Hochverehrter Herr Hofrat! Das ist eine große Beruhigung, eine belebende Hoffnung. Ja nur irgend etwas Sicheres wenn wäre! Ich würde das Kleinste anwenden, dass es auf die richtigste Weise bei mir anrühren würde, zugelernt habe ich ja in dieser Zeit etwas von der Kunst des richtigen Wirtschaftens und Eintheilens. Ich kann es Ihnen nicht sagen, wie ich Ihnen für Herren von Millenkovich dankbar bin. Nichts und Niemanden hätte ich von selbst gefunden, Alles, Alles, fanden machten nur Sie für mich. Wenn es noch zu einem neuen Grünen in mir käme! Zu spät wäre es noch nicht, meine ganze Jugend die verhagelte Reifezeit muß ich halt eben von meinem Leben abrechnen und daran denken, dass ich ein schon toter, dürrer fauliger Weidenstrunk war als Sie mich fanden und mit guter Hoffnung meinem Moder die frischen Reiser anpflanzten, die nun mein Leben sind. Ja, es wächst alles langsam aus mir, aber aber das neue an und in mir das ich von Ihnen habe, kann noch plötzlich einen frischen schönen Schuß machen. Wenn ich den Krieg überdauerte ohne zu stark auf´s neue gebrochen, entästet zu werden! Vielleicht kann ich Ihnen dann doch noch danken. Ja, wenn sich Gelegenheit bietet sagen Sie es Herren von Millenkovich, dass er meiner dann nicht vergessen, seinen gütigen, herrlichen Plan mit mir nach dem Kriege ausführen soll. Ich habe so viel Angst vor dieser Zeit und aller die ich noch zu leben habe. Unsereins komt doch gar zu leicht unter alle anderen Füße. Wenn mir dann die Ehrengabe einigen Lebensgrund geben hälfe! Ich werde nebenbei tun was ich kann. Vielleicht komt plötzlich auch eine etwas helfende rettende Arbeit. Vielleicht ist es gut, dass ich alle Sehnsucht nach Menschen, Natur, Freiheit, Welt in mir meiner Liebe wegen immer vollständig unterdrücken mußte, vielleicht blieb deshalb etwas doch in meinem Moder aufgehoben. Wenn nur Sie mir leben, mich überleben. Ich kenne zwar Ihre Krankheit nicht. Sie klagen nicht wie ich, aber ich bete dass Sie gesund werde und hoffe. Ihr Sie über alles in der Welt verehrender: Josef Gangl Wien XIII Pachmanngasse 2 am 29 Mai 1916. P.S. Den Brief des Herren von Millenkovich lege ich wieder bei.