VOM DÜRERBUNDE
DRESDEN-
BLASEWITZ
München, 12. Juli 1917.
DRESDEN-
BLASEWITZ
München, 12. Juli 1917.
Herrn
Hofrat von Millenkowich,
Wien.
Hofrat von Millenkowich,
Wien.
Sehr verehrter Herr,
Noch niemals habe ich bei einem Bühnenleiter für
einen Schauspieler oder eine Schauspielerin ein gutes Wort eingelegt,
Sie werden sicher ohne weiteres verstehen, warum nicht. Aber für Gertrud
Treßnitz aus Dresden möchte ich es tun und wirklich nicht deshalb,
weil sie mich darum gebeten hat, sondern um der Sache willen. Als ich
sie vor ein paar Jahren zum ersten Mal sah, war ich über ihre Leistun-
gen erstaunt, gerade in der Dresdener Umgebung erstaunt, und ohne mit
ihr persönlich in andere als allerflüchtigste Bekanntschaft zu treten,
habe nicht nur ich, sondern ein ganzer Kreis von ernsthaften Kunst-
freunden lebhafter teil an ihren Leistungen genommen, als die für
ernstere Ansprüche wirklich sehr wenig maßgebende Dresdener Kritik.
Sollten Sie näheren Bescheid wünschen, so könnte Ihnen Wolfgang Schumann
in Dresden-Blasewitz (Kunstwart-Leitung) den geben. Ich halte es für
sehr möglich, dass die Treßnitz an anderer Stelle geradezu aufblühen
und Ueberraschungen bieten würde, denn sie ist weder erschöpft, noch
„veraltet”, nur vergrämt, an anderer Stelle als in Dresden wäre sie sicher
eine Berühmtheit geworden.
Alles das können natürlich Sie hundertmal besser
beurteilen als ich. "Hilft es nichts", so weiss ich ohne weiteres, das
hat seine guten Gründe. Nur um ein klein wenig ernsthafte Beachtung
Noch niemals habe ich bei einem Bühnenleiter für
einen Schauspieler oder eine Schauspielerin ein gutes Wort eingelegt,
Sie werden sicher ohne weiteres verstehen, warum nicht. Aber für Gertrud
Treßnitz aus Dresden möchte ich es tun und wirklich nicht deshalb,
weil sie mich darum gebeten hat, sondern um der Sache willen. Als ich
sie vor ein paar Jahren zum ersten Mal sah, war ich über ihre Leistun-
gen erstaunt, gerade in der Dresdener Umgebung erstaunt, und ohne mit
ihr persönlich in andere als allerflüchtigste Bekanntschaft zu treten,
habe nicht nur ich, sondern ein ganzer Kreis von ernsthaften Kunst-
freunden lebhafter teil an ihren Leistungen genommen, als die für
ernstere Ansprüche wirklich sehr wenig maßgebende Dresdener Kritik.
Sollten Sie näheren Bescheid wünschen, so könnte Ihnen Wolfgang Schumann
in Dresden-Blasewitz (Kunstwart-Leitung) den geben. Ich halte es für
sehr möglich, dass die Treßnitz an anderer Stelle geradezu aufblühen
und Ueberraschungen bieten würde, denn sie ist weder erschöpft, noch
„veraltet”, nur vergrämt, an anderer Stelle als in Dresden wäre sie sicher
eine Berühmtheit geworden.
Alles das können natürlich Sie hundertmal besser
beurteilen als ich. "Hilft es nichts", so weiss ich ohne weiteres, das
hat seine guten Gründe. Nur um ein klein wenig ernsthafte Beachtung