Divéky, József: Brief an Arthur Roessler. Zürich, 10.12.1924
Lieber Freund!
Seit hundert Jahren keine Nachricht von Ihnen!
Meine Frau sagt, Sie hätten mir ein Buch geschickt;
ich hab's aber noch nicht gesehen, da es beim Über-
siedeln unter die anderen Bücher geraten ist,
die noch nicht geordnet sind. Brief sei aber
keiner dabei gewesen.
Ich bat Sie in meinem letzten Briefe, die neuen
Holzschnitte abzuwarten. Da sind sie, endlich;
es ist eines der ersten fertigen Exemplare, das
ich beilege. Und nun bitte ich Sie Ihre Absicht
zu publizieren (D.K.&D. oder sonstwo) zu ver-
wirklichen. Der Verlag Orell-Füssli hat für
mich zu wenig Reichweite; ich muß daher,
um wieder ein wenig in die Öffentlichkeit zu
treten, in Deutschland als Illustrator auftre-
ten. Das zu erreichen, fange ich eben an die
deutschen Verleger mit Material und Holz-
schnittproben zu beschicken. Gleichzeitig mit
diesem Brief gehen Sendungen an Gurlitt,
Georg Müller und H. v. Weber ab. Wenn die
Sachen zurückkommen, sende ich sie sofort an
drei andere Verleger; irgendwo wird wohl
ein Auftrag rausschaun! Wien scheint zu
stagnieren, Ungarn stagniert auch. Hoffent-
lich tut sich in Deutschland mehr. Aber Sie
könnten dies mein Bestreben durch einen
Artikel sehr wirksam unterstützen.
Ich habe mit Orell Füssli einen mehrjährigen
Vertrag geschlossen. Von 8-12 täglich bin ich
Fabrikarbeiter geworden, fixbesoldet. Die
Nachmittage sind mein! Dafür bin ich
nach Zürich übersidelt; wir haben unsere