Grillparzer, Franz: Brief an Josephine Fröhlich. o.O., 1829

Muth nicht; oder verliere ich ihn auch so sehe ich auf alle Weise ihn wieder zu gewinnen. Ich wollte Sie tragen, etwas an Ihren Leibe, und wenn's nur eine Schnur um den Hals oder ein Ring an der Hand wäre(ich schlage Ihnen dazu allenfalls jenen Ring von mir vor) und nahmen sich vor, bei seinem Anblick sich jederzeit das Werklein: Muth! ins Gedächtniß zu rufen. Derlei Hausnittel sind probat. Sobald Sie zum Auftreten kommen, habe ich ein ähnliches Mittel chen gegen die Furcht. Was Ihre in Wien zurückgelassenen Freunde betauft so befendlich befinden wird und alle ziemlich wohl, besonders ich, der ich durch meine Fortscheitte- der Singaunst über alles anderen getrüstet werden, welche Fortschritte so groß sind, daß, abschon ich bei jedem zweiten Tokte stecken bleibe, wender über die Naten noch über ihre Geltung und Eintheilung im Reinen bin keinen Tagt diesen kann, und an Lieblichkeit der Stimme nicht zugenommen habe, zwin Ihrer Schwestern doch über mich, als das Werk ihrer Hande, ganz erstannt sind Ja Eine von ihnen mir unbedingt den Vorzug vor allen Sängern der Welt gibt. Sie mögen sich nur Muche geben, nicht noch einmal von mir verdunkelt zu werden Und so leben Sie wohl. Grüßen Sie Ihrer lieber Vater, Zum Schluß noch ein altdeutsches Sprächlein, das ich ver kurzen las: Leid, meid und ertrag Iso wahren Frauer Deine Noth niemand klag, Grillparzer An Gott nicht verzäg Seine Hilf kommt alle Tag