Wiener' Nadi-kiblioikek. 1V743 . L A X '»E 'd. U « d I 2 ' ' - — Wien und Leipzig l785> A» den Herrn Eibel über die Urkunden des christlichen Altertbr von der Ohrenbeichte ./ D» Herr Landrat!)! keime Sie nicht, und unterfange mich K deshalben, mit Ihnen umzugehen, wie Leu- te miteinander umzugehen pflegen, die um nichts als die Wahrheit bekümmert sind. Die Art zu verfahren, deren Sie sich wider ihre Gegner bedienen, ist ganz sonderbar. Ich wähle den mildesten Ausdruck: ein andrer von meiner Nation würde sichs erlauben, Ihnen härtere Sachen zu sagen. Wie? Sie schicken den christlichen See- lenhirten Schmähungen entgegen, machen ihnen Vorwürfe, suchen die Grundsätze ihrer Religion HU untergraben, und wollen, wenn auch dreyßig Vertheidigungen wider ihre Angriffe zum Vorscheine kommen, die Hand an keine Feder legen? Sie haben es schon sonst also gemacht, und glauben auch nun, da die Ohrenbeichte ihr Gegenstand ist, am besten damit durchzukommen? Steht es denn in ihrer Macht, denen, welche Sie nach Gefallen angreifen, das Vercheidigungsrccht zu rauben? A 2 Oder 4 Oder soll es die beleidigte Parthey nur voraus wissn, daß ihr alles Klagen nichts helfen wird, weil Sie weder von dem innern Gefühl, noch von den äusseren Eindrücken der Gerechtigkeitsliebe etwas zu fürchte» haben? So viel kann ich Sie versichern, daß das ehrliche und rechtliebende Deutschland mir ihrem Betragen nicht zufrieden seyn wird. Da muß der Kläger so lange vor Gerichte stehen, bis ihm die Beklagten zu ihrer Rechtfertigung nichts mehr antworten können. Ist er nicht im Stande seine Sache durchzusetzen, so wird er als ein Verleumder erkannt, vcrurrheilt und gestraft. Ist ihre Sache vielleicht ganz sicher? Habe» Sie gar keine Gefahr dabey zu fürchten? O trauen Sie nicht zu viel auf dieselbe. Es kann geschehen, daß ihre Schmähungen beschämt, ihre Vorwürfe abgewendet, und ihre Beweise entkräftet werden; und dann werden Sie ihre Sache doch einer Erläuterung würdigen. Ich will nichts von grösseren Verlegcnheüen sagen, in die Sie gerathen können. Mir sind Schriftsteller bekannt, die ihre Werke mit aller Zuversicht au das Licht treten lassen, und dennoch gezwungen werden, ihre Irrungen zu bereuen. Kann Ihnen nicht etwas ähnliches widerfahren? Was halten Sie wohl in solchen Umständen für rathsam? ruhig zn bleiben und heiwüch zu lachen, daß Sie ungestraft schimpfen, lästern, und Unruhe stiften können? Ein recht- sel-offener Mann erkennet, bereuet, und widerruft seinen Irrthum, so bald er davon überzeuget ist. „Derlcy 5 „Derley Skribenten, sagen Sie, sind gestraft ge- nug, daß sie, wenn sie auch vor Zorne bersten, doch der guten Sache Fortgang immer sehen müssen.^ So recht. Die Sache ist also bey Ihnen schon entschieden? Sie dürfen nur den Mnnd eröfncn, und das Urtheil ist gefällt? Wehe allen, die ein Wort wider ein Buch verlieren. das den Herrn Eibel an der Stirne tragt! sie verdienen nichts als Schimpf und Schande. Müdigkeit genug, wenn man sie im- gerochen dahin gehen läßt, wenn man ihnen keine- andere Strafe ankündiget, als daß sie in ihren verächtlichen Winkeln die glücklichen Erfolge der eibeli- fchen Vorschlage sehen müssen. Der gerechte Himmel wolle ja nicht, daß diese Art zu verfahren Mode werde! wer würde es sonst wagen dürfen, feine Ehre wider unverdiente Schmähungen zu vertheidigen, ungerechte Vorwürfe von sich abzulehnen, Satze, so gegründet, angenommen, und verjähret sie auch immer seyn mögen, wider ungestimme Anfalle zu vertheidigen? Eine solche Rechtsordnung könnte auch nur in den spätesten Zeiten unseres flüchtigen Weltlaufes einigen Ruhm erwerben: denn bisher ist sie noch immer verabscheuet und gehastet worden. Man gehe die Sitten aller Völker durch, welche bishero gelcbet haben, und man wird nirgends finden, daß es üblich gewesen, Beklagte auf die blosse Aussage des Klägers zu vcrurtheilcn; wenigstens ist dieses m Deutschland weder vorhin geschehen, noch in Zukunft zu vermuthen. Und darauf verlasse ich mich auch, mein Hochgeehrter Herr! wenn ich mich un- A) terfan-- 6 terfange, meine Gedanken über ihre Abhandlung z«. ausser». Obschen ich mir nicht schmeicheln kann, Laß meine Worte viel Wirkung bey Ihnen haben werden;(die Welt ist schon überzeugt, daß Sie nur lachen, wenn sich andere anstatt ihrer schämen) so wird doch meine Bemühung bey andern nicht ganz. fruchtlos seyn. Ich werde, mangle auch alles übrige, wenigstens den Trost haben, daß ich so viel. zum gemeinen Besten beygetragen, als mir möglich gewesen. Das erste, was mir in ihrer Abhandlung in die Augen fallt, sind die schönen Bildgen. Ich weis. nicht, was für eine Absicht Sie dabey gehegek haben.. Die Erfahrung hat mich gelehret, daß vernünftige, «nd rechtschaffene Lehrer dergleichen Schilderungen verabscheuen, und das vielleicht nicht ohne Ursache. Denn Leute, die im Stande sind, die Sachen an sich. selbst zu betrachten und zu beurtheilen, bedürfen dergleichen Blendwerke nicht; und das gemeine Volk? Leber was hält man sich denn zu unsern Zeiten mehr auf, als daß es allzeit durch dergleichen Dinge geaf- fet worden L Ohne Zweifel haben Sie, mein Herr! durch diese Bildgcn bey dem gemeinen Manne mehr auszurichten gcelaubct, als durch alle ihre Beweise. Sie sind auch ein gutes Mittel in Ermanglung anderer Ucberzeuguugsbehuse. wenigstens die Einbildungskraft zu locken. Man sieht es aus selben deutlich, daß die Beichtvater keine Bischöfe,, und die Bischöfe keine Heilande sind; so wie nicht ein jeder Schuft- Schultheiß Amtmann, nicht ein jeder Amtmann Fürst, König, Kayser ist. Man sieht auch die Verschiedenheit der Art zu handeln. Je ansehnlicher und mächtiger die Person ist, desto herrlicher fallt auch die Handlung aus. Ob Sie noch andere Nc- benbegriffe damtt haben verbinden wollen, weis ich nicht. Vielleicht soll man glauben, Christus habe die Macht niemanden mitgetheilt, die Sünden zu vergeben und zurück zu behalten; den Bischöfen, wenn ihnen nicht etwan die Hände von dem weltlichen Arme gebunden werden, seh nur erlaubt, die Sund-.r zu züchtigen; und das Werk der übrigen armen Geistlichen bestehe darin, daß sie lehren, rathen, ermähnen, drohen können. Nur ein wenig Mißtrauen bey dem Volke erwecket, und Sie haben ihren Zweck er» reichet. Die Gelehrten dürfen sich ohnedem nicht mehr bewegen, und wenn sie es auch thun, so werden sie nur ausgehöhm. Andern, die. noch Muth haben, fehlet es an Einsicht und Kräften.^ Und der Pöbel, welcher nichts kann, als sehen, hören und empfinden, halt. nur gar zu ozt blossen Wahn für Ueberzeugung. Ich will indessen, nicht zu wen ausschweifen. Es sey Ihnen genug, wenn ich sage, daß es leichter sey, die Schafe Jesu Christi von ihren Hirten abzuziehen, als dieselben mit ihnen zu verei. mgen. Es giebt Bande, welche sich leicht zerreiße», aber nicht eben. so, leicht wieder zusammen knüpfen lassen. Das erste lehret uns. die Erfahrung, und von dem zweyten können Sie noch überzeuget werden. Prüfen Sie indessen die Sache immer ein weil; 4 nig, 8 nig, nehmen Sie die Geschichte voriger Zeiten zu Hülfe. Steht es nicht m Ihrer Macht, der Geistlichkeit dasjenige Ansehen z» geben, welches sie bey ihren Amtsverrlchtungen nöthig hat, so suchen Sie ihr dasselbe nicht zu rauben; zumal da Sie weder zu einem noch zu dem andern erkiesen sind. Wie vst soll man noch wiederholen, was in der heiligen Schrift mit so dringenden Worten eingeschärft ist. Nur diejenigen können sich ungestraft in das Heilig- thum Gottes wagen, welche berufen sind, wie Aa- ron. Dieses erstrecket sich so gar bis auf das geistliche Lehramt. Wie sollen sie predigen, spricht der heil. Paulus, wenn sie nicht gesendet werden. Waren die Geistlichen, werden Sie sagen, selbst aufmerksam auf ihre Pflicht gewesen, so würde es nicht nöthig seyn, daß die Weltlichen sich in Sachen mischten, die damit verwandt sind. Ueber diese Worte hatte ich viele Anmerkungen zu machen. Wie oft geschieht es nicht, daß die geistlichen Vor, sicher durch weltliche Personen in den Verbesserungen, die sie in ihren Gebieten vornehmen wollen, gehindert werden. Jedoch fahren Sie fort, Herr Professor! den Geistlichen Vorwürfe zu machen. Nur bitte ich Sie, nicht alle Vergehungen zu sammeln, welcher sich da und dorr einige schuldig gemacht haben. Ich würde sonst dagegen zeigen müssen, wie viel gutes sie gestiftet, welche Hindernisse sie dabey überstiegen, welchen Gefahren, Drangsalen und Martern sie durch ihre Amts- vcrrich- Verrichtungen ausgesetzet worden. Es wird schon sehr gemein, daß Leute, die für Liebhaber der Billigkeit und Gerechtigkeit wollen angesehen werden, das Verbrechen eines Geistlichen hundert andere empfinden lassen, da man doch in Ansehung anderer Stände ziemlich nachsichtig zu seyn pfleget. Es sey fern von mir, dieses mit Beyspielen zu be. statigen; ich würde nur mehr Verbitterung bey den mißgesinnten Gemüthern verursachen. Sind vielleicht die Geistlichen auch!o sträflich mit den Weltlichen verfahren? Doch weg mir solchen Nebendingen. Wir reden nur von der Beichte, und nur auf diese will ich meine ganze Aufmerksamkeit richten. Sagen Sie mir, Herr Landrath! welche erschreckliche Mißbrauche kann der heil. Richterstuhl aufzeigen, daß Sie sich das Recht anmaßen wollen, dem Landesherr« einen Eingriff in die Verfassung desselben zu rathen? Das glaube ich wohl, daß Sie einzele Falle herzählen können, in welchen nicht jeder Beichtvater seine Schuldigkeit beobachtet hat. Die Geistlichen sind eben so wohl Menschen als die Weltlichen, nie ganz von Schwachheiten und Gebrechlichkeiten frey. Schon die Zeiten der Apostel lieferten Beyspiele davon, und ein jeder konnte es leicht voraussehen, daß die Zukunft noch mehrere ausweisen würde. Wenn man aber von Mlßbräuchen redet, so muß man entweder zeigen, daß keine achten Gesetze vorhanden seyn, oder A z dar- darchun, daß sie nicht gehandhabet werden. Beydes wird Ihnen in Ansehung des Beichtstuhls Schwierigkeiten verursachen. Lesen Sie nur die Verordnungen der Kirche durch, und Sie werde»» Vorschriften. Drohungen und Strafen genug finden. Es wird auch, odschon der erste Eifer ein wenig erkaltet ist, noch immer so genau darauf gehalten, daß nur diejenigen der Ahndung ihrer Vorsteher entwischen, welche die Kunst besitzen, ihre Verbrechen zu verbergen. Glauben Sie etwa», mein Herr' daß die Verfügungen einer weltlichen Macht mehr Wirkung haben werden, als die so oft wiederholten Gesetze der Kirche? Sie können es versuchen. Erinnern Sie sich aber dabey, an die Folgen, welche das Henokicum des Aeno, die Ectese des Heraclius, der Typus des Conflans. und endlich das Interim gehabt: vielleicht laßt sich daraus vermuthen, was in ähnlichen Fallen geschehen kann. Was ihren Unwillen am meisten erreget, ist die gar zu leichte Art, mit den Sündern zu versah, rcn.„Man kann auch gut katholisch bleiben, sagen, Sie auf der 8 um Seite ihrer Abhandlung, wenn man in Verlegenheit kömmt, was bey dem Beweggründe der tricntischen Verordnungen, so keincsweges die blosie Entdeckung der Sünden ist, eine solche Entdeckung helfen kann, wenn sie solchen Beichtvatern geschieht, die unter dem Namen guter Beichtvater sich alles fleißig erzählen IL lassen, auch fleißig nachforschen, so dann aber auch bey den schweresten Sünden nichts weiter sagen, als: fünf Vater unser rc. und e§o alllölvo rs cw. oder höchstens die allgemein bekannten Lehren von der Zurückstellung des fremden Gutes, oder der verleumdeten Ehre, oder von Mcidung der sündhaften Gelegenheit zu geben wissen, oder nachdem sie mir derben Worten, mit Teufel und Hölle den Büßer hernehmen, das e§o odtolvo re sagen. Niemand sage mir: so wollen Sie die alten Kwehenbußen wieder einführen? denn ich verweise ihn ausmeine Abhandlung, was ist der Ablaß? Ich kann aber nur nicht die Nothwendigkeit, diesen guten Beichtvatern alles herzusagen, mit dem Ziel und Ende zusammen reimen; und dieses werden mir fromme, gelehrte und katholische Theologen nicht übel nehmen." Erlauben Sie mir, mein Herr! daß ich ihnen die Empfindungen entdecke, die ihre Worte in mir erwecken. Theils Mitleiden, theils Unwillen ist es, womit ich Sie betrachten muß. Es ist zu beklagen, daß Sie aus Unwissenheit und Mangel der Erfahrung in solche Bedenklichkeiten verwickelt werden. Ein jeher, der nicht ganz kaltes Blut hat, muß sich auch aus. ferst entrüsten, wenn er steht, daß Sie kein Bedenken tragen, sich zu einem öffentlichen Lehrer der Theologen auszuwerfen, da Sie doch, wenn nicht etwa» andere Dinge in die Schwankungen ihrer Schrift Einfluß haben, die öffentlichen Zusammenkünfte noch einmal besuchen sollten, wo die ersten Anfange der christlichen Lehre vorgetragen werden. Fürwahr. ds da würden Sie ganz andere Begriffe von diesen Sachen bekommen. Sie würden wahrnehmen, mit welcher Mühe man es den Kindern und Erwachsenen einpräget, wie sie sich zu verhalten haben, wenn sie von oen Priestern, welche die Stelle Gottes vertreten, ihrer Sünden erlediget werden wollen. Da wird nicht mir von Zurückstellung des fremden Gu« tes, von Ergänzung der verletzten Ehre, von Bey« legung der Feindschaften, von Meldung der sündhaften Gelegenheiten, sondern auch von vielen andern theils nothwendigen, theils nützlichen Dingen gchanr delt. Wollen Sie die Lehren wissen, die daselbst noch vorgetragen werden? Der Sünder muß vor allem andern die Gnade Gottes anflehen, ohne welche es unmöglich ist, wahre Buße zu thun. Er muß sich selbst richten, ehe er vor dem Richterstuhle Gottes erscheinet, damit er alldort als Kläger, Zeuge, ja Mitrichter keine Falschheit begehe. Die Reue über die begangenen Sünden, sie mag aus Furcht vor dem weisesten und gerechtesten Richter, oder aus Beschämung vor dem gütigsten und wohlthätigsten Vater, oder, was freylich am meisten zu wünschen ist, aus Zerknirschung vor dem größten, besten, höchsten, vollkommensten und liebenswürdigsten Gute entspringen, muß alle Neigung aus dem Herzen ausschliessen, etwas zu thun oder zu lassen, wodurch Gott schwer beleidiget werden kann. Ob- fchon der Priester eine Buße aufleget, welche gemeiniglich in einem guten Werke besteht, in welches die heil. Kirche jene harte» Strafen, so die Sünder ehemals mals ertragen mußten, aus Vertrauen auf die Verdienste Jesu Christi und seiner Heiligen verwandelt hat; so muß der Sünder doch Gott auch durch frey- willige Bußübungen genug zu thun suchen; weil der Priester auch darum sein Gebeth, welches er über den Sünder spricht, also beschließt: was du immer gutes thun, und böses erdulden wirst, das diene dir zur Nachlassung der Sünden, zur Vermehrung der göttlichen Gnade, und zur ewigen Belohnung Die« ses sind die Lehren, welche noch heuriges Tages in den christlichen Zusammenkünften vorgetragen werde», Ihnen aber, mein Herr Landrath! ganz unbekannt sind. O! Sie muffen wohl selten bey solchen Zusammenkünften gewesen sey», sonst würden Sie wenigstens gelassener von den Nachlaßtgkeiten der christlichen Hirten reden. „Aber was geschieht denn in dem Beichtstühle? Ist Man daselbst auch beflissen, dem Endzwecke der Sache gemäß zu handeln?"— Könnten nur die Beichtvater an diesen heiligen Oerrcr» allemal so viel thun, als sie zu thun wünschen! Aber wie sehr müssen sie sich fürchten, daß sie nicht als Verführer der Jugend, Auskundschafter häuslicher Geheimnisse, Skörer der gemeinen Ruhe, Verhinderer der öffentlichen Staatsgeschaste angesehen werden. Welche Sorgfalt müssen sie nicht nebst diesem anwenden, da. mir Personen, die grösserer Mühe bedürfen, beyden Umstehenden nicht in Verdacht gerathen, oder gar Schaden an ihrer Ehre leiden. Indessen sind sie doch doch bey allen diesen Hinderungen nicht ganz müßig. Sie unterrichten, erinnern, ermähnen, drohen, strafen, wo sie es nöthig finden. Nur ist es zu beklagen, daß sie öfters von ihre» Beichtkindern hinter- gangen werden: die Verstellung verschonet reinen Ort, so heilig er immer sey. So geschieht es, daß sie bey vielen, die eine gelehrte Mine anzunehmen wiyen, nicht für nöthig halten, die ersten Anfangs- gründe des Christenthums zu wiederholen, da d-eses Loch sehr heilsam seyn würde. So ereignet es sich auch, daß sie bey andern dem äusseren Betragen nach eine hüumgliche Vorbereitung vermuthen, obschoi» es an den wichtigsten Stücken derselben mangelt. Welches Mittel aber ist wohl erdenklich, diese Uebel zu heben? Soll der Beichtvater mit einem jeden, der um Verzeihung seiner Sünden bittet, wie mit einem Kinde umgehen, bey welchem kaun, halbe Begriffe von Religionswahrheiten zu vermuthen sind? Oder soll er mehr als das äussere Bekenntniß der Sünden, der Reue über dieselben, und des Vorsatzes fordern, fernerhin ein christliches Leben zu führen? Was soll er denn weiter unternehmen? In das Innere kann er nicht hineinschauen, göttliche Offenbarungen lassen sich nicht immer erwarten: was soll er thun? Denke» Sie auf etwas, mein Herr! Nur führen Sie die Folter nicht bey dem geistlichen Gerichte ein, da sie bey dem weltlichen abgeschaffet worden. Und glauben Sie denn, daß man damals, als die öffentlichen Bußen noch üblich waren, einen jeden Sünder Sünder insbesondere zur Versöhnung vorbereitet habe? Wurden nicht alle, die man schuldig fand, versammelt, insgesammt von ihrer Pflicht unterrichtet, und endlich durch öffentliche Gebrauche zur Buße verwiesen. Das Luch des heil. Cyprians von den Gefallenen zeiget, wie der Unterricht in solchen Fallen beschaffen gewesen. Es wurde von der Größe einrs jeden obwaltenden Verbrechens gehandelt, und das Maaß der Buße darnach bestimmet. Hier Haff noch Bitten und Flehen, aber keine Widersttzimg. Wer nicht gehorsamen wollte, der ward von der Gemeinde verstoßen. Nachdem man diese Schwierigkeiten mit vieler Ueberlegung ausgeglichen hatte; vergaß man auch nicht, diejenigen zur Buße zu ermähnen, welche zwar keine sträfliche That begangen, aber doch sträfliche Gedanken, Anschlage, Entwürfe geheget hatten: obwohl man nicht allzeit eine öffentliche Genugthuung von ihnen forderte, wenn sie dieselbe nicht aus eigenem Triebe übernehmen wollten. Und gesetzt auch, man habe zu jenen Zeiten, wo es sich thun lassen, alles angewandt, man habe einem jeden Sünder insbesondere Unterricht und Anleitung zur Buße gegeben; so wie es noch heute» obgleich nicht alle Rechtsgelehrten davon Wissenschaft haben, öfters mit allem Fleiße zu geschehen pflegt; so folget Loch die Gewißheit von der Beschaffenheit des inneren Seelenzustandes, welche völlig beruhigen kann, noch lange nicht. Man kann sich lange mit Büßern quälen, und dabey doch keinen andern Trost haben, als das Vertrauen auf die göttliche Barmherzigkeit. Ich i6 Ich hatte hier noch viel zu erinnern, nur eines kann ich nicht übergehen. Sie beschuldigen die Beichtvater einer Nachlaßigkeit, die unverzeihlich ist. Keiner von ihnen, wenn er auch den Namen eines zuteil Beichtvaters hat. bekümmert sich nach den angeführten Worten ihrer Abhandlung um die wahre Bekehrung seiner büßenden Seelen. Alle ahmen den stummen Hunden nach, und hüten sich. wenn ihnen nicht Zorn und Ungeduld einige harte Worte auspressen. etwas anders als die Formel herzusagen, die ihr ganzes Geschäfte beschließt. O ich bitte Sie, Herr Professor! untersuchen Sie die Sache besser. Es könnte doch seyn, daß die meisten derer, über welche Siesich so sehr erbittern, so schwarz nicht waren, wie Sie sie malen. Vielleicht sind nur einige aus ihnen einer so scharfen Rügung schuldig? Vielleicht können auch diesen keine Laster aufgebürdet werden? Es ist möglich, daß sie nur aus Ueberraschung, Bedrängnis Verlegenheit in Vergebungen und Mangel gefallen, die sich bald wieder verbessern lassen. Es giebt gute Leibarzte, und manchesmal straucheln sie doch: sie übereilen sich, sie werden durch unverhofte Zufalle betäubet, sie gerathen in Umstände, aus welchen sie sich nicht zu wickeln wissen. Man entschuldiget sie, wenn sie lagen, daß keine guten Säfte vorhanden gewesen, daß Schwachheiten mit harten Anfällen abgewechselt, daß Fehler in der Verhaftung, Wartung oder Darreichung der Arzney vorgegangen; und sollte denn nichts in der Welt seyn, was die Seelenärzte vor ihren dringenden Klagen, Herr Eibel, 77 Eibcl, schützen könnte? Nur ein wenig nachgedacht und überleget; vielleicht finden Sie- daß Sie ihren Eifer umsonst verschwendet, und anstatt billiger Klagen beiffende Verleumdungen in die Welt ausgestreuet haben. Und dann haben Sie auch billige Ursache, alles genau zu erfüll.,,, was Sie andern Sün. dern rathen, wenn sie Buße thun wollen. Eines lassen Sie sich besonders angelegen seyn. Halten Sie nicht gleich um die kossprechung an, sondern bitten Sie zuvor um Bußanleitungen. Oeffemli- che Verleumder aller katholischen Seelenforger können auch nicht so geschwind zur Versöhnung gelangen. S-c müssen zuvor alles Uebel wieder gut zu machen suchen, welches sie angerichtet haben. Hüten Sie sich aber doch, daß Sie keinen gar zu strengen Beichtvater wählen. Der gelindeste, wenn er bey den heutigen Verführungen noch gute Grundsätze uni> Absichten bat, wird Ihnen unter keiner anderen Be- dingniß Verzeihung versprechen, als daß Sie vor allem ihre Sünde als eine Beleidigung Gottes schmerzlich bereuen, die geraubete Ehre zurückstellen, das gestiftete Aergerniß vertilgen, und künftig alles zu meiden versprechen, was Ihnen aufs neue Ursache, Veranlassung, Gelegenheit zu neuen Fallen geben kann. Ja, mein Herr! wenn Sie als ein Büßer und nicht als ein Gebiecher vor dem Beichtvater erscheinen, so versichere ich Ihnen dieses. Sie werden daher nicht Ursache haben, ihre Sünden zu verschweigen, weil es Ihnen wenigstens an der Anleitung zu den nothwendigen Stücken der Buße nicht 2 mangeln mangeln wird: wenn Ihnen auch nicht einundzwan- zigjahrige Genugthuungen aufgeleget werden sollten „Es ist schändevoll, sprechen Sie, was einig« Christen von der Reichte oder blossen Entdeckung der Sünden für Begriffe haben. Wenn ste nur ge« beichtet haben- so denken ste- es sey alles gut, und hry der Sünde ist der Gedanken schon vorhin ein: dieses kann ich wieder beichten- dieser Beichtvater faget nicht viel. Sie sind init der hergesagten Reu» ünd Dorsatzformel, und der sodann ohne Anstand er» langten priesterWen Absolution in ihrem Gemüthe 'vollkommen befriediget. Was kann bey solcher» Beichten den Beichtvater versichern, daß das Beichtkind zur Heilung bereit sey? Was kann das Beichtkind versichern, daß ihm die Erzählung der Sünden zur Heilung geholfen habe? Was kann beyde verst» Hern- daß auch bey Gort die Vergebung erfolget sey?" So malet man sich Gespenster, mein Herr! um ste in die Luft jagen zu können. Ich will zwar nicht laugncn, daß es unter den Christen unbeschrelh» fiche Frevler gebe, welche sich nicht nur nach begangener Sünde das Maul wischen- sondern auch die heiligsten Mittel, welche ihnen Gott verliehen, seine verscherzte Gnade wieder zu crlaNgsn, auf das aus» ferste mißbrauchen; nur schreiben Sie dieses Verderb» niß nicht ganz den christlichen Hirten zu. Es hat ja immer Leute gegeben, welche die heilsamsten Ermahnungen theils verachtet, theils zwar angehöret» aber nicht zu Herzen genommen, theils auch Mit Thra- neu erwogen, aber dessen ungeachtet in ihren Ungerechtigkeiten stecken geblieben. Motten Sie denn die Welk auf einmal umschaffen, und das Unkraut mit dem Weizen ausrotten? Genug, daß die geistlichen Hirte» theils auf den Lehrstühlen, theils aufden Canzeln, theils in den Beichtstühlen alles anwenden, dieses Uebel zu unterdrücken: genug, daß es bey dem Eifer, der heutiges Tages den Vertrag des christlichen Unterrichts beseelet, nur allda Statt finden kann, wo die Herzen vor allen guten Eindrücken verschlossen sind. Welcher Trost, wenn man bey allen Verderbnissen, welche den Religwnsspöttern so sehr in dieAugen fallen, noch Christen steht, denen es eine Freude ist, ihrem Berufe nach zu leben. Durch diese müssen sich auch die christlichen Hirten austich. ten, wen» sie bey so vielen Schmähungen, Vorwürfen und Beschuldigungen ihrer Feinde nicht ganz verzweifeln wollen. Sie können es auch mit gutem Fuge. Sehet! können sie sagen: wenn euch daS Böse, was in unsern Gemeinden herrschet, so sehe Mißfällt, so betrachtet auch das Gute, welches sich daselbst zeiget. Wir sind im Stande, euch Christen darzustellen, die sich zwar sehr fürchten, Gott zu beleidigen, aber weit mehr fürchten, das Heils- miktel, welches sie in der Buße finden, aus Nach. läßtgkeit oder Versehen zu mißbrauchen. Sie handeln allenthalben vorsichtig und behutsam, und glauben schon ein großes Laster begangen zu haben, wenn sie aus Uebcrraschung oder Schwachheit gestrauchelt sind. Nichts ist ihnen erschrecklicher, als der Ge- B 2 danken. LS danken, die Sünden vermehren zu wollen, weil Gott den Sündern seine Gnade so überflüßig darbiethet. Jedoch, wer einmal ein Spötter ist, demsieht nichts, als was ihm Gelegenheit zum Spotten geben kann: ja er weis so gar Sachen, die an sich löbwürdig und heilsam sind, dergestalt zu wenden- daß sie lächerlich ausfallen. Ich gestehe es Ihnen, mein Herr! daß ich bey Durchlesung ihrer Schrift in einen Argwohn gefallen bin, aus welchem ich mich noch nicht reisten kann. Es kömmt mir noch immer vor, daß Sie die Buße nur deswegen mühsamer, verdrüßlicher sind erniedrigender machen wollen, damit die Sünder Furcht und Abscheu davor bekommen sollen. Wenn dieses ihr wahrer Enbzw ck ist, so haben Sie die Mittel mch verfehlt. In der ersten Kirche konnten den Sü dern große und langwierige Strafen ausgelegt werd n, sind viele aus ihnen Weben noch immer zur Buße willig und bereit. Andere wivnsetzrm sich wenigstens nicht, sondern dachten nur auf Mittel- leichter dsirchrukoinmen. Der Eifer des ersten Christenthums war lebhafter, geübter, und abgehärtete?. Dieses brächten die vielen Wunder, die sonderbaren. Beyspiele von Abrödtsing seiner selbst» ja auch die grausamen ÄerfolIungen zuwege. Nun aber scheine die Kirche billige Ursache zu haben, alles, was nicht wesentlich ist, von der Buße zu entfernen, oder wenigstens so zu mildern, daß es annehmlich ep und erträglicher zu seyn scheine: denn zu einer Zeit» wo L! wo man in allen Stücken beherzter als in Bestreitung seiner selbst ist, würde eine barrere Art zu verfallen, eher verschcuen als anlocken. Die Beichtstühle, welche ohnedem von vielen selten besucht werden, wurden endlich gar leer stehen: und versprechen Sie sich auch gute Folgen davon, mein Herr! Die Erfahrung lehret was zu vermuthen sey. Wer lange nicht an die Busse denket, der denket auch lange nicht an die Besserung seiner Sitten. Es wird eine Sünde nach der andern begangen, bis die Gewohnheit zu sündigen zur Natur wird. Die lezten Augenblicke des Lebens scheinen endlich die bequemsten zu seyn, sich mit Gott zu versöhnen: auf die'e wartet man,-und weis öftere nicht, daß sie schon gegenwärtig sind.- ulezt entschließt man sich wobl, An Gewissen m Ordnung zu bringen, d-e Rechenschaft wird aber zu geschwind abgefordert, und die Verzweiflung nimmt die Stelle der Busse e-n. So-gebt es gemeiniglich nach allzulang verschobenen Bekehrungen, obgleich Gott zuweilen außerordentliche Wunder seiner Barmherzigkeit sehen laßt. Jedoch es scheint Ihnen, mein Herr! nicht genug z» seyn, daß Sie die Beichtvater verdächtig zu machen suchen, ihre Absicht geht noch weiter. Die ganze Art, weicher sich die Kirche bedient, die Sünder mit Gott zu versöhnen, gefallt Ihnen nicht Ein wenig Geduld, ich werde Ihnen, soviel es möglich seyn wird, von Blatt zu Blatt folgen, und untersuchen, ob alles, was Sie der Welt mit einer so B z über- 22 überzeugenden Mine vorsagen, ganz gegründek scy. Sie machen es recht, Laß Sieden Ursprung der Macht und Gewalt, die Sünden zu vergeben, und zu behalte:., von Christs, dem wir unsere ganze. Versöhnung zu danken l aben, selbst herholen. Wer sonst könnte der Menschheit em so göttliches Geschenk verleihen? Ich gebe Ihnen auch gerne zu, daß dieft Macht und Gewalt bloßen Geschöpfen nur Mgewift sen Bedingnijseu, Eulschrankungeü vnh Hsrdehaltcn ertheilt werden könne. In der That»Verben die Deichtvarer sonder kalhollschenKirche nur als Der» Weser der göttstchcn Gnade betrachtet, welche einst von allen ihren HandniiWn werden Nechcnschaft gehen viüssen. Schor hie Apostel crkamncn dieses;, und tvenn ihre Schriften»ach hundert Jahren noch gelesen werden, so wird. es auch einem jeden gut ge^ imntcn Christen am Herzen liegen, ihre Denkungs- art ber-zubeh-lten. Stets werden die christlichen Hirten mit dem h. Paulus sprechen» niemand halte uns für unumschränkte Herren über die Gnade Gottes: wir sind nur Diener Jesu Christi und Ausspen- Ler der göttlichen Geheimnisse. Es ist uns nicht er> laübt den Preis des Blutes Jesu Christs unwürdigen zu ertheilen. Wir achten zwar das Gericht der Menschen nicht, weil sie vscl zu klein sind, uns in einer Sache, die Gott allein untersuchen uyd entschei» den kann, zu belangen; dem c-hngeachttt aber sind Mv nicht ausser GMr, veMcheilr Md»ur Straft gezo- -M 2Z gezogen zu werden. Wir müssen Gott unsern Herrn von unsern Amtsverrichtungen Rechenschaft geben, und wissen nicht, wie wir dabey bestehen werden, Das einzige, was uns dabey übrig bleibet, ist, daß wir Gott um seinen Beystand an» flehen, unser? Geschäfte mit Eifer und Fleis vcr- richten, und nach aller angewandten Mühe uiH unnütze Knechte nennen, die nicht wissen, ob ich Nachsicht ihrer Schwachheiten und Gebrechlichkeiten verdienen." Aber damit sind Sie noch gar nicht zufrieden, Herr Landratb! Denn obschon Sie sich sorgfältig ich Acht nehmen, ihre wahren Gesinnungen zu verrathe»; so wenden Sie doch alles an, die Macht unh Gewalt, die Sünden zu vergeben und zu behalten, welcher sich die Kirche als eines besondern Geschenks ihres Bräutigams rühmet, verdächtig und zweifelhaft zu machen. Darum vergleichen Sie dieselbe mit der Gabe Wunder zu wirken; darum suchen Sie den Worten, welche davon in den alten Vatern vorkommen, solche Bedeutungen zu geben, daß sie nur in Rücksicht auf das Unrecht Statt finden, so der Kirche widerfahren ist; darum erheben Sie die Kraft der Reumüthigkcit über die begangenen Sünden dergestalt, daß weiter nichts nöthig zu seyn scheint, um von Gott Verzeihung zu erlangen; darum bemühen Sie sich, alle Stellen aus den Schriften der Alten zu sammeln/wo von der Busse des Herzens, P 4 welch? 24' »reiche Gott allein zum Zeugen nimmt, Meldung geschieht; darum wollen Sie endlich, daß dieBe- kennung der begangenen Sünden nur da Statt finden soll, wo hinlängliche Anleitung zur Busse zu hoffen ist. Wie denn Herr Professor! Ist Ihnen denn die Stelle aus dem h. Johannes, welche Sie selbst anführen, und gleichsam zum Grundsteine ihrer Abhandlung legen, nicht überzeugend genug, daß Jesus seiner Kirche die Macht verliehen, die Sünden zu vergeben und zu behalte«?„Er blies seine Jünger an, und sprach zu ihnen: empfanget den heil gen Geist; denen ihr die Sünden erlassen werdet, denen sind sie erlassen; und denen ihr sie behalten Werder, denen sind sie behalten." Ich weis es, wohin Sie sich bey dieser Frage wenden. Diese Gewalt, sagen Sie, ist nur den Aposteln ertheilt worden. Keiner aus ihren Nachfolgern hat sich derselben bedient- Die Aussöhnung, wovon in den Schriften der Darer Meldung geschieht, hat nur Stattgefunden, insoweit Menschen beleidiget worden. Haben sich die geistlichen Hirten zuweilen auch gütig gegen Beleidiger Gottes gezeiget, so ist es erst alsdann geschehen, wenn hinlängliche Zeichen vorhanden gewesen sind, das Gott durch langwierige Thränen und frcywill-ge Züchtigungen besänftiget sey. So wird euch, ihr armen Beichtvater, ganz unvermerkt die Gewalt entrissen, die ihr von der Kirche glaubet empfangen zu 25 zu haben; und es bkibet euch nichts übrig, als die Sünder zu erinnern, zu ermähnen, und zur Busse und Bekehrung anzuleiten. Alles übrige müsset irr Sott überlassen. Jedoch gebet euch nicht gleich mit der ganzen Kirche gefangen; glaubet nicht alles, ehe es untersuchet ist. Wo steht es denn geschrieben, Herr Landrath! daß die Macht die Sünden zu vergeben, und zu behalten nur den Aposteln verliehen worden? Juden folgenden Stellen, die Sie aus den Evangelien anfuhren? Daselrst finde ich zwar, daß Christus seine göttliche Weisheit, Macht und Güte durch ausseror- demliche Wunder an den Tag gclcgct; aber kein Wort, was ihrem Vorgeben günstig wäre. Wie wäre es auch möglich, daß das, was Christus vor feinem Leiden geredet und gethan, die Verordnungen einschränken könnte, die ex nach seiner Auferstehung an seine Jünger ergehen lassen, da in allen Sachen das vorhergehende nur als eine Vorbereitung in Ansehung ccs Zukünftigen betrachtet werden muß. Die Apostel selbst, sagen Sie, nennen diese ihnen, verliehene Macht ein Geschenk Gottes. Ich lasse Ihnen dieses gerne zu. S-e ist in der That eines der größten Geschenke, die wir dem gütigen Hiin. mcl zu danken haben. Reden denn aber die Apostel von dieser Macht allzeit nur als von einem Geschenke? Reden sie nicht auch von derselben als von einem Amte, von einem Dienste, von einer Ausfpendu»,? Es sind verschiedene Gaben, die Christus seinen L 5 Iün- Jüngern verlieben. Einige dienen nur zur Verherrlichung des Chrisieuchums, andere hingegen auch zur Verwaltung, Erbauung und Heiligung desselben. Per h. Paulus zahlet in dem zwölften Capitel des ersten Briefes an die Corinther die aufferordent- lichen Gaben des heiligen Geistes weitlauftig her; die Gaben der Weisheit; die Gaben der Erkenntniß; die Gabe des Glaubens; die Gabe gesund zu machen; die Gabe Wunder zu thun; die Gabe zu weissagen; die Gabe, die Geister zu unterscheiden; die Gab? Mancherlei Sprachen; die Gabe der Auslegung:voy der Gewalt die Sünden zu vergeben ruchzu behalten, schweiget er. Warum denn dieses, wenn sie mit bey hergezählten in einer Classe stehen fall? Daß der heilige Geist den Aposteln allzeit aus eine wunderbare Art eingegeben, wenn sie die Sünden nachlassen, und wann sie dieselben behalten soll, ren, werden Sie gewiß auch nie,ual erweisen, Herp Landrath.' Dex h. Paulus hatte es gehöret, daß unter den Corinchcrn Unzucht bexrschrte: er crzprnete sich, daß sie die Schuldigen nicht gleich aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen hatten: weil er nun nothwendig' fand, daß das Laster gesirafet würde, so gab er abwesend diejenigen Befehle, die sie gegenwärtig unterlassen hatten. Hier finde ich zwar Merkmaale seiner Sorgfalt und seines Eifers, qber sein Zeichen von einem besonderen und ausserordentlichen Bey. stände des heiligen Geistes. Auch leuchtet nichts dergleichen aus dem Betragen hervor, welches er im zweyten »7 ten Briefe an eben dieselben äussert, indem er seine Güte, Bescheidenheit und Nachsicht in volleni Glänze sehen läßt. Ich.? li lieber seine eigenen Worte anführen,„Dieses bade ich euch geschrieben, spricht «r, damit ich, wenn ich zu euch komme, picht Traurigkeit über Traurigkeit habe, pro ich mich vielmehr über euch erfreuen sollte. Ich habe das Vertrauen zu euch, daß meine Freude euer aller sey, Denn jch habe euch in grosser Trübsal und Angst des Herzens, auch mit vielen Thränen geschrieben; nicht daß ihr betrübet werden, sondern daß ihr erkennen solltet, was für ein: Liebe ich sonderlich zu euch trage. Bin ich von jemanden betrübet worden, so bin ich nur von einer Seite betrübet worden, damit ich nicht alle beschwere. Es ist demselben, der ein solcher ist, die Bestrafung genug, die von vielen geschehen ist; a-o daß ihr ihn hinfuhr» destomehr verschonen und trösten sollet, auf daß dep, welcher ein sol-, cher ist, nicht in allzngroffe Traurigkeit versenket werde, Darum ermähne ich euch, daß ihr die Lieb« an ihm erweiset. Denn darum habe ich euch auch geschrieben, damit ich erfahren möchte ob ihr in alle» Stücken gehorsam seyd, Welchen aber ihr etwa» vergebe» habet, dem habe ich auch vergeben. Denn auch ich, so ich jemanden etwas vergeben habe, das habe ich um euertwillen gn Christi Statt vergehe,,; auf daß wir von dem Teufel nicht betrogen werden; denn uns sind seine Gedanken Nicht linder kaum." So weit der h. Paulus. Fürwahr ein Mann, aus dem nichts als Lieb? und Eifer hauche?; Nur 28 NurHa-nSie, Herr Professor! nicht ohne alle Ursache daß er anders handle a s ein Mensch, der sich als einen Diener Jesu Chxrstr ,-nd Ausspcnder der götri lichtn Gchstmn,sie ansieht, und zwar der Zuversicht lebet, daß er die.Sünde» an Christi Statt vergeben und behalten könne, aber es doch mit Behutsamkeit und nickt ohne erhebliche Ursachen thuet, weil er rre-s. daß er von seinem Fleiße und von seiner Treue wird Rechenschaft ablegen müssen. D>e kehren und Ermahnungen, welcher dieser fenric-c Apostel ft-nen SöBngen, dem T-mocheus und Tltus siiei't. zeigen neb?: diesem auch genugsam, daß der heilige Geist Gehorsam und Sorgfalt von feine» Knechten fordert, und folglich nicht allzeit so viel in ihnen wirket, daß sie in ihren Geschäften nicht wanken und irren können. Wie denn auch die Schriften des h. Johannes, besonders die geheime Offenbarung, im Stande find, Bürgschaft dafür zu leisten. Es würde m ir nicht schwer fallen, einige Stellen besonders aitzusübren. Da S:e aber ihren ganze» Sas aufmcbrs als den dreyzekmtcn Vers des sechzehnten Capitels Johanms gründen, wo die Rede nicht allein von den Aposteln, sondern auch von ihren Nachfolger», von allen Vorstehern der Kirche ist, und keineswegs auf die Gewalt, die Sünden zu vergeben und zu behalten, gezogen werden kann; so sehe ich mich dessen überhoben. Hatten Sie vor Anführung ihres Textes ein paar Blatter zurückgeschlagen; so würden Sie nicht so unbesonnen und frech dabin geschrieben haben, was sich gar nicht vertheidigen laßt. Schon un fünfzehnten Capitel fängt die Verheißung an, welche Christus seinen Aposteln, und in seinen Aposteln der ganzen Kirche machet»„Wenn ihr mich liebet, spricht das stock, lichc Orakel, so haltet meine Gebothe. lli-d ich will den Vater bitten, und er wird euch einen an. dei n Tröster geben, daß er bey euch bleibe in Ewigkeit.' In Ewigkeit, saget Christus; verstehen Sie es? O hüten Sie sich ja, ihre Folge noch einmal zu wiederholen, Und zu behaupten, daß die Apostel in Vergebung und Aurückhaltuiig der Sünden nicht haben irren können: wenn dieses aus der angeführten Stelle folget, so folget auch, daß die Nachfolger der Apostel darin unfehlbar seyn, uud zwar bis aus Ende der Welt. Die Stelle derb. Schrift, welche in den vierten ttnd fünften§. ihrer Abhandlung enthalten sind, will ich Unberühret lasten. Es ist unsere Pflicht, einander Liebe, Wohlthat und Nachsicht zu erweisen: wir sind Drüber, stammen von einem Vater her, haben einen allgemeinen Ursprung, Gott, der uns Seyn, Leben, Verstand, Vernunft, Einsicht und alles giebt, was uns über andere Geschöpfe so sehr erhebet. Wir sehen diese Pflicht zur Nothwendigkeit werden, wenn wir betrachten, daß uns unter keiner anderen Der dingniß Verzeihung unserer Verschlingen perspry- chei, ist, als wir unserem Nächsten auch alles ohne Ausnahme verzeche». Weil wir unseren Nächsten zo nur«m Gottes willen lieben müssen; so schließt Gott alle Abweichung davon aus: wir müssen alles ohne Unterschied verzeihen, weileruns meinem unendlich grösserem Uebermasse verzeihen will. Er will die Verzeihung geringer menschlicher Vergebungen mit seiner unendlichen Güte vergelten, und uns auch die wider ihn begangenen schwcresten Sünden unter der Bedingmß vergeben, daß wir die uns zugefügten geringen nachlassen, und vergeben sollen. Diese Anmerkungen, mein Herr! die ich zum Theil aus ihrer Abhandlung genommen habe, sind ohne Zweifel sehr auferbaulich und heilig; nur folget nicht daraus, daß der Sünder weiter nichts bedürfe, um mit Gott ausgesöhnet zu werden. Sie fordern ja selbst so viele andere Stücke dazu: einen lebhaften Glauben, eine aufrichtige und ernstliche Zurückkehrzu Gott, Reue, Genugthuung, Vergütung, Besserung, und waS sonst erforderlich ist. Sollten denn die Beichtväter nicht auch eine aufrichtige Bckennung der Sünden fordern können, wenn sie auch zu weiter nichts als zu einer rechtmassigen Bußanleitung dienlich wäre? Ja, sagen Sie, wenn nur diese Bußanleitung zu vermuthen ist. Nur ein wenig gescheid, Herr Professor! Ein jeder, der ihre Abhandlung aufmerksam liest, merket deutlich, daß Sie unter dem Verwände, die Urkunden von der Beichte zu untersuchen, die Gewalt zu binden und zu lösen, mit welcher die Kirche Gottes prange», wo nicht gänzlich darnieder drücken, doch verdächtig zu machen suchen: und was von Wichtig- kcithaben Siedenn bisher dawider auf das Tapet gebracht? Wollen Sie etwan nur scherzen? 3» Zr Ich folge Ihnen indessen weiter; wer weis, welche Gründe Ihnen die Vater der ersten Kirche an die Hand geben werden.- Vellarmin hat die Sache zwar schon einmal mühsam untersuchet, und ist von etwas ganz andern überzeuget worden als Sie. Ich kann es Ihnen aber nicht verdenken, daß Sie nichts mir ihm zu thun haben wollen. Denn obgleich nicht alle seine Beweise einzeln betrachtet, ganz überzeugend sind, soi soll er doch, wie mir meine Freunde sagen. Nicht mit lauter leichten Waffe» fechten. Freylich wünschte ich, daß Sie mir es erlaubet hätten, mich, indem ich Sie zum Gegner habe, hinter ihn zu stechen r da Sie es aber schlechthin verbiethen, so will ich mich Dem Schicksale überlassen. Nichts also mir dem Vellarmm, ob ich ihm gleich den Ruhm nicht mißgönne, dem ihm seine Verehrer erweisen; nichts mir allen, von welchen ich Schutz und Hülfe hoffen könnte: mich sollen keine andere Waffen decken, als die ich Ihnen, mein Herr! selbst aus den Handen winden'werde. Sagen Sie es frey heraus, welches find die Gründe, die sie zu Unterstützung ihrer Meynung in denVätem der ersten Kirche finden? Sie machen Mrst einen Unterschied zwischen der Vergebung der Sünden in Rücksicht aufdas Unrecht, so der Kirche widerfahren ist, und der Vergebung der Sünden in Rücksicht auf die Beleidigung Gottes. „Wer aus den Urkunden des christlichen Alterthums rbkannt hat, sagen Sie, wie eifrig die ersten Christen sich durch eigene Vorwage verbunden haben, dcnHei- den und Irrgläubigen nicht das mindeste üble Bey- spiel zu geben; wie sic jede Übertretung dieses Verrra« ges für eine besondere Beleidigung der ganzen Gemeinde angesehen haben; wie solche Uebertreter von der Gemeinde ausgeschlossen, und nicht eher wieder ausgenommen worden, als bis sie das der Kirche ange- thane Unrecht öffentlich abgebethen hatten; dieser weis auch die Vergebung der Sünde in Rücksicht auf das Unrecht, so der Kirche widerfahren ist, von der Vergebung der Sünde, in Rücksicht auf die Beleidi- gung Gottes zu unterscheiden. Aus Mangel dieser Kenntniß und Wissenschaft haben viele die kirchliche, aus der Natur und nach Vertragen jeder Gesellschaft zukommende, und hiemit auch in der Macht der k.rch- lichen Gesellschaft stehende Vergebung mit der übernatürlichen lossprechung von der Beleidigung Gottes, die Kirchenbusscn mit dem, was der Sünder Bott zu leisten schuldig ist, und die Nachlassung dev Kirchenbussen oder die Lossprechung vom Kirchenbanne mit der Nachlassung der Sünden vermenget. „Erlauben Sie mir, mein Herr! daß ich schliessrri darf. Wenn also die alte Kirche Sünden vergeben oder zurückgchalten, so ist es nur geschehen, insoweit ihr selbst dadurch Unrecht geschehen ist. Dieses ist so ganz geschwind dahin gesagt: ist es aber auch so geschwind bewiesen ? Sie berufen sich auf den Tcrtulr !ian. Mein Herr! wenn Tertullian auch in allen seinen Werken bloß von der Kirchenzucht redete, inso, weit sie der christlichen Gesellschaft Genugthuung leistet; so würde doch nicht folgen, daß in der ersten I r—;r Kirche keine andere Gerkchtsbarkeit ausgeübek worden, die sich aufdie Beleidigungen Gottes erstrecket. Ein Schriftsteller kann nicht von allen Sachen handeln, bald betrachtet er dieft, bald untersuchet er jene, ohne hundert andere zu laugnen, die ihn nicht beschäftigen. Jedoch man muß dcn Lenullian nur recht verstehen, und der Unterschied, den Sie machen, rv^rd ziemlich wegfallen. Ich wende mich zu eben demselben Capi- tel, auf welches Sie ihre Meynung gründen, und werde seine Worte so treu zu übersetzen suchen, als es mir möglich seyn wird. ^ Wir nähren (in unseren Versammlungen) durch heilige Gespräche den Glau- * den, richten die Hoffnung auf, steifen die Zuversicht, und befestigen nichts dcstowemger die Beobachtung der Gebothe durch öftere Emscharfungen. Es werden daselbst auch Ermahnungen, Bestrafungen und > das göttliche Gericht gehalten; denn es wird auch geurtheilct, und zwar mir grossem Gewichte, wie bey gewissen über die Anschauung Gottes, und cs ist das größte Vorgewicht des zukünftigen Gerichts, wenn einer so gesündiget hat, daß er von der Gemeinschaft des Grbeths, der Zusammenkunft, und aller heilige» Unterhaltungen verflossen wird. Es sitzen einige bewährte Alke vor, welche diese Ehre nicht durch Geld, sondern durch Zeugniß echalten. Denn keine Sache Gottes ist mit Geld zu vergleichen. „ (*) Herr Professor ! (*) k!6em simcti'» vocilrus pslcimrnr, ssrem . criximus, Läuciam LZimus, chlcijzlinsm prre. cextorum mtülomurur ineuleLüombus cients- C mus. >«--— fessor! nur ein wenig aufmerksam auf einige Ausdrücke dieser Stelle, auf welche Sie so viel bauend E s wurde in den Ver ammlungen der ersten Christen ein göttlichesGcricht gehalten— man urtheilte mit grossem Gewichte— es kam zuweilen auf dieAn- (chauung Gottes an— wenn jemand von der christlichen Gemeinschaft abgesondert wurde, so hielt man es für Äorbothen der ewigen Versteifung.— Dieses Mchteramt war eine Sache Gottes, und konnte nicht mit Geld erkaufet werden. Laßt sich wohl dieses alles von der Zucht einer Kirche verstehen, die weiter nichts als ihre eigene Ehre zur Absicht hak. , Ich muß Ihnen noch eine Stelle aus dem Ter- tftllian anführen, wodurch sich die, von welcher wie jetzt gehandelt haben, weil sie, wie alle Schriften äst die Heyden, ein wenig dunkel ist, deutlicher erklären lassen wird." Den Christen, spricht er im lotest Eapikel wider N Gnostiker, steht der Himmel eher offen als der Weg(zu demselben): weil der keine« Weg zum Himmel hak, dem der Himmel nicht offen steht: mur. kbiilem otism exliortationes« HakligU- tione-,> ct cenkurs ciivinn r nsm et. jüsticstur msgno cum poncicre, ut gpuä cSrto? cic Per conkpecru, lummumHue luturi juciiLii xrgejn- ckcium e!t, 6 chü» itN clcÜquerit, üt a com- muüione oi-ativms ck conventu; et omnir isü- eti comuiereü relesetnr« Urreüllent probat! yviögm 8ei>iorcs bonorem iliurn non piecio. leci tesiimonio scispti. dlec^ue enim preeis ults rez Lei evüÜst»^>xo1o§. Lap» XXZllX» steht: wer dazu gelangen wird, der wird eingehen. Wenn dujcmals bcy dem David gelesen hast: ihr Fürsten, eröffnet eure Pforten, und ihr ewigen Pforten thuet euch auf, und der König der Ehren wird eingehen: so wisse, daß von daher jene Auffahrt durch die Fußstapsen des Herrn eben gernacht, und jener Eingang durch die Macht Christi aufgeschlossen worden, und daß dem Christen an der Schwelle keine Hinderniß oder Untersuchung entgegen stehen werde, als welche dort nicht erforschet, sondern erkannt, nicht gefraget, sondern zugelassen zu werden verdienen. Denn wenn du auch dafür haltst, daß der Himmel noch verschlossen sey, so gedenke, daß der Herr die Schlüssel desselben hier den» Petrus, und durch ihn-erKirchezurückgelassen hat."*) Weil wir einmal mit dem Tertullian zu thun haben, so will ich auch zugleich auf denkten tz. ant- C 2 Worten. *) Llirillirmocavlrim ante pstet huAM via null» vi» in cselum, nill cui siMct caelum r Huoci^u! sttigerit, intrsdit il nnezusm IcZiiii s^ucl Oavici r»ukcrte pvrka; veürnr, ct Ludleventur portZe seternae, ct»ntrZlrit rex ßlorise. 8ciw ct gtcenfum ülum ex inäe comylsnskum veitixiis Oomini, ct introi- tum cxincie rcferstum viribu» Lkrilti, nec ul> Ism morsm sut cjuscllionem in l>mioe Lki-iüi- »nis occurtursm, czui non 6in«s^.i lisbesnc ülic» secl sKNvkci, non interroAsri, 5ccl Aämitki. dlam et 6 g6kuc cl»u5nm putar cselum, memeato claves e>u« liic vominum ketrü ct xer cun» Lcclsüs« rellyuiüe» z6— worten. Hat Tertullian in dem Buche 6e?u6i'ciria nicvt also geschrieben, wie in den Stellen, die ich jetzt gleich angeührer habe, so kan Ihnen die Ursache davon nicht unbekannt seyn. Die unglückliche Veränderung seiner Grundsätze, welche ihit(wer weis, aus was für Ursachen, zu einen Montanisten machte, muß« te nothwendig auch in seine Schriften Einfluß haben. Ich hatte indessen nicht einmal Ursache gehabt, dieses zu erwehncn, weil Sie es selbst zu bekennen scheinen^ daß Sie nicht gesonnen sind, das aus diesem Buche angeführte Zeugniß zum Grundsteine Hrer Abhandlung zu bräuchen. Was also noch einige Betrachtung verdient, ist das Buch eben desselben Tertullians von der Busse. Tertullian zeiget daselbst die Nothwendigkeit so wohl über öffentliche als heimliche, innerliche als aus« serliche, körperliche als geistliche Sünden Busse zu thun. Nach diesem wendet er sich zu jenen, welche die Kirche das erstemal um Verzeihung ihrerSündett anflehen. Weil diele Verzeihung durch die christliche Taufe geschieht, so erwähnet er die, welche ein Verlangen darnach tragen, zu einer herzlichen Reue über ihre Missethaten, und ernstlichen Besserung ihrer Sitten. Endlich wendet er sich zu denen, welche nach der Tauft aufs neue gefallen sind, und saget ihnen daßstegutes Muthes seyn,und an ihrem ewigen Heile, nicht verzweifeln soll.'n.„Fürwelchem Vater,spricht er, sollen wir Gott hatten? So sehr Vater ist niemand; so gütig ist Niemand.Er wirddich demnach als seinenSohn obwohl Z7 obwohl du, was du von ihm bekommen, liederlich durchgcbracht, wiewohl du bloß zurück, gekchret, wieder aufnehmen, weil du zurück gekehret: ja er wird sich mehr über deine Jurückkunft erfreuen, als über die Eingezogenheit und Enthaltsamkeit eines andern. Aber, wenn es dich von Herzen reuet, wenn du deinen Hunger mit der Sättig keil der väterlichen Tagelöhnern vergleichest,wenn du das unreineVsehchie Schweine verlaßt, wenn du zu deinen obwohl beleidigten Vater zurückkehrest, und Wichst: Vater, ich habe gesündiget, und hin nicht würdig, dein Sohn gcncn- net zu wexden. Die Bckennung der Sünden erleichtert eben sosehr, als dieVerhclung derselben darnieder schlagt. So wie der Bekennet die Genugthuung, also hat der Vcrheler die Unbußfertigkeit zur Absicht." *) Alsdann redet derBußeiferer von der öffentlichen Busse, das ist(wenn ich Sie damit nicht belei- - Cz dige, *) GW Hie nobi« intelligenclas eli kster? Oeur kellicet« Ism kster nemo, tsm pius oemo» Is ergo te stlstrm stium, ctü gcceptum ab e'o zrroclegerls z eist nuciu? reclicris, reei^>iet, Wrz reüisii: sie rcgrestü tuo, czusm sie slterius(ostrietate laetghikur. 8eci st^genitest ex suimo, ü lsmem tu<-m cum ssluritskc wer- ccnLiiorum^sternorum eomsisres, 6 porcp«, Lmmunclum relinczuJi peeus, st jistrem repetsr vel vsteaöum, 6eWui> cüeeris, pster, nee cst. gvu» ego jsm vocsri stlius tuus.'kslNum rs- llevst conkeMo cieliclnrum, qusntum ciiistmu« lstin exsgerst. Lookelsto enim ssrizstictioliir eonülium est, eststimulLlio contumacisc» z8 r—- Lige, mein Herr!) von der Genugthuung, welche Lasterhafte Gott im Angesicht«: der Kirche leisten «rußten, ebe sie zur Versöhnung angenommen wurq den Freylich thuet er dieses aufeme Art, die zu seiner Zeit verständlicher gewesen seyn mag,, als nun «ach mehr als tausend Jahren: indessen heißt doch das griechische Wort.*) wodurch er die Rarur der Sache besser auszudrücken glaubet, als durch eines aus der lateinischen Sprache genommenes, bey ihm all:s das, was noch heutiges Tages zu einer wahre« Busse erfordert wird: Kekennung der Sünden, Reue über dieselben, Genugthuung, und was mehr zur Vexlassung der sündhaften Gegenstände und zur Bekehrung zu Gott gehöret. Und obschon einige dieser Stücke zu TcrtuKans Zeiten von, den größten Sündern, wenn sonst nichts dazwischen kam, öffentlich verrichtet werden mußten, da sie im Gegentheile bey der itzigen Verfassung der Kirche, wen» die Art der Sünde nicht etwas anders fordert, pur Heimlich, oder doch so geschehen, daß sie nur den Schein frcywilligek guter Werke haben; so sieht doch ein jeder unparcheyi-- fchcr Liehhaber der Wahrheit leicht ein, daß von der heiligen Vorsehung, durch welche die Apostolische Religion erhalten und regieretwird, nur die äussere Gestatt, und nicht die Wesenheit der Busse verändert worden. Die öffentliche Busse wurde zu jenen Zei« ten, wenn es die Umstände erheischten, öfters erlassen, ohne daß man die Sünder der göttlichen Strafe übergab, und nun wird sie zuweilen nothwendig, Per- *) Lxomologeü,. Verwundern Sie sich etwa» über diesen Ausdruck? o ja, sie wird nothwendig, äusserst nothwendig, und zwar dazumal, wenn die begangenen Sünden offen?« liches Aergerniß gestister haben. Alsdann gelten noch bey unserer gelinden Art, mit den Büssern zu versah« ren, die strengen Regeln, welche ehemals hcrrscheteu, und die Prediger haben immer Recht, wenn sie solche Sünder mit allem Eifer ihrer Pflicht erinnern, wenn sie mit dem Tcxtullian ausschreyen? Was wird denn eure Schamhaft>gkeit für einen Nutzen haben, wenn ihr euere Verbrechen verberget? Werdet ihr denn das, was ihr der menschlichen Kenntniß entzieh?, auch der Kenntniß Gottes entziehen könne»? Ist es denn besser, daß ein Verurtheiltex verborgen bleibe, als daß er öffentlich losgesprochen werde?*) Ich hatte fast Lust, Sie hier auf eiyige Ausdrücke aufmerksam zu machen. Scheinet es do ch, als hatte Tertrch lian die ganzen Gesinnungen der heutigen Kirche ausdrücken wollen. Wir sollen unsere Sünden nicht ver» helen, weil wir sie zwar vor den Menschen aber nicht vor Gott verbergen können; wir sollen sie von Herzen bereuen, weil wir Gort, unseren besten Vater, beleidiget haben; wir sollen Gott Genugthuung zu verschaffen suchen, sollte auch unser Gut, unsere Ehre, unsere Ruhedabep leiden. Es ist besser, daß das Ur« H 4 theil *) Losacle emolumentum verecunciise oocultatio ^elicti pollicekur. Vicieliect, L guicl krimguac Nütitiae tubciwccrimuk, proimle er vcum ced;» bimur.—— mcUu, clt ciamnatum I-rcre, Husm x,!nm sblolvl?(lsx. Iv. äekscnItLiiüse, 4» theil der Verdammniß, welches wir uns zugezogen haben, wieder aufgehoben werde, als daß wir uns den verdr-eßbchcn Wehten entziehen, welche mit einer wahren Bekehrung verbunden sind. Man vermenge nur nicht, werben Sie sagen, disKircheiibuffen mit dem, was der Sünder Gott zu leisten schuldig ist, und die Vergebung des der Kirche zugefügten Unrechts mit der Vergebung der Beleidigung Gottes. Nein, mein Herr! denn Twuillian redet bloß von der Beleidigung Gottes, und sieht die Kirchcnbussen für nichts anders als das an, was ein öffentlicher Sünder Gott zu leisten schuldig ist: warum würde er sonst sigen, daß man seine Sünden zwar den Menschen aber nicht Gott verhelm könne? Warum würde er die Gürt Gottes preisen, und versichern, daß sie sich durch Thränen leicht bcsanftigeff lasse? Warum würde ex endlich die Lossprechung, die von der Kirche geschieht, der göttlichen Verurchcilung entgegen setzen? Mit ihrem i;, lö, 17. IZ.§, werde ich mir nicht viel zu thun machen. Es waren in den ersten vier Jahrhunderten nur drey Hauptlaster, für welche öffentliche Busse bestimmet war. Nqtaüs Alexander beweiset dieses so gründlich und deutlich, aber auch so w.rläuftig, daß ich mich lieber auf ihn berufen, als auf seine Gründe beziehen will. Wer also eines von diesen Hauptlastern begangen hatte, es mochte öffentlich oder heimlich geschehen seyn, der mußte öffentliche und langwierige Busse verrichten, wenn er mrt Gott versöhnet werden wollte. Oeffentliche Verbreche« drecher wurden von ihren Mitchristen angeklagt und überwiesen, heimliche aber durch Ermahnungen und Beyspiele so gerührt, daß sie endlich das verborgene Geschwür ausspeyen oder an ihrem Heile verzweifeln mußten. Es kann seyn, daß auch andere Sünder sich nichtgeschcuet haben, dem beleidigten Gott öffentlich genug zu thun; nur liest man nirgends, daß ihnen dieses, wenn ich die Erstattung des gestifteten Schadens ausnehme, mir Gewalt aufgedrungen worden: man wollt.' denn den Aufschub der Versöhnung, welcher noch heutigesTages bey eingewurzelten Lastern Statt findet, mit der öffentlichen Genugthuung vermengen„Andere Sünden, spricht der h, Pacianus, werden durch die Erstattung besserer Werke geheilet— Die Kargheit durch die Menschlichkeit— die Traurigkeit durch die Fröhlichkeit— die Rauigkeit durch die Müdigkeit—7 hie Leichtsinnigkeit durch die Ernsthaftigkeit— die Bosheit durch die Ehrlichkeit— alle werden durch entgegengesetzte Mittel gebessert, lind in Tugenden verwandelt. Was wird aber der Verächter Gottes thun? Was wird aber der mit Blut befleckte machen? Welches Mittel wird der Husch ergreifen?"*) Nach diesem spricht er auch die- E 5 sen, p.eÜHua peocstr melivrum ojerum com^evsg- tlons cursytur— tenscitL! dvmsnitsre^-> lri7 liitia iucuncHtgte sl'yerits, lenitgte— xra- vimte levits?—. doneliste perversitssz et gnse- cunczüs LOlrirariis emenäm» prokciunt.(Uiici vc> c> kacict Lvntemptor vei? quiä' sget län- xuinslius? czuoci remsciium csxiet kvrmsstos? sei kaenitontism. 4» sen, nämlich den Gotteslaugnern, hen Mörders he» Ehefchändcrn die Versöhnung nicht ab, sondern drücket ihnen nur die Schuldigkeit, wahre Busse zy thun, ernsthaft ein; indem er gegen ander?, voi; welchen er vorhin geredet hat, nicht anders gesiiiiich ist, als andere h. Vater, welche ihnen den Genuß der h. Sacra,meinen nicht versagten, dafcrvste nur, wie ehemals Jachäus, deutliche Merkmaase der inneren Reumüchigkeit, und Bereitwilligkeit, alles Ungerechte wieder zu erstatten, und ein besseres Leben anzufangen, äusserten. Ich bitte Sie, Herx Landrath- nehmen Sie den Satz zurücke, daß es in der ersteh Kirche keine heiMche Bussen gegeben habe, oder erklären Sie steh wenigstens deutlicher, wie man ihre schwankenden Redensarten verstehen soll. Es ist mir recht lieb, daß Sie, um ihrer Sache den Ausschlag zu geben, sich nicht aufdie Novatianer berufen. Es würde mich ärgern, wenn ich Irrthümer widerlegen sollte, die schon vor mehr als tausend Jahren ganz zuschanden gemacht worden sitzd. Lieder gleich zu den h. Vatern, zum h. Cyprianus, Fir- milianus« Lasilius, Ambrosius, Chrissostomus^ Augustiillis: denn diese können die besten Urkunden von der Verfassung der alten Kirchengebrauche liefern-.^ Der h. Lyprianus in dem Buche von den Gefallenen soll ihr erster Vertheidiger seyn? Ich bin damit zufrieden;«uzr ist es meine Gewohnheit nicht, mich mit abgerissenen Wort?» eines Schriftstellers zu beschäftigen: wir wollen das ganze Werk des h. Vaters durchgehen und erwegen» 4) Der h, Cvpnamss freuet sied, daß die Verfolgung, welche die Christen seiner Zeit ausgestanden, endlich vorüber sey, Er wünschet denjenigen Glück, die«n den Martern standhaft geblieben; bedauert aber andere, die»iche gleichen Muth gezeiget, dergestalt, daß er dix innern Schmerzen, welche er über ihrem Abfall empfunden, lebhaft schildert. Ferner eröffmt er die Ursachen dieser Verfolgung, damit er einen jehen warne, der Kirche nicht aufs neue durch sein Verschulden ein so grauliches Uebel zuzuziehen, Der schwache Glaube, die Begierde nach zeitlichen Gütern, die Nachlässigkeit in« Dienste Gottes, die Ueppigkeit und Ausgelassenheit, hie Falschheit und List, der Umgang und hie Verbindung mit den Ungläubigen, das unnöthjge und falsche Schwören,die Verachtung der Vorgesetzten, und Unterdrückung der Armen, der Haß und Neid. welcher unter den Brudern herrschete, warmes, durch welche steh die Christen nach dein Aussprache des h. Vaters die erwehnte Verfolgung zugezogen hatten. Nachdem er dieses aus den langst vorausgeschickten Drohungen der h, Schrift erwiese», so redet er von der Unbeständigkeit derer, welche den Kampfplatz verlassen; und saget, daß viele auf blosse Drohungen ihren Glaube» verrathen, ja nicht einmal die Zeit erwartet, bis sie vor Gericht gefordert worden; daß einer den ander» ^ur Untreue überredet, ja selbst die Eltern ihre Söhn» und Töchter zum Richter geführet, um das zu ver» laugnen, was sie in ihrer zarten Kindheit empfangest. Ms ihn äusserst abringet, sind die geringen Ge- 44 fahren, wodurch sich viele bewegen fassen, einen sol. chcn Dieincld zu begehen,„Es war ja nur nöthig, saget er, sein Vaterland und Erbtheu zu verlassen, um Christum zu behalten. Wie viele müssen die es nicht um anderer Ursachen willen thun?" Darnach begegnet er auch jenen, welche vorgaben, daß die Ver,olgung durch eine heftige Widerfetzung noch hitziger geworden seyn würde.„Davon,.spricht er, müssen nur jene reden, die es empfunden haben. Solche rönnen flehen, und sagen: wir haben zwar stark zu streiten angefangen, aber die verschiedenen Wärtern und Peinen haben uns in der Lange mürbe gemacht, und ü.crwunden. So eine Entschuldigung kann Nachsicht und Arbarrnung wirken." Endlich.eröffnet er seme Absicht, warum er dieses alles vorgetragen; und verweiset d cjenigen, welche Gott ebne dringende Noth muthwill g verlassen, zu einer stmstl cheu und langwierigen Busse, ehe er ihnen Hoffnung giebt, zur Versöhnung zu gelangen. Ar schreibet ihnen auch vor, wie fle sich binnen dieser Zeit zu verpassen haben. Ganz überzeugt, daß so leichtsinnige Verlaugner ihrer Religion zuvor Beyspiele einer mannl chcn Standhastigkeit geben müssen, ehe ihnen ihr Wankelmut!) verziehen werden kann, ereifert er sich äusserst über die Willfährigkeit einiger Seelensor- ger, daß sie viele solche Leute auf die Fürsprache anderer, die den Streit niuthig ausgehalten, ohne alle Prüfung und Genugthuung wieder in die christliche Gemeinschaft ausgenommen. Um ihnen diesen Mißbrauch her christlichen Sanstmuth lebhaft vor Augen r» 4; zu stellen, nennet er diese Art, mit so freventlichen Gottcsläiignern so milde zu verfahren, eine zweyte und weit gefährlichere Venolgung der Kirche, weil durch dieselbe die Srandhaftigkeituud der Eifer eingeschläfert werden, obne welche steh die christlichen Pflichten nicht erfüllen lassen. Hier folget die Stelle, weiche Sie, Herr Landrath! der heutigen B Hart entgegensetzen.„Niemand täusche, niemand betrüge sich selbst. Gott allein kann sich erbarmen. Die Sünden vergeben, die wider ihn begangen worden, kaun nur derjenige, welcher unsere Sünden getragen, welcher für uns Schmerzen gelitten, welchen Gott für un ere Sünden hingegeben hat. Der Mensch kann nicht größer seyn als Gott, und der Knecht kann aus eigener Nachsicht nicht nachlassen oder vergeben, was durch grössere Verbrechen wider den Herrn begangen Wochen, damit dem Gefallenen das lischt noch z i einem grössern Laster gereiche, wenn er nicht weis, was vorgesagt worden: verflucht sey der Mensch, der auf Menschen seineHoffnung setzet. Der Hekr ist zn bir. ten. dek Herr ist durch Unsere Genugthuung zu besänftigen, welcher gesagt hat, daß er seine Verläugnee verläugNe, welcher alles Gericht allein vom Vater bekommen hat. Wir glauben zwar, daß die Verdienste derBsittzeugen und Werke der Gerechten sehr viel bey dem Richter vermögen z über wenn der Tag des Gerichts kommen wird, wenn sein Volk nach dem Untergänge dieser Zeitlichkeit vor dem Richterstuhls Christi stehen wird. Wenn übrigens jemand aus Zäher Ueberciluug dafür halt, daß er jemanden auf eine 46 eine vermessene Art Verzeihung der Sünden geben könne, oder sich unterfangt, die Gebothe des Herrn umzustossen; der stiftet nicht nur keinen Nutzen, sondern schadet den Gefallenen vielmehr. Es ist mehr eine Aufforderung des Zornes, als eine Beobachtung der Ordnung, wenn man glaubet, man könne mit Verachtung des Herrn sich auf seine Gutwilligkeit verlassen, und es sey nicht nöthig, zuvor die Barm- Herzigkeit Gottes anzuflehen. Die Seelen der ermordeten Blutzeugen schreyen.'unter dem Altare Gottes mit erhabener Stimme, und sagen: wie lange richtest und rächest du, heiliger und wahrer Hrrr, nicht unser Blut an denen, welche auf Erden wohnen? und es wird ihnen gebothen, zu ruhen und noch Geduld zu haben: und es kann jemanden in den Sinn kommen, daß einer wider den Richter würdig seyn wolle, nach Gefallen die Sünden nachzulassen und zu vergeben, oder daß er vor erfolgtet Gcnugthuung andere vertheidigen könne? Gebiethen die Blutzeugen, daß etwas geschehen soll? wenn sie gerechte, erlaub» te, wenn sie Sachen gebiethen, die nicht wider den Herrn sind, so soll es von den Priestern Gottes vollzogen werden; die Einwilligung kann leicht und ohne Widerwillen erfolgen, wenn in dem Verlangen eine gewissenhafte Mäßigung ist. Gebiethen die Blutzeugen, daß etwas geschehen soll. Wenn aber das, was sie gebiethen, m dem Gesetze Gottes nicht geschrieben ist, so steht bevor, daß wir wissen, ob sie das von Gott erbothen haben, was sie verlangen, und dann dann zu thun, was sie gebiethen."*) So kamen die Worte des h. Cyprians, wenn ich sie ja recht «berfttzet habe. Wenigstens werden Sie, Herr Land- b^cmo ss talläk, nemo se äscipist. 8o!u, Oeus milereri poteit. Venism peceski», c>use in ixtüm commiils sunt, folus potesi i!Ie IZWri, qui pscests nosir-, portsvit, czui pro nokis du- luit, c^uem Leus trLciiäir pro peccgtl» inosiri«. Ijnmo Leo nun poteit esie msjvr, nee remitiere sut donare inäuIZenkig tu» tcrVus p-kelt, . czuoc! in Oominum deücro rüsjors cvmmHIum elt; ne sdkuc Ispto koc scccdilt Lcl crimen, li netcist esie^präSdictümr tdgleÄctur liomo, kjui ipem kgdet in komine. Vominus orgndur . elt, Dominus noürs tstidkgctlüns plscancius sit; i;ui neZgntem nezgre te ciixit, ljui omne jucü- cium de rstre lulus gccepit. Lredimus polte Spuci juci-ceiN plurimum martyrum merits, et operg jultorüm; feci cum judicii dies veüe- rit, cüm polt occsfum Treculi kuius ante tri- Liiriiti popalus ejus gdltiterit.(.aeterum 6 Mir xrgeproperg kesiingtiens temersrius re- miisionem peocs'rvrüm dare te Cm'M-un putat xolle, gut attdet dominica prsecepts rekein- eses bestätiget sich noch aus dem, was folget. Cyprianus verehret den Moses, Je« remia, Noe, Daniel und Job vorzüglich und zeiget dessen ungeachtet, daß sie nicht allezeit von Gott erhöret worden, wenn sie für ihre Mitmenschen gebethen. Endlich schließt er also: demnach vermögen die Blutzeugen entweder gar nichts, oder das Evangelium kann aufgelöset werden; oder wenn das Evangelium nicht aufgelöset werden kann, so können sie wider das Evangelium nicht handeln; denn daß sie Blutzeugen sind, haben sie auch durch das Evangelium. Niemand, geücb- leste Bruder, niemand mache die Würde derBluk- zeugen zu Schanden, niemand greife ihren Ruhm und ihre Kronen an. Die Kraft des unverletzten Glau- possü gliqui« exitilMgr remittenchs pgstim 6o» ngnclu^ue peccgti; ciiZmim Leri contra jucli- ccw volle, gut prius.^usm vinüicetur, ipls glios posse clekenclcre? ö-lanügnt sligui.l mgit^- res kcri? ü juttg, li llcits, 6 kon conrrg jp- kum vominum, s Vei kscerclots fgLiencig funk, vbtcmpersntis kscilis et prang conlcnlio, 6 pe- tentiz kuerit religiös» moclorütio. dlsnügnt sli- ^uicl mgrtyres üeri? 5ccl 6 fcripts non s-nt in Vomini Icxc, czuse msncignt; gute ell, Ut karg. wus illvr cie I impecrslkc,^uoci poliulgnt, tun« kacere izuoci mguclsnt. 49 Glaubens bleibet untadclhaft.—^^ das t'on den Bischöfen etwas wider d:e Gebo.e lüttes geschehe, können sie nicht crzw-.ngen.) Ä.ach diesem kehret- der h. Cyprian wieder zu den Gefallenen zurück, und v-rw-ii-t es'hnen nachdrucke lich, daß sie nm die Versöhnung augehanc.., eh „e vorhin Busse zu thun. Um sie dejw mehr zn beschämen, hält er ihnen vor, da?; auch zene,..elch-, nichts meineidiges gethan, sondern nur es zu ryun ge- dacht, Ursache haben, den lprieirem Gv..eo, i.-re Schuld aufrichtig und renmu-h-g zu binnen mtt davon erlediget zu werden; w.'-l!yr^a,.er, o. S gleich geringer ist, und eher Verzerpung erlügen L dochümnerein ichfter bleibet A^n» machet er dm letzten Schluß:„Lm jede.^ke..m. M Verbrechen, da der, welcher verbrochen hat, im Leben ist, da ft-n Bekenntniß noch ang-nemmen werden kann, da die Genugthuung, und m-ur---- Priester geschehene Nachiasinng bch dem^''ss genehm ist.» Soll ich es Ihnen noch ,«-g martyrer snt nibi! possunt, svl re- Unm Ü'Ivi poteü, mit L ovunzclmm^'.w- wll tolvi,orui-> cictwuM. corones. rcksnet incorruMe Lllei rovur r- eoiame;— vr-b cpiG-^i. covtr» msoä-> m vci Hut, aulores ells NVN xo..unk. -*») LonUteunwu- llnxuU cicUcttrm lueun, oam^uc^ cher machen, Herr Landrath! daß Sie sich umsonst aus den h Cyprian berufen haben? Wenn Sie das ganze Buch gelesen hatten; gewiß, Sie würden die Stellen, welch-Ihnen so viel Schutz versprochen, Ha en fahren lassen. Was sinken Sie denn in dem ganzen Buche, das Ihnen vorrbeilhaft seyn könnte? Daß man nicht schuldig sey, seine Sünden zu beichten? Der h. Vater spricht ja niemanden von dieser Schuldigkeit los. Daß die erste Kirche sich nicht getrauet habe, die Süudcn, die wider Gott begangen worden, nachMaffch und zu vergeben? Aber es istja die Rede vöti derVerlaugnung Gottes, und von den Willen e§ zu thun. Daß die Versöhnung zu jenen Zeiten nur in Rücksicht auf das Unrecht Statt gesund.n, welches der Kirche zugefüget worden? Die durch die Priester geschehene Nachlaffung ist dennoch auch bey Gott angenehm. Daß solche Laster, wie dieses ist, von welchem der h. Vater redtt, weil sie, wenü sie auch nur im Herzen begangen werden, alle Bosheit übertreffen, eine ernstliche und langwierige Vorbereitung, viel Flehen, Weinen, Erniedrigen, Leiden fordern, ehe der Schuldige vernünftiger Weise die Versöhmchg Gottes hoffen kann, lasse ich Ihnen gerne zu. Auch die heutige Sitkenlehre machet einen Unterschied zwischen Sünden und Sünden; und wenn ein Beichtvater grosse Böftwichtcr das erste mal liuc, czui stelchnik, IN Heuln est, cchm sclmi'tti conreluo ejus pütest, stum ütisssctio et r mlt- sio lchr, per fzaeiäotes apuc! Oomlnum lud. cle lgplr». mal annimmt, s° geschieht-s gewiß aus der^ dersicdk, daß ihre boshaften Herzen fchon zerknirscht, erweich t und dem besetze Gottes unterworfen senn Der größte Unterschied unter der heutigen !>»d'ch-m.«s... iU bissm b«"" Last nun die Genugthuung gemeiniglich nach der Versöhnung folget, da sie hingegen vor Zeiten von grossen Sündern eher gefordert wurde,^cv ,age, gemeiniglich', denn die Beichtvater sind öfters noch gedrungen, ihre Buffer bethen, saften, wachen, Almosen geben zu lassen, ehe sie ihnen die Los- svrcchung ertheilen können, weil sie wahrnehmen, daß die sündhaften Neigungen durch d^ Lriebe der göttlichen Gnade, ohne welche, wie lw schon geMt habe keine Busse möglich ist, noch nicht ganz ersticket sind. So wie im Gegentheile bey dem ersten Eifer der Kirchenzuchk Leute, die auch den Glauben verlaugnet hatten, leicht zur Versöhnung gelangen konnten; sie dursten nur in der That zeigen, daß ihr Herz geändert wäre. Wer den Götzen geopfert hat- durste nur um der Bekenntniß Jesu w-llcn das aufopfern, was die Tyranney von ihm forderte; so Mrbe er ein Freund, ein Liebling der Kirche, und ebne Verzug mit Gott ausgesöhnt. Ja man trug L vm welchen man, ob sie gleich gefallen waren Much und Standhasrigkeit in den eindringen, den Verfolgungen hoffen konnte, freywillig den Frieden an, mit der B-dingniß, daß sie herzhaft strerr^ und ihre Bruder stärken sollten. Die Busse, mem Herr' besteht in der Aenderung des Herzens; alle ^ Dr ubm übrigen Werke sind nur Vorbereitungen dazu, oder Folgen davon. Sieht der Beichtvater innere Wehmuth wegen der Gott angethanen Beleidigung/ sieht er Verabsehcunng der begangenen Missethaten, sieht er ernsthafte Vorbereitungen zu einem gottseligen Lebenswandel; v! so ist er cm Tyrann, wenn Lr ächzende Seelen noch schmachten laßt, und zurückhaltender in der Msspendung der göttlichen Gnade ist als Gott selbst. Der h. Petrus sagte ehedem: mag auch jemand das Wasser wehren, daß diese nicht getauft werden, welche den heiligen Geist empfangen haben? Ich glaube, diese Worte lassen sich hier ohne vielen Zwang anwende!:. Wundern Sie sich etwa«, mein Herr! daß heutiges Tages viele ihre Sünden so oft beichten, und dennoch aufs neue fallen? Sie werden doch nicht die Gotteslaugmmg, die Blutschande und den Meuchelmord meynen. Wenn dieses nicht ist, so hsen Sie nur die alten Vater aufmerksamer, und Sie werden finden, daß das, worüber Sie sich wundern, nichts so neues sey.„Wir wollen erstens, spricht der h. Vacianus von der Art der Sünder handeln, und genau nachforschen, welches Sünden und welches Laster seyn, damit nicht jemand glaube, daß ich wegen unzählbaren Verbrechen, vor derer Nachstellungen niemand sicher und steh ist, das ganze menschliche Geschlecht, durch ein m,bescheidenes Essetz der Busse(ohne Zweifel meinet er die öft fentr ftnrliche) einschränken wolle."') Smd d--ses Work- eines strengen Richters, der die Sunden, draus Schwachheit und Gebrechlichkeit begangen werden, nur einmal verzechet? Welche Gedanken hege» der, h. Ambrostus, Hicronimus, und Augustmus voy dieser Sache? O mein Herr! das Leben eines Christen muß nur deswegen eine immerwährende Busse seyZ-, weil sich der Mensch nie ganz von Sunden frey Machen rann. Sie führen ferner das Aeugm'p des h. Fnnu'-lss ans an. Auch dieses müssen wir in genauere Betrachtung ziehen. Sache ist-ndesstn;a E out. ,,Es kommen, lyncht der h»-si,u)os, ane d.re die Aeltesten und Vorsteher zusammen, um die Sachen in Ordnung zu bringen, dir unsrer Sorr oe anvertrauet sind, damit wuchtigere Sachen, die vorkommen, mit gemeinschaftlrcher U-bcrlegung geschlichtet werden; und damit den Brudern, welche wallen sind, durch die Busse Hülse verschaffet werde'; nicht als wenn sie von uns Nachlassung der Sunden erhielten, sondern damit sie durch uns zur Erkenntniß ihrer Verbreche» gesührek, und angehalten wer- D z. -y ki-mum iKltur 6s moäa peccaMmm rctra. crennis. tscicho in^ireMcs,-^uas tml xcccsra ousL crimirm, ne c^uis cxiLmct,^iropror ML03 cielicta, Quorum lrauäidu- nuUus immu- rnBcl'c, mo omne daminmr, xcuus nwiwiöm fiZeniren^t leZo conttrüißcrc. raraeneir aaxas. den, Gott völligere Genugthuung zu Kisten."*) Hier ist wieder die Rede von grossen und öffentlichen Lastern, für welche zuvor Gott jene Genugthuung geleistet werden mußte, die von der Kirche bestimmet war, ehe an die Versöhnung gedacht wurde- Noch mehr, es ist von Sündern die Rede, die das Unrecht, welches sie Gott angethan, noch nicht zu Herzen gefastet hatten, und folglich erst von ihrer Bosheit überzeuget werden mußten. Und freylich konnten diese nicht gleich Nachlassung ihrer Sünden erhalten: sie mußten zuvor ihre Verbrechen einsehen, beweinen, kurz, sie mußten zuvor deutliche Zeichen, einer wahren Bekehrung von sich gebe». Wenn ich Ihnen, Herr Professor! nur beweisen könnte, daß der h. Firmilign der Kirche die Gewalt die Sünde« zu vergeben und zu behaltest, nicht Ous ex csula necellsriv npust 6t. ut per lm> gulpr Anno- seniorcs et praepoliti in unum -onvenismus scl clisponencla ea, c^ugs cursenu- ktrre coiymillg tunt: ut, li guae ßraviora 5unt, cominuni conülio stiritzsntur: Ispll8 c>uv^us, frgrr>bus— per xaenikentiam meäelg qusera- tur;«on c^uait a nvbis remilstanem peccntoruin cvni'eczuePntur, kect ut per nos 3ci intelliZen- tiam äeüctorum luorum convertsntur et Oc> lnino plenius wrislaeere aogantur spuä L^pri- sn. Lp. b.XXV. ch Der h. Flrmilian weis nichts von dem Unterschiede der Kirchenbussen von dem, was der Sünder, Gott zu leisten schuldig iß. 5 5 Nicht abgesprochen habe, so würden Sie wohl mit meiner Antwort zufrieden seyn; aber das wird nur «« 2-d I-s- zw.r m-b-° d-ms-,dm Briefe, den wir nun unter der Hand gehabt haben, folgendes:„Wie blind derjenige sey, welcher läget, daß die Nachlassung der Sünden in den Synago- aen der Irrgläubigen verliehen werden tonne, und nicht ai/dem Grunde einer Kirche stehen bleibet, welche einmal von Christo auf dem F-ll-n b-kE-t Las kann man daher schliessen, daß Christus dem einzigen Petrus gesaget hat: was du immer aus Erden binden wirst, das wird auch im y-mmel geW- den semi, und was du immer auf Erden lSW wirst, das wird auch im Himmel gelösct seyn. Und wiederum im Evangelio, dq Christus die Apostel allem angeblasen und gesprochen: nehmet hm den heiligen Geist: wenn ihr die Sünden jemandes erlassen werdet, so werden sie ihm erlassen seyn, und wenn ihr ste jemanden behalten werdet, so werden sie ihm behalten. Die Gewalt die Sünden zu erlassen ist ahv den Moste!» gegeben worden, und den Kirchen, welche sie von Lhr.sto gesandt gestuftes haben, und denBn schLftn, die ihnen als Statthalter nachgeordnet sind."'D Das sind wohl Worte, aber ein ÄAann, wie Herr Eibe! ist, wird den h. Hjirmilian lieber zu einem Irclehrer machen, als so etwas annehmen und verstehen wollen. D 4 Sie Ouanta stt ceclras eju?, gul remMoyem pec- c-tormn cilAt->puci ho kieretic-irum clar. , nsL permavot vr tstnäamelllo Sie machen ihre Sachen immer schöner, mein Herr! Auch die Seufzer Davids werden noch Urkunden von der Bvßart der ersten christlichen Kirche abgeben müssen. Hat der h. Basilms nicht .in allen seinen Schriften von allen Sachen geredet; so denken Sie nur, daß Sie es auch nicht im Stande sind. In der angezogenen Stelle geschieht freylich keine Meldung von der Nothwendigkeit der Beichte, und von der Gewalt, die Sünden zu vergeben; aber sie geschieht von eben dem h. Vater an einem andern Orte.„Die Sünden,' spricht er in der228. Regel, müssen nothwendig denjenigen gevssenbaret werden, welchen die Aus- spendung der göttlichen Geheimnissen anvertrauet ist-,, S Auch haoctt wir ein deutliches Zeugniß von ihm, daß irr der ersten Kirche die heimliche Beichte clestas, c;uJs iemel 3 Lünsto stiprs petmin io- liä-ta all, stino inteÜigi polest, eluoci soll lletro dkrlüus öixerit: epias.ungue ligL-eris super tcr- ram, eruot lixata et in coelis,-kerrum, crunt ioluk:i er in coeü;. Lr iterum in evsnxesto,^usnclo in iolos-Vpo. liolos iniuitlivit s.tuiilus ciiccus': accipiie. 8pi- ritum 5snUum t st cvjus rcmiseritis peccaxJ, remitranrur-1!-; et st cusus tenueritis, tenedun- tur pocciröz ergo peccatorum rennttenciorum Lpostoü'. c>3t.-r eil, et eeclcstis, cpiLs Ulk a Lstriiio nstUi conültucrunt, öt epiicopis, gui eis orai- ogrioae vic:;:^ iuoeeist.iuut,!dic!ew. böLLell^rio peccgts«periri cledent, c^rridu« crc- chta eil cilipeniatio wMeriortUP Lei. 57 Deichte üblich gewesen.„Die Weiber vfterwav z» machen, saget er, welche mit Ehebrüche b?. ficckck sind, und beichten, haben uns unncre nnn rer verbothen, damit wir, wenn sie uberwte,en werden, nicht an ihrem Eode Ursache seyn.") Verlangen sie noch mehr? Ohne Zweifel wollen Sie aus eben dem h. Das tcr beweisen,'daß die Beichte nur nöthig sey, wo hinlängliche Anleitung zur Busse zu hoffen'je. Deswegen berufen Sie sich auf der 4^ Seue ihrer Abhandlung wieder auf ihn. Sie schlimm aber immer schief. O ja, es hat, wie der h. Vater sagt, mit dcr Bekcmumg der Sünden eben dieselbe Beschaffenheit, wie mit der Entdeckung der Lcibsgebrcche». Denn gleich wiessneft nicht allen Menschen, sondern nur jenen gesffenbaret werden, welchen die Art sie zu heben bekarmt ist; also muß auch' die Bekemmr.g der Sünden nur bey jenen geschehen, die sie zu heilen wissen. Was folget aber? haß es nothwendig ist, denjenigen seine Sünden zu bekennen, welchen die AuSspenduug der göttlichen Eehtimmsse anvertrauet; und daß es heilsam, auch aus diesen jene zu wählen, die das Uebel ausdcmGrunde heilen können, damit es nicht mehr wieder komme, damit kein anderes D 5 die *)^clulteno xoliutAr muliere? et conktcntsv— ^udlicars cjuiclem Patres nollii yrodivuerunk, nL eoavickiZ moitis iiaeU Myr^ebai«iNi.»§. tu LLN, acl /tmjrlriloLÜ. can, Z4» die stelle desselben cinnrhine, damit endlich— was soll ich weitersagen? Nicht ein jeder Arzt weis sich in alle Kranken zu schicken, ob er gleich gute Arzneyen hat, und auch den Gebrauch der- selben versteht. Dtr h. Ambrosius hak sich es gewiß nicht ein- fallen lassen, daß er jemals in einer solchen Sache als Zeuge aufgestellet werden sollte. Wir wollen ihn indessen hören.*)„Petrus, spricht er, war betrübt und weinte, weil er gefehlet hatte wie ein Mensch. Ich finde nicht, was er gesaget hat; ich lese seine Thränen, seine Genugthuung lese ich nicht: was aber nicht entschuldiget werden kann, Las kann abgewaschen werden. Die Thränen waschen das Verbrechen, welches mit der Stinnne zu bekennen eine Schande ist. Das Weinen ist in Ansehung der Vergebung und Schamhaftigkcit dienlich. Die Thränen bekennen die Schuld ohne Verletzung der Schanihaftigkeit. Die Thränen begehren keine Verzeihung, und erlangen sie." Alles dieses lasse ich zu? Petrus hatte gesund iget, er *) Petrus clalult st üsvit, quia errsvit nt damahls« invenw, gui clixerit, mvenio, guvcl sievv- rit; lscbrxwäs eju« lezo- LuisüHjoyem noa lego r 8ecl guoeir)mgs clellckum, c>uocl voce puelor est constkeri. Lt venise Üetus conkulunr, ek very- (.unchae. l-selir^mw bne osteutlone verecuuäige consikentur bacbrvmae venwm nou pvllulsat, secl Mersntur. in 63x. XXII. i-ULL. 59 fr erkannte seine Schuld^ wejnte darüber, sein Meinen war ihm heilsam. Dieses, und weiter plchtS erzählet der h. Ambrvsius. Hat er etwa» von der Zucht der ersten Kirche geredet, von welcher Petrus damals nur ei» Kenn war, der nach dem Willen seines Herrn sprossen, oder in sein Nichts zurückgehen konnte? Wenn ich cm Zeugniß aus den Schriften eines h. Vaters brauche; so suche ich es vor allem, andern da, wo der h. Vater von eben der Sache gehandelt hat, weiche sch darthun will. Sie sind indessen ganz andez-s gesinnt, Herr Doctor! Auch Worte, welche den h. Vatern in ganz andern Absichten entfallen sind, als die ihrige ist, müssen-n ihrem Vorsätze d.c- nen. Die Welt mag ihre Art zu beweisen billigen, wenn sie nur nicht dafür halt, Christus habe nach seiner Auferstehung keine andere Art zu küssen hinsetzen können, als die war, welche vorhin Statt fand.' Zur Sache. Ambrosius hat eine ganze Abhandlung von der Busse geschrieben: in dieser wollen wir die Urkunde davon aussuche». Nachdem er daselbst die Worte des Heilandes betrachtet. „Kommet zu mir alle, die ihr mit Mühe und Arbeit beladen seyd, und ich will euch erquicken;" s» fahrt er also fort:„Daher ist es klar, daß jene nicht unter die Jünger Christi zu rechnen sind, welche dafür halten, daß man lieber nach harten und hochtrabenden, als nach gelinden und niedrigen Dingen streben müsse: und welche andern die Barmherzigkeit des Herrn versagen, dw sie doch selber 62 selber suchen; wie die Lehrer der Novatiancr sind, welche sich rein nennen. Sie behaupten, dass man jenen die Gemeinschaft nicht wieder schenken müsse, welche aus Untreue gefallen find. Wenn sie üureiu Lasier, die Entehrung Gottes, aus,-ahmen, welchem sie keine Verzeihung zugestünden, so würde es wohl hart sey», doch würden sie nur durch die göttlichen Aussprüche widerleget werden können, mit ihren eigene» Behauptungen aber übereins kommen; denn der Herr, welcher alle Sünden vergeben, hat kein Lasier ausgenommen.— Ader sie sagen, daß sie es auö Ehrfurcht gegen den Herrn thun, als welchem sie all.-in die-Macht, die Laster nachzulassen vorbehalte«. Unterdessen thun sie niemanden mehr Unrecht als dem, »dessen Gebothe sie vereiteln, rmd wessen Auftrage sie ablehnen wollen. Denn da der Herr Jesus im Evarr- gelio gmgtthat: nehmet Hürde» heiligen Geist; deren Sünden ihr erlasse» wendet, jenen sind sie erlassen, und deren Sünden ihr behalten werdet, denen sind sie behalten; wer ist es, der rnchr Ehre erweiset, welchen den Gebothen gehorchet, oder welcher widersteht? Die Kirche halt in beyder; den Gehorsam, so daß sie die Sünde bindet und löset. Die Ketzercy ist in einem unbarmherzig, im andern ungehorsam. Sie will binden ohne zu löst», und will nicht lösen, was sie gebunden hat: wodurch sie sich selbst das Urtheil spricht. Denn der Herr hat gewellt, daß gle-cArs Recht zu löst» und zu binden seyn soll,»reicher beydes auf gleiche Akt zugelassen hat. Wer alje. kein Recht zu lösen hat, der 6r Ver hüt auch kein Recht zu binden.- Wie kann eines erlaubt seyn, das andere nicht erlaubt seyn? Mbrigcns ist klar, daß der Kirche beydes erlaubt, der Ketzerei) beydes unerlaubt ftp. Denn dieseSNecht ist allein den Priestern überlassen. Dir Kirche eignet sich alle dasselbe mit Recht zu, als welche wahre Prie« sm'l-at."*) So redet der h. Ambrosius im ersten Buche vnöe üqnet, eos intS!' Ll'-rilli clildipnlos HON LÜd lisbcnclos, qui äara pro w.ilibus, iuperba pro llnmllibns fe^ntirtz opinaniur: er cum ipli ^usrrzvt vomioi miierieorcil«>n vtra^rttz fcrvat obsriienrium, ut' pecenNim er slU-xer er relaxet, ldseretr? in ültsro immirl?, in siker» inobeäisa», vnlt irgsret kentcmis. vomiNus cmm po-M et M- Vencli eise vokrlt et llgrimli.«ni utnrmgns ssL- ri conciitlone permlllt. Logo czui lolnenlii jus non imbet, nee tjA!,»cii Irsber.-—— s-otslt LlkLrnm ücere, altermn non licere? Ose- teruin eil Leeleiise ukrumczus lieere, dse- vell utrumczne nott Uccre. lus eniw lioe tvlis pormilsum sgcsr6otibu? elc. l^scke Igitur kne Lcclsirä vsNslcat, czusa veros sscerclotes Ini- hew!. cle kaenitentla. 8oivit cnwinum ucxus^ereemrär conkeista psccsrorum» «icht, daß die innere Busse, so lange die äussere möglich ist, zur Versöhnung hinlänglich sey: man wollte denn mit dem Eerlnll-aü und andern Vatern jene geheime Busse dadurch verstehen, welche nicht auf der Schaubühne, sondern nur vor dem Priester geschieht, und niemanden zum Zeugen ha: als Gott. Hören Sie, mein Herr! welcher Ausdrücke sich deb h. Chry- sostoinus m derRede, die gleich auf die neunte Homi- jie von der Busse folget, sich bedienet."Ich bitte, flehe, beschwöre aste, spricht er, daß wir unsere Sünden hier bereuen und beweinen.—— Wieviel besser ist es, daß wir jetzt eine zeitliche Zerknirschung, und ein kurzes Leidwesen mit den unendlichen Gütern lind Vergnügungen verrauschen, als daß wir hier lachen, und nach einem kurzen und augenblicklichen Leben dort in die ewigen Strafen eilen? Ader du schämest dich und erröthcst, wenn du deine Sünden entdecken sollst. Es war vielmehr höchst nöthig, sie vsr den Menschen zu bekennen und auszubreiten. Sündigen ist eine Schande, aber die Sünden offenbaren ist keine Schande. Nun aber ist es nicht einmal nöthig, in Gegenwart anderer zu beichten: die Untersuchung der Verbrechen soll nur in den Gedanken geschehen, kein Zeuge soll bey diesem Gerichte seyn. Mein Gott soll deine Belichte Den; Goch der dir deine Sünde» nicht vorrückst, sondern wegen der Beschämung nachlaßt. Wird dich auch dieses noch beschweren und schüchtern machen? Mache dich selbst zahln, überrede dich, daß, wer hier Nicht beichtet,, dorr beichten wird, wo grössere Straft, und heftigere heftigere Beschimpfung zu erwarten ist, Hier ist das Gericht ohne Zeugen, und du- der dn gesündigethast, sprichst selbst das Urtheil; dort aber wird alles den Augen der ganzen Welt vorgeleget werden, wenn wir es nicht eher tilgen. Schämest du dich deine Sünden zu bekennen; schäme dich, sie zu begehen.» Seine Sünden anklagen ist keine Schande, sonder» Gerechtigkeit und Tugend, u. s. w."*) So redet der heil; *) OK'locrS, siaxito, iupp'ico, ut k!e peecsta nv- litÄ 6ep!oremn8 et Ie§e?.rNus.(Zzr?.nta nune melius teinporchem comprinctionem ct brevsm iuctum matars bovlr, et voluptatiduS Lllom von Usbentiou»,^uam polt brsvLm et nrvmenkLnsruTi viteni liie riäentes»dirs illis perpetuo punieZos? 8e6 contunäsris et eru- relcis peec-na tuL enori.?.t!pri oportebrrt ri sicinie spucl lromines ea eüccrü er chvelMN-» Ourch.iiu cnim sü pcccgrs, uv!i ell contulio co,ntci i peccsts; dkuve»utc« negue neceg- L?..-lum pr-etentihus conliterit cogititione iist crelicwrum ex^uiutiv,?.!>sczue tolis Lt tioe>u- eiclum. 8c-!ris te Vev; cvvLtentem viäcst» Deu»; oui nen exprodrkt psccLtn tns> tccl s«!- vir veconto proprer coniuüonem. dlunciuicl et sie xrnvJris et xretrsetzsis? Licura tekpsum, perltnuum d-rbs, czuoc! niü czuis»nnc eolrükegtur, ommna UUe cousitebiwr, ubi ma- )or paeng, ndi swvüor tr>!cluctio. lÜL odsczus rekle juäicium, et tu^v.i psccalii cvnsemvsz r il- lie outem in mcärum totins vrdis tdeatrmri proancentur nmnig, uikl prius!i>c clelexAinus eg. 6o»L'unZer» eooötcri peccats, contunä»» ri» aelmirteaclo. dlon enin» conkuLo sceu» ich? üm peocata, keck juüitia et vlriur, Lee. h. Vater daselbst; und redet er etwan nur von die Deichte, die Gott geschieht? Warum denn so viel von Beschämung und Schüchternheit? Auch von der richterlichen Macht der Kirche -giebt uns der h. Chrysvstomus ein deutliches Zeug» ^iß.„Denjenigen, sprich! er im dritten Buche von dem Priesterthume, demjenigen, welche auf Erden wohnen, ist aufgetragen, auszusenden, was im Himntel ist: es äst ihnen die Macht verliehen, welche der grundgütige Gott weder den Engeln noch den Erzengeln hat geben wollen: denn es ist nicht zu ihnen ge saget worden: was du immer auf Erden binden wirst, das wird auch .im Himmel gebunden seyn, und was du immer auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöset seyn. Es Haben zwar auch Sie irdischen Fürsten die Gewalt zu bürde», aber nur die beider. Das Band der Priester aber, von welchem ich rede, greifet auch die Seele an, und erstrecket sich bis in den Himmel: so zwar, daß Gott alles, was die Priester hierunter entscheiden, oben billiget, und das Urtheil ferner Knechte bestätiget.— —.Den Aussatz des Leibes zu reinigen,..oder, damit ich wahrhaft rede, nicht zwar zu reinigen, sondern nur, ob er gereinigt sey, zu prüfen, war den Priestern der Juden allein erlaubt.—— Unsern Priestern aber ist verliehen, nicht den Aussatz des Leibes, sondern den Wust der Seele, ich sage nicht, zu prüfen, ob er gereüriget sey, E sou- 66 sondern selbst zu' reinigen. Dcshalben sind mek nes Erachtens diejenigen, welche diese verachten und verschmähen, viel lasterhafter und sträflicher als Dathan mit allen seinen Leuten gewesen."*) Nehmen Sie sich, mein Herr Landrath! aus Mein diesen, was Sie wollen. Sie berufen sich auch auf den h. Augüstinus. s)ui terram Incolunt, atciuc ln ca versgntur, kl« commiillim eil, ur e->, ciuae in coclik tunk,«lilpen- l°ent r iis liatum eil, ut potellakem lradcsnt, c^usiri Deus optimus ne^ue Anxelis, nenne»rcduntzelir clrttsm eile voluit: ne<;ue enim scl iilo« öielum eil.(Nirccunoue alisxaveris in terra, crunt alliZatL el in ccelo, et Huaeeuncine lolveris in terra, erunt lvluM et in coelo. Üsdent gui- clcin ct terreüres Principes vinculi pvcüateni verum corclnrum lolum. Icl autem, c^uoci clico, lliceräotum vinculum, ips^m erirm animrim con- tingit,»rcpre r-t ooclo; nlcjue pervsciit: ulchie scieo nr -> «L. -- . x- ' ?' .« V?» ' 5 7?^ '^° Ä