Amira, Karl von: Brief an Margarete Jodl. München, 14.2.1928
Daß Sie dem Mißgeschick meines Auges Ihr
Mitleid widmen würden, habe ich erwartet, und
so habe ich denn auch dieser Ihrer gütigen Teilnahme
meinen Dank zu zollen. Meine ältere Tochter, läßt
mir, wie Sie richtig vermuten, mit rührender Opferwilligkeit
ihre Pflege angedeihen. Fast täglich liest sie mir c. 1 ½ Stunden
lang vor, und außerdem nimmt sie mir an Geschäften
ab, was sie mir abnehmen kann. Natürlich kann ich ihr
nichts aufbürden, was zu meinem gelehrten Beruf gehört.
Solang ich noch mit Druckereien zu thun hatte, half sie
mir bei den Korrekturarbeiten.
Sehr erfreut bin ich durch Ihren Bericht über die neuer-
liche Besserung Ihres Befindens und über die Art, wie Sie Sich
Ihr Leben eingerichtet haben. Einen Klimawechsel werden
Sie Sich ja freilich um Ihres Asthma willen alljährlich an-
gedeihen lassen müssen. Und schön finde ich es von den Schülern
und früheren Amtsgenossen Ihres Mannes, daß sie die Anhäng-
lichkeit, die sie ihm bewiesen, auch auf seine Witwe übertragen.
Ich gehöre in einem gewissen Sinn auch zu dieser Gemeinde;
denn oft und oft denke ich an ihn. Was würde er zur