Die
ächten Urkunden
des christlichen AlterthumS
von der
Oh rcnb eicht,
wider die
Brochüre
des Herrn v. Cybel.
Eine Fortsetzung, und -er Schluß -es ka- iholischen Unterrichts von -er Ohren- beicht.
Wien,
Ley Mathias Andreas Schmidt. 1784.
Vorerinnerung.
Neulich lieferte ich über Herrn v. Eybels Brochüre nur jenes, was überhaupt in diesem Falle dem christkatholischen Publikum zu wissen unentbehrlichwar: nun habe ich die Ehre, mit einer hier anfangs beygerückten aus dem Französischen getreu übersetzten Abhandlung aus der Oontmua- iion cies memoires de l^itteraturs, A cl't^iüoire. Um. z. kart. I. uouv. Lclit. ü?Lns 17z 2. und Zugleich mit einem auf Herrn v. Eybels Brochüre besonders eingerichteten etwas weitschichtigeren Anhang zur klarerer Entwicklung einer so wichtigen Sache aufzuwarten. Sollte ein, oder andere Stelle im Anhänge Vorkommen, derer schon in der übersetzten Abhandlung erwähnet worden, so geschah es der Deutlichkeit wegen, und den Lesern A 2 die
die Mühe des Nachblattern zu ersparen. Ich wollte die übersetzte Abhandlung mit passenden Noten auf Herrn v. Eybels Brochüre beleuchten , aber um den Geist der warmen Menschenliebe beyzubehalten, und weil jeder diese Abhandlung ganz leicht auf obbesagte Brochüre anwenden kann, ließ ich diese Anmerkungen beyseits. Meine Sache ist nicht, Herrn v. Ey- bel zu bestreiten, nur ein katholisches Dogma auf solche Weise allen Gläubigen vorzulegen, daß alle ferneren Einwürfe von sich selbst entkräftet würden. Bis auf gegenwärtige Brochüre des Herrn v. Eydels wagte noch kein Katholik, sogeradezu ein Dogma anzuqrei- fen,und wurde cs dieseSmal mit Waffen der Glaubensgegner gewaget, so lese man gegenwärtige Schrift, und fälle jeder sein unpartheyisches Urtheil
^-/Le Sakramentalbeicht, in welcher nach dem Ausspruch der Kirchenversammlung von Trient alle tödtliche Sünden nicht nur inögemein, sondern auch jede insbesondere , und in Rücksicht auf ihre Zahl vermög göttlicher Einsetzung müssen bekennet werden, wirb von den neuen Glaubensgegnern als eine Metzeley -er Seelen (dies sind die Worte Ralvins) als eine tyrannische Erfindung der Menschen verschrien , durch die Gott Unehre zuyefü- get wurde, die den Aposteln, und ihren Nachfolgern unbekannt gewesen sey, di? endlich Nektarius, Patriarch zu A A Ron^
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Ronstantinopel, bep -er Je-ermann bekannten Gelegenheit aufgehoben habe.
Um nun diese ungegründete Verläum- dung zu widerlegen, ist es passend, hier die vorzüglichsten Zeugnisse der ältesten Ui- berlieferung zu sammeln, die den Worten des Evangeliums gemäß, die göttliche Einsetzung der Sakramentalbeicht erweisen.
Vor allen erhellen drey Stücke unläug- bar aus der heil. Schrift: i) daß die Kirche von Jesu Christo die Gewalt, die Sünden nachzulassen, erhalten habe. Welchen ihr -ie Sünden vergeben werdet , denen sind sie vergeben. Ooarr. LO. LZ.)
») Daß sich diese Gewalt nur auf diejenigen erstrecken könne, die getaufet sind; weil, wie der heil. Paulus sagt, nur die Glieder der Kirche ihrer Gerichtsbarkeit unterstehen: Denn was yHt es mich an, daß ich auch diejenigen richte , die drauft sen sind 2 Richtet ihr nicht die, welche darinnen sind 2 denn die draussen sind, wird Gott urtheilen.
z) Daß dieses Ansehen nur den Seelenhirten anvertrauet sey, die allein, wie eben dieser heil. Paulus bemerket, vom heil. Geiste der Regierung der Gläubigen
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Vorgesetz et worden sind : worüber euch der Herl. Geist zu Bischöfen gesetzet hat, die Rirche Gottes zu regieren. (^Äor^ 20. 28« )
Dieß vorausgesetzet, läßt sich, wenn ich nicht irre , dieser erweisende Vernunftschluß ziehen: Iesus Christus hat der Kirche die Gewalt, die Sünden nach- zulassm, gewißlich nicht dahin gegeben, daß sie sich derselben unbedachtsamer Weise, und ohne die Sache vorher gehörig eingesehen zu haben, bedienen sollte; er will vielmehr, daß sie die nachzulassenden Sünden von den nicht nachzulassenden wohl unterscheide: welchen ihr die Sünden vergeben werdet, denen sind sie vergeben , und welchen ihr sie behalten werdet , denen sind sie auch behalten. Oo^u. 20. LZ.)
Nun diese so nothige Kenntniß kann die Kirche auf keine andere Art bekommen, als durch die Beicht der Sünden, ich will nicht sagen, in Bezug auf die verborgenen Sunden, welches ohnehin unwiderfprech- l,ch ist; sondern auch in Bezug auf die öffentlichen Sünden, weil es immer bey einer Sünde hauptsächlich auf die Beschaffenheit ankömmt, in welcher sich der Ver- A 4 stand,
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stand , und bas Hrrz des Sünders ^befinden; eine Sache, die Gott allein, und dem, der sündiget, bewußt ist. I esu - Christus will also, daß der Kirche, um die Sünder loszusprechen , oder zu verdammen, derselben Sünden durch ihr eigenes Geständniß sollen offenbar werden. Die Zeugnisse der ersteren vier, oder fünf Jahrhunderten der Kirche werden über diese Wahrheit all senes Licht verbreiten , das sich je ein vernünftig denkender Kopf bey dem Mangel der Urkunden vorzüglich aus den ersten dreyen Jahrhunderten wünschen mag.
Erstes Jahrhundert.
heil. Papst Riemens »rückt sich in dem noch übrigen zvoeyten Sendschreiben an die Rorinther, ( ein Werk, das ziemlich allgemein von den Gelehrten, selbst unter den Protestanten, als ächt anerkannt wird ) auf folgende Art aus: „ Bekehren wir uns , so lange wir noch auf der Welt find; von unserem ganzen Herzen dadurch, daß wir für das Uible büssen, so wir in den Banden dieses sterblichen Fleisches bee
grs //r/am/naka.', va/c/e r//u»r c/r-
Hier hat man also ein bestimmtes Beyspiel eines den Menschen gemachten Bekenntnisses nicht nur im Verborgenen begangener Hurereyen, sondern auch durchaus innerlicher Sünden, wohin die Liebe gehört, mit welcher sie gegen diesen Schändlichen entzündet gewesen waren. In der nämlichen Stelle geschieht auch Meldung von der Gattinn eines Diakon, die nachdem sie ebenfalls in solche Unordnung ge- rarhen war, und dann nur mit vieler Müde sich wieder bekehret hatte, ihr übriges Leben endlich in Demüthigungen, und den Werken der Beicht, und Buffe beschloß: L)/?r,re rcm/irrL r'/r c^omo/o^c/r con/rrmmav/k, /ameuea/r§ oö Ha/rc ^uam ^a//a c/i o- Hoc Ma^o coccu/uc/am.
Der Wortsdiener Dallaus war über diese Stelle in ziemlicher Verlegenheit, und
such-
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suchte sich auf solche Art davon loszumachen, daß er sagte: der heilige Irenaus bestimme nicht, ob dieses Bekenntniß Priestern , oder nur bloß Layen sey gemacht worden; „ ein offenbares Kennzeichen, „ sagt er, daß dieser heilige Vater hier „ nicht von der Sakramentalbeicht zu re- „ den willens war, von der er nicht un- „ terlassen haben würde, bestimmter zu „ reden. ,,
Wem aber fallet wohl nicht das Schwache dieser Folgerung auf? Da alle Bemühungen dieser Weibspersonen nur dahin abzweckten, Busse zu wirken, und die Lossprechung über die von ihnen erklärte Laster zu erhalten; kommt nicht ein vernünftiger Kopf natürlicher Weise auf den Gedanken, daß dieses Bekenntniß denjenigen müsse seyn gemacht worden, die von Gott die Gewalt bekommen haben, Buße aufzu- legen, und von Sünden loszusprechen? Diese Gewalt aber ward nicht den Layen, sondern den Hirten der Kirche verliehen, folglich mußte dieses Bekenntniß auch den Hirten seyn abgeleget worden. Ob es übrigens einem einzigen Seelenhirten, oder mehreren zugleich, und sogar in Gegenwartweltlicher Personen vorgetragen wurde,
tze, thut zur Sache selbst nichts; denn die Beicht kann nach ihrer Natur gleichmässtg eine Sakramentalbeicht seyn, sie möge nun einem, oder mehrern Priestern, in Geheim, oder öffentlich gemacht werden, wie dieses ein Jeder erkennet, der in der alten Kir- chenzucht nur etwas weniges bewandert ist. *)
Tertullian, der in dem zweyten, und dritten Jahrhunderte lebte, setzte die Nothwendigkeit der Sakramentalbeicht auf eine unwiderlegbare Weise fest: in dem i. Hauptstück seines Werkes von der Busse, bestreitet er mit allem Feuer seiner Wohl- redenheit diejenigen, die aus einer üblen Cchaamhaftigkeit sich nicht getrauten, ihre Sünden zu entdecken, und durch dieses grausame Stillschweigen sich eine ewige Ver- dammniß auf den Hals zogen: Die Geheimhaltung des Verbrechens, sagt er zu ihnen, verheißt euch in der That einen' grossen Vortheil, den ihr aus der Schaamhaftiykeit ziehen sollet. Ihr wieget also das Ansehen be.y den Menschen gegen die Wissenschaft ah, so Gott von
euern
*) S. weiter unten die Thak de- Ne? rille nach -er Erzählung de- Gozomenus
kttern Lastern har. Ist es Vielleicht best: ser, die Verdammniß in Geheim herumtragen, als öffentlich losgesprochen werden ?
Man sieht in dieser Stelle, i) die Nothwendigkeit der Beicht selbst in Rücksicht auf die verborgenen Sünden : Derjenige )sagt weiter Tertullian c. 4. 1. ejusö.) der für alle entweder im Fleische , oder im Geiste, oder im willen begangene Verbrechen, die Straffe durch den Richter bestimmet hat, eben derselbe hat auch die Verzeihung mittelst der Busse verheissen. 2) Die Nothwendigkeit der den Priestern vorgetragenen Beicht; denn der verf. sagt in dem vorheryeh. Hauptst. daß sich bey der Beicht der Sünder den Priestern zu Füssen werfe, und vor den Freunden Gottes auf die Knie falle.
Dall aus quält seinen Geist, um auf eine so förmliche Stelle doch eine Antwort herauszubringen; alle seine Anstrengungen kommen aber endlich da hinaus, daß er vorgiebt, Tertullian rede nicht von der Sakramentalbeicht: „ denn diese (sagt „ er) muß in das Ohr eines einzelnen „ Priesters geschehen, dahingegen diejrni--
„ ge,
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„ ge, von welcher Tertullian redet, „ öffentlich geschah, wie dieses aus den „ Worten eben dieses Verfassers in „ dem nämlichen HauptstüEe zu sehen „ ist: " Meistenrheils fliehen sie diese Gattung -er Buffe, als eine Bekanntmachung ihrer Sünden; weis sie mehr um die Schaamhaftigkeit, als ihr Heil besorgt sind.
In dieser Antwort des Dalläus findet sich nicht das geringste Gründliche, i) Ist es falsch, daß die Sakramentalbeicht nicht öffentlich geschehen könne. 2) Ist es falsch, oder doch wenigstens sehr unsicher, daß Tertullian hier von einer öffentlichen, und mehrern, als einem Priester vorgetragenen Veichr rede. Denn unmittelbar nach den eben angeführten Worten setzt Tertullran hinzu; daß diese argen Schaamhaften denjenigen gleich sind, die, da sie ein tödtliches Geschwür in den geheimen Theilen haben, es vor den Aerz>- ten verborgen halten, und also mit ihrer Schaamhaftigkeit zu Grunde gehen.
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*) S. unten den Sozomenus in der Geschichte der That des Nektar ins.
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Wer wird es aber wohl wagen, zu behaupten, daß dergleichen Kranke ihren bösen Umstand auch den Augen des Publikum würden vorgewiesen haben, nachdem ste ihn dem Arjtt sehen ließen?
Drittes Jahrhundert.
heil. Cyprian redet i» seiner vortrefflichen Abhandlung ( 6« iZplis) mit folgenden Worten: Um wie viel sind nicht endlich diejenigen sowohl im Glauben starker, als in der Furcht besser, die , ungeachtet sie in keinem Laster eines Götzenopfers, oder einer fälschlich an- gesuchten Bittschrift verwikelt sind, -och, weil sie daran auch nur gedachr haben, eben dieß den Priestern Gottes mit wehmuth und Einfalt bekennen , eine Anklage ihres Gewissens machen, -ie drückende Schwere ihres Gemüthes anzeiyen, und eine heilsame Arzney für d»e zwar kleinen (versteht sich unter den tödtlichen) und wenigen wünden aufsuchen.
Was antwortet Dallaus auf eine so ausdrückliche Stelle? Zwey gleichmässig
ab-
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abgeschmackte Dinge: i) Ded heil. Cyprian rede hier nicht von allen Gattungen der im Gedanken begangenen Sünden, sondern bloß von den Sünden des Götzendienstes : r) er sage nicht, daß sich diese Büßenden auf diese Art aus irgend einer Nothwendigkeit anklagten. Das Unschickliche der ersten Antwort erhellet daraus, weil der heil. Cyprian an diesem Orte nur von den Sünden reden konnte, welche die Büsser begangen hatten , deren Bekenntniß er anführt; da er hier als Geschichtschreiber, und nicht als Kirchenlehrer redet.
z) Das Falsche der zwoten Antwort zeiget sich, weil der Herl. Cyprian, indem er die Ursache eines so klugen, und zugleich so billigen Betragens angrebt, sagt , daß diese Büßende auch sogar ihre bloß im Gedanken begangene Sünden bekannten , weil sie wohl wüsten, was geschrieben ist, daß Gott nicht verspottet werde: da sie wüsten, daß in der Schrift stehe: Gott wird nicht verspottet. Nach welchem er hinzu setzt: Es bekenne ein jeder aus euch, ich bitte euch, yelieb- teste Brüder, sein Verbrechen, da sich, der verbricht, noch auf der Erde befindet,
^er, da fein Bekenntniß noch kann angenommen werden, da feine, und die Von den Priestern auferleyte Äenugthu- vng bey dem Herrn noch angenehm ist.
Im Vorbeygehen ist es gut, hier anzumerken , daß weil diese letzteren Worte Leynahe die nämlichen sind, die wir schon aus dem heil. Riemens MiHeführet haben, man von dem Sinne der einen, nach dem Sinne der andern zu urtheilen habe.
Origen es sagt (ttomil. 2. m vit.) daß es in dem neuen Gesetze sieben Mitteln gebe, die Nachlassung der Sendest zu erhalten: die Taufe, die Marter - das Almosen, die Verzeihung des erlittenen Unrechts, der Eifer für die Bekehrung unserer Brüder, die brennende Liehe gegen Gott, und die mühsam^ Au^se, durch die sich der Sünder nicht fchaMtt-. dem Priester des Herrn feine Sünde änzu- zeigen, und Arzney dagegen zu füchem
Diese Stelle ist ebenfalls sehr deutlich- und Dringend. Dgllaüs weis hierauf keine fügliche Antwort; daher sucht er wenigstens der Sache eine andere Wendung zü gebe»/ und darauf anzudringen, daß Weil HrLg.?neß/ gufser her Tauft - uW
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der den Priestern gemachten Beicht, noch fünf Mittel angi-bt, die Nachlassung der Sünden zu erhalten, dies doch gewis sey, daß dieser Vater eben nicht bekümmert war, zu glauben, (wie es die römische Kirche thut) als könnte man ohne der entweder wirklich geschehenen oder fest vorgenommenen (in re, vel in voto) Beicht, die Nachlassung der nach der Tauft begangenen Sünden nicht erlangen.- Um die Chikanen dieses Gegners umzustossen, darf man nur bemerken, daß Mrryenes die Mittel , sowohl die Erbsünde als die nach der Tauft begangene nicht nur tödliche, sondern auch läßliche Sünden auszulöschen, auf eine solche Art vortrage, daß er dabey auf keine Weise ( wie es dem Dal. laus voraus zu setzen beliebet) 'zu behaupten suche, ein jedes dieser Mittel sey zur Tilgung einer jedwederen Sünde dienlich : sonst müste man ihm zur Last legen, er habe geglau-, bet, das Almosen, oder die Verzeihung des Unrechtes könnte, s ohne daß man sich um die Taufe bekümmern dürste) die Nachlassung selbst der Erbsünde zuwege bringen, welches abgeschmakt und der Meinung des rLgenes üher die Noth-
wen- ^
Wendigkeit der Taufe gerade entgegen gesetztest. Er wollte also nur sagen, daß von diesen sieben Mitteln, ein jedes für sich betrachtet, auf seine Art zur Nachlassung aller nach der Taufe begangenen Sünden beytrage; die feurige Liebe zwar samt dem Verlangen, entweder der Taufe , oder der Lossprechung, zur Nachlassung aller Sünden; das Almosen aber, die Verzeihung des Unrechtes, und der Eifer für die Bekehrung des Nächsten zur Vergebung der läßlichen Sünden, welche dazu auch zur Nachlassung der Todsünden Vorbereiten.
Uibrigens fetzt Vriyenes( Homil. Z. in I.evit.) die Beicht nach allen Umständen wohl bestimmt, und ausdrücklich genug fest. Alles, sagt er, was wir begangen haben, muss nach aller Gattung s omar ) anyezeiyt, und bekannt gemacht werden, es mag etwas gleich in Geheim geschehen seyn, oder nur mit Worten, oder auch nur Ln Gedanken, so muß alles eröffnet, alles vorgebracht werden. Und er sagt (llomiI.L. lup. k5s1. Z 7 .) bey der Erklärung dieses Abschnitts: weil ich merr ne Ungerechtigkeit bekennen werde, B L Sieh
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Sieh hier, wss uns die Schrift lehret- daß es nöthiy sey, die Sünde anzuget ben, und nicht im Innern verborgen zu halten: denn gleichwie diejenigen, so einen Eckel empfinden ob den unver- daueten Speisen , die sich in ihren Körpern befinden, oder bey denen der Magen durch böse Feuchtigkeit, und Schleim übel yequalet wird, sich besser befinden, wenn sie sich erbrochen haben; eben also werden auch die Sünder, wenn sie die Sünde verbergen, und in sich zurückhalten, von der bösen Feuchtigkeit, und dem Schleim der Sünde innerlich ge'anyftigej, und beinahe zum Ersticken gebracht, wenn aber der Sünr der sein eigener Ankläger wird , so speyet er- indem er sich selbst ankla- ytzt, und beichtet, zugleich bas Verbrechen von sich, und verdauet die ganze Ursache der Krankheit. Auf dieß allein hast du genaue Gbsicht zu nehmen, wenn du deine Sünden bekennen sollest - prüfe vorher den Ärzten, dem du die Ursache der Krankheit vertragen sollst, der mit dem Kranken weis krank zu seyn, mit dem Weinenden zu wei- tten u. s. ^
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Diese letzteren Worte zeigen, i.) daß" Orrgenes hier von einem nicht nur Gört, wie er an einer andern Stelle (Üom. lg. in I.ue.) sondern auch jenen, -re unsere Wunden nnd Sünden zu' heilen im Stande sind, gemachten Be- kenntniße der Sünden reden wolle; 2.) daß man unter den Beichtvätern wählen konnte, und daß es folglich mehrere, als einen gab. Diese Bemerkung wird uns in der Folge dienen.
Nachdem Mrigenes in seiner schon angeführten II. Homilie über den Z/. Psalm von der Sorgfalt geredet hatte, die man tragen soll, einen guten geistlichen Ärzten, das ist, einen guten Beicht- -ater auszuwählen, ermähnet er hierauf, all dasjenige aufs genaueste zu thun, was der Beichtvater vorschreiben wird; wenn er vir rrnen Rath ertheilet har, so befolge ihn mit Werken, und mit Worten. wenn er geurtheilet, und vorge^ sehen hat, daß dein Verbrechen eines dergleichen sey, welches in der Versammlung der ganzen Rirche müste angezei- get, und gebessert werden, woraus etwa die Auswärtigen können erbauet, Wd du selbst auf eine leichte Art tzehec- B z let
let werben kannst, bann muß dieses erst nach vielen Urberlegung, und nach dem verständigen Rath eines Arztes geschehen. Zeigen diese letzteren Worte nicht deutlich genug, daß, nach der in Geheim dem Priester vorgetragenen Beicht, der nämliche Priester zuweilen verordnete, einige Sünden öffentlich zu bekennen.
Laktanz giebt, (I.. 4. iuüit. cap. vlt.) als ein Unterscheidungszeichen der wahrhaft katholischen Kirche von andern Sekten, die sich nur den Namen derselben zueigneten , die Ausübung der Beicht an, als ein Mittel gegen die Sünde, weil sich ein jeder aus der Gemeinschaft der Reger für den besten Christen, und seine Kirche für die Katholische halt, so ist zu wissen, daß jene Kirche die wahre sey, in welcher die Beicht, und die Busse ausgeübet wird, welche die Sünden , und die Wunden heilet , denen das schwache Fleisch unterworfen ist.
Viertes Jahrhundert.
nffaeddem der Gegenstand der Duffe in diesem Jahrhunderte, bey Gelegenheit der
Ketze-
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Ketzerey des Montanus, und No-, vatus gründlich untersucht worden, die Kirche auch hierüber weiter gegangen, und die Nothwendigkeit, und Kraft der Sakramentalbeicht , als eine durch die Aber- lieferung erhaltene, und auf die Schrift gegründete Sache , bestätiget hat; so würde , wenn wir auch gar kein porhergängi- ges Zeugniß für den katholischen Glauben in Rücksicht auf diesen Punkt hätten , der von der Unmöglichkeit einer unmerkbaren Veränderung in einer so wichtigen Sache abgeleitete Beweisgrund ungemein kräftig seyn, desgleichen wir von dem heiligen Abendmahl nicht haben können, da diese Glaubcnswahrheit dazumal noch von keinem Ketzer ist angefochten worden. Wir würden immer mit dem grossen Augustinus,^ B. von der Taufe 24. Hauptst. sagen müssen: wenn etwas von -er ganzen Rirche gutgeheissen wir-, weder jemals von einer Rirchenversammlung ist eingeseyet, sondern stars bepbehalten worden, diefi dürfe man billigstermassen von einer apostolischen Uiberlieferung herholen.
Der heil. Augustinus sagt, (llomil. 49 . k Ho.) Niemand spreche zu sich B 4 selhft:
selbst: ^ch verrichte -Le Lüste Ln Geheigr, hem Herrn, -er mir verzeihet, ist es bekannt. —-Also ist es ohne
Ursache gesagt worden: „ Was ihr auf bep Erde lösen werdet, dich wird auch im Himmel gelöset seyn, und was ihr zurückbehalten werdet, wird znrückbehalten bleiben ? ^ Also sind der RLrche Gottes ohne Ursache die Schlüssel gegeben worden 2 wir vereiteln das Evangelium , wir vereiteln die Worte Christi. Der nämliche heilige Lehrer sagt auch, (IraH. 22. in ckosn.num. 7.) Derbeichtet, ist (aus hem Grabe) hervoryegangen, weil er vor der Beicht verborgen war. Er sagt preß, wenn er Pen Sünder, welcher an- fangt, sich zu bekehren , mit dem Laz a- rus vergleicht , per ans dem Grabe kömmt. Da er a^sr beichtet, seht eberi dieser Heilige hinzu, gehet er von der Finsternist Ln -as Licht über, und nachdem er gebeichtet hat, was wird zu den Dienern -er Rirche gesagt? „ Was ihr auf der Erde lösen werdet, Ließ wird auch im Himmel gelöset seyn.
Der heil. Basilius, (R.e§. brev,
288«) *Vir müssen denjenigen unsere Hunden -eichten, denen -te Austheij
..'uns
tqng der Geheimmsten Gottes ist ÜNS pertrauet worden.
Der heil. 'A rer onym« s, (crp. rz- in IVIsttk.) Nachdem der Bischof, und der Priester, seinem Amte gemäß, dis zerschiedeNen Sünden vernommen hat, dann srehet er, wer zu binden oder zu lösen sey.
Der heil. Gregor von Nyssa, itt seinem kan. Sendschreib, an den melitinisch; Lrsch. Lellius sagt: „Daß, wen« „ Jemand, der vorher in Geheim etwa- „ gestohlen hat, in der Folge seine Sun- de dem Priester anzeigt, und die Neie gung zum Laster verläßt, um die Tu- „ gend anzunehmen, er von seiner Krank- „ heit werde befteyet werden, wenn et „ durch die Anzeige (oder Beicht) seine „ Sünde dem Priester wird eröffnet h»^ „ ben. "
Der heil, pacianus Bischof vvL Varcellona, und der heil. Ambrosius, die größten Geiseln, welche die Nsvatia- ner jemals gehabt haben > setzen in ganzen Werken die Kraft und NothweNdig- keit der Beicht fest.
Paulinus, der das Leben des heil. A mb.ro sL u » beschrieb , berichtet uns, Bz daß ,
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daß, so oft Jemand diesem grossen Bischöfe beichtete, er so bitterlich weinte, daß er dadurch den Busser zwang, selbst Thrä- nen zu vergießen. Go oft ein Gefallener ihm, die Busse zu erlangen, seine Sunden bekannte, «einte er dermassen, daß er auch jenen zürn weinen brachte.
Der heil. Lhrysostomus in der Homilie von dem samariranischen Weibe redet also: wer sich schamec, dem Menschen seine Sünden zu entdecken, sich aber nicht schämt, sie vor den Augen Gottes zu begehen, auch nicht beichten, und Buße wirken will; derselbe wird am Tage des Gerichts nicht vor dem Angesichte eines, oder zweener Menschen, sondern vor dem Angesichte der ganzen WAt zu Schande gemacht werden. Und will man wissen, wer derjenige Mensch sey, dem man seine Sünden offenbaren solle, so lehrt es uns dieser heil. Kirchenlehrer ebenfalls, ( lib. 2. äs lscerä. csp.
) Die durch die Last der Sünden zu Boden gedrückten Christen müssen sich der Heilung der Priester unterwerfen.
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Fünftes Jahrhundert.
^nnocenr. I. (LpiÜ. I. Ssp. 7.) Dem » Priester stehet es zu, die Schwere der Verbrechen zu beurtheilen, und auf das Bekenntnis des Rüsters, auf seine weh- muth und Thranen Acht zu haben.
Der heilige Leo (Lxist. i z6. alias Lj.) verbeut die Offenbarung, welche die Sünder von allen ihren Sünden umständlich gemacht haben werden, öffentlich vortragen
zu lasten.-Indem es genug ist,
sind seine Worte, die bewußten Verbrechen den Priestern allein in einer geheimen Beicht anzuzeigen. — — — Denn es ist diejenige Beicht schon hinlänglich , welche zuerst Gott, dann auch dem Priester geschieht.
That des NektariuS.
Sokrates (I. A. e. 19.) und So- zomenüs (l. 7. . 16) erzählen beyde diese berühmte ^That, aber mit einigem kleinen Unterschiede: ich will ihre Erzählungen auf eine zusammenziehen, und dasjenige mittelst der Parenthesen hinzufügen, was der eine mehr als der andere hat, damit
man
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man den ganzen Verlauf der Sache ordentlich sehen, und mit wenigerer Verwirrung davon urtheilen möge.
Von der Zerr an, da sich die No- patianer von der RLrcht getrenner haben (sagt Sokrates)*) haben die Bischöfe dem AaNon beygefügec, daß Ln jedet einzelner Rirche ein Priester -er Kusse vörgesegt seyn sollte, welchem die nach der Taufe wieder Gefallene ihre Sünden zu beichten hatten. Da haben wir den Ursprung dts öffentlichen Beichtvaters. Indem gar nicht sundigdn (sagt SoZom.) einer Natur zukömmt, die erhabner, als die menschliche ist; Gott aber befohlen hat, den Bussern, ungeachtet sie auch oft yesündiget haben, die Aachlässrtng Zu erth eilen, und es, um diese Nachlassung Zü erhalten, nöchig ist, die Sünden zu beichten; schon dazumal wurde nämlich die Beicht insgemein für Üothwevdig anerkennet. Glaublich aber den Priestern zuerst allzugehassg vorkam , seine Sünden gleich als auf einer Schaubühne, vor der ganzen Versammlung
*) Näch der Uiberfttzang de- Christoph» r- so ns.
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)ung -er Rieche Herzuerzahlen. Hierk innen liegt die Ursache, warum man durch eine kanonische Verordnung den Pöniten- tiarius angestellet habe. Es wurde also ein durch die Reinigkeit seines Lebens? wandels angesehener, verschwiegener, und kluger Priester diesem Amte voryer setzt, dieser, nachdem er einem jedwer deren nach Beschassenheit seines Verbrechens Bescheid gab, was er zu thun, -der zu büßen hatte, errheilte die an- verlangte Lossprechung. Da sehen wir die Lossprechung mit der Auflegung der Busse vereinbaret, wie sie nämlich vor deren Erfüllung ertheilet wurde. Und dieser Ranon (fährt Sokrates fort) bleibt bey andern Sekten, die Navarra- ner ausgenommen, richtig und fest. Ungeachtet aber -je Bischöfe diese Einrichtung durch einen langen -erträum unverändert beybehrelten, haben sie dieselbe doch zu den Herten des N ekta- pius wegen folgender Chat um geändert : Eine adeliche Weibsperson bekannte diesem Priester ihre nach der Taufe begangene Sunden einzeln: Hier sieht Man die Ohrenbeicht aller nach der Tanfe begangener Sünden. Er befahl ihr, dem
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, un- beständigem Gebethe sich z« ergeben, damit sie', sammt -em Bekenntnisse -er Sünden eine -er Busse würdige Handlung an den Tag legere. Hier sieht man die Nothwendigkeit der mit der Beicht verbundenen Genugthuung. Da sie wegen dieser Ursache (sagt er) sich lange im Tempel aufhielt, und noch weiter fortfuhr, (sagt Sokrates) beschuldiget sie sich freywillig noch überdies eines andern Lasters, und macht bekannt, daß der Diakon der Rirche ihr beyge- schlafen habe; wegen welcher auf diese Art erossneten Thar der Diakon aus der Rirche verflossen worden ist: hieraus erfolgte eine Aufruhr, und ein Unwille unter dem Volke, wie auch eine Beschimpfung für die Rirche, und übles Nachreden für die Priester; es gab also der Priester Eudamon von Alexandrien dem Ne kt a ri u s den Rath , den allgemeinen Beichtvater aufzuheben, und es einem. Jeden freyzuftellen, sich nach seinem eigenen Gewissen zur Empfan- guny der Geheimnisse hinzu zu nahen. Aus diesen Worten erhellet, daß es zwo Gattungen der Beicht gab, die eine, die vor diesem Beichtvater abgeleget wurde,
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Md alle Sünden insbesondere begriff, diese war die richterliche, und Sakramentalbeicht. Die andere, welche auf die erste- re folgte, geschah öffentlich, nicht von allen Sünden, sondern nur von denjenigen, welche der Beichtvater zur Demüthigung des Vüssers, und zur Erbauung der Ungläubigen anzuzeigen für schicklich erachtete: diese letztere Beicht ward zur Genug- Ihuung auferlegt. Diese büßende Frak gieng aber in dieser allgemeinen Beicht zrr weit, sie bekannte aus ihrem eigenen Antrieb eine Sünde, die, bekannt zn machen, der Beichtvater ihr nicht geboten hatte. Da es jedoch die eingefübrte Gewohnheit war, die Sünden nur allein nach Vorschrift dieses Priesters öffentlich zu entdecken, so g aubte das Volk sogleich, eben er wäre es, der dieser Frau auferleget hatte, eine so ärgerliche Beicht zu verrichten z welches all dieses üble Nachreden, und diesen Unwillen gegen den Beichtvater erregte, so daß Eudamon dafür hielt, man könne das Volk nicht anderst, als durch Aufhebung dieses Amtes zufrieden stellen. NektarLus befolgte seinen Rath, und die übrigen Bischöfe richteten sich nach dem Beyspiek des NektarLus.
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. Die Glaubensgegner folgern hierauf die Sakramenjacheicht sey von den Bischöfen aufgehoben , fo wie sie von ihnen ein- gesetzet worden. Was diese Folgerung noch einigermassen zu gründen scheint, silch Hie letzteren Worte des Sokrates, ues einenr jeden Ln Zukunft frey zu stellen, sich nach seinem eigenen Gewissen zur Empfangung Zxr Geheimnisse hinzu zu nahen. Dem ungeachtet besteht das ganze, was bieß eigentlich sagen will, dar- chrn, daß die Beicht ( aber nicht die richterliche , und sakramentalle, die göttliches Rechtes ist, sondern die genugthuende, und öffentliche, die in dex Kirchenzucht ihren Arund hatte ) mit dem Beichtvater aufgehoben wurde, so daß die Sachen wieder guf den nämlichen FuA zu steheg kamen, auf welchem sie sich vor der Einsetzung jenes allgemeinen Beichtvaters befanden, wo man unter mehreren Beichtvätern eine j Auswahl treffen konnte, welchem man sei- »e Sünden lieber bekennen wollte, ahne ^ in der Folge verbunden zu seyn, irgend eine öffentliche Anzeige geheimer Sünden gbzuleaen.
Daß es in der nämlichen Stadt mehrere Peichtvätep gab, ,zeiget uns die Ermahnung-
Mahnung, welche, wie vorher gesagt worden, Mrigenes den buffenden Sündern machte, sich einen guten geistlichen Ärzten auszuwählen. Dieß zeiget auch noch die vom Dionysius von Alexandrien , beym EusebLus (1. 6." c. z6.) erzählte Geschichte des Serapions , wo gesagt wird, daß Serapion, als er gä- he von einer Krankheit überfallen wurde, verlanget habe, man sollte, um ihn los-' zusprechen, einen aus den Priestern rufen lassen.
Indessen darf man doch nicht mit Stillschweigen übergehen, daß dasjenige, was Sokrates hinzusetzt, denen günstig zu seyn scheint, die glauben, Nekrarius habe die Sakramentalbeicht aufgehoben» Dieses, (sagt er) habe ich vom Lutz a in o n selbst erfahren, den ich also anredete: ob dein Rath, o Priester ! der Rirche nützlich gewesen sey, oder nicht, mag Gott entscheiden. Dieß sollst du aber bedenken, daß du Ursache geworden , daß einer des andern Sünden keineswegs ahnde, noch die Worte des Apostels befolge: „ Nehmet keinen Theil ,, an den unfruchtbaren Werken der Fin- „ sternisse, besiraffet sie aber vielmehr „
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welche Worte ziemlich klar zu verstehen zu geben scheinen, daß auf den Rath des Eudamons die Sünder von dem Joche befreyet wurde»/ ihre Sünden / wem es immer seyn mochte, anzuzeigen.
Allein dieses ist fürwahr nicht der Sinn des Sokrates; er will nur sagen, daß, weil die Furcht verbunden zu seyn, irgend ein Verbrechen öffentlich anzugeben, die Sünder nicht mehr zurückhielt, sie um so viel leichter zum Falle geriethen; da hingegen zur Zeit des allgemeinen Beichtvaters, (sagt Sozomenus) die Schande, welche diese öffentlichen Beichten begleitete, und die Schärfe derjenigen, die selbe auferlegten, machte, daß die Anzahl der Sünden unvergleichlich geringer war. Vorhin waren , wie mich daucht, die Sünden weniger, theils wegen Schamhaftigkeit derjenigen, die ihre Verbrechen selbst anzeiyten, theils wegen Strenge deren, die als Richter hierüber g<* setzt waren.
Ich vergaß noch anzumerken, daß, was wahrscheinlicher Weise zur ersten Anstellung der allgemeinen Beichtväter Gelegenheit gab, nicht bloß (wie es Soz o- menus zu sagen scheint) darinn bestand,
damit
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damit die Busser von dem unbequemen Joche, ihre Sünden öffentlich zu bekennen, entlediget würden; sondern, daß die Hauptursache die Nachgiebigkeit mehreter Beichtväter war, welche damals, wie noch itzt, unter dem Vorwände des Mitleides, übereilte Lossprechungen ertheilten, die, wie der heil, ityprianus sagt, nur dazu dienten, die falschen Büsser sowohl, als die Unbescheidenen Beichtväter in die nämliche Verdammniß zu verwickeln. Eine Lossprechung , die unter dem Vorwände des Mitleides große Uibeln, ünd den Untergang selbst auf er^re sanfte Art zuzie- het, —- — — einen vergeblichen und fälschen Frieden verschaffet, welcher denen , die ihn ertheilen, gefährlich, und denen nichts nützen wird, die ihn empfangen»
Kirchcriversamnilungen>
welche die Nothwcndigkeit der Deicht vorauösetzm.
die Kirchenversammlung bon Neü- cäsareä zum Anfänge des vierten Jahrhunderts gegen das Jahr §14. die zer- C L schie-
Zt)
schiedenen Bußgattungen, welche die Diener der Kirche nach Verschiedenheit der Sünden auflegen sollen, bestimmet, schreibet sie keine besonder» für diejenigen Sünder vor, die zwar anfänglich eine böse Begierde in Rücksicht ans die Unkeuschheit gehabt, selbe aber doch im Werke nicht ausgeführt hatten. Die Ursache dieser Nachsicht ist, weil es augenscheinlich ist, daß sie die Gnade Gottes beschützet habe, wenn Jemand den Vorsatz gehabt, ein Weib zu verlangen , um ihr beyzuschlaffen, seine Begierde aber nicht zum Werke gekommen ist, so erhellet es offenbar, daß dieser durch die göttliche Gnade sey befreiet worden. Welches die Beicht selbst der bloß innerlichen Sünden klar voraussetzt : Denn durch was für einen andern Weg konnten wohl die Diener der Kirche, denen es allein zukömmt, Bussen aufzulegen, diese Gattungen der Sünden wissen, von denen der Kanon redet?
In eben diesem Jahrhunderte redet die Kirchenversammlung von Laodicaa, da sie ebenfalls die Schärfe, und die Zeit der Busse bestimmt, (van. 2.) auf diese Art: wegen denjenigen, die zerschiedene Sünden begangen haben, und, um die Beicht,
und
und Busse mit inständigen Bitten anhal- ten, auch von ihren Missethaten sich vollkommen bekehren, verordnen wir, daß ihnen (nach verhaltniß des Verbrechens) ein Zeitraum zur Busse aufer- Leyt, und dann, wegen der Barmherzigkeit Gottes die Gemeinschaft der Rirche zuyestanden werde. Indem dieser Kanon von-denen redet, die mit Eifer zur Demüthigung der Beicht, und den Bußwerken ausgenommen zu werden verlangen , setzt er offenbar den Gebrauch der Sakramentalbeicht voraus, die allein fähig ist, die Sünden, von denen die Rede ist, zu tilgen.
Setzt das Konzilium von Rarthayo, (csn. 7.) nicht ebenfalls die Beicht voraus , wenn es verordnet: daß der Priester, ohne Rücksicht auf die Person zu machen, dem Barmherzigkeit Ansuchen- -en, die Gesetze der Busse austegen solle: weil diese Gesetze der Busse nach den zer- schiedenen Sünden auch zerschieden waren?
Fünftes Jahrhundert.
Konzilium von Tour» welches im I. 482. unter dem Papste SimplL- C z cius
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cLus gehalten worden, redet in dem siebenten Kanon also: Die Lodtschlayer sind durchaus nicht in die Gemeinschaft aufzunehmen, bis sie ihre Laster durch die Leicht, und Busse yetilget haben.
D-
Siebenles Jahrhundert.
^ie im I. 6^4. gehaltene Kirchenversammlung von Lhalons sagt (can. 8») Weyen der Busse -er Sünden, dis ein Heilsmittel der Seele ist, halten wir dafür, daß sie allen Menschen nützlich fey, und daß den Büssern von den Priestern (nach geschehener Beichte) die Buffe solle bedeutet werden.
D.
Achtes Jahrhundert.
/je im I. 742. gehaltene Kirchenver- sanimlung von Regensburg sagt (csn. A.) Der Fürst soll einen, oder zween Bischöfe mit Rapellanen, die Priester sind, bey sich im Heere , und auch ein jedey Vssicier einen Priester haben, der den Personen, die ihre Sündezr beichten, die Busse auflegen könne.
1 :
Neuntes Jahrhundert. ^
dem L2. Ranon der dritten im I. 8 LZ. zu Tours gehaltenen Kirchenversammlung liefet man: Die Bischöfe, und Priester sollen wohl untersuchen, welche Zeit der Enthaltung sie jenen vorschrei, ben muffen, die ihnen ihre Verbrechen bekennen, damit den Buffenden auch nach Beschaffenheit -er Sünde die Buffe auferleget werbe.
Zn dem Z2. Ranon des im nämlichen Jahr gehaltenen Konzilium von Lhalons heißt es: Einige, wenn sie ihre Sünden den Priestern anzeiyen, thun dieses nicht vollkommen; weil es also eine bekannte Sache ist, daß der Mensch aus Zwoen Substanzen, nämlich der Seele, und dem Leibe bestehe, und zuweilen durch Verkehrung -es Gemüthes, zuweilen aus Gebrechlichkeit des Fleisches sündiget; so muffen die Sünden selbst sorgfältig untersucht werden, damit aus beyden die Beicht vollständig werde; damit nämlich sowohl jene Sünden an- gezeiyet werden, die mittelst des Ror- pers sind begangen worden, als auch C 4 jene'
jene, durch die man sich bloss Lm Gedanken versündiget.
In dem Konzilium von Rheims vom nämlichen Jahr wird im *6. Ranon geboten , dass die Bischöfe, und Priester untersuchen sollen, wie sie den Beichtenden die Sünden beurtheilen, und die Zeit der Busse bestimmen mögen.
Die Konzilien von Paris im Jahr 82H» von Maynz im Jahr 847., von pavia im Jahr 850. von Worms, im Jahr 868., von Nantes im Jahre 8dZ. führen die nämliche Sprache, wie die Vorhergehenden.
Eilftes Jahrhundert.
L^as Konzilium von Rom, im Jahr ic>8O. sagt, (can. H.) Wer erkennt, dass ek^eln Laster begangen habe, soll seine Seele klugen, und geistlichen Männern anvertrauen, damit er mittelst einer wahren Busse die gewisse Verzeihung seiner Sünden erlange.
Aus dieser Reihe von Kirchensatzungen, derer eine jede die Verbindlichkeit zu beichten voraussetzt, keine aber als etwas Neu- es festsetzet, sieht man wohl, wie gross
die
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die Unwissenheit derjenigen ist, welche sagen, laß dieses tyrannische Gesetz der Veicht, (wie sie es zu nennen pflegen) erst im XII. Jahrhunderte auf der unter dem Papste Innocenz HI. gehaltenen lateranischen Kirchenversamlung, Ran. Ein jeder bep- derley Geschlechts in die Kirche sey einge- führet worden.
E i n w ü r f e.
^»^er erste Einwurf, den man macht, wird aus diesen beruffenen Worten des heil. Lhrysostomus (ttomil. z. in Lpitt. sä liebr.) hergeholt. Ich sage dir nicht, daß du dich öffentlich verrathen, oder bey andern anklagen sollest; sondern eröffne Gott dein Verhalten. Und über den 69. Psalm. Tage deine Tünden an, um sie auszutilgen, wenn du dich schämst, jemanden zu sagen, daß du yesündiget habest, so sage es täglich in deinem Herzen ; ich verlange nicht, daß du -einem Mitknechte das Bekenntniß machen sollest, der dich darüber schmähet, sage es Gott, der dich heilet, u. s. w.
Hierauf antwortet man, daß der heil, ^hrysostomus nach dem Gesetze des C 5 Nek:
4 » *
Nekrariu» den Sündern erlaube, sich, wenn sie wollen, von der genugthuenden, und öffentlichen, aber nicht von der richterlichen und Sakramentalbeichte zu enthalten ; denn sonst würde er sich offenbar selbst widersprechen, weil er an mehreren anderen Stellen die unnachsichtliche Noth- wendigkeit, dem Priester zu beichten, fest- fstzt. Der Ausdruck des heil. Lhryso- Pomuo: Ich sage nicht, -aß -u -ich öffentlich verrarhen, un- -einem Mitknechte -as Bekenntniß machen sollst, -er -ich schmähet, zeiget deutlich an, daß er von einer öffentlich gemachten Beichte rede.
II. Gratianus (äe i?oeuis äistinÄ. i. c. stnal.) führt aus dem Bußbuche deS Theodor von Rantelberg folgenden Lehrsatz an: Einige sagen, man sey nur Gott allein schuldig, die Sünden zu bekennen, wie -Le Griechen; Einige aber halten dafür, man müffe sie den Priestern vortragen, wie fast die ganze heilige Rirche. Wo diese letzteren Worte die unumgängliche Nothwendigkeit der Beicht uwzustossen scheinen, weil dieß nicht die Meinung der ganzen katholischen Kirche ist,
Man antwortet hierauf i) daß dieser Theodor, der ein Griech, im Herze« aber ein Katholik war, doch zuweilen Sätze verbrachte, die weder allzu richtig, noch allzu genau überdacht waren, aus dieser Ursache., wie Beda Ln seiner Geschichte von England (L. 22. c. i.) berichtet , gab der Pabsi VLralianus, da er diesen Theodor in England sandte, ihm zum Beygehilfen, und nöthigen Rathgeber einen gewissen Mt Adrian mit, welcher ein sehr gelehrter Mann war; damit dieser Theodorn, der etwa von den griechischen Irrthümern noch nicht vollkommen genesen war, verhindern möchte, irgend etwas einzuführen, was in der Kirche, derer Verwaltung er eben übernahm , der Wahrheit nachtheilig seyn könnte.
a) Daß in diesem nämlichen, von Burchard, A^vo von Chartres , und in dem 6 aMu/anr des Theodors angeführten Lehrsätze weder diese Worte, wie die Griechen, weder auch folgende, wie beinahe die ganze heilige Rirche Vorkommen. Folglich sind sie wahrscheinlicher Weise vom Gratian, welcher, um die Wahrheit zu sagen, über diesen
Ge-
«V N.,«» »
Gegenstand nicht am richtigsten gedacht hat. Aus diesem Grunde ist er auch vom Gregor XIII. censuriret worden.
z) Der ehrwürdige Beda (1. A. in I.evit.) gehet, zeiget euch den Priestern, lehrt, man müsse nur das Laster der Ke- tzerey, des Unglaubens, des Iudenthums, oder der Trennung von der Kirche zum Richterstuhle der Priester bringen; Gott verbessere und heile innerlich, und in dem Gewissen eines Jeden alle übrigen Gattungen der Sünden: wodurch die Pflicht zu beichten, sehr eingeschränket wird.
Die Antwort ist, daß Beda in dieser Stelle nur in Rücksicht auf die öffentliche Beicht rede, die man zu seiner Zeit, bloß den Ketzern, den Schismatikern rc. auflegte, die wieder zur Kirche zurückkehrten; also Estrus, painelrus^ u.s.f. Um die wahre Meinung des Beda über die Beicht besser einzusehen, muß man hier die eignen Worte einrücken, welche der Einwurf zum Gegenstände hat, und zugleich auch die nämlichen Stellen des nämlichen Kirchenvaters, auf die sich die Antwort stützet. (I.. Z. in l^evit.) über die Worte: Gehet, zeiget euch den Priestern, sagt er: wer durch die Gnade Christi von
Letze-
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ketzerischer Bosheit, oder heidnischem Aberglaube, oder jüdischer Treulosigkeit, oder auch brüderlicher Spaltung, als gleichsam von so mancherlei» Farben rein ist , must unumgänglich zur Rirche kommen, und die achte Farbe des Glaubens , die er empfangen hat, vorzeiyen; aber die übrigen Gebrechen, als gleichsam so viele Krankheiten, und üble Zustande der Glieder, und Sinnen, heilet, und bessert der Herr durch sich selbst innerlich im Gewissen, und dem Verstände des Kranken.
Der p. Mabillon hält dafür, daß die Homilie, aus welcher diese Worte genommen sind,'nicht vom Beda selbst sey, weil sie unter den zwoen Handschriften der Bibliotheke des Herrn v. Thou, deren die eine Zso. die andere 6vo. Jahre hat, nicht zu finden ist: ich wollte indessen doch nicht zur Antwort sagen, dieselbe sey untergeschoben , weil sie zu Zeiten des G ot t- frieds von Vendome, d. i. im XI. Jahrhunderte, als ein Eigenthum des Beda anerkannt wurde; ich wollte lieber mit Estius, pameliusrc. antworten, daß Beda in dieser Homilie nur sagen wollte, daß man nicht verbunden war,
sich
sich der Kirche vorzustellen, um eine öffentliche Beicht abzulegen, als nur in dem Falle, wenn man von einem der vier vorhergesagten Laster sich bekehret hatte; daß, in Bezug auf die übrigen Sünden, Gott sie innerlich mittelst der Verrichtung der Priester tilgete; eine so geheime Verrichtung- daß man sagen kann, die Sünden, welche sie zu ihrem Gegenstand hat, werden nur Gott allein bekannt. Weil aber diese Antwort (wenn es ihr an Beweisgründen fehlte) das ganze Ansehen einer blossen Ausflucht hätte, so muß man im Beda selbst aufsuchen, wie sie bestärkt werden könne. Uiber folgenden Absch. aus dem Sendschr.-es heil. Jakobs: Wenn -Le Kranken Ln Sünden sind, sagt er in seinem Kommentar; und wenn sie diese den Priestern der Kirche bekannt- und Ln der That rm Herzen dieselbe zu »erlassen, und sich zu bessern befliessen haben, so werden sie ihnen nachgelassen werden: denn die Sünden können nicht ohne Bekenntnisse der Besserung nachgelassen werden, —-Bekennet einander eure Sünden, in diesem Sage muß jener Unterschied gemacht werden, -atz wir tägliche, und geringe Sünde»
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ein Jeder seines Gleichen bekennen, und durch ihr Gebeth hoffen befreyet zu werden. Die Unreinigkeit aber eines schwereren Aussatzes sollen wir nach demGesetze dem Priester eröffnen , und Sorge tragen nach seinem Gutbefinöen, wie und durch welchen Zeitraum er es befehlen wird, zu reinigen. Durch diese Rede macht Beda zwo Klaffen von Sünden, die eine von geringen und läßlichen, bey denen es zu ihrer Nachlassung nicht erforderlich ist, sie dem Priester anruzeigen; die andere von schweren und tätlichen, die man unumgänglich den Priestern bekennen muß, um die Lossprechung hierüber zu erhalten. Nun sind aber die vier in dem Einwurfe angeführte Sünden nicht die einzigen schweren Sünden, in die man fallen kann; folglich sind es auch nicht allein diese vier, sondern auch alle übrigen, die B ed a der Pflicht der Beicht unterworfen zu seyn erkannt hat. Zum Uiberfiusse setzt das Bußbuch des nämlichen Beda den Gebrauch sowohl, als die Nothwendigkeit, alle, was immer für tödtliche Sünden den Priestern zu bekennen, auf eine unwiderlegbare Art fest.
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Am Ende ist dasjenige, was ich gesagt habe, daß Be - a, da er nur von den vier in dem Einwurfe ausgedrückten Sünden redet, allein in Rücksicht auf die öffentliche Beicht zu reden im Sinne hatte, auf die nämliche Art in dem XI. Jahrhundert te vom Gottfried vonVendome aus- geleget worden ; welcher, da er über diese Stelle des Beda von seinem alten Lehrmeister wilh elm zu Rache gezogen worden, ihm, (üb. A. Lp. i6.) also antwortet: Du hast, wenn ich nicht irre , deine Meinung gepuffert, daß nur vier Sünden der Beicht bedürfen, die übrigen aber von dem tzerrn ohne Beicht geheilet werden; welches du in der Auslegung des Beda über das Evangelium von den geheilten zehn Aussätzigen zu finden behauptest, wir glauben aber auf keine weise, daß dieß auf solche Art zu verstehen sey, und nach dem christlichen Glauben können, und dürfen wir es nicht also verstehen. Denn es ist jener Satz klug zu bestimmen, um ihn nützlich zu verstehen , und unser» Glauben unverletzt zu erhalten. Jene vier Sünden, nämlich der heidnische Irrthum, die brüderliche Spaltung, die
ke-
4S
ketzerische Bosheit, und die jüdische Treulosigkeit stören freylich, wenn sie das Uibergewicht bekommen, die Fröhlichkeit dev allgemeinen Rirche, daher es nöthiy ist, dass, die immer von diesen Sünden, oder von einer aus ihnen verunreiniget worden , nun nicht mehr dem Priester allein, wie es bey den übrigen geschieht, sondern der ganzen Rirche das Bekenntniss ablegen, und also wieder zur Einigkeit derjenigen zurückkehren , deren Glauben sie vorher bestritten hatten. Denn es ist billig, dass jene, welche andere durch einen teuftischen Hochmuth im Unglauben unterrichten, sie auch durch eine öffentliche Genug-
thuung im Glauben bekräftigen.-
— Die übrigen Sünden hingegen heilet,' und verbessert, wie du sagst, Gott durch sich selbst» Allein wenn es gleich jedesmal der Herr ist, welcher, die Gesundheit ertheilet, und Rraften yiebt, so pflegt man doch zu sagen, dass er manche Gebrechen durch sich selbst heile, und bessere, diejenigen nämlich, welche ihm mittelst einer geheimen Beicht entdecket werden, um die Genesung zu erlangen. Denn ich versichere dich, dass D der-
Zo
derjenige Gott yenennet werde, von !
dem man weis, daß er seine Stelle ver- !
tritt; es ist gewiß, und nichts ist ge- !
wisser, als dieses : daß alle Sünden und Laster der Beicht und Buße bedürfen, !
und wenn auch einige von ihnen durch :
eine öffentliche Buße bestrafe zu wer- !
den scheinen, so haben doch keine an- !
dern eine öffentliche Beicht nöthig, als ^
jene, welche dahin abzielen, den allge- ^ meinen Glauben -er Rirche zu schwa- ! chen. i
IV« Dur and us glaubet, die Beicht ! wäre nur ein Rath, und Gkotus ist ^ der Meinung , daß es schwer stelle, jenen der Falschheit zu beschuldigen, welcher sagen würde, daß die Beicht nur ein Kir- 'chengebot zum Grunde habe; dem ungeachtetscheint es ihm doch vernünftiger, zu glauben, daß sie göttlichen Rechtes sey.
Die Antwort hierauf ist, daß auf das Versehen dieser Schriftsteller, welches im Grunde wenig zu bedeuten hat, gar nicht zu sehen sey, nachdem wir so viele Zeugnisse haben, die ihnen an Ansehen weit überlegen sind, und die stäre Übereinstimmung der ganzen katholischen Kirche.
V
V. Huyo vom h. Viktor, und
der heil. Bonavenrura, der ihn anführt, und ihm folget ( /. 4. c////. 17.
s. arr. I. A. r/r c-o^,.) sagen zwar mit ausdrücklichen Worten, daß. die Kirche die Beicht eingesetzet habe, jedoch mittels des Ansehen Jesu Christi, so, daß dieser als der erste Urheber derselben zu betrachten sey. Eben dieses bekennet auch der heil. Bo naventura ausdrücklich.
VI. Unter allen Beweisgründen des DaN aus gegen die Sakramentalbeicht
> wird der stärkste, und am längsten vorgetragene daher genommen, daß weder in den Lobreden , welche den Heiligen vor Alters gehalten wurden, weder in der Anführung ihrer frommen Handlungen jemals von der Beicht etwas erinneret werde, welche entweder von d§n Priestern wäre ausgenommen, oder den Laye« abgeleget worden.
Dieß ist aber nur ein verneinender Beweis , welcher schon durch die angeführten bejahenden Proben zerstöret worden. Die Ursache, warum das Alterthum in den Thaten der Heiligen von ihren Beichten schwieg, ist diese, weil man die läßlichen Sünden keineswegs beichtete, welche doch D 2 die
Z2
die einzigen Gebrechen sind, worem fröm^ me Leute fallen. Und wenn es auch grosse Sünder waren, die sich nachmals bekehrten, so wurden sie gemeiniglich durch die Taufe, oder Marter von der Noth- wendigkeit, das Sakrament der Busse zu empfangen , überhoben.
* *
.^bschon aus jenem, was in der vorn angesetzten Abhandlung, die aus der Oon- tirwAtivn riss IVlemvireZ 6e Littersture, Lr ä'Hiüoire, l'om. III. ksrt. I. nsuv. Läit. s kari8 17^2. übersetzt worden, fast bis zum Uiberfiusse gesagt worden, sonnenklar erhellet, daß sowohl in der katholischen Kirche ein göttliches Gebott, alle und jede schwere Sünden zu beichten, zu aller Zeit sey anerkennet worden, als auch» daß die heimliche sakramentalische Leicht von den heiligsten und ältesten Vätern mit grosser und einhelliger Übereinstimmung , wie der trientische Kirchenrath redet , allzeit sey anempfohlen worden, Sets. rH. c. 5. so ist cs doch nicht überflüssig , sondern höchst zuträglich, daß man, um der Schwachheit derjenigen zu Hilfe
zu
zu kommen, die in den theologischen Wissenschaften minder erfahren sind, j.ene Zweifel austöse, welche Herr v. Eybel auch aus den Vätern selbst aufzuwerfen, kein Bedenken gehabt hat, in welchem Falle er dem Dallaus einem Kalvinisten gefolget, dessen Elnwürfe, ob er gleich vielleicht die Bücher diefes Glaubcnsgegners niemals gelesen hat, er doch so, wie sie uns der Natalis Alexander Hill. Lccl. 1. 7. äiss. 14. aä iZ.
find, Nachlassen, oder zurückhalten könne» So überzeugte sich dessen der heil. Lypria- nus, wenn er in seinem drey - und sieben? zigsten Sendschreiben an Jubajanus, nachdem er die Schriftstellen: Alles was ihr üuf Erden binden werdet rc. und nehmet h'n den heil. Geist, rc. rc. angeführet hatte, also schliesset: Hieraus erkennen wir, daß es nur in der Rirche den Vorstehern/ und jenen, die in dem evangelischen Gesetze, und in den Anordnungen des Herrn hiezu gesetzet sind , zu taufen, und Nachlassung der Sünden zu erthei- len erlaubt sey. Aber noch klörer, und deutlicher entdecket er uns seine Gesinnungen , da er mit Bedacht die Wahrheit dieses Glaubenssatzes wider die Novatianer in seinem zwey und fünfzigsten Sendschreiben an den Antonianus beweiset , und sich also ausdrücket: Mich wundert es, daß einige so hartnäckig sind, und meinen , man solle den Gefalleneu keine ' Busse gestatten , oder daß sie dafürhal- ten, man solle den Büßenden die Vergebung versagen, indem doch geschrieben stehet: Sey eingedenk, — was du verloren hast: thue Busse, und verrichte deine ersten Werke. Unid weiter
unten:
unken : wenn wir Zeugnisse haben, baß man Niemand von dem Bussewirken abhalten solle, und -aß jenen, die um Vergebung bitten, und die Barmherzigkeit des Herrn anflehen, nach dem Masse feiner Erbarmnissen, und Güte durch -ie Priester der Frieden könne ertheilet werden, so muß man das Seufzen der Traurenöen gestatten, und den Reuvol- len die Früchten der Busse nicht versagen. Der heil, pacianus Bischof zu Bar- cinon, widerleget tu seinem ersten Sendschreiben zu dem Sympronianus die Antwort der Novatianer, welche sagen, daß Gott zwar die Sünden Nachlassen könne, aber keineswegs die Priester, auf folgende Weife: Gott allein wird dieses vermögen 2 es ist wahr; allein auch dasjenige , was er durch seine Priester thut, ist seine Gewalt ; denn was ist wohl das, was er seinen Aposteln sagt: was ihr auf Erden binden werdet, wird auch im Himmel gebunden seyn, und was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel yelöset seyn 2 warum sagt er dieses, wenn es den Menschen nicht erlaubt seyn solle, zu binden, und zu lösen 2 Ist dann dieses nur allein den E Apo-
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Aposteln erlaubt ^ also ist auch nur diesen allem erlaubt zu taufen, und diesen allein den heiligen Keift zu geben, und diesen allein die Völker von den Sünden zu reinigen, weil alles dieses keinen anderen, als den Aposteln befohlen worden, wenn also sowohl die Auflösung von den Banden, als auch die sakramentalische Gewalt zugleich gegeben wird , so must entweder die ganze Gewalt, so wie sie die Aposteln übten, auch uns zu Theile geworden oder nicht einmal jene auf uns gekommen sez>n.-wenn also die Gewalt zu taufen, und mit dem Ehrpsam zu starken, welche weit grössere und heiligere Wirkungen haben, auch auf die Bischöfe gekommen, so ist nicht minder das Tdecht zu binden und zu lösen, mit übertragen worden. Der Hm. Äm- brosius greifet eben diese Novatianer (I. I. 6e p(Xnit.) auf folgende Weise an: aber sie sagen, dast sie dem Herrn Ehrerbietung erweisen, dem sie allein die Gewalr Verbrechen nachzulassen Vorbehalten. Indessen fügen sie Niemand mehr Unbild zu, als jenem, dessen Befehle sie zernichten, und dessen anvertrau-
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trautes Amt sie wiederum zurückstellen wollen. Denn da der Herr Jesus selbst Ln seinem Evangelium gesagt hat: Nehmer hin den heiligen Geist; welchen ihr die Sunden vergeben werdet , denen sind sie vergeben, und welchen ihr sie behalten werdet, denen sind sie auch behalten, wer ist, welcher mehr ehret, derjenige der den Befehlen gehorsamer, oder der sie nicht annimmt 2 Die Rieche leistet Ln bepden Gehorsam , da sie die Sünde sowohl bindet, als nachlasset. Die Regerey ist Ln einem grausam, Ln dem andern ungehorsam, sie will binden, was sie nie auflsset, und will nicht auflosen.. was sie gebunden hat, in welchem StüE sie sich durch ihren eigenen Ausspruch verdammet. Und (e. 8») redet er die Novatianer also an: warum raufet ihr, wenn es nicht erlaubt ist, daß durch einen Menschen die Sünden nachgelassen werdend Denn in der Taufe geschieht ja die Nachlassung aller Sünden : was ist daran gelegen, ob die Priester behaupten, daß ihnen dieses Recht durch die Busse, oder durch das Taufbad auszuüben zugestanden worden 2 Endlich (i. r. 6s E L k«"
L.'
pcxmt. s. 2.) saget er, es schien unmöglich zu seyn, daß durch die Busse Sünden nachgelassen werden ; Christus hat jenes den Aposteln gestattet, was von den Aposteln auf das Amt der Priester übertragen worden. Der heil. Augustinus ( l. 6s sxone (Hri'llisno c. Zi.) warnet uns also wider den Jrrthum der Novatianer, auch jene sollen wir nicht hören, welche laugnen, daß die Rirche Gottes alle Sünden Nachlassen könne. Derohalben haben diese elenden, da sie im Petrus die Grundfeste nicht anerkennen , auch nicht glauben, daß der Rirche die Gewalt der Aininelsschlöffeln gegeben worden,- dieselben aus ihren fanden verlohren. Endlich, wenn der heil. Hieronymus in seinem Sendschreiben ZU dem Helivdorus von den Priestern redet, so verfechtet er die katholische Glaubenslehre mit diesen Worten: Weit sey es von mir, -aß in von jenen etwas Arges rede, welche in die Fußstapfen der Aposteln, als ihre Nachfolger treten, mit ihrem heiligen Munden Leib Christi gestalten, durch welche auch wir Christen sind; die, indem ' - sie
sie die Schlüsseln des Himmelreiches haben , auf eine gewisse Art noch vor dem Gerichtstage richten. Wenn also jemand diese Stellen und Meinungen der Väter , die ich allein mit Hindanlassung mehrerer anderer hier habe anführen wollen, ohne Dorurtheile überdenket, wird er nicht sehr richtig, unk unfehlbar schlüssen, diese Väter haben nicht nur allein erkennet, daß die Gewalt, die Sünden nachzulassen, von Christo der Kirche übergeben worden, sondern auch, daß diese Gewalt noch dazu bis zur Vergebung der Sünden, in so weit sie Beleidigungen Gottes sind, vollständig und ungezweifelt sich erstrecke? Dieses zeigen fürwahr sonnenklar sowohl das Augenmerk und Ziel, so sie sich vorsetzten, als auch die Worte, mit welchen sie ihre Gesinnungen er-kläre».
Nun wird es ganz leicht seyn, jene Stellen auszulegen, welche Herr v. Eybel aus Lyprianus, Zirmilianus, Hieronyr mus und Ambrosius, für seine Meinung anführt. Was Tertullian anbelanget, aus -essen Buche (äe puöic.) §. so. er einen langen Text anführet , indem er es selbst bekennet, daß seine Sache dadurch nicht gmug geschützet sey, ist dieses allein anzur E 3 mer-
merken, daß ich nicht genugsam habe versiehe» können, auf welche Art es sich zu- getragen habe, daß er sowohl von diesem , als auch von dem Acesius einem Novatianer, dessen Worte er §. 21. aus dem Sokrates anführet, in seinem Werklein nur die geringsie Meldung zu machen kein Bedenken gehabt habe. Denn dieses scheinet mir fürwahr ein untrüglicher Bürg, entweder einer unverzeihlichen Unwissenheit, oder einer ähnlichen Kühnheit zu seyn; denn entweder wusie er es nicht, daß sowohl die Montanisten, welchen Tertullianus in dem Buche ( 6 e puäic.) anhanget, als auch die Novatianer, weil sie der Kirche die Schlüsselgewalt strittig machten, von den heiligsten und ältesten Vätern mit einhelliger UibereinftimmunH als Irrlehrer seyn angesehen worden; oder es war ihm dieses bekannt: in dem ersten Falle wird ihn Niemand von einer nicht geringen Unwissenheit entschuldigen können; das andere aber belangend wird Herr v. Eybel niemals mehr den Vorwurf einer grossen Kühnheit von sich entfernen, da es jedermann einsteht, daß in dem schon verworfenen Jrrthum der Montanisten und No-
vatia-
ner zugleich die Misbilliyung seines eigenen Werkleins enthalten sey.
Aber um von den übrigen Vätern auch einige Meldung zu machen, so ist eH zwar wahr , daß sie sagten, Gott allein könne die Sünden Nachlassen; jedoch verstehen sie dieses bloß von der höchsten unmittelbaren, unbedingten, und keinen Gesetzen unterworfenen Gewalt, ohne auch nur sich beyfallen zu lassen, daß sie die von Christo den Priestern als seinen Dienern mitgetheilte Ausspendungsgewalt je davon ausschliessen, oder nicht zugleich mit einbegreifen wollten. Nebst diesen wollten die heil. Väter durch dergleichen Ausdrücke auch andeuten, daß die Priester Gottes Stelle vertretken, da sie den Büßenden die Sünden Nachlassen, was Gott durch Hüne Priester thrrt, ist seine Gewalt, sagt der heil, pacianus, dessen wir schon oben Meldung gemacht haben. Insonderheit aber ereiferet sich der heil. Lpprianus, ( dessen Texte, die Zerr von Eybel §. 22. aus seinen drey Briefen anführet, in dem Buche, oder Traktat ( laxlis) vorfündig sind,) wider jene Priester, die durch eine übereilte Lossprechung noch vor den bereuten Verbrechen, E 4 vor
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vor dem gemachten Bekenntnis -es La» sters, vor -er Reinigung -es Gewissens, den Gefallenen den Frieden zurückstellen; Diese Priester zu bestrafen und eines bessern zu belehren, sagt er: -er Herr allein kann -en Sündern Vergebung er? therlen; als wollte er sagen: die Priester können nicht durch eigenes Ansehen, sondern nur an Staat Gottes, und mittelst der von Gott allein überkommenen Gewalt die Sünden Nachlassensie haben aber keine Gewalt von Gott empfangen, uubußfertige, und unbereitete Sünder loszusprechen ; derohalben betrügen dergleichen sich, und andere, wenn sie jenen, welche nicht Busse wirken, die Sünden erlassen. Firmiltanus, aus welchem §. 2A. ein EintWwf gemacht wird, schlosset keineswegs durch jene Worte, - nicht als wenn sie von uns -Le Nachlassung -er Sünden erhielten, die Ausspendungsgewalt aus; denn in eben diesem Sendschreiben schlosset er aus den Worten Christi Hey den heil. Matthäus und Johannes auf folgende Weise: Die Gewalt also Sünden nachzulassen ist -en Aposteln, und -en Riechen, welche sie als von Christo abgesandt, errichtet haben, un-
-en
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-en Bischöfen, die ihnen rechtmäßig nachgefolget find, gegeben worden. Der heil. Hieronymus, dessen §. 29. folgende Worte angeführet werden: ( Oommenr.m Düsttk.) bey Gott wird nicht auf den Ausspruch des Priesters, sondern auf das Leben der Schuldigen gesehen, bestrafet den Stolz, und Hochmuth fener Priester, welche dafür halten, es fey ihnen erlaubt, sich der ihnen übergebenen Gewalt zu binden, und zu lösen nach ihrer Willkuhr zu bedienen, ohne je ihr Au^ genmerk darauf zu richten, ob der Buffende es verdiene, oder nicht verdiene, oder vorläufig gehörig vorbereitet sey, und in die- ser einzigen Absicht führet er nochmals den Vergleich zwischen den Priestern des alten, und neuen Testamentes an; denn diesem heiligen Lehrer war ^ rückt unbewußt^ daß die wahre- und eigentliche Ausspendungsgewalt, nämlich Sünden nochzulassen, welche die Priester des alten Bundes nicht hatten, den Priestern des neuen Bundes mitgetheilet worden sey, indem eben dieser heil. Lehrer die Montanisten wegen Verneinung dieser Gewalt hm Irrlehrern beygezählet hat, und so beredsam, als nachdrücklich indem oben angezogene Send- E 5 schrei-
schreiben an den Heliodorus behauptet, daß die Schlüssel des Himmelreichs der Kirche seyn anvertrauet worden. Endlich der Text des heil. Ambrosius, welcher §. Z6. von dem Gratianus angeführet wird, wird vom Gratianus selbst weder den Worten, weder dem Verstände des heil Ambrosius nach angewendet, wie es in der letzten Ausgabe der Maurini- fchen Versammlung zu demzweyten Buch s(). 4.) vom Rain und Abel bemerket wird, alwy ( u. LA.) diese unverfälschten Worte des heil. Lehrers zu finden sind. Die Sünden werden durch Gottes Wort nachgelassen, dessen Dollmetsch, und ei- niyermassen Vollbringer der Diener des Altares ist: sie werden auch mittelst des Äm?s des Priesters, und seines heiligen Dienstes näHWAssem "Melcher Ausdruck der priesterlichen Ausspendungsgewalt gar nicht im Wege stehet. Wbrigens Nimmt man den Sinn des heil. Ambrosius in Betref der gegenwärtigen Frage aus dessen oben angeführten Zeugnissen sonnenklar ab..
s) Die Väter haben gelehret, es sey um Vergebung der schweren Sünden, in soweit sie Beleidigungen Gottes sind, zu
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erlangen erfoderlich, daß selbe den Piesiern geoffenbaret werden. Es bekenne ein jeder aus euch sein Verbrechen, sagt, wie in der vorigen Abhandlung ebenfalls gemeldet worden, der heil. Lyprianus (l^sä. äs I3pli8), da noch derjenige, der ein Verbrechen begangen hat, auf der Erde sich befindet, da sein Bekenntniß noch kann angenommen werden, da seine, und die von den Priestern auferlegte Genugrhuung dem Herrn noch angenehm jst. Durch welche Worte klar genug bedeutet wird, daß die dem Priester abge. legte Deicht zur Erlangung des ewigen Heils nothwendig sey, welches im Grunde falsch wäre, wenn die Nachlassung der Sunde, in soweit sie eine Beleidigung Gottes ist, durch ein Gott allein abgelegt tes Bekenntnis und Beicht^erlanget würde. Der heilige Basilius behauptet in den kürzer» Regeln (sä yuselt. 288-) eben diese Nothwendigkeit der . Beicht mit folgenden Worten: Es ist nothwendig, jenen die Sunden zu beichten, welchen die Ausspenduny der Geheimnissen Gottes ist anvertrauet worden. Der heilige Ambrosius (I. L. äs xoe»it. c. 6.) fo- dert zur Erhaltung der Rechtfertigung vor
Gott nicht bloß die kanonische Aussöhnung mit der Kirche, sondern auch eine aufrichtige wenigst geheime Beicht aller schweren Sünden, wenn er sagt: wenn du gerechtfertigt werden willst, bekenne dein Verbrechen; denn ein dich beschämendes Bekenntniß der Sünden loset die Bande der Verbrechen auf: daß aber dieser heilige Lehrer die dem Priester abgelegte Beicht dadurch verstehe, erhellet aus dem achten Kapitel, wo er dieser Ursachen wegen den Sünder zur baldiger Ergreifung der Busse ermahnet: weil er nicht weis, ob er sonst noch die Busse werde ergreifen können, und Gott, und dem Priester seine Sünden beichten. Der heilige Johannes Lhrysostomus (kom. äs muliere Lsmarit.) warnet auf solche Art seine Zuhörer , dalE sie dem Priester das Bekenntniß ihrer Sünden ablegen sollten, baß er zugleich zeiget, es sey die Beicht unumgänglich nothwendig, um Vergebung von Gott zu erhalten« Ahmen wir nach, sagte er, diesem samariranischen Weibe, und schämen wir uns nicht wegen der eigenen Sünden. wer sich schämt, einem Menschen die Sünden zu entöe- ckm, und nicht beichten, weder Bufstz
wrrken wisi,..dieser wird an jenem Gerichtstage nicht vor einem, oder zwe,r- nen, sondern vor dem Angesicht der ganzen Welt Zu Schanden werden. D-er heilige Augustinus (kom.49. im. Zo.) tadelt diejenigen, welche sagten, daß sie heimlich im Herzen, «nd mit dem Bewußtsein Gottes allein Busse wirken, und er zeiget: daß dieses nicht hinlänglich sey, weil sonst die Schlüssel ohne Ursache der Kirche gegeben worden. Sage nur Niemand zu sich selbst, sind seine Worte, ich wirke in Geheim Busse, ich wirke Busse vor Gott: Gott weis es, der mir verzeihet , dasi ich im He rzen büsse. Also ist ohne Ursache gesagt worden: alles was ihr auf Erden lösen werdet, wird auch im Himmel gelöset seyn2 Also sind ohne Ursache de r^ Hir Le Gottes die Schlüssel gegeben worden V wir vernichten das Evangelium Gottes, wir vernichten die Worte Christi 2 wir versprechen euch, was er versaget , und betrügen wir euch nicht ans solche weise 2 Endlich der heilige Leo der Grosse (Lp. tzz.gä l'beoäorum ^orch^I.) hält dir dem Priester abgelegte Beigst der Sünden für gothwenbig, um von Gott Vergebung zu
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erhalten, wenn er sagt: Die vielfältige Barmherzigkeit Gottes kömmt so den menschlichen Gebrechen zu Hilfe, daß nicht nur durch die Taufynade , sondern auch durch die Arzney der Busse dieHof- nung des ewigen Lebens erneuert werde , damit diejenigen, welche die Gabe der Wiedergeburt verletzet hatten, indem sie sich durch ihr eigenes Urtheil verdammten, zur Nachlassung ihrer Verbrechen gelangen könnten , da die Hilfsmitteln der göttlichen Güte also eingerichtet sind, daß die Nachsicht Gottes nicht anderst, als durch die Seufzer der Priester könne erhalten werden. Und weiter unten:' Es ist sehr nützlich, und nsthwendig, daß die Schuld der Sünden vor dem letzten Tage durch das prie- sterliche Bussgebeth aufgelöset werde.
Wenn man nun" 'Vl^se Wgmsft erwäget, so können ohne Mühe jene Stellen der Väter, welche Herr v. Eybel zu seiner entgegen gesetzten Meinung zusammenholet , ausgeleget werden. . Die h.h. Basilius, Ambrosius, und Augustinus, welche er §§. 24. LA. 27. anführet, reden von der vollkommenen Aieue, welches
'ches uns die von ihnen angeführten Bey- spiele Davids^ und des heil. Petrus, die ihre Sünde mit so heftigen Schmerzen beweinten, erklären; diese reuvolle Zerknirschung aber hat so viele Kraft, daß sie auch vor der mündlichen Beicht Vergebung der Sünden erhalte ; allein dieserwegen schließen besagte Väter keineswegs die Noth- wcndigkeit der dem Priester zu entrichtenden Beicht aus, wie es aus ihren kurz vorhin angezogenen Zeugnissen erhellet. Was macht es zur Sache, daß David und Petrus noch vor Einsetzung des Sakra- kraments der Buße ihre Sünden abgebüft set haben, da dieses durch die vollkommene Neue allein, und mit Lhränen hat geschehen können? Der heil. Lhrysostomus schlieft set an jenen Stellen, welche §. s6. angc- führet werden, theils die Nothwendigkeit
Schuldigen entdecket, und woraus für sie ein Schandfleck folgen würde; theils aber handelt er von der täglichen Gewissenser- sorschung , die ohne des Priesters Amt geschehen kann; daß aber eben dieser Vater die Nothwendigkeit der heimlichen Beicht erkennet habe, zeiget sich aus seinen oben angeführten Wortenund das mehrere
läßt
läßt sich aus vorhergehend^ Abhandlung übnehmcn.
Endlich schließet auch der ehrwürdige Beda, dessen Text §. zo. angezogen wird, wo er lehret, daß jene dem Priester beich- ten müssen, welche entweder mit ketzerischer Bosheit, oder jüdischen Meineid, oder heidnischen Aberglauben, oder brüderlicher Trennung beschmutzet sind, -aß aber der Herr die übrigen Laster durch sich selbst innerlich rm Gewissen heile, und bessere ; keineswegs die Notwendigkeit, und das göttliche Geboth, auch diese Sünden dem Priester zu entdecken aus, sondern er deutet nur an, daß es nicht erforderlich sey, diejenigen wiederum feyerlich in die Kirche aufzunehmen, welche ausser den obbenannten einige andere Verbrechen begangen haben ; daß dieses der ei gentliche S inn, und Verstand sey , zeigen fürwahr die Beyspiele des Paulus und Cornelius, welche er allda anführet; denn von Paulus saget er, daß er zu dem AnanLas, von dem Cornelius aber, daß er von dem Herrn zu Petrus gcschicket worden, damit sie in der Gesellschaft der Gläubigen aufgenonunen würden. Uibrigens aber erhellet aus dem Bußtraktate dieses ehrwürdigen