LANDTAGSABGEORDNETER DR. ALFRED VON FISCHEL BRÜNN 28/12 18 Lieber Freund! Soeben kam mir ein Exemplar deines Buches über das Zeitalter des Imperialismus zu Handen. Ich danke Dir herzlichst für deine höchstwillkommene Gabe. Ich nahm es sofort in Angriff u. fühle mich vom Gegenstand und seiner kristallklaren Darstel= lung höchst gefesselt. Es ist so interessant, daß es einen sehr großen Leserkreis an sich ziehen wird. Die wissenschaflich gerichteten Kreise werden ebenso ihre Rechnung finden u deinem Hauptwerk an die Seite stellen, wenn sie es ihm nicht vorziehen werden. Es wird ein Erfolg sein, für Dich nicht minder angenehm, da du materiell uninteressiert bist. Ich habe im "Tagesboten" eine Notiz eingeschaltet, welche auf das Erscheinen des Buches aufmerksam machte: Es wird eine größere Rezension in diesem Blatte erscheinen, wahrscheinlich aus der Feder ihres gewöhnlichen Rezensenten. Wenn Du bezüglich einer Rezension einen Wunsch hegst, bitte mich nur zu verständi= gen. Ich stehe voll zu Diensten. Wir Deutschen der ganzen Welt leiden unter dem Übermut der Feinde. Wir können wegen der Zensur, welche sich an unsere Briefschaften hef= tet, nicht einmal unsere Klagen äußern. Soeben sehe ich, daß die Kolonie Togo an den tschechischen Staat vergeben werden soll, ein Anteil am Triester Hafen ihm zugesichert ist. Dabei das Wüten der Liebknechtschen Schwefelbande, während Sachsen vor einem Einfall der Tschechen bebt u. zittert! Ich hoffe, daß Du den Weihnachtsabend mit Deiner Tochter gut verbracht u. wenigstens kurze Zeit an die traurige Zeit vergessen konntest Meine Frau u. ich freuten uns mit Walther, der an diesem Abend als wiedergenesen sich mit uns um den Weihnachtsbaum sammeln konnte. Meine Frau, mein Sohn u. ich wünschen Dir und deiner Tochter ein glückliches Neues Jahr! Mit herzlichem Gruß dein alter DrFischel