W E R K S T A T T B E R I C H T 164 Funktions- und Sozialraumanalyse REUMANNPLATZ REUMANNPLATZ Funktions- und Sozialraumanalyse Text und soziologische Analyse: Büro Sonja Gruber www.sonjagruber.at Kartografien und freiraumplanerische Analyse: Büro Martina Jauschneg www.jauschneg.at Im Auftrag der MA 19 – Architektur und Stadtgestaltung: www.stadtentwicklung.wien.at Impressum Eigentümer und Herausgeber Stadtentwicklung Wien Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung Dezernat Gestaltung Öffentlicher Raum www.stadtentwicklung.wien.at Inhalt& Gestaltung Büro Sonja Gruber(www.sonjagruber.at), Büro Martina Jauschneg(www.jauschneg.at) Konzeption und Projektleitung Sonja Gruber Autor_innen Sonja Gruber, Martina Jauschneg Mitarbeit Denise Goff und Sabine Luger – grafische Darstellung der Karten Projektbetreuung Clarissa Knehs, MA 19 Fotos Max Strohmeier, Sonja Gruber S. 3 Vorwort Maria Vassilakou:© Lukas Beck Technische Koordination Willibald Böck, MA 18 Lektorat Ernst Böck Grafik Cover Atelier Unterkircher Jankoschek Druck MA 21 – Druckerei © Stadtentwicklung Wien, 2016 Werkstattbericht Nr.: 164 ISBN 978-3-903003-27-9 2 Vorwort Wien ist eine der lebenswertesten Städte der Welt. Auch weil sich die Stadt zum Ziel gesetzt hat, diese gemeinsam mit ihren BürgerInnen weiter zu entwickeln. Die Umgestaltung von Plätzen und Straßenräumen greift in bestehende Strukturen ein und verändert das Umfeld der Nutzerinnen und Nutzer. Diese Veränderung kann sehr positiv sein, etwa wenn Menschen, di e vorher keinen„Platz“ auf dem Platz oder im Park hatten, nun eingeladen werden, diesen zu nutzen. Es kann aber auch dazu führen, dass sich manche Menschen durch eine neue Gestaltung ausgeladen und nicht mehr willkommen fühlen. Sozialraumanalysen helfen uns, auch jene Bevölkerungsgruppen im Planungsprozess zu berücksichtigen und zu bedenken, die ihre Interessen nicht selbst artikulieren wollen oder können. Der Reumannplatz ist aufgrund der nach der U1-Verlängerung geänderten öffentlichen Verkehrsverbindungen einem Wandel unterworfen. Um eine Grundlage für die darauffolgende Gestaltung zu schaffen, wurde eine Sozialraumanalyse erstellt. Damit werden wichtige Voraussetzungen geschaffen, um die unterschiedlichen Ansprüche an diesen öffentlichen Raum zu erfassen. Fragen wie: Wer sind die Nutzerinnen und Nutzer des Reumannplatzes? In welcher Form treffen die sozialen Gruppen aufeinander? Welche Konflikte gibt es? Welche Potenziale besitzt der Platz? Welche Gruppen finden sich nicht auf dem Platz und warum fehlen diese? sollen beantwortet und so eine Umgestaltung im Sinne der Bevölkerung gewährleistet werden. Mag. a Maria Vassilakou Vizebürgermeisterin, Stadträtin für Stadtentwicklung, Verkehr, Klimaschutz, Energieplanung und BürgerInnenbeteiligung 3 4 Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung......................................................................................................................................... 7 2. Methoden und Erhebung................................................................................................................ 9 3. Beschreibung des Untersuchungsgebiets..................................................................................... 12 4. Ergebnisse der Funktions- und Sozialraumanalyse....................................................................... 24 4.1„Der Reumannplatz ist für mich …“ – zur Bedeutung des Reumannplatzes............................... 24 4.1.1 Der Reumannplatz als sehr belebter Treffpunkt eines heterogenen Publikums................. 24 4.1.2 Der Reumannplatz als Verkehrsknotenpunkt und Transitraum........................................... 25 4.1.3 Der schlechte Ruf des Reumannplatzes............................................................................... 27 4.1.4 Das Miteinander bzw. entspannte Nebeneinander am Reumannplatz............................... 27 4.2 Die verschiedenen Bereiche des Reumannplatzes...................................................................... 28 4.2.1 Das„Zentrum“ des Reumannplatzes................................................................................... 32 4.2.2 Der„Park“ am Reumannplatz.............................................................................................. 35 4.2.3 Der Vorplatz des Amalienbades........................................................................................... 38 4.2.4 Die Favoritenstraße.............................................................................................................. 40 4.2.5 Der„Platz“ am Reumannplatz.............................................................................................. 42 4.2.6 Die Geleise der Straßenbahnlinie 67.................................................................................... 43 4.2.7 Der Reumannplatz in seiner„Gesamtheit“.......................................................................... 45 4.3 Jugendliche am Reumannplatz.................................................................................................... 55 4.4 Ältere Menschen am Reumannplatz........................................................................................... 59 4.5 Der Reumannplatz aus Sicht der Geschäftstreibenden............................................................... 62 5. Qualitäten und Entwicklungspotenziale des Reumannplatzes aus Sicht der Nutzer_innen......... 66 5.1 Qualitäten des Reumannplatzes................................................................................................. 66 5.2 Defizite des Reumannplatzes...................................................................................................... 67 5.3 Anregungen zur Neugestaltung des Reumannplatzes................................................................ 68 5.4 Befürchtungen für die Neugestaltung des Reumannplatzes...................................................... 70 5.5 Zusammenfassung der Qualitäten und Entwicklungspotenziale................................................ 72 5 6. Empfehlungen............................................................................................................................... 73 6.1 Generelle Empfehlungen............................................................................................................. 73 6.2 Baulich-räumliche Empfehlungen............................................................................................... 74 6.3 Empfehlungen zu Ausstattung und Materialwahl....................................................................... 76 6.4 Weitere Empfehlungen............................................................................................................... 79 7. Literaturliste.................................................................................................................................. 80 8. Anhang.......................................................................................................................................... 82 9. Abbildungsverzeichnis................................................................................................................... 85 6 1. E INLEITUNG Der Favoritner Reumannplatz am südlichen Ende der Fußgänger_innenzone Favoritenstraße im 10. Wiener Gemeindebezirk ist zur Zeit(2015) noch Endstelle der U-Bahn-Linie U1 und zählt zu den frequentiertesten Verkehrsknotenpunkten des öffentlichen Nahverkehrs in Wien. Seit seiner Entstehung Ende des 19. Jahrhunderts hat der zentral gelegene Platz eine bezirksweite und darüber hinausgehende Bedeutung als wichtiger innerstädtischer Grün- und Freiraum für Erholung und Freizeit im dicht bebauten Stadtgebiet. Angesichts des hohen Nutzungsdrucks auf die Freiräume im Grätzel, des weiteren Zuzugs von Bewohner_innen in den Bezirk und des Klimawandels (Hitzeinseleffekt) wird der Reumannplatz auch weiterhin eine wesentliche Rolle im Gefüge der Stadt spielen. Derzeit wird an der Verlegung der Endstelle der Linie U1 nach Oberlaa gearbeitet. Nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 2017 soll der Platz, der ab diesem Zeitpunkt weniger frequentiert werden wird, neu gestaltet werden. Vor diesem Hintergrund hat die Magistratsabteilung 19 – Architektur und Stadtgestaltung das Büro Sonja Gruber(www.sonjagruber.at, Soziologin und Sozialanthropologin mit Schwerpunkt Raumsoziologie) mit dem Büro Martina Jauschneg(www.jauschneg.at, Landschaftsplanerin) mit einer Funktions- und Sozialraumanalyse(FSA) zum Reumannplatz beauftragt. Ziel der FSA war es, aufbauend auf den Erkenntnissen einer im Jahr 2010 von der Gebietsbetreuung Stadterneuerung Favoriten durchgeführten Nutzungsanalyse zum Reumannplatz verstärkt die Sichtweisen der (potenziellen) Nutzer_innen(Stammpublikum, Passant_innen etc.) und Anrainer_innen des Platzes einzuholen sowie den unterschiedlichen Interessen an seiner Gestaltung nachzugehen und dabei Alltagspraxen, Bewegungslinien und Sozialräume der verschiedenen sozialen Gruppen in den Fokus zu nehmen. Leitfragen hierfür waren u. a.: Welche Bedeutung besitzt der Reumannplatz für die verschiedenen Gruppen? Als welche Art von Raum wird er wahrgenommen? Wer sind die Nutzer_innen des Reumannplatzes, und wer ist hier(warum) nicht anzutreffen? Wie gestaltet sich das soziale Miteinander am Reumannplatz? Welche Qualitäten besitzt der Reumannplatz in den Augen der Nutzer_innen, und wo wird Veränderungsbedarf gesehen? Welche(potenziellen) Nutzungskonflikte lassen sich erkennen? Wie gestaltet sich der Austausch zwischen den einzelnen Bereichen und auch mit der Umgebung? Vorliegender Bericht fasst die zentralen Erkenntnisse der Funktions- und Sozialraumanalyse zum Reumannplatz zusammen. Im Anschluss an die Einleitung wird im Kapitel 2 zu Beginn ein Überblick über die methodische Herangehensweise und den Umfang der Erhebungstätigkeit gegeben. Danach folgt im Kapitel 3 eine Beschreibung des Untersuchungsgebietes anhand einer Sekundäranalyse verfügbarer statistischer Daten sowie empirischer Forschungsarbeiten zum Reumannplatz. Als Untersuchungsgebiet wurde – in Anlehnung an die Empfehlungen des Fachkonzepts Grün- und Freiraum der Magistratsabteilung 18 aus dem Jahr 2015 – ein Einzugsbereich von 500 m rund um den Reumannplatz, der ob seiner Größe als„Wohngebietspark“ einzustufen ist, angenommen. Im Kapitel 4 werden die zentralen Ergebnisse der Funktions- und Sozialraumanalyse dargestellt. Diese gehen zu Beginn auf die Bedeutung des Reumannplatzes für die Nutzer_innen und Anrainer_innen, die auf die Wichtigkeit und identitätsstiftende Funktion des Platzes für die Bewohner_innen Favoritens verweist, sowie auf das Miteinander der Menschen am Reumannplatz ein. Danach werden die verschiedenen Bereiche des Reumannplatzes, die sehr unterschiedliche Funktionen besitzen und auch von unterschiedlichem Publikum aufgesucht werden, näher beleuchtet. Da Jugendliche und 7 insbesondere Mädchen wie auch ältere Menschen auf Anregung der auftraggebenden Stelle im Rahmen der Funktions- und Sozialraumanalyse verstärkt in den Fokus genommen werden sollten, folgt eine Darstellung des Reumannplatzes aus Sicht der jungen Menschen wie auch der Senior_innen. Ein Blick der Geschäftstreibenden auf den Reumannplatz rundet das Kapitel ab. Das Kapitel 5 greift dann nochmals die Qualitäten und Enwicklungspotenziale des Reumannplatzes aus Sicht der Nutzer_innen auf und beleuchtet einerseits die Stärken und Schwächen des Platzes und geht andererseits auf die Anregungen seitens der befragten Personen zur Neugestaltung des Reumannplatzes wie auch auf damit zusammenhängende Befürchtungen und Bedenken ein. Auf Basis der Erkenntnisse aus den Erhebungen wurden Empfehlungen für die zukünftige Gestaltung des Platzes abgeleitet, die eine Abschätzung der Anforderungen verschiedener sozialer Gruppen an die Umgestaltung beinhalten. Diese sollen die Stadtplanung im weiteren Planungsprozess zum Reumannplatz unterstützen und werden im abschließenden Kapitel 6 dargestellt. 8 2. M ETHODEN UND E RHEBUNG Eine erste Annäherung an das Untersuchungsgebiet fand durch die Sekundäranalyse soziodemografischer Daten und das Sichten bereits bestehender Forschungsarbeiten zum Reumannplatz sowie im Rahmen von strukturierten Stadtteilbegehunge n am Platz selbst und in seiner näheren und weiteren Umgebung statt. Weiters wurden in einer Umfeldanalyse zentrale Akteur_innen am und um den Reumannplatz – Vereine, Einrichtungen und Initiativen, aber auch Einzelpersonen mit hoher Lokalkenntnis – erhoben, die in weiterer Folge nach einer Auswahl als Gesprächspartner_innen für Interviews oder begleitete Stadtteilbegehungen angefragt wurden. Parallel dazu wurden planerische Aufnahmen vor Ort zur Erschließungsstruktur, zu den Teilräumen und zur Ausstattung und Beleuchtung des Platzes wie auch zu den angrenzenden Erdgeschoßzonen durchgeführt. Auch wurden als Ausgangsbasis für das Erhebungsteam Recherchen zu den geplanten räumlichen Umbauten am Reumannplatz im Zuge der Verlängerung der U1 durchgeführt. Da die Nutzungsanalyse der Gebietsbetreuung*10 zusätzlich zu Expert_inneninterviews und einigen teilnehmenden Beobachtungen(in der kälteren Jahreszeit) vor allem eine quantitative Fragebogenerhebung umfasste(vgl. Gebietsbetreuung Stadterneuerung Favoriten 2010), wurde im Rahmen vorliegender Funktions- und Sozialraumanalyse ein Schwerpunkt auf die direkte Kommunikation mit Nutzer_innen/Anrainer_innen und ihre Sicht- und Erlebensweisen gelegt. Dementsprechend umfassten die Erhebungen qualitative Interviews mit lokalen Expert_innen, Kurzinterviews mit Nutzer_innen und Anrainer_innen und eine Gruppendiskussion. Die Kurzinterviews wurden zum Teil auf Deutsch, zum Teil – da die Sprachkenntnisse im Team vorhanden sind – auf Rumänisch und Türkisch durchgeführt. Da ältere Menschen und Kinder bzw. Jugendliche in der Erhebung der Gebietsbetreuung nach eigenen Angaben aufgrund der Jahreszeit geringer repräsentiert waren, wurde in der Funktions- und Sozialraumanalyse – in Absprache mit der auftraggebenden Stelle – ein Fokus auf diese beiden Gruppen und in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen insbesondere auf Mädchen gelegt. So wurden im Rahmen des ReuMÄDCHENfestes am 16. Juni 2015 verstärkt Kinder und Jugendliche und insbesondere Mädchen zu ihrer Sicht des Reumannplatzes befragt und vermehrt Gespräche mit älteren Menschen im Rahmen der Kurzinterviews vor Ort, aber auch bei einer Gruppendiskussion mit Senior_innen am 8. Oktober 2015 im Senior_innentreff in der nahegelegenen Troststraße geführt. Weiters wurden teilnehmende Beobachtungen, die die unterschiedlichen Bereiche des Reumannplatzes fokussierten und unterschiedliche Tageszeiten und Wochentage, verschiedene jahreszeitliche Gegebenheiten wie auch Ferien- und Urlaubszeiten miteinbezogen 1 , sowie begleitete Stadtteilbegehungen eingesetzt. Zur besseren Verortung von Qualitäten und Defiziten des Reumannplatzes wurde die Nadelmethode, bei der Nutzer_innen auf einer Karte des Platzes Orte, die sie besonders mögen, und solche, die sie weniger mögen, markieren können, mehrfach und auch mit den oben genannten Zielgruppen Mädchen und ältere Menschen durchgeführt. Um mehr über 1 Eine Besonderheit war, dass der muslimische Fastenmonat Ramadan(18. 6. bis 17./19. 7. 2015) in den Zeitraum der Erhebungen fiel. Das Fastenbrechen fand täglich aufgrund der Tatsache, dass es im Sommer erst zu später Stunde dunkel wird, um ca. 21.00 Uhr statt – was wahrscheinlich auch Auswirkung auf die Nutzung der Freiräume in den Abendstunden hatte, da Nutzer_innen für die Vorbereitung des Fastenbrechens früher als sonst üblich nach Hause gingen. Nichtsdestotrotz war der Reumannplatz im Rahmen der Beobachtungen auch in den Abendstunden sehr gefüllt. 9 die Bedeutung des Reumannplatzes für die Nutzer_innen zu erfahren und auch die Wünsche hinsichtlich der(zukünftigen) Gestaltung zu erfassen, wurden weiters Kärtchen zum Ausfüllen mit den Vervollständigungssätzen„Der Reumannplatz ist für mich …“ und„Der Reumannplatz braucht …“ eingesetzt. Die Erhebungen vor Ort fanden im Zeitraum von Mai bis Oktober 2015 statt und umfassten konkret: ÜBERBLICK ÜBER DIE ERHEBUNGSAKTIVITÄTEN Umfang Wer, wann etc. Strukturierte 4 Stationen: Antonspark, Café Walther, Bürgergasse/Waldgasse, Humboldtplatz, Stadtteilbegehungen Kepplerplatz, Zürcher Hof, Viktor-Adler-Markt, Wielandpark, Arthaberplatz, Favoritenstraße etc. Planerische Aufnahmen 4 4. – 9. 6.: Erschließungsstruktur, Teilräume, Erdgeschoßzone, Ausstattung vor Ort 24. 6.: Sitz-Zeitreihen; 27. 6.: Beleuchtung; 23. – 25.11.: Kartierung Übergang Reumannplatz-Favoritenstraße Teilnehmende 20 Je 10 Beobachtungen à ½ Stunde im Ostteil wie auch im Westteil des Beobachtungen Reumannplatzes zu unterschiedlichen Tageszeiten und an verschiedenen Wochentagen: 2., 3., 24. und 30. 6. 2015; 4. und 10. 7. 2015; 8., 11., 16. und 22. 9. 2015. Begleitete 4 mit Mitarbeiter_innen des Stadtgartenamtes – MA 42, mit einer Polizeibeamtin des Stadtteilbegehungen Polizeikommissariats Van-der-Nüll-Gasse, mit zwei Anrainer_innen des Reumannplatzes, Begleitung einer Rätselrallye der Parkbetreuung Wiener Kinderfreunde(mit 4 Mädchen und 2 Buben) durch den 10. Bezirk mit Endstation am Reumannplatz Qualitative Interviews 21 Gebietsbetreuung*10; Mobile Jugendarbeit Back on Stage; Fair-Play-Team 10; drei mit lokalen Schuldirektor_innen von Schulen, die sich in unmittelbarer Nähe zum Reumannplatz Expert_innen befinden(VS, NMS, HLW); TU-Professorin, die mit Studierenden immer wieder zum Reumannplatz arbeitet; Lokale-Agenda- Gruppe„Mädchen für Favoriten für Mädchen“; Vertreter_innen des Bezirks; Polizeikommissariat Van-der-Nüll-Gasse; Vertreter_innen der MA 42 – Stadtgartenamt; Öffentlichkeitsarbeit Amalienbad; Parkbetreuung Kinderfreunde; Geschäftsleute am Reumannplatz. Eissalon Tichy, Coiffeur Strassl, Apotheke am Reumannplatz, Optiker Jäkel, Romantauschbörse, Orthopädiebedarf Normalia. Interviews mit 4 Anrainer_innen des Reumannplatzes, die den Reumannplatz selbst aus unterschiedlichen Gründen nicht nutzen und zum Teil sehr hohe Lokalkenntnis besitzen. Kurzinterviews mit 18 Im Rahmen der Erhebungen wurden 18 Kurzinterviews mit insgesamt 39 Personen Nutzer_innen unterschiedlichen Alters und darüber hinaus weitere Gespräche mit Nutzer_innen des Reumannplatzes im Rahmen des ReuMÄDCHENfestes am 16. 6. 2015 geführt. Nutzer_innen: 4 Mitarbeiter_innen der Wiener Linien, die den Expeditraum am Reumannplatz als Pausenraum nutzen; 3 Ströck-Verkäuferinnen beim U-BahnAufgang; Kurzinterviews mit 13 älteren Menschen(Erstsprachen: Serbisch, Arabisch, Rumänisch, Türkisch, Deutsch); Kurzinterviews mit 10 jugendlichen Mädchen und Burschen am Reumannplatz; Kurzinterviews mit weiteren 9 erwachsenen Besucher_innen des Reumannplatzes im Alter zwischen 20 und 45 Jahren. Gruppendiskussionen 1 8. 10. 2015: Gruppendiskussion mit 29 Pensionist_innen im Senior_innentreff Troststraße Teilnahme an lokalen 4 Regionalteam Favoriten am 10. 6. 2015, ReuMÄDCHENfest am 16. 6. 2015 am Aktivitäten/Plattformen Reumannplatz, Treffen der Agenda- Gruppe„Favoriten für Mädchen für Favoriten“ am 27. 5. 2015, Eröffnung d er Ausstellung„Mädchen planen den Reumannplatz“ am 18. 6. 2015 in der VHS Favoriten am Arthaberplatz Nadelmethode 3 16. 6. 2015: ReuMÄDCHENfest; 22. 9. 2015: Nutzer_innenbefragung am Reumannplatz; 8. 10. 2015: Senior_innentreff in der Troststraße Gespräche zu 2 Gespräche mit dem U-Bahn-Planer der Wiener Linien sowie mit einem Vertreter der räumlichen Umbauten Magistratsabteilung 18 zum Verkehrskonzept Reumannplatz Abb. 1: Überblick über die Erhebungsaktivitäten Die Analyse der Daten erfolgte interdisziplinär und in Triangulation quantitativer, qualitativer und planerischer Daten. Der Ablauf der Erhebung kann wie folgt zusammengefasst werden: 10 Annäherung an das Untersuchungsgebiet  Sekundäranalyse soziodemografischer Daten  Sichtung bereits bestehender Forschungsarbeiten  Strukturierte Stadtteilbegehungen  Umfeldanalyse zu zentralen Akteur_innen  Planerische Aufnahmen  Recherche zu geplanten räumlichen Umbauten im Zuge der Verlängerung der U1 Erster Analyseschritt: Welche Erkenntnisse ergeben sich für die weitere Vorgehensweise?  Teilnehmende Beobachtungen und begleitete Stadtteilbegehungen  Qualitative Interviews mit(lokalen) Expert_innen  Kurzinterviews mit Nutzer_innen und Anrainer_innen Zweiter Analyseschritt: Erkenntnisse hinsichtlich der spezifischen Nutzer_innengruppen? Zielgruppenspezifische Erhebungen  Nadelmethode und Kärtchen zum Ausfüllen  Gespräche mit Mädchen im Rahmen des ReuMÄDCHENfestes  Gruppendiskussion mit Senior_innen  Teilweise parallel zur Vertiefung laufend Zusammenfassende Analyse Aus der Analyse abgeleitete Empfehlungen Abb. 2: Ablauf der Erhebung 11 3. B ESCHREIBUNG DES U NTERSUCHUNGSGEBIETS Für die Funktions- und Sozialraumanalyse Reumannplatz wurde eine Sekundäranalyse verfügbarer statistischer Daten sowie bereits erfolgter empirischer Forschungsarbeiten zum Untersuchungsgebiet vorgenommen. An Berichten zum Reumannplatz zu nennen sind vor allem die von der Gebietsbetreuung*10 im Jahr 2010 durchgeführte Nutzungsanalyse Reumannplatz (Gebietsbetreuung Stadterneuerung Favoriten 2010) sowie die Studie„Soziale Veränderungsprozesse im Stadtraum: Wiener Sozialraumanalyse mit Vertiefung in acht ausge wählten Stadtvierteln“(Rode/Giffinger/Reinprecht 2010), die u. a. das Gebiet um den Reumannplatz genauer betrachtet. In den genannten Quellen wird Favoriten, der mit 186.450 Einwohner_innen(vgl. MA 23, 2014, S. 294) der bevölkerungsreichste der 23 Wien er Gemeindebezirke ist, als Bezirk beschrieben, der„(…) eine lange Tradition in der Aufnahme von Zuwanderungsgruppen(…)“(Rode/Giffinger/Reinprecht 2010, S. 11) besitzt. Bereits zu Zeiten der Habsburgermonarchie haben sich Menschen aus unterschiedlichsten Teilen der Monarchie auf der Suche nach Arbeit im 10. Bezirk angesiedelt, in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts folgten Personen aus den klassischen Herkunftsländern der Arbeitsmigration, der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien. Auch heute liegt der Anteil der Personen mit nicht-österreichischer Staatsbürger_innenschaft(im Jahr 2010 lag der Wiener Durchschnitt bei 20,7%, derjenige in Favoriten bei 23,3%) bzw. der Anteil der Bewohner_innen mit Migrationshintergrund 2 (dieser lag 2008 bei 35,8% im Vergleich zu 32,3% in Wien) höher als der Wiener Durchschnitt. Im Statistischen Jahrbuch 2014 der Stadt Wien wird weiters für Wien ein„ Ausländer_innenanteil“ von 24,2%, für Favoriten ein Anteil an 29,5% angegeben(vgl. MA 23, 2014). Insbesondere im gründerzeitlich geprägten, dicht bebauten Stadtgebiet rund um den Reumannplatz und die Favoritenstraße lässt sich innerhalb von Favoriten eine Konzentration von Bewohner_innen mit Migrationshintergrund aus den traditionellen Gastarbeiter_innenländern feststellen. Weiters lässt sich in diesem Gebiet in den letzten Jahren auch eine verstärkte Zuwanderung von Menschen aus osteuropäischen Ländern wie z. B. Rumänien beobachten.„Dies spiegelt sich auch in der zunehmenden Heterogenität der Zuwanderungsgruppen bei gleichzeitiger Abnahme der Konzentration von StaatsbürgerInnen aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien.“ (Rode/Giffinger/Reinprecht 2010, S. 85) Durch die hohe Heterogenität wie auch u. a. durch die Tatsache, dass sich vielfältige ethnische Ökonomien etabliert haben, wird es„neuen“ Migrant_innen erleichtert, sich hier anzusiedeln, Fuß zu fassen, eigene Geschäfte und Lokale aufzubauen etc. Das Gebiet rund um den Reumannplatz und die Favoritenstraße stellt – so Rode/Giffinger/Reinprecht – ein„Gate“ dar, das Zugang ermöglicht, der Sozialraum fungiert als„Integrationsmaschine“(vgl. Rode/Giffinger/Reinprecht, S. 85). In der Betrachtung statistischer Daten zum Gebiet rund um den Reumannplatz findet sich – wie noch zu sehen sein wird – die hohe Bebauungs- und Einwohner_innendichte wie auch die große Heterogenität der Bevölkerung hinsichtlich ihres ethnischen Hintergrundes wieder. Als konkretes Untersuchungsgebiet für die statistische Sekundäranalyse(Untersuchungsgebiet A) wurde – in Anlehnung an die Empfehlungen bzw. Richtlinien des Fachkonzepts Grün- und Freiraum 2 Unter Personen mit Migrationshintergrund werden Menschen,„(…) deren beide Elternteile im Auslan d geboren wurden (Migranten 1. u nd 2. Generation)(…)“(Gebietsbetreuung Stadterneuerung Favoriten 2010, S. 3) zusammengefasst. 12 (MA 18, 2015), das einen Platz in der Größe des Reumannplatzes(2,3 ha) als Wohngebietspark mit einem Einzugsbereich von ca. 500 m einstuft – folgender Bereich von rund 500 m um den Reumannplatz angenommen: Laxenburger Straße –> Hardtmuthgasse – > Hollitzergasse –> Angeligasse –> Friedrich-Knauer-Gasse –> Kennergasse –> Steudelgasse –> Kudlichgasse –> Hausergasse –> Wilczekgasse –> Erlachgasse –> Steudelgasse –> Gudrunstraße –> Laxenburger Straße. Weiters wurden im Untersuchungsgebiet die unmittelbar an den Reumannplatz angrenzenden Wohnblöcke zum engeren Untersuchungsgebiet B zusammengefasst. Allgemein beziehen sich die folgenden Aussagen auf das weitere Untersuchungsgebiet A, spezifische Erkenntnisse zum Untersuchungsgebiet B werden gesondert benannt. Abb. 3: Karte mit den Grenzen des Untersuchungsgebiets Die statistischen Daten wurden seitens der MA 18 – Stadtentwicklung und Stadtplanung für die Sekundäranalyse auf Baublockebene(und teilweise auf Sprengelebene) zur Verfügung gestellt. Die Daten der Bevölkerungsevidenz stammen von Oktober 2014. In Hinblick auf die Einwohner_innendichte zeigt sich, dass das Untersuchungsgebiet sowohl im Vergleich zu Wien als auch zu Favoriten eine extrem hohe Dichte aufweist. Während in Wien rund 43,4 Einwohner_innen pro Hektar wohnen, sind es in Favoriten bereits 58,6 Personen und im Untersuchungsgebiet selbst durchschnittlich 334 Personen pro Hektar. Dies bedeutet, dass rund um den Reumannplatz in etwa siebeneinhalb bis achtmal so viele Menschen auf der gleichen Fläche – nämlich 1 ha – wohnen als im wienweiten Vergleich. Eine Fläche so groß wie der Reumannplatz, der rund 2,3 ha umfasst, würde rund 770 Personen beherbergen. Angesichts dieser Dichte funktioniert das Zusammenleben am Reumannplatz nach bisherigen Erkenntnissen sehr gut. 13 Abb. 4: Einwohner_innendichte im Untersuchungsgebiet Hinsichtlich der Verteilung im Untersuchungsgebiet selbst lassen sich nochmals einige Bereiche mit besonders hoher Konzentration der Einwohner_innen(mit 600 bis über 800 Einwohner_innen pro Hektar) ausmachen. Diese„Schwerpunktvierteln“ befinden sich entl ang der Fußgänger_innenzone Favoritenstraße bzw. auch die Favoritenstraße stadtauswärts, rund um den Gellertplatz wie auch den Quellenplatz sowie im Gebiet westlich des Reumannplatzes bis hin zur Laxenburger Straße/ Inzersdorfer Straße. In der Definition der Wiener Gebietstypen der MA 18 wird das Untersuchungsgebiet als„Gründerzeitquartier mit Basis- Wohnqualität“ bezeichnet(Quelle: MA 18, 2010). Die Bebauungsstruktur ist gekennzeichnet von gründerzeitlichen Blockrandbebauungen ohne nennenswerte private Grün- und Freiräume. Diese„Schwerpunktvierteln“ decken sich zum größten Teil mit Gebieten, die einen hohen Anteil an Einwohner_innen mit Migrationshintergrund aufweisen: Es sind dies das Gebiet westlich des Reumannplatzes bis hin zur Laxenburger Straße/Inzersdorfer Straße, das Gebiet rund um den Quellenplatz und auch den Gellertplatz sowie entlang der Favoritenstraße. Auffallend ist, dass wiederum das Untersuchungsgebiet sowohl im Vergleich mit dem Wiener(35%) als auch dem Favoritener Durchschnitt(42%) mit rund 50% einen mit Abstand höheren Anteil an Bewohner_innen mit Migrationshintergrund aufweist. In den unmittelbar an den Reumannplatz angrenzenden Baublöcken(Untersuchungsgebiet B) beträgt dieser Anteil sogar 58%. 14 Inzersdorfer Straße Abb. 5: Anteil von Personen mit Migrationshintergrund Auffallend ist – wie in der Abb. 5(Anteile von Personen mit Migrationshintergrund) zu sehen ist –, dass der Anteil der Bewohner_innen Favoritens mit österreichischem Hintergrund gegen Süden und Osten hin – also an den Rändern des Untersuchungsgebiets und je weiter man aus Innerfavoriten hinausgeht – zunimmt. Bereits nach einigen Baublöcken südlich und östlich des Reumannplatzes wird der Anteil der Bewohner_innen mit Migrationshintergrund geringer – hier finden sich Baublöcke mit unter 30% und bis zu 40% Bewohner_innen mit Migrationshintergrund – und gleicht sich ungefähr dem Wiener Durchschnitt an. Die Inzersdorfer Straße bildet hier eine markante Trennlinie: An ihr wie auch weiter südlich treffen Baublöcke mit einem hohen Anteilen an Bewohner_innen mit Migrationshintergrund unmittelbar auf Baublöcke mit niedrigen Anteilen. Auch östlich des Reumannplatzes an der Laaerbergstraße zwischen Kennergasse, Steudelgasse und Kudlichgasse lassen sich Bereiche mit hohen Kontrasten in der Bewohner_innenzusammensetzung mit nur geringen Übergängen zwischen den verschiedenen Baublöcken erkennen. Weiters fallen an den Rändern des Untersuchungsgebiets Gemeindebauten wie der Zürcher Hof(Höhe Laxenburger Straße/ Erlachgasse), der Emil-Fucik-Hof(Höhe Gellertplatz) oder der Hueber-Hof(Puchsbaumgasse/ Steudelgasse) mit ihrem vergleichsweise geringeren Anteil an Bewohner_innen mit Migrationshintergrund ins Auge, wobei allgemein dem kommunalen Wohnbau im Untersuchungsgebiet nur eine unbedeutende Rolle zukommt(vgl. Rode/Giffinger/Reinprecht 2010). Den größten Anteil an den Personen mit Migrationshintergrund machen diejenigen aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens aus. Verortet können sie verstärkt im Gebiet westlich des Reumannplatzes hin zur Laxenburger Straße sowie rund um den Quellenplatz, aber auch entlang der Favoritenstraße stadtauswärts werden. Teilweise lassen sich in diesen Bereichen Baublöcke mit bis zu 45% Bewohner_innen aus Gebieten des ehemaligen Jugoslawiens finden. Personen mit Migrationshintergrund aus der Türkei machen ebenfalls einen großen Teil der Bewohner_innen mit Migrationshintergrund aus, sie sind jedoch relativ gleichmäßig im gesamten Untersuchungsgebiet 15 verortet. Interessant ist, dass sich im Untersuchungsgebiet nur Baublöcke finden lassen, in denen Bewohner_innen mit Migrationshintergrund aus der Türkei bis zu 20% der Bewohner_innen ausmachen, aber nicht mehr, die Konzentration auf bestimmte Bereiche also – auch möglicherweise aufgrund der geringeren Anzahl – weniger ausgeprägt ist. Abb. 6: Verteilung Bewohner_innen mit Migrationshintergrund Ex-Jugoslawien/Türkei In der Betrachtung der Verteilung der Altersgruppen zeigt sich, dass der Anteil der Kinder im Alter von 0 bis 9 Jahren an der Wohnbevölkerung im Untersuchungsgebiet 11% beträgt und damit etwas über dem Wiener(9,7%) und auch dem Favoritener Durchschnitt(10,6%) liegt. Umgekehrt liegt der Anteil der Senior_innen über 60 Jahren an der Wohnbevölkerung im Untersuchungsgebiet mit 19% etwas unter dem Wiener(22%) und dem Favoritener Durchschnitt(21%). Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren machen im Untersuchungsgebiet 9% der Wohnbevölkerung aus, während dieser Anteil im 10. Bezirk bei 10% liegt und wienweit bei 9,4%. Das Untersuchungsgebiet lässt sich dementsprechend als ein relativ„junges“ Gebiet beschreiben, in dem der Anteil der Kinder sowohl im Vergleich zu Wien als auch zu Favoriten höher ist und derjenige der älteren Bevölkerung geringer. Interessant ist, dass der Anteil der Jugendlichen im Untersuchungsgebiet niedriger als im Vergleich zu Wien und auch zum 10. Bezirk ist. In Hinblick auf die zukünftige Nutzung öffentlicher Räume im Untersuchungsgebiet kann vermutet werden, dass mit einer vermehrten Beanspruchung durch (heutige Kinder und) zukünftige Jugendliche zu rechnen ist. 16 Abb. 7: Anteil der Kinder 0 – 9 Jahre an der Gesamtbevölkerung Abb. 8: Anteil der Kinder und Jugendlichen 10 – 19 Jahre an der Gesamtbevölkerung Hinsichtlich Gender lässt sich für die Gruppe der 0- bis 9-Jährigen sagen, dass der Anteil der Mädchen mit 49% im Vergleich zu Wien und Favoriten(beide Male 48%) etwas über dem Durchschnitt liegt. Im Untersuchungsgebiet selbst wohnen derzeit 2253 Mädchen, im unmittelbaren Umfeld des Reumannplatzes(Untersuchungsgebiet B) sind es 139. 17 Abb. 9: Anteil der Mädchen 0 – 9 Jahre an der Gesamtbevölkerung Abb. 10: Anteil der Mädchen und jungen Frauen 10 – 19 Jahre an der Gesamtbevölkerung Bei den Jugendlichen beträgt der Anteil der Mädchen im Untersuchungsgebiet 48%(insgesamt 1819 Mädchen), was dem Favoritener Durchschnitt entspricht, aber etwas unterhalb des Wiener Durchschnitts(49%) liegt. In die Zukunft blickend lässt sich sagen, dass nicht nur mit einer verstärkten Präsenz Jugendlicher zu rechnen sein wird, sondern dass in dieser Gruppe auch Mädchen verstärkt im Untersuchungsgebiet und damit wahrscheinlich auch am Reumannplatz präsent sein werden. Bei der Verteilung der Kinder und Jugendlichen auf das Untersuchungsgebiet zeigt sich eine relative Ausgewogenheit auf alle Bereiche. Bei den Senior_innen ab 60 Jahren zeigen sich in unmittelbarer Nähe zum Reumannplatz am Anfang der Fußgänger_innenzone Favoritenstraße einige Wohnbauten mit einem erhöhten Anteil an älteren Bewohner_innen, sodass diese Altersgruppe zu den 18 unmittelbaren Anrainer_innen des Reumannplatzes zu zählen ist. Darüber hinaus zeigt sich, dass Senior_innen verstärkt an den Rändern des Untersuchungsgebiets Richtung Süden und Osten wohnhaft sind – und damit in Baublöcken, in denen weniger Personen mit Migrationshintergrund wohnen. Dies bedeutet, dass im Untersuchungsgebiet Bewohner_innen mit österreichischem Hintergrund verstärkt durch Senior_innen ab 60 Jahren vertreten sind. Abb. 11: Anteil der Senior_innen(über 60 Jahre) an der Gesamtbevölkerung Hinsichtlich der Einkommenssituation lässt sich sagen, dass das durchschnittliche Einkommen (gerechnet am Jahresnettoeinkommen der unselbstständig Beschäftigten nach dem Wohnort) der Favoritener Bevölkerung 2012 mit 18.184,- Euro unter dem der Wiener Bevölkerung, das rund 20.890,- Euro betrug, lag(vgl. Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2014, zum konkreten Untersuchungsgebiet liegen diesbezüglich keine äquivalenten Daten vor). Die Arbeitslosenrate (berechnet an der erwerbsfähigen Bevölkerung im Untersuchungsgebiet) betrug 2013 im Untersuchungsgebiet 15,4%, wienweit lag der Wert 2014 bei 10,2%(Quelle: AMS 2013, Statistisches Jahrbuch 2014). Ein Blick auf den Bildungsstand der Bevölkerung Favoritens zeigt weiters, dass dieser – zusätzlich zum geringeren Einkommen und einer erhöhten Arbeitslosenrate – niedriger ist als der Wiener Durchschnitt: 12% der Bewohner_innen des 10. Bezirks im Alter von 25 bis 64 Jahren haben 2011 – so das Statistische Jahrbuch der Stadt Wien 2014 – als höchste abgeschlossene Bildung ein Kolleg, eine Fachhochschule, eine Akademie oder ein Universitätsstudium angegeben, während dies wienweit rund 23% der Bevölkerung gemacht haben. Umgekehrt haben wienweit 23% der Bevölkerung als höchste abgeschlossene Ausbildung die Pflichtschule angegeben, in Favoriten sind dies immerhin 32% der Bevölkerung. 19 Bildungsstand im Alter von 25 bis 64 Jahren – Wien/ Favoriten/ Untersuchungsgebiet Wien Favoriten UG 42% 32% 23% 42% 36% 34% 18% 14% 14% 23% 12% 10% Pflichtschule Lehre und berufsbildende mittlere Schule Matura Kolleg, Fachhochschule, Akademie, Universität Abb. 12: Wohnbevölkerung Favoritens im Alter von 25 bis 64 Jahren nach Bildungsstand 2011 Beim Vergleich der Daten Wiens und Favoritens mit denjenigen zum Untersuchungsgebiet auf Zählsprengelebene statt Baublockebene 3 zeigt sich, dass hier der Bildungsstand der Bevölkerung nochmals niedriger ist: Rund 42% der Bevölkerung haben die Pflichtschule als höchsten Schulabschluss absolviert, 34% eine Lehre gemacht oder eine berufsbildende Schule besucht, 14% haben die Matura gemacht und rund 10% ein Kolleg, eine Fachhochschule, eine Akademie oder eine Universität besucht. Die aktuellen Kennwerte der öffentlichen Grün- und Freiräume der Stadt Wien(vgl. Fachkonzept Grün- und Freiraum, 2015) sind in der Bestandsstadt als Orientierungswerte, in Stadtneubaugebieten als Zielwerte zu verstehen. Zur Einschätzung der aktuellen Grün- und Freiraumversorgungsleistung des Reumannplatzes in m 2 /EW seien sie an dieser Stelle herangezogen: Der Reumannplatz zählt aufgrund seiner Flächengröße zur Kategorie Wohngebiet. Allen Bewohner_innen in Wien sollen in dieser Kategorie in einer Erreichbarkeit von 500 m je 4,0 m² zur Verfügung stehen. Aktuell beträgt der Kennwert für den Reumannplatz: 23.000 m²/42.562 Einwohner_innen= 0,54 m²/EW. D. h., der Reumannplatz ist in seiner Nutzungskapazität überlastet, da er für sehr viele Einwohner_innen der in 500 m erreichbare öffentliche Grün- und Freiraum des Wohngebiets ist. Der Blick auf die Grün- und Freiraumstruktur im Umfeld des Reumannplatzes, in Innerfavoriten, zeigt, dass es in diesem dicht bebauten Stadtgebiet keine privaten Gärten, und wenige, eher kleine öffentliche Grün- und Freiräume(Antonspark, Arthaberpark) gibt. Die durchschnittliche Wohnnutzfläche pro Person beträgt im Untersuchungsgebiet(ausgewählte Zählsprengel) 28,9 m 2 /Person, im Vergleich dazu in Favoriten durchschnittlich 31 m 2 /Person und in Wien durchschnittlich 38 m 2 /Person. 4 Das bedeutet, dass den im Untersuchungsgebiet lebenden Personen weniger Wohnnutzfläche zur Verfügung steht als im Durchschnitt im Bezirk und in Wien und weist auf hohe Belagszahlen der Wohnungen hin. Es ist auch ein Hinweis dafür, dass die 3 Beim Übergang von Baublockebene auf Zählsprengelebene ergeben sich aufgrund der geringeren räumlichen Detailliertheit Aussageunschärfen. Aussagetendenzen lassen sich dennoch aus dem Vergleich ableiten. 4 Quelle: STATcube – Statistische Datenbank von STATISTIK AUSTRIA; Registerzählung 2011, Gebäude- und Wohnungszählung, Stichtag: 31. 10. Erstellt am 9. 7.2015 und https://www.wien.gv.at/statistik/verkehrwohnen/tabellen/wohnung-flaeche-bez-zr.html 20 Anrainer_innen rund um den Reumannplatz besonders auf die Nutzung öffentlicher Räume angewiesen sind, da sie in beengten Wohnverhältnissen leben und über keine privaten Freiräume verfügen. Innerfavoriten ist angesichts der hohen Bevölkerungsdichten hinsichtlich Grün- und Freiräumen mit Spiel-, Sport- und Erholungsfunktion unterversorgt(vgl. Ruland, Gisa, 2008, S. 60). Abb. 13: Darstellung der öffentlichen Grün- und Freiräume in und rund um das Untersuchungsgebiet Rund um den Reumannplatz ergänzen der Antonspark und der Arthaberpark das Grün- und Freiraumangebot an mittelgroßen Anlagen in Innerfavoriten. Wichtige, aber flächenmäßig eher kleinere Anlagen sind der Wielandplatz, der Puchsbaumpark, der Mundypark, der Humboldtpark, der Keplerplatz und der Suchwirtplatz. Diese sind über öffentliche, zum Teil stark befahrene Straßen miteinander verbunden. Nicht zu vergessen ist der an der Fußgänger_innenzone Favoritenstraße zwischen Reumannplatz und Keplerplatz gelegene Markt-Freiraum des Viktor-Adler-Marktes. Ein Blick auf den Motorisierungsgrad der Bevölkerung im Untersuchungsgebiet zeigt(Quelle: KFZStatistik Wien 2013), dass direkt an den Reumannplatz angrenzend und im unmittelbaren Einzugsgebiet der U1 dieser vergleichsweise gering ist(vgl. Abb. 13). Dies folgt einem allgemeinen Trend, dass Personen ohne Autobesitz Wohnungen in unmittelbarer Nähe zum ÖV bevorzugen. Da der Motorisierungsgrad im Untersuchungsgebiet sehr unterschiedlich ist, lässt dies auf unterschiedlichen Parkraumbedarf schließen. Zu erwarten ist weiters, dass der Pendler_innenindividualverkehr und der damit einhergehende Parkraumbedarf durch die Verlängerung der U1 in Zukunft vermutlich sinken wird, da PKWs schon weiter stadtauswärts abgestellt werden werden. 21 Abb. 14: PKW Anmeldungen pro 1000 Einwohner_innen Zusammenfassend lässt sich hinsichtlich der sozialräumlichen Struktur der Bevölkerung im Untersuchungsgebiet sagen, dass es sich um ein extrem dicht bewohntes und auch sehr junges Viertel handelt, in dem viele der Bewohner_innen Migrationshintergrund – nicht nur aus traditionellen Herkunftsländern der Arbeitsmigration, sondern auch aus anderen europäischen wie auch außereuropäische Ländern – besitzen. Das Einkommensniveau wie auch der Bildungsstand liegt unter dem Wiener Durchschnitt, der Anteil der Arbeitslosen an der erwerbsfähigen Bevölkerung darüber, was ein Hinweis darauf sein kann, dass die Bewohner_innen in ihrem Alltag verstärkt auf öffentliche Räume als Ressource, als Räume ohne Konsumzwang angewiesen sind. Für den Reumannplatz selbst kann daraus gefolgert werden, dass:  u. a. aufgrund der extrem hohen Einwohner_innendichte im näheren und weiteren Umfeld nicht zu erwarten ist, dass der Platz nach Verlegung der U1-Station und wegfallender Passant_innen„verwaisen“ wird. Die hohe Dichte verweist vielmehr auf„verdeckte Verdrängung“ und die Möglichkeit für Anraine r_innen, bei einer weniger hohen Frequentierung des Platzes nachrücken zu können. Der Reumannplatz wird in seiner Funktion als Aufenthaltsraum an Bedeutung gewinnen.  sich die Anzahl der„Umsteiger_innen zur U1“ um ca. 50% reduzieren wird, z. B. Studierende der Fachhochschule bzw. der Pädagogischen Akademie in der Ettenreichgasse oder auch Pendler_innen aus den umliegenden Regionen Wiens – und damit vor allem auch(junge) Erwachsene mit oftmals österreichischem Hintergrund –, da sie an anderen Stationen in den öffentlichen Verkehr eingebunden werden. Damit wird die Transitfunktion des Reumannplatzes an Bedeutung verlieren, aber nicht gänzlich verschwinden. 22  durch den derzeit hohen Anteil von Kindern, der auch höher als der der Jugendlichen liegt, in Zukunft eine vermehrte Beanspruchung des öffentlichen Raums durch Jugendliche allgemein und vermehrt auch durch jugendliche Mädchen zu erwarten ist. Im Folgenden werden nun die zentralen Ergebnisse aus den Erhebungen zum Reumannplatz vorgestellt. 23 4. E RGEBNISSE DER F UNKTIONS UND S OZIALRAUMANALYSE 4.1„Der Reumannplatz ist für mich …“ – zur Bedeutung des Reumannplatzes In der Einschätzung und Wahrnehmung des Großteils der interviewten Personen – der Nutzer_innen, Anrainer_innen, Geschäftstreibenden und der lokalen Expert_innen – besitzt der Reumannplatz einen unangefochtenen Stellenwert als identitätsstiftendes Zentrum Favoritens. Er ist, so die Gesprächspartner_innen, die„Zentrale“ und der„Hauptplatz“ des Bezirks, er fungiert„(…) wie ein Tor nach Wien, in die Welt(…)“ und er„(…) hat etwas von Hauptstadt, die Hauptstadt von Favoriten ist der Reumannplatz(…)“. Der Reumannplatz markiert einen Anfangs- bzw. Endpunkt, denn hier ist der„(…) Start der Favoritenstraße(…)“ und gleichzeitig hört am„(…) Reumannplatz[…] die Stadt schon ein wenig auf.“ Für die Bewohner_innen besitzt er hohe identitätsstiftende Funktion. Für manche ist der Reumannplatz„(…) ein Teil meines Wiener Herzens(…)“, für andere„(…) Heimat seit vielen Jahrzehnten(…)“ und für wiederum andere„(…) einfach ein fixer Bestandteil der Familiengeschichte(…)“. Dementsprechend sind mit dem Reumannplatz auch viele Erinnerungen und Emotionen verknüpft. So erzählt ein_e Gesprächspartner_in:„Ich bin ja da als Kind aufgewachsen. […] Ich kann mich erinnern, ich bin da drüben mit dem Radl gefahren, und die Mutter hat mich vom Fenster aus zum Essen gerufen.“ Gerade ob der großen Bedeutung, die dem Reumannplatz als zentralem Platz Favoritens zugemessen wird, bemerken einige der Gesprächspartner_innen, dass er etwas in die Jahre gekommen ist:„E r verkauft sich ein bisserl unter seinem Wert.(…) Er wirkt ein bisserl verkommen.“ Damit die „(…) sleeping beauty(…)“ wieder verzaubern und seiner Rolle als„(…) ein Schmuckstück[…] von Favoriten, wo alle ein e Freude daran haben(…)“ gerecht werden kann, braucht der Reumannplatz eine Sanierung. 4.1.1 Der Reumannplatz als sehr belebter Treffpunkt eines heterogenen Publikums Der Reumannplatz ist„(…) einer der belebtesten Plätze Wiens(…)“ – so belebt, dass Besucher_innen von außerhalb nicht selten nachfragen, ob hier immer so viel los sei. Er besitzt die Funktion eines sowohl lokalen wie regionalen und – insbesondere für junge Menschen – auch eines wienweiten Treffpunkts. Da in der warmen Jahreszeit am Reumannplatz immer etwas los ist, kommen Menschen aller Altersgruppen aus ganz Favoriten und auch Randbereichen wie Oberlaa(sowie auch aus umliegenden Regionen) hierher, um am bunten Treiben teilzuhaben. Ein wesentliches Kennzeichen des belebten Reumannplatzes ist die sehr hohe Heterogenität des Publikums hinsichtlich ihres kulturellen bzw. ethnischen Hintergrunds. So meint ein_e Gesprächspartner_in:„Der Reumannplatz ist wie die Uno-City. Sehr viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen halten sich hier auf.“ Die Beobachtungen bestätigen, dass es keine ethnische Gruppierung gibt, die besonders häufig oder dominant den Reumannplatz nutzt, sondern dass Menschen aus allen Erdteilen der Welt anzutreffen sind. Dementsprechend heterogen ist auch die sprachliche Kulisse, die u. a. von Rumänisch und Spanisch über Türkisch, BKS-Sprachen, Arabisch und Urdu bis zu Ibo, Hausa und weiter reicht:„Es ist wie Urlaub, man versteht die Sprachen eben nicht.“ Die Ur banität des Platzes zeigt sich auch in den ebenso heterogenen Kleidungsstilen, die – als Ausdruck unterschiedlicher Lebensstile – nebeneinander ihren Platz finden. 24 Von einem Großteil der Gesprächspartner_innen wird die große Vielfalt der Menschen am Reumannplatz sehr positiv gesehen. Manche äußern jedoch auch Bedenken, dass immer mehr „Fremde“ kommen und kaum mehr„Österreicher“ anzutreffen sind. Diese Vorbehalte werden nicht nur von Menschen mit österreichischem, sondern auch von Menschen mit migrantischem Hintergrund angesprochen. Hier spielen auch Verdrängungsängste – z. B. dass Menschen, die selbst vor vielen Jahren nach Österreich eingewandert sind und nun möglicherweise von höher qualifizierten Zuwander_innen vom Arbeitsmarkt verdrängt werden – eine Rolle. Vor allem ältere Menschen vergleichen den Reumannplatz mit früher, thematisieren Veränderungen in der Zusammensetzung der Nutzer_innen hinsichtlich ihres ethnischen/kulturellen Hintergrunds und äußern auch, dass sie den Kontakt zu und den Austausch mit Menschen mit österreichischem Hintergrund vermissen. Auch die Lebendigkeit des Reumannplatzes wird von vielen positiv erlebt, für einige ist er jedoch„(…) hoffnungslos überlaufen(…)“ und wird aus diesem Grund eher gemieden. Ein_e Gesprächspartner_in bringt es folgendermaßen auf den Punkt:„Wenn ich Ruhe finden will, dann brauche ich nicht am Reumannplatz gehen.“ So heterogen das Publikum des Reumannplatzes hinsichtlich des ethnischen/kulturellen Hintergrunds auch ist, so weisen die Beobachtungen wie auch die Gespräche mit lokalen Expert_innen und Nutzer_innen darauf hin, dass sich verstärkt Menschen mit geringeren ökonomischen Ressourcen hier aufhalten und das Publikum hinsichtlich des finanziellen Hintergrunds also vergleichsweise homogen ist. Damit wird ein Ergebnis der Analyse der statistischen Daten zum Untersuchungsgebiet, wonach durchschnittlich viele Menschen mit geringem Einkommen rund um den Reumannplatz wohnen, bestätigt. Eine Seniorin, die regelmäßig den Reumannplatz aufsucht und sich hier mit Freundinnen trifft, meinte z. B. auf die Frage, was ihr hier gut gefalle:„Kein Auto, kein Mann, ich bin alt, die Straßenbahnkarte ist teuer, wo soll ich sonst hingehen?“ Sie sucht den Reumannplatz u. a. deswegen auf, weil ihre Ressourcen nicht für großräumigere Ausflüge ausreichen. 4.1.2 Der Reumannplatz als Verkehrsknotenpunkt und Transitraum Der Reumannplatz wird nicht nur aufgrund seiner Lebendigkeit und der Heterogenität seines Publikums wertgeschätzt, sondern auch aufgrund seiner zentralen Funktion als„(…) DER Verkehrsknotenp unkt im Bezirk(…)“ – eine Funktion, die er in den Augen der Gesprächspartner_innen in Hinblick auf den öffentlichen Verkehr sehr gut erfüllt. Gerade auch das Zusammenspiel von Verweilenden und Passant_innen wird als sehr gut erlebt und trägt nicht unwesentlich zur Attraktivität des Platzes und dazu bei, dass es am Reumannplatz immer etwas zu schauen gibt. Einzig allein, wenn in der Generali-Arena beim Verteilerkreis Favoriten ein Fußballmatch – vor allem zwischen Austria und Rapid – stattfindet, macht der Andrang der gegnerischen Fans, die von der Polizei derzeit vom Reumannplatz zum Stadion eskortiert werden, den Reumannplatz zu einem Hotspot. Bemängelt hinsichtlich Verkehr und Verkehrsanbindung werden vor allem Schnittstellen zum motorisierten Individualverkehr an den Rändern des Reumannplatzes Richtung Süden. Schnellfahrende Autos auf der mehrspurigen Herndlgasse, zu wenige Querungsmöglichkeiten für Fußgänger_innen und insbesondere auch die Abbiegung von der Herndlgasse kommend in die Laaerbergstraße werden als gefährliche Schwachstellen genannt. So wird z. B. die Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe(HLW) am Reumannplatz/Ecke Laaerbergstraße in die Laaerbergstraße entlang des Schulgebäudes auf nur einer Straßenseite entfluchtet. Bei Feueralarmübungen muss Schulpersonal an der Kreuzung der Laaerbergstraße stehen, um zu 25 verhindern, dass Schüler_innen unvorsichtig die Straße, die auch über keinen Zebrastreifen verfügt, kreuzen und dabei mit Autos, die aus der Herndlgasse kommend abbiegen, kollidieren. Weiters konnten auch unzählige Fußgänger_innen dabei beobachtet werden, wie sie an unterschiedlichsten und teilweise aufgrund der Krümmung der Straße nur schwer überblickbaren Stellen die stark befahrene Straße laufenden Schrittes überquerten. Dementsprechend wurde von einigen Gesprächspartner_innen der Wunsch nach einer Verkehrsberuhigung an den Südrändern des Reumannplatzes geäußert. Abb. 15: Übersichtskarte mit allen ÖV-Verbindungen und Haltestellen Einige der Interviewpartner_innen bezogen auch die Linienführung der Straßenbahnlinie 67 in ihre Überlegungen mit ein. Viele der befragten(lokalen) Expert_innen wie auch Nutzer_innen stehen einer möglichen zukünftigen Linienführung über den Reumannplatz entlang des Amalienbades kritisch gegenüber – u. a. da dadurch wertvolle Grünflächen und Platz für Kinderspiel an einem ohnehin bereits bis an seine Kapazitäten gefüllten Ort bzw. in einem extrem dicht besiedelten Grätzl verlorengeht, sich die prekäre Verkehrssituation am südlichen Rand des Reumannplatzes nicht entschärfen würde und die Chance, dem Reumannplatz vermehrt räumliche Zusammengehörigkeit zu verleihen, vergeben werden würde. Eine alternative Linienführung, die nicht über den Reumannplatz geht, würde aus den genannten Gründen von vielen bevorzugt werden. Bedenken gegenüber einer Linienführung, die nicht über den Reumannplatz direkt in die Laaerbergstraße führt, kommt von einer Hausgemeinschaft eines Wohnhauses in der Herndlgasse, die durch eine Linienführung z. B. über die Herndlgasse verstärkte Lärmbelästigung und Erschütterungen des Hauses und damit die Minderung der Wohnqualität für sie selbst wie auch viele andere Anrainer_innen befürchtet. Eine Linienführung über den Reumannplatz hätte aus ihrer Sicht den Vorteil, dass weniger Anrainer_innen von Störgeräuschen betroffen wären, die technische Umsetzung weniger aufwändig wäre und eine Haltestelle am Reumannplatz auch für vermehrte soziale Sicherheit sorgen könnte. 26 Ein weiteres verkehrsbezogenes Thema, das Eingang in die Gespräche fand, war das der Radwege, die – so die Interviewpartner_innen – am Reumannplatz nicht wirklich funktionieren. Auch wurde angemerkt, dass es – im Gegensatz zu vielen anderen zentralen Plätzen Wiens – am Reumannplatz keine City-Bike-Station gibt. Nach Ansicht einiger Expert_innen ist das diesbezügliche Bewusstsein in der Bevölkerung Innerfavoritens nicht sehr groß, könnte z. B. aber möglicherweise im Zuge der Umgestaltung des Reumannplatzes aktiviert werden. 4.1.3 Der schlechte Ruf des Reumannplatzes Von verschiedensten Seiten wird in den Gesprächen angeführt, dass der Reumannplatz wie allgemein auch Favoriten wienweit einen schlechten Ruf besitzt:„Im Volksmund ist der Reumannplatz eher unten angesiedelt, in der Alltagssprache. Es heißt immer, geh nicht über den Reumannplatz.“ Es wird erzählt, dass es dort gefährlich sei, großes Gedränge herrsche, man angepöbelt, überfallen oder vergewaltigt werde etc., weswegen manche Menschen auch meiden, über den Reumannplatz zu gehen bzw. hier umzusteigen. Aus polizeilicher Sicht gibt es keine Hinweise auf die propagierte „Gefährlichkeit“ des Platzes, wobei es früher schon diesbezügliche Probleme gegeben habe, dies aber seit vielen Jahren nicht mehr der Fall sei. Dementsprechend meint u. a. die mobile Jugendarbeit Back on Stage 10:„Der Reumannplatz hat einen viel schlechte ren Ruf, als er wirklich ist.“ Auch Studierende der TU Wien, die Untersuchungen zum Reumannplatz durchführten, waren im Gegensatz zu ihren Erwartungen sehr positiv von der Lebendigkeit und Vielfältigkeit des Platzes wie auch des Stadtviertels positiv überrascht. Auffallend in den Interviews war, dass Personen, die mehr Zeit am Reumannplatz verbrachten oder sich eingehender mit ihm beschäftigten, diesen positiver einschätzten als diejenigen, die ihn nur flüchtig z. B. vom Durchgehen kennen. Die Umgestaltung des Reumannplatzes beinhaltet möglicherweise auch das Potenzial, dem schlechten Ruf des Platzes entgegenzuwirken. 4.1.4 Das Miteinander bzw. entspannte Nebeneinander am Reumannplatz Sowohl die verschiedenen im Favoritener Regionalteam vertretenen sozialen Einrichtungen als auch andere lokale Akteur_innen mit konkretem Bezug zum Ort wie die mobile Jugendarbeit Back on Stage 10, das Fair-Play-Team, die Gebietsbetreuung*10 oder Mitarbeiter_innen der Wiener Linien und der Polizei vor Ort, aber auch die befragten Nutzer_innen, Anrainer_innen, Geschäftstreibenden und Passant_innen beschreiben das Miteinander am Reumannplatz als eines, das sehr gut funktioniert – auch wenn manche einschränkend anmerken:„Welches Miteinander? Ich würd´ sagen, es ist eher ein Nebeneinander, aber ein friedliches.“ Im Allgemeinen ist der Reumannplatz trotz der extrem vielen Menschen, die ihn passieren bzw. sich hier aufhalten,„(…) a gmüatliche Partie(…)“ – gerade auch im Vergleich zu ebenfalls stark frequentierten Plätzen wie dem Karlsplatz oder dem Praterstern. Hinsichtlich der hohen Heterogenität des Publikums wird von den Gesprächspartner_innen angemerkt und durch die Beobachtungen auch bestätigt, dass die verschiedenen ethnischen bzw. kulturellen Gruppen, die den Reumannplatz besuchen, meist unter sich bleiben und es nur wenig Austausch zwischen den Gruppen gibt. Die Tatsache, dass„(…) jede Nationalität, jedes Alter, jede Glaubensrichtung(…)“ am Reumannplatz vertreten und keine Gruppe vorherrschend und damit raumprägend ist, wird als wichtiger Faktor für das gute und wenig konfliktträchtige Miteinander beschrieben. Am schwierigsten in diesem Zusammenhang werden am ehesten Menschen mit österreichischem Hintergrund erlebt, denn, so ein_e Interviewpartner_in, der/die selbst über diesen verfügt:„W enn wer aggressiv ist, dann sind das die ursprünglichen Österreicher.“ 27 Ein weiterer Faktor, der wesentlich ein entspanntes Nebeneinander ermöglicht, ist der, dass der Reumannplatz sehr viele Nischen und Rückzugsbereiche für unterschiedliche Menschen und Menschengruppen wie auch für verschiedenste Nutzungen bietet, sodass weder Menschen noch Nutzungen in unmittelbare Konkurrenz zueinander um Raum bzw. Legitimation treten(müssen). So kann auch„(…) chillen und rennen(…)“ gleichzeitig stattfinden, ohne sich gegenseitig wesentlich zu stören. Dazu sei allerdings angemerkt, dass sich aufgrund der extrem hohen Besucher_innen- und Passant_innenfrequenz bestimmte Nutzungen wie z. B. bewegungsorientiertes Spiel von Kindern und Jugendlichen am Reumannplatz erst gar nicht etablieren, sondern von vornherein auf weitläufigere und weniger frequentierte Freiräume wie z. B. den Antonsplatz ausgelagert werden. Auch Lärmbelästigung ist am Reumannplatz – im Gegensatz z. B. zum Keplerplatz, wo es laut Auskunft der Polizei fast wöchentlich diesbezügliche Anzeigen gegen Jugendliche, Straßenmusikant_innen, Obdachlose etc. gibt – kein großes Thema. Zum Hotspot wird der Reumannplatz vor allem, wie bereits angeführt, im Rahmen von bevorstehenden Fußball-Events in der Generali-Arena, da die derzeitige U1-Endstation Sammelpunkt für die gegnerischen Fans ist. Hier kommen Devastierungen oder auch gewalttätige Übergriffe vor, letztere aber vor allem innerhalb der Fan-Gruppen. Sie leisten jedoch einen Beitrag zum schlechten Image des Reumannplatzes. Zusammenfassend kann gesagt werden:  dass der Reumannplatz von den verschiedensten Gesprächspartner_innen als Zentrum Favoritens mit hoher identitätsstiftender Funktion gesehen wird,  dass die Belebtheit des Reumannplatzes wie auch die sehr große Heterogenität des Publikums hinsichtlich des ethnischen/kulturellen Hintergrundes von einem Großteil der Gesprächspartner_innen als wichtige Qualität des Reumannplatzes hervorgehoben wird,  dass das Publikum des Reumannplatzes hinsichtlich der zur Verfügung stehenden ökonomischen Ressourcen weit weniger heterogen ist und sich sehr viele ärmere Menschen am Reumannplatz aufhalten,  dass der Reumannplatz ein zentraler und sehr gut funktionierender Vekehrsknotenpunkt in Hinblick auf die Anbindung an den öffentlichen Verkehr ist,  dass es in Hinblick auf die Schnittstellen mit dem motorisierten Individualverkehr an den Südrändern des Reumannplatzes einige Schwachstellen gibt,  dass viele Gesprächspartner_innen – lokale Expert_innen, Nutzer_innen, Geschäftstreibende etc. – eine Linienführung der Straßenbahnlinie 67 über den Reumannplatz sehr kritisch sehen,  dass einige Anrainer_innen jedoch durch eine Trassenführung, die nicht über den Reumannplatz verläuft, verstärkte Lärmbelästigung und anderen Unannehmlichkeit fürs Wohnen befürchten,  dass der Reumannplatz wienweit einen schlechteren Ruf hat, als er ihn verdient, und  dass das entspannte Nebeneinander bzw. gute Miteinander am Reumannplatz wesentlich durch die vielen räumlichen Nischen und Rückzugsbereiche sowie dadurch, dass keine der vielen ethnischen/kulturellen Nutzer_innengruppen überwiegt, gefördert wird. 4.2 Die verschiedenen Bereiche des Reumannplatzes Im Zuge der Beobachtungen hat sich gezeigt, dass sich der Reumannplatz in verschiedene Bereiche unterteilt, die sehr unterschiedliche Funktionen besitzen bzw. unterschiedliche Nutzungen nahelegen 28 und dementsprechend auch jeweils unterschiedliches Publikum anziehen. Die Unterteilung in die verschiedenen Bereiche wird auch – analog zu den Erkenntnissen aus den Beobachtungen – von Expert_innen und Besucher_innen des Platzes wahrgenommen bzw. beschrieben. So meinte ein_e Gesprächspartner_in:„Es lässt sich schwer sagen, das ist DER Reumannplatz, denn es gibt so viele verschiedene Zonen, die sehr unterschiedlich genutzt werden.“ Teilbereiche des Reumannplatzes dienen als Treffpunkt für Jugendliche, andere als Verweilort für ältere Menschen, weitere als Rückzugsort oder als Ort zum Schauen, Sehen und Gesehenwerden. Der „Flow“ an Passant_innen erzeugt in manchen Bereiche n städtische Anonymität, während andere Bereiche von einem hohen Anteil an Stammpublikum und damit einer Atmosphäre, wo sich alle untereinander kennen, geprägt sind. Eine markante Trennlinie stellt die Trasse der Straßenbahnlinie 67 dar, die quer über den Reumannplatz verläuft und ihn in einen Ostteil(mit dem Kinderspielbereich mit„Park“-Charakter und dem Vorplatz zum Amalienbad) und einen Westteil(mit dem zentralen Bereich rund um den Eissalon Tichy) mit jeweils sehr unterschiedlicher Atmosphäre unterteilt. Angesprochen auf die Verbindungslinien zwischen Ost- und Westteil meinte eine_r der interviewten Expert_innen:„Was für ein Zusammenspiel? Für m ich sind das zwei Welten, das eine ist der helle, sonnige Teil, der andere der ruhige, schattige Bereich. Da ist komplett unterschiedliches Publikum. Das eine ist der Kinderpark, das andere der Erwachsenenpark.“ Dieser Eindruck wird durch die Beobachtungen bestätigt. Zusätzlich konnte beobachtet werden, dass es – mit Ausnahme von Passant_innenströmen – kaum Personenaustausch zwischen den beiden Platzhälften gibt. Dieser findet am ehesten noch dann statt, wenn jemand aus dem Ostteil sich vom Eissalon ein Eis holt. 29 Die verschiedenen Nutzungen konzentrieren sich wie folgt: Abb. 16: Übersicht über die Nutzungen am Reumannplatz 30 Im Folgenden werden nun die einzelnen ausgemachten Teilbereiche – das„Zentrum“ rund um den Eissalon Tichy im Westen, der„Park“ mit den Kinderspielbereichen im Osten, der Vorplatz des Amalienbades, der Bereich der Favoritenstraße ab der Quellenstraße, der südlich daran anschließende Bereich mit„ Platzcharakter“ und schließlich die Geleise mit den Haltestellenbereichen der Straßenbahnlinie 67 – detailliert beschrieben. Abb. 17: Übersicht über die Teilbereiche des Reumannplatzes 31 4.2.1 Das„Zentrum“ des Reumannplatzes Abb. 18: Fotos zum Zentrum des Reumannplatzes Das„Zentrum“ des Reumannplatzes ist dadurch gekennzeichnet, dass es – in Fortsetzung der Charakteristik des Platzes – selbst wieder in unterschiedliche Teilbereiche und unzählige Nischen unterteilt werden kann. Grob lässt er sich in drei Teilbereiche einteilen: Der Bereich zwischen der UBahn-Station und dem Eissalon Tichy, der südlich davon gelegene fast quadratische Platzbereich und ein länglicher Platz-Weg-Bereich am südwestlichen Rand. Gemeinsam ist allen Teilbereichen, dass sie durch Wegeverbindungen und Wegkreuzungen gebildet werden, die sich zu unterschiedlich großen platzartigen Bereichen verbreitern. Diese sind mit Asphalt- und Betonplattenbelag ausgestattet. Begrenzt sind diese Bereiche durch Pflanzbeete unterschiedlicher Gestalt – diese reichen von Einzelbäumen mit Wiese(welche auch zum Liegen genutzt werden) über lockere Stauden-Gräser-Bepflanzungen bis hin zu dichten und hohen Sträucher- und Baumgruppen. In diesen dichten Pflanzflächen findet sich immer wieder Müll. Entlang dieser überwiegend nicht zum Betreten geeigneten Pflanzflächen sind Sitzbankreihen und Kugellampen situiert. Zudem ist das Zentrum von der Tiefgarage am Reumannplatz unterbaut; drei gläserne Zugangsbauwerke zur Tiefgarage befinden sich versteckt in den Pflanzflächen. Unterscheiden lassen sich die drei Teilbereiche des Zentrums durch einen verschiedenen Grad der Öffentlichkeit – während im Bereich der Achse U-Bahn – Tichy der Charakter an Öffentlichkeit am größten ist(hier weist auch das Blindenleitsystem den Weg), nimmt er im Bereich des quadratischen Platzes etwas ab. Hier gibt es zwei fix montierte Tische; beobachtet wurde auch eine mobile Bank, die von den NutzerInnen immer wieder verändert als Gegenüber von fix montierten Bänken aufgestellt wurde. Im länglichen Teilraum im südwestlichen Teil ist der Öffentlichkeitsgrad noch einmal geringer, dieser ist zudem schlecht einsehbar. Entlang des südlichen Randes befinden sich Sträucherpflanzungen, die als Hecken geschnitten sind. Immer wieder werden diese abgepflanzten Bereiche mit Trampelpfaden durchquert – dies ist der kürzere Fußweg zu den Bushaltestellen und zur Querung der Reumannplatz-Straße. Entlang des südlichen Randes verläuft ein Radweg, der jedoch nach dem Gleiskörper abrupt endet. Im Übergangsbereich zum Teilraum der Geleise befinden sich Radabstellanlagen. Ein marmorner Trinkbrunnen befindet sich im Bereich vor dem Eissalon Tichy. In der größten Pflanzfläche versteckt befindet sich auch das Denkmal gegen den Faschismus, das über einen kleinen Zugangsweg erreicht werden kann. 32 Abb. 19: Fotos zum Zentrum des Reumannplatzes Zentrales identitätsstiftendes Moment des Zentrums ist der Eissalon Tichy an der Ecke Reumannplatz/Rotenhofgasse, der in der wärmeren Jahreszeit ein Anziehungspunkt für Menschen jung und alt aus ganz Favoriten und darüber hinaus ist und wesentlich zur Belebung des Platzes beiträgt, denn:„(o)hne Tichy wäre der Reumannplatz eine tote Gegend.“ In den diversen Gesprächen wird die hohe soziale Bedeutung des Eissalons immer wieder spürbar, denn er ist einer der Kristallisationspunkte für die hohe Heterogenität – hinsichtlich Herkunft, Lebensstil, Milieu etc. – des Publikums am Reumannplatz. Hier verbindet die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit eine Gemeinsamkeit – nämlich die Lust auf Eis. Wie wichtig den Menschen das Eisgeschäft auch schon in früheren Jahrzehnten war, zeigt eine Erzählung des derzeitigen Betreibers des alteingesessenen Familienbetriebs:„Ich kann mich noch erinnern, mein Vater war damals ein totaler Gegner der U Bahn, weil er hat gesagt, ihr sperrt mir da das Geschäft ab.(…) Die Leute sind über den Schutt geklettert, nur um in das Geschäft zu kommen. Als dann die U-Bahn fertig war, war er froh darüber, weil da zusätzlich ein Schwung dazugekommen ist.“ Die unmittelbar an den Eissalon angrenzenden Bereiche des Reumannplatzes werden zum Sitzen und Eisschlecken genutzt. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass sich entlang der Westseite des Zentrums verschiedene Bushaltestellen befinden und in diesem Wartebereich viele Menschen – nicht selten auch eisschleckend – u. a. auf den niedrigen Steinmauern sitzend auf ihre Anschlüsse warten. Mitten durch das Zentrum des Reumannplatzes verläuft weiters durch den U-Bahn-Aufgang auf der einen Seite und mehreren Bushaltestellen an den südlichen und westlichen Rändern des Reumannplatzes die Hauptader des Passant_innen-Flows am Reumannplatz, was manchmal Konkurrenzsituationen zwischen Personen, die zügig durchgehen wollen, und solchen, die verweilen wollen bzw. langsamer unterwegs sind, entstehen lässt. Doch die Rollen können auch schnell mal wechseln, wenn Passant_innen sich zwischendurch ein Eis gönnen oder Einkäufe erledigen. Auffallend ist, dass nicht nur Erwachsene die Passant_innen am Reumannplatz ausmachen, sondern auch – durch viele Schulstandorte in unmittelbarer Nähe – der Schulweg vieler Kinder und Jugendlicher über den Reumannplatz verläuft. Auch sie gehen manchmal zügig, manchmal schlendernd über den Platz und verbringen hier insbesondere nach der Schule häufig noch etwas Zeit mit Freund_innen, bevor sie nach Hause gehen. Durch die vielen Passant_innen und das rege Treiben rund um den Eissalon besitzt das Zentrum besondere Anziehungskraft für Menschen, die Abwechslung suchen, schauen und beobachten wollen oder auch mit anderen unverbindlich ins Gespräch kommen und plaudern wollen. Zwischen dem UBahn-Aufgang und dem Eissalon ist immer etwas los – sei es, weil Straßenmusikant_innen aufspielen, sei es, weil verzierte Ostereier oder kleine Häkelarbeiten zum Verkauf angeboten werden, sei es, weil man den Leuten beim Vorbeigehen oder auch beim Eisessen zuschauen kann etc. 33 Abb. 20: Fotos zum Zentrum des Reumannplatzes Das kunterbunte Durcheinander verleiht dem Bereich hohes urbanes Flair. Die Menschen sitzen und unterhalten sich, suchen unverbindliche Kommunikation, lesen Zeitung, lösen Rätsel, telefonieren oder spielen mit ihrem Handy und lassen sich von besonderen Ereignissen gerne ablenken. Straßenmusikant_innen nutzen den Bereich als(Kleinkunst-)Bühne und bieten einem neugierigen Publikum witzige und abwechslungsreiche Vorstellungen – von klassischer Musik auf einem Flaschenklavier über Rockmusik mit elektronisch verstärkten Besen- und Schaufel-Gitarren bis zu den Klängen einer Saz-Langhalslaute. Verweilende wie auch Passant_innen hören und schauen zu, lachen und machen Fotos, dirigieren und pfeifen mit. Das„Zentrum“ ist der Hauptaufenthaltsbereich von Erwachsenen und insbesondere auch von älteren Menschen am Reumannplatz. Während jüngere Erwachsene diesen Teil verstärkt als Passant_innen durchqueren und oft nur zwischendurch bei einem Eis, nach dem Abholen der Kinder von der Schule oder nach dem Erledigen von Einkäufen kurz eine Pause machen, bilden ältere Menschen hier das Stammpublikum. Es sind vor allem Senior_innen mit Migrationshintergrund, die regelmäßig in den Nachmittags- und Abendstunden den Platz aufsuchen, während Senior_innen mit österreichischem Hintergrund nur vereinzelt anzutreffen sind.(Dies liegt u. a. daran, dass in der unmittelbaren Umgebung vergleichsweise wenig Pensionist_innen mit österreichischem Hintergrund wohnen bzw. diese auch in den heißen Sommermonaten häufig auf andere, meist private Freiräume wie z. B. Kleingärten am Stadtrand zurückgreifen können – siehe dazu auch das Kapitel„Ältere Menschen am Reumannplatz“). Abb. 21: Straßenmusik am Reumannplatz Interessant ist, dass im nördlichen, sehr belebten Bereich des Zentrums vom U-Bahn-Aufgang zum Eissalon verstärkt Frauen Platz nehmen bzw. hier ihre Stammplätze etabliert haben, während in Richtung Süden immer mehr Männer hinzukommen und Frauen nur noch vereinzelt anzutreffen sind. Hier wird das Zentrum auch aufgrund der Bepflanzung dunkler und wirkt weniger gepflegt. Ganz im Süden befindet sich ein Rückzugsbereich, der verstärkt von(jüngeren, manchmal auch älteren) Alkohol konsumierenden Männern aufgesucht wird, die sich zum Teil auch untereinander kennen. Dadurch, dass Passant_innen auf ihrem Weg zu einer der Bushaltestellen aber auch hier durchgehen, wirkt dieser Bereich nicht geschlossen – und bietet z. B. in der heißen Jahreszeit, wenn Sitzplätze und 34 Schatten rar und heiß begehrt sind, auch Platz für andere Menschen, die es nicht stört bzw. für die es nicht ersichtlich ist, dass Männer hier Alkohol konsumieren. Zusammenfassend kann zum„Zentrum“ des Reumannplatzes gesagt werden:  dass es in sich wieder in verschiedene Teilbereiche und Nischen untergliedert ist,  dass der Eissalon Tichy dem Bereich Identität verleiht und Anziehungspunkt für ein heterogenes Publikum aus nah und fern ist,  dass hier die Hauptader des Passant_innen-Flows verläuft und Schüler_innen einen nicht geringen Anteil der Passant_innen ausmachen,  dass das Zentrum aufgrund der hohen Anzahl an verweilenden und passierenden Menschen, der Heterogenität des Publikums etc. einen ausgeprägten urbanen Charakter besitzt,  dass die vorrangigen Nutzungen hier sitzen, zuschauen, plaudern und Eis schlecken sind,  dass ältere Menschen und insbesondere Senior_innen mit Migrationshintergrund das Zentrum sehr stark nutzen und das Stammpublikum in diesem Bereich ausmachen und  dass sich im nördlichen Bereich verstärkt weibliche Pensionist_innen aufhalten und ihr Anteil nach Süden hin abnimmt. 4.2.2 Der„Park“ am Reumannplatz Abb. 22: Fotos zum Park am Reumannplatz Der„Park“ befindet sich im östlichen Teil des Reumannplatzes, ist gekennzeichnet durch hohen Baumbewuchs und umfasst zwei eingezäunte Kinderspielbereiche. Letztere sind wie auch die Sträucher- und Baumgruppen an den Rändern dieses Teilraums raumbildend. Charakteristisch sind hier viele alte Bäume –„(…) ein grüner Dschungel(…)“ –, die Schatten spenden und für ein im Hochsommer erträgliches Kleinklima sorgen. Die Wegeverbindungen werden als Plätze genutzt, insbesondere an den Kreuzungsbereichen zwischen den beiden Kinderspielplätzen. Die Wege sind asphaltiert und daher in den breiteren Bereichen gut geeignet für Hüpfspiele, um Ball zu spielen oder Bodenmalereien anzubringen. Die schmäleren Zugangsbereiche dieses Teilraums – vor allem zur Bürgergasse und zur Laaerbergstraße – wirken durch die dichte und hohe Strauchbepflanzung dunkel und finster. Diese Bereiche sind auch schlechter einsehbar und von geringerer sozialer Kontrolle gekennzeichnet. Die Beleuchtung erfolgt entlang der Wege mittels 14 Kugellampen, und der zentrale Bereich wird mittels einer neuen Peitschenlampe mit LED erhellt. Es gibt ein Blindenleitsystem, das den Hauptweg entlangführt, sowie einen(wieder aktiven) Trinkbrunnen. Neben einigen Sitzbänken in den Kinderspielbereichen gibt es nur entlang der Sträucher- und Baumgruppe zu den Stationsgebäuden des öffentlichen Verkehrs hin eine Reihe von Sitzbänken. 35 Abb. 23: Fotos zum Park am Reumannplatz Wie schon das Zentrum des Reumannplatzes wird auch der Park sehr stark genutzt, sodass es in der heißen Jahreszeit in den Nachmittags- und Abendstunden oft nur schwer möglich ist, einen Sitzplatz zu finden. Während das Zentrum vor allem von älteren Menschen auf der Suche nach Anregung und Abwechslung zum Schauen, Beobachten und Plaudern aufgesucht wird, sind es im Park vor allem Erwachsene mit Kindern, die zur Kinderbeaufsichtigung in diesen Bereich des Reumannplatzes kommen. Die Unterhaltung mit anderen, meist bereits bekannten erwachsenen Parkbesucher_innen passiert sozusagen nebenbei. Die beiden Kinderspielbereiche werden intensiv genutzt, und in den Gesprächen äußern die Nutzer_innen alt wie jung allgemeine Zufriedenheit mit ihrem Hauptaufenthaltsbereich und auch mit den beiden Kinderspielflächen. Der unmittelbar an das Amalienbad angrenzende Gerätespielbereich ist im Bereich des Parks mit einem hüfthohen Holzzaun begrenzt, der von Kindern und auch Erwachsenen immer wieder lustvoll überklettert bzw. überstiegen wird oder zwischendurch auch als Aussichtsplattform dient. Im Vergleich zu den anderen Bereichen des Reumannplatzes weist der Park einen höheren Anteil an Stammpublikum auf. Auch hier sind sehr viele verschiedene ethnische Gruppen vertreten, die alle nebeneinander – teilweise auf den immer gleichen„Stammbänken“ – ihren Platz finden, untereinander jedoch kaum Kontakt miteinander haben. Zwar spielen die Kinder in verschiedensten Gruppenzusammensetzungen miteinander, doch die Erwachsenen bleiben meist unter sich. Mit ein Grund dafür ist, dass sie neben der Kinderbetreuung vor allem auch in den Park kommen, um sich mit ihren Bekannten und Freund_innen zu unterhalten, und weniger – wie die Senior_innen im Zentrum – um zu schauen, zu beobachten und sich unverbindlich mit anderen Besucher_innen über das Geschehen auszutauschen. So trifft sich z. B. eine Gruppe türkischsprachiger Frauen unterschiedlichen Alters bereits seit Jahren täglich an den Sommernachmittagen am immer gleichen Stammplatz – zwei, drei und manchmal auch vier Bänke entlang eines der Übergänge zwischen dem Ost- und dem Westteil des Reumannplatzes. Interessant ist, dass die Frauen sich hier im Park kennengelernt haben und größtenteils nicht miteinander verwandt sind. Die Älteren sitzen auf den Bänken und unterhalten sich, die Jüngeren und auch Kinder stehen davor und mischen ebenfalls im Gespräch mit. Wie schon durch das Zentrum führt auch durch den Park des Reumannplatzes ein immer wieder anund abschwellender reger Strom an Passant_innen auf ihrem Weg von und zu den Bushaltestellen im östlichen Teil sowie in die weitere Nachbar_innenschaft. Auch hier werden in den Wartebereichen der Bushaltestellen verstärkt die niedrigen gemauerten Beeteinfassungen zum Sitzen und Warten genutzt. Und auch hier im Park machen – nachdem die Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe direkt an den Park angrenzt – Schüler_innen einen nicht unwesentlichen Teil der Passant_innen aus. Der Passant_innen-Flow konzentriert sich vor allem auf den Bereich unmittelbar entlang des Amalienbades wie auch entlang des parallel verlaufenden Hauptweges, der vom U-BahnAufgang Richtung Laa erbergstraße und damit auch über den„Platz“ innerhalb des Parks führt. Dieser 36 Platz wird von Kindern immer wieder für Bewegungsspiele und Ballspiel genutzt. Interessant ist, dass der entlang des Durchgangs verlaufende taktile Bodenstreifen für sehbeeinträchtigte Menschen als eine Art Trennstreifen zwischen Passant_innen und Verweilenden wirkt. Zwar wird der Weg z. B. von Kindern auf dem Weg vom Gerätespielbereich zu den sie begleitenden Erwachsenen zwar immer wieder gekreuzt, Kinderspiel selbst konzentriert sich jedoch – sofern es nicht auf den ausgewiesenen Flächen stattfindet, vorrangig im Platzbereich neben dem Hauptweg. Im Park des Reumannplatzes befindet sich am südöstlichen Ende auch ein bei Jugendlichen sehr beliebter Rückzugsbereich, den junge Menschen aufsuchen, wenn sie unbeobachtet von Erwachsenen Zeit miteinander verbringen wollten(vgl. dazu auch das Kapitel„Jugendliche am Reum annplatz“). Auf Bänken entlang eines relativ uneinsichtigen Seitenweges etwas abseits vom Geschehen treffen sie sich, um zu plaudern, zu schäkern, Zigaretten zu rauchen oder einfach ihre Ruhe zu haben. Von älteren Nutzer_innen des Zentrums des Reumannplatzes wurde zum Park angemerkt, dass dieser Bereich für sie weniger interessant sei, weil sich hier vor allem Erwachsene im Rahmen der Betreuung von Kindern aufhalten und es ihnen hier zu laut sei. Interessant war, dass im Laufe der Beobachtungen der entlang des Hauptweges befindliche Trinkbrunnen, der seit einigen Jahren nicht mehr eingeschaltet war, im Laufe der Sommersaison zu Überraschung aller plötzlich Wasser führte. Zusammenfassend kann zum„Park“ des Reumannplatzes gesagt werden:  dass der Park wie das Zentrum ebenfalls sehr stark frequentiert, jedoch vor allem von Erwachsenen und Kindern im Rahmen der Kinderbeaufsichtigung und weniger von älteren Menschen genutzt wird,  dass sich im Park ein vergleichsweise höherer Anteil an Stammpublikum – bestehend aus Menschen verschiedenster ethnischer/kultureller Gruppen, unter denen es nur losen Austausch gibt – etabliert hat,  dass ein uneinsichtiger Bereich des Parks von Jugendlichen als Rückzugsort genutzt wird und  dass das Miteinander von Verweilenden und Passant_innen gut funktioniert. 37 4.2.3 Der Vorplatz des Amalienbades Abb. 24: Fotos zum Vorplatz des Amalienbades Der Vorplatz des unter Denkmalschutz stehenden Amalienbades 5 besticht durch seinen repräsentativen Charakter – das historische Mosaikpflaster, die symmetrische Ausrichtung der Säulenpappeln und die Anordnung der Sitzbänke beziehen sich auf den Haupteingang und die Fassade des Amalienbades. Rund um den Vorplatz steigt das Gelände leicht zu den Geleisen und zum U-Bahn-Zugang an; diese grünen Flächen sind locker mit einzelnen Bäumen bepflanzt und ermöglichen gute Einsehbarkeit und Blickbeziehungen. Die diese Böschungen einfassenden ca. 0,9 m hohen Mauern werden auch oft zum Sitzen, Balancieren oder Anlehnen genutzt. Entlang des Amalienbades verläuft ein asphaltierter Weg, der zu den Bushaltestellen an der Seite des Amalienbades(in der Buchengasse) führt und auf dem, im Vergleich zum Vorplatz selbst, viele Passant_innen unterwegs sind. Die Beleuchtung erfolgt mittels Kugellampen; direkt vor dem Amalienbad(am Übergangsbereich zwischen Weg und Platz) gibt es neue Radbügel und eine Telefonzelle. Abb. 25: Fotos zum Vorplatz des Amalienbades Im Vergleich zum Park stellt der niedriger gelegene, ebenfalls schattenspendende Vorplatz des Amalienbades vor allem auch in den heißen Sommermonaten einen angenehmen Ruhe- und Rückzugsort dar. An kälteren und feuchteren Tagen ziehen die Besucher_innen des Reumannplatzes meist andere Bereiche vor. Die unterschiedlichen Höhen, die in Richtung des Parks sowohl mit einer Treppe als auch mit einer Rampe mit Handlauf überbrückt werden, animieren Kinder immer wieder zum Klettern und dienen ihnen als„Aussichtswarte“. Während die Achse vom U-Bahn-Ausgang hinunter zur Wielandgasse vorrangig dem zielstrebigen Gehen zu den an der Nordseite des Amalienbades gelegenen Busstationen dient, bildet der versenkte Vorplatz eine Ruheinsel, die gerne auch von jungen Menschen aufgesucht wird. Hier ist – im Vergleich zum Zentrum, zum Park wie auch zu anderen Bereichen des Reumannplatzes – weniger los, die Menschen sitzen meist allein, zu zweit oder in kleinen Gruppen. Während in anderen Bereichen Besucher_innen sich oft sehr lange und auch über einige Stunden aufhalten, dient der Vorplatz des Amalienbades vor allem dazu, kürzere Pausen einzulegen, sich kurz zu unterhalten, auf jemanden zu warten oder auch – wie im Falle 5 Namensgeberin des Amalienbades war die erste Favoritener Gemeinderätin Amalie Pölzer(1871 – 1924) 38 mancher Jugendlicher – heimlich eine Zigarette zu rauchen u. Ä. Danach gehen die Nutzer_innen weiter ihrer Wege. Der Vorplatz des Amalienbades hat mit Blick auf den Reumannplatz durch das Gebäude des Amalienbades selbst wie auch durch sein Bodenmosaik am ehesten repräsentativen Charakter, der jedoch aufgrund des alten Baumbestands nicht wirklich ins Auge sticht. Während in früheren Jahrzehnten das Amalienbad als Gebäude eine identitätsstiftende Funktion für den Reumannplatz besaß, tritt es heute eher unauffällig in Erscheinung. So meinte ein_e Interviewpartner_in:„Man kann das Amalienbad auch übersehen am Reumannplatz.“ Auch wurde in den Gesprächen mehrfach von Interviewpartner_innen darauf Bezug genommen, dass sich in der unmittelbar an den Vorplatz angrenzenden Grünfläche Richtung Favoritenstraße, die derzeit abgesperrt ist, früher ein repräsentatives und identitätsstiftendes rundes Beet mit dem Wappen des Bezirks, des Amalienbades sowie der Magistratsabteilung 42 befunden habe und hier auch jährlich der Favoritener Christbaum aufgestellt wurde. Beides wurde als Verlust thematisiert. Nichtsdestotrotz bietet der Vorplatz gerade auch ob der Kühle, des Schattens und auch der etwas versteckten Lage wichtige Qualitäten für den Reumannplatz. Das Amalienbad selbst bemängelt für den eigenen Betrieb, dass es für größere Anschaffungen keine geeignete Liefereinfahrt besitzt, da der Hinterhof Richtung Herndlgasse mit größeren Ladungen nicht befahren werden darf und diese so über den – an sich nicht befahrbaren – Haupteingangsbereich vom Vorplatz des Amalienbades aus ins Bad transportiert werden müssen. Die Verlängerung der U1 wird als Vorteil gesehen, weil dadurch weitere Besucher_innen aus Favoriten angezogen werden können. Da sich das Publikum der Therme Wien mit dem des Amalienbades nicht überschneidet – letzteres zieht vor allem Menschen an, die sich die Therme Oberlaa nicht leisten können bzw. wollen –, wird keine diesbezügliche Konkurrenz befürchtet. Ecke Reumannplatz/Wielandgasse befindet sich – sozusagen neben dem Eissalon Tichy ein weiteres gastronomisches Angebot – das Café Walther, das bereits in der Nutzungsanalyse der Gebietsbetreuung als lokaler Treffpunkt vor allem für Favoritner_innen mit österreichischem Hintergrund Erwähnung fand(Gebietsbetreuung Stadterneuerung Favoriten 2010, S. 19). Das „Kaffeehaus im Herzen von Favoriten – direkt am Reumannplatz“(vgl. www.cafe-walther.at) besitzt am Platz jahrzehntelange Tradition und wird von einem hohen Anteil an Stammgästen regelmäßig aufgesucht. Von außen uneinsichtig, bietet es vor allem für Publikum in den mittleren Jahren einen Rückzugsort in vertrauter Atmosphäre. Für ältere Menschen scheint u. a. die Lautstärke im Lokal mit ein Grund dafür, warum sie das Café über die Zeiten des Mittagsmenüs hinausgehend weniger regelmäßig aufsuchen. Interessant ist, dass das Café Walther, obwohl es in ähnlicher Entfernung und Anbindung zum Platz liegt wie der Eissalon Tichy und sehr gut besucht ist, weit weniger bis gar nicht platzprägend wirkt. In den Gesprächen war das Café Walther zwar vielen Interviewpartner_innen bekannt und einige bezeichneten sich auch als Stammkund_innen, doch es wurde als nicht mehr zum Platz gehörig eingestuft. Die hohe Außenwirksamkeit des Eissalons Tichy ergibt sich u. a. auch durch den Straßenverkauf und die Tatsache, dass der Eiskonsum in den öffentlichen Raum hineinwirkt. 39 Zusammenfassend kann zum Vorplatz des Amalienbades gesagt werden:  dass er vor allem Ruhe- und Rückzugsort ist,  dass er vergleichsweise weniger als z. B. das Zentrum und der Park frequentiert wird und  dass er vor allem für kürzere Aufenthalte aufgesucht wird. 4.2.4 Die Favoritenstraße Abb. 26: Fotos zur Favoritenstraße Der im Norden direkt an den Reumannplatz anschließende Abschnitt der Favoritenstraße zwischen Quellenstraße und Buchengasse stellt einen Übergangsbereich zwischen dem Platz und der Fußgänger_innenzone dar und wirkt wie ein weiterer Teilbereich des Reumannplatzes. Der Straßenraum ist geprägt durch die Straßenbahngeleise und der beginnenden Fußgänger_innenzone. Im Bereich der Quellenstraße befindet sich der zweite U-Bahn-Zugang zur Station Reumannplatz. Die Seitenräume der Quellenstraße sind mit einer Baumreihe und beidseitiger Kugelbeleuchtung ausgestattet, welche die gleichen sind wie die am Reumannplatz. Die Favoritenstraße verfügt in diesem Abschnitt über keine Bäume, dafür stehen Sitzbänke Rücken an Rücken und bieten die Möglichkeit für konsumzwangfreien Aufenthalt. Abgesehen davon wird rund um die U-Bahn-Station auch auf dem vorspringenden Sockelmauerwerk gesessen. Der Boden ist asphaltiert und mit Betonplattenstreifen gestaltet. Ein Blindenleitsystem verläuft entlang der Gebäudefronten und führt zu den Haltestellen des öffentlichen Verkehrs. Angezogen von der hohen Passant_innenfrequenz bieten Zeitungsverkäufer_innen Lesestoff, Würstelstände und ein Blumenstand ihre Waren an. Eine Attraktion für die Kleinsten ist ein Karussell. Es gibt hier auch zwei Mal die Möglichkeit, Fahrräder an Radbügeln abzustellen – einmal an der U-Bahn-Station Quellenstraße, einmal an der Grenze zum Reumannplatz. Hier kann man über einen Zugang zur Tiefgarage am Reumannplatz gelangen – dieser Ort ist neben einer informellen Begegnungszone auch ein wahrer„ urban mobility hub“. Abb. 27: Fotos zur Favoritenstraße 40 In der Favoritenstraße am Reumannplatz herrscht reges Treiben: Menschen aller Altersgruppen lassen sich auf den vielen Sitzmöglichkeiten sowie im Haltestellenbereich nieder, während sie auf das Eintreffen der Straßenbahnlinie 67 oder auf Freund_innen und Bekannte warten, Essen von McDonald`s konsumieren, Zeitung lesen, Leute beobachten oder einfach eine kurze Pause einlegen und in der Sonne sitzen. Auch treten vereinzelt Straßenmusikant_innen auf. In der Quellenstraße fahren Straßenbahnen und Autos während gleichzeitig unzählige Fußgänger_innen den Bereich kreuzen – sodass von Interviewpartner_innen in Anspielung auf die Mariahilfer Straße von einer inoffiziellen„Begeg n ungszone“ gesprochen wird, die sehr gut funktioniert. Interessant ist, dass in diesem Bereich im Vergleich zum Zentrum des Reumannplatzes mehr ältere Menschen mit österreichischem Hintergrund anzutreffen sind. Ein Grund dafür kann sein, dass hier für das Warten auf öffentliche Verkehrsmittel vermehrt Sitzmöglichkeiten zur Verfügung stehen und dies die Senior_innen – auf ihren täglichen Wegen – verstärkt zum Verweilen einlädt. Darüber hinaus ist der McDonald`s bzw. der Hauseingang unmittelbar daneben ein bei Jugendlichen beliebter Treffpunkt. Die mobile Jugendarbeit Back on Stage berichtet, dass sich Bewohner_innen immer wieder durch sich im Eingangsbereich aufhaltende Jugendliche gestört fühlen, weswegen die Jugendarbeiter_innen auch regelmäßig diesen Ort aufsuchen. Dadurch, dass der Eingangsbereich überdacht und relativ uneinsichtig ist, bietet er Jugendlichen sowohl Schutz bei schlechtem oder kühlerem Wetter als auch vor neugierigen Blicken Erwachsener. Die Nische ist, so ein_e Interviewpartner_in:„(…) wie in der Disco der Gang zum Klo(…)“ – hier stehen alle dicht gedrängt nebeneinander und unterhalten sich. Zusammenfassend kann zum Abschnitt Favoritenstraße zwischen Quellenstraße und Buchengasse gesagt werden:  dass er als weiterer sehr belebter Teilbereich des Reumannplatzes gesehen werden kann, der wie eine inoffizielle„Begegnungszone“ funktioniert,  dass sich hier Menschen aller Altersgruppen aufhalten und stärker als in anderen Teilbereichen auch ältere Menschen mit österreichischem Hintergrund auf ihren alltäglichen Wegen Platz nehmen,  dass die Passage des Hauseingangs neben dem McDonald`s von Jugendlichen als wetterfester Treffpunkt genutzt wird. 41 4.2.5 Der„Platz“ am Reumannplatz Abb. 28: Fotos zum„Platz“ am Reumannplatz Von der Favoritenstraße Richtung Reumannplatz kommend befindet sich der„Platz“ am Reumannplatz. Dieser Teilraum liegt an der Nahtstelle zwischen Reumannplatz und Favoritenstraße und ist durch eine Treppenanlage bzw. eine nachträglich eingebaute Rampe erreichbar. Beides ist mit Handläufen ausgestattet. Der Platz ist charakterisiert durch Asphalt- und Betonplattenbelag und eine Betonpergola, welche den Platz zu den Geleisen und zur Favoritenstraße hin abgrenzt. Diese Materialien machen ihn im Hochsommer zu einem wahrlichen„Hotspot“. An der Westseite(vor der Apotheke) begrenzen von Betonmauern einfasste Pflanzbeete, Buswartehäuschen und Lüftungsschächte der U-Bahn den Platz. Nach Süden hin begrenzt ihn eine mehrstufige undurchsichtige Gehölzpflanzung(„Gehölzpyramide“) mit vorgelagerten blühenden Stauden. Sitzgelegenheiten finden sich unter der Pergola in Form von roten metallenen Sitzbänken sowie in Form von Holzbänken entlang der Gehölzpflanzung. Gesessen wird aber auch auf den zahlreichen Mäuerchen rund um den Platz und auf dem betonierten Rondell in der Mitte. Neben der eher spärlich bewachsenen Pergola und einer Gehölzgruppe hin zu den Geleisen ziert noch ein mobiler Kleinbaum den Platz. Die Beleuchtung erfolgt durch Kugellampen an den Rändern des Platzes. Die Bäckerei Felber betreibt im U-Bahn-Stationsgebäude einen Bäckerladen mit Zugang vom Platz aus und mit einem kleinen Schanigarten. Dieser ist durch mobile Pflanztröge vom restlichen Platz abgegrenzt. Abb. 29: Fotos zum„Platz“ am Reumannplatz Dieser Bereich des Reumannplatzes ist der einzige Bereich, der potenziell Platzcharakter besitzt, der jedoch durch die derzeitige Bebauung sehr begrenzt ist. Im Vergleich zu den anderen Teilbereichen des Reumannplatzes wird der„Platz“ weit weniger genutzt und wi rkt manchmal auch zu„ HochZeiten“ sogar leer. Nur bei den Bushaltestellen entlang der Ostseite kommt es zu Gedränge, da nach hinten aufgrund der Bebauung kein Platz zum Ausweichen besteht. Seitens verschiedener Gesprächspartner_innen wird angeführt, dass dieser Bereich keine wirkliche Funktion, besonderen Qualitäten oder Identität besitzt. Kritisiert wird insbesondere die – den Reumannplatz trennende – Pergola als„(…) reines Betonmonster,[die] bildet keinen Schatten,[sie] bildet auch keinen Weg, sondern führt direkt in den Mistkübel(…)“. Die einzige Funktion der Pergola bestehe darin, dass Tauben darauf ihren Platz nehmen. Allgemein bietet der„Platz“ kaum Schatten, die ausschließlich 42 metallenen(kühlen) Sitzmöglichkeiten laden nicht zum längeren Verwei len ein. Am„Platz“ befindet sich eine Ströck-Filiale, die auch einen kleinen, von Thujen begrenzten, etwas versteckten Schanigarten betreibt. Dieser fällt von außen kaum auf und wird vor allem als Rückzugsort genutzt. Im Gegensatz zu den öffentlichen Fläc hen im angrenzenden„Zentrum“, die verstärkt unverbindliche Kommunikation und flüchtige Begegnungen auch zwischen einander nicht bekannten Menschen fördern, lädt der Ströck-Schanigarten wie auch Cafés im Allgemeinen vor allem zu privater Kommunikation und zum Austausch mit bereits Bekannten ein. Während der Platz tagsüber nur wenig Aufenthaltsqualitäten besitzt, dient er manchen Nutzer_innen und insbesondere auch Jugendlichen in den Abend- und Nachtstunden als Treffpunkt. Zu dieser Zeit sind andere Bereiche des Reumannplatzes eher dunkel und wenig ausgeleuchtet, der Platz bietet vergleichsweise am meisten Licht. Zusammenfassend kann zum„Platz“ am Reumannplatz gesagt werden,  dass er vergleichsweise extensiv genutzt wird und von den Nutzer_innen und Anwohner_innen und – u. a. ob seiner Verbauung und„Verhüttelung“ – als funktionslos kritisiert wird sowie  dass er in den Abendstunden ob der besseren Ausleuchtung mehr in Anspruch genommen wird. 4.2.6 Die Geleise der Straßenbahnlinie 67 Abb. 30: Fotos zu den Geleisen der Straßenbahnlinie 67 Der Gleisraum ist ein ca. 160 m langer und ca. 18 m breiter Nord-Süd-verlaufender Teilraum, der sich durch die Trasse der Straßenbahnlinie 67 auszeichnet. Als monofunktional gestalteter Trassenraum ist neben den Schienen Asphalt das vorherrschende Material. Abgesehen von den Gebäuden gibt es hier keine schattenspendenden Ausstattungselemente. In der Hauptquerungsrichtung weist ein Blindenleitsystem den Weg über die Schienen. Der Bereich des zentralen Umsteigepunkts zwischen Straßenbahn und U-Bahn ist von Wartehäuschen und Stationsgebäuden geprägt. Dort ist zu den Betriebszeiten des öffentlichen Verkehrs immer etwas los, die hohe Passant_innenfrequenz lockt auch Zeitungsverkäufer_innen, Straßenmusikant_innen und Bettler_innen an. Die Beleuchtung erfolgt mittels Kugellampen entlang der Gleistrasse, der zentrale Umsteigepunkt ist deutlich heller beleuchtet. Dieser Teilraum besticht durch eine gute Blickbeziehung sowohl in die Favoritenstraße nach Innerfavoriten als auch in die äußere Favoritenstraße. 43 Abb. 31: Fotos zu den Geleisen der Straßenbahnlinie 67 Dieser letzte der verschiedenen Teilbereiche des Reumannplatzes ist der der Geleise der Straßenbahnlinie 67 mit seinen Haltestellen sowie zusätzlichen Gebäuden wie dem Expedit-Raum, einem Aufenthaltsraum zur Pausengestaltung für Fahrpersonal der Wiener Linien. Die Geleise stellen die markante Trennlinie zwischen dem West- und dem Ostteil des Reumannplatzes dar. Sie nehmen derzeit sehr viel Platz ein und stellen ein großes Potenzial für die zukünftige Gestaltung des Reumannplatzes dar. Dies trifft auch auf das 200 m 2 große, von außen, da verspiegelt, uneinsichtige Expedit zu. 44 4.2.7 Der Reumannplatz in seiner„Gesamtheit“ In der Betrachtung der Nutzer_innen des Reumannplatzes zeigt sich also, dass sich diese – abgesehen von einer allgemein hohen Vielfältigkeit hinsichtlich des ethnischen/kulturellen Hintergrundes und den ebenfalls heterogenen Passant_innenströmen – je Teilbereich sehr unterschiedlich zusammensetzen. Während im„Zentrum“ bzw. allgemein im Westteil vor allem ältere Menschen(zu einem großen Teil mit Migrationshintergrund) aus der unmittelbaren Umgebung des Reumannplatzes das Stammpublikum bilden, sind dies im„Parkbereich“ bzw. im Ostteil vor allem Eltern bzw. Erwachsene mit Kindern im Rahmen der Kinderbeaufsichtigung. Abb. 32: Karte zu den Wegeverbindungen am Reumannplatz Wie die Beobachtungen, aber auch Gespräche mit Nutzer_innen, Anrainer_innen und Geschäftstreibenden zeigten, stellt der Reumannplatz einen wichtigen Aufenthaltsort und Freiraum insbesondere auch für Menschen, die mit geringeren Ressourcen ausgestattet sind, dar – für sie besitzt er die Funktion eines„erweiterten Wohnzimmers“. So berichteten z. B. zwei Anr ainer_innen, dass sie, da sie selbst über eine große Terrasse verfügen, nur selten den Reumannplatz aufsuchen, denn:„Die Leute, die jetzt dort sitzen, brauchen den Sitzplatz mehr als wir.“ Andere Anrainer_innen, die mobiler sind, suchen zur Erholung vermehrt größere Freiräume wie z. B. den Böhmischen Prater oder den Kurpark Oberlaa, aber auch private Eigengärten auf. Umgekehrt kommen jedoch auch Menschen vom Stadtrand zum Reumannplatz, um hier das rege Treiben und das städtische Leben zu 45 genießen. Interessant ist, dass Hundebesitzer_innen im Rahmen der Beobachtungen nur äußerst selten am Reumannplatz waren bzw. wenn, dann beim Überqueren des Platzes angetroffen werden konnten. Das Gassiführen findet auf anderen, weniger frequentierten Freiflächen wie z. B. dem nahegelegenen Antonsplatz statt. Wie die bisherigen Ausführungen bereits gezeigt haben, ist der Reumannplatz sowohl ein Ort des Verweilens als auch ein Ort des Passierens. Das Miteinander dieser beiden oft als entgegengesetzt verstandenen Funktionen läuft hier sowohl in den weniger stark genutzten Teilbereichen als auch in den stark frequentierten Bereichen wie dem„Zentrum“ und dem„Parkbereich“ oder der „inoffiziellen Begegnungszone“ in der Favoritenstraße zwischen Quellenstraße und Buchengasse größtenteils reibungslos ab. Der im Tagesverlauf beständig an- und abschwellende Passant_innenFlow macht dabei einen nicht unwesentlichen Teil der Attraktivität des Reumannplatzes für verweilende Menschen, die zum Schauen und Beobachten gekommen sind, aus, denn er erzeugt Lebendigkeit und sorgt für Abwechslung. Angesprochen auf mögliche Auswirkungen der U1Verlängerung nach Oberlaa auf den Reumannplatz, sind sich sowohl die verschiedenen Expert_innen, die im Grätzl arbeiten, als auch die interviewten Nutzer_innen und Anrainer_innen einig, dass der Platz weiterhin gut frequentiert und ein zentraler Grätzlplatz bzw. Wohngebietspark bleiben wird: „Der Reumannplatz wird nicht verwaisen.“ Die folgenden Darstellungen zeigen exemplarisch für die Aufenthaltsfunktion die Nutzung„Sitzen“ an vier verschiedenen Tageszeiten an einem Juni-Tag. Sie geben einen Hinweis auf die Nutzungsdynamik im Tagesverlauf. Abgesehen von Sitzbänken werden auch die vielen Böschungs- und Einfassungsmauern zum Sitzen genutzt. Eine Zählung der funktionalen Sitzgelegenheiten ergab 420 öffentlich nutzbare Sitzplätze, diesen stehen 40 Sitzgelegenheiten in Schanigärten(Tichy und Ströck) gegenüber. 46 Abb. 33: Kartierung der Nutzung„Sitzen“ in der Früh(7:00-7:30, am 24. 6. 2015) 47 Abb. 34: Kartierung der Nutzung„Sitzen“ am Vormittag( 11:00-11:30, am 24. 6. 2015) 48 Abb. 35: Kartierung der Nutzung„Sitzen“ am Nachmittag( 15:00-15:30, am 24. 6. 2015) 49 Abb. 36: Kartierung der Nutzung„Sitzen“ am Abend( 22:45-23:15, am 24. 6. 2015) 50 Während im Westteil das Verweilen und Beobachten sowie die unverbindliche Kommunikation mit ebenfalls verweilenden Bekannten, aber auch Unbekannten und natürlich auch das Eisschlecken die wesentlichen Aktivitäten ausmachen, liegt der Fokus im Ostteil des Reumannplatzes vor allem auf Kinderspiel sowie auf der Beaufsichtigung von Kindern und der Kommunikation mit anderen Eltern. Auch werden verschiedene Bereiche verstärkt als Rückzugsnischen genutzt, um zu zweit oder in kleineren Gruppen zu plaudern. Andere Aktivitäten wie z. B. Sport und Bewegung finden am Reumannplatz ob der extrem hohen Besucher_innenfrequenzen nur selten statt. Zwar nutzen einige Stammkinder Teile des asphaltierten Bereichs im„Park“ immer wieder für Ballspiel, doch erzählen ältere Kinder, die bereits selbstständig und ohne Begleitung Erwachsener unterwegs sind, dass der Reumannplatz aufgrund der hohen Besucher_innen- und Passant_innenfrequenz nicht für sportliche Aktivitäten geeignet sei und sie aus diesem Grund z. B. den in unmittelbarer Nähe liegenden weitläufigeren und weniger frequentierten Antonsplatz vorziehen, in dem sie ungestört ihrem Bewegungsdrang nachgehen können. In der Betrachtung des Reumannplatzes im Verhältnis zu anderen Parkanlagen und Plätzen in der unmittelbaren Umgebung zeigte sich in den Beobachtungen, dass diese jeweils andere Bedürfnisse abdecken. Der Antonsplatz bietet, wie schon erwähnt, Platz und dient – Kindern wie auch Jugendlichen und älteren Menschen – dazu, Luft zu schnappen, in Ruhe an Tisch-Bank-Garnituren zusammenzusitzen, im Ballspielbereich sportlicher Betätigung nachzugehen, mit dem Rad Runden zu drehen oder den Hund spazieren zu führen etc. Der Humboldtplatz wie auch der Wielandpark wiederum werden verstärkt von Müttern mit Kleinkindern, die hier regelmäßig ihre Nachmittage verbringen, aufgesucht. Aus Sicht einiger Erwachsener lassen sich„(…) fast keine unmittelbare(n) Bezüge zwischen dem Reumannplatz und anderen Plätzen in der Umgebung herstellen, obwohl sie nur ein paar Meter voneinander liegen(…)“, doch in Hinblick auf junges und insbesondere jugendliches Publikum zeigt sich, dass viele der umliegenden Parkanlagen von Stammgruppen sozusagen belegt sind, während dies am Reumannplatz nicht der Fall ist und er aus diesem Grund „offen“ für alle ist(vgl. dazu auch das Kapitel„Jugendliche am Reumannplatz“). Zum Verhältnis des Reumannplatzes zum Sonnwendviertel, in dem nach Fertigstellung des neuen Favoritener Stadtteils rund 20.000 Personen wohnen werden, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur sagen, dass sich aus Sicht der verschiedensten Gesprächspartner_innen entlang der Favoritenstraße erste Gentrifizierungstendenzen und Verdrängungsprozesse bemerkbar machen. Zum einen sind die Immobilienpreise im Gebiet zwischen Sonnwendviertel und Favoritenstraße sehr gestiegen und teilweise auch Bewohner_innen des Grätzls gefragt worden, ob sie ihre Wohnung verkaufen möchten. Zum anderen sind am Viktor-Adler-Markt bereits einige neue und„(…) hippere(…)“ Lokale entstanden. Die Durchmischung des Publikums ist spürbar, und manche Geschäftsleute erhoffen sich durch das Sonnwendviertel eine Aufwertung und damit kaufkräftiges Publikum für den 10. Bezirk. Ob die Bewohner_innen des Sonnwendviertels allerdings auch bis zum Reumannplatz finden, ist(noch) schwer einschätzbar. Spannend ist, dass der Reumannplatz von den Gesprächspartner_innen häufig in Zusammenhang mit der Einkaufsstraße Favoritenstraße thematisiert und als ihr Anfangs- oder auch Endpunkt gesehen bzw. auch mit ihr zu einem Sozialraum zusammengefasst wird. Insbesondere Kinder und Jugendliche bringen dieses Verständnis des Reumannplatzes und der Favoritenstraße als einem zusammenhängenden Raum in den Gesprächen ein. So erzählte z. B. ein Mädchen, das von ihrem Ausflug zum Reumannplatz, den sie selbstständig und ohne Begleitung Erwachsener unternommen hatte:„Ich war beim Reumannplatz, bis zur Kugel.“ Bei genauerem Nachfragen kam heraus, dass mit 51 der Kugel der Columbus- Platz gemeint war und mit dem Ausflug„zum Reumannplatz“ der ganze Bereich Reumannplatz/Favoritenstraße/Keplerplatz/Columbusplatz zusammengefasst worden war. Auch in der Sichtweise Jugendlicher zum Reumannplatz zeigt sich, dass sie diesen häufig in Zusammenhang mit der Favoritenstraße gemeinsam denken – z. B. wenn sie sich auch für den Reumannplatz sozusagen als Teil der Einkaufsstraße vermehrte Einkaufsmöglichkeiten wünschen (vgl. dazu auch das Kapitel„Jugendliche am Reumannplatz“). Aber auch ein Erwachsener, der in der Favoritenstraße wohnt, sagt,„ er drehe samstags gerne eine Runde“ – und diese Runde umfasst die Favoritenstraße, den Columbusplatz, den Viktor-Adler-Markt und den Reumannplatz. Abb. 37: Straßenübergänge Richtung Süden Allgemein wird der Reumannplatz von einem Großteil der Gesprächspartner_innen als Platz, an dem man sich sicher fühlen kann, wertgeschätzt. Als eine Gefahrenquelle werden, wie bereits erwähnt, mehrfach gefährliche Straßenübergänge vor allem im Süden des Platzes thematisiert. Durch die Mehrspurigkeit der Straße wie auch ihre Krümmung ist nur mangelnde Einsehbarkeit sowie Sichtbarkeit gegeben. Gerade hin zur Laaerbergstraße bzw. an der Kreuzung Davidgasse/Ettenreichgasse ergeben sich immer wieder gefährliche Verkehrssituationen. Hinzu kommt, dass im Süden des Reumannplatzes die Anbindung an die gegenüberliegende Erdgeschoßzone nur sehr marginal gegeben ist und allgemein die Nutzer_innenfrequenz nach Süden hin etwas nachlässt, gleichzeitig aber verstärkt männliche Nutzer diesen Bereich frequentieren. Gerade in den Abendstunden und bei schlechter Beleuchtung sind dies Faktoren, die beim Durchgehen durch bzw. beim Aufenthalt an den südlichen Rändern des Reumannplatzes Verunsicherung auslösen können. Während der Reumannplatz tagsüber ein Ort ist, der von vielen Frauen und Mädchen aufgesucht wird, wird er mit einbrechender Dunkelheit und vor allem auch Richtung Süden verstärkt zu einem männlich geprägten Ort:„Als Frau mag man am Reumannplatz am Abend nicht durchgehen, weil dort viele Männer stehen, Betrunkene stehen, die Jugendlichen sind nur männlich, dann gibt es sehr viele dunkle Ecken(…).“ Zwar lässt sich, so die Polizei, für den Reumannplatz keine Delikthäufung feststellen – es finden hier nicht mehr Übergriffe als auf anderen Plätzen Favoritens oder Wiens statt – und auch der Reumannplatz als„Drogenumschlagplatz“ wird von einem Großteil der Gesprächspartner_innen und insbesondere den Expert_innen aus verschiedenen sozialen Einrichtungen als Problem der Vergangenheit gesehen, doch erwähnen einige – vor allem ältere und weibliche – Nutzer_innen, dass oben genannte Faktoren manchmal zur Beeinträchtigung ihres subjektiven Sicherheitsgefühls am Reumannplatz beitragen. Die Reinigung eines derart frequentierten Platzes wie dem Reumannplatz stellt eine große Herausforderung dar, die sich die Magistratsabteilung 42(zuständig für den südlichen Teil) und die Magistratsabteilung 48(zuständig für die Bereiche Richtung Norden) teilen. Die Reinigung – entleeren der Mistkübel, kehren der Flächen etc. – erfolgt in der wärmeren Jahreszeit von Montag bis Sonntag zweimal täglich, in Spitzenzeiten, wenn der Eissalon Tichy geöffnet hat, auch dreimal. Nichtsdestotrotz ist mangelnde Sauberkeit ein Kritikpunkt, der sowohl an die zuständigen Stellen herangetragen als auch in den Gesprächen mit den Nutzer_innen genannt wird. Auch die Mitglieder 52 des Regionalteams kennen das Problem der starken Verschmutzung trotz der häufigen Entsorgung des Mülls. Da mit Mist und Essensresten oftmals Ratten einhergehen, ist es auffallend, dass im Rahmen der Beobachtungen kein einziges dieser Tiere am Reumannplatz angetroffen werden konnte und auch in den Gesprächen dieses Thema nicht angesprochen wurde. Dies ist u. a. darauf zurückzuführen, dass regelmäßig Giftköder für Ratten ausgelegt werden. 6 Da Hundebesitzer_innen, die ihren Hund am Reumannplatz Gassi führen, mehr oder weniger eine Ausnahme darstellen, ist auch die Verschmutzung durch Hundekot von den Gesprächspartner_innen nicht thematisiert worden. Auch hinsichtlich Vandalismus passiert am Reumannplatz – mit Ausnahme des Zusammentreffens gegnerischer Fußballfans im Vorfeld von Spielen in der Generali-Arena – nicht viel. Manchmal gibt es – wie an anderen Plätzen auch – Beschwerden, weil Kinder, Jugendliche oder auch Betrunkene Pflanzen ausreißen oder Spielgeräte kaputt gemacht werden. Was jedoch von verschiedensten Gesprächspartner_innen als ärgerlich angesprochen wurde und im Rahmen der Erhebungen auch mehrfach beobachtet werden konnte, sind Männer, die regelmäßig abgelegene Winkel und Büsche zum Urinieren benutzen. Abb. 38: Der Reumannplatz in der kalten Jahreszeit Während der Reumannplatz in der warmen Jahreszeit oftmals überfüllt ist, wird er in der kalten Jahreszeit vergleichsweise wenig genutzt und ist, so zwei Geschäftstreibende,„(…) im Winter[…] tot.“ Zwar strömen weiterhin Passant_innenströme zu den Bushaltestellen bzw. zur U-Bahn-Station 7 , andere Bereiche des Platzes wie z. B. der Parkbereich sind jedoch vergleichsweise wenig bis gar nicht belebt, was vor allem in der Dunkelheit bei manchen Durchgehenden ein Gefühl der Unsicherheit auslösen kann. Der große Unterschied zwischen Sommer und Winter wird auch dadurch verstärkt, dass in den letzten Jahren einige – symbolische und identitätsstiftende – Akte und Funktionen mittlerweile vom Reumannplatz verschwunden bzw. auf andere Favoritner Plätze ausgelagert worden sind. Von verschiedensten Interviewpartner_innen wird z. B. bedauert, dass am Reumannplatz kein Christbaum mehr aufgestellt wird und auch keine Weihnachtsbeleuchtung den Platz schmückt. Unabhängig von der Jahreszeit wird weiters das Fehlen des runden Beetes vor dem Amalienbad mit den Wappen des Bezirks, der Wiener Bäder und des Stadtgartenamtes als eine Besonderheit des Reumannplatzes in den Gesprächen mehrfach erwähnt, und Nutzer_innen des Reumannplatzes fragen – u. a. auch beim Stadtgartenamt – nach, was mit dem Rasenbereich vorm Amalienbad in Zukunft passieren wird. Auch andere Aktivitäten wie z. B. das Volxkino, das 6 Da am Reumannplatz auch geschützte Feldhamster wohnen, werden dazu professionelle Schädlingsbekämpfer_innen eingesetzt, die Rattenlöcher von Hamsterlöchern unterscheiden können. 7 Zwar hat das Stadtgartenamt MA 42 für Parkanlagen an sich keine winterliche Räumungspflicht, der Reumannplatz muss jedoch aufgrund seiner Funktion als stark frequentierter Verkehrsknotenpunkt komplett geräumt werden. 53 mittlerweile am Columbusplatz stattfindet, oder von der Jugendarbeit am Reumannplatz veranstaltete Jugendpartys sind mittlerweile abgewandert. Abb. 39: Winter am Reumannplatz Zusammenfassend kann gesagt werden:  dass sich die Nutzer_innen des Reumannplatzes je Teilbereich sehr unterschiedlich zusammensetzen und das„Zentrum“ vor allem ältere Menschen(mit Migrationshintergrund) aus der unmittelbaren Umgebung anzieht, während der„Park“ vorrangig von Eltern mit Kindern regelmäßig aufgesucht wird,  dass der Reumannplatz einen wichtigen Freiraum insbesondere für Menschen aus der unmittelbaren Umgebung, die nur mit geringen Ressourcen ausgestattet sind, darstellt,  dass Bewegung bzw. sportliche Betätigung aufgrund der hohen Nutzer_innenfrequenz am Reumannplatz nur sehr am Rande stattfindet bzw. auf andere in der Nähe liegende Grünflächen ausgelagert wird,  dass der Reumannplatz mit der Verlängerung der U1 nach Oberlaa – so die Einschätzung der unterschiedlichen Gesprächspartner_innen – nicht verwaisen wird,  dass der Reumannplatz insbesondere auch von jüngeren Menschen mit der Einkaufsstraße Favoritenstraße zu einem Sozialraum zusammengefasst wird,  dass die Straßenübergänge im Süden immer wieder gefährliche Verkehrssituationen produzieren,  dass der Reumannplatz in den Abend- und Nachtstunden oder in der kälteren Jahreszeit mit Einbruch der Dunkelheit von manchen Nutzer_innen als unsicherer Ort erlebt wird,  dass die Sauberkeit am Reumannplatz trotz sehr hoher Reinigungsfrequenzen seitens der zuständigen Magistratsabteilungen von einigen Gesprächspartner_innen als mangelhaft eingeschätzt wird und insbesondere in Büsche urinierende Männer als störend kritisiert werden,  dass sich in der Nutzung des Reumannplatzes ein großer Unterschied zwischen wärmerer und kälterer Jahreszeit zeigt und  dass das Abwandern von symbolischen Aktivitäten und Funktionen wie z. B. das Aufstellen des Christbaums bemerkt und auch bedauert wird. 54 4.3 Jugendliche am Reumannplatz Die Gruppe der Jugendlichen als Nutzer_innen des Reumannplatzes sollen im Folgenden eingehender betrachtet werden, da im Rahmen vorliegender Funktions- und Sozialraumanalyse auf sie und insbesondere auch auf jugendliche Mädchen ein Schwerpunkt gelegt wurde. Der Reumannplatz stellt für viele Jugendliche – sowohl Mädchen als auch Burschen – aus Favoriten, aber auch aus ganz Wien und auch aus dem Umland einen zentralen überregionalen Treffpunkt dar, von dem aus sie zu weiteren Aktivitäten starten:„Gemma Reuma nn! Man trifft sich am Praterstern, am Karlsplatz und am Reumannplatz.“ Obwohl der Reumannplatz kein spezifisches Angebot für Jugendliche und dementsprechend auch nur begrenzt Attraktivität für sie besitzt, wollen die jungen Menschen am regen Treiben im Zentrum Favoritens zumindest kurzzeitig teilhaben und„(…) sehen und gesehen werden(…)“, die Umgebung nach Gleichaltrigen screenen, flanieren und sich in Szene setzen etc., um danach gemeinsam in die Fußgänger_innenzone Favoritenstraße, zum Training oder am Abend auch in die Disco zu starten. So meint ein_e Expert_in im Interviews:„Am Reumannplatz ist immer ein Gewusel, das suchen Jugendliche(…)“, gleichzeitig aber„(…) kommt niemand[hierher], um den ganzen Nachmittag zu verweilen.“ Zu den hauptsächlichen Aufenthaltsbereichen von Jugendlichen am Reumannplatz gehören der Eingangsbereich zum McDonald´s in der Favoritenstraße sowie der danebenliegende Hauseingang. Dieser Bereich dient Jugendlichen als Nische, in der sie vor den Blicken Erwachsener etwas geschützt und unter sich sind, sowie als Unterstand bei Schlechtwetter oder in der kalten Jahreszeit (vgl. 4. 3. 4.). Der Vorplatz zum Amalienbad wird von Jugendlichen als Rückzugsraum zum ruhigen Plaudern zu zweit und in kleineren Gruppen genutzt(vgl. 4. 3. 3.). Ein weiterer, bei Jugendlichen und insbesondere bei Mädchen beliebter, weil uneinsichtiger Rückzugsbereich befindet sich, wie bereits erwähnt, am südöstlichen Ende des Parkbereichs auf Bänken entlang eines etwas abgelegenen Weges. Einen Mädchengruppe, die sich hier aufhält, nennt als Qualität dieses geheimen Ecks, dass sie hier – im Gegensatz zum Bereich vorm Eissalon Tichy – niemand kennt, denn:„Drüben gibt es zu viel Familie.“(vgl. 4. 3. 2.) In den Abendstunden sind Jugendliche auch am tagsüber weniger frequentierten„Platz“ anzutreffen, wo sie – u. a. aufgrund der besseren Beleuchtung in diesem Bereich – auch länger verweilen und sich miteinander unterhalten, was auch manchmal ein bisschen lauter werden kann(vgl. 4. 3. 5.). Das Zentrum des Reumannplatzes wird von Jugendlichen zwar weniger als Treffpunkt genutzt, aber natürlich halten sie sich hier wie viele anderen Besucher_innen auch auf, um zwischendurch ein Eis zu genießen. Ebenso ist der Reumannplatz nicht nur für Erwachsene, sondern auch, wie bereits erwähnt, für viele Jugendliche und insbesondere Schüler_innen ein zentraler Verkehrsknotenpunkt, den sie auf ihrem Weg zur und von der Schule kreuzen. Darüber hinaus bildet der Eissalon Tichy oft auch den Endpunkt von Schulausflügen. Auch in der kälteren Jahreszeit wird der Reumannplatz von Jugendlichen als Treffpunkt genutzt. Auffallend ist, dass Schüler_innen der Höheren Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe(HLW), die sich direkt am Reumannplatz befindet, den Reumannplatz nur selten bis gar nicht als Aufenthaltsort z. B. in längeren Pausen oder auch nach der Schule nutzen, sondern meist gleich weiter in die Favoritenstraße bzw. zu Bus und U-Bahn gehen. Weiters interessant ist, dass sich – im Gegensatz zu vielen anderen Parkanlagen in der Umgebung wie z. B. dem Antonsplatz, dem Arthaberpark oder dem Puchsbaumpark – am Reumannplatz kein „Stammpublikum“ an Jugendlichen etabliert hat, das diesen Freiraum sozusagen für sich beansprucht. So meinte ein_e Interviewpartner_in diesbezüglich:„Der Re umannplatz gehört allen.“, 55 was wiederum die übergeordnete, überregionale Funktion, die der Reumannplatz als Treffpunkt für Jugendliche besitzt, unterstreicht. Auffallend ist vor diesem Hintergrund und hier vor allem auch in Hinblick auf Gender, dass der Reumannplatz – ebenfalls im Gegensatz zu den oben genannten Parkanlagen Innerfavoritens – verstärkt Aufenthaltsort von jugendlichen Mädchen ist. Hierher kommen auch Mädchen, die sonst nicht in den Park gehen, denn:„Der Reumannplatz ist nicht wirklich ein Pa rk.“ Dies legt u. a. den Schluss nahe, dass das Stammpublikum mit Raumanspruch vor allem männlich ist, während sich Mädchen in einem Raum, der für alle offen ist, leichter etablieren. Auch wenn die größtenteils weiblichen Schüler_innen der HLW den Reumannplatz nur am Rande als Aufenthaltsort nutzen, so prägen sie ihn doch als Durchgehende als einen Raum, der(auch) weiblich konnotiert ist. Um mehr über die Sichtweisen von Mädchen zum Reumannplatz zu erfahren, haben wir im Rahmen des von der Agenda- Gruppe„Mädchen für Favoriten für Mädchen“ organisierten ReuMÄDCHENfestes am 16. Mai 2015 Gespräche mit Mädchen zum Reumannplatz geführt und sie gebeten, mittels der„Nadelmethode“ zu verorten, welche Räume am Reumannplatz gut(grün) und welche weniger gut(rot) funktionieren sowie sie wie auch andere Interessierte mittels Kärtchen nach der Bedeutung, die der Platz für sie hat bzw. danach, was der Reumannplatz noch braucht, gefragt. Die Nadelmethode ergab folgendes Bild:  Der Eissalon Tichy(grüne Punkte links im Bild) ist ein zentraler Anziehungspunkt für Mädchen.  Das Amalienbad wird von den Mädchen häufig besucht, und auch in den Gesprächen immer wieder erwähnt. Manche meinen, dass das Bad sauberer sein könnte.  Der Kleinkinderspielbereich im„Park“ (rote Punkte rechts unten) des Reumannplatzes erhielt viele rote Punkte, da er keine Angebote für ältere Kinder hat und für diese dementsprechend uninteressant ist.  Die Verkehrssituation vom Reumannplatz zur Laaerbergstraße sowie auch zur Bürgergasse wurde von den Mädchen als ein Ort, der am Reumannplatz nicht gut funktioniert, ausgemacht. Abb. 40: Nadelmethode zum Reumannplatz – ReuMÄDCHENfest, 16. 6. 2015 Die Nadelmethode wurde im Rahmen der Erhebungen auch an einem weiteren Termin am 22. September 2015 am Reumannplatz eingesetzt. An diesem Tag lag der Fokus vermehrt auf erwachsenen Besucher_innen des Reumannplatzes, die – dieses Mal mit blauen und gelben Punkten – Orte, die gut(gelb) und Orte, die weniger gut(blau) funktionieren, bepunkten konnten. Wie folgende Abbildungen im Vergleich zeigen, ergab sich dabei ein sehr ähnliches Bild: Auch bei Erwachsenen ist der Tichy ein uneingeschränkt beliebter Anziehungspunkt, das Amalienbad wird von vielen wertgeschätzt und der Kleinkinderspielbereich als mangelhaft erlebt. Interessant ist, dass die – verkehrsmäßige – Anbindung des Reumannplatzes Richtung Süden nicht thematisiert wurde, was u. 56 a. ein Hinweis darauf sein kann, dass Kinder und Jugendliche die Verkehrssituation hier prekärer erleben. Abb. 41: Nadelmethode Schwerpunkt Erwachsene, Abb. 42: Nadelmethode beim ReuMÄDCHEN-fest, 16. 6. 22. 9. 2015 2015 Als Grundlage für die folgenden Aussagen zur Bedeutung des Reumannplatzes für Mädchen dienen insgesamt 125 im Rahmen des ReuMÄDCHENfestes ausgefüllte Kärtchen mit den Ergänzungssätzen „Der Reumannplatz ist für mich …“ und„Der Reumannplatz braucht …“. Der Großteil der Kärtchen, nämlich 81%(102 Stück), war von Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 19 Jahren ausgefüllt worden – davon 66% von Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren. Ebenso waren 75% der Kärtchen (94 Stück) von Mädchen bzw. von Personen, die ihr Geschlecht als weiblich angegeben haben, ausgefüllt worden. 8 Auffallend ist der hohe Anteil positiver Äußerungen zum Reumannplatz – rund 61% bezeichneten ihn als„cool“,„toll“,„schön“,„lieb“„süß“ und„nett“, oder auch als den„lebendigsten Platz im Bezirk“, der einen fröhlich chaotischen Ort der Begegnung für jung und alt darstellt und an dem man immer Spaß haben kann. Hinsichtlich Gender ist auffällig, dass insbesondere Mädchen den Reumannplatz positiv konnotierten – rund 68% von ihnen gaben an, dass er ein cooler und toller Platz sei. Im Gegensatz dazu traf diese Aussage auf„nur“ 38% der befragten Buben zu. Letztere machten auch häufiger(23%) keine Angabe zu dem, was der Reumannplatz für sie für ein Ort ist. Dies mag u. a. damit zusammenhängen, dass am Tag des ReuMÄDCHENfestes der Platz vorrangig den Mädchen gewidmet war und diese dieses Angebot sehr positiv auffassten. 8 Hinsichtlich ihres Alters haben drei Personen keine Angaben gemacht, weitere neun Personen waren zwischen 40 und 59 Jahren, acht Personen über 60 Jahre alt. Hinsichtlich Gender haben 94 Personen weiblich, 26 männlich als ihr Geschlecht angegeben und fünf Personen keine Angaben dazu gemacht. 57 Abb. 43: ReuMÄDCHENfest am Reumannplatz, 16. 5. 2015 Interessant ist, dass der Reumannplatz von vielen als„sehr groß“ und„riesig“ erlebt wird, und dies oft in einen positiven Zusammenhang gestellt, von manchen aber auch als überfordernd erlebt wird, da er durch seine Größe auch unübersichtlich wird. Auch die Tatsache, dass der Platz sehr belebt ist und vielfältige Möglichkeiten für Kommunikation bietet, wird von vielen und insbesondere auch den jüngeren unter den Befragten als sehr positiv geschätzt, für einige vor allem ältere Menschen ist der Reumannplatz jedoch zu bevölkert(vgl. dazu das Kapitel„Ältere Menschen am Reumannplatz“). Allgemein sehen ältere Menschen den Reumannplatz kritischer und fühlen sich nicht immer wohl, während Kinder und Jugendliche im Rahmen der Befragung mit Ausnahme der manchmal in den Augen mancher mangelnden Sauberkeit keine negativen Attribute zum Reumannplatz anführen. In Gesprächen findet auch ein Mann mit dem Namen„Charlie“ Erwähnung, der allen Jugendlichen bekannt ist. Der geistig beeinträchtigte junge Mann wird immer wieder von größeren Burschen dazu angestachelt, Mädchen nachzustellen. Auf die Frage, was der Reumannplatz in ihren Augen noch braucht, wünschten sich Mädchen im Rahmen der Befragung – zusammengefasst – vor allem:  Sitzmöglichkeiten – Einerseits braucht es aus Sicht der Mädchen mehr davon, andererseits wird bei den derzeitigen Bänken hoher Sanierungsbedarf gesehen – viele der Bänke(und auch Tische) seien schmutzig und zerkratzt und könnten auch Farbe vertragen.  Mehr Grün und Farbe – Die soll u. a. durch(noch mehr) Blumen und Pflanzen, die gleichzeitig auch dem Naturschutz dienen, erreicht werden.  Mehr Spielmöglichkeiten und allgemein mehr Platz für Kinder – Für die(zusätzlichen) Spielund Aufenthaltsbereiche für Kinder werden u. a. ein Trampolin, ein Baumhaus, eine neue Rutsche, ein Basketballplatz, ein Brunnen, ein Waschbecken oder auch Pferde gewünscht. Abb. 44: Ausstellung„Mädchen gestalten den Reumannplatz“ – mehr Grün, mehr Farbe, bunte Sitzbänke Spannend ist, dass Sitzmöglichkeiten von Buben nicht zu den vorrangigen Wünschen den Reumannplatz betreffend genannt wurden. Mehr Grün und mehr Spielmöglichkeiten werden von einigen der Buben schon erwähnt, im Vordergrund stand jedoch der Wunsch nach einem„neuen Park“ und zusätzlich bewegungsorientier ten Angeboten wie einer Sporthalle, einem Parcourspark, einem Freibad etc. Interessant ist, dass Mädchen ihr Bedürfnis nach mehr Spielmöglichkeiten für 58 Kinder vor allem mit dem Begriff„Spielplatz“ beschrieben, Buben hingegen für das gleiche bzw. ähnliche Bedürfnis den Begriff„neuen Park“ nutzten. Die genannten Wünsche decken sich mit den Visionen, die Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen für die Aus stellung„Mädchen gestalten den Reumannplatz“, die am 19. Juni 2015 in der VHS Arthaberplatz eröffnet wurde 9 , erarbeitet haben. Auch hier standen mehr Sitzmöglichkeiten, die bunt, neu, sauber, gemütlich und auch für Gruppen geeignet sein sollen, ebenso wie mehr Grün und mehr Farbe und weiters auch noch Wasser bzw. ein Brunnen und bessere Beleuchtung im Vordergrund und fanden sich in den Exponaten der Mädchen künstlerisch visualisiert oder auch schon„materialisiert“ wieder. Abb. 45: Ausstellung„Mädchen gestalten den Reumannplatz“ – bessere Beleuchtung, Brunnen und Wasser Ein weiterer Wunsch, der im Rahmen der Befragung von sehr vielen Jugendlichen für den Reumannplatz geäußert wurde, ist der nach weiteren Einkaufsmöglichkeiten – zusätzliche Geschäfte sind sowohl für Mädchen als auch Burschen genauso wichtig wie mehr Spielplätze und ein„neuer Park“. Vorgeschlagen werden im Rahmen der Befragung u. a. verschiedenste Shops wie z. B. ein Nike Store, KFC, ein Playstation-Geschäft un d allgemein ein Shopping Center. Auch ein„größerer Tichy“ oder gleich ein„zweiter Tichy“ wird für den Reumannplatz vorgeschlagen. Da Jugendliche beim Shoppen nicht nur tatsächlich einkaufen, sondern Shopping Malls, Einkaufsstraßen und Einkaufscenter vor allem auch beliebte Jugendtreffpunkte und Kommunikationsorte(siehe z. B. auch Millennium City) darstellen, kann der Wunsch nach weiteren Einkaufsmöglichkeiten auch als Ausdruck eines sozialen Bedürfnisses nach einem Ort, an dem sie sich ungestört und ohne konkretes Ziel aufhalten und miteinander unterhalten können, verstanden werden. In Hinblick auf die Sauberkeit des Reumannplatzes wurde – vor allem auch von Mädchen und Frauen – genannt, dass größere Mistkübel wie auch WC-Anlagen dringend notwendig seien. Hinsichtlich sozialer Aspekte wünschen sich Mädchen„nettere Menschen“ am Reumannplatz. 4.4 Ältere Menschen am Reumannplatz Um mehr über die Sichtweise älterer Menschen zum Reumannplatz zu erfahren, haben wir einerseits Gespräche mit Senior_innen, die sich am Platz aufhalten, geführt, und andererseits auch am 8. Oktober 2015 eine Gruppendiskussion mit Besucher_innen des Pensionist_innentreffs des Kuratoriums Wiener Pensionisten Wohnhäuser in der nahegelegenen Troststraße durchgeführt, an der 29 Senior_innen, davon 26 Frauen und drei Männer, teilgenommen haben. 9 Die Ausstellung„Mädchen gestalten den Reumannplatz“ stellt neben dem ReuMÄDCHENfest eine weitere Aktivität der Agenda- Gruppe„Mädchen für Favoriten für Mädchen“ dar. 59 Abb. 46: Ältere Menschen am Reumannplatz Im Rahmen der Beobachtungen zeigte sich, dass sich am Reumannplatz – und hier insbesondere auch im„Zentrum“ der Anlage – sehr viele ältere Menschen aufhalten. Da, wie die Sekundäranalyse der statistischen Daten zum Untersuchungsgebiet zeigte, in der unmittelbaren Umgebung nur mehr wenige Pensionist_innen mit österreichischem Hintergrund wohnen, sind es vor allem Senior_innen mit Migrationshintergrund, die den Reumannplatz als Aufenthaltsort nutzen und zu seinem Stammpublikum zählen. Sowohl aus Gesprächen mit Betroffenen und lokalen Expert_innen als auch aus den Beobachtungen geht hervor, dass insbesondere die älteren Besucher_innen des Reumannplatzes von Armut betroffen sind und z. B. aufgrund von körperlichen Beschwerden aus früherer beruflicher Überbelastung nur in geringem Ausmaß mobil sind und mangels ökonomischer und sozialer Ressourcen verstärkt auf ihre unmittelbare Wohnumgebung als Aufenthaltsort angewiesen sind. So erzählte eine rumänischsprachige Seniorin, dass sie als Bedienerin in einem Krankenhaus gearbeitet habe und nun, nachdem ihr Mann gestorben sei, sie kein Auto habe und die Straßenbahnkarte zu teuer sei, sie es bis zum Reumannplatz schaffe, aber nicht weiter – ganz im Sinne Pierre Bourdieus, der meint:„Der Mangel an Kapital(…) kettet an einen Ort.“(Bourdieu 1997, S. 164) Hier trifft sie sich regelmäßig mit ihren Freundinnen, die ebenfalls in der Nähe wohnen bzw. für die der Reumannplatz gut erreichbar ist und die sie auch hier kennengelernt hat, und meint: „Was sollen wir sonst schon tun?“. Der Parkbereich des Reumannplatzes wie auch andere Parkanlagen in der Umgebung sind für sie weniger interessant, weil sich dort vor allem Mütter mit ihren Kindern aufhalten, weniger jedoch ältere Menschen wie sie selbst. Viele der Senior_innen am Reumannplatz haben Stammplätze und treffen sich am immer gleichen Ort. An der Selbstverständlichkeit und Sicherheit, mit der sie sich hier bewegen, auch andere ältere Menschen begrüßen etc., wird ersichtlich, dass sie hier„zu Hause“ sind. Auffallend ist, dass Senior_innen im Hochsommer weniger häufig am Reumannplatz anzutreffen sind als in den wohltemperierten Übergangszeiten im Frühling und im Herbst. Manchen der älteren Gesprächspartner_innen insbesondere ab ca. 75 Jahren ist das Tempo mit dem konstanten Passant_innen-Flow am Reumannplatz zu schnell, und sie wünschen sich mehr Sicherheit und Kontrolle. Auch ist der Reumannplatz, so wird allgemein konstatiert, als„(…) Ruheort für Pensionisten nicht geeignet(…)“. Es wird ersichtlich, dass die Gruppe der„Senior_innen“ ein breites Spektrum an Menschen unterschiedlichen Alters umfasst. Während für die jüngeren unter ihnen das rege Treiben am Reumannplatz häufig noch Abwechslung bedeutet, kann genau diese Charakteristik in späteren Jahren zu Verunsicherung führen oder auch Angst auslösen. Dies zeigte sich auch in der Gruppendiskussion mit den Besucher_innen des Pensionistentreffs in der Troststraße. Viele der Teilnehmer_innen gehörten dem älteren Segment der Gruppe der Senior_innen an, und dementsprechend häufig standen auch Sicherheitsaspekte und eine Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten für Menschen, die z. B. in ihrer persönlichen Mobilität 60 eingeschränkt sind, im Vordergrund der Diskussionsbeiträge. So gut wie alle Diskussionsteilnehmer_innen gaben an, seit mindestens 35 Jahren, manche auch seit 40 oder 50 Jahren, in Favoriten zu wohnen. Ungefähr die Hälfte besitzt einen eigenen(Klein-)Garten und ist somit in der privilegierten Situation, über einen privaten Grün- und Freiraum zu verfügen. Mit wenigen Ausnahmen hatten alle österreichischen Hintergrund. Der Großteil der Teilnehmer_innen schätzt den Reumannplatz vor allem aufgrund seiner Qualitäten als Verkehrsknotenpunkt, nutzt ihn jedoch nicht(mehr) als Aufenthaltsort. 10 Die Anbindung an die U-Bahn und die verschiedenen Straßenbahn- und Bus-Linien wird als sehr positiv erlebt, hinsichtlich barrierefreier Benutzbarkeit werden jedoch einige Schwachstellen genannt – wie z. B. dass beim Aufgang von der U-Bahn zum Amalienbad beide Rolltreppen aufwärts fahren, keine jedoch hinunter führt, oder dass das öffentliche WC in der U-Bahn-Station für mobilitätseingeschränkte Menschen nur schwer erreichbar ist. Ein Aufenthalt am Reumannplatz, der ob seiner alten schattenspendenden Bäume, seiner sehr vielfältigen Bepflanzung und des munteren Vogelgezwitschers sehr wohl als prinzipiell anziehender Raum wahrgenommen wird, wird z. B. durch Sitzbänke, die für gebrechliche Personen zu niedrig oder aufgrund des Materials Metall auch zum längeren Sitzen oder fehlender Haltegriffe nur eingeschränkt geeignet sind, verleidet. In den Abendstunden wird das Überqueren des Reumannplatzes und insbesondere auch des Ostteils u. a. aufgrund mangelnder Beleuchtung und dem Gefühl, nicht sicher zu sein, vermieden. Da der Großteil der Diskussionsteilnehmer_innen bereits seit vielen Jahrzehnten rund um den Reumannplatz wohnt, machten viele der Senior_innen die zahlreichen Veränderungen, die in dieser langen Zeitspanne passiert sind, zum Thema. Der Reumannplatz hat sich sowohl in baulicher und infrastruktureller als auch angebotsmäßiger und sozialer Hinsicht gewandelt, und der Großteil der Veränderungen wird negativ gesehen. Hier rückten vor allem soziale Aspekte in den Vordergrund: Bemängelt wurde, dass am Reumannplatz„(…) kein deutsches Wort(...)“ mehr gesprochen und man auch angepöbelt wird, nur mehr„Ausländer“ anzutreffen sind und der Platz aus diesem Grund nicht mehr als sicher erlebt wird und allgemein aufgrund der vermehrten Anzahl von Nutzer_innen weniger freie Sitzmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Entsprechend häufig wird der Wunsch nach mehr Polizeipräsenz, nach„Security“,„Aufsicht“ und„Streifen“ geäußert. Auch werden(in der Zwischenzeit abgewanderte) Traditionen wie der Weihnachtsbaum vorm Amalienbad, Weihnachtsbeleuchtung auch am Reumannplatz oder das Bezirkswappen, das früher im Bereich vor dem Amalienbad gestanden ist, vermisst und als Verlust erlebt. Wertgeschätzt wird allerdings, dass am Reumannplatz – im Gegensatz zur Favoritenstraße – mit dem Eissalon Tichy, dem Coiffeur Strassl und der Apotheke noch einige der alteingesessenen traditionellen Geschäfte erhalten sind. Auch hinsichtlich der Gestaltung und der Ausstattung des Reumannplatzes zeigt sich der eher defizitorientierte Blick der Diskussionsteilnehmer_innen, der weniger die positiven Seiten(grüne Punkte) des Reumannplatzes betont und verstärkt Schwachstellen(rote Punkte) hervorhebt. Nichtsdestotrotz decken sich die formulierten Anregungen und Wünsche zu einem großen Teil mit denen anderer Nutzer_innen des Reumannplatzes. Die Senior_innen des Pensionist_innenclubs Troststraße schätzen am Reumannplatz das viele Grün und die abwechslungsreiche Bepflanzung, und 10 Angemerkt sei, dass viele der Diskussionsteilnehmer_innen angaben, den Reumannplatz vermehrt gemeinsam mit ihren damals noch kleinen Kindern genutzt zu haben. Mit dem Größerwerden der Kinder sind sie auf ruhigere Plätze wie z. B. den Antonsplatz, aber auch den Kurpark Oberlaa oder den Wienerberg ausgewichen. Weiters verfügen viele der Senior_innen über, wie bereits erwähnt, eigene Kleingärten und verbringen den Großteil der heißen Sommermonate mehr oder weniger durchgehend dort – mit ein Grund dafür, dass der Pensionist_innenclub in der Troststraße in dieser Zeit auch geschlossen hat. 61 auch der Eissalon Tichy wird positiv bewertet. Darüber hinaus wünschen sich die Diskussionsteilnehmer_innen für den Reumannplatz:  bessere Beleuchtung – insbesondere auch im Ostteil des Platzes und auf den Wegen zu den verschiedenen Buslinien,  öffentliche WC-Anlagen, die auch für mobilitätseingeschränkte Personen gut erreichbar sind,  eine Verbesserung der Pergola am „Platz“, die derzeit keinen Schatten bildet und vor allem von Vögeln genutzt wird, sodass die darunter befindlichen Sitzflächen nicht benutzbar sind,  eine bessere Gestaltung des „Rondeaus“ im Platzbereich z. B. mit verschiedenen Pflanzen, Blumen und Wasser etc.  senior_innengerechte Sitzmöglichkeiten und Ruheinseln Abb. 47: Nadelmethode – Gruppendiskussion mit Senior_innen zum Reumannplatz, 8. 10. 2015 Zusammenfassend kann gesagt werden:  dass sich am Reumannplatz – und hier vor allem im„Zentrum“ – regelmäßig viele ältere Menschen, denen meist nur geringe Ressourcen zur Verfügung stehen und die häufig Migrationshintergrund aufweisen, aufhalten und sozusagen zu seinem Stammpublikum gehören,  dass der Reumannplatz für jüngere unter den Senior_innen durch das rege Treiben oft angenehme Abwechslung bietet, während die hohe Nutzer_innenfrequenz für ältere manchmal zu viel ist und auch Unsicherheit und Angst auslösen kann,  dass Senior_innen mit österreichischem Hintergrund verstärkt Unzufriedenheit äußern und das Gefühl haben, im Laufe der Jahrzehnte durch(demografische, bauliche, infrastrukturelle etc.) Entwicklungen verdrängt worden zu sein – auch wenn sie den Reumannplatz u. a. aufgrund der Tatsache, dass ihnen häufig privater Grünraum zur Verfügung steht, nur selten aufsuchen. 4.5 Der Reumannplatz aus Sicht der Geschäftstreibenden Rund um den Reumannplatz sind – mit dem Eissalon Tichy, dem Coiffeur Strassl, dem Optiker Jäckel, einer Tauschbörse für Groschenromane, aber auch der Apotheke und dem Orthopädiebedarf Normalia – einige alteingesessene Traditionsbetriebe angesiedelt, die bereits seit einigen Generationen am gleichen Standort stehen und zum Teil als Familienbetriebe geführt werden. Nicht wenige der Betreiber_innen haben ihre Kindheit im 10. Bezirk verbracht, manche wohnen auch heute noch hier. Für viele hat das Geschäft am Reumannplatz einige Veränderungen durchlaufen, und auch die Einschätzung der Auswirkungen der U-Bahn-Verlängerung fällt unterschiedlich aus. Die Romantauschbörse, die früher sozusagen ein Renner war, gehört mittlerweile zu einer 62 „aussterbenden Art“( http://www.meinbezirk.at/favoriten/wirtschaft/eine-aussterbende-artd888811.html, 27. 11. 2015) und ist eine der letzten vier(von ehemals 156) Tauschbörsen in Wien. Ihre Kund_innen sind Stammkund_innen aus der ganzen Stadt, aber auch aus Niederösterreich und dem Burgenland, die gezielt und unabhängig von der sehr guten Anbindung des Reumannplatzes an das öffentliche Verkehrsnetz hierher kommen. Dementsprechend gelassen sieht die Tauschbörse den Veränderungen, die sich durch die Verlängerung der U1 ergeben werden, entgegen. Im Gegensatz dazu setzt sich die Kund_innenschaft der Apotheke am Reumannplatz vor allem aus Pendler_innen, die in den Wartezeiten zwischendurch noch Einkäufe tätigen, zusammen. Es sind dies Erledigungen, für die Menschen nicht extra zur Apotheke am Reumannplatz kommen, sondern die sie auf ihrem Weg zur Arbeit oder nach Hause machen:„Die Pendler sind durchs Pendeln zu Stammkunden geworden.“ Zentral als Kund_innen sind vor allem Menschen, die unmittelbar vor der Apotheke auf Busse warten – ohne Bushaltestellen fällt dieses Laufpublikum weg, potenzielle Kund_innen müssen dann gezielt zur Apotheke kommen wollen, gehen aber nicht mehr auf ihren alltäglichen Wegen automatisch an ihr vorbei. Auch für den Optiker Jäckel ist die Laufkundschaft, die sich durch die Bushaltestellen direkt vor dem Geschäft ergibt, sehr wichtig. Beide Geschäfte befürchten für die Zukunft Umsatzeinbußen, diese werden sich jedoch, so die Einschätzung, weniger aus der Verlängerung der U1 als vielmehr durch das Wegfallen von Buslinien und die Verlagerung von Bushaltestellen ergeben. Andere Geschäfte wie z. B. der Coiffeur Strassl, aber auch der Eissalon Tichy rechnen mit Geschäftseinbußen auch aufgrund der Verlängerung der U1 und der zu erwartenden geringeren Passant_innenfrequenz, sehen aber auch das Potenzial, dass durch die direkte U-BahnAnbindung südlicherer Teile Favoritens an den Reumannplatz auch andere potenzielle Kund_innen „(…) von draußen(…)“ häufiger hierher kommen und dem eigenen Geschäft einen Besuch abstatten werden. Allgemein wird von den Geschäftstreibenden am Reumannplatz die besondere Rolle des Eissalons Tichy als überregionalem Frequenzbringer, von dem viele Geschäfte profitieren, hervorgehoben. Da die Eisproduktion von Mitte März bis Ende September erfolgt und in dieser Zeit auch der Gassenverkauf stattfindet, trifft das vor allem für diesen Zeitraum zu. 63 Abb. 48: Nutzung der Erdgeschoßzonen 64 Abb. 49: Die„Einkaufsmeile” am Reumannplatz Zusätzlich zur Frage, wie sich die Verlängerung der U1 auf das Geschäft auswirken wird, und dem Wunsch, dass nicht alle Buslinien bzw. Bushaltestellen vom Reumannplatz wegverlagert werden, beschäftigt die Geschäftstreibenden aus unternehmerischer Sicht im Zuge einer möglichen Umgestaltung des Reumannplatzes auch noch das Thema der Zufahrt und Anlieferung bzw. Abholung sowie der Kund_innenparkplätze. Die Apotheke wird vier- bis fünfmal täglich beliefert und bräuchte eine Lieferzone, und auch für den Eissalon Tichy ist es zentral, dass die Zufahrt und Lademöglichkeit für Kund_innen – Restaurants und Gasthäuser holen ganzjährig und auch mehrmals am Tag Eismarillenknödel und andere Eiswaren ab – gegeben ist bzw. erhalten bleibt.„ Sie vergleichen mich immer mit einem anderen Eissalon, da muss ich immer sagen, wir sind nicht nur ein Eissalon, wir sind eine Fabrik.“ Für das Orthopädiebedarfsgeschäft Normalia Ecke Reumannplatz/Laaerbergstraße, dessen Kund_innen häufig mobilitätseingeschränkte Personen sind, sind vermehrte Kurzparkplätze unmittelbar vor dem Geschäft von großer Wichtigkeit. Hinsichtlich der Gestaltung des Reumannplatzes aus Sicht der interviewten Geschäftstreibenden lässt sich sagen, dass vor allem der unmittelbar einigen Geschäften vorgelagerte„Platzbereich“ als „ funktionslos“,„zubetoniert“ und unattraktiv kritisiert wurde. Interessant ist, dass einige der Gesprächspartner_innen zwischen ihrer privaten Sicht auf den Reumannplatz und der unternehmerischen Perspektive darauf unterschieden. Während z. B. auf der einen Seite Gebüschrodungen als sinnvoll erachtet werden, da dadurch das eigene Geschäft sichtbarer wird und so mehr Kund_innen den Weg hierher finden können, werden auf der anderen Seite persönlich uneinsichtige Nischen als angenehm und wichtig erlebt:„Ich mag das, wenn man sich im öffentlichen Raum etwas zurückziehen kann.“ Zusammenfassend kann gesagt werden:  dass die Geschäftsleute am Reumannplatz allgemein durch die Verlängerung der U1, insbesondere aber durch die im Zuge dessen geplante frühere Einspeisung von Buslinien in das Wiener Verkehrsnetz und die Verlagerung von Bushaltestellen Umsatzeinbußen befürchten,  dass Möglichkeiten der Zufahrt und Anlieferung bzw. Abholung sowie Kund_innenparkplätze für mobilitätseingeschränkte Personen in den Überlegungen der Geschäftsleute zum Reumannplatz eine zentrale Rolle spielen,  dass vor allem der„Platzbereich“ am Reumannplatz von Geschäftsleuten als funktionslos und unattraktiv kritisiert wird sowie  dass in den Anregungen zur zukünftigen Gestaltung des Reumannplatzes zwischen einer unternehmerischen Perspektive und den diesbezüglichen Vorstellungen als Privatperson unterschieden wird. 65 5. Q UALITÄTEN UND E NTWICKLUNGSPOTENZIALE DES R EUMANNPLATZES AUS S ICHT DER N UTZER _ INNEN 5.1 Qualitäten des Reumannplatzes Eine Qualität des Reumannplatzes ist die bereits bestehende hohe allgemeine Zufriedenheit vieler Besucher_innen mit dem Platz, die sich sowohl auf seine Gestaltung als auch auf das gute Miteinander der Menschen bezieht. Auch wenn Thema ist, dass der in die Jahre gekommene Reumannplatz eine Sanierung braucht, so finden viele – wie auch schon die Jugendlichen und insbesondere die Mädchen beim ReuMÄDCHENfest – den Platz schön:„Der Platz ist, so wie er ist, optimal.“ Auffallend ist, dass insbesondere Menschen, die den Reumannplatz häufig aufsuchen und regelmäßig hier Zeit verbringen, ihn besonders schätzen, während andere eher ihren Blick auf Defizite und Verbesserungsmöglichkeiten richten. Als wesentliche räumliche Qualität des Reumannplatzes werden von den verschiedensten Gesprächspartner_innen die vielen verschiedenen Nischen und kleinen„Kammern“ gesehen, die als eine wichtige Voraussetzung für das gelungene Nebeneinander verschiedenster Menschen und Funktionen gesehen werden. Der Reumannplatz„(…) offeriert ganz viele Nischen für ganz unterschiedliche Gruppierungen(…)“, und„[es] geht viel nebeneinander am Reumannplatz.“ Die vielen kleinen Treffpunkte und Rückzugsbereiche fördern die„(…) unglaubliche Vielfalt u nd Dichte(…)“ und sind mit ein Grund dafür, warum der Platz so gut funktioniert. Der Tatsache, dass dadurch nicht alle Bereiche des Reumannplatzes einsichtig sind, werden von den Gesprächspartner_innen selbst zwar Argumente wie Dunkelheit oder mangelnde Sicherheit und soziale Kontrolle – oder aus architektonischer Sicht auch der nicht vorhandene Blick auf Häuserfassaden – entgegengehalten, doch, so das Fazit, muss deswegen„(…) nicht gleich alles ausgeräumt werden(…)“, auch wenn„(…) ein bisschen Durchsichtigkeit nicht schadet.“ Neben der Gestaltung tragen auch die verschiedenen Ebenen des Reumannplatzes mit ihren unterschiedlichen Höhen zur Vielgestalt der Nischen bei, und ein_e Interviewpartner_in meint diesbezüglich:„Für mich ist es total schön, dass der Reumannplatz verschiedene Ebenen hat. Da hat man das Gefühl, es ist nicht so angelegt.“ Eine weitere zentrale Qualität des Reumannplatzes macht aus Sicht der Nutzer_innen das viele Grün und die damit verbundene Flora und auch Fauna aus. Der Platz ist eine„(…) grüne Oase(…)“ und eine„(…) grüne Lunge(…)“, der alte schattenspendende Baumbestand wird gerade vor dem Hintergrund immer heißer werdender Sommer für das Mikroklima als sehr wertvoll geschätzt. Nicht nur Expert_innen fällt die bunt zusammengesetzte Vegetation mit Raritäten wie z. B. Baumoleander, Feige oder anderen speziellen Gehölzen und Pflanzen auf, die zwar vielleicht ein wenig uneinheitlich wirken mag, aber dem Reumannplatz auch besonderes Flair verleiht:„Auch wenn das aus planeris cher Sicht nicht unbedingt das Optimum ist, aber bei der Bevölkerung kommt´s gut an.“ Dementsprechend kommen auch seitens der Besucher_innen immer wieder Anfragen an das Stadtgartenamt zur Bepflanzung des Reumannplatzes und welche seltenen Sträucher hier wachsen. Ebenso konnten im Rahmen der Erhebungen Kinder und Erwachsene dabei beobachtet werden, wie sie verschiedene Blumen und Kräuter bestaunten und sich darüber unterhielten, und auch die Verlegung des Feigenbaumes am Reumannplatz, der so groß gewachsen war, dass teilweise Oberleitungen freigeschnitten werden mussten und der im Zuge der Bauarbeiten vor dem Amalienbad umgepflanzt wurde und jetzt im Kurpark Oberlaa steht, zog viele Anfragen seitens der 66 Bevölkerung nach sich. Selbst die Sträucher an den südlichen Rändern des Reumannplatzes, die sowohl akustisch als auch optisch Schutz vorm Lärm der angrenzenden Straßen bieten, ziehen die Aufmerksamkeit der Nutzer_innen auf sich. Wenn diese z. B. ausgedünnt werden, damit Sichtbeziehungen klarer werden, kommt es vor, dass Menschen stehenbleiben, um die Entfernung des Grüns zu kritisieren. Selbst bei einem Verjüngungsschnitt ist das Stadtgartenamt mittlerweile dazu übergegangen, Informationstafeln aufzustellen, damit die Nutzer_innen Bescheid wissen, dass hier keine Sträucher gerodet werden, denn„(w)enn Sie d a Sträucher schneiden, bleiben Sie am besten am Telefon sitzen(...)“, um die vielen Beschwerden zu beantworten. Der Reumannplatz ist jedoch nicht nur Heimat für verschiedenste Sträucher und Gehölze, sondern auch für zahlreiche Tierarten wie z. B. Hamster, Fledermäuse, Eidechsen und unzählige Vogelarten, die hier ein„(…) Vogelparadies(…)“ vorfinden und manchmal auch im U-Bahn-Gebäude nisten. Verschiedenste Gesprächspartner_innen erwähnen, dass sie gern dem Vogelgezwitscher lauschen und das tierische Treiben am Reumannplatz verfolgen. Das Stadtgartenamt schneidet manchmal auch Äste im Gesträuch frei, damit Nutzer_innen im Winter Futter für die Vögel aufhängen können. Weiters werden am Reumannplatz auch die vielen Sitzmöglichkeiten geschätzt, auch wenn diese ob der hohen Nutzer_innenfrequenz oftmals nicht ausreichen, um allen Besucher_innen Platz zu bieten. In diesem Fall bieten die verschiedenen Mäuerchen, die als Beeteinfassungen dienen, viel genutzte Ausweichmöglichkeiten. Eine weitere Qualität des Reumannplatzes ist es, dass sich aufgrund der vielen verschiedenen Wege für Nutzer_innen eine hohe Wahlmöglichkeit hinsichtlich der Wege, die sie über den Reumannplatz einschlagen möchten, ergibt. 5.2 Defizite des Reumannplatzes Während der Großteil der Gesprächspartner_innen insbesondere die vielen Nischen und Winkel und das viele Grün als besondere Qualität des Reumannplatzes wahrnehmen, wird von manchen kritisch angemerkt, dass der Platz u. a. dadurch sehr unübersichtlich und uneinsichtig ist. Das„Verwinkelte“ kann dazu führen, dass Menschen und vor allem Mädchen und Frauen bestimmte dunkle Ecken meiden, wobei sie jedoch, so eine Erkenntnis aus den Beobachtungen, versteckte Nischen auch für Tätigkeiten, bei denen sie keinem öffentlichen Blick ausgesetzt sein wollen, nutzen – z. B. für heimliches Rauchen, unbeobachtetes Flirten u. Ä. Auch das Grün am Reumannplatz, das prinzipiell gerne gesehen ist, trägt ob seiner Üppigkeit auch zur geringeren Einsehbarkeit bei, sodass ein_e Interviewpartner_in meint:„D as Grün nimmt man gar nicht als schönes Grün wahr, sondern als drückend.“ Darüber hinaus trennt die Gleisführung der Straßenbahnlinie 67 quer über den Platz den Reumannplatz in zwei Hälften, was zusätzlich den Eindruck der Uneinheitlichkeit fördert. Da bei der Querung der Schienen Vorsicht geboten ist und man„(…) immer schauen(muss), ob man nicht zusammengeführt wird(…)“, ist sozusagen eine entspannte Verbindung der beiden Hälften – insbesondere auch z. B. für kleinere Kinder ohne Begleitung Erwachsener – nur eingeschränkt möglich. Hinsichtlich der Gestaltung und Ausstattung des Reumannplatzes werden vor allem folgende Punkte als Mängel gesehen: Der„Platzbereich“ am Reumannplatz wird ob seiner„Verhüttelung“ und gleichzeitig relativen Funktionslosigkeit kritisiert. Zu viele – teilweise undefinierbare – Objekte verstellen den Raum und erschweren Sichtbeziehungen wie auch Bewegungs- und Interaktionsmöglichkeiten. Auch fehlt am Reumannplatz derzeit eine Bühnensituation, die möglicherweise für den Platzbereich angedacht war, hier aber – wie in anderen Bereichen auch – nicht erkennbar ist bzw. nicht genutzt wird. 67 Weiters wird der Kinderspielbereich im Ostteil als viel zu klein mit zu wenigen Spielmöglichkeiten und nur sehr minimaler Gestaltung kritisiert. Hinzu kommt, dass in diesem Bereich wie auch am Vorplatz zum Amalienbad die Beleuchtung als mangelhaft gesehen wird. 11 Trotz der bereits vielen vorhandenen Sitzmöglichkeiten decken diese nicht den„Sitzbedarf“. Humvorvoll meinte ein_e Gesprächspartner_in diesbezüglich, dass sich Besucher_innen des Reumannplatzes, wenn sie keinen Platz finden, zur Abwechslung„(…) ja in einen der Busse setzen (können), der eine Viertelstunde dort wartet.“ Auch nicht vorhandene WC-Anlagen werden als wesentliches Defizit des viel frequentierten Reumannplatzes gesehen. Da die Toilette in der U-Bahn vielen nicht bekannt ist und schlecht riecht, nutzen vor allem Männer und Kinder regelmäßig abgelegene Büsche als WC. Weiters wurde in den Gesprächen als ein Defizit des Reumannplatzes auch noch mehrfach die zu wenigen Radständer wie auch die schlechten Radverbindungen über den Platz thematisiert. Letztere sind zwar teilweise vorhanden, werden aber durch Baustellen(z. B. bei der Bürgergasse) seit Jahren behindert. Hinsichtlich des Mahndenkmals für Opfer des Faschismus im„Zentrum“ des Reumannplatz es wird bemängelt, dass es sehr versteckt ist und auch nicht gepflegt wirkt. Ein weiteres Thema, das im Rahmen der geführten Gespräche als Defizit des Reumannplatzes angesprochen worden ist, ist das der Infrastruktur und Gastronomie. Von einigen – vor allem kaufkräftigeren – Interviewpartner_innen wurde bemängelt, dass es am Platz zusätzlich zum Eissalon Tichy kein weiteres gastronomisches Angebot – ein Lokal, ein Kaffeehaus oder Ähnliches – gibt, das mit Sitzmöglichkeiten und guter Küche zum längeren Verweilen einlädt, auch am Abend noch geöffnet hat und z. B. Anziehungspunkt für jüngeres Publikum sein kann. Dies kann u. a. auch als Ausdruck dafür gesehen werden, dass am Reumannplatz ein Treffpunkt fehlt. Auch wird kritisiert, dass alle Bäckereien rund um die U-Bahn von Großketten wie Ströck oder Der Mann betrieben werden. 5.3 Anregungen zur Neugestaltung des Reumannplatzes Die Anregungen zur Neugestaltung des Reumannplatzes seitens der befragten Nutzer_innen sind vielfältig. Sie beziehen sich einerseits auf übergeordnete Themen wie z. B. dem Wunsch nach mehr Transparenz hinsichtlich der Entscheidungsprozesse rund um den Reumannplatz und Partizipation im Vorfeld seiner Neugestaltung sowie nach leichterer„Lesbarkeit“ des Reumannplatzes als Platz mit einer einheitlichen, zusammenhängenden Fläche und mehr Sichtbeziehungen 12 und Überblickbarkeit, denn:„Wenn Sie von der U-Bahn raufkommen und sich im Kreis drehen, man sieht nichts.“ Die verschiedenen Teilbereiche des Reumannplatzes und insbesondere der Ost- und der 11 Im Rahmen eines Sicherheitstages Anfang 2015 am Reumannplatz, veranstaltet von der Agenda-Gruppe „Mädchen für Favoriten für Mädchen“ in Kooperation u. a. mit der Polizei Favoriten, wurde die mangelnde Beleuchtung bereits bei Rundgängen von Mädchen mit Polizeibeamt_innen thematisiert und daraufhin bereits auch erste Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet – was eine gelungene direkte und rasche Umsetzung von konkreten Verbesserungswünschen von Nutzer_innen darstellt. 12 So verwies ein_e Interviewpartner_in, dass, bevor der Ströck beim U-Bahn-Aufgang Richtung Reumannplatz hingekommen ist, man von hier aus einen schönen Ausblick auf die gesamte Fußgänger_innenzone gehabt habe. 68 Westteil sollten besser ineinander übergehen und miteinander„(…) verzahnt(…)“ sein. Gleichzeitig wird hinsichtlich der Neugestaltung des Reumannplatzes betont, dass die Vielfalt an Nischen als große Qualität beibehalten werden sollte. Zwar macht es Sinn, das Gebüsch ein wenig auszuräumen, doch das bestehende Grün könnte noch durch blühende Pflanzen und Sträucher ergänzt werden und sich auch weiter i n die Platzbereiche reinziehen(vgl. dazu auch„Befürchtungen für die Neugestaltung des Reumannplatzes“). Als weiteres übergeordnetes Thema in Hinblick auf die Neugestaltung des Raumannplatzes wird das der verstärkten Identitätsbildung genannt. Gerade wenn die Identität als Verkehrsknotenpunkt durch die Verlegung der U1-Endstation etwas schwächer wird, sollte eine Umgestaltung auch die Chance nutzen, den Reumannplatz wieder zu einem„(…) Sch m uckstück(…)“ Favoritens zu machen, denn„(d)ie Leute müssen wissen, warum sie am Reumannplatz aussteigen sollen.“ Diese Identitätsbildung könnte – so einige Interviewpartner_innen – u. a. dadurch gefördert werden, dass der Platz eventtauglich gemacht und in der Folge auch für Events genutzt wird(genannt wurden z. B. Open-Air-Kino, Public Viewing oder diverse Märkte etc.), dass aber auch Bräuche wie z. B. das Aufstellen des Favoritner Weihnachtsbaums o. Ä. wieder hier angesiedelt werden. Auch wird die Etablierung vermehrter Treffpunktmöglichkeiten als wichtig für die Neugestaltung des Reumannplatzes erachtet. Ein diesbezügliches Angebot könnte ein gastronomisches – z. B. in Form eines Cafés oder eines Schanigartens mit netter Atmosphäre – direkt am Platz sein, das zum gemütlichen Verweilen einlädt(vgl. dazu auch„Befürchtungen für die Neugestaltung des Reumann platzes“). Mit Spannung wird von einigen Interviewpartner_innen auch die Entwicklung der äußeren Favoritenstraße und der davon ausgehende Einfluss auf den Reumannplatz erwartet. Sie betrachten den Reumannplatz nicht nur für sich, sondern sehen ihn auch im Kontext seiner unmittelbaren Umgebung, die sich ebenfalls im Umbruch befindet. Hinsichtlich der konkreten Gestaltung und Ausstattung des Reumannplatzes werden seitens der befragten Nutzer_innen und Gesprächspartner_innen folgende Anregungen geäußert: Vermehrte Sitzmöglichkeiten(ohne Konsumzwang) werden von Personen aller Altersgruppen(vgl. dazu auch„Jugendliche am Reumannplatz“ sowie„Ältere Menschen am Reumannplatz“) vielfach eingefordert. Diese sollten nicht nur nebeneinander aufgereiht sein, sondern auch die Möglichkeit bieten, dass Gruppen einander gegenüber sitzen und sich so austauschen können. Dies ist derzeit nur vereinzelt in wenigen Nischen möglich. Zwar werden auch Tische gewünscht, gleichzeitig aber auch Verständnis dafür geäußert, dass dafür am Reumannplatz ob der hohen Nutzer_innenfrequenz kein Platz sei. Allgemein wird eine bessere Beleuchtung für den Reumannplatz als dringende Anregung für seine Neugestaltung geäußert. Insbesondere in den mehr begrünten Bereichen wird dies als notwendig erachtet. Eine farbenfrohe Gestaltung mit mehr(blühendem) Grün und weniger Beton wird insbesondere von den jüngeren Besucher_innen des Reumannplatzes eingefordert(vgl. dazu auch „Jugendliche am Reumannplatz“). Auch sollte die Wegeführung„(…) weiter und luftiger(…)“ gestaltet werden. Für die allgemeine Gestaltung des Reumannplatzes wird insbesondere Wasser als Element, das Jüngeren und Älteren große Freude bereitet, als wichtig erachtet. Dies wurde z. B. in Form eines Brunnens, der Ruhe und Beschaulichkeit ausstrahlt, oder Plantschrinnen, die zum Spielen mit Wasser 69 auffordern, von verschiedensten Interviewpartner_innen angedacht und ist auch eine effektive Maßnahme, um dem Hitzeinseleffekt zu mindern. Allgemein sollten in der Neugestaltung des Reumannplatzes Ruhezonen mitbedacht werden. Weiters wird die Etablierung von Orten für Jugendliche durch z. B.(kostenlose) Treffpunkt- und Verweilorte mit Unterstellmöglichkeiten – wie sie Jugendliche derzeit im Hauseingangsbereich neben dem McDonald´s vorfinden – vorgeschlagen. Auch im derzeitigen zentral gelegenen Expeditraum der Wiener Linien wird Potenzial für einen Treffpunkt für Jugendliche und insbesondere auch Mädchen, aber auch als Raum für Veranstaltungen u. Ä. gesehen. Weiters sind, so der von verschiedenen Nutzer_innen unterschiedlichen Alters geäußerte Wunsch, auch sportliche Angebote für den Reumannplatz anzudenken. Gedacht wird dabei weniger an raumintensives Ballspiel o. Ä., sondern vor allem – im Sinne der Trendsportart„Street Work Out“ – an Sportgeräte für(jüngere und ältere) Erwachsene wie z. B. Reckstangen, Cross-Trainer, HomeTrainer und Klimmzugmaschinen o. Ä.). Interessant ist, dass diese Geräte vor allem als Wunsch für den Parkbereich des Reumannplatzes geäußert werden – was darauf hinweist, dass dieser Bereich (im Gegensatz z. B. zum Zentrum des Reumannplatzes) als Park und damit als Ort, an dem man Bewegung macht, wahrgenommen wird. Hinsichtlich der Angebote für Kinder wird eine Vergrößerung des Kinderspielbereichs wie auch eine bessere Ausstattung mit Spielgeräten angeregt. Ein weiterer Wunsch hinsichtlich Infrastruktur ist der nach, wie bereits erwähnt, WC-Anlagen. Die Frage nach den Anregungen zur Neugestaltung des Reumannplatzes im Zuge der Verlängerung der U1 ließ einige der Gesprächspartner_innen auch diesbezügliche Befürchtungen thematisieren, die im Folgenden kurz dargestellt werden. 5.4 Befürchtungen für die Neugestaltung des Reumannplatzes Umgestaltung bedeutet Veränderung, die sowohl Chancen beinhaltet als auch Risiken birgt. Aufgrund der allgemein hohen Zufriedenheit vieler Gesprächspartner_innen mit dem Miteinander am Reumannplatz sowie grundsätzlich mit seiner Gestaltung traten die Befürchtungen, dass ein„neuer“ Platz nicht alles zum Besseren verändert, immer wieder in den Vordergrund:„Wenn man zu viel verändert, besteht die Gefahr, dass es ins Negative abgleitet.“ Insbesondere die mit einer Neugestaltung eines Platzes einhergehende Aufwertung eines Grätzls wird mitunter auch kritisch gesehen, da damit häufig Verdrängungsprozesse von Menschen mit geringeren Ressourcen einhergehen. So meinte diesbezüglich ein_e Interviewpartner_in:„Ich will eigentlich nicht, dass sie die Gentrifzierung nach Innerfavoriten holen.“ Ein weiteres zentrales Thema hinsichtlich der Befürchtungen war, dass der Reumannplatz im Zuge der Neugestaltung im Bemühen um klare Sichtbeziehungen komplett„ausgeräumt“ wird und es sozusagen zu einer„Entnischung“ kommt. Wichtig für den Großteil der Nutzer_innen ist, dass„(…) man trotzdem in Ruhe wo sitzen kann, ohne dass man das Gefühl hat, einer kann einem immer über die Schulter schauen und zuhören.“ Die Erhaltung der Qualität der räumlichen Nischen kann also als ein zentrales Anliegen der Nutzer_innen des Reumannplatzes gesehen werden. Ebenso wurde auch die Befürchtung geäußert, dass im Zuge einer Neugestaltung des Reumannplatzes die bereits vorhandene„Verhüttelung“ großer Teile des Platzes z. B. durch diverse Standln oder Imbissbuden mit geringer Essqualität etc. weiter vorangetrieben wird. 70 Aus Sicht einiger der Geschäftsleute am Reumannplatz besteht die Befürchtung, dass durch das Wegfallen insbesondere der Busse das Geschäftsleben in der Favoritenstraße endet und den Reumannplatz nicht mehr miteinschließt, denn„(w)enn der Verkehr weg ist, ist auch die Action weg.“ 71 5.5 Zusammenfassung der Qualitäten und Entwicklungspotenziale Zusammenfassend kann zu den Qualitäten und Entwicklungspotenzialen des Reumannplatzes aus Sicht der Nutzer_innen gesagt werden:  dass allgemein eine hohe Zufriedenheit vieler Besucher_innen mit dem Reumannplatz besteht und  dass insbesondere die vielen verschiedenen räumlichen Nischen, die von sehr unterschiedlichen Gruppen parallel genutzt werden können, ein wesentliches Element für das gelungene Nebeneinander darstellen, auch wenn sie die Unübersichtlichkeit und Uneinsichtigkeit des Reumannplatzes fördern. In diesem Sinne sollte die Qualität der Nischen auch nach einer Umgestaltung den Nutzer_innen des Reumannplatzes zur Verfügung stehen. Weiters kann gesagt werden,  dass es mehr Transparenz und Partizipation hinsichtlich der Entscheidungsprozesse zum Reumannplatz braucht,  dass die Neugestaltung des Reumannplatzes auch dazu genutzt werden sollte, verstärkt zur Identitätsbildung des Platzes beizutragen und vermehrte Treffpunktmöglichkeiten zu etablieren,  dass im Zuge der Umgestaltung des Reumannplatzes eine weitere„Verhüttelung“ verhindert bzw. die jetzige auch vermindert werden sollte und  dass der Reumannplatz eine stärkere Verschränkung der einzelnen Teilbereiche und insbesondere auch des Ostteils und des Westteils sowie eine größere räumliche Einheitlichkeit bräuchte, damit er in seiner Struktur leichter lesbar wird.  Zentral ist weiters, dass mögliche Verdrängungsprozesse, die mit einer Neugestaltung des Reumannplatzes einhergehen(können), aktiv aufgegriffen werden und ein sensibler Umgang damit im Sinne armutsgefährdeter, marginalisierter Bewohner_innen Favoritens gefunden werden muss. Weiters kann gesagt werden,  dass das viele Grün und die damit verbundene Flora, die zahlreiche Raritäten aufweist, und auch die artenreiche Fauna von den Nutzer_innen als große Qualität des Reumannplatzes wahrgenommen werden, die durch„blühendes“ Grün noch verstärkt werden könnte,  dass es weitere konsumzwangfreie Sitzmöglichkeiten, die auch ein Einander-gegenüberSitzen ermöglichen sollten, braucht, damit der„Sitzbedarf“ gedeckt werden kann,  dass am ganzen Reumannplatz eine bessere Beleuchtung vonnöten ist und allgemein eine farbenfrohe Gestaltung gewünscht wird,  dass Wasser als Gestaltungselement z. B. in Form eines Brunnens oder einer Plantsch- oder Watrinne auch vor dem Hintergrund des Klimawandels zum Einsatz kommen sollte,  dass es Verweilorte mit Unterstellmöglichkeiten braucht,  dass sportliche Angebote, die wenig Raum brauchen und von verschiedenen Altersgruppen genutzt werden(können) wie z. B. Elemente des Street Work Out, gewünscht sind,  dass es weiters WC-Anlagen am Platz braucht und  dass es mehr Radständer wie auch eine Verbesserung der Radverbindungen über den Reumannplatz vonnöten sind. 72 6. E MPFEHLUNGEN In Anlehnung an die bereits bestehenden Qualitäten des Reumannplatzes und aufbauend auf den Erkenntnissen der Funktions- und Sozialraumanalyse und insbesondere auf den Anregungen und Wünschen für seine Neugestaltung, aber auch auf den diesbezüglichen Befürchtungen lassen sich aus Sicht des Bearbeitungsteams folgende Empfehlungen für eine Umgestaltung des Reumannplatzes ableiten: 6.1 Generelle Empfehlungen  Für den Prozess der Neugestaltung des Reumannplatzes selbst wird empfohlen, diesen möglichst transparent und nachvollziehbar zu gestalten und Nutzer_innen, Anrainer_innen etc. unterschiedliche Möglichkeiten zur Teilhabe und Partizipation zu bieten. Wichtig dabei ist, eine Vielfalt der Zugänge zu ermöglichen, nicht nur mit durchsetzungsstärkeren gesellschaftlichen Gruppen in Kontakt zu treten, sondern alle, die es betrifft, und insbesondere auch diejenigen, die weniger leicht gehört werden, mit ihren jeweils unterschiedlichen Interessen einzubeziehen.  Da der Reumannplatz in einem Stadtteil situiert ist, dessen Bewohner_innenstruktur u. a. durch ein im Wiener Vergleich niedriges Einkommensniveau gekennzeichnet und die Bevölkerung dementsprechend vermehrt auf öffentliche Räume ohne Konsumzwang als räumliche Ressource angewiesen ist(und der Platz auch verstärkt von Menschen aus eher ärmeren Gesellschaftsschichten regelmäßig aufgesucht wird), sollte bei allen Entscheidungen, Gestaltungsüberlegungen und infrastrukturellen Maßnahmen mitbedacht werden, wie sich diese auf die Hauptnutzer_innengruppe auswirken bzw. für welche Gruppen sie förderlich sind und für welche weniger. Da Verdrängungs- und Gentrifizierungsprozesse häufig durch Umgestaltungen eingeläutet werden und diesbezügliche Befürchtungen auch im Rahmen der geführten Interviews mehrfach geäußert worden sind, ist dies ein besonders wichtiger Aspekt hinsichtlich der Neugestaltung des Reumannplatzes.  Gerade hinsichtlich der absehbaren Nutzungsveränderungen durch den Wegfall der Endstation der U1 – weniger Umsteiger_innen – sollte im Auge behalten werden, dass sich nicht vorrangig durchsetzungsstärkere Gruppen den frei gewordenen Raum aneignen, sondern auch durchsetzungsschwächere Gruppen ihren Platz finden. Eine gendersensible Gestaltung kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten.  Die Neugestaltung des Reumannplatzes sollte aus Sicht des Bearbeitungsteams weiters als Chance genutzt werden, seine Identität als„Zentrum von Favoriten“ zu stärken(z. B. durch gestalterische Maßnahmen wie Bodenbeläge, Erinnerungstafeln zur Geschichte des Ortes oder die Wiederaufnahme alter Traditionen wie das Aufstellen eines Weihnachtsbaums, die Etablierung von spezifischen Events u. Ä.) und den Platz in einem erweiterten sozialräumlichen Kontext als Angelpunkt zwischen der Einkaufsstraße Favoritenstraße und der südlichen Favoritenstraße in Richtung Altes Landgut, die sich derzeit aufgrund der Verlängerung der U1 im Umbau befindet und für danach eine Neugestaltung braucht, zu betrachten. Einen möglichen Rahmen für diesbezügliche Visionen kann ein Wettbewerb zur Neugestaltung des Reumannplatzes darstellen.  Für den Reumannplatz bedeutet dies, dass insbesondere der niederschwellige Zugang des Raumes – z. B. große Flächen ohne Konsumzwang – erhalten bleiben sollte. Da der Wunsch 73 nach einem Lokal, einem Kaffeehaus oder einem Restaurant vermehrt von finanzkräftigeren Besucher_innen und Anrainer_innen des Reumannplatzes geäußert wurde und Verdrängung häufig auch mit veränderten oder auch vermehrten gastronomischen Angeboten einhergeht, sind auch diesbezüglich sensible Lösungen in einem wohldurchdachten Gesamtkonzept gefragt. Da der Wunsch nach einem Kaffeehaus auch ein Wunsch nach einer Treffpunktmöglichkeit ist, stellt sich die Frage, wie so ein Angebot aussehen kann, das unterschiedliche Bedürfnisse abdeckt, möglichst breite Zugänglichkeit fördert und vielfältiges Interesse weckt. Vorstellbar aus Sicht der Begleitforschung ist z. B. ein Angebot mit sozialem Anspruch, das Menschen nicht nur aufgrund des gastronomischen Angebots anzieht, sondern für sie auch darüber hinaus Betätigungsmöglichkeit bietet – wie z. B. ein ReparaturCafé, ein Näh-Shop, ein Concept Store mit einer Mischung aus Kaffeehaus und z. B. Radgeschäft/Buchhandel etc. Möglicherweise lässt sich hier auch der von vielen Nutzer_innen geäußerte Wunsch nach öffentlichen WC-Anlagen direkt am Platz andocken. Auch andere infrastrukturelle Angebote wie z. B. ein offener Bücherschrank o. Ä. könnten vermehrt Treffpunktmöglichkeiten schaffen.  Auch das Verkehrskonzept zum Reumannplatz sollte in einem übergeordneten, weiter gefassten Rahmen gedacht werden und insbesondere den Übergang vom Reumannplatz Richtung Süden verbessern, hier überschaubare Überquerungsmöglichkeiten schaffen und derzeit schwierige Verkehrssituationen wie z. B. diejenige an der Laaerbergstraße entschärfen. Auch sollte der Anlieferungsverkehr für die Geschäfte am Reumannplatz mitbedacht werden. Vieles spricht aus Sicht des Bearbeitungsteams für eine Linienführung der Straßenbahnlinie 67, die nicht über den Reumannplatz führt, da dadurch wertvolle Grünbereiche im Osten des Reumannplatzes erhalten bleiben und allgemein mehr Platz für die hohe Anzahl an Nutzer_innen gegeben ist. Angedacht sollte auch werden, dass nicht alle Bushaltestellen nach außen bzw. weg von den Geschäften am Reumannplatz verlagert werden, damit nicht alle Passant_innen wegfallen. Weiters sollte Teil des Verkehrskonzepts auch die bessere Anbindung an das Radwegenetz mit entsprechender Wegeführung, aber auch(überdachten) Abstellmöglichkeiten für Fahrräder oder auch Scooter(z. B. vor Schulen, City-Bike-Station etc.) sein. 6.2 Baulich-räumliche Empfehlungen  Die räumlichen Voraussetzungen für das gelungene Miteinander bzw. Nebeneinander eines (hinsichtlich ihres kulturellen bzw. ethnischen Hintergrunds) sehr heterogen zusammengesetzten Publikums sollten beibehalten werden. Gemeint sind die vielen verschiedenen Teilräume und Nischen, die eine wichtige Qualität des Reumannplatzes darstellen und eine hohe und ungestörte Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Nutzungen und Nutzer_innengruppen ermöglichen und Rückzugsräume im allgemeinen Trubel darstellen. Vorstellbar ist, dass auch weitere Bereiche des Reumannplatzes(derzeitige Wiesen-, Strauchund Waldflächen) für eine Nutzung zugänglich gemacht werden.  Das differenzierte Zonierungskonzept ist Voraussetzung für das Funktionieren des Platzes: o Generell schätzt das Bearbeitungsteam das Vorhandensein und die räumliche Aufteilung der Teilräume als sehr gut ein. Alle Nutzungen, die an einem städtischen Platz mit Parkcharakter möglich sein sollen – wie sich treffen, beobachten, sitzen, ruhen, kommunizieren, spielen oder durchgehen –, werden am Reumannplatz erfüllt und sind kaum mit Nutzungskonflikten verbunden. Die Teilräume sind durch 74 Ausstattungselemente für verschiedene Funktionen charakterisiert, die sie für eine schwerpunktmäßige Nutzung z. B. durch Pensionist_innen im Bereich des Zentrums oder für Kinder und Jugendliche im Bereich des Parks prädestinieren, aber auch andere Nutzer_innengruppen nicht ausschließen und darüber hinaus das Durchgehen im Zuge des Umsteigens im öffentlichen Verkehr gewährleisten. o Die Qualität des Zentrums ist die der hohen Öffentlichkeit. Potenzial wird seitens des Bearbeitungsteams vor allem in breiteren Wegeverbindungen und zusätzlichem Platz gesehen. Bei der Anordnung von Sitzgelegenheiten„ums Eck“ kann jetzt schon Anleihe für eine kommunikativere Sitzanordnung genommen werden. In den höchst öffentlichen Bereichen ist die Unterstützung des kommunikativen Aspekts durch eine geeignetere Sitzplatzanordnung nicht so stark im Vordergrund, eher wird er in den größeren, etwas ruhigeren Bereichen des Zentrums als wichtig erachtet. o Die große Qualität des Parks ist das Kinderspiel – das zu einem Park gehört. Potenzial besteht hier vor allem darin, die Sichtbeziehungen und Orientierung in Bezug auf den gesamten Reumannplatz zu verbessern – der jetzige Gleiskörper bietet dafür viele Anhaltspunkte. Zukünftig sollte darüber eine sichere Verbindung zum Westteil des Reumannplatzes ermöglicht werden, zudem kann eine Erweiterung des Parkbereichs in Richtung des Gleiskörpers für mehr Bewegungsspielraum für Kinder sorgen. o Die bestehende Gleistrasse bietet die Qualität der Sichtbeziehung zwischen Nord und Süd bzw. innerer und äußerer Favoritenstraße, die eine stadträumliche Orientierung ermöglicht. Das zukünftige Potenzial besteht darin, eine Verbindung zwischen dem Ost- und dem Westteil des Reumannplatzes zu schaffen. o Die Qualität des„Platzbereichs“ ist charakterisiert vom Eingang bzw. Aufgang zum Reumannplatz. Darüber hinaus besteht jedoch großer Veränderungsbedarf in diesem Bereich, der durch ein hohes Ausmaß an„Verhüttelung“ gekennzeichnet ist. Diese sollte im Zuge einer Neugestaltung in diesem Bereich verringert bzw. für den gesamten Reumannplatz verhindert werden. Unter Verhüttelung können sowohl Einbauten wie Luftschächte, Container zur Aufbewahrung von Streumaterial u. Ä. als auch Imbissbuden oder andere Angebote billiger Gastronomie u. Ä. zusammengefasst werden. Insbesondere der Platzbereich sollte hin zu den angrenzenden Geschäften geöffnet und dadurch durchlässiger werden. Allgemein bietet dieser Bereich – auch in Zusammenhang mit dem Gleisbereich und dem Vorplatz des Amalienbades – das Potenzial, Raum für Veranstaltungen zu schaffen und den repräsentativen Charakter des Reumannplatzes für den 10. Bezirk wieder aufleben zu lassen. Auch könnte der Platz ein Ort für Veranstaltungen werden, eventuell auch für spontane Auftritte geeignet, indem er mit Elementen, die als Bühne interpretiert werden können, ausgestattet wird. o Der Vorplatz des Amalienbads ist von einer Qualität der Ruhe und der Übersichtlichkeit gekennzeichnet. Das Aufgreifen„alter Traditionen“ wie das Aufstellen eines Weihnachtsbaums oder das Anbringen von Weihnachtsbeleuchtung würde die identitätsstiftende Funktion des Reumannplatzes stärken und so auch Senior_innen mit österreichischem Hintergrund des Gefühl geben, den Platz wieder für sich ein Stück angeeignet zu haben. 75 o Die Favoritenstraße hat die Qualität als sozialräumliche Übergangszone und funktioniert wie eine informelle Begegnungszone. Das Potenzial des fließenden Übergangs sollte weiterhin berücksichtigt werden.  Aus Sicht der Begleitforschung macht es Sinn, zwischen den verschiedenen Bereichen des Reumannplatzes fließende und breitere Übergänge und auch Blickbeziehungen zu schaffen und damit die Lesbarkeit des Platzes als eine zusammenhängenden Fläche wie auch die bessere Orientierung zu fördern. Insbesondere der Gleistrasse kommt dabei zukünftig eine besondere Rolle zu. Der Umgang damit sollte unbedingt Gegenstand eines landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs sein.  Die unterschiedlichen Höhen und Niveaus, die von einigen Interviewpartner_innen als besonderer Reiz des Reumannplatzes hervorgehoben wurden, laden – sofern barrierefrei möglich – dazu ein, landschaftsarchitektonisch interpretiert zu werden und vielfältige Nutzungen wie Balancieren, sich Anlehnen, aber auch Sitzen zu ermöglichen.  Neben dem Wunsch nach einem vergrößerten Kinderspielbereich, der aus Sicht des Bearbeitungsteams dringend notwendig ist, bzw. seiner besseren Ausstattung mit Spielgeräten könnte im Zuge einer Neugestaltung – sowohl im Sinne von Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen – auch die Etablierung von Bewegungsmöglichkeiten und Bewegungsspiel am Reumannplatz angedacht werden. Aufgrund der Nutzer_innendichte wird aus Sicht des Bearbeitungsteams dabei weniger an raumintensives Spiel wie z. B. Ballspiel o. Ä. gedacht, sondern an Bewegungsmöglichkeiten, die weniger Platz beanspruchen. Seitens einiger Nutzer_innen wurden u. a. Fitnessgeräte für Erwachsene oder auch Elemente der Trends portart„Street Workout“ genannt. Allerdings ersc heint hier – wie auch allgemein für die Gestaltung des Reumannplatzes – eine gendersensible Herangehensweise als sehr wichtig, damit das Angebot nicht nur von Buben bzw. Männern bzw. allgemein von durchsetzungsstärkeren Gruppen genutzt wird. 6.3 Empfehlungen zu Ausstattung und Materialwahl  Da durch die Verlegung der Endstation der U1 vom Reumannplatz nach Oberlaa eine Verlagerung des Schwerpunkts der Nutzungen von einem Platz des Passierens und Verweilens in Richtung verstärktem Verweilen erfolgen wird und bereits jetzt ein hoher Bedarf an konsumzwangfreien Sitzmöglichkeiten besteht, stellt der bequeme Aufenthalt und das Sitzen auch eine wichtiges Thema für die Umgestaltung des Reumannplatzes dar. Dabei sollten die Bedürfnisse unterschiedlicher Altersgruppen wie z. B. Rückenlehnen, Handläufe und„warme“ Materialien wie z. B. Holz(Metall ist ungemütlich) für älteres Publikum oder eine kommunikative, gruppenorientierte Aufstellung von Sitzmöglichkeiten für jüngere Menschen berücksichtigt werden und innovative Lösungen auch für flexible und kombinierbare Sitzangebote angedacht werden. Mögliche Lärmentwicklung, die für Anrainer_innen störend sein kann, sollte in der Anordnung der Sitzmöglichkeiten berücksichtigt werden.  Hinsichtlich des Grüns am Reumannplatz – sowohl des hochkronigen als auch des Bodengrüns – ist es aus Sicht der Begleitforschung sinnvoll, dieses weiterhin als zentrales und von der Bevölkerung auch 76 sehr geschätztes Gestaltungselement beizubehalten. Die bereits differenzierte Gehölzstruktur sollte ebenfalls weiterhin Bestandteil des Reumannplatzes sein und könnte durch moderne Staudenbepflanzungen – durchaus im Sinne eines Schaugartens, der alt und neu sichtbar macht – ergänzt werden und u. a. mehr Farbe und Duft(z. B. Salbei, Lavendel etc.) auf den Reumannplatz bringen. Bereits jetzt zeigen Besucher_innen immer wieder Interesse an der großen Pflanzenvielfalt am Reumannplatz. Die verschiedenen Stauden bieten auch Rückzugs- und Nahrungsraum für die bereits etablierte Fauna am Platz.  Die zukünftigen Materialien sollten im Charakter zurückhaltend, aber von hoher Qualität sein, um einerseits dem Reumannplatz als zentralem Platz Favoritens und andererseits den hohen Nutzungsansprüchen und dem Pflege- und Erhaltungsaufwand gerecht zu werden.  Auch die Beleuchtung des Reumannplatzes könnte im Rahmen der Neugestaltung verstärkt als Leitsystem über den Platz eingesetzt werden.  In Hinblick auf zukünftige Klimaveränderungen und vermehrte Hitzetage in den Sommermonaten braucht es aus Sicht des Bearbeitungsteams am Reumannplatz die Umsetzung verschiedener Maßnahmen zur Verbesserung des Mikroklimas, um den Hitzeinseleffekt zu reduzieren. Es ist Wunsch vieler Nutzer_innen, dass Wasser als Gestaltungselement zum Einsatz kommt. Dies könnte z. B. durch den Rückhalt des Regenwassers, um es vor Ort in Plantschrinnen zur Verdunstung zu bringen, oder durch möglichst geringe Bodenversiegelung unterstützt werden. Auch sind vermehrt Trinkbrunnen anzudenken. Zurzeit ist einer vorm Eissalon Tichy und ein weiterer im Ostteil bei einem der beiden Kinderspielplätze zu finden. Beide Brunnen waren allerdings im Rahmen der Erhebungen nicht bzw. erst im Herbst in Betrieb. Hier ist zu prüfen, ob und in welcher Form diese Maßnahmen möglich und – gerade auch in Hinblick auf zukünftige klimatische Entwicklungen und die Notwendigkeit zur verstärkten Ressourcenschonung – vorstellbar sind.  Für das – mittlerweile durch die hohen Baumkronen – etwas versteckt liegende Amalienbad wird empfohlen, es durch eine Beleuchtung der Fassade von unten wieder sichtbarer zu machen und damit seine repräsentative und identitätsstiftende Funktion zu betonen.  Da zur Zeit am Reumannplatz zusätzlich zu einzelnen Wartehäuschen oder dem Eingangsbereich zur U-Bahn kein Bereich, der Schutz bei Wind und Regen bietet, besteht, wird für die Neugestaltung eine Unterstellmöglichkeit für die Nutzer_innen, die auch einen Aufenthalt bei schlechterem Wetter ermöglicht, empfohlen. 77 Abb. 50: Potenzialkarte im Bestand 78 6.4 Weitere Empfehlungen  Da laut Auswertung der statistischen Daten der Anteil der Kinder im Untersuchungsgebiet hoch ist und damit der Anteil an Jugendlichen in Zukunft steigen wird, ist im Auge zu behalten, dass Jugendliche verstärkt als Nutzer_innengruppen am Reumannplatz in Erscheinung treten werden. Maßnahmen, die den angenehmen Aufenthalt am Reumannplatz fördern – wie z. B. überdachte Unterstände, kommunikative und konsumzwangfreie Sitzgelegenheiten u. Ä. – unterstützen jedenfalls die Treffpunkt-Kultur und den Aufenthalt von Jugendlichen. Ein multifunktionales Bühnenelement am Platz kann sich auch auf die Nutzung durch Jugendliche positiv auswirken.  Für das im Zentrum des Reumannplatzes gelegene Mahndenkmal, das zurzeit aufgrund des dichten Waldbewuchses meist übersehen wird, wird angeregt, es sichtbar zu positionieren – sei es durch eine Verlegung an einen anderen Ort oder durch eine Lichtung des jetzigen Standortes.  Da im Rahmen der Erhebung seitens der Gesprächspartner_innen Hunde bzw. Verschmutzung durch Hundekot gar nicht als Thema aufgegriffen wurden und auch im Rahmen der Beobachtungen Hundebesitzer_innen nur in Ausnahmefällen ihre Tiere am Reumannplatz Gassi führten bzw. diesen meist nur mit den Tieren überquerten, ist es aus Sicht des Bearbeitungsteams nicht notwendig, für die Umgestaltung des Reumannplatzes eine Hundezone vorzusehen. 79 7. L ITERATURLISTE Bourdieu, Pierre(1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Kreckel, Reinhard(Hrsg.)(1983): Soziale Ungleichheiten(Soziale Welter/Sonderband), Schwartz, Göttingen. Bourdieu, Pierre(1997): Das Elend der Welt. Zeugnisse und Diagnosen alltäglichen Leidens an der Gesellschaft(Édition discours. Bd. 9). UVK, Universitäts-Verlag Konstanz. Breuer, Franz(2009): Reflexive Grounded Theory – Eine Einführung in die Forschungspraxis. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden. Damyanovic D., Reinwald F., Gruber S., Weikmann A., Bittner I.(2012): Raum erfassen – Überblick und Wegweiser zu Funktions- und Sozialraumanalysen für den öffentlichen Raum, Werkstattbericht Nr. 128, Magistratsabteilung 18, Stadt Wien. Damyanovic D., Reinwald F., Weikmann A.(2013): Gender-Mainstreaming in der Stadtplanung und Stadtentwicklung, Werkstattbericht Nr. 130, Magistratsabteilung 18, Stadt Wien 2014 Flade, Antje; Kustor, Beatrice(Hg.)(1996): Raus aus dem Haus – Mädchen erobern die Stadt. Campus Verlag, Frankfurt/New York. Flick, U.; v. Kardoff, E.; Keupp, H.; v. Rosenstiel, L.: Wolff, S.(1995): Handbuch Qualitative Sozialforschung. Grundlagen, Konzepte, Methoden und Anwendungen. 2. Auflage, Beltz Psychologie Verlags Union, Weinheim. Flick, Uwe(2007): Qualitative Sozialforschung: Eine Einführung. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg. 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Zeiher, H. J./Zeiher, H.(1994): Orte und Zeiten der Kinder. Soziales Leben im Alltag von Großstadtkindern, Weinheim/München. 81 8. A NHANG a) Übersichtskarte mit allen ÖV-Verbindungen und Haltestellen Quelle: https://www.wien.gv.at/stadtplan/ 82 b) Übersicht über die verschiedenen Nutzungen am Reumannplatz 83 c) Übersicht über die Teilbereiche des Reumannplatzes 84 9. A BBILDUNGSVERZEICHNIS Abb. 1: Überblick über die Erhebungsaktivitäten Abb. 2: Ablauf der Erhebung Abb. 3: Karte mit den Grenzen des Untersuchungsgebiets Abb. 4: Einwohner_innendichte im Untersuchungsgebiet Abb. 5: Anteil von Personen mit Migrationshintergrund Abb. 6: Verteilung Bewohner_innen mit Migrationshintergrund Ex-Jugoslawien/Türkei Abb. 7: Anteil der Kinder 0 – 9 Jahre an der Gesamtbevölkerung Abb. 8: Anteil der Kinder und Jugendlichen 10 – 19 Jahre an der Gesamtbevölkerung Abb. 9: Anteil der Mädchen 0 – 9 Jahre an der Gesamtbevölkerung Abb. 10: Anteil der Mädchen und jungen Frauen 10 – 19 Jahre an der Gesamtbevölkerung Abb. 11: Anteil der Senior_innen(über 60 Jahre) an der Gesamtbevölkerung Abb. 12: Wohnbevölkerung Favoritens im Alter von 25 – 64 Jahren nach Bildungsstand Abb. 13: Darstellung der öffentlichen Grün- und Freiräume Abb. 14: PKW Anmeldungen pro 1000 Einwohner_innen Abb. 15: Übersichtskarte mit ÖV-Verbindungen/Haltestellen – www.wien.gv.at/stadtplan/ Abb. 16: Übersicht über die Nutzungen am Reumannplatz Abb. 17: Übersicht über die Teilbereiche am Reumannplatz Abb. 18: Fotos zum Zentrum des Reumannplatzes Abb. 19: Fotos zum Zentrum des Reumannplatzes Abb. 20: Fotos zum Zentrum des Reumannplatzes Abb. 21: Straßenmusikanten am Reumannplatz Abb. 22: Fotos zum Park am Reumannplatz Abb. 23: Fotos zum Park am Reumannplatz Abb. 24: Fotos zum Vorplatz des Amalienbades Abb. 25: Fotos zum Vorplatz des Amalienbades Abb. 26: Fotos zur Favoritenstraße Abb. 27: Fotos zur Favoritenstraße Abb. 28: Fotos zum„Platz“ am Reumannplatz Abb. 29: Fotos zum„Platz“ am Reumannplatz Abb. 30: Fotos zu den Geleisen der Straßenbahnlinie 67 Abb. 31: Fotos zu den Geleisen der Straßenbahnlinie 67 Abb. 32: Karte zu den Wegeverbindungen am Reumannplatz Abb. 33: Karte zur Nutzung„Sitzen“ am Reumannplatz – in der Früh Abb. 34: Karte zur Nutzung„Sitzen“ am Reumannplatz – am Vormittag Abb. 35: Karte zur Nutzung„Sitzen“ am Reumannplatz – am Nachmittag Abb. 36: Karte zur Nutzung„Sitzen“ am Reumannplatz – am Abend Abb. 37: Straßenübergänge Richtung Süden Abb. 38: Der Reumannplatz in der kalten Jahreszeit Abb. 39: Winter am Reumannplatz Abb. 40: Nadelmethode zum Reumannplatz – ReuMÄDCHENfest, 16. 6. 2015 Abb. 41: Nadelmethode Schwerpunkt Erwachsene, 22. 9. 2015 Abb. 42: Nadelmethode beim ReuMÄDCHENfest, 16. 6. 2015 Abb. 43: ReuMÄDCHENfest am Reumannplatz, 16. 5. 2015 Abb. 44: Ausstellung„Mädchen gestalten den Reumannplatz“ – mehr Grün, mehr Farbe, bunte Sitzbänke Abb. 45: Ausstellung„Mädchen gestalten den Reumannplatz“ – bessere Beleuchtung, Brunnen, Wasser Abb. 46: Ältere Menschen am Reumannplatz© Sonja Gruber, Max Strohmeier Abb. 47: Nadelmethode – Gruppendiskussion mit Senior_innen zum Reumannplatz, 8. 10. 2015 Abb. 48: Nutzung der Erdgeschoßzonen Abb. 49: Die„Einkaufsmeile” am Reumannplatz Abb. 50: Potenzialkarte im Bestand 9 10 12 13 14 15 16 16 17 17 18 18 20 21 25 29 30 31 32 33 33 34 35 37 37 39 39 41 41 42 43 44 46 47 48 49 51 52 53 54 55 56 57 57 58 59 61 63 64 77 85