FEUILLETON DER „KREFELDER ZEITUNG“
KARL VON FELNER, KREFELD, RHEINSTR. 76, TELEFON 859
KREFELD, den 16.Mai 1922
Mein Lieber,
lies den Briefkopf und staune. Nie hätte
ich mir gedacht, dass ich einmal so landen würde. Mir ists ein großer
Glücksfall gewesen, dass es so kam; nachdem ich Jahre wid-
rigster Erinnerung hinter mir habe. Seit 1.Mai bin ich hier und
fühle mich außerordentlich wol: sowol unter den Menschen in Kre-
feld, wie auch auf der Redaktion. Ichfand ein gutes Feuilleton
schon vor. Jetzt habe ichs so zu halten und will und werde es noch
weiter heben. Alle, die mich irgend lieben, helfen mir bei der Ar-
beit und senden mir Beiträge: W.v.Scholz, Jul.Bab, Gregori, Mi-
chel in Darmstadt usw. Nun tu auch Du mit und schicke mir ein
Feuilleton über Wiener Dinge; Zweitdrucke, denn ich kann nur klei-
ne Honorare zahlen: Maximum 30 pfg für die Zeile. Mir tust Dus
schon darum. Ich habe auch Rudi Junk um einen Wiener Kunstbrief
gebeten. Schicke mir etwas, das alle Leute interessiert, und
zwar solche Leute, die man erst erziehen muss: nicht mit der Türe
ins Haus, sonst werden sie kopfscheu und laufen einem weg. Mein
Vorgänger hier hat das falsch gemacht.
Zwei Jahre bin ich in Oberbayern gesessen, in einer Natur,
über der ihr Schöpfer die Menschen drin vergessen hat. Du kennst
ja die in München, und dort sind sie halt noch um ein paar Grade
gscherter! Meine Frau ist seit 1.Februar in Berlin und kommt mir
bald nach. Mein Junge ist in München im Delphinverlag, meine Toch-
ter augenblicklich in Tirol.
KARL VON FELNER, KREFELD, RHEINSTR. 76, TELEFON 859
KREFELD, den 16.Mai 1922
Mein Lieber,
lies den Briefkopf und staune. Nie hätte
ich mir gedacht, dass ich einmal so landen würde. Mir ists ein großer
Glücksfall gewesen, dass es so kam; nachdem ich Jahre wid-
rigster Erinnerung hinter mir habe. Seit 1.Mai bin ich hier und
fühle mich außerordentlich wol: sowol unter den Menschen in Kre-
feld, wie auch auf der Redaktion. Ichfand ein gutes Feuilleton
schon vor. Jetzt habe ichs so zu halten und will und werde es noch
weiter heben. Alle, die mich irgend lieben, helfen mir bei der Ar-
beit und senden mir Beiträge: W.v.Scholz, Jul.Bab, Gregori, Mi-
chel in Darmstadt usw. Nun tu auch Du mit und schicke mir ein
Feuilleton über Wiener Dinge; Zweitdrucke, denn ich kann nur klei-
ne Honorare zahlen: Maximum 30 pfg für die Zeile. Mir tust Dus
schon darum. Ich habe auch Rudi Junk um einen Wiener Kunstbrief
gebeten. Schicke mir etwas, das alle Leute interessiert, und
zwar solche Leute, die man erst erziehen muss: nicht mit der Türe
ins Haus, sonst werden sie kopfscheu und laufen einem weg. Mein
Vorgänger hier hat das falsch gemacht.
Zwei Jahre bin ich in Oberbayern gesessen, in einer Natur,
über der ihr Schöpfer die Menschen drin vergessen hat. Du kennst
ja die in München, und dort sind sie halt noch um ein paar Grade
gscherter! Meine Frau ist seit 1.Februar in Berlin und kommt mir
bald nach. Mein Junge ist in München im Delphinverlag, meine Toch-
ter augenblicklich in Tirol.