt! Angele (in leichtenr Ton, geht dabei an ihm vorüber): Ich denk', wir lassen diese Astronomie, Und schweben zur Erde, Baron, Statt Sphärengesang eine Tanzmelodie, Die klingt lockend aus dem Salon! Renee Angele Renee: Ich bilde mir ein, Sie wären mein, Wie wär' 's so märchenschön, Sie stets um mich zu seh'n! 75 Angele (lachend): Kühn fliegt dahin Phantasie Auf Schwingen leicht, Doch gar bald ist 's vorbei, Holde Träumerei! (Sie schwebt tanzend an Renee vorder, setzt sich aufs Sopha. Zurückgebogen, stützt sich mit beiden Armen und gespreizten Fingern, die Augen halb geschlossen, in sinnlicher Erregung.) O Renee Sopha Angele Renee: Bist du 's, lachendes Glück, Das jetzt vorüberschwebt? Ist das der süße, goldige Traum, Den man nur einmal lebt. Sagt nicht alles in mir — sei gescheit, Heute winkt dir das Glück. Versäum' — verträum' nicht die Zeit — Sehnst umsonst dann zurück Die Lieb' in Lust und Leid! (Will sie küssen.) Melodram. Angele (reißt sich im letzten Moment los): Nein — nein — es darf nicht sein. (Tanzen Walzer und sprechen dabei in leichtem Ton.) Ich muß Ihre Illusion zerstören — hören Sie denn, Herr Baron — ich bin schon verheiratet! (Bleiben stehen.) 76 Renee: Sie — sind — verheiratet? Angele (tonlos): Ja! O O Angele Renee Renee Ich auch! Angele und Renee: (sangen allmählich an zu lachen, reichen sich die Hände und sprechen zugleich): Ich gratuliere! Renee: Hat übrigens nichts zu sagen, da ich in'Scheidung begriffen bin! Angele: Ich auch! Beide (lachen wie früher): Ich gratuliere! Renee: Dann könnten wir eigentlich ruhig weitertanzen! Angele: Eigentlich fchon! Renee: Alfa bitte! (Tanz: Walzer.) (Beide ab, links II.) 6. Szene. Juliette, Brissard, kommen von rechts I. 77 Brissard: Süße Juliette, ich muß mich mit dir aussprechen, weißt doch, wie ich dich liebe! Juliette: Ach, hör' mir nur auf mit deiner Liebe, die Letzte ist immer die „Erste" und die Erste ist immer die „Letzte"! O O Brissard Juliette Brissard: ^ Du fängst schon wieder an — (Beteuernd.) Du bist meine Erste und meine Letzte! Juliette: Ich geh' nur auf sicher — gib mir das schriftlich, oder noch besser, bist du bereit, diese Äußerung zu wiederholen, wann und wo ich will? Brissard: Aber von früh bis abends, Juliettchen! (Will sie umarmen.) Juliette: Einen Moment — wir sind noch nicht ganz einig — (betont) — Wann und wo ich will? Brissard: ^ 6on! 78 Iuliette: Also dann bitte ich, morgen früh um halb elf Uhr am Standesamt zu fein. . . Bi"' ' ' Das geht nicht. I u I i e t t e° Das geht nicht? Warum? Briffard: Bevor ich nicht mein Modell zur Venus gefunden habe, kann ich mein großes Bild nicht malen, bevor ich mein großes Bild nicht gemalt habe, kann ich keine Familie erhalten und keir^e Kinder gründen. Juliette: Gut, dann werden wir eben nicht heiraten! Briffard: Aber fchau, Madel, ich Hab' dich ja fo lieb! Nr. 11. D u et t B r i s s a r d, I n l i e t t e. 1. Briffard: Schnu'n Sie mich freundlichst an — Iu liette : Bitte gleich — bitte sehr! Br i f j ar d : Ob an mir etwas dran — Iuliette: Das ist schwer — junger Herr! 79 ^ Brissard: Ob für mich etwas spricht, D'e Figur — das Gesicht? Sagen Sie — ob ich just Ihr Fall? Iuliette: Soll zum Tanz wählen Sie, Brisfard: Bitte gleich — bitte sehr! Iuliette: Dazu braucht 's Sympathie — Brissard: Ach, wenn 's sonst nur nichts war' — Iuliette:' Denn man hält sich im Arm — Ach, die Nähe macht warm. Und im Dreh'n — Ist 's um dich gescheh'n! Refrain. Brissard: s: Mädel klein — Mädel fein, Gib dich drein —^ sag' nicht nein, Mädel, du weißt es ganz genau, Wirst meine süße, kleine Frau. :s Iuliette (repetiert, tanzt ihm trällernd davon). Brissard (ihr bittend nach mit obigem Text). Iuliette: Bin ich wirklich dein Typ? Brissard: Aber sehr — aber sehr! Iuliette: Hast mich wirklich so lieb? Brissard: Noch viel mehr — noch viel mehr! Iuliette: Wirst am End' nach der Wahl Du der Mann meiner Qual? Wenn das war' Sagt' ich „danke sehr!" Brissard: Bin ja saust wie ein Schaf — Iuliette: So ist 's recht — so ist 's recht! Brissard: Tag und Nacht bin ich brav — IuIiette: Wie ich 's macht' — wie ich 's möcht'! 81 ^ Brissard: Gleiches Recht heißt es hier, Wie du mir, so ich dir. Ja, die Eh' Ist ein pa8 äe Osux! Juliette (rhm schmeichelnd, streichelt ihm das Kinn): Mädel klein, Mädel fein, Gibt sich drein, sagt nicht nein! s:Mädel, das weiß es doch ganz genau, Wird deine süße, kleine Frau!:s (Gehen, den Mund nach Kinderart zum Küssen gespitzt, seitlich znrück und vor und tanzen, sich mit steif seitlich gestreckten Armen haltend, die Lippen zum Kusse immer vereint, ab.) 7. Szene. Angele, Basil. (Von oben links über die Treppe.) Basil: Angele, Angele, ich bringe Ihnen das Glück ins Haus — mich — und Sie empfangen mich mit einer Kälte- Angele (nervös): Sie kommen aber auch immer so unerwartet! O Basil Tisch o !" Augöle .__, Basil: Angele, ich bin aus Petersburg hieher geeilt, um Ihnen zu sagen, daß der Termin für die Scheidung von jenem Grafen Luxemburg bereits für morgen angefetzt 82 ist. Morgen sind Sie Fürstin! Man wird Sie beneiden — man wird Sie um^mi^chenetdKN. Angele, Sie sollen es ja so gut bei mir Hallen — wir machen eine entzückende Hochzeitsreise! Hauptsächlich, damit Sie sich ausruhen! — Ich werde Sie nicht belästigen Sie sollen keinen Augenblick das Gefühl haben, daß Sie verheiratet sind — Warum heirate ich? Damit ich mich ausruhen kann! Angele ? (ungeduldig): Ja, ja — das alles ist ja sehr verlockend — Angele, Sie B a j i l (betroffen): lieben mich nicht mehr! a. Angele: Mehr? — Durchlaucht, wie oft soll ich es wiederholen, Sie haben mein Wort"V— und ich werde Ihre, Frau! Basil: Wort — Wort, ich will nur ein Wort: Liebe! Angele: Verlangen Sie dieses Wort nicht von mir! O Angele! Angele! Angele (hat währenddessen nervös ihr Taschentuch zerknittert, halb für sich, sich über die Stirne fahrend): Sie haben recht, Basil-man hat oft so seine kleinen Marotten — es bleibt dabei — wir heiraten. -- 83 Basil / - F lküßt ihr galant die Hände): Jetzt sind Sie weiter meine liebe, kleine Angele! Die Liebe, ja die Liebe — die überall so beliebt ist! Sie kommt und sie ist da! Manchmal kommt sie gar-nicht und ist doch da — plötzlich, wundersam, wie ein Frühlingshauch in Herbstesnacht! — Schwer legt sie sich aufs Gemüt — sie ist da! Aeoaeoharfen erklingen in den Lüften — plim — plam... Das ist die Liebe, die ewig jung bleibt, dieselbe, die im Alter nicht rostet! Mit einem Wort — sie ist da! Jetzt- eil' ich zu ihr auf den bunten Flügeln vom alten Cupida! Und noch eines! — Unser Geheimnis ist doch gut bewahrt? Angele Machend): Na und ob! — Keine Seele ahnt, daß ich verheiratet bin, nicht einmal Juliette! Basil: Dann ist alles in Ordnung. Angele (plötzlich lächelnd): Und jetzt sagen Sie mir, wie hat denn eigentlich dieser Graf Luxemburg ausgesehen? Basil (erneu Moment stutzig, faßt sich sofort): Gin Scheusal! Denken Sie sich einen verunglückten Pudding — klein, dick — schielend, noch^uzu auf beiden Ohren — ein unmöglicher Kerl! ^ 84 Angele (nachdenklich): Merkwürdig — ich Hab' mir ihn ganz anders vorgestellt! — Nun mutz ich aber ein bitzchen Hausfrau spielen, au rsvom! (Wendet sich zum Gehen. Läßt ihr Taschentuch fallen.) Basil (eilt ihr nach; wrll auf ein Knie sinken, um ihr das Taschentuch, das sie fallen gelasien, zu überreichen, doch gelingt es ihm nicht '^^n)ed^rzuknEN..maHt(.,Aisi verzweifeltes Gesicht): lnd vormittag ist 's kroch so gut gegangen! Angele (hindert ihn, fein Vorhaben auszuführen): Ich nehme den Willen für die Tat! So denke ich mir auch unsere Ehe! (Lachend ab, rechts I.) Basil: (allein): Das ist mir sehr peinlich! Der Wille ist stark, aber die Knie sind schwach. (Setzt sich aufs Sopha.) Sehr peinlich. 8. Szene. B a f i l, R e u e e. Renee (von links heiter auftretend). Neues O Sopha !-> Basil 85 Basil (erblickt Renee): ^Äh! —OB-Wasser! Luft! O Gott — darauf war .ich nicht vorbereitet! — Eie sind hier? Renee: Ja, Sie auch? Basil: (steht auf): -^Jch?^ nein — das b eißt -auck-i.— ^ propos! Wie nennen Sk^stwleht? Sie wissen doch ... Renee: Ohne Sorge ich habe mein Inkognito gewahrt — urein Name ist Baron von Reval! Darf ich endlich um den Ihren bitten? Wie heißen Sie? ' Basil (verlegen): Ich heiße gar nichts! Pardon — aber. (Stockt.) O O Neues Basil Renee (lachend): Ihr Vertrauen ehrt mich — übrigens brauche ich mich ja nur an die Dame des Hauses zu wenden, die Ihre Gäste sicher kennen wird. > Basil V (erschrocken): Nein, Lein, nicht an die Dame des Hauses l/-- V (Für sich.) Ich muß ihmum jeden Preis wegbringen. ^ (Zieht seine Brieftasche.) -Hier' meine Visitkarte. (Hält ihm einige Tausendrubelscheine entgegen.) Sie werden sofort dieses Haus verlassen! Renee (nimmt die Scheine und auch Basils Brief asche, steckt die Scheine wieder in die Brieftasche und dieselbe in die innere Rocktasche Basils. Basil sieht ihm dabei berd rtzt zu): Ihre Visitkarte interessiert mich nich hier — mir gefällt 's hier sehr gut. ich bleibe Verdammt! rochen? Basil (sür sich): - Am Ende hat er (Er eilt Renee nach.) schon Lunte ge- Lieber Graf! Es handelt sich ja nur />arum, daß Ihr Inkognito gewahrt wird. Die dreimonatliche Frist läuft ja eigentlich erst morgen ab, und wie l^cht könnte irgend einer der Gäste in dem Baron Reval/den Grafen von Luxemburg erkennen, das stimmt doc Renee (betroffen): Allerdings! Sie haben recht, au bestehen. Ihrem Schein zu 87 Basil (drängend): Schön, sehr schön — Sie sind »s ein Mann von Wort... Renee: Ich werde mich nur von der Hausfrau verabschieden. Basil: Nein — nein — sie hält nichP darauf, ich übernehme es, Sie zu entschuldigen, einz plötzliches Unwohlsein. Renee: Meinetwegen! Es scheint Jhl^en Wohl daran zu liegen, daß ich mit Madame Didier Znicht näher bekannt werde. ^^--^1§lelleicht! Basil: Renee (für sich): Seltsam! (laut, mit gespielter VertrarLichkeit): Sie sind Wohl auch einer der sielen Falter, die um Angele schwirren, erröten Sie nicht — ich finde das sehr begreiflich — ich gehöre auch dazu Was? Sie auch? Basil (überrascht) Renee (klopft ihm auf die Sc>ulter): Bruderherz, da ist nichts zu gesagt — sie ist verheiratet und h6kw ioomimt, Wie damals, wie damals!... Es scheint ja so fern und doch so nah, Wie damals, wie damals!... Es duftet nach lleei'w inemmM, Wie jene kleine Hand, Die ich nur einmal sah. Die wie ein Traum entschwand, Wie ein Traum entschwand! (Geht sinnend ab über die Treppe links.) O O Basil Juliette 11. Szene. Basil, dann Inliette. Basil allein auf von rechts; er sieht sich um): Er ist fort! Gott sei Dank! Von nun an muß ich Angele noch strenger bewachen — Juliette ichon der anderen Seite): Ach, Durchlaucht hier? Tanzen nicht? 94 Basil: Nein, denn es ist Damenwahl. (Nähert sich ihr und nimmt sie bei der Hand.) Juliette, Juliette, ich bin so furchtbar ausgeregt. Jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde möchte ich die Gewißheit haben, daß mich Angele liebt. Juliette (schelmisch): Warum sollte sie Sie nicht eine Minute im Tag lieben? Durchlaucht sehen ja noch sehr lilienknickerisch aus! Basil: Nicht wahr? Sie haben Geschmack. Wenn Sie mich aber erst früher gesehen hätten, in des Lebens Hochsaison — Juliette: Da müssen Sie einfach ko—lo—ssal gewirkt habet:. Basil (nimmt sie unter dem Arm): ^Sehen Sie, Juliettchen, das sollten Sie bei Gelegenheit täglich mehreremale in der Stunde, speziell vor dem Schlafengehen, Angele eingeben. Juliette: Aha, immer einen Eßlöffel voll und vor dem Gebrauch tüchtig zu schütteln. Basil: Erzählen Sie ihr, was ich war, was ich bin und aus mir noch werden kann. Nr. 13. Duett. 1. Basrl, Juli ette, Basil: ^ Ein Löwe war ich im Salon, Im Liebeskampf ein Sieger, Im Boudoir ein Seladon, An Eifersucht ein Tiger! Inliette: Doch schütter wurde mit der Zeit Des Löwen reiche Mähne, Der Seladon ist leider heut' Ein Tiger ohne Zähne. (Übergang.) Basil Es tanzte kein andrer links so wie ich, Die Damenwelt raufte und riß sich um mich Basil hieß es dort — Basil hieß es hier — Bitte, bitte, Tanzen Sie mit mir! Refrain: Polkatänzer, Polkatänzer War ich oommo-il-wm, Ich nahm die Dame so — Und einmal wieder so — Drehte sie im Kreis herum. Das macht die Weiber toll — Keine nahm das Drehen krumm, Hei! Paschol. )L,anz. 96 2 . Iuliette: Sie tanzten wirklich ganz famos, Mit Temp'rament und Feuer, Sie drücken fest — Sie legen los Wie ein verliebter Freier. Basil: Wie Sie, fo sprach zu jener Zeit Der Chorus meiner Lieben, Sie wurden alt — und ich bin heut' Noch immer jung geblieben! Iuliette: Wie fchad', daß ich damals noch nicht auf der Welt, Ich hätte Wohl auch zu den Lieben gezählt, Basil, komm' zu mir! Basil, bleib' doch hier! Bitte, bitte, Tanze doch mit mir! — Beide: Polkatänzer, Polkatänzer Bin ich (Ist er) eomnm-il-kaul, Ich nehm (Er nimmt) die Dame so, Und einmal wieder so! Dreh' sie (Dreht sie) sein im Kreis herum, Das macht die (uns) Weiber toll, Keine nimmt das Drehen krumm. Hei! Paschol! (Tanz; beide ab, links II.) 97 12. Szene. N e n e e, Brissard (treten zusammen auf, rückwärts links). Renee: Ich sage dir, dieses Weib macht mich rasendl Br i ss a r d : Nun, so wirs dich ihr zu Füßen und sag' ihr, daß sie ohne dich nicht leben kann. Sie müßte jaVblind sein, um dich nicht allen Zeitgenossen vorzuziehen. Du bist jung, hübsch,)(hast ja sogar Geld — woher, weiß ich allerdings nicht als Gras von Luxemburg wird die Sache schon zu machen sein! Renee: Mensch, es gibt ein fürchterliches Hindernis. verheiratet^Sie hat es mir selbst gesagt. Brissard: ^ Und wer ist ihr Mann? Sie ist Renee: Das hat sie mir nicht gesagt. O, ich hasse ihn, ohne ihn zu kennen. Er hat mir mein Glück geraubt! Wenn ich den Kerl ausfindig mache, so zerreiße ich ihn in tausend Stücke, ich erwürge ihn. O O Reuse Brissard Brissard (lachend): Auf meine Mitwürgung kannst du rechnen! »s /r / 98 Renee: Ich würde diesem Menschen sagen: Herr, Sie sind dieses Götterweibes nicht wert. Sehen Sie denn nicht, daß ihr nicht zusammenpaßt? — Sie ist jung und schön, das kann man von ihnen nicht behaupten — sie hat Geish Esprit, Grazie ^ Sie sind albern, plump — eine Null. Ja wohl, eine Null! (Er rüttelt Brissard.) Geben Sie sie frei! Brissard (macht sich los): Ich gebe sie ja frei! (Befühlt seinen Körper.) Lieber Freund, da gibt es nur eines: Herauskriegen, wer ihr Gatte ist. Und ich werde es Herauskriegen! (Hängt sich ein.) Und haben wir ihn — dann — Renee: Dann! (Beutelt ihn wieder.) Brissard: Beruhige dich — den Grad deiner Liebe kenn' ich bereits. 99 13. Szene. Basi l, A n g ä l e, später G ä it e, Brissard, IuIiette, dann 9t e n ö e. Nr. 14. Finale II. (Man hört aus dem Nebensaal einen leisen Walzer. Basil und Nngele walzen auf die Buhne, wobei Basil sie verliebt mit schmachtendem Blick an sich drückt.) Melodram: (Während des Walzers.) Basil (sinnlich flüsternd): Angele, Angele — ich halt's nicht länger aus — heute — gleich — sofort — publiziere ich mein, dein, unser Glück! (Für sich.) -Schweig' still' mein Herz. (Geste.) Angele (lässt sich in einen Fanteuil nieder): Mein Glück?. Basil (nimmt eine Schäserposition ein): Ich seh' es Ihnen an, Angele, auch Sie lieben mich. Angele, welch süßes, schwaches Schäferstündchen. Gesang. Basil (In verliebtem Schäferton, neckisch): Kam ein Falter leicht geflattert, Setzt sich aus ein Knöspchen hin, Hat das Knöspchen sich ergattert, Knöspchen war nach seinem Sinn. Tisch O Angele 7 ' 100 k 5 (Von hier wird stets statt Knöspchen „Knöpschen" gesungen.) Knöpschen fein, Knöpschen klein, Sag', willst du die meine sein? Und das Knöpschen lispelt leis: Lieb' dich, lieb' dich, ach so heiß! (Ganz verzückt, mit Faltergesten.) Surre, surre, surre sum, sum, surn. Surre, surre, surre, sum, sum, sum. Ach! Ach! Knöpschen, küsse mich! O! — O! Ach! — Ach! Kann nicht leben ohne dich! Basil Angele 2 . Und der Falter küßt das Knöpschen, Und er küßt es glühend heiß, Und das Knöpschen sich entfaltet, Wird zur Rose unschuldweiß. Falter fein, Falter klein, Ich will ja die deine sein. Und der Falter lispelt still: Tue gern, was Röschen will. Surre, surre, surre sum, sum, sum. Surre, surre, surre, sum, sum, sum, Ach! Ach! Röschen, küsse mich! O! — O! Ach! — Ach! Kann nicht leben ohne dich! 3 . (Will wieder anfangen.) Und der Falter und das Knöpschen, Und das Knöpschen und der Falter... j 101 Angele (hält sich die Ohren zu): Genug der Poesie — in Ihren Jahren — Basil —- (ekstatisch): Heut' soll 's die ganze Welt erfahren, Daß ich die reizende Angele Zu meiner Gattin mir erwähl'! (Der Arrangeur kommt von rechts I, verbeugt sich vor dem Fürsten, geht zur Türe rechts und ruft laut): „Kotillon!" (Das Orchester setzt mit einem rauschenden Quadrillefinale sKotillons ein. Von einem vortanzenden Paare geführt, tanzen die Paare aus dem Nebensaal auf die Bühne. Gleichzeitig kommen die übrigen Gäste rn zwanglosen Gruppen auf die Bühne.) Basil: (aufgeregt, abgerissen): Meine Damen und Herren — Merne Herren und Damen — Sie sehen Mich auf das höchste erregt — Sie sehen mich auf das tiefste bewegt — Angele, deren Liebe und Treu' ich erprobte — Sie und ich — wir empfehlen uns als Verlobte! Gäste o o o o O O O O Ah, Wir gratulieren! Wir gratulieren! (Brissard tritt auf.) Brissard (vortretend, ironisch): Ich gratuliere ebenfalls, Nur scheint ein Hindernis dabei — So viel ich weiß, ist diese Dame Für eine Ehe nicht mehr frei! Chor: Wie? Nicht mehr frei? Das wäre neu! Angele (frappiert): Wie meinen^Me das? Brissard: Ja — man hat feine Information! Angele (rasch gesprochen, leise zu Basil) Die wissen ja alles! Basil (ebenso zu Angele): Da gibt 's kein Zurück — Jetzt mach' ich die Sache publik! (Juliette tritt auf.) Basil (zu den Gästen): Meine Herr'n und Damen — Meine Damen und Herr'n, Ich lüfte das Geheimnis gern: Die angebetete Angele, Die ich zu meiner Frau erwähl', Hat einen Mann, ihr Herr'n und Damen. Sie trägt jedoch nur seinen Namen! Und bald wird sie geschieden sein, Dann wird der süße Engel mein. Doch diesmal ist die Heirat echt, Graf Luxemburg besitzt kein Recht! Brissard: Graf Luxemburg? Ihr Mann? Renee? Angele: So hieß der Mann der ersten Eh'! Juliette: Graf Luxemburg, Renee — ihr Mann? (Schlägt ihn auf die Stirn, spricht.) Brissard, was hast du da getan?! Brissard (forschend zu Angele): Und wissen SW vielleicht, Madame, Was mit Renee gescheh'n? Basil: Ten Heiratsgraf? den Hab' ich bezahlt. Und dann — dann könnt' er geh'n! 104 Angele (lachend): Man traute uns hinter der spanischen Wand, Er sah von mir nicht mehr als die Hand! Reminiszenz. Basil: ging links Angele: Er ging rechts — Angele und Basil: ^ Mann und Frau — jeder möcht's. Basil: Ideal ist solche Ehe — Angele: Schmerzlos ohne jedes Wehe! Alle (mit Arrangement, außer Juliette und Brissard) Er ging rechts, sie ging links, Das ist praktisch allerdings. Angele: Leicht erträgt man solches Los! Basil: Lebt dabei famos! 105 Chor: Der Heiratsgraf, hahahaha, Verduften mußt er schnell. Der Heiratsgraf, hahahaha, Ein sauberer Gefell! Brifsard: Ich schwör' 's, hätt' er sie und sie ihn geseh'n — Wer weiß, was schließlich war' gescheh'n! (stockt) Angele (geringschätzig): Was mich betrisst, ich dank' für die Ehr', Und war' 's der Appollo von Belvedere! Ein Mensch, den man wie eine Droschke bestellt, Der seinen Namen verkauft um Geld — Stünde er hier vor mir, vis-a-vis, Ich sagte ihm kalt: Ich verachte Sie! ' -A 's S R O O o O L n Z Renee (rst bei den letzten Worten aufgetreten, tritt vor, elegant, ruhig): Nun denn, Madam' — so sagen Sie 's ihm: Sie steh'n ihm vis-a-vis! 106 Angele (fassungslos, ringt nach Worten, sprechend): Sie, Baron, sind Graf Luxemburg — Sie? Renee (mit steigerndem Ausdruck): Bin jener Graf von Luxemburg, Den Sie verlachten. Bin jener Graf von Luxemburg, Den Sie verachten — Derselbe, den Ihr Vorwurf traf — Biu Luxemburg, der Heiratsgraf! (Mit forcierter, bitterer Lustigkeit.) Ja, liri, liri, lari, Geht auch das Leben tfchari, Verjuxt, verputzt, verspielt, vertan, Wie 's nur ein Luxemburger kann! Ich war ein toller Zecher, Und leer ist nun der Becher, Das Leben liri, lari, lump, Ist nur ein Pump! Doch'Sie, Angele, Sie wollten Fürstin werden Und brauchten meinen Grafentitel — (Zeigt auf Basil.) Für diesen schönen, edlen Zweck, War ich für Sie das rechte Mittel! Gut Glück! Erreicht ist nun Ihr Ziel! Jetzt sind wir quitt! Angele (dem Umsinken nahe): Das ist zu viel!... 107 B as il (zu Angele): So sagen Sie ihm doch, daß Sie mich lieben! Angele (bebend): Das kann ich nicht! Basil: Dann sag' ich 's selbst ihm ins Gesicht. (Tritt mehr zu Renee.) Sie liebt mich, ich liebe sie! Wir werden uns urewig lieben! f:Herr Graf:f aus eben diesen Gründen, Werden Sie es Wohl begreiflich finden... ^ (Macht eine nicht mißzuverstehende Geste, der Graf möchte duften.) Durchlaucht! Briffard (protestierend zu Basil): Juliette: Aber Herr Fürst?! Renee: Laßt nur — die Durchlaucht hat ganz recht, Ich bin für diese Gesellschaft zu schlecht. «Macht einige Schritte gegen Angele.) Adieu, Angele... Vergessen Sie mich-- (Bebend, halblaut zu ihr.) Mehr als den Namen verkaufte ich — Viel mehr!... Und das gibt mir niemand zurück — Angele — ich verkaufte — mein Glück!... (Er wendet sich zum Gehen; Angele verfolgt ihn mit den Blicken, ringt einen Moment mit sich. Im Orchester bereitet sich das Motiv aus dem Liebesduett „Damals — Niemals" vor. Angele reißt sich von ihrer Umgebung los und stürzt zu ihm.) 108 Angele: (melodramatisch): Renee! Nein — nicht so! Sie und ich — wir gehören zusammen! Noch bin ich Ihre Frau! (Klammert sich an ihn.) Rene (aufschreiend): Angele!-War' 's möglich?-Sie! Basil (will aus die beiden zu, wird von Brissard und Juliette krampfhaft zurückgehalten. Basil geht dann rechts zu einer Gruppe und wendet sich ganz konfus an einzelne Herren. Später tritt er hinter Renee und Angele und trennt dann das Paar). Gesang. Reminiszenz, großes Liebesmotiv. -L er? ^ K o ^ o O O Angele: Damals, als wir getraut, Ward mir's im Herzen laut. Alle: l:Das ist der Liebe Macht, Die nur ein Gott erdacht.:)! 1 Beide: Nun find' ich wieder dich, ^ Das eme Wort nur sprich: N O Renee: Bist du die meine? Angele: Bin ich die deine? Beide: Liebst du mich? Angele (entschlossen): Graf — Ihren Arm! Nenee (reicht ihr den Arm). Basil (wütend): Was untersteh'n Sie sich, mein Herr, Soll ich den Kaufpreis steigern? (Spricht.) Vergessen Sie nicht, Herr Graf, daß zwischen Ihnen und Angele Ihr Ehrenwort liegt! Renee (mit einem Blick auf Angele, spricht): Ich bin gewohnt, mein Ehrenwort zu halten! Das muß Ihnen genügen. Ich weiß genau, mein Herr, was ich jetzt nicht zu tun habe! Ich werde in dieser Dame Ihre Braut respektieren! Meinen Schutz kann ich ihr nicht verweigern. (Zu allen.) Meine Damen und Herr'n — uns war's ein Vergnügen! (Beide über die Treppe rechts hinauf. Oben angelangt, wendet sich das Paar nochmals kurz um und geht dann ab.) 110 Brissard und Juliette (fallen, freudig auffchreiend, einander in die Arme. Alle: Was auch das Schicksal bringt, Sie folgt ihm unbedingt! Ihm nur ergeben Ist sie fürs Leben Ganz allein! Basil (sinkt ganz gebrochen aufs Sopha nieder). Gruppe: (tnrio^o). Der Vorhang fällt rasch. Dritter Dkt. (Spielt in derselben Nacht wie der zweite Akt und bildet also in der Zeit die Fortsetzung desselben.) (Dekoration: Die Bühne zeigt das bekannte große Vestibüle (Foyers des Grand Hotel in Paris, ein großer von einer Glaskuppel überwölbter Raum. Die Kuppel mit elektrischen Sternlichtern besät. Im rückwärtigen Drittel der Bühne läuft ganz nach der Breitseite, etwa zwei Meter erhöht eine breite Estrade, auf welcher Strohfauteuils placiert sind. Hinter der Estrade sind drei hohe breite verglaste Türen, durch welche man in den gleichfalls festlich beleuchteten großen Speisesaal sieht, der im vorliegenden Falle als Tanzsaal benützt wird. Die Estrade mündet rechts und links in Nebenräume des Hotels und ist mit dem unteren Raume durch je eine Freitreppe verbunden. Allenfalls kann aber auch nur eine breitere Freitreppe, die in der Mrtre der Estrade ansetzt, die Verbindung mit dem Bühnenparlerre Herstellen. Die Estrade hat eure Rampe. Alles mrt exotischen Gewächsen und Blumenarrangements geschmückt. Im Parterre kleine Tischchen und diverse Sitzgelegenheiten. Im Fond ober den Glastüren eine Uhr. Rechts vom Parterre der Eingang in das sogenannte kleine Restaurant, in welchem man gedeckte Tische nut rotbeschirmten Lampen sieht. Die Uhr zeigt ^5 Uhr nachts und muß im Gange links vom Parterre ein Depeschensaal, Schreibzimmer rc. sein. Kann möglichst nach der Natur gehalten werden. Im rückwärtigen Festsaale findet ein Ballfest statt, man sieht die tanzenden Paare und hört gedämpfte Musik. Rückwärts in der Ecke Eintritt in den Lift, dessen Zeiger sichtbar ist. An einem der vorderen Tische sitzt in eleganter Neisetoilette mit Hut Gräfin Stasa Kokozow, stattliche Dame, gegen fünfzig, Vollblutrussrn, energisch, kurz angebunden, große Boutons in den Ohren, kostbar großer Hut mit Stahlagraffe und großem weißen Reiher, trägt einen sehr langen Louisquartorze- Stock, mit Edelstein besetzten Knauf uud kleiner Goldquaste, Fächer und Lorgnon. Sie raucht unaufhörlich Zigaretten, indem sie nach wenigen Zügen stets eine neue entzündet. Vor ihr steht ein messenZer des Hotels, die Kappe in der Hand. Das 112 folgende Gespräch findet unter Begleitung der gedämpften Ballmusik statt. Die Gräfin ist sichtlich ungeduldig und nervös, sie muß den Eindruck einer vornehmen Dame machen und darf keineswegs karikiert werden. Sie trommelt nervös auf die Tischplatte uud schlägt mit dem Finger auf den Tisch. Spricht russisch, deutsch, stellenweise fließendes Französisch. Der allgemeine Auftritt erfolgt links, erste Seitentüre. Rechts seitlich vorne ein Tischchen mit zwei Stühlen durch einen kleinen Paravent gegen den Fond gedeckt.) Boy O sil (Z Tisch Kokozow 1. Szene. Kokozow, Lrstboy. Kokozow: Sie chaben alllso telephoniert? Liftboy: Zu dienen, Frau Gräfin. Kokozow: Und die Antwort? Liftboy: Fürst Bafil Basilowitfch ist nicht in feinem Palais! Kokozow: Nicht in feinem Palais ... (Trommelt wieder nervös.) nicht in seinem Palais.... also muß er wo anders fein... aber wo? Liftboy (achselzuckend): Das weiß ich nicht, Madame! 113 Kokozow: Sind Sie ruhig — das heißt nein.... was haben Sie telephoniert? wiederholen Sie! Liftboy (rezitiert): Gräfin Stafa Kokozow ist soeben aus Petersburg in Paris eingetroffen und wünscht Seine Durchlaucht Fürst Bafil Basilowitsch sogleich am Telephon zu sprechen. , Kokozow: Und er ist nicht in feinem Palais ? Liftboy: Nein, Madame! Kokozow (halb für sich): Wo kann er nur sein? (Zum Boy.) Telephonieren Sie noch einmal — nein — warten Sie, ich werde selbst telephonieren. Liftboy: Wie Madame befehlen! Erlauben Sie, daß ich Sie zum Apparat geleite! Kokozow: Ich erlaube! Ich muß ihn noch heute sprechen! (Kokozow und Liftboy über die Treppe links ab.) (Während der vorhergehenden Szene sind die Gäste des Grand Hotels nach und nach teils abgegangen, ein anderer Teil hat sich auf der Estrade placiert und dem Balle seine Aufmerksamkeit gewidmet.) 8 114 2. Szene. Brissard, Iuliette treten Lurch die Türe links Arm in Arm aus und bleiben wahrend der nachfolgenden Szene enge eingehängt. (Später) Menager, Kellner. Brissard und Juliette (setzen sich Arm in Arm aus einen Fauteuil, wobei erst Juliette dann Brissard herunterfällt.) Brissard (zärtlich): Hier wären wir also! Juliette (ebenso): Ja, hier wären wir! O Brissard o Juliette Brissard: - In meinem Hotel! Juliette: In deinem Hotel! Eigentlich eine unmögliche Situation für mich! Aber was blieb mir anderes übrig, nach dem Eklat konnte ich doch nicht länger als Gesellschafterin bleiben, Angele ist fort, wem sollt' ich denn Gesellschaft leisten! — (Zu Brissard.) Ihnen vielleicht! Brissard: ^ Aber was sollen wir jetzt ansangen? Juliette: Das ist Ihre Sache, ich stehe unter Ihrem- Schutz — und übrigens werde ich mir hier ein Zimmer nehmen! Läuten Sie sofort dem Menager! (Brissard läutet.) ^""Ja, siehst du, wenn wir schon Mann und Frau wären, da brauchte ich kein Appartement für mich allein! — mindestens zehn Francs wären erspart, wenn wir schon verheiratet wären! — Du Verschwender! Menager (eleganter Herr im Schlußrock, schwarzer Krawatte, Zylinder in der Hand, tritt von rechts oben auf. Bei seinem Auftreten zeigt der begleitende Kellner auf Brrsfard und Juli Sie haben mich gerufen^Mousieur Brissard (ergänzend): Vrissard, Nr. 84. Menager: Ganz recht., womit kann ich dienen? Menager O o Juliette O Brissard Juliette (lachend zu Brissard): Natürlich mußt du mich als deine Frau vorstellen — Brissard: Erlauben Sie, daß ich Ihnen meine Frau Porstelle, > Fräulein Juliette Vermont — ich wollte sagen Frau Vermont.. äh, Frau Brissard! (Bleibt immer eingehängt in Juliette.) Menager: Sehr angenehm.... offenbar sehr jung verheiratet? 116 Brissard: Sehr jung — sehr jung — .... morgen ist die Hochzeit! Das heißt!... ich wollte sagen, übermorgen ist es einen Tag, daß die Hochzeit war. enager: Sehr angenehm... aber was kann ich dabei tun? BrnHll/ard: Wie meinen Sie das^Ach so.... ja richtig.... ich möchte nämlich ein Appartement für meine Frau! Menager (erstaunt): Ein Appartement? Ich denke, Nummer 84 ist doch sehr geräumig. Iuliette (entrüstet): Mein Herr, was glauben Sie von mir? / / Menag er (verlegen): Pardon Madame — aber ich dachte, da Madame doch Madame sind! Brissard:^/ ^-^Ach so.... richtig ja .Sie ist entschieden eine Madame — M e n a g e r: Sie werden es sogar aus Nummer 84 sehr bequem haben. Madame — Monsieur! (Er verbeugt sich.) Kon som! Angenehme Ruhe! (Ab links I.) Brissard und Jüliette (sehen einander verdutzt an): 117 Iuliette: Angenehme Ruhe! So eine Keckheit! Brissard (sieht auf seine Uhr): Erst ... wenn ich wüßte, daß das Standesamt schon offen ist, ließe ich mich momentan trauen .... Iuliette: Das sagst du ja nur, weil du weißt, daß das Standesamt nicht offen ist. (Heroisch.) Also, da gibt es nur eines — wir bleiben hier im Vestibüle bis zum Morgen. (Sie läutet. Ein Diener kommt, nimmt ihnen die Überkleider und geht mit denselben ab.) Brissard: Famos, Jüliette, und wir feiern gleich unseren Polterabend, das ist reizend! Ich möchte immer nur Polterabende feiern! Juliettchen, morgen sind wir Mann und Frau! Reminiszenz. Brissard Jüliette Jüliette: Wärst du heut' schon mein Mann, o O Jüliette Brissard: Könnt' ich's sein, das war' fein. IuIiette: Anders wär' manches dann! Brissard: Ach, ich seh' 's leider ein. Iuliette: Mein Prinzip in mir spricht: Legitim — anders nicht! Ehering ist ein hübsches Ding! Brissard: Und du hast kein Vertrau'n — Iuliette: O, das kommt mit der Zeit. Brissard: Willst aus Treue nicht bau'n — Iuliette: Nein, ich bin zu gescheit. Brissard: ^ Also gut denn, es sei, Morgen früh sind wir zwei Hand in Hand Vor dem Standesamt! Iuliette: Mädel klein, Mädel fein, Grbt sich drein, sagt nicht nein! Mädel, das weiß es doch genau, Wird deine süße, kleine Frau! 119 Beide: Mädel, du weißt (das weiß) es doch genau, Wird deine (Wirst meine) süße, kleine Frau! Walzer-Repetition. (Sie tanzen gegen die Treppe zu, am Fuße der Treppe angelangt bleiben sie einen Augenblick wie verdutzt stehen. Dann — während die Musik ganz pianissimo spielt — tanzen sie graziös nach Arrangement die Stufen hinaus. Der Stiegeutanz im langsamen Tempo erfolgt diagonal. Darauf achten, daß bei Beginn die richtige Fußstellung vorher eingenommen wird.) 3. Szene. Basil, Brissard, Juliette. . Basil -/^^trlmdurch die Türe links auf): Ich bin außer mir, diese Blamage, dieser Eklat, dieser Skandal. (Verzweifelt.) Entsetzlich!..... Wenn man in Petersburg etwas davon erfährt, wenn dann noch die Kokozow — ah.... nicht auszudenken! Juliette O Basil Brissard Juliette (die mit Brissard gleich retour gekommen): Ja, seh'n Sie, Durchlaucht, in Ihrem Alter unternimmt man nicht mehr so strapaziöse Sachen. Brissard: Sehr richtig! Überlassen Sie die Liebe der Jugend! 120 Basil: Aber die Zeitungen, die Journäler? Iuliette: Aber beruhigen Sie sich, Durchlaucht — wir haben die Journale ersucht, daß nichts darüber gebracht wird. Basil: Also daun steht 's morgen in allen Blättern. (Em häl^O, Ehebrm Ah, dieser Luxemburg — dieser Luxemburg! Er hat Angele gewiß hieher gebracht. O, ich rraue ihm alles zu — auch daß er sein Ehrenwort nicht hälX O, Angele! — wenn sie mich, ihren Bräutigam, mit ihmXihrem Mann, betrügen sollte — dann klage ich auf Ehebruch! O, ich bin wütend! Wütend! Nr. 16. Marsch-Terzett. Basil, Vrissard, Juliette. o 1 . Alle drei: Packt die Liebe einen Alten justament beim Schopf, Dann verdreht sie früh und spät sie ihm total den Kopf: Dumm und dümmer wird er dann, Dümmer, als der jüngste Mann, Weil er sich vor Eifersucht nicht helfen kann. 121 Basil: Überall schöpft er Verdacht! Alle: -Verdacht! Basil: Von allen Seiten sagt man ihm: Gib Acht! Gib Acht! Witt're bei Tag, Zitt're bei Nacht. Basil: Das weiß nur der, der's durchgemacht! Alle: Basil: Alle: Refrain: Alle drei: ^ Liebe, ach du Sonnenschein, Du bist so zuck—zuck—zuck—zuckersüß! Liebe, ach nur du allein, Du bist ein Pa—Pa—Pa—Pa—ra—dies! 2 . Springt man dann mit beiden Füßen in die Eh' hinein, Glaubt, man ist mit seinem Weibchen endlich nun zu zwei'n! , Ist ein Dritter schon parat, Der als Freund des Hauses naht, Und als Kandidat fürs Ehe — Surrogat. Basil: Überall schöpft man Verdacht! 122 Alle: Verdacht! Basil: So mancher böse Witz wird schon gemacht, Gemacht, Hier wird's erzählt, Alle: Basil: Alle: Dort wird's belacht — Basil: In seinem Hirn bleibt-'s immer Nacht! Refrain: Alle drei: ^Liebe, ach du Sonnenschein usw. (Tanzen dann links II ab.) 4. Szene. R enee und Angele, Hoteldiener (treten ans. Nenee in der Kleidung des 2. Aktes, Überzieher, Hut, Spazierstock, Angele ebenfalls in der Toilette des 2. Aktes mit Mantel, Pelzwerk, Schaltuch um den Kopf rc. Beide treten erregt auf). Diener (nach einer Pause mit einem Telegramm): Herr Graf, dieses Telegramm liegt für Sie fchon seit gestern abend hier. (Ab.) 123 Renee (nimmt das Telegramm, lieft es): Man teilt mir mit, daß die Konfiskation meiner Güter in Rußland aufgehoben ist! Wie gleichgültig mir das jetzt ist! Man gibt mir meine Güter — wenn man mir lieber mein Ehrenwort Zurückgabe. o Tisch Renee >-j !^I Angele Angele (wirft sich in einen Fauteuil, nach einer kurzen Pause sieht sie Nenee fragend, nervös an): Was nun? Sie haben mich eine halbe Stunde lano im offenen Wagen durchs Bois geführt — Sie haben nichts gesprochen, ich habe nichts gesprochen — die kühle Nachtluft hat weder Sie, noch mich abgekühlt. (Kokett.) Nicht wahr? Renee (abgewandt): Ich weiß nur, daß ich Sie wahnsinnig liebe, Angele, daß Sie ineine Frau sind und nicht meine Frau sind, daß Sie mir alles find, und ich Ihnen nichts sein darf! Angele (mit leisem Anflug von Spott): Sehr korrekt, Herr Graf! Nenee: Ich habe mein Ehrenwort verpfändet und muß in meiner Frau die Braut eines andern respektieren! 124 Angele (etwas gereizt): Aber ja — ja — respektieren Sie, es scheint Ihnen gar nicht so schwer zu fallen! (Legt Boa und Muff ab, will nun den Mantel ablegen.) So helfen Sie mir doch — oder verbietet Ihr Ehrenwort auch das? (knöpfelt ihr umständlich die Pelzjacke auf und legt erst jetzt seinen Frackraglan und Zylinder ab.) Angele: Sie scheinen Übung zu haben! iDann, nachdem die Pelzjacke abgelegt ist, setzt sie sich in den Fauteuil.) Renee (nimmt ihr das Tuch ab, schließt die Augen, sich an dem Duft ihrer Haare berauschend): Hm! Wie das duftet! Angele (mit schelmisch kokettem Blick): Ireüe ineurnut. Renee: Das sind Tantalusqualen! (Legt das Tuch weg.) Angele (sich umsehend): Also, in diesem Hotel wohnen Sie? — — Und wo werde ich mein müdes Haupt zur Ruhe hinlegen können? 125 (lachend): Es wird am besten sein, wir verbringen die Nacht hier im Vistibule. Und morgen ... Renee (mit Betonung): Morgen... (Mit plötzlichem Entschluß.) Angele, Sie werden begreifen, wenn ich Sie unter solchen Umständen bitte, meine Appartements zu benützen, natürlich allein! Ich selbst werde anderweitig Logis suchen. Angele (etwas spottend): Wieder sehr korrekt gedacht — (Kleine Pause, wobei Renee auf und ab geht und Angele ihn betrachtet, sie spielt mit dem Lorgnon.) Ich habe einen furchtbaren Durst, Renee! So ein Glas gut frappierter Cremant-Rose wäre nicht ohne... Renee: Cremant-Rose — eine charmante Idee! (Er klingelt.) Angele: Das regt an! Renee (seufzend, halb für sich): Und auf! Kellner (tritt auf, rechts I). 126 Renee: Eine Flasche Cremant-Rose, gut frappiert! Angele: Sehr gut frappiert! (Kellner ab.) . (Geht zu Renee.) Finden Sie das nicht höchst appart, Renee — so eine Art Hochzeitssouper — so ein ganz kleiner Schwips und dann.... Renee: Und dann? Angele (zuckt kokett die Achseln): Nichts! Kellner «bringt frappierten Champagner und serviert. Dann ab. Renee seht sich links, sie rechts am Tischchen und schiebt dabei den Paravent etwas nach rückwärts, damit die Szene besser sichtbar wird). Lisch n! o In Nenee Angele Renee (schenkt beide Gläser voll.) Angele (erhebt ihr Glas): Prost! (Sie trinkt.) Renee (für sich): Je mehr sie sich stärkt, um so schwächer werde ich! 127 Angele (lustig): Richtig! Nein, so was! Jetzt sind wir schon die längste Zeit Mann und Frau — (Ironisch.) aneinandergekettet fürs Leben — und sind noch immer nicht auf Du uud Du! (Schlägt leicht auf den Tisch.) Das muß nachgeholt werden! Renee (resigniert): Also, holen wir's nach! (Sie schenkt ihm ein.) Angele (stoßt an): Ex! (Beide trinken auf einen Zug ihr Glas aus.) Angele (Mischt sich, sichtlich in Erwartung des Bruderkusses mit ihrem Spitzentaschentuch den Mund ab, sieht ihn dann eine Weile erwartungsvoll an und sagt dann naiv erstaunt): Nun?. Renee (rasch, energisch): Nein — nein! Machen Sie mich nicht rasend! Angele: Sie fürchten sich also vor mir? Renee: Vor Ihnen — nein! Vor mir. , (Angele sieht ihm tief und innig in die Äugen). 128 Renee ' (ekstatisch): Du süßes, einziges Glück stehst vor mir und ich kann dich nicht fassen, ich darf dich nicht halten fürs Leben — für die Ewigkeit! Angele (hingerissen): Du! — Du! — Du! — Renee (seiner nicht mehr mächtig, zieht sie an sich, faßt Angeles Köpfchen mit beiden Händen und küßt ihre L-tirne. Leidenschaftlich). Nr. 16. Duett. Renee: Es duftet nach Ü>6ll6 maaruat, Wie damals, wie damals, Was einst mir fo fern, nun ist es nah'. Wie damals, wie damals, Es duftet nach Bretts in animal — Wie diese kleine Hand, Was ich im Traume nur ersah, Ein Bild so engelschön, Es war so fern und doch so nah', Ein Licht in Himmelshöh'n. Angele: Lass' nicht den Traum, der dich beglückt So schnell vorüberzieh'n, O, lass' nicht den Zauber flieh'n! (Orchester allein. Angele legt ihren Kops auf seine Schulter, beide schließen im Übermaß der Seligkeit die Augen. Dann wieder Gesang.) Beide (wie im Traume verhauchend): Und bin ich bei dir, Du bei mir — Das ist Glück allein! (Küssen sich lang und innig. Nachspiel.) 129 5. Szene. Vorige, Kokozow. Später Stimmen Basils und Menagers von außen. Kokozow (erblickt das küssende Paar): Ah, Pardon! Nenee und Angele (lassen einander los). O s; O Kokozow: § o O, bitte, bitte, lassen Sie sich nicht stören, so etwas tut ja so Wohl, das seh' ich so gern! (Sie tritt näher.) Wahrscheinlich ein junkes Ehepaar! Flitterwochen! Man güßt, man güßt, man sieht nicht, wo man ist - man güßt! Nicht wahr? R enee (verlegen): Ja, ja — wir sind ein junges Ehepaar! Kokozow: Ach ja, ich war schon in einer so beneidenswerten Lacke und werde bald wieder in einer solchen Lacke sein! (Sie setzt sich nieder.) Bitte, bitte, nehmen Sie von mir gar keine Notiz, küssen Sie ruhig weiter — ich erwarte hier meinen Zukünftigen! Sie werden ihn wahrscheinlich kennen, denn er ist in Paris eine sehr bekannte Persönlichkeit! s 130 Renee (ungeduldig): Nein — wir haben nicht das Vergüngen! Kokozow (lächelnd): Aber Sie haben ja noch gar nicht seinen Namen gehört! Den Fürsten Basil Basilowitsch werden Sie doch kennen? Renee und Angele (gleichzeitig perplex): Was? (Nähern sich der Kokozow.) Renee: Basil Basilowitsch sagen Sie? Angele: Fürst Basilowitsch ist Ihr — Zukünftiger! Kokozow (geschmeichelt): Freilich! Freilich! Und wie! — Seit drei Jahren hat er mein Jawort, um das er mich lange — sehr lange gebeten hat! H « 'L N <§ «r o o o Renee und Angele (kommen allmählich höchst interessiert näher). Angele: " . Das ist ja höchst interessant! 131 Kokozow (geschmeichelt): Nicht wahr? — Schon zu Lebzeiten meines Mannes war ich ihm treu' Es ist sozusagen ein Herzensbündnis unter dem Protektorate Sr. Majestät des Zaren! Renee Das ist ja großartig! Angele: Das ist ja wunderbar! (Beide wirbeln dabei um die Kokozow herum.) Ko kozow: Die Cherrschaften nehmen einen solchen Anteil an meinem Glück! Rene e: O, wir nehmen einen großen Anteil Angele? nicht wahr, Angel e: Sic sind also Ihres Bräutigams ganz sicher? Er kann nicht zurück — wenn er auch wollte — ? Kokozow: Wollte? Wo denken Sie hin? Nitschewo. Fast täglich bekam ich von ihm die liebeglüchendsten Briese. Briefe? Renee und Angele (freudig): 122 Angele: Es existieren also Briese? Herrlich! Kokozow: Ja, sie sind herrlich! Der Fürst ist mein und muß es bleiben! Amen! Nenee (die Hände faltend): Angele: Ja, er muß cs bleiben! Sie müssen ihn mit allen Ihren Reizen bestricken, ihn sesthalten, nicht loslassen! Nenee: Um Gotteswillen, nicht loslassen! Kokozow: Das wird eine Überraschung werden — wenn mich mein Basuschko so unerwartet hier findet — er wird in Seligkeit schwimmen! Renee (belustigt): Und Wie der schwimmen wird! Angele (ebenso): Das möchte ich gerne mitansehen! iStimme des Basil hinter der Szene im Gespräch mit dem Menager.) Sagen Sie dem Grasen, daß ich ihn im Foyer erwarte! 133 Kokozow (fährt zusammen): Er ist es — ! Er soll mich nicht gleich sehen, die Freude könnte ihn töten — ich werde mich ichim nach und nach zeigen. (Setzt sich hinter den Paradent.) Renee: Ja, auf einmal wär's zu viel! (Rasch zu Angele.) Lass' uns allein — jetzt kommt's zum Klappen. (Er schiebt den Paravent wieder weiter vor.) Angele: Die hat uns der Himmel geschickt! (Nasch ins kleine Restaurant ab, wo sie sich hinter einem Pfeiler verbirgt, aber sichtbar bleibt.) 6. Szene. Renee, Vasil, Kokozow (hinter dem Paravent), Angele (hinter dem Pfeiler). Basil O Renee O Angele Tisch u> <3 Kokozow Basil (von links auftretend zu Renee): (ihn durch Zeichen beschwichtigend, deutet auf den Paravent): Pscht! - Pscht! (Macht Gesten.) Basil (macht ein fragendes, stupides Gesicht, laut): Sie haben- Nenee (wie oben): Pscht! (Macht weiter geheimnisvolle Gesten und deutet auf den Paravent.) ^ ^ ' Basil (etwas leiser): Ja,, was wollen Sie denn? Nenee (leise zischelnd): Sie — (Deutet wieder/ Basil: Ah — (Deutet ebenfalls.) Sie? (zischend): ^err — Sie als Mann Ihrer Frau, entführen meine Braut als Ihre Gattin, wo Sie sich verpflichtet haben, Ihre Gattin als Mann wie meine Braut zu behandeln! Sagen S,ie mir nur eines — komme — ich — schon ^ zu — spK? (Kläglich.) Komme ich schon zu spät? Renee: Mein Herr — zweifeln Sie an den: Ehrenwort eines Kavaliers? Basil (sieht ihn einen Augenblick forschend an, dann gerührt- schüttelt thm die Hand): Ich danke Ihnen! Jetzt ist mir heruntergefallen ein Stein vom Herzen. Herz zerspringe-nicht. (Wendet sich gegen den Paravent. Noch halblaut.) Und nun, angebeteter Engel, gehörst du mir! Renee (mit gespieltem Pathos): Werdet glücklich! Basil (schleicht langsam, mit verklärtem Gesichtsausdruck, sichtbar auf das Wiedersehen fiebernd, zum Parapenü«: , Mein Herz zerspringe — nicht (Schiebt kokett den Paravent beiseite und bleibt beim Anblick der die Arme ausbreitenden Kokozow wie versteinert stehen.) Angele (ist lächelnd hinter dem Pfeiler hervorgetreten und nach vorne gekommen, während Renee sich ihr genähert hat und ihr selig die Hand kützt). Kokozow: Basuschko —,! Die Freude des Wiedersechens! (Schmiegt sich an ihn und zieht ihn nach dem Vordergrund.) 186 Basil (Er bemerkt Angele, einer Ohnmacht nahe, für sich.) „Erde, verschlinge mich!" > Kokozow (zu Nenee und Angele): Das ist er! (Deutet aus Basil, dann zu Basil aus Nenee und Angele deutend): Die Herrschaften, ein junges Echepaar, haben sich nämlich auf den Augenblick unseres Wiedersechens so gefreut! 8 '8) K Z O O O O Basil (gebrochen, halb für sich): ich! _»- (hat sich aufgerafft uud vom Jähzorn ersaßt, mit geballter Faust auf Nenee zugehend): O, Sie! — Sie! Nenee (überlegen, mit gekreuzten Armen): Soll ich also erklären, daß ich Angele frei gebe? Basil (vernichtet): Nein — nein — schweigen Sie — ich gebe Ihnen Ihr Ehrenwort zurück! 137 Renee: Und ich Ihnen Ihre halbe Million! ' Basil (verzweifelt): Jetzt ist mir geholfen! - Kokozow (hängt sich in Basil ein): Jetzt komme, Basuschku, wir müssen nach Petersburg mit dem nächsten Zug. Basil (für sich): Das ist mein letzter Zug! Vorige, I u l i e t t e, 7. Szene. Brissard kommen der Straße her. O O O O in Überkleidern vor. O O Ah, da seid ihr Brissard: ja! Iuliette: Wir kommen von: Standesamt. Nr. 17. Schlußgesang. Bri ss ard: Mädel klein, Renee: Mädel fein, Brissard, Renee, Angele, Juliette . Gibt sich drein, sagt nicht nein, Basil: Das weiß ich leider ganz genau, Wird meine süße, kleine Frau! Alle (wiederholen): Mädel klein, Mädel sein, Gibt sich drein, sagt nicht nein, Mädel, das weiß es ganz genau, Wird meine (deine) süße, kleine Frau. lDer Vorhang fällt rasch.) -»-QWV13364203