hn Von Der EDngliſche heilige Vehrer, Irrdiſche Engel, in einer Fob-und Fitten-Rede theils zu bewundern, theils zur Nachfolg bey THOMAS Deſſen Hochfeyerlichen Feſt: Begaͤngnuß in dem Hochlsͤblichen GOtteshaus deren W. W. E. E. pp. Dominicanern zu Wien Anno 1765. den 7. Merz vorgeſtellet von JOSEPH FRANZ, Biſchofen zu Tempe, Grafen von Gondola, Vicario Apoſtolicoin mitternaͤchtlichen Landen, Probſten bey St. Stephan zu Maynz, und des Archidiaconal- Stiſts ad SS, Apoſtolos FRetrum& Andream im Busdorf zu Paderborn Canonico Capitulari, ehemalen des Welt ⸗ beruͤhmten Kaiſerl. befreyten Stifts Maria Ettal, Ordinis S, Bened. Profeſſ.& c. .*(AR A WIEN, en. ö** gedruckt bey Leopold Johann Kaliwoda, Kaiferk | Reichs-Hof-Buchdruckern. * —— 8* € 2 * * * * . 1 Vir Dei venit ad me, habens vultum Angelicum. Ein Mann GOttes iſt zu mir kommen, ſo ein Engliſches Angeſicht hatte. ud. 5. v.. ,, Verwunderlich ware das Geſicht, welches GOtt dem PatriarA Zap chen Jacob, als ſelber nacher Meſopotamien reiſete, im Schlaf gezeiget hatte. Er ſahe eine Leiter auf der Erden ſtehen, deſſen Spitz die Wolken beruͤhrete, und bis zum Himmel gereichete; anbey beobachtete er, daß die Engel GDttes auf dieſer Leiter hinauf ſtiegen, und herabſtiegen. Vidit in ſomnis ſcalam ſtantem ſuper terram,& cacumen illius tangens cælum, Angelos quoque Dei aſcendentes,& deſcendentes per eam. Gen. 28. v. 12. In dieſem Geſicht iſt zwar alles voll der Geheimnuſſen, und legen ſelbes die Schriftſteller auf verſchiedene Art aus. Was aber meine Aufmerkſamkeit beſonders erwecket, iſt das Aufſteigen, und Ahſteigen deren Englen, und zwar um fo mehr, als ich auch bey Joam. 1. v. 51. leſe, daß Chriſtus zu feinen Juͤngern von ſich ſelbſten geſprochen: Amen, amen dico vobis, videbitis celum apertum,& Angelos Bei aſcendentes,& deſcendentes ſuper filium hominis. Wahrlich, wahrlich ſage ich euch, ihr werdet den Himmel eroͤfnet ſehen, und die Engel GSttes hinaufſteigen, und herabſteigen über des Menſchen Sohn. Hochwertheſte, wer find dieſe auf: ſteigende, und abſteigende Engel! ſind es allzeit die nemliche, oder ſind ſie von einander unterſchieden? ſind ſie unterſchieden, welche ſind dann jene Hinaufſteigende, fo allemal den Vorzug haben, und die erſte genennet werden, denen auch die Herabſteigende gleichſam ganz ehrenbiethig ſcheinen entgegen zu kommen? ehe ich dieſe Frag beantworte, muß mir vorhero ein anderer Zweifel aufgeloͤſet werden. Paulus der Weltapoſtel, ſchreibend zu die Galater, um ſelbe von aller Irr-Lehr zu wahrnen, bedienet ſich folgender Ausdruckung: Licet nos, aut Angelus de cælo evangelicet vobis, præterquam quod evangeſizavimus vobis, anathema fit. Wann auch wir, oder ein Engel von Himmel euch was anderes verkuͤnden ſolle,% wir euch verkuͤndet haben, fo ſeye er 2 ver 4 WS Co) WM verflucht. Galat... 8. Mein! warum ſagt Paulus: nos, aut Angelus de cz. lo? Wir, oder ein Engel vom Himmel? wäre es nit genug geweſen zu ſagen: wir, oder ein Engel? warum feßet er hinzu: vom Simmel? find dann nicht alle Engel vom Himmel? nein, antwortet hierauf der H. Joannes Chryſoſtomus, dann es gibt auch Engel von der Erden, und wer ſind dieſe? vernehmet feinen Ausſpruch: Sacerdotes, Praædicatores,& Dottores, qui veram mundo tradunt, nuntiantque doctrinam, non immerito Angeli de terra appellantur. Die Prieſter, Prediger, und Lehrer, ſo der Welt die wahre Lehr übergeben, und verkünden, werden billich Engel von der Erden benahmſet. Dieſe Meynung Chryſoſtomi gruͤndet ſich auf die Wort der Schrift ſelbſten, bey Malachia 2. v. 7. allwo wir leſen: Labia Sacerdotis cuſtodient ſcientiam,& legem requirent ex ore ejus, quia Angelus Domini exer cituum eſt. Die Lefzen des Prieſters ſollen die Wiſſenſchaft verwahren, und aus ſeinem Rund werden die Menſchen das Geſatz vernehmen wollen, weilen er ein Engel des HErrn der Heerſchaaren iſt. Dieſes wird auch beſtaͤttiget/ aus dem 2. und 3. Kapitel der geheimen Offenbahrung Joannis, allwo Chriſtus ſelbſt der hoͤchſte Prieſter jene 7. Biſchoͤf, welchen Joannes das Gute ſowohl als das Boöͤſe, fo an ihnen zu finden ware, auf Befehl des Sohn G Ottes ſchriftlich anzeigen muſte, mit dem Titl eines Engels beehret. Es werden aber in goͤttlicher Heil. Schrift die Menſchen zum oͤftern nicht nur wegen ihrer Wiſſenſchaft, oder Lehr, ſondern auch, und hauptſaͤchlich wegen Reinigkeit des Leibs und der Seelen, Heiligkeit der Sitten, und unſtraͤflichen Lebenswandel Engel genennet. Alſo ſagte Achis der Koͤnig von Geth zu den Frommen/ und von dem Koͤnig Saul unſchuldig verfolgten David: Bonus es tu in oculis meis, ſicut Angelus Dei, du biſt in meinen Augen gut wie ein Engel GOttes. 1. Reg. 29. 7. 3. welches Lob ihme auch nachmals als Koͤnig das kluge Weib von Fhecha 2. Reg. 14. v. 17. und der zu Gnaden angenommene Sohn Saulis Miphiboſeth gegeben. 2. Reg. 19. 7. 27. Alſo hat Chriſtus ſelbſt von ſeinem H. Vorlaͤuffer Joanne bezenget: Hic eſt, de quo ſcriptum eſt: ecce ego mitto Angelum meum ante faciem tuam; dieſer iſt es, von welchem geſchrieben ſtehet: ſihe, ich ſchicke meinen Engel vor deinem Angeſicht her. Matth. 11. 16. Alſo lefen wir auch von dem H. Erzmartyrer Stephano, als er in der Verſammlung deren hohen Prieſter und Schriftgelehrten ſtunde, um ſich zu verantworten: intuentes eum omnes, viderunt faciem ejus tanquam faciem Angeli, alle fo ihn anſahen, bemerkten, daß fein Angeſicht glanzete wie eines Engels. Ad. 6. 15. alſo ſchreibet ja endlich auch von ſich ſelbſten Paulus zu denen Galatern c. 4.. 4. Ihr habt mich als einen Engel GOttes empfangen: Sicut Angelum Dei excepiſtis me: über dieſes alles behauptet ein H. Hieronymus, da er von denen Liebhabern der jungfraͤulichen Reinigkeit redet, daß der Sohn GSttes, fo bald er in dieſe Welt gekommen, und die menſchliche Natur angenommen, ſich aus lauter jungfraͤulichen und heiligen Seelen eine neue Hofſtatt aufgerichtet habe, damit, gleichwie er vorhin von denen Englen nur in Himmel angebettet wurde, er fuͤrohin auch ſeine Engel haͤtte auf Erden: ſtatim, ut filius Dei ingreſſus eſt ſuper terram, novam ſibi familiam inſtituit, ut * ab Angelis adorabatur in cælo, haberet Angelos& in terris. Epift. 22. ad nuſtach.| Da ich alſo anjetzo vernohmen habe, daß es auch Engel auf Erden gebe, und weis, wer dieſelbe ſeyen; ſo weis ich auch, was fuͤr Engel unter denen Aufſteigen den verſtanden werden, und verwundere mich nicht mehr, daß die herabſteigende Engel vom Himmel denen hinaufſteigenden Engeln von der Vz WW Co) 8 5 Erden fo ehrenbiethig entgegen kommen, und ihnen gleichſam ſcheinen die Præcedentz oder Vorzug zu laſſen, indeme fie ſelbſt wohl OKT daß, wie ein H. Petrus Chryſol. zu ſagen kein Bedenken traget, weit mehrer und fuͤrtreflicher ſeye zur Glorie der Englen gelangen, als ſelbige ſchon haben, da nemlich der Menſch durch die Gnad GOttes, und feine eigene Tugend zu jener Vollkommenheit ſich erſchwinget, welche ein Engel von Natur beſitzet: majus eſt angelicam gloriam acquirere, quam habere, dum quis obtinet gratiæ viribus, quod Angelus habet ex natura. Epiſt. 345.* Wohlan dann, Hochwertheſte! kommet mit mir zu bewunderen einen ſolchen irrdiſchen Engel, der ſich anheut vor unſere Augen ſtellet, und deme mit der ganzen ſtreittenden Kirch, auch die ganze Schaar deren himmliſchen Geiſtern und Engliſchen Choͤr der Triumphirenden eine auſſerordentliche Ehrenbiethigkeit bezeiget. ind wer iſt dieſer? fo wollen wir ihn loben, dann er hat Wunderding in feinem Leben gethan. Fecl. 31. 9. In dem Buch der Richtern wird erzehlet, daß der damals noch unfruchtbaren Mutter des ſtarken Samſon ein Engel in menſchlicher Geſtalt erſchienen, und ihr angekuͤndet, daß fie einen Sohn gebaͤhren werde, wie fie gleich ſelbſt ihrem Ehemann Mas nue entdecket, ſprechend: Vir Dei venit ad me, habens Vultum Angelicum. Es iſt ein Mann GOttes zu mir kommen, welcher ein Engliſches Angeſicht hatte. Er wollte ihr aber ſeinen Namen nicht ſagen. Als jedoch Manne bald darauf die nemliche Erſcheinung gehabt, und bieſen vermenſchten Engel be— fraget: Quod eſt tibi Nomen, ut honoremus te? wer biſt du, oder wie nenneſt du dich? entdecke uns dein Amt oder Wuͤrde, damit wir dich mit dem gebuͤhrenden Titl beehren; da gabe er zur Antwort: Car quæris nomen meum, quad éeſt mirabile. Jud. 13. v. 6.& feqqg: Warum willſt du meinen Namen wiſſen? mein Nam iſt wunderbarlich. Auch der Nam des Mann GDOttes, welcher mit einem Engliſchen Angeſicht uns anheut ſich zeiget, iſt wunderbarlich, dann er nennet ſich Thomas, welches verdollmetſchet wird Abyſſus, daß iſt ein Abgrund, und in der ganzen Katholiſchen Kirchen wird er mit einem ihm allein vorzüglich gebührenden wundervollen Ehrentiti benahmſet: Doctor Angelicus, der Engliſche Lehrer, oder ein Engel unter denen Lehrern. Kurz, Thomas von Aquin iſt es, jenes hellſcheinende Licht der Catholiſchen Kirchen, jene fuͤrtrefliche Zierd und edleſtes Kleinod des preyswuͤrdigſten H. PredigerOrdens, deſſen hoher Feſttag in gegenwaͤrtigem G DOtteshaus feyerlichſt anheut begangen wird. Dieſer hat den Titl eines Engels auf beſondere Weis verdienet, weilen er auch in der That ein wahrer eingefleiſchter Engel ge weſen, und die Eigenſchaften der Englen, welche wir bey anderen Heiligen zertheilet finden, in ſo vollkommenen Grad vereiniget bey ſich ſelbſten gehabt, daß, von was für einer Seiten man immer Thomäm betrachte, man gn ihme allzeit was Engliſches erblicket: Vir Dei habens vultum Angelicum. Die fuͤrnehmſte Eigenſchaften deren Engliſchen Geiſtern ſind die Weisheit, und die Braft oder Stärke, wie auch die Reinigkeit, und Heiligkeit.| Wie vollſtaͤndig in Thoma dieſe vier Eigenſchaften anzutreffen, wird meine vorhabende Ehren⸗Red am Tag legen. In dem erſten Theil werden ſie Lhomam verehren als einen Engel, wegen feiner himmliſchen Weisheit, und deſſen wunderſammen Braft oder Stärke, In dem zweyten Theil ſollen fie Thomam bewunderen als einen Engel, wegen feiner mehr dann Engliſchen Reinigkeit, und uͤbergroſſen Heiligkeit. Es wird aber, wie ich vers hoffe, die Frucht und Nutzen dieſer meiner heutigen Canzel⸗Rede nicht bloß in einer laͤhren Verwunderung, oder. EEPOIEN Verehrung rm 6 ws o) WW irrdiſchen Engels beſtehen, ſondern auch in Verbeſſerung der Sitten, zu welcher ſowohl das Beyſpiel, als die Engliſche Lehr Thomz die Gelegenheit gibet. Vernehmet mich mit gedultiger Aufmerkſamkeit. Erſter Theil. ls der Prophet Ezechiel, an dem Ufer des Fluß Chobar ſitzend, einſtens der Betrachtung goͤttlicher Dingen oblage, wurde er im Geiſt entzuͤcket, und GDOtt offenbarete ihm durch Vorſtellung zerſchiedener Sinnbilder die groͤſte Geheimnußen. Unter anderen ſahe er vier Thier, deren ein jegliches 3. Angeſichter hatte. Zur Rechten ware das Angeſicht eines Menſchen, und das Angeſicht eines Loͤwen: zur Linken ware das Angeſicht eines Ochſen, und ober dieſen Angeſichtern das Angeſicht eines Adlers. Frech. 1. v. 10. Ein Jahr hernach hatte der Prophet die nemliche Erſcheinung. Er ſahe widerum dier Thier, deren ein jedes vier Angeſichter hatte, jedoch mit vielen Unterſchied, und ganz anderer Ordnung. Dann das Angeſicht des Menſchen, ſo vorhin das erſte geweſen, ware nun das zweyte, das Angeſicht des Ochſen ware gar nicht mehr zu ſehen, und an ſtatt deſſen erblickte Ezechiel am erſten Platz das Angeſicht eines Cherubim. Quatuor facies habehat unum, facies una facies Cheruh,& facies ſecunda facies hominis,& in tertio facies Feonis,& in quarto facies Aquilæ. Ezech. 10. v. 14. Wobey zu bemerken, daß nach Auslegung des groſſen Heil. Pabſt Gregorii Homil. 34. Cherubim ſo viel heiſſe, als die Voͤlle der Weisheit und Wiſſenſchaft: quid eſt Cherubim, niſi plenitudo ſcientie? Ich laſſe anjetzo beyſeits alle ſinnreiche Gedanken deren heiligen Vaͤttern uͤber dieſe Schriftſtelle, und ſage nur, es habe ſich in unſeren Thowa dieſes Geſicht erwahret, und mit ihme ein gleiches Wunder zugetragen. Es wurde der fromme Juͤngling bald nach abgelegten cloͤſterlichen Geluͤbden von feinen Oberen erſtlich zwar nach Paris, ſodann aber nacher KCoͤlln am Rhein verſchicket, um alldorten ſowohl denen Philoſophiſchen als ITheologi-· ſchen Wiſſenſchaften obzuliegen; er hatte auch das Gluͤck, zu feinen Lehrmeiſter den Welt: berühmten Magiſtrum Sententiarum, Albertum den Groſſen einen der gelehrteſten Maͤnnren ſelbiger Zeiten zu haben. In deſſen Schul fande ſich Thomas jederzeit ein mit groͤſter Aufmer ſamkeit und Stille; und ob er ſchon gleich jenen Fzechieliſchen Thieren voller Augen und Ohren ware, Rech. 1.. 18. 10. v. 12. ſo ſchiene er doch keine Zung zu haben, weilen man ihn faſt nie reden hoͤrete. Dieſer Urſach halber wurde er von ſeinen Mitſchulern ſpottweis nur insgemein Bos mutus, der ſtumme Ochs genennet, welche Unbild Thomas mit groͤſter Demuth und Gelaſſenheit ganz geduldig uͤbertruge; aber Alhertus, fo weiter hinaus ſahe, und die Tief ſinnigkeit ſeines Difcipulg beſſer ergruͤndete, beſtrafte jene Frevler, und pflegte oͤfters zu ſagen, es werde dieſer ſtumme Ochs gewißlich noch ſo laut ſchreyen, daß ihn die ganze Welt hören wuͤrde. Dieſe Vorſagung iſt in der That dem Buchſtaben nach erfuͤllet worden; dann als Thomas, nach zuruckgelegten Schulz Jahren, ſelbſt aus einem Lehrjuͤnger zu einen Lehrmeiſter gemacht, und in Beſellſchaft des H. Bonavenruræ mit dem Doctor-Huͤttlein beehret worden/ fienge er an in denen oͤffentlichen hohen Schulen zu Neapel, Bologna, und Pa. ris mit ſolchen lleberfluß die Stroͤhm ſeiner Weisheit zu ergieſſen, und in allen Wiſſenſchaften eine ſolche Erfahrenheit zu zeigen, daß alſobald in der ganzen Chriſtlichen Welt ſein Ruhm erſchallen, keiner an Gelehrſaumken me gleich WS Co) WB 7 gleich gefunden worden, und jedermann aus ſeinem Mund, wie aus dem Mund eines Engels, die Wahrheit, und guten Rath vernehmen wollte. Iſt alſo, wie Cornel. a Lapide anmerket, der ſpottweis betitlete ſtumme Ochs, durch immerwaͤhrendes Arbeiten, Lehren und Schreiben in einen glorreichen Cherubim veraͤnderet worden, und hat den Namen eines Engliſchen Lehrers erhalten: Bos hic laborando, docendo, ſcribendo verſus in glorioſum Cherub, Angelici Doctoris nomen accepit. Ja freylich ware Thomas ein Engel, und was für einer? ich irre nicht, wann ich ſage, er ſeye gleich geweſen jenem Engel, welchen ſoannes in feiner geheimen Offenbahrung Apocal. 10 geſehen, welcher mit einer Wolken umgeben ware, deſſen Haupt ein Regenbogen croͤnete, deſſen Angeſicht wie die Sonne glaͤnzete, deſſen Fuͤß wie feurige Saulen ausſahen, welcher, in der Hand ein eroͤfnetes Buch tragend, mit dem rechten Fuß auf dem Meer, mit dem linken aber auf der Erden ſtunde. Ja, in dieſem Engel vermeyne ich Thomam zu erblicken, wann ich mir vorſteſle wie er mit dem weiſſen Ordens: Kleid des Heil. Dominici die Glorie feines hochadelichen Herkommens demuͤthig verhuͤllet, wie aus ſeinem Angeſicht und Mund die hellſchimmernde Stralen der Weisheit ausgehen, wie fein Haupt mit fo zerſchiedenen Wiſſenſchaften gleich einem vielfaͤrbigen ſchoͤnen Negenbogen gezieret, wie er, die unergruͤndliche Geheimnußen des Glaubens, und GOttes- Gelehrtheit tiefſinnigſt auslegend, mit dem rechten Fuß auf dem Meer veſt ſtehet, und alle Geheimnußen der Natur und Weltweisheit ſpitzfindigſt durchforſchend, mit dein linken Fuß die Erde beruͤhret; und wie er endlich in feiner Hand, zum Nutzen der ganzen Chriſtlichen Kirchen eroͤfnet haltet jenes ſo hochgeſchaͤtze Buch, die ſogenannte Summam Theologicam, jenes wundervolle Werk, von welchem Joannes XXII der Nom, Pabſt in Bulla Canonizationis das herrliche Zeugnuß gibet, daß Thomas ſo viele Mirackel gewuͤrket, als viele Artickel er in ſelber geſchrieben: Quot articulos ſeripſit, tot miracula fecit. Thomas ware ein Engel: und was für einer? Er gleich: te nemlich demjenigen, welcher denen dreh Frauen bey dem Grab Khriſti er ſchienen. Dieſer glanzete im Angeſicht wie ein Blitz, ſeine Kleider waren weiß wie der Schnee, und, weilen jene fromme Matronen das Grab des HErrn zu beſehen von einem groſſen Stein verhindert wurden, acceqdens revolvit lapidem ab oſtio monumenti. Matth. 28. v. 2. ſo tratte er hinzu, und welzete den Stein von der Thuͤr des Grabs hinweg. Eben ſo Thomas, der Engliſche Lehrer, hat vielen frommen Seelen manchen Stein aus dem Weeg geraumet, von welchem ſie gehinderet worden tieffer in die Geheimnuß G Ottes, und der Menſchwerdung feines Sohns einzuſehen, indeme er die be: ſchwaͤhrlichſte Fragen, fo bishero noch uneroͤrtert waren, gruͤndlich beante..und die verwickelteſte Zweifel mit klaͤreſten Vernunft⸗Schluͤſſen auf: eloͤſet.. ) Thomas ware ein Engel; und was für einer? Er koͤnnte faſt für den nemlichen gehalten werden, welchen Daniel der Prophet geſehen hat, von welchem er unter anderen erzehlet: Vox ſermonum ejus, ut vox multitudinis. Dan. 19. v. 6. Seine Stimm wäre geweſen wie die Stimm einer ganzen Schaar, oder Menge des zuſammſchreyenden Volks. Eben dieſes muß man von Thoma ſagen; dann weilen er alle heilige Vaͤtter durchleſen hatte, und ihre Lehrſaͤtz nicht nur jederzeit in friſcher Gedaͤchtnuß behielte, ſondern ſelbige noch deutlicher auszulegen wuſte, auch ſeine Lehr in allen auf die ihrige gruͤndete/ fo ſchienen gleichſam alle H. Vaͤtter und Kirchen: Lehrer aus ſeinem Mund zu reden, und wer Thomam anhoͤrete,. alle uͤbrige gehoͤrt zu haben; 8 WS(o) Vox ſermonum ejus, ut vox multitudinis. Darum ſchriebe von ihme Card. Ca. jetanus: es habe ſich, ſo zu reden, in dem Verſtand Thomæ von Aquin ver; ſammlet befunden alles, was Stuckweis bey anderen anzutreffen ware: Intel. jectum quodammodo omnium ſortitus eſt. Der beruͤhmte Card. Toleto aber, aus der Geſellſchaft JEſu ziehet Thomam allen anderen Lehrern mit folchem Nachdruck vor, daß er behauptet, Thomas allein gelte ſo viel, als alle andere hace aliorum dixerim Doctorum, ſeynd feine ausdrückliche Wort, unus Thomas eſt inſtar omnium; ipſe eſt Doctor Doctorum,& Angelus inter DoGores. Dann er iſt ein Lehrer aller Lehrer, ja ein Engel unter denen Lehrern. apud Labbe. n. 12. Dieſer Urſachen halber, gleichwie in der geheimen BOffenbaͤrung Joannis zu Beſtaͤttigung einer vorgetragenen Wahrheit beygeſetzt wird: Hæc dicit Sanctus& verus, qui habet clavem David. Apocal. 3. v. 7. Dieſes fagt der Heilige, und wahrhafte, welcher den Schluͤſſel Davids in ‚Händen traget; Alſo iſt heut zu Tag in denen hohen Schulen eine der triftigſten Proben eines Lehrſatzes, wann man beweiſen kan: Hac dicit ſanctus Doctor, oder ita ſentit Doktor Angelicus, daß dieſes die Meynung und Lehr des Engliſchen, und heiligen Lehrers ſehe. Darum gibet auch mehrgemeldter Pabſt Joann. WII. Ihomæ das ganz entſcheidende Lob, ſeine Lehr habe nicht ohne Wunder ſeyn koͤnnen, er allein habe die Kirchen mehr erleuchtet, als alle andere Lehrer, aus ſeinen Buͤchern und Schriften koͤnne man in einem Jahr mehrer lernen, als aus anderen durch die ganze Lebenszeit. in Bulla Zanoniz. Iſt es alſo nicht wahr, Thomas ſeye jenem Engel ganz ahnlich, deſſen Stimm, wie die Stimm einer ganzen Menge der Menſchen geweſen? Nichts iſt aber, was die Fuͤrtreflichkeit der Lehr Thomæ, und ſeine Engliſche Weisheit höher erhebet, als die einhellige Meynung deren in dem weltberuͤhmfen Concilio zu Trient verſammleten Kirchen⸗Vaͤtter, welche nach Zeugnuß Baronii des Gard. nicht Lobſpruͤch genug finden kunten, ſelbe zu preyſen; zu Bethaͤtigung aber ihrer Hochſchaͤtzung, lieſſen ſie bey ihren geiſtlichen Zuſammenkuͤnfken auf einen Tiſchlein vor dem Crucifix nebſt der Heiligenſchrift, und Paͤbſtlichen Conſtitutionen kein anderes Buch als die Summam des Engliſchen Lehrers ſtellen, und wo immer ein Zweifel vorfiele, oder ein Schluß zu faſſen ware, ruften ſie einmuͤthig zuſamm: Conſulatur Thomas, man entſcheide nichts, ehe man nicht nachgeſchlagen. was Thomas davon halte, oder darüber lehre, indeme keiner geſinnet, von der Lehr Thomæ abzuweichen, als welche man fuͤr die ſicherſte, und mit der Wahrheit am naͤchſten uͤbereinſtimmende gehalten; nach Meynung Innocentii Vl. welcher von der Lehr Thomæ dieſe denkwuͤrdige Wort hinterlaſſen: Nunquam, qui eam tenuit, invenitur a veritatis tramite deviaſſe, qui vero eam impugnavit, ſemper fuit de veritate ſuſpectus. Man hat niemal gefunden, daß jener ſich von dem Weeg der Wahrheit verirret habe, welcher der Lehr Thomæ nachgefolget, wohl aber ſeynd allzeit im Wahn des Irrthums geweſen, welche ſelbe beſtritten haben. Serm. de S. Th. Von dieſem ruhmwuͤrdigen Pabſt hat auch der Heil. Prediger⸗Orden daß groſſe krivilegium, daß aus demſelben jederzeit der ſogenannte Magiſter S. Pa: ſati, und Paͤbſtliche Haus⸗Theologus genommen wird, auf daß in allen wichtigen Fragen, oder vorfallenden Zweiflen das Roͤmiſche Kirchen⸗Haupt ſich nach der Mehnung des Engliſchen Lehrers, als die beſte und ſicherſte, richten koͤnne. Ut Ecclefie 8. Petri Calſo lauten die eigene Wort der Bulle) ſemper ſit proviſum de inſigni aliquo Theologo,& familiꝶ Pontificis de aliquo Præceptore, cum Dottrina S. Thomæ fit maxime ſolida& ſecura, voluimus concedere Ordini Prædicatorum tam eminentem,& perpetuum dignitatis locum, ut fem v WW(oO) XI) 9 ſemper aula Pontiſicis tam ſana doctoris Angelici Doctrina frui poſſet. Welche Paͤbſtliche Verordnung gewißlich zu ewigen Nuhm ſowohl des Engliſchen Lehrers, als ſeines Heil. Ordens gereichet.| Gleichwie aber Thomas mit feiner Weisheit und Lehr die ganze Chriſtcatholiſche Kirch wunderbarlich erleuchtet, und dardurch wahrhaftig gezeiget, daß er ein Engel des Lichts ſeye, und die Finſternuß von dem Licht zu entſcheiden gewuſt habe, Gen. 1. v. 4. alſo hat er auch die Kirch gegen alle ihre Feinde durch dieſelbe kraͤftig beſchuͤtzet, und folglich nebſt der Weisheit auch die Staͤrke deren Engliſchen Geiſtern an ſich verſpuͤhren laſſen. Er ware hierinfalls wiederum gleich jenem Engel, welcher daß auserwaͤhlte Volk GOttes zwar bey Tag in Geſtalt einer Wolken, und bey Nacht in Geſtalt einer feurigen Saulen gefuͤhret, denen nachfolgenden Ægyptiern aber zum Schroͤcken geweſen, und fie auf das Haupt geſchlagen. Exod. 13. Darumen er von Pabſt Urbano IV. genannt wird: Eccleſiæ lumen, Hæreticorum terror. Ein hellſcheinendes Licht der Kirchen, und Schroͤcken deren Ketzern. Thomas ſchiene gegen dieſe Irrglaubige von GOtt geſchicket zu ſeyn, um ſich ihnen auf ihren verkehrten Weegen entgegen zu ſtellen, wie jener Engel mit einem ausgezogenen Schwerd dem Propheten Balaam begegnet, als er auf Begehren Balacs dem Volk GDttes feinen Fluch geben wollte, zu ihme ſprechend: Ego veni, ut adverſarer tibi, quia perverfa eſt via tua. Num. 22. v. 32. Ich bin kommen, um dir zu widerſtehen, weilen dein Vornehmen boshaft iſt. Dieſes hat gar wohl erkennet jener ſpitzfindige, und beruͤhmte Proteſtant Bucerus, ſo nichts mehr als die, ſeinen Irrlehren entgegen geſetzte, ſo gruͤndliche Beweisthumen Thomæ foͤrchtete, und die Frechheit hatte zu ſagen: Tolle Thomam,& diſſibabo Eecleſiam. Naumet mir Thomam auf die Seiten, fo will ich die ganze Chriſtliche Kirchen uͤber einen Hauffen werfen, und zerſtreuen. Jener Engel, welcher, wie wir 4. Reg. 19. leſen, in einer Nacht in dem Lager des KAllyriſchen Heerfuͤhrers Senacherib 180000 ſtreitbare Männer getoͤdtet, iſt zwar ſtark geweſen, und hat genugſam erwieſen, wie weit ſich die Engliſche Kraͤften erſtrecken. Aber ſollte ich nicht faſt glauben, unſer Engliſche Thomas ſeye noch ſtaͤrker geweſen, wann ich aus dem Mund Pii V. des H. Pabſt vernehme, er habe durch feine Lehr unzahlbare Feind der Kirchen, und Glaubensgegner uͤberwunden: Thomas Apoſtolicam Eccleſiam infinitis confutatis Hæreticis illuſtravit? in Mag. Bullario Tom. 2. conftit. 36. und iſt er nicht gleichſam ein anderer Michael geweſen, ſo der ſtreittenden Kirchen am kraͤftigſten zu Huͤlf gekommen, da die Engel der Finſternuß allen ihren Kraͤften aufbothen, um ſelbe zu uͤbergewaͤltigen, wie jener Engel deren Perſern bald den Sieg uͤber den Engel des Volk GOttes erhalten haͤtte, wann dieſer nicht von Michael den Erz: Engel wäre fo mächtig unterſtuͤtzet worden? Dan. 10. v. 13. Gewißlich die Lehr Thomæ kan in dieſem Stuck nicht ohnfuͤglich dem Thurn Davids verglichen werden, von deme der weiſe Mann in denen hohen Liedern geſchrieben: Mille elypei pendent ex ea, omnis armatura fortium. Cant. 4. v. 4. Tauſend Schild hangen daran, ja ein ganzes Zeughaus, ſtarke Maͤnner gegen ihre Feind zu bewafnen. Dann in denen Buͤchern Thomæ findet man alle Beweisthumen, mit welchen alle bisherige Ketzereyen, ja wann deren auch noch ſo viel weiters entſtehen ſollten, des Irrthums uͤberfuuͤhret, und zu Schanden gemacht, die Lehrſaͤtz der Catholiſchen einzig ſeeligmachenden Religion aber gegen alle erdenkliche Einwuͤrf genugſam koͤnnen geſchuͤtzet werden.| K Ver 10,( oO) X Verlanget ihr, Hochwertheſte Zuhoͤrer! uͤber alles dieſes, noch mehrere Proben, daß Thomas von Aquin an himmliſcher Weisheit, und Kraft ſeiner Engliſchen Lehr ein wahrer irrdiſcher Engel geweſen, und denen Engeln des Himmels nichts nachgegeben? So hoͤret dann einen H. Bonaventuram, welcher betheuret, daß er mit Augen geſehen, wie einſtens ein Engel dem ſtudirenden Thomæ zu Dienſten geweſen, und das Dintenvaß gehalten, und wie zum oͤftern der goͤttliche H. Geiſt in Geſtalt einer Tauben, auf der Achſel ſitzend, ihme die Wort an die Feder einzugeben geſchienen, welche er darnieder geſchrieben. Hoöͤret einen H. Apoſtel Paulum, welcher, nachdeme Thomas feine Sendſchreiben ausgeleget, ihme ſichtbarlich erſcheinend verſicheret hat, er habe den wahren Verſtand ſeiner Worten ſo gut erreichet, als ein Menſch auf dieſer Erden faſſen, oder erklaͤren kann. Hoͤret Mariam die allerſeeligſte Himmels: Königin, und jungfraͤuliche Mutter GOttes, welche einem ihrigen getreuen Diener, Fleutherius mit Namen) aus dem Orden der Mindern⸗Bruͤdern des Heil. Franciſci, als er in einem wichtigen Zweifel über einen Glaubenspuncten ſich nicht zu helfen wuſte, mit denen Heiligen, Franciſco Seraphico, und Thoma von Aquin ſichtbarlich ſich darſtellend, und auf Thomam mit der Hand deutend, geſprochen hat: Crede huic, nam ejus doctrina non deficiet in ternum. Glaube nur dieſem, und halte dich an feine Lehr, dann dieſelbe wird in Ewigkeit nicht abnehmen. apud Coutinum conſid. 3. n. 34. Und ſolle auch dieſe himmliſche Zeugnuß nicht erklecken, ſo vernehmet die Zeugnuß der ewigen Wahrheit ſelbſten, Chriſti JEſu, in welchem, wie Paulus redet Coloff. 2. v. 3. alle Schaͤtz der Weisheit, und Wiſſenſchaft verborgen find. Dieſer, hat zu drey zerſchiedenenmalen, beſonders zu Orvietto, nachdeme Thomas auf Befehl Pabſt Urbani IV. die Tag⸗Zeiten von dem allerheiligſten Altars⸗Saergment verfaſſet hatte, und ſodann zu Neapel in der nunmehro zu immerwaͤhrender Gedaͤchtnuß dieſer wundervollen Begebenheit mit vielen Ablaͤſſen von Pio V. begnadeten Capell 8. Nicolai, nachdeme Lhom as den 3 ten Theil feiner. Summe verfertiget, in Beyſeyn Dominici de Caſerta aus einem Crucifir miraculoſer Weis dieſe deutliche Wort zu ihne geredet: Bene& vere de me ſeripſiſti Lhoma. Thomas, du haft wohl, und wahrhaftig von mir geſchrieben. Was verlangen wir mehr? iſt nicht derjenige Lehrer allen vorzuziehen, welchen GOtt ſelbſt alſo approbiret? Probatus eſt, quem Deus commendat. 2. Cor. 10. Oder iſt derjenige nicht alles Lobs, aller Hochſchaͤtzung, aller Verehrung wuͤrdig, der nicht nur von denen Menſchen, ſondern auch von dem groſſen GDOtt, fo nichts gut heiſſet, was nicht gut iſt, gelobet wird 2 cujus laus non ex hominibus, ſed ex Deo eſt. Rom. 2. 29. Ja ja, Hochwertheſte! es bleibt ſchon darhey, Thomas iſt ein Engliſcher Lehrer, oder vielmehr ein Engel unter allen Lehrern wegen feiner Engliſchen Wiſſenſchaft, und Kraft feiner himmliſchen Weisheit, wie ich bishero gründlich und weitlaͤufig er— wieſen habe. Da ich aber anjetzo hinuͤberſchreitte zum Zweyten Theil Menn Ehren⸗Rede, ſeye es mir erlaubt, vorhero nachzuforſchen, wo: her doch dieſe ſo tiefſinnige Gelehrſamkeit, ſo hohe Wiſſenſchaft, ſo Engliſche Weisheit in Thoma den wahren Urſprung genommen habe? Vielleicht werden ſie mir deuten auf den Spitzfindigen, und von Natur aus zu allen Wiſſenſchaften fähigen Verſtand Thomæ, fo ihme GOtt vor ß lich mitgetheilet, alſo, daß er mit dem weiſen Mann ſich ruͤhmen konnte: Buer Sera m — 2 WI Co) NP 11 Tram ingeniolus,& ſortitus ſum animam honam. Sap. 8. 19. Ich ware von Jugend auf ſehr gelirnig, und meine Seel hatte von GOtt beſondere Talenten empfangen? Ja, dieſes hat was beygekragen; allein in dieſem Stuck hat Thomas viel feines gleichen gehabt; und ein gutes Talent allein erklecket nicht. Lhomas wird alſo etwann all ſeine Wiſſenſchaft ſeinem ſo fuͤrtreflichen Lehrmeiſter, dem weltberühmten Alberto Magno, zu danken haben? Ja, dieſes thut viel zur Gelehrſamkeit, wann man die Schul eines guten Lehrmeiſters beſuchet, denn, wie Ambroſius ſagt: Lih. 2. de Virg. Primus diſcendi ardor nobilitas eſt Magiſtri, nichts treibet einen zum lernen mehrer an, als der Ruhm feines Lehrmeiſters. Allein Thomas wurde gar zu bald Diſcipulus ſupra Magiſtrum; er uͤbertraffe Albertum, und dieſer nannte ihn deßwegen Thronum Dei, einen lebendigen Wohnſitz Ottes. So wird dann Thomas durch ſeinen eigenen Fleiß, weilen er nicht minder als der weiſe Mann von Jugend auf die Weisheit geliebt, und zu ſeiner Braut erwaͤhlet, Sap. 8. v. 2. jenen hohen Gipfel aller Wiſſenſchaften erſtiegen haben? Aber dieſem widerſpricht Thomas ſelbſten, und bekennet feinem vertrauteſten Freund Reginaldo, daß er ſeine erlangte Gelehrtheit am allerwenigſten ſeiner eigenen Bemuͤhung und Studiren zuzuſchreiben habe. Wem dann? Ich leſe am 110. Pſalm 9. v. Initium ſapientiæ timor Domini, der Anfang und Grund aller Weisheit iſt die Forcht des HErrn. Zugleich finde ich in der Lebensgeſchicht Thomz, daß er ſchon im sten Jahr feines Alters denen Vaͤttern des Ordens des H. Patriarchen benedicti auf dem Berg Caſſin zur Erziehung anvertrauet worden, und ſchon dazumal groſſe Vorbotten ſeiner zukuͤnftigen Heiligkeit gegeben habe; da er alſo von Kindheit an, wie der fromme Tobias, GOtt zu förchten angefangen, Tob. 1. v. 10. fo wird leicht zu errathen ſeyn, durch was Mittel Thomas in kurzer Zeit ſo gelehrt worden. Ja, vielleicht komme ich noch beſſer auf den Grund, wann ich mich erinnere, daß Thomas, auf Einrathen des H. Apoſtels ‚Jacobi, da er ſagt: Si quis indiget ſapientia, poſtulet a Deo. Jac. 1. 5. Bedarf jemand der Weisheit, ſo begehre er ſelbe von GOtt; in allen vorfallenden ſchwereren Zweiflen zum Gebett ſeine Zuflucht genommen habe, und durch das Gebett mehr, als durch vieles Studiren zur Erkanntnuß deren ver: borgniſten Geheimnußen, nach eigener Geſtaͤndnuß, gelanget ſeye; beſonders, da der H. Apoſtel Paulus ſelbſten ſich gewuͤrdiget hat, Thomam bfters zu unterweiſen, und von ihme wegen beſtaͤndigen Entzuͤckungen des Geiſts konnte geſagt werden, was der H. Maximus von bemeldten Lehrer der Voͤlker geſagt: In Cælo didicit, quæ doceret in terris. Er hat im Himmel erlernet was er auf Erden lehren und ſchreiben ſollte. Allein verzeyhet mir, wann ich auch mit dieſen mich nicht begnügen laſſe, und noch tieffer nachgruͤnde. Nun wird mir einer in die Ned fallen, und ſagen, er wiſſe ſchon, wohin ich ziele. Maria nemlich die ohnbefleckte jungfraͤuliche Mutter GOttes wäre der Sitz der Weisheit/ Sedes ſapientiæ, durch dieſe habe ſchon mancher groſſen Fortgang in denen Wiſſenſchaften gemacht, Thomas aber habe die Lieb und Andacht zu Maria ſchon dazumal gleichſam in ſein Herz eingegraben, da er noch als ein unmuͤndiges Kind ein Zettelein, auf welches der Engliſche Gruß geſchrieben ware, nicht aus Händen laſſen wollte, und da man es ihm mit Gewalt zu entnehmen trachtete, ſelbes ganz begierig in den Mund geſchoben, und gleich einem ſuͤſſen Honig oder Zucker hinabgeſchlucket. Ich verwerfe dieſen Gedanken keineswegs, doch iſt er noch nicht derjenige, auf welchen ich, nach vieler Ueberlegung, verfallen bin. Verlanget ihr ſelben endlich zu wiſſen, Geliebte! ſo vernehmet, was ſich mit Thoma€ denen erſten Jahren des von ihm anX 2 ge———————————————— RS Co) RB getrettenen H. Ordens-Stand zugetragen. Thomas hatte ſich ſchon im 14. Jahr feines Alters entſchloſſen der Welt den Rucken zu kehren, und GDOtt allein zu dienen. Zu dieſem Ziel und End begehrete er in den Orden des H. Dominici aufgenommen zu werden. Dieſer Eyffer mißfiele aber hoͤchſtens ſeiner Mutter ſowohl, als auch ſeinen Bruͤdern und Schweſtern. Sie ſuchten alſo auf alle moͤgliche Art und Weis ihn abwendig zu machen; ja ſie ſtellten ihme vielfältig nach, und da er eben von feinen Obern nacher Paris verſchicket wurde, fiengen ſie ihn Unterweegs heimlich auf, fuͤhrten ihn nach Haus, und ſperreten ihn in einen Thurn des vaͤtterlichen Schloß ein. Allda wagten ſich erſtlich die zwey Schweſtern an ihn, und vermeynten ihn zu bereden, daß er das Ordenskleid von ſich legen ſollte. Aber ihre Bemuͤhung ware vergebens, ja Thomas ware gluͤcklicher, als ſie, dann er ſprache ihnen mit ſolchem Nachdruck zu, daß ſie ſelbſt ihme in das Garn luffen, und ſich bereden lieſſen, der Welt Urlaub zu geben. Die Bruͤder griffen alſo den jungen Novitzen auf eine empfindlichere und gefaͤhrlichere Weis an. Sie beſtochen nemlichen ein freches Weibsbild, und ſchickten ſelbes zu den unſchuldigen Juͤngling, in Hofnung, ſie wuͤrde durch ihr anreitzendes Liebkoſen ihn auf andere Gedanken bringen, oder gar(ſo weit gehet die verfuͤhreriſche Ottes vergeſſene Welt) durch einen ſchaͤndlichen Suͤndenfall allen Trieb des Geiſtes in ſeinem Herzen gaͤnzlich erſticken. Die unverſchaͤmte Buhlerin lieſſe auch nichts ermanglen, damit der boßhafte Streich ihr gelingete. Aber ſehet, kaum hatte der Engliſche, Mariaͤ der jungfraͤulichen Mutter ganz ergebene, und das Geluͤbd der ewigen Reinigkeit abzulegen ſchon feſt entſchloſſene junge Thomas das laſterhafte Vorhaben dieſes vermeſſenen Weibsbild vermerket, wurde er mit H. Eyffer entzuͤndet, ergriffe aus dem Camin das naͤchſtgelegene brennende Scheitholz, und gleich als waͤre er jener Engel, ſo unſere erſte Voreltern mit einem feurigen Schwerd nach begangener Suͤnd aus dem Paradeis getrieben, Gen. 3 24 jagte er das geile Venus-Kind in die Flucht zum Zimmer hinaus. , machte er mit der Kohlen dieſes gluͤhenden Holz auf die Wand das eichen des H. Creutzes, fiele vor ſelben auf feine Knie nieder, und dankte GDOtt inniglich für die Gnad der verliehenen Standhaftigkeit, und erhaltener Unſchuld in ſo augenſcheinlicher Gefahr. Aber waͤhrend dieſem Gebett, gleichſam als von dem Streitt ermuͤdet, wurde er von einem ſuͤſſen Schlaf uͤberfallen. Und was begegnete ihm in demſelben? Von unſerem goͤttlichen Erloͤſer erzehlet der Evangeliſt, daß, nach ausgeſtandener dreyfacher Verſuchung in der Wuͤſten, die Engeln hinzugetretten, und ihme gedienet haben. Reliquit eum diabolus,& ecce Angeli acceſſerunt,& miniſtrabant ei. Matth. 4.. 11. Faſt gleiche Ehr widerfuhre unſerem jungen Chriſtlichen Helden, es ſtiegen zwey Engel herab vom Himmel, welche ihm zu erhaltenen Sieg Gluͤck wuͤnſchten, und zur Belohnung mit einer ſchneeweiſſen himmliſchen Guͤrtel, welche noch heutiges Tags zu Vercell in Piemont zu ſehen iſt, und in hohen Ehren gehalten wird, ſeine Lenden umgaben, und ſo feſt bindeten, daß er daruͤber erwachte, zugleich aber von aller fleiſchlicher Begierlichkeit, und ſinnlichen Neigungen auf die ganze uͤbrige Lebenszeit befreyet bliebe, fo als wann feine Seel nicht mehr in einem fleiſchlichen Coͤrper ſich befindete. Eine Gnad, um welche der Welt-AUpoſtel Paulus dreymal GDtt gebetten, ohne doch ſelbe zu erhalten, wie er ſelbſt geſtehet. 2. Cor. J2. v. 7. 8. S 9. Eine 12 Gnad, fo andere erſt im Himmel, nach der allgemeinen Auferſtehung, zu ev warten haben, gemaͤß dem Verſprechen Chriſti: Matth. 22. v. 30. In reſurrectione... erunt ſicut Angeli Dei in cælo. Die jenige, welche zum ewigen Leben von 5. von Todten auferſtanden, werden auch dem Leib nach ſeyn wie die reineſte , Co) 18 Engel GOttes; Da indeſſen Thomas ſchon in dieſem ſterblichen Leben ein ſolcher eingefleiſchter Engel worden iſt, deme der Heil. Ambrolius L. de vid. den Vorzug gibet vor denen Engeln des Himmels, ſprechend: Major eſt victo. ria Virginum, quam Angelorum, Angeli enim ſine carne vivunt, virgines vero in carne triumphant. Der Sieg keuſcher Seelen iſt groͤſſer als deren Engliſchen Geiſtern, dann die Engeln leben ohne Fleiſch, keuſche Seelen und Jungfrauen aber triumphiren in dem Fleiſch. Anjetzo verwundere ich mich nicht mehr, daß Thomas ein Engel ware an Weisheit und Wiſſenſchaft, nachdeme ich uͤberzeuget bin, daß er ein Engel geweſen an Reinigkeit Leibs und der Seelen: Ja, nunmehro bin ich gekommen auf die wahre Grundurfach feiner Engliſchen Gelehrtheit. Nemlichen, gleichwie GDOtt ſchon von Anfang der Welt verſichert, daß ſein Geiſt in einem fleiſchlichen Herzen keine bleibende Statt finde: Non permanebit ſpiritus meus in homine in æternum, quia caro eſt. Gen. 6. v. 3. Und gleichwie wir wiſſen aus dem Buch der Weisheit, daß dieſe Weisheit nicht eingehen wolle zu einer Seel, die eines boͤſen Willens iſt, noch wohnen in einem Foͤrper, fo denen Suͤnden der Sinnlichkeit unterworfen: In malevolam animam non intxoibit ſapientia, nec hahitabit in corpore ſubdito peccatis. Sap. 1. v. 4. Gleichwie auch eine ausgemachte Sach iſt, nach Lehr des Apoſtels, daß, geiſtliche oder uͤbernatuͤrliche Ding zu verſtehen, niemand untauglicher ſeye, als ein ſinnlicher Menſch, ſo wie das unvernuͤnftige Vieh nur denen coͤrperlichen Wolluͤſten nachſtrebet: Animalis homo non percipit ea, quæ ſunt ſpiritus. J. Chr. 2. 14. Alſo in Gegentheil wohnet der heilige Geiſt, jener Geiſt der Wahrheit, jenes Licht in denen Finſternuſſen, jene Bronnquell aller Weisheit und Wiſſenſchaft, nirgends lieber, als in einem reinem Herzen. Eine keuſche Seel iſt wahrhaftig die tauglichſte Herberg jenes Geiſtes; In quem deſiderant Angeli proſhicere. 1. Pet. 1. 12. welchen anzuſehen nur die Engel verlangen, und würdig ſeynd. Sie iſt Sedes Sapientiæ, der wahre Sitz der Weisheit, und goͤttliche Ding zu erforſchen ſeynd nur Engel: reine Herzen faͤhig: Beati mundo corde, quoniam ipſi Deum videbunt. Matth. 5. v. 8. Da alſo Thomas ein fo privilegirter Engel in dem Fleiſch ware, da ſeine Seel mit ſo auſſerordentlicher Unſchuld prangte, da in feinem Herzen nicht die mindeſte Verhindernuß einer Sinnlichkeit dem goͤttlichen Geiſt entgegen ſtunde, was iſt Wunder, daß er mit himmliſcher Weiss heit im hoͤchſten Grad erfuͤllet worden, und tieffer in die goͤttliche Geheimnuß, gleich einem jungfraͤulichen geliebten Juͤnger Joanne, als andere Lehrer hineingeſehen. Ja, was iſt Wunder, daß Innocentius Vl. von Thoma redend der Worten Chriftt ſich bedienet, und ſaget: Eece plusquam Salomon hic. Matth. 12. 42. Sehet, dieſer iſt groͤſſer als Salomon, und uͤbertriffet ihn an Weisheit, weilen er ihn unendlich uͤbertroffen an Neinigkeit Leibs und der Seelen, auf welcher ſich die wahre Weisheit gruͤndet, und aus Abgang deſſen der weiſeſte Salomon zu einen Abgoͤtterer, und Thorn worden iſt. Da ich nun anjetzo gezeiget, daß Thomas auch an Reinigkeit denen Englen gleich ware, fo bleibt nur noch übrig zu unterſuchen, ob er ſich ebenfalls in der Heiligkeit denen Englen daͤrfe an die Seiten ſetzen. Die Heiligkeit deren Englen beſtehet hauptſaͤchlich in der Demuth, und in der Liebe GOttes. In der Demuth zwar, weilen durch die Demuth die Englen ſeynd Englen geblieben, und zu ihrer ewigen Glorie gelanget, gleichwie hingegen die Hoffart aus Englen hat Teufel gemacht, und ſelbige in die Hoͤll verſtoſſen, daß folgſam die Demuth billich fuͤr eine Engliſche Tugend zu halten; und zwar um fo mehr, a. die en D n | } / | | 14 WS Co) WW Engel als dienſtbare Geiſter, adminiſtratorii ſpiritus&c. Hehr. 1. 14. die Demuth nicht nur gegen GOtt, ſondern auch gegen die Menſchen ausüben. In der Liebe GOttes aber, weilen ſelbe ein Eigenthum deren Englen ſcheinet zu ſeyn, alſo zwar, daß die Vornehmſte aus ihnen wegen der Lieb Seraphin genennet werden, und eine Seraphiſche Lieb ſo viel ſagen will, als die vollkommneſte, die innbruͤnſtigſte. Dieſe Lieb aber zeiget ſich am meiſten, theils durch den Gehorſam, mit welchem die Engel ſich befleiſſen den Willen GOttes aufs genaueſte zu erfüllen. Angeli ejus potentes virtute, facientes verbum illius, miniſtri ejus, qui facitis voluntatem ejus. Pf. 102. v. 20. Theils durch den Eyffer, mit welchem fie ſich um die Ehr GOttes annehmen. Qi facis Ange. los tuos ſpiritus,& miniſtros tuos ignem urentem. Pſ. 103. 4. Wie iſt nun unſer Thomas beſchaffen? Ware er auch demuͤthig? die Demuth bey groſſer Wiſſenſchaft iſt was ſeltſames, dann durch vieles Wiſſen werden die Menſchen aufgeblaſen, und pflegen andere ihres gleichen zu verachten. Scientia inflat. J. Cor. 8. 1. nicht alſo Thomas. Er hatte ſchon laͤngſt bey aller ſeiner Wiſſenſchaft von ſeinem himmliſchen Lehrmeiſter Paulo die Demuͤth erlernet, da ſelber ſagt: 1. Cor. 2. 2. Non judicavyi me ſcire aliquid inter vos, niſi JEfum,& hunc crucitixum. Ich hab mich ſelbſt nicht für gelehrt gehalten, ſondern all mein Wiſſen nur gerichtet auf JEſum, und zwar den gekreutzigten. Thomas ware demuͤthig, und zwar fo tief in der Demuth ge gruͤndet, daß der Geiſt des Hochmuths, wie Thomas ſelbſt bekennet, ihn ſo wenig in ſeinem ganzen Leben anzufechten ſich getrauet, als der Geiſt der Unreinigkeit. Er ware fo demuͤthig, daß, als ihn einſtens der Univeritaͤts⸗Pedell zu Paris auf offentlicher Canzel, weilen er etwas zum Schutz ſeines damals verfolgten Ordens vorbrachte, vermeſſentlich ſchweigen hieſſe, er ohne Widerred die Predig augenblicklich geendiget. Er ware ſo demuͤthig, daß man ihn niemalen hat gehoͤret feine Meynung in denen gewohnlichen Schulz ſtreitten gegen die Widerfacher mit Uunanſtaͤndigkeit oder Eigenſinn behaupten. Er ware fo demuͤthig, daß er kein Bedenken getragen, bey offentlicher Tiſchleſung von ſeinen unerfahrnen Oberen ſich corrigiren zu laſſen uber ein Wort, welches er doch recht ausgeſprochen hatte. Er ware fo demuͤthig, daß er einſtens, da er eben in Begrif ware, einer wichtigen Frag nachzuſinnen, einem unhoͤflichen Lahen⸗Bruder, ſo ausgehen wollte, einen Geſpann abzugeben ſich nicht entſchuldiget. Er ware ſo demuͤthig, daß er wiederholtermaſſen die ihme angetragene geiſtliche Ehrenwuͤrden, und beonders das Neapolitaniſche Erzbisthum, mit welchem Uranus IV. feine hohe Verdienſt zu belohnen gedachte, ausgeſchlagen, in welchem Stuͤck er es jenem Engel nachgemacht, welcher nicht zugeben hat wollen, das Joannes der Apoſtel mit gebogenen Knien ihn verehren ſollte. pocal 22. v. 8. S 9. Er ware fo demuͤthig, daß als ihn die Geiſtliche des Cloſters zu Foſſa nova Ord. Ciſterc. wo er erkranket, gebetten, die von ihren H. Ordens⸗Stifter Bernardo angefangene, aber durch den Tod unterbrochene Auslegung deren hohen Liedern Salomonis fortzuſetzen, er ſich einem ſolchen Werk nicht gewachſen zu ſeyn glaubend, geſprochen: Date mihi ſpiritum Bernardi,& perficiam Opus Bernardi. Gebet mir nur vorhero den groſſen Geiſt Bernardi, fo will ich auch fortfahren zu ſchreiben, wie Bernardus. Er ware endlich fo demuͤthig, daß er, wie er in Demuth gelebt, alſo auch in Demuth ſein Leben beſchloſſen, indeme er bey Empfangung der Heil. Weegzehrung auf ſeine Knie nidergefallen, und alle feine Schriften, alle feine Lehren dem Urtheil der H. Rom. Katholiſchen Kirchen voͤllig, und alſo unterworfen, daß er bereit waͤre geweſen alles zu wier CS oO) S.. A derruffen, was felbe nicht hätte gut geheiſſen. Ware dieſes nicht bey fo erſtaunlicher Wiſſenſchaft, bey ſo groſſer Unſchuld, bey ſo heilig⸗ und unſtraͤflichen Lebenswandel eine Demuth, welche wenig ihres gleichen gehabt hat? Was ſolle ich anjetzo von der Liebe ſagen, mit welcher Thomas gegen GOtt entzuͤndet geweſen, und welche ihn nicht minder zu einen Seraphin, als die Wiſſenſchaft zu einen Cherubin gemacht hatte? muͤſte ich nicht, wann ich davon alles, was ich weis, vortragen wollte, eine neue Lobred anfangen, da mir die verloffene Zeit ſchon gebietet, gegenwaͤrtige zu enden? Gewißlich, man kan von Thoma behaupten, daß er nur darum zu ſo groſſer Erkanntnuß goͤttlicher Vollkommenheiten durch ſeine Engliſche Weisheit gelanget, damit er GOtt heftiger lieben konnte. Alle feine Sinn und Gedanken waren ja auf GOtt gerichtet; er redete beſtaͤndig oder mit GOtt, oder von GOtt; und feine immerwaͤhrende Geiſts⸗Entzuͤckungen, beſonders, wann er vor dem allerheiligſten Altars geheimnuß ſein Gebett verrichtete, zeigten ja genug an, daß er unter jene Engel gehoͤre, von welchen geſchrieben ſtehet: Angeli eorum ſemper vident faciem Batris mei, qui in cælis eſt. Matth. 18. v. 10. Ihre Engeln ſchauen immer an das Angeſicht meines Vaters, ſo im Himmel iſt. Er ſuchte in allem feinem Thun und Laſſen nur allein GOtt zu gefallen, er thate ſelbſt, was er andere lehrete, der heiligſte Willen GOttes ware die einzige Nichtſchnur aller feiner Gedanken, Worten und Werken. Und wie eyfferte er nicht um die Ehre GOttes? wie bemuͤhete er ſich nicht Seelen zu gewinnen? mit was Nachdruck predigte er gegen die Laſter? wie ſehr ware ihm das Heyl feines Naͤchſten am Herzen gelegen? kurz, Thomas ware ein Engliſcher Lehrer, und zugleich ein Heiliger Engel, deſſen Heiligkeit und Verdienſt bey GOtt und denen Menſchen in ſo groſſen Anſehen waren, daß einſtens, als er zu Rom nach geendigter Predig von der Canzel geſtiegen, eine Frau durch bloſſe Beruͤhrung des Saums ſeines Kleids von dem Blutgang, an welchem ſie ſchon viele Jahr gelitten, augenblicklich befreyet worden, ein Wunder, ſo demjenigen ganz gleich iſt, welches Chriſtus ſelbſten gewuͤrket, wie Matth. 9. 20. mit mehrern zu leſen iſt. Damit aber niemand zweiflen ſollte, daß Thomas auch in der Liebsſchul ein Lehrmeiſter worden, iſt ſeine letzte Arbeit eben die von denen Ordensgeiſtlichen der Abbtey Foſſa nova ſo ſehr erwuͤnſchte Auslegung deren hohen Liederen Salomonis geweſen, von welchen er 6. Kapitel verfertiget, in den ten aber bis zu jenen Worten gekommen: Ego dilecto meo,& ad me converſio ejus. v. 10. Ich bin ganz und gar meines Geliebten, und ſein Gemuͤth iſt auch zu mir gewendet. Ja die Lieb entzuͤndete fo ſehr feine heilige Begierden, daß ihm die Zeit viel zu lang ſchiene,; bis ſeine Seel gaͤnzlich mit ihrem himmliſchen Braͤutigam vereiniget wurde, weswegen er auch mit freudigem Angeſicht, mit erhobenen Haͤnden, mit zum Himmel gerichteten Augen den Geiſt aufgegeben unter denen gleich darauf folgenden Worten: Cant. 7. v. 11, Veni, diſecte mi, egrediamur in agrum. Komme mein Geliebter, laſſet uns hinausſpazieren auf den Acker. Als wollte er ſagen: komme mein goͤttlicher Geſpons, und fuͤhre meine Seel aus dem Kerker dieſes ſterblichen Leibs, und uͤberſetze ſie in das himmliſche Paradeis. Gleichwie ich alſo leſe, daß jener Engel, welcher dem Manue erſchienen, unter dem Opfer in einer Flammen zum Himmel aufgeſtiegen, cum aſcenderet flamma altaris in cælum, Angelus Domini pariter in flamma aſcendit. Jud. 13. v. 209. Alſo kan ich auch ſagen, daß Thomas in einem wuͤrklichen uͤbernatuͤrlichen Act der vollkonimneſten Liebe GOttes geſtorben, und daß ſeine Engliſche Seel, unter dieſem Liebs J. wie eine Flamm zum Himmel zur 2 ewi —————— 16’ ws Co) WS ewigen Belohnung aufgefahren ſeye. Und o wie groß, wie unbegreiflich iſt anjetzo feine Glorie Thomas ware ſchon im Leben ein Engel an Weis, heit und Staͤrke, ein Engel an Reinigkeit, ein Engel an Heiligkeit, ſo wird er auch nunmehro ſeinen Sitz haben unter denen Englen zwiſchen denen Cherubinen und Seraphinen. Chriſtus hat ſelbſt verſichert: Qui fecerit& docuerit, hic magnus vocabitur in Regno czlorum. Mattb. 5. 19. Wer wohl lehret, und auch ſeine Lehr mit gleichfoͤrmigen Werken beſtaͤttiget, der wird groß in dem Reich der Himmlen genennet werden, und eine groſe Glorie allda zu erwarten haben. Schlieſſet hieraus, in was fuͤr einem Anſehen unter denen himmliſchen Mitburgern unſer Engliſche heilige Lehrer ſtehen muͤße. Danieli hat der Erz; Engel Gabriel verſprochen/ daß jene wie die Stern im Himmel leuchten und glanzen ſollten, welche viele werden zur Gerechtigkeit unterwieſen haben. Qi ad Juſtitiam erudiunt multos, fulgebunt quaſi ſtellæ in perpetuas æternitates. Dan 1. v. 3. Wer ſolle zweiflen, daß nicht auch Thomas in der ewigen Seeligkeit glanzen werde als ein Stern der erſten Gröffe: Stella prima magnitudinis, 2 ſogar 3. Taͤg vor ſeinen Tod ober ſeinen Zimmer ein auſſerordentlicher Stern ſich hat ſehen laſſen, welcher, nachdeme Thomas verſchieden, auch mit ihme verſchwunden iſt? Ja zum Zeichen, daß Thomas ein wahrer Engel des Lichts ſeye hat der Prior des Cloſters, welcher ſchon lange Zeit blind ware, augenblicklich das Licht ſeiner Augen wieder bekommen, als er die Fuß des entſeelten Leichnams Thomz chrenbiethig und mit Vertrauen gekuͤſſet. Thomas hat endlich ſelbſt geoffenbaret, zu was groſſer GGlorie er erhoben worden, da er dem gottſeel. F. Alberto de Breſcia in Geſellſchaft des H. Auguſtini nach dem Tod erſchienen, eine goldene Cron auf dem Haupt tragend, mit einer dreyfachen goldenen Ehren⸗ Ketten um den Hals, und auf der Bruſt mit einem koſtbaren Edelgeſtein gezieret, deſſen Glanz die Stralen der Sonnen ſchiene zu uͤberſteigen; anbey auch ihme geſagt, daß er dem groſſen Kirchen⸗Lehrer und Biſchof Auguſtino, deſſen Lehrfäß er jederzeit gefolget, an Glorie ganz gleich ſeye nur mit dieſem Unterſchied, daß Auguſtinus ihne zwar an Biſchoͤflicher Wuͤrde, er aber Auguſtintim wegen dem . der unverſehrten Jungfrauſchaft und Engliſchen Reinigkeit uͤbertreffe.|| FE. 2— Schluß ⸗Rede. ier habt ihr nun, Hochwertheſte AA. mit lebhaften Farben abgeſchilderet | den Mann GOttes, welcher ſich anheut mit einem Engliſchen Angeſicht vor unſere Augen geſtellet: Vir Dei venit ad me, habens vultum Angelicum. Ich bin auch der gaͤnzlichen Meynung, daß ihr ihn ohngezweifelt fuͤr einen eingefleiſchten Engel haltet/ welcher den Titl eines Engliſchen Lehrers allermaſſen verdienet, und ſowohl an Weisheit und Staͤrke, als Reinigkeit und Heiligkeit mit denen Engeln darf in Vergleich gezogen werden. Anjetzo kan ich mich aber nicht enthalten zum Schluß euch einen Vortrag zu thun, und zwar mit denen Worten des Evangeliſchen Blindgebohrnen, nachdeme er feinem göttlichen Heyland und Lehrmeiſter offentlich in der Sy nagoz das Lob geſprochen hatte: Nunquid& vos vultis diſcipuli ejus fieri? Joan. 9. v. 27. Sollet ihr nicht auch Luft bekommen, Lehrjuͤnger dieſes Engliſchen und heiligen Lehrers Thomæ zu werden? Ihr ſtutzet uͤber dieſen Anwurf, und werdet gleich einwenden, daß die wenigſte aus euch ſich auf das a X— 1 ö 8 17 diren verleget, und wie das Geſchlecht, oder der Beruf nicht allen zugebe, die Schul Lhomæ zu betretten, und ſich mit Erlernung ſo hoher Wiſſenſchaften zu beſchaͤftigen. Ihr habt recht, und ich bin auch dieſer Meynung; ja es iſt beſſer, daß man nicht mehr wiſſen wolle, als einem nutz iſt, und eines jedivederen Stand oder Amt erfordert gemäß des Ausſpruchs Pauli: Kom. 12. 3. Pico omnibus, qui ſunt inter vos, non plus ſapere, quam ohortet ſapere, jed ſapere ad ſobrietatem,& unicuique ſicut Deus diviſit menſuram fidei. Ich ſage allen aus euch, ihr ſollet nicht mehr wiſſen und verſtehen wollen, als ſich gezimmet zu wiſſen, ſondern hierinn ſolle eine Maas gehalten werden, gleichwie GOtt einem jeden die Gaab des Glaubens ausgetheilet hat. Ja, Kuguſtinus hat recht, wann er darfuͤr haltet, daß die Ungelehrte einen graͤdern und ſicherern Weeg zum Himmel haben, als die Gelehrte, wann ſie nur in Einfalt des Herzens GDOtt aufrichtich dienen: Surgunt indocti& rapiunt eltim,& nos cum noſtris doctrinis mergimur in infernum.& Aug. apud F. Leoti, a&. Laur. fer. 2. p. Dom. Palm. Weswegen ich auch wuͤnſchete, daß heut zu Tag nicht ſo viele Weislinge ſich hervor thaͤten, welche, ohne genugſamen Grund zu haben, von der Religion, von göttlichen Geheininußen, und Glaubens⸗Puncten, von denen weiſeſten Verordnungen der Heil. Kirchen, und dergleichen Materien,/ vernuͤftlen, und alles ausecklen wollen. Allein Geliebte dieſes hinderet doch nicht, daß ihr nicht auch in die Schul Thomæ euch verfuͤgen koͤnnet. Es iſt eine Wiſſenſchaft, welche ihr alle zu erlernen habet, ohne welcher man nicht kan ſeelig werden, und in welcher Thomas nicht minder ein groſſer Lehrmeiſter ware. Was iſt dieſes für eine Wiſſenſchaft? Dedit illi ſcientiam Sanktorum. Sap. 10. 10. Ad dandam ſcientiam ſaſutis plebi ejus. Luc. 1. s. 77. Nemlich die Wiſſenſchaft der Heiligen, oder die Wiſſenſchaft des Heyls, welche GOtt Lhomæ ebenfalls in einen hohen Grad eingefloͤſſet, um ſelbe wieder feinem Volk mitzutheilen. Vernehmet alſo drey einzige kurze Lektionen, fo euch der Engliſche Lehrer mit nacher Haus zu nehmen aufgibet, und welche beſtehen in Beantwortung dreyer Fragen, ſo man an ihne geſtellet hat. Die erſte Frag thate ein guter Freund, welcher zu wiſſen verlangte, durch was fuͤr ein Mittel man am geſchwindeſten koͤnne gelehrt werden? Und Thomas gab zur Antwort: Wann man nur ein Buch, aber ein gutes, und dieſes mit rechter Aufmerkſamkeit liſet. Es iſt in der That war, dann die Vielheit der Buͤcher, ſo man geleſen, machet oͤfters nur, daß man zwar aus allen etwas wiſſe, in der Hauptſach aber nichts gruͤndliches. Es wäre auch beſſer/ daß man anſtatt ſo vielen anderen unnutzen, eitlen, gefaͤhrlichen, ja verbottenen Buͤchern, welche zu nichts dienen, als die Sitten zu verſchlimmern, oder eine Geringſchaͤtzung geiſtlicher Dingen zu erwecken, nur ein einziges mehrer in Haͤnden haͤtte, aber was für eines? Vielleicht die Summam des Heil, Thom? Nein Geliebte, dieſe iſt nicht für alle; ob fie ſchon denen erkleckete, die ſich auf das Studiren begeben. Vielleicht das Heil. Evangelium? Ja freylich, wer dieſes Buch allzeit aufmerkſam leſen, und die darinn enthaltene Lehren in die Gedaͤchtnuß druͤcken thaͤte, wurde gar bald in der wahren Weisheit zunehmen. Allein auch dieſes Buch kommet jenen nicht genugſam zu Nutzen, welche nicht leſen koͤnnen. Was dann fuͤr eines? Hoͤret: Thomas kame einsmals zu ſeinen geliebten Mitlehrer Bonaventura, und begehrte ſeine kibliothec zu ſehen. Bonaventu. ra aber fuͤhret ihn in feine Zell, und zeigt ihm allda ein groſſes CrucifixBild, vor welchem er zu betten und zu betrachten pflegte, ſprechend: Dieſes iſt mein beſtes Buch, dieſes iſt an ganze kibliochec. Wohl m/ es Geliebte! dieſes iſt jenes Buch, in welchem auch die Ungelehrte, und die Einfaͤltige leſen koͤnnen, ein Buch Liber ſcriptus intus& foris, ſo von innen und von auſſen ganz uͤberſchrieben, Mpocal. 5 v. 1. in welchem fo viel Buchſtaben als Wunden, ein Buch, ſo einem jedem offen ſtehet, ein Buch, ſo wahrhaftig kan genennet werden Liber vitæ, das Buch des ewigen Lebens. Dieſes, dieſes leſet, meine Chriſten, beſonders in gegenwaͤrtiger Heil. Faſtenzeit, und bedienet euch deſſelben zu euren Betrachtungen, ſo werdet ihr gar bald zur Wiſſenſchaft der Heiligen gelangen, und gelehrter in kurzer Zeit werden, als viele andere, ſo Tag und Nacht zwiſchen denen. Büchern ſtecken. Die zweyte Frag hat an Thomam geſtellet ſeine eigene Schweſter, welche auf fein Zureden die Welt verlaſſen, und auch in den geiſtlichen Ordensſtand getretten ware. Sie bathe ihn nemlich, daß er ihr entdecken moͤchte, welches | Mittel feiner Meynung nach für fie das dienlichſte waͤre, die ewige Seelig| keit zu erlangen? Thomas antwortete ihr mit wenigen Worten: Das du 24 an Co) I | — nur ſelbſt eryſtlich wolleſt; dann was werden alle andere unzahlbare auch kraͤftigſte Mittel helfen, wann man ſich derſelben nicht gebrauchet? es wird aber keiner die Mittel ergreiffen, der nicht das Ziel und End ernſtlich ſuchet. Ein jeder Menſch kan ſeelig werden, wann er nur ſelbſt will, er muß aber ernſtlich wollen. Darum ſagte David am 118. Pſalm: Anima mea in mani bus meis ſemper, mein Seel iſt allzeit in meinen Händen, das iſt, es ſtehet in meinem Gewalt, ſeelig zu werden, oder nicht, dann an GDOttes Gnad fehlet es niemalen, es fehlet nur an des Menſchen ernſtlichen Willen. Ohne dieſem wird auch die Gnad nicht wuͤrken, welches Khriſtus ſelbſt uns zu verſtehen gegeben, als er jenen Gichtbruͤchtigen, den er geſund zu machen bereit ware, vorhero befragt: Vis ſanus fieri? Willſt du geſund werden? Jo. 5. 2.6. Gleichſam als wollte er ſagen, ich bin zwar bereit dir zu helfen, aber dein Willen muß auch darbey ſeyn. Geliebte! wem ſoll dieſes Mittel zu ſchwaͤr fallen? und wer ſolle es nicht eilfertig ergreiffen, wann es eines theils ſo nothwendig, und anderen theils ſo kraͤftig iſt zur ewigen Seeligkeit zu ges langen? Ach! laſſet uns wollen, aber ernſtlich wollen, und folgſam auch alles jenes thun, was, um ſeelig zu werden, erfordert wird. Die dritte Frag an Thomam, deſſen Beantwortung uns zur Unterweiſung dienet, iſt aus dem Mund des gecreutzigten Heyland gefloſen, welcher, als er hom Lehr/ wie wir im erſten Theil vernommen, belobet, von ihme zu wiſſen verlangte, was er für feine Müh und Arbeit für einen Lohn ſich ausbitte? Bene& vere de me ſcripſiſti Fhoma, quam ergo mercedem accipies? Was glauben ſie wohl, Hochwertheſte! daß Thomas auf dieſe Frag geantwortet? Hat er vielleicht hohe Ehrenſtellen, und Reichthum begehret? O nein! hierauf dachte Thomas am allerwenigſten. Hat er noch groͤſſere Wiſſenſchaft, beſtaͤndigere Geſundheit, oder Verlaͤngerung des Lebens verlanget? Auch nicht, dann zu allen dieſen ware das Gemuͤth Thomæ ganz gleichguͤltig. Hat er um die Vermehrung der Gnad, oder ſonderbgre Glorie in dem Himmel bey Chriſto angehalten? Eben fo wenig; dann die Lieb Thomæ war ohne Ei gennutz. Was hat dann Thomas endlich Chriſto geantwortet? was hat er ſich für einen Lohn ausgebetten? Mam mer cedem accipies? non aliam Domme, quam te iplum, ware feine Antwort. HErr! ich begehre zu meinen Lohn fuͤr alle Muͤhe und Arbeit nichts anderes, als nur dich ſelbſten. Gibe mir, daß ich dich, als das hoͤchſte und beſte Gut, hier zeitlich durch eine aufrichtige, unverfaͤlſchte und inbruͤnſtige Lieb, dort aber ewiglich durch deine immerwaͤhrende ſeeligmachende Anſchguung vollkommen beſitze, fo hab ich ge nug; 4 hug; auſſer dich verlange ich nichts, in dir allein hab ich alles, ohne deiner wurde der Himmel ſelbſt mich nicht erſaͤttigen koͤnnen. O wohl ein ſchoͤne Antwort! o wohl ein heiliges Verlangen( deme zu willfahren der goͤttliche Erloͤſer zweifels ohne Thomæ, wie einſtens dem Abraham, wird verſprochen haben: Noli timere, ego protector tuus ſum,& merces tua magna nimis. Gen. 15. 1. Foͤrchte dir nicht, ich bin dein Beſchuͤtzer, und verbleibe dein uͤbergroſſer Lohn. Was if es aber Wunder? Thomas ware halt ein Engel, mithin zielten ſeine Begierden nach nichts Irrdiſchen, nach nichts Sinnlichen, nach nichts Erſchaffenen. Lernet, lernet, meine Chriſtliche Zuhörer, von dieſem Engliſchen Lehrmeiſter das Beſte zu erwaͤhlen, und beh allen euren Bemuͤhungen, in allem Thun und Laſſen, bey Ausuͤbung aller Tugenden nach GDOtt allein zu trachten, in GOtt allein euere Gluͤckſeeligkeit zu ſetzen, aus Liebe GOttes allein zu wuͤrken und zu leyden. Wann ihr Gtt zum Lohn bekommet, werdet ihr reichlich und uͤberfluͤßig fuͤr alles bezahlet ſeyn. Gehet nun mit dieſen dreh Lehrpuncten getroͤſt nach Haus; und er: kennet fuͤrohin Thomam von Aquin für euren Lehrmeiſter, zugleich aber erwaͤhlet dieſen eingefleiſchten Engel zu eueren Schur geiſt, und Patron, beſonders gegen alle Verſuchungen wider die Reinigkeit, oder wider den Glauben, befleiſſet euch ebenfalls durch Engliſche Sitten G Ott zu gefallen, damit ihr einſtens auch unter die Choͤr deren Englen aufgenommen, mit Thoma dem Engliſchen Lehrer dem Konig der Englen ein Engliſches Lobgeſang in alle Ewigkeit anſtimmen moͤget, u NM EN