Ich war mit Engelbert schon seit unserer Münchner Studienzeit bekannt, aber nur oberfläch-
lich, da er in einem anderen Kollegenkreis lebte. Auch später kam es lange nicht zu einer
Annäherung, da ich, seitdem ich Kritiken schrieb, den Verkehr mit meinen Kollegen - aus be-
greiflichen Gründen nahezu gänzlich aufgegeben hatte. Erst später, als wir durch gemeinsame Bekannte
öfter zusammengeführt wurden, entwickelte sich daraus eine wirkliche Freundschaft.
Verehrter Freund!
Beim Lesen Ihrer mit unentwegter Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit
geschriebenen Abhandlungen über Ausstellungen und Unternehmungen künst-
lerischen Charakters,mischt sich in das grosse Interesse und Vergnügen,
das ich dabei empfinde öfters ein lebhaftes Bedauern.
Ein Bedauern deshalb,weil ich mich gut in Ihre Lage versetzen kann,
wenn Sie mitunter über Dinge schreiben,die Ihnen gewiss gegen Ihren,
durch langjährige Erfahrung als schaffender Künstler geläuterten Ge-
schmack gehen und auch,weil Sie durch Rücksichtnahme gebunden,sich Ih-
re wirkliche Empfindung nicht immer vom Herzen schreiben können.
Umsomehr fühlte ich,wie es Sie freuen musste,in der gegenwärtigen
Sezessions-Ausstellung das Werk „Lebensweg” von Carl Müller zu
finden.
Ebenso wie Mut dazu gehörte,ein solches Werk heute zu schaffen
und vor der Oeffentlichkeit zu zeigen,ebenso gehört Mut dazu,es so
zu würdigen wie Sie es getan haben.
Natürlich ist das Werk anachronistisch,weil es Wärme,Innerlichkeit,
Zartheit der Empfindung und Poesie atmet,es ist anachronistisch,weil,
--meiner Meinung nach--der Künstler das Werk in der Anschauung seiner
Jugend auch fertiggestellt hat,ohne die Wandlung von vier Jahrzehnten
mitzumachen.
Ueber den Zyklus selbst möchte ich Ihnen nur sagen,dass er das Lebens-
werk des Küstlers bildet; denn vor vierzig Jahren hat er den Plan dazu
gefasst und sein ganzes Leben lang hat ihn der Gedanke daran nicht ver-
lassen.
Wieder und wieder wurden Einfälle aufgezeichnet,Studien dazu gemacht,
wenn ihm andere Aufgaben die Zeit dazu liessen.
Die Keuschheit und Innigkeit des Gedankens kommt durch die glücklich
gewählte Aquarelltechnik harmonisch zur Geltung;die Gewissenhaftigkeit
und Treue gegen sich selbst,die durch das Ganze geht,sind rührend;
wohltuend die Einfachheit,Schlichtheit und geschmackvolle Einheitlich-
keit.
Trotzdem schon in frühen Jahren begonnen wurde,zeigt es merk-
würdiger Weise nirgends das draufgängerische Temperament der Jugend,was
aber in diesem Falle dem Werk zu grösstem Vorteil gereicht.
lich, da er in einem anderen Kollegenkreis lebte. Auch später kam es lange nicht zu einer
Annäherung, da ich, seitdem ich Kritiken schrieb, den Verkehr mit meinen Kollegen - aus be-
greiflichen Gründen nahezu gänzlich aufgegeben hatte. Erst später, als wir durch gemeinsame Bekannte
öfter zusammengeführt wurden, entwickelte sich daraus eine wirkliche Freundschaft.
Verehrter Freund!
Beim Lesen Ihrer mit unentwegter Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeit
geschriebenen Abhandlungen über Ausstellungen und Unternehmungen künst-
lerischen Charakters,mischt sich in das grosse Interesse und Vergnügen,
das ich dabei empfinde öfters ein lebhaftes Bedauern.
Ein Bedauern deshalb,weil ich mich gut in Ihre Lage versetzen kann,
wenn Sie mitunter über Dinge schreiben,die Ihnen gewiss gegen Ihren,
durch langjährige Erfahrung als schaffender Künstler geläuterten Ge-
schmack gehen und auch,weil Sie durch Rücksichtnahme gebunden,sich Ih-
re wirkliche Empfindung nicht immer vom Herzen schreiben können.
Umsomehr fühlte ich,wie es Sie freuen musste,in der gegenwärtigen
Sezessions-Ausstellung das Werk „Lebensweg” von Carl Müller zu
finden.
Ebenso wie Mut dazu gehörte,ein solches Werk heute zu schaffen
und vor der Oeffentlichkeit zu zeigen,ebenso gehört Mut dazu,es so
zu würdigen wie Sie es getan haben.
Natürlich ist das Werk anachronistisch,weil es Wärme,Innerlichkeit,
Zartheit der Empfindung und Poesie atmet,es ist anachronistisch,weil,
--meiner Meinung nach--der Künstler das Werk in der Anschauung seiner
Jugend auch fertiggestellt hat,ohne die Wandlung von vier Jahrzehnten
mitzumachen.
Ueber den Zyklus selbst möchte ich Ihnen nur sagen,dass er das Lebens-
werk des Küstlers bildet; denn vor vierzig Jahren hat er den Plan dazu
gefasst und sein ganzes Leben lang hat ihn der Gedanke daran nicht ver-
lassen.
Wieder und wieder wurden Einfälle aufgezeichnet,Studien dazu gemacht,
wenn ihm andere Aufgaben die Zeit dazu liessen.
Die Keuschheit und Innigkeit des Gedankens kommt durch die glücklich
gewählte Aquarelltechnik harmonisch zur Geltung;die Gewissenhaftigkeit
und Treue gegen sich selbst,die durch das Ganze geht,sind rührend;
wohltuend die Einfachheit,Schlichtheit und geschmackvolle Einheitlich-
keit.
Trotzdem schon in frühen Jahren begonnen wurde,zeigt es merk-
würdiger Weise nirgends das draufgängerische Temperament der Jugend,was
aber in diesem Falle dem Werk zu grösstem Vorteil gereicht.