Bahr, Hermann: Brief an Franz Karl Ginzkey. Salzburg, 24.10.1921
Salzburg 24. 10. 21
Sehr verehrter Freund!
Empfangen Sie meinen allerherzlichsten Dank für Ihre beiden so lieben Briefe, gerötet und geradezu beschämt bin ich
durch Ihre mir so reichlich dargebotene Hilfe! Daß ich Ihnen nicht gleich auf den ersten antwortete, Ihnen
und Ihrer verehrten Gattin nicht gleich mein Beileid aussprach zu dem von Ihnen erlittenen Verlust, mögen Sie
damit entschuldigen, daß ich, meinend, Sie würden sofort aus Wien zurückkehren, es mir für unsere erste,
wie ich dachte: gleich unmittelbar bevorstehende Begegnung aufsparte.
Da ich nicht vorhabe, in den nächsten Monaten nach Wien zu kommen, den Feuchterslebenaufsatz aber gern
bis Weihnachten fertig hätte, vor allem aber so bald als möglich die Bestimmung der Auswahl gern
fertig hätte, wäre wol das Beste, wenn Sie die große Güte hätten zu veranlassen, daß ein Verzeichnis
der Titel sämmtlicher im Ministerium vorhandenen, auf Feuchtersleben bezüglichen Akten sammt
ganz knapper Inhaltsangabe jedes Akts und, sehr wichtig, des Jahres und Monats, von dem er datiert ist,
sowie eine Abschrift der Personalbeschreibung hergestellt und mir baldigst übermittelt wird. Daß
irgend einer dieser Akten ganz in unserer Ausgabe gedruckt zu werden verdient, scheint mir
höchst unwahrscheinlich; ich vermute, daß schon Hebbel Einsicht in sie genommen hat. Unbedingt
muß ich aber die Originalausgabe von Hebbel haben, von der in Hebbels Werken offenbar nur
ein Auszug enthalten ist; Beschleunigung wäre mir sehr erwünscht. Stoßen Sie bei Ihren