Bolin, Wilhelm: Brief an Wilhelm Börner. o.O., 31.1.1919
heraufbeschworen. Hoffentl. wird unsereiner es überstehen.
Aber bin über & über verekelt.
In meinem Leben ist ein entscheidende Wendung
eingetreten: ich muss mir künftig die Freude
eines Wiedersehens mit meinen auswärtigen Freun=
den, wie dieselbe mir durch meine Reisen ermög=
licht wurde, versagen. Nachdem alle Lebenskosten
ins Unabsehbare gesteigert werden und das blose
Sattwerden zum Verschwenden zwingt, hat auch
der Hausbesitzer, bei dem ich 12 Jahre ein
bequemes Lokal innegehabt, den Preis dafür
um mehr als 50% gesteigert. Weil Umzie-
hen mit allem Drum & Dran zum Ärgsten
gehört, womit man heimgesucht werden kann,
habe ich in die Steigerung willigen müssen.
Damit entfällt für mich jede Möglichkeit
einer Reise. Meine Einkünfte, ohnehin bemes=
sen, sind sonst auch stark in Anspruch ge=
nommen. Für den Verkehr mit auswärtigen
Freunden muss der Briefwechsel genügen. Das ist
hart, aber ist zu ertragen.