Wien 28. Juni 22
Verehrte gnädige Frau !
Julius wurde von der letzten Sonn=und Montagszeitung fürchterlich
angepöbelt. Der Aufsatz,der mit dem baton merdeux geschrieben war, endete mit
dem Wort : Kusch ! Grund war eine Kritik an der Staatsoper u. Strauss, die Julius
im Völkerecho ( neue Wochenschrift ) losliess. Heute reagirte er darauf in d.
N.fr. Pr. Der erste Theil,worin er die Spielpläne deutscher Bühnen gegen die
Dürftigkeit des Staatsopernspielplans in Treffen führt,sehr gut u. überzeugend ;
leider lässt er sich dann verleiten, persönl. zu werden, von seinem Sohn zu
sprechen etc. [mmmm] ja sogar auf die Sonn=u. Montagszeitung zu reagiren. Fällt
daher ab. Jch rief ihn an : er sprach davon,dasss ihm einmal d. Temperament
durchgegangen sei. Josefine ,die in Ungarn war, kam krank zurück und glaubt,ihr
Fussleiden sei unheilbar. Alle drei gehen nach Wildalpe in Steiermark. -
Seit Montag ein Trambahnstreik in Wien, der leider sobald nicht aus sein wird.
Bei tropischer Hitze muss man stundenweit zu Fuss marschiren. Weder die Gemeinde
noch die Strassenbahner wollen nachgeben. Bianca Bienenfeld muss von d. Bräuner=
strasse nach Fünfhaus,von da ins Sanatorium Dresdnerstrasse und zurück über die
Pelikangasse in ihre Wohnung zu Fuss gehen,weshalb sie natürl. total erschöpft
ankommt. Folge des Eisenbahn=und Trambahnstreiks : alles noch viel theurer.Ein
Kilo Butter 10.000 ! Für Autofahrten werden Fantasiepreise gezahlt. Seien Sie
froh,dass Sie nicht hier sind.
Für Alfred den Grossen findet im Tempel ein eigner Gottesdienst statt...Am 4.
Juli, dem eigentl. Geburtstag lasse ich par ordre de mufti ein Feuilleton los -
sonst betheilige ich mich gar nicht. Ludwig G.,der Bruder, beklagte sich bei
Löbl, Alfred werde zu wenig geehrt...man müsse ihn auch - als Komponisten besser
behandeln...Haben Sie Worte ?
Jch beabsichtige Anfang Juli auf Urlaub zu gehen, zuerst nach Graz,dann wahr=
Verehrte gnädige Frau !
Julius wurde von der letzten Sonn=und Montagszeitung fürchterlich
angepöbelt. Der Aufsatz,der mit dem baton merdeux geschrieben war, endete mit
dem Wort : Kusch ! Grund war eine Kritik an der Staatsoper u. Strauss, die Julius
im Völkerecho ( neue Wochenschrift ) losliess. Heute reagirte er darauf in d.
N.fr. Pr. Der erste Theil,worin er die Spielpläne deutscher Bühnen gegen die
Dürftigkeit des Staatsopernspielplans in Treffen führt,sehr gut u. überzeugend ;
leider lässt er sich dann verleiten, persönl. zu werden, von seinem Sohn zu
sprechen etc. [mmmm] ja sogar auf die Sonn=u. Montagszeitung zu reagiren. Fällt
daher ab. Jch rief ihn an : er sprach davon,dasss ihm einmal d. Temperament
durchgegangen sei. Josefine ,die in Ungarn war, kam krank zurück und glaubt,ihr
Fussleiden sei unheilbar. Alle drei gehen nach Wildalpe in Steiermark. -
Seit Montag ein Trambahnstreik in Wien, der leider sobald nicht aus sein wird.
Bei tropischer Hitze muss man stundenweit zu Fuss marschiren. Weder die Gemeinde
noch die Strassenbahner wollen nachgeben. Bianca Bienenfeld muss von d. Bräuner=
strasse nach Fünfhaus,von da ins Sanatorium Dresdnerstrasse und zurück über die
Pelikangasse in ihre Wohnung zu Fuss gehen,weshalb sie natürl. total erschöpft
ankommt. Folge des Eisenbahn=und Trambahnstreiks : alles noch viel theurer.Ein
Kilo Butter 10.000 ! Für Autofahrten werden Fantasiepreise gezahlt. Seien Sie
froh,dass Sie nicht hier sind.
Für Alfred den Grossen findet im Tempel ein eigner Gottesdienst statt...Am 4.
Juli, dem eigentl. Geburtstag lasse ich par ordre de mufti ein Feuilleton los -
sonst betheilige ich mich gar nicht. Ludwig G.,der Bruder, beklagte sich bei
Löbl, Alfred werde zu wenig geehrt...man müsse ihn auch - als Komponisten besser
behandeln...Haben Sie Worte ?
Jch beabsichtige Anfang Juli auf Urlaub zu gehen, zuerst nach Graz,dann wahr=