Avenarius, Ferdinand: Brief an Wilhelm Kienzl. Dresden, 18.1.1917
KUNSTWART-LEITUNG
DRESDEN-BLASEWITZ,
18.1.17.
Sehr verehrter Herr,
So muss es gerade einem gehen, der eben selber seinen
Sechszigsten gehabt und sich bei dieser Gelegenheit auch über
Ihr freundliches Gedenken und darüber besonders gefreut hat:
er meint, das sechszig Jahr alt werden sei so etwas extraes,
dass es dem andern nicht gleich passieren könne, und nun se-
he ich aus den Zeitungen, dass es gerade eben Ihnen passiert
ist. Seien Sie mir nicht böse, dass der Gruss von mir fehl-
te, und nehmen Sie ihn mitsamt allen guten Wünschen noch
jetzt entgegen. Er wird in Herzlichkeit gegeben.
Vor zwei Jahren wollte ich - unglaublicherwei-
se: zum ersten Mal in meinem Leben - nach Graz. Aber ich kam
nur bis zu meinem alten Freund Rosegger nach Krieglach. Viel-
leicht, dass der Frieden mir auch einmal erlaubt, bei Ihnen
anzuklopfen, um meinen Gruss mündlich zu wiederholen.
In Verehrung
der Ihrige
F. Avenarius