; Ve mon Jahren hatte ich eine eigene kleine Handlung errichtet, der ich mit meinem juͤngern Bruder Karl, einem fleißigen und recht; lichen jungen Mann, gemeinſchaftlich vorſtand und die einen ziemlich guten Fortgang verſprach. Gruͤndliche Handelskenntniſſe und einige gluͤckliche Speculationen hatten mich, wenn nicht zum reichen, doch zum wohlhabenden Manne, ein holdes Weib und ein Paar gute Kinder zum gluͤcklichen Gatten und Vater gemacht. Ich beſorgte die haͤuslichen, und mein Bruder, der unverheirathet war, die auswaͤrtigen Geſchaͤfte. Er beſuchte die bedeutendſten Handelplaͤtze, zuweilen auch die Maͤrkte kleinerer Orte, und war in ſeinen Unternehmungen ſehr glücklich. Die hei; terſte Zukunft ſchien uns zu laͤcheln. Doch der Schein trügt. Einſtmals hatte ich meinen n Bruder mit einem bedeutenden Vorrath von Waaren nach einem ziemlich entlegenen Ort, an dem ein Markt gehalten wurde, geſchickt. Die beſten Wuͤnſche begleiteten ihn— und ich konnte, bekannt mit der Dauer des Marktes, ziemlich genau ſeine Zuruͤckkunft berechnen. Die Zeit derſelben verging, eine Woche und mehre, er kam nicht. Schon war ein Monat um, doch weder er ſelbſt, noch Nachricht von ihm erſchien. uiberzeugt von der Redlichkeit ſeiner Geſinnungen, fiel es mir gar nicht ein, an dieſer zu zweifeln— demohngeachtet ward ich aͤngſtlich. Es konnte ihm vielleicht ein Ungluͤck zugeſtoßen ſein. Ich beſchloß, ihm nachzureiſen. Mit Wehmuth nahm ich von Weib und Kindern Abſchied, die, unge— 1* * w Sr ABS wohnt mich einige Zeit zu entbehren, mich ungern aus dem haͤuslichen Kreiſe entließen. Tag und Nacht ſetzte ich meine Reiſe zu Pferde fort. Nirgends fand ich Raſt, bis ich den Ort erreicht hatte, wo der Markt gehalten worden war. Er war wirklich da geweſen, hatte ſehr gute Geſchaͤfte gemacht, und war gleich nach Beendigung des Marktes zurückgereiſet. Ich trat ebenfalls meine Ruckreiſe an und ermangelte nicht, die ſorgfältigſten Nachforſchungen anzuſtellen. Ich war auf der Haͤlfte des Weges. Ein duͤſterer Wald nahm mich auf. Es war ſchon ziemlich ſpaͤt, als ich bei einem Wirthshauſe anlangte. und ſehr freundlich empfangen wurde. Man bot Alles auf, mir eine gute Bewirthung angedeihen zu laſſen. In völliger Abgeſchiedenheit wohnten hier ein Paar kinderloſe Eheleute mit einem Knecht und einer Hausmagb. Fruͤhzeitig bat ich, mir mein Schlafzimmer anzuweiſen, welches auch geſchah. Meine geringen Effecten, ein kleiner Mantelſack mit Waͤſche, Geld und ein Paar Piſtolen wurden mir nachgetragen und eine gute Nacht gewuͤnſcht. Es war eine helle, freundliche Mondnacht. Ich hatte das Fenſter geoͤffnet und ſchaute, eine Pfeife rauchend, in die ſtille Nacht hinaus. Eine ſeltſame Kö ergriff mich, Ich N.. ö A re, ö 8 7 1 1 fi M ——* weinte dem unergruͤndlichen Schickſal meines Bruders eine Thraͤne. Das Licht war ausgebrannt und ein naͤchtliches Halbdunkel umfing mich. Mitternacht war vorüber— ich war eben im Begriff, zu Bette zu ge hen, als ein ſeltſames, doch nicht ſtarkes Geraͤuſch in meinem Zimmer mich befremdete und ſich mir ein Schauſpiel, das mein Haar ſtraͤubend machte, darbot. Kaum wagte ich vor Schreck und Beſtuͤrzung zu athmen. Eine fluͤchtige Wolke war vorübergangen. Der Mond erhellte das Zimmer und beſchien mein Himmelbett. Leiſe ſah ich jetzt die Decke desſelben laͤngs den vier Bettpfoſten ſich ſenken— ſchon war ſie ſo weit, daß ſie den Schlummernden erreichen konnte, als mit einem Male ein heftiger Druck erfolgte und ſie mit dem Kiſſen des Bettes in eine unzertrennliche Berührung kam. Fieberfroſt ſchuͤttelte mich in dieſem Augenblicke. Die Thuͤr war abgeſchloſſen, ich ſchlich leiſe dem Bette naͤher. Der Himmel desſelben, eine von Menſchenhaͤnden nicht aufzuhebende Bleiplatte, hatte ſich mit ſeiner ganzen Laſt durch eine an der Decke des Zimmers angebrachte Maſchinerie auf die Inlage des Bettes geſenkt. Der in demſelben Schlafende mußte nothwendig erſticken. Nur die allwaltende Vorſehung hatte mich von dieſem qualvollen Tode errettet. Mit meinen Piſtolen bewaffnet, ſtellte ich mich hinter die Gardine des Bettes, entſchloſſen mein Leben theuer zu verkaufen. Was ich vermuthet hatte, geſchah. Die verſchloſſene Thür oͤffnete ſich und herein ſchlichen zwei Geſtalten, die ich an ihrem Fluͤſtern für den Wirth und ſeinen Knecht erkannte. Ich zielte auf den naͤchſten und der Schuß ſtreckte ihn zu Boden. Ich ſtuͤrzte hervor um den Fliehenden zu haſchen. Es war der Knecht. Ich rieß ihn zu Boden und ſetzte ihm die Piſtole an die Bruſt. Er bath flehentlich um ſein Leben und ſchwur mir, alles zu entdecken. Ich verſprach ihm das Leben zu ſchenken, wenn er nicht den geringſten Verſuch zu entfliehen machen wuͤrde. Er entdeckte mir darauf, daß er dienſtſuchend hierher gekommen, dann aber, unter der Bedrohung der Todesſtrafe habe huͤlfreiche Hand leiſten muüſſen— eben ſo ſei es mit der Magd, die mit dem Weibe des Wirthes auf dem Boden des Hauſes die Maſchinerie geleitet habe. Schon manches Opfer war waͤhrend der Zeit ſeines Hierſeins(und der Beſchreibung zufolge ſelbſt mein Bruder) unter dieſer Maſchine geblieben und im Walde verſcharrt worden. . 7 1 Der Tag brach an. Ich befahl dem Knecht,. zu der Stelle zu führen, wo der Leichnam meines Bruders verſcharrt war. Es geſchah. Er grub— und bald erblickte ich den Leichnam— es waren feine Ueberreſte— von Schmerz durchdrungen, ſank ich neben der J hin.— Nachdem ich wieder Herr meiner ſelbſt geworden war, hieß ich ihn die Grube wieder verſchuͤtten, beſtieg mein Pferd und trat in ſeiner Begleitung den Weg zur naͤchſten Gerichtsbarkeit an. Die Anzeige erregte Erſtaunen, die eigene Ueberlieferung des Knechtes aber Ruͤhrung und Theilnahme. Er ſchickte ſich zur Ueberlieferung des Raubneſtes, ich aber zu meiner Ruͤckreiſe an. Meine Familie, meine uͤberſtandene Gefahr beruͤckſichtigend, ſchauderte und weinte meinem Bruder heiße Thraͤnen. Jetzt ſchlummert er in unſerm Familienbegraͤbniß und oft mg wir zu feinem Huͤgel und ſeufzen wehmuͤthig: Ruhe. fl UL — Wien, 1844, Gedruckt bei Ant. Benko.