Aufruf! Der Verein „ Bibliothek “, welcher unter dem Protectorate und unter der Controle des hohen Senates der Universität Wien steht, ergänzt die Wirksamkeit des Volksbildungs-Vereines, indem er eine reichhaltige wissenschaftliche Central-Bibliothek schafft, welche die wissenschaftlichen Werke, der Nachfrage entsprechend, den Volksbibliotheken täglich übermittelt. Der Verein wird bei diesem Unternehmen vom Wiener Volksbildungs- Vereine, von der Nieder österreichischen Handels- und Gewerbekammer und von dem Juri di s c h - p o 1 i- tischen Lese vereine unterstützt. Der dadurch dem Vereine zugänglich gewordene Biichervorrath der genannten Körperschaften beläuft sich auf etwa 180.000 Bände. Der Verein selbst hat durch Zeichnung im kleinen Kreise bisher rund 120.000 Kronen aufgebracht. Seine Majestät der Kaiser hatte die Gnade, die Gemeinnützigkeit des Unternehmens anzuerkennen, indem er dem Vereine für die Centralbibliothek eine Spende zukommen liess. Ein Freund des Unternehmens, welcher dem Grundsätze „Wissen ist Macht“ huldigt, wendete der Centralbibliothek für den Fall seines Todes einen grossen Tlieil seines Vermögens zu. Die Deutschen und O österreichischen Verlagsbuchhandlungen förderten die Vereinssache durch reiche Bücherspenden. Als der Verein sich zum ersten Male an die Oeffentlichkeit um Unterstützung wandte, hatte er die Hoffnung ausgesprochen, im Jubiläumsjahre sechs Bibliotheken dem Verkehre übergeben zu können, falls die Gemeinde Wien eine entsprechende Beihilfe gewähren würde. Die communale Subvention ist ausgeblieben, die sechs Bibliotheken wurden aber trotzdem eröffnet. Freilich sind sie noch unzulänglich. Aber diesem Uebel- stande kann abgeholfen werden, wenn werktliätige Freunde Unterstützung und Hilfe gewähren. Diese Hilfe muss und wird u e ^ Verein lindem _ -- — Man beachte, dass wir in Bezug auf die Leistungen der volksthümlichen Bibliotheken im Laufe der letzten Jahre alle Städte desContinentes, mit Ausnahme von Paris, weit überflügelt haben. Zu Ende der achtziger Jahre verliehen die Wiener Volksbibliotheken pro Jahr nur 100.000 Bände, während Berlin 300.000 Entlehnungen erzielte. Jetzt ist Berlin auf 600.000 pro Jahr gestiegen, unsere Wiener Volksbibliotheken aber sind in diesem kurzen Zeiträume von 100.000 auf 1,300.000 Entlehnungen pro Jahr vorgeschritten. In Berlin werden die Volksbibliotheken durch die Stadt erhalten, bei uns wurde aber eine viel höhere Leistung fast ausschliesslich durch Privatmittel erzielt. Diese Thatsachen sprechen wohl für sich selbst; sie zeigen, wie gross das Lesebedürfnis ist, beweisen aber auch, dass unsere Organisation gut ist. Ohne Rücksicht auf das politische Getriebe unserer Tage schaffen wir ein Werk, welches Allen in gleichem Maasse dient, indem es die Cultur und Gesittung des Volkes hebt. Dies Ziel kann aber unter den bestehenden Verhältnissen nur erreicht werden, wenn die Freunde der Volksbildung und des culturellen Fortschrittes thatkräftig mitwirken. Wir können einen grossen Tlieil der Betriebskosten durch die Beiträge decken, welche die Leser unserer Bibliotheken entrichten; die zur ersten Einrichtung und zum Bücherkauf nöthigen Summen müssen aber auf anderem Wege beschafft werden Durch Subscription im kleineren Kreise haben wir, wie erwähnt, bisher etwa 120.000 Kronen aufgebracht; falls die vermöglichen Einwohner Wiens den gleichen Betrag zeichnen würden, wäre das segensreiche Unternehmen gesichert. Wir zählen darauf, dass die maassgebenden Kreise sich der Erkenntnis nicht verschliessen werden, dass vor allem eine bessere Volksbildung nöthig ist, wenn unserer Stadt eine gedeihliche Entwicklung gesichert werden soll, und wir rechnen darauf, dass die Opferwilligkeit mit dieser Einsicht Schritt halten werde. Prof. Dr. Edmund Bernatzik Obmann-Stellvertreter. Adolf Bachofen von Echt Dr. Franz Kossmat Dr. Karl Ritter von Scherzer Ehreu-Präsident. Hofr. Prof. Dr. Ernst Fuchs Sigfried Kun General - Secretär. Prof. Dr. Max Gruber Obmann. Prof. Dr. Friedrich Jodl Ludwig Löhner Director J. C. Poestion Prof. Dr. Leo Reinisch Prof. Dr. Josef Schaffer Prof. Dr. Eduard Reyer Dr. Robert Sieger. c r 3)?^ n ? 5 /// Der Verein „Bibliothek“ hat im Jahre 1898 die folgenden Bibliotheken gegründet: Central-Bibliothek, L, Bothgasse 8. Oeffentliehe Bibliothek 9 11., Lilienbrunngasse 11. Oeffentliche Bibliothek , IV., Floragasse 6. Oeff entliehe Bibliothek , VI., Mariahilferstrasse 101. Oeffentliche Bibliothek 9 VIL, Lerchenfeld er strasse 9. Oeffentliche Bibliothek und Lesesaal 9 IX., Höfergasse 1. Bibliotheks-Stunden Von 9—1 und 3 — 8 Uhr. Mitglieder-Beitrag 1 fl. Für die Entlehnung wird in den Volksbibliotheken des Vereines eine Monatsgebühr von 20 kr. gezahlt, ausserdem 1 kr. per Band Belletristik; für die belletristische Abtheilung der Centrale 40 kr. pro Monat. Wissenschaftliche Werke sind von der Entrichtung des Leihkreuzers befreit. Wenn die geneigten Leser, welch e zu grösseren materiellen Opfern nicht geneigt sind, nur je 1 fl. als Spende zeichnen, ist ein grosser Erfolg des segensreichen Unternehmens gesichert. Zur gefälligen Beachtung. Wir bitten, den beiliegenden Erlagschein zu benützen. Wird der betreffende Betrag als Spende bewilligt, so ersuchen wir, auf dem Erlagschein zu dem Namen das Zeichen Sp. (Spende) zu setzen. Falls der Betrag als Mitglieds - Beitrag gemeint ist, entfällt dieser Zusatz. Eine Correspondenz-Karte wird zur geil. Benützung beigelegt. t)S 'ZoF, Central-Bibliothek. Eine Bibliotheks-Enquete erörterte die Organisation der Central-Bibliothek und proponirte folgende, von zahlreichen Fachmännern unterfertigte RESOLUTION. Die am 11. November 1898 im Sitzungssäle des medicinischen Doctoren-Collegiums, I., Van Swieten-Hof, versammelte Bibliotheks-Enquete hält die Schaffung einer ganz Wien umfassenden, für die breiten Schichten der Bevölkerung bestimmten Bibliothek mit Werken streng wissenschaftlichen und populär-wissenschaftlichen Inhaltes für äusserst wichtig und für eine Angelegenheit von hohem öffentlichen Interesse; sie erblickt in der vom „Vereine Bibliothek“ geschaffenen „wissenschaftlichen Centralbibliothek“ eine Einrichtung, welche geeignet ist, den Bedürfnissen weiter Kreise in dieser Hinsicht vollkommen gerecht werden; sie drückt der Leitung des „Vereine*-Bibliothek“, welche durch Sammlungen bei Privaten, ohne Unterstützung der zunächst berufenen Kreise, die Mittel zur Gründung der Bibliothek aufbrachte, ihr vollstes Vertrauen aus; sie spricht die Hoffnung aus, dass in der Zukunft nicht nur die privaten Kreise, sondern vor Allem die communalen und staatlichen Behörden dieses Unternehmen durch Geldunterstützung thatkräftig fördern mögen. l)r. Robert F. Arnold k. k. Hof-Bibliotliek. Adolf Bacliofen von Echt Vorstand des Wiener Volksbildungs- Vereines. Prof. Dr. Josef Bayer Prof. Dr. G. Ritter Beck von Mannagetta Prof. l)r. Fr. J. Becke Prof. Eduard Bernatzik Prof. Dr. Friedrich Berwerth Dr. Anton Bettelheim Geh.-R. Dr. Eugen Böhm Ritter von liawerk Senats-Präsident. Prof. Dr. Eugen Bormann Hofr. Prof. Rudolf Chrobak Hofr. Prof. Dr. Karl Ritter v. Czylilarz. Dr. J. Donabaum Scriptor der k. k. Univ.-Bibl. Prof. Dr. Alfons Dopscli Dr. Othmar Doublier Amanuensis der k. lc. Hof-Bibl. Hofr. Prof. Dr. Ebner R. v. Rofenstein Dr. Albert Ehrhard ord. Prof. a. d. Universität Wien. Ob.-Ingenieur Ludwig Erhärt Dir.-Mitgl d. technol.Gew.-Museums. Prof. Dr. Gustav Ritter von Eschericli Hofr. Prof. Sigmund Exner Prof. Dr. Franz Exner Dr. S. Frankfurter Scriptor der k. k. Univ.-Bibliothek. Hofr. Prof. Ernst Fuchs Dr. Emil Ritter v. Fürth Bibliotheks-Referent. Prof. Dr. L. Gegenbaucr Dr. Rudolf Geyer Scriptor der k. k. Hof-Bibliothek. Hofr. Prof. Dr. Theodor Gomperz Reg.-R. Dr. Ferd. Grassauer Director der k. k. Univ.-Bibliothek. Dr. Virgil Grimmich Professor an der Universität Wien. Prof. Dr. Karl Grobben Hofr. Prof. Dr. Carl Gross. Prof. Dr. Max Gruber Hofr. Prof. Dr. K. S. Grünhut Dr. Michael Hainisch Prof. Dr. Berthold Hatschek Hofr. Prof. Dr.Ricliard Heinzei Dr. J. Himmelbaur Scriptor der k. k. Univ.-Bibliothek. Dr. M. Holzmann Amanuensis der k. k. Univ.-Bibl. Prof. Dr. K. Th. von Inama- Sternegg k. k. Sections-Chef. Hofr. Prof. Dr. Yatroslav Jagic Prof. Dr. Gustav Jäger Arthur Jellinek Prof. Dr. Josef 0. Jirecek Prof. Dr. Friedrich Jodl Obmann des Volksbildungs-Vereines. Hofr.Prof. Dr. Josef Karabacek Dr. K. Kaukusch Amanuensis der k. k. Univ.-Bibl. Reg.-R. Prof. Fr. Kick Prof. Dr. Gustav Kolm Prof. Dr. Jakob Krall Prof. Dr. Jos. W. Kubitschek Di. Carl Kupelwieser Hofr. Prof. Dr. Victor Edler von Lang Albert Last Dr. Eduard Leisching Viee-Director des Oesterr. Museums. Dr. Heinrich v. Lenk Scriptor der k. k. Hof-Bibliothek. Hofr. Prof. Dr. Adolf Lieben Hofr. Prof. Dr. Ernst Ludwig Prof. Dr. W. Lustkandl Hofr. Prof. Dr. Ernst Mach Dr. H. Makas k. k. Universitäts-Bibliothek. Reg.-Rath Dr. J. Maresch Seeretär der n.-ü. Handels- nnd Gewerbekammer. I)r. Arnold Mayer Amanuensis der k. k. Univ.-Bibl. Hofr. Prof. I)r. Ant. Menger Hofr. Prof. Pr. Carl Menger Prof. Pr. Adolf Menzel Decan der rechts- und staatswissenschaftlichen Facultät. Prof. Pr. Rudolf Meringer Reg.-R. Prof. Pr. Franz Mertens Prof. Pr. Wilhelm Meyer- Liibke Josef Meyer Custos der k. k. Univ.-Bibliothek. Prof. Pr. Jakob Minor Prof. Pr. L. Mitteis ' Prof. Pr. Engelbert Mülil- bacher Prof. Pr. Laurenz Miillner geistl. Itath. Hofr. Prof. Pr. Adolf Mussafla Prof. Pr. Wilhelm Neumann Geistl. Rath, Prodecan der theol. Facultät. Pr. August v. Novak Bibliothekar der teclin. Hochschule. Prof. Pr. Al brecht Pcnck Prof Pr. J. M. Pernter Director der k. k. Central anstatt für Meteorologie und Erdmagnetismus. Hofr. Prof. Pr. Leo]>. Pfaff Prof. Pr. Eug. v. Philippovicli Josef C. Poestion Director der Bibliothek des k. k. Ministerium des Innern. Prof. Pr. Alfred F. Pribram Prof. Pr. Theod. Puschmann Decan der medicinischen Facultät. Prof. Pr. Oswald Redlich Pr. Emil Reich Prof. Pr. Leo Reinisch Prof. Pr. Emil Reisch Prof. Pr. E. Reyer Prof. Pr. Alois Riegl Pr. Bernhard Schäfer a. ö. Universitäts-Professor, ■/.. Z. Decan der theologischen Facultät. Prof. Pr. Josef Schaffer Pr. Karl Schalk Custos des liistor. Museums der Stadt Wien. Hofr. Prof. Pr. Karl Schenkl Pr. Karl Ritter y. Scherzer k. u. k. ausserordentl. Gesandter u. bevollmächtigter Minister a. D. Prof. Pr. Josef Frli. v. Schey Prof. Pr. Franz M. Schindler Prof. Pr. Robert Ritter von Schneider Pr. A. Schnerich Amanuensis der k. k. Univ.-Bibl. Prof. Pr. Emil Schrutka Edler y. Rechtenstamm Pr. Albert Schwab Bibliotheks-Referent. Moriz Schwarz Directions-Adjunkt der n.-ö. Handelsund Gewerbekammer. Prof. Pr. Gustav Seidler Pr. Robert Sieger Pr. F. Simonie Custos der lr. k. Univ.-Bibliothek. I)r. Stammhammer Bibliothekar des juridisch-politisch. Lesevereines. Pr. R. y. Stern eck Amanuensis der Bibliothek der technischen Hochschule. Prof. Ed. Suess Prof. Pr. Emil Szanto Hofr. Prof. Pr. Karl Toldt Prorector der Universität Wien. Prof. Pr. Willi. Tomaschek Decan der philosophischen Facultät. Hofr. Prof. Pr. Gustav Tscliermak Hofr. Prof. Pr. E. Weiss Director der k. k. Sternwarte. Pr. August Weisz Scriptor der k. k. Univ.-Bibliothek. Prof. Pr. Franz W r icklioff Hofr. Prof. Pr. Jul. Wiesner Rector der Universität Wien. Pr. Gustav Winter Director des k. k. Hof- und Staats- Archivs. Hofr. Prof. Pr. Heinrich Ritter von Zeissberg Director der k. u. k. Hof-Bibliothek. ■ i I (I % t ' .! I i I' ■ >ftö Ii: i t ausserordentliche Generalversammlung des „Oesterreichischen Vereines für Bibliothekswesen“ vom 26.: (November 1898 hat einstimmig folgenden Beschluss gefasst: „Der Oesterreichische Verein für Bibliothekswesen anerkennt die Wichtigkeit und Erspriess- lichkeit der vom Vereine „Bibliothek" zum Zwecke der Gründung einer volksthümlichen Central- Bibliothek in Wien in’s Werk gesetzten Unternehmung, schliesst sich der zu deren Förderung bestehenden Action an und erklärt sich bereit, die vom Actions-Comite einzuleitenden Schritte mit allen Kräften zu unterstützen.“ Für deu Ausschuss des „Oesterreichischen Vereines für Bibliothekswesen“ : Dr. Rudolf Geyer d. Z. Schriftführer. Dr. H. Ritter v. Zeissberg d. Z. Vorstand. Der Vorstand des Wiener Volksbildungs-Vereines hat sich der Resolution angeschlossen. Gesellschafts-Buchdruckcrei Brüder Hollinck. Wien, III., Erdbergstrasse 3.