Lux, Joseph August: Brief an Richard von Kralik. o.O., 10.9.1931
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Kräfte bloss zu verschwenden. Ich glaube aber, dass ich von dem massgebenden
Teil der Mitglieder, zu denen Sie selbstverständlich gehören, wohl richtig ver-
standen und gewürdigt und bedankt bin als der Geber und Opferbringer und nicht
in die Rolle dessen verwiesen werden kann, der wie ein Nehmer oder Opferempfän-
ger dankbar sein sollte, dass man ihn duldet oder "festhält".
Verzeihen Sie, mein lieber Meister und Freund, wenn ich mich prinzi-
piell etwas weitläufiger ausspreche, wobei ja immer die Gefahr besteht, dass
die Worte schwarz auf weiss missverstanden und übel genommen werden. Ich [w]erde
das Nähere zum besseren Verständnis mündlich hinzufügen, daraus Sie erkennen
werden, dass auch ich Sie festhalte und zwar in Freundschaft und Ehren; dies
alles prinzipiell auszusprechen schien mir notwendig um irgend einen störenden
Geist fortzuweisen, der sich Ihren Briefen nach unmerklich eingeschlichen und
sich dunkel kundzugeben scheint. Lassen Sie sich also nicht beirren, wenn man klagend zu Ihnen läuft oder wenn Sie hören, dass ich den Maulwürfen gegenüber
fest zugegriffen habe. Ich werde noch fester zugreifen!
Auf herzliches Wiedersehen also Ende des Monats, noch vor dem Dichter-
abend, und alle Verehrung Ihnen und Ihrer lieben Frau Gemahlin, sowie schönste
Grüsse auch seitens meiner Frau
Ihr Getreuer
Lux.