Wisnei- 8tLäi-8ibIioili6k. 7.77 U M -..XX WWVWWMMi^'WWWMWWW^.i^^.r'M'L".-.-"»x--L-.-- Ä,^!k'^E; E'.'-n-^-i.,.^. i'-^, p--,-7-' X-,§^7? ' k>Ir^ 7 d- s '7-<7 --X - Theater von K o tz e b u e. Siebenter Theil Die Beklau mder. Die Wittwe und daS Reitpferd Der Wild fang. Wien, i8ia. In Commission bey Anton Doll. 'l M Theater von o tz e b u e. Siebenter Theil. D i e V e r l a u m d e r Ein Schauspiel f ü n f A u f z ü g e n i Erschien»79b.) Personen- Syndikus Moorland. Emilie, feine Gattinn. Jenny, seine Schwester. Thomas, sein alter Diener. Eduard Smith, ein Engländer, sein Schreiber. Graf v. Scharfeneck, dirlgirender Minister. Kammerjunker v. Scharfeneck, sein Neffe. Allbrand» geheimer Secretair. Prunk, Kammerdiener. Hauptmann Ellfeld. Trau». Ellfeld. Benjamin Kroll, Vurgvoizt. E»a, sein Weib. Pilz, ein Polizeybcamter, Wache. Erster Act. (Moorlands Zimmer. Es ist Morgen. Der Kass-heff» gedeckt.) Erste Scene. E uralte. Jenny. Emtlie(indem sie aus einer Seitsitthlir tritt, spricht hinter sich) öcg dich zu Bett, Catharine, ich befehle es —(Sie kömmt vollends heraus.) Die arme Alte hat sich erkältet. Gut, daß es mit dem Nachtwandeln bald ein Ende hat. Zwar versprach ich der guten Ellfeld diese Nacht wieder zu kommen — aber allein zu gehn wag' ich doch nicht.— Warum nicht? Die wenigen Schritte— wasi hab ich zu furchten? Nein, nein, wer steht mir 6 für einen Zufall?— Sie ist ja auch in der Besserung; gewiß bis zu seinem Geburtstage völlig hergestellt. O der Freude, wenn ich sie ihm vorstellen und sagen werde: Lieber Mann! meine Ersparnisse haben diese würdigen Menschen vom Hunger, meine Pflege hat dieser guten Frau das Leben gerettet— nimm diese That zum Angebinde.— Aber dann?— Schade, daß der Genuß, den Wohlthun gewährt, eine so zarte Blüthe ist, daß jeder fremde Hauch sie abweht. Wenn Andre dich loben, so hast du deinen Lohn hinweg; ist aber dein Herz der einzige Vertraute, so bleibt das frohe Bewußtseyn dir immer neu.— Doch Herz und Gatte, das kommt auf Eins heraus.— Guter Moorland! wenn du wüßtest, welche andere noch weit wichtigere Entdeckung deiner harret.— Gott sey Dank, ich darf nicht länger zweifeln! Aber auch diese frohe Bothschaft nicht eher als an seinem Geburtstage. Jenny. Guten Morgen, Schwesterchen. Von welcher frohen Bothschaft ging dein Mund so laut über?— E m i lie. Rathe.— Ienn y. Haben deine Gänse gut gebrütet?— Emil i e. Spötterinn! 7 Jenny. Oder ist der Flachs recht klar ge- spönnen? Emilie. Wer dich horte, sollte glauben, ich hätte nur Sinn für Flachs und Gänse. Jenny. Weil deinem Glücke nichts ma»> gely als entbehrliche Kleinigkeiten. Emilie. Meinst du? Jenny. Muß ich es denn nicht oft genug hören? dasitzen sie Abende lang; derHerrBru- der liest, die Frau Schwester strickt. Aber kaum hat er ein Paar Seiten gelesen, und sie eine Nadel abgestrickt, so werden große Pausen gemacht, und ein Intermezzo von Liebkosungen aufgetischt. Ich sitze ehrbar gegen über, und schlage jungfräulich die Augen nieder. Emilie. Weißt du, was Göthe sagt?„ein Schauspiel für Götter, zwey Liebende zu sehn." Jenny. Weißt du, wasMusäus sagt? für Götter mag es wohl ein Schauspiel seyn, aber für Menschen ist es herzlich langweilig. Emilie. Freylich, man muß selbst mitspielen. Jenny. Der Eins seufzt: ach Schwester, ich bin so glücklich!— Herr Bruder, ich habe das schon tausend Mahl gehört— Die andere lispelt: ach Jenny! mir ist so wohl!— Frau Schwester, ich weiß Ihre schonen Floskeln auswendig— Emilie. Wer wehrt es dir, ein gleiches Glück zu suchen? Jenny. Schon wieder die alte Leyer?— Ein Mädchen darf nun einmahl nicht suchen, es darf nur finden, und lieber Gott, wie selten findet der, der nicht sucht. Emilie. Wer Blumen brechen will, muß doch wenigstens die Hand ausstrecken. Jenny. Die Rosen der Liebe verblühen im Sommer; die Lernen des Ehestandes überwintern. Emilie. Hast du diese Bemerkung hier im Hause gemacht? Jenny. Bewahre der Himmel! Hier und in Mahomets Paradiese herrscht ein ewiger Frühling. Emilie. Hier und überall, wo Häuslichkeit und Liebe sich verschwistern.— Jenny. Über dem Geschwätz verlieren wir unsern Text. Noch immer weiß ich nicht, welche frohe Dothschaft— Emilie. Hast du nicht oft mitten im Gefühl unsers Glücks, auch unsre Klagen gehört? Jenny. Klagen? 9 Emilie. Unsere sehnlichen Wünsche/ daß die Stimme der Natur den Bund unserer Her- zen heiligen wolle? Jenny. Du drückst dich sehr dichterisch aus — aber— beynahe verfiel/ ich dich—(Sie betrachtet sie aufmerksam.) Schwester— du lächelst? — ist es wahr?— Du bist Mutter? Emilie. Ja liebe Jenny— aber still— Jenny(nimmt Emilien beym Kopf und küßt sie.) Juchhey! das ist herrlich! das hast du gut gemacht! o wie will ich die kleine Puppe zausen! wie will ich mit ihr herum tanzen, Brey kochen, in den Schlaf singen Eya Popeya!— aber ein Mädchen muß es seyn, liebe Schwester, ich kann die Buben nicht leiden. Emilie(mit Muttcrgefiihl.) Mädchen oder Bube, ich werde das Kind so lieb haben! Ienn y. Siehst du darum so hohläugig aus? arme Seele! ha! ha! ha! und mein Bruder weiß noch nichts davon? Emilie. Ich fürchtete bis jetzt, euch durch vergebliche Hoffnungen zu tauschen. Jenny(hüpft an das Studierzimmer und klopft ungestüm.) Heda! Herr Bruder! heraus! heraus! schreib er ein ander Mahl mehr. Emilie. Nein Jenny! bis zu seinem Geburtstage! Jenny. Ey was! das sollt'ich noch acht Tage verschweigen, und man kann sich doch nicht allein freuen.(Sie öffnet die Thür.) Carl! Carl! laß alles stehen und liegen! wir wollen dir etwas Nagelneues verkündigen. Emilie. Jenny. Moorland(inwendig.) Nur noch einen Augenblick, liebe Jenny, ich komme bald. Jenny. Nein, nein, gleich mußt du kommen! gleich auf der Stelle! oder ich schicke mein Windspiel auf dein Studierzimmer, das soll dir «lle Papiere zerkauen. Zweyte Scene. Moorland(tritt heraus.) Die Vorigen. Moorland. Nun da bin ich. Guten Morgen, liebe Emilie, was gibt es denn? Jenny. Was es gibt? sieh mich an! wahrhaftig du kommst mir nun recht ehrwürdig vor. Moorla n d. Das höre ich zum ersten Mahl aus deinem Munde. I e n n y. Ich sehe dich auch zum, ersten Mahl als Vater. Moorland. Was?— Jenny— Emilie— wißt ihr auch/ daß dieser Scherz grausam wäre? — Er blickt wechselSwsise auf Gattinn und Schwester. Lenny lacht schalkhaft, Emilie lächelt und schlägt die Augen nieder.) Jenny. Wie er da steht! Carl! hast du das große Loos in der Lotterie gewonnen? Moorla n d. Emilie— dein Gesicht— du errathest— ist das wahr? Emilie. Ja/ lieber Moorland! Moorland(breitet entzückt dieArme aus/ Emilie sinkt an seinen Busen. Stumme Pause.) Jenny. Wahrlich! so etwas könnte ein armes Mädchen verführen. Wenn nun eben jetzt ein unterthaniger Diener hereintrate/ und mir seine Hand hinstreckte/— hilf keusche Luna! ich wäre verloren. Moorland. Gott! du hast meine heißesten Wünsche erhört! Emilie. Und die Meinigen! Jenny. Nicht wahr Carl, das ist noch ei» froher Morgengruß? Emilie. Ich wollte bis zu deinem Geburtstage schweigen— aber die Schwätzerinn'— Moorland. Liebes Weib! O Jenny, wie wird sich unser alter-/ojahriger Vater freuen. Jenny. Morgen ist Posttaa, ich will ihm das schreiben. Moorland. Dann weint der Alte eine Freudenchrane in den Genfer See. Jenny. Ich kenne ihn, er schleicht auf das Grab unserer Mutter— Dort freut er sich am liebsten. M oorland. Ich habe ihm lange nicht geschrieben, bitte ihn deshalb um Verzeihung.— Du kennst meine Geschäfte— Jenny. Ich? KeineSweges. Daß du den ganzen Tag in deiner Studierstube zubringst, und seit einigen Wochen auch sogar die Nachte, ckm nur Früh gleich wieder bey der Hand zu seyn, oas weiß ich wohl: aber was du da machst— Moorland. Schäckerinn, das weist du nicht? Jenny. Freylich, du hast uns schon ein Paar Mahl mit einer Römermieue geantwortet: Kinder, das Wohl der Bürgerschaft ruht auf meinen Schultern. Ey, so kehre es lieber um, und ruhe aus auf deinen Lorbern. Moorland. Eben um das zu können, muß ich jetzt arbeiten. Nie war es nothwendiger, das iS Wapen unserer Stadt, den wachsamen Kranich vor Augen zu haben. Alls einer Seite wird zu viel gefordert, auf der andern zu viel versagt! Fürsten werden mißtrauisch, Völker übermüthig, und beyde verlieren ihre Ruhe. Jen n y. Aber bey uns ist es, Gott sey Dank, ruhig. Der Ätna speyt Feuer, die Erde bebt, und wir— lesen es in den Zeitungen. Moorland. Liebe Schwester, wenn die Erde in Sicilien bebt, so entsteht zuweilen im isländischen Meere eine neue Insel. Gott sey Dank-für unsere Ruhe! meine Nachtwachen sollen sie befestigen helfen. Es ist keine Kleinigkeit in sechrhundertjährigen Stadtarchiven zu wühlen, Rechte von Gewohnheiten, Ansprüche von Rechten zu scheiden, und alles das auf wenigen Bogen so darzustellen, daß der Fürst genug wisse, und der Bürger nicht zu viel. Emilie(zärtlich.) Bist du denn nun bald fertig mit dieser Arbeit? Du bist seit vier Wochen so ungenießbar— Moorland. Bald, bald liebe Emilie. Heute noch, ich war eben dabey, das letzte Blatt ins Reine zu schreiben. Jenny. So geh' und schreib; und komm uns nicht wieder vor die Augen, bis du die AlMS- lniene abgelegt hast. Moorland. Der Himmel weiß, ob nach dieser frohen Neuigkeit ich noch im Stande seyn werde, die Feder zu halten. Jenny. Auf jedem Buchstaben wird sich ein holder Knabe schaukeln, und so oft sich ein Wort mit einem P anfängt, wirst du glauben, es heiße Papa. Moorland. Spotte nur. Die Tante wird sich doch auch ein wenig brüsten. Jenny. Ey freylich!(Sie wirft sich i„ die Brust.) Moorland. Trinkt Kinder, ich bin gleich wieder bey euch(er will gehn, kehrt wieder um und schließt Emilien noch ein Mahl in seine Arme.) Gutes Weib! du hast mich unaussprechlich glücklich gemacht.(Er geht in sein Zimmer.) Dritte Scene. Vorige ohne Moorland. Emilie. Welch ein Mann! Jenny. Nun ja, er ist keinerderSchlimm- sten, ein ehrlicher Schwerer. Seine Vorfahren haben bey Moorgarten gefochten. Emilie. Wohl mir/ daß ich meinem Herze»/ und nicht der alten ahnenreichen Tante gehorchte. Jenny. Wohl uns! daß sich alles so gefügt hat. Ich muß dir gesteh,,/ liebe Schwester/ daß ich Anfangs sehr gegen diese Verbindung war. Es pflegt nicht viel Gutes dabey herauszukommen. Emilie. Hättest du vollends gewußt/ was eigentlich meinen Entschluß bestimmte/ und meinem Herzen siegen half— Jenny. Umgekehrt/ liebe Schwester/ hatte ich damahls gewußt, daß eine niederträchtige Tante deine Unschuld feil both/ daß du dich lieber in die Arme eines ehrlichen Bürgers werfen/ als- die Buhlerinn eines Fürsten seyn wolltest— Emilie. St! nicht zu laut! Jenny. Wahrlich/ du würdest seit zwey Jahren meine Erwartungen nicht übertreffen haben. Emilie. That ich das? nun dieß Zeugniß/ liebe Jenny/ ist mein Stolz, und glaube mir, ich würde heute aus verliebter Schwärmerey thun, was damahls mir die Vernunft geboth. »6 Jenny. Sehr drollig! eine Frau, die sich in ihren Mann verliebt hat. Emilie. L), das geschieht.nicht selten, und wer weiß, ob es nicht besser ist, als den Bräutigam auf Kosten des Mannes zu vergöttern. Deshalb rathe ich dir, liebe Schwester, harre nicht so lange auf den elektrischen Schlag der Liebe, der zwar gewaltig durch alle Glieder zuckt, aber keine Warme zurücklaßt. Jenny. Machst du schon wieder eine Anspielung auf meinen ehrwürdigen Jungfernstand? Wahrhaftig, du thust, als ob ich von Freyern umgeben wäre, wie weiland die reiche Prinzessinn von Burgund. Emilie. Nun der Kamnierjunker— Jenny. Du scherzest. Solch ein Frühlingslüftchen, das um jede Blume buhlt; ein Jnsect, das in jedem makellosen Blatte einen Wurmstich zurücklaßt. Seine Zunge mäht ehrliche Nahmen, wie die Sense das Gras. Aber ich habe ihm vor einigen Tagen die Wahrheit so trocken gesagt, daß ihm hoffentlich die Lust vergangen ist. Emilie. Ich weiß nicht, ob du deine neue Eroberung bemerkt hast. Jen» y. Die wäre? Emilie. Unser Schreiber. 17 Jenny. Der Engländer?— Du schwärmst— Emilie. Verstelle dich nicht. So etwas entgeht den Weibern selten. Jenny. Nun so ist es eine brittische Laune, und, überdies;— Emilie. Ich erkathe, was du sagen willst: ein Schreiber— Jenny. Das eben nicht. Ein Schreiber hat auch ein Knopfloch, in welche» die Zeit zuweilen einen Orden knüpft, aber— Emilie. Er hat Verstand, Kenntnisse— Jenny. Aber kern Brod— Emilie. Wer weiß. Ich halte ihn für reicher, als er scheint. Jenny. Warum? Emilie. Je nun, wenn du mich nicht auslachen willst— ich habe eine echt weibliche Bemerkung gemacht: er trägt sehr feine Wasche. Jenny. Ich könnte wohl auch noch eine Bemerkung hinzufügen, nur weniger fein als die Deinige. Seit kurzem treibt sich hier ein Mensch herum, der sich für einen englischen Sprachmcister ausgibt. Smith nennt ihn seinen Landsmann und Freund. Ich sah sie neulich von ferne zusammen auf der Treppe. Smith hatte den Hut auf dem Kopfe, der sogenannte Sprach- ,8 Meister stand mit entblößtem Haupte vor ihm, und bückte sich tief, ein Mahl über das andere. Das fiel mir auf. Ich lauschte. Aber sie wurden mich gewahr, schienen verlegen, nahmen etwas gezwungen den Ton der Gleichheit wieder an, schüttelten sich die Hände und schieden. Emilie. Siehst du wohl? was gilts, unser Schreiber ist ein Prinz inooZnito. Ienn y. Ein Arcadier, der gekommen ist, meine Schafe zu hüthen. Emilie. Kurz, er ist kein gewöhnlicher Mensch. Jenny. Freylich, das sagt auch der Brn-> der. Vierte Scene. Thomas zu den Vorigen. Thomas. Seeretair Allbrand will aufwarten. Jenny. Der fatale Mensch! ich mag ihn Nicht sehn.(Sie entschlüpft durch eine Seitenthür.) Emilie. Leider muß ich wohl die Honneurs machen.(Zu Thomas.) Er ist willkommen. r9 Thomas(ab.) Emilie. Lieber Gott! wie manche Lüge muß man nicht in der Welt sagen. Fünfte Scene. Allbrand. Emilie. Allbrand. Verzeihen Sie, daß ich so früh beschwerlich falle. Emilie. Sie sind der Freund meines Mannes, und ein Freund kann nie zu früh kommen. Allbrand. Wollte der Himmel, Sie sprachen so in Ihrem eignen Nahmen! Emilie. Moorland ist noch an seinem Schreibtische. Sie werden sich schon gefallen lassen, einige Minuten bey einem Frauenzimmer zu verlieren. Allbrand. Sie spotten Madam, und wissen nur allzugut, welch ein Gewinn mir dieser Verlust ist. Emilie. Vielleicht sind Ihre Geschäfte dringend? Wenn das ist, so will ich meinen Mann gleich rufen. Allbrand. Dringend? wahrhaftig Madam! 2c> ,ch habe kein dringenderes Geschäft, als Ihnen zu sagen, daß ich in Ihrer Gegenwart jedesGe- schaft vergesse. Emilie. Die Hoflnfr hat Sie angesteckt. AlIbrand. Ich verdanke der Hofluft bloß die Dreistigkeit, meine Empfindungen laut werden zu lassen. Emilie(«erlegen.) Wir haben diesen Abend ein neues Schauspiel? Albrand. Darf man hoffen, Sie dort zu finden? Emilie. Vielleicht. Allbrand. Sie geben mir durch dieß Vielleicht eine Anweisung auf einige frohe Stunden. Emilie. Das kann nicht fehlen. Das Stück ist von Schröder. All brand. Das Schauspielhaus ist der einzige Ort, wo man sie sehn darf, ohne Ihre Strenge zu beleidigen. An einen Pfeiler gelehnt, allein im Menschengewühl, hangt mein Auge an Ihrer Loge. Siesehen mich nicht, und ich sehe nur Sie, oft nur Ihren Fächer oder Muff; aber auch das ist mir genug. Emilie(ernst.) Herr Secretair, Sie vergessen unsere Abrede. Nur unter der Bedingung, daß Sie mich in Zukunft mit dieser Sprache ver- 2r schonen, versprach ich Ihnen, meinem Manne, den Sie Ihren Freund nennen, nichts von einer Leidenschaft zu entdecken, die aufs gelindeste ausgedrückt— eine Unbesonnenheit ist. Allbrand. Wie^ Ihre schone Seele konnte Zwietracht zwischen, Freunden stiften, die schon als Jünglinge auf der Universität sich Treue schwuren bis in den Tod? Emilie. Haben Sie Ihren Schwur gehalten? Allbrand. Ist es denn ein Meyneid an der Freundschaft, das zu bewundern, was der Freund schon fand? das zuliebe», was ihn glücklich macht? Emilie. Thun Sie im Stillen, was Ihnen beliebt, doch vergessen Sie nie, daß Moorlands Gattinn nur auf Freundschaft und Achtung, nicht auf Bewunderung und Liebe Anspruch macht. Allbrand. Glücklicher Moorland! Wenigstens werden Sie mir erlauben über die ungerechten Launen des Schicksals zu murren. Ich, der ich nie liebte; er, der seit vielen Jahren von der Rose zur Nelke flatterte. Ich, dem die Unschuld immer heilig war, er, der in Straßburg— Emilie. Reden Sie nicht auS, ich glaube Zhnen doch nicht. All brand. Es sey ferne von mir, meinen würdigen Freund verkleinern zu wollen. Habe ich ihn gleich ernstlich gescholten, als er dort ein armes Mädchen durch Versprechungen lauschte— Emilie. Das that Moorland nie! All brand. Er war damahls noch jung, der Held der Damen; ein wenig eitel, man weiß, wie weit Männer-Eitelkeit führt. Das gute Mädchen härmt sich noch. Aber bewahre mich der Himmel, ihm ein Verbrechen daraus zu machen! mich selbst schützte vielleicht-bloß der Mangel an Gelegenheit. Nur das kann ich dem Schicksal nicht vergeben, daß es ihm einen Lohn zuwarf, der nur der Reinheit erster Liebe gebührt hätte. Emilie. Gesetzt, Herr Secretair, es wäre alles wahr, was Sie da zu erfinden belieben, warum erzählen Sie es gerade mir? welchen Zweck können Sie damit verbinden? und was geht es mich an? Ich'bin seit zwey Jahren Moorlands Gattinn, seine Liebe versüßt mir mein Leben, ich habe keinen unbefriedigten Wunsch. Was vor unserer Verbindung geschehen, ist mir gleichgültig. War Moorland einst leichtsinnig, so wünsche ich mir um so mehr Glück, 25 daß er es jetzt nicht mehr ist. Überhaupt habe ich das nie leiden mögen/ daß man einem Menschen bis zu seiner Wiege nachspüre, und zahle/ wie vielmahl er seine Amme beschmutzt hat. Kurz/ Herr Secretair, ich will dergleichen nicht mehr hören! Haben Sie mich verstanden? ich will nicht! um meine häusliche Ruhe zu schone»/ um meinem Manne trübe Stunden zu ersparen/ habe ich bis jetzt geschwiegen, aber bey Gott! noch ein solches Wort aus Ihrem Munde/ und ich sage ihm alles, es entstehe daraus was da wolle! Allbrand. Wenn Sie eine unglückliche Leidenschaft durch Drohungen zu verjagen glauben, so kennen Sie das menschliche Herz wenig. Emilie. Aufrichtig, Herr Secretair, ich halte Sie für einen Mann, der allenfalls jede^ Leidenschaft den Durchzug, aber keine bleibende Wohnung verstattet. Allbrand. Ich weiß nicht, was ich auf dieß sauersüße Compliment antworten soll. Emilie. Machen Sie es mit meinen Com- plimenten wie ich mit den Ihrigen, schlagen Sie sie in den Wind. All brand(mit unterdrückter Bitterkeit.) Madame— 24 sechste Teene. Moorland. Die Vorigen. Moorland(im Heraustreten.) So habe ich >och recht gehört. Ich erkannte Ihre Stimme. Willkommen!(Er reicht ihm die Hand.) In Geschah- i'en? oder a!s-^l'errnd? Al('brand. Beydes. Emrlie. Ich will die Herren nicht stören. (Sie geht ab.) Moorland. Setzen wir uns. Haben Sie schon getrunken? Allbrand. Schon vor zwey Stunden. Moorland. Ich wollte durchaus eg-st mit- monier Arbeit fertig seyn. Dann schmeckt es besser— Vermuthlich hat der Minister gefragt? A l l b r a n d. Eben das ist die Ursache meines Geschäfts- Besuchs. Er erwartet Sie heute. Moorland., Soll auch nicht vergebens warten. A l l b r a n d. Die Deduktion— Moorlan d. Zst fertig, und hoffentlich gelungen. Wenigstens bin ich so heiter, wie man nur nach einer nützlichen gelungenen Arbeit zu seyn pflegt. All- 2?) Allbrand. Der Minister rechnet auf Unterwürfigkeit— Moorland. Sagen Sie lieber: bescheidene Wahrheit, und dann hat er sich nicht verrechnet. Allbrand. Freylich werden Sie da manchen Höfischen Begriffen in den Weg treten müssen. Aber desto besser! lassen Sie sich nur nicht irre machen, wenn er Sie etwa mit stolzer Kälte empfängt. Moorland. In meiner Pflicht macht mich nichts irre. Allbrand« Er ist kein Freund von Bürgerrechten. Moorland. Sie sind klar. Allbrand. Dennoch fürchte ich, daß ein Machtspruch— Moorland. Wer kann wider Gewalt— Allbrand. Aber ich kenne den schwachen Höfling. Sehen Sie seinen Machtwvrten nur männliche Standhaftigkeit entgegen. M oorland. Ich werde sagen, was ich als Unterthan sagen darf, und als Auwald der Bürgerschaft sagen m u fi. A llbrand(mit geheimer Schadenfreude.) Desto besser!— Freylich hat der Minister von dem, was man sagen darf, sehr enge Begriffs— Kotzeb,le's Theater. 7. Vd. D 26 Moorland. Die Bürgerschaft hat mir ihr. Zutrauen nicht geschenkt, um meine Begriffe; nach denen des Ministers zu bilden. Allbrand. Bravo! daran erkenne ich den^ Schweitzer. Moorlan d. Die Ehrlichkeit ist überall zu.< Hause—^ Allbrand- Moorland. Das kann ich eben nicht sa- j gen, aber ich gehe ihr mit Ruhe und Heiterkeit entgegen. Es müßte arg werden, wenn es dem d Minister heute gelingen sollte, mich aus der Fassung zu bringen, denn ich bin so froh gestimmt— Lieber Allbrand, nehmen Sie Theil r an meinem Glücke: Emilie ist Mutter. Allbrand(bestürzt.) Wahrhaftig M oorlan d. Was ich seit zwey Jahren so i sehnlich wünschte, und kaum mehr hoffte—? Gott! ich danke dir! Allbrand(gezwungen.) Ey, Sie machen mir da eine recht unvcrmutheke Freude. Wirklich, ich^ nehme den innigsten Antheil— Moorland. Ohne viele Worte. Freund- z fchaft ist einsylbig— Allbra n d. Das ist schön, daß Emilie Jh- 2 27 mn auf dieser Seite. ersetzt, was Sie Ihnen vielleicht auf der andern raubt. Moorland. Was sie mir raubt. Ich verstehe Sie nicht. Allbrand.. Ich meine den Haß der Höflinge. Sie kennen das alte lateinisch-- Sprichwort: neZis äst exemjslum r^rus ooin^miitui- oi- dis. Moorland- Weil sie einem Bürgerlicheir ihre H^>nd gab? Allbrand. Das nicht. Darüber hat man drey Tage gespöttelt, und dann war es vergessen. Moorland. Nun, was sonst? Allbrand. Mein Gott!, Sie wissen sa wohl— Moorland. Was weißich? Allbrand. Der Fürst ist jung und eitel! Er wird Ihnen nie verzeihen, daß Sie ihm den Rang abgelaufen haben. Moorland. Dem Fürsten?- Allbrand. Thun Sie doch, als ob ich Ihnen etwas ganz Neuer erzählte. M oorland. Wahrlich, Allbrand! Sie erzählen mir etwas ganz Neues. Allbrand. Wie? Sie wissen nicht, daß der Fürst, sich vormahls um Emilien beworben? B 2 28 Moorland. Der Fürst! um Emilien?— was verstehn Sir unter dem Bewerben? A llbran d. Je nun, was ein Fürst gewöhnlich darunter versteht: Moorland. Allbrand/ wissen Sie auch, daß Sie mich beleidigen? Allbrand. Mern Himmel, Freund! ww kann es Sie beleidigen, aus Freundes Mund zu hören, was alle Kaffehschwestern in der Residenz schon abgedroschen haben? Moorland. Der Fürst hätte Emilien Anträge gemacht? AUbrand. Ja, ja, sehr glänzende, sehr ernstlich gemeinte'Anträge. Moorland. Und Emilie? Allbrand. Hat ohne Zweifel gethan, was Tugend und Ehre ihr gebothen. Moorland. Und sis hätte mir nie etwas davon gesagt? Allbrand. Das nimmt mich Wunder. Moorland. Alle Kaffehschwestern wußten es, und nur ich nicht? All brand. Vielleicht, um Sie nicht zu beunruhigen? Moorland. Aber das beunruhigt mich mehr, »ls wenn— Allbrand. Da haben Sie freylich Recht, und Ihre Frau hat Unrecht. Sie mußte es Jh- nen sagen, denn wenn Sie nun zufälliger Weise es durch einen Fremden erfahren hatten,— der ^ Ihnen alle die Histörchen mit aufgetischt, mit welchen das Publicum so gern jedes Gerücht ver- "2 brämt. ö" Moorland. Also raunt man sich doch "s wirklich Histörchen ins Ohr? Histörchen über meine Gattinn?— ll- Allbrand. Lieber Himmel, befremdet Sie das? Sie kennen die Welt, Sie wissen, wie ^ gern jeder Schurke den bessern Menschen zu sich herunter zerren möchte. Moorland. Und wie lauten diese Histör- as chen? Allbrand. Wozu wollen Sie— aö Moorland. Ich fordere meinen Freund auf, mir zu antworten. Allbrand. Dann muß ich freylich gehören chen. Man sagt, Ihre Frau— aber verschonen Sie mich.— ZU Moorland. Nein! nein! ich glaube ja Loch nicht ein Wort von dem allen! u'e Allbrand. Nun, man sagt, Ihre Fra« sey dem Fürsten sehr gut gewesen.; recht sehr gut. Moorland. Was heißt das? Allbrand. Es ist ja wohl möglich, daß die Person, und die liebenswürdigen Eigenschaften des Fürsten ein junges Mädchen auf einige Augenblicke geblendet haben. Alles übrige sind hämische Zusätze. Moorland. Ganz recht; aber daß man sich unterstehen darf, so von Moorlands Gattin« zu sprechen— .Allbrand. Man hört auch steht avenig mehr davon. Moorland. Also doch immer noch hier und da? Allbrand. Muß ich den Menschenkenner erinnern, daß eine gute That in 24 Stunden vergessen wird, eine üble Nachrede aber selbst die Gräber nicht schont? M 0 0 rlan d. Wahrlich! sie haben das Geheimniß gefunden, mir meine frohesten Stunden zu verbittern. All brand. Pfuy! daß ich auch gerade darauf kommen mußte! Machen Sie es so wie ich, lachen Sie darüber. Noch gestern habe ich einer alten Dame inS Gesicht gelacht, die K mir zu verstehen gab, das Verhältniß zwischen Ihrer Frau und dem Fürsten danre noch fort. Moorland. Dame fort? ß Allbrand. Seit vier Jahren, ha! ha!hak f- als ob Fürstenliebe.eine Olympiade ausdaure» >e kenne. ld M o o rland. Klatschereyen! Allbrand. Nichts weiter, n Moorland. Hämischer Neid! » Allbrand. Eben deßwegen, man muß den Schwätzern die Freude nicht machen, sich darüber g zu ärgern. Moorland. Aber es verdrießt mich doch, daß Emilie.mir nichts gesagt hat. Allbrand.^Ich erstaune darüber. Auch das K'beste Weib pflegt sonst wohl mit dergleichen Er- m oberuiigcn zu prahlen, wohl zu verstehen, wann st sie sich schuldlos weiß, und das ist ja hier der Fall. e- M oorland. Sie muß ihre guten Ursachen »- gehabt haben? Allbrand. So ist es. Eine Emilie kann nie anders als gute Ursachen haben.(Er steht auf.) so"Es wird spät. Leben Sie wohl, Freund! Beym be Minister seh'n wir uns wieder, st Moorland(aufstehend.) Und daß vor vier 32 Jahren der Fürst Absichten gehabt, das wissen Sie aus sicherer Hand? ANbrand. Wahrhaftig, lieber Mann, ich selbst habe keinem kencte/.-vous beygewohnt, ich sage nur, was die Welt sagt. Moorland(heftig.) UeirUe/.-vous? Allbrand. Was kümmern Sie kleine Ver- irrungsn> die zwey Jahre vor Ihrer Bekanntschaft mit Emilien, vielleicht nur wenige Wochen dauerten. O Freund! wenn die Weiber so mit uns rechten wollten, welcher Ehemann dürfte die Augen aufschlagen!(Er geht ab.) Siebente Scene. Moorland(allein.) Sonderbar!— was geht in mir vor!— Es ist ja doch alles nicht wahr— Und war' es auch, was kann Emilie dafür, daß sie schon und liebenswürdig ist!— Sie selbst ist gewiß unschuldig— Bey Gott— aber sie hatte mir doch sagen sollen— das war immer nicht recht von ihr., Achte See n e. ^ Smith und Moorland. Smith(gwt ihm ein Papier.)-Hier ist die Copie. r- Moorland. Welche Copie? ach ja, ich t-.entsinne mich— Sie haben schnell gearbeitet— o- und ich vergaß ihnen zu sagen, daß hier irgend- wo ein unrichtiges Allcgat aus dem Montes- ^ quieu verbessert werden muss. Smith. Ich habe das gefunden und verbessert. M o o r la nb(erstaunt.) Wirklich? Smith.— Vielleicht war es Naseweis von mir— Moorland.— Keinesweges. Ich danke Ihnen dafür— Also haben Sie den Montes- " guieu gelesen? es Smi t h. Er ist einer meiner Lieblingsschrift- nd steller. n- Moorland. Sagen Sie mir doch, wie ich geht das zu, daß ein Mann, der außer seiner o>'< Muttersprache, Französisch und Deutsch voll- , kommen versteht, und sollst noch so mancherley Kenntnisse besitzt, daß ein solcher Mann als Schreiber dient? Smith(zuckt die Achseln und spricht)' Schicksal— Moorland. Wissen Sie auch, daß sich mir schon einige Mahl der Gedanke aufgedrungen hat: Sie seyen nicht das, wofür Sie sich ausgeben? Smith. Sind Sie mit meinen Diensten zufrieden? Moorland. Vollkommen. Smith. Nun was kümmert Sie, wer ich bin? Moorland. Ist es Laune, so gilt's mir gleich. Sind Sie aber unglücklich, so könnten Sie durch Zutrauen sich einen Freund erwerben. Smith. Braucht nur der Unglückliche Freunde? Ich bin nicht unglücklich, aber ich konnte wohl glücklicher seyn. Moorland. Kann ich,Ihnen helfen? Smith. Wollen Sie? M o orland. Gern. Smith. Ihre Hand darauf.(Moorland reicht ihm die Hand.) Stehe ich Ihnen an? Moorl a n d. Wenn Sie immer der sind— der Sie seit zwey Monathen waren— Smit.h. Der bin ich immer« 55 Moorland. Nun, so halte ich Sie für -inen geschickten und ehrlichen Mann. Smith. Für ehrlich halt' ich mich selbst. Moorland. Wenn Sie eben so von mir denken— Smith. Ich denke eben so von Ihnen. Moorland. So seyn Sie offenherzig. Smith. Wohlan— Ich liebe Ihre Schwester. Moorland(prallt zurück.)'Nun wahrhaftig! das hätte ich nicht erwartet. Smith. Ist es Ihnen nicht recht? M oor!an d. Warum nichl'— wenn—' Smith. Es bleibt unter uns. Moorland. Verlassen Sie sich darauf. Aber die nähern Umstände— S m i t h. Ich bin reich. Moorla n d. Das ist etwas. Smith. Nicht viel. Ich bin ein Lord, mch das ist»och weniger. Moorland. Erzählen Sie mir Mährchen? -Smith. Sehe ich denn aus, als ob ich Mährchen erzählte? Moorla n d.' Ihr Nahme? Smith. Sidney. Z6 Moorla n d. Und die Veranlassung dieses sonderbaren InevAliito? Smith. Ihre Schwester. Moorland. Aber— Smit h. Nun freylich, Sie können nicht klug daraus werden. Ich muß diesimahl wohl mehr reden, als ich sonst zu thun pflege.— In meiner Jugend war ich ein Höfling, aber der Hof ist nicht mein Element. Zum Glück lernte ich John Howard kennen, er machte einen Menschen aus mir. Friede seiner Asche! Ich habe mit ihm manches Krankenhospital durchkrochen; durch seinen Umgang wurde meine Seele gesund und stark. Als er England verließ, um ein Wohlthäter der Menschheit zu werden, da hing ich mich an die Gesellschaft, welche zur Entdeckung des Innern von Afrika errichtet worden. Ich bin. in Abyssmien gewesen, habe aber nicht wieBruce, irgend eines Fürsten Gesundheit an der Quelle des Nils getrunken. Mir war mehr zu thun um die Quelle des Guten und Bösen im menschlichen Herzen, die Quelle der Zufriedenheit im Leben und der Ruhe im Tode, die wollt' ich. kennen lernen— Moorland. Und gelang es Ihnen? E m r t h. So, so. Ich habe unter den Pal- MSN des Negers, wie unter den Eichen de! Deutschen gefunden, daß nur häusliches Glück Zufriedenheit gewahrt. Moorland(lächelnd.) Mußten Sie darum nach Afrika reisen? Smith. Was dem Menschen am nächsten üegt, sucht er am fernsten. Der Schatten eines Baumes ladet ihn zur Ruhe ein, aber er geht vorüber, und sucht die Ruhe,jenseit des Grabes. Moorland. Sie haben auf Ihren Reisen einen Schütz gesammelt. Es ist Zeit, ihn zu genießen. Smith. Das will cch auch, und wollte es schon lange, und werde es vielleicht bald. Seit vier Jahren suche ich ein gutes Weib. Moorland. Dann haben Sie sehr nachlässig gesucht. Der guten Weiber gibt es viele. Smith. Wohl möglich. Aber ich habe mich zu lange in der Welt herum getrieben, um nicht mißtrauisch zu seyn. Das ist die schlimme Seite der Erfahrung. Es geht ihr wie dem Gemählde- kenner, i-n einer herrlichen Gruvpe von zwanzig Figuren bemerkt er gleich, wo ein Fänger verzeichnet ist, und rümpft die Nase, indessen ein Anderer von der Wirkung des Ganzen ergriffen, in Entzücken verloren, gafft. Glauben Snc mir, 33 Freund/ es ist eine traurige aber wahre Bemerkung: unsere Empfänglichkeit für die Freuden des Lebens, verdunstet wie ein Thautropfen auf einer Rose. Moorl a n d. So würde ich suchen den letzten fluchtigen Tropfen in mich zu saugen. Smith. Das will ich auch. Meine Wallfahrt ist vollendet/ ich stehe am Ziel. Jenny ist ein Mädchen für mich. Ihre Gestalt ist schön, ihre Seele schöner. Ihr Verstand ist gebildet, ihr Herz Natur. Sie gibt den Armen, ohne es zu wissen, und ist witzig, ohne es zu wollen. Sie bekümmert sich nicht um das Thun und Lassen des Herrn Nachbars, und um das neueKleid der Frau Nachbarinn. Sie entschuldigt, wenn sie von einer Schwachheit hört, und verdammt nicht gleich, wenn man ihr einen dummen Streich erzählt. Vor allen Dingen ist sie gleichmüthig, heute wie gestern und vorgestern. O! man glaubt nicht, wie viel häusliches Glück in dieser einzigen weibliche» Tugend liegt. Moor la n d. Wie lernten Sie diesen Phönix kennen?(lächelnd.) Smith. Im Schauspielhause. Moorland. Im Schauspielhause? Ich wußte nicht, daß Sie jemahls in unserer Loge—- 'S>,i i th. Nein, ich war im Parterre. Moorland. Also eine Lorgnetten-Bckannt- schaft? Smith. Ja und nein. Eine Lorgnette ist wahrlich ein gut Ding, wenn die Seele sich nur die Mühe nehmen will, mit Hindurch zu gucken- Herr! ich behaupte, man kann jedes Frauenzimmer so ziemlich treffend beurtheilen, wenn man es drey Mahl im Schauspielhause gesehen hat. Moorland. Sie schwärmen.— Smith. Aber freylich muß die Wahl der Stücke mir überlassen werden. Wenn die Zuschauerinn das Parterre mustert, indessen Pssa mit Philipp redet, so kenne ich ihren Verstand. Wenn bey dem Wehklagen der Mutter in Inlands Zagern, oder bey der Geschichte von Just's Pudel das Auge der Zuschauerinn trocken bleckt, so kenne ich ihr Herz. Moorland. Und Jenny hatte MaMg das Glück— Smith. Zufällig?— Jenny war immer .Jenny. Sie kam nie, um zu sehn und gesehn zu werden. Sie drückte sich in die Ecke der Loge und war ganz Ohr. Lächeln und Thränen verloren sich in ihrem Muffe. Sie klatschte nie, aber sie wurde unwillig, wenn man bey schonen Stet- len ihr Gefühl durch Klatschen unterbrach. Sie war immer still, und in Opern gähnte sie zu- A weilen. Das machte mich aufmerksam. Ich Hte di meine Beobachtungen einige Monathe lang fort, Ä sie blieben immer dieselben. Nun beschloß ich, b' ihre Bekanntschaft zu machen. Aber wo? wie? si sollte ich das inkognito ablegen, dem ich so Z manchen Blick in Menschenhsrzen verdanke? sollte ich meine künftige Gattinn durch Slang und Reichthum zu blenden suchen? Nimmermehr! Wenn? der arme Eduard Smirh ihr nicht gefallt, der? reiche Lord Sidnsy soll ihr nicht gefallen.— Ich horte, daß Sie eines Schreibers bedürften, ich l both mich an, es gelang. Unter dieser Verkleidung habe ich zeit zwey Monathen jeden Gedanke» Ihrer Schwester belauscht. Ich habe sie in' Ruhe unter den Ihrigen gesehn, wo man jede Hülle ablegt,,wäre eS auch nur eineFlsrkavpe. Nun bin ich mit meiner Vernunft fertig. Sie hat meinem Herzen erlaubt zu reden. Moorland. Weiß es meine Schwesteh? schon? Smith. Behüthe der Himmel! Sie sind ihr Bruder, ein gesetzter Mann, und m der Fremde ihr Vater. Haben Sie nichts dagegen? M oorland. Mylord, wie konnt' ich— 4i Smith. Pfuy! ist mir denn irgend ein Wort entschlüpft/ das so klang/ als ob es-aus dem Munde eines Lords gekommen wäre?— Auch Sie habe ich kennen lernen/ Sie sind ein braver Mann. Ich verschleudere meine Freundschaft ebbn so wenig/ als meine Liebe— Wollen Sie mein Freund seyn? Moorland. Von ganzem Herzen. Smith. Topp!(Sie reichen sich die, Hände.) Von dem Übrigen ein andermahl. Vor der Hand Verschwiegenheit. Moorland. Aber unmöglich kann ich Sie langer als meinen Schreiber behandeln. Smith. Das verlang' ich. Moorland. Die Weiber werden mir die Verlegenheit anmerken. Smith. Verlegenheit? worüber? Moorland. Jenny ist eine feine Peobach- terinn. Smith. Das ist sie. Moorland. Und eine Männerfeindinn oben drein. Smith. Das ist mir lieb. Versöhnte Feinde werden oft die wärmsten Freunde. Moorland. Wann wollen Sie sich entdecken? 42 Smith. Ich weiß nicht. Wann die Gelegenheit winkt und der Muth nicht mangelt. Moorland(scherzend.) Ein Man»/ der in Abyssinien gewesen, sollte nicht so viel Muth haben? Smith. Nur ein Hasenfuß hat Muth in der Liebe. Die Abyssinier versteh« das nicht besser als wir— Haben Sie jetzt Geschäfte? Moorland. Ich muß zum Minister. Smith. Dann bringe ich Ihnen Nachmittag die Beweise meines Standes und meines Vermögens. Moorland. Ich traue Ihnen. Smit h. Das müssen Sie nicht. Ich könnte ein Abenteurer seyn, und Sie mit frecher Stirne belügen; man muß Niemanden trauen. geht ab.) Neunte Scene. Moorla n d(allein.) Niemanden?— Aber doch einer Gattinn? — Wehe dir, wenn du nur die Welt durchbrochen hast, um zu lernen, daß man Niemanden Trauen darf!— Besser betrogen werden, als jeden Augenblick Betrug ahnen!— Ich bann das nicht, mein Herz empört sich dagegen Emilie'.— es ist doch gut, daß der Britte mit seinen Launen und Abenteuern mich ein wenig zerstreuet hat.— Aber ich hätte mich freueft sollen, und ich blieb so kalt.— Allbrand! du hast einen Wurm in meinen Busen gesetzt!— Soll ich Emilien gerade heraus sagen, was mich -drückt? Das wäre daS Deste. Zwischen Eheleuten muß nichts glimmen, daS greift um sich, und wer löscht am Ende!— Aber noch ist es mir unmöglich, heute würde ich den Ton nicht treffen — vielleicht auf den Abend beym Theetisch, wenn alle Geschäfte abgethan sind, wenn die Dämme- mmg die häusliche Ruhe herbeyführt.— Zehnte Seen e. Emilie und Moorland. Emilie(mit froher Laune ihren Arm um ihn -schlingend.) Bist du endlich allein, lieber Mannt .Moorland(verlegen sich sanft loswickelnd.) ich öl» allein—(Nach einer Pause.) lind ich Wünschte allein zu seyn.—(Er geht in sein Zimmer.) Emilie(bleibt betroffen stehen.) Was ist das? (Sie versinkt in düsteres Nachdenken.) Mein Gott! was ist das?—(Der Vorhang fallt.) 45 Zweyter Act- (Audienzzimwer des Ministers.) Erste Scene. (Der Kamwersnnksr von Scharfeneck hat sich im Vordergründe in einen Sessel geworfen und spielt gähnend mit Dose, Ring und Uhrk-tte— Prunk steht ihm gc- genrwei. Im Hintergründe der Ha»vt>nann Ellfeld, der sich an die Wand lehnt.) Kammerjunker(gähnend.) ^o rede doch, Prunk.— Prunk. Was soll ich reden'( Kam merz. Gleich viel, was. Prunk. Auf den Abend ist hl-r Assembler und Spiel. Kammer j. Das weiß ich schon. Prunk. Zu.Mittag speisen Se. Excellenz nicht zu Hause.;- Kammerj,"Das weiß ich auch schon. 46/ Prunk. Nun was soll ich reden?— Sie wissen schon alles. Heute ist Montag. S Kammerj. Ha! ha! ha!— kannst du ra- O then, worüber ich lache?— Weil du mir da wirklich etwas Neues erzählst. Mich soll der Hen-«r ker hohlen, wenn ich jemahls weisst welcherTag st oder Datum— Prunk. Außer wenn Euer Gnaden Wech- ich sel schreiben. Kammerj. Bravo! Der Einfall war nichts^ übel, weiter— Prunk. Ich bin fertig., öe Kammerj. Alter Kn->5e, du treibst dich schon so lange ü- oem Vorzimmer he,-„,n,.«w hast noch nicht einmahl gelernt, vrel über nichts E zu reden?' Prunk. Meine Pflicht ist, nichts über vieles st zu reden. st Kammerj. Du spielst mit Antithesen. Aber im Ernst hast du viel zu verschweigen? P r u n k. Wenigstens habe ich bey Hofe ge-^ lernt, mich so anzustellen. d' Kanimer j. Du hast Talent- P r u n k. Desto schlimmen! Dann ist es keim^ Wunder, daß ich ewig Kammerdiener bleibe. Lämmer,. Wie so? 4? P r u n k. Die großen Herren lieben, selbst Schöpfer zu werden; ein gescheiter Kerl ist aber rg, schon formirt, was sollen sie aus ihm machen? ^ ein Dummkopf hingegen ist ein roher Block, >a„. und wenn der Fürst einen Rath auS ihm haut, so ist es doch eigenes Machwerk. Kam m e r j. Du meinst, Dummköpfe stiegen schneller empor? Prunk. Sie steigen nicht, sie werden ge- ichd hoben. Kammer j.- Und von wem? Von den Weibern.— Glaube mir, Prunk, Hofglück ist im- mer e-in Appendix von Weiberlaune. Prunk. Muß doch wohl nicht, weil Euer ^ Gnaden noch immer Kammerjunker sind. K a m m erj. Meine eigene Schuld. Hätte le§, ich mich überwinden können, den häßlichen geschminkten Creaturen den Hof zu machen, ich wäre schon längst Kammerherr. Aber mein Hang zu den Weibern ist keine Speculation. Wenn ich einen Madonnenkopf sehe- so frage ich nie, ob der Rumpf von Adel ist. Prunk. Mamsell Jenny Moorland, nicht wahr? Kamm erj. Mit der ist's aus. Prunk. Schon wieder? 48 Kammerj. Das Mädchen findet keinen Platz in der Schöpfung für ihr aufgestülptes Naschen. Wollte sie mich zu einer Thorheit verleiten, oder vielleicht durch ihre Strenge das Andenken an alte zweydeutige Liebeshandel auslöschen.— Prunk. Ich habe sie immer als ein sittsames Frauenzimmer rühmen hören. Kammerj. Sittsam? Ja doch— Wir sind nrcht allein— höre doch Prunk!.(Er winkt ihn näher zu sich.) Wer ist dieStatue dort in derEcke? Prunk. Ein gewisser Hauptmann Ellseld. Kammerj. Was will er? Prunk. Vermuthlich eine Pension, oder so etwas dergleichen. Kammerj. Schick ihn fort. Prunk: Ich habe ihm schon zwanzig Mahl gesagt, Se. E.rcellenz wollten heute Niemanden sprechen, aber er geht nicht. Kammerj. Eine komische Figur. Zieht er doch den Fuß wie ein Kranich in die Höhe. Prun k. Er ist lahm geschossen. Kammerj. Das war auch das Einzige, wozu er taugte. Sieh nur, wie steif er den Arm in der Weste tragt. Prunk. Das macht, der Arm ist von Leder! Kam- 49 Kam me rj. Von Leder? Prunk. Eure Kanonenkugel hat ihm den eigentlichen Arm weggeblasen. Kammerj. Wahrhaftig? Du machst mich neugierig. Ich will ihn doch anreden.n m e r j. Jetzt außer Dienst.. Ellfeld, Und ohne Brod. K a m m e r j. Der Aufenthalt in der Residenz »st lost bar. Ellfeld. Das nimmt mich Wunder. K a N! in e r z. Wie so? Ellfeld. Weil sie schwach bevölkert ist. Kammer j. Schwach bevölkert'? Mein Herr, wir haben fünfzig taufend- Einwohner. Ellfeld. So sagt man. K a m m e r Und es ist wahr.. Ellfeld. Schwerlich. Ich habe wohl zwanzig Addreffen von der Armee mitgebracht, an lleu- 3i kr, die der Sage nach hier wohnen sollen. Ich finde keinen;« und wenn ich noch eine Woche vergebens in dieses Haus komme— Kammerj. So schworen Sie- Stein und Bein— daß auch mein Oheim hier nicht wohnt? Ellfeld. Ganzrecht> memHerr! Kammerj. Ha! ha! ha! man hört wohl, daß der Hof nicht Ihr Element ist. Ellfeld. Gott sey Dank! Nein. Kammerj. Drey Dinge sind bey Hofe unentbehrlich, gesunde Beine, ein geschmeidiger Rücken, und eine glatte Zunge. Ellfeld. Ich besitze keines von diesen Dreyen. Kammerj. Dann sind Sie auf gutem Wege zu verhungern. Ellfeld. Oja, Ich und mein armes krankes Weib waren nah' dabey. Kammerj. Auch verheirathet.. Ellfeld. Ja. Kammerj. Armer Man»! Wie halfen Sie sich? Ellfeld. Ich kann mir nicht helfen, wie Sie sehn. Kammerj. Und fremde Hülfe muß man in keiner Residenz suchen. C 2 Ellfeld. Doch! auch in Residenzen grbr es Menschen. g Kamm erj. Wenn Ihnen Diogenes seine .Laterne lieh. Z Ellfeld. Menschen, dicdas Unglück selbst d aufsuchen/ es mindern und dann sich edel verber- n gen. Kammerj. Wahrhaftig? ich glaubte hier ziemlich bekannt zu seyn, aber ich würde verge- d bens rathen. Z Ellfeld. Sie will auch gar nicht errathen seyn. s K a m rn e r j. Und gar eine Sie?— O ge- tz schwind Herr. Hauptinanii/ befriedigen Sie meine Neugierde. Ellfeld. Weiß ich selbst mehr? und durste r ich reden, wenn ich auch mehr wußte? Vielleicht< war die bloße Erwähnung schon ein Verbrechen an der still wohlthätigen Seele. Aber ich habe s so wenig frohe Augenblicke/ daß ich nicht Meister über diejenigen bi»/ in welchen mein Herz i chrer gedenkt.! Kammerj. Eine Dame also? jung? schon? Ellfeld. Ein Engel!— Ich schäme mich ihr einen Nahmen beyzulegen/ den Dichter und 'Nomanenschreiber so oft mißbraucht haben. lbt Kammerj. Und dieser unbekannte Engel?— »h Ellfeld. Erfuhr durch einen Zufall meine Armuth, und die Leiden meiner Gattinn. Seit- bst dem bringt sie oft um Mitternacht Trost in mei- er- ne Dachkammer. Kammerj. Um Mitternacht? ier Ellfeld. Tugend und Berbrechen scheue» ae- das Sonnenlicht, dieses aus Furcht, jene aus Bescheidenheit. >e» Kammeri. Ich wünsche Ihnen Glück Herr Hauptmann, ein Krüppel macht sonst selten ge- Eroberungen. cp Ellfeld. Pfuy, mein Herr! K a m m e r j. Die weibliche Tugend um Mit- ste«ernacht auf den Straßen? Ha! ha! ha! ma- chl chsn Sie mir das nicht weiß. Ellfeld. Ich Thor! warum ließ ich in d ie- tbe se m Zimmer solche Gefühle laut werden? Kammerj. Im Gedränge der großen Welt, ctj muß man den Glauben an hohe Tugend fahren lassen. u' Ellfeld. Ha! ich fühle;um ersten Mahle, ich daß ich nicht so arm bin als ich glaubte, nd 54 Zweyte Scene. Der M i n l st e r.-D i e V o r i g e n. (Der Minister tritt aus seinem Kabinette, der Kam- merjunker springt aus Und verbeugt sich tief.) Minister. Guten Morgen Neffe.(Ersieht sich um, Ellfeld verbeugt sich.) Minister(jU Prunk trocken»erweisend.) 2ch hatte befohlen heute Niemand— P r u n k. Der fremde Herr lies; sich nicht abweisen.(Er entfernt sich in das Vorzimmer.) Ellfeld(näher tretend.) Seit vier Wochen suche ich täglich das Gluck Euer Excellenz zusprechen. Ministe r. Wer sind Sie? Ellfeld. Hauptmanu Ellfeld vom Regiment Drauusteiu. Minister. Ellfeld?— Braunstein?— Ganz recht, ich kenne Sie. Ellfeld. So kennen Euer Excellenz einen ehrlichen Mann, der zum Krüppel geschossen und seine Equipage zwey Mahl verloren hat. M i n i si e r. Wos suchen Sie? Ellfeld. Brod. Ministe r. Ihre Art zu denken stimmt nicht zu Ihrer Dürftigkeit. Ellfeld. Meine Art zu denken? Sie kann Euer Excellenz schwerlich bekannt seyn. Minister. Doch. Ellfeld. Und wäre sie es- so würde ich der Gewährung meiner Bitte mit desto mehr Zuversicht entgegen sehen. M iniste r. Meinen Sie? Ellfeld. Ich setze voraus- daß Redlichkeit die Art zu denken sey, welche jedes Gesuch befördert. M i n i st e r. Ihr Oberster ist unzufrieden mit Ihnen. Ellfe ld. Mein Oberster? ich will nichthof- fen— Minister. Sie haben Grundsätze geäußert.— Ellfeld. Ich dürfte fordern nur nach meinen Thaten gerichtet zu werden. Mein lahmes Bein,.mein lederner Arm sind Zeugen erfüllter Pflicht. Doch ich scheue mich nicht auch um meiner Grundsätze willen Rede zu stehn. Darf ich Euer Excellenz fragen- welcher Vorwurf mich in dieser Rücksicht trifft? 56 Minister. Sie haben sich Bemerkungen über diesen Krieg erlaubt— Ellfeld. Es ist nicht edel von meinem Obersten, ein Privatgespräch zum Inhalt einer Depesche zu machen. Minister. Sie haben vergessen, daß ein unbesonnenes Wort oft mehr Unheil stiftet, als ein tapferer Arm wieder gut machen kann. Ellfeld. Ich habe nichts gesagt, als was bey einer Flasche Wein der Freund dem Freunde wohl vertrauen mag. Minister. Wie warm diese Freundschaft war— Ellfeld. Das erfahre ich leider! Minister. Sie werden in Zukunft besser thun, in einer Zeit, wo alle Bande sich lösen, auch den Knoten der Freundschaft nicht unauflöslich zu glauben— Ich empfehle mich mein Herr! Ellfeld. Euer Excellenz, die Lehre, welche Sie mir da geben, so bitter sie ist, mag leicht eine getäuschte Hoffnung aufwiegen, denn wo alle Bande gelöst sind— was ist da das Band des Lebens!— Was ist überhaupt das Leben für einen Krüppel! Ich würde mit dieser einen Hand versuchen eine Pistole zu laden. 5? und diesen Kopf zerschmettern/ der sich zu denken erkühnte. Aber leider hat in bessern Tagen ein unschuldiges Geschöpf sein Schicksal an das meinige gekettet. Ich kann mein armes kranke» Weib nicht dem Hunger und der Verzweiflung Preis geben/ und— es werde mir noch so sauer -— ich muß Euer Excellenz bitten, durch eine kleine Pension mich vor dem drückendsten Man gel zu schützen. Glauben Sie nicht, daß ich die- sen von Kugeln durchlöcherten Hut aus Prahlerei) trage, ich habe keinen andern. Dieser Degen und dieses Herz, das von Vaterlandsliebe glüht, ist alles was das Schicksal mir übrig ließ— Minister. Ich werde Ihre Bitte gelegentlich dem Fürsten vortragen. Ellfeld. Wann darf ich hoffen— Minister. Jetzt sind die Staatsgeschaste so hausig— die Laune des Fürsten nicht die beste— fragen Sie um einige Wochen wieder nach. Ellfeld. Um einige Wochen!— Großer Gott!— Euer Excellenz wissen nicht, wie lang dem Unglücklichen eine Stunde wird. Minister. Vielleicht kann ich früher— ich werde»ach Ihnen schicken. Ellfeld(verbeugt sich-.!»d geht schweetnüthig ab.) 58 Dritte Scene. Der Minister/ und der Kammerjunker. Minister. Diese Gattung von Menschen wird jetzt immer zahlreicher und lästiger. K a m m e rj. Er ist nicht so arm als er sich stellt. Minister. Kennst du ihn? Kam m erj. Nein, aber ich weiß, dasi der wohlgewachsene Krüppel noch mancher gutherzigen Dame schlaflose Nächte verursacht. Minister. Wirklich?— Man muß überhaupt ein wachsames Auge auf ihn richten, der Mensch ist ein Philosoph/ undPhilssophen sind immer gefährlich/ wenn sie auch weder Arme noch Beine haben. Vierte Scene. All brand. Die Vorigen, Allbrand. Euer Excellenz Befehle sind vollzogen, die Briefe zur Unterschrift bereit. Minister. Recht gut.— Wie ichs All brand? werde ich bald über das neue Steueredikt die nöthigen Aufklärungen erhalten. Allbrgnd. Moorland versprach heute noch— Minister. Vermuthlich hat der gelehrte Wurm, so lange in bestaubten Pergamenten gewühlt? Allbrand. Er nimmt sich der Bürgerschaft sehr warm an. Kammerj. Ein Schwärmer, der immer die Griechen im Munde,fuhrt.. M inister. Er mag sich hüthen. Allbrand. Das habe ich ihm auch gesagt. Wir sind alte Freunde-, aber der Dienst geht vor. Minister. Der Fürst kann das nicht leiden. Allbrand. Wie man hört, so murren die Bürger schon. Minister. Sollte Moorland sie aufwiegeln? Kammerj. Er will ihnen den Schweitzer- sinn eintrichtern. All brand. Gefährlich bleibt es immer, einem Republikaner-einen solchen Posten anzuver- - rauen. 6<> Minister. Wehe ihm, wenn er seinen Einstich mißbraucht. Allbrand. Das habe ich ihm auch gesagt. Er mag denken, was er will, Gedanken sind zollfrei). Aber es wäre seine Pflicht, dem Bürger mit gutem Beyspiele vorzuleuchten. Kammerj. Und die Würde seines Amtes zu behaupten, er spricht mit dem geringsten Handwerker wie mit seines gleichen. Minister. Vermag denn die Krau nichts über ihn, sie ist von guter Geburt. Kammerj. Über diesen Punct habe ich ihn oft lächeln sehen. A llbrand. Auch wohl lachen honen. Kammerj. Im Vorzimmer pflegt er zu gähnen. All brand. So macht er es auch in der Kirche. Kammer j. Ein moralischer und politischer Ketzer. Allbrand. Zn seinen Sitten affectwt er eine gewisse Schweitzerijche Einfalt.—- Kammerj. Mit rund geschnittenen Haaren, tritt er in die glänzendsten Cirkel. Allbrand. Ich kenne ihn schon seit achtzehn Jahren, er war immer ein Strndelkopf. 6r Minister. Genug. Der Fürst soll alles wissen. Man muß ihn scharf beobachten. Allbrand. Ich zittre für meinen Freund. Doch war' er auch mein Bruder; ich suhle Muth in mir, für das Vaterland ein zweyter Timo- leon zu werden. Prunk(tritt herein.) Syndieus Moorlands Minister. Er soll kommen. Fünfte Scene. Moorland. Die Vorigen. Minister. WaS bringen Sie Gutes, Herr Syndieus? Moorland. Ich werde mich freuen, wenn Euer Excellenz diese unrerthanigen Vorstellungen, etwas Gutes nennen wollen. Minister. Vorstellungen? Ich verlangte bloß verschiedene alte Nachrichten zum Behuf der Einkleidung des neuen Edikts. Moorland, Eben aus diesen alten Nachrichten entspringen Vorstellungen. Minister. Wie lauten sie?—> 62 Bl Vorland(üh-ereicht ihm einen ziemlich stnrr »->, Heft.) Ich habe in möglichster Kürze— Minimier. Ich glaube Sie spotten, mein Herr Syndicus. Meinen Sie, der Fürst werde diesen Folianten lesen? Moorland. Ganz gewiß, denn er ist ein, gerechter Fürst. Minister. Allein die Gerechtigkeit kann bestehn ohne die Langeweile. Moorland. Wenn ein Fürst das Glück seiner Bürger durch ein Paar langweilige Stunden erkaufen kann, so erkauft er es sehr wohlfeil. NH n ist er. Meinen Sie? Moorland. Ich erkühne mich sogar zu behaupten, daß kein Geschäft Langeweile machen kann, welches Vürgerglüek zum Zweck hat. Doch, warum sage ich das einem Münster, der das Verdienst solcher Arbeit zu schätzen weiß. Minister. Ich wünschte wenigstens, Sie hätten einen Auszug beygelegt. M 0 0 rla n d. Das Resultat dieser Vorstellung ist die uncerthänige Bitte.der Bürgerschaft, sie mit dem neuen Steueredict gnädigst zu verschonen. Minister. Da haben wir es!-— Und die Ursache? Moorland. Der Mangel. Euer Excellenz wissen, wie gering der Accivhandel, und wie groß der Paffivhandel dieser Residenz ist. Jnn- ländische Fabriken werden wenig aufgemuntert; die englische» Producre verdrängen die Unsrigen. Tausend Quellen strömen aus dem Lande, ein kleiner Dach. fließt hinein. Was derGewerbflciß erspart, verschlingen Trank- und Fleischsteuer, Gewerbsteuer und Vermögenssteuer— Minister. Mein Gott, wozu die Litaneys M o o r lau d. Euer Excellenz wissen,-daß gleich nach dem letzten Frieden die Kriegssteue-r eingeführt wurde. Die Türkensteuer bezahlen wir seit der Belagerung von Wien im vorigen Jahrhundert. Noch ein kleiner Druck,-und der letzte Tropfen ist ausgepreßt. Minister. Es thut mir leid— aber die Bedürfnisse des Staats— der Wille des Fürsten— Moorland. Beyde sind Eins. Der Bürger weiß, welch ein Krampf Europa erschüttert, aber er weiß auch, daß er einen glücklichen Erdenwinkel bewohnt, den Natur und Weisheit des Beherrschers vor solchen Erschütterungen sicher stellen. Er weiß, daß der Fairst an diesem Kriege nur durch einige Regimenter im fremden Solde Antheil nimmt, und daß also keine Noth vorhanden ist, welche von der Bürgerlicbe die höchste Anstrengung heischen darf. Ministe r. Es gibt Dinge, mein Herr Syndici», die man nur imCabinet beurtheilen kann. Was weiß der Bürger von auswärtigen Verbindungen, die oft große Summen kosten? und kurz! der Befehl des Fürsten ist unwiderruflich. Moorland. So habe ich meine Pflicht gethan. Minister. Weniger Pflicht, wenn ich bitten darf, und mehr Neigung für den Fürsten. Moorland. Wer den KiUdern Gutes thut, liebt den Vater. Minister. Gehen Sie, und stimmen Sie Ihre Clienten zum Gehorsam. Wenn Sie den Willen des Hofes befördern, so dürfen Sie auf die Gnade des Fürsten rechnen. Moorland(mit einer Verbeugung.) Ach erkenne die Gnade des Fürsten nur an der Gerechtigkeit gegen seine Bürger. Ministe r. Sehr stolz, aber ich warne Sie, mein Herr Syndicus. Wir leben in Zeiten, wo die Entfernung unruhiger Köpfe vielleicht die nothwendigste Handlung der Gerechtigkeit seyn dürfte.(Er geht ab.) 65 Sechste Scene. Die Vorigen, ohne den Minist er. Moorland(zuckt die Achseln und schweigt.) Kammerj. Ha! ha! ha! Ihr Herren Gelehrten verschüttet immer das Kind mit dem Bade. Ihr stichelt anf die Höflinge, nennt sie unnütze Geschöpfe, und doch wette ich, ein Kammerjunker in Ihrer Lage hatte sich ganz anders benommen. Moorland. Ganz gewiß. Kammerj. So geht es, wenn man bey Hofe ein Fremdling ist. Betrachten Sie den Lamm im Vorzimmer und die Pagode, welche darauf steht. Der Hof ist das wohlthätige Element, von welchem Wärme ausgeht; aber wer dieser Wärme nahe seyn will, muß immer nicken wie die Pagode, und Niemanden im Wege stehn.— Moorland. Sie vergessen, daß die Bürger das Holz herzu tragen, damit Sie und Ihresgleichen nicken können. Kammerj. Bravo! ha, ha, ha!(nimmt «ine Prise Toback.) Wie befinden sich Ihre Frau Gemahlinn? 66 Moorland. Recht wohl! Kammerj. So hör'ich ,' Wahrhaftig- recht sehr wohl! Moorland. Was wollen Sie damit sagen? Kammerj. Ihre Demoiselle Schwester hat einige Sommermonathe auf dem Lande zugebracht? Moorland. Ja. Kammerj. Böse Zungen sind hämische Ausleger. Moorland. Wie so? Kammer j. Je nun, Sie kennen die Welt. Was ist natürlicher, als daß eine junge Schwei- tzerinn die Landluft zu genießen wünscht? aber das Natürliche glaubt man nie. Stadtgeschwatz ist wie eine Champagner-Bouteille. Der ehrbarste Ruf ist doch nur ein Kork, der.plötzlichHimmelan geschnellt wird! Moorland. Was gewisse Leute denken,oder sagen, ist mir gleichgültig. Kammerj. Pochen Sie nicht zu sehr auf Ihre 8ton. Auch ein Stein wird endlich vom Regentropfen gehöhlt. Trauen Sie der Warnung eines Freundes: etwas weniger Eifer für die Bürgerschaft, und etwas mehr Aufmerksamkeit in Ihrem eignen Hause, sonst geht es Ihnen wie dem Cato und MarcAurcl! ha, ha, ha!(Er hüpft fort.) S i c,b ente Scene. Die Vorigen ohne den K a mm erj u nker. Moorland.?tllbrand! was ist das?— Bin ich denn schon ein Mährchen der Stadt geworden, daß Narren mir mit ihrer Schellenkappe um die Ohren klingeln? Allbrand. Der Windbeutel laßt keinen «»geneckt. Moorland. Er mag sich über mich lustigmachen, so viel ihm beliebt, aber beym Teufel, mein Weib und meine Schwester soll er nicht antasten, oder ich breche ihm den Hals! Allbrand. Lieber Moorland, wie viele Hälse müßten Sie brechen, wenn— Moorland. Wie? was?—Nennen Sie mir das Krahengezücht, das so gerne flattert und krächzt, wo es ein gefallenes Reh vermuthet. Ich will ein Exempel statuiren! Ich will die Hochadelichen Kaffehschwestern, und wären sie mit der Abyssinischen Monarchie verwandt— 68 Ällbrand. Lieber Moorland, Sie vcrges- i sen sich.! Moorland. Nie, wenn von der Tugend meines Weibes die Rede ist. Allbrand. Sie bedenken nicht, wo wir sind. Moorland. Und wären wir in der Kirche! ich wurde den Priester vom Altare reißen, der meine Emilie lästerte! Allbrand. Die Kalte des Münsters hat Sie übler Laune gemacht. Achte Scene. Vorige. Der Minister(tritt aus seinem Kabinette.) Ministe r. Hier ist wohl gar ein Wortwechsel? Allbran d. Bewahre der Himmel! Minister. Haben Sie mir noch etwas zu sagen, Herr Syndicus? Moorland. Nichts, Euer Excellenz. Minister. So muß ich bitten, in meinem Haufe Ihr lebhaftes Temperament zu mäßigen. Moorland(sich fassend.) Ich habe Unrecht — ich bitte um Verzeihung— es gibt Augen- blicke, wo die stärkere Natur den Wohlstand erdrosselt. Ministe r. Vermuthlich haben Sie Geschäfte zu Hanse? Moorland(empfindlich.) Den Großen lästig seyn, war nie mein Fehler— Minister. Man gewöhnt sich zuweilen in Städten allerley Unarten an. Moorland(lisch empfindlicher.) Freylich ist die Vorzimmerluft den Alpenbewvhnern nicht zuträglich, sie werden krank an Leib und Seele. Mini st er. Die Kerkerlufr kurirt sie zuweilen. Mo orland. Das meinten die Osterreich'- schen Landvoigte vor Jahren auch. Untsr- thäniger Diener!(Er geh««v.) Neunte Scene. Die Vorigen ohne Moorland. Minister. Landvoigte? was will er damit sagen? wer waren die Landvoigte? All brand. Eine hämische Anspielung auf die Geschichte des Schwerer Bundes. Minister. Der Pedant setzt voraus, je- der Weltmann müsse die Geschichte seines rohen Volks studiert haben.— Aber was gab es hier? Allbrand. Euer Excellenz sind unwillig, und ich wünschte nicht diesen Unwillen zu vermehren. Er ist, oder war wenigstens mein Freund—- Minister. Jchkann das nicht leiden, wenn man sich um meine Fragen im Kreise dreht. Wer gilt Ihnen mehr, er oder ich? A l lb r a n d. Euer Excellenz sind mein Wohlthäter, mein Beschützer— Minister. So reden Sie. A l! dran d. Eigentllch war ein unbedeutender Scherz des Herrn Kammerjunkers die Veranlassung. Moorland schimpfte ausi den ganzen Adel, er nannte ihn Krahcvgezüchte. Minister. Die Zunge ist des Bürgers Waffe. Allbrand. Als ich ihn freundschaftlich warnte, zu bedenken, wo wir wären; da lachte- er, und versicherte, er würde den Priester am Altare nicht ssonen. Minister. Der Mensch ist reif. Noch ein kleiner Windstoß, und er fallt ab. 7» A ll b r a n d. Mein armer Freund.(Er wisch: Kch eine Thräne aus dem Auge.) Minister. Sie weinen? All brand. So weinte Brutus/ als er seinen Sohn strafbar fand. Minister. Die Freundschaft muß der Pflicht weichen. Allbrand/ ich habe Zutrauen zu Ihnen. Ihre schönen patriotischen Gedanken sind noch in meinem Portefeuille/ der Fürst wird sie lesen und belohnen. Erwerben Sie sich indessen ein neues Verdienst um den Staat und mich. Setzen Sie die Freundschaft mit Moorland zum Schein fort/ und beobachten Sie ihn scharf. Theilen Sie mir jeden Abend beym Auskleiden Ihre Bemerkungen mit. Kein Wort darf Ihnen entschlüpfe»— Sie versteh'» mich. Mir liegt Lara»/ den Mann ganz zu kennen.(Ab.) Zehnte Scene. Allbrand(allein.) Run wahrlich! Du hast den Bock nicht zum Garrner gesetzt. Moorland trabt selber in die Schlinge/ er hat mir heute trefflich vorgearbei- ßet. Diensterlaffung könnte ich auf der Stelle bewirken^ aber dann flieht er mit Emilien, und was gewömn'ich dabey?— Nur seine Entfernung gewahrt mir Genuß oder Rache an der Spröden— Auch Rache ist Genuß— Nothwendig bleibt es immer/ den Entwurf jener patriotischen Gedanken ron ihm heraus zu locken/ damit kein Zeuge gegen mich spreche— Dann muß man den Bürgertrotz zu wecken suchen/ der kommt dann natürlich auf Rechnung des SyIldi- LUö— E i l ft r S e e n r. Pilz. Allbrand. Pilz(in der Thür.) Pst! Herr Secretair. Allbrand. Ha! ha/ Pilz was bringst Du? Pilz. Sind wir allein? Allbrand. Ganz allein. Pilz. Ich habe eine Entdeckung gemacht. All brand. Laß hören. Pilz. Als ich diese Nacht, meiner Pflicht gemäß, auf den Straßen laure, sehe ich ein Frauenzimmer über den Schloßplatz schleichen, repu- rrputirlich gekleidet, hinter ihr eine Magd mir einem Bündslchen unter dem Arme. Sie sieht sich ein Paar Mahl ängstlich um, ich denke, wer muß das seyn? Als sie in die Gegend des Brunnens kommt, bleibt sie stehn und hustet drey Mahl. Nicht lange, so öffnet sich die Hausthür von Nro. 3,2— und die unbekannte Dame schlüpfst hinein. Aus rühmlicher Neubegierde wandle ich auf dem Schloßplätze noch ein Stündchen auf und nieder; schon wurde mir die Zeit lang, als endlich die Thür sich abermahls öffnete, und das nähmliche Frauenzimmer von einem Herrn Abschied nahm und versprach, heute Abend wieder zu kommen, darauf trippelte sie hastig fort, unk ich schlich sachte hinterdrein bis zu ihrer Wohnung. Wer meinen Sie wohl, daß es gewesen? Allbrand. Irgend eine gutherzige Dirne. Pilz. Madame Moorland. Allbrand. Du bist rasend. Pilz. Nichts weniger. Ich will vier Wochen bey Wasser und Brod sitzen, wenn sie es nicht war. Sie schloß die Gartenthür auf. Als sie im Dunkeln das Schlüsselloch nicht gleich fand und ihren Schleyer zurück schlug, nahm ich den Augenblick wahr, den Schein meiner Blendlaterne Kstzelme'S Theater. 7. Vd. D ihr ins Gesicht fallen zu lassen. Da sah ich ganz deutlich— Allbrand. Wen hatte sie besucht? Pilz. Das wußte ich selbst noch nicht, ich ließ sogleich den Viertelmeister hohlen. Das Haus gehört einem alten Mütterchen; oben in der Dachstube wohnt ein gewisser Hauptmann Ell- feld, da sah ich auch Licht hin und her wandeln, der hat ihr die Thür aufgemacht, sie hinauf und herunter begleitet— All brand. Unmöglich! Pilz. Es ist keine andere Mannsperson im Hause. Allbrand. Kennst du diesen Hauptmann? Pilz. Nein, aber er soll ein armer Teufel seyn. Allbrand. Mensch, bist du deiner Sache gewiß? Pilz. Geben Sie mir Nasenstüber bis an den jüngsten Tag, wenn Madam Moorland nicht in der vorigen Nacht den Hauptmann Ellfeld besucht hat. All brand. Aber zum Henker, was wollte ße denn bey ihm? Pilz. Ja, das weiß ich nicht. Allbrand. Und heute Abend/ sagst du, wird sie wieder kommen? Pllz. Heute Abend. Allbrand(iu den Bert murmelnd.) Hm!—> kann mir nicht denke«/ daß da etwas Unanständiges— doch gleich viel— es hat wenigstens den Schein— und läßt sich beguem gegen beyde gebrauchen— ihn könnte es zu einer raschen That verleiten— oder s i e durch Furcht kirren/— 1«/ ja,— es ist ein herrlicher/ ein kostbarer Zufall!(Zu Pilz.) Und dieser Hauptmann Ellfeld/ sagst du/ ist arm? Pilz. Wie der Viertelmeister behauptet. All brand. Sehr arm? Pilz. Er hat nicht das liebe Brod. All brand. Desto bester. Pilz. Haben Sie ihn denn nicht gesehn? Er soll schon seit vielen Wochen bey Sr. Excellenz um eine Pension betteln. A llbrand. Der Nähmliche?—Vortrefflich/ führe mich zu ihm. Pilz. Jetzt gleich? A l lbrand. Auf der Stelle. Pilz. Wir haben nicht weit zu gehn. Nro. Z12 auf dem Schloßplätze.(Beyde ab.) D2 Zwölfte Scene. (Ellfelds armselig« Wohnung) Frau v. Ellfeld(allein, in einem, weißen Neglige, welches sie überall besieht.) Zu fein, zu kostbar für meine jetzige Lage — die liebe gute Frau— Nun ich wieder ein Mahl aus dem Bette bin, und angekleidet, nun komm' ich mir ganz gesund vor. Ein wenig Schminke, und niemand sieht es mir an, dasi ich zehn Tage am Rande des Grabes wandelte— Luch meine Hände haben wieder zugenommen, aber mehr noch meine Kräfte, ich kann wieder gehn und stehn, brauche mir weder am Stäbe, noch an der Mauer fortzuhelfen.— Dank meiner Wohlthäterinn! Dank der Liebe meines Carl— kommt er denn noch nicht?(Sie blickt Lurchs Fenster.) Ich habe mich doch nur für ihn so schon geputzt, er wird sich freuen—Manches Mag wohl schief sitzen.(Sie zieht einen zerbrochenen Taschenspiegel hervor.) Ich war einst gewohnt, mich vor einem Toilletspiegel in silbernem Rahm zu kleiden— Pfuy! das soll mir keinen Seufzer kosten! habe ich doch meinen Carl noch! zwar miKrüppel, aber sein Herz schlagt noch fürmich, 77 und meine Hände werden ihn ernähren.— Als man ihn blutend vom Schlachtfelds trug— als du sinnlos neben ihm knietest— hattest du damahls einen andern Wunsch, ein anderes Gebeth, als die Erhaltung seines Lebens? Nun er lebt! er lebt, und ich bin glücklich! Dreyzehnte Scene. Die Vorige. Hauptmann Ellfeld. H-rau v. Ellfeld(ihm entgegen.) Kommst du endlich, lieber Carl? Ellfeld(dessen Schwermut!) j» Heiterkeit übergeht.) Bist du es wirklich? Frau v. Ellf. Gefall'ich Dir? Ellfeld(sie umarmend.) Verstehst Du die Antwort? Frau v. Ellf. MeinHerzist derDollmet- scher. Ellfeld. Aber hast du dich nicht zu früh heraus gewagt? F rau v. Ellf. Ich bin ganz gesund. Ellfeld. Du siehst noch blaß aus. Frauv. Ellf. Heute will ich spatzieren gehn, die frische Luft soll mich schminken. Ellfeld. Em Rückfall konnte Dir das Leben kosten. Frau v. Ellf. Nein, mein lieber Carl, du wirst mich noch nicht los. Ellf. Ach, was wäre ich ohne Dich! Frauv. Ellf. Hast Du den Munster wieder nichr gesprochen? Ellfeld. Doch. Frau. v. Ellf. Hast Du?— Nun? Ellfeld. Ach! Frau v. Ellf. So sprich doch! wofür bin ich denn dein Weib? Ich hübe ein Theilungsrecht an deinem Kummer. Ellfeld. Gutes Weib, Gott lohne es Dir! Frauv. Ellf. Er dort! Du hier! Ellfeld. Wodurch? Frau v. Ellf. Durch Liebe! Ellfeld(ihr gerührt die Hand schüttelnd.) Du verstehst die Kunst, einen Krüppel beneidenswerth zu machen. 79 Vierzehnte Scene. Allbrand. Die Vorigen. Allbrand(im Hereintreten.) Komm'ich hier recht) Ellfeld. Wen suchen Sie mein Herr? Allbrand. Den Hauptmann Ellfeld. Ellfeld. Der bin ich. Allbrand(stutzt als er Frau von Ellfeld gewahr wird.) Diese Dame? Ellfeld. Meine Frau. Allbrand. Also verheirathet?(Wechselseitige Verbeugungen.) Ellfeld. Das scheint Sie zu wundern, mein Herr? Darfich fragen, mit wem ich die Ehre habe zu reden? Allbrand. Da der Nahme eines Freundes nichts zur Sache thut, so bitte ich um die Erlaubniß den Meinigen verschweigen zu dürfen. Ellfeld. Sonderbar, die bekannten Freunde verlassen mich, und die unbekannten suche» mich auf. Allbrand. Ihr Schicksal ist hart. Ich bin im Stande es zu mildern, ich gelte etwas beym Minister. Ellfeld. Sie werden sich dankbare Herzen verpflichten. Allbrand. Ich stehe Ihnen fair eine an-! ständige Pension, wenn— Ellfeld. Dieses Wenn scheint eine Bedingung vorauszusetzen. Bin ich im Stande, sie zu erfüllen? A l l b r a n d. Ich fordere Zutrauen und Ver-^ schwiegenheit. Ellfeld. Das ist nicht zu viel für einen Bettler, der seine Ehre rettete. Allbrand. Sie erhalten öftere Besuche von Madame Moorkand. Ellfeld. Madam Moorlands Frau v. Ellf. Madam Moorland? All brand. Sollt' ich mich irren? Frau v. Ellf. Heißt die Dame, die uns mit Wohlthaten überhäuft, Madame Moorland? Allbrand. Wie? Sie kennen Sie nicht? Ellfeld. Wir kannten bis fetzt nur ihr edles Herz. Allbrand. Ich weiß doch, daß sie oft um Mitternacht— Frau v. Ellf. Ja,, das that sie! Sie war mein rettender Engel, aus einer tödtlichen Krankheit. Allbrand. Und nannte sich nie? Ellfeld. Nie. Allbrand. Daran erkenn' ich sie/ sie iß eine liebe, vortreffliche Seele. Frau v. Ellf. Das ist sie! E llfe ld. Das ist sie!^ All brand. Auch für die künftige Nacht versprach sie- Frau v. Ellf. Ja, sie wird kommen. Ellfeld. Und die Früchte ihres Wohlthun? geniesie». A l lb ra n d. Sie könnten dieser Dame eine» Dienst leisten. Ellfeld. Mit meinem Blute! All brand. Im Vertrauen: Ich bin so glücklich von ihr geliebt zu werden. Frauv. Ellf. Ist sie unverheirathet? Allbrand. Sie ist verheirathet, aber unglücklich— Frau v. Ellfeld. Einer solchen Frau ist auch im Unglücke ihre Pflicht heilig. Allbrand. Ganz recht. Sie nährt darüber noch manche Vvrurtheile. Ellfeld. Vorurtheile, mein Herr? Allbrand. Die sich mit der Zeit wohl ab- schleifen werden, es käme nur vielleicht auf Sie an— Ellfeld. Was? Allbrand. Wenn Sie mir erlauben wollte»/ au diesen nächtlichen Zusammenkünften Antheil zu nehmen—Ihre Wohnung ist so heimlich und einsam— wenn ich hier allein mit ihr bleiben dürfte— oder Sie vielleicht gar durch vernünftige Überredungen, gewisse kindische Be- venklichkeiten besiegen hülfen.— Ellfeld(bebend vor Zorn.) Armuth! Armuth! Wer darf noch behaupten, du erniedrigest nicht! Frau v. Ell f.(sinkt in einen Sessel.) Ha! das lst zu viel! All brand. Ich will nicht hoffen, daß Sie mich mißversteh«. Wegen der Pension gebe ich Ihnen mein Wort, noch morgen soll das Nöthige deßhalb ausgefertigt werden. Doch ich setze meiner Dankbarkeit nicht so enge Schranken. (Er zieht eine» Ventel hervor.) Diese Kleinigkeit mag Ihnen beweisen— Ellfeld(wüwend.) Herr! ich kenne Sie nicht, aber wenn Sie nicht den Augenblick zur Thür hinaus gehen, so sollen Sie empfinden, daß ein ehrlicher Krüppel noch Kraft genug hat, einen Schurken zum Fenster hinaus zu wer- fen. Al lb r a nd. Mir das? Ellfeld. Ihnen/ und wenn Sie auf der ersten Stufe des Throns standen. Fort/ oder ich brauche mein Hausrecht. Allbra nd. Ganz wohl/ mein Herr Hauptmann! Die Pension haben Sie verscherzt/ und was sonst noch daraus entstehen mag/ werden Sie sich selbst beyzumessen haben.(Ab.) Fünfzehnte Scene. Vorige ohne Allbrand. Ellfeld. Bube! mich wolltest du zum Kuppler dingen/ mich! Frauv. Ellf. Wer mag der Bösewicht seyn? Ellfeld. Irgend ein Höfling, der unö »ach sich beurtheilt. Frau v. Ellf. Wir müssen das der guten Frau verschweigen. Ellfeld. Du hast Recht, die Unschuld wird schüchtern, wenn sie Nachstellungen ahnet; aber 84 ich werde sie nicht wieder allein nach Hause gehen lassen. Frau v. E l l s.(steht aus und schlingt ihre» Arm um ihn.) Carl! Wir haben diesen Mittag ein Gerücht Kartoffeln, aber uns ist besser zu Muthe als ihm. Ellseld(sie au seine Brust drückend.) Unsere Herzen sind rein. Frau v. Ellf. Er wollte die Armuth schänden. Ellseld. Um der Menschheit willen behü- the der Himmel jeden Bosewicht für Armuth! (Der Vorhang fällt.) 65 Dritter Act- (Audicnjjimwer des Ministers.) Erste Sc e n e. P r unk sitzt und liest. A l l b rand tritt hastig herein. All brand. 2st der Minister zu Hause? Prunk. Ja. Allbrand. Ich habe nothwendig mit ihm zu sprechen. Prunk. Wird schwerlich angehn. All brand. Warum nicht? Prunk. Erspielt. Allb rand. Desto besser! hat er verloren? Prunk. Ich glaube. Allbrand. Desto besser! 86 Prunk. Desto schlimmer!— A llbran d. Sage er ihm ins Ohr—> Prunk. Wird mir antworten: Geh zum Teufel! All brand. Die Sache ist äußerst wichtig. Prunk. Bey Hofe ist manche Sache des Morgens wichtig, die deS Abeuds mit unter hie Karte gemischt wird. Allbrand. Ich muß durchaus— Prunk. Sie werden Ihrer eigenen Sache schaden. Allbrand. Desto besser! Prunk. Nun auf Ihre Gefahr.(Geht'ab.- Zweyte Scene. Allbrand(allein.) Hat er verloren/ so ist er übler Laune, un- eduldia, die Augen am Spieltisch, die Ohren ier; untersucht nicht lange, sagt killt! und ich siege— Getrost Allbrand! das Glück winkt, der Zufall lächelt! daß ich eben jetzt dem Kam- meriunker begegne, daß ich eben jetzt erfahren mußte, wre der Hauptmann sich benommen—- Ein Umstand reicht dem andern die Hand, alles wird so wahrscheinlich— Dritte Seen e. Allbraud. Prunk. Gleich darauf der Minister. Prunk. Er kommt. All brand. In welcher Laune? Prunk. In so übler, daß ich nicht Lust habe der Audienz beyzuwohnen.(Er geht durch die Mittlere Thüre ab.) Allbrand. Geh nur, mein Freund, du wärst auch überflüssig. M i n i st e r(verdrießlich.) Nun, was gibtö? All brand. Eine traurige Entdeckung. Minister. Geschwind. All brand. Moorland ist ein Verrather. Minister. Neue'Beweise gegen ihn? Allbrand. Leider die sprechendsten. Erun- terhält verdächtigen Umgang. Minister. Mit wem? Allbrand. Da ist ein gewisser Hauptmann Lllfeld— Minister. Ich kenne den Zeisig. Allbrand. Nächtliche Zusammenkünfte. Minister. Wo?. Allbrand. Bey dem Hauptmann. Minister. Sind Sie Ihrer Sache gewiß? Allbrand. Moorland schleicht um Witter- s nacht in das Haus eines Menschen, den er am Tage nicht zu kennen vorgibt. Ministe r. Sehr verdächtig! Was wäre dabey zu thun? Allbrand. Ich denke unmaßgeblich, wenn man den Syndicus auf frischer That ertappte— M in i st e r. So sperrt man ihn zwischen vier Mauern. Allbrand. Versiegelt seine Papiere— Minister. Und macht ihm den Proceß. Allbrand. Wenn Euer Excellenz mich zu diesem Auftrag bevollmächtigen— Minister. Allerdings— doch, wenn seine Papiere nicht gegen ihn zeugten? Der Fürst verlangt behuthsame Schonung. Allbrand. Die Sache ist außer Zweifel. Minister. Wohlan! Allbrand. Darf ich um einen schriftlichen Befehl— Minister(ungeduldig.) Jetzt gleich? Allbrand. Wenn Euer Excellenz auch nur dem Polizeybeamten/ der im Vorzimmer wartet, zu befehlen geruhen. Mi n iste r. Wo ist er? A l l b r and(öffnet die Thür.) Pilz! Vierte Scene. Pilz. Die Vorigen. Minister. Ich habe meinem Secretair einen gewissen Auftrag ertheilet, befolge er gerne Befehle. Pilz(verbeugt sich demüthig.) Minister. Bin ich nun fertig? All brand. W-nn Eure Excellenz nichts weiter zu erinnern haben— Minister. Nichts weiter. Gott befohlen! verfahren Sie rasch und behuthsam. Morgen früh erwarte ich Ihren Rapport.(Er geht ab.) Allbrand(sich die Hände-reibend.) Das geht vortrefflich;(zu Pilz) komm er mit auf mein Zimmer, dort soll er seine Jnstruction empfangen. Nein, erst such' er mir den Kammerjunker; er soll denAugenblick zu mir kommen. Befehle von Seiner Excellenz/ von Seiner Durchlaucht/ lauf' er.(Pilz läuft ab.) Vortrefflicher Einfall! Der Kammersunker soll die Papiere versiegeln. An seinem Entwürfe der patriotischen Gedanken liegt mir alles— alles—(Geht ab.) F ü il f t e Scene. (Moorlands Wohnung.) Jenny. Eduard Smith. Jenny(mit irgend einer weiblichen Arbeit beschäftigt, von welcher sie nur verstohlen aufblickt.) Smith(steht ihr gegen über, hinter einem Stuhl, auf welchen er sich lehnt, und gafft sie an. Pause.) Jenny. Mein Bruder läßt heute recht lange mit dem Essen auf sich wartem Smith. Daß Ihnen die Zeit lang wird, ist meine Schuld. Ienn y. Wie so? Smith. Ich verstehe nicht zu reden. Jenny. Im Gegentheil. Bey Tische habe ich oft Ihre Gabe zu unterhalten bewundert. Smith. Ich sollte lieber dort schweigen und hier reden. Jenny. Sehr natürlich, daß bey einem Mädchen der Stoff der Unterhaltung weniger mannigfalcig ist. Smith. Aber um so interessanter. Jenny. Sie müßten in die Geheimnisse des Modejournals eingeweiht seyn. Smith. Was ich mit Ihnen sprechen konnte, bleibt immer Mode.^ Jenny(verlege», nach einer Pause.) Sind sre schon lange aus Ihrem Vaterlande s Smi t h. O ja. Ienn y. Und empfinden das Heimweh nicht, wie wir Schweihsr? Smith. O ja, zuweilen. Jenny. Warum gehen Sie denn nicht hun Ein Mann, wie Sie, kömmt überall fort. Smith. Wollen Sie mich los seyn? Jenny. Bewahre der Himmel! Smith. Ich mag nicht allein in mein Vaterland zurückkehren. Jenny. Nun! so heirathen Sie. Smith. Das will ich. Ienn y. 24 rathe Ihnen nicht dazu. Smith. Warum nicht? Jenny. Wenn Sie etwa glauben, alle Ehen r-2 waren so glücklich, wie die meines Bruders, so irren Sie. Smith. Ich glaube das nicht. Jenny. Die meisten sind unglücklich. Smith. Das glaube ich auch nicht. 3 enn y. Ich habe das hundert Mahl gesehn. Ein Paar junge Leute verlieben sich, meinen, sie können nicht ohne einander leben; tritt etwa -in geitziger Vater oder ein böser Vormund in den Weg, so weinen und seufzen sie so lange, bis dem Alten das Herz bricht. Nun stehn sie auf der Zinne von Fortunens Tempel, erblicken a-le Reiche der Welt unter sich, lausen in den Flitterwochen, wie die Nachtwandler auf den -Bachern herum, plöslich rannst dieZeit vorüber, ruft ihre Nahmen, sie erschrecken, erwachen, und fallen herab. 'L5 mith. Das ist witzig, aber nicht wahr. Jenny. Da liegen sie im Sumpf der Langenweile, und sehen sich unmuthig an. Sind es gute edle Menschen, je nun, so ertragen sie sich wechselseitig, und die liebe Gewohnheit kommt ihnen zu Hülse. Jeder wandelt seine steinichte Straße, und ist froh i daß wenigstens keine Dornen zwischen den Steinen wachsen. Smith. Wenn aber Achtung die Mutter der Liebe war? Ienn y. Höchstens eine Stiefmutter— Smith. Wer über die Liebe raisonniren kann, hat freylich nie geliebt. Jenny. Und ist zu beneiden. S m i th. Zu bedauren. Jenn y. Ein unbekanntes Glück hat keinen Reih. Smith. Ein falscher Gemcinspruch. Glauben Sie, das; die Menschen in den Bleyminen von Neweastle oder Derby sich nie nach dem Anblick der Sonne sehnen? Jenny. Sie haben hohe Begriffe von der Liebe. Smith. Und höhere noch, von der Ehe. (Er ruckt mit seinem Stuhl ein wenig näher, doch ohne übrigens die Stellung zu verändern.) Die Liebe knüpft zwey Wesen an einander, die Ehe schafft aus beyden Eins.; die Liebe stürzt ihren Freudenbecher hinunter; die Ehe schlurft ihn tropfenweise und leert ihn nur am Rande des Grabes. Die Liebe ist eine naschende Raupe, bis sie sich einspinnt in den. Ehestand, und dann als Schmetterling, reinere Nahrung aus Dlumenduft saugt. Jahre verfließen, eine gute Frau wird nicht alt; Winter und Sommer wechseln/ eheliche Liebe bleibt warm. Der Kuß eines keuschen Weibes ist das Zeichen/ womit die Natur ihren Segen spricht. Stürme rauschen vorüber/ wo Liebe haust/ im Arm einer braven Gattinn wird jeder Kummer halb/ jede Freude doppelt. Jenny. Sie gerathen in Feuer. Smith(abermahls etwas näher rückend.) Wehe dem Man»/ den weibliche Schönheit und Tugend kalt lassen! Wer mochte mit ihm aus einem Becher trinken. Wehe dem Mann/ der sich an ein gutes Weib gewohnt/ wie au seinen Schlafrock! der ohne Dank hinnimmt/ was er täglich empfängt/ und nur Gefühl für häusliches Glück hat/ wenn es entflohen ist. Schüttle/ Zufall, deine Kronen wie Schneeflocken herab! mir laß den einfachen Kranz der Liebe blühen!(Er rückt abermMs ein wenig näher.) Finde ich, was ich seit Jahren suche, das Ideal meiner Wünsche und Hoffnungen, dann gute Nacht ihr kleinen Tyrannen der Seele: Ehrgeitz, Ruhmsucht, Wißbegier! In meinem Herzen ist nur Platz für die Liebe! stiller Genuß häuslichen Glücks, gemeinschaftliche Bildung des Geistes, Freude an der Natur, un- vergiftete Landluft, der Vcrlaumdung zu fern, dem Neide zu klein, ruhige Thätigkeit und stille Liebe, der Einsamkeit verschwistert— Jenny(welcher alle Augenblicke der Faden reißt.) Unsere schönsten Traume werden selten erfüllt. Smith(seinen Stuhl nach und nach ihr ganz nahe rückend.) Das? ich liebe, ist kein Traum, aber daß ich mir schmeichle Gegenliebe zu gewinnen, ist vielleicht ein kühnesHirngespinnst. Zum ersten Mahl fühle ich mein Glück abhängig von fremdem Wohlwollen, und zittere zum ersten Mahle. Worte sind armselige Dollmetscher, dieses Zittern bürge für die Wahrheit meiner Empfindung! Jenny. Smith, was ist Ihnen? Smith(setzt sich zu ihr und ergreift ihre Hand.) Wenn ein Mann, der es herzlich meint— nicht reden kann— wenn seine Stimme bebt— weil sich Thränen herausdrangen— so ist das wahre Liebe— Jenny. Smith, um'S Himmelswillen— Smith. Der Augenblick ist da— der das Glück meiner Zukunft entscheidet— ein ehrlicher Mann bittet um Ihre Hand— ein Liebender bittet um Ihr Herz.— Ienn y. Tue Bewegung, in der ich Sie sehe, läßt mich nicht an der Wahrheit Ihres Gefühls zweifeln, aber— Smith. Ich bin freylich nur von geringer Herkunft— Jenny. Pfuy., das war es nicht, was ich sagen wollte: Smith.. Ich besitze wenig, aber genug. Jenny. Auch habe ich nie daran gedacht, mein Herz zu verkaufen. Smith. So sey es der Preis edler Liebe. Ienn y. Lassen Sie mir Zeit, lieber Smith. Smith. Ich danke Ihnen.(Er küfit entzückt ihre Hand.) Was wäre einem treuen Herzen willkommener, als die Versicherung, daß man es prüfen wolle? Sechste Scene. Moorland. Emilie. Die Vorigen. Emilie(an der Hand ihres Gatten hereintretend.) Da ist er endlich, aber finster. Jenny. Was fehlt dir, Bruder? Moorland. Nichts— verdrüßlichs Geschäfte— Emilie. Sonst warst du wenigstens beym Essen heiter. M o s r- Moorland. Es wird vorübergehn. Emilie. Wir haben dich diesen Mittag so schmerzlich erwartet; sonst pflegtest du wohl zu schicken, wenn du ein Mahl außer dem Hause speisen mußtest. Moorla» d. Vergib mir, ich vergaß— Jenny. Das hättest du heute am wenigsten vergesse» müssen. Du hättest überhaupt heute gar nicht ausbleiben sollen. Moorland. Der Minister.— Jenny. Was Minister! Der Minister kann dir allenfalls einen Hofrathstitel verschaffen, aber zum Vater kann dich nur Emilie machen. Ich dachte, wir würden diesen Mittag ein frohes Familienfest feyern; ich wollte heute auch ein Mahl ein halb Glas Wein trinken, und dich hoffte ich mit einem Rausche zu erblicken. Moorland(die Hand an die Stirn legend.) Kommt mirs doch wirklich vor, als sey ich berauscht. Jenny. Wo hast du dich denn den ganzen Nachmittag herum getrieben? M Vorland. Vorm Thore— spatzieren>— Jenny. Erst klagt er über Geschäfte, und dann geht er spatzieren. Kdtzebne's Tl-catcr. 7. Bd. E Moorland. Vergebt mir, ich weiß selbst nicht, was ich rede. Jenny(verstohlen zu Smith.) Ein dunkler Schatten im Ehestandsgemahlde. Smith. Was wäre Licht ohne Schatten? Emilie(zärtlich.) Ist dirs denn gefällig, lier her Mann? das Essen wartet. Moorland. Ja, sogleich—ich bin bereit. Siebente Scene. All brand. Die Vorigen. Allbrand. Verzeihen Sie, daß ich unge- mAdet— ein wichtiges Geschäfte, lieber Moorland, bringt mich zu Ihnen. Jenny(ärgerlich.) Schon wieder Geschäfte? Moorland. Geht nur voraus Kinder/ setzt euch zu Tische, wir kommen bald nach. Emilie. Aber, lieber Man», wir haben deine Lieblingsfchüfsel, ohne dich schmeckt es nicht. Moorland(mit erzwungener Zärtlichkeit.) Geh nur, liebe Emilie, in wenig Minuten bin ich bey dir. 99 EtNllre(laiigsam abgehend, halb für sich.) Es ist nicht, wie es seyn sollte. Jenny(ihr mit Smith folgend.) Smith! Smirh! wenn auch dieses Beyspiel zu wirken aufhört— Smith. Kein voreiliges Urtheil, liebe Miß.(Alle Drey ab.) Achte Seen e. Allbrand. Moorland. Moorland. Nun Allbrand? Sie sehen verstehet aus? A llbra» d. Und bin es. M oorlan d. Neue Qualen für mich? Allbrand. Leider. Moo r land. Reden Sie. Allbrand. Ich fühle zum ersten Mahle, daß die Freundschaft auch schwere Pflichten auferlegt. Moorland. Wahrheit ist die Erste. AI! bra n d. Und heiligste. Ich erfülle sie mir Thränen in den Allgen. Freund, seyn Sie E 2 ein Mann! Sie trifft ein harter Schlag! am härtesten, weil er von der geliebten Hand kommt. Moorland. Von meiner Gattinn? Allbrand. Sie ist dieses Nahmens un- werth. Moorland. Beweise! Allbrand. Sie halt nächtliche Zusammenkünfte mit dem Fürsten. Moor land. Das ist nicht wahr! All brand. Wer hat inniger an ihre Tugend geglaubt als ich? Wer hat sie redlicher vertheidigt als ich? mein Herz empört sich, dieses Weib strafbar gegen diesen Mann zu wissen— aber— Moorland. ES ist nicht wahr! Allbrand. So sprach ich auch, so lange noch ein Schatten von Möglichkeit übrig blieb. Als man aber jeden Zweifel durch Thatsachen widerlegte— Moorland(heftig mit den Füssen stampfend.) Es ist nicht wahr! kommen Sie zu ihr! gleich Mt auf der Stelle! Allbrand. Wollen Sie sich selbst die Mittel rauben, die Wahrheit zu ergründen? Emi- liens Thränen sind keine Beweise. Moycland. Und welche haben Sie? 10! Allbrand. Emilie verlaßt seit einiger Zeit um Mitternacht Ihr Haus— Moorland(ergreift ihn heftig beym Arm.) Allbrand! Allbrand(fahrt ruhig fort.) Schleicht ohn« Begleitung über den Schloßplatz— M Vorland(faßt ih» mit beyden Hiinden und fleht ihm starr ins Gesicht.) Weiter— Allbrand. Schlüpft in das Haus einer Kupplerinn— Moorland(mit erstickter Stimme.) Weiter—- fj- Allbrand. Und findet dort den Fürsten. Moorland(packt ihn wüthend sey der Brust.) Mensch! du lügst! Allbrand. Sie sind in einer Lage, w» man dem Freunde alles verzeiht. Moorland. Beweise! Allbrand. Werden Sie Ihren Augen trauen? Moorland. Und nur meinen eigenen Augen! Allbrand. Gut, ich bleibe bey Ihnen, bis Mitternacht, wir gehen zusammen. Moorland. Ich halte Sie beym Wort! Allbrand. Aber ohne Waffen. Moorland. Wie spat ist es? Allb„ra»d. Neun Uhr. Moorland. Zu früh, zu früh! AIlbra n d. Bis dahin Fassung! Der versäumte Augenblick kehrt nie wieder. Emiliens Läugnen, wird alsdann den Argwohn nicht von Ihrer Seele walzen, und Sie müssen ein qualvolles Leben an der Seite einer Gattinn zubringen, deren Unschuld Sie wünschen, und deren Verbrechen Sie ahnden würden. Moorland. Ich bin gefaßt. All brand. Am besten wäre es, Sie sähen sie bis zur Mitternachtsstunde nicht wied«. Schöpft Emilie Verdacht, so geht sie nicht. Moorland. Sie wird nicht gehn. Allbrand. Sie wird. M oorland. Ich erdroßle den Verläumder. - Allbrand. Wenn Emilie unschuldig ist. Moorland. Sie ist unschuldig. Allbra n d. Sie war es einst. Moorland. Kommen.Sie zu ihr, sehen Sie ihr ins Gesicht, und schämen Sie sich. Allbrand. Lavater kann hier nichts entscheiden. Moorland. Sie ist Mutter— Allbrand. Desto schlimmer. Moorland. Nennen Sie den Verläumder. ic>3-"""> Allbrand. Ich höre kommen. Ums Him melswillen, verrathen Sie sich nicht. Neunte Scene. Emilie. Die Vorigen. Emilae. Lieber Man»/ wir haben dich den ganzen Tag entbehrt! der Abend sey für uns. Wir können nicht ohne dich essen, uns schmeckt kein Bissen; mir vollends gar nicht. Sind eure Geschäfte noch nicht beendigt?— Herr Secre- tair,>sts Ihnen gefällig mit uns vorlieb zu nehmen? Allbrand. Ich bitte mich zu entschuldigen. Emilie(sanft freundlich.) Wenn Sie unsern kleinen Familienzirkel nicht erweitern wollen, so verengern Sie ihn wenigstens nicht. Allbrand. Wider meinen Willen. Emilie. klnd was müssen das für Geschäfte seyn, die meinem guten Moorland seine sanfte Heiterkeit rauben?— Mein Gott, wie du mich anstarrst— lieber Mann, darf ich nicht wissen, was dich drückt? Moorland. Willst du es wissen? A l lbrand. Ein unangenehmer Vorfall im 'Dienst, nichts weiter. Emilie. Kann ich auch weder rathen noch heiien-, so ist liebevolle Theilnahme doch nie unwillkommen. M o o r l a wd. Nimmst du Theil an mir? Emilie. Welche Frage!— Moorla n d. Du stehst mich so freundlich an? Emilie. Und du mich so wildl Moorland. Du hast das nicht verdient. Emilie, Gewiß nicht. Moorland. Nein bey Gott nicht!(Er schlickt üe in seine Arme.) All brand. Wir vergasten unsere Geschäfte. Emilie. Dein Betragen ist so ungewöhnlich— Moorland. Mein Herz ist unverändert. Emilie. Das hoffe ich. Moorland. Wie deines— Emilie. Dann bin ich glücklich! Allbrü n d. Bester Sie trennen sich für jetzt, nur nach vollbrachter Arbeit ist die Ruhe süß. Ich denke wir verschließen uns in Ihr Studierzimmer, denn vor Tages Anbruch möchten wir .wohl kaum fertig werden. -Emilie.' Die ganze Nacht? io5 Moorland. Fallt dir das auf? Emilie. Es wird deiner Gesundheit schaden. Du hast seit vielen Wochen so wenig geschlafen. Moorland. Du willst also/ ich soll schlafen? Emilie. Ich wünschte es herzlich. Moorland(mistrauifch.) Wirklich? Emilie. Wie kannst du zweifeln? Allbran d. Freund, die Witternachtsstunde naht heran. Moorland, Ha!— gute Nacht Emilie! Emilie. Wir sehen uns diesen Abend noch wieder? Moorland. Ich hoffe es-nicht. Emilie. Du hoffst es nicht? Moorland. Vergib, ich bin zerstreut-— kommen Sie Allbrand— gute Nacht, Emilie! Emilie. Du gibst mir nicht einmahl einen Kusi? Moorland(schließt sie bewegt in seine Arme.) Es ist nicht der Letzte! Emilie. Da sey Gott für! Moorland(sich losreißend.) Nein, es ist Nicht möglich!(Er stürzt in sein Zimmer.) All brand(ihm folgend.) Haben Sie die Güte zu befehlen, daß uns niemand störe.(Ab.) i«6 Zehnte Scene. Emilie(allein.) Emilie. Es muß etwas Wichtiges vorgefallen seyn— und er sagt es mir nicht!— er muß einen schweren Kummer auf dem Herzen tragen— und er theilt ihn nicht mit mir! was habe ich ihm gethan?—(Sie weint.) Eilft e Scene. Jenny. Die Vorige. Jenny. Du allein? wo ist mein Bruder? Emilie. Dort. Sie haben Geschäfte die ganze Nacht. Jenny. Du hast geweint? Emilie. Ja. Jenny. Was ist vorgegangen? Emilie. Ich weiß es nicht. Jen» y. War mein Bruder unartig gegen Dich? Emilie. Ach nein! aber er ist nicht wre sonst. 107 Jenny. Was fehlt ihm? Emilie. Allbrand sagt, es sey im Dienst etwas vorgefallen— Jenny. Nun so gib dich zufrieden, es wird vorüber gehn— Emilie. O ja,— doch hoffe ich— aber ich kann dir nicht beschreiben, wie angstllch mir zu Muthe ist, ich muß weinen, wider meinen Willen. Jenny(halb für sich.) Das ist nun eine von den besten Ehen, dennoch Kummer und Thräne», Emilie. Meinst du, ich möchte Deine Freyheit gegen diesenKummer eintauschen?— Nein! auch sind es kindische Thränen— bald wird die Hand der Liebe sie abtrockne». Zwölfte Scene. Smith. Die Vorigen. Smith. Soll ich heute ganz allein essen? Jenny. Fürdießmahl, ja! Emrlie. Essen Sie, lieber Smith, ich habe keinen Hunger. Jenny. Ich auch nicht. ro6 Smith. Und der Herr Syndicus? Jenny. Hat Geschäfte. Smith. Siesehen beyde so verstört auS—- ist hier etwas vorgefallen? Emilie. Nichts. Jenny. Gar nichts. Smith. Ich will nicht unbescheiden seyn. (Er geht ab.) Jenny. Soll ich dir Gesellschaft leisten? Emili e. Ich wünschte lieber allein zu seyn. Jenny. Wie du willst; ich tauge heute auch nicht zur Gesellschaft— zwar hatte ich, dir wohl recht viel zu sagen— aber es ist nicht der Augenblick. Gute Nacht Schwesterchen. Emilie. Gute Nacht. Jenny. Mein Clavier wird dich doch nicht stören? Emilie. O, nein. Jenny. Mozart soll mir die Grillen vertreiben.(Sie geht ab.) Emilie(allein.) Dir die Musik, und mir die Wohlthätigkeit— dort werde ich vergessen, was mich vielleicht grundlos ängstigt— aber ganz allein, ohne Moorlands Wissen? ich will ihn rufen— ich will es ihm sagen,— aber dann ist die Freude an seinem Geburtstage da- hm.— Auch ist er heute so unfreundlich— St! was ist das? hörte ich nicht meinen Nahmen nennen? Wie kömmt mein Nahme unter ihre Geschäfte. Soll ich— Pfuy! horchen— das sey ferne von mir. Aber nun darf ich gar nicht anklopfen; man könnte glauben/ ich hätte gehorcht. Wozu auch?— er wird mich nicht vermissen—> und wenn auch— er kennt mich.— Doch lange will ich mich heute nicht aufhalten; nur wenige Minuten, mir zum Trost. Ach, Gott gebe, daß ich ihn morgen heiterer sehe.(Sie geht av.) (Der Vorhang fällt.) r i0 Vierter Act. (Straße. Nacht.) Erste Scene. Pilz. Ein Corporal mit Wache. P'lz. Ä?acht kein Geräusch. Klau, verbirg dich hier mit deinen Leuten, und sobald du Lärm horst, spring hervor.(Der Korporal verbirgt'sich mit der Wache, Pilz öffnet die Blendlaterne und zieht die Uhr heraus.) Dreyviertel auf Zwölf. Lange wird es nicht mehr dauren. Aber ich verstehe nicht ein Wort von der ganzen Geschichte. Die Frau sündigt, und dafür soll der Mann büßen. Nun, was geht es mich an, Ordre muß parirt werden. St, ich höre kommen— geschwind auf meinen Posten.(Er verbirgt sich nahe bey einer Hausthüre.) Zweyte Scene. Der Kammerjunker(in einen Mantel gehüllt.) Hier war es ungefähr— nahe der Hofapotheke— Uf! wie ich unter dem dicken Manttl schwike! oder macht das Abenteuer mich warm? Es gefallt mir nicht. Es kommt mir vor, als habe Allbrand meinen Oheim übertölpelt, und mich obendrein. Einen lockern Schelmenstreich mache ich wohl mir, aber die Schurkenstreiche sind mir zuwider— doch das mag er selbst verantworten.(Er tritt in eine Ecke.) Hier steh ich verborgen— aber wenn.es noch zehn Mmuten dauert, so geh'ich meiner Wege. Dritte Scene. Moorland. Allbrand. Die Vorigen. Allbrand. Hier sind wir auf dem Platze. Moorland. Und das Haus? Allbrand. Sehn Sie da oben, wo das Licht brennt. 112 Moorland. Fühlen Sie, wie mein Her; klopft. Allbrand. Ein schrecklicher Augenblick, für einen liebenden Mann. Allbrand. Es ist die fürchterlichste Stunde meines Lebens.(Man dort die Uhr schlagen.) Allbrand. Die Glocke jchlagt zwölf.— Moorland. Es klingt wie eine Todtenglocke. Allbrand. Versprechen Sie mir noch ein Mahl Fassung. Moorland. Sie sehn wohl, daß ich jetzt nichts versprechen kann. Allbrand. Vergessen Sie nicht, daß der Fürst nahe ist. Moor la n d. Sie gießen Ohl in die Flamme. Allbrand. Wie leicht konnte er in der Bestürzung, ein tyrannisches Mittel ergreifen. Moorland. Er lasse mich durch seine Trabanten morden— eine Wohlthat! Allbrand. Reden Sie nicht so laut. Moorland. Warum nicht? meinen Sie Emilie werde uns hören?— o sie wird nicht kommen! A llhrand. Das gebe Gott! Moorland. Dann will ich morgen zu ih- rrS reu Füßen stürzen— ihr alles bekennen— Diesen Abend noch— Ich wecke sie auf— Küsse und Thränen sollen die Wange röchen, welche nie über ein Verbrechen errathen durfte. Allbrand. St, ich höre gehen. Moor l a n d(am ganzen Körper behend.) Ist es ein weiblicher Fußtritt? A llbran d. So baucht es mir.— Aber ums Himmelswillen, Ihre Zähne schlagen an einander. Moorland. Ich friere.(Er bleibt zitternd stehn.) Vierte Scene. Emilie. Hauptwann Ellfeld. Die Vorigen. Emilie(trippelt leise über den Platz: als sie per dem Hause steht, hustet sie.) Hauptmann Ellfeld(tritt a«s der Thür.) Ich erwartete Sie schon. Emilie. Wie ist es oben? HauptM. Ellf. Recht gut.(Beyde geh'n in das Haus.) Allbra nd. Hörten Sie? Moorlan d. Allmächtiger Gott! Sie war es« Allbrand. Sind Sie nun überzeugt? Moorland. Noch nicht, aber bald! Allbra» d. Wo wollen Sie hin? Moorland. Ist das eine Frage?(Er stürzt auf das Haus zu.) Allbrand. Geh nur! Pilz(tritt hervor.) Halt! im Nahmen des Fürsten sind Sie mein Gefangener. Moorland(verstummn) Was? Pilz. Wache!(Die Wache umringt Moorland: Altbrand zieht sich still zurück.) M oorland. Wißt Ihr, wer ich bin? Pilz. Eben der, den ich suche. Moorla n d. Ha! das ist zu viel! Pilz. Folgen Sie mir! M o o r l a n d. Wohin? Pilz. Wohin ich Sie zu bringen Befehl habe. Moorland. Ich will in dieses Haus« Pilz. Zwingen Sie mich nicht Gewalt zu brauchen. Moorland. Barmherziger Gott, vernichte mich!(Gegen das erleuchtete Fenster.) Fluch dir, Emilie! Höre mich! höre mich in de» Armen 115 deines Buhlers! Fluch du! Fluch deinem Verführer.(Die Wache schleppt ihn fort, und die letzten Worte verhallen in der Ferne.) All brand(tritt wieder hervor.) Wie er tobt! wenn doch Pilz so gescheit wäre, ihmdenMund zu verstopfen. Er ist im Stande die ganze Straße zu wecken. Kam merz.(tritt hervor.) Allbrand, lind Sie es? Allbrand. Ach, Herr Kammerjunker! Ich danke für Ihre Pnnctlichkeit. K a m m e r j. Fast gereuet sie mich. Allbrand. Warum? Kamm erst Wer war das Frauenzimmer, das hier herein schlüpfte? All brand. Vermuthlich eine Mitver- fchworne. Kammerj. Warum nahmen Sie nicht den ganzen Clubb gefangen? Al lb r a n d. Die Übrigen sind noch nicht reif. Kammerj. Warum fluchte Moorland seinem Weibe? Allbrand. Weil er von Sinnen war. Kammerj. Ich wollte, ich läge in meinem Bette.— Was habe ich nun zu thun? Allbr an d. Wir folgen der Wache von ferne. i,6 So bald der Gefangene abgeliefert worden, soll Pilz Sie nach Moorlands Hause begleiten. Kammerj. Und denn? Allbrand. Sie wissen ja, die Papiere. Kammerf. Warum hohlen Sie sie nicht selbst? Allbrand. Weil ich nicht überall zugleich seyn kann. Meine Gegenwart ist anderswo nothwendiger. Kommen Sie nur, das Übrige sage ich Ihnen unterwegens.(Beyde ab.) Fünfte Scene- (Ein Zimmer in der Burg. Nacht.) Eva. Kroll. Eva(spinnt bey einer Lampe und nickt dazwischen vom Schlafe überwältigt. Der Vurgvoigt Kroll sitzt am Tische mit der Brille auf der Nase, und liest in einem Folianten.) Kroll. Siebentes Kapitel. Wie Sultan Bajazet vom Tamerlan in einen eisernen Kaftgt gesperrt worden. Es geschahe im Jahre 1402, daß eine blutige Schlacht—— Eoa, du schläfst- r-7 Eva. Lies nur, ich höre alles. Kroll. Nun, was habe ich denn gelesen? Eva. Von den Blinde» und Lahmen.. Kroll. Recht Eva, Bajazet war blind auf einem Auge, und Tamerlan hinkte. Aber du nickst schon wieder. Eva. Die Augen fallen mir zu. Kroll. Ich weiß auch gar nicht, wo der Gefangene bleibt? Es ist schon Mitternacht. Eva. Wer er nur seyn mag. Kroll. Der Herr Gevatter Pilz wollte nicht heraus damit. Eva. Je, wir müssensjadoch ein Mahl erfahren. Kroll. Freylich von Amtswegen.(Man höre klopfen, er legt Buch und Brille weg.) Hörst du, jetzt kommen sie.(Er geht hinaus mit dem Lichte.) Eva. Da laßt er mich im Finstern ganz allein. Ich wohne nun schon drey Jahre auf der Burg, aber ohne Acht bleibe ich ungern drey Minuten. Nun ist mir aller Schlafvergangen. Horch, wie jeder Fußtritt in den gewölbten Gangen wiederholn— Die Pforte knarrt— die Angeln kreischen— eine garstige Musik für den armen Menschen, den sie zu uns herauf schleppen— Muß doch wohl ein Vornehmer seyn, weil Gevatter Pilz das Zimmer mit den ledernen Tapeten für ihn bestellte. Sechste Scene. Moorland. Pilz. Kroll. Eva. Kroll. Gott behüthe! gestrenger Herr Syndicus, sind Sie es? Eva. Je, du mein Himmel, gestrenger Herr Syndicus— Pilz. Nun, nun, Frau Gevatterinn, nur nicht so viele Worte. Moorland(steht in sich gekehrt mit verschränk- ten Armen, ohne zu bemerkenwas um ihn herum vor- geht.) Kroll. Hm! hm! Hatte wirklich eher des Himmels Einfall vermuthet. Eva. Ist mir doch der Schreck wie Bley in die Füße gesunken. Pilz- Ja, in der Welt gehts bunt. Eva. Das ist nicht bunt, Herr Gevatter, das ist schwarz. Einen solchen Mann, wieder Herr Syndicus, den die Armen segnen— Kroll. Der jedem sein Recht wiederfahren läßt— Eva. Der den Kindern auf der Straße aus dem Wege geht— Pilz. Aber Se. Durchlaucht haben befohlen— Kroll(richtdie Mütze ab.) Nun freylich/ Se. Durchlaucht— Eva. Wer weiß, was man dem guten Herrn vorgelogen hat. P i lH. Frau Gevatterinn, bewahre Sie ihre Zunge. Eva. Ich meine nur so, der Fürst ist doch auch ein Mensch. Pilz. Aber ein Mensch von Gottes Gnaden! Kroll. Freylich wohl! Pilz. Und also Gevatter Kroll, von Amtswegen! Hier ist euer Gefangener, Ihr haftet für ihn! Kroll. Schloß und Riegel sollen wohl für ihn haften. Pilz. ES darf niemand zu ihm. Habt ihr mich verstanden? Kroll. Vollkommen. Pilz. Gute Nacht! Kroll. Gute Istacht.(Er begleitet ihn hinaus, Nachdem er vorher noch ein Licht angezündet.) Eva. Ich möchte doch wohl wissen/, wo die gute Nacht herkommen sollte/ wenn man einen ehrlichen Mann ins Gefängniß geschleppt hat! Ich habe nichts damit zu schaffen; aber was gilts, ich werde die ganze Nacht kein Auge zuthun. Wie er da steht/ der arme Mann!— Frischen Muth/ gestrenger Herr Syndieus— böses Wetter trifft den frommen Kirchengänger/ wse den Buben, der zum Saufgelag stolpert. Aber wo Herz und Gewissen warm sind/ da trocknen die Kleider geschwinde. Er sieht und hört nicht.— Bin freylich nur eine arme Bürgersfrau/ schlecht und recht, kann mir'S nicht herausnehmen, einen gelehrten Herrn zu trösten. Kroll(kommt zurück.) Eva. Sieh doch nur, Benjamin, unser Gasthat weder Leben noch Odem, starrt vor sich hin in den Winkel, als ob er waS unheimliches dort gewahr würde. Gewiß und wahrhaftig, es kommt eitlem ein Grauen an, wenn mau ihm lang zusieht. Kroll. Nun mein Herr Syndieus, müssen sichS nicht so sehrzuHerzen nehmen, es hat schon map- iLt mancher vornehme Mann bey mir geherberget, und ist mit Ehren einlassen worden. Eva. Wir drücken Niemanden. Wer zu uns kömmt/ hat schon schwer genug zu tragen. Wir helfen wo wir können. Kroll. Die Burg ist noch lange kein eiserner Kafigt. Eva. Ach Benjamin/ das ist alles in den Wind geredet. Man muß ihm eine Ader schlagen. Kroll(faßt Moorland ehrerbiethig beym Arm.) Gestrenger Herr Syndikus. Moorland(auffahrend.) Wer seyd Ihr? was wollt Ihr?— wo bin ich? Kroll. Je, du lieber Himmel! kennen Sie mich denn nicht? Moorland(betrachtet ihn gedankenlos vom Kopf bis zu den Füßen.) Ich kenne Niemand>— Ich kenne Niemand! Eva. Haben Sie denn vergessen?— Moorland. Vergessen?—(Sich mit der Faust »or,die Stirn schlagend.) Nein, ich habe nicht vergessen! Kroll. Befehlen Sie nicht zur Starkung em Glas Wein? so gut wir ihn haben. Kotzebue's Theater. 7. Bd- F """ Moorland. Trinkt! Trinkt ehrlicher M-ann, j„ ivohl den Trunkenen! h Eva. Laß ihn zufrieden/ Benjamin/ du siehst/ er ist unwirrsch. Kroll. Wollen Sie sich zur Ruhe legen! meine Eva hat ein gutes Bett bereitet. Moorland. Ruhe? ha! ha! ha! Eva. Sind es freylich zu Hause besser ge- i wohnt. Moorland. Zu Hause? Eva. Du lieber Gott, wie wird die Frau^ Liebste sich härmen! Moorland(geht wüthend«uf sie zu.) Weib, l, warum höhnst du mich? Eva. O weh! er ist von Sinnen! Moorland. Wollte Gott!(Es wird m,«», geklopft.) Kroll. Man klopft schon wieder. Wer muß das seyn?(Er will gehn.) Eva. Nimm mich mit, Benjamin. Hin bleibe ich nicht allein.(Beyde ab.) Moorland(sieht einige Augenblicke unbeweglich dann ringt er die Hände und läsit sie in den Schootz sie-' le». Sei» Blick fällt auf den Ning von Emiliens Haar. Er zieht ihn hastig von» Singer, schleudert ihn von sich 125 und spricht, indem er seine Brust packt) Lch konnte ich dich aus meinem Herzen reißen! Siebente Scene. Allbrand. Kroll und sein Weib. Moor land. Kroll(im Hereintreten.) Wenn Se. Excellenz»s so befohlen haben— All brand. Auf meine Verantwortung. Er laßt uns allein. Kroll UNd Eva(qehn hinaus.) All brand(nähert sich Moorland, der ihn nicht »-merkt; nach einer Pause.) Ist das der Lohn für Lieb' und Bürgerrreue? , Moorland. Wer spricht da? Allbrand! auch Sie im Kerker? All brand. Eine Lüge kam der Freundschaft zu Hülfe. Des Münsters Nahme offnere mir die Pforte.' Moorland. Also nicht Gefangener? Doch freylich warum Sie? Es war ja nicht Ihr Weib. Allbrand. Armer gemißhandelter Freund! Moorland. Was wollen Sie brer? F L > Allbrand. Trost. Moorland. Ist etwa mein Haus abgebrannt? Einen Bettler kann man trösten, nicht «inen liebenden betrogenen Gatten! Allbrand. Rath! Moorland. Rath einem Hülflosen im Strudel? wollen Sie mir vielleicht einen Strohhalm nachweisen? All brand. Hülfe. Moorland. Kann man Weibertreue stützen, wie ein morsche» Gebäude? Kann man Liebe und Zutrauen wieder anzünden, wie ein verloschenes Licht? Allbrand. Nein, aber der Mann, der eine Schlange im Busen erwärmte, kann sie von sich schleudern, und milchig seine Straße wandeln. Moorland. Auch, wenn sie ihren Zahn m sein Herz schlug? auch wenn ihr Biß seine Lebenskraft vergiftete? All brand. Kannte Moorland nur das Glück der Liebe und Häuslichkeit? Hat die Natur ihn nicht zum Wohl seiner Mitbürger, mit großen Gaben ausgerüstet? findet der Edle nicht oft die Ruhe wieder, indem er andern schafft, was er selbst verlor?— Zerstreuung— Thätigkeit—- n2d" Moorland. In Fesseln! ha! ha! ha! All brand. Scheint hier allein die Sonne? Soll nur dieser undankbare Boden, die Früchte Ihres redlichen Fleißes tragen?— Wird nicht ihr Vaterland stolz seyn, einen Mann wieder zu erobern, der aus seinem Schooße hervorging? Moorland. Mein Vaterland! warum mußte ich es verlassen! Allbrand. Fliehen Sie Freund! und trinken Sie aus den Quellen Ihrer Alpen Vergessenheit dieses schändlichen Undanks. Vergessen Sie ein Weib, Ihrer Liebe unwerth; nur den Freund nicht, der sich selbst vergißt, indem er Sie um Trennung bittet. Moorland. Ich fliehen?— Die Unschuld sich verkriechen? Allbra n d. Wer war es, der einst den unschuldigen Socrates tadelte, weil er sich weigerte seine Fesseln abzuschütteln? Moorla n d. Ehrlicher Allbrand! Sie träumen wachend. Welche Mittel zur Flucht— Allbrand. Das sey meine Sorge. Moorland. Wissen Sie auch was Sie wagen? Allbrand. Ich weiß es, und für Wen! Moorland. Mann, Sie knüpfen zwischen mir und der Menschheit wieder einen Faden an.: Aber ich kann nicht fliehen, und meine Ehre zwischen den Zahnen der Verleumdung zurücklassen. „Moorland ist fort, würde es heißen, warum „ward er gefangen? und warum ist er fort? „ warum mußte er sich der Gerechtigkeit entzie- „hen?—" Meinen Sie, man werde antworten: sein ganzes Verbrechen war der Besitz eines schönen Weibes? Allbrand. Leider nein! denn man hat bereits die Farbe zum übertünchen gemischt. Moorland. Hat man wirklich? Nun? Allbra n d. Sie sollen ein Jacobiner seyn. Moorland. Da haben wir's!— und die Beweise? Allbrand. Konnte, wie man sagt, selbst Ihre Frau nicht liefern. Moorland. Konnte nicht?— aber wollte doch? Allbrand(zuckt die Achseln.) Moorland. Heraus Allbrand! keine Schonung! einDolchstoß mehr oder weniger, darauf kömmt» nicht an. Allbrand. Nach der ersten Bestürzung über Ihre Gefangennehmung— Moorland. Wo blieben Sie? 12^ All brand. Ich stand nahe. Anfangs folgt' ich Ihnen die Straße hinab; dann dacht' ich wieder/ es sey besser an der Quelle zu kundschaften. Ich war nochganz betäubt. Das eigentliche w arum begriff ich wohl/ aber den Firniß/ den man darüber pinseln werde— Moorland. Geschwind/ um Gotteswillen! Allbrand. Ich kehrte zurück— da fand ich an der Ecke der Straße des Fürsten Kammerdiener/ in einen weiten Mantel gehüllt, er lauerte auf die Rückkunft seines gnädigen Herrn. Moorland(wüthend-) Die Ehre meiner Weibes/ einem Kammerdiener preiß zu geben! All brand. Wir kennen uns von alten Zeiten— Moorland. Und da vertraute er Ihnen? Allbrand. Es war eingefädelt von langer Hand— Moorland. Und von hoher Hand! ha! ha! Allbrand. Es gelang mir-/ den Mensche» treuherzig zu machen. Ihre Frau hat lange widerstanden. Moorland(bitter.) Wahrhaftig? Allbrand. Sie hat geweint, gekniet— Moorland. Ey, wie rührend!— ,28 Allbrand. Der Fürst ist jung, schön, überredend— Moorland. Sehr natürlich!— Allbrand Dem guten Weibe stack auch wohl der Adel noch im Kopfe— Der Fürst versprach ein Diplom für Sie— Moorland. Viel Ehre! Allbrand. Beförderung am Hofe— Moorland. Freylich!— das konnte nicht fehlen. Allbrand. Sie haben durch Ihre Hitze einen Querstrich gemacht. Moorland. Über den Tölpel von Hitzkopf! Allbrand. Sie haben dem Fürsten in die Hände gearbeitet; denn ihm war es nie Ernst, Sie in der Nahe zu dulden. Schon lange suchte er Gelegenheit, ließ Ihnen auflauern.— Moorland. Und ertappte mich im fürstlichen Gehäge. Allbrand. Noch sind Sie ihm furchtbar. Der Kammerdiener zweifelte, daß man Sie in diesem leidlichen Gefängnisse lassen werde. Eine Festung an der Gränze— Moorland Ha! ha? ha! Alsbrand. Q Freund! mir blutet das Herz! kommt es dahin, so sind Sie verloren! dort, wo Sie niemand kennt; wo ein Fürstenwort Sie zum Verbrecher strampelt; wo keine Freun- desstunmc, nicht ein Mahl ei» Brief in Ihren Kerker dringt.— Moorland. Gott ist überall! Allbrand. Kein Wunder wird den Triumph' der Bosheit hemmen— Fliehen Sie, weil es noch Zeit ist. Hier können mein Einfluß!, Meine Verbindungen Ihnen nützen, dort vermag ich nichts. Moorland. Ich appellire an das Gesetz, man muß mich hören! Allbrand. Gesetz? Wären Sie der erste lebendig Begrabene? Wozu Sie hören? Weiß man etwa nicht, daß Sie unschuldig sind? Will man es denn laut werden lassen? Liegt der Ehre des Fürsten nicht daran, Ihnen ein ewiges Stillschweigen aufzulegen? Sie sind ein Fremdling; Sie haben keine Verwandte, keine Verbindungen i» der Stadt, wer wird fragen, wo Siegeblieben sind? Moorland. Aber Emilie!— Ich begreife wohl, daß Sinnlichkeit und Ehrgeitz ein Weib zur Buhlerinn erniedrigen können; doch auch Buhlerinnen haben Herzen. Die Schaam kann sich verhüllen und fliehen, doch das Gedächtniß ergreift die Schwelgende aus dem Rosen'.ager, und verzerrt das Lächeln der Wollust in krampfhaftes Zucken. Die Rückerinnerung wird sie ergreifen, wck rch aus Liebe, um Liebe ihr alles- geopfert, wie ich zwey Jahre lang, sie auf mei-. neu Händen und in meinem Herzen getragen! wie ich keine Freude kannte, ohne Sie! und keinen Kummer, wo sie war— o!— o!— Allbrand. Sie zerreißen mein Herz. Moorland. Und dieses Weib konnte mein Verderben wünschen? Allbrand. Das kann sie nicht; aber sie wird es wünschen müssen. Der Schrecken sich entlarvt zu sehn, die Furcht vor Ihrer Rache, wird ihr den Wunsch auspressen. Moorland. Sie war so gut>— Wennsie den kalten Schweiß auf meiner Stirne sähe— Allbrand. Sie würde ihre Schaamrothe im Busen des Wollüstlings verbergen. Moorland. Ha!— Alibrand! um Gotteswillen schüttle mich, das, ich erwache! Allbrand. WollteEott! es wäre nur ein Traum! Sahen Sie denn nicht, wie Seine Durchlaucht ihr in der Hausthür die Hand reichte?^ Moorland. War er es selbst? Allbrand. Erkannten Sie chn denn nicht! i3i Moorland. Eine Mannsgestalt— All brand. Er war es. Moorland. Teufel! Allbrand. Hörten Sie denn nicht? Moorland. Ich hörte nichts. Allbra n d. Mit welchen Schmeichelworten er sie empfing. Hörten Sie denn nicht das Gelächter hinter der Hausthüre, als der Policey- beamre Sie arretirte? Moorland(wüthend.) Gelächter?(sich fassend) doch nur des Fürsten, nur Er konnte lachen. Nein Allbrand! nein, bey Gott! Emilie hat nicht gelacht! Allbr and. Möglrch, daß ich mich geirrt habe. Moorland. Sehn Sie Allbrand— ein geliebtes Weib kann zur Verbrecherinn Herabsinken, sie kann meinen Nahmen schänden und mein Herz zerreißen— ich werde auch von ihr trennen— und weinen— aber(mit ste-genrer W«th) wenn es ihr möglich war, in dem Augen- blick zu lachen, als Unschuld und Tugend sich unter den Füßen eines Fürsten krümmten; als ihr betrogener Gatte gemißhandelt wurde.(Er zieht seine Hand blutig aus dem Vasen.) Sieh^da, ich Thor! habe in mein eigenes Fleisch gewüthet— 102 Allbrand. Gräßliche, aber gerechte Wuth! s Moorland. Wenn sie diese blutigen Nagel sähe— Allbrand. Auf, Moorland! ein Scheide- brief für die Syrene. Moorland. Recht! Scheidung— nur der' Tod sollte mich von ihr trennen; nun ja, sie ist todt! ich ringe die Hände über ihrer Leiche!— Gott wird mir helfen diese Täuschung festhalten!— ich bin ja so leicht zu tauschen— Emi- lie todt!— wie mich das tröstet, ich kann wieder weinen!—(Er bricht in Thränen KNs.) Allbrand. Ich brauche nur einen Tag, um Ihre Flucht vorzubereiten— Moorland. Allbrand! lassen Sie mir ein Trauerkleid machen. All brand. Fliehen Sie in dieArmeJhres alten Vaters. Moorland. Ein Trauerkleid, Allbrand! All brand. Nehmen Sie Ihre Schwester mit sich. Moorland. Ein Trauerkleid! um memr verstorbene Emilie! Allbrand. Freund, das ist unmännlich; wollen Sie sich zum Schatte» härmen, indeß die Buhlerüp'M N:u der Wollust Ihrer spottet? Moorland. Spott? nein AUbrand! eine gefallene Emiüe spottet nickr. All brand. Wer so fallen konnte— doch gleichviel. In 24 Stunden sind Sie auf der Landstraße nach Basel. Nur daß vorher dieHauch- lerinn erfahre, sie sey entlarvt! daß sie ihres schändlichen Triumphs nicht so sicher genieße ein Briefchen, Moorland, voll Kalte, Verachtung— em Scheidebricf— Moorland. Meinen Sie, die fürstlichen Trabanten würden euren Brief von mir an Emi- lien— Allbrand. Ich selbst übergebe ihn; in Gegenwart des Fürsten will ich vor sie treten, mit einem Blick will ich sie fassen— Moorland. Allbrand, Sie selbst wollten— Allbrand- Mein Ehrenwort darauf. Moorland. Wohlan! Allbra» d. He da!(Kroll tritt herein mit E»«.) Feder und Dinte. Kroll. Ich werß mcht— es wird nicht je» dermann verstattet— Allbrand. Auf mein Wort. 'iZ4 Krol I. Das Nebenzimmer ist dem Herrn Syndieus bestimmt/ dort wird er alle Bequemlichkeit finden. Moorland. Ich bin sogleich wieder bey Ihnen,(Kroll leuchtet ihm IN das Nebenzimmer und kommt dünn wieder zurück.) Allbrand(für sich.) Endlich! das hat Mühe gekostet! Eva(hervortretend.) Der arme Herr! gewiß ist er unschuldig. 'Allbrand. Vielleicht. Eva. Was sollte er doch wohl verbrochen haben? wenn es erlaubt ist/ zu fragen. Allbrand. Verbrochen? wer kann das wissen— ein Sraatsgeheimniß. Man spricht zwey- deutig— Eva. Der Himmel wird seine Unschuld an den Tag bringen. All brand. Ja, Mutter! wenn er sich nur mit dem Himmel besser stünde. Eva. Wie so? Allbrand. Man behauptet— ich will es nicht nachgesagt haben— aber freylich— in der Kirche sahe ich ihn nie. Eva. Er wird doch nicht— Allbrand. Die Verführung ist groß. Gott- lose Bücher, und übermüthige Vernunft haben schon manchen braven Mann zum Freygeist gemacht— Eva. Ein Freygeist! bewahre der Himmel! A11brand. Daß er keinen Teufel glaubt, weiß ich aus seinem eigenen Munde. Kroll. Keinen Teufel! Evq, wiewird dir? Allbra n d. Der Fürst ist ein frommer Herr, ich vermurhe-— Kroll. Ey/da hat der Durchlauchtigste Fürst ganz recht gethan. All brand. Ihr seht Kinder, daß euer Mitleid übel angebracht tst. Eva. Mitleid? Mit einem Menschen, der keinen Teufel glaubt!, Kroll. Schlimm genug, daß wir unter einem Dache mit ihm Hausen müssen. Allbrand. Ich räche euch, ihn kurz zu halten. Kroll. Tragen Sie keine Sorge. Allbrand. Außer mir darf niemand mit ihm sprechen. Kroll. Niemand, als der Satan, Gott verzeih mir die Sünde! Allbrand. Am wenigsten seine Frau, Hort ihr?— ihr selbst thut besser, euch gar nicht mit i36 ihm einzulassen. Seine glatt- ,-,ung- /,nnte euch bethören. Eva. Meinen Glauben wird er nicht erschüttern. Aber dieKinder, Benjamin, dieKlii- dcr müssen nicht zu ihm kommen! Kroll. Ich merke ein Schloss vor die Thür hangen. Eva. Nein, nun bedaure ich ihn gar nicht wehr. Ich dachte, er hatte sich etwa an Sr. Durchlaucht vergangen, eine Cache bestohlen, oder so etwas dergleichen, das kann auch dem Frommsten wiederfahren. Aber keinen Teufel zu glauben! Achte Scene. Moorland. Die Vorigen. Moorland(kommt zurück mit einem Billet in »er Hand. Er reicht'» Alldrand.) Hier! Allbrand(winkt Kroll und Eva sich zu entfernen, entfaltet und liest für sich.) Zu wild— zu leidenschaftlich— kalter Hohn, wäre besser gewesen, diese Wuth wird sie kitzeln; doch(indem er >3.7 das Billet in die Tasche stecke» will.) ÄöaS der Schrei- her vergaß, soll der Boche hinzu fügen. M Vorland(ergreift hastig seinen Arm.) Freund: wenn wir uns irrten— wenn sie unschuldig wäre— dieser Zettel würde ihr das Leben kosten! Allbrand(erstaunt.) Unschuldig? Moorland. Freylich— ich bin ein Thor! — haben wir doch selbst gesehn— i ch habe nichts gesehn, aber Sie— All brand(nachdrücklich.) Ich sah und hörte den Fürsten. Moorland. Ganz recht— und Sie sind nur allzugennfi, daß Ihre Sinne Sie nicht betrogen haben— man hat Beyspiele— Allbrand. Ich war ein kalter Zuschauer. Moorland. Freylich, nurdie Nacht hatte Sie tauschen können— die Dunkelheit Allbra n d. Der Mond schien hell. Moorland. Auch wahr— und die ganze Begebenheit für einen bloßen Zufall zu erklären— Allbrand. Dünkt mich lächerlich. Moorland. So ist es— stecken Sie das Billet ein— halt!(Mit sichtbar steigender Angst.) Nicht wahr Allbrand! es ist unmöglich, daß Emilie unschuldig sey? Allbrand. So scheint es mir allerdings.- . Moorland. Der Fürst konnte von ungefähr— doch nein! das laßt sich nicht denken.— l Und was wollte Emilie? zu wem wollte sie? Nein! nein! sie ist strafbar!— Das Band ist zerrissen! Gehn Sie— schildern Sie ihr meine! Leiden— bringen Sie ihr meinen Fluch!— i Halt/ um Gotteswillen! ich bin Vater! Emilic l ist Mutter!— geben Sie mir das Billet zurück. Allbrand. Freund/ Sie setzen mich in Erstaunen. Ich muß für Sie denken und handeln. Ich muß.Ihre Ehre retten. Seit vier Jahren fesselt ein schimpfliches Band Emilien an den Fürsten/ glauben Si«/ daß Emilie den Vater ihres> Kindes habe verlassen können? Moorland. Allbrand! Sie reden schrecklich. Allbrand. Mollen Sie einen Bastard erziehen? Moorland. Sie saugen mir den letzten Blutstropfen vorn Herzen. All brand. Wollen Sie sich zum Spott des ganzen Landes herabwürdigen? Moorland. Hü/ Rache! Allbrand. Verachtung! verachten darf der Edle/ rächen nur das Gewissen, Moorland. Suchen See auch ein Gewissen/ wo Tugend und Liebe so lange gehauchelt wurden? Allbrand. Es liege immerhin in einer dicken Rinde/ der Wurm des Todes frißr sie endlich durch. Moorland. Nun dann, Tod! wenn du sie einst hinwirfst auf das buhlerische Lager; wenn kein Atlaspolster weich genug ist, ihr Ruhe zu geben, und die Fenster dicht verschleyert werden müssen, damit kein Lichtstrahl ihr mattes Auge trifft; köstlicher Wein aus fürstlichen Kellern ihre dürren Lippen vergebens reiht; keine kühlende Prisane ihr schwarzes Blut verdünnt; wenn gemiethete Krankenwärter um Mitternacht entschlummert sind, und ihr hülfloses Ächzen kaum ihren Schooßhund weckt; dann erscheine ihr meine Gestalt, von der düstern Nachrlampe beleuchtet, grinze sie hohläugigt an, winke, drohe und verschwinde— fort, fort mit dem Billet! Allbrand. Fassen Sie sich. Freund!— Ich gehe. Der Fürst soll Wahrheit von mir ho- reu. Wahrheit ist eine Fürstengeißel.(Ab. Wirr geh«, tritt Kroll herein, nimmt ein Licht und folgt ihm.) Moorland(nach einer langen Pause.) Er ist fort— war bin ich noch?— alle Bande sind zerrissen! nur das schlechteste, das Band des Lebens, löst sich langsam, martervoll. Hinab! hinab, in die Grube! ich habe nichts mehr von den Menschen zu bitten, als eine Handvoll Erde auf meine Gebeine. Kroll(der Allbrand hinunter leuchtete und nun mit Eva zurück kömmt.) Mit Gunst, will der Herr aufsei» Zimmer gehn? Dieß hier ist das Mennige. Eva. Wir haben um des Herrn willen die ganze Nacht durchwacht. Moorland. Verzeiht mir, guten Leute! Kroll. Ja, ja, verzeih Ihm Gott! Eva. Und helfe einem jeden von bösen Irrwegen, auf die rechte Straße.(Mit einem frommen Seufzer.) M oorland(halb zu sich.) Vom Irrwege ist noch Rettung; aber in den Abgrund darf man dem Zerschmetterten nur nachsehen, und weinen! Ihr versteht mich nicht. Gute Nacht.(Er geht in sein Zimmer.) Kroll. O ja, Herr, wir versteh» ihn nur gar zu wohl.(Er verschließt und verriegelt die Thür.) Eva. Hast du gehört? er sprach vom Abgrunde. »4l Kroll. Der Holle vermuthlich. Eva. Ach, du lieber Himmel! Kroll. Komm zu Bette. Eva. Wer keinen Teufel glaubt, der glaubt auch nicht an die lieben Engelein. Wie kann der ruhig schlummernd(Beyde ab.) Neunte Scene. (Moorlands Wohnung. Saft ausgebrannt« Lichter.) Thomas. Jenny. Thomas(sitzt und schlummert, eine Uhr liegt neben ihm aus dem Tisch. Er fahrt im Schlaf in die Höhe, reibt sich die Augen, sieht«ach der Uhr, schüttelt den Kopf und steht auf.) Schon drey klhr! das wird mir zu bunt! so lange blieb er nie weg. Wenn ihm nur kein Unglück wiederfahren ist— daß er mich auch nicht mitnehmen wollte!— Du bleibst zu Hause, sagte er, und sah so verstohrt dabey aus— Es wird mir angst und bang—- wenn ich nur nicht so ganz allein wäre— wo zwey beysammen sind, da findet sich doch immer hier ein wenrg Rath, und dorr, ein wenig Trost — Unsere Frau darf nichts hören, die würde sich todt ängstigen. Aber ich denke, ich wecke Mamsell Jenny auf, vielleicht weiß sie mehr, als ich— Mag sie es übel nehmen oder nicht. Als sie die Pocken hatte, habe ich manche Nacht bey ihr gewacht, so kann sie wohl nun den alren Thomas beruhigen— Ja, ja, ich thue es. Mag sie doch schelten. Noth hat kein Geboth.(Er klopf! an eine Söitenthiir.) Mümscllchen! '— Mamsellchen!— das ist jung, das schläft fest,(Er klopft wieder.) Mamsell Jenny! Jenny(inwendig.) Wer klopft? Thomas. Der alte Thomas klopft. I e n n y. Was willst du? Thomas. Ich will wissen, wo unser Herr ist. Es hat schon drey geschlagen. Werden Sie nicht böse. Ich wußte mir in der Angst nicht anders zu helfen.(ES wird draus,en sehr stark an die HauSthüre geklopft.) Thomas(nach dem Licht rennend.) Potz Wetter, da kommt der Herr. Nun, Gott sey Dank! Hatte ich die Mamsell doch lieber schlafen lassen, (Er geht«d.) Zehnte Scene. Jenny(tritt im Neglige a«s ihrem Schlafjimmcr.) Nun? was soll das heißen? Warum wurde ich geweckt? ist irgendwo Feuer?— Der alte Mensch jagt mich auK dem Schlafe und lauft da? von— Welch ein Getose auf der Treppe?>— was soll der spate Besuch? E i lft e Scene. Kammerjunker. Pilz. Thomas und Jenny. Kammerj.(zu Thomas.) Zurück/ Tölpel! du wirst schon erfahre»/ was wir wollen.(Jenny erblickend.) Hü/ha! meine schöne Dame! so ungern ich den Auftrag übernahm/ Ihre Ruhe zu stören/ so süß belohnt mich dieser reihende Anblick. Jenny. Herr Kammerjunker, ich begreife nicht>— Kammerj. Auf Befehl Sr. Durchlaucht ,44 komme rch, mich der Papiere Ihres Herrn Bruders zu bemächtigen. Ienn y. Sie scherzen vermuthlich? Kammerj.(auf Pilz deutend.) Der strenge Ernst meines Begleiters, verbiethet mir jede» Scherz. Jenny. Mein Gott, was ist dass Kammerj. Kleinigkeit! Verschwörung— Staatsverbrechen— kein Eelchaft für eine Dame — denn es ist kein'Amor im Spiele.— Doch ich vergesse, das; meme Gesellschaft Ihnen immer lästig war. Erlauben Sie, daß ich die Befehle Sr. Durchlaucht eilig vollziehe. Jenny. Ich verstehe Sie nicht, HcrrKam- merjunker, und es wird am besten seyn, daß rch meinen Bruder wecken lasse., Kam m er j. Dießmahl hat der Herr Bruder uns geweckt; ob er selbst eines ruhigen Schlummers genieße, muß ich fast bezweifeln, denn die Quartiere in der Burgveste sind nicht allzu bequem. Jenny. Was sagen Sie?.mein Bruder— Kammer,'. Ist seit einer halben Stunde Gefangener auf der Burg. Thomas(schlägt die Hände zusammen.) Wein Gott! Jenny. ,45 Jenny. Unmöglich, welches Verbrechen?— Kam in e r j. Er wollte auf den Staat anwenden, was nur in der Liebe gilt: Freyheit und Gleichheit— Jenny. Verlaumdung! Kamme rj. Um so weniger haben Sie in Ansehung seiner Papiers zu befürchten. Pilz, verwalte Er sein Ämt. Jenny. Mein Herr, ich werde nicht zugeben— Kamme r j. Es thut mir leid, daß ich zum ersten Mahle in meinem Leben, einer Dame ungehorsam seyn muß. Thomas(der vor Wink bersten möchte, halb heimlich zu Jenny.) Mamsell, soll ich den Kutscher und den Stallknecht herauf hohlen? Jenny. Sey ruhig Thomas. Herr Kam- merjlmker, ich verlange eine schriftliche Ordre zu sehen. Kammerj. Mademoiselle, ich stehe im Dienst des Fürsten. Dieser Polizeybeamks und die Wache unten im Vorhand, beweisen hinlänglich, daß ich nur höherm Befehl gehorche. Wie viel lieber wäre ich ohne dieses furchtbare Gefolge, nur auf galante Abcnieuer ausgegangen, wenn Ihre Strenge— Kshct'iic'd ll-rater, 7. Dd. G 146 Jenny. Sie werden unverschämt— Thomas(in den Bart brummend.) Ja, unverschämt. Kammerj. Sie sprechen vermuthlich mit Ihren, Bedienten. Thom a s. Der war nie unverschämt. Kammerj. Kerl! Thomas. Herr, ich bin ein Schwerer, ein freyer Mann. Kammerj. Ha! ha! spielst du hier auch- eine Rolle? Jenny. Schweig, Thomas! Geh und laß meine Schwägerinn aufwecken. Thom a s(»»will!,; abgehend.) Leute, die des Nachts in die Häuser einbrechen— ich weiß wohl, was bey mir zu Lande(erbrummt die letzte» Werte in den Bart) Kammerj. Ich habe schon zu lange verweilt. So viel ich mich erinnere, ist dieß hier das Studierzimmer des Herrn Syndikus. Pilz! folge Er mir. Jenny. Herr Kammerjunker! auf Ihre Verantwortung— Kamm er j. Darf ich bitten, mir die Schlüssel vom Schrcibpult— I e n n y. Die tragt mein Bruder bey sich- >47 Kammerj. So werden wir uns ohne Schlüssel behelfen müssen. Jenny. Herr, ich warne Sie zum letzten Mahle. Mit Tages Anbruch erfahrt der Fürst— Kammer,. Ich Unglücklicher! daß ich ger zwungen bin, die Warnungen einer so liebenswürdigen Dame in den Wind zu schlagen.(Er geht mit Pilz, der eine Laterne tragt, in Moorlands Studierzimmer.) Jenny(allein.) Ich zittre— ich weiß nicht. wie mir geschieht—- ach Gott! wie wird meine arme Schwägerinn erschrecken! wenn nur nicht traurige Folgen— Thomas(kömmt zurück mir unruhiger Eile.) Neuer Jammer! Jenny. Nun? Thomas. Unsere Frau ist auch fort! Jenny. Unmöglich! Thomas. Gar incht zu Bett gewesen— Maria schlich hinein, öffnete die Vorhänge, rief leise Madam—keine Antwort. Sie tappte mit der Hand auf das Bette, alles kalt. Endlich hehlte sie dieNachrlampe— nichts zu sehen und zu hören! Jenny. Mein Gott, was soll das heißen? Thomas. Sie wird bey dem Herrn seyn.- G 2 ,4b Ienn Y. Wie könnte sie erfahren haben— T h o m a s. Wer weiß!— Sie hat vielleicht^ eine schlimme Ahnung gehabt. Wenn man sich^^ liebt, soll dergleichen öfters geschehen. Jenny. So bin ich dann ganz allein im Hause! Thomas. Fürchten Sie nichts, Mamsell!^ der alte Thomas ist hier, und der liebe Gottist l" auch hier! Wenn ich nur den Kutscher und Haus-,' knecht wecken dürste, die sollten bald hier rein fegen—-!? Jenny. Geh hinauf, Thomas, geschwind!! wecke Herrn Smith auf.^ Thomas. Potz Wetter! Herr Smith,den* haben wir ganz vergessen.(Er lauft fort.)^ Jenny(allein.) Schicklich, oder unschicklich; Angst fragt nicht nach Wohlstand.^ ^ Zwölfte Scene. l r Kammerjunker. Pilz mit den Papieren. Jenny. Kammerj. Alles vollbracht. Ich bitte noch-^ mahls um Verzeihung und wünsche Ihnen eüiB^ süßen Morgenschlummer. ^9 Jenny. Noch einen Augenblick/ mein Herr. Der Schreiber meines Bruders wird sogleich hier seyn. Sie werden wenigstens die Eure habe»/ ihm zu sage»/ welche Papiere— Kammerj. Welche, Mademoiselle? Alle, Alle! Jenny. Er ist ei» Geschäftsmann/ und weiß besser, was er hier fordern oder verweigern darf.— Kammerj. Der Herr Schreiber hat hier nichts, weder zu fordern, noch zu verweigern. Versteht sich, diese Papiere betreffend. Was er sonst hier fordern möchte— ich bui zu bescheiden, nm darnach zu fragen. Ieun y. Mein Herr, Sie sollten wenigstens das Unglück ehren. Kammerj. Ich ehre die Rechte der Schönheit, und würde untröstlich seyn, wenn eine schlaflose Nacht diese Wange noch länger bleichen sollte.— Komm Pilz, wir stören hier.(Er Macht eine tiefe hämische Verbeugung, und sie gehn.) Jenny(Mein. Sie weint;»ach einer Pause.) Warum wein'ich? warum empfinde ich in diesem Augenblicke eine Beleidigung, die mir wiedersähe?— Ich fühle, das; es jetzt nicht Zeit ist zu weinen— Mein armer Bruder! meine arme Schwägerinn— o, daß ich ein Frauenziiw wer bin!— Doch/ das sottmich nicht abhalten. Ich will selbst zum Fürsten. Dreyzehnte Scene. Die Vorig.en. Smith. Smith. Thomas erzählt mir Wunderdinge. Jenny. Rath! Hülfe! lieber Smith. Smith. Moorland gefangen? die Papiere versiegelt? Ihre Schwägerinn fort? Jenny. Alles wahr. Smith. Ein vermaledeytes Land! Jenny. Was sollen wir thun? Smith. Nach England gehn, und dort als freye Menschen leben. Jenny. Aber jetzt?— Sm ith. Zwischen Furcht mtssHoffnungLes Tages Anbruch erwarten. J e n n y. Und dann? Smith. Dann Miß, mein Wort darauf: ich befreye Ihren Bruder. Jenny.'Aber wie? Smlth. Wie?(Er denkt ritten AngenAick nach.' Za— jetzt muß ich reden— Meine liebe Miß, es gibt gute Bücher in der'Welt, die der Kenner brochirt imd ungebunden liest, die aber der Hofmann aus seiner Bibliothek verwirft, weil sie nicht reiies en in:u»-;uin sind. Ei.-» solches Buch ist Redlichkeit in Bürgerherzen, und Unschuld im schlichten Rock. Beyde werden im Vorzimmer ein Spiel der Kammerdiener. Jenny. Soll das mein Trost seyn? Smith. Keinesweges, ich wollte Ihnen nur beweisen, daß Ihr Bruder verloren ist, weil seine Tugend echt, und die Schnallen auf seinen Schuhen unecht sind; beym Höflinge ist das umgekehrt. Jenny. Mein Gott, ist jetzt der Augenblick zu solchen Bemerkungen?(unwillig.) Smith. Grade jetzt, Mist! Sie glauben vielleicht, ich sey kalt? ich fühle weniger bey dem, was hier vorgefallen?— Sie irren. Nur dir Gewohnheit— ichchabe dergleichen tausend Mahl erlebt. Der Mensch besitzt die edle Gabe, sich an alles zu gewöhnen, nur nicht an Glück und Ruhe. Jenny. Und wohin führen endlich alle diese Sentenzen? Smith. Zu der traurigen Nothwendigkeit, l52 durch Scheidemünze zu iiegen, wo Seelenädel l nur ein Schanpfennig ist. Ich werde znm Minister gehn, rch werde ihm sagen, daß ich Lord Sidney bin.— Jenny. Smith, wachen Sie? ' Smith. Ich werde ihm ein Empfehlungsschreiben unsers Ministers vor die Augen halten, und was gilt die Werte, der Lord wird Gehör finden- wo in an den Schreiber mit Hohn zurück gewissen hätte. Jenny. Smith, reden Sie im Ernst? ' Smirh. Ja, liebe Miß, der Sonderling, dein Sie Liebe einflößten, legte seinen Rang ab, zu einer Zeit, als er noch zweif l.-aft war, ob ein Lord Ihnen mehr gelte, als ein ehrlicher> Mann. Jenny. Ich erstaune— Smith. Warum? Liehe und Laune habe» wohl größere Verwandlungen gewirkt. Jenny. Milord— Smith. Pfuy!—> Milord wird hingehen, um Ihren Bruder zu retten, und Eduard,Smith wird zurück kommen, um Ihre Hand z» werben. Dann habe ich ein feines Gut in Warwickshire, eine wahre Schweitzergegend, der nichts mangelt, als jene frohen Bewohner, Freyheit mid^ i5Z Liebe/ die Gegenfüßler der Höflinge. Was meinen Sie, Miß? es ist doch gut/ daß ich reich bin/ dort würden wir alle genug haben. Jenny. Ich bin unfähig/ Ihnen jetzt darauf zu antworten. Smith. Warum? Sie finden keinen wieder/ der es ehrlicher mit Ihnen meinte/ als ich. Jenny. Soll die Noth gewahren/ was Liebe heischt? Smith. Das ist brav gedacht/ ich will Ihnen nichts abtrotzen. Reue ist überall ein schlimmer Gast. Kehrt er bey der Liebe ein, so frißt erden Werth— Der Tag bricht an, ich gehe zum Minister. Ienn y. Und ich in meines Bruders Kerker. Smith. Ihre Hand, Miß.(Sie reicht ihm die Hand, er schüttelt sie.) Ich kann nicht viele Worte machen, aber Gott verdamme mich, ich liebe Sie!(Geht ab.) Ienn y. Wie ist mir geschehn— ich bin betäubt— pfuy Jenny! verleugne das Weib, gedenke deines armen Bruders. Gold und Thränen sollen mir den Zugang offnen.(M.) ehttt Vier n e. t Die armselige Wohnung des Hauptmann Ellfcld.) Herr und Frauv. Ellfeld. Emilie. Emili e. 2llles recht gut, meine liebe Freundinn, Appetit und Schlaf sind freylich die Kennzeichen der wiederkehrenden Gesundheit; und Gottlob, man sieht es Ihnen an, Sie haben sich seit drey Tagen sichrbar erhöhst. Aber Sie müssen sich noch schonen. Ellfeld. Das predige ich ihr immer. F r. v. Ells. Das Wetter war so schön— Emili e. Aber kühl. Fr. v. Ellfeld. Der Spatziergang ist mir so gut bekommen. Die frische Luft, die Sonnen strahlen— ich sog neue Kraft mit jedem Athemzuge. Emilie. Dann harten Siesich aber zeitig zu Bette legen sollen. Ellfeld. Das sagt' ich auch. Fr. v. Ells. Ich habe einige Stunden sanft auf dem Sofa geschlummert. Ich konnte mir die Freude unmöglich versagen, meine Wohlthäterinn gesund zu empfangen. .55 Emilie. Wenn ich ja diesen Nahme» verdiente, so bin ich nun belohnt. Zum ersten Mahle verlasse ich sie mir leichtem Herzen. Es ist spat.(Sie greift»ach ihrer Saloppe.) Wann mir uns wiedersehn werden, kann ich dießmahl nicht bestimmen. Ellfeld. Sollte es zwey dankbaren Menschen nicht ertaubt seyn, Ihnen in Ihrem Hause aufzuwarten? Emilie. In meinem Hause? da müßt' ich Ihnen ja sagen, wer ich bin, und wo ich wohne. Ellfeld. War' es denn nicht grausam, uns das noch länger zu verschweigen? Emilie. Lieber Hauptmann, lassen Sie mir meine Grille. Sie verlangen den Nahmen eines Dinges zu wissen, das keinen Nahmen hat. Nur mein Herz that Ihnen Gutes, und das Herz äst Nahmenlos. In acht Tagen führe ich Sie in mein Haus, dann sollen Sie mich, und noch einen gewissen jemand kennen lernen. Ellfeld. Wie aber, wenn derSchleyer dieser liebenswürdigen Bescheidenheit nicht dicht genug war, Sie dem Blick der Dankbarkeit zu verbergen, wie, wenn wir Sie schon kennten? Emilie. Unmöglich, oder Sie brachen Ihren Schwur. ,56 Fr. v. Ellf. Das tkat er nicht. Emilie. Sie'sind mir nie.auf der Straßr gefolgr? Ellfeld. Aufweine Ehre! nein! Emilie. Nun, so-kennen Sie mich auch nicht. Ellfeld. Der Nahme Moorland steht in unsern Herzen. Emilie(erstaunt.) Wahrhaftig? Sie kennen mich?— Wie geht das zu?— wodurch hatte ich mich verrathen? Ellfeld. Wenn Sie meinem Ehrenwort trauen, daß es ohne unser Zuthun geschah, so wünschte ich, einen gehässigen Vorfall lieber verschweigen zu dürfen. Emilie. Sie spannen meine Neubegierde immer hoher. Ich bin gewiß, daß selbst in meinem Hause Niemand um das unschuldige Geheimniß wußte. Ellfeld. Sind Sie sicher, daß man Ihnen nicht nachschlich?— Emilie. Wer? ,5? Fünfzehnte Scene. Allbrand. Die Vorigen. Ellfeld. Ha!— dieser!— Emilie. Seeretair Allbrand— Ich erstarr- „e! was führt Sie hierher? Ellfeld. Wlrs wollen Sie, mein Herr? All brand. Ich kann kaum zu Athem kommen.— Verzeihen Sie diesen ungewöhnlichen Besuch.— Madame, ich muß durchaus einige Minuten allein mit Ihnen sprechen. E m ilie. Mit mir?' Allbrand. Mein Herr, ich beschworeSie bey den Gefühlen der Menschlichkeit! lassen Sie mich mit dieser Dame allein. Ellfe l d. So bald sie befiehlt. Emilie. Was können Sie mir zu sagen haben? Allbrand. Um des Himmelswillen zögern Sie nicht langer! die Augenblicke sind kostbar. Emilie. Wenn es bloß mich betrifft, so habe ich vor diesen guten Leuten kein Geheimniß. All brand. Es betrifft Ihren Gemahl. Emilie(mißtrauisch.) Wirklich? nun die Lüge wird Ihnen wenig nützen.— Ein Augenblick meine Freunde! Aber Sie gehn nicht weck? i56 Ellfeld. Nur in das Nebenzimmer.(Er führt seine Frau fort.) Emilie. Wir sind allein, was wollen Sie? Allbrand. O, daß ich der Unglücksbothe seyn muß! Emilie(hastig.) Unglück?(Sich fassend.) Doch — seden Sie nur weiter— wir kennen uns ja schon— welches Unglück? Allbrand. Mein Freund— Ihr Gatte— o— Emilie. Wollen Sie meine Sinne durch Schrecken verwirren— Allbrand. Welch krankendes Mißtrauen! Emilre. So reden Sie deutlicher. Ihr Freund, wie Sie ihn zu nennen belieben— was ist ihm wiederfahren? Allbra nd.Sib scheinen sehr ruhig, Madam? Emilie. Ich bin nicht Nervenschwach, Herr Secretair, und falle nicht gleich in Ohnmacht, wenn eine Spinne an meinem Halse kriecht. Allbra n d. Verdien ich diesen Hohn? Emilie. Vielleicht. Allbrand. Vergessen Sie in diesem Augenblicke die Verirrungen der Liebe, um nur die Stimme der Freundschaft zu hören. Emilie. Wohlan, ich höre. All brand. So eben hat man Ihren Ge- mahlins Gefangnifckgeschleppt— Emilie(spöttisch.) Wahrhaftig 2 A l lbrand. Er ist als Aufrührer angeklagt. Emilie. Ey! All brand. Man hat feine Papiere versiegelt. Emilie. Immer besser Sagen Wrc nur doch, wozu kann dieses Mahrchen Ihnen nützen? Allbrand. Sie glauben mir nicht? Emilie. Nein. Allbrand. Wollte Gott,>ch hätte Ihnen nichts Schlimmeres zu berichten. Emilie. Nichts Schlimmeres? vortrefflich! — uun, wie lautet das Schlimmere? All brand. Ob Moorland in Rücksicht auf den Staat unschuldig sey, will ich nicht untersuchen— Emilie. Bedarf auch keiner Untersuchung. A l lbrand. Aber- das; er auJhnen zum Verbrecher wird, ist leider nur allzugewisi. Emilie. An mir?-—lassen Sie doch hören? Allbrand. Mußte er Sie mrtschuldig glau- ben, weil Sie ihm ehemahlige Nachstellungen verschwiegen hatten? Emilie(stutzend.) Ehemahlige Nachstellungen? Allbrand. Konnten Sie nicht Ihre guten! Ursachen haben? Emilie. Moorland weis;—? Allbrand. Daß der Fürst Ihnen gewisse^ Antrage gethan— Emelie. Weiter— Allbra n d. Er vermuthet— Er behauptet l gewiß zu seyn, das; jene Verhältnisse noch fort- s dauern. Emilie(stolz.) ,Es gab nie Verhältnisse zwi-^ schcn mir und dem Fürsten. Allbrand. Wer ist inniger davon überzeugt als ich?— aber Moorland— Emilie. Welcher böse Geist hat ihn angehaucht? Alibrand. Unwerts) Ihrer treuen Liebe, wagt er von Trennung zu sprechen— Emilie. Trennung? von mir? Allbra n d. Er vergißt, das; der Haß einer edlen beleidigten Frau, unter der Asche verlosch- ner Liebe an; stärksten brennt. Emilie. Herr! spritzen Sie Ihr Gift auf i6i cm Mahl von sich! reden Sie deutlich, denn bey Gott/ ich verstehe Sie nicht: All brand. Ihre nächtlichen Besuche in diesem Hause sind verrathen worden. Emilie. So wird der Schimpf auf das Haupt des Verräthers fallen. Allbrand. Moorland glaubt seine Ehre angetastet— Emilie. Moorland kennt mich. Allbrand. Er sollte Sie kennen; desto unverzeihlicher sei» Argwohn, desto schrecklicher lein Entschluß, Sie nie wieder zu sehn. Emilie. Alles Lüge! All brand. Wollte Gott! Emilie. Allbrand! ist Ihnen irgend etwa» heilig in der Welt, schwören Sie bey diesem Heiligthum— Alibra n d. Bey Ihrer Tugend! Emilie. Pfny! beflecken Sie meine Tugend nicht— Thormn! was stehst du hier, und lassest dir das Gift in die Ohren tröpfeln. Wenige Schritte, und du liegst in seinen Armen, wenige Worte und der Bösewicht ist entlarvt!(Sie will gehn.) Allbrand. Wohin? unglückliche Freundinn?— Moorland schmachtet im Kerker. Er AWx . r62 will Sie nicht seh»/ und wollte er auch, er darf nicht.,— Emilie. Allbrand! was haben Sie mit mrr vor? wollen Sie mir,den Kopf verrücken? wozu diese fürchterliche Luge? All brand. Das müßte ich fragen. Wozu eine Lüge, die der erste Schritt in Ihr Hains widerlegen würde? Emilie. Es wäre wahr? Moorland wäre gefangen? All brand. Fassen Sie sich! verlassen sind Sie darum nicht. Es bleibt Ihnen ein Freund, der für unverdiente Kränkungen kein Gedächtniß hat. Emilie. Und Moorland will sich von mir trennen— das wäre auch wahr? Allbrand. Beleidigte Tugend, rufe den Stolz, deinen edlen Bruder, zu Hülfe! Emilie. Mensch, was hast du gemacht? Allbrand. Zch? Emilie. Nur du warst fähig, solch ein höllisches Gewebe zu spinnen! Teufel, was hast du gemacht! Allbrand. Madam, Sie werden beleidigend— Emilie. Aber frohlocke nicht zu früh! der Mrst wird dem Staate einen Bürger, die Liebe mir meinen Gatten wiedergeben. Allbra n d. Wie he>fi jene Liebe ist, werden Sie aus diesem Zettel sehen. Emilie. Die Hand meines Gatten!— (Sie entfaltet das Billet zitternd, liest, bebt, lägt, eS fallen ,, sinkt in die Knie. siegt einen lauten Schrey aus, und wifd ohnmächtig.) Allbrand(höhnisch auf sie hcrabbliüend.k Ge- demürhigt bist du endlich. Süße Rache!(ier entfernt sich schnell.) Sechs zehnte Scene. Der Hauptma n n und se i n e Fra u(stürzen herein.) Emilie. Ellfeld. Was geht hier vor? Fr. v. Ellf. Mein Gott! was ist daS! Ellfeld. Unsere Wohlthäterinn!(Sie helfen ihr von, Boden auf einen Sessel.) Ellfeld. Wo blieb der Bösewicht?(Erstüht Emilien.) Fr. v. Ellf.(sieht das Billet auf der Erde lie- Ken, hebt es auf, und liest es flüchtig,) Ha! darf ich meinen Augen trauen?— Jsts möglich? lies! Ellfeld(Nachdem se gelesen.) Versteh'ich recht — so haben ihre wohlthätigen Besuche bey uns>— F r. v. Ell f. Einen abscheulichen Verdacht auf sie geworfen! Ellf. Ihr Mann glaubt sie hier— F r. v. E llf. In einem schändliche» Hause!— Ellfeld. Gott! meine Ehre— Fr. v. Ellf. Gedenke ihrer Wohlthaten! ohne sie läge dein Weib iin Grabe.— Fort, fort in Moorlands Kerker! ein Wort muß die schändliche Täuschung vernichten!(Heeummumelnd.) Wo ist mein Mantel!— Ellfeld. Gntes Weib— wie? du wolltest— Fr. v. Ellf. Du kannst noch fragen, waS ich will?— so sollten wir diesem Engel seine Liebe vergelten? kalte Zuschauer einer Qual, die sie um unsertwillen duldet?— Wo ist mein Mantel— Ellf. Und wenn man dir den Eintritt versagt? , Fr. v. Ellf. Dann zum Minister. Ich will seinen Pallast so lange mit meinem Klaggeschrey i65 erfüllen, bis es in seine Ohren dringt. Meine Angstgestalt wird die Höflinge erschüttern, mein Beben sie mit ergreifen. Ich bin gewiß, man wird mich vorlassen. Ellfeld. Aber du bist krank und schwach— Fr. v. Ellf. Ich krank und schwach?,— noch nie habe ich mich so stark gefühlt. Ellfeld. Laß mich gehn. Fr.-v. Ellf. Du mußt hier bleiben,'sie trösten, ich vermag sie nicht zu trösten— Ellfeld. Liebe Caroline! es wird dich allzu heftig erschüttern— Fr. v. Ellf. Ihren Jammer zu sehn beym ersten Erwachen, das würde mich erschüttern. Aber einen verblendeten Gatten zurück in die Arme meiner Wohlthäterinn führen, das wird mir herzstärkende Arzney seyn.(Sie hat indessen ihre» Mantel UM sich geworfen.) Guter Carl! sage mir nichts weiter, ich muß gehn! oder die Angst tobtet mich! steh der Unglücklichen bey!— ich kehre bald zurück, Gott gebe mit Trost und Hülfe.(Sie eilt fort.) Ellfeld(Emilien»och immer unterstützend.) Was soll daraus werden! S chicksal, welche Dornen hast du auf meinen Pfad gestreut! Emille(athmet tief»»d schlagt die Äugen auf.) Ellfeld. Sie kommt zu sich— Madam Emilie(sieht ihn starr an und stößt ihn sanft von sich. Daraus blickt sie gedankenlos im Zimmer herum- Ihr Gedächtniß kehrt nach und nach zurück, sie schlägt beydr Hände vor das Gesicht und weint.) Ellfeld. Fassen Sie Muth,-Madam. Em ilie(winkt ihm zu schweigen. Sie ringt die Hände, blickt gen Himmel, fällt vom Stuhl auf ihre Knie und bethet zitternd.) Ellfeld. Gott! ich kann nur eine Hand zu dir aufheben! rette! rette meine Wohlthäterinn! (Der Vorhang fällt.) Fünfter Act. (Gesellschaftszimmer des Ministers. Einige Spieltische, auf welchen die Karten zerstreut liegen. Halbausgs- brannte Wachslichter. Es ist Morgen.) Erste Scene, Prunk(allein.) (Er nimmt die gebrauchten Karten weg und sammelt das Kartengeld von den Tischen.) §wey Erfindungen machen den Spaniern Ehre; die Inquisition und die Karten. Zwey Bollwerke gegen Ketzerey und Langeweile; dem Scheine nach sehr unähnlich, und doch in vielen Stücken gleichartig. Die Inquisition hindert das philosophische Grübeln, das thun die Karten auch. Die Karten machen bleiche Gesichter und hohle Augen, die Inquisition thut dasselbe. Sie erstickt die Liebe zu Vater und Mutter, zu Weib und i6Ü Kind; das thun die Karten auch. Die Karten-- wüth bringt ihre Opfer an den Gasgen und die^ Inquisition auf den Scheiterhaufen. Ja, der; Nutzen der Karten ist noch weit ausgebreiteter;» denn die Inquisition packt nur Juden und Ketzer, die Karten hingegen verschonen auch die fromm-- sie Bethschwester nicht— Friede sey mit der Asche des Mannes, dem ich dasKurtengeldwer-^ danke. Mochte man aus seinen Knochen Würfel s drehen, und sein Contrefey in jeden Karo König prägen. Zweyte Scene. Kammerjunker. Pilz. Prunk. Prunk. Eyey, Herr Kammerjunker! warum so spat? und woher so früh? Kamme rj. Ist mein Oheim aufgestanden? Prunk. Er hat Kopfweh. Kammerj. Niemand bey ihm? Prunk Ja, der Mops. Kammerj. Ich musi ihn sprechen. Prunk. Ich weiß nicht— Kam- i6c) Kammerj. Pilz lege er nur sein Paquek hierher. ' Pilz. Aber der Herr Secretair Allbrand hat befohlen— Kammerj. Befohlen? was? Pilz. Die Papiere auf sein Zimmer zu bringen. Kammerj. Das gilt gleich viel. Pilz. Er band es mir auf das Gewissen— Kamme rj. Auf sein Gewissen— nun das hat wohl nicht viel zu sagen. Pilz. Es schien dem Herrn Secretair sehr viel daran gelegen. Kammerj. Genug, Pilz! ich habe meine Ursachen. Das wiedersähet mir nicht alle Tage. Pilz. Auf Dero hohe Verantwortung—- (Legt die Papiers auf den Tisch, verbeugt sich und geht.) Dritte Scene. Dir Vorigen ohne Pilz. Kammerj. Prunk, ich habe einen Fang gethan. Prunk. Ein Mädchen? Ketzedue's Theater. 7. Vd. H Kammerj. Nicht doch; ich habe dem Staate einen Dienst geleistet. Prunk. Dem Staate? das heißt hier zu Lande dem Fürsten. Dann muß ich meine Frage wiederhvhlen. K amme r j. Du bist ein Schlaukopf. Nein Prunks so wichtig ist der Dienst nicht: Ich habe nur einen Iaevbiner belauert. P r u n k. Das wäre! Kommers. Der Syndicus Moorland— Prunk. Moorland ein Jacobiner?—Hm! ich zweifle. Kammer j. Warum? Prunk. Er sieht jedermann ins Gesicht. Kammer». Ebendeswegen/ ihm mangelt die nntcrthanigc S chi ä ternheit. Prunk. Er sagt alles, was er denkt. Kammer,. Ebendeswegen/ er denkt z» viel. Prunk. Eine neue Gattung von Verbrechen. Kammer j. Nichts weniger! Narren und Weise, Goldmacher und Denker hat man von jeher eingesperrt. P r u n k. Aber wenn Sie sonst keine Beweise Kammerj. Hier liegen die Beweise. Nun kann mein Oheim mir nicht länger vorwerfen,, daß ich mich auf nichts applicire. Spiel und Ren- drvous habe ich versäumt, eine ganze Nacht geopfert— Prunk. Um einen Menschen ins Elend zu stürzen. Kammerj. Prunk, das war dumm. Prunk. Die Wahrheit klingt immer wie cme verstimmte Geige.. Vierte Scene. Smith. Die Vorigen. Smith. Herr Kammerjunker, ich bin Ihnen auf dem Fuße gefolgt. Kammerj.(zu Prunk.) Ist der Portier krank? Smith. O nein, er hat mich angeschnarcht, aber ich kenne diese Art Leute schon. , Kammerj.(hämisw.) Haben vermuthlich v'.el Umgang mit einander? Smith. Sei» Stand würde mich nicht abschrecken, aber sein Gewerbe— H 2 Kammerj. Freylich, wenn er das Glück hatte, ein Schuster zu seyn— Smirh. Ganz recht, dann wäre er ein arbeitsamer und nützlicher Mensch. Ein Thürsteher aber und ein Kammerjunker taugen zu gar nichts. Kammerj. Mensch, ist er toll! Smith. Ich bewies so eben das Gegentheil. Kammerj. Prunk! ein Paar handfeste Kerls— Smith. Bemühen Sie sich nicht, denn ehe ich den Munster gesprochen, gehe ich nicht von der Stelle. Alsdenn aber können Sie mich überall finden. Kammerjunker(mit einiger Verlegenheit.) Prunk!— Prunk. Wir dürfen doch hier keinen Lärm machen. Kammerj. Mir das im Hause meines Oheims? Smith. Junger Mann, ich bedaure Sie, hie Ministerschafk Ihres Oheims ist Ihr Unglück. Kammerj. Ihre Sprache— Smith. Sie war Ihnen einst nicht fremd. Kammerj. Inder That, es kommt mir »or, als ob— Smith. Kann ich Sie ohne Zeugen sprechen? Kammer j. Prunk!(Er gib! ihm einen Wink, Prunk entfernt sich.) Fünfte Scene. Vorige ohne Prunk. Kammerj. Nun, Herr Sonderling? Smith. Um diesen Charakter zu behaupten, will ick mit einem Mährchen den Anfang machen. Ich kam einst auf meinen Wanderungen in eine Stadt, deren romantische Lage mich auf einige Wochen fesselte—> Täglich kletterte ich auf den Gebirgen umher, an deren Fuße sich ein Strom hinwälzte. Eines Abends hatte rch mich verspätet. Es war schon Dämmerung, als ich den Fußsteig einsam am Wasser nach Hause wandelte. Plötzlich sahe ich in der Ferne zwischen den Bäumen die Gestalt eines Mädchens. Ich sehe, daß sie Händeringend am Flusse auf und niederwankt. Ich höre ihre Seufzer. Die Neubegier halt mich hinter einem Gebüsch. Ein Augenblick noch, und das arme Geschöpf springt in den Strom. Ich bin ein guter S chwimmer, es gelang mir, sie zu recten, aber sie dankte mir nicht einmahl, denn— was meinen Sie wohl Hen Kammerjunker, warum sie eine Selbstmördern!» werden wollte? Kammer j.(sehr verwint.) Wie kann ich das errathen? Smith. Sie zittern? Kammer>. Nur weiter— Smith. Ich bin eine Bürgerstochter, so sprach das Mädchen, Ehrlichkeit und Unschuld sind mein ganzer Reichthum. Ein junger vornehmer Herr, der hier studiert, suchte mich zu- verführen, und als es ihm nicht gelang, verlaum- dete er mich überall, brachte mich um meine» guten Ruf, die Nachbarn zeigten mit Finger» auf mich, meine Gespielinnen sahen mich über die Achseln an, und ach! mein Bräutigam, ei» ehrlicher Handwerker, ließ mich sitzen. Da siel ich in Verzweiflung, und wollte meinem Leben ein Ende machen^— Ihnen ist nicht wohl, Herr Kammerjunker? Kammerj.(mit niedergeschlagenen Äugc»') Mein Herr— Smith. Ich hielt jenen Verlaumder damahls für einen Nichtswürdiaen, Ich irrte mich, -75 er war nur ein Leichtsinniger; denn als ich mit der Festigkeit des ehrlichen Mannes vor ihn trat, und sprach: Mein Herr, sehen Sie da Ihr Werk, da erschrack er über die Folgen einer plau- dersüchcigen Eitelkeit, da sahe ich die Thränen der Reue in seinem Auge, dieGluth derSchaam auf seiner Wange. Kammekj.(die Hand ausstreckend.) Eduard Smiih! Smith. Da hielt er sich's nicht für Schande, sein Verbrechen und des Mädchens Unschuld laut zu bekennen, Reue und Wohlthaten bleich- ten den Flecken, und an meinem Busen dankt, er Gott mit heißen Thränen, daß es noch nichr zu wär war, seinen Leichtsinn wieder gut zu machen. Kamme rj.(an seinem Halst.) Eduard Smith! S mich. Erinnern Sie sich nun meines Nahmens wieder? Kammer j. Pfuy, daß ich die Gestalt vergessen konnte!— Eduard, wir tranken damahls Brüderschaft. Smith. Und du schämst dich heute dessen nicht? Kammerj. War' ich so tief gesunken— Smith. Ich bin nur Schreiber« i^6 Kammerj. Ich bin ein Mensch. S m i th(schüttelt ihm die Hand.) Recht so! du sprangst wie jene Dirne in eine» reißenden Strom, vielleicht gelingt's mir auch dich zu retten. Junger Mann! jenes schreckliche Beyspiel hatte dich warnen sollen. Damahls versprachst du mir den unseligen Hang zur Verläum- dung zu bekämpfen. Nicht alle, die ein Opfer deiner Zunge wurden, haben sich ins Wasser gestürzt; aber wie manche bittre Thräne ist vielleicht im Stillen über dich geweint worden! Wie manches häusliche Glück hast du vielleicht durch ein spitziges Wort untergraben! Der Mensch hat leider immer offene Ohren für das Dose seines Nächsten. Ein Eindruck ist schnell gemacht und langsam verwischt. Ein Wort schlüpft leicht über die Zunge, aber selbst die Allmacht kann es nicht zurück nehmen! Kammerj. Du hast ein Recht, so mit mir zu sprechen. Doch wodurch verdien' ich jetzt Smith. Was that dir Moorland? Kammerj. Man halt ihn für gefährlich. Smith. Verläumdung. Kammerj. Er hat sich der Bürgerschaft zu warm angenommen. Smith. Seine Pflicht. Kammerj. Er ist vielleicht manchem ein Dorn im Auge. Smith. Da liegts. Allbrand— Kammer,. Errarhen. Smith. Und du läßt dich zum Werkzeug eines'solchen Menschen brauchen? K amm erj. Ich glaubte meinen Oheim zu verpflichten. Smith. Mann, von Kopf und Herz! die Natur gab dir eigene Schwingen. Erwache aus dem nichtswürdigen Rausche. Laß die Allbrande kriechen. Klebe nicht an ihrem Gifte. Du könntest durch Tugend glänzen, und schimmerst nur durch Rang; du könntest durch Verdienste leuchten, und du blendest nur durch Witz. Freunde würde dein Herz gewinnen, aber dein Kopf scheucht sie zurück. Du könntest Liebe verdienen, und du buhlst um Furcht. Einen ehrlichen Mann verlaumden, der seine Straße ruhig wandelt, ist eben so leicht, als einen Schlafenden ermorden; aber den Ruf des unschuldig Verlaumdeten wieder herzustellen, ist schwerer als Pockennarben auszuglatten. Kammerj. Hier hast du meine Hand, es soll nicht mehr geschehen. Smith. Darf ich dir trauen, so rette Moorland. Kammer,. Was ich vermag, bey meiner Ehre! Smith. Wo sind seine Papiere? Kammerj. Hier liegen sie. Smith. Willst du sie deinem Oheim über. liefern? Kammerj. Nein. Smith. Was wirst du ihm sagen? Kammerj. Ich habe sie verbrannt— verloren, kurz ich nehme alles auf mich. Sechste Scene. Vorige. Der Minister. Minister(tritt aus seinem Schlafzimmer uns. ruft.) Prunk! Prunk(aus dem Vorzimmer.) Euer Epeellenj. Smith(heimlich zum Kammcrjunker.) Nil» gilts! Minister. Welch ein unanständiges Ge-, rausch ist heute in meinen Zimmern? Prunk. Dieser Fremde— Minister. Was wollen Sie? Smith. Euer Excellenz um Verzeihung bitten, das; ich so spät komme. M i n i st e r(sieht lächelnd»ach der Uhr.) Vpät? S m irh. Zu spar für eine» Mann, in dessen Hause die Gerechtigkeit nie schlummert, zu spät für einen Unschuldigen, den die Verläumdung in den Kerker warf. Minister. Wer sind Sie? Siflich. Ein glücklicher, beneidenswerthec Mensch, weniges mir gelingt, dort Unschuld zn retten, und hier Euer Excellenz Ruhm vor Flecken zu bewahren. Minister(mit Geringschätzung.) Sie? Smith. So blickte der gefangen-Löwe auf die Maus, ehe sie sein Netz zernagte. Mlnister. Für wen sprechen(sie? Smith. Nicht für meinen Freund, denn ich handle nur für Freunde. Ich spreche für den redlichsten Mann im Staate, den Syndicus Moorland. Minister. Ha! wo ist er? Smith. Wo er mcht seyn sollte, im Gefängniß. Minister. Wo fing man den Vogel? Kammerj.(verlegen.) Der Secretair wird wissen. Smith. Sagen Sie alles, nur die Wahrheit! Vor ihr wird mein Freund nie errathen, und ich nie verstummen. Minister. Die Wahrheit, junger Herr. Kammerj. Der Syndicus schlich um Mitternacht— Smith. Er schlich? daS ist falsch! Minister(mit Strenge.) Keine Unterbrechung,»lein Herr! Kammerj. Der Syndicus wollt' um Mitternacht einen gewissen Hauptmann Ellfcld besuchen, der auf dem Schloßplätze wohnt— Smith. Unmöglich, er kennt keinen Mann dieses Nahmens. Minister. Oja; er kennt ihn, und wir kennen ihn auch, nur weiter. Kammerj. Als er eben in das Haus treten wollte, ward er arretirt. Smith. Auf wessen Befehl? Minister. Auf den Meinigen. Kammerj. Secretair Allbrand trug mir auf, die Papiere des Syndicus zu versiegeln. Minister. Wo sind diese Papiere? Kammerj. Durch einen Zufall—(S« schweigt verlegen.) Minrster. Nun? Smith. Hier liege,i sie. Das Eigenthum einer Bürgers unter der Obhut des ersren Staatsbeamten. Minister. Mau muß sie untersuchen. Smith. Mir welchem Rechte? Minister(auffahrend.) Herr! Smirh. Der Gerechte scheut diese Frage nicht, und den Stellvertreter des Fürsten darf sie nicht beleidigen. Minister. NocheinMahl, wer sind Sie? Smith. Ein Engländer, bis jetzt Schreiber in Diensten des Syndicus. Minister. Nun, mein Herr Schreiber, aus Achtung für Ihre Narion verzeihe ich Ihre Kühnheit. Smith. Verzeihung nur dem Verbrecher. Nackte Wahrheit flieht die gewöhnlichen Menschen und wirft sich einem edelmürhigen Richter in die Arme. Minister. Der Mann, für den Sie mit so echt englischer Lizenz sprechen, ist aufrührerischer Grundsätze höchst verdächtig. Smith. Wer ist sein Ankläger? 1Ü2 Siebente Scene. All brand. Die Vorigen. Minister. Gut, daß Sie kommen. Ihre Vorsicht wachte. Vollenden Sie Ihr Werk, entlarven Sie einen gefährlichen Mensche», und rechrfertigen Sie Maßregeln, die dem Herrn Engländer hier despotisch vorkommen. Smith. Dieser Mann sein Ankläger?— Ehe noch ein Wort über diese unreine Lippe geht, hören Sie mich, Herr Graf! Dieser Mann war Moorlands täglicher Gast, sein Hausfreund, der für jede hingeworfene Meinung ein gefälliges Kopfnicken, für jeden witzigen Einfall ein Lächeln in Bereitschaft hatte; der Tischgespräche belauerte, wenn der Wein des Blutes Kreislauf schneller trieb, und ein lebhaftes Gefühl vielleicht in unbedachte Worte überfloß; der immer freundlich, immer geschmeidig, durch künstlrche Wendungen hervorlvckte, was er hören wolltet jede arglose Laune seines biedern Wirths mit Galle gemischt, in sein Taschenbuch zeichnete, um ihm dann gelegentlich auf den Nacken zu treten, und höher» Orts ein gnädiges Bravo zu erschnappen. Solch einen Ankläger wird Graf Scharfeneck i8Z mchr hören! Wo ein ehrlicher Mann Rede stehn soll, da muß ein ehrlicher Mann gegen rhn auftreten. M inister. Sie gehn nicht aus diesem Ammer, bis Sie 2H" Schmähungen erwiesen haben. Allbrand. Errathe ich auch, wovon die Rede ist? Smith(spöttisch.) Sieh da, die schuldlose Unwissenheit! Minister. Moorland ist in Verhaft. All brand. Ich kam Euer Excellenz davon zu unterrichten. M in ister. Sagen Sie diesem Herrn, warum er in Verhaft ist. Allbra n d. Kühne Anmaßungen, unbesonnene Reden, verdächtiger Umgang Smith. Beweise, mein Herr! Allbrand. Seine Kühnheit betreffend, darf tch Euer Excellenz nur an die gestrige Scene erinnern, wo er die sogenannten Rechte der Bürger mit einem Trotz vertheidigte— Smith. Wissen Sie auch, wie ein Mann reden muß, der seine Pflicht erfüllt l Allbrand. Ich gebe so eben einen Be-wei» ,64 davon. Von seinem unbesonnenen Geschwätz war der Herr Kammerjunker oft Zeuge. Smith(jttiü Kammeriunker.) Waren Sie das? K a m m e r j. knii« Festigkeit.) Nein. Minister. Wie Neffe, hast du mir nicht selbst— Kammerj. Ja, lieber Oheim, ich bekenne es mit Erröthen, ich war ein Verlaumder, aber Gott ist mein Zeuge! nie habe ich über die Folgen nachgedacht. Leichtsinn und Beyspiel haben mich hingerissen. Aber es gilt das Glück eines ehrlichen Mannes, und ich komme zu mir selbst. Moorlands Haus ist eine Schule der Sitten, seine Tafel ein Sammelplatz schuldloser Freude; jein Scherz verwundet nie, und sein Ernst ist lehrreich; kein verfängliches Wort ist jemahls seinen Lippen entschlüpft. Liebe dem Staate, Ehrfurcht dem Fürsten, Achtung meinem Oheim — so kenn' ich ihn! und wer sein Bild anders mahlt— war' ich es auch selbst— der hat es verzerrt, und verdient Strafe. Smith. Bravo, sunger Mann! Bedarf es mehr, als dieses unverdächtige Zeugniß? O Herr Graf! verschließe» Sie dem Verlaumder Ihr Ohr! er ist der gefährlichste Bvsewicht im i85 Staate, denn er vereinigt in sich alle Verbrechen. Er ist ein Dieb, der sich in die Häuser schleicht, und mehr als Gold und Silber stiehlt. Er ist ein Mörder, der den Wehrlosen anfällt, und ihm oft mehr als das Leben raubt. Schenken Sie dem Staate einen Bürger wieder, dem seine Pflicht immer heilig war, und der die emsige Schwachheit: das Vertrauen zu diesem Manne, allzutheuer büsit. All brand. Wahrlich, so dcclamirt nur ein Mitschuldiger. Smith. Ha, kleine Seele! ist das dein letzter Schlupfwinkel? Allbrand. Der Gerechte bleibt kalt. Wohl mir, daß der Herr Graf meinen patriotischen Eifer zu genau kannte—> Minister. Wozu das bunte Geschwätz? Moorlands Papiere werden uns wohl Licht geben. Allbrand. Sie sind auf meinem Zimmer, und ich lege sie noch heute Euer Excellenz zur Prüfung vor. M iniste r. Sie liegen hier auf meinem Tische, wir können sie sogleich durchsuchen. All brand(sehr bestürzt.) Wie— was—- ich hatte befohlen— Smith. Noch ein Mahl Herr Graf, Scho- > i Ü6 nung für diese Papiere! ich kenne sie nicht/ uß war nie Moorlands Vertrauter/ doch setze ich mein Leben zum Pfande/ daß nichts Verdächtiges darunter ist. Aber Moorland ist Philosoph und Dichter! was schreibt man nicht zuweilen, wenn man zur Erhohlnng grübelt/ oder Verse macht?— Ein hingeworfener Zettel kann den- lenigen verdammen/ den man zu stürzen wünscht. Der Schreibpult ist ein Freund, dem man jede Grille und Laune anvertraut. Wer hac das Recht diesen Freund auf die Folter zu legen? und wer mochte sich dieses Rechts bedienen? Minister. Wissen Sie auch, daß S>c meine Reubegier immer hoher spannen? S in it h. Der Richter unterdrückt solche Gefühle. Allbrand. Es wartet diesen Vormittag so manches Geschäft auf Eure Excellenz, daß ich lieber die Papiere vorläufig auf mein Zimmer-- Minister. Sie sollen Hierbleiben-— Allbrand. Wirklich hat der Herr da nicht ganz Unrecht. Ein Philosoph, ein Dichter wie manches entschlüpft seiner Feder, was nie bestimmt war, das Tageslicht zu schauen. Ich würde vorher gewissenhaft absondern, was den Staat nicht interessiern kann, und Euer Excel ,67 lenz würben erlüge kostbare Minuten gewinnen. M i»i st e r. Auch das, wenn Sie glauben— Smith. Um Vergebung, Herr Graf! jetzt muß i ch bitten, die Papiere zu offnen. Dieser Mann ist verlegen; dieser Mann sucht es zu hindern; er muß seine gute Ursachen haben. Gute Ursachen! versteh» Euer Excellenz recht! das Gut ist relativ. Allbra n d. Mein Herr, Sie Haufen Ihre Schmähungen. Ich kenne Sie nicht, habe cxie nie beleidigt; doch werde ich nie vergessen, wo ich bin. Dem Herrn Grafen stelle ich meine Genugthuung anheim. Ich selbst thue wohl besser, mich auf meinZimmcr zu verschließen, da ich nicht einmahl in Gegenwart des ersten Ministers vor Beleidigungen gesichert bin.(Er ergreift die Papiere und will gehn.) Smith(vertritt ihm den Weg.) Halt! nicht von der Stelle! Minister.'Herr Schreiber! Ihr« Impertinenz ist großer als meine Geduld. Kammerdiener! Wache!(Prunk geht ab.) Smith(zieht sein Taschenbuch hervor.) Herr Graf, ich mache ungern Gebrauch von einem Empfehlungsschreiben, welches ich nur für den höchsten Nothfall aufbewahrte,(Er überreicht ihm einen Brief.) Minister(mit Geringschätzung.) Sie, ein Empfehlungsschreiben an m ich? Smith. Ich bitte es zu erbrechen. M i n ist e r(erbricht, sieht nach der Unterschrift und murme.t voll Erstaunen.) William Pikt!—(Er liest heimlich, Erstaunen und Verlegenheit werden i» seinen Mienen sichtbar: er wendet sich sehr höflich an Smith.) Milord— ob ich gleich nicht begreife— Prunk! einen Stuhl— Milord— eine so dringende Empfehlung war überflüssig, für einen Mann, der sich selbst so edel ankündigt— He!— Bediente! Stühle!, Smith. Ich behalte mir vor. Euer Ercel- lenz von den Gründen Rechenschaft abzulegen, welche mein inoOg-nito veranlaßten. Ministe r. Er hat niemand ein Recht darnach zu fragen. Smirh. Der Hauptgrund möchte wohl immer eine Nanonallaune seyn. M inister(mit Feveelichkrit seinen Neffen präscin tirend.) Milord! Der Kammerjunker vonSchar- feneck— Neffe! Milord Sidney. Smith(reicht dem Kammerjunker lächelnd die Sand.) Wir kennen uns schon. Prunk(tritt herein.) Die Wache ist im Vorzimmer. Minister. Schweig! Milord, ich hoffe Säe werden unserm Fürsten das Vergnügen machen— Allbrand(hat einige Mahl versucht sich fort. ^schleichen. Smith»ehalt aber immer ein wachsames Auge auf ihn, und da er jetzt abcrmahls entschlüpfen will. st faßt er ihn ein wenig unsanft beym Arm.) Smith. Man sucht diese Papiere so ängstlich zu entführen, daß ich die Bitte wiederhoh- len muß, sie in meiner Gegenwart zu öffnen. Minister. Augenblicklich! doch kann ich Euer Herrlichkeit vorläufig versichern, daß Sie in Rücksicht aus meinen Secretair sich irren. Ich habe überzeugende Proben von seiner Treue und Eeschicklichkeit. Smith. Dann bedaure ich den ehrlichen Mann, daß ihm die Natur eine Armesünderge- stalr anlog. Minister. Wohlan, Allbrand.! Woher diese Verlegenheit? Entsiegeln Sie dasPaquet. All brand. Ich gehorche. Milord werden sich eS selbst zuzuschreiben haben, wenn jetzt nichts unterdrückt wird, was dem Angeklagten gefährlich werden könnte. Smith. Der Herr Graf hat sich allen Vor- 1 HO bericht verbothen.(Das Paquct wird geöffnet, M- brand, Smith und der Minister stehn um den Tisch.) Minister(die Papiere selbst entfaltend.) Bezahlte Rechnungen— Quittungen— Briefe— —(er entfaltet einige) von seinem Vater aus der Schweitz— Philosophische Gedanken über die Unsterblichkeit der Seele— Briefe und Gedichte an meine Frau— geheime Wohlthaten(„im Fall ich sterben sollte, wird meine gute Emilic gebethen, diese Rnbnk ununterbrochen fortzusetzen") Schon!— Lied aii den Frühling— Entwurf eines Gedichts für die Kinder des Grasen von Scharseneck zu seinem Geburtstage. Was ist das? Prunk. Die jungen Herrschaften bathen ihn neulich darum. Euer Excellenz Geburtstag fällt auf die künftige Woche. Minister. Wirklich? Das habe ich ihm schlecht belohnt.(Cr fährt fort.) Zeichnungen— Lieder mit Musik— rechtsbegtündeteKlagschris- ten— Deductionen. Smith(rasch jtt Allbrand.) Was verstecken Sie da? Allbrand(sehr verlegen.) Nichte. Smith. Heraus damit! Minister. Ohne Umstände! Allbrand(überreicht ihm das Papier zitternd.) Minister(liest.) Patriotische Gedanken/ auf Bitte meines Freundes Allbrand entworfen — Wie?— ich will nicht hoffen—(Er durchlauft den Aufsah flüchtig.) Wahrhaftig, von Wort zu Wort. Herr Secretair! das ist ja der nähmliche Aufsah/ durch welchen Sie meine Gunst gewannen; der nähmliche Aufsatz/ dem Sie Ihr ganzes Gluck verdanken— , All brand. Euer Excellenz verzeihen— Minister. Pfuy/ schämen Sie sich! Sie preßten also die Zitrone aus, und nun wollten Sie die Schale wegwerfen? Moorlands Unschuld ist hinlänglich gerechtfertigt. Eilen Sie, Neffe! ihm seine Befreyung anzukündigen. Geben Sir Ordre, daß meine Equipage angespannt wird, sie soll Ihnen folgen und Moorland aus dem Gefängniß hierher führen. Ich bin dem edlen Mann öffentliche Genugthuung schuldig. In Ihrer aller Gegenwart soll er sie erhalten. Kammerj. Ich verrichte das schönste Geschäft meines Lebens.(Geht ah.) Allbrand. Ich sehe mein Unglück. Moorlands Lossprechung enthalt zugleich meine Verdammung. Der Himmel gebe, daß Euer Excellenz nicht zu rasch handeln. Zwar bekenne ich, 1 k) 2 daß ich dem Syndikus Moorland diesen Auftätz verdanke/ aber ich habe geglaubt/ daß Freundschaft dennoch schweigen müsse, wenn dem Scaate Gesahr drohet. Es sreut mich/ daß unter diesen Papieren sich nichts Verdächtiges smdet/ doch ist dadurch die Falschheit meiner Anklage noch nicht erwiesen. Euer Excellenz erinnern sich/ wann» eigentlich Moorland verhaftet wurde. Sem geheimnißvoller Umgang mir dem Hauptmann Ell- feld, seine nächtlichen Schleichwege— Smith. Hat die Schlange noch immer Gift? (Man hört eine Weiberstimme im Vorzimmer Mit -Heftigkeit rufen:)„Ich muß ihn sprechen. (Ein Bedienter antwortet.) Seine Excellenz haben kerne Zeit. (Die weibliche Stimme sich nähernd.) Ich muß hinein! (Bedienter an der Thür.)„ Zurück!" Minister. Wer ist da? Prunk(der unterdessen die Thür geöffnet hai.) Einr unbekannte Dame. Acht» A chi e Scene. Frau v. Ellseld. Die Vorigen. Fr. v. Ellf.(wankt todteiiblaß herein, ihr Auge schweift unruhig umher.) Wo finde ich den Minister? Minister. Hier Madam. Wer sind Sie? Fr. v. Ellf. Die Hauptmanninn Ellseld. Minister. Ich verstehe, Sie kommen wegen der Pension Ihres Mannes? Fr. v. Ellf. Nein, Herr Gras! nie würde ich mich erniedrigen ein Vorzimmer zu betreten, ! weil der Mangel mich drückt; ich bin auch in der großen Welt geboren, ich weiß, wie man dort den Bettler aufnimmt.(Sie hält sich an die Lehne eines Stuhls.) Smith(ihr eine» Stutzt reichend.) Die gute Frau ist krank. Setzen Sie sich Madam. Fr. v. Ellf. Ich danke Ihnen, mein Herr! ja, ich bin krank. Sie erinnern nnch zur Unzeit daran.(Sie erblickt Allbrand.) Ha! du auch hier, ^ böser Mensch! Minister. Was soll dar heißen? Smith. Willkommen Bundesgenosse! All brand. Ich Habs nicht die Ehre eine Dame zu kennen, die mich so vertraulich dutzt- Kotzebue'S Theater. 7. Bd. 3 Minister. Erklären Siesich, Madam. F r. v. Ellf. Ja, Hen' Graf, ich will die wenigen Kräfte einer kaum Genesenen nicht an diesen Menschen verschwenden— Ich bin hier einen Unschuldigen zu retten, und meine Wohlthäterinn zu rechtfertigen.— Wie mein Mann für das Vaterland gefochten, wie er zerschossen, und wie er belohnt worden, das wissen Sie— Sein Krankenlager erschöpfte unsern Beutel und meine Gesundheit— ein heftiges Fieber raubte mir zwey Monathe lang das Gefühl unserer Leiden .— Bewußtlos wäre ich aus der Welt gegangen, hätte nicht die Wohlthätigkeit eine fremde Dame «uf unsere Dachkammer geführt. Lange genossen wir ihrer Hülfe, ohne thren Nahmen dankbar vor Gott nennen zu können.— Durch einen heimtückischen Zufall(mit einem Bück auf Altbrand) erfuhren wir endlich, es sey Madame Moorland— Smith. Ha! Braves Weib! Fr. v. Ellf. Sie kam nur» des Nachts, schüchtern und ohne Begleitung— sie schlich in der Morgenstunde wieder fort— und ich vermuthe, daß selbst in Ihrem Hause Niemand um das Geheimniß ihrer Lugend wußte. Smith. Nwmand, Madam! Fr. v. Ellf. Leider! denn so gelang es der Bosheit, einen Engel in ihre Finsterniß zu hüllen. In der verflossenen Nacht war sie uns wieder zum Trost erschienen— als sie gegen Morgen uns eben verlassen wollte— trat dieser Mensch herein— dieser Mensch— der wenig Stunden vorher mich— o wie tief erniedrigt Armuth!— mich zur Kupplerinn erkaufen wollte— ich weist nicht alles, was vorgegangen.— aber ich errieth das Meiste, nachdem tch diesen Zettel gelesen, den die unglückliche Verzweifelnde fallen lassen. Smith(reisn ihr den Zettel aus der Hand und Nest.)„Aus dem Gefängniß.— Häuchlerisches, »Weib! genieße deinen Triumph! du bist frey! »du darfst ohne Zwang in den Armen eines Für- »sten schwelgen. Lache! meine Wuth ist ohn- »mächtig! hier sitz' ich in Fesseln durch dich! so »lohnst du meine treue Liebe!— wähne nicht, »daß der kahle Vorwand meiner Gefangenschaft »mich blende. Ich weiß, warum ich hier bin. Ich »habe dich selbst in das Haus der Wollust schleifen sehen. Nur Gewalt konnte dich vor meißner Rache schützen!— Dank dem treuen Freun- »de, der die Binde von meinen Augen riß! Sie » werden dafür sorgen Madam! daß ich ewig ein- » gesperrt bleibe, auf daß Sie meinen Nahmen 2 2 .ungestraft schänden können. Doch zittern Sie „vor meiner Rache, wenn die Gerechtigkeit „Gottes mich je von diesen unwürdigen Fesseln befreyt.— „ Moorland (Er ergreift Allbrand mit Heftigkeit.) Ha, Bube! das ist dein Werk, bekenne! welchen Dolch stießest du dem Unglücklichen ins Herz? Allbrand. Mein Herr! Sie vergessen sich. Was kümmern mich Moorlands häusliche Zwi- stigkeitcn?SeineFrau Gemahlinn stand vormahls in gewissen Verbindungen mit dem Fürsten— so sagt man— vermuthlich hat Moorland das erfahren—vielleicht hat er geglaubt, diese Verbindungen dauern noch sort>— was weiß ich— was geht es mich an— ich verstehe von dem allen inchts, und will nichts davon verstehn. F r. v. Ellf. Er selbst buhlte um ihre Gunst — ich sollte kuppeln— eine Pension für meinen Mann, war der versprochene Lohn des Bubenstücks— es mißlang— und niederträchtige Rache— Minister. Ich erstaune über alles, was ich sehe und höre— Aufrichtig Madam! hatte Moorland nie Umgang in Ihrem Hause? Fr. v. Ellf. Wir haben ihn nie gesehn. Minister. Nie gesehn? Allbrand! was ist das? Ihr spracht von verdächtigen Zusammenkünften bey diesem Ellfeld? All brand. Vielleicht haben meine Kundschafter mich hin-tergangen. Fr. v. E l ls. Verdächtige Zusammenkünfte bey uns? O gnädiger Herr, mein Maimist ei» Krüppel, aber seine Seele ist gesund. Minister. Ich bin schändlich hinteraangen! welch einem Menschen hab' ich mich prerß gegeben! Smith. Meine Rolle ist aus. Jetzt Herr Graf ist es an Ihnen. Minister. Prunk! ist die Wache noch rm Vorzimmer? Prunk. Ja, Euer Excellenz. Minister. Übergib ihr den Sünder. All brand. Ich bin zu sehr von der Gerechtigkeit Euer Excellenz überzeugt/ als daß ich fürchten sollte/ unüberwiesen verdammt zu werden. AlleS/ was man gegen mich vorgebracht/ sind leere Worte. Man hat mich überschrien. Meine Unschuld muß für mich reden.(Er geht mit Prunk ab.) Smith. Bravo! er ist kein halber Böse wicht. Neunte Scene. Minister. Smith. Frau v. Ellfeld. Frau v. Ellf. Wenn mir Euer Excellenz erlauben wollten, dem als Staatsbürger Gerechtfertigten, auch die Unschuld seiner Frau anzukündigen? Ach! das erst würde ihm Freyheit und Rechtfertigung, zu Gütern von Werth machen. Smith. Vortrefflich Madam! ich begleite Si«, ich trage Sie auf meinen Armen— Fr. v. Ellf. Die Freude wird mein Stab seyn. (Smith und Frau von Ellfeld wollen ab, Prunk öffnet die Thür, indem drangt Emilie sich herein, Hauptmann von Ellfeld folgt ihr. Prunk zieht sich zurück.) EMilie(vor dem Minister sich hinstürzend.) Gerechtigkeit Euer Excellenz für meinen unschuldigen Mann, und Erbarmen für seine trostlose Gattinn. Minister. Stehen Sie auf!(Reicht ihr einen^tuhl.) Erhöhten Sie sich. E milie. Erst sprechen Sie das Wort Be- freyung aus! O mein Unglück ist Nahmenlos! Aus Ohnmacht und Betäubung erwacht/ höre ich, daß eine edle Freundinn sich meiner annimmt/ hierher geeilt ist für meines Mannes Befreyung. Aber sie kömmt nicht zurück— ich halre mich nicht länger— meine Angst treibt mich fort— dieser würdige Mann reicht mir seinen Arm— ich flieg' ihm voraus— Ach! ich kann nicht mehr!— Minister. Ruhig Madam! Ihr braver Mann ist frey gesprochen/ in diesem Augenblick wird er seinem Kerker entführt. Ich bin von seiner und Ihrer Unschuld überzeugt. So eben Wollten— Emilie. Moorland frey? Meine Unschuld anerkannt? Großer Gott! yS,e ergreift der Ministers Hand und drückt sie stumm an ihr Herz.) Prunk(tritt herein.) Euer Ercsllenz Egui Page ist zurück. Mini st e r. Ach mein Gast! Geschwind führt ihn herein. Errathen Sie Madam?(ZuEmisienck Ihr Moorland— 200 Zehnte Scene- Vorige. Der K a m m erj nn ker. Moor^ land und Jenny. Emilie. Moorland!(Sie fliegt auf ihn zu- er weicht ihr aus— sie bebt und siukt«einend Smith und Jenny in die Arme.) Moorland(wirft einen Blick voll Verachtung auf Emililien, dann spricht er mit erzwungener Kittn) Was soll ich hier? Fr. v. Ellf. Unglücklicher! Betrogener! hinweg mit dem Gifte eines ungerechten Ver- i dachtö! Emilie ist unschuldig! hören Sie mich! M oorlan d. Wer sind Sie Madam? welchen Antheil nehmen Sie an meinem Schicksal? Fr. v. Ellf. Ihre Gattinn rettete mein^ Leben— M oorland. Reden Sie deutlicher. Fr. v. Ellf. Ich bin die arme Kranke— mich hat sie besucht— mir Schlaf und Ruhe geopfert— Moorland. Versteh' ich recht? Fr. v. Ellf. Ihr Verdacht traf einen wohl-' thätigen Engel— Moorland. Und der Fürst—? Fr. v. Ellf. Hat nie meine Dachkammer betraten— Moorland. Eine Mannsperson empfing Emilien an der Thüre— Hr. v. Ellf. Dap war ich. Fr. v. Ellf. Es war mein Mann. Moorland. Aber meine Gefangenneh- mung— Minister. Ein Werk der Bosheit. Moorland. Wessen? Minister. Meines Seerctairs. M verland. Allbrand? Mein Freund? Entsetzen! Fr. v. Ellf Er liebte Ihre Gattinn— M verland. Woher wissen Sie— F r. v. El! f. Pfuy, daß lchs noch ein Mahl wiederhshlen muß!— mich wollt' er zur Kupplerinn mißbrauchen. Moorla n d. Und Emilre verschwieg— Smith. Aus unseliger Schonung IennWie oft habe ich dir das schon betheuert! M oorland. Riech er mir darum zur Flucht? Smith. Den Mann wollte er sich vom Halse schaffen, auf diese oder jene Art. Moorland. Mußte ich darum das grau-! samste Billet— str. v. Ellf, Es warf sie sinnlos zu Boden. Minister. Wir Alle wurden durch einen i Bosewicht getauscht/ der seine Schande jetzt im! Kerker trägt. Moorland. Großer Gott/ was hab' ich gethan!(Wirft sich Cmilien zu rügen.) Emilie ist unschuldig! Emilie(tcugt sich üb» ihn.) Ja/ sie ist unschuldig. Moorland,(steht auf und umarmt sie.) Mein Weib!(Pause. Emilie schluchzt au feinem Halse.) Jenny(reicht Smith die Hand.) Ich bin die Ihrige. lDer Vorhang fallt.) D i e Wittwe und das Reitpferd. Eine dramatische Kleinigkeit. (Erschien, 7 9 b. s Aiese dramatische Kleinigkeit hat ihren Ursprung euier Anecdote zu verdanken/ welche im gteil Bande der Annalen des Herrn von Archenbolz! S. 425. enthalten ist. P e r s 0-n e n. Squirc Thomas Fullart 0 n, ein Landedelmaa», Angelique, seine Gattinn. Gras Balcour, ein sranjösischer Emigrant. Ronsard, sei» Bedienter. Master Warbifax, ein Rcchtsgelehrter. Ein Stallknecht. Der Schauplatz Ist im Saal in Fullartons Landha'A Erste Scene. An gelitte(sitzt auf dem Sofa, und beschäftigt sich mit einem sogenannten Eremiten-»der Gr-llensPiel.) Das Spiel hat viele Ähnlichkeit von der Liebe, es gefällr nur so lange es neu ist. Die Hand setzt jeden Stift mechanisch an seinen rechte» Platz, und der Mund lallt die süsien Nahmen, „mein Engel, meinKmd," weil die Zunge sich einmahl daran gewohnt hat. Zweyte Scene. Sguire Thomas Fullarton und Ange- lique. Fullart.(mit bewölkter Stirne.) Gehorsamer Diener, Madam. Angel. Ihre Dienerinn, mein Herr. Fullart. Schon wieder das Grillenspiel auf dem Schooße? 2c>6 Angel. Schon wieder Grillen im Kopfe? Fullart. Die Post ist gekommen. Angel. Auch die Zeitungen? Füllort. Nicht die besten. Angel. Siegen die verdammten Republikaner noch immer? Fu klart. Ich rede von Zeitungen/ die uns -selbst betreffen. Angel. Zahlt man uns auch noch unter die Lebendigen? Füllort. Seltsame Nachrichten— Angel. Aus Holland? Füllort. Aus London. Angel. Was kümmert mich London? Fullart. Sie lieben die Monarchie, Madam? Angel. Allerdings. Fullart. Und sind doch ein Rebell in ihrem eigenen Hause. Angel. Wenn das wahr wäre, so würde es höchstens beweisen, das; mein Herr Gemahl kein Monarch ist. Fullart. Desto schlimmer. Angel. Desto besser! In der Ehe ist die englische Verfassung die vorzüglichste: die Fra» das Parlament/ und der Mann die executive Gewalt. Fulla r t. Dann sollte das Parlament die Finanzen besser verwalten. A ngel. Was wollen Sie damit sagen? - Fullart. Sie kennen das Testament meine» Vaters? Angel. O ja.(Sie gähnt.) Fullart. Er hinterließ mir 60000 Pfund. Ange l. Daran that er sehr wohl. Fullart. Doch unter der ausdrücklichen Bedingung: nie eine Wittwe zu heira- then/ und nie ein Reitpferd zu halten. Angel. Abgeschmackte Grille! Fullart. Wer weiß. Er kannte den Natio- nalunfug und meinen Hang zum Wettrennen. Schone Reitpferde haben schon manchen reichen Lord zum Fußgänger gemacht. Angel. Aber die Wittwen, mein Herr? verleiten die auch zu Wettrennen? Fullar t. Nun, was die Wittwen betrifft, da mochte er wohl selbst traurige Erfahrungen gesammelt haben. Angel,(spöttisch.) Keine Schmeichelep für Ihre Frau Mutter. 2o3 Fullart. Lassen wir die Todten ruhen. Kurz/ mein Vater sehte unwiderruflich fest, daß, im Fall ich eine dieser Bedingungen übertreten würde, die ganze Erbschaft meinem Vetter zufallen solle. Angel. Sie haben mir das schon hundert Mahl erzählt. Fuklart. Ihr Gedächtniß ist so kurz, daß ich mir die Freyheit nehmen muß, es Ihnen noch hundert Mahl zu wiederhohlen. Ang.e lA(ungeduldi>;.) Wissen Sie auch, wie das langweiligste Geschöpf auf Erden heißt? Fullart. Nun? Angel. Es heißr E nglä nder. Fullart. So?— da Sie in der Zoologie so gut bewandert sind, so werden Sie auch wohl das leichtsinnigste und undankbarste Geschöpf kennen? es hersit Französinn. Angel,(steht auf.) Machen Sie Ihrem Spleen Luft, mein Herr! ich gehe. Fullart. Sie sollen bleiben, Madam, und einen Blick hinter sich werfen auf den unseligen Tag, als ich S ie in Flandern in einer elenden Bauernhüttc fand, dem drückendsten Mangel Press; gegeben, weil Sie nichts gerettet hatten, als den leeren Titel einer Graßnn. 209 Angel. Was schnei) Franz der Erste nach der Schlacht bey Pavia an seine Mutter?„Wir „haben Alles verloren, nur die Ehre nicht/' Füllort. Ihre traurige Lage machte einen starker» Eindruck auf mich, als ihre Schönheit- Angel. Also bin ich doch wirklich schon?- Fullart. Leider! die Männer bleiben, in Rücksicht der Weiber, immer Fremdlinge auf einer wüsten Insel, die von jeder lieblich winkenden Frucht naschen, und hinter drei» schmerzlich dafür büßen. Angel. Das war einmahl ein echtes Ehe- standscompliment. Wirklich, mein Herr, Sie sollten sich ein Patent über diese Kunst auswir^ ken. Fullart. Ich scherze nicht, wenn ich jener Zeiten gedenke. Mein Mitleid verwandelte sich nach und nach in Liebe— Angel. Ein Triumph meiner Reitze. Fullart. Ich both Ihnen meine Hand an— Angel. Die Noth zwang mich, sie anzunehmen. Fullart. DieNoth? vortrefflich!—Nun wohl, auchsdieß Bekenntnis; soll zu Ihrer Beschämung dienen.— Sie waren Wittwe;^hr Gemahl war auf dem Felde der Ehre, den^.od 210 fürs Vaterland gestorben, wie Sie es zu nennen beliebten. Ich machte Sie mit dem sonderbaren Testamente meines Vacers bekannt; Sie sahen, was ich aus Li>-be zu Ihnen wagte; ich zeigte Ihnen die Nothwendigkeit, dieß Geheimniß in ewige Vergesse! H ut zu begraben— A n a e l. Nun ja! ja! ich habe es auch schon langstvergessen. F-u klart. Nein Madam, das haben Sie nicht. Bey jedem Löffel Suppe muß ich den seligen Mann mit verschlucken, und sogar in Gesellschaften sind Ihnen Winke entschlüpft. A nge l. Wer kann jedes Wort wiegen? Fullart. Wenn Ein Wort üoooo Pfund kostet, so ist es wohl der Mühe werth, es zn wiegen. Angel. Genug, mein Herr, Sie ermüden meine Geduld. Fu klart. Nehmen Sie die Meinige zu Hülfe; denn ich bin noch lange nicht fertig. Heute also, Madam, erhielt ich einen drohenden Brief aus London. Mein Vetter, dem nach der Erbschaft lüstert, halt hier seine Spione; diese ehrliche» Leute haben sich die Mühe genommen, Ihre»»gewogenen Worte nachzuwiegen, und kurz! wenn es meinem Vetter gelingen sollte, Beweise Ihrer Wittwenschaft aufzutreiben, so habe ich die Ehre, an Ihrer schonen Hand betteln zu gehn. Angel. Lieber betteln, als langer in dieser Einöde gähnen. Füllort. Das bannen Sie freylich besser beurtheilen als ich, weil Sie beydes versucht haben. Angel. Wie undelicat. Füllort. Auch mit einer Tasse kann man endlich einen Brunnen ausschöpfen. Angel. Warum ließen Sie mich nicht in Flandern? Füllort. Weil ich ein Thor war. Wollte der Himmel, ich hatte die Wittwen eben so sorgsam geflohen als die Reitpferde. Angel. Ha! ha! ha! mochten Sie denn lieber durch ein Reitpferd an den Bettelstab kommen, als durch eine schone Wittwe? Fullart. Beynahe. Denn die Liebe ist daS gefährlichste Wettrennen, weil die Ruhe auf dem Spiele steht. Angel. Ein Stuck Roßbcef verdauen, das nennen die Engländer Ruhe. Ihr Vater war ein kurzsichtiger Patron, ist das meine Schuld?— Nach Ostindien hatte er Sie schicken sollen, wo die Wittwen sich auf den Scheiterhaufen ihrer Männer verbrennen; dort wären Ihre 6000a Pfund in Sicherheit gewesen; und bey den heiligen Kühen der Brammen hätten Sie auch die Reitpferde vergessen, ha! ha! ha!(Sie geht ab.) Dritte Scene. Fn klar ton(alle,».) Hiob! Caro! Socratesl und wie ihr geplagten Ehemänner Alle heißt: lehrt mich die schwere Kunst, eigene Thorheit mit Geduld zu tragen. — Wohl dem Menschen, der sein Unglück auf fremde Rechnung setzen darf! wehe dem Armen, der nur sich selbst anklagen muß. Vierte Scene. Ronsard und Fullarton. R 0 N s.(mit dem Kopf zwischen der Thür.) Pst! Fullart. Was gibt-)? nur näher. 21H > Rons.(kommt Hern,i.) Guter Freund, ist er j vielleicht der Kammerdiener dxs gnädigen Herrn? Fullart. Mehr noch der gnädigen Frau. Rons. Nun gleichviel. Melde er mich ge- ! Hwind. Fullart. Sein Nahme? R o n s. Monsieur Pierre Uonsai ck, cicle- j vant OoneierAe an Oliateau cie Lellevne en !(strumpsAwe, setuellement Premier Vulet ^ äe Onimkre et Oonseiiler priv« än Oomte ! mon maitre, Volontairs clans les troupes äu Ssiut limpire romain. Fullart. Also wohl gar ein Emigrant? Rons. Wir sind auf Reisen. Fullart. Frcywillig? Rons. Die Ehre ist unser Tyrann, wir - folgten ihrem Winke. Fullart. Wohlan, mein Freund, er ist- gemeldet: was steht zu seinen Diensten? Rons. Wie?— habe ich den Tempel der Gastfreyheit betreten, ohne dem schmucklosen Obervriester die gebührende Ehrfurcht— Fullart. Ohne Umschweife, ich bin Thomas Fullarton, der Herr vom Hause. Rons. War ich blind, daß mir der adelichr Stamvel auf dieser Stirn entging! ri4 Fullart. Genug/ mein Freund/ ich mer- ke seine Absicht. Schmeicheleyen sind trübes Wasser/ und im Trüben ist gut fischen. Er sucht vermuthlich einen Zehrpfennig, und will ihn gegen Zungenmünze vertauschen. Aber ich bin ein Dritte und achte diese Münze nicht.(Er greift in die Tasche und biethet Ronsard-in Stuck Geld.) R o n s. Bewahre mich der Himmel vor All- niesen! ich habe die Ehre in Diensten eines Grafen zu stehn/ der in kurzem iVIrri-vuImi sie kr-tnee seyn wird. Fullart(lächelnd.) Irr zmi-tibus inüsto- lium. Rons. Wir sind im Wirthshaus- abgetreten. Fullart. Mit einem großen Gefolge? Rons. Kammerdiener/ Koch/ Kellermeister/ Tafeldecker/ Kutscher-/ Stallknecht/ Jäger— Fullart. Dann bedaure ich den Herrn Grafen; so viele Menschen kann der kleine Gast- hof schwerlich Herbergen. Nons. Sie erlaube»/ da ist Platz genug. Der Herr Graf kennt meine Talente/ und geruhten daher-/ in meiner Person/ alle diese Ämter einem einzigen Zndividuo zu übertragen. l Fullart. Bravo! nun versteh' ich. Kann l ich seinem Herrn in etwas dienen? Rons. Se. Excellenz befinden sich eben in ! nner kleinen Verlegenheit, und da Sie horten, ! daß ein wackerer Edelmann dieses Schloß bewoh- l«, so trugen Sie mir als Dero Kammerdiener auf— Fulla rt. Zur Sache. Rons. In der Qualität eines Jägers ! schoß ich diesen Vormittag ein Rebhuhn— Fullart. Wohl gar in meinem Gehege? Rons. Euer Gnaden werden verzeihen, l>md sich dagegen auf unsern Gütern in Cham- i pagne, so viel Ihnen beliebt, mit der Jagd be- > lästigen. Fullart(lä»elnd.) Nur weiter. Rons. Bey unserer Ankunft steckte ich als ! Koch, das Rebhuhn an den Spieß. Bald nachher fand sich mir der Londner Kutsche auch ein ! Nechtsgelehrter ern, der sehr hungrig zu seyn j schien. Fullart. Das ist hier zu Lande Sitte un- ? tcr den Rechtsgelehrten. ! Ron s. Mein Herr ist ein AniaMiloinma, ' befahl mir, als seinem Ta selb eck er, ^"och ein Couvert zu legen. Das Rebhuhn wurde 2 L 6 erzehrt, und nach der Tafel eine Parthie Ps- guet vorgeschlagen. TkrHerr Graf verloren eine Kleinigkeit von drey Guineen, und verpfändeten dagegen ihr Ehrenwort— Fmllart. Ein kostbares Pfand. Rons. Und doch war der Fremde so unverschämt zu behaupten, es sey keine sichere Hypoe thek. Fuklart. Es fehlt also kurz und gut seinem Herrn an Gelde? Rons. Bewahre der Himmel! er hat einige tausend Pfund bey sich. Fullart. Und kann nicht drey Guineen bezahlen? Rons. Weil zum Unglück sein Taschenbuch^ voller Wechsel, aber sein Beutel ohne Münze! ist. Ein verdammter Straßenräuber nahm uns gestern mit vieler Höflichkeit 5so Guineen ab, die ich, als Cassirer des Herr» Grafen, in einer Katze um den Leib geschnallt hatte. Fullart. Mir zwey Worten also: sein Herr braucht drey Guineen. Hier sind sie. Rons. Ich bin entzückt von dieser Gros- muth, und in Verzweiflung, daß ich keinen Gebrauch davon machen darf. Aul- Fiiklart. Nun zum Henker! was. will er denn eigentlich? Rons. Das point ckNonneuv verbiethet uns, etwas einer Wohlthat Ähnliches anzunehmen. Wir besitzen aber noch einen schonen Reit- klepper, den wir zu verkaufen wünschen. Als Kutscher und Stallknecht habe ich die Ehre, Ihnen denselben für drey Guinecn anzubiethen. Fullart. Ein Reitpferd? Rons. Ich sprach nur von einem Klepper. Er steht bereits uncen im Hofe. F u kla rt. Guter Freund, den kann ich nicht brauchen.' Rons. Warum nicht? es ist ein vermögendes Thier. Wir harten uns vorgenommen, ihm nach und nach das Futter ganz abzugewöhnen, und er ist bereits auf gutem Wege. Füllort. Will denn sein Herr zu Fuße weiter gehn? Rons. Er liebt die Fußreisen. Man verliert sich im Anblick einer schönen Gegend, man verweilt, man ist zu Fuße ungebundener. Fullart. Aber die Fußgänger werden in England nicht sehr geachtet. KytzMe'K-Theater. Bd. K R ons. Wenn man seinen Werth fühlt, so bekümmert man sich wenig um das Urtheil des Pvbsls. Fullart. Mein Freund, das Geld steht ihm zu Diensten, aber das Thier nehme er nur wi.eder mit. R o n s. Ohne Handel kein Geld. Ich bitte gnädiger Herr! ich darf keinen Schilling annehmen, wenn Sie unsern lahmen Reisegefährten verschmähen. Fullart. Aber ich darf keinen Reitklepper — ich brauche keinen. Nons. Desto besser! denn in den ersten vier Woche», mochte er so schwerlich zu gebrauchen seyn. Sollen, wir ihn noch länger füttern, so wird er endlich die Wechsel aus dem Taschenbuch! fressen müssen. Ersparen Sie meinem Herrn die Beschämung. So bald wir wieder im Besitz unserer Güter sind, wollen wir Ihnen ein Paar Korbe voll des köstlichsten irou mousscux schicken. Fullart. Nun, es mag drum seyn. Hier, mein Freund, sind drey Guineen. Ich bin dem Herrn Grasen für sein Zutrauen verbunden, und wenn er gern Rebhühner speist, so lasse-ich ihn lütten, heute Abend mit mir vorlieb zu nehmen. h- !U gi i bt i' IN i^ fe ei 1. ?. si e v e S i b S 21Z R o ii s. Es leben die Engländer! sie versieg Heu die Kunst, einem liomina do^n-dite, einem pnuvre stontenx, mit Anstand aus der Noth zu helfen. Ich eile, dem Herrn Grafen, das Geld und Ihre Einladung zu überbringen und wenn Sie diesen Abend zu einem Probchen französischer Kochkunst Belieben tragen/ so befehlen Sie nur über Idurru Ilonsaid, prämier Ouisinier du Ociinte son Nnilre et Vo- lontnire dansdes trouzrvs du 8ni,N Lmzüre koinain.(Er. geht ab.) Fünfte See n e. Firllart o i>(allein.) Die arme» Teufel dauern mich. Zwar hatten^ sie nie ein Vaterland/ aber sie bildeten sichs doch ei»/ wie der Wahnsinnige an der Kette Kömg oder Kaiser zu seyn wähnt.— Ich sollte wohl eigentlich der Letzte sey»/ der Mitleid für Emigranten fühlt; denn ach! eine Emigrantinn verbittert mir dar Leben.— Heute hoffe ich sie ein Mahl bey guter Laune zu sehn, da-ich ihr ei- Mn, Landsmann zu Gaste gebethen habe. K 2 22 o Sechste Scene. Ein Stallknecht. Füllort on. Stallkn. Squire! Füllort. Was gibts? Stallkn. Der Squire hat einen schlechten Handel gemacht. Fuklart. Wie so? Stallkn. Das Thier ist lahm. Füllort. Immerhin. Stallkn. Blind auf einem Auge. Füllort. Hat nichts zu bedeuten. Stallkn. Haut und Knochen. Fullart. Führe es in den Stall und füttre »s gut. Stallkn. Es ist nicht fünf Schilling werth. Füllort. Geh und thu was ich dar sage. Stallkn. Meinetwegen.(Er geht ab.). Siebente Scene. Fullarton(allein.) Bravo, Herr Graf! um sich den Dank zu 2 21 ersparen, belästigen Sie ihren Wohlthäter mit^ einer unnützen Creatnr.—> Pfuy! es ist eine häßliche Seite am Menschen, daß er so ungern danken mag. Dank ist doch nur ein Geständniß, daß man Hülfe suchte und fand. Warum schamtman sich denn gesund e n zuhaben,was man sich nicht zu suchen schämte? Achte Scene. Master Warbifax. Fu klar ton. M. Warb. Friede und Segen über diese« Haus! Fullart. Das wolle der Himmel und mein Weib! wem verdank' ich diesen frommen Wunsch i M. Warb. Dem Rechcsgelehrre» Master Warbifax. Fullart. Ein Rechtsgclehrter und Friedet das klingt seltsam. M. W a r b. Ich hoffe alles in der Güte bey zulegen. F u l l a r t. Also kommen Sie doch um etwa» beyzulegen? M. Warb-'Allerdings. """ 222 Fullart. Darf ich fragen woher? und vott wem? M. Warb. Aus London von Ihrem Vetter. Fullart. Wirklich? und was begehrt mein theurer Herr Vetter? M. Warb. Eine Kleinigkeit von 80000 Pfund Sterling. Fullart. So? ich wünsche ihm alles Gutes und folglich auch diese Kleinigkeit. Vermuthlich denkt er einen Schatz zu heben? M. Warb. Eine Erbschaft. Fullart. Ey! gratulire! und wie heißt der Ehrenmann, der ihm eine so ansehnliche Summe hinterlassen? M. Warb. Weyland Sguire William Ful- larton. Fullart. So hieß ja mein Vater? M. Warb. Der Nähmliche. Fullart. Sie scherzen. M. Warb. Ich habe in meinem Leben noch nicht gescherzt. Fullart. Ein zweyter Cato. M. Warb. Ich verbitte mir dergleichen Injurien; ich bin ein guter Christ. Fullart. Und Ihr christlicher Begehren? ? M. W a r b. Ich stehe hier, ei» Diener der ^ Gerechtigkeit— F u l l art. Die gute Frau ist zuweilen schlecht ^ bedient. M. W a r b. Und frage Sie deutlich und vernehmlich: Sind Sie gesonnen, Ihrem Vetter die Erbschaft gutwillig abzutreten? Fullart. Ganz und gar nicht. M. Warb. Sie erinnern sich doch der ausdrücklichen Bedingung Ihres Hertn Vaters? Fullart. Vollkommen. M. Warb. Sie sollten keine Wittwe hei- ^ rathen— Fullart. So ist es. M. Warb. Und kein Reitpferd halten— Fullart. Ganz recht. M. Warb. Sie haben beyde Puncte uber- ^ treten. Fullart. Wie so? M. W arb. Ihre Frau Gemahlinn ist eine Wittwe. Fucklart. Noch nicht. M. Warb. Aber sie war es. Fullart. Beweise. M. Warb/ Eignes Bekenntniß. Fullart. Wessen? 224 ' M. Warb. Der.Mistreß Fullarton. Fullar t. Sie hat gescheht. M. Warb. Gleichviel/ wir werden uns die Erbschaft in allem Ernst auskitten. Fullart, Wenn die Gesetze Ihrer Meinung sind. M. Warb. Wir haben Zeugen, die zu schworen wissen. Fullart. Wie viele? M. Warb. Sechs. Fullart. Gut, ich stelle deren zwölfe, die das Gegentheil beschwören. M. Warb.(hämisch.) Wir lassen gewisse Bauern aus Flandern kommen. Fullart.(erschrocken.) AuS Flandern? M. Warb. Sie sind schon unterweges. Fullart.(Bey Seite.) Verdammt! -M. Warb. Sie sehen, wir sind gut unterrichtet. Fullart. Vermuthlich war der Teufel Ihr Spion, und der ist ein Lügner von Anbeginn. M. Warb. So hat der Teufel uns auch wohl vorgelogen, daß Sie heute ei» Reitpferd gekauft haben? Fullart. Ich? ein Reitpferd? """> 225 M. Warb. Von dem Franzosen unten im Wirthshaus«. Fmllart. Es ist blind und lahm. M. W a r b. Gleichviel, es ist ein Reitpferd. Fullart. Als mein Vater diese wunderliche Bedingung machte^ da wollte er der Möglichkeit vorbeugen, die Erbschaft bey den Pfetderen- nen in Newmarket zu verschleudern. M. Warb. So scheint es. Fullart. Da Sie nun wohl einsehn, welche elende Figur ich mit einem blinden und lahmen Klepper, bey Pferderennen spielen würde; so folgt ganz natürlich, daß ich meines Vaters Geboth nicht übertreten, sondern den Geist seines letzten Willens pünctlich erfüllt habe. M. Warb. Was kümmert mich der Geist, ich halte mich an die Worte. Fullart. Aber wenn mein Vater ausEly- sium zurückkehrte, würde er seine Worte anders auslegen? M. Warb. Die Todten kommen nicht zurück, um Testamente auszulegen, dafür hat ma» lebendige RechtSgelehrte. Fullart. Aber ich habe nie auf dem Pferde gesessen, und werde auch nie darauf sitzen, folglich ist eS nicht mein Reitpferd. S2V M. Warb. Falsch! Im Testamente steht nichts vom darauf sitzen, sondern nur vom halten. Das Pferd ist m ihrem Stalle, Sie hahen drey Guineen dafür bezahlt, folglich halten Sie es; folglich haben Sie die Bedingung nicht erfüllt; folglich ist Ihr Vetter Erbe. Fullart. Vortrefflich! wenn mein guter Vater wüßte, daß ich, um einem armen Teufel aus der Noth zu helfen— M. Warb. Ihr Herr Vater weiß das nicht, und braucht er auch nicht zu misten. Dw Worte sind klar. Es lebe die buchstäbliche Auslegung der Gesetze! Fullart. Ich wollte, daß der Er- Llare- I sl cle kennee beym Teufel wäre! M. Warb. In Gottes Nahmen! Neunte Scene. Graf Valcour. Ronsard. Die Vorigen. Va lc.(mit einer Vcrbeugnnq.) Mein Herr—' Fullart.(perdrüßiich.) Gehorsamer Diener. Valc. Empfangen Sie meinen herzliche» Dank— Füll a r r. Wofür? Valc. Sie haben mich großmüthig in den "Stand gesetzt, eine Ehrenschuld abzutragen. Fullart. Das thut mir sehr leid. Valc. Wer so edel aus der Noth half, der taun es unmöglich bereuen. Fullart. Doch mein Herr! denn dieser Liebesdienst kostet mich mein ganzes Vermögen. Valc. Wie so? Fullart. Eine Grille meines Vaters legte mir auf, nie ein Reitpferd zu halten, oder seine Erbschaft meinem Vetter abzutreten. Valc. Nun? Fullart. Nun, hier steht Master Warbi- sax, ein großer Rechtsgelehrter. V a l c. Und großer Piguetspielsr. Fullart. Er kommt, die Ansprüche meines Vetters geltend zu machen. Valc. Mit welchem Rechte? Fullart. Wett ich ein Reitpferd gekauft Habs. Valc. Mein Reitpferd? Fullar t. Ja doch, ja! , Valc. Hier ist ein Irrthum. 228 M. Warb. Keinesweges. Valc.(zu Sullarton.) Haben Sie das Thier gesehn? Fuklart. Nein, und ich will es auch nicht sehn. Bekommt mein Vetter die Erbschaft, so mag er auch-die Bestie behalten. Valc. Ronsard, ich will nicht hoffen, daß du dem Sqüire ein Reitpferd verkauft hast. Ron s. Bewahre der Himmel! Füllort. Wie, mein Freund?— Rons. Ich habe mich wohl gehüthet, das Thier anders als mit dem Nahmen Klepper zu bezeichnen. M. Warb. Reitpferd, Reitklepper, ist das nicht einerley?, Rons. Keinesweges, sintemal es nur ein Maulthier ist. M. Warb. Ein Maulthier? Valc. Za, mein Herr, ein Maulthier. Füllort. Ich lebe wieder auf. Rons. Es trug in der letzten Campagne meines Herrn Bagage, und wurde um seiner treuen Dienste willen zum Reitklepper avancirt. M. Warb.(spöttisch.) Der Herr Graf sind also auf einem Maulthiere geritten? Male. Warum nicht? ich bleibe immer Graf/ 229 und wenn ich auch auf einer Katze reite/ so wie ge- wisseljeute immer Esel bleiben würden, und wenn sie auch auf dem Bucephalus saßen. Füllort. Nun Master Warbifax, es lebe die buchstäbliche Auslegung der Gesetze! Da mein Vater nur von einem Pferde gesprochen/ so werden Sie einsetzn— M. Warb. Ja, ja, ich sehe em, daß ich nichts verliere, wenn ich auch dieß Argument fahren lasse. Die Wittwe werden die Herren mir doch nicht weg demonstriren? V a lc. Die Wittwe? Was will er damit sagen? Fullart. Noch eine Grille meines Vaters. Er lebte mit einer Wittwe in unzufriedener Ehe, und verboth mir daher eben so strenge, eine Wittwe zu hcirathen, als ein Reitpferd zu halten. Valc. Und dieses Verboth----? Fullart. Der allwissende Herr hier gibt vor, cS sey übertreten worden. M. Warb. Und kann es beweisen. Fullart. Nicht so leicht, als Sie denken. Ich habe in Flandern eine junge französische Emigrantinn geheirathec, die es doch wohl selbst am besten wissen muß, ob sie Jungfrau oder Wittwe war. 25c» M. Ward. Eben ihr eignes Bekenntniß— Fullart. Das«vollen mir bald hören.(S, »ffnet eine Scitcnthiir.) Angeligue! kommen Sie doch «in wenig heraus. Valc.(etwas betroffen r«v Seite.) Angelique? Zehnte Scene. Angel ique. Die Vorigen. Angel. Gott sey Dank! hier ist Besuch, wie tch sehe.(Sie erblickt Valcouv, schreyt lautauf, schlägt beyde Hände vor das Gesicht, und läuft davon.) Fullart. Nun, was soll das heißen? M. W a rb. Das böse Gewissen, ha! ha! ha! Fü klart. llubegreiflich! Valc. War das Ihre Frau Gemahlinn? Fullart. Leider ja! V a l c. Ich wünsche Ihnen Glück, mein Herr, Ihr Prozeß ist gewonnen. M. Warb. Wie so? Va lc. Die Dame war keine Wtttwe. M. Warb. Woher kennen Sie wissen— Valc. Das kann niemand besser wissen als ich, denn ich hatte die Ehre, ihr Mann zu fcyn. 25l Fullart. und Warb.(zugleich.) Ihr Mann? R 0 N s.(mit einem Seufzer.) Ja, ihr Mann! FuIlar t. Sie sind Graf Valcour? Valc. So heiße ich. Fuklart. Und blieben nicht in der Schlacht bey N e er winden? Bake. Ich wurde schwer blessirt. Halb Zufall und halb mein eigener Wille sind Schuld, daß meine Frau mich todt glaubte. Ful da r r.(umarmt ihn feurig.) Gott sey Sank, daß Sie leben!— aber es thut mir leid, Herr Graf— Vale. Mir ganz und gar nicht. Füllort. Sie sind der rechtmäßige Besitzer— Valc. Ich mache keine Ansprüche. Füllort. Ich trete Ihnen Ihre Frau herzlich gern wieder ab. Valc. Sehr verbunden. Füllort. Und gebe Ihnen das Maulthl-r oben drein. Valc. Sie sind beyde in guten Handen. Fullart. Mein Gewissen verbindet mich, Ihnen tleseS Anerbiethen zu machen. Valc. Und meine Ruhe verbindet mich, es abzulehnen. 232 Rons. Es ist doch eine köstliche Sache um die feine Lebensart! M. Warb. Meine Herren, Sie machen^ mich ganz confus. Wer weiß, was sie unterem- h ander verabredet haben? Aber ich verlange Beweise. Fullart. Eignes Bekenntniß, Master„ Warbifap. M. W a r b. Die psi'Zona rzuaestionis hat( noch kein Wort dazu gesagt. H- ulla r t. Sprach ihr Schrecken nicht laut genug?, Ä. Warb. Die Gesetze verordnen nichts vom Schrecken. ullart. Nun, so wollen wir die P6V80- na^naosüunis selbst hören.(Er tritt a» die S«i- wnthur.) Angeliqiie! Ihre beyden Männer wünschen Sie zu sprechen. Ei lft e Scene. A n g e l i g u e. Die Vorigen. Angel,(unmäßig lachend.) Ha! cha! hü! ha! ha! Fullart. Sie lachen? 253 ' Angel. Aber sagen Sie mir um deS Himmel-willen, worüber soll ich denn weinen? Manche arme Dirne grnmcsich, das; üe leinen Mann -bekommt, und mich'hat Gott mit zweyen gesegnet. Ha! ha! ha! ha! ha! Fuklart. Ich finde das eben nicht sehr komisch.' Angel.(j>, Belcour.) Willkommen, Herr Graf! Valc. Gehorsamer Diener, Madam. Angel,(auf Füllorts» zeigend.) Ich habe die Ehre, Ihnen meinen Mann zu prasentiren. Valc. Ich wünsche Ihn«n Glück zu einem so braven Manne. Angel,(zu Fullarton, auf Dalcour deutend und laut lachend.) Squire Fullarton, ich habe dieEH- re, Ihnen meinen Mann zu prasentiren. Fullart. 24 weiß kein Wort in meiner Sprache für Ihre ütounäeiie. Angel. NonZiour Ronsard, kennst du mich noch? Ro» s.(sich die Backe reibend.) O ich habe Ew. Gnaden schon von ferne an der Hand erkannt. Angel,(zu Valcsur.) Sie leben also wirklich? Valc. Um Ihren Verlust zu beweinen. Angel. Sehr galant.(Sie verbeugt sich.) Aber 2^4 wie ist mir denn? Mich dünkt, Sie wurden be§ b Neerwinden erschossen? d Valc. Beynahe. d Angel. Und du Ronsard, wurdest als Spion^ gehangen?.0 Rons. Beynahe. Angel. Ha! ha! ha! Sie nicht erschossen, l du nicht, gehangen; wißt chr auch, daß auch dar in Verlegenheit setzt?! Fullart. Wie so? Angel. Wer von ihnen beyden ist denn nun eigentlich mein Mann? V alc. Der Sguire ist so gütig, mir feine Rechts abtreten zu wollen. Fullart. Aber der Herr Graf ist so bescheiden, den Deinigen zu entsagen. Valc. Es sey ferne von mir, ein glückliches Paar zu trennen. Fullart. Ich werde mich als Philosoph darein zu finden wissen. Valc. Ich kann den Gedanken nicht ertragen, die Ruhe einerglücklichen Familie zufrören. Füll a r t. Fürchten Sie nichts. Die Ruhe war mein- alte Geliebte, welche der jungen Gattinn hat weichen müssen. Angel. Sehr schmeichelhaft, meine Herren! -255 (Zu Sttllarton.) An Ihnen, Herr Gemahl, bin ich den Mangel der feinen Lebensart schon gewohnt; denn der Steinkohlendamps hat 2heen G^Ü tim- nebelt.(Zu Vaiconr.) Aber Sie, Herr Gemahl, -an den Ufern der Marne groß gezogen— V ale. Sich selbst für Andre vergessen, ist die Quintessenz der seinen Lebensart. Angel,(zu Aullarton.) Ich soll al>o bey Ihnen bleibend Fullart. Tue Lieblingstugend eines Dritten ist Gerechtigkeit. Ältere Ansprüche vernichten die Meinigen. Angel,(zu Valeom.) Wohl, so zieh ich mit Ihnen. Valc. Sie treiben die Gastfteyhsit zu weit, mein Herr! Fullart. Und Siedre Bescheidenheit. Valc. Was Angettque hier verließe, würde sie bey mir nicht wieder finden. Fu ll a r t. Und was sie in Ihnen verlor, ka m ich ihr nicht ersetzen. Valc. Eine beschwerliche Reise— F u llar t. Das Reisen ist ihre Liebhaberey. Valc. Der Mangel mern Gefährte— Fullart. Mangel ist weniger drückend, als Langeweile; nicht wahr Madam? 236 Angel. Ein edler Wettstreit. Ich bin begierig zu sehn, wie die Herren sich vergleiche,, werden. Valc. Ist es Ihnen denn ganz gleichgültig, wem von uns beyden Sie zu Theil werden? Angel. So ziemlich, ihr taugt beyde nicht viel. Valc. Wohlan! weil Sie mir die Wahrheit von der Seele pressen, so muß ich kurz und deutlich erklären: daß ich lieber mein Haupt unter die Guillotine legen, als zum zweyten Mahlmeinen Vaeken unter dieß blumenreiche Joch beugen will. Fullart. Und ich, mein Herr— eine Aufrichtigkeit ist der andern werth— ich will mich lieber nach Lntaii)- Un)- schicken lassen, als länger mir ihr unter einem Dache Hausen. A u g e l. Allerliebst! die Herren sind vermuthlich eine Wette eingegangen, wer einer Dame die meisten Jmpertinenzien zu sagen versteht. Fullart. Nun Master Warbifap, Sie schweigen? M. Warb. Ich schweige. F n l l a r t. Wie steht es um die Erbschaft? M. Warb. Schlecht. Fullart. Wissen Sie was, bringen Sie meinem Vetter, statt der Erbschaft, eine Frau. M. War b. Zu einem solchen A.otus in prae- jlläilnnm tei'Ni bin ich nicht bevollmächtigt. Angel. Wißt ihr auch, daß meine Geduld nicht so unerschöpflich ist, als das Ohlkrüglein der Wittwe zuSareptaD— Ich verlache euch beyde von ganzem Herzen, und wenn ein Rechtsgelehrter hier wäre— Fullart. Nun geschwind, was wurden Sie thun? Hier steht Master Warbifap, ein berühmter Londner Ädvoeat. Ange l. Wirklich? Wohlan, mein Herr, welche Belohnung darf ich Ihnen biethen, wenn Sie mich von diesen Ungeheuern befreyen, und machen, daß ich von beyden geschieden werde? M. Warb. Eine Frau, die zwey Männer hat, ist nach unsern Gesetzen des Todes schuldig. Angel,(lachenv.) Warum nicht gar! Fullart. Das sey ferne! Ich wünschte Sie auf eine lustigere Art los zu werden, und ich dachte, es ließe sich wohl noch ein Ausweg finden. M. Warb. Das Gesetz ist klar. Fullart. Es spricht aber nur von zwey Männern. Wenn nun eine Frau auf den Einfall käme, ihrer dre y zu heirathen? M. Warb. Dann wäre sie gerettet. """ 239 Rons.(bey Seite.) Ach! nun wird die Reih? an mich kommen. Fullart. Es lebe die buchstäbliche Auslegung der Gesetze! Master Warbifax, Sie sind noch ein Jungaesell? M. W a rb. In allen Ehren. Fullart. Wohlan, wir treten Ihnen unsere Frau ab. M. Warb, Sehr verbunden. Fullart. Wie viel versprach Ahnen meur Vetter, wennSie mir die Erbschaft wegnahmen! M. Warb. Tausend Pfund. Fullart. Nehmen Sie mir die. Frau, und ich gebe Ihnen Zehntausend. M. Warb. Zehntausend? Valc. Jetzt fühle ich zum ersten Mahle das Drückende meiner Armuth. Wie gern möchte ich mit Ihnen wetteifern, edler Mann! wäre doch wenigstens das Maulthier noch in meiner Gewalt. M. Warb. Wenn dem Squire daSAncrbie- then Ernst war— Füll a r t. Mein völliger Ernst. A n g e l. Ohne mich zu fragen? Fullart. Sie bekommen einen rüstigem Mann, C i-e werden in der Residenz leben— Auge l. Und Sie, Herr Graf? Vale. Ich kann nichts thun als Ihnen Glück wünschen. Angel. Gan-, wohl, meine Herren. Hak ha! ha! ich wollte in diesem Augenblicke lieber den Teufel heirarhe», als länger Ihre Selavinn bleiben.(Zu Warbifax.f Also— wie beißen Sie? M. Warb. Master JonaS Warbifax. Angel. JonaS— ein häßlicher Name ,— doch Sie sind ja auch häßlich.(Sie reicht ihm die Land.) Wenn es Ihnen gefällig ist— M. Warb. Ja, es ist mir gefällig. Fullart. Gott Lob! W. Warb. Vorausgesetzt, daß alles in der gehörigen Form Rechtens— Fullart. Sie mögen selbst das Instrument darüber aufsetzen.. M. Warb.. Noch in dieser Srunde.. Angel'. Und wann reisen wir? M. Warb. Noch diesen Abend. Angel. Herrlich! Vortrefflich! in ein Paar Minuten bin ich reisefertig.(Mit. einer, ticfen, höhnischen Verbeugung.) Meine Herren, ich bin Ihre Dienerinn. Bald wird eS mir vorkommen ,, wie st» schöner Traum, daß ich einst.das.Glück harre Ihnen anzugehören. Indessen werde ich immer, den lebhaftesten Antheil an Ihren Schicksalen 24<1 nehmen, und mich herzlich freuen, wenn ich hon — daß Sie sich beyde zu Tode gegähnt haben, ya! ha! ha!(sie hüpft fern) Valc. Bravo! sie findet sich mitAnstandin ihr Schicksal. K M. War b. Sehr kurios! aber nichts desto- weniger sehr ersprießlich! Fullart. Eine sonderbare Begebenheit. Nons. Es gibt Stoff zu einer rührenden Ballade. Fullart. Man könnte ein Lustspiel daraus machen. Valc. Aber ohne Moral. Fullart. Warum? die Moral ist: Mensch! du erkaufst deine Ruhe nie zu theuer. Um ein böses Weib los zu werden, gib, wenn es, seyn muß, dein halbes Vermögen. Valc. Und dein letztes Reitpferd obendmm Der Der Wildsau Ein Lustspiel für die Verdauung i u tzrey Auszügen- iErsch i c-«-»797.) Kotzebue's Theater. 7. Bd. S Personen: Baron Fritz Wellinghorst. Herr Felix, sein Hofmeister. Krau von Vrumbach. Nantchen, ihre Tochter. Lisch en, ihr Kammermädchen. Herr von Pifselberg, ein Landjunker. Hans MolkuS, ei» Invalide, mit einem holjerm» Fust^ «in Friseur. Die Eeene ist in einem MirthShause- 2^3 Erster Act. (Ein Saal im Wirthshaus, mit einer Mittelthür und mehreren Seitenthürcn, welche mit Zahle» bezeichnet sind.) Erste Scene. Fl' ltz(steht mit verschränkten Armen vor einer Seite,!» thür, und begaff« die Zahl.) Numero drey— eine geheimnißvolle Zahl— man geräth in Versuchung, ein Pythagoraer zu werden.—Aber ich gehe nicht von der Stelle, bis ich weiß, wer hier wohnt.—- Eine weibliche Gestalt, so schon, als habe Angelica Kaufmann sie auf Leinewand gehaucht.— Frau oder Mädchen!— O, gewiß ein Mädchen! Verwendet sie doch in der Kirche kein Auge von dem alten Prediger; und wenn mein Blick ihr begegnet, so glühen ihre Wangen wieApfsl- L 2 244 klüthen.—Am Ende gilt das gleichviel—Fnh! Fritz! du lügst.(Aus sein Herz deutend.) Hier flüstert etwas: möchte es doch ein Mädchen seyn! — ein freyes Mädchen!— Zweyte Seen e. Lischcn. Molkus. Fritz, ' Lischen(tritt in die Thür und ruft:) Molkus! M»lkl»s(hinter der Scene.) Hier! Lischen. Bring Kaffeh!(Sie gW wik!« hinein.) Molk^Gleich! Fritz. Ein schnippisches Ding. Das Kain- merkätzcheii vermuthlich. Der müssen wir eins Hand voll Gold in den Schooß werfen. Molk.(bringt Äaffeh.) F r i tz. Wo willst du hin? Molk. Du?— Ich habe mit Niemanden Brüderschaft getrunken. Fritz- Nehme Er mir'ö. nicht übel. Wohin Ringt Er den Kaffeh? Molk. Auf Numero drey. Fritz, Wer wohnt auf Numero drey? 245 Molk. Heute Dieser, morgen Jener, wie es in Wirthshäusern zu gehen pflegt. Fritz. Eulenfpiegel! ich will wissen— Molk. Herr! wenn Einer etwas weiß-, und der Andere etwas wissen will, so muß er dafür bezahlen. Fritz« Nicht mehr als billig. Hier sind drey halbe Gülden—- Molk. Ah, so! wer vernünftig fragt, dem wird geantwortet. Hier auf Numero drey wohnen drey Frauenzimmer. " Fritz. Wer sind sie? wie heißen sie? w» kommen sie her? wo wollen sie hin? wie lange werden sie hier bleiben? Molk. Ich weiß nicht, ich weiß nicht, ich weiß nicht. Fritz. Du wirst doch ihr« Nahmen wissen? Molk. Ihre Nahmen? Ja, die stehen im Thsrzettel. Fritz. Nun? Molk. Die Alte heißt Frau von Drum- lach. Fritz. Brumbach? Der Nahme bedeutet nichts Gutes. Mols. Die kleine schelmische Dirne heißt Aschen, und ist ihr Kammermädchen. 2^6 Fritz, Und das runde Engelsköpfchen? M o! k. Was für ein Engelsköpfchen? Fritz. Das griechische Mädchen mit dem Schwanenhals und dem Lilienbuscn? Molk. Das versteh' ich nicht. Fritz. Tölpel! Wer ist das dritte Frauenzimmer? Molk. Tölpel?—(Er wiegt das Geld auf der Hand.) Drey halbe Gulden— der Tölpel mag pafsiren. Fritz. Nun? Molk. Das dritte Frauenzimmer ist das gnädige Fräuleist. F ritz. Und sie heißt? Molk. Nun sie heißt vermuthlich wie ihre Mutter. Fritz. Fräulein Brumbach? pfuy! so muß sie nicht heißen. Molk. Gebe ihr der Herr einen ander» Nahmen. Fritz. Das werd'ich/ Bursche/ bey Gott! das werd' ich!— weißt du nichts mehr? Molk. NichtS/ als daß der Kaffeh kalt wird.(Er geht in das Zimmer.) Fritz. Also Fräulein Brumbach?—Pfuy! der Nahme macht mich eiskalt.— Aber was kann dar hübsche Mädchen für seinen häßlichen Nahmen? und sieht es mchr in meiner Macht, sie heute oder morgen umzutaufen? Baronesse Wellinghorsi, das klingt besser. Wenn ich nur erst wüßte, wie ich es ansangen soll, bekannt mit ihr zu werden?—(Er guckt durch das Schlüsselloch.) Da seh' ich einen grünen Sofa, aber eS sitzt Niemand darauf.— Rechter Hand hangt ein Spiegel, aber es steht Niemand davor. Ich muß doch ein wenig lauern. (Als er eben wieder das Auge a» das Schlüsselloch legt. öffnet Lischen die Thür, und rennt ihn be,nahe»wer den Haufe». Dritte Scene. Fritz. Lischon. Lisch en Nutzend.) lAho! was bereutet du.-? Fritz. Eine förmliche Belagerung, meui schönes Kind; aber du rhust einen Ausfall, und der Feind retirirt sich. Lisch. Hab' ich Ihnen Schaden gethan, mein Herr? Fritz. Durch deine schwarzen Äugen, ja, Lisch. Darf ich fragen, mit wem.Sie zu sprechen verlangen? Fritz. Mit dir, liebes Mädchen. Lisch. Mit mir? nun, hier bin ich. Fritz. Sage mir doch, bey wem dienst du? Lisch. Bey der Frau von Brumbach. Fritz. Wer ist die Frau von Brumbach? Lisch. Mein schöner junger Herr, da fragen Sie mich zu viel. Ich bin erst seit drey Wochen bey ihr. Von meiner Vorgängerinn konnt ich auch nichts erfahren; denn die hat nur vierzehn Tage bey ihr ausgehalten. Fritz, lind du schon drey Wochen? das macht dir Ehre. Lisch. Auch ist meine Geduld schon so dünne geworden, wie ein Herbstfaden auf der Wiese, und wenn das liebe Fräulein nicht wäre—- Fritz. Das liebe Fräulein, ja wohl! dar allerliebste Fräulein! Lisch. Kennen Sie sie? Fritz. Ich kenne nichts als sie, ich habe in meinem Leben nichts anders gekannt.. Lisch, Wo haben Sie sie denn gesehen? Fritz. Gestern in der Kirche. Lisch. Sonst nie? Fritz. Sonst nie. 24g Lisch,(lächelnd.) Die Bekanntschaft ist ein- wenig jung. F r i tz. Ich bin auch jung, und das Fraulein ist auch jung, und kurz, ich bin zum Sterben in sie verliebt. Lisch. Ey! davon wissen wir nicht ein Wort. Fritz. Aber ich weiß es"auswendig. Lisch. Haben Sie oft dergleichen Anfalle? Fritz. Ich muß dir sagen, Lischen, ich bin seit meinem achten Jahre immer verliebt gewesen, und ich hoffe, ich werde verliebt seyn, bis in mein Achtzigstes. Lisch. Der letzte Gegenstand Ihrer Liebe wird zu beneiden seyn. Fritz. Der Letzte ist dein Fraulein. Ich werde sie ewig lieben. Lisch. Ewig? Fritz. Nicht eine Stunde weniger. Lisch. Das läßt sich hören. Die Ewigkeit ist ein allerliebstes kleines Ding, besonders in dem Munde eines jungen Herrn von zwanzig Zähren. Fritz. Ein und zwanzig, wenn es dir beliebt. Lisch. Ein und zwanzig? da bitte ich um 25o Verzeihung. Aber darf man nicht wissen, wie der irrende Ritter heißt, den mein holdes Fraulei» zu ihrem Sclaven gemacht? Fritz. Baron Welttnghorst. Ich bin reich, habe weder Vater noch Mutter; morgen werde ich mündig, und kann thun was ich will. Lisch. So, so, wenn Mir das Fraulein auch thun dürfte, was sie will. Fritz. Meinst du, sie werde wollen? Lisch. Warum nicht? hier eine alte böse Mutter, dort ein junger freundlicher'Herr; hier ein Glas Rhabarber, dort ein Glas Mandelmilch— Fritz. Du entzückst mich! ich muß dich küssen. Lisch,(sich sträubend.) Pflegen Sie immer das Kammermädchen ihrer Geliebten zu küssen, wenn Sie entzückt sind? Fritz. Immer, immer, das ist so meine Art. Lisch. Die jungen Herren küssen, die alte» geben Geld. Fritz. O, über diesen Punct bin ich ein Methusalem.(Er gibt ihr eine volle Börse) Da kleiner Schelm'! Lisch.(Mit verstellter Weigerung.) Nicht dclh 25t — so war es nicht gemeint— wahrhaftig Sie sind unwiderstehlich. Fritz. Wollte Gott, dein Fräulein spräche eben so. Lisch. Wer weiß— F ritz. Sag' ihr, daß ich schmachte- wie Sieg- wart, brause wie Werther— Lisch. Und liebte, wie Tom Io nes. Fritz. Daß ich schüchtern und bescheiden— Lrsch. Funken sprühe, wie eine Rakete— Fritz. Die sich endlich m sanfte Leuchtkugeln auflöst. Lisch. Aber die Leuchtkugeln verlöschen. Fritz. LiebesKind, man muß ein Gleichnis; nie zu lange fortsetzen, daS taugt nicht. Laß uns von meiner Dankbarkeit sprechen, die eben so ewig als meine Liebe— Lisch. Ich bin mit vier Wochen zufrieden. Fritz. Scherz bey Seite, du könntest mich in eine dankbare Wuth versetzen—(Er zieht einen Brief aus der Tasche, de» er hin und her dreht.) Wenn du zum Beyspiel diesen Brief besehen wolltest— Lisch. Recht gern.(Sie besieht ihn.) ES ist ein Brief ohn? Adresse. Fritz. Er ist von nur, durch dich, an meine künftige Braut adreffirt. 25s Lisch. Eine Braut ohne Nahmen? ich kann ihn also gebe»/ wem ich well. Fritz. Nur nicht der alten Frau von Brumbach,.lieber behalt' ihn selbst- Lisch. Nein, mein schöner junger Herr von ein und zwanzig Jahren, so auf der Post wie ein Brief, geht man nicht in der Liebe. Fritz. Amor fahrt mit Tauben, und die Tauben fliegen. Sobald er Schnecken vorspannt, werd' ich auch langsamer gehn. Lisch. Mein Fraulein weis; noch nicht einmahl, daß Sie epistiren, und soll sich schon in Correspondenz mir Ihnen einlassen. Das ist gefährlich. Fritz. Sie soll nur lesen. Lisch. Vermuthlich ist der Brief aus Ihren Augen abgeschrieben? Fritz. Wort für Wort. Lisch. Nun, so weiß ich ihn schon auswendig. Fritz. Aber ein Abgesandter ohne Creti- tiv— Lisch. Geduld! Geduld! Fritz. Das Work sieht nicht in meinemLe- zstcon.' Lisch. Schreiben Sie es hinein. Verwah- 255 rrn Sie Ihren zärtlichen Brief. Ich werde ihr. sagen, daß ein junger schlanker Herr mit einem Paar großen wilden Augen sich entschlossen hat, sie ewig zu lieben. Wars nicht so? Fritz. Nichtig. Lisch. Daß er Baron, und reich ist; daß er morgen mündig würd. Fritz. Gau; recht. Lisch. Und daß erste übermorgen Heimchen will. Fritz. Warum nicht Morgen Abend? Lisch. Wenn nur die Mama nicht karg mit ihrem mütterlichen Segen ist. Fritz. Der Zufall hat mich barouisirt, der Zufall hat mir zwey schone Rittergüter vermacht; was kann sie gegen mich einwenden? Lisch. Sie wird sagen: Kinder müssen nicht hcirathen. Fritz. Das mag sie um ein Paar Jahr zu unsern Kindern sagen. Lisch.- Die Mutter theilt den Myrthen- kranz nicht gern mit der Tochter. Fritz. Was? will die Alle selbst zur zweyten Ehe schreiten? Lisch. Zur Dritten. Frrtz. Bravo! s54 Lisch. Den ersten Mann hat sie todt geärgert/ der zweyte ist ihr davon gelaufen/ den dritten wird sie schon besser einsperren. n Fritz. Wahrhaftig? und doch führt sie das Fräulein mit sich herum? will Gurken verbau- t fen, und hat Melonen bey sich? s Lisch. Wir bilden uns ein, die Melonen r wären noch nicht reif. Wir nennen Fräulein Nantchen nur das kleine Mädchen/ das Kind. Fritz. Fräulein Nantchen? heißt sie Nantchen? Lisch. Ja. .Fritz. Ein allerliebster Nahme! der Nahme entzückt mich! ich muß dich küssen. Lisch. Schon wieder? Fritz. Wenn dein Fräulein noch ein halbes Dutzend solche hübsche Nahmen hat, so küsse ich dich noch sechs Mahl. Lisch. Gemach, mein Herr! wer uns überraschte, sollte denken, Sie waren in mich verliebt. Fritz. Warum nicht? ich bin auch in dich verliebt. Ich bin ein Mahl in acht Mädchen zugleich verliebt gewesen. Lisch. Eine saubere Empfehlung.! s55 Fritz. Damahls war ich noch jung. Lisch. Freylich, die Beständigkeit kommt nicht vor den Jahren. Fritz. Aber wenn du meinst, ein getheiltes Herz brenne darum schwacher, so soll das Feuer meiner Küsse dir sogleich beweisen—(S- will sie umarmen.) Lisch,(sich sträubend.) Herr Baron! Herr Baron! Felix(!N der Thür stehend.) Fritz! Fritz! Lisch,(kreischt und läuft davon.) Vierte Scene. Felix im Schlafrock. Fritz. Fritz. Sind Sie schon aufgestanden, lieber Herr Felix? F e l. Das möchte ich Sie fragen. Sie pflegen sonst immer einige Stunden länger zu schlafen al^ ich. Fritz. Ach! die Liebe raubt mir den Schlaf. Fel. Schon wieder? drey Meilen von hier war es der nähmliche Fall. 256 Fritz. Drey Meilen? wirklich gerade drey? das war eine Vorbedeutung. F e l. Wie so? F r i tz. Betrachten S ie die 3 dort an derLhür. F e l. Nun? Fritz. Da wohnt meine Geliebte. Fcl- Die eben weglief? Fritz. Nein, das war nur das Kammermädchen. Ein Stern von der sechsten Große gegen eine Sonne. Fel. Sonnen und Engel, das bin ich schon gewohnt. Fritz. Lieber Herr Felix, wenn Mahomet den Mond in seinen Ermel stecken konnte, so kann ich auch wohl die Sonne heirathen. Fel. Da werden Sie sich die Flügel verbrennen. Fritz. Sie scherzen, aber es ist mein ovl- lcgcr Ernst. F e l. Da sey Gott für! F r i tz. Warum? Fel. Weil man unter zwanzig Ehen nur Eine erträgliche, und unter Hunderten nur Eine gute findet. Fritz. S>e sind ein Weiberfeind. Fei. Ein Kmd, das sich verbrumt, scheut 25^ das Feuer, aber der Jüngling stürzt steh in die Flamme. Fritz. Es ist so süß, lichterloh zu brennen. F e l. Ich weiß es, und habe meine Erfahrung lhener gekauft. Fritz. Denken Sie nur, sie heißt Nant- chen. Fel. Und wenn sie Angelica hieße.- Der Nahme macht keinen Engel. Fritz. Sie ist kaum sechzehn Jahre alt. Fel. Desto langer wird sie Sie quälen. Fritz. Sie ist schön, wie eineRosenknospe. F e l. Desto mehr Schmetterlinge werden sie mugaukeln. Fritz. Sie ist sanft, wie eine Taube. Fel. Sanft sind die Weiber alle, aber nur außer dem Hause. Fritz. Nun, so fahren wir den ganzen Tag spatzieren. Fel. Junger Freund, Sie scherzen über die ernsthafteste Angelegenheit Ihres Lebens. Fritz. Gerade umgekehrt, ich finde, daß es die lustigste ist. Ein schönes Mädchen lieben, von ihr geliebt werden, sie heirakhen, was kann lustiger seyn? 258 Fel. Gut daß ich Sie kenne, und daß ich weiß, wie schnell Ihre Funken verglimmen. Fritz. Eben weil es nur Funken waren, aber jetzt ist es ein Trojanischer Brand. Fel. Lieber Fritz, keine Romanenstreiche. Sie kennen die Welt, Sie sind an meiner Hand durch ganz Europa gereist, und haben mehr gesehen als Posthäuser. Fritz. Ja lieber Herr Felix, ich danke Ihnen meine Menschenkenntniß. Fel. Sie kennen Menschen und kennen sich selbst nicht. Fritz. Es soll den sieben Weisen Griechenlands nicht um ein Haar besser gegangen seyn. . Fel. Wenn Sie nun Ihr Nantchen ein Jahr besessen haben— Fritz. So hab' ich dreyhundert fünf und sechzig glückliche Tage durchlebt. Fel. Und im zweyten Jahr? Fritz. Einen Tag mehr, wenn es ein Schaltjahr ist. Fel. Mochte mein eignes schreckliches Beyspiel Ihnen zur Warnung dienen. Ich war auch verheirakhet, bin es vielleicht noch. Fritz. Vielleicht? Es liegt eben nicht viel zärtliches in diesem Vielleicht. Fel. Ich spielte einen Roman mit meinet Frau, ich gaffte mit ihr m den Mond, statt in ihr Herz zu schauen; hernach fand sich) beym Sonnenlicht der Vernunft, daß ich jämmerlich betrogen war. Fritz. Da schlugen Sie ihren Tenophon auf, und lasen da-) Leben das Socrates. F s l. Meme Xantippe reichte mir täglich den Giftbecher. Eitelkeit, Rechthaberey, und besonders das verdammte Maulen, jagten mich endlich aus dem Haufe in die weite Äselt. Fritz. Sie liehen sie sitzen? Fel. Es war nicht Recht. Ich gestehe Ihnen meine Schwachheiten, um die Ihrigen zu verbuchen. Ich ließ ihr mein ganzes Vermögen und eine Tochter; nahm nichts mit mir, als die wenigen Kenntnisse, die ich mir erworben. Fritz. Besonders Weiberkennlniß. Fel. Der angenommene Nahme Felix schützte mich vor allen Nachforschungen, und so kam ich in Ihr Haus, als Sie noch ein kleiner Knabe waren. Fritz. Armer Mann! warum nannten Sie sich nicht Jnfelix? Fel. Die Freundschaft ihres Vaters, Ihr 2k)O offener Kopf und Ihre Gutmüthigkeit haben seit zwölf Jahren meinen Kummer gemildert. Fritz. Mein Vater starb und vermachte mir die schone Pflicht, Ihnen seine Freundschaft zu ersetze». F el. Sie können es, wenn Sie wollen. F r i tz. Wir müssen immer beysammen bleibe». F e l. Wenn mein Alter Ihnen nicht lästig wird. Fritz. Ich könnte nie recht froh seyn, ohne Ihren Umgang. Fel. Ich liebe Sie wie meinen Sohn, und warne Sie, wie meinen Sohn. Ihres guten Vaters setzte Worte tonen noch in meinen Ohren. Fritz. Folge diesem Manns, sprach er zu mir, so wird mein Segen auf dir ruhen. Fel. Sie werden morgen mündig, und ich habe Ihnen dann nichts mehr zu befehlen. Sie sind Herr Ihres Vermögens und Ihrer Person. Der Freund darf nur bitten und warnen. Fritz. Der Freund? Sie machen mich stolz durch diesen Titel. Aber lieber bester Herr Felix! warum soll denn gerade meine Ehe unglücklich seyn, weil die Ihrige es war? Fel. Das sage ich nicht. Hat doch schon 26 a Mancher eine Quaterne gewonnen;. aber lassen Sie die Romaneiiglnth nur erst verrauchen. Fritz. Das kann lange wahren. Ich habe neulich Jfflands Hagestolzen spielen sehn, und der arme Reinhold hat mich so gerührt, das; ich beschloß, über Hals und Kopf zu hcirathen.. Fel. Sie sind viel zu jung. Fritz. Die Jugend ist leichter zu befriedigen. Fel. Und leichter zu sättigen. Fritz. Wer vierzig Jahre wählt,, wählt nicht rmmer gut. Fel. Sie kennen Ihre neue Geliebte nicht. Sie haben ein Buch gesehen rn englischem Band, und wissen mcht was darin sieht. Fritz-. Sollte Gott ein schlechtes Buch so schon gebunden haben. Fel. Besser eine Stunde der Überlegung, als ein Jahr der Rene. Fritz. Recht- lieber Herr Felix, ich will Namchen prüfen, mit aller der Vorsicht, mit der ein Liebhaber zu Werke geht. Fel.(lächelnd.) Das ist freylich-Alles, was «in Liebhaber versprechen kann. Fritz. Fürs Erste habe ich»hr diesen Brief geschrieben, in dem ich ihr sage ,, daß ich sie anböthe. 262 Fel. Die beste Art sie kennen zu lernen. Fritz. Wenn ich nur wüßte, wie ich den Brief in ihre Hände spielen soll? Fel. Mit der Zeit bricht man Rosen. Fritz. Wenn die Rosen schon blühn, so ist keine Zeit zu verlieren. Fel. Sie nannten mich Ihren Freund. Wohlan, bedienen Sie sich meiner Augen. Mir hat die Liebe keine Brille aufgesetzt. Fritz. Ist denn die Liebe ein Brillenhändler! oder ist es etwa besser, von der Milzsuchr ein Microscop zu leihen? wer den Menschen Ihre Brillen entzwey schlägt, der verdient wenig Dank.— Doch nur Geduld! Sie sollen Nant- chen sehen, und selbst von ihr bezaubert werden- Das sanfte blaue Auge, die bescheidene Grazie, die liebenswürdige Schüchternheit, die reihende Unschuld— gewachsen wie eine Griechinn, blühend wie eine Circassierinn, den Busen einer Türkinn und die Zähne einer Mohrinn—(Ein Aufwartn,ädchen geht mit einem Bund Schlüsse! über die Bühne. Fritz erblickt sie.) Halt! zum- Henker! welch ein niedliches Geschöpf!— höre doch, liebe Kleine! laus nicht so schnell! he da! kleiner Satan! kannst du nicht warten?(Er läuft ihr nach.) S63 Fel. Dahaben wirs! Jede weiße Schürtze setzt ihn in Flammen. Thörichter Jüngling! der Jugendgluth für Liebe nimmt; und wehe dem armen Mädchen^ das seinen Myrthenkranz in solche Strohflammen wirft.(Er geht in s-i„ Zimmer.) Fünfte Scene. (Das Zimmer der Frau von Brumbach.) Lisch en. Gleich darauf N a n t ch e n. Lisch,(zahlt das Geld. welches ihr Fritz gab.) Acht Thaler und ein Goldstück. Der jung- Mensch gefallt mir. Er rft rasch wie ein Fähndrich, und freygebig wie ein Prinz. Laß sehen, was hat ein vernünftiges Kammermädchen dabey zu thun? Hier brennt das Feuer, und dort liegt das Stroh. Sie muß das Stroh ein wenig näher zum Feuer rücken, und dann ein Mahl hincinblasen, so ist die Sache geschehen. Nantchen(kömmt.) Ist meine Mutter schon aufgestanden? Lisch. O ja, sie kämmt eben den Mops. Nantch.(gähnend.) Welchen Lag haben wir heute? 264 Lisch. Montag. Nan ich. Das ist Schade., Lisch. Wieso? Nantch. Dann ist es noch so lange hin bis zum Sonntag. Lisch. Hat Ihnen die letzte Predigt so gm gefallen? Nantch. Die Predigt? ach nein! aber in der Kirche sieht man doch Menschen. Wir dürfen ja die ganze Woche nicht aus dem Hanse. Lisch. Man sieht und wird gesehn. N an tch. Wer sahe wohl auf meinen schlechten Hut, und mein einfaches wcisieL Kleid? Wahrhaftig/ ich schäme mich recht. Mama gibt mir nichts Besseres. Lisch. Desto freygebiger ist Mama Natur gegen Sie gewesen. Nantch. Wenn ich so mitten unter den geputzten Damen sitze, so fühle ich wohl, daß Mama Recht hat. Lisch. Worin?' Nantch. Sie nennt mich immer ein dumireS häßliches Ding. L i s ch.- Es-gibt Leute, die das Gegentheil behaupten. Nantch. Ja, dssr Herr von Piffelberg hat Z65 mir wohl einmahl gesagt/daß ich hübsch wäre; aber die Mama wurde böse, und da zog er sein Wort zurück. Lisch. Ich kenne einen jungen Herrn/ der sein Wort nicht zurückzieht/ und wenn die Mae ma auch zehn Mahl bös würde.. Nantch. Du kennst so viele Menschen. Lisch. Diesen erst seit.einer halben Stunde/ aber er hat mir so viel von Ihnen vorgeplaudert/ daß ich ein halbes Jahr davon erzählen könnte. Nantch. Von mir? erzähle liebes Lischen, erzähle. Lisch. Er ist jung/ schlank/ seurig/ verliebt— Nantch. Verliebt? in wen? Lisch. In Fräulein Nantchen. Nantch. In mich? ach mein Gott! wie du mich erschreckt hast! Lisch. Wodurch? Nantch. Das müssen wir gleich der Mama sagen. Lis ch. Ey warum nicht gar! Nantch. Du treibst deinen Scherz mit mir. Lisch. Kemeswegos. Er will Sie heirathen. Nantch. Heirathen? ich falle in Ohnmacht. Lisch. Das hat nichts zu bedeuten. Kotzebne'S Theater. Dd. M s6k) Nantch. Sage mir doch, kann ich denn wirklich schon heirathen? Lisch. Warmm nicht? wenn sich eine gute Parthie findet. Nantch. Du machst, daß ich lachen muß. Lisch. Er ist reich und Baron. Nantch. Sind die Barons denn so liebenswürdig? Lisch. Nicht immer, aber ich wette, dieser gefallt Ihnen. Nantch. Wenn er mich liebt, so gewinnst du deine Wette. Lisch. Als ich ihm sagte, daß Sie Nant- chen hießen, gerielh er so in Entzücken, daß er mich umarmte. Nantch. War das auch ein Beweis sein« Liebe? Lisch. Ja wohl. Nantch. Sonderbar, das gefallt mir nicht an ihm. bisch. Er bath mich auch, einen Bries an Sie zu bestellen. Nantch. Geschwind, wo hast du den Brief? Lisch. Ey ja doch, das würde sich schicken. Ich hab' ihn tüchtig ausgeschalten. Nantch. Pfuy, das hast du dumm gemacht. M 2 »vw* 26^ Es hat noch Niemahls Jemand an mich geschrieben. Lisch. Man muß ihn doch erst besser kennen lernen. Nantch. Nun wirb der arme Mensch trau», rig werden. Lisch. Es hat keine Noth, das Traurigseyn schien eben nicht seine Sache. Nantch. Aber was soll daraus werden? Lisch. Kömmt Zeit, kömmt Rath. Mama bleibt gewiß noch lange hier, denn der Roman mit dem Herrn von Piffelberg fangt an ernsthaft zu werden. Da findet sich denn wohl einmahl Gelegenheit, einander zu sehen und zu sprechen. Nantch. Sehn und sprechen? wo denkst du hin? Ich könnte kein Auge aufschlagen, und kein Wort hervorbringen. Lisch. Das ist dann. se i n e Sorge. Wer weiß, was geschieht. Er har schöne Güter, und wenn Sie Baronesse Wellinghorst werden; so ziehe ich mit Ihnen und heirathe seinen Verwalter. Nantch. Ja, da aber— dann soll er dich auch nicht mehr umarmen. Lisch. Stille! Die Mama kommt! 263 Sechste Scene. Frau von Brumbach. Die Vorigen. Nantch, tkGt ihr die Hand.) Guten Morgen liebe Mama. Fr. v. Br. Guten Morgen kleines Ding. Mein Gott/ wie du heute wieder aussiehst. Gesund und roth wie eine Viehmagd. Nantch. Ich habe gut geschlafen. Fr. v. Br. Du sollst aber nicht gut schlafen. Es schickt sich nicht für ein Mädchen vom Stande/ die ganze Nacht zu schlafen wie ein Murmelthiee. Nantch. Nach dem Abendessen kann ich die Augen kaum offen halten. Fr. v. Br. Das ist eine bäuerische Gewohnheit.(Sie setzt sich an de» Thectisch.) Ein Frauenzimmer von Erziehung weiß immer mit Anstand zu kränkeln, und ich habe, Gott sey Dank, m meinem Leben keine gesunde Stunde gehabt. Lisch. Auch hat sich dadurch ein gewisses sanftes Schmachten über Ihr ganzes Wesen verbreitet— F r. v. Br- Die Männer sind Tyrannen. Wie dürften wir das Recht des Srärkern so oft unter die Füße treten, wenn wir unsere Schwä- che nicht interessant zu machen wüßten. Nutzbare Nerven, Krampfe, Pirmonter-Wasser im Sommer und Baldrianpillen im Winter, das hat schon manchen polternden Eheherru zum geschmeidigen Gatten umgeschaffen.— Doch diese mütterlichen Lehren kommen zu früh für dich. Geh Kind, geh in mein Kabinet. Lies den Morgensegen, und nimm den Mops auf den Schoos. Ich habe mit Lischen zu reden.(Nantchen geht ab.) Fr. v. Br. Ist der Herr von Piffelberg noch nicht hier gewesen? Lisch- Er ist heute sehr früh auf die Jagd gegangen. Fr. v. Br. Der arme Schelm! die Unruhe hat ihn nicht schlafen lassen. Was meinst du Lis- chen, soll ich ihn heirathen? Liesch. Diese Frage müssen Ew. Gnaden an Ihr Herz richten. Fr. v. Br. Bewahre der Himmel! ich bin froh, daß die Zeiten vorbey sind, wo das Herz den Meister fpielr, und der Vernunft Traume vorgaukelt. Liebs ist ein guter Knecht, aber ein böser Herr. Heirathen ist eine üble Gewohnheit, die man mitmachen muß, wie die Sieste in Spanien. Doch wehe der Thörinn, dre ihren Nacken beugt, wo sie zu herrschen geboren wurde. 270 Lisch. Mir dem Herrn von Piffelberg— F r. v. Br. Wagt man so etwas nicht, ganz recht, und eben das spricht für ihn. Eine Frau kann nun einmahl nicht mit Anstand in der Welt erscheinen, wenn sie nicht immer ein Geschöpf mit sich führt, das Mannskleider tragt, und das mag dieser Piffelberg leicht eben so gut seyn, als irgend ein Anderer. Seine Güter sind frey? lich verschuldet, aber er ist auS einer alten Familie, und eine gute ehrliche Haut. Man könnte eine gewisse Politur, eine gewisse Feinheit des Gefühls an ihm vermissen; doch desto besser! Natur! Natur! es geht doch nichts über die Natur!— Wo sind meine Zähne, Aschen? LrSch. Sie liegen in Ihrem Schlafzimmer. Fr. v. B r. Der Mann scheint mir wirklich von Herzen ergeben. Indessen werde ich seinen Gehorsam prüfen— Lisch. Und wenn er die Probe hält? Fr. v. Br. Je nun, ich bin eS müde, länger so allein in der Welt herumzuschwärmen. Ich brauche einen Mann, der meine Rechnungen führt, und sich statt meiner mit Postillion und Gastwirth herumzankt. Wenn ich nun vollends bedenke, daß ich ein kleines Kind ru versorgen habe— 27* Lisch. Haben Jhro Gnaden noch em kleines Kind? Fr. v. Br. Mein Gott, hast du Manschen vergessen? Lisch. Ach, das gnädige Fraulein— Fr. v. Br. Was Fraulein! was gnädig! sie ist ein Kind, das kaum rechts und links zu unterscheiden weiß- Ich will nicht- hoffen, daß du ihr Dinge in den Kopf setzest Lisch. Gott bewahre! sie weiß kaum, daß sie einen Kopf hat. Fr. v. Br. Da siehst du nun. Muttersorge ist eine schwere Sorge. Ferner der Mops, die Tanarienvogel-—' man kann ja euch Domestiken nichts anvertrauen. Wein künftiger Gemahl wird alle Hände voll zu thun haben. Lisch. Von der Sorge für das Fraulein konnten Sie sich bald befreyen. Fr. v. Br. Wie so? Lisch. Geben Sie ihr den ersten besten Mann. Fr. v. Br. Bist du toll? ha! ha! ha! das Kind einen Mann! wir verheirathen unsre Mädchen nicht, wie die Russen ihre Knaben. Lisch. Aber wenn sich Einer fände, der stch mit ihr befassen wollte— 2^2 F r. v. B r. Schweig! Frühe Ehen, späte Reue. Wenn die Töchter nur fühlen, so müssen die Mütter denken. Hymen an Amors Hand ist ein Moloch, dem ich mein Kind nie opfern werde. Lisch. Es wäre auch Schade um den Mops, er hat sich so an das Fräulein gewöhnt. Fr. v. Br. Eben deßwegen. Nein, solange der gute Mops lebt, darf Nantchen nicht an» Heirathen denken. Ein Bedienter(in« herein.) Der Hm von Piffelberg will aufwarten. Fr. v. Br. Er ist willkommen.— Geh LiS-. chen, laß uns allein. Lisch.(beUTette.) Die Schaferstunde schlägt. (Sie geht ab.) Siebente Scene. Frau v. Brumbach. Herr v. Piffel- berg in Jagdkleidung. Piffelb. Glück auf, gnädge Frau! ei« frischer Morgen. Ich habe meine Füße in Thau gebadet. Fr. v. Br. Sie sprechen ja so dichrerijch, als ob Sie Kleist oder Thomson gelegen hatten. Piffelb. Kleist? Unter dem Regiment dient mem Vetter. Thomson heißt der Müller aus meinem Gute. Die Bestie ist ein Wilddieb. Fr. v. B r. Ist Ihre Jagd gut? Piff-lb. Das erste Revier im Lande. Heimchen Sie mich, und Sie sollen ein Treib,agerr sehn, oder auch ein Fuchsprellen— hohl mich der Teufel! gnadge Frau, Sie sind alt, aber so Etwas haben Sie m Ihrem Leben nicht gesehn. Fr. v. B r. Es scheint, mein gnädiger Herr, daß Sie sich auf das Alter eures Frauenzünmers eben so wenig verstehen, als auf die chinesische Sprache. Piffelb. Da haben Sie Recht, ich spreche deutsch. F r. v. B r. Und recht derbes Deutsch. Piffelb. DaS Alter eines Pferdes weiß ich auf ein Haar zu beurtheilen, da darf ich nur nach den Zahnen sehen. F r. v. B r. Wollen Sie nicht herunter in den Stall gehn? Piffelb. Was soll ich da machen? Der Wirth hat em Paar zwanzigjährige Rappen— 2?4 F r. v. B r. Dort wird man Ihre Sprache besser verstehen. Piffelb. Hab' ich wieder dumme Streiche gemacht? Nehmen Sie mirs nicht übel, ich bin schlecht und recht, aber ich meinte es ehrlich wie mein Hühnerhund. F r. v. B r. Wirklich, wenn man mit Ihrer Sprache»och nicht vertraut ist.— Piffelb. Was Sprache! wenn nur das Herz seine gehörige Ladung hat. Gnädige Frau, machen Sie ein Mahl ein Ende, schlagen Sie ein. Morgen ist die Hochzeit, und übermorgen das Treibjagen. F r. v. Br. Wo denken Sie hin? in meinen Jahren— Piffelb-. Ebendeswegen. Wir haben beyde keine Zeit zu verlieren. Ich bin auch ein alter Knabe. F r. v. B r. Mein Gott! wie alt glauben Sie wohl, daß ich ungefähr seyn möchte? Piffelb. Haben Sie mir'nicht erzählt, Ihr zweyter Gemahl sey im siebenjährigen Kriege geblieben. Fr. v. Br. Warum nicht gar im trojanischen Brande. Piffelb. Was Krieg! was Brand! ich liebe den Frieden, und ich wurde Sie heirathen, wenn Sie auch mit Methusalem m die Schule gegangen waren. Wohlan, gnädige Frau, machen Sie keine Hacken. Kommen Sie nach Pif- felberg. Mein Pastor soll uns ein paar Mahl von der Kanzel werfen, und hernach.in Gottes Nahmen, seyd fruchtbar und mehret euch. F r. v. B r. Nicht so rasch, mein Herr Jäger. Ein Rebhuhn schießen und eine Frau gewinnen, ist zweyerley. Pisse lb. Hab' ich denn nicht lange genug auf dem Anstand gelauert? ich denke, es rst Zeit das Wild zu hetzen. Fr. v. B r.(bey Seite.) Wart, ich will meine Herrschaft gründen, und dir den Kops ein wenig warm machen.(Laut.) Nichts unausstehlicher, als eine Heirath, die man abjchlreßt, wie einen Güterhandel; wo nicht die geringste jugendliche Unbesonnenheit mit unterläuft; wo weder Zwey- kampf noch Selbstmord, weder Nacht noch Entführung die Seene ein wenig lebhafter machen. Piffelb. Aber Potz Wetter! mit wem soll ich mich denn schlagen? wen soll ich denn entführen'? Fr. v. Br. So tragisch soll unser Roman mcht enden, aber es sind noch tausend Dinge zu überlegen— Piffelb. Tausends das ist viel. Fangen Sie an. Fr> v. B r. Und tausend kleine Manieren zu beobachten— Piffelb. MeinSeel! da bin ich Lehrbursch. Fr. v. Br. Wir müssen ungestört seyn. Piffelb. Wer stört uns denn? Fr. v. Br. Können nicht hier alle Augenblicke meine T achter oder das Kammermädchen uns überraschen? Piffelb. Nun, man schickt sie wieder fort. Fr. v. Br. Das ist gegen den Wohlstand. Wissen Sie was? jene Thüre führt in den Garten. Hier haben Sie den Schlüssel dazu. Um Mitternacht, wenn die Geisterstunde schlagt, erwarte ich Sie hier. Piffelb. Um Mitternacht! prr! dann schwärmt der wilde Jäger. Fr. v. Br. Ich will nicht hoffen, daß Sie sich fürchten? Piffelb. Das eben nicht, wenn ichs mir nicht verschlafe.(sse nimmt den Schlüssel.) Fr. v. Br. So mögen Sie morgen früh eine Geliebte im Thau suchen. 2?? Piffelb. Aber warum soll ich denn eben durch den Garten kommen? das Haus ist ein Wirthshaus, es steht die ganze Nacht offen, kein Mensch verwehrt mir den Eintritt. F r. n. Br. Wollen Sie meinen guten Ruf den Leuten Preis geben?— Und dann der Gar-, ten, die frische Abendluft, der Gesang der Nachtigallen— Piffelb. Die Nachtigallen singen jetzt nicht. Fr. v. Br. Kurz und gut, mein Herr, durch den Garten geht der Weg zu meinem Herzen. Piffelb. Nn, nu, ich habe nichtaewußt, daß Ihr Herz ein Gartenhaus ist. Fr. v. Br. Sehen Sie, der Vergleich ist nicht übel; ein Gartenhaus, eine Laube, vom Strahl des Mondes schwach beleuchtet— Piffelb. Wir haben jetzt keinen Mondschein. Fr. v. Br. Wir wandeln in der Kühlung durch die belaubten G»nge— Piffelb. Da werden wir uns den Schnupfen hohlen. Fr. v. Br. Ein Liebhaber darf auch dis Schwindsucht nicht scheuen. Piffelb. Wenn ich des NachtS meine Ru- 2-^8 he nicht habe, so bin ich den ganzen Tag nicht ' einen Schliß Pulver werth. Fr. v. Br. Desto besser! Ohne Opfer kein Verdienst. Pifselb. Ich denke, gnädige Frau, wir überlassen die Alfanzereyen den jungen Leuten. Wenn wir unsere Jahre zusammenzählen, so mochte wohl etwas mehr als ein Säculum herauskommen— Fr. v. Br. Der Mensch wird mich noch zur Eybele machen. Piffe lb. Wir haben beyde die Gicht— Fr. v. B r. Ihr Verstand ist schrecklich gelahmt. Piffel b. Ich bin mit Rückenschmerzen geplagt, und Sie haben zuweilen den Keichhu- sten— Fr. v. Br. Ach Gott!— wie wird mir— ich falle in Ohnmacht— Piffelb. Nun, da haben wirs! und doch will sie in der Nacht herum laufen. Fr. v. Br. Nantchen!— Liöchen!— ich sterbe-— Piffelb. Hat keine Gefahr. Verschlucken Die eine Hand voll Schießpulver. s?9 Fr. v. Br. Nantchen!— Lisch«,!— j« Hülfe! zu Hülfe! Achte Scene. Nantchen. Lischen. Die Vorigen. Lisch. Was gibts? Nantch. Was ist Ihnen, liebe Mama» Fr. v. Br. Mein Salz— gebt mir mein Salz— Lisch,(halt es ihr unter die Nase.) Gewiß hat der junge Herr von Piffelberg sich Freyheiten erlaubt. Piffelb. Was junger Herr! ich bin ein alter Mann,(halb bey Seite) und ste wird ja auch schon weiß, wie ein russischer Hase im Winter. F-r. v. Br. Gehn Sie mir aus den Augen! Piffelb.(bey Seite.) PvtzVelren! sie wird boshaft.(Laut.) Lieber Schatz, eS war so böje nicht gemeint. F^r. v. Br. Fort, sage ich Ihnen! Piffelb. Denren Sie an das schone Duett in der Oosa inra: Lasset Frieden uns stiften ü8o F r. v. Br. Ein herrlicher Lubino! Piffelb. Ich will Ihnen eine treffliche Sän in die Küche schicken. Fr. v. Br. Gehn Sie zum Henker mit Ihren Schweinen.' Piffelb. Mein Seel, es wird Ernst. Lisch. Hören Sre denn nicht? Sie sollen gehn. Piffelb. Ja doch, ja, aber ich darf doch wiederkommen? Fr. v. Br. Nimmermehr! Piffelb. Nun, nun, ich weiß schon was ich thun werde, nnd wenn das nicht hilft, so blase ich zum Abzug und laße die Hunde koppeln. (Er geht ab.) Fr. v. Br. Er geht wirklich? ohne sich ein Mahl zu meinen Füßen zu werfen? Lisch. Sie müssen ihm das verzeihen, er ist ein wenig steif. Fr. v. Br. Ach! was muß man den Männern nicht alles verzeihen! Nantch. Liebe Mama,' werden denn die russischen Hasen im Winter weiß? Fr. v. Br. Du bist eine Gans. Nantch. Wenn mein Liebhaber mir dcr- g' ds r« de A F d> t> !> r l s6i gleichen sagte, so gäbe ich ihm auf der Stelle den Abschied. F r. v. Br. Jsts möglich! was muß ich hören? Bald werden dieKinder in der Wiege einander zulallen: ich liebe dich! jede Puppe wird ein Amor seyn, und jede Zuckerdeute ein Billet doux. Fräulein Naseweiß! kennst du denn die Dinger, die man Liebhaber nennt? Nantch. Noch nicht so recht. Fr. v. Br. Laß doch hören, was stellst du dir darunter vor? N antch. Ein Liebhaber ist ein Geschöpf— das ich wohl leiden mag. Lisch. Recht Fraulein, deftniren laßt sichs nicht. Fr. v. Br. Hüthe dich, Kind, vor einem Liebhaber mehr, als vor der FrühlingSsonne. Diese verdirbt dir nur die Haut, Jener das H»z-,,. Lisch. Und wenn ers nicht verdirbt, so nimmt ers gar weg. Nantch. Man sollte schworen, es wäre , dazu gemacht. Fr. v. Br° Ein Liebhaber ist ein arglistiges Wesen, welches Deine Schwachheit benutzt. Nantch. Ist man denn schwach, wenn man einen Liebhaber hat? Lisch. Es trifft sich wohl zuweilen. Fr. v. Br. Als Sclave liegt er zu deinen Füßen. Laß ihn liegen. NaNtch. Der arme Mensch! Fr. v. Br.-Hebst du ihn auf, so ist er dein Tyrann. La s ch. Der Bösewicht! Fr. v. Br. Ein Liebhaber ist ein zweyter Proteus, in allerley Gestalten schleicht er sich bey dir ein. Neunte c e n e. Fritz. Die Vorigen. Fritz(als Friseur gekleidet, mit dem Puderbeu- tel unter dem Arme, steckt den Kopf durch die Thür.) Um Verzeihung, komme ich hier recht? Lisch,(lachend.) Ja wahrhaftig, in allerley Gestalten. Fr. v. Br. Wen sucht er, mein Freund? Fritz. Ich suche die liebenswürdige Frau von Brumbach. 285 Fr. v. B r. Ich bm die Frau von Brulnbach, «her spreche er mir Ehrfurcht. Fritz. Bey uns zu Lande sind Liebe und Ehrfurcht unzertrennlich. Lasch,(heimlich zu Nautchen.) Fraulein, das ist der junge Baron. Nantch.(schreyt.) Ah! Fr. v. Br. Was fehlt dir? Nantch. Nichts, siebe Mama. Lisch. Sie haben ihr so bang vor den Liebhabern gemacht. Nantch. Muß ich denn davon laufen, wenn ich Einen sehe? Fr. v. Br. Wenn ich nicht dabey bin, ja. Fritz. Hier zu Lande werden die Kinder früh klug. Fr. v. Br. Ja wohl, mein Freund, aber ivas will Er? Fritz. Ich wünsche die Ehre zu haben, Dero seidnes Haar in Locken zu legen. Fr. v. Br. Er hat sich umsonst bemüht. Ich habe bereits einen Friseur. Fritz. Ganz recht, das ist mein Herr. Er ist krank geworden, und schickt mich statt seiner. Fr. v. Br. So, so, was fehlt ihm denn? Fritz. Er— hat ein Bein gebrochen. """ 28st F r. v. B r. Der arme Mann! wie ist denn das zugegangen? Fritz. Er ist auf den St. Annenthurm gestiegen, auf dem Rückwege glitscht er aus, und fällt sieben und siebzig Stufen herunter. Fr. v. Br. Ja, ja, wer hoch steigt, fällt hoch.— Nun Lischen, gib mir den Pudermantel. Lisch,(bringt den Pildcrmantcl.) Guter Freund, treibt Er sein Handwerk schon lange? Fritz. Ich hoffe bald Meister zu werden. (Er fängt an zu frisiern.) Lisch. Tann wird Er wohl heirathen? Fritz(mit verstshlnen Blicken auf Nantchen.) O za, wenn man meine Liebe nicht verschmäht. Fr, v. B r. Was ist Er für ein Landsmann? Fritz. Ich hinein Elsaffer, ein Emigrirter. Wenn ich erkannt werde, so ist es um mich geschehn. Fr. v. Br. Er muß sich hülfen. Fritz. Ich gebe mir alle Mühe, diejenigen zu betrügen, die betrogen seyn wollen. Fr. v. Br. Da thut Er Recht. Hat Er hier m der Stadt viele Kunden? Fritz. Ich vergesse sie alle, wenn ich bey Jhro Gnaden bin. 235 Fr. v. B r. Er ist ein drolliger Mensch. Fri- ßrt Er auch die Frau von Hengstberg? Fritz. Die Frau von Hengstberg? o ja. Fr. v. Br, Was meint Er? wie alt sollt« die Frau wohl seyn? Fritz. Die Frau von Hengstberg?— wie alt?— Ahro Gnaden konnten beynahe ihre Tochter seyn. Fr. v. Br.(liich-knd.) Das nun wohl eben nicht. Sie ist einige Jahre jünger als ich. Fritz. Isis möglich!(Er zeigt Nantchen»sn kerne seinen Brief. LiSchen nimmt ihn weg, und gidr ihn dem Fräulein.) Fr. v. Br. Es ist aber ganz natürlich, daß sie so alt aussieht. Die ruchlose Lebensart— Fritz. Wenn ich der Mann wäre, ich wollte ße schon kurz halte!!. Fr. o. Br. Sie hat ja keinen Mann mehr. Fritz. Das ist wahr, sie ist Wittwe. Fr. v. Br. Nein, sie ist geschieden. F r itz. Oder geschieden, das kommt aufEins hkraus. Nan t ch.(will sich mit dem Brief entfernen.) Fr. v. Br. Wo willst du hin? Nanrch. Auf mein Zimmer. 286 Fr. v. Br. Bleib, du haft dort nichts z» schaffe».—(Nantchen öffnet den Brief verstohlen.) Fr. v. Br. Hat die Revolution ihn vertrieben? Fritz. Leider ja! man wollte mir die Freyheit aufdringen, und(mit einem Blick auf Nantchen) ich liebe doch die Knechtschaft so sehr. F r. v. D r. Freylich sind die Haarkräusler Diener des Luxus— Fritz. Ich wollte nach England fliehen, aber seitdem Pitt eine Taxe auf den Puder gelegt hat, ist dort auch wenig mehr zu verdienen. Fr. v. Br. Lischen, gib mir doch—(Als sie den Kopf herum dreht, erblickt sie Nantchen lesend.) He! Fraulein! was haft du da? Nantch.(erschrocken.) Nichts, liebe Mama. Fr. v. Br. Nichts? ich will es sehen. Her damit! Nant ch. ES ist— es ist— Lisch. Es ist ein Papier— Fr. v. B r. Wirst du gehorchen? Fritz. Ach! es wird der Brief seyn, den ich in meinem Puderbeutel hatte. Fr. v. Br. Welcher Brief? Fritz. Gewiß hat Ihr schelmisches Kammermädchen mir ihn heraus gestohlen. Lisch. Nun, Er hatte auch wohl einen höflichern Ausdruck wählen können. F r. v. B r. Werde ich bald erfahren, wovon die Rede ist? Fritz. Unter uns, gnädige Frau, aberSie müssen mich nicht verrathen, es lst ein Brief an die Frau von Hengstberg. Fr. v. Br. An die Hengstberg? Lasier doch sehn. Fritz. Als ich sie diesen Morgen frisirte, fand ich ihn auf ihrer Toilette. Fr. v. Br. Welche Unbesonnenheit! Fritz. Husch! war er in meinem Puderbeu- !ek. Erlauben Sie, daß ich ihn Ihr» Gnaden vorlese. Fr. v. Br. Lese er, mein Freund. Geh auf dein Zimmer Nantchen! Fritz. Warumdas kleine Fraulein wird doch nichts davon versteh». Fr. v. Br. Ich lasse Kinder ungern dergleichen hören. Doch bleib nur, und nimm dir eine gute Lehre daraus. Fritz(liest, indem er verstohlne Blicke auf Nant- chm wirft.)„Schönes, liebenswürdiges Geschöpf!" Fr. v. Br. Schont sie hat graue Augen und Sommersprossen. Fritz(liest.)„Nur einmal Habs ich Sie gesehn/ aber mein Herz gehört Ihnen ewig." Fr. v. Br. Der Narr! wie heisit er denn? Fr i tz. Der Brief ist ohne Unterschrift. F r. v. Br. Nur weiter. Fritz(liest.)„Als Sie gestern aus der Kirche kamen—" Fr. v. Br. Aus der Kirche t das Weib geht ja sonst nie in die Kirche. Fritz(liest.)„An der Hand Ihrer alten häßlichen Mutter—" Fr. v. Br. Das ist wahr/ die Mutter ist ein häßliches altes Weib/ und boshaft wie eine Katze. Lisch. Und eitel wie ein Pfau. Fritz. Und dumm wie eine Gans. Fr. v. Br. Boshaft/ dumm und eitel/ ein treffendes Gemählde/ ha! ha!'ha! Fritz u. Lisch. Ha! ha! ha! ha! ha! F r. v. B r. Nur weiter. Fritz(Nest.)„Da kamen Sie mir vor wie Hebe von der alten Cybele geführt." Fr. v. Br. Der verliebte Seladon hat die Mythologie studiert. Fritz >i I !- I r- ht j > ?- I ist !»»- ina ie je Fritz(liest.)„Ich bin jung/ reich/»nd-ich liebe Sie." Fr. v. B r. Drey schone Eigenschaften. Fritz(liest.)„Ich liebe Sie unaussprechlich!" Fr. v. Br. Mein Gott/ das wird fade. Fritz(liest.)„Schlagen Sie ein in die Hand eines Jünglings/ der es ehrlich meint." Fr. v. Br. Die Ehrlichkeit eines Liebhabers ist verdächtig.> Fritz(liest.>„Dessen Stand dem Ihrigen gleich ist/ und der Sie der mütterlichen Tyranney entreiffen will.'', Fr. v. Br. Nun das wüßte ich doch eben nicht. Die Mutter thut ja Alles/ was die Tochter will. Fritz.„Lassen Sie uns versuchen/ Ihre Frau Mutter zu tauschen." Fr. v. Br. Das wird nicht schwer halten. Fritz.„Und ist Alles vergebens/ so fliehen Sie in die Arme dessen, der Sie anbethet!" Fr. v. B r. Gar eins Entführung? Nun das fehlt noch. Wie will ich die Alte auslachen!—> Ist daS zärtliche Gewäsch zu Ende? Fritz. Nicht eine Sylbe mehr. Lisch. Aber ich denke/ der junge Herr hat Ach deutlich genug ausgedrückt. Kojzedae's Tyeatee. 7. Vd. N Nailtch. Sehr deutlich. Fr. v. B r. Freylich, wenn du es sogar verstanden hast. Lisch. Was würden Sie sagen, Fräulein Nantchen, wenn man Ihnen einen solchen Mi-f schriebe? Nantch. Ich würde nicht leiden, daß nm sich über meine Mutter lustig machte. Lisch. Also würden Sie den feurigen Jüngling abweisen? Nantch. Das eben nicht. Fr. v. Br. Wie kannst du das arme Kind sein Verlegenheit setzen? Nantch. Jawohl bin ich»erlegen, lick Mama. Fr.». Br. Also Frau von Hengstberg geheimer Korrespondenz, mit einem jungen Unbekannten. Fritz. Ich habe auch schon heraus, wer er ist- Fr. v. Br. Nun? geschwind? Fritz. Ein gewisser Baron Wellinghorst. Fr. v. Br. Baron Wellmghorst? ey M doch! Nun laßt mich nur diesen Nachmittag i» die Theegesellschaft kommen. Das muß ich »on meinen vertrautesten Freundinnen mittheile».^ 29» Zehnte Scene, Ein Friseur. Die Vorigen. Fris. Unterthänigen guten Morgen, gnädige Frau. Fr. v. Br. Mein Gott, Meister, hat Er nicht das Bei» gebrochen? Fris. Das Bein gebrochen? Lisch. Ist Er nicht auf den St. Annenthurm. gestiegen? Fris. Auf den St. Annenthurm?- Nantch. Und sieben und siebzig Stufen herunter gefallen? Fris. Sieben und siebzig Stufen? Fritz. Aber Er hatte doch das Bein brechen^ k o n n e n? Fris. Brechen können? Fritz. Für dießmalist er noch soglüMchmit. einer Verstauchung abgekommen. Fris. Mit einer Verstauchung? Ich verstehe nicht eine Sylbe. Fr. v. B r. Warum hat Er mir denn seinen Gesellen geschickt? Fr i s. Meinen Gesellen? Fritz(ihm mit den Augen Mvinkenr.) Freylich, N»- M( Ueber Meister, hat Er mir nicht aufgetragen, die gnädige Frau zu frisircn? Frist Keinesweges! so lauge ich noch ein paar gesunde Beine habe, kann ich meine Kunde» wohl selbst abwarten. Fritz. Aber Er frisirt ja nicht mit den Beinen Frist Gnädige Frau, der Kerl ist cinBön- hase. Fritz(will ihm verstohlen Geld in die Hand drillen.) Versteh Er mich doch nur recht. Fris. Was ist da zu verstehen? Ich verstehe, daß Er ein unverständiger Mensch ist. Wo hat Er seine Kundschaft? Fr itz(will ihm das Geld zustecken.) Hier, hier. Fris. Nichts hier! ich habe auch noch ei» paar Groschen, um eine Kanne Bier zu trinke». Nantch.(bey Seite.) Ich bin in Todesangst. F r. v. B r. Der Mensch ist also nicht sei» Gesell? Frist Eben so wenig als Ihr Mops. Ew .Betrüger ist er, ein Landstreicher. Fr. v. Br. Junger Beugel! was hat Jh» denn bewogen, sich bey mir einzudringen? Fritz(mit etwas Carricatttr.) Nun ja, ich will »s bekennen! Ich bin ein Unglücklicher, dem st>» Schicksal nicht bey der Wiege gesungen wurdk. Jch sah Sie gnädige Frau!— ich erblickte Sie!— heißt das nicht Alles sagen? F r. v. B r. Was soll das bedeute»? Fritz. Ist Lieben ein Verbrechen, so verzeihe mir der, der mein Herz so weich, und Sie so reihend schuf!— Die heftigste Leidenschaft ergriff mich, doch ging sie mir der Bescheidenheit Hand in Hand. Mern einziger Wunsch war nur, Sie zu sehen, Ihnen nahe zu seyn. Ich sann auf Mittel, ich siel auf diese unschuldige List; aber nie würden meine Lippen ein Bekenntniß gestammelt haben, das mich auf ewig aus Ihrer holden Gegenwart verbannt.(Er kniet nieder.) Strafen Sie mich nun! strafen Sie an mir die Macht Ihrer Reihe! F ri v. B r. Mein Freund, Er lügt oder Er ist ein Narr. Steh Er auf, es sey Ihm verziehen. Fritz(sieht auf.) Ach! ich muß fort!(mit einem Blick auf Nantchcn) aber mein Herz bleibt zurück! F r. v. B. Wer sagt Ihm, daß Er fort muß? Er ist ein junger TaugenichtS, den vernünftige Zucht noch bessern kann.— Lieber Meister, Er sieht wohl, daß mit dem jungen Menschen nichts anzufangen ist. Fris. Nichts anzufangen? man muß ihn ins Zuchthaus setzen. F r. v. Br. Wenn ich ihm seine Dreistigkeit verzeihe, so kann Er es auch thun. Fris. Ey was, Jhro Gnaden verlieren keinen Heller dabey, aber mir pfuscht er ins Handwerk. Fr. v. B r. Kurz und gut, Meister, da hat Er sein Geld. Es steht mir frey, mich frisiren zu lassen, von wem ich Lust habe, und ich nehme diesen jungen Menschen zu meinem Kammerdiener an. Fritz(küßt ihr entzückt die Hand.) Sie geben mir das Leben wieder. Fris. Aber mein Gott! Er versteht ja nicht einmahl zu frisiren. Sehn Sie nur wie er Sie zerzaust hat. Fr. v. B r. Das geht Ihn nichts an. Pack Er sich fort! Fris. Warte Bursche, ich werde dich beym Amte verklagen. Lisch. Horc Er nicht? Er soll gehn. Fris. Ich werde dich aus der Stadt stäupen lassen. Fr. v. Br. Meinen Kammerdiener stäupen lassen? Er ist ein Grobian! 27/ wenn ich zuweilen einen Tnmk Dünn bier hübe. Piffelb. Me!> Secl, Sie sind es! haben mir nicht drey Bohlen Pnnsch zusammen ausge- irunken? Fritz. Sie irren sich/ lücin Herr. Piffelb. Haben wir uns nicht wacker lustig gemacht? Fritz. Der Himmel weiß/ wer sich über S'.s lustig gemacht hat. Piffelb. Haben Sie nicht gesagt/ hier im Wirthshaitse wohne ein schönes junges Fräulein, das eine alte garstige Mutter Habei Haben Sie nicht die Mutter ein altes Beest genannt? Haben Sie nicht der Fräuleins Gesundheit getrunken? F r. v. Br. Himmel! wär' es möglich! Lisch,(bey Seite.) Nun sitzen wir in der Patsche. Na n ich.(bey Seite.) Ich sterbe. Fritz. Sie sind blind/ mein Herr. Piffelb. Ich blind? und habe noch diesen Morgen vier Hasen geschossen? Fritz. Blind! blind! sage ich Ihnen! blind! blind! blind! blind!(Er pudert ihm das ganze Ge» ficht voll, n»L läuft davon.) Pisfelb.'(spr!idelnd.) Blitz unh der Hagel! 2 Ein Soldat verliert fern Bein— es ist sein Ehrentag. Ein Mädchen schmiegt den Nacken ins Ehestandssoch—- es ist ihr Ehrentag. Eine Nonne wird eingekleidet— es ist ihr Ehrentag. Der Eine bekommt eine Medaille, die Andere einen Mann, und die Dritte gar nichts. Recht gut, daß man die Narren mit den Schellenkappen abgeschafft hat. Jeder Mensch ist ein Narr, nicht wahr,' lieber Molkus? Mol. Nicht wahr. Lisch. Der Stelzfuß siebt herab auf den Geradbeinigten, der Gcradbsinigte auf den Knimmbeinigten, und der Krummbeimgte wieder auf den Stelzfuß. M o l. Plaudertasche!(Er will gehn.) Lisch. Wo willst du hin? Mol. Fort! Lisch. Weißt du denn schon, was ich dir zu sagen habe? 3o2 Mol. Nein. Lisch. Willst es auch Nichtwissen? Mol. Nein. Lisch. Aber du sollst es wissen. Die gnädige Frau läßt dir befehlen, hier aufsie zuwarten, sie wird gleich ausführen. Mol. Wohl. Lisch. Ihr ist aber nicht wohl.— Fort— nein— wohl— was sind das für Antworte»? Mol. Kurze. Lisch. Richten sich deine Antworten nach deinem kurzen Beine? Mol. Ja. Lisch. Weißt du was, guter Freund, laß dir den Kopf auch wegschießen, du brauchst ihn eben so wenig als das Bein. Mol. Ich rede ja nicht immer mit Weibern. Lisch. Tölpel! was braucht man den» bey Weibern? M o l. Alles, nur den Kopf nicht. Lisch. Und wenn die Weiber nicht wären, mein Gott, wer würde euch denn die Kopfe zu- recht setzen?' Zo3 Zweyte Scene. Frau von Vrumb ach. Nantchen. Dir Vorigen. Fr. v. B r. Bist du da, Molkus? Mol. Hierl Fr. v. Br. Ich werde auf eine halbe Stunde ausfcchren, zu meiner Putzmachermn. Mol. Wohl. Fr. v. Br. Du siehst hier zwey alberne Mädchen. Mol. Ja. Fr. v. Br. Aber einen dreisten unverschämten Buben, der Einem dieser Mädchen nachstellt, siehst du nicht. Mol. Nein. F r. v. B r. Vermuthlich wird er sich meine Abwesenheit zu Nutze machen. Wenn er lammt, so befehle ich dir, ihn hinaus zu werfen. Mol. Aus der Thür oder auS dem Fenster? Fr. v. Br. Wo du willst. Mol. Wohl. Fr. o. Br.(ja Rantchen.) Du einfältiges Ding, lies indessen in den Werken der Madame de Beaumont, oder Madame de Genlis, Pour lorinen 1e coouv et l'espi'it. Und du Aschen, gib auf den Mops Achtung.(Sie geht ab.) Dritte Scene. Nantchen. Lisch en. Molkus. Moltus(stellt«inen Stuhl vor die Thür» seht sich darauf, höhlt ein kurzes Pfeifchen aus der Tasche, stopft eS, und schlagt Feuer an.) Lisch. Du fragst garnicht, ob wir auch Toback riechen mögen? Mol. Nein. Lisch. Gnädiges Fraulein, fallen Sie doch geschwind ein wenig in Ohnmacht. Msl. Nach Belieben. N a n tch. Ich verstehe das noch nicht Aschen, ich muß noch mit von der Mama lernen. Lisch. Zetzt wäre die schönste Gelegenheit mit.Ihrem Liebhaber zu sprechen. N a n t ch. Meinst du? L i ö ch. Gewiß ist er nicht weit. Nantch. Mich beucht, das fühle ich. Lisch. Wie schaffen wir den Tölpel aus die Seite? äc>3 N an tch.<Äib ihm gute Worte. Lisch. Da gebe ich sie lieber dem Mops, der wedelt doch wenigstens. N an tch. Wir wollenes beyde versuchen.- Lieber Wvlkus— Lisch. Schöner Molbus'. Mol. Was weiter? Lisch. Du sitzest da so unbequem. Mol. Es geht wohl an. Lisch. Ein alter verdienter Soldat wie du, sollte auf den Handen getragen werden. Mol. Em hölzernes Bein ist wehr werth, als eine Weiberhand. Lisch. In dem Zimmer der gnädigen Frau steht ein weichgepolsterter Sofa. Mol. Laß ihn nur stehen. Lisch. Wir wollen dich dahin führen. Molk. Danke. Lisch. Dann hohle ich unter dem Bette das Flaschgen mit dem Danziger Goldipaffcr her- iror. Mol. Ich bin nicht durstig. Lisch. Aber doch hungrig? es steht da»och , eine Mandeltorte. Mol. Ich esse Commisbrod. Lisch. Nun, so komm herunter in dieKü- 5o6 che, daß ich dir wenigstens ein Stück Braten dazu geben lasse. M o l. Ist noch zu früh. Lisch. Es wird schon dunkel. Mol. Weißt du, woher das kommt? Lisch. Nun? Mol. Weil es Abend wird. Lisch. Und weißt du, warum du ein Klotz bist? Mol. Nein. Lisch. Weit es bey dir überall Nacht ist, Nacht im Kopfe und Mitternacht im Herzen. Mol. So? Lisch. Was soll man nun mit dem Tölpel anfangen? Mol. Nichts. Nantch.(streichelt ihn.) Du bist ein ehrlicher Kerl, lieber Molkus. Mol. Leider, nicht wahr? Lisch. Du verdientest wegen deiner Ehrlichkeit in Kupfer gestochen zu werden. Nantch. Unter Glas und Rahmen. Lisch. Dann wollten wir dich unter den Spiegel hangen. Nantch. Ach hingest du doch schon dort! Lisch,(halblaut.) Oder am Galgen. Nantch. Laß mich jetzt ein wenig heraus auf den Balcon treten. Mol. Ich darf nicht. Lisch. Um frische Luft zu schöpfen. Wer ersticken ja hier vor Tobacksdampf. M o l. Ist nicht so arg. Lisch. Lieber, schöner Molkus, kannst dll mir Etwas abschlagen? M o l. Ich kann. Lisch. Höre nur, wie das allerliebste Fräulein schmeichelt. Mol. Und die allerliebste Frau Mutter kummt. Lisch. Ist denn alles vergebens? Mol. Alles. Lisch. Wir dürfen also ohne Complimente «it einander reden? M o l. Ohne Complimente. Lisch. So sage mir doch, schmeckt dir das Pfeifchen? Mol. O ja. Lisch. Weißt du aber auch, wo man eigentlich rauchen muß? Mol. Wo es einem schmeckt. Lisch. Nein, in der Wachstube.(Sie wirft ihm die Pfeife aus dem Manie.) öo6 M>ol.(hebt sie gelassen wieder-auf.) Wenn dir das noch ein Mahl thust— Lisch. Nun, was denn? Mol. So hebe ich sie noch ein Mahl auf. Lisch, Lieber, verdammter Molkus! ich bitte dich, ärgere dich doch wenigstens. M o l. Ärger schadet. Lisch. Dir schadet nichts, mein eiserner Molkus! du kannst dich ohne Gefahr ärgern, mein hölzerner Thürpfosten. Stelle dich in die Erbsen, mein lieber Strohmann, und scheuche die Vogel weg. M o l. Das thue ich eben. Lisch. Du bist deinem Posten getreu, wie ein gemahlter Soldat auf einer Gangthür. Du hast Geist wie ein Blepklumpen, und Herz wie ein Kettenhund. Mol. Und du bist witzig, wie ein Kammer? madchen. Lisch. Erzähle mir doch, in wie viel Schlachten bist du davon gelaufen? ,^ Mol. Davon gelaufen? Lisch. Es kann nicht anders kommen, lu mußt gelaufen seyn, denn dein ganzes Gefühl war in deinem Bein. Sobald man dir das wegschoß, blieb der klotzigte Rumpf liegen, aber o°9 ich wette, das Dein hat noch sänge gezuckt wie bey einer Spinne. Mol. Du bist eine giftige Spinne. Lisch. Unbegreiflicher Tölpel! meinst du, wir wären türkische Sultamnnen? läßt du dich zum elenden Hamling brauchen? Mol. Ich weiß, welcher Theil deines Leibes unverwundbar ist. Lisch. Nun? Mol. Die Lunge. Lisch. Es verlohnt nicht der Mühe, mit dir zu reden. Mol. So laß mich zufrieden. Lisch. Du kannst weder hören noch sehen, weder schmecken noch fühlen; du kannst nichtS als riechen, deinen schlechten Taback. M o l. Der Taback ist mcht schlecht. Lisch. Kommen Sie Fraulem, lassen Sie den Grobian sitzen. Er ist schlechter als eine Auster, er hat nicht eui Mahl zwey Sinne. (Es wird geklopft.) Mol. Zwey Sinne habe ich wohl, denn ich. höre eben, daß geklopft wird. Lisch. So steh auf, und geh hinaus. (ES wird weiter geklopft.) Mol. Aufstehn? za Aberhmausgehn? Nein.(Er steht auf und steckt den Kopf durch die Thür.) Wer da? Eine grobe Stimme(draußen.) Gut Freund! M o l. Was für gut Freund? Die Stimme. Ein alter Invalide will. mit dem ehrlichen Hans Molkus sprechen. Mol. Ein Invalide?— Warte Kammerads (Er kommt herein.) Fraulein und Jungfer, marsch auf Ihr Zimmer,! Lisch. Herzlich gern. Denkst du, wir wollten hier in eurem Tobackseollegium sitzen, und uns einschmauchen. lassen? Nantch. Komm, wir wollen sehen, was der Mops macht. Lisch. Leider hat uns das Schicksal einmahl bestimmt, keine andern Gesichter zu sehn, als Mopsgesichter.(Sie gehn ab.) Mol.(öffnet die Thür.) Nur herein, Kamt merad. Vierte S. cene. Fritz(ais Invalid-, mit einem hölzernen Saß und verschiedenen Schmarren im Gesicht.) Molkus. Fritz. Willkommen alter Knabe! Kennstdn mich noch? Mol. Das ich nicht müsite. Fritz. Kennst du Jürgen Fröhlich nicht mehr, vom Regiment Stcinacker? M o l. Jürgen Fröhlich? Hm! ist mir ganz entfallen. Fritz. Weißt du nicht, wie wir Anus S7 vor Prag lagen? Mol. Vor Prag? 0, das weiß ich noch recht gut. Unser Regiment campirte rechts Hand am Ziskaberg. Fritz. Wie die Ostreicher einen Ausfall thaten auf die Batterien von Scrohhof. Mol. Und wie der Prinz Ferdinand von Preußen sie zurückjagte. Fritz. Wie sie hernach wieder einen Versuch auf die Seite von Wisherad machten. Mol. Und wie unsere Kartätschen sie ir» die Flanke nahmen. 512 ^ Fritz. Wie der Prinz von Lothringen mir vier tausend Mann uns überrumpeln wollte. M o l. Und wie wir sie mit blutigen Kopsen zurückschickten. Fritz. Schade nur, daß das böse Wetter einfiel. M ol. Und daß die Moldau so gewaltig anschwoll. Fritz. Und unsere Brücken mit fortführte. Mol. Recht Bruder! ich höre es, du bist dabey gewesen. Fritz. Ich nicht dabey'gewesen? tausend Sapperment! ich war dabey als unser Bataillon die Ostreicher bey der Segeschützer Windmühle attakirte. So standen wir, und fo mar- schirten wir darauf los.(Er marschirt gerade aufdes Fräuleins Zimmer lss.) He da! holla! wo ist der Feind! heraus aus den Löchern! Mol. Sachte, sachte Bruder! das ist keine Windmühle. Dort wohnen Frauenzimmer. Fritz. Frauenzimmer? Gott bewahre! lieber will ich Kroaten attakireu. M o l.. Da denkst du ane ich, Fritz. Wenn ich von Frauenzimmern höre, so laufe ich wie ein Roßdacher Franzose. Mol. Da denkst du wie ich, Fritz,. 3,3 Fritz. Lieber will ich mein anderes Bein, auch verlieren. Mol. Wo ist dir denn das Bein abgeschossen worden?-' Fritz. Bey Kollim ^ Mol. Bey Kollin? Gerade da hab'ich meines auch eingebüßt. Fritz. Sie mögen wohl beysammen in einer Grube liegen. Hohle der Henker die Beine! wenn, nur das Herz noch frisch ist. Komm Bruder, laß uns Eins zusammen trinken.(Er steht«!y Aaschchen»u§ der Tasche.) Mol. Meinetwegen. Auf die Gesundheit des alten Fritz! Fritz. Fritz soll leben!(Er trinkt und reicht Molkus die Slafche.) Mol. Bey Kollin half ich unter dem General Hülsen, den Kirchhof attakiren. Fritz. Ich war in der Brigade von Mann- ßein. Mol. Da habt ihr euch mit den Panduren herumgehauen. F r itz. Siehst du nicht den Kreutzhieb auf »einer Backe? M o l. l'eroair'r die- Panduren!(Es wird im-- Ar scharf getrunken.) Aetzebne'S Theater. M, S Frllr. Vor Schweidnitz war ich dabey, alr wir das Wafferfort stürmten. M o l. Vor Olmütz hab' ich in den Transcheen gefochten. Fritz. Bey Gibau wurden wir von Lauben «ttakirt/als wir unter Ziechen einen Transport convoyirten. M o l. In den Desileen von Krenau haben wir brav geschwitzt. Frrtz. Was Krenau! BeyLeuthen, dagütz es warm her. Mol. Aber Brüderchen/ du scheinst mansch so jung zu seyn, und hast schon den ganzen sw! benjahrigen Krieg mir gemacht? Fritz- Brüderchen, ich bin ein alter Knabe, j der Wein hat mich jung erhalten. Trinke, Brüderchen, trinke! wer jung bleiben will,-mT trinke». Mol. Ja, ja, muß trinken.vac ma, geh! tier Bri der lühli hat, >mt gißt frisches Blut. Most Ja, ja, viel Wein.(Er winkt.) Fritz. Wie kommst-du in das Haus zu k» Weibern? Lieber wollt' ich Loch in den Tarastr »ils kin> liegen. alt M, m ort bs« «och sie- lhy lkl'l- m4 > las 3»5 Mol. Wie ich zn den Weibern komme?— ich halte hier Schildwach. Fritz. Schäme dich/Kammerad! hast wohl manch liebes Mahl vor dem Generalszelte Schild- mach gestanden/ und nun bey Weibern? Mol. Was soll man thun/ Kammerad? man muß sich in die Zeiten schicken. Zwey Beine gehören ins Feld/ Ein Bein in die Winterquartiere. Fritz(sich bceruttken.stsllend.) Meinst du? nein Brüderchen/ wer mit Weibern umgehen will/ der muß wenigstens zwey Beine haben» M 0 l.(welcher anfängt, die Macht des WeinS jl« M-len.) Zwey Zungen wären ihm nothwendiger. Fritz. Wer noch ein Paar gesunde Arme hat/ der muß fechten. Deßhalb nahm ich Dienste unter den Hessen. M o l. Unter den Hessen? Fritz. Und ging nach Amerika- M o l. Mit Einem Beine? Fritz., Sieh nur/ Brüderchen/ ich rechnete »us/ daß ich doch nur noch Ein Bein verlieren könnte— M o l. Warum denn? Fritz. Well das Andere schon bey Kolli» ^g.. H 2 best 3i6 Mol. Mein Seel! du hast Recht—du biß ein gescheiter Kerl— du sollst leben.(Er trinkt.) F r i tz. Aber ich will doch lieber drey Schlachten zu Lande gewinnen, als ein Mahl auf der See untergehn. M o l. Die See muß Verzweifelt naß seyn— Fritz. Und immer betrunken, immer betrunken. Mol. Die See? i-rV A L Frrtz. Ja, Brüderchen, was ich dir sage- Man will zum Exempel hierhin steuern, aber die See will nicht, und man wird dorthin geworfen—(Er taumelt auf NantchcnS Zimmer Nun willst du wieder dorthin laviren, aber t» kömmt eine Welle und wirft dich stracks auf eine Klippe.(Er stößt an die Thür, daß sie aufprallt.) Mol. Ha! ha! ha! ha!— uimm dich i» Acht Kümmernd— du laufst auf eine Sandbank. Fritz. Jchglauöe, ich sitze schon fest— heda, Hülfe! Hülfe! Mol. Ha! ha! hak— ich sage dir, d>- Küste ist nur von Weibern bewohnt— Fritz» Las; sie kommen. Wenn ich ein Glichen getrunken Habs, so-fürchte ich mich gar vor ihnen. Eisch i L 1«m U N F HlU'0 L A ^itig> ! L -ich ^ 8 - L !»»chl m 4- tzek h,- M o l k. Ich nag sie auch wohl leiden, wenn ttk Wein mich lustig macht.— Fritz. Ich thue Nothschüsse— Piff! Paff! Bff! Mol. Ha! ha! ha! Paff! Puff! Piff! Beyde(zugleich.) Piff! Paff! Puff! gelber geil.) de Fünfte Seen e.- Üschen. GleichdaraufNantche n. Vorige. Lisch. Mein Gott, welch ein abscheulicher A'm! Meint ihr besoffene Schlingel, hier sey iiir Ä Marketenderzelt i Fritz(heimlich.) Lischen! Lischen! ich bin ja cheron Wellinghorst. ^Ild-! Lisch,(schreyt.) Ah! Mol. Recht, Lischen! du bist eine ganz da, lRtigs Marksdenterinn. Lisch. Gnädiges Fraulein, koinmen Sie die ich geschwind heraus. Nant ch.(kömmt.) Was gibts! G- j Lisch. Hier ist ein Betrunkener, den Sie acht.Achtern machen sollen. Fritz. Theuerstes Nantchen, die Liebe spielt Coniödie. Nan rch. Ah! uls möglich! Lisch,(möcht sich anMolküs.) Nun, Molkus, u>ie gehrs? Molk. Immer auf zwey Beinen, mein schönes Kind. Fritz. Die Minuten sind kostbar. Ich liebe Sie unaussprechlich. Lisch. Ist das ein alter Kriegskammerad pon der'S Molk. Wir haben zusammen vor Prag gelegen. Fritz. Darf ich mir mit einiger Hoffnung schmeicheln? Nantch. Ach! Fritz. Darf ich diesen Seufzer zu meinem Vortheil auslegen? Nantch. Kann ichs Ihnen wehren? Lisch. Dort ging es wohl hitzig her? Mol. Piff! Paff! Puff! hier Pandureii, dort Croaren— Fritz. Wollen Sie meine Gattinn seyn? Nantch. Meine Mutter wird es nimmermehr zugeben. ter? Mad !M och Dir! -i mh - den Lisch. Ich habe in meinem Leben keinen panduren gesehn. Mol. Die Kerls haben den Teufel im Leibe— Fritz. Fliehen Sie in meine Arme. Nantch. Wider den Willen meiner Mutier? nimmermehr! Mo l. Aber, wenn ein Pandur ein hübsches Rädchen sieht, zum Exempel dich, Archen— Lisch. Nun? Mol. Dann wird er zahm, wie ein Lamm, Lisch. Ey! Fritz. Morgen werfen wir uns zu den Füßen Ihrer Mutter, und erhalten Verzeihung. Nantch. Wer um Verzeihung bittet, hat loch vorher gesündiget. Mol. Mein Seel! du bist eine schmucke Dirne. Lisch. Wahrhaftig? Fritz. Wenn,Sie mich liebten— M o l. Wenn du mich liebtest— / Nantch. Hat mein Herz mich nicht verlachen? Lisch. siechen ab.) Siebente c e n e. übe ver Th M an dir te> es m de E lu di Frau von Brumbach(allein.) Bald wird die Stunde der Prüfung schlagen.!, Gehorsam, wein Herr von Puffelberg, Unter-« wurßgkeit^— wer als Liebhaber den Schnupfen> scheilt, wird der als Ehemann in einer Winternacht den Arzt hohlen, wenn ich plötzlich krank werde? Nach mir bequemen soll man sich, > 527 .ster mcht bequem seyn. Kurz, wenn lch ihm vergebens den Garrenschlüffel lieh, so bleibt rhm Lhür und Herz verschlossen. Wer zum dritten Mahl freywillig eine Galeere besteigt, um sich an die Ruderbank schmieden zu lassen; der verdient kein Mitleid.— Wir wollen doch die Lichter auslöschen, um vielleicht einie Kinder haben? Piffelb, Ich? Kinder? F r. v. B r. Daß ei» Sohn von Ihnen in der Welt herumlauft, den.Sie dem Elend Preis geben? Piffelb. Ein. Sohn? von mir? Fr. v.Br. llnd wahrhaftig, ein recht schmucker junger Mensch, der es wohl verdient, daß man sich ein wenig um ihn bekümmert. Piffelb. Wollen Sie mich necken? Fr. v. Br. Schämen Sie sich! keimen Sie diesen Jüngling? Pisse b, Ich habe ihn in meinem Leben nicht gesehn. Fritz(«u seinen Fußen.) Ja, mein Vater! verlaugnen Sie nicht die Stimme der Natur! erkennen Sie in nur Ihren Sohn, Ihren unglücklichen Fritz! Piffelb. Was Teufel! spielen wir hier Komödie? Fritz. Ach! bis jetzt ist es ein Trauerspiel gewesen, machen Sie ein Lustspiel daraus! schling gen Sie Ihre väterlichen Arme um mich! und lassen Sie die Thränen der Vaterliebe auf meine Wangen Herabrollen. Piffelb. Junger Mensch, ist er toll? Fritz. Ihre Grausamkeit wird mich um den Verstand bringen. Fr. v. Br. Wollen Sie noch langer Ihr hartes Herz, den sanften Gefühlen der Natur verschließen? Piffel.b- Der Kerb ist ein Narr, der mich zuM Narren halt. Fritz. Haben Sie es gehört, gnädige Frau? er verstößt mich! mich, den Sohn seiner Haushälterinn, die ihn treu geliebt, die seine Wasche 336 und seine Küche jederzeit uneigennützig besorgt hat. Er will mein Elend! er will meinen Tod! — Wohlan, grausamer Vater! Morgen wird man meinen blutigen Leichnam im Flusse auffischen! morgen wird man wehe! wehe! über dich schreyen!— Ha! schon sehe ich den Teufel, wie er seine Krallen ausstreckt, um meine arme Seele zu ergreifen— fort! fort in die Holle!(Beiseite.) Warte, ich will dir schon noch besser ein heihen.(Er stürzt hinaus.) F r. v. B r. Und Sie lassen ihn gehn? Piffelb. Ey er mag zum Teufel gehn? Der Kerl ist verrückt. Watum laßt die Polizey solche Lumpenhunde nicht einsperren. Fr. v. Br. Verrückt? nein, mein Herr, er sprach sehr verständig. Plffelb. Aber Blitz und der Hagel! darin ist ja so wenig Verstand als in einer Windbüchse. Wer kein? Haushälterinn hat, der kann keinen Sohn haben, und wer keinen Sohn hat, der kann nicht Vater seyn, wie? Fr. v. Br. Sie hintorgshsn mich. Es ist sehr wahrscheinlich, daß er wirklich Ihnen angehört. Piffelb. Warum denn? Etwa weil er ei», hübscher Kerl ist? A,«.. - 4 Fr. v. Br. Welche Ursachen könnte er haken, sich gerade für Ihren Sohn auszugeben? Piffelb. Das mag St. Huberrus wissen. Fr. v. Br. Fürs Erste sind Sne nicht reich. Piffelb. Leider, nein! Fr. v. Br. Fürs Zweyte haben Sie ein hartes Herz. Piffelb. Potz Element! Muß man denn ein Findelhaus anlegen, nm den Ruhm eines welchen Herzens davon zu tragen? Ich kann die Herzen nicht leiden, worin sich jede Blume ab- drücket, und jede Thräne ein Bett gräbt. F r. v. B r. Welche Vortheile k-onme er also von einem solchen Betrüge erwarten? Piffelb. Ich sage es noch ein Mahl, das weiß der heilige Hubertus besser als ich. Der Kerl ist ein feiner Zeisig, er hat in der Spitzbüberei) seine drey Erhangen ausgestanden. Wer weiß, was er im Schilde führt. Fr. v. Dr. Wenn er sich nun ins Wasser stürzt? Piffelb. Hat keine Gefahr. Fr. v. B r. Wenn er nun Morgen todt ist? Piffelb. So will ich verdammt seyn, mein. Lebenlang Sperlings zu schlichen, und Maulwür- se zu graben. Sohebue'L Theater.^.Bd. P 358 Fr. v. B r. Mein Herr von Piffclberg, ii) merke, Sie besitzen mehr Arglist als ich Ihnen zutraute. Piffelb. Hohl mich der Teufel! gnädige Frau, es ist nicht so mel Arglist m mir, als man Pulver auf die Pfanne schütten kann. Fr. v. Br. Wissen Sie auch, daß mein Kammermädchen den jungen Menschen kennt? Piffelb. O, das will ich wohl glauben- Die Kammermädchen haben viele Bekanntschaften. Fr. v. Br. Und daß sie folglich im Stanke ist/ Ihre Häucheley zu entlarven? Piffelb. Mein Gewissen ist immer blank wie mein Gewehr. Fr. v. Br,. Das wollen wir gleich hören. (Sie öffnet d ie Thür ihres Zimmers.) Lische»! Bis! du schon zu Berte? Lisch,(hinter der Scene.) Nein., gnädige Frau. Fr. v. Br. So komm einem Augenblist du «! D kein '!m lich der i Ml! Dt ssir Zwölfte Scene. Lischen. Die Vorigen. Lisch. Hier bin ich! Was befehlen Sie?" F r. v. Br. Du bist ein sauberes Früchtchen, ! du gibst nächtliche Rendezvous. L is ch. Ich, gnädige Frau? Fr. v. Br. Du lässest die jungen Kerls znm^ Fenster herein steigen. Lisch,(bey Seite.) O weh! o weh! Fr. v... Br. Aber dießmahl will ich dir verzeihen, wenn hu sogleich ohne Umschweife bekennst: wo. hast du den jungen Menschen kennen lernen? Lisch. Hier im Hause— er war so freundlich— so zuthatig— Fr. v. Br.. Und woher weißt du, daß er der Sohn des Herrn von Piffelberg isst L i s ch.(macht grosie Augen.) P i ffelb. Heraus mit der Sprache! Ich All wissen^ was dahinter steckt..Denn kurz und Mt, ich leide es nicht, daß der erste beste Gal- zenschwengel von der Landstraße, sich mir nichts.' 'dir nichts, für meinen Söhn ausgibt.-. P^ s t»! Lisch. Hat er Ihnen denn selbst gestanden^ — daß dieser Herr sein Vater ist? ßshx, Fr. v. Br. Freylich. Er bath um meine^^ Fürsprache, und berief sich auf dich. Lisch. Nun, wenn er da» Geheimniß schon selbst verrathen hat, so muß ich wohl bekennen, Laß er wirklich und m der That die Ehre hat, mit dem Herrn von Piffelberg sehr nahe verwandi< »u seyn. Mi Pisse lb. Mit dem Teufel, aber nicht mit^ mir!, F-r. v. Br. Dahaben wird. Hast du' Be- weise, Lischen? LisH. O ja— denn— man kann nur nicht Alles so sagen— Piffelb. Heraus aus dem Busche! F r. v. B r. Vielleicht kennst chu"gar seine Mutter?., Lisch. Seine Mütter?— ja— Sie ist^rs eine weitlnisttige Verwandte von i»ir. F r. v. B r.' Nun', Herr von Piffelberg? Piffelb. Fußangeln! Fuchseisen! Wolfs-' gruben! Ich will mich mit Erbsen todt schießen^ lassen, wenn an dein ganzen Schnickschnack ein, wahres Wort ist. Fr. v. Br. Ein reuiges Bekenntniß hätte^ Anen vielleicht meine Verzeihung erworben. Mer jetzt— was muß ich glauben? Gewiß laufen noch mehr dergleichen Buben von Ihnen in ler Welt herum. Wer weiß, wie manche arme ietrogene Dirne hinter dem Spinnrocken sitzt, md den Flachs mit Thränen über Ihre Untreue letzt. Piffelb. Hohl mich der Teufel! gnädige hau, meine Unschuld ist so rein, daß ich noch liefe Nacht einen Schatz heben konnte. Lisch. Ich möchte doch nicht mit im Kreise lehn. chr Dreizehnte Scene. ^ Hritz(als'Frauenzimmer,, das Gesicht»erschleyerk.) Die Vorigen. fz, Fritz(zu Piffelberz.) Finde ich dich endlich, ^!l»qetreuer? bin ich endlich hinter dein« Schliche zckonimen? F r. v. B r. Was ist das? ^ i Lisch. Wieder ein neuer Austritt. .Fritz. Ist das der Lobn für meine Treue und" Beständigkeit? ist das die Erfüllung deiner Schwüre? Piffelb. Blitz und der Hagel! bitt ich denn in ein Tollhaus gekommen? Fr. v. Br. Wer sind Sie Madam? was wollen Sie? Fritz. Verzeihen Sie/ gnädige Frau, einer Unglücklichen, die auf das grausamste betrogen worden. Tausend Mahl hat dieser Herr Mit ewige Liebe geschworen, tausend Mahl hat er mir die Ehe versprochen. Diesen Ring gab' er mir als em Unterpfand seiner Treue— (Sie weint.) Fr. v. Br. Zsts möglich! Piffelb. Weib! bist du vorn Teufel befts- sen? e Fritz. So? nun bm ich vom Teufel besessen? aber als.Sie zu meinen Füßen lagen, und mir mit zuckersüßen^Lobten meine Unschuld abschwatzten, da war ich ein Engel— Piffelb. Satansengel! Fritz(schluchzend.) Und nun verstoßen Stt mich, nun, da ich das Pfänd der Liebe unter meinem Herzen trage— Piffelb. Potz Element! wieder ein Kind! F r. v. B r. Ich bin versteinert. er: in es ei- ,-°- ur er! er es- es-! t>d ab-! 3/^5 Fritz. Schon lange sagte man mir/ daß Sie auf krummen Wegen gingen, aber ich wollte es nicht glauben, ich gab mir die Mühe, Sie .--n belauern; und als Sie heute um Mitternacht wie ein Dieb aus dem Hause schlichen, da schlich ich Ihnen nach. Piffelb. Weib! ich reiße dir die Lästerzunge aus dem Halse! Fr. v. Dr. Gemach, mein Herr! ich nehme sie unter meinen Schutz. Fritz. Ach liebe gnädige Frau! Sie sind großmüthig und schon. Ihr Anblick allein kann dem Verrathet- noch zu einiger Entschuldigung dienen. Piffelb. Satan! komm nur heraus vor die Thür, ich drehe dir den Hals um, und lasse dich ins Zuchthaus scheu. Fritz. Da hören Sie es. Nicht ein Mahl sein eigen Fleisch und Blut will er verschonen. Ach! ich armes unglückliches Mädchen! was soll ich anfangen! ich darf nicht von hier weggehen, er ermordet mich! b Piffelb. Ja, du Habicht! da- will ich: s du Krähengestcht, du Nachteule! , Fr. v. D r. Seyn Sie ruhig,.Madam, es ^ soll Ihnen kein Haar gekrümmt werden. Gehn Sie indessen zu meiner Tochter, da sind Sie völlig in Sicherheit. Fritz. Ach, gnädige Frau! der Ruf sagt nicht zu viel von Ihnen, wenn er Sie als die großmüthigste Dame beschreibt. Fr. v. Br. Führe sie herein, Lischen, (heimlich) und laß sie zur Hinterthür hinaus, da hast du den Schlüssel. Ltöch.(das Lachen verbeiffend.) Ganz wohl. Lammen Sie, Madam. Fritz(j,l Piffelberjj.) Leb wohl, du Wüthrich 1 ach! du noch immer geliebter Verrather! (Er geht mit Lischen in Las Cabinet.) Vierzehnte Scene. Frau von Brumbach. Herr von Pif- selberg. Pifselb. Das hat man davon, wenn man um Mitternacht nicht ruhig im Bette bleibt. Lauter verdammte Hexerey! der Satan hat sieben böse Geister los gelassen. Fr. v. B r. Sie wollen mich wohl gar über- M reden, der arme Satan sey Vater zuIhrenBa- starden? Pisselb. Mich soll der böse Feind auf dem ersten Kreuzwege erdrosseln, wenn ich da» Weib in meinem Leben gesehen habe, eben so wenig, als den verfluchten Kerl, der mit des Teufels Gewalt mein Sohn seyn will. Fr. v. Br. Kurz und gut, mein Herr, mit uns ist es aus. Pisselb. Aber untersuchen Sie doch nur erst— Fr. v. Br. Was ist da zu untersuchen? hier «in Sohn, und dort eine Maitresse. Pisselb. Der Eine verdient den Galgen, und die Andere das Rad. Fr. v. Br. Dann würden sie Ihnen freylich nichts zu unterhalten kosten. _ '. s'.,''-''-'''/.'- 346 Fünfzehnte Scene. Loschen. Die Vorigen. Lisch- Ach! gnädige Frau! das Unglück! Fr. v. Br. Was gibts? Lisch. Ach! ich kann nicht mehr! Fr. v. Br. Ist das Weib in Ohnmacht gefallen? Lisch. Sie ist davon gelaufen. Fr. v. Br. Nun, desto besser. Lisch. Und hat das gnädige Fräulein mitgenommen. Piffelb. Da haben wir die Bescheeruna. Fr. v. Br. Was? rede! Lisch. Als ich ihr die Hinterthür ausschloß — wie Sie befohlen hatten— da warf ste auf ein Mahl die Saloppe und den Schleyer von sich— und da sah ich, daß es ein junger Herr war— und» da sah ich, daß er Fräuleiu Nant- chen in die Arme faßte— und wie der Wind mit ihr davon lief. .Piffelb. Und der junge Herr war schwanger, ha! ha! ha! F r. v. Br. Konntestdudenn nicht schreyen? Lisch. Ich wollte schreyen— da zog er einen Dolch hervor— und fetzte mir chn auf die Must— und sagte/ ich Ware des Todes/ wenn ich einen Laut von mir gäbe. Fr. v. Br. Ach/ ich unglückliche Mutter! was soll ich anfangen! mein Kind! mein einziges Kind! Piffelb. Hab' ichs nicht vorher gesagt? lauter Betrügerey. Fr. v. Br. Ach bester Herr von Piffelberg! wenn Sie mich lieben— eilen Sie! fliegen Sie! — hohlen Sie den Räuber-ein! Piffelb. So? ich dachte, mit uns wäre es ganz aus? Fr. v. Br. Ich habe Ihnen Unrecht gethan, verzeihen Sie einer unglücklichen/ betrogenen Mutter. Piffelb. Wollen Sie mich denn-heirathen, wenn ich ihn wiederbringe? Fr. v. Br. Ja! ja! Piffelb. Topp! es ist ein Wort! ich will sehn/ ob ich die Hafenspur finde. Er wird Hacken machen/ aber ich will ihn verfolgen bis in sein Lager, wo er aufsprang. (Er geht aS.> 34« Fr. v. Br. Fort, Aschen! rufe Molkus! er soll auch hinaus auf die Straße, und du auch! nehmt die Schaarwachter zu Hülfe! laßt die Thore schließen! lauft! rennt!— ach! ich möchte mir die Haare aus dem Kopfe raufen! (Sie stürzt in ihr Zimmer.) Lisch. Ja, wenn sie nur welche auszuraufen hatte.(Sie geht lachend ad.) Dritter Act- (Der gemeinschaftliche Saal im Wirthkhause, Nacht./ Erste Scene. Nantchen(flicht aus Leihen« Zimmer.) Fritz(folgt ihr nach.) Nantch. Nein, ich bleibe nicht aufJhrem Zimmer. Feitz. Warum denn nicht? Nantch. Ich weiß nicht warum, aber mein Gefühl sagt mir, es schickt sich nicht. Fritz. Schickt es sich denn hier besser? Nantch. In einem öffentlichen Saale, wo alle Augenblicke Jemand durchgehen kann, hat es keine Gefahr. Fritz. Was für Gefahr hat es denn auf memenckZm'.mer? 35o Nantch, Das weiß ich nicht, aber wen» ich dort mit Ihnen allem bin, so pocht mir das Herz. Es pocht mir zwar hier auch, aber doch weniger. Fritz. Nun? und ist denn Herzklopfen eine Sunde? N a n t ch. Ich weiß nicht, aber ich hatte eine Gouvernante, die pflegte zu sagen: hüthe dich vor Allem, wobey das Herz klopft und das Blut i» die Wangen steigt. Fritz. Die hatte vermuthlich ein welkes Herz und keinen Tropfen Blut. Nantch. Ich bitte Sie, hohlen Sie Licht. Fritz. Fürchten Sie sich vor Gespenstern? Nancch. Sonst wohl, aber nicht wenn S i e bey mir sind. ^ Fritz. Nun, warum soll ich denn Licht hohlen? Nantch. Warum! warum! Sie fragen immer warum? und ich weiß es nicht. Aber es ist Etwas in mir, das mir zuflüstert: bitt' ihn, daß er Licht hohle. Fritz. Und was sagt dieses Etwas, wenn ich es Ihnen abschlage? Nan tch. Dann wird es unruhig. Fritz. Mir leuchten Ihre Augen hell genug- Nantch. Wer die Dunkelheit sucht, will Böses thun. Frrb. Kann man denn bey Ächt nichts Böses thun? Nantch. Nein, man schämt sich vor sich selbst. F r i tz. Aber bedenken Sie nur, liebes Nant- chen, wen» Licht hier wäre— drey Schritte von hier wohnt Ihre Frau Mutter, wie leicht könnten wir überrascht und verrathen werden. Nantch. Ach Gott! ich wünschte beynahe verrathen zu werden. Fritz. Sie lieben mich also mcht? Nantch. O ja, ich bin Ihnen von Herzen gut; aber, daß wir so aller,, beysammen sind, es ist gewiß nicht recht. Fritz. Haben Sie mir nicht versprochen, meine Gattinn zu werden? und dürfen Mann und Frau nicht allein beysammen seyn? Nantch. Mann und Frau wohl, aber wir find nicht Mann und Frau. Fritz. Noch wenige Stunden, und wir sind eS. So bald der Tag anbricht— Nantch. Ach! möchte er doch nur erst anbrechen? Fritz. Ihre Ungeduld wird noch alles ver- ^ Z52 derben. Man wird uns überraschen, Sie mir entreißen, mid dann sind Sie auf immer für mich verloren. Nantch. Ich bleibe Ihnen treu, gewiß und wahrhaftig! Fritz. Haben Sie, Mitleid mit meiner Unruhe, kommen Sie auf mein Zimmer. Nantch. Lieber auf die Straße oder auf den Markt. Fritz. Wunderliches Mädchen! wenn man einmahl mit einem Manne davon läuft, so kann man auch wohl auf sein Zimmer gehn. Nantch. Bin ich denn mit Ihnen davon gelaufen? ach! das hab' ich dumm gemacht. Fritz. Gereut Sie der Schritt? Nantch. Beynahe. Was werden Sie von mir denken? Sie muffen mich für sehr leichtsinnig halten, und es ist doch wahrhaftig das erste Mahl, daß ich mit einem Manne davon gelaufen bin. Fritz(lach-wd.) Ich glaub' es gern. Nantch. Sie haben mich so überrascht, ich weiß selbst nicht wie? Fritz. Morgen ist alle Unruhe vergessen. Mir fällt Etwas bey, um Ihre Delioatesse zu 353 schonen. Ich will Sie in das Schlafzimmer meines Hofmeisters führe». Nantch. In das Schlafzimmer eines Mannes? Fritz. Eines Mannes von fünfzig Jahren. Nantch. Den ich nicht kenne. Fritz. Ich werde bey Ihnen bleiben. Nantch. Aber er wird schlafen/ und wir werden doch allein seyn. Fritz. Drolliges Mädchen/ es brennt eine Nachtlampe vor seinem Bette. Nantch. Und wenn er nun erwacht? Fritz. So steile ich ihm meine Braut vor. Nantch. Besser wäre es doch/ er schliefe gar nicht. Fritz(lächelnd.) Gut, auch das, ich will ihn wecken. Nantch. So gehen Sie. Fritz. Kommen Sie mit mir. Nantch. Nein, erst müssen Sie ihn aufwecken, und dann muß er mich selbst abhohlsn. Fritz. Auch das— aber ich mochte Sie nicht gern allein hier lassen— doch«S ist in zwey Minuten geschehen. Rühren Sie sich nur nicht von der Stelle, und wenn Jemand durch den Saal geht, so halten Sie den Athem an sich.(«isr gel,t i» sein Zimmer.) Nantch(allem.) Habe ich denn noch einen Athem? mir ist als ob ich gar keine Luft schöpfen konnte.— Ich zittre, wie ein Espenlaub.— Warum sagt denn meine Gouvernante: nur der Dösewicht zittert?— Mein Herz sagt mir doch, die Liebe sey nichts Böses. Zweyte Scene. Frau von Brumbach. Nantchen. F r. v. B r.(tritt leise aus ihrem Zimmer.) War mirs doch, als ob ich reden hörte.(Sie lauscht.) Nein, es ist Alles stille.— Mein Gott! wie viel Angst und Kumttier macht mir das böse Mädchen!,— aber hab' ich sie nur erst wieder, so will ich sie den Augenblick in ein Kloster sperren.(Sie geht wieder hinein.) Nantch. In ein Kloster?— ach! da will ich doch lieber auf des jungen Barons Zimmer gehn. Dritte Scene. Fritz. Felix(im Schtofrock mit ein«» Nachtlompe.) N an t chsn. Fritz. Hier/ lieber Herr Felix/ hier ist das liebe schüchterne Mädchen. F e l. Fritz! Fritz! was haben Sie gemacht? Fritz. Fragen Sie lieber: war werde ich machen? ich werde sie heirathen. § e l. Nach einer solchen That müssen Sie das auch. 'Fritz. Mein"Gott, ich verlange es ja mchr besser. Drehen Sie nur Ihre Nachtlampe um und sehen Sie ihr in das holde Gesicht. Nantch. Lieber fremder Herr/ erbarmen Siesich meiner Unschuld! seynSie mein Vater. Fel. Ein Vater, meinK.nd/ m noch leiau ter zu betrüge»^ al» eine Mutter. Nantch.(zu Fritz.) Hören Sie es? ex macht mir Vorwürfe. Ach! das geht mir durchs Herz! ich will wieder zu meiner Mutter. Sie wird mich ins Kloster sperren— dort werd' ich immer wer- „en— aber hier kann ich auch nicht froh seyn. Fritz. Bester Herr Felix! hören Sie die Stimme der reinsten Unschuld! wenn Sie mich je geliebt haben, stehen Sie mir bey! 356 Fel. Ich habe Mitleide» mit Ihrer Schwache, mehr»och mit der Unerfahretiheit dieses gute» Märchens. Ich will Ihnen beyftehen, aber unter Einer Bedingung. Fritz. Ich willige in Jede. Fel. Sie müssen, sobald es Tag wird, sich der Mutter zu Füßen werfen, und um ihren Segen bitten. Fritz. Ger»! gern! Fel. Bis dahin bleibt das junge Frauenzimmer unter meiner Obhut. Nantch. Ach, nun wird mir wieder leicht. Fel. Wollen Sie sich mir anvertrauend Nantch. Mit Freuden! Sie sehen so gut, so ehrlich aus, ich habe Zutrauen zu Ihnen. Fel. So gehn Sie, liebes Kind, gehn Sie in dieses Zimmer, Ich folge Ihnen sogleich. Fritz. G«h Nqntchen, und schlnmmre ein wenig, wenn du kannst. Nant ch. Ich schlummern? Fühle wie mein Herz pocht. So war mir nur ein einziges Mahl in meinem Leben zu Muthe, als ich die Blatter,: bekam, und da konnte ich gar nicht schlafen.(S» geht ab.) F r i tz. Lassen Sie das arme furchtsame Ding nicht allein. 537 Fel. Nur noch ein Wort zu Ihnen, Jüngling!— Madchenehre ist geschliffener Stahl, Ein Hauch, und er erblindet. Fritz. Nicht vom Hauch der Liebe. Fel. Gerade von dem am Ersten. Dieß^ Mädchen scheint ein unbeflecktes Lamm. Wenn das Eine Ihrer gewöhnlichen Ämourerten wäre; wenn Sie fähig waren, sie nach drey Tagen einer Fantasie aufzuopfern— F r itz. Nimmermehr! Fel. Ich hoffe es nicht, denn ich kenne Ihr Herz. Aber erklären muß ich Ihnen, daß ich Sie auf diesen Fall augenblicklich verlasse, und den Fluch Ihres Vaters auf See Herabrufe! Fritz. Morgen ist Sie meine Gattinn! Fel. So bald die Mutter einwilligt, ist Sie Ihre Gattin». Vierte Scene. Fri tz.. Felix. Frau von Brumb a ch. F r. v. B r.(«ritt abermahls in die Thür.) Es ist mir doch immer— Jesus Maria! Ein Geist!(sie schlagt die Thür jü.) Fritz. Das war die Alte. 353— F e l. Wie ist mir— die Stimme schien mir bekannt. Fritz. Sie haben ja wohl eher Raben krächzen hören. Fel. Nun ich gehe zu dem armen furchtsamen Geschöpfe. Sie bleiben indessen/ wo Sie können, und lassen sich nicht eher wieder ror ihr sehen/ bis Sie die mütterliche Eittwilligung erbettelt haben.(Er geht ab.) Fritz. Das wird ein wenig schwer halten.. Doch man mmß es versuchen. Wenn die großen Herren Appetit zu einer Provinz bekommen/ so fangen sie damit an/ daß sie sie wegnehmen/ und der Traktat kömmt denn wohl hinterdrein. Nanr- chen ist in meiner Gewalt/ das ist die Hauptsache. bind wenn die Frau von Bruckbach des Teufels Ältermutter wäre/ so sollen!>L'e Krallen sie mir nicht wieder entreißen.— Aber waö° fange ich.jetzt an? Zu meiner Braut darf ich nicht/ schlafen kann ich nicht/ und bethen mag ich nicht. Es ist nichts langweiliger auf der Welt, als d.e Sehnsucht eines Verliebten. Da kriecht eine Stunde, man lauft ihr nach, man lauft ihr vorbey, man winktvergebens! Sie kriecht immer ihren Schneckengang fort. Mgn will sie aufheben und forttragen— ach! sie ist schwer wir Bley. Man spannt Wünsche vor, sie ziehen nicht. Man peitscht sie mit den Nesseln der Unge- dnld, sie geht nicht. Von Gebeth und Finch begleitet, schleicht sie endlich trage an s Ziel der Liebhaber umarmtseinMadchen—'und nniMuft die andere Stunde, als ob sie toll wäre. Kein Halt! kann sie errufen, kein Wunsch kann sie einhohlen! sie rennt fort! fort in die Ewigkeit! — und zuweilen nimmt sie die. Liebe mit. Fünfte Scene. Fritz. Lischen., Lisch,(kömmt schüchtern zur Mittclthür herein.) F r i tz. Regt sich nicht was?(»r bust-t.) Hem! hein! Lisch. Hem! hem! Fritz. Das ist ein weibliches Husten(leise.) Aus welcher schönen Brust kommt dieses Hem?— keuie Antwort? pst! pst! Lisch. Pst! pst! Fritz. Von welchen reitzettden Lippen tvnL dieses Pst? Lisch. Sind Sie es Herr Baron? 56o Fritz. Baron? ja es gibt der Barons viek m der Welt. Welchen sucht deine Stimme? Lisch. Baron Wellinghorst. Fritz. Errathen. Und du? Lisch. Ich bin Lischen. Fritz. Ah, Lischen! bist du es? komm her, laß dich umarmen. Du kömmst gerade recht, um mir die Zeit zu vertreiben. Lisch. Wo ist mein Fräulein? Fritz. Ju Sicherheit bey meinem Hofmeister. Aber wo treibst du, kleiner Schelm, dich mitten in der Nacht herum? Lisch. Die gnädige Frau hat mich ausgeschickt, Sie zu suchen. Fritz. Hast du mich denn gefunden? Lisch. Scherzen Sie nicht. Ich weiß nicht, wo ich bleiben soll. Fritz. Bleib bey mir. Lisch. Bringen Sie mich zu meinem Fräulein. Fritz. Das geht nicht an. Lisch. Warum nicht? Fritz. Sie ist bey meinem Hofmeister, einem alten grämlichen Menschen. Lisch. Mein Gott! soll ich denn wieder zur Frau ron Brumbach gehen? Friü. Fi-ltz. Wer zwingt dich denn4 Lisch. Sie wird zanken, schelten, keifen, und derHimmel sey mir gnädig, wenn sie merkt, daß ich Ihre Spitzbübsreyen begünstigt habe. Fritz. Sey ruhig, ich ernenne dich in dieser feyerlichen Stunde, krafc meiner eheherrlichen Gewalt, zum wohlbestallten Kammermädchen, oder Kammerjungfer, oder Kainmermamfell meiner Gemahlinn, von nun an auf ewige Zeiten, und zum Beweis, daß ich es redlich meine, ge-^ be ich dir zum Handgeld diesen Kuß. Lisch,(ihn zurückstoßend.) Das ist gestohlnes Geld, es gehört Ihrer Braut. Fritz. Nimm nur, ich präge diese Münze in jeder Minute neu. Lisch. Sie taugt nichts, wenn die Liebe nicht ihren Stampel darauf setzt. Ohne Scherz, Herr Baron, ich trete in Ihre Dienste, das ist nicht mehr als billig, denn Sie haben mich in diesen Wirrwarr verwickelt. Fritz. Nun ja doch, ich will dich auch wieder Herauswickeln. Lisch. Davon ist die Rede nicht. Aber wo bleibsichjetzt? jetzt, in diesem Augenblicke? Rechter Hand ist die Hölle,(auf»i« Thür der Frau von Kotzehue'K Thraker. 7. Vd. O. Hrmbach zeigend) und linker^>and der^d)ütan(au; Fritz deutend.) Fritz. Wie wäre es, wenn du. bis morgen 'früh ins F.egfeuer gmgest^ Lisch. Was soll das heißen? j Fritz. Sieh, dorr ist die Kleiderkammer, da i pfleg' ich mich des Morgens pudern zu lassen. Es hangen ein paar alle Manrel darin. In der einen Ecke steht ein Regenschirm, und in der andern eine Laterne. Willst du dort übernachten? Lisch.. Lieber als bey der alteitzHeze., Fritz.. S- lamm, ich trage dir einen Stuhl herein, und sobald es-rag wird, soll Naiuchen dich erlesen.,- Lischt Eine schöne Gelegenheit zu Tusche-' trachtungen. Fritz. T och nur so lange man allein ist.(Er , fuhrt sie m die Kleiderkammer.) Lisch.. Neu, Gort, hier ist eS dunkel ww im Grabe. F r i tz. Las deine schwarzen Augen leuchten. Lisch. Meut Herr, ich. bin lerne Katze^ Fritz, Da^ setze dich auf d«cse>, Stuhl, Änd verhalte dich mäuschenstille. Gute Nacht,> schönes Lischer., schief wohl.(Er mach« die Thür^ g,.) Jetzt will lch im Hause herumschlrichen wie j 565 ein Gespenst. Jede Maus will ich behorchen, die hinter der Tapete nagt, jedes Heimchen, das hinter dem Ofen zirpt.(Er geht atz.) Sechste Scene. Hans Molk us iköwm! durch die MitlettSür.) Lieber null ich einem fluchtigen Husaren nachsetzen, als einem Liebhaber, der mit seinem st j Mädchen davongeht. Ei» Husarenpferd hat doch ,1 i nur vier Beine, aber so ein Kerl hat Flügel.—- i Da bin ich nun in Wind und Regen die halbe e-' Nacht herumgelaufen. Mein gesundes Bein ist müde, und mein hölzernes nur Koch beschmiert, rr j Ich kann nicht mehr. Mögen sie meinethalben in ! die Wüste Arabien».laufen, und. Heuschrecken § fressen, wie der heilige Johannes.— Soli ich ! nun herein gehen zu denn alten Drachen, und , rapporriren, dafi ichnichtS gefunden habe? da käme rch aus, dem Regen in die Traufe. Lieber id j will ich die Nacht hier campiren, so gut eS gehn k, s will.(Er setzt(ich in ciuru.'irbnstuhl.).Blitz! dstis -jir 1 Ding ist so weich, als w- re es für einen Poda- >ie! gristen gepolstert.— Nun Gotr sey Dank, das Q 2 364 Podagra kann ich doch mir an Einem Fuß be- kommen.— Ah! nun wird mir wieder warm und wohl—(er gähnt) und der gestrenge Herr S chlaf stellt sich ein.— Es ist freylich kein Bett aber nach einer solchen Motion— wenn ich im siebenjährigen Kriegs— auf den Vorposten stand— da hab' ich mich wohl manchmahl auf mein Gewehr gelehnt-— und genickt ge- uickt—(Gx hrummenoch einige unverflündliche Worte, und entschlummert.)' Siebente Scene. Herr von Pisfelberg und Molkuö (schlafend.) Piffelb.- Alle meine Windhunde werden den Hasen nicht einhohlen. Das ist ein alter Fuchs,, der ist schon eher dabey gewesen. Man muß ihn einkreisen, und ein Trsibjagen anstellen, sonst geht er durch die Lappen,, und verzehrt siin Huhn ohne Barmherzigkeit. Da bin ich nun eine ganze Stunde in Dick und Dünn herumgepalscht. Was hab' ich davvn'i Nasse Füße, Ohrenschmerzen, und dieGicht im'Arm.— Soll ich mir nun noch 365 den Kopf von der Alten waschen lassen? prost die Mahlzeit! lieber bleibe ich hier bis es Tag wird/ und versuche, ob ich auf einem Sessel ein wenig schlummern kann.(Er tappt heran, und stößt an den Sessel, auf welchem Molkus schlaft.) Aha! da ist ein Stuhl. Nun wollen wir" versuchen, ob nach dieser Strapaze ein alrer Weidmann ohne Wiegenlied einschlafen wird.(Er setzt sich Molkus auf den Hchooß.) Mol.(erwacht.) He da! der Alp drückt mich! Piffelb. Blrtz und der Hagel! was ist das? Mol.(umklammert ihn mit beyden-Armen.) Ich hab'ihn! ich hab'ihn! Piffelb. Satan! laß mich loS! M o l. Der Räuber ist gefangen! Piffelb. Alle gute Geister loben Gott den Herrn! M o I. Licht her! Licht her! Prffelb. Du bist der Fürst der Finsterniß l Mol. Ich lasse dich nicht los, wo hast-dif das gnädige Fräulein? Piffelb. Satanskrallen, laßt ab. 366 Achte Scene. Fritzcht auf den Tisch, und laust fort.) Fr. v. Dr.(k»G»t ,urü»ee Peizsalerpe.) Da bin ich wieder.— 9iun? wo ist dcr Schlingel geblieben?— Wahrhaftig, er hat mch und sein Trinkgeld im Suche gelassen. Immerhin! weiß ich doch, wo ich meine entlaufene Dirne suchen soll. Speisesaal, Gang, Treppe, Hof, Kuhstall, Waschhaus, Nsllkammcr— richtig! Nehme ich das Licht mit? oder lasse ich es hier? Im Speisesaal ist es freylich dunkel, aber auf dem Gange brennt eine Lampe. Besser, ich schleiche im Finstern, und trete dann plötzlich unterste, wie Peter der Große unter die Verschwornen. Wenn mir nur das Gespenst mcht begegnet.(Sie geht in d«» Apeisesaal. Nach einer surren Pause hört man Molkur rufen:) Mol. Ich habe sie! ich habe sie! Fr. v. Br. Hülfe! Hüls-! Mol. Was Hülfe! die Mama wird schon helfen. Nur heraus aus dem Loche! Zehnte Scene. MolkuS. Frau v. Brumbach. Molkus(Fr. v. Br. im Arm haltend, stößt mit dein Fuße d,e Lhiir auf, und^schreyt, indem er sie herausschleppt:) Ich habe sie! ich habe sie! Fr. v. Br.(welche Molkus erkennt.) Molkus? was kömmt dich an? M 0 l.(betrachtet seine Bestie, läßt sie voll Schres Uesi falle», und bleibt mit starren großen Augen vor ihr stehen.) Fr.'v. Br. Bist du wieder besoffen? M o l. Es scheint beynahe, wenigstens behext. Piffel b.(inwendig.) Ich habe sie! ich habe sie?' Lisch. Hülse! Hülfe! F r. v. B r. Was ist das? M v l. Der hat sie fest, wenn ihm der Teufel nicht auch einen Streich gespielt. Piffelb.(inwendig.) Sträube dich, wie du willst, ich lasse dich nicht los. Eil ft e Scene. Piffelberg. Frau v. Brumbach. Lisch e n. Ä> olku S. Prffelb.(rischcn im Arm haltend, stößt mit dem Aus,e die Thür auf, und schreyt, i«de»n er sicher-> ausschleppn) Ich habe sie! ich habe sie: Fr. v. B r. Herr van Piffelberg, was soll das vorstellen'l was machen Sie mit meinem Kammermädchen? Piffelb.(betrachtet seine Beute, läßt sie voll Schrecke» fallen, und steht erstarrt.) Fr. v. Br. Auf welcher Jagd sind Sie gewesen l P iffelb. Wie es scheint, auf der Hexenjagd., Fr. v. Br. Ich bin ganz versteinert. Hab ich euch nicht Alle Drey ausgeschickt? und nun finde ich euch zu Hause? Mein sauberer Herr von Piffelberg, was machten Sie in der Kleiderkammer? P iffeLb. Ich war auf dem Anstand. Fr. v. Br. Und du Molkus, was thatest du im Speisesaal? Mol. Ich lag im Hinterhalt. Fr. v. Br. Und du, unverschämtes Mädchen? Lisch. Ich— ich wollte den Blondenbesatz ausbessern, in welchen Euer Gnaden auf dem letzten Patte ein Loch rissen. Fr. r. Br. Im Finster» Blonden ausbessern? schon!— Und Sie, Herr von Piffelberg, schämen sich gar nicht? Piffelb. Wofür denn? daß der Teufel in Ihrem Hause Versteckens spielt? Fr. v. Br. Ist das Freundschaft in der Noth? ist das Liebe? statt meiner Tochter nachzusetzen, finde ich Sie mir meinem Kammermädchen rn einem verdächtigen Winkel? Piffelb. Blitz und der Hagel! hohle der Henker Sie und IhreTochter! ich bin dasDing satt! S o bald ich nur den Fuß in Ihr Haus sehe, laßt der Satan aste seine, bösen Geister los. Da kommt ein verdammter Kerl und nennt michVaier; ein anderer Schurke gibt sich für meine Maitresse aus, und am Ende, da ich das Fräulein schon fest halte, verwandelt sie sich plötzlich in Lischen. Ist das nicht einSpeetakel? Auf dem Blocksbergs kann es nicht toller zu- gehn. Nein, gnädige Frau, ich bin Ihr gehorsamer Diener. Lieber will ich zwischen den Rui- nen meiner Burg Kartoffeln und Rüben fresse», als in diese Hexcnfamilie Heimchen.(Er geht ab.) Fr. v. Dr. Ach, ich unglückseliges Werd! die Tochter ist davon gelaufen; der Liebhaber lauft davon; Alles, AlleS läßt mich im Eriche. M o l. 24 merke wohl, der Spion hat uns angeführt. Fr. v. Dr. Aber kommt nur, ich weist, wo Nantchen versteckt ist. Nimm das Licht, Mol- kus, folge mir nach, über den Gang, in den Hof, u, den Kuhstal!, ins Waschhaus, in die Rvllkammer— M o l. Gott sey bey uns! sie ist verrückt. Zwölfte Scene. F r iI)(in seiner wahren Gestalt-) Sie D o e igeN. Fritz(wirst sich Krau». Bruwbach zu Füsien.) Bleiben Sie, gnädige Frau, und verzeihen Sie der Liebs, die Schuld an diesem Wirrwarr ist. Fr. v.Br. Wer sind Sie,-mein Herr? was wollen Sie von mir t Fritz. 24 bin der Entführer Ihrer Tochter. Fr. v. Br. Und Sie wagen es/ sich vor mir sehen zu lassen? Fritz. Erlauben Sie mir, wieder gut zu machen, was ich verbrach. Ich bin Baron Wel- linghorst, der einzige Erbe eines reichen Hauses— Fr. v. Br. Und wenn Sie der Erbe des Kaisers von Abyssimen waren— Fritz. Ich liebe Ihre Tochter, Ihre Toch- rer liebt mich— Fr. v. Br. Im Kloster, zwischen vier Mauern, soll sie ihren Ungehorsam büßen. Fritz. Nein, diese werchgeschaffene Seele wird nicht ewig zürnen; diese holden Lippen wurden nur geschaffen, um Segen auszusprechen. F r. v. B r. Wollen Sie mich durch Schmeichelet) kirren? Fort mein Herr! Fritz. Verzeihung! Fr. v. Br. Fluch! Fritz. Mindestens Ihrer Tochter. Fr. v. Br. So bald ich ihr den Hals umgedreht habe. Fritz. Wollen Sie mich zur Verzweiflung bringen? Fr. v. Br. Ja! ja mein Herr! ich wollte, daß Sie in Verzweiflung zur Hölle führen. Fritz. Das ist Ihr Ernst nicht. Fr. v. Br.(--rach-uch.) Ich scherze nicht mit Kindern.^ Fritz. Kind? ich bin also wirklich Ihr Krnd. Fr. v. Br. Mein Satan sind Sie! packen Sie sich fort!<> Fritz. Ich stehe nicht eher auf, lus Sre mir Ihre schone Hand zum Zeichen der Versöhnung reichen. Fr. v. Br. Dann blecken Sie kegen, bw an der Welt Ende. Fritz. Gut Madam! ich blecke liegen, bis die Sonne verloscht, und die Erde sich aus ihren Angeln reißt. Fr. v. Br. Sparen Sie Ihre Hyperbeln. Nie werde ich meine Tochter einem Menschen geben, der damrt anfing, ein unschuldiges Kind um seine Ehre zu betrügen. Fritz. Um seine Ehre? - F r. v. B r. Der meine schwarzen Haare mit Kummer und Schande decken wollte. F ritz. Mit Schande, gnädige Frau? Fr. v. B r. Sie werden mir doch wohl nicht weiß machen wollen, daß es für ein junges Mädchen eme Ehre sey, um Mitternacht mit«mem jungen Burschen davon zu laufen, und sich mit -ihm zu verstecken, Gott weiß wo? Fritz. Sie thun mir Unrecht. Fräulein Nantchen ist unter der Obhut eines ehrbaren alten Mannes, meines Hofmeisters. Fr. v. B r. So? ein sauberer Hofmeister! F r i tz. Er selbst wirb Ihnen bezeugen, baß die Ehre und Unschuld Ihrer Tochter unangetastet geblieben, daß ich sie die ganze Nacht hindurch nicht ein Mahl sehen durfte.(Er springt auf, und öffnet die Thür seines Zimmers.) Komme» Sie Nant- chen! Kommen Sie, lieber Hebr Felix! helfen Sie mir das harte Mutterherz erweichen! DrLyzehntr Seen e. Nantchen. Felix. Die Vorigen. Fr. v. Br.(lautschreyend.) Ah! memMann! Fel» Alle Teufel! meine Frau! Fr. v. Br. Bist du es Carl? Fel. Bist du es.Salomeh? Fri tz. Was soll das bedeuten? Fr. v. Br. Bist du noch, immer nicht todt: Fel. Leider nein! Lisch,(bey Seite.) Eine zärtliche Scene der Wiedererkennuna. 58 r Fr. v. Br. Hab' ich dich nicht in allen Zeitungen citiren lassen? F e l. Bin ich dir nicht überall auS dem Wege gegangen? Lisch.(Sey Seite.) Nun hat sie ja aus em Mahl einen Man». Fritz(zu Felix.) Versteh'ich recht, so ist die gnädige Frau Ihre Gemahlinn? Fel. Leider ja! N a n t ch.(z.. sr.». Vr.) Liebste Mutter! ist dieser Herr mein Vater? Fr. v. Br. Leider ja! Lisch. Wie rührend und erbaulich! Nantch.(Felix umarmend.) Mein Vater! welche unverhoffte Freude: Fel. Gutes Kind! ja, du hilfst mir die Gegenwart Deiner Mutter ertragen. Friir. O, nun'ist unS ja auf-einMahl geholfen? Lieber Herr Felix! aus Ihrem Munde erwarte ich mein Urtheil. Fel. Ja, Ueber Fritz, das Mädchen sey Ihre Gattin». Ich kenne Ihr Herz. Der Wein braust noch, aber er ist gut. Freylich, liebeS Naukchen, wirst du oft Geduld mit ihm haben müssen— Nantch. Ich will schon Geduld haben, lieber Papa. Fr. v. Br. Ganz wohl, Carl, du kannst thun, was du willst, sie ist deine Tochter. Aber wenn du glaubst, ich würde jemahls wieder deine Frau seyn, so irrst du dich. Ich habe dich in allen Zeitungen citiren lassen, und du bist wegen einer maliziösen Desertion, wie es die Advocaten nennen, förmlich von mir geschieden worden. Das Ober-Consistorium hat zwölf Bogen davon voll geschrieben, und ein großes Siegel darunter gedrücket. Fel. Ich habe nicht das Geringste dagegen einzuwenden. Heirathc meinetwegen noch drey Männer, und laß dich noch drey Mahl von ihnen scheiden. Was du von meinem Vermögen genießest, magst du behalten, um der liebenswürdigen Tochter willen, die du mir geschenkt hast. F r. v> B r. Wir können uns in Gesellschaften immer mit Anstand begegnen. Fel. O ja. Fr. v. Br. Und ich werde nie dessen erwähnen, was ich um deinetwillen gelitten.. Fel. Ich auch nicht. Fr. v. Br. So will ich euch denn- rr»«» «Iiers enlants, nieinen Wegen nicht langer vor enthalten. F e l. Gott segne euch! und mit einerThrane rm Auge, beschwöre ich euch: nehmt kein Beyspiel an euren Altern. Fritz. Theures Nantchen! du bist mein! Nant ch. lieber Vater! F e l. Jetzt, Kinder, müs;t ihr euch trennen. Du, Nantchen, gehst mir deiner Mutter, und Sie, Fritz, kommen mit mir. Rantch. Ich bin gar nicht schläfrig. ' Fritz. Ich auch lischt. Fel. Morgen, Kinder, morgen sollen eure Wünsche gekrönt werde«. Gute Nacht, Madam. F r. v. Br. Gute Nacht, mein Herr. Fritz. Schlaf wohl, liebes Nantchen. N an tch. Schlaf wohl, lieber Fritz. Fel. und Fr. N. Br.(machen sich wechselseitige Verbeugungen. Vritz und Nantchen werten sich Kusse zu. Alle gehn in ihr Zimmer.) M o I. Ein curioser Vorfall. Lisch. NunMolkus, du wolltch mich gestern Abend heirathen? Molk. Ich war betrunken,(Er geh«ab.) Lisch,(allein.) So? mid ist denn der imigc Herr nicht auch betrunken?— Ey, ey, ich fürchte, er wird in vier Wochen den Rausch ausge- schlafen haben. Wren, gedruckt rey Ante» Strauß. A »