Grillparzer, Franz: Brief an Josephine Fröhlich. Bad Tatzmannsdorf, 21.7.1852

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Tatzimanstorf 21 Juli 852 liebe Pepör? Die neue Geschichte mit meinem Lumper von Naden ist ander um so widerlicher, da sie mich hier trifft, vor ich von Nienen Aufklärunge erhalten, ja ihm selbst nicht Geld schiden kann, die nur durch einen fußgehenden Bothen die Briefe fort und zugetragen werden, Gold aber nur auf die fahrende Post oder den sogenannte Pfestwagen versendet werden können, und ich noch dazu der Gefahr ausgesetzt wäre, daß der andere Lump, der Bothe nämlich, das Geld behält und den Brief in den nächsten Beich wirft. Es bleibt daher nichts übrig, als daß Sie selbst die Muhe auf sich nehmen, meinem Neffen schreiben, daß ich nicht in Wien sey und daher keine Korrespredung mit ihm hälten könne. Schicken Sie ihm 20 f Ken auf Wiederabstattung auch meiner zurück­kauft, denn obwohl ich überzeugt bin, daß das Ganze wieder eine Limmperei ist, so möchte ich ihn doch vor allem bei seinem Regimento wissen. Seine Adresse ist an h. G. Kadett beim ersten Banal­Regimente zu Agrauch wohlgemerkt gegen Reizepiessen./. Ich hoffe daß Katty meinen Brief den 173 erhalten hat. Seitdem hat sich nichts Nenes begeben, als daß den Uhr, die mir der dritte Lump, der Uhrmacher, entgegeben, so schlecht geht, daß ich nie weiß was die Zeit ist und in Gefahr stehen Bad= und Esstunde zu versäumen, da ich ganz abgelegen wohne und in dem allen oder elenden Totzmanstorf weder Kirche noch Thurmuhr ist. Eben habe ich mir von einem Weben eine Schwarzwälder Uhr ausgeborgt die mich mit ihrem enförengen Tik- Tok sehr molestirt.

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