Decsey, Ernst: Brief an Adele Strauß. Graz, 1921
Dr. Ernst Decsey
Graz, Normalschulgasse 1
Graz, Charsamstag 1921
Verehrte gnädige Frau !
Nehmen Sie zuerst einen schönen Ostergruss : hoffentlich
liegt als nächstes Osterei die schön gebundene Biografie
auf Jhrem Tisch ...
Meinen Brief zeigen Sie, bitte, den Zweiflern (? ) nicht;
er ist blos für Sie - den Andern hab ich nichts ver-
sprochen und Sie werden aus meinem nächsten Sonntags -
Feuilleton sehen ,dass ich nicht das Leben eines ana-
kreontischen Jdyllikers führe. Wenn ich daher sage:Jm
Herbst, so setzt dies ( für Betriebs-Kundige ) voraus,
dass normale Verhältnisse mit Sommerruhe etc. sind. Was
meine Nerven täglich aushalten müssen - davon machen Sie
sich keine Vorstellung. Gerade diese Woche beschenkte
mich wieder mit den widrigsten aller Conflikte : Kollege
Crampton .. .
Wenn dagegen Diejenigen, die mir in Wien Versprechungen
machten, sich daran erinnerten, würden Sie weniger laut
an mir zweifeln. Hätt ich die zugesagte Lectoren-Stelle
oder eine ähnliche im Rikola-Verlag wirklich erhalten,
so stünde unsre Angelegenheit besser . Vor einigen Tagen
sprach ich mit dem Akademie-Prof . Dr . Marx darüber. Er