Einberger, Maria: Briefkarte an Arthur Rössler. Telfs, 28.6.1932
letzter Zeit wiederfuhr. - Man möchte oft grad auf u. davon
("Literatur u. Kunst hat weit niedrigeren Rang als Rauchfleisch
Beefsteak u. Rotwein, geschweige denn als Politik u. Börse" - las ich
heute in D. v. Liliencron: Miscellen - es ist eine alte Wahrheit!)
Ist der ärgste Ärger verebbt ist die Zuflucht immer in´s intensivste
Schaffen - . Werk an Werk reiht sich auf - - - in der Werkstatt!
Gottlob ist er gesund wie nur je; - mit geht es auch wieder besser
seit die Nephritis abgeflaut ist - nur meine gewohnten Kräfte
finde ich nicht wieder; die Entzündung ist sehr auf´s Herz ge=
gangen - ich hatte oft das Gefühl man könnte mein Leben leichter
ausblasen denn eine Kerze. Ruhe, viel Liegen bei viel Diät wäre
für mich Vorschrift; aber der kommt man halt auch nicht
nach - die Notwendigkeit seinem Beruf nachzugehen lässt das
nicht zu. Freilich die geliebten Wanderungen u. das Berggehen habe
ich vorläufig ganz aufgeben müssen; St. Jörgen ist schon eine Partie
für mich - wie ich mich sehne u. freue wieder einmal weiter hinauf
zu kommen! Soviel es geht flüchte ich in´s Klosterfeld - wir schlafen
viel droben u. sind allein bei den lieben Vögeln - 2 Amsel u. 2 "Brautele"-
Familien sind dort - ein allerliebstes Leben u. Treiben. -
Und nun herzlich Grüss Gott. Wünsche Ihnen
beiden frohe gute Sommerszeit u. Erholung Ihre Maria