Dix, Anna: Brief an Marie von Ebner-Eschenbach. Zittau, 27.9.1914
erst eine Tasse Tee trinken, Freddy?"
"Danke. Uebrigens ist von Geheimnissen zwischen
der Gräfin und mir keine Rede, und ich muß dich
in ihrem Interesse ernstlich bitten, deine sonderbare
Ausdrucksweise ein andermal zu unterlassen. Der Ruf
einer Dame ist viel zu kostbar, um ihn durch Ge=
dankenlosigkeit zu gefährden. Kommen Sie, Gräfin!"
Gerda wurde glühend rot, lachte dann spöttisch
auf und sagte, beiden gereizt nachblickend:
"Immer Moralprediger! Er tritt ganz in die
Fußtapfen meiner Mama. Finden Sie meine Lage
nicht entzückend, Durchlaucht?"
Alfred konnte Koralowskis Antwort nicht mehr ver=
stehen. Sie war lang und eifrig und wurde in halb=
leisem Tone erteilt.
Bleich und ernst stand Alfred vor der Gräfin, die
ihn mit einem Gemisch von Mitleid und Besorg­nis
betrachtete.