Seſchreibung einer AKalabriens Gebir gen von Räubern an einem Grafen den 17. Juli 1840 verübt wurde, und die ſich dann vom Felſen herab in das Meer ſtürzten. Ja den himmelbohen Gebirgen Kalabriens, wo man glaubt, die Gipfel der Berge thuͤrmen ſich bis zu den Wollen empor, und die ſteilen Felſen verkuͤndigen jeden den Tod, der die Anhöhe erſteigen will; mitten in diefer Gebirgs-Kette befindet ſich das Alpenthal, welches Auguſt Serwini mit einer Rotte Briganten oder Raͤuber bewohnte, und unzählige Naub⸗ und Mordthaten um die Gegend bei Gaeta veruͤhte.|| 3a, Muguft Serwini wurde in Neapel geboren, und wuchs zu einem züſtigen Manne auf, er ſtand in Dienſten eines Bauers, und wurde zum Militär genommen, nach ſieben Jahren deſertirte er mit zwölf feiner Ras meraden, und fluͤchtete in die Gebirge, wo er ſich in dem Alpenthale mit ſeinen Kameraden aufbielt, und da es ihnen an Nahrung fehlte, fo mußem,. 8 mmm 1 8 A 3 ̃ 8 l.— 2 8 2 ten ſie ſich Anfangs darch kleine Diebſtaͤhle ernaͤhren, bis es ins weitere kam. Ruch wurden Reifende angefallen, und fo gelang es ihnen, ihre Band e zu verſtaͤrken, auch wußte Serwini ſich einen Vorrath zu verſchaffen, daß es der Bande an Lebensbedarf nicht fehlte, und ſo wurden ſie das Schrecken Kalabriens. Als nun Serwini alles gengu erwogen hatte, wie er Lebenglang ſich und feine Bande ernähren könne, fiel ihn der Gedanke ein, nach Neapel zu gehen, um etwas auszukundſchaften, Er kleidete ſich praͤchtig, und trat seine Seife an. Als er in Neapel ankam, kehrte er In einem ordentlichen Wirthshauſe ein, und fand da einen Bedienten des Grafen Opiezo, mit dem er ſich im Geſpraͤche unterhielt und vorgab, daß er Dienſte ſuche; der Bes diente ſprach: daß der Oraf eden jetzt einen Bedienten nöͤthig habe, und da er anſtaͤndig gekleidet war, und noch dazu ſehr beredſam, ſo gab er ihm die Hand, daß er vorerſt mit dem Grafen Opiezo ſprechen, und ihn dann perſſnlich vorführen werde, welches auch geſchah. 35 Auguſt Serwini Fand im Dienſte des Grafen, war thaͤtig, getreu, and gewann das Herz des jungen Grafen Franzesko, der ibn aufrichtig liebte; allein Serwini dachte anders. Alle Wochen kamen von ſeiner Bande Räuber an, die er gut bewirthete, und ihnen Befehle gab, was fie zu thun hätten, wahrend er abweſend fey, bis die Stunde ſchlagen wird, um ſein Vorhaben ausführen zu können.. So verfloſfen vier Monate, und da Gerwin das Zutrguen bei dez n ,,,, beſaß, ſo war ſein einziger Gedanke, ſeinen Plan ſchnell auszuführen; er beſtimmte daher zwei Naͤuber die taglich um die Stunde der Yitternacht beim Schloßgarten lauern mußten, bis er fie rufen werde, welches auch geſchah. SEE;| An einem Abende wurde die ganze Herrſchaft zum Srafen Paozi geladen, und Serwini blieh allein ini Hauſe; welch ein, erwuͤnſchter Augenblick. Alle Zimmer wurden unterſucht, alle Kaͤſten eröffnet, und was an Gold und Silber war, wurde genommen; dann ließ er feine zwei Nds ber durch die Yartenthüre ins Schloß hinein, gab ihnen ſaͤmmtliche Nealitaͤten nebſt zwei Piſtolen und zwei Stutzen, welche ſcharf geladen waren, und dann ging die Reiſe ins Alpenthal.„Bruder,“ ſprach Serwini,„mein Plan iſt vollendet, wir find lebenslang gluͤcklich.“— Aber weicher. Gchrecken, als die Herrſchaft am Morgen na Haufe kam, aller Realitäten bes raubt, und Serwini verſchwunden war; ſch eng wurde Anfſtalt gemacht, in aller Orten aufzuſuchen, und der junge Graf ſprach:„Ich ſelbſt reite nach Gaeta, dort wird er alles bei einem Juwelier veraͤußern, nnd dann ſich einſchiffen. 3.; | Ber liſtige Serwini wußte wobl, daß man ihm nachſetzen werde, nahm einen falſchen Bart, kleidete ſich als Foͤrſter, nahm Siutzen und Waibtaſche, und begab ſich auf den Weg, uin nachzuſpshen, was geſchehen wird. Es begegnete ihn der junge raf und ein Bedienter zu Pferde, Ben er freundlich gruͤßte.„Dank Herr Förſter, haben Sie keinen Bedienten in folcher Libree, wie da der Meinlge, geſehen?“„Nein, war die Antwort, Er erzählte ihm den ganzen Vorfall, daß er eben nach@aeta reiten, und es anzeigen wolle, weil der Diebſtahls an 50000 Gulden betragt.,„Ich laſſe nicht nach, ſprach der Graf,„bis wir feiner habhaft werden, dann wird er gewiß nicht mehr ſtehlen.“„Ich gehe auch des Weges,“ prach Serwini.„So laſſen wir die Pferde langſam gehen.“ Unter vieiem GHeſpraͤche erreichten fie das Alpenthal, die Sonne brannte heftig, da ſprach Gerwin:„Herr Graf, laſſen wir uns ein wenig nieder ich hahe Labung bei mir“ Hierauf zog er eine Flaſche Mein ſammt Schinken und Brod aus der Taſche, und bewirthete den Grafen; dann befahl er dem Diener, er ſolle die Pferde ein wenig graſen laſſen, welches auch geſchah, Da kamen zwei Reiſende, baten den Grafen um ein Geſchenk, und als dieſer in die Taſche griff, gab Serwini einen Mint, und, ſoglcich rannten fie den Bedienen den Dolch in die Bruſt. Serwini ſtieß dem Grafen den Dolch ins Herz, der ohne einen Laut ſeinen Geiſt aufgab. Ein Handwerkshurſche, der vom Berge ins Thal gehen wollte, ſah den Mord, er eilte zurück nach Gaeig, und zeigte den Mord im Alpenthale an, es mußte gleich eine Divifion Infanterie augruͤcken, der Burſche wurde mitgenommen, der den Ort anzeigen mußte. Da kam ein Rauber, und brachte Rapport, daß haͤuſiges Militär in das Thal rücke; ſogleich ergziff Ales die Waffen, und zog ſich gegen den höͤchſten Berg zurück deſſen Sie pfel weit in das Meer reichte. DE begann der Angriff. Mit Gajonetten drang man auf die NMänber, ließ fie ibre Gewehre nicht, mehr laden, und trieb Serwini mit drei ſeiner Kameraden bis an den Gipfel bes Berges; da glaubte der Hauptmann, daß ſich die Räuber ergeben muͤſſen, allein Serwini, der Mark verwundet war, ſab die Gefahr, und ſchrie laut:;„Kame— raden! wir geben unſer Fleiſch lieber den El im Meere zu freſſen, als einen (handlichen, Tod am Galgen zu ſterben, folgt meinem eiſpiele.“ Im Alt» genblicke ſiuͤrzten ſich alle rier Uber den Felſen ins Meer,. Es wurde die . unterfucht, man fand ihre Höhle, die zwei fodten Körper und eine Menge Kleldungsſtuͤcke ſammt den geraubten Realitaͤten des Grafen m Bie Leichname wurden nach Neapel gebracht, und nach chriſtlicher Art begraben. — r. 1 dem ſchoͤnen Alpenthale, Wo mancher Wanderer ſich erquickt, Wenn haͤufig die Sonnenſirghlen Seinen muͤden Korper drückt; Ach da hielt Auguſt Serwini Sich mit einer Bande auf, Wo viele Reiſende hier eben Enden ihren Lebenslauf. X. Serwini nach Neapel reiſte, Einen Plan zu fuͤhren aus, Seine Einkehr thut er nehmen In ein'm praͤchtigen Gaſthaus, Hier traf er einen Bedienten Des Grafen Opiezo an, Du dem er ſich geſellte, Und fing mit ihm zu ſprechen an. 2 Wollten ſie nicht Dienſte nehmen Sie ſind ja ein junger Mann, Bei uns fehlt juſt ein Bedienter, Ich melde ſie beim Grafen an, Im Dienſte heim Graf Opiezo Trat Auguſt Serwini ein, Alles genau und treu befolgte, Wie ein Bedienter ſoll es fein, 4 So find vier Monate verfloſſen, Bis die Stunde für ſie ſchlaͤgt, Bis die Herrſchaft zu Paozi Zu eincm Beſuch Verlangen traͤgt, Serwini war allein im Hauſe, Benutzte die Stund der Mitternacht Raubt Gewehr, Realitaͤten, Und hat ſich aus dem Staubgemacht. Wie erſchreckt⸗ nicht die Serrſchaft, Als man fruͤh den Diebſtahi fab, Man konnte ſich leicht uͤberzeugen, Auguſt Serwini war nicht da, Zu Pferde der junge Graf ich ſetzte, Schlug den Weg nach Gaeta ein, Serwini verkleidet als ein Foöͤrſter, Kommt auf der K ganz allein. Traulich ihm der Graf erzaͤhlte, Daß ein Bedienter ihn heſtadl, Fa unter ſehr vielen Geſpraͤchen Erreichten fie das Alpenthal, Ver der großen Sonnenhitze Rubten ſie ein wenig aus, Und den Mord hier anzuſehen, Zum Erbarmen welch ein Graus. 7 ꝛ Zwei Raͤuber von ſeiner Bande ommen hier als Bettler an, Fa in einem Augenblicke Wars mit dem Grafen abgethan, Ohne ein Laut der Graf muß ſierben, Serwini s Dolch ſiel in die Bruſt, Auch muß der Bedienter enden, Man mordet et nach Herzensluſt. Ein Reiſender hat es geſehen, Den Mord zeigt in@aeta an, Das Militär mußte ausruͤcken, Mit den Raͤubern war es gethan, Stuͤrzen rechts und links darnieder, ain h ole des Berges Serwini ſtand Stürzt ſich in das Meer mit 3 Räuber, Der ſeinen Tod im Waſſer fand. ; Neuße 1841, beitRoſenkranz und Comp. — ü————