tVien wie es ist. Von Ed. Mikroskop. Seitenstück des Werkchens: „Berlin wie es ist und trinkt." Drittes Heft: „Hausmeister." » Mit einem ittuminirten Kupier. Leipzig, 1838. E. Scheid u. Com p. (W Einhorn.) „Sieh' Neapel und stirb! Sieh' Wien und— bleibe leben!" Diese drei Striche, meine liebenswürdige Leserin, bedeuten so viel, als:„Vorrede", da aber„das Loos aller Vorreden auf Erden" ist, überschlagen zu werden, hütete ich mich wohl, durch die bloße Überschrift diesen höchst rührenden, mit unter sogar effektvollen Zeilen, das kostbare Vergnügen zu entziehen, von Deinen schonen blauen, grauen, braunen, oder schwarzen Augen überstrahlt zu werden, besonders da eine kleine Würdigung derselben nothwendig scheint. „Na i küß d' Hand, jetzt soll i gar a Vorred' lesen" lispelst Du, und setzt Deine weichen Fingerchen zum umblättern an? Thue das nicht Unbarmherzige, denke Dir, es sei keine Vorrede was Du liest,— es ist ja auch nicht als dieselbe bezeichnet— und es wird schon gehen. Ich versichere Dich, eine ganze Stunde kaut ich an meiner Feder, wegen dem mir im Kopf herumgehenden Satze„Vorrede oder nicht Vorrede, das ist die Frage?" bis endlich drei Gedanken siegten.—(Du siehst also, liebe Leserin, das ich Gedanken habe, 1^8 drei auf einmal— ein offenbarer Luxus— und I* folglich mein„wie es ist" schon werden könnte„wie es sein sollte".)— Diese drei Gedanken waren folgende:—„Nie ohne dieses";—„Es ist so lange die Welt steht, oder wenigstens so lange Bücher geschrieben werden,— was glaube ich, um verschiedene Vierteljahre später angefangen worden ist,— kein Werk und kein Werkchen herausgekommen, wo nicht eine Vorrede dabei gewesen wäre;"— und—„Du hast zwei Hefte dieses unsterblichen Geisteskindes in Händen, die den so eben ausgesprochenen zweiten Gedanken unbegreiflicher Weise- zu Schanden machten und wahrscheinlich aus Zerstreuüng des Autors, eben ohne Vorrede in die Welt hinausgesandt wurden." Aus diese drei colossalen Gedanken glaube ich nun ziemlich die Entschuldigung dieser Zeilen stützen zu können, denn, besitzest Du die Vorgänger dieses Heftchens, so kannst Du Dir immer denken,„dies hatte ich eigentlich schon bei dem ersten verdauen sollen," besitzest Du sie nicht, so betrachtest Du es ohnedies für einen Anfang und— kein Anfang ohne Einleitung. Der-Zweck dieser Vorrede, nein, nicht„Vorrede" dieser wollte ich sagen, der Zweck also dieses Dreistriches meine allerliebste Leserin,(oder wenn Du mit dieser schönen Eigenschaft auch die seltene einer Käuferin vereinigst,) meine angebetete Leserin, ist, Dich zu bitten, wenn dieses Werkchen Deinen beglük- kenden Beifall nicht erhalten sollte, die Schuld nicht mir sondern dem— Schicksale beizumeffen. 3 Siehe,— ich habe Tinte, Papier, Jeder, guten Willen und einen Verleger, alles, was auszutreiben von mir abhing, ich brauche also nur noch ein Bischen Witz, ein Bischen Geist, ohne welche jetzt so vieles zu Tage gefördert wird; fehlen nun diese Beiden, bin ich nicht Schuld, sondern— das Schicksal!— Ich bin kein gebornsr Wiener, daß sich das Charakteristische, Rationelle sich mir nicht so schroff entgegenstellen konnte, wie dies bei Fremden der Fall ist oder daß ich in Parteilichkeiten ausartete; ich habe aber doch so lange daselbst gelebt, um es mir beinahe zur zweiten Heimath zu machen, um von den jährlich das irdische segnenden 3,000,000„Haendeln" ein ziemliches Quantum verdaut zu haben;— wenn ich also meine zweite Heimath nicht getreu male, den Mord der„Backham- deln" nicht rührend beschreibe, bin ich nicht Schuld, sondern— das Schicksal!- Ich war endlich kein Philosoph und kein Narr, sondern zum größten Leidwesen einiger mir übergeordneten Philosophen und Narren ein Springinsfeld, ein Fashionable, ein„Früchtl" der damit umging, das Volk zu studirm und sich lustig zu machen;— wenn ich also durch mein Studium mir nicht, den Dockyrhut errungen und nicht lustig bin/ wie ehemals, bin endlich wieder ich nicht Schuld, sondern wieder— das Schicksal. Ferner will ich meine reizende Leserin, Deine höchst interressante Bekanntschaft machen, will mich bei Dir einführen; denn wie Du bei der Unterschrift bemerken 6 wirst, bin ich Mikroskop der zweite, bin nicht der, der Dir das Bildchen von der„kleinen Lotterie" entwarf, der Dir die Anecdoten erzählte, der Dir den Hausball beschrieb, nein, ich bin ein anderer, ein neuer, ein junger, ein zweiter, von dem man, aber nur ein Mann, nämlich: der Herr Verleger, große Erwartungen hegt und da konnte ich denn nicht, so mir nichts dir nichts anfangen, ohne Dir erst meine ergebenste Aufwartung gemacht zu haben. Indem ich dies nun thue, empfehle ich mich zugleich Deiner Nachsicht und nehme mir die Freiheit Dich zu bitten, mein Büchlein nicht zu lesen: rr, Wenn Du verliebt bist. I,, Wenn Dir ein Courmacher untreu geworden ist. e. Wenn Dir die Erlaubniß auf einen Ball zu gehen, abgeschlagen worden ist. II, Wenn Du Dir einen Fleck in ein neues Kleid gemacht hast. Ferner in allen ähnlichen Situationen und Fällen. Indem ich nun der Gewährung dieser meiner bescheidenen Bitte entgegensehe, zeichne ich mich mit der größten Verehrung Deiner Reitze, liebenswürdige Leserin als Deinen getreuesten Mikroskop, der Zweite. 7 N. S. Solltest Du vielleicht wissen wollen, warum ich gerade Mikroskop und'nicht anders heiße, so will ich es Dir erklären, dies ist ein Witz, mein Engel!— Ja, ja, bei dieser Unterschrift fängt der Witz an und dann geht's fort, im ganzen Hefte.— Wie? Oder ist's kein Witz?— Du begreifst nicht, worin er besteht?— Denk' a Biss'l nach:— „Berlin, wie es ist,".von Brennglas;„Wien, wie es ist," von Mikroskop.— Brennglas— Mikroskop,— da liegt der Witz begraben.— I— küß d' Hand!— r; Wiener Hausmeister. Der Wiener Hausmeister ist ein gelernter Maurer, ein ausgedienter Militär und ein Grobian, nährt dabei in seinem keuschen Busen eine bedeutend größere Leidenschaft zum trinken als zum arbeiten,' veranstaltet, obwohl er unter dem Pantoffel steht, von Zeit zu Zeit zur Belustigung aller Hausbewohner, zärtliche eheliche Auftritte mit seiner theuren Gesponsin und übt sehr fleißig die„nach dem Sperren" nach Hause kommenden in der Ausübung der heiligen Geduld. Fünf Minuten nach drei Viertel Zehn stellt'er sich unter das Hausthor und harret-des ersten Schlages der eiligsten Thurmuhr der vollen Stunde; kaum ertönt dieser, als die Schlüssel rasseln, das Thor knarrt und er in sein Recht eintritt„Sperrgeld" zu fordern. In demselben Augenblicke halt auf der Straße, ein im Lause begriffner seine Schritte an, er wollte noch vor dem Thorschlüsse seine Wohnung erreichen; jetzt sieht er ein, es ist zu spät,„gegen die Präzision der Hausmeister kämpfen Götter selbst vergebens denkt er sich, bleibt stehen, überlegt, kehrt um und tritt in das nächste Kaffeehaus, um für seinen„Sechser 9 wenigstens das Vergnügen zu haben, den Hausmeister später aus der Ruhe stören zu können. Nicht so macht es ein hagerer Philister, dem sein Hausmeister, obwohl er ihn vielleicht sogar heraneilen sieht, das Thor vor der Nase zuschließt. Keuchend und von Schweiß triefend kömmt er an,— das Thor ist zu; er fristet, er klopft, er schreit, umsonst, er muß klingeln, erst darauf hört der Unerbittliche, erst darauf schließt er auf.—„Zum Donnerwetter, was ist das eine Wirthschaft, das Thor schon geschlossen und es ist gerade zehn Uhr.— ,,„No, das zehrn nit ungrad is, das wass i a so und wenn's an andersmahl vorn Spir'n einer woll'n, so missen's halt a Bissl frih'r kummen.""—„Ich würde noch naseweis sein, an Ihrer Stelle, Herr Hausmeister"?—„„Hörn S' mit'n naseweis da geb'n S' mer a no kan Stich, i muß von mein Weib nur z' gnug anhörn, daß mein' Nässn roth is und wenn S''n Hausmaster so betonen, als wollten S' dabei d' Absicht hab'n, den Gedanken von aner Idee z' kriegen, so muß i allerdings eing'steh'n, daß i zwar Hausmaster beim Tach bin, aber bei der Nacht, da bin i Hausherr und i glaub, wenn i nit wüll daß S' in Ihnen eigenen Nest schnarchen, so wird's wohl schwerli g'scheh'n.""— Der gute Philister hat nicht Lust mit dem„Advocaten seiner selbst" sich in einen Discours einzulassen und eilt seine Treppe hinaus. ,,„No, und mein Sechser, wenn i bitten derf,"" ruft ihm der Hausmeister nach,„Morgen" 10 antwortet dieser, vielleicht im doppelten Sinne des Wortes; doch wie er dies„Morgen" auch meint, es war ein übel ausgesprochenes Wort, denn er kann versichert sein, daß, wenn er morgen Einlaß erhalt, er die Worte hört:„„Dreimal E'r Gnaden."""Sie werden sich irren, ich weiß blos zweimal, gestern und— jetzt.—„„Ach na, i bitt, es is von fcih'r a schon a mahl die Red'""—„Ich weiß von nichts"— „„Aber i waß desto besser.""— Genug, der Aermste muß um mit dem„Beharrlichen" nicht in einen Streik zu gerathen, für Dreimal-ausschließen zahlen, obwohl er bloß für zweimal schuldet.— Geschieht ihm recht, warum hat er nicht die Gewohnheit, jedesmal zu bezahlen. Doch dieser Herr kann von Glück reden, ihm wird jedesmal augenblicklich aufgemacht, er darf nicht lange warten, denn er ist solid und kömmt spätestens halb eilf nach Hause; aber was soll ein armer Fashio nable sagen, der als Wiener, besonders als lebenslustiger Wiener, keine Nacht Lust hat, vvr zwölf, ein's oder zwei zu Bette zu gehen; der muß sich geduldig vor sein Hausthor stellen, oder vor demselben auf und abgehn, klingeln, wieder auf und abgehn, wieder klingeln, bis er in einem Viertelstündchen denken kann, nun jetzt muß ich höchstens noch ein Viertelstündchen warten. Das ist des Hausmeisters Walten in der Nacht, — der Löwe in der gestörten Ruhe— anders nimmt II er sich bei Tage aus. Er ist Jahr ein, Jahr aus im Maurercostüme, hat in der einen Hand eine Kelle, oder einen Besen, in der andern„a halbi G'mischt's" oder„a Seitel Achter" und thut, als wenn er arbeiten wollte und trinkt; und trinkt und thut als wenn er wollte, bis„die sinkende Sonne die nahen Berggipfel golden beleuchtet", dann „Legt er sich nieder Und strecket die Glieder" und schläft, bis fünf Minuten nach drei Viertel Zehn, wo er laut Befehl geweckt wird um sich, wie oben gemeldet, unter das Thor zu stellen und den ersten Glockenschlag der Zehn abzuwarten. Meine Leser kennten nun die Hausmeister, aber das ist mir nicht genug, ich will ihnen auch die Hausmeisterinnen und Hausmeisters Töchter vorführen, die, beiläufig gesagt, im Falle sie hübsch, einigen Hausbewohnern weit lieber sind, als die Meister selbst. Die Hausmeisterin, ehemals Köchin, Wirthschaften« oder Amme, kleidet sich und ihr Töchterchen die besonders„ordentlich" einhergehen soll, nicht von dem Verdienste ihres Mannes. Sie treibt etwas. Sie ist Natherin, Wäscherin, Putzmacherin, vielleicht auch Hebamme. Im letzteren Falle besorgt sie ihre Geschäfte nicht nur außer dem Hause, sondern sie hat, mit Erlaubniß des Hausherrn, auch im Hause ein Käm- merchen, in dem sie mit vieler Geduld und bereitwil- 12 ligst gefallene Geschöpfe wieder aufrichtet und ihnen Hülse leistet. Sie ist ferner die Meisterin, das heißt sie meistert ihn, ihren Mann nämlich und er muß tanzen, wie sie pfeift.(Aber trinken thut er, wie seine Borst pfeift.) Endlich ist sie auch die Vertraute und der Postillon d' Amour sämmtlicher junger, vielleicht auch ältlicher und alter Herren und Damen im Hause und folglich sehr beliebt, kein Wunder also wenn man sie mit diesem oder jenem, oder mit dieser und jener stundenlang einen„kleinen Plausch" halten sieht. Man muß ihr das zu Gute halten. Die Hausmeisterstochter endlich ist der Liebling der Mama, hat sich ihrer Meinung nach in der Bildung bis zur höheren Mittelklasse emporgeschwungen, hilft zu Haust in Nah- und Putzarbeiten, oder geht zu einer Marchande de Mode in die Arbeit, besucht das Burgtheater, spricht„hochdeutsch" und versteht Französisch— Om!— Gekleidet ist sie elegant und modern, wer sie im Theater sitzen sieht, hält sie gewiß für ein Fräulein höheren Ranges,(ich wollte auch Niemandem zumuthen sie anders anzusprechen, er müßte denn von Sinnen sein) und wer sie vom Balle in einem Fiacker davonrasseln hört, würde sicher alles andere eher glauben, als daß sie— keinen„Sperr- groschen" zu bezahlen hat; er müßte sie denn für eine Hausherrntochter halten. 15 Scenen und Gespräche. S. (Zum Titelkupfer.) Es ist zwei Uhr nach Mitternacht, drei karrikirt-modern gekleidete junge Leute, Handlungsdiener, springen vor dem Thor eines Hauses aus einem Fiacker. Der Erste greift eiligst nach der Hausklingel, der Zweite bezahlt mit verdrießlicher Miene den Kutscher, der Dritte setzt sich pfleg- matisch auf den Thorstein und streckt die Beine von sich, Der Erste. O mon Oiü, das würd gewüß wüder eine Stunde dauern, büs düser malefiz Hausmeister sein Dunnenbett verlassen können im Stande werden sein würd, o mon viii! Der Zweite. Tott tsmm, sag ich englisch, das üs ümpertinönt, wü düser Hausmaster ümmer ausbleiben thut, ohne Oend,— iLott temm, schon wüder ein Vörs ich bin halt ein Schenk, Nicht war Du, Herr von Dachslhuber, ich bin ein Schenk.. Der Dritte. Ha ha, packst denn no nit ein mit Dein noble thun, Du g'schmafu Ritter aus'n Lerchenseld? «4 Der Zweite. Lott teaim, Du büst und bleibst halt ein gemeiner Körl, Du nimmst in Deinem Loben keine Bildung mehr an, au eontruire, und im Gögöntheil, statt daß Du Düch in der menschlichen Gesellschaft süri schwingst, gehst du nur ümmer hünterü,— Kott temm. Der Dritte. I bitt Di gar schön, thue nurnit so entsetzli dick mit Deiner Vüldung von Liechtenthal, am End schaut's in Dein Capitolium do so finster aus als in an G'legenheits- Dichter sein Geldbeutel,— was brauch i a Bildung wenn i nur g'sund bin, laut's lieber an, und schaut's daß mer eini kummen/"das wird g'scheidter sein, als Enger ganze Bildung. I wir dermal a klan's Morg'nschlaferl halten und wenn der Master kummt, weckt's mi auf.— Auf Ehr', das Warten auf'n Hausmaster und a Theater-Rezension, das sän mer die zwa langweiligsten Sachen, dö i mer denken kann. Der Zweite,(zum Ersten) Es ist fürchterli müt düsen Manschen, i kann ühn halt mit aller Mühe zu keinen Fasch-hionab-le machen und— nur sasch-hio- nab-le nur zart, daß ist meine Weise und meine Art.— Lott temm, dör Vörs üst von mür, was sagst Du dazu, Herr von Dachslhuber?— Weißt was Nestroy spricht„Sünge wem Gösang gögöbsn"—(verschämt lächelnd) mür üst er gögvben kann ich etwas davor. (Der Dritte schnarcht) Der Erste. Non äiö, ge suis kutielr, Comment tvus porter laus? Der Zweiter. Tsches, 8iZnore Musje. 13 Der Erste,(klingelt)'S üs aber wücklich wahr, froh wör ich schon wönn dör Hausmaster körnet, ach mon äiü, wenn ich dü Oerinnerung an dü mit meiner Amaliö so oben verlobten Stunden nicht haben thätet, ich müßte crepürn. Ach Amaliö! Amaliö! Kornthaler, was sagst Du zu meiner Amaliö? Der Zweite. Gar nix sag i, als das i glaub wir könnten hietz mit unserer verfluchten hochdeutschen Sprach gufhörn, weil mer wieder unter uns sein,'s kost mi Zwang gnu, wenn i unter Menschen so red'n muß.— Soll i hietz a no so g'spreizt plapern? geh' laut no anmal an. Der Erste,(klingeltheftiger) Hast recht Kornthaler, heut nix mehr hochdeutsch— Ah! es is an glei ganz änderst um's Herz, wenn mer wieder so red'n kan, wie an der Schnabel g'wachs'n is.(fortwährend an der Klingel ziehend) Aber froh war i scho, wenn der lumpigi Hausmaster amahl klimmet. Der Zweite. Geh tani, laß mi a mahl an- zieh'n, wenn er dös nit hör'n wird, so muß er seit gestern terisch*) wurd'n sein.(Er ergreift wüthend die Klingel und zieht sie einigemal mit solcher Gewalt, daß der Drath abreißt und der Griff ihm in der Hand zurückbleibt, in demselben Augenblicke erscheint im Thore der Hausmeister.) *) taub. 10 Hausmeister.(Im höchsten Jörne schreit) I reißet's Haus z'sammü Der Erste,(lachend) Ah' sern's scho da? Der Zweite,(den Schlafenden rüttelnd) Auf, Schlafhaub'n. Hausmeister,(betrunken) I reißet's Haus z'samm,— i, So machen ja a Spectakel, nit anderster als wenn S' b'soffen war'n,— b'soff'n war'n.— Aber nur comod, comod.—'S Glöckl können S' zahlen— daß S' es wissen. Der Zweckte. Ha, ha, G'wiß weil'S so g'schwind kummen sein. Hausmeister. No werd'n lang da g'standen sein? höchsten's a halbe Stund— a halbe Stund,— langer g'wiß nit, und i glaub da können S' no immer— von— Glück red'n,(zum Dritten der noch auf dem Stein sitzt und gähnt) No, soll i no lang warten? Der Dritte,(gähnend) Ah, i hab so gut g'schlasen, mir hat von an Eßterhazy Rastbradl und Taglioni Wandl tramt. Der Erste. No, geh nur geh' und erzähl Dein Tram nachher.(Er erhebt sich, Sie gehen hinein, der Hausmeister schlieft zu und leuchtet Ihnen vor.) Der Erste. Aber G'spaß u xmt. Hausmasterl, an Schlaf hab''S wie a jung's Roß. Wenn S' mein heutiges Läuten nit g'hört hab'»? Hausmeister. Nit g'hört hab'n— nit g'hört hab'n, i hab's nur z'vül g'hört,— i hab schon immer glaubt's Glöckl wird mer— wird mer aus d' Nasen fallen,— comod, Sö hab'n ja anzakrt als wie die B'sessenen— die B'sessenen, aber nur comod. Der Zweite,(zornig) Was? Sö hab'n unser Laut'n g'hört und sän nit glei ausser kummen? no dös is stark, da wir i do wohl Murgen beim Hausherrn a Visite machen müss'n. Hausmeister. Halt— halt Eu'r Gnaden,— comod, nur g'scheidt sein— wenns Ihnen mögli is— g'scheidt sein,— Sö müssen Raison annehmen Schaun S' i bin heunt— Nacht scho zwamahl auf- serg'nart word'n— heunt Nacht, comod, comod, Sö wissen's scho, es giebt so— verfluchte Hallunken— Hallunken, dö bei die Hausmaster— Master anlauten und—nachher davon— laufen,(mit Beziehung)— Sö wissen's scho, nur comod.—No seg'n S', da hab i— halt glaubt— hab i glaubt— Sö wer'n a—- aso a— Lumpenbagaschi— Bagaschi(die Ellenritter lachen wild auf, der Erste drückt ihm einen Silbergroschen in die Hand.) Der Hausmeister,(den Groschen betrachtend) Sö— is dös für— alli— Drei? Der Erste. No was denn? für an nit. Hausmeister. Nur comod, comod, is dös für's — Aufsperr'n? Der Erste. No für was sollt''s denn sein? Hausmeister. I bitt um Verzeihung, i hab g'laubt, g'laubt— es is für's Umdrahn in mein— 2 18 Bett, von der— richten Seit'n aus d' kinki— aus d' linki,— comod— wie i Jhner närrisch's— Läuten's ersremahl— g'hört hab'! Der Erste^ I bitt Ihnen.gar schön, sän S' z'frieden, daß S' so vül krieg'n, Sö verdienen dös nit. Hausmeister. Was? I verdien's nit— verdien's nit— Ah, Sö da muß i bitten— da küß i d' Hand. küß i d' Hand.(Im Fortgehen) Schauks dö drei g'spaßigen Zwülling an,— dö drei mit an Grosch'n— an lumpigen Grosch'n— dö drei— lumpigen— mit an Grosch'm,— an Grosch'n.— 19 L». Fritzberger und Ortmayer, zwei Hausmeister sitzen im Wirthshause, rauchen und plaudern. Fritzberger. Aber unter andern Ortmayer, Du siechst heunt kurjos kasi aus, was fehlt Der denn? Ortmayer. Zwa Faßl heuriger und an Faßt Zwanziger, Fritzberger, sunst nix, aber das is nit, warum i a g'spiebens Aepfelkoch-Phisonomie hab',(gähnt) i hab heunt Nacht schlecht g'schlafen. Fritzberger. Hat Di die Trud druckt? Ortmayer. Dös nit, aber die Bank auf der i d' ganzi Nacht g'leg'n bin, war so verflucht hart. Fritzberger. Wie kumm'st denn Du auf a Pritsch'n! Du hast ja die schönsten Himmelbetter dv mer si denken kann. Ortmayer. Ja schau, das hat sein' eigeni Bewandtnis. Mein Weib is g'wiß a solid! Person, wenn i nit irr, aber sie erinnert mi so vül gern d'ran, daß a gut's Paar a Seel und an Leib bilden soll, und da wachst halt öfters mit mir z'samm. 2* 20 Fritzberger. Aha, und da verlierst Di Du lieber in d' Kuchel aussi, als daß D' d' ganze Nacht nimmer ausanander kummst? Ortmayer. Allimahl nit, aber dösmahl war's halt g'rad der Fall, daß haßt freiwülli war i heunt Nacht nit draußten, aber unfteiwülli,(vertraut) denn maßt, sie hat mi aussi g'spirrt. Fritzberger.(schlägt erzürnt in den Lisch) Ei! Himmel-Herrgott-Kreutz-Batallion-Potz-Blitz-Bomben- Granaten- Kanonen-Millionen-Schadl-Element, das is stark, hörst, das möcht i mer do von mein Weib nit g'fallen lasten. Ortmayer. Vichkcrl, mit'n Tabackrerl, glaubst denn i hab mer's g'fallen lassen; warum nit gar,— Dö g'schlamperte Saunock'n hab i schön dran kriegt, kaum hat sie im Zimmer drinen'n Riegel vurg'schob'n, so hab i heraußen mit'n Schlüßel zu g'spirrt und hab's zapeln lassen und i waß no heutig's Tag's nit, wer von uns zwa übler d'ran war, i, der i für mein ausg'sperrte Gurgel no unter'n Herd a Pirschen Bier g'sunden hab' oder sie, dv aus jeden Fall die G'fangene war. Fritzberger. No das laß i mer g'fall'n, das geht no an,— ja mit dö Weiber muß mer kathe- dralisch versahc'n, sunst kummt mer z'kurz.— Aber ja, weil nier grad' von die Weiber red'n, hast scho von meiner gnadig'n Frau ihrer G'schicht mit Brautring g'hörr. 21 Ortmayer. Mit'n Brautring? Von der G'schicht? Na, i hab' ka Wurt von aner G'schicht g'hört, was is denn das für a G'schicht. Fritzberger. No paß nur auf, i wir Der die G'schicht glei derzahl'n, aber i glaub, a klaner An- feuchter wird eh'nder nit schad'n.-— Kellner, a Seilt achts,(der Kellner bringt Bier, er trinkt) Also paß auf: wie mei gnädigi Frau also neuli über d' Kettenbrücke geht, also,— Du waßt ja d' Kettenbrücken und daß also a jeder Mensch und a jed's Viech das driber geht, an gut'n Kreutzer zahlen muß— also, wie mei gnädigi Frau also driber geht und'n Handschuh auszieht, um also'n Kreuzer aus'n Beutel ausser z'nehmen, so verlierts also Jhr'n prächtigen Brautring den s' als Braut kriegt hat; er wird also ang'schlag'n, austrummelt, publicirt, alles, es werd'n also'n redlichen Finder fünf und zwanzig Stockprüg'l und'n unredlichen fünf und zwanzig Guld'n— na,'n redlichen fünf und zwanzig Guld'n und'n unredlichen fünf und zwanzig Prüg'l versproch'n, es wird alles erdenklich» und unerdenklichi ang'stellt, also, aber der Ring kummc halt also nit zum Vurschein.— Acht Tag drauf also— 's war'n Freitag— wüll d' gnädigi Frau also am SalzgrieS an Fisch kaufen.^—„Was kost der Fisch" sagt d' gnädigi Frau also zum Fischwcib? ,,„No weil's So sän Eu'r Gnad'n, zwa zwanz'ger also Eu'r Gnad'n das is er do Werth Eu'r Gnad'n"" sagt's Fischweib. „Na" sagt d' g'nädigi Frau also,„das is mer z'vül, 22 fufzehn Groschen gib i halt dafür."„„Ah, wo denken 'S denn hin, Eu'r Gnad'n,"" sagt's Fischweib, „„ denn schenen Fisch! a Guld'n Zetl werd'n'S mer halt geb'n"" sagt's Fischweib.„Na fufzehn Groschen und nit mehr"— sagt d' gnädig! Frau,„hab'n S' ka Hechtl?" sagt's nachher no zum Fischweib,„,,Zs mer lad Eu'r Gnad'n, kann nit dienen"'" sagt's Fischweib, „„aber an saubern Schad'n hätt' i da.""„Den ißr mein Mann nit, denn kann i nit brauchen," sagt d' gnädig! Frau.„„Der Stockfisch— vielleicht Eu'r Gnaden war a nit schlecht"" sagt's Fischweib wieder,„„der hat si g'wasch'n"" sagt's. Aber also der hat der gnädigen Frau a nit g'fallen, und da nimmt's also endli do'n ersten, es war a Kacpf, um a Guld'n Zetl— Sie laßt'n also der Nani in Korb leg'n, z' Haus tragen, todt schlag'n, haß absied'n und nach der Supp'n also am Tisch stellen. Wie er also austheilt werd'n soll, raufen si also die zwa jungen Herrn um's mittlere Stückl, weil S' es also halt so gern essen, bis si also der gnadigi Herr in Streit legt und damit kaner z'kurz kummt, an jeden a ziemlich! Portion Kopfstickl giebt und's mittlere si selber auf'n Teller legt. Ortmayer. No und? Fritzberger.'S Maul halten, unterbrich mi nit; wie also der gnadigi Herr das mittlere Stücket transchirt und mit der Gabel herum stöbert, was glaubst, was siecht er in Fisch drmnert liegen? Ortmayer. No?'n Ring? 23 Fritzberger.(in Lachen ausdrechend) Naaa! vur der Hand wac'n's also nur Graten. Ortmayer,(ihm den Rücken kehrend, piquirl) No hörst a so a G'spaß is fad, wennst nix g'scheidter'S maßt, kannst z' Haus bleiben, wenn i mi für an Narren halten lassen wüll, da brauch i Di mt dazu, da kann a jeder kumm'n. Fritzberger. No, darum keine Feindschaft nich, sagen d' Berliner, da schwab der d' Gall abi, und schneidt ka G'sriß, als wennst a Seitl Bittem in der Goschen hät'st,(«icht ihm lachend sein Glas) da trink. Ortmayer.(Sieht sich mürrisch um, nimmt ihm endlich das Glas aus der Hand, trinkt den Inhalt mit einem Zuge aus und stellt es umgestürzt wieder auf den Tisch) Nachher sän s' gar word'n. 24 L» Ein Hausmeister sitzt vertieft vor seinem Hause und liest, dann und wann den Kopf schüttelnd, halblaut aus einer zerrissenen Zeitungsannonzc; ein Zweiter tritt hinzu. A. Grüß Di Gott, alter Tappschädl, was studierst denn da? B. Was studierst? was studierst? wir vül studieren. Da hab i mir grad von Greisler a Stückt Knackwurst g'holt, das er mir in den lumpigen Fetz'n da eing'wicklt hat und hietz, nachdem i die Wurst drunten hab', stüll' i halt a'n Hunger meines Geistes mit der papiernen Hülle der genossenen Knackwurst, aber versteh'n du is halt nit, die Hülle nemli, d' Knackwurst hob i scho verstand'«. A. Bon was handelt's denn, is a schöni G'schicht? B. No, es iS weiter nix als a Bücher-Ankün- digung, aber dö is scho nit z'verstehn, wie wird's erst mit'n Büchern selber ausschauen. Was zum Teufel, zum Beispül hast dös:„Ueber die Eman— Eman— zi— pa— ti on Emanzipation der Frauen," das soll mer a Mensch a mal erklären. 23 A. Uije, da hab i scho wenigstens zwahundertmabl in'n Zeitungen davon g'lefn, aber verstand'» hab is freili nit anmahl; zum größten Glück aber hab i neuli an Discours drüber mit anghört, von mein gnädigen Herrn und sein Schwiegervater. B. No und hast'D es da erfahren? A. So halbwegs hab i's capirt, aber reckt begreif is no nit. So vül i waß, is's a böhmisch's Wurt und is z'sammg'setzt von E und Man— zi— pa— tion und haßt sovül als daß die Eh' manzipirt werd'n soll, daß is, Sö wollen's dahin bringen, daß a Doctorin eben so gut a Doctor werd'n kann, wie a Doctor a Doctor is; und so in allen Standen, also a a Grundwachterin eben so gut a Grundwachter, wie a Grundwachter, a Grundwachter. B. Na, dös is do stark, dös möcht i derleb'n, daß unser Grundwachterin in ihrem tappschadleten Mann sein Blauröckl ummergeht, dö alti Schabracken, dö, ha ha, dös mißt st nit schlecht ausnehmen, aber zum todtargern is a. A. Warum denn? B. I bitt Di gar schön, wie kannst denn so kalket frag'n? is g'rad so als wsnnst an Comödianten fragest ob er a Künstler is?— A Dummheit is die ganz! G'schicht, a Dummheit, statt das d' Weiber ganz abschaffn, machen S' solchi G'fchicht'n mit ihnen, sän histz scho hoppetaschi g'nug, wie wsrnd'n f es erst nachher treib'n. 26 A. No dos siech i aber do grad nie ein! B. No ja, was verstehst denn Du von der Wett, da siecht wer glei, daß D' nit verheirath bist, sunst pfeifest sicher aus an andern Loch. Abschaffen sollen S' d' Weiber davon peitschen, wir brauchen gar kam Weiber; wenn mer nur Mad'ln hab'n, zu was brauchen mer Weiber?' A. Was is denn Dir über d' Leber g'lösten, daß D' aus anmahl über d' Weiber so losziegst, hat Di Deine vülleicht a Bißl gewassert? B. No, das könnt mevabgehn, aber weil mein Haus. stau aWeib is und weil i weg'n ihr als weiblichi Hausfrau bald um mein Dienst kummen wär, darum hab i a so an Eselszorn auf d' Weiber, ja ja, abg'schafft sollen S' werd'»— fort damit— i wüll's hab'n. A. Ns no, ereifer Di nur nit, deßweg'n wird's do nit g'scheg'n. Was hat's denn mit Deiner gnä. dig'n g'setzt? B. Mit der gnädig'n selber hat's grad nix g'setzt, aber mit ihren Herrn Vettern, den windverdrathen Pudlramer; und das hat S' sie si so z'Herzen g'nurm men, daß i mit aller G'walt aussen Haus hatt soll'n. A. Ja w as hat's denn eigentli g'setztk B. No schau; der reg'nausg'schwabti Ladlgucker kummt kan Lach vur Zwölsi bei der Nacht z' Haus, aber daß er nur anmahl mit was fürer rucket, daß fält ihm-b'n so weni ein, als'n Stephansthurm anmal einfallet Speckknödeln mit Seichfleisch z'essen. Neust also 27 wie i mein letzten Cardinal-Fetz'n g'habt hab', denk i wer in mi selber hinein, wart' den malesiz G'schmufen wülst heunt a Bist zappeln lassen. Richti, wie er also anläut't,— a Kalt'n hat's g'habt, a unsinnigi,— schrei i also ganz pflegmatisch beim Schlüsselloch aussi, „So, Herr von G'schaftlhuber" schrei i,„wenn'S> heunt einer wollen, so müssen S' mer a Guld'n Zett'l bei der Klunsen unten einer stecken, sunst kummen S' mer meiner Seel nit einer,"— In Ansang hat er'S für an G'spaß g'halten und hat g'laubt i mach G'spusi, aber wie er g'sehn hat, daß i wirkli an Gusto ha'b ihm in Schnee steh'n z'lassen und das alles Schimpfn und Fluch'n nix nutzt, steckt er Mer richti's Gulden Zett'l durch. Na hörst, das G'fühl, wie i das Guld'n Zeltl g'habt hab', kan i Dir gar nit b'schreib'n. An Million-Haarbeut'l, a' Guld'n Jettl und das Wirthshaus dcüb'n no offen, dös war a schöner Augenblick— Daß i'hm nachher glei aufg'macht hab', versteht st vvn ft selbst.— Aber hiez paß auf—Kaum is das g'schlam- perte Hirn drinn, so schreit er;„A Sackerment i hab da bei'n Geld aussernehmen mein gold'nen Ring verlur'n, denn muß i suchen, i spirr also glei no amahl auf, tritt vurs Thor aussi und such' mit meiner Latern nach 'n Ring. Was macht aber der abg'wichsti Hallunken- fresser,der windverwachelte Ellenreiter derweil? erschlagt mer d' Thür vor der Nas'n zu, drath'n Schlüssel um und schreit ganz höhnisch ausser,„No Herr von HauS- master, wenn S' heunt einer wollen,, so müssen S' 26 mer mein Guld'n Zett'l wieder bei der Klumsen einer- stecken, sonst kummen S' mer mcinec.Seel nit einer".— I hab g'laubt der Teufel muß mi hohl'n. G'want, g'flucht, g'schimpt, g'schrien, alles hab i z'gleich, und g'forn war i, daß, wenn i nit jo hantig g wesen war, i mi selber für a Portion Harlequin ang'schaut hätt; aber das hat halt alles nix g'nutzt, und was wollt' i machen, i müßt halt volens«loten«'s Zett'l wieder eini steck'n, sunst hätt' i mit schönster Manier dcrfrier'n können, und's End von Bett'l war, daß mi der ver- wachelti Schnipfex dein gnädig'n Herrn no verklagt und a Satisfaclion hatt hab'n woll'n.— Bald hätt i 's Laufzettl kriegt und nur mit harter Müh, daß st mi no g'halten hab'n, aber in mein ganzen Leb'n derf> halt von kan Menschen von der Famüli mehr a Spir- geld begehr'n. A. Ha ha, dös is nit schlecht.— No tröst Di nur und denk was g'scheH'n is, is g scheg n, Boulst vielleicht mitgeh'n a Bißl in's Weinhausel? V. Meiner Sööl, i glaub das wird nit schad'n,— es geht halt do nix über a gut's Glast Wein, und i glaub wenn's kan Wein gebet, i mißt mi grad aus's Biertrinken verlegen,(gehen plaudernd fort) 29 8T'. Wachtler. Trumpf. Wachtler. Warst D' schon in neuchm Wiedner Theater, seitdem st angefangen haben z' spül'n? Trumpf. Ja, neuchen Wiedner Theater, mit 'n alten Ueberzug, nit wahr? Wachtler. Na, na nix alter Ueberzug, wirk» neuchi Ueberzig, man sollt zwar glauben das is eb'n so wenig mögli, als daß der Stephansthurm am ersten Mai im Prater mitlauft, oder daß i mit an Scitl Heurigen g'nug hab, aber es is halt do nit änderst, es is so wie i sag, das Wiedner Theater is neu uber- zog'n, dö Bank' namli im Theater drinnet. Trumpf. No wenn's wahr is so is recht, nöthi war's gnug, hietz sollen st nur drauf schau'n daß st es nit wieder von Staub auffressen lassen, wie die alten, denn wenn mer sie bis hietzt in das Theater eini g'setzt hat, so hat mer überzeugt sein können, daß mer nur Mist z'sehcn kriegt. Wachtler. Ah hietzt is vül besser und wird's a no immer und immer mehr, der Director wüll's ganz viechiesch betreiben, das Theater. 30 Trumpf. Was wird er denn anstell'n? Wachtler. So vül i g'hört hab, hat er fi nebst etliche neuchi Schauspüler a a klani Menagerie, lauter prächtig! Viecher verschrieb'», dö er auftreten lassen wüll. Trumpf. No i glaub, das war überflüssig, denn in den Theater siecht mer do meiner Seel Viecher g'nug. Wachtler. Ja das is richt!, aber hietz weil der Director halt selber wieder mitspült, so muß a sein Umgebung eb'n so großartig sein als wie er is und darum laßt er si g'rad die größten Viecher aller Welttheil kummen. So zum Beispül, sän zwa Elephan- tenweibl unterwegs, dö die tAelniclrrr no schöner tanzen soll'n, als der Schulz und da g'hört do g wiß vül derzu. Trumpf. No, das wird wieder a Freud' werd'n für d' Leut, da werd'n's wieder eint rennen. Wachtler. Nachher kummen vier Rhinoceros, sechs klani Wallröffer Und etliche Duhed wüldi Pferd, dö außerord'lich g'scheidt sein soll'n, g'scheidter als der Dichter der ihnen's Stuck schreibt, g'scheidter als der Director der's kummen laßt und g'scheidter als d Leut, dö's anschauen. Trumpf. No i für mein Person, i kann's sagn i verdenk's den Leut'n gar ka Preßl wenn's ein! geh'n denn i an Theater is Hauptsach daß mer was siecht, so was, was recht in d' Augen fallt; aber waßt wer i nit sein möcht bei der G'schicht, der Dichter möcht i nit 3t sein, der's Stuck für dö Viecher schreibt, das muß« schwer's Stückl Arbeit sän, wo mer dabei leicht aus- pfiff'n werd'n kann, denn so vül i g'hört hab', ver- derb'n manchmahl fcho d' Schauspülsr a ganz's Stuck durch ihner Spül, wie kann's erst werd'n wenn a so Elephantenweibl Cabal'n spül'n wüll. Wachtler.'S is richti, aber a dafür hat der umsichtigi Director g'sorgt, er hat nemli a an wülden Theaterdichter verschrieb'», der d' Elephanten aus und inwendi kennt, als wenn er ihner Vater wär und mer kann sag'n das is a Luxus, denn i glaub, er hat scho solche Viech— Dichter wüll i sag'n, gnu'g, dö sie für fünf Guld'n Honorar von d' Leut auspfeifen und von d' Rezensenten ausspotten lafs'n. Trumpf. Halt, Wachtler, Du scheinst a g'scheid- ter Mensch z'sein, obwohl der Schein manchmal trügt, hietz sag mer hamahl was is das für a Viech a Rezensent? Wachtler. Ho ho, das waßt Du nit, no i wir der's explicir'n und das so kurz als mögli.— Wenn Du mit an Eselshunger z' Haus kummst, wüllst über d' Schüss'l herfallen wie an Ochs, aber d' Krautstcud'l is brandle't und Du stehst auf wie a winiger Hund und giebst Dein Weib a Watschen wie a Büffel— da bist a Rezensent.— Wenn Dein Madel statt der Arbeit d' franzostschi Grammeer vur sich hat, wie a Gans d' Nastn rümpft das a Frauler auf Französisch nur Mamsell haßt und Du hin gehst, reißt ihr's Buch aus der - i 52 Hand und schreist daß mer's bis Simmering ausst hört „strick', Mistviech, das wird g'scheidter sein"— da bist a Rezensent.— Wennst Du an Fetzen g'habt hast und Dein klaner Mistbub hat während der Zeit als Du ausg'schlafen hast, Dein! Arbeit'» zehnmahl g'scheidter g'macht, als Du alter Lümmel selber und nimmst 'n nachher zärtli beim Schöpf und schenkst ihm für seine guti Aufführung an schlecht'« Kreutzer, da bist a Rezensent.— tApirt? Trumpf. Hm, aber das is ja alles ganz in der Ordnung, daß mer's Guti belohnt und's Bösi bestraft, was mach'n denn d' Leut nachher mit'n Rezensent'» immer für G'schicht'n! Wachtler. Weil s' es nit so ehrli mach'n, wie i hietz g'sagt hab', sondern nur z'oft für die verbrennti Krautstrud'l an Kreutzer und für d' guti' Aufführung a Watschen austheil'n. Trumpf. Ja da sans ja nachher Hallunken. Wachtler. Ueber den Geg'nstand sein d' Gelehrten no nit einig, aber so vül is g'wiß daß's Falsch! nit umsonst thun und daß d' Leut, dö für d' Kraut- stcud'l an Kreutzer krieg'u, sicher scho früher'n Rezensenten zwa g'schenkt hab'n und dö, unverdientermaßen a Watschen fassen, a schon amahl ihr'n Mann a paar aberg'haut hab'n. Trumpf. Das sein G'schicht'n, und was i« a Honorar? 33 3 Wachtler. Das was mer bei uns hatschi Maxen, Knöpf, oder Lam nennt. Trumpf. Und da krieg'n s' nur a Fünfeck für a ganz's Stuck, so vül verdien i ja, wenn i a Monath aner Parthei d' Stiefl putz? Wachtler. Ja, das is nur in dem Theater der Fall, aber darum sein halt a Stuck danach. 34 Die Hausmeisterin, Frau Lenerl, tritt in.die Stube einer Inwohnerin. Hausmejsterin. Küß d' Hand, Fräul'n Marie. Fräulein.-Grüß Ihnen Gott, Frau Lenerl, was bringen S' denn gut's? Hausmeisterin. O mein Gott mei liebe Fcau- l'n Marie, was wir i denn hab'n, i muß halt heunt wieder von aner Parthei zu der andern geh'n und bitten, daß mein Saumagen von an Mann ka Trinkgeld geb'n, denn heunt hat er wieder den Tach, wo er gern saufen möcht und da wissen S' scho, da bettelt er an jeden Menschen an. Fraulein. No, sein S' versichert i gib ihm nix. Hausmeisterin. Küß d' Hand Fräul'n, aber was i sag'n wüll, sein S' denn mit Zhner-Busenfreundin, dev Julie, scho wieder ausg'söhnt? Fräulein. No, das könnt mer einfall'n, daß i mit der dummen Noken wieder amahl gut wir, da kümmert S' schön an, So wissen g'wiß wieder was von derer G'spreizten, daß mi so verfangli fragen? nur ausser mit der Färb, i hör so was gar z'gern. 26 3* Hausmeisterin. Dösmahlisnitunt'resfirt, denn sie hat wieder ihr'n Wüll'n an alt's Haus vurg'stellt, wo's eingeschlagen hat. Fräulein. A Watschen? Hausmeisterin. A Tachtl, a Tern, an patent Hieb, an Armauscutscher, a fünfsing'rigs Mahleur über's ganzi G'sicht, oder wie S' es nennen woll'n und denken S' Ihnen von wem? Fraulein. No,? Hausmeisterin. Von Ihr'n Liebhaber, von Mayer,— Was sagen S' denn da derzu, das wird do a Bißl arg sein, wenn S' erlaub'«. Fraulein, Hat S' ihn denn nit wieder z'ruck g'watschent? Haus Meisterin. Ah warum nit gar, darauf hat er nit g'wart't, denn wie er einschlag'n hat lafs'n, so is er glei verschwunden wie a matter Geist. Kaum war er aber draußten, so is der alti Herr zu ihr eini gangen und hat ihr a Predig g'halt'n, a Predig hörn S', no wenn d' Julie wißt, daß dös d' Leut auf der Gafs'n g'hört hab'n, i glaub sie springet in Alserbach. Fraulein. I glaub um in an Übeln Gruch z'kum- m'n, is bei ihr nimmer nöthi daß das Mitt'l anwendt. Hausmeisterin. Ha ha, das is wahr, Sö hab'n halt immer so göttlichi Einfall, Fraul'n Marie; aber ja das i wieder auf die Predig kumm, also— „Madl, sagt er, hietz bitt i di um Gotteswüll'n sagt er, was treibst, bist närrisch oder bist verrückt? statt daß D' 86 unsern Herr Gott kniefalli dankst und all! Tag zehn Rosenkranz aberbetst daß D' mdli an Liebhaber hast,, der Di Heimchen wüll— zankst Di mit ihm. Himmel Donmrbam, glaubst D' denn i wüll Di ewig umsonst füttern wie a jungi Gans'^—- hietz passen L>' aufFräulsn, —„hab i Di darum scho seit zehn Jahr'n für a zwa und zwanzigjährigi jüngst? Tochter ausgebn daß D mer sitzen bleibst? hab i darum lieber a trocknes Brod g'fressen um nur Di wie am daher gsh'n z'lassen dö nit ausschaut als wenn S' kan Hund aus'n Ofen z'locken hat, daß Di Dein Vräutigäm steh'n laßt? He? hietzt kannst wieder alli Tag geh'n auf'n Markt und thun als wennst einkaufen machst und kannst mer wieder alli Abend allein an Taback oder an Wein hohlen, schmeckst Der das?— Aber i glaub' nur, das wird nix mehr helfen, bei Dir glaub i beißt so leicht kaner mehr an. Wein mt, zum Sakkerment, sunst wascht Der ja die ganzi Schmink von Gfriß aber. Da, glei wirst Di nieder setzen und wirst an Mayer schreiben, aber g'scheidt. Seufz', schrei, lamentir', wein', heul', klapperzähn', und das alles recht rührend, daß er wieder z'ruckkummt, denn i wüll nix verred'n aber i glaub wenn der Narr nit no anmahl anbandelt, so wirst wahrscheinli als alti Jungfer sterb'n"— Bei den Wort Jungfer, Fräul'n Marie, is Ihnen die armi Julie umg'fall'n wie a Stückl Holz und hat sie trotz dem daß der alti Herr no immer arger z'schreien ang'sangen hat, a halbi Stund nit erhohi'n können. 37 Fräulein,(hat während der Erzählung schon immer verbissen gelacht, ausdrechmd) Ha ha ha ha, dös is wirk!: prächti, das vergun L ihr der hopPertaschig'n Ein- bülderischen, wmn nur der Mayer g'scheidt is und nit wieder an Talken macht. Haus Meisterin. I glaub nit;— aber's schönsti is daß s' glaubt er hat f nur aus Eifersucht g'wat- schent, was sag'n S' denn da derzu, eifern, Sö, mit der? Fräulein. Für so verrückt halt i do'n Mayer nit. Hausmeisterin. Ah es fallt ihm gar nit ein, aber er hat si nur so g'stellt und das Wetter in dem's ein- g'schlag'n hat, war nur a g'macht's, das versteh' i besser.— Aber Du mein Gott, hietz hab i mi da so verplappert und i hab do so vül z'thun. Küß d' Hand Kräul'n Marie, aber ja was i bitt, kann Gebrauch mach'n von meiner Red', i hab's nur im Vertrauen zu Jhner g'sagt, weil's eb'n a so verschwiegen! Person sein, wie i, Sö können versichert sein, sunst erfahrt die G'schicht kan Menschst nur der Frau von Kasbirn wir is no erzähl'» und der Fräulein Lois' da drüb'n und 'n Herr von Steinhoftr, sunst kann Menschen, das rönnen S' mer glaub'n, denn i wüll nit ausschau'n, als wollt' i über Jemanden unschuldig'n schimpfen und das i wo d' Ehr abschneid'n wollt— wo kam ab- z'fchneid'n is, küß d' Hand Fraul'n Marie, Fräulein. Pführt Ihnen Gott, Frau Lenerl. (In dem Augenblicke als die Hausmeisterin zur Thür hinaus will, taumelt ihr Mann in die Stube.) 33 Hausmeister. Fräuler Marie, i that bitt'n. Fräulein. Was denn lieber Hausmaster? Hausmeister. A klan's Trinkgeld aus's Trinkgeld, weil i heunt grad trink'n— trink'n möcht und kan— Geld— nit— hab'. Fraulein. Na, na, Hausmaster, do wird nix d'raus, i glaub Sö hab'n heunt scho g'laden g'nug und zumal bin i Ihnen ja gar kan Trinkgeld schuld!. Hausmeister. O— Ja wohl— sehr bedeutend Fräulein Marie— denk'n S' nur nach— Vur acht Woch'n da hab' i an Rausch g'habt, da war i so lusti — so lusti und da hab'n S' so über mi g'lacht, daß g'sagt hab'n, g'sagt hab'n,„no der Fetzen, der is Geld werth"— seg'n S' also, daß mer a Geld schuld! sein, das zahl'n S' mer hietz. Fraulein. Ach was is denn das für a dummi Forderung, sein S' g'scheidt und leg'n S' Ihnen lieber in's Bett und schlafen S' den Tampus aus, den S' hietz hab'n, bevur S' wieder auf neuchi Trinkgelder denken. Hausmeister, Was i hab an— Tampus an Tampus(taumelt an die Wand) woher vermuthen Sö das, Fräuler Marie, i möcht wissen woher Sö— das— vermuth'»— vermuth'»(taumelt wieder) es i gar kan Vermuthung zur— Vermuthung da— das Sö a so a Vermuthung vermuthen können; verstand'«? und mein Trinkgeld wüll i hab'n, versprochn- Sachen muß mer halten(taumelt dem Fräulein näher.) 39 Hausmeisterin.(Die während der ganzen Scene halb ängstlich halb wüthend zugesehen, auf ihn losfahrend) Gehst nit auf der Stell' aussi, Du radical Weinvertheurer, Du abtrieb'ner Nockerlgallingdieb, Du, wie unterstehst Di denn in an fremden Zimmer folchi Specktack'l z'machen als wennst D' in Dein eig'nen Saustall warst? Auf der Stell' gehst aussi. Hausmeister. Ah so, bist Du a da— Du windyerdrahti Hebammspritz'n, hietz was i do warum i— warum i nirgends— a Glück hab heunt, also Du— Du spennst scho d' Leut wieder ab— heunt— no wart' dafür muß i Dir— Dir an klan Denkpfen- nig geb'n aufDein pomerantschenfarbene Plappergosch'n. (reibt auf) Hausmeisterin,(wüthend) Was? hau'n wülst mi. Du reg'nausg'schabter Bandlwurmsresser, Du ab- drahter Milliong'schmuf, Du, glaubst Du kannst mi behandeln wie an alten Abwaschfezen Du— Du Du.— Fraulein Marie,(einfallend) I muß sehr bitten in mein Zimmer kam Schmeicheleien z'sag'n, machen S' Ihnen Familienangelegenheit'« aus, wos wol- t'n, aber da verkitt' i mir's. So sän a Lump und Ihner Weib is Ihner Weib, dös gut mit Ihner mant, und wenn S' nit augenblickli aussi geh'n, so wir Ihnen aussi werf'n lass'n. Hausmeister. Allen Respect— Respect, aber eh'nder muß i zwa nothwendig! Sachen verrichten. 40 Himmel Sackerment«h'nder muß i mein alten Drachen an Cisenbahnwatschsn aberhau'n daß i der Dampf bei der Nas'n ausser waht und eh'nder muß i mein Trinkgeld von Ihnen abbettelt hab'n. Fräulein. Das krieg'n S' nit, kan Kreuzer krieg'n S' und daß seg'n daß mer Ernst is, wenn i sag, Jhnsr angenehme G'sellschast möcht i an andersmahl wieder nit hab'n, so wir Jhner a Bißl aussiwuz'ln lasssn. 42 Dort soll sehr guter Wein sein Eierknaten. Ich bin Hausmeister und als derselbe muß ich dudeln, piperln, an- zieg'n, daß ich Eierknaten bitte mich wieder zu bebal- ren? daß ißt sehr Kluch von meiner Seils gehandhabt, ich thue es nicht tarum, als hätt ich zu Eierknaten und Eierknaten verschuldetem Haus eine Anhänglichkeit, nein au contrairv gegentheilich es ist ein Haus der Gemeinen, die Partheien geben keine Trinkgelder, aber der Wein bei unsern Nachpar ißt gut und den bin ich kewohnt und daher meine Anhänglichkeit an dieses Viertel. Zweitens, bin Ich Gatte, Ehemann, Gemahl; ich Pin Vater, noch dazu Familienvater, der Vater meiner Pankerten, wovon Sich Eierknaten gefälligst bei meiner Gemahlin erkundigen die Knate haben wollen werden. Als derselbe muß ich für sie sorgen. Es ist nicht kenug das ich trinke, nein, meine Familie muß auch essen! Sie hat einen Viechhunger!— Drittens, Warum jagen mich Eierknaten wech, warum? Weil ich trotz meinem Versprechen mich nicht wieder anzudu- deln, dennoch seit dem letzten Mahle den ersten Rausch gehabt hab? Eierknaten, es war ein Zugendfehler, Eierknaten, ein Rausch ißt pesser als zwölf Fieber und zwölf Rausch sind besser als vierundzwanzig Fieber und vierundzwanzig Fieber sind Schlechter als ein Rausch. Daß ich in dieser Abwesenheit meines eichenen und Anwesenheit des in mir hineingegossenen Geistes die Fenster im Hause eingeschlagen habe, das wird mir der Gla- serer nur danken und es ist noch kein Krund mich weck 43 zu jagen, Fenster einschlagen kann jeder, das ißt wahr aber ich hab' es im Tusel gethan, im Nebel. Der Habemus, der Haarbeutel, der Zopf, der Spitz hat diese fensterzerschlagende Wirkung hervorgebracht, es war nicht mein Eichenes Ich es war ein Fremdes, bedenken dies Eierknaten, versetzen Sie sich— in meine Lage, es wird zwar Niemand etwas geben aus Sie, aber versetzen Sie sich, saufen Sie sich voll und ich werd seh'n ob Eierknaten Geist ruhig bleibt und keinen Gusto zum Fenstereinschlagen bekömmt. Wenn mich Eierknaten nicht leicht wieder in Knaten aufnehmen weiß ich nicht wo ich zum trinken hernehmen soll, kein Leben ohne trinken, kein trinken ohne Leben, Einen neuen Herrn bekom ich nicht, daß weiß ich, es wird keiner so dumm sein und darum pitte ich gehorsamst um nochmahlige B Haltung meiner Hausmeisterischen Person, wogegen ich verspreche mich, bis zum nächstenmahle nicht wieder zu betrinken. Mit angenehmer Hochachtung und schmeichelnder Verehrung Eierknaten bis in die Ewigkeit Wien den ersten April treu gehorsamster Diener und Hausmeister Hausmeister Michael Wachsweich. Zur größeren Rührung Eierknaten hausherrnlichen Herzens und zum Beweise meines zärtlichen ehelichen 44 Verhältnisses mit meiner nichtsnutzigen Gemahlin unterschreibt auch sie sich Gans gehorsamst Elisabetha Wachsweich geborne. N. S. Auch die Unterschrift meiner werthen Familie sollte eigentlich folgen aber wo der große Mistbub herumlauft, das weiß ich nicht, und der mittlere Saubub is auch nicht zu Haus und die zwei ganz kleinen Rotzbub'n können gar noch nicht schreiben, weswegen mir Eierknaten diesen Unterschciftlichen Fehler verzeih'n werden. D. O. N. S. N. S. Sobald mich Eierknaten von meiner huldvollen Aufnahme benachrichtigen werden, werde ich gleich auf ihre Gesundheit und langes Wohlergehen eine Halbe Gulden zu mir nehmen, sie steht zu diesem Behufe schon auf den großen Kasten. D. O. N. S. N. S. N. S. Werden Eierknaten mich aber verstoßen so werde ich diese Halbe aus Desperaten austrinken und mir damit Muth machen Eierknaten mich und meine lausige Familie in's Unglück stürzenden, zu fluchen. D. O. 43 Anhang. Wiener Raritäten- Cabinet. „Allo, herreing'spaziert meine Herrschaften, glei wird ang'fang'n, kost a Bagatell, zweiterr Platz zwei Groschen, dritterr Platz an Groschen, erster Platz nach Belieben, Kinder zahl'n die Halste, allo hsreing'spaziert, glei wird ang'fang'n." Numnlwro Eins is die weltberrühmte Stephans- kirch'n dö scho zwamahl ab'brennt is, wie man aberver- muthet is sie jedesmahl wie der aufbaut word'n denn sie steht hietz also ganzer wieder da. Sie haßt darum die Stephanskirch'n, weil's a Kirch'n is und'n heiligen Stephan dedicirt is, woraus man siecht daß der Brauch Werke zu dediciren scho dazumahl im aschgrauen Alterthum Modi war. Sie is uralt, denn wie die neuste Beschreibung meldet, so iS fünsvierteljahr vor Erschaffung der Welt der Grundstein dazu g'legt word'n und sie wird noch immer alter je langer sie steh'» bleibt. Rechts meine Herrschaften seg'n S' den Stephansthurm, er geht oder eigentlich er steht bis in die Wol- k-A, is von untt« so hoch hinarrfgebaut und is 4S8 Schuh und etliche Stieftl hoch. Links is der«naus- 'Hkbautr Thmm der mit fertig is. die Ursache davon i«. «eil die MssvekaHar Malter, lieber selber mGeftess« hab'« als das damit baut hätt'«, es war«ähwli mit Wem Mg'macht. kmiLtwW. Rumerrö Awei. Das is der ThestuS au-'« Bslksgart'« wie er dm MknoSamm erschlagt. Er is in demrohm A«A«d d« Natur,'wie ihm uns« Herr Gott «Haffe« Hat, Graust« S Idne-r nir meine Damm, er Sann mx da«, den« v seiner Zeit war das die«ruft« Pariser Mob', man hat dazumahl noch ka«i Glmis- Handschuh u«d kam«gen Hos« getragen, auch Gun- Sel hat dazumahl«och la« Atelier g'habt. VuwLtwm. MvAMN Drei« Sö seg'w Hu dm«kt.nur aus- geßeichmtm Hmdem sog« ausgemahlt« Saher-Csm- xasiteur Strauß, er is berühmt durch:^-:: r; Am urr i« d« Mnlkegttchm Ortschaften und hat in sei» Lkb'n HZ so' VÜl Ruhm' und Punsch genossen daß er schon srtz'Ei dsfli is; er wird nächstens am Ausflug W dm Hottentotk« und von da direkt in dm Mond, unter- «chmm. Wie Sö feg'«, hat er Karte« in der Hand «nd schaut finster bmn. Er i« Lberrall-beliebt, den« er spült Hehr Hoch«nd sei« Matz« Hmd««wkederstchli; dö bur ihm Mim, daß sankst«.Mch, Schuster und SchML-or und. dö schwarzen Herr«, dt Hm m MaE Sssn/dH sein-XeM«chLodtensM«. kwvtvw. Numerro Vier is r ganz Lachs Stuck, er Ls Lmm der Mäh'«erch.dak mer's anschaut. Die E-äsicht spür vorMichi^zehnJahr'« und ma«K»mr daher sch'n. gier zum BeispLl« dm vorhergchmdm Bild, wie sich seitdem die Lest zu ihr'« Beste» verändert hab'«. Z» der Todtmbahr aähmk, ds b da feg'»,' liegt ei« ge- wiffer Beethoven, der Symphonien und-die Oper W delio compouirt hat, dö-z«a,Herrm ds beim Tisch steh'«, sind gute Freunde von ihm und rech»« g'rad aM ob das Geld ausreichen wird, das's durch eine Col- LeM gesammelt hab'«, um'« taube» Musiker srd'ntlich begrab'» l-stm x können, das war aber L8L7. .NWverrs fünf is a TlÄrmptzug mch der neuesten Art- An rtcliesrschi Sängerin ,:::: r Taszeuu nir: au- "n Lhesker»ach Haus g'füßrt. Ds dm Wag'» zieh'« h-.Tr mer Anfangs für Viecher, wen« mer's aber gs- «auer anschaut— bitte treten S' näher meine Herrschaften und überzeug'» Sie sich davs»— wenn man's auch au: st-r-cht nur das Mmsthm sei« wie um« eftrer, mit gchsitzii Stiefels und g'scheid'kti Haar. Mas denkt an Augenblick dassts«Lt mSglich, aber das kann mer rmr denken«m» man der Vorstellung im Theater«it beig'wohnt hat. Der Vorspann W g'rade a Biß'l abg'spannt«ud wü« ausrasten, Ha beugt fi die G'fsierte aus'n Sage« und sagt,„ich«erde sie nie vergessen." krwsMm. Rumerro sechs. Ss seg's da das Parterre«« Lespoldstatter Theater, die vordem Bänk sann ns sN 46 leer aber die zwa letzten sän ganz mir Frauenzimmer besessen; der junge Mensch links präsentirt der am Eck grad' a Portion G'frornes und sagt:„Mein Fräul'n, is g'Mig?" sie macht a Puckerl und antwortet:„Oh i bitt", kunetwn. Numerro sieben is a merkwürdig's Stuck,'s merk- würdigsti im ganzen Cabinet, Sö seg'n nahmli a sech- zehnjahrigi Wienerin dö no kam Amourschaft g'habl und no von kan Mann a Wußt kriegt hat, wie gesagt, sie is sechzehn Jahr alt—'s is merkwürdig,— die Ursach davon is ihre grenzenlose Häßlichkeit, kunetum. „Empfehl' mi g'horrsamst meine Herrschaften, geb'n S' merc an andersmahl die Ehr, rrecomandier'n Sinn weiter meine Herrschaften." (Fortsetzung im nächsten Hefte.) Druck von Beruh. Tauchnitz jun. >