Berghof am Ossiachersee
Post Ossiach, Kärnten
16/III. 20
Mein Lieber, ich habe Deinen lieben Brief vom 16./II. solange nicht be-
antwortet, weil ich Deine Rückkunft von Prag abwarten wollte. Nun
entnehme ich Deiner Karte aus Prag, daß Du seit heute wieder in Wien bist
u. kann Dir endlich schreiben.
Daß Du Deine lieben Kinder weggeben mußtest bedrückt mich furchtbar. Was
für entsetzliche Zeiten! Was mußt Du u. Deine arme Frau darunter leiden!
Meine Frau (die seit 12 Tagen hier ist) u. ich reden täglich davon. Wie
sicherlich Euch, macht auch uns der Gedanke an eine solche Trennung nur die
Sicherheit möglich, die Kinder in guter Obhut zu wissen und ihnen dadurch die unmenschlichen
Entbehrungen dieses Wiener Lebens ersparen zu können.
Aber was ist sonst mit Dir, mein Lieber?! Wie geht Dein Leben weiter?
[…] auf [...] meine zukünftigen
Pläne darlegen, die aber durch den Verein in gewisser Hinsicht
auch Dich tangieren; weshalb mir – abgesehn von meiner Antheilnah-
me für Dein Geschick – auch sonst Deine Pläne nahe=
gehn. Betrachte es bitte nicht als Indiskretion, daß ich Dich
brieflich über Dinge frage, die Du mir mündlich gewiß beantworten
würdest. So wie diese Mitteilungen werde ich auch jene vollständig
geheim halten u. wie bei diesen auch bei jenen wissen, daß
damit keine Falschheit Schonberg gegenüber eingeschlossen ist, sondern
nur eine freundschaftliche Beratung unter uns zweien, an der, – sollte
sie zu Entschlüssen führen, die Schönberg tangieren, – dieser
mit gleicher Offenheit von uns herangezogen werden würde und
Antheil haben müßte.
Post Ossiach, Kärnten
16/III. 20
Mein Lieber, ich habe Deinen lieben Brief vom 16./II. solange nicht be-
antwortet, weil ich Deine Rückkunft von Prag abwarten wollte. Nun
entnehme ich Deiner Karte aus Prag, daß Du seit heute wieder in Wien bist
u. kann Dir endlich schreiben.
Daß Du Deine lieben Kinder weggeben mußtest bedrückt mich furchtbar. Was
für entsetzliche Zeiten! Was mußt Du u. Deine arme Frau darunter leiden!
Meine Frau (die seit 12 Tagen hier ist) u. ich reden täglich davon. Wie
sicherlich Euch, macht auch uns der Gedanke an eine solche Trennung nur die
Sicherheit möglich, die Kinder in guter Obhut zu wissen und ihnen dadurch die unmenschlichen
Entbehrungen dieses Wiener Lebens ersparen zu können.
Aber was ist sonst mit Dir, mein Lieber?! Wie geht Dein Leben weiter?
[…] auf [...] meine zukünftigen
Pläne darlegen, die aber durch den Verein in gewisser Hinsicht
auch Dich tangieren; weshalb mir – abgesehn von meiner Antheilnah-
me für Dein Geschick – auch sonst Deine Pläne nahe=
gehn. Betrachte es bitte nicht als Indiskretion, daß ich Dich
brieflich über Dinge frage, die Du mir mündlich gewiß beantworten
würdest. So wie diese Mitteilungen werde ich auch jene vollständig
geheim halten u. wie bei diesen auch bei jenen wissen, daß
damit keine Falschheit Schonberg gegenüber eingeschlossen ist, sondern
nur eine freundschaftliche Beratung unter uns zweien, an der, – sollte
sie zu Entschlüssen führen, die Schönberg tangieren, – dieser
mit gleicher Offenheit von uns herangezogen werden würde und
Antheil haben müßte.