Berg, Alban: Brief an Erich Kleiber. Wien, 16.10.1928
  • 3 -
    sungen gehören +), aber zumindestens bei
    gewissen cantableren Stellen , gesangstimm-
    lich ins Zeug legt. Selbst auf die Gefahr,
    daß er hiebei die darstellerische „Front”
    „etwas zurücknimmt”. Er ist in dieser Hin-
    sicht ohnehin in letzter Zeit etwas zu weit
    gegangen. Ich sage das natürlich nur
    Dir, der Du ja am Besten weißt, wie weit-
    gehend Du ihm in diesem vorgerückten Sta-
    dium der – man kann sagen: restlosen Durch
    dringung dieser Partie, beeinflussen kannst,
    ohne ihn zu irritieren oder gar zu hemmen.
    Aber wie gesagt: hie und da soll er schon
    mehr singen als er es in den letzten
    Aufführungen getan hat.
    Dieser Wunsch betrifft natürlich auch die
    andern Sänger; ja es sind bezüglich Henke
    und Soot brennende Wünsche! Und sie werden
    leicht erfüllbar sein, wenn Du mir den
    dritten großen Wunsch erfüllst.

+) Ich kann mich erinnern, daß ich bei der
Reprise im Jänner 1927 stellenweis selber nich[t]
gewußt habe: ist das jetzt eine Scene, in der
gesprochen, oder gesungen wird: sosehr ver-
wischte Schützendorff diesen wesentlichen Un-
terschied