Lebensqualität in einer wachsenden Stadt Bericht über erste Ergebnisse Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 (Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III) Univ.-Prof. Dr. Roland Verwiebe Dr. Raimund Haindorfer Julia Dorner, MA BA Bernd Liedl, BA BA Dr. Bernhard Riederer Institut für Soziologie Universität Wien Rooseveltplatz 2 1090 Wien Wien, 24. Juni 2019 Forschungskooperation Titel: Wiener Lebensqualitätsstudie 2018(Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III) Projektbezeichnung: Lebensqualität in einer wachsenden Stadt Kooperationspartner - Stadt Wien(vertreten durch die Magistratsabteilung 18) Koordination: SR Ing. Mag. Johannes Gielge, Tobias Troger, M.A. - Universität Wien(vertreten durch das Institut für Soziologie) Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Roland Verwiebe - Datenerhebung(im Auftrag der Universität Wien): Institut für Empirische Sozialforschung Projektleitung: Dr. Gert Feistritzer Zitat Verwiebe, Roland/ Haindorfer, Raimund/ Dorner, Julia/ Liedl, Bernd/ Riederer, Bernhard (2019): Lebensqualität in einer wachsenden Stadt: Bericht über erste Ergebnisse. Universität Wien: Institut für Soziologie. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Einleitung Seite| 3 Inhalt Einleitung............................................................................................................................. 5 1. Wien im Europa- und Zeitvergleich............................................................................... 6 1.1. Städtevergleich........................................................................................................................ 6 1.2. Subjektive Lebensqualität...................................................................................................... 10 1.3. Allgemeine Zufriedenheit....................................................................................................... 17 2. Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt......................................................................20 2.1. Zufriedenheit mit Wien........................................................................................................... 20 2.2. Zufriedenheit mit dem Wohngebiet........................................................................................ 24 2.3. Verkehr.................................................................................................................................. 26 2.4. Umwelt................................................................................................................................... 28 3. Wohnen..........................................................................................................................30 3.1. Wohnsituation........................................................................................................................ 30 3.2. Wohnzufriedenheit................................................................................................................. 34 4. Bildung, Diversität und Integration...............................................................................37 4.1. Bildung................................................................................................................................... 37 4.2. Diversität und Integration....................................................................................................... 40 5. Kultur, Freizeit und Sport..............................................................................................46 5.1. Kultur: Zufriedenheit mit den kulturellen Angeboten............................................................. 46 5.2. Freizeit und Sport: Zufriedenheit mit den Freizeitangeboten................................................ 48 6. Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung..........................................................................51 6.1. Zufriedenheit mit der Arbeit................................................................................................... 51 6.2. Beurteilung der Arbeitsmöglichkeiten und die Wege zum Arbeitsplatz................................. 56 6.3. Digitalisierung öffentlicher Angebote..................................................................................... 58 7. Vereinbarkeit von Familie und Beruf............................................................................61 7.1. Leben mit Kindern: Haushaltsformen und Erwerbsbeteiligung der Eltern............................. 61 7.2. Kinderbetreuung.................................................................................................................... 63 7.3. Familienarbeit und Work-Life-Balance 2018......................................................................... 64 8. Gesundheit, Alter und Pflege........................................................................................69 8.1. Gesundheit............................................................................................................................ 69 8.2. Betreuung und Pflege............................................................................................................ 73 Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 4| Seite 9. Lebensstile und subjektive Lebensqualität.................................................................76 9.1. Lebensstile – Theorie und Operationalisierung(Messung)................................................... 76 9.2. Subjektive Lebensqualität...................................................................................................... 82 10. Fazit..............................................................................................................................86 Datenbasis..........................................................................................................................91 Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Einleitung Seite| 5 Einleitung Der vorliegende Bericht enthält erste zentrale Befunde der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018. Er fasst eine Reihe von themenspezifischen„Kurzberichte n “ mit ersten Ergebnisse aus unterschiedlichen Themenbereichen(z.B. Stadtentwicklung, Gesundheit, Kultur) zusammen; ergänzt um eine Verortung von Wien im europäischen Städtevergleich. Die Ergebnisse des Berichts basieren auf solider statistischer Grundlage. Zur Berechnung wurden deskriptive, zeitvergleichende und multivariate statistische Methoden verwendet. Dabei wurden systematisch allgemeine Trends sowie Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen und Bezirken herausgearbeitet. Der Bericht gliedert sich in insgesamt zehn Kapitel, die sich an den Themen der geplanten Forschungsberichte orientieren: (1) Wien im Europa- und Zeitvergleich (2) Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt (3) Wohnen (4) Bildung, Diversität und Integration (5) Kultur, Freizeit und Sport (6) Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung (7) Vereinbarkeit von Familie und Beruf (8) Gesundheit, Alter und Pflege (9) Wohlstands- und Armutsentwicklung (10) Lebensstile und subjektive Lebensqualität Jedes Kapitel dieses Berichts thematisiert besonders zentrale erste Befunde. Außerdem werden jeweils auch die neuen Themen der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 in den Mittelpunkt gerückt, wie etwa die Frage der Bewertung des Stadtwachstums, die Nutzung des Internets und generell das Thema der Digitalisierung sowie auch eine erstmals abgefragte Lebensstiltypologie. Die ersten Ergebnisse der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 werden im Rahmen eines abschließenden Fazits zusammengefasst. Wir hoffen mit diesem Bericht das Interesse an noch mehr Befunden zum wichtigen und allerorts bestimmenden Thema der Lebensqualität in der Stadt zu wecken. Diese weiteren Befunde werden wir im Rahmen der einzelnen themenspezifischen Forschungsberichte sowie des Endberichts liefern. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 6| Seite 1. Wien im Europa- und Zeitvergleich Im März 2018 publizierte das Beratungsunternehmen Mercer das seit 20 Jahren durchgeführte Lebensqualitätsranking, welches inzwischen weltweit 231 Städte umfasst. Bereits zum 9. Mal in Folge wurde Wien mit der höchsten Lebensqualität ausgezeichnet, gefolgt von Zürich und München. Während diese Studie unter vorübergehend im Ausland beschäftigten Managern kaum repräsentative Geltung für die dauerhafte Wohnbevölkerung einer Stadt beanspruchen kann, werden doch viele Dimensionen in dieser Studie abgefragt, die in der Forschung als generelle Indikatoren für Lebensqualität verwendet werden. Dazu zählen z.B. die Abfrage der Zufriedenheit der Befragten mit dem öffentlichen Verkehr oder den Kulturangeboten. Die sozialwissenschaftliche Forschung zu Städten ist oft mit der Einschränkung konfrontiert, dass international vergleichbare Daten zumeist nur auf der Ebene von Nationalstaaten, und manchmal nur für Bundesländer, verfügbar sind. Der „Urban Audit Perception Survey“(im Folgenden auch UAPS genannt), der in regelmäßigen Abständen von der Europäischen Kommission durchgeführt wird, bildet dabei eine Ausnahme. Diese Umfrage konzentriert sich auf die Erfassung der subjektiven Lebensqualität und wurde zuletzt im Jahr 2015 in 79 europäischen Städten erhoben. 1 Dieser Datensatz bildet die Grundlage für das vorliegende Kapitel, und ermöglicht neben repräsentativen Aussagen über die subjektive Lebensqualität der BewohnerInnen dieser Städte in einer Reihe von Lebensbereichen auch internationale Vergleiche. Wien als Stadt mit einer sehr hohen Lebensqualität kann somit in einer Reihe spezifischer Bereiche des urbanen Lebens mit einer Vielzahl an anderen europäischen Städten verglichen werden. Vor diesem Hintergrund lautet die Frage, der dieses Kapitel nachgeht: Wie hat sich die subjektive Lebensqualität in Wien im Vergleich zu anderen europäischen Städten zwischen 2006 und 2015 entwickelt? 1.1. Städtevergleich Die Referenzstädte zu Wien wurden für die aktuellen Ausführungen weitgehend vom vorhergehenden Teilbericht zum Europa- und Zeitvergleich aus dem Jahr 2014 übernommen, um hier Vergleichbarkeit zu ermöglichen. Diese Auswahl bezieht sich auf eine Städtetypologie des Urban Audits(Second State of European Cities Report 2010), die auf empirischer Basis vier Stadttypen mit strukturellen Ähnlichkeiten bzw. Unterschieden festlegt. Wien wird dem Grundtyp A zugeordnet, der vor allem große Städte und Hauptstädte umfasst. Außer Graz(Grundtyp B: regionale Zentren), das im Sinne des österreichischen Vergleichs beibehalten wurde, gehören alle untersuchten Vergleichsstädte diesem Typus an:  Athen  Amsterdam  Barcelona  Berlin  Bratislava  Brüssel  Budapest  Dublin  Graz  Hamburg  Helsinki  Kopenhagen  Lissabon  Ljubljana  London  Madrid  München  Paris  Prag  Rom  Stockholm  Warschau  Wien 1 Weitere Informationen zur Datengrundlage sind unter folgendem Link auf S. 49 zu finden: http://ec.europa.eu/commfrontoffice/publicopinion/flash/fl_366_anx_en.pdf Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wien im Europa- und Zeitvergleich Seite| 7 Von dieser Liste wird außerdem eine Auswahl an Städten mit internationaler Bedeutung für einen Zeitvergleich herangezogen, die mit Blick auf wichtige städtische Strukturen mit Wien gut vergleichbar sind(u.a. Bevölkerungsgröße und-struktur, Branchenmix mit Schwerpunkt auf Dienstleistungsindustrie, kulturelle und politische Metropolenfunktion). Zu diesen Städten zählen wichtige europäische Hauptstädte wie Berlin, Brüssel und Prag aber auch Metropolen wie Barcelona und München(in der Auflistung hervorgehoben). Objektive Informationen zu den Referenzstädten Für eine kontextuelle Einbettung der subjektiven Einstellungen der städtischen Bevölkerungen Europas ist in Tabelle 1 eine Auswahl von Schlüsselindikatoren dargestellt, welche für Wien und einen Großteil ausgewählter Referenzstädte verfügbar sind; ausgewählt werden jene Städte, die auch für die Zeitvergleiche in den folgenden Kapiteln herangezogen werden. Es werden für alle Vergleichsstädte die jeweils aktuellsten Daten von Eurostat präsentiert. Dies hat zur Folge, dass die Referenzjahre zwischen den Städten zwischen 2011 und 2017(= Vergleichszeitraum) variieren. Weiters wurden die Daten über nationale und städtische Statistikämter ergänzt bzw. ersetzt, falls über Eurostat keine aktuellen Daten zugänglich waren. Innerhalb der verglichenen Städte vom Grundtyp A existieren beträchtliche Unterschiede in der EinwohnerInnenzahl. Diese ist in Berlin(3,57 Mio.) am höchsten und in Bratislava(0,42 Mio.) am niedrigsten. Die Stadt Wien hatte im Vergleichszeitraum eine EinwohnerInnenzahl von 1,87 Millionen und ist damit insgesamt die drittgrößte Stadt und innerhalb des deutschssprachigen Raums die zweitgrößte Stadt unter den Referenzstädten. Graz – die einzige Stadt, die unter diesen Städten nicht zu Grundtyp A gehört – hatte eine EinwohnerInnenzahl von 0,26 Millionen. Personen ohne österreichische Staatsangehörigkeit machen in Wien 28,6% der Wohnbevölkerung aus. Nur Brüssel weist hier mit 34,8% einen höheren Anteil an MigrantInnen auf. Mit Blick auf die Arbeitsmarktsituation nimmt Wien eine mittlere Position ein. Zwar ist die Arbeitslosigkeit von Männern(11,7%) und Frauen(8,9%) relativ hoch – nur Rom, Barcelona und Brüssel weisen ähnliche oder höhere Arbeitslosenzahlen auf – , doch ist in Wien auch die Erwerbsquote verhältnismäßig stark ausgeprägt(77,4% bzw. 68,6% für Männer und Frauen). Hier kann ein Nord-Süd und West-Ost-Gefälle festgestellt werden: Während die Erwerbsquoten in Stockholm(79,4% bzw. 79,2%), Hamburg(83,8% bzw. 75,8%), Berlin (82,1% bzw. 74,5%) und Prag(87,2% bzw. 72,0%) für beide Geschlechter am höchsten sind, fallen sie in Rom(57,3% bzw. 44,3%), Barcelona(62,7% bzw. 52,9%) und Bratislava (67,9% bzw. 56,8%) am niedrigsten aus. 2 Interessant ist zudem, dass Frauen und Männer nur in Stockholm eine ähnlich starke Erwerbsquote aufweisen, in allen anderen Städten ist die Erwerbsquote der Frauen um 10-15 Prozentpunkte niedriger als jene der Männer. Die Arbeitslosenquoten schlagen sich auch in den Anteilen der 18-24-jährigen nieder, welche weder erwerbstätig, noch in Aus- oder Weiterbildung sind. Der Anteil dieser sogenannten NEETs(„Not in Employment, Education or Training“) ist in Brüssel mit 17,7 % am höchsten, in Prag mit 2,7% am geringsten. In Wien liegt der Anteil mit 11% in etwa auf gleicher Höhe mit der Arbeitslosenquote der 15-64-jährigen, während in Berlin(12,3%) und Hamburg 2 Es gilt allerdings zu beachten, dass sich die Quoten in Rom und Bratislava auf das Jahr 2011 beziehen, während für die anderen Städte Daten aus 2016 oder 2017 ausgewiesen sind. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 8| Seite (10,3%) die Beschäftigungslosigkeit der Jugend im Verhältnis zur Arbeitslosigkeit wesentlich höher ausfällt. In fast allen verglichenen Städten bewegt sich der Anteil der Personen mit einem tertiären Bildungsabschluss zwischen 40% und 50%. Nur Rom und Hamburg liegen hier mit 27,1% bzw. 35,7% darunter. In den beiden anderen Bildungskategorien zeigt sich ein wesentlich uneinheitlicheres Bild: Während in Rom(28,9%), Barcelona(28,6%) und Brüssel(27,1%) der Anteil von gering qualifizierten Personen(d.h. Personen mit maximal Pflichtschulabschluss bzw. Sekundarbereich I) sehr hoch ist, ist dieser Anteil in Budapest(5,8%) und Prag(2,4%) sehr gering ausgeprägt. Wien liegt in diesem Zusammenhang mit einem Anteil von 16,2% in etwa im Schnitt der verglichenen Städte. Entsprechend ergibt sich das Bild bei den Personen mit mittlerem Bildungsabschluss(Sekundarbereich II). Prag(52%) und Budapest(48,8%) weisen die höchsten Anteile an Personen mit mittleren Qualifikationen aus, Brüssel(26,3%) und Barcelona(22,3%) die niedrigsten, Wien liegt mit einem Anteil von 41,7% erneut im Mittelfeld. Der Anteil der Einpersonenhaushalte an allen privaten Haushalten variiert zwischen 31,3% in Barcelona und 54,2% in Berlin, entsprechend variiert die durchschnittliche Anzahl der Personen pro Haushalt zwischen 1,7 in Berlin und 2,4 in Barcelona. Für die Städte im Osten und Süden werden eher weniger Einpersonenhaushalte und mehr Personen pro Haushalt ausgewiesen als im Norden und Westen. Wien liegt mit 44,7% Single-Haushalten und durchschnittlich 2 Personen pro Haushalt im Mittelfeld. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wien im Europa- und Zeitvergleich Tab. 1: Schlüsselzahlen zu den Referenzstädten(in%, wenn nicht anderslautend) Bevölkerung Arbeitsmarkt Erwerbsquote Arbeitslosenquote Jugend Seite| 9 Bildung Höchster Abschluss Wohnen EinwohnerInnen (in Mio.) Anteil ausländische StaatsbürgerInnen Männer (15-64 Jahre) Frauen (15-64 Jahre) Männer (15-64 Jahre) Frauen (15-64 Jahre) NEETs (18-24 Jahre) Sekundarbereich I (25-64 Jahre) Sekundarbereich II (2564 Jahre) Tertiärbereich (25-64 Jahre) Anteil der Einpersonen-HH Personen pro Haushalt (Mittelwert) Berlin 3.57 1 16.7% 4 82.1% 1 74.5% 1 7.5% 1 6.4% 1 12.3% 1 13.7% 1 45.7% 1 40.5% 1 54.2% 11 1.7 11 Rom 2.86 2 12.7% 2 57.3% 6 44.3% 6 9.0% 6 10.0% 6 28.9% 6 44.0% 6 27.1% 6 40.6% 6 2.1 2 WIEN 1.87 1 28.6% 7 77.4% 1 68.6% 1 11.7% 1 8.9% 1 11.0% 1 16.2% 1 41.7% 1 42.1% 1 44.7% 10 2.0 10 Hamburg 1.81 1 15.6% 5 83.8% 1 75.8% 1 4.5% 1 3.8% 1 10.3% 1 15.7% 1 48.6% 1 35.7% 1 50.1% 11 1.8 11 Budapest 1.76 2 3.3% 6 68.3% 2 53.8% 2 1.9% 2 2.6% 2 5.8% 2 48.8% 2 45.4% 2 40.3% 2 2.1 2 Barcelona 1.61 2 16.6% 2 62.7% 2 52.9% 2 11.0% 2 14.1% 2 28.6% 6 22.3% 6 49.1% 6 31.3% 2 2.4 2 München 1.45 2 25.2% 2 68.4% 2 58.5% 2 3.6% 2 3.4% 2 11.6% 6 43.8% 6 44.6% 6 52.0% 11 1.8 11 Prag 1.28 1 13.1% 6 87.2% 1 72.0% 1 1.4% 1 2.1% 1 2.7% 1 2.4% 1 52.0% 1 45.6% 1 38.5% 6 2.1 6 Brüssel 1.20 1 34.8% 3 72.9% 1 59.3% 1 15.0% 1 14.7% 1 17.7% 1 27.1% 1 26.3% 1 46.6% 1 47.5% 2 2.1 2 Stockholm 0.94 9 11.1% 9 79.7% 9 79.2% 9 3.1% 9 2.9% 9 15.0% 6 39.1% 6 45.9% 6 Bratislava 0.42 2 0.9% 6 67.9% 6 56.8% 6 9.0% 6 7.9% 6 31.8% 6 2.4 6 Graz 0.26 8 21.5% 8 77.6% 8 68.0% 8 8.7% 8 6.4% 8 11.7% 8 44.9% 8 43.4% 8 46.3% 10 2.0 10 1: Eurostat NUTS2-Regionen 2017; 2: Eurostat UrbanAudit 2016; 3: BRIO 2017; 4: statistik Berlin Brandenburg 2017; 5: Statistisches Amt für Hamburg und Schleswig Holstein 2017; 6: Eurostat UrbanAudit 2011; 7: Statistik Austria 2017; 8: Mikrozensus Statistik Austria 2017, eigene Berechnung; 9: Stockholm stad; 10: Eurostat UrbanAudit 2014; 11: Eurostat UrbanAudit 2012. NEETs: Jugendliche ohne Arbeits- oder Ausbildungsplatz(Not in Employment, Education or Training). Sekundarbereich I= ISCED 0-2; Sekundarbereich II= ISCED 3-4; Tertiärbereich= ISCED 5-8. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 10| S e i t e Wien im Europa- und Zeitvergleich 1.2. Subjektive Lebensqualität Die subjektive Lebensqualität wird in diesem Kapitel anhand der individuellen Wahrnehmung und Bewertung einer Reihe von Lebensbereichen und öffentlichen Angeboten untersucht, 3 wobei insbesondere die auf statistische Signifikanz geprüften Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Wien und den Referenzstädten diskutiert werden. Erstmals werden außerdem bei ausgewählten Themen und Nachbarstädten Zeitvergleiche mit den Daten des UAPS durchgeführt, um Veränderungen der Wahrnehmung und Bewertung dieser Themen festzustellen. Dabei werden stets die Erhebungen aus den Jahren 2006 und 2015 (aktuellste verfügbare Daten) verglichen. Zufriedenheit mit städtischen Dienstleistungen Als einer Dimension der subjektiven Lebensqualität widmet sich dieser Abschnitt zunächst der Zufriedenheit mit städtischen Dienstleistungen. Das Gemeinwesen kann die Lebensqualität über die Bereitstellung und die Qualität öffentliche Güter direkt beeinflussen (Zapf 1972). Dazu zählen der öffentliche Verkehr, die Gesundheitsversorgung, Kultur- und Freizeitangebote, öffentliche Räume, die städtische Verwaltung sowie das subjektive Sicherheitsgefühl. Die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Verkehr ist in Wien mit 96%(Noten 1 und 2 auf einer Skala von 1 bis 4) sehr hoch(Abb. 1). Dazu tragen ein wenig störungsanfälliges Netz, die flächendeckende Reichweite der U-Bahn-Linien und die Leistbarkeit der Nutzung bei. Dies zeigt sich im statistischen Vergleich mit anderen europäischen Städten: Führte diese Liste 2009 noch Helsinki an, so hat Wien nun die Spitzenposition übernommen. Mit Ausnahme von Helsinki ist die Zufriedenheit in allen anderen Vergleichsstädten signifikant niedriger. Die geringste Zufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr äußern die BewohnerInnen von Lissabon und Rom(60 bzw. 32%). 3 In der soziologischen und psychologischen Forschung zu subjektivem Wohlbefinden und Lebensqualität wird ebenso die kognitive Selbsteinschätzung wahrgenommener Lebensumstände untersucht(Diener et al 1999). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wien im Europa- und Zeitvergleich S e i t e| 11 Abb. 1: Zufriedenheit mit dem öffentlichen Verkehr(in%) WIEN Helsinki Hamburg** Prag*** London*** München*** Berlin*** Amsterdam*** Warschau*** Stockholm*** Graz*** Ljubljana*** Paris*** Kopenhagen*** Barcelona*** Dublin*** Athen*** Brüssel*** Madrid*** Budapest*** Bratislava*** Lissabon*** Rom*** Gesamt 49 46 43 45 52 47 39 26 32 40 33 23 32 25 39 28 20 27 17 12 10 5 27 34 73 24 96 45 95 46 92 46 89 44 88 36 88 40 87 45 84 57 84 49 81 41 81 47 80 56 80 46 78 53 78 39 78 47 75 55 75 47 74 56 73 50 62 50 60 32 45 79 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% sehr zufrieden eher zufrieden Quelle: UAPS(2015), in jeder Stadt: N= 500; eigene Berechnungen. Zufriedenheit mit dem angegebenen Thema auf einer 4stufigen Skala(1=„sehr zufrieden“, 2=„eher zufrieden“, 3=„eher unzufrieden“, 4=„überhaupt nicht zufrieden“). Tests auf signifikante Unt erschiede zwischen Wien und den Referenzstädten(für die Tests wurden die Zufriedenheitsangaben 1+2 bzw. 3+4 zusammengefasst); Signifikanzniveaus:+ p< 0,07;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001. Im Zeitvergleich(Abb. 2) ist zu erkennen, dass 2006 bereits 92% der WienerInnen zufrieden mit dem öffentlichen Verkehr waren, und dieser Wert hat bis 2015 noch einmal leicht zugenommen. Städte, die 2006 schlechter abschnitten, konnten die Zufriedenheit ihrer BewohnerInnen bis 2015 teilweise stark verbessern, allen voran Bratislava und Budapest. In mit Wien vergleichbaren Städten in Deutschland, wie Berlin, Hamburg und München, die im Jahr 2015 ebenfalls eine hohe Zufriedenheit mit dem öffentlichen Verkehr aufweisen, hat sich die Zufriedenheit seit 2006 hingegen nicht signifikant gesteigert. In Rom hat, gegen den europäischen Trend, die Zufriedenheit mit dem öffentlichen Nahverkehr innerhalb des Untersuchungszeitraums weiter abgenommen(zur Unterfinanzierung des städtischen Nahverkehrs in Rom siehe Balmer 2017). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 12| S e i t e Wien im Europa- und Zeitvergleich +83% +44% +30% +17% +13% +11% +6% +5% +3% +0% -2% -20% +12% Abb. 2: Zufriedenheit mit dem öffentlichen Verkehr im Zeitvergleich(in%) 100% 80% 60% 40% 20% 0% +5500% +4500% +3500% +2500% +1500% +500% -500% 2006 2015 Quelle: UAPS(2006, 2015), in jeder Stadt: N= 500; eigene Berechnungen. Zufriedenheit mit dem angegebenen Thema auf einer 4stufigen Skala(1=„sehr zufrieden“, 2=„eher zufrieden“, 3=„eher unzufrieden“, 4= „überhaupt nicht zufrieden“). In der Analyse wurde n die Zufriedenheitsangaben(1+2) zusammengefasst. Tests auf signifikante Unterschiede zwischen den Erhebungszeitpunkten; Signifikanzniveaus:+ p< 0,07;* p< 0,05;** p < 0,01;*** p< 0,001. Die hohe Zufriedenheit mit öffentlichen Verkehrsmitteln korrespondiert in Wien auch mit einer starken Nutzung durch die BewohnerInnen(Abb. 3). Für 73% der WienerInnen zählt der öffentliche Verkehr zu den zwei im Alltag meistgenutzten Arten von Verkehrsmitteln. An zweiter Stelle steht das zu-Fuß-gehen, das von insgesamt 44% der WienerInnen zu den zwei wichtigsten Verkehrsmitteln gezählt wird. 4 Mit dem Anteil an Personen welcher die Autonutzung als eines der beiden wichtigsten Verkehrsmitteln anführt(33%) liegt Wien 6 Prozentpunkte unter dem europäischen Durchschnitt; am wenigsten werden private PKW’s in Paris für die tägliche Fortbewegung in der Stadt verwendet. Das Fahrrad hingegen, wird laut den UAPS-Daten von 2015 nur von 13% der Menschen in Wien als eines der beiden wichtigsten Verkehrsmitteln an einem normalen Tag angeführt, ein unterdurchschnittlicher Wert, der weit hinter anderen Städten in Österreich bzw. Deutschland(z.B.: Graz: 42%; Hamburg: 30%) liegt. Spitzenreiter bei der Relevanz dieses Verkehrsmittels sind Kopenhagen und Amsterdam(58 bzw. 53% Nennungen unter den Top 2 der wichtigsten Verkehrsmitteln), was mit der dortigen Schwerpunktsetzung in der städtischen Verkehrsplanung korrespondiert(Caraglui et al. 2011). Die geringste Popularität besitzen Fahrräder in südeuropäischen Metropolen wie Madrid, Lissabon und Athen. 4 Studien argumentieren, dass es in vielen europäischen(Haupt-)Städten eine Veränderung im öffentliche Diskurs gegeben hat, der die Popularisierung des öffentlichen Nachverkehrs und auch die politischen Investitionen in diesem Bereich unterstützt hat(Caraglui et al 2011). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wien im Europa- und Zeitvergleich Abb. 3: Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel(in%) 100% 80% 60% 40% 20% 0% S e i t e| 13 Auto Öffentlicher Stadtverkehr Fahrrad zu Fuß Quelle: UAPS(2015), in jeder Stadt: N= 500, eigene Berechnungen. Angabe der zwei meistgenutzten Arten von Verkehrsmitteln an einem normalen Tag. Der Anteil der Autonutzung beläuft sich in Amsterdam, wie der Anteil an öffentlichem Stadtverkehr, auf 31% und wird daher grafisch überlagert. Städtische Verwaltung Auch die Zufriedenheit mit der städtischen Verwaltung ist in Wien auf einem sehr hohen Niveau(vgl. z.B. Vetter 2013): 70% der Wienerinnen und Wiener stimmen der Aussage sehr oder eher zu, dass einem effizient geholfen wird, wenn man sich an Behörden in Wien wendet(Abb. 4). In Graz ist die Zustimmung zwar knapp höher(72%), der Unterschied ist aber nicht signifikant. Beide österreichischen Städte liegen weit über dem Durchschnitt von 54%. Am wenigsten stimmen dieser Aussage die Bevölkerungen in Rom(28%), Bratislava (31%) und Berlin(34%) zu. Im Vergleich zu vielen anderen hier untersuchten Fragen ist auffällig, dass der Anteil der sehr Zufriedenen deutlich geringer ausfällt, als jener der eher Zufriedenen, dies trifft auf alle Vergleichsstädte zu. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 14| S e i t e Wien im Europa- und Zeitvergleich Abb. 4: Zufriedenheit mit der Städtischen Verwaltung und Behörden(in%) Graz 19 WIEN 11 Stockholm 11 London 15 Kopenhagen 18 Brüssel 10 Helsinki 8 Budapest* 10 Amsterdam** 10 München** 12 Ljubljana*** 11 Hamburg*** 11 Barcelona*** 10 Paris*** 7 Prag*** 5 Dublin*** 9 Athen*** 5 Madrid*** 12 Warschau*** 4 Lissabon*** 3 Berlin*** 4 Bratislava*** 3 Rom*** 2 Gesamt 9 53 59 57 53 49 56 56 52 52 49 47 45 44 47 49 44 38 43 30 42 34 39 36 38 30 34 28 31 26 28 45 72 70 68 67 67 66 65 63 62 61 58 56 54 54 54 53 54 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% stimme sehr zu stimme eher zu Quelle: UAPS(2015), in jeder Stadt: N= 500; eigene Berechnungen. Zustimmung zu der angegebenen Aussage auf einer 4stufigen Skala(1=„stimme sehr zu“, 2=„stimme eher zu“, 3=„stimme eher nicht zu“, 4=„stimme überhaupt nicht zu“). Tests auf signifikante Unterschiede zwischen W ien und den Referenzstädten(für die Tests wurden die Zufriedenheitsangaben 1+2 bzw. 3+4 zusammengefasst); Signifikanzniveaus:+ p< 0,07;* p< 0,05; ** p< 0,01;*** p< 0,001. Umweltqualität Dieses Kapitel widmet sich der subjektiv wahrgenommenen Lebensqualität in den Städten mit Hinblick auf die Zufriedenheit mit der Umweltqualität. Betrachtet wird in diesem Zusammenhang die Zufriedenheit mit der Luftqualität und der Sauberkeit. Es werden damit besonders sensible Aspekte der Umweltqualität in den Mittelpunkt gerückt, die eine unmittelbare Auswirkung auf die Lebens- und Wohnqualität der städtischen Bevölkerungen haben(Lehmann et al. 2017). Zahlreiche Studien zeigen, dass der Faktor Umwelt signifikante Auswirkungen auf die Zufriedenheit von StadtbewohnerInnen hat, wozu insbesondere Luft, Lärm und Sauberkeit zählen(vgl. Zenker et al. 2013). Außerdem werden die Einschätzungen der BewohnerInnen hinsichtlich des Verpflichtungsgrads der Stadt im Kampf gegen den Klimawandel betrachtet, ein zunehmend wichtiges Thema in der Öffentlichkeit. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wien im Europa- und Zeitvergleich S e i t e| 15 Im europäischen Vergleich wird die Luftqualität in Wien subjektiv besonders gut bewertet. 89% der Wienerinnen und Wiener sind mit der Luftqualität in Wien sehr oder eher zufrieden (Abb. 5). Mit diesem Wert rangiert Wien im europäischen Spitzenfeld ex aequo mit Dublin und Helsinki. Der Anteil der sehr zufriedenen Personen ist aber tendenziell in Wien am höchsten. Im Kontrast zu allen anderen Städten ist in Wien die Zufriedenheit mit der Luftqualität signifikant besser ausgeprägt(Durchschnitt: 60%). Am schlechtesten wird die Luftqualität in Athen(27%) und Paris(25%) bewertet. Abb. 5: Zufriedenheit mit der Luftqualität(in%) Helsinki 24 Dublin 33 WIEN 38 Hamburg* 30 München* 30 Stockholm*** 27 Ljubljana*** 26 Berlin*** 15 Amsterdam*** 11 Kopenhagen*** 23 Prag*** 10 London*** 17 Bratislava*** 7 Warschau*** 6 Brüssel*** 6 Lissabon*** 4 Budapest*** 9 Graz*** 9 Barcelona*** 7 26 Madrid*** 8 24 Rom*** 4 28 Athen*** 2 25 Paris*** 3 22 Gesamt 15 65 56 50 54 53 52 52 58 61 46 49 60 42 59 48 55 47 53 46 52 45 50 40 49 38 47 34 32 32 27 25 45 60 89 89 89 84 83 80 78 72 72 69 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% sehr zufrieden eher zufrieden Quelle: UAPS(2015), in jeder Stadt: N= 500; eigene Berechnungen. Zufriedenheit mit dem angegebenen Thema auf einer 4stufigen Skala(1=„sehr zufrieden“, 2=„eher zufrieden“, 3=„eher unzufrieden“, 4=„überhaupt nicht zufrieden“). Te sts auf signifikante Unterschiede zwischen Wien und den Referenzstädten(für die Tests wurden die Zufriedenheitsangaben 1+2 bzw. 3+4 zusammengefasst); Signifikanzniveaus:+ p< 0,07;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001. Die Zufriedenheit mit der Sauberkeit in Wien ist mit einem Anteil von 90% sehr oder eher zufriedenen Personen außerordentlich positiv ausgeprägt(Abb. 6). Ähnlich hohe Zufriedenheitswerte erreichen im europäischen Vergleich nur Ljubljana und München mit Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 16| S e i t e Wien im Europa- und Zeitvergleich jeweils 87%. Im Durchschnitt sind nur 58% der Bevölkerung in den Städten mit der Sauberkeit zufrieden, das ist die niedrigste Zufriedenheitsbewertung in den untersuchten Umweltaspekten. Besonders negativ fällt die Bewertung der Sauberkeit in Rom aus. Hierorts sind nur 9% mit der städtischen Sauberkeit zufrieden. Aus Österreich-Perspektive sind die statistischen Unterschiede zwischen Wien und der steirischen Landeshauptstadt Graz auffällig, wo neben der Sauberkeit, auch die Luftqualität und die Lärmsituation schlechter bewertet werden. Abb. 6: Zufriedenheit mit der Sauberkeit(in%) WIEN 40 Ljubljana 33 München 44 Graz** 34 Helsinki*** 17 63 Stockholm*** 20 53 Hamburg*** 17 56 Kopenhagen*** 20 50 London*** 18 49 Warschau*** 9 56 Amsterdam*** 12 51 Barcelona*** 10 52 Dublin*** 14 47 Prag*** 7 49 Brüssel*** 7 39 47 Berlin*** 8 37 45 Paris*** 4 36 40 Budapest*** 5 34 39 Madrid*** 7 31 38 Lissabon*** 4 33 37 Athen*** 4 26 30 Bratislava*** 4 24 28 Rom*** 1 8 9 Gesamt 15 43 50 55 43 49 73 72 70 67 66 63 61 61 56 90 87 87 84 80 58 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% sehr zufrieden eher zufrieden Quelle: UAPS(2015), in jeder Stadt: N= 500; eigene Berechnungen. Zufriedenheit mit dem angegebenen Thema auf einer 4stufigen Skala(1=„sehr zufrieden“, 2=„eher zufrieden“, 3=„eher unzufrieden“, 4=„überhaupt nicht zufrieden“). Tests auf signifikante Unterschiede zwischen Wien und den Referenzstädten(für die Tests wurden die Zufriedenheitsangaben 1+2 bzw. 3+4 zusammengefasst); Signifikanzniveaus:+ p< 0,07;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001. Die subjektiven Wahrnehmungen in den untersuchten Städten über den Verpflichtungsgrad der Stadt im Kampf gegen den Klimawandel, am Beispiel von Aktivitäten wie Energieeffizienz und umweltfreundlichem Verkehrswesen, sind im Jahr 2015 in Wien relativ hoch ausgeprägt. 79% der Wienerinnen und Wiener stimmen zu diesem Zeitpunkt der Aussage zu, dass Wien Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wien im Europa- und Zeitvergleich S e i t e| 17 sich gegenüber diesem Thema verpflichtet fühlt(Abb. 7). 5 Das sind um 21 Prozentpunkte mehr als im europäischen Durchschnitt. Außerdem sind das um 10 Prozentpunkte mehr als in Graz. Die BewohnerInnen Madrids, Athens und Roms nehmen den Kampf der Stadt gegen den Klimawandel als überwiegend nicht zufriedenstellend wahr. Abb. 7: Subjektive Wahrnehmung über den Verpflichtungsgrad der Stadt im Kampf gegen den Klimawandel(in%) Stockholm WIEN Ljubljana München Helsinki** Graz** Hamburg*** Kopenhagen*** Amsterdam*** Budapest*** London*** Barcelona*** Berlin*** Paris*** Lissabon*** Brüssel*** Dublin*** Prag*** Warschau*** Bratislava*** Rom*** Athen*** Madrid*** Gesamt 26 22 32 17 10 16 17 17 14 21 17 16 11 15 5 14 12 7 6 9 9 13 12 15 55 81 56 79 45 77 57 74 60 70 53 69 50 67 47 64 47 61 39 60 42 59 42 58 47 58 42 57 48 53 38 52 37 49 41 48 39 45 29 38 27 37 23 36 20 33 43 58 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% stimme sehr zu stimme eher zu Quelle: UAPS(2015), in jeder Stadt: N= 500; eigene Berechnungen. Zufriedenheit mit dem angegebenen Thema auf einer 4stufigen Skala(1=„sehr zufrieden“, 2=„eher zufrieden“, 3=„eher unzufrieden“, 4=„überhaupt nicht zufrieden“). Tests auf signifikante Untersc hiede zwischen Wien und den Referenzstädten(für die Tests wurden die Zufriedenheitsangaben 1+2 bzw. 3+4 zusammengefasst); Signifikanzniveaus:+ p< 0,07;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001. 1.3. Allgemeine Zufriedenheit Dieser Abschnitt richtet die Perspektive nun auf die allgemeine Zufriedenheit der Stadtbevölkerungen. Dafür werden die folgenden Einstellungen zum Zeitpunkt 2015 aber 5 Der hohe Verpflichtungsgrad der Stadt Wien zeigt sich auch in Publikationen wie der„Smart City Wien Rahmenstrategie“(Homeier 2014). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 18| S e i t e Wien im Europa- und Zeitvergleich zum Teil auch im Zeitverlauf zwischen 2006 und 2015 betrachtet: Die Zufriedenheit, in der Stadt zu leben, und die Lebenszufriedenheit, der klassische Indikator in der Sozialstrukturforschung zur Untersuchung der allgemeinen subjektiven Lebensqualität. Die bisher betrachteten Einstellungsfragen zu Teilzufriedenheiten gelten gemeinhin als verlässliche Indikatoren für die Lebenszufriedenheit in der Stadt(Rosu et al. 2015) und spiegeln sich daher auch in der allgemeinen Zufriedenheit, in der jeweiligen Stadt zu leben. Diese ist in den europäischen Städten mit einem durchschnittlichen Anteil von 91% zufriedenen Personen sehr hoch ausgeprägt(Abb. 8). Wien befindet sich mit einer Zufriedenheitsquote von 96% im oberen Drittel der Vergleichsstädte, u.a. gemeinsam mit Graz, München und Hamburg. Die nordeuropäische Hafenstadt bildet mit 98% zufriedenen Personen die Top-Stadt in diesem Bereich, der Unterschied zu Wien ist jedoch statistisch nicht signifikant. Am klar schlechtesten fallen die Zufriedenheitsangaben in Athen aus(67%), das noch 14 Prozentpunkte hinter Rom(81%) liegt. Abb. 8: Zufriedenheit in der Stadt zu leben(in%) Hamburg Kopenhagen Stockholm München WIEN Graz Amsterdam Barcelona+ Warschau* Dublin* Berlin** Ljubljana** Prag** London** Helsinki** Bratislava*** Lissabon*** Budapest*** Madrid*** Paris*** Brüssel*** Rom*** Athen*** Gesamt 0% 77 76 85 69 77 78 69 64 51 72 59 71 45 60 63 49 33 49 55 42 40 34 21 46 58 21 98 21 97 12 97 28 97 19 96 17 96 25 94 30 94 42 93 21 93 33 92 20 92 47 91 32 91 28 91 42 91 57 90 41 90 33 88 46 88 47 87 47 81 67 33 91 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% stimme sehr zu stimme eher zu Quelle: UAPS(2015), in jeder Stadt: N= 500; eigene Berechnungen. Zustimmung zu der angegebenen Aussage auf einer 4stufigen Skala(1=„stimme sehr zu“, 2=„stimme eher zu“, 3=„stimme eher nicht zu“, 4=„stimme überhaupt nicht zu“). Tests auf signifikante Unterschiede zwischen Wien und den Referenzstädten(für die Tests wurden die Zustimmungsangaben 1+2 bzw. 3+4 zusammengefasst); Signifikanzniveaus:+ p< 0,07;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wien im Europa- und Zeitvergleich S e i t e| 19 Im Zeitvergleich zwischen 2006 und 2015 ist zu erkennen, dass sich diese Zufriedenheitshaltung in den einzelnen europäischen Städten allesamt sehr gering verändert hat, im Durchschnitt ist sogar keine signifikante Verschiebung festzustellen(Abb. 9). Dementsprechend hat sich auch in Wien die bereits 2006 hohe Zufriedenheit, in der Stadt zu leben, statistisch nicht nennenswert verändert in diesem Zeitraum(+2%). Statistisch bedeutsame Zunahmen bzw. Verluste sind nur in Stockholm(+ 4%) sowie in Rom(-12%) zu verzeichnen. +4%+4% +2%+2% +1%+1% +0%+0% -1% -2% -3% -12% -0% Abb. 9: Zufriedenheit in der Stadt zu leben im Zeitverlauf(in%) 100% 90% 80% 70% 60% 50% +5500% +4500% +3500% +2500% +1500% +500% -500% 2006 2015 Quelle: UAPS(2006, 2015), in jeder Stadt: N= 500; eigene Berechnungen. Zustimmung zu der angegebenen Aussage auf einer 4stufigen Skala(1=„stimme sehr zu“, 2=„stimme eher zu“, 3=„stimme eher nicht zu“, 4= „stimme überhaupt nicht zu“). In der Analyse wur den die Zustimmungsangaben(1+2) zusammengefasst, dargestellte Skala von 50 bis 100%. Tests auf signifikante Unterschiede zwischen den Erhebungszeitpunkten; Signifikanzniveaus:+ p< 0,07;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 20| S e i t e Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt 2. Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt Dieses Kapitel widmet sich dem Themengebiet Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr. Zunächst wird die Zufriedenheit mit dem Stadtwachstum aus Sicht der Wienerinnen und Wiener analysiert, ein in dieser Erhebungswelle erstmals abgefragtes und besonders zentrales Thema der öffentlichen und gesellschaftspolitischen Diskussion. Danach widmet sich dieses Kapitel der Zufriedenheit mit der Stadt und dem Wohngebiet, einschließlich zeitlicher Trends und etwaiger Differenzen auf Bezirksebene. Anschließend wird die Wahl von Verkehrsmitteln untersucht und im letzten Abschnitt die Bewertung der Umweltqualität genauer betrachtet, ein Thema das in der Öffentlichkeit stark an Relevanz gewonnen hat. 2.1. Zufriedenheit mit Wien Stadtwachstum Dass Wien eine wachsende Stadt ist, wird von den Menschen in Wien überwiegend positiv gesehen. Insgesamt stimmen rund drei Viertel der Befragten dieser Aussage eher zu oder sehr zu, wobei sich einige Unterschiede in der Zustimmungsrate nach soziodemographischen Merkmalen ergeben(siehe Abb. 10). Abb. 10: „ Dass Wien eine wachsende Stadt ist, sehe ich grundsätzlich positiv “ n ach Geschlecht, Alter, Bildung und Migrationshintergrund(in%) 6 Gesamt Geschlecht Frauen Männer Alter Unter 30 30-44 45-59 60+ Bildung Pflichtschule Lehre/BMS Matura/Meister Universität Migrationshintergrund keiner 1. Generation 2. Generation 0% 43 32 17 8 42 32 18 8 43 32 17 8 41 40 39 49 35 35 31 28 18 17 20 15 6 7 10 8 42 36 47 50 31 33 32 32 17 10 22 10 15 7 13 5 39 53 46 32 34 31 19 10 10 3 17 6 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% stimme sehr zu stimme eher zu stimme eher nicht zu stimme gar nicht zu Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. 6 Migrationshintergrund wird in diesem Bericht wie folgt definiert. Zugewanderte der 1. Generation umfassen jene Personen, die selbst im Ausland geboren wurden, ausgenommen Personen die zum Zeitpunkt der Zuwanderung unter 7 Jahre alt waren. Zugewanderte der 2. Generation umfassen jene Personen, die selbst in Österreich geboren wurden oder im frühen Kindesalter(unter 7 Jahre alt) nach Österreich zogen(sog. BildungsinländerInnen), deren Eltern allerdings im Ausland geboren wurden. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt S e i t e| 21 In diesem Einstellungsbereich können bestimmte Altersunterschiede beobachtet werden. Die niedrigste Zustimmung zu Wien als wachsender Stadt finden wir bei den 45 – 59-jährigen, während Personen die 60 Jahre und älter sind dem Wachstum am positivsten gegenüberstehen. Hinsichtlich des Bildungsniveaus findet sich die Tendenz, dass mit steigender Bildung die positive Bewertung des Wachstums von Wien zunimmt. Auch zwischen den unterschiedlichen Migrationsgruppen finden sich Unterschiede in den Zustimmungsraten: Beinahe 90% der Personen, die selbst im Ausland geboren wurden(1. Generation), sehen das Wachstum Wiens positiv, während dies nur bei 70% der Menschen ohne Migrationshintergrund der Fall ist. Zufriedenheit mit Wien in unterschiedlichen Bereichen Die Beurteilung von Wien in zentralen Lebensbereichen der Stadt findet sich in der folgenden Abb. 11. Der in dieser Abbildung dargestellte Vergleich zwischen den Erhebungen seit 2003 macht deutlich, dass sich in den meisten Lebensbereichen ein positiver Einstellungs- oder genauer gesagt Bewertungstrend zeigt. Wesentlich positiver als noch vor 15 Jahren werden die Bereiche Autoverkehr, Arbeitsmöglichkeiten und öffentliche Sicherheit beurteilt. Besonders in den letzten fünf bis zehn Jahren werden die Bereiche Radwege und Umweltqualität besser beurteilt. Auf stabil hohem Niveau positiv gesehen werden beispielsweise die Bereiche öffentlicher Verkehr, Gehsteige, Kultur- und Freizeitangebot. Einzig in den Bereichen Wohnmöglichkeiten und Gesundheitswesen ist über die letzten Jahre ein Rückgang der positiven Beurteilung festzustellen. Nur noch gut die Hälfte der Menschen in Wien kommen bzgl. des Angebotes am Wohnungsmarkt zu einer positiven Einschätzung. Mit dem Gesundheitswesen sind immerhin noch etwa 73% der Bevölkerung zufrieden(Note 1 und 2), 2013 waren es aber noch circa 80%. Abb. 11: Beurteilung von Wien in verschiedenen Lebensbereichen(Note 1 und 2 in%). 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 2018 2013 Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. 2008 2003 Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 22| S e i t e Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt Zufriedenheit mit dem Leben in Wien In Summe leben 2018 rund 90% der Wienerinnen und Wiener gerne oder sehr gerne in Wien; lediglich 10% der Befragten gaben an, nicht so gerne oder gar nicht gerne in Wien zu wohnen(siehe Abb. 12). Damit kann man im Zeitverlauf, vor allem gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2013, einen Rückgang in der Zustimmung zu Wien als Wohnort feststellen. In diesem Rückgang ist auch ein methodischer Aspekt enthalten: Während in den Jahren 1995 – 2013 drei Antwortkategorien zur Verfügung standen(sehr gerne, gerne, nicht so gerne), wurde im Jahr 2018 eine zusätzliche Kategorie(gar nicht gerne) in die Skala aufgenommen. 7 Abb. 12: „ Wie gerne Leben Sie in Wien? “ 1995-2018(in%) 80% 70% 68 64 60% 58 68 60 50% 40% 35 31 28 29 30 30% 20% 10% 0% 7 1995 5 2003 4 2008 3 2013 10 2018 sehr gerne gerne nicht so gerne Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. Skala für 1995 bis 2013: 3-stufig(1= sehr gerne, 2= gerne, 3= nicht so gerne); 4-stufig ab 2018(1= sehr gerne, 2= gerne, 3= nicht so gerne, 4= gar nicht gerne). Für 2018 wurden in diesem Zeitvergleich die Kategorien 3 und 4 zusammengefasst. Bezüglich der Frage, wie gerne man in Wien lebt, lassen sich 2018 charakteristische Unterschiede zwischen verschiedenen sozialen Gruppen in der Stadt beobachten(siehe Abb. 13). Zunächst finden wir relativ deutliche Unterschiede nach dem Alter der Befragten. Danach leben die unter 30-jährigen(86% Note 1 und 2) deutlich seltener gern in Wien als die über 60-jährigen(96%). Vor allem die jungen Menschen in Wien sehen sich auch am Arbeitsmarkt und Wohnungsmarkt einer stärkeren Konkurrenz gegenüber als andere Gruppen in der Stadt, was sich möglicherweise auch in diesen Bewertungen spiegelt. Auch die Wienerinnen und Wiener mit maximal Pflichtschulabschluss sehen das Leben in Wien kritischer(87% Note 1 und 2) als die Menschen, die einen Fachschul- oder Universitätsabschluss besitzen(95%). Geschlechterdifferenzen bezüglich der Zufriedenheit mit Wien als Wohnort lassen sich hingegen nicht beobachten, was aus unserer Sicht ein wichtiger Befund ist. 7 Eine solche Veränderung im Befragungsmodus schränkt die direkte Vergleichbarkeit der Befunde verschiedener Wellen der Wiener Lebensqualitätsstudie etwas ein. Eine stärker ausdifferenzierte Skala erzeugt mehr Streuung im Antwortverhalten(d.h. Befragte tendieren dazu, die Kategorien auch zu nutzen, die ihnen zur Verfügung gestellt werden), wodurch sich ein Teil dieses Trends zur schlechteren Bewertung erklären lässt. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt S e i t e| 23 Abb. 13: „ Wie gerne Leben Sie in Wien? “ nach Geschlecht, Alter und Bildung(in%) Gesamt 60 30 10 Frauen 62 29 9 Männer 59 31 10 unter 30 49 37 14 Alter *** 30 bis 44 56 33 11 45 bis 59 61 29 10 60 und älter 74 21 4 max. Pflichtschule 49 38 13 Bildung *** Lehre/BMS Matura/Meister Kolleg, FH, Uni 57 65 69 31 28 26 12 7 5 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% sehr gerne gerne nicht(so) gerne Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. In einem weiteren Schritt haben wir überprüft, inwiefern sich diese Differenzen zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen in der Stadt auch in einem Analysemodell bestätigen lassen, in dem mehrere Einflussfaktoren auf die Frage, wie gerne man in Wien lebt, gleichzeitig berücksichtigt werden. In diesem Modell bestätigt sich, dass zwischen Männern und Frauen keine signifikanten Unterschiede, aber starke Altersdifferenzen bezüglich der Zufriedenheit mit Wien als Wohnort bestehen. Ferner zeigt sich, dass Menschen mit wachsender Bildung deutlich häufiger sehr gern in Wien leben, und dass die subjektive Gesundheit der Befragten einen positiven Effekt auf die Zufriedenheit mit dem Leben in Wien hat: Je besser man den eigenen Gesundheitszustand einschätzt, desto eher gibt man an sehr gerne in Wien zu leben. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 24| S e i t e Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt Tab. 2: Lineare Regressionsanalyse: „Wie gern e leben Sie in Wien?“ Lesebeispiel: Die Tabelle berichtet standardisierte Regressionskoeffizienten. Diese erlauben einen direkten Vergleich der Effektstärken zwischen unterschiedlich skalierten Variablen. Werte mit einem positiven Vorzeichen bedeuten, dass die jeweilige Gruppe im Vergleich zur Referenzgruppe zufriedener mit Wien als Wohnort ist. Modell I Modell II Einflussfaktoren Beta Beta Geschlecht weiblich(Ref.: männlich)-0.016-0.014 Alter(Ref.: 60 und älter) unter 30-0.207***-0.203*** 30 bis 44-0.153***-0.150*** 45 bis 59-0.109***-0.108*** Bildung(Ref.: Lehre/BMS) max. Pflichtschule-0.001-0.002 Matura/Meisterprüfung 0.082*** 0.079*** Kolleg, FH, Universität Subjektiver Gesundheitszustand (1=sehr schlecht; 5=sehr gut) 0.102*** 0.174*** 0.096*** 0.173*** N 8328 8328 Korr. R² 0.098 0.102 Konstante(Std.-Fehler) 3.238(0.046) 3.171(0.015) Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Modell I: kontrolliert nach Erhebungsmethode, Modell II: kontrolliert nach Erhebungsmethode und Bezirken; Signifikanzniveaus:+ p< 0,1;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001; Wie gerne leben Sie in Wien. Einschätzung auf 4-stufiger Skala(rekodiert: sehr gerne= 4; gar nicht gerne = 1). 2.2. Zufriedenheit mit dem Wohngebiet Mit den bisher berichteten Befunden korrespondiert das Antwortverhalten der Befragten zur Frage, wie gerne diese in ihrem Wohngebiet leben. Auch hier beobachten wir einen leichten Rückgang der positiven Bewertungen(siehe Abb. 14). Allerdings geben noch immer rund 89% der Wienerinnen und Wiener an, gerne oder sehr gerne in ihrem Wohngebiet zu leben (2013: 93%). Abb. 14: „ Wie gerne leben Sie in Ihrem Wohngebiet “ 2003-2018(in%) 80% 70% 60 61 62 60% 50% 40% 30 31 31 30% 20% 10% 10 8 7 0% 2003 2008 2013 sehr gerne gerne nicht so gerne Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. 58 31 11 2018 Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt S e i t e| 25 Betrachtet man die Zufriedenheit mit Wien als Wohnort nach Bezirken, so ergeben sich durchwegs hohe Zufriedenheitswerte bzw. Werte über 85% Zufriedenheitsanteil(sehr gerne und gerne)(siehe Abb. 15). Etwas anders stellt sich das Bild bei der Sympathie zum Wohngebiet dar. Während in Neubau, Josefstadt oder Alsergrund mehr als 95% angeben, gerne oder sehr gerne in ihrem Wohngebiet zu leben, stimmen dieser Aussage in Favoriten, Simmering oder der Brigittenau nur zwischen 80 und 82% zu. Abb. 15: „ Wie gerne leben Sie in Wien bzw. in Ihrem Wohngebiet? “ nach Bezirk(sehr gerne und gerne in%) 21 20 Leben in Wien 1 23100% 22 90% 80% 70% Leben im Wohngebiet 2 3 4 5 19 60% 6 50% 18 7 17 8 16 9 15 14 13 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. 10 11 12 Damit ergeben sich auch unterschiedliche Verhältnisse in der Zufriedenheit mit Wien und dem Wohngebiet als Wohnort: In den angrenzenden Bezirken Margareten, Favoriten, Simmering, Meidling, Rudolfsheim-Fünfhaus und Ottakring leben mehr Menschen gerne oder sehr gerne in Wien als in ihrem eigenen Wohngebiet. Demgegenüber wohnen in anderen Bezirken innerhalb des Gürtels und am Stadtrand die Befragten tendenziell häufiger gerne oder sehr gerne in ihrem Wohngebiet als in Wien. Neubau und Hernals sind Beispiele für nur sehr geringe Differenzen zwischen den hier diskutierten Zufriedenheitsindikatoren. Auch die Zufriedenheit mit dem Ansehen des Wohngebiets variiert stark nach Bezirken (siehe Abb. 16). In den Innenstadtbezirken und den Bezirken am Stadtrand geben die Personen deutlich häufiger an, eher mit dem Ansehen ihrer Wohnumgebung zufrieden zu sein, als dies in den oben bereits erwähnten Bezirken 5, 10, 11, 12, 15, 16 und 20 der Fall ist. Allerdings können in manchen dieser Bezirke in den letzten Jahren auch sozioökonomische Aufwertungstendenzen festgestellt werden, wodurch sich die Zusammensetzung der Bevölkerung verändert hat. Letztlich zeigt sich bezüglich des Ansehens des Wohngebietes auch, dass gerade in früher nicht so gut bewerteten Bezirken die deutlichsten Verbesserungen festzustellen sind, während leichte Rückgänge der Zufriedenheit v.a. in den am besten bewerteten Bezirken auftreten. Die Unterschiede zwischen den Gemeindebezirken werden also bei diesem Indikator kleiner. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 26| S e i t e Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt Abb. 16: Zufriedenheit mit dem Ansehen des Wohngebiets 2008-2013(Note 1 und 2 in%) 22 21 20 19 18 2008 2013 1 23100% 2 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 2018 3 4 5 6 7 17 8 16 9 15 14 13 12 Quelle: WLQ-Studien 2008-2018; eigene Berechnungen. 10 11 2.3. Verkehr Der öffentliche Verkehr bleibt das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel der Wienerinnen und Wiener(siehe Abb. 17); rund 71% geben an, mehrmals pro Woche öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Mit dem Auto sind rund 40% mehrmals pro Woche unterwegs. Für die Verwendung des Fahrrads ist die Jahreszeit von entscheidender Bedeutung. Während rund 25% der Wienerinnen und Wiener ihr Fahrrad mehrmals pro Woche nutzen, solange es draußen warm ist, fahren nur 9% auch im Winter regelmäßig mit dem Fahrrad. Weiters ist zu bemerken, dass der Zuspruch zu den unterschiedlichen Verkehrsmitteln über die Jahre relativ konstant geblieben ist. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt S e i t e| 27 Abb. 17: Benutzung von diversen Verkehrsmitteln mehrmals pro Woche. 2008-2013(in%) 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 2018 2013 2008 Quelle: WLQ-Studien 2008-2018; eigene Berechnungen. Eine Unterscheidung nach soziodemographischen Merkmalen zeigt(siehe Abb. 18), dass sich die Wahl der Verkehrsmittel zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen relativ klar unterscheidet. Zum Beispiel geben männliche Befrage eher als Frauen an, mehrmals pro Woche mit dem Auto oder dem Fahrrad(in der schönen Jahreszeit) unterwegs zu sein. Unterschieden nach Altersgruppen zeigt sich beispielsweise, dass mit steigendem Alter häufiger angegeben wird, das Auto mehrmals pro Woche zu verwenden. Gleichzeitig nutzen ältere Befragte vergleichsweise seltener öffentliche Verkehrsmittel oder auch das Fahrrad. Betrachtet man unterschiedliche Bildungsgruppen, so ist ebenfalls eine gegenläufige Präferenz für öffentlichen Verkehr und das Auto feststellbar: Während sowohl Personen mit maximal Pflichtschulabschluss als auch Personen mit Universitätsabschluss zu beinahe 80% angeben, mehrmals pro Woche öffentliche Verkehrsmittel zu verwenden, liegt dieser Wert für Menschen mit Lehre/BMS bei lediglich knapp über 60%. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 28| S e i t e Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt Alter Bildung Migrationshintergrund Abb. 18: Ausgewählte Verkehrsmittel nach Geschlecht, Alter, Bildung und Migrationshintergrund(in%) Gesamt Frauen Männer Unter 30 30-44 45-59 60+ Pflichtschule Lehre/BMS Matura/Meister Universität kein Migrationshintergrund 1. Generation 2. Generation 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% öffentl. Verkehr Auto als FahrerIn Fahrrad Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Fahrrad: in der schönen Jahreszeit. 2.4. Umwelt Wie bereits weiter oben erwähnt wurde, ist die positive Bewertung der Umweltqualität in Wien in den letzten 15 Jahren gestiegen. Anhand der fünf Umweltindikatoren – Luftqualität, Straßenreinigung, Trinkwasserqualität, Müllentsorgung und öffentliche Beleuchtung – , die in den letzten 15 Jahren in der Wiener Lebensqualitätsstudie abgefragt wurden, wird ersichtlich, dass in allen Bereichen über die Jahre eine Verbesserung erzielt werden konnte (siehe Abb. 19). In der aktuellen Erhebungswelle 2018 wurden neben der Luftqualität noch Probleme mit Staub-, Geruchs- und Abgasbelästigung sowie Verkehrslärm abgefragt, also allesamt Umweltprobleme die unmittelbar mit erhöhter Verkehrsbelastung zu tun haben. 8 Diese drei Umweltindikatoren(Luftqualität, Probleme mit Staub-, Geruchs- und Abgasbelästigung sowie Verkehrslärm) werden in den Wiener Gemeindebezirken unterschiedlich bewertet(siehe Abb. 20). Während die Störung durch Verkehrslärm, Staub, Gerüche und Abgase über die Bezirke relativ gleich verteilt ist – erwähnenswerte Ausnahme stellt Hietzing dar – stellt die Luftqualität in den äußeren Bezirken eine geringere Störung dar als in den inneren Bezirken. 8 Es wurde gefragt, ob es Probleme in der engeren Wohnumgebung in diesen Bereichen gibt, oder ob da nichts stört, wobei auf einer 5-stufigen Skala von 1=keine Störung bis 5=große Störung geantwortet werden konnte. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt S e i t e| 29 Abb. 19: Personen, die keine Probleme mit der Umweltqualität der Wohnumgebung in den Bereichen Luftqualität, Straßenreinigung, Trinkwasserqualität, Müllentsorgung und öffentliche Beleuchtung berichten(in%) 100% 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% 76 59 38 34 2003 82 63 58 44 43 2008 86 72 53 66 47 2013 83 70 67 58 54 2018 Luftqualität Müllentsorgung Straßenreinigung öffentl. Beleuchtung Trinkwasserqualität Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. Abb. 20: Personen, die keine Probleme mit der Umweltqualität der Wohnumgebung in den Bereichen Luftqualität, Staub-, Geruchs und Abgasbelästigung und Verkehrslärm berichten nach Bezirk(in%) Luftqualität 22 21 20 19 18 Staub, Gerüche, Abgase 1 23 80% 2 70% 3 60% 50% 40% 30% 20% 10% 0% Verkehrslärm 4 5 6 7 17 16 15 14 13 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. 8 9 10 11 12 Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 30| S e i t e Wohnen 3. Wohnen Der Kurzb ericht zum Thema„Wohnen“ gliedert sich in zwei Abschnitte. Zuerst wird die allgemeine Wohnsituation der Wienerinnen und Wiener in den Fokus gerückt. Anschließend wird auf deren Wohnzufriedenheit eingegangen. 3.1. Wohnsituation Vorhandene und fehlende Einrichtungen des Wohnhauses Die Ausstattung der Wohnhäuser in Wien verbessert sich aus Sicht der Menschen kontinuierlich(siehe Tab. 3). 9 Dies betrifft all die Aspekte einer Wohnhausausstattung, die seit 1995 bzw. 2003 abgefragt werden. So zeigt sich unter anderem, dass immer mehr Wohnhäuser über einen Lift(71%), einen Fahrradabstellraum(65%), begehbare Grünflächen (44%) oder einen Kinderspielplatz im Hof(40%) verfügen. Am seltensten sind die Wohnhäuser der Befragten mit einem Gemeinschaftsraum ausgestattet. Aber immerhin sagen auch hier 23% der Wienerinnen und Wiener, dass eine solche Einrichtung in ihrem Wohnhaus vorhanden ist. Tab. 3: Vorhandene Einrichtungen des Wohnhauses. 1995-2018(in%) Raum für Fahrrad- Gemein- Kinder- Begehbare AutoLift Kinder- abstell- schafts- spielplatz Grün- abstellwagen raum raum im Hof fläche fläche Welle 1995 42-- 10 30 31 2003 52 40 54 17 40 49 2008 60 41 57 18 34 42 2013 63 43 59 19 38 46 2018 71 45 65 23 40 44 51 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. Nennungen in Prozent beziehen sich auf die validen Antworten; seit 2008 wird die Frage in einem Teilsplit erhoben. Dieses sehr gute Ausstattungsniveau korrespondiert in Teilen mit den Antworten auf die Frage welche Einrichtungen in den Wohnhäusern der Befragten fehlen. Sehr häufig wird hier der Wunsch nach mehr begehbaren Grünflächen, nach einem Lift sowie nach Fahrradabstellräumen genannt. Danach folgen Nennungen von Autoabstellflächen und Gemeinschaftsräumen. Relativ selten hingegen werden von den Befragten Kinderspielplätze im Hof oder ein Raum für Kinderwägen als fehlende Einrichtung genannt. Tab. 4: Fehlende Einrichtungen des Wohnhauses(in%) Lift Raum für Kinderwagen Fahrradabstellraum Gemeinschaftsraum Kinderspielplatz im Hof Begehbare Grünfläche Autoabstellfläche in% von NichtVorhanden in Tab 1 40 8 30 13 9 27 22 in% von Split A 10 4 9 9 5 13 9 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Nennungen in Prozent bezieht sich auf N=4.243 im Split A der Befragung. 9 Zu diesem Thema wurden alle Personen befragt, die in Häusern ab 3 Wohneinheiten leben(d.h. Personen in Einfamilien- und Reihenhäusern wurden nicht befragt). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wohnen S e i t e| 31 Eigentumsverhältnisse und verfügbarer Wohnraum Auch bei den Wohnformen/Eigentumsverhältnissen(siehe Tab. 5) und der Qualität des verfügbaren Wohnraums zeigt sich eine interessante Entwicklung in Wien. Ein gutes Viertel der Befragten lebt aktuell in einer Wohnung mit einer geförderten Hauptmiete, im Jahr 1995 waren das vergleichsweise nur 11% der Befragten der Wiener Lebensqualitätsstudie. Ein Viertel der Befragten in 2018 hat eine Wohnung auf dem privaten Wohnungsmarkt gemietet, ein deutlicher Rückgang gegenüber den vorigen Befragungen(1995: 36%). Auch beim Anteil der Gemeindewohnungen am Wiener Wohnungsmarkt lässt sich ein Rückgang beobachten. Im Eigentum leben aktuell etwa 25% der Befragten. Tab. 5: Eigentumsverhältnisse der Wohnung. 1995-2018(in %) Eigentum geförderte Hauptmiete nicht geförderte Hauptmiete Untersuchungsjahr 1995 18 11 36 2003 24 17 34 2008 29 17 32 2013 23 20 29 2018 25 26 25 Gesamt 23 18 31 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. Nennungen in Prozent. Gemeindew ohnung 30 24 19 24 20 24 Untermiete, sonstiges 5 2 4 3 4 3 Mit einem Vergleich anhand der aktuellen Daten des Österreichischen Mikrozensus lassen sich diese in den Lebensqualitätsstudien beobachteten Wohntendenzen kontextualisieren. 10 Auf Basis des Mikrozensus leben aktuell etwa 23% der Wienerinnen und Wiener in Gemeindewohnungen, 23% in Genossenschaftswohnung und etwa 19% in einer Eigentumswohnung(siehe Abb. 21). Abb. 21: Eigentumsverhältnisse der Wohnung in Wien(in%) Gemeindewohnung Genossenschaftswohnung Andere Hauptmiete Eigentum Sonstiges 4 23 20 19 34 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35% Quelle: Österreichischer Mikrozensus(2017). Nennungen in Prozent(bewohnte Wohnungen). 40% Damit korrespondiert auch eine positive Entwicklung beim Mangel an Wohnraum in Wien (siehe Abb. 22). Für etwa 11% der Befragten ist 2018 ein solcher Mangel festzustellen, zu Beginn des Untersuchungszeitraums im Jahr 1995 lag dieser Wert bei 26%. Gleichwohl ist anzumerken, dass der Mangel an Wohnraum seit 2013 wieder leicht zugenommen hat. 10 Dem muss hinzugefügt werden, dass die Kategorien beider Befragungen(Mikrozensus, Wiener Lebensqualitätsstudie) etwas unterschiedlich ausfallen und daher nicht zu 100% direkt vergleichbar sind. Eine grobe aber dennoch aussagekräftige Kontextualisierung ist jedoch möglich und wurde daher vorgenommen. Der Vergleich der Befunde zur Wohnsituation auf Basis der Lebensqualitätsstudie mit Befunden auf Basis des Mikrozensus wird im Bericht„Wohnen“ noch weiter ausgebaut. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 32| S e i t e Wohnen Abb. 22: Mangel an Wohnraum in Wien. 1995-2018(in%) 30% 26 25% 20% 15% 10% 13 12 11 9 5% 0% 1995 2003 2008 2013 2018 Mangel an Wohnraum Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. Anmerkung: Die Messung für den Mangel an Wohnraum folgt der Definition der Statistik bei der drei Informationen berücksichtigt werden(Anzahl der Personen im Haushalt, Wohnräume pro Person im Haushalt, Wohnfläche pro Person im Haushalt). Von einem Mangel an Wohnraum sind die Menschen in Wien nicht gleichermaßen betroffen, denn es zeigen sich hier substantielle Unterschiede zwischen unterschiedlichen Haushalten (siehe Tab. 6). Während bei Alleinlebenden und bei Paaren mit Pensionsbezug nur sehr selten ein Wohnraummangel festgestellt werden kann, sind ein Viertel der Alleinerziehenden 11 und ein Viertel der Paare mit Kindern unter 15 Jahren von einem solchen Mangel betroffen. Diese Differenzen zwischen den Haushalten(d.h. Haushaltstypen) spiegeln sich auch bei der verfügbaren Wohnfläche und der Anzahl der Räume pro Person wider. Besonders günstig ist hier die Situation der Alleinlebenden, die älter als 59 Jahre sind. Sie verfügen im Durchschnitt über eine Wohnung mit 72 m 2 und drei Zimmern. Tab. 6: Verfügbarkeit von Wohnraum nach Haushaltstyp(in%) Mangel an Wohnraum in% Haushaltstyp Alleinlebende unter 60 Jahren Alleinlebende über 60 Jahren Paare ohne Pensionsbezug Paare mit Pensionsbezug Paare mit Kinder unter 15 Jahren Alleinerziehende mit Kinder unter 15 Sonstige Haushalte Gesamt Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. 1 1 7 2 25 25 18 11 Räume pro Wohnfläche pro Person Person (Mittelwert)(Mittelwert) 2,2 55,8 2,7 71,9 1,4 38,0 1,7 45,1 1,0 25,0 1,1 29,4 1,2 26,2 1,6 39,6 Den Mangel an Wohnraum haben wir in einem weiteren Schritt noch detaillierter mithilfe einer logistischen Regressionsanalyse untersucht(siehe Tab. 7). Hier bestätigen sich zunächst die angesprochenen, sehr starken Unterschiede zwischen den verschiedenen Haushaltstypen(im unteren Bereich von Tab. 7), auch wenn man für viele weitere 11 Bei den Alleinerziehenden lässt sich auch ein Unterschied nach Geschlecht feststellen: Rund drei Viertel der Alleinerziehenden mit Kindern unter 15 Jahren sind Frauen. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wohnen S e i t e| 33 Einflussdimensionen die statistischen Effekte kontrolliert: Gegenüber der Referenzgruppe der Alleinlebenden(unter 60 Jahre) haben die Alleinerziehenden und die Paare mit Kindern unter 15 Jahren ein mehrfach höheres Risiko, einem Mangel an Wohnraum ausgesetzt zu sein. Demgegenüber lassen sich aber z.B. keine statistisch signifikanten Differenzen zwischen Frauen und Männern feststellen. Tab. 7: Logistische Regressionsanalyse: Erklärung des Mangels an Wohnraum Lesebeispiel: 30 bis 44-jährige haben in Relation zu den unter 30-jährigen ein um den Faktor 0,74 verringertes Risiko, von Mangel an Wohnraum betroffen zu sein; dieser Effekt ist hoch signifikant. MigrantInnen der ersten Generation haben in Relation zu Personen ohne Migrationshintergrund ein um den Faktor 3,39 erhöhtes Risiko, von Mangel an Wohnraum betroffen zu sein; dieser Effekt ist hoch signifikant. Mangel an Wohnraum Einflussfaktoren Odds Ratios Geschlecht männlich weiblich Ref. 0.91 Alter unter 30 30 bis 44 45 bis 59 60 und älter Bildung max. Pflichtschule Lehre/BMS Matura/Meisterprüfung Ref. 0.74** 0.31*** 0.24*** Ref. 0.58*** 0.40*** Kolleg, FH, Universität 0.22*** Migrationshintergrund keiner Ref. 1. Generation 3.39*** 2. Generation 1.94*** Haushaltstyp Alleinlebende unter 60 Jahren Ref. Alleinlebende über 60 Jahren 1.34 Paare ohne Pensionsbezug 6.35*** Paare mit Pensionsbezug 3.68** Paare mit Kinder und 15 Jahren 21.22*** Alleinerziehende mit Kinder und 15 Jahren 18.63*** Sonstige Haushalte N 11.73*** 7749 Nagelkerkes R² 0.30 Konstante(Std.-Fehler)-3.42(0.30) Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen; kontrolliert für die Erhebungsmethode; Signifikanzniveaus:+ p < 0,1;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001. Nicht unerwartet zeigen sich des Weiteren charakteristische Unterschiede nach dem Alter und der Bildung der Befragten: Vor allem die Wienerinnen und Wiener, die jünger als 30 Jahre alt sind, und diejenigen, die maximal einen Pflichtschulabschluss besitzen, sind von Wohnraummangel betroffen. Ferner sind Migrantinnen und Migranten der 1. Generation und(etwas weniger stark) der 2. Generation gegenüber der autochthonen Bevölkerung signifikant häufiger von Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 34| S e i t e Wohnen Wohnraummangel betroffen. Das Risiko der 1. Generation ist danach um etwa 240% höher als das der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Für die 2. Generation ist es immer noch um 94% erhöht, auch wenn man bereits sehr viele andere Haushaltsmerkmale konstant hält(in denen sich Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterscheiden (z.B. die Altersstruktur, die Bildungsverteilung)). 3.2. Wohnzufriedenheit Im Folgenden richten wir den Blick auf die Wohnzufriedenheit, einschließlich zeitlicher Trends und Gruppenunterschiede innerhalb der Wiener Bevölkerung. Zufriedenheit mit der Wohnung: Zeitvergleich und Bezirksunterschiede Mit ihrer Wohnsituation(siehe Abb. 23) sind aktuell in Wien insgesamt 76% der Befragten (sehr) zufrieden(Note 1 und 2). Demgegenüber sind sehr viel weniger(insgesamt 7%) Befragte mit der Wohnsituation(überhaupt) nicht zufrieden(Note 4 und 5). Allerdings ist mit Blick auf die zeitliche Entwicklung seit 2008 ein leicht negativer Trend feststellbar. In 2008, dem Jahr mit den besten Bewertungen bei dieser Frage, waren in Summe 82% der Wienerinnen und Wiener mit ihrer Wohnsituation(sehr) zufrieden. Und auch die eher kritischen Bewertungen der eigenen Wohnsituation nehmen seit 2008 leicht zu. Gegenüber dem Beginn des Untersuchungszeitraums(1995) hat sich die Zufriedenheit der Menschen in Wien mit ihrer Wohnsituation hingegen verbessert(72% Note 1 und 2). Abb. 23: Zufriedenheit mit der Wohnsituation. 1995-2018(in%) 60% 50% 40% 30% 41 31 48 40 34 39 20% 20 16 14 47 33 14 44 32 17 10% 5 3 3 0% 1995 Note 1(sehr zufrieden) 2003 Note 2 2 2008 Note 3 Note 4 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 45 2 2013 2 2018 Note 5(überhaupt nicht zufrieden) Auch bezüglich dieses Indikators unterscheiden sich die Wiener Gemeindebezirke relativ deutlich voneinander(siehe Abb. 24). In Liesing, Donaustadt und Floridsdorf liegt der Anteil der Zufriedenen mit der Wohnsituation bei etwa 80% und damit über dem Durchschnitt von Wien. Dies sind Werte, die in diesen Bezirken bereits zu Mitte der 1990er Jahre gemessen wurden(der Anstieg bis 2003/08 auf etwa 85 – 86%(sehr) hohe Zufriedenheit hat sich damit wieder verflüchtigt). Ganz anders stellt sich die zeitliche Entwicklung in der Inneren Stadt dar (ähnlich auch in Hietzing): Hier lag die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation 1995 bei über 90%. Dieser Anteil ist seither kontinuierlich gesunken und liegt 2018 bei 83%. Bezirke wie Hernals und Alsergrund wären Beispiele für eine Zunahme der Zufriedenheit der Menschen mit der eigenen Wohnsituation seit Mitte der 1990er Jahre(67-68% Note 1 und 2) Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Wohnen S e i t e| 35 sowohl im innerstädtischen Bereich als auch in den äußeren Bezirken. Aktuell sind in diesen Bezirken 79-80% der Menschen mit ihrer eigenen Wohnsituation(sehr) zufrieden, ein überdurchschnittlicher Wert für Wien. Im Jahr 2018 beobachten wir die geringste Zufriedenheit mit der Wohnsituation in Simmering(2018: 69% Note 1 und 2, 1995: 79%) und die höchste Zufriedenheit in der Josefstadt(2018: 88%, 1995: 78%). Abb. 24: Zufriedenheit mit der Wohnsituation nach Bezirk(Note 1 und 2 in%) 1995 22 21 20 19 18 2003 2008 1 23100% 2 90% 80% 70% 60% 50% 40% 30% 2013 2018 3 4 5 6 7 17 8 16 9 15 14 13 12 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 10 11 Zufriedenheit mit der Wohnung: Unterschiede nach sozialstrukturellen Merkmalen In einem letzten Analyseschritt dieses Kurzberichts haben wir für die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation wichtige sozialstrukturelle Differenzlinien näher untersucht und in Abb. 25 zusammengestellt. Empirisch zeigen sich eine Reihe von interessanten Befunden für das Jahr 2018:(1) Zwischen Frauen und Männern bestehen bezüglich der Wohnzufriedenheit nur geringe Unterschiede.(2) Altersunterschiede sind deutlich stärker ausgeprägt: Mit steigendem Alter nimmt die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnsituation klar zu.(3) Auch nach dem Bildungsniveau der Befragten gibt es eindeutige Differenzen. Die PflichtschulabsolventInnen sind gegenüber den Menschen mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss deutlich weniger zufrieden mit ihrer eigenen Wohnsituation(69 vs. 88% Note 1 und 2).(4) Die autochthone Bevölkerung ist mit ihrer eigenen Wohnsituation deutlich zufriedener als die Bevölkerung mit Migrationshintergrund, was mit den zuvor berichteten Befunden zum Wohnraummangel im Einklang steht.(5) Schließlich zeigen sich auch charakteristische Differenzen zwischen unterschiedlichen Haushaltskonstellationen. Zum Beispiel sind Alleinerziehende mit Kindern unter 15 Jahren viel unzufriedener mit ihrer Wohnsituation als Paare mit Pensionsbezug oder Alleinlebende, die über 60 Jahre alt sind. Auch diese Tendenzen spiegeln die weiter oben angeführten Befunde zum Wohnraummangel sehr schön wieder(vgl. Tab. 6 und Tab. 7). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 36| S e i t e Wohnen Abb. 25: Zufriedenheit mit der Wohnsituation nach Geschlecht, Alter, Bildung, Migrationshintergrund und Haushaltstyp(in%) Gesamt Geschlecht Frauen Männer Alter Unter 30 30-44 45-59 60+ Bildung Pflichtschule Lehre/BMS Matura/Meister Universität Migrationshintergrund keiner 1. Generation 2. Generation Haushaltstyp Alleinlebende unter 60 Jahren Alleinlebende über 60 Jahren Paare ohne Pensionsbezug Paare mit Pensionsbezug Paare mit Kinder unter 15 Jahren Alleinerziehende mit Kinder unter 15 Sonstige Haushalte 44 46 42 35 36 46 60 40 42 47 48 47 41 37 37 63 37 60 39 37 42 32 17 5 2 30 17 5 2 35 16 5 2 34 36 33 21 7 3 20 6 2 16 4 2 26 10 21 29 32 33 35 21 6 4 19 5 2 15 5 1 12 31 32 30 34 15 42 19 6 3 19 7 3 36 38 34 24 32 18 6 3 23 11 21 19 5 1 28 9 21 20 5 2 26 7 6 17 6 2 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90%100% Note 1(sehr zufrieden) Note 2 Note 3 Note 4 Note 5(überhaupt nicht zufrieden) Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Bildung, Diversität und Integration S e i t e| 37 4. Bildung, Diversität und Integration Das Kapitel zu Bildung, Diversität und Integration ist in zwei thematische Abschnitte zu Bildung sowie zur Nutzung und Zufriedenheit mit Einrichtungen des Bildungswesens einerseits und zu Diversität und Integration andererseits gegliedert. 4.1. Bildung Entwicklung der Bildungsabschlüsse in Wien im Zeitverlauf Eine der wesentlichsten Entwicklungen in der Bevölkerungsstruktur Wiens betrifft das Bildungsniveau der Menschen, denn innerhalb des Zeitraums zwischen 1995 und 2018 hat sich die Qualifikationsstruktur in Wien stark verändert. Dies soll hier mit den Daten des Mikrozensus der Statistik Austria für die Erhebungsjahre der Lebensqualitätsstudie verdeutlicht werden. Die entsprechenden Analysen zeigen, dass der Anteil der Befragten, der über maximal einen Pflichtschulabschluss verfügt, in diesem Zeitraum geschrumpft ist (29-21% 1995-2018). Im selben Zeitraum hat sich der Anteil der Befragten mit hohen Qualifikationen mehr als verdoppelt. Inzwischen haben 24% der Menschen in Wien einen Fachhochschul- oder Universitätsabschluss(1995: 11%). Der Anteil derjenigen, die höchstens einen Matura- oder Meisterabschluss besitzen, hat sich ebenfalls leicht erhöht, gesunken ist der Anteil der Befragten mit einer Lehre als höchstem Bildungsabschluss. 2018 fallen aber immerhin noch 31% der Wienerinnen und Wiener in diese Gruppe. Abb. 26: Entwicklung der höchsten Bildungsabschlüsse in Wien. 1995-2018(in%) 50% 40% 30% 20% 10% 0% 40 29 21 11 1995 39 26 23 12 2003 36 24 23 17 2008 34 23 22 22 31 24 24 21 2013 2018 max. Pflichtschule Lehre/BMS Matura/Meister Quelle: Mikrozensus(1995, 2003, 2008, 2013, 2018); eigene Berechnungen. Kolleg, FH, Uni Beurteilung des Angebotes an Bildungseinrichtungen für Kinder Das Angebot an Schulen in Wien wird von den Befragten insgesamt sehr positiv gesehen, und es gibt diesbezüglich nur relativ geringe Veränderungen innerhalb des Beobachtungszeitraums 1995 bis 2018(siehe Abb. 27). Aktuell bewerten 81% der Wienerinnen und Wiener das Angebot an Schulen als sehr gut oder gut(Note 1 und 2), 1995 lag dieser Wert ähnlich hoch bei 82%. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 38| S e i t e Bildung, Diversität und Integration Bemerkenswert ist, dass im Zeitverlauf der Anteil derjenigen deutlich zunimmt, die zu sehr guten Bewertungen kommen, d.h. Personen welche die Note 1 vergeben, während der Anteil der Befragten, die gute Bewertungen(Note 2) vergeben, etwas abgenommen hat. Abb. 27: Beurteilung des Angebotes an Schulen in Wien. 1995-2018(in%) 50% 52 43 42 40% 30% 30 38 38 46 35 20% 15 16 10% 2 3 0% 1 2003 1 2008 Note 1= sehr gut Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 17 14 3 1 2013 Note 4 3 2 2018 Note 5= sehr schlecht Etwas anders gelagert stellt sich die Entwicklung bei der Beurteilung des Angebotes an Kinderbetreuungseinrichtungen durch die Befragten dar, wobei auch hier seit Mitte der 1990er Jahre ein sehr positiver Trend beobachtbar ist(siehe Abb. 28). In Summe bewerten 71% der Befragten das bestehende Angebot hervorragend(Note 1 und 2), 1995 äußerten dies nur 67% der Befragten. Noch stärker als bei der Beurteilung des Angebotes an Schulen zeigt sich bezüglich der Kinderbetreuungseinrichtungen, dass diese von immer mehr befragten Personen als sehr gut bewertet werden(1995: 20%, 2018: 34%). Korrespondierend mit dieser Entwicklung werden von den Befragten mittlere oder eher kritische Bewertungen des Angebotes an Kinderbetreuungseinrichtungen im Zeitverlauf immer seltener formuliert. 12 12 Dabei werden Betreuungseinrichtungen in Wien in den letzten 25 Jahren immer stärker nachgefragt. Beispielsweise waren im Schuljahr 1994/95 circa 58.000 Kinder in elementaren Bildungs- und Betreuungseinrichtungen; im Schuljahr 2016/17 waren etwa 96.000 Kinder in solchen Betreuungseinrichtungen (vgl. Statistik der Stadt Wien: https://www.wien.gv.at/statistik/bildung/tabellen/kth-kinder-zr.html). Die stabile Zufriedenheit mit den Kinderbetreuungseinrichtungen in der Stadt legt damit auch nahe, dass das Angebot an Kinderbetreuung mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Bildung, Diversität und Integration S e i t e| 39 Abb. 28: Beurteilung des Angebotes an Kinderbetreuungseinrichtungen in Wien. 1995-2018(in %) 50% 47 40% 41 38 37 30% 30 34 29 24 23 21 20% 20 24 10% 7 6 6 5 0% 2 2 2003 Note 1= sehr gut 2008 Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 2 2013 Note 4 2 2018 Note 5= sehr schlecht Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist, ob und inwiefern die Zufriedenheiten mit den jeweiligen Schultypen bzw. externen Betreuungseinrichtungen der eigenen Kinder mit der genutzten Form der Nachmittagsbetreuung korrespondieren. Die umfangreichen Daten der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 können auch über diesen Punkt Aufschluss geben (siehe Abb. 29). Zunächst zeigt die Analyse, dass die Zufriedenheiten mit der Volksschule oder Vorschule am stärksten ausgeprägt sind, wenn die Kinder in keiner Nachmittagsbetreuungseinrichtung sind. Werden die Volksschul- oder Vorschulkinder hingegen am Nachmittag betreut, so ist die Zufriedenheit insgesamt etwas stärker, wenn die Kinder extern betreut werden(Note 1 und 2). In der neuen Mittelschule bzw. kooperativen Mittelschule finden sich unter den befragten Eltern hingegen die positivsten Stimmungsbilder der Schule gegenüber, wenn die Kinder nachmittags auch in der Schule betreut werden (60%). Eher negativ sind die Beurteilungen mit der Mittelschule dann, wenn die Kinder extern betreut werden. Nur 20% dieser Eltern vergeben in diesem Fall die Note 1, wenn es um die Zufriedenheit mit der Schule geht. Dieses Bewertungsmuster gilt auch für die AHS bzw. Gymnasien, wenn auch weniger deutlich ausgeprägt; also auch hier sind die Eltern, die ihre Kinder in schulische Nachmittagsbetreuung geben, am zufriedensten mit der Schule usf. Aufgrund der sehr geringen Fallzahlen bei der Nutzung von anderen Schultypen bzw. externen Betreuungseinrichtungen(= Andere) lässt sich an dieser Stelle zumindest die Tendenz ablesen, dass externe Nachmittagsbetreuungseinrichtungen mit einer positiveren Bewertung dieser anderen Schultypen bzw. externen Betreuungseinrichtungen zusammenhängen als andere Nachmittagsbetreuungseinrichtungen. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 40| S e i t e Bildung, Diversität und Integration Abb. 29: Zufriedenheit mit dem Schultyp bzw. externen Betreuungseinrichtung nach Form der Nachmittagsbetreuung(in%) 1 Neue Mittelschule, Volksschule AHS, Kooperative oder Gymnasium Mittelschule Vorschule (n = 346) (n = 144) (n = 405) keine externe NB Schule keine externe NB Schule keine externe NB Schule keine externe NB Schule 49 61 49 31 20 0 41 44 41 46 57 44 32 10 4 4 19 19 3 29 14 7 2 21 32 11 5 40 10 30 19 27 5 9 31 19 5 1 27 23 5 5 33 13 4 5 17 13 9 4 100 0 56 0 Andere (n = 36) 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Note 1 Note 2 Note 3 Note 4 Note 5 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Verwendete Fragen: F44, F45. 1 Angaben zu Schulen bzw. externen Betreuungseinrichtungen, wenn die Kinder unter 18 Jahre alt sind(maximal die beiden jüngsten Kinder). Die Berechnungen beziehen sich nur auf das 1. Kind[Die Nutzung des Schultyps bzw. externen Betreuungseinrichtung(F43), die Zufriedenheit damit(F44) sowie die Form der Nachmittagsbetreuung(F45) wurde sowohl für das 1. als auch 2. angegebene Kind getrennt erhoben. Im Teilbericht wird auch eine gemeinsame Betrachtung(1 und 2 Kind) vorgenommen]. 4.2. Diversität und Integration Einleitend in dieses zweite Hauptkapitel wollen wir der Frage nachgehen, wie sich der Anteil der Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Wien auf Basis der Stichproben und Gewichtungen der Erhebungswellen der Wiener Lebensqualitätsstudie im Zeitverlauf 2003 bis 2018 entwickelt hat(siehe Abb. 30). Es zeigt sich, dass der Anteil der Menschen ohne Migrationshintergrund im Betrachtungszeitraum kontinuierlich gesunken ist, von 75% im Jahr 2003 auf 64% im Jahr 2018(=-11 Prozentpunkte). Zugleich sinkt der Anteil der Migrantinnen und Migranten der ersten Generation(d.h. Personen, die selbst im Ausland geboren wurden, ausgenommen Personen die zum Zeitpunkt der Zuwanderung unter 7 Jahre alt waren). Der Rückgang dieser beiden Personengruppen lässt sich hauptsächlich darauf zurückführen, dass der Anteil an Migrantinnen und Migranten der zweiten Generation(d.h. jene Personen, die selbst in Österreich geboren wurden oder im frühen Kindesalter nach Österreich zogen, deren Eltern allerdings im Ausland geboren wurden) im Betrachtungszeitraum stark angestiegen ist, von 10 auf 23% bzw. um 13 Prozentpunkte. Im momentan in der Erstellungsphase befindlichen Teilbericht zu Bildung, Diversität und Integration werden für diese Analysen Vergleichsdaten des Österreichischen Mikrozensus(MZ) hinzugezogen. Vorweg kann an dieser Stelle zumindest gesagt werden, dass die in den MZ-Daten vorzufindenden Trends den hier diskutierten Trends aus den WienLQ-Daten stark ähneln. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Bildung, Diversität und Integration S e i t e| 41 Abb. 30: Migrationshintergrund der Menschen in Wien. 2003-2018(in%) 80% 75 71 69 70% 64 60% 50% 40% 30% 20% 15 15 17 23 10% 0% 10 2003 14 2008 14 2013 13 2018 kein Migrationshintergrund erste Generation zweite Generation Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. Gesellschaftliche und politische Partizipation Ein wichtiger Einflussfaktor für das soziale Klima in einer Stadt ist einerseits die Möglichkeit für sowie andererseits die tatsächliche gesellschaftliche und politische Partizipation. Es ist wichtig für den sozialen Frieden, dass man eigenen Ansichten und Ideen ein Gehör verschaffen kann und unterschiedliche Meinungen einen Raum für Diskussion finden. Die Lebensqualität in sozialen Zusammenhängen wie städtischen Räumen lässt sich – wissenschaftlich ausgedrückt – somit auch dadurch beschreiben, wie viel soziales Kapital vorhanden ist. In der Stadt Wien gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, sich an öffentlichen oder gemeinschaftlichen Aktivitäten zu beteiligen. So besteht die Option, sich im direkten Umfeld durch die Teilnahme an Gemeinschaftsaktivitäten in der Wohnumgebung einzubringen, etwa bei Nachbarschaftsfesten oder organsierten Kultur- und Freizeitaktivitäten. Aber auch außerhalb der direkten Nachbarschaft gibt es Möglichkeiten, sich zu engagieren, zum Beispiel bei einem Bürgerbeteiligungsangebot der Stadt Wien, durch die Mitarbeit in Parteien, Bürgerinitiativen und politischen Initiativen oder durch ehrenamtliche Mitarbeit in Vereinen und Organisationen. Mit Blick auf die abgefragten Möglichkeiten der Partizipation im Rahmen der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018-Erhebung beteiligen sich die Wienerinnen und Wiener am häufigsten an Gemeinschaftsaktivitäten in der Wohnumgebung in ehrenamtlicher Mitarbeit in Vereinen und Organisationen(siehe Tab. 8). Knapp ein Drittel der Wiener Bevölkerung gibt an, diese Tätigkeiten in den letzten drei Jahren gemacht zu haben. Nur etwa halb so viele Personen geben im Gegenzug dazu an, sie hätten in den letzten drei Jahren bei einer Partei bzw. politischen Initiative oder bei einem Bürgerbeteiligungsangebot der Stadt Wien mitgemacht. Sieht man sich ferner an, wie sich Personen ohne und mit Migrationshintergrund politisch und gesellschaftlich engagieren, so zeigt sich, dass die deutlich aktivste Gruppe die der Migrantinnen und Migranten der zweiten Generation ist. Insbesondere wenn es um die Beteiligung in Parteien bzw. politischen Initiativen oder um die Teilnahme an Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 42| S e i t e Bildung, Diversität und Integration Bürgerbeteiligungsangeboten der Stadt Wien geht, geben mehr als doppelt so viele Migrantinnen und Migranten der zweiten Generation an, sich zu beteiligen, wie Personen ohne Migrationshintergrund oder Zugewanderte der ersten Generation. Personen ohne Migrationshintergrund liegen in ihrer politischen Partizipation insgesamt betrachtet zwischen 1. und 2. Generation, und damit leicht unter dem Durchschnitt der Wiener Bevölkerung. Tab. 8: Politische Partizipation nach Migrationshintergrund(„in den letzten drei Jahren gemacht“)(in%) . Gemeinschafts- Angebot aktivitäten Stadt Wien Partei Verein, NGO 1. Generation 35 12 10 28 Türkei 30 7 5 22 alte/westl. EU 41 14 12 34 anderes europ. Land inkl. Ex-Jugoslawien 34 13 9 21 Sonstige 30 14 10 37 2. Generation 37 20 23 36 Türkei 35 23 23 37 alte/westl. EU 48 26 31 45 anderes europ. Land inkl. Ex-Jugoslawien 35 16 21 31 Sonstige 32 19 25 35 kein Migrationshintergrund 31 12 11 31 Gesamt 33 14 14 32 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Lebensbedingungen: Einkommen Die Lebensbedingungen von Menschen lassen sich vielfältig untersuchen. Für diesen Kurzbericht konzentrieren wir uns mit dem verfügbaren Einkommen(äquivalisiertes Nettohaushaltseinkommen) auf einen wichtigen materiellen Maßstab der Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener. Zunächst ist festzustellen, dass das durchschnittliche Einkommen der Wiener Gesamtbevölkerung seit 2003 konstant gestiegen ist(siehe Abb. 31). Dieser positive Trend ist bei allen Migrationsgruppen zu verzeichnen. Allerdings finden sich klare Unterschiede in den Einkommenslevels zwischen den Personen mit und den Personen ohne Migrationshintergrund. So liegt das durchschnittliche Einkommen von Personen mit Migrationshintergrund in allen Befragungswellen der Wiener Lebensqualitätsstudie deutlich unter demjenigen von Personen ohne Migrationshintergrund. Das geringste Einkommen haben Migrantinnen und Migranten der ersten Generation. Betrachtet man abschließend nur die Entwicklung in den letzten 5 Jahren, so lässt sich feststellen, dass sich die Einkommen der ersten und zweiten Generation von Zugewanderten vor allem aufgrund eines relativ schwachen Einkommenszuwachses der zweiten Generation angenähert haben. Durch diesen Trend hat sich die durchschnittliche Einkommensdifferenz zwischen Personen ohne Migrationshintergrund und der zweiten Generation merklich vergrößert. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Bildung, Diversität und Integration S e i t e| 43 Abb. 31: Entwicklung des Nettoäquivalenzeinkommens nach Migrationshintergrund. 2003-2018 (in Euro, nicht valorisiert) 2000 1900 1800 1700 1600 1500 1400 1300 1200 1100 1000 1410 1350 1279 1099 2003 1512 1447 1331 1245 2008 1809 1734 1656 1461 2013 1893 1806 1670 1607 2018 kein Migrationshintergrund zweite generation Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. erste Generation Durchschnittseinkommen Gesamt Religiosität Vergleiche zwischen Generationen und Herkunftsgruppen Im Rahmen der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 wurden die Befragten gebeten, ihre eigene Religiosität auf einer 10-stufigen Antwortskala zu verorten: „Abgesehen davon, ob Sie einer bestimmten Religion angehören, für wie religiös würden Sie sich einstufen?“ (1= überhaupt nicht religiös bis 10= sehr religiös). Eine erste Analyse des Themas demonstriert, dass Migrantinnen und Migranten der ersten Generation sich selbst durchschnittlich als am stärksten religiös einstufen(Mittelwert= 5), dahinter folgen Zuwanderer der zweiten Generation(MW= 4,5) und mit deutlichem Abstand Personen die über keinen Migrationshintergrund verfügen(MW= 3,7). Vergleicht man bei verschiedenen ethnischen Gruppen das Ausmaß der Religiosität zwischen erster und zweiter Generation, ist folgendes Muster erkennbar: Türkischstämmige Wienerinnen und Wiener sind sowohl mit Blick auf die erste als auch zweite Generation durchschnittlich am religiösesten. Zu allen anderen drei Vergleichsgruppen existieren durchschnittliche Differenzen von circa 2 – 3 Skalenpunkten, was durchaus beträchtlich ist. Auffallend ist außerdem, dass sich bei den Herkunftsgruppen aus den alten/westlichen EULändern sowie aus anderen europäischen Ländern inkl. Ex-Jugoslawien eine geringe Abnahme der Religiosität im Generationenvergleich offenbart. Bei Menschen mit türkischem Migrationshintergrund ist das vergleichsweise nur schwach der Fall. Die selbsteingestufte Religiosität der zweiten Generation liegt hier gerade einmal 0,2 Skalenpunkte unter jener der ersten Generation. Bei der Gruppe der alten/westlichen EU-Länder sind das vergleichsweise 0,7 Skalenpunkte. Bemerkenswert ist ferner, dass sich bei der Gruppe der Migrantinnen und Migranten aus sonstigen Ländern im Generationenvergleich sogar eine leichte Zunahme der Religiosität beobachten lässt(+0,3 Skalenpunkte). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 44| S e i t e Abb. 32: Religiosität nach Herkunft(Mittelwerte) 10 8 6 4 2 0 Bildung, Diversität und Integration erste Generation zweite Generation Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Anmerkung: in der Kategorie„Sonstige Länder“ sind Menschen der 1. und 2. Generation versammelt, die aus sehr unterschiedlichen Ländern stammen(z.B. 1. Generation Syrien vs. 2. Generation Russland), was bei der Interpretation von Differenzen/Übereinstimmungen zu berücksichtigen ist. Einflussfaktoren auf die Religiosität: Ein multivariates Regressionsmodell Eine interessante Frage ist, welche Faktoren die Religiosität von Menschen beeinflussen. Handelt es sich heutzutage vor allem um eine Frage des Migrationshintergrunds oder sind es (auch) klassische sozialstrukturelle Merkmale, die(nach wie vor) einen wichtigen Effekt auf die eigene Religiosität ausüben? Um diese Frage zu bearbeiten, wird im Folgenden ein zweistufiges Regressionsverfahren gewählt. In einem ersten Schritt wird der Migrationshintergrund eingeführt, in einem zweiten Schritt klassische sozialstrukturelle Merkmale: Geschlecht, Alter, Bildung und Einkommen. Die Analysen demonstrieren, dass der Migrationshintergrund in einem signifikanten Zusammenhang mit der Religiosität steht. Sowohl ohne als auch nach Bereinigung von sozialstrukturellen Merkmalen(Modell I und Modell II) bleibt ein eigenständiger Effekt des Migrationshintergrunds bestehen, d.h. Migrantinnen und Migranten der ersten und zweiten Generation sind durchschnittlich religiöser als Personen ohne Migrationshintergrund. Auch in diesem Modell bestätigt sich wie in den deskriptiven Analysen zuvor(siehe Abb. 32) eine geringe Abnahme der Religiosität im Generationenvergleich. Ferner demonstrieren die multivariaten Befunde, dass sich Frauen unabhängig von Migrationshintergrund, Alter und Bildung sowie Einkommen etwas religiöser einstufen als Männer. Des Weiteren lässt sich feststellen, dass sich jüngere tendenziell weniger religiös einordnen als ältere Personen. Bildungsunterschiede sind keine zu erkennen, mit höherem Einkommen steigt die außerdem die Religiosität schwach an(wenn auch hochsignifikant). 13 13 Im Rahmen des Teilberichts soll mit einem ähnlichen methodischen Ansatz auch der Frage nachgegangen werden, ob sich Unterschiede in der Religiosität zwischen verschiedenen Herkunftsgruppen auch in einem multivariaten Regressionsmodell bestätigen lassen, in welchem mehrere Merkmale zugleich einfließen. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Bildung, Diversität und Integration S e i t e| 45 Tab. 9: Lineare Regressionsanalyse: Einflussfaktoren auf die eigene Religiosität (Regressionskoeffizient B) Lesebeispiel: Die Religiosität fällt bei MigrantInnen der 1. Generation im Durchschnitt um 0,889 Einheiten höher aus als bei der Referenzgruppe der Personen ohne Migrationshintergrund. Die Einheiten beziehen sich auf eine 10-stufige Skala(1= überhaupt nicht religiös, 10= sehr religiös) Modell I ohne sozialstrukturellen Merkmalen Modell II mit sozialstrukturellen Merkmalen Einflussfaktoren B B Migrationshintergrund kein MH Ref. Ref. 1. Generation 0.889*** 0.952 *** 2. Generation 0.724*** 0.819 *** Geschlecht weiblich 0.232* männlich Ref. Alter unter 30-0.507** 30 bis 44-0.483** 45 bis 59 0.012 n.s. 60 und älter Ref. Bildung max. Pflichtschule 0.063 n.s. Lehre/BMS Ref. Matura/Meisterprüfung 0.026 n.s. Kolleg, FH, Universität-0.080 n.s. Nettoäquivalenzeinkommen 0.000*** N 3012 3012 Korr. R² 0.020 0.031 Konstante(Std.-Fehler) 4.051(0.156) 4.388(0.224) Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Signifikanzniveaus:+ p< 0,1;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001; Verwendete Frage: F98; Abgesehen davon, ob Sie einer bestimmten Religion angehören, für wie religiös würden Sie sich einstufen? Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 46| S e i t e Kultur, Freizeit und Sport 5. Kultur, Freizeit und Sport Dieses Kapitel widmet sich der Zufriedenheit mit dem Kultur- und Freizeitangebot in Wien, wobei neben allgemeinen Bewertungen auch die Beurteilungen von spezifischen Angeboten in den Blick genommen wird. Die Einstellungen werden im bereits sehr langen Zeitverlauf (2003 – 2018, zum Teil sogar 1995 – 2018) betrachtet, außerdem werden Bewertungsunterschiede zwischen verschiedenen sozialen Gruppen zum aktuellen Erhebungszeitpunkt(2018) analysiert. Somit liefert dieses Kapitel einen Überblick über zentrale Indikatoren der Lebensqualität im Bereich Kultur, Freizeit und Sport von Wien. 5.1. Kultur: Zufriedenheit mit den kulturellen Angeboten Zeitvergleich Die allgemein sehr hohe Zufriedenheit mit dem Kulturangebot und dem kulturellen Leben in Wien(siehe Abb. 33) hat sich im Betrachtungszeitraum nicht nennenswert verändert, so vergeben aktuell circa 90% der Wienerinnen und Wiener wie zum Zeitpunkt 2003 die guten Noten 1 und 2. Abb. 33: Zufriedenheit mit Kulturangeboten in Wien. 1995-2018(Note 1 und 2 in%) und kulturelles Note 1+2 * (-) Note 1+2 *** (+) Note 1+2 *** (+) Note 1+2 Note 1 *** (+) Note 1 *** (+) Note 1 *** (+) Note 1 *** (+) Leben Kulturangebot Theater Donauinselfest) und Museen der Stadt (z.B. Ausstellungen 2018 2013 2008 2003 2018 2013 2008 2003 2018 2013 2008 2003 2018 2013 2008 2003 1995 63 58 52 43 74 70 56 54 72 70 64 58 59 54 55 56 50 27 90 33 92 37 90 47 90 17 91 23 93 26 82 30 83 20 92 24 94 23 87 29 87 27 85 32 86 31 87 31 87 37 87 Veranstaltungen in größere 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Note 1 Note 2 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. Verwendete Fragen: 81_11, 35_1-35_2 und 35_8. Die Berechnungen umfassen nur Personen mit gültigen Angaben zu den jeweiligen Fragen(Deklarierte), daher können sich Abweichungen zu den Ergebnissen in den Tabellenbänden ergeben. Signifikanzniveaus:*p<0,05, **p<0,01,***p<0,001. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Kultur, Freizeit und Sport S e i t e| 47 Ein bemerkenswerter signifikanter Trend ist in einer kontinuierlichen Zunahme der Note 1 zu erkennen(2003: 43%, 2018: 63%). Bei der Beurteilung spezifischer Angebote hinsichtlich Vielfalt und Menge sind weitere zeitliche Entwicklungen zu beobachten. So fällt die Benotung von Theatern mit 91% sehr positiv aus. Sowohl hinsichtlich der sehr guten als auch guten Bewertungen sind seit 2003 außerdem signifikante Zuwächse zu verzeichnen. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass seit 2018 nur mehr nach„Theater“ gefragt wird und somit die Vergleichbarkeit etwas eingeschränkt ist (vorher: Theater und Konzerte). Musikveranstaltungen werden seit 2018 getrennt abgefragt (siehe Tab. 10). Die Bewertung von Ausstellungen und Museen ist ebenfalls von einem sehr positiven Einstellungstrend gekennzeichnet: 92% vergeben die Note 1 und 2 im Jahr 2018, im Jahr 2003 waren dies nur 87%. Die Bewertungen von größeren Veranstaltungen in der Stadt fallen ebenfalls sehr positiv aus. Im Jahr 2018 lassen sich, wie die Jahre zuvor, die Angaben von Note 1 und 2 zu rund 86% zusammenfassen. Zu erwähnen ist aber, dass sich die Häufigkeit der Vergabe von Note 1 signifikant erhöht hat seit 2003, von 50% auf 59% im Jahr 2018. Sozialstrukturelle Merkmale Es stellt sich im Weiteren die Frage, inwieweit es zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen Unterschiede in der Zufriedenheit mit dem allgemeinen Kulturangebot sowie den spezifischen Kulturangeboten in der Stadt gibt. Die statistischen Befunde für das aktuelle Befragungsjahr 2018 demonstrieren, dass Frauen eine in jeder Hinsicht signifikant bessere Beurteilung des Kulturangebots vornehmen als Männer. Besonders deutlich treten diese Differenzen in der Beurteilung von VHS-Kursen hervor, hier vergeben rund 85% der Frauen die Note 1 und 2, bei den Männern beläuft sich der entsprechende Anteil auf etwa 80%. Ein ebenfalls recht eindeutiges Bild ist bei den Altersdifferenzen zu erkennen, insofern als die älteren Wienerinnen und Wiener, im Besonderen jene ab 60 Jahren die besten Noten vergeben. Besonders ins Auge sticht die hervorragende Beurteilung von Ausstellungen und Museen unter dieser Bevölkerungsgruppe(97% Note 1 und 2). Betrachtet man die Beurteilungen des Kulturangebots in Abhängigkeit vom Bildungsniveau ist festzustellen, dass jene mit einem höheren formalen Abschluss(Kolleg, FH, Universität) im Vergleich zu den anderen Bildungsgruppen bei fast allen Themen die besten Noten vergeben. Einzig die größeren Veranstaltungen in der Stadt werden von der Gruppe mit Lehre/BMS am positivsten gesehen(88%). Die betrachteten Bildungsdifferenzen sind statistisch signifikant. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 48| S e i t e Kultur, Freizeit und Sport Tab. 10: Zufriedenheit mit Kulturangeboten nach Geschlecht, Alter und Bildung(Note 1 und 2 in%) Kulturangebot in Wien Theater Ausstellungen und Museen Musikveranstaltung en größere Veranstaltungen in der Stadt VHSKurse WIEN 90 91 92 88 85 82 Geschlecht************** männlich 88 90 91 86 83 80 weiblich Alter (in Jahren) unter 30 91 93 ****** 81 85 93 *** 85 90 87 85 ********* 77 77 72 30 bis 44 88 89 92 86 85 79 45 bis 59 93 95 95 93 90 86 60 und älter 95 95 97 94 88 91 Bildung****************** max. Pflichtschule 84 83 86 79 78 74 Lehre/BMS 89 91 92 89 88 83 Matura/ Meisterprüfung 90 93 94 87 85 85 Kolleg, FH, Universität 94 94 96 93 86 85 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Verwendete Fragen: 81_11, 35_1-35_3 und 35_8-35_9. Die Berechnungen umfassen nur Personen mit gültigen Angaben zu den jeweiligen Fragen(Deklarierte), daher können sich Abweichungen zu den Ergebnissen in den Tabellenbänden ergeben. Signifikanzniveaus:*p<0,05, **p<0,01,***p<0,001. 5.2. Freizeit und Sport: Zufriedenheit mit den Freizeitangeboten Zeitvergleich Die allgemeine Zufriedenheit mit den Freizeitangeboten in der Stadt ist im Zeitverlauf 2003 bis 2018 statistisch signifikant etwas gestiegen(87 vs. 90%). Ähnlich wie bei der allgemeinen Bewertung des Kulturangebots ist eine kontinuierliche Zunahme der sehr guten Bewertungen (Note 1) zu konstatieren. Bei der Beurteilung spezifischer Angebote hinsichtlich Vielfalt und Menge ist im langen Zeitraum 2003 – 2018 bzw. 1995 – 2018 in allen Fällen ein signifikant positiver Einstellungstrend festzustellen(einzig bei der Zufriedenheit mit öffentlichen Schwimmbädern/Saunaanlagen ist dies nicht zu beobachten, wenn man Note 1 und 2 zusammenfasst). Vergleichsweise hoch fällt zum aktuellen Erhebungszeitpunkt der Wiener Lebensqualitätsstudie(2018) die Zufriedenheit mit Erholungsgebieten am Rande der Stadt aus(91%), vergleichsweise niedrig die Zufriedenheit mit öffentlichen Schwimmbädern und Saunaanlagen(77%). Insgesamt gilt, dass sich die Bewertungen der Wienerinnen und Wiener hinsichtlich der Freizeitangebote in der Stadt sehr positiv gestalten. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Kultur, Freizeit und Sport S e i t e| 49 Abb. 34: Zufriedenheit mit Freizeitangeboten in Wien. 1995-2018(Note 1 und 2 in%) Freizeitangebote Note 1 *** (+) Note 1+2 *** (+) 2018 59 30 90 2013 53 38 92 2008 41 45 86 2003 31 56 87 Note 1+2 *** (+) Note 1 *** (+) in der Stadt Erholungsräume und Parks 2018 56 29 85 2013 42 38 80 2008 38 37 75 2003 41 35 77 1995 33 31 64 Note 1+2 *** (+) Note 1 *** (+) (Wienerwald, Donauraum) 2018 70 21 91 Rande der Stadt Erholungsgebiete am 2013 73 23 95 2008 68 25 93 2003 62 30 92 1995 53 36 88 Note 1+2 Note 1 *** (+) Saunaanlagen öffentliche Schwimmbäder/ 2018 48 29 77 2013 33 38 70 2008 33 39 72 2003 39 39 78 1995 35 39 74 2018 49 30 79 Sportveranstaltungen Note 1 *** (+) Note 1+2 *** (+) 2013 29 40 69 2008 25 40 65 2003 26 43 69 1995 32 41 73 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Note 1 Note 2 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. Verwendete Fragen: 81_12, 35_4-35_7. Die Berechnungen umfassen nur Personen mit gültigen Angaben zu den jeweiligen Fragen(Deklarierte), daher können sich Abweichungen zu den Ergebnissen in den Tabellenbänden ergeben. Signifikanzniveaus:*p<0,05, **p<0,01,***p<0,001. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 50| S e i t e Kultur, Freizeit und Sport Sozialstrukturelle Merkmale Vergleicht man nun die Zufriedenheiten mit diversen Freizeitangeboten zwischen verschiedenen Geschlechtern, Alters- und Bildungsgruppen, lassen sich einige interessante statistisch signifikante Differenzen erkennen. Frauen vergeben ähnlich wie bei der Beurteilung des Kulturangebots in Wien bessere Noten als Männer. Nur bei der Bewertung von Erholungsräumen und Parks in der Stadt sind keine Genderdifferenzen sichtbar. Ebenfalls sind es vor allem die Personen ab 60 Jahren die am häufigsten die Note 1 und 2 für die Freizeitangebote im Allgemeinen und im Besonderen anführen. Kein entsprechend klares Bild der Bildungsdifferenzen wie es bei der Bewertung der Kulturangebote vorliegt, existiert hinsichtlich der Freizeitangebote. Hier sind zwar auch die formal höher qualifizierten Personen am positivsten gestimmt, aber auch die Personen mit Matura oder Meisterprüfung kommen recht häufig zu einer außerordentlich positiven Bewertung. Tab. 11: Zufriedenheit mit Freizeitangeboten nach Geschlecht, Alter und Bildung(Note 1 und 2 in%) Freizeitangebote im Allgemeinen Erholungsräume und Parks in der Stadt Erholungsgebiete am Rande der Stadt Öffentliche Schwimmbäder /Saunaanlagen Sportveranstaltungen WIEN 90 85 91 77 79 Geschlecht*** n.s. n.s. n.s. n.s. männlich 88 85 90 78 78 weiblich 92 85 92 77 80 Alter(in Jahren)*************** unter 30 30 bis 44 45 bis 59 81 80 89 85 94 85 82 91 95 69 77 80 69 80 83 60 und älter 95 89 96 84 84 Bildung********* n.s.*** max. Pflichtschule 85 79 83 77 71 Lehre/BMS 89 85 91 78 82 Matura/Meisterprüfung 89 86 92 78 80 Kolleg, FH, Universität 94 86 95 76 79 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Verwendete Fragen: 81_12, 35_4-35_7. Die Berechnungen umfassen nur Personen mit gültigen Angaben zu den jeweiligen Fragen(Deklarierte), daher können sich Abweichungen zu den Ergebnissen in den Tabellenbänden ergeben. Signifikanzniveaus:*p<0,05,**p<0,01, ***p<0,001. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung S e i t e| 51 6. Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung In diesem Kapitel werden die Themen Arbeit und Wirtschaft mit jenem der Digitalisierung öffentlicher Angebote verknüpft. Zentrale Befunde daraus werden wie folgt berichtet. Der erste Abschnitt beleuchtet die Zufriedenheit der Wienerinnen und Wiener mit ihrer Arbeitssituation. Die Beurteilung der Arbeitsmöglichkeiten und die Wege zum Arbeitsplatz werden in einem zweiten Abschnitt behandelt. In einem dritten Abschnitt wird außerdem erstmals die Internetnutzung der Wienerinnen und Wiener sowie deren Wahrnehmung und Nutzung von digitalen Angeboten der Stadt Wien analysiert. 6.1. Zufriedenheit mit der Arbeit Der erste Abschnitt des Kurzberichts widmet sich einer zeitvergleichenden Betrachtung der Zufriedenheit mit der Arbeit bzw. von unterschiedlichen Aspekten der Arbeit(1995/2003 bis 2018; für die folgende Darstellung wurden acht der neun abgefragten Bereiche ausgewählt). Einkommen Bei den Bewertungen der eigenen Einkommenssituation zeigt sich eine alle in allem positive Tendenz in Wien. 36% der Befragten sind mit dieser sehr zufrieden, das entspricht in etwa den Werten der vergangenen Jahre. Der Anteil derjenigen die mit ihrem Einkommen zufrieden sind(Note 2) nimmt hingegen deutlich zu(1995: 15%, 2018: 25%). Gleichzeitig sinkt der Anteil der Befragten, die mit ihrem Einkommen eher oder gar nicht zufrieden sind. Abb. 35: Zufriedenheit mit der Einkommenssituation. 1995-2018(in%) 50% 40% 37 36 36 35 33 29 30% 31 30 33 25 22 20% 15 17 17 25 10% 13 10 13 9 9 0% 6 6 1995 2003 Note 1(sehr zufrieden) Note 2 5 2008 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 45 2013 2018 Note 4 Note 5(gar nicht zufrieden) Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 52| S e i t e Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung Gesundheitsbedingungen Die Gesundheitsbedingungen am Arbeitsplatz werden von den Befragten der Wiener Lebensqualitätsstudie tendenziell positiv(er) bewertet. Gegenüber dem Jahr 1995 sind im Jahr 2018 mit den Gesundheitsbedingungen deutlich mehr Personen sehr zufrieden(32 vs. 43% der Befragten). Der Anteil der Personen, die die Gesundheitssituation am Arbeitsplatz kritisch sehen, nimmt hingegen im Zeitverlauf ab. Abb. 36: Zufriedenheit mit den Gesundheitsbedingungen am Arbeitsplatz. 1995-2018(in%) 50% 43 43 40% 37 37 33 30% 32 34 36 20% 20 19 20 35 32 18 16 10% 10 7 6 0% 6 1995 2 2003 2 2008 Note 1(sehr zufrieden) Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 45 2 2013 2 2018 Note 4 Note 5(gar nicht zufrieden) Sicherheit des Arbeitsplatzes Ebenfalls positiv stellt sich die Sicherheit des Arbeitsplatzes(vor Verlust) aus Sicht der Befragten dar. 2018 sind damit 53% der Menschen in Wien sehr zufrieden, 1995 stimmten dieser Aussagen noch 40% der Befragten zu. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Personen innerhalb des Untersuchungszeitraums ab, die mit der Sicherheit ihres Arbeitsplatzes eher oder gar nicht zufrieden sind. Abb. 37: Zufriedenheit mit der Sicherheit des Arbeitsplatzes. 1995-2018(in%) 53 50% 45 46 40% 40 53 30% 20% 10% 27 19 9 29 27 28 16 17 13 76 4 25 15 5 0% 6 1995 4 2003 3 2008 Note 1(sehr zufrieden) Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. 2 2013 3 2018 Note 4 Note 5(gar nicht zufrieden) Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung S e i t e| 53 Weiterbildungsmöglichkeiten Die Bewertung der Weiterbildungsmöglichkeiten hat sich in Wien zwischen 2003 und 2018 positiv entwickelt. Gegenüber dem Jahr 2003 sind aktuell deutlich mehr Personen mit diesen Angeboten sehr zufrieden(30 vs. 37% der Befragten). Das Jahr mit den insgesamt positivsten Bewertungen war 2013. 14 Abb. 38: Zufriedenheit mit den Weiterbildungsmöglichkeiten. 2003-2018(in%) 50% 40% 30% 20% 10% 0% 30 29 20 11 10 2003 Note 1(sehr zufrieden) 30 28 22 11 10 2008 Note 2 Note 3 39 27 19 9 6 2013 Note 4 37 28 20 8 8 2018 Note 5(gar nicht zufrieden) Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. Aufstiegsmöglichkeiten Noch positiver fallen die Veränderungen bei den Bewertungen der Aufstiegsmöglichkeiten aus. Hier ist seit 1995 der Anteil der Befragten deutlich gestiegen, die mit ihren beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten sehr zufrieden sind(1995: 15%, 2018: 27%). Gleichzeitig hat sich der Anteil der Befragten, die mit den Aufstiegsmöglichkeiten gar nicht zufrieden sind in etwa halbiert(1995: 22%, 2018: 11%). Auch die Zahl der Befragten, die eher unzufrieden sind mit ihren beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten, hat sich deutlich verringert(1995: 17%; 2018: 13%). 14 Dies ist ein interessanter Gegensatz zur Veränderung der Bewertung der„Möglichkeiten zur Erwachsenenbildung“ beim„Wien Urteil“ in Frage 81. Dort wurden 2003 die Möglichkeiten der Erwachsenenbildung am positivsten gesehen. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 54| S e i t e Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung Abb. 39: Zufriedenheit mit den Aufstiegsmöglichkeiten. 1995-2018(in%) 40% 30% 20% 10% 25 22 21 17 15 25 25 22 21 19 18 17 16 18 26 27 25 26 23 21 13 17 12 11 0% 1995 2003 Note 1(sehr zufrieden) Note 2 2008 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 2013 2018 Note 4 Note 5(gar nicht zufrieden) Wochenarbeitszeit Im Vergleich unterliegen die Bewertungen der Wochenarbeitszeit geringeren Veränderungen. Aktuell sind 43% der Befragten damit sehr zufrieden(40% 2003) und nur 5% der Befragten sind damit gar nicht zufrieden(5% 2003). Die positivsten Bewertungen dieses Indikators beobachten wir für das Jahr 2013. Abb. 40: Zufriedenheit mit der Wochenarbeitszeit. 2003-2018(in%) 50% 47 40 42 40% 43 30% 34 30 29 20% 14 16 18 10% 6 7 5 29 18 6 5 0% 2003 5 2008 Note 1(sehr zufrieden) Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. 2 2013 Note 4 5 2018 Note 5(gar nicht zufrieden) Gestaltungsmöglichkeit der Arbeitszeit Die Hälfte der Befragten ist aktuell mit den Gestaltungsmöglichkeiten der eigenen Arbeitszeit sehr zufrieden, eine Steigerung von 6 Prozentpunkten gegenüber dem Beginn des Beobachtungszeitraums(2003: 44%). Grundsätzlich zeigen sich bei diesem Indikator nur geringe Veränderungen im Zeitverlauf. So lag z.B. auch der Anteil der Befragten, die gar nicht zufrieden mit den Gestaltungsmöglichkeiten ihrer Arbeitszeit waren, bei etwa 6 bis 7%. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung S e i t e| 55 Abb. 41: Zufriedenheit mit den Gestaltungsmöglichkeiten der Arbeitszeit. 2003-2018(in%) 51 50 50% 44 47 40% 30% 29 26 20% 10% 14 6 14 7 7 0% 2003 Note 1(sehr zufrieden) 6 2008 Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. 25 24 14 15 66 4 2013 Note 4 6 2018 Note 5(gar nicht zufrieden) Betriebsklima Das Betriebsklima hat sich hingegen leicht verschlechtert, gegen die Tendenz der bisher berichteten Befunde. 2018 sind damit noch 45% der Befragten sehr zufrieden, 2013 waren noch 51% der Wienerinnen und Wiener mit ihrem Betriebsklima sehr zufrieden. Zwar sind in Wien nur sehr wenige Menschen mit dem Betriebsklima gar nicht zufrieden oder nicht zufrieden, der Anteil dieser Personen nimmt jedoch speziell in den letzten fünf Jahren zu. Abb. 42: Zufriedenheit mit dem Betriebsklima. 2003-2018(in%) 51 50% 46 46 45 40% 30% 34 31 33 31 20% 14 15 10% 4 5 2 0% 2003 Note 1(sehr zufrieden) 2 2008 Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. 13 4 1 2013 Note 4 16 5 3 2018 Note 5(gar nicht zufrieden) Arbeitssituation insgesamt 40% der Wienerinnen und Wiener sind im Jahr 2018 mit ihrer Arbeitssituation insgesamt sehr zufrieden(Note 1), bei eindeutig positiver Tendenz im Beobachtungszeitraum(1995: 26%). Gleichzeitig nimmt der Anteil der zufriedenen Berufstätigen etwas ab(1995: 41%, 2018: 36%). Bei den kritischen Stimmen gibt es relativ geringe Veränderungen, mit einer leichten Zunahme der sehr Unzufriedenen zwischen 2013 und 2018. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 56| S e i t e Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung Abb. 43: Zufriedenheit mit der Arbeitssituation insgesamt. 1995-2018(in%) 50% 43 43 40 40% 41 33 32 39 30% 26 20% 25 20 17 19 10% 6 4 4 4 3 0% 1995 2 2003 2 2008 1 2013 40 36 17 5 3 2018 Note 1(sehr zufrieden) Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. Note 4 Note 5(gar nicht zufrieden) 6.2. Beurteilung der Arbeitsmöglichkeiten und die Wege zum Arbeitsplatz Die Beurteilung der Arbeitsmöglichkeiten in Wien generell sowie die Wege zum Arbeitsplatz werden in diesem Abschnitt behandelt. Beurteilung der Arbeitsmöglichkeiten Ähnlich wie mit der Zufriedenheit mit der Arbeitssituation verhält es sich mit der Beurteilung der Arbeitsmöglichkeiten, denn es gibt eine Stabilität der guten Bewertungen bei gleichzeitig starker Zunahme der Befragten, die die Arbeitsmöglichkeiten in Wien als sehr gut einschätzen. Zudem gibt es tendenziell immer weniger Personen, die die Arbeitsmöglichkeiten als schlecht oder sehr schlecht bewerten. Abb. 44: Beurteilung der Arbeitsmöglichkeiten. 2003-2018(in%) 50% 40% 34 40 41 30% 20% 31 17 30 18 28 21 10% 12 9 8 0% 6 2003 3 2008 Note 1(sehr gut) Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. 3 2013 Note 4 37 31 20 7 4 2018 Note 5(sehr schlecht) Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung S e i t e| 57 Arbeitswege Zunächst zeigen die Zahlen in Tab. 12, dass neun von zehn Befragten ihre Arbeitsstätte in einem Wiener Gemeindebezirk haben, nur ein geringer Teil arbeitet im Wiener Umland oder in einem anderen Bundesland. Diesbezüglich gibt es moderate Unterschiede zwischen Männern und Frauen, letztere pendeln etwas seltener für die Arbeit in das Wiener Umland. Tab. 12: Ort der Arbeitsstätte(in%) Bezirk in Wien zu Hause Geschlecht Frauen 85 Männer 78 Gesamt 81 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. 7 9 8 Wiener Umland 5 8 7 übriges andere NÖ Bundesländer 21 41 31 Auf die Frage, welche Verkehrsmittel hauptsächlich für den Weg von und zum derzeitigen Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz verwendet werden, zeigt sich in Wien eine klare Verschiebung hin zu einer verstärkten Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und zu einem Rückgang der Verwendung des privaten PKW(siehe Abb. 45). 2018 nutzen 57% der Berufstätigen und Auszubildenden die Öffis(1995: 47%) und nur noch 20% den PKW(1995: 36%) für die Fahrt von/zum Arbeits- und Ausbildungsplatz. Zusätzlich zeigt sich im Zeitverlauf eine moderate Zunahme bei der Nutzung von Fahrrädern für die Fahrt von/zum Arbeits- und Ausbildungsplatz(1995: 2%; 2018: 7%). Abb. 45: Wahl der Verkehrsmittel für Fahrt zu/ vom Arbeits- und Ausbildungsplatz. 1995-2018 (in%) 70% 60% 59 58 55 50 49 50% 40% 36 34 30% 25 20% 10% 0% 10 2 1995 Auto Fahrrad 10 3 2003 10 6 2008 Öffis zu Fuß Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 23 22 10 8 57 2013 2018 Kombination Auto/Öffis andere Mittel In einem weiteren Schritt haben wir mit einer logistischen Regressionsanalyse überprüft, ob sich die Unterschiede zwischen den Erhebungswellen der Wiener Lebensqualitätsstudie auch dann bestätigen lassen, wenn man weitere Dimensionen der Verkehrsmittelwahl statistisch berücksichtigt(siehe Tab. 13). Empirisch zeigt sich bei dieser Analyse, dass tatsächlich die Präferenz für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für die Fahrt von/zum Arbeits- und Ausbildungsplatz im Zeitverlauf signifikant zunimmt. Ferner beobachten wir, dass Frauen signifikant häufiger als Männer öffentliche Verkehrsmittel verwenden. Auch bezüglich des Alters und der Bildung zeigen sich signifikante Unterschiede. Die über 60Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 58| S e i t e Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung jährigen und auch die Befragten mit Lehre oder BMS-Abschluss nutzen öffentliche Verkehrsmittel im Vergleich seltener als andere Gruppen. Besonders häufig werden öffentliche Verkehrsmittel für die Fahrt von/zum Arbeits- und Ausbildungsplatz von den Wienerinnen und Wienern genutzt, die jünger als 30 Jahre alt sind. Tab. 13: Logistische Regressionsanalyse: Erklärung der Wahl öffentlicher Verkehrsmittel für die Fahrt zu/vom Arbeits- und Ausbildungsplatz Lesebeispiel: Die Tabelle zeigt Odds Ratios(OR). Odds stellen Chancenverhältnisse dar. Werte unter 1 bedeuten, dass die jeweilige Gruppe im Vergleich zur Referenzgruppe eine geringere Gesundheit aufweist. Werte über 1 bedeuten, dass sie über eine bessere Gesundheit verfügt. Einflussfaktoren Odds RatiosSign. Welle 1995 Ref. 2003 0,545 2008 0,975*** 2013 1,263*** 2018 1,467*** Geschlecht Männer Ref. Frauen 1,670*** Alter unter 30 3,757*** 30 bis 44 1,630*** 45 bis 59 1,405*** 60 und älter Ref. Bildung max. Pflichtschule 1,480*** Lehre/BMS Ref. Matura/Meisterprüfung 1,280*** Kolleg, FH, Universität 1,238*** N 25.460 Nagelkreke. R² 0,094 Konstante(Std.-Fehler)-1,1950,08 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 6.3. Digitalisierung öffentlicher Angebote Dieser Abschnitt widmet sich der Internetnutzung der Wienerinnen und Wiener sowie deren Wahrnehmung und Nutzung von digitalen Angeboten der Stadt Wien. Durchschnittlich nutzen die Befragten das Internet fast drei Stunden pro Tag für private Zwecke. Frauen verbringen dabei täglich rund 40 Minuten weniger Zeit im Internet als Männer. Tab. 14: Durchschnittliche Zeit im Internet pro Tag nach Geschlecht(in Stunden) Geschlecht Frauen Männer 2:36 Stunden 3:16 Stunden Gesamt Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. 2:54 Stunden Sieht man sich die Antworten aller Befragten an, so fällt eine große Streuung der Internetnutzung auf(siehe Abb. 46). Während rund ein Zehntel das Internet für private Zwecke gar nicht nutzt, geben weitere 10% an, täglich mehr als sechs Stunden im Internet zu verbringen. Rund 50% der Befragten nutzen das Internet täglich zwei Stunden oder weniger. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung S e i t e| 59 Abb. 46: „ Wie viele Stunden pro Tag nutzen Sie das Internet im Durchschnitt für private Zwecke? “ (in%) 0 1 2 3 4 5 6-7 8-9 10-11 12+ 11 4 2 2 3 9 7 0% 5% 10% Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. 15 15% 24 22 20% 25% 30% Mehr als 60% gaben an, das Internet für Einkäufe und für Aktivitäten in sozialen Netzwerken genutzt zu haben(siehe Abb. 47). 56% hatten online Kontakte zu öffentlichen Stellen, was auf eine relativ breite Akzeptanz der Online-Angebote der Gemeinde Wien schließen lässt. Kommerzielle Aktivitäten(z.B. Unterkünfte buchen, Autos leihen) folgen danach. Auch bei dieser Frage gilt: Männer sind online aktiver als Frauen; einzige Ausnahme bildet hier die Teilnahme an sozialen Netzwerken, wo Frauen etwas häufiger angeben, aktiv gewesen zu sein als Männer. Abb. 47: „ Für welche der folgenden Aktivitäten haben Sie in den letzten 12 Monaten das Internet genutzt? “(in% , Mehrfachantworten möglich) spezielle Einkäufe machen aktive Teilnahme an sozialen Netzwerken Kontakte zu öffentlichen Stellen Verkaufen oder Tauschen von Artikeln private Unterkünfte buchen oder vermieten nichts davon Car-Sharing Bike-Sharing 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% Frauen Männer Gesamt Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 60| S e i t e Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung Diese Befunde zu den Aktivitäten im Internet können dem Wunsch gegenübergestellt werden, mehr Lebensaktivitäten über das Internet zu organisieren. Während beispielsweise 60% der Männer, aber nur 53% der Frauen Kontakt zu öffentlichen Stellen über das Internet hatten, ist der Wunsch, mehr über das Internet zu erledigen, bei Männern wesentlich stärker ausgeprägt als bei Frauen(siehe Abb. 48). Fast die Hälfte der Männer, aber nur rund ein Viertel der Frauen wollen eher mehr über das Internet erledigen. Insgesamt sagen aber 59% der Befragten in Wien, dass sie eher nicht oder auf keinen Fall mehr Lebensaktivitäten über das Internet organisieren und erledigen wollen. Das lässt letztlich darauf schließen, dass ein weiterer Ausbau digitaler Angebote nicht unbedingt auf eine breite Akzeptanz stoßen müsste bzw. alternative Möglichkeiten der Erledigung erhalten bleiben sollten. Abb. 48 „ Würden Sie gerne mehr über das Internet erledigen? “(in%) 15 26 39 0% 20% 40% 60% ja, unbedingt ja, eher nein, eher nicht Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. 20 80% nein, auf keinen Fall 100% Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Vereinbarkeit von Familie und Beruf S e i t e| 61 7. Vereinbarkeit von Familie und Beruf Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für die Lebensqualität von Eltern und Kindern von entscheidender Bedeutung. In diesem Kapitel wird daher dem Leben mit Kindern(d.h. der Haushaltsform), der Erwerbsbeteiligung der Eltern und der Kinderbetreuung nachgegangen. Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit der Familienarbeit und der Work-Life-Balance der Eltern. 7.1. Leben mit Kindern: Haushaltsformen und Erwerbsbeteiligung der Eltern Der nun folgende Abschnitt beschäftigt sich mit den Haushaltsformen, in denen Kinder unter 15 Jahren in Wien im Jahr 2018 leben. Dies geschieht zunächst aus der Haushalts- und danach aus der Kinderperspektive. In der Folge wird der Frage nachgegangen, wie die Haushaltsform die Erwerbsbeteiligung der Eltern beeinflusst. Haushaltsformen Betrachtet man die Summe der Haushalte, in denen Kinder unter 15 Jahren leben, so ist zunächst festzuhalten, dass es sich bei rund 80% um Paar-Haushalte handelt. Zumeist leben neben einem oder beiden Elternteilen auch noch andere Kinder(Geschwister) im gemeinsamen Haushalt, nur selten andere, verwandte und/ nicht verwandte Personen. Unter den Ein-Eltern-Haushalten sind die Mütter mit Kind oder Kindern deutlich in der Mehrheit. In diesen leben ebenfalls nur weitere Personen, allerdings öfter als bei den Paar-Haushalten. Tab. 15: Haushalte mit Kindern unter 15 Jahren in Wien 2018 Basis: Haushalte Kinder Angaben von: allen Eltern allen Eltern Elternteile ohne Partner/in 16 17 15 16 Mutter mit einem Kind 56 34 Mutter mit einem Kind und anderen Personen 11 11 Vater mit einem Kind 12 11 Vater mit einem Kind und anderen Personen 11<1 1 Mutter mit Kindern 64 66 Mutter mit Kindern und anderen Personen 11 11 Vater mit Kindern 11 11 Vater mit Kindern und anderen Personen 11 11 Paare 78 83 80 94 Paare mit einem Kind 29 35 19 23 Paare mit einem Kind und anderen Personen 11 11 Paare mit Kindern 47 45 58 60 Paare mit Kindern und anderen Personen 11 22 Sonstige(unbekannte Konstellationen) 6--- 6--mit einem Kind 3--- 2--mit Kindern 2--- 3--N 1.694 1.407 2.592 2.177 Quelle: SOWI III(2018). In der Spalte Haushalte wird die Anzahl der Haushalte mit Kindern unter 15 Jahren als Basis verwendet. In der Spalte Kinder wird die Anzahl der Kinder als Basis herangezogen. Leben in einem Haushalt z.B. drei Kinder unter 15 Jahren, wird dieser Haushalt hier auch drei Mal anstatt einmal berücksichtigt. Befragt wurden verschiedene Haushaltsmitglieder. Die mit„alle“ gekennzeichneten Spalten ziehen Antworten aller Haushaltsmitglieder heran. Di e mit„Eltern“ gekennzeichneten Spalten berücksichtigen die Angaben der Befragten nur, wenn diese auch ein Elternteil(wahrscheinlich eines Kindes unter 15 Jahren) waren. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 62| S e i t e Vereinbarkeit von Familie und Beruf Erwerbsbeteiligung nach Haushaltsform Betrachtet man die Erwerbsbeteiligung der befragten Person(Vater oder Mutter), so ist zu erkennen, dass die Befragten aus Paar-Haushalten mit drei oder mehr Kindern(32%) und aus Ein-Eltern-Haushalten(33 bzw. 31%) die geringsten Anteile an vollzeiterwerbstätigen Personen aufweisen(mindestens 36 Stunden pro Woche). Tab. 16: Erwerbsbeteiligung nach Haushaltsform 2018(in%) Haushalt: Anzahl der Kinder unter 15 Jahren: Paar-Haushalt 12 (a) Erwerbstätigkeit des befragten Elternteils %% unselbständig erwerbstätig: bis 20 Std. 8 8 unselbständig erwerbstätig: bis 35 Std. unselbständig erwerbstätig: mind. 36 Std. unselbständig erwerbstätig: unbekannt selbständig erwerbstätig: bis 20 Std. 17 43 1 1 17 47 2 1 selbständig erwerbstätig: bis 35 Std. 23 selbständig erwerbstätig: mind. 36 Std. 5 5 selbständig erwerbstätig: unbekannt 1<1 Arbeitslos Schüler*in, Student*in, Praktikant*in 55 <1<1 Pensionist*in nicht erwerbstätig(andere Gründe) 21 14 10 634 410 (b) Erwerbsausmaß des Paares%% beide nicht erwerbstätig 76 1 Person Teilzeit(1 bis 35 Std.) 1 Person Vollzeit(mind. 36 Std.) beide Teilzeit(1 bis 35 Std.) 1 Person Vollzeit, 1 Person Teilzeit beide Vollzeit(mind. 36 Std.) 75 22 24 46 36 40 24 20 N 593 388 Quelle: SOWI III(2018). 3+ % 10 12 32 2 4 3 4 0 12 1 0 20 118 % 11 10 35 5 28 11 111 Ein-Eltern-Haushalt 1 2+ %% 69 21 13 33 31 10 <1 1 43 53 11 15 13 62 3<1 4 23 169 75 -----------------------------------Der Anteil an Arbeitslosen(12 bzw. 13%) und der aus anderen Gründen nicht erwerbstätigen Personen(20 bzw. 23%) ist bei den Paar-Haushalten mit drei oder mehr Kindern und den Ein-Eltern-Haushalten mit zwei oder mehr Kindern höher als in allen anderen Gruppen. Bei der Arbeitslosigkeit gilt das auch für Ein-Eltern-Haushalte mit einem Kind(15%), die aber seltener aus anderen Gründen nicht erwerbstätig sind(nur 4%). Vor allem unter den Befragten aus Ein-Eltern-Haushalten gibt es vergleichsweise große Anteile an Studierenden (38 bzw. 28%). Ein genauerer Blick auf die Erwerbstätigkeit der Paar-Haushalte zeigt, dass die Erwerbsbeteiligung mit größerer Kinderzahl sinkt. Unabhängig von der Kinderzahl dominieren Modelle mit einem Hauptverdiener/ einer Hauptverdienerin und einem nicht erwerbstätigen oder Teilzeit erwerbstätigen Partner/ einer nicht erwerbstätigen oder Teilzeit erwerbstätigen Partnerin. Dass in der Regel in der Untersuchungsgruppe der Mann vollzeitund die Frau teilzeitbeschäftigt ist, ergibt sich aus den Zahlen der unten folgenden Tabelle. Darin ist zudem zu erkennen, dass die Vollzeitbeschäftigung auch in Ein-Eltern-Haushalten bei Männern weiterverbreitet ist als bei den Frauen(womöglich auch akzeptierter). Frauen aus Ein-Eltern-Haushalten kennzeichnet hingegen eine besonders hohe Arbeitslosigkeit (nach eigenen Angaben 18%). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Vereinbarkeit von Familie und Beruf S e i t e| 63 Tab. 17: Erwerbsbeteiligung nach Geschlecht der Eltern 2018(in%) Haushalt: Paar-Haushalt Geschlecht des befragten Elternteils: Anzahl der Kinder unter 15 Jahren: Frauen 1 2+ Männer 1 2+ unselbständig erwerbstätig: bis 20 Std. 13 16 3 2 unselbständig erwerbstätig: bis 35 Std. 27 26 6 6 unselbständig erwerbstätig: mind. 36 Std. 23 20 65 68 unselbständig erwerbstätig: unbekannt 2113 selbständig erwerbstätig: bis 20 Std.<1 3 1 1 selbständig erwerbstätig: bis 35 Std. 3423 selbständig erwerbstätig: mind. 36 Std. 3277 selbständig erwerbstätig: unbekannt Arbeitslos Schüler*in, Student*in, Praktikant*in Pensionist*in 0<1 2<1 4678 <1<1<1 1 1<1 4 1 nicht erwerbstätig(andere Gründe) 24 22 3 3 N 344 274 289 253 Quelle: SOWI III(2018). Ein-Eltern-Haushalt Frauen Männer 1+ 1+ 92 25 3 26 48 10 10 19 29 04 18 6 1 14 24 14 2 188 56 7.2. Kinderbetreuung Der nun folgende Abschnitt beschäftigt sich mit der Kinderbetreuung. Im ersten Schritt wird auf die Betreuung der Kinder unter 6 Jahren im Jahr 2018 eingegangen, bevor die Zufriedenheit mit der Kinderbetreuung im Zeitverlauf thematisiert wird. Die Betreuung der Kinder unter 6 Jahren Die externe Betreuung der Kinder unter 6 Jahren wird separat für das jüngste und(falls vorhanden) zweitjüngste Kind vorgenommen. Zudem wird zwischen Kindern im Alter von unter 3 Jahren und Kindern zwischen 3 und 5 Jahren differenziert. Betrachtet man das jüngste Kind, so werden rund 46% der Kinder unter 3 Jahren und 97% der Kinder zwischen 3 und 5 Jahren betreut. Beim zweitjüngsten Kind, das per Definition etwas älter ist, sind es 69 und 89%. 15 Die Zufriedenheit mit den Kinderbetreuungseinrichtungen 2003-2018 Im Gegensatz zu den Einschätzungen von Kinderkrippe, Kindergarten etc. konnten nicht nur die Eltern von kleinen Kindern, sondern alle Befragten ihre Zufriedenheit mit der Kinderfreundlichkeit der Stadt Wien und den vorhandenen Betreuungseinrichtungen äußern. Die in der Folge besprochenen Analysen beschränken sich aber auf Eltern von Schulkindern oder jüngeren Kindern. Dahinter steht die Vermutung, dass diese die Kinderbetreuungseinrichtungen und die Kinderfreundlichkeit der Stadt aufgrund der unmittelbaren Erfahrungen besser einschätzen können.(Ihre Zufriedenheit weicht aber nur geringfügig vom Durchschnitt aller Befragten ab.) Die Betreuung findet in diesem Alter einerseits bei der Tagesmutter oder in der Kinderkrippe (unter 3 Jahre) und andererseits im Kindergarten oder der Kindergruppe(3 bis 6 Jahre) statt. Die Zufriedenheit mit diesen Betreuungseinrichtungen ist hoch. Rund 82% sind mit der 15 Dass der Anteil bei Kindern zwischen 3 und 5 Jahren etwas geringer ist, könnte daran liegen, dass die Notwendigkeit einer externen Betreuung für das zweitjüngste Kind nicht vorhanden ist, wenn ohnehin ein jüngeres Kind zu Hause betreut wird. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 64| S e i t e Vereinbarkeit von Familie und Beruf Tagesmutter bzw. Kinderkrippe ihres jüngsten Kindes sehr zufrieden oder zufrieden(N= 58). Beim Kindergarten bzw. der Kindergruppe sind es sogar 87%(jüngstes Kind; N= 353) und 89%(zweitjüngstes Kind; N= 137). Abb. 49: Zufriedenheit mit Kinderfreundlichkeit und Kinderbetreuungseinrichtungen bei Eltern mit Schulkindern und/oder jüngeren Kindern. 2003-2018(in%) Kinderbetreuungseinrichtungen Stadt Wien freundlichkeit der 2018 26 40 23 7 3 Kinder2013 18 42 28 9 2 2018 32 37 23 5 2 Angebot an 2013 30 42 21 5 2 2008 31 37 23 7 2 2003 23 46 22 6 3 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Note 1(sehr zufrieden) Note 2 Note 3 Note 4 Note 5(überhaupt nicht zufrieden) Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. Die Bewertungen der Kinderbetreuungseinrichtungen und der Kinderfreundlichkeit Wiens sind grundsätzlich positiv und haben sich im Zeitverlauf zum Teil noch deutlich verbessert. Im Jahr 2013 waren 60% der Eltern sehr zufrieden oder zufrieden mit der Kinderfreundlichkeit der Stadt(Note 1 und 2). Fünf Jahre später sind es 66%. Mit den Kinderbetreuungseinrichtungen waren 2003, 2008, 2013 und 2018 jeweils rund 70% sehr zufrieden oder zufrieden. Der Anteil der nicht oder gar nicht zufriedenen(Note 4 und 5) hat sich in diesem Zeitraum leicht verringert(von 9% in den ersten beiden Erhebungen der Wiener Lebensqualitätsstudie auf 7% in den letzten beiden). 7.3. Familienarbeit und Work-Life-Balance 2018 Die Aufteilung der Familienarbeit Zur Aufteilung der unbezahlten Hausarbeit werden in der Wiener Lebensqualitätsstudie nur Personen befragt, die angeben, dass sie mit ihrem Partner/ihrer Partnerin in einem gemeinsamen Haushalt leben. Wohnen im Haushalt auch Kinder unter 15 Jahren, so wird auch nach der Aufteilung der unbezahlten Kinderbetreuung gefragt. Sowohl die Hausarbeit als auch die Kinderbetreuung(letztere im Folgenden in Klammer gesetzt) werden zum überwiegenden Teil von Frauen erledigt. In Summe geben rund 38% (45%) der Befragten an, dass die Hausarbeit(Kinderbetreuung) überwiegend von der Frau geleistet wird, während lediglich 7%(4%) anführen, dass diese überwiegend vom Mann übernommen wird. Auffallend ist, dass die Männer ihren Anteil an der unbezahlten Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Vereinbarkeit von Familie und Beruf S e i t e| 65 Familienarbeit deutlich größer einschätzen als die Frauen. Das ist nicht überraschend, da Personen ihren eigenen Anteil in der Regel größer einschätzen als den des Partners/der Partnerin, weil sie die eigene Arbeit direkt erleben, die des/der anderen aber nur zum Teil beobachten. Abb. 50: Wer erledigt die Hausarbeit? nach Geschlecht, Bildung und Herkunftsregion(in%) GESAMT 7 Geschlecht weiblich 4 männlich 11 Bildung max. Pflichtschule 14 Lehre/BMS 7 Matura/Meister*in 6 Kolleg/FH/Universität 8 Herkunftsregion Österreich 7 Deutschland 19 EU 15(ohne AT, DE) 14 weitere EU-MS 5 ehem. Jugo.(ohne HR, SI) 7 Türkei 1 andere 6 54 45 63 35 56 57 57 54 47 62 61 57 39 66 38 51 26 50 38 38 35 39 34 24 33 36 60 29 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% überwiegend der Mann in etwa beide gleich überwiegend die Frau Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Abb. 51: Wer erledigt die Kinderbetreuung? nach Geschlecht, Bildung und Herkunftsregion(in %) GESAMT Geschlecht weiblich männlich Bildung max. Pflichtschule Lehre/BMS Matura/Meister*in Kolleg/FH/Universität Herkunftsregion Österreich Europa(ohne AT) restliche Welt 4 2 7 2 4 6 5 4 7 4 51 41 61 46 51 47 53 49 53 52 45 57 32 52 45 47 42 47 40 44 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% überwiegend der Mann in etwa beide gleich überwiegend die Frau Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Die Aufteilung der unbezahlten Familienarbeit variiert nach dem Bildungsniveau der befragten Personen: Während die Hausarbeit(Kinderbetreuung erneut in Klammer gesetzt) bei Pflichtschulbildung in 50%(52%) der Paare überwiegend von der Frau erledigt wird, ist dies bei höherer Bildung in 35%(42%) der Paare der Fall. Nach Herkunftsregion lassen sich Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 66| S e i t e Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor allem bei der Hausarbeit Unterschiede feststellen. 16 Besonders ungleich ist die Aufteilung der Hausarbeit bei Paaren mit türkischem Migrationshintergrund. Auch bei WienerInnen ohne Migrationshintergrund wird mehr unbezahlte Hausarbeit von Frauen erledigt als von Männern. Was beeinflusst die Work-Life-Balance 2018? Berufstätige Personen, die mit Kindern unter 15 Jahren in einem gemeinsamen Haushalt leben, wurden gefragt, wie häufig ihre Berufstätigkeit ihr Familienleben beeinträchtigt(workto-family conflict) und wie häufig umgekehrt ihr Familienleben ihre Berufstätigkeit beeinträchtigt(family-to-work conflict). Ein Viertel der Befragten gibt an, dass sich ihre Berufstätigkeit sehr häufig(oft oder immer) negativ auf ihr Familienleben auswirkt. Bei etwa 42% ist dies nur selten oder nie der Fall. Zwei Drittel berichten, dass ihr Familienleben ihre Berufstätigkeit selten oder nie beeinträchtigt. Rund 11% finden, dass ihr Familienleben negative Auswirkungen auf ihre Berufstätigkeit hat. 16 Allerdings konnte aufgrund der geringen Fallzahlen bei der Kinderbetreuung weniger genau differenziert werden. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Vereinbarkeit von Familie und Beruf S e i t e| 67 Tab. 18: Logistische Regression: Erklärung von Work-to-Family- und Family-to-WorkKonflikten Lesebeispiel: Die Tabelle zeigt Odds Ratios(OR). Odds stellen Chancenverhältnisse dar. Werte unter 1 bedeuten, dass die jeweilige Gruppe im Vergleich zur Referenzgruppe einen geringeren Konflikt aufweist. Werte über 1 bedeuten, dass sie im Durchschnitt einen höheren Konflikt berichten. Ordinale logistische Regression work-to-family conflict family-to-work conflict Einflussfaktoren OR OR Gender: männlich Ref. Ref. weiblich 0,67* 0,87 Alter unter 30 Ref. Ref. 30 bis 44 Jahre 1,05 1,77* 45 bis 59 Jahre 1,07 2,14* 60 und älter 0,22 + 1,45 Bildung Pflichtschule Ref. Ref. Lehre/BMS 0,71 0,76 Matura/Meister*in 0,69 0,69 Universität, Fachhochschule, Kolleg 0,84 1,23 Erwerbstätigkeit unselbständig erwerbstätig: bis 20 Std. 0,51* 1,54 unselbständig erwerbstätig: bis 32 Std. 0,56* 1,40 unselbständig erwerbstätig: über 32 Std. Ref. Ref. selbständig erwerbstätig: bis 20 Std. selbständig erwerbstätig: bis 32 Std. 0,64 0,87 3,57 + 2,69* selbständig erwerbstätig: über 32 Std. 0,97 1,39 Kinder im Haushalt Anzahl der Kinder unter 15(1 bis 6) 1,14 1,16 Alter des jüngsten Kindes(0 bis 14 Jahre) 0,95** 0,94** Aufteilung der unbezahlte Hausarbeit überwiegend selbst Ref. Ref. in etwa beide gleich 0,89 0,64* überwiegend der/die Partner*in 1,01 0,47** Aufteilung der Erwerbsarbeit überwiegend selbst Ref. Ref. in etwa beide gleich 0,87 1,02 überwiegend der/die Partner*in 0,68 0,52* N 848 843 Pseudo R² 0,02 0,03 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Signifikanzniveaus:+ p< 0,1;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001; Wortlaut der Frage: Wie oft haben Sie das Gefühl, dass Ihre Berufstätigkeit Ihr Familienleben/ Ihr Familienleben Ihre Berufstätigkeit beeinträchtigt? Einschätzung auf 5-stufiger Skala(nie= 1; immer= 5). Odds Ratios unter 0,5 und über 2,0 wurden grau unterlegt. Betrachtet man Einflussfaktoren auf die Häufigkeit von Konflikten zwischen dem Erwerbsund dem Familienleben, so zeigt sich, dass Frauen in der Regel weniger Konflikte des Erwerbslebens mit dem Familienleben berichten als Männer. Zudem sind auch ältere Eltern (ab 60 Jahren) und Teilzeit arbeitende unselbständig Erwerbstätige weniger stark von Workto-Family-Konflikten betroffen. Konflikte des Familienlebens mit dem Berufsleben zeigen sich vor allem in den mittleren Altersgruppen. Möglicherweise werden in diesen Altersgruppen am ehesten Karrieren geplant bzw. umgesetzt. Belastungen und Einschränkungen, die das Familienleben mit sich bringt, könnten in dieser Phase als störend für den beruflichen Fortschritt empfunden werden. Neben den mittleren Altersgruppen berichten vor allem(nicht Vollzeit) selbständig tätige Personen einen höheren Family-to-Work-Konflikt. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 68| S e i t e Vereinbarkeit von Familie und Beruf Seltener sind Konflikte zwischen dem Familien- und dem Berufsleben, wenn der Partner oder die Partnerin den Großteil der Hausarbeit und/oder der Erwerbsarbeit des Paares übernimmt. Das Alter des jüngsten Kindes wirkt sich schlussendlich auf beide Konflikte aus: Je älter die Kinder bereits sind, desto geringer sind sowohl der Work-to-Family- als auch der Family-to-Work-Konflikt. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Gesundheit, Alter und Pflege S e i t e| 69 8. Gesundheit, Alter und Pflege Die Gesundheit ist für die Bewertung der allgemeinen Lebenszufriedenheit und Lebensqualität von entscheidender Bedeutung, ein Zusammenhang, der im vorliegenden Bericht zu den ersten Ergebnissen der Wiener Lebensqualitätsstudie in unterschiedlicher Weise thematisiert wird. So wird unter anderem die Entwicklung der Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit im Zeitverlauf diskutiert und es werden zentrale Befunde der seelischen Gesundheit vorgestellt. Ein zweiter großer Abschnitt befasst sich mit dem Thema der Betreuung und Pflege erwachsener Personen. 8.1. Gesundheit Der nun folgende Abschnitt beschäftigt sich mit den Bereichen Gesundheit, Betreuung und Pflege. Zunächst wird die Entwicklung der Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit seit 2003 untersucht, bevor auf den allgemeinen und den seelischen Gesundheitszustand im Jahr 2018 eingegangen wird. Darauf folgen Betrachtungen des Ausmaßes der Betreuung und Pflege sowie der Beurteilung des Wiener Gesundheits- und Betreuungssystems. Die Entwicklung der Zufriedenheit mit der Gesundheit Generell ist die Beurteilung der Zufriedenheit mit der eigenen Gesundheit im Zeitverlauf (2003 bis 2018) sehr stabil. Zu allen vier Erhebungszeitpunkten sind zwischen 75 und 79% der befragten Wienerinnen und Wiener mit ihrer Gesundheit sehr zufrieden oder zufrieden, wobei die meisten positiven Bewertungen im Jahr 2013 und die wenigsten positiven Bewertungen im Jahr 2018 zu verzeichnen waren. Abb. 52: Zufriedenheit mit der Gesundheit. 2003-2018(in%) 50% 40% 39 40 41 38 38 37 30% 38 36 20% 17 10% 4 0% 2 2003 Note 1(sehr zufrieden) 16 4 2 2008 Note 2 Note 3 15 17 45 4 3 2013 2018 Note 4 Note 5(überhaupt nicht zufrieden) Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. Betrachtet man die Zufriedenheit mit dem Gesundheitszustand nach Altersgruppen, zeigen sich jedoch unterschiedliche Trends. Während der Anteil an den mit ihrem Gesundheitszustand zufriedenen Personen bei den Befragten unter 60 Jahren leicht zurückging, nahm er bei den Personen ab 60 Jahren um rund 8 Prozentpunkte zu(von 63% im Jahr 2003 auf 71% im Jahr 2018). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 70| S e i t e Gesundheit, Alter und Pflege Deutliche Unterschiede in der Zufriedenheit mit dem Gesundheitszustand zeigen sich nach dem Migrationshintergrund. In diesem Kontext spielt die Kombination aus der Herkunft der Zugewanderten und der Unterscheidung zwischen der ersten und der zweiten Generation eine entscheidende Rolle. Vor allem die Migrantinnen und Migranten aus der Türkei(1. Generation) sind mit ihrer Gesundheit deutlich unzufriedener als andere Gruppen, während ihre Kinder(2. Generation) eher zu den zufriedeneren Gruppen zählen. Tab. 19: Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Gesundheitszustand?(in%) 2003 2008 2013 2018 Alter unter 30 30 bis 44 Jahre 45 bis 59 Jahre 89 89 90 81 83 81 83 77 75 75 77 69 60 und älter 63 67 67 71 Geschlecht männlich 79 79 80 74 weiblich sonstige* 75 76 77 76 --- 55 Migrationshintergrund Österreich 1. Generation 78 78 79 73 71 75 77 75 Türkei EU-15 69 60 70 62 78 77 83 82 restliches Europa andere Regionen 2. Generation 67 76 75 76 81 77 85 76 77 79 79 77 Türkei 83 75 82 73 EU-15 76 80 80 74 restliches Europa 76 79 77 80 andere Regionen 81 81 82 80 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Summe über die Antwortkategorien „sehr zufrieden“ und „zufrieden“. Anmerkung:* Diese Kategorie wurde 2018 zum ersten Mal berücksichtigt(N=11). Anhand eines zusammengefassten Datensatzes aller Wellen der Wiener Lebensqualitätsstudie wurde auch eine Analyse nach Geburtskohorten vorgenommen (Geburtsjahrgänge 1920 – 24, 1925 –29, …, 1990– 94, 1995 – 99). Deskriptiv zeigt sich, dass die Zufriedenheit mit dem Gesundheitszustand ab der Kohorte 1930-35 bis zur Kohorte 1985-89 stetig zunimmt. In Regressionsanalysen, die das Geschlecht, das Alter bei der Erhebung, die Erhebungswelle sowie den Migrationshintergrund berücksichtigen(nicht tabellarisch dargestellt), zeigen sich jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Kohorten in der Zufriedenheit mit dem Gesundheitszustand. Dieser Befund spricht gegen einen„Generationeneffekt“. 17 Allgemeine und seelische Gesundheit 2018 Der allgemeine Gesundheitszustand wurde direkt abgefragt. Lediglich 6% der Wienerinnen und Wiener sind im Jahr 2018 der Ansicht, dass ihr allgemeiner Gesundheitszustand schlecht oder sehr schlecht ist. Umgekehrt meinen 73%, dass dieser gut oder sehr gut ist. 17 In Querschnittserhebungen ist es nur schwer möglich,„Generationeneffekte“ zu isolieren. Die Differenz zwischen dem Geburtsjahr(„Generationeneffekt“) und dem Jahr der Erhebung(„Periodeneffekt“) ergibt das Alter der befragten Person(„Alterseffekt“). Unterschiede zwischen den Generationen können in deskriptiven Analysen z.B. dann zustande kommen, wenn unterschiedliche Generationen zu verschiedenen Zeitpunkten befragt wurden und/ oder in unterschiedlichem Alter. Dann bilden diese Unterschiede aber keine Generationeneffekte ab, sondern Perioden- und/ oder Alterseffekte. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Gesundheit, Alter und Pflege S e i t e| 71 Aspekte der seelischen Gesundheit wurden indirekt erhoben, indem nach der Häufigkeit des Auftretens potentieller Symptome seelischer Erkrankungen in den letzten 14 Tagen vor der Erhebung gefragt wurde. 18 Es zeigt sich, dass 69% der Befragten gar nicht oder nur selten negative Gefühle wie Traurigkeit, Verzweiflung, Angst oder depressive Verstimmungen hatten. Rund 12% berichten, oft(3%) oder fast immer(9%) an diesen zu leiden(vgl. Abb. 53). Abb. 53: Subjektive Einschätzung der allgemeinen und seelischen Gesundheit(in%) A p l h lg y e s m is e c in h e e G es s u u n n d d h h e e it it p S s e y e c l h is i c s h c e he G Ge e s s u u n n d d h h e e it it 0% 28 45 21 5 1 41 28 19 9 3 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 12345 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Allgemeine Gesundheit: Würden Sie sagen, Ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist…? Einschätzung auf 5 -stufiger Skala(sehr gut= 1; 2= gut; 3= mittelmäßig; 4= schlecht; sehr schlecht= 5); Seelische Gesundheit: Wie häufig hatten Sie während der vergangenen zwei Wochen negative Gefühle wie Traurigkeit, Verzweiflung, Angst oder depressive Verstimmungen? Einschätzung auf 5stufiger Skala(nie= 1; 2= selten; 3= manchmal; 4= oft; fast immer= 5) In ordinalen logistischen Regressionsanalysen wurde der Frage nachgegangen, welche Faktoren die berichtete allgemeine und seelische Gesundheit beeinflussen(siehe Tab. 20). Unter Kontrolle der anderen in Tab. 20 abgebildeten Faktoren zeigt sich, dass Frauen ihre allgemeine Gesundheit geringfügig schlechter und ihre seelische Gesundheit etwas besser einschätzten als Männer. Jüngere Personen(unter 30) gaben im Vergleich zu älteren an, über eine bessere allgemeine Gesundheit, aber über eine schlechtere seelische Gesundheit zu verfügen. Die Befunde zur seelischen Gesundheit weichen von den Ergebnissen anderer Gesundheitsbefragungen ab, z.B. von jenen der Österreichischen Gesundheitsbefragung 2014(Wien-Stichprobe der ATHIS-Daten, eigene Berechnungen, nicht tabellarisch dargestellt). Dort wurde bei Frauen eine etwas höhere Depressions-Prävalenz als bei Männern festgestellt. Es wurden außerdem geringere Unterschiede zwischen verschiedenen Altersgruppen festgestellt. Dies könnte u.a. auf Unterschiede in der Fragestellung zurückzuführen sein: In der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 wurde mit einer Frage ein großes Spektrum negativer Gefühle erhoben, in der Österreichischen Gesundheitsbefragung wurde das Vorliegen von insgesamt acht aktuell bestehenden depressiven Symptomen anhand eines Screening-Instruments für Depression direkt erfasst(Patient Health Questionnaire, PHQ-8). Alle anderen Ergebnisse entsprechen den Erwartungen. Der Migrationshintergrund hat in der Form, in der er hier gemessen wurde(1. oder 2. Generation), keinen Einfluss auf die 18 Da sich die Fragestellung auf wenige Symptome beschränkt, anhand der Fragestellung nicht zwischen den Symptomen unterschieden werden kann und auch nicht festgestellt werden kann, ob mehrere Symptome auftreten oder nur eines, kann dieses Maß nur erste Hinweise auf vorliegende psychische Erkrankungen geben. Jedes einzelne Symptom kann zudem auch nicht-psychische Ursachen haben, weshalb das Vorliegen dieser Symptome nicht automatisch das Vorliegen einer psychischen Krankheit implizieren muss. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 72| S e i t e Gesundheit, Alter und Pflege allgemeine und die seelische Gesundheit. 19 Eindeutig zeigt sich, dass Personen mit höherer Bildung gesünder sind als Personen, die maximal über einen Pflichtschulabschluss verfügen. Im Vergleich zu Vollzeit unselbständig erwerbstätigen Personen weisen vor allem nicht erwerbstätige Personen(z.B. Arbeitslose, aber auch PensionistInnen) eine durchschnittlich geringere allgemeine und seelische Gesundheit auf. Selbständige schätzen ihre allgemeine Gesundheit besser ein als andere Berufsgruppen. Innerhalb der unselbständig erwerbstätigen Personen könnten Teilzeit arbeitende Personen über eine etwas schlechtere Gesundheit verfügen. Die Befunde sind jedoch nicht ganz eindeutig. Tab. 20: Ordinale logistische Regressionsanalyse zur Erklärung der physischen und psychischen Gesundheit Lesebeispiel: Die Tabelle zeigt Odds Ratios(OR). Odds stellen Chancenverhältnisse dar. Werte unter 1 bedeuten, dass die jeweilige Gruppe im Vergleich zur Referenzgruppe eine geringere Gesundheit aufweist. Werte über 1 bedeuten, dass sie über eine bessere Gesundheit verfügt. Ordinale logistische Regression Allgemeine Gesundheit Seelische Gesundheit Einflussfaktoren OR OR Gender: männlich Ref. Ref. weiblich 0,85*** 1,52*** sonstige 0,95 0,21* Alter unter 30 Ref, Ref, 30 bis 44 Jahre 0,79*** 1,45*** 45 bis 59 Jahre 0,50*** 2,04*** 60 und älter 0,72** 4,35*** Bildung Pflichtschule Ref, Ref, Lehre/BMS 1,03 1,11 Matura/Meister*in 1,59*** 1,49*** Universität, Fachhochschule, Kolleg 2,13*** 1,59*** Migrationshintergrund kein Migrationshintergrund Ref, Ref, 2. Generation 0,96 0,97 1. Generation 1,01 0,94 Erwerbstätigkeit unselbständig erwerbstätig: bis 20 Std. 0,79* 0,93 unselbständig erwerbstätig: bis 32 Std. 0,93 0,85* unselbständig erwerbstätig: über 32 Std. Ref, Ref, unselbständig erwerbstätig: unbekannt 1,10 1,15 selbständig erwerbstätig: bis 20 Std. 1,39+ 1,00 selbständig erwerbstätig: bis 32 Std. 1,06 0,99 selbständig erwerbstätig: über 32 Std. 1,32** 1,01 selbständig erwerbstätig: unbekannt 0,61* 1,01 arbeitslos 0,39*** 0,46*** Schüler*in, Student*in, Praktikant*in 1,04 0,65*** Pensionist*in 0,45*** 0,62*** nicht erwerbstätig(andere Gründe) 0,34*** 0,54*** Nettoäquivalenzeinkommen des Haushalts unter 60% des nationalen Median 2017 Ref, Ref, 60 bis 80% 1,25*** 1,16* über 80 und unter 140% 1,52*** 1,59*** 140 bis 200% 2,00*** 2,13*** über 200% 2,22*** 1,67** unbekannt 1,25*** 1,43*** Pflege von Angehörigen keine Pflege Ref, Ref, bis zu 10 Std. 1,18 1,22+ 19 Es wird an dieser Stelle aber nicht zwischen Flüchtlingen, die eine vermeintlich schlechtere seelische Gesundheit aufweisen, und anderen Migrationsgruppen unterschieden. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Gesundheit, Alter und Pflege S e i t e| 73 mehr als 10 und bis zu 20 Std. 0,53** 0,72+ mehr als 20 Std. 0,47** 0,43*** Ausmaß unbekannt 0,90 0,70 keine Angabe 0,78** 0,63*** nicht gefragt(anderer Split) 0,93+ 0,93+ N 8331 8255 Pseudo R² 0,05 0,05 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Signifikanzniveaus:+ p< 0,1;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001; Allgemeine Gesundheit: Würden Sie sagen, Ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist…? Einschätzung auf 5-stufiger Skala(rekodiert: sehr schlecht= 1; sehr gut= 5); Seelische Gesundheit: Wie häufig hatten Sie während der vergangen zwei Wochen negative Gefühle wie Traurigkeit, Verzweiflung, Angst oder depressive Verstimmungen? Einschätzung auf 5-stufiger Skala(rekodiert: fast immer= 1; nie= 5). Odds Ratios unter 0,5 und über 2,0 wurden grau unterlegt. Odds Ratios stellen das Verhältnis zwischen der Wahrscheinlichkeit, dass ein Ereignis eintritt, und der Wahrscheinlichkeit, dass es nicht eintritt, dar. Dies bezieht sich im abgebildeten Fall auf die Gesundheit in zwei verschiedenen Gruppen(d.h. die Untersuchungsgruppe und die Referenzgruppe). Das Nettoäquivalenzeinkommen des Haushalts dürfte eine große Rolle für die allgemeine und seelische Gesundheit spielen. Grundsätzlich gilt, dass mit höherem Einkommen eine bessere Gesundheit einhergeht. 20 Allerdings könnte die psychische Gesundheit bei sehr hohem Einkommen wieder abnehmen. Studien haben wiederholt gezeigt, dass sich das Einkommen nur bis zu einem gewissen Grad positiv auf das psychische Wohlbefinden, die Lebenszufriedenheit und das Lebensglück auswirkt. 21 Ist eine Einkommenshöhe erreicht, die ein dem jeweiligen Kontext entsprechenden Lebensstandard ermöglicht, bringen weitere Zugewinne an Einkommen keine Verbesserung mehr. 22 Auch die Pflege von Angehörigen wirkt sich auf den Gesundheitszustand der Befragten aus. Bei einem wöchentlichen Stundenausmaß von bis zu 10 Stunden zeigen sich noch keine Unterschiede zu nicht pflegenden Personen. Bei höherer Belastung ist jedoch sowohl die allgemeine als auch die seelische Gesundheit schlechter(vor allem bei mehr als 20 Stunden). Das gilt ebenso, wenn sowohl im Haushalt als auch außerhalb gepflegt wird(hier nicht in der Tabelle abgebildet). 8.2. Betreuung und Pflege Ort und Ausmaß der Betreuungs- und Pflegeleistungen Da es im Bereich der Fragen zu Pflege und Betreuung einige Personen gibt, die nicht geantwortet haben, wird die Analyse in Tab. 21 in mehreren Schritten dargestellt. Tab. 21 zeigt zunächst die Angaben im Kontext des gesamten Samples. In der Folge wird die Betrachtung auf jenen Teil(Split) des Samples reduziert, dem tatsächlich Fragen zu Betreuung und Pflege gestellt wurden. Danach werden auch jene Personen aus der Betrachtung ausgeschlossen, die keine Antwort auf die entsprechende Frage gegeben haben. Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die beiden rechten Spalten. Die zweite Spalte von rechts gibt einmal die Ergebnisse für alle Personen an, die geantwortet 20 Zu bedenken ist, dass eine schlechtere Gesundheit auch berufliche Möglichkeiten einschränkt. 21 Siehe z.B.: Frey, B.S.,& Stutzer, A.(2001), Happiness and Economics: How the Economy and Institutions Affect Human Well-Being, Princeton University Press. Diener, E. et al.(1993), The relationship between income and subjective well-being: Relative or Absolute?, Social Indicators Research, 28(3): 195-223. 22 Einzelne Befunde deuten sogar auf einen leichten Rückgang im Bereich der Top-Einkommen hin. Hier wird vermutet, dass nicht das Geld an und für sich entscheidend ist. Personen, die sehr hohe Einkommen lukrieren, könnten jedoch vermehrt Positionen einnehmen, die mit langen Arbeitszeiten und einem hohen Ausmaß an Stress verbunden sind. Man denke etwa an SpitzenpolitikerInnnen oder CEOs von großen Unternehmen. Es gibt allerdings auch AutorInnen, die dem widersprechen. Siehe dazu z.B.: Stevenson, B.,& Wolfers, J.(2013): Subjective Well-Being and Income: Is There Any Evidence of Satiation?, American Economic Review, 103(3): 598-604. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 74| S e i t e Gesundheit, Alter und Pflege haben. Die Spalte rechts außen bezieht sich auf die Subgruppe jener, die angegeben haben, unbezahlte Pflege- und Betreuungsarbeit zu leisten. In Summe ist zu erkennen, dass etwa 84% der Wienerinnen und Wiener angeben keine Betreuungs- und Pflegearbeit zu leisten. Das bedeutet, dass rund 16% der Wienerinnen und Wiener unbezahlt regelmäßige Pflege- oder Betreuungsleistungen an einer erwachsenen und hilfsbedürftigen Person erbringen 23 . Rund 70% der Pflege erbringenden Personen leisten diese(auch) außerhalb des Haushalts. Mehr als zwei Drittel verrichten diese Tätigkeit im Ausmaß von maximal 10 Stunden pro Woche, rund 15% wendet mehr als 20 Stunden pro Woche dafür auf. Auch bei der Analyse nach Pflegestufe ist zunächst anzumerken, dass die Einstufung der gepflegten Person einem großen Teil der befragten Personen nicht bekannt ist. Sehr viele der betreuten Menschen weisen eine mittlere Pflegestufe auf(78%, bei denen eine Einstufung von 1 bis 7 bekannt ist, liegen innerhalb der Stufen 2 bis 5). Tab. 21: Ort der Pflege, Pflegeausmaß und Pflegestufe(in%) Pflege alle Befragte Split Deklarierte keine Pflege innerhalb des Haushalts außerhalb des Haushalts innerhalb und außerhalb des Haushalts keine Angabe nicht gefragt(anderer Split) %% 36 73 24 59 <1 1 6 12 50--%% --- 84 --- 5 --- 11 --- 1 ----------% --30 66 4 ----Ausmaß der Pflege keine Pflege bis zu 10 Std. pro Woche mehr als 10 und bis zu 20 Std. mehr als 20 Std. Ausmaß unbekannt keine Angabe nicht gefragt(anderer Split) %% 36 73 48 12 12 12 6 12 50--%% 84 86 10 10 22 22 2------------% --68 17 15 ------Pflegestufe der gepflegten Person%%%%% keine Einstufung Pflegestufe 1 Pflegestufe 2 Pflegestufe 3 Pflegestufe 4 Pflegestufe 5 Pflegestufe 6 Pflegestufe 7 Einstufung/ Pflegestufe unbekannt ---------------------------------------------41 50 67 79 10 12 8 10 78 22 22 19----14 18 23 20 16 4 4 --Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Einige Fragen wurden nach Zufallsauswahl nur an die Hälfte der Befragten gerichtet(Split A oder Split B). Zu diesen zählten auch die Fragen zu Betreuung und Pflege. Zudem haben einige Personen, denen die Fragen gestellt wurden, diese nicht beantwortet. U nter„Deklarierte“ sind jene Personen zu verstehen, die die jeweilige Frage gestellt bekamen und auch beantwortet haben. 23 Der Anteil der Frauen und Männer, die unbezahlte Pflegearbeit leisten ist dabei etwa gleich groß, allerdings ist unter den Frauen der Anteil jener, die mehr als 20 Stunden in der Woche Betreuungs- und Pflegearbeit leisten, höher als unter den Männern(17 bzw. 14%). Beim Ort der Pflege kann ein weiterer leichter Unterschied ausgemacht werden: Im Vergleich zu Männern gibt ein größerer Anteil der Frauen an, außerhalb des eigenen Haushalts eine Person unbezahlt zu pflegen. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Gesundheit, Alter und Pflege S e i t e| 75 Die Beurteilung des Wiener Gesundheits- und Betreuungssystems Dieser Abschnitt widmet sich der Entwicklung der Zufriedenheit mit dem Wiener Gesundheitssystem. Hier gilt es erstens festzuhalten, dass sich die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem auf hohem Niveau befindet. Der Anteil der mit dem Gesundheitswesen sehr zufriedenen oder zufriedenen Personen liegt in jeder Erhebung zwischen 73 und 80%, bei der Nähe zu Gesundheitseinrichtungen sogar zwischen 85 und 89%. Die Werte steigen hier von 2003 bis 2013 leicht an, bevor sie wieder ans Ursprungsniveau zurückkehren. Etwas schlechter als das Gesundheitssystem wird das Betreuungsangebot für ältere Menschen beurteilt. Hier zeigt sich jedoch im Zeitverlauf eine eindeutige Zunahme des Anteils der Zufriedenen. Waren 2003 etwa 62% mit dem Betreuungsangebot für ältere Menschen sehr zufrieden oder zufrieden, sind es 15 Jahre später rund 67%. Abb. 54: Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem. 2003-2018(in%) 100% 90% 88 80% 89 80 70% 74 77 60% 62 64 65 50% 85 73 67 40% 2003 2008 2013 2018 Gesundheitswesen Nähe zu Gesundheitseinrichtungen Betreuungsangebot für alte Menschen Quelle: WLQ-Studien 2003-2018; eigene Berechnungen. Summe über die Antwortkategorien„sehr zufrieden“ und „zufrieden“. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 76| S e i t e Lebensstile und subjektive Lebensqualität 9. Lebensstile und subjektive Lebensqualität Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Einteilung der Wienerinnen und Wiener in unterschiedliche Typen der Lebensführung und der Entwicklung der subjektiven Lebensqualität in Wien. Die Typisierung der Lebensführung wird nach Stelzer und Heyse reproduziert 24 und für die Wiener Bevölkerung umgesetzt. Mit Blick auf die Lebensführungstypologie wird u.a. analysiert, ob die Lebensführung einen Erklärungswert für die Wahl des Verkehrsmittels liefert. Schließlich wird die Entwicklung der subjektiven Lebensqualität nach Lebensbereichen im Zeitverlauf dargestellt und geprüft, welche Lebensbereiche besonders stark zur allgemeinen Lebenszufriedenheit beitragen. 9.1. Lebensstile – Theorie und Operationalisierung(Messung) Stelzer und Heyse haben mithilfe von 14 Fragen zwölf Typen der Lebensführung unterschieden. Diese spannen sich entlang der beiden Dimensionen Ausstattungsniveau und Biographische Route auf(Stelzer& Heyse, 2016). Beide Dimensionen werden mit sieben Items abgefragt 25 . Damit wird einerseits der vertikalen Schichtung der Gesellschaft, andererseits der strukturierenden Wirkung von Lebenszyklus und Lebenslauf Rechnung getragen(vgl. Otte, 2008, p. 75) 26 . Das Ausstattungsniveau bezieht sich dabei nicht auf die objektive Verfügbarkeit von Ressourcen, sondern auf den subjektiven Umgang mit Ressourcen und deren Bewertung(Otte, 2008, p. 77). Gleiches gilt für die Dimension der biographischen Route: Die Position im Lebenslauf wird nicht über das Alter abgefragt, sondern über die Einstellung der Befragten zu der eigenen Biographie und den eigenen Zukunftsvorstellungen. Durch die Verkreuzung dieser beiden Dimensionen haben Stelzer und Heyse zwölf Typen der Lebensführung beschrieben. 24 https://www.researchgate.net/profile/Marius_Stelzer/publication/304023362_Die_Lebensfuhrungstypologie_Milieudiagnose_v2/links/5763bfe708ae570d6e15cb5e/Die-Lebensfuehrungstypologie-Milieudiagnosev2.pdf?origin=publication_detail. 25 Es konnte auf einer vierstufigen Skala angegeben werden, ob die Aussage voll und ganz zutrifft, eher zutrifft, weniger zutrifft oder überhaupt nicht zutrifft, wobei die Items für die Befragung in Wien angepasst wurden und nicht exakt mit den Fragen von Stelzer und Heyse übereinstimmen. Die Items wurden den beiden Dimensionen folgendermaßen zugeordnet: Ausstattungsniveau In meinem Leben lege ich Wert auf Bescheidenheit. Ich lege großen Wert darauf, gründlich informiert zu werden, um Hintergründe und Zusammenhänge besser zu verstehen. Gutes Essen und Trinken spielt in meinem Leben eine große Rolle. Ich leiste mir gerne teure Sachen. Ich führe gerne Gespräche über Kunst und Kultur. Bei Neuanschaffungen achte ich besonders auf hochwertige Materialien oder exklusives Design. Mir ist es wichtig, jedes Monat zumindest einen kleinen Betrag zu sparen. Biographische Route Neuen Dingen stehe ich erst einmal abwartend gegenüber. Ich habe ehrgeizige Pläne und Ziele und will im Leben weiterkommen. Mir ist unwohl, wenn sich in meinem Leben etwas ändert. Was ich will ist Spaß, Abwechslung und Unterhaltung. Ich bin diszipliniert und pflichtbewusst. Für mich ist es wichtig, im Leben möglichst viele verschiedene Dinge auszuprobieren. Ich habe oft den Drang etwas Großartiges und Neues zu erleben. 26 Die Lebensstilforschung versteht sich damit als Erweiterung der Schicht- und Klassenmodelle, welche die Gesellschaft nur anhand vertikal geordneter Eigenschaften analysiert(Burzan, 2011; Isengard, 2005; Otte& Rössel, 2011). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Lebensstile und subjektive Lebensqualität S e i t e| 77 Die Typisierung der Lebensführung Empirisch kann für Wien anhand der Daten der Wiener Lebensqualitätsstudie von 2018 festgestellt werden, dass Reflexive Avantgardisten und Limitiert-Traditionelle mit jeweils 12% die häufigsten Typen sind(siehe Tab. 22); diese sind insofern extreme Typen, als sie in den beiden Dimensionen der Typenbildung besonders hohe bzw. niedrige Ausprägungen einnehmen. Nur jeweils 5% der Befragten werden den Gehoben-Konservativen und Jugendkulturell-Unterhaltungssuchenden zugerechnet; auch diese Lebensstile nehmen in den beiden Dimensionen der Lebensführungstypologie die Randpositionen ein. Mittlere Gruppen wären z.B. die Bürgerlich-Leistungsorientierten und die StatusorientiertBürgerlichen, zu denen sich 10 bzw. 8% der Befragten zuordnen lassen. Tab. 22: Typen der Lebensführung in Wien(in%) Biographische Schließung Biographische Etablierung Gehobenes Ausstattungsniveau GehobenKonservative 5 StatusbewusstArrivierte 6 Biographische Konsolidierung LeistungsbewusstIntellektuelle 9 Biographische Offenheit Reflexive Avantgardisten 12 Mittleres Ausstattungsniveau Solide Konventionelle 8 StatusorientiertBürgerlichBürgerliche Leistungsorientierte 8 10 ExpeditivPragmatische 11 Niedriges Ausstattungsniveau LimitiertTraditionelle 12 DefensivBenachteiligte 8 KonsumMaterialisten 6 Jugendkulturell Unterhaltungssuche nde 5 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Anmerkungen: die Operationalisierung folgt dem Konzept von Stelzer/ Heyse. Eine Unterscheidung nach soziodemographischen Merkmalen zeigt, dass sich die Wienerinnen und Wiener vor allem nach Altersgruppen in den Lebensstilen unterscheiden (Tab. 23). Die über 60-jährigen sind in der Dimension Biographische Route in den Spalten Biographische Schließung und Biographische Etablierung stärker vertreten, während die unter 30-jährigen stärker als die Gesamtbevölkerung in den Spalten der Biographischen Konsolidierung und Biographischen Offenheit vertreten sind. Dem Alter kommt insofern eine wichtige Bedeutung in der Konzeption der Lebensstile zu, als es durchaus in der Dimension der biographischen Route eine Rolle spielen soll; diese Dimension soll das Lebensalter der Personen abbilden. Allerdings wird durch das Verwenden dieser Skala über die Abfrage des bloßen Alters hinausgegangen, da auch ältere Personen offen gegenüber Neuem sein können, während dies nicht notwendigerweise – wenn auch in erheblichem Maße – für jüngere gilt. Die Skala bildet also das Alter ab, lässt aber den Raum für alte Junge und junge Alte offen. Bei den anderen soziodemographischen Merkmalen Geschlecht, Bildung und Migrationshintergrund konnten keine größeren Unterschiede zwischen den Gruppen festgestellt werden. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 78| S e i t e Lebensstile und subjektive Lebensqualität Tab. 23: Verteilung der Typen der Lebensführung in Wien innerhalb von Altersgruppen(in%) Lesebeispiel: Innerhalb der unter 30-jährigen können um vier Prozentpunkte weniger Personen den GehobenKonservativen zugerechnet werden als in der gesamten Bevölkerung. Eine violette Hinterlegung der Zelle bedeutet, dass dieser Typ innerhalb dieser Tätigkeitsgruppe im Verhältnis zur Verteilung in der Gesamtbevölkerung relativ häufig auftritt; Typen, die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung selten auftreten sind blau hinterlegt; ein hellerer Zellenhintergrund verweist darauf, dass dieser Typ in der jeweiligen Altersgruppe ähnlich häufig auftritt wie in der Gesamtbevölkerung. Biographische Biographische Biographische Biographische Schließung Etablierung Konsolidierung Offenheit GehobenKonservative Statusbewusst- Leistungsbewusst- Reflexive Arrivierte Intellektuelle Avantgardisten Unter 30-4-2 3 5 30-44-2-2 0 1 45-59 0 1 0-1 60+ 5 2-2-4 Solide Statusorientiert- Bürgerlich- ExpeditivKonventionelle Bürgerliche Leistungsorientierte Pragmatische Unter 30-6-3 1 6 30-44-3 0 2 2 45-59 2 0 0-2 60+ 7 2-3-5 LimitiertTraditionelle DefensivBenachteiligte KonsumMaterialisten Jugendkulturell Unterhaltungssuche nde Unter 30-7 1 1 4 30-44-3 1 1 1 45-59 2-1 0-1 60+ 7-1-3-4 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Unterscheidet man die Befragten nach ihrer Haupttätigkeit, kann man interessante Differenzen in deren Lebensstile feststellen(siehe Tab. 24). Selbstständige kann man häufiger als Leistungsbewusst-Intellektuelle oder Reflexive Avantgardisten kategorisieren als dies für die Gesamtbevölkerung der Fall ist. Arbeitslose, Haushaltsführende und sonstige Nicht-Berufstätige können stärker den Typen mit niedrigem kulturellen und ökonomischen Ausstattungsniveau zugerechnet werden – also den Limitiert-Traditionellen, DefensivBenachteiligten, Konsum-Materialisten und Jugendkulturell-Unterhaltungssuchenden. Die oben beschriebene Verteilung der Typen auf Altersgruppen spiegelt sich auch in der Haupttätigkeit wieder. Während Reflexive Avantgardisten, Expeditive Pragmatische und Jugendkulturell-Unterhaltungssuchende in der Gruppe der SchülerInnen und Studierenden stärker vertreten sind, finden sich Gehobene Konservative, Solide-Konventionelle und Limitiert-Traditionelle besonders häufig unter den Pensionistinnen und Pensionisten Wiens. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Lebensstile und subjektive Lebensqualität S e i t e| 79 Tab. 24: Verteilung der Typen der Lebensführung in Wien innerhalb von Tätigkeitsgruppen(in %) Lesebeispiel: Innerhalb der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können um einen Prozentpunkt weniger Personen den Gehoben-Konservativen zugerechnet werden als in der gesamten Bevölkerung. Eine violette Hinterlegung der Zelle bedeutet, dass dieser Typ innerhalb dieser Tätigkeitsgruppe im Verhältnis zur Verteilung in der Gesamtbevölkerung relativ häufig auftritt; Typen, die im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung selten auftreten sind blau hinterlegt; ein hellerer Zellenhintergrund verweist darauf, dass dieser Typ in der jeweiligen Tätigkeitsgruppe ähnlich häufig auftritt wie in der Gesamtbevölkerung. GehobenKonservative StatusbewusstArrivierte Leistungsbewuss tIntellektuelle Reflexive Avantgardisten ArbeitnehmerInnen-1 0 1 1 Selbstständige-1 1 5 7 Arbeitslose-3-3-1-2 PensionistInnen 5 2-2-5 Hausmann/-frau(inkl. Karenz)-2-2 1-5 SchülerInnen, Studierende-4-3-1 7 Sonstige Nicht-Berufstätige-4 Solide Konventionelle -2-1 StatusorientiertBürgerliche BürgerlichLeistungsorientie rte -2 ExpeditivPragmatische ArbeitnehmerInnen 0011 Selbstständige-4-1-1 2 Arbeitslose-5-1 1 1 PensionistInnen 6 2-3-5 Hausmann/-frau(inkl. Karenz)-1-1 2-1 SchülerInnen, Studierende-7-2 2 10 Sonstige Nicht-Berufstätige-3 LimitiertTraditionelle -2 DefensivBenachteiligte -3 KonsumMaterialisten -1 Jugendkulturell Unterhaltungssu chende ArbeitnehmerInnen-3 0 0 0 Selbstständige-7-1 0 0 Arbeitslose 3245 PensionistInnen 8-1-3-4 Hausmann/-frau(inkl. Karenz) 2 5 3 1 SchülerInnen, Studierende-8-1 1 6 Sonstige Nicht-Berufstätige 5 4 3 4 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Auch nach Bezirken lassen sich Unterschiede in der Verteilung der Lebensstiltypen feststellen. In Abb. 55 sind die Anteile der Gehoben-Konservativen, Reflexiven Avantgardisten und Limitiert-Traditionellen an der Bevölkerung im jeweiligen Bezirk angeben. Der Gehoben-Konservative Typ konnte am häufigsten im Bezirk Innere Stadt ausgemacht werden. In den daran angrenzenden Bezirken Leopoldstadt, Margarethen, Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund können über 15% der Bevölkerung den Reflexiven Avantgardisten zugerechnet werden. In zweien dieser Bezirke – dem 6. und dem 8. – konnten auch besonders wenige Limitiert-Traditionelle identifiziert werden. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 80| S e i t e Lebensstile und subjektive Lebensqualität Abb. 55: Gehoben-Konservative, Reflexive Avantgardisten und Limitiert-Traditionelle Lebensführungstypen nach Bezirk(in%) GehobenKonservative 23 22 Reflexive Avantgardisten 1 20% 2 3 21 15% LimitiertTraditionelle 4 20 10% 5 19 5% 0% 18 6 7 17 16 15 14 13 8 9 10 11 12 Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Lebensstil als erklärende Variable für die Wahl des Verkehrsmittels Ein wichtiges Ziel der Verwendung der Wiener Lebensführungstypologie ist es, das Verhalten und die Einstellungen der Wienerinnen und Wiener über die Zugehörigkeit zu einem Lebensführungstypus zusätzlich erklären zu können(neben den klassischen sozialstrukturellen Merkmalen wie Alter, Bildung, Haushaltstyp). In diesem Abschnitt soll dies beispielhaft anhand der Häufigkeit, das Auto als Verkehrsmittel zu wählen, dargestellt werden. Diese Art von Erklärungsmodell wird im Endbericht und in den Teilberichten noch weiter ausgebaut. Modell I berichtet den Effekt der unterschiedlichen Lebensführungstypen in Relation zum Typus Limitiert-Traditionell ohne Kontrolle für andere Eigenschaften der Personen. Mit Ausnahme der Typen Konsum-Materialisten und Jugendkulturell Unterhaltungssuchenden ist für alle anderen Typen die Chance relativ zur Referenzkategorie(Limitiert-Traditionelle) höher, mehrmals pro Woche oder öfter das Auto zu verwenden. Wie oben beschrieben, können in unterschiedlichen Lebensführungstypen unterschiedliche soziostrukturelle und demographische Konstellationen vorgefunden werden. In Modell II werden daher die Effekte der Lebensstile unter Kontrolle der Hauptaktivität, Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Lebensstile und subjektive Lebensqualität S e i t e| 81 Armutsindikatoren 27 und Bezirke angegeben. Durch das Aufnehmen dieser Kontrollvariablen in das Modell unterscheidet sich der Typus Solide Konventionelle nicht mehr signifikant vom Typus Limitiert-Traditionelle. Für Gehoben-Konservative kann, im Vergleich mit der Referenzkategorie noch der Trend festgestellt werden, eher mehrmals pro Woche das Auto zu nutzen; dieser Effekt ist allerdings schwächer als in Modell I. Tab. 25: Logistische Regressionsanalyse: Erklärung der Wahl des Autos als Verkehrsmittel Lesebeispiel: Im Vergleich zur Referenzkategorie haben(in Modell I) Gehoben-Konservative eine um den Faktor 1,56 erhöhte Chance mehrmals pro Woche das Auto als Verkehrsmittel zu nutzen. Modell I Modell II Modell III Einflussfaktoren Lebensführungstyp Gehoben-Konservative Statusbewusst-Arrivierte Leistungsbewusst-Intellektuelle Reflexive Avantgardisten Solide Konventionelle Statusorientiert-Bürgerliche Bürgerlich-Leistungsorientierte Expeditiv-Pragmatische Limitiert-Traditionelle Defensiv-Benachteiligte Konsum-Materialisten Odds Ratios Odds Ratios Odds Ratios 1.56** 1.56** 1.65*** 1.61*** 1.42** 1.43** 1.56*** 1.27* Ref. 1.63*** 1.02 1.33+ 1.38* 1.55** 1.57*** 1.23 1.35* 1.54** 1.30* Ref. 1.64*** 0.98 1.33+ 1.40* 1.62** 1.73*** 1.22 1.35* 1.61*** 1.36* Ref. 1.60** 1.02 Jugendkulturell Unterhaltungssuchende 0.97 1.07 1.12 Kontrolliert für Hauptaktivität ja ja Armutsindikatoren ja ja Bezirk ja ja Geschlecht, Alter, Bildung ja Migrationshintergrund ja Erhebungsmethode ja ja ja N 5535 5535 5535 Nagelkerkes. R² 0.01 0.13 0.19 Konstante(Std.-Fehler)-0.64(0.12)-0.72(0.16)-0.46(0.23) Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Signifikanzniveaus:+ p< 0,1;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001. Im Kapitel zu Stadtentwicklung, Mobilität, Umwelt wurde diskutiert, dass die Wahl des Verkehrsmittels auch von soziodemographischen Merkmalen abhängt. Modell III ist zu entnehmen, dass die Effekte der Lebensstile auf die Entscheidung, häufiger das Auto als Verkehrsmittel zu verwenden, aufrecht bleiben, auch wenn man für sozialstrukturelle und soziodemographische Merkmale kontrolliert 28 . Die Limitiert-Traditionellen unterscheiden sich dabei besonders stark vom Reflexiv-Avantgardistischen Typ. 27 Drei Armutsindikatoren wurden für Modell II und Modell III verwendet: Einkommensarmut, Unterversorgung (Leistbarkeit von Kleidung, Urlaub, Heizung, Arztbesuch, Bekannte oder Verwandte einladen nicht möglich) und Mangel an Wohnraum. 28 Der Erklärungsbeitrag der Lebensstile alleine ist allerdings relativ gering(siehe Nagelkerkes R 2 in Modell I). Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 82| S e i t e Lebensstile und subjektive Lebensqualität 9.2. Subjektive Lebensqualität Lebenszufriedenheit und Zufriedenheit mit Lebensbereichen Knapp 80% der Befragten geben an, insgesamt mit ihrer Lebenssituation(allgemeine Lebenszufriedenheit/ Lebenszufriedenheit) sehr oder eher zufrieden zu sein. In den unterschiedlichen Lebensbereichen sind die meisten Personen mit der familiären Situation (rund 85%) und den Sozialkontakten(rund 80%) zufrieden. Die geringste Zufriedenheit kann für Lern- und Weiterbildungsaktivitäten und für die finanzielle Situation des Haushalts (jeweils rund zwei Drittel sehr oder eher zufrieden) berichtet werden(siehe Abb. 56). Abb. 56: Zufriedenheit in unterschiedlichen Lebensbereichen und Zufriedenheit mit der Lebenssituation insgesamt(Lebenszufriedenheit)(in%, gereiht nach Mittelwert) Familiäre Situation Sozialkontakten Haupttätigkeit Gesundheitszustand Freizeitaktivitäten Lern- und Weiterbildungsaktivitäten Finanzielle Situation 54 51 41 36 37 34 31 28 11 4 3 30 13 4 2 36 15 4 4 38 17 5 4 31 19 8 4 32 23 7 5 34 21 8 6 Lebenssituation gesamt 41 38 15 3 2 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Note 1(sehr zufrieden) Note 2 Note 3 Note 4 Note 5(gar nicht zufrieden) Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Schlüsselt man die Zufriedenheit mit der Lebenssituation insgesamt nach soziodemographischen Merkmalen auf(siehe Abb. 57), fällt auf, dass die Lebenszufriedenheit mit steigendem Alter und steigender Bildung zunimmt. Die höchsten Zufriedenheitswerte weisen demnach Personen ab 60 Jahren und Personen mit Hochschulabschluss auf. Auch Personen ohne Migrationshintergrund sind zufriedener als Befragte mit Migrationshintergrund. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Lebensstile und subjektive Lebensqualität S e i t e| 83 Abb. 57: Lebenszufriedenheit nach Geschlecht, Alter, Bildung und Migrationshintergrund(in %) Gesamt 41 38 15 3 2 Geschlecht Frauen 42 38 15 3 2 Männer 40 39 15 4 2 Alter Unter 30 38 35 20 4 3 30-44 34 42 17 4 2 45-59 41 39 14 4 2 60+ 53 36 9 21 Bildung Pflichtschule 36 31 21 6 6 Lehre/BMS 36 38 19 4 3 Matura/Meister 42 40 13 3 2 Universität 48 39 10 21 Migrationshintergrund keiner 42 39 13 3 2 1. Generation 36 40 18 4 2 2. Generation 41 35 17 4 3 0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% Note 1(sehr zufrieden) Note 2 Note 3 Note 4 Note 5(gar nicht zufrieden) Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Es ist nun naheliegend davon auszugehen, dass die Lebenszufriedenheit insgesamt durch die Zufriedenheit in den jeweiligen Lebensbereichen erklärt werden kann. In den Modellen I bis III(siehe Tab. 26) kann diese These bestätigt werden, wobei der Zufriedenheit mit den Freizeitaktivitäten wesentlich weniger Bedeutung zukommt wie den anderen Lebensbereichen. Weiters wurde im Modell II für die ökonomische Ausstattung der Befragten kontrolliert. Während Einkommensarmut auf Haushaltsebene keinen signifikanten Einfluss auf die allgemeine Lebenszufriedenheit hat, ist dies für Unterversorgung(siehe Fußnote 27) und mangelnden Wohnraum sehr wohl der Fall. Die Lebenszufriedenheit nimmt bei Unterversorgung mit Konsumgütern und Mangel an Wohnraum ab. Die Kontrolle nach Armutslagen verringert – wenig überraschend – den Effekt der Zufriedenheit der finanziellen Situation auf die Lebenszufriedenheit, wobei dieser Effekt trotzdem signifikant bleibt. In Modell III wird noch für soziodemographische Merkmale kontrolliert, die Effekte der Lebensbereiche und Armutslagen bleiben aber stabil. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 84| S e i t e Lebensstile und subjektive Lebensqualität Tab. 26: Lineare Regressionsanalyse: Erklärung der Lebenszufriedenheit Lesebeispiel: Die Tabelle berichtet standardisierte Regressionskoeffizienten. Diese erlauben einen direkten Vergleich der Effektstärken zwischen unterschiedlichen Variablen. Werte mit einem positiven Vorzeichen bedeuten, dass die jeweilige Gruppe im Vergleich zur Referenzgruppe zufriedener mit der eigenen Lebenssituation ist. Modell I Modell II Modell III Einflussfaktoren Zufriedenheit mit… … Gesu ndheitszustand … Haupttätigkeit … finanzieller Situation … Freizeitaktivitäten … familiärer Situation … Sozialkontakten … Lern - und Weiterbildungsaktivitäten B 0.18*** 0.15*** 0.18*** 0.03** 0.19*** 0.16*** 0.12*** B 0.18*** 0.14*** 0.14*** 0.03*** 0.19*** 0.16*** 0.12*** B 0.18*** 0.14*** 0.14*** 0.03** 0.19*** 0.16*** 0.12*** Indikatoren Armut(Ref.: nicht arm) Einkommensarmut-0.05-0.04 Materielle Deprivation-0.21**-0.21** Mangel an Wohnraum-0.11**-0.10* Kontrolliert für Geschlecht, Alter, Bildung ja Migrationshintergrund ja Erhebungsmethode ja ja ja N 3915 3915 3915 Korr. R² 0.61 0.61 0.62 Konstante(Std.-Fehler) 0.10(0.07) 0.31(0.07) 0.21(0.08) Quelle: WLQ-Studie 2018; eigene Berechnungen. Signifikanzniveaus:+ p< 0,1;* p< 0,05;** p< 0,01;*** p< 0,001; Die Zufriedenheit wurde auf einer 5-stufigen Skala abgefragt(rekodiert: sehr zufrieden= 5 bis gar nicht zufrieden= 1) Die Entwicklung der Zufriedenheit im Zeitverlauf In diesem Abschnitt wird die Entwicklung der Zufriedenheit in zwei ausgewählten Lebensbereichen und die der Lebenszufriedenheit insgesamt in den letzten 25 Jahren behandelt. Insgesamt ist die Zufriedenheit in den letzten Jahren in etwa gleichgeblieben, wobei der Anteil der eher Zufriedenen seit 2003 eher gesunken ist, während der Anteil der sehr Zufriedenen in den letzten 15 Jahren eher angestiegen ist(Abb. 58). Abb. 58: Lebenszufriedenheit. 1995-2018(in%) 50% 42 46 44 43 41 40% 41 41 42 38 38 30% 20% 13 12 10% 2 2 0% 1 1 1995 2003 Note 1(sehr zufrieden) Note 2 13 2 1 2008 Note 3 Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 15 12 23 12 2013 2018 Note 4 Note 5(gar nicht zufrieden) Lebensstile und subjektive Lebensqualität S e i t e| 85 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. Die Zufriedenheit mit den Sozialkontakten ist in den letzten 25 Jahren eher gesunken(siehe Abb. 59), auch wenn diese dabei auf hohem Niveau verbleibt. Während 1995 bis 2013 rund 90% der Befragten angaben, mit ihren Sozialkontakten zufrieden zu sein, vergeben 2018 nur mehr rund 80% die Noten 1 und 2. Abb. 59: Zufriedenheit mit den Sozialkontakten. 1995-2018(in%) 70% 60% 59 57 52 59 50% 40% 37 31 31 29 30% 51 30 20% 10% 0% 7 2 1 1995 Note 1(sehr zufrieden) 8 2 1 2003 Note 2 9 2 1 2008 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. Note 4 13 9 24 12 2013 2018 Note 5(gar nicht zufrieden) Abschließend wird noch ein Blick auf die Entwicklung der Zufriedenheit mit der finanziellen Situation des Haushalts geworfen, ein sehr wichtiges Thema in der Zufriedenheitsforschung (siehe Abb. 60). Relativ konstant bewertet hier ein Drittel der Befragten die eigene Situation mit den Noten 3 bis 5(weder zufrieden, noch nicht zufrieden bis gar nicht zufrieden). Der Anteil der sehr zufriedenen stieg jedoch um knapp 10 Prozentpunkte, während der Anteil der eher zufriedenen um ebenfalls knapp 10 Prozentpunkte sank. Es kann also eine Steigerung der mittleren Zufriedenheit mit der finanziellen Situation des eigenen Haushalts festgestellt werden. Abb. 60: Zufriedenheit mit der finanziellen Situation des Haushalts. 1995-2018(in%) 50% 43 40% 39 38 34 30% 23 29 31 31 20% 22 23 21 21 10% 8 6 6 8 5 0% 2003 Note 1(sehr zufrieden) 3 2008 Note 2 Note 3 Quelle: WLQ-Studien 1995-2018; eigene Berechnungen. 4 2013 Note 4 6 2018 Note 5(gar nicht zufrieden) Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 86| S e i t e Fazit 10. Fazit Dieser Bericht liefert eine erste umfassende Darstellung zentraler Befunde der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018. Jedes Kapitel dieses Berichts enthält besonders relevante Befunde. Außerdem wurden jeweils auch die neuen Themen der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 in den Mittelpunkt gerückt, wie etwa die Frage der Bewertung des Stadtwachstums, die Nutzung des Internets oder auch die neue Lebensstiltypologie. Abschließend werden erste Ergebnisse der Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 nun hier im Rahmen des Fazits zusammengefasst. Wien im Europa- und Zeitvergleich Die sozialwissenschaftliche Forschung zu Städten ist oft mit der Einschränkung konfrontiert, dass international vergleichbare Daten zumeist nur auf der Ebene von Nationalstaaten, und manchmal nur für Bundesländer, verfügbar sind. Der„Urban Audit Perception Survey“ (UAPS), der in regelmäßigen Abständen von der Europäischen Kommission durchgeführt wird, bildet dabei eine Ausnahme. Diese Umfrage konzentriert sich auf die Erfassung der subjektiven Lebensqualität und wurde zuletzt im Jahr 2015 in 79 europäischen Städten erhoben. Dieser Datensatz bildete die Grundlage für das Kapitel „Wien im Europa - und Zeitvergleich“ . Unter anderem zeigen die Befunde, dass die allgemeine Zufriedenheit, in der jeweiligen Stadt zu leben, in den europäischen Städten mit einem durchschnittlichen Anteil von 91% zufriedenen Personen sehr hoch ausgeprägt ist. Wien befindet sich mit einer Zufriedenheitsquote von 96% im oberen Drittel der Vergleichsstädte, u.a. gemeinsam mit Graz, München und Hamburg. Am klar schlechtesten fallen die Zufriedenheitsangaben in Athen aus(67%), das noch 14 Prozentpunkte hinter Rom(81%) liegt. Im europäischen Vergleich wird die Luftqualität in Wien subjektiv besonders gut bewertet. 89% der Wienerinnen und Wiener sind mit der Luftqualität in Wien sehr oder eher zufrieden. Mit diesem Wert rangiert Wien im europäischen Spitzenfeld ex aequo mit Dublin und Helsinki. Die Zufriedenheit mit der Sauberkeit in Wien ist mit einem Anteil von 90% sehr oder eher zufriedenen Personen ebenfalls außerordentlich positiv ausgeprägt. Ähnlich hohe Zufriedenheitswerte erreichen nur Ljubljana und München mit jeweils 87%. Stadtentwicklung, Mobilität und Umwelt Dass Wien eine wachsende Stadt ist, wird von ihrer Bevölkerung mehrheitlich positiv gesehen. Insgesamt stimmen rund drei Viertel der Befragten dieser Aussage zu. Die niedrigste Zustimmungsquote finden wir bei den 45-59-jährigen, während Personen, die 60 Jahre und älter sind, dem Wachstum am positivsten gegenüberstehen. Mit steigender Bildung nimmt die positive Bewertung des Wachstums von Wien zu. Ferner zeigt sich in den meisten Lebensbereichen in Wien ein positiver Bewertungstrend. Besonders in den letzten fünf Jahren werden die Radwege und die Umweltqualität besser bewertet. Einzig bei den Wohnmöglichkeiten und dem Gesundheitswesen ist ein Rückgang der positiven Beurteilungen festzustellen. Nur noch gut die Hälfte der Menschen in Wien kommt bzgl. des Angebotes am Wohnungsmarkt zu einer positiven Einschätzung. Mit dem Gesundheitswesen sind noch etwa 73% der Bevölkerung zufrieden. Rund 90% der Wienerinnen und Wiener leben im Jahr 2018 gern in Wien. Der öffentliche Verkehr bleibt das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel: Rund 70% geben an, mehrmals pro Woche öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Mit dem Auto sind rund 40% mehrmals pro Woche Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Fazit S e i t e| 87 unterwegs. Die Zufriedenheit mit der Luftqualität ist in den äußeren Bezirken deutlich höher als in den inneren. Wohnen Mit ihrer Wohnsituation sind 2018 in Wien rund 76% der Befragten zufrieden. In Liesing, Donaustadt und Floridsdorf liegt der Anteil der Zufriedenen überdurchschnittlich bei etwa 80%. Die Ausstattung der Wohnhäuser in Wien verbessert sich aus Sicht der Menschen kontinuierlich. Die Befunde zeigen unter anderem, dass immer mehr Wohnhäuser über einen Lift(71%), einen Fahrradabstellraum(65%), begehbare Grünflächen(44%) oder einen Kinderspielplatz im Hof(40%) verfügen. Am seltensten sind die Wohnhäuser der Befragten mit einem Gemeinschaftsraum ausgestattet(23%). Dieses sehr gute Ausstattungsniveau korrespondiert teilweise mit den genannten fehlenden Einrichtungen in den Wohnhäusern. Sehr häufig wird der Wunsch nach mehr begehbaren Grünflächen, einem Lift sowie nach Fahrradabstellräumen genannt. Von einem Wohnraummangel sind die Menschen in Wien nicht gleichermaßen betroffen, hier sind klare Unterschiede zwischen verschiedenen Haushaltstypen erkennbar. Während bei den Alleinlebenden unter und ab 60 Jahren sowie bei den Paaren mit Pensionsbezug nur sehr selten ein Wohnraummangel festgestellt werden kann, sind 25% der Alleinerziehenden – hier handelt es sich mehrheitlich um alleinerziehende Frauen – und 25% der Paare mit Kindern unter 15 Jahren betroffen. Diese Differenzen zwischen den Haushaltstypen spiegeln sich bei der verfügbaren Wohnfläche und der Anzahl der Räume pro Person wider. Bildung, Diversität und Integration Das Angebot an Schulen in Wien wird von den Befragten insgesamt sehr positiv gesehen, und es gibt hier nur relativ geringe Veränderungen zwischen 1995 und 2018. Aktuell bewerten 81% der Wienerinnen und Wiener das Angebot an Schulen als sehr gut oder gut. 71% der Befragten beurteilen das Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen als hervorragend(1995: 67%). Die Frage, ob und inwiefern die Zufriedenheiten mit den jeweiligen Schultypen bzw. externen Betreuungseinrichtungen der eigenen Kinder mit der genutzten Form der Nachmittagsbetreuung korrespondieren, kann je nach Schul- bzw. Betreuungstyp etwas anders beantwortet werden. Knapp ein Drittel der Bevölkerung gibt an, sich in den letzten drei Jahren an Gemeinschaftsaktivitäten oder in ehrenamtlicher Mitarbeit in Vereinen und Organisationen beteiligt zu haben. Das durchschnittliche Einkommen von Personen mit Migrationshintergrund liegt in allen Befragungswellen der Lebensqualitätsstudie deutlich unter demjenigen von Nicht-MigrantInnen. Zugewanderte der ersten Generation stufen sich selbst durchschnittlich als am stärksten religiös ein, dahinter folgen Zugewanderte der zweiten Generation und Personen, die über keinen Migrationshintergrund verfügen. Vertiefende Regressionsanalysen bestätigen, dass der Migrationshintergrund in einem signifikanten Zusammenhang mit der Religiosität steht. Außerdem ist eine geringe Abnahme der Religiosität im Generationenvergleich festzustellen. Kultur, Freizeit und Sport Die allgemein sehr hohe Zufriedenheit mit dem Kulturangebot und dem kulturellen Leben in Wien hat sich im Betrachtungszeitraum nicht nennenswert verändert. Aktuell vergeben circa 90% die guten Noten 1 und 2. Die Benotung von Theatern fällt mit 91% sehr positiv aus. Die Bewertung von Ausstellungen und Museen ist ebenfalls von einem sehr positiven Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 88| S e i t e Fazit Einstellungstrend gekennzeichnet: 92% vergeben die Note 1 und 2 im Jahr 2018, im Jahr 2003 waren dies nur 87%. Frauen nehmen eine in jeder Hinsicht signifikant bessere Beurteilung des Kulturangebots vor als Männer. Ein recht eindeutiges Bild ist auch bei den Altersdifferenzen zu konstatieren, insofern als die älteren Wienerinnen und Wiener die besten Noten vergeben. Und auch jene mit einem höheren formalen Bildungsabschluss (Kolleg, FH, Universität) kommen bei fast allen Themen zu den besten Bewertungen. Die allgemeine Zufriedenheit mit den Freizeitangeboten in der Stadt ist im Zeitverlauf 2003 bis 2018 statistisch signifikant etwas gestiegen(87 vs. 90%). Bei der Beurteilung spezifischer Angebote ist in fast allen Fällen ein positiver Einstellungstrend festzustellen. Insgesamt gilt, dass sich die Bewertungen der Wienerinnen und Wiener hinsichtlich der Freizeitangebote in der Stadt sehr positiv gestalten. Frauen vergeben(ähnlich wie bei der Beurteilung des Kulturangebots) bessere Noten als Männer. Ebenfalls sind es vor allem Personen ab 60 Jahren, die am häufigsten die Noten 1 und 2 für die Freizeitangebote im Allgemeinen und im Einzelnen anführen. Arbeit, Wirtschaft und Digitalisierung 36% der Befragten sind mit ihrer Einkommenssituation sehr zufrieden. Ebenfalls positiv stellt sich die Sicherheit des Arbeitsplatzes(vor Verlust) aus Sicht der Befragten dar. Aktuell sind 43% der Befragten mit ihrer Wochenarbeitszeit sehr zufrieden und die Hälfte der Befragten ist aktuell mit den Gestaltungsmöglichkeiten der eigenen Arbeitszeit sehr zufrieden. 40% der Wienerinnen und Wiener sind im Jahr 2018 mit ihrer Arbeitssituation insgesamt sehr zufrieden. Tendenziell gibt es immer weniger Personen, die die Arbeitsmöglichkeiten schlecht bewerten. In Wien kann eine klare Verschiebung hin zu einer verstärkten Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel auf dem Weg zum Arbeits- bzw. Ausbildungsplatz beobachtet werden. 2018 nutzen 57% der Berufstätigen und Auszubildenden die Öffis(1995: 47%) und nur noch 20% den PKW(1995: 36%) für die Fahrt von/zum Arbeits- und Ausbildungsplatz. Durchschnittlich nutzen die Befragten das Internet fast drei Stunden pro Tag für private Zwecke. Frauen verbringen rund 40 Minuten weniger im Internet als Männer. 56% hatten online Kontakte zu öffentlichen Stellen, was auf eine relativ breite Akzeptanz der OnlineAngebote der Gemeinde Wien schließen lässt. Allerdings sagen 59% der Befragten in Wien, dass sie eher nicht oder auf keinen Fall mehr Aktivitäten über das Internet organisieren und erledigen wollen. Ein weiterer Ausbau digitaler Angebote würde daher nicht unbedingt auf eine breite Akzeptanz stoßen bzw. sollten alternative Möglichkeiten der Erledigung erhalten bleiben. Vereinbarkeit von Familie und Beruf Betrachtet man die Summe der Haushalte, in denen Kinder unter 15 Jahren leben, so ist festzuhalten, dass es sich bei rund 72% um Paar-Haushalte handelt. Etwa 28% sind EinEltern-Haushalte. Rund ein Viertel der Kinder unter 15 Jahren lebt in einem Ein-ElternHaushalt, wobei es sich bei rund drei Viertel der Ein-Eltern-Haushalte um Mutter-KindHaushalte handelt. Etwa 62% wachsen derzeit gemeinsam mit anderen Kindern unter 15 Jahren im Haushalt auf. Die Befragten aus Paar-Haushalten mit drei oder mehr Kindern (34%) und aus Ein-Eltern-Haushalten(28 bzw. 24%) weisen die geringsten Anteile an vollzeiterwerbstätigen Personen auf. Vor allem unter den Befragten aus Ein-ElternHaushalten gibt es vergleichsweise große Anteile an Studierenden. Betrachtet man das jüngste Kind, so werden rund 46% der Kinder unter 3 Jahren und 97% der Kinder zwischen 3 und 5 Jahren institutionell betreut. Die Betreuung findet in diesem Alter einerseits bei der Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Fazit S e i t e| 89 Tagesmutter oder in der Kinderkrippe und andererseits im Kindergarten oder der Kindergruppe statt. Die Zufriedenheit mit diesen Betreuungseinrichtungen ist hoch. Die unbezahlte Familienarbeit – Hausarbeit oder Kinderbetreuung – wird zum überwiegenden Teil von Frauen erledigt. Besonders ungleich ist die Aufteilung der Hausarbeit bei Paaren mit türkischem Migrationshintergrund. Auch bei WienerInnen ohne Migrationshintergrund ist die Aufteilung vergleichsweise häufig zulasten der Frauen. Ein Viertel der Befragten gibt an, dass sich ihre Berufstätigkeit sehr häufig negativ auf ihr Familienleben auswirkt. Rund 11% finden, dass ihr Familienleben negative Auswirkungen auf ihre Berufstätigkeit hat. Gesundheit, Alter und Pflege Die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem befindet sich auf hohem Niveau. Der Anteil der mit dem Gesundheitswesen sehr zufriedenen oder zufriedenen Personen liegt in jeder Erhebung zwischen 73 und 80%, bei der Nähe zu Gesundheitseinrichtungen zwischen 85 und 89%. Etwas schlechter als das Gesundheitssystem wird das Betreuungsangebot für ältere Menschen beurteilt. Zu allen vier Erhebungszeitpunkten sind zwischen 75 und 79% der Befragten mit ihrer Gesundheit zufrieden. Lediglich 6% der Wienerinnen und Wiener sind im Jahr 2018 der Ansicht, dass ihr physischer Gesundheitszustand schlecht ist. Hinsichtlich des psychischen Gesundheitszustands zeigt sich, dass 69% der Befragten gar nicht oder nur selten negative Gefühle wie Traurigkeit, Verzweiflung, Angst oder depressive Verstimmungen hatten. Rund 12% berichten, oft oder fast immer an diesen zu leiden. In Regressionsanalysen zeigt sich, dass jüngere Personen(unter 30) im Durchschnitt zwar über eine bessere physische Gesundheit, jedoch auch über eine schlechtere psychische Gesundheit verfügen. Frauen weisen im Durchschnitt eine schlechtere physische Gesundheit auf als Männer, im Gegenzug aber eine bessere psychische Gesundheit. Grundsätzlich gilt, dass mit höherem Einkommen eine bessere physische und psychische Gesundheit einhergeht. Etwa 16% der Wienerinnen und Wiener erbringen unbezahlt regelmäßige Pflege- oder Betreuungsleistungen an einer erwachsenen und hilfsbedürftigen Person. Lebensstile und subjektive Lebensqualität Empirisch kann für Wien anhand der Daten der Wiener Lebensqualitätsstudie von 2018 festgestellt werden, dass Reflexive Avantgardisten und Limitiert-Traditionelle mit jeweils zwölf% die häufigsten Typen der eingesetzten Lebensstiltypologie sind. Eine Unterscheidung nach soziodemographischen Merkmalen zeigt, dass sich die Wienerinnen und Wiener vor allem nach Altersgruppen in den Lebensstilen unterscheiden. Der Gehoben-Konservative Typ konnte am häufigsten im Bezirk Innere Stadt ausgemacht werden. In den daran angrenzenden Bezirken Leopoldstadt, Margarethen, Mariahilf, Neubau, Josefstadt und Alsergrund können über 15% der Bevölkerung den Reflexiven Avantgardisten zugerechnet werden. Knapp 80% der Befragten geben an, insgesamt mit ihrer Lebenssituation sehr oder eher zufrieden zu sein. In den unterschiedlichen Lebensbereichen sind die meisten Personen mit der familiären Situation(rund 85%) und den Sozialkontakten(rund 80%) zufrieden. Die geringste Zufriedenheit kann für Lern- und Weiterbildungsaktivitäten und für die finanzielle Situation des Haushalts berichtet werden. Die Lebenszufriedenheit nimmt mit steigendem Alter und steigender Bildung zu. Die höchsten Zufriedenheitswerte weisen dementsprechend Personen ab 60 Jahren und Personen mit Hochschulabschluss auf. Auch Personen ohne Migrationshintergrund sind zufriedener als Befragte mit Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 90| S e i t e Fazit Migrationshintergrund. Insgesamt ist die Lebenszufriedenheit in den letzten Jahren in etwa gleichgeblieben. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III Datenbasis S e i t e| 91 Datenbasis Die Auswertungen im vorliegenden Bericht beziehen sich – sofern nicht anders angeführt – auf die fünf Erhebungswellen der Wiener Lebensqualitätsstudie(WLQ-Studie). Im Folgenden werden die wesentlichsten Eckdaten dieser Erhebungen angeführt. Wiener Lebensqualitätsstudie 1995 („Leben in Wien“)  Befragungszeitraum: Juli 1994 bis Oktober 1995  Art der Befragung: rund 8.300„Face -toface“ -Interviews mit in Wien lebenden Personen ab 15 Jahren  weitere 400 Personen wurden im Zuge einer Aufstockung der Stichprobe im URBAN-IIund im Ziel-2-Gebiet befragt(diese Interviews wurden in den Folgestudien und für den vorliegenden Bericht allerdings nicht herangezogen) Wiener Lebensqualitätsstudie 2003 („Leben und Lebensqualität in Wien“)  Befragungszeitraum: Mai bis Oktober 2003  Art der Befragung: rund 8.000 telefonische Interviews in deutscher Sprache über ausgewählte Festnetzanschlüsse sowie Mobiltelefone mit in Wien lebenden Personen ab 15 Jahren; zusätzlich 300 Interviews anhand eines türkischen und bosnisch/kroatisch/ serbischen Fragebogens Wiener Lebensqualitätsstudie 2008 (Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung für Wien)  Befragungszeitraum: Mai bis Dezember 2008  Art der Befragung: 8.400 telefonische bzw. CATI-Interviews in deutscher Sprache, 300 Face-to-face-Interviews in der Muttersprache von Zugewanderten aus der Türkei und aus dem ehemaligen Jugoslawien  Stichprobenziehung: geschichtete Zufallsstichprobe, RLD-Verfahren(Random Last Digit) sowie Einbeziehung von Handynummern; disproportionales Sampling nach Bezirken, um auch Aussagen über die kleineren Bezirke zu ermöglichen  Gewichtungskriterien: Bezirk, Alter x Geschlecht, Bildung Wiener Lebensqualitätsstudie 2013 (Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung für Wien II)  Projektbezeichnung an der Universität Wien: Lebensqualität in Wien im 21. Jahrhundert  Befragungszeitraum: Oktober 2012 bis Juli 2013  Art der Befragung: 8.100 telefonische bzw. CATI-Interviews in deutscher Sprache, 300 CATI-Interviews in der Muttersprache von Zugewanderten aus der Türkei und aus dem ehemaligen Jugoslawien  Stichprobenziehung: geschichtete Zufallsstichprobe, RLD-Verfahren(Random Last Digit) sowie Einbeziehung von Handynummern; disproportionales Sampling nach Bezirken, um auch Aussagen über die kleineren Bezirke zu ermöglichen  Gewichtungskriterien: Bezirk, Alter x Geschlecht, Bildung Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III 92| S e i t e Datenbasis Wiener Lebensqualitätsstudie 2018 (Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung für Wien III)  Projektbezeichnung an der Universität Wien: Lebensqualität in einer wachsenden Stadt  Befragungszeitraum: März – Dezember 2018  Art der Befragung: Mixed-Mode-Erhebung von 8.450 Interviews(CATI bzw. telefonisch: 77%, CAWI bzw. online: 23%); davon 350 CATI-Interviews in der Muttersprache von Zugewanderten aus der Türkei und dem ehemaligen Jugoslawien  Stichprobenziehung: geschichtete Zufallsstichprobe, RLD-Verfahren(Random Last Digit) sowie Einbeziehung von Handynummern. Disproportionale Stichprobe nach Bezirken, um auch Aussagen über kleinere Bezirke treffen zu können  Gewichtung: o Poststratifikations-Gewichtung: Alter x Geschlecht, Bildung, Bezirk x Alter, Bezirk x Geschlecht, Wohnform o Design-Gewichtung zum Ausgleich der unterschiedlichen Ziehungswahrscheinlichkeiten pro Haushalt und Bezirk o Gewichtung zum Ausgleich von Modus-Effekten, die aus dem Umstieg von einer reinen Telefonbefragung auf eine Mixed-Mode-Erhebung resultieren Bei allen fünf Erhebungen wurde aufgrund des großen Umfanges der Fragestellungen eine Gruppe von Fragen lediglich bei einem Teil der Befragten erhoben(in der Regel wurde die Grundgesamtheit bei der Hälfte gesplittet). Die jeweiligen Stichproben und Substichproben der Wiener Bevölkerung ab 15 Jahren sind flächendeckend repräsentativ(z.B. auch kleinräumig für Wiener Gemeindebezirke). In die Auswertungen des vorliegenden Berichts gingen Informationen aus 8.291 Interviews aus den Jahren 1994/95, 8.300 Interviews aus dem Jahre 2003, 8.704 Interviews aus dem Jahre 2008, 8.400 Interviews aus den Jahren 2012/13 sowie 8.450 Interviews aus dem Jahre 2018 ein. Sozialwissenschaftliche Grundlagenforschung III