Hf. 9 Fabriksgatan.Dienst. 17. Mai 21
Innigverehrte Freundin
Sie müssen mit dem Papierformat fürlieb nehmen. Auch
mit der Monotonie meines Herzensergusses. Bei erträglichem Be=
finden und einer zieml. befriedigenden Arbeitsfähigkeit überkommt
mich meine Verstimmung über Deutschlands Unglück, das die
Bande der Heldensüchtler über es heraufbeschworen und dazu
noch die Frechheit hat ihr Treiben als die Vollendung der
in Goethe erreichten Bildungshöhe zu erklären. Was hätte
unser Einziger davon gedacht? - Eine Bildung engverschlun=
gen mit der schnödesten Barbarei! Nachdem das Gezücht im
Schädigen geschwelgt, sind sie (es) beleidigt, dass die civili=
sirten Nationen sich derlei nicht gefallen lassen. Wie würden
die Friedensbedingungen ausgesehen haben, wenn der Erfolg, auf den
bestimmt gerechnet wurde, sich eingestellt hätte? -
Will Sie mit weiterem Geraunze verschonen. Für Grazer
Tagespost habe ich kürzl. zwei längere Beiträge gelie=
fert, die Ihnen s. Z. zugehen sollen. Der eine betrifft Car=
neris heuer einfallenden 100:sten Geburtstag; der andere
handelt vom wissenschaftl. Nachlass unseres Einzigen. Wie
bald der Druck stattfindet, weiss ich nicht. Leider an Korrek=
Innigverehrte Freundin
Sie müssen mit dem Papierformat fürlieb nehmen. Auch
mit der Monotonie meines Herzensergusses. Bei erträglichem Be=
finden und einer zieml. befriedigenden Arbeitsfähigkeit überkommt
mich meine Verstimmung über Deutschlands Unglück, das die
Bande der Heldensüchtler über es heraufbeschworen und dazu
noch die Frechheit hat ihr Treiben als die Vollendung der
in Goethe erreichten Bildungshöhe zu erklären. Was hätte
unser Einziger davon gedacht? - Eine Bildung engverschlun=
gen mit der schnödesten Barbarei! Nachdem das Gezücht im
Schädigen geschwelgt, sind sie (es) beleidigt, dass die civili=
sirten Nationen sich derlei nicht gefallen lassen. Wie würden
die Friedensbedingungen ausgesehen haben, wenn der Erfolg, auf den
bestimmt gerechnet wurde, sich eingestellt hätte? -
Will Sie mit weiterem Geraunze verschonen. Für Grazer
Tagespost habe ich kürzl. zwei längere Beiträge gelie=
fert, die Ihnen s. Z. zugehen sollen. Der eine betrifft Car=
neris heuer einfallenden 100:sten Geburtstag; der andere
handelt vom wissenschaftl. Nachlass unseres Einzigen. Wie
bald der Druck stattfindet, weiss ich nicht. Leider an Korrek=