Drasenovich, Albert von: Brief an Arthur Roessler. Wien, 20.2.1927
Wien den 20.II.27
Sehr geehrter, lieber Herr Rössler!
Spät kommt er - doch er kommt und wünscht
Ihnen zum Fünfziger aufrichtig und herzlich
alles Gute und Schöne. Es gehört bei Gott etwas
dazu durch fast dreissig Jahre zwischen den
Scylla und Carybdis österreichischer Unsachlichkeit
und Kunstbetriebes sich seine kritische Persönlich=
keit zu bewahren und nicht in der hoffnungslosen,
ermüdenden Gleichmacherei unterzugehen. Wenn die
Wirtschaft noch lange so weitergeht wie jetzt,
habe ich wenig Hoffnung, daß Ihnen diese
Haltung jemals wirklich gedankt werden wird,
ausser von einer geringen Anzahl von Menschen.
Ich hoffe aber doch, daß eines schönen Tages
noch in unserem Leben das Tor bei Passau
seine Flügel auftun muß und der frische,
herbe Wind, der um Deutschlands Küsten singt
in dies verrottete Nest energisch hereinbläst, „daß
ihnen das Gebein erschauern wird”. Und dann