Zirkuläres Wien: Eine runde Sache Der Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft Impressum Eigentümer und Herausgeber Magistrat der Stadt Wien Inhaltliche Grundlagen Mitarbeiter*innen aller Abteilungen des Magistrats sowie der Unternehmungen und Unternehmen der Stadt Wien ­erarbeiteten 2024 und 2025 ressortübergreifend die Grundlagen für diese Strategie. Die zur regelmäßigen Reflexion des Strategieprozesses eingerichtete Lenkungsgruppe bestand aus: Martina Ableidinger – MA 48 Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark Eva Czernohorszky – W­ irtschaftsagentur Wien Thomas Eberhard – Magistratsdirektion – Bereichsleitung für Klimaangelegenheiten Bakri Hallak – Geschäftsgruppe Klima, Umwelt, Demokratie und Personal Nora Kellner-Zoglmann – Geschäftsgruppe Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales Bernadette Luger – Magistratsdirektion – Geschäftsbereich Bauten und Technik Klaus Mayer – MA 22 Umweltschutz Michaela Moser – Geschäftsgruppe Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen Caroline Roithner – Wiener Stadtwerke GmbH Lena Rücker – MA 18 Stadtentwicklung und Stadtplanung Gerrit Thell – MA 23 Wirtschaft, Arbeit und Statistik Weitere inhaltliche Reflexion erfolgte unter anderem durch die Mitglieder des Wiener Klimarates, Herrn Manfred Mühlberger und der Inhaberin der Stadt Wien Stiftungsprofessur für Kreislaufwirtschaft und transformative Geschäftsmodelle, Frau Karin Huber-Heim. „Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ wurde am 22. Oktober 2025 vom Wiener Gemeinderat beschlossen. Gesamtkoordination Philipp Preuner, Liisa Andersen – Magistratsdirektion – Bereichsleitung für Klimaangelegenheiten Stakeholder-Beteiligung und inhaltliche Bearbeitung Robert Lechner(Leitung), Beate Lubitz-Prohaska, Markus Meissner, Christian Pladerer, Nadia Prauhart, Georg Tappeiner – pulswerk GmbH Designkonzept, Illustration und Lektorat Ulli Weber, Carla Hopfner – pulswerk GmbH Druck Markus Putz Printagentur nach den Kriterien von ÖkoKauf Wien Weitere Informationen wien.gv.at/spezial/kreislaufwirtschaft-strategie © 2025, Magistrat der Stadt Wien(korrigierte V ersion vom Mai 202 6 ) Inhalt Vorworte 5 Mission Statement 9 1.  Warum Ressourcen­schonung und Kreislaufwirtschaft? 10 Planetare Grenzen 11 Wiener Ressourcenverbrauch und Emissionen 15 2.  Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft 18 Der nationale und internationale Rahmen für die ­zirkuläre Stadt 19 Ziele und Prinzipien für ein zirkuläres Wien 24 Schwerpunkte und Hebel der Stadt Wien 28 3. Kreislaufwirtschaft als Werkzeug für die Ressourcenschonung 31 Chancen für Versorgungssicherheit, Resilienz und Stärkung der Region 32 Vorgaben und Ziele für eine zirkuläre Wirtschaft 36 Schwerpunkte für die zirkuläre Wiener Wirtschaft 38 Märkte, Unternehmen und Kooperationen in der Kreislaufwirtschaft 38 Innovationen für die Kreislaufwirtschaft 42 Bewusstsein und Kompetenzen für die ­Kreislaufwirtschaft 46 4.  Ressourcenschonung im Wiener Alltag 50 Langlebige Produkte und neue Dienstleistungen 51 Vorgaben und Ziele für ressourcenschonende ­Produkte und Dienstleistungen des Wiener Alltags 55 Schwerpunkte für die Ressourcenschonung im W ­ iener Alltag 58 Ressourcenschonender Konsum 58 Ressourcenschonende Lebensmittelproduktion, Verpflegung und Ernährung 63 Ressourcenschonung im Wiener Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich 69 5. Ressourcenschonung in der gebauten Umwelt 73 Die gebaute Umwelt als entscheidender Faktor 74 Die Investition in die Zukunft 76 Vorgaben und Ziele für das Wiener Bauwesen 79 Schwerpunkte für die Ressourcenschonung in der gebauten Umwelt 81 Strukturelle Grundlagen für ressourcenschonenden Hoch- und Tiefbau 81 Ressourcenschonung in der Stadtentwicklung 86 Ressourcenschonende Infrastrukturen der Daseinsvorsorge 92 Quellen 96 Vorworte Foto: Gregor Kuntscher Wien als Vorreiter * in in Lebensqualität Mit dem Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft legen wir erstmals eine umfassende Gesamtstrategie vor, die uns dabei helfen soll, unser ­Leben und Wirtschaften auch langfristig umweltschonender zu gestalten. Wir blicken dabei bewusst über den eigenen Tellerrand hinaus und wollen unseren Teil dazu beitragen, dass planetare Belastungsgrenzen nicht noch mehr unter Druck geraten. Das Ausreizen und Überschreiten dieser Grenzen hat sehr viel mit Verschwendung zu tun und dagegen müssen wir antreten. Auch wenn es sich dabei, wie beim Klimaschutz und der Klimaanpassung, um globale Herausforderungen handelt, kommt den Städten, wie in so vielen gesellschaftspolitisch wichtigen ­Fragen, eine große Verantwortung zu. Wien konnte sich in den letzten Jahrzehnten weltweit weit vorne positionieren, wenn es um Lebensqualität im umfassenden Sinn geht. Der Wiener Weg der ­Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft stellt dabei eine logische Erweiter­ ung unserer bereits vorhandenen Strategien, Pläne und Programme dar, ist mit diesen abgestimmt und ergänzt unser langjähriges Bemühen um eine lebenswerte Stadt für alle. Bereits in der Ersterstellung der Strategie wurden alle Dienststellen, Geschäftsgruppen und städtischen Unternehmen einbezogen. Entstanden ist ein umfassendes Gesamtbild, welches für unser künftiges Handeln Leitlinien vorgibt. Ich bedanke mich bei allen Mitwirkenden, die mit viel Herz und Hirn die Entstehung dieser Strategie ermöglicht haben. Und ich freue mich auf die nächsten Jahre und Jahrzehnte der Umsetzung! Dr. Michael Ludwig Bürgermeister 5 Foto: David Bohmann Gemeinsam für die Zukunft Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung sind Investitionen in die Zukunft, ­stehen, wie viele andere Umweltthemen, weit oben bei den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen. Unser Weg der Ressourcenschonung und Kreislauf­ wirtschaft benennt für unsere wichtigsten Handlungsbereiche jene Hebel und Stellräder, an denen wir drehen müssen, um unserer Verantwortung für eine lebenswerte Umwelt gerecht zu werden. Dabei stellt unser Bildungssystem einen wichtigen Handlungsbereich dar: Vom ­Kindergarten über den Schulbereich bis hin zur Erwachsenenbildung. Unsere Handlungsmöglichkeiten reichen von nachhaltigen Ausbildungsinhalten bis hin zum Betrieb unserer Einrichtungen. Die Vermeidung von Verschwendung schont die Umwelt und wird uns dabei helfen, unsere hohen Ansprüche an unser Betreuungs- und Ausbildungsangebot kosteneffizient zu gestalten. Kreislaufwirtschaft richtet sich natürlich auch an die Wirtschaft selbst und damit an alle in Wien agierenden Unternehmen. Gemeinsam mit diesen gilt es, den Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft mit Leben zu füllen und erfolgreich zu gestalten. Mag. a Bettina Emmerling Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Bildung, Jugend, Integration, Transparenz und Märkte 6 33 Hebel für ein zirkuläres Wien Foto: David Bohmann Schon der Titel ist Programm:„Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ fasst stadtweit jene Handlungsbereiche und notwendigen Aktivitäten zusammen, die es braucht um ein klares Zeichen gegen den verschwenderischen Umgang mit unseren Ressourcen und unserer Umwelt zu setzen. Es freut uns sehr, dass es gelungen ist, diese Strategie quer über alle Geschäftsgruppen zu entwickeln und zu gestalten. Damit ist ein ganz wichtiger Grundstein dafür gelegt, dass wir künftig gut auf­ einander abgestimmte Maßnahmen entwickeln. Wien ist eine der lebenswertesten Städte und soll das auch in ferner Zukunft sein. Mit der Kreislaufwirtschaft wird eine weitere wichtige Dimension für ein nachhaltiges Wien erschlossen. Gemeinsam mit unseren Maßnahmenprogrammen zu Klimaschutz und Klimaanpassung trägt Ressourcenschonung in vielfältiger Weise zum Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen bei. Dass wir damit auch klare Ziele für ein gutes Leben für alle weit über den Umweltschutz hinaus setzen, versteht sich von selbst. Ressourcenschonung tritt gegen jede Form von Verschwendung an und trägt zu einem gerechten und leistbaren Leben bei. Das beginnt bei unserem Umgang mit Lebensmitteln, nachhaltigem Konsum, einer vorbildlichen Abfallwirtschaft und reicht bis zur Wiederverwendung gebrauchter Güter und Materialien, dem schonenden Umgang mit Bodenressourcen und dem Sanieren von Häusern statt dem Abbruch, wo immer das Sinn macht. Für alle diese Bereiche und ganz viele mehr benennt der Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft in 9 Handlungsschwerpunkten insgesamt 33 Hebel, welche wir in den nächsten Jahren weiterentwickeln und mit zahlreichen Maßnahmen versehen werden. Kathrin Gaál Vizebürgermeisterin und Stadträtin für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen Mag. Jürgen Czernohorszky Stadtrat für Klima, Umwelt, Demokratie und Personal Foto: Jodlbauer 7 Mission Statement Wien zählt zu den lebenswertesten Großstädten der Welt. Damit das so bleibt, stellt sich die Stadt den großen Herausforderungen unserer Zeit. Menschen haben natürliche Ressourcen anhaltend rücksichtslos ausgebeutet. Klimakrise, Artensterben und instabile Rohstoffpreise sind Symptome einer Ressourcenkrise, die zu einer zentralen Herausforderung des 21. Jahrhunderts geworden ist. Wien im Zeichen der Ressourcenwende Für ein gutes Leben auf der Erde ist eine Ressourcenwende unumgänglich. Dazu trägt die Stadt Wien ihren Teil bei, denn viele Hebel der Ressourcenschonung liegen in städtischer Hand und können gerade auf regionaler Ebene den Umweltschutz und die Versorgungssicherheit stärken. Auch auf globaler Ebene übernimmt Wien mit Bemühungen zur maximalen Ressourcenschonung Verantwortung, die negativen Auswirkungen des menschlichen Tuns auf dem Planeten zu verringern. Wien verfügt über gute Voraussetzungen für die Ermöglichung eines ressourcenschonenden Lebens für alle. Dazu zählen die hohe städtische Dichte, lebendige Grätzl, gut erhaltene Versorgung mit Trinkwasser, öffentlichem Verkehr und leistbarem Wohnraum. Diese Beispiele zeigen, dass Wien bereits in der Vergangenheit Wert auf gemeinschaftliche Nutzung und den Erhalt von Bestehendem gelegt hat. Um diese ur-Wiener Werte und historischen Errungenschaften angesichts aktueller Herausforderungen weiterzutragen, sind neue Werkzeuge und strategische Richtungsweisungen erforderlich. Strategische Grundlagen und Schwerpunkte Die Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales Werkzeug, um den Materialverbrauch der Stadt und die damit verbundenen Treibhausgas-Emissionen und Umweltbelastungen zu reduzieren. Die Wiener Klimapolitik hat deshalb drei Säulen: Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft. Die Strategie„Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ skizziert den Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft und schafft die sektorenübergreifenden, strategischen Grundlagen zur Ausgestaltung. „Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ soll dazu beitragen, Wiens Wandel zu einer zirkulären Stadt voranzutreiben. Die Schwerpunkte der Strategie beschreiben die städtischen Potenziale für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft und die wesentlichsten Hebel der Stadt Wien. Die Strategie baut auf den bestehenden Arbeiten und Erfahrungen der Stadt auf und zeigt gleichzeitig, wo Lücken und weiterer Handlungsbedarf sind. Es ist die erste koordinierte, sektorenübergreifende Zusammenschau von städtischen Handlungssträngen, die definiert, wo Wien in Zukunft Aspekte der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft berücksichtigen möchte. Die Prinzipien, Ziele und Schwerpunkte basieren auf den städtischen Programmen und Strategien unter dem Dach der Smart Klima City Strategie Wien. Die Strategie orientiert sich an nationalen und europäischen Vorgaben: Einiges davon wurde bereits auf den Weg gebracht – hier kann nachgesteuert und nachgeschärft werden; anderes muss erst in Prozessen implementiert werden. „Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ wurde in einem knapp 1,5 Jahre dauernden, stadtweiten Prozess unter Mitwirkung aller Expert*innen der Stadt Wien, ihrer Unternehmen und Unternehmungen erarbeitet und in der vorliegenden Form am 22. Oktober 2025 vom Gemeinderat beschlossen. 9 1.  Warum Ressourcen­schonung und Kreislaufwirtschaft? Unser Ressourcenverbrauch hat weitreichende Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Wien ohne Verschwendung zu organisieren, stärkt uns nicht nur in der Klimakrise, sondern ­erhöht auch unsere Versorgungssicherheit und schafft langfristig Lebensqualität. 10 Planetare Grenzen WARUM WIR RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT B­ RAUCHEN Das Konzept der planetaren Grenzen beschreibt die ökologischen Belastungsgrenzen unseres Planeten, innerhalb derer die Menschheit sicher existieren kann. Es identifiziert neun planetare Grenzen, die für die Stabilität des Erdsystems zentral sind – darunter Klimakrise, Biodiversitätsverlust, Landnutzungsänderung und Süßwassernutzung. Werden diese dauerhaft überschritten, steigt das Risiko für irreversible Umweltveränderungen, die das Leben auf der Erde gefährden. Die aktuelle Forschung zeigt: Mehrere dieser planetaren Grenzen sind bereits deutlich überschritten – mit zunehmend spürbaren ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen. 1 RESSOURCENVERBRAUCH ALS TREIBER DER KLIMA- UND BIODIVERSITÄTSKRISE Eine wesentliche Ursache für das Überschreiten der planetaren Grenzen ist der rasant steigende Verbrauch an natürlichen Rohstoffen. Haupttreiberin ist unsere vorherrschende wachstumsorientierte und lineare Wirtschaftsweise. Diese beruht noch immer auf der Annahme, dass die Natur unerschöpfliche Quelle für Rohstoffe und eine beliebig belastbare Senke für Abfälle ist. Vielfach entnehmen wir Rohstoffe ungeachtet der ökologischen und sozialen Folgen, verwandeln sie in Energie oder machen daraus Produkte und Güter aller Art und nutzen sie meist nur kurz. Danach entsorgen wir diese Güter und die darin enthaltenen Rohstoffe bei fehlender Abfallwirtschaft wieder im Boden, im Wasser und in der Luft, wo sie das Ökosystem überlasten und massiv schädigen können. Abbildung 1: Planetare Grenzen und ihre Überschreitung 2024. Quelle: Planetary Health Check Report 2024, Potsdam Institut für Klimafolgen-Forschung 11 Der weltweite Materialfußabdruck, also die Gesamtmenge an Rohstoffen, die zur Herstellung von Produkten und Dienstleistungen benötigt wird, hat sich von 30 Milliarden Tonnen im Jahr 1970 auf 107 Milliarden im Jahr 2024 mehr als verdreifacht. 2 Ohne abgestimmte Maßnahmen wird der weltweite Verbrauch von Ressourcen wie Biomasse, fossilen Brennstoffen, Metallen und Mineralien bis 2060 voraussichtlich auf 190 Milliarden Tonnen anwachsen. Damit gehen negative Klimaund Umweltwirkungen einher(Verlust der Biodiversität, hoher Wasserverbrauch, Treibhausgas-Emissionen etc.). 3 Der Erdüberlastungstag(„Earth Overshoot Day“) gilt als Maßstab für die Überschreitung der planetaren Grenzen. Damit wurden im Jahr 2025 weltweit bereits am 24. Juli sämtliche uns global zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen desselben Jahres aufgebraucht. Der Erdüberlastungstag unterscheidet sich stark zwischen Ländern des Globalen Nordens und Südens: Österreich erreichte den Erdüberlastungstag bereits am 29. März 2025. 4 Wir leben, so wie alle industrialisierten Länder, beinahe gänzlich auf Kosten anderer, indem wir mehr endliche Ressourcen verbrauchen, als wir den ökologischen und technischen Kreisläufen zuführen. Auch innerhalb unserer Gesellschaft hängt der Ressourcenverbrauch stark mit dem Einkommen zusammen. Die Treibhausgas-Emissionen sind bis zu 50 Prozent, der Biodiversitätsverlust und der Wasserstress zu mehr als 90 Prozent auf die Gewinnung und Verarbeitung von Ressourcen zurückzuführen. Allein die Produktion von Stahl, Zement, Kunststoffen, Papier und Aluminium verursacht 36 Prozent aller globalen Treibhausgas-­ Emissionen. Der Ressourcenverbrauch ist also einer der Hauptverursacher der Klima- und Biodiversitätskrise. 5 VON LINEAR ZU ZIRKULÄR Um die Klima- und Umweltziele zu erreichen und eine nachhaltige Entwicklung sicherzustellen, muss unsere aktuelle, lineare Wirtschaftsweise grundlegend verändert werden. Das dramatische Überschreiten beinahe aller planetaren Grenzen zeigt deutlich, dass die konsumorientierte Wegwerfwirtschaft scheitert. Zur Einhaltung der planetaren Grenzen ist eine systemische Veränderung der wirtschaftlichen Abläufe und Zielsetzungen notwendig. Außerdem müssen die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen und das gesellschaftliche Verhalten angepasst werden. Das derzeitige, lineare Wirtschaftssystem ist auf Verbrauch statt Gebrauch ausgerichtet. Der Ressourcenverbrauch spielt in Unternehmenskennzahlen und Preisen eine untergeordnete Rolle. Selbst mit einer massiven Erhöhung der Ressourceneffizienz können(quantitatives) Wirtschaftswachstum und(primärer) Ressourcenverbrauch nicht komplett voneinander entkoppelt werden. 6 Folgekosten aus dem hohen Rohstoffverbrauch und den ökologischen und sozialen Schäden werden kaum eingepreist(z. B. Kosten aufgrund Umweltverschmutzung im Gesundheitssystem, das Wiederherstellen wichtiger Ökosysteme oder Risiken globaler Lieferketten). Ziel der Kreislaufwirtschaft ist es, Produkte und Materialien so zu gestalten und zu nutzen, dass Abfall möglichst gar nicht erst entsteht. Bereits in der Herstellung wird auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendung und Recyclingfähigkeit geachtet. Am Ende der Lebensdauer sollen die enthaltenen Rohstoffe und Materialien möglichst vollständig in technische oder biologische Kreisläufe zurückgeführt werden. Gemeinsames Nutzen(„Sharing“) und entsprechende Dienstleistungen tragen ebenso zu diesen Zielen bei. Was früher als Abfall galt, wird damit zu einer wertvollen Ressource im Kreislauf – und zum Schlüssel für Ressourcenschonung, Klimaschutz und Versorgungssicherheit. 12 Wertschöpfung entsteht in der Kreislaufwirtschaft im Unterschied zur Linear­ wirtschaft durch Produktwartung und Instandhaltung sowie durch neue Möglichkeiten der Weiter- und Wiederverwendung. Das Erschließen neuer Märkte für nachhaltige Konsumgüter und Dienstleistungen kann die Wertschöpfung deutlich steigern und erhebliche Kosten des Nicht-Handelns zum Beispiel durch Umweltauswirkungen vermeiden. 7 Den Ressourcenverbrauch weitestgehend zu minimieren und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit durch ein zirkuläres Wirtschaftssystem zu sichern, wird entscheidend für das Erreichen der Klima- und Umweltziele und unserer Versorgungssicherheit sein. 8 Die geopolitische Lage der letzten Jahre zeigt uns, dass es große Unsicherheiten in der Ressourcen- und Energieversorgung gibt. Kreislaufwirtschaft bietet eine große Chance, sich unabhängiger zu machen und Lieferketten robuster zu strukturieren. Dies gilt insbesondere für kritische Rohstoffe, die eine hohe wirtschaftliche Bedeutung und ein hohes Versorgungsrisiko aufweisen(siehe auch ­Kapitel 3). KREISLAUFWIRTSCHAFT UND SOZIALE GERECHTIGKEIT Die Wirtschaft zirkulär auszurichten, bedeutet die ökologischen Grenzen nicht zu überschreiten. Dies sorgt für langfristige Lebensqualität, genauso wichtig dafür sind soziale Mindeststandards. Die Bereitstellung von öffentlichem Verkehr, leistbarem Wohnen und die Versorgung mit Wasser, Bildung und Gesundheitseinrichtungen ist dabei grundlegend und die Kernaufgabe der Stadt Wien. Einen bereits etablierten Rahmen bieten dafür die Ziele für nachhaltige Entwicklung(Sustainable Development Goals, SDGs), die in Wien auf allen Ebenen verfolgt werden. 9 Abbildung 2: Sustainable Development Goals, SDGs. Quelle: UNRIC – Regionales Informationszentrum der Vereinten Nationen: unric.org/de/17ziele 13 HOHE LEBENSQUALITÄT FÜR ALLE BEI GRÖSSTMÖGLICHER RESSOURCENSCHONUNG Wien verfolgt durch die Kombination der Ziele Lebensqualität und Ressourcenschonung den Ansatz der Donut-Ökonomie, welche wirtschaftliche Entwicklung innerhalb eines sicheren und gerechten Handlungsrahmens beschreibt. Der Donut visualisiert zwei Grenzen. Die soziale Untergrenze: Niemand sollte unter ein bestimmtes Niveau an Grundversorgung(Bildung, Gesundheit, Einkommen) fallen – alle haben ein gutes Leben. Die ökologische Obergrenze: Wirtschaftliche Aktivität muss so gestaltet sein, dass die planetaren Belastungsgrenzen(Klimakrise, Bio­ diversitätsverlust etc.) nicht überschritten werden. 10 Abbildung 3: Donut-Ökonomie auf Basis der planetaren Grenzen und der Sustainable Development Goals(SDGs), eine Vision für eine regenerative und distributive Ökonomie. Quelle: Darstellung auf Basis von doughnuteconomics.org und pik-potsdam.de/de/produkte/ infothek/planetare-grenzen/bilder mit freundlicher Unterstützung von Donut Wien Diese Neuausrichtung benötigt die Etablierung neuer Geschäftsmodelle und fördert lokale Wertschöpfung, regionale Wirtschaftskreisläufe sowie zukunftsfähige und faire Arbeitsformen. Im Sinne der Donut-Ökonomie wirkt sich die Kreislaufwirtschaft über die Ressourcenschonung auf gesellschaftliche Grundlagen aus und wird zum strategischen Thema der Versorgungssicherheit, der Standortpolitik und der gesellschaftlichen und sozialen Resilienz der Stadt. Wien hat viele Möglichkeiten, um die Transformation hin zu einer Kreislaufwirtschaft zu stimulieren und deren Chancen und Potenziale auszuschöpfen. Das öffentliche Beschaffungsvolumen der Stadt und ihrer Unternehmen von mehreren Milliarden Euro pro Jahr ist ein zentraler Hebel, um zirkuläre Investitionen, ­Produkte und Dienstleistungen am Markt zu unterstützen und zu forcieren. 14 Wien ist als nationales Innovationszentrum mit Unternehmen und Ideengeber*innen verschiedener Organisationsformen, Branchen und Größen bestens geeignet, um die Konzeption und Erprobung der Kreislaufwirtschaft in der Gesellschaft voranzubringen und wirtschaftlich zu nutzen. Wiener Ressourcenverbrauch und Emissionen Üblicherweise werden nur jene Treibhausgas-Emissionen erfasst, die innerhalb der territorialen Grenzen einer Stadt tatsächlich entstehen – etwa durch Verkehr oder Raumwärme. Das sind sogenannte produktionsbasierte Emissionen. Viele der Umweltauswirkungen, die mit unserem Lebensstil verbunden sind, fallen aber nicht innerhalb der Stadt an, sondern entlang der gesamten Produktions- und Lieferketten – etwa bei der Rohstoffgewinnung, der Herstellung oder dem Transport von Waren. Die konsumbasierte Perspektive ergänzt daher die produktionsbasierte Sicht und berücksichtigt den gesamten Ressourcenverbrauch und die Treibhausgas-Emissionen, die durch den Konsum innerhalb der Stadt ausgelöst werden – unabhängig davon, wo diese entstehen. Nur wenn produktions- und konsumbasierte Perspektiven zusammengedacht werden, lässt sich ein realistisches Bild der tatsächlichen Umweltauswirkungen unserer Lebens- und Wirtschaftsweisen zeichnen. Andernfalls drohen sogenannte Verlagerungseffekte: Umwelt- und Klimabelastungen, die zwar außerhalb der Stadtgrenzen auftreten, aber der Konsum innerhalb der Stadtgrenzen verursacht. Die Bestimmung konsumbasierter Indikatoren(wie z. B. Treibhausgas-Emissionen oder Materialfußabdruck) ist auf regionaler Ebene, für Bundesländer und Städte, eine große Herausforderung, weil oft regionale Datengrundlagen fehlen(z. B. werden Warenim- und-exporte über Stadtgrenzen hinweg nicht erfasst). Um fundierte und faire umweltpolitische Maßnahmen ableiten zu können, braucht Wien aber eine gute Datengrundlage. Die Stadt erhebt dafür ihren Materialfußabdruck und ihre konsumbasierten Treibhausgas-Emissionen. DER MATERIALFUSSABDRUCK WIENS Der Materialfußabdruck Wiens ist ein Indikator für den durch den Wiener Konsum ausgelösten globalen Materialverbrauch. Der Bau von Infrastruktur sowie konsumierte Güter, Produkte, Nahrungsmittel und Dienstleistungen erfordern Materialressourcen, welche oft aus globalen Lieferketten entnommen werden. All diese zur Deckung der Wiener Nachfrage verbrauchten Materialien sind unter dem Materialfußabdruck zusammengefasst. Bereits 2022 hat sich die Stadt Wien zum Ziel gesetzt, den Materialfußabdruck pro Kopf bis 2050 um 50 Prozent zu senken(Smart Klima City Strategie Wien). 11 2019 lag der absolute Wiener Materialfußabdruck zwischen 20 und 32 Millionen Tonnen; das entspricht 10 bis 17 Tonnen pro Kopf und Jahr. 12 Das entspricht etwa der Hälfte des österreichischen Durchschnitts(23,6 Tonnen pro Kopf und Jahr) 13 und dem europäischen Durchschnitt(15 Tonnen pro Kopf und Jahr) 14 . Der deutlich niedrigere Ressourcenverbrauch pro Kopf in Wien im Vergleich zum restlichen Land liegt unter anderem daran, dass Städte Ressourcen aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte wesentlich effizienter nutzen. Das gilt insbesondere für die Ressource Boden, die materialintensive Infrastruktur, Wohnraum und Verkehrsmittel. 15 WIENS KONSUMBASIERTE TREIBHAUSGAS-EMISSIONEN Der Abbau von Rohstoffen sowie die Herstellung und der Transport von ­Gütern verursachen Treibhausgas-Emissionen. Diese Emissionen fallen zum Großteil nicht in Wien an, sondern in den Herstellungs- und Verarbeitungsländern. Auch der Transport nach Wien verursacht Emissionen. Bei der Nutzung, Wartung und Instandhaltung sowie beim Rückbau und bei der Entsorgung fallen weitere Emissionen an. Diese werden konsumbasierte Emissionen genannt. 2019 beliefen sich die konsumbasierten Treibhausgas-Emissionen für Wien auf rund 24,2 Millionen Tonnen CO 2 -Äquivalente oder 12,7 Tonnen CO 2 -Äquivalente pro Kopf. Im Vergleich dazu liegen die produktionsbasierten ­Treibhausgas-Emissionen im Stadtgebiet im Jahr 2019 bei 8,75 Millionen Tonnen CO 2 -Äquivalente beziehungsweise 4,6 Tonnen CO 2 -Äquivalente pro Kopf. Aufgrund der Nachfrage an Produkten und Dienstleistungen, die meist in Produktions- und Industrieprozessen außerhalb des Stadtgebiets anfallen, verursacht Wien also rund dreimal mehr Treibhausgas­-Emissionen, als innerhalb des Stadtgebiets ausgestoßen werden ­(Abbildung 4). 25 20 15 Produktionsbasierte Emissionen Wiens 10 Inventur Bundesländer Luftschadstoff Abbildung 4: Treibhausgas5 Emissionen der Stadt Wien 2019 in Konsumbasierte Mt CO 2 eq. Quellen: Wiener KlimaEmissionen Wiens fahrplan 2022, Wegener Center 0 Wegener Center Studie für Klima und Globalen Wandel, Universität Graz Mt CO 2 eq Ein großer Anteil der konsumbasierten Treibhausgas-Emissionen wird durch die Nachfrage nach Konsumgütern(29 Prozent plus 4 Prozent) verursacht. Ein zweiter großer Anteil ist den Lebensmitteln zuzuschreiben, die durch private Haushalte ­­ (9 Prozent) und private und öffentliche Dienstleister*innen nachgefragt werden. Der dritte große Anteil liegt beim Bauwesen. Hier werden 13 Prozent der Emissionen allein durch private Bauprojekte und darüber hinaus weitere 9 Prozent u. a. durch öffentliche Bauprojekte verursacht(siehe Abbildung 5). Die Mobilität (14 Prozent) und der Energiebedarf privater Haushalte(9 Prozent) stehen im Fokus der produktionsbasierten Betrachtung. 15 16 Abbildung 5: Aufteilung der ­konsumbasierten TreibhausgasEmissionen der Stadt Wien 2019. Quelle: Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, Universität Graz ERWEITERTER BLICK AUF WIENS EMISSIONEN Wien hat sich mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 das ambitionierte Ziel der Reduktion der produktionsbasierten Treibhausgas-Emissionen(wie z. B. l­okale ­Produktion, Betrieb von Kraftwerken, Mobilität, Raumwärme oder Müllverbrennung) auf Netto-Null gesetzt. Sie sind durch die Stadt Wien, die privaten Haushalte und Unternehmen direkt beeinflussbar. Darüber hinaus gilt es den Blick zu erweitern und mittelfristig Maßnahmen so zu gestalten, dass sie zu einer Reduktion des Materialfußabdrucks und der konsumbasierten Treibhausgas-Emissionen beitragen. Wenn die Nachfrage sinkt und sich das Verarbeitungs-, Nutzungs- und Entsorgungsverhalten der Menschen in Wien verändert, kann das den konsumbasierten Teil der Treibhausgas-Emissionen sowie die negativen Umweltauswirkungen positiv beeinflussen. Des Weiteren können mit Hilfe der Kreislaufwirtschaft Maßnahmen oft so gestalten werden, dass sie sowohl produktionsbasierte als auch konsumbasierte Emissionen reduzieren. Konsumgüter: u.a. Textilien, Elektronik, Verpackungen 29% Produktion von Fahrzeugen 4% Mobilität: u.a. Betrieb von Öffis, Auto- und Flugverkehr 14% Private Dienstleistungen: u.a. Hotelerie, Gastronomie, Freizeit 13% Nahrungsmittelbedarf privater Haushalte 9% Konsumbasierte THG-Emissionen Wien Öffentliche Dienstleistungen: u.a. Straßenbau, Gemeindebau, Bildung, Gesundheit, Soziales 9% Bau von privaten Gebäuden: u.a. freifinanzierter und gefördeter Wohnbau, Gewerbebauten 13% Energiebedarf privater Haushalte 9% 17 2.  Der Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft sind wichtige Querschnittsthemen der Wiener Klimastrategie. Nur gemeinsam mit der nationalen und internationalen Ebene können wir den Übergang zur Kreislaufwirtschaft bewerkstelligen. Dafür kommt es darauf an, eine gemeinsame Haltung zu verfolgen und uns auf die wichtigsten Schwerpunkte und Hebel zu f­ okussieren. 18 Der nationale und internationale Rahmen für die ­zirkuläre Stadt WELCHE VORGABEN UND ZIELSETZUNGEN WIR BEIM ­WIENER WEG DER ­RESSOURCENSCHONUNG UND ­KREISLAUFWIRTSCHAFT BERÜCKSICHTIGEN Nachfolgend wird ein genereller Überblick über(inter-)nationale Vorgaben und Zielsetzungen gegeben. Diese werden in den jeweiligen Kapiteln der Strategie „­Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ spezifisch weiter vertieft(siehe Kapitel 3 für das zirkuläre Wirtschaften, Kapitel 4 für Konsum im Alltag und Kapitel 5 für die ­gebaute Umwelt). DIE AGENDA 2030 DER VEREINTEN NATIONEN Im Februar 2025 erneuerte Bürgermeister Michael Ludwig das Bekenntnis der Stadt zur UN Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung mit 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. 16 Die Smart Klima City Strategie Wien 17 trägt seitdem den Sustainable Development Goals(SDGs) in allen kommunalen Bereichen Rechnung und stellt die Grundlage für die Umsetzung auf lokaler Ebene dar.„Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ berücksichtigt bei der Auswahl und Gestaltung der Maßnahmen die SDGs der Agenda 2030, insbesondere„nachhaltige Städte“(SDG 11),„nachhaltige Konsum- und Produktionsstrukturen“(SDG 12) und„Maßnahmen zum Klimaschutz“ (SDG 13). Für die Berücksichtigung der sozialen Grenzen im Sinne der Donut-Ökonomie sind vor allem einige der SDGs 1-12 relevant. RAHMENBEDINGUNGEN DER EUROPÄISCHEN UNION Die EU-Kommission hat 2019 mit dem europäischen grünen Deal(European Green Deal, COM/2019/640) einen ehrgeizigen Fahrplan zur Verwirklichung einer klimaneutralen Kreislaufwirtschaft in Europa präsentiert und in den letzten Jahren verfolgt. Dazu wurden Strategien erarbeitet und zahlreiche Verordnungen und Richtlinien beziehungsweise deren Anpassungen auf den Weg gebracht und von Rat und Parlament in Kraft gesetzt. Aktionsplan für Kreislaufwirtschaft(COM/2020/98) Das zentrale EU-Strategiedokument ist der neue Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft 18 , der nachhaltige und zirkuläre Produkte als Norm im europäischen Binnenmarkt zum Ziel hat. Der Aktionsplan fokussiert auf Branchen mit großem Ressourcenverbrauch und hohem Kreislaufpotenzial: Elektronik und Informationstechnologie, Batterien und Fahrzeuge, Verpackungen, Kunststoffe, Textilien, Bauwesen und Gebäude, Lebensmittel. Die EU-Kommission hat sich im Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft außerdem dazu verpflichtet, einen einfachen und wirksamen Überwachungsrahmen, den EUÜberwachungsrahmen für die Kreislaufwirtschaft(COM/2018/029), vorzuschlagen. Die Überwachung der wichtigsten Tendenzen und Muster der Kreislaufwirtschaft ist entscheidend, um Erfolgsfaktoren der EU-Mitgliedstaaten zu erkennen. So lässt sich beurteilen, ob ausreichende Maßnahmen für die Umsetzung ergriffen werden. Die Ergebnisse dieser Überwachung sollen die Grundlage zur Festlegung neuer Prioritäten für das langfristige Ziel einer Kreislaufwirtschaft bilden. 19 Ökodesignverordnung für nachhaltige Produkte(2024/1781/EU) Zentral für die Umsetzung des Aktionsplans für Kreislaufwirtschaft ist die Erweiterung der Ökodesignverordnung für nachhaltige Produkte, die 2024 in Kraft trat. Sie gilt nun für nahezu alle Produktklassen. Waren bislang nur Energieverbrauch beziehungsweise-effizienz normiert, wurden nun 16 Ökodesignanforderungen definiert (Abbildung 6). Die Kommission spezifiziert diese für zwei bis drei der prioritären Produktgruppen pro Jahr. Die Verordnung ermöglicht den digitalen Produktpass, der produktspezifische Informationen allen Akteur*innen der Wertschöpfungskette zugänglich macht, angefangen von den Kund*innen bis zum Re-Use- oder Reparaturbetrieb. Außerdem tritt ein schrittweises Verbot der Vernichtung unverkaufter Verbraucherprodukte in Kraft. Abbildung 6: Die 16 Produktanforderungen der neuen Ökodesignverordnung für nachhaltige Produkte, 2024. Quelle: Darstellung auf Basis WKO 2024 (wko.at/energie/espr) Recyclatanteil Wasser (Nutzung& Effizienz) Ressourcen (Nutzung& Effizienz) Nachrüstbarkeit Recyclingfähigkeit Voraussichtliche Abfallmenge Umweltauswirkungen Energie (Verbrauch& Effizienz) Wiederverwendbarkeit Zuverlässigkeit Mögliche Materialverwertung ... ... .. . Besorgniserregende Stoffe Funktionsbeständigkeit Reparierbarkeit Wartung& Instandsetzung Mögliche Wiederaufarbeitung Die EU-Abfallrahmenrichtlinie(2008/98/EG) Die Abfallrahmenrichtlinie der EU gibt bereits eine fünfstufige Abfallhierarchie vor: Abfallvermeidung und Vorbereitung zur Wiederverwendung stehen vor Recycling, sonstige Verwertung und Beseitigung. Bis 2035 müssen mindestens 65 Prozent der Siedlungsabfälle recycelt oder wiederverwendet werden(mit Zwischenzielen von 55 Prozent im Jahr 2025 und 60 Prozent im Jahr 2030). In Österreich liegt die Recyclingquote dafür gegenwärtig bei 62 Prozent. 19 20 DIE ÖSTERREICHISCHE KREISLAUFWIRTSCHAFTSSTRATEGIE Die 2022 beschlossene österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie 20 ist keine rechtlich bindende Vorgabe, sondern setzt den Rahmen für konkrete Aktivitäten. Sie definiert handlungsleitende Grundsätze, Ziele, zentrale Interventionsbereiche und Transformationsschwerpunkte und leitet dafür die konkreten Maßnahmen und Aktivitäten ab. Dazu verfolgt sie einen interdisziplinären, sektor- und ressortübergreifenden Ansatz, der Bund, Länder, Gemeinden, Wirtschaftstreibende und Bürger*innen adressiert. Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie steht in Wechselwirkung mit bestehenden nationalen Strategien wie der österreichischen Bioökonomiestrategie. 21 Ziele der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie • Reduktion des Einsatzes von Primärressourcen: Ziel ist die Senkung des inländischen Materialverbrauchs bis 2030 auf maximal 14 Tonnen pro Kopf und Jahr und des Materialfußabdrucks bis 2050 auf maximal 7 Tonnen pro Kopf und Jahr. 2020 betrug in Österreich der jährliche Materialfußabdruck pro Kopf über 22 Tonnen. 22 Die Smart Klima City Strategie Wien geht mit dem Bundesziel ­einher(siehe Abbildung 7). • Erhöhung der inländischen Ressourcenproduktivität: Die Ressourcenproduktivität ist die wirtschaftliche Leistung in Euro, dividiert durch den gesamten inländischen Materialeinsatz(Domestic Material Consumption – DMC). 2022 betrug diese in Österreich 2.264 Euro pro Tonne. Angestrebt ist eine Anhebung bis 2030 auf 3.400 Euro pro Tonne. In Wien trägt zu diesem Ziel die Smart Klima City Strategie Wien sowie die Wirtschaftsstrategie WIEN 2030 bei, mit der Steigerung der Materialeffizienz gegenüber 2019 um 40 Prozent bis 2040. • Steigerung der Zirkularitätsrate: Die Zirkularitätsrate misst den Anteil recycelter Materialien am Gesamtverbrauch. Österreich strebt eine Ausweitung von 13,8 Prozent(2022) auf 18 Prozent bis 2030 an. Vielfältige Maßnahmen der Stadt Wien, u. a. in der Abfallwirtschaft(siehe Kapitel 4) und im Bauwesen(siehe Kapitel 5), tragen zur Zielerreichung bei. Aufgrund der beschränkten Aussagefähigkeit einer Regionalisierung besteht keine quantitative Übersetzung dieses Kennwerts auf Wien. • Senkung des privaten Konsums: Ziel ist es, den materiellen Konsum in privaten Haushalten in Österreich bis 2030 um 10 Prozent im Vergleich zum Referenzjahr 2020 zu reduzieren. Als Indikator für den Materialverbrauch im privaten Konsum dient derzeit das Aufkommen von Siedlungsabfällen. Das jährliche Pro-KopfAufkommen von Siedlungsabfällen(Haushalte und ähnliche Einrichtungen) soll deshalb im entsprechenden Ausmaß sinken, d. h. von 834 Kilogramm im Jahr 2020 auf 750 Kilogramm bis 2030. 23 Vielfältige Maßnahmen u. a. im Wiener Abfallvermeidungsprogramm 2025-2030 tragen zur Zielerreichung bei(siehe Kapitel 4). Es besteht keine quantitative Übersetzung dieses Kennwerts auf Wien. Über die Umsetzung der österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie berichtet der jährliche Fortschrittsbericht. Nach fünf Jahren ist eine umfassendere Evaluierung vorgesehen. Dafür sollen geeignete Indikatoren zur Messung der Zirkularität von Wirtschaft und Gesellschaft(weiter)entwickelt werden, in enger Abstimmung mit dem EU-Überwachungsrahmen für die Kreislaufwirtschaft. 21 UNTERSTÜTZUNG VON BUND UND EU Um den Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft für möglichst viele Akteur*innen begehbar zu machen, gilt es, geeignete strategische und rechtliche Rahmenbedingungen für die zirkuläre Transformation der Stadt auch auf nationaler und europäischer Ebene zu schaffen. Notwendige Kooperationen der Stadt auf europäischer und nationaler Ebene • Europäische Gesetzgebung, Verordnungen und Richtlinien : Mit den von den EU-Gremien bereits beschlossenen Verordnungen und Richtlinien des European Green Deal werden viele Aktivitäten zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft gesetzt, welche die Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. Wünschenswert ist die Unterstützung durch den Bund in Form nationaler Bilanzierungs- und Berichtsstandards, Handlungsanleitungen und Best-Practice-Sammlungen, die mit der Wirtschaft entwickelt und von Länderförderprogrammen wie ÖkoBusiness Wien mitgetragen werden können. Diese Aussage gilt gleichsam für die nachstehenden EU-Initiativen. • EU-Ökodesignverordnung : Mit der Ökodesignverordnung steigen die Anforderungen an Langlebigkeit und Ressourceneffizienz für viele Warengruppen, Produkteigenschaften werden künftig in einem digitalen Produktpass beschrieben. Die Markteinführung wird über mehrere Jahre gehen und könnte vom Bund gezielt unterstützt werden. • EU-Lieferkettengesetz (siehe auch Seite 36): Die Bemühungen zur Umsetzung von umwelt- und sozialpolitischen Standards in der Lieferkette wurden aufgeweicht, der Kreis berichtspflichtiger Unternehmen eingeschränkt, die Umsetzungsfristen auf das Jahr 2029 verschoben. Der Bund könnte insbesondere kleine und mittlere Unternehmen beim Aufbau des notwendigen Berichtswesens unterstützen. • EU-Bauprodukteverordnung (siehe auch Seite 79): Diese definiert harmoni­ sierte Vorschriften für die Vermarktung von Bauprodukten, ist indirekt auch von großer Bedeutung für die Umsetzung der OIB Richtlinie 7(Nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen). • EU-Gebäuderichtlinie (siehe auch Seite 79): Die enge Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Institut für Bautechnik(OIB) für eine Implementierung des Zero Emission Buildings, klare Anforderungen an die Gebäude-Gesamtenergie­ effizienz sowie bei verbindlichen Vorgaben zu Treibhausgas-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus(OIB Richtlinie 7) sind wichtige Rahmenbedingungen für Wien. • Standards im Bauwesen (siehe auch Seite 81): Zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft müssen praktikable Methoden, Datengrundlagen und Werkzeuge identifiziert werden. Deren bundesweite Bereitstellung ist in Abstimmung mit den Ländern und der Wirtschaft sicherzustellen. Gleichzeitig sind Grundlagen für eine nachhaltige Logistik unabdingbar, um in der Umsetzungsphase entsprechend handlungsfähig zu sein. In diesem Kontext gilt es auch, etwaige ReboundEffekte zu vermeiden. • Abfallende-Verordnungen (siehe auch Seite 56): Hier wäre ein verstärkter Einsatz für neue, leicht vollziehbare Regelungen auf Bundes- und EU-Ebene(z. B. hinsichtlich Bodenaushub) nützlich. 22 • Abfallwirtschaftsgesetz (siehe auch Seite 56): Die Stadt Wien erarbeitet Vorschläge für rechtliche Erleichterungen bei der Vorbereitung zur Wiederverwendung und setzt sich für deren Umsetzung auf Bundesebene ein(z. B. bei Abfallsammler- und Abfallbehandlergenehmigungen, Aufzeichnungs- und Bilanzierungsregelungen, Prozessen und Qualitätskriterien für die Vorbereitung zur Wiederverwendung, früheres Abfallende). Insbesondere will sich die Stadt Wien dafür einsetzen, dass für die Vorbereitung zur Wiederverwendung von re-usefähigen Abfällen entsprechende Ausnahmeregelungen geschaffen werden. • Finanz- und Steuerpolitik : Zielführend wären steuerliche Begünstigungen zur Steigerung der Langlebigkeit und Reparaturfähigkeit von Produkten sowie die Beibehaltung gezielter Förderprogramme(z. B. Reparatur-Bonus), die in die Kompetenz des Bundes fallen. • Bildung, Arbeit und Wirtschaft (siehe auch Kapitel 3): Bildungspolitische Schwerpunktsetzungen(z. B. Lehrpläne) und Arbeitsmarktpolitik fallen direkt unter die Bundeskompetenz. Das betrifft beispielsweise die Weiterentwicklung und Schaffung zirkulärer Lehrberufe. Ausgenommen ist hier der waff(Wiener Arbeitnehmer*innen Förderungsfonds). Er ergänzt als Förderinstitution des Landes Wien die Arbeitsmarktpolitik des Bundes in enger Abstimmung mit dem Arbeitsmarktservice und den Sozialpartnern. Im Rahmen der vom Bund in Aussicht gestellten Impulse zur Stärkung des Wirtschafts- und Industriestandorts wäre eine Schwerpunktsetzung auf Kreislaufwirtschaft begrüßenswert. • Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft in Normen und Durchführungsbestimmungen (siehe auch Kapitel 4 und 5): Abschreibungsvorschriften in der Buchführung, Methoden zur Lebenszyklusbewertung, Sharing und Qualitätsstandards zur Förderung der Sekundärrohstoffnutzung brauchen auf nationaler Ebene klare Vorgaben, die für Marktsicherheit sorgen. Unklarheiten bei Haftungs­fragen beim Einsatz von Re-Use-Produkten – insbesondere bei Bauprodukten – sollten auf Hürden und deren Minderung geprüft werden. • Forschung und Entwicklung (siehe auch Kapitel 3): Eine integrierte Ressourcenwende sollte als strategischer Schwerpunkt von Forschungs- und Förderprogrammen, Klimaschutzinitiativen und Aktionsplänen des Bundes etabliert werden. Foto: Deutsche Umwelthilfe eV 23 Ziele und Prinzipien für ein zirkuläres Wien WELCHE WIENER STRATEGIEN WIR ALS GRUNDLAGEN FÜR DIE ­TRANSFORMATION ZUR KREISLAUFWIRTSCHAFT HERANZIEHEN Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft sind Querschnittsthemen. In bestehenden Strategien der Stadt Wien sind bereits zentrale Ziele für den Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft verankert. Diese Ziele wurden vom Wiener Gemeinderat beschlossen und tragen zu einem zirkulären Wien der Zukunft bei. Ergänzend finden sich spezifische Ziele in den Kapiteln„Kreislaufwirtschaft als Werkzeug für die Ressourcenschonung“,„Ressourcenschonung im Wiener Alltag“ und„Ressourcenschonung in der gebauten Umwelt“. Um die Klimakrise zu bewältigen, hat der Wiener Gemeinderat bereits 2014 die Smart City Wien Rahmenstrategie beschlossen und zuletzt 2022 als Smart Klima City Strategie Wien(SKCSW) 24 fortgeschrieben. Leitmotiv ist eine hohe Lebensqualität für alle bei größtmöglicher Ressourcenschonung zu schaffen. Ein wichtiges übergeordnetes Ziel dafür ist die Reduktion des Materialfußabdrucks im Sinne einer„7-Tonnen-Zukunft“. Ein weiteres übergeordnetes Ziel ist die Klimaneutralität bis 2040, die im Wiener Klimafahrplan operationalisiert und seit 2025 auch im Wiener Klimagesetz verankert ist. Das Wiener Klimagesetz hält zudem die Kreislaufwirtschaft als dritte Säule der Wiener Klimapolitik und die ökologische Beschaffung als wichtiges Werkzeug der klimaneutralen Verwaltung fest. Die zentralen Ziele für den Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft • Senkung des konsumbasierten Materialfußabdrucks: Wien senkt bezogen auf das Ausgangsjahr 2019 seinen Materialfußabdruck pro Kopf um 30 Prozent bis 2030, um 40 Prozent bis 2040 und um 50 Prozent bis 2050.(Smart Klima City Strategie Wien) • Zirkuläres Planen und Bauen im Gebäudebereich wird ab 2030 zum ­Standard.(Smart Klima City Strategie Wien) • Verwertung nicht vermeidbarer Abfälle: Bis 2050 sollen in Wien 100 Prozent der nicht vermeidbaren Abfälle verwertet werden.(Smart Klima City Strategie Wien) • Stärkung der Kreislaufwirtschaft: Ein Ziel des Wiener Klimagesetzes ist es, die Kreislaufwirtschaft zu stärken.(Wiener Klimagesetz) • Programm für die Beschaffung: Der Magistrat hat zur Erreichung der Ziele des Klimagesetzes – Beitrag zum Klimaschutz, Anpassung an den Klimawandel und Stärkung der Kreislaufwirtschaft – ein Programm für die ökologische Beschaffung von Liefer-, Bau- und Dienstleistungen festzulegen und durchzuführen.(Wiener Klimagesetz) • Steigerung der Materialeffizienz: Die Materialeffizienz der Wiener Wirtschaft steigt bis 2030 um 30 Prozent und bis 2040 um 40 Prozent.(Smart Klima City Strategie Wien, Wirtschaftsstrategie WIEN 2030) • Fokus auf Bestandsstadt und kompakte Stadtstruktur: Die Stadtentwicklung wird noch stärker auf Klimaschutz, Bodenschutz und Ressourcenschonung ausgerichtet.(Wien Plan – Stadtentwicklungsplan 2035) 24 25 Abbildung 7: Materialfußabdruck bundesweit und der Stadt Wien 20 in Tonnen pro Jahr und Kopf. Das Tonnen pro Jahr und Kopf absolute Ziel des Bundes bis 2050 15 steht im Einklang mit dem Reduktionsziel um 50 Prozent der Stadt Wien(auf Basis des Mittels zwi10 schen Minimal- und Maximalwert der Berechnungen für das Jahr 5 2019 ohne Bevölkerungsprognose). Quellen: MOCAM-Studie 2022, 0 Fortschrittsbericht der Bundeskreislaufwirtschaftsstrategie 2024, Smart Klima City Strategie 2022 2019 Ziel 2050 Bund Wien CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN IN DER WECHSELWIRKUNG MIT ­KLIMASCHUTZ UND KLIMAANPASSUNG Kreislaufwirtschaft steht in enger Wechselwirkung mit Klimaschutz und Klimaanpassung, daraus ergeben sich Chancen und Herausforderungen. 25 Beispielsweise führt die flächensparende Bebauung und der Fokus auf die Bestandsstadt zu weniger Bodenversiegelung und damit zu mehr Raum für kühlende Begrünung. Das ist für die Anpassung an die Klimakrise aufgrund steigender Temperaturen in der Stadt von großer Bedeutung und bietet Synergien. Neben Synergien gibt es auch Herausforderungen: Der Umstieg auf Elektromobilität führt zu mehr Klimaschutz durch geringere Emissionen. Er bedeutet aber auch den frühzeitigen Tausch eines noch intakten Fahrzeugs und damit zusätzlichen Ressourcenverbrauch. Dieses exemplarische Beispiel zeigt, dass sowohl in der Verkehrs- als auch in der Energiewende ein besonderes Augenmerk auf den achtsamen Umgang mit unseren Ressourcen zu legen ist. Nur so kann die Stadt Wien allen Anforderungen und Zielsetzungen an eine in Zukunft lebenswerte Stadt bestmöglich gerecht werden. Wiener Abfallwirtschaftsplan und das Abfallvermeidungsprogramm 2025-2030 Wien bekennt sich in der Smart Klima City Strategie zur Stadt ohne Verschwendung (Zero-Waste-Prinzip). Der Wiener Abfallwirtschaftsplan und das Abfallvermeidungsprogramm 2025-2030 26 dienen in diesem Bereich als Grundlage für die Strategie„Zirkuläres Wien“ und fließen in einige der genannten Hebel und Aktivitäten ein. Sie wurden für die Planungsperiode 2025-2030 im Rahmen einer strategischen Umweltprüfung unter breiter Beteiligung der Verwaltung, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft entwickelt und nach öffentlicher Auflage im Dezember 2024 von der Wiener Landesregierung beschlossen. Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035 Der Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035 ist die zentrale Leitlinie für die Steuerung der räumlichen und stadtstrukturellen Entwicklung in Wien. In Zusammenhang mit dem prognostizierten Bevölkerungswachstum wird auf die Ergänzung und Weiterentwicklung der Bestandsstadt sowie bereits bekannte Stadtentwicklungsgebiete gesetzt. Bei einem darüber hinausgehenden Bevölkerungswachstum werden weitere kompakte, flächensparende und urbane Stadtentwicklungsgebiete vorgesehen. Zusätzlich schafft der gültige Stadtentwicklungsplan wichtige Rahmenbedingungen für die Ressourcenschonung u. a. zur Um- und Weiternutzung von bestehenden Gebäuden, Sharing-Mobilität und Logistik. 25 FÜNF PRINZIPIEN FÜR DIE WIENER KREISLAUFWIRTSCHAFT Wien ist gerecht: Kreislaufwirtschaft umsetzen heißt (globale) Verantwortung leben Unsere Ressourcen sind endlich. Sie werden durch unsere konsumorientierte ­Lebens- und Wirtschaftsweise aber weiterhin ausgebeutet. Die Auswirkungen dessen sind sehr ungleich verteilt. Sie gehen vor allem zu Lasten von wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern. Im Sinne der Klimagerechtigkeit leistet Wien seinen Beitrag zur gerechten Verteilung der begrenzten Ressourcen und zur Verringerung der negativen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt entlang der gesamten Wertschöpfungskette von Produkten und Dienstleistungen. Dafür senkt Wien seinen konsumbasierten Material- und Treibhausgasfußabdruck und nimmt als Millionenstadt Verantwortung auch über die eigenen Stadtgrenzen hinaus wahr. Wien wirtschaftet nachhaltig: Ein starker Standort ist innovativ und ­zirkulär Zirkuläres und damit ressourcenschonendes Wirtschaften nimmt einen wichtigen Stellenwert bei der Positionierung Wiens ein. Durch die Stärkung regionaler und lokaler Strukturen macht sich Wien unabhängiger von globalen Lieferketten und erhöht seine Resilienz. Wiederverwendung sorgt für neue Formen der Arbeit und eine Renaissance des Handwerks, während der Einsatz innovativer Technologien effizientes Recycling unterstützt. Für Wiener Unternehmen bringt die zirkuläre Transformation mit neuen Geschäftsmodellen Wettbewerbsvorteile. Die Stadt Wien nützt ihre starke Position auf dem Markt als Beschafferin und setzt mit zirkulären Kriterien wichtige Impulse für eine nachhaltige Produktentwicklung. Die Stadt unterstützt das Erproben neuer Ideen und die Skalierung erfolgreicher Lösungen. Diese können somit rasch ihre volle Wirkung am Standort Wien entfalten und als zirkuläre Lösungen„made in Vienna“ exportiert werden. Wien gibt Struktur und Sicherheit: Alles dreht sich, wir behalten den Überblick Der gut geregelte und planbare Übergang zur Kreislaufwirtschaft ist eine der großen Herausforderungen dieses Jahrhunderts. Um dabei den Überblick zu behalten, braucht es klare Vorgaben und langfristige Planungs- und Rechtssicherheit. Der neue Umgang mit Ressourcen benötigt die Weiterentwicklung von Prozessen und Standards, die den ganzen Lebenszyklus eines Produkts sowie dessen Umweltwirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette berücksichtigen. Die Stadt Wien etabliert in ihrem Wirkungsbereich praxistaugliche Vorgaben, Verfahren und Strukturen für Planung, Beschaffung und Umsetzung. Wien entwickelt bestehende Werkzeuge weiter, etabliert neue Anwendungen und stellt diese niederschwellig zur Verfügung. Transparenz, Nachvollziehbarkeit und regelmäßige Überprüfung sorgen dafür, dass Wien beim Übergang von der Linearwirtschaft zur Kreislaufwirtschaft den Überblick behält. Wien kooperiert: Ressourcenschonung braucht viele Hände und Köpfe Kreislaufwirtschaft ist keine isolierte Fachdisziplin. Ihre Entwicklung, Erprobung und Umsetzung erfordern eine umfassende, sektorenübergreifende Zusammenarbeit. Die Transformation unserer etablierten Lebens- und Wirtschaftsweise gelingt nur als gemeinsamer Kraftakt, getragen von gebündelter Expertise und dem Zusammenspiel aller Akteur*innen. Systemisches Denken wird zur Schlüsselkompetenz, Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewinnt an Bedeutung – von Forschung und Wirtschaft über Politik und Verwaltung bis hin zur ­Bevölkerung. Wien verknüpft Ressourcenschonung untrennbar mit Klimaschutz und Klimaanpassung, steuert und setzt sie sektorenübergreifend um. Die Stadt nutzt die breite Kompetenz ihrer Verwaltung, integriert das Wissen und die Umsetzungskraft der städtischen Unternehmen und arbeitet eng mit der W ­ iener 26 ­Wirtschaft zusammen – von High-Tech-Unternehmen über Handwerk und Gewerbe bis hin zu Handel und Dienstleistungen. Wien geht mit gutem Beispiel voran: Durch gezielte Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen und aktive Einbindung der Wiener Bevölkerung stellt die Stadt sicher, dass alle mitgenommen werden. Und hier schließt sich der Kreis: Wien stellt die Menschen in den Mittelpunkt Der Wandel von der linearen hin zur Kreislaufwirtschaft geht Hand in Hand mit Wiens sozialer Verantwortung gegenüber seiner Bevölkerung. Gemeinwohl und die Bewahrung unserer planetaren Grenzen stehen nicht im Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg – sie sind dessen Grundlage. Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft schaffen Win-Win-Situationen: Sie fördern gesellschaftliche Teilhabe, erleichtern den Zugang zu nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen, machen sie alltagstauglich, leistbar und barrierefrei. Die Veränderung des Konsums bedeutet nicht unmittelbar Verzicht, sondern auch neue Möglichkeiten des Zusammenlebens und Teilens. Wien ist anders als andere Städte, vor allem wenn es um gelebte Verantwortung gegenüber der gesamten Bevölkerung in Form hochwertiger sozialer und alltäglicher Infrastrukturen geht. Die Kreislaufwirtschaft erweitert dieses Fundament, indem sie Wien als gemeinsame Ressource begreift und die Stadt als lebenswerte, sozial gerechte Metropole weiterentwickelt. Foto: Matern 27 Schwerpunkte und Hebel der Stadt Wien WIE UNS DIE RESSOURCENWENDE GELINGT: WIR FOKUSSIEREN AUF DIE GRÖSSTEN HEBEL UND SETZEN DORT AN, WO DIE STADT WIRKSAM WERDEN KANN Vieles wurde bereits auf den Weg gebracht, gleichzeitig bleibt noch viel zu tun, um Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft zu etablieren. Dieser Wandel ist kein Selbstläufer – er braucht eine klare Strategie, darauf aufbauend konkrete Maßnahmenpläne, Umsetzungsprogramme, Monitoring und kontinuierliches Nachjustieren.„Zirkuläres Wien: Eine runde Sache“ soll genau dabei unterstützen: als Orientierung, als Impulsgeber*in und Werkzeug, um den gemeinsamen Kraftakt erfolgreich zu gestalten. Der öffentliche Sektor hat viele Möglichkeiten, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft voranzutreiben. Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie (siehe auch Seite 21) nennt dafür wichtige Interventionsbereiche wie Marktanreize, Rechtsrahmen, Aufbau von Information und Wissen, Zusammenarbeit und ­Digitalisierung. Die zahlreichen Hebel, die Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft auf städtischer Ebene vorantreiben, werden in dieser Strategie erstmals für Wien sektorenübergreifend dargestellt. Unter breiter Beteiligung der Expert*innen der Stadt Wien wurden Schwerpunkte erarbeitet und so strukturiert, dass die wesentlichen Potenziale der Ressourcenschonung in Wien deutlich werden. Kreislaufwirtschaft ist ein Querschnittsthema – daher beschreibt Kapitel 3 die Hebel, die in sämtlichen Sektoren zur Ressourcenschonung beitragen. Dieser Werkzeugkasten ist grundlegend für die beiden weiteren Kapitel, die auf zwei große Potenziale fokussieren: Ressourcenschonung im Alltag und in der gebauten Umwelt. Das Kapitel Kreislaufwirtschaft als Werkzeug für die Ressourcenschonung identifiziert die Querschnittsthemen für den Übergang zur Kreislaufwirtschaft in Wien: • Märkte, Unternehmen und Kooperationen in der Kreislaufwirtschaft: Durch Vorgaben, das Aufsetzen von Prozessen und die öffentliche Beschaffung kann die Stadt Wien die Stärkung der Kreislaufwirtschaft in der Metropolregion mitgestalten. • Innovationen für die Kreislaufwirtschaft: Die Zusammenarbeit mit Forsch­ ungstreibenden, Pilotprojekte sowie Förderung und Beratung sind wichtige Instrumente der Stadt Wien als Partnerin für Innovation. • Bewusstseinsbildung und Kompetenzen für die Kreislaufwirtschaft: Die Integration der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft in Informations- und Kommunikationskanäle sowie in Qualifizierungsprogramme der Stadt ist ein Schlüsselfaktor für den Erfolg. In diesen drei Schwerpunktbereichen finden sich wichtige Hebel der Stadt Wien für die Transformation hin zur Wiener Kreislaufwirtschaft. Für eine erfolgreiche Transformation müssen darüber hinaus vor allem die besonders ressourcenintensiven Branchen adressiert werden(siehe auch„Transformationsschwerpunkte“ in der Bundesstrategie). Dabei fokussiert die Stadt Wien auf jene, die sich aus der konsumbasierten Treibhausgasbilanz und dem Materialfußabdruck ableiten lassen (siehe Seite 15ff). 28 Im Kapitel Ressourcenschonung im Wiener Alltag setzt die Stadt Wien auf drei weitere Schwerpunktbereiche, in denen Ressourcenschonung die Menschen in Wien im privaten und beruflichen Alltag direkt berührt. Dabei geht es u. a. um kurzlebige Konsumgüter, Lebensmittel und Dienstleistungen im Bereich Gesundheit, Pflege und Soziales: • Ressourcenschonender Konsum: Strukturen für die Kreislaufwirtschaft im Alltag und vielfältige Maßnahmen der Abfallvermeidung sind wichtige Hebel für einen geringeren Materialfußabdruck im Bereich der Konsumgüter. • Ressourcenschonende Lebensmittelproduktion, Verpflegung und ­Ernährung: Die Stadt Wien fokussiert auf die großen Potenziale entlang der Wertschöpfungskette unserer Lebensmittel – im eigenen Einflussbereich sowie das Bewusstsein im privaten Konsum. • Ressourcenschonung im Wiener Gesundheits-, Pflege und Sozialbereich: Aufgrund der hohen sozialen Relevanz, dem hohen Materialverbrauch und der speziellen Anforderungen bündelt die Stadt Wien ihre Hebel der ­Ressourcenschonung im Gesundheitssektor. Im Kapitel Ressourcenschonung in der gebauten Umwelt addressieren drei ­weitere Schwerpunktbereiche der Stadt Wien das Bauwesen als besonders ressourcen­intensiven Bereich. Das betrifft u. a. langlebige Güter wie Wohnraum und Infrastrukturen der Daseinsvorsorge: • Strukturelle Grundlagen für ressourcenschonenden Hoch- und Tiefbau: Mit neuen Verfahren, Vorgaben und Digitalisierung arbeitet die Stadt Wien systematisch an der Kreislaufwirtschaft im Planen und Bauen. • Ressourcenschonung in der Stadtentwicklung: Mit dem Nutzen der ­Bestandsstadt und Kreislaufwirtschaft in neuen Stadtteilen setzt die Stadt Wien auf wegweisende Rahmenbedingungen und Prozesse einer ressourcenschonenden Stadtplanung. • Ressourcenschonende Infrastrukturen der Daseinsvorsorge: Die Stadt Wien nutzt ihren Einflussbereich auf Ressourcenschonung im Zuge der ­Sicherung der Versorgung mit Wasser, Energie und Mobilität. Diese 9 Schwerpunktbereiche enthalten insgesamt 33 Hebel der Stadt Wien für die Transformation hin zur Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft bis 2050. Die Konkretisierung und Umsetzung soll in der kurz- bis mittelfristigen Maßnahmen­planung im Rahmen von Programmen und Projekten der Stadt erfolgen. Dabei gibt es diverse Möglichkeiten der Mitwirkung und Beteiligung für die Menschen in Wien. Bestehende Umsetzungsprogramme werden auf Basis der Strategie„Zirkuläres Wien“ weiterentwickelt. Auch Wiens Klima-Umsetzungsstrategie, der Wiener Klimafahrplan, verschränkt Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft als interdisziplinäre Querschnittsthemen. Der Klimafahrplan wird alle 5 Jahre fortgeschrieben. Die Fortschreibung bietet die Möglichkeit für Zivilgesellschaft und Unternehmen in Wien, sich regelmäßig an der Konkretisierung von klimapolitischen Hebeln der Stadt zu beteiligen. Das Monitoring und die Evaluierung der Ziele und Maßnahmen der Strategie „Zirkuläres Wien“ ist im Rahmen bestehender Prozesse vorgesehen(u. a. Smart Klima City Strategie Wien, Wiener Klimafahrplan, Wiener Klimabudget). 29 Tabellen 1-3: Überblick der Schwerpunktbereiche und Hebel in den drei großen Themenbereichen der Strategie„Zirkuläres Wien“, Kapitel 3 bis 5 3. Kreislaufwirtschaft als Werkzeug für die Ressourcenschonung Schwerpunkt­bereiche Hebel Märkte, Unternehmen und ­Kooperationen in der ­Kreislaufwirtschaft 1 Die Stadt Wien als Garantin für zirkuläre Nachfrage durch die öffentliche Beschaffung 2 Zirkuläre Prozesse und Produkte als Wettbewerbsvorteil 3 Märkte, Logistik und Kooperationen zu Ressourcenaustausch in der Metropolregion Wien Innovationen für die ­Kreislaufwirtschaft 4 Innovationsförderung und Beratung zu zirkulären Geschäftsmodellen 5 Ko-Kreation als Basis für mehr Tempo im Übergang zur Kreislaufwirtschaft 6 Forschungstranslation und Skalierung für ein zirkuläres Wien Bewusstsein und Kompetenzen für die K­ reislaufwirtschaft 7 Information und Kommunikation für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft 8 Qualifizierung und Kompetenzen für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft 9 Die Wiener Kreativwirtschaft im Zeichen der Kreislaufwirtschaft 4. Ressourcenschonung im Wiener Alltag Schwerpunkt­ bereiche Hebel 10 Strukturen und Räume für nachhaltigen Konsum im Grätzl Ressourcen­ schonender Konsum 11 Wissen und Mitwirkung für ein ­ressourcenschonendes Leben im Grätzl 12 Mehrweg für gelebte Kreislaufwirtschaft 13 Abfall als Ressource verstehen Ressourcen­ schonende Lebensmittel­ produktion, Verpflegung und Ernährung 14 Ganzheitliche Ernährungsstrategie auf regionaler Ebene 15 Stopp der Lebensmittelverschwendung 16 Ressourcenschonende Gemeinschaftsverpflegung und Gastronomie 17 Wien produziert regional und biologisch 18 Biogene Abfälle im Kreislauf Ressourcen­ schonung im Wiener Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich 19 Prozess- und Ablaufoptimierung sowie Digitalisierung im Gesundheits- und Pflegebereich 20 Abfalltrennung und-verwertung im Gesundheits- und Pflegebereich 21 Wienweite Kreislaufwirtschafts­ programme im Gesundheits- und Pflegebereich 5. Ressourcenschonung in der gebauten Umwelt Schwerpunkt­ bereiche Hebel 22 Messbarkeit des kreislauffähigen Planen und Bauens Strukturelle Grundlagen für ressourcen­ schonenden Hoch- und ­Tiefbau 23 Von der Theorie zur Praxis: ­Zirkuläre Pilotierungen als Schlüssel für die ­Transformation. 24 Rechtliche Verankerung des ­kreislauffähigen Bauens 25 Digitalisierung und moderne Arbeitsweisen für Ressourceneffizienz im Bauwesen 26 Erneuerung der Bestandsstadt für ­maximale Ressourcenschonung Ressourcen­ schonung in der Stadt­ entwicklung 27 Ressourcenschonende Stadterweiterung in Stadtentwicklungsgebieten 28 Zirkuläre Gestaltung urbaner Freiräume 29 Logistik und Flächen für Kreislaufwirtschaft im Baubereich 30 Kreislauforientierter Umgang mit ­Bodenaushub 31 Ressourceneffiziente Mobilität Ressourcen­ schonende Infrastrukturen der Daseins­ vorsorge 32 Ressourcenschonende Wasser- und ­Abwassersysteme 33 Kreislaufwirtschaft im klimaneutralen Energiesystem 30 3.  Kreislaufwirtschaft als Werkzeug für die Ressourcenschonung Wir sehen Kreislaufwirtschaft als Werkzeug für ein ressourcenschonendes Leben für alle. Die Transformation zur Kreislaufwirtschaft erfordert tiefgreifende systemische Veränderungen in der Art, wie wir produzieren, konsumieren und mit Ressourcen umgehen. Damit dieser Wandel gelingt, setzt Wien auf seine Stärken: eine vielfältige Wirtschaftsstruktur, q­ ualifizierte ­Fachkräfte, hohe Innovationskraft und eine Kultur der Zusammenarbeit. All das bietet den ­idealen Nährboden für den Aufbau einer zirkulären Stadtwirtschaft der Zukunft. 31 Chancen für Versorgungssicherheit, Resilienz und Stärkung der Region WARUM WIR UNSERE LEBENSQUALITÄT SICHERN, WENN WIR ZIRKULÄR WIRTSCHAFTEN Um hohe urbane Lebensqualität und wirtschaftliche Stabilität auch künftig zu ­gewährleisten, muss die Stadt als Wirtschafts- und Innovationsstandort Lösungen für zentrale Herausforderungen wie die Sicherung unserer natürlichen Lebensgrundlagen, Bevölkerungswachstum und geopolitische Unsicherheiten entwickeln. Zu den relevanten Akteur*innen der Wiener Wirtschaft zählen neben dem produzierenden Gewerbe, dem Dienstleistungsbereich, dem Handel, den klein- und mittelständischen Unternehmen, der Industrie und den Start-ups auch die Arbeitnehmer*innen, die Sozialwirtschaft, die Forschung, die öffentliche Verwaltung auf allen staatlichen Ebenen, die Sozialpartner*innen und die Zivilgesellschaft. Wirtschaft – das sind wir alle. Einige Wiener Unternehmen befassen sich bereits mit Geschäftsmodellen der Kreislaufwirtschaft, einen Überblick gibt die Wirtschaftsagentur Wien mit einem Online-Report: wirtschaftsagentur.at/report-kreislaufwirtschaft Die Wiener Wirtschaft ist hauptsächlich geprägt von Dienstleistungen(tertiärer Sektor, rund 85 Prozent). Nur rund 15 Prozent der Bruttowertschöpfung wird durch innerstädtische Produktion erwirtschaftet(sekundärer Sektor) und die Primärentnahme von Ressourcen innerhalb der Stadtgrenzen ist verschwindend gering. Deshalb ist Wien zum überwiegenden Teil von Rohstoffimporten aus dem restlichen Bundesgebiet, dem EU-Raum und dem globalen Markt abhängig(siehe Abbildung 8). Abbildung 8: Bruttowertschöpfung nominell in Milliarden(Mrd.) Euro nach Wirtschaftssektoren und als Anteil am Gesamtvolumen. Vergleich Österreich(links) und Wien(rechts). Zum primären Sektor zählen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und die Gewinnung von Rohstoffen, zum sekundären Sektor gehören Industrie, Bauund produzierendes Gewerbe, welche Rohstoffe zu Produkten verarbeiten. Unter dem tertiären Sektor versteht man den Dienstleistungssektor. Quelle: Stadt Wien – Wirtschaft, Arbeit und Statistik: Wirtschaftsstandort 2024. Wien in Zahlen Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftssektoren Primärer Sektor 6,2 Mrd. EUR 1,6% Sekundärer Sektor 116,8 Mrd. EUR 29,1% Primärer Sektor 0,07 Mrd. EUR 0,07% Sekundärer Sektor 14,6 Mrd. EUR 14,7% Österreich 400,9 Mrd. EUR Tertiärer Sektor 277,9 Mrd. EUR 69,3% Wien 99,4 Mrd. EUR Tertiärer Sektor 84,8 Mrd. EUR 85,3% 32 RESILIENZ DURCH KREISLAUFWIRTSCHAFT Zirkuläres Wirtschaften bietet Chancen auf mehreren Ebenen. Einerseits werden Unternehmen gegenüber Unsicherheiten entlang globaler Lieferketten resilient aufgestellt, da Kreislaufwirtschaft stärker auf Aufbereitung sowie Wieder- und Weiterverwendung bereits genutzter Ressourcen ausgerichtet ist. Das führt zu einer reduzierten Nachfrage an Primärrohstoffen und Produkten aus dem Ausland und verringert Umweltbelastungen, die bei Abbau, Produktion und Transport entstehen. Andererseits stärkt eine funktionierende Kreislaufwirtschaft heimische Produktions- und Dienstleistungssektoren. Der verstärkte Einsatz von regional anfallenden Sekundärressourcen erhöht die regionale Wertschöpfung. Diesen Vorteilen stehen aktuell höhere Kosten sowie organisatorische und ordnungspolitische Hürden gegenüber. Diese Hürden gelten allerdings nur für die unmittelbare Umstellung auf eine zirkuläre Wirtschaft: Werden Umweltfolgen des linearen Wirtschaftens eingepreist, so sind zirkuläre Alternativen nicht teurer. Organisatorische Hürden für zirkuläre Lösungen entstehen aktuell aufgrund der an der Linearwirtschaft ausgerichteten Prozesse. Die Kreislaufwirtschaft ist langfristig sinnvoller, kurzfristig aber strukturell benachteiligt. Die unternehmerische Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft ist dann gelungen, wenn wirtschaftlicher Erfolg und das Erreichen sozialer und ökologischer Zieldimensionen einander bedingen. 27 Regional verankert und international vernetzt, positioniert sich Wien als Vorreiterin und europäisches Vorbild für Ressourcenschonung und nachhaltiges Wirtschaften im Kreislauf. 28 Wie zahlreiche Untersuchungen zur Arbeits- und Wirtschaftspolitik Österreichs zeigen, ist all das kein Selbstzweck. Denn Investitionen in Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft schaffen und sichern Arbeitsplätze, entlasten mittelfristig die öffentlichen Budgets und sorgen in privaten Haushalten für sinkende Lebenserhaltungskosten. 29 Der technologische Wandel bietet enorme Chancen im Übergang zur Kreislaufwirtschaft, muss aber aktiv gestaltet werden: Für eine gerechte und nachhaltige Transformation müssen technologische Innovationen mit sozialen und organisatorischen Innovationen einhergehen. ZUSAMMENARBEIT IN DER METROPOLREGION Die Metropolregion Wien erhält mit ihren vielfältigen Wirtschaftsstandorten und geeigneten Flächen größere Bedeutung für das Angebot an Produkten und Dienstleistungen als Wien allein. Sie kann sich gemeinsam im internationalen Wettbewerb unabhängiger machen. Um die Kreislaufwirtschaft zu etablieren, ist ein gemeinsames regionalwirtschaftliches Verständnis über die Wiener Landesgrenzen hinweg wichtig. Es braucht eine enge Abstimmung von politischen Entscheidungsträger*innen, Organisationen und Verbänden, ein attraktives Flächen- und Standortangebot und eine gute ­Infrastruktur im Stadtgebiet. Um regionale Produktions- und Marktsegmente gezielt auszubauen, müssen ­Unternehmen und Gebietskörperschaften zusammenarbeiten. Dabei unterscheiden sich die Kooperationsräume bei den diversen Marktsegmenten und Lieferketten(z. B. in der Lebensmittel-, Bau- und Energiewirtschaft). Sie reichen von kleinräumiger Zusammenarbeit im direkten Stadtumland bis hin zur umfassenden Metropolregion(siehe Abbildung 9). 33 Forschung und Entwicklung Design Produktionsbezogene Dienstleistungen Produktion und Herstellung Stadtgebiet Produktbezogene Dienstleistungen Logistik und Vertrieb Verkauf und Marketing Abbildung 9: Die Schritte eines Produktionsprozesses und deren räumliche Verteilung im Kooperationsraum einer Metropolregion. Quelle: Espon Mista 2020 Ressourcenumschlag- und Marktplätze(virtuell und real) für den Austausch regio­ nal anfallender Sekundärressourcen beziehungsweise gebrauchter Materialien können nur Schritt für Schritt und unter Einbeziehung aller relevanten Stakeholder*innen entwickelt werden: Gemeinsam mit Industriebetrieben, produzierenden Unternehmen, Dienstleistungsbetrieben, Logistikanbieter*innen bis hin zu Eigentümer*innen von Flächen müssen dabei leistungsfähige, zielgruppengerechte digitale Lösungen entwickelt und am Markt integriert werden. Die Stadt Wien kann hier unterstützend tätig sein, indem sie mit den genannten Stakeholder*innen eine Step-by-Step-Strategie entwickelt und einzelne Pilotvorhaben vorantreibt. Durch die Vernetzung von Branchen, Unternehmen und Akteur*innen und die Regionalisierung von Angebot und Nachfrage kann der Aufbau der Kreislaufwirtschaft in der Metropolregion Wien gelingen. Die Stadt Wien und ihre Unternehmen können durch gezielte Kooperationen mit der Wirtschaft ihre Rolle als Auftraggeberinnen im Sinne der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft nutzen. Des Weiteren führt die gezielte Zusammenarbeit mit sozialökonomischen Betrieben (z. B. Reparaturbetriebe) durch die Verknüpfung von sozialen Zielen mit ökologischen Schwerpunktsetzungen zu einem hohen Mehrwert. „Der Wiener Weg macht Kreislaufwirtschaft zum Motor für Innovation und Wachstum am Wirtschaftsstandort Wien. Durch nachhaltiges Ressourcenmanagement schaffen wir Jobs, stärken lokale Unternehmen und machen unsere Stadt zukunftsfit. Kreislaufwirtschaft ist eine Chan­ ce für eine starke Wirtschaft, die Umwelt und Lebensqualität verbindet. Jetzt ist die Zeit, Wien als Vorreiterin einer nachhaltigen und wett­ bewerbsfähigen Wirtschaft zu positionieren!“ Barbara Novak Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales Foto: David Bohmann 34 DIE 10-R-GRUNDSÄTZE ALS HANDLUNGSGRUNDLAGE Oftmals assoziieren viele Menschen die Kreislaufwirtschaft ausschließlich mit dem Thema Abfall. Das Schließen von Ressourcenkreisläufen im Sinne des klassischen Recyclings am Ende der Nutzungsphase ist allerdings nur ein Teil des Konzepts. Die 10-R-Grundsätze beschreiben die verschiedenen Aspekte einer umfassend verstandenen, ökologisch nachhaltigen Lebens- und Wirtschaftsweise. Die 10-R-Grundsätze sind handlungsleitend bei der Entwicklung von Instrumenten und Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft. Ihre hierarchische Reihung erfolgt entlang ihrer Bedeutung für diese. Die Grundsätze gelten für kurzlebige Produkte (Lebensmittel, Verpackungen, Textilien) genauso wie für langlebige Produkte und Investitionsgüter(Infrastruktur, Gebäude). Refuse, Rethink und Reduce Die ersten drei R haben die stärkste Wirkung und erfordern ein grundlegendes Umdenken unseres Wirtschafts- und Konsumverhaltens. Es geht u. a. nachfrage­ seitig darum, an erster Stelle die Notwendigkeit einer Anschaffung von Produkten zu hinterfragen oder alternative Wege eines Produktnutzens zu gehen(Refuse). Statt Besitz rückt auch die gemeinschaftliche Nutzung in den Fokus – etwa durch Teilen statt individuellem Besitzen(Rethink). Neue Dienstleistungen helfen den Nutzen von Gütern zu erhöhen, die von Beginn an umfassend zirkulär gestaltet („circular design“) und möglichst effizient und ressourcenschonend produziert werden(Reduce). Re-Use, Repair, Refurbish, Remanufacture und Repurpose Diese fünf R zielen darauf ab, die Nutzungsdauer auf einem möglichst hohen Wertniveau zu verlängern und bieten eine große Bandbreite neuer Dienstleistungen. Das Wiederverwenden(Re-Use) und das Reparieren(Repair) von Produkten spielen hier eine große Rolle. Alte Produkte wieder aufzubessern und auf den neuesten Stand zu bringen(Refurbish) gehört ebenso dazu wie intakte Teile für neue Zwecke in Produkten mit denselben Funktionen(Remanufacture) oder anderen Funktionen (Repurpose) zu verwenden. Recycle und Recover Sollten alle anderen R nicht möglich sein, sind Materialien durch Recycling so weit wie möglich in den Stoffkreislauf zurückzuführen. Nicht vermeidbare Abfälle sollten zur Energieerzeugung(Strom, Fernwärme) verwendet werden, wie das zum Beispiel in den Müllverbrennungsanlagen passiert(Recover). Die 10-R-Grundsätze dienen als Leitlinie, um technische und biologische Kreisläufe effektiv zu schließen. Stadtverwaltung, Unternehmen und Bevölkerung setzen einzelne dieser Grundsätze bereits um – meist jedoch in den Bereichen „Recycle” und„Recover”. Nun gilt es, das volle Spektrum der 10-R-Grundsätze stärker zu nutzen, insbesondere jene Maßnahmen am Anfang des Produktlebenszyklus, da sie die größte Wirkung entfalten. Diese Grundsätze müssen systematisch in alle relevanten Bereiche und Prozesse integriert werden, um den Wandel zur Kreislaufwirtschaft wirksam voranzutreiben. 35 Vorgaben und Ziele für eine zirkuläre Wirtschaft RAHMENBEDINGUNGEN AUF EU- UND BUNDESEBENE (siehe auch Seite 19) • Clean Industrial Deal: Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie soll durch den Clean Industrial Deal(COM/2025/85) wiederhergestellt und ausgebaut, aber parallel dazu die Zielsetzungen der Dekarbonisierung der Industrie erreicht werden. Die Kreislaufwirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle. Ziel ist, die EU bis 2030 zur Weltmarktführerin in der Kreislaufwirtschaft zu machen. Bis Ende 2026 ist ein EU-Kreislaufwirtschaftsgesetz(Circular Economy Act) geplant. • EU-Taxonomie: Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft erfordert Investitionen, die sowohl von staatlicher als auch von privatwirtschaftlicher Seite getätigt werden müssen. Die EU-Taxonomieverordnung(2020/852/EU) ist das zentrale Klassifizierungssystem für nachhaltiges Wirtschaften und definiert klare Kriterien, um Greenwashing zu vermeiden. Unternehmen sind nicht direkt zu taxonomiekonformen Investitionen verpflichtet, müssen aber ab einer bestimmten Größe darüber berichten und profitieren durch bessere Finanzierungsbedingungen, regulatorische Sicherheit, Wettbewerbsvorteile und Risikominimierung. Eine wirtschaftliche Tätigkeit ist taxonomiekonform, wenn sie wesentlich dazu beiträgt, zumindest eines der sechs definierten Umweltziele(u. a. Klimaschutz, Klimaanpassung oder Übergang zur Kreislaufwirtschaft) zu erreichen und keines der anderen fünf Ziele wesentlich beeinträchtigt. Die Umsetzung in Österreich obliegt den Unternehmen im Rahmen ihrer Berichtspflichten und soll im Nachhaltigkeitsberichtsgesetz(NaBeG) geregelt werden. • EU-Vorgaben zu Lieferketten: Die europäische Lieferkettenrichtlinie (2024/1760/EU) ist eine Richtlinie über die Sorgfaltspflichten von ­Unternehmen bezüglich ihrer Lieferkette im Kontext der Nachhaltigkeit. Sie zielt u. a. auf eine nachhaltige Beschaffung ab, sowie Umweltauswirkungen entlang der ­Liefer­kette zu bewerten und Anreize für Innovationen zu setzen. Weiters zentral ist die Verordnung(2024/1252/EU) zur Schaffung eines Rahmens zur Gewährleistung einer sicheren und nachhaltigen Versorgung mit kritischen Rohstoffen. • Zentrale Rechtsmaterien des Bundes: Relevant für das Setzen von zirkulären Marktanreizen des öffentlichen Sektors ist das Bundesvergabegesetz(BVergG 2018) und der Aktionsplan für nachhaltige Beschaffung(naBe, 2021). Mit dem Abfallwirtschaftsgesetz(AWG 2002), dem darauf basierenden Bundesabfallwirtschaftsplan(inklusive Abfallvermeidungsprogramm) und der Österreichischen Kreislaufwirtschaftsstrategie sind weitere entscheidende Rechtsgrundlagen gesetzt. 36 WIENER VORGABEN FÜR DIE ZIRKULÄRE WIRTSCHAFT Auf Grundlage der im Jahr 2024 fortgeschriebenen Wiener Wirtschaftsstrategie WIEN 2030 – Wirtschaft& Innovation sollen die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt gesichert, Ressourcen geschont und die Bedürfnisse der Menschen adressiert werden. Ihre Ziele fließen in den Wiener Weg der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft ein und spiegeln sich in den Hebeln und Aktivitäten wieder. 30 Eng verbunden mit der Smart Klima City Strategie Wien und der Wiener Wirtschaftsstrategie ist die Digitale Agenda 2030 31 . Sie legt fest, dass Digitalisierung auch zu Klimaschutz, ökologischer Nachhaltigkeit und einer ressourcenschonenden Verwaltung beitragen muss. Weitere Wiener Strategien mit Anknüpfungspunkten zur Kreislaufwirtschaft sind die Visitor Economy Strategie – Optimum Tourism 32 (Tourismusbranche) und die Kulturstrategie 2030 33 (Kulturwirtschaft). Wichtige Wiener Zielsetzungen für eine zirkuläre Wirtschaft • Wiener Unternehmen haben einen Wettbewerbsvorteil , weil ihnen der Übergang zu einem ökologisch und sozial nachhaltigen Wirtschaften ­gelungen ist. Die Kreislaufwirtschaft dient dabei als Werkzeug.(Strategie Wien 2030 – Wirtschaft und Innovation) • Neue Ideen werden unkompliziert getestet und erfolgreiche Lösungen skaliert. So können sie schnell ihre volle Wirkung am Standort Wien entfalten und als zirkuläre Lösungen„made in Vienna“ exportiert werden.(Wien 2030 – Wirtschaft und Innovation) • Wien erweitert kontinuierlich Zugänge zu Daten , um den Übergang zur Kreislaufwirtschaft zu erleichtern.(Wien 2030 – Wirtschaft und Innovation, Digitale Agenda 2030) • Die Akteur*innen der Kultur- und Kreativwirtschaft sind maßgebliche ­Innovationstreiber*innen, Motor für das Wiener Innovationsmilieu und ­tragen gezielt in Ko-Kreations-Prozessen zum Übergang zur Kreislaufwirtschaft bei.(Wien 2030 – Wirtschaft und Innovation) • Wien als Hotspot des nachhaltigen Tourismus : Die Lebensqualität der Stadt bleibt auf hohem Niveau erhalten und auch für die Zukunft gesichert.(Wien 2030 – Wirtschaft und Innovation, Visitor Economy Strategie – Optimum Tourism) • Ökologisch-nachhaltiges Bewusstsein ist im Jahr 2030 fixer Bestandteil in Wiener Kulturbetrieben sowie im Sinne einer Ressourcenschonung im Schaffungsprozess verankert.(Wiener Kulturstrategie 2030) 37 Schwerpunkte für die zirkuläre Wiener Wirtschaft Die Stadt Wien verfolgt drei grundlegende ­Schwerpunkte für zirkuläres ­Wirtschaften in allen Branchen. 1. Märkte, Unternehmen und Kooperationen in der Kreislaufwirtschaft 2. Innovationen für die Kreislaufwirtschaft 3. Bewusstsein und Kompetenzen für die ­Kreislaufwirtschaft MÄRKTE, UNTERNEHMEN UND KOOPERATIONEN IN DER KREISLAUFWIRTSCHAFT Um die Wirtschaft in eine ressourcenschonende Zukunft zu führen, setzt die Stadt auf eine darauf ausgerichtete öffentliche Beschaffung, die Förderung und Beratung zur Ökologisierung von Produktionsprozessen sowie die Wegbereitung neuer Geschäftsmodelle. Für ein gemeinsames Gelingen ist es entscheidend, dass die Metropolregion zusammenarbeitet und Wien logistische Herausforderungen mitdenkt und gestaltet. BEST PRACTICE ÖkoKauf Wien Seit 1998 setzt die Magistratsabteilung 22 – Umweltschutz mit dem Programm ÖkoKauf Wien auf nachhaltige Beschaffung. Ziel ist es, bei der Vergabe von ­Aufträgen umweltfreundliche und ressourcenschonende Produkte und Dienst­ leistungen zu bevorzugen – etwa in den Bereichen Bau, Textilien, Lebensmittel, Elektrogeräte oder Möbel. Foto: Matthias Nemmert Wiener Standardleuchte Die Magistratsabteilung 33 – Wien leuchtet hat eine besonders wartungsfreundliche und flexible Straßenleuchte entwickelt: die sogenannte Wiener Standardleuchte. Sie erlaubt den Einsatz verschiedener LED-Module unterschiedlicher Hersteller*innen in einem einzigen Leuchtengehäuse. Das System ist speziell auf die Anforderungen einer Großstadt wie Wien ausgelegt. Foto: Stadt Wien, MA 33 Kreative Räume – Service für Leerstandsaktivierung und Zwischennutzung „Kreative Räume Wien“ ist ein Service für Leerstandsaktivierung und befasst sich seit 2016 mit Raumnutzung durch Kultur, Soziales, Kreativwirtschaft und Stadtteilarbeit. Die Servicestelle unterstützt im Auftrag der Stadt Wien Raumsuchende, berät Eigentümer*innen und begleitet Projekte. Foto: Katharina Egg 38 HEBEL 1 DIE STADT WIEN ALS GARANTIN FÜR ZIRKULÄRE NACHFRAGE DURCH DIE ÖFFENTLICHE B­ ESCHAFFUNG Die Stadt Wien hat als öffentliche Auftraggeberin einen gewichtigen Hebel, um die Wirtschaft durch große Nachfrage seitens der öffentlichen Beschaffung zu stimulieren. Jahr für Jahr kauft sie Produkte und Leistungen aller Art im Wert von mehreren Milliarden Euro ein: Planungsleistungen, Bauleistungen, Lebensmittel, Textilien, Reinigungsmittel, Waschmittel, Desinfektionsmittel, Büromaterial, Einrichtungsgegenstände, Elektround Elektronikgeräten u.v.m. Mit ÖkoKauf Wien gibt es ein seit vielen Jahren bewährtes Programm für ökologische Beschaffung, das bereits gegenwärtig eine Reihe von Maßnahmen für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft enthält und dahingehend ausgebaut werden soll. Unsere Aktivitäten • Ressourcenschonung vor der Beschaffung: Die Prüfung der 10-R-Grundsätze werden vor jedem Beschaffungsvorgang zum Standard. Mögliche Maßnahmen reichen vom Einplanen der ­Beschaffung zirkulärer Produkte oder Planungsleistungen, der Weitergabe von Produkten innerhalb der Organisation bis hin zur Nicht-Anschaffung durch effizientere Nutzung und Suffizienz (siehe auch Seite 84). • Gezielter Einsatz von Vergabeverfahren: Instrumente wie Verhandlungsverfahren oder ­Alternativ- und Variantenangebot, Innovationspartnerschaft oder wettbewerblicher Dialog ­werden bedarfsorientiert angewendet, um ­Anreize bei Unternehmen für kreislauffähige ­Produkte und Dienstleistungen zu setzen. • Zirkuläre Kriterien: Leistungsbeschreibungen, technische Spezifikationen, Ausführungsbedingungen sowie Eignungs-, Auswahl-, und Zuschlagskriterien werden hinsichtlich der 10-R-Grundsätze niederschwellig und unter Bedachtnahme bestehender Systeme(z. B. bei Neubau und Sanierung der Zirkularitätsfaktor für Wien, EU-Taxonomie) überarbeitet und auf noch nicht umfasste Produktgruppen erweitert. • Gemeinsame Vergabe: Übergreifende Zusammenarbeit der städtischen Dienststellen und Unternehmenseinheiten wird, wo möglich, forciert. Dies betrifft insbesondere jene Produktgruppen, bei denen eine zentrale ökologische Beschaffung nicht in Konkurrenz zur Stärkung von kleinen und mittleren Unternehmen oder regionaler Wertschöpfung steht. • Unterstützung von Beschaffer*innen: ­ Checklisten, Leitlinien, Produktdatenbanken zur ­Beschaffung sowie Trainings und Vernetzung für Beschaffer*innen werden weiterentwickelt und in der Stadt Wien und ihren Unternehmungen und Unternehmen etabliert. • Monitoring: Daten zu Beschaffungsvorgängen (z. B. Umweltwirkung, Lebenszyklusanalysen, Beschaffungsvolumen) werden gesammelt und für die Weiterentwicklung des Beschaffungsprogramms ÖkoKauf Wien aufbereitet und von allen Organisationseinheiten der Stadt Wien genutzt. 39 HEBEL 2 ZIRKULÄRE PROZESSE UND PRODUKTE ALS WETTBEWERBSVORTEIL Für ein zirkuläres Wien braucht es Unternehmen, die sich an wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen orientieren. Im Zusammenspiel zwischen Stadtverwaltung und Wirtschaft gilt es, die Kreislaufwirtschaft im Rahmen der gemeinsamen Beziehungen(Regelwerke, Flächen und Infrastruktur, innovative Ökosysteme, Finanzierungen) maßgeschneidert voranzutreiben. Unsere Aktivitäten • Unternehmen der Stadt Wien mit hoher Gestaltungskompetenz: Die Wiener Stadtwerke-Gruppe und die Wien Holding nutzen ihre koordinierende Rolle und entwickeln kooperative und konzernweite Kreislaufwirtschaftsstrategien, die mit Dekarbonisierungsplänen und Nachhaltigkeitsberichterstattung verknüpft sind. • Die Stadt als Wegbereiterin: Die städtischen Unternehmen agieren als Vorreiter*innen für die zirkuläre Transformation, entwickeln, testen und implementieren frühzeitig, wo es technisch, rechtlich und wirtschaftlich möglich ist, entsprechende Verfahren, Technologien und Lösungen. • Reparaturbon& Wien-Bonus: Bereits vorhandene Initiativen wie der Wiener Reparaturbon und der Wien-Bonus zur Stärkung lokaler Dienstleistungen und regionaler Beschaffung werden evaluiert und entsprechend angepasst. • Geförderte Innovations- und Unternehmens­ beratung: Die Stadt Wien begleitet Unternehmen bei ihrer Umstellung auf kreislauforientierte Produkte und Geschäftsmodelle. Im engen Schulterschluss unterstützen ÖkoBusiness Wien und Wirtschaftsagentur Wien Unternehmen mit Informationen, Services, Förderungen und Infrastrukturangeboten bei ihren konkreten Schritten Richtung Kreislaufwirtschaft. • Ordnungsrechtliche Grundlagen anpassen: Richtlinien und Verordnungen(z. B. Gewerbeordnung) werden hinsichtlich allfälliger Barrieren für Kreislaufwirtschaft beurteilt und weiterentwickelt (siehe auch Seite 84). 40 HEBEL 3 MÄRKTE, LOGISTIK UND KOOPERATIONEN ZU RESSOURCENAUSTAUSCH IN DER METROPOLREGION WIEN Derzeit gibt es nur ein geringes Angebot und schwach ausgeprägte Märkte für Gebrauchtwaren, Sekundärrohstoffe und wiederverwendbare Materialien. Daher ist die Etablierung und Stärkung solcher Märkte erforderlich. Notwendig sind die Stimulierung des Marktgeschehens sowie Förderung, Entwicklung und Aufbau selbsttragender Strukturen. Eine Standortpolitik, die Produktion und Logistik in der Metropolregion(z. B. von Lebensmitteln und Baustoffen) gesamthaft einbezieht, kann wirtschaftlich tragfähige Kooperationen und Ressourcenaustausch zwischen Regionen, Branchen und Industriesektoren fördern. Multimodale Knotenpunkte wie der Hafen Wien spielen eine zentrale Rolle beim Aufbau eines leistungsfähigen Kreislaufwirtschaftsmarktes. Bestehende Flächen und Infrastrukturen können gezielt für Sekundärstofflogistik, Bodenumschlag oder kreislauffähigen Güterverkehr sowie Logistikkonzepte genutzt und weiterentwickelt werden. In der Aufbauphase von zirkulären Märkten stellt die Analyse von Potenzialen, branchenspezifischen Besonderheiten und Herausforderungen sowie zu kooperativen Trägermodellen eine wichtige Voraussetzung dar. Erfolgsversprechend ist von Beginn an ein ganzheitliches Ökosystem, das alle für den Recycling- und Re-UseMarkt relevanten Stakeholder*innen einbindet, digitale Möglichkeiten konsequent nutzt und leistungsfähige, zielgruppengerechte Logistiklösungen integriert. Unsere Aktivitäten • Grundlagen zu Materialflüssen: Untersuchungen zum stadt- und regionalwirtschaftlichen StatusQuo und zu den Potenzialen zu Kreisläufen von Gütern und Stoffen innerhalb der Region sowie den Austauschbeziehungen mit anderen Regionen werden seitens der Stadt gefördert. Dies betrifft u. a. Mengen, Qualitäten, Abfallanteile und den Bedarf an Logistikflächen(siehe auch Seite 90). • Kooperationen für gesteigerte Unabhängigkeit der Region: Strategische Leitlinien der Wirtschaftskooperation 34 und gezielte Vernetzungsformate zur Kreislaufwirtschaft in der Metropolregion Wien werden in Zusammenarbeit mit bestehenden Netzwerken(z. B. Stadt-UmlandManagement, Abfallverbände) aufgebaut. • Organisationsmodelle für Ressourcenaustausch: Die Stadt unterstützt den Aufbau kreislauforientierter Marktplätze sowie die damit verbundene Logistik und gestaltet das Marktgeschehen in Wien mit(z. B. mittels Beratung, Pilotprojekten, Beteiligungen). • Teilen und gemeinsam Nutzen: Sharing-Angebote werden in dafür geeigneten Anwendungsfeldern bei privater Trägerschaft bedarfsorientiert unterstützt. 41 INNOVATIONEN FÜR DIE KREISLAUFWIRTSCHAFT Hand in Hand mit einer starken Stadtverwaltung und leistungsfähigen Unternehmen der Stadt treiben relevante Akteur*innen aus Forschung und Wirtschaft Innovationen für die Kreislaufwirtschaft voran. Ko-Kreation und Partizipation helfen bei der praxistauglichen Entwicklung und Implementierung neuer technischer Lösungen für Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. Die Themen Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft ergänzen bereits ­bestehende Instrumente der Wiener Innovationsförderung. Gemeinsam mit ­Förderinstrumenten des Bundes wird das Innovationspotenzial für zirkuläres ­Wirtschaften ausgebaut. BEST PRACTICE Vienna Planet Fund Über den Vienna Planet Fund unterstützt die Wirtschaftsagentur Wien innovative Unternehmen und Gründer*innen dabei, klimafreundliche und ressourcenschonende Projekte in Wien zu realisieren. Gefördert werden zum Beispiel Investitionen, Schulungs- und Qualifizierungsmaßnahmen sowie Beratung- und Entwicklungs­ leistungen für die Umsetzung. Foto: Wirtschaftsagentur Wien Climate Lab Das Climate Lab entwickelt Kooperationsprogramme, schafft Raum für Erkundungen und baut eine branchenübergreifende Gemeinschaft zur Kreislaufwirtschaft auf. Es werden Kooperationen zwischen Unternehmen und der öffentlichen Verwaltung initiiert, Programme für vielversprechende Start-ups und Scale-ups in ganz Europa sowie auch Möglichkeiten zur Vernetzung angeboten. Foto: fotografiefetz-studiof Innovationslabor thinkport VIENNA Das Innovationslabor unterstützt nachhaltige Logistiklösungen, die sich den Heraus­forderungen der zirkulären Stadt stellen und umfassende, langfristige Lösungen entwickeln. Das Lab ist eine neutrale, objektive und kompetente Anlaufstelle für Themen rund um die Güterlogistik in der Stadt Wien und somit eine wichtige Unterstützung der Kreislaufwirtschaft. Foto: LBS Redl, thinkport Vienna 42 HEBEL 4 INNOVATIONSFÖRDERUNG UND BERATUNG ZU ZIRKULÄREN GESCHÄFTSMODELLEN Unterstützung neuer Geschäftsmodelle für zirkuläre Produkte und Dienstleistungen ist ein wichtiger Bestandteil für den Übergang von der linearen Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft. Neben einem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ergeben sich auch neue Wertschöpfungsoptionen für Unternehmen, etwa durch das Anbieten von Product-as-a-Service-Dienstleistungen, der Weiternutzung von Sekundärressourcen. Wesentliche Aktivitäten in diesem Bereich sind Förderungen und Beratungsleistungen. Innovationsförderung für zirkuläre Geschäftsmodelle steigert die regionale Wertschöpfung, generiert Arbeitsplätze und stimuliert die Forschungs- und Entwicklungskompetenzen in Wien. Unsere Aktivitäten • Förderung und Beratung zu neuen Geschäfts­ modellen: Die Entwicklung von neuen Produkten und Services, die den Weg zu einer Zero-­WasteEconomy ebnen, wird von der Wirtschaftsagentur Wien gefördert. Beratungsangebote wie Oeko­ Business Wien werden weiterentwickelt und ausgebaut, um zukünftig auch Fragen der Kreislaufwirtschaft sowie die Entwicklung von Productas-a-Service-Dienstleistungen für gemeinschaftliche Nutzung, Miete, Leasing oder Contracting anstelle des Kaufs zu fördern. • Integrierte Entwicklungsvorhaben: Die Stadt Wien unterstützt Wiener Unternehmen und FTIEinrichtungen bei der Akquisition und Teilnahme an nationalen und internationalen Entwicklungsvorhaben zur Kreislaufwirtschaft mit integrierten und ganzheitlichen Ansätzen(z. B. zum Erhalt der Bestandsstadt aus der Zwischen- und Nachkriegszeit). • Kooperationen mit Hochschulen: Die Stadt Wien kooperiert mit Wiener Hochschulen, Universitäten, Fachhochschulen und Forschungsorganisationen sowie der Kreativwirtschaft bei der Planung und Ausrichtung der Transformation zur Kreislaufwirtschaft(z. B. aufbauend auf die aktuelle Stiftungsprofessur Kreislaufwirtschaft und transformative Geschäftsmodelle der Stadt Wien). 43 HEBEL 5 KO-KREATION ALS BASIS FÜR MEHR TEMPO IM ÜBERGANG ZUR ­KREISLAUFWIRTSCHAFT Das stärkere Zusammenspiel von Forschung, Unternehmen, Stadtverwaltung, Organisationen und Bevölkerung bei der Entwicklung von Lösungen zur Ressourcenschonung soll die Umsetzungsgeschwindigkeit von zirkulären Lösungen„made in Vienna“ unterstützen. Parallelprozesse und fragmentierte Zuständigkeiten können Investitionen und Ressourceneffizienz beispielsweise erheblich erschweren. Unsere Aktivitäten • Ko-Kreation für neue Ideen und Produkte: Die Stadt begünstigt interdisziplinäre und branchenübergreifende Strukturen für die Entwicklung zirkulärer Lösungen(z. B. Biofabrique Vienna). • Öffentlich-private Zusammenarbeit: Die interund transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Stadt und Unternehmen wird künftig verstärkt bei der Entwicklung von Projekten, Richtlinien, Verordnungen, Gesetzen und Förderbestimmungen genutzt(z. B. Anpassung der Baunormen). • Orte der Ko-Kreation: Neue Initiativen und Formate der Zusammenarbeit zwischen Bildungsund Ausbildungsstandorten, Reparaturbetrieben, Maker-Spaces*, Jugendzentren, Freizeiteinrichtungen etc. werden bei der Einbindung von zirkulären Schwerpunkten unterstützt(siehe auch Seite 59). * Maker-Spaces sind offene, geteilte Werkstätten und oft Vernetzungsorte(Inkubatoren) für technikaffine Startups. Ihr Angebot besteht aus einer technischen Infrastruktur(Maschinen und Werkzeuge), Kontakten zur Wirtschaft und Förderstellen und Know-how zur Gründung. 44 HEBEL 6: FORSCHUNGSTRANSLATION UND SKALIERUNG FÜR EIN ZIRKULÄRES WIEN Forschung und Entwicklung von gesellschaftlichen, technischen, ökonomischen Lösungen zur Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft sollen unter Einbindung von Nutzer*innen, Stadtverwaltung und Unternehmen erfolgen. Es geht um eine rasche Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse in Prozesse der Anwender*innen, und um rasche Anwendung in voller Breite. Innovative Prozess- und Produktentwicklungen, die mögliche Geschäftsmodelle von vornherein mitdenken, sind die Voraussetzung für erfolgreiche Lösungen. ­Innovationsfördernde rechtliche Rahmenbedingungen sind für viele Lösungen der Kreislaufwirtschaft unabkömmlich. Unsere Aktivitäten • Maßgeschneiderte Einrichtungen: Orte der ­Vernetzung (Inkubatoren) und Technologietransferzentren werden für die unternehmerische Entwicklung(Spin-offs) von Forschungseinrichtungen und Start-ups unterstützt. • Testen und Pilotieren: Die Stadt arbeitet mit ­Akteur*innen aus Hochschulen und Unternehmen an der systematischen Nutzung von Anwendungsfällen als Living Labs, Regulatory Sandboxes und Reallabore für Pilotanwendungen der Kreislaufwirtschaft(z. B. RENOWAVE und„Digital findet Stadt“, siehe auch Seite 83). • Vermittlung: Die Stadt Wien unterstützt die Vermittlung von Forschungsbedarf und-ergebnissen zur Kreislaufwirtschaft zwischen Forscher*innen, Studierenden, Stadtverwaltung und Unternehmen. • System- und standortrelevante Branchen und Technologien: Marktanalysen und Potenziale zur Stärkung der Resilienz gegenüber globalen Entwicklungen wie z.B. Verfügbarkeit von seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen, der Lebensmittelversorgung oder bei E-Akkus in Autos werden unterstützt. • Investor * innen: Aufmerksamkeit von möglicherweise finanzierenden Einrichtungen und Investor*innen wird auf Innovationen der Kreislaufwirtschaft gelenkt, deren Kräfte gebündelt und vermittelt. 45 BEWUSSTSEIN UND KOMPETENZEN FÜR DIE ­KREISLAUFWIRTSCHAFT Kreative Mittel der Information, Kommunikation und Vermittlung können die Bedeutung und Attraktivität der Kreislaufwirtschaft breiten Schichten der Gesellschaft ebenso wie einschlägigen Zielgruppen vermitteln. Zirkuläres Handeln benötigt eine umfassende Weiterentwicklung unserer Lern- und Ausbildungsprogramme. Vielfältige Angebote addressieren breite Schichten der Gesellschaft ebenso wie fachspezifische Ausbildungsschwerpunkte und Berufsgruppen in der gesamten Wertschöpfungskette. BEST PRACTICE Urban Living Lab – Zirkuläres Bauen Wien Das Urban Living Lab – Zirkuläres Bauen Wien ist ein Reallabor, das im Rahmen des Programms DoTank Circular City Wien 2020-2030 von der Magistratsdirektion – Bauten und Technik initiiert und durch das Innovationsmanagement der Stadt Wien, Magistratsabteilung 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik, gefördert wird. Ziel ist es, konkrete Lösungsansätze für zirkuläres Planen und Bauen in Wien zu entwickeln – in enger Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. 2024 und 2025 wurde in dialog- und experimentbasierten Formaten gemeinsam an praktischen Fragen des zirkulären Bauens gearbeitet, Theorie und Praxis verknüpft und Änderungsbedarfe für zirkuläre Rahmenbedingungen identifiziert. Foto: Andreas Neureiter Re:Form Re:Form ist ein gemeinsames Projekt von OekoBusiness Wien und der VIENNA DESIGN WEEK, das neue Wege für nachhaltiges Wirtschaften aufzeigt. In interdisziplinären Teams arbeiten Unternehmen, Designer*innen und Berater*innen an innovativen Lösungen – von ressourcenschonenden Produkten bis hin zu neuen Ansätzen in Kommunikation und Unternehmenskultur. Foto: Inesbacher 46 HEBEL 7 INFORMATION UND KOMMUNIKATION FÜR RESSOURCENSCHONUNG UND ­KREISLAUFWIRTSCHAFT Akzeptanz, Bewusstseinsbildung und Information sind als demokratische Basis aller Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft essenziell. Alle beteiligten Akteur*innen – von Expert*innen in Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bis hin zur breiten Bevölkerung – müssen ein gemeinsames Verständnis der Ziele und Herausforderungen entwickeln. Kreislauffähige Projekte müssen die Attraktivität ihrer Prozesse und Ergebnisse medial unter Beweis stellen. Genauso ist Werbung für ressourcenintensiven Konsum zu hinterfragen und einzuschränken. Dafür braucht es maßgeschneiderte Übersetzungsleistungen für die breite Themenvielfalt des zirkulären Wiens. Die Vermittlung einfacher Botschaften führt zu Aneignung und Identifikation mit dem Thema und vermittelt ein Grundverständnis für komplexe Zusammenhänge und praktikable Lösungen. Unsere Aktivitäten • Multimediale, zielgruppenspezifische Kommunikationskanäle und Öffentlichkeitsarbeit: Leicht verständliche, multimediale Kommunikation für diverse Zielgruppen zur Kreislaufwirtschaft, u. a. auf Websites, Social Media, Newsletter, Printmedien etc. sowie durch telefonische Beratung, interaktive Formate(wie z. B. die Beteiligungsplattform „Wien mitgestalten“ 35 ) und Veranstaltungen der Stadt Wien werden forciert. • Breite Basis und innovative Formate: Die Stadt Wien arbeitet mit Wissenschaft, Bildungs- und Vermittlungsorganisationen, der Zivilgesellschaft sowie der Wiener Kreativwirtschaft und dem waff bei der Grundlagenerstellung, Planung und Umsetzung von Maßnahmen der Bewusstseinsbildung, Partizipation und Kommunikation zur Ressourcenschonung zusammen.(z. B. Urban Living Lab – Zirkuläres Bauen Wien, Wiener ­Forschungsfest) • Online-Information: Bestehende Informationen und Formate werden zur Kommunikation der wesentlichen Schritte im Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft weitergeführt und ausgebaut(z. B. VIE.CYCLE 36 für das zirkuläre Bauen oder Wien isst G.U.T.). • Attraktive Kompetenzvermittlung: Bildungsund Vermittlungsangebote werden so weiterent­ wickelt, dass das Denkmodell der Kreislaufwirtschaft integraler Bestandteil ist – in enger Zusammenarbeit mit Partner*innen wie der Bildungsdirektion Wien, dem Klima-Campus Wien, dem Education Lab und Schoolfood4Change. • Sensibilisierung von Mitarbeiter*innen der Stadt: Im Rahmen der internen Kommunikation und Vernetzung(Wiener Klimanetzwerk) und des Programms PUMA werden Aktivitäten zur Sensibilisierung der Verwaltungsbediensteten in Bezug auf Abfallvermeidung und Ressourcenschonung fortgeführt. 47 HEBEL 8 QUALIFIZIERUNG UND KOMPETENZEN FÜR RESSOURCENSCHONUNG UND ­ KREISLAUFWIRTSCHAFT Bereits heute besteht ein genereller Bedarf an qualifizierten Fachkräften, darüber hinaus auch um die organisatorischen Voraussetzungen für die Kreislaufwirtschaft zu schaffen. 37 In einer stark auf den Dienstleistungssektor ausgerichteten Kreislaufwirtschaft braucht es faire Arbeitsbedingungen, qualifiziertes Fachpersonal u. a. im Bereich des Handwerks, der Digitalisierung und der Bewertung. In einigen Reparaturbranchen zeigt sich aktuell ein Nachwuchsproblem. Zirkulär ausgerichtete Wirtschaft kann zudem auch als Impuls für Höherqualifizierung genutzt werden. Unsere Aktivitäten • Städtische Qualifizierung: Die Vermittlung von Inhalten und der Aufbau von Kompetenzen im Bereich Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft wird innerhalb der Stadtverwaltung ­bedarfsorientiert integriert(z. B. Umgang mit den 10-R-Grundsätzen in Förder- und Beratungsstellen, Berücksichtigung bei Personalentwicklung in Dienststellen, Integration in Aus- und Weiterbildungsangeboten der Wien-Akademie sowie der Lehrlingsausbildung). • Kooperationen mit sozialökonomischen ­Betrieben: Bereits begonnene sozialwirtschaftliche Initiativen(z. B. Re-Use Austria) im Bereich der Erst- und Höherqualifizierung bei Handwerk und Reparatur für am Arbeitsmarkt benachteiligte Zielgruppen werden unterstützt. • Handwerks- und Reparaturstadt Wien: Die Wissensbasis zu Arbeitskräftepotenzial und Qualifikationsmängeln wird verbessert; u. a. mit Hilfe periodischer Erhebungen, Marktanalysen und Potenzialstudien. Dabei kommt dem Ausbau von kreislaufwirtschaftlichen Skills für niedrige, mittlere und hohe Qualifikationsniveaus besondere Bedeutung zu, bereits bestehende Qualifizierungsniveaus werden erweitert(z. B. Abfallbeauftragte). • Qualitäts- und Vermarktungsinitiative von ­neuen Teilgewerben: Neue Teilgewerbe für Kreislaufwirtschaft(z. B. Reparatur) sowie die Reduktion von Zutrittshürden und die Verkürzung von Ausbildungszeiten durch Teilqualifizierungs­ möglichkeiten seitens Bund und Wirtschaft werden durch gemeinsame Vermarktung unterstützt. 48 HEBEL 9 DIE WIENER KREATIVWIRTSCHAFT IM ZEICHEN DER KREISLAUFWIRTSCHAFT Der Kreativwirtschaft kommt beim Entwickeln positiver Zukunftsbilder auf drei Ebenen große Bedeutung zu: bei der grundlegenden Übersetzung und Kommunikation von Kreislaufwirtschaftsthemen in die Praxis, bei der Entwicklung und dem Design von Produkten sowie im jeweils eigenständigen Arbeitskontext(„zirkuläres Schaffen“). Die inhaltliche Bandbreite ist groß: In den Bereichen Design und Mode, Digitalisierung und Multimedia, Film, Musik und Kunst, Wissens- und Kulturvermittlung bis hin zu Interieor Design, Social Design, Architektur und Medien agiert eine Vielzahl ambitionierter Personen, Unternehmen und Organisationen. Aktivitäten sollen dabei auf bestehende Formate und Netzwerke aufgebaut werden, gemeinsam mit Wien Tourismus kann an themenaffinen Kommunikationsschwerpunkten wie„Wien als Innovationsstadt“ oder „Wien als ‚Circular Culture Hub‘“ als neue Narrative gearbeitet werden. Unsere Aktivitäten • Exzellente Vermittlungsformate: Klima und Kreislaufwirtschaft werden als international erkennbare Wiener Schwerpunkte der Kulturvermittlung ausgebaut(z. B. Klima Biennale Wien). • Planungssicherheit : Langjährige Schwerpunktprogramme u. a. in den Bereichen Design, Mode, Möbel, Architektur und Produktentwicklung auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft auszurichten, wird von den jeweiligen Fachbereichen der Stadt Wien geprüft. • Kommunikation durch Kunst und Kultur : Vorhandene Potenziale im Bereich Multimedia, Digitalisierung und Medien für die Entwicklung attraktiver Kommunikationsformate werden aktiviert und genutzt. • Kulturförderung : Die Kooperation mit kulturellen Einrichtungen wird durch Berücksichtigung von Kreislaufwirtschaftsthemen in Förderrichtlinien und Qualitätsstandards weiterentwickelt. Foto: Katarina Šoškić „Die Wiener Kulturstrategie 2030 macht deutlich: Ökologische und soziale Nachhaltigkeit sind längst fester Bestandteil der Wiener Kultur­ politik. Ob durch die Förderung gezielter künstlerischer Initiativen, durch Nachnutzungskonzepte für bestehende Infrastruktur oder durch nach­ haltige Sanierungen und Revitalisierungen – Kunst und Kultur öffnen Räume des Zusammenkommens und regen zu neuen ökologischen Denk- und Handlungsweisen an. Die kulturpolitischen Maßnahmen der Stadt Wien tragen aktiv dazu bei, dass ökologisch nachhaltiges ­Handeln gelebte Praxis wird.“ Mag. a Veronica Kaup-Hasler Stadträtin für Kultur und Wissenschaft 49 4.  Ressourcenschonung im Wiener Alltag In Zukunft soll gemeinsames Gestalten, Nutzen und Teilen zum neuen Mainstream werden. Das Tauschen, Reparieren und Wiederverwenden von Produkten soll durch vielzählige im Grätzl angebotene Dienstleistungen im Alltag praktisch möglich und leicht zugänglich sein. Die Menschen in Wien schätzen die hohe Qualität ihrer Lebensmittel und ihrer Gesundheitsversorgung. Das soll so bleiben. Maximale Ressourcenschonung wird zur Basis eines guten Lebens für alle und die Stadt ein gesunder Lebensraum für Generationen. 50 Langlebige Produkte und neue Dienstleistungen UNSER UMGANG MIT ELEKTROGERÄTEN, TEXTILIEN UND LEBENSMITTELN HAT GROSSEN EINFLUSS AUF KLIMA UND UMWELT. Um die 10-R-Grundsätze der Kreislaufwirtschaft(siehe Seite 35) in die Realität umzusetzen, braucht es ein neues gesellschaftliches Bewusstsein sowie Unternehmen, die fachkundige Reparaturdienste anbieten und langlebige Produkte herstellen. Außerdem muss es für Menschen in Wien leicht sein, Güter selbst zu reparieren, Secondhand im Alltagskonsum zu etablieren und Abfall zu trennen. Dafür brauchen sie entsprechende Strukturen im Wohn- und Arbeitsumfeld. Seit den 2020er-Jahren zeigt sich ein Trend zu zivilgesellschaftlichen Initiativen mit Bezug zur Abfallvermeidung. Do-it-yourself-Reparaturinitiativen wie Repair-Cafés, Reparaturworkshops und offene Reparaturwerkstätten tragen zur Vermeidung von Abfällen bei und schaffen Bewusstsein für ressourcenschonenden Konsum. Initiativen zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen(Sharing Economy) wie Tauschinitiativen, Leihläden oder Grätzlteiler verringern den Bedarf an Produkten und die in der Folge anfallenden Abfälle. Weitere Beispiele sind FoodCoops und Urban-Gardening-Initiativen(z. B. Gemeinschaftsgärten), die einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln unterstützen und einen Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen und Lebensmittelverpackungen leisten können. Die Initiativen werden oft durch großes Engagement von Freiwilligen getragen und bringen einen ökologischen und sozialen Nutzen für die Gesellschaft. Die Stadt Wien kann dieses zivilgesellschaftliche Engagement durch die Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen und geeigneter Infrastruktur unterstützen. GESELLSCHAFTLICHE BESCHLEUNIGUNG IST TREIBER DES RESSOURCENVERBRAUCHS Die Globalisierung der Wirtschaft, der freie Zugang zu Informationen sowie die Digitalisierung verursachen stark beschleunigende Gesellschaftstrends – Ursachen für den steigenden Ressourcenverbrauch. 38 Neben negativen Auswirkungen auf Gesundheit, Lebensqualität und soziales Gefüge hat die Beschleunigung verheer­ ende Folgen für Umwelt und Klima. Kreislaufwirtschaft hat das Potenzial, diesen Trend zu durchbrechen. Effizienzsteigerung, Suffizienzmaßnahmen und Kreislaufkonzepte stellen dabei wesentliche Säulen dar. Ihre Bedeutung im alltäglichen Konsum macht folgende Produkte und Dienstleistungen zu zentralen Schwerpunkten der österreichischen Kreislaufwirtschafts­ strategie und des Aktionsplans für Kreislaufwirtschaft der EU(siehe Seiten 19, 21). TEXTILIEN ALS WESENTLICHE KONSUMGÜTER IM ALLTAG Die Textilwirtschaft ist nach der Lebensmittelindustrie weltweit die zweitgrößte Konsumgüterbranche. Global übersteigt die Produktion von Textilien mittlerweile 120 Millionen Tonnen pro Jahr, bis 2030 wird ein Anstieg auf rund 140 Millionen Tonnen prognostiziert. 39 Im Durchschnitt kaufen Europäer*innen rund 26 Kilogramm neue Textilien im Jahr. 40 Der gesamte Textilsektor wirkt sich negativ auf Klima, Wasserverbrauch und Umwelt aus. Das reicht vom schädlichen Chemikalieneinsatz bei der Herstellung über CO 2 -Emissionen durch lange Transportwege bis hin zu den Umweltbelastungen durch Waschen, Reinigung und Entsorgung. 2022 fielen in Österreich fast 228.000 Tonnen Textilabfälle(z. B. tragbare und beschädigte Altkleider, Heimtextilien und Produktionsabfälle) an, weitere 47.000 Tonnen wurden importiert. Nur rund 54.000 Tonnen davon wurden als Alttextilien getrennt gesammelt. Davon werden 87 Prozent ins Ausland, oftmals Drittstaaten, exportiert. Der überwiegende Teil aller Textilabfälle(circa 80 Prozent der insgesamt 275.000 Tonnen) wird immer noch als gemischter Siedlungsabfall(z. B. ­Restmüll, 51 Sperrmüll und Gewerbeabfall) verbrannt. Nur 13 Prozent werden derzeit für den Secondhand-Bedarf genutzt und 5 Prozent recycelt. Weitere 2 Prozent werden technisch entsorgt. 41 In Wien geht man von 6.000 Tonnen Alttextilien im Jahr 2024 aus – mit einem prognostizierten Anstieg auf 9.000 Tonnen bis 2030. 42 Die Materialkreis­läufe der Textilbranche zu schließen(u. a. durch Wiederverwendung oder Faserrecycling) ist demnach ein wichtiger Beitrag zur Ressourcenschonung. ELEKTRO- UND ELEKTRONIKGERÄTE IM DIGITALEN UND ANALOGEN ALLTAG Der Konsum von Elektro- und Elektronikgeräten hat in den vergangenen Jahrzehnten rasant zugenommen. Nach wie vor bewegt sich der Trend in Richtung kurzlebiger Produkte und kurzer Nutzungsdauer. Das führt zu wachsendem ­Ressourcen- und Energieverbrauch mit weitreichenden Umweltauswirkungen. In Wien werden jährlich mehr als 8.000 Tonnen Elektro-Altgeräte auf den Mistplätzen der Magistratsabteilung 48 – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark gesammelt und verwertet. Darin enthalten sind etwa 3.100 Tonnen Eisen, 200 Tonnen Aluminium und rund 300 Tonnen Kupfer – diese sind wertvolle Rohstoffe für die Herstellung neuer Produkte. 43 Kreislaufwirtschaft unterstützt eine nachhaltige und sozial gerechte Elektro- und Elektronikindustrie, indem sie produktions- und konsumseitig für weniger Verbrauch von Primärressourcen sorgt. IMMER MEHR VERPACKUNGSMÜLL Trotz Bemühungen zur Verringerung der Verpackungsabfälle nehmen diese in den EU-Ländern weiter zu. 2021 machten sie 84 Millionen Tonnen aus. Das ist eine 25-prozentige Steigerung in den letzten 10 Jahren. Ohne Gegenmaßnahmen könnten die Verpackungsabfälle bis 2030 um weitere 19 Prozent steigen. Grund dafür sind vor allem verpackungsintensive Online-Einkäufe und To-go-Verzehr. Der gleichzeitige Anstieg der Recyclingrate konnte diese Trends noch nicht ausgleichen. 44 Das zeigt, dass alleinige Bemühungen in Richtung Abfalltrennung und Verpackungsrecycling nicht reichen, sondern eine gesellschaftliche Transformation hin zu Vermeiden, Wiederverwenden und Teilen nötig ist, um V­ erpackungsabfälle erfolgreich zu reduzieren(siehe auch Seite 35). Foto: Christian Fürthner 52 ERNÄHRUNG UND LEBENSMITTEL ALS GROSSE HEBEL Der Ernährungssektor ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasen, Biodiversitätsverlusten, Wasserverbrauch, der Beeinträchtigung von Stickstoff- und Phosphor-Kreisläufen, chemischen Verunreinigungen, Landnutzungsveränderungen und der Überfischung der Meere. 45 Etwa die Hälfte der bewohnbaren Erdoberfläche wird von der Landwirtschaft genutzt. Weltweit stammt mehr als die Hälfte der klimawirksamen Emissionen im Ernährungssektor aus der Tierhaltung. Tierische Produkte decken dabei lediglich 18 Prozent des menschlichen Kalorienund 37 Prozent des Proteinbedarfs. 46 Fast 1,2 Million Tonnen vermeidbare Lebensmittelabfälle wandern jährlich österreichweit in den Müll. Privathaushalte verursachen davon rund 54 Prozent(siehe Abbildung 10). Die restliche halbe Million Tonnen teilen sich die vorgelagerten Stationen der Wertschöpfungskette – Handel, Gastronomie und Landwirtschaft. 47 Das entspricht entlang der gesamten Wertschöpfungskette etwa 130 Kilogramm pro Kopf und Jahr. 48 Die größten Anteile entfallen auf Brot, Süß- und Backwaren (28 Prozent) sowie Obst und Gemüse(27 Prozent). Neben der Reduktion der Lebensmittelverschwendung ist das Schließen lokaler und regionaler Kreisläufe wichtig für eine ressourcenschonende Lebensmittelversorgung. Wien verfügt dank seiner Gemüse- und Ackerbaubetriebe, Gärtnereien und Weingüter über eine gut funktionierende Stadtlandwirtschaft. Etwa 200 ­Gemüseanbaubetriebe sorgen in Wien für regional und saisonal produziertes Gemüse. Rund 15 Prozent der Fläche Wiens werden landwirtschaftlich genutzt. Ein Drittel davon ist biologische Landwirtschaft. Die langfristige Sicherung der landwirtschaftlichen Flächen in Wien und seinem Umland ist wichtig für die Versorgungs- und Krisensicherheit aller Menschen in Wien. Abbildung 10: Lebensmittelabfälle entlang der Wertschöpfungskette in Österreich. Quelle: Statusbericht zum Bundesabfallwirtschaftsplan 2024 Lebensmittelabfälle in Österreich Landwirtschaft 6.200 t Produktion 204.000 t Handel 83.000 t Außer-Haus-Verpflegung 256.000 t Haushalt 635.000 t Der Wiener Ernährungssektor – das sind die landwirtschaftliche Produktion, Lebensmittelverarbeitung, Handel und Gastronomie – trägt mit 7 Prozent einen beachtlichen Teil zur regionalen Wertschöpfung bei, wobei der Schwerpunkt im nachgelagerten Bereich der Wertschöpfungskette wie Handel, Transport oder Gastronomie liegt. Auch in Wien ist der Hebel zur Reduktion der Umweltbelastungen im Lebensmittelbereich beträchtlich: Bis zu 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen des Ernährungssektors sind durch eine deutliche Reduktion von tierischen Nahrungsmitteln möglich. Weitere 10 Prozent der Treibhausgase könnten in der Lebensmittelproduktion eingespart werden, 5 Prozent durch eine Reduktion der Lebensmittelabfälle. 49 Bei der Dachmarke Stadternte Wien 50 der Wiener Stadtlandwirtschaft geht es um die regionale Produktion von Lebensmitteln, die Vermarktung„ab Hof“ und über Märkte. Das macht ökologisch Sinn: kurze Transportwege, lokale Wertschöpfung und höhere Qualität. 53 GESUNDHEITS-, PFLEGE- UND SOZIALBEREICH IST ALLTAG FÜR VIELE UND B­ ENÖTIGT RESSOURCEN Gesundheit-, Pflege- und Sozialdienstleistungen sind Teil des Lebens und für viele Menschen in Wien auch beruflicher Alltag. Der Wiener Gesundheitssektor umfasst viele Einrichtungen zur medizinischen Versorgung, pflegerischen Betreuung und Gesundheitsförderung der Bevölkerung. Kliniken, Ambulatorien, Rettungs- und Notfalldienste, Pflege- und Betreuungseinrichtungen, Apotheken, Forschungseinrichtungen und viele mehr leisten einen Beitrag zur Gesundheit der Menschen in Wien. Das verursacht einen hohen Bedarf an Energie, Lebensmitteln, Gebrauchsgütern und medizinischen Produkten und führt zu erheblichen Treibhausgas-Emissionen und großen Abfallmengen. Der Wiener Gesundheitsverbund(WiGeV) ist mit 7 Kliniken, 9 Pflegehäusern, 1 Therapiezentrum und 5 Ausbildungsstandorten eine der größten Gesundheitseinrichtungen Europas. Er beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter*innen. 2022 versorgte er mit insgesamt rund 10.000 Betten 229.000 Personen stationär und circa 2.400 Personen in Pflegehäusern. Täglich wird für tausende Menschen Essen bereitgestellt. CO 2 Fußabdruck im Gesundheitssektor Ambulante Versorgung 18% Krankenhäuser 32% Investitionen 9% Medizinischer Einzelhandel 20% Sonstiges 20% Der Gesundheitssektor ist für rund 7 Prozent des österreichischen konsumbasierten CO 2 -Fußabdrucks verantwortlich. 51 Rund ein Drittel der Emissionen verursachen die österreichischen Krankenhäuser. 20 Prozent emittiert der medizinische Einzelhandel mit Arzneimitteln und medizinischen Produkten. Weitere 20 Prozent kommen durch Bereiche wie Langzeitpflege oder Hilfsdienste zustande. 18 Prozent der Emissionen entstehen durch die spitalsambulante und niedergelassene Gesundheitsversorgung. Die restlichen Emissionen werden durch Investitionen im Gesundheitsbereich verursacht(siehe Abbildung 11). 52 Abbildung 11: CO 2 -Fußabdruck im österreichischen Gesundheitssektor nach Verwendungszwecken. Quelle: Brugger, Katharina; et al.: Treibhausgas-Emissionen des österreichischen Gesundheitswesens „Der Kampf gegen unnötigen Ressourcenverbrauch ist auch eine zutiefst soziale Aufgabe. Das beginnt bei der Lebensmittelverschwendung, geht über den Alltagskonsum und reicht hin bis zur möglichst umweltscho­ nenden sozialen und freizeitbezogenen Infrastruktur. Dabei geht es nicht um bedingungslosen Verzicht, sondern um die kluge Planung und Bereit­ stellung all jener Dinge, die das Leben in Wien auf hohem Niveau leist­ bar und lebenswert machen.“ Peter Hacker Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Sport Foto: PID David Bohmann 54 Vorgaben und Ziele für ressourcenschonende ­Produkte und Dienstleistungen des Wiener Alltags Vorhandene und zu schaffende Rahmenbedingungen sind die Eckpfeiler zur Stärkung von Angebot und Nachfrage. EUROPÄISCHE RAHMENBEDINGUNGEN (siehe auch Seite 19) • Transparenz und Konsumentenschutz: Die EU stärkt für Konsument*innen mit der Richtlinie(2024/1799/EU) das Recht auf Reparatur, indem sie die Bereitstellung von Ersatzteilen und verlängerte Zeiten für Gewährleistung vorsieht. Weiter geplant sind unter anderem das Vorgehen gegen vorzeitige Obsoleszenz, also die frühzeitige und oft gewollte Alterung von Produkten. Mit der EmpCoRichtlinie(2024/825/EU) wird zudem die Transparenz für Konsument*innen durch die verlässliche Kennzeichnung und Zertifizierung nachhaltiger und zirkulärer Produkte und Dienstleistungen erhöht. • Reduktion des Verpackungsmülls: Ziel der europäischen Verpackungsverordnung(2025/40/EU) ist unter anderem die Verringerung von Verpackungsabfällen gegenüber 2018 um 5 Prozent bis 2030, 10 Prozent bis 2035 und 15 Prozent bis 2040. Um diese Vorgaben zu erreichen, müssen bestimmte Arten von Einwegverpackungen(durch Verbote) vom Markt genommen werden. Verpackungsmaterial soll grundsätzlich minimiert und die Wiederverwendung von Verpackungen(durch Zielvorgaben für die Wiederverwendung) gesteigert werden. Zudem sollen Kennzeichnungs- und Informationspflichten die getrennte Sammlung verbessern. Die Einführung eines Pfandsystems, die verpflichtende Recyclingfähigkeit sowie Mindestrezyklatanteile unterstützen ebenfalls das Recycling. • Reduktion von Einwegkunststoffverpackungen: Als Beispiel gilt das mit Jahresbeginn 2025 in Österreich eingeführte Einwegpfand auf unter anderem Kunststoffgetränkeflaschen. Es wurde als notwendig gewordene Maßnahme im Sinne der EU-Einwegkunststoffrichtlinie(2019/904/EU) umgesetzt, um die Sammel- und Recyclingmengen zu erhöhen. • Nachhaltige Textilwirtschaft: Die EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien(COM/2022/141) definiert klare Zielvorgaben im Bereich nachhaltiger Textilwirtschaft: Alle Textilprodukte im EU-Markt sollen langlebig, reparierbar und recycelbar sowie frei von gefährlichen Stoffen sein. Sie sollen zu einem großen Teil aus recycelten Fasern bestehen und unter Einhaltung sozialer und ökologischer Standards hergestellt werden. • Vermeidung von Lebensmittelabfällen: Die derzeitige Überarbeitung der EU-Abfallrahmenrichtlinie 53 definiert als besonderen Schwerpunkt die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Bewusstseinsbildung, Förderung von Lebensmittelspenden und zahlreiche andere Maßnahmen sollen Lebensmittelabfälle beginnend bei der Herstellung bis zum Verzehr in Gaststätten und Privathaushalten reduzieren. Der EU-Kommissionsvorschlag sieht vor, dass bis Ende 2030 10 Prozent der Abfälle in der Lebensmittelverarbeitung und-herstellung sowie 30 Prozent im Einzelhandel, in Restaurants, bei Lebensmitteldiensten und in Haus­halten reduziert werden. 54 Weitere relevante Regelungen auf EU-Ebene sind u. a. die EU-Medizinprodukte­ verordnung(2017/745/EU) und die Batterieverordnung(2023/1542/EU). 55 ÖSTERREICHISCHE RAHMENBEDINGUNGEN (siehe auch Seite 21) • Abfallwirtschaftsgesetz: Das Abfallwirtschaftsgesetz(AWG 2002) und die darauf basierenden Verordnungen behandeln zahlreiche kreislaufwirtschaftsrelevante Themen. Das AWG 2002 legt fest, unter welchen Voraussetzungen eine Sache als Abfall anzusehen ist, und definiert bundesweit Ziele und Grundsätze der Abfallwirtschaft sowie einheitliche Begrifflichkeiten. Es beinhaltet Vorgaben zur Durchsetzung der Abfallhierarchie und Förderung der Kreislaufwirtschaft. In abfallspezifischen Verordnungen zum AWG 2002 gibt es Regelungen zur Verantwortung von Hersteller*innen für Verpackungen, Elektro- und Elektronikgeräte und Batterien sowie Kriterien zur Feststellung des Abfallendes beziehungsweise der Rückführung in den Produkt- oder Materialkreislauf. Seit 2024 gilt im AWG die verpflichtende Mehrwegquote bei Getränkeverpackungen. • Abfallwirtschaftsplan: Der Bundes-Abfallwirtschaftsplan(B-AWP) gibt einen detaillierten Einblick in die österreichische Abfallwirtschaft und leitet daraus Maßnahmen, Strategien und Programme ab. Diese haben eine hohe planerische Relevanz auf Ebene der Bundesländer. Das Bundes-Abfallvermeidungsprogramm erscheint als Teil des B-AWP und behandelt die erste und zweite Stufe der Abfallhierarchie(Abfallvermeidung und Wiederverwendung). Es trägt wesentlich zur Erfüllung von EU-Vorgaben bei und nennt als Leitziel die Halbierung des Pro-Kopf-Aufkommens an vermeidbaren Lebensmittelabfällen auf Einzelhandel- und Verbraucher*innen-Ebene bis 2030. • Vermeidung von Lebensmittelabfällen: 2021 wurde die österreichische Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen veröffentlicht. 55 Die Bundesländer und Kommunen sind für die Bewirtschaftung der Abfälle aus Haushalten verantwortlich und deshalb unverzichtbare Partner*innen bei der Umsetzung. Ein mittlerweile erfülltes Ziel der Strategie ist die 2023 erfolgte Aktualisierung des Aktionsprogramms„Lebensmittel sind kostbar!“. • Gesundheitswesen: Die österreichweite Strategie„Klimaneutrales Gesundheitswesen“ enthält Maßnahmen für alle klimarelevanten Handlungsfelder, beispielsweise nachhaltige Beschaffungskriterien, wiederverwendbare Medizinprodukte, die Optimierung von Verpackungsgrößen bei Medikamenten und das Abfallmanagement. Um bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen, schlägt die Strategie Anreize wie Förderungen und gesetzliche Verpflichtungen für Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen vor. 56 Foto: Christian Fürthner 56 WIENER RAHMENBEDINGUNGEN FÜR RESSOURCENSCHONUNG IM ALLTAG (siehe auch Seite 24) Viele Zielsetzungen der übergeordneten Strategien und Maßnahmenpläne der Stadt Wien sind für die Produktion und den Konsum von Lebensmitteln, Textilien, Elektro- und Elektronikgeräten relevant(z. B. der Wiener Abfallwirtschaftsplan und das Abfallvermeidungsprogramm 2025-2030, siehe auch Seite 25). Zusätzliche Rahmenbedingungen bieten folgende Grundlagendokumente: Mit dem Wiener Lebensmittelaktionsplan Wien isst G.U.T 57 als Dachstrategie bekennt sich die Stadt Wien zu einer nachhaltigen Lebensmittelversorgung. Der Plan nennt wirksame Maßnahmen zur Reduktion negativer Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die laufend erweiterte Plattform fasst Initiativen, Projekte, Programme und Veranstaltungen der Stadt und privater Gruppen sowie wissenschaftliche Erkenntnisse zu aktuellen Themen zusammen. Seit 2004 ist der Agrarstrukturelle Entwicklungsplan für Wien – AgSTEP 58 ein bewährtes Raumordnungsinstrument zur Sicherung und Erhaltung der Wiener Landwirtschaftsgebiete. Im Fokus der Aktualisierung 2024 stand die Abgrenzung der landwirtschaftlichen Vorranggebiete. Flächen von insgesamt 4.878 Hektar sind als solche ausgewiesen und damit geschützt. Das entspricht circa 82 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche Wiens. Seit 2015 ist Wien Teil des Milan Urban Food Policy Pact. Ein Folgeprojekt daraus ist die Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Stadt-Umland-Management (SUM), um eine nachhaltige Versorgung mit Lebensmitteln aus der unmittelbaren Umgebung sicherzustellen. Aus der Dialogplattform SUM-FOOD ergeben sich zum Beispiel regelmäßige Marktdialoge mit Produzent*innen und Beschaffer*innen. 59 Auch die Wiener Gesundheitsziele beinhalten Vorgaben zur Ressourcenschonung. Hier sind beispielsweise eine optimierte Medikamentenversorgung sowie die Synergien zwischen Klimaschutz und Gesundheitsversorgung zentrale Ziele. 60 Wichtige Wiener Zielsetzungen für die Ressourcenschonung im Wiener Alltag: • Abfallvermeidung : Bis 2050 sollen in Wien 100 Prozent der nicht vermeid­ baren Abfälle verwertet werden.(Smart Klima City Strategie Wien) • Reduktion der Lebensmittelverschwendung : Die Lebensmittelverschwendung wird bis 2030 um 50 Prozent und bis 2050 laufend auf ein Mindestmaß reduziert.(Smart Klima City Strategie Wien) • Ganzheitlichkeit in der Ernährung: Eine Ernährungsstrategie wird ausgearbeitet.(Lebensmittelaktionsplan Wien isst G.U.T) • Erreichbarkeit im Alltag : Durch die Weiterentwicklung der Stadt der kurzen Wege werden im Alltag erforderliche Einrichtungen vom Wohnort aus gut erreichbar.(Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035) • Lebensmittelproduktion in Wien : Die Bewirtschaftung der landwirtschaftlich genutzten Flächen Wiens wird in Übereinstimmung mit der Grünraumplanung erhalten beziehungsweise gesichert.(Agrarstrukturelle Entwicklungsplan für Wien – AgSTEP) • Ressourceneffizienz in Gesundheitseinrichtungen : Die Medikamentenversorgung wird gemeinsam sektorenübergreifend optimiert.(Wiener Gesundheitsziele 2025) 57 Schwerpunkte für die Ressourcenschonung im ­Wiener Alltag Die folgenden Schwerpunkte und Hebel zeigen, wie bei Lebensmitteln und ­Produkten aller Art die Transformation gelingen kann. 1. Ressourcenschonender Konsum 2. Ressourcenschonende Lebensmittelproduktion, Verpflegung und Ernährung 3. Ressourcenschonung im Wiener Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich RESSOURCENSCHONENDER KONSUM Ressourcenschonender und kreislauforientierter Konsum im Wiener Alltag ­benötigt Rahmenbedingungen und Strukturen, die Einkauf, Reparatur, ­Rückgabe, Sammlung und Entsorgung im unmittelbaren Wohn- und Arbeitsumfeld ­einfach gestalten. Angebote, Infrastrukturen, Flächen, Räume, Kommunikation und ­Bewusstsein sind dafür die Voraussetzungen. 61 Eine Grundlage, um Kreislaufwirtschaft im alltäglichen Konsum zu etablieren, ist eine starke, lokale, vielfältige Reparatur- und Secondhand-Wirtschaft, die Zielgruppen mit verschiedenen Bedürfnissen und deren Kaufkraft anspricht. Derzeit ist diese noch eine Nische. Ressourcenschonender Konsum im Alltag muss breitenwirksam werden. Die Stadt Wien kann unter anderem mit Flächen und Infrastrukturen Rahmenbedingungen für ressourcenschonendes Leben im Alltag der Menschen in Wien schaffen. Sie kann als Multiplikatorin aktiv werden, das Thema auf Plattformen der Stadt sichtbar machen und sich für die bundesweite Abschaffung von regulatorischen wie finanziellen Hürden einsetzen. Der Wiener Abfallwirtschaftsplan und das Wiener Abfallvermeidungsprogramm 2025-2030 bieten eine umfassende Maßnahmenplanung auf kommunaler Ebene und finden sich in zahlreichen der folgenden Hebel wieder. 62 BEST PRACTICE 48er-Tandler Im 48er-Tandler der Magistratsabteilung 48 – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark bekommen schöne Altwaren eine zweite Chance. Der 48er-Tandler bietet Vintage-Möbel, Geschirr, Kleidung, Bücher, Sportgeräte und echte Schnäppchen: Damit wird dem Re-Use-Gedanken und der Abfallvermeidung in Wien neuer Schwung verliehen. Foto: Christian Houdek Leihläden der GB* Im GB*Leihladen am Max-Winter-Platz – eine„Bibliothek für Dinge“ – können Bewohner*innen kostenlos Alltagsgegenstände wie Werkzeuge, Haushaltsgeräte oder Campingausrüstung ausleihen. Das umweltfreundliche Angebot der Gebietsbetreuung Stadterneuerung im Auftrag der Stadt Wien spart Ressourcen und Geld und wurde in einem Workshop gemeinsam mit der Nachbarschaft entwickelt – passgenau für die Bedürfnisse im Grätzl. Foto: GB* 58 HEBEL 10 STRUKTUREN UND RÄUME FÜR NACHHALTIGEN KONSUM IM GRÄTZL Die Bereitstellung geeigneter Räume und Flächen und die Etablierung dezentraler Organisationsformen unterstützen Betriebe sowie bestehende und neue zivilgesellschaftliche Initiativen, die kreislauffähiges Leben fördern. 63 Die Stadt agiert als Multiplikatorin und Förderin von ressourcenschonendem Leben. Formate zur Mitwirkung, Bewusstseinsbildung sowie Wissens- und Erfahrungsaustausch mit den Menschen im Grätzl machen Möglichkeiten für ressourcenschonendes Leben sichtbar und niederschwellig zugänglich. Auch Leerstands­ aktivierung und die Mehrfach- und Zwischennutzung von Räumen und Flächen können geeignete Instrumente darstellen. Zum Beispiel bietet die Gebiets­betreuung Stadterneuerung(GB*) im Rahmen der Initiative„Stadtteilpartnerschaft“ Räume für Initiativen von Bewohner*innen und vernetzt Raumsuchende mit Angeboten im Grätzl. 64 Bei der Bereitstellung von Freiräumen ist eine niederschwellige Nutzung in Form von Räumen ohne Konsumzwang und Zutrittshemmnisse besonders wichtig. Unsere Aktivitäten • Räume für Kreislaufwirtschaft im Alltag : Die Stadt fördert die neuerliche Inwertsetzung von Ressourcen. Sie unterstützt beim Zugang zu dafür benötigten Orten(sogenannte„Kreislauf-Hubs“ 65 ) sowie die Ansiedlung entsprechender Dienstleistungen und Initiativen für Ressourcenschonung im Alltag. Das betrifft u. a. den Abbau von organisatorischen und finanziellen Hürden sowie Vermittlung, Vereinfachung und Attraktivierung des Zugangs zu Räumlichkeiten für Wiederverwendung, Reparatur, Secondhand und Sharing-Initiativen, z. B. durch Musterverträge, Haftungsübernahme und Förderungen(siehe auch Seite 44). • Teilhabe und zivilgesellschaftliche Initiativen : Die Stadt unterstützt zivilgesellschaftliche Initiativen mit Bezug zur Abfallvermeidung, z. B. durch Information und Beratung(Websites, Veranstaltungen, Rechtsberatung), Bewerbung, Infrastruktur oder Förderungen. Diese kleinteiligen Initiativen dienen als Brücken zwischen zentralen und dezentralen Systemen für Kreislaufwirtschaft, Reparatur und Wiederverwendung und als Kommunikationsorte zwischen Menschen und Initiativen zur Abfallvermeidung. • Leerstandsaktivierung von Nichtwohnflächen : Die Stadt unterstützt die Aktivierung von Leerstand(z. B. im Erdgeschoß) gemeinsam mit vielen Akteur*innen(u. a. Kreative Räume Wien – Service für Leerstandsaktivierung und Zwischennutzung, WSE Wiener Standortentwicklung GmbH, Wirtschaftsagentur Wien). • Re-Use-Map : Einrichtungen, Initiativen, Orte und Akteur*innen zu den Themen Reparatur und Wiederverwendung sowie verpackungsarme Märkte und Läden werden im bestehenden Stadtplan der Stadt Wien integriert. • Lokale Abfallvermeidungskonzepte : Die Stadt Wien prüft die Anwendung regionaler Abfallvermeidungskonzepte in Wiener Grätzln mit Unterstützung des Leitfadens des Umweltbundesamtes. • Getrennte Abfallsammlung bei Neu- und Umbauprojekten : Angebote zur Entsorgung und Abfalltrennung werden bei der Planung frühzeitig berücksichtigt; dabei ist für gute Sichtbarkeit des Angebotes zu sorgen(siehe auch Seite 84). 59 HEBEL 11 WISSEN UND MITWIRKUNG FÜR EIN RESSOURCENSCHONENDES LEBEN IM GRÄTZL Zielgruppenspezifische Informations-, Beratungs- und Bildungstätigkeiten rund um Ressourcenschonung, Kreislaufwirtschaft und Abfallvermeidung fördern die breitenwirksame Bewusstseinsbildung und ein ressourcenschonendes Konsumverhalten(siehe Hebel Seite 47). Die Stadt Wien stellt Informationen und Angebote direkt im Grätzl bereit, um vielen Menschen praxisnah und niederschwellig Möglichkeiten einer sozial gerechten Kreislaufwirtschaft zugänglich zu machen. Unsere Aktivitäten • Mitwirkung im Grätzl : Bestehende lokale Aktivitäten und Initiativen(z. B. Klimateams, Gebietsbetreuung Stadterneuerung oder Lokale Agenda 21) sowie potenziell neue Multiplikator*innen wie Hausverwaltungen werden dabei unterstützt, Informationen und Handlungsempfehlungen zu einem ressourcenschonenden Lebensstil zu verbreiten. • Reparaturnetzwerk Wien : Als zentrale Anlaufstelle für Reparaturanfragen(Hotline, Website) und als Informationsdrehscheibe rund um das Thema Reparatur(z. B. Do-it-yourself-Tipps, ReparaturVeranstaltungen) wird das Reparaturnetzwerk Wien in der Weiterentwicklung unterstützt. • Abfallberatung der MA 48 : Die zentrale Auskunftstelle für Menschen in Wien zum Thema Abfallvermeidung, Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung gibt es auch in Zukunft. • Sozial- und Bildungsorganisationen sowie Grätzl-Initiativen : Die Stadt unterstützt beispielsweise Bildungsorganisationen, Jugendzentren und Freizeiteinrichtungen dabei, Aktivitäten der Kreislaufwirtschaft in Angebote für Menschen in Wien zu integrieren und sich zu vernetzen(siehe auch Seite 59). 60 HEBEL 12 MEHRWEG FÜR GELEBTE KREISLAUFWIRTSCHAFT Mehrwegprodukte und Mehrwegverpackungen verbrauchen meist deutlich weniger Rohstoffe und Ressourcen, reduzieren das Abfallaufkommen und sind gelebte Kreislaufwirtschaft. Je kürzer die Transportwege sind und je höher die Anzahl der Wiederbefüllungen ist, umso besser für die Umwelt. Damit Mehrwegsysteme flächendeckend funktionieren, muss die Rückgabe- und Reinigungsinfrastruktur gut ausgebaut und breit sowohl im Handel als auch in der Gastronomie verfügbar sein. Bewusstseinsbildung, Anreizsysteme wie Pfandlösungen und die Unterstützung lokaler Betriebe bei der Umstellung auf Mehrwegsysteme sind zentrale Erfolgsfaktoren. Unsere Aktivitäten • Mehrwegprodukte im direkten Einflussbereich der Stadt Wien : Es werden weitere Maßnahmen ausgearbeitet, um in möglichst vielen Einsatz­ bereichen Einweg durch Mehrweg zu ersetzen. Das betrifft z. B. Mehrweggetränkeverpackungen, die Durchsetzung von Mehrweggetränkeautomaten in den Dienststellen der Stadt Wien entsprechend den ÖkoKauf Wien-Kriterien oder den Einsatz von Mehrwegtransportverpackungen im Lebensmittelbereich(Gemüse, Schulessen, …) • Mehrweg bei Take-away oder To-go : Wien unterstützt die Verwendung von Mehrweg­gebinden oder selbst mitgebrachten Behältern in Wiener Take-away-Gastronomiebetrieben oder bei To-goAngeboten(z. B. Information und Bewusstseinsbildung, Verortung von Betrieben im Stadtplan). • Weinflaschen als Mehrweggebinde: Die Stadt Wien bringt sich aktiv bei der Entwicklung von Mehrweg-Weinflaschen ein, prüft den Einsatz in eigenen Betrieben und bewirbt dies bei allen Wiener Abfüller*innen. • Wiener Trinkwasser: Wien intensiviert die Bewusstseinsbildung über die hohe Qualität und kostenlose Möglichkeiten zur Befüllung mit Trinkwasser aus den Wiener Hochquellleitungen. 61 HEBEL 13 ABFALL ALS RESSOURCE VERSTEHEN Der Wiener Restmüll wird gemeinsam mit anderen brennbaren Mischabfällen wie Sperrmüll in den Wiener Müllverbrennungsanlagen energetisch verwertet. Leider landen noch immer Alt- und Wertstoffe wie Papier, Karton, Metall-, Plastik- und Glasverpackungen im Restmüll. Bei getrennter Sammlung können sie stofflich verwertet werden und als hochwertige Sekundärrohstoffe zum Einsatz kommen. Deshalb bietet die Magistratsabteilung 48 – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark umfassende Möglichkeiten und Informationen zum Thema Abfallvermeidung,-trennung und-sammlung an. Unsere Aktivitäten • Sortiertechnologien und hochwertige Verwertungsmöglichkeiten von Textilien: Diesbezügliche Forschung und Entwicklung soll aktiv unterstützt und begleitet werden, z. B. Faserzu-Faser-Recycling für nicht mehr verwendbare Alttextilien. • Getrennte Sammlung in Gebäuden: Informationen und Motivationsmethoden zur getrennten Abfallsammlung für Bewohner*innen und Hausverwaltungen werden evaluiert und verbessert (z. B. durch Abfall-Coaches). • Sammlung sperriger Altstoffe: Die getrennte Abgabe und Sammlung sperriger Abfälle wird für die Menschen in Wien vereinfacht, z. B. durch die Nutzung einer Internetplattform, Nutzung von Car-Sharing-Angeboten wie Wien Mobil oder die Evaluierung von Abholmöglichkeiten an geordneten Plätzen. • Verwertung sperriger Altstoffe: Verwertungsmöglichkeiten werden evaluiert und eine mögliche Wiederverwendung, z. B. von Möbelstücken und Matratzen, wird geprüft. 62 RESSOURCENSCHONENDE LEBENSMITTELPRODUKTION, VERPFLEGUNG UND ERNÄHRUNG Wien produziert lokal und biologisch, reduziert die Lebensmittelverschwendung und erhöht die Ernährungskompetenz der Menschen in der Stadt. Die Stadt Wien fokussiert auf die großen Potenziale entlang der Wertschöpfungskette von Lebensmitteln. Diese liegen zum Teil im direkten Einflussbereich der Stadt. Zusätzlich schafft Wien Bewusstsein für ressourcenschonenden privaten Konsum. Die folgenden Hebel bauen auf vielen bestehenden Programmen und Initiativen auf, die laufend weiterentwickelt werden. Maßgebliche Eckpunkte, die sich auch in den Hebeln finden, definiert der Wiener Lebensmittelaktionsplan Wien isst G.U.T. 66 BEST PRACTICE Wien isst G.U.T. FoodTrailer Ein wichtiges Vermittlungstool des Wiener Lebensmittelaktionsplans Wien isst G.U.T. ist der FoodTrailer der Stadt Wien, Magistratsabteilung 22 – Umweltschutz, der beispielsweise vor Schulen Station macht. Foto: Martin Votava Wiener Gusto Die Magistratsabteilung 49 – Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien bewirtschaftet rund 2.000 Hektar Acker- und Weinbauflächen biologisch und zählt damit zu den größten Bio-Betrieben Österreichs. Unter der Marke„Wiener Gusto“ werden seit 2022 u. a. Mehl, Linsen, Leinöl und Erdäpfel direkt an Konsument*innen vermarktet. Ziel ist es, das Bewusstsein für regionale Bio-Produkte zu stärken. Foto: Stadt Wien, MA 49 Blumenerde aus Kompost der Wiener Biotonne Die Magistratsabteilung 48 – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark produziert aus Biomüll, Rindenhumus und Holzfasern hochwertige, torffreie Erde für sämtliche Bepflanzungen im Haus- und Gartenbereich. Pro 40-Liter-Sack Erde können durch den Einsatz von Kompost aus Wiener Bioabfall zusammen mit anderen Zusatzstoffen wie zum Beispiel Rindenhumus bis zu 36 Liter Torf eingespart werden. Foto: Jobst 63 HEBEL 14 GANZHEITLICHE ERNÄHRUNGSSTRATEGIE AUF REGIONALER EBENE Nachhaltige, gesunde und ressourcenschonende Ernähr­ ung ist ein zentrales Querschnittsthema und betrifft viele Politik- und Verwaltungsbereiche – von Landwirtschaft über Gesundheit bis Bildung. Eine ganzheitliche Ernährungsstrategie vereint ökologische Nachhaltigkeit, öffentliche Gesundheit, soziale Gerechtigkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Im Sinne des Milan Urban Food Policy Pact 67 setzt die Stadt Wien auf eine integrierte und erprobte Verwaltungspraxis, die politische Rahmenbedingungen schafft, an denen alle betroffenen Bereiche wie die landwirtschaftliche Produktion, die allgemeine Gesundheit oder das Bildungswesen anknüpfen können. Unsere Aktivitäten • Integrierte städtische Rahmenbedingungen : Eine regionale und lokale Ernährungspolitik sowie städtische Umsetzungsstrukturen im Sinne von Wien isst G.U.T. und dem Milan Urban Food Policy Pact werden in Zusammenarbeit mit Landwirtschaft, Wissenschaft, NGOs und Menschen in der gesamten Region entwickelt. • Niederschwelligkeit: Der Zugang zu nachhaltig produzierten und gesunden Lebensmitteln, insbesondere für sozial Benachteiligte, wird verbessert (z. B. in der Gemeinschaftsverpflegung). • Beteiligung in der Umsetzung: Verschiedene Interessensgruppen(u. a. Landwirtschaft, Wissenschaft, NGOs und Menschen in Wien) in der gesamten Metropolregion werden aktiv beteiligt und lokale Initiativen zum resilienten und fairen Ernährungssystem in Wien unterstützt. • Nachhaltige Lebensmittellogistik und-vertrieb: Nachhaltiger Lebensmitteltransport inklusive Umschlagplätze und Kühlmöglichkeiten für die Versorgung aus dem Umland wird unterstützt(siehe auch Seite 41). • Innovative Produkte: Mit dem Schwerpunkt „Food Innovation“ fördert die Wirtschaftsagentur Wien die Entwicklung innovativer Produkte und Geschäftsmodelle für ein gesundes, nachhaltiges und resilientes Ernährungssystem(siehe auch Seite 43). 64 HEBEL 15 STOPP DER LEBENSMITTELVERSCHWENDUNG Viele Initiativen engagieren sich für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen. Sie werden laufend weiterentwickelt und auf Zielgruppenbedürfnisse, zum Beispiel durch interaktive Formate, erweitert. Die Stadt Wien unterstützt Initiativen wie United Against Waste oder Projekte der Tafel Österreich und ist Kooperationspartnerin der Bundesinitiative„Lebensmittel sind kostbar“. Projekte und Maßnahmen werden vor allem über die Magistratsabteilung 22 – Umweltschutz durch Abfall­ beratung in Schulen und Kindergärten sowie durch die Initiative„Natürlich weniger Mist“ umgesetzt und forciert. Unsere Aktivitäten • Lagerungs- und Kühlinfrastruktur: Soziale Einrichtungen werden beim Ausbau der Lagerungs- und Kühlinfrastruktur für Lebensmittelspenden zur effizienteren Umverteilung weiterhin unterstützt(z. B. durch Beratung und Förderung). Außerdem unterstützt die Stadt Wien die Vereinfachung der sicheren, karitativen Lebensmittelweitergabe. • Informations- und Wissensoffensive zum Thema Mindesthaltbarkeit: Die Stadt Wien setzt sich beim Bund für die Durchführung einer österreichweiten Kampagne zur Aufklärung der Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums – gegebenenfalls unter Einbeziehung des Handels – ein. • Veranstaltungen: Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen(z. B. Bewerbung von „GenussBoxen“, ÖkoEvent-Kriterien, Beratung durch OekoBusiness) werden weiterentwickelt. • Weitergabe von Lebensmitteln : Die Stadt Wien eruiert, wie in den Mitarbeiter*innenrestaurants des WiGeV, in den Wiener Schulen oder in von der Stadt Wien beauftragten Unternehmen die Weitergabe von Speisen an soziale Einrichtungen funktionieren kann(z. B. mit der Wiener Lebensmitteldrehscheibe und der Tafel-Drehscheibe). 65 HEBEL 16 RESSOURCENSCHONENDE GEMEINSCHAFTSVERPFLEGUNG UND GASTRONOMIE Die Stadt Wien verwaltet das größte Beschaffungs­ volumen für Lebensmittel in der gesamten Metropol­ region: Rund 120.000 Mahlzeiten pro Tag oder 44 Tonnen Lebensmittel pro Jahr werden in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Pensionist*innen-Wohnhäusern und zusätzlichen Kantinen bereitgestellt. 68 Der sukzessive Ausbau einer regionalen, saisonalen, pflanzenbasierten Ernährungsweise auf zertifiziert biologischer Basis ist ein wichtiger Hebel für Klimaschutz und Ressourcenschonung. Seit 1998 gibt es eine verpflichtende Bio-Quote in der städtischen Gemeinschaftsverpflegung, festgeschrieben im Beschaffungsprogramm ÖkoKauf(siehe auch Seite 39). Aktuell beträgt diese 30 Prozent insgesamt, 50 Prozent(freiwillig) in Schulen und 60 Prozent in städtischen Kindergärten. Die vom Bund angestrebte Zielsetzung einer Bio-Quote von 55 Prozent bis 2030 wird bereits von der Stadt Wien als Ziel verfolgt. 69 Vergleichbare Zielvorgaben sind in der privaten Gemeinschaftsverpflegung sowie in der allgemeinen Gastronomie mangels rechtlicher Grundlagen nur auf freiwilliger Basis zu erreichen und werden zum Beispiel über die Initiative„Natürlich gut Essen“ gut angenommen. Unsere Aktivitäten in der öffentlichen Gemeinschafts­verpflegung • Bio-Quote: Bereits vorhandene Instrumente zur Implementierung von Maßnahmen für die Zielsetzung von 55 Prozent Bio-Quote bis 2030 werden laufend evaluiert und gestärkt. • Pflanzliche Ernährung: Der Anteil pflanzlicher Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung wird unter Berücksichtigung der Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen(z. B. in Pflege- und Betreuungseinrichtungen, Kindergärten und Schulen) gesteigert(z. B. durch„Veggie-Days“) . • Benchmarking-Systeme: Das Programm Moneytor von United Against Waste ermöglicht Großküchen-Betreiber*innen ihren Lebensmittelabfall laufend zu überwachen und die größten Einsparpotenziale leicht zu identifizieren. Eine Weiterentwicklung in Form von Fußabdruck-Rechnern wird geprüft. Unsere Aktivitäten in der privaten Gastro­ nomie und ­Gemeinschaftsverpflegung • Vorgaben: Kriterien für nachhaltige und ressourcenschonende Beschaffung wie von ÖkoKauf (Wien) und naBe(Bund) für private Gastronomiebetriebe und Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen werden niederschwellig bereitgestellt. • Beratung und Selbstverpflichtung: Beratungsund Informationsprogramme sowie Zertifizierungs- und Auszeichnungssysteme(Umweltzeichen Gastronomie und Beherbergungsbetriebe, OekoBusiness Wien) werden weitergeführt. 66 HEBEL 17 WIEN PRODUZIERT REGIONAL UND BIOLOGISCH Die Stadt verwaltet Landwirtschaftsflächen von insgesamt 2.200 Hektar im Eigentum und führt einen der größten 100-Prozent-Bio-Betriebe Österreichs. Die Wiener Lebensmittelversorgung ist dennoch von den umliegenden Regionen und vielen nationalen und internationalen Produktionsfaktoren abhängig. Es ist essenziell, landwirtschaftliche Flächen zu sichern und regionale Kooperationen zur Bereitstellung hochwertiger regionaler Nahrungsmittel in Bio-Qualität sukzessive auszubauen. So werden regionale Kreisläufe geschlossen und die Lebensmittelversorgung langfristig auf hohem Niveau gesichert. Unsere Aktivitäten • Biologische Bewirtschaftung: Die Ausweitung des Bio-Anteils der landwirtschaftlichen Nutzflächen im Stadtgebiet von aktuell mehr als einem Drittel auf 100 Prozent wird durch Kooperationen mit den vorhandenen Betrieben und der Wiener Landwirtschaftskammer angestrebt. • Lokal produzierende und biologische Betriebe: Regelungen, Förderungen und öffentliche Vergabeprozesse(z. B. Marktordnung, Marktraum am Naschmarkt) unterstützen gezielt lokale Betriebe aus Produktion und Gastronomie. • Eigenmarke Wiener Gusto: Weitere Produktangebote sowie Aufbau und Bereitstellung der dafür notwendigen Vermarktungsinstrumente auf Basis von Potenzialerhebungen, Marktanalysen und Kosten-Nutzen-Studien(als Spezifizierung der Studie„Food Standort Wien“ 70 ) werden geprüft. • Alternative Formen urbaner Lebensmittelproduktion: Stadtlandwirtschaft(„urban farming“), neuartige Lebensmittel(„new food systems“, z. B. Proteinersatzprodukte) und vergleichbare Systeme(z. B. solidarische Landwirtschaft, kooperative Erntefelder, Gemeinschaftsgärten usw.) werden durch Potenzialerhebungen und den Aufbau von Kooperationen gestärkt. • Gezielter Aufbau regionaler Kooperationen: Zur Stärkung der(regionalen) Eigenversorgung werden in Abstimmung mit dem Land Niederösterreich Kooperationen zur Lebensmittelproduktion mit dem Wiener Umland aufgebaut(siehe auch Seite 41). 67 HEBEL 18 BIOGENE ABFÄLLE IM KREISLAUF Biologische Kreisläufe zu schließen ist ein zentraler Bestandteil der Kreislaufwirtschaft und schont Ressourcen und Kosten. Bereits jetzt werden die in Wien getrennt gesammelten biogenen Abfälle entweder für die Kompostierung verwendet oder der Biogasanlage in Simmering zugeführt. Aus biogenen Abfällen e­ ntsteht somit Kompost oder Biogas, das als Energieträger in verschiedenen Anwendungen zum Einsatz kommt. Eine besondere Art von Ressource findet sich täglich in unserem Abwasser: Dieses enthält neben vielen Schadstoffen auch Phosphor. Phosphor ist ein essenzieller und nicht substituierbarer Nährstoff und zählt seit 2014 zu den kritischen Rohstoffen, da die EU von Importen abhängig ist. Außerdem ist Phosphor für das Pflanzenwachstum unverzichtbar und wird als Düngemittel und zum H­ umusaufbau eingesetzt. Unsere Aktivitäten • Erhebung des Sammelpotenzials: Das noch vorhandene Sammelpotenzial biogener Abfälle aus Haushalten wird hinsichtlich der Standorte mit besonders hohem Potenzial evaluiert. • Wiener Biogasanlage: Auf Basis der Ergebnisse der strategischen Umweltprüfung des Wiener Abfallwirtschaftsplans wird die Kapazität der Wiener Biogasanlage verdoppelt. • Phosphorrückgewinnungsanlage: Die Stadt prüft die Errichtung einer Rückgewinnungsanlage für Phosphor aus Klärschlamm in Wien. Bis dahin soll angestrebt werden, Teilmengen an Klärschlammasche zur Düngemittelproduktion an Kooperationspartner*innen zu übergeben. • Getrennte Sammlung: Die Bemühungen, den Anteil an biogenen Abfällen im Restmüll, vor allem aus Handel, Gastronomie und Tourismusbetrieben, zu reduzieren und mehr Bioabfälle für die Vergärung oder die Kompostierung zu erhalten, werden verstärkt. 68 RESSOURCENSCHONUNG IM WIENER GESUNDHEITS-, PFLEGE- UND SOZIALBEREICH Eine Vielzahl an Einrichtungen versorgen die Menschen in Wien täglich mit Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Pflege und Soziales. Diese benötigen auch viele Ressourcen. Deshalb legt die Stadt Wien hier einen besonderen Fokus: Der Gesundheits- und Pflegebereich hat große soziale Bedeutung und bedarf nicht zuletzt deshalb einer sorgsamen Auseinandersetzung mit dem Thema Ressourcenschonung. Vor allem medizinische sowie nicht-klinische Produkte der Verpflegung und Ernährung sind in diesen Bereichen relevante Güter. Gebäude werden im letzten Kapitel(ab Seite 73) gesondert behandelt. Der Wiener Gesundheitsverbund(WiGeV) stellt bei seinen aktuellen Leitlinien zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz auch die Kreislaufwirtschaft in den Fokus. Es ist ein darin erklärtes Ziel, den Ressourcenverbrauch zu optimieren. 71 Krankenhausträger*innen mit Standorten in Wien wie auch die Vinzenzgruppe, die Barmherzigen Brüder, die Elisabethinen und Premiqamed haben zertifizierte Umweltmanagementsysteme etabliert, die Ressourcenschonung und Abfallreduktion adressieren. BEST PRACTICE Narkosegasrecycling In den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes wurde das Recycling von Narkosegasen mittels Aktivkohlefilter implementiert. Da Narkosegase extrem langlebig in der Atmosphäre bleiben, ist das ein bedeutender Schritt in Richtung ­nachhaltiges Gesundheitswesen. Foto: Meieregger 69 HEBEL 19 PROZESS- UND ABLAUFOPTIMIERUNG SOWIE DIGITALISIERUNG IM GESUNDHEITSUND PFLEGEBEREICH Die Weiterentwicklung von Prozessen, Vorgaben, ­Abläufen, Tätigkeiten und Strukturen unter Beachtung zirkulärer Prinzipien optimiert den laufenden Betrieb und verringert den Ressourcenbedarf des Gesundheitsund Pflegesektors entsprechend der 10-R-Grundsätze der Kreislaufwirtschaft(siehe auch Seite 35). Dadurch können mehr Effizienz und Kostenersparnisse erreicht werden. Grundlage der folgenden Hebelaktivitäten ist die österreichische Strategie„Klimaneutrales Gesundheitswesen“. Die Bundesstrategie bietet u. a. Vorschläge für Förderanreize und gesetzliche Verpflichtungen für Gesundheitsund Pflegeeinrichtungen(siehe auch Seite 56). 72 Unsere Aktivitäten • Arzneimittelbörse : Für die interne Weitergabe von Arzneimitteln werden Arzneimittelbörsen künftig abteilungsübergreifend organisiert und ausgebaut. • Doppelverschreibungen von Arzneimitteln : Es werden Maßnahmen zur Vermeidung von Doppelverschreibungen aus dem stationären, ambulanten und Primärversorgungssystem gesetzt . • Digitalisierung : Optimierungspotenziale durch die fortschreitende Digitalisierung werden erschlossen. Mögliche digitale Werkzeuge reichen von papierfreien, effizienten Abläufen und Services bis zu digital gestützten Behandlungsmethoden(Telemedizin,„Best Point of Service“, Vorsorgemedizin und Therapieformen, siehe auch Seite 40). Sie werden unter Wahrung von Versorgungsqualität, Chancengleichheit und sozialer Wertebasis entwickelt. • Medizinische Produkte: Neben der ökologischen Beschaffung soll unter Wahrung der Versorgungsqualität und der Hygienestandards der Verbrauch medizinischer Produkte reduziert werden. Mehrwegprodukte, Instandsetzung, Rückgabesysteme und Wiederverwendung sollen forciert werden. Dies betrifft neben medizinischen Produkten auch Reinigungs- und Desinfektionsmittel, Wäsche und Textilien sowie Betriebsmittel und Ausstattung. 70 HEBEL 20 ABFALLTRENNUNG UND-VERWERTUNG IM GESUNDHEITS- UND PFLEGEBEREICH In den Abfällen von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen befinden sich viele noch nicht genutzte Wertstoffe. Hier gilt es, die Abfallsammlung und-aufbereitung entlang der Verwertungs- und Entsorgungsketten weiterzuentwickeln(siehe auch Seiten 61, 62). Es gibt bereits Instrumente, Richtlinien und Normen zur Erstellung von Abfallwirtschaftskonzepten mit klaren Vorgaben zur Abfalltrennung und-logistik. Diese können gezielt Potenziale zur Wieder- und Weiterverwendung, Verwertung und fachgerechten Entsorgung identifizieren. Die Strategie„Klimaneutrales Gesundheitswesen“ enthält Vorschläge zur allgemeinen Verbesserung des Abfallmanagements, wie beispielsweise Maßnahmen zur Optimierung von Verpackungsgrößen bei Medi­ kamenten. 73 Die Leitlinien des WiGeV legen unter anderem eine intelligente Abfall- und Lieferlogistik als wichtige Maßnahme fest. 74 Unsere Aktivitäten • Kreislauffähiges Abfallmanagement: Alle Einrichtungen des Pflege- und Gesundheitssektors erstellen ein Abfallwirtschaftskonzept oder einen Abfallwirtschaftsplan. Sie können dafür vorhandene Instrumente(u. a. die Richtlinie zur Abfalltrennung des Arbeitskreises für Hygiene in Gesundheitseinrichtungen der Magistratsabteilung 15 – Gesundheitsdienst) nutzen. • Recyclingpotenzial im WiGeV: Es erfolgt eine standardisierte Erhebung und Dokumentation des Recyclingpotenzials von Wertstoffen. • Verwertungs- und Entsorgungsstrategien: Im Rahmen von Pilotanwendungen, Testprojekten und in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen des Gesundheitssektors(Forschung und Entwicklung, Dienstleistungen, Betrieb, Produktion) werden Entsorgungs- und Verwertungsstrategien weiterentwickelt. 71 HEBEL 21 WIENWEITE KREISLAUFWIRTSCHAFTSPROGRAMME IM GESUNDHEITSUND PFLEGEBEREICH Der Wiener Gesundheitsverbund(WiGeV) hat eine Vorreiterrolle beim Übergang zu einem ressourcenschonenden Gesundheits- und Pflegedienstleister. Für eine größtmögliche Wirkung müssen möglichst viele Organisationen und Unternehmen des Gesundheits- und Pflegebereichs den Weg in Richtung Kreislaufwirtschaft gehen. Bei der Umsetzung ist eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Akteur*innen des Gesundheits- und Pflegesektors, insbesondere mit dem Bund, der Gesundheit Österreich GmbH(GÖG) und dem Fonds Gesundes Österreich(FGÖ) wichtig. Unsere Aktivitäten • Sektorweites Benchmarking: Der Einsatz eines vergleichenden Monitorings zur Erfolgskontrolle beim Energie- und Ressourcenverbrauch wird überprüft und entwickelt. • Umweltmanagementsysteme: Aufbau und Implementierung von Umweltmanagementsystemen in allen Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen werden unterstützt. Informationen und Daten zu Instrumenten und Erfahrungen der städtischen Einrichtungen werden geteilt. • Förderbestimmungen und Vertragsgrundlagen: Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft werden in Förderrichtlinien und Vertragsbestimmungen, etwa des WiGeV und vergleichbarer Organisationen, berücksichtigt. • Beratungsprogramm„Klimafreundliche Gesundheitseinrichtungen“: Die Initiative der GÖG wird zur Unterstützung der institutionellen Verankerung und kontinuierlichen Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen herangezogen. 72 5.  Ressourcenschonung in der gebauten Umwelt Wien baut mit Weitblick, um Ressourcen zu schonen und auch weiterhin eine hohe ­Lebensqualität für alle sicherzustellen. Statt ständig neue Rohstoffe zu verbrauchen, nutzt Wien, was bereits da ist: die Innovationskraft der Menschen und die Stadt selbst als ­wertvolles Materiallager der Zukunft. Materialien zirkulieren, Gebäude sind nutzungsflexibel und Wien wächst nachhaltig. Wien baut mit dem Werkzeug der Kreislaufwirtschaft für eine ­Zukunft, die über sich hinauswächst. Wien baut auf Wien. 73 Die gebaute Umwelt als entscheidender Faktor Wien zeigt, dass zirkuläres Planen und Bauen ökologisch, sozial und wirtschaftlich sinnvoll ist – ein Handlungsprinzip, das Werte bewahrt und langfristige Leistbarkeit und Lebensqualität sicherstellt. Wien baut seit jeher mit Weitblick. Als Metropole von zeitgeschichtlicher und kultureller Strahlkraft erlebte die Stadt bereits viele Phasen urbaner Entwicklung – immer geprägt von den Menschen, die hier leben und arbeiten. Gebäude, Infrastruktur und die Art und Weise, wie wir sie gestalten, beeinflussen die Lebensqualität aller Menschen in Wien: als Lebensraum mit höchsten Qualitätsstandards, leistbarem Wohnraum und Standort für Bildung, Naherholung, Kultur und starke Unternehmen. Zu Wien gehören die Gründerzeitquartiere und die Donauinsel genauso wie der Wohnpark Alt-Erlaa und die Seestadt Aspern. Die Stadt ist stolz auf eines der modernsten, ständig erweiterten Öffi-Netze der Welt. Schon immer zeichnet sich Wien durch einen behutsamen Umgang mit dem ­Bestehenden und gleichzeitig einem engagierten Neubau aus. Die Nutzung von innerstädtischen Entwicklungspotenzialen ist in Wien wesentlich. So wird in der Bestandsstadt saniert, verdichtet und der strukturell hochwertige Bestand ergänzt. Gleichzeitig entstehen in modernen Stadtentwicklungsgebieten zukunftsfitte ­Lebensräume für die wachsende Bevölkerung. WIEN ALS LANGFRISTIG LEBENSWERTE STADT Im Jahr 2024 überschritt die Wiener Bevölkerung erstmals seit 1910 wieder die Zwei-Millionen-Grenze. Auf nur 415 Quadratkilometern(das sind gerade einmal 0,5 Prozent des österreichischen Staatsgebiets) lebt mehr als ein Fünftel der gesamten österreichischen Bevölkerung. Im Jahr 2022 umfassten die knapp 177.000 Gebäude Wiens eine Nutzfläche von über 142 Quadratkilometern – das entspricht 72,5 Quadratmetern pro Wiener*in. 75 Trotz dieses Wachstums nehmen die Menschen in Wien im Vergleich zu den anderen Bundesländern wenig Fläche in Anspruch: Beträgt im Jahr 2022 der österreichweite Durchschnitt 629 Quadratmeter Flächeninanspruchnahme pro Person, so liegt der Vergleichswert für Wien bei 127 Quadratmeter pro Person, also etwa bei einem Fünftel. Im Vergleich mit anderen europäischen Großstädten ist dieser Wert deutlich geringer als der ­Durchschnitt. 76 1.700 Brücken 1.700 km Radverkehrsnetz 2 Millionen Menschen 415 km 2 177.000 Gebäude 142 km 2 Gebäudenutzfläche 700 Schulen 35.000 km Ver- und Entsorgungsleitungen 510 km Gleise Wiener Linien Abbildung 12: Die gebaute Umwelt Wiens. Quelle: Stadt Wien(Hg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2024 74 ZIRKULARITÄT ALS BAUPROGRAMM DER ZUKUNFT Wien hat viel vor: weiterhin leistbaren und qualitätsvollen Wohnraum für die wachsende Bevölkerung schaffen, hochwertige und resiliente Infrastruktur bereitstellen, sich bis 2040 von fossiler Energie unabhängig machen, dabei den öffentlichen Raum neu organisieren und an den Klimawandel anpassen. Für all das braucht es verantwortungsvolles Planen und Gestalten. Das laufend notwendige Um- und Weiterbauen der Stadt gehört zu den material- und emissionsintensivsten Tätigkeiten Wiens(siehe auch Seite 17). Gleichzeitig besteht dabei ein enormes, bislang nicht ausgeschöpftes Kreislaufpotenzial. Ein neuer Umgang mit vorhandenen und zukünftigen Ressourcen stellt eine bedeutende Chance dar, die die Stadt Wien konsequent ergreifen will. Fakten zu Abfallaufkommen und Materialeinsatz im Wiener Bausektor • Bauschutt, Baustellenabfälle, Betonabbruch, Eisen und Stahl machten im Jahr 2020 mehr als 60 Prozent der in Wien angefallenen Abfallmengen aus. • Der Großteil dieser Bauabfälle ist für die stoffliche Verwertung geeignet. Ihre hochwertige Wiederverwendung ist derzeit aber noch die Ausnahme. Deshalb ist der jährlich zusätzlich notwendige Materialbedarf für Bautätigkeiten immer noch sehr hoch. • Der Materialfußabdruck(MF) des Bausektors(Gebäude und Infrastruktur) betrug für 2019 6,1 Millionen Tonnen, er ist gemeinsam mit der Biomasse (6,2 Millionen Tonnen) entscheidend für den Materialfußabdruck von Wien. 77 Wien positioniert sich in den Bereichen Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft als Bau-Musterstadt Europas. Das geschieht gemeinsam mit Forschung und Entwicklung, den Architekturschaffenden und Fachplanungs-­ Expert*innen und in enger Kooperation mit Handwerksbetrieben und Digitalisierungsprofis der Wiener Wirtschaft. Gemeinsam schaffen sie eine Vielzahl an zukunftsorientierten Beschäftigungsangeboten und stärken den Wirtschaftsstandort Wien, indem sie ihn resilienter und unabhängiger machen. Die Stadt Wien und städtische Unternehmen unterstützen das Erreichen der Ziele, indem sie zielgerichtete, integrierte Planungs- und Entscheidungsinstrumente aufbauen, Pilot- und Umsetzungsvorhaben abwickeln und Kreislaufwirtschaft im Bereich der Beschaffung, Förderung und Regulative berücksichtigen sowie in der Energie- und Mobilitätswende integriert betrachten. 75 Die Investition in die Zukunft ZIRKULARITÄT RECHNET SICH UND SORGT FÜR LANGFRISTIGE LEISTBARKEIT Effizienter Materialeinsatz sowie langlebige Konstruktionen und Wartungskonzepte, die Reparaturen und den gezielten Austausch von einzelnen Komponenten ermöglichen, erhöhen die Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus. Trennbare Bauteile erleichtern die Wiederverwendung und Reparaturfähigkeit ­reduziert den Bedarf an neuen Materialien und fördert nachhaltige Bauweisen. Leicht adaptierbare Gebäudestrukturen ermöglichen eine flexible Anpassung an sich verändernde Nutzungen. Ein hoher Vorfertigungsgrad beschleunigt den ­Bauprozess und minimiert Bauabfälle. Wien ist seit über 100 Jahren Vorreiterin im Bereich des sozialen und leistbaren Wohnbaus. Rund 25 Prozent aller Hauptwohnsitze befinden sich im direkten Eigentum der Stadt oder vergleichbarer öffentlicher Gebietskörperschaften, weitere 19 Prozent in der Verwaltung gemeinnütziger Wohnbaugesellschaften. 78 Der soziale Wohnbau, der laufend durch hochwertigen Neubau ausgeweitet wird, trägt damit zentrale Verantwortung. Auch die Sanierung und Weiterentwicklung des B­ estands folgt den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft, des Werterhalts und der Wirtschaftlichkeit. Das trägt wesentlich zur sozialen Ausrichtung des Wiener Wohnbaus und dem leistbaren Wohnraum in Wien bei. DIE STADT ALS MATERIALLAGER ANERKENNEN UND NUTZEN Die gebaute Umwelt Wiens soll als„Materiallager der Zukunft“ genutzt werden, indem Bestehendes bestmöglich erhalten und der Kreislauf zwischen Rück- und Neubau geschlossen wird. Der Abbau und die Verarbeitung von Primärressourcen und Rohstoffen machen einen großen Teil beim Überschreiten der planetaren Grenzen aus(siehe auch Seite 11). Gleichzeitig schrumpft die Verfügbarkeit einzelner Rohstoffe aus natürlichen Lagerstätten zunehmend. Zirkuläres Bauen nutzt die Stadt selbst als Rohstoff-Materiallager und senkt dabei den Abbau und Einsatz von Primärressourcen durch die Verwendung von Sekundärmaterialien und gebrauchstauglichen Bauteilen. Bereits verbaute Ressourcen werden nach Ablauf ihrer Nutzungszeit rückgewonnen, hochwertig wiederverwendet und so als Sekundärressource im Kreislauf gehalten. EFFIZIENZ ALS GRUNDSATZ FÜR DAS UM- UND WEITERBAUEN VON WIEN Dieser Grundsatz bedeutet einen weiterhin sparsamen Umgang mit Fläche sowie ein bestmögliches Maß an Kompaktheit und Nutzungsdichte bei Neubauten. Er umfasst die qualitätsvolle Weiterentwicklung von Bestandsquartieren und Gebäuden, die Reduktion von Leerstand und die Nachverdichtung im Bestand. Effizienz sorgt bei steigender Bevölkerungszahl für größtmögliche Ressourcenschonung beim Um- und Weiterbauen in der Stadt. Sie steht beim zirkulären Bauen auch für „Schlankheit“ – für materialoptimierte Bauteile und Konstruktionen im Hoch- und Tiefbau in jeglicher Hinsicht, bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Weiterentwicklungsfähigkeit und Dauerhaftigkeit. Es geht darum,„mehr mit weniger“ zu bauen – im Hinblick auf optimierte Bauprozesse, die Reduzierung von Material­ verlusten in der Herstellung oder den Einsatz und die Kombination von Materialien, die gemeinsam kreislauffähig sind. 76 VOM ANFANG BIS ZUM ENDE GEDACHT: DEN LEBENSZYKLUS DES BAUWERKS BERÜCKSICHTIGEN Langlebigkeit, Reparaturfreundlichkeit, Umnutzbarkeit und Rückbaubarkeit sind wesentliche Bestandteile des zirkulären Bauens. Diese Qualitäten sind von Beginn an sicherzustellen. Bereits in frühen Phasen der Planungs- und Entscheidungsprozesse wird deshalb der gesamte Lebenszyklus des Bauwerks – einschließlich der darin enthaltenen Materialien und technischen Infrastrukturen – berücksichtigt werden. Umweltschonung und Kosteneffizienz gehen Hand in Hand und sind wesentliche Kriterien in der Beschaffung. Dafür braucht es leistungsfähige Werkzeuge für die Planungs- und Baupraxis. Die Digitalisierung spielt dabei eine entscheidende Rolle. Building Information Modeling(BIM) und digitale Zwillinge schaffen die Voraussetzungen für hohe Zirkularität über alle Lebenszyklusphasen eines Bauwerks hinweg: von der Planung und Umsetzung über den Betrieb, die Instandhaltung und Weiterentwicklung bis hin zum wiederverwendungsorientierten Rückbau. So werden Materialkreisläufe geschlossen und Ressourcen optimal genutzt. WENIGER verbrauchen, LÄNGER nutzen, WIEDER verwenden – die ­Strategien des zirkulären Bauens WENIGER verbrauchen: Schonender Umgang mit der Ressource Boden, ­Minimierung des Verbrauchs energieintensiver(Primär-)Rohstoffe durch Suffizienz- und Effizienzstrategien in der Planung, den Einsatz regenerativer, wiederverwendeter und recycelter Materialien und Bauteile sowie der Einsatz ökologisch hochwertiger Materialien mit möglichst geringer Auswirkung auf die Umwelt, insbesondere hinsichtlich des Treibhausgaspotenzials über den gesamten Lebenszyklus. LÄNGER nutzen: Verlängerung der Nutzungsdauer durch Modularität und Anpassungsfähigkeit, baukonstruktive Lösungen im Sinne der Dauerhaftigkeit , Vermeidung von Baumängeln durch qualitäts- beziehungsweise vertragskonformes Bauen und einfache Wartungs- und Reparierbarkeit . WIEDER verwenden: Schließung von Materialkreisläufen durch den Einsatz leicht wiederverwendbarer Baustoffe und Konstruktionsweisen, die einen werterhaltenden Rückbau unterstützen und Basis für den hochwertigen ­Wiedereinsatz der Materialien sind. In der Praxis wird beispielsweise auf vorgefertigte, modulare und leicht rückbau­ bare Bauelemente gesetzt, Alterungsprozesse dürfen sichtbar bleiben, Bauteile sind demontierbar und Kabel oder Leitungen leicht zugänglich verlegt. Damit Reparaturen einfach durchführbar sind, weist die Konstruktion eine Hierarchie der Bauteile nach Lebensdauer auf und ermöglicht einen gezielten Austausch einzelner Komponenten. Ziel ist es, dass am Ende des Bauwerkslebenszyklus so wenig Abfall wie möglich und stattdessen ein Materialkreislauf entsteht. Dabei tragen unterschiedliche Maßnahmen auf jeweils eigene Weise zur Ressourcenschonung und zum zirkulären Bauen bei – es gibt nicht„die eine“ Lösung. Vielmehr erfordert jede Bauaufgabe eine ganzheitliche Betrachtung, bei der Ort, Funktion, Materialwahl und Nutzungskontext einbezogen werden müssen. Mögliche Zielkonflikte oder Widersprüche sind dabei keine Hindernisse, sondern integrale Bestandteile eines reflektierten und lösungsorientierten Planungsprozesses. 77 KOOPERATION UND INNOVATION FÜR DIE TRANSFORMATION IM PLANEN UND BAUEN Die Umstellung auf eine zirkuläre Bauwirtschaft erfordert einen umfassenden systemischen Wandel und Kooperation entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Aktuell ist der Einsatz neuer Materialien oft günstiger, während ein funktionierender Markt für Sekundärbaustoffe fehlt. Haftungsrechtliche Unsicherheiten erschweren die Wiederverwendung von Bauteilen. Das Verursacher*innenprinzip und die Hersteller*innenverantwortung sind noch kein rechtlicher Standard. Bei Abrissen älterer, nicht kreislaufgerecht geplanter Gebäude verhindert der Einsatz schlecht trennbarer Verbundmaterialien die Wiederverwendung. Downcycling dominiert die Verwertungsstrategien. Es mangelt an Daten, Produktinformationen und konsistenten Bewertungsmethoden für den gesamten Lebenszyklus. Die Transformation erfordert deshalb Innovation, Engagement und Mut, doch die Alternative – das Festhalten an der Linearwirtschaft – ist weder sozial, ökologisch noch ökonomisch tragbar. Zirkularitätsfaktor Wien 1.0 3 Strategien 8 Kategorien WENIGER verbrauchen Pre-Use (1) VM: Verbaute Materialien (2) OB: Ökobilanzierung LÄNGER nutzen Use WIEDER verwenden Post-Use (3) Nl: Nutzungsintensität (4) FL: Flexibilität, Umnutzbarkeit und Nachverdichtung (5) LA: Langlebigkeit, Tauschbarkeit und Reparaturfähigkeit (6) RR: Rückbau und Re-Use (7) RE: Recycling (8) EN: Entsorgung Abbildung 13: Der Zirkularitätsfaktor(ZiFa) Wien steht im Gebäudebereich für Ressourceneffizienz im Lebenszyklus und in der ganzen Wertschöpfungskette. Quelle: viecycle.wien.gv.at Um zirkuläres Planen und Bauen zum Standard zu machen, braucht es klare Kriterien, was darunter zu verstehen ist. Der Zirkularitätsfaktor(ZiFa) unterstützt dabei als zentrales Werkzeug im Transformationsprozess. Als wissenschaftlich fundiertes Bewertungssystem wurde er im Rahmen des Programms DoTank Circular City Wien 2020-2030 entwickelt und in realen Bauprojekten getestet und weiterentwickelt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die finale Bewertungsmethode, sondern vor allem der Weg dorthin – mit dem Ziel, wirksame Maßnahmen sichtbar zu machen und zirkuläres Bauen konkret und praxisnah umsetzbar zu gestalten. 78 Vorgaben und Ziele für das Wiener Bauwesen Die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft erfolgt anhand folgender Parameter. RAHMENBEDINGUNGEN AUF EU- UND BUNDESEBENE (siehe auch Seiten 19, 22) • EU-Gebäuderichtlinie(2024/1275/EU): Als Teil der Strategie„Renovierungswelle für Europa“ ist die EU-Gebäuderichtlinie(EPBD) für das Vorantreiben von Kreislaufwirtschaft besonders relevant, da sie eine integrale Herangehensweise (Dekarbonisierung und zirkuläre Sanierungsmaßnahmen) fordert. Sie wird über Richtlinien des Österreichischen Instituts für Bautechnik(OIB) in landesrechtliche Vorgaben übersetzt. 79 • EU-Bauprodukteverordnung(2024/3110/EU): Die Verordnung sieht eine kombinierte„Leistungs- und Konformitätserklärung“ in Verbindung mit der CEKennzeichnung vor. Sie regelt die Nachweise für die ökologische Nachhaltigkeit von Bauprodukten und führt ein„digitales Produktpasssystem für Bauprodukte“ ein. • Deponieverordnung : Die Novelle(BGBl. II Nr. 291/2016) der Deponieverordnung 2008(DVO 2008) regelt neben den Anforderungen an den Deponiestandort Aspekte wie Errichtung, Betrieb, Stilllegung und Nachsorge von Deponien. Das Forcieren einer Kreislaufwirtschaft in Einklang mit der Abfallhierarchie ist als klares Ziel der DVO verankert(z. B. Deponierungsverbot für Gipsplatten ab 2026). • Recycling-Baustoffverordnung: Diese Verordnung(BGBI. II Nr. 243/2024) ­regelt den nationalen Rahmen für den verwertungsorientierten Rückbau. Für das Bauwesen ist die Recycling-Baustoffverordnung von besonderer Bedeutung, da über sie und die damit verbundene Norm ÖN B3151 der verwertungsorientierte Rückbau als Standard-Abbruchmethode in Österreich verbindlich vorgegeben wird. • Reduktion des Bodenverbrauchs : Bereits in der„Österreichischen Strategie zur Nachhaltigen Entwicklung“ aus dem Jahr 2002 findet sich eine generelle Zielsetzung auf eine Reduktion des täglichen Bodenverbrauchs auf österreichweit 2,5 Hektar pro Tag. Dieses Ziel wurde inhaltlich von der aktuellen Bundesregierung dahingehend übernommen, als dass bis zum Jahr 2026 mit den Bundesländern eine Strategie zur Zielerreichung entwickelt werden soll. Wien unterstützt diese Zielsetzung und trägt bereits gegenwärtig im Vergleich zu allen anderen Bundesländern nur gering zum Bodenverbrauch bei. 79 Wichtige Wiener Zielsetzungen für eine ressourcenschonende gebaute Umwelt Die Zielsetzungen zur Umsetzung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen sind bereits in den übergeordneten Strategien und Bereichsstrategien der Stadt verankert. Besonders wesentlich dafür sind die Smart Klima City Strategie Wien, der Wiener Klimafahrplan, die Wirtschaftsstrategie Wien 2030(mitsamt der Digitalisierungs-Agenda), der Wiener Abfallwirtschaftsplan und das Abfall­ vermeidungsprogramm 2025-2030, das Konzept Wiener Wärme und Kälte 2040 und der Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035. • Zirkuläres Bauen als Standard im Gebäudebereich ab 2030: ­ Kreislauffähiges Planen und Bauen zur maximalen Ressourcenschonung ist ab 2030 Standard bei Neubau und Sanierung.(Smart Klima City Strategie Wien) • 70 Prozent Wiederverwendbarkeit bis 2040 : Bis 2030 wird Wiederverwendbarkeit im Neubau zum neuen Planungsstandard. Ab 2040 wird der wiederverwendungsorientierte Rückbau zum Praxis-Standard und die Wiederverwendbarkeit von mindestens 70 Prozent der Bauelemente,-produkte und-materialien sichergestellt.(Smart Klima City Strategie Wien) • Niedrige Flächeninanspruchnahme und hochwertiger Freiraum : Der Grünraumanteil in Wien von mehr als 50 Prozent ist langfristig ­gesichert und die natürlichen Bodenfunktionen werden durch die Erhaltung und Schaffung von unversiegelten Flächen gewährleistet.(Smart Klima City Strategie Wien, Agrarstruktureller Entwicklungsplan – AgSTEP, Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035) • Erhaltung und Um- beziehungsweise Weiterbau des Gebäudebestands : Die Weiternutzung von Gebäuden ist dem Abbruch vorzuziehen, der Gebäudebestand wird möglichst lange genutzt und bei Bedarf adaptiert. Langlebige und nutzungsoffene Gebäude werden in der Bestandsentwicklung und im notwendigen Neubau forciert.(Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035) • Flächen und Infrastruktur für die Kreislaufwirtschaft : Wien sichert ausreichende und geeignete Flächen. Räume und Infrastruktur für die Kreislaufwirtschaft vom Grätzl bis zur Stadtregion werden in der Planung berücksichtigt.(Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035) • Kompakte und urbane Stadtteile : Siedlungsstrukturen werden boden- und flächensparend sowie im Sinne der Stadt der kurzen Wege geplant.(WienPlan – Stadtentwicklungsplan 2035) 80 Schwerpunkte für die Ressourcenschonung in der gebauten Umwelt Um die Ziele des Bausektors zu erreichen, sind folgende Schwerpunkte, Hebel und damit einhergehende Aktivitäten in den kommenden Jahren zu setzen. 1. Strukturelle Grundlagen für ressourcenschonenden Hoch- und Tiefbau 2. Ressourcenschonung in der Stadtentwicklung 3. Ressourcenschonende Infrastrukturen der Daseinsvorsorge STRUKTURELLE GRUNDLAGEN FÜR RESSOURCENSCHONENDEN HOCH- UND TIEFBAU Grundlagen und Methoden des ressourcenschonenden und zirkulären Bauens müssen praxistauglich erarbeitet und schrittweise in Planungs- und Entscheidungsprozesse verankert werden. Wien hat in den Bereichen der Beschaffung, der Förderung, der Qualitätssicherung und des Ordnungsrechts viele Möglichkeiten zur Schärfung der gelebten Praxis, Handlungsspielräume sollen genutzt und konsequent weiter ausgebaut werden. Das Programm DoTank Circular City Wien 20202030 der Stadt Wien leistet dafür bereits umfassende und wertvolle Arbeit. BEST PRACTICE Rückbau Ferry-Dusika-Stadion Vor dem erforderlichen Ersatzneubau des 1976 errichteten Ferry-Dusika-Hallenstadions wurden im Rahmen eines kontrollierten Rückbaus und durch Social Urban Mining mehrere Tonnen Materialien fachgerecht ausgebaut und der Wiederverwendung zugeführt. Das Projekt setzt konsequent auf Kreislaufwirtschaft entlang der ZiFa-Kategorien: Rückbau und Re-Use, Recycling und Entsorgung. Foto: BauKarussell Digitaler Zwilling der Wiener Netze Der digitale Zwilling der Wiener Netze bildet die insgesamt 29.500 Kilometer langen Versorgungsnetze für Strom, Gas, Fernwärme und Glasfaserkabel der Stadt Wien ab. Dies führt zu gesteigerter Ressourceneffizienz in der Planung und bei Baumaßnahmen. Foto: Tobias Holzer Quoten für Altasphalt Beim Bau von Straßen, Geh- und Radwegen setzt die Stadt Wien Altasphalt bei neuen Asphaltschichten ein. Dies wird über Quoten bei der Beauftragung von Bauprojekten geregelt und trägt so zur Ressourcenschonung im Tiefbau bei. Foto: Manfred Helmer 81 HEBEL 22 MESSBARKEIT DES KREISLAUFFÄHIGEN PLANENS UND BAUENS Um zirkuläres Bauen umzusetzen, braucht es klare Angaben dazu, was darunter verstanden wird. Die Entwicklung kreislauffähiger Materialien, Bauprodukte und Bauwerke erfordert standardisierte und zuverlässige Daten und Bewertungsmethoden, welche trotz notwendiger technischer Tiefe einfach anwendbar sein müssen. Dafür braucht es die konstruktive Zusammenarbeit aller am Baugeschehen involvierten Akteur*innen. Unsere Aktivitäten • Methodisches Grundgerüst im Hochbau : Der im Rahmen des Umsetzungsprogramms DoTank Circular City Wien 2020-2030 entwickelte Zirkularitätsfaktor(ZiFa) als praxisrelevantes Werkzeug zur Bewertung zirkulärer Bauvorhaben(Neubau unterschiedlicher Nutzungen sowie Sanierung) wird weiterentwickelt und für den breiten Praxiseinsatz vorbereitet. 80 Eine möglichst einfache, technisch sinnvolle Zertifizierung von wiederverwendeten und wiederverwendbaren Bauteilen auf Basis bautechnischer Analysen des Gebäude­ bestands wird entwickelt. • Zirkularität im Tiefbau: Grundprinzipien und Bewertungsparameter für den zirkulären Tiefbau werden auf Basis bestehender Erfahrungen aufbereitet und weiterentwickelt(z. B. Einsatz von Recyclingmaterial, Reduktion von Additiven) . • Leistungsfähige und umfassende Produktdatenbanken: Leicht zugängliche Produktdatenbanken, welche Informationen zur Kreislauffähigkeit, Wiederverwendbarkeit und Rezyklierbarkeit von Bauprodukten im gesamten Lebenszyklus verfügbar machen, werden zur Unterstützung der Standardisierung aufgebaut(u. a. unter Verwendung von Umweltproduktdeklarationen – EPDs). Die Umsetzung derartiger Datenbanken erfolgt auf Basis der EU-Bauprodukteverordnung gemeinsam mit dem Bund, dem Österreichischen Institut für Bautechnik(OIB) und der Bau- und Immobilienwirtschaft. • Monitoring des kreislauffähigen Bauens : Zur zielorientierten Weiterentwicklung der Aktivitäten, Überprüfung der Zielerreichung und Erfüllung von EU-Berichtspflichten werden Wirkungsanalysen und Kennzahlen weiterentwickelt(siehe auch Seite 90). 82 HEBEL 23 VON DER THEORIE ZUR PRAXIS: ZIRKULÄRE PILOTIERUNGEN ALS SCHLÜSSEL FÜR DIE TRANSFORMATION Pilotprojekte im Bereich des zirkulären Bauens spielen eine zentrale Rolle, um den Übergang von theoretischen Konzepten hin zu praxistauglichen Lösungen zu gestalten. Sie zeigen exemplarisch anhand konkreter Bauvorhaben, was im Bereich des zirkulären Neubaus, der Bestandsweiterentwicklung, der Sanierung und des Rückbaus bereits heute möglich ist, und machen gleichzeitig sichtbar, wo bestehende Rahmenbedingungen an ihre Grenzen stoßen. Dabei sind Pilotierungen weit mehr als Einzelfälle: Sie sind strategische Hebel im Transformationsprozess, um Herausforderungen zu identifizieren, skalierbare Lösungen zu erproben und systemisch wirksame Erfolgsfaktoren abzuleiten. Voraussetzung dafür ist die Rückkopplung der Erkenntnisse mit den relevanten Umsetzungsprogrammen – wie dem Programm DoTank Circular City Wien 2020-2030 – sowie die Evaluierung und zielgerichtete Kommunikation der Erkenntnisse. Unsere Aktivitäten • Projekte der Stadt: Pilotierungen zum ­zirkulären­ Planen und Bauen werden im eigenen Wirkungsbereich der Stadt Wien initiiert(siehe auch ­Seite 40). • Bestehende Prozesse nutzen: Qualitätssicherungsprozesse und Wettbewerbe werden für ­zirkuläre Pilotvorhaben in Neubau- und Sanierungsprojekten genutzt. • Geförderte Piloten: Förderinstrumente im Bereich Planen und Bauen werden gezielt auf zirkuläre Pilotierungen ausgerichtet(siehe auch Seite 43). • Erfahrungen in der Immobilienwirtschaft: Der Wissenstransfer wird durch den Dialog mit der Bau- und Immobilienwirtschaft zu externen Pilotprojekten gestärkt(siehe auch Seiten 44, 47). 83 HEBEL 24 RECHTLICHE VERANKERUNG DES KREISLAUFFÄHIGEN BAUENS Eine erfolgreiche Umsetzung der Kreislaufwirtschaft erfordert klare gesetzliche Rahmenbedingungen, um den Wandel von einer linearen zu einer zirkulären Baukultur gezielt voranzutreiben. Das bedeutet verbindliche Regelungen und Richtlinien für den Umgang mit Bestand und Weiterbau, Neubau, Sanierung und Rückbau, die eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen und Materialien ­sicherstellen. Gleichzeitig gilt es, das Thema in bestehende Vorgaben, Strukturen und Prozesse(beispielsweise zur Qualitätssicherung) zu integrieren. Die ersten rechtlichen Schritte erfolgten durch die Verankerung der Kreislaufwirtschaft als Ziel der Stadtplanung und einem höheren Bestandsschutz im Zuge der Bauordnungsnovelle 2023 sowie der Förderung kreislaufgerechter Bauweisen und Materialien in der Sanierungs- und Dekarbonisierungsverordnung 2024. Unsere Aktivitäten • Prozesse und Verfahren der Stadt: Entwickelte Methoden und Vorgaben zum zirkulären Bauen (z. B. im Rahmen der Weiterentwicklung des Zirkularitätsfaktors) sowie Erkenntnisse aus erfolgreich durchgeführten Pilotierungen werden schrittweise in bestehende Prozesse integriert(z. B. über den Klimacheck für Bauvorhaben oder Wettbewerbs- und Vergabeprozesse). • Landesrecht : Erfolgreich getestete Prinzipien, Vorgaben und Standards werden schrittweise in Verordnungen und Gesetze des Landes Wien übersetzt. Das betrifft u. a. Bestandserhalt, Adaptierung und Erweiterung, lange Lebensdauer und Wiederverwendung(siehe auch Seite 40). • Technisches Regelwerk: Die Stadt Wien wirkt bei der Erstellung des technischen Regelwerks (Normenwesen, technische Richtlinien und vergleichbare Instrumente wie Vorschriften für den Straßenbau) sowie bei der Anpassung von Instrumenten der bauphysikalischen Beurteilung(z. B. Erweiterung des Energieausweises durch Ausweisung der grauen Energie und der Emissionen im Lebenszyklus durch OIB Richtlinie 7) mit, um so formalrechtliche Rahmenbedingungen für Zirkularität im Bauen zu schaffen. 84 HEBEL 25 DIGITALISIERUNG UND MODERNE ARBEITSWEISEN FÜR RESSOURCENEFFIZIENZ IM BAUWESEN Digitalisierung, insbesondere Bauwerkinformationsmodellierung(Building Information Modelling, BIM) sind zentrale Werkzeuge zur Verankerung der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. BIM beschreibt eine Arbeitsmethode für die vernetzte Planung, den Bau und die Bewirtschaftung von Bauwerken mithilfe definierter Prozesse, Rollen und digitaler Tools zur Abwicklung und Kollaboration. Das ermöglicht es vielfältige Materialund Produkteigenschaften während der Planungs- und Entwicklungsphase im konkreten Bauobjekt zu verorten und in einer Lebenszyklusbetrachtung zu verankern. So ist sichergestellt, dass auch in der Nutzungsphase ­Ressourcen effizient eingesetzt sind. Für Kreislaufwirtschaft ist es unabdingbar, Produkt- und Materialeigenschaften umfassend zu dokumentieren und niederschwellig verfügbar zu machen. Digitalisierung bedeutet nicht ausschließlich Steigerung der Effizienz im Arbeitsablauf, sie ermöglicht auch die Erschließung neuer, hochwertiger Betätigungsfelder, die die Entscheidungs- und Abwicklungskompetenzen deutlich verbessern. Unsere Aktivitäten • Digitale Planung: Bauwerkinformationsmodellierung(BIM) und digitale Zwillinge dienen als Informations- und Entwicklungsbasis für kreislauforientierte Bauvorhaben der Stadt und ihrer Unternehmungen und Unternehmen. Die Implementierung von BIM und die Anwendungsfälle des digitalen Zwillings werden genutzt und weiterentwickelt. • Digitales Materiallager: Objektspezifisch und für die Gesamtstadt wird in Zusammenarbeit mit der Wissenschaft und der Bau- und Immobilienwirtschaft der digitale Zwilling mit Fachdaten zur Kreislaufwirtschaft weiterentwickelt und für zirkuläre und ressourcenschonende Bau- und Sanierungsprojekte zugänglich gemacht. • Digitale Prozesse: Digitale Tools werden zur Optimierung, integrierten Planung, Entscheidungsfindung, Abstimmung, Bewirtschaftung und für den Betrieb von Bauvorhaben der Stadt Wien und ihrer Unternehmungen und Unternehmen(Neubau und Bestandsentwicklung) gezielt eingesetzt. • Integrative Planung: Die ganzheitliche, vernetzte Zusammenarbeit über alle Disziplinen und Lebens­phasen der Bauwerke ist Voraussetzung für ressourcenschonende und nachhaltige Planungen. Die strukturellen, organisatorischen und technischen Voraussetzungen für diese integrativen Prozesse werden geschaffen(offene Datenstrukturen, klare Standards und digitale Kompetenzen aller Beteiligten, frühzeitige Koordination, Simulationen und Datenverfügbarkeit, bauplatzübergreifende Integrationsleistungen durch Entwicklungsgesellschaften, standortspezifische Kooperationen oder interdisziplinäre Programme). 85 RESSOURCENSCHONUNG IN DER STADTENTWICKLUNG Urbanität hält viele Lösungsansätze für die Klima- und Ressourcenfragen bereit. Entscheidende Weichenstellungen für eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen erfolgen auf städtebaulicher Ebene. Zentrale Faktoren dafür sind urbane Dichte, Nutzungsmischung, langfristige Nutzungsoffenheit und der sorgsame Umgang mit der Ressource Boden. Bodenschutz, Flächeninanspruchnahme und Ressourceneffizienz sind untrennbar miteinander verbunden. Der vom Gemeinderat im April 2025 beschlossene Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035 rückt neben Klimaschutz und Klimaanpassung die Themen Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt. Ab 2025 erfolgt keine weitere Neuausweisung von zusätzlichen Stadtentwicklungsgebieten zu den bereits Vorhandenen. Von allen Vorhaben der Stadtentwicklung wird eine nachhaltige Bauweise, Langlebigkeit im Sinne von Umbau- und Umnutzungspotenzialen und die Vorsorge für den Rückbau eingefordert. Gebiete der Siedlungsentwicklung werden an das hochrangige ÖV-Netz angeschlossen, um eine ressourcenschonende Mobilität für alle von Anfang an zu ermöglichen. Die gesamtstädtische Entwicklung setzt den Rahmen für eine zirkuläre Bauweise und trägt maßgeblich dazu bei, die Klima- und Ressourcenziele der Stadt langfristig zu erreichen. BEST PRACTICE Kreislauffähiges Bauen am Nordwestbahnhof Auf dem 44 Hektar großen ehemaligen Bahnareal Nordwestbahnhof entwickeln die ÖBB gemeinsam mit der Stadt Wien ein grünes, lebenswertes Stadtquartier für rund 16.000 Menschen und etwa 4.700 Arbeitsplätze. Das Großprojekt dient als Prototyp des zirkulären Bauens. Kriterien aus dem Zirkularitätsfaktor(ZiFa) fließen in Bauträgerwettbewerbe und Architekturwettbewerbe(beispielsweise im Schulbau) ein und stellen so die Integration von kreislaufwirtschaftlichen Prinzipien sicher. Foto: Klammer-Zeleny, Kronaus-Mitterer Architekten Circular Soil Wildgarten Im 12. Bezirk entsteht am Rosenhügel ein neues Wohnareal, das Natur und Stadt verbindet. Zum lokalen Ressourcenmanagement werden zentrale Flächen einer Baustelleneinrichtung vorgesehen, u. a. für die Produktion von Beton, und baufeldzugeordnete Flächen für die Aufbereitung und Zwischenlagerung von Material. Darüber hinaus gelingt es Lagerflächen für die wertvollen Oberböden in unmittelbarer Nähe zur Baustelle anzumieten. Foto: Baustellenbild SM Fritzi-Massary-Park Die Neugestaltung des ehemaligen Offenbachparks im 2. Wiener Gemeindebezirk entwickelte sich zu einem Vorzeigeprojekt für nachhaltige Kreislaufwirtschaft im öffentlichen Grünraum. Designer*innen der Universität für angewandte Kunst nutzten Materialien aus Rückbauprojekten und kombinierten sie auf kreative Weise neu. Diese ressourcenschonende Herangehensweise führte nicht nur zu Einsparungen bei CO₂-Emissionen und Kosten, sondern auch zu einer hochwertigen, lang­ lebigen Ausstattung des Parks. Foto: asphalt kollektiv 86 HEBEL 26 ERNEUERUNG DER BESTANDSSTADT FÜR MAXIMALE RESSOURCENSCHONUNG Quartiersbezogene Strategien, liegenschaftsübergreifende Konzepte und innerstädtische Neu- und Weiterentwicklungen sind neben der qualitativ hochwertigen Sanierung von Einzelgebäuden wichtige Grundlagen für die Implementierung der Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft in der gebauten Umwelt. Qualitätsvolle Bestandssanierung reduziert den Energiebedarf für Heizen und Kühlen und sichert langfristig wertvolle Bausubstanz. Die Initiative„Raus aus Gas“ ist gemeinsam mit der ­zirkulären Stadt und dem kreislaufgerechten Sanieren zu sehen. Dafür wichtig sind auch baulich-technische Maßnahmen auf Gebäude- und Quartiersebene und recht­ liche Grundlagen für die Reduktion von Leerständen. Der sorgsame Umgang mit und die Weiterentwicklung der bestehenden Stadt verringern den Bedarf an Ressourcen für Neubau. Unsere Aktivitäten • Kostenbeurteilung bei Immobilieninvestitionen der Stadt: Die Beurteilung des Ressourcenverbrauchs anhand der Lebenszykluskosten wird bei der Objekt- und Liegenschaftsbewertung als Ergänzung zur reinen Kostenbewertung zur Praxis und Vorgabe der Stadt Wien. • Liegenschaftsübergreifende Transformation: Strategien zur integrierten, liegenschaftsübergreifenden Entwicklung von Bestandsgebieten nach zirkulären Ansätzen werden in der Gesamtstadt Schritt für Schritt etabliert(z. B. im Rahmen von WieNeu+). • Leerstandsaktivierung: Die Rahmenbedingungen für die Aktivierung von Leerstand in Wohn- und Nicht-Wohngebäuden , ob in Form von temporären oder langfristigen Nachnutzungen oder Nutzungsänderungen, werden weiterentwickelt: z. B. formalrechtliche Maßnahmen mit steuer- und förderpolitischen Akzenten verknüpft(siehe auch Seite 59). • Qualitätsvolle Bestandssanierung: Die Etablierung von kreislauforientierten und nachhaltigen Sanierungen im Gebäudesektor wird mittelfristig zum Standard(Bauordnung) und durch Sanierungsförderungen zum Erhalt leistbaren Wohnraums unterstützt. • Bestandserneuerung, Nachverdichtung und Weiterbauen im Bestand: Neben hochwertiger Bestandssanierung wird qualitative Nachverdichtung und das Weiterbauen im Bestand entsprechend gefördert.„Weiterbauen mit Bestand“ kann dabei auch bedeuten, dass qualitativ nicht den Zukunftsanforderungen entsprechende Bauwerke unter Wahrung kreislaufwirtschaftlicher Prinzipien wiederverwendungsorientiert(teil-)rückgebaut werden. Foto: Dieter Steinbach „Bei allen Vorhaben – egal ob im bestehenden Stadtgebiet oder bei der erforderlichen Stadterweiterung – stehen die Ziele des Klimaund Bodenschutzes sowie der Ressourcenschonung und Kreislaufwirt­ schaft an oberster Stelle. Deswegen wird dem Umbau vor dem Abriss der Vorzug gegeben, wird Siedlungsentwicklung boden- und ressourcen­ sparend umgesetzt, der Flächenbedarf der Energiewende und Kreislauf­ wirtschaft mitgedacht sowie die Transformation des Energiesystems forciert.“ Mag. a Ulli Sima Stadträtin für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke 87 HEBEL 27 RESSOURCENSCHONENDE STADTERWEITERUNG IN NEUEN STADTENTWICKLUNGSGEBIETEN Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft sind – neben Klimaschutz und Klimaanpassung – als zentrale Anforderungen in neuen Stadtentwicklungsg­ ebieten wie der Seestadt aspern oder RothNEUsiedl in städtebaulichen Planungen zu verankern. Sie sind auf Quartiers- und Objektebene zu berücksichtigen. Der flächensparende und sorgsame Umgang mit Boden in Stadtentwicklungsgebieten ist ein zentrales Ziel der Stadtplanung. Das betrifft den lokalen Wiedereinsatz von Aushub gleichermaßen wie Maßnahmen zum Bodenschutz im Sinne der Erhaltung der Bodenfunktionen. Unsere Aktivitäten • Bodenschutz: Siedlungsentwicklung wird entsprechend den Vorgaben der Stadtplanung boden- und ressourcensparend umgesetzt(wie z. B. kompakte Bauweisen, kurze Wege, Nutzungsmischung). Vorgaben und Regelungen zum Bodenschutz sind im Zuge der Stadterweiterung effektiv durchzusetzen . Das betrifft insbesondere jene Böden, die als künftige öffentliche Grünflächen ausgestaltet werden . • 3 K als Orientierung: Kreislaufwirtschaft wird mit Klimaschutz und Klimaanpassung auf allen Planungsebenen der Stadtentwicklung und Stadterweiterung weiter gefestigt(z. B. in Transformationsplänen, Stadtteilentwicklungskonzepten, städtebaulichen Leitbildern und in Qualitätskatalogen). Bei allen Neuentwicklungen ab 50.000 m 2 Brutto-Grundfläche(BGF) sind u. a. Angaben zu Abfall- und Kreislaufwirtschaft und zur Bodeninanspruchnahme abzustimmen. 81 • Emissionsarme Stadtstrukturen: Die„Stadt der kurzen Wege“, die Stärkung des Umweltverbunds (ÖPNV, aktive sowie geteilte Mobilität) und der Ausbau leistungsfähiger öffentlicher Infrastruktur sind weiterhin Grundlagen für langfristig ressourcenschonende Stadterweiterung. • Räumliche Synergien nutzen: Anforderungen für Mischnutzung, Mehrfachnutzung und langfristige Nutzungsoffenheit bei Neuentwicklungen wurden im Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035 als Grundprinzipien für ein ressourcenschonendes Leben entwickelt(siehe auch Seite 59). Freiflächen, unbedingt erforderliche Stellplätze und Gemeinschaftseinrichtungen sollen verstärkt bauplatzübergreifend geplant werden. So werden größtmögliche Qualitäten geschaffen. Eine geeignete Unterstützung, etwa durch ein Stadtteilmanagement, kann die gemeinschaftliche Nutzung und Bespielung wirkungsvoll fördern. 88 HEBEL 28 ZIRKULÄRE GESTALTUNG URBANER FREIRÄUME Die Planung und Umgestaltung des städtischen öffentlichen Raums bietet Potenzial für Umsetzung der 10-R-Grundsätze(siehe auch Seite 35), beispielsweise durch Entsiegelung, Begrünung und den Einsatz von wiederverwendeten und/oder wiederverwendbaren Bauprodukten und Recyclingmaterialien. Die klimafitte, attraktive, multifunktionale Planung und Gestaltung öffentlicher Räume ist zentrale Voraussetzung für ressourcenschonende Alltagsmobilität im Sinne einer Stadt der kurzen Wege. Sie trägt einer großen Vielfalt an Nutzungsbedürfnissen Rechnung, welche durch Räume ohne Konsumzwang hochwertig ermöglicht wird. . Unsere Aktivitäten • Straßenräume für die Kreislaufwirtschaft: ­Straßenräume werden umverteilt und attraktiv gestaltet, um Initiativen der 10-R-Grundsätze und die„Stadt der kurzen Wege“ zu fördern, die Anforderungen der Abfallwirtschaft(z. B. attraktive Sammelinseln) zu erfüllen und die Nutzung von Sharing-Modellen zu erleichtern . • Zirkuläres Material im öffentlichen Raum: ­Zirkularität wird als ein Grundprinzip in der Planung und Gestaltung des öffentlichen Raums (Stadtmobiliar, Beleuchtung, Oberflächen, Ladesäulen) verankert. • Mehrfachnutzung von technischer Infrastruktur: Das Potenzial der Mehrfachnutzung wird geprüft. Das betrifft u. a. Masten für Beleuchtung, Schilder, Stromversorgung, Haltestellenbereiche, Begrünung, die Nutzung von Bohrpfählen und versiegelten Oberflächen für Erdwärmenutzung, Photovoltaik und passive Kühlung. 89 HEBEL 29 LOGISTIK UND FLÄCHEN FÜR KREISLAUFWIRTSCHAFT IM BAUBEREICH Zirkuläre Logistik fasst den Bedarf an Flächen, Mobilitätslösungen, technischen Ausstattungen und systemisch-marktbezogenen Strukturen zusammen, die es braucht, um einen(digitalen und physischen) Marktplatz für kreislauffähiges Bauen, Produzieren und Nutzen zu schaffen(siehe auch Seite 41). Aufgrund der großen ­ Bedeutung für den Baubereich werden die Themen Flächen und Logistik zusätzlich zu Hebel 3 hier weiter vertieft. Überregionaler Ressourcenaustausch für den Großraum Wien soll in Zukunft Potenziale der Kreislaufführung integrieren. Dafür braucht es geeignete Flächen und leistungsfähige logistische Strukturen, welche die durch regionale Kreislaufführung künftig wachsenden Ressourcenströme gut bewerkstelligen können. Dafür müssen sowohl größere regionale Industriebetriebe und Großlogistikflächen(z. B. Hafen Wien) als auch lokale, dezentrale Einheiten(z. B. Handwerksbetriebe, KMU) eingebunden werden. Nach Möglichkeit sollen dafür bereits vorhandene Strukturen(z. B. verfügbare Flächen zur Zwischenlagerung) verwendet werden. Unsere Aktivitäten • Belastbare Grundlagen : Die Stadt Wien unterstützt Studien und Untersuchungen zu künftigen Bedarfsszenarien zu überregionalen Ressourcenströmen und damit verbundenen Abläufen zwischen Materialsammlung aus Rückbautätigkeiten, ggf. Zwischenlagerung, Weiterverarbeitung und möglichem Einsatz von Sekundärressourcen. • Digitale Bilanzierungsmodelle: Untersuchungen zu erwartbaren Mengen, Material- und Stoff­ flüssen, Emissionen und belastbare ­Ökobilanzen (einschließlich des Aufwands für Transport, Ein- und Ausbau von Sekundärressourcen sowie ­Entsorgungsaufwand) werden unterstützt. • Räumliche Ableitungen für die Planung: Auf Basis ermittelter Ressourcenströme werden die zentralen(größeren) und dezentralen(kleineren) Flächenbedarfe und daraus zu entwickelnde Typologien sowie die damit zusammenhängende Logistikinfrastruktur für Kreislaufwirtschaft abgeleitet (siehe auch„Flächen für die Kreislaufwirtschaft“ im Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035). • Standorte sichern: Betriebsgebiete und noch zu definierende Potenzialräume für die Energie- und Kreislaufwirtschaft werden auf Basis des Leitbilds Wirtschaft und Arbeit des Wien-Plans – Stadtentwicklungsplan 2035 prioritär und bedarfsgerecht als Standorte genutzt. Auch bestehende Gebäude und Flächen wie z. B. brach gefallene Hallen und Mistplätze werden für die Logistik des kreislauffähigen Bauens genutzt. • Ressourceneffiziente Abläufe in der Umsetzung: Grundlagen des kreislauffähigen Bauens(siehe auch Seiten 76, 77) werden bereits frühzeitig in Konzepten der Baustellenlogistik verankert. Bei größeren Stadtentwicklungsvorhaben stehen dabei beispielhaft die Reduktion von Baustellenverkehr, die gezielte Nutzung von Bodenaushub und die Nutzung von gemeinsamen RessourcenUmschlagsplätzen im Mittelpunkt. 90 HEBEL 30 KREISLAUFORIENTIERTER UMGANG MIT BODENAUSHUB Der Bodenaushub nimmt in der Kreislaufwirtschaft eine Sonderrolle ein. Zum einen handelt es sich um eine besonders relevante Menge: Mehr als die Hälfte aller jährlich in Österreich erfassten Abfallmengen stammen aus Bodenaushub. 82 Zum anderen sind Aushubmaterialien je nach ihrer Qualität und Verdichtungsfähigkeit direkt für Hinterfüllungen, Begrünungsmaßnahmen oder Rekultivierung verwendbar. Die biologisch-chemischen Veränderungsprozesse humoser Oberböden und die unterschiedlichen Qualitäten der einzelnen Bodenschichten bedingen Umschichtungsintervalle. Fragen der Zwischenlagerung, logistischen Abwicklung und nicht zuletzt der Nachfragesteuerung erschweren derzeit eine schnelle, unkomplizierte Wiederverwendung. Unsere Aktivitäten • Marktanalysen zu Angebot und Nachfrage : Im Großraum Wien werden mögliche Nachfragepotenziale nach Bodenaushub aus den Bereichen Begrünung, Gartenbau und Landwirtschaft unter Berücksichtigung größerer städtebaulicher Entwicklungsvorhaben eruiert(siehe auch Seiten 41, 90). Die Wiederverwendung von hochwertigem Bodenaushub vor Ort ist in den konkreten Fällen zu prüfen. • Logistik von Bodenaushub : Logistische und marktbasierende Lösungsstrategien für die Optimierung von Angebot und Nachfrage sowie die Notwendigkeit von Zwischenlagerungen werden geklärt(siehe auch Seite 90). U. a. ist Lehm als mögliches Baumaterial der Zukunft und Sandkies für Frostkoffer einzubeziehen. • Aktive Wiederverwendung von Bodenaushub: Bodenaushub wird als Sonderprodukt in einen potenziellen„Marktplatz für zirkuläres Bauen“ (siehe auch Seite 41) integriert, wenn abfallwirtschaftsrechtliche Bestimmungen dies zulassen . 91 RESSOURCENSCHONENDE INFRASTRUKTUREN DER DASEINSVORSORGE Wien unterscheidet sich von vielen anderen europäischen Großstädten in einem zentralen Punkt: Ein großer Teil der notwendigen Stadt-Infrastruktur ist im Eigentum der Stadt. Unter dem Dach der Wiener Stadtwerke Gruppe befinden sich zentrale Infrastrukturen des öffentlichen Verkehrs(Wiener Linien, Wiener ­Lokalbahnen), des ruhenden Verkehrs(WIPARK), der Energiebereitstellung(Wien Energie, Wiener Netze) und der Bestattung(Bestattung und Friedhöfe Wien). Die Wien Holding mit ihren Logistikunternehmen(Hafen Wien, Großmarkt Wien) stellt die Versorgung Wiens mit Gütern des täglichen Bedarfs sicher. Wiener Wasser versorgt die Stadt mit Trinkwasser. Wien Kanal ist Österreichs größter Kanalnetzbetreiber. Die Hauptkläranlage reinigt täglich rund 680 Millionen Liter Wasser auf höchstem Niveau. Diese Auflistung macht klar: Die Stadt Wien hat zusammen mit ihren städtischen Unternehmen zentrale Hebel zur Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft in der Hand. BEST PRACTICE Waste2Value – Treibstoff aus Reststoffen Im Projekt Waste2Value werden Reststoffe in umweltfreundliche, CO₂-neutrale Kraftstoffe umgewandelt. In einer Pilotanlage in Wien-Simmering entsteht durch thermochemische Umwandlung ein sogenanntes Synthesegas, das als Grundlage für die Herstellung von grünem Wasserstoff, Biogas und erneuerbaren Kraftstoffen dient. Im Testbetrieb werden unter anderem Klärschlamm, Rückstände aus der Papierindustrie sowie Schadholz verarbeitet. Foto: Wien Energie/Michael Horak Recyclingbeton U2 Notausstieg Quellenstraße – Green Infrastructures Beim Ausbau der Wiener U-Bahnlinien U2 und U5 – einem der größten Klimaschutzprojekte der Stadt – spielt Beton gezwungenermaßen eine zentrale Rolle. Zum Einsatz kommen dabei auch Recyclingbeton sowie eine alternative Bewehrung. Die konkrete Umsetzung erfolgt in einer Tunnelwand beim U2-Notausstieg Quellenstraße, bei der der Recyclingbeton für die Herstellung einer Tunnelwand eingesetzt wurde. Foto: Simon Wöhrer 1.600 öffentliche Trinkbrunnen zur Vermeidung von Plastikflaschen Die Stadt Wien betreut rund 1.600 Trinkbrunnen sowie 55 Monumental- und Denkmalbrunnen im gesamten Stadtgebiet. Trinkbrunnen findet man unter anderem in Parks, auf Spielplätzen oder in der Nähe von Märkten – dort bieten sie eine kostenlose und jederzeit verfügbare Erfrischung und vermeiden somit große Mengen Kunststoffabfälle, die durch den Kauf von Flaschen entstehen. Foto: Johannes Zinner 92 HEBEL 31 RESSOURCENEFFIZIENTE MOBILITÄT Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist ein zentraler Hebel für die Verschränkung von Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Öffentlicher Verkehr und aktive Mobilität(wie Radfahren und Zufußgehen) schonen unsere (Raum-)Ressourcen. Sie nutzen Flächen und Material viel effizienter als der private Autoverkehr(sowohl im fahrenden als auch im ruhenden Zustand). Sie schaffen Platz für dringend benötigte Maßnahmen zur Klimaanpassung im öffentlichen Raum(wie Entsiegelung und Begrünung) und bringen im Gegensatz zum motorisierten Verkehr keinen zusätzlichen Hitzeeintrag in die Stadt. Öffentlicher Verkehr und aktive Mobilität sind somit Grundlage für eine ressourcenschonende und gesunde ­Lebensweise. Unsere Aktivitäten • Aktive Mobilität: Zufußgehen und Fahrradfahren als ressourcenschonendste Mobilitätsformen werden weiter stark gefördert und priorisiert. • Zirkuläre Verkehrsinfrastruktur: Die umwelt- und ressourcenschonende Abwicklung von Baustellen, die Implementierung von zirkulären Bauweisen, die Kreislaufführung entnommener Baustoffe und Materialien sowie der Einsatz von Sekundärrohstoffen werden auch beim Bau von Verkehrsinfrastruktur weiter vorangetrieben. • Flächen der Bahninfrastruktur: Zur maximalen Ressourcenschonung werden die Funktionen von Gleisanlagen für das Wasser- und Energiesystem genutzt(z. B. Begrünung zwischen den Straßenbahngleisen). • Sharing: Das Angebot an alternativen Mobilitätskonzepten als Ergänzung zum Netz des öffentlichen Personennahverkehrs und zur Reduktion des ruhenden Verkehrs wird erweitert(z. B. durch stadtweite Ausrollung von Sharing-Modellen). • Zirkuläre Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr: Bereits bestehende Maßnahmen zur Dekarbonisierung und Erhöhung der Ressourceneffizienz im Lebenszyklus von Fahrzeugen des öffentlichen Verkehrs(z. B. in der Beschaffung, in der Wartung, bei Batterien) werden ausgebaut(siehe auch Seite 39). 93 HEBEL 32 RESSOURCENSCHONENDE WASSER- UND ABWASSERSYSTEME Wien hat aufgrund der Hochquellleitungen eine historisch gute Voraussetzung im Bereich Trinkwasser. Dem hochwertigen Erhalt, der Wartung und dem Ausbau der Wiener Wasserversorgung und des Kanalnetzes als zentrale Infrastrukturen kommen in der Klimakrise ­gesteigerte Bedeutung zu. 83 Der für die Klimaanpassung notwendige Ausbau und die Aufwertung von Grünräumen sorgen in den Sommermonaten für einen höheren Wasserbedarf. Starkregenereignisse führen zu punktuell sehr hohen Belastungen für das Regenwassermanagement. Die Weiterführung der Innovationsstrategie von Wien Kanal gemeinsam mit Wien Energie und anderen Wirtschaftspartner*innen stellt eine Möglichkeit zur Stärkung der Umweltschutz- und Kreislaufwirtschaftsbemühungen dar. Unsere Aktivitäten • Regenwasser nutzen: Die Bemühungen zur Schaffung einer hochwertigen blau-grünen Infrastruktur zur verstärkten Speicherung von Regenwasser im öffentlichen und privaten Bereich werden vertieft. Das unterstützt Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise, die als ressourcenschonende Alternativen zu rein technischen Lösungen(Klimaanlagen, Kältebereitstellung) einzustufen sind. Die Anwendung des Wiener Grünflächen- und Regenmanagementfaktors(GRF) 84 macht bereits in frühen Planungs- und Entwicklungsphasen die Wirkung von blau-grüner Infrastruktur dokumentier- und beurteilbar. • Sanierungen im öffentlichen Gut : Sicker- und Retentionsmöglichkeiten, die den Kanal entlasten und eine Versickerung von unbelastetem Regenwasser ermöglichen, werden im Zuge von Sanierungsarbeiten im öffentlichen Gut und Straßenöffnungen im Zuge von Leitungslegung geschaffen. • Abwasser als Wärmequelle: Das Potenzial einer technisch und wirtschaftlich vertretbaren Abwasserwärmenutzung wird eruiert. Die Funktionalität der Kanalisation darf dabei nicht eingeschränkt werden . • Wassersparmaßnahmen: Der sparsame Umgang mit Wasser im Bereich der Gebäudeausstattung (z. B. Wasserspararmaturen, Gartenbewässerung) , im Lebensmittel- und Gastronomiebereich und in Wirtschaftsbereichen mit hoher Wassernutzung wird gestärkt. • Winterdienst: Möglichkeiten eines angepassten Winterdienstes(z. B. hinsichtlich eingesetzter Taumittel) in Neubaugebieten werden unterstützt. Das verbessert die Effizienz blau-grüner Infrastruktur bei gleichzeitiger Einsparung baulicher Infrastruktur sowie die Langlebigkeit von Straßenbegleitgrün. Belastetes Regenwasser im Winter wird vermieden beziehungsweise gezielt abgeleitet. Unbelastetes Regenwasser wird zur Bewässerung von Grünflächen und zur Grundwasserspeisung genutzt. 94 HEBEL 33 KREISLAUFWIRTSCHAFT IM KLIMANEUTRALEN ENERGIESYSTEM Weichenstellungen zur Dekarbonisierung der Energieversorgung in Wien reduzieren den Verbrauch fossiler Ressourcen. Bestandssanierungen steigern die Energieeffizienz und Lebensdauer von Gebäuden: ein Paradebeispiel für die Verschränkung von Klimaschutz und Ressourcenschonung. Potenziale für Ressourceneffizienz gibt es u. a. beim ­Materialeinsatz in der thermischen Sanierung von ­Gebäuden, beim Bau und bei der Instandhaltung von Energieversorgungsinfrastrukturen sowie bei Instandhaltung und Tausch der technischen Gebäudeausstattung(wie z. B. fossile Heizungsanlagen). Daraus werden künftig viele Kooperationsmöglichkeiten bei Recycling und Wiederverwendung nicht mehr benötigter technischer Systeme und Geräte entstehen. Unsere Aktivitäten • Zirkuläre Transformation des Energiesystems: Initiativen wie die Wiener Sonnenstrom-Offensive 85 oder„Raus aus Gas“ 86 integrieren die Prinzipien des zirkulären Bauens in der Programmabwicklung(z. B. Materialeinsatz bei der Sanierung, Umnutzung der Leitungsinfrastruktur für neue Energieträger). • Tiefbau als Energiequelle: Synergiepotenziale und Ressourceneffizienz durch Energiegewinnung bei Infrastrukturbauten z. B. U-Bahnbau, Bohrpfähle und Bauteilaktivierung werden geprüft und gegebenenfalls etabliert. • Gebäudeübergreifende Nahwärmenetze: Stadtteil-, gebiets- und blockbezogene Maßnahmen wie gemeinsame Tiefenbohrungen und die kooperative Errichtung von Energiesystemen ­beziehungsweise Energiegemeinschaften im Strom- und Wärmebereich werden unterstützt. • Klimaneutrale Müllverbrennung: P ­ ilotprojekte für eine klimaneutrale Müllverbrennung mit „Carbon Capture“ als Zukunftstechnologie werden geprüft. • Kreislaufwirtschaft bei der technischen Gebäudeausstattung: Die Stadt Wien verfolgt Möglichkeiten zur Erhöhung von Ressourcenschonung im Bereich„End of life“ von Batterien, Solarzellen, Elektronik, alten Gasthermen, Klimaanlagen etc. weiter. 95 Quellen 1 Vgl. Planetary Boundaries Science und Potsdam Institute for Climate Impact Research: Planetary Health Check Report 2024; ­planetaryhealthcheck.org, abgerufen am 10.3.25 2 Vgl. United Nations Environmental Programme: Global Ressources Outlook 2024; resourcepanel.org/reports/global-resources-outlook-2024, abgerufen am 23.5.2025 3 Vgl. BMK(Hg.): Österreich auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zirkulären Gesellschaft. Die österreichische Kreislaufwirtschafts­ strategie. Wien 2022; bmluk.gv.at/service/publikationen/klima-und-umwelt/oesterreich-auf-dem-weg--zu-einer-nachhaltigen-und--zirkulaeren-gesellschaft.html, abgerufen am 10.3.25 4 Vgl. Global Footprint Network 2025: Country Overshoot Days 2025; overshootday.org/newsroom/country-overshoot-days/, ­abgerufen am 5.5.25 5 Vgl. Europäische Union(Hg.): Ein neuer Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. Für ein sauberes und wettbewerbsfähiges Europa. 2020; op.europa.eu/de/publication-detail/-/publication/45cc30f6-cd57-11ea-adf7-01aa75ed71a1/, abgerufen am 5.5.25 6 Vgl. Görg, Christoph; et al.(Hg.): APCC Special Report: Strukturen für ein klimafreundliches Leben. Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg 2023; k­ limafreundlichesleben.apcc-sr.ccca.ac.at/, abgerufen am 5.5.25 7 Vgl. BCG, Kontext Institut für Klimafragen(Hg.): Grüne Transformation statt Stillstand. Klimaschutz als ein Erfolgsfaktor für die österreichische Wirtschaft. Wien 2025; bcg.com/press/27january2025-grune-transformation-chancen-fur-osterreichs-wirtschaft, abgerufen am 5.5.25 8 Vgl. Europäische Union(Hg.): Ein neuer Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. 2020 9 Vgl. Statistik Austria: SDG Indikatorenset auf Bundeslandebene – Land Wien; data.gv.at/katalog/dataset/cdcc64e5-ebf1-4a2e-8d13-471ddce51aec#resources, abgerufen am 28.7.25 10 Vgl. Raworth, Kate: Doughnut Economics: Seven Ways to Think Like a 21st Century Economist. Random House, New York 2017 11 Magistrat der Stadt Wien(Hg.): Smart Klima City Strategie Wien. Der Weg zur Klimamusterstadt. Wien 2022; smartcity.wien.gv.at/strategie/, abgerufen am 5.5.25 12 Vgl. Eisenmenger, Nina et al.: MOCAM – Monitoring der CO 2 -Emissionen und des Materialfußabdrucks für Wien. Im Auftrag der Stadt Wien 2022. Wien 2022; wien.gv.at/wirtschaft/standort/pdf/mocam.pdf abgerufen am 2.7.25 13 BMK(Hg.): Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie. Österreich auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zirkulären Gesellschaft – Erster Fortschrittsbericht Juni 2024. Wien 2024; bmluk.gv.at/dam/jcr:881063fb-de6b-4e7c-b590-14971d3023c9/Fortschrittsbericht_1_zur_ oesterreichischen_Kreislaufwirtschaftsstrategie.pdf, abgerufen am 2.7.25 14 Eurostat: Material flow accounts statistics – material footprints. Oktober 2024; ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.hp?title=Material_flow_accounts_statistics_-_material_footprints, abgerufen am 21.7.25 15 Vgl. Nabernegg, Stefan; Salomon, Matthias; Steininger, Karl W.: Konsumbasierte Emissionsbilanz für die Stadt Wien. Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, Karl-Franzens-Universität Graz. Im Auftrag der Stadt Wien2025. Wien 2025; wien.gv.at/spezial/studien/mds/thgbilanzkonsumbasiert0225.pdf, abgerufen am 4.9.25 16 Vgl. Stadt Wien: Bürgermeister Ludwig: Wien bekennt sich zu UN-Nachhaltigkeitszielen; ots.at/presseaussendung/OTS_20250221_OTS0097/buergermeister-ludwig-wien-bekennt-sich-zu-un-nachhaltigkeitszielen, ­ abgerufen am 2.7.25­ 17 Magistrat der Stadt Wien(Hg.): Smart Klima City Strategie Wien. Wien 2022 18 Europäische Union(Hg.): Ein neuer Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft. 2020 19 Vgl. BMK(Hg.): Die Bestandsaufnahme der Abfallwirtschaft in Österreich. Statusbericht 2023 für das Referenzjahr 2021. Wien 2023; bmluk.gv.at/service/publikationen/klima-und-umwelt/die-bestandsaufnahme-der-abfallwirtschaft-in-oesterreich-statusbericht-2023-fuer-das-referenzjahr-2021.html; abgerufen am 2.7.25 20 BMK(Hg.): Österreich auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zirkulären Gesellschaft. Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie. Wien 2022 21 BMNT, BMBWF, BMK(Hg.): Bioökonomie. Eine Strategie für Österreich. Wien 2024; bundeskanzleramt.gv.at/themen/nachhaltige-entwicklung-agenda-2030/erfolgsgeschichten-agenda-2030/biooekonomie-strategie.html, abgerufen am 2.7.2025 22 BMK(Hg.): Die österreichische Kreislaufwirtschaftsstrategie. Österreich auf dem Weg zu einer nachhaltigen und zirkulären Gesellschaft – Erster Fortschrittsbericht Juni 2024. Wien 2024 23 Vgl. BMK(Hg.): Bundes-Abfallwirtschaftsplan 2023. Wien 2023; bmluk.gv.at/dam/jcr:11bc130e-f4f8-40f7-bf33-972892a3b5cd/Bundes-Abfallwirtschftsplan-Teil1_Korr_230706.pdf, abgerufen am 21.7.25 24 Magistrat der Stadt Wien(Hg.): Smart Klima City Strategie Wien. Wien 2022 25 Vgl. CCCA: Zweiter Österreichischer Sachstandsbericht zum Klimawandel – AAR2; aar2.ccca.ac.at/, abgerufen am 21.7.25 26 Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark(Hg.): Wiener Abfallwirtschaftsplan und das Abfallvermeidungsprogramm 2025-2030; Wien 2024; wien.gv.at/umwelt/ma48/service/pdf/awp-avp-25-30.pdf, abgerufen am 2.7.2025 27 Vgl. Raworth, Kate: Doughnut Economics. New York 2017 28 Vgl. Stadt Wien: Modern. Handlungsfähig und transparent. Koalitionsprogramm; wien.gv.at/spezial/regierungsabkommen2025/, ­abgerufen am 21.7.25 96 29 Vgl. Steininger, Karl et al.: Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft: ein integrierter Ansatz. INTEGRATE Project Brief. Graz 2024; wegcwp.uni-graz.at/integrate/results-2/, abgerufen am 5.5.25 30 Vgl. Stadt Wien – Wirtschaft, Arbeit und Statistik(Hg.): WIEN 2030 – Wirtschaft& Innovation. Wien 2024; wien.gv.at/spezial/wien2030/, abgerufen am 2.7.25 31 Stadt Wien – Geschäftsgruppe Innovation, Stadtplanung und Mobilität(Hg.): Digitale Agenda 2030 der Stadt Wien. Der Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung. Wien 2024; wien.gv.at/spezial/digitale-agenda/, abgerufen am 5.5.25 32 Wien Tourismus: Optimum Tourism. Das Wiener Modell für gutes Wachstum; b2b.wien.info/de/strategie-marke/optimum-tourism, abgerufen am 5.5.25 33 Stadt Wien(Hg.): Wiener Kulturstrategie 2023. Wien 2023; wien.gv.at/spezial/kulturstrategie2030/, abgerufen am 21.7.25 34 Vgl. Stadt Wien, Stadtentwicklung und Stadtplanung(MA 18)(Hg.): Der Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035. Wien 2025; wien.gv.at/pdf/ma18/wien-plan.pdf, a­ bgerufen am 2.7.25 35 Stadt Wien- Magistratsdirektion- Geschäftsbereich Bauten und Technik: Wien mitgestalten. Die Beteiligungsplattform der Stadt Wien; ­mitgestalten.wien.gv.at/de-DE/, abgerufen am 21.7.25 36 Stadt Wien- Magistratsdirektion- Geschäftsbereich Bauten und Technik: VIE.CYCLE – zirkuläres Bauen;viecycle.wien.gv.at, abgerufen am 21.7.25 37 Vgl. WAFF: Beschäftigungspotentiale der kreislaufwirtschaftlichen Transformation; waff.at/fachkraeftezentrum/blog/beschaeftigungspotentiale-der-kreislaufwirtschaftlichen-transformation/, abgerufen am 2.7.25 38 Vgl. Steffen, Will; et al.: The trajectory of the Anthropocene: The Great Acceleration. Anthropocene Review, 2, 2015; doi.org/10.1177/2053019614564785, abgerufen am 5.5.25 Vgl. The Great Acceleration; futureearth.org/2015/01/16/the-great-acceleration/, abgerufen am 5.5.25 39 Vgl. Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit(GIZ) GmbH(Hg.): Circular Economy in the Textile Sector. Study for the ­German Federal Ministry for Economic Cooperation and Development(BMZ). Eschborn 2019, S. 12, Figure 4; adelphi.de/en/system/files/mediathek/bilder/GIZ_Studie_Kreislaufwirtschaft_Textilsektor_2019_final.pdf, abgerufen am 5.5.25 40 Vgl. European Environment Agency: Import, export, production and consumption flows of textile products. EU-28, 2017; eea.europa.eu/data-and-maps/figures/import-export-production-and-consumption, abgerufen am 5.5.25 41 Vgl. BMK(Hg.): Die Bestandsaufnahme der Abfallwirtschaft in Österreich Statusbericht 2024 für das Referenzjahr 2022, Wien 2024, S. 196ff; bmluk.gv.at/service/publikationen/klima-und-umwelt/die-bestandsaufnahme-der-abfallwirtschaft-in-oesterreich-statusbericht-2024-fuer-das-referenzjahr-2022.html; abgerufen am 2.7.25 42 Vgl. Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark(Hg.): Wiener Abfallwirtschaftsplan und das Abfallvermeidungs­ programm 2025-2030. Wien 2024 43 Vgl. Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark(Hg.): Elektro- Elektro-Altgeräte – Mülltrennung; wien.gv.at/umwelt/ma48/beratung/muelltrennung/elektroaltgeraete.html, a­ bgerufen am 5.5.25 44 Europäischer Rat: Verpackungen; consilium.europa.eu/de/policies/packaging/, abgerufen am 5.5.25 45 Willet, Walter; et al.: Food in the Anthropocene: the EAT–Lancet Commission on healthy diets from sustainable Food systems. The Lancet Commissions, Vol. 393, Iss. 10170, 2019; thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31788-4/abstract, abgerufen am 5.5.25 46 Vgl. BMLUK(Hg.): Die Bestandsaufnahme der Abfallwirtschaft in Österreich. Statusbericht 2025 für das Referenzjahr 2023. Wien 2025; bmluk.gv.at/service/publikationen/klima-und-umwelt/bestandsaufnahme-abfallwirtschaft-statusbericht-2025.html, abgerufen am 22.7.25 Vgl. Poore, J.; Nemecek, T.: Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers. Science 360(6392), 2019; science.org/doi/10.1126/science.aaq0216, abgerufen am 5.5.25 47 Vgl. BMLUK(Hg.): Vereinbarung 2017-2030 zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen bei Lebensmittelunternehmen Berichtszeitraum 2018-2020. Wien 2024; bmluk.gv.at/service/publikationen/klima-und-umwelt/vereinbarung-2017-2030-zur-vermeidung-von-lebensmittelabfaellen-bei-lebensmittelunternehmen.html, abgerufen am 2.7.25 48 Vgl. Obersteiner, Gudrun; Stoifl, Barbara: Lebensmittelverluste und-abfallaufkommen in Österreich. Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft, Vol. 76, Springer, Wien, New York 2024; boku.ac.at/fileadmin/data/H03000/H81000/H81300/upload-files/Forschung/Lebensmittel/Startseite_Zahlen_Daten.pdf, ­ abgerufen am 5.5.25 49 Vgl. WIFO(Hg.): Food-Standort Wien. Innovationen in der Wertschöpfungskette für Lebensmittel in der Metropolregion. Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Magistrates der Stadt Wien, Wien 2022; wifo.ac.at/wp-content/uploads/upload-8606/s_2022_foodstandort_wien_69171_.pdf, abgerufen am 5.5.25 50 Landwirtschaftskammer Wien: StadternteWien; stadtlandwirtschaft.wien/stadternte, abgerufen am 15.9.2025 51 Vgl. Weisz, Ulli; et al.: Carbon emission trends and sustainability options in Austrian health care. Resources, Conservation and Recycling. Vol. 160, September 2020; sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0921344920301828, abgerufen am 2.7.2025 52 Vgl. BMSGPK(Hg.): Strategie Klimaneutrales Gesundheitswesen. Wien 2024; broschuerenservice.sozialministerium.at/Home/Download?publicationId=781&attachmentName=Strategie_klimaneutrales_Gesundheitswesen.pdf; abgerufen am 5.5.25 53 European Parliament: Revision of the EU waste framework directive – textiles and food waste; europarl.europa.eu/legislative-train/theme-a-european-green-deal/file-revision-of-the-eu-waste-framework, abgerufen am 9.5.25 54 Vgl. Europäisches Parlament: Weniger Lebensmittelverschwendung: Welche Maßnahmen ergreift die EU?; europarl.europa.eu/topics/de/ article/20240318STO19401/weniger-lebensmittelverschwendung-welche-massnahmen-ergreift-die-eu, abgerufen am 5.5.25 55 Vgl. BMK(Hg.): Strategie zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen: Gemeinsam für ein Ziel. Wien 2021; bmluk.gv.at/dam/jcr:5d890cc1309c-4452-9517-612649bbceae/Strategie_Vermeidung_LMA_UA.pdf; abgerufen am 2.7.25 97 56 Vgl. BMSGPK(Hg.): Strategie Klimaneutrales Gesundheitswesen. Wien 2024 57 Stadt Wien – Umweltschutz: Wien isst G.U.T. gesund, umwelt- und klima- und tierfair. Wien 2022; wien.gv.at/umweltschutz/nachhaltigkeit/pdf/wien-isst-gut.pdf, abgerufen am 5.5.25 58 S­tadt Wien- Wasserrecht: Agrarstruktureller Entwicklungsplan für Wien 2024 – AgSTEP 2024; wien.gv.at/umwelt/wasserrecht/agrarwesen/agstep-2024.html, abgerufen am 5.5.25 59 Stadt Wien- Umweltschutz: Nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln; wien.gv.at/umweltschutz/nachhaltigkeit/lebensmittel-nachhaltig.html, abgerufen am 5.5.25 60 Wiener Gesundheitsziele 2025; gesundheitsziele.wien.gv.at/ziele/, abgerufen am 5.5.25 61 Vgl. Görg, Christoph; et al.(Hg.): APCC Special Report: Strukturen für ein klimafreundliches Leben. Berlin, Heidelberg 2023 62 Vgl. Stadt Wien – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark(Hg.): Wiener Abfallwirtschaftsplan und das Abfallvermeidungs­ programm 2025-2030. Wien 2024 63 Vgl. Wirth, Maria; et al.: Kreislauf-Hubs im zirkulären Wien: Potenziale, räumliche Anforderungen und Integration in das städtische Gefüge für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft. alchemia-nova GmbH im Auftrag der Stadt Wien, Wien 2025; wien.gv.at/spezial/studien/mds/kreislaufhubs1223.pdf, abgerufen am 4.9.25 64 Vgl. Stadt Wien – Stadtentwicklung und Stadtplanung(Hg.): Mehrfach genutzt! Beispiele und Tipps zur Umsetzung. Wien 2021; Vgl. Stadt Wien – Stadtentwicklung und Stadtplanung(Hg.): Zwischen genutzt! Beispiele und Tipps zur Umsetzung. Wien 2023; wien.gv.at/stadtentwicklung/strategien/mehrfachnutzung/, abgerufen am 5.5.25; Vgl. Nutzung von Leerstand erfolgreich organisieren; wien.gv.at/stadtentwicklung/strategien/mehrfachnutzung/organisation-umsetzung.html, abgerufen am 2.7.25, 65 Vgl. Wirth, Maria; et al.: Kreislauf-Hubs im zirkulären Wien. Wien 2025 66 Vgl. Stadt Wien – Umweltschutz: Wien isst G.U.T. gesund, umwelt- und klima- und tierfair. Wien 2022 67 Vgl. Umweltberatung: Der Milan Urban Food Policy Pact – Wien isst nachhaltig; umweltberatung.at/mufpp?utm_source=chatgpt.com; abgerufen am 17.7.25 68 Vgl. Ressourcen Management Agentur: GV100 – Quantifizierung der Bedeutung der privat geführten Gemeinschaftsverpflegung in der Stadt Wien; rma.at/node/1974, abgerufen am 5.5.25 69 Vgl. WIFO(Hg.): Food-Standort Wien. Innovationen in der Wertschöpfungskette für Lebensmittel in der Metropolregion. Wien 2022 70 Vgl. ÖkoKauf Wien: Nachhaltige Kriterien für die Beschaffung von Lebensmitteln aus biologischer Produktion. Kriterienkatalog 09001. Wien 2024; wien.gv.at/umweltschutz/oekokauf/pdf/lebensmittel-bio.pdf, abgerufen am 5.5.25 71 Vgl. Wiener Gesundheitsverbund: Wiener Gesundheitsverbund. Leitlinien, Nachhaltigkeit, Klimaschutz. Wien 2022; ­ gesundheitsverbund.at/wp-content/uploads/sites/3/2022/06/TGL-Beilage-3_Nachhaltigkeit_Kommunikationspapier.pdf, abgerufen am 5.5.25 72 Vgl. BMSGPK(Hg.): Strategie Klimaneutrales Gesundheitswesen. Wien 2024 73 Vgl. BMSGPK(Hg.): Strategie Klimaneutrales Gesundheitswesen. Wien 2024 74 Vgl. Wiener Gesundheitsverbund: Wiener Gesundheitsverbund. Leitlinien, Nachhaltigkeit, Klimaschutz. Wien 2022 75 Vgl. Statistik Austria: StatCube-Abfrage zur Gebäude- und Wohnungszählung 2022; statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/wohnen/gebaeudebestand, abgerufen am 5.5.25 Vgl. Stadt Wien(Hg.): Statistisches Jahrbuch der Stadt Wien 2024. Wien in Zahlen. Wien 2024; wien.gv.at/statistik/publikationen/jahrbuch.html, abgerufen am 5.5.25 76 ÖROK: Methodik und Ergebnisse zum neuen ÖROK-Monitoring zu Flächeninanspruchnahme und Versiegelung; oerok.gv.at/raum/daten-und-grundlagen/ergebnisse-oesterreich-2022, abgerufen am 5.5.25 77 Vgl. Nicht gefährlicher Abfall – Abfallmengen in Wien; wien.gv.at/umweltschutz/abfall/nicht-gefaehrliche-abfallmenge.html, abgerufen am 5.5.25 Vgl. Eisenmenger, Nina et al.: MOCAM – Monitoring der CO 2 -Emissionen und des Materialfußabdrucks für Wien. Wien 2022 78 Statistik Austria(Hg.): Zensus Gebäude- und Wohnungszählung 2021. Wien 2023, S. 44; statistik.at/fileadmin/user_upload/Zensus-GWZ-2021.pdf, abgerufen am 1.9.25 79 Vgl. OIB Richtlinie 7 – Grundlagendokument; oib.or.at/richtlinien/oib-richtlinien-2023/oib-richtlinie-7-grundlagendokument, abgerufen am 17.7.25 80 Vgl. Stadt Wien, Stadtentwicklung und Stadtplanung(MA 18)(Hg.): Der Wien-Plan – Stadtentwicklungsplan 2035. Wien 2025 81 Vgl. BMK(Hg.): Die Bestandsaufnahme der Abfallwirtschaft in Österreich Statusbericht 2024 für das Referenzjahr 2022. Wien 2024 82 Vgl. Stadt Wien- Magistratsdirektion- Geschäftsbereich Bauten und Technik: VIE.CYCLE – zirkuläres Bauen: Warum, was, wie? Der ­Zirkularitätsfaktor zur Orientierung; viecycle.wien.gv.at/zirkularitaetsfaktor-zur-orientierung, abgerufen am 5.5.25 83 Vgl. Stadt Wien – Wiener Wasser(Hg.): Wiener Wasser 2050. Strategie für die Zukunft. Wien 2022; wien.gv.at/kontakte/ma31/wasser-strategie-2050.html, abgerufen am 5.5.25 84 Stadt Wien – Umweltschutz: GRFWien – Grünflächen- und Regenwassermanagementfaktor Wien; wien.gv.at/umweltschutz/raum/gruenflaechen-regenwassermanagement-faktor-grf.html, abgerufen am 17.7.25 85 Stadt Wien: Wiener Sonnenstrom-Offensive; sonnenstrom.wien.gv.at, abgerufen am 17.7.25 86 Stadt Wien:„Raus aus Gas“ – Umweltfreundliche Wärme für Gebäude; wien.gv.at/umwelt/raus-aus-gas, abgerufen am 17.7.25 98