Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Endbericht 30. April 2019 beauftragt im Rahmen der Strategie Innovatives Wien 2020 durch die Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien durchgeführt von der Social City Wien „die Plattform für gesellschaftliche Innovation“ von September 2018 bis April 2019 Emil Diaconu Geschäftsführer Social City Wien Johannes Gorbach organisatorische Umsetzung Andreas Bohonnek wissenschaftliche Begleitung Inhaltsverzeichnis A. Auftrag und Zielsetzung................................................................................... 1 A. 1. Social City Wien: Die Plattform für gesellschaftliche Innovation........................................... 1 A. 2. Prozesshafte Bearbeitung und sozialwissenschaftliche Begleitung....................................... 4 A. 3. Theoretische Grundlagen Sozialer Innovation....................................................................... 5 B. Begleitrecherche zu Best Practice Beispielen................................................... 7 B. 1. Atlas of Social Innovation....................................................................................................... 9 B. 2. MindLab............................................................................................................................... 11 B. 3. Social Innovation Academy.................................................................................................. 13 B. 4. CERIecon Playpark Vienna................................................................................................... 15 B. 5. World Summit Award.......................................................................................................... 17 C. Prozessdesign und Analyse der Umsetzung................................................... 18 C. 1. Network Building und Stakeholder Management................................................................ 19 C. 2. Vorbereitende online Umfrage vor dem ersten Workshop................................................. 20 C. 3. Gesamtkonzept der Workshop-Reihe.................................................................................. 22 D. Conclusio........................................................................................................ 27 D. 1. Zusammenfassende Erkenntnisse........................................................................................ 27 D. 2. Ausblick auf weitere Schritte............................................................................................... 29 D. 3. Zukünftige Handlungsoptionen........................................................................................... 30 E. Literaturverzeichnis........................................................................................ 35 F. Abbildungsverzeichnis.................................................................................... 36 G. Anhang: Liste involvierter Institutionen......................................................... 36 Externe Anhänge als PDF-Dokumente Jahresbericht„Stadtmenschen Wien“ 2018 Projektplakate des Abschlussworkshops Präsentationsplakate des Abschlussworkshops ex01_Jahresbericht_ Stadtmenschen_2018.pdf ex02_Projektplakate.pdf ex03_Praesentationsplakate.pdf A. Auftrag und Zielsetzung Das Dezernat Forschung, Technologie und Innovation der Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien, begleitet die Umsetzung der Strategie„Innovatives Wien 2020“ 1 in den Jahren 2016 bis 2020. Gemeinsam mit der Plattform für gesellschaftliche Innovation Social City Wien 2 wurde im Zuge dessen ein Prozess initiiert, der Soziale Innovation systematischer forcieren soll. A. 1. Social City Wien: Die Plattform für gesellschaftliche Innovation Social City Wien ist eine unabhängige Agentur für soziale und nachhaltige Entwicklung in Wien, die im Juni 2014 ihr Engagement startete. Als gemeinnützige GmbH ist für alle Projekte und Aktivitäten der Social Value Gedanke 3 handlungsleitend: Wir sind überzeugt, dass wir nur durch das Zusammenbringen verschiedener Standpunkte, Ansichten und Expertisen ein vielfältiges und nachhaltiges Ergebnis erzielen und nur so einen Beitrag zur Lösung der Herausforderungen unserer Zeit leisten. Praxisnähe und das Aufgreifen von sozial- und gesellschaftsrelevanten Themen sind der Motor, der uns antreibt. Gemeinsam mit einem multidisziplinären Netzwerk bestehend aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Stiftungen, Wissenschaft, sozialen Organisationen, Social Entrepreneurs, KünstlerInnen, Stadtverwaltung und Politik werden innovative Projekte entwickelt, um Soziale Innovationen zu ermöglichen, kreative Potentiale und Talente zu unterstützen und den Know-How-Transfer zwischen„DenkerInnen und PraktikerInnen“ zu ermöglichen. Als Social Innovation Hub ist unsere Mission, soziale Initiativen zu begleiten, pro-aktiv Strömungen und Trends zu erkennen und lokale Veränderungsprozesse zu initiieren, um Wien als soziale Stadt weiterzuentwickeln. Somit sind wir Plattform und Ansprechstelle für Menschen in Wien, die Neues ausprobieren, Vorhandenes ergänzen und Barrieren aufbrechen. Hier werden Ideen zugänglich und für alle nutzbar. Die Social City Wien bietet mit ihren Formaten und ihren einzelnen Projekten: Projektentwicklung mit dem Fokus auf sozialen Impact Förderung bestehender Kooperationen und Vernetzung zu relevanten EntscheidungsträgerInnen Kontakte zu InvestorInnen und FördergeberInnen Sichtbarkeit für Social Entrepreneurship und EPUs Begleitung& Vernetzung für Social Entrepreneurs innerhalb unseres Netzwerkes Aktivieren& Sensibilisieren unterschiedlicher AkteurInnen für aktuelle soziale Themen und gesellschaftliche Herausforderungen Events für multidisziplinären Wissensund Erfahrungsaustausch 1 https://innovation2020.wien.gv.at/site/[25.02.2019] 2 https://www.socialcity.at/de/[25.02.2019] 3 Wir verstehen„Social Value“ im Sinne der von den Vereinten Nationen formulierten Nachhaltigkeitszielen: “We are determined to take the bold and transformative steps which are urgently needed to shift the world onto a sustainable and resilient path. As we embark on this collective journey, we pledge that no one will be left behind.”, https://sustainabledevelopment.un.org/post2015/transformingourworld[17.04.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 1/ 36 Weitere Angebote der Social City Wien in ihren Formaten und Projekten umfassen: Werbetexte für Flyer und Broschüren Aufbereiten redaktioneller Inhalte für Websites Aktuelle Berichterstattung über Projekte und Veranstaltungen für Blogseiten Konzeption& Umsetzung von Jahresberichten Finanzierungsmodelle im Bereich Impact Investing Marktinfrastruktur für Impact Investments(Städte, Mikrounternehmen) Sozialwissenschaftliche Unterstützung zur Durchführung von Recherchen, Studien, Evaluationen und Projekten Dieser breite, vielfältige und stets wachsende Tätigkeitsbereich lässt sich exemplarisch anhand einiger Projekte darstellen, die den innovativen Charakter der Social City Wien repräsentieren. Dabei vernetzen wir Menschen , schaffen neue Räume für Soziale Innovation und bieten Formate für Kooperation und Umsetzung von Ideen. M ENSCHEN Viele engagierte Menschen nutzen und fördern die Plattform Social City Wien als UnterstützerInnen, ExpertInnen und PartnerInnen in unserem Beirat-System 4 . Sie bringen Ressourcen und Kontakte, aber auch Wissen und aktuelle Themen ein, beteiligen sich an sektorübergreifendem Austausch oder gemeinsamer Umsetzung von Projekten. Das Projekt„Moocs Vienna“ 5 initiierte die Social City Wien beispielsweise in einer Partnerschaft mit der Wiener Zeitung und dem damaligen Stadtrat für Kultur und Wissenschaft, Andreas Mailath-Pokorny. ExpertInnen der Technischen Universität sowie der Wirtschaftsuniversität ergänzten die Umsetzungspartnerschaft von Beginn an mit Know-How. Nach erfolgreicher Implementierung wird das Projekt nun von der Technischen Universität weitergeführt 6 . Parallel zur Projektentwicklung wurde ein Event-Format zur Förderung der Vernetzung der KooperationspartnerInnen mit weiteren interessierten Stakeholdern genutzt. Gemeinsam mit PartnerInnen, wie der Digital City Wien, veranstaltete die Social City Wien einen Solution Brunch im Juni 2017 zum Thema„Sozialen Herausforderungen digital begegnen“ 7 . Dort wurde das Projekt„Moocs Vienna“ zusammen mit weiteren innovativen digitalen Ideen in einer ExpertInnen-Runde diskutiert und zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für dieses aktuelle Thema genutzt. R ÄUME Neue Räume für Austausch, Vernetzung und Kooperation bietet die Social City Wien nicht nur in Events, sondern auch am eigenen Standort mit Co-Working-Space 8 . Das inklusive Raumkonzept eröffnet Möglichkeiten für Veranstaltungen, Vernetzungstreffen und Begleitung von Social Entrepreneurs. Gemeinsam mit dem Standort-Partner CERIecon Playpark Vienna 9 (siehe Kapitel B. 4.) und seiner Start-up-Akademie begleitet und vernetzt die Social City Wien junge UnternehmerInnen. 4 http://www.socialcity.at/de/beirat.html[17.04.2019] 5 http://www.moocsvienna.at/[17.04.2019] 6 http://www.informatik.tuwien.ac.at/aktuelles/1520[17.04.2019] 7 https://dl.icnm.net/wsa/2017/Solution%20Brunch_7.%20Juni%202017_EINLADUNG.pdf[17.04.2019] 8 http://www.socialcity.at/de/formate/co-working-space.html[17.04.2019] 9 http://www.rce-vienna.at/playpark-ceriecon/[17.04.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 2/ 36 A. 2. Prozesshafte Bearbeitung und sozialwissenschaftliche Begleitung Die Definition des Begriffs„ Soziale Innovation“ folgte dem offenen Innovationsbegriff der Strategie „Innovatives Wien 2020“ 16 . In Anlehnung an das EU-Projekt TEPSIE 17 (Theoretical, Empirical and Policy Foundations for Social Innovation in Europe) wurde sie anhand folgender Merkmale definiert: social value im Sinne gesellschaftlichen Mehrwerts im Unterschied zu individuellem Nutzen; well-being als Verbesserung des Wohlbefindens von Individuen bzw. der Allgemeinheit; needs in Bezug auf(noch nicht erfüllte) soziale Bedürfnisse bzw. noch nicht angesprochene Zielgruppen; social impact als Verbesserung bzw. effizientere Gestaltung sozialer Dienste und Dienstleistungen; social mission im Sinne einer intendierten sozialen Wirkung; Dieser Grunddefinition wurden für den Prozess in Wien folgende Merkmale hinzugefügt: neu Es handelt sich zum Zeitpunkt der Entstehung um eine neue Problemlösung für eine Zielgruppe, eine Organisation oder Institution. Orientierung an Problemlösung Eine Soziale Innovation reagiert auf einen Missstand, eine Entwicklungsmöglichkeit, ein Manko, etc., wodurch es zur Lösung eines Problems kommt. Intentionalität Die positive soziale Wirkung für definierte Zielgruppen ist deklariertes Ziel. Soziale Interaktion Im Zuge der Leistungserbringung kommt es zu einem hohen Maß an sozialer Interaktion zwischen unterschiedlichen AkteurInnen. Diese soziale Interaktion ist(oft) durch neue Kommunikations- und Kooperationsformen gekennzeichnet, die vorhandene Ressourcen neu kombinieren. Aufbauend auf dieser Definition wurden nach Abschluss des initialen Auftrags Handlungsoptionen formuliert(siehe Kapitel D. 3.), die zur Beantwortung folgender Leitfrage beitragen: Wie funktioniert Soziale Innovation und wie kann sie systematisch zum Wohle der Wienerinnen und Wiener unterstützt werden? 16 https://innovation2020.wien.gv.at/site/[25.02.2019] 17 The Young Foundation 2012 Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 4/ 36 Die innovative Initiative„markta“ 10 durchlief beispielsweise das Accelerator-Programm des Playparks und war anschließend Teil des Co-Working-Space der Social City Wien. Die Sichtbarkeit dieses Start-ups für potentielle KundInnen, LieferantInnen und KooperationspartnerInnen wurde innerhalb und außerhalb des Netzwerks der Social City Wien durch Vernetzungsformate unterstützt. F ORMATE Mit„EPKU“ 11 schuf die Social City Wien zum Beispiel ein Format für Mikrounternehmen, das deren Werbepräsenz und kooperative Wirtschaftsstruktur unterstützt. Das Social City Projekt„Imfino“ 12 wiederum wurde als eine GmbH gegründet, die als NGO den Status einer internationalen Organisation hat. Über dieses Format werden Finanzierungsmodelle und Marktinfrastruktur für Impactfinanzierungen ermöglicht, die öffentliches wie privates Kapital nutzen, um Ideen und Initiativen zu ermöglichen, die messbare positive Wirkung auf Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft erzeugen. Für Ein-Personen-Unternehmen(EPUs) wurde von Imfino beispielsweise ein Fördermodell 13 entwickelt, das den Zugang zu Finanzierung erleichtern soll. Ein weiteres Format der Social City Wien ist das Projekt„Stadtmenschen Wien“ 14 , das inzwischen als ein eigener Verein agiert. Dabei bieten Ehrenamtliche in Sprechstunden niederschwellige und kostenlose Orientierung für WienerInnen, wohin sie sich mit ihren Fragen wenden können, um die nötige Unterstützung und Information zu bekommen. Mit der Sozialarbeit des Fonds Soziales Wien wurde zusätzlich ein Buddy-System 15 entwickelt, in dem Menschen, die aus Begleitung durch die Soziale Arbeit entlassen werden, auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit von Ehrenamtlichen unterstützt werden. Eines der jüngsten Projekte ist die Social Innovation Research Unit(SIRU) der Social City Wien, die sozialwissenschaftliche Unterstützung durch Recherchearbeit, Praxisforschung und Microstudien zu aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen leistet. So wurden beispielsweise bereits ein ExpertInnenaustausch zu„Wirkung& Wirkungsmessung von Freiwilligenarbeit“ begleitet und eine Studie zu ergänzenden Angeboten und Leistungen durch Ehrenamt mit der Magistratsabteilung 24 Gesundheits- und Sozialplanung durchgeführt. Außerdem wird das Projekt„Stadtmenschen“ von SIRU evaluiert, um für die Aufbereitung im Jahresbericht Erfahrungen und Wirkung zu dokumentieren. Der Jahresbericht wurde als externer Anhang in PDF-Format dem Endbericht beigefügt. Dieser Auszug aus dem Tätigkeitsbereich der Social City Wien zeigt, wie unterschiedlich die Entstehung und Umsetzung von Sozialer Innovation gefördert und unterstützt werden kann. Viele Stakeholder in Wien beschäftigen sich mit dieser Thematik und fördern Soziale Innovation punktuell in ihrem jeweiligen Tätigkeitsbereich. Um den gesellschaftlichen Mehrwert von Sozialer Innovation und die Wirkung für die Menschen zu optimieren, ist eine Auseinandersetzung damit nötig, wie diese systematischer unterstützt werden kann. Im Auftrag der MA 23 initiierte die Social City Wien deshalb einen partizipativen Prozess, um sich gemeinsam mit weiteren relevanten Stakeholdern mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. 10 https://markta.at/index.php/[17.04.2019] 11 http://www.socialcity.at/de/formate/epku-zeig-dich.html[17.04.2019] 12 http://www.imfino.org/en/[17.04.2019] 13 https://www.wien.gv.at/presse/2017/09/18/brauner-unterstuetzt-initiative-fuer-neues-epufinanzierungsinstrument-von-social-city-wien-und-erste-bank[17.04.2019] 14 http://www.stadtmenschen.wien/de/[17.04.2019] 15 http://www.stadtmenschen.wien/de/stadtmenschen.html[17.04.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 3/ 36 Eine sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung stand nicht im Zentrum des Auftrags. Sozialwissenschaftliche Begleitrecherche ergänzte jedoch den Prozess des Einbeziehens der relevanten AkteurInnen zur Beantwortung der Fragestellung. Dazu wurden bestehende Erkenntnisse und Forschungsergebnisse zu Sozialer Innovation für die einbezogenen Personen aufbereitet. Nationale, europäische und internationale Best Practice Beispiele (siehe Kapitel B.) wurden recherchiert und dokumentiert. Die Ergebnisse flossen in den Arbeitsprozess mit den relevanten Stakeholdern in Wien ein. Für diese Stakeholder wurde eine dreiteilige Workshop-Reihe konzipiert. Deren Umsetzung sowie Befragungen der Teilnehmenden wurden dokumentiert und analysiert(siehe Kapitel C.). In der Conclusio(siehe Kapitel D.) wurden durch die Zusammenschau dieser einzelnen Bestandteile weitere Schritte begründet, Erkenntnisse verschriftlicht und zukünftige Handlungsoptionen für die MA 23 abgeleitet. A. 3. Theoretische Grundlagen Sozialer Innovation Als wissenschaftliche Grundlage für die Umsetzung des Prozesses diente eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien zu Sozialer Innovation im Gesundheitsbereich aus dem Jahr 2016. Sie bot eine aktuelle Bestandsaufnahme für Österreich und lieferte für den angestrebten Prozess in Wien wertvolle Erkenntnisse. S TUDIE DER WU W IEN : Der soziale Brutkasten: Wie gesellschaftliche Innovationen besser gelingen 18 Dieses Grundlagenwissen ist relevant für die systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien und diente zur Vorbereitung des Organisationsteams sowie als Einstieg für die Teilnehmenden der Workshop-Reihe. Laut dieser Studie müssen auch die Risiken bei der Um- und Durchsetzung von Sozialer Innovation beachtet werden. Diese Innovations-Risiken bestehen darin, dass bisherige Lösungen ersetzt und damit bestehende Strukturen und Kompetenzen überflüssig werden. Innovationen können Betroffene auch schlechter stellen, wenn neue Lösungen ausschließlich auf Kosteneinsparungen und nicht auch auf eine Zunahme oder zumindest Beibehaltung der Qualitätsniveaus bestehender Leistungen abzielen. Um diese Risiken zu vermeiden ist es notwendig, Soziale Innovation v.a. über Wirkungsziele zu definieren und die Perspektive der Betroffenen möglichst früh in den Entwicklungsprozess einzubinden. 19 18 Rameder et al. 2016 19 Rameder et al. 2016: 9 Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 5/ 36 Folgende Potenziale Sozialer Innovation wurden in dieser Studie zusammengefasst(siehe Abbildung 1). Das referenzierte Modell mit sechs Entwicklungsphasen erlaubte eine differenziertere Betrachtung des zeitlichen Ablaufs gesellschaftlicher Innovation(siehe Abbildung 2). P OTENZIALE ... 20 Innovationsimpulse für den Sektor - neue Tätigkeitsfelder und Arbeitsplätze - starres Professionen-Denken auflockern - Innovationsdenken fördert neue Ideen Qualitätssteigerung und Kosteneffizienz - verbesserte Lebensqualität der Zielgruppen - Praxistest& Übernahme in den Regelbetrieb - strategischere Positionierung Intersektorale Zusammenarbeit zwischen - öffentlichem, privatem, non-profit Sektor - Institutionen oder Arbeitsfelder (z.B. Gesundheit- und Sozialbereich) Abbildung 1: Potenziale Sozialer Innovation 20 Partizipationsförderung - Möglichkeiten für freiwilliges Engagement eröffnen - Steigerung der Selbsthilfekompetenz der Zielgruppen Aufzeigen von strukturellen(System-)Mängeln - hemmende und förderliche Faktoren identifizieren P HASEN ... 21 1) Prompts, inspiration and diagnoses Faktoren, die Soziale Innovation notwendig machen. Gründe identifizieren und nicht lediglich Symptome bekämpften. 2) Proposals and ideas Identifizieren möglicher Lösungsvorschläge inner- und außerhalb von Organisationen (z.B. durch Open Innovation). 5) Scaling and diffusion Strategien für systematische Verbreitung (Skalierung) und Wachstum einer Innovation. 6) Systemic Change Systemwandel, indem neue Lösungen für Zielgruppen möglichst umfassend zugänglich und von diesen auch angenommen werden. 3) Prototypes and pilots Umsetzung der Idee in der Praxis testen. Unterstützung und Finanzierung oft mittels Awards oder Fördersysteme. 4) Sustaining Nachhaltige Implementierung und Finanzierung von Lösungen. Im öffentlichen Bereich mitunter durch Übernahme in den Regelbetrieb. Abbildung 2: 6-Phasenmodell Sozialer Innovation 21 20 Rameder et al. 2016: 8f. 21 Rameder et al. 2016: 4f., 6-Phasenmodell basierend auf Murray et al. 2010 Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 6/ 36 B. 1. Atlas of Social Innovation Der„Atlas of Social Innovation“ 22 gilt als wissenschaftliches Best Practice Beispiel einer global vergleichenden Analyse, die eine explorative Bestandsaufnahme Sozialer Innovation bietet. Das aufbereitete Wissen um Soziale Innovation konnte auch für den Prozess in Wien als wissenschaftliche Datengrundlage dienen. Das Forschungsprojekt untersuchte global 1.005 Initiativen zu Sozialer Innovation. Die Studie zeigte ein breites, diverses Bild von Sozialer Innovation mit einer Vielzahl unterschiedlicher Konzepte, AkteurInnen und PartnerInnen. Involvierte Sektoren in Initiativen NPO/NGO 46,4 Public Body Private Company 45,5 37,1 Research& Education 15,2 Foundation 13,9 Individuals, Networks... 13,9 Social Enterprise 12,5 PPP 6,5 Other 9,9 0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 50,0 60,0 70,0 Abbildung 3: Involvierte Sektoren bei 928 untersuchten Initiativen(Mehrfachantworten) 23 Gemeinsames Merkmal der untersuchten Initiativen 23 Der Vergleich der analysierten Initiativen(siehe Abbildung 3) zeigte die Mitwirkung von PartnerInnen aus allen Sektoren: Öffentlicher, privater Sektor und Zivilgesellschaft sind primär beteiligt. NGOs spielen in der Mehrheit der untersuchten Initiativen mit 46,4% eine Schlüsselrolle, gefolgt vom öffentlichen Sektor mit 45,5%. AkteurInnen aus privaten Firmen sind bei 37,1% der untersuchten Initiativen beteiligt. Soziale Innovation entsteht also primär als Gemeinschaftsleistung und basiert auf der Interaktion zwischen vielen verschiedenen AkteurInnen, die aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen kommen. Ein zentrales, gemeinsames Merkmal Sozialer Innovation im globalen Vergleich ist also die bereichsübergreifende Zusammenarbeit verschiedener AkteurInnen. Themen und Zielgruppen sozial innovativer Initiativen Gut die Hälfte der untersuchten Initiativen richtet sich an zu unterstützende Zielgruppen, z.B. in Form von Einbeziehung, Aktivierung und Stärkung der Betroffenen. Das zentrale Themengebiet Sozialer Innovation ist mit 62,4%„Empowerment“, d.h. die Stärkung, Aktivierung und Ermächtigung der Zielgruppen, gefolgt von Personalentwicklung und Bildung mit 53,2%, wie Abbildung 4 zeigt. 22 Howaldt et al. 2018a 23 Howaldt et al. 2018b: 13 Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 9/ 36 Unterstützende und Hemmende Faktoren für Soziale Innovation 24 Neben dem kompletten Fehlen von Finanzierungsmöglichkeiten wird Soziale Innovation oft durch mangelhafte bzw. zu kurzfristige Finanzierungsmodelle behindert. Das betrifft v.a. das Fehlen von langfristigen Finanzierungsmöglichkeiten, was oft nur kurzfristige Initiativen ermöglicht, die keine Zeit haben, ihr Potential vollständig zu entfalten. Ein weiterer zentraler Faktor sind die komplexen Fördermechanismen der EU und anderer potenzieller GeldgeberInnen, die kleinere Initiativen überfordern. Sie haben nicht das entsprechende Know-How und Personal, um die Fördermöglichkeiten zu nutzen. Es braucht somit mehr Förderprogramme, die besser auf die Bedürfnisse der kleineren Initiativen eingehen. Zentralisierte und hierarchische Strukturen, die zu langsamen und bürokratischen Entscheidungsfindungen führen, behindern durch Widerstand gegen Wandel und Risikoscheue in vielen Ländern innovativen Wandel. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedensten ProjektpartnerInnen kann neben Erfolg auch zu Spannungen führen, die sich aus den unterschiedlichen Zielvorstellungen und Interessenskonflikten ergeben. Initiativen müssen ihr Wissen, ihre Erfahrungen und Best Practices stärker teilen sowie aus Fehlschlägen lernen, was durch mangelhafte bzw. fehlende Kommunikation behindert werden kann. Wichtigste Themen in Initiativen Empowerment Human Resources/Knowledge 62,4 53,2 Social Enterpreneurship/Economy/Enterprises ICT& Social Media Gender/Equality/Diversity Governance 19,0 Demographic Change 17,4 Migration 10,9 Other 5,7 42,1 34,1 32,9 0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 50,0 60,0 70,0 Abbildung 4: Wichtigste Themen der untersuchten Initiativen(Mehrfachantworten) 24 Soziale Innovation braucht v.a. Einzelpersönlichkeiten und Gruppen, die gemeinsam aktiv werden und sich engagieren. Staaten, die eine aktive Zivilgesellschaft propagieren und unterstützen, schaffen eine fördernde Umwelt für Soziale Innovation. Ebenso ist der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten für die Entstehung von Sozialer Innovation entscheidend und ein zentrales Problem der Initiativen. Fonds der EU sollen bei der Finanzierung helfen und auch auf nationaler Ebene gibt es finanzielle Anreize, die mitunter aber für entstehende Initiativen zugänglich gemacht werden müssen. Neue Technologien wie soziale Netzwerke und mobile oder digitale Technologien bieten auch neue Möglichkeiten für Soziale Innovation. Die Vernetzung in den technisch-digitalen Sektor kann demnach vor allem die Umsetzung sozial innovativer Ideen fördern. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen AkteurInnen wird durch Netzwerke und Plattformen erleichtert. Sie ermöglichen, Erfahrungen zu teilen und von„Best Practices“ zu lernen. 24 Dhondt et al. 2018: 75ff. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 10/ 36 B. 2. MindLab Seit rund 15 Jahren entwickeln sich Initiativen, die BürgerInnen ins Zentrum öffentlicher Verwaltung stellen wollen 25 . Öffentliche Körperschaften gründeten„Innovation Labs“, wie z.B. das britische Nesta 26 , das GOVLAB 27 in New York oder das MindLab in Dänemark 28 . Was diese sehr unterschiedlichen Initiativen vereint, ist der Anspruch, Soziale Innovation in der öffentlichen Verwaltung zu fördern. Eine Initiative, die diesen Ansatz besonders erfolgreich umgesetzt hat, ist das dänische„MindLab“. MindLab wurde 2002 von drei Ministerien gegründet und war eines der ersten„Innovation Labs“, ein Testlabor für effektive BürgerInnen-Services, ein Innovationslabor, das gesellschaftliche Probleme mit unkonventionellen Mitteln löst und Raum und Bewegung für neue Konzepte schafft. Ziel ist die Beteiligung von BürgerInnen und Wirtschaft an der Entwicklung neuer Lösungen für den öffentlichen Sektor. Ende 2018 übernahmen die staatlichen Stellen den extern erprobten„MindLab-Way“. Die Initiative wurde erfolgreich implementiert und wird nun von der Verwaltung intern umgesetzt. Das Motto lautet: „scaling of its work[is] MindLab’s key priority. This isn’t about scaling up a specific project but more about the need to relentlessly promote a change in cultural practices.“ 28 MindLab initiierte Projekte, bot Platz für Workshops und lieferte praktische Anleitungen für Innovationsprozesse in Form von Projektmanagement-Tools. Ein Team von ca. 15 Personen setzte gesellschaftliche Prozesse in Gang und bildete eine Schnittstelle zwischen Ministerien, Wirtschaft und Gesellschaft. WissenschaftlerInnen entwickelten zusammen mit BeamtInnen neue Ideen und Konzepte mit dem Ziel, die Verwaltung zu verbessern. Die Stadt Odense sowie drei dänische Ministerien finanzierten MindLab. Diese öffentlichen TrägerInnen lieferten meist auch die 7 bis 10 Projektaufträge, die das Innovationslabor pro Jahr abarbeitete. Das thematische Spektrum reicht vom Klimawandel bis zur Integration von MigrantInnen in den Arbeitsmarkt und der Verbesserung der Erwerbsunfähigkeitsrente. MindLab-Projekte vereinen die Erfahrung der beteiligten BeamtInnen mit qualitativen Analysen, die Einsicht in Verhalten und Kultur der betroffenen BürgerInnen liefern. Der Ansatz von MindLab basiert auf einem 7-stufigen Modell: 1. Schwerpunkt des Projekts identifizieren 2. Über die NutzerInnen lernen 3. Analyse 4. Ideen- und Konzeptentwicklung 5. Testung des Konzepts 6. Kommunikation der Ergebnisse 7. Impact-Messung 25 http://opening-governance.org/[13.02.2019] 26 https://www.nesta.org.uk/toolkit/innovation-teams-and-labs-a-practice-guide/[13.02.2019] 27 http://www.thegovlab.org/[13.02.2019] 28 https://www.centreforpublicimpact.org/welcome-to-mindlab/[13.02.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 11/ 36 Um nicht Teil der Bürokratie zu werden, deren Prozesse sie eigentlich aufbrechen sollen, werden die MitarbeiterInnen im sogenannten MindLab-Way geschult: Dem ständigen Hinterfragen von Prozessen, der Reflexion über die eigene Arbeitsweise. MindLab verankerte das„Design Thinking“ in Ministerien und Behörden und nutzt Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung, um die Auswirkungen politischer Maßnahmen besser zu verstehen.„Design Thinking” umfasst dabei Ansätze und Methoden, die EndnutzerInnen aktiv in den Entwicklungsprozess einbinden und Produkte oder Dienstleistungen besser an deren Bedürfnisse anpassen. Im Kern der Verhaltensforschung stehen oft Experimente, die untersuchen, wie unterschiedliche Versionen eines Programmes oder einer Maßnahme das Verhalten von Menschen beeinflussen. Mit dem„ Praxis Check”, der von MindLab in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden entwickelt wurde, ist es möglich, die praktische Umsetzung von Initiativen der Behörden innerhalb weniger Tage zu untersuchen und die Probleme mittels qualitativer Interviews exakt zu identifizieren. Die MindLab MitarbeiterInnen versuchen zu verstehen, wie die BürgerInnen mit staatlichen Regelungen zurechtkommen. Sie begleiten BürgerInnen bei Behördengängen und beobachten sie beim Ausfüllen von Formularen. MindLab versucht so ein Umfeld zu schaffen, das die Entstehung neuer Ideen begünstigt. MindLab verfügt über ein interdisziplinäres Team aus EthnographInnen, PlanerInnen, VerhaltenswissenschaftlerInnen und PolitikwissenschaftlerInnen, die in Zusammenarbeit mit den betroffenen AkteurInnen neue Lösungen entwickeln. Das„Design Thinking” nutzt Erkenntnisse aus Ethnographie und Design, um in einem inklusiven Prozess, gemeinsam mit den Betroffenen, bessere Lösungen zu gestalten und zu testen. Ein Beispiel aus der dänischen Stadt Holstebro illustriert die Vorgehensweise, welche wiederum vom Schweizer„Staatslabor“ für Innovation aufgegriffen wurde 29 . Die Stadt Holstebro stand vor der ungeklärten Frage, wieso trotz eines funktionierenden„Essen auf Rädern” Systems eine große Anzahl von SeniorInnen in der Stadt Symptome schlechter Ernährung zeigten 30 . Die ForscherInnen stellten fest, dass viele SeniorInnen sich schämten, den Dienst in Anspruch zu nehmen. Sie würden„Essen auf Rädern” brauchen, wollten sich aber dem vermeintlich abschätzigen Urteil der NachbarInnen nicht aussetzen. Die Reaktion war nachvollziehbar, denn der Lieferbus, welcher die Mahlzeiten brachte, war für alle gut erkennbar mit„Essensdienst der Stadtverwaltung” beschriftet. Jede Ankunft des Lieferwagens signalisierte der Nachbarschaft den Verlust der Fähigkeit, selbst zu kochen. Die Wende brachte unter anderem die in einem partizipativen Prozess entstandene, simple Idee einer Umbenennung der Dienstleistung, verbunden mit einer Umbeschriftung des Busses. Neu heißt der Lieferdienst„Die gute Küche” und erfreut sich großer Beliebtheit. Die Umbenennung war nur eine der vorgenommenen Veränderungen. Jeder Essenslieferung liegt eine Postkarte bei, mit der die KundInnen Wünsche und Kritik an die Küchenmannschaft senden können. Dank dieser Maßnahme erhalten die KöchInnen eine Verbindung zu ihren KundInnen, welche sie, im Unterschied zu einem normalen Restaurant, nie zu Gesicht bekommen. In diesem Fall arbeiteten die ForscherInnen nicht nur mit den KundInnen der Dienstleistung, den SeniorInnen, sondern auch mit den KöchInnen, die die Mahlzeiten produzieren, zusammen. Ein gelungenes Beispiel für„Design Thinking“ im öffentlichen Sektor, das die EndnutzerInnen aktiv in den Prozess einbindet und die Produkte besser an deren Bedürfnisse anpasst. 29 Bürkli, Forster 2017: 46 30 http://www.servicedesigntoolkit.org/cases-good-kitchen.html[13.02.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 12/ 36 B. 3. Social Innovation Academy Das bundesweite Best Practice Beispiel der Social Innovation Academy 31 ist Teil des EU-Interreg Projekts Social(i)Makers, das in Österreich von arbeit plus, dem unabhängigen österreichischen Netzwerk von Sozialen Unternehmen im arbeitsmarktpolitischen Bereich, gemeinsam mit dem Zentrum für Soziale Innovation(ZSI) implementiert wird. Im Rahmen der Academy werden Onlinekurse und praxisorientierte Workshops rund um Soziale Innovation und Social Entrepreneurship in ganz Österreich angeboten und mit unterschiedlichen lokalen PartnerInnen durchgeführt. Als Antwort auf die vielen gesellschaftlichen Herausforderungen werden neue Ideen, Lösungen sowie Kooperationen und Formen der Zusammenarbeit benötigt. Personen oder Institutionen, die selbst sozial innovativ aktiv werden und Initiativen umsetzen wollen, können in einer Vielzahl von Kursen Expertise und Kompetenzen erlangen, um selbst fördernde Rahmenbedingungen für Soziale Innovation zu schaffen. Der Zugang zu den Kursen ist kostenfrei und offen für alle Interessierten. Die Kursinhalte wurden speziell für Personen aus Verwaltung und Politik, Finanziers, soziale UnternehmerInnen sowie interessierte BürgerInnen entwickelt. Die Social Innovation Academy definiert dabei Soziale Innovation als„neue Produkte, Dienstleistungen und Modelle, die durch das Zusammenbringen engagierter BürgerInnen, Sozialen UnternehmerInnen sowie öffentlichen und privaten Institutionen entwickelt und umgesetzt werden können“. 31 Am 10. September 2018 startete der Onlinekurs„ Social Innovation Academy: How to innovate together for a better tomorrow“. Die Initiative vermittelt darüber Wissen und stellt praktische Tools vor, um eine sozial innovative Idee erfolgreich umzusetzen. Die sieben Module Active Citizenship, Social Business, Technology for Social Innovation, Stakeholder Engagement, Social Impact Assessment, Impact Investing und Social Innovation Policies bieten eine umfassende Einführung in die verschiedenen Facetten Sozialer Innovation und Social Entrepreneurship. Voraussetzung für die Entstehung und Implementierung Sozialer Innovation sind geschulte und gut ausgebildete Menschen, die gelernt haben, innovative Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Zur Förderung Sozialer Innovation sind also Unterstützungsangebote nötig, die genau diese Fähigkeiten vermitteln, indem sie die Erfahrungen anderer Initiativen aufbereiten, weitergeben und InnovatorInnen das Lernen von Best Practices ermöglichen. Im Zuge des Prozesses zur Systematischen Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien nahmen Mitarbeiter der Social City Wien an den Workshops der Social Innovation Academy teil, um die Arbeitsweise und Art der Wissensvermittlung zu analysieren. Das Vorgehen, um interessierte Menschen zu befähigen, selbst sozial innovativ aktiv zu werden, wurde systematisch erfasst(siehe zusammengefasste Learnings). Resümierend können folgende Aspekte im Sinne der Befähigung vermittelt werden: 1. Bewusstsein für fördernde Umfeldfaktoren(aktive Zivilgesellschaft, offene Verwaltung, Politik) 2. Praktisches Wissen über verschiedene Geschäftsmodelle und Businesspläne 3. Durchführungserfahrung im Umgang mit Prozessen und Designs 31 https://arbeitplus.at/socialimakers/[13.02.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 13/ 36 Learnings Workshop- Active Citizenship Die Auftaktveranstaltung der Social Innovation Academy am 29.09.2018 in Linz fokussierte das Thema „Active Citizenship“. Eine aktive Zivilgesellschaft wird dabei sowohl für die Entstehung sozial innovativer Initiativen, als auch für Prozessinnovationen im öffentlichen Sektor und der Politik als fruchtbarer Nährboden verstanden. Die zentrale Rolle von BürgerInneninitiativen wurde durch das Beispiel der einst dramatischen Situation der schlechten Luftqualität in Linz verdeutlicht. Schon im Herbst 1982 hatte sich die BürgerInneninitiative„Linzer Luft“ gegründet. Die erste große Aktion war eine Unterschriftenaktion im Jahre 1983, bei der sechs Forderungen aufgestellt wurden. Es konnten 10.000 Unterschriften gesammelt und ein erster Erfolg verbucht werden: Die Trichlorphenolanlage der Chemie Linz AG wurde durch den Druck der Öffentlichkeit gesperrt. Im Herbst 1984 wurde die erste Ausgabe der Zeitung der Linzer Luft, die„Luftpost“, gedruckt und mehrere Schweigemärsche wurden organisiert. Der artikulierte Unmut der Zivilgesellschaft bewirkte auch ein Umdenken in den Reihen der Stadtpolitik. Die beharrliche Initiative der Betroffenen, die ihre Situation verbessern wollen, ermöglicht in Kooperation mit der Politik den innovativen Wandel. Die Linzer Luft wurde deutlich besser. Durch die getätigten Investitionen konnte bis 1990 die Belastung durch die Schadstoffe Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid und Staub von insgesamt 47,3 auf 23,3 Tonnen reduziert werden. Bis zum Jahr 1996 konnte eine weitere Senkung dieser Emissionen auf 12,7 Tonnen erreicht werden. Linz zählt heute zu den saubersten Industriestädten. Learnings Workshop- Social Business Im Workshop zum Thema Social Business am 03.10.2018 gab Peter Vandor vom NPO Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien Inputs zu theoretischer Basis, Modellen und praktischen Schritten für den Start von sozialen Unternehmen. Das Fördern von Social Businesses durch Awards wurde durch zwei Beispiele dargestellt, welche durch das NPO Kompetenzzentrum mitgetragen werden: Next Award 32 und Social Impact Award 33 . Die innovative Herangehensweise bei der Entwicklung von Gründungsideen und Businessplänen sowie die persönlichen Gründungsgeschichten dahinter wurden anhand der Grameen Bank 34 und Dialog im Dunkeln 35 sowie mittels eines Videos für ColaLife 36 besprochen. Der Fokus lag auf den Entwicklungen der Projekte, den Personen dahinter, den Erfolgsfaktoren und den(überwundenen) Hindernissen. Ein Fazit: Gemeinsam ist sozialen Unternehmensideen die Verbindung von gesellschaftlichen UND kommerziellen Herausforderungen. Außerdem wurden weitere unterstützende Strukturen für Social Businesses in Österreich genannt: Austrian Development Agency- Social Entrepreneurship Challenge 37 , Austrian Wirtschaftsservice- Social Business Call 38 . Als Tools für GründerInnen wurden verschiedene Geschäftsmodelle für Social Business besprochen und vom Vortragenden das Konzept des Lean Start-up empfohlen sowie auf die Möglichkeit von Cross Sector Partnerships hingewiesen. Dazu gibt es eine Studie der WU Wien 39 . 32 https://www.wu.ac.at/sec/capacity-building/next-award-programm/[18.02.2019] 33 https://www.wu.ac.at/sec/forschung-und-beratung/social-impact-award/[18.02.2019] 34 http://www.grameen-info.org/[18.02.2019] 35 http://www.imdunkeln.at/index.php/de/[18.02.2019] 36 https://www.colalife.org/[18.02.2019] 37 https://www.entwicklung.at/akteure/unternehmen/social-entrepreneurship-challenge/[18.02.2019] 38 https://www.aws.at/foerderungen/aws-social-business-call/[18.02.2019] 39 Christanell et al. 2017 Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 14/ 36 Learnings Workshop- Technology for Social Innovation Am 18.10.2019 fand der Workshop zu Technology for Social Innovation statt, der von Thomas M. Klein und einem weiteren Kollegen von Wonderwerk 40 durchgeführt wurde. Die chancenorientierte Perspektive auf Technologie im Zuge der Digitalisierung wurde theoretisch schlüssig auf den Bereich der Sozialen Innovation übertragen. Methodisch wurden kurze Inputs zu Design Thinking, einem innovativen Werkzeug für Projekt- und Produktmanagement sowie für die Veränderung von Unternehmenskulturen, gegeben. Dazwischen ging es immer wieder in Kleingruppen in die„Praxis“, da die einzelnen besprochenen Schritte des Design Thinking Prozesses ausprobiert wurden. Co-Creation im Design Thinking wurde mithilfe des Auftrags, mit jungen Leuten im Park ins Gespräch zu kommen, veranschaulicht. Die Kleingruppen entwickelten dabei mit Kindern und Jugendlichen im Park gegenüber des Workshops Ideen und Prototypen für digitale Soziale Innovation. Die einzelnen Phasen wurden dabei nicht nur erklärt und in Bezug zu den jeweils anderen gesetzt, sondern konnten praktisch erarbeitet werden. Das Durchführen der jeweiligen Arbeitsschritte, das Zusammenarbeiten mit den Kleingruppenmitgliedern und den Anspruchspersonen(junge Leute im Park) wurde durch dieses praxisnahe Vorgehen begreifbar gemacht. B. 4. CERIecon Playpark Vienna Das Best Practice Beispiel für europaweiter Vernetzung, das EU-Interreg Projekt CERIecon, wird in Wien als Playpark Vienna 41 umgesetzt und bietet eine Akademie für junge Start-Ups, die die Herausforderungen unserer Zeit durch unternehmerische Kreativität bewältigen wollen, wobei der Fokus auf Sozialer Innovation und Nachhaltigkeit liegt. Der Playpark bietet einen Arbeits- und Entwicklungsraum für nachhaltig orientierte UnternehmerInnen sowie ein kreatives und kooperatives Milieu, das nachhaltigen sozio-ökologischen Wandel anstrebt. Ziel ist es, junge, auf Nachhaltigkeit fokussierte UnternehmerInnen bei ihren ersten Schritten zu begleiten, sie zu unterstützen, zu motivieren und weiterzubilden. Nachhaltiger Wandel im unternehmerischen Sinn wird als ein offener und partizipativer Lernprozess begriffen. Der Playpark Wien bietet dazu eine kreative und lösungsorientierte Umgebung mit Vernetzungsmöglichkeiten und einen Arbeits- und Lernraum mit Weiterbildung, Coaching und Mentoring. Ein Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit verschiedenen Stakeholder-Gruppen wie NGOs, Schulen, ForscherInnen, usw. Der Playpark Vienna ist eine von sieben Akademien, die als Teil des„Interreg Central Europe Project“ (CERIecon) implementiert wurden.„Interreg“, oder„europäische territoriale Zusammenarbeit“, ist Teil der Struktur- und Investitionspolitik der Europäischen Union. Seit mehr als 20 Jahren werden damit grenzüberschreitende Kooperationen zwischen Regionen und Städten unterstützt, die das tägliche Leben beeinflussen, zum Beispiel in Verkehr, Arbeitsmarkt und Umweltschutz. Durch das CERIecon Projekt entsteht ein Netzwerk, das unternehmerische Initiativen im Rahmen der jeweiligen regionalen EU-Innovationsstrategien fördert. Der Playpark wird durch EFRE-Mittel mitfinanziert und vom RCE, Institute for Ecological Economics der Wirtschaftsuniversität Wien und dem Europa Büro des Wiener Stadtschulrats organisiert. 40 http://www.wonderwerk.at[18.02.2019] 41 http://www.rce-vienna.at/playpark-ceriecon/de/playpark-vienna/[18.02.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 15/ 36 CERIecon zielt darauf ab, die Kompetenzen von Start-Ups und jungen KMUs in Bezug auf neue Technologien, innovative Produkte, Dienstleistungen und Soziale Innovation zu erhöhen und zu verbessern, d.h. regionale„Smart Specialisation Strategies“ zu entwickeln. Es soll eine unternehmerische Kultur entwickelt und gefördert werden, die junge Frauen und Männer dazu inspiriert, UnternehmerInnen zu werden und ihre Ideen umzusetzen. Das Programm Interreg CENTRAL EUROPE hat von 2014-2020 ein Budget von 246 Millionen Euro zur Verfügung, mit dem 85 Kooperationsprojekte in Europa gefördert werden. Ca. 160 Millionen Euro fließen vom European Regional Development Fund(ERDF) in die nationalen Projekte von acht Ländern: Deutschland, Italien, Österreich, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Die überwiegende Mehrheit der ProjektpartnerInnen(72%) kommt aus dem öffentlichen Dienst. Interreg wird in drei Schwerpunkten umgesetzt: 1. Grenzübergreifende Zusammenarbeit, Weiterentwicklung der wirtschaftlichen und sozialen Kooperation in benachbarten Grenzregionen 2. Transnationale Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen nationalen, regionalen und kommunalen PartnerInnen in transnationalen Kooperationsräumen, um die territoriale Integration dieser Räume zu erhöhen 3. Interregionale Zusammenarbeit, Kooperationsnetze und Erfahrungsaustausch, um die Wirksamkeit bestehender Instrumente für Regionalentwicklung und Kohäsion zu verbessern Interreg wird nicht zentral durch die Europäische Kommission verwaltet. Vielmehr setzen sich vor Ort, in jedem Grenzraum, in jedem transnationalen Kooperationsraum, VertreterInnen der nationalen und regionalen Behörden beteiligter Mitgliedstaaten zusammen und definieren gemeinsam, unter Beteiligung von Kommunen, Wirtschafts- und Sozialpartnern sowie NGOs, die Entwicklungsprioritäten des jeweiligen Programms. Auch in den Projekten erfolgt die Zielfindung, Umsetzung und Erfolgskontrolle gemeinsam. Beim Treffen am 16. Jänner 2019 in Wien wurden 44 Projekte(von 191) ausgewählt: 20 Projekte im Bereich Innovation mit einem Budget von 35,2 Millionen Euro, 5 Projekte zum Kohleausstieg mit 8,5 Millionen, 15 Projekte im Bereich Umwelt und Kultur mit einem Budget von 22,3 Millionen Euro und 6 im Bereich Verkehr mit 10,8 Millionen Euro. Der Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Innovation, Reduktion fossiler Energieträger, Kultur und Verkehr. Zusammen mit den 85 laufenden Projekten werden 129 Projekte unterstützt. Ein wesentlicher Beitrag zur systematischen Förderung von Sozialer Innovation leistet dieses Best Practice durch die Möglichkeit, sozial innovative Gründungsideen in einem Setting grenzübergreifender Regionen zu denken. Dies eröffnet neue Chancen, Lösungen für die adressierten sozialen Herausforderungen in räumlichen Dimensionen zu entwickeln, die nicht durch politische Grenzen oder Verwaltungseinheiten beschränkt sind. Gesellschaftliche Herausforderungen machen nicht vor Grenzen halt – ebenso wenig sollte das die Entwicklung von Lösungen. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 16/ 36 B. 5. World Summit Award Als internationales Best Practice will der WSA 42 digitale Innovationen mit Mehrwert für die Gesellschaft finden, promoten und vernetzen. Der World Summit Award prämiert dazu seit 15 Jahren alle zwei Jahre im Rahmen eines Wettbewerbs besonders innovative und herausragende internetbasierte Inhalte, Konzepte und Anwendungen. Die letzte Verleihung fand 2017 statt. Zu den GewinnerInnen des WSA 2017 zählte in Österreich in der Kategorie Health& Well Being der„Pocket Defi“, einer der kleinsten und erschwinglichsten öffentlichen Defibrillatoren am Markt. Durch die einzigartige Bedienung über das dazugehörige App kann im Notfall sofort reagiert werden. In der Kategorie Business& Commerce gewann das Online-Portal„Weather Cockpit“, ein intuitives Online-Portal, das ortsspezifische Wetterdaten und Prognosen sowie Unwetterinformationen liefert. Das Tool visualisiert Wetterereignisse für Strecken, Standorte und Regionen auf hochpräzisen Karten. In der Kategorie Education& Learning gewann das Tool„Waltzing Atoms“, ein Werkzeug, das spielerisch die Begeisterung für die Wissenschaft bei jungen Menschen entfachen soll. Auf Einladung der Stadt Wien, fand der WSA Global Congress 2018 erstmals in Österreich statt. Von 20. bis 22. März wurden die 40 internationalen WSA-GewinnerInnen aus dem Jahr 2017 nach Wien eingeladen, um ihre Lösungen und Projekte zu präsentieren. Die Preise werden in acht Kategorien vergeben: 1. Government& Engagement 2. Health& Well-Being 3. Learning& Education 4. Umwelt& Erneuerbare Energie 5. Culture& Tourismus 6. Smart Settlements& Urbanisation 7. Business& Commerce 8. Inclusion& Empowerment Ein übergeordnetes Ziel des WSA ist die Überwindung der digitalen Kluft. Initiiert wurde der World Summit Award durch die österreichische Regierung im Rahmen des im Jahre 2003 abgehaltenen Weltgipfels zur Informationsgesellschaft. Unterstützt wird die Initiative von Staaten und Organisationen wie der UNIDO und der UNESCO. Der WSA folgt den Sustainable Development Goals der UNO. Trägerverein des World Summit Awards ist das International Center for New Media mit Sitz in Salzburg und Wien. Es werden Konferenzen, Veranstaltungen, Ausstellungen und Galen veranstaltet, auf denen für die Ziele der Initiative geworben werden und sich ExpertInnen fachlich austauschten können. Beim WSA geht es um die Auswahl und Prämierung digitaler Innovationen, um herausragende internetbasierte Inhalte, Konzepte und Anwendungen, die gesellschaftlichen Mehrwert im Sinne der SDGs, der nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft, bringen sollen. Durch das Finden, Prämieren, Promoten sowie Vernetzen von digitalen Innovationsprojekten wird die Entstehung von Sozialer Innovation systematisch gefördert. 42 https://www.worldsummitawards.org/about/[18.02.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 17/ 36 B. Begleitrecherche zu Best Practice Beispielen Im Folgenden werden Initiativen präsentiert, die systematisch die Rahmenbedingungen für die Entstehung und Umsetzung Sozialer Innovation unterstützen. Durch ihre Erfahrung und Expertise sollen Antworten auf die Frage gefunden werden, wie in Wien Soziale Innovation zum Wohl der Bevölkerung systematisch unterstützt werden kann. Neben der Aufbereitung der Best Practices wurden… InitiatorInnen kontaktiert und zu ihren Erfahrungen in der Unterstützung von Sozialer Innovation befragt. Teile ihres vorhandenen Angebots genutzt, um dieses bezüglich seiner Übertragbarkeit auf den Prozess in Wien zu analysieren. VertreterInnen zu den Workshops eingeladen, um den Teilnehmenden persönlich Inputs für ihren Arbeitsprozess zu geben und ihre Expertise zugänglich zu machen. Für Wien wurden relevante europäische und internationale Best Practices recherchiert, analysiert und dokumentiert, um deren Expertise bestmöglich in den Prozess zur Systematischen Unterstützung von Sozialer Innovation zu integrieren. Es wurden fünf exemplarische Best Practices ausgewählt, die genauer analysiert und aufbereitet wurden. Folgende Überlegungen und Kriterien wurden für die finale Zusammenstellung berücksichtigt: B. 1. Als Beispiel für wissenschaftliches Best Practice wurde der„Atlas of Social Innovation“ ausgewählt. Systematische Unterstützung erfordert eine systematische Auseinandersetzung mit den Fragen, was Soziale Innovation ist, sein kann, wie sie entsteht und umgesetzt wird, was sie hemmt bzw. fördert. A TLAS OF S OCIAL I NNOVATION M IND L AB B. 2. Als Schnittstelle für Prozessinnovation in der öffentlichen Verwaltung bietet das Best Practice „MindLab“ in Dänemark unmittelbaren Praxisbezug und Erfahrungen für die Stadt Wien und ihre Verwaltung. Von der Recherche ausgehend wurde der Management Director von MindLab kontaktiert, um Erfahrungen mit innovativen Vernetzungsprojekten in Städten auszutauschen und Grundlagen für zukünftigen Austausch zu schaffen. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 7/ 36 B. 3. Ein Best Practice, das auf die Aktivierung Einzelner zielt und diese unterstützen soll, ist die„Social Innovation Academy“, die Menschen hilft, sozial innovativ aktiv zu werden. Ihre bundesweite Tätigkeit in Österreich eröffnete dem Prozess in Wien Perspektiven aus anderen Bundesländern. Die Organisatorin der Social Innovation Academy teilte als Podiumsgast beim Expert Workshop am 05.12.2019 ihre Erfahrung mit den Teilnehmenden des Workshops. Außerdem wurden vom Team der Social City Wien Workshops der Social Innovation Academy besucht, um deren Methodik zu analysieren. S OCIAL I NNOVATION A CADEMY CERI ECON P LAYPARK V IENNA B. 4. Ein europaweit agierendes Best Practice, das sozial innovative Start-ups systematisch unterstützt, ist der„CERIecon Playpark Vienna“, der als Zugang zur Wiener Start-up Szene genutzt wurde. Die Koordinatorin sowie einzelne Start-ups des Playparks konnten für die Mitwirkung in den Workshops des Prozesses zur Systematischen Unterstützung von Sozialer Innovation im gemeinsamen Co-Working Space gewonnen werden. B. 5. Als internationales Best Practice für die Identifizierung, Promotion und Vernetzung innovativer Projekte mit gesellschaftlichem Mehrwert wurde der„World Summit Award“ gewählt. Die ebenfalls im Expert Workshop eingeladene Initiatorin konnte den Auswahlprozess der WSA-Projekte vorstellen und den Blick auf die Rolle Wiens und Österreichs im internationalen Vergleich erweitern. W ORLD S UMMIT A WARD Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 8/ 36 C. 1. Network Building und Stakeholder Management Die prozesshafte Bearbeitung des Themengebiets erfolgte gemeinsam mit(potentiellen) ProjektträgerInnen sozialer Innovationsprojekte innerhalb und außerhalb der Wiener Stadtverwaltung. Ziel war, sektorübergreifend die Situation Sozialer Innovation am Standort Wien zu analysieren und Chancen für die Zukunft auszuloten. Dazu wurden bereits im Startworkshop am 26. September 2018 zwischen der MA 23 und der Social City Wien potentiell relevante AkteurInnen aus dem Wiener Verwaltungs-, Sozial-, Wirtschafts-, Bildungs- und Financing-Bereich sowie NGOs identifiziert und das Interesse am geplanten Prozess über die jeweiligen Kontaktpersonen abgeklärt. Im Prozess der Kontaktaufnahme wurden weitere AkteurInnen identifiziert und ebenfalls bezüglich Beteiligung kontaktiert. In Abstimmung zwischen Auftraggeberin MA 23 und Auftragnehmerin Social City Wien wurden 39 Institutionen ausgewählt, die zur Mitwirkung in einer dreiteiligen Workshop-Reihe zum Thema„Soziale Innovation in Wien“ eingeladen wurden. Nutzung und Verschränkung verschiedener bestehender Kontaktnetzwerke Entscheidend für die Kontaktaufnahme war dabei die Nutzung bestehender(persönlicher) Kontakte in den identifizierten Institutionen. Die Verschränkung des verwaltungsinternen Kontaktnetzwerks der MA 23 mit der verwaltungsexternen Plattform der Social City Wien ermöglichte die Zusammenstellung einer heterogenen Gruppe, die eine niederschwellige Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltungsmitgliedern und AkteurInnen verschiedener Gesellschaftsbereiche zum Ziel hatte. Trotz intensiver Kommunikation vorab kam von 9 der 39 eingeladenen Institutionen keine Rückmeldung. Für 3 Institutionen war die Teilnahme an der Workshop-Reihe durch VertreterInnen(selbst an nur einem Termin) nicht möglich. Die regelmäßige Teilnahme der Institutionen und bestenfalls derselben VertreterInnen wurde von Anfang an forciert und leistete einen wichtigen Beitrag zum Arbeitsprozess. Insgesamt 9 Institutionen nahmen an allen 3 Workshops teil, 4 Institutionen an 2 Workshops und 6 an nur einem Workshop. Insgesamt 7 Personen besuchten alle 3 Workshops. Anmeldungen und TeilnehmerInnen je Workshop 30 25 26 25 21 20 16 17 15 13 10 5 0 Anmeldungen TeilnehmerInnen Anmeldungen TeilnehmerInnen Anmeldungen TeilnehmerInnen Workshop 14. 11. Workshop 05. 12. Workshop 31. 01. Abbildung 5: Anmeldungen und TeilnehmerInnen der Workshops Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 19/ 36 Fortlaufender Kontakt zur Gruppe der Teilnehmenden Die Herausforderung, eine möglichst konstante Arbeitsgruppe über mehrere Termine mit ca. einmonatigen Abständen aufrechtzuerhalten, zeigt sich am Verhältnis zwischen Anmeldungen und TeilnehmerInnen(siehe Abbildung 5). Besonders für den letzten Termin nach dem Jahreswechsel kam es zu einigen Absagen, da neue Termine bei den Teilnehmenden dazukamen, die sie bei der Anmeldung für die Workshop-Reihe nicht berücksichtigen konnten. Durch die langfristige Planung und den fortlaufenden Kontakt mit den einzelnen TeilnehmerInnen konnte dennoch eine konstante Beteiligung an den einzelnen Workshops gewährleistet werden. Positive Rückmeldungen zu der intensiven Betreuung äußerten die Teilnehmenden besonders bezüglich der Vor- und Nachbereitung der Workshops. Das Stakeholder Management beschränkte sich dabei nicht nur auf das Versenden von Informationen zum jeweils nächsten Termin und der ausführlichen Zusammenfassung der Ergebnisse vom letzten Workshop, sondern umfasste die Kommunikation zwischen dem Organisationsteam und den Teilnehmenden, die Vernetzung der Teilnehmenden untereinander, den vermittelten Austausch von weiteren Kontaktdaten, Veranstaltungseinladungen und Informationsmaterial. Ein weiterer wichtiger Teil war die Erstellung, das Versenden und die Auswertung der online Befragungen der Teilnehmenden. Die Ergebnisse wurden zur inhaltlichen Vorbereitung genutzt und als Input für die Arbeitsprozesse in den Workshops aufbereitet. Durch diese Maßnahmen konnte die Aktivität der Teilnehmenden während und zwischen den Workshops gefördert werden. Außerdem ermöglichten ihnen diese Mitwirkungs- und Informationsmöglichkeiten auf dem Laufenden und aktiver Teil der Gruppe zu sein, auch wenn sie nicht alle Termine wahrnehmen konnten. Mittels Befragung der Teilnehmenden wurde deren Arbeitssituation und Perspektive in Bezug auf Soziale Innovation dokumentiert und systematisch aufbereitet. C. 2. Vorbereitende online Umfrage vor dem ersten Workshop Vor dem Start der Workshop-Reihe wurden die eingeladenen Personen gebeten, eine online Umfrage zur Thematik zu beantworten. Die Fragen sollten einerseits Erkenntnisse über das Wissen der Teilnehmenden zum Thema Soziale Innovation erheben und andererseits eine optimale Vorbereitung des ersten Termins anhand ihrer Bedürfnisse ermöglichen. Der Begriff"Soziale Innovation" ist für Sie …. 10 8 6 4 2 0 Sie haben sich schon mit Sozialer Innovation beschäftigt... 10 8 6 4 2 0 Abbildung 6: Frage: Begriff„Soziale Innovation“ Abbildung 7: Frage: beschäftigt mit Sozialer Innovation Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 20/ 36 Von den eingeladenen Personen füllten 14 die anonyme Umfrage vollständig aus. Der Begriff„Soziale Innovation“ ist für den überwiegenden Teil der Teilnehmenden eher klar(siehe Abbildung 6). Von den 14 Befragten ist für 10 der Begriff„Soziale Innovation“ völlig oder eher klar. 9 haben sich bereits mit sozialer Innovation beschäftigt(siehe Abbildung 7). Keine/r der Befragten gab an, dass der Begriff unklar sei, oder dass sie/er sich noch nicht mit Sozialer Innovation beschäftigt hätte. Die meisten Teilnehmenden der Workshop-Reihe brachten also Erfahrung und Vorwissen mit. Im Folgenden werden einige typische, charakteristische Antworten auf die offenen Fragen wiedergegeben. Auf die Frage, was unter Sozialer Innovation zu verstehen sei, antworteten die TeilnehmerInnen: neue Organisationsformen, Arbeitsweisen, soziale Kompetenzen, Praktiken und Wege zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen neue Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen, breite Partnerschaften, partizipative Prozesse, Wirkungsorientierung neue Lösung eines sozialen Problems, die erfolgreich umgesetzt wird und zu einer wesentlichen Verbesserung für die betroffenen Personen führt Soziale Innovationen sollen das Zusammenleben verbessern und erleichtern. bedeutet den Zeitgeist zu erkennen und entsprechende Ideen und Lösungen zu entwickeln. Auf die Frage, was Soziale Innovation für Wien und seine BewohnerInnen leisten soll, gab es folgende charakteristische Antworten: Alle hier lebenden Menschen, besonders die Kinder/Jugendlichen als Potential für die nahe und ferne Zukunft zu erkennen Zusammenleben aller gesellschaftlichen Schichten gestalten, durch freundliches Miteinander und ECHTEN Austausch ermöglichen Problemwissen zugänglich machen, damit unterschiedlichste AkteurInnen an Lösungen arbeiten können Lebensqualität und Bildung unter neuen Bedingungen des Klimawandels und der Digitalisierung ermöglichen Wien soll lebenswerteste multikulturelle Generationenstadt und Vorbild für andere Städte sein Resilienz, Nachhaltigkeit und Integration der Stadtgesellschaft fördern und festigen Das individuelle Interesse der Teilnehmenden bezüglich Sozialer Innovation sowie die Erwartungen an die Workshop-Reihe variierten besonders stark und berühren viele gesellschaftliche Institutionen und Bereiche. Folgende Antworten heben die zentralen gemeinsamen Aspekte hervor: Praxisaspekt, die Umsetzung (sozialer Innovation) Wie erreichen wir die Durchschnittsbevölkerung? Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Stadtentwicklung, Stadterneuerung Beitrag von unternehmerischen bzw. gewinnorientierten AkteurInnen Positionierung der Stadt Wien zum Thema Soziale Innovation Veränderungsprozesse in tragfähige Geschäftsmodelle übersetzen Cross-sektorale Kooperationen, neue Perspektiven auf das weite Feld und Good Practice in anderen Städten gemeinsames Verständnis von sozialer Innovation erarbeiten und Ressourcen identifizieren Konkretes Follow-up(Prototyp entwickeln, Finanzierung aufstellen, in die Umsetzung gehen) Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 21/ 36 Die identifizierten und eingeladenen Stakeholder haben sich also in ihrem Arbeitsbereich bereits mit dem Thema Soziale Innovation beschäftigt, wollten ihre Perspektive durch sektorübergreifende Vernetzung erweitern und die konkrete Umsetzung von Projekten gemeinsam vorantreiben. Die nachfolgende Überführung der Ideenentwicklung in die Umsetzungspraxis zum Wohl der in Wien lebenden Menschen stand deshalb im Zentrum. C. 3. Gesamtkonzept der Workshop-Reihe Die Entwicklung des Gesamtkonzepts für die Prozessumsetzung durch eine Workshop-Reihe zwischen September 2018 und Jänner 2019 erfolgte durch das Prozessmanagement der Social City Wien in enger Abstimmung mit der MA 23. Parallel dazu formierte die Social City Wien ein Moderationsteam, das die methodische Umsetzung der einzelnen Termine entwickelte, sowie die Vor- und Nachbereitung des Prozessmanagements unterstützte. In der Zusammenstellung wurden sowohl unterschiedliche Expertisen gebündelt, als auch Standort-Synergien genutzt, um in der eigenen Arbeitsweise Soziale Innovation zuzulassen. Neue Kommunikations- und Kooperationsformen, die für die neu entstandene Arbeitsgruppe in den Workshops Anwendung finden sollten, wurden bereits in den sozialen Interaktionen des Moderationsteams aktiv gelebt. Sozial innovative Kooperations- und Umsetzungspartnerschaften Die Social City Wien teil sich ihren Standort am Sachsenplatz unter anderem mit dem Playpark Vienna (siehe Kapitel B. 4.), dessen Koordinatorin für das Mitwirken im Moderationsteam gewonnen werden konnte. Ihre Vertrautheit mit den Räumlichkeiten, in denen die Workshops stattfanden und ihre Erfahrung mit kreativen Moderationstechniken in der dynamischen Start-up Szene, die sie dort betreut, konnten so für den Prozess genutzt werden. Der durch sie bestehende Kontakt zu social Start-ups des Playparks und das Einbinden dieser PraktikerInnen gab der Workshop-Reihe von Anfang an eine praxisorientierte Richtung. Das am Standort Sachsenplatz ebenfalls ansässige Gründungsteam der Unternehmensberatung BECOLEX GmbH 46 mit ihrer einzigartigen Methodik für„Erfolg im Kollektiv“ konnte für die Umsetzung des Prozesses gewonnen werden. Ihre Expertise für agile Transformation durch Aktivierung ungenutzter Potentiale von Menschen, Teams und Organisationen ermöglichte nicht nur eine motivierende Durchführung von fokussierten Arbeitsprozessen in den Workshops, sondern trug maßgeblich zum Teambuilding innerhalb der Multi-Stakeholder-Arbeitsgruppe bei. Die Anwendung ihrer Methodik zeigte sich dabei besonders erfolgreich für Co-Creation-Prozesse mit verwaltungsinternen und verwaltungsexternen AkteurInnen, die(mitunter erstmals auf diese Weise) in einer Arbeitsgruppe zusammenarbeiteten. Gemeinsam mit dem für die Prozessorganisation zuständigen Mitarbeiter der Social City Wien konnte dieses vierköpfige Team die Moderation im Plenum abwechslungsreich gestalten. Der Austausch zwischen eingeladenen Podiumsgästen und den Teilnehmenden sowie die Arbeitsprozesse in Kleingruppen bis zu fünf Personen wurden koordiniert, angeleitet und dokumentiert. Übergreifendes Design der Workshop-Reihe Inhaltliches Ziel des Prozesses war die partizipative Auseinandersetzung mit der Frage, wie Soziale Innovation funktioniert und zum Wohl der Menschen in Wien unterstützt werden kann. Für die 46 https://www.becolex.com/[28.02.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 22/ 36 Durchführung wurde deshalb das Ziel abgeleitet, ein Multi-Stakeholder-Netzwerk zu etablieren, dessen Mitglieder nicht nur zur theoretischen Beantwortung dieser Frage beitragen, sondern in einer Arbeitsgruppe die gewonnenen Erkenntnisse für die Entwicklung praktischer Lösungen nutzen können. Die drei Termine wurden anhand des folgenden Konzepts designt: 14.11.2018 F UTURE W ORKSHOP Mindset – Teamgeist – Vision – Mission – Werte 05.12.2018 E XPERT W ORKSHOP Exploration – Herausforderungen – Zielgruppen 31.01.2019 A BSCHLUSSWORKSHOP Why – Nutzen& Mehrwert – Pitch – nächste Schritte Als Initiierungsprozess zur sektorübergreifenden Auseinandersetzung mit dem Thema in Wien wurde eine gemeinsame IST-Analyse der Situation in Wien beim ersten Termin mit einer SOLL-Analyse für die Zukunft verbunden. Der zweite Termin entspricht einer CHANCEN-Analyse, die Best Practices auf die spezifische Situation in Wien anwendet. Im Letzten Termin wurden die entstandenen Ideen zur Nutzung dieser Chancen inhaltlich vertieft und weitere mögliche Schritte nach dem Abschluss dieser WorkshopReihe entwickelt. Um die Zeit zwischen dem zweiten und dritten Termin für die weitere Ausarbeitung der Ergebnisse zu nutzen, brachten die Teilnehmenden mittels online Tool Projektideen- und Vorschläge ein, die für die weitere Bearbeitung im Abschlussworkshop aufbereitet wurden. Die einzelnen Schwerpunkte, Ergebnisse und Erkenntnisse dieser vier Prozessabschnitte werden nachfolgend im Detail zusammenfassend analysiert, um anschließend daraus Handlungsoptionen ableiten zu können. F UTURE W ORKSHOP Den Einstieg des ersten Zusammentreffens der Stakeholder bildete einerseits die Zusammenfassung der Ergebnisse der online Umfrage(siehe Kapitel C. 2.) sowie theoretische Grundlagen der Innovationsforschung, die in der Begleitrecherche aufbereitet wurden(siehe Kapitel A. 3.). Verpackt als Story, die in das Thema einführt, konnte so ein gemeinsames Verständnis für die Thematik geschaffen werden. Die Verbindung zur praxisorientierten Umsetzung sozial innovativer Projektideen erfolgte über eine Podiumsdiskussion mit social Start-ups, die ihre Unternehmensvisionen vorstellten. Der gemeinsame Arbeitsprozess wurde damit gestartet, dass die Teilnehmenden Verbindungen zwischen Sozialer Innovation und der Vision ihrer Institution darstellten, was ebenfalls einem gegenseitigen Kennenlernen diente. In Kleingruppen, die jeweils von einem Mitglied des Moderationsteams angeleitet wurden, konnten die eigenen Vorerfahrungen und Erwartungen in die Gruppe eingebracht werden und dienten im Kollektiv der Kleingruppe anschließend dazu, eine Vision zu formulieren, wie Soziale Innovation in Wien unterstützt werden kann. Um die Arbeitsprozesse der Einzelgruppen zu koordinieren, wechselte ein Moderator von Tisch zu Tisch und ermöglichte dadurch bereits in der Entstehungsphase gruppenübergreifenden Austausch. Im Plenum wurden die Entwürfe der Kleingruppen schließlich in einem Co-Creation-Prozess unter Berücksichtigung der Beiträge, die online eingebracht worden waren, diskutiert und zu einer Vision für die Arbeitsgruppe zusammengeführt. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 23/ 36 V ISION DER A RBEITSGRUPPE FÜR S OZIALE I NNOVATION IN W IEN : „Wir entwickeln gemeinsam nachhaltige Lösungen für soziale Herausforderungen zum Nutzen der Menschen in Wien!“ In diesem Vorgehen gelang es, mit Personen aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen, wie öffentliche Verwaltung, Privatwirtschaft und NGOs, einen sehr vertrauensvollen persönlichen Austausch und Arbeitsprozess zu etablieren. Eine praxisorientierte Haltung der Gruppe sowie ein gemeinsames Verständnis von Sozialer Innovation und ihrer Nutzbarkeit am Standort Wien für die hier lebenden Menschen konnte am ersten Termin sektorübergreifend konsensiert werden. E XPERT W ORKSHOP Im Zentrum des zweiten Termins standen die Identifikation sozialer Herausforderungen und Zielgruppen sowie die Frage, wie Soziale Innovation dort ansetzen könnte. Der Einstieg erfolgte über eine Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen zweier international bzw. europaweit agierender Best Practice Projekte, die Soziale Innovation systematisch unterstützen(siehe Kapitel B. 3. und B. 5.). Zentrales Fazit, das durch die interaktive Diskussion zwischen Podium und Teilnehmenden entstand, war: Wien hat grundsätzlich viele Ressourcen, um Innovation zu unterstützen und nutzen zu können. Wichtig ist, dass unterschiedliche Stakeholder kooperieren und die Risikobereitschaft zunimmt. In einem mehrstufigen Arbeitsprozess, der in einzeln moderierten sowie übergreifend angeleiteten Kleingruppen stattfand, identifizierten die Teilnehmenden drei zentrale Themenbereiche, für Soziale Innovation: T HEMEN DER A RBEITSGRUPPE FÜR S OZIALE I NNOVATION IN W IEN : Versorgung von Kindern i.V.m. Governance Soziale Isolation (-im Alter) Digital Divide – digitale Kompetenzen i.V.m. Migration/Integration Die Definition von Zielgruppen in diesen Bereichen sowie die Antizipation von Bedarfen dieser Zielgruppen wurde durch die„A bis Z“ Methode erarbeitet. Dabei wurden aus dem Gap, zwischen der definierten Herausforderung und der Beschreibung einer angenommenen erfolgreichen Bewältigung in der Zukunft, vorzunehmende Veränderungsmaßnahmen abgeleitet. Um bis zum nächsten Zusammentreffen selbstständig für diese Themenbereiche Lösungs- und Projektideen zu entwickeln, wurde das Tool der online Ausarbeitung in der Arbeitsgruppe angewandt. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 24/ 36 O NLINE A USARBEITUNG Mit dem Protokoll des zweiten Workshops wurde ein erklärendes Handout sowie der Link zur online Ausarbeitung an die Teilnehmenden verschickt. Mittels interaktiver Bearbeitung konnten die Gruppenmitglieder zu Impulsfragen ihre Überlegungen, Ideen und Bedenken zu einem Projekt einbringen, das sich auf ein im Expert Workshop identifiziertes Themengebiet bezog. Durch offene Gestaltung dieses online Tools wurde den Teilnehmenden sowohl die 6 5 4 3 2 1 0 Eingebrachte Projektideen der online Ausarbeitung je Themengebiet 5 4 3 Versorgung von Kindern i.V.m. Governance Soziale Isolation Digital Divide i.V.m. (-im Alter) Migration/Integration Möglichkeit geboten, bereits in den Workshops aufgebrachte Ideen zu vertiefen, als auch neue Abbildung 8: Anzahl Projektideen nach Themengebiet Ideen einzubringen. Die Aufbereitung für den Abschlussworkshop durch das Moderationsteam spielte die gesammelten Ideen der einzelnen Teilnehmenden wieder in die Gruppe zurück. Zur Vorbereitung wurde eine Zusammenfassung der Projektideen in Textform an die Gruppe versendet. Themenbezogener Austausch von Informationen zu den übermittelten Projektideen wurde vom Stakeholder Management vermittelt. Insgesamt wurden 12 Projektideen zu den drei identifizierten Themengebieten eingebracht(siehe Abbildung 8). Für den nächsten Workshop wurden Projektplakate gestaltet, die eine prozesshafte Auseinandersetzung mit dem Thema durch einen Pfad illustrieren(siehe Abbildung 9). Die gesammelten Projektplakate wurden dem Endbericht als externer Anhang in PDF-Format beigefügt. Abbildung 9: Projektplakate im Gallery Walk A BSCHLUSSWORKSHOP Beim letzten Termin der Workshop-Reihe stand die vertiefende Bearbeitung der entwickelten Projektideen im Zentrum. Dazu setzten sich die Teilnehmenden mit den eingebrachten Ideen auf den vorbereiteten Projektplakaten in einem Gallery Walk auseinander und bewerteten die einzelnen Ideen. Über ein Bewertungsschema nach Widerstandspunkten wurden der Innovationswert und die erwarteten Umsetzungschancen der Projektidee von allen Teilnehmenden einzeln bewertet (siehe Abbildung 10). Diese Methode förderte eine kritische Auseinandersetzung mit den Ideen. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 25/ 36 Durch die moderierte Diskussion der Gesamtauswertung im Plenum konnten für jedes Themengebiet Kleingruppen gebildet werden, die die jeweils bestbewerteten Projektideen gemeinsam weiterentwickelten. Unter Berücksichtigung gelungener Aspekte anderer Projektideen desselben Themas und zusätzlichem Input durch die Teilnehmenden im Arbeitsprozess, wurden zwei Aspekte weiter vertieft. Ziel war, die Projektidee präsentationsfähig für einen überzeugenden Pitch vorzubereiten, der weitere Stakeholder, UmsetzungspartnerInnen und Finanziers von der Relevanz der adressierten sozialen Herausforderung und von der innovativen Lösungsidee überzeugt. Widerstandspunkte je Projektidee Versorgung von Kindern 0 #1#2#3 Ø -10 Soziale Isolation(-im Alter) #4#5#6#7 Ø Digital Divide i.V.m. Migration/Integration #8#9#10#11#12 Ø -20 -19 -18 -30 -31 -40 -50 -44 -41 -48 -34 -60 -39 -38 -43 -29 -40 -45 -70 -80 -74 -90 -84 Abbildung 10: Widerstandspunkte für die einzelnen Projektideen Im ersten Arbeitsschritt wurde deshalb das„Why“ durch die Kleingruppen ausformuliert, also die simplifizierte Antwort auf die entscheidende Frage, wieso genau dieses Projekt umgesetzt werden sollte. Der darauffolgende zweite Arbeitsdurchgang fokussierte den angestrebten„Nutzen und Mehrwert“ der Umsetzung der Projektidee. Wiederum waren es die verschiedenen Perspektiven und Vorerfahrungen der unterschiedlichen Stakeholder, die in einem offen-kreativen und gleichzeitig wertschätzend-kritischen Co-Creation-Prozess wesentliche Fragestellungen, Ergänzungen und Chancen für die entwickelten Projektideen entstehen ließen. Die Impulse der Aufgabenstellungen der beiden Arbeitsdurchgänge wurden durch die darauffolgende Präsentation der Projektfortschritte im Plenum ergänzt. Alle Präsentationsplakate sind dem Endbericht als externer Anhang in PDF-Format beigefügt. Engagierte Zusammenarbeit und fokussiertes Weiterarbeiten an den Detailaspekten der Projektideen wurden durch die gegenseitige Wertschätzung bei den Präsentationen der einzelnen Kleingruppen getrieben. In diesem Sinn zeigten sich die Teilnehmenden auch motiviert von der Anwesenheit, Aufmerksamkeit und Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Arbeitsgruppe durch den Leiter der MA 23, als Vertreter der Stadt Wien. Eine Plattform für eine Multi-Stakeholder-Gruppe zum Thema Soziale Innovation in Wien, die sowohl Problemdefinition und Lösungsentwicklung mit adäquaten Methoden unterstützt, als auch den Austausch innerhalb und über diese Community hinaus ermöglicht, erfordert in Zukunft weitere zielstrebige Schritte. Diese sollen in der Conclusio auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse dargestellt und durch zukünftige Handlungsoptionen ergänzt werden. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 26/ 36 Seit 2003 bringt der WSA Multimedia-ExpertInnen aus allen Teilen der Welt zusammen. Die„World Summit Award Grand Jury“ ist dabei das zentrale Gremium im Entscheidungsprozess 43 , wer zu den 40 GewinnerInnen zählt. Die Treffen der„Grand Jury“ 44 fanden in den letzten Jahren in Bahrain, Kroatien, Indien, Abu Dhabi, Hong Kong, Estland, Aserbeidschan und Deutschland statt. Das letzte Treffen der „Grand Jury“ fand von 3. bis 7. November 2018 in Accra statt. Dabei nominierten 20 internationale IT- und InnovationsexpertInnen 40 Projekte für den World Summit Award. Das Auswahlverfahren für den Award beginnt auf nationaler Ebene. In Österreich entscheiden 17 ExpertInnen aus IT und Wirtschaft über die Auswahl der WSA-Projekte, die in Österreich eingereicht werden 45 . C. Prozessdesign und Analyse der Umsetzung Eine positive Innovationskultur und ein durchdachtes Projekt- und Innovationsmanagement, das Räume und Ressourcen für Experimente schafft, bilden die Basis für die optimale Nutzung von Innovationspotentialen. Der durchgeführte Prozess hatte deshalb zum Ziel, die Chancen einer Plattform zur Förderung von Sozialer Innovation in Wien zu entwickeln und zu testen. Diese Plattform soll nicht nur im materiellen Sinn einen Raum für relevante Stakeholder bieten, in dem unter Bereitstellung adäquater Methodik die gemeinsame Bearbeitung eines Themas ermöglicht wird. Im sozialräumlichen Sinne eröffnet sich dieser Raum zum Experimentieren erst durch das Netz, welches zwischen den relevanten Stakeholdern geknüpft wird. Die Identifikation von Stakeholdern und deren Vernetzung war deshalb initiale Aufgabe des Prozesses. Um einen produktiven Arbeitsprozess zu ermöglichen, war die professionelle Begleitung der Umsetzung durch ein zentrales Stakeholder Management zu koordinieren. Forschungsergebnisse zum Themengebiet Soziale Innovation sowie dem Status-Quo(in Wien) galt es durch Begleitrecherche für dieses Netzwerk zur Verfügung zu stellen und gemeinsam im Arbeitsprozess mit den Beteiligten zu erheben. Die praktische Expertise von lokalen Stakeholdern erlaubt nicht nur ein besseres Verständnis von Sozialer Innovation, sondern ist die Basis für deren konkrete Umsetzung. Die konzipierte dreiteilige Workshop-Reihe mit einer Multi-Stakeholder-Gruppe orientierte sich an der Entwicklung von Lösungen für soziale Herausforderungen, um Chancen von Sozialer Innovation praxisnah zu nutzen. Soziale Innovation wurde nicht nur als innovative Idee zur Veränderung des sozialen Zusammenlebens verstanden, sondern entfaltet ihr Potential besonders in neuen sozialen Arbeits- und Kooperationsbeziehungen. Diese ermöglichen die Entstehung neuer Lösungsansätze durch eine innovative Herangehensweise an soziale Herausforderungen. Prozessinnovation im sozialen Sinn bringt deshalb verschiedenste Perspektiven zusammen(siehe Kapitel C. 1.), berücksichtigt deren partikuläre Expertisen(siehe Kapitel C. 2) und konzipiert, begleitet sowie analysiert sektorübergreifende Zusammenarbeit durch Co-Creation(siehe Kapitel C. 3.). 43 https://www.worldsummitawards.org/contest/jury-process/[25.02.2019] 44 https://www.worldsummitawards.org/events/wsa-grand-jury/accra-2018/[25.02.2019] 45 Die ExpertInnen der österreichischen WSA-Jury: https://www.worldsummitawards.org/wsa-austria/wsa-austria-jury/[25.02.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 18/ 36 D. Conclusio Im durchgeführten Prozess entstanden sowohl Erkenntnisse über Soziale Innovation, ihr Funktionieren und ihren Nutzen für die Menschen in Wien, als auch eine Arbeitsgruppe, die an der Umsetzung sozial innovativer Projekte weiterarbeiten möchte. Um diese entstandene Motivation unter den Stakeholdern zu nutzen, sind bereits weitere Schritte für die Arbeitsgruppe in Planung, die nach der Darstellung der Prozesserkenntnisse skizziert werden. Den Abschluss des Berichts bilden zukünftige Handlungsoptionen, die sich aus Sicht des Projektteams der Social City Wien aus den gesammelten Erfahrungen ergeben. D. 1. Zusammenfassende Erkenntnisse Die Analyse des Prozesses sowie der Begleitrecherche tragen zum Verständnis bei, wie Soziale Innovation funktioniert und zum Wohl der Menschen in Wien systematisch unterstützt werden kann. Außerdem ergeben sich daraus sowohl mögliche nächste Schritte, als auch weitere Handlungsoptionen für die Zukunft. I NNOVATIONSRISIKEN BERÜCKSICHTIGEN Die grundsätzlich positive Haltung gegenüber Sozialer Innovation, die den Prozessauftrag von Anfang an prägte, sollte nicht über potentielle Risiken hinwegtäuschen, die eine Umsetzung innovativer Lösungen gefährden. Innovationen stellen bisherige Lösungen und Strukturen kritisch in Frage, wodurch diese ersetzt oder überflüssig werden können. Wenn Innovationen ausschließlich auf Kostenreduktionen und Einsparungspotentiale abzielen, kann sich die Situation betroffener Zielgruppen auch verschlechtern. Eine angemessene Berücksichtigung dieser Risiken gewährleistet eine positive Wirkung Sozialer Innovation 47 . Von den involvierten Stakeholdern in Wien wurde deshalb immer wieder die Orientierung an den Bedürfnissen der adressierten Zielgruppen betont. Praxiserfahrung in der alltäglichen Arbeit mit diesen Zielgruppen muss zugänglich gemacht werden, um positive Wirkung zu gewährleisten. Bedürfnis-, Wirkungs-& Zielgruppenorientierung Die Steuerung von Sozialer Innovation über Wirkungsziele, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, ist für die praktische Umsetzung von Projekten essentiell. Skepsis gegenüber neuen Ideen und innovativen Herangehensweisen erklärt sich häufig dadurch, dass die Wirkung Sozialer Innovation schwer operationalisierbar und messbar ist. Die Berücksichtigung der Interessen der Betroffenen sowie die Vernetzung verschiedener Stakeholder-Perspektiven sind deshalb entscheidend. Das Risiko von Interessenskonflikten zwischen den involvierten Stakeholdern erhöht sich durch mangelhafte oder fehlende Kommunikation 48 . Ein Stakeholder Management, das einerseits sektorübergreifende Kommunikation unterstützt und andererseits den Rahmen für vertrauensvolle Zusammenarbeit schafft, hat sich in der Prozessumsetzung bewährt. Kommunikationsunterstützung& vertrauensvolle Zusammenarbeit 47 Rameder et al. 2016: 9 48 Dhondt et al. 2018: 75ff. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 27/ 36 I NNOVATIONSKULTUR FÜR S OZIALE I NNOVATION Eine positive Innovationskultur ist die Basis für die optimale Nutzung von Innovationspotentialen. Impulse für Soziale Innovation kommen häufig von Personen mit langjähriger Erfahrung in einem Tätigkeitsfeld, die Systemmängel und Probleme erkennen und die Kompetenz haben, diese zu adressieren. Greifbar wird Innovationskultur durch Experimentierräume, die offen für diese Impulse sind und die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stellen, die innovative Ideen unterstützen. Die Scheu vor Risiken und Wandel hemmt Soziale Innovation 49 . Diesbezüglich wurde auch durch die eingeladenen ExpertInnen und Stakeholder in den Workshops festgestellt, dass in Wien die Risikobereitschaft und Kooperation zur Nutzung vorhandener Ressourcen zunehmen muss. Experimentierräume& Ressourcen für innovative Impulse& Kooperation Das Bewusstsein und der Wille für die zentralen sozialen Herausforderungen kollektive Lösungen zu entwickeln, scheint unter den involvierten Stakeholdern sektorübergreifend vorhanden zu sein. Angebotene Möglichkeiten für intersektorale Zusammenarbeit wurden von vielen AkteurInnen angenommen und ihr Engagement wurde von ihren ArbeitgeberInnen unterstützt. Teil einer positiven Innovationskultur ist deshalb auch Wertschätzung für sektorübergreifende Zusammenarbeit und eine gegenseitig wertschätzende Haltung in der gemeinsamen Entwicklung von Lösungen. Angebote& Wertschätzung für sektorübergreifende Co-Creation P OTENTIALE S OZIALER I NNOVATION NUTZEN Die Outputs der Workshops zeigen, welches Potential das Auflockern von routiniertem Professionsdenken entfalten kann 50 . Einzelne Teilnehmende hielten sich anfangs mit Beiträgen zu bestimmten Themen zurück, weil sie in ihrem Arbeitsbereich keine inhaltlichen Erfahrungen damit hatten. Mitunter sind es aber gerade Erfahrungen mit Abläufen oder Problemlösungsstrategien, die, unabhängig vom Inhalt, in einem anderen Sektor neu und innovativ sein können. In einer Multi-Stakeholder-Gruppe ist es die Kombination verschiedener individueller Arbeits- und Herangehensweisen, die die Entstehung innovativer Lösungen ermöglicht. Dieser Perspektivenaustausch, durch gemeinsame Partizipation in Co-Creation-Prozessen, ermöglicht Empowerment, Personalentwicklung und Bildung innerhalb einer Zielgruppe 51 . Da die Stakeholder als MultiplikatorInnen fungieren, kommen Lern- und Weiterbildungsprozesse vielen Zielgruppen in verschiedenen Bereichen zugute. Auflockern von isoliertem Professionsdenken, Empowerment& Weiterbildung durch Partizipation Eine sektorübergreifende Perspektive ermöglicht es, strukturelle Mängel im unterstützenden Umfeld für Soziale Innovation zu erkennen 50 . Beispielsweise fand ein Austausch über die notwendige systematische Unterstützung sozial innovativer Start-ups in den Workshops statt, in dem die 49 Dhondt et al. 2018: 75ff. 50 Rameder et al. 2016: 8f. 51 Howaldt et al. 2018b: 13 Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 28/ 36 Perspektiven der Social Entrepreneurs, der öffentlichen Verwaltung sowie etablierter Organisationen im Sozialbereich dargestellt und diskutiert wurden. Bei der Beurteilung neuer sozial innovativer Projektideen kann, wie z.B. im Verfahren des„World Summit Award“, durch ein ExpertInnen-Netzwerk eine Auswahl getroffen werden 52 . Möglichst unterschiedliche Perspektiven lassen Potentiale und Risiken erkennen und bieten Möglichkeiten für adäquate Förderung und Unterstützung. Ein Praxistests, wie er für das Best Practice MindLab 53 beschrieben wird, könnte in Wien Vorbild für sozial innovative Zusammenarbeit in der Projektentwicklung sein. strukturelle Mängel identifizieren, Einschätzung& Entwicklung von Projekten durch Multi-Stakeholder-Praxistests D. 2. Ausblick auf weitere Schritte Neben der Weiterentwicklung einer Plattform zur Entwicklung sozial innovativer Ideen, ist die Weiterführung von entstandenen Ideen entscheidend. Mit der Planung eines möglichst zeitnahen Folgetermins soll die Dynamik der entstandenen Multi-Stakeholder-Gruppe genutzt werden. Ziel einer Kooperations- und Umsetzungspartnerschaft ist die Bearbeitung und Implementierung eines ersten konkreten Themenkomplexes, für den in den Workshops Herausforderungen und Lösungsideen identifiziert wurden. In weiterer Folge wird auch für die anderen Themen auf Basis von Vernetzung bzw. Parallelisierung des Bearbeitungsprozesses die Vertiefung von Lösungen angestrebt. Der vorläufige Fokus auf einen der Themenbereiche(siehe Kapitel C. 3.) dient der gemeinsamen Weiterentwicklung der Arbeitsweise als Gruppe. Zusammen mit der Wiener Unternehmensberatung BECOLEX GmbH plant die Social City Wien auch zukünftig den erforderlichen Rahmen für eine solche Gruppe bereitzustellen. C HECK UP & F ORMIERUNG ZUR C O -C REATION AGAINST I SOLATION Für das Thema Soziale Isolation sah die Arbeitsgruppe Handlungsbedarf, um durch die Entwicklung sozial innovativer Lösungen den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für die Wiener Stadtgesellschaft gemeinsam begegnen zu können. Der EU-Vergleich 54 zeigt, dass 7,2% aller EuropäerInnen sozial isoliert sind: Sie treffen keine Angehörige oder Bekannte(nicht auch nur einmal im Jahr) und haben keine Möglichkeit, Hilfe zu erlangen, wenn diese benötigt wird. Österreich lag zum Vergleichszeitpunkt im Jahr 2006, als einer von wenigen Mitgliedsstaaten über dem EU-Durchschnitt bei über 8%. Die Gründe sind vielfältig und die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen gravierend. Der breite und diverse Themenbereich soziale Isolation und Einsamkeit benötigt eine breit aufgestellte Multi-Stakeholder-Gruppe, die zur Vorbeugung und Reduzierung sozialer Isolation aller Altersgruppen beiträgt. 52 https://www.worldsummitawards.org/contest/jury-process/[25.02.2019] 53 Bürkli, Forster 2017: 46 54 Lelkes 2015 Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 29/ 36 Durch Bündelung innovativer und kreativer Ressourcen sollen konkrete Umsetzungsmaßnahmen erarbeitet und gemeinsam mit privaten, institutionellen und öffentlichen Einrichtungen den Menschen in Wien zur Verfügung gestellt werden. Die Arbeitsgruppe soll dabei durch Community und Stakeholder Management, externe Umsetzungsbegleitung sowie weitere Veranstaltungen und Lernangebote weiter begleitet werden. Zusätzlich wird die Arbeitsgruppe durch weitere themenrelevanter Stakeholder erweitert. Durch Begleitrecherchen zum Themenfeld soziale Isolation und Einsamkeit entsteht ein erweiterter Blick der Community. Dies ermöglicht die nötige Rückkopplung zwischen vorhandenem Wissen im wissenschaftlichen sowie gesellschaftlichen Sektor und entstehenden Erkenntnissen der Arbeitsgruppe. Diese Art der Praxisforschung durch die Social Innovation Research Unit(SIRU) der Social City Wien trägt zur transparenten Dokumentation des Arbeitsprozesses bei und fördert den Austausch mit externen ExpertInnen und Interessierten aus Politik und Zivilgesellschaft. D. 3. Zukünftige Handlungsoptionen Abgesehen von weiteren Schritten in Richtung Ideenumsetzung gilt es zukünftig, nicht nur punktuell Soziale Innovation in einzelnen Projekten zu fördern, sondern ihr Entstehen durch die Bündelung und Vernetzung bereits bestehender und neu entstehender Initiativen systematisch(er) zu unterstützen. Dazu eröffnen die Prozesserfahrungen für die Zukunft drei zentrale Handlungsoptionen, die drei unterschiedliche Innovations-Dimensionen adressieren: Inkrementelle Innovation Optimierung und Weiterentwicklung bestehender Unterstützung sind vor allem beim Zugang zu Kooperation und Förderung systematisch möglich. Prozessinnovation Intersektorale Kooperation in Praxis Checks kann systematisch die zielgruppenorientierte Wirkung sozial innovativer Lösungen unterstützen. Organisationsinnovation Social Innovation Labs ermöglichen ein Unterstützungssystem für problemlösungsorientierte Interaktionen zwischen öffentlichem, privatem und non-profit Sektor. Z UGANG ZU K OOPERATIONSPARTNERSCHAFTEN UND F ÖRDERMODELLEN Mangelhafte und zu kurzfristige Finanzierungsmodelle stellen ein zentrales Hemmnis für Soziale Innovation dar 55 . Besonders kleinere Innovationsprojekte sind von den bürokratischen Anforderungen von(EU-)Fördermechanismen überfordert und benötigen Unterstützung. Diese Notwendigkeit zeigte sich besonders bei sozial innovativen Start-ups(siehe Kapitel C. 3.). Die Verwirklichung ihrer Unternehmensvisionen wird bereits von Best Practices durch Vernetzungsmöglichkeiten, Coaching und Mentoring unterstützt(siehe Kapitel B. 3. und B. 4.). Durch die Bereitstellung einer entsprechenden (bisher unzureichend ausgestalteten) Beratungsinfrastruktur könnte allerdings der Zugang zu Finanzierung für sozial innovative Initiativen erleichtert werden. 55 Dhondt et al. 2018: 75ff. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 30/ 36 Stakeholder in Wien, wie die Wirtschaftsagentur, der Impact Hub Vienna oder der Playpark Vienna (siehe weitere im Anhang G.), haben bereits Erfahrung mit unterschiedlichen Förder-möglichkeiten. Im Rahmen von Accelerator-Programmen und Awards(siehe Kapitel B. 3.) können betreute Initiativen und Start-ups Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten erhalten. Gerade Award-Systeme testen dabei die entstehenden Lösungen darauf, inwiefern sie soziale Needs adäquat adressieren. Für diese „Filterfunktion“ – ist der adressierte Need wirklich ein Need und ist er eine zu bearbeitende soziale Herausforderung? – sind sektorübergreifende Netzwerke entscheidend, die gemeinsam das nötige Know-How besitzen, um diese Frage zu beantworten. Der Social Value Gedanke(siehe Kapitel A. 1.) in den Statuten der Social City Wien zielt genau auf dieses Filtern ab: Wie werden von neu entstehenden Ideen, Lösungen und Initiativen gesellschaftliche Herausforderungen adäquat adressiert? Nur so ist eine optimale Unterstützung dieser Sozialen Innovationen möglich, die den bestmöglichen sozialen Impact für die betroffenen Menschen erzielt. Parallel stellt die Social City Wien in ihrer Filterfunktion auch immer die Frage: Wie kann diese entstehende Idee, Lösung oder Initiative der Stadt nutzen? – und zwar sowohl der Stadtgesellschaft als auch der Stadtverwaltung. Häufig ist es das pro-aktive und zielgerichtete Zugehen der Social City Wien auf Personen der Stadtverwaltung, das den Impact einer sozialen Innovation für die Stadtbevölkerung unterstützt. Für das Social Start-up„Rollstuhlschaukel“ 56 war die Verwaltungsstruktur zur notwendigen Unterstützung dieser innovativen Lösung anfangs zu komplex. Durch die Begleitung der Social City Wien und gezielter Vernetzung wird nun einerseits der Social Impact des Projekts verstärkt und andererseits in der Produktion (Mit-)Finanzierung durch die Stadt ermöglicht. Denn die nachhaltige Produktion der Rollstuhlschaukel wird derzeit bei Jugend am Werk entwickelt. Als Hub für verwaltungsinterne und-externe Stakeholder macht die Social City Wien in ihrer Netzwerkarbeit gezielt relevante AkteurInnen zu einem Thema ausfindig und geht pro-aktiv auf diese zu, um deren Kooperation und somit Soziale Innovation zu unterstützen. Das schafft Know-HowTransfer und Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten. Mit dem EPU-Fördermodell von Imfino 57 (siehe Kapitel A. 1.) sollen diese Kooperationen und Förderungen auch über Landesgrenzen hinweg gedacht werden. Gerade der Zugang zu EU-Fördermitteln(siehe Kapitel B. 1.) für sozial innovative Initiativen könnte für Wien noch verbessert werden. Durch Ressourcen für Vernetzungsarbeit sollten die Stadt Wien einen verwaltungsexternen Social Innovation Hub, wie die Social City Wien, fördern, um so systematisch ein besseres Umfeld für sozial innovative Projekte zu schaffen. Da es die Stärke der Netzwerkarbeit der Social City Wien ist, Soziale Innovation zwischen verwaltungsinternen und-externen Stakeholdern zu ermöglichen, unterstützt die Förderung dieser unabhängigen Agentur gleichzeitig Soziale Innovation in der Stadtverwaltung selbst. 56 https://www.rollstuhlschaukel.at/[17.04.2019] 57 http://www.imfino.org/en/services-tools/sme-services.html[17.04.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 31/ 36 M ULTI -S TAKEHOLDER P RAXIS C HECK Bei der Evaluation von Maßnahmen der öffentlichen Verwaltung zeigt das Best Practice Beispiel MindLab aus Kopenhagen 58 , wie„Praxis Checks“ die Wirkung staatlicher Maßnahmen auf bestimmte Zielgruppen messen und optimieren können. In den Workshops(siehe Kapitel C. 3.) wurden Projektund Lösungsideen schon vor der Umsetzungsphase kritisch aus verschiedenen Perspektiven diskutiert. Stakeholder aus unterschiedlichen Sektoren nutzten dabei ihre Praxiserfahrung und ihr Wissen über Zielgruppen, um die Praxistauglichkeit einer innovativen Idee zu verbessern. Das Verständnis für Problemstellungen kann so gemeinsam verbessert und vorhandenes Problemwissen sektorübergreifend ausgetauscht werden. Für InnovatorInnen könnte ein Praxis Check ihrer Idee durch eine Multi-Stakeholder-Gruppe die nötige Unterstützung darstellen, die hilft, ihr Projekt zu konkretisieren und Umsetzungspartnerschaften zu finden. Die involvierten Stakeholder würden durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit neuen Ideen innovative Impulse für ihren eigenen Arbeitsbereich erhalten. Sie würden ihr sektorspezifisches Wissen einbringen und von anderen Sektoren lernen. Der systematische Austausch im Zuge eines projektbezogenen Praxis Checks könnte inhaltliches Wissen sowie neue Bearbeitungsstrategien und somit Weiterbildungsmöglichkeiten für die involvierten Personen eröffnen. Verschiedene Abteilungen der Stadt Wien initiieren bereits sektorübergreifenden Austausch. Auch die Social City Wien greift über ihr Beirat-System 59 (siehe Kapitel A. 1.) innovative Ideen auf und trägt diese an interessierte Stakeholder heran. Bisher dient dies aber meist der Vernetzung relevanter AkteurInnen und nur selten einer fokussierten Bearbeitung einer Projektidee durch eine Multi-Stakeholder-Gruppe. Ein Multi-Stakeholder-Prozess des systematischen Praxis Checks für innovative Ideen wäre deshalb eine Option, um deren Entstehung und Umsetzung zur Lösung sozialer Herausforderungen zu unterstützen. Die Praxisforschung der Social Innovation Research Unit(SIRU) der Social City Wien(siehe Kapitel A. 1.) geht derzeit bereits einen Schritt in diese Richtung. Für eines der Themenfelder, für welche in der Workshop-Reihe Handlungsbedarf gesehen wurden(siehe Kapitel C. 3.), wurde im Frühjahr 2019 eine Fokusgruppendiskussion organisiert. Ziel dabei ist, durch den Austausch zwischen ExpertInnen aus der Arbeitsgruppe für Soziale Innovation, das Problemverständnis gemeinsam zu erfassen und zu schärfen, um zu einer soliden Ausgangslage für adäquate Lösungsentwicklung beizutragen. Entstehung und Umsetzung sozial innovativer Lösungen werden in diesem neuen Format der Social City Wien von Anfang an mit Hilfe der Erfahrung von verschiedenen Stakeholdern einem Praxis Check unterzogen. Von Seiten der Stadt Wien wären einerseits regelmäßige Forschungsgelder durch Studien- oder Projektaufträge für diese Art der Praxisforschung zur systematischen und transparenten Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien notwendig. Andererseits ist es wiederum nicht lediglich finanzielle Förderung durch verschiedene Verwaltungsabteilungen, die zu Praxis Checks für sozial innovative Lösungen beitragen kann. Ebenso sind im bestehenden Multi-Stakeholder-Netzwerk weitere ExpertInnen aus unterschiedlichen Teilen der Wiener Stadtverwaltung gefragt, die ihre Erfahrung in diesem Format einbringen. In weiterer Folge können auf diese Weise auch Praxis Checks für neue Maßnahmen der Stadtverwaltung angeboten werden. 58 Bürkli, Forster 2017: 46 59 http://www.socialcity.at/de/beirat.html[27.02.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 32/ 36 E IN S OCIAL I NNOVATION L AB FÜR W IEN Räume für neue Fragen zu öffnen, bringt innovative Antworten auf ungelöste Herausforderungen. Mehrere öffentliche Stellen in Dänemark fördern über Projektaufträge mit dem MindLab 60 (siehe Kapitel B. 2.) einen solchen Raum, der selbst kein Teil der öffentlichen Verwaltung ist. Denn die Arbeitsweise in Innovationslaboren soll gerade bewährte Strukturen aufbrechen, um neue Lösungen zu finden und zu ermöglichen. Räume für experimentelle Prozesse, die nach positiver Evaluation auf etablierte Strukturen übertragen werden, entstehen inzwischen an mehreren Orten im deutschsprachigen Raum, wie z.B. das verwaltungsexterne„Staatslabor für Innovation“ in der Schweiz 61 , die„KoSI-Labs“ für Soziale Innovation in Deutschland 62 oder das von der Landesregierung Vorarlberg initiierte„Büro für Zukunftsfragen“ 63 . Der von der MA 23 initiierte Prozess in Wien zeigte, wie eine Plattform außerhalb der Stadtverwaltung, gemeinsam mit Stakeholdern aus Verwaltungs-, Sozial-, Wirtschafts-, Bildungs- und Financing-Bereich sowie NGOs, einen Raum für innovative Kooperation schaffen kann. Lösungen für vielschichtige soziale Herausforderungen benötigen nach Einschätzung der involvierten Stakeholder sektorübergreifende Zusammenarbeit. Die Bearbeitung von Querschnittsmaterien muss sich quer über unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche erstrecken und kann nicht durch einen einzigen öffentlichen, privaten oder non-profit Stakeholder geschehen: Das ist zentrales Merkmal Sozialer Innovation 64 . Die Social City Wien versteht sich als Plattform für Stakeholder, die gesellschaftliche Innovation gemeinsam vorantreiben wollen. Charakteristisch für diese Arbeitsweise ist das pro-aktive Zusammenbringen von Menschen zu bestimmten sozial- und gesellschaftsrelevanten Themen – also ein durch Praxisnähe ermöglichtes Aufgreifen von aktuellen und zukunftsträchtigen Strömungen. Diese Vision vor Augen kann mittlerweile auf Erfahrungen mit initiierten Projekten in verschiedensten Tätigkeitsbereichen zurückgeblickt werden(siehe Kapitel A. 1.). Das entstandene Netzwerk für diese punktuelle Unterstützung von Sozialer Innovation konnte dabei im Zeitverlauf immer systematischer genutzt werden. Mit der Etablierung eines Social Innovation Labs beabsichtigt die Social City Wien, diese verschiedenen Experimentier- und Kooperationsverbindungen in Wien, zu seiner Bevölkerung, zur lokalen Wirtschaft, Bildungslandschaft sowie zu NGOs im Sozialbereich und zu Stadtverwaltungseinheiten zu„verorten“. Das Schaffen eines gemeinsamen Raumes zum Experimentieren, für Neues, für Soziale Innovation an der Schnittstelle zwischen öffentlichem, privatwirtschaftlichem und non-profit Sektor, erfordert noch stärker, bestehende Kontakte zu nutzen, um als Agentur für diese Kontakte neue Kontakte zu knüpfen und Kooperationen zu ermöglichen. Die Social City Wien ist bereits für zahlreiche AkteurInnen aus unterschiedlichen Sektoren Ansprechstelle für Soziale Innovation und will dieses unterstützende System ausbauen. Ebenso wie diese Begleitung und Vernetzung ausgebaut werden soll, gilt es, das eigene Initiieren von weiteren sozial innovativen Projekten zu verstärken, um selbst als Stakeholder zukunftsrelevante Thematiken zu bearbeiten. 60 https://www.centreforpublicimpact.org/welcome-to-mindlab/[13.02.2019] 61 https://www.staatslabor.ch/de/das-staatslabor/ansatz[27.02.2019] 62 http://www.kosi-lab.net/[27.02.2019] 63 https://vorarlberg.at/web/land-vorarlberg/contentdetailseite//asset_publisher/qA6AJ38txu0k/content/aufgaben-und-leistungen?article_id=130395[27.02.2019] 64 Howaldt et al. 2018b: 13 Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 33/ 36 Ganz im Sinne der Förderung von sozialer Interaktion stand für die Social City Wien, neben persönlichen Kooperationskontakten, immer auch der Zugang zu Betroffenen und die Perspektive dieser Menschen im Zentrum. Zur Verbesserung dieser Zielgruppenpartizipation wird einerseits die Vernetzung in die Praxis des Sozialbereichs vorangetrieben und andererseits die Förderung des Wohlbefindens adressierter Menschen in eigenen Projekten verstärkt(siehe Projekt„Stadtmenschen“ Kapitel A. 1.). Systematische Evaluation, Praxisforschung und Praxis Checks sind dazu Instrumente, deren Ausbau im Rahmen eines Social Innovation Labs geplant ist. Das Schaffen von Wissen und der Austausch von Know-How soll mit der Organisation von Events, wie dies die Social City bereits praktiziert, im Social Innovation Lab ergänzt werden. Ein Social Innovation Lab, als Teil einer unabhängigen und gemeinnützigen Plattform, könnte diese Beiträge für die Bevölkerung Wiens leisten. Ein experimenteller Raum für Soziale Innovation verankert diese als zentralen Bestandteil einer innovativen Smart City und ermöglicht ihre systematische Unterstützung zum Wohl der in Wien lebenden Menschen. Der Weg der Social City Wien zum Ziel, ein zukunftsorientiertes Social Innovation Lab für Wien zu bieten, ist entscheidend von weiteren Bausteinen abhängig, die unter anderem Teile der Wiener Stadtverwaltung, wie die MA 23, beitragen können. F AZIT : ERFORDERLICHE WEITERE B AUSTEINE Die dargestellten bzw. geplanten Tätigkeitsbereiche der Social City Wien werden derzeit im Rahmen der verfügbaren Zeitressourcen durch bestehende MitarbeiterInnen oder durch projektfinanziertes Personal getragen. Um diese Aktivitäten zur systematischen Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien optimieren zu können, sind derzeit vor allem weitere Personalressourcen für zwei Vollzeitstellen nötig. Folgende Bausteine von Seiten der Stadt Wien könnten deshalb in Zukunft zur Optimierung beitragen: Förderung eines Social Innovation Labs durch Kooperation mit der MA 23 Co-Finanzierung durch Abteilungen der Stadtverwaltung würde die dargestellten Möglichkeiten der Social City Wien, ein Social Innovation Lab für Wien zur Unterstützung von Sozialer Innovation zu etablieren, absichern und verbessern. Forschungsgelder durch Studien- oder Projektaufträge Praxisforschung und Praxis Checks zur(Weiter-) Entwicklung sozial innovativer Lösungen würden durch öffentliche Aufträge gezielt zu Wien-relevanten Themen ermöglicht. Stärken von Kontakten zur Stadtverwaltung Weitere Kontakte zur Stadtverwaltung stärken die Netzwerkarbeit der Social City Wien und eröffnen neue Kooperationspartnerschaften für Soziale Innovation zwischen verwaltungsinternen und-externen Stakeholdern. Nicht nur die Funktion als sektorübergreifende Ansprechstelle für Soziale Innovation, sondern auch die Vernetzung von Verwaltungsabteilungen(mit anderen Stakeholdern) zu zukunftsrelevanten Themen könnte dadurch verstärkt werden. Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 34/ 36 E. Literaturverzeichnis Bürkli Danny, Forster Nicola(2017): Die Welt der sozialen Innovation: Inspiration aus dem Ausland. In: Blattmann Lynn(Hg.): PERSPEKT/IVEN SOZ/ALER /NNOVAT/ON. Arcas Foundation. 43-51. https://www.staatslabor.ch/sites/default/files/2017-03/die_welt_der_sozialen_innovation_0.pdf [13.02.2019] Christanell Anja, Moder Clara, Millner Reinhard(2017): Cross-Sector Partnerships. Kooperationen integrativ und transformativ gestalten. SEC Working Paper#1. Social Entrepreneurship Center. NPO& SE Kompetenzzentrum. Wien: Wirtschaftsuniversität Wien. Dhondt Steven, Oeij Peter, Schröder Antonius(2018): Resources, constraints and capabilities. 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Wien: Wirtschaftsuniversität Wien. https://epub.wu.ac.at/5328/1/Rameder_et_al_2016_Soziale_Innovationen.pdf[25.02.2019] The Young Foundation(2012) Social Innovation Overview: A deliverable of the project: The theoretical, empirical and policy foundations for building social innovation in Europe(TEPSIE), European Commission –7thFramework Programme, Brussels: European Commission, DG Research. https://youngfoundation.org/wpcontent/uploads/2012/12/TEPSIE.D1.1.Report.DefiningSocialInnovation.Part-1-defining-socialinnovation.pdf[25.02.2019] Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 35/ 36 F. Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Abbildung 2: Abbildung 3: Abbildung 4: Abbildung 5: Abbildung 6: Abbildung 7: Abbildung 8: Abbildung 9: Abbildung 10: Potenziale Sozialer Innovation..........................................................................................................6 6-Phasenmodell Sozialer Innovation.................................................................................................6 Involvierte Sektoren bei 928 untersuchten Initiativen(Mehrfachantworten)...............................9 Wichtigste Themen der untersuchten Initiativen(Mehrfachantworten).....................................10 Anmeldungen und TeilnehmerInnen der Workshops....................................................................19 Frage: Begriff„Soziale Innovation“.................................................................................................20 Frage: beschäftigt mit Sozialer Innovation.....................................................................................20 Anzahl Projektideen nach Themengebiet.......................................................................................25 Projektplakate im Gallery Walk.......................................................................................................25 Widerstandspunkte für die einzelnen Projektideen......................................................................26 G. Anhang: Liste involvierter Institutionen Austrian Institute of Technology(AIT) arbeit plus BECOLEX business, culture& excellence Consulting GmbH BFI Wien Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz Caritas Wien Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen Impact Hub Vienna InSurf e.U. Jugend am Werk Julius Raab Stiftung Magistratsabteilung 11- Wiener Kinder- und Jugendhilfe Magistratsabteilung 23- Wirtschaft, Arbeit und Statistik Magistratsabteilung 57- Frauenservice Wien Microsoccer OG MTOP Potential:Integration GmbH Playpark Vienna Rollstuhlschaukel Schuldnerberatung Wien gemeinnützige GmbH Social Banking Erste Bank storify.media The Rocking Community Volkshilfe Wien Wirtschaftsagentur Wien World Summit Award Systematische Unterstützung von Sozialer Innovation in Wien Social City Wien 36/ 36