Wien in Zahlen 1919 – 1934 Weitere Publikationen der Reihe Wien in Zahlen Wien in Zahlen 2019 Der Klassiker: Mit Augenzwinkern bietet diese Broschüre einen Überblick über die wichtigsten Aspekte des Lebens in Wien. AUCH AUF ENGLISCH ERHÄLTLICH Forschung und Entwicklung 2018 Wirtschaftsstandort 2018 In den neu entwickelten Broschüren werden die wichtigsten Daten zum Wirtschafts- bzw. Forschungsstandort übersichtlich dargestellt und erklärt. AUCH AUF ENGLISCH ERHÄLTLICH Wien in Europa 2019 Die wirtschaftlichen, kulturellen und persönlichen Verflechtungen zwischen Wien und Europa sind nicht mehr wegzudenken. Wir haben die wichtigsten Daten unterhaltsam aufbereitet. Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2019 Die umfassende und traditionsreiche statistische Publikation enthält Informationen aus allen Bereichen der amtlichen Statistik sowie aus externen Quellen. ERHÄLTLICH AB DEZEMBER 2019 Diese Publikation ist auch als Textband erschienen. Alle Grafiken und Texte finden Sie auf 100 jahrerotes.wien.gv.at. Alle Publikationen stehen kostenlos auf statistik.wien.gv.at zum Download zur Verfügung. Das Statistische Jahrbuch kann auf unserer Homepage zudem in gedruckter Form käuflich erworben werden. Wien in Zahlen 1919 – 1934 Auf einen 01 Wien 02 03 04  Wiener 05 Leben im Roten 06 07 Wien und Isotype 2 3 4 6 10 14 16 20 24 26 30 32 Vorwort Jakob Reumann, der erste demokratisch gewählte Wiener Bürgermeister, spricht in seiner Antrittsrede 1919 von einem„traurigen Erbe“: Nach dem verlorenen Krieg war die ehemalige k. u. k. Metropole von Krankheit, Armut und Schulden geplagt. Trotz der schwierigen Ausgangslage bleibt er optimistisch, dass Wien durch„Schaffensfreude und Arbeit“ allen Bewohnern ein lebenswertes Dasein ermöglichen werde. Die Situation ist desolat, die Hoffnungen in die Sozial­ demokratie groß. Dank ihres innovativen Tatendrangs kann die neue Stadtregierung schnell liefern und Verbesserungen der Lebenssituation erreichen: mehr als 60.000 Gemeindewohnungen, Steuererleichterungen für die unteren Schicht­ en, Bildungsreform, über 80 neue Kindergärten, 20 Kinderbäder, Halbierung der Säuglingssterblichkeit und vieles mehr. Das Rote Wien wird in nur 15 Jahren zum Mythos. Unser heutiger Wiener Weg des Miteinanders beruht auf den Ideen und Errungenschaften dieser Reformperiode. Ohne sie wäre Wien heute nicht eine der wohlhabendsten, sichersten und lebenswertesten Städte der Welt. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums dieser bedeutenden Zäsur lade ich Sie zu einer statistischen Zeitreise ein, um Leben und Politik im Roten Wien besser kennenzulernen! Michael Ludwig Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien Editorial Das Rote Wien begegnet einem noch heute auf Schritt und Tritt: Reumannplatz, Karl-Seitz-Hof, Ernst-HappelStadion(Sitz der Statistikabteilung der Stadt Wien), Stadtverfassung und vieles mehr stammen aus bzw. erinnern an diese Zeit. Das 100-jährige Jubiläum der„kleinen Revo­ lution“ 1919 war für uns als Stadt-Statistiker eine gute Geleg­ enheit, wieder in unseren und anderen Archiven zu stöbern. Um der Vielfalt des Roten Wien gerecht zu werden, haben wir sieben Themen ausgewählt. Natürlich waren wir Einschränkungen bei Datenqualität und-verfügbarkeit unterworfen, nicht zuletzt aufgrund der damaligen Wirtschaftslage. Gleichzeitig haben wir Bezüge zu heute hergestellt, um die nachhaltige Bedeutung dieser Aufbruchsperiode zu zeigen. Wie immer in unserer Reihe„Wien in Zahlen“ finden Sie in diesem Heft keine komplizierten Tabellen, sondern   hoch­ wertige Datengrafiken – ganz in der Tradition des obersten„Bildstatistikers“ des Roten Wien, Otto Neurath. Für Int­eressierte bieten wir einen erweiterten Textband mit umfassenden Artikeln unseres Rechercheteams an. Selbstverständlich gibt es alle Daten und Informationen auch im Internet. Wir hoffen auf Ihr Inter­esse und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen! Klemens Himpele Leiter der Abteilung Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien Auf einen Blick Rotes Wien 1919 – 1934 „Unser geliebtes Wien wird seine Lebenskraft beweisen und eine Stadt der Schaffensfreude und der Arbeit sein, die allen ihren Bewohnern ein lebenswertes Dasein er­ möglicht.“ – Bürgermeister Jakob Reumann in seiner Antrittsrede 1919 Wien wählt 60,3 % Historischer Wahlerfolg der Sozial­ demokratie bei der Gemeinderatswahl 1927 Bevölkerung „Es ist erstaunlich + 19,5 und in höchstem Maß Jahre bewundernswert, was Anstieg der Lebens­er­ wartung im Roten Wien gegenüber der Vorkriegszeit hier vom hygienischen, ästhetischen und so­ zialen Standpunkt an Vorbildlichem geschaf­ fen(...) und von keiner Stadt der Welt über­ troffen wurde.“ – Thomas Mann, 1932 4 — 5 Das Rote Wien in Zahlen „Statistik ist das Werkzeug des proletarischen Kampfes.“ – Otto Neurath, 1928 Wiener Gemeindebau Mehr als 60.000 Gemeindewohnungen wurden im Roten Wien gebaut Leben im Roten Wien 25 städtische Bäder wurden im Roten Wien neu eröffnet Wohnen 0,1 % Anteil der Bettgeher im Jahr 1934(1890: 3,8%) Finanzen 40 % der Einnahmen der Stadt 1934 stammten aus Gemeinde- und Landessteuern (Heute etwa 10 %) Wien und Niederösterreich 236.000 geborene Nieder­ österreicher lebten 1934 in Wien (Heute: 140.000) 01 Wien wählt 1918 wurde mit der Einführung des freien und gleichen Wahlrechts für alle Männer und Frauen der Grundstein für das Rote Wien gelegt. Davor bevorzugte das undemokratische Kurienwahlsystem die Stimmen von wenigen Wohlhabenden, was den bürgerlichen Parteien die Macht sicherte. Bei der ersten demokratischen Gemeinderatswahl 1919 änderten sich die Verhältnisse radikal: Mithilfe der nun wahlbe­ rechtigten Arbeiterschaft erzielte die Sozialdemokratische Arbeiter­ partei(SDAP) auf Anhieb die absolute Mehrheit und begann den Aufbau ihrer sozialen Utopie in Wien. Seit damals regierten nur„rote“ Bürgermeister die Stadt, die in den letzten Jahrzehnten politisch bunter geworden ist. 100 Jahre stimmenstärkste Partei in Wien Seit 1919 erreichte die Sozialdemokratie bei den Wiener Gemeinderatswahlen stets Platz 1. Gemeinderatswahlen in Wien 1919 „Wahlmüdigkeit“ nach der Wahl zur National­versammlung 1983 Gemeinderats- und Land­ tagswahl gemeinsam mit National­ratswahl 50 % Wahl­be­teiligung 500.000 Stimmen für die Sozial­demokratie 1919 1923 1927 1932 1945 1949 1954 1959 1964 1969 1973 1978 1983 1987 1991 1996 2001 2005 2010 2015 6 — 7 Das Rote Wien in Zahlen 1927 Historischer Stimmenrekord der Wiener Sozialdemokratie(694.457) Quellen : Land Wien Statistik; Seliger und Ucakar (1984); Seliger und Ucakar (1985); SORA und ISA 18 % 1923 Wie alles begann... 1918 Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts in Österreich Nach der Einführung des demokratischen Wahlrechts 1918 verdreifachten sich nicht nur die Wahlberechtigten in Wien; erstmals bei einer Gemeinderatswahl zählten die Stimmen von Arbeitern und Wohlhabenden gleich viel. 1912 61 % 61%63 % aAnnGteeislaWmathblebveörkeechrutinggte 2015 100 von 165 Mandaten 1919 erreichte die Sozialdemokratische Arbeiterpartei auf Anhieb die absolute Mehrheit im Wiener Gemeinderat. 1919 Gemeinderatswahl Sozialdemokratische Arbeiterpartei(SDAP) 54,2% Christlichsoziale Partei(CS) 27,1% Partei der sozialistischen und 8,4  % demokratischen Tschechoslowaken Deutschnationale Partei 5,4  % Vereinigte demokratische Partei 2,6  % Jüdischnationale Partei 1,9  % Sonstige 0,4  % Frauen wählen früher eher konservativ, heute eher links Frauen und Männer wählten in der Zwischenkriegszeit mit verschiedenf­ arbigen Stimmzetteln – die Wahlbeteiligung beider Geschlechter unterschied sich kaum und lag meist um die 90%. Die Wienerinnen neigten damals eher den Christlichsozialen zu als die Wiener. Heute stimmen Frauen – im Vergleich zu Männern – vermehrt für linke Parteien. Gemeinderatswahl 1932 Frauen Männer SDAP SDAP CS CS 50% NSDAP NSDAP Gemeinderatswahl 2015 SPÖ G N VP FPÖ SPÖ G N VP FPÖ G... Grüne N... NEOS 50% VP... ÖVP 01 Wien wählt Rote Hochburgen 1919 wählten vor allem die Außenbezirke sozial­ demokratisch Anteil SDAP-Wähler 1919 >– 70 % 60 % – 69,9 % 50 % – 59,9 % 40 % – 49,9 % 30 % – 39,9 % < 30 % XIX. XVIII. XVII. XX. IX. XVI. VIII. I. XV. VII. XIII. XIV. VI. IV. V. II. III. XII. X. XXI. XI. Wiener Stadtgrenze heute Bei der Gemeinderatswahl 1919 waren die Sozial­demo­kraten(SDAP) besonders in den Arbeiterbezirken am Stadtrand stark. Die SDAP schaffte es, sowohl Arbeite­rinnen als auch Arbeiter in Massen zu mo­bi­li­sieren. Die Christlichsozialen waren in den In­nen­be­zirken dagegen nicht so erfolgreich, ihre poten­ziellen Wähle­rinnen und Wähler an die Urnen zu bringen. 1934 lebten die meisten Arbeiter in den Außenbezirken Anteil Arbeiter 1934 >– 70 % 60 % – 69,9 % 50 % – 59,9 % 40 % – 49,9 % < 40 % XIX. XVIII. XVII. XX. IX. XVI. VIII. I. XV. VII. XIII. XIV. VI. IV. V. II. III. XII. X. XXI. XI. 8 — 9 Das Rote Wien in Zahlen I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. IX. X. XI. XII. XIII. XIV. XV. XVI. XVII. XVIII. XIX. XX. XXI. Anteil NSDAP-Wähler 1932 30 % 31 % wählten im 4. Gemeindebezirk die NSDAP 15 % 0 % 1932 Das Rote Wien am Vor­ abend der faschistischen Machtübernahme Bei der letzten demokratischen Gemein­ de­r­ atswahl in der Ersten Republik traten zum ein­zi­gen Mal auch die National­sozi­ alisten(NSDAP) an. Ihre stärks­ten Ergebnisse fuhr­ en sie in traditionell bür­ger­lichen Bezirken ein. Die Arbeite­rin­nen und Arbeiter blieben der Sozialdemo­kratie dagegen treu – sie konnte knapp 60 % halten. Das bunte Wien Wahlergebnisse seit 1919 In der Nachkriegszeit konnte die SPÖ an die Wahlerfolge aus dem „Roten Wien“ anknüpfen. Ende der 1980er-Jahre begann die Parteienlandschaft vielfältiger zu werden: Die Sozialdemokratie blieb zwar stärkste Kraft, verlor aber die absolute Mehrheit und musste 1996 erstmals eine Koalition(mit der ÖVP) eingehen. Sozialdemokratie(SDAP/ SPÖ) FPÖ/ WdU/ FSÖ/ BZÖ NEOS/ LIF Andere Christlichsoziale/ ÖVP Grüne KPÖ Ergebnis der Gemeinde­ratswahl 2015 SPÖ ÖVP FPÖ Grüne KPÖ NEOS Andere 39,6 % 9,2 % 30,8 % 11,8 % 1,0 % 6,2 % 1,3 % 100 % Quellen : Land Wien Statistik; Seliger und Ucakar (1985) 1919 1923 1927 1932 1945 1949 1954 1959 1964 1969 1973 1978 1983 1987 1991 1996 2001 2005 2010 2015 50 % 0 % 02 Bevöl­ke­ rung Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg schrumpfte Wien aufgrund der Abwanderungswelle im Zuge der Auflösung der Monarchie und der erhöhten Sterblichkeit(Gefallene, Seuchen) stark. In den folgenden 15 Jahren des Roten Wien änderte sich der Bevölkerungsstand kaum – die Struktur der Bevölkerung aber sehr wohl: Der Anstieg der Lebens­erwartung, der Rückgang der Fertilität und die Zuwanderung aus dem Umland prägten die Wiener Bevölkerung der Zwischenkriegszeit. Veränderung der Altersstruktur jeweiliger Gebietsstand Die Altersstruktur im Roten Wien war geprägt durch den Geburtenausfall während der Weltwirtschaftskrise ab 1929 und einen Frauenüberhang. Dafür verantwortlich waren die höhere Lebenserwartung von Frauen, die Folgen des Ersten Welt­kriegs und die verstärkte Zuwanderung jüngerer Frauen. MÄNNER 20 15 10 5 Tausend 5 1910 Rotes Wien 95+ FRAUEN 90 MÄNNER 85 80 Differenz 75 Frauen70 Männer 65 60 55 50 Im 1. 45 40 Weltkrieg gefallene Männer 35 30 25 20 Ge15 bur­ten10 aus­fälle 5 0 1. Weltkrieg 10 15 20 20 15 10 5 Tausend 5 1934 95+ FRAUEN 90 MÄNNER 85 80 75 70 65 60 55 50 45 40 35 30 25 Gebur­ 20 ten­rück­ 15 gang im 10 Roten Wien 5 0 10 15 20 20 15 10 5 Tausend 5 2019 FRAUEN 10 15 20 10 — 11 Das Rote Wien in Zahlen Veränderung der Einwohnerzahl heutiger Gebietsstand 1880 1.162.591 1910 2.083.630 1923 1.918.720 1934 1.935.881 1951 1.616.125 1981 1.535.145 2001 1.553.956 2019 1.897.491 Die Be­völ­ke­rungs­ zahl ver­änderte sich im Roten Wien kaum Geburtenentwicklung Allgemeine Fertilitätsrate: Kinder pro 1.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren(jeweiliger Gebietsstand) 140140 RoteRs oWteiesnWien 120 120 100100 80 80 60 60 40 40 Geburtenrückgang in der Weltwirtschaftskrise, historischer Tiefststand 1934 20 20 00 1880 1880 1890 1890 1900 1900 1910 1910 1920 1 1 9 9 2 23 0 1923 1934 193 4 9 1939 1951 1951 1961 1961 1971 1971 1981 1981 1991 1991 2001 2001 2011 2 2 0 0 1 11 8 2018 Quellen : Land Wien Statistik; Statistik Austria; Weigl (2000) 1896/1900 1896/1900 1906/1910 1906/1910 1918/1920 1921/1923 1918/1920 1921/1923 1933/1934 1933/1934 1949/1951 1949/1951 1961 1961 1971 1971 1981 1981 1991 1991 2001 2001 2011 22001181 2018 Entwicklung der Lebenserwartung nach Alter von Männern und Frauen in Wien(jeweiliger Gebietsstand) 90 90 80 80 70 70 60 60 50 50 40 40 30 30 20 20 10 10 00 im Alter von 60 Jahren bei Geburt RoteRs oWteiesnWien Auswirkungen 1. Weltkrieg Rückgang der Tuberkulose- und Säuglingssterblichkeit Angleichung der Lebens­ erwartungen aufgrund des Rückgangs der Säug­lingssterblichkeit 02 Bevölkerung Wiener Melange Die„Tricolore“-Karten von 1923 und 2019 zeigen das Mischungs­ ver­hält­nis der drei Bevölkerungsgruppen: in Wie­n geboren, „Zua­graste“(in anderen österreichischen Bundesländern geboren), im Ausland geboren. Während die gesamtstädtische Verteilung, die Wie­ner Melange, 1923 und 2019 ähnlich ist, hat sich die Be­völ­ ke­rungs­struktur der einzel­nen Bezirke stark verändert. Bevölkerungszusammensetzung 1923 In den 21 Bezirken(damaliger Gebietsstand) BIUNNGADENBEDSOLERÄRENENNDEE(R%N) Wiener Stadtgrenze heute XIX. XVIII. XVII. XX. XVI. IX. VIII. I. XV. VII. XIII. XIV. VI. IV. V. II. III. XII. X. XXI. XI. IN WIEN GEBORENE (%) Bevölkerungsanteil nach Geburtsbundesland bzw. Geburtsland 40 40 50 30 60 70 XVI. 20 30 XVIII. 40 I. 20 II. 50 IM AUSLAND GEBORENE (%) Wien gesamt 54%  16% 30% Am höchsten war der Anteil der... Wien-Geborene „Zuagraste“ Ausland-Geborene Wien-Geborenen in Ottakring(XVI.) 64%  1 2% 24% „Zuagrasten“ Ausland-Geborenen in der Inneren Stadt(I.) in der Leopoldstadt(II.) 40%  2 1% 39% 43%  1 3% 44% 1923 stellten in keinem Bezirk die„Zuagrasten“ die Mehrheit. Wiener Melange: Währing(XVIII.) 53%  1 8% 29% Am nächsten am Wiener Durchschnitt war die Bevölkerungs­ zu­sammensetzung von Wäh­ring. 12 — 13 Das Rote Wien in Zahlen „Sprachliche Zugehörigkeit“ der Wienerinnen und Wiener 1923 Andere Sprachen 6,5 % Tschechisch 4,2 %* Ungarisch 0,6 % Jiddisch 0,1 % Slowakisch 0,1 % Kroatisch 0,1 % Slowenisch 0,1 % Sonstige 1,2 % *Aufgrund des hohen Assi­mi­la­ti­ons­druckes bekannten sich viele Zu­gewan­der­te zur deutschen Sprach­gruppe. Schätzungen gehen davon aus, dass vor dem Krieg bis zu 25 % der Wiener aus Böhmen und Mähren kamen. Deutsch (93,5 %) Bevölkerungszusammensetzung 2019 In den 23 Bezirken(heutiger Gebietsstand) BIUNNGADENBEDSOLERÄRENENNDEE(R%N) 21. 19. 14. 13. 17. 16. 18. 20. 9. 8. 1. 7. 15. 6. 4. 5. 12. 2. 3. 10. 23. 11. 22. IN WIEN GEBORENE (%) Bevölkerungsanteil nach Geburtsbundesland bzw. Geburtsland 40 40 50 30 7. 60 70 22. 1. 20 15. 20 30 40 50 IM AUSLAND GEBORENE (%) Wien gesamt 47 %  17 % 37 % Am höchsten war der Anteil der... Wien-Geborene „Zuagraste“ Ausland-Geborene Wien-Geborenen in der Donaustadt(22.) 58 %  14 % 28 % „Zuagrasten“ am Neubau(7.) 36 %  27 % 37 % 2019 stellten in keinem Bezirk die „Zuagrasten“ die Mehrheit. Ausland-Geborenen in Rudolfsheim-F.(15.) 35 %  1 7 % 48 % Wiener Melange: Innere Stadt(1.) 46 %  1 9 % 35 % Die gesamtstädtische „Wiener Melange“ sind 1923 und 2019 ähnlich. Quellen : Land Wien Statistik; Statistik Austria 03 Finanzen Die Errungenschaften des Roten Wien waren nur durch eine neue Steuer- und Investitionspolitik möglich, die von Finanzstadtrat Hugo Breitner forciert wurde: weniger Massensteuern, mehr Besteuerung der Wohlhabenden. Insgesamt wurde die Abgabenlast aber nicht erhöht. Obwohl die hohen Ansprüche nicht ganz erfüllt werden konnten, gilt die Finanzpolitik des Roten Wien als Erfolg. Einnahmen der Stadt Wien Breitner führte im Roten Wien einige sehr ertragreiche Steuern und Abgaben ein.„Luxussteuern“ im engeren Sinn, wie die Haus­personalabgabe, Luxuswarenabgabe oder„Pferdeab­gabe“, brachten teilweise nur geringe Erlöse, hatten aber großen symbolischen Charakter. 1927 39,5% Gemeindeund Landesabgaben davon: 15,0 % Fürsorgeabgabe  7,8 % Wohnbausteuer  3,4 % Lustbarkeitsabgabe   3,1 % oder Genussmittelabgabe 2,4 % Wertzuwachsabgabe 2,2 % Bierabgabe 5,6 % Gemeindeund Landesabgaben 33,1% sonstige Einnahmen 27,4% Ertragsanteile aus den gemeinschaftlichen Bundesabgaben 2017 9,6% 5,3% Einnahmen Gemeindeund Landesaus Leistungen abgaben 3,3% Gebühren 16,2% Fremdmittelaufnahmen 41,0% Ertragsanteile aus den gemeinschaftlichen Bundesabgaben 24,6% sonstige Einnahmen 14 — 15 Das Rote Wien in Zahlen Gebühren vs. Steuern Ein Prinzip von Breitners Finanzpolitik war, dass städtische Betriebe, wie die Wasserwerke, kostendeckend geführt werden mussten: Sie finanzierten sich nicht aus Steuern, sondern Nutzungsgebühren. Andere Bereiche, wie die Kindergärten, wurden dagegen in großen Teilen aus dem Stadtbudget bezahlt, um eine Verteilungswirkung zu erzielen. von den Nutzern von der Stadt direkt bezahlt aus Steuermitteln bezahlt 6 % 11 % Kindergärten 5 Mio. Kinder- und Jugendfürsorge Fürsorge­ abgabe Das Rote Wien führte 1920 die Fürsorgeabgabe für Arbeitgeber ein. Besteuert wurde die insgesamt ausbezahlte monatliche Lohnsumme. 1922 wurde der Steuersatz für Banken erhöht. 8 % Banken 4 % Arbeitgeber Quellen : Land Wien Statistik; OeNB; Stadt Wien Finanzwesen; Seliger und Ucakar (1985); Wien Geschichte Wiki 1927 51 % 18 Mio. Krankenhäuser 6 Mio. Bäder 61 % 7 Mio. 10 Mio. Wasser 100 % 100 % 4 Mio. Friedhöfe Ausgaben in Schilling Ausgaben der Stadt Wien 1927 Der Vergleich der Ausgabenstruktur mit heute ist nur schwer möglich, da sich die Zuordnungen zu den Budgetposten ­geändert­haben – aber auch die Aufgaben und Kompetenzen Wiens. Dennoch lässt sich eine ähnliche Schwerpunkt­ setzung feststellen: Soziales und Wohnbau(19 %) sowie Gesundheit(17 %) gehörten auch 2017 zu den wichtigsten Ausgaben der Stadt. 17 % Technische Angelegenheiten 8 % Personal 2 % Verwaltung 17 % Gesundheit und Fürsorge 23 % Soziales und Wohnen 14 % Finanzwesen 19 % Ernährungsund Wirtschaftsangelegenheiten 04 Wiener Gemeindebauten Nach dem Wahlerfolg der Sozialdemokratischen Arbei­ ter­partei im Jahr 1919 wurden die ersten Gemeinde­ bauten errichtet, um die Wohnverhältnisse der Arbeiter­ schicht zu verbessern. Bis 1934, also in der Zeit des Roten Wien, wurden mehr als 60.000 Wohnungen fertiggestellt. Heute gibt es rund 220.000 Gemeindewohnungen in knapp 1.800 Wohnhausanlagen, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen. 2004 wurde der vorerst letzte Gemeindebau errichtet. Am nächsten wird gerade gebaut; 4.000 weitere Gemeindewohnungen sind in Planung. Gemeindewohnungen Jährliche Fertigstellungen nach Bauperiode 8.000 6.000 4.000 2.000 1926 Höhepunkt der Bautätigkeit im Roten Wien 1950er-Jahre Nachholbedarf nach dem 2. Welt­krieg 1969 100.000ste städtische Wohnung nach Kriegsende 1981 200.000ste städtische Wohnung seit Beginn des kommunalen Wohnbaus 2004 Fertigstellung des vorerst letzten Gemeindebaus 0 16 — 17 Das Rote Wien in Zahlen 1920 1925 1930 1935 1940 1945 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2004 Der längste: Karl-Marx-Hof(1930) Gesamtfassadenlänge: 1.100 m derzeit 1.272 Wohnungen Bauperiode ■■■ bis 1945 ■■■ 1946 – 1960 ■■■ 1961 – 1980 ■■■ 1981 – 2004 Der jüngste: Rößlergasse 15(2004) derzeit 74 Wohnungen Der erste: Metzleinstaler Hof(1920/25) derzeit 252 Wohnungen Der höchste: Matzleinsdorfer Hochhaus(1957) 20 Stockwerke(Höhe inkl. Antenne: 68 m); derzeit 104 Wohnungen 04 Wiener Gemeindebauten 58 m� beträgt die durchschnittliche Wohnfläche pro Gemeinde­ wohnung Die durchnschnittliche Wohnfläche ist in jeder Bauperiode angestiegen. bis 1945 49 m � 1946 – 1960 50 m � 1961 – 1980 67 m � 1981 – 2004 77 m � 58 m � Gemeindebaubevölkerung in Wien Bevölkerung in Gemeindewohnungen nach Bauperioden 2011 vorläufiger Höch­st­ stand mit 456.000 500.000 Be­woh­ne­rn 400.000 Rotes Wien 300.000 200.000 Im Roten Wien wurden Ge­meinde­­ wohnungen für mehr als 200.000 Menschen errichtet Zwischen 1954 und 1981 stieg der Anteil der Gemeinde­bau­ bevölkerung um mehr als 50 % an 100.000 0 Bauperiode bis 1945 1945 – 1960 1961 – 1980 1981 – 2004 keine Neubau­ tätigk­eit 1923 1934 1954 1961 1971 1981 1991 2001 2011 2019 Quellen : Land Wien Statistik; Olegnik (1958); Wiener Wohnen 18 — 19 Das Rote Wien in Zahlen Gemeindebaubevölkerung in den Wiener Bezirken Anteil der Bezirksbevölkerung in Gemeindewohnungen Wien Wien Bis 1981 stieg der Anteil der Wienerinnen und Wiener, die im Gemeindebau leben, stetig an. Seitdem stagniert er bzw. ging leicht zurück, was auch auf den Ausbau anderer Formen des geförderten Wohnbaus(z. B. Genossenschaftswohnungen) zurückzuführen ist. Heute lebt knapp ein Viertel der Wiener Bevölkerung im Gemeindebau – ein wohl einzigartiger Wert weltweit. In den(hell hervorgehobenen) Innenbezirken gibt es zumeist weniger Gemeindebauten und somit auch weniger Gemeindebaubevölkerung. 50% 5 5 0 0  % % 1951 9 / 5 1 1/ 9 5 5 4 1 4 * 951/1954 1981 2019 2 2 0 0 1 1 9 9 In Wien wurde 1981 mit 29 % der höchste Anteil an Ge­meinde­ 17. Hernals bau­bevöl­ke­rung erfasst 18. Währing 19. Döbling 18. Währing 8. Josefstadt 9. Alsergrund 20. Brigittenau 21. Floridsdorf 14. Penzing 16. Ottakring 17. He 7 r . n N a eu l b s au 1. Inne 8 re . S J ta o dt sefstad 2 t . Leopoldstadt 9. A 2 ls 2. e D r o g na r u u st n ad d t 13. Hietzing 15. RudolfsheimFünfhaus 6. Mariahilf 14. Penzing 16. Ottakring 23. Liesing 12. Meidling 5. Margareten 4. Wieden 3. Landstraße 7. Neubau 10. Favoriten 11. Simmering In den beiden Be­ zirken östlich der Donau – Flo­rids­1. I ­dD n oo n rn e fa u r u n e ­s d t S a d d t e a t r– d w t ar und ist der Anteil überdurchschnitt­ lich hoch *Gemeindebaubevölkerung 1954, Gesamtbevölkerung 1951 13. Hietzing Margareten verzeichnet unter d 1 en 5. B R ez u ir d ke o n lf in s n h e e rh im alb des Gü F r ü te n ls f d h e a n u h s öchsten Anteil (2019: 20 %) Simmering hat seit 6. Mariahilf den 1960er-Jahre 4 n . Wieden den höchsten Anteil (2019: 33 %) 05 Leben im Roten Wien Vor hundert Jahren, unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, war das Leben in Wien geprägt von Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und Unterernährung. Die neue sozialdemokratische Stadtverwaltung leitete ab 1919 umfassende Reformen im Bereich der Sozial-, Gesundheits- und Bildungs­ politik ein, die die Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener merklich verbesserte. Auch die Freizeitgestaltung wurde vom Roten Wien geprägt. Sozialpolitik Sozialdemokratische Wohlfahrt statt christlicher Wohltätigkeit 1919 1921 Gründung des zentralen Wohlfahrtsamtes Zuständig für alle sozial­politischen Angele­gen­ heiten durch Stadtrat Julius Tandler 1927 Ausgabe der ersten Säuglingswäschepakete Drei Jahre später werden schon 11.167 Pakete ausgegeben 1920 Einführung der Fürsorgeabgabe Zur Finanzierung von sozialpolitischen Maßnahmen Umfassende Erweiterung der Mutterberatungsstellen Zur Information über Ernährung und Pflege um Kindersterblichkeit zu verringern Julius Tandler wird Stadtrat für Wohlfahrtspflege 1925 Eröffnung der ersten Kinderübernahmestelle Europas in Wien Für verwaiste, bedürftige oder kranke Säuglinge und Kinder bis 14 Jahre 1934 Quellen: Land Wien Statistik; Schwarz et al. (2019); Statistik Austria; Wien Geschichte Wiki 20 — 21 Das Rote Wien in Zahlen Kindergarten Die Zahl der städtischen Kindergärten wurde in der Ära des Roten Wien mehr als verdoppelt Städtische Kindergärten 1919 1925 Im Waldmüllerpark im 10. Bezirk öffnet ein Kindergarten nach den pädagogischen Ideen von Friedrich Fröbel 1922 Die Öffnungszeiten werden von 7 bis 18 Uhr verlängert Einführung der Essensv­ ersorgung(Kinder­aus­speisung) Derzeit besuchen fast 100.000 Kinder Wiener Kindergärten. 1931 Eröffnung des ersten MontessoriKindergartens 1930 Der 100. Wiener Kindergarten wird von Bürgermeister Karl Seitz eröffnet 1934 Arbeit Erwerbstätige nach Wirtschaftsbereich nach Geschlecht Landwirtschaft Frauen Männer Industrie Arbeitslosengeldempfänger enthält auch Leistungen der Notstandsaushilfe In den Jahren nach dem New Yorker Börsencrash 1929 stieg die Zahl der Arbeitslosen­hilfeempfänger stark an. 83.153 80.838 68.143 67.286 83.284 97.176 116.034 131.074 123.746 112.000 1934* Dienst­ leistungen 1934 arbeitete ein beträchtlicher Teil der berufstätigen Frauen in der Industrie. Heute sind mehr als 90% im Dienstleistungssektor beschäftigt. Landwirtschaft Frauen Männer 2018 Industrie 1926 1927 1928 1929 1930 1931 1932 1933 1934 1935 Dienst­ leistungen *Der Rest auf 100 % wurde nicht zugeordnet. 05 Leben im Roten Wien Bildung und Freizeit Zu Beginn der Ersten Republik wurde der Urlaubsanspruch von Angestellten auch auf alle Arbeiter und Arbeiterinnen ausgeweitet und der Acht-Stunden-Tag eingeführt. Dadurch erlangten breite Bevölkerungsschichten mehr Freizeit. Mit der Errichtung von Volkshochschulen und Arbeiterbibliotheken schaffte die sozialdemokratische Regierung ein breites Angebot an Bildungsmöglichkeiten für Erwachsene. Auch das Theater, Konzerte und die Oper wurden stark gefördert. Diese Angebote wurden zwar häufig in Anspruch genommen, vielfach entsprach die Freizeitgestaltung jedoch nicht dem klassischen Bildungsideal. Statt sozialkritischer Literatur wurden Arbeiterromane ausgeliehen; statt ins Theater ging man ins Kino, spielte Fußball oder schwamm in einem der städtischen Bäder. Volkshochschulen 1931/1932 1.499 Semesterkurse 60.586 Hörer 2016/17 14.245 Semesterkurse 129.250 Hörer Quellen: Land Wien Statistik; Püringer (2014); Stadt Wien Bäder; Statistik Austria; Wien Geschichte Wiki Büchereien Derzeit werden in den 39 Zweigstellen der Büchereien Wien jähr­ lich mehr als 5 Mio. Medien ausgeliehen. 1932 1932 wurden in 60 Arbeiterbüchereien Millionen Bücher ausgeborgt. 22 — 23 Das Rote Wien in Zahlen Wiener Bäder 2018 gab es 2.633.363 Besuche in Sommerbädern und 24.098 in Tröpferlbädern 1919 1926 1927 1934 1919 31 1925 1934 56 6 Mio. Anzahl der städtischen Bäder 5 Mio. 4 Mio. 3 Mio. Von 1925 bis 1928 wurden in Wien 17 Bäder eröffnet. Nach der Welt­ wirtschaftskrise 1929 wurden bis zum Ende der Ära nur noch zwei neue Bäder gebaut. 2 Mio. 1 Mio. 0 6.566.407 Besuche in den Tröpferlbädern 1932 historischer Besucherrekord 1.950.655 Besuche in den Sommerbädern 918.200 Besuche in den Kinderbädern Neben den Besuchszahlen wurden auch Kabinen, Kästchen und sogar Kleiderhaken statistisch erfasst. Der Höchststand wurde 1934 mit 20.340 Haken erreicht. Praterstadion 1928 Grundsteinlegung 1931 Das Eröffnungsspiel Wien gegen Niederösterreich (Ergebnis 3:2) lockt 25.000 Zuschauer ins Stadion Bei der„ArbeiterOlympiade“ zeigen 25.000 Sportler in 117 Disziplinen ihr sportliches Geschick Das erste Spiel der Nationalmannschaft gegen Deutschland gewinnt Österreich 5:0 06 Wohnen Der Wohnraum war Anfang des 20. Jahrhunderts knapp und viele Wiener Arbeiter waren gezwungen, stundenweise ein Bett zu mieten. Bis zum Ende des Roten Wien nahm der Anteil der Bettgeher stark ab; dafür waren die neu eingeführten Miet­ höchst­grenzen des Bundes und der städtische Wohn­ungs­n­ eu­ bau verantwortlich. In der Gegenwart erleben neue, kommer­-­ z­ielle Formen des Teilens eine Renaissance. 10 % Anteil Untermieter Anteil Bettgeher 5 % Bettgeher und Untermieter Anteile an der Bevölkerung Als Bettgeher wurden familienfremde Haushalts­mitglieder, die in einer Privatwohnung nur ein Bett mieten, bezeichnet. 0 % 1890 1910 1934 Anteil der Bettgeher an der Bevölkerung nach Bezirken 1900 Ein hoher Anteil an Bettgehern war Ende des 19. Jahrhunderts rund um den Gürtel zu finden. Auf Platz 1 lag jedoch die Brigittenau, wo über ­8% der Bevölkerung in einer fremden Wohnung stundenweise ein Bett mieteten. 24 — 25 Das Rote Wien in Zahlen I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. IX. X. XI. XII. XIII. XIV. XV. XVI. XVII. XVIII. XIX. XX. 8 % 4% Anteil Wien gesamt 0 % Haushalte Weniger familienfremde Haushalts­mitglieder nach den Jahren des Roten Wien 1934 wohnten deutlich mehr Menschen zusammen mit Familienmitgliedern in einem Haushalt als 1910. Davon waren 4 % Bettgeher und 5 % Hauspersonal 18 % Fremde 1 % Einzelhaushalte Davon waren nur noch 0,1 % Bettgeher und 3 % Hauspersonal 8 % Fremde 4 % Einzelhaushalte 1910 1934 Quellen : Stadt Wien Wirtschaft, Arbeit und Statistik; Wiener Stadtund Landesarchiv 81 % Familie 88 % Familie Sharing heute Zur Zeit des Roten Wien waren Wohn­ raum­knappheit und hohe Mieten die Ursachen für das Teilen von Wohnungen. Im Gegens­ atz dazu sind in vielen Städten heute hohe Mietpreise auch eine Folge des„Teilens“ von Wohnungen über digitale Plattformen. iAniWrbinebn-U 8 n .0 t 43 erkünfte 1.298 Okt. 2014 März 2019 81 % ganze Unterkunft 18 % Zimmer < 1  % geteiltes Zimmer 07 Wien und Niederösterreich Nach einem Jahrtausend gemeinsamer Verwaltung wurden Wien und Niederösterreich vor fast 100 Jahren getrennt. Beide Bundesländer eint eine lange Vergangenheit – dennoch unterscheiden sie sich auf politischer, demographischer und wirtschaftlicher Ebene stark voneinander. 1919 1920 Bundesverfassung leitet Trennung zwischen Wien und NÖ ein 1954 Wien erhält den heutigen Umfang 1996 St. Pölten wird Hauptstadt von NÖ heute 1922 Trennungsgesetz tritt in Kraft: Trennung von Wien und NÖ. Wien bleibt Hauptstadt von NÖ. DONAUINSEL Niederösterreich Wien 1986 Volksbefragung: St. Pölten soll Hauptstadt von NÖ werden 1997 NÖ Landtag und Landesregierung übersiedeln von Wien nach St. Pölten Damit erlischt der Anspruch von NÖ auf das Landhaus in der Wiener Herrengasse. Da umgekehrt die nörd­liche Spitze der Donauinsel im Eigentum Niederösterreichs steht, beschließt man(u. a.) die beiden Immobilien zu tauschen – ohne die Landesgrenzen zu verschieben. Von Rot zu Schwarz Erste demokratische Landtagswahl in NÖ Landtagswahlergebnisse in NÖ Christlichsoziale 7 0 0 % 6 0 0 % 5 0 0 % ohne Wien 1921 Sozialdemokraten 4 0 0 % 1919 noch von den Sozialdemokraten regiert, bringt die von den Christlichsozia­len forcierte Abtrennung Wiens eine dauerhafte „schwarze Mehrheit“ in Nieder­österreich. 1921 Erste Wahl ohne Wien 1919 1921 1927 3 0 0 % 2 0 0 % 1 1 0 0 % 0  0 % 1932 26 — 27 Das Rote Wien in Zahlen 1919 Demokratisch gewählte 1919 Albert Sever Landes1920 Jakob Reumann 1923 Karl Seitz hauptleute Austrofaschismus NS-Diktatur Seit der Trennung 1921 wurde Niederösterreich nur von „schwarzen“ Landeshauptleuten regiert – Wien nur von„roten“. Erwin Pröll 1992 Längste Amtszeiten Erwin Pröll(ÖVP) 24,5 Jahre 1994 Michael Häupl Michael Häupl(SPÖ) 23,5 Jahre Quellen : Land Niederösterreich; Land Wien Statistik; Seliger und Ucakar (1985); Wien Geschichte Wiki; Foto : media wien Niederösterreich Wien seit 2017 Johanna Mikl-Leitner heute seit 2018 Michael Ludwig Hauptstadtfrage Volksbefragung 1986 SolLl V aN O n L ei K edbi S ndee B e E esk F hreo R öai A mgsu G te U mpe N ntre G esrntea?icdht Neben den fünf auf dem Stimmzettel genannten Städten konnte ebenfalls eine Stadt eigener Wahl vorgeschlagen werden. St. Pölten 45 % Krems 29 % Baden 8 % Tulln 5 % Wiener Neustadt 4 % Andere 0,4 % Keine Präferenz 8 % Ja N 4 e 4 i % n 5 W 6% ahlbeteiligung: 61 % Quellen: Land Niederösterreich; Land Wien Statistik; ÖBB; Statistik Austria 07 Wien und Niederösterreich Wirtschaftssektoren Anteil der Erwerbstätigen in Sektoren Schon in den 1930ern gab es nur noch wenige Bauern in Wien – in NÖ stellten sie dagegen die Mehrheit der Erwerbsbevölkerung. Beide Länder waren damals auch durch die Industrie geprägt – heute dominiert der Dienstleistungssektor. Landwirtschaft 1934 Wien Niederösterreich 2018 Wien Niederösterreich Industrie Dienst­ leistungen In NÖ geboren, in Wien lebend 236.000 139.883 In Wien geboren, in NÖ lebend 133.957 332.086 1934 2019 1934 2019 Wien Niederösterreich Niederösterreich in Wien & vice versa An Arbeitstagen halten sich heute bis zu 330.000 Menschen mit Niederösterreich-Hintergrund in Wien auf. 190.326 Personen pendeln 2016 von NÖ nach Wien 72.539 Personen pendeln 2016 von Wien nach NÖ 2.000.000 Wien Rotes Wien 1919  – 1934 1.500.000 1.000.000 500.000 0 28 — 29 Niederösterreich 1880 Seit 1880 hat Wien mehr Einwohner als Niederösterreich Das Rote Wien in Zahlen In der Zeit des Roten Wien leben mehr als die Hälfte der Bevöl­kerung Österreichs in Wien oder Nie­derösterreich (derzeit 40 %) 1929 5 Wien Pkw-Dichte 2 Niederösterreich Autos pro 1.000 Personen 371 Wien 641 Niederösterreich 2017 Herkunft & Religion Buntes Wien, christliches Niederösterreich Als Millionenstadt unterschied sich Wiens Bevölkerung schon während der Ersten Republik stark von jener Niederösterreichs. Damals wie heute kamen die meisten Zugewanderten aus Mittel- und Osteuropa; Wien war und ist deutlich weniger christlich geprägt als das Land unter der Enns. PROGNOSE Bevölkerung nach Staatsangehörigkeit 3,7 % Ausland (Top 3) Tschechoslowakei 37.000 Deutschland 5.000 Ungarn 4.000 6,9 % Ausland (Top 3) Tschechoslawakei 58.000 Polen 21.000 Deutschland 13.000 Niederösterreich Wien 2019 NÖ: 10,1 % Ausland Wien: 30,2 % Ausland Religion 1934 1934 NÖ Wien Christlich(98,3 %) Christlich(84,6 %) Fast ausschließlich jüdischen Glaubens 2001 NÖ Christlich(83,9 %) Wien Christlich(59,9 %) Andere ohne Bekenntnis Im Zuge der Volkszählung 2001 wurden zum letz­ten Mal systematisch amtliche Daten zum Religions­bekenntnis erhoben. Laut wissenschaftlichen Studien ist der Anteil der Wiener orthodoxen Glaubens und islamischen Glaubens sowie ohne Bekenntnis seither gestiegen. Jener der Katholiken ist gesunken. Für Niederösterreich sind keine aktuellen Untersuchungen bekannt. Etwa die Hälfte davon islamischen Glaubens Wien Niederösterreich 1999 Seit der National­ratswahl 1999 leben mehr Wahlberechtigte in NÖ – obwohl Wien mehr Ein­ wohner hat. 2019 Heute ist Wien 52-mal so dicht besiedelt wie Niederösterreich Bevölkerung Entwicklung in Wien und Niederösterreich Isotype Visuelle Datenkommunikation im Roten Wien: Die Wiener Methode der Bildstatistik In den 1920er-Jahren entwickelte Otto Neurath, Gründer des Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseums in Wien, zusammen mit seiner Frau Marie Neurath, dem Grafiker Gerd Arntz und anderen Experten die Wiener Methode der Bildstatistik. 1934 wurde diese in Isotype(Akronym für International System of Typographic Picture Education) umbenannt. ­Das Ziel war die Vermittlung von Daten an die breite Bevölkerung. Sprach-­und Kulturbarrieren werden durch die symbolische Darstellung­ der Daten­als Piktogramme überwunden. Die Verständlichkeit und Einpräg­s­amkeit wird durch die Vereinheitlichung von Symbolen erreicht. Obwohl dadurch komplexe Sachverhalte einfach dargestellt werden, bleibt die wissenschaftlich korrekte Präsenta­tion wesentlich. Aufgrund seiner polit­ ischen Nähe zum Roten Wien sah sich Neurath 1934 gezwungen zusam­men mit seinen Kollegen in die Niederlande zu emigrieren. ­Marie Neurath trug nach dem Tod ihres Mannes(1945) maßgeblich zur Verbreitung der Isotype in aller Welt bei. Säuglingssterblichkeit in Wien Bei dieser Form der Visu­a­li­sierung wurde der pro­zentuelle Anteil der Kinder, die vor dem 1. Geburts­tag starben, dargestellt. Die Bezugsgröße (100 Lebend­geborene) wurde zur Veranschauli­chung ebenfalls ab­gebildet. 30 — 31 Das Rote Wien in Zahlen Kraftwagenbestand Der typische Trennstrich zeigt in dieser Grafik den deutlich größeren Kfz-Bestand der USA im Vergleich zu allen anderen Ländern zusammen. Der Künstler und Grafiker Gerd Arntz hat die ikonischen Zeichen entworfen. Copyright historische Abbildungen: Österreichisches Gesellschaftsund Wirtschaftsmuseum Gurkenkönig Wien 62 % der österreichischen Gurken wurden 2017 in Wien geerntet. Die Kunst­ universität Linz hat für die Wiener Landes­ statistik die Isotype kinder­ gerecht neu interpretiert. Impressum Medieninhaber und Herausgeber Stadt Wien Wirtschaft, Arbeit und Statistik(MA 23) Meierei­straße 7, Sektor B 1020 Wien Telefon:+43 1 4000 83059 post@ma23.wien.gv.at Für den Inhalt verantwortlich: Klemens Himpele Redaktionsteam Ramon Bauer, Gerlinde Haydn, Daniel Jost, Alina Pohl, Franz Trautinger, Andreas Weigl, Peter Wieser Konzept, Design, Satz& Informationsgrafiken Kunstuniversität Linz, Visuelle Kommunikation: Tina Frank, Raul Izkierdo, Clemens Schrammel, Julia Singer Quellenliteratur Olegnik, F.(1958): Historisch-Statistische Übersichten von Wien, III. Teil: Bau- und Wohnungswesen, Unterricht und Bildung, Kultuswesen, Rechtspflege und Verwaltung. Stadt Wien. Püringer, J.(2014): Die Entwicklung des Arbeitsrechts in Österreich. In: Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (2014): Ausbildung zur Sicherheitskraft, 6. Auflage, Band 1. Wien. https://emedien.arbeiterkammer.at/viewer/ file?pi=AC12160373&file=AC12160373.pdf Schwarz, W. M., Spitaler, G. und Wikidal, E.(Hg.)(2019): Das Rote Wien. 1914–1934. Ideen, Debatten, Praxis. Basel: Birkäuser. Seliger, M. und Ucakar, K.(1984): Wahlrecht und Wählerverhalten in Wien 1848–1932. Privilegien, Partizipationsdruck und Sozialstruktur. Wien: Jugend und Volk. Seliger, M. und Ucakar, K.(1985): Wien. Politische Geschichte. Entwicklung und Bestimmungskräfte großstädtischer Politik, Band 2: 1896–1934. Wien: Jugend und Volk. Weigl, A.(2000): Demographischer Wandel und Modernisierung in Wien. Wien: Pichler Verlag. Druck Wograndl Druck GmbH 7210 Mattersburg ISBN 978-3-901945-33-5 Offenlegung Statistische Analysen, welche die Stadt Wien betreffen. Rechtlicher Hinweis Die enthaltenen Daten, Tabellen, Grafiken, Bilder etc. sind urheberrechtlich geschützt. Haftungsausschluss: Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität des Inhaltes. Nachdruck nur mit Quellenangabe. Gedruckt in Österreich auf ökologischem Druckpapier nach den Kriterien von ÖkoKauf Wien. PEFC zertifiziert. Diese Broschüre steht auf statistik.wien.gv.at zum kostenlosen Download zur Verfügung. Wien, im Oktober 2019 100jahrerotes.wien.gv..wien.gv..wien.gv.at