Bolin, Wilhelm: Brief an Margarete Jodl. o.O., 10.10.1919
Brutalität sich behaupten, darin besteht seine Ueberle-
genheit, und die wird sich auch diesmal bewähren.
Aerger als von den Naturunbilden, ist die Kultur sei-
tens der abscheulichsten Eigensucht gefährdet worden. Was
wir haben erdulden müssen, steht auf gleicher Linie mit
Bartholomäusnacht, mit 30:jährigem Krieg, mit den
Tücken der hlg. Allianz und mit dem Willkürtreiben
der beiden Napoleone, deren gleisnerischer Ruhm
gewisse Leute nicht schlafen liess. Sie haben dem
Heimatlande Goethes und dessen Bildungsideal eine
Schmach zugefügt, die aber an dem Andenken
der Betreffenden haften bleiben wird. Es gereicht
mir zur Beruhigung völlig überzeugt zu sein, dass
unser Einziger, hätte er dann noch gelebt, niemals
seinen Namen unter den nichtswürdigen Protest
gesetzt haben würde, der von 93 Deutschen aus-
ging zur Rechtfertigung des vertragswidrigen Ein-
marsches in Belgien. Eine gedankenlose Erfolganbe-
trei schwärmt auch dafür und begreift nicht wel-
ches Heil unserem Lande geworden durch den Abzug
der preussischen Truppen von hier. Hätten die her-