Grillparzer, Franz: Brief an Joseph Pollhammer. o.O., 14.11.1868

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Hochgeschätzter Herr und Freund. Ich war schon im Begrif, statt einem Glückwünschens brief an Sie, den droch brief an Ihre Mitschuldige zu schreiben und sie zu fragen: ob sie nicht bald ihrer Bevölkerungs bestrebungen ein Ziel setzen werde? Und wenn es schon seyn muß, warum sie nicht wenigsten ein pade Frauenzeuer in die Welch setzt, die ihr und ihrer Schwester ähnlich sind und so zugleich mit dem Unglück einen Trost in die Welt setzt? So viele Juristen und künftige Netare und Advehaten müßen edlich das ganze Viertel Untermorhatsberg überschweinen und zu Grunde richten. Doch ich schann ihren geschwächten Zustand und verspare meine Strafpredigt bis zum zwölften Kinde, wenn ich ja so lang lebe. Obwohl bei Ihrer beiderseitige Eilfertigkeit für nicht gut zu stehen ist. Alst will ich vor der Hand nur bei dem Glück. wunsch bleiben, und damit schlüßen, den Sie sehen aus der schlachten Schrift wie schwar mir das Schreibe wird. Meine Hausfrändern freuen sich mit mir und können das zwölfte Kind kann erwarten. ergebenst Grillparze