München Barerstraße 50
4. 12. 25
Sehr verehrter Herr Chefredakteur!
Das Neue Wiener Journal bringt Sonntag den 6. unter der Aufschrift "Tagebuch"
einen Beitrag von mir, worin die durch den von Martha Berger verfaßten Roman "Leben
einer Frau" erregten Stimmungen erörtert werden, insbesondere die Deutungen, die
man ihm in Salzburg gab. Ich darf annehmen, daß sich dafür auch Ihre Leser interessie-
ren dürften, und dies läßt mich hoffen keine Fehlbitte zu tun, wenn ich Sie bitte,
den Aufsatz in Ihrem geschätzten Blatte abzudrucken. Striche darin würden das Ver-
ständnis erschweren, aber wenn die Redaktion sich, einleitend oder anschließend,
kritisch dazu äußern will, kann mir dies nur willkommen sein. Mir kommt es
bei dem Aufsatz nur darauf an, Klatsch und grundlose Verdächtigungen abzuwehren
und für einen Ehrenmann einzustehen. - Da die betreffende Nummer des Journals
in Ihren Händen einen Tag früher als in meinen ist, hätte es keinen Sinn, daß
ich sie selber schickte.
Im Voraus für die erhoffte Erfüllung meiner Bitte bestens dankend
bin ich
Ihr aufrichtig ergebener
Hermann Bahr
4. 12. 25
Sehr verehrter Herr Chefredakteur!
Das Neue Wiener Journal bringt Sonntag den 6. unter der Aufschrift "Tagebuch"
einen Beitrag von mir, worin die durch den von Martha Berger verfaßten Roman "Leben
einer Frau" erregten Stimmungen erörtert werden, insbesondere die Deutungen, die
man ihm in Salzburg gab. Ich darf annehmen, daß sich dafür auch Ihre Leser interessie-
ren dürften, und dies läßt mich hoffen keine Fehlbitte zu tun, wenn ich Sie bitte,
den Aufsatz in Ihrem geschätzten Blatte abzudrucken. Striche darin würden das Ver-
ständnis erschweren, aber wenn die Redaktion sich, einleitend oder anschließend,
kritisch dazu äußern will, kann mir dies nur willkommen sein. Mir kommt es
bei dem Aufsatz nur darauf an, Klatsch und grundlose Verdächtigungen abzuwehren
und für einen Ehrenmann einzustehen. - Da die betreffende Nummer des Journals
in Ihren Händen einen Tag früher als in meinen ist, hätte es keinen Sinn, daß
ich sie selber schickte.
Im Voraus für die erhoffte Erfüllung meiner Bitte bestens dankend
bin ich
Ihr aufrichtig ergebener
Hermann Bahr