TI IT | 6760 ö. 24 9 9) = Wo 3 162 LO*. 1 uh H, e 96 N EEE { — En an nk >— —— Berichte über die auf das Kanaliſirungswe der Stadt Bien und auf die Abfuhr der Abfallſtoffe hezüglichen Fragen. Jnhalht: . Bericht des Magiſtrates an den Gemeinderath der Stadt Wien. 2. Bericht des Stadtbanamtes über das gegenwärtig in Wien beſtehende Kanaliſirungs-Syſtem. 3. Bericht des Stadtbauamtes über die Kanaliſirung der Vororte von Wien. 4. Ausweis der ſtädtiſchen Buchhaltung über die Koſten für den Bau, die Erhaltung und Räumung der Kanäle in Wien(1855— 1877). 5. Plan von Wien mit den Hauptſammelkanälen. 5. Plan von Wien und Umgebung mit den Niederſchlagsgebieten. Wien, 1878. Im Selbſt- Verlage des Gemeinderathes der Stadt wien. Druck von J. B. Wallishauſſer. 2 8* 1 AN €. A ö 1“x. ——————— 0 0 0———— w ER 2 42————— A 2—— 0—— a=— 2——— . —— — Bericht des Magiſtrates an den Gemeinderath der Ftadt Mien, betreffend die auf das Kanaliſirungsweſen der Stadt Wien und auf die Abfuhr der Abfallſtoffe bezüglichen Fragen. Die Entfernung der Auswurfſtoffe aus dichtbevölkerten Städten auf eine, den Forde— rungen der öffentlichen Geſundheitspflege ent— ſprechende Weiſe und die Verwerthung derſelben für nützliche Zwecke wird überall als eine der wichtigſten Aufgaben der Gemeindevertretung angeſehen, welche ſelbſt mit bedeutenden Koſten in der möglichſt vollkommenſten Weiſe durchge— führt werden ſoll. Das Verdienſt, dieſen Gegenſtand und die ſich daran knüpfenden Fragen im Kreiſe der Kommunalvertrétung der Stadt Wien zunächſt angeregt zu haben, gebührt dem Ingenieur Ferdinand Steinmann in Dresden, welcher im Dezember 1866 dem Magiſtrate ein von ihm ausgearbeitetes Projekt, die Einrichtung eines geregelten Abfuhrweſens in Wien, die Frucht eines langen und koſtſpieligen Studiums über— reicht und ſeine Mitwirkung bei Durchführung ſeines Projektes angeboten hat. Auch die k. k. Landwirthſchafts-Geſellſchaft in Wien beſchäftigte ſich im folgenden Jahre in einem Komité mit der ſpeziellen Frage der Ver— werthung des Latrineninhaltes der Kanäle in Wien für landwirthſchaftliche Zwecke, ein poſitives Reſultat hat ſich jedoch aus den Berathungen nicht ergeben. Das Steinmann'ſche Projekt wurde abgelehnt, jedoch einer weiteren Berathung in der Richtung vorbehalten, ob nicht deſſen Syſtem bei der Kanaliſirung der Donauſtadt ganz oder theilweiſe benützt werden könnte. Inzwiſchen hat in der Gemeinderathsverſammlung vom 21. November 1871 das Ge— meinderathsmitglied v. Wertheim die Ausnützung der Auswurfsſtoffe angeregt und den Antrag geſtellt, für Wien ein entſprechendes Abfuhrſyſtem in Berathung zu ziehen. In der Magiſtratsſitzung vom 30. April 1872 wurde ſich dahin ausgeſprochen, daß dem Steinmann'ſchen Projekte die nöthige Klarheit und Vollſtändigkeit mangle und dasſelbe ohne genügende Lokalkenntniſſe verfaßt ſei und deſſen Anwendung auch in der Donauſtadt nicht empfohlen werden könne. Im bezüglichen Vortrage wurde auch auf den Wertheimoſchen Antrag eingegangen und damals ſchon der Standpunkt vertreten, daß die in Wien beſtehenden beſonderen Verhältniſſe die Anwendung einer direkten Abfuhr der Auswurfsſtoffe nicht realiſirbar erſcheinen laſſen. Durch die, in den meiſten Großſtädten faſt gleichzeitig hervorgetretenen Beſtrebungen, die auf Kanaliſirung und Abfuhr der Auswurfsſtoffe großer Städte ſich beziehenden Aufgaben zu löſen und die Reſultate in das Leben praktiſch einzuführen, kamen die Unterſuchungen der be— treffenden Fachkreiſe in Wien und auswärts in Fluß, in Folge deſſen in den letzten fünf Jahren verſchiedene Projekte dem Magiſtrate überreicht worden find, welche die Abfuhr der Auswurfsſtoffe und deren Verwerthung für die Bodenkultur zum Gegenſtande hatten. 1 * . . | . w EN k n ö; x 66 4 22 * 9 j. 1* 8 e 4.— 5 X 8 d w * ö a, n ZA 2 F enn, a N + AT 1 3 r. . 6 a enn. 1 . X —* N 222 62 P. X P= é?. 1. ö —— — — * . DT. 95 5 ö,, X 6 83 ö 7 4 . * * 29 Ar 2 ** ix Induſtrielle in Wien und im Auslande haben auf Erfindungen zur Gewinnung und Reinigung der brauchbaren Subſtanzen des Kanalunrathes Patente erwirkt, und offerirten dieſe zum Kaufe, oder erboten ſich zu Verſuchen mit dieſen Apparaten. Bei der näheren Prüfung aller dieſer Vor— lagen hat ſich gezeigt, daß in der Mehrzahl der— ſelben nur theoretiſche Studien oder Details über das eine oder andere bereits in Anwendung gebrachte, oder projektirte Verfahren zur Desinfektion der Auswurfsſtoffe und deren Ver— wendung für Bodenkultur bekannt gegeben wur— den, wobei die Durchführbarkeit desſelben in Wien ganz außer Betracht geblieben iſt, und daß es in der Hauptſache nur auf eine lukrative Verwerthung einer Erfindung oder überhaupt einen Gewinn abgeſehen war. Faſt ſämmtliche Projekte ſind beim SH tritte der geänderten wirthſchaftlichen Verhäl niſſe in Oeſterreich und der, durch die. kriſis herbeigeführten Schwierigkeit der Geldbe— ſchaffung für eine ſolche Unternehmung, ſehr bald gegenſtandslos geworden, indem die be— treffenden Konzeſſionswerber ihre Projekte rückzogen, oder zu den Verſuchen, welche dem einen oder anderen Apparate in Wien an geſtellt werden ſollten, gar nicht erſchienen ſind. Weiters hat ſich ergeben, führung der, in den anderen Projekten nieder— gelegten Vorſchläge zur Einführm ig eines Abfuhrſyſtems nicht nur ſehr großen techniſchen Schwierigkeiten begegnen würde, ſondern a die Gemeinde in finanzieller Beziehung mit läſtigen Bedingungen verbunden wäre, über iſt auf die angrenzenden Vororte, welche die Hauptſtadt in einem breiten Gürtel umgeben, und die gegen das Stadtgebiet abfließenden Bäche und mehrere die Stadt durchziehende Hauptſammelkanäle zur Ableitung des unreinen Waſſers und der Abfallſtoffe benützen, kein Be— daß die Durchdacht genommen worden. Die ſeit dem Jahre 1872 eingelangten Projekte und Vorſchläge wurden unter Hinwei— ſung auf die prinzipiellen Anträge des Magi— ſtrates vom 30. April 1872 an den Gemeinde— rath geleitet und im Kreiſe der Kanaliſirungs— Kommiſſion einer Vorberathung unterzogen. Dieſe Kommiſſion hielt es jedoch für angezeigt, die ſämmtlichen Vorlagen im Großen und Ganzen in Behandlung zu nehmen, weil die be— züglichen Vorſchläge ar if d ie Erreichung desſelben Zweckes a, n ind die Art der Kanaliſirung in einem. k mit der möglichen Verwerthung der Abfallſtoffe ſteht, 2336 wurden mit Präſidial-Schreiben vom 21. März 1874 die geſammten Akten an den Magiſtrat zu dem Zwecke zurückgeleitet, damit die verſchiedenen Vorſchläge, Projekte, Anträge über Kanaliſation und Abfuhr im Zuſammenhange mit der techniſchen Beurtheilung und den ſanitätspolizeilichen Forderungen in ein einheitliches Elaborat zuſammengefaßt und letzteres mit den Anträgen des Magiſtrates dem Gemeinderathe vorgelegt werde. Während nun dieſes umfangreiche Materiale an der Hand der über dieſen Gegenſtand er— ſchienenen Literatur ſtudirt wurde, ſind in der X Plenarverſammlung des Gemeinderathes vom 29. Dezember 1874 noch 2 Anträge geſtellt worden. hierauf bezügliche Beide Anträge zielen dahin ab, daß Vor— ſchläge in Betreff einer ſyſtematiſchen Aſſanirung es Untergrundes der Stadt Wien erſtattet wer— den mögen, wobei eine rationelle Kanaliſirung derſelben, und eine Abfuhr der Fäkalſtoffe in ihrer praktiſchen Anwendung auf Wien und deſſen Vororte anzuſtreben ſei. Nach dem 2. Antrage ſoll eine Einführung eines neuen Syſtems der Abfuhr der Fäkalſtoffe, welches auch eine Verwerthung derſelben ermög— lichet, in Erwägung gezogen, und für den even7 tuellen Fall, als man das gegenwärtige Syſtem zur Beſeitigung der Abfallſtoffe beibehalten wolle, über die Ausſcheidung der Räumung der Hauskanäle aus der ſtädt. Verwaltung ein Vorſchlag erſtattet, und gleichzeitig der Entwurf eines Kanalräumungsregulatives dem Gemeinderathe zur Genehmigung vorgelegt werden, welches Ge— währ biete, daß die Kanalräumung in Wien, insbeſondere jene der Hauskanäle in einer den Sanitätsvorſchriften entſprechenden Weiſe beſorgt werde. Die Plenarverſammlung hat beide Anträge der Kanaliſirungskommiſſion überwieſen, und da dieſelben mit den bereits anhängigen Erhebungen über Kanaliſirung der Stadt Wien und Abfuhr der Fäkalſtoffe im Zuſammenhange ſtehen, ſo wurden über Auftrag der Magiſtrats-Direktion vom 12. Jänner 1875 die bezüglichen Anträge in das vorliegende Elaborat einbezogen und er4 ö NEE „REN Ta k A ö ö— A} A A r mmm m m,; *. 890 m * 4 1 9 95 A* ö halten ſonach durch das Gutachten des Magi— ſtrates über die Hauptfragen ihre Erledigung. Zur gründlichen Beurtheilung derſelben er— ſchien es dem Referenten geboten, zunächſt eine Darſtellung der Kanaliſirung der Stadt Wien ausarbeiten zu laſſen, hauptſächlich deshalb, weil davon die weiteren Beſchlüſſe über die geſtellten Anträge und über die etwaige Vervollkommnung des beſtehenden Syſtemes abhängt, und weil, auch über die das Kanalweſen der Stadt Wien betreffenden Verhältniſſe meiſt ſo unklare Vor— ſtellungen obwalten, daß dadurch ein richtiges Urtheil ungemein erſchwert iſt, zugleich mußte aber auch erhoben werden, wie in den an das Gebiet der Stadt Wien angrenzenden Vor— orten für die Ableitung der Fäkalſtoffe und des unreinen Waſſers vorgeſorgt iſt, und in wie weit dieſe Vororte das in Wien hergeſtellte Kanalnetz für dieſen Zweck bereits in Anſpruch nehmen. Der vorliegende Bericht des Magiſtrates umfaßt daher: Eine Darſtellung der Kanaliſirung der Stadt Wien und der bezüglichen örtlichen Ver— hältniſſe in den Vororten. 2. Die auf Kanaliſation und Abfu züglichen Fragen. 3. Das Gutachten über die verſchiedenen eingelangten Projekte und Vorſchläge und 11 4. Anträge zur Ausführung hr bez einer rationellen Kanaliſirung der Stadt Wien. L. Darſtellung der in Wien und in den Vor— orten beſtehenden Kanaliſirung. Die Aufſammlung und Ableitung der atmoſphäriſchen Niederſchläge, die Beſeitigung des Schmutzwaſſers, der feſten und flüſſigen Abfallſtoffe geſchieht in Wien durch unterirdiſche Kanäle, mittelſt welcher die Ableitung durch den natürlichen Abfluß in den Donauſtrom be— wirkt wird. Dort, wo noch kein Unrathskanal vorhanden iſt, oder andere Verhältniſſe die Herſtellung des—ſelben behindern, werden zur Aufnahme der Auswurfsſtoffe Senkgruben errichtet. Unrathskanäle wurden in Wien ſchon vor Plane erſichtlich gemacht, Jahrhunderten erbaut, wie eine Gedenktafel am Hauſe 6 Brandſtätte nachweiſet. | ſucceſſive entſtanden, aus den zugehörigen Gebieten aufnehmen.. | Gerinne, 3 Das ganze Kanalnetz der Stadt Wien iſt, der allmäligen Vergrößerung der Stadt folgend, der gegen Wien auslaufenden Gebirge, gewiſſer— maßen, die von der Natur ſelbſt vorgezeichneten Tracen der Hauptſammelkanäle erkennen ließen. Dieſe Thaleinſchnitte enthalten das Gerinne des Alsbaches, des Währingerbaches, des Ottakringerbaches, des Wienfluſſes und außerhalb Wien jenes des Schreiber, Neſſel⸗, Kroten- und Erbſenbaches, welche durchgehends in den Wiener Donau-Kanal und mittelſt desſelben in die Donau münden. Die urſprünglich nur Quellwaſſer und atmoſphäriſche Niederſchläge führenden Bäche wurden bei der Ausdehnung der Stadt Anfangs als offenes Gerinne auch zur, Ableitung von Unrathsſtoffen und der Abfall-Wäſſer benützt, und in ſpäterer Zeit, den Wienfluß ausgenommen, entweder ganz oder ſtreckenweiſe überwölbt, und ſind daher faktiſch reich beſpülte Sammelkanäle geworden, welche die Abfallſtoffe Der Wienfluß iſt noch ein offenes allein in Bezug auf Ableitung des Unrathes kommt dieſes hier nicht in Betracht, indem dieſe Ableitung durch die beiden mit dem Fluße paralell laufenden Sammelkanäle(Cholerakanäle) geſchieht, aus denen nur Ueberfälle, welche die Hauptkanäle zu entlaſten beſtimmt ſind, in den Wienfluß münden. Das einzige offene Gerinne, Auswurfsſtoffe, der Stadt und Umgebung aufnimmt, iſt der Wiener Donaukanal, in welchen alle Hauptſammelkanäle ausmünden. Bei der Anlage der Unrathskanäle in Wien war zur Beurtheilung der Frage, welche Waſſermaſſen dieſelben abzuleiten haben, nothwendig, daß auch das Gebiet außerhalb der Stadt Wien in Betracht gezogen werde, weil nach der natürlichen Lage desſelben das Regen- und Schnee⸗— waſſer gegen Wien abfließt. Es genügte hiebei nicht die Berückſichtigung des Wiener Gemeindegebietes, ſondern es mußte die Waſſerſcheide aufgeſucht werden, von welcher die Abflüße gegen Wien warnen Dieſe Waſſerſcheide und das dadurch markirte Nicderſchlags gebiet iſt in dem vorliegenden wornach Letzteres ein Areale von beiläufig 31234 Hektar(54275 Joch) 1 welches die wobei die Thaleinſchnitte Niederſchlags⸗ und Spülwäſſer mMeteorologiſchen . umſchließt, aus welchem alle Abflüſſe durch Wien in den Donaukanal gelangen. Von dieſem Areale iſt nur das Entwäſſerungsgebiet der Donau— ſtadtgründe auszuſcheiden, von welchem die Ab— flüſſe ihre Richtung gegen den Donauſtrom nehmen. Eine genaue Kenntniß der Regen- und Schneemenge, welche ſich auf dieſem Nieder ſchlagsgebiete innerhalb einer beſtimmten Zeit unter normalen Verhältniſſen ſammelt, ſowie die Ermittlung jener Quantität des atmoſphäriſchen Niederſchlages, welche durch Verdunſtung oder Aufſaugung des Bodens abſorbirt wird, Das Gebiet der Stadt umfaßt eine Fläche von 55224 Hektaren(9596 Joch) mit einem Umfange von 26 Kilometer. Dieſes Areale hat im Allgemeinen eine für die Anlage von Kanälen günſtige Niveauent— wicklung und bildet eine von Südweſten nach Nordoſten abfallende Fläche, an deren Fuße ſich die Donau hinzieht. Die an der Donau gelegenen Stadttheile erheben ſich 4 bis 6 Meter über den Nullpunkt des Pegels an der Ferdinandsbrücke und dieſe Terrainlage reicht bis an den Donaukanal und über denſelben hinaus bis in den IX., J. und III. Gemeindebezirk. Von hier ab ſteigt bildet die Grundlage für die Berechnung über| das Terrain, ſo daß ſich am Linienwalle das die zu bewältigenden Waſſermengen, welche durch die Kanäle abgeführt werden ſollen. So wurde behufs der Beſtimmung der Größe der während der letzten Jahre in London ausgeführten Sam— melkanäle ermittelt, daß dieſe Stadt in einem Jahre 155 Regentage hatte und in 25 Regen— tagen der Niederſchlag!/, Zoll per 24 Stun— den betrug. Weitere Beobachtungen ergaben, daß die Hälfte davon in die Kanäle gelangte, die andere Hälfte verdunſtete und verſickerte. Die Kommiſſion, welche im Jahre 1863 in Frankfurt am Main zuſammentrat, um ein Gut— achten über die Kanaliſation dieſer Stadt abzu— geben, gelangte zu einem ähnlichen Reſultate. Beobachtungen in dieſer Richtung wurden in Wien erſt in neuerer Zeit bei dem Baue einzelner wichtiger Sammelkanäle angeſtellt und hat man bei den Berechnungen der Kanalquerſchnitte die langjährigen Beobachtungen der k. k. Central-Anſtalt in Wien berückſichtiget. ! Hiernach wurde angenommen, daß die Höhe des Niederſchlages, welcher in einer Stunde in die Kanäle gelangt, und den Querſchnitt gleich—zeitig paſſirt, 66 Millim.(3 Linien) beträgt. In Bezug des Nutzwaſſers wurden per Kopf 90 Liter(1:6 Eimer), in Kalkül gezogen, und vorausgeſetzt, daß die Hälfte dieſer Menge ſchon in 10 Stunden zum Abfluß gelangt. Die Dichtigkeit der Bevölkerung wurde mit 300 per Joch(521 per Hektar) angenommen. Ueber die Beſchaffenheit des Erdbodens der Stadt Wien und Umgebung gibt die geologiſche Karte des Th. Fuchs, herausgegeben von der k. k. geologiſchen Reichsanſtalt, Aufſchluß, welche Terrain von der Nußdorferlinie bis zur Weſt— bahnlinie von 17:22 Meter bis 54 26 Meter Höhe erhebt. Letztbezeichneter Punkt repräſentirt auch die größte Höhenlage innerhalb der Linienwälle, indem ſich von hier ab gegen den Wienfluß das Terrain auf 2117 Meter ſenkt und bei der Matzleinsdorferlinie wieder den zweithöchſten Punkt mit 4605 Meter erreicht. Im weiteren Verlaufe am Linienwalle ſenkt ſich dann das Terrain bei der Favoritenlinie auf 43 88 Meter, bei der Belvederelinie auf 38:65 Meter und bei der St. Marxerlinie auf 17.87 Meter, von wo ab das Terrain gegen den tief gelegenen Donau— kanal fällt. Der X. Bezirk erhebt ſich, von der Favoritenlinie ſtetig anſteigend, bis zur Kote 85. 82 Meter der Wiener Burgfriedensgrenze, als dem höchſten Punkte des Wiener Gemeindegebietes. Dieſe Niveaukoten laſſen erſehen, daß in Wien Niveauunterſchiede von ſolcher Bedeutung beſtehen, wie ſelbe in keiner anderen europäiſchen Großſtadt vorkommen, und daß eben dadurch die Anlage von Unrathskanälen außerordentlich be— günſtiget iſt. dieſem Berichte ſammt den Erläuterungen beigegeben iſt. Die ſtädt. Verwaltung hat dieſe Situation nach Möglichkeit ausgenützt und im Laufe der Jahre ein Kanalnetz in Wien geſchaffen, welches in dem vorliegenden großen Ueberſichtsplane Jeingezeichnet iſt. In dieſem Plane find die Haupt ſammelkanäle mit doppelten rothen Linien, die Sam— mel kanäle zweiter Kategorie mit einfachen rothen Linien dargeſtellt, weiters die Hauptniveaukoten roth ober dem Bruchſtriche, die Koten der Kanalſohlen roth unter dem Bruchſtriche und die Gefälle und Längen der Kanalſtränge ebenfalls roth eingezeichnet, ein beſonderes Tableau enthält eine genaue Darſtellung der Unrathskanäle in Bezug| auf die innern Dimenſionen der Querprofile. Wien beſitzt gegenwärtig 8 Hauptſammel— kanäle, welche das Stadtgebiet in der Haupt— richtung von Südweſt nach Nordoſt durchziehen, gewiſſermaßen für ſich Kanalſyſteme bilden, und ſämmtlich in den Donaukanal ausmünden. Dieſe Kanäle ſind: 1. Der rechtſeitige, am rechten Wien flußufer gebaute Cholerakanal. Derſelbe hat im Stadtgebiete eine Länge von 5047.22 Meter mit einem Durchſchnittsge— fälle von 1: 266, wobei das geringſte Gefälle 1: 441, das ſtärkſte 1: 157 beträgt. Das Profil iſt bei der Ausmündung in den Wiener Donau— kanal 2:5 Meter hoch und 1:9 Meter breit, am Vorkopfe bei der Grenze des Wiener Gemeinde— gebietes 13 Meter hoch und O 8 Meter breit.| 2. Der am linken Wienflußufer gebaute Cholerakanal. Derſelbe iſt innerhalb der Stadt Wien 5050.85 Meter lang und beſitzt ein Durchſchnittsgefälle von 1: 240 Meter mit dem größten Ge— fälle von 1: 224 und dem geringſten von 1: 270. Das Querprofil iſt an der Ausmündung 2:2 Meter hoch und 1:9 Meter breit, am Vor— kopfe beim Linienwalle 13 Meter hoch und 10 Meter weit. Beide Hauptkanäle ſind mit Ueberfalls— kanälen, welche in den Wienfluß ausmünden, verſehen, und beginnen letztere zu wirken, ſobald das Waſſer in den Cholerakanälen die Höhe von circa 0.50 bis 0:75 Meter erreicht. 3. Der Ottakringerbachkanal. Urſprünglich Bach und offenes Gerinne, durchzieht derſelbe die Vororte Ottakring, Neu— lerchenfeld, innerhalb des Wiener Gemeindege— bietes die Lerchenfelderſtraße und Laſtenſtraße bis zur Eliſabethbrücke, iſt 2372.23 Meter lang mit dem geringſten Gefälle von 14133, dem größten Gefälle von 1:59 Meter und dem durchſchnittlichen Gefälle von 1: 86. Er beſitzt an der Ausmündung in den Wienfluß, reſp. in den linksſeitigen Cholerakanal ein Querprofil von 1:9 Meter Höhe und 118 Meter Breite, an der Grenze am Linienwalle eine Höhe von 1-5 Meter und eine Breite von 11 Meter und muß in der 3. Sektion erſt umgebaut werden, aus welchem Anlaß dieſer Theil eine Vergrößerung des Pro— fils erhalten wird. nächſt dem proteſtantiſchen Friedhofe. Terrain bis zur Waſſerſcheide berechnet, von 1: 580 ausgebaut. 5 4. Der Alsbachkanal, deſſen Einlauf in das Stadtgebiet, Durchzug und Ausmündung in den Donaukanal in dem großen Plane A erſichtlich gemacht iſt. Deſſen Länge beträgt in Wien 219007 M., deſſen mittleres Gefälle 1: 123, deſſen größtes Gefälle 1: 58 und deſſen geringſtes 1: 347. An der Ausmündung iſt das Profil 238 M. hoch und 7.1 Meter breit, erweitert ſich ſtellenweiſe auf 7.9 Meter und beſitzt an der Grenze des Gemeindegebietes 24 M. Höhe und 3.9 M. Breite. 5. Der Währingerbach, welcher an der Währingerlinie in das Stadtgebiet eintritt und in den Alſerbachkanal mündet. Er iſt 225.21 Meter lang mit einem Gefälle von 1: 79 und einem Profile von 22 M. Höhe und 1:9 Meter Breite. 6. Der Hauptſammelkanal Favoriten mit dem Vorkopfe in der Simmeringerſtraße Er iſt in der Richtung zum Donaukanal angelegt, traverſirt den Staatsbahnhof und wird ſeinerzeit direkt bis zum Donaukanale verlängert werden. Sein Querprofil iſt für die Aufnahme der Seitenkanäle aus den künftig entſtehenden Gäſſen auf jenem er iſt 2195.54 Meter lang mit einem konſtanten Gefälle von 1: 173 und einem Profile von 1.7 M. Höhe und 1:26 Meter Weite am oberen und 2:5 Meter Höhe und 1:9 Meter Weite am gegen: wärtigen unteren Ende. Er mündet proviſoriſch in den Arſenalkanal und wurde in neueſter Zeit gebaut. 7. Der Hauptſammelkanal in der Brigitten au, beſtimmt, die kleineren Unrathskanäle auf dem ganzen Theile des II. Gemeindebezirkes vom oberen Ende der Brigittenau bis zum Beginne der oberen Donauſtraße in ſich aufzu— nehmen. Derſelbe iſt erſt in einer Länge von 1352.19 Meter mit einem konſtanten Gefälle Das Querprofil iſt in der Ausmündung 24 Meter hoch, 1:9 Meter weit, am gegenwärtigen Vorkopfe 1:7 Meter hoch und 1.26 Meter weit. Dieſe ſowie der sub b bezeichnete Hauptſammelkanal iſt mit allen künftig neu zu erbauenden Seitenkanälen, ſowohl nach der Trace, als den Gefällsverhältniſſen einheitlich projektirt wor: den und wird ſucceſſive mit den betreffenden Nebenkanälen ausgebaut werden. 8. Der Sammelkanal im nördlichen Theile der Ringſtraße beginnt am Burg— ring, durchzieht den Franzens- und Schottenring wund nur der zweite Sammelkanal in der Brigit— tenau(Kloſterneuburgerſtraße) hat das minder und mündet in der Verlängerung des letzteren in den Donaukanal. Er iſt 1665443 Meter lang, hat ein konſtantes Gefälle von 1: 96 und durchgehends eine Weite von 19 Meter und eine per Klafter. Höhe von 2.2 Meter. Dieſer Hauptkanal funktionirt nicht allein als Sammelkanal für den J. und VIII. Bezirk, ſondern er dient auch zur Entlaſtung des Otta— kringerbachkanales, indem von letzterem ein Ueberfallskanal mit 126 Meter Stufenhöhe nächſt der Lerchenfelderſtraße in den Ringſtraßenkanal geleitet iſt. Betrachtet man die Gefällsverhält— niſſe dieſer Sammelkanäle, ſo ergibt ſich, daß die in älterer Zeit eingewölbten Bachkanäle kein. hatten, jo daß das ganze Netz der öffent— lichen Straßenkanäle mit Ende des Jahres 1874 konſtantes Gefälle haben, ſondern dieſes nach der Natur der beſtandenen Bäche gegen die Aus— mündung ſich verflacht, die neu angelegten Sam— melkanäle beſitzen dagegen ein konſtantes Gefälle. Dieſes bewegt ſich von 1: 441 bis 1: 58, und nur der Sammelkanal in der Brigittenau fällt; bis auf 1: 580 und hat den Uebelſtand, daß das Hochwaſſer der Donau in denſelben und zum Theil in die Seitenkanäle rückſtaut und das 3 ü.— 8. und weiſen Mängel in der Tracebauart und GeWaſſer mit dem Unrathe zeitweiſe ſtagnirt. Im Uebrigen iſt aber ein Gefälle vorhanden, welches für die Hauptſammelkanäle, die aus dem eigenen Bachgerinne oder aus den Zuflüſſen ihres ausgedehnten Gebietes eine genügende Waſſerſpülung beſitzen zur Fortſchaffung des ohnehin ſchon zerſetzten Unrathes vollſtändig ausreicht. Auch die Querprofile dieſer Hauptſammelkanäle, namentlich jener, welche mehrere Vororte zur Ableitung des Unrathes in Anſpruch nehmen, ſowie die Tracen entſprechen dem Zwecke ihrer Anlage und der Leiſtung, und nur der links— ſeitige Cholerakanal iſt thatſächlich bei der Ableitung des Regen- und Abfallwaſſers und des Unrathes überlaſtet. Sämmtliche Hauptſammelkanäle beſitzen eine Geſammtlänge von mehr als 20 Kilometer. An dieſe Hauptſammelkanäle ſchließen ſich die Sammelkanäle 2. Kategorie an, indem ſie ſich radial in den ee mn Bezirken ver:| theilen. ̃ Dieſelben ſind im nämlichen Plane mit ein— fachen rothen Linien unter Bezeichnung der Längen⸗ und Gefällsverhältniſſe eingetragen und im Verzeichniſſe der Sammelkanäle aufgeführt. Das Gefälle derſelben variirt von 1:12 bis 1: 428 günſtige Gefälle von 1: 608. In der Regel iſt aber das Gefälle nie unter 1: 144, d. h. 6 Linien Die Querprofile dieſer aus den ver— ſchiedenſten Perioden der ſtädt. Adminiſtration ſtammenden Kanäle entſprechen wegen der flachen Sohlen nicht den Anforderungen an gute Schwemm— kanäle. In die Sammelkanäle münden Haupt— und Zweigkanäle, welche faſt alle Straßen der Stadt Wien durchziehen und welche Ende 1874 die bedeutende Länge von circa 158 Kilo— die bedeutende Länge von 21245 Kilometer beſaß. Ende 1877 betrug die Länge der öffentlichen Kanäle 228.0 Kilometer. Auch die Haupt- und Zweigkanäle ſind in verſchiedenen Adminiſtrationsperioden, ſehr viele zur Zeit des Beſtandes der ſelbſtſtändigen Vor— ſtadtgemeinden(Grundgerichte) ausgeführt worden fälle aus, im großen Ganzen ſind aber doch die / OÖ, Gefälle nicht ungünſtig, indem dieſes in der Regel nicht unter 1: 144 und nur in den Inundationsgebieten bis auf 1: 450 herabſinkt. Ueber Form und Konſtruktionsart der gewöhnlichen Straßen⸗-Unrathskanäle hat das Stadtbauamt 4 Haupttypen aufgeſtellt und im Plane III erſichtlich gemacht und im bezüglichen Berichte intereſſante Aufſchlüſſe gegeben, woraus erſichtlich wird, daß man bemüht geweſen iſt, weſentliche Verbeſſerungen in der Form der Quer— profile einzuführen und die Unrathskanäle ſolider und möglichſt undurchläſſig herzuſtellen. In erſterer Beziehung wurde die lichte Höhe für gewöhnliche Kanäle auf 126 Centimeter (4 Fuß), die Breite auf 79 Centimeter(2 Fuß z Zoll) gebracht. Die Sohle der Unrathskanäle, der wichtigſte Theil derſelben, wird halbkreis— förmig aus zwei Ringen von je 15 Centimeter (6 Zoll) mit einer horizontalen Unterlage von „ Centimeter(3 Zoll) hergeſtellt und hiedurch die beſte Form für Unrathskanäle, die Eiform, eingeführt. * ,,, ——ᷣ 1— . ———— —— 2283 A —————— er a—— Die Seitenmauern erhalten eine Stärke von 45 Centimeter(18 Zoll) und das Gewölbe 30 Centimeter(12 Zolh. Eine nicht minder wichtige Verbeſſerung im Baue der Unrathskanäle beſteht in der ausnahms—loſen Verwendung des hydrauliſchen Kalkes als Bindematerial ſowohl für Straßen- als Haus— kanäle. Zu dem in Wien beſtehenden Kanaliſations— ſyſteme gehören endlich die Waſſerlauf- und die Hauskanäle. Die Waſſerlaufkanäle bewirken die Ableitung des Regenwaſſers aus den Rinnſalen der Straßenfahrbahn und find in der Regel nicht ſchliefbar. Dieſe Waſſerläufe leiden an dem Uebel— ſtande, daß durch dieſelben auch dünnflüſſiger Koth von der Straße in den Kanal eindringt, wodurch der Waſſereinlauf behindert und der Hauptkanal ſammt dem Waſſerlauf mit erdigen und ſandigen Stoffen verlegt wird, welche von Zeit zu Zeit x 0 den Aufbruch der Mauerung und die vollſtändige Räumung nothwendig machen und eben dadurch nicht unbedeutende Auslagen verurſachen. Das Stadtbauamt glaubt, daß dieſem Nebel: ſtande durch Anbringung von Schlammkäſten bei den Waſſerlaufkanalſchächten abgeholfen werden kann. Die Hauskanäle vermitteln den Abfluß des unreinen Abfallwaſſers und der Fäkalien, des Regenwaſſers von den Gebäuden in den Haupt- oder Sammelkanal. betrug Ende 1874 circa 350 Kilom.(184686 Klftr.), Ende 1877 bereits 3864 Kilometer(203745 Klftr,). Die Hauskanäle laſſen mit wenigen Aus— nahmen in Bezug auf Profilgröße, Gefälle, Konſtruktionsart und Solidität der Bauausführung ſehr viel zu wünſchen übrig. Die Art und Weiſe ihrer Herſtellung und ihrer Verbindung mit dem Straßenkanale, der Anſchluß derſelben an die Aborte iſt die Quelle vieler ſanitären Uebelſtände. Meiſt von unberechtigten Perſonen und mit ſchlechtem Materiale ausgeführt und mit ſchlechtem Gefälle verſehen, verunreinigen ſie durch Infiltration Grund und Boden, die Hausbrunnen und alle jene Räume, unter welchen ſie durch— geführt ſind. In dieſer Richtung kann nur durch eine ſtrenge Handhabung der baupolizeilichen Geſetze und eine ſtrenge Ueberwachung der betreffenden Organe des Bauamtes und der Bezirke eine Abhilfe erzielt werden.)' Mit dem Kanaliſationsſyſteme der Stadt Wien ſteht die Kanaliſation der an das Gemeinde— vorgeht, Ihre Geſammtlänge 7 gebiet von Wien angrenzenden Vorortegemeinden im innigſten Zuſammenhange. Die Vorortegemeinden Währing, Hernals, | Ottakring, Fünfhaus, Rudolfsheim, Sechshaus, Gaudenzdorf und Meidling benützen das offene Gerinne der durchziehenden, im Wiener Gemeindegebiete ausmündenden Bäche zur Ableitung des unreinen Waſſers und der Fäkalſtoffe. Solange die Menge der Abfallsſtoffe zu der Menge des fließenden Waſſers verhältnißmäßig nur unbedeutend war, konnte gegen die Unrathsableitung, als die ganz natürliche, keine Einwendung erhoben werden; gegenwärtig aber, wo in den genannten Vororten früher ganz öde gelegene Grundſtücke parzellirt und verbaut worden ſind, und neue Straßen, Gäſſen und Plätze entſtanden ſind, hat die Angelegenheit in Bezug auf die Löſung der ſchwebenden Fragen und auch hinſichtlich der Forderungen, welche die Kommune Wien an dieſe Vororte zu ſtellen berechtigt iſt, eine eminente Bedeutung. In erſter Linie handelt es ſich darum, die gegenwärtig beſtehende Kanaliſirung von Währing, Hernals, Ottakring, Neulerchenfeld, Fünfhaus, Rudolfsheim, Sechshaus, Gaudenzdorf und Meid— ling an Ort und Stelle zu erheben. Das Reſultat dieſer Erhebungen hat das Stadtbauamt in beſonderen Plänen erſichtlich gemacht, woraus herdaß gegenwärtig bereits ein Kanalnetz von 75 Kilometer(nahezu 10 deutſche Meilen) Länge aus den genannten Vororten in das Wiener Kanalgebiet einmündet. Da bei Abnahme des Gefälles nothwendig ein Niederſchlag der herein— geleiteten Stoffe eintritt und dieſes auf dem Wege durch Wien geſchieht, ſo vermehren ſich durch Anhäufung ſtagnirender Umathsſtoffe in den Kanälen Wiens die ſanitären Uebelſtände und die Räumungskoſten der Kommune Wien. Die Gemeinden Währing, Hernals, Ottakring und Neulerchenfeld haben ihre Unrathskanäle in die, das Weichbild des betreffenden Vorortes durchziehenden Bäche eingemün— det, ebenſo haben die Gemeinden Fünfhaus, Rudolfsheim, Sechshaus und Gaudenzdorf ihre Unrathskanäle an den Cholerakanal am linken Wienufer angeſchloſſen. Bei der in neueſter Zeit ſtattgefundenen Parzellirung der Fünfhauſer Gründe auf der Schmelz und der Anlage der Gürtelſtraße wurde der dort Behufs Kanaliſirung der entſtandenen Baugruppen hergeſtellte neue Hauptunrathskanal ** * . vn 16 me,, . * NN an e, ,. ** — 2— AM * EEE ,, DEE GEILE * x GREEK TEE ET ma.. 8 ebenfals in den kommunalen Cholerakanal nächſt dem Gumpendorfer⸗-Schlachthauſe eingemündet und vor Kurzem ſind in Rudolfsheim mehrere neue Unrathskanäle, wie dieſes im Plane des Vorortes Fünfhaus dargeſtellt iſt, erbaut und in Wienflußufer überlaſtet iſt und deſſen totaler das neue Fünfhauſer Kanalnetz auf der Schmelz eingeſchaltet worden. Nachdem die Kanäle von Rudolfsheim durch die Fünfhauſer Kanäle mit dem ſtädtiſchen Cholerakanale kommuniziren, ſo iſt hiedurch das Wiener Kanalnetz mit den Un— rathskanälen der bezeichneten Vororte in ununter— brochener Verbindung. Die in Gandenzdorf und Meidling beſte— henden Unrathskanäle münden in den kommunalen ſtädtiſchen Hauptkanal am rechten Wienflußufer. Nebenbei wird hier bemerkt, daß die Ge— meinden Hernals und Ottakring die Wiener Un— rathskanäle zur Ableitung des dortigen Unrathes benützen, ohne hiezu die Zuſtimmung der Wiener Gemeinde erwirkt, oder für dieſes ſtillſchweigende Zugeſtändniß irgend eine Entſchädigung bisher geleiſtet zu haben. Bezüglich der Gemeinde Währing wurde die Benützung des Wiener-Bachkanales aus An— laß der Einwölbung des Währingerbaches nächſt der dortigen Linie und dem Linienwalle mit dem Beiſatze indirekt bewilliget, daß Währing zu den Räumungskoſten der durch Wien ziehenden Strecke des Währingerbachkanales beizutragen habe.; dit Fünfhaus, Rudolfsheim, Sechshaus, Gaudenzdorf und Meidling beſtehen hinſichtlich des Anſchluſſes der dortigen Kanäle an das Wiener Kanalnetz Vereinbarungen mit der Kom— mune Wien, dieſe Gemeinden leiſten aber bisher Fünfhaus ausgenommen, keinen Beitrag weder zur Erhaltung noch zur ordentlichen Räumung der von ihnen in Wien benützten Kanalſtrecken; und dieß iſt auch bei der Gemeinde Rudolfsheim hinſichtlich der in neueſter Zeit erbauten und in das Fünfhauſer Kanalnetz eingemündeten Kanäle der Fall, indem der im Jahre 1870 ſtipulirte Räumungs⸗ und Erhaltungsbeitrag nur für die damals beſtandenen Unrathskanäle geleiſtet wird. Eine nicht minder wichtige Frage iſt es, ob die Wiener Kanäle mit Rückſicht auf die zu— nehmende Ausdehnung des vorortlichen Kanal— netzes die ſteigende Inanſpruchnahme zu ver— tragen vermögen. Zu dieſem Zwecke wurde die Ausdehnung des kanaliſirten Terrains der Vororte gebiete erhoben, und in einer Ueberſichtskarte dargeſtellt, und ſohin die Leiſtungsfähigkeit und Inanſpruchnahme der ſtädtiſchen Hauptſammelkanäle berechnet. Es ergibt ſich daraus, daß gegenwärtig nur der Cholerakanal am linken Umbau wünſchenswerth erſcheint. Aus dieſer Darſtellung iſt zu entnehmen, daß Wien ſammt den angrenzenden Vororten zur Ableitung des Abfallwaſſers der Haushal— tungen, der unreinen Stoffe und der Fäkalien ein ausgedehntes Schwemm-Syſtem mit natürlicher Spülung beſitzt, welche zunächſt durch das abfallende Waſſer der ſtädtiſchen Waſſerleitungen und der Hausbrunnen und die athmoſphäriſchen Niederſchläge bewirkt wird. Dieſes Schwemmſyſtem ermöglichet in Wien alle Abfallſtoffe und das unreine Waſſer unterirdiſch in Kanälen auf eine, die Bewohner nicht beläſtigende Weiſe durch Benützung des natür— lichen Abfluſſes ohne Einſchaltung einer koſtſpieligen Maſchinenkraft oder mechaniſcher Apparate und ohne Schwierigkeit fortzuſchaffen, und in einen großen Strom, wie ihn keine Großſtadt des Kontinentes beſitzt, einzuleiten, wo die Stoffe in Atome ſich auflöſen, nur dort, wo das Spülwaſſer zur kontinuirlichen Fortbewegung des Unrathes nicht hinreicht, werden Ablagerungen in den Kanälen durch gedungene Arbeitskräfte ausgehoben und entfernt. Genaue Vor— merkungen über die jährlich ausgehobenen und abgeführten Unrathsmengen ermöglichen in Ver— gleich mit der Ziffer der Fäkalien und der feſten Küchenabfälle, welche in die Kanäle gelangen, und ſich per Kopf und Jahr in Wien ergeben, die Aufſtellung eines Kalküls, demzufolge bei dem jetzigen Beſtande des Wiener Kanalſyſtemes s der in die Kanäle gelangenden Ausſcheidungen abgeſchwemmt werden, während nur ein) davon ausgehoben wird. Dabei iſt dieſer Aushub im Jahre 1875 mit 15.510 Kub.⸗Meter 1876 nt 14.9098 3 15.209 Kub. Meter Li" im Durchſchnitte mit erhoben worden. Unrathskanäle können in Wien mit wenigen Ausnahmen überall angelegt werden, ſie fungiren zu jeder Tages- und Jahreszeit ohne Unter— brechung. Durch natürliches Fortſchwemmen des unter Berückſichtigung der einzelnen Bach⸗Kanal- Unrathes entfällt die Anwendung permanenter n e 6——— 6 1 2 r 12 ** *6 E. * 8 u Es 1 16 A 83 8 Arbeitskräfte und Transportmittel, und iſt hiedurch für die öffentliche Paſſage und für das ganze Verkehrsleben einer Großſtadt ein nicht zu unterſchätzender Vortheil erreicht. Das in Wien beſtehende Kanaliſirungsſyſtem iſt aber in ſeiner gegenwärtigen Einrich— tung nicht ganz von Mängeln frei. Dieſe beſtehen in der Weſenheit darin, daß alle Haupt-, Sammel- und Zweigkanäle in den Wiener Donaukanal münden, und der Kanalun— rath erſt mittelſt desſelben in den Donauſtrom gelangt. Bei tiefem Waſſerſtande werden die Mündungen der Unrathskanäle bloßgelegt, bei hohem Waſſerſtande wird der ausfließende Unrath zurückgeſtaut. Die meiſt aus der älteren Zeit ſtam— menden Kanäle ſind nicht zweckmäßig angelegt. Viele davon nur mit Weißkalk gemauert, und find nicht waſſerdicht. Die Sohlen der Unraths— kanäle werden durch die in Zerſetzung befindlichen Auswurfsſtoffe, durch ätzende Säuren, welche ſich in denſelben bilden, mehr oder minder angegriffen und bedürfen, um ſie nach Möglichkeit undurch— läſſig zu machen, einer häufigen Reparatur. Das ungünſtige Gefälle einzelner Unraths— kanäle ermöglichet Ablagerungen von Abfallſtoffen, welche bei längerer Dauer die ſtinkende und geſundheitsſchädliche Kanalluft erzeugen und durch Infiltration den Untergrund, auch die Brunnen verunreinigen. Derlei Ablagerungen müſſen, wie ſchon erwähnt, durch gedungene Arbeitskräfte beſeitiget werden, und hiedurch erwachſen der Kommune wie den Privaten jährlich bedeutende Auslagen. Bau und Räumung der Unrathskanäle find| unbenützbar werden, und bei längerer Dauer daher ſtehende Poſten im ſtädtiſchen Budget. Nach beiliegender Zuſammenſtellung der Buchhaltung hat die Kommune Wien in der Periode vom Jahre 1855 bis Ende 1877 für den Bau neuer und den Umbau alter Unraths-des Grundwaſſers läßt ſich auch ohne Zweifel bei der zweckmäßigen Anlage der Unrathskanäle kanäle zuſanimen eine Summe von 4.914.564 fl. 06 kr. für die Erhaltung S83. 392 fl. 07“ kr. und für die Räumung. 2,715. 049 fl. 36 kr. verausgabt, von welcher letztbezeichneten Poſt. 1,183. 068 fl. 16 kr. auf die Kommune für die Räumung der ſtädtiſchen Hauptkanäle, und 1,531. 981 fl. 20 kr. auf die Hausbeſitzer für die Räumung der Haus—kanäle entfallen. Kanäle ſo anzulegen, — 2— x — 1**——————— 9 Bei der Anlage der Unrathskanäle iſt ferner ein wichtiger Faktor nicht berückſichtiget, nämlich die Beſchaffenheit und der Stand des Grund: waſſers im Boden der Stadt Wien, worüber bisher in Wien nur wenig Beobachtungen ange— ſtellt wurden, während in der Stadt Berlin aus Anlaß der in der Ausführung begriffenen Kanaliſation die umfaſſendſten Erhebungen gemacht worden ſind. Dabei wurde ſpeziell als eine nothwendig zu ſtellende Aufgabe angeſehen, die daß der Spiegel des Grundwaſſers fixirt wird. Fragen, wie: Quellen und Zufluß des Grundwaſſers, wechſelnder Stand des Grundwaſſers, Zuſammenhang desſelben mit den Hausbrunnen, Strömung des Grundwaſſers ꝛc. ꝛc. harren noch der Löſung. Im Allgemeinen betrachtet, erfordert das Grundwaſſer eine entſprechende tiefe Lage der Unrathskanäle und die ſorgfältigſte Bauaus— führung derſelben. Dem Grundwaſſer im Boden der Stadt Wien hat man kommunalerſeits erſt in neueſter Zeit eine Aufmerkſamkeit zuzuwenden angefangen, wozu die Veranlaſſung die Thatſache gegeben hat, daß ſehr viele Hausbrunnen in Folge der Einleitung des Hochquellenwaſſers in Wien entweder gar nicht oder nur wenig benützt werden, aufſteigendes Waſſer in die Keller der Häuſer in den weſtlichen Bezirken der Stadt dringt, eine Erſcheinung, welche in ſanitärer und baupolizeilicher Beziehung die größte Beachtung verdient und zwar deßhalb, weil durch den periodiſch veränderlichen Stand des Grundwaſſers in mehrereren Bezirken die Souterrainlokalitäten der Häuſer zeitweiſe unter Waſſer geſetzt, hiedurch eine Unterwaſchung der Fundamente der Gebäude eintreten kann. Durch das Studium der Schichtenlagerung des betreffenden Terrains und des Höhenſtandes eine erfolgreiche Ableitung des Grundwaſſers derart bewirken, daß Letzteres im Boden über eine gewiſſe Höhe nicht anſteigt. Als ein Nachtheil muß es endlich bezeichnet werden, daß bei der Herſtellung der Rohrleitungen der Hochquellenwaſſerleitung Straßenkanäle traverſirt worden find, wobei aber das Leitungs= rohr, wenn auch nur in einzelnen Fällen, derart durchgezogen worden iſt, daß Schwellungen ent2 vorwaltende Richtung der * ö 1 4 MM 10 ſtanden, welche den natürlichen Abfluß der Jauche behindern. Im Vorſtehen glaubt Referent an der Hand der, vom Ingenieur des Stadtbauamtes Franz Berger ausgearbeiteten Vorlagen die Kanaliſirung der Stadt Wien und der angrenzenden Vororte in den weſentlichſten Umriſſen dargeſtellt zu haben und bemerkt, daß Erörterungen über Details dieſer Kanaliſirung außerhalb des Be— reiches dieſes Vortrages liegen und einem ſpe— eventuellen Gemeinderathsbeſchlüſſe zu erſtatten ſein wird, vorbehalten bleiben müſſen. II. Direkte Abfuhr der Auswurfsſtoffe. Dem erfloſſenen Auftrage zufolge ſoll in Erwägung gezogen werden, ob in Wien eine direkte Abfuhr der Auswurfsſtoffe zu empfehlen ſei. Es ſind in dem bezüglichen Gemeinderaths— Erlaſſe wohl nicht die Motive einer ſolchen to— talen Aenderung des beſtehenden Syſtemes des Näheren dargelegt worden, es iſt jedoch im All— gemeinen darin als leitender Gedanke ausge— ſprochen, daß durch direkte Abfuhr die Aſſanirung der Stadt gefördert und zugleich eine Verwer— thung der Abfallſtoffe erzielt werden ſoll.— Das Streben der kommunalen Verwaltung, die Geſundheitsverhältniſſe der Stadt Wien zu ver— beſſern, manifeſtirt ſich durch eine Reihe von Schöpfungen, unter denen der Bau der Hochquellenleitung wohl den erſten Rang einnimmt. Die Geſundheitspflege der Bewohner der Stadt Wien verlangt aber auch als eines der dringendſten Bedürfniſſe, daß der Boden der Stadt rein und trocken erhalten werde, rein, indem aller flüſſige Unrath weder direkt dem Boden überliefert, noch in Senkgruben geworfen, oder in der Nähe der Wohnungen aufgehäuft, ſondern vielmehr vollſtändig und ſchleunigſt aus der Stadt weggeführt, trocken, indem für die Ableitung des Abfall- und Spülwaſſers und des Grundwaſſers vorgeſorgt werde. Für die Großſtadt Wien kann daher bei der Erörterung der! ſich an dieſes Poſtulat knüpfenden Fragen nur der Standpunkt der öffentlichen Geſundheits— pflege maßgebend ſein, wornach von was immer für einem Syſteme zur Ableitung des Unrathes gefordert werden muß, daß es die Abfallſtoffe (Exkremente) ſchnell und im unzerſetzten Zuſtande aus dem Bereiche der menſchlichen Wohnungen entferne, eine Infiltration des Bodens durch die Abfallſtoffe und eine Verunreinigung des Luftkreiſes durch die aus Abfallſtoffen ſich entwickelnden Gaſe verhüte, finanziell möglich | | \ und praktiſch durchführbar ſei. Wie dieſe Forderungen, welche auf alle großen dichtbevölkerten Städte Anwendung finden, am zweckmäßigſten erfüllt werden ſollen, darüber ſind von Männern der Wiſſenſchaft und Praxis ziellen Elaborate, welches nach Maßgabe der Studien gemacht und Verſuche angeſtellt worden, welche eine vollkommene Klärung der widerſtreitenden Anſichten zur Folge hatten. Zwei Anſichten waren es beſonders, von denen jede für ſich die allein richtige zu ſein beanſpruchte. Die eine Meinung war durch jene vertreten, welche die Entfernung der Abfallſtoffe durch Schwemmkanäle als die zweckmäßigſte Einrichtung empfohlen, die andere durch Jene, welche nur der direkten Abfuhr der Abfallſtoffe das Wort redeten. Gegenwärtig iſt man aber in den weiteſten Kreiſen aller Fachmänner dar— über einig, daß dort, wo eine direkte Abfuhr zur Anwendung gelangt, die Kanaliſirung dennoch nicht entbehrt werden kann. Jede Art der direkten Abfuhr führt auf eine der zwei Grundformen zurück. Als ſolche erſcheinen:; Das Tonnen- oder Kübelſyſtem in ſeinen Verſchiedenheiten, und das pneumatiſche Syſtem. Das Tonnen- oder Kübelſyſtem, bezweckt die Aufſammlung der feſten und flüſſigen Exkremente oder nur der Erſteren allein in einem hermetiſch geſchloſſenen hölzernen oder aus Eiſen— blech verfertigten Gefäße, in welche das Abfallrohr des dazu gehörigen Abortes im luftdichten Verſchluſſe einmündet. Das volle Gefäß wird nach einer gewiſſen Zeit der Benützung wegge— nommen und ein leeres Gefäß luftdicht mit dem Abfallrohre verbunden, während das luftdicht verſchloſſene volle Gefäß auf den Ausleerrungsplatz geführt, dort entleert und gereiniget wird, bevor es wieder in Gebrauch genommen werden darf. Die verſchiedenen, bei dieſem Syſteme vorkommenden Arten ergeben ſich aus der Kombination der Einrichtung und Apparate, je nachdem dabei eine entſprechende Ventilation der Ge⸗; fäße zur Ableitung der ſich entwickelnden Gaſe über das Hausdach angebracht iſt, oder während der Füllung der Gefäße zugleich eine Desinfektion der Exkremente bewirkt werden ſoll, oder je nach——— ö—— I+ 3 5. 289 8 — { — —— 2 . x. 8 dem man die flüſſigen von den feſten Exkre— menten entweder ſchon beim Eintritte in das Abfallrohr oder im Aufſammlungsgefäße trennt und beide ſeparirt abführt, rückſichtlich die flüſ— ſigen Auswurfsſtoffe nach geſchehener Desinfektion in die Kanäle leitet. Für die Ableitung des Spül-, Abfall- und Regenwaſſers in möglichſt waſſerdichte Kanäle gelangen nach Verſchiedenheit des Syſtemes be— ſondere Apparate zur Anwendung. Das pneu— matiſche Syſtem iſt in neueſter Zeit durch den bekannten Ingenieur in Frankfurt am Main Capitain Charles Liernur weſentlich ausgebildet worden. Dieſes Syſtem beruht im Weſentlichen dar— auf, durch Anwendung des Luftdruckes die Fä— kalien aus den Häuſern im friſchen und unge— gohrenen Zuſtande mittelſt gußeiſernen Röhren in ſtabile Reſervoire zu pumpen, von wo aus die Fäces auf die nämliche Weiſe in ein Haupt— reſervoir des Centralgebäudes gelangen. Die Ueberladung derſelben geſchieht durch Ueberſtürzen in circa 4 Meter höher liegende luftdicht geſchloſſene Keſſel ebenfalls auf pneu— matiſchem Wege. Dieſe Abfuhr ſetzt ein Syſtem von Haupt— und Zweigröhren und Reſervoiren in den Straßen und unter der Oberfläche derſelben vor— aus. Die Verbindung der Abtrittſitze in den Häuſern mit einem Reſervoir geſchieht durch ſchräg verlaufende Röhren mit einem 8S-förmig' gebogenen Anfangſtück(Siphon), welches durch die zuletzt entleerten Exkremente geſchloſſen wird. Die neu in den Abtritttrichter gelangenden Fäkal— maſſen drängen die in dem Syphon ſchon ent— haltenen in die Leitungsröhren, in welchen ſie durch ihre Schwere fortgleiten derart, daß ſie auch hier durch ſyphonartige Biegungen oder Knie aufgehalten werden und ein mehrfacher Verſchluß der Leitung zu Stande kommt. Sämmtliche Leitungsröhren eines Hauſes vereinigen ſich ſchließlich zu einer einzigen, welche in das Reſervoir mündet, hier wieder durch einen Syphon und ein darin ſpielendes Kugel— ventil geſchützt und durch einen Hahn abſchließbar hergeſtellt iſt. Endlich ſind in den Röhren 11 land zur Ausführung gelangt, die damit gemach— ten Erfahrungen ſind aber nichts weniger als günſtig. In Petersburg, Prag(Ferdinands⸗Kaſ erne) 1868—69 und am Wiener Weltauſtellungsplatze find mit dieſem Syſteme Verſuche gemacht worden, wobei aber insbeſondere die komplizirte Einrichtung desſelben, welche die Gefahr der läſtigſten Störungen im Betriebe überaus nahe legt, von allen Technikern als ein weſentliches Hinderniß ſeiner Anwendung in großen Städten erkannt worden iſt. Die ſtädtiſche Deputation für die Unterſuchung der, auf Kanaliſation und Abfuhr bezüglichen Fragen in Berlin hat daher nach den eingehendſten Erhebungen und Verſuchen die Einführung dieſes Syſtemes in Berlin aus techniſchen und finanziellen Gründen definitiv abgelehnt. Bei jedem Syſteme der direkten Abfuhr wird der Möglichkeit der Verwerthung der Fäkal— ſtoffe eine beſondere Bedeutung beigelegt und daraus ein Hauptmotiv für die Einführung dieſes oder jenes Syſtems abgeleitet. Im Intereſſe der Bodenkultur iſt dieſes allerdings ſehr zu wünſchen, denn Dungſtoffe befinden ſich in den Exkrementen im Harne und im Abfallwaſſer aus den Haushaltungen, das Werthverhältniß zwiſchen denſelben hängt aber von der Lebensweiſe und den techniſchen Einrich— tungen einer Stadt ab. Die Fäkalien können dem Hauswirthe in friſcher urſprünglicher Form zur Benützung überlaſſen werden oder man muß ſie in eine Form bringen, daß ſie längere Zeit ohne an ihrem Dungwerthe zu verlieren, nach Ausſcheidung des Waſſergehaltes, welcher in friſchen Exkrementen zwiſchen 90 und 95%, des Gewichtes wechſelt, hinterlegt werden können. Letzteres geſchieht durch die Poudretfabrikation, welche aber die Anlage einer förmlichen chemiſchen Fabrik vorausſetzt. Die Verwendung friſcher ungegohrener Dung— ſtoffe in der Landwirthſchaft hat ſich noch wenig Bahn gebrochen. In der Zuckerfabriksdiſtriktion Prag, Brünn und Olmütz werden wohl die Fäces aus den Kaſernen zur Düngung der Rüben— felder nebſt dem Stalldünger verwendet, und in Görz zur Düngung der dortigen Gemüſegärten noch Trägheitsklappen angebracht um den Rück- benützt, eine Verwerthung der Fäkalien in einem ſtrom der Gaſe zu hindern und die Seitenröhren größeren Maßſtabe nach einem geregelten Ver— | fahren hat auch dort noch nicht Eingang gefunden. abzuſchließen. Das Liernur'ſche Syſtem iſt in einem Theile | In Graz, wo die Abfuhr der Exkremente Amſterdams und in der Stadt Leyden in Hol— in der Stadt ſchon ſeit längerer Zeit beſteht, 12 dürfte es ſich um die Verwendung von circa 70.000 Ctr. handeln, wovon aber ein Theil in die Muhr geſchüttet wird, weil die dortigen Wirthſchaftsbeſitzer während des Sommers keine Ver— für die Landwirthe wieder zu gewinnen und das Abfallwaſſer ſo zu reinigen, daß es unſchädlich gemacht wird, und dann in die Flüße, ohne ſie zu verunreinigen, wieder abgelaſſen werden kann.“ J wendung dafür haben und die fabriksmäßige Das Erſtere geſchah dadurch, daß das Kanal—. waſſer der Städte mit den darin enthaltenen ſcheitert iſt. Fäkalſtoffen auf unfruchtbare Grundflächen geleitet IM Die Poudrettefabrikation hat ſich bisher und dieſe nach einem beſtimmten Verfahren über:* 4 ebenfalls keines ausgedehnten Betriebes zu er- rieſelt wurden; in letzterer Beziehung wurden in freuen gehabt. Man arbeitet in dieſem Fache London Verſuche angeſtellt, aus dem in die Themſe mit eckelhaften Stoffen, welche an und für ſich abgeleiteten Kloakenwaſſer bei der Ausmündung werthlos ſind, deren Endprodukt ganz billig und alle düngſtoffhältigen Theile mittelſt eines FälIS konkurrenzfähig ſein muß, wenn es Abſatz finden lungsprozeſſes zu gewinnen und für die Bodenö ſoll. Man hat es ferner mit einem Materiale zu kultur zu verwerthen, man iſt aber über das 3 thun, von welchem neun Zehntel des Volumens Stadium der Experimente noch nicht hinausge1 überflüſſig, ja ſchädlich, und ein großes Hinderniß kommen und es iſt den ſo praktiſchen Engländern| HN der Weiterverarbeitung find, ſo daß ſchon hiedurch noch nicht gelungen, die Fäkalſtoffe der Rieſen—. 1 1. die Koſten der Letzteren ſo bedeutend ſich erhöhen, ſtadt im großen Maßſtabe der Bodenkultur zu— daß ſie zu dem Gewinne aus einer ſolchen Unter— zuwenden. nehmung in keinen Verhältniſſe ſtehen. Endlich üben In Deutſchland hat der Stadtrath in Danzig Zuſammenſetzung, Witterung und dergleichen dabei die Ausnützung der Fäkalſtoffe mittelſt Berieſe—einen ſo großen Einfluß, daß man niemals mit lung ſteriler Sandflächen in Anwendung gebracht, Beſtimmtheit ein Produkt mit einem garantirten und wie behauptet wird mit Erfolg, wenigſtens ; Gehalte an beſtimniten Pflanzen-Nährſtoffen zu ſprach ſich ein dortiger Arzt auf der im Sep: ;; erzeugen, daher weder dem Bedürfniſſe genügen, tember 1875 in Graz ſtattgefundenen Natur— | | | | | 1. A ö Erzeugung von künſtlichem Guano gänzlich ge| | 3— noch einen feſten Preis auf längere Dauer zu forſcher-Verſammlung im günſtigen Sinne aus 38 beſtimmen vermag. und wurde auch in dem Berichte der ſtädt. ge— . Es wird demnach immer darauf ankommen, miſchten Deputation in Berlin über die Kanali— | A e ob der Marktpreis des Produktes die Erzeugung ſation dieſer Stadt hervorgehoben, daß ſich auf;. . lohnend erſcheinen läßt, ob der innere Werth des den Danziger Rieſelfeldern nach der Berieſelung* m 4 ö künſtlichen Guano von den Landwirthen gehörig mit Kloakenwaſſer die üppigſte Vegetation ent—) 1 |) gewürdigt wird und ob das Produkt auf größere wickelt hat. 83 «N a a —— SEEN 4. . x— 8 Entfernungen die Transportkoſten verträgt. Endlich wurden im Auslande Verſuche ge6 Referent verweiſet auf die bekannte große| macht, aus Fäkalien Leuchtgas zu erzeugen, und a |; Dungfabrik zu Bondi nächſt Paris, wo Dung- in Berlin hat der Dr. Petri aus den Auswurf. 7. | jaß und Ammoniak erzeugt wurde und bemerkt, ſtoffen, welche mittelſt Beimengung von Torf I daß dieſer Fabrik von der Stadt Paris eine und Phenol desinfizirt, in eine Form gebracht Subvention gewährt werden mußte, um ihren Stoffe dem Boden mittelſt Ueberrieſelung desſelben und Senkgruben bewirkten Aushub, welcher bezugeſührt werden. kanntlich auf den im III. Bezirke am DonauIn England ſind verſchiedene Methoden kanalufer gelegenen Ableerungsplatz verführt wird, angewendet worden, um Fäkalſtoffe als Dünger irgendwie zu verwerthen. . 2 und getrocknet wurden, ein Brennmaterial dar— ꝛ; K | en. Fortbeſtand zu ermöglichen. geſtellt, welches auch als Düngſtoff verwendet K J. Nach einer vom Herrn Ingenieur Franz werden kann. 1 CB Berger angeſtellten Berechnung kam der Preis Der Abſatz dieſes Fabrikates ſcheint aber 12 |— von 1 Kubikfuß Poudrette auf 1 fl. 84 kr. 5. W. nicht lohnend geweſen zu fein, weil die Fabrik a INS m zu ſtehen, d. i. um das Dreifache höher, als der im Frühjahre 1876 nicht mehr im Betriebe 6 |* gewöhnliche Verkaufswerth dieſes Stoffes beträgt.| ſtand. j| N;. | x Die Fäkalien können endlich im Intereſſe In Wien iſt es nicht möglich geweſen, den 4 ͤ A der Bodenkultur zur Bereitung des Kompoſtes in die Schwemmkanäle gelangenden Unrath und |* verwendet und die im Kloakenwaſſer enthaltenen| auch nicht den bei der Räumung der Kanäle, | — —— —— Der Grund, warum dieſer Kanalunrath keine Verwerthung findet, liegt wohl darin, daß derſelbe mit Erde, Sand, Schotter, mineraliſcher Aſche, mit Säuren, welche von der Desinfektion der Aborte und von Effluvien aus Fabriken und gewerblichen Betriebsanlagen herrühren, vermengt, größtentheils zerſetzt und ausgelaugt, und der werthvollſte Beſtandtheil der Fäces, der amoniak— reiche Harn verloren gegangen iſt. Man beſitzt bei der Verwendung eines ſolchen Unrathes als Düngſtoff abſolut keinen Maßſtab dafür, was dem Boden zugeführt wird. Bisher wurden keine fachgemäßen Analyſen dieſes Kloaken— unrathes in Bezug auf Gehalt an Stickſtoff und Phosphate und an anderen den Nahrungspflanzen beſonders zuſagenden Stoffen, amtlicherſeits in Wien ausgeführt, was aber jedenfalls geſchehen wird müſſen, wenn über den Werth des in dem Kloakenwaſſer enthaltenen Düngſtoffes und der Ablagerungen ein maßgebendes Urtheil abgegeben werden ſoll. Mittelſt Abfuhr beſeitigen die Städte Paris, München, Karlsruhe, Stuttgart, Zürich u. m. A. die Fäkalſtoffe. In Paris beſtehen noch immer die Senk— gruben in weitaus überwiegender Anzahl, ſo daß der Abgeordnete der Stadt Zürich Dr. H. Wyß in ſeinem Anfangs 1876 an die Stadtverwaltung von Zürich erſtatteten Berichte erklären konnte: Paris iſt im Allgemeinen noch immer eine Miſt— grubenſtadt zu nennen. Es beſtehen aber auch weiters in mehreren Stadttheilen Abfuhreinrichtungen(fosses mobi— les) und außerdem für die Ableitung von Flüſ— ſigkeiten Kanäle, welche gegenwärtig eine Länge von circa 771 Kilometer haben, und in den Seinefluß münden. Die Gefäße werden in der Nacht auf die Abfuhr⸗Depots zu la Vilette und Bondy ge— führt. Das in Paris an der Route d' Allemagne errichtete ſtädtiſche Ablade-Baſſin nimmt alle Ab— fuhrſtoffe auf, welche die Abfuhrunternehmer nicht nach ihren beſonderen Depotplätzen führen, und von dieſem Depotoir werden dieſe Stoffe mecha— niſch durch ein Druckrohr in den Wald von Bondy gedruckt. Bis zum Jahre 1870 wurde dieſe Abladeſtelle im Pachtwege durch die Geſellſchaft Richer, jetzt Leſſage& Comp. ausgebeutet. Von dieſem Zeitpunkte ab lief die Jauche durch einen Kanal in die Seine. Im Jahre 1872 wurde die Ablade— | 13 ſtelle einer engliſchen Geſellſchaft übertragen, welche, nachdem ſie 5 Millionen Fr. bei dem Unternehmen verlor, die Ausbeutung eingeſtellt hat. Die Abfuhrſtoffe des Depotoirs werden der Seine zugeführt und verurſachen eine koloſſale Verunreinigung derſelben bei St. Denis. Durch Dekret vom 22. Auguſt 1874 hat der Miniſter für öffentliche Arbeiten eine Spezial— Kommiſſion ernannt, welche den Auftrag erhielt, Maßregeln vorzunehmen, wie der zunehmenden Verunreinigung dieſes Flußes vorgebeugt werden könne. Die Kommiſſion hat zuerſt die Urſachen der Verunreinigung erhoben und das Seinewaſſer an mehreren Stellen bei Paris chemiſch unterſuchen laſſen und feſtgeſtellt, daß das Flußwaſſer oberhalb Paris rein ſei, innerhalb der Stadt und abwärts bis Clichy im Allgemeinen die Verun— reinigung des Waſſers durch die aus den Fabriken und Kanälen hervortretenden Abgänge noch wenig bemerkbar mache, daß aber von dem Sammelkanale an, welcher zu Clichy in die Seine mündet, das in dem rechten Flußarme fließende Waſſer plötzlich in einen Zuſtand der widerlichſten Verunreinigung übergehe und dieſer Zuſtand ſich durch die Flüſ— ſigkeiten aus dem Departements-Sammelkanale, welcher die Jauche von den Abfuhrſtoffen in Bondy und den Fabriken von Aubervilliers und St. Denis aufnimmt, verſchlimmere. Man hat hierauf die Verlängerung der Sammelkanäle bis zum Meere, die Verlängerung mehrerer Kanäle bis zum Zufluß der Oiſe, ferner die Verdünnung des Kanalwaſſers durch reines Waſſer, die Filtration des Schmutzwaſſers und die Herſtellung von großen Baſſins an den Mündungen der Sammelkanäle, um durch die Wir— kung der Schwere eine Sedimentation herbeizuführen, in Erwägung gezogen, die Kommiſſion hat aber alle dieſe ihr gemachten Vorſchläge abgelehnt und ſich dahin ausgeſprochen, daß ſie in der vereinigten Benützung der Ackererde und des Pflanzenwuchſes das einzige anwendbare Verfahren zur Erreichung des angeſtrebten Zweckes zu ſehen glaube. Es wurde daher das in den Jahren 1867 und 1868 durch den General-Inſpektor Mille eingeſchlagene Verfahren, welches damals auf einem Verſuchsfelde zu Clichy ſtattfand, wieder aufgenommen und die Berieſelung in der Ebene von Gennevilliers eingerichtet. Das angelegte Kanalnetz umſpannt eine Rieſelfläche von 143 H. A. 3 vn EN— 223 x nA 1 . N A S C. e ——————————— 5 2.*.— a . 14 Mittelſt Centrifugalpumpen, welche, da fie} keine Ventile haben, den Vortheil bieten feſte Körper ungehindert durchgleiten zu laſſen, wird das Kanalwaſſer bei Clichy gehoben. Dampfmaſchinen ſetzen dieſe Pumpen in Bewegung, heben das Waſſer circa 11 Meter hoch und führen es in eiſernen Leitungen von 60 Cm. und 1:10 Meter Durchmeſſer nach der Ebene von Gennevilliers. Nach dem Beſchluſſe dieſer Kommiſſion ſoll dieſes Verfahren weiter und zwar auf eine Area von 1200 bis 1300 H. A., eventuell auf die Staatsforſte von St. Germain ausgedehnt und auf die ganze Waſſermenge der Sammelkanäle angewendet werden, wozu die nothwendigen Kredite votirt worden ſind. Hieraus geht hervor, daß man in Paris vielfache Experimente zur Beſeitigung der Abfall ſtoffe durchgemacht hat und gegenwärtig alle Vorbereitungen getroffen werden, um der Einleitung des Unrathes in den Fluß und der direkten Abfuhr der Exkremente mittelſt der Fosses mob. ein Ende zu machen. In München beſtehen für die Aufſammlung der Fäkalien feſte Gruben(Senkgruben), aus welchen Erſtere mit der Leſſage⸗Pumpe entleert und abgeführt werden. Außerdem beſtehen aber auch in einzelnen Diſtrikten Zonnen- Einrichtungen, Behufs Ableitung der Abfall- und Schmutzwäſſer aus der Stadt ſind im neuen Theile derſelben Siele, das ſind Kanäle mit Schleußen ausgeführt worden.— In dieſe Siele darf der Inhalt der Abtrittgruben nicht eingeleitet werden. Da fließendes Waſſer aus der Iſar in dieſe Kanäle zu führen, der Niveau— unterſchiede wegen nicht möglich war, wurde das ganze Sielnetz mit einem Syſtem von Stau— ſchleußen behufs periodiſcher Spülung verſehen, und an den Kanalenden Spülbehälter angebracht. Die Abtrittgruben werden dort in der Nacht geräumt. Obſchon es behördlicherſeits verboten iſt, Fäkalien indie Siele gelangen zu laſſen und Jauche in dieſelben zu entleeren, ſo wird dennoch dieſem Verbote zuwider gehandelt und da es unmöglich iſt, zu kontroliren, wie viel bei jeder Räumung in den Hauskanal oder die Hausleitung entleert wird, welche mit dem Siele zur Abführung der gewöhnlichen Hauswäſſer in Verbindung ſteht, und wie viel in Tonnen geſchöpft und weggeführt wird. Der Nachweis dieſes ſanitären Uebelſtandes wurde dadurch geliefert, daß der Unterſchied an organiſchen Stoffen bei dem Tag- und Nachtkloakenwaſſer auf chemiſchem Wege feſtgeſtellt wurde. Dieſe Thatſache ſowie der Umſtand, daß mit der direkten Abfuhr der Auswurfſtoffe in München viele andere Uebelſtände verbunden ſind, hat dort bereits den Anlaß gegeben, zu erwägen, die Benützung der Siele zur Ableitung der Ex— kremente geradezu zu geſtatten, und dadurch zum Schwemmſyſtem überzugehen. Nicht ohne Bedeutung für das Abfuhrverfahren in München iſt übrigens die Thatſache, daß im Jahre 1874 die Cholera in München mit beſonderer Vehemenz aufgetreten iſt, indem bei einer Bevölkerung von circa 170.000 Einwohnern im Dezember obigen Jahres von 1050 Todesfällen auf die Cholera 418 Individuen entfielen. In Zürich werden die Fäkalſtoffe mittelſt direkter Abfuhr beſeitigt, die Abfall- und Schmutz— wäſſer gelangen in Siele(Kanäle), welche in die Liemat münden. Auch hier wurden in neueſter Zeit Berieſelungsverſuche angeſtellt. Die Abfuhr iſt ſo eingerichtet, daß unterhalb der Stadt an der Liemat, auf einem Depotplatze die dahin transportirten vollen Kübel in große Gruben geleert werden, wo die Stoffe liegen bleiben, bis ſie ganz in Gährung übergehen, dann werden ſie herausgenommen, mit Aſche, Erde und anderem Materiale vermengt, getrocknet, auch zerrieben und in Säcken verpackt, oder in Fäſſern verſendet. Eine direkte Abfuhr der Fäkalien beſteht ferner auch in größerer und geringerer Ausdehnung in Antwerpen, Oſtende, Straßburg, Lyon, Augsburg, Mancheſter, Birmingham, Edinburg u. a. m. Unter den bedeutenderen Städten in Oeſter— reich iſt es nur Graz, wo, wie bereits bemerkt, ein Abfuhrſyſtem ſeit vielen Jahren beſteht und in der primitivſten Weiſe angelegt iſt. Dort werden unter die Mündung der Abortſchläuche kleine Fäſſer geſtellt, welche ſowohl die flüſſigen als die feſten Exkremente auffangen und welche nach Bedarf gewechſelt werden. Um die Menge der abzuführenden Subſtanzen möglichſt zu verringern, muß das Regen- und Abfall-, das Schmutzwaſſer durch einen eigenen Abfluß abgeleitet werden. Im Allgemeinen läßt ſich nicht abſprechen, daß bei der direkten Abfuhr der Exkremente mehr Br 15 fache Vortheile reſultiren. Man erreicht dadurch J. Gorden im Auftrage des dortigen Gemeindedie Reinhaltung des Untergrundes in der nächſten Nähe der Häuſer, und der Luft in den Wohnun— gen, man erzielt möglicherweiſe auch eine voll— ſtändige Desinfektion der Abfallſtoffe und die Zerſtörung der in vielen Exkrementen enthaltenen Kontagien und Miasmen, man verhütet die ſonſt bei Unrathskanälen unvermeidlich vorkommende Entwicklung von Kloakengaſen, indem die Grundurſachen derſelben nicht eintreten können, und man ſchützt die Flüſſe vor Verunreinigung und ermöglicht eine Verwerthung der Fäkalſtoffe zu Gunſten der Bodenkultur nach Maßgabe der örtlichen Verhältniſſe. Dagegen dürfen aber auch die Nachtheile, welche noch an jedem Syſteme der direkten Abe fuhr der Fäkalien konſtatirt worden ſind, nicht überſehen werden. In erſter Linie erfordert jedes Syſtem der direkten Abfuhr die Anlage oder Benützung von Kanälen zur Ableitung der meteoriſchen Nieder— ſchläge, des Schmutz und Abfallwaſſers, und wenn man dabei geltend macht, daß dieſe Kanäle, weil ſie keine Fäkalien abzuführen haben, mit einem verhältuißmäßig kleineren Profile und daher mit geringerem Koſtenaufwande ausgeführt werden können, ſo iſt dieſer vermeintliche Vor— theil doch nicht zu erreichen, weil das Volumen der abzuführenden Fäkalſtoffe auf die Feſtſtellung des Querſchnittes des Profiles keinen entſcheiden— den Einfluß hat, und hiefür einzig und allein das Niederſchlagsgebiet, von welchem die Waſſer ablaufen, maßgebend iſt. Die Organiſirung einer Abfuhr in einer Großſtadt macht es nothwendig, die hiezu erfor— derlichen erſten baulichen Anlagen, entweder im ganzen Umfange einer Stadt, oder in einem einzelnen Stadttheile, je nach der Ausdehnung, welche man der Abfuhr geben will, herzuſtellen, wodurch große Koſten erwachſen. Mögen dieſe auch von irgend einer Unternehmung getragen werden, ſo iſt doch klar, daß ſie in Abſicht auf den Betrieb entweder an die Gemeinde oder an die einzelnen Haus- und Grundbeſitzer Forderun— gen ſtellen muß, welche das Syſtem für beide koſtſpielig machen. Das Abfuhrſyſtem in Paris und in Stutt—gart bietet hiefür einen Beleg. Die Abfuhr in Stuttgart unter der direkten Aufſicht der Stadt iſt wohl möglichſt vervoll— kommnet worden, jedoch geht aus dem von! | | | | | | | | | | | rathes über die Anlage von Schwemmkanälen in dieſer Stadt erſtatteten Berichte hervor, daß die Entleerung der Fäkalien nicht immer frei von Geruch iſt, und die Abfuhr der Stadt einen jäührlichen Aufwand von weit über 100.000 fl. koſtet, wogegen die Einnahme von den Hauseigenthümern und der Erlös aus dem Verkaufe dieſer als geſundheitswidrig bezeichneten, in Gährung übergegangenen Fäkalſtoffe an die Landwirthe bis jetzt(1874) den Aufwand nicht vollſtändig gedeckt hat, ſo, daß dieſe Stadt, ſolange der Eiſenbahntransport nicht allgemein eingeführt iſt, mit Verluſt arbeitet, was auch auf Karlsruhe ſeine Anwendung findet. Eine zweckentſprechende Abfuhr bedingt die Bewirkung einer kräftigen Desinfektion und zwar mittelſt Stoffen, welche nicht bloß desodoriſiren, ſondern wirklich die Gährungsfermente zerſtören und die fecies unſchädlich machen, weiters eine tägliche Abfuhr der Gefäße, und wie ſchwer ſowohl die eine als die andere zu kontroliren iſt, bedarf wohl keiner weiteren Auseinanderſetzung. Fachmänner ſind auch darüber einig, daß man kein Tonnenſyſtem wird erfinden können, bei dem aller Harn der Bewohner in Tonnen geſammelt und abgefahren wird. Ein beträchtlicher Theil wird in die Straßenkanäle gelangen und dieſe verunreinigen. Jedes bisher bekannte Abfuhrſyſtem erfordert ein richtiges Ineinandergreifen der verſchiedenen, dabei vorkommenden Arbeiten, insbeſondere beim Abholen und Transporte der Gefäße, und bedingt eine genaue Befolgung der den Betrieb der Ab— fuhreinrichtung regelnden ſanitätspolizeilichen Vor— ſchriften von Seite aller Hausbewohner, insbeſondere des Arbeitsperſonales und des Dienſtgeſindes. Welche Aufſichtsorgane wären nothwendig, um nicht nur die richtige Manipulation im Hauſe und auf der Straße zu kontroliren, ſondern auch die Befolgung des Betriebsreglements in den Wohnräumen der Familien und Werkſtätten zu ſichern. Wo beſondere Apparate zur Trennung der feſten und flüſſigen Exkremente oder zur Ableitung der Abfall- und Schmutzwäſſer beſtehen, iſt die genaue Einhaltung des Betriebsverfahrens um ſo nothwendiger, als ſonſt aus einer unrichtigen Manipulation für die Hausbewohner große Ver ‚A | | ,,$ — * A f ö{ un* . h * 283 7* 7 R ö * . . | Va / Ss —— 16 legenheiten und Störungen, ja anderweitige ſani— täre Nachtheile ſich ergeben können. Die Erſcheinung der Abfuhrapparate und der Arbeiter, das Fahren der Transportwagen durch die Stadt, nach den Depots einer Fabrik oder nach dem Ableerplatz erregt, wenn die ganze Einrichtung nicht muſtergiltig organiſirt iſt, und muſtergiltig betrieben wird, Eckel, beleidigt das Auge und geſchieht die Arbeit während der Nacht, ſo iſt damit für Viele eine Beläſtigung ver— bunden. Eine direkte Abfuhr macht die allgemeine, durch die Zuleitung des Hochquellenwaſſers in die Wohnungen begünſtigte Einführung der Waſſerkloſets und ihre anerkannte Annehmlichkeit unmöglich, und hat auch den Nachtheil, daß in den Abfallsröhren aus den verſchie⸗| je 1000 Bewohnern denen Stockwerken eines Hauſes eine zunehmende Verunreinigung durch die adhärirenden Faces eintreten muß, vollzieht man aber die Reinigung nicht mit großer Genauigkeit und Regelmäßigkeit, ſo werden dieſe Röhren die Quelle von üblem Geruch in den Wohnräumen und von ſanitären Nachtheilen. Endlich ſind Fälle nicht ausgeſchloſſen. daß eine Tonne oder ein Gefäß ſich früher füllt, als im Vorhinein berechnet iſt, und entweder überläuft oder zu funktioniren aufhört. Dieſ und ähnliche Erwägungen mögen die letzte Natur— forſcherverſammlung zu Dresden zu dem Aus— ſpruche veranlaßt haben:„Das Tonnenſpyſtem iſt jeder Art von Erdgruben vorzuziehen, ebenſo das Schwemmſyſtem dem Tonnenſyſtem.“ Auch der dritte internationale mediziniſche| Kongreß in Wien 1873 hat feine Auffaſſung über die Abfuhr der Auswurfsſtoffe in einer Reſolu— tion Ausdruck gegeben, durch welche im Punkte 5| ein gutes feſtgeſtellt wird, daß durch Schwemmſyſtem den hygieniſchen Anfor— derungen in einfacher, billiger und wirk—| ſamer Weiſe möglichſt Rechnung getragen werden kann, daß dagegen dort, wo dasſelbe, ſei es wegen örtlicher Verhältniſſe oder ungenü— gender Waſſerverſorgung oder aus finanzieller Erwägung nicht, oder nicht vollkommen durchgeführt werden kann, für die möglichſt vollſtändige Entfernung der Auswurfsſtoffe durch Abfuhr ge:| ſorgt zu werden hat, welche aber gut organiſirt und überwacht ſein muß, wenn der angeſtrebte Zweck erfüllt werden ſoll. Auch die partielle Ab— fuhr, reſpektive die Abfuhr der Fäkalſtoffe mit Ausſchluß der Hauptmaſſe des Harnes hält der! Kongreß vom hygieniſchen Standpunkte für vor— theilhaft, wenn entſprechende Schwemmkanäle zur Verfügung ſtehen. Bei der Behandlung der auf die Abfuhr der Auswurfsſtoffe Bezug nehmenden Fragen werden ſtets die Sterblichkeitsziffern einer Groß⸗— ſtadt, verglichen mit jener anderer Großſtädte, als ein Beleg für die größere oder geringere Salu— brität einer Stadt oder für die Einwirkung einer beſtimmten Krankheitsform geltend gemacht und daraus Schlußfolgerungen abgeleitet. der Auswurfsſtoffe je 1000 Einwohnern 25:78 ſtarben, eine relative Man will finden, daß Wien, wo 1875 von hohe Sterblichkeitsziffer ausweiſet, doch der Vergleich derſelben mit jener anderer Großſtädte weiſet der Stadt Wien dießfalls keinen ungün— ſtigen Platz an, indem im nämlichen Jahre von de N t© in London in Brüſſel in Paris. in Hamburg. in Amſterdam in Berlin 8© e g doe w ——© K Ol Or—— O— ſtarben. Man legt überhaupt dem Zuſammenhange der Sterbefälle mit der Abfuhrfrage eine viel zu weit gehende Bedeutung bei, denn die Sanitäts— ſtatiſtik gibt nur die tödtliche Krankheit und einige auf die Perſon ſich beziehenden Daten an, nicht aber auch die Urſachen, welche den Tod herbei— geführt haben. Auf die Morbilität und Mortalität einer Großſtadt haben ſo viele, einer genauen Kontro— lirung ſich entziehende Faktoren, das örtliche Klima, Waſſerverſorgung, Erwerb, ſoziales Leben, das Wohnungsweſen ꝛc. ꝛc“, Einfluß, daß nur die Summe derſelben den Perzentſatz der außerordent— lichen Sterblichkeit einer Großſtadt geben. Eine weſentliche Klärung der lange beſtan— denen Streitfrage, ob die Auswurfsſtoffe mittelſt Schwemmkanäle oder durch Abfuhr zu beſeitigen ſind, iſt in jüngſter Zeit durch die Entſcheidung des Berliner Stadtrathes herbeigeführt worden, welcher nach den ſorgfältigſten, durch Jahre fort— geſetzten, mit bedeutenden Koſten verbundenen Ermittlungen und Verſuche jedes Abfuhrverfahren definitiv verworfen und das Schwemmſyſtem mit Berieſelung angenommen hat, deſſen Ausführung im vorigen Jahre bereits in Angriff genommen worden iſt. — e — . Die Auflaſſung der direkten Abfuhr der Auswurfsſtoffe bereiten auch die Städte Paris, Karlsruhe, Stuttgart vor. Aus einer Mittheilung der Stadt Frankfurt a. M. iſt ferner zu entnehmen, kanalſyſteme, welches an die Stelle der Abfuhr der Auswurfsſtoffe getreten iſt, die beſten Erfolge in Bezug auf Entwäſſerung, Trockenlegung der Stadt, Salubrität nachrühmt, und wenn es noch eines weiteren Beweiſes für die Richtigkeit der betretenen Bahn bedarf, ſo liegt er in dem groß— artigen Schwemmkanalſyſtem der Stadt London, deſſen Kanalnetz eine Geſammtlänge von weit über 2200 Kilometer(300 öſterr. M und welches fortwährend erweitert wird. Das Londoner Weltblatt,„die Times,“ ent hält in der Ausgabe vom 2. Jänner 1877 in tereſſante Aufſchlüſſe des vom dortigen gat kalGovernement Board im Juni 1875 eingeſetzten Komité, Städte in England und am Kontinent zu be— ſuchen und die verſchiedenen Methoden zur Rei— nigung des Schmutzwaſſers durch Filtration, mechaniſche und chemiſche Prozeſſe kennen zu lernen und über den Werth der ſtädt. Aus— wurfsſtoffe für die Bodenkultur Erfahrungen zu ſammeln. Der bezügliche Artikel liegt hier bei und enthält am Schluſſe ein Reſums der Erhebungen teilen) hat ziffer von 800.000 Einwohnern inkluſive Garniſon 17 Wendet man die Verhältniffe bei der direkten Abfuhr der Auswurfsſtoffe auf die Stadt Wien an, ſo ergibt ſich, daß jedes Abfuhrverfahren hier daß man dort dem neuen Schwemmvorzugsweiſe eine Transportangelegenheit und, von anderen Schwierigkeiten und Hinderniſſen ganz abgeſehen, nur dann realiſirbar iſt, wenn ſich Abſatzwege entweder für den Rohſtoff oder für das daraus erzeugte Produkt finden. Veranſchlagt man nach Kapitän Liernur's Aufſtellung die Produktion eines Individuums an Auswurfsſtoffen pro Jahr auf circa 300 Kilogramm oder 6 Centner als ein Minimum, ſo entſteht unter Zugrundelegung einer Bevölkerungs— eine jährliche Produktion von circa 240, 000.000 Kilogramm oder 4,800. 000 Zentner Fäces und Tonnen täglich durch di welches die Aufgabe hatte, eine Anzahl eine weite Diſtanz abgefahren werden müſſen. Tonner des Komité's, worin unter Anderem feſtgeſtellt wird: daß es noch durch kein Verfahren gelungen iſt, eine vollſtändige Ausſcheidung der feſten Aus— ſtändige Klärung desſelben zu erzielen, daß ferner ff im 9 . 9 z., ß f ſtraße, den Donauſchiff-Kanal im Auge hat, zu der aus den ſtädtiſchen Abfallſtoffen mit oder ohne chemiſche Reagentien bereitete Kunſtdünger die Erzeugungskoſten nicht decken, daß ferner durch Berieſelung zu Zwecken der Landwirthſchaft man des Kloakenwaſſers noch am beſten und billigſten los werde und eine gehörige Reinigung Verhältniſſe dieſe Anwendung geſtatten, der chemiſche Werth der Spüljauche für den Landwirth werde aber dadurch herabgemindert, daß dieſelbe Tag für Tag durch das ganze Jahr Verwendung finden muß, und die größte Maſſe gerade dann vorhanden iſt, wenn ſie für den Boden ſelbſt den geringſten Werth hat, endlich wird in dieſem Reſums ausgeſprochen, daß die Berieſelung nicht in allen Fällen praktiſch durchführbar ſei. den inneren Gehalt. Harn, oder durchſchnittlich per Tag 13. 150 Ctr. gleich 657.500 Kilogr., welche in Gefäßen oder T e Straßen der Stadt auf Gelangt der Harn nicht in die Gefäße oder und läuft mit dem Spülwaſſer desinfizirt in die Kanäle ab, ſo reduzirt ſich wohl das Volumen der Exkremente, dieſe verlieren aber Wien umfaßt gegenwärtig 12.000 Häuſer mit circa 16.000 Abortſchläuchen. Rechnet man per Abortſchlauch nur 2 Tonnen, gibt dieſes einen Anſchaffungswerth von Stück Tonnen, wovon mindeſtens Stück täglich auf dem Transporte ſein . Welches Fuhrwerk müßte aufgeboten werden, um die pünktliche Einſammlung in allen Bezirken wurfsſtoffe aus dem Kloakenwaſſer und eine voll- F ch 9 und die Abfuhr, wobei man in Wien die Waſſerbewerkſtelligen. Die Koſten der baulichen Anlage entziehen ſich vorläufig der Berechnung. Endlich iſt zu berückſichtigen, daß eine direkte Abfuhr der Auswurfsſtoffe für Wien, etwa zwei Bezirke ausgenommen, nur dann in Betracht des Bodens erzielen könne, wenn die lokalen| kommen kann, wenn dieſe auch in den angrenzenden Vororten in das Leben tritt. Dieſe haben eine Population von 239.981 Köpfen, wovon auf Währing Hernals Ottakring Fünfhaus Rudolfs heim Sechs haus 409 Einwohner, 753 38 7 5 Re ⸗ 0 35. 7. * 72 3 I WEN —— 2 Gaudenz dorf Ober⸗Meidling Unter⸗Meidling entfallen. Ob in dieſen Vororten mit der ausgewie— ſenen bedeutenden Population, wo die Kommune Wien auf die Adminiſtration keinen Einfluß üben 10.694 Einwohner, 2.221 n 28.903 kann, bei den obwaltenden beſonderen Vermögensund Erwerbsverhältniſſen und bei dem Umſtande, als ein großer Theil noch zu den Landbewohnern zählt, der Betrieb einer direkten Abfuhr möglich iſt, muß geradezu verneint werden. Es hat noch kein Verſuch mit der direkten Abfuhr der Auswurfsſtoffe im größeren Maßſtabe weder in Wien noch in den Vororten ſtattge— funden, wobei die Ergebniſſe einer fachmänniſchen Prüfung hätten unterzogen werden können. Das Kanalnetz in Wien, wo die Kanäle in der Mehrzahl der Bezirke ein ſehr günſtiges Gefälle ausweiſen, iſt dagegen ſo beſchaffen, daß dasſelbe, wie ſpäter dargelegt werden wird, weſent— lich vervollkommnet und ſo regulirt WELPEN kann, daß es den Anforderungen an ein gutes Schwemm— ſyſtem entſpricht, es iſt daher nicht zu H en, das beſtehende Syſtem in Wien aufzulaſſen und auf eine Einrichtung zurückzukommen, welche andere Großſtädte nach reichen Erfahrungen und Verſuchen aufgegeben haben. In dem tiefgelegenen II. Bezirke dem Prater und der Donauſtadt, dann in dem am Donaukanale gelegenen Theile des III. und niſſe vorhanden. Der II. Gemeindebezirk iſt, der Prater und ſirt. Die Unrathskanäle liegen aber in der Inundation und haben ein ungenügendes Gefälle. Das Gefälle der Unrathskanäle: a) der Brigittenau iſt 1466 per mille bis 9:0 per mille. Die Sammelkanäle in der Jägerſtraße haben ein Gefälle von 1.6 Meter per mille, der Kloſterneuburgerſtraße 1.7 M. per mille; in der eigentlichen Leopoldſtadt 2.0 Meter per mille bis 15.0 per mille; der Kanal in der Taborſtraße 3:7 per mille; der Landſtraße 25 per mille bis 140 M. per mille, tief liegender Theil; am Alſergrund tief liegender Theil 3:4 per mille bis 15°0 per mille, der 36 kanal 8: 1 M. per mille. Inzer werden ſollten, Das allgemeine Minimum iſt 2. Meter per mille, d. i. 19 Linien per Klafter. Die Ausmündung der Unrathskanäle in den Donaukanal liegt in der Regel in der Höhe des örtlichen Nullwaſſers, die höchſten Punkte der Kanäle in den genannten Bezirken liegen circa 3:6 Meter ober dieſem Nullwaſſer, daher beginnt der Rückſtau gegen die Kanäle, ſobald Nullwaſſer eintritt, dieſer wirkt aber erſt auf das ganze Kanalnetz bei einem Hochwaſſer von 36M. über Null. Der Boden in der Leopoldſtadt, Brigittenau und Donauſtadt, ſowie in den tiefgelegenen Theilen des III. und IX,. beſteht aus Schichten ö a,. Wellſand, lehmigen Sand, eigentlichen Donauſand und Schotter. Dieſe S ichichten reichen durchſchnittlich bis zu Meter Tiefe, dann folgt gelber Tegel mit feinem Sande durchſetzt, und endlich feſter, bald grau, bald bläulich gefärbter Tegel, ſogenannter Sdorfer Tegel, von bedeutender Mächtigkeit. Die Unrathskanäle liegen der Mehrzahl nach in den Sand⸗ und Schotterſchichten oder werden höchſtens in der gelben Tegelſchichte(Triftthon) angelegt, nie aber im Inzersdorfer Tegel. In der Leopoldſtadt beſtehen zur Zeit noch | 105, in der Brigittenau 124 Senkgruben. ſammt Für die Donauſtadt wurde bereits ein voll— ſtändiges Kanaliſirungsprojekt ausgearbeitet und an den Gemeinderath geleitet. IX. Gemeindebezirkes find wohl andere VerhãältHiernach ſoll von einem Punkte unterhalb des neuen Scheerkopfes nächſt Nußdorf der Donau entlang ein Hauptſammelkanal in einer Länge von die Donauſtadt ausgenommen, voll lſtändig kanali10030 Meter bis unterhalb der Stadlauer Eiſenbahnbrücke geführt und mit einem Netz von Seitenkanälen und mit den Hauptkanälen in der Schwimm— ſchulſtraße und Ausſtellungsſtraße in Verbindung gebracht werden, wobei das Gefälle des großen Hauptſammelkanales mit 1: 1656 projektirt iſt. Mit Rückſicht auf die behauptete Durchläſſig—keit des Untergrundes in der Donauſtadt hat die k. k. Statthalterei im Jahre 1874 gegen die projektirte Anlage von Unrathskanälen, ſoferne dieſe auch zur Einleitung der Exkremente benützt daſelbſt die Einſprache erhoben und in einem motivirten Erlaſſe den Magiſtrat beauftragt, auf eine andere Weiſe für die Ab— leitung der Auswurfsſtoffe dort vorzuſorgen. Obſchon hier die Technik über Mittel ge— bietet, Kanäle undurchläſſig herzuſtellen und auch bei einem ungünſtigen oder ungenügenden Gefälle den Abfluß des mit Unrath und Aus— wurfſtoffen durchtränkten Kanalwaſſers künſtlich zu befördern, ſo läßt ſich nicht verkennen, daß es vom ſanitären Standpunkte aus ſehr er— wünſcht wäre, wenn die Auswurfsſtoffe in dieſem Bezirke durch eine direkte, zweckmäßig einge— richtete Abfuhr derſelben entfernt werden könnten. Der II. Bezirk, ganz beſonders die Donauſtadt, iſt daher jener Theil der Stadt Wien, wo Ver— ſuche in einem größeren Maßſtabe ſich rechtfer— tigen laſſen, und wo die Kommune noch meiſt freie Hand hat. Ergibt ſich dabei ein günſtiges Reſultat, ſo tritt dann die ganze Frage in ein anderes Stadium. EI. Projekte und Konzeſſionsgeſuche. Es wurde bereits bemerkt, daß im Laufe der letzteren Jahre verſchiedene Projekte, An— träge, Vorſchläge von Privatperſonen und Aktien— unternehmungen eingelangt ſind, welche ſich auf Kanaliſirung und Abfuhr bezogen, und faſt aus— nahmslos auf Verwerthung der Abfallſtoffe mit— telſt Erzeugung von Kunſtdünger abzielten. Nebſt Friedrich Steinmann bewarb ſich Guſtav David, angeblich Nationalökonom in Wien, wohnhaft IV. Bez, Karolinengaſſe Nr. 22, um die Konzeſſion zur Einführung eines Ton— nenſyſtems in Wien und um das ausſchließliche Recht der Benützung der Auswurfſtoffe zur Guanoerzeugung, wofür er eine Aktiengeſellſchaft zu bilden hoffte. Derſelbe will die Exkremente in offenen Tonnen auffangen laſſen, derart, daß die fl über den Rand einer Tonne ablaufen und in den Kanal abgeführt werden, woraus aber die größten ſanitären Uebelſtände erwachſen müßten, daher ſchon deßhalb, ganz abgeſehen von vielen anderen Bedenken, welche in dem Magiſtrats— berichte vom 30. April 1872 hervorgehoben 18 ſtoffe nach dem Grazer-Muſterverfahren im jetzigen X. Bezirk und in der Donauſtadt einzurichten und zu betreiben ſich erbot, das Gebahren dieſer Unternehmung hat durch einen Senſations-Prozeß Publizität erlangt. Andreas Gulifri Gifford und Karl v. Stummer ſind im Jahre 1872 um die aus— ſchließliche Konzeſſion eingeſchritten, den Unrath der Wiener- Stadt- und Hauskanäle durch ein Verfahren ſammeln zu laſſen, in Reſervoire zu leiten, geruchlos zu machen und daraus Poudrette zu erzeugen. Dieſes Kon ſortium trat zuerſt mit der Gemeinde Graz in Kontakt, welche mit demſelben am 31. März 1872 einen auf die Ueberlaſſung der Auswurfsſtoffe und Errichtung einer Guanofabrik abzielenden vieljährigen Vertrag abgeſchloſſen hat, es zeigte ſich aber bald, daß es dem Konſortium hauptſächlich um die Gründung eines Aktienunternehmens und um die erſten vorbereitenden Schritte zur Realiſirung ihres Projektes zu thun geweſen iſt, und über dieſes Stadium ſind die Konzeſſions-Werber nicht hinausgekommen. Das bezügliche Projekt enthielt keine Aufſchlüſſe über die Details einer Durchführung in Wien, über die Anlage und den Bau der Re— ſervoire, über die Anlage der Poudrette⸗-Fabrik und andere wichtige Ausſchlag gebende Punkte und iſt heute ganz gegenſtandslos. Ganz dasſelbe iſt der Fall bezüglich des zur nämlichen Zeit von Samuel H. Hinde, zu London im Aufenthalte, überreichten Geſuches um Verleihung der ausſchließlichen Konzeſſion zur Verwerthung der Fäkalien in Wien und um Zuſicherung des Vorzuges vor anderen Bewerbern. worden ſind, das bezügliche Projekt entſchieden zu verwerfen iſt. Die Aktiengeſellſchaft zur Erzeugung von künſtlichem Phosphatdünger in Wien, dann die öſterr. Guano- und Straßen— reinigungs-Geſellſchaft hat längſt zu be— ſtehen aufgehört und wird nur bemerkt, daß er— ſtere Unternehmung die Abfuhr der Auswurfs— Das bezügliche Projekt ſetzte die Erbauung zweier großer Sammelkanäle längs des Wiener Donaukanales, die Anlage von Depots- und Manipulationsplätzen voraus und enthielt hier— über ſo wie über die Koſtenfrage keinen Aufſchluß. Der Engländer Richard Do ver, zu Lon— don im Aufenthalte, will einen Apparat erfunden haben, mittelſt deſſen durch mechaniſche und chemiſche Beihilfe der Kanalunrath beim Ausfluſſe leicht aufgefangen, geruchlos gemacht und in fruchtbaren Dünger verwandelt werden kann. Die bezügliche Mittheilung iſt durch das öſterr. General-Konſulat in London an den * I— 1— ——— — m an 20 Magiſtrat gelangt, die Zuſchrift enthält keine! näheren Aufſchlüſſe, um die angebliche Erfindung einer näheren Beurtheilung unterziehen zu können. Adolf Videky, Kaufmann in London, iſt um Zulaſſung der probeweiſen Aufſtellung ſeines patentirten Apparates zur Entfernung des Auswurfſtoffes eingeſchritten, hat aber ungeachtet wiederholter Aufforderung unterlaſſen, für dieſen Zweck einen ſolchen Apparat zur Verfügung zu ſtellen. Julius Schneeberger und Joſef Karlizek, Ingenieure in Wien, offerirten ein von ihnen erwirktes Privilegium auf einen Apparat zur Filtrirung und Benützung des Kanalunrathes für landwirthſchaftliche Zwecke um den Preis von 2000 fl., und ſchlugen die Errichtung einer Verſuchsſtation auf Koſten der Gemeinde Wien vor. Das Projekt beſteht darin, daß der Haupt— und Hauskanal mit einem unter demſelben an— zubringenden Syſteme von genannten Zellen in Verbindung geſetzt wird, in welche waſſerdichte Behälter eingeſchoben werden können. Zellen und Behälter dienen zur Aufnahme der Fäkalſtoffe, welche ausgehoben und verführt werden müſſen. Die Erfindung iſt für Wien aus techniſchen und ſanitätspolizeilichen Gründen unbrauchbar. Eh. Rawſon, Ph. Ovenden, James Wylde und H. Hill, Kaufleute in London, haben das Erſuchen geſtellt, mit ihrem paten— tirten Verfahren zur Desinfektion von Senk— gruben, Kanälen und Aborten und zur Erzeu— gung von Poudrette in Wien einen Verſuch zu machen, um dann Behufs der Verwerthung des Privilegiums eine Aktien geſellſchaft zu gründen. Den nämlichen Zweck verfolgte Moriz Mathias aus London, der Verſuch wurde in den Senkgruben des k. k. Telegraphengebäudes angeſtellt, hatte aber keinen günſtigen Erfolg. Das angebliche Privilegium iſt nichts Anderes, als das ſogenannte A. B. C. Verfahren, wobei der Hauptſache nach Alaun, Blut und Thon(Clay) Kohle als Fällungsmittel zur An— wendung gelangen. überreichte Zeichnungen über das Kloakenweſen in Zürich, über Abzugskanäle in England und ſeine Studien über ein Faſſelſyſtem für Wien. Die Ingenieure Liernur und de Bruyn— Kops in Frankfurt offerirten ihr Privilegium zur Kanaliſirung der Stadt Wien nach dem Liernur⸗Syſtem. C. A. Ronſtorf, angeblich Generalkonſul des Staates Uruguay für Belgien iſt um die Konzeſſion zur Errichtung einer direkten Abfuhr der Abfallſtoffe in Wien mittelſt des in Stock— holm patentirten Fahlmann'ſchen Syſtems auf die Dauer von 30 Jahren eingeſchritten, nach deſſen bald darauf eingetretenem Tode nahm ein belgiſches Konſortium, vertreten in Wien durch Dr. Theodor Brauneis, das Projekt wieder auf, die Verhandlungen über den finanziellen Theil desſelben führten aber zu keinem poſitivem Reſultate, in Folge deſſen das Projekt, welches durch einen Detailplan rückſichtlich feiner allge— meinen Durchführung in Wien hätte ergänzt werden müſſen, zurückgezogen worden iſt. Der Ingenieur Henry Page de Luxenille hat ſich durch den Ingenieur Konſtantin Gon— douin in Wien um die Verleihung der Kon— zeſſion zur direkten Abfuhr der Auswurfſtoffe mit Anwendung eines Apparates, Normal-DiviſorSyſtem genannt, auf die Dauer von 90 Jahren beworben. Das Projekt beſteht in der Anwendung von transportablen Sammelgefäßen(Fosses mobiles) aus Holz oder Blech zur Aufnahme der Exkre— mente, in welchen durch eine eigene Vorrichtung die Scheidung der feſten und flüſſigen Sub— ſtanzen ſich vollzieht. Der Erfinder beanſpruchte durch 90 Jahre von jedem Hausbeſitzer 1 fl. per Apparat und Monat mit dem Bemerken, daß ein Apparat für 50 Perſonen auf 1 Jahr ausreiche. Die ganze Einrichtung iſt komplizirt, der Apparat voluminös und der damit in einem Gebäude angeſtellte Verſuch läßt die Anwendung dieſes Syſtems in einem größeren Umfange bezweifeln. Der Privilegiumsbeſitzer Julius Valmagini überreichte in Abſicht auf die Durchführung ſeines neuen patentirten„Unrath-Desinfektionsund Abfuhr-Verfahrens“ ein Offert, mit der Alternative, entweder das Recht der Anwendung und Ausübung ſeines Verfahrens für die Stadt Wien zu erwerben, oder ihm die Beſorgung der Der Ingenieur Jaques Egli in Zürich ganzen Einrichtung von Wien zu übertragen. Was die techniſche Seite ſeines Projektes betrifft, ſo wird bemerkt, daß der Apparat aus einem zinkenen Kübel beſteht, welcher durch einen Verſchiebungsring mit dem Ende des Abort— ſchlauches verbunden wird. Im Innern des Kübels befindet ſich ein| Korb aus präparirtem Textilſtoff, in welchen die Exkremente abfallen und welcher die Eigenſchaft beſitzt, die flüſſigen Stoffe bei ihrem Durch-dringen derart zu filtriren, daß alle ſtickſtoffhältigen Subſtanzen im Korbe zurückbleiben. In neuerer Zeit wurde der Korb aus Textilſtoff durch ein eiſernes Scheidungsgitter erſetzt. Zur Desinfektion dient ein ſelbſtthätiger Heberapparat, welcher am Kübel befeſtiget iſt, und nach jeder Anſammlung eine entſprechende Menge von Desinfektions-Eſſenz in den Kübel abgibt. Iſt der Apparat bis auf ein gewiſſes Maß gefüllt, ſo bewirkt eine Hebevorrichtung ſelbſtthätig die Entleerung der flüſſigen Stoffe in den Kanal, während die feſten Beſtandtheile im Korbe zurückbleiben. Derlei Apparate ſind gegenwärtig im k. k. allgemeinen Krankenhauſe und im Kommunal⸗Spitale auf der SiebenbrunnenWieſe verſuchsweiſe mit günſtigem Erfolg in Verwendung. Abgeſehen davon, daß vorerſt Verſuche im größeren Maßſtabe gemacht werden müßten, um die Ueberzeugung der praktiſchen Durchführbarkeit ſeines Syſtemes in der ganzen Stadt Wien zu gewinnen, hat dieſes ebenfalls; die Erzeugung von Kunſtdünger zur Grundlage und iſt mit Rückſicht, auf die geſtellten Bedin—gungen, die koſtſpielige Einrichtung für ganz Wien fraglich, wenn auch nicht in Abrede geſtellt werden kann, daß es unter allen derlei Projekten noch am meiſten Vorzüge hat. Endlich haben Julius Maurer, Verwaltungs— rath des Kohlen-Induſtrie⸗Vereines in Wien, Ingenieur Friedrich Breyer, Dr. Theodor Brauneis im eigenen Namen und im Namen der Herren Albert Liags, Charles Leſtgarens, Leon Niviere in jüngſter Zeit ein techniſches Projekt für die Bezirke IN, Ul, und IX zur Begutachtung mit der Bitte eingebracht, das Konſortium eventuell aufzufordern, die Vorſchläge zur Durchführung vorzulegen. Das vorgeſchlagene Projekt beruht, wie die meiſten derartigen Einrichtungen auf der Theilung der Abfallſtoffe nach Aggregatzuſtänden, wonach alle feſten Stoffe wie: Miſt, Küchenabfälle, Straßenkoth, Sand und die menſchlichen Exkremente abzuführen ſind, und in die Kanäle nur das Meteor-, Spül- und Ueberfallwaſſer nebſt dem Harne abgeleitet werden ſoll. Techniſcherſeits wird anerkannt, daß das Projekt bis auf die Koſten der Anlage und des 21 Betriebes der ganzen Einrichtung klar und ausführlich durchgearbeitet iſt und zu einem Verſuche ſich eignet, welcher aber nach dem Gutachten des Bauamtes erſt dann im größeren Maßſtabe angeſtellt werden könnte, wenn über die Vorfragen eine definitive Entſcheidung getroffen ſein wird. Im Vorſtehenden iſt in Kürze das Weſentlichſte der verſchiedenſten Projekte hervorgehoben worden, gleichwohl dürfte daraus klar hervorgehen, daß keine einzige Abfuhrmethode vollkommen abge— ſchloſſen iſt, und daß die immer wiederkehrenden Erfindungen dieſer Art am beſten die Unzuläng— lichkeit aller bisheriger Einrichtungen illuſtriren. LIV. Anträge zur Ausführung einer rationellen Kanaliſirung der Stadt Wien. Mit Rückſicht auf die hier dargeſtellten Verhältniſſe kann es ſich gegenwärtig nicht um eine totale Aenderung des in Wien beſtehenden Schwemm-Syſtemes zur Beſeitigung der Aus—wurfsſtoffe, ſondern nur darum handeln, daß das vorhandene große Kanalnetz entſprechend regulirt, ergänzt und möglichſt vervollkommnet und eventuell auch zur Förderung der Bodenkultur ausgenützt werde, und in dieſer Beziehung iſt die Kanaliſirung der Stadt Hamburg und der Stadt Berlin von beſonderem Intereſſe. In Hamburg, welches wie Wien, an einem großen Strome gelegen und welches reichlich mit Waſſer verſehen iſt, begrüßt man eine konſequente Durchführung des Spülſyſtems. Die in dem Straßenkörper gebetteten und durch Abzweigungen mit den Häuſern in Verbindung ſtehenden Kanäle(dort Siele genannt) dienen zur Aufnahme des geſammten Regen- und Nutzwaſſers ſowie der Kloſet- und Küchenabflüſſe. Sie ſind in der Regel eiförmig aus Mauerziegeln mit Portlandcement-Mörtel gemauert und von verſchiedenen Dimenſionen je nach Bedeutung der Straßen und Plätze. Die Schifffahrtskanäle ſind mittelſt ſogenannter Dücker(Syphons) unterfahren, welche bei größeren Querſchnitten in Mauerwerk, bei kleineren mittelſt Gußröhren hergeſtellt werden. Das geſammte Netz der Straßenkanäle wird in fünf in die Elbe ausmündende Sammelkanäle geleitet. Die Länge der mit einem Koſtenaufwande von 1,800. 000 Thaler hergeſtellten Ka————— 1——— = J. ü. . — — E—— 755 — u ** 6—— — | | ö 1 a | 1} 1 81 ]{ 4 M . A ; t . 1 il A MAI j. 1 AB 2 ‚0%| 1. ö 43 1 Y j {= 3* K X 1$ AS j.* | A 1 4 VA | { 1 ü 7{A 1 7 IM .. 54 . 1 4 1 4 1 2. * N . 4 N. 4 — A iM iM 14 4 x 5 1 1 ö* {| Al LM | NM | {| 14 A. ö —————W— 22 näle beträgt 105 Kilometer, während der in der Ausführung begriffene Geeſtkanal und die Ver— legung der Ausmündung des ſtädtiſchen Haupt— ſammelkanales einem Koſtenanſchlage von 1 Mil— lion Thaler entſprechen. Die Spülung der höher gelegenen Kanäle wird durch Aufſtau des| Tags⸗ und Verbrauchwaſſers hinter den in den a. Kanälen in gewiſſen Abſtänden angebrachten Stauthüren bewirkt, während für die tiefer liegenden Hauptkanäle das aufgeſtaute Waſſer des Alſterbaſſins benützt wird. Bei Sturmfluthen werden die Ausmündungen der Kanäle durch ſelbſtwirkende Stemmthore und Klappen ſowie durch gußeiſerne Schützer abgeſchloſſen, um die tiefer liegenden Gegenden reſpektive Keller vor Ueberſchwemmung durch Rückſtau zu ſchützen. Nach Mittheilung des Präſes der dortigen Baudeputation haben ſich die Kanalanlagen, welche auf dem Schwemmſpyſteme beruhen, ſeit einem Vierteljahrhundert bewährt und erfahren eine Erweiterung in die Umgebung Hamburg's hinaus. Die Ableitung des unreinen Waſſers und der Abfallſtoffe geſchah in Berlin durch Straßen— kanäle, welche in die Spree mündeten und durch Abtrittgruben, aus welchen die Auswurfs— ſtoffe lange Zeit auf die primitivſte Weiſe aus— gehoben und weggeführt worden ſind. Seit dem Jahre 1862 wurde über die Reorganiſation des Latrinenweſens der Stadt berathen, und über die Frage einer durchgreifenden Kanaliſation oder eines geregelten Abfuhrſyſtemes in Verbindung mit der Anlage von Sielen debattirt, ohne daß die dießfälligen Anträge die Genehmigung er— hielten, weil man erkannt hat, daß einem dieß— bezüglichen Projekte verſchiedene Unterſuchungen und Beobachtungen vorangehen müſſen. Die Stadtvertretung von Berlin votirte für dieſen Zweck und für die Anſtellung von Desinfektions-Berieſelungsverſuchen in verſchie— denen Theilbeträgen mehr als 46.000 Thaler. — Auf Grund der umfaſſendſten Vorſtudien und Verfuchen, wurden von dem k. Baurathe Hobrecht das generelle Kanaliſirungsprojekt mit den Spezialprojekten für Berlin ausgearbeitet, wobei der leitende Gedanke zu Grunde lag, daß Berlin die Ableitung der Auswurfſtoffe in die Spree aufgeben müſſe und dieſe mittelſt Schwemmkanäle von verſchiedenen Punkten der Peripherie der Stadt auf landwirthſchaftlich benützten Boden! abgeleitet werden ſollen. Zu dieſem Behufe wurde das Gebiet der Stadt Berlin in 5 Sektionen eingetheilt und für jede Sektion das dem betreffenden Stadttheile entſprechende Radialſyſtem feſtgeſetzt. Jede Sektion enthält gemauerte Hauptſammelkanäle zur Aufnahme des Schmutzwaſſers, eine Pumpſtation, vor welcher ſich Erſtere zu einem gemeinſchaftlichen Stamm— ende vereinigen, Hausleitungs- und Regenabfall— röhren. Das Hausableitungsrohr hat die Beſtimmung das Haus- und Wirthſchaftswaſſer und die Auswurfsſtoffe in den Kanal abzuführen, feſte Stoffe, Kehricht, Sand ꝛc. dürfen in das Hausableitungsrohr nicht geworfen werden. Die Regenabfallröhren werden direkt in den Straßenkanal eingemündet. Die Pumpſtation mit dem Sammelbrunnen hat ein mittelſt Dampf betriebenes Druckwerk, welches die Jauche, das Schmutz— waſſer durch ein 1 Meter im Durchmeſſer hal— tendes Rohr auf das Berieſelungsfeld hinaus— drückt. Dieſes iſt cirea 50 Meter höher gelegen, und etwa 2 Meilen von der Pumpſtation ent— fernt. Das zur Berieſelung nothwendige Terrain hat die Stadt Berlin mittelſt Ankauf des Gutes Osdorf und Friederikenhof um den Preis von circa 450.000 Thaler und eines zweiten großen, in entgegengeſetzter Richtung gelegenen Landkom— plexes erworben, welcher letztere für den ſpäteren Bedarf reſervirt iſt. Das Radialſyſtem III mit 5 gemauerten Sammelkanälen iſt bereits in Angriff genommen, wenn nicht ſchon ausgebaut. Bei den durch längere Zeit gemachten Verſuchen wurden inner— halb 7 Monaten 2, 999. 250 Kubik-Fuß Jauche aus der Stadt hinausgeſchafft. Das Berieſelungsterrain umſchließen 6 Fuß tiefe Fanggruben, welche in den Bülowgraben und in die Nuthe und Hawel münden. Auf 23 Höhepunkten des Berieſelungster— rains find mittelſt Schieber verſchließbare Aus flüſſe hergeſtellt, von denen das Kanalwaſſer in Gräben weitergeführt wird, und von dieſen ziehen ſich Horizontalen über das Feld, die ſich ſchließlich ſo weit verengen und füllen, daß daß ſchwarze Kanalwaſſer über das Terrain dahin— rieſelt. Dieſe Geſammtarbeiten und die Beſtellung der Rieſelfelder läßt die Stadt Berlin in eigener Regie ausführen. — ——— . Dieſe wenigen Daten laſſen zur Genüge erkennen, welche Summen die vorbenannten Großſtädte aufwenden, um ein den Verhältniſſen entſprechendes Kanalnetz zur Ableitung des Regen⸗, Schmutzwaſſers und der Abfallſtoffe herzuſtellen und zu erhalten.\ Zur Erzielung einer rationellen Kanaliſirung in Wien iſt in erſter Linie die Verfaſſung eines Ge— neralplanes für das ganze Kanalnetz im Ge— meindegebiete der Stadt unter Berückſichtigung der Anſchlüſſe in den Vororten unbedingt ge— boten. In dieſem Generalplane ſind die Tracen der beſtehenden Unrathskanäle ſammt deren Sohlenkoten, die Niveaukoten der Straßen und der Straßenkreuzungen, die Profile der Straßen und der Kanäle, ferner die Fixpunkthöhen erſichtlich zu machen, und iſt das Niederſchlagsgebiet für jeden Hauptſammelkanal graphiſch darzu— ſtellen. Die Verfaſſung dieſes Generalplanes be— dingt die vollſtändige örtliche Aufnahme der be— züglichen Daten, rückſichtlich die Finaliſirung der ſeit Jahren ſchwebenden Arbeit, und die Richtig ftellung des bereits vorhandenen Materiales, ſowie die ſtete Evidenzhaltung des Planes. Die projektirten Kanalbauten in den vor— bezeichneten Vororten ſollen ausnahmslos vor ihrer Ausführung der techniſchen Beurtheilung unterzogen werden, und iſt die dießfalls noth— wendige Ingerenz im legislativen oder adminiſtrativen Wege zu erwirken. Ein vollkommenes Schwemmſpyſtem fordert bedeutende Waſſermengen zur kontinuirlichen Fortbewegung der Abfallſtoffe in den Unraths— kanälen. Man ſchätzt die für obigen Zweck erforderliche Waſſermenge auf 5 Kubik-Fuß per Kopf und Tag, und wenn auch dieſe Annahme zu hoch gegriffen iſt, ſo iſt doch Thatſache, daß das Abfallwaſſer der ſtädtiſchen Waſſerleitungen, das Regen- und Schneewaſſer und das normale Bachgerinne nicht ausreichen, eine dauernde Strömung hervorzubringen um die zugeführten Stoffe in ſteter Bewegung zu erhalten. Abhilfe kann geſchaffen werden durch Anbringung eines Portland⸗Cement-Verputzes in der inneren Kanalwand in entſprechender Stärke zur leichteren Fortbewegung des Kloaken⸗Inhaltes, und durch Zuleitung der nöthigen Menge Spül— waſſer in alle Zweigkanäle von Außen her, durch | | 23 Stauvorrichtungen und durch die zwangsweiſe Einführung der Waſſerkloſets. Die bevorſtehende Zuleitung neuer Quellen der Hochquellenwaſſerleitung, wird der Stadt Wien ein Waſſerquantum von mindeſtens 700.000 bis 1,000. 000 Eimer zuführen, und die Spülung der Kanäle weſentlich fördern. Ein beſonderer Erfolg ließe ſich erzielen, wenn die Entleerung der großen Waſſerreſervoire der Hochquellenleitung zur Spülung einzelner großer Hauptſammelkanäle benützt werden könnte, wäh— rend jetzt das Waſſer zwecklos abgelaſſen werden muß. Das Verfahren der künſtlichen Spülung der Unrathskanäle mittelſt Stauvorrichtungen, wobei das laufende Verbrauchswaſſer bis zu einer beſtimmten Höhe geſtaut und plötzlich losgelaſſen werden kann, reicht nach den gemachten Erfahrungen ſelbſt in Kanälen mit einem ungünſtigen Gefälle aus und verurſacht keine erheblichen Koſten. Bei einer ausgiebigen Ausnützung der Waſſerleitung durch die Bevölkerung, beſonders bei Anwendung der Waſſerkloſets genügt das gewöhnliche Verbrauchswaſſer der Häuſer zum Durchſpülen der großen Mehrzahl der Hauskanäle, und hiedurch iſt auch die obligatoriſche Einführung der Waſſerkloſets in allen Häuſern begründet. Ablagerungen in den Straßenkanälen entſtehen auch durch den ſchweren Straßenſchlamm, 2 5.. 1 ö AH 163.. Fi* 64 ie K 69 A des Magiſtrates, eventuell des Gemeinderathes welcher daher vom Eintritte in die Kanäle abge halten werden ſoll, weil ſelbſt eine ſtärkere Waſſerſpülung nicht genügt, ihn zu beſeitigen. Zur Abwendung dieſes Uebelſtandes hat man in verſchiedenen Städten in England und in der Stadt Zürich Schlammſammler konſtruirt, welche auch dazu dienen, die Ausdünſtungen aus den Kanälen auf die Gaſſe oder Straße zu behindern. Die zweckmäßige Anwendung ſolcher Schlammſammler, wenigſtens die Anſtellung von Verſuchen in Wien iſt Sache der Technik. Derſelben fällt auch die wichtige Aufgabe einer entſprechenden Ventilation des Kanalnetzes zu. Bei dem Mangel einer ſolchen Ventilation kann die Entwicklung der Gaſe beſonders in Kanälen, in welche die Abfallwäſſer aus Fabriken oder ſonſtige derlei Abfälle abgeleitet werden, ſo bedeutend werden, daß Leben und Geſundheit der Arbeiter in den Kanälen dadurch bedroht wird. Der engliſche Ingenieur Rawlinſon, welcher ſich in allen auf Kanaliſation Bezug nehmenden 1. — ee 1 een ö WE — — Sr an——= — 2— —— ne —— ——————— ———£—** — — 2 fiifictirrr:ro — 24 Fragen eines ausgezeichneten Rufes erfreut, hat ſich bemüht, dieſem Uebelſtande durch den von ihm erfundenen Kohlenfilter abzuhelfen. Eine weſentlichſte Verbeſſerung der Kanali— ſirung der Stadt Wien liegt in der Herſtellung undurchläſſiger Haupt- und Hauskanäle oder der Hausleitungen. Leitungen innerhalb der Häuſer mit deren Anſchluß an den Straßenkanal(Hauskanäle) ſollen nur aus Portland-Cement hergeſtellt werden. Man bedient ſich aber auch auswärts der gußeiſernen Röhren und des glaſirten Steingutes, welches namentlich in Berlin zur Anwen— dung gelangt. Um die ſchon oben angeführten großen Uebelſtände, welche aus der bisherigen Art und Weiſe der Herſtellung der Hauskanäle erwachſen, zu beſeitigen, hat eine ſtrenge Hand— habung der Baupolizei durch die techniſchen Hilfsorgane Platz zu greifen. Auch bei der Herſtellung der Haupt- und Sammelkanäle, ſowie der Zweigkanäle iſt die Verwendung des dauerhafteſten und beſten Ma— teriales geboten, leider macht die Nothwendigkeit, damit dieſe im Innern begangen werden können, die Anwendung von Röhren für kleinere Un— rathskanäle wenn auch nicht unmöglich, doch äußerſt ſchwierig. Ein weiterer wichtiger Schritt für die Verbeſſerung des beſtehenden Kanali— Wiener Donaukanal. Dieſer Zweck kann nur durch Erbauung zweier großer Hauptſammel— kanäle an den beiden Ufern des Donaukanales mit der Ausmündung in den Donauſtrom er— erhalten könnten, daß ein gewiſſes Quantum Donauwaſſer durch dieſelben durchfließt und die kontinuirliche Spülung bewirkt. Der Gemeinderath hat die Nothwendigkeit der Erbauung ſolcher Sammelkanäle bereits erkannt und darüber in der Plenarverſammlung faßt, eine große Schwierigkeit bildet aber die Koſtenfrage der* Sammelkanäle und der Umſtand, daß über den Wienfluß, welcher traverſirt werden müßte, und über die denſelben betreffenden Projekte noch keine definitive Entſcheidung getroffen worden iſt. Bei Anlage ſolcher Hauptſammelkanäle wäre aber die Möglichkeit geboten, die Kanaljauche an irgend einem geeigneten Punkte über die Donau! aySto 781 84 j9ſi P Derſtellung ſolcher rieſigen hinüber auf das Marchfeld zur Berieſelung der dortigen Kulturen unter Anwendung eines Hebund Druckwerkes zu leiten, und hiedurch die in der Kanaljauche enthaltenen Düngſtoffe für die Bodenkulturen auszunützen. Das Marchfeld ent— hält, wie bekannt, mehr als 57.500 Hektare (100.000 Joch), welche, in ein Gartenfeld umgewandelt, einen fühlbaren Einfluß auf die Approviſionirung der Stadt üben könnten. In dieſer Abſicht wurde auch ſchon die Be— wäſſerung des Marchfeldes in das Auge gefaßt und ſind die erſten vorbereitenden Schritte von Seite des n. ö. Landesausſchuſſes eingeleitet worden. Eine derartige künſtliche Bewäſſerung aus der Donau, ähnlich wie jene in der Lombardei, in Egypten ꝛc., kann nur dann mit dem für die Produktion erwünſchten Erfolge geſchaffen werden, wenn dieſe als eine Reichs- oder min— deſtens als eine Angelegenheit des ganzen Landes behandelt und mit der Benützung der Kanaljauche in Verbindung gebracht wird. Es iſt die hiermit angedeutete Berieſelung des Marchfeldes allerdings ein Zukunftsprojekt und deſſen Ausführung mit Rückſicht auf die techniſchen Schwierigkeiten und die Koſten einer ſolchen Anlage mehr als zweifelhaft, wenn aber ſchon die angedeuteten großen Sammelkanäle längs des Donaukanales ſeinerzeit erbaut werden, ſirungsſyſtemes liegt in der Beſeitigung der Ausmündung der Hauptunrathskanäle in den was nicht zu umgehen ſein wird, fo können ſelbe eine derartige Anlage erhalten, daß die Kanal— jauche im Marchfelde zur Düngung der dortigen Feldkulturen benützt wird, was nach dem heutigen Stande der Erfahrungen die einzig mögliche Be— nützungsweiſe der Auswurfsſtoffe in Wien iſt. reicht werden, welche etwa eine derartige Anlage Mit dem vorliegenden Berichte glaubt Re— ferent im Allgemeinen nur eine Grundlage ge— ſchaffen zu haben, die von Zeit zu Zeit immer wieder auftauchenden Fragen über das Kanal— weſen der Stadt Wien zur Austragung bringen zu können, wobei wohl als feſtſtehend angenom— men werden kann, daß eine allgemeine direkte vom 4. Oktober 1872, 3. 3260, Beſchluß geAbfuhr der Auswurfsſtoffe in Wien ſammt Vor— orten nicht nothwendig und auch nicht ausführbar iſt. Die Anwendung der direkten Abfuhr, wenn auch nur in einem Stadtbezirke, die Feſtſtellung eines eventuellen Kanaliſirungsplanes für die Zukunft und jener Maßregeln und Vorkehrungen, welche gegenwärtig ſchon getroffen werden können, haben eine ſolche Wichtigkeit und Tragweite, daß hier das Urtheil von Fachmännern, welche ſich — ——— — ——————— das Studium der bezüglichen Fragen und die ZU F Ausführung von Kanaliſirungsanlagen in Große ſtädten zu ihrer Lebensaufgabe gemacht haben und daher berufen ſind, auf die künftige Ent— ſcheidung einen maßgebenden Einfluß zu nehmen, von beſonderem Werthe ſein muß. Nur durch das Zuſammenwirken der ein— ſchlägigen Fachkreiſe in den verſchiedenſten Rich— tungen, durch Verwerthung eines reichen Mate— riales von geſammelten Erfahrungen wird das für Wien Erſprießliche gefunden und Wien der Ruf einer geſunden Stadt geſichert werden. Referent formulirt demnach ſeine Anträge in folgenden Schlußſätzen: 1. Die Anwendung einer direkten Abfuhr der Auswurfsſtoffe im ganzen Umfange der Stadt Wien iſt nicht zu empfehlen und ſind die hieranf bezüglichen Anträge und Projekte abzulehnen. 2. Für den II. Gemeindebezirk einſchließig der Donauſtadt und die am Donaukanale gelege— nen Theile des III. und IX. Bezirkes iſt eine Abfuhreinrichtung anzuſtreben, wenn vorerſt Ver— ſuche im größeren Maßſtabe die praktiſche Durch— führbarkeit derſelben ſichern, die ökonomiſchen und ſanitären Vortheile der Gemeinde außer Zweifel ſtellen und derlei Verſuche von Privatunternehmungen ausgehen. 25 3. Die auf Kanaliſirung und Abfuhr ſich beziehenden örtlichen Verhältniſſe der Stadt Wien, eventuell der bezeichneten drei Bezirke, ſind im Sinne des hinſichtlich der Donauſtadt beſtehenden Gemeinderathsbeſchluſſes vom 21. März 1876, 3. 1149, auch der Beurtheilung von Fachkapa— zitäten im Wege einer Expertiſe zu unterziehen. 4. Unter Berückſichtigung der oben ausgeführten Grundzüge für eine rationelle Kanaliſirung iſt ein General-Kanaliſirungsplan Behufs des ſucceſſiven Umbaues der Hauptſammelkanäle und der direkten Einleitung in den Hauptſtrom auszuarbeiten. Zum Schluſſe bemerkt Referent, daß in Betreff der neuerlich angeregten Ausſcheidung der Hauskanäle aus der von der Gemeinde beſorgten gemeinſchaftlichen Räumung und in Betreff der Ausarbeitung eines Kanalräumungsregulatives vom Fachreferenten eine beſondere Vorlage für den löblichen Gemeinderath ausgearbeitet wird. Wien, am 28. Februar 1877. , F TLekiſch m. p., Magiſtratsrath. , — — V —— ——᷑— Fi——— ö 8 K—— — ——— — mr. — — — — 1 .| h I 7 IK. 7 1 . ad 200844 ex 1875. Nalhs ⸗Brotoſioll Sitzung am 23. Gegenſtand: Referat des Herrn Magiſtrats-Rathes Lekiſch über die das Kanaliſirungsweſen der Stadt Wien und die Abfuhr der Aus— wurfſtoffe betreffenden Fragen und die bezüglichen Projekte. Vorſitzender: Herr Magiſtrats-Direktor! Grohmann. Gegenwärtige: Herr Vice-Direktor Späth und die Herren Räthe: Rautenkranz Echs ler Waniczek Bittmann Leban Peyfuß Lekiſch Krenn. Martini Nachdem der Herr Referent ſein umfang reiches Elaborat zum Vortrage gebracht hatte ſtellt der Herr Vorſitzende, Magiſtrats-Direktor / Grohmann, an die Rathsverſammlung die Anfrage, ob dieſelbe gewillt ſei, ſogleich zur Abe ſtimmung zu ſchreiten, oder ob ſie es bei der Wichtigkeit des vorliegenden Berathungs-Gegen— ſtandes, und bei dem Umſtande, als die in dem Elaborate ventilirten Fragen ein tieferes Studium und allfällig eine weitere techniſche Erörterung erheiſchen, es nicht etwa vorziehe, die Berathung zu vertagen und eine zweite Sitzung anzuberau— men, welcher auch ein Beamter des Stadtbau— amtes beizuziehen wäre, um die erforderlichen Auskünfte in techniſcher Beziehung zu geben, oder ob endlich durch Drucklegung des Elaborates zur Februar 1877. das Studium desſelben jedem der Herren Räthe ermöglicht werden ſollte. Hierüber beſchließt die Rathsverſammlung, es ſei zur Berathung des fraglichen Gegenſtandes eine zweite Sitzung anzuordnen, derſelben ein Abgeordneter des Bauamtes zur Ertheilung der etwa erforderlichen Aufklärungen in techniſcher Beziehung beizuziehen, von einer Drucklegung des Elaborates jedoch Umgang zu nehmen. Sohin wird die Sitzung geſchloſſen. Fortſetzung am 26. Tebruar 1877. Vorſitzender: Herr Magiſtrats-Direktor Grohmann. Gegenwärtige: Herr Vice-Direktor Späth und die vorbenannten Herren Räthe. Als Abgeordneter des Stadtbauamtes Herr Ingenieur F. Berger. Nach Eröffnung der Sitzung verliest Refe—rent jene Gemeinderaths-Anträge, welche den Grund zu feinem Expoſsé abgaben, und bemerkt, daß, wenn die Ausführlichkeit desſelben etwa von einer Seite beanſtändet würde, dieſe darin ihre Rechtfertigung finden dürfte, daß er bei der hohen Wichtigkeit des Gegenſtandes die möglichſte Klar— ſtellung der Verhältniſſe als eine unabweisliche Vorbedingung einer eingehenden Beurtheilung erachtete. Derſelbe weiſt weiter darauf hin, daß er ſich bei Beſprechung der vom löblichen Gemeinde . rathe in den mitgetheilten Anträgen angeregten Fragepunkten nur auf die Anwendbarkeit der Kanaliſation oder der Abfuhr auf die hieſigen Verhältniſſe und auf die Angemeſſenheit oder Unangemeſſenheit der Einführung eines neuen Syſtems der Abfuhr der Fäkalſtoffe, welches auch eine Verwerthung dieſer Stoffe ermöglichen würde, beſchränkt; die Erörterung über die Zweck— mäßigkeit der Ausſcheidung der Räumung der Hauskanäle aus der Adminiſtration der Kommune jedoch ſo wie die Anfertigung eines Entwurfes eines Kanalräumungs-Regulativs dem Fachrefe— renten Herrn Rath Martini überlaſſen und zu dieſem Ende die bezüglichen Aufträge abgetreten habe. Referent bringt in Erinnerung, daß er in ſeinem jüngſt vorgetragenen Elaborate das be— ſtehende Kanalnetz in ſeiner Ausdehnung und ſeinen Niveauverhältniſſen dargelegt, die Nach— theile des beſtehenden Syſtems hervorgehoben, die verſchiedenen Abfuhrſyſteme in Kürze erörtert, deren Vortheile und Mängel beſprochen und zu— letzt darauf hingewieſen habe, daß das Schwemm— ſyſtem für Wien bei ſeiner günſtigen Lage in der Nähe eines großen Stromes und auf einem zum großen Theile gegen dieſen ſich abdachenden Ter— rain, als das geeignetſte erſcheine; für den II. Bez. und für die nieder gelegenen Gegenden des III. und 1X. Bezirkes jedoch, wo andere Verhältniſſe herrſchen, ein Abfuhrſyſtem immerhin ſich als empfehlenswerth darſtelle, wobei er ſchließlich noch hinzufügen müſſe, daß der Statthalter für Niederöſterreich ſchon vor längerer Zeit die Eins führung eines Abfuhrſyſtems im II. Bezirke auf— getragen, und mit Bezug auf die projektirte neue Donauſtadt erklärt habe, daß eben dort die An— lage von Kanälen nicht zugelaſſen werden könne. Referent weiſt ſchließlich darauf hin, daß er bei dem Umſtande, als das Stadtbauamt unter allen vorgelegten Projekten das von Breyer und Konſorten als das am eheſten praktiſch durchführbare bezeichnete, die verſuchsweiſe Anwendung dieſes Projektes im größeren Umfange befürwortet habe, wobei ſich von ſelbſt verſteht, daß dieſe Verſuche auf Koſten der Unternehmer angeſtellt werden ſollen, und er wiederholt die bereits in der letzten Sitzung geſtellten, am Schluſſe ſeines Referates enthaltenen Anträge: Hierauf ergreift Herr Magiſtrats-Direktor| Grohmann das Wort und bemerkt: „Indem ich die Diskuſſion über die vor— liegenden Anträge eröffne, halte ich es für zweck— 27 dienlich, daß vor Allem mehrere techniſche Fragepunkte näher erörtert werden. 1. Das Schwemmſayſtem wird für Wien beſonders empfohlen und hiebei ein großes Gewicht darauf gelegt, daß den Kanälen ſoviel als möglich Waſſer zugeleitet, allfällig bei Entleerung der Reſervoirs der Hochquellenleitung die ganze Waſſermaſſe durch die Kanäle geführt werde und es macht ſich hiebei das Bedenken geltend, ob. auch ſämmtliche Kanäle ihrer Konſtruktion nach geeignet ſind, ſolche Waſſermaſſen abzuführen, und ob nicht ein Theil dieſes Waſſers in die Keller eindringen wird. 2. Es wird die obligatoriſche Einführung der Waterkloſets befürwortet aus dem gleichen Grunde und es frägt ſich, ob die Einrichtung ſolcher Waterkloſets in Häuſern mit zahlreichen Bewohnern durchführbar erſcheint. 3. Es wurde die Berieſelung des Marchfeldes mit der Kloakenjauche in der Weiſe in Vorſchlag gebracht, daß wenn ſeinerzeit die Ka— näle bis zur Stadlauerbrücke fortgeführt ſein werden, die Jauche aus den Mündungen der— ſelben gehoben, über die Donau geführt und ins Marchfeld abgeleitet werde. Auch in dieſer Beziehung wäre die tech niſche Durchführbarkeit zu erörtern. Ich fordere demnach den Herrn Ingenieur Berger auf, über dieſe Punkte ſich vom techniſchen Standpunkte aus zu äußern. Ingenieur Berger. Ich werde zuerſt die Gründe anführen, welche das Stadtbauamt beſtimmen, auf Beibehaltung des Schwemmſyſtems zu beſtehen. Perſonen, welche das dermalige Wienerkanalſyſtem nicht kennen, mögen immerhin ſich der Meinung hingeben, dieſes Syſtem ſei bloß ein Syſtem von Senkgruben, allein dieſe Perſonen ſind in einem Irrthume befangen; es beſteht bereits ein Schwemmſyſtem, wenn es auch nicht jene Vorzüge aufweiſen kann, welche dieſes Syſtem in London auszeichnen. Daß wirklich ein bedeutender Theil des in die Kanäle gelangenden Unrathes weggeſchwemmt wird, zeigen die ange— ſtellten Beobachtungen am Abladeplatze für Unrath. Wir haben das Abladen von Unrath koncentrirt, indem hiefür ein beſonderer Ort beſtimmt, und ebendort ein eigener Wächter aufgeſtellt iſt. Die Menge des auf dieſem Platz abgeleerten Unrathes beträgt im Jahre 15.000 Kubikmeter 4* P u—— 2 — 8* 1 28 oder 300.000 Ctr.(1 Meter— JT Tonne oder 20 Ctr. angenommen.) Nun betragen nach Pettenkofer die Küchenabfälle, welche in die Ka— näle gelangen, per Kopf und Jahr 45 Liter, die feſten Ausſcheidungen eines Menſchen mit Aus— ſchluß des Harnes, betragen im Jahre 42 Kilo oder 43:66 Liter, jo daß zuſammen auf einen Bodens nur von untergeordneter Bedeutung. Der Unrath nur 300fach mit Waſſer verdünnt, verliert übrigens nach dem Ausſpruche von Chemikern ſeinen Geſchmack und Geruch, ſelbſt wenn er bereits in Gährung begriffen war; er verliert aber nach den Nachweiſungen Lie— bigs nicht ſeinen Dungwerth. B* 2 —— 2 1 1 2» . —w— ——— ——— —— — 21— a*— 1 231— mm2 ö en, Menſchen per Jahr rund 89 Liter feſter Abfall. ſtoffe entfallen. Mithin ſtellt ſich die Geſammt— maße der, von der Wiener-Bevölkerung(circa 680.000 Menſchen) erzeugten Fäkalſtoffe und feſten Abfälle, auf 60.520 Kubikmeter per Jahr. Würde aller Unrath abgefahren und Nichts abgeſchwemmt, ſo müßten demnach jährlich 60.520 Kubikmeter auf den Abladeplatz kommen. Es gelangen aber im Durchſchnitte faktiſch nur 15.000 Kubikmeter dahin, von welchem Quantum wieder mindeſtens bei 5000 Kubik— meter auf den in die Kanäle gelangenden Sand, Straßenkehricht u. ſ. w. in Abzug gebracht wer— den müſſen, daher eigentlich nur höchſtens 10.000 Kubikmeter für den abgeführten Unrath verbleiben, das iſt aber nur!/, der geſammten, im Jahre erzeugten Unrathsmaſſe, die übrigen os/z werden ſomit thatſächlich durch die Kanäle weggeſchwemmt. Würde man die Mengen, welche aus den Vororten in die Wiener Kanäle gelangen, berückſichtigen, ſo würde ſich dieſes Verhältniß noch günſtiger geſtalten. Dieſe Beobachtungen der jährlichen Unraths— abfuhr laſſen auch den Einfluß der Einführung der Hochquellen⸗-Waſſerleitung auf das Weg— ſchwemmen des Kanalinhaltes erkennen, da ſeit dem genannten Zeitpunkte ungeachtet des Wachs— thums der Bevölkerung eine ſtetige Abnahme des, auf den Abladeplatz jährlich gelangenden Unraths-Quantums ſich ergab. Was die zwangsweiſe Einführung der Waterkloſets betrifft, ſo wäre dieſelbe gegenwärtig verfrüht, und iſt nur ſucceſſive anzu—ſtreben, wie auch das neue Baugeſetz die An— bringung ſolcher Aborte nur im Innern der Wohnungen vorſchreiben wird. Die Berieſelung des Marchfeldes iſt tech— niſch ausführbar, doch könnten nur Theile des Marchfeldes berieſelt werden; auch iſt in allen Städten, wo eine ſolche Berieſelung von Grund— ſtücken mit der Kanaljauche ſtattfindet, die durch die ſanitären Rückſichten gebotene Hinweg— ſchaffung der Fäkalſtoffe die Hauptſache und die hiedurch angeſtrebte Melioration des Ich muß bei dieſer Gelegenheit darauf hin— weiſen, daß die meiſten jener Geſellſchaften, welche für Verarbeitung und Verwerthung der Fäkalſtoffe Projekte erſannen, dieſen Projekten eine irrige Berechnung zu Grunde legten, und in den genannten Stoffen Werthe von Millionen ver— borgen glaubten, weil ſie die genannten Stoffe einfach in ihre chemiſchen Beſtandtheile zerlegten und dann den Werth dieſer Beſtandtheile ohne irgend welchen Abzug in Anſchlag brachten. Herr Magiſtrats-Direktor Grohmann. Was halten Herr Ingenieur von dem Abfuhr— ſyſtem und von deren Einführung im II. Be— zirke oder in der Donauſtadt? Ingenieur Berger: Die Einführung des Abfuhrſyſtems würde die Anlage von Ka— nälen nicht erſparen, weil nur die feſten Fäkal— ſtoffe abgeführt werden, der Harn, die Küchenab— fälle, die atmoſphäriſchen Niederſchläge ꝛc. noch immer durch Kanäle abgeleitet werden müßten. Dieſer Kanalinhalt iſt aber dann nicht minder unſchädlich, als wenn die feſten Fäkal— ſtoffe ſich darin befinden, daher bin ich entſchieden für ein Schwemmſyſtem, für die Einführung desſelben auch in der künftigen Donauſtadt, da das Eindringen des Flußwaſſers in die Kanäle durch Abſperrvorrichtungen verhindert werden kann. Ich ſpreche mich weiters für die Aufſtellung eines General-Kanaliſirungs-Planes nach dem Vorbilde des Generalplanes für die Beſtimmung der Baulinien aus, ſo daß durch denſelben im Vorhinein die Trace der künftig anzulegenden Kanäle beſtimmt werde. Ich muß ſchließlich nur noch bemerken: Das Schwemmſyſtem iſt ein Syſtem, welches von ſelbſt wirkt, während das Abfuhrſyſtem einen komplizirten Mechanismus darſtellt, welcher die größte Genauigkeit erfordert und bei nach— läſſiger Behandlung ſanitäre Uebelſtände eher ſchafft, als beſeitigt. Ueber Aufforderung des Herrn Magiſtrats— Direktors, ſich über den beantragten Generalplan näher zu äußern, lieſt Herr Ingenieur Berger . .** — kn DL —— 14 4 br * 4* 1 N — RJ den bezüglichen Paſſus aus dem Bauamtsberichte vor. Sohin wird zur Abſtimmung geſchritten. Da Herr Rath Bittmann durch Amts— geſchäfte verhindert iſt, der Sitzung länger bei— zuwohnen, ſo wird ihm vom Herrn Magiſtrats— Direktor Grohmann geſtattet, der Erſte zu votiren.; Derſelbe bemerkt: Ich habe gegen die Beibehaltung des a, n.. ⸗; Schwemmſyſtems prinzipiell Nichts einzuwenden, refultatlos geblieben ſind wegen der großen muß mich aber dagegen ausſprechen, daß das Hochquellenwaſſer, welches mit ſo großen Koſten für die Kommune beſchafft wurde, zur Durch— ſpülung der Kanäle verwendet werde; hiebei habe ich nicht den Fall im Auge, wo bei Entleerung eines Reſervoirs die Waſſermaſſen durch die Kanäle geleitet werden ſollen, ſondern die Waterkloſets, die, wenn zwangsweiſe in jedem Hauſe eingeführt, eine bedeutende Waſſermenge in Anſpruch nehmen; ich muß mich umſomehr dagegen ausſprechen, als man eben damit um—! Innern der Wohnungen imperativ einzuführen, geht, um an Trinkwaſſer zu ſparen, die Zahl der öffentlichen Brunnen möglichſt zu reduziren, obwohl dieſe vor Allem dazu beitragen, das Waſſer in den Leitungen der Häuſer friſch zu erhalten. Zur Speiſung der Aborte müßte eine neue Nutzwaſſerleitung um Millionen hergeſtellt werden, und zudem würde die zwangsweiſe Ein— führung der Waterkloſets unter den Hauseigen— thümern nur Mißſtimmung erregen und den ohnehin geſunkenen Werth der Realitäten noch weiter herabdrücken. Auch die vorerwähnte Einleitung des Waſ— ſers aus den Reſervoirs in die Kanäle erſcheint mir nach meinen bisherigen Erfahrungen inſo— lange unzuläſſig, als ſich in dem Kanalſyſtem alte Kanäle befinden, welche das Waſſer durch die Wandungen durchlaſſen, und zu Ueberſchwemmungen von Kellerräumen der umliegenden Häuſer Anlaß geben. Da ich das Abfuhrſyſtem perhorreszire, ſo ſpreche ich mich auch gegen jeden Verſuch der Einführung dieſes Syſtems in einem Theile des Wiener-Gemeindegebietes aus, zumal auch eine Verwerthung der Fähkalſtoffe ſich nicht er— warten läßt. Eine Expertiſe halte ich für überflüſſig, die Anlegung eines Generalplanes jedoch für zweckmäßig. 29 Herr, Rath Bittmann verläßt die Sitzung. Herr Rath Rautenkranz. Im erſten Augenblicke ſcheint es uns unbegreiflich, warum ſo viele Millionen Werthe an Düngſtoff in die Donau geworfen werden, wenn man von den mannigfachen Projekten hört, welche ſich die Verwerthung der Fäkalſtoffe zur Aufgabe machen; allein man gelangt bei weiterer Umſchau dahin, zu erfahren, daß alle dießfälligen Verſuche Transportkoſten, hervorgerufen durch die Entlegenheit der Kulturen, denen die Abfallſtoffe zu Gute kommen ſollten. Dieſe Verhältniſſe ſind auch in Wien vorhanden, und werden in Zukunft keine Aenderung erleiden. Es iſt demnach das jetzige Kanalſyſtem, welches von ſelbſt wirkt, und keiner Menſchenhände bedarf, jedem Abfuhrſyſtem vorzuziehen. Das Schwemmſyſtem bringt mit ſich, daß hiezu viel Waſſer nothwendig iſt, dieſe Waſſervermehrung muß man der Zeit überlaſſen, und wären vor der Hand Waterkloſets nur im da gewöhnlich nur bemittelte Leute, Aborte innerhalb ihrer Wohnungen beſitzen. Mit Rückſicht auf die von dem Herrn Referenten dargeſtellten Mängel des Abfuhrſyſtems, halte ich auch jeden Verſuch mit dieſem Syſteme für nicht angezeigt. Ebenſo ſcheint mir, daß auch die Berieſelung des Marchfeldes, wenn auch techniſch möglich, an der Koſtenfrage ſcheitern wird.— Nachdem wir in der vorliegenden Frage unſer Gutachten abgeben, ſo hieße es, in die Richtigkeit desſelben ſelbſt Zweifel ſetzen, wenn wir unter Einem die Einberufung einer Exper—tiſe zur Beurtheilung derſelben Angelegenheit beantragen würden. Ich ſtimme daher gegen dieſen Antrag und möchte die fragliche Einbe— rufung einer Expertenverſammlung dem Ermeſſen des löblichen Gemeinderathes überlaſſen. Hingegen dem Antrage auf Verfaſſung eines General-Kanaliſirungs-Planes gebe ich meine Zuſtimmung. Herr Rath Waniezek. Ich war als langjähriger Leiter des Armen-Departements nicht in der Lage, jene Fachkenntniſſe zu erwerben, welche vor Allem befähigen, in der vorliegenden hochwichtigen Frage ein Urtheil abzugeben, allein die lichtvolle Darſtellung des Herrn Referenten, und die eingehenden Erörterungen des Herrn —— J — A— ——— ö 7 — 30 ein Urtheil zu bilden, und ich bin nunmehr im Stande, ohne Bedenken zum Votum zu ſchreiten. Ich ſehe das Schwemmſyſtem als das für Wien allein paſſende an, weil die Abfuhr und die Verwerthung der Fäkalſtoffe als nicht durch— führbar erſcheint, ich erkläre mich demnach auch gegen jede verſuchsweiſe Einführung des Abfuhr— ſyſtems, halte aus den bereits von den Herrn Vorvotanten angegebenen Gründen eine Expertiſe für überflüſſig und die Anlegung eines Ge— neralplanes für zweckdienlich. Herr Rath Leban. Es iſt in den Jour— nalen und in ſonſtigen Druckſchriften über die Entfernung und Verwerthung der Fäkalſtoffe ſchon ſo viel geſchrieben worden, daß ſich in Bezug auf den theoretiſchen Standpunkt kaum leicht neue Geſichtspunkte gewinnen laſſen. Ich glaube, wir ſollen auf den praktiſchen Engländer unſer Augenmerk richten, der Alles verwerthet, was zu verwerthen möglich iſt, und dennoch in London, wo ihm bei einer Einwohnerzahl von 3 Millionen ein bedeutend größeres Quantum von Fäkalſtoffen als uns zu Gebote ſteht, dieſes nicht verwendet, und obwohl bei den dortigen Wohnungsverhältniſſen, wo in der Regel jede Familie ein Haus für ſich bewohnt, dem Ab— fuhrſyſtem weniger Schwierigkeiten als bei uns entgegentreten, dieſes Syſtem nicht acceptirt, das Schwemmſpyſtem beſitzt, und in rationeller Weiſe immer mehr erweitert. Ich perhorreszire demnach das Abfuhrſyſtem in irgend welcher Form, ſo wie konſequenter Weiſe jeden Verſuch mit derſelben unter der Autorität der Kommune, ſolche Verſuche ſind lediglich der Privat-Induſtrie zu überlaſſen, obwohl die Realiſirung jedes der— artigen Verſuches ohne imperatives Vorgehen der Behörde an dem Widerſtande der Hauseigen— thümer, welche, nachdem ſie Privatkanäle gebaut haben, ſchwerlich zur Herbeiſchaffung der nöthigen Utenſilien für das Abfuhrſyſtem ſich bequemen werden, ſcheitern dürfte. Ich ſtimme gegen die zwangsweiſe Einführung der Waterkloſets, wohl aber für deren För— derung, da dieſe in den von der ärmeren Be— völkerung bewohnten Bezirken undurchführbar iſt, von bemittelten Leuten hingegen derartige Aborte in ihren Wohnungen ohnehin hergeſtellt werden. Ich halte die Herſtellung der nöthigen Ar— beiten zur Berieſelung des Marchfeldes für eine Landesangelegenheit, welche dem Landtage zu Ingenieurs verſchaffen mir die Möglichkeit mir; überlaſſen wäre, bei welchem ohnehin Verhandlungen wegen Bewäſſerung des Marchfeldes im Zuge ſind— und ich ſtimme ſchließlich für Ver— faſſung eines Generalplanes für Kanaliſirung. Herr Rath Martini. Es handelt ſich in der vorliegenden Frage um einen ſanitären und einen landwirthſchaftlichen Standpunkt. In ſani— tärer Beziehung iſt das Schwemmſyſtem anzu— empfehlen, aber auch die Rückſichten für die Agri— kultur liefern kein gewichtiges Moment für das Abfuhrſyſtem, da die Fäkalſtoffe nicht wie der Pferdemiſt oder ſonſtige Stalldünger, den der Bauer direkt auf ſeinen Acker verführt, ſondern erſt im verarbeiteten Zuſtande, wodurch ſie ihren meiſten Düngerwerth verlieren, zur Abtransportirung gelangen. Deren Werth iſt ſomit nicht ſo bedeutend, als er allenthalben angenommen wird. Ich kann mich daher nur für Beibehaltung des Schwemmſyſtems ausſprechen. Ich bin auch gegen die Vornahme eines Verſuches mit dem Abfuhrſyſtem, da man ſchwerlich einen Hauseigenthümer bewegen wird, eine Senkgrube in ſeinem Hauſe verſuchsweiſe wieder herzuſtellen, und wäre dafür, daß jedes Konſor— tium, welches etwa auf eigene Koſten einen ſolchen Verſuch anſtellen würde, zum Erlag einer entſprechenden Kaution verhalten werden ſollte. Was die Waterkloſets betrifft, ſo könnte man höchſtens bei Neubauten auf deren Einführung dringen. Die Berieſelung des Marchfeldes wäre der Zeit zu überlaſſen; und die Einberufung einer Expertiſe erſcheint mir nur angezeigt, um bereits gemachte Verſuche zu prüfen. Gegen die Verfaſſung eines Generalplanes habe ich Nichts einzuwenden. Herr Rath Echsler. Wir ſtehen einer Frage gegenüber, wo ſelbſt unter den Fachlenten namhafte Differenzen herrſchen; dem Schwemm— ſyſtem wird Waſſerverſchwendung, dem Abfuhrſyſtem Mangel an Rentabilität vorgeworfen; unter den letzteren Syſtemen ſcheint mir das in den Städten Hollands, ſo z. B. in Leyden, eingeführte pneumatiſche Syſtem als das praktiſcheſte, allein es taugt nur für kleinere Städte, für Wien halte ich das Schwemmſyſtem als das paſſendſte. Ferner ſtimme ich mit den Herren Vor— votanten gegen die Vornahme eines Verſuches mit dem Abfuhrſyſteme, gegen die zwangsweiſe Einführung der Waterkloſets, halte die Einberu . 3 fung einer Expertiſe für überflüſſig und die Anlegung eines Generalplanes für zweckentſprechendHerr Rath Peyfuß. Im Hinblick auf die bereits in andern Städten gemachten ungünſtigen Erfahrungen mit dem Abfuhrſyſtem, und mit Rückſicht darauf, daß das Schwemmſpyſtem den Niveauverhältniſſen Wiens am meiſten entſpricht, ſtimme ich für die Beibehaltung des Schwemmſyſtems, bin aber gegen die vom Herrn Referenten beantragten Verſuche im II. Bezirke und den nieder gelegenen Theilen des III. und IX. Bezirkes mit dem Abfuhrſyſtem; die Einführung von Waterkloſets iſt aus ſanitären Gründen ſehr wünſchenswerth, doch halte ich nur die Förderung, nicht die zwangsweiſe Auferlegung dieſer Einfüh⸗| rung den Hauseigenthümern gegenüber für angemeſſen; bezüglich der Berieſelung des Marchfeldes ſchließe ich mich den Ausführungen des Herrn Rathes Leban an;— von einer Expertiſe erwarte ich keine neuen Daten über die bereits vielfach beſprochene Angelegenheit, daher ich mich nicht veranlaßt ſehe, für eine Einberufung derſelben zu votiren; der Generalplan erſcheint mir noth— wendig und wäre demnach anzufertigen. Herr Rath Krenn. Nachdem der Herr Referent den in Rede ſtehenden Gegenſtand in erſchöpfender Weiſe behandelt und auch die bisherige Berathung alle Geſichtspunkte in Erwä-| gung gezogen hat, kann ich, will ich Wiederholungen vermeiden, mich darauf beſchränken, unter Hinweiſung auf die bereits von anderer Seite vorgebrachten Motive mein Votum abzugeben. Ich bin mit dem erſten Antrage des Herrn Referenten einverſtanden, ſtimme jedoch gegen jeden Verſuch mit dem Abfuhrſyſtem, gegen die zwangsweiſe Einführung der Waterkloſets, halte aber dafür, daß deren Vermehrung möglichſt zu fördern ſei, möchte die Einberufung einer Expertiſe dem löblichen Gemeinderathe überlaſſen, halte die Berieſelung des Marchfeldes für eine offene Frage, bei deren Löſung man ſeinerzeit ohnehin an die Kommune herantreten wird, und erachte ſchließlich die Anfertigung eines Generalplanes für die Kanaliſirung als wünſchenswerth. Herr Vizedirektor Späth. Es hat bereits an vielen Orten und ſelbſt in maßgebenden Kreiſen die Meinung Ausdruck gefunden, daß in den Unrathmaſſen, welche in den Kanälen großer Städte weggeſchwemmt werden, Millionen von 31 Werthen verborgen ſeien, die in zweckmäßiger Weiſe realiſirt werden könnten, allein es wurde nachgewieſen, daß dieſe Meinung auf einem Irrthum beruht, und die Erfahrung hat gezeigt, daß alle dießfälligen Verſuche an dem Koſtenpunkte ſcheiterten. Ich kann mich daher nur dem Antrage des Referenten auf Beibehaltung des Schwemmſyſtems anſchließen, es fällt aber damit in konſequenter Weiſe der Antrag auf verſuchsweiſe Einführung des Abfuhrſyſtems im größeren Maßſtabe in einzelnen Bezirken. Obwohl das Schwemmſyſtem der Natur der Sache nach reichliche Waſſermengen bedarf, ſo kann ich doch der beantragten zwangsweiſen Einführung der Waterkloſets, welche auf zu große Hinderniſſe ſtoßen würde, nicht beiſtimmen, ſondern nur deren thunlichſte Vermehrung befürworten, ſowie, inſoweit es zuläſſig iſt, das Entleeren der Reſervoirs der Waſſerleitung durch die Kanäle mit Bezug auf das umfangreiche Materiale, welches uns vorliegt, und die Gutachten von Sachverſtändigen, welche uns bekanntgegeben wurden, halte ich die Einberufung einer Expertiſe für nicht nothwendig. Mit der Anfertigung eines Generalplanes bin ich einverſtanden, die Berieſelung des Marchfeldes halte ich für eine Frage der Zeit. Es ergeben ſich ſonach als Reſultat der vorliegenden Abſtimmung folgende Beſchlüſſe: J.(Einſtimmig nach dem Antrage des Referenten. Das bisherige Kanaliſirungsſyſtem (Schwemmſyſtem) iſt beizubehalten und wird jedes die Abfuhr von Fäkalmaſſen bezweckende Syſtem abgelehnt. II.(Mit allen Stimmen gegen den Referenten. Von einer verſuchsweiſen Einführung des Abfuhrſyſtems im JI. Bezirke und in den nieder gelegenen Theilen des III. und 1X. Bezirkes iſt Umgang zu nehmen. 1II. Die Einführung von Waterkloſets iſt zwar möglichſt zu fördern, und namentlich bei Neubauten darauf Rückſicht zu nehmen, jedoch nicht im Allgemeinen imperativ aufzutragen. IV. Die Einberufung einer Expertiſe iſt dem Ermeſſen des löblichen Gemeinderathes zu überlaſſen. V. Die Berieſelung des Marchfeldes gehört als Landesangelegenheit in das Reſſort des Landtages und iſt demnach nicht weiter in Betracht zu ziehen. 32 VI. Die Anfertigung eines Generalplanes(Der Beſchluß VI einſtimmig nach dem für Kanaliſirung iſt zweckdienlich und mit deſſen J Antrage des Referenten.) Anlegung das Stadtbauamt zu beauftragen. Vidi Grohmann, Chwalows y. Magiſtrats⸗Direktor.; Sekretär. 3 ] J —m—— ————— 0—— ——. — ET ———— l 9.— / 2 5 r ö. 1 ram. ———— . Wr U M EL en. « ü B. 3. 3610 ex 1875. Löblicher Wagiſtrat! Mit Dekret vom 15. Februar 1875, Zahl| 25364, iſt das Stadtbauamt angewieſen worden, eine allgemeine Darſtellung des gegenwärtig in Wien beſtehenden Kanaliſirungsſyſtems, auszuarbeiten und zur Vorlage zu bringen. Dieſem Auftrage wird hiermit unter Anſchluß eines Ueberſichtsplanes Litt. I, in welchem die Tracen der größeren Kanäle Wiens erſichtlich gemacht ſind, dann eines Planes Litt. II über die Ausdehnung der Niederſchlagsgebiete, der das Territorium von Wien durchziehenden Gewäſſer, ſowie endlich des Planes Litt. III, enthaltend die Typen der Querprofile der Wiener Kanäle, entſprochen und werden dieſe Pläne, ſowie das beſtehende Syſtem der Beſeitigung der Abfallſtoffe und des Niederſchlagswaſſers im Nachfolgenden näher erläutert. Die Aufſammlung und die Ableitung der Niederſchläge, ſowie der Abfallſtoffe und zwar der flüſſigen und der feſten, geſchieht in Wien im Allgemeinen durch ein Kanalnetz, welches ſucceſive der Vergrößerung der Stadt folgend, erbaut worden iſt. Der Beſtand der Kanäle reicht in Wien bis über das 14. Jahrhundert zurück, wie dieß z. B. eine Gedenktafel aus dem Jahre 1388 am Hauſe Nr. 6 auf der ehemaligen Brandſtätte nachweiſt. Daß bei dem ſucceſſiven Entſtehen das ganze Kanalnetz Wiens, wie es jetzt beſteht, nicht nach einem in allen Theilen wohl durchdachten Syſteme angelegt ſein kann, iſt ſelbſtverſtändlich, da ſich eben der allmählige Ausbau auf Jahrhunderte vertheilt. Allein in Folge der günſtigen Terrainlage der Stadt und insbeſondere der beſtehenden natürlichen Gerinne, hat ſich von ſelbſt ein Syſtem herausgebildet, welches ſpäter ausführlich geſchildert werden wird und welches im Großen und Ganzen den Anforderungen entſpricht. Der Ausban des Kanalnetzes hat mit der Entwicklung der Stadt nicht immer gleichen Schritt gehalten. Die frühere Eintheilung der Stadt in mehr als 30 eigene Verwaltungsbe— zirke hat auf die Anlage größerer Kanalſtränge ungünſtig eingewirkt und in Folge deſſen iſt in der früheren Zeit häufig zu dem Auskunftsmittel der Anlage von Senkgruben für die menſchlichen Abfallſtoffe geſchritten worden, während man das Niederſchlags- und Spülwaſſer oberirdiſch ableitete. Seit Jahren iſt es jedoch das Beſtreben der Gemeindeverwaltung, die aus früheren Zeiten herſtammenden Senkgruben und jene, welche noch jetzt bis zur Erbauung von Kanälen proviſoriſch angelegt werden müſſen, zu beſeitigen, indem auf den Ausbau des Kanalnetzes große Summen verwendet werden. Am Ende des Jahres 1873 beſtanden noch 1022 ſolcher Senkgruben, wovon allein bei 500 auf den Bezirk Brigittenau und Favoriten entfielen, da in dieſen ſich raſch entwickelnden Stadttheilen eine Kanaliſation bisher nicht beſtand. Als aber in den letzten Jahren durch Erbauung eigener Sammelkanäle in jedem dieſer Bezirke | haben ſich die Senkgruben raſch vermindert und | ſind bis jetzt auf die Geſammtzahl von circa | 800. gefallen, wobei übrigens bemerkt wird, daß die Verminderung ſtetig fortſchreitet. | Indem nunmehr auf die Beſchreibung des Wiener Kanalnetzes ſelbſt übergegangen wird, wird vorausgeſchickt, daß das Stadtgebiet von Wien derzeit eine Fläche von 55224 Hektaren(9596 Joch) mit einem Umfange von | 261, Kilometer beſitzt. Dieſes Gebiet hat im 5 * m. 2— ö nenn ein ausgedehntes Kanalnetz geſchaffen worden, — 616 e 34 ————— Allgemeinen eine für die Anlage von Kanälen —— — ü EETET Y h |] A 8 1 k 34 iM Lu { 1 4 1 4 8* 3 ) 1 © | 1 — 6— — 15 Hö+ ® 4| . i 3. 1 . x Hd H ö 1 9 .. 2 .. 2 ($ ö . MI. a 1 1 1* | 148 N 1. 1 A ! LM ꝛ 13 w x I 118 (HE) HP 1 1 14 18478 A MT‘ H | iM|| 8 .. N z 1— 1 N 1 . 111* Wu SS N 1. 1 1 U? . 1. 7 54 * 18 4 Is |} 6 | 1 —* X* 1 3 1 1 u } 4 CM 1 1 M* nn ö 7 14— J } 1 4 BA 7 | 1 N Hot I A 1| | K 1 RS x 23 ö 1105[a N . 1 D. 1 J u ){ h IM] | ui. EA} — —— günſtige Niveau-Entwicklung und bildet eine von Südweſten nach Nordoſten abfallende Fläche, an deren Fuße ſich die Donau hinzieht. Die an der Donau gelegenen Stadttheile erheben ſich im Allgemeinen 4 bis 6 Meter über den Nullpunkt am Ferdinandspegel, welche Terrainlage bis an den Donaukanal und auch über dieſen hinaus theilweiſe auch in den IX., J. und III. Bezirk reicht. Von hier an findet aber ein ſtetiges An— ſteigen des Terrains ſtatt, ſo daß ſich am Linien— walle die Höhenlage von der Nußdorferlinie bis zur Weſtbahnlinie von 1722 M. bis 54 26 M. erhebt. Letztgenannter Punkt repräſentirt auch die größte Höhenlage innerhalb der Linienwälle, in— dem ſich von hier ab gegen den Wienfluß das Terrain auf 21417 Meter ſenkt, und bei der Matzleinsdorferlinie wieder den zweithöchſten Punkt mit 4605 Meter erreicht. Im weiteren Verlaufe ſenkt ſich dann an dem Linienwalle das Terrain bei der Favoriten— linie auf 43:88 Meter, bei der Belvederelinie auf 38365 Meter und bei der Marxerlinie auf 17.87 Meter, von wo aus der Abfall gegen das tief gelegene Terrain am Donaukanale ſtattfindet. Jener Theil von Wien, welcher ſich außer— halb des Linienwalles erſtreckt und den X. Be— zirk Favoriten bildet, erhebt ſich von der Favo— ritenlinie ſtetig anſteigend, bis zur Burgfriedens— grenze am Austritte der Himbergerſtraße bis zur Cote 85 82 Meter als dem höchſten Punkt des gegenwärtigen Gemeindegebietes. Aus dieſen Coten erſieht man, daß in Wien Niveauunterſchiede mit ſolcher Bedeutung be— ſtehen, wie fie in keiner anderen europäiſchen Großſtadt vorkommen, ein Umſtand, der für die Anlage eines Kanalnetzes von großem Werthe iſt. Die Niveau⸗Coten erſcheinen in dem bei— liegenden Plane I mit rothen Ziffern in größerer Anzahl dargeſtellt, um die Konfiguration des ganzen Terrains beurtheilen zu können. Zum weiteren Vortheile gereicht aber auch der Umſtand, daß dieſes Gebiet von mehreren Thaleinſchnitten durchzogen iſt, welche gewiſſer— maßen die von der Natur vorgezeichneten Tracen der Hauptſammelkanäle bilden. Dieſe Thaleinſchnitte werden gebildet durch das Gerinne des Alsbaches, des Währinger Baches, des Ottakringer Baches und des Wienfluſſes, welche durchwegs ihre Aus— mündung in den Donaukanal und durch dieſen in den Donauſtrom beſitzen. Die oben genannten drei Bäche beſtehen ſchon ſeit Jahren nicht mehr als offene Gerinne ſondern ſind als Kanäle überwölbt und bilden reich beſpülte Sammelkanäle, welche die Abfall— ſtoffe aus den zugehörigen Gebieten aufnehmen. Der Wienfluß iſt wohl derzeit noch ein offenes Gerinne, allein in Bezug der Unrathsableitung kommt er als ſolches nicht mehr in Betracht, da dieſe Ableitung durch die beiden mit den Ufern parallel laufenden Sammelkanäle (Cholerakanäle) geſchieht. Das einzige offene Gerinne, welches ſomit die Abfallſtoffe und die Niederſchlags- und Spülwäſſer aufnimmt und abführt, iſt der Wiener Donaukanal und es iſt auch bei dieſem die Herſtellung von Sammelkanälen und zwar an beiden Ufern dieſes Donauarmes nur mehr eine Frage der Zeit. Niederſchlags⸗Gebiete. Bevor auf die Details der vorgenannten Sammelkanäle und des übrigen mit dieſen im Zuſammenhange ſtehenden Kanalnetzes näher eingegangen wird, muß noch zur Beurtheilung der Frage, welche Waſſermaſſen das Wiener Kanal— netz abzuleiten hat, das Gebiet außerhalb Wien in Betracht gezogen werden, aus welchem wegen der natürlichen Lage desſelben die athmoſphä— riſchen Niederſchläge nach Wien gravitiren. Es genügt hierbei nicht die Kenntniß der Grenze des Gemeindegebietes, ſondern es muß die Waſſerſcheide aufgeſucht werden, von welcher die Abflüſſe noch gegen das Territorium von Wien ſtattfinden. Dieſe Linie erſcheint in dem Plane Litt. II dargeſtellt und umfaßt ein Gebiet von beiläufig 31.234 Hektaren(54.275 Joch) von welchem alle Abflüſſe durch Wien in die Donau gelangen. Scheidet man von ſelben das Entwäſſerungs-Gebiet der Donauſtadtgründe aus, fo erhält man jene Fläche, von welcher alle Abflüſſe in den Donaukanal fließen, mit einem Ausmaße von 30.289 Hektaren(52.633 Joch). Das ganze Niederſchlagsgebiet ſetzt ſich aus den Gebieten der einzelnen offenen Gerinne zu— ſammen, wie in dem beiliegenden Plane Litt. II durch Farben erſichtlich gemacht iſt. — ÄNG BEE AB X 1 Es ſtellen ſich nach denſelben die einzelnen Abflußgebiete folgendermaßen dar: Hektar Joch Schreiberbach(Nußdorf) 339(589) Neſſelbach(Grinzing und Heiligenſtadt).. 382(664) Kroten- nnd Erbſenbach (Döbling g. 974(1698) Währinger Bach... 585(1017) |. 1739(3022) w N Ottakringer Bach. Wienflußgebiet bis zu den 796(1384) Cholerafanälen... 21500(37.361) Linksſ. Cholerakanal.. 446(775) Rechtsſ. Cholerakanal. 1313(2282) Außer dieſen Bachgerinnen beſteht noch das Gebiet des Sammelkanales Favoriten 470 Hektare(817 Joch) Sammelkanales Brigittenaun. 204 Hektare(354 Joch) dann die Gebiete mit mehreren direkten Ausmündungen in den Donaukanal aus. IX. Bezirk(mit dem unbedeutenden Döblingerbache oder Wolfsgraben). 204 Hektare(354 Joch) J. Bezirk(mit dem Ringſtraßenſammelkanale) 332 Hektare(577 Joch) II. Bezirk(mit Ausſchluß der Brigittenau) III. Bezirk(mit dem Arſenalſammelkanale) 336 Hektare(583 Joch) und endlich die noch zu kanaliſirende Donauſtadt am rechten Ufer der Donau mit 945 Hektare(1644 Joch) und das Terrain des Praters. 452 Hektare(785 Joch). Es ſollen nun nachfolgend die Hauptſammelkanäle, wie ſie durch Einwölbung der offenen Bachgerinne, oder durch ſelbſtſtändige Erbauung entſtanden ſind, in Bezug der Trace, Querprofile und Gefällsverhältniſſe näher be— 217 Hektare(378 Joch) ſchrieben, und hieran eine Schilderung der ſich an dieſe Hauptader anſchließenden Sammel—kanäle zweiter Kategorie, ſowie des übrigen Kanalnetzes angefügt werden. Zu dieſem Ende hat das Bauamt den Ueberſichtsplan I verfaßt, in welchem die Hauptſammel-(größtentheils Bach-) Kanäle mit dop— pelten rothen Linien, die Sammelkanäle zweiter 35 ſind. Die Einzeichnung der übrigen Hauptund Zweigkanäle hat das Bauamt unterlaſſen, um das Geſammtbild nicht zu ſtören, und weil dieſelben in der vorliegenden Frage nicht von Weſenheit ſind, da es ſich hier nur um die Kenntniß des Wiener Kanalnetzes im Großen und Ganzen handelt. In dem Plane ſind deßhalb auch die Hauptniveaucoten der Sohlenlagen(roth unter dem Bruchſtriche) dann die Gefällsverhältniſſe und Längen der Kanalſtränge(roth) eingezeichnet. Die genaue Darſtellung der Kanäle iſt endlich in dem Verzeichniſſe IV. enthalten, in welchem auch die inneren Dimenſionen der Querprofile angeführt ſind. Um Wiederholungen zu vermeiden bezieht ſich das Bauamt hiermit auf den Plan und auf das genannte Verzeichniß, und wird hier nur die weſentlichen Daten rekapitulirend erwähnen. Sammelkanäle J. Kategorie. J. Rechtsſeitiger Eholerakanal. Derſelbe zieht ſich am rechten Wienflußufer hin, und mündet unterhalb der Wieflußausmündung in den Donaukanal. Er hat in dem Stadtgebiete eine Länge von 5047.22 M. mit einem Durchſchnittsgefälle von 3 80 o(1: 266) wobei das geringſte Gefälle 22500(1: 441) das ſtärkſte 64*½ 0(1: 187) beträgt. Das Profil iſt an der Ausmündung in den Donaukanal 25 Meter hoch und 19 Meter breit, an der oberſten Stelle bei der Jurisdiktionsgrenze 1:3 Meter hoch 0:8 breit. II. Linksſeitiger Cholerakanal. Derſelbe zieht ſich am linken Wienflußufer theils direkt, theils in den erſten Parallelgaſſen hin und mündet oberhalb der Wienflußaus—mündung in den Donaukanal. Er iſt innerhalb Wien 5050 85 Meter lang und beſitzt ein Durchſchnitts gefälle von 42%(1: 240) mit dem größten Gefälle von 450609(1: 224) und dem geringſten von 370/69(1: 270). Das Querprofil iſt an der Ausmündung 2.2 Meter hoch und 149 Meter breit, an der oberſten Stelle beim Linienwalle 143 Meter hoch und 1.0 Meter weit. Da beide vorgenannten Kanäle nicht ausreichen würden um bei außerordentlichen NiederKategorie mit einfachen rothen Linien dargeſtellt ſchlägen das Waſſer abzuführen, ſo ſind dieſelben * 5 — A 1 7 1 1 1 P. 1 314 2 . 1 ö WR 1.8 KA EEE 4. . — HE Hö. ] N 1 j a| 91 H. A WIN * ( Ni h UF 444 |. UM Or. .| 4— 4 1 H| N J 1 1 2 AH — WEM f . ..* . 15 18H 64* 1 6 ‚ 6 6 ö [ 5 6 1 SC 2 ... 1 166 Y . 1 r 1 j . . {8 31 7 1 Jen 9 1 DM 6 1. 5 78 F+ N 1 14 1 ft . 6 .* z — 11*} HE IS ö.{ A** N ö .. in + ch 2 ..’ ) 22 136 X. 4} X ö. I. 4 1 ME A |} [ 4— f{ 4. 1 2 j v4 x xrel . | X 4 ; X P H Hi 1 . 14 * . 36 mit Ueberfallkanälen(Nothausläſſen), welche in den Wienfluß ausmünden, verſehen, und beginnen dieſe Ueberfälle zu wirken, ſobald das Waſſer in den Cholerakanälen die Höhe von circa 050 bis 0:75 Meter erreicht. III. Ottakringerbachkanal. Derſelbe durchzieht die Lerchenfelderſtraße und die Laſtenſtraße bis oberhalb der Eliſabethbrücke und hat im Wiener Gemeindegebiet eine Länge von 2372323 Meter mit dem geringſten Gefälle von 759(1: 133) dem größten Ge— fülle von 1740 ,½9,(1: 59) und dem durch · ſchnittlichen Gefälle von 11.699(1: 86). Er beſitzt an der Ausmündung in den Wienfluß, reſpektive linksſeitigen Cholerakanal ein Querprofil von 19 Meter Höhe und 1:8 Meter Breite, an der Grenze am Linienwalle eine Höhe von 145 Meter und eine Breite von 1:1 Menge und muß in der letzten Strecke erſt| umgebaut werden, bei welcher Gelegenheit eine Profilsvergrößerung ſtattfinden wird.“) IV. Alsbach⸗Kanal. Derſelbe betritt nächſt der Hernalſerlinie das Gebiet von Wien, durchzieht die Lazareth— gaſſe, Spitalgaſſe, Nußdorferſtraße, Alſerbachſtraße und mündet unterhalb der Brigittabrücke in den Donaukanal. Deſſen Länge beträgt in Wien 2190 07 Meter, das mittlere Gefälle iſt 81%(1: 123) das größte 1740½(1: 58) und das geringſte 29 9½(1: 347). An der Ausmündung iſt das Profil 218 Meter hoch und 7.1 Meter breit, und erweitert ſich ſtellenweiſe auf 7.9 Meter und beſitzt an der Grenze von Wien 244 Meter Höhe und 3.9 Meter Breite. V. Währingerbach-Kanal. Es iſt dieß der kürzeſte Bachkanal in Wien, derſelbe betritt nächſt der Währingerlinie das Wienergebiet und mündet an der Kreuzung der Nußdorfer⸗ und Alſerbachſtraße in den Alsbachkanal. Er beſitzt eine Länge von 22521 Meter mit einem Gefälle von 1236699(1: 79) und einem Profile von 2.2 Meter Höhe und 1:9 Meter Breite. ) Dieſer Umbau iſt bereits genehmiget und fol im Herbſte 1878 in Angriff genommen werden. Außer dieſen durch die natürlichen Bachgerinne gegebenen Hauptſammelkanälen beſtehen noch folgende Hauptkanäle derſelben Kategorien. IV. Hauptſammelkanal Favoriten. Derſelbe hat feinen Vorkopf in der Simmeringerſtraße nächſt dem proteſtantiſchen Friedhofe, durchzieht die Simmeringerſtraße bis an die Oſtfronte des Arſenals, woſelbſt er nach Traver— ſirung des Staatsbahnhofes vermittelſt eines Verbindungskanales proviſoriſch in den Arfenalkanal einmündet. Dieſe Verbindung hat nur bis zur feiner zeit auszuführenden direkten Verlängerung des Sammelkanales bis zum Donaukanale zu funktioniren.) Der in Rede ſtehende Sammelkanal, wel: cher aus neueſter Zeit ſtammt und deſſen Quer— profil ſchon mit Rückſicht auf die überhaupt mögliche Inanſpruchnahme durch Verbauung des Gebietes bis zur Waſſerſcheide angelegt iſt, hat eine Länge von 2195 54 Meter mit einem kon— ſtanten Gefälle von 5.8 é(1: 173) und einem Profile mit 17 Meter Höhe und 126 Meter Weite am obern und 25 Meter Höhe und 1:9 Meter Weite am gegenwärtig unterem Ende. VII. Sammelkanal Brigittenau. Derſelbe wird nach dem ganzen Ausbaue an dem oberen Ende der Brigittenau beginnen, durchzieht die Jägerſtraße und mündet am Be— ginne der oberen Donauſtraße in den Donaukanal. Gegenwärtig iſt derſelbe erſt bis zur Leipzigergaſſe ausgebaut, R und zwar in einer Länge von 1352.19 Meter mit dem konſtanten Gefälle von 1799(1: 580). Das Querprofil iſt an der Ausmündung 24 Meter hoch, 1:9 Meter weit, an dem gegenwärtigen Vor— kopfe 147 Meter hoch, 1:26 Meter weit. VIII. Sammelkanal im nördlichen Theile der Ringſtraße. Dieſer Kanal beginnt am Burgring bei der Bellariaſtraße, durchzieht den Franzensring und Schottenring und mündet in der Verlängerung des letzteren in den Donaukanal. Er hat eine 2) Die Ausführung dieſer Verlängerung iſt bereits genehmiget, und wird im Sommer 1878 in Angriff genommen. 3) Mittlerweile iſt derſelbe bis zur Stromgaſſe verlängert worden. 1. V3 ** ———*— Länge von 1665. 43 Meter, ein konſtantes Ge— fälle von 10409(1: 96) und durchaus eine Weite von 19 Meter und eine Höhe von 2.2 Meter. Dieſer Kanal funktionirt nicht allein als Sammelkanal für den J. und VIII. Bezirk, ſondern er dient auch zur Entlaſtung des Ottakringerbachkanales, indem von Letzteren ein Ueberfallkanal mit 1:26 Meter Stufenhöhe nächſt der Lerchenfelderſtraße in den Ringſtraßenkanal ge— leitet iſt. Dieſe acht Hauptſammelkanäle durchziehen nun das Stadtgebiet in der Hauptrichtung von Südweſt nach Nordoſt und münden ſämmt— lich in den Donaukanal aus. Das Netz dieſer Hauptſammelkanäle wird ſeinerzeit durch die zu erbauenden Sammelkanäle an den beiden Ufern des Donaukanales, wodurch dann die direkte Unrathsausleitung in ein offenes Gerinne im Weichbilde Wiens aufgehoben ſein wird, geſchloſſen werden. Ein eigener Sammelkanal wird für die ausgedehnten Gründe der Donauſtadt mit der Ausmündung in den Donauſtrom geſchaffen werden müſſen. Betrachtet man die Gefällsverhältniſſe dieſer Kanäle, ſo ergibt ſich, daß die in älterer Zeit eingewölbten Bachkanäle kein konſtantes Gefälle haben, ſondern ſich dasſelbe nach der Natur der beſtandenen Bäche gegen die Ausmündung hin verflacht, während die neu ange— legten Sammelkanäle ein konſtantes Gefälle beſitzen. Die Gefällsverhältniſſe bewegen ſich von 227,½(1: 441) bis 174*½ 0(1: 58) und nur der Sammelkanal im Inundationsgebiete Brigittenau fällt bis auf 170(1: 580). Es iſt alſo ein Gefälle vorhanden, welches für die Hauptſammelkanäle, welche entweder aus den eigenen Bächen, oder aus den Zuflüſſen ihrer ausgedehnten Gebiete eine hinreichende Beſpülung beſitzen, vollſtändig ausreicht, namentlich, wenn man berückſichtigt, daß derartige Sammel— kanäle in Berlin mit dem Gefälle von O56 (1: 2000) projektirt find, und in London ſolche beſtehen, welche das Gefälle von(-40/ (1: 2460) bis O 38(1: 2640) haben. Der projektirte Sammelkanal in der Donauſtadt, welcher die ungünſtigſten Niveauver—hältniſſe beſitzt, wird noch ein Gefälle von 0:60%,(1: 1657) erhalten. totalen Umbaues 37 Auch die Querprofi!le reichen mit Rückſicht auf den lichten Querſchnitt im allgemeinen vollkommen aus und das Bauamt erlaubt ſich über dieſen Gegenſtand auf den im Hinblicke auf die Inanſpruchnahme der Wiener Kanäle durch die Vororte-Gemeinden von hieramts am 26. März 1874, 3. 22477, M. 3. 1037 es 1873 erſtatteten umſtändlichen Bericht zu beziehen, in welchem das Nähere über die Leiſtungsfähigkeit der Sammel: kanäle angeführt und nachgewieſen iſt, daß nur der linksſeitige Wienflußkanal derzeit überlaſtet iſt, welcher Zuſtand nur durch das Vorhandenſein der Ueberfallkanäle möglichſt paraliſirt wird. Was endlich die Tracen der beſprochenen Hauptſammelkanäle betrifft, die eine Geſammtlänge von mehr als 20 Kilometer beſitzen, ſo iſt ſchon vorerwähnt worden, daß eigentlich dieſelben der Hauptſache nach von der Natur gegeben ſind, und daß man dieſelben auch im Falle eines kaum weſentlich ändern könnte, da ſie ſich eben naturgemäß den Thaleinſchnitten anpaſſen und man wird ſeinerzeit nur Rückſicht zu nehmen haben, daß bei den alten Bachkanälen das Gefälle nach Möglichkeit ausgeglichen wurde, um die Wirkſamkeit zu erhöhen. In ebenfalls im Allgemeinen zweckentſprechender Weiſe ſchließen ſich an die beſchriebenen Hauptſammelkanäle, die Sam melkanäle zweiter Kategorie an, welche ſich radial in den verſchiedenen Bezirken vertheilen. Sammelkanäle II. Kategorie. Dieſe Kanäle erſcheinen, wie ſchon bemer kt, in dem Plane Litt. J. mit einfachen rothen Linien unter Angabe der Längen und der Gefällsverhältniſſe dargeſtellt. Die Details hierüber ſind aus dem Verzeichniſſe IV. zu entnehmen, und es mag hier nur bemerkt werden, daß dieſelben eine Längenausdehnung von mehr als 34 Kilometer beſitzen. Auch die Sammelkanäle zweiter Kategorie beſitzen keine ungünſtigen Gefällsverhältniſſe. Das Gefälle variirt hauptſächlich von 83 3(1: 12) bis 2. 39 (1: 428) und nur der zweite Sammelkanal, Kloſterneuburgerſtraße in der Brigittenau, ſinkt ausnahmsweiſe auf 160½0600(1: 608), das durch die Terrainlage bedingt iſt. EM| . 1 (. AN 141% . 4 ö— 1 Mi 2 . ö ö u| ö! 1 | {3 4 2 .| 1| 1 8 881 a( f. *— 494 . X h ö H A 13:4 1. . Wi .. 2 ) HA . . .. . 184 5560 Hö 1. ö. | J . » 4 HE . NA }. KL {| ] 166— .. MM 1. f ö 9 ö? . 114 Ah 1* 1 1 A = ö. n 1 A 1— EN; 1 14 2 N 4 n ..; CAM ‚ 4 1 il U I 34 ö HT nn 4 1 )) . J 13; 1 1 N {} 4* ) ö. 1' nn a +. 19. 1 | 6 14— . au ! 1 8 ö J 4 4 N DI 4 ö 38 In der Regel iſt aber das Gefälle nie unter 69/9(1: 144), d. h. 6 Linien per Klafter. Die Querprofile dieſer aus den verſchie— denſten Zeitepochen ſtammenden Kanäle ent— ſprechen namentlich wegen den flachen Sohlen nicht immer den Anforderungen, welche man an gute Schwemmkanäle zu ſtellen berechtigt iſt, und es wird Sache des ſucceſſiven Umbaues der tionsart der gewöhnlichen Straßenkanäle be— trifft, ſo laſſen ſich aus der großen Zahl dieſer ſchlechteren Kanäle ſein, um dieſe Mängel nach und nach auszumerzen. Haupt⸗ und Zweigkanäle. An die Sammelkanäle zweiter Kategorie ſchließen ſich endlich die große Anzahl der Haupt⸗ und Z3weigkanäle an, welche faſt alle Straßen Wiens durchziehen, und welche mit Ende 1874 die bedeutende Länge von circa 168.5 Kilometer beſaßen, fo daß das beſaß mit einem Bauwerthe von circa 9 Millionen Gulden. Anch die Haupt- und Zweigkanäle tammen, wie es in der Natur der Sache ge— g legen iſt, aus den verſchiedenſten Zeiten und ſind die Gefällsausmittlungen und Querprofile in der verſchiedenſten Weiſe durchgeführt. Im Allgemeinen kann aber auch konſtatirt werden, daß die Gefällsverhältniſſe im Großen und Ganzen keine ſchlechten ſind, daß das Gefälle in der Regel nicht unter 69e(1: 144) ſinkt und nur in den Inundationsgebieten bis auf 229(1: 450) herabgegangen worden iſt. Auch hier müſſen die Gefälle ſucceſſive beſſer*. ,, Kanaliſation weit hinter der Entwicklung der ausgenützt und ausgeglichen werden. Ebenſo wird nach und nach eine Verbeſſerung der Pro- St N s. Zeit ein großer Theil dieſer ſehr alten Kanäle file durch Anpaſſen der nothwendigen Kapazität und erſetzen der flachen Sohlen durch eiförmige Sohlen erzielt werden müſſen. Nach der vorſtehenden Schilderung beſitzt ſomit Wien gegenwärtig ein ausgedehntes Schwemmkanalſyſtem mit na: tür licher Beſpülumg. Letztere wird durch das Abfließen reichlicher Mengen von Hochquellenwaſſer in allen Theilen des Kanal— netzes, ſobald die Waſſerleitung allgemein ein— ) Am Ende des Jahres 1877 iſt die Geſammtlänge der öffentlichen Kanäle, in Folge des weiteren Ausbaues auf 228.9 Kilometer(120223 Klafter geſtiegen. geführt ſein wird, weſentlich geſteigert werden, und es wird nur erübrigen, die Kanäle, wo be— ſonders ſchlechte Lokalverhältniſſe beſtehen und das Gefälle nicht günſtig iſt, durch St auvorricht ungen auch künſtlich und aus— giebig zu beſpülen. Form- und Konſtruktionsart der Kanäle. Was weiters die Form- und Konſtruk— Formen vier Haupttypen aufſtellen, welche auf Blatt III dargeſtellt erſcheinen. In den früheren Jahrhunderten und bis zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts hat man in der Regel die Dimenſionen des lichten Quer— ſchnittes und der Mauerſtärken ſehr ſparſam ge— halten und ſich mit 63 Cm.(2 Schuh, O Zoll) Weite, 95 Cm.(3 Schuh 0 Zoll) Höhe und ganze Netz der öffentlichen Straßenkanäle eine mit Dimenſionen der Wandſtärken, der Sohle Länge von circa 212.5 Kilom.(111.960 Klafter)| und des Gewölbes begnügt, wie ſolche auf Blatt III, Fig. I angegeben find. Es kommt ſogar, namentlich im älteſten Theile Wien's, der innern Stadt vor, daß die Kanalſohlen aus hölzernen Rinnen gebildet ſind. Wichtigere Kanalſtränge ſind aber auch in dieſer Zeit mit mehr Solidität ausgeführt wor— den und finden ſich auch ſolche Kanäle aus der älteſten Zeit, bei welchen man die Sohlen mit vieler Aufmerkſamkeit aus Stein konſtruirt hat. Dieſe Kanäle beſitzen dann auch weſentlich größere Dimenſionen der lichten Profile. Da aber in der genannten Zeitperiode die Stadt zurückblieb, und da in der folgenden umgebaut worden iſt, ſo ſind die Kanäle dieſer Kategorie, im Verhältniſſe zu der ganzen Ka— naliſation, nicht ſehr zahlreich. Seit Anfang dieſes Jahrhunderts bis zum Jahre 1859 iſt die Hauptform der gewöhnlichen Straßenkanäle, wie fie in Figur l des Blattes III dargeſtellt iſt. Das lichte Profil iſt etwas größer geworden, die Sohle iſt auf 15 Cm.(6 Zoll) und das Gewölbe auf 30 Em.(12 Zoll) verſtärkt, auch die Seitenmauern haben in der Regel die Stärke von 45 Cm.(18 Zoll), obwohl auch noch viele Kanäle mit Seitenmauern von 30 Em. vor— kommen. Im Jahre 1859 iſt eine weſentliche Ver— beſſerung in der Form der Querprofile eingeführt worden.| Die lichte Höhe wurde für gewöhnliche Kanäle auf 126 Cm.(4 Schuh O Zoll), die Breite auf 79 Cm.(2 Schuh 6 Zoll) gebracht. Blatt IIl, Fig. III. Die Sohle, der wichtigſte Theil des Kanales, wurde halbkreisförmig aus zwei Ringen von je 15 Cm.(6 Zoll) mit einer horizontalen Unterlage(Kreuzſchar) von 7 Em. (3 Zoll) hergeſtellt und hiermit nahezu die beſte Form für Unrathskanäle, die Eiform einge— führt. Die Seitenmauern wurden durchaus auf 45 Cm.(18 Zoll) und das Gewölbe auf 30 Em. (12 Zoll) verſtärkt. Im nicht inundirten Terrain bleibt theil— weiſe noch eine muldenförmige Sohle mit 15 Cm, jedoch auch mit der Unterlage eines liegenden Ziegelpflaſters. Aus jener Zeit ſtammt auch die allmählige Anwendung von hydrauliſchem Mörtel bei der Kanalmauerwerks-Herſtellung, welche gegenwärtig ausnahmslos eingeführt, und ſowohl für Straßenkanäle, als wie auch für Hauskanäle zur Vorſchrift geworden iſt. Eine weitere Verbeſſerung iſt endlich im Jahre 1872 eingeführt worden, welche darin beſtand, daß man die Eiform ſtrenge anwendete. Blatt III, Fig. IV. Um die Hintermauerung der Sohlenringe ſolider zu machen, wurde der untere Ring ver— kürzt, wodurch es möglich wurde, mindeſtens einen ganzen Ziegel bei der Hintermauerung anwenden zu können. Durch dieſe Anordnung und durch den Um— ſtand, daß die im Jahre 1859 eingeführte Nachmauerung reduzirt wurde, trat auch eine Herabminderung der Koſten ein. Bei Umrechnung der Typen auf das Metermaß iſt die Form Fig. TV geblieben, nur wurde vom Gemeinderathe mit Beſchluß vom 2. April l. J., 3. 1167, angeordnet, daß die Nach— mauerung wieder ganz zu entfallen habe, wodurch eine Verbeſſerung der Profile nicht erzielt wor— den iſt, da durch die ohnehin nicht koſtſpielige Waſſerlauf⸗Kanäle. Außer den Straßenkanälen beſteht noch eine große Anzahl von öffentlichen Waſſerlauf— Kanälen, welche in der Regel nicht ſchliefbar ſind, und welche die Ableitung des Regenwaſſers aus den Rinnſalen der Fahrbahn bewirken. Dieſe Waſſerläufe leiden noch an dem Uebelſtande, daß durch dieſelben auch dünnflüſſiger Straßenkoth eindringt und hiedurch oft eine Verſtopfung der Waſſerläufe veranlaßt, das Kanalnetz aber mit Stoffen verunreinigt wird, die ſchwer zu beſeitigen ſind, und welche ihrer Beſchaffenheit nach gar nicht in die Kanäle gehören. Dieſer Uebelſtand muß noch beſeitigt werden, was am Beſten durch Anbringung von Schlammkäſten möglich werden wird. Der Vollſtändigkeit wegen wird noch angeführt, daß die Unrathskanäle in Abſtänden von circa 70 M. mit Schächten verſehen ſind, welche 63 M. im Geviert haben. Dieſe Schächte dienen zum Ausheben jener ſchweren Unraths⸗ und Schlamm-Maſſen aus den Kanälen, welche nicht fortgeſchwemmt werden. Die Schächte ſind mit vollen Deckeln oder mit Gittern geſchloſſen, welche man bis zu dem Jahre 1863 aus Schmiedeeiſen anfertigte, ſeit jener Zeit aber billiger und zweckentſprechender aus Gußeiſen herſtellt. Auch die Waſſerlaufſchächte, 15 bis 48 Cm. im Gevierte, find mit gußeiſernen Gittern geſchloſſen. Infiltration des Untergrundes durch Kanäle. Das Bauamt ſuchte nun weiter über die Dichtigkeit der Wände der gegenwärtig be— ſtehenden Straßenkanäle Anhaltspunkte zu gewinnen, indem man das Maß der Infiltration des Bodens zu eruiren trachtete. Zu dieſem Ende wurden in den verſchiedenen Bezirken Wien's an den Straßenkanälen, u. z. an der äußeren Wandung, in der Tiefe der Kanalſohle Erdproben entnommen. Zur Gewinnung eines Anhaltspunktes über das Verhalten der Kanäle in dieſer Richtung dreiecksförmige Nachmauerung das durch die friſche Anſchüttung der Cunette leicht eindringende Tagwaſſer vom Mauerwerke beſſer abgehalten wurde. wurden die Proben ſowohl bei Kanälen, die mit Weißkalk gemauert ſind, als auch bei ſolchen, welche mit hydrauliſchem Mörtel hergeſtellt wurden, entnommen. K—— — EN—— X N — RT ——— Ffff 40 Ebenſo wurde Rückſicht auf das Gefälle genommen und die Proben nach Kanälen mit gutem, mit mittlerem und mit ſchlechtem Gefälle eingetheilt. Endlich iſt auch ein Unterſchied gemacht worden, zwiſchen Kanälen, welche in gepflaſterten und welche in Schotterſtraßen gelegen ſind. Auf dieſe Weiſe wurden 24 Kombinationen gemacht und find die 24 mit beſonderer Aufs merkſamkeit entnommenen Erdproben dem Stadt— phyſikate zur chemiſchen Analyſe übermittelt worden. Das Reſultat dieſer, durch den Herrn Profeſſor Klezinsky durchgeführten Analyſen wurde Einem löblichen Magiſtrate mittelſt Bericht vom 18. Juni I. J., 3. 9809 überreicht. Aus dem dießfälligen Berichte des Stadt— phyfikates iſt nun zu entnehmen, daß aus dieſen Proben eine praktiſche Schlußfolgerung nicht gezogen werden kann; denn es konnte kein halbwegs geſetzmäßiges Verhalten zwiſchen den Reſultaten bei Weißkalk oder hydrauliſchem Kalk gutem oder ſchlechtem Gefälle, Pflaſtex oder Schotterſtraßen aufgefunden werden und das Statdphyſikat kommt zu dem Schluſſe, daß in dieſem Falle vorerſt die Kenntniß der Beſchaffenheit des Grundes vor dem Kanalbaue nothwendig iſt, weil es nicht gleichgiltig ſein kann, ob der Grund ehemals als ſtark gedüngter Garten, als Acker, als Depotplatz ꝛc. verwendet worden iſt und ob früher Miſtgruben, Senk— gruben oder andere Objekte beſtanden, welche ſchon eine Inficirung des Terrains verurſachten, ehe ein Kanal erbaut worden iſt. Um daher dießfalls genaue Anhaltspunkte zu gewinnen, ſchlägt das Stadtphyſikat vor, all— jährlich bei den neuen Kanalbauten Erdproben zu entnehmen, dieſelben chemiſch unterſuchen zu laſſen, und die Reſultate aufzubewahren. Wenn dann nach Ablauf von 4—5 Jahren an den— ſelben Stellen wieder Erdproben entnommen und dieſe analyſirt werden, ſo läßt ſich aus der Gegenüberſtellung dieſer Reſultate ein Schluß auf das Verhalten der Kanalwände in Bezug auf die Dichtigkeit derſelben, reſp. die Infiltra— tion des Grund und Bodens ziehen. Dieſe Ausführungen des Stadtphyſikates erſchienen dem Bauamte vollkommen richtig und kann nur bei Durchführung der dießfälligen Vorſchläge in Zukunft die wünſchenswerthe Aufklä— rung erlangt werden, weßhalb das Bauamt ſchon mittelſt des obgenannten Berichtes um die Ermächtigung erſucht hat, derartige Erdproben bei den alljährlichen Kanalbauten der chemiſchen Analyſe zuführen zu dürfen. Das Bauamt wiederholt hiermit obiges Erſuchen und wird Sorge tragen, daß die Ergebniſſe der chemiſchen Unterſuchung in entſprechender Weiſe aufbewahrt und ſeinerzeit verwerthet werden.“) Haus kanäle. Es erübrigt nun noch die Hauskanäle zu erwähnen, welche an Ausdehnung die öffentlichen Kanäle noch weit übertreffen, indem die Länge derſelben mit Ende 1874 circa 350 Kilometer (184.686 Klafter) betrug.“) Dieſe Kanäle laſſen im Großen und Ganzen ſowohl in Bezug der Profilgrößen, der Gefällsausnützung, als wie auch der Konſtruktionsart und der Solidität der Ausführung noch Vieles zu wünſchen übrig. Trotz der ſtrengen geſetzlichen Vorſchriften können ſich die Bauherren und Baumeiſter nicht dazu verſtehen, dieſe in ſanitärer Beziehung außerordentlich wichtigen Objekte mit der gehörigen Aufmerkſamkeit und Gewiſſenhaftigkeit auszuführen. In dieſer Richtung werden die betreffenden Behörden nur durch fortgeſetztes ſtrenges Ueber— wachen der Ausführungen, Aufſuchung und Abſtellung von beſtehenden Gebrechen zu dem gewünſchten Reſultate gelangen können. Räumung. Im Zuſammenhange mit dem Syſteme der Kanaliſation ſteht auch die Art und Weiſe der Räumung dieſer unterirdiſchen Objekte. In dieſer Richtung iſt auch in den Jahren 1867—68 ein wichtiger Fortſchritt geſchehen und eine we— ſentliche Verbeſſerung eingetreten. Bis zu dieſer Zeit ließ die Kommune nur die Straßenkanäle der Räumung unterziehen, während die Räumung der Hauskanäle den betreffenden Eigenthümern oblag. 3) Mittlerweile iſt eine große Anzahl ſolcher Analyſen bei Kanalbauten vorgenommeu worden und wurden ſtets nach Ablauf von 5. Jahren die entſprechenden Parallelanalyſen veranlaßt werden. 6) Ende 1877 betrug die Geſammtlänge der Hauskanäle 38644 Kilometer(203.745 Klafter.) m , r. Die Räumung der Hauptkanäle geſchah nach dem Gefälle des Kanales, ein, zwei oder höchſtens viermal im Jahre. Die Räumung der Hauskanäle wurde nicht ununterbrochen fontrolirt und beſchränkten ſich die Kanalräumer auf das Allernothwendigſte, ſo daß häufig Klagen bei den Behörden eingebracht wurden. Auch behalf man ſich in der Regel mit dem Abſchieben des Unrathes in den Hauptkanal, ſo daß ſchließlich aus letzteren die Aushebung auf Koſten der Kommune geſchehen mußte. Der Gemeinderath ordnete nun im Jahre 1867 die gemeinſchaftliche Räumung der Hauptund Hauskanäle probeweiſe im Bezirke Neubau an, und da die Kontrahenten zu überſpannte Forderungen ſtellten, ſo wurde dieſe Räumung im Jahre 1867 ſogar in eigener Regie vollzogen. Da ſich dieſe Maßregel ſofort als eine ſehr zweckmäßige darſtellte, ſo wurde trotz des Wider— liche Räumung im Jahre 1868 auch auf den III., IV. und VI. Bezirk ausgedehnt und endlich ſeit 1. Jänner 1869 allgemein in Wien ein— geführt. Hierbei wurde als Norm aufgeſtellt, daß nunmehr die Straßenkanäle nach dem verſchiedenen Gefälle vier-, ſechs- oder zwölfmal im Jahre, die Hauskanäle aber durchaus allmonatlich gereinigt werden müſſen. Dieſe in ſanitärer Beziehung wohl begrün-deten ſtrengen Anforderungen haben, da deren Durchführung aufmerkſam kontrolirt wird, aller— dings ein Steigen der Räumungskoſten zur Folge gehabt und ſind dieſe Geſammtkoſten ſeit dem Jahre 1869 von 180.692 fl. bis zur ge— . Kontraktsperiode 1875— 77 auf 330.600 fl. geſtiegen, wobei übrigens bemerkt werden muß, daß ein weſentlicher Theil der Erhöhung auf Rechnung der 1 Arbeitslöhne und der in den letzten J. bedeutend geweſenen Vergrößerung der Stadt(X. Bez irk, Favoriten, Verbauung des Volkert, Brigittenau u. ſ. w.) zu ſetzen iſt. Hiermit glaubt das Bauamt in allge— meinen Umriſſen ein Bild über die gegen. wärtig in Wien beſtehende Kanaliſirung gegeben zu haben. Es erſcheinen die Vortheile derſelben er— wähnt und iſt auch auf jene Punkte aufmerkſam gemacht, bei welchen eine Verbeſſerung noth— wendig iſt. kleinſte Detail enthalten ſollen, ſucceſſiven Umbaues ſtrebens einiger Hausbeſitzer die gemeinſchaſt⸗ mit Verläßlichkeit voraus beſtimmt werden kann, und dieß von vielen lokalen Verhältniſſen abhängt. kanäle Rückſicht 41 Daß die Umſtaltung und Verbeſſerung eines derartig ausgedehnten Kanalnetzes nicht mit einem Male geſchehen kann, iſt abgeſehen von den Koſten, ſelbſtverſtändlich. Es muß vielmehr die Umſtaltung nach einem einheitlichen Syſteme ſucceſſive angeſtrebt werden. Um aber einen derartigen einheitlichen Vorgang anbahnen und einhalten zu können, hält das Bauamt dafür, daß vor Allem, ähnlich wie dieß bezüglich der Baulinien durch Anlegung von General-Regulirungsplänen geſchehen iſt, auch General-Regulir ungspläne über das Kanalnetz entworfen und fixirt werden. Damit ſoll aber nicht etwa geſagt ſein, daß dieſe Pläne ganze Kanalnetz bis in das denn es wäre dieß eine nutzloſe Arbeit, weil der Gang des minder wichtiger Kanäle nicht das Es wird genügen, wenn in dem Regulirungsplane die Hauptſammelkanäle und die Sammel— erſter Kategorie, ihrer Trace, ihrer Ni— veaulage und ihrer Profilsdimenſionen nach, mit auf alle möglichen Erweiterungen des Gebietes, beſtimmt ſind, ſo daß in Fällen, als theilweiſe Umbauten ſtattfinden, dieſelben nach dem Generalplane zu geſchehen haben. Werden dann auch Umbauten alter Haupt— oder Zweigkanäle nöthig, oder wird die Anlage neuer Kanäle dieſer Gattung erforderlich, ſo iſt ſich bei der betreffenden Projektsverfaſſung nach den Lagen der Sammelkanäle, wie fie im Generalplane vorgezeichnet ſind, zu halten, es wird ſich hiedurch ein regelmäßiger Gang des Um— baues herausbilden, wobei ſelbſtverſtändlich die in den letzten Jahren angelegten Kanäle berück⸗— ſichtiget und belaſſen werden müſſen und auf dieſe Weiſe wird der ſucceſſive Umbau des ganzen Kanalnetzes nach einem einheitlichen Plane .. 24. ermöglicht, weil eben von der feſten Baſis der Sammelkanäle ausgegangen wird, und dieſe ſtets vor Augen gehalten werden. Die Entwerfung eines ſolchen General— planes für die Hauptadern des Wiener Kanal: netzes wird nach Vollendung der Kanalaufnahme Wien's, welche vorausſichtlich im Jahre 1876 erfolgen wird, möglich werden.“) Kanalaufnahme iſt mittlerweile vollendet worden. 6 Uebrigens erlaubt ſich an dieſer Stelle das laufen, und hierbei das Weſentliche der Ange— Bauamt die Verſicherung auszuſprechen, daß legenheit, von welchem Geſichtspunkte in erſter man ſchon gegenwärtig bei den Projektverfaſ- Linie die Frage von einer guten Gemeindever— ſungen ſtets die Herausbildung eines einheit- waltung in Betracht gezogen werden muß, näm— lichen Syſtemes vor Augen hält, was ſich na- lich vom Sanitätsſtandpunkte, aus dem Auge mentlich bei der Kanaliſation größerer Stadt- verlieren. theile manifeſtirte, und wird ſeit Jahren dieſem Zweige der kommunalen Bauthätigkeit die vollſte Aufmerkſamkeit gewidmet. Das Fallenlaſſen des gegenwärtig in Wien beſtehenden Schwemmſyſtems aber und die Einführung eines Abfuhrſyſtemes, an deſſen Stelle, was ſchon mehrmals angeregt wurde, könnte das Bauamt nicht befürworten. 3 iüßten dann, R n, nie erreicht werden können. durch die Projektanten der Abfuhrſyſteme beſſere Garantien und zweckmäßigere Einrichtungen Alle nnparteiiſchen Fachmänner, welche das geboten werden, als wie dieß bisher der Fall Wiener Kanalnetz wirklich ſtudirt haben, und war, denn es wäre gewiß zu beklagen, wenn nicht bloß einfach das wiederholen, was ihnen an Stelle eines beſtehenden und verbeſſerungs- von Perſonen, die wenig in die Sache einge— fähigen Syſtemes, welches für eine Stadt wie drungen find, zu Gehör kam, finden dieſes Wien, die ſo vorzügliche Niveauverhältniſſe be— Wiener Kanalſyſtem wohl verbeſſerungsbedürftig, ſitzt, das Geeignetſte iſt, durch Einführung eines aber nicht ſchlecht. Abfuhrſyſtemes experimentirt und der Bevölke— Es wird dasſelbe ausgebaut, nämlich mit rung eine neue Laſt auferlegt würde. den Donaunkanal-Sammelkanälen verſehen, auch Es iſt hier nicht am Platze abermals auf denjenigen, welche ein Hauptgewicht auf die die Details der bisher vorgeſchlagenen Abfuhr— Verwerthung der Abfallſtoffe legen, die Möglich— ſyſteme zurückzukommen, und abermals den Nach- keit bieten, dieſe Verwerthung auszuführen, da weis zu liefern, daß dieſelben in Wien unhaltbar dann die beſte Gelegenheit geboten iſt, die Be— ſind, aber es muß hier wiederholt betont wer- rieſelung im großen Maßſtabe zur Durchführung den, daß alle dieſe Vorſchläge durch die in Aus- zu bringen, und hierzu die nahen Aecker des ſicht geſtellte, aber noch nicht bewieſene erträg, Marchfeldes und die unproduktiven Flächen der nißreiche Verwerthung der Fäkalien immer auf Simmeringerhaide zu verwenden. eine volkswirthſchaftliche Spekulation hinaus- Wien, am 16. Oktober 1875. Es handelt ſich immer darum und es be— tonen dieß alle Fachmänner und Sanitätskon— greſſe in erſter Linie, daß die menſchlichen Ab— fallſtoffe möglichſt raſch, und möglichſt unzerſetzt aus dem Bereiche der Stadt geſchafft 3 und dieß wird mit einem Abfuhrſyſteme in einer Stadt, von der bedeutenden Ausdehnung wie . ö 1— — —— R. Niernſee, H. Arnberger, Stadtbau- Direktor. Vice⸗-Baudirektor. Ir. Berger, Ingenieur. f —— —'— ——; — en. ———— — ——— ———.— — 2 B 3. 22477 ex 1873. KLöblicher Wagiſtrat! Mit Dekret vom 15. Dezember 1873, 3. 1037, wurde das Bauamt aufgefordert, über die Kanaliſirung in den Vororten Wien's ein— gehende Erhebungen zu veranlaſſen, und ſich ſo— dann über die Zuläſſigkeit und die allfälligen Modalitäten für weitere Kanaleinmündungen von außer Wien gelegenen Gemeinden in das hieſige Kanalnetz mit Bezug auf den Magiſtrats-Auftrag vom 17. Oktober 1873, 3. 1037, gutächt— lich zu äußern. Die weſtlichen Vororte Wiens, welche die Hauptſtadt in einem breiten Gürtel vom Fuße des Kahlengebirges bis an die nördliche Abdachung des Wiener Berges umgeben, liegen an den Ausläufen jenes Theiles des Wiener Waldes, deſſen öſtliche Begrenzung das Donauthal bei Wien bildet. Gegen dieſes Thal neigt ſich das ganze Terrain der gedachten Vororte im Allgemeinen, und durch mehrere kleine Fluß- und Bachgebiete insbeſondere, ſo daß der geſammte dortige Niederſchlag naturgemäß ſeinen Abfluß gegen Wien nehmen muß. Als natürliche Abzugskanäle für dieſes Terrain wirken der Schreiberbach, der Neſſelbach (Heiligenſtädterbach) der Kroten- und Erbſenbach, der Währingerbach, der Alsbach, der Ottakringer— bach und der Wienfluß. Von den genannten n. durchziehen der Schreiberbach, der Neſſelbach und der Kroten— und Erbſenbach größtentheils Kulturland, und münden als offene Bäche außerhalb des Gemein de— gebietes von Wien in den Donaukanal. Die Abflüſſe aus dieſen Bächen gelangen ſohin nicht in das hieſige Kanalnetz, und werden erſt dann, den ſanitären Anforderungen entſprechend geregelt werden können, wenn durch die Anlage von Sammelkanälen längs des Do— naukanales die Möglichkeit hiezu geboten ſein wird. Der Währingerbach ſowie der Alsbach und der Ottakringerbach iſt vor ſeinem Einlaufe in das Territorium von Wien, ſowie größtentheils auch ſchon außerhalb des Wiener Gebietes in gemauerten Kanälen geleitet, und findet die Ausmündung durch die ſtädtiſchen Kanäle in den Wiener Donaukanal innerhalb des Stadtge— bietes ſtatt. Das nach dem Wienfluße zu gravitirende Terrain der Vororte iſt größtentheils kanaliſirt, und hat wegen des Verbotes der Unrathableitung in den Wienfluß durch die ſogenannten Cholerakanäle zu beiden Seiten der Wien ſeinen Abfluß in den Donaukanal. Die urſprünglich nur Quellenwaſſer oder atmoſphäriſche Niederſchläge führenden Bäche vurden ſpäter zur Ableitung von Unrathsſtoffen und Abwäſſern aus den entſtehenden Anſiedlungen benützt, und haben bei der zunehmenden Ausdehnung der einzelnen Ortſchaften und der hierdurch bedingten Kanaliſirung den Charakter von förmlichen Unrathskanälen angenommen. Solange das Quantum der Abfallſtoffe zu der Menge des fließenden Waſſers verhältnißmäßig nur unbedeutend war, wurde gegen dieſe Unrathsableitung als die natürlichſte beim Anſtand erhoben; jetzt aber, wo die Verbauung dieſer O Ortſchaften rieſige Dimenſionen angenommen hat, und Komplexe von vielen Jochen jährlich der Kultur entzogen und als Baugründe verwerthet werden, muß dieſer ſanitären Angelegenheit die volle Aufmerkſamkeit zugewendet werden. Das Bauamt hat die gegenwärtig beſtehende Kanaliſirung von Währing, Hernals, Ottakring, Neulerchenfeld, Fünfhaus, Rudolfsheim, Sechshaus, Gaudenzdorf und Meidling an Ort und Il | 44 Stelle erhoben, und in den Spezial-Plänen er- Regierungs-Dekret vom 28. November 1837, ſichtlich gemacht, aus welchen zu entnehmen iſt, Z. 67057, derart erfolgen mußte, daß die Eindaß im Augenblicke bereits ein Kanalnetz von mündung von den gedachten Gemeinden ungehin— 75 Kilometer(nahezu 10 deutſchen Meilen) dert ſtattfinden konnte. Länge aus den genannten Vororten in das, Nachdem die vorortlichen Gemeinden die von Wiener Kanalgebiet einmündet. der 2 Kommune Wien angeſprochene Vergütung Nachdem in natürlicher Konſequenz alle der gehabten Mehrauslagen per 5648 fl. 42 kr. Kanäle ſich gegen ihre. hin ver⸗ K. M. für die Tieferlegung und Verbreiterung flachen, tritt bei der Abnahme des Gefälles noth⸗ des Kanales anläſſig der ö aus wendig ein mere bie der Sinkſtoffe ein, den Vororten. verweigert hatten, und da dieß auf dem Wege durch Wien ge- wurde endlich mit Vergleich vom 6. Mai 1852 ſchieht, iſt es die Hauptſtadt des Reiches, welche beſtimmt, daß die gedae cht en Gemeinden für die zum Ablagerungsort für den Unrath der Vor- Einmündung 3. R ) orte wird. kanal an die anäle in den Wiener Haupttgemeinde den Betrag von Welche ſanitären. aber durch die 2800 fl. K. M. zu zahlen haben, und wurde maſſenhafte Anhä. von Unrathsſtoffen in der dießfällige Vertrag mit Beſchluß des Wien er den Kanälen Wiens aunſichen iſt nur zu oft Gemeinderathes ddo. 17. Februar 1854, 3. von kompetenter Seite eingehend erörtert, und ad M. Z. 38447. 852 ratifizirt. anderſeits darauf hingewieſen worden, welche. r s. e 6 38, 1. lch Bei der ſpäter ſtattgefundenen Parzellirung pekuniäre Auslagen der Kommune Wien durch Ca* ,. der Fünfhauſer-Gründe auf der Schmelz und die ö.. werdende Inauſpruchuahme Anlage der Gürtelſtraße wurde der neue Haupt— Der ö.(. 2 WEHEN: kanal von den entſtandenen Baugruppen eben— . dieſer* ſan taten und ökono⸗ falls in den Cholerakanal zunächſt dem Gumpen— miſchen Intereſſ ſe der Hannigan ſo ſchwer wie— dorfer Schlachthauſe eingemündet, und hiefür genden Thatſachen und der bisherigen ſtillſchwei⸗ mit Vertrag vom Jahre 1870, 3. 131.141, genden Duldung 8 Zuſtände, mußte der Ge- ein für alle Mal 1000 fl. ö. W. als Einmün— danke nahe liegen, daß die Vororte, doch giltige Rechtstitel Un. dürften, kraft deren ſie die Einmündung ihrer Kanäle in das hieſige Kanal— netz verlangen können, und war das Bauam ſohin bemüht, die bezüglichen Daten über die Verhältniſſe dieſer Einmündungen zuſammen zu| ſtellen, welche hiemit Einem löblichen Magi— ſtrate unterbreitet werden. Die Gemeinden Währing, Hernals, Otta— kring und Neulerchenfeld haben ihre Kanäle in 3: 2 die dieſe Gemeinden durchziehenden Bäche ein— Nachdem aber die, Kanäle 8 Mudolfeheim gemündet, und kann da dieſen Bächen der durch die Fünfhauſer Kanäle mit dem ſtädtiſchen Charakter von öffentlichen Gewäſſern nicht ab— Cholerakanale kommuniziren, und den elben ſomit zuſprechen iſt, das Recht der Waſſerableitung belaſten, iſt 8. ſolcher Vorgang ohne Bewilligung von den genannten Gemeinden in dieſelben nicht der Stadtgemeinde unzuliſſig, n n ſchon beſtritten werden, wenn auch dieſe Gewäſſer aus Rückſichten für den Beſtand des ſtädtiſchen innerhalb Wiens in Kanälen geleitet ſind, wohl Cholerakanales nicht. zu geſtattem wonach der aber kann die Einwölbung derſelben, dort, wo Gemeinde Rudolfsheim jede weitere Einmündung es noch nicht der Fall iſt, aus Sanitäts-Rück— bis nach Erledigung der Frage über die vor— ſichten verlangt und hinſichtlich der Unrath— ortliche Kanaliſation zu unterſagen wäre. abtheilung gewiſſe Anſprüche erhoben werden. Was endlich die Gemeinden Gaudenzdorf Die Gemeinden Fünfhaus, Rudolfs- und Meidling anbelangt, ſo münden die dor heim, Sechshaus, und ein Theil von Gau-| tigen Kanäle in den ſtädtiſchen Hauptkanal am denzdorf haben ihre Kanäle am linken Wien- rechten Wienufer, und wurde denſelben die Beufer eingemündet, deſſen Anlage ſeinerzeit über! willigung hiefür mit dem Gemeinderaths-Be65 Ke tad dungsgebühr, dann ein jährlicher Säuberungs— beitrag von 200 fl. und ein jährlicher Erhaltungsbeitrag von 40 fl. bedungen, welche Bedingungen die Gemeinde Fünfhaus auch angenommen hat. Vor Kurzem wurden aber auch aus dem Gebiete von Rudolfsheim einige Kanäle in das neue Fünfhauſer Kanalnetz auf der Schmelz eingemündet, ohne daß hiefür die Zuſtimmung der Kommune Wien eingeholt worden wäre. — J———— 2 66* yl — ſchluß vom 8. Mai 1856, 3. 805 ad M. 3. 27.003 ohne Entrichtung einer Einzapfgebühr, und mit Verzicht auf die Rückerſetzung der wegen Tieferlegung des ſtädtiſchen Kanales gehabten Mehrkoſten per 950 fl. K. M. gegen dem er— theilt, daß der Anſchluß an den ſtädtiſchen Kanal zum Theile auf Koſten der dortigen Gemeinden hergeſtellt, und die Verpflichtung eingegangen werde, in Zukunft keinerlei Abzugskanäle in den Wienfluß beſtehen zu laſſen, wo gegen die Kommune das Zugeſtändniß machte, . den ſtädtiſchen Hauptkanal bis zum Anknüpfungspunkte beim Linienwall auf ſtädtiſche Koſten zu verlängern. Aus dem Dargeſtellten geht demnach hervor, daß mit Ausnahme der neuen Kanäle in Rudolfs— heim auf der Schmelz, alle beſtehenden Kanaleinmündungen der Vororte Wien's in die hieſigen Kanäle theils im Wege des natürlichen Rechtes, theils in Folge von Vereinbarungen entſtanden ſind, und gegen ihren faktiſchen Beſtand kaum angekämpft werden kann. Jedoch dürfte für die erſtgenaunten Gemeinden Währing, Hernals, Ottakri feld, welche keine beſondere Vereinbarung mit 1; Wien getroffen haben, durch das natürliche Recht der Waſſerableitung noch nicht das bedingungsloſe Recht verbunden ſein, ihre geſammten Ab— fallsſtoffe nach Wien abzuleiten und kann die Stadtgemeinde nach hierortiger Meinung immer— hin aus dieſem Grunde einen Räumungs- und Erhaltungsbeitrag fordern. Denn es iſt bekanntlich nicht einerlei, ob an einem Hauptkanale ein Seitennetz von 1000 oder 2600 Meter Länge partizipirt, da mit der zu— nehmenden Länge auch mehr Unrath in dieſelben gelangt, der ſich an den tiefſten Stellen, alſo in Wien, ablagert und hier desinfizirt und auf mechaniſchem Wege entfernt werden muß. Ebenſo werden durch vermehrte Unrathsanhäufungen auch die ſchädlichen Einflüſſe auf den Zuſtand des Kanalmauerwerkes vermehrt und die Koſten der Erhaltung hiedurch vergrößert. Es erſcheint daher nur angemeſſen, dieſe Gemeinden zur Beitragsleiſtung für die Mitbenützung der ſtädtiſchen Kanäle heranzuziehen, und wäre dieß in der Art möglich, daß die betreffenden ſtädt. Kanäle, d. i. der Als⸗ Währinger— und Ottakringerbach-Kanal zu Konkurrenz⸗Obng und Neulerchen45 Stadt etwa nach der Länge des einmündenden Kanalnetzes gleichmäßig partizipiren. Dieſe Repartition hätte auf Grund der faktiſchen Koſten zu geſchehen und da ſich dieſelben bekanntlich alljährlich ändern, wäre die Höhe der Beitrags-Quote nach Ablauf jeden Jahres zu ermitteln, und hiebei die an den beiderſeitigen Kanalnetzen eingetretenen Aenderungen in Rechnung zu bringen. Was nun die Frage anbelangt, ob die hieſigen Kanäle die Fähigkeit beſitzen, bei, zunehmender Ausdehnung des vorortlichen Kanalnetzes den ſteigenden Anforderungen zu entſprechen, ſo wurde zum Zwecke der Beantwortung dieſer Frage die Ausdehnung des kanaliſirten Terrains der Vororte mit Rückſicht auf die einzelnen Bachoder Kanalgebiete erhoben nnd in der anliegenden Ueberſichtskarte II erſichtlich gemacht, wonach auf Grund dieſer Daten und der Profils⸗ und Gefälls-Verhältniſſe der einzelnen ſtädt. Hauptkanäle deren Leiſtungsfähigkeit und Inanſpruchnahme berechnet worden iſt, und das Reſultat dieſes Kalküls im Nachſtehenden zuſammengefaßt wird. Die Kanäle, welche der Währinger- und Alsbach aufnehmen, ſind in ſolchen Dimenſionen angelegt, daß ſelbe hinreichende Kapazität beſitzen, um nebſt den atmoſphäriſchen Niederſchlägen auch einer 2 bis 3 mal ausgedehnteren Kanaliſirung in den Vororten vollſtändig zu genügen. Der Ottakringerbach-Kanal in ſeinem oberen Theile genügt zwar dem zu trainirenden vorortlichen Niederſchlagsgebiete nicht vollſtändig, wird aber durch den aus Kon truktions-Rückſichten nothwendigen, bereits prinzipiell genehmigten Umbau, ebenfalls eine entſprechende Leiſtungs— fähigkeit erlangen. Der Hauptkanal am rechten Wienufer genügt für die Einmündungen aus den dortigen jekten erklärt würden, an deren Räumung, Er— haltung und Desinfektion die Vororte ſowie die Vororten, und iſt, weil eine weitere Ausdehnung der beſtehenden Kanaliſirung am Schönbrunnerpark und der Südbahn ihre Grenze findet, eine bedeutendere Inanſpruchnahme nicht mehr zu gewärtigen. Der Hauptkanal am linken Wienufer zeigt jedoch ganz andere Verhältniſſe und muß demnach eingehend beſprochen werden: Dieſer Kanal nimmt ſämmtliche Abflüſſe vom VI. und VII. Bezirke, dann dem größten Theile vom VIII. Bezirke, ferner vom ſüdöſt—— 2 22 A e—* ———— . Ca 2X . 46 lichen Stadterweiterungs-Rayon und von den Orten Fünfhaus, Sechshaus, Rudolfsheim, und einem Theile von Gaudenzdorf auf, und hat überdieß die Zuflüſſe von Neulerchenfeld und Ottakring, welche durch den Ottakringerbach— Kanal dahin gelangen, mit abzuleiten. Die bezüglich dieſes Kanales durchgeführte Rechnung, bei welcher die Leiſtungsfähigkeit des— ſelben in ſeinen verſchiedenen Querſchnitten und die faktiſche IJnanſpruchnahme in Betracht gezogen ſ wurde, zeigt, bereits überlaſtet iſt, und durch die Zuflüſſe aus den Vororten allein beinahe feine ganze Leiſtungsfähigkeit in Anſpruch genommen wird, ein Uebelſtand, welcher nur durch die beſtehenden Ueber— fälle in den Wienfluß ſo viel als thunlich gemil— dert werden konnte. In Würdigung deſſen wurde auch bei der Bewilligung der Einmündung des neuen Hauptkanales von Fünfhaus im Jahre 1870, die Anlage eines Ueberfalles außerhalb der Linie zur Bedingung gemacht, und ferner im Gebiete von Wien die beſtehenden Ueberfallkanäle größ— tentheils rekonſtruirt, wodurch jedoch nur Pallia— tiv⸗Mittel geſchaffen ſind, welche keineswegs für alle Fälle die nöthige Sicherheit gewähren. Nach dieſen Auseinanderſetzungen findet das Bauamt die drei bezüglich dieſes Hauptkanales geſtelltn Fragen im Folgendem zu beant— worten: ad 1. Der Cholerakanal am linken Wienflußufer Kanaleinmündungen vollſtändig überlaſtet, ſein ungefährdeter Beſtand nur von dungen von auswärtigen Gemeindekanälen gänzlich unſtatthaft, wonach das Anſinnen der k. k. Bezirkshauptmannſchaft Sechshaus, für Penzing die Einmündung zu geſtatten, mit Rückſicht auf die phyſiſche Unmöglichkeit entſchieden abgelehnt werden muß. ad 2. Die Hereinleitung der Fäkalſtoffe aus den Vororten iſt vom Standpunkte der Sani— daß dieſer Abzugskanal durch die Einmündungen der Kanäle aus dem Stadtgebiete der Wirkung und dem geſicherten Beſtande der Ueberfälle abhängig und weitere Einmünweitigen Ableitung nicht geändert werden, wenn nicht die Einführung eines Abfuhr— ſyſtemes etwa das Mittel hiezu bieten wird. ad 3. Die mittelbare oder direkte Einleitung von Kanälen aus anderen Gemeinden in den Cholerakanal am linken Wienflußufer iſt nur bei deſſen gänzlichem Umbau zuläſſig, wobei auf ein entſprechend großes Nieder— ſchlagsgebiet Nückſicht genommen werden muß, damit der neue Kanal bei ſeiner— zeitiger Vereinigung der Vororte mit Wien auch allen Anforderungen entſprechen könne. Was nun den Kanales anbelangt, eventuellen Umbau dieſes ſo iſt es angezeigt, vorerſt die Löſung der Wienflußfrage abzuwarten, da bei allfälliger Ableitung der Wien das frei werdende Flußbett die geeignetſte Trace für die Anlage des Hauptkanales bietet, und deſſen Herſtellung im Wienbette wegen der geringeren Erdbewegung bedeutende Erſparungen zuläßt, abgeſehen davon, daß auch die Schwierigkeiten der Ausführung hiedurch weſentlich verringert würden. Bezüglich der Bedingungen für künftige Kanaleinmündungen aus den Nachbargemeinden in den neuen Hauptkanal ſcheint es nur billig, wenn die Vororte bei dem Umbau dieſes Kanales jene Mehrkoſten zu tragen hätten, welche durch die Vergrößerung des Querprofiles über die, in Folge der hieſigen Kanaliſirung nothwendigen 2 5*— ĩ ö Di 61 e ,,, erde aß dieſe iſt gegenwärtig ſchon durch die beſtehenden Dimenſionen erforderlich werden und daß dieſ Mehrkoſten nach der Ausdehnung der einzelnen Kanalnetze auf die betreffenden Gemeinden repa— tirt werden. Wohl dürften jene Gemeinden, welche ein Recht für die Kanaleinmündungen erlangt haben, ſich weigern, an den Koſten des Umbaues zu partizipiren, da jedoch die Kalamitäten, welche aus der Ueberlaſtung des Cholerakanales ent— ſtehen, die Vororte ebenſo wie die Stadt treffen, und die Konſequenzen einer hier eintretenden Kataſtrophe dort ebenfalls gefühlt werden müßten, zudem eine Erweiterung der vorort— ꝛ wann P— ö——— t—— —————**— w DM———— —= EU LA=— K—————— ö ö= tätspflege wohl ſehr zu beklagen, beſteht jedoch, wie bereits erwähnt, zu Recht, iſt einem Senkgrubenſyſtem in den Nachbargemeinden entſchieden vorzuziehen und kann bei der ausgedehnten vorortlichen Kanaliſation und der Unmöglichkeit einer ander— lichen Kanaliſirung nur bei einem Um— bau dieſes Kanales möglich iſt, ſpricht das Intereſſe der Nachbargemeinden mindeſtens in gleichem Maße wie das der Hauptſtadt für den Umbau, und iſt es nur billig, die Vororte zur Beitragsleiſtung zu verhalten. — —— —— 1 — 2— j— J 81 1+ 4 — 47 . . den müſſen, und welche Dimenſionen der neue Hauptkanal zu erhalten, wonach erſt die Ziffer Es dürfte daher im Wege eines Landes— geſetzes die Konkurrenzpflicht der Nachbargemeinden —— . F . ausgeſprochen und deßhalb an den n. ö. Landtag mit dem Erſuchen prinzipielle Entſcheidung in treffen. Erſt nach dieſer prinzipiellen Entſcheidung und nach Löſung der Wienflußfrage iſt es an dieſer Frage zu herangetreten werden, die ermittelt werden kann, welche als Beitragsquote die Vororte trifft. Es wolle demnach gefällig ſein, vorerſt die Prinzipienfragen der Wienflußableitung und der ; 5© Konkurrenzpflicht der Nachbargemeinden zur Austragung zu bringen und wird das Bauamt ſodann nicht ſäumen, ein detaillirtes Bauprojekt zu unterbreiten. Wien, am 26. März 1874. ö der Zeit, die Grenze zu fixiren, bis zu welcher der neue Hauptkanal geführt werden muß, welche Gemeinden in die Kanaliſirung einbezogen wer— R. Niernſee, Bau⸗Direktor. E. Hajek, Ober⸗Ingenieur. A. Wurth. Ingenieur. ES 7————— ad. B. 3. 3800 ex 1878. Ausweis über die in den Jahren 1855 bis inkluſine 1877 für Kaual-Neu⸗ und Umbauten und für die Erhaltung der Kanält, ferner über die in den Jahren 1866 bis inkluſive 1877 für die Räumung der öffentlichen und der Hauskanäle der Stadt Wien beſtrittenen Auslagen. ————.— ö 11 1 —— 2 — . 8* 3* dry )% ö 4 28 1— 27* 3 ———————— m m——>——S>—w=>————>———m——mmmm—m„m—m—— mm—m————— Au s 1a gen für die Räumung der Kanäle und zwar Im Jahre für Kanal-Neu- und für die Erhaltung der | Anmerkung ” 1 Umbauten Kanãle öffentlichen Kanäle\ Hauskanäle 3Zufammen | fl. Fi fl. WI. fl. r fl. m.. mtr| ——— SE 38.580 17.438 Sämmtliche Auslagen wurden in öſterr Währ. 61.488 21.499 in Anſatz gebracht. 73. 145 18.583 88.675: 31.253 75.320 30.064 57.095 21.676 135.921 28.007 206. 506 26.952 138. 851 42.092 308.558 64.978 246.111 63.789 164.918 46.795; 49.112 49.112. Die Räumung der Hauskanäle durch die Kom— mune erfolgte über Gemeinderathsbeſchluß vom 9. Fe15. 192 95.590 bruar 1866, Z. 6295, zuerſt probeweiſe im VII. Bezirke, . wurde ſodann mit dem Gemeinderathsbeſchluſſe vom 48.103 141.603 3 8. Oktober 1867, Z. 4181, im Jahre 1868 auf den | III., IV. und VI. Bezirk und vom Jahre 1869 an, 98. 840 3 175.923 auch auf die übrigen Bezirke ausgedehnt. . 132.616. 30. 869 80. 398 95 901 43.469; 93.500 27; 146.094). 77.082 Die Auslagen für die Räumung der Hauskanäle werden im vollen Betrage von den Hauseigenthümern der Kommune rückvergütet. 200.558 39.2: 75.052 114.051 46 189. 104 367. 670 5 75.834 a”. 14 492 7 190.327 416.079; 36. 102.695 153.207 255 903 * 605.310 50; 111.761 65088 279.269 —— 487 470| 111.839 185.959 3 297. 798 352.989 3 36.66 131.227 201.439 332. 566 285.615 ‚67: 137.455 11 222. 707; 360. 162 229 082 131.108 63 210.479 3 34758 —————————— ——.* ö Summe 4,914. 564 883.392 1, 183.068 16 m vr. 8 k— 1,531. 981 20 2,715.049 36 Bon der Buchhaltung der ſi. 6. Reichshaupt- 4 und Reſtdenzſtadt Wien, am 29. April 1878. Schmid, Katz ler. Th. Fechner, Ober Buchhalter. 8 Rechnungs⸗Rath. Official. ————— AT 2—— ——————— 2— —m—— Beilage zu dem Berichte des Stadtbanamtes, vom 16. Oktober 1875, 3. 36105 x Verzeichniß | der Haupt-Sammel-Kanäle des Kanalnetzes in Wien. Wit Bezug auf den Plan Litt.. 1875. R ·ᷣ·xc · x ··· — 2 r** men—. *.————— — 1—— WERE—— o, a SWS ME —————— — l—— ————— mim — Hauptſammelkanäle. Erſte Kategorie. * * K * 81 Ar‘ 2 En 2 € 2 N 1 | uf 3 2 —| Proll* Verglichenes K Name Don| bis lang Gefälle Elm Profil Anmerkung 4 ||—— ; H S S hoch breit Die folgenden Be⸗ Hd zeichnungen korreſpon⸗ A | diren mit dem Plane.. Die Kote oberhalb 5 .| des Bruchſtriches be⸗© =| zieht ſich auf das Ter⸗ 14 .* rain, jene unterhalb| . Donaukanal Zollamts gebäude 17727 2389/9 265 19 em. anf | Zollamtsgebäude III., Hauptſtraße 537 92| 349 ½09 235 149 ba 1 S| a ;| 021m. III, Hauptſtraße Rennweg, Heu-|| 1= marktkaſerne 1002 92 229 /, 24 19 H Rennweg Technikerſtraße 7 2720 270600 24 1:8/ # Technikerſtraße| RKeffel- Denkmal| 17226| 3 09 24 1:38 X 4 Se Reſſel⸗Denkmal IV., Hauptſtraße 200:08 32%, 24 1:8 ö S IV., Hauptſtraße Obſtmarkt 11964 3 2,½9 211 148 9 ie 8 2— E D 8— = Obſtmarkt Wienſtraße 100.51 39½ 9 19 VA 8 8 / S5 8 Wienſtraße Nr. 3 Wienſtraße Nr. 17 14026 40, e) 3 Lo ME. . Wienſtraße Nr. 17 Rndolfsbrücke 422.05 4 69 18 13 ü*|/ 6 Rudolfsbrücke Wienſtraße Nr. 57 275.38 6409 146 61 A 2| X 23 Wienſtraße Nr. 57 Pilgrambrücke 40237 500 14 09 1 wa Pilgrambrücke Mauthausgaffe 93415| 44709 4— Maunthausgaſſe Hundsthurmerlinie 215.33 44%, 13 0.8 ||= Hundsthurmerlinie Gaudenzdorf⸗ ay A117 8 Grenze 69:88 5 806 is. | —— . 14* 2 A 25 . le,. DV 5* 83 3 66 A . An * —naͤ?BꝛoguſaauuuuuuuuuuuNuavavaUoUuUìauoUUauauuouuuunuauђiuWßuwuuúauu Kanäle erſter Kategorie. Kanäle erſter Kategorie. Profil— Bergliche m.| proſt Berglichenes a, 3 A) { Name ie lang Gefälle= Profil Anmerkung hoch hreit pronl Anmerkung. i lang Gefälle hoch| breit 2. . Geſammtlänge Geſammtlũnge . hoch breit deo | Donaukanal Eliſabethbrücke 2048 20 . 0:15 bis Ottakring Bach. Magdalenenſtraße 4. Magdalenenſtraße 95. Mollardgaſſe 41. Mollardgaſſe 75. Schlachthaus. 30.70 ) Da 16 ; 5 251.7 q; ꝛ 4 J.. Brückenauffahrt Alſerbachſtraße 24 14877 3.3 0½g 7 *. 8 ite ,. ——“ Einmündung des Linienwall Ottakringer Baches Alſerbachſtraße 24 Alſerbachſtraße 18 16291 180/00 . Alſerbachſtraße 13 Alſerbachſtraße 23 149.51| 5.6% 9| . 6. R 5050 85 m Linker Cholerakanal ————— dM do Alſerbachſtraße 23 Lichtenſteinſtraße 163 10 5:59 0| Lichtenſteinſtraße Alſerbachſtraße!| 15251| 74% 0 —————— ——— . z an Alſerbachſtraße 1 Nußdorferſtraße 15 8819 54*ͤ 9 — Einmündung des Dreihufeiſengaſſe| 1/9 Cholerakanales Nußdorferſtraße 15 Nußdorferſtraße 12 69 54 S6, ſoo Dreihufeiſengaſſe Haben ber gerftraßt 58 9.200 Nußdorferſtraße 12 Nußdorferſtraße ß 77:43 77 Yo Nußdorferſtraße 6 Nußdorferſtraße 4 4504 12400 ſtallungen 8 30/0 | Babenbergerſtraße Anfang der Hof| { 5 Nußdorferſtraße 4 Bürger⸗| Anfang der Hof. Mitte der Hof⸗ verſorgungshaus 321.43 10 40i½ ſtallungen| ſtallgebäude 17 11109dU6 2190 07 m. Bürger⸗ Spitalgaſſe 145.71 17.4 0½ 0 verſorgungshaus| Mitte der Hof-| Burggaſſe 51 8659/0 . ſtallgebäude 2372 23m. Spitalgaſſe KLazarethgaſſe 8 70.22 13 5)0 Ottakringerbach le Burggaſſe Lerchenfelderſtraße Lerchenfelderſtra ße 9 Nr. Lerchenfel derſtraße Nr. 117 Ausmündung Donaukanal Lerchenfelderſtraße Lerchenfelderſtraße 49714 170&: | bis Nr. 49 Lerchenfelderſtraße bis Nr. 117 Linienwallgraben Brückenauffahrt Alſerbachſtraße 27428 890 570. 92 12940 189.50 69. 1 2.90 0 Lerchenfelderſtraße 5. Nr. 49. Weiterer Wechſel von Nr. 49, 42 Klafter= 70m. entfernt.| j. 34:57 Lazarethgaſſe 8 Lazarethgaſſe 13 Lazarethgaſſe 21 Kreuzung Pelikan— gaſſe Lazarethgaſſe 27 Kreuzung Pelikan Lazarethgaſſe 13 Lazarethgaſſe 21 gaſſe Lazarethgaſſe 27 | Kreuzung Bründlbadgaſſe 129.22 5 10. 7* 90, 10 00 104* 3 10.90, Kanäle erſter Kategorie. Kanäle zweiter Kategorie. Profil Berglichenes Proſil RA Anmerkung Gefälle Proſil Anmerkung i lang Gefälle | z ö hoch breit hoch hreit Geſammtlänge Geſammtlänge Alsbach Kreuzung Linienwallgraben ö:| h ö Bründlbadgaſſe| 20:49 hoch breit Einmündung des Schottenring 55093 6°9% 9| Quai⸗Kanales 14:56 Kohlmeſſergaſſe 22996);; 1 . Haarmarkt 5.73 14 Lichtenſteg Rieſenthor Rothenthurmſtraße Stock im Eiſen 531 96 113:4% 9;; h Bader |;: 8:37 Franz⸗Joſefs Quai 15.19 ») 6:49 . 1233 Währin⸗ Einmündung Linienwall 225 21 1260 gerbach in den Alsbach Donaukanal 225 21m. 1 LER|||| Verbindungskanal Simmeringer⸗ 905.94 58%,| 2 k| 9 en ſtraße| 30.79 Simmeringerſtraße Wielandgaſſe 623. 37 5 8ͤ 2195 54 m. || Dir| Kärnthnerſtraße Kärnthnerſtraße 4 33 50 117:5% 9 Wielandgaſſe, zweite Gaſſe hinter LOS— ö| 9 50:02 unter der Bertha⸗ der Jagdgaſſe 13 15 gaſſe|| Kärnthnerfiraße 4 Kärnthnerſtraße 21 191455 13 40½ 9 Sammelkanal in Favoriten Kärnthnerſtraße 21 Kärnthnerſtraße 33 92493 15.6*, Rothenthurmſtraße, Kärnthnerſtraße Jägerſtraße Kärnthnerſtraße 33 Kärnthnerſtraße 39 69 46 1142, Donaukanal ſathildenplatz 37 170 Kärnthnerſtraße 39 Ende Opernplatz 129. 75 15 40½ Brigittenau 1352 19m. Mathildenplatz Pappenheimſtraße ö 1790, Sammelkanal Pappenheimſtraße Leipzigerſtraße 7 Donaukanal Quaibaſtei 41 72 440/99 Nördlicher Ringſtraßenkanal ſtraße Donankanal Schottenthor Schottenthor Bellariaſtraße S853 42 10440 Sammelkläanäle zweiter Kategorie. 22-75 V) 17:45 Donaukanal Salzgries Marienſtiege Hohe Brücke Freyung Salzgries Marienſtiege Hohe Brücke Freyung Herrengaſſe 21944 69% 21146 14.70, 286 18 11106 19 16 142 12 1:6 15 14 14 5 * . 0:24 4 66 ||| ht. QAuaibaſtei sizo io 4002 14 Poſtgaſſe 22 Poſtgebäude Fleiſchmarkt Bibliothek Poſtgaſſe 1 Schulerſtraße Singerſtraße Kreuzung Singerſtraße Poſtgaſſe 22 1517 37 24/0 Poſtgebäude Fleiſchmarkt Univerſitätsbibliothek Poſtgaſſe 1 Schulerſtraße Singerſtraße Seilerſtätte Himmelpfortgaſſ e 20. 24 104 62 129.91 143 34 13718 170 47 45 52 195 20 3 37/99 8 hoo 659) . Yoo 8:80 ſoo 7.8 0 14. 70 9 . Donaukanal Poſtgaſſe, Seilerſtätte, Krugerſtraße | errengaſſe Minoritenplatz 193 20 12660699 1 0. 8 00| Kanal Salzgries, Tiefer Graben, Löwelſtraße 93 01 1730/69 0:8 19:00: Minoritenplatz. 17 87 Freyung, Minoritenplatz bis Löwel— . 2 64 22 — u Kanäle zweiter Kategorie. Kanäle zweiter Kategorie, r, 27 22 EM 1 22.* 7“ ———— Verglichenes ö Profil Verglichenes 7 * | A! Profil Anmerkung Proſil Anmerkung | 1; hoch breit hoch breit; Geſammtlänge Geſammtlänge Gefälle breit Seilerftätte Kreuzung|| Taborſtraße 3 Taborſtraße 46 2.90— 828 Johannes gaſſ 9230 1222 ½, 1 7 H.| ho(3:85 Donaukanal Taborſtraße 3 | lang/ Gefälle Seilerſtãt te Kreuzung Taborſtraße Vereinsgaſſe 3 90 Annagaſſe 71:34 10 7 ſtraß zgaſſ bo Vereinsgaſ Stadtgutgaſ 8 Seilerſtätte Kreuzung ereinsgaſſe gutgaſſe oo Wallfiſchgaſſe 82:65 15. 6969 Stadtgutgaſſe Praterſtern 16 2.0 ſtätte— Krugerſtraße Krenzuug Wall⸗ Krugerſtraße 8 94 25 15.009, fiſchgaſſe| Krugerſtraße 8 Krngerſtraße 4 33 99 11:5%20 Cholerakanal Hauptzollamts⸗ 26% 0 gebäude Donaukanal= Poftgaffe— Seilermn, R D ſ. a GE— ?{ 28 fr Zollamtsgebäude Mitte 2. 5 0 Mitte des Zoll— Viadukt| 8:2%o amtsgebäudes erchenfelderſtraße Franzensring 301438 Mitte Viadukt Invalidenhaus 129. 38 23% Ueberfall des Ottakringer Mitte des Inva- III., Hauptſtraße 115.95 1144*½ lidenhauſes Ringſtraße Jofefſtädterſtraße Hauptſtraße Kreuzung 180.33 13.00 .. 2 4 der Invaliden— Joſefſtädterſtraße Joſefſtädterſtraße K und Ungargaſſe 17990 | Rutſche Rutſche 111 113. 106——0 ungargaſſe— Rennweg 2336. 80 m. Joſefſtädterſtraße Neudeggergaſſe; 17. 306 Nr. 4 Rutſche Kanaleinmündung 147.85 10. 80 Beatrixgaſſe Nendeggergaſſe Piariſtengaſſe 16.3 0/g ö K inmündung eatrixgaſſe Nr. 5 7 600 , Beatrixgaſſe Nr. 5 5„19 14508 19.70½ Paradeplatz— Joſefſtädterſtraße Piariſtengaſſe Strozzigaſſe 148 72 10.7 Zollamtsgaſſe n„27 Rennweg Nr. 49 106882| 66% Mathildenplatz Gerhardusgaſſe 538.53 Donaukanal Waſſergaſſe 5 91:55 13. 30/0 burgerſtraße Waſſergaſſe 5 Schwalbengaſſe 2716 43 30, Kanal KloſterneuWaſſergaſſe, Hauptſtraße, Ste in gaſſe, RennSchwalbengaſſe Parkgaſſe 32 95 30 20,09 ann DT TUN Kanüle zweiter Kategorie. Kanäle zweiter Kategorie, Profil Verglichenes Name Yon lang Gefälle Profil 2 1 Name Von Gefälle 3| hoch breit K k ag breit y , Faſangaſſe 35 Mohs gaſſe 21419,. ; Profil Anmerkung hoch breit 3 | | | | | | Geſammtlänge Geſammtlänge Gefälle :Q m. Parkgaſſe Erdbergerſtraße S368 23*½ Faſangaſſe Rennweg 1 172 Vo 1496 45m. Mohsgaſſe Vorko. Erdbergerſtraße Landſtraße. J Hauptſtraße 308 36 7. 60½ 0 Hauptſtraße Hauptſtraße 95 45:64| 24.0 j w Wieden Favoritenſtraße! 38:32 22. 60½ 161 Hauptſtraße| ] Hauptſtraße Nr. 9h Hauptſtraße 99 7408 3.370 Favoritenſtraße 1 Favoritenſtraße 26 54350 11400 auptſtraße Nr. 99 Steingaſſe 357 64 6.19 Favoritenſtraße 26 Thereſianumgaſſe 132.75 170i Steingaſſe Steingaſſe Nr. 21 257.29 13 79,| Thereſianumgaſſe Favoritenſtraße 27 225.91 202%, Steingaſſe Nr. 21 Steingaſſe Nr. 27 69 46 22 9 2613.53 m. Favoritenſtraße 27 Südbahntunnel 5065.65 1400 Steingaſſe Nr. 27 Rennweg 70.54 154 ½ Waſſergaſſe= hauptſtraße Ste ng ff e Rutſche Rutſche 52 73 166. 80 /o Rennweg Vorkopf Rennweg 17184 7.6*½ 0 Favoritenſtraße/ Himbergerſtraße Rutſche Quellengaſſe 1063.45 7. 80ͤ Quellengaſſe Quellengaſſe 64 5122 104% 4 Donaukanal Schlachthausgaſſe 319.24| 49% 4 Schlachthausgaſſe Schlachthausgaſſe 133 07[113% Cholerakanal Heugaſſe 4 74 36 33 35, ( Heu 456 5355/0 Schlachthausgaſſe Hauptſtraße 163 518.86 119 ½ . 1 In | ** 141 3 A R 1 * 4 * 2 ß — Heugaſſe 4 Obere Alleegaſſe 304 62 21430 166167 m. Hauptſtraße 163 Schlachthaus gaſſe 35 40 12274 — 2 —— w— —— 2 3* Obere Alleegaſſe Karolinengaſſe 415.03 3500s —— * 1080 53 m. Verlängerte Neuſtädterkanal 158. 24 16 30½ Schlachthausgaſſe Karolinengaſſe Goldegggaſſe 98.38 26 6*½ ze Schlachthausgaſſ Arſenala / Verbindungskaual Verbindungskanal 496.865 261%,| 1:*;; 4. Goldegggaſſe Linienwall 188. 14 1920, Cholerakanal Wieden Hauptſtraße 5 78.31 18. 30/6 Wieden Wieden Hauptſtraße 5 Hauptſtraße 19 S4. 23 23.000 Wieden Favoritenſtraße 10130 16.1000 Hauptſtraße 19 Favoritenſtraße Wieden Hauptſtraße 28 98406 14 20,0 . Wieden Waaggaſſe 10143 11400 Faſangaſſe Nr. 20 Faſangaſſe Nr. 35 15730— 3 R Hauptſtraße 288 . Waaggaſſe Hauptſtraße 44 11389 1320, Pan Arſenalkanal FavoritenSammelkanal Verbindungskanal 457. 50m. ———— ——— —— Cholerakanal Faſangaſſe 905 86 ac 2029. 08m. Faſangaſſe Faſangaſſe Nr. 5 49:41 1496 45 m. 17290 Faſangaſſe Nr. 5 Faſangaſſe Nr. 20 161425 Wieden ⸗Hauptſtraße Rennweg== Faſan Kanäle zweiter Kategorie. ö; Kanäle zweiter Kategorie. Verglichenes Verglichenes Profil hoch breit Profil Gefälle——) hoch breit ᷣ Profil Profil Anmerkung 4 i lang| Gefälle body| breit Geſammtlänge Geſammtlänge Gefãlle hoch breit IV., Hauptſtraße Hauptſtraße Nr. 59 S0 36* r Cholerakanal. Obere Bräuhausgaſſe 150.69 1587, Hauptſtraße Nr. 59 65 110.71% Obere Bräuhaus- Siebenbrunnen—|| 65 75 232. 16 gaſſe gaſſe 284 87 1657/09 79 74.75 Nutſche Rutſche 711 1233. 0½ 1069. 64m. 81 38. 88 Rutſche Reinprechtsdorferſtraße 225.05 16. 3 Reinprechtsdorferſtraße 81 Trappelgaſſe 21:65—ᷣ j|(24958 (22:06 ö. Reinprechtsdorfer⸗ Vorkopf nächſt Trappelgaſſe IV., Hauptſtraße 53 42;;. 1.1) ſtraße der Linie 40192 34 202 ½d IV., Hauptſtraße Matzleinsdorfer⸗ 7615 Nr. 85 ſtraße Nr. 1. Matzleinsdorfer⸗ Matzleinsdorfer⸗ 67. 38;| Dürergaſſe Gumpendorfer⸗ eis ſtraße Nr. 1 ſtraße Nr. 5 RS ſtraße 187381 53 8/0 Cholerakanal Dürergaſſe 72 07| 40% 0 2029:08 m Gumpendorfer⸗ Windmühlgaſſe| 326 51 239% Matzleinsdorfer⸗ Laurenzergaſſe 199 29 ſtraße ſtraße Nr. 5 . re 8 a 8 — LS A 8 8 I 1 = 0 O 8231 2 2 Laurenzergaſſe Matzleinsdorfer| 322.07 Windmühlgaſſe Zieglergaſſe 35764| 89° ſtraße 49 Matzleinsdorferſtraße 49 5 55 9451 Ziegler gaſſe| Kaiſerſtraße 333.31 8. 90/ Kaiſerſtraße Kaiſerſtraße Nr. 6 78:39 1147009 55 Vorkopf Nr. 76 S054 41.70; 51(46:69 Kreuzung— (40:23 2087. 16m. (43:80 Kaiſerſtraße Nr. 6 13 78 39 21.30, 1 1 (32765 (4700 Göthegaſſe—=.. 4(12:92 ö 12 22 12106 15 3, 22 30 77:28|16:6% 0 Favoritenkanal Südbahn⸗Tunnel 6101 Südbahn⸗Tunnel Nutſche 46 15 200 0 Rutſche Lannergaſſe 688.50 27. 8g Wielandgaſſe Buchengaſſe 367 90 21.70 Buchengaſſe Himbergerſtraße 483.58 21. 700 Himbergerſtraße Grenze des 104492 21. 79. Gemeindegebietes. HF EN Neubaugaſſe 16 Neubaugaſſe 17 9467 111% 30 40 15298 20 85/9 Kaiſer Mariahilferſtraße—Windmühl— Kanalgaſſe 40 51 11455 116*½ 51 Weſtbahnlinie 18720 11 30½ Einmündung Mitte der Mariahilferſtraße 40 54[321% . Mitte der Neubaugaſſe 16 11702 20 0 Mariahilferſtraße ſtraße Wielandgaſſſ/ Himberger1896.40 m. Neubaugaſſe Im Selbſt⸗Verlage des G . emen 2 = er — X 2 — — > o ss 2 * Stadt 2 N — 1 Bien. — Druck von J. B. V — gallis hauſſer. * — AM ie 1 4 | * meer — M. AD der Haupt- un! Residenzstadt 569 n r zZ. ane 2190 DA . 27 2 „A— 1= WE TEM AR AA a ——— .— 3 39 z— CC DAS* 7*— 1 1